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Es handelt ich jetzt nicht mehr darum, ob die Steuergesetze bc- anders gut sind, ob es möglich wäre, bessere aus- indig zu machen. Dafür ist der Augenblick verpaßk. Jetzt drehte es sich nur noch darum, dem Reich d'.e Quellen zu erschließen, die zur Aufrecht- erhaltung des Gleichgewichts im Haus, halt notwendig sind. Dazu ist das Steuer- bufctt, wie es Herr Dr. Moldenhauer vorgelegt hat, immerhin brauchbar: also muß es genommen wer- den. Der Kanzler hat die Absicht, am Mittwoch dem Reichstag noch einmal den Ernst der ganzen Lage begreiflich zu machen. Er wird diesmal ultimativ auftreten müssen, schon um eine Obstruktion unmöglich zu machen. Es kann nur die eine Wahl geben, daß der Reichstag innerhalb zwei Tagen das Steuerprogramm, so wie es vorliegt, annimmt oder ausgeschaltet wird. Ausschaltung, das wäre der Artikel 48, der nicht unbedingt mit einer Auflösung verbunden zu sein braucht, der aber doch die Auslösung früher oder später nach sich ziehen müßte. Jedenfalls barf die Regierung überzeugt (ein, daß sie die Mehrheit des ganzen Volkes hinter sich hat, wenn sie mit dieser Form des Darlamenta- rismus Schluß macht und mit allen Mitteln ihre Politik durchführt, die eine Gesundung der Finanzen und der Wirtschaft des Reiches erreicht. 3m Steuerausschuß. D e Zollerhöhungen fttrBenzin undBc^nzol Berlin. 7. April. (D. D. Z.) Der Steuerausschuß des Reichstags setzte seine Beratungen über die Deckungsvorlagen fort, und zwar zunächst mit dem Gesetzentwurf über Zol.l- erhöhungen für Benzin und Benzol. Ministerialdirektor Dr. E r n st erklärte, man hoffe, daß die Zollcrhöhung einen Mehrer- t r a g von 65 Millionen Mark bringe, davon sind 40 Millionen für ilcbcrtoeifun- gen an d ie Länder bestimmt, die diese Beträge für die W e g e u n te r h a l t u n g zu verwenden haben. Der Antrag der Regierungsparteien, den Ausgleichssteuerfatz von 4,80 Mk. auf 3,80 Mk. herabzusetzen, entbehre nicht einer gewissen Berechtigung. Da aber mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß das Ausland, um sich den deutschen Markt zu sichern, einen Teil des Zolls übernimmt, wird es sich Worum handelt es sich? Berlin, 7. April. (TU.) Zu dem Teil der Rede Tardieus, der die Schleifung von deutschen Festungsanlagen betrifft, wird vonzuständiger Seite mitgeteilt, daß es sich in der Hauptsache um folgende Punkte handele: 1. Um gewiße kleinere Festungsanlagen bei K e h l, deren Zerstörung nur noch geraume Zeit in An- sprach nehmen werde. 2. Um Kasematten in der Rahe von Mainz, die in einem Zeitraum von etwa drei Monaten nieder, zulegen seien. 3. Um vier Munitionsdepots, von denen ein Teil nach der noch nicht erfolgten Freigabe zerstört werden müffe. Bei einem anderen Teil dieser Munitionsdepots soll von deutscher Seite versucht werden, sie privaten Zwecken zuzuführen. 4. Die seinerzeit bereits aufgeworfene Frage der Unbrauchbarmachung des Flugplatzes bei Griesheim. Bekanntlich soll auch hier zlinächst der Versuch gemacht werden, die Flugplatzanlagen privaten Zwecken dienstbar zu machen, widrigenfalls innerhalb von drei Jahren die Zerstörung durch, zuführen sei. Die Auffassung der Wilhelniflrahe. Berlin, 7. April. (TU.) 3n Berliner amtlichen Kreisen ist man nicht geneigt, den Aeuße- rungen Tardieus hinsichtlich der deutschen Abrüstung und der Räumungssristen besondere Bedeutung beizumessen. Eine telephonische Rückfrage bei der zuständigen deutschen Stelle in Paris habe ergeben, daß die Aeuherungen Tardieus Inder Hitze der Aussprache auf drängende Anfragen verschiedener Senatsmitglieder gefallen seien. Aus dem Derlaus der Aussprache in der Kammer habe man jedenfalls nicht den Eindruck gewinnen können, als ob eine neue Entwasfnungsaktion gegen Deutschland geplant sei. Dielmehr handele es sich bei den Feststellungen Tardieus lediglich um eine weniger wichtige Angelegenheit, die in Berlin längst bekannt sei und der nur formale Bedeutung zukomme. Tardieu habe eine Beschleunigung der Arbeiten bei der Schleifung von Festungsanlagen und Beseitigung von Verladerampen gefordert und mitgeteilt, daß in den nächsten Tagen eine entsprechende Rote an die Reichsregierung ab- gehen werde. Don einer derartigen Rote ist an amtlicher Stelle in Berlin vorläuZg noch nichts bekannt. — Trotzdem wird man die, wenn auch erzwungene Aeußerung Tardieus sowie die bevorstehende Rote als einen Ausdruck des französischen politischen Willens zu werten haben trotz Cocacno, trotz des Kelloggpaktes und trotz der Haager Vereinbarungen, das deutsche West gebiet auch nach der Aufhebung der Besetzung als ein Land minderen Rechtes weiterhin gelten zu lassen. empfehlen, der Reichsregierung nicht nur eine Ermächtigung auf Herabsetzung, sondern gegebenenfalls auch auf Erhöhung des Steuersatzes zu erteilen. Abg. Dr. Rademacher (Dnt.): Das Gesetz bedeutet eine Verteuerung des Automobilverkehrs, aber andererseits auch einen Schuh der inländischen Produktion. Als Ausgleich für die weitere Schädigung der deutschen Automobilindustrie durch die Verteuerung des Betriebsstofses sollte schleunigst ein Automobilschutzzoll durchgeführt werden. Abg. Freiherr von Richthofen (Dnt.) tritt ein für eine ftärfctc Beimischung von deutschem Spiritus zu Benzin und Benzol. ReichsfinanzMinister Dr. Moldenha u e r erklärt sich einverstanden mit einem Antrag der Regierungsparteien, der die Regierung zu der Anordnung ermächtigt, daß diejenigen, die Treibstoffe aus dem Auslande einführen oder im Inlande Herstellen, einen entsprechenden Anteil Spiritus zur Verwendung als Treibstoff beziehen müssen. Abg. von Sybel (Chr.-Rat.) befürchtet von den Mineralölzöllen eine Schädigung der Land- Störungen im Außlandgeschafl. Unberechtigte Klagen Moskaus. Berlin, 7. April. Ein Leitartikel der offiziellen, von der russischen Handelsvertretung herausgegebenen Zeitschrift byjchäftigt sich mit dem Umfang der deutsch-russischen Geschäftsbeziehungen. Es heißt u.a., daß der Umfang des Geschäftes Rußland bei weitem nicht befriedigt. Die Handelsvertretung mache größte Anstrengungen, um eine Erweiterung des Geschäftes durch einen gesteigerten Absatz der russischen Export- lvaren in Deutschland wie durch eine beschleunigte Realisierung der Einkaufsaufträge zu schaffen. Durch die wirtschafts- und zollpolitischen M a ß n a h m e n der deutschen Regieruna werde das Geschäft in beiden Zweigen bedeutend eingeschränkt. Alle Anstrengungen seitens der Handelsvertretung, das Geschäft zu entwickeln, würden durch diese Maßnahmen paralysiert. Augenscheinlich bemühen sich die Russen, schon jetzt für die Möglichkeit deutsch-russischer Verhandlungen sich taktische Vorteile zu verschaffen, in dem sie vollkommen ungerechtfertigte Vorwürfe gegen die deutsche Politik erheben, wenn in dem offiziellen Organ der russischen Handelsvertretung ein Angriff gegen die neuen Agrarzölle und die weiteren Pläne auf diesem Gebiet geführt wird, wobei die Russen vor allem an der Futtergerste interessiert sind. Auch die Zollerhöhungen für die andern landwirtschaftlichen Produkte seien für die Sowjetunion direkt verheerend. Die Erhöhung des Benzinzolls wird ebenfalls mit in das Treffen geführt, und an die deutsche Regierung die Frage gerichtet, welche Maßnahmen sie unter diesen Umstanden zur Beseitigung solcher Hemmungen und für die Weiterentwicklung des deutsch-russischen Geschäftes zu ergreifen gedenke. Dabei vergessen die Russen, daß ent schei dend für den Niedergang und die Schwierigkeiten der wirtschaftlichen ^Beziehungen zwischen den beiden Ländern die Fülle kleinlicher Handelsschikane und tendenziöser politischer Eingriffe geworden sind, über die sich die betroffenen deutschen Kreise seit langem mit Recht beklagen. Wenn deutsch-russische Wirtschaftsbesprechungen überhaupt einen Erfolg haben sollen, darf nicht von vornherein durch die Taktik Moskaus das eigentliche Verhandlungsobjekt ausgeschaltet werden. Der Rußlandausschuß der deutschen Wirtschaft. Berlin. 7. April. (CNB.) Heute fand hier unter dem Vorsitz des Direktors Kraerner eine Sitzung des Ruhlandausschusses der deutschen Wirtschaft statt. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der der Ausschuß sein Bedauern darüber ausspricht, daß in offiziellen Presseorganen der Sowjetregierung fortgesetzt Angriffe gegen Personen der deutschen Wirtschaftsführung und gegen deutsche Lieferantenfirmen von Weltrul erfolgt sind, und er weift insbesondere die j er Grundlage entbehrende Verallgemeinerung der russischen Kritik an der Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie zurück. Der Ausschuß beauftragt den Vorstand, diese Auffassung gerade auch mit Rücksicht auf die bevorstehenden Verhandlungen der Reichsregierung zur Kenntnis zu bringen, und dabei besonders darauf hinzuweisen, daß nicht nur die Förderung des deutschen Exportes nach -Rußland, sondern auch der Binnenhandel und das Transportgewerbe eine ihrer Bedeutung entsprechende Berücksichtigung finden müßten. Der Ausschuß empfiehlt den am Ruhlandgeschäft interessierten deutschen Wirtschaftskreisen, evtl, vorzunehmende Abschlüsse jeweils unter Anpassung an die Finanzkraft und die Finanzierungsmöglichkeiten der einzelnen Firmen weiter zu pflegen, in der bestimmten Erwartung, daß, wie dies bisher leider wiederholt festgestellt werden mußte, deutschen Firmen keine ungünstigeren Bedingungen angeboten werden als den ßiefe* * ranten anderer Länder. Oie Aufbahrung der Königin von Schweden. Rom, 7. April. (TA.) Der Leichnam der Kö- gin von Schweden, der von dem Leibarzt 'unthe einbalsamiert worden ist, ruht in der Gießener Gta-ttheater. Curt Götz-Gastspiel: „Ter Lügner und die Nonne." Es wird hoffentlich niemand von uns erwarten, daß wir etwa erzählen, was in diesem Theaterstück mit einem Vorspiel und drei Akten sich ereignet; es wäre aussichtslos. Etliche haben den schwächlichen Versuch dazu gemacht, wir versprechen uns wenig davon, selbst wenn es uns glückte. Richt nur, daß man viele der hübschesten Einzelheiten schon auf dem Heimweg vergessen hat —: dies läßt sich keinesfaUs erzählen. Es sei denn auf der Bühne, und von Götz und seinen Leuten selbst. Wer nicht da war, hat es sich selber zu- .uschreiberr. Wer nicht da war, dem ist nun, )a es vorbei ist, nicht mehr zu helfen. Dieses Gastspiel — abgesehen vom Stück — ist in Phänomen. Cs ist das Gastspiel einer Truppe, ie eines der wahrhaftig seltenen, rentablen, -utgehenden, ausgezeichnet gehenden Theater- . Unternehmungen im heutigen Deutschland sein dürfte. Eine Wandertruppe, die ihresgleichen acht. Wir wissen nicht, wie lange sie in Berlin gespielt hat. And es ist nicht abzusehen, wie ange sie noch, mit diesem Stück, in Deutschland mherreisen wird. Zu Ostern sind sie, wenn wir nicht irren, in Stuttgart. Wer weiß, wo sie zu Pfingsten sind ... mit diesem Stück. „Das müht' ein schieches Lustspiel sein ..." An der Spitze Der wandernden Komödianten marschiert C u r t G ö h. Er ist die Seele des Unternehmens. Sein Rame läuft ihm voraus und lockt die Leute an. Er hat das neue Stück geschrieben, er hat es in Szene gesetzt, er spielt die drei wichtigsten Rollen darin. ... Er ist der Lügner. Er ist der Wann ohne Charakter und fühlt sich trokdem wohl dabei. Er ist der Mann, der ebendeshalb und aus verstocktem Prinzip wissentlich die Unwahrheit sagt ... und unwissentlich die Wahrheit. Dies ist das Besondere an ihm. Seine Phantasie ist ein bißchen aus den Fugen gegangen, sie über- Villa Svecia unter den Farben ihres Landes in einem mit weißer Seide ausgeschlagenen Sarg. Auf dem Sargdeckel hat der König eine schlichte Tafel mit der Aufschrift: „Drottning Victoria 18 6 2 — 1930“ anbringen lassen. Der Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde von Kaltenborn-Stachau hielt im Sterbezimmer der Königin im Beisein der Familie der Verstorbenen eine Totenandacht. Am Mittwoch wird der aus Paris herbeigerufene schwedische Pfarrer in der deutschen Kirche im Beisein der schwedischen und der italienischen Königsfamilie, des Prinzen Philipp von Hessen und des Prinzen Christoph von Griechenland sowie Mussolinis ein Totenamt halten, worauf die Leiche nach Swinemünde übergeführt wird. Der König von Italien hat eine zweiwöchige Hoftrauer angeordnet. Verkehrs- und WirWastsnot im Westen. Oberpräsideni Fuchs auf dem rheinischen provinziallanviag. — Eine Mahnung Horions an die Beniner Adresse. Düsseldorf, 7. April. (ERD.) Der 77. Rheinische Provinziallandtag wurde heute mittag mit einer Ansprache des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Dr. h. c. Fuchs, eröffnet. Der Redner führte u. a. aus, die wachsende Belastung aus den von der Provinz aufgenommenen Anleihen, durch welche die Dorkriegsschuld bald um das Doppelte überstiegen werden dürfte, lasse es kaum noch zu, die Beschaffung von Mitteln auf dem Anleihewege fortzusetzen. Von den Schulden und Ausgaben der Provinz entfielen 50 Millionen auf den Straßenbau, und im vorliegenden Haushaltspläne würden für Straßenbau und Straßen- unterhaltung wieder 34 MMionen Mark beansprucht. Zum Rachteil der Rheinprovinz greife immer mehr die Auffassung um sich, sie sei wieder eine wohlhabende Provinz. Man scheine schon jetzt zu vergessen, was sie in der Nachkriegszeit an Sonderlasten getragen habe. Welche Rot sei allein in dem Heere der 3—400 000 Arbeitsuchenden der Rheinprovinz verkörpert! Die im Reichshaushalt für 1930 eingesetzten 20 Millionen für das sogenannte West - Programm könnten nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn sie als ständig wiederkehrender Posten für eine Reihe von Iahren im Haushalt gesetzlich festgelegt würden. Reben der Hilfe von Reich und Staat sei Selbsthilfe zu üben, so z. B. mit Aufträgen an d ie rheinische Dtein- in d u st r ie, mit dem Verzicht auf den amerikan ischen Weizen usw. Ein so verarmtes Volk w'.e das deutsche müsse in erster Linie an die unmittelbare Aufrechterhaltung seiner eigenen Wirtschaft denken. Die Provinz freue sich, daß bald der letzte De- sahungssoldat deutschen Boden Der» lasse, womit ein großer Schritt auf dem Wege zur Liquidierung des Weltkrieges getan sei, die aber leider noch lange nicht beendet sei. Die fi* n anziel len Lasten, die uns für Generationen! auferlegt seien, würden uns nach der Befreiung von der Besatzung noch stärker zum Bewußtsein kommen. Der Redner schloß mit dem Hinweis auf die Worte Hindenburgs, die man nicht nur an die Mauern heften, sondern sich tief in die Herzen graben solle: „Wir müssen wieder eins werden in dem Gedanken: Deutschland über alles!“ Der Landeshauptmann der Rheinprovinz Dr. h. c. horlon betonte, gerade die beiden äußersten Enden Rheinprovinz und Ostpreußen sollten und müßten zusammenhalten, und der Stärkere müsse dem Schwachen helfen. Es müsse aber die Frage geprüft werden, in welchem Maße es angängig sei, die Mittel des Westens nach dem Osten zu überführen. Es dürfe neben der Durchführung des Ostprogramms nicht die Rotlage des Westens übersehen werden. Wenn neuerdings auch die Stadt Berlin eine Aenderung der Steuerverteilung a u f Kosten der Provinzen fordere, dann müsse diesen Bestrebungen entgegengetreten werden. Berlin würde allmählich aussterben, wenn nicht das übrige Deutschland für dje Reichshauptstadt ständig Menschen grohzoge, ernährte und ausbildete, aber noch mehr lebe Berlin wirtschaftlich von der Provinz. Die Konzentration der Verwaltung des Reiches und Preußens und die Konzentration der Verwaltung großer industrieller und finanzieller Unternehmungen in Berlin bringe eine Steuerkraft, die aus dem übrigen Deutschland gespeist werde. Es würde daher der Gerechtigkeit durchaus entsprechen, wenn die Steuereinnahmen Berlins zu einem großen Teil dem übrigen Deutschland zugute kämen. Wenn bei dieser Sachlage die Stadt Berlin aber noch besondere Berücksichtigung ihrer Steuereinnahmen, etwa aus der Kraftfahrzeugsteuer, verlange, oder Berücksichtigung bei der Verteilung von Staatsdotationen, so könnten solche Ansprüche, die auf Kosten der übrigen Provinzen gehen würden, nicht scharf genug zurückgewiesen werden. England will keine neuen Bindungen. Das Parlament verlangt Aujklärung. London, 7. April. (TA.) Das Anterhaus unterbrach am Spätabend seine Verhandlungen, um den Antrag des rechskonservativen Abgeordneten Locker Lampson zu behandeln. Der Antrag lautet: „Das Anterhaus vertagt sich, um sich mit der Möglichkeit eines Abkommens zwischen der britischen Regierung und einer anderen ausländischen Macht hinsichtlich der Auslegung des Artikels 16 des Völkerbundsstatuts vhne vorherige Befragung des Dölkerbundsrates zu beraten, wodurch Mißtrauen hervorgerufen wird und die guten Beziehungen mit anderen Rationen ohne die Zustimmung des Parlaments gefährdet werden.“ Locker Lampson begründete seine Entschließung ausführlich mit einer kürzlichen Erklärung Macdonalds, die den Rückschluß zulasse, daß die britische Regierung im Begriff sei, neue wichtige Bindungen einzugehen, gegen die er sich mit Rachdruck wende. Macdonald erklärte: Soweit der Antrag daraus hinausläust, daß die Regierung in keine Erörterung über die Auslegung des Artikels 16 eintreten kann, ohne vorher den Völkerbunös- rat zu befragen, lehnt die Regierung ihn ab, ebenso wie der Antragsteller sich bisher nie zu einer derartigen Auffassung bekannt hat. Alles, was wir sagen können, ist, daß wir, soweit das menschenmöglich erscheint, die Einstellung des Landes und des Parlaments ^u erforschen gesucht haben und daß die Regierung in den Verhandlungen sich diese Einstellung von Land und Parlament stets vor Augen hielt und sie in keinem Stadium der Besprechungen vergessen hat. Es können jedoch im Verlaufe der Konferenzverhandlungen Punkte auftauchen, wo es angemessen erscheinen könnte, daß die Führer der beiden Oppositionsparteien den Wunsch haben könnten, von mir weitere Informationen zu erhalten. Ich werde stets gern mit ihnen die Zweckmäßigkeit weiterer Informationen vor der Oefsentlichkeit erörtern. Das ist heute der Fall. Er würde ihnen den genauen Stand der Angelegenheiten bereitwilligst auseinandersehen. Dies würde keinen der beiden anderen Parteiführer verpflichten, ihn zu unterstützen, aber sie würden beide verstehen, mit welchen Schwierigkeiten er zu rechnen habe. schlägt sich und treibt die wunderlichsten Blasen. Seine Geschichte ist so unwahrscheinlich, daß sie nicht mehr grotesk, sondern schon beinahe wieder romantisch anmutet. Deshalb hat Götz — gleichsam als Entschuldigung für alles, was etwa im Laufe des Abends sich noch ereignen könnte — ein Vorspiel geschrieben. * Da sitzt er selbst, ein herrlich sächsisch redender Dichter, am Ufer eines Alpensees und in Erwartung jener himmlischen Erleuchtung, aus welcher ein Theaterstück geboren zu werden pflegt. Statt dessen weissagt ihm ein zufällig anwesender Hellseher aus der Hand, was das für ein Stück werden wird: kein Zeitstück, kein Tendenzstück, nicht einmal ein literarisches Stück, sondern ein wahrhaft romantisches, worin sogar ein Kloster vorkommt und eine junge Rönne eine bedeutende Rolle spielt... * Diese Rönne also... jetzt geht es eigentlich los... aber eine solche Geschichte wie diese hier ist nur auf dem Theater möglich, und nur in einer sehr guten Aufführung,... im Feuilleton, in einer Rezension wirkt sie umständlich und langweilig, und kein Mensch würde hinterher begreifen, daß sich die Leute im Theater so gut amüsiert und so laut gelacht und so heftig geklatscht haben,... zumal ja das Wesen der Wirkung gar nicht so sehr im Gegenstände selbst wie in seiner Darstellung begründet ist. In einer durchschnittlichen oder gar mittelmäßigen Aufführung würde es vielleicht eine Enttäuschung oder ein Versager sein; zumal dieses Stück nicht so sprühend und spritzig gemacht ist, wie damals der „Hokuspokus", auf den man sich allemal verlassen konnte, weil er das Publikum vom Fleck weg überrumpelte... • Es wäre also wenig oder gar nichts damit gesagt, wenn man berichten würde, daß sich hier eine Rönne aus ihrem Zellenfenster in einen tiefen und reihenden Fluh stürzt und alsbald von einem jungen Mann, der baden ging, gerettet wird... Daß an der Schwelle des nämlichen Klosters, wo das geschah, ein Wickelkind ausgesetzt wurde, und daß dieses hilflose Baby auf eine unwahrscheinliche Weise den Fenstersturz der jungen Rönne verschuldete... Daß ferner dieses unmündige Wesen dem jungen Menschen, welcher die Rönne errettete, nicht unähnlich sieht, daß der junge Mensch sich in die Rönne verliebt, daß die auf so ungewöhnliche Weise entwichene Rönne jedoch gesucht, aufgespürt und ins Kloster zurückgebracht wird, wo man Gericht über sie hält... Daß schließlich der Kardinal, welcher die An- tersuchung leitet, wiederum mit dem kühnen Schwimmer in einen merkwürdigen Zusammenhang gebracht ist schon dadurch, daß beide den gleichen Namen tragen... Hiermit — und das ist längst nicht alles — wäre wenig vorgebracht. Iedenfalls besagt es nichts gegen die erstaunliche Feststellung, daß sowohl der Dichter im Vorspiel wie der junge Mann, der die Anwahrheit spricht, wie auch der würdige Kardinal in roter Seide hintereinander und sozusagen in einem Atem von einem Schauspieler dargestellt werden (welcher Curt Götz heißt)... Dreimal Curt Götz, immer ein anderer und immer er selbst. Der wahre Kommödiant, er lebt von der Verwandlung, er tauscht die Maske und das Kostüm und saht dennoch die dreifache Ausstrahlung seiner wechselnden Gestaltung in der Wurzel ihres ... und seines Wesens zur inneren Einheit zusammen. * Er ist einer der liebenswürdigsten, unterhaltsamsten, amüsantesten Schauspieler, die man sich vorstellen kann. Er verfügt über Geist... und Gefühl. Er besitzt Humor... nicht ohne Grazie; und er kann schrecklich ironisch werden... ohne sich selbst von dieser Betrachtungsweise auszunehmen. Er erzählt haarsträubende Räubergeschichten, er lügt das Blaue vom Himmel, er lacht kaum, er lächelt selten, er ist fast immer ernst, er plaudert weltmännisch und er spielt sogar zwischendurch eine kleine, entzückende Liebesszene, er nusselt und brummelt so vor sich hin, daß man Mühe hat, ihn zu verstehen, aber wenn man ihn verstanden hat, muh man lachen, dieweil er Der ehemalige Staatssekretär für das Flugwesen, Hoare, erklärte, der Vorschlag, den der Premierminister gemacht habe, sei gut. Er werde Baldwin, der nicht anwesend sei, darüber unterrichten, und wenn Baldwin zustimme, so könne die Konferenz zwischen den drei Parteiführern vereinbart werden. Llohd George begrüßte ebenfalls den Vorschlag Macdonalds. Auch er sei der Ansicht, daß die äußere Politik der Regierung nicht zum Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen gemacht werden sollte. Es sei sehr wünschenswert, daß man genau wisse, wozu man verpflichtet werde. Eine derartige Verpflichtung sei eine Frage von Frieden oder Krieg. Es bestehe eine beträchtliche Meinungsverschiedenheit darüber, ob England im Iahre 1914 verpflichtet gewesen sei oder nicht. Ieden- falls fei die Verpflichtung nicht sehr definitiv gewesen. Es sei eher eine moralische Verpflichtung gewesen, aber, ob nun eine Verpflichtung bestand oder nicht, jedenfalls hätten die Zweifel-.-h ierüber anderen zum Vorteil gereicht. Wir wollen nicht, daß ein Derartiger Zustand wieder eintritt. Wir wollen keine Bindungen, aus denen die Franzosen entnehmen würden, daß wir gewisse Verpflichtungen übernommen haben, die wir nicht zu übernehmen beabsichtigen. — Auf Grund dieser Erklärungen zog Locker Lampson schließlich feinen Antrag zurück. Aus aller Wett. Tragischer Tod eines mutigen Retters. Bei dem mutigen Versuch, ein durchgehendes Gespann aufzuhalten, ist im Berliner Vorort Wittenau der 26jährige Arbeiter Willy Klemp tödlich verunglückt. Stlemp befqnd sich auf dem Heimwege, als er durch laute Rufe von Passanten auf ein durchgehendes Pferdegespann aufmerksam gemacht wurde. Kurz entschlossen warf sich Klemp den scheuen Tieren in die Zügel, wurde aber ein Stück mitgeschleift und dann als ihn seins Kräfte verließen, von dem Wagen überfahren. Er trug so schwere Verletzungen davon, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Das deutsche rNittelmecktgeschwader in Vigo. Das deutsche Geschwader, das sich auf einer Kreuzerfahrt nach dem Mittelmeer befindet, hat Vigo an der Nordwestküste Spaniens angelaufen. Mit dem spanischen Flaggschiff wurde ein Ehrensalut ausgetauscht. Post- und Telegraphenwissenschaftliche Woche. Zn der Berliner Universität wurde die 13. Post- und Telegraphenwissenschaftliche Woche der Verwaltungsakademie Berlin eröffnet. Staatssekretär Dr. Feyerabend führte aus, daß die Deutsche Reichspost die Aufgabe der Post- und Telegraphenwissenschaftlichen Woche vor allem darin erblicke, die Beamten anhand wissenschafllich-prak- tischer Ergebnisse über die Probleme des Verkehrswesens, besonders der Post und Telegraphie, aus berufenem Munde zu unterrichten. Durch Besichtigung bemerkenswerter Betriebe der Reichspost, anderer Verkehsunternehmen und industrieller Werke werde außerdem Gelegenbeit geboten, den Blick für neuzeilliche Arbeitsweisen zu schärfen und zu vertiefen. Exzellenz Schiffer als Präsident der Verwaltungsakademie ging auf einige Fragen des Verhältnisses zwischen Beamten und Staat sowie der Vor- und Ausbildung und der fachwissenschaftlichen Fortbildung der Beamten ein. Danach begannen die Vorlesungen der Postwoche, die Universitätsprofessor Dr. Peters mit einem Vortrag über „Grundsätze der Staatsverwaltung" eröffnete. Strafanträge im Iakubowski-Nogens-prozeß. Zn Neu-Strelitz wird soeben der neue Prozeß zu Ende geführt, der den Anteil der Gebrüder N o g e n s an der Ermordung des kleinen Ewald Kaehler, unehelichen Sohns des auf Grund eines Urteils des Neu-Strelitzer Scywurgerichts Hingerichteten russischen Schnitters Jakubowski klarstellen soll. Der Oberstaatsanwalt hielt am Montag sein Plädoyer gegen die Angeklagten. Er schilderte den Hergang der Tat, das Auffinden der Leiche und dis früheren Geständnisse der jetzt Angeklagten, wonach Frau Kaehler, die Großmutter des ermordeten Ewald, von der Absicht der Ermordung gewußt habe und daraufhin am Mordtage verreist sei, ferner, wie 21 u g u ft Nogens, was durch zahl- schon wieder ein Stückchen weiter ist und eine neue Bosheit, Frechheit, Anzüglichkeit und Anwahrscheinlichkeit von sich gibt... * Das ist alles so unwiderstehlich in der Wirkung, so faszinierend in der Technik, daß man sich nicht einmal sehr wundern würde, toerm er zum Schluß, die dritte Rolle des Stückes spielend und den Träger der zweiten, die er auch spielt, erwartend... wenn er also plötzlich noch einmal hereinkäme, doppelt vorhanden wäre und sich selbst lächelnd, Aug in Aug, gegenüberstünde. Von der Regie ist in diesem Falle wenig zu sagen; sie fällt hier mit der Arheberschast des Ganzen so eng zusammen, daß beides kaum noch zu trennen ist, zumal in diesem Stadium nicht mehr, wo die Aufführung schon gewissermaßen eine feststehende Existenz gewonnen hat; sie ist eine prächtig geölte, tadellos funktionierende Maschinerie, sie ist da, wird angekurbelt und läuft von selbst. * Im Ensemble reicht man sich die Hände, wie ein Räderwerk ineinandergreift; man wirft sich die Stichworte zu wie leichte, bunte DäUe und« macht Konversation und Dialog wie bei einem Gesellschaftsspiel. Natürlich ist Valerie von Martens wieder da, Gemahlin, Kameradin und Partnerin: sie spricht bewundernswert das gaumige Schwyzerdütsch der sturen, geistlos-mundfertigen Kellnerin am Seegestade; und sie findet auch unnachahmlich den Ton der scheuen, dennoch beharrlichen und völlig entwaffnenden Naivität der romantischen Nonue Angela. » Die Chargen: Olga Engi, Ernst Gronau, Franz Schafheitlin, Max Kaufmann, Leontine 6 ag an. — ♦ Das gut besuchte, aber leider nicht ausvev- kaufte Haus verbrachte einen höchst vergnügtem Abend und spendete reichen Beifall. hth. 17 1 *11 T js” | i <7- Ä fiwrf jffö* !7Wst auW y rraS fahrens. ,4 SÄ ihrer Gestandm Spannung fiel kr am öchluh befolgenden ötr Lvzens die To Aberkennung auf Weit, geg Wt Zuchth bt und Wem Lkrsuchungshast ti, gegen 3t sefängniö ine ikine.it) uniet 3ugenbgeti$teg0 Aus-erpi s Är? teiltet I, Mer "aus I bis o.-> dis 1 j ft-1 - MUkoh i? bis ! Hat j? big 2; $ K120 1 lob1!?* ' ? biS 4o JO big Äie in Sie! Dem die ersten die Sonne wohlig i kurz, Denn der a bann ertixii)t in Soang in die Fei Wunsch noch Leist dem. die, Dom & feit Den, Iwm ochusM um i Malers - den t Welfen, Lanzvr leiten - ouszuruh allmählich träge g 0ige Wandern W von den zu befreien. Dm reichen Mm f kräftiger Drume sich durchaus yüle befördern, Leber Dermtiae Äir° Deutschland eine Der Vorzug ei fann zu sehen | Jie Kurorte nicht M Eo als Zab Aecheit, und j( WererMrt W werden. Ge J01 willen Ej r1 aus einer fti ^taufentijalteg b 4ber mich aH m der Hei schen Spuren ÄL ÄKS, binnM. "len Äs; im $ ür Km i WA- fe; xMt bin darüber >f^fe fo ! "’ %Ä un- de- titVm von Artige 6L9lanb im^* °der nüftt %S l"S niZt 8 sei eh„ 'ehr 96Nen. nL t1nt .riM^er ni^ Uli ä!1! Dir r 2lU*luUti ä> übtV . Grund dieser ff, lon «Ä kL Wett. Ittl'9en Retter, 4 M Berliner Bor. B Leiter Willi, “ W bchnd sich auf ' hüte M oon Pas. : S*nn auf. Z enischschn wors sich die Zugel, wurde aber '"d bannaU kleine ifl9en überfahren, "gen davon, dah der Swader in Vigo. das sich auf einer lelmeer befindet, hat Samens angelaufen, lss wurde ein Ehren- nrschaKchr Dache. -t wurde die 13. Poft- iche Woche dn Der« erlin eröffnet. Staat.1« d führte aus, daß Die. ibe der Poft, und Ttlc che vor allem darin er- ib wlsfenfchafllich-prak. ie Probleme des anders der Poft und Munde zu unterrichten. msMlter Betriebe rlehsunternehmen und Mide außerdem Gele, ür neuzeilliche Arbeits- u vertiefen. Exzellenz • Verwaltungsakademic Hierfiltniffa MMn Bor- uni) Vtebilbuna Fortbildung der die BvMwgen der Mvr Dr. Peterr undjähe der Ttaatsver. träge ogend-pr»ie6. ib(H her nitie $m'6 Anteil der Sebrudcr ng des »einen Swold auf Smnd eines hwurgerichts hingench. forolli ttorfielenl «• ,m ®o«N !«m P - Er schilderte den her in der Leiche und die zt Angeklagten, wonach mutter des ermoM Ermordung je®“«* ordtage verreist ^wa^ur^aht- toügt**Un , „ «alle wenig J“ daß ^'S.bium nü-t diesem eg&rtj „Sg;y ’sss- * !■* '*? U t'L b» N« .^5 ä“gn«uX > ue’\ j, Hidiüitat nenden la. Ilal ... ausve^ w Konzert des Vanerschen Gesangvereins Die Wetterlaqe. Seydisfio JiordÖya zse T.ü (Bearbeitungen bewies der Bauersche Gesangverein aufs neue die hochstehende Disziplinierung seiner Stimmen, besonders die Tenöre haben an Weichheit und Fülle und (Nachgiebigkeit in der Kantilene gewonnen; stets erklangen sie edel, niemals drängten sie sich aus dem Gesamtklang hervor. Der Ausgleich der einzelnen Stimmgruppen sowohl in dynamischer Hinsicht wie auch in der Klangfarbe gewährleistete so eine einheitliche Ausprägung des symphonischen Stiles der Molbenhauerschen (Bearbeitungen ebenso wie in den homophonen Sätzen Silchers. Die Dvlksliebvariationen Moldenhauers, nament- Kirchliche Nachrichten. Evangelische Getneindcn. Mittwoch, den 9. April. Iohanneskirche. 18 Uhr: Paffionsanbacht; Pfarr Bechtolsheimer. ---W —Thobhavn3*^ Montaa, d.7. April. 1930,7h abdS. ^Mer^raxShampccn für dein Haar Maehl eJ leidig, glänzend und klar. 6) reinig( von Schuppen dabei, 26/ billig und Aodafteil Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tonfilmpremiere „Dich hab ich geliebt", 16, 18 und 20.30 Uhr. — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die heutige Vorstellung „Woyzeck und „ßeonce und Lena" beginnt 19.30 Uhr. Der Büchner- abend ist heute zum letztenmal. — Am Mittwoch, 9. April, wird zum erstenmal Fritz von Unruh in Gießen aufgeführt. Sein Stück «Louis Ferdinand, Prinz von Preußen" hat besonders am Berliner Staatstheater immer wie' *r die größten Erfolge erlebt. Spielleitung Peter Fasfott, Bühnenbilder Karl Löffler, Kostüme Kurt Huber. Iugenbgerichtsgesetzes. Klus der provinzialhauptfiadt. Gießen, den 8. April 1930. Die Irühlingsreise. Wenn die ersten wärmeren Tage kommen, wenn die Sonne wohlig vom blauen Himmel strahlt — kurz, wenn der Frühling seinen Einzug hält, dann erwacht in dem Menschen ein seltsamer Drang in die Ferne. Wandersehnsucht und der Wunsth nach Reisen ergreifen ihn mächtig. Wohl denen, die, vom Schicksal begnadet, die Möglichkeit haben, wärmere, südlicher gelegene Orte aufzusuchen, um von den Anstrengungen des Winters — den vielen Festlichkeiten, (Banketts, Abendessen, Tanzvergnügen und anderen Geselligkeiten — auszuruhen; das heißt, den im Winter allmählich träge gewordenen Körper durch ausgiebige Wanderungen in GotteS ergrünender Natur von den Schlacken der vergangenen Monate zu befreien. Manche werden in eines der zahlreichen (Bäder fahren, um durch Trinken heilkräftiger (Brunnen den Organismus einmal gründlich durchzuspülen, überflüssige Stoffe herauszu- befördern, Leber. Magen und Darm zu entlasten. Derartige Kur- und (Badeorte gibt es fa in Deutschwnd eine ganze Anzahl. Der (Borzug einer Frühlingsreise dürste auch darin zu sehen sein, daß in dieser 3abre^eit die Kurorte nicht überfüllt zu sein pflegen. Man hat also als (Badegast einen gewissen Reiz der Seltenheit, und jeder einzelne dürste mit ganz besonderer Zuvorkommenheit empfangen und versorgt werden. Gerade Personen, die um ihrer (Herben willen Einsamkeit suchen, werden diese eher auf einer Frühlingsreise als während eines Kuraufenthaltes in der Hochsaison finden. Aber auch all die vielen anderen, denen das Schicksal keine Frühjahrsreise vergönnt, können sich daheim einen gewissen Ersatz verschaffen Auch in der Heimat zeigen sich jetzt überall die ersten Spuren des erwachenden Lenzes, und überall gibt es wohl die Möglichkeit, lohnende Spaziergänge und Wanderungen zu Unternehmern Unb wer die Heilquelle nicht an Ort und Stelle trinfen kann, der vermag immerhin auch au Hause den auf Flaschen abgefüllten und versandten natürlichen (Brunnen zu trinken. Auch Haustrinkkuren mit natürlichen Heilquellen haben schon viellausendfach chren günstigen Einfluß auf den Organismus im Frühjahr erwiesen. Lind schließlich und endlich beginnen ja im Frühling auch die langentbehrten Leibesübungen im Freien, vor allem auch der Rasensport, wieder ihren Einzug zu halten, die das ihrige dazu beitragen, die etwas faul gewordenen Glieder wieder geschmeidig zu mad)ciL Also: wer im Frühling reifen kann, der soll es ja tun. Die Zuhausebleibenden werden sich mit Wanderungen, Sport und gegebenenfalls auch mit Haustrinkkuren gang gut behelfen können. Dr. med. E. M. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: (Butter 140 bis 170. Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 30, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis , 20, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 25. Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5. Aepsel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse 50 bis 70. Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 70 bis 80, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 20 bis 30. Endivien 20 bis 40, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück; Radieschen 15 bis 20 Pf. das (Bund; Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk. der Zentner. Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag. Stadttheater: „Woyzeck" und „ßeonce und Lena", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Wohlmuth-Institut: Aufklärungs- pertrag, 20 Uhr, im Katholischer, Bereinshaus. — Gesetzen sei den Leuten, die ihre Ersparnisse dem Staate geopfert, nicht zu helfen; an die Stelle des Gesetzes müsse das Recht treten, wenn das System der Auspowerung dicht entschieden bc- kämpst werde, dann gehe der Staat zugrunde. Der Redner schloß die mit (Beifall aufgenommenen Darlegungen mit der Aufforderung zum Eintritt in die DolksrechtSpartei. — Der Leiter der Der- ammlung, Stadtratsmitglied Ehr. Reiber, berichtete darauf eingehend über die bisher bei der Stadtverwaltung unternommenen Schritte zur Linderung der Rot der Kleinrentner, von denen vielen die bisher gewordene LInterstühung zum Teil gekürzt, zum Teil ganz entzogen wurde und forderte ebenfalls zum Eintritt in die Bolks- rechtpartei als die entschiedenste Vertreterin der geschädigten Rentner auf. G wonrenios. O neue,. lag gegen 4 Uhr ber Kaufmann Schaufler mit seinem Sohn als Wagenlenker und weiteren vier Wetzlarer Damen und Herren noch einen Ausflug an den Rhein unternehmen. Kaum daß sie jedoch das Weichbild der Stadt passiert hallen und in die freie Bahn der Braunfelser Straße eingebogen waren, kam aus bisher noch nicht aufgeklärte Weise der Wagen ins Rutschen, riß dort einen Teil der rechtsseitigen Straßenhecken um und zerschellte alsdann an einem der dort stehenden Straßenbäume. Der Kaufmann Schaufler erlitt bei dem Anprall einen schweren Schädelbruch, eine der mit- fahrenden Damen einen Oberschenkelbruch, eine weitere Dame einen Knöchelbruch und Kopfverletzungen, während die anderen Mitfahrendcn mit mehr oder weniger größeren Fleischwunden davonkamen. Kaufmann Schaufler ist heute abend, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, im hiesigen Krankenhaus verstorben, während die anderen Verletzten sich außer Lebensgefahr befinden. Es wird Sache der zuständigen Behörden sein, zu untersuchen, wer für den schweren Unfall verantwortlich ist. musik tritt, so wie es in dem Dokalzeitalter der ständige Brauch war. Die geistige Gebundenheit des Volksliedes mit dem Zeitoller seiner Entstehung wird stets bei ber Neubearbeitung eine besondere Berücksichtigung des jeweiligen Zeitstiles erfordern. So werden für das ältere Volkslied sog. cantus llrmus-Bearbeitungen geboten sein, d. h. die Volks- Melodie wird von den übrigen Stimmen in thematischer Führung umspielt und so in ihrem Ausdrucks» wert verstärkt und gehoben. In ganz besonders vorbildlicher Weise ist dies z. B. dem Darmstädter Mei- fter Arnold Mendelssohn gelungen in den Bearbeitungen von Melodien aus dem Locheimer Liederbuch für drei bzw. vier Männerstimmen, die im Vorjahre auf dem Nürnberger Sängerfest ganz außerordentlichen Widerhall fanden und die dem konzertgebenden Verein als künftige Arbeitsaufgabe empfohlen seien Beim Volkslied aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert wird man mehr eine harmonischhomophone Art antreffen, die unferm modernen, harmonisch eingestellten Musikempsinden nahekommt, so wie wir sie etwa in den Silcherschen Volksliedbearbeitungen beobachten können. Während die mit den einzelnen Strophen immer wiederkehrende Melodie in ihrem Vortrag sich hier dem Textgehalt angleichen muß, gehen z. B. die A. von OtHegraven scheu Dolksliedsätze auf die Gesamtheit des Textgeschehens ein und versuchen, unter der Beibehaltung des durchgehenden melodischen Gedankens, ihn frei zu interpretieren je nach den Gegebenheiten des Textlichen. Die strengere Bindung an den leitenden melodischen Faden gibt in jüngster Zeit W. Moldenhauer auf; er geht auf bie Bildhaftigkeit des Textes ein und gestaltet die einzelnen Szenen mit bewegter Handlung dramatisch durch, indem er die gegebene melodische Vorlage als motivisches Material ausnützt, aber auch neue, aus bem Text geschehen sich herauskristallisierende musikalische Momente einschaltet. Im Satztechnischen verwertet Moldenhauer geschickt stilistische Eigenarten, wie sie uns der Chor der Donkosaken in seinen Dolkslied- darstellungen übermittelte, ohne sich jedoch in einem bloßen Kopieren zu verlieren, sondern er macht sie sich als perlönliches Ausdrucksmittel zu eigen. Mit der Durchführung ber Volkslieber- *• Tonfilm Im Lichtspielhaus. Man schreibt uns: Heute Dienstaa, findet die erste Tonfilmpremiere im Gießener Lichtspielhaus statt. Zur Vorführung kommt der große deutsche Ton-, Sprech- und Gesangsfilm „Dich hab ich geliebt" mit Mady Christians in der Hauptrolle. Dieser Film, welcher seit drei Monaten mit außergewöhnlichem Erfolg in Frankfurt a. M. läuft, erlebte dieser Tage dort seine 300. Aufführung. ** Die Zimmermeister- Zwangsin- nung Stadt- unb Landkreis Gießen hielt am letzten Samstag im Restaurant „3um Auerhahn" hier ihre Innungsversammlung ab. Nach einem Bericht des Geschäftsführers H. Kirchner (Gießen) über die Tätigkeit der Innung im letzten Vierteljahr, wurde die Schaffung von Arveitsgemein. schäften in ben einzelnen Bezirken des Kreises besprochen, von der Durchführung dieser Einrichtung aber vorläufig abgesehen. Die Frage des Anschlusses der Innung an den hessischen Zimmermeister-Der- benb soll vom Vorstand eingehend geprüft werden. In der weiteren Aussprache wurde über die geringe Bautätigkeit geklagt und die weitgehende Bereitstellung von Baudarlehen durch Staat unb Kommune gewünscht. Weiter würbe beschlossen, mit der im Juli ftattfinbenben nächsten Innungsoersamm- luna eine Familienzusammenkunft zu verbinden. ** Auszeichnung. Für Verdienste um den deutschen Radsport wurde, wie man uns mitteilt, Glasermeister Hch. Marx, Gießen, Gauehrenfahr- roart im Bunde Deutscher Radfahrer, mit der silbernen Bundesnadel ausgezeichnet. *• V. H. C. Eine woylgelungene Frühlingsfahrt unternahm am letzten Sonntag der V. H. C. - Gießen in bet Stärke von 75 Personen. Der Weg führte ben Bulterweg entlang über Anne- rob sowie ein Stück burch ben Fernewalb zur ausgiebigen Rast nach Oppenrob. HeberaU in Wald unb Flur zeigten sich bie Spuren ber wieder erwachten Rattrr. Der frischgrüne Wiesenplan war mit zahllosen Maßliebchen bebedt, an Busch unb Rain bufteten bie Veilchen, während im Walde bie Winbbuschröschen blühten unb bie Lärchen, zwar noch schüchtern, bie ersten lich bie über „O Straßburg", konnte man in ihrer Gesamtauswirkung burchaus als ben Höhepunkt ber Veranstaltung ansehen. Wie bie Schwierigkeiten, bie hier zu übertoinben waren, gemeistert waren, kann nicht genug anerkannt werben. Das thematische Gewebe war plastisch unb burchsichtig, unb bie Gesamtauffassung war großzügig unb lieh das Ganze als ein brama- tisches Gemälbe in voller Anschaulichkeit erstehen. Richt minber wirkte sich auch der „Freiheitsgesang" mit ber Gegensätzlichkeit ber zweiten Strophe aus. Sehr fein pointiert war bie Othe- gravensche Fassung „Gestern beim Monbenschein". Die Silcherschen Volkslieberbearbeitungen lassen mehr bie Melobie als solche in ben Vordergrund treten und bei ber Durchführung ber einzelnen Strophen muß ber Wclobiecharakter, ba er ja bie ©runbftimmung bes ganzen Liebes zufammen- faht, gewahrt bleiben. Das sichtliche Bestreben nach straffer textlicher Deklamation Netz bie textlichen Akzente stellenweise zu sehr im melodischen Verlauf bie Oberhanb gewinnen unb fo erschien „Mädele, ruck, ruck, ruck" etwas zerrissen burch bie längeren Pausen zwischen ben einzelnen Textzeilen unb büßte so von bem neckischen Grunbzug etwas ein. 3n sehr sorgfältiger Weise würbe bem Tertgehalt ber einzelnen Strophen von Orlanbo bie Lassos „Lanbsknechtstänb- chen" Rechnung getragen; bem Instrumentalrefrain wäre eine noch charakteristischere Ausprägung von Vorteil gewesen. An bem Eingang bes Programms hatte man zwei mobeme Männerchöre „Glockenlieb" von Cenbbai unb „Die Hütte" von Hugo Saun gestellt. (Namentlich bas erste übte einen starken Einbruck aus burch bas Malen bes Glockenklanges mit seinem Sich- verlieren im Schlüsse. Wit ber Durchführung bes Programms hat ber Cyrenchormeister Otto Gör - lach toicber ein Zeugnis für bie energische unb umsichtige Arbeit erbracht, bie er bem Chor ge- toibmet hat. 3m allgemeinen war auch bie Textaussprache bebeutenb besser geworben; nur vereinzelt zeigte sich noch typisch hessische bialektische Färbung. Der Solist der Veranstaltung, Johannes Willy, Frankfurt, ist in Gießen noch von seiner Mitwirkung gelegentlich der Rennten Symphonie in Erinnerung. 3n seinem Bestreben nach besonderer Gröhe des Tones ist sein llangvolles Organ jedoch nicht eines ausgeprägten Pianos fähig, ebenso fehlen ihm auch bie mittleren bynamischen Grabe; bas Piano entspricht burchaus nicht bem Klangwert seines Fortetones; wie weit seine schiefe Munbstellung auf eine Störung in der Stimmfunktion hinbeuten könnte, sott hier nicht erörtert werden. So müßte er noch gehörig an bem Ausgleich seiner Stimme arbeiten, um ben Anforderungen eines vollendeten Konzertgesanges entsprechen zu können. Dem augenblicklichen Stande seiner Stimmentwicklung angemessen, legte er darum besonderen Wert auf bie Herausstellung bramatifcher Akzente, weniger bagegen lag ihm bie Erschließung lyrischen Gehaltes in bet Kantilene, zumal bei den Liedern von Schubert und Schumann. Beim Liebgesang ist bie geschlossene Stimmung ein ausschlaggebenbes Moment, auf das bet Solist noch viel mehr Gewicht legen müßte. Beim deklamatorischen Erfassen t>er Hugo-W o I f»Gesänge wären eingehendere Abstufungen einer noch eindtuckvolle- ren Auswirkung zweckdienlich gewesen. Durch die Klangfülle feiner Forte töne fanb er beim Publikum begeisterte Anerkennung, und fo gab er Beethovens »Der Kuß" zu. Am Flügel begleitete bie Gattin des Sängers; verschiedentlich wäre hier eine schärfere Ausprägung des Thematischen erwünscht gewesen; das Rachspiel । im „Heimweh" von Hugo Wolf erschien in der Auffassung durch bie Pianistin nicht bet «breiten ausladenden Schlußstimmung des Liebes angemessen. Dr. H ro kW Xln 5t AMfdtcn- Toi ' o( Oslo 7 ÜI^Dcrlln N KAFFEE Mischung KPFD, r MARKE GELB-SIEGEL MARKE /GRÜN-SIEGEL XPFD.11G- . tiger fi, l'ens3iertC| baTNr m uns, buHimr der T? 3Uni ■ ae®fien 3u KD *i‘«s 5 3fi W' nach Vach loluni örojt von ' durch hier Ausst' Vezie Van lebt ganz Nn vor em'gen,, der W?\ miterlebt, ha' als vorzuguc Er hatte nw man sofort v bedMiie. Marschau. 1 Mann hat m tümlichkeit e'r den polnischen ligen Aeuhcr in der Presse haben dem 1 viele Sympat beten versehe Leiten Kreiser tat nach toie hol, den Füh Freund Sla machen, Mr ist dies die vor einige Lelephongespr ten und dem ' und deren H Ereignissen - sehr viele - ist herausge nischer L' Verhältnisse in Seutschla zu verstehen, gioitäre kenn ' Pilsuöski geh lutionär im 2 iich Student i vetsität Warsi gruppe, die Warnte. L zialdemvtratis beitet hatte, Polizei von 1 sM" nach Mchtlmg lie Mi«1 nicö Wrer der 3gnaj Lasf und Kampsge sie die schär Sejm-Warschl in Polen, 2n senen Plan, dem svlutismus du geben u ton zu hiß kämpfen fall dm in Kral jur Bildung Do4 Pilsuöst aussetzung fe "fe militä lm.N in Paris. Iort t in Ten ^lsischen Grer Kleia £ Siieiel Maschinenfabrik Fulda GA 50% Platz- o. Kraft- Ersparnis erzielen Sie mit unseren Elektro- riemenlosen Holzbearbeitungs- Maschinen Holel-Aestaiirant in Gießen von Fachleuten zu pachten auch evtl, zu kaufen ge ucht. 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Die Beerdigung findet Mittwoch, den 9. April, nachmittags 3.15 Uhr in Hausen statt 02430 Ausland. 02424 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elisabethe Müller geb. Dern Die trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Wehrum Familie Steup Familie Walther Garbenteich, Daubhausen, den 7. April 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 9. April, nachmittags 2Va Uhr statt , 02429 Am 7. April 1930 verschied nach langem schweren mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater- Bruder, Schwager und Onkel Herr Georg Müllerin, Allbürgenneisler im Alter von 79 Jahren. Heute mittag lV» Uhr entschlief sanft in dem Herrn nach längerem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Fran Marie Weh« geh. Langsdorf im 68. Lebensjahre, was wir hiermit Verwandten, Freunden und Bekannten schmerzlich mitteilen. [ Vermietungen | 5-6-3 W(M gegen 2-3-3M0I1I1. zu vermieten. Schr. Ang. u. 02419 an den Gieß. Anz. 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März 1930 wurden in den Wagen der Städtischen Straßenbahn nachstehende Gegenstände gefunden: 2871D ein Mantel, zwei Markttaschen, zwei Aktenmappen, zwei Paar Turnschuhe, vier Mützen, ein Hut, vier Marktnetze, drei Kindertrompeten, zwei Zwicker, mer Handtäschchen, 16 einzelne Handschuhe, 14 Paar Handschuhe^ ein Damengürtel, ein Gebetbuch, ein Militär-Skizzenbuch, acht Schirme, sieben Stöcke, ein Krug und ein Lampenschirm. Vorstehende Gegenstände können bei der unterzeichneten Verwaltung — Zimmer Nr. 1 — während der Dienststunden in Empfang genommen werden. Gießen, den 7. April 1930. Städtische Straßenbahn Gießen. S t 0 l t e. Mittwoch, den 9. April 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, im „Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: neun Schreibtische, vier Vertikos, fünf Sofas, ein Schrankgrammophon, drei Trumeauspiegel, vier Pianinos, zwei Kommoden, zwei Küchenanrichten, zwei Türportieren, einen Regulator, drei Zimmerteppiche, sieben Schreibtische, drei Chaiselongues, zwei Nähmaschinen, zwei Tische, drei Bücherschränke, eine Ladentheke, drei Ladenregale, eine kleine Holzkasse, fünf Ausstellungsgefäße, zwanzig Flaschen Sekt, 45 Paar Ueberschuhe in Stoff und Gummi, 48 Paar Damenspangenschuhe, drei Schreibmaschinen, mehrere Herde und Defen, fünf Büfetts, ein Abfallbecken, zwei Operationsstühle, einen Instrumentenschrank, ein Klavier, eine Phonola, eine Vitrine, einen antiken Schrank, zwei Motorräder, eine Wandhebelstanze mit vierzehn Messern, einen Pulkanisierapparat, einen Registrierschrank, zwei Registrierkassen, 900 Zigarren (Fünfziger-Packungen, pro Stück 15 Rpf.), zwei Warenschränke, zwei Rohrsessel mit Tisch, einen Konsolschrank, einen Wandschrank, eine Standuhr, einen Bilderschrank, eine Friseurtoilette mit zwei Schränkchen, einen Photoapparat, zwei Waschmaschinen mit Wasserbetrieb, einen Kartoffeldämpfer, einen Kesselmantel, zehn Sitzbadewannen, 20 Holzriemenscheiben, 20 Einkochappa- rate, eine Eismaschine, einen Eisschrank, Zwölf Dutzend Aloaka-Löftel, -Messer und -Gabeln, eine Kaffeemaschine, einen Küchenschrank, eine größere Partie Schuhmacherartikel, einen Untersuchungsstuhl, fünf eiserne Bettstellen mit Schoner, dreiteiligen Matratzen, Kopfkissen, Steppdecke, drei Nachtschränkchen mit Glasplatten, ein komplettes Schlafzimmer mit zwei kompletten Betten, einem Spiegelschrank und einer Waschkommode, einen Aktenrollschrank, ein Sofa und' zwei Sessel mit Ripsplüsch, 100 Bände verschiedene medizinische Bücher, eine größere Partie Wurstgewürze, elf Paar Stiefel mit Holzsohlen, einen Hackklotz mit Bock, Metzgerkittel, neun Fleischwölfe, Scheiben für Fleischwölfe, drei Waagen, einen Kossenschrank, zwei Gas- Wurstkessel, Fleischsägen, Spalter und Schlachtgeschirre. 28680 Junker, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon Nr. 3383 Mendelssohn - Bartholdy 2M5D A Anmeldungen fürSexta / \ und di© übrigen Klassen bis Obersekunda / Iw \ einschließlich können noch bis zum / 12. 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Wohl bemerkten mir, daß die Einwohner, mit denen wir in den Teehäusern übernachteten, stundenlang melancholische Melodien vor sich hinleierten, dazu mit Stöcken und Schwertern auf die Erde trommelten, aber wir hielten das für persische Eigentümlichkeiten. Erst als wir nach einigen Tagen das Städtchen Marand erreichten und Gelegenheit fanden, uns von den Strapazen der voraufgegangenen Tage zu erholen, sollten auch wir den tieferen Sinn dieser traurigen Musik erfahren. Unser Wirt, ein Perser von prinz- lichem Geblüt, ber in Marand als Polizeigewaltiger fungierte, war ein kindlich-naiver, aber liebenswürdiger uni), gastfreier Mann. Er weihte uns in das Geheimnis des Muharrem ein und nötigte uns, bis zum 10., dem Hauptfesttag des Monats der Trauer, zu bleiben. Wie es schon unterwegs gewesen war, bot sich uns auch hier in Marand allabendlich dasselbe Schauspiel. Große, dumpf dröhnende Trommeln vor sich hertragend zogen, wenn die Sonne am Horizont versank, Scharen von jungen Burschen durch die Stadt. Sie ließen dabei einen durchdringenden, immer sich wiederholenden Nus: „Schach-sei wach-sei" ertönen. Diese Worte, die dem Europäer seltsam und in ihrer ewigen Wiederholung schauerlich in den Ohren flingem bedeuten die Abkürzung von: „Schah Hussein Wah Hussein", d. h.: „König Hussein, Wehe Hussein!" Der Erfolg dieser Mahnrufe, die unaufhörlich durch die ganze Stadt drangen, blieb auch nicht aus. Aus den umliegenden Häusern, an denen gerade die trommelnden und schreienden jungen Männer vorbeizogen, antwortete hinter dicken Lchmmauern das gleiche langgezogene Klagegeheul, das nur von den schrillen, nervösen Zwischenrufen der Frauen, die sich hierin ganz besonders hervortaten, unterbrochen wurde. Bis spät in die Nacht hörten wir immer wieder denselben, eintönigen Klageruf. Dies alles war jedoch nur eine Vorbereitung, eine allmähliche Steigerung, eine Konzentration des ganzen Denkens auf den einen Höhepunkt, den der Haupttag, der 10. im Murharrem bedeutet. Dann entfesselt sich der tief im Innern wühlende und künstlich hochgepeitschte Schmerz mit aller Gewalt, um ’ in einer Raserei auszuschlagen, die feine Grenzen und keine Hemmungen mehr fennr. Für die Europäer bedeutet die Teilnahme an einem derartigen Fest immer ein Risiko, wenn nicht eine ernste Gefahr. Wir dankten es der außergewöhnlichen Beliebtheit unseres Wirtes, des prinzlichen Polizeichefs von Marand, und vor allem der mustergültigen Disziplin, durch die sich die Truppen Separ Rhiza Khans auszeichneten, wenn man mit uns eine Ausnahme machte. Wir durften Zeugen eines Ereignisses werden, das den meisten Fremden nicht zugänglich ist, wir nahmen Teil an der Offenbarung eines religiös-nationalen Gefühls, von dessen Stärke man sich in Europa keine Vorstellung machen kann. Auf jeden Fall saßen wir, so sicher wie mitten in einer europäischen Großstadt, auf dem Dach eines niedrigen Geschäftshauses und ließen das gewaltige Schauspiel, das brutal und aufregend war, aber auch in der Vehemenz feines Ausbruchs imponierte, an uns vorüberziehen. Die ganze Stabt war in Trauer gehüllt. Schwarze Tücher bedeckten die farbigen Geschäftsschilder und was sonst noch einer orientalischen Stadt von heute das bunte Gepräge gibt. Die wenigen Geschäfte, über die Marand verfügt, waren natürlich geschlossen. Soweit man sehen konnte, war kein Haus zu erblicken, das nicht mit großen schwarzen Fahnen die Anteilnahme seiner Bewohner am Schmerz der Allgemeinheit, des ganzen Volkes offenbarte. Nirgends aber fehlte die silberne Fatma- Hand, die man auch als die Schwurhand des Propheten deutet. Ihr ursprünglicher Sinn ist den Gläubigen heute nicht mehr bekannt: sie wurde jedenfalls als heiliges Zeichen bereits vor Jahrhunderten übernommen und wird seitdem heilig gehalten. Der größte Platz von Marand, auf dem sich sonst das bunte Gewimmel und farbige Treiben des täglichen Marktes entfalten, war gründlich gesäubert worden und bot einer nach Tausenden zählenden Volksmenge Raum zur Befriedigung ihrer Schaulust. Militär und Polizei hatten alle Hände voll zu tun, um unter den Zuschauern Ruhe und Ordnung aufrechzuerhalten, die ihre zitternde, erwartungsvolle Spannung kaum verbergen konnten. Endlich ertönte ein dumpfer Paukenschlag, auf den die Menge mit ebenso dumpfem Gemurmel antwortete. Es war das Zeichen des Beginns. Mit dem An- fchwellen des Paukenlärms wuchs auch die Unruhe des Volkes. Da plötzlich ertönten aus der dunklen Wölbung des auf den Markt mündenden Basars schmetternde Trompetenstöße. Mit diesem Signal verstummte jäh jeder andere Laut. Totenstille trat ein. Nun erschien unter ständigem Rufen und Singen eine Schar junger Burschen, in doppelter Reihe gegeneinander gerichtet. Sie hüpften nach dem Takt der Pauken immer drei Schritte vor und drei zurück, wobei sie mit den Stocken auf den Boden schlugen. Ihnen folgten die Paukenschläger und diesen wieder eine Reihe von Kettengeihlern, unter denen sich sogar Kinder und Greise befanden. Sie alle ließen die Geißeln unbarmherzig auf die nackten Rücken niedersausen, die sofort blaurot anliefen und bei weiteren Schlägen unter den spitzen Metallenden der Geißeln aufsprangen. Bald waren die Körper von dicken Blutbächen überströmt. Man konnte nicht Zeit finden, die Grausamkeiten des Schauspiels richtig zu empfinden, weil immer neue Gruppen vor- überzogen, und jede einen anderen, jammervollen Anblick bot Im Mittelpunkt standen die Schwertschläger, die Helden des Tages, mehr als hundert junge Leute in langen weißen Hemden, geführt von einer Schar von Priestern, gefolgt von Aerzten und Apothekern der Stabt und einer unübersehbaren Reihe heulender und schreiender Menschen. Sie schlugen sich im Takt der neben ihnen schreitenden Paukenschläger in wilder, fanatischer Wut mit kurzen scharfen Schwertern auf den frisch rasierten Schädel. Das Blut rann ihnen über Kopf und Sdjultern, in langen Streifen über die weißen Hemden. Unaufhörlich forderten die Paukenschläger immer wieder durch wilde Zurufe und Pauken- schläge zur Fortsetzung und Steigerung des tollen Treibens aus. Die Raserei begann sich bald der zu- schauenden Menge mitzuteilen, und schließlich wütete jeder einzelne in der Volksmenge mit Faustschlägen gegen sich, wie es die Schläger mit dem «Schwert taten. Einige schienen die Ekstase bis zum Wahnsinn gesteigert zu haben: sie achteten nicht mehr auf Takt und Zurufe, sondern hieben so schnell und unbarmherzig auf sich ein, daß Aerzte und Zuschauer dazwischenfahren mußten, um ihnen die Schwerter zu entreißen, was nicht immer ohne Gegenwehr der Wütenden abging. Andere brachen erschöpft ober ohnmächtig zusammen und mußten auf bereit» stehenden Wagen abtransportiert werden. Obwohl alle Aerzte des Ortes beschäftigt waren und unermüdlich Hilfe leisteten, erforderte die Zeremonie drei Todesopfer. Aber auch mit diesem furchtbaren Zug war das Programm noch nicht erschöpft. Immer neue Gruppen qualvoll leidender Menschen zogen vorüber, immer von neuem kündeten Stock- und Paukenschläge ein anderes Bild an. So waren in den wenigen Stunden, die wir auf dem Dach des Basars verbrachten, dreizehn Züge an uns vorübergegangen und hatten uns ein Schauspiel geboten, wie wir es in diesem Ausmaß wohl kein zweites Mal mehr sehen werden. So schwer es dem Europäer auch sein mag, diese Art von Kult zu verstehen, und so gern er geneigt ist, ihn als Verirrung eines fanatischen Volkes zu verwerfen, wird er doch (ein hartes Urteil mildern müssen, wenn er bedenkt, daß sich in diesem grauenvoll äußernden Schmerz eine tiefe Sehnsucht verbirgt. Sehnsucht nach einem fernen und unerreichbaren Ziel, nach der Erlangung einstiger Große, politischer und religiöser Macht. Wurde doch das einst hochstehende Kulturvolk der Perser von den kriegerischen Arabern bezwungen, und ihm die fremde Religion des Islam aufgenötigt. Der machtvolle Protest gegen die Vergewaltigung liegt in ber Verehrung bes ebenfalls um fein Schicksal betrogenen Helben Hussein und finbet niemals so starken Ausbruch wie am 10. Muharrem, dem höchsten Tage der tiefsten Trauer,___ k Tumen, Sport und Spiel. V. f. B. D. f. v. schlägt Hanau 93 2:1. Es war in finanzieller und sportlicher Hinsicht ein gewisses Wagnis, die Liga-Mannschaft des 1. Hanauer Fußball-Clubs 1893 nach hier zu verpflichten. Mm so erfreulicher ist es. feststellen zu können, daß es in jeder Beziehung ein voller Erfolg war. Der sportliche überraschte am meisten, denn selbst die größten Optimisten hatten nicht im entferntesten an einen Sieg der D.f.D.-Liga gedacht. Sn der Freitagsvorschau waren die gegen bekannte süddeutsche Vereine wie Mainz 05, Langen, V.f.R. Mannheim usw. erhielten Erfolge bzw. Resultate Hanaus aufgeführt und es war in Berücksichtigung dessen von einer unvermeidlichen Niederlage der B.f.B.er gesprochen worden, die jedoch alle Berechnungen über den Haufen warfen. Man soll die Bedeutung des Sieges nicht überschätzen, da es ja nur ein Gesellschaftsspiel toar; er ist insofern aber wertvoll, als er beweist, daß die Leistungskurve der Mannschaft weiterhin nach oben geht und die Elf durch derartige Spiele wieder ihr Selbstvertrauen zurückgewinnt. Shre Spielweise ist seit den verlorenen Meisterschaftsspielen gegen Ockershausen eine ganz andere geworden. Während sie damals verkrampft, unzusammenhängend und ideenarm war, zeigte schon das 1:2-Spicl gegen die „Gintracht"-Reserve, mehr aber noch das 2*J2 gegen „Sport"-Kassel hierin eine merkliche Besserung. Das Treffen gegen Hanau 93 hat gezeigt, daß sie auf dem besten Wege ist, ihre frühere Spielstarke wieder zu erlangen. Gewiß gibt es noch viel zu bemängeln, wie z. D. die verkehrte Taktik der im übrigen guten Außenläufer, die viel zu defensiv spielten. Allerdings wurden sie durch das zu weite Aufrücken des rechten Verteidigers gezwungen, hinten auszu- helfen. Sm Sturm klappte es diesmal wesentlich besser als früher, wenngleich cs ihm immer noch stark an der nötigen Schuhkraft fehlt. Sobald diese und noch einige andere nebensächliche Mängel behoben sind, braucht die Spielleitung es nicht mehr als ein Wagnis anzusehen, große Gegner hierher zu verpflichten. Sedenfalls muh man der Leistung der V.f.B.-Elf volle Anerkennung zollen, denn es gehört etwas dazu, einen guten Vertreter süddeutscher Dezirksliga, wie Hanau 93, einwandfrei zu schlagen. Daß es kein Zufallssieg war, beweist u. a. auch das Ecken- verhältnis. das 5:2 für den Gastgeber lautet«, dessen Spiel schneller und rationeller war. dabei aber durchaus nicht technischer Feinheiten entbehrte, nicht mehr und nicht weniger als das der Gäste, die lediglich im Zuspiel Besseres zeigten. Diese hätten das Spiel ebenfalls gewinnen können, verstanden aber nicht, die sich bietenden Chancen in Gestalt von zwei Elfmeter zu verwerten. Hanau trat in der in der Vorschau angekündigten Aufstellung, mit Ausnahme vom Tormann Sonnrein und dem Mittelstürmer Karl, die aber beide, besonders letzterer durch den bekannten, vom Fuhballsportverein Frankfurt zurückgekehrten Stürmer Krebs, gut ersetzt waren. Auch D.f.D. muhte für den Linksaußen Ersatz einstellen, der sich ebenfalls bewährte. Die auf- und abgehenden wechselseitigen Angriffe und die vielen prächtigen Kainpfbilder ergaben einen spannenden Spielverlauf, dec hie zahlreichen Zuschauer vollauf befriedigt haben dürfte. Zunächst wickelt sich das Spiel nur im । Mittelfeld ab. Hanau kommt gut durch, wird ' aber abgestoppt. Gießen vergibt eine sichere - Chance. Feldspiel. Erste Ecke HanauS, die aber nichts einbringt. D.f.D. ist etwas mehr in der Hälfte des Gegners als umgekehrt: auch die Gäste kommen mehrfach in den Strafraum Giehens. verlieren sich aber in Meberkombination. Obgleich Hanau durchaus nicht feldüberlegen ist, hält sich Giehens Läuferreihe zu viel hinten Die gefiederte Schlange. Vornan von Edgar Wallace. 20 Fortletzung Nachdruck verboten. 13. Das Arbeitszimmer von Mr. Gregory Beale war ein großer Raum im Erdgeschoß, dessen Wände mit Büchern bedeckt waren. Alle Teile der Wand außerhalb der Schränke waren bis zur Decke hinauf mit dunklem Eichenholz getäfelt. Dieser schön eingerichtete Roum war zu gleicher Zeit auch das Wohnzimmer des Gelehrten. Er hatte Daphne einen kleinen Raum angewiesen, der am Ende des ersten Treppenlaufes lag. Aber die ersten Tage brachte sie hauptsächlich in seiner Bibliothek zu, die in mancher Beziehung einen angenehmen Aufenthalt bot. Durch ein großes Schiebefenster hatte man Aussicht auf einen kleinen, gutgepflegten Garten. Das war etwas Meberraschendes in einer so belebten Gegend Londons, wo der Baugrund äußerst wertvoll war so daß man nirgends einen freien Platz finden konnte. Es war alles schon mit Häusern und Garagen bebaut. Der Garten war nicht groß, .aber er wurde von hohen, roten Ziegelmauern eingefaßt. Das Haus war ein Eckgrundstück, und eine 11m- fassungsmauer grenzte an die Straße. Bevor Mr. Deale das Gebäude gekauft hatte, wurde der kleine Zugang durch die Gartenmauer von Händlern und Lieferanten benützt, aber dieser Eingang wurde später aufgegeben und zugemauert. Auf die ernsten Vorstellungen der Polizei hin hatte er ganz gegen seinen Willen die Mauer oben mit zerbrochenem Glas und Scherben versehen lassen, um von dieser Seite aus gegen Einbrüche geschützt zu sein. Von der Glastür aus führten mehrere Stufen zu dem unregelmäßigen Steinpflaster, das die Dlumenbeete in zwei Hälften teilte: dort blühten noch späte, üppige Chrysanthemen, und Mr. Deale machte sich ein Vergnügen daraus, täglich eine halbe Stunde lang die Wege aus und ab zu gehen, ab und zu stehen zu bleiben und die schönen Dlumen zu bewundern. Manchmal zupfte er auch die verwelkten Dlätter ab, die sich von Tag zu Tag in immer größeren Mengen zeigten. Eigentümlicherweise duldete er keine Gardinen oder Vorhänge in seinem Hause. Auch die Sa- lousien an den Fenstern wurden nie herunter- gelassen, sobald er im Haus« war (er erzählte dies Daphne gleich am ersten Tag nach ihrem Eintritt). auf. Erster Eckball für Gießen, der abgewehrt wird. Einen placierten Schuß hält der Tormann Hanaus, der einige Zeit stark beschäftigt wird, gerade noch. Giehens Stürmer stehen abseits. Der Linksaußen der Platzmannschaft schießt aus vollem Lauf zum Führungstor ein, verpaßt kurz darauf aber eine weitere günstige Gelegenheit. Flüssiges Spiel, gute Ballbehandlung und präzise Kombination beiderseits: ein Spiel, wie man es lange nicht mehr gesehen hat. Handspiel im Strafraum Giehens. Der Elfmeter wird scharf und placiert geschossen, aber in feiner Manier gehalten. Hanau führt das bessere Zuspiel vor. Gießen zeigt sich schuhunsicher. Die Gäste liegen int Angriff: nach mehrmaliger Abwehr muh der am Doden liegende V.f.D.-Tormann den Dall passieren lassen. Hanau hat ausgeglichen. 1:1. Pause. — Die Einheimischen haben jetzt die Sonne im Rücken. CBom An st oh weg kommen sie vor das Tor der Gäfteelf, Halblinks köpft daneben. Gießen ist die angreifende Partei und klar im Vorteil. Einige sichere Sachen werden ausgelassen. Lediglich eine Ecke wird erzwungen. Der Gegner kommt auf und liegt seinerseits einige Zeit im Angriff, ohne aber einen zählbaren Erfolg buchen zu können. Kampf um den Ball im Mittelfeld. Wechselseitige Angriffe und beiderseits Torchancen, die aber, bei Gießen zweimal durch „Abseits", nicht verwertet werden können. Gin Mißverständnis zwischen zwei Gießenern bringt das V.f.B.-Tor in Gefahr. Auf der Gegenseite dritte Ecke für D.f.B. Hanau schießt beim Gegenangriff an die Latte. Die Gästeelf ist im Vorteil und vermag zu drücken. Sie läßt eine sichere Gelegenheit aus, indem ein wegen Hakens zugcsprochener Elfmeter an die Latte getreten wird. Rach kurzem Hin und Her wird der Ball aus Abseitsstellung eingeschossen. Das Tor kann natürlich nicht gewertet tverdcn. Gießen überrascht durch seinen Endspurt. Während der letzten zehn Minuten gibt es den Ton an. Ein zweites und damit das Siegestor (durch Halbrechts) sowie zwei Ecken sind der Erfolg des Endspurts. 2:1 lautete der Sieg der V.f.D.er über die sympathischen Gäste. Wenn die Platzmannschaft in den nächsten Spielen denselben Geist aufbringt und die gleichen Leistungen zeigt, wird sie diesem Erfolg weiter« anreihen. Die Ligareserve war beim Sportverein „Vik- toria"-Ridda zu Gast, dem sie das fällige Rückspiel lieferte. Auch hier glaubte man mit einer Niederlage rechnen zu müssen, wurde aber ebenfalls angenehm enttäuscht. Nach anfänglich gleichwertigem, später überlegenem Spiel, gewann sie gegen den spielstarken Gegner verdient mit 2:1. Die vierte Mannschaft gewann ihr letztes Dcr- bandsspiel gegen Steinbachs zweite trotz zahlen- mähigcr Unterlegenheit mit 2:0 und errang damit die Meisterschaft ihrer Gruppe. Das Spiel der A.H. kam wegen der Absage Heuchelheims nicht zum Austrag. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1. <£. Langen (süddeutsche Oberliga) gegen Gießen 1900 (Kreisliga) 4:2 (Halbzeit 1:1). ö. Die Gießener zogen sich in Langen besser aus der Asfärc, als man im voraus annahm. Bei besseren Leistungen des Torwarts hätte cs leicht zu einem knappen Sieg kommen können, denn er verschuldete in erster Linie die Niederlage. 1900 hatte vor dem Wechsel mehr vom Spiel. Die Mannschaft zeigte einen sehr schönen technischen Spielaufbau, konnte sich aber vor dem gegnerischen Tore nicht so recht mit dem hohen ungewohnten Sandboden abfinden. Dies war auch der Anlaß, daß die Gießener im Verlaufe der zweiten Spielhälfte merklich in ihren Kräften nachliehen. Der Sand hatte sie vorzeitig ermüden lassen. Der bestehende Klassenunterschied war im Spiel kaum wahrnehmbar, das Er sprach begeistert von den gesunden Wirkungen der Sonnenstrahlen und schwärmte sehr für frische Luft. Er konnte es sich auch gestatten, auf Gardinen und Fensterläden zu verzichten, denn von keine Seite aus konnte man in sein Arbeitszimmer schauen, und er war in dieser Hinsicht vollkommen unbehelligt. Er hatte aber auch noch andere kleine Liebhabereien. Keiner seiner Diener betrat jemals fein Zimmer, wenn er nicht nach ihm klingelte. Wenn cs notwendig war, verständigte sich der Hausmeister durch das Telephon mit ihm. Ein kleiner Apparat war in der Nähe der Bibliothekstür angebracht. Daphne wurde feierlich in all diese Gebräuche ein geweiht. „Nicht, daß ich etwas dagegen hätte, daß Sie zu mir kommen," sagte er lächelnd. „Sie sind wirtlich wie ein Sonnenstrahl, wenn Sie mir diese plumpe Schmeichelei verzeihen wollen. Aber ich habe einen großen Abscheu davor, bei der Arbeit unterbrochen zu werden. Deshalb habe ich meinen Raum auch mit Doppeltüren versehen lassen." Als sie an diesem Morgen zu ihm kam, traf sie ihn bei seinem Spaziergang im Garten. Er hielt ein Veilchen zwischen den Lippen und hatte die Hände auf dem Rücken zusammengelegt. Niemals rauchte oder trank er. Die erste Frage, die er an sie richtete, betraf zu ihrer Verwunderung Peter Dewin. Sie stand im Augenblick mit Peter nicht gut, was zwar absolut nicht notwendig war, wie sie sich selbst eingestand. Sie konnte sich aber nicht genug tun, ihn Mr. Beale gegenüber zu loben, denn Frauen sind in ihrem Eifer nun einmal so paradox. „Sa, ich bin auch davon überzeugt, daß er klug ist," sagte Gregory Beale belustigt. „Er ist ein sehr hübscher, junger Mann — ich verstehe nur wenig von der Presse und kann infolgedessen seine Begabung für seinen Beruf nicht beurteilen, selbst wenn ich mir Mühe gebe. Er ist wohl Shr Bräutigam?" Sie errötete tief bei dieser Frage. „Gott im Himmel, nein, Mr. Beale — ich kenne ihn erst seit etwas mehr als einer Woche!" Er schaute sie verschmitzt von der Seite an und las in ihrem geröteten Gesicht mehr, als sie ihm zu zeigen wünschte. „Man trifft Leute und hat sie auf den ersten Blick gern oder fühlt sich abgestoßen. Sch habe mit schon oft überlegt, daß unglückliche Ehen meistens durch eine lange Verlobungszeit verursacht werden. Die jungen Leute müssen sich zu sehr beherrschen und stets anders geben, als sie eigentlich sind — dann kommt mit der Ehe der Rückschlag. Shr alter Charakter bricht wieder durch, und das ist für sie keine angenehme Erfahrung." Eie fand es sonderbar, daß er Betrachtungen über die Ehe cmstellte, und muhte lachen. stellt den Dlauweihen erneut ein gutes Zeugnis aus. Man kann mit den Leistungen der Gießener Elf zur Zeit vollauf zufrieden sein. Der Mannschaft fehlt nur die Härte. Darin hätten sie vom Gastgeber Langen viel lernen können, der immer energischer am Ball war, allerdings auch weit mehr Regelwidrigkeiten verursachte. Die Gießener Angriffsreihe trieb zu viel Snnenspiel. Die beiden Flügelstürmer wurden sehr vernachlässigt, hatten jedoch auch beide keinen besonders guten Tag. Das Fehlen von Katz hatte eine Ilmstellung der Mannschaft bedingt. Der Mannschaftsaufstellung in Weidenau mit Adelberger im Snnen- sturrn muß man den Vorzug geben. Sie dürfte zur Zeit die beste Vertretung 1900s fein, lleber- ragend spielte Hohmann in der Verteidigung. Besonders gefallen konnte sein weiter befreiender Schlag. Zum Spielverlauf: Unter leichter Feldüberlegenheit der Gießener wogte der Kampf auf und ab. 1900 bietet sich die erste klare Torchance, wie es keine zweite im Spiel mehr gab. Der Halbrechte Z e i l e r hatte nach Umspielen mehrerer Gegner alles hinter sich gelassen und stand nur noch dem gegnerischen Hüter gegenüber. Das Mißgeschick lieh ihn aber den Ball, den er in die linke Ecke schieben wollte, dicht am Tor vorbei ins Aus lenken. Dann kam der Gastgeber Langen unverhofft bei einem Durchbruch durch Fernschuh zum Führungstreffer. Heilmann schaffte aber bald auf Vorlage von Adelberger den Ausgleich, und so wechselte man die Seiten, gerade als 1900 aussichtsreich im Angriff lag. Nach Wiederbeginn einige Zeit Feldspiel. Ein Freistoß führte zum erneuten Führungstreffer für Langen, da Sack im Gießener Tor zur Verwunderung aller den Ball durch die Beine gleiten ließ. Dann lief der Gießener Hüter nicht rechtzeitig heraus, und Langen führte 3:1. Durch Verwandeln eines Handelfmeters stellt Adelberger das Spiel auf 3:2. Drei Minuten vor Schluß bekommt auch Langen einen Elfmeter zugesprochen, der, obwohl schlecht placiert, ebenfalls im Gießener Netz landet, damit das Endresultat herstellend. Bei Schluß des Spieles wehrte der Langcner Torwart einen Prachtschuh des Gießener Rechtsaußen hervorragend zur Ecke, die im Schlußpfiff des Schiedsrichters endete. Beim Gastgeber spielten Torwart, Verteidiger, sowie Mittelstürmer und besonders Halblinks ausgezeichnet. Die Flügelstürmer schufen ständig gefährliche Situationen. Dem Spiel wohnten 5—600 Zuschauer bei. 1900s Ligareserve lieh sich von ihrem Gast, Weilburgs erster Elf, überraschend 4:1 (Halbzeit 2:1) schlagen. Der dritten Mannschaft gelang die Revanche gegen Bieber mit 8:2 Toren gründlich. 1900 lieh dabei noch zwei Elfmeter aus. Bei Halbzeit stand das Spiel 4:2. Spiele bet Jugend. Die 1. Sugend konnte das Rückspiel gegen die 1. Sagend des Sportklubs Lollar auf hiesigem Platz nach durchweg überlegenem Spiel mit 4:1 (Halbzeit 3:0) für sich buchen. Bereits in der 1. Halbzeit zeigte 1900, daß es technisch dem Gegner weit im Voraus war und dieser muhte sich bis auf gelegentliche Durchbruche ein Spiel in seiner Hälfte gefallen lassen. Des Gegners Torhüter muhte viel arbeiten, bis auf drei Tore meistert« er aber alle Bäll«. Der blau- weiße Sturm war vor dem Tore oft so zerfahren und so nervös, dah totsichere Sachen aus nächster Näh« darüber oder daneben geschossen wurden, zudem fehlte oft das nötig« Verständnis untereinander, wodurch sich die Spieler gegenseitig die schönsten -Chancen verdarben. Hier muh im Training noch viel gelernt werden. Sn der 2. Hälfte, namentlich als 'Gießen nur noch mit 10 Mann svielte, kam Lollar besser auf und erzielte nach schönem Durchspiel sein Ehrentor. Bei richtiger Stellung der Verteidigung und des Tormannes hätte dies Tor nermieöen werden können. Bald darauf standen 3 Lollarer vor dem leeren Tor, im Eifer wurde der DaN weit neben das Tor ins Aus getreten. Kurz vor Schluß erzielt 1900 sein 4. Tor, das vom rechten Läufer aus 25 Meter unter die Latte gesetzt wurde. Ein Schiedsrichter war nicht erschienen, so dah der Platzverein einen aktiven Spieler dazu bestimmte. Er hatte ein leichtes Amt. Die 2. Sagend weilte in Leun und konnte gegen ihren Gastgeber, die Sagend der Turngemeinde Leun, nach schönem Spiel einen 4:0-Sieg erringen. / Zechten im Turngau Hessen (O. T.) Ausscheidungsfechlen für die Allmannen-Klasfe. Gute Leistungen der Fechterinnen. - Bad-Naaheim, 6.Avril. Die Fechterschaft des Turngaues Hessen oeranftaltete unter Leitung von Gaufechtwart Kühn (Friedbergi heute in der Turnhalle des Turnvereins 1860 ihr Ausscheidungsfechten für die Altmannen- bzm. Alt-Fechterinnen- Klasse. Im Florett waren 18 Jungmannen an= getreten; zum erstenmal seit langen Jahren wurde wieder auf zwei Kampfbahnen gefdchk-n, was zur Folge hatte, daß sich die Stümpfe außerordentlich gut und reibungslos abwickelten. Die Schlußrunde, zu der 6 Fechter antreten konnten, stand auf recht beachtlicher Stufe. Sm Säbel blieb die Teilnehmerzahl hinter früheren Jahren zurück. Die Lei- ftungen zeigten aber ein Plus. Von den 8 Bewerbern tarnen 4 in die spannende Endrunde. Lebhaftem Interesse begegneten die Wettkämpfe der Fechterinnen, für die erstmalig ein Ausscheidungskampf im Gau Hessen stattfand. 15 Fechterinnen waren angetreten, von denen 8 in die Schlußrunde tarnen. Die Leistungen der Fechterinnen wurden von den lebhaft interessierten zahl- reichen Zuschauern sehr beifällig aufgenommen. Der Gesamteindruck des Fechtertags läßt sich dahin zu-- sammenfasfen, daß das Turnerfechten im Gau erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Aus der S i e g e r 11 ft c bringen wir jeweils die Teilnehmer der Endrunde und von den weiteren Siegern noch diejenigen aus Gießen. Fechter. Florett. Endrunde: 1. Sieg Hans Leonhardt, Tv. 1846 Gießen; 2. R. Maletzki, T. u. Spv. Butzbach; 3. Hans Kipp, T. u. Spv. Marburg; 4. W. Fink, T. u. Spv. Marburg; 5. Erich Rojahn, Tgm. Friedberg; 6. W. Chateau, T. u. Spv. Mar- bürg; weitere Sieger: 7. Hugo Baumann, Mtv. Gießen; 9. Karl Koch, Mtv. Gießen; 10. Kurt Enßlin, Tv. 1846 Gießen. Die ersten vier Sieger treten zur Altmannen-Klasse über. Säbel. Endrunde: 1. Kart Enßlin, Tv. 1846 Gießen; 2. Kurt Gissel, Tv. Wetzlar; 3. Richard Weber, Tv. 1846 Gießen; 4. Kurt Hovels, Tv. Wetzlar. Der 1. und 2. Sieger werden Altmannen. Fechterinnen. Florett. Endrunde: 1. Lotte Mohr, Tv. 1846 Gießen; 2. Lore Sirronlomb, Tv. Wetzlar; 3. Grete Lang, Mtv. Gießen; 4. Frau Kutscher, Tv. 1860 Bad-Nauheim; 5. Hilde Panse, Tv. Wetzlar; 6. Gretel Otto, Mtv. Gießen; 7. Betti Blum, Mtv. Gießen; 8. Liselotte Krick, Tv. 1860 Bad-Nauheim; weitere Siegerinnen: 10. Marie Kretschmar, Mtv. Gießen und Paula Hofmann, Mtv. Gießen. In die Klass« der Ast-Fechterinnen treten die ersten vier Siegerinnen über. Joustbott im T. V. 1846. Als Auftakt zur diesjährigen Spielzeit hatte die Spielleitung einige Vereine aus der näheren Llmgebung zu einem Faustballtreffen eingeladc-^ Einerseits find derartige Spiele die beste Vorbereitung für die im Mai beginnenden Ver- bandsspielc, anderseits soll damit für das immer sehr beliebte Turnspiel geworben und den neu beginnenden Vereinen Möglichkeit zum Weiterbilden gegeben werden. Außer den beiden Mannschaften des T v. 1 8 4 6 war der Bezirksmeister der A-ÄIaffe Lützellinden und die Mannschaften der Turnvereine Hochelheim und A l l e n d o r f (Lahn) erschienen. Der Spielstärke „Die Frage, ob Mr. Dewin and ich ans heiraten sollten, ist noch nicht aufgetaucht." Dann fügte sie ein wenig übermütig hinzu: „Sie sprechen, als ob Sie eine Aatorität auf diesem Gebiete wären, Mr. Beale." Er zuckte die Schaltern. „Der Himmel weih, dah ich das nicht bin," sagte er. Shr war, als ob ein Schatten von Llnmat auf seinem Gesicht tag. „Sch war früher einmal verheiratet — aber es war keine glückliche Zeit für mich." Selbst seit ihrer kurzen Bekanntschaft hatte sie herausgefunden, dah er ein Mann von umfassender Bildung war. Seine Kenntnisse erstreckten sich sogar auf das Gebiet der Hüttenchemie. Er besah eine wertvolle Sammlung von metallhaltigen Quarzen, und als sie den ersten Tag bei ihm war, zeigte er ihr ein Experiment. Sn einem Mörser zerstieß er einen Stein und schmolz mit Hilfe eines elektrischen Tiegels ein kleines Stückchen Silber daraus. Als sie seine Akten ordnete, fand sie ein halbvollendetes Manuskript eines Buches, das in seiner zierlichen, mikroskopisch kleinen Handschrift geschrieben war. Sie las eine Seite, um den Snhalt festzustellen. Es war eine Abhandlung über die Wirtschaftlichkeit kleinster Haushalte, und enthielt Tabellen über Löhne in ihrem Verhältnis zum Lebensunterhalt. Sehr erstaunt war sie, als er ihr Öen Auftrag gab, es zu verbrennen. „Sn den letzten Sahren sind alle dies« Prinzipien umgestohen worden. Zehn Sabre alt« Lehrsätze sind heutzutage meistens überholt." Mr. Deale war in der Archäologie Süd- und Mittelamerikas eine Autorität, obgleich er niemals eine Zeile darüber geschrieben hatte. Gr zeigte ihr Kopien wertvoller Handschriften, die teils in Maya, teils in Altspanisch geschrieben waren und von dem Aberglauben in dem Königreich Quiche handelten. „Hierin würden Sie eine Menge über gefieberte Schlangen finden," sagte er in guter Laune. „Lesen Sie Spanisch? — Das ist schade. Die Gesinnung der Menschen hat sich in den letzten vierhundert Sahren nicht wesentlich geändert. Die Menschen sind im Innersten ihres Herzens häufig noch Kinder, sie lieben kindliche Vergnügungen und Pomp. Di« komplizierten Zeremonien, di« bei den aztekischen Opfern eingehalten werden muhten, sind nicht verwickelter als die Aufnahmcgebräuche fast aller Geheimgesellschaften der Setztzeit, nur haben di« Götter ihre Namen geändert? Als sie diesen Morgen in der Bibliothek arbeitete, entdeckte sie, dah etwas Neues dort auf- geftellt worden war, was gerade nicht zur Verschönerung des Raumes beitrug. Sine alte, eichene Tür mit rostigen Angeln lehnte an der Wand, dem Fenster gegenüber. Daphne bemerkte, daß eine Seite mit Stahl oder E'sen beschlagen war, und er erzählte ihr, daß er sie draußen im Schuppen gefunden und hereingebracht habe. Früher diente sie einmal als Gartentür, jetzt war dieser Zugang aber jugemauert, und er wollte, wie er sagte, auf dieser verwitterten Oberfläche eine barbarische aztekische Zeichnung anbringen. Das war wieder so eine neue Laune von ihm. Die Zeit verrann schnell bei feiner interessanten Gesellschaft und ihrer neuartigen Tätigkeit. Als Mr. Beale auf seine Ähr sah, und sie fragte, ob sie denn die ganze Nacht hier arbeiten wolle, erkannte sie erst, daß der Tag schon wieder vor- über war. Peter lieh nichts von sich hören. Gr schickte weder einen Brief noch eine Botschaft, und auch zu Hause fand sie keine Nachricht von ihm vor. Ella Creed hatte in ihrem Dries nicht erwähnt, in welcher Kleidung sie kommen sollte, sie hatte sie nur zum Abendessen eingelaöen. Nun konnte es sein, oah sie allein mit ihr in ihrer Wohnung speiste ober in einem der Nachtklubs. Daphne überlegte unb wurde beiden Möglichkeiten gerecht, indem sie ein einfaches, schwarzes Abendkleid anzog und einen dunklen italienischen Seidenschal Umnahm. Dieser war einer der wenigen wertvollen Gegenstände, die sie von ihrer verstorbenen Mutter geerbt hatte. Es-toyr allerdings ein wenig geeigneter Umhang, tore sie bemerkte, als sie in den falten Wagen stieg. Der Nordwind blies rauh, unb ber Regen strömte vom Himmel herab. Sie war gerade nicht sehr begeifert, baß sls den Abend mit ber Schauspielerin verbringen sollte. Shre ^Begegnungen waren nür kurz und ziemlich gespannt verlaufen, denn CUa war eine Frau, die die ganze Menschheit in ktoei Klassen einteilte: in Abhängige und in ^fnab gängige. Daphne hatte bisher zu den ersterem gehört unb war auch so von ihr behandelt toprben. Aber jetzt hätte sie keinen großartigeren Gmpfang erwarten können, auch wenn sie elrye Königliche Hoheit gewesen wäre. Ein Portier' empfing sie unterwürfig unten an der Dühnenttzlr und brachte sie persönlich zu Miß Creed. Ella schloß sie buchstäblich in bife Arme. „Meine Liebe, wie liebenätoürjbig von Shnen, daß Sie gekommen sind! Geben (Sie Miß Olroyb den bequemen Sessel, Selfie. iSie haben doch nichts dagegen, wenn ich mich 'umziehe?... Sst dies Shr erster Besuch hinte r den Kulissen? Sch werde Shnen in einer Dhinute die Bühne und alles zeigen." Daphne war in ber Pause zwischen zwei Akten angekommen, berfelben Pause, die Peter Dewin in der vergangenen Nacht &u feinen Nachforschungen benützt hatte. - (Fortsetzung \ Xft einzelnen Mannschaften entsprechen- waren einige Spiele sehr knapp im Ausgang. während gei anderen die LLeberlegenheit der alten erfahrenen zu stark war. 2ün spannendsten war bas ghicl Lützellinden — ® l e 6 c n IL, daS mit unentschieden (30:30) endete. Gießen I konnte «rüye l linden mit 56:29 und die eigene 1 Mannschaft mit 40:31 schlagen. Auch Hochelheim hielt sich tapfer in den Spielen, bei Ällendorf aber tarn noch zu sehr der Heuling zum Vorschein, der aber hoffentlich dabei gelernt hat. Die Leitung im Faustball des Tv 1346 wird noch öfter derartige Spiele durchführen zur weiteren Förderung des Faustball- fpiels. Handball im T. D. Heuchelheim. Heuchelheim Jugend — Mio. Gießen Jugend 2:5. Heuchelheim I — Ti Metzlar II 5:0. Die Heuchelheimer Jugend hatte die gleiche vom Mio Gießen zu Gast. Die Gießener waren den deinen von Heuchelheim technisch und körperlich überlegen, was auch in obigem Resultat zum Ausdruck kommt. Danach spielle die erste Mannschaft gegen die zweite vom To. Wetzlar. Im Feldspiel war Wetzlar den heuchecheimern gleichwertig, nur fehlte es an der nötigen Schußfreudigkeit, während Heuchelheims Sturm immer wieder geschlossen vorging und in regelmäßigen Abständen fünf Tore erzielen konnte. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Beuern I — Wieseck I 2:6 (0:2). Diese beiden Mannschaften trafen sich zum fälligen Derbandsspiel in Beuern. In der ersten Halbzeit war das Spiel offen. Wieseck konnte zwei Erfolge erzielen, während Beuern die sichersten Torgelegenheiten verpaßte. Rach Halbzeit erzielte Beuern kurz hintereinander zwei Tore und damit den Ausgleich. Dann fiel Beuern stark ab, und Wieseck konnte noch viermal erfolgreich sein. Tv. Launsbach Jugend — Io. Aldach Jugend 1:4 (0:1). i Io. Launsbach I — Io. Albach I 5:6 (3:3). »lbachs Jugend siegte erwartungsgemäß. Launs- bad)5 Jugend war körperlich stark unterlegen und konnte Albach kaum gefährlich werden, verhinderte aber doch eine allzu hohe Niederlage. Das Spiel der ersten Mannschaften war äußerst spannend und fair. Eine Neuumstelluna Launsbachs hat sich nicht bewahrt. Kurz nach Anpfiff führte Launsbach mit zwei Toren, hierauf sandte Albach ein, woraus Launsbach mit 3:1 führte, vor Halbzeit war es aber Albach noch möglich, auszualeichen. Nach der Pause sand sich Albach besser zusammen und konnte noch viermal erfolgreich fein, Launsbach nur zweimal. Arbeiter-Turn- und Sporibund. Gießen I — Wetzlar l 7:0. Anläßlich eines Städtewettkamofes fand am vergangenen Sonntag im Wetzlarer Stadion ein Städte- wetkfpiel zwischen genannten Mannschaften statt. Während 'die Einheimischen mit ihrer kompletten Mannschaft antraten, hatten die Gäste ihre Mann- schüft durch einige Spieler von .Heuchelheim verstärkt. Gießen war von Spielbeginn ab den Einheimischen überlegen und führte durch fein technisch und taktisch schönes Spiel bereits bei Halbzeit mit 6:0 Toren. Nach Seitenwechsel war Wetzlar auf der Hut. Ganz besonders der kleine Torhüter zeigte jetzt gute Leistungen. Das Spiel wurde nun ausgeglichener. Gießen gelang cs nur noch ein Tor zu erzielen, während den Einheimischen jeder Erfolg versagt blieb. So fand das schöne und gut geleitete Spiel mit einem etwas hohen Resultat sein Ende. Frühjahrswalblaus. In Watzenborn trafen sich am Sonntag eine größere Anzahl Sportler und Sportlerinnen, um jid) an dem diesjährigen Frühjahrswaldlauf zu beteiligen. Der Lauf selbst mar als Trainingslauf gedacht und führte vom Ortsausgang über Feldwege an den höhen des Schiffenbergs entlang wieder zurück zum Ortsausgang. Nad)dem die Teilnehmer geschlossen vom Umkleidelokal zum Startplatz marschiert waren, fand zuerst etwas allgemeine Gymnastik statt. Nachdem der erste Startschuß gefallen war, sah man etwas über hundert Teilnehmer in prachtnollem Lauf den» nahen 'Walde zustreben. Nachdem auch die Sportlerinnen ihren Lauf beendet batten, fand als Abschluß der Veranstaltung ein Fußballpropagandaspiel zwischen Lollar I und wieseck Ib stall. Lollar hatte seine Mannschaft vollständig um* gestellt, wahrend Wieseck seine durch einige öpieler verstärkte Id-Mannschaft antreten ließ. Nach Anstoß bvroegmig Hai einen guten Aufschwung zu verzeichnen. Auch die finanzielle Seite ist zufriedenstellend. Die technische Entwicklung hat sich vollkommen der Umwälzung auf dem Gebiete der Leibesübungen angcpaßl. Auch die Jugendbewegung macht gute Fortschritte und zeigt eine stetige Entwicklung. Die Diskussion gab wertvolle Anregungen zur Bertie- f.ung der Arbeiter-Sportsache. Das neue Kreisstatut wurde fast bebattclos angenommen. Eine sehr rege Aussprache brachte die Bezirksneueinteilung. Nach langwieriger Debatte wurde bet Dorschlag bes Kreises angenommen, ber die Neugründung eines 8. Bezirkes und die Zuteilung von 12 Vereinen vom 2. zum 6. Bezirk bezweckte Das Referat des Bundes- Vertreters K o p p i s ch (Leipzig) schilderte die zeitgemäßen Tagesfragen innerhalb des Bundes-, der Redner fand lebhaften Beifall. Nachdem die Dahl der Bundestagsdelegierten getätigt war, wurde dar kommende Kreisfest in Darmstadt noch einmal ausführlich besprochen. Die überaus arbeitsreiche Tagung fand mit ber Wiederwahl bes seitherigen Vorstandes ihren Abschluß. entwickelte sich ein flottes Spiel. Während Lollar ein wuchtig und forsches Spiel vorlegte, sah man auf der Gegenseite nur wenig Gutes. Lollar gelang es auch nach kurzer Zeit in Führung zu gehen und in kurzer Zeit seine Töricht auf 3:0 zu erhöhen. Nun wachle auch Wieseck auf und lieferte ein technisch schönes Spiel. Das Tor Lollars war öfters gefährdet, doch wollte es dem guten Sturme Wiefecks nicht gelingen, dem Leder durch die oft reichliche Abwehr hindurch den Weg ins Netz zu zeigen. So blieb ihnen der verdiente Erfolg ver- tagt, und das sehr schöne Spiel fand mit obigem Resultat sein Ende. Ter Kreistag des 9. Kreises vom Arbeiter Turn- und Sportdund fand am vergangenen Sonntag in Frankfurt a. M. statt. Etwa 100 Delegierte aus dem ganzen Kreis- gebiet, darunter 11 Frauen, hatten sich eingefunben, um über bie Geschicke ber Entwickelung bes Kreises zu beraten. Die Geschäftsberichte lagen gebrückt vor und zeigten eine gute Entwicklung in der verflossenen Geschäftsperiode. Ganz besonders die Mitglieder- Wirischast. Vom Erzmarki. Bei den Siegerländer Gruben und denen des Lahn-Dillgebietes und Oberhessens blieb der Absatz weiterhin hinter der Förderung zurück. Die Gruben stürzten einen Teil der Forderung auf Lager. Die Lage auf dem Markt für ausländische Erze war nach wie vor ohne jede Bewegung. Selbst Angebote auf notleidende Ladungen, die zweifellos vorhanden sind, wurden kaum gemacht. Die Erz- lager sind durchweg nicht mehr aufnahmefähig, weshalb die Werke versuchen, ihren Erzbezug noch stärker als bisher zu drosseln. Die Erzverschiffungen von Narvik nach Deutschland betrugen im Februar 388 956 Tonnen. Von der rheinisch-westfälischen Hochofenindustrie wurden an Erzen und Schlacken eingeführt: über Rotter dam 910 923 Tonnen, über Emden 123 557 Tonnen, lieber Hannover-Hildesheim wurden im gleichen Zeitraum 2886 Tonnen Erz und Schlacken noch Dortmund verfrachtet. Auf dem Manganerzmarkt ist mit einer Belebung in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Hinhermorff in Gießen. 1 Der Auftrieb zum heutigen Rindviehmarkt betrug 1170 Stück Groß- und Jungvieh und 197 Kälber. Der handel mit guten Milchkühen war nachgebend. Sehr gesucht waren Mastvieh und Fahrtiere. Ausgesuchte Tiere brachten Preise über Notiz. Der Markt wurde geräumt. Es wurden bezahlt für Kühe 1. Qualität 600 bis 650 Mark das Stück, 2. Qualität 450 bis 550, 3. Qualität 250 bis 350; Schlachtkühe 150 bis 450 Mark; trächtige Rinder 350 bis 600; Rinder, Xjährig, 120 bis 220: Rinder, N—l^jährig, 200 bis 350; Kälber, das Pfund Lebendgewicht 60 bis 70 Pf. *Vrozeß Südwestdeutsche Bank — G e b r. Gutbrod G in. b. H. 3n dem Prozeß der Südwestdeutfchen Dank 21.-® , Frankfurt a.M. (Favagkonzern) gegen die Gebrüder Gutbrod G. m. b. H., Frankfurt a. M. fand am Wontag wieder Termin vor der Kammer für Handelssachen des Landgerichts Frankfurt a. M. statt. Bekanntlich bestreitet die Firma Gutbrod das Weiterbestehen der von der Südwestbank geltend gemachten Bürgschaft, die von der Heyl-2e- ringcr Farbenfabriken A.-G. Berlin, zugunsten der Firma Gutbrod geleistet worden war, und hat ihrerseits Schadenersatzklage g?gen die Sudwestbank angestrengt. Entgegen den Erwartungen tarn das Gericht noch nicht zur Entscheidung. Berkündigungstermin wurde auf den 26. April anberaumt. * Frankfurter Lank, Frankfurt a.M. Der Aussichtsrat beschloß in seiner Sitzung, der auf den 6. Mai einzuberufenden Generalversammlung eine Dividende von wieder 7 v. H. für 1929 vorzuschlagen. * Erneuerung des Stick st offshndi- k a t s. Die Verträge zur Erneuerung des Stickstoffsyndikats sind am Montag in Berlin unterzeichnet worden. Das neue Syndikat, das am l.Juli d. I. beginnt, ist für die Dauer von 7 Jahren in Aus- sich genommen; es kann jedoch am Ende des fünften Vertragsjahres gekündigt werden. In dem neuen Syndikat werden 98 o. H. der gesamten deutschen Stickstofferzeugung vereinigt sein. Der Verkauf aller stickstoffhaltigen Düngemittel im In- und Aus- lande ist grundsätzlich dem Syndikat vorbehalten, das gilt auch hinsichtlich der Stickstofferzeugnisse für technische Verwendungszwecke. • Neue Darlehensausschüttung der Bau- und Siedlungsgemeinschaft. Die Deutsche Bau- und Diedlungsgemeinschaft in Darmstadt hat soeben wieder 145 zinslose Baudarlehen im Gesamtbeträge von über 2 Millionen Reichsmark verteilt. Insgesamt sind nunmehr 1717 Darlehen mit einer Gesamtdarlehenssumme von 25 Millionen Mark vergeben. Durch die starke Steigerung an neuen Mitgliedern betragt die monatliche Einzahlung annähernd eine Million Mark. * Große Kasseler Straßenbahn AG. Kassel. Die G.-B., in der 2 940 000 Mk. Stamm- aktien und 2 152 600 Mk. Vorzugsaktien vertreten waren, genehmigte einstimmig den Abschluß und erteilte Vorstand und A.-A. Entlastung. Aus einem Reingewinn von 362 835 Mk. gelangt wieder eine Dividende von 4 Proz. auf die Stammaktien und von 7 Proz. auf die Vorzugsaktien 31fr Verteilung. Die auS dem A.-A. ausscheidenden Mitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 8. April. Tendenz behauptet. — Aachdem sich an der gestrigen Abendbörse eine stärkere Zurückhaltung bemerkbar gemacht hatte, war im heutigen Dormittagsverkehr auf die Verlängerung der Abmachungen des Stickstosfshndikates eine wesentlich freundlichere Stimmung zu erkennen, die sich jedoch bei Beginn des offiziellen Marktes nicht erhalten konnte, da auf der anderen Seite die Zurückhaltung des Publikums und des Auslandes, was durch den verringerten Ordercin- gang gekennzeichnet wurde, allgemein verstimmte. Die schwankende gestrige Aeuyorker Börse war ebenfalls nicht dazu angetan, zu einer Belebung des Geschäftes beizutragen, doch gaben die günstigen internationalen Geldmarktverhältnisse der Börse eine eher freundliche Grundstimmung. Hinsichtlich der innerpolitischen Lage war man geneigt, die Situation wieder etwas vorteilhafter zu beurteilen. Die Kulisse zeigte nur geringe Äeigung, Engagements vorzunehmen; man will vielmehr warten, bis die innerpolitische Situation eine vollständige Klärung erfahren hat. Einige Spezialaktien fanden jedoch auf etwas lebhaftere Nachfrage wieder die Möglichkeit zu einer festen Haltung. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Kursgestaltung nicht einheitlich. Mehr Interesse bestand weiter für Conti Gummi, die ein Prozent anziehen konnten. Am Elektromarkt kamen stärkere Abschlüsse kaum zustande. Siemens lagen gut behauptet. Am Ehemiemarkt traten Farben mit plus 1 Proz. etwas hervor. Holzverkohlung lagen dagegen an- geboten und 1,75 Proz. schwächer. Am Montanmarkt war die Tlmsahtätigkeit sehr bescheiden. Die Mehrzahl der Papiere dieses Marktes lag etwas schwächer. Lediglich Stahlverein traten mit einem geringfügigen Gewinn etwas hervor. Phönix eröffneten gut behauptet, Buderus lagen etwas gebessert, doch mutz hier der Dividendenabschlag berücksichtigt werden. Dauuntemehmun- gen lagen gedrückt. Schiffahrtswerte knapp gehalten. Mit plus 2 Proz. traten A.-G. für Verkehrswesen tn den Vorder gründ. Am Dankm- marft war Äeichsbank etwas fester. Am Kunstseidenmarkt lagen Aku vernachlässigt. Zellstoff- werte auf dem niedrigeren Viveau gehalten. Am Aentenmarkt war daS Geschäft lebhafter. Don deutschen Anleihen waren Veubesitz fester, Schutzgebiete etwas abgeschwächt. Don Ausländern traten Türken etwas hervor. Im Derlaufe traten überwiegend Abschläge bis zu 1,5 Proz. ein» Gut behauptet lagen bei einiger Nachfrage von eiten der Arbitrage Stahlverein. Zellstoff '20015* »of waren gegen Anfang etwa 4 Proz schwächer, doch war das Angebot nicht sonderlich groß. Auch an den Aentenmärkten ergaben sich Kursabschwächungen. Am Geldmarkt war TageSgeld mit 4 Proz. leichter Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1896, gegen Pfund 20.382, gegen Paris 124.22, London gegen Kabel 4.8645. gegen Mailand 92.79, gegen Madrid 38.80, gegen Holland 12.1090, gegen Schweiz 25.1075. Berliner Börse. Berlin, 8. April. Auch die heutige Bdrs« eröffnete in sehr ruhiger Haltung. Das Interesse des Auslandes und der Provinz hatte zwar im Vergleich zu gestern eher etwas zugenommen, die bei den Danken eingetroffenen Kausorders waren aber immer noch sehr klein und erstreckten sich nur auf einige Spezialgebiete. Die Spekulation schritt aber heute eher zu Rückkäufen, zumal sich die Auffassung über die innerpolitifche Situation nach der grundsätzlichen Einigung in der Agrarfrage in der gestrigen Kabinettssitzung gebessert hat. Schon vormittags war eine freundlichere Grund ft immung zu erkennen, und die ersten Dotierungen lagen im allgemeinen gut behauptet. Don wenigen Werten abgesehen, war die Umsahtätigkeit sehr gering. Etwa» lebhafteres Geschäft hatten weiterhin Berger (plus 3 Prozent), wobei die Meldung von einer zu erwartenden Opposition in bet Generalversammlung, und die eventuelle Forderung von dieser Seite auf eine höhere Dividende, anreg le. Ostwerke gewannen aus den bekannten Gründen weitere 3 Prozent; Ho selbe trieb lagen 2,5 Prozent höher; Farben plu« 1,25 Prozent, da die Einigung in ber Stick* ftosfindustrie für dieses Unternehmen günstig kommentiert wurde. Auch für Reichsbankanteile erhielt sich kleines Auslandinteressa. Schantungbahn setzten ihre Aufwärtsbewegung auf 72,60 Prozent fort, und E 0 nti Gummi notierten 185,25 Prozent. Zur Schwäche neigte dagegen der Elektromarkt. Schiff» fahrtswerte profitierten von den bereits gestern erwähnten Freigabehoffnungen und hatten relativ lebhaftes Geschäft. Deutsche Anleihen waren freundlich. Deubesihan» leihe zirka 30 Pfennig höher. Ausländer waren dagegen ruhiger. Aber Oesterreiche» waren etwas gebessert. Der Pfandbriefmarkt war geschäftslos. Der Geldmarkt war unverändert leicht. Tagesgeld 3,5 bis 5,5 Prozent, teilweise darunter, für erste Ausgaben angeblich 2,75 Prozent Brief; Monatsgeld 6 biS 7 Prozent; Warenwechsel zirka 4,90 Proz. Dach den ersten Kursen war cs zunächst^ sehr ruhig und kaum verändert. Die Kurse bröckelten später auf Grund bet Geschäftsstille allgemein etwas ab. Die Hauptspekulationspapiere verloren bis zu 2 Prozent. Salzdetfurth und B e m b e t g gingen um 2,5 Prozent zurück. Auch Polyphon lagen zirka 2,75 Prozent niedriger. Wa 1 dh 0 s verloren nach einer widerstandsfähigen Eröffnung 3,25 Prozent. Herabgestimmte Dividendenhoffnungen drückten den Kurs von Rütgerswerke auf 76 Prozent, nach 79 gestern Schluß. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) warum stels Briefltägerroedjfel? Nach einer Gepflogenheit der Postverwaltung wechseln in Gießen die Briefträger ihre Reviere in so kurzen Zeitabständen, daß es ihnen unmöglich ist, den Bedürfnissen der Anwohner Rechnung zu tragen. Die gar nicht zu vermeidende Folge dieses Systems ist: häufiges Verwechseln bei ähnlich lautenden Namen, ja selbst irrtümliche Zustellung, wenn kein solcher Grund vorliegt. Ebenso unausbleiblich ist die Verzögerung der Zustellung, da ber Bote im fremden Bezirk naturgemäß längere Zeit zur Orientierung braucht. Welche Gründe bestehen bei der Reichspost für die Durchführung des Wechselsystems, und sind sie so stichhaltig, daß eine Aenderung unmöglich märe? Ein mehrfach Betroffener. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben bie Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 0. Sy, Lombardzinsfuß 6 v. H. Iranffurt a. JOT. »trlln Jranffurl a. 271. Strlin Schluß- hird i-Uhr. Äurrf «Schluß. Iur4 Ansan». flur# uß»i für« 1 l«Uyr» n-r 4 Eckluß», Anfang» hir< | .nur# Datum 74 8 4 7 4 8. 4 Datum 7.4. 8 4 7.4 | 8. 4- 6% $euti»e «etdi-Himcüie Oamdurg-itlmerika Pal« ... 7 Hamburg-Südam. Dampfschiss. 8 109,25 109 108.9 109.5 von 1927 ... 87 — 87,1 — — 169 —— 7% tcutfdic 'Jkkii’anltifc Hansa Tompssckisi.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 — — 161 —— von ISLS ... 99,8 — 100 —• 109,4 109 109 109,4 tcuHta anl..2ü>Lj|.-£d)un> wir Allgemeine TeulschcCrrditanü. 10 117,75 —- 117.75 117,75 Ausiol.-Reckicn - ■ • 55.4 — 55,5 55,6 Barmer Bankverein 10 134.5 134.5 133,75 £r-56L ohne Äuik'l.-Kedite . . - 11,25 11,35 11.13 11,4 Berliner Handelsgesellschaft . 12 177 177,25 177 6% Oefi. Solkistaa« von 1929 «rütfiahlb. 102%) - . Commerz, und Privai-Bank . 11 162 162 162 162 — — — —— Darmstädter und SRartonalbcnl 12 240,75 — 240.75 241,5 Cbert>eh"cn Provinz. Anleide mb Deukicke Bank und 151 151,25 Sluelol.-Reckicri 51 — — — Tirconto-ÄescUschast, ... 10 151 Seutfdv Komm. SammclahL Dresdner Bank ...... 10 155.25 154.75 155.25 155,5 An leche Serie 1 • ■ 8% grany. Hvp.-Bant Soldvle. 54 — 53,5 — Reick-: dank........ü 294 174,5 294,25 293,5 174,25 294,75 174,75 XIII unkündbar bis 1934 7% Franks Hoo.-Bant Soldvie — fl Q ®...... .... 8 ■■ Bergmann.........6 — 202,5 unkündbar bis 1932 90 — — —— Eielrr. Liesenm grgelellschast. 10 — — 173,25 172 V,2% Rbeinijche Hyv.-Bauk Simi. (Loldvfe. Lichk und ffra’t .....10 179 — 178.25 178,25 84,5 — — — Helle» S Guilleaume Gesellschaft für Eleknilcke 132,5 132 185,75 131,6 184,5 6% Pr. L'anbrtDfcnbbricfanRalt, Psgndbriese 31. 17 97,5 — 97,5 — Unlernehmungea .... 10 Hamburger EleklrtzilLiL-Werke 10 186 — Pr Lanvewlanddriesanüall, — — 139,5 — rromm.-Ldl.R- 16 95 — 95 — Sihemische ©eftTMttät .... 9 150 148.5 150 143,25 7% Pr. 2an6e»pfan)6ricfar1flflU, Ccklesiscke Elektrizitäl. ... 10 — 193.25 175 194 Psandbrieie St. 10 89,5 — 89,5 —— Sckuckeri & (So. ..... . 11 194 263.5 194 Sl.ir.G abg. PorkriesS-LbUsatt» Siemen- & Halsko ..... IC 763,5 — 263,75 263,25 ncn. riutiablbai 1932 ... 93 — — Tranrradio . . ....... k — — Labmever S To...... . IC 173 — 173 4% Cefterret»n»e »oldrentr . . 4,20% CcfteneWIdx Eilberrmu, 28,13 — 28,25 28.75 Buderus..... • • • • 6 81.5 77,5 81.75 76,4 — — 4 4 4,3 Deutsche ErdLI . .••••• 6 — 105,4 106 Cefteneichtldif Etudestltcke Essener Sieintahle ...... 6 — — — — Ä’entr 2,7 2,7 — Sel!enkircher.er . ..... L -43,5 143 143,5 143,75 4% Uugarstcke Soldrente .... 25-25 — 25,25 — Harpener. • . ...... - 0 131.5 —- 131,75 126,5 4% Ungraiftfie Gtaatstcnte v. 1910 21,65 — —- 22,9 — — 115,75 —— 4Vx% veSgl. von 1913 — — 22.5 — — 231,5 231 4% Ungarische Sroneneenre 2,575 — 2.6 2,6 flödneraerte . ...... 7 107 — 107,75 4% Türkische ZoUcEche von 1911 7,9 7,95 7,9 — Köln-Reueiien . ...... 7 — — 113,25 112,75 4% Jürtüdx B-gdodbabn-Anl. iBemne»mann«9i3trree • • • • 7 111-75 110,9 111,25 111 Lene 1 7,9 — 7,9 — ManSIrlder Bergbau.....7 Lbericklri. Etjenbedarf .... 5 109,5 — 109.25 108,75 4% deegl. Serie 11 7,9 7,85 7,85 7,9 - — 75.5 75 5% fiur.toiictif vereind. Ren« edericklei. Svk-werke.....' — — 111 111,25 von 1903 10,1 — 10 — PHSuir Bergbau . . • • 6% 105 105 105.5 105.5 iy.% Rumänische vereinü- Ren« Rheinische Braunkohls! . . 10 238 — 238 238.5 von 1913 ■ - 4% Äumänfl* verewL. Statt« . 16,65 — 16,5 — Rheinsiah! ...... • 6 119 — 120,13 119,9 8,45 i — 8,55 — Äteted ............... — — — - Sranfhirt a. M. JJtriin Schluß-i kur« | Irichr» flur# Schluß« fürs Ansang- flurt Datum 7-4. | 8 4- 7 4. 8. 4 Äererntare Etablwerle..... Olavi Minen......16’/, 101 , — 101,6 100,75 61 101 60,9 Kaliwerke MckerSiebeu ... 10 218; — 218,5 — Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke GaUdetnrrL ... 15 221 — 220,75 — 373 374 373,5 1.0. Karben-Industri« ... 12 176 176,5 1761 177,25 Tvnamst Nobel ....... 6 - — 84 84,75 Eckeideanstalt....... .9 155,25 — — — Koldlckmid» ..#••••• 6 73.5 — 73 — Rütgerswerke ...#••••« 79 78,75 79 78,9 MeiallgeielllckaN.......S 110,5 110 110,5 — Pdilwv tzolzmann......7 108 _ 108 — Zementwerk Heidelberg . . 10 (Sementw er! Karlstadt. ... 10 132,4 132,5 — — 144 •— Waob & Frevrag......8 93 92,13 92 — Gdiultbet» Patzcrchoter ... 15 — — 301 301,75 Cfonede.........Vz — — 251,5 254.5 2Hu ..........v- 114 113,25 114,25 114,75 Bem berg.........14 152 — 154 154,5 Zellsiotf Baldhos .... 13V. 135,5 195 196 196,25 ReOTtofl WckasfenLurg ... 12 Lbacianenburger Last« ... 8 152,5 — 150.25 106 106,25 Dessauer ...........6 — - 174,75 175 Daimler Motoren ...... O 42,75 — 42,65 42,5 Deutsche Linoleum...... 254,5 — 255 255 Maschinenbau 9LA3. . • • • . O — — 50,5 50,5 91oi. Suromobil ..•••• O — Lrenilein & ftoppd . .... 6 — — 81 81.25 Leon bard lies ..•••• 10 — 158 158 StieniTo ..... • • • • — 357 357 Rranffurtet Stach«« . • • . 4 — — 35,5 - 41 — 40,5 —- 39 _ 38 1 —— Leckwertr..........8 107 [ — —— Mamkrawverke HSchst ».W.. . 8 — • Wag ...... 10 132 — 132 l 132,25 Sebr. .............10 102 — — — Sorgt 6 Haeffuer ...... s Lüddemsche Lucka . . • • M 218 161 — 218 159,75 1 “ Banknoten. Berlin, 7. April Geld Aries runerrtarmche Jlotca ..... Belgische Noten. ....... Tanrickc Noten........ Englische Noten ...... Französische Noten ...... Holländische Noten ...... Italienische dtoten...... Norwegische Noten...... Deutsch-l2«sterr.all» Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schwei^r Note» ....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . • Ungarische Noten..... . Devisenmarkt Berlin 4,173 58,35 111,80 20,316 16,395 167,68 22,06 111,78 58,79 2,47 112,20 80,99 52.59 12,355 72,85 — Jrantfur 4,193 58,59 112,24 20,396 16,455 168,36 22,14 112,22 59,03 2,49 112,64 81,31 52,81 12,415 73,15 a.M. 1 7. April 8«oril Amtliche Notierung Geld Äriei Bauliche Datierung Selb | Aries «mst-. Nott. Loen-Aire» Brg.-Äntw. LhrMania. Lopendageu Stockholm . HelstnasorS. Italien. . . London... 'Nem)ort .. Paris.... Schwei- •. Spanien . . Japan . . - •Hto de Ian. DtentoD^ CriL abßeft &•:: Bndapeft. . Önin arten . Lissabon . . a* Ltben. . . Canada . . Lim nm). . Tatra . . . 168,00 1,650 58,395 112,03 112,08 112,48 10,525 21,945 20,355 4,185 16,375 81,105 52,45 2,068 0,941 58,975 12,349 7,400 73,08 3,034 18,78 81,39 1,785 5,43 4,182 3,366 20,84 168,34 1,654 58,515 112,25 112,30 112,70 10.345 21,985 20,395 4,193 16,415 81,265 52,55 2,072 0,493 59,095 12,414 7,414 73,22 3,040 18,82 81,55 1,789 5,44 4,190 3,874 20,91 168,09 1,641 ^.595 112,03 112,08 112,47 10,525 21,935 20,355 4,185 16,38 81,10 52,50 2,068 0,491 58,975 12,394 7,401 73,07 3,034 18,70 81,39 1,784 5,425 4,182 3,866 20,88 168,43 1,645 58,515 112,25 112,30 112,69 10,545 21,975 20.395 4,193 16,42 81,26 52,60 2,072 0,493 59,095 12,414 7,415 73,21 3,040 18,79 81,55 1,788 5,435 4,190 3,874 20,92 Wfcnrth ^7L|iO S^ ">L> ^Üt btt I September Oltober: Seit.: Die An bie An jet) ab unb gc nungssahr nahmt wo Fehlbe Gießer $etr.: 3?n hing Sie nac allgemeinen Gießen, Z-altU *■■■ N An die Nach öcr N ®ni Art. 188 de fiafc Unkt Wn denkt < ®i« L>« sÄr* M «Ä »v°b! *tu. fr. deinen *nit eL^ifb S'Wtb!« sL *'4t frn **•fett1 .toi*'' geteilt 8 Wir chi. machuig 3t ersoA . 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