Itr. 152 (Elftes Blatt (L’ 180. Jahrgang Samstag, 7. Juni MO (Erlittet lügtich.mitzer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Lietzener FamilienblLtter Heimat im Dill» Die Schalle Manatr-Bezugrpretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träge» lohn, auch bei Richter, scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. zenifprechanfchlüsfe ■nterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Sranffurtam Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrüdl'fche Unlversilälr-Vuch. und Steindruckerei rr. Lange in Gießen. 5chrlstleitung und Geschaftrftelle: Zchulftratze 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20*, mehr. Chefredakteur: Dt. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Dietzen. An kritischer Wende. Don Professor D. Dr. Zoh. Viktor Bredt, Michsminisser der Justiz. Selten ist unser deutsches Volk unter so schweren Dorzeichen in die Pfingsttage hineingegangen wie dieses 3afrr. Nachdem eine große neue Steueraufbürdung auf dem Gebiete der Reichsfinanzen Wandel geschaffen au haben schien, hat sich plötzlich die Finanzlage derart verschlechtert, daß mit einem neuen großen Defizit zu rechnen ist. Es find zwei grobe Llrsachen hierfür entscheidend. Zunächst hat sich die Lage des Arbeitsmarktes in diesen Monaten nicht so gebessert, wie es nicht nur erhofft, sondern auch erwartet werden muhte, es hat sich vielmehr auch auf dem Gebiete der Steuereinganae ein erheblicher Rückgang bemerkbar gemacht, vo ist auf der einen Seite das Ausgabensoll erheblich gestiegen, auf der andern Seite das Einnahmesoll zurückgegangen. Man kann beide Erscheinungen dahin zusammenfassen, dah wir uns in einer schwcren Wirtschaftskrise befinden und dah im Grunde alles hierauf zurück- zuführen ist. Wir sind aber auch mit unserer Steuer- kraft am Ende der Leistungsfähigkeit angekommen. Es hätte gar keinen Wert, wenn man versuchen wollte, kurzerhand die vorhandenen Steuern zu erhöhen, denn die formalen Erhöhungen werden vermutlich auf demPa- piere stehenbleiben. Der gegenwärtige Rückgang der Steuern ist in erster Linie darauf zurück- zusühren, dah die deutsche Wirtschaft schon die gegenwärtige Last nicht mehr tragen kann und dah deshalb immer mehr Betriebe ;um Erliegen kommen. Unsere Steuergesetzgebung ist auf dem besten Wege dazu, die Henne zu schlachten, von der allein die goldenen Eier für unsere gesamte Staatswirtschaft kommen können. ES hätte daher keinen Ruhen, sondern nur Schaden im Gefolge, wenn wir auf dem Wege der blohen Steuererhöhungen weiter fortschreiten wollten. Was uns helfen kann ist lediglich eine entschlossene Senkung der Ausgaben. Es stellt sich mit erschreckender Deutlichkeit die Tatsache heraus, dah sich das deutsche Dolk nach dem Kriege in seiner ganzen Wirtschaftsweise übernommen hat, daß wir einfach das nicht mehr tragen können, was allmählich im Etat an Verpflichtungen übernommen worden ist. Dies bezieht sich nicht nur auf daS Reich, sondern auch auf die Länder und vor allem auf die Gemeinden. Dah eine grohe Stadt schließlich crilärcn mußte, sie könne ihre Deamtengehalter in voller Höhe nicht mehr zur Auszahlung bringen, sollte mehr zu denken geben, als alles andere. Es ist auch kein durchschlagender Grund, wenn angeführt wird, die meisten Ausgaben seien »zwangsläusi g". Das ist formal richtig, ändert aber nichts an der Tatsache, daß diese zwangsläufigen Ausgaben beschlossen worden sind in einer Zeit, in der man die Entwicklung der Finanzlage immerhin schon übersehen konnte. Auf i»em Gebiete der Arbeitslosenversicherung geht es auch nicht in der Weise weiter, dah ruhig mit angesehen wird, wie manche Gelder einen Weg wandern, der nicht gerade vorgesehen war. Es ist eine selbstverständliche soziale Pflicht, daß wir für die wirklich Arbeitslosen sorgen. Es ist aber ebenso eine Pflicht gegenüber dem Reiche als solchem, auf eine wirklich richtige Verwendung der Gelder xu halten und alle Auswüchse tatkräftig abzuschneidcn. Wirklich Wandel schaffen würde in erster Linie ein Arbeitspflichtgesetz. Unsere Landstraßen sind großenteils in einem sehr schlechten Zustande. Alles Material ist aber im deutschen Daterlande massenweise vorhanden; es braucht nur gebrochen und herbeigeschafft zu werden. Arbeitskräfte sind in gewaltiger äleberzahl vorhanden. Wir zahlen aber riesige Summen aus an die Arbeitslosen, anstatt sie an die Arbeit zu bringen ba, wo wirklich etwas z u arbeiten wäre. Warum ist es nicht möglich, hier den Hebel anzusehen? Es liegt in erster Linie daran, dah der passive Widerstand gegen alles Derartige so groß ist, daß er nur von einem einheitlichen Dolkswillen gebrochen werden könnte. Solcher Dolkswille scheint aber einstweilen noch nicht vorhanden zu sein. Dah es in der bisherigen Weise nicht weiter geht, liegt auf der Hand. Es muß jetzt nicht nur tatkräftig, sondern auch bis zu einem gewissen Grade rücksichtslos durchgegris- fen werden. Wo die finanzielle Leistungsfähigkeit auf hört, da nutzt nur eine zielbewuhte Senkung der Ausgaben. Diese mag dem Volke ebensowenig erfreulich 'sein, wie eine neue Erhöhung der Steuern. Sie hat aber den großen Vorteil, dah sie zu einer Sanierung der Wirtschaftslage führt und nicht zu einer weiteren Verschärfung der Krise. (Sin gewisser, aber sehr schwacher Trost liegt barin, daß auch andere Staaten von derselben Krise heimgesucht werden. Zn England ist die Arbeitslosigkeit noch schlimmer als bei uns; nur steht England finanziell sehr viel besser da als wir. Auch in den Vereinigten Staaten liegen die Dinge nicht besser. Es fehlt hier allerdings an einer zuverlässigen Statistik über die Zahl der Arbeitslosen; sie wird auch aus begreiflichen Gründen geheimgehalten. Man weih aber immerhin soviel, daß die amerikanische Großindustrie zur Zeit nur mit großen Aufwendungen das Problem der Arbeitslosigkeit bekämpfen kann. 3n Deutschland wirkt sich die Krise deshalb um so viel schimmer aus, weil hier die allgemeine Finanzlage nach dem Kriege ins Gewicht fällt. Trotz alledem wollen wir den Mut nicht sinken lassen. Es hätte nicht den mindesten Wert, wenn man die Lage irgendwie verschleiern wollte. Es hätte aber noch viel weniger Wert, wenn man die Hände in den Schoß legen wollte. Zur Zeit nutzt nur ein entschlossenes Zugreifen an der rechten Stelle. Ausgaben und Einnahmen müssen in Einklang gesetzt werden und die Mittel dazu dürfen nut rein finanztechnischer, nicht politischer Art sein. Es kommt heute nur darauf an, wie das Deutsche Reich finanziell und wirtschaftlich gerettet werden kann. Da wird sich mancher in Unvermeidliches fügen müssen, weil hier sehr viel Größeres auf dem Spiele steht, als das Privatinteresse des Einzelnen. JasSamemngsproWMMdesKabinellsMliilig Die Reichshilfe der Zestbesoldeten soll 4 Prozent des Einkommens, die Ledigensteuer 1 Prozent des EinlommenS be ragen. - Die Minister Moldenhauer und Stegerwald begründen die Deckungsvor age. B e r l i n , 6. Juni. (TU.) Reichsfinanzminifter Dr. Moldenhauer äußerte sich in einer pressebe- sprechung ausführlich über die in der kabinetts- jihung beschlossenen Deckungspläne. Der Minister stellte erneut fest, dah man mit einem Fehlbetrag von rund 75 0 Millionen Mark rechnen müsse, der zum größten Teil auf unvorhergesehene Arbeitslosigkeit zurückzuführen sei. von einer Reform der kranken- vcrsicherung erwarte man 250 bis 300 Millionen Mark. Ls verblieben bann 450 Millionen Mark, von denen etwa 150 Millionen als Zuschuß für d i e Arbeitslosenversicherung geleistet werden müssen. Weitere hundert Millionen Mark würden als Kredit an die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung gegeben, die in den beiden nächsten Jahren diese Summe zu gleichen Teilen zurückzuzahlen habe. Der Rest entfalle auf die Krisensürsorge und auf die Einnahmeausfälle. Die Deckung des obengenannten Fehlbetrages von 450 Millionen Reichsmark soll wie folgt vor sich gehen: von der Verkürzung der FrIften für die Zigarettenindustrio von zwei Monaten auf einen Monat erwarte man einen Betrag von etwa 50 Millionen Mark. Diese Maßnahme werde eine Erhöhung der preise nicht zur Folge haben. Der Restbetrag wird bann einmal aufgebracht werben aus Ersparnissen am haushalt in höhe von etwa 60 Millionen Mark, von benen noch 25 Millionen Mark gestrichen werben mühten, von bem bann noch verbleibenden Betrag von rund 350 Millionen Mark würden durch die Reichshilse der Fe st besoldeten 300 Millionen Mark aufgebracht, während die Ledigensteuer 45 Millionen Mark bringen werde. Die Reichshilfe soll 4 Prozent des Einkommens, die Ledigensteuer weitere 1 Prozent betragen. Die Reichshilfe soll folgende Kategorien umfassen: 1. die Beamten; 2. bie Bauerange ff eilten ber öffentlichen Verwaltung, bie sich ja in einem beamtenähnlichen Verhältnis befinben; 3. bie Fe st ange st eilten ber Privatwirtschaft, bie nicht ber Beitragspflicht für die Arbeitslosenversicherung unterliegen, deren Bruttoeinkommen also über ber 8400 - Mark- Grenze liegt. Für bie Erhebung von Beamteneinkommen gilt biefelbe Freigrenze wie bei ber übrigen Einkommensteuer. Bel ber Vorbereitung bes Gesetzes hat man sich auch bie Frage vorgelegt, wie ber Begriff ber gesicherten Stellung zu fassen sei, unb es ist beschlossen worben, ben Angestellten ber Privatwirtschaft, bie im Laufe bes Jahres ihre Stellung verlieren, bie Beiträge zurückzuerstatten. Es ist aber auch Vorsorge getroffen worben, bah nicht je- manb zum Schein mit einer Absinbung von einem Monatsgehalt entlassen unb am nächsten Monats- erffen roieber eingestellt werben kann, um ben Zuschlag zu umgehen. Die Erhebung erfolgt mit ber Lohnsteuer. Rach den Berechnungen bes Reichs- finanzministers erbringt jebes ber 4 Prozent ber „Reichshilfe", abgerechnet bie Dauerangestellten ber öffentlichen Verwaltung, 90 Millionen Mark. Der Anteil ber Beamtenschaft baran beträgt 78 Millionen, der der Angestellten der Privatwirtschast 12 Millionen. Während die Reichshilfe der Festbesoldeten unb ber Zuschlag für bie feftbcfolbctcn Lebigen ab 1. Juli erhoben wirb, sind in die Tantiemen st euer auch einmalige Einnahmen, Tantiemen, Gratifikationen einbezogen, die zwischen dem 1. April und bem 1. Juni zur Auszahlung gelangt sinb. Sie werben, entsprechen!» ben brei Quartalen bes Vierteljahres, zu breioierteln herangezogen. Heber bie zeitliche Begrenzung wirb in ben Entwürfen festgelegt, bah bie Steuer für die festbesoldeten Ledigen bis zum 31. Mär; nächsten Jahres befristet ist, während die Reichsregierung in dem Gesetz über die 4prozentige Reichshilse ermächtigt wird, sie am 1. April 1931 zu mildern ober aufzuhebey. Der Minister erklärte alsbann, bah man es bei biefen piänen ber Regierung keineswegs mit einem Rotbehelf zu tun habe, Jonbcm bah man bie pläne unter großen unb umfaffenben Gesichtspunkten behanbelt habe. Das Lnbziel bestehe barin, baß man burch bie Schaffung n i e b r i g e r Löhne unb Gehälter auch zu niebrigen p reifen kommen müsse. Man ziele auf bie Ermäßigung ber Lrzeugungskosten hin. was jetzt in ber Gruppe Rorbwesi als erster versuch unternommen werde, werde die Regierung aus anderen Gebieten, wie beispielsweise im Bauwesen, fortsehen. Unter diesen großen Gesichtspunkten sei auch das Ausgabensenkungsgeseh zu verstehen. Die Gesetzentwürfe werden bereits am morgigen Samstag dem Reichsrat zugeleitet. Das Gesetz soll möglichst noch vor dem 1. 3 u l i vom Reichstag beschlos- s e n werden. Ueber das Ausgabensenkungsgeseh sei man sich zwar in ber letzten Kabinetts- sihung grunbsählich einig geworben, eine Reihe von Maßnahmen, bie auf bie Beamtenschaft verärgern!» wirken könnten, würben jeboch angesichts ber Größe bes der Beamtenschaft juge- muteten Rotopfers wiederaufgegeben werden. Ls handele sich dabei um Beträge, die nicht allzusehr ins Gewicht fielen. Wie Reichsfinanzminister Motdenhauer weiter betonte, ist das Kabinett der Auffassung, baß sofortige Maß nahmen nötig finb, eine Verschiebung ber Vorlagen auf ben Herbst alfo nicht in Frage kommt. Lr wies barauf hin, bah ber (Etat unter allen Umftänben in Orbnung sein müsse schon mit Rücksicht aus eine Reihe grober piäne, für die wir auch ausländische Kredite brauchen. Dazu gehört Z- B. die Ankurbelung des Baumarktes burch zusätzliche Reichshilse unb bas Ostprogramm. Der Belastung burch bie einprozentige L r - höhungbes Beitrages für bieArbeits- lofenoerfldjerung, bie burchaus begrenzt ist, hält ber Reichsfinanzminister die beabsichtigte bauernde (Entlüftung durch bie Reform der Krankenkasfenversicherung entgegen. Die Berechnungen ber Rejchsreglerung für die Ausbalancierung beruhen auf der Zugrundelegung einer durchschnittlichen Arbeitslosenziffer von 1,6 Millionen. (Einen gewissen IHinbereingang an indirekten Steuern durch Verminderung der Kaustraft erwarte man eigentlich nur von der Umsatzsteuer. Das Reichsfinanzministerium rechne damit, daß durch die Ankurbelung ber Wirtschaft, bie Maßnahmen auf bem Baumarkt usw. ein Ausgleich geschaffen wirb. Nie Demokraten ve»miffen Sparmaßnahmen. Berlin, 7. 3uni. (ERV.) Wie der Demokratische Zeitungsbien st mitteilt, wirb bie bemo- kratische Reichstagsfraktion zum Deckungsprogramm enbgültig erst beim Wieberzusammen- tritt bes Reichstags Stellung nehmen können. Schon jetzt läßt sich aber, so heißt es in der demokratischen Korrespondenz, sagen, dah in demokratischen Kreisen bie schwersten Bedenken bestehen. Es werde im besonderen auf die soziale Tlngerech tigkeit des D o t- opsers hingewiesen. Bedauert werde, daß bie Reichsregierung sich nicht zu den Reformen entschlossen hat, bie bie bemokratische Reichstagsfraktion noch vor wenigen Tagen der Regierung vorgeschlagen hat und dah angesichts ber riesigen Reuanforderungen bie Reichsregierung a u f einschneidende Sparmaßnahmen verzichtet hat; wenn bie jetzigen Sparvorschläge nur runb 50 Millionen Reichsmark bringen. so steht bas in einem auffallenben Gegensatz zu bem Rotvpfer, das 350 Millionen Mark bringen soll. Wirth stellt die Zahlungen an Thüringen ein. Berlin, 6.3uni. (ERB.) DaS thüringische Staatsministerium hat sich, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, nach Mitteilung des Etaatsministers Baum nicht entschließen können, dem förmlichen Ersuchen des Reichsinnenministers in bezug auf die Ernennung nationalsozialistischer Polizeibirekioren zu entsprechen. Damit sind bie Voraussetzungen für eine Beteiligung bes Reiches an ben Po- lizeikosten bes Landes fortgefallen. Der Reichsminister bes 3nneren hat demgemäß angeerbnet dah weitere Zahlungen an Thüringen nicht mehr ft a 11 f i n 0 e n. Die diesbezügliche Mitteilung an das thüringische Staatsministerium ist heute abgegangen. Der Vorschuß aus dem letzten Rechnungsjahr ist in den letzten Monaten bedeutend gesunken, da die Heberfenöungen infolge des Rotetats geringer waren. Der Reichsinnenminister hat am 13. Mai, an Thüringen bie Aufforderung gerichtet, bie Vorschüsse zurückzuzahlen. pfingstpredigt. Von Josef Buchhorn, M. b.pr.X. Ahnen ist Gewißheit geworben. Der Lenz war " keine Fata Morgana, bie irgendwo vom Himmel in eine Enttäuschung lockte. Rein — bie Erde „ist verjüngt, ist wiedergeboren in 'Blütenbunt unb Sonnensegen. Das Werde, das um Ostern anae- flungen war, seht, wenn auch langsam zunächst, Ring an Ring. Unb so ist bie Hoffnung auf eine Auferstehung, wie in ber Ratur so bes Geiste-, wie man heutzutage zu sagen pflegt: eine Realität. Gottseibank keine politische; denn die ver- bläst meist wie ber Seifenschaum im Lustzug. Der Tag rückt in den Mittelpunkt des großen Lichts. Unb das holt aus ihm alle Krast und Energie, um die Wunderszenen des grandiosen Auflockerungsdramas im All seiner Peripetie entgegenzufuhren: dem Reisefegen in Flur unb Fett», im Weinberg und Watt», der Arbeit, Mühe, Fron unb Schweiß lohnt, unb wie in einem tonstarken Schlußakkord das Lied des siegreichen Lebens über alle Angst unb Kleine, Enttäuschung und Verzweiflung chorgewaltig in ben Himmel trägt unb so Anfang unb Ende in eins verschlingt. * * ♦ Pfingsten ist in dieser Folge ber Bilder eine» der lieblichsten. Wie oft die« Wort auch schon von gedankenlosen Schnellschreibern mißhandelt worden ift Goethe hat das treffendste Beiwort für Pfingsten gesunden: eines der lieblichsten in all unb jebem, in Licht und Farbe, ber Stimmung in der Ratur und dem Menschen. Unb ber Daum ber Pfingsten ist beredtes Zeugnis dafür: die Birke. Jenes hauchfeine Blütenwunder in weiß und grün, das vor das Zartblau eines Frühlingstages gestellt, die duftigste Schöpfungsstrophe ist, von ber ich weih. Kein Wunber, bah überall, wo Pfingsten festlich begangen wirb, biefer Baum im Mittelpunkt alles Geschehens steht. Als Baum, der verschlissene Häuserfronten in Herrlichkeit hüllt; als Braut» und Maikönigsbaum wie in Thüringen, im Elsaß unb in Bayern; als Daum des Glücks unb der Liebe. Allüberall ist er Schmuck. Ob an ben Zweiräberkarren bes platten Landes ober den sekundenschnellen elektrischen Wagen ber sonst zierabgewandten Großstadt; ob an Lokomotiven ober Schiffen, Palast ober Hütte — überall ist die Dirke Trumpf. Dirke: Sinnbild des Lebens. Aber nicht nur als Schmuck, sondern auch als Talisman. »Daß es werde!" Anders, besser. Die Dirke ist eine Art übertragenes Evangelium, wie es iin Markus steht „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur". Lockert die Herzen unb Sinne auf. baß sie für bie Botschaft ber Pfingsten empfänglich werden: „Wer ba glaubet und getauft wird, der wirb selig werben; ber aber nicht glaubet, ber wirb verbammet werden". TBer in schweren Zeiten unseres Volkes, wie den heutigen, resigniert, sich ergeben in alles Schicktal fügt unb binbet; nicht batoiber antroht, um sich durchzusehen, trotzdem!, der ist zu nichts nütze. Richt wert, Volksgenosse unter Volksgenossen zu fein. „ Feiger Gedanken, bängliches Schwanken... wendet kein Schicksal, macht dich nicht frei!" Aber: glauben. Daß wie nach der Winterstarre draußen dieser Frühling auserstehen konnte, über die Ostern diese Pfingsten in Blüten- unb Lichtwundern bängliche Herzen aus Duster und Dumpfheit in die Wolken zu heben vermochten, von wannen ewige Sonne ewige 3ugenb kündet, — das ist Pfingstpredigt. Das soll „das Evangelium aller Kreatur", vornehmlich auch der deutschen fein, die sich zwölf 3ahre nach dem Krieg der Kriege noch in Schmerzen windet unb in Röten erstickt. Dennoch! „Wer ba glaubet...", der wirb selig toerben, „bie einig Kunst, bie uns bey Gott erlanget gunst." Selig aber durch den Glauben nicht nur, sondern auch durch die Tat, die aus solchem Glauben folgen muß, wenn er fruchtbar fein soll. Die beherzt Hand anlegt, wo es not tut, und nicht ermattet, wenn sich nicht gleich alles nach Wunsch unb Wille fügen will Der Zeppelin, ber heute über dem Aequator kreuzt unb deutschen Volksgenossen in fernsten, tagverlorenen Siedlungen Südamerikas Kunde von der trotz allem Mn» glück unb Rieberbruch noch ungebeugten Schaffenskraft der Muttererde zuträgt, er sei ein Beispiel für viele. Rur: zusammenschließen müssen wir uns im Zeichen der Pfingsten, zu gesammeltem Arbeitswillen, auf daß über Bunt und Blühen Reife unb Ernte werbe. Auch die deutsche Dolkssaat will bestellt, gepflegt und gefördert werden. Unb braucht dazu alle Kräfte, das ein: durch! werde: bas einige Dvlk, schlackenbefreit von all ben Schäden dieser Liebergangsjahre und wieder stolz vor den Breiten der Erde. „Glaubet!", daß eine Zukunft ist, die einmal über alle Lasten dieser schweren «Zeiten Pfingst- gloden aufklingen unb verkünden läßt, daß der Sieg erfochten und unser war! Dazu als Geleit aus den 3uniusliedern 6mon nuel Geibels: das kraftvolle Trost- unb Straffungswort: Laß nur tu deines Herzens Toren ber Pfingsten vollen Segen ein, getrost, und du wirst neu geboren aus Geist und Feuerflammen fein! Glaubet! unb prediget solch Evangelium aller Kreatur! Den Kleinmütigen unb Verzagten vornehmlich. auf baß auch sie ihr Pfingsten finden! Jan Mayen. Derlffl* <07 vciewn ^op\/<3©' eQ3-n&2>O /8W _ Rlaoenf. jW-ADerdtj Q35=Z. . :7'?t Das 7 ®onm sich, L""wz>en ^lNistalt Mer Qiu Montfet SS* *• butöe 6'2u[j Q gölten. 2 NA N 2-n gf tffS ff» Set Dertt Juden vi Christen tammlung genossen Deutung Paulus 5 geworden er, nach I' an d-e 7 Ainnnel. welche & Äpostel fei visionäres von sÄ v' in dem Le ist er z» auch mcht späteren 2 hohen Osn schreibt er daß ich mir hebe, ist nr sich des S schlage.» 1 ländischen genannt tot liest, das Kämpfe 911 das durch Menschen I sie sich M ihr Gefühl Doch bal geordnete 1 geistesmach Paulus. G der Dvgm Geist, so 1 schenfeele ist Liebe, kett, Tüt Gott hat Furcht, [ und der • und Arie Der auf das ewig Leben uni antike un. tmden. D lige Geist, mit Jesus aus aus fr war feine: brauchen auch heute der Dheolo kurzem gesa unserer 3ei Erdballs i nisch-tvirtsch diese Kultur zur Derwel Adsterben ' Philosoph« Christentur ein höhere les Urteil lerer Jett Maschine, in Afrika irische 21 sernung t Eckener fi ametita, r den. 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Das Derhandlungsgebiet umfaßt nicht nur das Problem der Preis- und Lohnsenkung, cs wird vielmehr eine Einigung auch über alle Fragen erstrebt, die der Wicderankurbelung der Wirtschaft und damit der äleberwindung der Arbeitslosigkeit im Wege stehen. Sobald die Detständgiung erreicht ist, werden dann die Spjhenorgcntisationen der Industrie von ihren Llnterverbänden die erforderlichen Maßnahmen verlangen. Unter Umständen dürften dann auch Einzelverhandlungen zwischen den Organisatidnen der verschiedenen Industriezweige mit den Parallelgewerkschaften folgen, um die Senkungsaktion den besonderen Verhältnissen der verschiedenen Industrien anzupassen. Scharfe Kritik der preffe. Schwere Bedeuten gegen das Notopfer der Festbesoldeten. Berlin, 6. Iuni. (CAB.) Zu dem in der gestrigen Kabinettssitzung beschlossenen Deckungsprogramm der Reichsregierung nimmt bisher nur ein Teil der Berliner Blätter Stellung. Eingehende kritische Würdigungen behalten sich die Zeitungen im allgemeinen noch vor. Die vorliegenden Kommentare beschäftigen sich in der Hauptsache mit der geplanten Erhebung eines Rotopfers der Fest besoldeten in Höhe von 4 Prozent des Einkommens. Das „Berliner Tageblatt" sieht in dem Rotopfer und in der Einschränkung der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung eine ge- waltigeDerringerungderKaufkraft derjenigen Bevölkerungskreise, die fast ihr gesamtes Einkommen durch Warenankauf zurückgeben müssen an den Wirtschaftskreislauf. Rur große und bewußte Opfer der älnternehmerschaft können die schädlichen Folgen des Regierungsprogramms wieder ausgleichen. — Die „D e u t - sche Tageszeitung" spricht von einem schwerwiegenden Eingriffe und hegt die stärksten Zweifel, ob der hier eingeschlagene ick mehr als einer Beziehung höchst unsoziale Weg in der vorgeschlagenen Form gangbar ist. Die „Kreuzzeitung" überschreibt die Verlautbarungen über das Deckungsprogramm sogar mit den Worten: Vergewaltigung der Fe st besoldeten. „Eine Lohnsteuererhöhung um 40 Prozent wird Schichten einfach aufgebür- det. um die sich dek Staat, abgesehen von den Beamten, im Falle der Arbeitslosigkeit überhaupt nicht zu kümmern Pflegt." Die „D. A. Z." spricht von der entscheidenden politischen Frage, die neben aller sehr berechtigten fachlichen Kritik mit der größten Sorge erfüllen müsse. Hinter den neuen Maßregeln ständen eigentlich nur die christlichen Gewerkschaften und allenfalls das Zentrum. Selbst wenn es gelingen sollte, die Bedenken der Volkspartei und der Demokraten zu überwinden, sei es zu bezweifeln, ob der mitarbeitende Flügel der Deutschnationalen sich für eine so unpopuläre Aktion zur Verfügung halten werde. Das Blatt fragt, ob die Sozialdemokraten nicht die günstige Situation zu einem Vorstoß ausnutzen, der die Regierung vor der Inangriffnahme ihrer eigentlichen Hauptaufgabe aus dem Sattel hebt. — Aus den Aeuherungen des „L okalanzei- g e r s" und der „Deutschen Zeitung" ist zu schließen, dah die hinter Hugenberg stehenden Deutschnationalen das Deckungsprogramm ab - lehnen. Der „L o k a l a n z e i g e r" spricht davon, daß die Steuerlast der Bevölkerung um Hunderte von Millionen erhöht werden soll, weil die Arbeitslosenversicherung Summen verschlingt, deren Aufbringung noch vor einem Iahre kein Mensch in Deutschland für möglich. gehalten hätte. Die „Deutsche Zeitung" sieht in dem Deckungsprogramm den Beginn der Voungkrise. Gegen den politischen Terror der Straße. Der Preußische Justizminister gegen das politische Rowdytum. Berlin, 6. Iuni. (ERD.) Der preußische Iu- stizminister Dr. Schmidt nimmt in einem Erlaß zur Bekämpfung des Strahenterrors Stellung. Im heutigen Iustizministerialblatt werden alle Staatsanwälte angewiesen, die sich häufenden Verfahren wegen politischer Rowdytaten, Totschlag. Rvwdyhändel, Landfriedensbruch beschleunigt durchzuführen. Der Iustizminister stellt die Tatsache fest, daß diese Zusammenstöße der Kampforganisationen der radikalen politischen Parteien dringende Rotmaßnahmen zum Schutze der Allgemeinheit gezeigt haben. Dieser Schutz der Allgemeinheit kann nur gewährleistet werden, wenn die Strafe auf dem Fuße folgt. Iedes derartige Verfahren soll höchstens zwei Wochen für die Anklage brauchen, die Hauptverhandlung soll spätestens nach vier Wochen durchgeführt werden. In allen Fällen, wo das nicht geschieht, ist an der« Iustizminister Bericht zu erstatten, und die Hinderunasgründe sind anzuführen. Für die Verhandlung verlangt der Iustizminister eine mit Rachdruck zu sordernde angeme ssene Sühne. Die Vollstrek- kung soll in allen diesen Fällen schnell!- st e n s erfolgen. Sollte das vorhandene Personal in der Durchführung dieser Aufgaben nicht ausreichen, so sind besondere Hilfskräfte anzufordern. > I--WI----L!9 Berlin, 6. Iuni. (ERB.) In einer Pressebesprechung verbreitete sich Reichsarbeitsminr- ster Dr S t e g e r w a l d über die Arbeitslosenversicherung. Für das Iahr 1930 müssen wir uns, sagte er, auf eine sehr viel größere Arbeitslosigkeit einrichten, um nicht im Herbst und Winter vor unlösbaren Aufgaben zu stehen. Reformmöglichkeiten großen Stiles in der Arbeitslosenversicherung sind heute im Hinblick darauf, dah erst im Oktober 1929 6ie gröbsten Mißstände in der Arbeitslosenversicherung beseitigt worden sind, nicht möglich und durchführbar. Sie müssen auf normalere Zeiten zurückgestellt werden. In einer Stunde, in der im Iuni noch hunderttausende Baufacharbeiter keine Beschäftigung finden können, ist auch der Begriff „Saisonarbeiter" nicht definierbar und anwendbar. Das Kernstück der jetzigen Reform ist, daß neben der Beitragserhöhung um 1 Prozent die besser bezahlten Arbeiter und Angestellten, wenn nicht 52 Wochenbeiträge geleistet sind, geringere als die normalen im Gesetz vorgesehenen Unterstützungen erhalten sollen und dah für die Ledigen generell — anstatt wie jetzt bis zum 21. Lebensjahr — eine vierzehntägige Wartezeit eingeführt werden soll. Die Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung auf 4,5 Prozent, die in Aussicht genommene Ersparnisreförm und die in Vorschlag gebrachten Steuern, insbesondere das Rotopfer ür die Festbesoldeten müssen als eine Einheit ang esehen werden. Sozial und am gerechtesten wäre die Einführung eines allgemeinen Rotopfers gewesen in Form von Zu - chlägen zur Einkommensteuer. Damit wäre aber bei der deutschen Kapitalverknappung dieKapitalflucht begünstigt, die Hereinziehung fremden Kapitals erschwert und praktisch einer Vermehrung der Arbeitslosigkeit in die Hand gearbeitet worden. Run wird der politische Kampf ein» Bukarest, 7. Iuni. (wTv. Juntfprud).) Prinz (Karol ist gestern abend hier eingelroffen. Der Prinz halle, wie jetzt bekannt wird, Paris, wo er zuletzt sich aushielt, bereit s'vor einigen lagen verlassen und sich nach München begeben, von dort ist er gestern früh in einem Jatman-Jlug- zeug nach Klausenburg gestartet, wo er in den päieren Rachmittagsstunden eintraf. Die Militär- lugftation war von der Ankunft des Prinzen benachrichtigt worden. Der Kommandant, Oberst Dahinten, schickte den Hauptmann Lhristescu und den Obersten Prekup dem Prinzen entgegen. Auf dem Flugplatz selbst wurde er von dem Komandanten und allen Offizieren empfangen. Prinz Carol ist dann nach zweistündigem Aufenthalt nachBukare st weitergeflogen, wo er um 10 Uhr abends eintraf. Er begab sich sofort in das Schloß L o t r o c e n i. Die Ankunft des Prinzen, der nicht incognito und mit feinen eigenen Papieren reiste, war dem Ministerpräsidenten 2N a n i u b e k a n n t. Er unterrichtete als ersten den Bruder (Karols, den Prinzen Ricolaus, der zwar Carols Absichten, nicht aber die Zeit seines Eintreffens kannte. Die Königin-Witwe Maria, die gestern ihre Reife nach Deutschland angetreten hat, blieb ohne Kenntnis von dem bevorstehenden Ereignis. Berlin, 6. Juni. (T.-Ll.) Amtlich wird mitgeteilt: Wie bereits bekanntgegeben wurde, ist es der für die Untersuchung des Grenzzwischenfalles bei Reuhöfen eingesetzten deutsch-polnischen Kommission nicht gelungen, sich über einen gemeinsamen und einheitlichen Bericht an die beiden Regierungen zu einigen. Die deutsche Regierung hat aber von den beiden Gutachten der deutschen und der polnischen Kommissionsmitglieder sowie von dem gesamten Beweismaterial Kenntnis erhalten. Sie hat dieses Material geprüft und ist dabei zu der Gewihheit gelangt, dah die Darstellung in dem deutschen Gutachten den Sachverhalt zutreffend wiedergibt. Bemerkenswert im ersten Teile des Gutachtens ist die Wiedergabe einzelner Geheimschreiben des polnischen Grenzwachtkommissars Diedrzhnski an den polnischen Grenzwachtunterkommissar Leskie- wicz, aus denen eindeutig hervorgeht, dah der reichsdeutsche Landwirt F u d e , der nach seiner Entlassung aus dem deutschen Polizeidienst aus seinem polnischen wirtfchafts- besih lebte, von polnischer Seite den Auftrag erhalten hatte, dem polnischen Nachrichtendienst Material über Reitervereine, den Stahlhelm und ähnliche Vereine, ferner über die Organisation der Schutzpolizei, der Grenzpolizei, der politischen Polizei und der Landjägerei zu verschaffen. Als Belohnung wurde dem Fude neben Vergütung der Reisekosten und geldlichen Zuwendungen die polnische Staatsangehörigkeit, um deren Erlangung sich Fude seit geraumer Zeit erfolglos bemühte, sowie ein Dauerausweis nach Deutschland versprochen. Rach ergebnislosen Versuchen in Elbing war dann Fude in Marienwerder an den Kriminalbezirkssekretär S t u l l i ch herangetreten, der sich auch zum Schein bereit erklärte, sehen. Im letzten Iahre ist um Vz Prozent Beitragserhöhung fünf Monate lang gekämpft worden. Vor wenigen Monaten ist die Gröhe Koalition an '»Prozent der Beitragserhöhung zur Arbeitslosenversicherung zerbrochen. Jetzt handelt es sich nicht wie im März um i/i Prozent, sondern um 1 Prozent Beitragserhöhung, 'jetzt müssen insgesamt nicht 70, sondern 700 Millionen für die Arbeitslosen beschafft werden. Mit dem § 48 der Reichsverfassung ist die Arbeitslosenversicherung nicht zu sanieren, auch nicht mit der Herbeiführung einer anderen politischen Kräftegruppierung durch Auflösung des Reichstags. Darum hat bei der Gröhe der Frage und im Hinblick auf das, was sich im letzten Iahre um die Arbeitslosenversicherung abgespielt hat, jeder große Streit über Einzelheiten der Reform seinen politischen Sinn verloren. Das ist die nüchterne, politische Realität. Zu dem zusätzlichen Wohnungsbauprogramm erklärte Minister Stegerwald, dah auch weiterhin überwiegend Wohnungen für breite ArbeiterschichtenundfürKin- derreiche zu erschwinglichen Mietpreisen geschaffen werden sollen. Dor der Inangriffnahme des zusätzlichen Bauprogramms sollen der Reichswirtschafts-, Reichsfinanz- und Reichsarbeitsminister mit den Baustoffinteressenten, den Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften des Baugewerbes Verhandlungen darüber führen, wie der Baukosteninde^, der seit langer Zeit um 20 bis 30 Punkte über dem allgemeinen T eu e r u n g s i n d e x liegt, diesem angenähert werden kann. Es ist auf die Dauer nicht vertretbar, dah ein Gewerbe mit öffentlichen Mitteln bevorzugt bedacht, (im letzten Iahre sind 85 Prozent aller Reubauwohnungen mit Zuschüssen aus der Hauszinssteuer erstellt worden) und damit ungewollt dazu beigetragen wird, einen erhöhten Sonderindex zu stabilisieren. Angesichts der Rückkehr Carols ist das Kabinett noch gestern zu einem Ministerrat zusammengetreten, der in ständiger Verbindung mit dem Prinzen die ganze Rächt hindurch beriet. Für heute ist eine S i tz ung der Consti- t u a n t e angesetzt, die über die erforderlichen Beschlüsse und insbesondere über die Thron- rechte des Prinzen Carol, die durch das Gesetz vom 4. Ianuar 1926 aufgehoben wurden, beraten soll. In politischen Kreisen erwartet man, dah Carol vorerst nur an Stelle des Prinzen Ricolaus in die Regentschaft e in tr e t en wird. Die Frage seines Verhältnisses zu seiner Gattin bleibt besonders zu regeln! wie erinnerlich, hat die Königin-Mutter immer erklärt, dah sie dem Prinzen Carol keinerlei Hindernisse in den Weg legen wolle, aber auch nicht geneigt sei, einen gemeinsamen Haushalt wieder aufzunehmen. Im ganzen Lande herrscht vollkommene Ruhe. Alle militärischen und zivilen Behörden halten sich der Regierung zur Verfügung. In der Armee wurde die Rachricht von der Rückkehr des Prinzen mit Begeisterung ausgenommen. In der Oeffentlichkeit wird die Tatsache nur als Verwirklichung einer längst erwarteten Lösung angesehen, in politischen Kreisen wird Manius meisterliche Regie lebhaft besprochen. ihm bei der Beschaffung des Materials behilflich zu sein. Von dieser Begebenheit hat Stullich sofort seinem Vorgesetzten, dem Kriminalkommissar Hartmann in Elbing, Kenntnis gegeben. Beide haben die Gelegenheit begrüht, auf diese Weise Kenntnis von der Arbeit und den Plänen der polnischen Rachrichtendienste zu erhalten. Im zweiten Teile des Gutachtens wird dann eine Zusammenkunft zwischen Stullich und dem Kommissar Leskiewicz am 19. Mai d. I. geschildert, die auf Anregung Diedrzhnskis zustande kam und in der vereinbart wurde, daß die Polen das gewünschte Material am 24. Mai abends in der Pahbude von Reuhöfen besichtigen und übernehmen sollten, weil Stulle die polnische Forderung abgelehnt hatte, das Material auf polnischem Boden vorzulegen. Der dritte Teil des Gutachtens besaht sich dann eingehend mit dem blutigen Zwischenfall in der Paßbude von Reuhöfen, wie sie auf Grund der Aussagen der deutschen und polnischen Beamten, sowie zweier älnbeteiligter, die den Vorgängen durch Zufall beigewohnt hatten, rekonstruiert werden konnten. Aus dem Bericht der Gutachter ergibt sich, daß Kriminalkommissar Hartmann sich bereits nachmittags mit vier deutschen Kriminalbe>amten in die Pahbude von Reuhöfen begeben und sich dort in einem Rebenraum versteckt hatte. Am abend erschienen dann Stullich und die polnischen Kommissare Diedrzhnsti und Leskiewicz in der Bude. Stullich legte eine Gasmaske und schriftliches Material vor, das aber von Diedrzhnski als unbedeutend abgelehnt wurde. Für die Gasmaske wollte Diedrzhnski 2500 Mark zahlen und händigte Stullich sofort eine Anzahlung von 250 Zloty aus. In dem Augenblick, als die polnischen Beamten aufbrechen wollten, wurde die Tür des Reben- raumeS aufgerissen und als erster sprang der deutsche Kriminalassiftent Sander mit erhobener Dienst^iftole in den Raum und rief: „Hände hoch!" Die beiden Polen gaben darauf sofort zwei Schüsse ab, von denen einer Sander an der Hand traf. Es entspann sich dann die Schießerei, bei der der polnische Llnterkom- missar Leskiewicz tödlich verwundet wurde und die sich außerhalb der Pahbude mit den polnischen Grenzsoldaten, die Biedrzynski aus deutschem Gebiete postiert hatte, fortsetzte. Das Gesamtergebnis faßt das Gutachten zum Schluß in folgenden Sähen zusammen: 1. Fude ist i m Auftrage des polnischen Rach richtendien st es nach Deutschland geschickt worden, um hier Nachrichten, die im Interesse der Sicherheit des Deutschen Reiches geheimgehalten werden müssen, für Polen zu beschaffen. 2. Die deutsche Kriminalpolizei hckt sich in berechtigter Derteidigung auf diese Verbindung eingelassen. 3. Die polnischen Kommissare haben sich zum Zwecke der Erlangung deutschen Geheimmaterials auf deutsches Gebiet begeben und sind hierbei wegen Landesverrats festge- n o m m e n worden. 4. Polnische bewaffnete Grenzschuhsoldaten haben die deutsche Grenze überschritten und von deutschem Boden aus auf deutsche Beamte geschossen. 5. In der Abwehr haben deutsche Beamte d i e Schüsfeerwidert, vhnepolnrfchenDo- den betreten zu haben. Auf Grund dieses Tatbestandes ist der deutsche Gesandte in Warschau beauftragt worden, der polnifchen Regierung e i n e N o t e zu überreichen, in der wegen der Aebergriffe der polnischen Beamten Protest erhoben wird. „Gras Zeppelin" wieder daheim Glatte Landung in Friedrichshafen. Friedrichshafen, 6. Iunl. (WTB.) Nachdem das Luftschiff „Graf Zeppelin" um 13.25 Uhr Valence, um 15 Uhr den Iura und um 18.15 Uhr Zürich überflogen hatte, erschien es in strahlendem Abendsoynenglanz um 19.13 Uhr erstmals über Friedrichshafen. Das Luftschiff fährt außerordentlich niedrig mit direktem Kurs auf das Werftgelände. Auf dem Werftgelände und um den Landungsplatz hat sich eine riesige Menschenmenge angesammelt, die mit dem Sichtbarwerden des Luftschiffes in begeisterte Hochrufe ausbrach. Der Landungsplatz selbst ist von einem starken Aufgebot von Schutzpolizei abgesperrt. Es herrscht ein ziemlich starker Ostwind. Langsam nähert sich der „Graf Zeppelin" der Luftschiffhalle. Aus der Gondel winken die Passagiere. Die Glocken der Kirchen läuten dem heimkehrenden Luftschiff den Willkommengruß zu. Rach und nach werden die Motoren abgestellt. Langsam senkt sich das Luftschiff. Die Haltemannschaften warten auf das herabfallen der h a 11 e t a u e. Um 19.20 fallen die ersten Taue vom Luftschiff herab. Die Mannschaften ziehen das Schiff herunter. Um 19.21 Uhr ist „Graf Zeppelin" glatt getanbet. Die Haltemannschaften ziehen das Luftschiff dann langsam dem Westtor der Halle zu. Oie Wetterlage. 6 Wolkenlos.O neuer. O na,D Dedeciu. »wontig. eDedecKt. «Kegelt * Schnee a Graupen b Neoei K Gewitter.(§)wind$tiiie. seh» leichter Osi massige' Südsüdwest Q stürmischer «ordwest Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeicen Stationen stehenden zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichen* auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die Hochdruckwetterlage der letzten Tage wird jetzt durch die von der Biscaya nach Frankreich und Westdeutschland vorgerückten Störung beeinflußt. Sie führt zu verbreiteten Gewitterstörungen, welche durch den Zustrom kühler Luft, der von den britischen Inseln stattfindet, begünstigt werden. Der Witterungsumschlag wird jedoch nur vorübergehend sein, denn mit der kühlen Lust gelangt gleichzeitig der hohe Druck westlich von Irland nach dem Festlande. Bereits am Montag dürfte sich der Hochdruckeinsluh bemerkbar machen und wieder aufheiterndes Wetter eintreten, auch werden die Temperaturen tagsüber erneut ansteigen. Wettervorhersage für Sonntag: Bewölkung und Gewitterstörungen mit Riederschlägen, vorübergehend kühler. Lufttemperaturen am 6. Iuni: mittags 23,4 Grad Celsius, abends 15,3 Grad,' 'am 7. Iuni: morgens 16 Grad. Maximum 26,1 Grad, Minimum 8,2 Grad. Crdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Iuni: abends 28,1 Grad, am 7. Iuni: morgens 18,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 16 Stunden. Reisewetterdienst Garmisch-Partenkirchen: 15 Grad, Südwestwind, teils heiter, teils wolkig. Westerland auf Sylt: 16 Grad, Südwind, meist heiter. Prinz Sarol kehrt nach Rumänien zurück. 3m Zlugzeug nach Bukarest. - Oer Ministerpräsident im Einverständnis. Oie Königinwitwe außer Landes. — Oer Eintritt in die Regentschaft wahrscheinlich. Die Aufklärung des Grenzzwischenfalls von Neuhofen. Oer polnische Spionagedienst an der Grenze. — Berechtigtes Eingreifen der deutschen Beamten. Aus der Provinzialhauptfiavt. Gießen, den 7. 3unl 1930. Pfingsten. 3m ersten Zeitalter der christlichen Kirche machte sich in den Christengemeinden, die sich hin und her in Kleinasien und Griechenland gebildet hatten, eine seltsame Bewegung geltend. Ekstasi- sches, Schwärmerisches. Visionäre- trat zutage. Bei Verkündigungen der Sendboten Christi fiel plötzlich der Heilige Geist auf solche, die seither 3uden oder Heiden gewesen waren. Einzelne Christen redeten in ihren gotte-dienstlichen Versammlungen in .Zungen", was ihre Glaubensgenossen nicht verstanden und waS besonderer Deutung bedurfte. 3n diese Bewegung ist auch PauluS hineingezogen worden. Als er ein Christ geworden war, ergriff ihn da- so mächtig, daß er. nach seiner Darstellung in dem zweiten Briefe an die Korinther, entzückt ward bis in den dritten Himmel. Er .hörte unaussprechliche Worte, welche kein Mensch aussprechen kann". Der Apostel selbst deutet an, daß es sich hierbei um visionäre Erscheinungen gehandelt habe, er spricht von sich sp der dritten Person und sagt: „3ft er in dem Leibe gewesen, so weih ich es nicht, oder ist er auher dem ßeibe gewesen, so weih ich es auch nicht". Damals bestand für ihn nach feine« späteren Angabe die Gefahr, daß er wegen dieser hohen Offenbarungen hochmütig würde, aber, so schreibt er in erschütternder Bildersprache: .Auf dah ich mich nicht der hohen Offenbarungen überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satanas Engel, der mich mit Fäusten schlage." Man glaubt ein Gemälde des niederländischen Künstlers, der der .Höllenbrueghel" fenannt wird, zu sehen, wenn man diese- Wort isst, das auf schwere Leiden, schwere seelische Kämpfe hindeutet. Es war so, dah das Reu«, da- durch den Glauben an 3esus über diese Menschen kam, so stark auf sie einwirkte. dah sie sich zuerst gar nicht fassen konnten und dah ihr Gefühlsleben mächtig erregt war. Doch bald ebbte der brausende Strom in wohlgeordnete Rinnsale ein, hauptsächlich durch das aeistesmächtige, besonnene Wirken des Apostel- PauluS. Er ist der Gesch.chtSschreiber und zugleich der Dogmatiker des Heiligen Geistes. Heiliger Geist, so lehrt er, ist da, wo 3esus eine Men- schenseele ersaht hat, die Frucht dieses Geiste- ist Liebe, Freude. Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit. Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Gott hat den Seinen nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Deist der Kraft, der Liebe und der Zucht. Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geiste. Wer auf den Geist säet, wird von dem Geist« das ewige Leben ernten. Geistlich gesinnt ist Leben und Friede. 3m Sinne dieser Worte ist die antike und die germanische Welt umgestaltet worden. Da- neue eigentümliche Leben, der Heilige Geist, verbreitete sich überall, wo Menschen mit 3esuS in Berührung kamen, es quoll heraus aus der Bibel, und die christliche Gemeind« war seine Trägerin. Brauchen wir diesen Geist, den Heiligen Geist, auch heute noch? Der Berliner Professor der Theologie Dr. Julius Richter hat vor kurzem gesagt: .Die große Menschheitsbeweaung unserer Zeit ist die Äeberschwemmung unseres Erdballs mit der europäisch-amerikanisch-tech- nisch-wirtschaftlichen Kultur. Die Frage ist: Soll diese Kulturbewegung seelenlos sein und dadurch zur Verweltlichung unseres ganzen Lebens, zum Avsterbcn der geistigen Faktoren wie Religion, Philosophie und Kunst führen? Oder ist das Christentum imstande, ihr eine Seele und damit ein höheres geistiges Leben einzuhauchen?" Dieses Urteil gibt scharf und klar die Signatur unserer Zeit wieder. Alle- ist auf die Technik, die Maschine, die Wirtschaft eingestellt. Rcgerdörfer in Afrika haben längst das Kino und das elektrische Licht, es ist jetzt möglich, auf eine Entfernung von 10 000 Kilometer zu telephonieren. Eckener fliegt von Friedrichshafen nach Südamerika, man hat die Fernphotographie erfunden. Maschinen und Apparate sind nötig, aber nötiger sind glaubensstarke, gute, liebevolle, freundliche Menschen, Menschen, die in sich geschlossen sind und alle Wendungen des Schicksals in dem Glauben überwinden, dah sie von einer höheren Hand geleitet werden. Rationalisierung der Wirtschaft kann man fordern, aber mit mehr Rachdruck soll man sordern, dah man frohe und zufriedene Menschen schafft. So brauchen wir doch noch das, was im christlichen Sprachgebrauch der .Heilige Geist" genannt wird. Gott gibt nach der Derheihung 3esu seinen Geist denen, die ihn darum bitten, darum soll es in diesen von eigenartiger Raturschönheit erfüllten Tagen, da der Frühling übergeht in den Sommer, die Bitte der Christenheit sein, dah Gott ein neues Pfingsten über sie kommen lasse. H. B. Das Schiffenberg'Zubilaum Der geschäftsführende Ausschuß für die 8 0 0 » Jahr-Feier des Schis fenbergs hielt am Donnerstagabend eine Sitzung ab. in der man sich eingehend mit den Möglichkeiten zur Finanzierung dieser bedeutsamen heimatlichen Dercmnaltung beschäftigte. Man kam dabei nach langer Aussprache zu einem Ergebnis, das der Gesamtheit des Ausschusses die Durchführung de- geplanten Festes annehmbar erscheinen lieh. Es wurde einstimmig beschlossen, das Fest am 6. 3 uIi auf dem Schiffenberg ,u veranstalten. Am Abend vorher, am 5. 3ult, wird eine gesellige Veranstaltung der Heimotvereini- gung Schiffenberg in einfachen Formen den Auftakt bringen. Am Sonntag. 6. 3ulj, soll mittags die Gedenktafel für Wilhelm Heinrich Riehl gewecht werden, am Rachmittag wird sich dann die Aufführung des von Hans T a n n e r t und Georg Heh verfaßten Heimatfestspiels „Schiff en berg' anschliehen. Den Ausklang deS Tages wird ein srohgestimmtes Volksfest- treiben bilden. Oer Sternhimmel im Juni. Rachdruck verboten! Sonnenaufgang von 3.45 bi- 3.40 Ähr, Sonnenuntergang von 20.10 bis 20.25 il&r. Lichtgestal- ten des Mondes: 1. Viertel am 3. um 23 ilfcr, Vollmond am 11. um 7 Ähr, letzte- Viertel am 19. um 10 Ähr. msf. Die Sonne erreicht ihren höchsten Stand am 22. um 4 Ähr 54 Minuten. 5>ie Aenderung ihre- Auf- und ihre- Äntergange- von da bi- dämmerung im 3uni viele Beobachter finden wird, ist nicht anzunehmen. Seine lange Än- sichtbarkeit erklärt sich dadurch dah sich die Ge- fchwindigkeit seiner Bewegung nicht sehr stark von der der Sonne unterscheidet, so dah er lange in ihrer Rähe bleiben kann. Am Firsternhimmel beobachten wir tief im Süden das Sternbild deS Skorpion- mit dem Hellen AntareS und den drei recht- von ihm Mond: '-'•t D1. Viertel ® Vollmond d letztes Viertel STEPVB’LDER: GROSZE BUCH-, STABEN Z Sterne? Kleine Buch- s. staben jf'£)Venus SSMar3 Der die 24 Stundenzahlen von Mitternacht bii Mitternacht einst Taget enthaltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend su denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die su der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monats mitte. Will man zu einer anderen Stund» beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ist der gerade Pfeil $4 Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitte Vs Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächst» Monatskarte. Der Mond nimmt di» gezeichneten Stellungen ein, wenn er di» angedeutete Lichtgestalt zeigt. zum Monatsende ist kaum merklich. Von den Wandelsternen stehen sich in diesem Monat die sonnennahe Venus und der sonnenserne Saturn fast genau gegenüber. Die Venus verschwindet nicht lange nach Sonnenuntergang im Rordwesten, während der Saturn im Südosten ausgeht. 3nfolge des hohen Sonnenstandes und des minder günstigen Standes der Venus nimmt deren Sichtbarkeit ab, wenn auch nur sehr langsam, obwohl ihr Abstand von der Sonne noch weiter wächst. Der Saturn, der vier Stunden nach dem Monatsende in die Gegenstellung zur Sonne tritt, ist mit Ausnahme der ersten Tage wo er etwas später erscheint, die ganze Rächt sichtbar. Dah auch der M a r S, der fast ein ganzes 3ahr lang unsichtbar war, was bei keinem anderen Wandelstern vorkommen kann, nun auch wieder sichtbar wird, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt; denn dah er in der Morgenstehenden Sternen, von denen der Akrab der oberste ist. Von den beiden Hellen Sommersternen kommt nun die Wega schon eher gegen den Arctur auf; doch wird dieser den meisten Beobachtern noch etwas Heller erscheinen. Auch der Schwan steigt nun höher empor und der Deneb und der Albireo deuten di« Grenzen des Sternbildes an. Unter dem Schwan wird der Adler sichtbar. Sein hellster Stern führt den Ramen Atair, das heißt der »fliegende Adler", während die Wega soviel wie der „fallende Adle«" bedeutet. Warum der Atair mit einem fliegenden, die so viel hellere Wega aber mit einem fallenden Adler verglichen wird, kann ich leider nicht sagen. Auch warum sich für einen so Hellen Stern wie die Wega kein Rame aus dem Altertum erhalten hat — „Wega" ist arabisch — können wir leider nicht verraten. Kü st ermann. Wenn man auch den ernsten Willen hat, die bedeutsame heimatgeschichtliche Veranstaltung s o einfach und so billig wie möglich durchzuführen, um dadurch den Erfordernissen der Zeit Rechnung zu tragen, so hegt man aber doch die Hoffnung, dah aus den Kreisen der Schiffen- bergfreunde, wie von allen für unser enges Heimatgebiet opferbereiten Bürgern dorn Änter- nehmen der Schisfenberg-3ubiläumsfeier finanzielle Förderung zuteil wird. Wenn es auch in den meisten Fällen keine großen Beträge sein werden, die dem Ausschuß zur Verfügung an die Hand gegeben werden dürften, so muß man sich doch sagen, daß auch viele Wenig schließlich einen ansehnlichen Betrag erbringen. Man darf wohl hoffen, dah der dahingehende Appell des Ausschusses ein gebefreudiges Echo finden wird. Ein Gießener Preffcprozeß vor dem Oberlandesgerichi. Gestern beschäftigte sich das Oberlandesgericht Darmstadt mit der Revision des Redakteurs der „Oberhessischen Volkszeitung", Karl Bremer in Gießen, gegen das Urteil des Amtsgerichts Gießen vom 25. Rovember 1929 in der Beleidigungsklage des Professors H o r n e f f e r gegen Bremer. Redakteur Bremer war in erster 3nstanz zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in einer Kritik eines Vortrages des Privatklägers diesem in beleidigender Weise vorge- toorfen habe, er vertrete die politische Äeber- zeugung seiner Auftraggeber, weil er dafür bezahlt werde. Der Angeklagte ließ durch seinen Vertreter, Rechtsanwalt Sturmfels, vortragen, daß er in Wahrnehmung berechtigter Zntercssen gehandelt habe. Als Redakteur eines sozialdemokratischen Blattes habe er den Auftrag und die Weisung, die 3nteressen der Personen, gegen die sich die Angriffe des Privatklägers gerichtet hätten, nämlich der Lozialversicherten, wahrzunehmen. Er habe dabei auch die Grenzen der sachlichen Kritik mindestens subjektiv nicht überschritten. Der Privatkläger könne sich auch nicht anmatzen, über Fragen, die sein Fach nicht berührten, öffentlich zu sprechen, da er sie nicht wissenschaftlich behandeln könne. Er sei eben nur ein politischer Agitator. Der Vertreter des Privatklägers, Rechtsanwalt Dr. Albrecht, wies zunächst das Änbe- rechtigte der Vorwürfe gegen den Privatkläger nach und führte aus, dah eine Wahrnehmung berechtigter Interessen nicht vorliege. Der Angeklagte könne als Redakteur eines sozialdemokratischen Blattes keine Sonderbehandlung beanspruchen Rach langer Beratung verkündete das Gericht das Urteil, wonach die Revision als u n - begründetzurückgewiesen und dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens, einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen notwendigen Auslagen, auferlegt wurden. Soviel man aus der kurzen mündlichen Ärteilsbegründung entnehmen konnte, hat das Oberlandesgericht an sich zwar dem Angeklagten, im Gegensatz zum Amtsgericht Gießen, die Wahrung berechtigter 3nteressen zugebilligt, insoweit er eine sachlich gehaltene Kritik der Angriffe des Privatklägers gegen die Sozialversicherung veröffentlicht hat. Es hat aber die Feststellung des Amtsgerichts, daß der Satz „zumal wir beim Lesen diesev Zeilen den Eindruck nicht los werden, als wolle der Vortragende seinen zahlungsfähigen Auftraggebern unter allen Ämständen gefallen", über die Wahrung berechtigter 3nteressen hinausgehe, für ausreichend erklärt, eine Verurteilung zu begründen. Denn damll habe der Angeklagte eine persönliche Verunglimpfung ausgesprochen, um dem Privatkläger eins auszuwischen, aber nicht, um berechtigte 3nteressen zu wahren. Das Sommerabonnement im Stadttheater. Wie im vergangenen 3ahre, gibt auch für die kommende Eommerspielzeit das Stadttheater ein Sommerabonncment aus, das sechs Karten enthält, die übertragbar und auch für eine Vorstellung auf einmal zu verwerten sind. Das Abonnement ermäßigt die Preise um etwa 30 bis 50 Prozent (siehe Anzeige). Der Spielplan sieht folgende Stücke vor: Alfred Möller und Hans Lorenz: „Der Herr mit dem Fragezeichen"; Paul Frank und Ludwig Hirschfeld: „Geschäft mit Amerika"; Sascha Guitrh: „Wir wollen träumen“; Ladislaus Fodor: „Die Füllfeder"; Karl Röhler: „3ch habe feine Zeit" (Uraufführung); 3ohann Repomuk Restroh: „Einen 3ux will er sich.machen". Am nächsten Dienstag, 20 Ähr, beginnt die Sommerspieizeit mit der Erstaufführung von Fred Antoine Angermahers tiroler Volksstück „Flieg, roter Adler von Tirol". Pornotizen. — Tageskalender für Sarn-tag. Artillerie-Verein: Monatsversammlung. — Licht- .spielhaus Bahnhofstraße: „Wien, du Stadt der Lieder". — Astoria-Lichtspiele: „Der Sheriff von Arizona" und „Violantha". — Tageskalender für Sonntag (1. Pfingstleiertag). Oberhessischer Kunstverein: Eröffnung der Gemäldeausstellung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wien, du Stadt der Lieder". — Astoria-Lichtspiele: „Der Sheriff von Arizona" und „Violantha". — Tageskalender für Montag (2. Pfingstfeiertag). Spielvereinigung: Handball gegen Sportklub „Germania" Magdeburg, 15 Ähr. — Lichtspielhaus Bahnhofstrahe: „Karriere" und EiSballett „Rose und Honeywith Morrison". — Das Lichtspielhaus, Bahnhofstraße bringt vom zweiten Pfingstfeiertag ab auf der Bühne „DaS weltberühmte Eisballett Rose und Honey with Morrison". Es werden — wie man uni schreibt — von dem Ballett akrobatische Tänze und Figuren auf der künstlichen Eisbahn, zu der die Bühne in wenigen Minuten her gerichtet wird.aufgeführl. DieTruppc kann auf viele erfolgreiche Gastspiele in anderen Städten verweisen. Ferner kommt ein große- Filmprogramm zur Vorführung. " Blumenschmuck-Wettbewerb. Der Verkehrs- und Verschönerung-Verein veröfsent» licht im heutigen Anzeigenteil die Ankündigung des für diesen Sommer wieder vorgesehenen Blumenschmuck-Wettbewerbs. Da- 3ntereffe für immer neue Kräfte werden in ihren Dienst ge stellt. Die wichtigste und zukunftsreichste ist bi te Elektrizität. Gerade sie erfüllt bai Streben jeder Hausfrau, beim sparsamen Kochen ein schmackhaftes Mahl zu bereiten, Billigkeit und Bequemlichkeit zu vereinen und die persönliche Äeberlastung auf ein Mindestmaß Herabzusehen. Die von der Hausfrauenberatungsstelle und Elektrogemeinschaft, Gießen, am kommenden Donnerstag und Freitag im Saale Cafe Leib, Wall- torstrahe, vorgesehenen Elektro-Koch- und Brat- veranstaltungen weisen ihr die Wege dazu. Diese geben Gelegenheit, sich von der Zweckmäßigkeit im Gebrauche des elektrischen Herdes praktisch zu überzeugen. (Siehe Anzeige.) ” Die Marburger Festspiele 1930 bringen am morgigen Pfingstsonntag in Marburg vor der Luth. Pfarrkirche (Marienkirche) die Erstaufführung „Jedermann", das Spiel vom Sterben des reichen Mannes, von 5)ugo. d. Hofmanns- thal. Die künstlerische Leitung hat der Universitäts- lektor Dr. Fritz Budde. Auf die Veranstaltung sei empfehlend htngewiesen. Siehe heutige Anzeige. diese Veranstaltung ist jetzt schon außerordentlich groß. Bei dem Bureau des BerkehrsvereinA haben sich bereit- zahlreiche Mitbürger für den Wettbewerb angemeldet, weitere Anmeldungen sind umgehend an das DerkehrSbureau zu richten. Wer sich für den Wettbewerb nicht anmeldet, kann bei der Prämiierung keine Berücksichtigung finden. Wan beachte die Anzeige. •• Dom botanischen Garten. An den beiden Pfingsttagen wird eine ArcSstellung von Kakteen und schön blühenden Gewächsen von 11 bis 12 Ähr im Wannhaus geöffnet fein (Eintritt 20 Pfennig). Zur Zeit blühen verschiedene Mamillaria- und EchiuopsiS-Arten, ferner Ariocarpus, MelokaktuS und Auhaloniurn. Weiterhin ist auf die fog. Äsambara-Veilchen aufmerksam zu machen, auf die Begonien, die Bro- mcliazeen und ein großes Sortiment bimtblätt* riger Warmfandpflanzeir. ' Oberhessis cher Kunstverein. Morgen beginnt im Turmhaus am Brandplatz eine neue Ausstellung, in welcher der Gießener Künstler H. Will zum ersten Male mit einer größeren Kollektion von Oelgemälben figürlichen Inhalts vertreten ist. Darunter befinden sich zwei große Werke: 3dyll und Abend; Akte, Porträt- und Studienköpfe. Eine aas acht Mannheimer Aquarellisten bestehende Künstlergruppe ergänzt die Ausstellung durch Landschaften mannigfacher Art. Die Graphik ist durch eine größere Zahl von Radierungen verschiedenartiger Technik des hier aus früheren 3ahren wohloekannten Münchener Künstlers Heinrich Haberl vertreten. Mit Scherenschnitten (Totentanz und Passion) sowie Zeichnungen vervollständigt H. Küchel (Gießen) die Ausstellung, welche endlich noch die in diesem 3ahre für bte Mitglieder- Derlosung 1930 bis jetzt angefauften Bilder zur Sckau bringt Sie ist zu geänderten Zeiten, nänk- lich Sonntags und Mittwochs von 11 bi« 13 Ähr, Montags, Mittwochs, Freitag- von 17 bi- 19 Ähr geöffnet und auch an den beiden Pfingstfeiertagen zugänglich. (S. gestrige Anzeige.) *• Die städtische Kunstsammlung im Reuen Schloß, Eingang Senkenbergstraße, ist am ersten Pfingstseiertag von 11 bis 13 Ähr geöffnet Der Ausstellung wurde vor einigen Tagen neu einverleibt, ein Porträt des Schriftsteller- Dr. h. c. Alfred B o ck, das die Stadt Gießen gelegentlich seines 70. Geburtstages dem Kunstmaler Krau ß-München in Austrag gab. Die Museen sind an den beiden Pfingst- feiertagen zu kleinen Preisen geöffnet. *' Von einem Lastkraftzug über- fahren und schwer verletzt. Gestern vormittag gegen 11 Ähr wurde in der Hammstrahe das etwa 8 3ahre alte Söhnchen des Dachdeck ermeisterS Meyer von dem Anhänger eines Bulldogg überfahren und schwer verletzt. Der Lastkraftzug, bestehend aus einem Bulldogg und Atoci Anhängern, befand sich auf der Fahrt nach dem Güterbahnhof. Während auf dem Bulldogg und aus dem ersten Anhänger Personal saß, war der zweite Anhänger unbesetzt. Strahen- passanten bemerkten Plötzlich, daß zwei Kinder unter dem letzten Anhänger lagen, von denen das eine, das 8 3ahre alte Söhnchen des Dachdeckermeisters Meyer, von zwei Rädern des Wagens überfahren wurde, während das ander« Kind zum Glück unverletzt davonkam. Der Last- kraftzug wurde sofort zum Stehen gebracht und das bedauernswerte Kind hervorgeholt. DaS Bübchen trug außer Kopf- und anderen Verletzungen noch einen komplizierten Beinbruch davon und wurde sofort von einem des Wege« kommenden Privatauto der Chirurgischen Klinik zugeführt. Di« Ärsache des ÄnglückSfalleS wird von der Behörde noch ermittelt. •• Elektro-Koch- und Bratveranstaltungen. Man schreibt uns: Die Freude an der Arbeit wächst um so mehr, je bessere Ergebnisse unsere Mühe belohnen und je geringer diese Mühe ist. Wenn wir daran denken,' wie mühsam und umständlich früher sich der Küchenbetrieb gestaltete, als man noch an offener Feuer stelle unter dem Rauchsang daS Essen bereiten mußte, dann dürfen wir sagen, daß die Hausfrau von heute es wesentlich besser hat. Viel ist schon zur Verbesserung und Vereinfachung des Haus- und KüchenbetriebeS getan worden. 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CSrfb als Napoleon über den Erdteil stampfte und die Nolker zertrat, brannte in lohenden Feuergarben auch ein deutsches Nativ- nalbewuhtsein empor. Die Männer der DefreiungSkriege sind seine Entzünder, in ihrem größten, dem rheinfränkischen Freiherrn vom Stein, leuchtet die Vision des deutschen DvlksbürgerS auf, den es zu erziehen gelte, um Dasein und Bestand einer deutschen Nation, eine- Dolkstums-Dtaates zu ermöglichen. Die Mitverantwortung jedes einzelnen am öffentlichen Leben unter Entfaltung „aller physischen, geistigen und moralischen Kräfte" ist der Hr- gedanke der Selbstverwaltung, als der Voraussetzung jeder Selbstregierung. Ein vielköpsiger Bonaparte, bornierter als der Korse, aber ebenso skrupellos, die heilige Allianz« der Selbstherrscher von Rußland, Oesterreich und Prcuhen zertrat auch diese Saal. Nur bescheidene Ernte konnte vor dem Zugriff einer 33 Jahre wütenden politischen Reaktion geborgen werden. In diesen .stillen Jahren" (wie Treitschke sic unzulässig verklärend genannt hat) ist an die Stelle des Dolksbürgers der Ichbürger getreten. Zu ihm isolierte sich notgedrungen der Erwerbsund Besitzbürger, und damit zur politischen Ohnmacht der Bürgerlichkeit überhaupt. Denn nicht der Erwerbs- und Besitzbürger an sich ist der Repräsentant des politischen Unfruchtbaren, Selbstischen und Kleinlichen. England hat bis auf den heutigen Tag ein Bcsihbürgertum (ist doch ein großer Teil seines politischen Adels weiter nichts, als geadelter bürgerlicher Reichtum), das sich mit stärkster Verantwortung und Hingabe in den Dienst an der Politik gestellt hat. 3n der preußischen Schule ward der Bürger zwar Staatsbürger — aber es erwies sich, daß dies nicht ausreicht. Mit dem bloßen „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist", vermag eine moderne Nation auf die Dauer nicht zu bestehen. Diese Art Gehorsam, Staatstreue, Lotxa- lität versagt vor den ganz großen geschichtlichen Stunden. Die Stein, Bork, Gneisenau, Scharnhorst, Arndt, Jahn hatten allesamt ihre Augenblicke, in denen sie Rebellen, Hochverräter, Unbotmäßige, Abenteurer werden mußten, um rettend handeln zu können. Es ist erquickend tapfer, daß unser Reichswehrministcr Grvener jüngst von der Marne-Schlacht geschrieben hat, sie hätte nötigenfalls unter offener Hnbotmäßigkeit gegen die oberste Heeresleitung geschlagen werden müssen, so aber auch gewonnen werden können. Der Feldherr, der dies Wagnis auf sich lud, hätte sich als wahrhafterBolks- Bürger gefühlt. Er war nicht vorhanden. Die Neuordnung von Weimar hat dann dem deutschen Volke die Formen des Volksbürgertums gebracht. Es fehlt noch vieles daran, daß es den Inhalt ergriffen und die Formen mit ihm erfüllt hätte. Dies ist die dringlichste, wenn auch nur langsam zu lösende Aufgabe, die in Deutschland vor uns steht. Sie ist Aufgabe für die riesengroße Partei, in der sich die kleinen, kümmerlichen^ unsicheren und unfreien Existenzen wesentlich gc» pfingstfahri nach Tirol. Don Walther Aissen. Immer so um Pfingsten herum muß ich an diese Geschichte denken: Wir - mein Freund Fink und ich - lebten damals in München. „Besuchten" die Hnivcrfität. Wenn auch selten. Etwas Geld schicken uns monatlich unsere verzweifelten Familien. Wir hatten ein gemeinsames Zimmer, waren eigentlich so gut wie stets zusammen und fielen einander schließlich furchtbar auf die Nerven. Plötzlich — es war strahlender Frühling, und wer irgend nackte Knie halte, fioh aus München in die Umgegend - fiel mir die wahnfinnige Summe von 200 Mark in den Schoß. Ich hatte mir diesen Betrag von meinem Vater zur Anschaffung cmed .Dermatographen", den ich angeblich zu meinem medizinischen Studium gebrauchte, schicken laffen. Unter »Dermatograph" stellt sich der Laie einen pompösen Apparat mit Nickelteilen und geschliffenen Glasplatten vor. In Wahrheit handelt es sich um einen ganz harmlosen Stift, mit dem man imstande ist, auf menschliche Haut zu schreiben. Ich weih nicht mehr recht, was ein Arzt auf menschliche Haut zu schreiben hat. Ich glaube, er numeriert vor der Operation die Glieder des Patienten. Jedenfalls kostete solch ein Stift nur 20 Pfennige, so daß ich 199 Mark 80 Pfennige ersparen und zu einer größeren Pfingsttour verwenden konnte. O Pfingstzeit des Lebens . . .! Ich stürmte ins Cafe und fand Fink tief über ein Kursbuch gebeugt, das er bei meinem Nahen hastig zuklappte. Auch er hatte irgendwoher Geld bekommen und machte Reisepläne. Gott sei Dank — wir würden also jeder auf eigene Faust nach verschiedenen Zielen in die Welt hinaus fahren und so mit voller Sicherheit eine Zeitlang von einander erlöst sein! Nach reiflicher Heberlegung entschied ich mich dafür, ins Hochgebirge zu fahren. Ich verband damit keine besonders deutliche Vorstellung. Aber gerade das reizte mich. Ich habe nie begriffen, warum man ein Erlebnis, von dem man bereits eine völlig deutliche Vorstellung hat, nun noch durchaus wirklich erleben muh. Hochgebirge - das schien mir so ein Gemisch von Freiheit, Wagnis, Flanellhemd, Steigeisen und Männergesang. Vorbereitungen? Wozu! Ich war doch kein Pedant. Wesentlich schien mir bloh, eine Gegend zu wählen, in der man mit einer gewißen WahrscheinGießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Samstag, 7. Zuni (950 sammelt haben, für die Sozialdemokratie: ihre kosmopolitischen Ideale voUsbürger- lich zu untermauern, ihre klassenkämpferische Taktik volksbürgerlich zu überwölben, ob ihr das gelingt, ja ob sie dazu entschloffen ist, davon wird ihr Segen oder Unsegen für die deutsche Entwicklung abhängen. Aber die Aufgabe ist noch viel ernster für das ..Bürger- t u m" im ursprünglichen Sinne. Hier recht eigentlich muh der bloße Staatsbürger, der dem Staate gerade nur das unbedingte Pflichtteil gibt, und der große Ichbürger, dem der Staat gerade nur ein Hüter seiner Egoismen, der privaten Erwerbs- und Besitzsicherheit ist, überwunden werden durch den Dolksbürger, der sich überall und immer als ein lebendiges Glied der D o l k s g e s a m th e i t weiß, verpflichtet zum Mitgestalten ihrer Schicksale im kleinen und im großen. Und dies kann freilich nur durch eine entschlossene Zusammenfassung aller dazu bereiten Elemente geleistet werden, unter ungeheurer Selbstüberwindung gewohnter Programme und liebgewordener, längst nicht mehr überprüfter gesellschaftlicher Voreingenommenheiten. Es geht auch nicht in der Richtung auf einen wahllosen Mischmasch derer, die des bisherigen überdrüssig sind. Mit negativen Antrieben macht man keine gute Politik. Ehrliches Bekenntnis zum Bestand und Ausbau der demokratischen Grund- ortmung ist die erste Voraussetzung: von dieser Ebene würde Deutschland nur wieder abgleiten, um in den Abgrund zu fallen. Viel schwieriger sind die volksbürgerlichen Fragenkreise der Wirtschaft und des Geistes zu klären und zur gefunden Ueberschneidung mit dem verfafsungSpolitilchen Kreise zu verlagern. Hier müssen tciltocife ganz neue Gedankenwelten gedacht werden, in denen die alten Begriffe „liberal" und „konservativ" vielleicht abgetan sein werden: jede- DolkS- bürgertum braucht ein Maß liberaler und ein Maß konservativer Geisteshaltung, um politisch schöpferisch wirken zu können! Der Bürger, im verjüngten Sinne, ist der auf eigene Verantwortung und fein Lebenswagnis gestellte, gestellt bleiben wollende Mensch: aber angesichts der Vertrustung, Dergewerkschaft- lichung, Verstädterung und Verstaatlichung in Wirtschaft und Gesellschaft ist es nutzlos, die „Freiheit" des Wirtschaftslebens und Versorgen- zu predigen, das hat ebensoviel Wert, wie wenn man den heutigen Großstadtmassen, die zwangsläufig im Häusermeere dahinwimmeln, den Segen Roufsrauschen Landlebens anpriese. Ganz ähnlich sind die Begriffe der Geistesfreiheit überaltert, die dem Liberalismus des 19. Jahrhunderts geheiligt waren. Zwischen Geistigkeit und Gläubigkeit ist eine ganz andere Plattform der Auseinandersetzung nötig, auf der beider Ringen miteinander nicht beendet wird (das kann ja nie aufhören), wohl aber feine politischen Befriedungen, man möchte sagen seine Läuterungen zu einem Fair Play durchmacht. Und hierzu muh vornehmlich verhütet werden, daß die Neugruppierung sich nach Ion» fessionellen Gesicht-pu n kten vollziehe — letzten Endes ist die Ueberwindung de- katholischen Zentrums, und nicht die Aufmachung eines evangelischen der Sinngedanke^ die deutsche protestantische Welt ist durch die Entsürstung ihrer Landeskirchen in einem ungeheuren inneren Gären, mit ganz neuen Antrieben zur wahren „Freiheit eines Christenmenschen" hin: eine Demokratie, die davor die Augen verschlöffe. begäbe sich selber für die Füllung ihrer Weimarer Paragraphenschläuche mit volksbürgerlichem Gesinnungswein unentbehrlicher Fermente, ohne deren klärende Arbeit vielleicht der deutsche Dolksstaat überhaupt keiner wird bleiben können. „Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun?" Diese große Pfingstfrage (Apvslelgcsch. 2. 37) liegt auch heute und gerade in diesen politisch schmerzdast kreißenden Frühling-wochen wieder auf Millionen deutscher Lippen. Die Antwort lautet freilich nicht: hingehen und sich irgendeinen Parteitaufschein besorgen. Sie lautet eher: befaßt euch mit den Dingen, jeder nach feinem Maß an Kräften, möglichst unabhängig von allem, was man euch bisher darüber gelehrt, ja eingetrichtert hat. Und seid zu volksbürgerlichem Verantwortungswillen bereit, wenn etwa schon um die kommende Sommersonnenwende die politischen Flammenzeichen rauchen und für den Herbst die Schnitter zur Ernte ausbieten sollten. Wie kamen Sie zur Politik? Bedeutende Frauen des Reichstags erzählen von ihrem politischen Werdegang. Frau Annegrete Lehmann Mi glicd dcrTeutschnalionalcnVolksPartei Ich stamme aus dem Milieu einer mittleren Deamtenfamikie, in der natürlich bei einer größeren Kinderzahl mit jedem Pfennig gerechnet werden mußte. Trotzdessen bestand meine Mutter — sie war trotz einfacher Herkunft von einer starken intuitiven Bildung und eine ausgesprochen moderne Frau — darauf, daß wir drei Schwestern die gleiche Schulbildung erhielten wie meine Brüder. Ich wurde Lehrerin und studierte nach zehnjähriger Tätigkeit in diesem Berufe dann Philologie. Und nun kam 1914 der Krieg — ich sprang mit beiden Füßen in die Kriegsarbeit hinein, für die man Frauenhände und Frauenköpfe genug brauchte. Mit Marie Martin zusammen gründete ich die K u r s e für Frauen, Bräute und Töchter gefallener Männer, um diesen verlassenen weiblichen Wesen, soweit sie nicht über eine berufliche Ausbildung verfügten, Wege zum selbständigen Erwerbsleben zu erschließen und ihnen auch neben dem materiellen einen geistigen Halt xu geben. Ich kam so eigentlich erst richttg in die Frauenbewegung hinein, einzig aus nationalem Empfinden und innerem Müssen. Ich habe nie zu denen gehört, die propagandistisch für die Frauenrechte, insbesondere für das Frauenwahlrecht, gearbeitet haben. Ich habe gegenüber den Stürmern und Drängern immer gesagt: Das Frauenwahlrecht kommt, wir brauchen es nicht zu erzwingen, es kommt ganz von selbst mit der fortschreitenden Entwicklung der Frau und ihrer Betätigung im öffentlichen Leben. Nach dem Zusammenbruch berief der Allgemeine Deutsche Lehrerinnenverein eine Wahlversammlung ein, um auf überparteilicher Grundlage zur Wahlbeteiligung und Stellungnahme gegen die fpartakistischen Bestrebungen aufzurufen. Damals sprach ich zum ersten Male öffentlich-unparteilich, wie ich wollte und — meinte. Und das Eigentümliche war, daß eine Kollegin lichkeit auf Bergriesen stoßen mußte. Also sagen wir Tirol. Auf nach Innsbruck I • Sofort nach Ankunft in Innsbruck begab ich mich in ein Reise-AusstattungS-Geschäft und kaufte mir zunächst einmal die allerdringendsten und unentbehrlichsten Hochgebirgs-Utensilien. So zum Beispiel einen Eispickel, ein riesiges Seil, Steigeisen, ungeheure braune Nagelschuhe, ein grünes Hütchen mit Gamsbart, Wadenstrümpfe, gamslederne Hosen, eine Laterne, eine Schneebrille, einen Spirituskocher, eine Dauerwurst von vier Pfund, zwei Liter kondensierte Milch, ein paar Büchsen Konserven, ein zusammenlegbares Zelt, eine Feldflasche und andere Kleinigkeiten. Mein Rucksack wog so schwer, daß ih» der Hausdiener im Hotel nur mit Mühe hochbekam. Ich bängte noch rasch meinen photographischen Ap. parat und mein Fernrohr um und schwankte wohlgemut zur Dorstadt Igls hinaus auf die lenzlich schimmernde Drennerstraße (eine der besten Chausseen der Welt). Es fiel mir wohl auf, daß die Leute mich ein bißchen scheu anblickten. Ich schob das aber auf den Volkscharakter. In ziemlicher Hitze stampfte ich auf der Landstraße vorwärts, den waghalfigen Hochgebirgssport verfluchend, als ich nach kaum einer halben Stunde ein phantastisches Erlebnis hatte. In einem elenden Dorfe, das ich passierte — Schupfen hieß es — befand sich ein einziges Wirtshaus, und vor diefem Wirtshaus sah — wer? — Fink! Das ist wörtlich und buchstäblich wahr. Er erkannte mich, stürzte heran und schrie in offenbarer Freude (die nur noch von der meinigen übertroffen wurde): .Mensch, bist du irrsinnig geworden? Was in aller Welt soll denn diese furchtbare Tartarin-Aus- rüftung?!' .Du siehst doch, daß ich in die Berge gehe." »Aber hier sind doch gar keine Berge. Und das ist gut so. Denn wenn du mit dieser entsetzlichen Last (er wog den Rucksack mit der Hand) auch noch ft eigen mühtest ....!* .Also hier bist du gelandet, Fink', versuchte ich abzulenken. .Hm-bihchen nah an der Landstraße ..“ .Aber ausgezeichnete Verpflegung. Ich bin nämlich der Meinung, daß es immer noch besser ist, sich an der Landstraße anzufiedeln und anständig zu effen, als sich ungeheure Höhenziele zu stecken und doch von der Chauffee nicht loszukommen . . . Im Wirtshaus zu Schupfen endigte meine Pfingsttour. Ich blieb, bis mein Geld zu Ende war, was hinterher sagte: „Merkwürdig, die Rednerin hat fein parteipolitisches Wort gesagt — und doch weiß man bei ihr ganz genau, sie kann nicht anders als ganz rechts stehen." Und damit hat diese Kollegin das ausgesprochen, was ich immer gefühlt habe: Ein inneres Müssen, eine nationale Verantwortung war es, die mich meine Partei wählen lief). Oberstudiendirekiorin Or. Elsa Matz Mitglied der Deutschen ^olkspartei. „Mein politisches Interesse begann schon in der Jugendzeit. Mein Vater war ein alter Nationalliberaler, und ich hörte schon früh im Hause meiner Eltern politische Fragen lebhaft erörtern. Späterhin bin ich jedoch einer Frauenstimmrechtsorganisation nicht beigetreten. Meine Arbeit galt vielmehr meinem Lehrberufe und daneben den entsprechenden Organisationen beruflicher A r t und der Mitarbeit in allgemeinen kulturfördernden und Schulorganisationen. 3n der starken Schulung, die wir Frauen durch den Beruf und durch die Arbeit in der Berufsorganisation — für mich waren dies der „Allgemeine Deutsche Lehrerinnenverein" und der „Deutsche Philologinnenverband" — erfahren, sehe ich einen außerordentlich förderndes Moment politischer Erziehung. 3ahrelang war ich Herausgeberin des Mitteilungsblattes des Vereins „Frauenbildung — Frauenstudium", ebenso längere Zeit Schriftführerin des „Deutschen Vereins für das Mädchenschulwesen". Aus Interesse an kirchlichen Fragen habe ich im Deutsch-Evangelischen Frauenbund mitgearbefitet. Alle Fragen des Frauen- studiums, der Frauenbildung, der körperlichen Erziehung der Frau und die Kulturfragen, die Frauen betreffen, lagen mir sehr am Herzen. 3m Sinne der Frauenbewegung habe ich mich für die weibliche Leitung an Mädchenschulen eingesetzt und kam selbst schon in jungen 3ahren in allerdings, bei meinen riesigen Anschaffungen, nicht sehr lange dauerte Alle Kirfchbäume blühten: drüben, jenseits der Chauffee, brauste die Drennerbahn. Wir tranken Tiroler Landwein und schrieben schneebedeckte Ansichtskarten an unsere Münchener Freunde. Hält jemand meine Psingsttour für ein verfehltes Unternehmen? Dun, es ist niemals verfehlt, wenn einer seine eigenen Erfahrungen macht. Nichts in der Welt hätte mich mit ähnlicher Eindringlichkeit wie dieser Zusammenbruch lehren können, daß unter gewaltigem Aufwand von Mitteln der Zweck verschüttet zu werden pflegt, und daß man Höhenziele kaum mit schwerem Gepäck erreicht. Besonders nicht in der seligen Pfingstzeit des Lebens! Fink ist noch heute der Ansicht, daß ich ohne den unendlich merkwürdigen Zufall unserer Begegnung mitsamt meinem Eispickel, meiner Dauerwurst, meiner Schneebrille und meinem Fernrohr in den Chauffeegraben abgestürzt und elend umgekommen wäre. Karlomchen. Don Siegfried von Degesack. Wie war dein Name? Wer warst du? Wohin bist du entschwunden? Wir nannten dich „Karlomchen". Auch Vater sagte .Karlomchen". Und jeder rief dich so. Ein jeder rief, und du warst überall: in der Schafferei, am Wäscheschrank, in der Apfel- und in der Rumpelkammer. Aber du saßest auch vor dem kleinen Sch»ll- pult: zeigtest mit Kastanien, daß zwei und drei stets fünf sind, und erzähltest vom großen und vom kleinen Klaus, wenn wir am Abend daS Garn dir hielten, das du zum Knaul wickeltest. 3edoch noch lieber hörten wir dir zu, wenn sich der Knaul entwirrte: benn wir wußten, daß er ein Schokoladen-Ei verbarg, und folgten, besonders gegen Schluß, mit Spannung jedem Satz und jeder Masche. Karlomchen! Noch sehe ich dich mit deinem blauen Lämpchen, ein 3rrlicht, durch das weite Haus von Tür zu Tür huschen, und deinen Buckel an den Wänden zu riesengroßen Flügeln wachsen, die dich weit in Märchenländer trugen. Noch sehe ich deine Augen, aufblidenb über tiefgezogener Drille, besorgt und doch mit kaum bezwungenem Lachen, wenn unser Hebermut selbst dir zu bunt ward. Und dann: das rote Bänkchen! Nie liehest du uns im Winkel stehen: dort das Direktorat einer öffentlichen Schule. Dabei darf ich betonen, daß ich in meiner langjährigen Arbeit als Direktorin nie irgendwelche Schwierigkeiten bei meinen männlichen Kollegen gefunden, sondern stets mit ihnen harmonisch für daS 3nter* esse der Schule zufammengearbeitet habe. Diese gemeinsame Arbeit von Männern und Frauen auf das öffentliche Leben zu übertragen, ist stets eins meiner Ziele gewesen. 3n der Mitarbeit der Frau sehe ich die unentbehrliche Ergänzung der politischen Arbeit des Mannes, um auf Grund der Wesenheit der Frau die Momente in das öffentliche Leben hineinzutragen, deren es früher entbehrt hat. Dabei darf fich die Mitarbeit der Frau nicht allein auf Kultur und Sozialpolitik beschränken, sondern muß alle großen Probleme der 3nnen- und Außenpolitik mit erfassen." MinisterialräimHeleneWeber Mitglied der Zentrnmspartei. Mein Vater war Vorsitzender der Zentrums- Partei in Elberfeld. So war Politik nicht nur ein wesentliche- Lcbensolement in meinem Elternhause, sondern ich kam auch durch Zusammenhang mit politischen Menschen früh in Beziehung zur Politik, hörte Vorträge, machte Versammlungen mit. So wurde ich schon vor dem Kriege Mitglied des Frauenstimmrechtverbandes in Köln. Desgleichen hielt ich schon vor dem Kriege politische Vorträge und Kurse, hauptsächlich vor Arbeiterinnen und 3ugendlichen. Mit dem Ausbruch des Weltkrieges und der allgemeinen erhöhten Teilnahme am Schicksal Deutschlands, wuchs auch die Erkenntnis von der Notwendigkeit der politischen Einwirkung der Frauen. 3ch arbeitete von Kriegsbeginn an praktisch-sozial, leitete eine soziale Frauenschule und hielt Vorträge über die damals schwebenden politischen Fragen. Kurz vor dem Revolutionsbeginn machte ich eine Vortragsreise nach dem Osten, nach Posen, Schneidemühl, weiterhin Oberschlesien, Breslau, Kattowitz, Danzig. Damals wurde mir klar, stelltest du, durch einen Vorhang fremdem Blick verborgen, das rote Bänkchen hin. Es sah sich gut. Unb schnell entwich, durch Weichen Sih gefänf- tigt, der böse Bock. O Mütter! Fräuleins! Gouvernanten! die ihr das lesen solltet: vergeßt das Bänkchen nicht! Erbarmt euch der lleinen Sünder! Wer steht, verharrt in Trotz. Wer selbst im Winkel zarte Güte spürt, ist nah der Reue! 3edoch das schönste war, Karlomchen, wenn du am Abend mich zum Fenster trugst: dann zeigtest du die Sterne. Was wußtest du von ihnen zu erzählen? Wer warst du? Mutter? Schwester? Engel? Kobold oder Fee? Wir nannten dich .Karlomchen". „Was kann der Elefant dafür?" Nämlich: daß der Esel so dumm ist. Er selber zwar ist nicht gerade weise, aber er ist ein guter, gründlicher Schüler. Er lernt nicht leicht, aber was er einmal richtig erfaßt hat, das sitzt fest bis an fein Lebensende. Er ist auch ehrgeizig und gutwillig und gilt sich die allergrößte Mühe, feinen Lehrmeister zu verstehen. Elefanten während ihrer Ausbildungszeit sind wie dicke Schulbuben, von denen der Lehrer lagt: .Der gute Wille ist ja da, aber er lernt eben ein bißchen fchwer. Vielleicht ein paar Nachhilfestunden — dann wird er das Klaffenziel fchon erreichen." Ein allerliebstes Beispiel von Ehrgeiz auf rein künstlerischem Gebiete konnte W. Hans Stosch- 6artafani bei einem feiner Elefanten beobachten. Er erzählt im Iunihett von VelhagenLKlasings Monatsheften: .Das Tier lernte gerade das Stehen auf den Hinterbeinen und den fogenannten Hand- stand, also ein Stehen allein auf den Vorderbeinen. Während dieser Lehrzeit, die etwa zweieinhalb Monate dauerte, und auch noch eine ganze Reihe von Monaten darüber hinaus, war es eine Lieblingsbeschäftigung für diesen Elefanten, sein Pensum für fich allein im Stalle zu probieren. Niemand, der Tiere kennt, wird nun wohl behaupten wollen, der Elefant habe diese Hebungen aus Furcht vor seine» Lehrer gemacht. Erwiesen sehe ich vielmehr, dem Tiere macht das Kunststück so viel Spaß, daß es auch zu seinem Privatvergnügen lange Zeit im Stall daran probierte. Ich betone ausdrücklich, daß der Elefant diese privaten Proben keineswegs unternahm, um eine Belohnung dafür zu bekommen, denn er führte fie mit Vorliebe dann aus, wenn er sich ganz unbeobachtet fühlte und sich langweilte." von Entwurf: Stadtbaurat Gravert. Oie Lagt» im Luni Durchgangsverkehr gestört und ist in sich abgeschlossen. Die beiden Räume für blutige und unblutige Operationen liegen aus dem westlichen Flügel und sind durch einen Sterilisationsrcrum miteinander verbunden. Wenige Schritte entfernt liegen die Werkstätten für Bandagisten und Gipsformer, daneben ein besonderes Laboratorium. Diese Werkstätten haben durch eine Wendeltreppe direkte Verbindung mit zwei weiteren Werkstätten im Kellergeschoß, in denen die geräuschvolleren Schmiede- und Schuhmacherarbeiten ausgeführt werden. An die Operationsräume schließen sich das Chefarztzimmer mit Bibliothek und Privatsprechzimmern' an; danach folgt der Röntgenraum mit Dunkelkammer, der so gelegen ist, daß er sowohl von den Operations-, als auch von den Unter- suchungsräumen benutzt werden kann. Sm Kellergeschoß liegen, den Programmforderungen entsprechend, auf der nordöstlichen Ecke die Küchenräume mit Vorratskammern und Kellern, daneben, zentral gelegen, die Räume der Heizung und daran anschließend Einzelräume — Blick aus der Vogelschau. sich abgetrennt und in seinem Organismus für sich abgeschlossen. , „ w . Der vorläufige erste Bauabschnitt soll in seiner äußeren Gestaltung einen einfachen und gediegenen Eindruck machen und, um den Charakter der Sauberkeit und Helligkeit auch nach außen hin zu dokumentieren, in den gelblich weißen Klinkern der hiesigen Garlschen Tonwerke aufgeführt werden. Sm übrigen bildet in erster Linie die Grünbepflanzung, einmal in Form einer das Grundstück ringsum abschließenden Grünhecke, dann in Form von Rasenflächen und Blumenbeeten für die Erholung und schließlich auch in Form von Obstplantagen neben der möglichst reichen Verwendung von Glas auf der Sonnenseite der Gebäude das wichtigste Moment für die Erreichung des Zweckes: die Krüppelkranken nicht allein durch die operative Behandlung, sondern auch durch die Er- holungsmöglichkeit in der frischen, sonnigen Luft des Gartens und in den ruhigen, Hellen und freundlichen Räumen der Krankenzimmer der baldigen Genesung zuzuführen. wie die Ost grenze einmal die Geschichte Deutschlands beeinflussen würde, und wie stark die Anteilnahme der Frauen am Geschick dieser für Heizer, Wärter, für Werkstattmaterialien u. a. Heber dem Operationsflügel liegt im ersten Obergeschoß die Wohnung des Chefarztes. Heber dem Hntersuchungsflügel liegen die Wohnräume für die Assistenten und Schwestern und in einem weiteren GeschlH die der Helferinnen und Hausmädchen. So liegt der eigentliche Klinikbetrieb vollständig auf einer einzigen Geschoßhöhe, und keine Zwischenstufe, kein Aufzug und keine Rampe hindert eine schnelle Verbindung zwischen den einzelnen Flügeln. Seder ist dabei wieder klar in Ostgrenze sein müßte. Die Verleihung des Frauenstimmrechts erschien mir nicht nur als eine Frage des Rechts. Vielmehr verbunden mit der stärksten Verantwortung und Verpflichtung für das deutsche Volk wurde die Frage des Rechts zur Lebensfrage Denn nun mußten und dursten auch me Frauen bei all den großen Schicksalsfragen Mitarbeiten. So leben wir seit der Rationalvea> sammlung in der Spannung zwischen Staat und Volk einerseits und Vaterland und Volk andererseits. Die andere große Spannung im deutschen Leben ist die zwischen sozialem Leben und Einzelschicksal. Hier einen Ausgleich finden liegt in der Linie meiner Arbeit, die durch sozial« Tätigkeit danach strebt, mit dem gesamten Volksleben in enger Verbindung zu bleiben. Der politische Einfluß, den eine Frau in ihrem Wahlkreis, in der Fraktion, in den Ausschüssen besitzt, ist viel stärker gewesen als man annehmen sollte. Vielleicht liegt ein wesentliches Betätigungsfeld in der Schaffung einer neuen politischen Kultur, die ganz andere Formen politischer Bildung und politischer Beeinflussung von Menschen sucht. Denn unsere Zeit wird trotz aller Zivilisation, die laut und lärmend ist, in Ihren Tiefen doch von neuen geistigen Werten beeinflußt." Oer Bau einer orthopädischen Klinik in Gießen Don Stadtbaurat Graveri. Mnistenalrätin Or. Gertrud Bäumer Mitglied der Deutschen Demokrati chen Partei. Mein Vater, in dem sich aber durch mütterliche Vorfahren rheinisches und tiroler Blut mischte, hatte eine ausgesprochene liberale Richtung. Hr- sprünglich evangelischer Geistlicher, quittierte er unter dem ersten liberalen preußischen Kulturminister Falk den Kirchendienst und war der erste weltliche Kreisschulinspektor, nachdem er schon immer gegen die geistliche Schulaufsicht gekämpft hatte. Meine Familie mütterlicherseits hingegen war durch jahrhundertealte Tradition streng konservativ gerichtet, noch heute ist der konservative Zusammenhalt außerordentlich stark in diesem Familienverbande, der dem Staat eine Reihe hoher Beamter und hoher Offiziere gestellt hat. Da mein Vater starb, als ich neun Sabre alt war, und meine Mutter mit uns Kindern nach Pommern ins großelterliche Haus übersiedelte, kann die demokratische Reigung in mir bewußt nicht auf Vorbild des Vaters oder die Erinnerung an ihn zurückgeleitet werden. Es muh wohl mehr eine Aehnlichkeit der überkommenen Anlage sein, die es verursachte, daß ich mich von Kindheit an in dem streng konservativen Kreise der Familie irgendwie fremd fühlte. Sch wurde dann, mehr der Reigung, als der wirtschaftlichen Rötigung folgend, V o l k s s ch u l - lehrerin, kam nach Berlin und faßte sehr bald Wurzel in dem Kreis um Friedrich Raumann. Sch studierte und stellte mich sehr bald Helene Lange, der Vorkämpferin für die wissen- schaftlich-staatspolitische Bildung der Frau, zur Verfügung. Als wir Frauen im Sahre 1908 durch das Vereinsrecht endlich die Möglichkeit erhielten, uns politisch zu organisieren, trat ich der damaligen Freisinnigen Vereinigung bei. Sm Sahre 1912 wurde ich Redakteurin der Raumann- schen Hilfe. Sch bin also eine lange Reihe von Sahren schon in der mir vom _ Vater überkommenen politischen Richtung tätig — mein Hauptinteresse gilt den kulturpolitischen Fragen unserer Ration." Reichsiagsabgeordnete Ciara Bohm-Gchuch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. „Wie ich in die Politik kam? Eigentlich bin ich hineingeboren worden. Vater und Mutter waren ganz freiheitlich gesinnte Menschen, die zu allen politischen Ereignissen aktiv Stellung nahmen. Vater war Vertrauensmann der Freisinnigen Partei in unserem kleinen Dorfe. Wirtschaftlich hatten die Eltern unter ihrem offenen politischen Bekenntnis schwer zu leiden." Mit 17 Sahren kam ich nach Berlin; ich wollte in die kaufmännische Berufsbahn. Mittel standen nicht zur Verfügung, so arbeitete ich zunächst tagsüber in einer Bäckerei und besuchte den Abendunterricht bei einem Handelslehrer. Den Abschluß bildete ein dreimonatiger Tagekursus, den ich nur dadurch ermöglichen konnte, daß ich gegen sechs Stunden Hausarbeit — früh drei Stunden und abends drei Stunden, manchmal auch mehr — Hnterkunft in einer Familie fand. Der damalige kaufmännische Hilfsverein für weibliche Angestellte, dem ich beitrat, vermittelte mir die erste Stelle bei einer Buchdruckerei- und Verlagsfirma, in der ich vielseitige Möglichkeiten für meine Weiterbildung hatte. Durch meine Arbeit kam ich mit der Gesellschaft für ethische Kultur in Verbindung. Gleichzeitig lernte ich die Kreise kennen, die sich um eine neue Lebensreform durch Licht, Luft und vegetarische Ernährung bemühten. Meine Wohnung hatte ich bei einer Heimarbeiterin, einer Witwe mit zwei kleinen Kindern, die täglich im Durchschnitt 18 Stunden Hnterkleidung nähen muhte, um den nötigen Lebensbedarf zu schaffen. Sch verdiente ein dreiviertel Sahr lang 40 Mark im Monat und bezahlte 9 Mark für meine Schlafstelle; die restlichen 31 Mark muhten für Le- bunsunterhalt und Kulturbedürfnisse reichen. Sch sah die sozialen Hnterschiede nicht nur, sondern ich erlebte sie täglich. Das hat mich bewahrt, mich in den lebensreformerischen oder nur ethisch- geistigen Bestrebungen meiner Derufsumgebung zu verlieren. Smmer mehr strebte ich den sozialistischen Zielen zu, ohne zunächst die Form zu finden. Da lernte ich 1903 in einer sozialdemokratischen Wahlversammlung Ottilie Bader kennen und sie wies mir den Weg. Wenn auch die parlamentarische Betätigung oftmals unbefriedigt läht, so hat doch die Entwicklung der letzten 10 Sahre gezeigt, dah die Mitarbeit der Frau an der Gesetzgebung im Sntereffe der Völkerverständigung und der sozialen und kulturellen Entwicklung nottoenbig ist. Sn meiner Fraktion ist ein gutes kameradschaftliches Zusammenwirken mit den männlichen Kollegen vorhanden, wodurch die Arbeit leichter und erfolgreicher wird. Der politische Kampf bringt viel Widerwärtigkeiten mit sich, doch für jeden, der den Fortschritt der menschlichen Gesellschaft will, ist Stellungnahme in diesem Kampf eine Rotwendigkeit." nach rechts zum Warteraum. Reben ihm liegt ein Schreibzimmer, in dem die Krankheitsakten vorbereitet werden, so dah sie, sobald der Kranke das Hntersuchungszimmer betritt, dem Arzt vorliegen. Die Hntersuchungszimmer für beide Geschlechter haben je drei Hntersuchungskabinen. Wenn der Hntersuchte die Klinik wieder verläht, muh er auf vorbezeichnetem Wege an den Verwaltungsräumen und am Pförtner Vorbeigehen, o dah jeder Eintritt und Fortgang eines De- uchers beobachtet werden kann. Der Operationsteil der Klinik wird von keinem Sn der Privatstation, die vorerst für zehn Betten vorgesehen ist, liegen einzeln oder zu zweit die Kranken in Räumen, die mit dem Hauptflur durch eine Schleuse als gesonderten Wasch- und Garderoberaum verbunden sind. Rach der Auhenseite, ebenfalls Südseite, haben sie einen doppelten Glasabschluh, zwischen dem Blumen wachsen sollen. Außerdem sind hinreichend grohe Tagesräume vorhanden, ebenso die erforderlichen Bade-, Dusch- und Waschgelegenheiten und die übrigen Räume für Schwestern, Teeküchen usw. Diejenigen Kranken, die die, Klinik zu einen Hntersuchung betreten, werden im Haupteingang, der am östlichen Zwischenflügel liegt, vom Pförtner in Empfang genommen und wenden sich Die Sagd im Suni bedeutet für viele deutsche Säger den Höhepunkt des Sagdjahres., Denn Ende Mai — Anfang Suni geht in den meisten Ländern die Sagd auf den Rehbock auf, den zu erlegen für sie die Krone des Weidwerks bedeutet, wenn es ihnen nicht vergönnt ist, auf den König des deutschen Waldes, den edlen Hirsch, zu weidwerken. Manche Stunde hat der Säger im April und Mai schon draußen zugebracht, um seine Docke zu beobachten und zu bestätigen. Er hat sich bemüht, abschuhreife und Zukunftsböcke voneinander zu scheiden, und seinen Abschußplan danach gebildet. Run soll ihm der Lohn für seine Hegetätigkeit werden. Der Abschuß des Bockes soll planvoll erfolgen. Man kann nicht nur gute Böcke schießen und alles andere laufen lassen. Das geübte Sägerauge gehört dazu, um zu entscheiden, ob dieser oder jener Bock nicht eine Gefahr für die Qualität des Bestandes bedeuten. Solche Böcke, die wirklich schlecht veranlagt sind, die aus irgendeinem Grunde kümmern, gehören hinweg, bevor im 3uli das Rehwild in die Brunst tritt und solche Bocte ihre schlechten Anlagen vererben. Der gute Bock, besonders wenn er im Herzen des Reviers steht, hat Zeit. Shn sollte man erst zur Fortpflanzung kommen lassen. Einen solchen Abschuß wird aber immer nur der durchführen können, der auch zur jagdlosen Zeit immer wieder draußen war und seinen Bestand wirklich kennt. Der milde Winter scheint auf die Gehörnbildung günstig gewirkt zu haben, so daß berechtigte Aussicht auf gute Beutestücke besteht. Die Ricken haben gesetzt. Den Kitzen drohen von tierischen Feinden, vor allem von Hunden und Menschen mancherlei Gefahren. Man sehe daher Blumensuchern, Beerenlesern usw. auf die Finger. Heberall, wo Wald und Feld miteinander ad- wechseln, pflegt ein großer Seil des Rehbestandes im Laufe des Suni in die Getreidefelder auszuwechseln. Dort herrscht Ruhe, und die Stechmücken und sonstigen Plagegeister aus der Snsektenwelt des Waldes fehlen. Wenn einzelne Wiesen oder Kleeschläge in diese Felder eingesprengt sind, so ist es häufig möglich, den gesuchten, im Walde unsichtbar gewordenen roten Dock dort auf seine Decke zu legen, besonders wenn ein recht ergiebiges Gewitter hemiederging und die Getreidefelder triefen. _ Alles übrige Ruhwild hat Schonzeit. Das Alttier betreut fein Kalb, die Häsin hat irgendwo im Versteck ihr Restchen voll Sunghäschen. Die Ente hat ihr Gelege meist schon ausgebrütet. Auch unsere Wildhühner führen z. T. schon ihre Sungen oder brüten noch. Sst das Raubzeug in Gestalt von Hunden, Katzen, Krähen, Wieseln einigermaßen kurz gehalten worden, so verspricht die Riederjagd guten Erfolg. Eine besondere Gefahr stellen leider für alles SungtoUb Sense und Mähmaschine dar. Wie viele Rehkitze, Sunghasen, brütende Feldhühner und Fasanenhennen fallen ihnen leider zum Opfer! Es ist den Sagdberech- tigten dringend zu empfehlen, alles zu versuchen, um die Verluste herabzumindern, soweit dies möglich ist. Wenn es durch das Ausloben von Belohnungen für den Schuh eines Geleges z. B. gelingt, ein Rest vor dem Dermähen zu verwahren und der Henne die Möglichkeit zu geben, das Drutgeschäft ungestört zu Ende zu führen, so ist viel gewonnen. Wenn Sungfüchse nicht auslaufen sollen, wird es Zeit, sie zu graben. Denn bald werden sie so weit sein, daß die Fähe sie in die Felder entführt, und dann ist es bis zu dem Ausem- anderlaufen des Geheckes nicht mehr weit. Der Dachs hat in Hessen wieder Schutzzeit. Die Wälder unserer engeren Heimat beherbergen noch manchen alten Mutterbau und überall trifft man Grimbarts Wechsel, die Stellen wo er „gestochen" hat oder wo er in seltener Beharrlichkeit sich zu „erleichtern" pflegt. Der Dachs gilt als wichtigster Helfer des Sägers im Kampf gegen die Rachenbremsen, denen alljährlich Rehe und anderes Schalenwild in dachsarmen Revieren in größerer Zahl zum Opfer fallen. Anderseits ist nicht zu verkennen, dah er dort ein nicht gern gesehener Gast ist, wo man Fasanen hvchbnngen will. Denn er ist fein Verächter eines Geleges. Cs ist Sache des Sägers, das richtige Maß für fein Revier herauszufinden. Als gutes Winterfutter für das Wild hat sich in harten Winter immer Laubheu, das im Schatten getrocknet war, bewährt. Gegen Ende des Monats ist die rechte Zeit zu seiner Gewinnung gekommen. Hubertus. , Dort, wo die Klinikstrahe sich teilt in he i Gaffkystrahe und Hhlandstraße, läuft bis zum । Aulweg ein Geländestreifen zwischen Freiligrath- i strotze und Körnerstrahe von etwa 75 Meier Breite. Dis vor wenigen Sahren sollte hier eine neue Kirche für den südlichen Stadtbezirk errichtet werden. Snzwischen wurde aber für diesen Zweck ein anderes Geländestück festgeleat, um die Geschlossenheit des neuen Klinikviertels nicht zu unterbrechen. Das Gelände läuft in feiner Längsachse von Rorden nach Süden und hat den großen Rachteil, daß es nicht nach Süden, sondern nach Rorden abfällt und eine im Verhältnis zur Länge sehr geringe Breite hat. Den nördlichen Teil dieses Geländestreifens in einer Größe von etwa 6200 Quadratmeter hat die Stadt Gießen, das nach Süden anschließende Gelände in einer Größe von etwa 4000 Quadratmeter hat der hessische Staat dem Hessischen Fürsorgeverein für Krüppel geschenkt, so daß für den ersten Bauabschnitt der Klinik einschließlich der erforderlichen Sport- und Erholungsflächen etwa 10 000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Die wichtigsten Gedanken nun, die für die Ausarbeitung des Entwurfes die Grundlage bildeten, find folgende: Sn erster Linie soll eine klare Trennung her- beigeführt werden zwischen den einzelnen Zweckbauten, um auf diese Weise nicht allein in hygienischer und betriebswirtschaftlicher, sondern auch in baulicher Hinsicht das Beste erreichen zu können. Das heißt mit anderen Worten: die Räume für die Kranken sollen nicht in einem Gebäude liegen mit den Räumen der klinischen und ambulanten Behandlung, der Hauswirtschaftsräume und der Wohnungen, sondern mit Rücksicht auf die Kranken soll weitestgehend für ruhige und auch für sonnige Räume gesorgt werden. Es soll die Möglichkeit bestehen, auch die bettlägerigen Kranken ins Grüne bringen zu können und nicht auf Terrassen, deren Baukosten in keinem Verhältnis zum Rutzefsekt stehen. Für die bewegungsfähigen Kranken soll die Möglichkeit der sportlichen Betätigung im Freien vorhanden fein, ohne daß sie lange Wege über Flure und Treppenhäuser zurücklegen müssen. Die eigentlichen Behandlungsräume sollen aber auch wieder so gelegen sein, daß sie mit den Krankenräumen eine schnelle Verbindung Herstellen, ohne dah für den Transport von Fronten Auszüge nötig werden. Anderseits müssen mit den Behandlungsräumen die Werkstätten in möglichst enger Verbindung stehen. Die Derwaltungs- räume sind so anzuorkmen, dah sie zentral liegen für den gesamten Hausbetrieb und eine leichte Heberwachung des Auhenverkehrs gestatten. Die Küchenwirtschaftsräume sollen günstige Lage zur Himmelsrichtung haben, damit eine Belästigung der Baulichkeiten durch Küchengerüche t>ermieben wird. Die Wohnräume für den Chefarzt, die Assistenten Schwestern, Helferinnen und Mädchen schließlich sollen ebenfalls nicht vom eigentlichen Klinikverkehr gestört werden und außerdem gute Sonnenlage erhalten. Aus städtebaulichen Grün- ben ist außerdem auf einen günstigen Abschluß der Klinikstrahe Wert zu legen. Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte hat sich im Laufe der einzelnen Entwurfsstadien eine Lösung ergeben, die in der Hauptsache zwei grohe Baukomplexe vorsieht: in der Achse der Klinikstrahe den Behandlungsbau mit den Küchenräumen, der Heizung, einem Teil der Werkstätten usw. im Kellergeschoh; den VerwaltungsräuMen und den Räumen für klinische oder ambulante Behandlung im Erdgeschoß und den Wohnungen in den Obergeschossen. Als zweiten Teil einen etwa 70 Meter langen Krankenflügel für etwa 66 Betten. Tritt ein weiterer Bedarf nach Krankenräumen ein, so sind die Behandlungsräume in ihren Ausmaßen schon jetzt so vorgesehen, daß eine eigentliche Erweiterung nicht mehr in Frage kommt, während an den Krankenslügel zwei weitere (immer im Abstand von etwa 20 Meter) mit geringen Baumitteln angeschlossen werden können. Die Verbindung zwischen dem Dehand- lungäflügel und dem Krankenslügel des ersten Bauabschnittes wird zunächst durch einenQuer- flügel hergestellt, in dem der Turnsaal liegt; ein weiterer Querflügel soll später den Hörsaal mit den erforderlichen Rebenräumen aufnehmen. Der so umschlossene Hof von etwa 450 Quadratmeter Fläche ist der eigentliche Turnhof, in dem in Verbindung mit der Turnhalle Bewegungs- Übungen ausgeführt werden können. Der Dehandlungsflügel ist unterkellert und hat über sich zwei weitere Geschosse. Außerdem ist der Trakt, der in der Achse der Klinikstrahe liegt, noch um ein weiteres Geschoß erhöht worden, um den geforderten Abschluß besonders zu betonen. Alle anderen Baulichkeiten sind eingeschossig und nur so weit unterkellert, als Räum« für die Hnterbringung der Heizungs- und Kanalisationsrohre notwendig sind. Sm einzelnen wäre zu den verschiedenen Räumen folgendes zu sagen: die Krankenräume zeigen als charakteristisches Merkmal die völlige Oeffnung der Südostwand unter einem weit ausladenden Vordach. Die Räume stehen so unter der vollen Wirkung der Sonne vom frühen Morgen bis zum Mittag, während die drückende Rachmittagssonne die Gebäude nur noch streift. Große Schiebefensteröffnungen geben die Möglichkeit, sich den Außentemperaturen durch entsprechende Oeffnung der einzelnen Flügel anzu- passen. Die sechs Meter tiefen Räume der einzelnen Stationen schauen direkt ins Grüne, so daß auch den Kranken, die im Zimmer bleiben müssen, jederzeit ein angenehmer Ausblick bleibt. fi eil. Organismus für litt folt in feiner f)cn und flt'-ie* [ ben S^ratKt iv.d) mch M&cn flW Mm tt Tmveile aus. bildet in erster einmal in Form m abschließend^ Msenslächm Md ig und schließlich •n neben der mag' n Glas aus der nichtigste Moment in durch dic ope' ich durch die Er- en, sonnigen Lui. M und canlenzinnner der und die Setreid-- Schou^^vo Es S so verbrich v ^°§und^iäh- -M^.?n?sallen ianell^Aterc> 11 de" Ersuchen, die- « loben von d^ Sieges i ™1 -MÄ vcr- VcnnK ° geben, 5C»ä #■* - st- «*** x tvleder^hoiberE ?achs"L?E t «s S&Ä sich Xi «fi •«ö! WU »i«i« fai s Oer Mord an bem$ronffdrferpofi$ifan TßOTt. Frankfurt a. M., 6. Juni. 3n bet Untersuchung gegen ben Schuhmacher Hoher unb ben Kürschner Schulte, bie verdächtig Hnb, am 9. März ben P olizci oberwachtmei ster Kern in Hiederrad erschossen zu haben, Hot ber Staatsanwalt bie Anklage wegen Mordes nur gegen Hoyer erhoben. Gleichzeitig wirb ber Landwirt Otto Georg wegen Begünstigung bes Hoher unter Anklage gestellt, unb zwar auf Grunb ber De- schulbigung, bah er Hoyer nach ber Tat beherbergt unb ihn auch sonst unterstützt habe. Gegen Schulte ist in dieser Sache keine Anklage erhoben worben, weil bie Untersuchung keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür erbracht hat, dost Schutte die Tat deS Hoyer in irgendeiner Weife unterstützt hat. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb bei der Strafkammer beantragt, bah Schulte wegen der Beschuldigung des MordeS außer Verfolgung gefetzt wird. Die Akten liegen ber Eröffnungsstrafkammer vor, die über die Anträge nach Pfingsten befinben wird. Hoyer unb Georg werden sich Ende dieses TMonatS in der dann beginnenden Schwurgerichtsperiode zu verantworten haben. Schulte bleibt weiter in Hast wegen ber gegen ihn und Hoyer schwebenden Verfahren wegen Einbruchsdiebstahls. versuchten Raubes usw. Oie Zwangsetatisierung Darmstadts abgelehnt. WSR. Darmstadt. 6. 3uni. 3n ber gestrigen Stadtratssitzung teilte Bürgermeister Delp mit. daß die Aufsichtsbehörde eine Zwangsetatisierung zunächst abgelehnt hat, daß sich also Verwaltung unb Stadttat gezwungen sehen, ein Kompromiß zu schließen. Die „Zahlungssperre" des Oberbürgermeisters wird einmütig verurteilt, und er wird gebeten, schnellstens auS dem Erholungsurlaub in ber Schweiz znrückzukeh- r e tl Wir glauben zu wissen, daß er kurz nach Pfingsten wieder in den heimischen Mauern sein wird, wo ihn in der nächsten EtadtratSsihung unangenehme Debatten erwarten. 3m übrigen wurde eine Reihe kleinerer Vorlagen erledigt. Oberheffen. Landkreis Gießen. U Großen-Linden. 3.3uni. Die Mitglieder der hiesigen Ardeiter-Samariter- Kolonne hatten sich am Sonntag zu einer schlichten Ginweihungsseier in ihrem für •Ucbungäjtocdc und als Depot eingerichteten, von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Raum eingefunben. Es waren außerdem der Bürgermeister und die Gemeindevertreter, sowie der Kolonnenarzt Dr. med. Speck und der Leiter der hiesigen Apotheke Wronka erschienen. Der Kolonnenführer, Reichsbahnassistent Ludwig A m e n b, begrüßte die Erschienenen unb wies auf die Bedeutung ber dem Allgemeinwohl dienenden Einrichtung hin. 3m Ra men der Kolonne dankte er der Gemeindeverwaltung für das Entgegenkommen bei der Bereitstellung deS benötigten Raumes, lieber die vielseitige Tätigkeit der Kolonne, die sich erst 1928 gegründet hat, machte der technische Leiter, Lagerhalter Wilhelm L u h. interessante Ausführungen Kolonnenarzt ist Dr. med. Speck, der auch die Ausbildung der Mitglieder in dankenswerter Weise übernommen hat. Die praktische Unterbringung der Ausrüstungsgegenstände in dem hierfür sehr geeigneten Raume fand allgemeine Anerkennung. Kreis Schotten. + Rudingshain, 3.3uni. Am vorigen Sonntag feierte der hiesige Männergesangverein sein öOjähriges Bestehen. Bei einem Festkommers am Samstagabend erfolgte nach einer Ansprache des Dirigenten, Lehrer Schwarz, die Ehrung langjähriger aktiver Mitglieder. Lehrer LR. Karl Link wurde xum Ehrendirigenlen ernannt unter besonderer Anerkennung feiner 45jährigen Dirigententätigkeit. 3m Hinblick auf feine 47jährige aktive Mitgliedschaft erhielt Heinrich Müller eine Gedenkmünze, 'ferner cfljicllen Gedenkmünzen für 35- jährige Mitgliedschaft Altbürgermeister Deubel. Karl Vichl !., Ludwig Straub, Karl Friedrich Rasch unb Heinrich Strauch L, für 25jährige Mitgliedschaft LouiS Gebhardt. Karl Hartmann II. und August Frank. 3m Hamen der Ausgezeichneten dankte Lehrer i. R. Link mit herzlichen Worten für die Ehrung. Arn Sonntagnachmittaa bewegte sich ein großer Festzug unter Beteiligung der hiesigen Vereine und 17 Gastvereine von auswärts durch die Straßen des Dorses nach dem Festvlah. Dort fangen die DundeSvereine unter Leitung von Lehrer Diehl (Oberschmitten) zwei Massenchöre. Sodann hielt Lehrer Schwarz im Hamen des Vereins die Festansprache. Weiter sprachen Bürgermeister H a r t m a n n Im 'Hamen der Gemeinde Rudingshain, Kreisbirektor Dr. 3a nn (Schotten) im Hamen des Kreises unb Herr Schäfer lEichelsborf) im Hamen des Hiddatal- SängerbundeS. Hierauf folgte das Singen der Vereine, dem sich frohe Geselligkeit anschloß. — Bei dem in Ulfa am Sonntag veranstalteten Radfahrerfest errang der hiesige Radfahrerverein. der sich zum ersten Male öffentlich an einem Wettkampf beteiligte, in ber L-Klasse einen Ehrenpreis mit Urkunde. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 6. Juni. Gestern morgen c r ■ schoß s i ch in ber Kriegergedächtnishatle ein 23 jähriger junger Mann von hier Das Motiv zu ber Tat bürste einesteils barin zu suchen sein, daß der junge Mensch, bet seit längerer Zeit arbeitslos ist. seines Lebens badurch überdrüssig wurde, ferner sucht man eine Erklärung darin, daß er aus Gram über ben Tod seiner vor kurzer Zeit verstorbenen Mutter zur Schußwaffe gegriffen hat Bevor er seinem Leben ein 8nbt mcdjtc, hat er, wie auS einem hinterlassenen Brief hervorgehk, daS Grab seiner Mutter auf« gesucht. Preußen. Kreis Wetzlar. 2 Krofdorf, 5. 3uni. Gegenwärtig werben bie 3nstandfetzungSarbeiten an dem । burch Blitzschlag beschädigten Turm unserer Kirche vorgenommen, wozu die Errichtung eines Gerüstes bis in die höchste Spitze erforderlich war. Die nicht alltägliche Kletterarbeit deS Dachdeckers ist für viele Dor bewohner. befonberS für bie 3ugenb etwas ReueS. Da der alte Wetterhahn auf bem mannshohen Kreuz stark verwittert war und sich infolge 'Verrostung nicht mehr drehte, wurde er gegen einen neuen auSge- tauscht. Das Hinaufbringen geschah unter feierlichem Geläute der Glocken im Beisein zahlreicher Zuschauer. Man hat in der Turmspitze eine Urkunde über die gegenwärtigen Verhältnisse beteiligt. _________(Schluß des redaktionellen Teil,.)__________ 3st es Ihnen schon ausgefallen, daß auf ben Porträts unserer Vorfahren fast immer der Munb geschloffen ist? Höchstens findet man ein Lächeln mit geschlossenen Lippen. Der Photograph, der letzt das Amt des Porträtmalers fast ganz übernommen hat. zeigt dagegen seine Porträts gerne mit lachendem Munde. Das Lachen, welches bie Zähne freilegt, mag wohl nicht zur Verschönerung der Gesichter beigetragen haben in einer Zeit, da Zahnpflege so gut wie unbekannt war und eine lückenlose Reihe gesunder Zähne zu den Seltenheiten gehörte. Heute, im Zeitalter des Gdol, haben die Gelichter sicherlich durch ihre gesunden Zähne an Reiz gewonnen. 2228v Brauchst Ledern Du, gut und vetu, ifcawf selbe nur bei Blabut ein. Im neuzeitlichen Haushalt kocht man elektrisch statt — Vertrag über: Eintritt frei! Eintritt freit 4322D Schau-Kochen mit Gratis-Verteilung von Kostproben. — Besprechung von Rezepten. — Ausstellung elektrischer Geräte für Küche und Haushalt — Der eleilrisdie Herd und seine zwedanMige Verwendung Für Hausfrauen und Haus-Angestellte finden am Donnerstag, den 12. Juni 1930,15.30 Uhr Freitag, den 13. Juni 1930, 20 Uhr im Saale »Caf< Leib«, Gießen, Walltorstr. Elektro-KotH- n. Bral-Veranslallunilen Hierzu laden ein: EleklroGemeinscha!ln.Baaslraaenberatünß Pfingst-Ausflug nach dem Cafe Reilaurant Miffelf(mülile bei Trohe Angenehmer Familienaufenthalt, großer Garten Unterhaltungs-Konzert — Preisschieben Kaffee — Torten mit Schlagsahne — Fruchteis Pension — Sommerfrische — Wochenend Lohrer Bier (Bayern) W. Rinteln Aul Anruf Broßen-Bnseck 10 Auto zur Verfügung I 4319D Marburger Festspiele Vorder Luth. Pfarrkirche (Marienkirche) Pfingstsonntag, den 8. Juni 1930 Erstaufführung: Jedermann Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes von Hugo von Hofmannsthal Künstl. Leitung: Univ.-Lektor Dr. Fritz Budde Kassenöffnung am Theater: 16 Uhr. Anfang pünktl. 17 Uhr. Ende gegen 19 Uhr. Sitzplätze: 1. Platz 4 RM., 2 Platz 3 RM., 3. Platz 1.50 RM. Schüler und Studenten sowie Gesellschaften v. 25 Personen an 3,2 u.1 RM. Vorverkauf: Rathaus Zimmer 3 (Verkehrsamt), Telephon 1200 und Verkehrsbüro am Hauptbahnhof,Telephon 1236 ab Donnerstag, 5. Juni, täglich 9-13 und 15-18 Uhr. *3O8D Weitere ,Jedermanrr-Aufführungen am 9., 10., 11., 12., 13., 15., 16., 17., 19. und 20. Juni 1930. Einladung zum IahreSsest des ev. Rettungen Hauses zu Arnsburg bei Llch am pflngstbienstag, den 10. Juni, nachmittags 2 Uhr Festredner: Herr Oberpfarrer Schäfer zu Michelstadt Herr Pfarrer Haas zu Frankfurt 4309D Der Vorstand NB.: Auf der Luhbach-O'cher-Eisenbahn ver« kehren 2 Gonberzügc. Hinfahrt: Butzbach-West ab 12.30, Muschenheim an 13.10. Rückfahrt: Muschenhei m ab 19.23, Butzbach-West an 20.05 »ÄlslgM Telephon 4207 Oer angenehme 5amlllenau|enlhal! Mgsl-kWll Am 1. Pfingst-Jeieriage hält die Kapelle Weller unter persönlicher Leitung des Herrn Kapellmeisters Weller tm Garten deS Gastwirts MO. W10 W ein groh.Konzert ab, wozu freund!, elnladet Fries 43?0D Weller. Bad Nauheim-Kurhaus SONDERVERANSTALTUNGEN Dienstag, 10. Juni, abends 8 Uhr, einmaliger Tanzabend Niddy Impekoven Eintritt: 1.70 Mk., 2.20 Mk., 3.20 Mk., 4.20 Mk. Donnerstag, 12. Juni, abends 8 Uhr, unter Mit- wirloing des Kurorchesters. Ensemble-Gastspiel der Frankfurter Oper Das Land des Lächelns Operette von Franz Lehar Eintritt: 2.50 Mk., 3.50 Mk., 450 Mk., 6.— Mk und 7.50 Mk. Mittwoch, 11. Juni und Freitag, 13. Juni Tanz-Tee m. Gesellschaftstanzvorführungen Eintritt: 1.50 Mk. Für Besitzer von Kur- und Dauerkarten 1.— Mk. Samstag, 14. Juni, abends 8 Uhr Internationales Tanz-Turnier Meisterschaft von Europa für Amateure und Professionals unter Beteiligung der Inhaber der Weltmeisterschaft, der Europa-Meisterschaft und der Champions der Linder Eintritt: 4 — Mk., 6.— Mk., 8.— Mk., 11- Mk. Sonntag, 15. Juni, nachmittags 4*/« Uhr Tanzschau • Modenschau Kartenvorverkauf findet täglich an der Theaterkasse im Kurhaus statt Telephon 2962 (4321D -Sbr Vorteil! - Werden Sie Mitglied der EtnheitSorganifauon (Gcwcrkichaftsbund der Angestellten) seinerAngesteUlenkrankenkaneund^evens' Versicherung. — Geschäftsstelle Gienen, 4»aus Schwarz, Telephon 4 124. Wir treffen uns im ^4SV r PARK-CAFE Königstein i. T. M XV. . M mustergültig in Qualität... mustergültig in Bedienung! „STANDARD” heißt mustergültig... 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Tänze und Figuren auf der künstlichen Eisbahn, eine Erfindung von Direktor Cassvan. Miß Rose war offizielle Schlittschuhlehrerin des Königs von Spanien, Weltmeisterin in akrobatischem Springen auf dem Eise, sowie nordamerikanische Meisterin im Schneilauf. Rose und Honey ist die Hauptattraktion der größten Häuser der Welt, wie Amerika, England, Deutschland, Frankreich usw. Die Darbietung dieser Truppe ist heute einzig und unerreicht. Der Wert dieser Nummer ist groß, da die Damen Akrobatik zeigen, die bisher von keinem Mann gebracht wurde. Filmteil Karriere Ein Spiel von Liebe und Leid. Regie; Adolf Trotz. Hauptdarsteller: Vivian Gibson. Lotte Lorring, Walter Rilla, Wolfgang Zilzer. ■____________________ 4138 C Lang-Göns Hof Äreitenhaide bei Ortenberg Pfingsten 1930 Darmstadt Gießen Hoßdörfer Straße 8 III Äleichstraße 29 Pfingsten 1930 HÄNDLER --------------- DERTRIY ” mit längsten IßtenAbauat VORTRAG am Mittwoch, dem 18. Juni 1930, abends 8 Uhr, in Giehen im großen Saale des früheren Hotel Einhorn am Lindenplatz Rödgen! Am 2. Pfingstfeiertage Gut besetzte Tanzmusik Ihre Verlobung geben bekannt r Gretel Witter Erich Martin t Leipzig-Thekla, Hauptstr. 53 Gießen, Äruchstr. 15 | Pfingsten 1930 die sich für den altbewährten Batterie-Empfänger einsetzen. — Und das mit Recht, denn er Ist wohlfeil In der Anschaffung und unbedingt betriebssicher. Seine Klangreinheit Ist nicht zu übertreffen, wen die Anodenbatterie den reinsten, gleichmäßigsten Strom liefert und die «o störenden Lichtnetzgeräusche ausschlieOt. Verlangen Sie aber stets die bewährte Marke Pianos oder Harmoniums 1 werden erstkl. u. pretsw. gestimmt n. repariert durch Erwin Zollinger 'K lavier« echniker u. gevr. Stimmer. Berkaus von neuen u. gebr. 11'101108. SS.M Gicken, Seilers- weg 79a. Tel. 3616. Habe Diensiag, den 10. 6., einen groben Transport Läufer und Ferkel am Bahnhof Kinzenbach zum Verkauf. Ludw.HerrmannI. 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KriegSkontribu- tion, von uns abgcliescrt, niemals benutzt, nie abgeholt lagern sie dort schon seit zehn Jahren, altes Eisen... 3n Straßburg begrüßt uns eine „Rue de 22 Novembre“... Madame fährt auf dem Char ä bancs einkaufen in die Stadt. Dieselben schwarzen Taillen, dieselben weißen getollten Mullhauben, dieselben Bänder flattern auf ihrem Rüden, während sie den Schimmel mit der Peitsche antreibt ... Alle Hamen haben sich verändert, das alte .Schlettstadt" heißt „Selestat“ und Saargemünd heißt Sarrcgucmines. Alte Parks, in denen das Gras wuchert, ein Gmpireschloß im Hintergrund dunkler Alleen mit geschlossenen Läden, Fähnlein flattern in Dorlisheim, wo der berühmte »Schlosser" sein Handwerk betrieb, dieser Zauberer, der aus einem .Pusch Haden- Haar" jede Krankheit eines Menschen feststellen konnte, an den man hier glaubte wie an einen Gott... 3n der Ferne blauen die Vogesen, ihre lange Kette, der wir uns nähern, wird immer deutlicher. 3m Dunst des Morgens gchts hügel- auf und hügelab. Enge Städtchen mit engen Gassen. Die Odilienburg grüßt herunter. Schwarze Kittelschürzen der Kinder im Dorf, die Misthaufen vor der Tür, der Apfelschimmel vor dem Char ä bancs, „Restaurant du paysan bleu“ ... Wicsengründe und Hopfen, Weinberge und Felder. Man ist hier auf Biehzucht eingestellt, auf den Wiesen weiden Fohlen und magere Kühe. 3n Pfalzburg halte ich an. Ich frage nach der einstigen Festung, dem berühmten Schloß ihres großen Pfalzgrafen, der Millionen verschwendete, um dieses stolze Schloß zu bauen. Es ist jetzt eine Huine. Aber niemand weiß etwas von diesem Pfalzgrafen, noch von seinem Schloß, und der Gendarm ist ..hier selber fremd". In „Phahl- bourg“ ein Schloß? Davon hat er nie etwas gehört... Weiter... Bierre de Mutzig. Heilige am Weg, sterbende Heilande bilden unS brechenden Auges nach. Aus dem grauen Duft des Morgens löst sich die Hohe Königsburg, stolz und trotzig auf dem Felsen. Selestat... Bor den Toren wird es himmelblau von Poilus, die zum Schießplatz marschieren. Selestat ist Garnison geblieben. Auf unserem Auto prangt groß und weithin sichtbar das Wort .Saar". Wir sind gezeichnet: „Boches“. Die Autos, die unseren Weg kreuzen, sind weder elegant, noch sehr sauber, meist kleine, enge Kasten... Storchnester auf den Dächern, „Place Gambetta“, „Pharmade du Cygne“. Dorrn „Restaurant des voyageurs“ tanken wir Benzin und nehmen ein Frühstück in der Sonne vorm Haus. Ein Grammophon trällert deutsche Lieder aus^ Dorkriegszeiten, .die Träumerei" von Schumann wird zur Bouillon serviert, die .Krone im Rhein" zum Deessteak, beim Dessert schmettert Siegsried fern Lied... 3n der Sonne sunkelt der rote Burgunder, der Dogesenwind Wir feiern im Juni.... ' Der 3uni bringt eine große Anzahl von Dolks- feften, namentlich in Süddeutschland, wo sich solche Feste noch am besten unverfälscht erhalten haben. Hier einige bemerkenswerte Deranstal- tungen, die uns dieser Tage gemeldet wurden: Das hesftsche Städtchen Schlitz feiert am Sonntag, 22.3uni, nach dreijähriger Pause wieder sein Trachtenfest. 16 Dörfer des Schlitzerlandes beteiligen sich an dem Festzug in historischen Trachten, dazu — natürlich ebenfalls in malerischer Tracht! — auch Schwälmer, Hüttenberger, Dogelsbcrger und kurhessische Dauern. Eine Burgenbeleuchtung wird das Fest, zu dem bei schönem Wetter 8 bis 10 000 Teilnehn.er erwartet werden, verschönen. — Auf dem 830 Meter hohen Büchelstein bei Schöllnach im Bayerischen Wald soll anläßlich des am 16. 3uni stattsinden- den B-üchelstciner Festes ein Erinnerungskreuz ausgestellt werden. Eigentlich sollten wir alle dielen Berg kennen, denn das „Pichristeiner ^Fleisch" — das Leibgericht des Fürsten Dis» *mard —, das wohl jeder schon einmal gegessen hat, wurde hier am Büchelstein in einem Gasthaus .erfunden"! — In Ansbach, der alten Markgrafenstadt, ist am 14. und 15. Juni ein großes .Fränkisches Fest" mit Festkonzert im Orangeriesaal des Ho gartens. Rokokolä.ize au8 Ansbachs früherer Glanzzeit und eine prächtige Beleuchtung des Gartens stehen auf dem Programm. — Anläßlich der 400-Iahrfeier der „Confessio Augustana“ ist am 22. Juni in Augsburg ein großer evangelischer Dolkstag mit Festumzug und eine Festbeleuchtung Bad-Bilbcl Seit einigen Jahren besteht in Dilbel ein Der- kehrsverein, der sich die Hebung des Verkehrs und die Verschönerung des Ortes zu seiner Aufgabe gemacht hat. Das Dereins'ahr 1929 brachte die Herausgabe eines Führers und Werbeprospekts, der in mehreren Tausenden Exemplaren nach allen Gauen Deutschlands geschickt wurde, um spielt mit der Kaffeedecke... „Avenue Joffre“, „Au canon d'or“ ... Colmar, die alte Stadt naht. Parks und grüne Fronten, daS Museum ist unser Ziel, der Isenheimcr Altar, der so lange in Deutschland war, jetzt zurückgckehrt ist und hier untergebracht in diesem ehemaligen Kloster. Ein Brunnen sprudelt im alten Klosterhof, im Weinmuseum" steht auf einem großen Faß .Mit Denus laßt mich ungeschoren"... oder .Ich edles Faß". Da sind altelsässer „Fouloirs“ und „Passoirs“ aus Holz, „Pressoirs" und „Trotsebs“ (Hürden, für die Trauben vorn Jahre 1607. Dad-Dilbel zunächst einmal im größeren Umkreis bekanntzumachen. Ter Führer warb gleichzeitig für die noch im Wachsen begriffene Wasferin- dustrie. Den in Vilbel weilenden Fremden ist Gelegenheit geboten, schöne Spaziergänge zur Erholung rund um Vilbel zu machen. Dabei laden die Bänke des Derkehrsvcreins zur kurzen Ruhe ein. Besonders erwähnt feien die schönen Plätzchen am Steinbruch und auf der Dilbeler Höhe, von denen man auch noch eine herrliche Aussicht genießt. ' Bad Salz chlirf. Wissen Sie schon, daß Sie in Bad Salzschlirf, dem durch seinen Bonifaziusbrunnen weltbekannten Gichtbade, die Möglichkeit haben, Ihre Kur durch eine individuell eingestellte Sa- natoriumsbehandluna aufs wirksamste au unterstützen? Dem Bade Hof ist unter spezialärztlicher Leitung ein Diätsanatorium angegliedert, durch das die Trink- und Badekur und die sonstigen natürlichen Heilsaktoren Salzschlirfs eine wertvolle Ergänzung erfahren. Gerade bei klimate- rischen Gelenkleiden wird der Heilungsprozeß erfahrungsgemäß durch eine nach modernen Gesichtspunkten orientierte, ärztlich kontrollierte Diätkur wesentlich beeinflußt und beschleunigt. Bade in Sccschlick! 3n der seit 1918 nicht mehr benutzten zweiten Einfahrt zum Ausrüstungshafen in Wilhelmshaven hat sich im Laufe der Jahre eine 5 Meter starke, sand- und muschelfreie Schlammschicht gebildet/die nach einem Gutachten der Zentralstelle für Balneologie außerordentlich heilkräftige Eigenschaften besitzt. Dieser Seeschlick wird nunmehr Heilzwecken nutzbar gemacht Werdern Die Dadeverwaltung Wilhelmshaven plant in Anlehnung an die bestehenden Dtrandanlagen die Errichtung einer Kuranstalt für Schlickbehandlung. Vorläufig sind dieser Tage im städtischen Krankenhaus Wilhelmshaven balneotechnische Einrichtungen für Schlickbäder in Betrieb genommen worden. Allerlei Reisewinke. Dann stehen wir vor dem berühmten Altar, sehen den schmcrzverkrampften Christus, seine erstorbenen Hände, die sich noch in wütenden Schmerzen krallen, die Hagel grausam inS Fleisch gedrückt, den müden Kops voller Dornen, die blutenden Füße übereinandergewürgt in wahnsinnigem Krampf... So hängt er da, an seinem schweren Holzkreu», daS er den Berg hinausschleppte... Und diese Mutter, die totenblaß und lautloS zusammensinkt, um an einem Herzkrampf zu verlöschen in den Annen deS vor Entsetzen schreienden FreundeS, der sie stützt... Ein Gemälde des Schmerzes. Dagegen versinken alle Schätze, die dieses Museum enthalt... Im „Caf6 Central“ machen wir Rast. Stalle Marmortische, Bierflaschen, blaue Siphons, ein heißer Kassee in Biergläsern ohne Milch, Fastenbrezel als einziges Gebäck... Weiter. Die Hohe KönigSburg taucht wieder auf und zeigt sich von einer anderen Seite, wie eine kokette Frau sich ihrer Schönheit bewußt. Zabern, „Hötel du soleil“, „Au tigre Bock“ alte deutsche Briefkasten, aber himmelblau gestrichen, grün stießt die 311 unter den Brücken. Die Arbeiter kehren auf Rädern heim aus den Fabriken. Im „Estaminct ä l’Agneau“ und der Bar „Au Cygne“ sitzen sie vor den Türen. „Restaurant au Ttlleul", „Hötel au Cerf“ „Escargots en gros“ steht auf einem Gartenschild. Wir sind im Land der Froschschenkel, der gebackenen Weinbergsschnecken, des Weißbrots und des Rotweins. Es geht auf Straßburg zu, die alte Stadt, nirgends mehr ein deutsches Schild. „Bonncterie sans parcülc“, enge Gassen. „Ddbit du Tabac“, Bierre de l'Espd- rance“. In der Sprachenfrage hat sich hier wenig geändert. Es wird deutsch im Elsaß gesprochen und französisch, je nach dem. Die Kinder wachsen zweisprachig" auf, sie sprechen ihr Dütsch oder ihr Patois zu Hause, mit dem Behörden sprechen sie die Sprache, die dort verlangt wird. „ES ist verboten, deutsch zu sprechen" hängt ein Schild in der Poft in Metz... Das wechselt, das ist immer so gewesen und wird immer so bleiben. Daraus irgendeine Zu- oder Abneigung für eine Ration herzuleiten, wäre falsch. Die Grenzländer haben- nun mal nicht besser, sie reden, waS ihnen am bequemsten ist. Mit dem weißen Kragen legt man zu Hause die befohlene Sprache ab, und zieht mit den Pantoffeln die gewohnte an, die man in der Schule gelernt hat. Durch abendliche Dörfer geht eS heim. Sie machen einen tristen Eindruck. Kein Mensch zeigt sich, fein Laut ist hörbar, kein Licht brennt, die Bauern schlafen früh. Hur die riesigen Misthaufen vor ihren Türen wachen. Don den Drücken und Unterführungen leuchten die Plakate: Ah, si vous aviez un Peugot! Wir rufen an einer Weggabelung einem Elsässer zu „la route de Srasbourg? oü xa?" ... Und es kommt zurück »Grabaus, do unne leitS" ... Eine Amerikareise 3322V ist mehr als ein Vergnügen . . . .... sie ist eine Lebensbereicherung. Unvergeßliche, unvergleichliche Eindrücke nehmen Sie mit sich. Eine vierwöchige Gesellschaftsreise mit einem der weitbekannten Dampfer der Mm <75ad Satehausen- D ■ ■ 1 Stunde Bahnfahrt von Gießen W WWXJvZWW V Kohlensäurehaltige Solquellen, Lithium-, Stahl-, Schwefelquellen; Inhalatorium, Diathermie, Höhensonne, Rnnnenhari A ltbw»wMhrt hpi A rfpn^nv^rlrallruntr krhiat nl#»id#*n und ---------- Sommerkur für Nervenkranke und Nervös-Erschöpfte SpeElalknranstal* Bolhelm " Sonnenbad. Altbewährt bei Herzleiden, Arterienverkalkung, Ischias, Nervenleiden und Kinderkrankheiten. Angenehmer, ruhiger und preiswerter Kuraufenthalt, über 300 Morgen großer Kurpark. Werbeschriften durch Hessische Badcdlrektlon. RH I FNRHDA die Perle dee Dilltalee UILLUriDUr\U 6500 Einwohner, beliebter Luftkurort u. Sommerfrische,Wodicnendauf enthalt u.Aue- flugsort, im waldreichen Bergland rwlvh. Westerwald n Sauer» land Sehenswürdigkeiten ■ Ruine und Gewölbe der Stammburg Wilhelms von Oranten. Wtihelmsturm m. oranlsch. u. Altertumsmuseum. Neuefngeriditete Jugendherberge. 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Nur muh man sich selbstverständlich ganz genau nach dem einmal zusammengestellten und angegebenen Reiseplan richten, denn nur die geringste Verschiebung — und das Ganze klappt nicht mehr. Das aber vielleicht ist der einzige Aach teil, um dessentwillen nicht jeder unbedenklich seine Reise durch ein Reisebureau vorbestellen will, obzwar man dort so genau Bescheid weih, daß auch die Aufenthaltsdauer an den verschiedenen Orten nach ihrer Schönheit jeweils ausreichend bemessen ist. Das Reisebureau aber wird uns fast auf den Pfennig sagen können, was wir außer der meist vorauszuzahlenden Reisesumme unterwegs etwa noch benötigen. Natürlich können wir uns auch selber eine Reise in solcher Weise ousarbeiten, und das ist zumal beim Herumreisen sehr zu empfehlen, denn wir gewinnen so manche Stunde zum Erholen und reinen Genießen, müssen wir uns lischt auf Schritt und Tritt erst vergewissern, ob wir auf dem richtigen Wege sind, und wie es nun weitergeht. Gut essen ist schon eine schöne Sache, unterwegs aber noch mehr als zu Hause eine Geldangelegenheit. Da fragt sichs nun, ob wir rein für die Erholung leben wollen, vielleicht gar um zuzunehmen, oder uns lieber so manches verkneifen und dafür möglichst viel sehen wollen. Zumal beim Herumreisen kann man da sehr geschickt sein. Endlich noch die Frage des Gepäcks und seines Inhalts. Da sind die Ansichten sehr verschieden, und während die einen behaupten, daß es angenehmer sei, möglichst wenig Gepäck dabei zu haben, sind andere, ich glaube, es sind die Erfahreneren, gerade die gegenteilige Meinung. Sie haben erkannt: je bequemer das Gepäck, desto angenehmer das Reisen. Am Besten ist es immer, wenn jedes Familienmitglied seinen eigenen Koffer hat. Warum? Darüber schweigt die Höflichkeit. Es ist so! Gibt man die Koffer auf, so ist es immer gut, im Toilette- Köfferchen, das gleichfalls durchaus eine Privatangelegenheit des Eigentümers fein sollte, das Nötige für eine Nacht mitzunehmen für den Fall, chaß das Gepäck einmal nicht nachkommt oder 7.30 bis 8.15 Uhr: Bon Bad Soden: Konzert der Kurkapelle Bad Soden. 13.20: Schallplattenkonzert: Das Wien Schuberts, des klassischen Walzers und der klassischen Operette. 14.30: Von Stuttgart: Stunde der Äugend. 16: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: Aus der St. Peterskirche: Kantate Nr. 137 „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren", von Ioh. Seb. Bach. 18.40: „Wesen und Bedeutung der Arbeiterwohlfahrt." 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Konzert. 20.30: Heitere Stunde. Hans Reimann. 21: Leo-Fall-Abend. 23.20 bis 0.30: Unterhaltungskonzert. fahren, ob wir uns längere Zeit festsetzen oder Herumreisen wollen. Außer am Meer, wo wir hauptsächlich weiße und Helle Sachen benötigen, ist heute unterwegs ein Sportkostüm — der Sportanzug — überall das Praktischste. Sn einem Kleid mit Reisemantel sind wir dann vielleicht um eine Note eleganter angezogen. An Wäsche immer besser etwas zuviel als zu knapp, das Waschen lassen ist unterwegs eine teure Sache. Bad-Nauheim: Konzert der Kurkapelle Bad- Nauheim. 18.05: Sn der Reichswehrkaserne, Mikrophonreportage von Hugo Ramm. 18.35: Don Freiburg: „Musikkritik", Vortrag von Dr. Erich Katz. 19.05: Von Stuttgart: „Die Struktur der Familie bei den Naturvölkern", Vortrag von Fritz Säger. 19.30: Von Leipzig: Bob und Bert. Kriminalposse in neun Gaunerstreichen. 21: Von Stuttgart: Klavierimpxovisationen über eingesandte Themen aus dem Hörerkreis. 21.40: Wie eine Zeitung entsteht, Mikrophonreportage von Dr. Paul Laven und Eberhard Beckmann. Donnerstag, 12. Juni. 8: Von Bad-Nauheim: Konzert des Kurhausorchesters Bad-Naüheim. 9.45: Anläßlich der 43. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Chemiker zu Frankfurt a. HL: Goethe und die Chemie. Vortrag von Professor Walden, Rostock. 12.20: Aus dem Kurhaus Bad Schwalbach:-K-Aizert des Kurhausorchesters Bad Schwalbach. 13: Schallplattenkonzert: Aus deutschen Opern und Musikdramen (Festspiel-Besetzung). 15: Stunde der Jugend. 15: „Großstadtverkehr". 15.25: Aus der Technik des Alltags: „Fortschritt — Das verlängerte Ohr", Vortrag von Mittelschullehrer Hans Rößler. 16: Von Stuttgart: Liederstunde oberschlesischer Komponisten. 18.05: Zeitfragen. 18.35: „Abstrakte Malerei", Vortrag von Professor Dr. Dörner. 19.05: Nach Stuttgart: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Von Stuttgart: Sporthumor. 20.15: Aus dem Hof des alten Schlosses in Stuttgart: Neapolitanische Volkslieder. 22: Von Stuttgart: Drei Schweizer Dichterinnen. 23.26: „Hm eine Diertelmrllion", Novelle von Ernest Hemmingway, gelesen von Dr. Paul Laven. 3 bis 4: Von Neuyork, Amerika: Weltmeisterschaftsboxkampf Schmeling — Sharkey Freitag, 13. Sunt 7.30 bis 8.15 Uhr: Von Bad Soden: Konzert des Kurhausorchesters Bad Soden. 12.20: Vom Schloßplatz in Stuttgart: Promenadenkonzert. 13: Schallplattenkonzert: Orchesterkonzert (Russische Musik). 16: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Buch und Film. 18.35: Von Stuttgart: Aerztevortrag: „Das Blasenleiden im Alter". 19.05: Von Mannheim: „Theater, Weltbild und Lebensphilosophie". Vortrag von Prof. Schmiedel, Heidelberg. 19.30: Von Stuttgart: Slawische Musik. 20.15: Konzert des Rundfunkorchesters. 21.15: Von Stuttgart: Soh. Seb. Bachs Choral- . Vorspiele. 22.40 bis 24: Von Karlsruhe: Sazz- Sie glauben, zum Reisen braucht man nur Geld — oha! Das dürfte ein Irrtum sein. Geld braucht man allerdings und ohne den Nervus rcrum gehts nicht. Doch ebenso braucht man so mancherlei Kenntnisse, denn reifen — richtig reifen, mit vollem Genuß, ist eine Kunst, die durch Erfahrung immer mehr, ja bis zu einem gewissen Raffinement des Reisens gesteigert werden kann. Dann aber steht oft der Genuß einer Reise meist absolut nicht mehr in dem erwartenden Verhältnis zur Reisekasse. Denn der routinierte Reisende versteht es eben mit dem kleineren Portemonnaie sehr viel mehr zu sehen, zu erleben, zu genießen als der Ungewandte. Eine Sdee, einen Lieblingsgedanken, wohin man einmal fahren möchte, hat wohl jeder, der sich zu einer Reise entschließt. Zumindest wird er wissen, ob er lieber an die See oder ins Gebirge fahren möchte. Sst die Kasse eng umgrenzt, so werden sich auch die Neigungen des Reiseziels schon in dieser Hinsicht etwas einrichten. Bäder- zeitungen und Verkehrsbureaus geben die Vorzüge der Bäder und Kurorte bekannt und erteilen bereitwilligst Beratung. Haben wir uns für eine Gegeüd entschlossen, so lassen wir uns Prospekte der dortigen Verkehrsbureaus kommen, aus welchen wir die Hotels, deren Beschaffenheit und Preise erkennen. Auch nach Reiseführer kann man sich da schon richten. Und lieber in einem größeren Hotel im dritten und vierten Stock ein einfaches Zimmer — man hat ja fast überall Lift — als zum selben Preis die schönsten Räume in einem weniger gut aus- gestatteten Gasthaus, das an Verpflegung und Unterhaltung weniger zu bieten hat. Die Höhe des Pensionspreises sowie die Fahrtkosten bilden nun die Grundlage der Reisespesen. Doch können wir, gehen wir von einer bestimmten Summe aus, unmöglich den Gesamtinhalt unseres Portemonnaies nur darauf verteilen, denn immer muß ein gutes Drittel, wenn nicht gar die Hälfte für Nebenspesen, Nachmittagskaffee, Getränke, Ausflüge und Unvorhergesehenes berechnet werden. Wer im Reisen sehr ängstlich ist oder aber eine besonders vorteilhafte Reise nach einer ihm fremden Gegend machen möchte, dem ist zu empfehlen, die ganze Reise mit einem Reisebureau zu machen. Das ist nun nicht mißverständlich als eine Gesellschaftsreise auszufassen, sondern die großen Reisebureaus stellen heute dem einzelnen eine ganze Reise so zusammen, daß er lediglich die Gegend, in die er fahren möchte, die zur Verfügung stehende Reisesumme und -Zeit anzugeben braucht, und es wird alles so besorgt und vorbereitet, daß man vom Abreiseaugenblick bis zur Heimkehr sich um nichts zu kümmern braucht und man für fein Geld tatsächlich auf vorteilhafteste Weise das Schönste und Beste genießt, das in dieser Zeit Gegend und Portemonnaie hcrzugeLen haben. Da ist jeder Zug, jeder Anschluß, Kleinbahn und Postauto und was immer uns befördern soll, herausgesucht: die Billets sowie etwaige Schlafwagen vorbestellt (was man Das g Eigene-Schi Re Wanderfahrten. Dleber — Frankenbach — Kicchvers Vers — Lohra. Dom Bahnhof Bieber gehen wir Dorf und das liebliche Biebertal bis am Sonntag, 8. 3uni. 7 bis 8,15: Bon Hamburg: Hafenkonzert. 8.15 bis 9.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Landeskirche Frankfurt a. M. 11: Erziehung und Bildung: „Wanderfahrten eines deutschen Austauschstudenten durch die Vereinigten Staaten von Amerika", Vortrag von Ella Stolper, Göttingen. 11.30: Erziehung und Bildung: „Kunsterziehung in der neuen deutschen Schule", Vortrag von Lehrer H. Schopp. 12: Von der Taunus-Anlage: Promenaden-Konzert. 13: Stunde des Chorgesangs. 14: Stunde der Sugend: ..Johannes Brahms — Ein Lebens- und Schaffensbild", Vortrag von Albert Wiegel — Gesangscinlagen: Anne Lönholdt. 14.30: Kasperl- stunde. 15.30: Stunde des Landes. 16: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: „Moderne Lyrik in Luxemburg", Vortrag von Universitätslektor Roedemeyer, Frankfurt a. M. 18.25: Emmy Ball- Hennings liest eigene Dichtungen. 19.20: Sportnachrichten. 19.30: Aus dem Opernhaus Frankfurt: Carmen, große Oper in vier Akten von Georges Bizet. 23.30: Tanzmusik. Montag, 9. 3uni. 8.15 bis 9.15 ilfjr: Katholische Morgenfeier. 10.30. Orgelkonzert. 11.30: Aus dem Kurhaus Wiesbaden: Konzert der Kurkapelle Bad Wiesbaden. 12.36: Mittagsständchen auf Schallplatten. 14: Von Stuttgart: Kinderstunde. 15: Von der Wasserkuppe nach Berlin: Sungfliegertreffen. 15.30: Literarische Veranstaltung. 16: Don Stuttgart: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18: „Dolkserzählungen", Dortrag von Friedrich Durschell. 18.30: „Robert Musil", Vortrag von Wolfgang Bardach, Berlin. 19: „August Halm", Ampfloka Wie, West ,3u diesen früher Mer nod Ollt wer tonen in i Wien. 2)i, Weneni 3mpfun , ^"der au „franst Klassen. b 28UD (■efl Br! Die dies) her Stabt' 1. 3mpfb Aachs 2. 3mps Ach 3. Jmpffi Nachsd man unterwegs die Reiseroute kurz entschlossen ändern möchte. Was man auf Reisen nun be- ab, ob Ntii Ä ®r Mbverdi Reden st " Cuniba "s*iet ‘wauretai Wir verreisen — wie machi man das? Von Margret Halm. 3' öcbfc .'Ntatb 8>> iss""1' 8?’* 81 fleuch 4*° e*;„s 8e"finb Ipte bi’Z" re’e Sfinl v he Zwischen Rhön und Wartbur g Wie eine sichere Grenzscheide trennt die zur Weser strebende Werra den sagenumwobenen Thüringer Wald und die durch vulkanische Kräste gebildete Rhön. Und das Tal, von jenem Fluß durchströmt, ist eine der anmutigsten Stäcken der deutschen Gaue. Ritter Hnd Mönche wußten solches wohl zu schätzen, unö auf zerklüfteten Felsen wuchsen trutzige Burgen und im geschützten Tale die Klöster. Weit mehr noch als Reichtum und Fruchtbarkeit der Landwirtschaft lockte der Besitz einer offen zutage tretenden Solquelle. Seit jenen Tagen ist die Ausnutzung der kostbaren Sole ununterbrochen im Betriebe. Eine von Karl dem Großen unterzeichnete Urkunde berichtet 775 vom Salzzehnten zu Salzungen, ünb durch das Salz blühte dieses Städtchen empor, begünstigt durch die an der Werra entlang führende Salzstraße. Gründe lokalen und universellen Charakters brachen später die Blüte der aufstrebenden Siedlung. ilnb als auch anderswo gewaltige Steinsalzlager gefunden würden in bislang ungeahnter Größe und keine Hauptstrecke der Eisenbahn nach Salzungen, gelegt ward, verlor es mehr und mehr von seiner Bedeutung. Sin Wandel trat ein, als man die Heilkraft der Solquellen auch wissenschaftlich erkannte. Es ergab sich, daß bei Skrofulose und Rachitis, bei Bleichsucht und Rheuma glänzende Heilerfolge zu erzielen waren. Bei Rheuma kam noch ein günstiger Faktor hinzu: die unmittelbare Nähe des Rhönmoores, dessen vulkanischer Charakter ihn auf die Stufe des Fangos erhebt. Seine höchste Entwicklung erreicht Bad Salzungen jedoch aus dem Gebiete der Snhalation, auf dem es als führend anzusprechen ist. Gradierwerke sind in Salzungen nicht nur solezersprühende Dornen- wände, sondern es sind Gradierhäuser, vollständig überdacht, nur nach den Seiten zu offen, um der Luft den freien Zutritt zu ermöglichen. Zudem verfügt Bad Salzungen über fünf geräumige Snhalationshallen nach bewährten Systemen. Besonders reizvoll macht den Besuch des Bades seine Lage. Die beiden großen Autostraßen Eisenach — Meiningen und Eisenach — Fulda führen einige Kilometer neben Bad Salzungen vorbei. Eine Straße, die beide Haupt- Wege verbindet, berührt den aufstrebenden Kurort; so kommt es. daß trotz bester Derkehrslage die Ruhe ländlicher Abgeschiedenheit den Kuraufenthalt verschönt. Vortrag mit Klaviereinlagen von Willi Apel, Berlin. 19.30: Von Stuttgart: Bei uns zu Lande. Zusammengestellt und geleitet von Martin Lang. Matthias-Koch-Abend. 20.15: Unterhaltungskon- zert" des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.30: Von Stuttgart: Tanzmusik. 0.05: Von Cronberg: Das Mikrophon belauscht eine Nachtigall. Dienstag, 10. 3uni. 8 bis 9: Aus dem Kurhaus Bad Ems: Konzert. 11 bis 11.30: Von Echternach: Die Echternacher Springprozession. 12.20: Konzert. 13: Schallplattenkonzert: Wilhelm Furtwängler — Otto Klemperer, Bruno Walter. 16: Hausfrauen-Nach- mittag. 17.20: Von Stuttgart: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Von keiner Sachkenntnis getrübt — Auch eine Kunstbetrachtung", Vortrag von Professor Dr. Fritz Wichert. 18.35: Von Stuttgart: „Die deutsche Legion in Süd-Brasilien", Vortrag von Fritz W. Schmid. 19.05: Von Stuttgart: „Wie vererbt sich der Nachlaß beim Fehlen einer letztwilligen Verfügung?", Vortrag von Landgerichtsdirektor Dr. Leibfried. 19.30: Blaskonzert des Frankfurter Harmonieorchesters. 20.30: Kompositionsstunde — Alexander Friedrich von Hessen. 21.30: Aus dem Stadtwald. Ein Altfrankfurter Wäldchestag. 0.30 bis 1.30: Nachtkonzert. Lieder und Klavierstücke von Franz Schubert. Mittwoch, 11. 3uni. 8: Aus dem Kurhaus Bad-Nauheim: Konzert der Kurkapelle Bad-Nauheim. 12.20: Vom Schloß- Platz Stuttgart: Promenadenkonzert. 13: Schallplattenkonzert: Unterhaltungskonzert. 15: Von Stuttgart: Kinderstunde. 16: Aus dem Kurhaus mühle (Geburtshaus des berühmten Kupferstechers Wille). Hinter der Mühle zeigt uns ein Wegweiser die Richtung nach Frankenbach. Wir kommen durch das reizvolle Dünsbachtal, später auf die Landstraße und alsbald nach Frankenbach, das wir durchschreiten. Unsere Straße windet sich zwischen zwei Bergen, links Äickenberg, rechts Wilsberg, hindurch zum Derstal, das S>ir bei Kirchners erreichen. Don hier leiten ns blaue Striche durch Feld und Wald, immer kübsche Ausblicke bietend über Altenvers nach Lohra, von wo wir über Nieder-Walgern beim- fahren. Dauer der Wanderung etwa 4 Stunden. Aieder-Weimar—Runder Daum—Marburg. Ein äußerst genußreicher Nachmittagsgang nach unserer benachbarten Musenstadt ist der folgende: Wir fahren mit Sonntagskarte Marburg nach Nieder-Weimar und gehen hier schwarzen 1 Vierecken nach durch den Ort, um alsbald hinter demselben auf die Höhe zu steigen. Kunz vor Eintritt in den Wald genießen wir einen reizvollen Ausblick auf das Lahntal, den Frauenberg, den Dünsberg, die Gladenbacher und Marburger Berge. Durch prächtigen Wald, auf jedoch nicht immer einwandfreien Pfaden gelangen wir nach einer guten Stunde zu einem Ruhplatz mit Schutzhütte, „Runder Baurn" genannt; drei mächtige Buchenbäume bezeichnen außerdem die Stelle. Hier treffen sich fünf Wege; der erste links ist mit einem gelben Punkt gezeichnet, der zweite hat zunächst kein Wegezeichen. Diesen Weg schlagen wir ein und stoßen nach kurzer Zeit auf ein rotes Kreuz. An dieser Stelle verlassen wir den seitherigen Weg und wenden uns rechts, um bald daraus an einen Aussichtstempel zu gelangen, von dem sich uns ein überraschend schöner Blick auf Marburg und Spiegelslust, sowie auf den Frauenberg darbietet. Nun steigen wir abwärts, zuerst weißen Punkten, später roten Punkten nach an der Dreyers-Quelle vorüber und wandern durch Ockershausen nach unserem Endziel Marburg. Die ganze Wanderstrecke umfaßt zwei Stunden. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 8. Suni, 19.30 bis gegen 23 Uhr: „Carmen". — Montag, 9., 19.30 bis nach 22: „Das Land des Lächelns". - - Dienstag, 10., 19.30 bis 22.15: „Transatlantik". — Mittwoch, 11., 19.30 bis 22.30: „Der Zigeunci baron". — Donnerstag, 12., 19.30 bis gegen 2b: „Aida" (anläßlich der Tagung der Chemischen Industrie). — Freitag, 13., 19.30 bis nach 22. „Madame Butterfly". — Samstag, 14., 19.30 bis 22.30: „Die Fledermaus". — Sonntag, 15., 15.30 bis gegen 18: „Belsazar". 19.30 bis nach 22: „Das Land des Lächelns". — Montag, 16., 19.30 bis gegen 22.30: „Margarethe". Schauspielhaus. Sonntag, 8. Juni, 20 bis gegen 22 Uhr: „Er". — Montag, 9„ 20 bis nach 22.30 Uhr: „Die Bekehrung des Ferdys Pistora". — Dienstag, 10., und Mittwoch, 11., jeweils von 20 bis gegen 22: „Die liebe Feindin". — Donnerstag. 12., 20 bis nach 22.30: „Der Londoner verlorene Sohn". — Freitag, 13., 20 bis nach 22.30: „Die Bekehrung des Ferdys Pistora". — Samstag, 14., und Sonntag, 15., jeweils von 20 bis gegen 22.30: „Reporter". — Montag, 16., 20 bis nach 22.30: „Der Londoner verlorene Sohn". Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenauftrage find lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. ____________ Raucherzahne. Die Spezialkonstruktion derChlorodont- Zahnbürste ermöglicht das Reinigen und Weitzputzen der Zähne auch an den Seitenflächen. 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Nachschau: 4219C statt. Gießen, den 7. Juni 1930. Der Oberbürgermeister. M 1 i n fl f p o r. botsscheine sind bei der Stadtverwaltung (Stadthaus, Bergstr. 20, Zimmer Nr. 12), erhältlich! dort sind auch die Angebote unter Verwendung des oorgeschriebenen Angebotsscheins bis spätestens 10. Juli findet vom 28. September bis 5. Oktober 1930 statt. Die Plätze für erstklassige Fahr» und Schaugeschäste, Schieß- und Verkaufsbuden (letztere in beschränktem Umfange), sind im Wege schriftlichen Angebots 1930 (einschl.) einzureichen. Der Herbst- inarkt ist in der Zulassung von Geschäften kein offener, sondern ein beschränkter Markt. Grundsätzlich werden nur solche Geschäfte (auch Spezialisten) zu- gelassen, die sich rechtzeitig um die Platze beworben haben und denen die Zulassungsgcnehmigung vor Beginn des Marktes schrisllich zugegangen ist. Die Vergebung der Plätze geschieht nur durch die Stadtverwaltung. Glückspielunternehmen jeglicher Art sind verboten. Eine Verlängerung des Marktes aus irgend- welchen Gründen findet auf keinen Fall 15 bis 16 Uhr. Mittwoch, 18.3uni, von Jmpftcrmin: Mittwoch, 28. Mai, 15 bis 16 Uhr. Nachschau: Mittwoch, 4. Juni, 16 bis 167, Uhr. Jmpftermin: Mittwoch, 4. Juni, 15 bis 16 Uhr. 16 bis 16% Uhr. Jmpftcrmin: Mittwoch, 11.Juni, von 16 bis 16^ Uhr. Impflokal ist die Turnhalle der Goethe- schule, Westanlage. Zu diesen Terminen können alle in 1929 ober früher geborenen Kinder, bei welchen der Nachweis der erfolgreichen Impfung bisher noch nicht erbracht wurde, vor- geftettt werden. In 1930 geborene Kinder können in diesen Terminen nicht geimpft werden. Die Kinder müssen mit rein gewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zu- gelassen. Gießen, den 20. Mai 1930. Der Oberbürgermeister. I. V.: Klingspor. < JU vergeben. Bedingungen und Angc- Mittwoch, 11. Juni, von J ' ........ ~ ' Vergebung von Vauarbeiten. Auf Grund der Bestimmungen der Reichsverdingungsordnung werden die Arbeiten für die jnslandfehung der Kirche in Lumda im öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben. 4306D 1 Maurerarbeiten. 2. Slcinhauerarbeilcn (1,50 cbm ßung- steine). 3. Zimmerarbeiten (1,7 cbm Eichenholz, 8 cbm Tannenholz). 4. Glaserarbeitcn (5 qm Sprossenfenster). 5. weihbinderarbeiten (63 qm Deckenputz, 850 qm Anstriche). 6. Sdjrcinccarbeiten (105 qm Brüstungen, 136 qm Riemenboden). 7. Schiosserarbeiten. 8. Beleuchtungsanlage (15 Brennstellen). Angebote werden vom 10. d. M. ab, solange der Vorrat reicht, aus unserem Amte, Stephanstrahe 18 (Zimmer 4), abgegeben, die Zeichnungen und Bedingungen sind dort einzusehen. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei, bis zum Dienstag, dem 24. Juni d. j., vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen' Zur Eröffnung haben die Bieter Zutritts Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt oorbehatten. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 6. Juni 1930. Hess. Hochbauamt Gießen. v Berth. Heugrasversteigerung. Das Heugras von den staatlichen Wiesen wird versteigert: 4291D 1. In Gemarkung Alten-Buseck: Donners- tag, den 12. Juni, vormittags 9t Uhr, in der Otto Rabenouschen Wirtschaft zu Alten-Buseck. 2. In Gemarkung Staufenberg-Doubrin- gen (Sorauwiese): an demselben Tage, nachmittags 12* Uhr, in der Wirtschaft „Zum blauen Hecht" in Daubringen. 3. In Gemarkung Wicseck: Freitag, den 13. Juni, vormittags 9i Uhr, in her Wirtschaft „Zur Ludwigsburg" an der Straße Wieseck—Alten-Buseck. 4. In Gemarkung Gießen: an demselben Tage, nachmittags 2 Uhr, im „Philosophenwald". Auskunft erteilen zu 1. Herr Förster i. R. Müller zu Alten-Buseck, zu 2. Herr Förster Braun zu Daubringen, zu 3. unb 4 Herr Förster Brück zu Röbgen, sowie bas Forstamt. Gießen, ben 3. Juni 1930. _______Hessisches Forstamt Gießen.______ Vergebung. 4323 D rtür das am 29. Juni im Cncnbcimcr Wäldchen ftattfinbenbe (Mauturufcit des (Äaues Weuerau find bte Siandvicitze für Karussell, Zuckerstäode u. dergl. zu vergeben. Angebote bt6 zum 12. Juni an den TurngesckastSsübr. W. Koch, Darmstadt, Kiesitr. 66, 1. Stock. Gleichfalls ist die Festmunk zu vergeben. Näh. Bedingungen durch ben Obigen. Ter Ganausschuk. Heugrasversteigerung der Stadt Gießen. Mittwoch, ben 11. Juni 1930, unb Donnerstag, ben 12. Juni 1930, soll bas Heu- gras von ben städtischen Wiesen öffentlich meistbietenb versteigert werben, unb zwar: Mittwoch, ben 11. Juni 1930, vormittags 8.30 Uhr (Zusammenkunft in ber Marburger Straße, Ecke Schwarzlachweg), von ben Wiesen in ber Schwarzlach in elf Abteilungen. vormittags 9.30 Uhr (Zusammenkunft om Schlachthof), von ben Wiesep im Neustäbter Felb, bei bem Schlachthof, Hohleiche unb auf ber Insel. vormittags 10.30 Uhr (Zusammenkunft in ber Restauration Georg Schrimpf, Kaiserallee 4), von ben Wiesen an ber Thromschen Fabrik, eine Wiese hinter der Kläranlage, von den Wiesen „Am Weiher", am Ohleberg, im Heeaftrauch, am Alten Steinbacher Weg (Rußland), unb vorn Obstbaumstück an ber Liche^Ltraße in vier Abteilungen. Nachmillags 2 Uhr (Zusammenkunft in ber Restauration Phi- losophenwalb), von ben Wiesen im Wieseck- tal unb an ber Eselswiese. Donnerstag, den 12. Juni 1930, vormittags 9 Uhr _ (Zusammenkunft an Ort unb Stelle), an ber 'Unneröber Straße, von ben Wiesen am Altentisch unb Utersbrunnen, cmschlie- fjenb an ber Röbgener Straße von ben Ochsenwiesen unb ben Wiesen im Stolzen- morgen. 4219C Nachmittags 1 Uhr (Zusammenkunft an Ort unb Stelle), von ben Wiesen in ben Gemarkungen Großen- Buseck unb Röbgen. Steigliebhaber, welche bie Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sich an ben stabtischen Wiesenmeister Klos, hier, Bückingstraße 4, roenben. Die Bürgermeistereien ber umliegenben ©emeinben werben ersucht, Dorstehenbes in ihrer Gemeinbe bekannt machen zu lassen. Gießen, ben 2. Juni 1930. Der Oberbürgermeister. ______I. V.: Dr. Rosenberg.______ Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durch beratene Voranschlag der Gemeinde Lollar für das Rechnungsjahr 1930 liegt von Dienstag, den 10. Juni 1930 ab eine Woche auf der unterzeichneten Burger- mciftcrei, während der Dienftstunden, zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen sind innerhalb der Offenlegungs- frist fchriftlich oder zu Protokoll vorzu- bringen. Zu der beschlossenen Umlage werden auch die Ausmärker herangezogen. Lollar, den 6. Juni 1930. Äessische Bürgermeisterei Lollar. Schmidt. 43280 Praxis geschlossen Dr. Hanau Facharzt für Säuglinge u. Kinder vom 8. bis 21. Juni Vertreter Herr Dr. Hofmann Frankfurter Straße 43 ©3776 Zur Bekämpfung der Pflanzenschädlinge und Pilzkrankheiten alle entsprechenden Mittel sowie Zerstäuber, Blumen- u. Obstbaumspritzen in größter Auswahl Abner's Rasenmäher, Grasscheren. Gießkannen. Blumenstäbe, Rosenpfähle, Ratfiabast usw. Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße, Telephon 3403 1211 A Fernfahrten mit Mercedes - Benz - Kompressorwagen (100 PS) 4339D Autoverkehr Beuern Tel. 58 Otto Damm Tel. 58 GrundstückSverkauf! Anwesen in der Kreisstadt AlSseld, in bciier Vone iSchellngasse neben ber neuen Poill bestehend auS 2 Wohnungen (davon eine soiort beziehbar» unb Lagerräume, geschlossener Hof, für fedeö Geschäft unb Gewerbebetrieb geeignet, soll auv freier Hand unter günutgen Bedingungen verkauft werden. Anzahlung 8000 blS 5000 RM. Nähere Auskunft durch Herrn Cito Ginsberg, Mainzergasse 23 Seo- und AvinnietWS'MslelmWen der Graf zu Solms-Laubachschcn Jorff- omts, Laubach. Donnerstag, 12. Juni, in ber Gemar- kung Laubach: 4300V 1. auf ber Geifewiese um 8 Uhr vormittags von ca. 28 Morgen (ohne Los 2); im Anschluß hieran unvorgezeigt auf ber Geifewiese: bie Lauterbachwiese: Los 36 unb 37 = 5919 qm; 2. vor ber Ringelshöhe um 9i Uhd vormittags von ca. 15 Morgen, im An- schluß hieran auf ben Ziegelhütterteich- wicsen von ca. 15 Morgen (ohne bie Lose 2 unb 3); Los 1 in ber Hirten- bad); Lose 21, 22, 23, 24 am Tier- gärtnerteid), 25 zu Oberlaubach. An demselben Tage, nachmittags von 4 Uhr an, in der Turnhalle zu Freien- feen: 1. von ca. 120 Morgen im Wetterouer- grunb; 2. von ca. 40 Morgen im Wolfsgarten, Lose 2e unb 3, Kreuzseener- unb Ober- (eenergrunb (ohne bie Lose 1—34c) unb Martinswiese im Lippergrund; 3. von ca. 52 Morgen - 24 Abteilungen ber vom Oberseener Hofgut zurückge- nommenen Wiesen. Jreilag, ben 13. Juni, von 9 Uhr vor- mittags an, in ber Aepfelsbach von ca. 172 Morgen bafelbst, am Alten Keller, in ben verschiedenen Heegbrücken unb Gölle- wiese. An demselben läge, nachmittags von 12 Uhr an, auf bem Jägerhaus von ca. 100 Morgen in Ruthardshausen einschl. Hexewiese, Hauxteilen.Hohlgarten.Mulsau, Langhecke, Geräums u. Lingelbach ohne Los 217b in Rutharbshausen; ferner von ca. 22 Morgen in ber Silbach, Elgersbach, Giehern- unb Bruchwiese, Linneswiese, Wiese am Hirschrot, Dürre Stümpfe, Sonnenstümpfe, Ulfaer Eckweg unb Brun, nenroiefe. Wiesenwärter Silß, bahier, unb bie betr. Gräflichen Förster finb angewiesen, bie Wiesenlose, bie burch numerierte Holz- pslöcke ober Steine kenntlich gemocht sind, auf Verlangen vor bem Termin vorzu- Zeigen. Bekanntmachung Der Voranfchlag der Gemeinde Lang- GönS für Rj. 1930 liegt vom Samstag, bem 7. Juni 1930, bis einschließlich Freitag, bem 13. Juni 1930, auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Inner, halb biefer Frist können Einwendungen fchriftlich oder mündlich zu Protokoll vorgebracht werden. Es ist die Erhebung einer ihnlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 4333V Lang.Göns, den 6. Juni 1930. Gewerbe- und Mafchinenbaufcbule Gieben TRÄGER HOBEL ERSTKLASSIG IN DER AUSFÜHRUNG AUFFALLEND BILLIG ln PREISv«J FRANKFURT A.M. VILBELERSTR.29 Autoschlosser, Maschinenschlosser, Elektriker, Mechaniker u. ähnliche Berufe [4187D Abend- n. Tadesinrle beginnen nach Pfingsten. Anmel- dungen umgehend l.iebigwtr. 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Bandagen von RM. 15.- an. Für Bruch- und Vorfall-Leidende kostenlos zu sprechen in Giefaen, Dienstag, 10. Juni, von 1'/,-5 Uhr, im Bahnhofshotel „Lenz"; Grünberg, 11, Juni, von 8-'/,12 Uhr. im Hotel Hirsch; Alefeld, 11 Juni von 2*/2 —5 Uhr, Hotel Deutsches Haus; Marburg, 12. Juni von 8 bis 1 Uhr. im Hotel Waldecker Hof; Nidda, 14, Juni, von 8-1 Uhr, im Hotel zur Traube. "1V , „ . I nihhinrlon n»ch Maß in garantiert; Außerdem L|J | U U III U U II unübertroff. Ausführung K. Rufiing, Spezial bandagist, Köln, Richard-Wagner Str. 16. ftmdtvirle!Kauft keine minderwertigen Vtasdiineft sondern den guten Westfalin Sepaeatod Zuletzt'Silberne ^Denkmünze der deutsch-Sand wirtsdiaftsgesellsdiaft■ RAMESOHl&SGHMIDTAGOElDEi.W. »..v Geschäitsverlegung! Meiner verehrt Kundschaft zur Kenntnis, dafi ich seit 1. Juni meine Werkstatt von Wetzsteingasse 18 nach Wetzsteinstrafoe 36 verlegt und die Werkstatt des Herrn Schlosser* meister Köblinger übernommen habe. 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Der Diehcner Stodtrat hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der für unser Gemeinwesen besonders wichtigen Frage der G a s- sernversorgung abschließend beschäftigt. Nachdem sich das Haus am 24. Januar bereits grundsätzlich für den Vertragsabschluß mit der Hekoga ausgesprochen, damals aber gewisse Abänderungen an den Verträgen gefordert hatte, konnte es heute die abgeänderten Verträge nahezu einstimmig guthcihen. Erfreulicherweise stimmte heute die sozialdemokratische Fraktion, die sich am 24. Januar der Mehrheit des Stadtrates wegen allzu starker Bedenken gegen die Verträge nicht anschloß, trotz weiterhin bestehender Bedenken doch mit sür die Vorlage der Stadtverwaltung, so daß die endgültige Entscheidung über das Vertragswert der Heloga mit einer Mehrheit von Nicolaus bis Mann getroffen wurde. Dieses breite Fundament für die Zustimmung unserer Stadt zu den Hekogaverträgen ist besonders zu begrüßen, denn es kann schließlich für diese tief- einschneidende Umwälzung in unserer kommunalen Dersorgungswirtschast nicht gleichgültig sein, ob die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei sich positiv, oder enthaltend entscheiden. Wir glauben, das; die sozialdemokratische Gtadt- ratssraktion, die ihren Standpunkt in einer formulierten Erklärung kennzeichnete, durch ihre Zustimmung unserer Stadt und der Aufgabe der künftigen Gasversorgung einen guten Dienst erwiesen hat. Nicht minder ist das Verdienst der beiden bürgerlichen Fraktionen, die ebenfalls trotz einiger noch bestehender Bedenken sich zu- fiunften des endgültigen Vertragsabschlusses aus- prachen. 3n der Geschichte unserer Stadt wird die heutige Sitzung infolge der großen Mehrheitsentscheidung in der Gassrage sicherlich als ein wertvoller Aktivposten verzeichnet werden. Neben dieser überragenden Angelegenheit traten die übrigen Tagesordnungspunkte vollkommen in ben Hintergrund, und ihre Erledigung ging denn auch rasch und glatt vor sich. Sitzungsbericht. Anwesend Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Seid, die Beigeordneten Dr. Hamm, Iustizrat Dr. Rosenberg und Kommerzienrat K l i n g s p o r. sowie 37 Stadtratsmitglieder. Der Zuhörerraum ist stark beseht, meist von Erwerbslosen, während eine weitere Menschenmenge vor dem Tor des Stadthausgrundstücks in der Bergstraße Ausstellung genommen hat. Eine Anzahl Polizeibeamte ist zur Sicherung der Ordnung anwesend. Oberbürgermeister Dr. Keller teilt zu Beginn der Sitzung mit, daß er in Zukunft Ansammlungen vor dem Stadthaus nicht mehrdulden werde, einerlei, ob eS sich um Erwerbslose oder um andere Personen handele. Oie Steueraussch agsatze für 1929. Zunächst werden die Steuerausschlagsätze für das Rj. 1929, gemäß einem Antrag der Stadtver- iüaltung wie folgt festgesetzt: I Grund st euer: 1. für Gebäude nebst Zubehör. sowie für Bauplätze 25 Pf. je 100 Mk. Steuerwert: 2. für land- und forstwirtschaftlich oder gärtnerisch gen. Grundstücke nebst Zu- Konstanze. Vornan von Karl Heinz Voigt. Urheber Rechtsschutz Verlag Oskar Meister. Werdau 31 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wie kommst du denn hierher nach München, alter Junge?" fragte Peter und hakte seinen Bekannten sogleich unter. „Geschäfte. Geschäfte, mein Liebster", erklärte der andere. „Ich bin gestern hier angekommen und werde bis übermorgen bleiben.“ „Laß sehen!" rief Peter und blieb mitten auf der Straße stehen und betrachtete den Freund von oben bis unten. „Ganz der alte, offenbar!" „Du hast doch den Abend frei, wie?" fragte Otto Avus. „Nun, also! Wir werden zusammen den Abend verbringen, wie? Ich habe mich mit einigen Geschäftsfreunden nach Hotel Kanzler verabredet. Du bist heute natürlich mein Gast. Wir sind ganz unter uns. Nur Herren! Milly habe ich heute zu Haufe gelassen." „Bist du denn verheiratet?" „Nein, wieso denn?" „Ich dachte nur ...“ „Ach so ..." Er lachte unbändig, schließlich fragte er: „Wie lange haben wir uns eigentlich nicht gesehen? — Warte einmal. So sechs Iahre wohl, wie?" Er übergoß Peter mit einem Strom von Erzählungen und Fragen. Er drängte ihn förmlich zu dem Autodroschkenhalteplatz und sie bestiegen einen Wagen. Pcter wäre viel lieber ruhig nach Hause gegangen, aber er konnte nicht unhöflich erscheinen und so mußte er schon die Einladung Ottos, sein Gast zu sein, annehmen. Die Geschäftsfreunde waren bereits vollzählig versammelt. Was waren das für Menschen hier! Behäbige Geldkönige. Leute, die nur das Leben öon der Seite des Reichtumerraffens anfahen. Peter suhlte sich hier nicht wohl. Die Gespräche drehten sich um Geschäfte und Spekulationen, wovon der Künstler nichts verstand. Nach dem Essen wurde ein Spielchen o®r- geschlagen. Aus irgendeiner Ecke erklang das Wort „Spiel" und Peter erschauerte bei dem Klange. — Augenblicklich sah er im Geiste glanzende Räume vor sich. Karten lagen wie große Echilfblätter :n einem grünen See. Er schloß die Augen. Die Anregung zum Spiel wurde mit Freude begrüßt. Ein würgendes Gefühl drückte auf Peters Gurgel. Run muhte er gehen! — Er würde diesem Gespenst, das seine schleimigen Polypenarme gierig nach ihm auszustrecken drohte, entgehen. — Haha! — Er würde Hut und Mantel nehmen und sich verabschieden. Er wollte behör sowie Bergwerkseigentum 35 Ps. je 100 Mark Steuerwert. II. Gewerbesteuer: 1. deS Gewerbekapitals 55 Pf. je 100 Mk. Steuerwert: 2 des Ge- werbeertrags 220 Pf. je 100 Mk. Steuerwert. III. Sondergebäude st euer: Don den zu erhebenden staatlichen Steuersätzen: 1. für bebauten Grundbesitz mit einem Friedenswert von über 7000 Mk. 47,93 v. H. einschl. Kreisanteil aus 160,65 Pf.: 2. für bebauten Grundbesitz mit einem Friedenswert von nicht mehr als 7000 Mk. = 54,90 v. H. einschl. Kreisanteil aus 127,50 Pf. Die für daS Rj. 1929 bereits entrichteten vorläufigen Steuerbeträge find auf die endgültig festgesetzten Steuern aufzurechnen. Oie Gasfernversorgung. Die Stadtverwaltung beantragt folgende Be- fchlußfasfung: Dem DertragSwerk der Hekoga mit Ruhr- und Saar-Gas AG. wird zugestimmt. Beigeordneter Dr. Hamm begründet den Verwaltungsantrag und weist darauf hin, daß der Stadtrat am 24. Ianuar 1930 den Hekoga-Der- trägen bereits grundsätzlich zugestimmt, aber an verschiedenen Teilen des Dertragswerkes mit der Ruhr noch Verbesserungen gefordert habe. Diese Verbesserungen seien durch erneute Verhandlungen der Hekoga mit der Ruhr inzwischen in allen wichtigen Punkten nach dem Verlangen des Stadtrates erreicht worden, so daß man heute dem Dertragswerk endgültig zustimmen föm*. Der Redner erläutert eingehend die Verbesserungen im einzelnen, wobei sich ergibt, daß unsere Stadt nach den jetzt vorliegenden revidierten Verträgen wesentlich günstiger dasteht, als nach den früheren Vertragsentwürfen der Hekoga. Stadtratsmitglied Mann (Soz.) verliest im Namen der fozialdemokratifchen Stadtratösrak- tion folgende Erklärung: „Die sozialdemo- kratifche Fraktion stellt fest, daß durch ihren Widerspruch gegen die alten Ruhrgasverträge im nunmehr vorliegenden Dertragswerk wesentliche Derbesserungen erreicht sind. Sie bedauert, daß eine gemeinsame Derhandlungsbasis zwischen Süwega und Hekoga nicht erzielt wurde. Zweifellos wäre dadurch die Kraft gegenüber der Ruhrgas AG. erhöht und damit den kommunalen Interessen gedient worden. Auch dem Übrigen Dertragswerk stehen noch ernste Bedenken entgegen. ES dürfte aber für die Interessen der Stadt Gießen von keiner anderen Seite ein günstigeres Angebot zu erzielen sein. Aus diesem Grunde wird die sozialdemokratische Fraktion trotz schwersten Bedenken dem vorliegenden Dertragswerk ihre Zustimmung geben." — Herr Mann fügt dieser Erklärung eine Begründung an, in der er betont, daß seine Fraktion nicht freudigen Herzens f ü t diese Verträge stimme. Nachdem er sich über diese Bedenken näher ausgesprochen und dabei Teile des Ver- tragswerkes erörtert hat, erklärt er zum Schluß, seine Fraktion glaube den Interessen unserer Stadt zu dienen, wenn sie trotz ihrer Bedenken dem Vertragswerk zustimme. Beigeordneter Dr.' Hamm geht auf einige Ausführungen des Vorredners ein und hebt hervor, daß der Widerstand des Stadtrates gegen die früheren Vertragsentwürfe wesentlich zu der etwas Diesbezügliches zu Otto Avus sagen und verwunderte sich selbst, daß er schwieg. Der Freund schob seinen Arm unter Peters Arm und zog ihn mit sich. ..Da ist das Spielzimmer! — Du bist doch mit von der Partie?" »Nein", beeilte sich Peter zu entgegnen. »Du wirst mir nicht böse sein, wenn ich mich jetzt verabschiede." Er blickte Otto Avus nicht an, weil er sich unerklärlicherweise schämte. Der andere ließ Peters Einwände gar nicht gelten. Er lachte schallend auf und schon standen sie im Nebenzimmer an einem runden, grünbezogenen Tisch, um den sich die anderen Herren bereits niedergelassen hatten. „Es ist mein Ernst, Otto", beharrte Peter. „Ich möchte dich jetzt Dctlaffen.“ Des anderen Gesicht nahm einen enttäuschten Ausdruck an. Er drohte scherzhaft mit dem Finger. „Hast du ein kleines Abenteuer vor!?" „Nein, nein! — Es ist mein Prinzip." »Oh, du hast dich in der Tat geändert. Du warst doch früher immer einer der ersten, wenn es hieß: Karten her! — Wir spielen nur um ganz kleine Einsätze, ßicbftcr. Du wirst mich doch nicht kränken wollen? Wir kommen so jung nicht wieder zusammen." „Es tut mir leid, daß du mich nicht verstehen willst." „Wir spielen nur ein kleines Stündchen. Ich glaube, die Herren sind heute alle etwas unlustig. Also nur zum Zeitvertreib. Das Spiel geht um geringe Einsätze." Peter empfand das aufdringliche Quälen feines Freundes geradezu als taktlos. Plötzlich war ihm dieser genießerische Geschäftsmann aufs höchste zuwider. Deshalb klang es nicht eben höflich, als Peter entgegnete: „Unb wenn um gar feinen Einsatz gespielt wird! — Ich tue nicht mit.“ »Nun also, dann leiste uns wenigstens Gesellschaft", nötigte der andere aufs neue. »Das Zusehen wird deiner Moral nichts schaden ober erstreckt sich vielleicht auch hierauf bein Prinzip?" Diese Frage klang fast ironisch unb Peter verdroß sie maßlos. Sie trug burchaus nicht bazu bei, bie Sympathien für seinen früheren Schul- fameraben zu stärken. »Nun gut", sagte Peter gegen seinen Willen fast allzu mürrisch unb blickte stumm unb mit finsteren Mienen auf bas bekannte Treiben am Spieltisch. Otto Avus hatte sich neben einem seiner Geschäftsfreunde niedergelassen und übernahm als erster die Dank. Er mischte die Karten und teilte sie aus. Man spielte um geringe Wardeinsätze. Zuerst schlich das Spiel langsam dahin. Plötzlich bekam bet Nebenmann von Avus, ein älterer Agent, alle Chancen in die Hand. Die Verbesserung des Dertragswerkes beigetragen habe. Stabtralsmitglied Horn (Arbeitsgemeinschast der Wittes begrüßt im Namen der Arbeitsgemeinschaft das jetzt vorliegende Dertragswerk, nachdem die Beanstandungen gegen die früheren Vertragsentwürfe beseitigt sind. Wenn auch die Wünsche des Stadtrates nicht restlos befriedigt feien, so könne man doch ben jetzigen Verträgen mit gutem Gewissen zustimmen, da unsere Stadt an dem Zustandekommen der Gasfernversorgung ein besonderes Interesse habe unb außerdem durch die Schaffung dieser Anlagen auch Arbeitsgelegenheit geschaffen werde. Seine Fraktion werde den Verträgen zustimmen. Stadtratsmitglied K u r z iWirtsch Vgg.i äußert seine Befriedigung darüber, daß auch die fozial- demokratifche Fraktion ihre Bedenken soweit habe überwinden können, um den Verträgen zuzu- stimmen. Nicht bie sozialdemokratische Fraktion allein, sondern auch die Aufsichtsratsmitglieder der Hekoga hatten an der Verbesserung der Verträge mitgewirkt. Wan könne die jetzt vorliegenden Verträge gutheihen, seine Fraktion werde dafür stimmen. Bei der Abstimmung wird dem DertragS- werk mit allen Stimmen gegen die Stimmen der zwei Kommunisten und deS Nationalsozialisten zugestimmt. Vergebung von Arbeiten unl> Weferlingen. Die Weißbinderarbeiten an den Wohnungsbauten in der Schwarzlach werden nach dem Antrag des Bauausschusses an eine Reihe von Firmen vergeben i Gesamtpreis für fünf Arbeitsteile 22 587,40 Mk.), ebenso die Echreinerarbciten im Gesamtbeträge von 12098,70 Mark, bie Schlosserarbeiten im Gesamtbeträge von 4302,10 Mk. Der Lieferung ber Möbel für ben Anbau der Gewerbeschule durch vier Firmen wirb zugestimmt. Gesamtpreis 8458 Mk. Der Einbau einer Druckluftanlage im stäbtifchen Dolksbab wird der Firma H. Schasfstaebt in Gießen zum Preise von 6000 Mark übertragen. Die Pflaster- unb Chauffierarbeiten für den Ausbau der Straße Am Riegelpsad werden ber Firma Gebr. Pausch, Gießen, zu ihrem Angebotspreis von 3420 Mk. in Auftrag gegeben. Die Liebertragung ber Arbeiten zur Vergrößerung bcs Wagenparkplahes auf bem Viehmarktplah am Güterbahnhof an die Firma Ernst Wagner in Gießen zum Preise von 3954,32 Mark wird nachträglich genehmigt. Die Lieferung der bei der Errichtung des neuen Wafserhochbehälters benötigten Armaturen wird ber Firma Bopp & Reuther, Mannheim zum Gesamtpreis von 7451,50 Mark übertragen, unter der Bedingung, daß die Armaturen innerhalb sechs Wochen nach Auftkags- erteilung zu liefern sind. Die Lieferung der zum Wasserhochbe- h ä 11 c r erforderlichen Formstücke wird den Bu- derus'schen Eisenwerken in Wetzlar zum Gesamt- Preis von 3450.— Mark und die Lieferung der nötigen Gußrohre dem Gußrohrverband in Köln -um Gesamtpreis von 5605,80 Mark übertragen. Kreditbewilligungen. Der im Voranschlag 1929 für die tierärztliche LIeberwachung ber Diehmärkte Karten, die er batte, waren derart, daß selbst der zuschauenbe Peter einen Ruf ber Verwunderung ausstieß. Jetzt schien Interesse in die Spielenden zu fommen. Die Karten wurden rascher aufgebedt. Das Gelb wanderte von einem zum anderem Es waren nur Markstücke, um bie man spielte. Aber es war immerhin Gelb. Kneife bie Augen ganz fest zusammen, Peter, bamit bu bie flatternden Karten nicht siehst! Halte bir bie Ohren zu, bamit bu ihr Fallen auf ben grünen Tisch nicht hörst! Beiße dir in die Faust! Beiße fest hinein in das Fleisch, daß es schmerzt, damit du es nicht denen da drüben inö Gesicht brüllst: »Laßt mich mittunl — Ich gehöre zu euch! — Ich bin einer wie ihr. ein Spieler, ein Spieler, ein Spieler!" — Nichts von dem tat Peter. Er stand da mit etwas vorgeneigtem Körper und schaute auf das Spiel. Er sah die Karten in dem grünen See. Sah die blanken Markstücke wie Wasserblasen am Aande dieses Sees. Er sah noch mehr. Er sah, wie das Geld umherlief, bei diesem verweilte, sich bei jenem nur ganz kurze Zeit aufhielt. Otto Avus hatte die Bank abgegeben. Nun war ein großer schlanker Mann, ber ihm vorhin als ein gewisser Ottokar Hargk, Börsenspekulant, vorgestellt worden war, an ber Reihe. An ber Art, wie er bie Karten behanbelte, erkannte Peter in ihm sofort den gewerbsmäßigen Spieler. Sein Gesicht war das eines Raubvogels. Die Augen waren glühend auf die Karten gerichtet, die er dennoch mit einer gewissen Geringschätzung betrachtete. Peter bemerkte,^ daß er das Spiel um diese geringen Einsätze für lächerlich und unwürdig hielt. Er gab mit hochmütigem, etwas nachlässigem Ausdruck im Gesicht die Karten. Das Spiel lief. Das Geld setzte sich in Bewegung. Der Bankhalter, der gewöhnlich bie größten Chancen in seinen Händen hat, verlor diesmal unausgesetzt. Die Mienen des Hageren blieben starr, unbeweglich. Diesmal bezeigte das Geld Avus seine Gunst. Es lief zu ihm. erst langsam unb einzeln — bann kam es gerannt Der Kaufmann gewann unb gewann. Peter war so in den Anblick des Spieles vertieft, daß er gar nicht hörte, als der Kellner, der durch den Raum kam und sah, daß er unbeteiligt war, ihn fragte, ob er etwas zu trinken wünsche. Als Peter nicht antwortete, zog sich der Befrackte mit beleidigten Mienen zurück. Peter fühlte nicht, wie feine Hände zitterten. Er hatte das Dedürinis, sich eine Zigarette an- zustecken, aber er hätte dadurch den Blick von dem Tisch wenden müssen und so unterließ er es. Es war kein Zweifel, Peter stand unter dem Banne des Spiels. Er schob die Hände in die Taschen unb ballte sie zu Fäusten. oorgefebene Kredit wirb um 450 Wk. erweitert. Für die Ausführung von Reparaturen an ber Motor st raßenwalze wird der im Voranschlag 1929 vorgesehene Kredit um 1000 Wk. erweitert. Zur Vornahme notwendiger Ausbaggerungen im Volksschulbad in ber Lahn wirb ein Betrag von 400 Mk. bewilligt. Für ben Ginbau von acht Wohnungen in die B e h e l s s s ch u l b a u t e n in der Robheimer Straße wird ein Betrag von 13 000 Wk. bewilligt. Für bie Schassung einer Ucbertragegelegenbeit an bem Wehr bei der Möserschen Mühle unb für bie Beseitigung von Holzpfählen im Wasser ober- und unterhalb der Lahnbrücke wird ein Betrag von 600 Wk. zur Verfügung gestellt. Die GaS - unb Wasserleitung in der Liebig st raße zwischen Ludwig- und Gbel- straße wird verstärkt und die Kosten mit 3500 bzw. 2750 Mk. bewilligt. Für bie Herstellung einer befestigten Zufahrt zu bem Wohnhof ber Bauten ber Baugenossenschaft 1 894 am Aulweg wird ein Betrag von 1000 Mark zur Verfügung gestellt. Zur Beschaffung einer Alarm vorrich- tung für ben Flugplatz wirb ein Betrag von 270 Mark bewilligt. Für bie verbilligte unb kostenlose Abgabe von Mülleimern an bie minberbemit- teltc Bevölkerung wirb ein Betrag von 3000 Mark vorgesehen. Für ben Einbau von sechs Kleinwohnungen in das Gebäude R e u st a b t 6 1 , welches seither als MädchensortbilbungSschule verwandt wurde, wird ein Betrag von 6000 Mark bewilligt. Für die Instandsetzung ber sür bie Kausm. Berufsschule unb die öffentliche Han - delslehranstalt in dem stäbtifchen Anwesen Liebigstraße 16 vorgesehenen Räume wirb ein Kredit von 3600 Mark zur Verfügung gestellt. Die Industrie- unb Handelskammer hat von bem auf bie Herstellung ber an sie vermieteten Räume entfallenben Betrag von 1800 Mk. einen Zuschuß in Hohe von zwei Fünftel, also 720 Mark, zu leisten. Zur Herstellung eines Derbindungskabels zu den beiden Transformatoren st atio- nen in Krofdorf-Gleiberg wird ein Kredit von rund 9500 Wk. zur Verfügung gestellt. Die Vergebung der Arbeiten und Lieferungen hat an ben Winbestfordernden zu erfolgen. — Die für bie Verlegung erforderlichen Arbeiten werden der Firma Gebr. Verlach, Krofdorf, übertragen. Neue stcucrlöjchordnttng. Der vorliegenden neuen Feuerlöschordnung für die Stadt Gießen an Stelle der vor 38 Iahren erlassenen Ordnung wird zugestimmt. Mit bem Tage des Inkrafttretens biefer Feuerlöfchorb- nung wird die Ortsfeuerloschorbnung vom 12. Iuni 1892 aufgehoben. (Sieben und her Hess. Bcrkchrsvcrband. Die Stadt Gießen erwirbt die Mitgliedschaft beim hessischen Verkehrsverband in Darmstadt mit einem Jahresbeitrag von 100 Wk. Schließlich gelangte das Spiel zum Ende. Ein anderer nahm ben Platz bes Bankhalters ein. Peter sagte etwas Er wußte nicht, was es gewesen war. Er fühlte unwirklich, baß feine Beine Bewegung taten unb baß er vorwärts schritt. Plötzlich sand er sich neben Otto Avus am Spieltisch sitzenb wieber. „Das ist vernünftig, alter (Junge! — Du wolltest bich wohl erst überzeugen, ob reell gespielt wird, wie? Run, du wirst gesehen haben, daß alles in bester Ordnung vor sich geht, wie?", hörte er den Freund sagen. Peter legte mechanisch einige Markstücke vor sich auf den Tisch und setzte. Er gewann. Er staunte über seine günstigen Karten. Die grüne Tischplatte vor ihm verwandelte sich sehr bald in ein silbernes Feld. Mark reihte sich an Mark. Er gewann dauernd. Ihm schwindelte. Hier war eine offensichtliche Glücksserie. Diese Chancen mußte er ausnuyen! Er bekam unerhört gute Karten in die Hand. Ein wahrer Taumel ergriff ihn. — „Wenn ich jetzt verliere, höre ich auf", dachte er. Aber er verlor nicht, er gewann mehr. Die Zeit eilte dahin. Immer wieder wurde die Bank gewechselt. Als bie Reihe an Peter kam, blieb ihm das Geld auch jetzt treu. Einmal überflog er die Gesichter ber Spieler mit ben Blicken. Keine Bewegung las er in ihnen. — Allmählich aber fing man an, über Peters Gewinnserie zu staunen. Man schüttelte bie Köpfe. — Peter kam sein bauernbes Gewinnen selbst beinahe unheimlich vor. Er wußte auS feiner Spielerpraxis, daß sich diese Serie fort- fetzen und ihm unerhörte Gelder einbringen tonnte. Beim nächsten Bankwechsel debattierte man über Peters Karten. Verschiedene Meinungen schwirrten hin und her. „Spielen Sie nach irgendeinem System? — Haben Sie irgendwelche Grundsätze?" fragte ber große Hagere mit ben Raubvogelaugen unb sah Peter burchbringend an. Der Gefragte schüttelte den Kops: „Mein einziger Grunbsatz war, nicht mehr spielen zu wollen", lächelte Peter mit schiefem Munbe. Seine Stimme klang krächzenb. Er schob das Gewonnene in bie Tasche. Das Geld klirrte mit lockendem Ton. Da empfand er plötzlich etwas wie Verlegenheit. Seine Gestalt, die während des Spieles zusammengesunken war, straffte sich und er erhob sich. „Eie gestatten, meine Herren, daß ich mich zurückziehe. Sie werden verstehen, daß es mir in ihrem Interesse unangenehm fein muß, bei ben offensichtlichen Gewinnchancen, bie ich in ihrem Kreise habe, weiterzuspielen. Ich möchte nicht ben Eindruck erwecken, bief« Gewinnserie auszunützen.“ (Fortsetzung folgt.] 107 bestand Wirtschaft ■ MT M 184 25 Deoijcnmorkl Berlin — Frankfurt 57,6 58 58 58 26,75 23,75 8,2 94.5 89 101 97 95.5 96 101 97 95,5 101 97 95,5 0 o . 6 10 94,5 89,4 101 97 95,5 96 88 104 58,5 10,4 96,5 2,35 5,75 5,75 5,75 10,1 17,13 8,15 88,25 103,9 58,3 10,5 95,75 . k . 0 S'/r markt als in verblieb s 6 6 8 185,25 150 69 66 118 68.75 66,5 118.25 173,75 88,25 65,25 66.75 118,5 88 104,5 57.9 10.3 96,75 88,25 105 57.8 10.4 95,75 12 11 12 10 10 12 . 8 . 9 10 10 Ccheideanstalt. . Goldschmidt . , Rütgerswerke . . Metailgesellichaft. haben -e sainmlun 15 12 18 14 13'/, , 12 , . 8 , . 9 , . 0 174.4 151 66 66 118,25 . 5 6% 10 . 6 7,2 Eine Anzahl Erwerbslose haben beim Wohlfahrtsamt den Antrag auf Gewährung einer Pfingstbeihilfe in Hohe einer Wochen* unterstühung gestellt. Rachdem der Antrag von kommunistischer Seite seine Begründung erfahren hat, teilt Oberbürgermeister Dr. Keller mit, daß sich die Wohlfahrtsdeputation mit dem Antrag bereits beschäftigt und ihn abgelehnt hat. Barmer Bankverein .... Berliner Handelsgesellschaft . Commerz- und Privat-Bank . Darmslädter und Nationalbank Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, . . . Dresdner Bank ...... Rcichsbank A.E.G........... Bergmann........ Äektr. Lieferungsgesellschaft. Licht und Kraft...... Der Stadtrat bestätigt diese Entscheidung ohne besondere Abstimmung dadurch, dah keinerlei Abänderungsantrag zu der Stellungnahme der Wohlsahrtsdeputation vorgebracht wird. Ein kommunistisches Stadtratsmitglied und einige Personen im Zuhörerraum erheben deswegen laute Borwürfe gegen den Stadtrat/ die aus deni Zuhörerraum teilweise sogar die Form wüster Beschimpfungen annehmen. Da die Tagesordnung des öffentlichen Verhandlungsprogramms erschöpft ist. wird die öffentliche Sitzung geschlossen. Schultheis Patzenhoser . . Ostwerte........ Aku.......... Bömberg Heilstoss Waldhos . . . . Keilstoss Aschaffenburg . . Charlottenburger Wasser . Dessauer Gas..... Daimler Motoren . . Deutsche Linoleum . . . Maschinenbau A.-G. . . . Nal. Automobil..... Orenstcin & Koppel . . . Leonhard Tietz 4.189 58,57 112.17 20,39 16 465 168.69 22,09 112,22 59,28 2,482 112.57 81.24 50 70 12,472 73,33 a M. Neubau des Ltudentenhauses. Die Daurevisionsgebühren in Höhe von Mark werden erlassen. Erwerbslosenantrag. 2,3 5,75 5,75 5,75 10 26,75 3.75 2,3 23,75 26,4 3,7 2,3 23,8 20,8 21.9 295 5.95 6 5,9 10,2 17,25 8,15 Amerikanische Noten ..... Belgische Noten........ Dänische Noten Englische Noten Französische Noten ...... Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten . . . Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten........ ■'M . iy2 . io rke io . . 9 . 10 . 11 . 16 . . 8 . 10 . . b . . 6 26,7 3,7 2,4 23.8 20,9 21.9 2.35 5,9 Felten & Guilleaume . Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen . . Hamburger Eleklrtzitäts°W Rheinische Elektrizität . Schlesische Elektrizität. . Schuckert & (So..... Siemens & Halske . . . Tranoradio ...... Lahmeyer L Co..... Buderus....... Deutsche Erdöl .... Essener Steinkohle ... Gelsenkirchener .... Harpener Hoesch Eisen Ilse Bergbau Klöckncrwerle Köln-Neuesten Mannesmann-Röhren . Mansselder Bergbau . . Oberschles. Eisenbcvars . Oberschiei. Kotswerle. . Phönix Bergbau.... Rheinische Braunkohlen Rheinstahl Rtebeck Montan.... 4,169 58,33 111,73 20,31 16,405 168,01 22,01 111,78 59,04 2,462 112,13 80,92 50 50 12,412 73,03 4% Oesterreichtsche Goldrente . 4,20% Oesterreichtsche Siiberrenn 4% Oesterreichtsche Einheitliche Rente........... »% Ungarische Goldrente ... 4% Ungarische Staatsrente V. 191" 4%% desgl. von 1913..... 4% Ungarische Kronenrente . . 4% Türkische ZoUanletbe van 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie ........... 4% desgl. Serie U . - - - 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 • • l/t% Rumänische vereinh. Rente von 1913 *% Rumänische vereinh. Rente . 5,9 10 17,13 8,1 i .vamburg-Amenka Patel . . . < Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Toinpsschtsf.....10 Norddeutscher Llohd 8 I. G- Farben-Jndustrie ... 12 Dynamit Nobel.......6 War die Beschickung erheblich größer, der Vorwoche. Aach ruhigem Geschäft etwas Aeberstand. Der Gesamtauftrieb oejiuiiu aus 1005 Bindern, darunter befanden sich 268 Ochsen, 54 Bullen, 438 Kühe und 192 Färsen, ferner aus 2332 Kälbern, 77 Schafen und 6732 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 962 Binder und 54 Schafe weniger am Markt, während 529 Kälber und 657 Schweine mehr zum Verkauf Allgemeine DeutscheCredttanst. 10 ss£ Di 1*$x Menu Mjifll Die = iHonatsW 2.20 N-ichs Atichsplen'" lohn, auch 6*7; Srrnlprr antetSamm; Anschrift 8ton!furtan Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4,5 v. $)., Lombardzinsfuß 5,5 v. H. Mehr als i wappnen mü schasl überbrii seiner Thron! im Wege lägt und Jiüwrnjii un ganzen lic Wien des liegen die E Liberalen, dr In dem rumi beuiungsobse ipielten, fku um sich aus Königshaus ria die si halte, griff wohinaus I MG ju« kn tlbldiiet muri Carols geföi ftleinigfeii, ( die Hein dolllische S °l>'gliche F P mit Cal «men miet nnitter Mar uilunft aus weife anz ^rden, dah Ml. War «d)en i Mcht im S ^nn ll ffenpoliljsct Atzung de- ^arische G, dah iange■ e*n;n König in 'bJi L,Verein &l€n *nOb ober 'Awerden. öC" Nme n ®at0[ W d'-entg „ Ä sb sc Svenska....... Franksurter Maschinen .... 4 Gritzner..........6 Heyliaenstaedt 0 Iunghans..........6 Lcchwerke 8 MainkrasWerke Höchst a. M.. .8 Miag 10 Gebr. Roeder 10 Voigt & Haeffner 9 Süddeutsche Zucker .... 10 Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die Börse war zu Beginn des Derichtsab- schnittes stimmungsgemäh wieder freundlich, doch konnte sich nur in Spezialaktien etwas regeres Geschäft entwickeln. Da aber der Ordereingang noch spärlicher wurde und Anregungen von wirtschaftlicher Bedeutung nicht vorhanden waren, kam das Geschäft zeitweise fast völlig zum Still st and. Obwohl auch der Geldmarkt trotz des äUtirnos ziemlich flüssig war, konnte sich keine Belebung ergeben. Die Tendenz wurde von dem Mangel an Unternehmungslust ungünstig beeinflußt, und bei starker Zurückhaltung der Spekulation neigte die Tendenz später zumeist zur Schwäche. Hinzukamen neue finanzielle Schwierigkeiten des Bciches, schwächere Auslandbörsen, ungünstige Arbeitsverhältnissein der Industrie, nachteilige Wirtschaftsberichte, die ziemlich pessimistisch gehalten waren, und Abgaben von Provinzseite und Banken, so daß im Laufe der Woche ein größerer Kursrück- schlag einsetzen mußte. Die Lage verschlechterte sich weiter, wozu die in reger Debatte stehenden Finanzschwierigkeiten beitrugen. Die Börse stand unter diesem Druck im Zeichen einer noch nie d a g e w e s e n e n Depression, die sich auf fast alle Märkte erstreckte. Gegen Ende der Woche machte sich jedoch wieder eine freundlichere Stimmung geltend. Die Ausführungen im Geschäftsbericht der I.°G.° Farben blieben anfangs ganz ohne Einfluß, aber ausgehend von den günstigen Ausführungen erhielt die Börse später eine Anregung. Auch waren die Auslandbörsen wieder etwas gebessert. Ferner waren noch einige vorteilhaftere Wirtschaftsnachrichten vorhanden, die die Stimmung nach oben beeinflußten. Besonders geplante Dividendenerhöhungen bei einzelnen Gesellschaften fanden Anklang. Auch die Emission der Bounganleche scheint jetzt gesichert zu sein, und hiervon ging schon eine wesentliche Beruhigung aus. Ferner wurde das Bestreben der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, einen Weg zur Behebung der großen Arbeitslosigkeit zu finden, gut* geheißen. Aßer dessenungeachtet konnte das Geschäft keine lebhafteren Formen annehmen. Die Orderlosigkeit hielt nämlich an und stand hemmend im Wege. Aur einige Spezialaktien waren etwas gefragter. Bor allem I.-G.° Farben aus dem oben erwähnten Grunde. Die Kurse 'konnten aber im allgemeinen leicht anziehen, teilweise ergaben sich Besserungen bis zu 4 Prozent. Die in der Woche eingetretenen Verluste konnten in keinem Falle ganz ausgeglichen Werdern. Es waren immer nixh überwiegend erhebliche Abschwächungen übrig geblieben. Vor allem waren schon anfangs der Woche AG. für Verkehrswesen auf eine Fehlerpansion stark angeboten und 13 Prozent schwächer. In diesem Zusammenhang befürchtet man eine Dividendenreduktion. Banken lagen bis zu 2 Prozent abgeschwächt. Auch Elektrowerte hatten empfindlich zu leiden gehabt, obwohl sich nach der Besserung der Situation hier die größten Gewinne ergaben. AEG. waren gegenüber der vergangenen Woche 5 Prozent, Siemens 7 Prozent und Schuckert 8 Prozent schwächer. Erhebliche Verluste erlitten noch Kaliwerte. Salzdetfurth minus 17 Prozent, Aschersleben und . Westeregeln je minus 10 Prozent. I.-G.-Farben hatten einen Verlust von 7 Prozent. Ges- fürel minus 8 Prozent und Dt. Linoleum minus 10 Prozent. Im übrigen waren Abschwächungen bis zu 3 Prozent zu verzeichnen. Auch Holzverkohlung gaben etwas nach Das Interesse für dieses Papier hat stark nachgelassen, ebenso für Scheideanstalt. Erstere hatten in ihrem Geschäftsbericht nicht gerade günstige Auslassun- standen. . . Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 58 bis 61, a2) 53 bis 57, bl) 47 bis 52. Bullen: a) 54 bis 58, b) 48 bis 53. Kühe: a) 48 bis 52, b) 43 bis 47, c) 37 bis 42, d) 30 bis 36. Färsen: a) 60 bis 63, b) 55 bis 59, c) 50 bis 54. Kälber: b) 75 bis 78, c) 68 bis 74, d) 60 bis 67. Schafe nicht notiert. Schweine: b) 62 bis 64, c) 64 bis 66, d) 64 bis 66, e) 63 bis 65. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche gaben Kälber bis zu 9 und Schweine bis zu 2 Mark nach. Ochsen und Kühe zogen je 1 Mark, Dullen 2 und Färsen sogar 3 Mark an. * D ie Spareinlagen der deutschen Sparkassen. Ende April beliefen sich die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen auf 9724,14 Millionen Mark, gegen 9637,18 Millionen Mark Ende März. Der Berichtsmonat weist mithin eine Zunahme von 86,96 Millionen Mark auf. * Maschinenfabrik Moenus AG., Frankfurt o. M. Die Gesellschaft schließt das Geschäftsjahr 1929 einschl. des Vortrages aus dem Vorjahre von 29 005 Mark mit einem Reingewinn von 38 839 Mark ab, der vorgetragen werden soll. Eine Dividende kommt wieder nicht zur Verteilung, lieber die Zukunftsaussichten lasse sich im Hinblick auf die allgemeine Wirtschaftslage nichts Voraussagen. Die Generalversammlung wird Ende August stattfinden. * Voigt & Haeffner AG., Frankfurt am Main. Bach dem Geschäftsbericht der Gesellschaft, die bekanntlich eine verminderte Dividende von 6 (1.03.9) Prozent auf die Stammaktien vorschlägt, hielt der Absatzrückgang,^der sich vom Sommer ab stärker bemerkbar machte, bis zum Schluß des Jahres 1929 an. Lieber die Geschäftslage im neuen Jahre werden keine Angaben gemacht. Die Ziffern der Bilanz und der Gewinn- und Derlustrechnung sind bereits mitgeteilt worden. * Ludwig Ganz AG., Mainz. Wie die Verwaltung mitteilt, hat die Gesellschaft, da die Verhandlungen zwecks Behebung der Illiquidität bisher zu keinem Ergebnis geführt haben, die Zahlungen offiziell eingestellt und gestern durch Rundschreiben den Gläubigern davon Mitteilung gemacht. Die Gläubiger werden um ein dreimonatiges Moratorium ersucht. In der auf den 5. Juli einzuberufenden GV. der Gesellschaft soll Mitteilung gemäß § 240 HGB. (Verlust von mehr als der Hälfte des Aktienkapitals) gemacht werden. • Die Robert Bosch AG., Stuttgart schließt einschl. Vortrag mit einem Reingewinn von 3,59 Millionen Mark, von dem 1,5 Mill. Mk. zu Sondcrabschreibungen auf Anlagen, 1 Mill. Mark für Lleberweisung an die Bosch-Hilfe (Lln- terstützungskasse) verwendet werden. Der Rest wird vorgetragen. * D i e Berlin - Karlsruher Industrie - Werke AG., Berlin erzielte im Jahre 1929 einschließlich 1,27 Millionen Mark Vortrag einen Reingewinn von 1,88 Mill. Mark, der vorgetragen werden soll. Die Verwaltung erwartet im laufenden Jahr ein besseres Erträgnis. , . * Verein für Zellstoff-Industrie AG., Berlin. Die Gesellschaft will die Kostheimer Cellulose- und Papierfabrik AG., Mainz- Kostheim, im Wege der Fusion übernehmen. Die Generalversammlung am 7. Juli soll daher über die Erhöhung des Aktienkapitals um 4 auf 11,1 Millionen Mark beschließen. Weiter wird eine 8prozentige Obligationsanleihe von 7 Mill. Mk. begeben. Die Gesellschaft ist immer noch ausreichend beschäftigt und war bisher nicht gezwungen, auf Lager zu arbeiten. * AG. für Verkehrswesen, Berlin. Der Aufsichtsrat beschloß, einen erheblichen Teil des 1929 erzielten Gewinnes zurückzustellen und dementsprechend der GV. eine Dividende von nur 5 (i. 03.11) Prozent vorzuschlagen. Der Anlaß zu diesem Schritt ist in der Tatsache zu suchen, daß die Allgemeine Ballgesellschaft Lenz & Co. GmbH., Berlin das Ia.hr 1929 ohne nennenswerten Gewinn abschließen wird. (Bilanz* sitzung am 18. Juni.) gen. Auch der Rentenmarkt war stark vernachlässigt. Altbesihanleihen gaben um bis zu zwei Prozent nach. Don Ausländern waren Mexikaner wieder etwas fester. Am Devisenmarkt hat sich an der Lage kaum etwas geändert. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 2,5 Prozent sehr leicht und flüssig, so daß auch schon hiervon ausgehend die Börse, die ziemlich zuversichtlich schloß, eine Anregung erhielt. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Am Frankfurter Getreidemarkt war das Geschäft auch in dieser Woche äußerst ruhig. Es fehlte weiter an Anregungen. Da auch das Ausland zumeist schwächer war, ging auch von hier keine Anregung aus. Das für den Saatenstand günstige Wetter drückte weiter auf die Stimmung, doch war die Marktlage im allgemeinen ziemlich stetig. Der Besuch war infolge der jüdischen Feiertage ziemlich schwach. Inlandweizen kam weiter sehr knapp an den Markt und lag im Zusammenhang mit der nunmehr beschlossenen Verlängerung des 50prozcn- tigen Beimahlungszwanges weiter fest. Weizen neuer Ernte ist reichlich angeboten und neigt infolgedessen zur Schwäche. — Am Roggenmarkt war die Lage unverändert. Das Angebot war zwar nicht mehr so groß und der Preis unverändert. — Gerste war in dieser Woche vollkommen vernachlässigt, so dah hier ein weiterer Verlust die Folge war. — Hafer unverändert. Das Geschäft war sehr klein. — Für Weizenmehle war der Konventionspreis der rheinischen Grohmühlen um 25 Pfennig erhöht. Das Geschäft konnte sich im Zusammenhang mit der festen Haltung dös Weizenmarktes etwas beleben. Roggen- mehl war dagegen weiter vernachlässigt und schwächer. — Am Futtermittelmarkt war die Marktlage unverändert. Das Geschäft war sehr still. Lediglich Oelfuttermittel noch gefragt. — Hülsenfrüchte unverändert, Rauhfuttermittel nur wenig verändert. Kartoffeln aus den bekannten Gründen weiter befestigt. Im 03ergleich mit den Preisen der vergangenen Woche konnte Weizen um 10 Mark anziehen, während Gerste 5 Mark nachgab. Roggen, Hafer und Weizenkleie unverändert. Weizenmehle plus 0,25 Mk., Roggenmehl minus 0,50 Mark und Roggenkleie minus 0,25 Mark. Die Woche schloß zu folgenden Votierungen: Weizen 325 bis 325,50, Roggen 171 bis 172,50, Gerste 200, Hafer 165 bis 167,50, Roggenkleie 7 bis 7,25, Weizenmehl, südd. 45 bis 46, Weizenmehl, Niederrhein. 44,75 bis 45,75, Roggenmehl 25,25 bis 26,25, Weizenkleie 6,90 bis 7, Kartoffeln per Zentr. 3,75. Erbsen 26 bis 35, Linsen 38 bis 80, Heu, südd. 8, Weizen- und Roggenstroh drahtgepr. 4,75, gebündelt 5,25, Treber 9,50 bis 10,25. — Die Preise verstehen sich für Getreide per Tonne, für das übrige per 100 Kilogramm Frachtverrechnung Frankfurt a. OIL Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachtviehmarkt. Am Frankfurter Schlachtviehmarkt trat das erhoffte Pfingstfeiertaggeschäft nicht ein, was mit dem zur Zeit günstigen Wetter in Zusammenhang gebracht wurde, da aus diesem Grunde die Metzger nur spärlich einkauften. Einen starken Preisverlust muhten Kälber hinnehmen, die auf den großen Auftrieb bis zu 9 Mk. ein* büßten. Das Geschäft war recht langsam, doch wurde der Markt nahezu geräumt. Auf dem Rindermarkt war der Auftrieb sehr schwach. Bei regem Handel und anziehenden Preisen wurde ausverkauft. Das angetriebene Vieh war von mittlerer Qualität. Der Abtrieb nach auswärts betrug nur etwa 40 Proz. des Auftriebs. Schafe wurden wegen des geringen Auftriebs nicht notiert. Am Schweine* Philipp Holjinann 7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Cementwerk Karlstadt. ... 10 Woytz & Frey tag......8 6% Oeuimje Miajaameiqe tion 1927 ......... 7% Deutlche Reichsanleihe von 1929 .......... Deutsche Anl.-AblöDSchuld mii Auslos.-Rechten....... DeSgl. ohne Auslos.-Rechte . . 6% Hess. Bolksstaat von 1929 trüchahlb. 102%)...... Lberhessen Provinz - Anleihe mh Auslos.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 8% Franks. HvV.'Bcmk Goldpse XIII unkündbar bis 1934 . . 7% Franks. Hqp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 Zrles Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß, lurö Schlußk. Mittagbörse Valum 5 6 6 6 5 6 6 6 «eiemigie Stahlwerke..... Olavi Minen......16’/, 94 94 93 9 94 25 — 51 5 51.25 51 13 Kaliwerke Aschersleben ... 10 223 224.25 222 225 Kaliwerke Westeregeln ... 10 226 227,5 225,5 228 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 410 413 409,5 412,5 Fronklurt a.M. Berlin Schluß- hird Schlußk. Abendbörse Schluß- lurd Schlußk. Mlllag- börse Oalum 5 6 6 6 5 6 6 6 Frankfurt o. M. Lerlin Schluß- kurd Schluß?. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag, börse Votum 5 6 6 6 5 6 6 6 — 112.75 110 174 112 25 174 110.5 112,75 110,25 112,75 115 114 75 115,25 115,25 126 125.75 126 125.75 — 173.5 174 173,25 150.5 150,5 150.5 150,5 229 228,5 228 228 140.5 140 5 140 140,5 141.5 141.25 141,5 141,5 290,5 294 292.5 293 164,5 166,25 164,13 165 — — 185.5 185.25 152.5 153 152 — 161 161 160,5 — 117 119 117,5 119 161,5 162 161,5 161,5 — — —— 138,5 — 147,5 149,5 163,5 148,5 — — 164.5 179 180,5 177.5 180 247,5 245.5 246,13 — —— — 168.5 168,5 168,75 168.25 75,5 70,5 75,25 77,25 — 99 98 98.75 135,75 — 136,4 137,25 124.6 124,5 124.5 126,5 — 104.25 105 — 220 216.25 219,5 100 100,5 100 100,4 — — 101,75 103 25 101 103,25 101,13 103,5 70 70 70.25 70,5 — — — — 107,75 108,13 94 96 —— 95 231,5 230,5 230 118 119 117,4 119 — 1 — — — 100,5 101,5 117.5 130 84,5 101 101 5. 3uni 6. Juni 118 Amtliche Notierung Amtliche Notierung 130 83,25 82,75 83,5 Geld Brie, Geld Ariel Amst.-Nott. 168,36 168,70 168,35 168,69 313,25 316,5 Bilen.-Aires 1,509 1.594 1,587 1.591 — — Bcss.-AnNv- 58,415 58,535 58.425 58.545 — —— 262,5 263,5 Christiania. 112.04 112,26 112 03 112.25 — 100 97,75 99,5 Kopenhagen 112.01 112.23 112.04 112.26 110 111 108 110,5 Stockholm - 112,35 112,57 112.34 112.56 — 168,75 166 168,5 .sielstnafors. 10,54 10 56 10.543 10.563 — 135,5 134.13 135 Italien - - . 21.93 21 97 21.93 21 97 — — 103,25 103,25 London - . . 20,342 20,382 20.343 20,383 — 162.5 163 Neulyrk . . Paris. . • . 4,187 4.195 4.187 4.195 37 —— 37 13 37,5 16,415 16,455 16,42 16.46 233,5 234,5 233 234 Schwei; .. 81,055 81215 81,04 81 20 — — 50,75 51 Spanien. ■ 50,68 50,78 50,68 50,78 —— — 185 — Japan - - - 2.070 2,074 2.070 2.074 — — 78,25 78,75 Wo de Jan 0,4905 0.4915 0,4905 0,4925 157 156 158 157,5 Wien in D-» 321,5 320 323 Ceft abgest 59,055 59,175 58.05 58.17 Prag . . - - 12,424 12.444 12 422 I2.44« 29 27 28 27,75 Belgrad . - 7,396 7 410 7.396 7 411 36.5 37,25 36 36,5 Budapest. . 73,16 73.30 73.18 73,32 — Bulgarien . 3.039 3,045 3,035 3,041 41,13 41,13 41,75 41,5 Lissabon . . 18.80 18,84 18.80 18,84 98 98.25 Danzig. . . Konstantin. 81,35 81.50 81.33 81.49 — — 1'785 1,789 1,784 1,789 118.5 — 117 117 Athen. , 5,42 5,43 5,42 5,43 106 106 Canada . 4.185 4,193 4,183 4,191 160 160 Urn uay. . 3,806 3,814 3,806 3,814 158,75 — 160 I 158,5 Cairo . . 20,865 20,905 20.865 20,905