Nr. 183 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 7. August 1930 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monats Btjngsprth: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfle ant«rSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. poHscheckkonto: Sranffurl am Main 11686. GWnerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag: vrühl'lche Unwerfilülr-Vuch' und Steinöruderet R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Sefchästrftelle: Schulftrabe r. Annahme von Anzeigen für die lagtsnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20' , mehr. Chefredakteur Dr. Fttedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Dvluik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Thgriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filte^ sämtlich in Gießen. DieMetensrage - ein ungelöstes Rätsel. 13on Arthur Zmarzly-Dofrei, Äreslau. Die Belebung des BaumarkteS steht heute Im Mittelpunkt aller Vorschläge, die Konjunktur zu heben. Auch der Au-schuh des Reichswirtschaftsrates für Siedlung-- und Wohnungswesen beschäftig!« sich vor kur-em mit dieser Frage und kam nach langen Beratungen zu einem Gutachten, in dem er die Rot- Wendigkeit, die Arbeit der Bauwirtschaft KU verstärken, erneut betonte und auf die Voraus- schungen einer erweiterten Baupolitik hinwies. AuS den einstimmig angenommenen Leitsätzen, die bekanntgegeben wurden, geht hervor, daß der Ausschuß als erste Voraussetzung für eine Anregung der Bauwirtschaft die weitere Erhebung der Hauszins st euer ansieht. Er greift also in bemerkenswerter Weise in den Kampf um die Hauszinssteuer ein, deren Abschaffung oder völlige Ilmgestaltung von einem Teil der freien Bauwirtschast, aus Hausbesiherkreifen und von anderen Wirtschaftsgruppen gefordert wird. DaS Gutachten verlangt, die Reichsgesetzgebung solle .heute vorhandenen Unsicherheiten ein Ende bereiten' und die Forterhebung der Steuer „auf eine bestimmte Zeit und in bestimmter Höhe gewährleisten". Der Ausschuß des ReichSwirtschastsrateS stellt sich also auf die Seite der Anhänger dieser mit mehr oder weniger guten Gründen verteidigten Steuer und will anscheinend die mit Fragen aller Art erfüllte Gegenwart nicht auch noch mit den Plänen zur Reform der Hauszinssteuer belastet wissen. Man kann diesen Standpunkt ab- lehnen oder gutheihen, das ändert nichts an der Tatsache, daß mit einer längeren Fortdauer dieser Steuer gerechnet werden muß. Bei dieser Lage der Dinge ist es dringend erforderlich, sich mehr als bisher mit der von der HauszinS- fteucr gestützten Baupolitik zu beschäftigen. Der genannte Ausschuß des Reichswirtschasts- rateS seht sich zwar in seinem Gutachten für die allgemeine Forderung ein, daß der Wohnungsneubau in stärkerem Maße Art und Umfang des örtlichen Bedarfs berücksichtigen solle, er geht aber auf die schwierigste Frage, die Mieten- frage, nur oberflächlich ein. Die .Beseitigung des Unterschiedes zwischen Alt- und Reubaumieten durch Senkung der Reubaumieten und entsprechende Erhöhung der Altbaumieten" u m - reißt doch nur das zentrale Problem der Reubaukosten und Reubaumieten. Es erscheint aber dringend geboten, dieses Problem zu klären und auszuhellen. Es hat bisher noch keine der vielen Stellen, die sich mit der Bauwirtschaft befassen, sich ernstlich die Ausgabe gestellt, die Kosten- f a k t o r e n unserer Wohnungsproduktion nach ihren! wahren Inhalt zu untersuchen. Der Wohnungsneubau befindet sich gegenwärtig in einer Krisis, die durcheinefalsche D a u p o l i t i k herbeigeführt worden ist. Man richtete sich nicht nach dem Bedarf und noch weniger nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Schichten, die mit Wohnungen versorgt werden sollen, sondern es wurde nach dem Grundiah gebaut: die Wohnungsuchenden müssen sich danach richten, was ihnen vorgesetzt wird und welche Mietspreise ihnen diktiert werden. Heute, in der Zeit einer noch immer sehr großen Wohnungsnot der minderbemittelten Schichten, stehen in manchen Städten zahlreiche Siedlungswoh- tnungen leer, weil sie nicht einmal mehr von dem festbesoldeten Mittelstände bezahlt werden tonnen. Es kommt sogar der Fall vor. dah die »gemeinnützigen" Gesellschaften für gleichwertige Wohnungen höhere Mieten verlangen, als die freie Bauwirtschast. Mit der Aufstellung von summarischen Rechenerempeln, mit denen man viel oder wenig beweisen kann, kommt man nicht um eine erschöpfende Antwort auf die Frage herum, weshalb seit Fahren der Baukosteninder unentwegt und ungeachtet aller Proteste wesentlich über dem Großhandelsinder und dem Lebenshaltungsinder steht. Gegenwärtig ist das Verhältnis 169,2:124.8:147,6. Die hier zutage tretende Differenz ist zum Teil in einer wenig planmäßig geordneten Erhöhung der Rachfrage, in der Veränderung des Lohnsyftems, in der traditionellen Dautechnik, in Qualitätsverschiebungen usw. zu suchen, aber sie läßt sich daraus nicht völlig erklären. Roch schwieriger dürste die Lösung des Rätsels sein, weshalb die Reu - baumieten in der Regel eine noch größere Derteueriing ausweisen, als es durch den Dau- kostenindex erklärbar ist, obwohl die mit nur ein bis zwei Prozent verzinslichen Hauszins- steuerhypotheken, die für die restliche Finanzierung erheblich gestiegene Zinslast zum großen Teil ausgleichen. Zudem wird gerade in den Siedlungsbauten von den Bewohnern vielfach darüber geklagt, dah trotz der außerordentlich hohen Mieten das verwendete Material und die Ausführung der Arbeiten zu wünschen übrig lasse und in kurzer Zeit mit Reparaturkosten zu rechnen sei. Etwelche Mängel hasten anscheinend auch der Kontrolle der Reubaumieten durch die Woh- nungsfürsorge-GeseNschasten an, denen auch die Verteilung der Hauszinssteuermittel obliegt Der Derwaltungsapparat der gemeinnützigen Sied- lungs- und Baugesellschaften scheint hier und da auch übersetzt zu sein. Erst wenn diese Fragen einwandfrei geklart sind, wird es sich zeigen, wo die unbedingt notwendige Senkung der Baukosten anzusetzen hat Der Ausschuß des Reichswirtschaftsrates hat sich mit diesen Fragen nicht beschäftigt Die Gründe dafür sind nicht ganz ersichtlich, denn Die Reichsregierung im Wahlkampf. Gefährliche Passivität Don unserer Berliner Redaktion. Reichskanzler Dr. Brüning ließ schon sehr bald nach der Auflösung des Reichstags unzweideutig erkennen, daß das Kabinett nicht die Absicht habe, im Wahlkamps passiv zu bleiben, sondern daß es aktiv in die politische Willensbildung einzugreifen gedenke. In jedem parlamentarischen Staat war es noch stets das Recht der Regierung, innerhalb bestimmter Grenzen den Wahlkampf aktiv zu führen, und so enthielt die damalige Erklärung Brünings im Grunde nur Selbstverständliches. Kein Gegner dieses Kabinetts, am allerwenigsten die Sozialdemokratie, hat das Recht, sich darüber zu beschweren. Denn es waren nicht zuletzt die sozialdemokratisch geführten Kabinette im Reich und vor allem in Preußen, die während des Wahlkampfes von der Regierungsposition und den zahlreichen gouverneinentalen Möglichkeiten, die sie bietet, nach Kräften Gebrauch gemacht haben. Wir billigen also Dr. Brüning in vollem Umfange. Leider aber vermissen wir bis heute feine Umsetzung in d i e Praxis. Man verstehe uns nicht falsch: von W a h l r e d e n die die Mitglieder des Kabinetts in irgendeinem Win- fei des Reiches halten, hat die Wählerschaft wenig oder nichts, auch wenn ihnen mit Hilfe eines gut funktionierenden amtlichen Presseapparates weit- gehendste Verbreitung gesichert wird. Der Wähler unserer Notzeit will von der Regierung weder Wahlreden noch Rundfunkmonologe, er will Taten. Und in dieser Hinsicht ist bisher so gut wie nichts geschehen, wenn man von der umfangreichen Notverordnung und der Materie, die sie regelt, absieht. Gewiß wird das Kabinett sagen, daß gerade mit dieser Notverordnung ja das Dring- lichste geschehen sei, das das Staatsinteresse ersor- dert habe. Das ist richtig, und trotz mancher Schönheitsfehler, die diesem Werk anhaften, erkennen wir die Leistung auch als solche an. Nur scheint uns, daß die Durchführung einer Reihe von Maßnahmen, die darin vorgesehen sind, reichlich lange Zeit braucht. In der Frage der O st - Hilfe beispielsweise ist man über gewisse vorbereitende Akte bisher noch nicht hinausgedieben, sie kann sich also zur Zeit noch nicht in den Gebieten auswirken, die dem Kabinett Brüning vom Reichs- Präsidenten seiner ganz besonderen Aufmerksamkeit anempfohlen worden sind. Nicht einmal der o r» ganisatorische Aufbau der Osthilfe war bis zu der Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, zum Abschluß gebracht. Dabei ist doch nicht zu verkennen, dah gerade diesem Werke stärkste propagandistische Wirkung in dem staatspolitischen Sinne, den das Kabinett anstrebt, innewohnt. Wenn nun gesagt wird, daß man sich ja vorher mit der preußischen Regierung verständigen müsse und daß diese natürlich aus naheliegenden Gründen dem Kabinett Brüning einen praktischen Wahlerfolg mit der Osthilfe nicht gönne, so gestehen wir offen, dah dieser Einwand uns nicht recht stichhaltig erscheint, lieber die Notwendigkeit einer Verständigung mit Preußen war man sich schließlich schon seit vielen Monaten klar, und das gleiche ae nt r u m, das heute den Reichskanzler in der erfon Dr. Brünings stellt, hat oft genug gerade im Hinblick auf die Osthilfe die Vorzüge der Schlüsselstellung betont, die es im Reich und in Preußen einnehme ... Eine zweite nicht minder dringliche Frage: Das Problem der Preissenkung und die damit in Zusammenhang stehende Anwendung der Kartellnotverordnung. Sicherlich liegen hier vielleicht die größten Schwierigkeit^, zumal gerade das Kabinett Brüning ja sehr sorgfältig alles vermeiden muß. was irgendwie an die Rückkehr der unseligen Zeiten einer Kriegsplanwirtschaft erinnern könnte. Aber es ist keine Frage, daß die Wahlaussichten der Regierung und der hinter ihr stehenden Parteien in sehr hohem Maße davon abhängen, ob es den verantwortlichen Stellen gelingt, den erstrebten Preisabbau einigermaßen mit dem Lohnabbau parallel zu schalten. Wir zweifeln nicht an der Opferwilligkeit weitester Schichten der deutschen Wählerschaft, wenn es den Staat gilt. Die Tendenz zum Lohn- und Gehaltsabbau kann sich aber auf breiter Front wirksam und erträglich nur dann durchsetzen, wenn die Regierung ihr Versprechen wahrmacht und überall da tatkräftig durchgreist. wo die Preise nicht im Einklang mit Öen volkswirtschaftlichen Gesamterfordernissen stehen. Das Kabinett sollte darum auch mit allem Emst auf größte Beschleunigung der Arbeiten des Reichswirtschastsrats bringen, der bekanntlich um die Erstattung eines Gutachten- über die Anwendungsmöglichkeiten der Kartellnotverordnung ersucht worden ist. Sie darf nicht dulden, daß diese Dinge wochenlang verschleppt werden, weil dann nur da - Gegen- t^e i l des angestrebten politischen Erfolge- dabei herausspringen würde. Unter allen Umständen muß die Regierung aus ihrer jetzigen gefährlichen Passivität heraus. Je schneller und je energischer sie praktische po- litische Arbeit tut, um so mehr wird sie den hinter ihr stehenden polittschen Gruppen und Parteien den Wahlaufmarsch erleichtern, um so wirksamer wird sie alle Bemühungen aus die Sammlung einer breiten staatsbürgerlichen Front, von wem sie immer ausgehen mögen, unterstützen, lieber die praktische Arbeit für den lag hinaus aber muß das Kabinett auch Vorsorge für die kommenden Monate treffen. Es muß darauf bedacht sein, daß die bescheidenen Ansätze zu einer durchgreifenden Reform unseres gesamten staatlichen Lebens, wie sie in der Notverordnung enthalten sind, organisch ausgebaut werden. Denn die Regierung Brüning hätte einen wesentlichen Teil ihrer Aufgabe versäumt, wenn diese Reformen schon in ihren ersten Anfängen stecken blieben. Kür eine politische Flurbereinigung Entschließung der Heidelberger Arbeitsgemeinschaft für jungdeutsche Politik. WER. Heidelberg, 6. Aug. Eine von Anhängern des Grundgedankens einer Staatspartei, der Heidelberger Arbeitsgemeinschaft für jungdeutsche Politik, einberufene Versammlung von Persönlichkeiten aus volksnationalen, volksparteilichen, demokra- ttschen und parteiungebundenen Kreisen hat folgende Entschließung gefaßt: Es gilt den Staat vor dem Ansturm der Radikalen zu retten und seine Autorität nach innen und außen durch eine rasche Gesundung der politischen und wirtschaftlichen Zustände zu festigen. Don diesem Gesichtspunkt aus begrüßen wir alle Bestrebungen zur politischen Flurbereinigung. Wir haben deshalb auch die Bildung der Konservativen Volkspartei als Sammelbecken der staatsbejahenden praktisch zur Mitarbeit bereiten konservativen Staatsbürger als erforderlich und wünsche nSwert angesehen. Wir begrüßen aus dem gleichen Grunde die Gründung der Deutschen Staatspartei und sehen in ihr einen Der- such zur Zufammenfasfung der Staatsbürger, die, freiheitlich gesinnt, auf dem Boden der Verfassung stehend, die staatliche und soziale Verflechtung der kapitalisttschen Wirtschaft anerkennen. Wir erwarten von den Verhandlungen der kommenden Tage die Fortsetzung und Vollendung des begonnenen Werks. Wir appellieren nachdrücklichst an die Deutsche DtaatSpartei, die durch ihre Gründung, und an die Deutsch« Volkspartei, die durch ihre Sammlungsbestrebungen den Willen zur Zusammenfassung bewiesen haben, das Gebot der Einigung in dieser letzten entscheidenden Stunde zu erfüllen." Line Kundgebung der deutschen Staatspartei in nötn ■' Winschuh entwickelt das Programm der Partei. Köln, 7. Aug. (CNB.) Die Deutsche Staatspartei, Wahlkreisoerband Köln-Aachen, hatte am Mittwochabend zu einer ersten öffentlichen Kund- gebung in Köln aufgerufen. Dr. Joseph Win- s ch ul^ der Führer des Westdeutschen Februarklubs und Mitbegründer der Deutschen Staatspartei, betonte vor allem, der Deutschen Staatspartei fehle noch der rechte Flügel. Er begrüße die Bil- öung der Konservativen Dolkspartei in der Hoff- nung, daß sie bald eine republikanische Partei werde. Daß konservative Elemente in die Deutsche Staats- Bartet hineingehörten, hallte er jedoch für eine topie. Die Deutsche Staatspartti fei fortschrittlich, freiheitlich und verbinde rechts und links, aber mit scharfer Abgrenzung gegenüber sozialistifchen und konferva^ tiven Tendenzen. Die Deutsche Staatspartei wolle beweisen, daß die Politik der Mitte nicht eine Politik der Schwäche zu fein brauche. Sie werde im Rahmen der Reformbestrebungen eine Wahlreform durchsetzen, auch gegen ein unwilliges Parlament, selbst mit dem Mittel des Volksentscheids. Weiterhin erstrebe die Deutsche Staatspartei eine Reich sref orm, die sie in der Vollendung des Bismarckschen Werkes, im Einheitsstaat sehe. Die Parlamentssoielereien der Länder müßten aufhören. Die Deutsche Staatspartei stehe auf den Schullern Bis- marcks und der Kämpfe von 1848. Ferner müsse die Reichsfinanzreform durchgeführt werden durch energische Ausgaben- senkung und nicht nur durch sozialpotitische Maßnahmen, die nur Hilfsmittel sein können. Die Deutsche Staatspartei erstrebe eine freie und einheitliche Kulturpolitik, sie verurteile jedes Muckertum. In der Außenpolitik wolle die Staatspartei keine reine Erfüllungspolitik. Nach der Befreiung der Rheinlande sei der Weg für eine aktive Außenpolitik frei. Wir wollen keine Politik des Imperialismus und der Revanche, aber auch keinen weichlichen Pazifismus. Jede auf einen Krieg hinarbeitende Polllik werde von der Deutschen Staatspartei abgelehnt werden. In der Innenpolitik wolle die Staatspartei als staatsbejahendes Element die Mitte vereinen. Sie bringe daher den Reichsfarben dieselbe Ach. tung entgegen wie den schwarzweißroten Farben, unter denen Deutschland seine große Zeit erlebte und den Weltkrieg durchgefochten habe. Röchling toitt vermitteln. Eine Entschließung der niederheiniichen Bolkspartci. Köln, 6. Aug. (TLI.) Der Wahlkreis Köln- Aachen der Deutschen Dolkspartei hat an Kommerzienrat Röchling (Saarbrücken) das folgende Telegramm abgesandt: Der Wahlkreis Köln-Aachen der Deutschen Dolkspartei ist Ihnen außerordentlich dankbar, daß Sie sich für den großen Gedanken einer umfassenden Sammlung des deutschen Dürgertums als „Ehrlicher Makler" zur Derfügung st eilen und würde es lebhaft begrüßen, wenn Ihre Bemühungen von Erfolg gefrönt werden. Weiter hat der Wahlkreis an Reichsminister a. D. Dr. Scho lz telegraphiert: Der Wahlkreis Köln-Aachen der Deutschen Volkspartei begrüßt Ihre sofortige Bereitwilligkeit, mit Herrn Minister Höpker-Aschoff bzw. Herrn Koch-Weser d i e Verhandlungen über den Zusammenschluß fvrtzusehen und würde eS für außerordentlich glücklich halten, wenn Sie sich der Bereitwilligkeit eines Mannes wie Hermann Röchling aus Saarbrücken zur Vermittlung bedienen würden. Wir halten es für durchaus notwendig, einen Versuch zu machen, über alle bisherigen Schwierigkeiten hinweg eine Basis zu finden, auf der sich die gesamten Anhänger der Deutschen Dolkspartei und auch der Staatspartei zusammenschließen können zu einer großen polittschen Partei, deren politischer Linie sich auch weitere bürgerliche Kreise auf die Dauer nicht entziehen werden. Kommerzienrat Röchling, der bekannte Saarindustrielle, der seinerzeit aus Demokraten und Dolksparleilem die SaarländischeDolks- Partei schuf, hatte sich in einem Aufsatz in der „Kölnischen Zeitung" zur Vermittlung zwischen Dolkspartei und Staatspartei zur Cöerfügung gestellt. es ist nicht anzunehmen, daß er Rücksicht auf die im Ausschuß vertretenen Interessengruppen genommen hat. Bei einem Wert unserer Wohnungsproduktion von durchschnittlich je drei Milliarden in den letzten Jahren wäre es angebracht, diesen Fragenkomplex gründlich zu durchleuchten. Die Deseittgung des älnterlchicdes zwischen All- und Reubaumieten und entsprechende Erhöhung der Altbaumieten ist eine Forderung, mit der ohne eine gründliche Untersuchung der hier angeführten Fragen wenig anzufangen ist und die nur dazu dient, daß alles beim alten bleibt. Für das erweiterte Wohnungsbauprogramm 1930, das 100 Millionen für Kleinwohnungsbau bereitstellt, hat der Leichsarbeitsminister Dr. Stegcrwald Richtlinien gegeben, die verlangen, daß die vernachlässigte Wohnungstype mit 32 bis 45 Quadratmeter Wohnfläche mehr beachtet wird. Dieser Forderung ist zuzustimmen; zweckmäßiger wäre es aber gewesen, gewisse Bindungen vorzusehen, damit die Empfehlungen nicht auf dem Papier stehen bleiben. Der Minister verlangt auch die Senkung der Baukosten. Gelingt eine erhebliche Preissenkung nicht, so soll von der Ausführung der Bauvorhaben abgesehen toerben. Der Reichsarbeitsminister hat also selbst Bedenken, daß die Reubaumieten für die in Betracht kommenden Devölkerungsschichten tragbar sind. Aus all diesen Gründen ist es notwendig, die Mietenfrage gründlich zu untersuchen und aus dem Ergebnis die entsprechenden Folgerungen zu ziehen. Die Wohnungsbaupolittk muß wieder in die allgemeinen Wirtschaftsverhältnisse ein- ?eordnet werden, d.h. sich nach der Ein - ommensgröße richten. Die Gefahr liegt nahe, daß die Erhöhung der Allbaumieten — sie sind in den letzten Jahren von Ländern und Gemeinden zur Bestreitung von VerwaltungS- ausgaben ganz beträchtlich erhöht worden — nur dazu benutzt wird, die Reubaumieten nicht zu senken. Die Wohnungsbaupolittk befindet sich auf einem gefährlichen Irrwege, der, wenn nicht bald eine ilmkchr erfolgt, zu einer Fehlanlage von Milliarden führt. Am Ende werden uns schöne Siedlungsbauten hingesetzt, die leer stehen, wie es heute in vielen Großstädten schon der Fall ist, und die Wohnungslosen rücken in den Altwohnungen noch mehr zusammen. Schon heute würde eine Flucht aus den Siedlungen einfetzen, wenn genügend Altwohnraum vorhanden wäre. Die Opfer, die vom verarmten deuttchen Volke für den Wohnungsbau gebracht werden, müssen mit größter Verantwortung und mit dem höchsten Rutzeffekt verwaltet werden. Um -ieGenkung der Baukosten Berlin, 6. August. (WTD.) Das Reichs- arbeitsministerium hatte führende Per-" sönlichkeiten der privaten und der gcmeinwirt- schaftlichen Bauwirtschaft eingeladcn, zu einer Besprechung der Frage, wie bei der Durch- führung des zusätzlichen Wohnungsbauprogramms des Reiches Der- teuerungen vermieden werden könnten und inwieweit die Bauwirtschaft bereit sei, der Reichsregierung in dieser Richtung entgcgenzukommen. Bei der Besprechung ergab sich die allseitige Bereitwilligkeit, an der gestellten Ausgabe mit- zuwirken und allgemein den Hnternehmer- gewinn zunächst für das zusätzliche Bauprogramm möglich st niedrig zu setzen. Eine Reihe von Dorschlägen, wie eine Verbilligung zu erreichen sei. wurde vorgctragen. Eine Hauptmöglichkeit sah man allgemein in den Dorschriften des Reiches, die eine Vereinfachung der Wohnungen im Auge haben. Als be? sonders wichtig wurde von verschiedenen Seiten bezeichnet, eine Vereinfachung der baupolizeilichen Bestimmungen'und der behördlichen Ko st en zu erreichen. Die Besprechungen namentlich über die vorgebrachten Vorschläge werden im engeren Kreise fortgesetzt. Reichstag und Notverordnung Der Jntcrimsausrrtutz erklärt sich für unzuständig Berlin, 6.2lug. (DDZ.) Der Reichstags- ausschuß für Wahrung der Rechte der Volksvertretung beschäftigte sich unter dem Vorsitz des Abg. Henke (Soz.) mit der neuen Notverordnung der Reichsregierung. Es lag ein kommunistischer Antrag auf A u f h e b u n g der Verordnung vor. Die Sozialdemokraten verlangten, daß die Verordnung für verfassungswidrig erklärt werde, da sie parallel mit den ersten, auf Verlangen des Reichstages wieder außer Kraft gesetzten Verordnungen laufe. Von anderer Seite wurde diese Parallelität in Abrede gestellt. Der Ausschuß nahm mit 16 gegen 12 Stimmen einen von dem Abg. Dr. Bell (Zentr.), Dr. Scholz (DVP.), o. Keudell (LVP.), Meyer (Dem.), Drewitz (WP.) und Emminger (BVP.) eingebrachten Antrag folgenden Inhaltes an: Der Ausschuß erklärt sich zur Verhandlung der eingebrachten Anträge, die Not- Verordnung des Herrn Reichspräsidenten aufzu- heben oder für verfassungswidrig zu erklären, für unzuständig. Eine Beamteneingabe an die preußische Staaisregierung. Be rlin, 7. Aug. (ERD.) Auf den Erlaß des preußischen Staatsministeriums gegen eine Beteiligung von Beamten an radikalen Parteien haben der Deutsche De- amtenbund und der Preußische Deamtenbund der preußischen Staatsregie'-ung eine Eingabe zugeleitet, in der auf die durch die Reichsverfassung den Beamten gewährleistete Freiheit der politischen Gesinnung hingewiesen wird. Zum Schluß betonen die beiden Beamtenverbände, daß der genannte Erlaß des preußischen Staatsministeriums erneut Zweifel an der Sicherheit der Verfassungsgarantien Hervorrufen muffe, und fordern eine Heber» Prüfung in der Richtung, daß eine bloße Zugehörigkeit zu den in Betracht kommenden Parteien nicht unter das Verbot ge- st e l l t werde. Glashütter Uhrenarbeiter nach Gowjetrußtand. _ Aufbau einer eigenen russischen Uhrenindustrie. Berlin, 6. Aug. (ERB.) Hochqualifizierte deutsche Arbeiter wurden für die russisch« Industrie verpflichtet. Für das Teilgebiet der H h r e n - und Feinmechanik-Industrie hat ein Mitglied der Berliner Handelsvertretung der Sowjetunion soeben in Glashütte einen Vertrag abgeschlossen. Am 8. August fahren z e h n E l i t e- arbeiter der Glashütter Hhrenfa- brikation über Stettin nachMoskau, nachdem mit Unterstützung durch die deutsche Botschaft die Arbeitsbedingungen für sie derart geregelt worden sind, daß ein persönliches Risiko möglichst beschränkt wird. Die Sowjetregierung hat sich verpflichtet, Hin- und Rückreise für die Arbeiter, die einen Kontrakt auf zwei Jahre eingegangen sind, zu zahlen, sowie auch den Familienangehörigen, dre sämtlich in Deutschland verbleiben, durch Vermittlung der deutschen Behörden einen Teil des Lohnes sicherzustellen und zu überweisen. Die Glashütter Arbeiter, die zwar augenblicklich erwerbslos sind, deren Weggang aber angesichts ihrer besonderen Qualitäten bedauert wird, sollen in Moskau in einer Fabrik, die bis vor kurzem inderRäheChi- k a g o s stand, dort stillgelegt und darauf in allen ihren Teilen von der So wjetregierung angekauft und nach Rußland transportiert wurde, vor allem zum Anlernen russischer Arbeiter verwandt werden. Anwachsen der Streikbewegung in Nordfrankreich. Paris, 6. Aug. lieber den Stand des wegen der Verteilung der neuen Sozialversicherungslasten im nordfranzösischen Industriegebiet aus- gebrochenen Streiks berichtet Havas, daß heute in Roubaix-Tourcoing neuerdings 9000 Arbeiter bte Arbeit eingestellt haben, so daß sich eine Gesamtzahl von 73 000 Streikenden für diesen De- -irk ergebe. Im einzelnen sind in Roubaix fetzt 117 Fabriken von der Streikbewegung be- troffen. Die Zahl der Ausständigen beträgt 29 500. Davon entfallen 22 455 auf 86 Fabriken, die vollkommen stilliegen. Etwa 13 000 Arbeiter arbeiten, bä ihre Forderungen bewilligt worden sind. In T v u r c o i n g ist die Zahl der Streikenden von gestern auf heute von 22 150 aus 29 500 gestiegen, davon 8650 Streikende in 41 Fabriken ie vollkommen stilliegen und 20 846 Streikende in Betrieben, die zum Teil stilliegen. Die Zahl der Streikenden in der Textilindustrie in Lille wird mit rund 17 000 als stationär angegeben. Dagegen soll die Zahl der Ausständigen in der Metallindustrie in Lille von 12 500 auf 10 000 zurückgegangen sein. Das Zunehmen der Arbeitseinstellungen im Bezirk Roubaix-Tourcoing soll vor allem auf die Tatsache zurückzuführen sein, daß die auf ftänzösischem Gebiet beschäftigten belgischen Arbeiter von streikenden belgischen Arbeitern verhindert werden, sich zu ihren Arbeitsstä tn nach Frankreich zu begeben. Rach der Mittagspause soll die Zahl der Streikenden noch gestiegen sein und jetzt für die Gegend von Lille insgesamt 80 000 betragen. An der belgisch-französischen Grenze bei Halluin- Menin sind verstärkte Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. An der Arbeitsbörse in Lille haben auch die Arbeiter der bisher vom Streik verschonten Branchen (Druckereien. Gummifabriken, Tapetenfabriken usw.) den Generalstreik beschlossen. Auch die Tschechen machen Lustmanöver. Berlin, 6. Aug. Rachdem in Frankreich die großen Luftmanöver über Lyon stattge- fundcn haben, ist nunmehr Frankreichs militärischer Trabant, die T s ch e ch o s l o w a k e i, gefolgt. In der Rächt vom 5. bis zum 6. August fanden über Olmüh und Königgräh große Luftmanöver statt, bei denen die modernen Abwehrmittel ausgeprobt wurden. Scheinwerfer, die bis zu 6000 Meter Reichweite haben, Flug- zeugabwehrgeschühe, Telephonverbindungen aller Art, Horchapparate wirkten zusammen, um die Städte rechtzeitig zu warnen und zu schützen. Ein Teil der Angriffsgeschwader nur konnte das Ziel erreichen. Sobald die Flugzeuge in den Lichtkegel der Scheinwerfer kamen, irrten sie wie blind einher. Anderen dagegen gelang es, ihre Bomben unbemerkt abzuwerfen. Das Ergebnis des Manövers besteht darin, daß die Abwehr zwar die Angriffe erschwert, sie aber nicht unmöglich m ache n kann. In einem kommenden Kriege werden sicher alle Etappen und Heimatsorte genau so von feindlichem Feuer bedroht sein, wie früher die Front. Für die Zivilbevölkerung gibt es dagegen einstweilen keinen Schuh. Alle Beobachter schildeim die rege Anteilnahme der tschechischen Bevölkerung an diesen Hebungen. — Für De utschland ergibt sich daraus wiederum die Lehre, daß unser ungeschütztes und leicht verwundbares Land im Herzen Europas im Kriegsfälle den schwersten Gefahren ausgesetzt ist. Ernste Lage in Indien. Neue Zusammenstötze mit der Polizei. Die Boytoltbcwcgung. London. 6. Aug. (TH.) Als Protest gegen die Verhaftung der Kongrehfühver in Bombay drangen am Dienstag 300 Gandhianhänger in Allahabad in ein Schulgebäude ein, zerstörten die Einrichtung und setzten die Trümmer in Brand. Die Lehrer und der Schuldiener wurden mißhandelt. Die Polizei schritt ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor. Die Gefängnisverwaltung in Dihar mußte wegen Heberfüllung der Gefängnisse einige Gefangene, die zu geringen Strafen verurteilt waren, freilassen. In Potna wird gegenwärtig ein Rotgefängnis zur Unterbringung von 1500 Gefangenen errichtet. Eine Ausdehnung Dieser Anlage ist bereits geplant, da feine Unter« bringungsmöglichkeit mehr für die ständig zunehmende Zahl der verhafteten Gandhianhänger besteht. Don den Vertretern des Kongresses ist in Dombcch ein neues Aktionsprogramm veröffentlicht worden, das, wie man in englischen Kreisen befürchtet, zu neuen Zusammenstößen mit der Polizei führen werde. Der Kongreß fordert darin ein verstärktes Streik- postenstehen, den Boykott britischer Waren, Verletzung der Gesetze und eine offene Mißachtung der Anweisungen der Behörden. In S u k k u r im oberen Sindgebiet kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Hindus und Mohammedanern. Die Polizei mußte unter Anwendung der Schußwaffe die streikenden Parteien trennen. Bisher sind 12 Tote und 150 Verletzte festgestellt. Die Polizei hat mehr als 200 Personen verhaftet. Die Lage ist weiter ernst. Lichtscheue Elemente haben bie allgemeine Unruhe zu Plünderungen ausgenuht. Don Haiderabad sind zwei Kompanien indischer Truppen nach Sukkur abgegangen. Alle Hauptstraßen und öffentlichen Gebäude sind mit Maschinengewehrposten besetzt. Die europäische Bevölkerung hat zur Unterstützung der englischen Truppen Freiwillige entsandt. Oie holländische Boykottbewegung gegen Deutschland. Amsterdam, 6. Aug. (ERB.) Die führende Organisation der holländischen Molkereibetriebe, der Allgemeen Rederlandsch Zuivelbond, hat in seiner wegen der Kündigung des deutsch-finnischen Handelsvertrags zur Sicherung der deutschen Butterproduktion eingeleiteten Doykottbewegung gegen deutsche Waren nunmehr einen weiteren Schritt unternommen. Er hat sich mit einem Schreiben an den Vorstand der Utrechter Messe gewandt und diesen aufgefordert, zur diesjährigen niederländischen Herbstmesse in Utrecht, die für den 9. bis 18. September angesetzt ist, keine deutschen Aus- stellerzuzulassen und Vereinbarungen, die etwa bereits mit deutschen Ausstellern getroffen sein sollten, wieder rückgängig zu machen. 5>ie Antwort der Messeverwaltung steht noch aus. Kleine politische Nachrichten. Der Hessische Ganbbunb hat für den Wahlkreis Hessen-Darm st adt den seitherigen Abgeordneten Wilhelm D o r s ch in Wölfersheim (Kreis Friedberg) als Spitzenkandidat aufgestellt. * Nachdem der sog. „P o m m e r n b I o d" für die Neuwahlen gescheitert ist, der vorsah, daß Reichs- tagskandidaten etwa im Verhältnis von drei Hugen» berg-Anhängern zu zwei Schiele-Anhängern aufge- stellt werden sollten, wird der Landbund eine eigene Landoolkliste in Pommern propagieren. Reichsernährungsminister Schiele ist als Spitzenkandidat für diesen außerordentlich schwierigen Wahlkreis in Aussicht genommen. Ihm werden Jandrey und Zitzewltz folgen, während der bisherige Abg. Schlange-Schöningen an anderer Stelle ein gesichertes Mandat erhält. * Zum Nachfolger des kürzlich verstorbenen Gesandten Victor Kopp wurde die bisherige Vertreterin Sowjetrußlands in Norwegen, Frau Alexandra Kollontay, zum Gesandten Sowjetrußlands in Stockholm ernannt. Die Stockholmer Gesandtschaft der Sowjetunion war längere Zeit verwaist, da Kopp durch seine Krankheit die Amtsgeschäfte nicht wahrnehmen konnte, während der erste Legationsrat Dmitriewsky nach seinen Enthüllungen über die GPU.-Tätigkeit in Schweden aug dem Dienst entfernt und in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde. * Angesichts der bevorstehenden Erneuerungswahl des International en Schiedsgerichtshofes im Haag hat die dort vertretene deutsche Gruppe folgende Mitglieder für die Neuwahl vor- geschlagen: 1. Exz. Kriege, 2. Prof. Schücking. Die Wahl selbst wird durch den Dölkerbundsrat bzw. die Völkerbundsversammlung vorgenommen. * Die belgische Kronprinzessin 21 ft r i b, eine geborene Prinzessin von Schweden aus dem Hause Bernadotte, trat zum katholischen Glauben über. Die Feierlichkeit fand in Mecheln vor dem Kardinal- Erzbischof von Rocy in Gegenwart von Kronprinz Leopold statt. Aus aller Welt. Schweres Grubenunglück im Saargebiet. Auf Dem Ostschacht „Calmeleite" bei Claren- thal der Inspektion Louisenthal ereignete sich auf Abteilung l eine Kohlenstaubexplosion. In der Abteilung waren 48 bis 50 Bergleute beschäftigt. Jin Laufe des Vormittags wurden 19 zum Teil schwer verbrannte Arbeiter zutage gefördert und ins Fischbach-Völklinger Lazarett übergeführt. Für die Grube besteht keine Gefahr, da die Wetterführung vollkommen in Ordnung ist. Von den ins Knappschaftskrankenhaus eingeheferten Verletzten sind zw e i schwer verletzte Bergarbeiter im Laufe des Rachmittags gestorben. Ein Auto rast in eine Soldatenabteilung. In Berlin-Moabit fuhr eine Autodroschke, die infolge des regennassen Asphalts ins Schleudern geraten war, in voller Fahrt in eine etwa 30 Mann starke Formation der Reichswehrwach Kruppe, die gerade durch die Paulstraße marschierte. Zahlreiche Reichswehrleute wurden zu Boden gerissen. Vier von ihnen blieben zum Teil schwer verletzt auf dem Pflaster liegen. Die Soldaten brachten die vier Verletzten zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, wo ihnen die erste Hilfe zuteil wurde. Dann wurden zwei, die bisher das Bewußtsein noch nicht erlangt haben, in sehr ernstem Zustande in das Moabiter Krankeyhaus geschafft. Die (Eröffnung der christlichen Jugenbbunbtagung. Die Berliner Welttagung des Iugendbundes für entschiedenes Christentum, das erste Treffen christlicher Weltjugend auf deutschem Dodtzn seit dem Kriege, wurde in Anwesenheit von Vertretern aus Amerika und England, den Heimatländern des Iugendbundes, Australien und Reu- seeland, Japan und China, Südafrika undKanada und aus allen Ländern des europäischen Kontinents eröffnet. Rach dem gemeinsamen Gesang des Schutz- und Truhliedes „©in feste Burg" begrüßte der Vorsitzende des Deutschen Iugendbundes, Pfarrer Schürmann, die Gäste aus aller Welt und die Vertreter kirchlicher und staatlicher Behörden. Der Reichspräsident hatte ein Begrüßungstelegramm gesandt, in dem er dem Wunsche Ausdruck gab, daß diese Tagung dazu beitragen möge, christliche Gesinnung in aller Welt zu verbreiten und zu fördern. Generalsuperintendent O. K a r v w, der den Gruß der deutschen evangelischen Kirchen überbrachte, und Reichswart O. S t a n g e, ber für die übrigen christlichen Iugendbünde Deutschlands sprach, stellten ihr Grußwvrt unter das Motto vom Kreuz, das als die große einende Kr aft unter den Völkern des Erdballes wirk. und der tiefste Grund jener großen kirchlichen Einheit sei, die in der Versammlung sichtbar zum Ausdruck komme. Zum Schluß sprachen zwei der hervorragendsten Vertreter des Weltbundes, der Vorsitzende des europäischen Verbandes D. Kelly aus Glasgow und der Präsident des Weltbundes D. Poling (Reuyvrk). D. Kelly führte im Hinblick auf das Grußwort des Reichspräsidenten aus, daß es heute in einer Zeit der Steigerung aller Werte auch den Staaten nicht gleichgültig sein könne, wenn ein junges Geschlecht heranwachse, das seine Glieder auf religiöser Grundlage dazu erziehe, später einmal wahre Bürger des Staates zu werden, gegründet auf dem sittlichen Fundament ihres religiösen Glaubens. Die Veranstaltung schloß mit Darbietungen eines Massenchors. In den nächsten Tagen treten die Arbeitsgemeinschaften zusammen, die unter dem Motto stehen: Der Ruf Christi an die Jugend unserer Zeit. Das Mainzer Defreiungsdenkmall Auch die katholischenFrauenvereine von Mainz haben in einer Eingabe an den Oberbürgermeister ihre Mißbilligung gegenüber dem Befreiungs-Denkmal ausgedrücn. In der Eingabe wird u. a. gesagt: Wir betrachten die Aufstellung des Defreiungsdenkmals unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Volkssitte und des Dolkswohls. Was uns im Innersten empört, das ist die Kurzsichtigkeit, womit die Stadtverwaltung durch Aufstellung dieses Denkmals an öffentlichem Platz und als Denkmal des ganzen Volkes einer Mißdeutung und einer sittlich nicht zu billigenden Wirkung des Denkmals Vorschub geleistet hat. Man sagt vielleicht, wir übertreiben. Rein, wir übertreiben nicht. Es ist schon eine Höhe erreicht, wenn Stadtväter mit Einblick in den sittlichen Tiefstand der Bevölkerung, und mit Wissen um die sittliche Rot der Jugend, und vor dec Tatsache ungeheurer Fürsorgelasten stehend — wir sagen, wenn diese Stadtväter keine Bedenken tragen, in einer Zeit offenkundigen Riedergangs auf diesem engeren sittlichen Gebiet eine nackte Frauengestalt gleichsam als Sanktionierung des Triebauslebens öffentlich auszustellen, dann ist schon eine Höhe erreicht. Es war ein Irrtum von Stadtrat und Stadtverwaltung, daß sie die Wirkung des eine nackte Frauenaestalt in solcher Realistik darstellenden Befreiungsdenkmals nicht voraus- gesehen haben. Dieser Irrtum muß gutgemacht werden. Darum stellen die katholischen Frauen von Mainz den Antrag, das Denkmal auS der Oesfentlichkeit zu entfernen und in einem Museum aufzustellen. „ftöpenitflabe“ in Hindenburg. Dem Magistrat in Hindenburg wurde auS Berlin telephonisch mitgeteilt, ein Freund des Hauses des Reichspräsidenten, Oberstleutnant Jahn, komme in den nächsten Tagen nach Hindenburg. Man möge ihm die Besichtigung des Industriegebietes und der Stadt Hindenburg erleichtern, namentlich die Besichtigung eines Bergwerks. Später wurde noch einmal angerufen und mitgeteilt, Jahn werde mit dem FD-3ug in der Rächt vom Montag zum Dienstag eintrefsen. Pressechef Heckel erhielt den Auftrag, den „Freund des Hauses des Reichspräsidenten" abzuholen. Schon am Bahnhof nach der Vorstellung erweckte das ganze Auftreten des Gastes berechtigte Zweifel daran, daß er das sei, wofür er sich ausgab. Als bann später im Gespräche eine große Hn- kenntnis des Gastes auf verschiedenen Gebieten zutage trat, vermehrten sich die Zweifel. Rachdem der angebliche Oberstleutnant Jahn im Admiralspalast ein Zimmer bezogen hatte, wurde vereinbart, am nächsten Tage eine Besichtigungsfahrt in das Industriegebiet zu unternehmen. Die Zweifel an der Person Jahns veranlaßten den Magistrat, gleich am Morgen in Berlin Rück - f rag e zu halten, die ergab, daß vom Reichspräsidenten niemand e m p f o ft Fe ft* toorben fei. Die Kriminalpolizei verhaftete herauf den Mann im Stadthause und nahm die weiteren Ermittlungen nach der Person des Jahn, der Ausweispapiere auf den Ramen eines Arbeiters Otto Jahn bei sich hatte, auf. Welchen Zwecken bie Kopemckiade dienen sollte, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Auf den Mount Everest im Flugzeug. Der bekannte Schweizer Pilot M i 11 e l h o l z e r, dessen Afrikaflüge noch in guter Erinnerung sind, trifft dieser Tage zu einem Besuch in Berlin ein, wobei über bas Projekt einer Bezwingung des Mount Everest im Flugzeug ver- handelt werden soll. Die Schwierigkeiten und Gefahren eines solchen Fluges sind natürlich, wie man sich nach dem bisherigen Ausgang aller Mount- Everest-Expeditionen denken kann, besonders groß. Der ausgeplünderle Oberstaatsanwalt. Ein mit großer Tollkühnheit ausgeführtes Räuber- stück hat sich in der Nähe des rumänischen Ortes Sacau ereignet. Schwerbewaffnete Banditen überfielen den Bukarester Oberstaatsanwalt Krupenski sowie dessen Gattin, ferner einen Bukarester Stadtrat, einen Advokaten und die Gattin des letzteren. Die fünf Personen mußten s i ch vollständiH entkleiden und alle ihre Habe a u s (i e f e r n. Darauf ergriffen die Banditen samt den Kleidern die Flucht. Die Aus- geraubten trafen splitternackt in Bacau ein, wo sie der Behörde Anzeige erstatteten. Der Oberstaatsanwalt konnte eine genaue Personenbeschreibung der Banditen geben. Aus Grund dieser gelang es schon nach wenigen Stunden, ein Mitglied der Bande namens Serma, einen berüchtigten Einbrecher und Taschendieb, zu verhaften. Nach den übrigen Banditen wird gefahndet. Lebendig verbrannt. Bei einem Gr oh feuer in einer Woll- strickerei in Mars eille sind drei Frauen verbrannt und zwei schwer verletzt worden. Das Feuer brach so plötzlich aus, daß im Ru alle Ausgänge versperrnt waren und über 12 Frauen nicht mehr rechtzeitig an die Ausgänge gelangen konnten. Einige konnten sich im letzten Augenblick noch durch einen Sprung in die Sprungtücher der Feuerwehr in Sicherheit bringen. Oie Wetterlage. Jan Mayen. üsganr 1=F '5Wb. - < Km~r ÄnBärei 2g ffiar VI 40 Wien 9 o o l$io £ PA.# 15 VX.T OWolXenfos.ö nerre». Q nart> hedenrt. ® worxig. Ooroecki, «Reget * Schnee & Graupein * Nehei K Ge*/ilter.(§)Wind$tiHe.-O-. seh# leichter Ost massiger Sudsoowesi Q stürmische! «ordwesl Ole Pfeile fliegen mit dem rfinde Oie Deinen Stationen stenenden Zanten gehen die Temperatur an. Pie Linien verhindeo Orte mit gleiche* tuf Metrcsntveau umgereenneten Luftdruck Wettervoraussage. Die Nordmeerstörung hat sich weiter abgeflacht, fördert jedoch an ihrer Südseite fortgesetzt maritime Luftmassen nach dem Festlande, wodurch heute morgen in unserem Gebiet wieder Niederschläge fielen. Der Luftdruck ist trotz der Niederschlagstätigkeit bei uns noch im Steigen begriffen, wodurch wieder Auf- heiterung eintreten wird. Aber eine konstante Wct- terlaae kommt noch nicht auf, da an der Rückseite des Tiefs verbunden mit der Vorderseite des südwestlichen Hochs die ozeanische Kaltluftzufuhr vorerst noch erhalten bleibt. Es dürften also bei vorübergehend starker Bewölkung noch einzelne Regenschauer fallen, die stellenweise von Gewitterstörungen begleitet sind. Aussichten für Freitag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, noch mäßig warm, vereinzelte Schauer, teilweise gewitterhafter Art. Aussichten für Samstag: GtwaS mehr aufheiterndes, jedoch noch wechsechaftes Wetter. Lufttemperaturen am 6. August: mittags 19,4 Grad Celsius, abends 13,9 Grad: am 7. August:morgens 13,4 Grad. Maximum 19,8 Grad, Minimum 10,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. August: abends 19,6 Grad: am 7. August: morgens 15 Grad. — Niederschläge 0,4 mm. — Sonnenschein- dauer 7 Stunden. irüne 20 bis i 8 bis 10, Weiße Zähne: Chi der im Bneflasten der Reöoffion. Kaiserallee. Anonyme Einsendungen können wir nicht berücksichtigen. •Berliner Börse. Berlin. 7. Aug. (WTD. Funkspruch) Doch, dem der Schluß der gestrigen Mittagsbörse Zei- chen einer Beruhigung ausweisen konnte, hatten kleine neue Abgaben die Kurse des Abendverkehrs wieder nach unten beeinflußt. Auch im heutigen Frühverkchr war die Stimmung, ohne daß Kurse genannt wurden, resp. Hmfätjc zustande kamen, eher schwächer. Der Ordev- eingang bei den Banken war zunächst sehr gering es bleibt aber abzuwarten, wie das Publikum auf die Abschläge der gestrigen Börse reagieren wird. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,83, London gegen Mailand 92,99, London gegen Madrid 43.80, London gegen Bue^ nos 40.c0, London gegen Kabel 4.8725, Biiri[ö,,ass,9 Iflröen feinen Schah sprich zu nehmen. Im Verkehr von Mensch zu Mensch zeichneten ihn immer lauterst« Gesinnung große persönliche Liebenswürd.gkeit und stete Hilfs-' bereitschafi aus, wodurch er sich in weiten Beoöl. ksruagskreisen in Stadt und Land einen großen jzreundeekreis erwarb. Man wird diesen prächtigen Mann, diesen warmherzigen freund und Schützer Un u-.M 2len^!t ,n dankbarer Anerkennung seines vorbildlichen Wirkens in bester Erinnerung behalten Taten für Freitag N. ftuguft Sonnenauf0ang 4 33 Uhr, Sonnenuntergang 19.37 .TT Mondaufgong 19.51 Uhr. Monduntergong 2 4 / Uhr flcboren 9tabier,rin Äätf,e Kollwitz in Königsberg Gicficncr Wochcnmarttprcise. innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Drenststunden geltend machen " Alarmierung des HiltszugeS im Bahnhof Gießen. Am DicnSiagaämd um 8-21 Hhr wurde der Gießener HilsSzug zur Probe noch Lohra, an der Strecke Riederwal- gern—Herborn, alarmiert. Der Zug fahr nach 16 Minuten mit 25 SanitätS- und H..»smann- schaflen aus dem Gießener Bahnhof ab und traf wenige Minuten nach 21 Hfcr in Lohra ein. Der Hebung lag als Idee ein größerer Eiscnbahn- unfall zugrunde, bei dem Lote und Verletzte zu bergen waren. Mitglieder der ReichSbahn- direktion, die bereit- in Lohra anwesend waren und die Hebung leiteten, sprachen sich lobend über die Leistungen der Sanitäts- und sonstigen HilfSmannschaften aus. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: -butter 160 bis 183. Matte 30 bis 35. Käse (10 Stuck) 60 biS 140, Wirsing 10 bis 12. Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 10 bis 15. gelbe Rüben 12 biS 15, rote Rüben 12 bis 15. Spinat 20 biS 25. Römischkohl 8 bis 10. Bohnen. g! 25. gelbe 25 bis 30. Hnter-Kohlrabi v vlo 1V, Crbfcn 20 bis 25, Tomaten 20 bis 30. Zwiebeln 10 bi« 15, Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 6 (Zentner 5,50 Mark), Frühäpfel 20 bis 25. Fall- “Wei 5 btS 6, Birnen 20 bis 30. Dörrobst 30 35. Heidelbeeren 35 bis 40. Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 20 bis 25, Pflaumen 20 bis 25, ZWetschen 35 bis 40. Mirabellen 35 bi« 40, Reineclauden 40 biS 45. Himbeeren 40 bis 45. Aprikosen 50 bis 55. Pfirsiche 50 bis 80, Brombeeren 40 dis 45. Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bis 130. Suppenhühner 100 bis 120, alüHc 60 bis 70 Ps. das Pfund: Tauben (Etück- 70 bis 80. Eier 11 bis 12. Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15. Salatgurken 15 bis 30. Einmach- gurfen 2 bis 4. Endivien 10 bis 20. Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück' Radieschen Bd. 10 bis 15 Pf. Tierfchutzoeretn für Hessen. Die diesjährige 49. ordentliche Hauptversammlung des Tierschunverins für Hessen findet am 23. September in Heppenheim a. d B- statt. Dank der Unterstützung der krcisschulön.ter und Direktoren höheren Lehranstalten Hessens hat der Verein letzten Jahre etwa 110 000 Tierschutzkalender an Schulkinder Hessens veneilen können. gelischen Frauen vereine und eint groß» Zahl Vertreter evangelischer und freier Zugendgruppen und Verbünde, endlich ein Vertreter des .freisinnigen. christlichen Studentenbun.eS" in Holland und der Direktor der deutschen Schule in Riga. Der Abend brachte in der weiten Fest hall« vor 4000 Menschen die Aufführung de» Hamburger ReformationSsesifpieles .Der Reformator" von Fritz Vater durch eine Franklurter Spielgruppe. Der SamSlag wurde durch eine kurze Morgenfeier eingeleitet. Es schloß sich dann auf i'cm Sportplatz eine .Körperschule" an, die für alle gesunden Tagungsteilnehmer verbindlich war und an der sich mehrere tausend Jungen und Mädchen beteiligten. Don großer Bedeutung war die Aussprache der Aelteren- schäft. In der Festhalle versammelten sich 2000 Aeltere lvon 18 Jahren ab). Von diesen war die Hälfte über 22 Jahre. Die mehrstündige Beratung der Aelteren drehte sich um die Formen der neuen Gemeinschaft. Der Sun- deSrat stellte es durch förmlichen Beschluß frei, in welcher Weise sie die Verbindung mit dem Bunde, dem sie entwachsen sind, aufrechterhalten wollen. Der Rachmittag wurde Den d r geschlossenen Bundesversammlung ausgefüllt. Von ihren Beschlüssen ift bernonubeben. daß Professor L). Dr. Staehlin (Münster) wiederum für zwei Jahre die DundeSleitung übernommen hat. Der Samstagabend brachte den Haupt- vortrag deS als Iugendpadagogen und Iu- gendschriststeller bekannten Ö. Dr. Staehlin über das Thema .Freier Gehorsam". Die Festhalle war von vielen Tausenden von Jugendlichen beseht. In seinem Vortrage zeigte Ltaehlin, ausgehend von den Kämpfen um den deutschen Ahein. den ewig dauernden MenschheitSkamvf um den Menschen selbst. Immer geht dieser Kampf um daS Verhältnis zu den beiden Mächten, die über den Menschen Gewalt haben: Freiheit und Bindung. »Wir verleugnen nicht", so sagte der Redner u. a., .den Weg von der Jugendbewegung. den wir gekommen sind. GS handelt sich picht mehr darum, Raum zu gewinnen für den jungen Menschen, sondern heute geht der Kampf wider die Willkür für den Gehorsam. Die Frage ist für den jungen Menschen nicht, gefällt mir daS, sondern, was muh ich nach meinem Gesetz tun. Die Aufgabe der Führer im Bunde ist eS, den Jüngeren den Gehorsam vorzuleben." Der Festsonntag begann mit dem Bundes- gotteSdienst in der Festhalle Die Festpredigt hielt Pfarrer Manz (Frankfurt a. M.). Ein Sprechchor auS Frankfurter BundeSmitglie- dern trug den 100. Psalm und Worte der Bergpredigt vor. Am Rachmittag versammelten sich die jungen Scharen auf der Festwiese, dem ehemaligen Kavallerieererzierplah. In hundert lustigen Einfällen äußerte sich der jungfrohe Sinn all der Gruppen, die in Wald und Wiese lagerten. Reben solchen, die unter bewährter Leitung neue Lieder nach neuen Weisen übten, waren solche, die in fröhlichem Spiel echten Humor zu Wort kommen ließen, oder Volkstänze zeigten, an denen jung und alt sich beteiligten. Wie üblich schloß die Tagung mit einem Bunde-» feuer. Der fingierte Raubüberfall in Frankfurt WSR. Frankfurt a. M.. 6. Aug. Die 57 Jahre alte Witwe Therese Fenner. Inhaberin einer Fremdenpension in der Gutleut- strahe. machte der Kriminalpolizei die Mitteilung, daß der Wohlfahrt-Pfleger S u r e k, der den Raubüberfall auf sich fingiert hatte, ihr Geld zur Aufbewahrung übergeben habe. Die Frau händigte der Kriminalpolizei 4370 Mark aus. Sucek wurde von diesem Vorgang in Kenntnis gesetzt, er bestritt jedoch weiterhin, den Raubübersall fingiert zu haben, ebenso bestritt er die Aushändigung des Geldean die Frau Fenner. Gegen Surek wurde Haftbefehl erlassen, und der Verhaftete der Krankenabteilung deS Gefängnisse- Preungesheim zugeführt. Heute wurde nun auch die Witwe Fenner wegen Hehlerei fest genommen. Bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung fand die Kriminalpolizei noch den Betrag von 370 Mk. Dor. Dach dem Eingeständnis der Fenner rührt dieser Betrag auch von der ihr von Surek übergebenen Geldsumme her. Die Fenner hat sehr verspätet die 4370 Mk. an die Kriminal» Polizei abgeliefert. Sie hat es nach Bekanntwerden der Tat nicht für nötig gehalten, der Kriminalpolizei sofort Mitteilung zu machen: sie wird hierfür ihre Gründe gehabt haben. Sicherlich hat Surek angenommen, daß Frau Fenner ihn nicht verraten würde. Offenbar hat bie Fenner der Polizei nur Mitteilung gemacht, weil sie befürchtete, daß der Polizei bekannt werden könnte, daß sie sich im Besitz deS Der*- untreuten Geldes befände. Runmehr sind 4740 Mark herbeigeschafft worden Surek hatte am Tage der Tat 5200 Mk. vom Geldbriefträger erhalten, so daß von dieser Summe noch 460 Mark fehlen. Bund deuischerIugendvereine WSR. Darmstadt, 5. Aug. Der Bund Deutscher Iugendvereine trat hier zu feiner 15. Reichstagung zusammen. In kleinen und großen Truppen trafen dazu aus allen Teilen des Reichs an 4000 Mitglieder ein und erfüllten mit ihren Wimpeln, ihrem frischen Gesang und ihrer Fröhlichkeit die ganze Stadt. Zur Begrüßung am Donnerstagabend waren die Gruppen bei einbrechender Dunkelheit im Glockenhof _ des _ Schlosses zusam menge komm en. Dicht gedrängt füllten sie den weiten, von dem 300 Jahre alten Schloß umgebenen und vom Glockenturm überragten Hof. Don den mit Fackeln erleuchteten und mit dem Dundeswimpel geschmückten Altan sprachen die Dertreter der hessischen Staatsregierung, der Stadt Darmstadt, des evangelischen Dekanats zur Jugend. Pfarrer Goethe (Darmstadt) grüßte namens der Darmstädter B. D. I.-Gruppen die Brüder und Schwestern aus dem Reich, namentlich aus Schlesien, Rheinland, Hamburg und Holstein, sowie aus Oesterreich, Riga, Amsterdam und Saargebiet. Der Freitagmorgen galt der Leibesübung. Während am Nachmittag die Landesverbände getrennt berieten und die Elternschaft unter Jörg örb und Gotthold Donndorf sich über dir Frage: .Der Bund und was dann?" aussprachen, war gleichzeitig im Fürstensaal die Gästeversammlung aufammengetreten. Pros. Staeh- l i n kennzeichnete hier die Aufgabe der Tagung, oie in dreierlei bestehe: im Rahmen eines Iugend- bundes den Weg zu zeigen zu dem Führerdienst, den die junge Generation von ihnen erwartet: zum zweiten das Ringen um eine neue Sinngebung der Jugendbewegung. Endlich handele es sich um das Problem, das heute die evangelische Pädagogik beschäftigt, die Problematik des evangelischen Menschen überhaupt. Hierauf grüßten mit gehaltvollen Reden, die wertvolle Beiträge zur Frage der Jugendarbeit und des Problems »Freier Gehorsam", boten: der Staats- Präsident und da« Ministerium des Innern durch Schulrat H a s s i n g e r, Minister für Arbeit und Wirtschaft K o r e l l, der die Rot der arbeitslosen Jugend betonte, Oberbürgermeister Mueller Prälat D. Dr. Sie b I, Dekan Zimmermann, fa Quecken (Frankfurt-, Professor D. Dr. Cordier (Gießen) namens der Fakultät und des Christdeutschen Bundes. Pfarrer Marr iDarmstadt) für den evangelisch-sozialen Kongreß ferner Vertreter der Inneren Mission, der Evan^ornoti^en. — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn du einmal dein Herz verschenkst ..." und „Frau oder Geliebte?" Rus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am nächsten Dienstag bringt das Stadttheater als Erstaufführung Ladislaus Fodorjkis Lustspiel .Die Füllfeder". Orl. Hilde Schwend vom Stadttheater Plauen und die Herren Karl Druck vom Stadttheater Trier und Jochen Hauer vom Stadttheater Oberhausen (bereits in Gießen durch sein Gast- spiel in der »Anderen Seite" bekannt), die für bie Winterspielzeit hierher verpflichtet wurden, werden zum erstenmal in Gießen auf treten. — Der Kaufmännische Verein feiert, tote alljährlich, am Sonntag. 10. August, sein Sommerfest. Den Teilnehmern dürften einige vergnügte Stunden bevorstehen. Für die Jugend sind Spiele mit Heberraschungen vorgesehen. (Siehe heutige Anzeige.) Dtc Gießener Berfassungsfeier. Om heutigen Anzeigenteil laden der Provinzial- direktor und der Oberbürgermeister die Bewohner der Stadt und des Kreises Gießen zur Derfassungs. feier am kommenden Montag um 15 Uhr in die A'eßener Dolkshalle ein. Das Programm für diese Feier ist in zwei Teile gegliedert. Die Gießener Militärkapelle wird mit einer Komposition von Waaner bie Feier eröffnen, anschließend wird ein Massenchor sämtlicher Gießener Gesangvereine fol. gen. Sodann wird der Minister des Innern L e u s ch- n e r bie Festansprache' halten, die ihren Ausklang in dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes finden wird. Eine weitere Darbietung der Militär- kapelle wird den ersten Teil der Dortragsfolge be. enden. Im zweiten Teil des Programms werden neben Musikstücken der Mililärkapelle turnerische Borfuhrungen der Gießener Turnerschaft und der Freien Turnerschaft, ferner Darbietungen der hiesigen Gesangvereine den Besuchern einige angenehme Stunden bereiten. Auf bie heutige Anzeige sei be- sonders hingewiesen ** Der Eisenbahnverkehr am Ver- faffungs tag. Am Montag, 11. August, der in Hessen als gesetzlicher Feiertag begangen wird, oer- kehren die Personenzüge auf den hessischen Strecken wie an Werktagen. D i e Gießener Geldinstitute am $erfaf fungstag geschlossen. Im heutigen Anzeigenteil geben die Gießener Geldinstitute bekannt, daß ihre Bureaus am Verfassungstag, 11. August, der bekanntlich in Hessen gesetzlicher Feiertag ist, geschlossen sind. Straßensperre in Gießen. Wegen Rohrinstandsetzungsarbeiten ist die Straße Am Kugelberg zwischen Grünberger Straße und Friedensstrahe auf die Dauer einer Woche für allen Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. " Der deutschamerikanische Turnerführer Seibel spricht im Rund- funk. Heute um 20.30 Hhr hält im Stuttgarter Sender der Präsident des Amerikanischen Turnerbundes. Herr George Seibel aus Pittsburgh (Pennsylvanien). einen auch auf die Sender von Frankfurt a. M. und von Konigs- wusterhausen übertragenen Vortrag über ,.D a s Deutschtum in Amerika". Da Herr Seibel. Inhaber der Ehrennadeln des Turnvereins von 1846 und des Männerturnvereins, in unserer Stadt zahlreiche Freunde besitzt und ein hervorragender Dertreter des deutschen Gedankens in Amerika ist, sei auf seinen Vortrag besonders hingewiesen. Herr George Seibel wird in Kürze unserer Stadt wiederum einen Besuch abftatten. 2m vergangenen Jahre konnte er bekanntlich in Pittsburgh unseren Gießener Turner Reuter, den Sieger vom Deutschen Turnfest 1928, sowie den Turnerführer Schneider. Butzbach, als Besucher bei sich begrüßen. •• Ihren 88. Geburtstag beging gestern in bester Gesundheit Frau Witwe Henny Bock, Bahnhofstraße 34 wohnhaft. Fundsachen beim Polizeiamt. Das Verzeichnis über die im Monat Juli gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der An- mr“11 5lut des Polizeiamts, Landgraf- Pynipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Emp- sangsberechsigten mögen ihre etwaigen Rechte Nächtliche Storchenparade. * L i ch. 5. August. Gin seltenes Raturschauspiel, das allabendlich zahlreiche Zuschauer anlockt, gewahrt man seit Samstag In unserer Stadt. Da- Dach unserer Marien- stiftskirche trägt seit einigen Jahren ein S t o r ch n e st, in dem in diesem Jahre das Etorchenpaar vier Junge ausgezogen hat. 3m Samstagabend gab es mit einemmal Besuch bei der Licher Storchenfamilie. Zahlreiche weitere Störche trafen ein und nahmen auf dem langen Dachfirst der Kirche Aufstellung für die Rächt. Die stattliche Zahl von 2 4 Störchen konnte festgestellt werden. Mit Einbruch der Dunkelheit konnte man die Gäste nur noch als schwarze Punkte auf dem hohen Dache erkennen, aber ab und zu noch ein vereinzeltes Geklapper vor dem .Einschlafen" vernehmen. Am Sonntagmorgen, als der Tag graute, war die Schlafstätte wieder verlassen. Dieses interessante Raturschauspiel hat sich nun allabendlich wiederholt, heute zum viertenmal. Immer die gleiche Zahl der Storche, die immer in der gleichen Anordnung und in bewundernswerter Ordnung die Schlafplätze einnehmen. In ganz regelmäßigen Abständen — die 2 Meter scheinen mit der Schnur gemessen — steben die klugen Tiere, alle mit dem Gesicht nach der Stadtseite, regungslos auf dem langen Dachfirst: die einheitliche Linie wird nur unterbrochen durch den einen Schlafgast, der auf der Kuppel des Glockentürmchens über den andern thront und sich diesen Platz auch nicht nehmen läßt. Auffallend ist. daß sich die Zahl der Kirchdachsgäste jeden Abend gleichgeblieben ist. Als gestern zwei weitere Besucher sich in die Storchenfront einreihen wollten, gab es einen heftigen Kampf um die Plätze, und die beiden „Eindringlinge" wurden nicht in das Massenquartier ausgenommen und muhten sich auf hochragenden Dächern der Rachbarschaft'mit , Einzelquartieren" für die Rächt begnügen. Tagsüber halten sich die Tiere in dem großen Wiesengrund nach Rieder-Dessingen zu auf. Das Abendbild auf dem Kirchdache ist so schön und in seiner Eigenartigkeit so selten, daß es un- bebingt photographisch festgehal ten werden müßte, um es so einem größeren Kreis von Raturfreunden vermitteln au können. Wie das Raturschauspiel zu erklären ist, mühten sachkundige Dogelforscher entscheiden. Anzunehmen ist aber, dah es sich schon um Vorbereitungen für die große Sammlung zur Reise nach dem Süden handelt. Aus der provinzialbauptstad» Gießen, den 7. August 1930. Oaö Schlafzimmer. Don Dr. med Gurt ttayser. Zum Schlafzimmer soll man möglichst den größten und ruhigsten Raum der Wohnung wählen und daraus bedacht fein, in einem Schlafzimmer nicht zu viele Menschen unlerzubringen. Man richte gegebenenfalls für die Familienmitglieder mehrere Schlafzimmer ein und scheue nicht davor zurück, auch die .gute Stube" au opfern für eine zeitweilige Benutzung als Schlaf caum Es braucht wohl hier nicht betont zu werden, daß jeder Mensch sein eigenes Bett haben muh. Leider ist diel« Grundforderung aller Hy- gicnc noch nicht allenthalben erfüllt. Die Bettstelle soll gerade, glatte Linien zeigen, die sich leicht von Staub reinigen lassen. Besonders zweckmäßig ist eine Bettstelle aus Metall, weil sie neben bequemer Reinigungsmöglichkeit das Ein- nisten von Ungeziefer unmöglich macht. Die M a - trotze sei mehrteilig, leicht herausnehmbar und hort Letzteres ist besonders für den Säugling und das Kleinkind von Bedeutung, weil durch die harte Matratze die Wirbelsäule eirtc feste Hnterlage bekommt und so der Möglichkeit einer Wirbelfäulenverkrümmung vorgebeugt wird Eine Hnsitte ist es. das Bett mit einem großen Dau von Federbetten aukufüllen, wie das leider^ auf dem Lande noch häufig üblich ist. Solche Heberfüllung mit Beiten verhindert genügenden Luftzutritt, begünstigt die Schweihbil- dung und schafft künstlich eine Erkältungsgefahr. Für den gesunden, jugendlichen Mensch-n ist es hygienisch richtig, sich möglichst nur mit einer wollenen Decke oder Steppdecke, im Winter allenfalls noch außerdem mit einem Plumeau zuzudecken Auch soll man ein flaches hartes Kopfkissen benutzen. Aus gesundhe'lichen Gründen sorge man dafür, dah zum Füllen von Betten und Kissen nur gereinigte Bettsedem oder entkeimte Watte benutzt wird. Reinliche, möglichst oft gewechselte Bettwäsche ist ein hygienisch ebenso dringendes Erfordernis, wie daS tägliche AuSlüften des Bett- inhaltS. Dabei machen viele Hausfrauen den Fehler, daß sie das Bettzeug hoch aufeinander geschichtet ins Fenster legen. Die Betten müssen vielmehr beim Auslüften frei liegen oder stehen, um so von allen Seiten Luft und Sonne Zutritt zu gewähren. Für das Auslüften der Betten genügt im allgemeinen ein Zeitraum von etwa einer Stunde. Allzuviel Klopsen der Betten ist unzweckmäßig, da Dettfedern wie Roßhaar dabei nur zerklopft werden und Staub in sich ausnehmen. Empfehlenswert ist dagegen ein häufigere- feuchtes Abbürsten, sowie das Auslockern der Matratze und Polster, wenn man nicht mit dem hygienisch einwandfreien Staubsauger die Reinigung vorzunehrnen in der Lage ift Heberhaupt verdient die tägliche Reinigung des Schlafzimmers besonder« hygienische Sorgfalt. Der Staub des Fußbodens darf nur feucht, am besten mit feuchtem Tuche, aufgenommen werden. Als Fuhbodenbelag wähle man möglichst Linoleum, daS leicht zu reinigen ist und bakterientötend wirkt Die Temperatur de- Schlafraums soll im allgemeinen 10 bis 14 Grad Celsius nicht über- aber auch nicht unterschreiten. Wer zu rheumatischen oder katarrhalischen Erkrankungen neigt, wird gut tun, die Temperatur seinen persönlichen Bedürfnissen anzupassen und zur Vermeidung von Erkältungen, speziell von Schulterrheumatis- mus u. dgl., im Bett eine wollene Schlasjacke an- -uziehen. Am gesündesten ist das Schlafen in gänzlich ungeheizten Räumen. Die Frage, ob man bei offenem Fenster schlafen soll, läßt sich allgemeingültig nicht beantworten. Zunächst ist dafür die Außentemperatur maßgebend. Liegt sie unter Rull, so wird man mit dem Offenheiten der Fenster während der Rächt vorsichtig sein müssen. Im Sommer sind die Fenster nachls jedenfalls geöffnet zu halten: denn reine, frische Luft ist das. was unser Körper während der Rachtzeit zur Vorbereitung auf den kommenden Tag unbedingt braucht. Schließlich seien noch zwei H n f i t te n gerügt: das Rauchen und das Lesen im Bett. Ersteres bedeutet Feuersgefahr und trägt natürlich auch zur Luftverschlechterung bei. Das Ldsen im Bett ist vielen Menschen Bedürfnis, sie vermeinen dadurch leichter und besser einschlafen zu können. Im Einzelsalle mag das gelegentlich zutreffen, zumal, wenn es sich um keine aufregende Lektüre handelt. Indessen vom gesundheitlichen Standpunkt aus ist das Lesen im Bett nicht zu empfehlen. da man beim Lesen in liegender Stellung den Augen unbedingt schadet. Lehrer Wilhelm Fritzel t- Am Dienstagoorrnittag verstarb in Füssen (Allgäu), wo er sich mit seiner Gattin zur Erholung aufhielt, der Lehrer i. 9t. Wilhelm Fritzel von hier im 69. Lebensjahre an den Folgen eines Schlag, anfalles. Der Heimgegangene wurde bei bester körperlicher und geistiger Rüstigkeit von einem schweren Schlaganfall betroffen, dem nach mehr- tägigem Krankenlager der Tod folgte. Lehrer Fritzel, ein Mann von edlem Charakter und großer Güte sowohl für die Kinder, die während feiner Dienstzeit ihm anvertraut waren, wie auch für alle Personen seines großen Bekanntenkreises und darüber hinaus, trat im öffentlichen Leben besonders durch feine Tätigkeit als langjähriger erster Vorsitzender des Gießener Tierfchutzocrcins hervor. Alle Tierschutzbestrebungen in Stadt und Land hatten in ihm stets einen arbeitsfreudigen und opferbereiten Förderer, der zum Schutze der Tiere alle Möglichkeiten nützte, die für diesen Zweck Er- folg versprachen. Er war dabei bestrebt, vor allem erzieherisch und in veredelndem Sinne auf seine Mitmenschen zum Schutze des Tieres einzuwirken, er scheute sich aber auch nicht, mit Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit gegen unverbesserliche Tierquälerei aufzutreten und, so ungern er bei feinem gütigen Wesen es tat, gegebenenfalls auch die Machtmittel der Polizei gegen Tierquälerei in An- uhl Wetter-Mantel von Nowack den praktischen Gießen Seltersweg 85 Trenchcoat, mit und ohne Futter, In allen Preislagen Gummi - Mäntel, um und farbig, in Seide, engl. Batist und Halbseide, in nur guten Qualitäten Tweed-Gummi-Mäntel, in modernsten Dessins und Farbstellungen Wollserge - Mäntel, Imprägniert, wetterfeste Strapazier-Mäntel, mit und ohne Futter, In allen modernen Farben __________________________________5439A Für die Regen-Tage VerfassungsfeierMO Gießen, den 7. August 1930 Am Montag, dem 11.August, nachm.3 Uhr, findet unter Mitwirkung der Kapelle des 1. Bail. Inf.-Rgts. Nr.15 und der Gießener Vereine in der Dolkshalle eine Ver- faffungsfeier statt, zu der die Bewohner der Stadt und des Kreises Gießen hiermit freundl. eingeladen werden Oer Oberbürgermeister der Stadt Gießen Or. Keller Oer Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen 3.V.: Ritzel Gut etngeführte Bausparkasse sucht an allen Plätzen des Bezirks iMtiee NM gegen Hobe Vergütung. Schriftliche Angeb. unter 65390 an den Gieh. Anzeiger erbeten. Joop ho mit Handelsschul- Vorbildung für gewerblichen Betrieb Nähe («lebens gesucht. Schristl. Angebote mit Zeugnis- abschristen u. 54810 an den (Sten. Anz. Zuverlässiges Mädchen für alsbald gesucht. Hch. Reinhardt, Kaufmann, Nidda in Oberh. | Verkäufe | Saus 3x5-Zlnimer, Küche, Badezimm^ Garten, Nähe Bahnhoi und Kliniken, billig zu verkaufen, 1 Wohn, los. beziehbar. 104915 I.Baer, Ostanlage 29. 6/25 Brennahor 4-Sitzer, m. Allwel- tcrverdeck, in gutem. fabrbereit.Zustande, günstig z. verk. 04892 vudwigstrake 40. MkWWgSW Aus Anlaß des Derfaffungstages sind unsere Geschäfte am Gonntag, dem 40. August von 8 bis 11 Llhr geöffnet! Der Vorstand. 5518D HMOHtNIWeHOOHOHHWHHMWOM Kaufmännischer Verein Gießen 55330 Sommerfest Sonntag, 10. August, nachm. 3% Uhr, in unserem Vereinshaus^Garten Konzert, Tanz und Kinderspiele Wir laden unsere verehrl. Mitglieder nebst ihren Angehörigen höflichst ein Gäste können eingeführt werden / Der Vorstand Corinne Griffith in einer tragenden Rolle, in der nicht nur ihre unvergleichliche Schönheit, sondern auch ein starkes menschliches Erleben zum Ausdruck kommt. Anfangszeiten 4.00, 5.30, 8.30 Uhr. Sonntags 3.00, 5.30, 8.30 Uhr. Gewöhnliche Eintrittspreise. - . 5380 C Lichtspielhaus Gießen » a Des großen Erfolges wegen verlängert I bis einschl. Sonntag | Lilian Harvey in dem reizend, tönenden Lustspiel I Wenn Du einmal [Dein Hetz verschenkst... Hierzu: Ab heute neul I Corinne Griffith 1B I FrauoderGeliebte? 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Die Beerdigung findet am Samstag, vormittags 11 Uhr, auf dem Friedhof an der Nieder-Ramstädter Straße statt. Zwei yilllDÖbl.Zimmer | Wissenschaftliche Werke Sondergebiet der ... Wi r er füllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Mitgliedes und Mitgründers Herrn Adam Döring geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Freitag, den 8. August, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet M-G.-V. Liedertafel. ----- ---------- 554 4 D Heute mittag 2 Uhr entschlief nach kurzer, schwerer Krankheit im Ev. Schwesternhaus zu Gießen unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Margarete Döring, geb. Zimmer im 55. Lebensjahr. Todesanzeige. Mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater Wilhelm Fritzel Lehrer i. R. wurde uns im 69. Lebensjahr zu Füssen am Lech infolge eines Schlaganfalls durch den Tod entrissen. Margarete Fritzel, geb. Würtenberger Toni Veith, geb. Fritzel Rudolf Veith, Studienrat. Heute vormittag 10 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Adam Döring Eisenbahnoberschaffner i. R. im Alter von 64 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Margarethe Döring, geb. Staffel. Gießen'Wieseck, den 6. August 1930. Die Beerdigung findet Freitag, den 8. August, nach' mittags 3 Uhr, aut dem Neuen Friedhof statt Mltelt Nikolaus An der Johannes kirche s. LmsD « Bekanntmachung. Im städtischen Anwesen Lindenplah 1 fino die Ladenräume zusammen oder ge- Alt zu vermieten. Angebote sind im Städtischen Wohnungsamt, Lonystraße 2, abWben 5531V (riehen, den 6. August 1930. Der Oberbürgermeister. I.V.: Dr. Selb. In tiefer Trauer: Familie Ludwig Döring Familie Wilhelm Schneider Karl Döring. Bersrod, den 6. August 1930. Vermietungen | Schöne, sonnige 5 - Zim.- Wohnff. Nähe Ludwigsvlatz zu vermieten. Schr. Angrb. unter 04921 an den Gieß. 21 tu. 3ahti(-£agerrfluine Groß n.Kleln-Baragen Nähe Bahnhof zu verm. 9iäb. 55290 Tchubertftr. 2. f Mietgesuche | 2-3-Zimm.-Wohn. in gutem Hause gesucht. Wohnung wird evtl, neu hergestellt. Schr. Angeb. unter 04920 an d. GH. Anz. Junges Ebep. sucht ffflöne 2-3immer moönung evtl, mit Heizung und Bad. Schristl. An geb. unter 04909 an den Gieß. Anz. Jungverheiraleles Baar sucht zwei besonders gut möbl. Zimmer für Ende September Schr. Angeb. unter 04917 a. d. Gien. Anz. Gui möbl. heizbares Zimmer mögt, in ’Jiäbe der Kliniken, von junger Dame zum 1. (Sem. gesucht. Schr. Angeb. u.04914 nn d. G. Anz. Einfach möbliert. Zimmer zum. 1. 9. gesucht. Schristl. An geb. uni. 04 08 a. d. Gien. Anz. (Stellenangebote) Krau zum Putzen von 1866 Altersvereinigung 1916 Unseren Mitgliedern machen wir hiermit die schmerzliche Mitteilung von dem Tode unseres lieben Altersgenossen Adam Döring. Die Beerdigung findet Freitag, den 8. August, nachmittags 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. 552 6 D Kaufgesuche | Verschiedenes Samstag, 9. August, abends 9 Uhr Monats-VepsanunlDng in der „Stadt Vicb". Zum zahlreichen Erscheinen wird hie» durch etngeladeu. Gesucht ein noch gut erhaltener anherd sowie eine Ijadenkasse. Schristl. Angeb. an Bornemann, Seltersweg «3 GieDeaer Männergesangvereine Zrellag, 0.8. Augusl. abends 8'-, pünktlich, im ßfltö. Bereinsljaus probe zurVerfassungsseier Noten miibrin»,en: »Nur die Hoffnung seslgehallen" »Wo gen Himmel Eichen ragen". Um vollzählige Beteiligung bittet mi9D der Vorsitzende. Die für 9./10. Aug. vorgesehene auhe>- planmässige Tannas- Wanderung findet nunmehr am 10./11. August statt. Abfahrt 9" Uhr mit Sonntagskarte nach Frankfurt a.M. mmD ßridge-ünlerricli gesucht.Schr. Angeb. u. 04905 a.d.Gff.Anz. Am Verfassungstag (gesetzlicher Feiertag) Montag, 11. August 1930 bleiben unsere Büros geschlossen Bezirkssparkasse Giehen Commerz-u. Privat-Bank Aktiengesellschaft, Filiale Giefeen Darmstädter und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien, Zweigniederlassung Gießen Deutsche Bank u. Disconto-Gesellsdiaft, Zweigstelle Gießen Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. H., Gießen Reichsbankstelle Gießen Auto-Gelegenheitskäufel 4 16-PS - Opel.Viersitzer,offen,12/50 PS- Opel-Pnllman-Limon- sine, Sechssitzer, 4 20-PS-Fiat, Viers., 6/20-PS - Aga, Vier- sitzer, offen, 9 40-PS- Essex-Llmons., Viersitz., 10/40-PS-Over- land-Whipp., Sportzweisitzer, 11/40-PS- Chrysler -Limousine, 9 40 PS Stndebaecker Limousine, 8 32-PS- BrennabonSechssltz. 31 ?T-Benz Gaggenau- Lastkraftwagen. ,i7D Opelauto, Gießen Frankfurt. Str. 52/56 Tel. 2847/48. Bahnhofstr15 Tel. 2 818 Nr. 183 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 7. August (930 3um Tode Siegfried agners. 'M 3* Illi _ M iinfl Links oben: Siegfried Wagner im Kreise seiner Familie. — Unten: Villa Wohnfried In Bayreuth. — Rechts oben: Das Bayreuther Festspielhaus. — Unten: Iugendbildnis Siegfrieds. Argonner-Wald um Atittemachi--- Stimmungsbilder aus den ehemaligen Kampfgebieten. Don Wilhelm Meuter. 2ch habe meinen Freund noch einmal über die ungeheueren Blutfelder Verduns geführt. In die Kasematten von Dau? und Douamont sind wir hinuntergestiegen, haben Räume gesehen, die den Schrecken in feinen wahnsinnigsten Ausmaßen acfdxrut. Mein Freund wußte nicht, wie der Krieg aussah. Aber die Bezeichnungen des Verduner Schlach tfeldes hatten sich doch in seine Seele gegraben. Vom Ausbau des Forts Douaumont zeigte ich ihm dann die Vauxschlucht mit dem Seid), den Pfefferrücken, wir sahen Fort Souvilte drüben vor uns, und in der Feme den Toten Mann, die Hohe 304 und so vieles andere. Wir fuhren im Auto längs der Todesschlucht hinab — zurück nach der Stadt Verdun--— Man kann gar nicht anders — man muß von Verdun aus seinen Weg durch den herrlichen Ar- gonnerwald nehmen. Bald liegt Verdun hinter uns. Wir lassen Rixeville links am Weg liegen und fahren aus herrlicher Straße durch Biercourt, Dombasie, Recicourt, Parvis, Aubreville, Reu- villy, Dvureuilles — — — Halt, hier sind wir auf historischem Boden. Das ist die Vauquoishvhe. Eine berüchtigte Stelle. Umsonst sucht das Auge nach dem Dörfchen D a u q u o i s. S« ist nicht mehr. Versunken im Donner grausamer Materialschlacht. Um die Stätte, da cs gestanden hat, aber webt die Erinnerung an jene Feiten, da französische Angriffe auf die Vauquoishöhe in Blut erstickten. Don den zwei französischen Bataillonen, die am 28. Oktober 1914 heranstürmtcn. blieb der letzte Mann. Und, so oft der Feind, mit oder ohne Artillerievorbereitung, herankommt, immer bleiben die Deutschen die Besitzer der Dauquoishöhe. Freund, siehst du die riefenbaften Sprengtrichter? Siehst du die Spuren der Sprengungen an den Felsen? Hier ward der Krieg im Schoße der Erde geführt. Wochen uni) Monate gruben die Gegner an riesigen Stollen, um dann mit ungeheuren Sprengstoffladungen einen Teil der feindlichen Stellungen in die Luft zu jagen. Dort liegt der weiße Hügel. Auf ihm sind deutlich die Spuren der französischen Stellungen erkennbar. Rechts davon der berühmte Cheppywald, im Vordergrund ein nicht minder berühmter: der Hessewald. Es lohnt, hier noch einmal über Trichter, Zerhackte Waldriesen, Sprenglöcher von dimensionalen Ausmaßen hinwegzuklettem. Der Frontkämpfer vergißt Hunger und Durst, er durchlebt noch einmal die Schrecken der Schlachten um Dauquois. — Richt weit ist es bis Darennes. Durch Zufall setzte ich meinen Fuß in den wunderbar neuerbcuten Ort. Wir haben nämlich die Absicht, oberhalb Darennes nach links zum Four de Paris zu fahren. Doch oberhalb Darennes streikt plötzlich unser Motor. Das Benzin war verbraucht. 3d) muß hinab in den schmucken Ort, um neuen Betriebsstoff herbeizuschaffen. Am Eingang des Städtchens, hoch in der Luft, sehe ich das amerikanische Sternenbanner wehen und etwas weiter die Trikolore. Dann stehe ich vor einem der herrlichsten Kriegsdenkmale Frankreichs. Es ist das Ehrenmal des Staates Penn- sylvanien. Es besteht aus zwei ungeheuren Seitenflügeln, in deren Mitte das eigentliche Denkmal steht. Die beiden Aügel sind etwa 40 Meter voneinander entfernt und ebenso lang Wunderbare Anlagen liegen dazwischen, ständig gepflegt von tüchtigen .3ardinierS". Run sind wir auf der Straße zum Four de Paris. Der Wald ist wieder zum Walde geworden. Aus dem kräftigen Riederschtage strecken die alten Eichen von ehemals ihre traurigen Stümpfe in die Luft. Dringt man nur einen Schritt in diese Wildnrs ein, zeigen sich uns sofort die Spuren deS Krieges. Zerhackte Schützengräben, Trichter an Trichter, vermoderte Waffen und Geräte, Wahrzeichen wilder Kämpfe, die einst diese Gegend durchtobten. Hier ist der Boden mit Blut gedüngt — Jetzt sind wir an der Stelle, wo einst die deutschen Linien die Straße kreuzten, auf der wir durch den Argonner- wald fahren. — Wir halten und steigen aus. — Gin paar riesige Unterstände befinden sich gleich rechter Hand der Straße. Wir bringen in das dichte Unterholz ein, essen uns satt an prächtigen Himbeeren, die hier in geradezu verschwenderischer Fülle wachsen. — Sin Bogel jubiliert im Gebüsch, sonst aber herrscht der Frieden des Grabes. Wir schweigen. Deutlich sehe ich vor mir aus dem Gebüsch feldgraue Gestalten hervorbrechen. Ich höre das Hurra des Angriffs, das Krachen der Handgranaten, ich höre Siegesjubel und Schmerzesstöhnen. - Alles will noch einmal lebendig vor mir stehen. — Selten wohl ist andächtiger das Argvnnerlied gesungen toorben, als hier: „Argonnerwald um Mitternacht Ein Pionier ftanb auf ber Wacht, Ein Sternlein hoch am Himmel ftanb, Bringt Grüße ihm aus fernem Heimatlanb —" Hier fang es zuerst der tapfere Argonnenpoet, und wie oft mag es in jenen Tagen hier auS beu deutschen Unterständen getönt haben: „Argonnerwald. Argonnerwald Sin stiller Fnedhof wirst du bald, In deiner fühlen Erde ruht So manches tapfere Soldolenblut " Lange saßen wir. Und weit offen riß die Wund« um alles geflossene deutsche Blut. Beim Erheben stößt mein Fuß an hartes Metall. Sin sauberer Rachbar Friedlich bat ein schwerer Blindgänger zwischen uns beiden gelegen, ohne daß wir ihn bemerkten. Am Four de Paris halten wir kur» und erinnern uns daran, wie dieser Platz und di« umliegenden Orte, wie Sachalade. Claon. Der- zieur, Binarville ost in den Heeresberichten erwähnt wurden. Heber Dienne le Edäteau und St. Thomas führt uns der Weg nach Servon. Sin Rame von Klang für jeden ArgonnenkHmpfer. Hier besuchten wir den groben deutschen Friedhof. Don Servon fahren wir zur Hauptstraße zurück nach Dille f u r Jourbe. Hier begrüßte unS cinc Deutsche, die auS Kempten bei Bingen stammt und seit zehn Jahren hier glücklich verheiratet ist. Die Freude, Deutsche zu treffen, war auf beiden Seiten groß Lore Schmidt fühlt sich wohl in den Tlrgonnen, denkt aber gerne und oft an den sonnigen Rhein zurück. Heber Sechault und Monthois, wo wieder ein deutscher Friedhof besichtigt wird, führt unS der Weg nad) dem herrlichen Städtchen DouziöreS Gleich am großen Marktplätze finden wir Quartier. Dou- Jieres ist heute wieder ein liebliches Argonnen- tädtchen. Seine Bewohner sind freundliche Menschen und im Hotel ä la Ville de Rennes sorgt ein deutschsprechender, gemütlicher Wirt für das Beste aus Küche und Keller. — Das Tal Der Dicken. Marienbader Streiflichter. — Oie Friedenskonferenz am Kreuzbrunnen. — Sin Professor experimentiert. — Welche Komponisten fördern den Stoffwechsel? Don unserem Dr. G. 8tr.-Sonderberichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Marienbad, Ende Juli 1930. Wiedersehen mit Marienbad! Es ist genau so wie vor einem, vor fünf und vor zehn Jahren. Ratürlich sind wieder alle alten Bekannten da, die wohlvertrauten Bäuche, denen man außerhalb der Bade- und Kursaison entweder /tuf den großen politischen und wirtschaftlichen Konferenzen oder aur den Dölkerbundstagungen in Dens begegnet, Minister in und außer Dienst, Kommerzienräte und Industrielle, prominente Bühnenleiter aus allen europäischen Großstädten, Theater- und Filmgröhen, ein paar Schriftsteller mit gutem Bücherabsatz. aber gestörtem Stoffwechsel und die schier endlose Reihe jener, die alle auf den gleichen Dornamen Horen: „Herr Di- re k t o rl Um sechs Uhr früh erstes Stelldichein am Kreuzbrunnen, das ominöse Brunnengläschen in der einen, den Dörfenfurszettel von gestern in 'Der '(fTTbercfr Hand. Was sonst laut Knigge in der guten Gesellschaft als verpönt gilt, wird hier zum Morgengespräch. Und aus dem Morgengespräch wird die Mittagsunterhaltung, und aus der Mittagsunterhaltung wird das Abend- referat Cs dreht sich alles, medizinisch gesagt, um den Stoffwechsel und um die Verdau- ung. Es gibt wie in Monte Carlo auch hier Leute, die nach einem ganz bestimmten System vorgehen und daraus schwören: die behaupten, daß man erst auf Kreuzbrunnen und dann auf Ru- dolssquelle setzen müsse, wenn der Darmmotor die richtige Tourenzahl erreichen solle, während andere ihre Hoffnungen mehr auf den Ferdi- nandsbrunnen bauen. Ruch ein berühmter Professor ist da. eine große, medizinische Kapazität, die sich hier mit sehr eingehenden Untersuchungen über den Einfluß derMusik auf die Magen- und Darmfunktionen besaht. Wie eS heißt, hat er mit dem Kapellmeister der Kurkapelle zu Cxperimentier- zwecken nach langen Erwägungen ein besonderes Programm zusammengestellt. So soll beispielsweise Griegsche Musik die Gallenabsonderung besonders günstig beeinflussen, ein Potpourri au« Richard Wagners .Tannhäuser" den Appetit fördern, Strawinsky für Qiierenfteinc gut sein, während die Leharschen Weisen die wohltuenden Wirkungen der Marienbader Moorbäder auf Rheumatiker noch erhöhen. Dagegen hätten sich die Beethovenschen Sinfonien für Fettsüchtige als wenig geeignet erwiesen. Die „Tannhäuser - Ouvertüre soll besonders die Tätigkeit der Hormone anregen, alles Behauptungen, die ich mit der gebotenen Reserve toiebergebe. Wenn aber die merkwürdigen Entdeckungen deS erwähnten Professors in der Therapie zur Anwendung gelangen, werden sich die verschiedenen Radio- sendestellen in Zukunft auch darauf einftellep und statt der „Stunde für den Landwirt" etliche Konzertstunden für den Gallenleidenden, den Fettsüchtigen und den Rheumatiker einführen müssen. Die Funkintendanten feien jetzt bereits geziemend darauf aufmerksam gemacht. Hem — Hem! — Ratürlich erfreut sich Marienbad auch eine» elegant aufgezogenen Strandbades, da« mehr von der Jugend frequentiert wird. Wa« sollen fchließlich die Söhne und Töchter machen, wenn Papa Brunnen trinkt und Mama sich wohlig im Moorbad wälzt? Schon am frühen Morgen beginnt bei „Rübezahl" und in den anderen Kaffee- und Frühstücksstationen auf den Waldhöhen ring« um den Kurort das Tanzvergnügen, während sich in den langgestreckten, mit Dielen kleinen Zellen ausgestatteten Häuschen ein lebhaftes Hin und Her entwickelt. Fast in Theater-Humor. Oer unglückliche Kofinsky. Emil Brachvogel, der Dichter des „Rarziß", halte in feiner Jugend die große Sehnfucht, als Schauspieler auf den weltbedeutenden Brettern Triumphe zu feiern; er lief aus der Lehre bei einem Graveur fort und zu einer Schmiere nach Hietzing bei Wien, wo er als Kosinsly in den „Räubern" Lorbeeren zu ernten hoffte. DaS Ergebnis war aber ein ungeheurer Durchfall. Die Zuschauer machten sich aus dem Auftreten deS Unglücklichen eine „Hetz". Rach den Worten: „Man warf mich ins Gefängnis, alle meine Sinne waren hinweg", erscholl von allen Seiten des Hauses kräftig das Echo: „Weg! Weg!" Roch schlimmer wurde es bei seinem Auftreten im nächsten Akt. Der Sah: „Die Pserde stehen gcfattelt!", vor dem auch der erfahrenste Darsteller der Rolle bangt, entfesselte ungeheure Heiterkeit, und die Fort- sehung: .Ihr könnt aussihen, wenn ihr wollt," fand Widerspruch: „Rein! Wir wollen nicht! Laßt s andere aufsitzenI" Der aus der Fassung gebrachte Debütant stammelte: „Ich zäume gleich wieder ab!" Worauf jubelnder Beifall losbrach. Wenn ihr's haben wollt!" bat Kosinsky dann noch zu sagen, und als der Anfänger dies hervorstammelte, da johlte die Menge grausam: .Jawohl! Abzäumen! Weg, Weg!" Rach diesem Erlebnis hatte Brachvogels Bühnenlaufbahn ein jähes Ende. Oer Orden-Tiger. Karl Sontag, der Bruder der.göttlichen Hen- riette", selbst ein ausgezeichneter Schau'pieler, hatte die Schwäche, den Ordensschmuck über alles zu lieben. Wie Paul Lindau von ihm erzählt, hatte er eine Karte Europas, auf der alle Länder, von denen er eine Auszeichnung erhalten, sorgfältig schrassiert warem Deutschland war beinahe ganz schwarz, aber in Thüringen war noch ein kleiner weißer Fleck, und da ruhte er nicht, bis er auch in diesem Kleinstaat gastiert und etwas ergattert hatte. Er war dabei nicht wählerisch, und nahm alles, was nur irgendwie nach einem Orden aussah. Einst war er einmal wieder beim Herzog Emst von Roburg ausgetreten, und da er bereits die höchste Auszeichnung, die bis dahin einem Schauspieler zuteil geworden, das Komtur- kreuz des Sächsifch-Emestinischen Hausordens hatte, so war guter Rat teuer, was man ihm noch verleihen könne. Der damalige Intendant Becker erkundigte sich bei ihm. „Da hat und doch bei Tisch so ein großer Lakai bedient mit einer mächtigen silbernen Medaille," sagte der Orden-Tiger. .Die habe ich noch nicht." .Aber, mein lieber Sontag," erwiderte Becker, „Das ist eine Auszeichnung für 25 jährige Dienste im Haushalt des Herzogs. Die bekommen nur Kutscher, Köche und Lakaien." „Das macht nichts," überwandt der Mime alle Bedenken. „Eie ist ungewöhnlich groß und glänzend, und wiffen Sie, wenn sie auf einem Samtkiffen hinter meinem Sarg getragen wird — das macht sich doch gut" Und er bekam die Medaille und dazu ein kostbares Geschenk. Oer pflichttreue Claqueur. Alexander Dumas der Ältere erzählt, daß er einmal bei der Aufführung eines schlechten Stückes im Parkett einen Herrn bemerkte, der heftig klatfchte und dabei ausrief: „Pfui Teufel, ist das ein jämmerliches Stück! Das ist ja nicht zum aushalten!" .Warum klatschten Sie denn bann so eifrig Beifall?" fragte ihn einer seiner Rachbarn. .Ich habe ein Freibillet bekommen, damit ich klatschen soll," erwiderte er, .und da ich ein ehrlicher Mensch bin, klatsche ich, aber ich habe nicht versprochen den Mund zu halten, und deshalb äußere ich laut, was ich denke." Anschauungsunterricht.. Eine mehr galante als begabte junge Dame nahm bei der großen Schauspielerin Sophie Schröder dramatischen Unterricht. Diese suchte ihr auf jegliche Weife mehr Temperament beizubringen, und als es sich um das Studieren einer leidenschaftlichen und unglücklichen Liebhabenolle tändelte, bei der die Heldin von ihrem Geliebten verlaßen wird, sagte sie zu ihr: .Also verletzen Sie sich an die Stelle der Liebhaberin! Stellen Sie sich vor, daß Sie verraten und oerlaffen sind von einem Mann, den Sie über alles lieben. Was werden Eie tun?" .Was weiter?" erwiderte die junge Dame naiv, „ich würde mir halt schnell einen anderen Liebhaber suchen!" Daraufhin verzweifelte Sophie Schröder daran, mit Anschauungsunterricht hier noch etwas auszurichten, und erklärte der Same, sie solle ihre Erfolge lieber auf einem andern Gebiete suchen. Das geheimnisvolle Haus in der 5. Avenue. Das .Haus des Geheimniffes" in der 5. Avenue Reuhorks ist kein Geheimnis mehr. Diese altmodische Villa, deren Haustür sich nie öffnete, deren Fenster- läden stets verschloffen waren, wirkte unter den Wolkenkratzern und Palästen dieser vornehmen Straße wie ein Gespenst aus einer vornehmen Vergangenheit, und die seltsamsten Gerüchte waren über die sechs Schwestern verbreitet, die hinter dieser toten Front ein Leben von Abgeschiedenen führten, während draußen Hast und Lärm, Prunk und Glan, der modernen Welt vorüberbrausten. Run ist Frau Rebecca Wendel Swope gestorben, und der Schleier ist gelüstet von dem l OOMillionen Dollar-Der- mögen dieser Frauen, die im bescheidensten Stil lebten und in steter Angst waren, dem Hungertode zu verfallen, wenn einmal ihr Geld zu Ende sei. Die einzige noch lebende der 6Schwestern,die80 jährige Ella Wendel, wohnt jetzt allein in dem geheimnis- vollen Haus und ist die einzige Erbin des Riefen- vermögens, das in Liegenschaften in Reuyvrk besieht und feit vielen Jahren zur jetzigen Größe angewachfen ist. Den Grundstock zu diesem Reichtum legte der Vater der Schwestern, John Wendel, der mit Pelzhandel viel verdiente; er legte seinen Nachkommen die strenge Verpflichtung auf, nichts von dem Besitz zu veräußern und nur Liegenschaften in Reuyork dazuzukaufen. Die sechs Schwestern, die so lange in dem Haus der 5. Avenue gelebt haben, standen unter der Aufsicht ihres Bruders John Gottlieb Wendel, der aufs strengste darüber wachte, daß das Familienvermögen durch keine Heirat zersplittert werde. Rur eine der Schwestern wagte gegen feine tyrannische Herrschaft sich auszulehnen. Las war Rebecca, die im Aller von 50 Jahren Pros. Luther Swope, den Geistlichen der Trinity- Kirche, heiratete. Uber diesen „Eeitensprung" war John Gottlieb so erzürnt, daß er den andern Schwestern selbst nicht mehr den Besuch des Gottesdienstes gestattete. Aber auch Rebecca wagte sich nicht der Macht des Bruders zu entziehen und blieb der Sparsamkeit der Familie treu. Rach dem Tode Rebeccas sind nun zum erstenmal seit einem Viertel- jahrhundert die Fensterläden des öden Hauses geöffnet; die Tür bleibt immer noch verschloffen, aber einigen Beamten war der Eintritt gestattet. Was sie erblickten, war eine Lebensform, an der die Jahrzehnte spurlos vorübergegangen sind. Das Haus enthält kein Telephon, keine elektrische Anlage; es wird nur mit Gas beleuchtet. Die Schwestern besahen selbst keine Dähmaschine, um sich ihre Kleider zu machen, sondern nähten ihre Gewänder mit der Hand. sie trugen stets schwarze Toiletten in der Krinolinensorm, die damals üblich war, als für sie der Zusammenhang mit der Außenwelt aushörte. Im Sommer verliehen die sechs Schwestern das Stadthaus, um auf dem Landgut des Bruders zu leben, aber auch hier waren sie streng abgeschlossen. 1893 flüchtete Georgiana Wendel aus dem Landhaus. wurde von ihrem Bruder wieder eingefangen und in ein Irrenhaus gebracht. Der oberste Gerichtshof erklärte diese Maßnahme für ungesetzlich, und Io kehrte sie wieder in die Gesangenschast des geheimnisvollen Hauses zurück. Als John Gottlieb 1915 starb, wurde bekannt, daß er der alleinige Eigentümer des ganzen Wendel-VermögenS mar. Rber auch nach seinem Tode änbeiten die Schwestern nichts an ihrem Dasein. Jede Woche hingen sie ihre Wäsche im Hinterhof auf, obwohl die vornehmen Rachbarn der 5. Avenue dagegen Einspruch erhoben. Run ist Ella Wendel die einzige Überlebende diese« seltsamen Millionärsgeschlechts. daS niemals einen Pfennig an Bekannte oder Freunde oder zu Öffentlichen Zwecken fortgegeben hat. Oer teuerste $i(m. Die Marotte eines amerikanischen Millionär» hat den teuersten Film der Welt geschaffen, und obgleich seit vielen Jahren an diesem Werk gearbeitet wird, ist es noch immer nicht bollenbet 3e$t soll diese gigantische Bilderreihe für den Tonfilm umgearbeitet werden. Der Film kostet nach neuesten Mitteilungen bisher 3 866 475 Dollar, also bedeutend mehr als der Film „Ben Hur", der bisher für den kostspieligsten Film galt. Wenn er herausgebracht wird, so werden die Gesamtkosten die phantastische Summe von 4 M i 11. Dollar überfteigen. Eine einzige Szene, die die Zerstörung eines Zeppelins darstellt, foll über 460 000 Dollars gekostet haben. Die Länge des Films erstreckt sich über fast zwei Kilometer, von denen die eben erwähnte Szene nur etwa 100 Meter einnimmt. Ob etwas Brauchbares herausgekvmmen ist, bleibt fraglich, aber jedenfalls ist dieses Unternehmen ein Zeichen de» amerikanischen Rekordwahns. Hochschulnachrichten. In Bonn verschied der außerordentliche Pro* fesfor der allgemeinen Pathologie und patholo* gischen Anatomie an der dortigen Universität Dr. Paul P r y m, im Alter von 48 Jahren. 6r erhielt 1906 eine Attistentenstclle am Bonner Pathologischen Universitäts-Institut. Dort habilitierte er sich 1909. — Der Historiker Professor Dr. Percy Ernst Schramm in Göttinger, hat den Rus an die Universität FreiburgüB^ als Rachfolger von E. Caspar abgelehnt. jedem Etablissement betätigt sich auch ein Graphologe, der den Herrschaften allein auf Grund der Unterschrift allerlei Schmeichelhaftes über ihren Charakter offenbart; aber ich glaube, der gute Mann verläßt sich nicht allzusehr auf seine graphologischen Kenntnisse, er sieht sich seine Kunden gründlich an (sie geben meist gründlich Material zum Ansehen) und hatt es dann nicht schwer, Beruf und Veranlagung anzugeben. Den Damen erzählt er mit Vorliebe kleine Anzüglichkeiten, die jede nach ihrem Geschmack ausdeuten kann. Sehr beliebt bei alt und jung sind die überall aufgestellten Spiel- und Glücksautomaten, obwohl man bei ihnen letzten Endes nur zusetzt. Man wirft eine bis fünf Tschechenkronen in einen Schlitz und dreht und wartet oder sucht eine Geschicklichkeit zu entfalten, die meist nicht vorhanden ist. Mitunter kriegt einer ein paar Kronen aus dem Spielautomaten wieder heraus, gewissermaßen, um den anderen neuen Mut zuzusprechen. Ich habe Frauen beobachtet, die stundenlang vor so einem Kasten standen und immer wieder Geld hineinwarfen, ohne auch nur einmal Glück zu haben. Aber sie liehen es sich nicht verdrießen. Irgendwie muß doch die Zeit totgeschlagen werden, die andere, weniger Glückliche, und doch vielleicht Glücklichere, bei ihrer harten Berufsarbeit nicht erübrigen können. Weil wir gerade bei den Frauen sind — da Sing ich mit einem Freunde, einem bekannten Romanschriftsteller und Bühnenautor, der sehr auf Abenteuer aus ist, eines Morgens den Korridor unseres Hotels entlang. Stand da vor einer Zimmertür ein entzückendes Paar winzig kleiner Damenhalbschuhe und daneben ein Buch, das den Titel „Begierde" trug. Was Wunder, daß mein Freund Witterung aufnahm und seine dichterische Phantasie, die so manche schöne Leserin berauschte, spielen ließ. „Was auch der Grund fein mag, daß dieses Buch hier liegt", so sagte er, „vielleicht war es von einer befreundeten Dame entlehnt und, weil sie zum Brunnen muhte, hier an der Tür niedergelegt worden — vielleicht aber bedeutet der ostentativ zur Schau gestellte Titel, daß die Besitzerin dieser entzückenden Schuhpaare eine starke, unerfüllte Liebe in sich trägt — genug, ich muh sie sehen I Gewiß ist es eine junge, rassige Ausländerin, wie sie hier manchmal an der Seite eines alten, vor dem ersten Schlaganfall stehenden Gatten auf tauchen, unbefriedigt, voll heimlicher Sehnsucht und gärenden Gefühlen." ilnb mit schwärmenden Worten beschrieb er ihre Gestalt, ihren Gang, die Grazie ihrer Bewegungen. Es ist einfach unheimlich, welche Gedanken- und Gefühlskomplexe ein Paar Damenhalbschuhe auf einen Schriftsteller auslösen können! „Du wirst sehen, daß ich recht habe", sagte er, „wir wollen hier an der Treppe warten, bis sie Herauskommti" Also schön — wir warteten, fünf Minuten, zehn Minuten, eine Viertelstunde. Endlich tat sich die Zimmertür auf, eine Hand griff nach den Schuhen und nach dem Buche mit dem vielversprechenden Titel. Dann verging wieder eine geraume Weile. Unfere Spannung und Erwartung war grenzenlos. Endlich ging die Tür von neuem auf, und in den winzigen Schuhen, die wir vorher bewundert hatten, trippelte mühsam, auf einen Stock gestützt, ein zusammengefallenes, vielleicht 70 Jahre altes Mütterchen heraus ... Die Enttäuschung meines Freundes war unbeschreiblich. Aber anscheinend — leben Dichter von ihren großen Enttäuschungen. Denn gerade heute verriet er mir, daß diese kleine Episode im Hotelkorridor ihm die Idee zu einer dreiaktigen Komödie eingegeben habe, daß er den Stoff mit dem ebenfalls in Marienbad weilenden Berliner Theaterdirektor T. bereits besprochen und daß dieser sich das Optionsrecht für die Uraufführung gesichert habe. Woraus klipp und klar zu ersehen ist, daß ein Aufenthalt in Marienbad auch den dichterischen Stoffwechsel anregt... Berliner Börse. Berlin, 7. Aug. Die Kursrückgänge der letzten Tage hotten heute beim Publikum nicht in dem befürchteten Umfange Abgaben ausgelöst. Es kam zwar immer noch Ware heraus, die aber teilweise wohl von den Banken kompensiert wurde, so daß stärkere Abschlägenichteintra- t e n. Gegenüber dem schwachen Vormittagsverkehr zeigten die ersten Votierungen der heutigen Börse sogar zum Teil mehrprozentige Erholungen und waren im Vergleich zu den gestrigen Mittag-Schlußkursen als ziemlich widerstandsfähig zu bezeichnen. Gerüchte, nach denen die Großbanken in einer Vormittagsbesprechung sich über eine Interventionstätigkeit geeinigt hätten, bestätigten sich zwar nicht, dennoch war unverkennbar, daß die interessierten Stellen bei der Kursfestsetzung eingriffen. Die Spekulation sah sich daraufhin zu Deckungen veranlaßt, was, besonders im Verlaufe, zu einer kleinen Geschäft s b e l e b u n g und ein- bis zweiprozentigen Kursgewinnen führte. Anderseits gingen die Kursverluste nur ganz vereinzelt über 2 Prozent hinaus. Reichsbank, Hoesch Eisen, RWE. und Julius Berger zogen bis 2,10 Prozent an, dagegen verloren Maximilians-Hütte und Stolberger Zink, Westeregeln, Bergmann, Deutsche Eisenhandel und Aschaffenburger Zellstoff bis 4,5 Prozent. I.-G.-Farben hatten auf die ungünstigen Auslassungen in der Stickstoffindustrie zu leiden und verloren 2,90 Prozent. Deutsche Anleihen neigten zur Schwäche. Auch Ausländer bröckelten überwiegend im Kurse ab. Pfandbriefe zeigten ziemlich behauptete Tendenz. Reichsschuldbuchforderungen konnten sogar eher etwas anziehen. Die Geldsätze erfuhren eine weitere Erleichterung. Tagesgeld ging auf 3,25 bis 5,25 Prozent zurück, Monatsgeld und Warenwechsel blieben dagegen mit 4,5 bis 5,5 und 3,75 Prozent unverändert. Auch im Verlaufe der Börse hielt die Interventionstätigkeit der Banken an. Das Geschäft wurde zwar, nachdem die Deckungen der Spekulation etwas nachließen, wieder ruhiger, die ein- bis zweiprozentigen Erholungen kannten sich aber ziemlich behaupten. Holzmann lagen angesichts der Meldungen über den guten Geschäftsstand im ersten Halbjahr 1930 nach 1 Prozent schwächerem Beginn um 2 Prozent erholt. Polyphon, Siemens, Salzdetfurth, Schubert & Salzer zogen um etwa 3 Prozent an. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 7. Aug. Austrieb: 94 Rinder, 818 Kälber, 221 Schafe, 365 Schweine. Es kosteten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 74 bis 79 Mk.; mittlere Mast- und Saugkälber 69 bis 73; geringe Kälber 62 bis 68. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 48 bis 51 Mk.; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 42 bis 47. Schweine: nicht notiert. Marktverlauf: Kälber und Schafe mäßig rege, ausverkauft. Schweine rege, ausverkauft. Aus aller Welt. Die Vorgeschichte der Ledigensteuer. Die jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach in die Rotverordnung aufgenommene Ledigensteuer verfügt über eine reiche und sehr weit zurück- gehende Vorgeschichte. Bereits die alten Römer kannten die Steuer, die dort vor nahezu 2000 Jahren erhoben wurde, allerdings nicht so sehr, um die Kassen Roms zu füllen, sondern um die durch viele Kriege dezimierte Bevölkerung wieder auf den Stand einer Weltmacht zu bringen. Fast immer bis auf den heutigen Tag hat die Ledigensteuer diese Funktion erfüllen sollen, ohne daß aber Beweise vorliegen, die wirklich eine Devölkerungsverrneh- rung erkennen lassen. Frankreich hat wiederholt zu diesem Zweck eine Ledigensteuer eingeführt. Eine besondere Rolle spielte um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert die Ledigensteuer in England, wo sie nur für Adlige höheren Grades eingeführt war, um deren Vermehrung es dem englischen Herrscher zu tun war. Lin Hundefriedhof wird vergrößert. Der erste und größte Hundefriedhof Deutschlands, der in Stahnsdorf bei Berlin liegt, soll nach einer Mitteilung des Deutschen Tierschutzvereins in der nächsten Zeit erheblich vergrößert werden. Ein Tierliebhaber hat dem Hundefriedhof einen angrenzenden großen Komplex zur Verfügung gestellt, auf dem behördlich anerkannte Blindenhunde kostenlos beerdigt werden sollen. Die Pflege und Wartung dieses Hundefriedhofes liegt dem Deutschen Tierschutzverein ob. Wirtschaft. t Der Saaten st and im Deutschen Reich Anfang August. Das anfangs trockene und heiße Iuliwetter hat die Reife des Getreides so sehr beschleunigt, daß mit den Erntearbeiten schon frühzeitig begonnen werden konnte. Bei der Schnellreife des Getreides sind die Körner allerdings nicht immer ergiebig, wodurch der Körnerertrag .beeinträchtigt wurde. Im zweiten Juli-Drittel ist die Durchführung der Getreideernte durch heftige und langanhaltende Regengüsse empfindlich gestört worden. Richt selten ift Auswachsen und Ausfallen der Körner zu befürchten. Das Wachstum der Hackfrüchte ist durch die Riederschläge fast überall gefördert worden. Rur bei den Frühkartoffeln, die in ihrer Entwicklung weiter fortgeschritten sind, wurde keine Besserung mehr erzielt. Im allgemeinen sind die Aussichten für die kommende Hackfruchternte nicht ungünstig. Auch auf den Wiesen und Weiden, die unter der langen Trockenheit sehr gelitten hatten, zeigt sich nach den Regenfällen wieder ein reges Wachstum, so daß nunmehr mit einem befriedigenden zweiten Schnitt gerechnet werden kann. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten zwei gleich gut, drei gleich mittel, vier gleich gering, ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Winterroggen 2,9 (Vormonat 2,6), Winterweizen 2,7 (2.4), Winterspelz 2,4 (2,3), Wintergerste 2,7 (2,5), Sommerroggen 3,3 (3,0), Sommerweizen 2,9 (2,7), Sommergerste 3,0 (2,8), Hafer 3,3 (3,0), Frühkartoffeln 3,2 (2,9), Spätkartoffeln i;8 (2.9), Zuckerrüben 2,7 (2,8), Runkelrüben 2,7 (2,9), Klee 3,0 (2,7), Luzerne 2,5 (2,4), Dewässe- rüngswiesen 2,4 (2,3), andere Wiesen 3,0 (2,7). * 80 Millionen Mark Passiva bei der F a v a g. 2,75 Millionen Mark Liquida- tionskosten. In der gestrigen Gläubigerausschußsitzung der Frankfurter Allgemeinen wurde der Status per 31. Mai 1930 oorgeleat. Danach belaufen sich die Aktiven auf 16 771000 Mark, die Passiven auf 80 Millionen Mark. Die Kosten der Liquidation werden mit 2,75 Millionen Mark angegeben. Der Status wurde von dem Gläubigerausschuß ein» stimmig genehmigt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 7. 2Iug. Tendenz: uneinheitlich. — Der gestrige starke Kurseinbruch hatte zu Beginn der heutigen Börse eine stärkere Unsicherheit zurückgelassen. Das jetzt erst ängstlich gewordene Publikum kam erneut mit Material an den Markt, so daß auch heute die Mehrzahl der Papiere weiter nach geben mußte. In Dörsenkreisen selbst hatte sich jedoch eine gewisse Beruhigung geltend gemacht, da die Danken bestrebt sind, das herauskommende Material nach Möglichkeit aufzunehmen, um so eine weitere Verschlechterung der Börsensituation zu vermeiden. Die Kulisse blieb reserviert. Das Angebot war jedoch nicht mehr so dringend, so daß sich im Grundton gegenüber der gestrigen Abendbörse eine gewisse Widerstandsfähigkeit bemerkbar machte, auf der anderen Seite bei ziemlich großem Interesse ein Anziehen des Kurses zur Folge hatte. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.-Farben gehalten, während Goldschmidt mit minus 3 Prozent stärker gedrückt eröffneten. Rütgerswerke verloren 1,5 Prozent. Für die gestern stark nachlassende Siemens-Aktie machte sich Rückdeckungsbedürfnis geltend; dieses Papier gewann 1,5 Prozent. Bis zu 1 Prozent fester eröffneten noch Gesfürel und AEG., dagegen waren Felten und Berger mit je minus 3 Prozent erneut stark ab geschwächt. Licht L Kraft, Elektrische Lieferungen, Lahmeyer und Rheinische Elektrizität lagen bis zu 1,5 Prozent niedriger. Für Deutsche Linoleum machte sich RaHfrage bemerkbar, plus 3 Prozent. Die Auslassungen der Verwaltung über den Geschäftsstand, der dem vorjährigen gleichkommt und auch in Zukunft von einer größeren Depression nicht besonders berührt werden dürfte, gaben hier eine Anregung. Don Kunstseide werten büßten Aku 2 Prozent ein, während Obernberg gut behauptet blieben. Stärker unter Druck standen noch am Kalimarkt Westeregeln minus 4 Prozent und Aschersleben minus 2 Prozent, während Salzdetfurth gehalten waren. Schiffahrtspapiere wenig verändert. DerMontan- martt hatte mit einigen Ausnahmen nur kleine Kursrückgänge zu verzeichnen. Von Renten waren Deutsche Anleihen leicht nachgebend. Das Geschäft hatte im Verlaufe wieder nachgelassen, doch konnten sich die Kurse gegen Anfang um b i s zu 1,5 Prozent bessern. Arn Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Prozent weiter etwas leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1845, gegen Pfund 20,3860, London gegen Kabel 4,8720, gegen Paris 123,82, gegen Mailand 93,00, gegen Schweiz 25,0490, gegen Madrid 43,65, gegen Holland 12,0860. Düchertisch. — Hermann Krehan, „Von der Spree zum Manzanares". Mit 55 PS, drei Objektiven, einer Frau und 10 Koffern von (Berlin nach Madrid (157 Abbildungen nach Handzeichnungen und photographischen Aufnahmen des Verfassers), Verlag Dietrich Reimer, Berlin SW 48, Preis 5,50 Mk. (200). — Das ist ein höchst amüsantes Buch besonders für den, der diese Reise selbst einmal, wenn auch auf bequemere Weise, gemacht hat. Mit Bleistift und Kamera hat der Verfasser die Kleinigkeiten vom Wege aufgefangen, die Land und Volk oft schärfer charakterisieren als Ergebnisse strenger wissenschaftlicher Forschung. Das Rhonetal von Lyon über Orange, Avignon, Rimes, Taroscon und Arles nach Spanien hinein, durch die kleinen Mittelmeerstädte mit ihrem bunten Volksleben, durch Barcelona, der stets revolutionären, kühn aufstrebenden Hauptstadt der Katalanen weiter nach Madrid, dem ganz anderen Spanien der weiten kastilischen Hochevene, wirtschaftlich rückständig, aber heute noch originell wie zur Zeit Don Quichottes und Sancho Pansas und schließlich zurück durch die wildromantischen Gebirgstäler und Felsschluchten der Pyrenäen. — Arthur Feiler: Das Experiment des Bolschewismus. Frankfurter Socic- tätsdruckerei G. m. b. H. Frankfurt am Main. Preis broschiert 5,00 Mk. (190). — Dem Journalisten Arthur Feiler verdanken wir ein sehr klares Buch über Amerika. Das Problem Sowjetrußland lag erheblich schwieriger, und es ist ein Beweis für das große Einfühlungsvermögen des Autors, daß sein neues Buch, „Das Experiment des Bolschewismus" uns namentlich nach der wirtschaftspolitischen Seite hin trotz der bereits vorhandenen zahlreichen Rußlandliteratur wesentliche und interessante Aufschlüsse gibt. Es liegt auf der Hand, daß der „Fünfjahresplan" in den Mittelpunkt gerückt ist. Der Aufbau der Industrie, das merkwürdige Rebeneinander kommunistischer Planwirtschaft und hochkapitalifti- scher Konzessionen kommt in der Darstellung Feilers sehr prägnant heraus. Auch was er über die bolschewistische Agrarpolitik sagt und über die Stellung des Bauern zum kommunistischen Staat ist klar. Entsetzlich die Eindrücke von der wirtschaftlichen Rot des Volkes, die die bolschewistische Lehre, nach der Sozialismus Reichtum ist, in ihr Gegenteil verkehren. Von hohem Interesse ist auch Feilers Schilderung der neuen Gesellschaft, der Erziehung zum Maschinenzeitalter und zum kollektiven Menschen. Hier liegt vielleicht das psychologische Grundproblem des Bolschewismus, aus dem sich auch die Aufgabe Europa in der Abwehr der bolschewistischen Gefahr über den Weg zum sozialen Recht zur menschlichen Freiheit und Würde mit dem Ziel der Vollendung des Persönlichkeitsrechts und des Persönlichkeitswerts des Individuums ergibt. — Enrico Corradini: „Die politische Reformation in Europ a“. Aus dem Italienischen übersetzt von Adalbert Bauer. (Verlag Scherl, Berlin.) Geheftet 2 Mk., Ganzleinen 3,50 Mk. (63.) — Der Historiker und Geschichtsphilosoph der faszistischen Weltanschauung gibt eine Darstellung des Werdens, der historischen Bedingtheit der Ideenwelt des Faszismus. Der innere Aufbau im Faszismus, die Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Individuum wird durch biologische Gedankenketten erläutert, der Begriff der „Freiheit" im parlamentarischen und faszistischen Staat gegenübergestellt. — Miguel de Unamuno: Die Höhle des Schweigens. Vier Erzählungen. Mit einem Nachwort von Otto B u e k. Reclams Universal- Bibliothek Nr. 7060. Geh. 40 Pf., geb. 80 Pf. (138.) — Spaniens größter Erzähler und Philosoph, Miguel de Unamuno, kehrte nach jahrelanger politischer Verbannung in die Heimat zurück. Unamuno verfügt über die Gabe formvollendeter Erzählungskunst, die ihm in ganz Europa einen großen Leserkreis gewann. Der vorliegende Novellenband vereinigt die verschiedenen Seiten seines Schaffens und gibt ein geschlossenes Bild seiner reichen Persönlichkeit. Zwei von den Novellen erscheinen hier erstmals in deutscher Sprache. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 9. August 1930. Freitag abend 7.20 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 8.45. Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 7 Uhr. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Frankfurt a. 2)1. Berlin Schluß« fürs t-Uhr- Ko es Schluß- furd Anfang- Kurs Datum 6. 8. 7. 8. 6. 8. 7. 8. t>% Deunche »teicgtameiye von 1927 ......... 7% Deutsch« ReichSanIeihe 87,75 — 88 — von 1929 ......... 102 — 102 — Leu,Ich« atti.-Oblöl.-Sdiulb ml! 60 7,8 59,95 7,7 60,1 7,8 60 7,6 DeSgl. ohne AuSws.-Rechte . . 8% Heg. BolkSstaal von 1929 trückzahlb. 102%)...... Oberhellen Provinz • Anleihe ml: Aurlos^Rechten...... 59 — — — Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe 59,25 — 60 — XIII unkündbar 613 1934 . . . 101,75 _ _ 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe unkündbar bi- 1932 ..... 96 . 15 298 298 299 298 I. G. Farben-Industrie . . 12 141,5 141,25 143,75 141,13 Dynamit Nobel.. . . . . . 6 — — — 67 Ccheideansialt..... . . 9 — 133 — — Goldschmidt..... . . 5 53,5 50,2 53 52 Rütgerswerke..... . . 6 46,5 44,75 45,25 45,25 Metallgesellschaft. . . . . . 8 101 100 101,5 100,25 Philivv Holzmann . . . Zementwerk Heidelberg . . 7 71 69,5 70 69 . 10 101 100,5 Eementwcrk Karlstadt. . . 10 — — — — Wayß & Freytag . . . . . 8 67 67,5 68 — Schultheis Payenhoser . ei . 16 —- 248,5 248,5 Lstwerke....... . 12 —> —— 196 196,25 Aku......... . 18 84,5 82,5 84,5 82,5 Bemberg....... . 1-! 86 86 87 86,5 117,6 Zellstoff Waldhos . . . o 13'/. — — 118 Zellstoff Aschaffenburg . • . 12 89 89,75 88 84 Eharlottenburger Wasser • . . 8 90 89 Dessauer Gas..... . . 9 —- — 122,5 121,13 Daimler Motoren . . . • . o 25 24,75 25,25 25,25 Deutsche Linoleum . . 172 175 175 176 . . 0 — — 40,75 39 Rat. Automobil . . . . . . 0 — — 10,25 9,9 Orenstein & Koppel . . • . . 6 — - 54,5 55,25 Leonbard Tietz .... . 10 — - 129 127 Svenska....... —* - 301 299 Frankfurter Maschine» . . . 4 22,25 — 21,75 — Gritzner....... . . 6 30,5 — 30 — Heyltgenftaedt . . . . . . 0 — — — — Iungyan«....... • . . 6 30 — 30,5 — Lechwerke....... . . 8 92 92 —— — Mainkrastwerke Höchst a. M.. . 8 — — — Miag......... . 10 86 — 86 85 ®e6t. Roeder..... . 10 '.9,5 — — — Botgt & Haessner . . . . . 9 156 — 154 —— Süddeutsche Zucker . . e . 10 148,5 147,5 148,25 -- Banknoten. Derlln, 6- August Geld Bries Amerikanische Noten...... 4,164 4,184 Belgische Noten ....... 58,43 58,72 Dänische Noten ........ 111,85 112,29 20,322 20,402 Französische Noten....... 16,43 16,49 Holländische Noten ....... 168,17 168,85 Italienische Noten........ 21,96 22,04 Norwegische Noten....... 111,80 112,24 Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling 59,13 59,37 Rumänische Noten....... 2,465 2,485 Schwedische Noten....... 112,26 112,70 Schweizer Noten ........ 81,39 81,71 Spanische Noten . . ...... 46,06 46,24 Tichechostowakische Noten. .... 12,37 12,43 Ungarische Noten ....... 73,15 73,45 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 6. August 7. August Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld »riet Geld Brie. Amst-Nott. 168,43 168,77 168,49 168,82 Buen-AireS 1,518 1,522 1,525 1,532 Brss.-Antw. 38,495 58,615 58,51 58,63 Cbristiania. 112,05 112,27 112,08 112,30 Koprnbag.'n 112,10 112,32 112.13 112,35 Stockholm . 112,44 112,66 112,46 112,68 Helsingrors. 10,519 10,539 10,522 10,542 Italien. . . 21,895 21,935 21,90 21,94 London. . . 20.362 20,402 20,366 20,406 Neuyork . . 4,179 4,187 4,1805 4,1885 tpnrbi .... 16,44 16,48 16,445 16,485 Schweiz . . 1,265 81,425 81,325 81,485 Spanien . 46,45 46,55 46,50 46,60 Japan . . . 2,066 2,070 2,068 2,072 'stio de Jan 0.430 0.432 0,427 0,429 Wien in D-- Ctft.abgest 39,095 59,215 59,115 59,235 Prag ... 12.391 12,414 12,401 12,421 Pel irad . . 7,417 7.432 7,421 7.435 Dndavrst. . 73,30 73,44 73,315 73,455 Bulgarien . 3,032 3,038 3,032 3,038 Lissabon . 18,79 18,83 18,79 18,83 Danzig. . . 81,40 81,56 81,42 81.58 Konstantin. 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. . . 5,44 5.45 5,435 5,445 Canada 4,185 4,193 4,185 4,193 llru uat) . . 3,437 3,453 3,437 3,443 Kairo . • > 20,87 20,91 20,87 20,91 Oberheffen. Gemeinderat in Grünberg. - Grünberg. 5. Aug. 3n feinet jüngsten -Sitzung war der Gemeinderat vollzählig versammelt. Zunächst verhandelte man über eine Anzahl Einsprüche wegen Herantziehung zu den KanalbenuhungSgebuhren. Hierbei wurde daraus hingewiesen, daß eS selbst in kanalisierten Straßen noch Gebäude gäbe, die nicht angeschlossen seien, deren Abwässer daher oberirdisch Abläufen, wodurch allerlei Mißstände hervorgerusen würden. Daher sand ein Antrag einstimmig Annahme, der besagt, daß mit einer Frist von zwei Monaten sämtlicheGebäude an kanalisierten Straßen anzu- fchließen seien, andernfalls die Stadt aus Kosten der Säumigen den Anschluß Herstellen werde. Für die Beschaffung von Wassermessern. die kürzlich beschlossen wurde, lagen Angebote von fünf Firmen vor. Man entschied sich zunächst noch für keines derselben, da man erst die Frage geklärt wissen will, ob man Trocken- oder Rahläuser wählen und der Beigeordnete an anderen Orten nähere Auskünste einholen soll. Auf ein Gesuch der beiden Sportvereine um Ueternahme eines Teiles der Kosten zur Errichtung von Toren für die Benutzung des Sportplatzes seitens der Oberrealschule und def Volksschule wurde ein Betrag von 50 Mark bewilligt. Wie der Beigeordnete mitteilte, ist in einer Sitzung mit den Vereinsvorsitzenden und den Leitern der Schulen die Abhaltung ter Der- sassungsseier am Sonntagatend in der Turnhalle unter Mitwirkung dec beiden Gesangvereine, deS MusikvereinS und des Turnverein geplant. Der Gemeinderat ist damit einverstanden. Längere Zeit beanspruchte ter folgende Punkt der Tagesordnung- Errichtung eines Schwimmbades. Ein für diesen Zweck bestimmter Ausschuß hat durch Umfrage von Haus zu HauS feststellen lassen, dah durch Cofen von Dauer- und Familienkarten die jährliche Summe von rund 2600 Mark an Einnahmen aufgebracht würde, wozu nach Mitteilung der beiden Schulleiter durch das Baden ter Schüler in den Turn- flunten, bzw. Lösen von Schülerkarten noch weitere 300 Mark Einnahmen zu erwarten seien. Der Ausschuh glaubt daher, dah auf Grund dieser Einnahmen die Verzinsung des Bau- kapitalS gesichert sei, und er bat um Beschlußfassung über die Errichtung eines Schwimmbades. Die Lösung der Platzfrage solle später durch Zuziehung von Sachverständiaen geklärt werten. Die Aussprache zeigte, daß die Mehrheit der Gemeinderäte für den Plan ist, zunächst tourte aber die Sache nochmal- an den Finanzausschuß verwiesen, der vor allem auch die Aage ter Geldbeschaffung prüfen soll. 3iegemprämiierun0 in Hungen. / A.u ngen. 4. Aug. Gelegentlich des gestrigen Ziegenmarktes in unserer Stadt sand auch eine Ziegen-Prämiierung statt, die folgendes Ergebnis hatte: Klaffe I. 2 öcke, 2 Jahre und älter: 1. Preis Gemeinde Großen-Buseck: 2. Gemeinde Inheiden: 3. Gemeinte Laubach. Klaffe 11. 2 öcke. 1 Jahr alt: 1. Preis Gemeinde eattenrob; 2. Gemeinte Laubach und Balthasar hilipp (Steinberg): 3. Gemeinte Burkhardsfelden, Gemeinde Utphe und Gemeinde Ettings- Ha usen. Klaffe 111. Ziegen, 3 3 ahre und älter: (Preise: H. Raa IV. (Hattenrod) und W. Keil II. (Ettingshausen): 2. Preise: Ad. Böcher (TraiS-Horloss), 3. 3akob (Inheiden), O. Fink (Hattenrod). Friedrich Löffler (Hungen), W. Gocr (Lich): 3. Preise: Karl Peter, R. Krießel, 3. Raumann (sämtliche aus Laubach), K. Münster (Hattenrod), A Dur- kart (Ettingshausen), C. Phil pp III. (Steinberg), Hermann Moll, Emil Schäfer (beide aus Hungen). K l a f (e 1 V. Ziegen, zwei Jahre alt: Erste Preise: Heinrich Münster (Hattenrod) und 5r. <3tauf (Utphe): 2. Preise: H. Münster (Hattenrod), Wilh. Kaiser!!. (Bellersheim), H. Rühl II. (Utphe). 3. Preise: H. K. Köhler (Bettenhausen>. derselbe. S. Schäser (Hungen), D. Weppler (Har- bach). K. Schwarz (Hungen), A. Burkart (Ettingshausen) und Gotth. Stein (Ettingshausen). Klasse V. Ziegen, 1 3ahr alt: 1. Preise: P. Dietz (Lich) und O. Jäger (Laubach): 2. Preise: H Stengel (Laubach). Gg. Schäfer (Lich), W. Weber (Trais-Horloss); 3. Preise: R. Eichenauer (Utphe). H. Münster (Hattenrod). R. Weber (3nheiden). O. Sack (Utphe) und Wilh. Gort (Lich). Klasse VI. Z « itziegen : l. Preis: Karl Münster (Hat- tenrod): 2. Friedr. Löffler (Hungen): 3. Karl Baumbach (Trais-Horloff). Arbeiisbeschaffungsprogramm der Stadt Friedberg. WSR. Friedberg. 6. Aug. Den Demühun- gen der Stadtverwaltung ist es gelungen, größere Dlittel zur Verbilligung des Zinsfußes von ter hessischen Regierung zwecks Durchführung eines Arbeitsbeschaffungsprogrammes zu erhalten. 3n zwei nichtöffentlichen Sitzungen des Stadtrates wurde die Durchführung von Kanal- und Straßenbauarbeiten im Q3e- trage von mehreren hunderttausend Mark beschlossen. Die Dauer dieser Arbeiten ist auf ein balte« Jahr berechnet. Ferner sollen im Rahmen d^ses Programmes vier Doppelhäuser erbaut toerten, die in der Hauptsache Zwei- und Dreizimmerwohnungen, sog. Schlichtwohnungen, enthalten. Dem Dauverein .Eigner Herd ist Goldes toert" wurde die Erstellung dieser Dohnun- gen übertragen. Für den restlichen Teil ter aufzuwendenden Gelder hat der Staat die Zinsverbilligung übernommen. Die Stadt Friedberg hat lediglich 3 Prozent ter Zinsen zu tragen. Landkreis Gießen. , r Lich. 6. Aug. Das H a f s i a - De z i r ks - schlchen des Bezirks Lich findet nicht am 31. August statt, wie kürzlich irrtümlich mitgeteilt wurde, sondern bereits am I 7. A u g u st. und -war in Lich. Das Probeschießen wird am 10. August veranstaltet. *= L i ch. 6. Aug. Die Getreideernte ist hier und in der nördlichen Wetterau im toefent- Die Studenten-Weltmeislerschasten. Der sechste Tag ter Studenten-Weltmeisterschaften tn Darmstadt wie- gestern in feinem Programm die Fortsetzung ter Wettkämpfe im Schwimmen, Fechten und Fußball und das Finale um die Wasserball-Weltmeisterschaft auf. 3n all diesen Wettbewerben gab eS eine Reihe ®°n großartigen Erfolgen ter Deutschen, so den Endsieg im Wasserball gegen* Ungarn, den Atovi- ten Platz im Säbelfechten vor Italien, den Fuh- ballsieg gegen die Franzosen und eine Reihe von Öiegen in den Sinzelkämpfen im Schwimmen. Zuhballkamps Deutschland — Frankreich 4:2. 3m Frankfurter Stadion kam vor knapp 1000 Zuschauern dec Fußball Länderkampf zwischen Deutschland und Frankreich zum Austrag, den Deutschland mit 4:2 (1:1) zu feinen Gunsten entschied. Trotz des Sieges war die Forni der deutschen Mannschaft keineswegs überzeugend, Umstellungen hatten ihr die in den ersten Spielen vorhandene Einheit genommen. Frankreich spielte besser als bisher, war aber nach der Pause durch Verletzung eines Spielers geschwächt. In einem zweiten Tressen standen sich in Darm- stadt Italien und Luxemburg gegenüber. Trotz einiger Ersatzleute siegten die Italiener mit 10:6 (6:0) verdient und sicher. Entscheidungen im Schwimmen. 3m Turmspringen siegte der Berliner Ziegler mit 100,42 Punkten vor Hefter (Jena) mit 96,12 und dem Finnen Riemelainen mit 83,18 Punkten Kisfaludi (Ungarn), Rota (Italien) und Eucurroula (Italien) belegten die nächsten Plätze. In ter 4X100-Meter-Frei st il- staffel vergab Deutschland durch Umsehen deS Schlußmannes den Sieg an die in 4:24 Min. siegenden Ungarn. Deutschland wurde mit 4:24,2 vor Italien, Oesterreich und den Tschechen knapper Zweiter. 3m 200-Meter-Brust schwimme n der Damen gab eS wieder Erfolge der Deutschen, die die drei ersten Plätze belegten. Sri. 2 ae r siegte in 3:31,5 vor Frl. Sparbier (3:39,4) und Ziegenfuß (3:45), ter Französin Dlondeau und Philipp (Ungarn). 3m 200- Meter-Dru st schwimmen der Herren siegte Weigmann (Deutschland) in 3:04,2 vor Manzoni (Italien) 3:05.6, Hagneß (Rorwegen) 3: 06,8, Herber (Deutschland) 3: 10. Haas (Oesterreich) und Aru (Italien), lieber 100 Meter Freistil Damen siegten die Französinnen Salgado (1:20) und Dlondeau (1:26,8) überlegen vor den Deutschen Mohr, Ioßmann und Döpking. DaS 100 -Meter-Freistilschwimmen der Herren gewann ter Ungar Szekely nach hartem Kampf in 1:03,7 vor den Tschechen Steiner (1:03,8) und Modrickh (1:04), Pepe (Italien), Sutton (England) und Gruß (Deutschland). Deutschland Weltmeister im Wasserball. — Deutschland schlägt Ungarn 3.-0. Deutschlands größter Sieg kam gestern nachmittag im Wasterballendspiel gegen Ungarn zu- Rante Die deutsche Mannschaft spreite tesser zusammen, fchoh auch sicherer und konnte so die im allgemeinen ebenbürtige Sieben ter Magna- ren verdient besiegen. Die Ungarn spielten sehr hart und wurden zweimal durch HinauSstellung eine- Spieler- bestraft. Die 4000 Zuschauer verfolgten den Kampf unter Einsatz von .Spvech- chören" sehr leidenschaftlich. Deutschland ging vor ter Pause durch Schürger in Führung, erhöhte später durch DörieS auf 2:0 und schließlich durch Orlemann auf 3:0. Eckstein im deutschen Tore hatte großen Anteil an dem Erfolg. England schlägt Belgien 3:0 (1:0). Den dritten Platz im Wasserballturnier sicher- len sich die Engländer durch einen 3.0-Sieg über Belgien. Der Sieg ter Briten war aus Grund besseren Schuhvermögens auch in ter Höhe teS Ergebnisses verdient. Deutschland Zweiter im Säbelfechten. Im Säbel Mannschaftssechten holte sich Deutschland einen weiteren Erfolg. Die deutsche Mannschaft schlug sich ausgezeichnet und belegte hinter den Ungarn (3 Punkte, 17 Einzelsiege) mit 2 Punkten und 16 Einzelsiege n den zweiten Platz vor Italien. Belgien und Dänemark gaben auf. Gtudentenempfang im hessischen GtaatSministenum. Darmstadt. 6. Aug. (WSR.) Die Internationalen Studentenmeisterschaften gaben dein hessischen Staatsprä'itenten Dr. Adelu ng und dem Darmstädter Oberbürgermeister Mueller am Montagabend Gelegenheit, die offiziellen Vertreter des Auslandes, die Führer ter Sport- mannfchaften, Vertreter des Staates, ter Stadt, ter Hochschulen und zahlreiche Pressevertreter ins Staatsministerium einzulaten. Die Degrü- ßungsworte des Staatspräsidenten, ter auch im Rainen des Oberbürgermeisters sprach, waren kurz und herzlich. Das zwanglose und anregende Zusammensein mit den Herren aus ganz Deutschland und aller Welt nahm einen harmonischen Verlaus Der Sternhimmel im August. Sonnenaufgang von 4.20 Uhr bis 5.10 Uhr. Sonnenuntergang von 19.50 Uhr bis 18.50 Uhr. Lichtgestalten des Montes: 1. Viertel am 1. um 13 Uhr und um Mitternacht vorn 30. zum 31., Vollmond am 9. um 12 Uhr. letztes Viertel am 17. um 13 Uhr. mfh. Eine der Hauptschönheiten des August- Himmel- ist die Milchstraße, die namentlich gegen angehörender Haine durchgeseht hat. Auch aus das Sternbild des Pegasus und das ihm und der Andromeda angehöcente Himmel-quadrat können wir einen Blick werfen, denn tief unter der rechten Seite des Quadrats sehen wir den Fomalhaut. den südlichsten bei uns sichtbaren Stern, und unter dem äußersten rechten Ente des Pegasus erblicken wir zwei Sterne, die dem STERNBILDER STABEN & \Mars ($)Juplter <&>Saturn Mond: D1 Viertel @ Vollmond d letztes Viertel >2 5 Sterne: Kleine Buch- stoben Der die 24 Stundenzahlen ron Mitternacht bit Mitternacht eines Tages enthaltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monalsmitle sichtbaren Sterne. Unsere Karle zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo- natsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobacht ungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeil sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monats mitte ist der gerade Pfeil Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monals- müte */j Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Licht- gestalt zeigt. Ende des Monats immer strahlender hervortritt. Man beginnt ihre Betrachtung am besten beim Stern Deneb im Schwan, der nun hoch zu unseren Häupten steht. Bei ihm teilt sich nämlich die Milchstraße in zwei Aeste. die dann gleichlaufend nebeneinander hergehen. Außerdem ist diese Gegend ter Milchstraße ungefähr die Grenze ihres sommerlichen und winterlichen Teils. Rach Osten zu wendet sie sich zur Cassiopeia und zum Perseus, also überwiegend winterlichen Sternbildern, nach Westen zu geht sie zwischen den Sommersternbiltern Herkules und Adler hindurch und wendet sich dann zum Schild des Eobieski, einem an sich wenig auffallenden Sternbild, das nur dadurch eine gewisse Bedeutung hat. daß es das einzige Sternbild des nördlichen Himmels ist. für das sich ein ter Reuzeit Wassermann angehören, einem sonst weniger beachteten Tiertreissternbild. Wie im Vormonat fo sind auch in diesem Rkonat alle Wandelsterne mit Ausnahme des Hierfür sichtbar. Die Sichtbarkeitsdauer ter 2enus als Abendstern nimmt immer weiter ab unö beträgt gegen Ende des Monats nur noch eine gute halbe Stunde. Auch die Sichtbarkeit des anderen am Abendhimmel stehenden Wandelsterns, nämlich des Saturn, nimmt ab. beträgt aber doch noch gegen Ente deS Monats 3*/t Stunden. Hingegen werten die am Morgenhimmel sichtbaren Wandelsterne Mars und Jupiter besser sichtbar, was beim Mars so weit geht, daß man schon bald vom ,langsamen Verschieben auf den Abendhimmel" sprechen kann. Kü st ermann. liehen beendet, früher als in anderen Jahren. Auf dem Halm stehen nur noch vereinzelte Aecker. Die außergewöhnliche Hitze im Juni uicd in ter ersten Iulihälfte hat zur Schnellreife geführt. die aber zur Folge hatte, daß die Entwicklung ter Körner zurückgeblieben ist. Rachtem seit einigen Tagen die Dreschmaschinen an ter Arbeit ftnl>, bestätigen die ersten Druschergeb- nisse, daß infolge ter Schnellrcife und auch ter vielen LaHersrucht ter Körnerertrag zum Teil nur dem einer knappen Mittelernte entspricht. Reichlich ist hingegen ter Strohertrag. Die Witterung hat. da es nach den Regenfällen immer wieder rasch trocknet, die draußen noch in Garben stehende Frucht noch nicht ernstlich geschädigt. Rur bei Gerste, die schon fast drei Wochen draußen steht und bei der Fülle anderer Erntearbeit nod> nicht eingefahren werten konnte, bemerkt man hier und da erste Anzeichen des Auswachsens. LJ Rodheim a. d. Horlosf, 6. Aug. Auch in unserer Gemarkung richtete die vor einigen Tagen bei Rabertshausen und Ulfa beobachtete Windhose großen Schaden an. Der ganz plötzlich sich erhebende Wirbelwind warf die Fruchtgarben kirchturmhoch empor, um sie dann ün ganzen Feld zu zerstreuen. Andere Garben zerzauste ter Sturm vollständig^ Stellenweise sind ganze Fruchthausen von den Aeckern verschwunden, ohne daß die Besitzer sie wieder finden konnten. So büßte ein geringbemittelter Mann von seiner aus nur sechs Kornhaufen bestehenden Roggenernte zwei Hausen ein. Wie bei dem schlimmsten Hagelwetter wurden die Aehren aus- gedreschen. Ein Getreitebinter überschlug sich bei der Gewalt des Sturmes und wurde erheblich beschädigt. — Ein erfreuliches Bild von dem Gesundheitsstand unserer Einwohnerschaft zeigt die Tatsache, daß in unserem kleinen Dori sieben Leute vorhanden sind, die das 8 0. Lebensjahr erreicht oder überschritten haben. Es sind di^s: Oekonomierat >»0/tvald K l i n g e l h ö f f e r auf Hof-Graß (90 Jahre alt); Landwirt Georg Hornberger letzter Veteran von 187071 (86 Jahre alt)- dessen Schwester Katharine Klipper t Witwe (84 Jahre alt); Kirchenrechner Otto Hofmann, der bis vor einem Jahre auch noch Gemeinde- und Sparkaflenrechner war (83 Jahve alt): Landwirt Heinrich Kröll VI. (83 Jahre alt): Georg Kl öppe r (80 Jahre all) und Katharine Eli- beth Wacker (83 Jahre alt). In den zu un- ferem 51(^^101 gehörenden Dörfern Steinheim und Rabertshausen find in ersterem, das größer ist als unser Ort. noch vier, in letzterem zwei Leute in diesem Alter am Leben. * Ober-Borgern, 5. Slug. Die ältefte Einwohnerin unsere» Dorfe», Frau Dorothea- Müller, geb. Lotz, konnte gestern die 85. Wiederkehr ihres Geburtstages feiern. Sie ift geistig und körperlich noch sehr rüstig und Hilst noch bei der Verrichtung häuslicher arbeiten. * Aus der nördlichen Wetterau, 5. Aug. Heute mittag zog ein schweres (Sero i 11 e r über unsere Gegend. In kurzer Zeit stand alles unter Wasser, die Feldwege verwandelten sich in Bäche. Der Regen mar mit Hagel vermischt. Die Ernte zieht sich bei diesem ungünstigen Wettet sehr in die Länge. Preußen. Kreis Wetzlar. > QD i 6 m a r, 6. Aug. Das Innere unserer 100jährigen Kirche wird nunmehr auch erneuert, nachdem vor drei Jahren die Kirche äußerlich neu hergerichtet wurde Die Zivil- gemeinte hat für den Innenanstrich 1000 Mark bewilligt, weitere 1503 Mark wurden von kirchlicher Seite beschafft. Die Oeffnung ter Angebot« erfolgte am Montag, wobei sich herau-sdellte, daß die hiesigen fed>8 Weißbinder ein gemeinsames Angebot eingereicht hatten, da- ten Zuschlag erhalten wird. — In ter letzten Ge - meinderatSsitzung wurde mitgeteilt, daß die ReichSbahndireklion einer Umwandlung des Fußgängerweges nach Lollar an der Eisenbahnbrücke in eine Fahrbrücke nicht ablehnend gegenübersteht Jedoch würde die Ausführung dieses Planes 30 000 Mark Kosten verursachen und jährlich 1000 Mark für Unterhaltung ter Drücke. An der Kostenfrage muß leider ter Plan scheitern. Die Bepflanzung des neuen Friedhöfe -an ter Salzbödener Straße tourte beschlossen und Krei-obstbauinspek- tor K i l p (Wetzlar) um einen Voranschlag gebeten. Kreis Biedenkopf XX Frankenbach, 5. Aug Der älteste Mann unseres Dorfes, Altbürgermeister und früherer Ortsgerichtsmann Ioh. Schneider, voll- endete am heutigen Dienstag fein 8 0. Lebensjahr. Der Hochbetagte fühlt sich noch ziemlich rüstig und kann noch bei vielen Arbeiten int häuslichen Streife Mitwirken. ch Hartenrod, 5. Aug. Die von unserem Obst- und Gartenbauverein veranstaltete Blumenausstellung hat alle Erwartungen übertroffen. Der zielbewußten, eifrigen Tätigkeit ter Führer auf gartenbaulichem Gebiete in unserem Orte ist es zu verdanken, dah die Ausstellung sehr geschmackvoll ausgestaltet tourte. Besonderer Dank gebührt hierfür Bürgermeister Happel, Herrn B i 11 e n d o r f, ferner Land- toirtschaftsrat Ianicaud (Gladenbach), ter mit gutem Kennerauge gemeinsam mit Frl. Schwarz von ter Landwirtschastsfchule Gladenbach die Wertung vornahm. Großes Interesse erregten eine fast 3 Meter hohe Zimmerlinte ter hiesigen Schtoesternstation, ferner schöne Arten von Kakteen, Fuchsien und Hortensien. Daß auch in Hartenrod reges Interesse für ten Gartenbau herrscht, beweist die Tatsache, daß bei einer Dauer von einer Woche die Ausstellung täglich gut besucht war. Möge sie anfeuernd wirken für die weitere, gesunde Entwickelung deS Obst- und Gartenbanein Hartenrod. Mainqau. WEN. Frankfurt a.'M., 6. Aug. Die Frankfurter Postkriminalpolizei beschäftigt sich äugen- blicklich mit der Aufklärung eines geheimnisvollen Briefdieb st ahls. Aus einem Brief aus England ift ein Scheck in Höhe von vier Pfund (8 0 Mark) entwendet worden, ohne daß der Brief Spuren einer äußeren Gewalt erkennen läßt. Der Empfänger, ein junger, hier wohnender Engländer, erhielt dieses Geld von seinen Angehörigen in einem geschlossenen Brief. Irgend ein Langfinger hat darin einen wertvollen Inhalt vermutet und den Brief auf eine bisher noch unbekannte Art und Weise beraubt. Der Scheck wurde sofort gesperrt. Kirche und Schule. ' Salzböden. 5. Aug. DaS Synodalfest furInnereMissiondeSKreifeSWeh- l a r wird in unserem Orte am Sonntag, 10. Aug., stattfinden. Das Fest beginnt nachmittag- 2 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Kirche, bei dem Pfarrer Dr. Schmid t. Dui-burg. die Fest- predigt halten wird. In der Rachversammlung, die um 4 Uhr bei günstigem Wetter im Freien, sonst in der Kirche gehalten wird, wird Pfarrer Dr. Schmidt über „Bilder aus der Duisburger Diakonenanstalt. Bedeutung und Segen der Inneren Mission" sprechen. Der Festgottesdienst, wie die Rachversammlung werden durch Wädchen- chöre von Odenhausen-Salzböten und Lützellinden, sowie durch den Posaunenchor Lützellinden musikalisch umrahmt werden. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bl» 1230 Uhr. 16 bl» 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Verantwortlich für das Feuilleton I. B-: ___ Dr. Fr. W. Lang e. Warum Stuhlverstopfung? -/®T.C düssn^ verursachen ungenügender unö Verstopfung häufig Appetitlosig- kest. Blähungen, Angstgefühle, Kopfschmerzen und %rDt.,r.c „ ®ctcx3lfcit wodurch Gesundheit und Wohlbefinden ernstlich gefährdet werden könnenl Wozu quälen Sie sich dann mit solchen Deschwer- den anstatt darauf zu achten, daß Ihr Stuhlgang stets pünktlich erfolgt und Verstopfung nicht zur Gewohnheit wird? Gebrauchen Sie doch rechtzeitig ein unschädliches, ausschließlich aus pflanz- Nchen Auszügen und Stossen hergestelltes Ab- fuhrmrttel. wie es Apotheker Richard Brandt'» Schweizerpillen sind, die Sie in allen Apotheken 3U Ttm. 1,50 die Schachtel erhalten. Dieses be- wahrte Hausmittel beseitigt die Stuhlträgheit mud und zuverlässig, ohne unangenehme CH ebener) (Meinungen wie Leibschmerzen oder Uebelkeit hervorzurufen. Durch seine Anwendung gewöhrit man sich nicht etwa an das Wittel, sondern infolge der gleichmäßigen Anregung der Darm- tätigten an regelmäßigen und ergiebigen Stuhl- 0«ng. 992v Nachdruck verboten. 15. Fortsetzung. INI M, Fite Rudolf Mosse, Darmstadt. [5535 V Konsumverein Gieren u.Umüeüend e. G. m. b. H. 5521 A Schuhhaus Gießen 5538V, den können. Bahnhofstraße 30 2144 A Bohnen 04912 »uneben. ofen u. n. v. a. 5537V Radio Telefunkendienst 5516A SCHUHE 48 Pf. 55 Pf. 48 Pf. 55 Pf. 38 Pf. 40 Pf. 50 Pf. 40 Pf. der den der Teewurst Bierwurst Fleischwurst Schweinewürstchen Rindswürstchen ... Leberwurst Blutwurst- Hackbraten Leberkäse Ja Schinken, roh la Schinken, gekocht Zervelatwurst Thalysia-HygieneKorsett-Artikel Thalysia-Reform-Schuhe Gummilose Strümpfe gegen Krampfadern und Ermüdung Besuch und Auskunft unverbindlich Versteigerung bestimmt. Ludwig Hartmeh Auktionator und Taxator Neuenweg 28 — Telephon 3414 Schinken plockwurst •••• Plockwurst Salamiwurst Westfälische Mettwurst Oldenburger Mettwurst ,'/« Pfd. .»/< Pfd. ■ */< Pfd. Al4 Pfd. AI4 Pfd. Pfd. ’/4 Pfd. */< Pfd. IVandevev- LNotovvad steuer- und führer- scheinfret. nebrnuctit, billig zu verk. 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Das beste ist, Sie fahren sogleich ab." „Aber wie wlrd's jetzt mit dem Suchen nach der gnädigen Frau?" fragte der Brave und schien von der Wendung der Dinge durchaus nicht Übermäßig erbaut zu sein. „Das nimmt der Herr alles selbst in die Hand, denn er ist wieder so weit hergestellt", erklärte Reginald. „Alsdann fahren Sie auch gleich mit, Herr Contius?" fragte der Chauffeur. „Gott bewahre, nein!" fuhr Reginald mit solcher Heftigkeit heraus, daß der andere ihn mit kreisrunden Augen verständnislos anstarrte. Contius tat setn Auffahren leid. Der Chauffeur konnte ja nicht wissen, was los war. „Es ist so, daß ich vollkommen überflüssig geworden bin", sagte er ruhig. „Und nun fahren Sie los und kommen Sie gut heim." „Hm Gottes willen, Herr!" wehrte der Fahrer mit abergläubischer Furcht hastig ab. „Das darf man nie sagen, wenn nichts Schlimmes passieren soll. Hals- und Beinbruch ist das wenigste, was man wünschen muß." Trotz seiner Bedrücktheit mußte Contius lächeln. „Also: Dann Hals- und Beinbruch", sagte er und drückte dem Chauffeur kräftig die Hand. „Möchte bloß wissen, was da nun wieder los ist", brummte der Chauffeur, während er die Treppe hinabstieg. „So ein netter Herr, der Herr Contius, wäre mir fast lieber als meine Herrschaft wie der gnädige Herr selber. Was der auch jetzt oft für Ideen hat!" Stundenlang faß Reginald auf dem kleinen, wackligen Sofa, den Kopf in beide Hände gestützt, und grübelte nach. Wo war Barbara? Er hatte sich die erdenklichste Mühe gegeben, sie zu finden, hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, alle Behörden alarmiert — aber es war alles gänzlich vergebens gewesen. Er hatte zwar sehr einfach gesagt, als er Muchs Brief erhielt, er wolle sie selber suchen, aber er verhehlte sich auch keineswegs die Schwierigkeiten, die ihm nun geworden: Ihm fehlte etwas, was gerade dafür unumgänglich nötig gewesen wäre — das Geld. 1 Pfd. 120 Pf. 1 Pfd. 120 Pf. 1 Pfd. 120 Pf. 1 Pfd. von 84 Pf. bis 200 Pf. 1 Pfd. von 96 Pf. bis 180 Pf. 1 Pfd. 170 Pf. 1 Pfd. 200 Pf. 3. B. HAUSER, GIESSEN AM OS WALD5CARTEN Laufendes Einkommen für redegewandte Damen bet intensivem Arbeiten. Ansäng. werden eingearbeitet. Auch Krankenschwestern und Pflegerinnen werden bevorzugt, da orth. u. bvg. Artikel. Angebote erbeten unt. F. D. 4171 durch Freibank Freitag, den 8. Ang. 1930 von 8 Uhr ab MWMllllls. Beffel-Belfenöer Ä k Sä» Versuch, zweckt. Uniert, od. Sicherh. f. evtt. spät. Beztrksst, wob. Auto gest. ro., Beding. Edens, einigeBertret.stnn ), evit.nebenher., ges. Rureing.schr.Bew. hab. Inter. Mtttnb. Bssteekfabr. Gotschlka, Düsseldorf 11, ». Z. Homburg v. d. 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So haben meine Bekannten doch recht gehabt!" stöhnte Bernhard Much zähneknirschend. „Dieser Schuft, dieser gemeine Halunke — natürlich hat er mir meine Frau verführt! Barbara ist ja so leicht zu beeinflussen, wenn man es nur recht versteht." „Herr Much", bat die Schwester mit ihrer weichsten Stimme, „strafen Sie den Schuldigen, aber erregen Sie sich nicht gar zu sehr. Sie schaden Ihrer Gesundheit und ändern nichts an der Sache. Hätten Sie doch nicht weiter in mich gedrungen!" Bernhard Much schüttelte etwas müde den Kopf. „Lassen Sie's nur sein, Schwester. Cs ist schon gut so. Lieber Klarheit, als diese vagen Mrmutungen. Ich bin Ihnen dankbar, daß Sie mir die Augen geöffnet haben." Lind er griff nach ihrer Hand und drückte sie warm. „Dringen Sie mir Schreibzeug!" bat Much. Die Schwester brachte ihm das Gewünschte. „Brauchen Sie mich noch weiter im Augenblick?" fragte sie höflich. „Rein, danke", sagte Much zerstreut und begann zu schreiben. Die Schwester verschwand. „Dem guten Contius hab ich's jetzt aber ordentlich gesteckt", dachte sie und sah so zufrieden dabei aus, als hätte sie eben ein gutes Werk getan — * * * «Ein Brief ist heut" Rachmittag für Sie gekommen, Herr", empfing das Wirtstöchterchen Bullenverkauf. Die Gemeinde Watzenborn-Steinberg verkauft auf dem Wege des schriftlicher! Angebots einen abgängigen, schweren Simmentaler Bullen. Angebote per Zentner Lebendgewicht können bis zum Dienstag, dem 12. August 1930, mittags 12 Uhr, auf der Bürgermeisterei eingereicht werden, woselbst auch die Verkaufsbedingungen eingesehen wer- | Verkäufe | IWes-ta l---------5 3D ° eo «LIMOUSINE in ladellos.AusstatL etnwandfr. Zustand, m. hervorrag. Fahr- etgenschast., zu günst. Bedingungen abzug. weg. gesch. Veränd. Näheres Schanzen- ttr.22,NebenvauS, od Friedenstr. 12p. 10 45 Willy* Cnight-Limousine in best. Zustand, vor- teilbnft zu verk. oieia Inn. Rich. 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