Nr 262 Erstes Blatt 180. Jahrgang Samstag, 8 November 1950 Erich« in > iogi'ch,avtzei Sonntags and Feiertag» Belingen Die DDuftriert« ®te0enei ftamihenblättei tzetmat 'M Bild Die Scholle monatS'BriugsDrtts; 2.20 Reichsmark und 30 Neichspfennig für Träge» lohn, auch bet Nichte» scheinen etnzelnerNummern infolge höherer (Bemalt Htrnfvrechanfchlüste anterSammelnummer2251 Anfchrtfi yüt Drahtnachrichten flnjetger Liehen potzschecktonto: grantiurtam Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vntd und Verlag: vrühl'fche Untverntäls-Vuch- und Stetnöruderei H. Lange tn Gietzen. Zchrifttettung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für i mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Ne- hlameanjeigen von 70 mm Brette 35 Neichspfennig, Playvorfchrift 20' , mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, fämtlid) in (Biegen Brünings Start. Reichskanzler Dr Brüning hat mit feiner großen Rede im Reichsrat zweifellos einen weitaus groß ren psychologischen und sachlichen Erfolg gehabt, als mit dem Verlesen der Regierungserklärung in der Eröffnungssitzung des Reichstags Damals war jedes Wort abgeftellt auf den taktischen Grundsatz des geringsten Widerstandes. Es mußte dem Lia- binett, das sich lediglich an den-Auftrag des Reichs Präsidenten, nicht aber an irgendwelche Parteienkoalition gebunden fühlte, nur daraus ankommen, überhaupt einmal die Möglichkeit zu erhalten, die Gesetzentwürfe, die fein Sanierungsprogramm untermauern sollen, den parlamentarischen Körperschaften vorzulegen. Das ist gelungen, einmal dank her vorsichtigen Taktik des Reichskanzlers, zum andern dank der Haltung der sozialdemokratischen Fraktion, die von zwei Uebeln das nach ihrer Ansicht kleinere wählte und dem Kabinett Brüning in den Sattel half. So wurde es der Regierung ermöglicht, dem Reichsrat schon in dieser Woche den Reichshaushaltsooranschlag für 1931 und die Gesetzentwürfe vorzulegen, die in ihrer Gesamtheit dazu dienen sollen, den Reichsetat ohne neue Steuerbelastungen — die Erhöhung des Tabakzolls macht eine Ausnahme — durch energische Sparmaßnahmen, Ausgabensenkungen und Abstriche an den Ressortetats auszugleichen. Der Reichskanzler hatte die Begründung der Vorlagen im einzelnen den zuständigen Ressortministern Dietrich und Stegerwald überlassen und sich selber darauf beschränkt, Zweck und Ziel des Sanierungswerks zu erläutern und die große Linie der deutschen Ge- samtpolitik anzudeuten, in der die vorgeschlagenen Reformen eine wichtige Etappe, aber eben doch nur eine Etappe zu bilden berufen sind. Das ist psychologisch von großer Bedeutung und wird gewiß auch nicht im Volke ohne Wirkung bleiben. Denn, wenn schon einmal von der großen Masse der Staatsbürger so große Opfer verlangt werden, wie es hier geschieht, so wollen die davon Betroffenen zumindest wissen, wofür sie Opfer bringen sollen, um welch letztes Ziel es geht. Diese Heraus- stellung der großen Zusammenhänge ist dem Reichskanzler in erfreulichem Maße gelungen. Unterstützt wurde dieses Bestreben schon durch das Interview, das er am Vortage dem Berliner Vertreter des „Petit Parisien", der größten französischen Tages- zeitung, gewährte und in dem er, an die Adresse des Auslandes gewandt, als letztes Ziel deutscher Außenpolitik die Wiedererlangung der vollen Souveränität und wirtschaftlichen Freiheit durch friedliche Revision verkündete. Und in seiner großen Rede vor dem Reichsrat hat er, sich diesmal an das eigene Volk wendend, die Durchführung des geplanten Sanierungswerks als Mittel und Voraussetzung für eine solche neue aktive Außenpolitik gekennzeichnet. Es mag nun manchem fraglich erscheinen, ob wir vor einer neuerlichen Ueberprüfung der Reparationsfrage und vor Revision einer Reihe politischer, unsere wirtschaftliche Bewegungsfreiheit aufs stärkste einengenber Bestimmungen des Versailler Diktats — erinnert fei nur an das Saargebiet, den polnischen Korridor^ die willkürliche Zerreißung des oberfchle- sifchen Wirtschaftsgebiets — überhaupt zu einer endgültigen Sanierung unserer Reichsfinanzen und Ordnung unserer Wirtschaft zu kommen vermögen. Der Streit über die Reihenfolge ist indessen müßig angesichts der bedauerlichen Tatsache, daß gegenwärtig wenigstens in keinem der Länder, auf die es ankommt, trotz allen Reoisionsgeredes die Bereitwilligkeit besteht, in eine ernsthafte Revisionsdebatte einzutreten. Richt einmal Italien, wo der Duce aus durchsichtigen Gründen mit besonderer Verve für eine allgemeine Revision die Trommel rührt, wäre bereit, auch nur einen Pfennig seiner Reparationsforderungen zu streichen — von Gebiets- konzessionen oder kulturpolitischen Zugeständnissen in Südtirol ganz zu schweigen —, wenn ihm selber nicht im gleichen Ausmaße Streichung seiner eigenen Kriegsschulden an England und A m erika gewährt würde. Aber diese beiden sind natürlich auf diesem Ohr besonders harthörig in einem Jahr stärkster Wirtschaftskrisis und stärkster Anspannung ihrer eigenen Staatsfinanzen, wo Erlaß oder auch nur Ermäßigung der Kriegsschulden beträchtliche Steuererhöhungen für das eigene Volk bedeuten würden. Das können sich weder die nur noch auf schwachen Füßen stehende Minderheits- regterung Macdonalds in England noch der Präsident Hoover in Amerika nach dem für die republikanische Partei recht kläglichen Ausgang der Kongreßwahlen leisten. Die Zeit ist eben noch nicht reif für die Erkenntnis der engen Verbundenheit von Reparationen, Kriegsschulden und Weltwirt- schaftskrisis. Die harten Tatsachen müßen dafür erst den Boden bereiten, unterstützt von einer so geschickten und unaufdringlichen Propaganda, wie sie jetzt gerade der ehemalige Reichsbankpräsident Dr. S ch acht für den Reoisionsgedanken in Amerika durchführt. Aber es wäre gewiß falsch, wollten wir nun fatalistisch die Hände in den Schoß legen und auf den Augenblick warten, wo unsere Gläubiger uns eine Ueberprüfung der Reparationsfrage anbieten. Wir müssen für diesen Augenblick gerüstet sein und nicht nur dafür. Die Gestaltung der weltpolitischen Lage — der Reichskanzler hat auch dieses angedeutet — kann Deutschland vielleicht in näherer Zeit, als wir es heute ahnen, vor Entschlüsse stellen, die für unsere Zukunft schlechthin entscheidend sein können. Mag man den Revisionsfeldzug Heroäs im Hinblick auf die Persönlichkeit seines Urhebers wie auf die innerpolitischen Verhältnisse Frankreichs auch noch so skeptisch beurteilen, in einem Punkt hat der Pariser Publizist gewiß nicht ganz unrecht Die politische Konstellation, die 1919 das Versailler Diktat ermöglichte und Frankreich als Siegespreis für seine ungeheuren Anstrengungen im Weltkrieg die Hege- Oie Arbeit im Reichsrat schreitet schnell fort. 0ie Begrenzung der Ausgabm. Tie Festlegung der Etats für Reich, Länder und (Gemeinden Berlin, 7. Nov. (BDZ.) Die Bereinigten Ausschüsse des Reich/rateö traten heute in die Beratung des Gesetzentwurfes über die Aus- gabenbegrenzung in den Haushalten des Reiches, der Länder und Gemeinden ein. Rach dem Gesetz darf die Summe der Ausgabenansätze der Reichshaushaltspläne für die Rechnungsjahre 1932 und 1933 in jedem die cr Jahre die Summe nicht überschreiten, die im Reichshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1931 für Ausgaben eingestellt worden ist. Dies gilt entsprechend für die Haushaltspläne der Länder und Gemeinden. Erhöhen sich in den Rechnungsjahren 1932 und 1933 die Einnahmen des Reiches oder in einem Lande gegenüber den im Haushalt des Jahres 1931 eingestellten Beträgen, so sind d i e aufkommenden Mehrbeträge zur Steuersenkung zu verwenden, soweit sie nicht nach gesetzlicher Borschrift zur B e r - Minderung des Anleihebedarfes oder zur Schuldentilgung zu verwenden sind. Das Ausgabenbegrenzungsgeseh wurde in erster Lesung erledigt. Die verschiedenen hierbei geäußerten Wünsche und Bedenken wurden bei der zweiten Lesung weiter erörtert. Es handelt sich dabei besonders um die Gemeinden. Man hat heute bereits versucht. Formulierungen dafür zu finden, welche den Schwierigkeiten begegnen, die bei einer Festlegung der Gemeindeetats für mehrere Jahre bestehen. Der Ausschuß erledigte ferner die Novelle zum Einkommensteuergesetz. Es handelt sich um die Weitererhebung der Ledigensteuer, des fünfprozentigen Zuschlages zur veranlagten Einkommensteuer und der Aufsichtsratssteuer, die aus sechs Prozent des Gesamteinkommens festgesetzt wird. Die Meldung, daß Beamte, die zur Einkommensteuer veranlagt werden, also mehr als 8 0 0 0 Mk. Jahreseinkommen haben, wegen der Gehaltskürzungen künftighin von dem fünfprozentigen Einiommensteuer- zuschlag befreit sein sollen, entsprechen nicht den Tatsachen. Die Novelle zum Einkommensteuergesetz, die im wesentlichen unverändert angenommen wurde, wurde von den Ausschüssen auch sogleich in zweiter Lesung erledigt. DiepreissenluMürLebensmitlel Tie Vertreter des Deutschen LtädtetageS beim ReichsernährungSminister Berlin, 7. Nov. (TU.) Amtlich. Reichsernäh- rungsminifter Dr. h. c. S d) i e I e empfing am Freitag den Präsidenten des Deutschen Städtetages, Mulert, sowie die Oberbürgermeister Adenauer -Köln, B l ü h e r -Dresden, Brauer- Altona, Lohmeyer -Königsberg, Luppe -Nürnberg und Scharnagel-München, um mit ihnen die geplanten Maßnahmen auf dem Gebiete der Preissenkung für Lebensrnittel zu besprechen. Der Minister berichtete über den Stand der Verhandlungen und legte die Gründe und Ziele der Preissenkungsaktion im einzelnen dar. Unter Hinweis auf die allgemeine Wirtschaftslage und die zur Zeit bestehenden, zum Teil noch überhöhten Spannen zwischen Erzeuger und Derbrau- cherpreisen richtete der Minister an die Vertreter des Städtetages die Bitte, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Bestrebungen der Reichsregierung auf Preissenkung zu unterstützen. Nur durch ein gemeinsames und planmäßiges Vorgehen im ganzen Reiche könne das angestrebte Ziel erreicht werden. Die Vertreter des Städtetages betonten ihrerseits, daß auch sie eine teilweise erhebliche Senkung der Handelsspannen bei Lebensmitteln, insbesondere bei Brot, Fleisch und Kartoffeln für möglich hielten. Eine derartige Preissenkung sei überdies unbedingt notwendig, nicht nur mit Rücksicht auf die bereits durchgeführten und noch bevorstehenden Lohn- und Gehaltskürzungen, sondern auch im Interesse der großen Anzahl von Erwerbslosen, die auf eine Unterstützung durch dieWohlfahrtsämter angewiesen seien. Sie begrüßten das Vorgehen der Re.chsregierung auf dem Gebiete der Preissenkung und versprachen die von ihr geplanten Maßnahmen auf der ganzen Linie mit Nachdruck zu unterstützen. Wünsche der Haussramnvereine Berlin, 7. Nov. (Wolff.) Der Reichsv er» band der deutschen H a u s s r a u e n v e r- eine hat in seiner gestrigen Gesamtvorstands' sihung Resolutionen gefaßt, die sich mit der Preissenkungsaktion befassen. Der Berlin, 7. Nov. (WTD.) In einer Der- trauensmännerversammlung der Berliner Zentrumspartei führte Reicysarbeitsminister Dr. Stegerwald zur Arbeitslos en frage u. a. aus: Die Ursachen der gegenwärtigen Weltwirt- schaftskrisis sind klar erkennbar. Die Erzeugung s la p a z i t ä t ist in den anderthalb Jahrzehnten sehr viel stärker gewachsen als Der Verbrauch zu folgen vermocht hat. Die europäischen Staaten, die nicht am Kriege beteiligt waren, brauchen weniger Steuern zu erheben als die anderen. Der Krieg hat Europa ein Dutzend neuer Staaten gebracht mit 1 1 000 Kilometer neuer Zollgrenzen. Schließlich können wir beobachten, wie mit Ausnahme von England und Deutschland alle Staaten Europas, die am Kriege beteiligt waren, geringwertige B a l u t e n auszuweilen haben. Das hat zur Folge, daß in diesen Ländern die Lebens- h a l t u ng sehr viel billiger ist als in Deutschland. Rußland und große Teile des fernen Ostens mit zusammen 600 bis 700 Millionen Einwohnern befinden sich in ständigen politischen Gärungen. In Asien wohnt allein rund die Hälfte der Bevölkerung der Welt. Dieses gewaltige Absatzgebiet befindet sich durch die ständigen politischen Gärungen in ständiger Stagnation. Auch auf dem industriellen Rohstoffmarkt ist in den letzten Jahren ein Preiszusammenbruch ohnegleichen erfolgt. Kriegs- und Reparationsregelung haben bewirkt, daß ein Land in Geld schwimmt und das andere mit K a P i t a l k n a p p h e i t zu kämpfen hat. Deutschland ist ein überbevölkertes Land; wir beftnden uns heute wieder in derselben Lage, die Caprivi anfangs der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts dahin formuliert hat: „Wir müssen Menschen oder Warenaus- Reichsverband deutscher Hausfrauenvercine ersucht deshalb die Reichsregierung, insbesondere das Reichswirtschafts- und das ReichsemährungS- miniftcrium, unverzüglich in eine Ueberprü- fung der Preisspannen zwischer Erzeuger- und Ladenpreisen für die wichtigsten Lebensmittel einzutreten, unter Hinzuziehung al er zuständigen Wirtschaftstreife einsustießlich der Berbraucher, insbesondere der Berufsorganisation des Reichsverbandes deutscher Haussrauenvereine. In Berfolg der Herabsetzung der Kohlenpreise erwartet der Reichsverband, daß die vom Reichswirtschaftsminister angeregte H e r- absehung der Tarife für Gas, Elektrizität und Wasser verwirklicht wird. In einer weiteren Entschließung nimmt der Reichsverband deutscher Hausfrauenvereine Stellung zu den preußischen Borschlägen zur Steuerung der Arbeitslosigkeit, und befaßt sich u. a. mit der Verlängerung der Schulpflicht. Diese Verlängerung wird von den Hausfrauen begrüßt. Man erwarte, daß das neunte Schuljahr eine wertvolle Vorbereitung für den künftigen Lebensberuf werde. Der Reichsverband verweist auf seine früheren Forderungen, für alle aus der Volksschule entlassenen Mädchen ein haus- wirtschaftliches Pflichtjahr als erstes Jahr der Berufsschule zu schaffen. führe n." Sowohl der Waren- wie der Men- schenausfuhr stehen große Hemmungen entgegen. Die Arbeitslosenfrage berührt auch in einer anderen Hinsicht den Lebensnerv des deutschen Volkes. Bisher zählt dieses noch zu den fleißigsten Völkern der Welt. Wenn dieser Fleiß durch langandauernde Maffenarbcitslofig- keit von der Jugend her angefressen wird, dann bedeutet dies den Anfang vom Ende des deutschen Volkes in der Welt. Man sagt, das Regierungsprogramm sei unsozial. Wenn die Gesamtsanierung von Staat und Wirtschaft in Deutschland gelingt, wenn in absehbarer Zeit wieder eine Million Arbeitslose mehr in den Produktionsprozeß eingegliedert werden können, dann ist das die größte soziale Tat, die gegenwärtig die Regierung zu vollbringen in der Lage ist. Im ganzen ist die General- aufgabe, vor der wir stehen, die Wiederherstellung des Vertrauens zu Staat und Wirtschaft durch Jnordnungbringung der Finanzen der öffentlichen Hand in Reich, Ländern und Gemeinden, durch vernünftige wirtschaftliche Regelung der Reparationsfrage, durch Rentabelgestaltung der Landwirtschaft, durch Senkung der Gestehungskosten in der deutschen Wirtschaft, Arbeitsbeschaffung, eventuell vorübergehende Arbeitsstreckung und Fürsorge für die Menschen, die arbeiten wollen und nicht arbeiten können. Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten schon Schwereres durchgemacht als gegenwärtig. Die Kriegsjahre 1917/18 und die Jn- flationsjahre 1922/23 haben dem deutschen Volke Opfer auferlegt, die nur wenige andere Völker der Welt zu überstehen vermocht hätten, älnd auch über die jetzige Situation kommen wir hinweg, wenn wir wollen, und ich bin der festen äleberzeugung, daß das deutsche Volk in seiner Mehrheit will. MeilSIoslgleiialsAiisfliißdttMlwirlschMnsis Neichsarbeitsminister ©r. Gtegerwald über dieZiele des Sanierungsprogramms monie in Europa in den Schoß legte, ist bereits bedenklich ms Rutschen gekommen. Frankreich fühlt sich isoliert. Nur die östlichen Vasallenstaaten, die Tschechoslowakei, Polen und Jugoslawien, fühlen sich noch durch gemeinsam begangenes Unrecht an Frankreich gebunden, dessen Geld ihnen erlaubt, Rüstungen zu unterhalten, die zu ihren wahren Bedürfnissen und namentlich zu ihrer eigenen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in keinem Verhältnis sichen. Aber alle drei haben auch in ihren unverdauten Minderheiten und in dem auch durch Dikta- turregierungen ungelösten Konflikt zwischen schärfstem Zentralisationswillen des sog. Staatsoolks und den Autonomiebestrebungen der andern Dolksteile (Ukrainer in Polen, Slowaken in der Tschechoslowakei, Kroaten in Jugoslawien) außerordentliche innerpolitische Schwierigkeiten, dazu wenigstens Polen in Räterußland und Jugoslawien in Italien starken Flankendruck von außen. Diesen in ihrem inneren Wert geschwächten Bundesgenossen Frankreichs vermag der Gegenpol Italien einen neuen Balkanbund entgcgenzustellen. Und England wie Amerika, die Verbündeten von Versailles, die sich in dem Londoner Flottenabkommen der drei großen Seemächte über die Abrüstung zur See geeinigt haben, drücken, für deutsche Wünlche zwar immer noch zu zaghaft, für Frankreich aber doch mit einer bald peinlich empfundenen Hartnäckigkeit aus Rüstungsbeschränkungen auch zu Lande. Namentlich England hat keinen Zweifel darüber gelaßen, daß es weitergehende Sicherheitsforderungen Frankreichs, hinter denen man sich in Paris zu verschanzen pflegt, wenn das immer noch nicht eingelöste Abrüstungsoersprechen des Versailler Vertrags zur Sprache kommt, nicht unterstützen werde. Amerika will natürlich sein im Weltkrieg geliehenes Geld zurückerhalten, aber auch sein in der Nachkriegszeit in Europa investiertes Kapital nicht durch neue Kriege gefährden, nut denen das europäische Wettrüsten beinahe zwangsläufig endigen müßte. Die allen gemeinsame Angst vor dem russischen Bolschewismus hindert wohl vorläufig noch ein schärferes Zutagetreten der Gegensätze. Dieser Situation sieht sich Deutschland mit seiner Revisionsforderung gegenüber. Die Lage ist nicht unähnlich der des Jahres 1924. Der Weg zur Daweskonferenz konnte erst beschritten werden nach Beseitigung der Inflation und Sanierung der Staatssinanzen. Erst dann, nach ungeheuren materiellen und moralischen Opfern des deutschen Volkes, erhielt Deutschland die Bewegungsfreiheit, um mit einiger Aussicht auf Erfolg auf eine Neuordnung der Reparationen hinzuwirken. Daß es damals noch nicht auf den ersten Anhieb gelang, die Kriegslasten auf ein für unsere Wirtschaft erträgliches Maß heradzuschrauben, ist kein schlüssiger Beweis dagegen, daß wir heute erneut vor der Aufgabe stehen, Ordnuna im eigenen Hause zu schaffen, wenig- stens soweit es in unserer Macht liegt. Der Fehler der Jahre 1928 29, wo wir voreilig und ohne finanziell gerüstet zu sein, in erneute Revi- sionsverhandlungen eintraten, um binnen kurzem sehen zu müssen, daß ein paar Pariser Börsenmanöver aus dem Hinterhalt unsere Unterhändler auf der Poungkonferenz in heikelste Situationen brachten. Die Wahl des falschen Zeitpunktes und die unzulängliche finanzpolitische Vorbereitung haben zumindest sehr wesentlich dazu beigetragen, daß, abgesehen von dem nicht hoch genug zu bewertenden politischen Erfolg der vorzeitigen Rheinlandräumung, der „Neue Plan" im Haag mit seiner Neuregelung der Reparationsfrage für Deutschland so unbefriedigend ausfiel und sich jetzt im Zeichen schwersten Konjunkturzusammenbruchs geradezu ge - gen uns kehrt. War der Poungplan zur Zett feiner Annahme gegenüber dem Dawesabkommen gewiß das kleinere Uebel, so sehen wir jetzt, wie sich aus den verminderten Schutzbestimmungen unter veränderten weltwirtschaftlichen Verhältnissen bei sinkenden Rohstoffpreifen und steigendem Geldwert Gefahren ergeben, auf deren Beseitigung wir mit allen Mitteln hinarbeiten müssen. Der erste Schritt dazu soll die schnelle und energische Durchführung des inneren Sanierungswerks sein. Ist sein Zweck und Ziel Sicherung unserer außenpolitischen Handlungsfreiheit, dann und nur dann rechtfertigen sich die ungeheuren Opfer, die bas Resormprogramm der Reichsregierung von breitesten Schichten des deutschen Voltes fordert. Es ist gut, daß der Reichskanzler diese Gcdankengänge in wenigen kurzen Sätzen zwar nur, aber mit besonderer Betonung deutlich herausgestellt hat und dabei noch die Notwendigkeit hervorhob, durch schnelles und entschiedenes 5) an- dein, mit der Resignation und Müdigkeit, die durch unsere Wirtschaft geht, aufzuräumen. Das geschieht am besten, wenn die deutsche Wirtschaft und das kreditgewährende Ausland das Vertrauen zu Regierung und gesetzgebenden Körperschaften wiedergewinnt, daß schnelle und durchdachte Arbeit geleistet wird und aus begreiflicher Scheu vor der Verantwortung für unpopuläre Maßnahmen nicht lieber bas alte Spiel bes wochenlangen Hin- und Herzerrens zwischen Kabinett unb Parteien beginnt, bas schließlich mit irgenbwelchen unzulänglichen Kompromißen enbet unb bas schlechtoerstanbene parlamentarische System in Deutschlanb in den Ruf gebracht hat, ber überhaupt erst bie Protestwahlen bes 14. September möglich machte. Brünings Star tim Rei chsrat war gut. Mit großer Schneidigkeit verlangte ber Reichskanzler bie Er- lebigung ber Gesetzesvorlagen binnen 14 Tagen unb feinem entwichenen Auftreten ist es gewiß nicht zuletzt zu oerbanten, baß bie Arbeiten in ben Reichs- ratsausfchüffen so flott vorangehen, baß man bamit rechnen kann, baß bie Vorlagen pünktlich b e m Reichstag zugehen werben. Der Reichskanzler scheint ben (Bebanfen abgelehnt zu haben, bas Reformprogramm mit Hilfe bes Artikels 48 burch- zusetzen. Er will ben Reichstag nicht ohne Not aus der Verantwortung entlassen. Daraus erwachsen den, Kabinett natürlich noch schwere parlamentarische Kämpfe. Aber der Reichskanzler wird es schassen, wenn er den Reichstag mit der gleichen Energie zur verantwortungsbewußten Mitarbeit zwingt, mit der er die Verhandlungen mit den Ländern geführt hat und im Reichsrat das Arbeits- tempo angibt. Zu den Gesetzesvorlagen im einzelnen Stellung zu nehmen wäre verfrüht, bevor sie im Reichsrat endgültige Gestalt bekommen Haden. Rur davor sei gewarnt, die ursprünglich für den 1. April 1931 in Aussicht genommene Gehaltskürzung der B e a m t e n nun schon auf den 1. Januar 1931 vor- zurücken, wofür im Reichsrat einzelne Länder zu plädieren scheinen, um damit einen Ersatz zu schaffen für den Ausfall der hundert Millionen, die ihnen an den Ueberweisungen gekürzt werden sollen. Wir wurden diese Vorverlegung einmal aus psychologischen Gründen für falsch halten, weil durch diese erneute Verschärfung der für die betroffenen Beamten ohnehin harten und opferheischenden Maßnah- men immerhin Zweifel laut werden könnten, ob der Sanierungsplan der Reichsregierung in dieser Form überhaupt ausreichen könnte, um wirklich Ordnung in die Reichsfinanzen zu bringen. Zum andern würde auch die Wirtschaft, die bei der begreiflichen Neigung breiter Käuferschichten, erst für später zu erwartende Einkommensbeschränkungen schon gleichsam vorweg zu diskontieren, ohnehin in diesen flauen Zeiten nicht auf Rosen gebettet ist, von der Vorverlegung dieser einschneidenden Maßnahme empfindliche Rückwirkungen fürchten müssen. Bei der Bedeutung der Tabakindustrie für unser oberhessisches Wirtschaftsgebiet verdient die vom Reichsfinanzminister geplante Erhöhung des Tabak z o l l s naturgemäß noch unser besonderes Interesse. Um offenbar den erwarteten Widerstand gegen seine Absichten auf ein Minimum zu reduzieren, hüllt sich das Reichsfinanzministerium auch gegenüber den Vertretern des betroffenen Gewerbes in tiefstes Schweigen, so daß man bei dem Fehlen jeglicher authentischer Mitteilung auf die kursierenden Gerüchte angewiesen ist, die von einer Erhöhung des Tabakzolls von 80 auf 400 Mark pro Doppelzentner wissen wollen. Daß diese schlecht angebrachte Geheimniskrämerei des Reichsfinanzministeriums, wenn derartige Zahlen zur Debatte stehen, bei Arbeitgeber wie Arbeitnehmer der davon besonders empfindlich betroffenen Zigarrenindustrie, größte Beunruhigung Hervorrufen muß, ist verständlich, wenn man den Mitteilungen, mit denen das Gewerbe an die Oeffentlichkeit getreten ist, entnehmen muß, daß bei der ohnehin sinkenden Preistendenz der Zigarre — der Anteil der Zehnpfennigzigarre ist seit 1924 von 20 auf 30 v. $). der Gesamtproduktion gestiegen — es unmöglich erscheint, bei einer durch eine Tabakzollerhöhung in dem geplanten enormen Ausmaß unvermeidlichen Preiserhöhung den Konsum auch nur annähernd in dem bisherigen, durch die allgemeine Wirtschaftsdepression und die damit verbundene geschwächte Kaufkraft weiter Verbraucherkreise ohnehin schon sehr eingeengten Umfange zu erhalten. Die schlechte Wirtschaftslage hat heute schon manche Fabriken zur Einstellung der Produktion oder zu Kurzarbeit gezwungen. Eine so riesige Erhöhung der Gestehungskosten könnte für die Zigarrenindustrie nicht ohne katastro- phale Folgen bleiben und würde namentlich die in unserem oberhessischen Wirtschaftsgebiet vorwiegend vertretenen Betriebe mittlerer Größe, die gegen 20 000 Arbeiter beschäftigen, treffen. Aus dieser Zahl allein erhellt schon die Bedeutung, die eine so exorbitante Erhöhung des Tabakzolls mit ihren Folgen für die heimische Wirtschaft, für das Land Hessen und die vielen größeren und kleinen Gemeinden gewinnt, in der die Zigarrenindustrie ansässig ist und bislang einem großen Teile der .Bevölkerung Deschäftiguna und Verdienst gab. Für .die vorwiegend landwirtschaftlich einoestellte Prowinz Oberhesien, in der es außer der über das ganze platte Land verbreiteten Zigarrenfabrikation mit wenigen Ausnahmen kaum eine nennenswerte Industrie gibt und die durch die Agrarkrisis besonders schwer leidet, würde es ein neuer harter Schlag sein, wenn durch überspannte zollpolitische Maßnahmen auch dieser für ihr gesamtes Wirtschaftsleben äußerst bedeutungsvolle Gewerbezweig von Arbeitslosigkeit bedroht würde. Sache der hessischen Reaie- rung wird es sein, im Reichsrat alle Hebel in Bewegung zu setzen, um diese schwere Gefahr von der Provinz abzuwenden. Bykows Verbannung Der Vorsitzende des Rates der svwjetrussi- scheu Volkskommissare, Rykow, dessen Stelle sich mit der des Reichskanzlers vergleichen läßt, ist auf Befehl des Parteigewaltigen Stalin in die Wüste geschickt worden. Offiziell hat man ihn beurlaubt, und als Grund dafür seinen angegriffenen Gesundheitszustand angegeben, in Wirklichkeit ist er aber abgehalftert. Ünd das, obwohl er mit Bucharin und Tomski, zwei einflußreichen Sowjetführern, vor wenigen Monaten wegen seiner ketzerischen Rechtsorientierung Abbitte geleistet hatte. Stalin nahm ihn wieder in Gnaden auf, spielte aber, wie sich jetzt zeigt, ein unehrliches Spiel mit ihm. Damals wagte er es nicht, ihn aus seiner einflußreichen Stellung zu entfernen, jetzt schien ihm aber der Zeitpunkt günstig, um ihn in die Verbannung zu jagen. Fragt man nach dem Verbrechen, das Rykow begangen bat, dann ergibt sich, daß er mit dem Kurs Stalins nicht ganz einverstanden war und nach einem Ausweg aus den katastrophalen Verhältnissen der Sowjetunion suchte. Aber auch er ist nur ein Offizier ohne Soldaten. Die breite Masse der Russen hat jede Kraft zur Auflehnung gegen das unmenschliche Regiment der Bolschewiken verloren, man nährt sich widerspruchslos von bitterem Brot und Heringen und wagt es nicht einmal, auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Die litau'.sche Matur in Kemel Rücktritt der deutschen Landesdirettoren. Memel, 7.Nov. (TU.) Infolge des selbstherr- lichen Vorgehens des litauischen Landtagspräsidenten Reisgys haben sich die beiden deutschen Landesdirektoren Schulz und Szigaud nunmehr gezwungen gesehen, ihre Aemter niederzu- legen und aus dem Direktorium a u s z u s ch e i - d e n. Reisgys hat, gestützt durch die litauische '.Regierung und entqef en den Genfer Memel- abmachungen nach der Umbildung des Direk- toriums auch weiter diktatorisch regiert und die Wünsche der deutschen Landesdirektorien unbe- rücksichtiat gelassen. Wie verlautet, soll Reisgys seine Instruktionen direkt von der litauischen Regierung in Kowno erhalten, da das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und dem litauischen Gouverneur eben, falls gespannt sein soll. Im Memelgebiet steht man der kommenden Entwicklung mit der größten Besorgnis entgegen. Das Hochwasser der Oder. Frankfurt und Crossen unter Wasser. - Oammdurchstich bei Leipzig. Langsames Sinken der Kirrten. T U n UU Reichswehrsoldaten bauen Notbrücken über die überschwemmten Straßen von Frankfurt an der Oder. Frankfurt a.O., 7. Nov. (WTB.) Die Oder erreichte heute Nacht im Frankfurter Stadtgebiet mit 5,35 Metern ihren höchsten Stand. Ab 4 Uhr morgens fiel dann das Wasser um einen bis zwei Zentimeter. Au chin Crossen und Für- st e n b e r g sinkt der Wasserspiegel langsam. Dagegen werden von weiter oberhalb des Stromes erhöhte Pegelstände gemeldet. In Ratidor wurde gestern ein Stand von 5,80 Metern verzeichnet, also nur 48 Zentimeter weniger als in der Vorwoche. In der letzten Nacht wurde bei dem Dorfe Reipzig mit den Vorarbeiten für einen Damm- durch stich begonnen, da man eine Entlastung für das untere Stromgebiet für zweckmäßig hielt. Die Arbeiten, zu denen etwa 200 Einwohner der umliegenden Dörfer herbeigezogen wurden, dauerten fünf Stunden und wurden ohne Zwischenfall durch- gefuhrt. Die Durchbruchsstelle wurde mit Faschinen und Sandsäcken gesichert. Gegen 7 Uhr abends traf die noch ausstehende Genehmigung des Oberpräsidenten zum Durchstich ein. Daraus wurden unter Aufsicht des Deichhauptmannes Zänkert die letzten Spatenstiche gemacht und sofort schoß das Wasser mit unheimlicher Gewalt in das Bruchge ° I ä n b e. Im Glauchower Deichgebiet ist eine Besserung eingetreten. Das Wasser ist um 30 bis 40 Zentimeter gefallen. In O st r i tz ist die Lage noch außerordentlich ernst. Die Straße zwischen Groß- unb Klein-Ostritz ist in der Nacht gegen 3 Uhr überschwemmt und durch Strudel erheblich beschädigt worden. Die Bewohner haben das Vieh und die Vorräte in Sicherheit gebracht. Reichswehrkommandos, Feuerwehren und andere Hilfskräfte haben sich um die Erhaltung des Dammes große Verdienste erworben. Der Verkehr nach Ostritz ist fast nur noch durch Kähne möglich. Auch die Ablösung und Verpflegung der Hilfsmannschaften erfolgt zu Wasser. In Groß-Schmöllen, das gleichfalls vom Wasser umgeben ist, fällt die Flut seit Mitternacht etwas. Die Betonbrücke über d i e O b r a zeigt in der südlichen Stirnwand Risse. Im Großkraftwerk Finkenherd stehen d i e Maschinisten bis zum Knie im Wasser, obwohl durch einige neu ausgestellte Kreiselpumpen jetzt das Wasser herausgepumpt wird. Der Kanaldamm ist unter Aufbietung aller Kräfte um 20 Zentimeter erhöht worden, um noch größere Überflutungen zu verhindern. Seim ehemaligen Kriegsgegner zu Gast. General Kreh von Kreffenstein als Gast einer britischen Palästinadivision in London. London, 8. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der bayrische General der Artillerie a. D. Freiherr Kreß von Kress en st ein, der im Weltkriege das türkische Heer in Palästina befehligte, war gestern abend Ehrengast der Offiziere der 5 3. Waliser Division, die gegen seine H e e r e s a b t e i l u n g gekämpft hatte. Der General, der den Orden pour le mdrite trug, fand eine begeisterte Aufnahme. Seine Rede, die er in deutscher Sprache hielt, wurde bei der Uebersetzung von lebhaftem Beifall unterbrochen, und nach Schluß feiner Ausführungen erhoben sich die britischen Offiziere und tranken ihrem vormaligen Gegner unter lauten Zurufen zu. Der Vorsitzende des Klubs der 53. Waliser Division, Generalmajor Mott, hatte auf Ersuchen einer Anzahl von Offizieren, die die „faire und soldatenhaste Weise bewunderten, in der ihr früherer Feind gegen sie gekämpft hatte", die Einladung an General Kreß von Kressenstein ergehen lassen. Unter den 120 Offizieren, die an dem gestrigen Essen teilnah- men, befand sich auch eine beträchtliche Anzahl von Generälen und Stabsoffizieren. General Kreß von Sreffenftein erklärte in seiner Rede u. a.: Es ist unseren gegenseitigen Bemühungen zuzuschreiben, daß Männer, die noch vor verhältnismäßig wenigen Jahren einander heftig bekämpften, heute abend um denselben Tisch zusammensitzen können, und daß ich heute meinem früheren Feinde in vollster Anerkennung seiner glänzenden Führung die Hand schütteln kann. Ich darf in Ihrer Einladung vielleicht auch ein glückliches Zeichen des allmählichen Verschwindens der Kriegsmentalität erblicken, ein neues und glückliches Symptom der Notwendigkeit und der Anstrengung, eine Wiederaufnahme der freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden großen Nationen herbeizuführen, die weder aus Gründen ihrer historischen Vergangenheit, noch aus irgendwelchen anderen Gründen der Rassenverschiedenheit andere als freundschaftliche Beziehungen haben dürften. Das gesamte deutsche Heer und die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes ergreife gern und dankbar die Hand, die ihr früherer Feind ihnen bietet. Generalmajor Mott und General Kreß von K r e f f e n ft e i n legten gestern gemeinsam Blumenkreuze am Fuße des Kenotaph für die englischen Kriegsgefallenen in Whitehall nieder. Das Kreuz des Generals von Kreß trug die Aufschrift: ,Hn Ehrerbietung und in aufrichtiger Bewunderung erweist ein früherer Feind Anerkennung denen, die mit ihrem Leben ihre Treue für ihr Land bezahlten." Ungefähr 50 Offiziere der Devision waren anwesend und standen mit entblößtem Kopf um den Kenotaph, während die Kreuze niedergelegt wurden. Die EMuschuWwahlen in Amerka. Oer „Erdrutsch". Von unserem a.-Berichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! R e u y o r k, 6. Rovember 1930. Ein erster Tleberblick über das Ergebnis der amerikanischen Wahlen vom 4. Rovember legt den Vergleich nahe, daß hier ein „Erdrutsch" statt efunoen hat: die überragende Machtstellung der Republikaner ist gebrochen. Die Demokraten, die trotz größter Anstrengungen in den letzten Wahlgängen immer neue Enttäuschungen erlitten hatten, sind mit einem Schlage wenn nicht zur Mehrheit, so doch zur zukunftsreichen Machtstellung gekommen. Man wählte am 4.Rovember die Insassen des Repräsentantenhauses, deren Mandat auf zwei Jahre begrenzt ist, und man wählte e i n Drittel der Mitglieder des Senats, dessen Mandat sechs Jahre läuft. Bisher hatte die republikanische Partei im Senat 17 und im Repräsentantenhaus 104 Stimmen Meh.heit. Jetzt, nach diesen Wahlen, stehen beide Parteien im Senat wie im Repräsentantenhaus e:wa gleich, es kann hüben oder drüben noch eine Stimme Mehrheit heraus kommen, es kann auch so sein, daß, wenigstens im Senat, der eine Farmer den Ausschlag gibt. Die Gründe dieses selbst für optimistische Demokraten üben-aschend gekommenen Umschwungs liegen vor allem in der großen allgemeinen Enttäuschung über die nicht wieder kehre n wollende ..Prosperität", als deren berufenen Hüter man in glücklicheren Zeiten den Republikaner Hoover zum Piä identen wählte. Es sind Enttäuschungswahlen, wie sie auch in anderen Ländern jetzt vorgekommen sind. Außer dieser entscheidenden Tatsache der allgemeinen Enttäuschung sind nur schwer Richtlinien der Strategie beider Parteien auszuzeigen. So ist z.D. die andere Frage, die bei diesen Wahlen eine große Rolle spielte, die Frage „Prohibition oder nicht" von keiner der beiden Parteien einmütig beantwortet worden. Es gab „Rcyse" wie „Trockene" auf beiden Seiten, wenn auch die oppositionellen Demokraten besonders viel nasse Kandidaten herausge^"ttt batten. Auch die Frage der Schutzzollpolitik, die eins Ro le im .usammenyang mit vt... —>^mch nacp Wirt- schastsbelebung spielte, wird von Demokra en wie Republikanern nicht mit der parteipolitischen Geschlossenheit betrachtet, die man in Deutchland vielleicht bei den einzelnen Parteien gewöhnt ist. Auch hier kann man nur sttrnrnungsmähig sagen, daß demokra.i'che Einflüsse die hochgespannten Schutzzölle bekämpfen dürften, die unter Hoovers Regime geschahen worden sind und um deren Handhabung man in diesem Jahre in Washington erbittert gekämpft hat. Bei der Betrachtung der Auswirkung der amerikanischen Wahlen muß man berücksichtigen, daß die neuen Senatoren und die neuen Kongreßmitglieder erst im März des nächsten Jahres in den Kongreß einziehen werden. Dieser Aufschub der Eröffnung eines neugewählten Parlaments, der sein Gegenstück hat in der Frist, die zwischen der Wahl und dem Amtsantritt des Präsidenten verstreichen muh, ist ein sehr interessanter Uebepreft aus der Zeit, in der man noch keine Eisenbahnen oder gar Flugzeuge hatte - in der es tatsächlich Monate dauerte, bis die Abgeordneten der entferntesten Staaten nach Washington kommen konnten. Aber auch dann, wenn der neue Senat und das neue Repräsentantenhaus zusammengetreten ist, wird die amerikanische Politik nicht einfach umgestellt werden können. Zwar verstärkt sich die Machtstellung der Demokraten noch dadurch, daß im republikanischen Lager eine ganze Reihe von „Rebellen" sitzen, die schon bisher häufig ihrer Partei die Gefolgschaft versagten — aber die Macht des Staatspräsidenten gegenüber den beiden Häusern des Kongresses ist zu groß, als daß der Kongreß gegen Hoover regieren könnte. Rur eine Auswirkung wird die Wahl des 4. Ao- vember sehr bald haben: eine Hemmung der Entschlußkraft Hoovers. Deine Zurückhaltung war schon vor der Wahl zu beobachten, und sie dürfte sich nunmehr noch verstärken. Wer in Europa im Zusammenhang mit dem Weltzahlungsprogramm auf eine amerikanische Initiative gehofft hatte, darf an dieser Tatsache nicht Vorbeigehen. Denn hinter dem Ausgang der diesjährigen Wahlen taucht ja die Frage der 1932 fälligen Präsidentenwahl auf, für die die Zwischenwahlen erfahrungsgemäß stets das entscheidende Stimmungsbarometer sind. Die Demo- traten, die mit ihren PräsidLntschaftskandi-- baten bei den letzten Wahlen stets "Pech hatten, haben den aussichtsreichen Mann gefunden, der ihnen fehlte: es ist der (junge) Roosevelt, der demokratische Gouverneur des Staates Reu- hork, den die beispieltose Mehrheit von 700 000 Stimmen zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten für 1932 prädestiniert. Roch immer auf des Messers Schneide. Knappe republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus wahrscheinlich. Heuport, 7.Roo. (TU.) Rach dem nunmehr vorliegenden endgültigen Ergebnis der Ecgänzungs- wahlen zum Senat verfügen die Republikaner über 48, die Demokraten über 47 und die Farmer über einen Sih. Die Wiederwahl des republikanischen Unterhausmitgliedes Dates in Illinois erscheint auf Grund der nunmehr vorliegenden Rachrichten als gesichert, so daß entgegen den von manchen Stellen erfolgten voreiligen Ausdehnungen im Sinne eines Sieges der Demokraten, die Republikaner im Repräsentcuntenhaus mit 218 Sitzen gegen 216 Demokraten und 1 Farmer über eine knappe Mehrheit verfügen. Dies gilt natürlich vorbehaltlich der Aenderungen, die in den Wahlbezirken, deren Ergebnisse angefochten werden, auf Grund der offiziellen Rachzählung ein- trcten können. 3m Staate Kentucky sind insgesamt sechs demokratische Unterhaus- und zwei demo- irakische Senatskandidaten gewählt worden. Dies ist der größte Sieg, den die Demokraten in Kentucky seit einem Vierteljahrhundert errungen haben. Die ohnehin prekäre Lage der Republikaner hinsichtlich der Erlangung einer arbeitsfähigen Mehrheit im Senat wird noch schwieriger gestaltet durch die offene Erklärung des progressiven republikanischen Senators v r o o k h a r t, daß er sich gegen Hoovers Ostpolitik auf die Seite der Demokraten stellen werde. Auf diese weise würde eine Koalition zwischen den Demokraten und den progessiven Republikanern die Kontrolle des amerikanischen Senats in die Hand bekommen und die Vorsitzenden der verschiedenen Ausschüsse ernennen können. Senator vrookhart forderte außerdem den Rücktritt des Staatssekretärs Mellon und des Unterstaatssekretärs im Schatzamt, Mills. Die Einführung der bisher abgelehnten Ausfuhrprämien tur Wiederbelebung der Landwirtschaft durchgreifende Maßnahmen gegen die Baissespekulation auf den Effekten- und Warenmärkten, die Einberufung einer Sondersession des Kongresses im März nächsten Jahres und ein großzügiges Programm für Rot- standsarbeilen zur Linderung der Arbeitslosigkeit. Tschechische Minderheiien- politik in der Praxis. Der Prager Magistrat lehnt Deutsche als Zählkommissare für die Volkszählung ab. Prag, 8. Rov. (WTB.) Das Prager Tageblatt meldet: Trotz striktester Weisung des Innenministers haben das Böhmische Landesamt und der Prager Magistrat bei der Ernennung der Kommissare und der Revisoren für die bevorstehende Volkszählung keine Rücksicht auf den nationalen Schlüssel der Bevölkerung genommen. In Prag wurden tausend Zählkommissare und gegen hundert Revisoren ernannt. Auf die Deutschen hätten demnach etwa 45 Zählkommissare und fünf Revisoren entfallen sollen. Es ist aber nicht ein einziger Deutscher mit einer dieser Funktionen betraut worden. Der Ma- gestrat hatte zunächst in Unkenntnis der Tatsache, daß es sich um einen Deutschen handelt, einen Hörer der Deutschen Llni- v e r s i t ä t zum Zäh'kommissar gewählt, worauf zehn solcher Hörer sich um ein solches Amt bewarben. Bei der Vorweisung ihrer ßegitima- tionen wurde ihnen von den zuständigen Magistratsbeamten erklärt: „Deutsche Hochschüler können wir nicht-als Zählkommissare anstellen." Sie wurden abgewiesen, und auch der eine bereits bestellte Hochschüler wurde wieder von der Liste gestrichen. Krisenstimmung in England. Prekäre Lage für Macdonald. London, 7. Rov. (WTB.) Der Sieg des konservativen Kandidaten bei der Ersatzwahl in Ship- ley unmittelbar nach den Gemeindewahlen, deren Ergebnisse den Konservativen so erstaunlich günstig gewesen sind, wird in hiesigen politischen Kreisen als ein Anzeichen dafür angesehen, daß die Tage der gegenwärtigen Regierung gezählt sind. Mit der älntersttitzung der Liberalen verfügt die Regierung noch über eine ansehnliche Mehrheit, jedoch zeigen die Gegensätze, die im Verlauf der lebten Wochen zwischen der Arbeiterpartei und den Liberalen, von denen viele für die Konservativen stimmten, in Erscheinung getre en sind, eine wachsendeälnzufriedenheit mit der Politik der Arbeiterregierung. Außerdem betont man, daß die Gesundheit Macdonalds durch die Feindschaft der Opposition und einer Gruppe feiner Anhänger erschüttert worden sei. Dies ish ein brecht OleuJöP tritt. v&WA JerlU ger'-hi'. a.S.Obe Sinzhe neuen U (litt m beigelegt nochmal» beit 9* Lohns iung der tienin0' feit M über Lohnab den Stan abbau l Mitteln un man an Lchicdsspn Dl. 2raun [oninien lodesv Das Derhandd Lutzenl zum 2' klagte w< au awö Die Angl gegen uni Unschuld, im Jahre den Pfer eigene durch Speise, zeitig in mögens haben, ih Kinder fen, mit zu verg (Ein scha Tor ku Ulbrich ermordet ' hat jetzt e 16jährige rige Kuts tungsträss eingestand hältnis Einfluß f Uhren bes zusammen Stoltz«. 21 (eine Lchi nun, wie Wrich , die Aeui versöhne, dam un wacher gleich t l sich die zählte ih: wolle, w und sie t Aeumanr und ftü liegen! Aeuma teibigung Kissen au' zu ersti so daß dei wurde uni tcn. Ne und erklä, gen toüti dazu toäti erstickt Angeld u während 1 wisse. Eti als ob s! %Mi Die Dem ungerühr rhren Ej, Jan Mayen’ jiardo $io, 6 Mflml Klagctt das neue Wititereel Keine Startschwierigkeiten mehr! geschaffen für den modernen Vielzylinderwagen Gutes Fließ vermögen bei tiefen Temperaturen Zuverlässige Schmierung sofort beim Starten SHELL ein weiteres Zeichen, das; man gegenseitig den Kampf wünscht. Die Krise kann jederzeit ausbrechen, es ist jedoch möglich, daß infolge der Indienkonferenz, die wahrscheinlich bis zum Reujahr dauern wird, eine Verschiebung ein- tritt. Der Lohnkonflikt in derBerlinerMeiallindustrie Zusammentritt des Schiedsgerichts Berlin. 7. Rov. (EBB.) 3m Reichsarbeitsministerium begannen vor dem Schiedsgericht, dem Reichsarbeitsminister a. D. Dr. Brauns als Vorsitzender und Reichsmrnister a. D. Oberbürgermeister Dr. 3 arres und Prof. Sinzheimer als Beisitzer ap ,ocen die neuen Lohnverhandlungen, durch die der Konflikt in der Berliner Metallinoustrie endgültig beigelegt werden soll. Don beiden Parteien wurde nochmals ihr Standpunkt vertreten. Die Arbeitgeber forderten eine Ibprozentige Lohnherabschung und lehnten die Forderung der Gewerkschaften,- die 4 0-Stun- denwoche zur Bekämpfung der Arbeils osig- keit gesetzlich einzuführen, ab. Die Vertreter des Metallarbeiterverbandes verlangten demgegen- über Verlängerung des bisherigen Lohnabkommens und verlraten grundsätz ich den Standpunkt, daß zuerst der Preisabbau vor allem in den wichtigsten Lebensmitteln und Bedarfsartikeln kommen müsse, ehe man an einen Lohnabbau denken könne. Der Schiedsspruch, der bindend sein soll, must, wie Dr. Brauns betonte, spätestens morgen zustande kommen. Aus aller Welt. Todesurteil im Augsburger Giflmordprozest. Das Schwurgericht verurteilte nach dreitägiger Verhandlung die 53jährige Frau Anna Monika Lutzenberger wegen vollendeten Mordes zum Tode. Des weiteren wurde die Angeklagte wegen versuchten Mordes in fünf Fällen zu zwölf 3ahren Zuchthaus verurteilt. Die Angeklagte nahm das Llrteil apathisch entgegen und beteuerte zum Schluß nochmals ihre Llnschuld. Frau Lutzenberger wurde beschuldigt, im 3ahre 1929 ihren betagten Stiefvater, den Pferdehändler 3osef Zerle, und ihre eigene Mutter, Frau Magdalene Zerle, durch Beimischung von Arsenik in Speisen vergiftet zu haben, um sich vorzeitig in den Besitz des beträchtlichen Vermögens au sehen. Sie soll ferner versucht haben, ihrewier bei ihr wohnenden erwachsenen Kinder und vier weitere Hausgenos- s e n, mit denen sie fortgesetzt in Unfrieden lebte, zu vergiften. Ein schauriger Raubmord in Berlin aufgeklärt. Vor kurzem wurde der Llhrmacher Friedrich LIlbrich in seiner Wohnung im Berliner Rorden ermordet und beraubt aufgefunden. Dieser Mord hat jetzt eine schaurige Aufklärung gefunden. Die 16jährige Rähcrin Else Reumann, der 22jäh- rige Kutscher Richard Stolpe und der Zei- kungsträger Erich B e n z i g e r haben die Tat eingestanden. Die Reumann hatte ein Verhältnis mit LI l b r i ch, der stark unter ihrem Einfluß stand und sie mit Geld, Ringen und Llhren beschenkte. Sie verjubelte dieie Ringe zusammen mit ihrem Freund, dem Kutscher Stolpe. Als Lllbrich hiervon erfuhr, stellte er seine Schenkungen ein. Die drei Täter berieten nun, wie man wohl weitere Mittel von Lllbrich erhalten könne, und verabredeten, daß die Reumann sich zum Schein wieder mit ihm versöhnen solle. Stolpe und Benziger wollten dann unter Mithilfe der Reumann den Llhr- macher berauben und zur Sicherheit auch gleich töten. Entsprechend diesem Plan begab sich die Reumann zu ihrem alten Freunde, erzählte ihm, dast sie von Stolpe nichts mehr wissen wolle, woraufhin Lllbrich sich mit ihr aussöhnte und sie bei sich behielt. Die beiden Genossen der Reumann drangen dann in die Wohnung ein und stürzten sich auf den im Bette liegenden Llhrmacher, der von der R e u m a n n f e st g e h a l t e n und so an der Verteidigung gehindert wurde. Die drei drückten ihm Kissen auf das Gesicht und versuchten, ihn zu ersticken. Doch wehrte sich Lllbrich heftig, so dah den beiden Männern die Sache unheimlich wurde und sie sich aus dem Staube machen wollten. Die 16jährige aber ergriff ein Beil und erklärte, dah sie den Llhrmacher erschlagen würde, wenn Stolpe und Benziger zu feige dazu wären. Rachdem der Llhrmacher im Bette e r st i ck t war, raubten die Täter das erreichbare Bargeld und Schmuckstücke und suchten das Weite, während die Reumann in Berlin blieb und so tat, wisse. Stolpe und Benziger wurden jetzt in Redei als ob sie von der ganzen Angelegenheit nichts bei Polzin verhaftet und nach Berlin gebracht. Die Reumann war bei ihrer Vernehmung gänzlich ungerührt und schilderte die grauenhafte Tat in ihren Einzelheiten.__ Aus der Provinzialhauptstadt. ® i e 6 e n, den 8. Rovember 1930. Gummiringe und Hosentaschen. Jeden Tag können mir hören, dah es nichts Neues mehr auf der Welt gäbe, dah alles schon einmal da gewesen sei. Aber unsere Jungens sorgen dafür, dah wir von Zeit zu Zeit etwas sehen, das bestimmt noch nicht da war. Uralt sind wohl die Spiele mit Kreisel und Ball, mit Klickern und Drachen. Sie gehören zum eisernen Bestand der Jugend. Neu aber ist das Spiel mit den Gummiringen. Das sind die kleinen Einsatzringe aus den Seiterswasserfläschchen. Ich sah die Knaben damit spielen in der Eisenbahn, aus dem Schulhof und vor allem in unserer Wohnstube. Der Ning wird auf eine gewisse Art zusammengedrückt und hingesetzt. Dann dauert es einige Sekunden, und durch die Elastizität des Gummis, durch das Bestreben, wieder in die ursprüngliche Form zurückzukehren, wer- den die Ringe hoch in die Luft geschleudert. Gewiß ein harmloses Spiel, nicht wahr? Aber das allein ist es nicht. Die Buben bezeichnen nun ein Mai, eine Grenze, und stellen ihre Ringe in Reih und Glied. Sie müssen Hüpfen und das Mal erreichen oder überspringen. Wer^ die gröhten Sprünge verzeichnen kann, ist Sieger. Stundenlang sitzen die Jungen da und lassen ihre Ringe Hüpfen. Sie fliegen über den Tisch, auf den Teppich, auf den Nähtisch, unter Schränke und Sofa. Das Spiel geht weiter. Ich staunte, welche Menge von diesen Ringen in den unergründlichen Hosentaschen unserer Buben steckte! Immer neue kamen zum Borschein. Als das Spiel gar kein Ende nahm, als wir in unserer Wohnunabeständig auf Gummi traten, und als sogar beim Mittagessen ein Ring in die Suppenschüssel flog, da gebot ich ein ernstes Halt. Die Ringe muhten abgeliefert, werden. Ich erhielt eine ganze Menge. Natürlich nicht alle. Das merkte ich schon am nächsten Tage. So beschlossen wir, als die Kerlchen in ihrem Bett lagen, eine Generalmusterung der Hosentaschen. Wir fanden noch etwa vierzig Stück. Daneben aber war das Ergebnis der Durchforschung der Hosentaschen unsrer Buben so reizvoll, dah ich noch einiges erwähnen möchte. Das erste, das wir aus den Taschen holten, war natürlich ein langes Stück Bindfaden. Welcher Junge hat nicht ein Endchen davon immer bereit? Natürlich war es stark verknotet und hing mit einem Stückchen Messingblech zusammen, scheinbar eine Biermarke. Dann kam ein Notizbuch, mit einem kleinen Blei in der Mitte. Zu lesen war nicht viel darin. Aber einige Zahlen fanden wir doch. Rechenaufgaben aus der Schule? Gott bewahre! Da stand 4:3 für Deutschland! „Aha!" sagte ich, „das Ergebnis eines Fußballspieles." Es folgten einige Namen, die kaum zu lesen waren, sicher waren es ober Helden in den verschiedenen Sportarten. Die Hälfte der Blätter des Notizbuches waren zusam- mengeklebt Hier hat einmal ein halbnasser Zucker- ftcin seine Arbeit getan. Nach dem Notizbuch zogen wir einige zerknitterte Serienbilder aus Zigarettenschachteln heraus. Auch darauf waren fast nur Sportereignisse. Wir sammelten einst Briefmarken, unsere Jungens sammeln Sportbilder. Es folgte ein kleines verrostetes Taschenmesser, dem beide Klingen fehlten. Was er wohl damit machte? Zuletzt aber zogen wir ein grauschwarzes, zusammengeknülltes „Etwas" heraus, das einem Lämpchen glich Ich machte spitze Finger, als ich das Ding herausnahm. Was war es? Die Buchstaben in der Ecke zeigten es an: Ein Taschentuch! Du liebe Zeit, was wird der Schlingel damit schon olles abgewischt haben! Und dabei bekommt er doch fast alle Tage ein neues. 3n der Tasche des jüngeren fanden wir einen Glasklicker mit einem Daren in der Mitte, ein Stück geschliffenes Glas, durch das die Welt so bunt erscheint, daneben natürlich auch Bindfaden und ein ähnliches .Taschentuch". Das Tüchlein war nicht nur schmutziggrau, sondern verbreitete auch einen Geruch von Wagenschmiere, daß wir uns die Rase zuhalten muhten. Als alles auf dem Tisch nebeneinanderlag, was es eine ganz schöne Sammlung. Man glaubt gar nich». was alles in den Hosentaschen eines Knaben Platz findet. So sehen sie dann auch manchmal aus. Wie zwei dicke Knollen heben sie sich ab. Ich empfehle allen Eltern, wenn die Hosentaschen ihrer Buben diese Form angenommen haben. ganz heimlich nachzuprüfen, was alles darin ist. Cs ist oft das reinste Museum und ipirft helle Streiflichter aus das Sinnen und Trachten der kleinen Weltbürger. Wir legten alles wieder fein sauberlcch in die Taschen, bis aus die .Taschentücher". Mögen sich unsere Iungens an ihren Schätzen erfreuen! Sie sind ja noch in der glücklichen Lage, die ganze Welt in allen Farben durch eine Glascherbe zu besehen. Sic können sich noch Luftschlösser bauen und eine Messingmarke als kostbaren Schah aufheben. 1 , „ . Stören wir sie nicht in ihrem Sammeleifer, gönnen wir ihnen ihre kleinen Freuden und lassen wir sie auch ihre Gummiringe gelegentlich einmal hüpsen sehen. Alles zu seiner Zeit, und alles im rech.en Dahstao. -Ulan so.l nicht mit rauhen Händen in die Blütenwelt unserer Kinder greifen. G. 3. *• For st personal! e. Der Amtsvorstand des Forstamts Rabenau, Forstmeister Dr. Gustav Z i m • m e r zu Londorf, wurde in gleicher Diensteigenschaft in das Forstamt Düdelsheim versetzt. '• Gastspiel Konrad Dreher: Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Montag, dem 10. Rovember, findet im Mittwvchabonnement das Konrad-Dreher-Gast- fpiel statt. Konrad Dreher, der erst jüngst ein Amerikogastspiel absolviert hat, ist bei unS in die Reihe der führenden Theaterhumvristen getreten. Er spielt die volkstümliche <^igur des Frater Antonius in dem Volksstück mit Gesang. .Der wundertätige Antonius", von Richard Manz und 3enny Dreher, das allenthalben ein fröhliches Publikum gefunden hat. Beginn der Dorstellung 20 Llhr. •* Die Museen und der Heidenturm sind am morgigen Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr zu gewöhnlichen Preisen geöffnet. •• Goldenes Wohnungsjubiläum. Am Sonntag, 9. Rovember, lann der Schuhmachermeister Heinrich S ch l i ch e r, Dammstr. 20 wohnhaft, auf fein 50jahriges Wohnungsjubiläum zurückblicken. Er wohnte 41 3ahre lang bei dem verstorbenen Wagnermeister Mählich zur Miete und behielt dann seine Wohnung seit weiteren neun Iahren als Eigentümer des Hauses bei. Seit einem halben Jahrhundert betreibt er auch seinen Beruf als selbständiger Handwerker. ** Rindviehmarkt findet am Dienstag, dem 11. Nädernder in Gießen statt. Näheres siehe heutige ** Besichtigung des Tierzuchtinsti- t u t s der Universität Gießen (Oberer Hardthof) ist an Sonntagen nur in der Zeit von 14 bis 16 Uhr möglich. Besichtigungen an Wochentagen bedürfen der vorherigen schriftlichen Anmeldung . ** Eine musikalische Gedächtnisfeier für die Verunglückten bei der Bergwerkskatastrophe in Alsdorf findet am Mittwoch, 19. November, in der Johanneskirche statt. Das Musikkorps unseres Ba- taillons konzertiert unter der Leitung von Dbermufif- meister ß ö b e r. Organist Habicht hat ebenfalls seine Mitwirkung zugesagt. Näheres wird noch bekanntgegeben. ** BerufskundlicheVortragsabende. Man schreibt uns: Die Berufsberatungsabteilung des Arbeitsamts Gießen veranstaltet vom 10. bis 26. November im Phyfikfaal der Goetheschule wiederum sechs berufskundliche Vortragsabende, an denen berufene Fachvertreter und -Vertreterinnen der verschiedensten Berufe aufklärend zu den Eltern und den zur Schulentlassung kommenden Kindern sprechen werden. Die Bedeutung der Berufswahl und die Anforderungen der einzelnen Berufe, ihr Ausbildungsgang, sowie ihre wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse werden zur Besprechung kommen. Bei der heutigen schwierigen Berufswahl, die eine so wichtige Leebnsentscheidung ist, sind sowohl im In- tereffe unserer Heranwachsenden Jugend, als auch der ganzen Volkswirtschaft diese Vortragsabende zu begrüßen. Allen Interessenten, Erziehungsberechtigten und Eltern, denen die richtige Berufswahl ihrer Kinder am Herzen liegt, ist der Besuch dieser Abende zu empfehlen. Der Eintritt zu allen Bor- trägen ist frei. Siehe heutige Anzeige. Bekanntmachung. *• Beruf swettkampk der Kaufmannsjugend. Vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband wird uns mitgeteilt, daß der für den Gaubezirk Hessen, Hessen-Rafsau und das Rahegebiet vorgesehene Derufswett- kampf der Kausmannsjugend für unsere Gegend am 16. Rovember in Gießen in der Kaufmännischen Berufsschule 9.45 Llhr durchgefährt wird. Der Ehrenausschuh für die Derusswetttämpfe wird aus den Herren Kommerzienrat Schirmer, Kommerzienrat K l i n g s p o r. Regierungsrat Dr. Bues, Vorsitzender des Arbeitsamtes, und dem Leiter der Kaufmännischen Berufsschule, Dipl.-Handelslehrer Dr. Wendel, gebildet. Die Derusswettkämpfe des DHV. stehen in inniger Verbundenheit mit dem praktischen Kaufmannsleben und sollen den jungen Kaufmann auf fehlende Kenntnisse in seinem Können aufmerksam machen. Für den Berusswett- kampf in Gießen liegen bereits eine Reihe von Anmeldungen vor. ** Die Gewerbe - und Maschinenbauschule, die mit ihren Abteilungen für Baugewerbe, Schreiner, Maler, Töpfer und Schuhmacher innerhalb der Gewerbeschule vorwiegend der Heranbildung des handwerklichen Rachwuchses dient, hat ihren Llnterricht am 1. Rovember mit 328 Vollschülern begonnen. Reben dem regelmäßigen lehrplanmähigen Llnterricht in der Maschinenbauschule werden zahlreiche Kurse für Elektriker, Schweißer usw. abgehalten, Kurse, die vorzugsweise der Vorbereitung auf die Meisterprüfung dienen. Weitere Cofalnadiridtten im 2 Blatt Man Milchkathreiner* -uük Recht, denn Milchkathreiner ift viermal nahrhafter alsLeWhriihe/ Solche cs Mi die Lruahnmse- unsscuschaft/ +JMc MWmg: Mb M), bald recht starker Kathreiner wird jetgt von unseren Atzten viel empföhlen/ vie Wetterlage. Wien ©wolkenlos.® neuer ® naro oeoeext ® wolkig. • oedem »Keoea # Schnee Oraupetn e hebet K Gfwiiter.©wmdst'iie.-O' sehr leichter Ost y mässiger Südsüdwest sturmtschei «o'dwesi Bie Pfeue fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen jtenendtn Zahlen geben die Temperatur an Die Linien verbinden Orte mit gleichen» auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck avuvuutpinflc. Obwohl der Luftdruck bei uns durch den Vorstoß des Biskayahochs kräftig angestiegen ist und [djon nahe an 770 mm grenzt, wirken sich gegenwärtig noch Ausläufer der Nordmeerstörung aus. Feucht- warme Luft fließt vorerst aus südwestlicher Richtung zu, bringt dabei leichten Temperaturanstieg und zeitweise etwas Regen mit sich. Jedoch werden im Laufe des morgigen Tages durch die Rückseite des Tiefs die Winde über Westen drehen und kühlere Luft heranbefördern. Dabei Hart sich der Himmel zeitweise auf und der hohe Barometerstand dürfte weiter gestützt werden, so daß etwas ruhigeres Wetter bei Zunahme der Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht bevorsteht. Aussichten für Sonntag: Vorerst noch wechselnd wolkig mit etwas Ricderschlag, mild, später mehr aufklarend und auffrischend, dabei vereinzelte Schauer. Aussichten für Montag: Stellenweise Frühnebel, tagsüber mehr aufheiterndes Wetter, Temperaturgegensätze zwischen Tag und Rächt sich wieder verschärfend. Birci tcTTT nri WECHSEL ..JETZT OELWECHSEL-JETZTOEL WECHSEL • JETZT'OELWECHSEL Danksagung Ernst kuppel Frau Katharine Oßwald, geb. Wagnei. Wieseck. den 8. November 1930. 7641D Lehrers Heinrich Jäger Aliendorf a d. Lahn, den 7. November 1930. 76 7D Gießen, Carlshafen, den 8. November 1930. 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JiähereS Creducr- itrahe 50 L t&mD SüiBQfflflöier ikijlli g Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden, ferner für die trostreichen Worte des Herrn Plärrers Sattler, der Krankenpflegerin für die liebevolle Pflege, der Sängervereinigung für den Grabgesang und den Vereinen und Vereinigungen für die Nachrufe sowie Kranzniederlegungen am Grabe sage ich hiermit herzlichen Dank. unnötige Gelegenheit! 8900 qm Wiesen-Ackerland, ca. 50 la Obstbäume toemarluug Allen» bors an der Vumbo, btli'gsf au verkaufen. Schrift! 'Angebote unter 764.31) an ben tote neuer AnAeiger. .yteunbhdicö manfaröenjlmmer m. Zentra lie zang u. elektr. Licht in Etn- fnmtlieiibouö mir on Dame preiöiveri ah vermieten 06939 vinfwcg 60. 3 Zimmer und Küche el V., Wasserleuung, Stallung. Scheuer, Hof. ar. Baunistück. auf dem Vanöe. mo natlich 40 Wit, AU uerm. Schr. Ang. n. 06947 0. b. <9ten. A n geziemend in Kenntnis zu setzen. 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Nov.. von 14 bis 17 Uhr: toefchio >ene Bor» itellung SHiinoetljonnes Schauipiel in vier Akien <9 Bildern) von Carl Ziickmat)er, Sonntag, 9. 9iov.. von 18 bis 21 Ubr Auster Abonnement, Fremdenvoritelliing tormähtote Bretse Sdiinöeilionnee Schauspiel in mer Akten <9 Silbern) von CarlZuckmayer Montag, 10. Nov.» von 2.0 biS 227< Uhr 7. Mittwoch- Abonii. -Borstcllg. Operetienprelse Dienstags- n. ivreb tags - Abonnenten erttiab.Operettenvr. totnrnalig. toasifvtel Konrad Drcber m. fetuerMünchener Schatisvieleriruvve Ser rounoedötlne llntonius Bolksstuck mit Ge» fang tn 3 Arten und einem Bonviel von Richard WiattA und Jenny Dreher Dienstag, II. Nov. von 20 bis 22 Uhr: S.Dleiislllg-AV.'vorsr. toewöonliche Preis« Gescuäll mit Amerika Lustspiel in 3 Akten von l Musikv. Hans Uldall Sonntag, 16. Nov. von 18 bis 206, Ubr Anher Abonnement Jremdenvorstellung tormäsjlgte Preise Neidbardtv.tneisenan E«n Schauspiel von Wolfgang Goetz. Nr. 262 3weites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbethesfen)Samstag, 8. November (630 Außenpolitische Umschau. Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. proi. der (9e|d)id)te an der Universität Äeriin. Lieber den Beginn der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf in dieser Woche ist an sich nichts Neues zu sagen. Diese Deranstaltung hat ja auch gar nicht etwas Abschließendes zu machen, sondern, wie bekannt, nur die Methode und den Plan festzulegen für die allgemeine Abrüstungskonferenz im nächsten Iahr unh allerdings den Beschluß, daß diese allgemeine Konferenz auch stattsinde. Lord Robert E e c i l hat erneut bekräftigt, daß keine englische Regierung, aus welcher Partei sie auch sei, irgendwie Forderungen für die internationale „Sicherheit" im französischen Sinne erfüllen werde, „es sei denn, im Rahmen Lines allgemeinen internationalen Abkommens zur Begrenzung der Rüstung!" Damit hat Cecil die Genfer Erklärungen des englischen Außenministers bekräftigt. Diese Erklärung aber gewinnt noch größere Bedeutung durch die Tatsache, daß der amerikanische Botschafter in Brüssel, G i b s o n, der wie üblich Amerika als „Beobachter" in Genf wieder vertreten soll, in Hoovers Auftrag zwischen Paris und Rom über den Anschluß Frankreichs und Italiens an den Londoner Fhrttenvertrag zu verhandeln hat. Was auch dnzu gesagt werde, es ist eine amerika- Nische Intervention! Ganz offenbar will Hoover den Erfolg vom Frühjahr in London jetzt weiterführen. Er will, daß die Genfer Tagung zu einem wirklichen Abschluß kommt. Natürlich arbeitet er dabei im Einverständnis und zusammen mit der englischen Politik. Lind ebenso natürlich will er mit einem solchen Erfolge auf die Stimmung in seinem Lande wirken, in dem am 4. November neu gewählt worden ist. Freilich hat er in den zwei Iahren seiner Amtsführung überhaupt sich damit etwas reichlich Zeit gelassen. Diese Wahlen selbst konnte er vielleicht mit dem Londoner Erfolg beeinflussen, obwohl er dafür im Lande selbst übermäßig viel nicht getan hat. Aber es ist ja nicht seine Wiederwahl. Die kommt e r st in zwei Iahren. Dafür braucht er Erfolge und Stimmung. eine Stimmung, die sehr stark für ihn und seine Partei verflog, seitdem die Prosperity dahingegangen ist. Nehmen wir dazu die Reisen von V o u n g und des Staatssekretär für Handel, Iulius Klein, nach Europa — dann darf man schon sogen, daß Europa vor einer amerikanischen Intervention steht, so. wie sie 1923 einsehte. aus demselben Sinn, aus noch größeren Notwendigkeiten heraus, als damals. Seitdem sind die Forderungen Amerikas an Europa verknüpft mit Deutschlands Reparationslast und Zahlungsfähigkeit. Inzwischen ist der Kellogg- pakt vereinbart worden. Seitdem ist Amerika dem Haager Schiedsgerichtühof beigetreten, zu dessen Richter der frühere Staatssekretär Kellogg in Genf gewählt worden ist. Seitdem vor allem ist nun die Abr stungsfrage als die Zentralfrage der europäischen Friedensorganisation in ihr kritisches und entscheidendes Stadium getreten. Lind hinter all dem steht, wie mit der Peitsche, das Gespenst der Wirtschaft re und der Arbeitslosigkeit auch in Amerika. ' tou^gt alles das jetzt den Präsidenten, einen Zusammenhang zwischen Schuldenproblem und Abrüstung in Aknon zu sehen, der ohne jeden Zweifel damals, als der Dawesplan gemacht wurde, wenn auch ganz in weiter Ferne, von den am weitesten blickenden Amerikanern auch schon gesehrn wurde? Die britische Politik, die die Reichskonferenz noch nicht zu Ende hat führen können. Gießener Konzertverein. Erstes Lymphonlc-kontert. In dem Liedschaffen Gustav Mahlers, das die denkbar verschieoenste Beurteilung erfahren hat, nähern sich die „Zwölf Gesänge aus des Knaben Wunderhorn", den Gegebenheiten des Textes folgend, dem Bolkvliedartigen. Mahler schafft nicht etwa neue Bolkslie^weisen in hergebrachtem Sinne, sondern er f^hrt zu dem Llrgestehungsgrund. zu der musikalischen Grundsphäre hin, aus der vielleicht einst die Worte des Volksliedes im Berein mit der Melodie entsprossen sind. So wird das LIrerlebnis in allen Phasen wieder wach, und die schnelle Folge der Situationen, über die das Volkslied mit naiver Selbstverständlichkeit hinweggeht, steht wieder im kausalen Zusammenhang. Die Lücken des Textes ergänzt in geradezu eindeutiger Weise die Musik durch ihre Zwischenspiele. Das melodische Llrgut flieht bei Mahler spontan, schlicht, natürlich, einfach. ungekünstelt. Die so sich ergebende Liedform ist nicht immer im traditionellen winne erfaßbar; sie erhält aber dadurch, daß sie aus dem Erleben der geistigen Zusammenhänge herausgewachsen ist. eine sachliche Begründung. Einen wesentlichen Faktor bildet die Orchesterbegleitung in diesen Liedern. Sie ist frei von großen Klangevolutionen, nirgends überladen, sondern durchsichtig, reizvoll, sinnig, ohne Bordringlichkeit; jede Klangfarbe erhält ihren besonderen symbolischen Wert und wird so zu treffend charakteristischer Stühe der Situation. So vermag er ebenso dem Lieber- mütigen wie auch dem Neckischen gerecht zu werden, als auch das Schaurige, Geisterhafte festzuhalten. Nicht jedem unserer Sänger wird es möglich sein, diese Lieder durchzuführen; raffinierte Bortragskunst wird ebenso ausscheioen müssen, wie ein vorherrschendes Ichtum. Naive Hingabe ohne jede Künstelei im Verein mit sinniger Llrsprünglichkeit lleßen Eva Bruhn, Berlin (Sopran), diese Lieder in ihrem Eigenreiz wachrufen und ihre Webt erschließen. Sie fand ebenso den Ton für das Neckisch-Herzliche, Llebermütige wie auch für d-as Llnheimliche, Schmerzhaft- Klagende. Wäre auch ihrem sehr sympathischen Organ stellenweise mehr Expansion zu wünschen gewesen, so fesselte sie doch die Hörer durch die Art. wie sie das Musikalische in geifltger Vornehmheit erschloß. Die Begattung der Lieder war in allen ihren klanglichen Feinheiten und ' Durchsichtigkeiten auss Sorgfältigste abgestimmt. Iede Farbe, jeder Ton wurde organischer Teil des Ganzen; jedes Instrument diente mit seiner Individualität. Eine klangliche Welt, in der sich Musikdirektor Dr. Stefan Temesvary ebenso sicher heimisch fühlte, wie bei Brahms und Tschaikowsky. hat in Palästina. Aegypten und Indien mit neuen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Erklärung über Palästina vom 20. Oktober ist ohne Zweifel eine Schwenkung. Sie gibt die freundliche Stellung zum Zionismus zu einem Teile auf unb hat eine bemerkenswerte und leidenschaftliche Opposition bei der Führung der Zionisten erregt. Die Einzelheiten können uns gleichgültig sein. Das Wichtigste ist. daß England die Bevorzugung der einwandernden Iuden nicht mehr wünscht, daß es deshalb Boden für die jüdischen Siedlungsbestrebungen nicht mehr zur Verfügung gestellt sehen will, um die arabische Landbevölkerung nicht zu benachteiligen. Der Sinn liegt wohl nahe: Man möchte mit den Arabern zusammengehen, um sich ihrer in Palästina ebenso, wie die in Mesopotamien, Es konnte schon wiederholt an dieser Stelle betont werden, wie Dr. Temesvary als feinsinniger Musiker jeder Situation mit Stilsicherheit und Feinfühligkeit entgegentritt und sie sich völlig zu eigen macht. Die Durchführung der Brahms» variationen mit ihrer vielseitigen geistigen Einstellung, ihrer ständig wechselnden Thematik, ihrem mannigfaltigen Stimmungsgehalt, ließ einen immer wieder aufhorchen; immer wurden neue Seiten wach; neue klangliche musikalische Reize entfalteten sich, jedes Bild wurde in einheitlicher Geschlossenheit durchlebt und erschaut. Wie es im Vorjahre schon bei dem Finalsatze der vierten Symphonie von Brahms zu bewundern war. so wurde auch das Finale der Variationen mit seiner kontrapunktischen Lleberbauung des Basso ostinato zu einem starken Erlebnis, das über das Wissen um den Aufbau hinweg in dem Strom des Allgemein-Musikalischen mün- Idete. so dem letzten Endzwecke des Werkes dienend. Mit einer Fülle von Temperament, die von der leisesten Regung bis zum naturalistischen Aufwallen zu folgen vermochte, führte er mit ausgeprägtem Sinn für klangliche Farbgebung in Tschaikowskys fünfte Symphonie ein, dem schicksa'.shaften Wiederkehren der Andanteeinleitung, die besonderen Beziehungen zum Gedankengehalt des Werkes gebend. Er vermittelte Eindrücke, die in ihrer klanglichen Lln- mittelbarkeit und geistigen Durchbildung noch lange im Hörer nachhallen werden. Das Orchester erwies sich seiner großen Tradition würdig, zumal mit seiner seltenen Erlesenheit in der Besetzung der Bläser. Richt immer und nicht überall wird man das Horn- solo im Andante so zu hören bekommen; aber ebenso zu loben sind die Holzbläser; der Blechkörper gab stellenweise etwas zu grelle Farben. Dr. H. Oie neuen Rilke-Briefe. Von Gerhard Vohlmann. Etwa vor Iahresfrist war der erste Teil der Rilke-Briefe anzuzeigen; sie handelten von seinen Anfängen und schlossen mit seiner Trennung von Rodin, einem einschneidenden Ereignis, das auch in diesen Band hinübergreift und schmerzhaft nachwirkt; auch über die Zeit von Rilkes beginnender „Berühmtheit" wirft die Gestalt des Meisters noch seinen Schatten. Die Zahl der Briefempfänger ist langsam gewachsen; der zweite Teil, obwohl er nur die ausgewählten Briefe eines Iahres enthält — 1906 bis 1907 — ist erheblich stärker als der erste, der die Korrespondenz von 1902 bis 1906 vorlegte; beide lind vom Infel-Derlag fo ausgestattet, daß fie überhaupt in ganz Arabien, zu versichern. Wir nehmen an. daß dieser Entschluß, der freilich kein Risiko in sich schließt, höchstens eine Völker- bundserörtcrung auslösen kann, zurückgcht auf die Fachmänner der englischen Politik im vorderen Orient und daß dem die Labourregierung folgte, obwohl das nicht so ganz mit ihren Gedanken übereinstimmt. Die Konservativen haben sofort daS innenpolitisch ausgeschlachtet, so daß der merkwürdige Widerspruch entstand, daß die Konservativen Englands die Labourregierung deshalb angriffen, weil ihr Verhalten in der Palästina-Frage — atiscmitisch wirkt. Bleibt es bei dem englischen Entschluß, so wäre freilich eine Bewegung gestoppt, die für das Schicksal der Ostjuden doch recht bedeutsam geworden war, bedeutungsvoll jedenfalls, daß die Sowjetregierung ihrerseits eine pro-jüdische Siedlungspolitik zu treiben sich veranlaßt sah. In Aegypten hat König Fuad am 23. Oktober durch Erklärung einer neuen Dersassung mit einem Wort die Diktatur ausgesprochen. Er nimmt damit den offenen Kampf mit der sogenannten Wafd-Partei auf, die als ägy- tische Volks- und Bauernpartei die nationalägyptische Freiheitsbewegung verkörpert. Er glaubt, als aufgeklärter Despot und Diktator in Aegypten regieren zu können, unzweifelhaft ein kluger und moderner Mann. Wie diese Auseinandersetzung zwischen König und Wafd ausgehen wird, ist noch nicht zu erkennen. Aber der König wird nicht auf die Llnterstützung Englands dabei rechnen können. Es wird im Fall von Llnruhen zweifellos das Leben der Engländer und ihr Recht auch mit Gewalt schützen. Cs wird seine bekannten Interessen, über deren Vertragsfassung man sich immer noch nicht hat einigen können, natürlich auch unbedingt schützen. Aber es wird die strikteste Neutralität in dieser politischen Krise bewahren. König Fuad kann in feinem Kampf nicht, wie z. Z. als Lloyd englischer Oberkommissar in Kairo war, auf die englischen Bajonette rechnen. Der jetzige Oberkommissar — Lord Lloyd mußte ja sehr plötzlich auf Hendersons Druck Sir Percy Loraine weichen — hat die Aktion der Labour-Regierung durchzuführen, die einen Vertrag über die eng« Irschen Inlerejsen in Aegypten mit dem Wafd als Vertreter Aegyptens ha.en will. Lind nun muh König Fuad sehen, ob er gegen das Volk, gegen die Fellachen regieren kann. Nehmen wir noch die indische Frage hinzu, so sind die großen Schwierigkeiten der Labourregierung im nahen und mittleren Orient zur Genüge bezeichnet. Lind man sieht eigentlich im ganzen nicht, dah Macdonald und Hender'on in dieser Orientpolitik Englands eine große Linie hätten, mit anderen Worten, daß sie klar wären, worum es sich hier handelt, nämlich zu den nicht mehr aufzuhaltenden Freiheitsbewegungen im ganzen nahen und mittleren Orient eine neuzeitliche Stellung zu gewinnen, die zugleich Englands Interessen gerecht würde. Die brasilianische Revolution ist mit dem Sturze des Präsidenten Washington L u i z am 24. Oktober zunächst entschieden. Das war kein unfähiger und erfolgloser Mann; drei Iahrzehnte hat er erfolgreich seinem Staate gedient. Ganz einfach sind auch die Gründe dieser Revolution, d'.e ein Teil der ganzen, durch Südamerika ziehenden Erschütterung ist. nicht zu fassen. Zum Teil ist es eine Revolution alten Stils; die Erhebung eines Generals und von Offiziers-„junten". die im entscheidenden Moment die Linterstützung der Truppen in Rio de Ianeiro fand. Zum Teil ist es aber auch eine Folge der Wirtschaftskrise, die hier ein ausschließlich auf ein Produkt, den Kaffee, eingestelltes Land mit vol.er Schärfe getroffen hat. Zusammenbrüche einer S.ützungs- aktion und Kaffcevreisftürze haben die Stellung des Präsidenten erschüttert, der selber aus der Reihe dcr „Kaffeebarone" kommt. Damit verband sich nun wieder die Abneigung einzelner Bundesstaaten gegen den Staat Sao Paulo, politische Eifersucht gegen einen bevorzugten Staat, aus dem der Präsident ebenso stammt, wie fein schon gewählter Nachfolger, der nun auch gestürzt ist. Lind all dieses richtet sich dann nationalistisch gegen eine Politik, die fremde Anleihen, namentlich ncrdamerikanische begünstigte, und das Land in eine größere Abhängigkeit von Nordamerika brachte. In Dra- fiüen steckt nicht weniger als eine Halle Milliarde Dollar nordamerikanischen Kapitals. Es ist da- duxch, wie fast alle südamerikanischen Staaten, nicht mehr in der Lage, offen gegen die Ber- Frankreichs Rüstungsindustrie im Korr.dor! Von Dr. Karl Gustav B.ttner. Polen feiert den Iahrestag von Deutschlands endgültiger Nicdeilaz ?. den 9. November, In ganz eigener 'Weise: Ql:. , fern Taz wird d e ft r a t e - gisch wichtige Hi > e n b a h n l iie B r o m - berg Gdingen feierlich eröffnet. Frankreichs Regierung und Frankreichs Industrie sind in gleicher Weise an die,em strategisch-ver- kehrstechnischen Strich interes iert, den Polen zwischen Deutschland und Ostpreußen zieht. Deutschland und Ostpreußen f.nd ja für die Entente, ob sie nun klein ober groß ist, längst zwei verschiedene Begriffe geworden und' man wartet nur auf den Tag, an dem das alte Dcutschordensland wie eine reife Frucht dem polnischen Nachbar in den Schoß fällt. Die Ei enbahnlin'.e Bromberg—Gdingen gehört der Firma Schneider-Creuzot. der g.öß- ten Waffenschmiede Frankreichs. Polen ist der militärische Trabant Frankreichs und d:ssen wichtigster D rposten im Osten Europas. S o sieht d a s P a n - C u r o p a B r i a n d s aus! Man tarf nicht vergessen, was sich zur Zeit in Polen ab,(fielt: noch nie wurde deutsche Kultur in solchem Zynismus, mit solcher Brutalität mißhandelt, wie jetzt, wo sich unter dem Dittorat Pil- sudskis Wahlen vollziehen, aus denen Polen als reiner Qlatlon alftaat ohne Minderheiten hervorzugehen die feste Ab,ächt hat. Deutsche Kulturarbeit von mehr als einem halben Iahrtauscnd ist im Osten in Gefahr! Große Gebiete an der Ostsee find längst abgebröckelt; mühsam hielt fich unter russischer Herrschaft die baltische Oberschicht in Kurland, Livland und Lettland ; heute ist sie verarmt, am Rand des Abgrundes. Memel ist abgebrochen, es besitzt eine „Autonomie", die zu traurig ist, um zu einer Operette fig irreren zu können. Danzig ist eine „freie" Staat, die langsam, aber mit grausamer Konsequenz von Polen wirtschaftlich erdrosselt wird, ilnb Ostpreußen? Man kann von Berlin aus leichter, schneller und vor allem bequemer Venedig oder Paris erreichen, als Königsberg, die nordische Leuchte den schen Geistes, die Stätte des Wirkens des großen Kant. Mit sa'anischer List und Klugheit hat der Versailler Vertrag tiefe Wunden in den deutschen Osten geschnitten, hat dort Grenzen gezogen, die weder strategisch, noch ethnographisch, noch wirtschaftlich zu rechtfertigen find. Denn keinem ist durch diese Grenzziehung geholfen, allen geschadet. Wenn das noch einige Menschenalter so weiter geht, wird sich dort, wo jetzt noch stolz und hehr die g tischen Bauten der deutschen Ritter stehen, eine „Kultur" breit machen, die wir erschaudernd im Weltkrieg kennengelernt haben. Schmutzige Kassubendörfer werden ihren übel- riechendem Rauch über eine Landschaft verbreiten, in der einst Städte standen, die deutscher Fleiß, deutsche Ordnung errichtet haben ... — Ist das der Wille, der hinter dem Dokument von Versailles steht? Rein; solche Fragen find den heutigen Herren der Welt gleichgültig. Es handelt sich lediglich darum, dem in Waffen starrenden „friedlichen" Frankreich einen östlichen Stützpunkt zu schaffen. Lind dieser Stützpunkt ist Polen, das auf Frankreichs Geheiß eine • Armee unterhält, die, wirtschaftlich gesehen, ein Wahnsinn ist. Frankreichs Politik zielt unverhohlen auf eine Hegemonie in Europa ab. Eine Hegemonie, die durch Driands Paneuropa-Reden einen vertrauenerweckenden Anschein erregen soll, deren Spitze g:^en England und Italien gerichtet ist. Deutschland aber ist in diesem Schachspiel eine recht untergeordnete Figur. Vielleicht der Schauplatz, auf dem sich die kommenden Kriege abspielen s llen? Iedensalls aber weiß Frankreich, daß es Deutschlands Zustimmung zu einem Paneuropa unter französischer Führung erzwingen muß; denn freiwillig kann Deutschland diese Zustimmung nur geben, wenn es sich selbst aufgibt. Mehr als tausend Iahre währte der gallisch- germanische Kampf um den Rheim Er ist noch nicht zu Ende. Geht er auch nicht mehr um den Fluß als Grenze, sondern um Kohle und Eisen, wird er auch nicht mehr in Lothringen, sondern im Osten geführt. Wird Deutschland mürbe an der slawischen Grenze, dann wird es auch nicht mehr die Kraft haben, das Saargebiet jemals wieder in feine Hand zu bekommen. Ostpreußen und das Saargebiet hängen schicksalhaft zusammen! Lind Frankreich führt feinen Krieg weiter gegen den deutschen Nachbarn, führt ihn weiter mit Schneider-Creuzot; heute mit Cisenbahnaltien, wie gestern mit Kanonen. Der Ausgang dieses Kampfes, den Frankreich am 9. November 1930 ebensowenig endgültig gewinnen wird, wie zwölf Iahre früher, wird über Europa entscheiden. Deutschlands Schicksal ist Europas Schicksal: Ein starkes, freies Deutschland in einem starken, freien Europa — oder ein geknechtetes, verarmtes Deutschland in einem geknechteten, verarmten Europa, das von Negern bewacht und in Sklaverei gehalten wird — bis ein stärkerer die Beute an sich reißt: Amerika. Wir brauchen ein Pan- Europa; aber ein organisches, des,en Herz Deutschland ift sich Rilkes „Gesammelten Werken" angleichen.' Aber trotz wachsender Teilnahme, welch ein weiter Raum um den Dichter, welches Verlangen nach einsamer Ruhe und ungestörter Entwicklung. Er weiß selbst, dah er in der Erledigung brieflicher Verpflichtungen läffig ist, aber ihm ist jede Art der Mitteilung eine ernsthafte, persönliche und fast heilige Sache, er kann sich nicht entschließen, Karten zu schreiben, der Gedanke an eine Schreibmaschine wird überhaupt nicht in Erwägung gezogen, alles Mechanische stört und verwirrt, und man meint das verlegene Lächeln zu sehen, mit dem dieser Sensitive von seiner Lingeschicklichkeit in den Dingen des äußeren Lebens redet, wie er fürchtet, nicht allen Ansprüchen genügen zu können, wie ihn die Forderungen des Augenblicks erregen, überraschen, ungerüstet finden, während er doch ganz einsam und zurückgezogen bleiben möchte: „Ich muß mit meiner Arbeit allein fein“, steht dick unterstrichen da; er kann sich nicht entschließen, Kritiken und Broschüren, die nun über ihn zu erscheinen beginnen, zu lesen und entschuldigt sich bei den Einsendern auf feine Art, einmal fo: „Mit einiger ilebertreibung ausgesprochen, ist mein Empfinden dieses: daß ich au hören müßte zu arbeiten, sobald irgendwelche Stimmen mich über das Verhältnis zu meiner Arbeit, über ihre Art, ihren Llrsprung, ihren Verlauf au'zu- klären vermöchten. In meiner völligen Unbefangenheit dieser Arbeit gegenüber, meinem sie-nicht-kvntrvllieren-können, meinem nichts-vvn- ihr-wissen beruht (ich weiß es nicht anders zu sagen) das Wesentliche meiner inneren Sicherheit." Wie kann sich diese Sicherheit einzig erhalten? In Einsamkeit. Man verstehe also diese Worte tiefster Entrücktheit: „... so will ich niederknien und aufstehen, täglich, allein in meiner Stube, und will heilighalten, was mir darin widerfuhr; auch das Nichtgekommensein, auch die Enttäuschung, auch die Verlassenheit. Cs gibt keine Armut, die nicht Fülle wäre, wenn man sie ernst und würdig nimmt und nicht zum Aergemis macht und preisgibt.“ Der Dichter. Das Wort hat heute einen lächerlichen Klang, es schmeckt nach unsachlicher Qkr- stiegenheit und höheren Regionen. Aber hier redet ein Dichter noch mit Glauben und Lieberzeugung von dem Erlebnis, aus dem das Werk stammt: Kunstdinge sind ja immer Ergebnisse des In-Gefahr-gewesen-Seins, des in einer Erfahrung Dis-ans-Ende-gegangen-Seins, bis wo kein Mensch mehr weiter kann. Ie weiter man geht, desto eigener, persönlicher, desto einziger wird ja ein Erlebnis, und das Kunstding endlich ' Rainer Maria Rilke: Briefe aus den Iahren 1 9 0 6 b i s 1 9 07. Heraus- gegeben von Ruth Sieber-Rilke und Carl Sieber. 429 Seiten 8°. Im Infel-Derlag zu Leipzig, 1930. (438.J ist die notwendige, ununterdrückbare, möglichst endgültige Aussprache dieser Einzigkeit." Dieser Einsame in Capri, Berlin, Paris', einsamer und stiller, je lauter es um ihn wird, lebt wirklich nicht mehr, um dazufein; seine Gedanken kreisen ständig um sein Werk, seine Berufung und Sendung. Das alles ohne Hochmut; er klagt, wie sehr er sich im Deutschen immer noch als Anfänger fühlt — da.ei ist eben fein „Stundenbuch" crfch.enen — wie weit entfernt er davon fei, immer nach den Worten zu greifen, die „jedesmal" die einzig richtigen find — fo wird auch feine Cinsamleit zu einer immerwährenden Schule, zu einer unaufhörlichen Prüfung. Cr kennt die'e Prüfungen, ohne zu verzagen, denn er hat die Gnade des Wartens und des Gewähren lassens, und so ist es verständlich, daß cr Erscheinungen wie Walther Cale (der sich jung den Tod gab) ablehnt: zu schnell und zu leicht ha.e dieser Iüngling die Aufgaben bewältigt, „in denen ein Werdender langsam Geduld und Siebe und Hingabe nach ihrer Schwere werken lernt". Einsamkeit bedeutet nicht Welt^remdheit oder Llnkenntnis der Menschen. Er sieht und durchschaut sie sogleich mit dem intuitiven Blick des Sehers, und so entstehen die untrüglichen feinen Charakterze.chnungen, die zahllos in diefem Bande sind: „Ellen Key, die mir vorkommt, als wäre von ihr kaum mehr etwas übrig, fo ist sie benagt und angefreffen von allen bilden Ratten-« feelen ... wie sie nichts ist als ein Fetzchen altmodischen Ideals, eingesetzt in einen sezessionisti- schen Lehnstuhl und ganz entzückt über ihre eigene Verwendung ...“ Gorki: „Cs war lieb und herzlich, ihn zu sehen und zu hören ... aber der „Demokrat", den er herauskehrt, steht Loch arg zwischen uns. Das Hindernis ist um so größer in diesem Fall, als der Revolutionär mir sowohl ein Widerspruch gegen den Künstler wie gegen den Russen scheint: beide haben so sehr viel Grund, gegen Revolutionen zu fein in ihrem Innersten, weil beiden nichts so wichtig ist wie die Geduld ..." Der Einsame begegnet eigentlich nicht vielen. Seine Begleiter sind die Luft einer Stadt, die Farben auf Capri, das Silber eines Morgens, der Duft einer Frucht und dann die Dinge der Kunst. Er fühlt sich vor Bildern als unverständiger Laie, aber er leitet aus ihnen das Wesen ihrer Schöpfer ab, als kenne er sie persönlich. Am Ende des ersten Briefbandes stand das Erlebnis Rodins, dieser wird durch ein neues beschlossen. Es heißt Cezanne. * Cs dürfte hier interessieren, daß eine Am» zahl Briefe des Iahres 1906 aus Schloß Friedel- Hausen bei Lollar datiert sind, wo Rilke bei Frau Alice Faehndrich, geb. von Nord eck zur Rabenau» einige Sage zu Gast war. Unlautere Darlehensgeschäfte vor Gericht. Großer Betrugsprozeß vor dem Gießener Schöffengericht. - 80 Zeugen zur Vernehmung. * Gießen, 7. Rov. Heute begann vor dem Erweiterten Schöffengericht die Harcptverhandlung «gegen den Kaufmann Albert Wacker von Wieseck wegen Betrugs. Mit Rücksicht auf die umfangreiche Beweisaufnahme (es sollen etwa 80 Zeugen hier vernommen und die Aussage von etwa ebensoviel auswärts vernommenen Zeugen und die gesamte Korrespondenz usw. verlesen werden) sind ein Hilfsrichter und ein Hilfsschoffe zugezogen worden. Wacker wird des fortgesetzten Betrugs beschuldigt. Er soll als Vertreter einer Wiener Firma Pavelec und als Inhaber der von ihm gegründeten Kreditschuhvereinigung „Kreveawa" Darlehnssuchende um ihre Beiträge geschädigt haben. Wacker bestreitet jede Schuld. Er sei 1928 Vertreter, dann Zentralleiter und schließlich Reichsleiter der Firma Pavelec geworden. Er Hütte den Angaben in deren Prospekten usw. getraut. Erst 1929 habe er gemerkt, daß es mit Pavelec doch nicht richtig sei. Er sei dann aus- geschieden und habe die „Ä r e D e a to a“ gegründet. Deren Geschäftsführung sei durchaus einwandfrei gewesen. Wacker übergibt eine Aufstellung, wonach während der sieben Monate des Bestehens der „Kreveawa" 1 2000 M k. (Sin- nahmen ju verzeichnen sind, darunter 3500 Mk. noch nicht gezahlte Mitgliedsbeiträge. von diesen Geldern haben Darlehnssuchende 900 Mark erhalten — wacker 3800 Mark für seine Geschäftsführung. Der Rest wurde für Inserat- und Drucksachen, Bücher usw. ausgegeben. In seinen Prospekten sprach allerdings Wacker davon, daß die „Kreveawa" ehrenamtlich verwaltet werde. Eine Fülle Llnrichtigkeiten ähnlicher Ratur sind in den Prospekten enthalten, die dann teilweise verlesen wurden. Sie alle lassen deutlich erkennen, daß oer Zweck beider Firmen war, möglichst viele Mitglieder und damit deren Beiträge zu bekommen. Ehe diese „gemeinnützigen" Institute für ihre Kunden tätig wurden, muhten erst die Beiträge (60 Mk. für ein Jahr mindestens) gezahlt werden. Aber dann bekamen die Geld- suchenkxn mit ganz wenigen Ausnahmen-n i ch t s. Wir werden demnächst über die Beweisaufnahme und das Urteil berichten. Eifrige Verkehrswerbung in Lich. * Lich, 7. Rov. Der hiesige Verkehrs- und Verschönerungs-Verein hielt heute abend unter Leitung des Vorsitzenden. Bürgermeister Geil, im Park-Hotel seine Hauptversammlung ab. Das groß? Interesse unserer Bürgerschaft an der Arbeit des Vereins kam in außerordentlich starkem Besuch zum Ausdruck. Da der Verkehrs- und Verschönerungs- Verein nach längerer Ruhezeit erst vor einigen Monaten zu neuem Schaffen wieder erweckt worden war, war zwecks Wiederanknüpfung guter Arbeitsbeziehungen zwischen Lich und dem Verkehrsbund Obcrheffen Redakteur Dlumschein von Gießen als Vertreter des Vorstandes des Verkehrsbundes Oberhessen anwesend. Bürgermeister Geil begrüßte die stattliche Versammlung unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Arbeit des Vereins. Sodann hieß er den Vertreter des Derkehrsbundes Oberhessen willkommen mit dem Wunsche, daß zwischen dem Der- kehrsbund Oberhefen und dem 'Verkehrs- und Verschönerungsverem Lich immer eine fruchtbare, gemeinsame Arbeit bestehen möchte. Den gleichen Wunsch, mit der Versicherung des besten Willens zu regster Mitarbeit, brachte der Vertreter des Verkeyrsbundes Oberhessen zum Ausdruck. Hierauf erstattete der Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsoereins, Lehrer Hild, den Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes während der fünf Monate feit dem Wiederaufleben des Vereins. Die Darlegungen des Berichterstatters zeugten von ungemein reger Arbeit der leitenden Herren des Vereins, die auf Grund ihres bisherigen gemeinnützigen Schaffens berechtigten Anspruch auf allseitige Unterstützung ihrer Arbeit erheben können. U. a. wurde in dem Bericht zur Kenntnis gebracht, daß der Verein an den schönsten Stellen der Stadt Ruhebänke aufgestellt hat und die bisherigen, soweit erforderlich, erneuern ließ; bei dieser Gelegenheit wurde auch der dringende Wunsch um Schonung dieser gemeinnützigen Einrichtungen ausgesprochen, eine Bitte und Ermahnung, die besonders an die Jugend gerichtet wurde. Weiter wurde von einer Verschönerung am Denkmal berichtet, der weitere Arbeit in gleicher Richtung folgen soll. Auf dem Gebiete der Verkehrswerbung brachte der Vorstand zunächst in kleiner Auflage einen Führer durch Lich her- aus, der demnächst in größerer Stückzahl hergestellt und für den Besuch in unserer Stadt werben soll. Sodann wurde Kenntnis gegeben von der Schaffung eines Mitteilungsblattes, das einer engeren Verbindung der Arbeit des Dereinsoorstandes mit den Mitgliedern und der Bürgerschaft dienen soll. Im weiteren Verlaufe des Berichtes brachte der Vorstand zur Kenntnis, daß er sich um die Schaffung von Sonntagsfahrkarten der Reichsbahn auf der Strecke Frankfurt — L t ch bemüht hat, daß er sich für die Einrichtung einer Jugendherberge in Lich einsetzt, hinsichtlich der vom Verkehrsbund Oberhessen geplanten Herausgabe einer Reliefkarte von Oberhessen Wünsche geltend macht, an der Schaffung der großen Autostraße (H a f r a b a) mit bestimmten Forderungen im Interesse der Stadt Lich interessiert ist und auch hinsichtlich der Errichtung von Autobuslinien nach und von Lich aus, gegenwärtig in erster Linie im Zusammenhang mit der bevorstehenden Verkraftung der Landpost, starke Aktivität entwickelt. An den beifällig aufgenommenen Tätigkeitsbericht schloß sich eine rege Aussprache an, an der sich Oberbahnhofsoorsteher Berg, Bürgermeister Geil, Lehrer H i l d, Kaufmann Hahn, Herr Busch und der Vertreter des Verkehrsbundes Oberhessen beteiligten. Bei dieser Erörterung wurde eine ganze Reihe wichtiger Verkehrsfragen unserer Stadt eingehend behandelt. Man beschäftigte sich u. a. mit der Butzbach-Licher Dahn, mit den Kraftpo st plänen der Reichspost, der Haltung der Reichsbahn gegenüber den Licher Wünschen hinsichtlich der Sonntagöfahrkar- te n, wobei lebhaft bedauert wurde, daß die Reichsbahndirektion Frankfurt die Schaffung von Sonntagsfahrkarten Frankfurt — Lich zunächst ab» gelehnt und sich nur zur Schaffung von Sonntagsfahrkarten Lich — Frankfurt bereit erklärt hat. Weiter wurde eingehend über die Frage der Ausgestaltung des Po st dien st es von Lich aus nach den Nachbarorten beraten, ferner die Einrichtung von öffentlicher Fern- sprechgelegenheit durch Aufstellung von Fernsprechhäuschen in den Straßen unserer Stadt gefordert, weiter auch geltend gemacht, daß die Oberpostdirektion Darmstadt alles tun müsse, um den Wirkungsbereich des mit erheblichen Kosten geschaffenen neuen Licher Postamtes aus- jubauen. Man war sich auch allseitig einig in der Erkenntnis, daß für die Verkehrswerbung im Interesse unserer Stadt weiterhin rege gearbeitet werden muß. Als Ergebnis der gründlichen Aussprache konnte der Vereinsvorstand eine große Anzahl von Anregungen für seine Arbeit und die Versicherung allseitiger Bereitschaft zur Unterstützung seiner Tätigkeit verbuchen.. Sodann wurde über das Ergebnis der Rechnungsführung und den von dem Verein veranstalteten Blumenschmuckwettbewerb berichtet, wobei eine Anzahl Mitglieder für hervorragende Stiftungen bei der Schmückung ihrer Häuser und Wohnungen mit Blumen durch ansehnliche Preise ausgezeichnet wurden. Der Vereinsbeitrag, der sich früher auf 5 Mark pro Jahr belief, wurde auf 1 Mark jährlich festgesetzt, um jedem Einwohner der Stadt die Möglichkeit zu geben, unter tragbaren finanziellen Bedingungen die Mitgliedschaft im Verein zu erwerben. Ein besonderer Höhepunkt der Versammlung war die Auszeichnung des um unsere Stadt und um den Verkehrs- und Verschönerungsverein sehr verdienten Lehrers Jakob Schneider durch e i n ft t m • mige Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins. Reger Gedankenaustausch hielt die Mitglieder nach Schluß der Versammlung noch längere Zeit beisammen. einigten Staaten aufzutreten. Darum aber ist in diesem Staate eine natürliche und starke Frci- heitsbewegung vorhanden, ein Haß gegen Rordamerika und gegen eigene Politiker, die die Verbindung mit Amerika fördern. Das vermehrt überdies auch erneut die Schwierigkeiten Englands. Denn nicht nur die Werte Rordamerikas in Südamerika sind ungeheuer, sondern auch die Englands. Dabei muh man sich in Rordamerika w:e in England sagen, daß man zu einem guten Teile selbst an die'er Gefährdung seiner Interessen schuld ist, die allmählich fast auf ganz Südamerika übergegrifsen hat. Denn katastrophal traten damit die Folgen des Krieges hervor, die auch für Südamerika nicht günstig gewesen find. liniere Gegner haben diese Staaten zur Rohstofflieferung, zur Lieferung von Kriegsmaterial usw. gegen Deutschland herangezogen. Daran haben zunächst diese südamerikanischen Staaten verdient. Aber jetzt zeigt sich, daß ihnen das nicht zum Segen geworden ist, denn auch sie sind in die weltwirtschaftliche Krise als eine Folge der Kriegserschütterung hineingezogen worden. Sollten derartige Erscheinungen nicht dazu veranlassen, in einer wirklich entschlossenen internationalen Zusammenarbeit über den Völkerbund. in dem auch zahlreiche südamerikanische Staaten sind, oder auf anderen Wegen die wirtschaftliche Rot zu beheben und den politischen Frieden zu sichern? Zeigt sich nicht bald an jeder Ecke, daß dieser ungeheure Krieg auch- nicht entfernt für die Sieger ein Erfolg, ein Geschäft gewesen ist? Daß sie schließlich doch alle nur geholfen haben, eine Machtstellung Frankreichs in Europa Herstellen zu Helsen, eines Frankreich, das heute durch seine politische Starrheit und die Art seiner Äachkriegs- politik die Abrüstung und alle verwandten Fragen lähmt, den Frieden nicht fördert, und das durch seine Goldpolitik ebenso die wirtschaftliche und finanzielle Ordnung in der Welt auf hält, ja stört? Aus Oer Provmzialbauptstadt. Gießen, den 8. November 1930. Anweisungen zum Schlachten. Der Gießener Tierschutz-Verein, Weserstrahe 4, teilt uns mit: Man betäube nach Möglichkeit jedes Tier vor dem Schlachten. Ist das unmöglich, so lasse man nach dem Schnitt den Kopf des Tieres nicht herabhängen, denn so lange warmes Blut im Gehirn ist, lebt und fühlt das Tier. Bei auf- gerichtetem Kopf stirbt es rascher. Deshalb trage man das Geflügel nicht mit herabhängendem Kopf zum Schlachten. Alle Werkzeuge müssen scharf sein. Hühner aller Art und Puten betäubt man durch kräftigen Kopfschlag und schneidet, oder schlägt ihnen dann den Kopf ab. Gänsen und Enten durchsticht man nach der Betäubung mit spitzem Messer den ersten Halswirbel hinten. Bloßer Kehlschnitt und das Hineinstechen in den Schnabel ist grausam. Fische betäubt man durch kräftigen Schlag auf den Kopf und durchschneidet dann die Wirbelsäule hinter dem Kopf. Das Ab» schuppen des lebenden Fisches ist grausam, ebenso der Transport von Fischen ohne Wasser, wobei das Tier schreckliche Atemnot leidet. Kaninchen betäubt man durch einen wuchtigen Schlag mit einem schweren Stück Holz hinter die Ohren und durchschneidet dann die Halsadern. Bei Hausschlachtung von größeren Tieren sorge man für rasche gründliche Betäubung und lasse nach dem Schlachten mit aufgerichtetem Kopse ausbluten. Schlachtungen sind keine Schauspiele für Kinder. Der Anblick des vergewaltigten Tieres erregt in Kindern mitleidiges Grausen, oder hartherziges Vergnügen. Beides schadet dem Kind. Man schlachte auch nicht bei der Tötung von mehreren Tieren eines vor den Augen des andern, sondern erspare ihnen die Todesang st. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 160, Kochbutter von 130 an, Matte 30 bis 35, Weißkraut 5 bis 6, Wirsing, Rotkraut, gelbe und rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3,5 bis 4, Aepfel 25 bis 50, Dirnen 20 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 40 bis 60, Honig 40 bis 50, junge Hähne, Suppenhühner und Gänse 100 bis 110 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 50 bis 70, Eier 16, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurlen 20 bis 30, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund; Kartoffeln 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mark der Zentner. Vornotizen. — Tageskalender für Samstag. Schühengesellschaft 1926: 4. Stiftungsfest, 20.30 Tlhr, auf der „Liebigshöhe". — Altersvereinigung 1877/1927: Versammlung, 20 älhr, Kohler, Wcstanlage. — Kavallerie-Verein Gießen: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, im ..Hessischen Hof". — Kriegerverein Gießen: Monatsversammlung, im Schühenhaus. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Liebe und Champagner". — Astoria- Lichtspiele: „Robert und Bertram". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Schinderhannes", 14 bis 17 Uhr und 18 bis 21 Uhr. — Lukasgemeinde: Familienabend, 20 Uhr, im Lukassaal. - Mandolinen» und Gttarrenverein „Reapolita": Konzert. 16.30 üljr, in der Reuen Aula der Universität. — Großes Militär-Konzert, 20.15 Uhr, im Cafe Leib. — Cvang. Stadtmission: Iahressest, 15 Uhr und 20 Uhr, Löberstraße. — Bienenzüchter Gießen und Umg.: Versammlung, 15 Uhr, bei Kraft. — Verein für deutsche Schäferhunde: Besprechung 9.30 Uhr, im Hotel Hopfeld. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Kulturfilm - Frühvorstellung „Maha; auf den Inseln der 1000 Wunder'' 11.15 Uhr; abends „Liebe und Champagner" — Astoria-Lichtspiele: „Robert und Bertram" (mit Harry Liedtke). — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen 18 Uhr im Rahmen der sonntäglichen Fremdendorstellung Carl Zuck- mayers Dolksstück: „Schinderhannes" unter der Regie von Intendant Dr. P r a s ch. — Montag im Mittwoch-Abonnement Gastspiel der Konrad- Dreher-Truppe mit dem Volksstück: „Der wunder» tätige Antonius". — Dienstag erstmalige Wieder» hvlung des mit Erfolg auf genommenen Lustspiels: „Geschäft mit Amerika" unter der Spielleitung von Karl V o I cf. — Am Freitag Erstaufführung von Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe" unter der Spielleitung von Walter Bäuerle. — Oberhess. Gcschichtsverein. Man schreibt uns: Den ersten Vortrag dieses Winters wird am Montag, 10. Rovember, Herr Geh. Kirchenrat Prof. D. Krüger über „Die Endä- monisten" halten. Es handelt sich um eine unter dem Druck der französischen Revolution zusammengetretene Gelehrten- und Literatengesellschaft, über deren Pläne und Wege der Vortragende an Hand bisher unbekannter Akten neues Licht zu verbreiten vermag. Im Vordergrund stehen zwei Perfönlichteiten: der Gießener Regierungsdirektor von Grolman und der Darmstädter Oberhofprediger Starck. Dem Vortrag geht die diesjährige Mitgliederversammlung voraus; Ort: Hörsaal 54 des Vorlesungsgebäudes. (Vgl. die Anzeige am 3. Rovember.) — Gemeindefeier der Markus- gemeinde. Man schreibt uns: Wie alljährlich, findet auch am morgigen Sonntag Wiede» Gemeindefeier und Verkaufstag der Markus-- gemeinbe in der Turnhalle statt. Cs wirken mit der Verein für christliche Musik, die Kinder der Kinderkirche und die Mädchenvereinigung. Tie Handarbeiten, welche zum Verkauf geboten werden, sind von dem Frauenverein hergestellt, ihr Erlös ist für die soziale Hilfe in der Gemeinde bestimmt. (Siehe heutige Anzeige.) — Deutschnationale Volkspartei. Man schreibt uns: Am Mittwoch, 12. November, 20% Uhr, hält Frau Reichstagsabgeordnete Annagrete Lehmann im „Postkeller" einen öffentlichen Vortrag über: „Warum bekämpfen wir das gegenwärtige Regierungssystem?" (Siehe heutige Anzeige.) = Förderer des Tierschutzes In Oberhessen. Der Tierschutzverein für Hessen 1 hot in feiner Hauptversammlung in Heppenheim beschlossen, an 61 um den Tierschutz besonders verdiente Polizeiaufsichtsbeamte und an 53 treue Tierpfleger Drplome und Anerkennungsprämien als Auszeichnung überreichen zu lassen. Zu den Ausgezeichneten gehören die Tierschuhförderer in Oberhessen: Polizeiaufsichtspersonal: die Gendarmerie-Hauptwachtincister Scharmarn (Gießen), Schalter (Lich), F.scher (Vilbel), Wei° bett (Homberg), Großmann Büdingen), Riesling (Friedberg), Dreher (Bad-Rauheim), Haber (Rockenberg), die Gendarmeriemeister Schneider (Homberg), Günther (Groß-Karben), Wenzel (Vilbel), Braun (Laubach), Rumpf (Ulrichstein), die Polizei-Hauptwachtmeister Kögel, Kühl, Kramer, Pietsch, Kohn, Haubncr, Zimmer (Gießen), Schmidt (Bad-Rauheim), die Polizei-Oberwacht- meister Kurt Schäfer (Gießen), Rapp (Bad-Rau- beim). Für treue Tierpflege wurden ausgezeichnet: Cornelius Müller (Gießen), Heinrich Balser und Gustav Erb (Großen-Buseck), Johannes Geisel II. (Leusel), Margarethe Haber- rnehl (Altenburg), Konrad Scheer (Gleimenhain), Otto Werner (Litzberg), H. Euler V., Ioh. Petri, Adam Beyer (Vonhausen), Fr. Münch, H. Gillmann, Fritz Papendick, W. Fromm (Bad-Rau- heim), Hermann Horn (Lauterbach), Katharine Boß (Engelrod), Ernst Ktieschewski (Gedern). Für besondere Verdienste erhielt Lehrer t. R. Artz (Bindsachsen), der 50 Jahre Ortsvertreter ist, eine besondere Urkunde. ** Unterhaltungsnachmittag. Auf besondere Anregung hin hat sich die Volkshochschule entschlossen, im Lause des Winters eine Reihe von Unterhaltungsnachmittagen zu veranstalten, die unentgeltlich jedermann Gelegenheit geben sollen, sich einige Stunden von den grauen Gedanken des unausgefüllten Tages freizumachen. Gestern nachmittag fanden sich im Singsaal des Realgymnasiums sehr viele gfreunbe der Volkshochschule und eine große Reihe jüngerer Leute ein. Zwar konnte das Programm, das für diesen Rachmittag vorgesehen und veröffentlicht war, nicht völlig zur Durchführung gelangen, da Herr Hegar, der Leiter der Volkshoch chule, erkrankt war. So wurde denn eine Stunde mit musikalischen Darbietungen ausgefüllt, für die sich Frau Wolfs, Frl. Behersdors, Frau Dr. Fischer und Herr Beyersdorf zur Verfügung gestellt hatten. Eine Dachsche Kantate, Lieder von Mendelssohn, schöne beläimie Volkslieder, von Frau Wolff außerordentlich lebendig gelungen, waren wohl geeignet, den Zweck zu erfüllen, dem sie vorher bestimmt waren. Die Darbietungen fanden lebhaften Beifall. ** Denkmalsweihe in Darmstadt. Am Sonntag, 16. November, findet in Darmstadt die Weihe eines Gefallenendenkmals der Großh. Hessischen Train-Abteilung Nr. 18 und ihrer Feld-Formationen statt. Mit der Weihe ist am Samstag die Veranstaltung eines Begrüßungsabends für auswärtige Kameraden verbunden; am Sonntag um 11.45 Uhr findet der eigentliche Festakt statt; um 15 Uhr vereinigt eine Wiedersehensfeier die ehemaligen Angehörigen der Trainabteilung. ** Bezirks-Lehrerverekn Gießen- Land. In der jüngsten Versammüitzg, die am Samstag im Hotel Kobel stattfand, gedachte der Vorsitzende zunächst in warmen Worten des an demselben Tage verstorbenen Mitgliedes Heinrich Jäger, Lehrer in Mendorf (Lahn). Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen hielt Lehrer D r. M i - ch e l, Wieseck, einen Vortrag über „Heimatkunde auf der Oberstufe der Volksschulen". In klarer, abwägender Weise legte Dr. Michel die Gründe bar, warum wir auch in unfern Oberklassen unsere Heimatgemeinde und ihre Umgebung, ihre Beziehungen zu den Nachbargemeinden und Arbeitsplätzen, vor allem auch ihre geschichtliche Entwicklung näher kennenlernen müssen. Es gilt nicht nur, die Kinder auf der Unterstufe in die nähere Heimat einzuführen, sondern viel wichtiger ist es, den älteren Kindern ihre Heimat lieb und vertraut zu machen. Zu den besten Hilfsmitteln, die hier in Frage kommen, gehören unstreitig die Umgebungskarten größerer Städte und Dörfer (1:25 000), herausgegeben vom hessischen Landesvermessungsamt. Anhand dieser Karten können unzählige Erkenntnisse gewonnen werden. An Beispielen zeigte der Vortragende, mit welchem Eifer und welcher Sorgfalt die Schüler von Oberklassen diese Karten nach verschiedenen Seiten hin ausarbeiten und verwerten. Daß nebenher noch Gemarkungsgänge, und Rückblicke in die Geschichte unserer Gemeinden ergänzend hinzutreten, wurde ebenfalls erwähnt. An den mit viel Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine sehr rege Aussprache an. Zugleich wurde von neuem der Plan erörtert, für den Kreis Gießen eine Arbeitsgemeinschaft der Heimatfreunde zu gründen. Er wird wohl im Jahre 1931 Wirklichkeit werden. * „M i I a I, der Grönlandjäge r". Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband vereinigte am Donnerstagabend seine Mitglieder und Freunde zu einem Filmabend im Cafe Leib, der einen sehr guten Besuch auszuweisen hatte. Zur Ausführung gelangte ein Film „Wllak, der Grönlandfahrec", der in sehr feinen Bildern die Mühen, Gefahren und Entbehrungen einer Forschungsfahrt nach Rordgrönland toiet) ergab, dessen besonderer Wert aber darin bestand, daß' er an tatsächliche Geschehnisse anknüpft und auf Grund von Tagebuchaufzeichnungen in feiner Handlung rekonstruiert wurde. Hervorragende Raturaufnahmen aus dem nördlichen Eismeer, von der ernsten, erhabenen und doch so kalten Pracht des Rordlandes, die sehr eindrucksvolle Schilderung der Fahrt über tausend Kilometer Eis und Schnee zeichnen den Fllm vor manchem anderen aus. Die Bilder aus dem Leben bet Eskimos gefielen besonders gut; Milaks aufopferndes Wesen gab der Handlung die menschliche Crundnote. Oberheffen. Landkreis Gießen. X Wieseck, 8. Rov. Der erste evangelische Gemeindeabend brachte in einer Lichtbildstunde 48 Bilder über Doktor Martin Lu ther nach Radierungen von Gustav König (1808 bis 1869). Der Ortsgeistliche gab die Erläuterungen. Vorher erfreute sich die sehr zahlreich versammelte Schuljugend an den schönen Bildern. * Leihgestern, 7.Noo. Der hiesige Landwirtschaftliche Konsumverein I ist dazu übergegangen, bas 4 Pfund-Brot, bas bisher hier 70 Pf. unb zum Teil noch mehr kostete, für 60 Pf. zu verkaufen. Der Preisabbau wird allgemein begrüßt. — Kürzlich fand hier eine Versammlung der Milchproduzenten statt. Die Preisspanne zwischen Erzeuger, unb Hänblerpreis würbe als zu hoch erachtet. In ber hiesigen Milcherzeugerschaft besteht ber Wille, unter Umstänben ebenfalls — bem Beispiel anberer Lanbwirte folgend — direkt an die Verbraucher zu liefern. OHolzheim,7. Rov. Hier wurde durch Vermittlung des Ortsgeistlichen Pfarrer Schmidt eine Sammlung zugunsten der Rheinischen M i s s io n durchgeführt. Cs wurden insgesamt etwa 150 Zentner Kartoffeln aufgebracht, die mit der Bahn nach Barmen gesandt wurden. Die Spender stellten die Säcke und brachten auch das Geld für die Fracht auf. af. Langsdorf, 7. Rov. Am Mittwochabend wurde auf Veranlassung des Landesvereins für Innere Mission in der hiesigen Kirche der F i l m „Wunder der Schöpfung" gezeigt. Er machte bekannt mit den Geheimnissen der Sternenwelt und ihrer Erforschung zu allen Zeiten; er zeigte den Mond als Trabanten der Erde, die Wärme- und Lebensspenderin Sonne und ihre Einwirkung auf die übrigen Himmelskörper. Im vorletzten Teil des Films, der besonders phantastisch ist, fährt ein Raketenluftschiff ins Weltall. Der Begriff Unendlichkeit soll dadurch versinnbildlicht werden. Im letzten Teil wird der vermutliche Untergang der Welt erschütternd vor Augen geführt. Der Reinertrag der Veranstaltung soll für ein neu zu errichtendes Krüppe lheim in Rieder-Ramstadt verwandt werden. — Vor einiger Zeit wurden in unserer Gemarkung etwa 70 Zentner schwere Betonmaste angefahren, auf denen nachher Querträger, ebenfalls aus Beton, befestigt wurden. Das Ueberlanb- toert Oberhessen plant eine neue Leitung nach L i ch. Zur Zeit sind Arbeiter damit beschäfllgt, die massiven Gestelle, für die ein beträchtlicher Erdaushub nötig war, aufzurichten und durch Detonmassen zu befestigen. Wenn die Maste auch nach Möglichkeit an den Wegrand oder in Ackerfurchen zu stehen kommen, so bedeuten sie für den anliegenden Landwirt immerhin ein Hindernis. £ Queckborn, 7. Rov. Rach 32jähriger Dienstzeit legte unsere HandarbeitSlehverin» Frau dar m* KM . S£QU 5.8i. >LiedA fieber, dlgge,' Ju e Dar, '!■ 2lm ibf d,e «• w-For. ;'Q0 die « ous- um l$Um d>e^. •.e.6tn. $lc am ld)le der .des an nnrich datkunde wer, ab- iklde dar, sere hei- 'ehungen öen, vor 3 näher )ie Hin. not ein» 1 älteren > wchen. atze lom* tltn grö» gegeben hond die- gewonnen lende, mit - Schüler lchiedenen ß neben, e in die Girrten, ei 'Beifall lehr rege i der Plan rbeits» inbe zu Lirklichkeit e r". Der band der- litglfadrr im Safe fzutvrifen n „2Hilaf, \ Dildern gen einer mbetgab, tand, daß : unb auf in seiner »rragenöc Eismeer, fv lallen tudwoAe Rilomclet manchem Leben bet llaks auf» ie menfch» mgetischc Lichtbild» itber nach )is 1869). L Cßodjer ;tc Schul» t 2 a n b» I ist dazu isher hier für 60 Ps> emein be- nmlung rcisfpannc rbe als zu cugerfchafl 1Ü5 - dem birekt an durch 2er' Schmldr ig wurden ein *' m ** ®»W -«ch°b^d reins für erSil” rigt- , Sternen» wy.£ Erde, Vf und ihre drper^ )rrs ft S Deltall. ch nein* altung r Ojoiein^ , etwa ng «Tine» s en, f®p, irt E- -ertn,^ Elisabeth Schäfer, ihren Dienst nieder. Eine ganze Frauengeneration hat Fran Schäfer zu Füßen gesessen und ist von ihr in die Kunst der Handarbeit eingeführt worden. Die Gemeinde ließ ihr in Anerkennung ihrer langjährigen, treuen Dienste einen Sessel überreichen. Nach den Herbst» ferien hat die technische Anwärterin Frl. Weber von Grünberg den Handarbeitsunterricht an der hiesigen Schule übernommen. • Hattenrod, 7. Nov. Am Sonntag veranstaltete der Geflügelzuchtverein Hattenrod im Gaschos Dörr seine I. Allgemeine Geflügelausstellung, die sehr gut beschickt war. Aus der ganzen Umgebung waren zahlreiche Interessenten erschienen. Gegen 11 Uhr eröffnete der Dereinsoorsitzende die Ausstellung, begrüßte die Gäste und dankte den Stiftern, die durch die Bereitstellung von Preisen einen Anreiz zur Beschickung der Ausstellung geschossen haben. Zum Schluß seiner kurzen Ausführungen richtete er an die Züchter die Mahnung, bestrebt zu sein, dem Heimatdorse Hattenrod auch auf dem Gebiete der Geflügelzucht zu dem guten Namen zu verhelfen, den cs hinsichtlich der Ziegenzucht bereits besitzt. Ein. Rundgang durch die Ausstellung ließ jedermann die Ueberzeugung gewinnen, daß bereits Achtbares geleistet wurde, daß aber noch mehr erreicht werden muß. Folgende Züchter erhielten Preise: E-Ehrenpreis: sg 1 - sehr gut 1 - l. Klassenpreis: Für Hühner: H. Schieferstein, Rieder-Bessingen (fg 1); K. Eise, Lich (E); H. Mengel jr., Hattenrod (sg 1): K. Rau III., Hattenrod (E); K. Stoll, Lang Göns (E): E. Walter, Hattenrod (E und sg l): H. Rau IV., Hattenrod (E): O. May, Lang Göns (E); W. Frei, Lang-Göns (E): W. Münster, Hattenrod (E): R. Radetzki, Lich (E), G. Steul II., Bettenhausen (sgl): H. Dünselder, Reiskirchen (E): E Dietrich, Hattenrod (E): G. Radetzki, Lich (sg 1); H. Mengel jr, Hattenrod (E); Lehrer Drout, Hattenrod (E): W Biedenkopf, Mün- ster^(E): W. Seip. Hattenrod (E): F Koch, Lich (E und sgl): H Mandler, Wißmar (E und sgl): F. Talacker, Lich (E): K. Weiß, Watzenborn (sgl): H. Pseisfer, Steinberg (sg 1); K Burger, Steinberg (E und sgl): W. Frey, Lang-Göns (E). Für Abteilung Zucht stamme: Ludwig Zimmer, Lich (E). Für Abteilung Groß, und Waffergeflü. ael: R. Schmidt, Kolbenmühle (E): W. Keil II., Ettingshausen (E). Für Abteilung Tauben: W. Lamm, Rieder-Bessingen (E): H. Lamm, Nieder- Bessingen (sg 1); K. Sieg, Münster (E): W. Sieben- köpf. Münster (E); Bäckermeister Metzger, Wetterfeld (sgl): K. Sieg, Münster (sgl): (9g. Sprankel, Bersrod (E). Kreis Schotten. X. Schotten, 7. Nov. Heute feierte das Che- t>aar Adam Hau das Fest der goldenen Hochzeit. Hau steht im 80. Lebensjahr: in vielen Vereinen war er jahrzehntelang Vereinsdiener, bei der Post war er lange Jahre als Landb rief träger beschäftigt, auch in der Kriegszeit hat er täglich dieses schwierige Amt versehen. Von allen Seiten wurden dem Paar Ehrungen zuteil, auch die Hessische Staatsregierung lieh gratulieren und einen Geldbetrag überweisen .— Die älteste Einwohnerin unserer Stadt, Frau Witwe Haas, feierte gestern in völliger körperlicher und geistiger Frische ihren 95.Gest u r t s t a g. □ Laubach, 8. Nov. ilnferem Etadtrechner Wilhelm Schmidt III. ist für feine einwandfreie Kasse- und Buchführung von dem Hessischen Kreisamt Schotten gelegentlich der kürzlich vorgenommenen Visitation vollste Anerkennung ausgesprochen worden. Kreis -llsfclv. —er. Homberg, 7. Nov. Mit Rücksicht auf die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich die Vorstände aller hiesigen Vereine entschlossen, im Laufe des Winters, bis einschließlich Ostern, von der Abhaltung jeglicher Wintervergnügungen abzusehen. Preußen. .Vrcit, Marburg. WSN. Marburg, 7. Nov. In der vorletzten Nacht wurde in das Berbindungshaus der Hafso-Borusfen am Abhang der Augustcnruhe sowie in dasjenige der Arminen am Wehrdaer Weg eingebrochen In dem einen Falle wurden 80 in dem andern 800 Mark gestohlen. SJi.-tfpott Spielvereinigung 1900 Gießen. Am Sonntag, 9. November, beendet die erste Vezirksklasse, Gruppe Lohn, die Vorrunde der Verbandsspiele 1930/31. Die Spielvereinigung 1900 Gießen empfängt auf eigenem Platze an der Liebigshöhe den Fußballverein Wiesenbach (Kr. Biedenkopf), der als vorjähriger Meister der 2. Bezirksklasse erstmals an den Spielen der 1. Bezirksklasse teilnahm. Die Mannschaft hat zur Zeit den 3. Tabellenplatz inne, 1900 dagegen den 4., der Unterschied beträgt jedoch nur einen Punkt, so dah das Spiel am Sonntag darüber entscheidet, wer künftig den 3. Tabellenplatz - besehen wird. Den Gästen aus dem Hinterland wird nachgesagt, daß sie ein schnelles Spiel pflegen und dah vor einer soliden Verteidigung und einem vorzüglichen Mittelläufer eine tatkräftige Stürmerreihe steht. 1900 wird dem Gegner in der Aufstellung vorn letzten Sonntag gegenübertreten, da man auf Adelberger und Henrich höchstwahrscheinlich immer noch verzichten muß. Lediglich auf den Posten des Linksaußen hat man einen anderen Spieler gestellt, der der Reserve- Elf entnommen ist. Ten Stürmern möchte man ans Herz legen, nicht zuviel Einzelspiel zu treiben, damit die sich bietenden Torgelegenheiten mehr wie seither ausgenuht werden. Auf Grund der bisherigen Leistungen der Spielvereinigung 1900 und der Unbekanntheit des Gegners ist der Ausgang nicht vorauszusagen. Der Platzvorteil müßte den Blau-Weißen einige Siegeschancen verschaffen. Das Spiel steht unter der Leitung des Schiedsrichters Henkel, Wetzlar. Die verbandsspielfreie Liga-Reservemannschaft ist zu einem Gesellschaftsspiel nach Grohen-Buseck verpflichtet. Ebenfalls auswärts weilt die dritte Mannschaft der Spielvereinigung. Ihr Verbands- spielgegner ist die 2. Elf vom Sportverein Gar- benteich. Ein schwerer Gang steht der 4. Mannschaft bevor. Sie steht im Verbandsspiel wohl dem spielstarksten Gegner ihrer Gruppe gegenüber. Die Spielvereinigung 1926 ßeibgeftem (erste Mannschaft) ist zu Hause ungeschlagen und hat bis jetzt überhaupt erst eine Niederlage erlitten. Sie dürfte auch über 1900s vierte sicherer Sieger bleiben, wenn auch mit dem Widerstand der Gießener gerechnet werden muh. Vor dem Ligafpiel spielt die 1. Jugendelf gegen die 1. Jugend Ahlars. Das Spiel dürfte 1900 als knappen Sieger sehen. DsB. Gießen. Nachdem die Ligamannschaft erst am vergangenen Sonntag in Kassel war, muh sie am kommenden Sonntag die weiteste Reise der Saison, und zwar nach Hersfeld antreten, um mit der dortigen Sportgemeinde „Hessen" um die Punkte zu kämpfen. Die beiden Gegner stehen in der Tabelle punktgleich: allerdings hat Hersfeld ein Spiel mehr ausgetragen. Bon sieben Spielen hat die Mannschaft nur eines gewinnen können, zwei verloren und merkwürdigerweise nicht weniger als vier unentschieden beendet und dabei ein Torverhältnis von 8:9 erzielt. Die VfB.-Els hat von sechs Spielen drei- gewonnen und drei verloren: ihr Gesamttorverhältnis lautet 9:10. VfB. hat im Spick' gegen Sport Kassel eine sehr gute Partie geliefert. Wenn die Mannschaft am kommenden (Sonntag dieselben Leistungen wiederholt, steht zu hoffen, dah wenigstens ein Unentschieden erzwungen toird, um so mehr deshalb, I als sie aller Voraussicht nach wieder in stärkster Aufstellung die Reise antreten wird. In der Spielstärke dürften sich die beiden Mannschaften gleich fein. Die Hiesigen müssen versuchen, den Nachteil des fremden Platzes, der nebenbei als heißes Pflaster bekannt ist, durch vermehrten Eifer und Kampfgeist auszugleichen. Der Aus- gang des Treffens ist sowohl für „Hessen" als auch für VfB. recht bedeutungsvoll. Es wird einen harten Kampf geben; wer ihn gewinnt, verbessert seine Stellung wesentlich. Während die Ligareserve spielfrei ist, steht die dritte Mannschaft im Derbandsspiel der zweiten Dutenhofens auf doriigem Platz gegenüber. VfB. konnte vor einiger Zeit ein Eefell- schafts treff en gegen ihren nunmehrigen Punkt- spielgegner glatt mit 5:0 gewinnen. Es sollte ihr diesmal kaum gelingen, ein ähnliches Resultat hcrauszuholen. Nach langer Zeit tritt auch die A.-H.-Mann- ßhaft wieder einmal auf den Plan. Sie hat sich zum Freundschaftsspiel die Fußballmannschaft des Gießener Ruderklubs „Hassia" einge-Iaben und will Gelegenheit nehmen, die zu Anfang dieses Jahres erlittene 1:9-Riederlage wieder wettzumachen $. Gl Teutonia Steinberg. Morgen empfängt die erste Mannschaft des Fußballklubs „Teutonia" (Steinberg) die erste Mannschaft des Fußballsportvereins 1926 Steinbach zu einem Ge ellsastsrückspiel. Die Einheimi- fchen treten mit drei Mann Ersah an und müssen sich deshalb doppelt anftr engen, um nicht dem Tabellenletzten zu unterliegen. Die Gäste werden wohl alles daransetzen, um ein Unentschieden, oder einen knappen Sieg zu erkämpfen. Sandball der Sp.-Vg. 1900 Kommenden Sonntag nehmen die Derbands- spiele ihren Fortgang. Diesmal sind die 1900er Platzverein Zunächst empfängt die zweite Mannschaft die erste Elf des VfL. Wetzlar. Anschließend steht Wetzlars zweite Garnitur der 1900er Ersten gegenüber. Wer zu der Annahme neigt, daß auf Grund dieser Paarungen die jeweils ersten Vertretungen leichtes Spiel haben werden, dürste durch Die Spiele selbst eines anderen belehrt werden, denn sowohl beim VfL. Wetzlar als auch bei der Spielvereinigung 1900 rekrutieren sich die Reserven aus jungen, talentierten Spielern, die ein gutes Zusammenspiel pflegen und sich erst nach Kampf geschlagen bekennen werden. Handball im Gau Hessen (D.T ) To. 1846 Gießen — Xu. Spo. 1860 Marburg. Zum fälligen Derbandsspiel empfängt die 1. Mannschaft die 1. Elf des T.- u. Spv. 1830 Marburg. Die wechselnde Spielstärke der Gäste läßt einen sicheren Schluß auf den Ausgang des Treffens nicht zu. 1846 benötigt die beiden Punkte sehr, wenn es noch im Kampf um die Meisterschaft in Betracht kommen will. Vorher trägt die I ugendmannschaft ein Freundschaftsspiel gegen Marburg aus. Geräteturnen um den Turnklubschild. Am Donnerstag traten unter Leitung von Ober» tumwart Erb die besten Geräteturner des Turnvereins 1846 Gießen zusammen, um, wie alljährlich, den vom Tumklub Gießen gestifteten Schild auszukämpfen. Der Sinn dieser Stiftung war, dem Geräteturnen neue Freunde zuzuführen. Zur Zeit der Einrichtung dieses Kampfes mag der Grund nahe gelegen haben, heute weiß man, daß sich das Turnen am Gerät bis zum Kunstturnen entwickelt hat und eine werbende Kraft in sich birgt, wie kaum ein anderer Zweig des deutschen Turnens. 3m Kampfe um den „Turnklubschild" sind im Laufe von zehn Jahren u. a. Sieger gewesen: Carl Reuter, Heinrich Drechsler, Karl Storck, Karl Strack, Wilhelm Gartenschläger, Alois Durckart. Erfreulicherweise war auch in diesem Jahre die Beteiligung sehr groß. Reu eingeführt wurde die Bewertung durch drei Turner an jedem Gerät. Zur Beurteilung standen je zwei Hebungen an Reck, Barren und Pferd, ein Längssprung am Pferd sowie eine Freiübung. Somit konnte ein Turner im Bestfalle 240 Punkte erzielen. Das Kampfgericht erledigte feine Aufgabe in durchaus einwandfreier Weife und kam zu folgendem Ergebnis: 1. Karl Schick 210 Punkte: 2. Alois Burckart 209 ; 3. Emst Köhne 202; 4. Otto Kem 178; 5. Wilhelm Straub 177; 6. Ludwig Herbert 153; 7. Karl Schöndorf 152: 8. Heinrich Herbert 144; 9. Ludwig Loh 137 Punkte. Die Veranstaltung war von einem recht großen Kreis sehr interefiierter Zuschauer besucht. Sport in den Gießener Schulen. Gymnasium I — Realgymnasium I 1:4 (0:2). Die Gymnasiasten hielten sich im Handballspiel gegen den körperlich überlegenen Gegner recht wacker. Mittelläufer und Torwart boten eine gute Leistung. Entschieden wurde das Spiel durch den durchschlagskräftigen Sturm desReal» ghmnafiums. O Das ideale Wm Abführ-Konfekl RRBzir 1 KÜR' MLW ' CIGARETTEN 1 .* ■ 11 if A 1 ■****■ —- ■HM Artur Mahraun spricht am Sonntag, dem 16. November 1930, nachmittags 230 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten Jungdeutscher Orden e.V. • Volksnationale Reichsvere nigung Großes Siaii Karten! Ihre Vermählung geben hiermit bekannt Verlobte Siegen 06822 | 7634 D Srrngkaufleute Achtung! Gießen (Licher Str. 35), den s. November 1930 06921 MANTELSTOFFE Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Jeder Zungkaufmann wird erwartet! 7603D DeutschuaUonalev Handlungsgebilsen-veeband Anmeldung baldigst erbeten! Gießen, Lonystraße 18. Schützenhaus Gießen (Goethesiraße 50), s. November 1930 FELLPLUSCHE 06919 nach Jägerart. 7649 D Staffel 0690S 7457 A 3450 10- '631 D Eintritt 30 Pfennig 50 M mm volUmliidril jeder Art In einer unübertrefflichen Auswahl, schönsten Farben und Mustern und wirklich guten Qualitäten. Lydia Schlierbach Walter Zepter Rehragout und Rehbraten Letzte Neuheiten! für Mäntel und Besätze In riesengrober Auswahl. — Alles zu bekannt niedrigen Preisen. 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November, abends 8.15 Uhr im Caf6 Leib ausgeführt von der Kapelle des I. Bat. Inf.-Regts. Nr .15 unter persönlicher Leitung des Herrn Ooer- musikmeis ers Wilhelm Löber. ^Sperrholz • 11b!’S m iftdje. (Saboon u. Slieter 3-25mm « A W B Breuer und Dielen aller Stärken, - " g • schwedische und bäuerische Hobel- o£".u breuer, SvaUerlanen, E chen- u. Z o o« Buchen-Lchnlliwaren liefern In a a ao allen Starken iIS7D sHi engen Bfln& 60., Sietzen «250 Televbon 3949. Letten in allen Stärken nromui le erHar Hannelore Die glückliche Geburt einer Tochter zeigen in dankbarer Freude an Direktor H. Hoffmann und Frau Hanne, geb. Äöchner Mühlheim a. Main, den 6. November 1930 7628 D -------r, den s. November 1930 Sab Kreuznach Gießener Konzertverein Zweites Konzeit Sonntag, den 18. November 1930, 17 Uhr, in der ünlvertitätsanln Das Rose-Quartett aus Wien Streichquartette von Schumann 41 Nr. I in A-Moll — Beethoven op. 18 Nr. 1 in F-Dur — Schubert in D-Moll (Der Tod und das Mädchen! 76/7D Eintrittskarten zu 4.00, 3.00 und 2.00 Mk. bei Ernst Challier, jetzt Neuenwen 10 (Fernruf 2671) und abends an der Kasse. Studentenkarten Mk. 1.(0 bei Herrn Sekr. Ritter geg. Ausweis Adreßbuch «.».i.™ Sladlplan and Einwohner- und Gejchästsverzeichnissen von 2 Städten und 74 Ortsgemeinden mit etwa 100000 Einwohnern nebst wertvollem Wirt- schasts-und kuiMrgeschichtlichen Sonderabschnitt / preis 10 Reichsmark Oberhelslscher Abreßbuchverlag. Gießen, Schulstr. 7 Ampel Zuglampe Schirmkrone Zug kröne Schirmkrone i 22.- 32.- Seieü 7614D am Donnerstag, dem 13. November, abends 8 Uhr in der Neuen Aula Mitwirkende: 1. Männergesangverein „Heiterkeit", unter Leitung von Herrn W. Schöttler. 2. Quartett Schöttler, ploch, Lost, Schneider. 3. Orchesterverein, unter Leitung von Herrn Dr. Stefan Temesvary. Festrede: Herr ilniv.-Proseffor Dr. Theodor Mayer (fr. Prag) Zur Deckung der Unkosten werden 50 Pfennig, von Studierenden und Schülern 30 Pfennig erhoben. Oie Ortsgruppe Gießen des V.O.A. Kleine Preise! Jugendliche haben Zutritt! 7592 C Lichtspielhaus Gießen Nur Sonntag, den 9. November, 11.15 Uhr vormittags 4. Kulturfilm - Frühvorstellung Auf den Inseln der 1000 Wunder Bilder von einer Film-Expedition VW durch Java und Bali Eine außergewöhnliche t'iimechöpfnng von I ganz eigenartiger Schönheit, die jedem | Besucher unvergeßlich sein wird lLa -jrsfi r^-iir- — IW* rrrrt.Trrnrrrnmj kIW Pianos Beckstein 7477 a Bltithner Eerdux Fenrisch Hönisch Schiedmayer Thtirmer Rosenkranz Gehr. Zimmermann Unter dieser reichen Auswahl erster Qna- Utätsmarken findet aneh der verwöhnt. Musikfreund das ihm zusagend. Instrument Pianohans Schönau Seltersweg 91 EiB.Reparaturwerkstätt. 7592 C Iwan Petrovich, der Liebling der Frauen, Agnes Esterhazy, die stets von neuem Bewunderung erregt, ßrita Apelgreen.die von lustigenEinfällen nur so sprudelt und schäumt, Camilla v. Hollay in einst entzückenden Rolle, Ernst Szenes, der gemütsvolle Komiker, haben dieses Kunstwerk unter der Regie von Robert Land geschaffen. Die mit unerhörten Spannungen versehene Spielhandlung verbürgt einen Hochgenuß. Selten schöne Aufnahmen vom Wintersport Ab Montag: Der lustigste aller Tonfilme Im Beiprogramm: MICKY MAUS und die neue tönende Ufa-Wochenschau ■m Lichtspielhaus • Gießen ■■ Nur heute und morgen Sonntag Iwan Petrovich Agnes Esterhazy Brita Apelgreen ■ ■ | Äg Liebe und Champagner Samstag, 8. November MO Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 262 Drittes Blatt Mussolinis Spiel. Don Dr. Paul Rohrbach. 3n einem vertraulichen Brief aus Paris, ber unlängst von einer internationalen politi chen Persönlichkeit dort an einen deutschen Freund gerichtet wurde, heißt es: „€ie müssen sich in Deutschland klarmachen, bah es bei ber überwältigenden Mehrzahl dieses Volkes (der Franzosen) in auswärtigen Fragen nur eine Stimme gibt, und die heißt: keinen Krieg! Hierin haben Sie auch die Erklärung für die phanlastischen Ausgaben zum Schutz der-Ost- grenze, die in Wirklichkeit noch höher sind, als die letzten Indiskretionen besagen. Sie toun- bem sich, daß Franzosen jetzt so oft über den Weichselkorridor schreiben und reden, und so wenig in polenfreundlichem Sinn. Sie kennen überzeugt sein, daß man sich hier im Stillen schon lange darüber ärgert, den Polen zuliebe dies Unglücksgebilde geschaffen zu haben. Man würde auch Iugoslawien den Italienern Preisgeben, wenn man nur sicher toäre, damit vor Italien wirklich Ruhe zu haben.. In der Tat, es ist nicht alles Gold, was glänzt. Frankreichs Position in Europa schien überwältigend, und manche halten sie jetzt noch dafür. In Wirklichkeit wird sie es immer weniger, und es ist interessant genug, nach der Antwort auf die Frage zu suchen: Warum? Rach der Unterzeichnung der drei Pariser Dor- ort-Friedensbiktate und nach der Einsetzung des Bölkerbundcs als Cxekutivnsaus.chnß gab es wohl Stimmen genug, die da sagten: der Bogen ist überspannl, eineReaktion muh kommen. Rur pflegen die Reaktionen nicht von selber zu kommen, sondern es muß sie ein Ereignis oder ein Wille in Gang bringen. Wir woll:n h er nicht davon sprechen, daß manche fremde Poli.itet es merkwürdig finden, wie wenig hierfür gerade i n Deutschland g:le:stet wurde. Es bedurfte schon der Seplemberwa;l von 1930, um in der Wilhelm- straße dahin zu kommen, „daß kräftigere Methoden in der Außenpolitik dec Derant- wortung des leitenden deutschen Ministers nicht abträglich (!) sein würden". Gleichviel, es hat sich dazu eine andere Stelle gefunden, und auch, was viel bedeutungsvoller ist: ein persönlicher Gegenspieler gegen F.ankrcich, d. h. gegen Versailles, Trianon u w. Die Poli ik kommt immer dann in ein ra'che:es Tempo, wenn Persönlichkeiten von Format mit einer bestimmten Idee sie machen. In gewissem Sinn fühlt man sich darum heute erinnert an die Zeit, wo Dismarck a.'s Gegenspieler Aapoleons III. auf trat. Rußland war damals ausgeschaltet durch seine Riederlage im Krimkrieg und England durch seine relative Interesselosigkeit an kontinentalen Dingen. Bismarck hatte das Ziel, die deutsche Einheit un er Preuße s Fü^r' n "tz Wellen: Ravrlcvn wcll.e Deutchlan s Eil igung auf je ei Fal verhindern. Rur solange iv... uafc gelang, konnte ec sicher fein, Frankreichs bominieience Stellung aufrecht zuerhalten. Wir wissen alle, wie dies Spiel ausging. Von den beiden Gegenspielern der 3a.)re 1862 bis 1810 mußte der Geschlagene vom Schauplatz der europäischen Geschichte a ,tre cil Mussolini will der Bismarck Italiens werden. Darum geht sein Spiel. Ob er s gewinnen wird, ist eine andere Frage, die heute noch niemand beantworten kann. Manche Chance ist gegen ihn. vor aslem die militärische Unterlegenheit.der Italiener als Ration gegenüber den Franzosen; dazu die bekannte Schwäche in den Fundamenten der italienischen Wirtschaft. Eine Chance, und L>ine unbedeutende. hat er aber für sich, nämlich die, WMH-Mmil Vornan von Hans Friedrich. Urheber-Rechts!- -3 durch Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa. 26 Fortsetzung 'Rachdruck verboten Der Semmelblonde neben dem Kraftwagenführer sah so harmlos, beinahe einfältig aus, daß er sozusagen die ganze übrige Reisegesellschaft legitimierte. Das war nichts für Frau 3rma Hänfen. Sie liebte andere, verwegenere Typen Der Hausdiener von der „Post" stellte sich aus das Trittbrett. Er trug einen Korb, aus dem Flaschenhälse schauten. Das sah Hansen noch, bevor er sich abwandte. „Aha, eine feuchtfröhliche Gesellschaft... lachte er. Irma in Sölden? Ganz ausgeschlossen! So einen Unsinn zu denken! Sie liebte die See, sie war lein Freund von Bergtouren und Strapazen irgendwelcher Art. Repräsentieren wollte sie. Und das wäre im Dirndlkostüm eine glatte Unmöglichkeit gewesen. Wie schön nahm sich dagegen ihr gut gewachsener Körper in einem der modernen Badetrikots aus! Frau Irma war auch keine passionierte Schwimmerin. Dieser herrliche Sport erforderte ihrer Meinung nach zuviel Anstrengung. Sie plätscherte gern ein bißchen im Wasser herum — verpatzter Stil, genau soviel Kraftaufwand, daß Mund und Rüschen Luft schnappen konnten - und promenierte im übrigen am liebsten am Strand. Blicke und Kritiken der Badegäste herausfordernd. So ungefähr kannte Peter Hansen seine. Frau und schätzte sie entsprechend ein. Aber trotzdem liebte er sie. 3a, vielleicht liebte er diese ihre kleinen Schwächen mehr, als ihre Vorzüge! Diele Männer suchen und wünschen diese prickelnde Koketterie bei der Frau. Hein, die Alpen waren nichts für 3rma. Wenn man etwas genauer nachdachte, muhte man finden, daß diese Idee wirklich ganz widersinnig war. Rach dem Mittagessen litt es Hansen nicht länger im Gasthof. Die servierende Hansi hatte Erdmute noch nicht gesehen. .Sie wird noch droben am Berge sein..." Das war für den besorgten Vater der Weckruf. „3et)t geh ich selber 'nauf! Und wenn ich das Mädel find', gibt es eine gehörige Portion Grobheiten !" brummte er, ohne selber an die „Grobheiten" zu glauben. . Tatsächlich machte er sich in der größten Sonnenhitze auf den Weg. Zwar blieb er oberhalb der Windachschlucht öfter stehen, fuhr sich stöhnend mit dem Taschentuch über bie Stirn, aber zur Umkehr hätte er sich um keinen Preis entschlossen. Er wollte heute seine Tochter finden, daß ihm auf bcr_französischen Seite kein gleich starker persönlicher Gegenspieler gegenübersteht. P o i n c a r e ist. auch wenn er sich von seinem Kra..kheitszustand für längere Zeit erholt haben solche, bei all seiner staatsmännischen Energie und Zähigkeit doch eine zu pha ntafielose Ralur, zu sehr nur auf die „Helligkeit der Verträge" eingestellt, als daß er einem Ideenpoliliker wie Mussolini auf die Dauer den Widerpart halten könnte. T a r t> i e u ist eine gute zweite, aber keine erste Rümmer, außerdem mit ber von ihm verfochtenen Doktrin und mit feinem persönlichen Prestige zu sehr an die sterlle Idee der fort- tauemben Drosselung Deutschlands gefettet. Dti- and ist stark nur als politischer Schauspieler in Rollen, wo es barauf ankommt, den Gegner einzuwickeln, zu überrumpeln, ihn moralisch in eine Ecke zu manövrieren, aus der er sich nicht heraushelfen kann. An dramatischem Talent nimmt es aber kein einziger Franzo e mit Mussolini auf. Ietzt eben ist Mussolini wieder ein gutes Teil- spiel in der Partie geglückt! Denizelos, der leitende Minister Griechenlands, hat in Angora einen Doppelvertrag mit der Türkei unterzeichnet, einen über Reutra ilLt und Schiedsgericht, und einen über Handel, Schiffahrt und Riederlctsung; dazu noch ein „Protokoll" über den Ve.zicht auf maritimes Wettrüsten. Keine von beiden Mächten soll ihre Seemacht verstärken, ohne der a ibeten sechs Mo.ra.e vorher dir Absicht anzuzeigen. Es ist interessant, die Einstellung ber englischen Pre.se zu die'er griechisch-türkischen Annäherung zu ber(0.gen. Dir ..Times' z. D. lobt beide Teile, daß sie sich entschlossen haben, ihre Feindschaft zu begraben. Sie zieht auch mit deutlicher Betonung Bulgarien heran, indem sie diesem ein rasches Eingehen auf griechische Zusagen wegen der bulgarischen Minderheit in West- Mazedonien empfiehlt. Sie betont auch, was noch wich.iger ist, daß die griechische und d e türkische Regierung beide die gu.en Dienste Mussolinis für die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen ihnen anerkannt haben. Dagegen spricht sie kein Wort davon, daß gleichzeitig mU Veni- zelos und seinem Minister des Auswärtigen, MichalakopuloS, auch Graf Bethlen, der ungarische Regierungschef, in Angora war, und daß sich Dethlen und Denizelos, d.e Angora an verschiedenen Tagen verließen, in Konstantinopel noch einmal getrogen haben. DaS heißt also, daß man es in England nicht für nützlich halt, bie Tragweite bes Abkommens zwischen Athen unb Angora zu unterstreichen. Was wir vor uns haben, ist im Grunde ein neuer Dalkanbund. der Bulgarien, die Türkei und Griechenland umsaßt, in den Ungarn als ein besonders wichtiger Faktor mit e nbezogen ist — und ber unter Mussolinis Führung steht. Die italienisch bulga.ische Heirat war ein Zug im selben Spiel. Der ungarisch bulgarisch- griechische Druck soll sich gegen 3ugofla- toicn richten. Alle drei 6taa.cn haben etwcs aus jugoslawische Kosten zu gewinnen. Der Ausgleich zwischen Griechenland und der Türkei hat den Zweck, die Griechen im Rücke r zu sichern, wenn sie aus der Taltanhalbinsel aktiv toerten wollen. Mumolin s Spiel ist nach dieser Seite hin so deutlich, wie cs nur sein kann, ohne daß er die Karten ge.aoczu auf den Lisch legt. Man fragt sich: Wie sieht bas französische Gegensviel aus <* * Betonierung der Ostgrenze von Gala 8 bis Rizza? Herve als Vorsülsler im französisch d utschen Derstä ldi- gungsgelände? Beides wäre kein imponierender Ansatz der Partie. im Range eines Gesandten nach Europa entsandt habe, sie e Chinesin bat an ber Pariser Universität 5ura und Nationalökonomie studiert. 6ic wurde vor dem Krieg aus Frankreich audgemidcn, weil sie an einer Verschwörung ge en den früheren ch»ne- stschen Prä identen Juanschikai leilgcnommen haben sollte. Als bie Truppen der Südarinee in Schanghai einzogen, wurde Fräulein Sumet Lcheng zum Obersten Richter dieser wichtigsten chinesischen Stabt ernannt. Schor: lange vorher schickte Lowjetruhland Frauen als Q)eianbte, Ccgationäräte unb Legatronssettetäre in bie Welt, ohne freilich überall damit auf Gegenliebe zu [toten. Rm bekanntesten unter den russi chen Diplomaiinnen ist Frau illejanbra Kollontay, die die Sowjet-Union nacheinander in Mexiko und in Rorwegen vertreten hat. 5rau Kollontay. ehemals eine kommunistische Agitatorin, hat sich auch literarisch hervorgetan und recht umstrittene Dinge übet neue Formen der Liebe geschrieben. Das Aufsehen, das die Ernennung dieser Frau zum Gesandten machte, ist beute nicht mehr recht verständlich. Denn wir haben uns inzwischen daran gewöhnt, daß auch in anderen Ländern, die getoin nicht im Verdacht kommunistischer Experimente stehen, Frauen mit ähnlich vorantwortungsvollen Ämtern betraut wurden. In Finnland regierte vor ein paar Jahren daS Kabinett Tanner, und in dieser Regierung sah Frau Miina Sillanpää als Minister für soziale Angelegenheiten. 3rau Sillanpää war damals sechzig Jahre, cie stammt aus einer Häuelerfamilie, muhte tchon mit zwölf Zahlen in einer Textilfabrik selb.l ihr Brot verdienen und hat noch nicht einmal eine Schule besucht; während der Fabrikarbeit lernte sie lesen und schreiben, und die Kenntniste, die sie inzwischen erworben hat, muhte sie sich nebenbei aneignen. 3m 3a ,re 1919 wurde stein den Gemeinderat von tzelsin fors gewählt, und fünf Jahre später zog ste in das finnische Parlament ein. Dänemark hat sich ebenfalls nicht gescheut, eine Frau zum Minister zu machen. Frau Ri na Bang, eine beiannte Führerin der nordischen Frauen, hat sich um die Reform des dänischen Schulwesens Dr- d enne erworben. 3m englischen Unterrichtsministerium belleidete die Herzogin von Al holl den Rang einer S.aatslelrelärin; ste wirkte mit solchem Ersolg, daß ste von der Universität Oxford zum Ehrendoltor ernannt wurde. Von kurzer Dauer war dagegen die Wirksamkeit Margarethe Bond- fields, die im ersten Kabinett Mac Donald das Arbeitsministerium erhielt, aber den Posten sehr schnell wieder abgab und sich nur als parlamentarische Sekretärin in diesem Min> erium betätigte. 3m 3uni 1929 wurde Aiih Bo stelds wiederum mit dem Arbeitsministerium be.iaut. Eie ist eine rüstige alte Engländerin mit einem unerhört klugen, mütterlich ernsten Gestcht, die schon vor mehr alS 30 3ahren auf Gewertscha tSIongresien hervorgetre- ten ist. 3ahrzehnte rieb sie sich in Kleinarbeit auf, organisierte Gemeinschaftsküchen, pflegte Kranke, trat in Versammlungen für das Recht unehelicher Kinder ein und bemühte sich, übcrooiteilten Witwen ihr kleines Vermögen zu reiten. Im Jahre 1914 gehörte sie zu den wenigen Mitgliedern ber englischen Arbeiterpartei, die sich gegen den Krieg erklärten- Ganz allmählich rückte sie in die vordere Linie der Politiker vor und eroberte sich einen Platz, von dem aus ihre soziale Hilfsarbeit erfolgreicher gestaltet werden konnte. Man muh zugeben, daß die deutschen Frauen ähnliche Posten noch nicht erhalten haben. Trotzdem haben sie keinen Grund zur Klage. Hohe Ministerial- posten werden auch in Deutschland schon recht oft Frauen eingeräumt. Sie werden Amtsrichter, es gibt einen weiblichen Vikar, man hat sie zu Krimi- nalkommisiaren gemacht und ihnen überhaupt gestattet, mittlere Beaintenstellen zu übernehmen. Aber in die hohe Politik dringt die deutiche Frau nur ein, wenn sie Abgeordnete wird. Wenn man von Frauen erobern die Politik. Lleberraschende Karrieren. — Wozu eine Frauenpartei? — Weibliche Minister, Diplomaten und Gtaatögouverneure. — Frauen als RegierungSräte, Geistliche und Kriminalkommissare. Don Senate Fels. In ber letzten Zeit ist in den großen Frauenverbänden wiederholt erörtert worden, ob zur Vertretung der weiblichen Interessen eine Frauenpartei gegründet werden solle. Unsere Mitarbeiterin zeigt hier, daß eine solche politische Reugründung nur offene Türen einrennen würde, da die Klagen über eine zu geringe Berücksichtigung der Frauen zumindest in der europäischen Politik ungerechtfertigt sind. Die Zeit der »großen Dame" ist längst vorüber. Reizvolle Salons, in denen sich Politiker mit Männern der Wissenschaft und mit großen Literaten trafen, gab es kaum noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Aus dem Umweg über diese Salons haben früher geistvolle Frauen Einfluß auf die Politik genommen und manchen Staatsmann, der zu »schieben" glaubte, nach ihren Wünschen geleitet. Wie ist es heute? Haben die Frauen in der Politik wirklich nichts mehr zu sagen, seit die große Dame der Sportlerin und ber berufstätigen Fiau gewichen ist? Das Gegenteil ist richtig. Ohne jeben Umweg können in unseren Tagen Frauen in der Politik eingreifen — wobei sich freilich herausstellt, daß sich die Ansichten der Par lamenlarier innen sehr wenig von denen ihrer männlichen Kollegen unterscheiden. Es zeigt sich bie etwas beschämende Tatfache, bah bie 3rau, die Jahrzehnte um ihre Anerkennung gekämpft hat, heute nichts anderes zu tun weih, als sich als gelehrige Schülerin des von ihr früher oft angefeinbeten Mannes zu erweifen. Der Umschwung, ber sich in wenigen Jahren vollzogen hat, läßt sich am eindruckoollsten zeigen, wenn man einmal bie Witzblätter aus der Zeit vor dem Krieg durchblättert. Da sindet man die verspottete Utopie des weiblichen Richters und Staatsanwalts, der Polizistin, der Frau auf der Kanzel und der Frau im Reichstag. Alles daS ist Wirklichkeit geworden, unb darüber hinaus ist die Frau in Stellungen aufgerückt, die man nicht einmal im W hblatt zu karikieren wagte, aus Angst, daß die allzu heilige Übertreibung ber Susiragetten-Programme den Witz töte. Ein weiblicher Minister, ein weiblicher Botfcha ter - das war früher sogar für den Karikaturisten zu viel. Run, im Dezember 1927 übernahm die steirische Politikerin Olga Rudel°Zeyi> ek den Vorsitz im österreichischen Bundesrat. Sie war die erste Präsidentin einer parlamentarischen Körper- scha.t, und sie erreichte diese Stellu g, obwohl sie damals erst acht Jahre aktiv in ber Politik stand. Im Jahre 1919 wurde sie in den steirischen Landtag gewählt, und von 1920 an war sie im österreichischen Rationalrat tätig. Als diese Frau den Vorsitz im Bundesrat übernahm, wurden die europäischen Hauptstädte gleichzeitig davon verständigt, daß die chinesische Regierung Fräulein Dr. Sumet Schen g in einer bedeutungsvollen diplomatischen Mission und wenn er bis zur Spitze des Brunnenkogels hätte auffteigen müssen! „Ich kann mir Zeit nehmen...“ riet er sich, „denn Mute ist sicher schon am Abstieg. Es gibt nur diesen einen markierten Pfad. Ich muß also unbedingt auf sie stoßen." Allmählich gelangte er immer höher hinauf. Das ungewohnte Steigen fiel ihm sauer genug, doch von Mute war nichts zu sehen oder zu hören. Mehrfach legte er die Hände an den Mund, rief laut ihren Ramen. Das Echo antwortete. Zweimal kamen ihm Touristen entgegen. Sie wußten nichts von einer jungen Dame und einem Herrn zu berichten. Run setzte Hansen die Kraxelei erst recht fort. „Verfluchte Schweinerei!" schimpfte er und war sich selbst nicht im klaren ob er die Kletterei, den quälenden Durst oder die Verwegenheit seiner Tochter verwünschte. Tatsache war, daß er die Besorgnis um Mute als bitteren Geschmack im Halse spürte. Er traute prinzipiell weder den Wegtafeln noch den Auslünften der Einhei- mischen. „Der Brunnenkogel is a Promenaden... hatte ein ‘Bergbauer gesagt. Unb dabei konnte man auf eine bequeme Arb das Genick brechen, stellte Hansen erbittert fest. * * * Schwaihofer, ber Improvisator! Unb alles klappte. An ber Drücke in Zwieselstein stiegen bie Fahrgäste aus. Währenb ber Münchner ben Chauffeur entlohnte unb für den nächsten Morgen bestellte, trat der Hausdiener aus ber „Post" mit dem Flaschenkorb schon den Aufstieg zur Iagdhütte an. Ihm folgten dicht auf dem Fuße Weißkugl, Gertrud und Strobl. Als letzte in größerem Abstande tarnen Schwaihofer und die Blondine hinterdrein. Sie nahmen sich gemächlich Zeit. Die Sonne stand im Zenit, und dieser Gemsenpfad, der noch vor den Häusern von Zwieselstein in (teilen Serpentinen zum Wald hinaufführte, war stellenweise wirklich nichts anderes als eine Regenrinne. „Sie haben von einem bequemen Reitweg Phantasiert, und nun finde ich einen Steig, der wahrscheinlich selbst ben Gemsen zu gefährlich ist!" ta- beite die Unbekannte mit einer vom raschen Atmen zerhackten Stimme. Schwaihofer ließ fich nicht aus ber Ruhe bringen. „Dafür hat biefer geheime Pfad den Vorzug, von Touristen last gar nicht benützt zu werden und außerdem gelangen wir auf ihm in einer Stunde schon zur Hütte. Und das, glaube ich, rechtfertigt seine Benützung." Die Blondine schien die Mühen des Bergsteigens absolut nicht gewöhnt zu sein. Sie rang um Luft, klagte über heftige „TranfPrration und großen Durst. 2llle Heiterkeit, die fie unterwegs während der Fahrt an ben Tag gelegt hatte, war «wie weggeblasen. „Sie können bas Opfer, das ich Ihnen bringe, gar nicht fassen, mein lieber Herr Schwaihofer!" sagte sie einmal, schon oben im Walde, an schattiger Stelle auf einen Stein sinkend. Ihr Tie-, gleiter setzte sich ihr zu Füßen; er war bei bester Laune. „Ich werde Sie entschädigen...“ sagte er geheimnisvoll. Rach einer Viertelstunde waren sie alle in der Hütte angelangt. Für uen ersten Augenblick machte die Unbekannte ein enttäuschtes Gesicht. In dieser schwarz geräucherten Spelunke sollte sie sich einige Stunden wohlfühlen? Schwaihofer ließ feine Gäste gar nicht erst zur Besinnung kommen. Er war ein Hexenmeister, zauberte ein schmackhaftes Frühstück auf den Tisch, und als erst der Tiroler „Reathel" in ben Gläsern glänzte, da ließ die gute Stimmung nicht lange auf sich warten. „Dort über der Tür seht ihr, meine lieben Gäste, das Geweih des Kapitalen, zu dessen Ehren wir uns heute hier versammelt haben...“ sagte Schwaihofer betont und beinahe feierlich. Die Blonde zog eine Grimasse. „Um Himmels willen keine Tischreden!" Ihr Lachen flatterte auf, fegte die Weidmanns freude Schwaihofers hinweg. „Und nun TCufif!" Zwei ©eigen, gespielt von Strobl und Weißkugl, und eine Laute, auf der Trude Gutenberg die Akkorde anschlug, füllten den lleinen Raum mit Melod ien, eligfeit. Und als bann noch der weiche, wenig umfangreiche a;er reine Sopran wie trillernder Lerchensang über dem Instrumentenklang schwebte, gingen die Stimmungswogen hoch und h her. „Walzer! Wiener Walzer!" bat Schwaihofer. Der Tisch wurde zur Seite geschoben. Die Musiker drückten sich eng an die Wand, Trude saß unter der Tür, bie zur Küchel führte, und so blieben lat ächlich einige Quadratmeter zum Tanz frei. Die rauhen Dohlen deS Fußbodens bildeten zwar keinen Parke.tersah, wie Schwaihofe.s anspruchsvolle Tanzpartnerin fand, aoer etwas Aufmerksamkeit und Phantasie schuf immerhin Illusionen, die das primittve Leben hier oben erträglich machten. Strobls Geige führte die Melodie in hohen Lagen. Selbst Weißkugl fand jetzt Vergnügen an dieser Spritztour ins Hochgebirge. Der schwarze Kater (von links nach rechts!) war vergeßen. Und das war gut so. Unten und Miesepeter konnte Schwaihofer in seiner Iagdhütte nicht gebrauchen. Strobls Augen hingen wie gebannt an Trudes schmalem Ge ichtchen. Er spielte die Slraußschen Walzer aus dem Profll der Par.nerin. Sie merkte es kaum. Ihre Gedanken be chäftigten sich mit der Dlondine: Was mochte das für eine Frau fein? Dem Dialekt nach war es sogar eine Landsmännin. Die Sachsen stellten jedes Iahr ein großes Kontingent Atpenfa>)r.r. Truoe füllte instinktiv, daß diese Frau etwas zu verbergen hatte. Der Schwaihofer najm es mit der Wahl seiner Geliebten nicht sonderlich genau. Möglicherweise sah irgendwo ein betrogener Mann, der um diese Frau trauerte. Rach dem Frühlingsstimmenwalzer stand die Dlondine wie hingeweyt vor einem ungerahmten, kleinformatigen Tilo, das über der rückwärtigen Dank hing. Schwaihofer neigte sich zu ihr. „Das ist meine neueste Erwerbung. Röderkogel — von einer hochbegabten Künstlerin gemalt." Es entging ihm, daß feine Dame die Lippen zusammenpreßte. Sie studierte eifrig das Künstlersignum. „Erdmute Hansen..." Der Münchner blinzelte. „Du kennst die junge Malerin?" „Rur flüchtig!" Uno damit wandte sie sich ab, griff zum ©la,e. „Wein! Ludwig, gib mir Wein zu trinken! Wir wollen heute fröhlich fein!“ Sie stürzte ein volles Glas hinunter, tränt den „Roten" wie Wafier. „Und die anderen Herrschafteir: Wohlauf noch getrunken! Ich will Leden in meiner Hütte sehen!" feuerte Schwaihofer d.e Mu.iler an. Trude lat nur zögernd Bescheid. Irgendein Flackern, ein winziger Funken in Strobls Augen warnte fie. Auch Weißkugl trank nur mäßig. „A Maß Bier wär mir Habet...“ gestand er Trude leise. Sie seufzte: „Wenn das so weiter -geht, liegen wir gegen Abend alle u.i.erm Tisch." Schwaihofer najm die Laute und gab einige seiner humorigen Schnadahüpfl zum Besten. Die Dlondine klastchte vergnügt in die Hände. „Dacapo!" rief fie mit ihrer schrillen, tremo- lieren&en Stimme. Und bann summten fie alle mit. „Franzi, ergib dich net dem stillen Suff!" warnte Schwaihofer, als der Geiget gar zu oft heimlich nach dem Glase griff und seine Augen schon bedenklich glänzten. Draußen schlich der ©meiner Sepp vorüber. Ein Dlick durch das kleine Fenster sagte ihm genug, wenn er auch niemand erkennen konnte. „Infame Dagasch!" zstrnte er. Da drinnen tränten fie den guten Rotwein wie Wa fer, und er stand als Zaungast mit einem respektablen Durst hier „auBi“. Wie ein Dieb drückte er sich hinein in den Schatten des Waldes. „Iatzt geh i zur Mied! und bleib da hocken bis zur Rach.!" najm er sich vor. Rach fünf Minuten stieß er auf einen Fremden. „Haoen Sie die Malerin gesehen, die hier oben Studien gemacht hat?" fragt* Hansen, der durch Riml wußte, daß feine Tochter ein Bild für Schwaihofer gemalt hatte. (Fortsetzung folgt) Den Nationalsozialisten absieht, sitzen in den Reihen aller Parteien weibliche Abgeordnete, und manche Politikerin, so y B. Frau von Kardorsf-Oheimb, legt besonderen Wert darauf, gerade Vertreterin des weiblichen Geschlechts zu sein. Aber es ist noch nicht vorgelommen, daß sich die Frauen der verschiedenen Fraktionen zusainmengetan und als Vertreter des „unterdrückten schwachen Geschlechts" spezifisch weibliche Anträge gestellt haben. Schon daraus geht hervor, dah eine Frauenpartei keine Berechtigung hat, da fie keine andere Politik als die übrigen Parteien treiben würde. Schritt für Schritt haben die Frauen politifche Macht erobert, nicht nur in Europa, sondern über- all in der Äelt. Besonders auffällig ist diele Ent- Wicklung in den Vereinigten Staaten, wo schon vor fünf Fahren Mrs Miriam Ferguson zum Gouverneur des Staates Te?as bestellt wurde. In den amerikanischen Slaatsparlamenten betätigen sich jetzt 131 Frauen, davon 119 in den Abgeordnetenhäusern und 12 in den Senaten. Am Obersten Gerichtshof von Ohio gibt es eine Richterin, Süd-Dalota leistet sich ichon zum zweitenmal einen weiblichen Staate- lelretär, und in Masiachufetts wurde im Fahre 1927 Mrs. Andrews in den achtgliedrigen Staatsrat berufen. Ähnliche Beispiele lasten sich au6 vielen Gegenden der Vereinigten Staaten ansühren. Fn Kentucky wurde im Fahre 1927 Gl la Lewis zur Staatssekretärin gewählt, und in anderen Teilen der Union stehen Frauen an der Spitze der öffentlichen Wohlsahrtspflege.Zusammentastend kann man sagen, dah es in der ganzen Welt heute kaum noch ein Land gibt, welches sich der politischen Einfluh- nahme der Frau entzieht. Es ist ganz überfiüssig, angesichts dieser Entwicklung eine neue Frauenrechts, bewegung zu entfachen. 50 Sabre deutscher Volkstumsarbeit. Zur Fubiläums-Deranstal.ung des VDA. am 13. November in Gießen. 50 Fahre sind es her, dah in Wien „Der Deutsche Schulverein" gegründet wurde. Cs war die Zeit, in der das vom Reiche ausgeschlossene Deutschösterreichertum zur Erkenntnis kam, dah sein Bestand in den Mischgebieten und an den Grenzen gegenüber der anbrandenden Welle der andern Rationalitäten ernstlich bedroht sei. Da sich der Staat infolge der Ereignisse vom Fahre 1866 in zunehmendem Mähe entnationalisierte, so wurde man auf den Weg der volklichen Selbsthilfe gedrängt. Anregung und Vorbild gab die Arbeit des Pfarrherrn Franz TaverMit- t e r e r in Proveis auf dem Reonsberg in Südtirol. Es entstand jene volksnationale Bewegung, an deren Wiege in Oesterreich Männer wie Fried- jung, der Historiker Oesterreichs, Viktor Adler, der Begründer der österreichischen Sozialdemokratie, der sozialdemokratische Führer Engelbert Pernersstorffer, und der Deutschnationale Stein- wender standen. Die Bewegung, die damit cin- geleitet wurde, hatte so von vornherein einen rein volkheitlicyen Charakter. Sie schlug über die» schwarzgelben Grenzpsähle hinüber und erfaßte gar bald auch das Reich. Am 23. Funi 1881 wurde auch schon die Ortsgruppe Berlin gegründet, da sich bald herausstellte, das, der Wiener Schulverein nach dem österreichi chen Tereinsgeseh le ne Ortsgruppen im „Ausland" haben könne, so wurde Berlin bald das Aktionszentrum für das Reich. Wilhelm Wattenbach, Richard Boekh, Fulius Falkenstein und Rob. Fannaich ergriffen die Führung. Daraus ist im Reich „der Allgemeine deutsche Schulverein" entstanden, der sich als selbständige Organisation neben dem Wiener „deutschen Schulverein" stellte. Aber er blieb doch vor dem Kriege aüf relativ kleine Kreise beschränkt. Der Reichsdeutsche war vorwiegend staatsnational eingestellt. Darüber geriet der Gesamtvolksgedanke ins Hintertreffen. Erst der Weltkrieg und sein Ende haben die Voraussetzungen für ben Durchbruch dieses alten und doch auch wieder so neuen Gedankens geschaffen: wir Deutsche aller Staaten Europas, ja der Welt, erleben eine neue „Volkwerdung". Die Volkstumsarbeit ist aus ihrer Aschenbrödelrolle herausgetreten. Der umfassendste Verband aber, der in ihrem Dienste steht, ist der „Verein für das Deutschtum im Ausland", zu dem sich der österreichische und der reichsdeutsche Schulverein nun endlich haben zusammen- schließen tonnen. 50 Fahre organisierter Volkstumsarbeit liegt zurück, die Saat ist aufgegangen. Der Weg kann zu neuer deutscher Zukunft führen, wenn das binnendeutsche Volk sich aus der Tiefe volksnationalen Fühlens und Denkens heraus in allen seinen Gliedern zum Bewußtsein der Verantwortung für das Gesamtdeutschtum durchringt. Fm Dienste dieser Aufgabe soll auch die Fubiläumsver- a n st a l t u n g stehen, die die Ortsgruppe Gießen des „Vereins für das Deutschtum im Ausland" unter Mitwirkung des Orchestervereins, des Männerge^angvereins „Heiterkeit" und des Streichquartetts von Herrn Schüttler am Donnerstag. dem 13. November in der Aula der Universität veranstaltet. KommunaleWünsche in Grünberg 4- Grünberg, 7. Nov. Eine Anzahl Fragen von erheblichem allgemeinem Fnteresse wurden hier in zwei Versammlungen erörtert. So wurde in einer Versammlung der Mittelstands» Vereinigung zu der demnächst stattfindenden Wahl eines verufsbürgermeisters, für die bis jetzt schon etwa 40 Meldungen vor- licgen, trotzdem die Meldefrist noch nicht ab- gelaufen ist, die Ansicht vertreten, daß Einheimische, die durch verwandtschastliche oöer sonstige Fnteressen gebunden sind, nicht in Frage kommen dürften. Bewerbungen von Hiesigen liegen übrigens bis jetzt nicht vor. Auch der Gemeinderatsbe chluß über die Wassermessersrage erfuhr in dieser Versammlung eine längere Erörterung. Fn der Mehrzahl war man mit der Einführung von Wassermessem einverstanden. Rur wurde Kritik daran geübt, daß der Gemeinderat in seiner Mehrheit für ein bestimmtes Fabrikat entschieden habe, ohne zuvor ein Gutachten eines unparteiischen Sachverständigen oder einer staatlichen Materialprüfungsstelle einzuholen. Auch in der Frage der vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft abgelehnten Einführung eines Schweinemarktes im Februar wünschte man eine erneute Aufnahme des Gesuches. Man erhofft eine andere Stellungnahme des Ministeriums, wenn Aufklärung dahin erfolgt, daß gerade die umliegende Landwirtschaft Fnteresse an einem derartig früh liegenden Schweinemarkt in Grünberg habe. Fn der zweiten Versammlung, die der Verkehrsverein in Gemeinschaft mit dem Kriegerverein abhielt, war die wichtigste Frage die der Ausgestaltung des Platzes um das Gefallenendenkmal. Eine Haussammlung für diesen Zweck hat den Betrag von rund 500 Mark ergeben. Die Aussprache ergab im allgemeinen Zustimmung zu dem vom Architekten Säger (Queckbom) gemachten * 1 * 11 Plan. Danach soll rings um das Denkmal ein Plattenbelag erfolgen, vom und zu beiden Seiten ein Gisengitter und an der Hinterfront eine Mauer als Einfriedigung geschaffen werden, während im Hintergründe Radelhölzer als Zier- bäume angepflanzt werden sollen. Mit einer vorgeschlagenen Verlegung des Denkmals an eine andere Stelle konnte man sich nicht befreunden. Auch über die Ausgestaltung der hösentränke unterhielt man sich ausgiebig. Ein eifriger Verfechter dieses Planes, Uhrmacher Föckel, forderte möglichst baldige Anpflanzung mit Ziersträuchern und die Anlage eines Springbrunnens mit Bassin inmitten des Platzes, um so den Gedanken des einstigen Wasserbehälters hier wachzuhalten. Von fachmännischer Seite wurde jedoch die alsbaldige Inangriffnahme einer endgültigen Gestaltung als verfrüht bezeichnet und geraten, erst noch weitere Auffüllungen vorzuneh- men, was bei der zur Zeit stattfindenden Kanalisation mehrerer Straßen eine nützliche „ Verwendung der überflüssigen Erdmassen ermögliche und dann erst die nötige Senkung des aufgeschüt- teten Grundes abzuwarten. Einverstanden war man mit dem Vorgehen des Vorstandes des Verkehrsvereins, der in Gemeinschaft mit der Direktion der Oberrealschule sich an die Reichsbahn gewandt hat, um Stellung zu nehmen gegen die von anderer Seite bestehenden Bestrebungen, die den Mittagszug in Richtung Fulda, der kurz nach 13 Uhr hier verkehrt, um eine Stunde früher legen wollen. Fm Fnteresse der zahlreichen auswärtigen Schüler, sowie der hiesigen Geschäftswelt und Qlemter möchte man den schon seit Fahrzehnten um diese Zeit verkehrenden Zug nicht anders gelegt haben. Rundsunkprogramm. Sonntag, 9. November. 7 (von Hamburg): Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der ev.-luth. Freikirche. 9.30: Stunde des Chorgesangs. 10.15: Dortrags- stunde von Lilly Freud-Marls: Rainer Maria Rilke. 10.45: X. Laienmusik. 11.30: „Fünfzig Fahre Arbeit am deutschen Volkstum im Aus- lande". Vortrag von Pfarrer Erich Meyer, 1. Vorsitzender des VDA. 12: Konzert. 13.10 bis 13.50: Stunde des Landes. 14: Stunde der Fugend. Tartüffel, gespielt vom alten Kölner Hän- neschen-Theater. 14.55 (aus dem Staatstheater Kassel): Die Perlenfischer. Oper in. einem Vorspiel und zwei Aufzügen, von Georges Dizet. 17: Albrecht Schaeffer liest aus eigenen Werken. 17.30: Rachmittagslonzert des Rundfunkorchesters. 18.30: „Rheinische Charakterbilder: Pater Martin von Cochem", Vortrag von Dr. Hans Hartmann, Elberfeld. 19.30: „Hundert Minuten Oesterreich". 21.10: Gastspiel Hermine Körner. Mittagswende. Schauspiel in drei Akten von Paul Claudel. Deutsch von Franz Blei. 23.15: Tanzmusik. Montag, 10. November. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.20: Volkstümliche italienische Musik. 13: Szenen aus Richard Wagners Opern. 15: „Die weibliche Fugend und die Frauenbewegung", Vortrag von Hildegard Reumann vom GdA. 16 (aus Freiburg): Buntes Programm. 18.05: „Was kann uns Kunst sein?", Vortrag von Dr. Hans Brühl. 18.35: Senckenbergstunde: „Die Funde der neueren Zeit", Vortrag von Pros. Dr. Fr h Drevermann. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: „Herbst und Aepfelwein im alten Frankfurt und in der Mundartdichtung", vorgetragen von Konrad Hub. 20: Der unbekannte Mozart (Kammermusikalisch). 21: Rot der Fugend. 21.30: Tanzunterricht. 22.30: Lieder zur Laute, ausgeführt von Fosef Gareis. 23 bis 24 (aus Berlin): Tanzmusik. Dienstag, 11. November. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert des Rundfunkquintetts. 12.20: Schallplattenkonzert: Die vor- klassischen und die klassischen Tanzformen. 15: Hausfrauen-Rachmittag. 16 (aus dem Kurhaus Wiesbaden): Konzert. 18.05: „Soziologie des Zirkus", Vortrag von Dr. Hans Hartmann, Elberfeld. 18.35: „Landschaft und Mensch in der Rordmark", Vortrag von Dr. Karl Klugenfuh. 19.05 (aus Mannheim): „Sie Krisis des Hörens", Vortrag von Dr. Tannenbaum. 19.30: Arien und Operettenlieder. 20.15: Rarkotikum. Eine Szene von Tristan Dernard. 21: Ehrgeiz in der Küche. Eine kleine komische Oper in einem Akt von Armin Friedmann. Mittwoch, 12. November. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: Schulfunk — Deutsch: „Die deutschen Familiennamen", Vortrag von Studienrat Professor Dr. Rehb. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Stunde der Fugend. 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17 (aus Mannheim): Tanzmusik. 18.05: „Was wird 1932 aus den Aufwertungshypotheken?", Vortrag von Amts- und Landgerichtsrat Dr. Dauer. 18.35: „Ser große Schwabe Albertus Magnus", Vortrag von Universitätsprofessor Dr. Dempf, Bonn. 19.05: „Afrikanische Felsbilder als Kulturdokumente", Vortrag von Geh. Rat Dr. Leo Frobenius. 19.30: Violin-Rhapsodien. 20.15: Diedermeier in der Zwangsjacke. Vortrag mit Schallplatteu. 21: Collegium musicum. Alt- italienische Streichermusik. Donnerstag, 13. November. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert aus Schallplatten. 12.20: Schallplattenkonzert: Leichte Unterhaltung. 15: Stunde der Fugend. 16 (von Gießen): Militärkonzert des Musiklorps des 1. Hess. Grenadier- Dataillons 15. Fnf.-Rgts. Gießen. 18.05: Zeitfragen. 18.30: „Deethovens neunte Sinfonie", Vortrag von Max Dartsch. 18.45: Eine Viertelstunde Deutsch. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Sie Instrumente des Orchesters. 11. Vortrag von Hans Rosbaud. Sie Harfe. (Rose Stein). 20 (nach Berlin): Unbekannte Strauß sche Tanzmusik. 22.45: Tanzmusik. Freitag, 14. November. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert des Rundfunkquintetts. 12.20: Schallplattenkonzert: Große Dirigenten. 15: ..Weihnachtsspiele für die Schul- und Fugendbühne", vorgetragen von Fritz Grebenstein. 15.25: „Schulwahl und Berufswahl", Vortrag von Rektor Hermann Volkner. 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Buch und Film. 18.35: Aerztevortrag: „Die Rotwendigkeit der Hygiene beim Friseurgewerbe". 19.05: „Weltwirtschaft und Weltwirtschaftskrise", Vortrag von Dr. phil. P. Brock, Reutlingen. 19 30: Unbekannte Arbeiterdichter. Gesammelt und eingeleitet von Dr. Levenstein. 20 (aus dem Fest- saal der Liederhalle Stuttgart): Sinfonie-Kon- zcrt des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.30 bis 23.30: Tanzmusik. Samstag, 15. November. 7.30 bis 8.30 (von Gießen): Militär-Konzert des Musikkorps des 1. Hess. Grenadier-Bataillons 15. Fnf.-Rgts. Gießen. 10.20 bis 10.50: Schulfunk — Musikstunde: „Der Kanon", vorgetragen von Eesanglehrer H. Taufkirch. 12.20: Schal4>latten°Konzert: Opern-Kouzert. 14.30: Stunde der Fugend. 16: Zitherkonzert. 16.30: Arienstunde. 17: Tanztee. 18.05: „Fohannes Kepler — zum 300. Todestag", Vortrag von Dr. W. Epstein. 18.35: „Sie Gewerkschaftsbewegung der Dalkanstaaten", Vortrag von Furtwängler, Berlin. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Volkstümliches Richard-Wagner-Konzert. 21: Bunte Stunde. Preußen. Kreis Wetzlar. (5 Kinzenbach, 6. Nov. Aus der jüngsten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung ist u. a zu berich en Für die Ho.zfälllungs- arbeiten im Gemeindewaco wurden die vorjährigen Sähe bestimmt: Stammholz je Festmeter 2,70 Mk., Scheit- und Knüppelholz je Raummeter 2,70 Mk., Laubholzreisig 0,90 Mk., - Nadelholz- reiser 0,70 Mk., Vergütung des Holzhcukermeisters 1 Prozent des Gesamtlohnes. — Ser schofi"einmal beratene Antrag der Kirchengemeinde auf Beschaffung eines neuen Gebläs es für b i e Orgel muhte wegen Mangel an Geldmitteln vorläufig bis zum Rechnungsjahre 1931 zurückgestellt werden. Cs wurde der Kirchengemeinde anheimgestellt, ihren Haushaltsplan für 1931 so aufzustellen, daß sie die Kosten für die Erneuerung des Orgelgebläses selbst aufbringen kann. — Zugestimmt wurde der vom Bürgermeister angeregten Revision des elektrischen Ortsnetzes. Sie Revision soll die Stromlieferungssirma Buderus, Wetzlar, ausführen, sie soll aber nicht vor dem 1. April 1931 damit beginnen. Kreis Biedenkopf. XX Rodheim a. d. Bieber, 6. Nov. Seit einiger Zeit trug man sich hier mit dem Gedanken, eine Entwässerung der Aecker im Markfeld unterhalb des Vetzberges und auf dem Himmelbach durchzuführen. Ser Dränierungsplan, der vom Kulturamt Dillenburg ausgeführt wurde, stieß anfänglich auf einigen Widerstand, man entschloß sich aber schließlich doch, sich mit der Dränierung in der vorgeschlagenen Form einverstanden zu erklären. Die Arbeiten wurden dem Tiefbauunternehmer Schneider in Heuchelheim übertragen und find augenblicklich im Gange. Bei den Crdbewegungs- und Rohr- legungsarbeiten werden ausschließlich Arbeitslose der Gemeinde Rodheim beschäftigt. Korpulenz Ist unschön, auch ungesund daher nehmen Sie früh, mittags und abends 2—3 Tolu ba-Kerne. die Sie in Apoiheken erhalten. E.N. Hurley jr. E. N. Hurley ist Präsident der Hurley Machine Company. Diese Firma vertreibt in großem Maßstab Haushaltmaschinen. 1929 gab er für750 000 Dollar Reklame aus. Befragt, für welchen Betrag er 1930 inserieren würde, erklärte er, er würde das Doppelte, also 1500000 Dollar ausgeben, da er die Gewißheit habe, dadurch bei weitem mehr als das Doppelte an Maschinen zu verkaufen. KALT flennen Sie schon 60« jünzsie C r j e u g nie öej perfilperte: btvttVt A» lw asch-. u o d ei«! a ungemiilett Mit Henko nur wird eingeweicht! Henko macht^s schonender, billiger, besser. Weichen Sie die Wäsche nachtsüber in kalter Henkolauge ein! Am Morgen ist jeder Schmutz gelockert. Nehmen Sie auch Henko zum Weichmachen des Wassers! Weiches Wasser erhöht die Wirkung des Waschmittels.. Auch zum putzen und Scheuern ist Henko vorzüglich. prüfen Sie einmal eine gum tkinweichen gebrauchte Venlo« lauge. Oie werden staunen, wieviel Schmuh sie der Wäsche schon entzogen hol. HAm Iza Henkel’s IPasch-undBleich-Soda Ä M M, M IbV Seit SO Jahren im Jfaushaitsdienst bewährt! 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Juni 1930.........— Sie vermehrten sich demnach um..................... Die Haftsumme betrug am 1. Juli 1929 ............................... Sie verrtngerie sich um 335 ausgeschtedene Genossen - Sie betrug am 30. Juni 1930 ......................... 10347 Mitglieder 623 10970 Mitglieder 281 56 Otto Bingel sen. Kaplansgasse5u.5a - Gießen -KaplansgasseSu.Sa gebrochenes und gewaschenes Material für alle Betonarbeiten I76D C. Rübsamen 'Ä“ 217 447.23 JUt •_22 131.48 JUt • 4 684.25 JUt .. 310 410 JUt 10 050 „ . 300360 JUt , .. Flufekies,Splitt Wandplatten und Sand Eigene Mine! JtH 485 608.70 Grundschulden „ 13042.80 Lautende Verpflichtungen. „ 1018813.82 Erübrigung............ >■ 5 954 36 JUt 1523 41968 Bahnhofstraße 24 / Telephon 3729 0657» Voranschläge und Warmwafferbereitungen Brramng kostenlos! KEk ANlügeN ührl preiswert und sachgemäsi aus e. «Sidmann, GieKen Ausschneiden u. aufbewahren! 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S. ®. und Siemens in Bezug auf die Geschäftslage konnten keine Besserung der Tendenz herbeiführen. Man hatte sich jedoch im allgemeinen etwas beruhigt und sah nicht mehr ganz so schwarz in die Zukunft- Mit den wahrscheinlichen Dividendenreduktionen. wovon im laufenden Geschäftsjahr ziemlich viele Betriebe infolge der weiter rückläufigen Konjunktur betroffen werden, hat man sich zum größten Teil abgefunden, zumal dies mit dem jetzigen Kursstand schon als gerechtfertigt erscheint. Das Angebot war von allen Seilen nicht mehr so drückend, so daß sich die Kursabschläge in kleinerem Umfange fortbewegten. Doch wurde im Verlaufe bei manchen Papieren eine stärkere Einbuße erreicht. Die beabsichtigte zwei- prozentige Dividendereduzierung bei Südd. Zucker verstimmte aber an diesem Markt noch ziemlich. Die übrigen Werte wurden davon kaum mehr berührt, da diese Tatsache bei der herrschenden Wirtschaftsnot als unvermeidlich hingenommen werden muß. Zwischendurch machte sich wieder eine leichte Befestigung geltend. Die Verkäufe hatten nachgelassen. Eine wesentliche Rolle spielten die meist festeren Auslandsbörsen. Das Geschäft war aber nur in einigen Werten etwas reger. Der Ordereingang blieb ziemlich klein. Die Festigkeit konnte später weiter an Boden gewinnen. Ausschlaggebend waren die Erklärungen im Reichsrat, wovon man eine Besserung der kritischen Lage erwartet. Auch wurde die Besserung der Lage an der Pariser Börse beachtet. Die Bankschwierigkeiten scheinen beseitigt zu sein. Lebhafter war das Interesse für I.-G.-Farben und Cleltroaktien, bei teilweise beträchtlicheren Steigerungen. Zum Wochenschluh war die Stimwung schon wieder stark gedrückt, als man zu der Ileberzeugung kam, daß von einer Sonderausschüttung nicht die Rede sein könne. Auch die schwächere Reuyorker Börse, die durch den voraussichtlichen Sieg der Demokraten stark in Mitleidenschaft gezogen war. trug zur Verschlechterung der Lage bei. Aber auch die weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit im Reiche deprimierte. Die Tendenz war schwächer und wurde, als das Farbenkommunique bekannt wurde, noch weiter schwächer. Befriedigt war man gar nicht, da über die Höhe der Dividendenverteilung kein Wort gesagt wurde. Die Auslassungen über den Geschäftsgang lauteten fedoch nicht ungünstig. Dies wurde später eher gewürdigt, und die Kulisseschritt zu Rückdeclungcn. so daß sich das Kursniveau allgemein wieder etwas heben konnte. Gegenüber der vergangenen Woche waren die Kursveränderungen trotz der großen Schwankungen unerheblich. Rur Salzdetfurth. Harpener, Gesfürel, Gelsenkirchen, Felten und AEG. lagen bis zu 3 Prozent niedriger. Waldhof, Svcnska, Chade und Klöckner besserten sich um bis zu 3 Prozent. Deutsche Anleihen behauptet. Anatolier nach stärkeren Verlusten wieder etwas gebessert. Tagcsgeld mit 4,5 Prozent wieder leichter. Am Devisenmarkt traten kaum spürbare Veränderungen ein. Devise Paris war gesuchter. Wochenbericht vom Sronffurfer Schlachtviehmarkt Das ruhige Geschäft hat auch in dieser Woche angehalten, zumal die Konkurrenz von Wild und Geflügel immer stärker wird. Die Zufuhren an Schlachtvieh aller Gattungen waren weiterhin ziemlich groß, so daß meist wieder Preisnachlässe zu verzeichnen waren. Rachdem die Einfuhr keine wesentliche Aende- rung erfuhr, die Exportmög'ichk.iten aber relativ gering waren, blieben letztere ohne großen Einfluß auf die Tendenz des Rindermarktes. Da der Austrieb an Wcidevieh in den nächsten Wochen wahrscheinlich geringer werden wird, besteht die Hoffnung, daß die Preisrückgänge der letzten Wochen nicht nur zum Stillstand kommen, sondern eher in einer Erhöhung der Preise ihren Ausdruck finden werden. Das an- getriebene Vieh warloeiterhin nur von mittlerer Qualität. Rach ruhigem Handel verblieb lleber- stand. Die Preise zogen bei Bullen 1 Mk. an, gaben aber im übrigen bis 1 Mk. nach. Die Lage auf dem Schweinemarkt entwickelte sich erwartungsgemäß. Trotz des immer noch starken Austriebs sind die Preise infolge erhöhter Rachsrage merklich gestiegen. Die inzwischen erfolgte Lösung der Fettfrage hat plötzlich eine größere Rachfrage nach schweren, fetten Tieren verursacht, so dah hierin zur Zeit sogar ein gewisser Mangel besteht. Auch magere Fleischschweine blieben dauernd begehrt, während Fettschweine der mittleren und leichteren Gewichtsklassen immer schwieriger abzusetzen sind. Das Geschäft war ziemlich lebhaft, so daß sich wiederum Preisbesserungen von 6 bis 7 Mk. ergaben. Kälber hatten weiterhin ruhiges Geschäst, da die Konkurrenz von Wild und Geflügel, wie schon oben erwähnt, ziemlich stark ist. Durch die erhebliche Einfuhr polnischer und tschechischer Gänse liegen in einzelnen Großstädten jetzt die Preise für Gänse nicht nur erheblich unter denen für Bratenfleisch von Kälbern und Hämmeln, sondern sogar noch unter den Kochfleischpreisen dieser Viehgattungen. Der S ch a f m a r k t war weiterhin vernachlässigt. Die Preise blieben jedoch gegen die Vorwoche gut behauptet. Der Gesamtaustrieb bestand aus 1511 Rindern, darunter 293 Ochsen, 98 Bullen, 562 Kühen, 459 Färsen, ferner aus 1261 Kälbern, 521 Schafen und 5534 Schweinen. Berg ichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 42 Rinder, 182 Kälber und 15 Schafe mehr angetrieben, dagegen standen 235 Schweine weniger zum Verkauf. . Bezahlt wurden pro Zntner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 56 bis 58, a2) 50 bis 55, bl) 46 bis 49. Bullen a) 54 bis 57, b) 49 bis 53. Kühe a) 44 bis 47, b) 39 bis 43, c) 35 bis 38, d) 30 bis 34. Färsen a) 53 bis 58, b) 50 bis 55. c) 46 bis 49. Kälber b) 76 bis 79, c) 70 bis 75, d) 62 bis 69. Schafe al) 45 bis 48, b) 40 bis 44, c) 34 bis 39. Schweine a) 64 bis 66, b) 64 bis 66. c) 65 bis 67. d) 65 bis 67. e) 62 bis 65. • Notierung der Vounganleihe an der Frankfurter Börse. 36 Mill. Mk. Internationale 5Vsproz. Anleihe des Deutschen Reiches 1930. Deutsche Ausgabe, sind an der Frankfurter CBör.e zum Dörsenhandel zugelahen. Die Schuldner chreivungen werden vom 10. November ab notiert. * Mehlpreiserhöhung. Die Süddeutsche Mühlenvereinigung hat den Preis für Weizenmehl Spez al 0 um 25 Pf. auf 41,75 Mk. für 100 Kilogramm aj Mühlenstation erhöht. • Stagnierender Qlutomarft. Der Absatz von Kraftwagen oetoegte sich im September und Oktober weiter auf sehr niedrigem S.and Die arveitstägliche Zulassung von Personenkraftwagen ging vom August zum September von 260 auf 227 Einheiten zurück. Der Lastkraftwagenabsatz sank von 54,5 auf 50,7 Zulassungen. Die Nachfrage nach gebrauchten Wagen ist verhältnismäßig stärker, als das Interesse für fabrikneue Fahrzeuge. Cs werden vorwiegend billige Fahrzeuge gesucht: der Kleinwagenabsah liegt entsprechend etwas günstiger. iyranfiurtcr Börse. Frankfurt a. M., 8. Nov. Tendenz: schwächer. — Auch die Wochenschlußbörse eröffnete in überwiegend schwächerer Haltung, nachdem schon an der gestrigen Abendbörse weitere kleine Abschwächungen eingetreten waren. Die meist schwächeren Auslandbörsen und das Fehlen jeglicher Aufträge veranlaßten die Kulisse, weiter Abgaben vorzunehmen, so daß gegenüber der gestrigen Abend- börse Rückgänge von durchschnittlich 1,5 v. H. eintraten. Die Umsatztätigkeit beschränkte sich auf ein Minimum: das Publikum hatte sich von der Börse fast vollkommen zurückgezogen, so daß die Spekulation ganz auf sich selbst angewiesen war. Auch die immer größere Kreise ziehende Oustric- Asfäre in Frankreich blieb nicht ganz ohne Einsluh. Stärker gedrückt waren Farben mit minus 1,13 v. H. Bon Elektrowerten daren AEG. 1,10 v. H., Siemens und Licht & Kraft bis 1 v. H. gedrückt, während Schuckerl gut gehalten lagen. Eine größere Einbuße erlitten am Kalimarkt Salzdetfurth, die 3 o. H. niedriger lagen. Bon Montanwerten verloren Harpener und Rheinstahl 1 bis 1,75 v. H. Nur Mannesmann konnten sich um Bruchteile eines Prozentes erholen. Bauunternehmungen waren von 1 bis 1,5 v. H. schwächer. Mehr gedrückt roaren_ noch Deutsche Linoleum mit minus 2,5 v. H. und Schisf- fahrisaktien, die etwa 2 v.H. niedriger tariert wurden. Banken gehalten, oder ganz gering rückgängig Der Rentenmarkt hatte ebenfalls kaum Geschäft. Altbesitz zirka i v. H. niedriger. Bon Ausländern lagen Rumänen etwas höher. Nach den ersten Kursen gab es zunächst weiter leicht nach, später wurde es jedoch vom Elektromarkt ausgehend etwas freundlicher. Die Kulisse nahm vereinzelte Rückdeckungen vor, so daß sich das Kursniveau etwas über Anfang heben konnte. Die Umsatztätigkeit hielt sich jedoch nach wie vor in engen Grenzen. Am Geldmarkt machte die Erleichterung für Tagesgeld mit 3,5 v. H. weitere Fortschritte. Arn Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,196750, gegen Pfund 20,3851, gegen Paris 123,66, London gegen Kabel 4,857.), gegen Mailand 92,80, gegen Nladrid 42,75, gegen Schweiz 25,0325, gegen Holland 12,07. Berliner Börse Berlin, 8. 3oov. Die Schwäche der gestrigen Neuporker Börse hatte schon dem heutigen Bor- mittagsverkehr die Richtung gegeben. Es fehlte auch sonst an anregenden Momenten: vor allem fehlte jede Unternehmungslust seitens der Kundschaft, so daß der offizielle Beginn der heutigen Samstags- börfe f a ft umsatzlos lag und schon kleines Angebot genügte, um die Kurse um 1 bis 3 v. H. niedriger zu werfen. Feierschichten am Kalimarkt und die widersprechenden Pressemeldunden über Dividendeausschüttung in dieser Industrie ließen Kaliwerte bis zu 3,25 v.H. nachgeben. Auch Schifffahrtswerte hatten unter Abgaben zu leiden und waren im Verhältnis zu dem effektiven Kursstand mit Rückgängen bis zu 1,5 v. H. stärker gedrückt. Reichsbank verloren 2,25 v. H Chadeaktien 3 Mark, Svenfka 4 Mark, BMW. 2,25 v. H. und eine ganze Reihe von Papieren bis zu 2,5 v H. Gelsenkirchen eröffneten 3 v. H. niedriger bemerkenswert schwach. In der Hauptsache machte sich der Einfluß Neuyorks bemerkbar, aber auch die bisher ungünstig lautenden Meldungen von einer 10 v. H.-Verbilligung der Acetatseide, weitere Schwierigkeiten von Kulissenfirmen in Paris, als Folge des Bankkrachs waren eher verstimmende Momente. Auch die Auslassungen in der heutigen Aussichtsratssitzung bei Rheinstahl befriedigten nicht, zumal auch diese Gesellschaft nod) nicht über die Dividende entscheiden konnte. Eine Ausnahme machten Junghans mit einem Gewinn von 1,5 v. H. und Otaviminen, die noch anfangs Plus-Plus notierten und 1,25 v. H. hoher eröffneten. Bei letzteren stimulierte, daß entgegen den gestrigen Gerüchten die Konferenz doch noch nicht gescheitert sei, sondern erfolgreich beendet werden dürfte, nach einer anderen Version sogar schon beendet sei. Deutsche Anleihen und Ausländer wenig verändert. Auch Pfandbriefe lagen bei sehr geringem Order- eingang vollkommen still. Reich-schuldbuchforderun- gen waren eher etwas gesucht. Am Geldmarkt war I Tagesgeld mit 5,5 bis 7.5 o H. unverändert, Mo- I nat'sge'ld 6 bis 7,5 o H., Warenwechsel ohne zuver- lässigen Satz mit 5,25 v. H. tariert. Im weiteren Verlaufe wurde es meist um weitere 0,5 bis 1 v. H schwächer. Das Geschäft blieb auch weiterhin klein Später konnte sich am Elektromarkt eine leichte Erholung durchsetzen, die aber auf die übrigen Gebiete wenig Eindruck machte. Daten für Lonntaq, 9. November. (Sonnenaufgang 7.06 Ahr, (Sonnenuntergang 16.21 Ahr. — M-mdausgang 17.50 Ahr, Monduntergang 11.04 Ahr. 1799: Napoleon Bonaparte stürzt das Direktorium und wird erster Konsul: — 1818: der Dichter Iwan Turgenew in Orel geboren: — 1918: Ausrufung der Republik in Deutschland. Daten für Montag, 10. November. 1483: Martin Luther in Eisleben geboren; — 1759: Friedrich von Schiller in Marbach geboren; — 1810: der erste Reichsgerichtspräsident Eduard vonSimson geboren. Letzte Nachrichten. Die Tabakzollerhöhung im Reichsrat. Berlin, 8. Nov. (VDZ. Funkspruch.) Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrales traten am Samslagfrüh unter dem Vorsitz des Staatssekretär» Schäffer vom Reichsfinanzminiflerium zusammen, um die zum Finanzplan der Beidjsregicrung gehörende Novelle zur Tabak st euer zu beraten. Während die Zigarettensteuer nach den Mitteilungen des Reichsfinanzministeriums in den letzten Jahren schon mehrfach erhöht worden ist, waren Zigarren und andere Tabakwaren noch geschont worden. Die jetzige Novelle zur Tabaksteuer will diesen Unterschied zum Teil wieder ausgleichen, indem sie eine Härtere Belüftung nament- I i ch fürZigarren vorsiehl. Infolgedessen machte ich in den Reichsratsausschüssen eine Opposition namentlich der bremischen und der badischen Reichsratsvertreter gellend. In beiden Staatsgebieten spielt die Zigarrenherstellung eine große Rolle. Ls wurde darauf hin- gcwiescn, daß die kartellierte und mit modernen Maschinen ausgerüstete Zigarettenindustrie eher eine starke Steuer tragen könne als die in zahlreiche Kleinbetriebe zersplitterte und daher viele Arbeiter beschäftigende Zigarrenlndnstrie. wie wir der amtlichen „Darmstädter Zeitung" entnehmen, hat das hessische Gesamtministerium beschlossen, daß Hessen im Interesse des heimischen Tabakbaues und der Tabakindustrie im Reichsrat gegendieLrhöhungderTabak- steuer stimmt. kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 9. November. 21. Sonntag nach Trinitatis. Stabliird;e. 9.30 Uhr: Professor Michel; 11: Professor Michel: Kinderkirche für die MaNhäusgememde; 18: Pfr. Bender aus Nonnenweier. — ^ohanncs- kirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 17: Pfr. Ausfeld. — f.apcUe des Allen Friedhofs. 9.«,0: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Llisabelh-ßleinkinderfchule. 9.45: Pfr. küc. Waas; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. I^ic. Waas. — Klein-Linden. 11: Kindergoties- dienst; 13.30: Hauptgottesdienst. — Dicseck. 9 30: Beichte; 10: Predigtgottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Atten-Buseck. 10; 13. — Kirchberg. 10: Kirchberg, 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Lollar; 13.30: Mainzlar; 13.30: Daubnagen; Gelegenheit zum hl. Abendmahl. — haus.n- Garbenleich. 10: Hausen; 13: Garbenteich; Kandidat Geißler .(Watzenborn). — watzenborn-Sleinbcrg. 9.15: Beichte; 9.30: Predigtgottesdienst; anschlieh nd Feier des hl. Abendmahls (Jugend). — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; 14: Pfarrvikar Draudt. katholische Gemeinden. Samstag, den 8. Novcmber. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 9. November. 22. Sonntag nack Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr. Beichte; 7: Messe; Äommuuon der Jungfrauen und Hausangestellten 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 16 30: Jungfrauen-Kongregation; 17.30: Chri- stenlehre und Andacht: 20: Elisadethenoereinsabend. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Anadacht — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 10. November. Laubach. 7 30 Uhr: hl. Messe. Mittwoch, den 12. November. Hungen. 7 Uhr: hl. Messe. »onntnocibienO b.'2l«*r3tc n ‘H’infbefen nm 9 11 0 Ur. Neuniann-Tvengel. l)r. B'ock ßrnnelapotbcfc. «ahndrU: Dr Hau buch 'D Sprechstunden der .ricuiutton. 11.30 bis 12 30 Uhr 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügte» Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reichsbankdiskoni 5 o H, Lombardzinsfuß 6 o H_____________________________ Jrantfurt a. M Serkin vranffur a.M. Lerlin an Hurt a. M Vertin Bantno len. Mb 25rte| <50)1115-1 l-UUr- R. re Schluß-j Iure | Mnfang» fiur# c?ch>ub» turs . i-Uhr- Kure Echluß- i fure ; -Unfang» Kure r^chiuß- lure 1-tlhr- flur» Echluß- tur> । illnka q- Pur/ Amerikaniiche Roten . . . Belgische Noten . . . Tannche Noten . . . . Eugüiche Noten . . . . . __ 4.166 58,25 4,206 58.49 Datum / II I 8 n 7 11 | 8 11 Datum 7. II 8 l) 7 il. 8. 11 Darum 7 11 1 8 11 7 11 8 II 11,83 0,335 6,441 68,51 21,91 11,88 58,88 2,465 112,27 20.415 16,501 169,19 21,99 112,32 59,12 2,485 6% Deutsche Reicheanleihe von tS97 . ..... 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 . . • - - • - TVutfdK Llnl.-Ablöi.-«chuId mit 87 98,75 1 1 87,1 98,5 — Hamdurg-Ämenta Pakei - - Hamburg-Südam. Dampsschiss Hama Tampsschiss . - - Norddeutscher Lloyd .... Allgemeine DeutscheTreditanil. 8 10 8 10 73,4 1 1 1 1 1 < P 1 1 71^5 71,6 97 Bereinigte Stahlwerke . ... Claoi Minen ... 16'/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 68,25 190 192 260,5 257,5 68,25 31.25 191,5 193,5 261,25 I 67,25 32,5 190 191,5 258 Holländische Noten ....... Italienische Raren........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noien....... Äuslol.-Rechten - - DeSfll. ohne Auslos.-Rechte . - 8% Hest. BolkSstaat von 1929 S 1933 • - > 4Vi% Rheinische Hhp.-Dank Liau. Goidpse.. • • • 8% Pr. Landeepiandoriesanitalt, Psandbnese R. >9 - - - 6% Pr LandeepsanobriesaustaU, Komm^LbstR. 20. . - - - - 7% Pr. LandesvtandbriesanstaU, Psanvbriese R. 21 ... - • A.E.G. abg. «orunege-Obligatio- 93,5 — — — ülektc. LteserungSgesellschast. 10 — — 122,5 94,75 121 110 124 114 132,5 - 118,13 110 122.5 112 131.25 Cem entwert Karstadt. ... 10 53 68,5 70 108,75 80 51,5 z - 53 175,25 140 68,75 69,5 •09,25 80,25 — Geld Geld ■ßVT 85,6 100 97 97 — 100 97 97 Illi Licht und Kras!...... Felten & Guilleaume . . . Gesellschast für Elektrische Unternehmungen .... Hamburger Elektrizität^Berke Rheinische Cleltriytäl . . . Lchlesische Elektrizität. . . . Schustert & Eo. ■ . f • • • 10 3 Hyiel-CasSS„Trbweizer- baue^.Montag den 10. u. TtenStaa den 11. November 1930, von vormittags 9 Ubr ab öurdiaebenb versteigere ich im Cafe Schwe zerbaud in Bad-Nanbeim Hübenweg Nr, 1: UJolf Hefters, Jacobi-UJerke BERLIN W15-RNNENTPOPLW. LEIPZIG O29 r BÜHL i.B. Haben Sie offene Füße? Schmerten? Jacken? Siechen? Brennen? Daun gebrauchen Sie die tausendfach bewährte tiniversal-Heilsalbe „Gentarin". Wirkung überraschend. Preis 1.50 u. 2.75. Depot in Gießen In allen Apoth. Haupt Niederlage: Engelapoth. 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August 1930 dem Entwurf eines Nachtrags zum Ortsbaustatut der Stadt Gießen, betreffend das Verbot der Errichtung von Anlagen nach § 16 der Gewerbeordnung im Arbeitsviertel der Landesuniversität, zugestimmt. Dieser Nachtrag liegt in der Zeit vom 10. bis 25. November 1930 beim Städtischen Hochbauamt, Asterweg 9, während der üblichen Dienststunden zur Ein- icht offen. Einwendungen gegen den Nachtrag können während der Offenlegungszeit beim Städtischen Hochbauamt schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Gießen, den 7. November 1930. (7511C Der Oberbürgermeister. 3.23.: Dr. Hamm. FW Mit® SMvOKWtt Große Sendungen SMSV, MMMKOKN Arbeitsvergebung. Für die Feldbereinigung Großen-Duseck sollen auf dem Rathaus zu Großen-Buseck die Ausführung von 17 400 lsd. m Drainagen und das Anfahren der Drainröhren in mehreren Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf der Hessischen Bürgermeisterei Großen- Buseck offen, wo Leistungsoerzeichnisse, soweit der Vorrat reicht, unentgeltlich zu beziehen und wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, poftfrei bis zum Eröffnunas- termin am Mittwoch, dem 12. November 1930, vormittags 9 Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfrist zwei Wochen. Freie Auswahl bleibt vorbehalten. 7637D Gießen, den 7. November 1930. Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Negierungsbaurat. -Schon wieder mal ein Eil So gackert Jede Henne voll Freude über ihre LegetüditigkeiE Sie wird mit Ovaior-Eievmehl 7%. fLegemischfutter) \ gejüttert! h Daher auch die vielen großen Eier/ J>r Daher die Freude übet den ErfolgI Ovator seit 25 Jahren bewährt, l ~machen Sie den Versuch. ' WESTDEUTSCHE MUHLE - GEFLÜGEL-KRAFTFUTTER FABRIK § DÜSSELDORF HAFEN GEGR.1906 * Niederlage: Isidor Rothschild, Gießen, Bercstr. 15 Hypothekengeld an I. 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