Nr. 107 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 8. Mal 1950 Eriche >n > täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamUienblSttei Heimat im Bild Die Schalle Monair Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten; Anzeiger Ließen. Postscheckkonto: «IranHurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnitl und Verlag: vrühi'sche Univerflläts-Vuch- nnö 5te!ndruckerei 8. Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftsstelle: §chulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Oie Reichsrefoim so» voran getrieben werden. Eine schwierige Erbschaft. Berlin. 7. 7Nai (OB.) Die wir erfahren, find in dem Rcichsminislerium des Innern in den letzten Tagen die Vorarbeiten für die Reichsreform wieder verstärkt betrieben worden, und man hofft, sie bis Ende des Monats soweit vorwärtsbringen zu können, daß am 3 0. oder 31. 7Nai der Ausschuß, gegebenenfalls mit den llnterausfchüffcn, wieder zusammentreten kann. Die Reichsregierung hat die Absicht, das Problem der Reichsreform seht energisch vorwärts- z u l re i b e n , und zwar schon mit Rücksicht darauf, daß die Verwaltung durch die Rcichsresorm sparsamer gestaltet und damit die anderen großen Ausgaben, die das Kabinett sich gestellt Hot, finanziell erleichtert werden würden. * Mehr als zwei Jahre find tiergangen, seitdem am 16. bis 18. Januar 1928 das erstemal die große Länderkonferenz in Berlin tagte und rund ein halbes Jahr, seitdem zum letztenmal im Der- gangenen Jahre in ihrem Rahmen praktische Arbeit geleistet wurde. Die jetzt angekündigte Tagung findet eine recht schwierige Erbschaft vor. Der seinerzeit eingesetzte Berfassungsautzschuß hat sich als Grundlage der weiteren Arbeiten ver- fchiedene Referate über einzelne Gebiete erteilen lassen, die in besonderen Unterausschüssen beraten wurden. Dort hat man als ersten Punkt die Frage der Abgrenzung der Zuständigkeit zwi- schen Reich und Ländern behandelt, und zweitens wenigstens teilweise die Referate über die Organisationsfrage der Länder unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Preußen und dem Reich erledigt. Bei der letzten Tagung im November vergangenen Jahres blieb aber hier noch ein ganzer Fraaen- komplex offen, der noch der Erledigung harrt. Vollkommen in Wegfall gekommen ist dagegen die Klärung der ursprünglich vorgesehenen Probleme einer i n a n 3 i e 11 c n Auseinandersetzung zwi- . chen Reich und Ländern. Das wichtigste Ereignis )cr letzten Sitzung ist die A b l e h n u n g d e r Z e r- chlagung Preußens, obwohl damals viele außerpreußische Mitglieder im Falle einer Vereinigung Preußens mit dem Reich den Provinzen im großen und ganzen die Organisation und Zuständigkeit von Ländern geben wollten. Demgegenüber wurde aber beschloßen, auch im Falle der Vereinigung der beiden Zentralregierungen für die bisherigen preußischen Provinzen die Verfassung gemeinschaftlich durch die Zentralgesetzgebung bestimmen zu lassen, die im großen und Enzen dem bisherigen Zu st and entsprechen Iten. Auf der letzten Sitzung stellte der bayerische inisterpräsident Held den Kern der Oppposition, wobei er aber nicht einmal in allen Fällen von den übrigen süddeutschen Regierungsvertretern unterstützt wurde. Bisher handelt es sich vor allem bei Den großen Fragen, wie die Zerschlagung Preußens ufro., aber nur um theoretische Erörterungen, und es bleibt noch ganz ungewiß, wie in der Praxis die betreffenden Regierungen, vor allem die preußische, zu den Beschlüssen der Reichsreform Stellung nehmen werden. Polens EntdeMschungspolitik in Ostoberschlesien. Berlin, 7. Mai. (Priv.-Tel.) Mit welchen Mitteln von polnischer Seite gegen das Deutschtum in Ostoberschlesien immer noch vorgegangen wird, zeigen Vorgänge, die uns au8 dem Bereich der Besitzungen des Fürsten P l e h, die ja bekanntlich außerordentlich umfangreich und wertvoll find, aus zuverläfsig unterrichteter Quelle mitgeteilt werden. Es scheint, daß den Polen die Verwaltung des fürstlich Plchschen De- fitzcs schon lange eine Dorn im Auge ist, weil sie sich nicht in dem von polnischer Seite gewünschten Umfange hat polonisieren lassen. Rach- dem nun neuerdings noch der zweite Sohn des Fürsten Pleß, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, 3um Rayonführer des Deutschen Ost- bundes Hal wählen lassen, ist der Kampf gegen Pleß offen entbrannt. Man hat auf polnischer Seite uralte Steuerforderungen ausgegraben, deren rechtliche Begründung sehr unsicher zu fein scheint, und die in ihrer ererbt» tonten Höhe geeignet sind, die Plehschen Unternehmungen einfach zu ruinieren. Das ist wohl auch das Ziel, man möchte auf dem Wege der Zwangsvoll st reckung diesen deutschen Besitz beseitigen und damit gleichzeitig einen Schlag gegen das Deutschtum in Oberschlesien führen. Die Saarverhandlungen. Berlin, 7. Mai. (Priv.-Tel.) Die Pariser Saar- Verhandlungen nehmen, wie wir erfahren, auch weiterhin ihren Fortgang, ohne zunächst eine Aussicht auf einen baldigen Abschluß zu eröffnen. In gut unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß es n 0 ch einige Monate dauern wird, bis der Abschluß dieser Verhandlungen erreicht werden kann, deren Endergebnis kaum vor November fest stehen dürste. Aus diesem Grunde wird es auch nicht möglich sein, die Lösung dieser Verhandlungen be- stimmungsgemäß schon der diesmaligen Septembertagung des Völkerbundes oorzulegen, (0 daß die endgültige Bereinigung des ganzen Saarproblems immer noch einige Zeit auf sich warten laßen wird. Trotzdem wäre es verfehlt, von besonderen Schwie- Vom Oawesabkommen zum stoungplan. In diesen Tagen treten die Reparationszahlungen in ein neues Stadium. Ihre Regelung durch das Londoner Abkommen vom 30. August 1924, das auf dem Dawesbericht vom 9. April 1924 aufbaut, und das seit dem 1. September 1924 als vorläufige Regelung in Kraft war, erfährt nunmehr durch die Inkraftsetzung des Poungplanes eine neue Wendung. Der Dawesplan war und sollte nach dem Willen seiner Urheber ein Versuch sein, die mit dem Repa- tionsproblem zusammenhängenden Fragenkomplexe nach geschäftsmäßigen, d. h. wirtschaftlich-ver- nünstigen Methoden zu meistern. Sein oberstes Postulat war der Schutz derWä hrung. Aber bereits in seinem Bericht vom 10. Dezember 1927 über den Verlauf des dritten Dawesjahres gab der Generalagent für Reparationszahlungen, Parker Gilbert, die Anregung, nunmehr zu einer endgültigen Festsetzung der deutschen Reparationsverbindlichkeiten zu schreiten. Und auf der Herbsttagung des Völkerbundes in Genf wurde dann am 16. September 1928 zwischen den Vertretern der sechs Mächte Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan eine Einigung dahingehend erzielt, das Reparationsproblem vollständig und endgültig zu regeln und zu diesem Zweck eine Kommission von Finanzsachverständigen der sechs Regierungen einzusetzen. So kam es zu der P a - riser Konferenz, deren Ergebnis nach monatelangen Beratungen im sog. Voungplan gipfelte. Der Grundgedanke des Neuen Planes besagt: als alleinige Garantie für die Durchführung des Zahlungsplanes soll das Leistungsoersprechen Deutschlands gelten. Damit ist das weitgehende und einschneidende, nur im Interesse der Gläubiger arbeitende Kontrollsystem des Dawesplanes fortgefallen. Der Generalagent hat" seine Funktionen erfüllt, und bereits am 15. Mai wird die erste deutsche Zahlung dem neuen Konto derJnternationalenZah- lungsbank in Basel überwiesen werden. Die Bedeutung des Poungplanes ist in der Def- fentlichkeit schon genügend gewürdigt worden, so daß es sich erübrigt, noch einmal darauf näher einzugehen. Aber gerade im Augenblick, wo der Da- wcsplan sein Ende findet erscheint es angebracht, doch noch einmal auf diesen zurückzukommen. Der Dawesplan sah zunächst für die ersten vier Jahre eine Leistungspflicht für Deutschland vor, die als Gesamtsumme rund 5/4 Milliarden ausmachte. Und zwar hatte Deutschland im ersten Dawesjahr 1 Milliarde zu zahlen, im zweiten 1,2 Milliarden, im dritten 1,5 Milliarden, im vierten 1,75 Milliarden. Mit dem fünften Jahre begann bas sogenannte Dawes-Normaljahr, das eine jährliche Leistung von 2,5 Milliarden Goldmark vorsah. Dazu konnte noch ein Zuschlag treten, der sich nach einem sogenannten Wohlstandsindex errechnete, eine Einrichtung, di« in Anbetracht ihrer völlig verfehlten Konstruktion zwangsläufig hätte zu einer ganz gewaltigen Steigerung der deutschen Reparationszahlungen führen müssen. Die Zahlungen nach dem Damesplan stammten dabei aus drei Quellen: der Reichsbahn, der Industrie und dem Reichshaushalt. Der Generalagent verwertete zusammen mit dem Transferkomitee die Gelder, finanzierte die Sachleistungen und kaufte Devisen. Er war somit das wichtigste Organ der Gläubiger in Deutschland, das zudem noch mit weitgehenden Befugnissen ausgestattet war. Jetzt zahlt Deutschland direkt an die neue Bank, kauft s e l b st Devisen ein und ist darüber hinaus jeder Kontrolle enthoben. Auch der Neue Plan wird sich erproben müssen. Hoffen wir, daß er der Anfang der endgültigen Befriedung Europas ist. Oie younganleifoc. Einigung der Delegierten in den wichtigsten Punkten. Paris, 7. Mai. (WTB.) Die heute nachmittag abgehaltene Sitzung der Delegierten der Schatzämter der Gläubigerstaaten, des Reichsfinanzministeriums und der Internationalen Zahlungsbank beschäftigten sich u.a. mit den verschiedenen Währungen, in denen die Anleihestücke ausgegeben werden sollen und mit deren Austausch. Hierüber soll noch die Ansicht der Banken, die sich mit der Emission zu beschäftigen haben werden, eingeholt werden. Die H ö h.e der auf zu legenden Beträge wird entsprechend den Ländern verschieden bemessen werden. Die Amortisierung soll durch Auslosung erfolgen, aber auch hier sollen die Bankiers noch der Internationalen Zahlungsbank Vorschläge machen. Das „Journal" glaubt zu wissen, daß man im ßaufe der Vorverhandlungen über die Bedingungen der Auflegung der ersten Pounganleih« zunächst einen Ausgabekurs von 94 v. H. ins Auge gefaßt hebe, sich jedoch schließlich auf einen Kurs von 98 v. H. geeinigt zu haben scheine. Bekanntlich sollen die Obligationen 5% v. H. Zinsen tragen, von allen Steuern befreit sein, und in 35 Jahren getilgt werden. Im übrigen ist heute übar die Hauptpunkte eine Der ständigung erzielt worden, so daß man hofft, in der Vollsitzung, die morgen vormittag beginnt, zu einer vollständigen Einigung zu gelangen. Am nächsten Montag tritt der Verwaltungsrat der Internationalen Zahlungsbank in Basel zusammen, um die in Paris erzielten Dereinbarun- Berlin, 7.UZai. (DTB.) Das Reichskabi- nett fehle heule nachmittag unter dem Dorfih des Reichskanzlers Dr. Brüning und in Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther die Erörterung über das Oskhilfegefeh fort Die Beratungen führten zu einer grundfählichen Einigung, auf Grund deren die endgültigen Gesetzentwürfe von der Regierung unter der Führung des Reichsminisleriums des Innern in den nächsten Tagen vorgelegt werden. Das Reichskobi- nett wird alsdann am nächsten Mittwoch über die endgültige Gestaltung des Gesamtprogramms Beschluß fassen. wie wir noch erfahren, besteht die grundsätzliche Einigung ungefähr in folgendem: Dem Reichstag wird sobald wie möglich ein Rahmengesetz zugeleitet werden, das in sechs Gesetze unterteilt ist, die die einzelnen Fragen der Osthilfe befonbsrs regeln. Das Gesamtprogramm der Osthilfe erstreckt sich auf einen Zeitraum von fünf Zähren. Die Ausführung richtet sich natürlich nach den jeweiligen Etalsoerhältnifsen. Es ist deshalb nötig, daß in jedem Jahre ein besonderer Voranschlag gemacht wird und ähnlich wie beim Bau eines Panzerschiffes immer eine Rate in den Etat eingeftelll wird. Das erste Stadium der Durchführung bildet das Sofortprogramm, über das dem Reichstag gen zu prüfen. Alsdann wird zur Redigierung der juristischen Texte dieses Abkommens geschritten werden. hieraus werden di« Delegierten der Internationalen Zahlungsbank, der Schatzämter der Gläubigerstaaten und der Vertreter d.r Emissionsbanken aufs neue zusammentreten, um die Abkommen in ihrer endgültigen Form anzunehmen. Eine zwette Sitzung des Verwaltungsrates der Internationalen Zahlungsbank soll kurz darauf ftattfinben. Vor dem Auszug parier Gilberts Der Rcpcrationcagcnt Packt seine Koffer. Berlin. 7.Mai. (Priv.-Tel.) Beim General» agenten Parker Gilbert werden bereits die Koffer gepackt. Spätestens Mitte nächster Woche wird er sein Bureau nach beinahe sechsjähriger Tätigkeit endgültig schließen, da schon am 15. Mai die erste Reparationszahlung nicht an ihn, sondern an die Bank für den internationalen Zahlungsausgleich überwiesen wird. Da man sich darüber geeinigt hat, einen Teil des Bureaupersonals und des Bureauinventars in Basel zu übernehmen, werden nur wenige der Mitglieder des Bureaus des Generalagenten ihren Heimweg nach Amerika antreten. Parker Gilbert selbst wird voraussichtlich in den nächsten Tugen seinen Schlußbericht serkigstellen, um ihn der Reichsregierung sowohl als auch den internationalen Stellen zu überreichen und dann seine Abschiedsvisite machen. Er wird wahr-, scheinlich direkt nach Amerika zurückkehr e n. um dort inöie MorganscheBank einzutreten. gleichzeilig mit dem Rahmengesetz ein Entwurf zu- gehen wirb. Damit bleibt es also bei bet bereits angekünbigten Verbindung zwischen Oslhilfe unb parlamentarischer verabschiebung bes Etats. Dazu schweben noch Erwägungen in bet Richtung, die Erlebigung dieser Dinge auch mit bet Frage der Reform ber Arbeitslofenoerfiche- rung zu oerbinben. Daraus ergibt sich, baß in Regietungskreifen offenbar bie Absicht besieht, auch bie Arbeitslosenoerficherungsreform fobalb wie möglich in Angriff zu nehmen. Diese Verkoppelung würbe also bebeufen, bah bas Kabinett f i ch für beibe Probleme eine Mehrheit sichert. Dazu kommt, bah die Frage ber finanziellen Mittel für bie Oslhilfe natürlich stark bavon beeinfluß wirb, wie weit sich Einsparungen auf an- bereu Gebieten, also auch burch bie hier besprochene Arbeitslofenreform, herbeiführen lassen. Interessant ist an ber heutigen Kabinettssihung schliehtich noch, bah auch ber Reichsbankprä- sident an ihr (eilgenommen hat. Der Grunb ba- für liegt natürlich in ber finanziellen Seite bes Problems. Aus ber amtlichen Mitteilung, bie über bie heutige Kabinettssihung ausgegeben worben ist, gehl schliehtich noch hervor, bah bas Reichsministe- cium bes Innern nunmehr enbgültig als sebersührenb für bie Osthilfe bestimmt worben ist. Brünings Fünfjahresplan. Grundsätzliche Einigung über die Osthilfe im Reichskabineti. rigteiten innerhalb dieser Verhandlungen zu sprechen, die zwar nur äußerst langsam voranschreiten, im einzelnen aber doch innerhalb der Kommissionsberatungen gewisse Fortschritte machen. Einberufung des Hessischen Landtags zum 13. Mai. Darmstadt, 7.Mai. (WHP.) Der Präsident bes Canbfages hat soeben bie (Einlabungen an bie Mitglieder bes hessischen Canblages zur 61. Sitzung auf Dienstag, be n 13. Mai, 10 Uhr, ergehen lassen. Aus der lagesorbnung steht unter Punkt 2 bas Gesetz über die Verlängerung ber Wahlbauer dieses € a nb tags. Da zur verabschiebung biefes Gesetzes eine Zwerbt i t t e l m e h r h e i l notroenbig ist unb zwei kommunistische Abgeorbnete noch für zwei Tage von ber Sitzung ausgeschlossen sinb, wirb zur leichteren Erlebigung bieser Punkt bereits in ber ersten Sitzung behandelt werden. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildet der S t a a t s v 0 r a n s ch l a g für 1930. Kriegsbeschädigte beim Reichsarbeitsminister. Berlin. 7. Mai. (WTB.) Der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald hat eine Deputation der im Reichsausschuh der Kriegsbeschädigten- und Kriegerhinterbliebenenfürsorge vertretenen Verbände empfangen. Der Vorsitzende des Reichsausschusses P ä n d n e r trug die vordringlichen Wünsche der Organisationen auf dem Gebiete ver Hinterbliebenenversorgung, der sozialen Fürsorge und des Verfahrens vor. Der Reichsarbeitsminister betonte, daß auch die Frage der Kriegsbeschädigtenversorgung nur im Rahmen der allgemeinen Finanzpolitik behandelt werden könne. Wenn ihm auch einzelne Wünsche erfüllenswert erschienen, so sehe er doch im laufenden Haushaltsjahre, das einer allgemeinen Gesundung der Wirtschaft dienen müsse, keine Möglichkeit. die zur Erfüllung dieser Wünsche erfor- derlicken Mittel zu beschaffen. Das Ministerium sei allerdings bereit, die finanzielle Grundlage für eine Weiterbildung der Kriegsopferfürsorge zu schaffen. Drei neue Botschaften. Die diplomatischen Vertretungen in den ABC-Ltaaten. Berlin, 7. Mai. Das Revirement im deutschen Diplomatischen Korps wird sich nicht auf die Neubesetzung der Botschafterposten in London und Rom sowie der Gesandtschaft in Oslo beschränken: zumindest werden noch drei neue Botschafter ernannt werden, und zwar in den sogenannten ABC-Staaten, Argentinien, Brasilien und Chile. 3m Etat für 1930 ist die Umwandlung der gegenwärtigen Gesandtschaften in Buenos-Aires, Rio de Janeiro und Santiago in Botschaften wieder beantragt 3m vorigen 3ahr hat der Reichstag diese Umwandlung mit Rücksicht auf die Mehrkosten abgelehnt: diesmal ist die Bewilligung zu erwarten. Zur Begründung seiner Forderung führt das Auswärtige Amt u. a. an: „Sie Erhebung der deutschen diplomatischen Vertretungen in Buenos-Aires, Rio de 3aneiro und Santiago zu Botschaften hat sich politisch als dringend notwendig erwiesen. Alle Großmächte sind m Argentinien und Brasilien bereits durch Botschafter vertreten. Auch in Chile richten Frankreich und England nunmehr Botschaften ein, so daß auch in Santiago alsdann alle Großmächte durch Botschafter vertreten sind. Die drei in Betracht kommenden Regierungen haben wiederholt den Antrag gestellt, auf der Grundlage der Gegenseitigkeit ihre Gesandtschaften zu Botschaften zu erheben, lo daß die Umwandlung der deutschen Gesandtschaften ohne erheblichen poli-' tischen Schaden nicht länger hinausgeschoben werden kann. Abgesehen davon kommt der Umwandlung der drei Gesandtschaften in Botschaften aber auch eine sehr aktuelle Bedeutung zu: Deutschland steht mit den genannten Staaten vor wichtigen Verhandlungen, deren Ausgang maßgeblich beeinflußt werden könnte, wenn unsere Vertreter das Recht des persönlichen Vortrags beim Präsidenten, der eine Prärogative der Bot-! schafter ist, erhalten würden. Oie bundesstaatliche Organisation Europas. Briands Programm für die Genfer Ratstagung. Paris, 7. Mai. (WTB.) Außenminister B r i« and reift am kommenden Sonntag nach Genf, um an ber am 12. Mai beginnenden Völker« bunbsratstagung teilzunehmen. Er wird, wie der „Petit Parisien" berichtet, dort Verhandlungen mit den Staatsmännern der anderen Länder, darunter auch mit Reichsaußenminister Dr. Curtius haben. Die erste Fühlungnahme wird bereits am kommenden Freitag in Paris erfolgen, da Briand an diesem Tage mit dem englischen Außenminister Henderson, der auf der Durchreise nach Genf Paris berührt, im Quai d'Orsay frühstückt. Man mrat ®r.' ünchen, zu M ^LÖ“rÄCrn,tonn‘,c- ?a4> »" «"»-»'N« ‘en. Für all« »m- D-f°rd-rung aufgelieferten Der Erweiterungsbau des Deutschen Museums. Richtfest für das neue Studiengebäude. - Ehrungen für Oskar von Miller. Das HunderinMionen-Oefizit im preußischen Haushalt. Verdoppelung der Grundvermögenssteuer? mit einem Hagel von Steinen beworfen. Ein Beamter wurde von dem Mob durch die Straßen verfolgt. Truppen und Panzerwagen wurden daraufhin eingesetzt. 3m Laufe der Kämpfe wurden insgesamt 300 Personen verletzt. Die Unruhen begannen, als Arbeiter den Versuch machten, vor einem Re- qicrungsgebäude Streikposten aufzustellen. Der Stellvertreter des Polizeichefs wurde gleich- fals von der Menge angegriffen, aber durch Polizeiverstärkungen befreit. Später wurden drei des Hillschen Postreformplans veranstaltete das englische Schatzamt 1839 einen Wettbewerb für Markenentwürfe. Zur Ausführung bestimmt wurde schließlich derjenige eines gewissen Ch. H e a t h, der den Kopf der jugendlichen Königin von der Seite zeigte und nach einer Erinnerungsmedaille gezeichnet war. Llebrigcns lehnten sich die ersten englischen Briefmarken ziemlich stark an rohe, in Wasserfarben entworfene Skizzen an, die Hill selbst dem Schatzamt vorgelegt hatte. 3n drucktechnischer Beziehung nahmen die ersten Marken, die in schönem Kupferstich ausgeführt waren, gleich einen bemerkenswert hohen künstlerischen Rang ein. Um nicht ungerecht zu sein, soll noch erwähnt werden, daß später auch -ein Oesterreicher, der Buchhalter L. Ko schier in Wien, hinsichtlich der ersten aufklebbaren Freimarke Anspruch auf die Vaterschaft erhob. Rach damaligen Feststellungen der Leipziger Oberpostdirektion schien wirklich der Beweis erbracht, daß Kaschier bereits im Jahre 1836 der österreichischen Regierung einen Plan vorgelegt hat, demzufolge das Briefporto nicht mehr in barem Geld, sondern durch Verwendung von Freimarken bezahlt werden sollte. Jedenfalls ist sein Vorschlag damals nicht verwirklicht worden — Erfinderschicksal. Die indische Freiheitsbewegung. Kundgebungen in Bombay —Straßen- kämpfe in Delhi. Bombay, 7. Mai. (WTB.) Der vormalige Präsident der gesetzgebenden Versammlung, Patel, traf heute aus Kalkutta hier ein. Eine große Menschenmenge bereitete ihm einen be- geisterten Empfang und überreichte ihm Blumen und Früchte. 3n einer Ansprache an die Menge erklärte er, in einem freien Land (gemeint ist Englaikd) erhalte der Sprecher des Parlaments eine Pension von 5000 Pfund jähr- lich und die Peerswürde, während in 3ndien der Sprecher, wenn er zurücktrete, seine Pension vielleicht im Gefängnis finde. Patel ermahnte seine Zuhörer, sich vorläufig passiv zu verhalten und dann das Programm durchzuführen, das auf der Tagung des Arbeits- xmsschusses des Kongresses in einigen Tagen fest- Lcseht werden wird. Die Menge zerstreute sich hierauf ohne Zwischenfall. Patel erklärte später in einer Unterredung, er halte den Boykott der britischen Waren im allgemeinen und aller ausländischen Tuche im besonderen für wichtiger als jeden anderen Teil des Programmes des Rationalkongresses. Er fügte hinzu, der Arbeitsausschuß des Kongresses trete am Montag in Allahabad zusammen, um das Programm für die Zukunft zu erörtern. Er werde dem Arbeitsausschuß bestimmte Vorschläge unterbreiten. Ueber die gestrigen Vorgänge in Delhi wird von der britischen Verwaltung in Eimla eine amtliche Erklärung verkündigt, in der es heißt: Eine Abteilung Polizei, die auf einem Lastkraftwagen befördert wurde, geriet in eine große Menschenmenge. Sie wurde Postsendungen wurden hier zum erstenmal Freimachungszwang und Einheitsporto eingesührt. Angeblich auf die Anregung einer Herzogin von Longueville hin — was aber nicht feststeht — wurden zum Preise von 1 Sou besondere Papierstreifen verkauft, mit dem Vordruck „Port paye“ (Porto bezahlt), also eine Bescheinigung über die erfolgte Vorauszahlung des Portos, wie sie auch unsere heutige Briefmarke darstellt. Diese Ausweise, die äußerlich etwa den jetzt gebräuchlichen Streifbändern entsprachen, mußten mit dem Datum ausgefüllt und dann um die betreffende Driefsendung herumgelegt oder sonstwie an ihr befestigt werden, nach der Vorschrift jedoch so, daß sie von den Beamten leicht entfernt werden konnten. Wer auf eine Antwort Wert legte, konnte gleich noch eins dieser „Billets de port paye“ — wie man sie damals nannte — beifügen. ähnlich wie wir es noch heute mit Freiumschlag oder Antwortkarte tun. Ob diese Post- scheine auch eine Wertangabe selbst enthielten, ist bis heute nicht bekannt geworden. Jedenfalls handelt es sich hier aber um die ersten Franko- zeichen, von denen die Philatelie zu melden weih. Während in den ersten 3ahren die Marken umständlich mit der Schere vom ganzen Bogen abgeschnitten werden muhten, ging man in England von 1854 ab endlich zur Herstellung gezähnter Postwertzeichen über. Man bediente sich dazu einer Durchlochungsmaschine, die der 3r- länder Henry Archer zusammen mit anderen erfunden hatte und die nach verschiedenen Ver- bcsserungen vom englischen Schatzamt für 4000 PPlud Sterling angekauft wurde. Heute hat die „schwarze Viktoria", die erste aller Briefmarken, einen Sammelwcrt von etwa 5 Mk. für das gestempelte und von 50 bis 60 Mk. für das ungebrauchte Stück. Mit Recht wird sie von den Sammlern als interessantes kleines Dokument der postalischen Weltgeschichte geschätzt. Wie so viele Erfindungen hat auch die Drief- marke chre Vorläufer gehabt. Die Geschichte der ältesten bekannten Postwertzeichen reicht bis in die Zeit Ludwigs XIV. von Frankreich zurück. 3.m ^öre 1653 hatte ein Herr von VSlayer oder Dalayer vom König das alleinige Recht erhalten^ zwecks Reform der alten Pariser ,aIlen Stadtteilen Briefkasten cm- zuvringen und eine Art Hauptpostamt einzurich- Berlin, 7.Mai. (WTB.) Der Herr Reichspräsident hat dem Schöpfer und Leiter des Deutschen Museums, Exzellenz Gehei 3ng. Oskar von Miller, Mi seinem 75. Geburtstage den Adlerschild dc- Reiches verliehen und ihm nachstehendes Schreiben zugehen lassen: „Ew. Exzellenz zu Ihrem 75. Geburtstage meine herzlichsten Glückwünsche ouszusprechen, ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis. 3n einem arbeitsvollen Leben haben Sie der deutschen Wirtschaft und Technik wertvolle Dienste geleistet und Ihre Arbeitskraft und 3nitia- tive bis in die Gegenwart hinein in den Dienst! öffentlicher 3nteressen gestellt. Die Arbeit Ihres Lebens haben Sie gekrönt durch die Schöpfung des Deutschen Museums, dessen weiterer Ausbau durch die In diesen Tagen erfolgte Vollendung des Studienbaues wiederum Ihr besonderes Verdienst ist. Dem Danke des deutschen Volkes möchte ich Ausdruck geben, indem ich Ihnen die Höch st e Ehrung zuerkenne, die die Deutsche Republik verleiht, den A d l e r s ch i l d, der auf der BorLerseite das Symbol des Reiches und auf der Rückseite dis Widmung „Dem Schöpfer des Deutschen Museums" trägt. Diese Ehrung soll Ihnen ein Zeichen dafür sein, dah mit mir das Vaterland Ihres Geburtstages gedenkt. Mit den besten Grüßen und den aufrichtigsten Wünschen für Ihr weiteres Wirken und Schaffen bin ich Ew. Exzellenz sehr ergebener (gez.): von Hindenburg." . Ehrenbürger von München. München, 7. Mai. (TU.) Die Stadt München hat Geheimrat von Miller anläßlich seines 75. Geburtstages das Ehrenbürgerrecht verliehen. Oberbürgermeister Dr. S ch a r n a g l und Bürgermeister Dr. K i f n e r überreichten ihm die von Frau Simons geschaffene Ehrenbürger-Urkunde, die folgenden Wortlaut hat: „Der Stadtrat München hat in seiner Gesamtsitzung vom 4. Februar 1930 beschlossen, Exzellenz Herrn Geheimen Baurat Dr. Oskar von Miller, dem Schöpfer des Deutschen Museums, aus Anlaß des 75. Geburtsfestes und der Heberichtfeier für den Bibliotheksbau des Deutschen Museums in Anerkennung der großen Verdienste um das Ansehen und die Bedeutung der Stadt München in allen gebildeten Kreisen der Welt und in dankbarer Würdigung der in seltener Familientradition stets bekundeten Förderung der Interessen Münchens das Ehrenbürgerrecht der Stadt München zu verleihen. Hierüber diese Urkunde." Der großzügigen Reform der Pariser Stadt- post durch Velayer war jedoch nur eine kurze Lebensdauer beschieden; denn schon 1662 erhielt der Pariser Kaufmann Presdeseigle die Genehmigung zur Einrichtung einer Stadtbriefbeförderung, ohne dah irgendeine Kunde von der Verwendung besonderer Wertzeichen auf uns gekommen wäre. Das erste Postinstitut, von dem uns das Aussehen seiner Freimachungszeichen bekannt ist, war die Londoner S t a d t p o st, die 1680 von dem früheren Zollbeamten William Dockwra gegründet wurde. In diesem Fall erhielten die Briefe, für die das Porto im voraus entrichtet war, einen dreieckigen Stempel mit der Inschrift „Penny Post paid“ und mit einem Buchstaben, der das Aufgabepostamt kennzeichnete. Daneben wurden Heinere herzförmige Stempel mit der Stundenangabe gesetzt. Diese Londoner Stadtpost bestand ununterbrochen 160 Jahre lang bis zu der erwähnten Reform des gesamten englischen Postwesens von 1840 durch Sir Rowtand Hill, den Schöpfer der eigentlichen Briefmarke. Die praktische Bedeutung der neuartigen Freimachungsart wurde bald allgemein erkannt, und schon in den nächsten Jahren folgten andere Post- verwaltungen dem englischen Beispiel. In Sydney wurden 1841 Marken ohne Wertangabe, aber mit Frankaturkraft verausgabt: im gleichen 3ahr tauchten in den Vereinigten Staaten die ersten Stadtpostmarken auf: 1843 erschienen in den Kantonen Zürich und Genf die heute so wertvollen Kantonalmarken, in demselben Jahr die sog. „Ochsenaugen", die berühmten ersten Postwertzeichen Brasiliens: die vielgenannten seltenen Mauritius entstanden 1847. Am 1. Rovember 1849 brachte Bayern die ersten Briefmarken in Verkehr, 1850 folgte Preußen, und die anderen altdeutschen Staaten schlossen sich in kurzen Abständen an. In den 90er Jahren, seitdem der Stammbaum der Briefmarke gepflanzt wurde, hat sich ihre Familie erstaunlich vermehrt und Über den ganzen postalisch erschlossenen Erdball ausgebreitet. Während etwa 25 Jahre nach Einführung des Postwertzeichens im ganzen rund 1500 verschiedene seiner Gattung erschienen waren, verzeichnen die Kataloge der Sammler heute etwa 6 6 000 verschiedene Marken! Dabei sind freilich alle Unterschiede in den Zeichnungen, Farben, Zähnungen, Aufdrucken usw. mitgezählt. Die drucktechnische Ausführung wurde nach den teilweise primitiven Anfängen immer vollendeter; heute bedient man sich der modernsten Reproduktionsverfahren und zieht erste Künstler zur Mitarbeit heran, so daß man in unseren Tagen vielfach von der Briefmarke als kleinem Kunstwerk sprechen kann und sie mit Recht als die kulturelle Visitenkarte der Völker bezeichnet. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dah das Driefmarkensammeln sich einer immer mehr zunehmenden Beliebtheit in fast der ganzen Welt erfreut und wohl als der volkstümlichste Sammelzweig gelten darf. Der Kenner weiß, daß es kein umfassenderes und einprägsameres Anschauungsmaterial für Geschichte und Geo- graphie, Weltkenntnis und Raturkunde, Volks- wirtschaft, Währungswesen und viele andere Gebiete gibt als die Briefmarke. Und zu dieser ideellen Seite kommt die materielle: schon manche Markmsammlung hat sich später als gutver- zmsliche Kapitalanlage erwiesen. Insbesondere aber wissen überall die Postbehörden die Aus- wirkung teefer Liebhaberei in ihren Etats zu schätzen. Hat man doch in den Hauptstädten 6 Lander besondere Sammlerschalter eingerichtet, die auch briefliche Bestellungen auS- Nowland Hill hätte es sich vor fSum träumen lassen, daß man einst die Briefmarken begeistert der Post abkaufen, abwjKttn Dienst« iwfilt nicht fconfptujjm Wagen mit Polizei angegriffen. Die beiden ersten konnten sich durchschlagen, der dritte Wagen wurde von der Qlienge umzingelt. Ein Versuch, die eingesd)lossenen Polizisten zu befreien, mißlang, worauf eine starke Polizeiabteilung Schüsse auf die Menge abgab. Auf Seiten der Polizei waren sechs Verletzte zu verzeichnen. Wieviel Tote sich unter den mit 300 Personen bezifferten Verluste auf indischer Seite befinden, wird im amtlichen Bericht nicht angegeben. Kommunistenunruhen in Norwegen. Kopenhagen, 7. Mai. (T.-U.) Rach Meldungen aus Oslo kam es am Dienstag in einem Rebental des Gudbrandstales zu ernsten Zusammenstößen zwischen kommunistischen Arbeitern und arbeitswilligen Holzfällern und Flößern. Die Kommunisten gingen auf die Arbeitswilligen mit Aexten und Beilen los. Dabei wurden mehrere Arbeitswillige schwer verwundet. Einer von ihnen derart, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Ein Radfahrer, der entsandt wurde, um Polizei herbeizuholen, wurde von den Kommunisten gefangengenommen, deren Zahl allmählich auf 400 stieg. Alle Werkzeuge, Beile und Stemmeisen wurden in den Fluß geworfen, so daß die Arbeit niedergelegt werden mußte. Schließlich kam Polizei herbei und verhaftete den kommunistischen Anfichrer, der in das Amts- gefängnis nach Gjöfik eingeliefert wurde. Vor dem Gefängnis kam es zu großen Aufläufen. Die Arbeitswilligen ertlären, dah es augenblicklich lebensgefährlich sei, in der Gegend des Gudbrandstales zu arbeiten. Dem Wunsche, Militär aus Oslo und anderen Garnisonen nach dem Unruhegebiet zu entsenden, ist von der Regierung bisher nicht Folge geleistet worden, dagegen sind größere Polizeistreifen aus verschiedenen Städten, darunter auch aus Oslo, in das Unruhegebiet entsandt worden. Unter dramatischen Umständen wurden mehrere der Arbeiterführer verhaftet. Die Poll- zei hofft, Herr der Lage zu inerten. Sie hat bas Gebiet, um das sich der Streit abspielte, beseht. „Aftenposten" verlangt, daß die Kassen ter Arteiterverbänte sofort beschlagnahmt werden, da sie in Rorwegen einen Terror ausüb- Ium 90. Geburtstag der Briefmarke. Von M. Büttner. Die kleine Iubllarin, die in diesen Tagen das ehrwürdige Alter von neunzig Jahren erreicht hat, erfüllt einen doppelten und eigentlich recht gegensätzlichen Daseinszweck: sie bildet ein zwar winziges, aber wichtiges und von jedermann gebrauchtes Verkehrswerkzeug und andererseits den gesuchten romantischen Gegenstand einer weltumspannenden und oft leidenschaftlichen Liebhaberei. Den Ruhm, von allen Ländern zuerst die Briefmarke in ihrer noch heute gebräuchlichen Praktischen Form geschaffen und eingeführt zu haben, darf England für sich in Anspruch nehmen: Als erstes aufklebbares Postwertzeichen ist die schwarze 1-Penny-Marke mit dem bekann- ° Idealisierten Kopf der Königin Viktoria am 6. Mai 1840 zur Ausgabe gelangt, womit eine ungeahnte Entwicklung dieses kleinen Hilfs- mittels im Weltverkehr angebahnt war. Als Vater des Gedankens gilt Sir Rowland Hill der früher Schullehrer war und nach Annahme und Durchführung feiner berühmten Postreform- Vorschläge hoher Postbeamter wurde. Es erregte allgemeines Aufsehen, als er 1837 energisch für tee Verbilligung, Einheitlichkeit und Voraus- ^ezahlung des Portos eintrat und im Zusammen- Jang damit die Verwendung gestempelter Briefbogen und Umschläge und etwas später auch gummierter Briefmarken vorschlug. Sein Haupt- x n ^^"ng des sog. Penny-Porto- d b. Lines Portosatzes von 1 Penny !h»r^iiRCrerAm bis zu einer halben Unze Gramm innerhalb ganz Großbritanniens. Das Pennh-Porto gelangte schließlich zur Ein- fuhrung, und im Mai 1840 wurden die ersten ■ C^.v)lchläge und Briefbogen mit eingedruckten Wertzeichen verausgabt Als Row- land Hill 1864 in Öen Ruhestand verseht Worte Würdigung seiner Verdienste um das Postwesen eine Rationalgabe von 20 000 $funD Sterling. Er starb 1879 aks Vie^ndachtzig- lahriger und Wurde in der Westminsterabtei bei- gesetzt: 1882 wurde vor der Londoner Börse sein Denkmal enthüllt. Die Erfindung ter Marke selbst wird dem Schotten James Chalmers zugeschrieben der ^on 1834 die ersten Entwürfe in seiner eigenen Druckerei anfertigen Netz, sich aber damit prak- fage vielleicht nicht zuviel wenn man die Ansicht vertrete, daß einer der Hauptpunkte ihrer Unterredung die Frage der b u n d e s st a a t l i ch e n Organisation Europas sein werde, die Briand im September v.J. In Genf selbst aufgeworfen habe, und die er in einem demnächst an alle europäischen Regierungen zu versendenden Fragebogen im einzelnen behandeln werde. Vier Billiarden für Ausrüstung. Amerikanische Folgerungen aus der Londoner Flottcnkonferenz. Berlin, 8. Mai. (Priv.-Tel.) Diesmal ist es nicht Frankreich, das weitere Milliarden in (einen Verteidigungsapparat hineinsteckcn will, vielmehr sind es d i e Vereinigten Staaten, die sich mit der Absicht tragen, das Londoner Flottenabkom- men zu benutzen, um ein Bauprogramm durchzuführen, das zunächst nichtwenigeralseine Milliarde Dollar oder 4,2 Milliarden Goldmark verschlingen soll. Ein entsprechender Antrag des Präsidenten der Finanzkommission des Repräsentantenhauses liegt schon vor. Ob er angenommen wird oder nicht, ist im Augenblick von untergeordneter Bedeutung. Viel wichtiger ist die Tatsad)e, daß das Londoner Abkommen in Wirklichkeit nicht der Rüstungsbeschränkung dient, sondern der Aufrüstung zur See Tür und Tor öffnet. Italien hat ja auch nicht gezögert, sofort eine ganze Reihe von Neubauten auf Stapel zu legen, jetzt folgt Amerika, das sich die Gleichstellung mit England erkämpft hat. Gleichstellung im Sinne der Londoner Konferenz sollte nun aber nicht in Auf- rüsten auf amerikanischer, sondern ein allmähliches Herausziehen älterer Schiffe auf englischer Seite bedeuten, um auf diese Weise beide Flotten gleich stark zu machen. In Amerika will man iedoch den an» deren W e g gehen und nun vier Milliarden Goldmark in ein Rüstungsprogramm stecken, dessen Verwirklichung alle bisherigen Abmachungen über den Haufen rennen und sämtliche Staaten zu einem neuen We11rüsten aufstacheln muß. Wenn wir uns vor Augen halten, daß sich die amerikanische Industrie in einer schweren Krise befindet, und in Amerika rund 6 Millionen Menschen arbeitslos sind, dann ist es gar nicht so ausgeschlossen, daß dieses Programm dieZustimmung des Parlaments findet, weil es der Wirtschaft Erleichterung bringt und darüber hinaus auch zum Londoner Flottenabkommen nicht in Widerspruch steht, so grotesk das auch klingt. München, 7. Mai. Im Deutschen Museum sand heute die 19. Sitzung des Ausschusses des Deutschen Museums statt, die im Zeichen des Richtfestes des inzwischen im Rohbau fertig- gestellten Studiengebäudes des Deutschen Museums und des 75. Geburtstages des Schöpfers Oskar von Miller steht. Oskar von Miller gab eingehende Darlegungen über Einzelheiten des Studienbaues des Deutschen Museums. Aeichsminister Dr. Wirth überbrachte die herzlichsten Glückwünsche des Reichspräsidenten und der Reichsregierung. Anter lebhafter Zustimmung der Versammlung verlas Generaldirektor D ö g - le r den Text eines Huldigungstelegrammes an den Reichspräsidenten. Zum Schluß überreichte Mimsterpräsitent Dr. Held dem Jubilar einen prachtvoll ausge.ührten Silberpvkal. Das Schlußwort sprach Kultusminister Goldenberger, der als bayrischer Anterrichtsminister und zugleich in seiner Eigenschaft als Ehrenpräsident des Deutschen Museums all den Stellen dankte, die im abgelaufenen Jahr am weiteren Ausbau des Museums so erfolgreich mitwirkten. Heute nachmittag versammelten sich im Kongreßsaale, an dessen Stirnseite die Danner in den Reichs-, Landes- und Stadtfarben grüßten, und Berlin, 7. Mai. (VDZ.) Im Preußischen Landtag wird zur Zeit die Frage erörtert, wie man den Fehlbetrag im neuen Haushalt für 1 9 3 0 decken soll. Der Finanzminister drängt auf baldige Klärung. Für Donnerstagabend ist deshalb eine interfraktionelle Sitzung in Aussicht genommen. Vorher wollen die Regierungsparteien in ihren einzelnen Fraktions- sihungen noch über die Möglichkeiten zur Lösung dieser schwierigen Frage beraten, Ursprünglich war im preußischen Haushalt ein Fehlbetrag von 88 Millionen in Ansatz gebracht worden. Als im Reichstage ter Antrag Lipinski (Soz.) angenommen wurde, ter die Länder verpflichtet, di« Rückflüsse aus der Hauszinssteuer für den Wohnungsbau zu verwenden, erhöhte sich Preußens Fehlbetrag um 12 Millionen. Denn mit diesem Betrage hatte man aus den Rückflüssen der Hauszinssteuerhypotheken schon für den Staatsbedarf gerechnet. Der Fehlbetrag erhöhte sich um weitere 14 Millionen, mit denen ter Grenzfonds ausgestattet werten soll. Schließlich kommen noch drei Millionen Ausgaben hinzu, die d e r L a n d- tag über die Etatansähe hinaus beschlossen hat. Insgesamt erhöht sich das Defizit also auf 117 Millionen, während man vorn Reich bei der Gesamtberechnung ter Ueber- weisungssteuern nur ein ONehr von 7 Millionen erwartet. Zu decken bleibt also ein Fehl- trag von 110 Millionen. Die Deckungsfrage bietet außerordentliche Schwierigkeiten, da man sich schwer dazu entschließen kann, die R e a l st e u e r n zu erhöhen. Wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, ist in Verhandlungen der preußischen Regierungsparteien in den letzten Tagen der Gedanke, den tatsächlichen Fehlbetrag von 110 Millionen Mark durch eine Erhöhung der Hauszinssteuer abzudecken, fallen gelassen und ter Vorschlag einer Verdoppelung der Grundvermögens st euer erörtert worden. Der Demokratische Zeitungsdienst fügt hinzu, daß infolge der Umlegung der Grund st euer auf die Mieter dabei im allgemeinen mit einer Steigerung der Friedensmiete um 4 Prozent zu rechnen und der Kreis derer, die diese neue Belastung zu tragen haben, möglichst weit gezogen fein würde. Keine Auflösung des preußischen Landtags. Berlin, 7. Mai. (D.D. Z.) Im Preußischen Landtag wurde der Antrag der Wirtschaftspartei aus Auflösung des Landtags mit 260 Stimmen ter Deutsch- nationalen, Sozialdemokraten, Demokraten und des Zentrums gegen 98 Stimmen abgel ehnt. Die teutschnattonale Landtagsfraktion, die gegen den Antrag ter Wirtschaftspartei auf Auflösung des Preußischen Landtages gestimmt hat, hat sich, wie die „T.-U." hört, bei ihrer Haltung von folgenden Erwägungen leiten lassen: Die Deutschnationalen sind der Ansicht, daß, wenn eS in Preußen zu einem Wahlkampf kommt, dieser um die Erneuerung Preußens geführt werten müsfe. Da im gegenwärtigen Augenblick aber die Reichs ange- legenheiten im Vordergrund des Interesses stünden, würde ein Wahlkampf heute nicht um preußische, sondern eben um Reichs angelegen- heiten geführt werten. Das erscheint ter deutschnationalen Landtagsfraktion nicht angezeigt. dessen Wände Birkengrün schmückte, nahezu 2000 Personen, das Präsidium und der Vorstand des Deutschen Museums, die Gäste aus dem ganzen Reich und die Veranstalter der Feier, die Arbeiterschaft, zu dem Richtfest für den Studienbau. Oskar von Miller gab nochmals ein Bild von der Entstehungsgeschichte ter neuen Museumsbauten, zollte allen Behörden, ter Industrie und jenen, die mit Geist und Hand das Werk bis heute förderten und schufen, Anerkennung und Dank. Die Welt müsse in dem Deutschen Museum deutsche Schaffenskraft und deutsche Begeisterung erkennen, die in öen allerschwierigsten Zeiten dieses Kulturwerk schaffen konnten, das der ganzen Welt zum Vorbild und Wohle gereiche. Der Adlerschild für Oskar von Miller. Ein Glückwunschschreiben Hindenburgs. "Ste if? «Ä n in ch dir x LK Z7> 1*.^, 'Ät ZR.r ML A-'L M bin ich udenburg.' München. e Stadt München °,"'üblich 2 Bürgerrecht L"°.SlM "eichten ihm bie Würger,Urkunde, - löfrnt München 4- Februar 1930 mcn Lourat Dr. ®r des Leut. J5. Geburt s. a -öibliotheksbau Mag der großen e Bedeutung der Kreisen der Welt n seltener Fami«, ‘rung der Inter, bärgerrecht leihen. Hierüber nutzen in. >1L) Dach W- lenstag in einem u ernsten Zusam« KP. Arbeitern und b Flößern. Di« rbeitStvilligen mit wurden mehrere idet. Tiner von Aufkommen gc- r, der entsandt )kn, wurde von nmen, dem Zahl Werkzeuge, Delle 1 SIuB geworfen, teerten mußte. ) Derfaftete ten in das Amts- tt wurde. "Dor M ÄuMrn. ih es augenblid* -er Gegend des Dem Wunsche. Garnisonen nach en, ist von ttt geleistet worden, streifen aus m* auch aus Oslo, worden. en wurden mey« astet. ®icN; werden, fijj F4 Streit abspieltc, daß die Kasten fchlagnahmt wer' n^erro^uE Menen m den kn Jahr die tz- * Wj«* mannten s^" Ln 1. Driefmarkenm und »JJW ch in W Ser Statn*" - hat B *• -überM« ist ausgebrer^ b 1500 verf^c- te etw Dabei Md ft >• mt*Än te^ t s 5 S®*- !s immer \» A“ ga«y" >t vvltv ir ^Asaineles Ilurtu «fiere ®** viel-^uE ?Fs A- Kn mit dem verfassungswidrigen Ziel einer Pr<- vatorganisation das Monopol über die Holz- flLtzereiarbcit au sichern Das System gleiche ben Derhältnissen in 3tollen, die zur Sinfüh- nmg der Diktatur geführt hätten Aus aller Well. Minister a. v. Seoerlng Ehrendoktor von Braunschweig. Keichsinnenminister a. D. Karl Seoerlng ist In Lnerkennung seiner großen Verdienste um die Förderung der deutschen Wissenschaft und Forschung von der Technischen Hochschule in Braunschweig jUm Dr.-Qng. h. c. ernannt worden. Unwetter über Berlin. Das Unwetter, das am Mittwochnochmittag über Groß-Berlin und seiner weiteren Umgebung getobt hat, war eines der schwersten seit langen Jahren. Nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in den Vororten haben zahlreiche Blitzschläge nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet. Der H a - g e l hat die Baumblüte rund um Berlin nicht unerheblich geschädigt. In der Vorkstraße und am Schöneberger Ufer im Südwesten der Stadt war jeder Derkkhr infolge der Hebers chwemmun» gen über eine Stunde unterbunden. Hier stand das Wasser unter den Reichsbahnunterführungen etwa eineinhalb Meter hoch. Die Wassermossen drangen in die Motoren der Straßenbahn ein, so daß Kurzschlußgefahr bestand. Die Feuerwehr hatte Großkampftag. Unaufhörlich ertönten in allen Stadtteilen die Signale der Löschzüge, die in erster Linie zum Auspumven von Kellern zur Hilfe gerufen wurden. In zwei Stunden erfolgten nicht weniger als über 200 Alarme. Außerhalb Berlins wurde durch ein Blitzschlag ein Wochenendhaus in Brand gesetzt. Die Berliner Feuerwehr mußte mit zwei Rohren eingreifen. Die Bewohner des Hauses konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Auf dem Flughafen Tempelhofer Feld landeten mitten im stärksten Unwetter drei Maschinen glatt, die eine aus München, die beiden anderen aus London. Drei Tote durch Blitzschläge. Ein Gewitter richtete in der Nähe von Obermarbach (Schwaben) schweres Unheil an. Ein Blitz schlug In zwei Bauernhöfe und eine industrielle Mühle ein. Alle Anwesen wurden völlig e i n geäschert. Drei Radfahrer sahen von fern die Feuersbrunst und eilten zu Hilfe. Zwei von ihnen wurden von einem anderen Blitz getötet, der dritte ziemlich schwer verletzt. In der Nachbarschaft wurde noch ein Motorradfahrer ebenfalls voty Blitz erschlagen. Die Bewohner der abgebrannten Anwesen konnten sich retten. * Schlamm-Eruption auf der Norbinsel (Neu-Seeland). „Daily Telegraph" meldet aus Ouckland (2icu- ©eclanb): Bei einer vulkanischen Eruption im QBaimatatal auf der Nordinsel, 135 Kilometer nordöstlich von Napier, wurden schätzungsweise eine Million Tonnen kochenden Schlammes in die Luft geschleudert. Eine Fläche von etwa 8 Quadratkilometer waren drei Meter hoch mit Schlamm bedeckt, der bergab floß. Dem Ausbruch ging ein lautes Krachen und dumpfes Donnern voraus. Man glaubt, daß sich in dem Bezirk große Mengen Petroleum befinden, und daß die auS dem Petroleum entstandenen Gase die Eruption verursacht haben. Neue Erdbeben festgeslellt. Die Erdbebenwarte des Geodätischen Instituts der Technischen Hochschule Karlsruhe hatte am vergangenen Montag. Nachrichten über registrierte Erdbeben verbreitet, die durch die kürzlichen Nachrichten aus Indien eine rasche Bestätigung gesunden haben. Auch aus Argentinien wurde über schwere Erdbeben berichtet. Eine neue starke Erderschütterung registrierten die Instrumente der Erdbebenwarte bei der Technischen Hochschule in Karlsruhe in der Nacht zum Mittwoch um 23.40 Ahr. Das Epizentrum liegt bedeutend näher als bei dem Beben anfangs der Woche und dürfte in einer Entfernung von 3500 Kilometer zu suchen sein. Das Ende der Bewegung erfolgte gegen 2 Ahr. Nach den Aufzeichnungen muß im Epizentrum mit einer zerstörenden Wirkung des Bebens gerechnet werden. Zur Zeit befindet sich unsere Erde in einer Periode erhöhter seismischer Tätigkeit, deren Ar- sachen in der allmählich sich vollziehenden iso- pathischen Ausgleichsbewegung der Erdrinde zu suchen sind. Aus der provinzialhauptstadi. Gießen, den 8. Mai 1930. Oie Kinderimpfung. Dom Landesausschuß für hygienische DolkS- belehrung wird geschrieben: Seit dem 8. April 1874 besteht in Deutschland der gesetzliche Impfzwang, d. h. jedes Kind muß im Laufe desjenigen Kalenderjahres, in dem es sein erstes und sein zwölftes Lebensjahr vollendet, vom Arzte gegen Pocken geimpft werden. Leider fügen sich diesem Zwange manche Eltern nur mit Widerstreben, oder sie suchen gar ihr Kind mit Hinweis auf vermeintlich Impfschädigungen der Impfung überhaupt zu entziehen. Wie töricht solches Der- fjalten ist, mögen zunächst Zahlen beweisen. Dor Einführung der gesetzlichen Impfung in den Jahren 1870 vis 1874 starben im preußischen Staate allein 129 148 Menschen an Pocken! And heute? Nur ganz gelegentlich kommt es überhaupt zu einer Pockenerkrankung, die meist aus Nachbarländern, in denen kein Impfzwang besteht, ein- aeschleppt wird. Todesfälle an Pocken gehören bei uns zu den größten Seltenheiten WaS an Schädigungen der Gesundheit der Impfung zur Last gelegt wird, erweist sich bei genauer Prüfung fast stets als irrig; denn bei Innehaltung der nötigen Dorsichtsmahregeln verläuft heutzutage jede Pockenimpfung ohne jeden Schaden für den Impfling. Zu diesen Dorsichtsmaßregeln gehört zunächst die Aussonderung bzw. Zurückstellung berjenigen Impflinge, die selbst oder deren Umgebung an Hautkrankheiten, Wunden, nässenden Ausschlägen' u. dgl. leiden. Sache des Impfarztes ist es, sich hierüber von den Eltern sorgfältig unterrichten zu lassen, und Sache der Eltern ist eS, dem Arzt hierüber nichts zu verschweigen und nichts hlnzuzusetzen. Daß schwächliche, oder an chronischen Krankheiten (Tuberkulose) usw. leidende Kinder zur Impfung ungeeignet sind, versteht sich von selbst. Auch hier wird der Arzt die notwendige Entscheidung leicht treffen können. Weiterhin ist für den glatten Ablauf der Impfung von größter Bedeutung vor allem: Sauberkeit. Don ärztlicher Seite wird ihr durch die modernen Methoden der Desinfektion ebenso wie durch die peinlich sorgfältige Art der Impsstoffgewinnung in staatlichen Institutionen in mustergültiger Weise Rechnung getragen. Aber auch die Mütter und Kinder müssen für die notwendige Sauberkeit sorgen: Nur mit frisch- geto sHenem 2 t n, m t sauberem möglichst we hem Hemd zur Impfung kommen! Nie mit den Händen die Impfstelle berühren, oder gar mit schmutzigen Fingern daran kratzen! Wo es notwendig ist, wird durch einen sauberen Schutz- Verband nach Dorschrift des Arztes für die Der- meidung solcher gefährlicher Torheiten gesorgt werden. Ein paar unruhige Nächte, ein bißchen Fieber und sonstige kleine Anannehmlichkeiten muh man bei der Impfung zwar stets in Kauf nehmen, sie sind aber ein Nichts gegen den ungeheuren Nutzen. Don sachkundiger Hand ausgeführt und in ihrem Derlauf vom Arzt überwacht, muß die Pockenimpfung als völlig ungefährlich bezeichnet werden. Taten für Freitag, 9 Mai 1525: der italienische Kirchenkomponist G. P. da Palestrina geboren; — 1688: Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, in Potsdam gestorben; — 1805: Friedrich von Schiller in Weimar gestorben. Verkehrsverein und Verschönerungsverein. Der Verschönet ungsverein Gießen hielt gestern abend unter der Leitung seines Vorsitzenden, Oberforstmeister Dr. Schüz, seine ordentliche Generalversammlung im „Hessischen Hof" ab. Zunächst wurde der Bericht über den Kassen- ft a n b bekanntgegeben, aus dem hervorging, daß der Verein insgesamt über ein Vermögen von 2293 Reichsmark verfügt. Der Bericht wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Hierauf beschäftigte man sich mit dem wichtigsten Punkt der Tagesordnung, dem Antrag des Vorstandes auf Verschmelzung des Vereins mit dem Verkehrsverein. Der Antrag, dessen wesentlichste Grundlagen aus unserem gestrigen Bericht über die Generalversammlung des Verkehrsvereins bereits bekannt sind, wurde e i n ft i m m i g angenommen. Danach steht nun der Durchführung der Verschmelzung des Verschonerungsoereins mit dem Verkehrsverein nichts mehr im Wege. Die abschließenden Arbeiten nach dieser Richtung hin fallen ungesäumt erledigt werden, damit der künftige Verkehrs, und Verschonerungsverein bereits in Kurze als solcher tätig werden kann. Gictzcncr Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt. Butter 140 bis 160 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bi» 140, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 12, tote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 15, Spargel 50 bis 100, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln 4,5 bis 5 (pro Zentner 3,80 biS4Mk ), Aepfel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 50 bis 70. Honig 40 bis 50 junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 pro Pfund; Tauben 70 bis 80. Eier 10, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 10 bis 25, Salatgurken 75 bis 80. Oberkohlrabi 25 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich (neue) 25 bis 30, Sellerie 10 bis 40 pro Stück; Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Bund erblindeter Krieger, Untergruppe Gießen. Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Kriegsblinden, 20.15 Uhr, auf der „Liebigshöhe". — Gewerbe- verein Gießen: Vortrag mit Lichtbildern von Prof. Dr. Rauch: „Die Geheimnisse der Echwarz-Weih- Kunst" im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwig- stroße 34. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tonfilm „Zwei Herzen im /4°Takt". — Astoria-Licht- spiele: „Teure Heimat". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der bekannte Rezitator Fritz Schlotthauer wurde von der Intendanz des Stadttheaters zu einem einmaligen Vortragsabend im Stadttheater verpflichtet. Der luftige Abend findet am Sonntag, 11. Mai, statt. Beginn 20 Uhr. Fremdenoorstellungspreise. — ®i ebener Schwimmverein. Nächsten Samstag abend im Volksbad Abfchwimrnen. — Näheres in der heutigen Anzeige. • '* Die drei Eisheiligen kommen. Der Mai beschert uns die drei Eisheiligen. Pankratius, Servatius und Bonifatius werden uns am 12., 13. und 14. Mai kalte Nächte bereiten, die von Landwirten und Gartenbesitzern sehr gefürchtet sind. Mit der nächtlichen Kälte haben die drei Heiligen natürlich nichts zu tun, was schon daraus hervorgeht, d<^ß die kalten Nächte durchaus nicht immer auf die genannten drei Tage fallen. Haben wir Nordostwind zu erwarten, so kehren die Eisheiligen ganz sicher ein. In Bauernregeln heißt es: „Pankratius und Servatius bringen Kälte und Derdruh." — „Kein Reif nach Servaz, kein Schnee nach Bonifcu. „Servaz muß vorüber sein, soll's vor Nachtfrost sicher sein." *• Der Fernsprechanschkuß der Pro- vinzialdirektion. Wie die Provinzialdirektion Oberhessen im Anzeigenteil unseres Blattes bekanntgab, ist der Telephonanschluß dieser Behörde bei dem Selbstanschlußamt Gießen geändert worden. An Stelle der Anschlußnummern 3960 bzw. 4019 ist die Provinzialdirektion mit der Abteilung Tiefbauverwaltung, dem Provinzialausschuß und dem Der- band der hessischen Kreise und Provinzen von jetzt ab unter der Fernfprechsammelnummer 3147 zu erreichen. ** Arbeitsjubiläum. Der Installateur Wil- Helm Neuweiler, Walltorstraße 49 wohnhaft, kann heute auf eine 25jährige Tätigkeit beim Städt. Gas- und Wasserwerk zurückblicken. ’* Aenderung im Gießener Schorn- ftelnfegerbetrieb. Das Polizeiamt teilt mit: In den Kehrbezirken der Stadt Gießen sind Aende- rungen insofern eingetreten, als folgende Straßen bzw. Häuser zu dem Kehrbezirk des Schornstein- fegermeifters Keil, hier, Kaiserallee 11, zugeteilt worden sind: An der Iohanneskirche Nr. 3, 4, 5 und 6, die Iohanneskirche, das Stadttheater, die Iohannesstraße, Cafä Ernst-Ludwig, die Diezstraße, Dftanlage Nr. 12, 14 und 16, die Marburger Straße, Bückingstraße und der -Wiesecker Weg. ** Der Muttertag in Hessen. Am kommenden Sonntag wird in Hessen, wie im ganzen Reich, wieder ein Gedächtnistag zur Ehrung der deutschen Mutter veranstaltet. Der hessische Minister für Kultus und Bildungswesen empfiehlt jetzt den Lehrern und Lehrerinnen, die Veranstaltung in geeigneter Weise zu unterstützen und in sämtlichen Schulen auf die Bedeutung des Tages hinzuweifen. •• Landwirtschaftliche Zwangsversteigerungen in Hessen i m Jahre 19 89» Nach den nunmehr oorliegenben endgültigen Ziffern für bas Jahr 1929 betrugen die Zwangsver. fteigerungen landwirtschaftlicher Grundstücke In Hessen, nach den Mitteilungen der Amtsgerichte, ins- gesamt 842 eröffnete Verfahren, gegenüber 1339 Verfahren im Jahre 1928. Damals war jedoch nur eine Fläche von 910,3 Hektar zur Zwangsversteigerung vorgesehen, während trotz der verminberten Zahl der Verfahren 1929 die Fläche auf 1279,1 Hektar flieg. Durchgeführt wurden 1929 137 'Verfahren über 143 Hektar, 1928 180 Verfahren über 145,5 Hektar. weitere Lokalnachrichten im zweiten Blatt. Briefkasten der Redaktion L. 47. Ein Bericht über bas Offenbacher Schach, turnier unb bie Austragung ber hessischen Meisterschaft wirb in ber morgen, Freitag, erscheinenden Schachspalte veröffentlicht. Oie Wetterlage. Löst Aberdeen- nampg. O Paris W < 106 IT isio 5 ”ÄII ©WoiKenlosO neuer 3 nam oededtt ® wofiuo. • orderet. •Atoet # Schnre c» Oraupem ■ Neoci K tirwiner ©Windstille. •O' seh» leichter Ost massiger Südsüdwest stürmischer «ordwesl bie Pfeile fliegen mit dem winde Die oeicen Stationen ziehenden l»i> len gehen die Temperatur an. Die Linien veromdeo Orte mit gleichen* auf neeresmveau umaereenneten Luftdruck LLettervoraussagc. Die Tiesdruckstörungen über Zentraleuropa haben festen Fuß gefaßt unb sich noch etwas verstärkt. Ein Kern liegt heute über den Alpen- ländern, ein anderer hat sich über Dänemark neu gebildet. An der Rückseite der Storungen hält die Kaltlustzufuhr weiter an. In fast ganz Deutschland und auch auf den britischen Inseln wehen nordwestliche bis nördliche Winde, die Lustmassen aus höheren Breiten südwärts bringen. Da der Luftdruck in Deutschland bis jetzt nur langsam oder gar nicht ansteigt, bleibt das kühle und unfreundliche Wetter zunächst erhalten. Es werden auch vereinzelt noch leichte Niederschläge auftreten. Jedoch werden mit der Zeit die Störungsgebiete östlich abziehen, so daß späterhin bei steigendem Barometer die Wolkendecke durchbrochen wird. Wettervorhersage für Freitag: Noch kühles und wechselndes wolkiges Wetter, späterhin Aufheiterung, vereinzelte Regenschauer. Reisewetterbericht. Borkum. 9 Grad, vorherrschend kühl, Nordwestwind. Heiter bis halb bedeckt. Freiburg i. D. 7 Grad, vorherrschend kühl, Nordwmd, mäßiger Regen. Bad Tölz. 9 Grad, milde Nacht, Nordwestwind, starker Regen. 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Dampfschiff 8 J4n(a Dampfschiff.....10 113.25 113 115 1 126,5 175,5 150.9 228,5 142 143,5 297 168,75 166.75 124,25 ’67 146 190 168 71 139.5 125 100,5 105,25 100 227 119,75 113,5 113.9 6- 126.5 151 142,5 143.5 297 168,5 189 240 - 70,25 I z 112.9 । 1725 162 1 112,9 115,5 1 126.4 1 176 150.9 1 228 142,25 143.5 297 169.25 166 123,75 166.75 138 160,75 190,25 241.75 169 102,5 139 125,13 107.5 216 100,5 105,5 105,4 73,75 110,75 100 227 1 >20 113,5 161.25 1136 115,5 126.4 176 151 228 142 143.5 296 168.5 185.5 164. k 12Ä 166.75 137.5 160.75 189.75 240 169 101,5 138.25 125 106,5 100.13 104.5 . 104,75 73 m 7% Deutsche Relch-anieide Deutsche Ansi-Abiä^ Schuld mti «uMol.-Stdittn ..... De«gl. ohne Aurios.-Rechte . . . 8% Hess. Bolllstaat von 1929 fniÄfihfb 102%)..... ^gemeine TcutsckeCreditanst. 10 Armer Bankverein 1° Berliner Handeirgesellschaft . 12 Commerz- und Drivat-Bank . 11 Taynstädter und Rationalbanl 12 Tetäiche Bank und Dkconto-Geselllchaft,... 10 Dreldver Bank......}0 Reichlbank........18 A.s.H........ ; ; | Ne^ktr. LieserungSgesellschafk 10 Lickt uxo Kraft • • £ tzelten 8 «uillemime - - Gesellschast für Elektrische Unternehmungen . --- ■ »v Hamburger Nektruli2tr.Derke 10 Rbeinllckk ElektrtiNül • • • • • Schiesilcke Slektrizttat. . . . 10 SckuckenEo, -.....“ Siemens A « Transradiu - - ...»••• LabmeveT.« ....... . . e> Buderus - • • • • - Deutsche gW ......« Esfener . ...............■ Gelsenkin^ener .»••••• ( Harpener gv, Hoelch ............. tz.se ............. • , atodnerw Nick. Victor, Mainz - Mombach, Ze ii ü r. 13. (3607 \ GM.MNWM zu verkaufen Wo? sagt die Geichst. d. Gleß.Auz. 03089 Kleid aus weiß Panama,hervorrag.imWaschen u. tadellos In d. Machart zum Extra-Preis von nur ö QE Mk. 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