Nr. 234 Erstes Blatt 180. Zahrgang Dienstag, 7. Oktober 1930 Ericheint täglich,antzet 5(mittags und feiertags Beilagen; Die Illustrierte Siehenet Familienblätter Heimat tm Bild Die Scholle Olnnots-Bejugsptets. 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Trägerlohn, auch bei Richter« Beinen einzelnerRummern folge höherer Gewalt. Hernforechanfchlüfse anterSammelnummer2251 Hn|d)rift für Drahtnach« richten Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: vrühl'sche Universtläls-Vuch- und Stetnöruderei R. Lange tn Sieben. Sdfriftktttmg und Geschäftsstelle: Zchulstraße 1. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20", mehr. Chefredakteur: Dr. Frredr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, fämUich in (Biegen. Die Lusischiffkatastrophe von Beauvais. Die Lleberführung der Opfer. Gemeinsame Beisetzung in Cardington auf Staatskosten. PartS, 6.Oft. (Sil.) Nachdem die Bergung der Leichen bei Beauvais vorüber ist, geht man nunmehr daran, die ilrsache der Katastrophe des „R. 101“ festzustellen, über die man sich bisher noch keineswegs im klaren ist, Beauvais glich am Montag einem Brennpunkt beS iniernaliona'm Drrk-brs. Englische Iour- Der oritifchr Luftfahrtminister Lord I h o m | o n, der bei der Katastrophe den Tod sand. nalisten und zahlreiche Angehörige der Opfer sind im Laufe des Tages eingetroffen. Die englischen amtlichen Persönlichkeiten haben sich in Gemeinschaft mit den französischen Fachleuten in den frühen Morgenstunden des Montags an die ilnglücks stelle begeben, wo ein starkes Gendarmerieaufgebot Neugierige abhält. Jeder Teil des Schiffsskelettes und die zertrümmerten Moior- gondeln werden aus das sorgfältigste untersucht. Die Vernehmung der Geretteten, vor allem des Ingenieurs Leech, wird wesentlich zur Aufklärung beitragen. Der gemischte englisch- französische Untersuchungsausschuß, der unter der Führung des englischen Kommandanten Holt steht, wird sich mit der Identifizierung der Leichen, ilntersuchung des Luftschiffes und Vernehmung der Geretteten befassen. Im Laufe des Vormittags setzte ein heftiger Sturm ein, durch den die Trümmer des Luftschiffes durcheinandergeworfen wurden. Die englischen Sachverständigen prüfen zur Zeit besonders d i e ileberreste der Steuervorrichtung. Bei den Nachforschungsarbeiten wurde ein Chronometer vorgefunden, das um 2.10 ilhr st ehengeblieben war. Die 47 bisher aufgefundenen Leichen sind heute vormittag aus den einfachen Holzsärgen, in denen sie bisher aufgebahrt waren, in schwere Eichensärge umgebettet worden und werden im Laufe des Nachmittags i n d a s N a t- haus von Beauvais übergeführt werden. Die Beisetzungsseierlichkeiten werden am morgigen Dienstag in Anwesenheit des französischen Luftfahrtministers Laurent Eynac i n der Kathedrale von Beauvais stattfinden. Nach der Feier werden die Särge durch ein Spalier von Truppen der Garnisonen Beauvais, Compiegne und Senlis mit militari- schenEhren bis zum Bahnhof geführt und dort aufgebahrt werden. Um 11 ilgr werden sie mit einem Sonderzuge nach Boulogne weiterbefördert werden. Nach Ankunft des Zuges in Boulogne um 16 Uhr werden die Särge an Bord von zwei englischen Torpedobootszerstörern übergeführt und nach England gebracht. Um den Hinterbliebenen der Verunglückten den Anblick der unkenntlichen Leichen zu ersparen, sind alle Kleiderreste, Gebrauchsgegenstände usw., die bei den Toten gefunden wurden, in numerierten Kästen gesammelt worden, von denen je einer zu jedem Sarg gehört. Diese Arbeit wurde von drei britischen Fliegeroffizieren besorgt. Die Angehörigen haben auf diese Weise Gelegenheit, auf Grund der gefundenen Gegenstände die Toten zu erkennen. An die Angehörigen ist jedoch ein Schreiben gerichtet worden, in dein unter der Begründung, daß es nahezu unmöglich ist, die Mehrzahl der Opfer zu identifizieren, vorgeschlagen wird, alle sterblichen Ueberreste gemeinsam zu bestatten, um ein einheitliches Gedächtnismal an ihrer letzten Ruhestätte, wahrscheinlich in Cardington oder in einer Nachbarstadt, zu errichten. Die Bestattungsfeierlichkeiten sollen auf Staatskosten erfolgen. In der St. Pauls-Kathedrale in London wird ein Gedächtnisgottesdienst zelebriert werden. Für undwider denLustschiffbau Lebhafter Meinungsstreit in der englischen Presse. London, 6. Olt. (SU.) In Uebereinstim» mung mit den Beschlüssen des Lustsahrtaus- schusfes fordert die gesamte Londoner Presse eine genaue Untersuchung des Unglücks des „R 101". Die „Daily Mail" bringt die frühere Aeuherung eines Marinebaumeisters ng- mens Spanner, der bereits im September 1927 zu dem endgültigen Schluß gekommen war, daß in der Konstruktion des Luftschiffes gewisse grundsätzliche Fehler vorhanden seien. Das Luftschiff könne nach seiner Ansicht den Luftdruck unter gewissen Luftverhältnissen nicht aushalten. Damals habe er schon vorausgesagt, daß unter diesen Bedingungen mindestens 40 Menschen ihr Leben einbühen mühten. Obwohl Sir Samuel Hoare, der frühere konservative Luftsahrtminister, davor warnt, die alten Auseinandersetzungen über die Sicherheit und die praktische Verwendbarkeit von Luftschiffen nicht wieder aufzurollen, nimmt die englische Presse die alten Auseinandersetzungen für und gegen das Luftschiff wieder voll auf. Die „Morningpost", „Daily Mail", „News Chroniele" und andere Blätter warnen ernstlich vor einer Fortsetzung des Luftschiffbaues. Die „Simes" ist dagegen der Auffassung, dah das Schicksal des „R 101" die Entwicklung im allgemeinen nicht verzögern dürfe, denn wenn einem Syp eines Luftschiffes ein Unglück zustohe, so sei damit noch^ nicht gesagt, dah dasselbe Schicksal auch anderen Sypen zustohen müsse. Die Gegner des Luft- schiffes, unter ihnen der Abgeordnete Kenn- w o r t h y , sehen sich bereits dafür ein, die gesamten verfügbaren Mittel lediglich fürden Bau von Flugzeugen und besonders von Wasserflugzeugen zu verwenden. Funkbild von der Unglücksstätte: Abtransport der Toten durch französisches Militär. Eckeners Ansicht über die ü fachen derkatastrophe Friedrichshafen, 6.Oft. Dr. Eckener äußerte sich in einer längeren Erklärung über die Katastrophe des „R. 101": Ich vermag, führte Dr. Eckener aus, mich nur mit gewissen Vorbehalten zu äußern auf Grund der etwas widerspruchsvollen, nicht ganz geklärten Meldungen, die bis jetzt vorliegen. Es dürfte als sicher anzunehmen sein, daß das Luftschiff sehr niedrig flog, im allgemeinen in einer Höhe von 100 bis 200 Meter über dem Boden. Die Schiffsleitung sah sich dazu ohne Zweifel durch eine sehr niedrige Wolkendecke veranlaßt, wie sie durch die vorhandene Wetterlage gegeben war, und auch um die Orientierung nicht zu verlieren und den Weg ins Rhünetal sicher zu finden, durch das die Fahrt in das Mittelmecr wohl allein durchzuführen war. Es ist weiter , mit großer Bestimmtheit anzunehmen, dah das Wetter um die Zeit des Unglücks auherordentlich böig war. Das Luftschiff hatte eine Böenfront zu passieren, die von Italien her über dem nördlichen Frankreich im Dorrückcn war. Das Luftschiff war zur Zeit des Unglücks schwer, vielleicht recht schwer, denn das Luftschiff dürfte Pralls oder nahezu prall aufgestiegen sein, um genügend Betriebsmittel für die lange Neise milzunehmen. Beim Aufsteigen zu der geeigneten Fahrthöhe hat es deshalb Gas abgeblasen und ist dabei schwer geworden. Man darf die so entstandene U e b e r l a st unter der Voraussetzung, dah das Luftschiff eine wahrscheinliche Flughöhe von 400 bis 500 Meter hatte, bei der Gröhe des Schiffes auf sechs bis acht Tonnen veranschlagen. Hierzu kam dann noch bei den gegebenen Wetterverhältnissen ohne Zweifel eine sehr starke Regenbelastung, die leicht auch drei bis vier Tonnen ausgemacht haben könnte. Mithin hatte das Luftschiff, das durch den Oel- oerbrauch während der sechsstündigen Fahrt schähungswelfe nur um 2 bis 2,5 Tonnen entlastet war, eine Gesamtüberlast von sieben bis acht Tonnen, soweit diese nicht durch Abgabe von Wassecballast reduziert werden konnte. Nun ist es klar, daß ein schweres Luftschiff, wenn es in dem sehr böigen Wetter durch eine Fallbö heruntergedrückt wird, nur mit großen Schwierigkeiten wieder hochgebracht werden kann. Fuhr das Luftschiff sehr niedrig, so war die Gefahr natürlich besonders groß, und so konnte allzu leicht einAufrennen gegen ben Boden erfolgen, wenn unglücklicherweise ein Hügel oder eine größere Bodenerhebung vor dem Bug des Das ausgebrannte Gerippe an der Unglücksstätte bei Beauvais. (Photo New Aork Times.) V ji Luftschiffes unvermutet in dem unsichtigen Wetter austauchte. Daß bei dem Anprall auf dem Boden und der dabei naturgemäß austretenden starken Zerstörung des metallischen Luftschiffkörpers eine Entzündung des Gases und der Betriebsmittel erfolgte, war von vornherein wahrscheinlich, denn es entstehen, wie man aus vielen Flugzeugunfällen weiß, bei einer Zerstörung des Metall- gerippes fast immer Funken, an denen sich Gas ober ausströmenbes Benzin sofort entzünbet. Aber biese Wirkung bes Aufpralles ist fefunbär unb nicht letzte Ursache. Die Katastrophe wäre aber in ihrem Umfange nicht so fürchterlich geworden, wenn das Luftschiff an Stelle von wasserstofsgas mit Helium gefüllt gewesen wäre. Bekanntlich hak deshalb der Luftschiffbau immer die Ansicht vertreten, daß man es erreichen müsse, zur Füllung von Passagierluftschiffen Helium anstatt Wasserstoff verwenden zu können. Es ist auherordentlich lobenswert, wenn die amerikanische Regierung in diesem schicksalsschweren Augenblick bekanntgibt, dah sie für die Handelsluftschiffahrt Helium zur Verfügung stellen will, das in Amerika in ausreichenden, Maße vorhanden ist. Der Luftschiffbau Zeppelin wird sich in der weiteren Verfolgung seiner Pläne durch die beklagenswerte Katastrophe des englischen Luftschiffes nicht beirren lassen, in der Erwägung, daß auch die Seeschiffahrt sich nicht crufgibt, weil einmal ein Dampfer an der Küste auf einem Riff scheiterte. Die bisherigen Fahrten des »Graf Zeppelin", die zum Seil unter sehr schwierigen Wetterverhältnissen durchgeführt wurden (gerade in der Unglücksnacht machte der „Graf Zeppelin" eine Landungsfahrt nach Leipzig und Görlitz und zurück), dürften zu Genüge gezeigt haben, daß auch ein ßuftfdjiff den widrigsten Wetterverhältnissen gewachsen ist. Es kann nur die Aufgabe sein, die Schiffe weiter zu entwickeln, immer sicherer zu bauen unb zu führen, wozu die künftige Verwendung von Helium als Füllgas ein sehr bedeutender Fortschritt ist. Amerika hebt das Helium- ausfuhrverbot auf. Keine Aenderung des amerikanischen Luftschiffbau-Programms. R e u y o r k, 6. Ott (SK.) Die Behörden äußern sich über die Luftschiffkatastrophe sehr zurückhaltend, betonen aber nachdrücklichst, daß au dem Luftschiffbau-Programm fest gehalten werde, da sie nach wie vor von der Brauchbarkeit der Zeppelin-Luftschiffe überzeugt seien. Admiral M o f f e 11, der Leiter des Aeronautischen Bureaus, empfiehlt die Aufhebung des Helium-Ausfuhrverbots zugunsten der englischen und deutschen Luftschiffahrt, um so mehr, als neue Quellen des unverbrennbar en Gases gefunden worden seien, wodurch der Eigenbedarf überreichlich gedeckt sei. Hiesige Sachverständige neigen mehr und mehr der Ansicht zu, dah ein verhängnisvoller Baufehler die Lieberbelastung des Luftschiffes und die unzulängliche Motorenstärke das Llnglück des „R101" verschuldet hätten. Sie verweisen auf das Beispiel des „Graf Zeppeli n", der den furchtbaren Mistral über Südfrankreich siegreich Überstanden habe, obwohl das Luftschiff nur mit zwei Motoren arbeitete. Auch während feiner zahlreichen Ozeanflüge habe „Graf Zeppelin" mit schwersten Regen stürmen zu kämpfen gehabt. Die Katastrophe dcS „R 101“ hätte wohl nie das furchtbare Ausmaß erreicht, wenn das Luftschiff mit Helium, anstatt des Wasserstoffgases gefüllt gewesen wäre. Nie Flugzeugkatastrophe bei Dresden. LämtÜche Insassen getötet. Dresden, 6.Oft. (WTV. Funkspruch.) wie In einem Teil der gestrigen Ausgabe bereits kurz gemeldet, ist das Flugzeug B 1930 auf dem Fluge Berlin—Wien am rNontagvormittag über einem Reichswehrschiehftand in der Dresdener Heide ab- geftürzt, sämtliche 8 Insassen konnten nur als Leichen geborgen werden. Das Flugzeug hatte um 9.15 Uhr bereits zur Landung angeseht, als es plötzlich ins Schwanken geriet. Gleich darauf gelang es dem Piloten, das Flugzeug wieder in die normale Lage zu bekommen. Unmittelbar darauf erfolgte der Absturz. Aus den Aussagen der wenigen Augenzeugen, die das Flugzeug in dem waldigen Gelände abstürzen sahen, läßt sich vorerst nur entnehmen, daß das Flugzeug sich in geringer höhe befand und fast senkrecht zwischen den Bäumen ab ft fi r 31 e, zumal die Bäume keinerlei Beschädigungen aufweisen. Die acht Insassen haben sämtlich schwere Schädelbrüche erlitten, da sie ofenbar gegen die Decke des Flugzeuges geschleudert wurden. Einige Augenzeugen wollen noch bemerkt haben, daß kur; vor dem Absturz der Motor nicht mehr arbeitete. Man glaubt, daß das Flugzeug durch eine starke Böe niedergedrückt worden sein muß. Der Führer des Flug» unter allen Umständen zu ve r mei den wünscht, weil dadurch auch die eingeleiteten Kre- ditverhandlungen gestört würden, kommen für die Lösung der Krise drei Möglichkeiten in in Betracht. Entweder bildet die Olational- zaranistische Partei ohne Maniu, aber mit Außenminister Mironescu, Ackerbauminister Michalaks und Kultusminister Junian eine neue ■Regierung, in die unter Umständen auch Politiker anderer Parteien eintreten könnten, oder es kommt zur Bildung eines Kabinetts der Persönlichkeiten, dessen Mitglieder p a r te i p o - Ji ti s ch nicht gebunden sind. Die dritte Möglichkeit wäre die sofortige Bildung eines Konzentrationskabinetts Litauen sabotiert die Genfer Memelabmachung. Memel. 6. Oft. (LU., Aus Grund der von der litauischen und deutschen Regierung in Gens getroffenen Vereinbarungen sollte die Umgestaltung des aus Litauern zusammengesetzten Direktoriums des Memelgebietes unverzüglich erfolgen. Im Gegensatz hierzu mldrt redoch der Präsident des Direktoriums, Aeysgis, daß niemand das Direktorium zum Rücktritt zwingen könne. Diese Erklärung ist zweifellos im Einverständnis mit dem litauischen Gouverneur erfolgt, da es ein offenes Geheimnis ist, daß Reysgis feine Schritte unternimmt, ohne sich vorher der Zustimmung des Gouverneurs versichert zu haben. Unter diesen Umständen dürfte die Erklärung der Pressestelle des litauischen Gouvernements, daß die erforderlichen Schritte zur Umbildung des Direktoriums bereits eingeleitet seien, wenig Bedeutung haben. Ebenso ist die Aufhebung der Pressezensur bisher noch nicht erfolgt was sich im Wahlkampf sehr zum rf a7»n ^Ct Rkemelländer bemerkbar macht, da alle Reden der Kandidaten der Deutschen Mehrheitspartei in den Zeitungen zusam mengest richen werden. 3m übrigen fährt das litauische Direktorium fort, sich in memelfeindlichem Sinne zu betätigen. So ist das bekannte Oberhaupt der Me- meler Nationallitauer, Borchert, wiederum zum Mitglied der Memeler Hafendirektionernannt, der von den Mehrheitspartelen abgesehte Polizeidirektor Toleikies wie- der auf seinen Posten gesetzt und eine große An- zahl Beamter und Angestellter des Direktoriums entlassen worden. Auf der TriimmerWe von Beauvais Eine mcht zerstörte Motorgondel des Luftschiffs. (Photo New York Times.) Zeuges hatte bereits mehr als 400 000 Flugkilometer zurückgelegt und galt als außerordentlich zuverlässiger Flieger. In einer etwa sechs THeter breiten seitlich mit Bäumen dicht bestandenen Bodensenkung kam die Maschine herunter. Der Motor hatte s i ch tief in den Boden eingegraben. Der Führersitz war vollkommen zusammengedrückt worden, lediglich der Schwanzteil blieb unversehrt. Die Dnglückssiätte war ringsum mit Metallteilen, Pro- pcllerstucken und Motorteilen bestreut. Auch die Sessel der Sabinen waren durch den Aufprall her- ausgeschleudert worden. Eine Explosion oder ein Brand ist nicht entstanden. Montevideo ist in den südbrasilianischen Staaten I die Revolution gegen die Zenlralregierung von Rio de Janeiro ausgebrochen. Sie scheint im größten Teil des Landes erfolgreich zu sein. In mehreren Staaten sollen d i e Regierungstruppen von den Aus ständischen geschlagen worden sein. 3m Hinblick auf den Ernst der Lage hat die Regierung in Rio de Janeiro ihre Bevollmächtigten zu den Aufständischen entsandt, um mit den Führern zu verhandeln. Der in Rio Grande do Sui gebildete R e o o l u t i o n s a u s s ch u h hat die Vorschläge der Regierung strikt abgelehnt wie sich die anderen aufständischen Staaten zu den Regierungsvorschlägen verhalten werden, ist noch ungewiß, jedoch wird erwartet, daß sie ebenfalls eine ablehnende Antwort erteilen werden. Die Revolution Hal weiter auf den Norden des Landes übergegriffen. Die Revolutionäre hoffen, bald in den Besitz der Hauptstadt Rio de Janeiro und anderer wichtiger Städte zu gelangen. Die Regierung ist anscheinend noch immer entschlossen, den Aufruhr mit allen Mitteln zu bekämpfen. 3n der Umgebung der Stadt Porto Alegre finden heftige Kämpfe statt. Die geschlagenen Re- gierungstruppen ziehen sich auf San pedrito zurück. Die Regierung gibt zu, daß größere Teile der Armee zu den Aufständischen uber- gegangen sind 3m Staate Rio Grande do Sui sind sämtliche öffentlichen Gebäude angeblich in den Händen der Revolutionäre. Ein versuch der Auf- ständischen, sich der Nationalbank in Urugutjana zu bemächtigen, schlug fehl. Ein Teil der brasilanischen Marine ist ebenfalls zu den Revolutionären übergegangen. Der Widersinn -er Reparationen. Der Deutsche ’^ergorbeitcrverbanb fordert ein Moratorium Bochum, 6. Okt. (TU.) Das amtliche Organ des Deutschen Bergarbeiterverbandes, „Die Dergbauindustrie", schreibt in einem Leitartikel u. a.: Bom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes aus gesehen muß, falls eine Gefährdung des deutschen Wirtschaftslebens feststellbar ist, die Aufrechterhaltung der Zahlungspflicht sinnlos erscheinen. An wirtschaftlichen Sadismüs grenzt es, wenn die Reparationsleistungen den Schuldner zu erdrücken drohen und kein Nachlaß der Zahlungshöhe erfolgt, obwohl die Empfänger gar kein Dedürfnis und keine Verwendung für die Reparationen haben. 3n einer solchen Situation befinden wir uns aber gegenwärtig. Wir erachten deshalb den Zeitpunkt für gekommen, die politische Welt auf diesen wirtschaftlichen Widersinn aufmerffam Die Aufständischen im Staate Rio Grande do Sui haben angeblich alle Männer zwischen 21 und 45 3atjren zur Teilnahme an dem Kampf gegen die Regierung in Rio de 3aneiro mobilisiert. Ls bestehe der Plan, Sao Paulo im Sturm zu nehmen. Die hier eintreffenden zensierten Nachrichten, die sehr spärlich sind, geben zu, daß die Aufstandsbewegung großen Umfang angenommen hat Der bisherige Präsident, Washington Luiz, Hal vorn Kongreß 10 Millionen Dollar als Kampffonds für die Niederwerfung des Aufstandes bewilligt be- kommen. Die Revolution richtet sich in erster Linie gegen den neugewählten Präsidenten Presles, der sein Amt Mitte November von Washington Luiz übernehmen sollte, wie „Associated Preß" von Buenos Aires berichtet, sind die brasilianischen Bunbestruppen an der Grenze des Staates Parana ; u s a m m e n g e z o g e n worden, um den von Süden anrückenden Aufständischen den weg zu verlegen 3nRiobe3aneiro finb ble Lebensmittelpreise zum Teil um 300 Prozent gestiegen, ba bie Zufuhr aus dem fjlnterlanb Minas Geraes abgeschnitten ist Die Ausstänbischen erklären, bah nunmehr 10 Staaten zu ihnen übergegangen seien. Ls steht zweifellos fest, bah sie zum minbeffen in 5 Staaten bie Oberhand haben. Politische Kreise in Washington finb bet Ansicht, bah der Aufstanb in Brasilien bie ernffefle der revolutionären Erschütterungen ist, bk in ben letzten Monaten in Sübamerifa stattgefunden haben. Das Staatsdepartement veröffentlicht von den ihm ;u- gegangenen Nachrichten nur die Meldung des amerikanischen Konsuls in Porto Alegre, der berichtet, dah die Sicherheit der amerikanischen Bürger und des amerikanischen Eigentums nicht gefährdet fei. Revolution in Brasilien Aufstand der südlichen Bundesstaaten gegen die Jeniralregierüng von J^io de Janeiro. — Große Erfolge der Aufständischen. Eine bürgerliche Partei- neugründung in Oesterreich. Lchober als Parteiführer Berlin, 6. Oft Nachdem die bürgerliche Einheitsfront in Oesterreich durch das Bündnis der Christlich-Sozialen mit den Heimwehren unter Ausschließung des Landbundes und der Groß- deutschen Volkspartei gesprengt worden war, haben nunmehr die bürgerlichen Parteien, die in Opposition zum Kabinett Vaugoin-Seipel-Star- hemberg stehen, den Entschluß gefaßt, sich organisatorisch zu einem Wahlblock zusammenzufügen. Der bisherige Bundeskanzler Schober hat die Führung dieser Liste übernommen, an der tue Grohdeutsche Volkspartei, vielleicht Teile des Landbundes, sowie maßgebende Kreise von Handel und Industrie, und außerdem die Oesterreichische Gewerbepa r t e i beteiligt sind. An deutschen Parteiverhältnissen gemessen, handelt es sich hier um eine Parteineubildung, die etwa die Deutsche Volks- Partei und die Wirtschaftspartei umfaßt. Die neue Gruppe wird den Wahlkampf in scharfer Opposition gegen die Regierung führen. Die innenpolitischen Verhältnisse in Oesterreich spitzen sich von Tag zu Tag mehr zu, besonders da der Gegensatz zwischen dem neuen Innenminister Starhemberg und den Sozialdemokraten sehr groß ist. Rücktritt des rumänischen Kabinetts. B u k a r e sl, b. Okt. (WTB.) Ministerpräsident Maniu erschien heute nachmittag inSinaja beim König in Audienz und überreichte ihm sein Rücktrittsgesuch. Maniu berief sich dabei auf Gesundheitsrücksichten. Der König hat in Anerkennung der Gründe Manius die Demission angenommen. Die Nachricht vorn Rücktritt des Kabinetts hat keine Ueberraschung hervorgerufen. Die Ur- sache der Krise liegt in der Unnachgiebig- teit Manius, die vorn König Gewünschte Konzentrationsregierung zu bilden deren erste und wichtigste Aufgabe die Krö- nungsfeier gewesen wäre. Durch seine Wet- gerung trat Maniu auch in Gegensatz zum Agrar- flugel seiner Partei, wodurch der Ausbruch der an sich unvermeidlichen Krise beschleunigt wurde ™,«,?eL?iSnia ?ü-k'!ch> auf die gekannte Wirtschaftslage eine Auflösung des Par- laments und darauf folgende Neuwahlen Auch Preußen will sparen. Ltreichungen am Etat Berlin, 7. Okt. (CNB.) Im Zusammenhang mit dem Finanzprogramm der Reichsregierung ist auch der preußische Finanzminister chöpker- A schoss bemüht, den preußischen Staatshaushalt für 1931 fertigzustellen. Das preußische Staats. Ministerium wird noch darüber zu entscheiden haben, inwiefern die von der Reichsregierung aufgestellten Grundsätze von der preußischen Regierung bei der Etataufstellung für 1931 ZU berücksichtigen finb. Volle Uebereinstim- mung besteht darüber, daß auch Preußen im kam- menden Jahr eine Ausgabe nsenkung in großem Maßstabe wird durchführen müssen. In einer Anweisung, die der preußische Finanzminister an die Ressorts hat herausgehen lassen, heißt es: Es ist nicht möglich, die Steuereinnahmen durch weitere Anspansuing der Steuern zu steigern, da iw bereits überspannt sind E s bleibt nurübrig,dieAusgaben zu senken Bei der Haushaltsaufstellung werden deshalb die An- satze der Ministerialzulagen der nicht ruhegehalts- fähigen Aufwandsentschädigungen, der Nebenamt- lichen und nebensächlichen Vergütungen, der Prüfungsvergütungen, der Unterstützungen und Not- standsbeihilfen, herabgesetzt werden Auch die Aufwandsentschädigungen für die Staatsminister, bte Staatssekretäre, die Oberpräsidenten, Regie, rungspräsidenten, ßanbräte sowie der höheren Richter werden herabaesetzt. Aus den weiter festgestellten Richtlinien ergibt Jid), daß eine Erhöhung der Ansätze für den Betrieb der Dienstkraftwagen nicht in tfrage kommt. Die Fonds für Umzugs- kosten und für Lehrmittel sind um 10 v. H Su kürzen. Alle übrigen sächlichen Aus- gaben sind, soweit sie nicht auf gesetzlichen oder rechtlichen^ Verpflichtungen beruhen, u m 5 H- 3u kürzen. Die Gesamtsumme des L-rrraormnariumä der einzelnen Verwaltungen ist um 10 v. H. geringer zu halten als 1930. Der greupiRbe Finanzminister erstrebt weiter eine i?VJÄeb£n9. DDn Behörden, Anstalten und 3m einzelnen wird darauf hingewiesen, daß für den Haushalt 1931 mit einem Minderertrag von 82 Millionen Mark der Ueberschuh- oF%?-rrn9, erhöhten Zuschuß von 23 Millionen Mark für bie Hoheitsverwaltungen gerechnet werden muh, ferner 8 Millionen Mehr- bedarf der Staatsschuld, 17,6 Millionen Mark Fehlbetrag für 1929, insgesamt fehlen also für den Haushalt 1931 rund 130 Millionen Mark. Auch eine Antwort. z- °.fL (Bdz.) Aus eine im Preußischen Landtag eingebrachte kleine Anfrage des ^6. K u b e (Rat.-Soz.) hat der preußische Ministerpräsident Braun folgende Antwort erteilt: „Der Ausfall der Reichstagswahlen gibt dem Staatsministerium keinen Anlaß, eine Auflösung des Landtages herbei- z u f ü h r e n. Die Wähler in Preußen, die am 14. September d. 3. für die NSDAP, gestimmt haben, können bei der nach Ablauf der in der Verfassung vorgesehenen vierjährigen Legislaturperiode des Landtages stattfindenden Neuwahl ihr verfassungsmäßiges Mitbestimmungsrecht ausüben. DieS entspricht auch den Gesehen der Demokratie." zu machen. Wohl ist der Weg, der zu einer Nachprüfung der ganzen Regelung führen kann, genau vorgeschrieben, und zwar hat die deutsche Regierung den objektiven Nachweis einer zwingenden Notwendigkeit solcher Nachprüfung !ick unt iUle8lELC I "°uy°rk,7.Oft. (121. Junffprud).) Tloch über- Moratoriums -rs^ps-nsönn^un di^ ! Zfietoungcn au» Buenos Aires und bei der Entwicklung, die wir gegenwärtig wirtschaftlich durchmachen, der Regierung dieser Nachweis nicht allzuschwer fein. Schon unsere^ heutigen Krisenschwierigkeiten müßten bald genügen, unsere Reparationsgläubiger von der Ehrlichkeit eines solchen offiziellen Schrittes zu überzeugen. Wir zählen doch heute schon drei Millionen Arbeitssuchende. Steigt die Zahl über Winter im gleichen Verhältnis wie früher, dann werden wir bald die doppelte Zahl Arbeitsloser zählen. Das bedeutet doch eigentlich den Bankerott. Reparationen sollen doch Wiedergutmachungszahlungen fein, d. h. sie sollen erlittene Schäden reparieren. •^eute aber bedeuten die Reparationen keine Wiedergutmachung, sondern sie wirken ungeheuer schädigend, nicht nur in Deutschland, sondern gerade auchfür die Empfangsländer. Das Mindeste müßte deshalb sein, daß die Reparationen eine zeitliche Einstellung erfahren. P Jena oder Sedan. Das Problem über Sinn, Weg und Ziel de r d eu tschen Wehrmacht, vor einem Diertelzahrhundert unkaiserlichenDeutsch- land unter dem Schlagwort 3ena oder Sedan in allerdings etwas anöerm Zusammenhang bereits eingehend behandelt, ist jetzt auch für dieDeutscheRepublik aufgeworfen. Ausgangspunkt ist dafür der feltfame Prozeß vor dem Reichsgericht, den wir an unserem Auge Dor- überziehen sahen, gegen drei junge Offiziere, die wegen Hochverrats angeklagt und auch zu anderthalb Jahren Festung verurteilt worden sind Ein merkwürdiger Prozeß und ein merkwürdiges Urteil! Eine Aneinanderreihung von Unbegreiflichkeiten, die ein völliges Fehlen leben psychologischen Blicks bei den Veranstaltern des Verfahrens vermuten lassen. Was ist denn eigentlich geschehen? Da sind drei -^'.b^iere, nur zwei von ihnen noch aktiv, me sich über bie Stellung ber Reichswehr den Sergrübelt haben, die in dem reinen Ga- maschen^enst keine Befriedigung fanden, sondern auch noch ideelle nationale Werte such- ten Sie haben sich an die nationalsozialistische Arbeiterpartei in München um Rat und um Aufklärung gewandt, haben auch Reisen -gemacht und in anderen Offizierskorps Gesinnungsgenossen gesucht, um mit ihnen zu überlegen, wie der nationale Auftrieb in ber Reichswehr gesteigert werden könnte. Die haben damit zweifellos g e - geu bie bestehenden Bestimmungen gehandelt, haben den Gehorsam und die Disziplin verletzt und mußten deswegen bestraft werden. Denn das ist ganz selbstverständlich, Gehorsam ist die Grundlage jeder Armee, jedes Rütteln an diesem Gefüge macht die Waffe für den entscheidenden Augenblick stumpf und wertlos. Niemand wird also ernsthaft daran denken, diese lungen Offiziere bis zum letzten zu entschuldigen. Aber niemand wird es auch verstehen, daß es deswegen notwendig war, ein ganzes Reichsgerichtsverfahren wegenHoch- ber rat mobil zu machen. 3m alten deutschen Heere wäre so etwas im Disziplinarwege durch einen Anpfiff des Vorgesetzten und einen längeren Stubenarrest erledigt worden, ohne daß ein Mensch etwas davon erfuhr. Heute dagegen ?'?^l^bc^on.öcrct Untersuchungsrichter öe$ I^ichsgerichts mobil gemacht, der im ganzen Deutschen Reich herumfährt und Material sammelt, der mit fünf Automobilen in Augsburg er- scheint, hinter dem Regiment herfährt und die b^oen Offiziere vorversammelterMann- U verhaftet. Darf man nicht vielleicht auch die Frage anschneiden, wie denn die Diszi- - lm,$ce.cc aufrecht erhalten werden soll, wenn es möglich ist, daß ohne überzeugende Verbachtsgrunde Offiziere aus der Front heraus verhaftet werden können? So bedenklich war doch die Lage gewiß nicht, daß der Untersuchungsrichter nicht die paar Stunden hätte warten können, bis die truppe wieder in die Garnison zurückmarschiert war, um bann ohne derartiges Aufsehen ein- zugreifen. Gerade dieser fabelhafte Apparat, der hier aufgeboten worden ist, um aus einer Mücke e i n e n E I e f a n t e n zu machen, legt zum mindesten die Vermutung nahe, daß in dem Prozeß auch noch politische Untergründe verborgen liegen, die darauf abzielten, die Nationalsozialistische Partei als staatsgefährlich anzuprangern. Sollte das ber Fall gewesen fein, bann ist das ' wenigstens gründlich mißlungen. Geradezu das Gegenteil ist e r- e.i A t- Das Duell zwischen dem nationalsozialistischen Parteiführer Hitler und dem Reichsministerium des 3nnern vor dem Reichsgericht hat mit einem Siege des vereidigten Zeugen Hitler geendet, der hier eine Gelegenheit zu einer glänzenden Propagandarede bekam: der vermutlich auch in den Verurteilten zwei tüchtige Agitatoren gewinnt, die als Offiziere der Reichswehr verloren gehen. Aber das Schicksal ber beiden Verurteilten, diese Offizierstragödie im kleinen, ist ja nicht einmal das ernste Symptom des ganzen Verfahrens. Viel bedenklicher ist doch die Stimmung, bie sich nach Dutzenden von Zeugenaussagen offenbar im ganzen O f f iz ier ko r p s unb in ber Reichswehr festgesetzt hat. Der beutfche Offizier hat zum Glück eine sehr hohe Auffassung von seiner Aufgabe. Er wlll kein^ Landsknecht sein, er will als Soldat der Träger des nationalen Gewissens fein. Das ist ein Glück für uns. Denn darin liegt die Seele des Heeres, liegt das Geheimnis, daß aus der Reichswehr über kurz ober lang einmal wieder das Heer ber allgemeinen Wehrpflicht machen kann. Aber man wirb es dem Offi« zier nicht verargen können, wenn er sich an ber Diskrepanz zwischen seinem Wollen unb den Tatsachen zerreibt. 3st es nicht etwas Ungeheuerlich s, daß nur mit Rücksicht auf kommunistische Demonstrationen Soldaten in Zivil in bie Kaserne gehen unb dort erst ihre Uniform anlegen bürsten. 3st es nicht etwas Ungeheuerliches. daß bie größte deutsche Partei, die toieber* yE in ber Reichsregierung gesessen hat unb seit Sehn Jahren Trägerin ber Regierungsgewalt in Preußen ist, auch heute noch der Wehrmacht im tiefsten ihres Herzens feindlich gegenübersteht und den Offiziersstand bewußt verhöhnt. Die notwendige Folge ist da doch der Haß gegen diese Sozialdemokratie im Heer und ber Haß auch gegen ben knochenerweichenben Pazifismus, wie er von gewissen Kreisen ber Sozialdemokratie gepregt wird. Man muh diese Dinge einmal deutlich beim Namen nennen, wenn man bessern will, und das einzig Gute dieses unglücklichen Prozesses ist, daß nicht nur die deutsche Oeffentlichkeil, sondern auch hoffentlich das Reichswehrministerium darauf gestoßen wird, wie durch diesen inneren Widerspruch die Reichswehr zugrundegerichtet wird. Der neue Mann in der Obersten Heeresleitung hat in erster Linie dafür zu sorgen, daß ber Geist der Reichswehr in seiner nationalen Zielsetzung nicht zerbricht. Oie Besprechungen beim Reichskanzler abgeschloffen. , 6 ?! in , 6. Oft. (TU.) 3m Anschluß an die ä^a#9t:nr politischen Besprechungen empfing Reichskanzler Dr. Brüning am Montag die Vertreter ber Deutschnationalen Volks- Karte 1 • ^georbnete Dr. Oberfohren und v- ^».p i b rf e l b. Eine Besprechung mit ..^ktionsfuhrer ber Bayerischen olkspartei, Abgeorbneten Leicht ist terSndtra9 3m Anschluß hieran'wird Reichskanzler Dr. Brüning dem ReichSprü- J^QCUflA 7 s Nori '.YÄWl ’KM'M sidenten vermutlich am Mittwoch abschließenden Dortrag über das Ergebnis seiner politischen Besprechungen erstatten. Zunächst werden jetzt die Fraktionen chre Stellungnahme klären müssen. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspartei tritt am Freitag. die de- Zentrums am Montag zusammen. Die in Aussicht genommene gemeinsame Besprechung des Kanzlers mit den Führern der hinter der Regierung stehenden Parteien dürfte also erst im Laufe der nächsten Woche statt- finden. Oie Vorgänge in der Gtaatspartei. Zungdeutsche und Demokraten Berlin. ö.Okt. (5.11.) Für Dienstag ist eine Sitzung des Hauptaktionsausschusses der Stoatspartci vorgesehen, der allgemein große Bedeutung deigcmcssen wird. Das .B. T." bemerkt dazu, daß diese Sitzung voraussichtlich ein entscheidendes Wort über die Existenz dieses „übereilt ins Leben gerufenen politischen Gebildes" sprechen werde. Auster den fortgesetzten Zwistigkeiten und der offensichtlichen ilnluft der jungdeutschen Elemente in der Staatspartei, mit den Demokraten zusammenzuarbeiten .oder gar zu einer Einheit zusammcnzuwachsen, sei eS neuerdings auch ein Dorstost der Zeitung „Der Jungbeutsche zugunsten des Austritts Deutschlands aus dem Völkerbund gewesen, der Mißstimmung hervorgerufen habe. Man weöd« sich vielleicht bemühen, den offenen Bruch noch zu vermeiden. Doch dürfe man kaum mehr als etwa die Aufrechterhaltung einer F r a k t i o n s g e m e i n f ch a f t der auf die Liste der Staatspartei gewählten Abgeordneten für die nächste Zeit wenigstens erreichen. Wie lange sich auch nur diese lose Verbindung erhalten könne, sei äußerst unsicher In parlamentarischen Kreisen wird, offensichtlich jedoch verfrüht, bereits die Frage erörtert, wie sich die Abgeordneten der in der Staatspartei zusammengefaßten Truppen bei einer etwaigen Auflösung der Staatspartei verhalten würden. Man nimmt an. daß die drei gewerkschaftlichen Abgeordneten der Staatspartei zu den Christlich- Sozialen stoßen würden, die damit Fraktlons- stärke erhielten, während die jungdeutschen Abgeord- neten s e l b st ä n d i g bleiben wollen. Der Rest von 15 Demokraten würde dann unter Umständen eine engere Zusammenarbeit mit der Volkspartei ins Auge fassen. Der bisherige Redakteur am .jungdeutschen", Sommerfeld, ist bereits zur „Täglichen Rundschau", dem -neuen Organ der Christlich-Sozialen, übergegangen. Von jungdeutscher Seite wird erklärt, man hoffe bestimmt in der Sitzung des Großen Aktionsausschusses die Meinungsverschiedenheiten mit den Demokraten auszugleichen. Jedenfalls dächten die dem Jung- deutschen Orden angehörenden Reichstagsabgeordne- tcn der Staatspartei bei der gegenwärtigen Lage der Dinge noch nicht daran, Anlehnung bei den Christlich-Sozialen zu suchen. Sie erstrebten vielmehr die Aufrechterhaltung der bisherigen Fraktionsgemeinschaft in der Deutschen Staatspartei Eine Entschließung des Jungdeutschen Ordens. Rendsburg, 6. Oft. (TU.) Das hier versammelte Meisterkapitel des Jungdeutschen Ordens hat folgende Entschließung angenommen: „Von dem Willen beseelt, die Zusammenfassung des Volkes rechts und links, die Volksgemeinschaft des deutschen Staatsbürger- tum6 mit zu gestalten, eröffneten der Jungdeutsche Orden und die Dolksnationale Reichsvereinigung den letzten Wahlkampf im Rahmen der neu gegründeten Deutschen Staatspartei. Rach den Wahlen hat sich herausgestellt, daß Herren wie Dr. Stolper. Reinhold und Höpker- Aschoff die Sammlung des verantwortungsbewußten deutschen Staatsbürgertums gefährden. Wesensfremde plutotratische und parteibüreaukratische Elemente dürfen in einer staatsbürgerlichen Bewegung keinen Einfluß gewinnen. Die Deutsche Staatspartei ist weder eine Fortsetzung der Demokratischen Partei, noch eine Linkspartei. Solange ein klares Abrücken von den genannten Herren nicht erfolgt ist, ist nur die Volks- nationale Reichsvereinigung in der Lage, den Kan,Pf um die staatsbürgerliche Aktivierung vorwärts zu treiben “ Slaalvparm und Regierungspiogramm. Berlin, 7. Ott. (VDZ.) Die Reichstagsfrak- tion der Staatspartei hielt am Montagvormittag eine Sitzung ab. in der sie sich mit dem Sanierungsprogramm beschäftigte. Rach längerer Debatte faßte die Staatspartei folgende Entschließung: Die Fraktion der Deutschen Staatspartei erblickt in dem Programm der Reichsregierung einen energischen Versuch zur Erhaltung verdeutschen Finanzwirtschaft auf parlamentarischem Wege. Sie wird sich dafür einsetzen, daß dieser Versuch zum Erfolge führt. Die Fraktion der Deutschen Staatspartei wird Abänderungs- und Ergänzungsanträge zu gegebener Zeit dem Reichstag unterbreiten. belastung fei eine der wichtigsten Ursachen unserer übergroßen wirtschaftlichen und sozialen Rotlage zu sehen und chre Milderung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu erstreben. Die Kommunalbeamtenschaft gehe an der augenblicklichen Rot nicht vorüber, sie sei bereit, an ihrer Lleberwindung aktiv mitzuarbeiten. Aus aller Welt. Der erste Schnee im Schwarzwald. Der stetige Temperaturrückgang der letzten Tage hat in den Höhen über 1000 Meter im Schwarzwalde zum ersten Male Temperaturen unter Rull gebracht. Auf dem Feld- berg hielt sich die Temperatur um den Rull- Punkt herum. Zum ersten Male fielen Riederschläge in Form von Schnee und schufen eine Schneedecke von 10 Zentimeter, di« infolge der Verwehung an manchen Stellen stärker ist. Das stürmische Wetter der letzten Tage hält unvermindert an. Auch heute morgen setzten sich die Schneefälle fort. Im Fernsprechverkehr sind in den über die Höhen führenden Leitungen umfangreiche Störungen eingetreten. Auch der Schaden in den Wäldern ist erheblich. Der Sturm ist von starken Regenböen begleitet, so daß ein beträchtliches An- schwellen der Schwarzwaldslüsse und des Oberrheins zu erwarten ist. Ebenso kommen vom Bodensee Sturmmeldungen. Der Schiffsverkehr erlitt zeitweise Unterbrechungen. Unfälle sind nicht gemeldet worden. Stürmische Heimfahrt des..Graf Zeppelin". Rach Schilderungen der Teilnehmer an der letzten Fahrt des „Graf Zeppelin" über Leipzig nach Schlesien hatte das Luftschiff auf seiner Rückfahrt von Görlitz über Hof und Rürnberg nach Friedrichshafen einen äußer st schweren Sturm zu bestehen. Trotz heftigster Gegenwinde und Regenböen fuhr das Luftschiff jedoch ruhig und sicher und traf gegen 4 älhr früh erstmals über Friedrichshafen bei heftigem Weststurm ein. Rach dreistündiger Kre*uzfahrt über dem Bodensee erfolgte dann um 7.03 Uhr die Landung. „G 38“ in Bukarest Montag mittag landete das Junkers-Großflugzeug „G 38", nachdem es die 450 Kilometer lange Strecke Belgrad—Bukarest in etwas mehr als zwei Stunden zurückgelegt hatte, auf dem Flugfelde von Bukarest Zum Empfang hatten sich einige hundert Personen, darunter Kronprinz Michael und der Kriegsminister eingefunden. Nachmittags fanden Rundflüge des Flugzeuges in Gegenwart der Königin und einer zahlreichen Menschenmenge statt, die bis zum Einbruch der Dunkelheit dauerten An den Rundflügen nahmen der Kriegsminister und verschiedene Generäle teil. Am Dienstagvormittag startet das Flugzeug zum Weiterflug nach Konstanza. Es verdient erwähnt aii werden, daß die „G 38" das erste deutsche Flugzeug ist, das nach dem Kriege entlang der Küste des schwarzen Meeres fliegt Die Prager Demonstrationen vor Gericht. Vor dem Prager Strafgericht kamen zwei Fälle öffentlicher Gewalttätigkeit anläßlich der Prager Demonstrationen zur Verhandlung. Bei beiden Angeklagten waren bei der Verhaftung in den Taschen Stein« gefunden worden. Einer von ihnen hatte die Demonstranten vor dem Kino „Passage" dazu ermuntert, gegen die Häuser der deutschen Einwohner vorzugehen. Er wurde zu drei Monaten schweren Kerkers mit dreijähriger Bewährungsfrist verurteilt Der zweite Fall wurde vertagt. Oie Detterlaae owolkenlos o neiter. ® halb Oedeckt » wolkig. ® Bedeckt •Kegea. * Sehnet o> Graupeln e Nebel X 6rwit»«r.(§) Windstille. «O-. sehr leicht»' Osi -nassiger Südsüdwest Q stürmische- -tordwcsl Ole Piene fliegen mit dem wmdt Die beiden Stationen jienenoen Zahlen geben die Temperatur gn. Die Linien verbinden Orte mit gleichen. M.rresniveau umgerechneten Luftdruck Kommunalbeamte und Kegierungsprogramm. Dresden, 6.Okt. (TU.) Der Vorstand des Reichsbundes der Kommunalbeomten und -Angestellten Deutschlands beschäftigte sich mit der durch die Vorlage des Regierungsprogramms geschaffenen beamtenpolitischen Lage. Der Vorstand kam zu völliger Einigkeit darüber, daß von der Kommunal- beamtenschaft der Plan der Gehaltskürzung a b gelehnt werden müsse, ebenso auch der Plan einer Wiederbelebung sperrgesetzlicher Maßnahmen. Man vermißt in den Regierungsmaßnahmen wiederum eint der Rot unserer Zeit und unseres Volkes entsprechende Heranziehung aller leistungs- fähigen Volksschichten zu einem allgemeinen Opfer. Bei den der Beamtenschaft zugemuteten Opfern machten sich stark unsoziale Ten- denzen geltend, wie zum Beispiel die viel zu niedrig gesetzte untere Grenze. Vor irgendwelchen ge- Halts- oder lohnpolitischen Maßnahmen müsse eine wirksam« Bekämpfung des überhöhten Preisniveaus erfolgen. Auch fehle ein entschiedener Versuch, die Kapitalflucht mit direkten Eingriffen zu bekämpfen. In der dem deutschen Volke auferlegten Reparation-» U..........v|Ußl. Der Hauptkern des umfangreichen nördlichen $to= rungsgebietes bewegt sich noch immer über der Ostsee. Dadurch wird die Zufuhr kühler O^eanluft nach dem Festlande hin weiter befördert, so daß das veränderliche Wetter anhält. Bewölkung wird mit Aufheiterung öfters wechseln, und zeitweise treten noch Regenschauer auf. Die Temperaturen bewegen sich dabei in verhältnismäßig niedrigen Grenzen. Aussichten für Mittwoch: Noch wechselhaftes Wetter mit einzelnen Regenschauern, dabei zei«weise Aufklaren, kühl. Aussichten für Donnerstag: Leichte Besserung, aber noch kein beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 6. Oktober: mittags 11 Grad Celsius, abends 7,6 Grad; am 7. Oktober: morgens 8,4 Grad Maximum 11,3 Grad, Minimum 7,1 Grad — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 6 Oktober: abends 11 Grad; am 7. Oktober: morgens 9,4 Grad. — Niederschläge 3,9 mm — Sonnenscheindauer eine Stunde. zjk /2 e Tum Schutz gegen \Dantlavm* JÄ. PASTILLEN heifen, Mandela. M (AcridiniumdertveQ fialsentzündungea />■■■ «WS ’-dÄls « V-^-cYaBB chWsMM 'x ; ----- -.■.£> MW-Ä:W, HEUERBURß, OVERSTOLZ 5 PF. RAVENKLAU 6 PF. staubfrei — schmecken niemals bitter! Sie können unsere Angaben nachprüfen: Wenn Sie durch eine HAUS NEUERBURG- Zigarene blasen - ehe sie brennt -, so werden Sie keine Spur von Staub bemerken. In der Weite des unbegrenzten Weltalls wie in der Enge des kleinsten Wassertropfens — überall findet sich Staub, unaufhörlich fällt er von allen Stoffen ab und teilt sich der Umgebung als lästiger Niederschlag mit. Es darf deshalb nicht überraschen, daß auch bei der Verarbeitung des Zigaretten -Tabaks ein gelblicher Staub entsteht. Da er zum größten Teil vom Tabak selbst stammt, hat man ihn bislang als unvermeidliches Übel hingenommen und sich damit abfinden müssen, daß dieser Staub beim Rauchen einen bitteren Geschmack verursacht. Haus Neuerburg aber hat in seinem Kampf gegen den Tabakstaub neuartige Wege gefunden und ist des hartnäckigen Gegners Herr geworden. Unsere Zigaretten sind frei von Staub und jedem bitteren Beigeschmack; sie bieten deshalb den ungeschmälerten Genuß des edlen Macedonentabaks. Johannes Becker, Metzger Clotilde Riegel ■6196 Gießen (Ostanlage 29). den 6. Oktober 1930. Rosa Stern 6831 D im Alter von 55 Jahren. Im Namen der trauernden Geschwister: Ludwig Stern Wieseck, Gießen, den 7. Oktober 1930. werden. 6832 D 682911 Gesangverein „Heiterkeit“ Giefeen (Stellenangebote] Jean Becker Kavallerieverein Giefeen e.V. {Wohnungstausch '-'Hl v". Gut empfohlenes älteres Mädchen sucht Stelle zur ftüürunn eine.' kl. Hausba ts, a. liebst, bet ittier.Herrn oder nlleinftcb. Dome bet bescheid.An vruchen Schr. Ang. u. 06179 an d. Gieß. Anzeiger. Wohnung: 2 Ztmme u. Studie, nebst Sveisekammer, SteUetraum tt. Gar» lenantcü in Steinberg zu vermieten. Zu erfr. i. d. Geschit. d. Gieß. 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Die Beisetzung findet Donnerstag, den 9. Oktober, nachmittags 3 Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Aus einem Leben voll treusorgender Liebe schied heute mittag sanft nach langem schweren Leiden unsere gute Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Die trauernden Hinterbliebenen: Gisela Koberstein, geb. Riegel Else Lessing, geb. Riegel Tido Mönckeberg, geb. Riegel Hans Koberstein Gustav Lessing zehn Enkel und acht Urenkel. Dame «Kurs. f. Techn. Assist.» sucht freundliches Zimmer mögt, mit Z-mral- beizunu, z. 27. Okt. Dr. Beyher, Offen bach a. Mato. Drei- eichring IS. 16824V ••WMHHW |Stellengesuche| flllllllllllilllllllllllllllllllllD TöchL Verkäuferin erste Kraft, firm in Kolontalw.Zetnkost, Zigarren usw^, sucht Stellung als erste Verkäuferin oder Filialleiterin. Kaution kann gestellt werd. Schr. Ang. u. 06201a. d. Gieß. Anz. (Illlllllllllllllllllllllllllllllll) Gesundes, sauberes Mädchen a. liebst, vom Vonbe, für \ Tage gesucht. 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Oktober 1930. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 8. Oktober, nachmittags • 41/, Uhr, aut dem Neuen Friedhof statt. Jüngeres, zuverläss. Fräulein für Koniorarbeti iSchreibmaschinei zum 15. Okt. gesucht. Selbstgeschriebene Augeb. mit GehaltS- ansortichen u. 06185 an den Gieß. Anz. 2 leere dimmet außerhalb der Stadt von penf. Lehrerin zu mieten neiuchi. Schr Ang. u. 06194 an den Gieß. Anz. Jun.e Tame,Toch- icr eines Bnrschen- schasierS, zu Studien- zwecken hier aufhältlich, sucht bei gebildeter Zamt.le oder ein». Dame (6821U Zimmer mit od. ohne Pens, ab 26. Okt. Offert, mit Preisangabe an Dr. med. Heyer, Aue lErzgeb), Wettiner Siraße 44. Statt Karten! Für die überaus zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgänge unseres lieben Entschlafenen, insbesondere dem Herrn Pfarrer für seine trostreichen Worte, sowie der Kapelle ehern Militärmusiker u. den ehrenvollen Nachruf des Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer Gießen sagen wir herzl. Dank. 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Oktober MO Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Nr. 234 Zweites Blatt Der Stahlhelmtag in Koblenz. Der zweite Bundesführer Düsterberg nimmt die Weihe der neuen Fahnen vor. Oben links: S e l d t e, der erste Bundesvorsitzende des Stahlhelms. — * > W" V l v* x Xi > X-_ - . . Oer Fronisoldaten-Appelt. Der Sonntag brachte den großen Frontsoldatenappell in Koblenz. 3n buntbewimpelten Flottillen, auf den blitzenden Schienensträngen rechts und links des deutschen Stromes, in endlosen Fußvolkkolonnen zog es heran - grau und stolz von Bingen und Büdesheim, von Ehrenbreitstein, Andernach, von Caub, von Lorch von St. Goar - hin zu der Stadt, wo Mosel und Rhein die grünen Arme schlingen um oas quadergetürmte Deutsche Eck — hinauf zur K a r t h a u s e. Hoch über der Stadt und hoch über dem Rhein stützt punkt ll Mr vormittags dort die waffenlose, friedens reiwillige Armee der alten Frontsoldaten und neuen Staatsbürge in eherner Parade, elf Kanonenfchläge künden Zeit und Beginn. Brausender Fron heil.us mel et die Ankunft der Dundesführer, die sich vom Flügel her zu dem freien Platz in der Mitte bei der Rednerkanzel begeben. Boe ihnen dicht stehen die Fernsten: die aus Venedig und aus Tientsin, aus Windhuk und Buenos Aires, aus Memel und Tilsit und Königsberg, und die von der Saar. Ter Aufmarsch der Fahnen lei et die Kundgebung ein. Weit hinten, a n linken Flügel, sieht man schon lange chre Spitzen leuchten. Jetzt rücken sie an. Fe.erlich Zu Vieren. 3n eng- geschlossenen Marschkolonnen. Die Geistlichen sprechen. Huader tausend Häupter entblößen sich zu stillem Gedenken derer, die nicht weit von dieser Statte in den Ma sen- gräbern Frankreichs schlafen und fleisch und Blut und Geist einst waren von dem Fleisch und Blut und Geist dieser Hunderttausend grauen Friedenssoldaten. Aus der hohen Ka zel erscheint die Dundesstandarte. Franz Seldte spricht zu der Gefolgschaft, die sein Gründerruf gefunden hat in den zwölf Kampfjahren seit dem Novern- ber 1918. Fahnenweihe. Danach weiht der 2. Bundesführer, Oberstl. Due st erber g, mit kemhafter Ansprache 100 Stahlhelmfahnen, deren Tuch an diesem 5. Oktober 1930 zum erstenmal im Winde flattert. Oberstleutnant Duesterberg hielt dabei folgende Ansprache: Bier schwere Jahre standen die deutschen Soldaten erfolgreich im Kampfe gegen die gan^e Welt, elf schwere Jahre kämpft der Stahlhelm nicht nur gegen die Unterdrückungsmaßnahinen der äußeren Feinde, sondern auch gegen alles Undeutsche im eigenen L an de, gegen Kleinmut und Verzagtheit, gegen Feigheit und Knechtsinnl Tod, Krankheit, Alter und wirtschaftliche Rot haben manche Kameraden hinweggerafft oder ausscheiden lassen und trotzdem ist unsere Stärke stetig gewachsen. Der Stahlhelm ist der Kern der zukünftigen deutschen Volksgemeinschaft, die sich nur bilden kann, wenn gleiche heiße Liebe zu Volk, Heimat und Vaterland, wenn selbstverständliche Wehrbereitschaft in den Herzen lebt Der Opfertod unserer zwei Millionen gefallenen Kameraden bestimmte unseren Weg und setzte uns das Ziel Deutschlands Freiheit! Im Hamen des Stahlhelms weihe ich diese neuen, reinen Fahnen, die wie alle Stahlhelmfahnen, den Trauerflor, aber auch das lebende Grün als Zeichen der Hoffnung tragen im festen Glauben an unseren Gott, der sein deutsches Volk nach Jahren schwerster Prüfung in die Höhe führen wird, wenn es innerlich gereinigt sich selbst wieder gefunden hat! Ich gebe diesen neuen Fahnen den gemeinsamen Spruch: .Rimmer wird das Reich zerstört. Wenn ihr einig seid und treu!“ Oie Bundesführer schre ten die Front ab. Immer wieder, unaufhörlich schmettert der Präsentiermarsch. Immer wieder jubelt helles abertausendstimmiges Frontheil ... Cs klingt hinüber über den Rhein und das Reich und den — Korridor bis an die Dünen des Kurischen Haffs, bis in die Erzschächte der schlesischen Berge... Es klingt in die müden deutschen Herzen ... Es ist, gerufen von Sachsen und Bayern, Hessen und Mecklenburgern, Ostfriesen und Pommern, wie ein Symbol, das sagen wollte: Allüberall in Deutschland wo der Stahlhelm steht, steht auch die Wacht am Rhein. Der Vorbeimarsch vor dem Schloß bildet den grandiosen Ausklang des Tages, mittags um 1 ilfjr eröffnet ihn die Reichskraftfahrstaffel des Stahlhelm mit ihren 3000 Fahrzeugen. Die Uhr zeigt die dritte Stunde, da hat erst die Parade der Landesverbände begonnen. Endlos ziehen sie vorbei: Ostpreußen. Mitteldeutschland, Groh-Berlin, Pommern, Baden, Württemberg, Harzgau. Mecklenburg, Westmark Niedersachsen-Oldenburg, Westfalen, Anhalt, Bayern, Nordmark-Schlesien, Magdeburg, Brandenburg, Ostmark, Altmark, Hannover, Sachsen. Hessen, Braunschweig das ganze Deutsch- I land soll es fein. Die Dunkelheit ist längst hereingebrochen, alÄ die letzte Kolonne vor Seldte und Duesterberg defiliert, als der stundenlang hämmernde Parademarsch abreiht, als die stundenlang winkenden, rufenden, jubelnden Zuschauermengen sich langsam verlaufen. Oas Ergebnis von Genf. CurtiuS berichtet — Die Auffassung der Wilhclmstratze Berlin, 5. Oft. (TU. Amtlich.) Reichsauhen- minifter Dr. Curtius erstattete am Samstag dem Reichskabinett eingehenden Bericht über die Genfer Völkerbundsversammlung. Reichskanzler Dr. Brüning sprach dem Reichsauhenminister und der deutschen Delegation den Dank der Reichsregierung für die diesmal u n ter ganz besonders schwierigen Verhältnissen geleistete Arbeit aus. Ein». Aussprache über das erstattete Referat wird im Laufe der Woche im Reichskabinett erfolgen. Von zuständiger Stelle wird darauf verwiesen, dah die Beratungen in Genf keineswegs ergebnislos geblieben seien. Deutsch- lanb könne eben seine Politik nur s ch r ist t - weise vortragen und habe diesmal mit besonders großen Schwierigkeiten z u kämpfen gehabt. Doch sei es gelungen, in der Saarbahnschutz- Frage den deutschen Standpunkt durchzusetzen, ohne dah man hierfür irgendein Opfer habe bringen müssen und auch die Regelung der Memelbeschwerden sei zufriedenstellend, wenn Litauen — das die deutsche Regierung hofse — den Vereinbarungen im Memellande entspreche. Auch habe man die Möglichkeit gehabt, eine Reihe wichtiger Besprechungen vorzubereiten, wie zum Beispiel die Agrarreformbeschwerde der Minderheiten in Polen, die im Januar behandelt werden solle, die Behandlung der M i n- bereiten durch den Völkerbund, die Z o l l - konferenz im kommenden Rovember und anderes mehr. In der Minderheitenfrage sei es zwar zu keinem Beschluß gekommen, der Bericht Mottas in der 6. Kommission bedeute aber doch tatsächlich einen wichtigen Fortschritt in der Behandlung der Minderheitenfrage, weil Motta ausdrücklich auf die Verpflichtung des Völkerbundes, sich um die Minderheiten zu flimmern, hingewiesen habe. Hingegen sei nicht zu leugnen, dah die Ablehnung des deutschen Antrages, die Abrüstungskonferenz bereits für 1931 einzuberufen, und die Rede Briands eine gewisse Versteifung In der Abrüstungsfrage mit sich gebracht hätten. Offenbar hätten die früheren Alliierten sich von der Befürchtung leiten lassen, dah ein Scheitern der Abrüstungskonferenz dem Ansehen des Völkerbundes einen starken Stoß versetzen würde. Doch habe man deutscherseits darauf Hinweisen können, welche Gefahren die ständige Hinauszögerung der Abrüstungen mit sich bringe. Durch Richterfüllung der Abrüstungsverpflichtung werde jedenfalls die in Europa herrschende Unruhe nicht beseitigt. Bei der Paneuropafrage könne man nicht davon sprechen, dah diesem Plan ein Begräbnis erster Klasse bereitet worden sei. Der Plan werde vielmehr durchaus ernsthaft beraten werden. Deutschland habe hieran ein großes Interesse. Es müsse auch diese polifische Plattform benutzen, um sich Gehör zu verschaffen. Die Wahlen in Deutschland hätten im übrigen der Welt gegenüber eine völlig neue Lage geschaffen. Der Auhenminister habe es aber für richtig gehalten, die Rerven zu bewahren und der Welt auseinanderzusehen, daß in Deutschland nicht allei örunter und drüber gehe, und dah Deutschland nicht daran denke, in seiner Außenpolitik eine Abenteuerpolitik zu beginnen. Er habe nachdrücklich darauf hingewiesen, dah in den Wahlen vor allem auch d i e Enttäuschung über d i e mihliche a u h e n p o 1 i t i s ch e Lage Deutschlands zum Ausdruck komme. Deutschland müsse sein Bei den Schatzgräbern im Blätterwald. Snforma ion en gros — aus der Zeitung geschnitten. Bon Georg Siefenthai. Eines Vormittags geschah es, dah mir das Herz um ein paar Zentimeter höher schlug. Die Ursache bliebe allen Dienern am Werke der Zeitung unvergeßlich. Seit jenen Stunden komme ich mir ungeheuer wichtig vor. Und das kam so. Drei Dutzend Mädchen sahen in einem Saal, an Hellen langen Tischen und schnitten aus — wühlten mit Scheren in Zeitungsbergen, die sich auftürmten zu ihren Füßen. Ueber sie nieder gingen Zeitungsregen, Zeitungsgewitter, ganze Zeitungsherbstorkane — sie aber schnitten aus. Sie schnitten aus, was eine andere Abteilung vor ihnen gelesen und mit Kreuzen und Zeichen versehen hatte — dann versahen sie selbst chre Ausschnitte mit Ramen und Datum der Zeitung und schickten sie hinaus in die Welt. Das war das Bureau, das für einige tausend Menschen Zeitung liest. Wieso und warum? Was tut eine Filmschauspielerin, die sämtliche Kritiken, sämtliche Erwähnungen ihres Namens lesen und sammeln will? Ich weih nicht, wieviel tausend Zeitungen und Zeitschriften, wieviel „Illustrierte", Magazine. Witzblätter in Europa täglich erscheinen — offensichtlich auch ohne Zahlennennung, dah es für den einzelnen ganz unmöglich ist, nur einen Bruchteil davon zu verfolgen. Jedoch müssen alle, die öffentlich wirken, die Stimme der Zeitung hören, nolens volens. Und um bei der Filmschauspielerin zu bleiben: so ist es nicht Sache der Eitelkeit, alles zu lesen, was über sie er- sche.nt — es ist Sache ihres gesamten künstlerischen Schaffens, Spiegel der Wirkung, die sie auf die Masse ausübt. Aus solchen Gründen entstand: das Zei- tungs-Ausschnittbureau. Mit dem Zweck, die gesamte Presse auf bestimmte Namenserwähnungen oder Interessengebiete zu kontrollieren, die betreffende Erwähnung dann aus der Zeitung auszuschneiden und sie den Kunden au- zustellen. In Paris gab es vor vielen Jahrzehnten das erste Unternehmen dieser Art, ein deutsches folgte 1891. Heute gibt es Ausschnitt- bureaus in fast allen Ländern der Welt — sie stehen untereinander in Wechselbezi hung und arbeiten gemeinsam an jenen Ausgaben, die ein Studium auch der internationalen Presse notwendig machen. Um Wichfigkeit und Umfang des Geschäfts zu illustrieren, genügt nur eine Zahl das gröhte deutsche Ausschnittbureau versendet täglich 20 00C Ausschnitte, aus allen Interessengebieten. Ausmarschicrt in den Kundenlisten, das Konversationslexikon von A bis Z. Das Museum in Kolberg ist abonniert aus sämtliche Artikel über den Wisent und über Walfischfang - und eine bekannte Reichstagsabgeordnete auf solche über Cheresorm Sechs Zündholzfabriken wollen alles lesen, was über Zündhölzer erscheint, und zweiundzwanzig Margarinesabriten alles über Margarine. Ein Professor der Zoologie verlangt sämtliche Erwähnungen des Kamels in der Tagespresse, und ein bekannter Dompteur sämtliche Erwähnungen des Löwen. M. Henri) Huntington, Neuyork - er ist ferne Erfindung! - ist abonniert aus alles, was in deutschen Zeitungen über Wilfried Monod, den Erzbischof Soederblom, die Nacktkultur und die „Lieh tbeweg ung“ erscheint - und em Okkulttst auf alles über .,£ i f d) r ü d e n‘. Verleger erhalten Buchbesprechungen, die Berliner Kriminalpolizei verlangt sämtliche Berichte über Kriminalfälle aus allen Gegenden und allen Zeitungen des Reiches - und eine Gas» anstatt sämtliche Meldungen über Gasvergiftungen. Ja, es gibt eigentlich kein Gebiet, das, von der Zeitung behandelt, keinen Liebhaber findet - die Jnteressengebiets-Liste des Ausschnittbureaus umfaßt allein 150 Hauptgruppen mit je drei bis fünf Untergruppen, die entferntesten und ungewöhnlichsten Dinge werden gewünscht - und tatsächlich: man findet sie in den Zeitungen. Allerdings: wie es gemacht wird, daß nichts übersehen, sondern jede Erwähnung jedem Interessenten richtig zugestellt wird - das ist ein Geheimnis, das man nicht preis- gibt, ein komplizierter Vorgang. Interessant ist, sestzustellen, welcher Volks- t ü m l i ch k e i t die einzelne Behörde, diese oder jene Persönlichkeit, die aktuellen Probleme sich erfreuen — die Statistik des Ausschnittbureaus gibt davon ein Spiegelbild. Das preußische Kultusministerium z. D. erhält täglich 50 Ausschnitte — und das sind nur die größeren Referate übet Schul- und Unterrichtsfragen. Eine Behörde wie die „Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr" wird ebenfalls 50maI täglich in größerem Umfange erwähnt — ein sehr bekannter Schauspieler bringt es demgegenüber nur auf täglich fünf, ein populärer Strafprozeßverteidiger auf täglich sechs Erwähnungen in der deutschen Presse Der Zeitungsstoff wird zerpflückt, zerlegt in Urteil, Angriff, Ratschlag. Cs bleibt: die Information, auf die heute keiner verzichten kann. Dieses Interesse geht weit hinaus über die Landesgrenze. Ein paar Beispiele: Aus die Artikel. die in der deutschen Presse über Eisenbahnwesen erscheinen, sind u. a. abonniert die Japanische Staatsbahn, die Schwedische Staatsbahn, die Canadian Pacific Railvyay, die Budapester Straßenbahn, aus Artikel über Landwirtschaft das Internationale Agrarinsfitut in Moskau, auf bestimmte Artikel über Politik der französische Industrielle und Zeitungsbesiher Coty. und. natürlich, sämtliche ausländische Botschafter auf Artikel über ihr Heimatlanb. Das Nobel-Komitee will wissen, was die deutsche Presse über seine Kandidaten und Preisträger sagt - und der größte schwedische Konsumgenossenschafts-Verband wünscht deutsche Presse- stimmen über Kunstdünger. Bleibt noch etwas ausgeschnittene Inserate. Die werden selbst von solchen Lesern beachtet, die den übrigen Teil der Zeitung gar nicht kennen! Hier nämlich sieht man, wie die Inserate wandern. Für Stellungsuchende, die sich Angebote im Ausschnitt zuschicken lassen — bis zum Großinserenten der Industrie, der den Reklamefeldzug des Konkurrenten überwacht —. ist hier ein Markt, der Anzeigen „unter die Leute" bringt. Verteilung der Information für alles und jeden, Auswertung eines Blattes bis zum letzten Wort, Zergliederung eines ungeheuren Nachrichtenmaterials für jeden Bedarf: die Welt in Zeitungsausschnitten. Kunst und Wiffenschaft. Die Brautbriefe der Jürftin Johanna von Bismarck. Seit dem Erscheinen der berühmten Briefe Bismarcks an Braut und Gattin hat die Oeffent- lichkeit auf die Publikation der Briefe der Fürstin gewartet. Wie wir hören, steht nunmehr ihr Erscheinen (bei der Deutschen Verlags-Anstalt) unmittelbar bevor. Die Herausgabe des Bandes, der außer den Brautbriefen noch Briefe Bismarcks an feine Tochter, Gräfin Marie zu Rantzau, und eine Aufzeichnung Herbert von Bismarcks über letzte Krankheit und Tod des Altreichskanzlers enthält, besorgt die Fürsfin Herbert von Bismarck. „Oer Greifer" — ein Ulm. Nach dem ..Hexer", dem „Zinker", dem „Tiger“ — „Der Greiser". Das ist eine wilde Sache. Immer dieselbe mit immer andern Variationen und Pointen: Scotland Bard gegen die Unterwelt von London. Wer geglaubt hätte, daß es seit Wallace keine Möglichkeiten mehr gäbe aus dem weiten Felde des Kriminalfilms, der wird sich hier angenehm überrascht finden. Es gibt noch welche, und es ist noch immer nicht ganz leicht, vorauszusagen, wie alles ausgehen wird unö wer der Täter eigentlich ist. Hier lautet die gruselige Frage, auf deren Beantwortung eine hohe Belohnung ausgesetzt ist —: wer ist der Messer-Jack? Wer ist der Mann, der seit Wochen die Sensationen von London macht, der eine ganze Abendgesellschaft ausplündert, der seins Gegner mit heimtückisch aus dem Hinterhalt geworfenem Messer ums Leben bringt — bis der „Greiser" chm und seinem Anhang endgültig das Handwerk legt. Mehr darf natürlich hier vvn den Vorgängen nicht erzählt werden. Richard E i ch b e r g hat diesen Tonfilm mit intensiver Spannung, mit vielen Überraschungen und übrigens in einem Tempo inszeniert, das gelegentlich des Guten etwas zuviel tut und dem normalen Zuschauer stellenweise mehr Kombinationsgabe zu- mutet, als man voraussehen darf: auch bleiben etliche Fragen in diesem unterweltlichen Gesellschaftsspiel unbeantwortet, so daß man auf dem Heimweg allerlei Vermutungen anstellen kann. Die Tonübertragung ist ungleich, stellenweise sehr Har, stellenweise aber undeutlich, was man gerade hier, wo man keins der wenigen Worte verlieren möchte, als Mangel empfindet. Gespielt wird sehr anständig — selbst kleine Chargenrollen sind geschickt und treffsicher besetzt. Der Greifer ist Sergeant Harry Croß von Scotland Bard: den macht Hans Alhers famos, mit trockenem Humor und mit jener überlegenen Haltung, die den „guten“ Ausgang dieser Äri- minalaffäre von vornherein garantiert. (Die Kriminalgeschichte, die, von Scotland D^rb aus gesehen, schlecht abläuft, muß erst noch geschrieben oder gedreht werden.) Charlotte Susa (Dolly Mooreland) ist schon aus dem „Tiger"-Film bekannt, wo sie eine ähnliche Rolle mit gleicher Raffinesse verführte. Von den übrigen Mit- wirkenden: Harry Hardt, Karl Ludw. Diehl, Hermann Blaß. — Der neue Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus: wer für Kri- minalaffären was übrig hat, sollte die Gelegenheit wahrnehmen. —r — Recht auf Freiheit, gleiche Behandlung und ausreichenden Lebensraum geltend machen und im Gegensah zur französischen auf Erhaltung der Friedensverträge gerichteten Politik den Grundsatz der allmählichen E n t w i ck l u n g vertreten. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 7. Oktober 1930. Gemischter Galat. Als Hausfrau muh nzan immer zwei Sorten Eier in der Küche haben: Zum eigenen Gebrauch und zum Verleihen. Die letzteren sind ungestempelt. Frauen ziehen sich nicht schön an, um Männev zu erfreuen, sondern um andere Frauen zu ärgern. Die Liebeserklärung eines Mannes ist wie das Telegramm einer Frau: Richt über zehn Worte und jedes Wort überflüssig. • Ein Mann verliebt sich nicht in eine Frau, weil er sie bewundert, oder weil er vieles in ihr zu sehen glaubt, sondern weil er von ihr annimmt, daß sie ihn bewundert und vieles in ihm sieht. Richt nur Seife und Zigaretten sollen vor dem Kriege besser gewesen sein, sondern der Qualitä^srückgang scheint sich auch aus Ehemänner zu erstrecken, e Rur unvorsichtige Frauen rufen dem Manne die Zunggesellenzeit in das Gedächtnis zurück. Wenn du den Wert des Geldes erkennen willst, versuche, dir irgendwo hundert Mark zu leihen. Diele Männer zahlen die Rechnungen ihres Lebens nur mit Versprechungen: sie selber indessen verlangen immer vollwertige Quittungen. • Resignation ist, wenn ein Mädchen mit der Behauptung sparsamer umgeht, niemals einen armen Mann heiraten zu wollen, oder wenn es beginnt, mit warmen Worten von Liebesheiraten zu sprechen. Mit fünfzig Jahren ist die Frau entweder Großmutter oder ein kosmetisches Laboratorium. Den höchsten Grad der sogenannten echten Weiblichkeit erreichte jene Frau, die ihr Gebiß verschluckte und nachher behauptete, sie hätte nicht gewußt, daß ihre Zähne falsch gewesen seien. • Viele, nur allzu viele Frauen gehen zu einem Manne aus Liebe und bleiben bei ihm aus Rotwendigkeit. M. A. Theaierwerbung und Gießener Giadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die meisten Städte Deutschlands waren gezwungen, in dieser Spielzeit mit einer ganz intensiven Werbung einzu'etzen. 0a große Bühnen der Provinz schickten sogar die Mitglieder in die Wohnungen ihrer Bürger, um durch persönliche Unterhan hinten für das Abonnement zu werben. Das Gießener Stadttheater hat von solchen forcierten Mitteln Abstand genommen und hat versucht, durch einen künstlerisch umrahmten W e r b e t a g nochmals aus die Erhaltung des Theaters hinzuweisen, das durch den Gemeinsinn der Bürgerschaft" erbaut worden ist. Die Abonnenten^ahl hat trotzdem noch nicht die Höhe erreicht, die das Fortbestehen der Bühne unbedingt garantiert. Wenn auch der Tagesbesuch sicher eher -unehmen als abnehmen toiro, so ist der Garantiesonds für ein Theater nur gewährt durch ein st a r k e s A Könne m e n t. Mit diesen Summen kann gearbeitet und das Bestehen der Bühne sich.'rgestellt werden Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß immer noch Abonnenten angenommen werden. Etwa versäumte Vorstellungen werden natürlich in Abrechnung gebracht. Auch können auf Wunsch Gutscheine dafür ausgegeben werden. Oie Obsternte in Oberheffen. Wie wir auf Anfrage an gut unterrichteter fachmännischer Stelle erfahren ist die diesjährige Ob st ernte in Oberhessen, abgesehen von einigen rein örtlichen Ausnahmen, allenthalben sehr schlecht ausgefallen. Die Ernte an Aepfeln war nur äußerst gering, in einzelnen Dörfern konnten die Besitzer noch nicht einmal ihren Hausbedars völlig decken, andere Obstzüchter, die sonst alljährlich 30 bis 40 Zentner Aepfel aus ihrer Obstanlage zum Thüringer Siahlhelmer in Gießen Das große Stahlhclmtrcffen in Koblenz, über dessen Verlauf wir gestern schon berichteten und dem wir heute an anderer Stelle eine weitere Betrachtung widmen, hat auch unserer Stadt geftem abend einen Abglanz der einorucksvollen S t a h l h e l m k u n d g e b u n g gebracht. Stahlhelmer aus dem Gau Saale-Thüringen, die sich in 14 großen Kraftomnibussen auf der Rückfahrt von Koblenz nach ihrer thüringischen Heimat befanden, waren etwa zwei Stunden in Gießen zu Gast. Ihr Besuch gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung deS nationalen Wehrwillens, wie er im Stahlhelm verkörpert ist. Der Besuch dieser Gäste war für unsere Stadt ein Erlebnis bester Art. Die Einwohnerschaft nahm lebhaften Anteil an allem, was mit diesem Besuch zusammenhing, und die Gießener Ortsgruppe des Stahlhelm war eifrig bemüht, ihren Kameraden den Aufenthalt während der zwei Stunden des Besuches so angenehm wie möglich zu machen. * Schon lange vor dem Eintreffen der großen Kraftomnibuskolonne standen viele Hunderte von Mitbürgern an den Straßen, die von den Gästen passiert werden sollten. In der Frankfurter Straße, als Einfahrtstrahe aus der Richtung Wetzlar, herrschte besonders lebhafter Betrieb. Gegen 15;3 । Uhr trafen die ersten großen Omnibusse mit den Stahlhelmleuten ein, nachdem schon vorher eine Reihe vollbesetzter Privatautos mit Stahlhelmern die Stadt ohne Aufenthalt passiert hatte: in rascher Folge kamen dann die übrigen großen Kraftwagen an, die Mannschaften stiegen aus und formierten sich zum Zug durch die Stabt. Mit entrollten Fahnen, die zu einer prächtigen Gruppe vereinigt waren, ging es unter flottet Marschmusik an den großen Zuschauermengen vor° bei in die Stadt hinein. Die Klänge des Deutschlandliedes leiteten den in militärischem Schneid durchgeführten Marsch ein. Eine große Schar junger Gießener voraus und begleitet auf beiden Seiten von vielen mitmarschierenden Leuten jeglichen Alters, so schritten die Thüringer Stahlhelmer mit ihrem Trommler- und Pfeiferchor und ihrer Marsch- "musik an der Spitze durch unsere Stadt, dabei geführt von der Gruppe der Gießener Stahlhelmer mit Zug ging die Frankfurter Straße herab bis zum Cass Hettler, dann durch die Südanlage, Neuen Bäue, Neuenweg, Seltersweg, Westanlage, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Kreuzplatz, Sonnenstraße nach deip Brandplatz. Während der etwa 4 0 0 Mann starke Stahlhelmerzug unter den Stangen flotter Marschmusik und von freundlichem Wetter begünstigt durch die Stadt marschierte, überall freundlich begrüßt von unserer Bürgerschaft, war die große Kraftomnibuskolonne zum Brandplatz vorausgefahren und hatte dort Aufstellung genommen. Gegen 17 Uhr traf die feldgraue Marschkolonne mit den vielen Fahnen an der Spitze auf dem Brandplatz ein, wo der Zug aufgelöst wurde, da man die Gäste in mehreren Lokalen der Stadt zum Speisen erwartete Pünktlich wie vorgesehen, um 18 Uhr, rückten dann von allen Seiten die Stahlhelmgruppen wieder an, zum Teil unter dem Gesang von Marschliedern. Dann wurde auf dem Brandplatz alles zur Weiterfahrl gerüstet. Die Fahnen und die Musikinstrumente wurden auf den Wagen verstaut, eine kurze Verständigung der Führer untereinander folgte, und dann bestiegen die Männer im feldgrauen Rock wieder ihre Fahrzeuge. Gegen 18.15 Uhr setzte sich die große Reisekolomw unter herzlichen Abschiedskundgebungen der zahlreich auf dem Brandplatz versammelten Einwohnerschaft in Bewegung^ Die Fahrt ging durch die Senden» berystraße, Moltkestraße, Kaiserallee in Richtung Grünberg. Der Stahlhelmaufmarsch zeigte unserer Bürgerschaft eine glänzend disziplinierte Vereinigung von Männern, die durch ihr vorbildliches Auftreten den denkbar besten Eindruck machten. Besonders bemerkenswert war dabei auch die Tatsache, daß der weitaus größte Teil der Gäste im feldgrauen Rock dem Lebensalter nach unverkennbar nur aus ehemaligen Frontsoldaten bestand. An diesem Beispiel war ersichtlich, daß die Träger des Gedankens, der im Stahlhelm gepflegt wird, nicht etwa nur der Jugend entstammen, sondern auch viele gereifte Männer, ^im Teil schon ergraut, sind. Daß sich gerade zene Männer, die nicht zu den Jüngsten an Jahren zählen, den großen Strapazen einer solchen Tagungsfahrt begeistert unterziehen, verdient besonders hervorgehoben zu werden. Weiter ist als anerkennenswertes Beispiel die Tatsache zu bewerten, daß die Teilnahme an einer solchen Kundgebung auch in starkem Maße materielle Opferfreudigkeit für eine große Sache erfordert. Uni) schließlich verdient ter bei tem gestrigen Besuch allenthalben in ter Stahlhelmmannschaft zu beobachtende ausgezeichnete Frontsoldatengeist, her sich in guter Kameradschaft und straffer Disziplin äußerte, besonders warme Anerkennung, Die Stahlhelmgäste aus dem schönen Thüringer Land und von dem Hellen Strande ter Saale konnten jedenfalls als ideellen Gewinn ihres Gießener Besuches die Tatsache verbuchen, daß man ihnen dank ihrer ausgezeichneten Haltung hier warme Sympathie entgegenbrachte und an ihren Besuch immer gerne zurückdenken wird. So vorbildlich das Verhalten der Stahlhelmer in allen Teilen der Kundgebung war, so unerfreulich benahmen sich sechs junge Burschen im Alter von etwa 20 Jahren, meist Kommunisten, die glaubten, durch provokatorisches Benehmen den Gästen und tex ruhig denkenden Bürgerschaft imponieren zu können. Die Polizei verwarnte die radaulustigen Jünglinge zunächst mehrmals, als diese aber — noch vor dem Anmarsch des Stahlhelmzuges — sich besonders ungebärdig zeigten, machten die Polizeibeamten kurzen Prozeß und nahmen die sechs Jünglinge in Haft. In sicherem Gewahrsam im Haftlokal des Polizeiamts hatten sie bis heute vormittag Gelegenheit, über ihr törichtes Benehmen nachzudenken. Verkauf stellen können, besitzen in diesem Jahre nur gerade oder knapp den Hausbedarf. Daß unter diesen Umständen natürlich auch die Preisentwicklung sehr ungünstig für die Konsumenten ist, liegt aus der Hand. Die Ernte an Birnen ist gering bis mittel ausgefallen: an guten Birnen war der Ernteertrag nur gering, an Wirt- schastsbimen tarn er etwa an die Mittellinie heran. Als Beispiel für den Ausfall ter Ernte in diesen beiden Obstsorten sei erwähnt, daß man in der Gemeinde Bellersheim (Kreis Gießen) auch in diesem schlechten Obstjahre ein günstiges Resultat zu verzeichnen hatte, da man dort unter der Leitung von Bürgermeister Müller in der Schädlingsbekämpfung hervorragende Arbeit leistete. Dieses lehrreiche Beispiel möge anderen Gemeinden Anlaß zur Rach- eiferung fein. In Zwetschen und Pflaumen konnte eine mittelmäßige Ernte eingebracht werden, in Kirschen war die Ernte gut bis sehr gut, wobei besonders die Hauptorte der Kirschenzucht (Ockstadt, Oter-Rosbach, Friedberg, Ober-Mörlen) geradezu eine Rekordernte hatten. Betrug ohne ZRiftfo? In dem geldarmen Deutschland blüht zur Zeit ter Darlehensschwindel. Der Schwindler erläßt eine Annonce, in der er bei diskreter Behandlung Geldbeträge in jeder Höhe zu mäßigen Zinsen, ohne Hypotheken und Sicherstellung verspricht. Den sich massenhaft meldenden Opfern wird mit vertrauenerweckend klingenden, bei näherer Betrachtung (die aber nicht angestellt wird) leeren Redensarten die Vermittlung eines Darlehens gegen Zahlung einer einmaligen Gebühr von 50 Marck in Aussicht gestellt. Die Gebühr wird bezahlt «und damit ist die Sache zu Ente. Daß der „Geldgeber" im letzten Augenblick sich wegen „Kreditunwürdigkeit" des Opfers zur Gewährung des Darlehens nicht entschließen rann, dazu kann ter „Vermittler" doch nichts. Im Einzelfall wird der Schwindler tatsächlich nicht zu fassen sein, da man ihm die zum Betrug erforderliche Schädigungsabsicht, die schon beim Abschluß des Geschäfts vorhanden fein muß, nicht nachweisen kann. Im Augenblick aber, wo der Schwindel größeren Umfang annimmt, ändert sich das Bild. Die , Frage, ob in solchem Falle nicht die Detrugsabsicht nachweisbar ist, wird Gegenstand der Erörterung in einem Prozeß sein, ter vor dem Dezirksschösfengericht Gießen am 7. Rovernber beginnt und voraussichtlich mehrere Wochen dauern wird, denn es werden etwa 150 Zeugen zu vernehmen sein. Qlngeflagt ist ter Inhaber einer „Kreditschutzvereinigung Kreveawa" mit tem Sih in Wieseck, die angeblich mit einer erstklassigen Bank in Wien in Verbindung stand. Wer Darlehen suchte, mußte zunächst Mitglied dieser Schutzvereinigung werten, und das wurde er gegen Zahlung einer an den Inhaber zu leistenden Gebühr von 60 Mark, die auf keinen Fall zurückzubezahlen waren: das Darlehen erhielt das Mitglied sozusagen nie. Sollte die Strafverhandlung ergeben, daß hier tatsächlich ein fortgesetzter Betrug vorliegt — geschädigt sollen etwa 200 „Mitglieder" fein —, so wäre die Meinung, daß hier eine durch Reufassung oder Ergänzung tes Betrugsparagraphen zu schließende Lücke im Gesetz vorliegt, hinfällig. Auch in Berlin läuft zur Zeit ein großer Prozeß gleichen Inhalts, trtt6 et scheint also, daß die Strafverfolgungsbehörden entschlossen sind, tem Darlehensschwindel mit den gesetzlichen Mitteln zu Leibe zu gehen. Gictzener Wochcnmarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter von 130 an; Butter 160 bis 170; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 8 bis 10; Weißkraut 5 bis 8; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 15 bis 20; Bohnen 15 bis 20; Unter-Kohlrabi 6 bis 8; Rosenkohl 45 bis 50; Feldsalat 100; Tomaten 15 bis 20; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 50 bis 70; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kürbis 8 bis 10; Kartoffeln 3,5 bis 4; Falläpfel 8 bis 10; Aepfel 20 bis 35; Dirnen 15 bis 30; Dörrobst 30 bis 35; Zwetschen 20 bis 25; Honig 40 bis 50; Preihelbeeren 45 bis 50; junge Hähne 100 bis 110; Suppenhühner 100 bis 110; Rüsse 40 bis 60; das Stück: Tauben 50 bis 70; Eier 14 bis 15; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurken 10 bis 30; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 6 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,50 bis 2,80; Weißkraut 3,00; Wirsing 4,00, Rotkraut 5,00 Mark. Bornotizen. * — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Schinderhannes", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Gießener Konzertverein: Sonderkonzert, 20 Uhr, in ter Universitätsaula. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Greifer". — Astoria- lichtspiele: „Rin-Tin-Tin". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute Abend geht Zuck- mayers „Schinderhannes" im Dienstag-Abonnement über die Bretter. Die Besetzung ist dieselbe wie in der Eröffnungsvorstellung. Den Schinderhannes spielt Jochen Hauer, das Iulchen Elisabeth Wielander. In den übrigen Rollen ist das gesamte Solopersonal beschäftigt. Die Regie führt Intendant Dr. P r a s ch — Am Sonntag, 12. Oktober, Gastspiel des Deutschen Künstlertheaters mit Leopvldine Konstantin in Maughams Komödie „Wasserscheu". — Der Goethe-Bund eröffnet, wie man uns schreibt, am kommenden Sonntag seine Vortragstätigkeit 1930/31, die eine künstlerisch und kulturell bedeutsame Reihe von Darbietungen zu volkstümlichen Eintrittspreisen bringen soll. Zu dem ersten Vortrag ist Prof. Dr. Bastian Schmid aus München, wohl ter bedeutendste deutsche Tierpsychologe, gewönnen worden. Unter dem Titel „Sprache und Spiele ter Tiere" wird der Forscher an Hand interessanter Lichtbildaufnahmen über seine jahrzehntelangen mühseligen Forschungsarbeiten berichten. (Räheres in ter heutigen Anzeige. — Die Deutsche Friedensgesellschaft, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am nächsten Donnerstag, 20 Uhr im Cas6 Leib eine Versammlung, in der Generalmajor a. D. Dr. h. c. Freiherr v. Schoenaich sprechen wird. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ♦ " Die städtischen Wohnhäuser im verlängerten Asterweg, die zur Linderung der Kleinwohnungsnot errichtet wurden, sind in den letzten Wochen außen verputzt worden bzw. wird der zur Zeit in der Fertigstellung begriffene westliche Bau gegenwärtig damit versehen. Das Bild der Häuser hat sich dadurch wesentlich zum Vorteil verändert. ** Eine Vergiftung mit Kohleü- oxy dgas ereignete sich tn der Rächt zum Sonntag in einem Hause der Sonnenstraße. Dort war in der Wohnung im ersten Stock ein neuer Ofen aufgestellt und am Samstagnachmittag angebrannt worden. Anscheinend hatte man ober infolge mangelnder Kenntnis ter Ofeneinrichtung nicht den nötigen Abzug für die Kohlengase geschaffen, so daß sich über Rächt die Kohlenoxhd- gafe in den Räumen und auch in den beiden darüberliegenden Wohnungen ausbreiten tonnten. Am Sonntagmorgen wurde, zum Glück noch zur rechten Zeit, der Unfall entdeckt, so daß die teilweise schon bewußtlos in den Betten liegenden Personen durch Sauerstoffzuführung gerettet werden konnten. Der schnellen ärztlichen Hilfe und dem tatkräftigen Eingreifen ter Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, vor allem aber auch dem kurz entschlossenen Handeln ter von dem Unglücksfall nicht betroffenen Hausbewohner, haben die Verunglückten die Erhaltung ihres Lebens zu danken. ** Verlorenes im Fundbureau. Das Verzeichnis über die im Monat September gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an ter Anschlagtafel im Flur tes Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Eine große Anzahl von Gegenständen ist im Zirkus Qarraf ant gefunden worden. Die Empfangsberechtigten müssen ihre Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundbureau geltend machen. dtrbeltsplahbeleuchtunq darfnicht blendens 'Blendung setgt die dBrbeltshldung herab. Das Licht darf nicht blenden, es muß reichlich und gut sein, dann werden die Augen geschont, und die Arbeit geht schneller vonstaften. Gutes Licht hilft Unfälle vermeiden. Sparen Sie nicht an LichtI Fragen Sie den Elektro-Lichtfachmann, wie er Ihre Lichtanlage verbessern kann. Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von J. Schneider-Foersil. Llrheber-Recht schuh durch Verlag j^skar Meister, Werdau i. Sa. 32 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Hellas Stirne ruhte auf Frankes linkem Ann und ihre Lippen fingen die Tränen auf. die ihr ununterbrochen über die Wangen herabrannen. ..Ich glaube, dost ich euch jetzt ohne Sorge alleinlaffen kann", sagte er nachdenklich. „Hella, ich hoffe, dah ich dir als meiner g osten, vernünftigen Tochter die jüngere Schwester anvertrauen darf." _ Das verweinte Gesicht hob stch etwas: „3a. Vater I" . , . ,. , Er nahm ihre Hand in die seine und hielt sie fest. „3m übrigen vertraue ich unbedingt auf alles "das, was du mir versprochen hast. Du wirst mich nicht enttäuschen." „Olein, Vater!" Er erhob sich und sah lächelnd von einer seiner Töchter nach der anderen. Die V-lntersonne. die in breitem Vande durch die hohen Fenster kam. liest deren Blondhaar aufsprühen und umspann es mit goldenen Betzen. Wie sie der Mutter ähnelten! — Auch 3ust! Bur Bert — Bert war ganz anders! Vielleicht zog es ihn deshalb mit allen Banden zu diesem feinen Aeltesten, der zu einem Helden gereift war. Beim Abschied hielt Sabine feine Hand in die ihre gedruckt und sah ihn flehend an. Er wandte das Gesicht von ihr und ging langsamen Schrittes nach der Türe. Hella halte noch vor ihm die Finger auf die Klinke gelegt: „Vater — wenn du noch eine Minute Seit hast — ich habe vergessen, dir etwas zu sagen." 3hre Augen baten Sabine, den Baum zu verlassen und als deren Fuh brausten nach der Treppe schritt, sprach sie mit flehendem Ernst: „Mutter hat mir damals in Interlaken gestanden: „Es gibt niemanden in der Welt, den ich so über alles liebe, wie deinen Vater! — Sei barmherzig, Papa, und verzeihe ihr. wie du mir verziehen hast." „3ch habe der Mama nichts zu vergeben, Kind." „Daß sie dich verliest. Vater." Hellas schlanker Körper lehnte schwer gegen die geblümte Tapete des kleinen Zimmers. Ihre Augen flimmerten. „Kleine Hella! Wie traurig, dast du mit deinen sechzehn Iahren schon Einblick in so viel Leid und Traurigkeit hast!" Franke nahm die Mädchenhand mitleidig zwischen die seine und hielt sie sorglich fest. „Wenn du mit Hhlmar Donnerswoda vor den Altar trittst, dann streife zuvor alle Unwahrheit von dir. Bur gegenseitiges Vertrauen gewährleistet die Dauer jeder | Ehe." Sie senkte den Kopf und wagte nicht xu fragen. WaS immer auch die Mutier gefehlt haben mochte — sie wustie, et würde ihr ein gnädiger Richter fein. — „Du gehst zu den Himmlischen beten und sie werden ein Herz von Stein für deine Tränen haben!" Immer muhte Helene an diese Worte ihres Mannes denken, als sie jetzt durch die Winterstille der Campagna nach Sankia della Travestare hinauSfuhr, um die Madonna der Sabinerberge zu mahnen, daß sie ihr Gelübde restlos erfüllt, die Himmlische aber ihre Gnade versagt hatte. Heute betete kein Mönch neben ihr sein: „Mea culpa.“ — Sie war auch nicht allein im Abteil. In Sivoli war Lichterfest. Halb Rom zog aus, die Feier mitzumachen. Zu ihrer Rechten sah eine Amme und hielt den Säugling gegen die Brust gedrückt. Der Herr ihr gegenüber sah wohlgefällig, wie der kleine Mund behäbig schmatzte und die Bohrung in durstigen Zügen durch die Kehle rinnen ließ. Die Mutter des Säuglings lehnte bequem in den Polstern und blickte über das Köpfchen ihres Bambinos hinweg nach dem Gatten, der ein Dreijähriges auf den Knien wiegte, während ein größerer Knabe den Arm durch den feinen geschoben hielt. Helene kämpfte ihre Tränen nieder und bezwang ihr unsägliches Bittersein DaS alles hatte sie auch besessen und hatte cs bingegeben, eines Phantoms willen! Eines Gelübdes wegen, das kein, aber auch gar kein Gewähren zur Folge hatte. „Du hast ein Herz von Stein, Madonna von della Travestare." Ihre feuchtschimmemden Augen suchten zu den Höhen hinauf, wo die Bergstädte tote zerfallene Ruinen sich in das Blau deS Himmels bohrten. Der Bambino neben ihr tag an die Brust der Amme geschmiegt. „Ich will meine Kinder wieder haben." Helenes Lippen bewegten sich stammelnd. Ihre Finger hoben sich zaghaft und legten sich auf den Flaum der Haare, der da an den Brüsten der rundlichen Frau schimmerte. „Ist es nicht süß, Signora?" Die Amme neben ihr hatte es glückerfüllt geflüstert. Da fielen Helenes Finger herab. So hatte Bert vor beinahe siebzehn Iahten an ihrem Herzen gelegen. Bert, das Kind, um dessentwil» len sie letzt allem entsagt hatte. — Lind die Madonna hatte sie nicht erhört. Es gab keine Barmherzigkeit bei den Himmlischen, wie es keine bei den Irdischen gab. — Bur Sünde und Schuld und Vergeltung und Buhe. Buhe! Draußen zogen die spärlich bevölkerten Ansiedlungen vorüber. Don den Abruzzen leuchteten weihbeschneite Spitzen. Die- Schaf- und I Ziegenherden waren aus der Kälte der Berge | in die Ebene gezogen und drängten sich zusammen. Madonna von della Travestare, du bist kühl, wie der Schnee auf den Hohen! Du bist unnahbar wie die CEDollen, die menfchenferne darüber hinwegziehen. Deine Seele hat sich an der Bitterkeit des eigenen Erdenlebens fattgetrunfen und will nichts mehr wissen von Mcnschennot und Menschentränem Dein Mund ist stumm jeder Bitte und dein Ohr taub jeglichem Flehen. — „Madonna von della Travestare: Du bist so machtlos wie ich!" Helene schrak aus. Beben ihr fing der Bambino zu weinen an. Die Amme drückte das Kleine beschwichtigend an die Brust und lächelte — lächelte über die kleine Bot des Levens, wo doch die große erst noch zu überwinden war. Das Kind weinte noch immer. Da war es Helene, als müßte sie es zur Ruhe fingen, als wäre es Bert, den sie in Schlaf lullen wollte. Ihre Lippen taten sich auf. Sie fang mit süßer, finnbetörender Stimme das Wiegenlied. „Eia! Eia! Schlaf ein! Schlaf*ein!" Wußte nicht mehr, daß sie fang, sah die Augen nicht, die in grenzenloser Spannung auf ihr hafteten — sie fang, bis der Kindermund endlich mit einem Lächeln schlief und der Flaum der Wangen sich in wohligem Geborgensein wiederum an die Brust der Amme lehnte. „Grazie, Signora! — Grazie!" Da erbleichte sie. Draußen stürzten die Wasser Tivolis in das riesige Talbecken. Der Tempel der Venus leuchtete weih über den sprühenden Gischt hinweg. Türen wurden aufgerissen. Menschenströme ergossen sich über den Bahnsteig. Die Amme mit dem Bambino auf den Armen schlängelte sich, trotz ihrer Fülle, gewandt durch das Gedränge, welches ihren Schützling gefährdete. Helene atmete auf. Bun war sie allein. Sic nahm ein Buch aus der Handtasche und begann zu lesen, legte es wieder zur Seite und hing, ihren Gedanken nach, hetzte mit ihnen durch Vergangenheit und Gegenwart und hatte nichts, als ein großes Staunen in den Augen, als die kleine Station ihres Endzieles in der sonnenflimmernden Helle des Bachmittags auftauchte. Am Bahndamm sah Peppo und winkte ihr mit einem Fetzen Taschentuches zu. Sie hatte der schlampigen Wirtin der Osteria von Rom aus mitgcteilt, daß sie heute eintreffen würde und dah sie den Iungen bestellen möchte. Er hüpfte, noch ehe der Zug hielt, auf das Trittbrett und sah zu ihr auf: „Hat die Madonna von della Travestare geholfen, Signora?" „Bein", sagte sie leise. Vor diesen gläubigen Kinderaugen wollte sie nicht zur Anklägerin der Himmlischen werden. Er schüttelte ungläubig den Kopf, nahm Ihre Handtasche, als die Räder stille hielten und sie langsam über daS Trittbrett stieg. Ihre Hand streifend, sagte er tröstend: .Zwanzig Kerzen hat Fra Ilfonso aufgesteckt. Sie sind bis zum letzten Stümpfchen ßerabgebramü.“ „Ich danke dir, Peppo!" Roch immer stand daS tröstende Lächeln in feinem Gesichte: „Sie wird noch helfen, Signora. Du muht nur glauben.“ Helene wollte den Kopf schütteln, aber sie wagte es nicht. Sie durfte diesem Kinde das Vertrauen nicht nehmen. Peppo hatte weder Mutter noch Vater. Er b^sah keinerlei Zuflucht als die Madonna von della Travestare. Die Wirtin hatte diesmal sogar einen sauberen Krug bereit und ein Glas, an welchem kein Fliegenschmuh klebte. Trotzdem trank Helene nur die Hälfte des Weines, den ihr die Frau kredenzte. Peppo durste den Rest leeren. Dann brachen sie nach dem Kloster auf. Der Aufstieg dünkte sie diesmal weniger beschwerlich. Sie war nicht mehr in dieser gräh- lichen Seelenstimmung, wie damals. Sie hatte das Letzte versucht, hatte alles getan, was ein Mensch für seine Schuld an Sühne und Buhe zu tun vermochte. Lieber, armer Bert! Ich habe dir das Opfer meines Glückes gebracht! Es war umsonst! ilm- sonst die Entsagung, umsonst die Verbannung, die sie sich selber auferlegt hatte. Vielleicht wollte die Madonna von della Travestare ihr Leben? — Sie sollte es haben! Es war wertlos für sie geworden. Peppo fah ab und zu mitleidig zu ihr auf. Er hätte so gerne mit ihr geplaudert, aber er ehrte ihr Schweigen. Wenn der Sohn noch immer so hoffnungslos krank war, dann hatte sie wohl keine Lust mit ihm zu reden. Richt ein einzigesmal war sie gestrauchelt, nicht ein einzigesmal ermattet stehengeblieben, als sie jetzt so unvermittelt das Kloster vor sich auftauchen sah. Sie ist doch eine tapfere grau, erwog der Dunge. Sic ist es sicher wert, Madonna, daß du ihr hilfst. Diesmal wollte Helene nicht bei den Mönchen versprechen. Bur Fra Ilfonso, der, beide Arme mit Blumen beloben, nach der Kapelle ging, erhielt einen stummen Gruß von ihr. Peppo blieb dicht an ihrer Seite, als sie jetzt vor den Schrein des Heiligenbildes trat und mit ruhigen Augen zu dem Frauengesichie emporsah, das da, in lächelnder Reinheit, die Arme um ihr Kind geschlungen. auf sie herabfah. „Was muß ich noch tun, dein Herz zu rühren, du Unnahbare? — War es dir nicht Sühne genug, was ich tat und hielt id> nicht treulich, was ich gelobte?" Als müßte fte Antwort bekommen, blickte sie fragend zu der Himmlischen auf. „Was forderst du noch?" (Schluß folgt.) Erst sehen uii 6) (o c) 6 d) (1 t) S c) (o •■>) 6 B (0 w (a D) | JUHKERsRUH S KARLSRUHE/——^ > ' Sie eich unser Lager in Oefen an, bevor Sie sich Eum Kauf entschließen. Junker- & -Ruh- Oefen 6363 a Kramer-Oefen Viele erstklassige Marken! Langjährige Erfahrung! H e y d & Sohn Seltersweg 12 Reste-Verkaiif! 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Es ladet ein Deutsche Friedensgesellschaft / Bund der Kriegsgegner 06167 Goethe-Bund Anläßlich des 16. Jahresfestes Volksbildungstag Sonntag, den 12. Oktober 1930. i, Vormittags 10 Uhr, Großer Hörsaal der Universität, Vortrag des Volksbildners Dr. h. e. Johannes Tews: Begenwartzfragen der freien Volksbildungsarbeit. Bundesmitgiieder unentgeltl.Einlaßkarten bei Challier. 2. Nachmittags 5 Uhr in der Neuen Aula der Universität Lichtbildervortrag Prof. Dr. Bastian Schmid, München: Sprache und Spiele der Tiere Blutrittskarten: Bundesmitglieder haben bis zu 2 Plätzen freien Eintritt auf Einlösung des Gutscheines Nr. 1 aus dem neuen blauen Gutscheinheft gegen numerierte Platzkarten in der Musikalienhandlung Challier. Nichtmitglieder Karten zu Mk. 2. , Studenten Karten zu Mk. 1— gegen Ausweis Umversitätsgebäude, Zimmer 8. 3. Abends 8 Uhr Im großen Saale des Hotels .Hindenburg“ zwanglose Kltglieder-Znsammenkunft zu Ehren der auswärtigen Tagungs-Teilnehmer und aus Anlaß des 16. Jahresfestes. Einlaßkarten unentgeltl. bei Challier. L Beitragsrate bei Challier gegen Empfang des galligen Gntseheln- heflei einlösen. Dort anchNenanmeldnngen I Werbt nene Mitglieder! Verlangen Sie unser Programm nnd Werbeheft 1930 31. 6S1JD WlllllllllllllllllllllllHlllllllllllllllliKlllllllllllllllllllllHIIIIIHIIim'JIIHIIIIIilllllllHIIIIIIIIIJ AdreßbuchSladlplan und Einwohner- und Geschäfisverzeichniffen VON r Städten und 74 OriSgemeinden mit etwa 100000 Einwohnern nebst wertvollem Wirt- fchafis- und kulturgeschichtlichen Sonderabschnitt / Preis lOReichsmar! Obrrhefflscher Adreßbuchverlag, Gießen, Schulstr. 7 (Total* .Ausverkauf von Damen- u. Herrenlchuhen, Überftiefeln und Tanzfchuhen, Hausfchuhen usw. bei 172D £ilienfeld™& 'Cafe Jtmend Mittwoch, den 8. Okt., abends: 1. tfonder- Jfonzert unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Willy Fritsche 68220 mit verstärkter Hauskapelle. W&M wird immer größer, wenn Sie ein schlechtsitzendes und lästiges Bruchband tragen Durch solche Bänder verschlimmert sich das Leiden und kann zur Todesursache werden. (Es entsteht Brucheinklemmung, die operiert werden muß und den Tod zur Folge haben kann.) Fragen Sie Ihren Arzt Hat dieser eine Bandage verordnet dann muß es in Ihrem Interesse liegen, sich meine äußerst bequeme, unverwüstliche Spezial-Bandage anfertigen zu lassen. Durch Tag- und Nachttragen meiner Bandagen haben sich nachweislich Bruchleidende selbst geheilt werkmstr. A. B. schreibt u. a.: .Mein schwerer Leistenbruch ist geheilt Ich bin wieder In meinem 66. Lebensjahre ein ganzer und glücklicher Mensch I" Landwirt Fr. St schreibt u. a.: .Ich sehe mich genötigt Ihnen nach 2 jähren meinen Innigen Dank auszusprechen . . wurde idi ganz befreit von meinem Leiden/' Bandagen von RM. 15.— an. Für Bruch- und Vorfall-Leidende kostenlos zu spredien in: Gleben, 10. 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Bestimmt: eine größere Partie Romanbücher, eine Partie Papierwaren, Notizbücher, Federn, Schreib- und Zeichenhefte, Aufgabebücher, Griffelspiher, Radiergummis, Briefumschläge, Ansichls- und Gratulationskarlen, Schreibunter, lagen Farbstifte, Tinte, Löfchpapier, Reihvrettsttfte und vieles andere. Funker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiefecker Weg 16 — Telephon 3383 Nr. 234 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Dienstag, 7. Oktober MO Wirtschaft. Oie Marktlage für Tabakwaren im September. Nach den Erhebungen des Reichsverbaick>es der Handelsvertreter des Tabakgewerbes (RHT) hat sich für die Marktlage für Tabak- waren im September folgendes -öuö er- ^Der Umsatz aller Tabakwaren hat unter den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen gelitten Der Handel hält seine Läger möglichst klein um sich nicht Verpflichtungen aufzuladen, denen er nachher nicht nachkommen kann. Das Weihnachtsgeschäft für Zigarren war ab- geschlossen. Es sind nur notwendige Ergän-ungs- aufträge für laufende Sachen gegeben worden. In manchen Bezirken blieben die Umsätze hinter den Umsätzen des August zurück. Die Nachfrage nach Zigarren in billigen Preislagen und nach Zigarillos ist verhältnismäßig stark: die Industrie hat sich hierauf eingestellt. Das Zigarettengeschäft nahm in den letzten 14 Tagen des September den üblichen Aufschwung vor Quartalsschluh: die Händler versuchen zum Teil durch größere Aufträge in eine höhere Umsahstufe hineinzukommen. Allerdings scheint die Vorversorgung diesmal nicht ko stark, wie in den vorhergehenden Diertel- 1 ähren gewesen zu sein. Es besteht der Eindruck, daß der gemeinsame Bezug von Zigaretten durch mehrere Händler zugenommen hat, so daß auf diese Meise leichter eine höhere Umsahstufe erreicht wird. Im Kreise des Handels wird deshalb auch im allgemeinen das derzeitige Staffelsystem als ungünstig für Industrie und Handel abgelehnt. Das Mahnwesen der Zigarettenindustrie ist mit Rücksicht auf die Verkürzung der Stundungsfristen für Banderolen im allgemeinen abgekürzt worden. Das Geschäft mit Rauchtabak hielt sich in den Grenzen des Vormonats. Besonders aus Großstädten wird berichtet, daß der Krüllschnitt gegenüber dem steuerbegünstigten Feinschnitt nach und nach verloren hat. Bezirkösparkaffe Schotten. v. Schotten, 5. Ott. Die ordentliche Mitgliederversammlung der hiesigen Bezirks- s p a r k a s s e fand gestern im Rathaussaal unter starker Beteiligung statt. Der Direktor der Kasse, Bürgermeister M e n g e l, Schotten, begrüßte die Vertreter der Gemeinden, die nach den neuen Gemeinderatswahlen von den Gemeindevertretungen neu gewählt waren, insbesondere galt der Gruß dem Vertreter des Kreisamts Schotten, Regierungsrat Schwan, und dem Vorsitzenden des Hessischen Sparkassenverbandes, Iustizrat Reh, Darmstadt, sowie den von der öffentlichen Bausparkasse Hessen erschienenen Herren Regierungsrat Dr. P a b st und H ä g e r t. Frankfurt. Die Rechnung für 1 929 war durch eine Kommission geprüft, die Versammlung genehmigte sie und erteilte dem Rechner Entlastung. Ein eingehender I a h res- bericht wurde vom Direktor erstattet. Die Kasse hat sich günstig weiterentwickelt. Die Million Einlagen ist im vergangenen Jahr überschritten worden, an Spareinlagen waren Ende 1929 1 025 000 Mark vorhanden, bis heute ist der Bestand weiter bis auf 1 414 000 Mark gestiegen. Arn Jahresschlutz befanden sich 2582 Sparbücher im Umlauf mit einer Durchschnittseinlage von 397 Mark. Auf jeden vierten bis fünften Einwohner kommt ein Sparbuch, ein Zeichen, daß der gesunde Sparsinn der Bevölkerung wiedergekehrt ist. Die Kasse pflegt in erster Linie das H h p o - thelargeschäft. Die meisten Gelder der Kasse sind in Hypotheken angelegt. Der Kontokorrentverkehr war bei der Kasse sehr lebhaft. Die Rücklagen der Kasse haben sich mit Ende 1929 auf 65 000 Mark erhöht, in der Vorkriegszeit betrug die Rücklage 97 000 Mark, über zwei Drittel der früheren Rücklage ist also bereits wieder angesammelt. Die Zinssätze bei der Kasse hielten sich im vergangenen Iahr in den normalen Grenzen bei den Guthaben 7 bis 8 Prozent, im Soll 10 bis 11 Prozent. Eine weitere Zinssenkung ist inzwischen wieder erfolgt. Der Reingewinn betrug im letzten Iahr 13 777 Mark, er wurde der Rücklage zugeschrieben. Für wohltätige Zwecke wurden rund 1500 Mark verausgabt, ein Betrag von 1000 Mark dem Krankenhaus Schotten überwiesen. Wie in früheren Iahren, wurden auch diesmal wieder Dienstbotenprämien für langjährige Dienste überwiesen. In den S ch u l s p a r k a s s e n des Bezirks wurden insgesamt rund 22 000 Mk. angesammelt, davon 350 Mk. von Altenhain, 1500 Mk. Eichelsachsen, 700 Mk. Eschenrod, 3300 Mk. Rainrod, 10 000 Mk. Schotten, 960 Mk. Stornfels, 3500 Mk. Ulfa, 1100 Md Wingershausen. In den Heim- sparbüchsen wurden rund 3800 Mk. angcsam- melt. Die Aufwertung der Dorkriegsguthabcn ist erledigt, die Kasse wird mit 133 4 Proz. aufwerten. Justizrat Dr. Reh und Reg.-Rat Schwan sprachen im Namen der vorgesetzten Dienststellen der Kasse und den Beamten ihren Dank und das Vertrauen aus. Rcgierungsrat Dr. Pabst von der öffentlichen Bausparkasse hielt darauf einen Vortrag über Zweck und Ziele der für Hessen. Hessen-Nassau neugebildeten und der Hess. Girozentrale und den hessischen Sparkassen angegliederten öffentlichen Bausparkasse. Der interessante Vortrag begegnete lebhaftem Interesse. Bezirkssparkaffe Laubach. □ Laubach, 6. Oft. Im „Solmser Hof" fand die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung der B ez irks s par k a sse Laubach unter dem Vorsitz des Direktors Oberamtsrichter Zimmermann ft'att. Anwesend waren sämtliche Vertreter der Garantiegemeinden. Ferner waren erschienen der Ehrenvorsitzende, Se. Erlaucht Graf Georg Friedrich zu Solms-Laubach, Regierungsrat Schwan vom Kreisamt Schotten als Vertreter der Aufsichtsbehörde, Justizrat Dr. Reh als Vertreter des Hessischen Sparkassen- und Giro- verbandes und Direktor Henkel für die Landes- kommunalbank-Girozentrale für Hessen in Darmstadt. Wie aus dem Geschäftsbericht zu ersehen ist, war die Entwicklung der Dezirksspar- kasse in ihrem 97. Geschäftsjahre g ü n st i g. Die Spar- und Scheckeinlagen hatten im vergangenen Jahre einen Zuwachs von rund 220 000 Mark zu verzeichnen, so daß sie am Ende des Jahres einen Bestand von 1 145 000 Mark erreichten. Die Aufwertungseinlagen sind in dieser Summe nicht enthalten: diese betragen etwa 364 000 Mark, folglich ein G e - samtbestand an Spar- und Scheckeinlagen von 1,5 Millionen Mark. Die Jahresbilanz ergab an Aktiva und Passiva je 1 236 100 Mark. Zu erwähnen ist noch der Bestand der Sch u l sp a r k a s s e n , der sich am 31. August auf 11 860,90 Mk. belief, während der Bestand der Pfennigsparkassen 17 535,45 Mk. ausmachte. Der Jahresumsatz betrug 7 511500 Mark gegen 6 744 700 Mark im Vorjahre. Außerdem wurde beschlossen, die Prämien für die Schul- sparkassen und Dienstboten beizuzubehalten. Die vorgelegte Aufwertungsrechnung wurde genehmigt. Für das infolge hohen Alters freiwillig ausgeschiedene Aufsichtsratsmitglied Altbürgermeister Bornmann (Trais-Horloff), wurde Landwirt Karl Reih (Inheiden) einstimmig gewählt. Justizrat Dr. Reh sprach namens des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes der Kassenverwaltung Dank für ihre Tätigkeit aus, wobei er betonte, daß die Bezirkssparkaffe Laubach zu denen gehöre, die ein besonderes Lob verdienen. An den geschäftlichen Teil schloß sich ein gemeinsames Mittagessen an, bei dem Se. Erlaucht Graf Georg Friedrich der ernsten Zeit in einer Ansprache gedachte, die mit einem Hoch auf unseren Reichspräsidenten von Hindenburg ausklang. * * Ausfall der Berliner Börse am Mittwoch. Der Berliner Börsenvorstand hat beschlossen, am Tage der Beerdigung des Vorsitzenden des Berliner Börsenoorstandes Richard Pohl die Börse ausfallen zu lassen, und zwar sowohl den Effekten- und Devisenmarkt, als auch die Produktenbörse. • Der Saaten st and i m Deutschen Reich Anfang Oktober. Die vorwiegend regnerische und kühle Witterung im September hat die Weiterentwicklung der Hackfrüchte kaum beeinflußt. An Kartoffeln werden fast aus allen Teilen Deutschlands überdurchschnittliche Erträge erwartet. In schweren Böden läßt allerdings der Knollenwuchs zu wünschen übrig. Stellenweise ist die Kartoffelernte nahezu beendet. Zucker- und Runkelrüben stehen fast überall gut und lassen mengenmäßig eine reichliche Ernte erwarten. Die Futterpflanzen, Wiesen und Weiden zeigen weiter kräftiges Wachstum und liefern reichliches Herbstfutter. Der Stoppelklee weist einen guten Stand auf. Die zweite Heuernte ist, abgesehen von einigen Teilen Norddeutschlands, wo besonders viele Niederschläge erfolgten, überall eingebracht. Die Aussaat des Wintergetreides nimmt im allgemeinen einen guten Fortgang. In günstigen Lagen sind Wintergerste und Roggen bereits aufgelaufen. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 gleich gut, 3 gleich mittel, 4 gleich gering ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Spätkartoffeln 2,4 (Vormonat 2,6), Zuckerrüben 2.4 (2,5), Runkelrüben 2,4 (2,5), Klee 2,4 (2.7), Luzerne 2,4 (2,5-, * Ziehung von Auslosungsrechten der Ablösungsschuld. Bei der Reichs- schuldenvcrwaltung fand gestern die Ziehung von Auslosungsrechten der Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reiches für das Iahr 1930 statt, und zwar für die ausgegebenen drei Serien mit den Nummern 1 bis 90 000. Gezogen wurden für jede Serie 1000 Nummern, zusammen 3000 Nummern. Die gezogenen Auslosungsrechte werden vom 31. Dezember d. I. ab mit dem fünffachen Nennbetrag, zuzüglich 4,5 Prozent Zinsen für fünf Iahre von diesem fünsiachen Betrage eingelöst, das sind für je 100 Mk. Nennwert der Auslosungsrechte 500 Mk., dazu 4,5 Prozent Zinsen für fünf Iahre 112,50 Mk., abzüglich 10 Prozent Steuern vom Kapitalertrag ll,25Mk., macht also 601,25 Mk. * Mehlpreiserhöhung. Die Süddeutsche Mühlenoereinigung hat den Preis für Weizenmehl Spezial 0 um 25 Pf. auf 40,50 Mark für 100 Kilogramm ab Mühlenstation erhöht. * Deutsch - französische Gemein- schaftsgrundung. In Paris wurde von der Tochtergesellschaft der Ruhrgas AG., der Leitungs- bau G. m. b. H., und der öocists d’Entreprise de Canalisation die Firma Compagnie Internationale de Canalisation gegründet. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 7. Oft. Tendenz: schwächer. — Unter dem Eindruck der stärkeren Abschwächungen an der gestrigen Neuyorker Börse war die Tendenz zu Beginn der heutigen Börse allgemein schwächer. Das Geschäft blieb minimal, und kleinste Verkäufe genügten, um neue Kursrückgänge zu verursachen, da die Aufnahmeneigung der Banken gering war. Die anhaltende Unsicherheit über die innerpolitische Weiterentwicklung trug zu der Derkaufs- neigung wesentlich bei. Von außen her dürften die Abgaben jedoch kaum größeres Ausmaß angenommen haben. Immerhin ergaben sich zu den ersten Kursen meist Rückgänge von 1 bis 3 Prozent gegenüber dem Niveau der gestrigen Abendbörse. Elektrowerte standen wieder besonders unter Abgabedruck. AEG. und Felten gaben je 1,5 Prozent nach Siemens und Gesfürel 2 Proz., Licht und Kraft und Schuckert je 3 Prozent. Kaliwerte waren wieder stärker gedrückt. Salzdetfurth büßten 5 Prozent, Westeregeln 2 Prozent ein. I.-G.-Farben lagen 1,1 Prozent niedriger: Metallgesellschaft minus 1 Prozent, Scheideanstalt jedoch gut behauptet. Schwächer eröffneten noch Deutsche Linoleum (minus 3,5 Prozent), Bemberg (minus 2,75 Prozent), Conti Gummi (minus 1,75 Prozent), Rheinstahl (minus 1,5 Prozent), Zellstoff Aschaffenburg, Daimler und Wayß & Freytag je minus 1 Prozent. Montanwerte lagen umsatzlos. Bankaktien verloren etwa 1 Prozent: Reichsbank aber minus 3 Prozent. Deutsche Anleihen lagen ebenfalls schwächer. Altbesih gaben 1 Prozent nach. Ausländer ohne Hrnsah. Im Verlaufe konnte sich die Tendenz etwas erholen. Die Spekulation nahm vereinzelt Deckungen vor. Später jedoch hörte fast jede älmsahtätigkeit auf. Am Geldmarkt machte die Erleichterung Fortschritte. Tagesgeld stellte sich auf 3,25 Prozent. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,25, gegen Pfund 20,42, London gegen Kabel 4,8513, gegen Paris 123,25, gegen Mailand 92,97. gegen Madrid 47,20, gegen Schweiz 25,0340, gegen Amsterdam 12,0490. Berliner Börse. Derlin, 7. Ott. Die Vorgänge tn Brasilien haben über die Auslandbörsen doch stärker auf die Tendenz des hiesigen Marktes Einfluß gehabt, als man im Vormitlagsverkehr noch annahm. Obwohl diese revolutionäre Bewegung in Südamerika keinen nachteiligen Einfluß auf die deutsche Wirtschaft zu haben braucht, genügte doch schon das llnsicherheitsmoment, daß gestern in Neuyork und heule in London unverkennbar eine Schwäche herrschte, um auch in Berlin die Stimmung zu verschlechtern. Hinzu kam allerdings daß trotz der abgeschlossenen Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteiführern die innerpolitische Lage immer noch recht ungeklärt ist. Auch die geringe Unternehmungslust der Spekulation und der Mangel an Orders bei den Banken drückte auf die Kurse. Eine angebliche Entspannung im Metallarbeiterkonflikt blieb demgegenüber eindruckslos. Obwohl an den einzelnen Märkten das Angebot nicht allzu groß war und in den Hauptwerten, wie Farben und Siemens, etwa 60 bis 90 Mille betrug, gaben die Kurse schon allgemein zu Beginn der Börse um 1 bi« 3 v. H. nach. Stärker abgeschwächt waren Iu- lius Berger minus 6 Prozent. Sonst verloren Werte, wie Schubert L Salzer. Aku. Chadeaktien, Svenska, Deutsche Linoleum. Rhein. Braunkohlen, Licht L Kraft, Schuckert, Siemens und Reichsbank ebenfalls etwa 3 Prozent. Danatbank, die anfangs nur 1,25 Prozent gedrückt lagen, gingen gleich nach der ersten Notierung um weitere 1,75 Prozent zurück. Am Rentenmarkt bestand in Altbesih nach der Ziehung erneut größere Abgabeneigung. Der Kurs ging auf 56,5 Prozent zurück. Bon Ausländem lagen Anatolier bis 0,75 Prozent schwächer. Sonst konnten sich die Kurse Ziemlich behaupten. Der Pfandbriefmarkt lag still: Pfandbriefe waren aber ebenfalls eher angeboten. Der Geldmarkt zeigte eine weitere Erleichterung. Tagesgeld 4 bis 6, vereinzelt 3,75 Prozent: Monatsgeld stellte sich auf 5 bis 6 Prozent, Warenwechsel auf etwa 4,25 Prozent. Diese Gelderleichterung wurde als Begründung für eine durch weitere Käufe eingetretene Erholung gegeben. Die nach den ersten Kursen eingetretenen Verluste von 1 bis 3 Prozent wurden meist wieder eingeholt. Vereinzelte Papiere konnten sich auf Deckungen und Interventionen zweier Großbanken darüber hinaus etwas bessern. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Eine Frage an die Steuerbehörde. Die Steuerbehörde hat verfügt, daß das Notopfer „am 10. Oktober 1930 und 10. Ianuar 1931" bezahlt wird. Was geschieht, wenn ich an einem dieser Tage erkrankt bin, oder verreisen muß? Und weshalb müssen die Betroffenen in wenigen Stunden sich zusammendrängen, bis sie abgefertigt werden? Weshalb nicht: „bis zum 10. Oktober und 10. Ianuar". Dann würde man auch mit Recht von „vorgeschriebenen Fristen" sprechen können: einzelne Tage sind keine „Fristen". Aus aller Welt. Die Ueberreste der Andree-Expedition in Stockholm. Der Kreuzer „S v e n s k s u n d" mit den Heber- resten der Andree-Expedition an Bord, traf am Sonntagnachmittag im Stockholmer Hafen ein, geleitet von zwei Kriegsschiffen und einem Flugzeuggeschwader. Inmitten hoher Trauer- pilonen warteten der König, die Verwandten der Polarforscher, die gesamte Regierung, Vertreter der norwegischen Regierung sowie Delegierte der Universitäten und Hochschulen. Heber 100 000 Menschen waren erschienen. Nachdem das Schiff angelegt hatte, ging der König an Bord, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen. Unter Trauersalut wurden dann die Särge an Land gebracht. Heber 5000 Personen bildeten Spalier. Als die Särge in die Kirche getragen wurden, spielten die Kapellen den Trauermarsch aus der „Eroica". Dor der Beisetzung legte der König einen Kranz nieder. Erzbischof Söder- b I 0 m hielt die Trauerrede. Von in- und ausländischen Organisationen sind zahlreiche Kränze eingetroffen. Abends fand im Stadthaus eine Gedenkfeier statt, an der über 2000 Personen teilnahmen. Kurszettel her Berliner und Krankfutter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 0. H., Lombardzinsfuß 5 0. H. Frankfurt a. M. I 23erlin Frankfurt a. M. »crlln Frankfurt a. M. Berlin Banknoten. Schluß»! tur« | 1-Uhr- | Kur4 | Schluß»! für? | Anfang- Kurs Schluß»! 1-Uhr» kurs KurS Schluß»! Anfang» fürs | Kurs Schluß»! fürs 1 1-Uhr« N rs Schluß» kurs Anfang- Kurs Berlin, 6. Oktober Amerikanische Noten...... Belgische Noten. ....... Dänische Noten ........ Englische Noten........ «eiv 4,205 58,33 112,15 20,395 Brief 4,225 58,57 112,59 20,475 Datum 6 10 7 10 6 10 7. 10 Datum 6 10 7 10 6 10 ! 7 10 Datum 6 10 7 10. 6 10 7 10 6% Deutsche Reichsanleihe von 1927 .......... 7% Deutlche Reichüanleihe von 1929 .......... Deutlche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSlos.-Rechleu....... De »gl. ohne Autlol.-Rechte . . 6% Hell. Bolksstaat von 1929 (tlldiablb. 102%)...... Oberhrssen Provinz - Anleihe mit AuSIos.-Rcchten....... Deutlche Komm. Sarnrnelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe XIII unkündbar bi« 1934 . . . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe unkündbar bl» 1932 ..... 4Yi% Rheinische Hyp.-Bank Stau. Goidpse......... 8% Pr. LandeSpfandbriesanstatt, Psandbriele R. <9...... 8% Pr LandeSpiandbrtesanstalt, fiomm.»£bl. R. 20...... 7% Pr. LandeeplandbriesanNalt, Psandbriele R 21...... A.E.G- abg. Sormegt-Obligatio- nen. rückzahlbar 1932 ..... 4% Oesterreichtsche Goldrente . . 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Oesterreichische Einheitliche Rente........... 4% Ungarisch« Goldrente . . - 4% Ungarische Staalsrente v. 1910 V/i% deSgl. von 1913..... 4% Ungarische Kroncnrente . . - 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. Serie 1........... 4% beügl. Serie II ....... . 5% Rumänische vereinh. Mnte von 1903 .......... Rumänische vereinh. Rente von 1913 .......... 4% Rumänische vereinh. Rente . 87,75 98,75 56,9 6,8 89,5 56,9 99,75 94,5 86,13 101 98 97 94,5 27,5 24,25 19,1 1,95 5 5 5 9,2 7,25 I | ££ | | | | | | | | | | II I 1 1 1 II II 1 II 87,25 99,25 57 6.7 89.5 56,5 101 98 97 27,6 24,4 19,4 2 5,1 5,05 9,4 14,9 7,25 56,5 6,6 27,6 24,5 Hamburg-Amerika Paket ... 7 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgem-ine Deutsche Credttanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz, und Privat-Bank. 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und DiSconto-Gefellschaft, ... 10 Dresdner Bent ...... 10 Reichsbank....... . 12 AEG............b Bergmann.........9 Elektr LieferungSgefellschaft. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume . . . 7% Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert & Co.......11 Siemens & Halske ..... 16 Transradio..... 8 Labmeyer & Co...... . 10 Buderus...... • • • • 6 Deutsche Erdöl . ...... 6 Gelsenkirchener ....... f Harpcner. . ° Harsch Eisen. ....... 6V» Ilse Bergbau ...... 1< Klöckncrwerke ........ 1 Köln-Neuesten....... 7 ManncSmunn-Röhren .... 7 Mansselder Bergbau.....7 Oberichles. Eisenbedarf . . • • E Obcrschlcs. KokSwerke..... 7 Phönir Bergbau......6^ Rheinische Braunkohlen . . 10 Rheiustahl........ • 6 Rtebeck Montan...... 7,2 78 77,75 108 133,5 118,9 161,5 117,5 116,5 220 121,25 123 97,5 122,5 179,5 145 52 99,5 73 68 75,5 77,13 107,25 118 115,5 119,75 120 96 120,5 134 177,5 - 64,13 73,75 77,65 164 78,4 102 107,75 133,5 118,9 161,5 117,25 116,5 220 121,5 148 117,5 123,25 97 123,5 119,75 121 137 179,75 145 52 66 98,75 87,5 78,25 203,5 70,5 80 72,5 45 74,25 68,5 180,75 75,4 77,25 78 102,13 107,4 133,13 118 160,25 116,5 115,5 217 120 115,5 120'5 95,25 121,4 118,75 119,5 134,5 178 143 51,13 65,5 98 86,5 77 69,25 78 71,5 44 73,13 68,25 177,75 74,5 Bereinigte Stahlwerke..... Otavi Minen......16*/. Kaliwerke Aschersleben . . . 10 Kaliwerke Westeregeln . . . io Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 F. ®. Farben-Industrie ... 12 Dynamit Nobel ....... 6 Scheide anstatt........9 Goldschmidt ........6 RütgerSwerke........6 Metallgesellschaft. ...... 8 PHNipp Hohmann ...... 7 Zementwerk Heidelberg . . io Cementwerk Karlstadt. ... 10 Wayß & Freytag......8 SchulthelS Patzenhoser ... 15 Oftwerke.........12 Aku...........18 Bemberg...... 1-t Zellstoff Waldbof .... 13'/, Zellstoss Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer Gas . . ...... 9 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau A.-G. . . • . • 0 Nat. Automobil ....... 0 Orenstein & koppel ..... 6 Leonhard Tiey ...... 10 SvenSka........ . . . Frankfurter Maschine» .... 4 Srinner..........6 Heyligenstaedt ....... C IungyanS..........6 Lechwerke..........8 Mainkrastwerke Höchst a.M.. .8 Miag...........10 Gebe. Roeder.......10 Loigt L Haeffner......9 Süddeutsche Zucker . • • . 10 70 31,13 195,5 198.5 280 137,4 - 44 50,5 99 75 92 52 63 73 156,5 20 31 29,25 93 77 78 95 150 133 196.5 275 136,25 135,5 98 :• 70,25 85.5 25 — - — - - 70,4 30.5 197,5 199 279,5 137,75 43,5 50,75 98,5 52,5 189.5 150.5 63 72,5 121,75 89,5 84 117,4 25,75 156 12,13 48 120 300 20 29 30 79 150 133 69 30,75 195 197 277,5 136,5 43 50,25 74,25 187,5 149.25 60.25 71 121 83,5 115,13 25.4 153 34 12 48 119 297 — yranzostlche V Holländische 9 Italienische N Norwegische 9 Deutsch-Oester Rumänische 91 Schwedische 91 Schweizer No Spanische No! Tichechojlowak Ungarische Nr Veoi oten ....... oten ....... nen........ oten....... reich, A 100 Schilling oten....... oten....... ten ....... . en........ Iche Noten..... ten ....... enmarfl Berlin 6 Oktober Amtliche llo'ierun Selb | Srie - ; 6,447 69,18 22,01 12,13 59,13 2,465 12,68 81,56 42.91 12,42 73,22 iranffur 7 Bmll'ck Geld 16,507 169,86 22,09 112,57 59,37 2,485 113,12 81,88 43,09 12,48 73,52 a. m. Oktober h .Notierung 1 Dries . Bucn--AtreS Brss.-Antw. C Kristiania. .Kopenhagen Stockholm . Helstngfors. Italien. . . London. . . Weutjor! . . Parts. . . . Schweiz . . Spanien. Japan . . . 'Stio de Jan. Wien in T.» Ceft. abgest Prag . . . . Belzrad . Budapest. Bulgarien Lissabon . Danzig. . Konstantin. Athen. . Canada . Urn uay. Tatro .. 169,27 1,480 •58,545 112,31 112,34 112,74 10,561 21,375 20,397 4,197 ‘ 16,465 81,48 43,21 2,076 0,425 59,21 12,459 7,439 73,425 3.043 18,83 81,52 1,784 5,435 4,200 3,357 1 20,91 169,61 1,482 58,665 112,53 112,56 112,96 10,581 22,015 20,437 4,205 16,505 81,64 43,29 2,080 0,429 59,33 12.479 7,453 73,565 3,049 18,87 81,68 1,789 5,445 4,208 3,363 20,95 169,34 1,474 58,55 112,33 112,34 112,76 10,565 21,985 20.40 4.1980 16.465 81.545 42.96 2,080 59,21 12,456 7,443 73,49 3,043 18,825 81,53 1,784 5,438 4,201 3,377 20,91 169,68 1,476 58,67 112,55 112,56 112,98 10,585 22,025 20,44 4,2050 16,505 81,705 43,04 2,084 59,33 12,476 7,457 73,63 3,049 18,865 81,69 1,789 5,448 4,209 3,383 20, ti Oberheffen. Prämiierungsmarkt in Hungen. L Hungen, 4. Ott. Sic Rindvieh-Prämiierung gelegentlich des hiesigen Markte- hatte folgendes Ergebnis: hessische» Fleckvieh (Simmentaler): Dullen über 2 Iahre: Gemeinde Langsdorf I. Preis. Jüngere Bullen: Gemeinde Langsdorf 1. Preis: Herrn. Fay (Langsdorf) und Rud. Rieh (Heuchelheim) je 3. Preis. Aeltere Kühe: Wilh. Bausch (Reichelsheim), Karl Ludw. Albach II. (Lich), je 1. Preis: Herm. Kneipp II. (Langsdorf), Heinr. Müller II. (Birklar), je 2. Preis: Otto Lang (Steinheim), 3. Preis, Wilh. Weil (Inheiden), Hch. Köhler III. (Langsdorf). Otto Lang (Steücheim), je Anerkennung. Iüngere Kühe: Emil Sonnenburg (Hungen), Karl Ludw. Albach (Lich), je Ehrenpreis: Otto Köhler (Langsdorf), 1. Preis: Karl Ludwig Albach (Lich) Karl Christian Wolf (Lich), derselbe, je 2. Preis: Heinrich Müller (Birklar), Adolf Bausch (Reichelsheim), Karl Bogt I. (Lich), derselbe, Otto Zimmer I. (Billingen), Hermann Bender II. (Langsdorf), Adam Hofmann (Langsdorf), je 3. Preis: Hch. Müller (Birklar), Adolf Bausch (Reichelsheim), Hermann Kneipp II. (Langsdorf), derselbe, Heinr. Köhler III. (Langsdorf). Herm. Dender II. (Langsdorf), derselbe, Heinr. Drink III. (Rieder-Dessingen), je Anerkennung. Kalbinnen: Ad. Dausch I. (Reichelsheim), I. Preis: Hch. Stcuernagel (Rieder-Dessingen), 2. Preis: Karl Mathes (Lich), Hch. Merle (Lich), je 3. Preis. Rinder: Wilhelm Dausch (Reichelsheim), 2. Preis: Phil. Schäfer (Langd), Phil. Christian Heller (Lich), Otto Zimmer (Billingen), Hermann Kneipp II. (Langsdorf), je 3.Preis: Wilh. Bausch (Reichelsheim), Herm. Moll (Hungen), Adam Hofmann (Langsdorf), je Anerkennung. Familien: Wilh. Bausch (Reichelsheim), Ehrenpreis: Karl Ludw. Albach (Lich) 1. Preis: Hch. Müller II. (Birklar), Otto Köhler I. (Langsdorf). je 2. Preis: Adolf Bausch (Reichelsheim), 3 Preis: Otto Lang (Steinheim), Otto Zimmer I. (Billingen), je Anerkennung. Vogelsberger Vieh: Dullen: August Schmaust (Lindenstruth), 3 Preis. Aeltere Kühe: Karl Märle (Lich), Ehrenpreis; Aug. Schmaust (Lindenstruth), 1. Preis: Wilh. Schwarz (Htphe), 2. Preis: K. Keblowsky (Rieder-Dessingen), 3. Preis. Otto Ricklas (Hungen), Anerkennung. Jüngere Kühe: Karl Keblowsky (Rieder- Bessingen). I. Preis; Wilh. Schwarz (Utphe), 2. Preis. Rinder: Karl Keblowsky (Rieder-Dessingen), 2. Preis; Leopold Alles (Lich), Karl Keblowsky (Rieder-Dessingen), je 3. Preis. Familie: Karl Keblowsky (Rieder-Dessingen), Ehrenpreis. Landkreis Gießen. ck. Heuchelheim, 7. Ott. In einer am San-s agabend in der Turnhalle abgehaltenen l n:g wurde hier ein Kleinkaliber- : r e i n gegründet. Es wurde ein 'orstand eingesetzt, der die eigent- sversammlung in Kürze einbe- \\ Göns, 6. Oft. Die 25 au tätig» - 'icrern Dorfe war 1930 äußerst g e - ■Anbauten sind gar keine aufgeführt worden. ■ 'i der Schwierigkeit der Geldbeschaffung liegt d.!S wohl auch daran, daß von einer eigentlichen Wohnungsnot in unserer Gemeinde nicht mehr die Rede sein kann. Die Bauarbeiten beschränkten sich in der Hauptsache auf kleine Ergänzungen von Hof- .reiten: nur ein Wohnhaus wurde vollständig um- aebaut und erneuert. — Die 0 b st e r n t e fiel dieses Jahr so schlecht aus wie wohl noch keine der letzten 50 Jahre. Aepfel und Birnen gab es ganz wenig, nur hier und da einige Zwetschen. Die Versteigerung des Gemeindeoostes brachte den Betrag von etwas über 100 Mark (gegen 1200 bis 1400 in normalen Iahren). Auch der Deharw an den Provinzialstraßen war fast gleich Dull. Der Ertrag der Kartoffelernte war dagegen sehr gut. Don einem Berkaus und Versand der Kartoffeln ist wenig zu merken, da die Preislage — man spricht von 1,80 bis 2 Mk. für den Zentner — sehr ungünstig für die Landwirte ist. Kreis Büdingen. △ Aus der nordöstlichen Wetterau, 6. Olt. Die diesjährige Kartoffelernte wirft gute Erträge ab. Die Preise sinken fortgesetzt, der Handel ist sehr schleppend. Es werden von Händlern für Speisekartoffeln (Industrie und verwandte Sorten) 2,20 bis 2,40 Mark pro Zentner bezahlt. Preußen. Kreis Wetzlar. ZI Groß-Rechtenbach, 6.Oktober. 2luf der Straße nach Weidenhaufen brannte gestern nachmittag das Auto eines hiesigen Fuhrhalters bis auf die Eisenteile nieder. Es ist anzunehmen, daß Bergaserbrand die Ursache war. CO Münchholzhausen, 8. Okt. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde über den geplanten Kirchenneubau der Gemeinde verhandelt. Heber die beiden Bauprojekte selbst (Prof. Ku hl- ma n n - Charlottenburg und Daurat Pfaff- Gießen) wurde in dieser Sitzung nicht beraten. Da in der vorigen Sitzung die Meinung geäußert wurde, bei der Durchführung eines anderen Bauprojekts als dem Kuhlmannschen Plan könnten die in Aussicht gestellten Beihilfen verlorengehen, hat man sich nun entschlossen, dem Kuh l- mannschen Plane zuzustimmen, obwohl dieser Entwurf in der Gemeinde vielfach Widerspruch gefunden hatte. Der Gemeinderat beschloß, für den Kirchenbau 10 000 Mark zu bewilligen und für ein Darlehen von 9000 Mark, das die Gemeinde auf sich nehmen müßte, die Bürgschaft zu übernehmen. Mit den Arbeiten soll noch in diesem Herbst begonnen werden. Erwerbslose der hiesigen Gemeinde sollen bei dem Kirchenbau in erster Linie beschäftigt werden. Pfarrer ßifl. Müller wurde empfohlen, für eine Senkung der Projektsbearbeitungsgebühren, die für die heutige Zeit als zu hoch erachtet wurden, einzutreten. Spiele des BfB. vfv. — Germania Fulda 3:0. Rach ihren Leistungen in den letzten Spielen zu urteilen, glaubte man der BfD.-Liga in der Borschau über das Spiel gegen „Germania" Fulda im besten Falle nur einen ganz knappen Sieg Voraussagen zu können. Sie enttäuschte aber nach der angenehmen Seite, indem sie den Gegner nach überlegenem Kampf mit 3:0 abfertigte. Wenn sich auch diesmal wieder noch mancherlei Mängel offenbarten, so verdient ihre Gesamtleistung doch ein volles Lob. Bor allem zeigte sich der Sturm entschieden angriffsfreudiger, wenn auch nicht im vollen Maße durchschlagskräftig. Dem Spielverlauf und den sich bietenden Torgelegenheiten nach hätte das Torergebnis höher ausfallen können. Die Läuferreihe war in der Zerstörung der gegnerischen und im Aufbau der eigenen Angriffe gleich gut. Verteidiger und Tormann spielten ohne Tadel. In technischer und taktischer Beziehung war VfB. seinem Gegner voraus, sein Spiel zeigte mehr System. Bon den Gästen hatte man etwas mehr erwartet. Ihr Spiel machte einen recht unfertigen Eindruck. Dagegen sah man nicht selten sehr gute Einzel- lei st ungen, die am Verlauf und Ausgang des Spiels allerdings nichts ändern konnten. Restlose Anerkennung verdient der immense Eifer, mit dem die „Germanen" bis zum Schluß versuchten, das Resultat zu verbessern. Das Spiel wurde überaus fair durchgeführt. Schiedsrichter Hörner (Kassel) war zuverlässig. Er hatte ein leichtes Amt. Kurz der Spielverlauf: Fulda fand sich zuerst: raumgreifendes Flügelspiel verschaffte ihm kurze Zeit ein kleines Plus. Bald jedoch kamen die Eirrheimischen auf und erzielten bereits in der achten Minute das Führungstor. Kurz darauf blieb aber eine klare Chance un- ausgenüht. Von diesem Zeitpunkt ab gestaltete die Plahelf das Spiel überlegen und diktierte die Handlung. Trotz großem Energie- und Krälte- aufwand konnten die Gäste nicht verhindern, daß sich das Spiel fast ausschließlich in seiner Hälfte abwickelte. Trotz ständigen Drängens der Gießener blieb es beim 1:0 bis $ur Pause. Rach Wiederbeginn bemühten sich öte Gäste sehr um zählbaren Erfolg. Bei wechselnden Angriffen tarnen beide Tore in Gefahr. Für etwa zehn Minuten schien es, als wollte Fulda dem Spiel eine Wendung geben. Der Erfolg blieb jedoch aus, die Mannschaft fiel wieder ab. Die Vf Der kämpften mit verdoppeltem Eifer um Verbesserung des Ergebnisses. Es gelang auch, während der letzten ^ehn Minuten fielen noch zwei Tore zugunsten des Platzbesihers. Die dritte Mannschaft hatte im Verbandsspiel die erste des Sportvereins Bieber zum Gegner. In der ersten Halbzeit war sie durchweg leicht überlegen und führte mit 2:0. Auch nach dem Wechsel hatt-n die VfDer noch einige Zeit das Heft in der Hand und konnten sogar auf 3:0 erhöhen. Dann aber kam Bieber stark auf und stellte das Ergebnis auf 2:3. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Run hat auch die Ligamannschaft ihr zweites Spiel verloren. Diesmal kehrte sie mit einer 5:3- Riederlage (Halbzeit 2:0) aus Wallau zurück. Durch die Unfähigkeit der Sturmer und eine sehr mäßige Leistung der beiden Verteidiger ging ein Spiel verloren, das nicht unbedingt für die Gießener verloren sein mußte. Bis zur Mitte der zweiten Spielhälfte zeigte 1900 eine einwandfreie Kombination. Der Gegner spielte ebenfalls in ausgezeichneter Form. Zu einem energischen Torschuß raffte sich indessen niemand auf. Der Gegner war dabei stets früher am Ball und konnte immer wieder die Gefahren bannen. Umgekehrt machte die Dodenbeschaffenheit der Gießener Hintermannschaft viel zu schaffen. Bei allen Treffern sah sich Brambach dem Schützen allein gegenüber. Mitte der ersten Halbzeit kommen die Gastgeber im Anschluß an eine Flanke des Rechtsaußen zum ersten Erfolg. Gleich darauf wurde eine Ausgleichchance der Gießener durch den Schiedsrichter unterbunden. Ein schneller Vorstoß des linken Flügels der Wallauer wurde mit einem zweiten Treffer abgeschlossen. Die Gießener Angriffsreihe ließ eine Reihe guter Gelegenheiten ungenutzt verstreichen. Rach dem Wechsel hatte 1900 den Wind zum Bundesgenossen und zeigte im Feldspiel Heber» legenheit, aber erst nach etwa fünfzehn Minuten schoß Arnold das erste Gegentor, im Anschluß daran glich Henrich durch Elfmeter aus. Ein Sieg der Gießener erschien sicher, aber ein Elfmeter, der gegen 1900 verhängt und von Wallau verwandelt wurde, brachte die Plahbesitzer wieder in Führung. Wallaus linker Flügelstürmer schoß ein viertes Tor, das jedoch von den Gießenern angezweifelt wurde. Es kam zu einer Auseinandersetzung und Gießen verlor den Mittelläufer. Iede Partei erzielte nun noch je einen Erfolg. Das Spiel war beiderseits fair durchgeführt. Wallau spielte mit großem Eifer und wird in dieser Form noch manchen Gegner zu Fall bringen. Das zahlreiche Publikum verhielt sich sehr ruhig. Der Schiedsrichter konnte in seinen Entscheidungen nicht immer gefallen. Der Sieg der Ligareserve über den Lokalgegner kommt überraschend. VfB. ging zwar anfangs 1:0 in Führung, als sich aber 1900 vervollständigt hatte (die Mannschaft spielte 20 Minuten mit nur 9 Mann), siel noch vor der Pause der Ausgleich. In der zweiten Hälfte wurde durch einen zweiten Treffer der Sieg sichergestellt. 1900s dritte Elf fertigte Daubringens zweite Mannschaft nach einem überlegenen Spiel mit 4:0 ab. Die vierte Mannschaft mutzte sich Gar- benteichs elfter Elf äußerst knapp mit 1:2 beugen. Die Iugend- und Schülermannfchaften waren spielfrei. Abturnen des Tv. 1846 Gießen. Mit dem vergangenen Sonntag beschloß der Tv. 1846 Gießen die diesjährige Sommerturn- saison. Bereits vormittags um 8 Hhr fanden sich die Iugendlichen des Vereins in der Turnhalle ein, um die Vereinsmeisterschaften zum Austrag zu bringen. Der ganze Vormittag war mit den Wettkämpfen ausgefüllt, denen im Laufe der vergangenen Woche die Wettbewerbe der Fechter und Schwimmer vorausgingen. An der Austragung beteiligten sich insgesamt 160 Turner und Turnerinnen. Am Abend fand dann eine Familienfeier statt, in deren Rahmen die Siegerehrung vorgenommen wurde. Der Verein kann mit Genugtuung auf die vergangene Saison zurückblicken. Gelang es doch, insgesamt 230 Siege, darunter 30 erste Siege zu erringen. Die 46er Turnerinnen und Turner brachten beim Bezirks- turnfest allein 49, beim Feldbergfest 14, beim Gautumfest 22, beim Gauschwimmen 29 und beim Kreisfrauenturnen 41 Siege an sich. Der Faustballmannschaft gelang es, Gaum ei ft er zu werden, die Fechter konnten sich am letzten Sonntag in Marburg gegen schwere Konkurrenz aus Bad-Rauheim, Wetzlar und. Marburg an erste Stelle setzen. — Im Laufe des Abends boten die einzelnen Abteilungen des Vereins Proben ihres Könnens auf der Bühne. Reigenspiele der Jüngsten, Hebungen der Iugendlichen am Reck, überaus exakt, frisch und elastisch durchgeführte S t a b - ü b u n gen der Alten Herren, rhythmische Freiübungen der Turnerinnen, schließlich hervorragende Hebungen der Turner am Barren fesselten die Aufmerksamkeit der Besucher im vollen Maße. Man spendete lebhaft Beifall. — Der Verein kann auf das Erreichte mit Recht stolz fein. Handball im Männeriurnverein (O.T). Tv. Wetzlar-Niedergirmes 1 — Mlv. Gießen I 7:7 (3:4). Am Sonntag trug die erste Mannschaft des hiesigen Männerturnvereins ihr letztes auswärtiges und wohl auch schwerstes Verbandsspiel der Vorrunde aus. Die Männerturner waren bei den Turnern in Wetzlar-Niedergirmes zu Gast. Obwohl die Gießener wieder mit Ersatz antreten mußten, hielten sie sich dennoch sehr gut. In der dritten Minute gingen die Männerturner in Führung. 10 Minuten später siel durch unhaltbaren Strafwurf der Ausgleich. Nach kurzem Hin und Her brachte der Gießener Halbrechte seinen Verein wieder in Vorteil, der Ausgleich ließ abermals nicht lange auf sich warten. Zur Halbzeit stand das Spiel 4:3. In der zweiten Halbzeit zeigte sich das gleiche Bild. Nachdem die Männerturner wieder den Vorsprung auf 5:3 vergrößert hatten, glichen die Gastgeber abermals durch zwei Strafwürfe auf 5:5 aus. Noch zweimal wiederholte sich die Handlung, so daß der äußerst spannende Kampf, der bei besseren Platzver- hältnissen sicher einen anderen 2lusgang genommen hätte, mit dem hohen Resultat von 7:7 endete. T. u. Spv. Butzbach II — Mlv. Gießen II 2:3 (1:1). Die 2. Mannschaft trug in Butzbach gegen die gleiche des dortigen Turn- und Sp^tvereins das festgesetzte Verbandsspiel aus und tonrttF, trotzdem sie fast das ganze Spiel mit nur zehn Mann bestreiten mußte, bei leichter Ueberlegenheit Sieg und Punkte mit nach Hause nehmen. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Das Verbandsspiel in Großen-Duseck ging nach hartem aber durchaus anständigem Kampfe 4:3 verloren. In erster Linie wohl dadurch, daß die 1846er das ganze Spiel mit zehn Mann bestreiten mußten, sich aber trotzdem dem Gegner ebenbürtig zeigten. Energische Verteidigung der Gastgeber in der zweiten Halbzeit verhinderte ein Hnentschieden. Zaustball im T. V. 1846 Gießen. Tie letzten Spiele in diesem Jahre trug die erste Mannschaft in Herborn aus. „Licht Luft" Frankfurt hatte leider abgesagt, so daß nur zwei Treffen gegen Tv. Herborn zustande kamen. Herborns erste erwies sich als ein ebenbürtiger Gegner. Beide Spiele gingen — im Faustball eine Seltenheit — unentschieden, und zwar 29:29 und 24:24 aus. Die Gießener zeigten allerdings nicht die Form, die sie während' des Sommers innehatten. Rollschuhlauf als Ergänzungsspori. Der Eisverein Gießen will als Ergänzungssport, in Zeiten da der Schlittschuhlauf nicht möglich ist, Rollschuhlauf in sein Betätigungsfeld aufnehmen. Wie aus der heutigen Anzeige hervorgeht, findet der erste Hebungsabend bereits am Mittwochabend in der Volkshalle statt. Um die Gaumeisterschasti im 6er Rasenradball. Gießener Radfahrverein 1885 als Sieger. Zu dem am Sonntag ausgetragenen ®au* Meisterschaftskampf im 6er Rasenradball hatten die Mannschaften von R. V. v. 1885 Gießen, R. C. Germania Gießen, R. C. Teutonia Krofdorf gemeldet. Da die Mannschaften ziemlich gleichwertig waren, gab es sehr interessante Kämpfe, die von dem Schiedsrichter, Gausaalwart Seidel, Marburg, sicher geleitet wurden. Die einzelnen Spielergebnisse sind: R. C. Teutonia Krosdorf — 1885 Gießen 0:1. Germania Gießen— 1885 Gießen 0:1. Krofdorf- Germania Gießen 0:3. Somit errang die Mannschaft des Gießener Radfahrvereins v. 1885 (Hauck, Grämlich, Faust, Rieger, Keppler, Wihner) die Gaumei st erschaft im 6er Rasenradball von 1930. R.C. Germania Gießen belegte den zweiten, R. C. Teutonia Krofdorf den dritten Platz. Deutsche Tennisspieler in Meran. Bei schönem Wetter wurde das Internationale Tennisturnier in Meran am Montag weiter gefördert. In den Einzelspielen schmolz die deutsche Expedition weiter zusammen, nachdem Frenz, Dr. Buh, Kuhlmann, Menzel und Heine ausgeschaltet wurden. Kuhlmann hatte gegen Heine 6:2, 6:3 gewonnen, dann aber gegen Dr. Kleinschroth 1:6, 0:6 verloren. Frenz verlor gegen Hecht 4:6, 6:2, 9:11, Dr. Butz unterlag Hughes 0:6, 2:6, und Menzel wurde von Tloczhnski 8:6, 6:4 geschlagen. Bei den Damen schlug Frl. Äußern die Französin Meunier 6:1, 6:1, während Frau Schomburgk gegen Fr. Ribini 3:6, 9:7, 8:6 unterlag. Taten für Mittwoch, 8.Oktober. 1849: der Dichter Edgar Allan Poe in Baltimore gestorben. 1862: der Schriftsteller Otto Emst Ottensen geboren. Ä»» Ut tiMlßmi (Q) MJf 10 UTE ft •TtlHER HEISSES WÄMEft freie Stunde verschafft Ihnen © f JKanchel, Wenn Sie © zum Geschirrspülen, zum Aufwaschen und Reinigen nehmen, haben Sie es viel leichter und sind viel schneller fertig. © rückt allem Schmutz und Fett energisch zu Leibe. Messer, Gabeln und Löffel, Teller und Schüsseln, Töpfe und Pfannen, kurz alles Geschirr säubert © im Augenblick. Auch beimPutzenvonSteinfliesen,Wandsockeln,Badewannen und Spülbecken bewährt sich © vortrefflich. © spart Ihnen soviel Mühe und Arbeit, daß es rück- ! ständig wäre, es nicht zu benutzen. Es kostet doch i nur 25 Pfennige und ist außerordentlich ergiebig. Henkels Aufwasch-Spül-und Reinigungsmittel für Haus- und Küchengerät aller Art Hergestellt in den Persilwerken