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Zernsprechanschlüste anterSammcInummer2251. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger -lefzen. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und §1e!ndruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig; für Re« klameanzeigen von 70 min Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20", mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen. Der Etat der Reichswehr vor dem Hauptausschuß. Denn die Sozialdemokratie im Reiche in der Opposition ist, so werden Reichswehr und Reichswehrhaushalt das Ziel ihrer schärfsten Angriffe. Wenns nur bei der Haushaltkritik bliebe, so liehe sich nichts dagegen einwenden, allein die Sozialdemokratie sieht in der Reichswehr dann nur noch eine Einrichtung, die deshalb überflüssig und gefährlich erscheint, weil sie sich nicht zu parteipolitischen Zwecken ausnutzen läßt. Soweit keine Aussicht besteht, mit dieser Kritik im Reichsrat und Reichstag durchzukommen, weil die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes sowohl wie ihrer Vertreter aus sehr triftigen Gründen für eine volle Ausschöpfung der uns durch den Versailler Vertrag noch gelassenen Möglichkeiten der militärischen Dertcidigungs- mittel ist, werden skrupellos Verdächtigungen über geheime Rüstungen und Waffenbestellungen losgelassen. Man könnte sich dies ruhig sparen, denn die Eiegermächte leisten sich nicht nur militärische Mitglieder ihrer diplomatischen Vertretungen, sie unterhalten darüber hinaus auch noch ein Heer von Agenten, das die Reichswehr umspihelt und beobachtet. Selbst der Versailler Vertrag, der doch in einer Zeit entstanden ist, al- die Sieger in der überhitzten Kriegspsychose das deutsche Volk für alle Zeiten wehrlos iizachen wollten, hat dem Deutschen Reick) immerhin noch einige bescheidene Derteidigungsmittel belassen müssen. Also auch die Sieger rechnen damit, dah Deutschland einmal in die Lage kommen könnte, sich verteidigen zu müssen. waS auch nach Aussassung der Sieger nur mit den Mitteln der Waffentechnik möglich ist. Der Haushalt der Reichswehr schlieht für 1930 in Einnahmen und Ausgaben mit 697 Millionen Mark. Gewiß, das ist für ein Heer von hunderttausend Mann reichlich viel, zumal dann, wenn damit die Kosten des Volksheeres in der Vorkriegszeit verglichen werden. Dieser "Vergleich hinkt schon deshalb, weil auch die Geldentwertung berücksichtigt werden muh. Die Reichswehr ist aber kein Volksheer auf Grund dec allgemeinen Wehrpflicht, sondern ein Söldnerheer, in dem jeder Mann angemessen bezahlt werden muß. 3m übrigen hat die Labour-Regierung in England im Haushalt für 1933 nicht weniger als 2,3 Milliarden Oltarf für Heer und Marine eingesetzt, trotzdem auch England die allgemeine Wehrpflicht nicht kennt, sondern ein Söldnerheer unterhält. Daß die Ausrüstungsgegenstände der Reichswehr heute mehr Geld kosten als vor dem Kriege, soll auch auf anderen Gebieten vorkom- men. Die Reichsbahn muß für eine Lokomotive heute das fünf- oder sechsfache der Vorkriegszeit bezahlen, so daß es nicht unbedingt eine Verschwendung zu sein braucht, wenn die Reichswehr für Waffen und Ausrüstung eine verhältnismäßig große Summe ausgibt. 3n dieser Summe stecken ja die Arbeitslöhne, die auch heute noch in der Rüstungsindustrie viel höher sind als in anderen Wirtschaftszweigen. Dah in der Reichswehr der Pazifismus nichts zu suchen hat, das hat vor einigen Jahren besonders überzeugend kein geringerer als der General Reinhard dargelegt, der in den ersten Jahren nach der Staatsumwälzung als Kriegsminister die Reichswehr organisierte. Iede Wehrmacht würde ihren Beruf verfehlen, wenn sie sich selbst für überflüssig hält. Es ist eine Anmaßung, wenn man von dem Luxushaushalt der Reichswehr zu reden wagt, weil den Angehörigen der Reichswehr eine Ausrüstung zugebilligt werden soll, die den Erfordernissen der militärischen Technik entspricht. Polen und die Tschechoslowakei. um nur kleinere Rachbarstaaten zu erwähnen, lassen sich ihre Heeresausrüstung erheblich mehr kosten als das Deutsche Reich. Wag sein, daß viele Kritiker aus mancherlei Gründen für die Reichswehr kein Verständnis haben, aber das deutsche Volk vergißt in seiner Mehrheit nicht, daß die militärische Erziehung eines Aahrhunderts die Voraussetzung dafür war. dah das in seinen Stämmen zerrissene deutsche Volk nicht nur zur politischen Einheit, sondern auch zur wirtschaftlichen und geistigen Macht aufsteigen konnte. Die fuchsige Sparsamkeit, die gewisse Parteien vor dem Kriege in Heeres- ausgaben bekundeten, ist eine der Ursachen gc» toefen, daß der Verteidigungskrieg des deutschen Volkes verloren wurde. Ausgaben für die Reichswehr nur dann für gerechtfertigt zu halten, wenn Kriegsgefahr droht, ist ungefähr so schlau, als eine Feuerspritze anzuschaffen, wenn das Haus abgebrannt ist. (Sitzungsbericht. 6. Mai. (D. D. Z.) Der Haushalts- ausschuß des Reichstags trat in die Beratung oeä Daushalts des Reichswehrministeriums ein. Der 'Berichterstatter Abg. Stück! en (Soz.) erklärte. Ersparnisse in umfangreichem Maße seien nur möglich, wenn man von dem Grundsatz ab- geht, die Möglichkeiten des Versailler Vertrages auszuschöpfen, wenn man vielmehr das ungesunde Verhältnis zwischen 3nfantcrie und Kavallerie dadurch ändert, daß mehrere Regimen- ter Kavallerie abge schuf ft werden. 3m vorliegenden Etat beansprucht die Reichswehr einen effektiven Aeichszuschuß von 502 Millionen. Der Redner verlangt schließlich Auskunft über die Beschäftigung früherer Offiziere auf Privatdien st vertrag. Abg. Er sing (Z.) betonte als Mitberichterstatter, dah die meisten Ausgaben der Reick^- wehr zwangsläufig seien. Der Personalabbau habe sich leider nur auf untergeordnete Stellen erstreckt, nicht auf zivile Reserentenstellen. Abg. Dr. Leber (Soz ) wünschte nähere Auskunft über nationalsozialistische Zellenbildung im Offizierskorps. Bedenklich seien die Methoden beim Ofsiziersersatz. Die Pserde könnten durch Gymnastikapparate erseht werden. wenn sie nach amtlicher Auskunft nur dazu dienen sollen, den Offizieren die Felddienstfähigkeit zu erhalten. '21 bg. Külz (Dem.) erklärt, mir haben zum Mi- nister das Vertrauen, daß er aus der Reichswehr das machen wird, was sie sein soll, ein zum Gehorsam erzogenes In st r u ment in der 5) and des Staates, bestimmt zu seiner Verteidigung. Wenn Einzelerscheinungen auftreten, die dem zu widersprechen scheinen, so sind wir überzeugt, dah der Minister selbst mit ganzer Kraft für '21bftellung sorgen wird. Das Offizierskorps muh ge- schlossen bis auf den letzten Mann sich vollkommen verbunden fühlen mit diesem Staat. Abg. Dr. Cremer (D. Vp.) wies darauf hin, daß die jetzige Reichswehr ein Berufsheer fei. Daraus ergebe sich die Unmöglichkeit, die Verhältnisse des alten Heeres bei den Ausgaben zum Vergleich heranzuziehen. Beim Offiziersersatz könne man nicht von Exklusivität sprechen. Vielfach seien Söhne unterer Beamten zu Offizieren gemacht worden. Abg. Sachsenberg (Wirtsch.) führte aus, seine Partei wünsche die volle Ausschöpfung der im Versailler Vertrag gebliebenen Möglichkeiten, aber größere Sparsamkeit sei in der Heeresver- wallung geboten. Abg. Schmidt- Stettin (Dn.) bat um Mitteilung des Gutachtens des Reichssparkommissars nach der Durchprüfung des Etats. Der Personalabbau habe leider in der Hauptsache nur die höheren Stellen betroffen. Abg. Schöpflin (Soz.) erklärte, wenn der Reichswehrminister nicht die Gerüchte über angebliche geheime Rü st ungen widerlegen könne oder wolle, dann seien die Sozialdemokraten genötigt, im Plenum vom Reichskanzler Aufklärung zu verlangen. Abg. Dr. Köhler (Zentr.) betonte, dah auch das Zentrum über diese Frage eine klare Auskunft vom Wehrminister erwarte. Trotz der vielen Erläuterungen seien doch manche Positionen im Wehretat recht unklar geblieben. Der Verdacht bleibe bestehen, daß noch manche unsichtbaren Reserven vorhanden sind. Bei den Ausgaben sei das Sparsamkeitsprinzip nicht überall beachtet worden. Die von den Monopolfirmen für den Heeresbedarf festgesetzten großen Preiserhöhungen müßten auf ihre Berechtigung nachgeprüft werden. 3nzwischen wurde ein Antrag der Sozialdemokraten eingebracht, worin erhebliche Kürzungen der Staatsmittel für Gefechts- und Ge- ländeschießübungcn, für Waffen, Munition und Hceresgerät, für Pionierwesen, Befestigungen usw. sowie für das Rachrichtenwesen verfangt werden. Von den Kommunisten ging eine Entschließung ein, in der die unner^iglid^ Verlesung des ungekürzten Berichts des Reichssparkommis- sars gefordert wird. Reichswehrminister Gröner führte aus: Wir wollen einen stabilen Etat haben, aufgebaut auf dem Ruheffekt des Jahres 1928, da das Rotjahr 1929 keinen Maßstab bietet. Der vorliegende Etat hat die Billigung der vorigen Regierung gesunden. Alle die hier angeführten Dinge sind von der Gesamtregierung gebilligt worden. Es ist nicht so als ob der Reichswehrminister eine Sonderpolitik führen könnte oder geführt hätte. Bei allen Maßnahmen, die außenpolitische Wirkung haben könnten, ist der Wehcminister von der Zustimmung des Außenministers abhängig. Die sozialdemokratischen Redner könnten vom früheren Reichskanzler Müller erfahren, dah es auch tatsächlich so gehandhabt worden ist. Was die politischen Zersctzungsbe- strebungen betrifft, fo möchte ich keinen Zweifel darüber lassen, dah ich rücksichtslos allen Versuchen, den Gehorsam in der Reichswehr zu untergraben, entgegentreten werde, dah ich kein Mittel scheuen werde, um allen Versuchen, innerhalb der Reichswehr die Disziplin und den Gehorsam zu untergraben, nicht nur zurück- weisen, sondern völlig unmöglich machen werde. Eine Wehrmacht, die nicht absolut aufgebaut ist auf dem bedingungslosen Gehorsam, taugt nichts. Den Zwang zur Beförderung eines bestimmten Prozentsatzes der Mannschaften zu Offizieren mühte ich absolut ablehnen. Dagegen sind wir eifrig bestrebt, durch Heraus- heben fähiger, begabter Menschen aus den Mannschaften und Unter» Offizieren dem Offizierkorps frisches Blut zuzuführen. Der Minister bestreitet, daß für den Osfizicrs- ersatz die Protektion entscheidend sei. Die Klagen über unmenschliche Behandlung der Soldaten seien nicht begründet. Die Herbstmanöver werden wir beibehalten müssen, um in der Truppenführung auf der Höhe zu bleiben. Bei der Beschaffung von Waffen und Munition wäre Sparsamkeit schlecht angebracht. — Der Minister antwortet dann in vertraulichen Ausführungen auf die Fragen der Abgeordneten Schöpflin und Dr. Köhler. Er betont dabei nochmals, dah er immer im Einverständnis mit dem Reichsauhen- minifter und dem Reichskanzler, auch mit dem früheren Reichskanzler Müller gehandelt habe. Dem Abg. Külz stimmt der Minister darin zu, daß er es für unhonong halte, wenn ein Offizier nach seiner Verabschiedung einer staatsfeindlichen Partei beitritt. Solche Fälle seien glücklicherweise auch nicht vorgekommen. (Zurufe links.) Auf Offiziere der alten Armee habe ich keinen Ein- fluh. 3ch habe aber den brennenden Wunsch, dah zwischen dem Offizierskorps des neuen Heeres und dem Offizierskorps der alten Armee die eng st en kameradschaftlichen Verbindungen bestehen. Um auch äußerlich diese Berlin,?. JUal (ERB.) Am 15. Mai spätestens, vielleicht sogar schon einige läge vorher, wird der neue Reparationsplan in Kraft freien können. Sofort im Anschluß an die Uebcrgabe der letzten Ratifikationsurkunden wird der Plan ingang gesetzt, denn alle technischen Vorbereitungen, die notwendig waren, um das rechtzeitige Funktionieren der Internationalen Zahlungsbank zu ermöglichen, sind bereits seit Wochen getroffen. Das wichtigste Moment für den Uebergang vom Dawesplan zum Poungplan wird die Ueberlragung der Konten, die die einzelnen Gläubigermächte bis jetzt bei der Reparationskommifflon in Paris hatten, an die Internationale Zahlungsbank fein, vis jetzt zahlte die Reichsregierung ihre einzelnen Kriegsschuldenraten auf das Konto des Reparationsagenlen bei der Reichsbank. Auch dieses Konto verschwindet. Die Restbeträge, die auf ihm noch vorhanden sind, werden auf das neu eröffnete Konto der Internationalen Zahlungsbank überschrieben werden. Am 15. Mai wird dieerstedeutscheZahlungaufdasneue Konto derInternatlonalenZahlungs- b a n k statt auf das Konto des Reparationsagenlen erfolgen, da ja im Haag die Zahlung in der Mo- nalsmille vereinbar! worden ist. Die Gutschrift auf das Konto der Internationalen Zahlungsbank wird auch die er sie deutsche Zahlung in Devisen fein, da ja künftig Devifenzahlung an die Reue Zusammenstöße. London, 6. Mai. (TU.) Die Verhaftung Gandhis ist in fast allen Städten und Dörfern Indiens als nationaler Trauertag begangen worden. Alle Arbeit ruhte. Aus den großen Städten werden Zusammen st öße mit der Polizei berichtet. Ernstere Zwischenfälle ereigneten sich in Panchalantaia auf der anderen Flußseile der Stadt Kalkutta, wo eine 3000töpfige Menschenmenge einen Zug zum Entgleisen zu bringen versuchte und die Polizei mit Steinen bewarf. Ein englischer Polizei- Inspektor und ein Sergeant wurden schwer verletzt. Polizeiverstärkung eröffnete hierauf das Jeuer, wobei 15 Indern verletzt wurden. In Kalkutta selbst wurden gleichfalls zwei Polizisten durch Steinwürfe verletzt. In D e I h i feuerte die Polizei auf die Menschenmenge, die sich in der Rähe des Polizei- amles angefammelt Halle, und die ihr gestellte Jriff von zehn Minuten für das Auseinandergehen unbeachtet ließ. Ansammlungen von mehr als fünf Personen auf den Straßen sind daraufhin verboten worden. Lin Kraftwagen, in dem zwei führende Polizeiossiziere befanden, wurde durch die Menge angegriffen und zerstört. Die Polizei ging mit Bam- busslöcken vor. Zwei der dabei verletzten Inder sind im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Bei Iullunder in Oberindien wurden 30 Inder bei Zusammenstößen verletzt. In Bombay versuchten die Arbeiter einer Baumwollspinnerei, eine Fabrik in Brand zu sehen. Die Polizei eröffnete das Feuer. Die genaue Anzahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Die britischen Behörden richten ihr besonderes Augenmerk auf Kalkutta, Bombay und Delhi. In Kalkutta sind 400 Engländer als besondere Schuhwehr im Straßendienst eingesehl worden. Ferner auch Panzerwagen. In Delhi fand eine große Frauendemonslralian als Protest gegen die Verhaftung Gandhis stall. Dabei kam es zu Zusammenstößen, wobei zwei Polizisten und eine Anzahl Inder verletzt wurden. Oie Inder in Afrika. London. 7. Mai. (WTB. Funkspruch.) „Times" meldet aus Nairobi: Von den Indern in ganz Ostafrika wurde der Dienstag wegen der Verhaftung Gandhis als Trauertag begangen. Die mohammedanischen Inder nahmen daran teil. Es wurden Umzüge und Versammlungen veranstaltet, die ohne Störungen verliefen. — Aus I o - hannesburg berichtet „Times", daß die indische Kongreßparlei alle Inder aufgefordert hat, am Ton- Verbindung zum Ausdruck zu bringen, werde ich für die nächsten Herbstmanöver auch eine Anzahl Offiziere des alten Heere- c i n l a b c n. Wir werden dazu auch Abgeordnete und Vertreter der Presse einladen, um eine weitere Entgiftung der Atmosphäre herbeizusühren. Der Andrang zur Reichswehr ist nach wie vor sehr stark. Diele Bewerber mußten ausgeschieden werden, weil sie sportlich übertrainiert und dadurch gesundheitlich geschädigt waren. Stelle der Reichsmarkzahlung tritt und die Enver- bung der für die Zahlung erforderlichen Devisen jetzt durch die Reichsbank, nicht mehr wie bisher durch den Reparationsagenlen statlsindel. Oie ftounqanieihe. Paris, 6. Mai. (WTB.) Die Verhandlungen über die Auflegung der ersten Tranche der Voung-Obligationen wurden heute nachmittag am Sih der Reparationskommstsion fortgeführt. Wie Havas erklärt, galt diese Sitzung dem Studium der technischen Modalitäten der Auslegung der ersten Vounganleihe. Obwohl eine offizielle Verlautbarung über die Ergebnisse dieser Beratung nicht vorliegt, scheint es. daß eine Verständigung zwischen den Delegierten der verschiedenen interessierten Staaten und den Der- tretem der 3nternat:onalen Zahlungsbank über folgende Punkte nahe bevorsteht: Die erste Vounganleihe soll mit 5,5 Proz. verzinst: und in 35 Jahren amortisierbar sein. Sie soll unter pari zu einem Sah ausgegeben werden, der noch nicht endgültig sestgeseht worden ist, aber der, wie bereits angedeutet wurde, verhältnismäßig sehr niedrig sein würde. Heber die Höhe des Betrages der auf den verschiedenen Märkten der Hnterzeichnerländer unterzubringenden Tranchen soll noch nichts Endgültiges festgelegt sein, doch dürfte der in Brüssel von den Dankleuten festgelegte Verteilungsschlüssel alle Aussicht haben, angenommen zu werden. nerstag zum Zeichen der Trauer die Läden zu schließen und an den geplanten Versammlungen teilzunchmen. Gandhi schreibt an den Vizekönig Tic Methode der „Nichtqcwalt." London, 6.Mai. (WTB.) Reuter berichtet aus Puna, daß Gandhi von einem Aerzte- ausschuß untersucht und sein Befinden als für einen Mann feines Alters gut bezeichnet worden sei. Eine große Menschenmenge aus Puna hat sich zu Fuß. mit Fahrrädern und in Lastkraftwagen in die Rähe des Gefängnisse« begeben. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. 3n einem zweiten Schreiben Gandhis an den Vizekönig, das Gandhi am Vorabend seiner Verhaftung verfaßt hatte, heißt es u. a.: 3ch kenne die Gefahren, die die von mir angenommene Methode begleiten. Aber das Land wird das, was ich will, nicht mißverstehen. 3ch sage, was ich will und denke. Der einzige Weg, um Gewalt zu beseitigen, ist durch re inc Richtgewalt. Wenn trotz wiederholter Warnungen Leute zur Gewalt greifen, so muß ich die Verantwortung dafür ablehnen. Ziehen Sie eine gewaltsame Erhebung vor? Die Geschichte wird das Urteil fällen, dah die britische Regierung, die die Richtgewalt nicht ertrug, weil sie sie nicht verstand, die menschliche Ratur zur Gewalt antrieb, der Jic zu begegnen wußte. Gandhi schließt mit dem Ersuchen an den Vizekönig. d i e Salz st euer aufzu heben. Das Schreiben, das mit der Anrede „Lieber Freund" beginnt, endet mit den Worten „3hr aufrichtiger Freund M.K. Gandhi". Oie indische Regierung ist befriedigt. London, 6. Mai. (T- AI.) Don einer der Regierung nahestehenden Seite wird in einem CBerid}t der „Times" aus Simla mit Befriedigung feftgcftellt, baß die Verhaftung unter einer alten Verfügung der Bombayer Regierung erfolgte. Dadurch werde in erster Linie die Rot Wendigkeit eines Gerichtsverfahrens vermieden, das zu Kundgebungen Gelegen- S^geben und vielleicht zu Zusammenstößen geführt hätte. Daneben empfinde man es angenehm, daß Gandhi nicht zu einem verurteilten Gefängnisinsassen abgestempelt, sondern lediglich für eine der Regierung genehme Zeit im Gefäng- nis festg.ehalten werde. Die Rachricht von der Verhaftung selbst sei in Simla ohne besondere Erregung ausgenommen worden, da in bei Vor dem Inkrafttreten des Aoungplans. Am 15. Mai leistet Deutschland die erste Devi enzahlung an die Internationale Zahlungsbank. Der nationale Nanertag in Indien. letzten Tagen nicht nur in Regierungskreisen, sondern allgemein Gerüchte über die bevorstehende Verhaftung umgelaufen seien. Im allgemeinen hat die Verhaftung auf englischer Seite eine gewisse Genugtuung darüber ausgelöst, dah eine untragbar gewordene Lage eine Aen- derung gefunden habe, und dah die britische Verwaltung, wie immer die Folgen der Verhaftung sein mögen, innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage die weitere Entwicklung genau kennen werde. Man hofft, dah nach einem kurzen Sturm die Lage bald wieder normal sein wird. In iedem Fall sei die Verhaftung der bis dahin vorhandenen Hochspannung vorzuziehen, die das Geschäftsleben in hohem Grade beeinträchtigte. Rückwirkungen auf die deutsche Textilindustrie. Berlin, 6. Mai. (LRB) wie die „B. Z. am Mittag" zu berichten weih, sind deutsche Textilhäu- ser. die am Export nach Indien interessiert sind, von ihren indischen Vertretern davor gewarnt worden, augenblicklich Sendungen nach Indien abznschicken. Es werde dort zur Zeit in einer so scharfen Jortn gegen fremde Textilien Stimmung gemacht, dah sich die Händler verpflichtet fühlen, jede Auslandware zu boykottieren, von diesen Vorgängen werden vor allem Unternehmungen des sächsischen Gebietes betroffen, die teilweise ein lebhaftes Exportgeschäft in bedruckten Stoffen nach Indien betreiben. Bei der Handelskammer in R o u b a i.x (Jlotö- frankreich) ist ein Telegramm aus Delhi cingegan- gen, dessen Inhalt von dem französischen Handelsattache in Indien bestätigt worden ist. Danach sei bei der Lieferung von Stoffen und Webwaren nach Indien gröhle vorficht zu beobachten, da die waren infolge des Boykotts der ausländischen Erzeugnisse wahrscheinlich nicht obgeliefert werden können und die Lie- rungen zurückge wiesen werden. Oie Lage in (Spanien. Kommt ein schärferer Kurs? Madrid, 7. Mai. (TU.) Wie vorauszusehen war, ist der Dienstag in Madrid ruhig verlaufen. Dagegen kam es in Barcelona und Valencia zu Kundgebungen, bei denen die Studenten wieder von Pflastersteinen und Dachziegeln ausgiebig Gebrauch machten. In beiden Städten gelang es der Polizei, ziemlich rasch die Ordnung wiederherzustellen. In Sevilla wurde als Vorbeugungsmaßnahme die Universität ebenso wie in Madrid bis auf weiteres geschlossen, während die Studentenschaft in Salamanca einen 48stündigen Streik erklärte. Die Regierung scheint nach Mitteilungen aus dem soeben beendeten Ministerrat entschlossen zu sein, jeder Wiederholung der Kundgebungen energisch entgegenzu- Lreten. Zunächst hat die Regierung republikanische oder sozialistische Versammlungen bis auf weiteres verboten. Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen wird in gut unterrichteten Kreisen von einem demnächst bevorstehenden Regierungswechsel gesprochen, wobei angeblich schärfer durchgreifende Männer an die Spitze gestellt werden sollen. Die Peseta ist am Dienstag an der Madrider Börse erneut gefallen. Wahlsreiheit in Oberschlesien. Ulitz wird von polnischen Aufständischen am Reden gehindert. Laurahütte, 7. Mai. (WTB.) Für Montagabend war hier eine Wahlversammlung der deutschen Wahlgemeinschaft einberufen, zu der mehrere hundert Personen erschienen waren. Die Versammlung nahm zunächst einen ruhigen Verlauf. Als Ll l i tz, der Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes, das Wort ergreifen wollte, kam es zu Tumulten, die von Mitgliedern des Polnischen Aufstän- difchen-Verbandes hervorgerufen wurden. Als ein Mitglied versuchte, eine Hetzrede zu halten, wurde die Versammlung polizeilich aufgelöst. Auch in Kattowitz ist eine von der D eu t s ch en Wahlgemeinschaft angesehte Wahlversammlung für die schlesischen Sejmwahlen in den Reichshallen von Aufständischen gesprengt worden. Einige Versammlungsteilnehmer wurden durch Stühle, die von der Galerie geschleudert wurden, verletzt. Das starke Polizeiaufgebot griff nicht ein. Ein Versammlungsteilnehmer, der sich gegen die Angriffe der Banditen wehren wollte, wurde verhaftet. Auf die Rachricht von der Versammlungssprengung kam es in den Straßen zu größeren Ansammlungen, die von der Polizei auseinandergetrieben wurden. Damit ist schon die zweite Wahlversammlung der Deutschen gesprengt worden. Die deutschen Kandidaten haben also keine Möglichkeit, vor den Wahlen mit dem gleichen Recht wie die polnischen Staatsbürger vor ihre Wähler zu treten. Oie Osthilfe. Das Reichskabinett stellt die verfügbaren Mittel fest. Berlin, 6.Mai. (ERB.) Wie wir erfahren, hat das Reichskabinett in seiner heutigen Sitzung die Mittel f e st ge st e l l t, die ihm für die Verwirklichung einer Osthilfe im Augenblick zur Verfügung stehen. Diese Mittel dürften sich nach dem Bericht des Reichsfinanzministers etwa folgendermaßen zusammensehen: Für die Hilfe für Ostpreußen stehen 29,3 Millionen im Etat, dazu kommen 22 Millionen für das Ostpro- g r a m m. Ferner könnten die Einnahmen aus der Verwertung des Reichsbesitzes im besetzten Rheinland verwendet werden und der Rest derRücklagenderBank f u r In d u st ri e o b l i g a t i o n en. Diese beiden letzten Posten schätzt man auf etwa 50 bis 60 Millionen Mark so daß im ganzen etwa rund 1 10 Million. M k. in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen dürften. Das Reichskabi- nett ist sich heute schlüssig geworden, die Aufgaben der Osthilfe so zu zerlegen, dah zunächst auf der Basis der erwähnten verfügbaren Gelder ein Sofortprogramm in Angriff genommen wird, das die dringendsten Aufgaben umfaßt, während die Fragen die noch ein genaue« Studium und weitergehende Vorbereitungen erforderlich machen, später organisch Wo fleckt die Reichsreform? Nie Länderkonferenz. Von unserer Berliner Redaktion. Der neue Reichsinnenminister Dr. Wirth will die Kurbel über die Verhandlungen in Sachen Reichsreform jetzt wieder etwas weiter drehen. Er will die Ausschüsse der,sog. Länderkonferenz, die nun schon seit Jahr und Tag über die beste Lösung beraten, in etwa vier Wochen nach Berlin zusammenberufen und hofft, dann die Verhandlungen über Organisation und Zuständigkeit von Reich und Ländern zum Abschluß bringen zu können. Warten wir ab, inwieweit dieser Optimismus berechtigt ist. Nach dem bisherigen Gang muß allerdings ausgesprochen werden, daß in diesen Beratungen der Länderkonferenz zwar sehr viel guter Wille der einzelnen, aber auch mehr nicht festzustellen war. Es sind sehr schöne Resolutionen gefaßt, es sind auch Entwürfe ausgearbeitet, die Vorarbeiten des Luther-Bundes wurden fleißig benutzt. Man hat die Schlagworte von der Endlösung, von der Zwischenlösung und von der vorläufigen Endlösung geprägt. Aber dabei ist es auch geblieben. Mehr konnte freilich nicht herauskommen, weil bei den verschiedenen Regierungen zwar die Einsicht vorhanden ist, daß etwas geschehen muß, weil aber keine von ihnen auch nur ein Titeichen von ihren Rechten aufgeben will, solange ihr das Feuer nicht unter den Nägeln brennt. Und der preußische Ministerpräsident Braun hat im Ausschuß schmucklos ausgesprochen, daß Preußens Vertreter auf der Länderkonferenz, der sehr stark auf ein positives Ergebnis gedrängt hat, lediglich seine persönliche Ansicht vertreten habe, ohne dadurch die preußische Re- a n dasS vf o r tpr o g r am m angeschlos- s e n werden sollen. Diese Zweiteilung hat ihren Grund in der Rotwendigkeit, dem Osten so schnell wie möglich zu helfen. Zu dem Sofortprogramm gehört z. B. das Problem der Umschuldung. Es ist deshalb mit ausgenommen worden, weil eine Hinauszögerung die Zinsenlast nur noch anschwellen lassen würde. Für den späteren Teil der Hilfsmaßnahmen für den Osten sollen dann noch Erhebungen angestellt werden, die sich namentlich auch auf die Mitwirkung Preußens erstrecken. Sehr schwierig ist die Frage, wie die Osthilfe räumlich angefaht werken muh. Man ist zu dem Beschluß gekommen, zunächst eine Grenzzone festzustellen, in Der die Rot am drückendsten ist, und über diese Zone nach dem Innern mit der Zeit eine Erweiterung anzuschließen. Es ist beabsichtigt, die (Sofort» Vorlage so schnell wie möglich auszuarbeiten, damit sie dem Reichstag noch bis zur dritten Lesung des Reichshaushaltes vorgelegt und gleichzeitig mit ihm erledigt werden kann. O.eVereinbarung zwischen dem Staate Hessen und dem früheren Großherzog. D a r m st a d l, 6.2Hai. (7DIB.) Die Vereinbarung zwischen dem ehemaligen Großherzog von Hessen und dem Volksstaate Hessen, die im Iahre 1928 vom Hessischen Landtag beschlossen worden ist, wurde heute vormittag in persönlicher Anwesenheit des vormals regierenden Großherzogs und feiner beiden Söhne sowie der sämtlichen Mitglieder des hessischen Gesamtministeriums formal gerichtlich beurkundet. Damit ist die vermögensauseinander- fehung zwischen dem hessischen Staate und dem vormals regierenden Fürstenhaus im beiderseitigen Einverständnis zum Abschluß gebracht worden. Tagung der oberhessischen Zentrumspartei. Bad-Nauheim, 6. Mai. (WTB.) Am Sonntag fand hier die Frühjahrs-Prooinzialverbands- tagung der oberhessischen Zentrumspartei statt. Der Vorsitzende, Landtagsabgeordneter W e ck l e r, schilderte die Lage im Reich und in Hessen. Die hessischen Finanzen ständen günstiger denn je. Der Redner streifte auch die Verhandlungen mit dem Landbund wegen Aufnahme in die Koalition. Die Ansprüche auf die Besetzung des Finanzministeriums seien für das Zentrum unannehmbar. Diese Forderung solle aber jetzt fallen gelassen sein, und man fordere eine Sparministerstelle in der Landbundbesetzung. Landtagsabgeordneter Keller sprach sodann über die Beratung des Voranschlags und über das Sparprogramm der hessischen Regierung. Den beiden Referaten schloß sich eine rege Aussprache an. Oie Berliner Stadtverwaltung. Berlin, 7. Mai. (CNB.) In einem Dringlichkeitsantrag fordert die nationalsozialistische Stadtoerordnetenfraktion schwere Vorwürfe gegen Stadtschulrat Nydahl nachprüfen zu lassen. Die Nationalsozialisten geben an, daß ihnen die eidesstattliche Versicherung eines leitenden Angestellten einer Pianofabrik vorliege, in der behauptet würde, Nydahl habe sich bei der betreffenden Fabrik b e i 2Ui» fdjaffung von Schulpianos für jedes gelieferte Stück 10 Prozent Provision ausbedungen und sie auch erhalten. Für die Pianos und Flügel seien ganz unangemessen hohe Preise bewilligt worden. Ferner wird behauptet, daß der Stadtschulrat einen seiner Freunde veranlaßt habe, dem Magistrat ein Grund stück für Schulzwecke in Schmöckwitz zum Preise von 180 000 Mark anzubieten, obwohl der Besitzer das Grundstück kurz vorher für nur 85 000 Mark gekauft hätte. Kommunistenausschreitungen in Berlin Berlin, 6. Mai. (WTB.) Anläßlich der kommunistischen Demonstration gegen das vor einem Jahre erlassene Verbot des Rotfrontkämpferbundes kam es abends gegen 6.30 Uhr auf dem Koppenplatz zu schweren Ausschreitungen der Demonstranten. Ein P o l i z e i o f f i z ie r, der einen Demonstrationszug auflösen wollte, wurde von etwa 20 bis 30 Rotfrontbundleuten in Uniform, die anscheinend aus einem Lokal kamen, niedergeschlagen und im Gesicht und am Hinterkopf, vermutlich durch Schlagringe, verletzt. An verschiedenen Stellen der Stadt wurden die Demonstrationszüge auf Waffen durchsucht und einzelne Teilnehmer wegen verbotenen Waffen- tragens festgenommen. Festnahmen erfolgten zum Teil auch wegen Tragens der Uniform des verbotenen Rotfrontkämpferbundes. Insgesamt wurden etwa 20 Personen zwangsgestellt. gierung zu binden. Was Preußen recht ist, bleibt natürlich den anderen Ländern billig. Das ganze Werk der Länderkonferenz ist daher nicht eine Arbeit der einzelnen Glieder des Staates, sondern ledig- lichdieArbeitvonPrivatpersonen,die bestenfalls neues Material gesammelt haben, so daß die Gefahr besteht, daß wieder einmal sehr viel Zeit nutzlos verloren ist, ohne der unbedingt notwendigen Reichsreform auch nur um einen Schritt näherzukommen. Pikant übrigens, wie stark der Partikularismus der preußischen Sozialdemokraten sich herausarbeitet. Herr Braun hat die Parole ausgegeben, daß die beste Lösung der Reichsreform der Anschluß der kleineren norddeutschen Länder an Preußen sei. Er will also das Groß-Preußen auf dem Wege der Aufsaugung erreichen, weil das vielleicht die einzige Möglichkeit ist, um die sozialdemokratische Vorherrschaft, die jetzt ja im wesentlichen auf ihrer Stellung in der preußischen Regierung beruht, zu verewigen. Wer Sinn für politische Analogien hat, wird daraus die Erfahrung ableiten, daß also die Sozialdemokraten auf das gleiche Rezept gekommen sind, das die preußischen Konservativen vor dem Kriege erfolgreich brauchten. Nur daß sich inzwischen doch in unserer Umwelt einiges verändert hat und daß vor allem der verlorene Krieg uns zu einer Rationalisierung auch in dem großen Verwaltungsapparat zwingt. Gewiß ist es richtig, daß Preußen die Entwicklung noch am längsten abwarten kann, aber schließlich hat Preußen doch auch heute noch eine deutsche Aufgabe zu erfüllen, und die kann nicht gut darin bestehen, daß es versucht, die anderen Länder auszuhungern. Sachsen hat wieder einen Ministerpräsidenten. Dresden, 6. Mai. (WTB.) An der in der heutigen Landtagssitzung kurz nach 15 Uhr vorgenommenen Ministerpräsidentenwahl nahmen insgesamt 95 Abgeordnete teil; ein sozialdemokratischer Abgeordneter fehlte. Es wurden abgegeben für den Präsidenten Schieck 46 Stimmen der vereinigten bürgerlichen Parteien, für den Reichstagsabgeordneten F leih ne r 32 sozialdemokratische, und für den Abgeordneten Renner 12 kommunistische Stimmen. Die Rationalsozialisten gaben weihe Zettel ab. Da bei 90 abgegebenen Stimmen — die weißen Zettel zählen nicht mit — Schieck mit 46 (Stimmen die absolute Mehrheit erhalten hat, ist er zum Ministerpräsidenten gewählt. Mit der Wahl Schiecks, des bisherigen Präsidenten des sächsischen Staatsrechnungshofs, wird endlich die wvchenlange Degierungskrisis beendet, die auf den Rücktritt des Kabinetts Bünger folgte. Schieck wird vermutlich versuchen, ein Beamtenkabinett zu bilden, das von allen bürgerlichen Parteien, von den Deutschnationalen bis zu den Demokraten, unterstützt werden dürfte, aber ebenso wie vorher das Kabinett Bänger von der Duldung der Rationalsozialisten abhängen wird. Unruhen in Gi Pölten. Zusammenstöße zwischen Heimwehr und Schutzbund. Wien, 6. Mai. (WTB.) Rach den Ereignissen am Sonntag herrscht in Sankt Pölten noch immer starke Erregung. Gestern und heute kam es wiederholt zu Ausschreitungen und Reibereien zwischen Heimwehranhängern und Sozialdemokraten. Ein Vorfall gab Veranlassung, die Abteilungen der Sicherheitspolizei, die bisher vom Bürgermeister geleitet wurden, dem Bezirkshauptmann von Sankt Pölten zu übertragen, der militärische Unterstützung anforderte. In den Abendstunden kam es zu neuerlichen Ansammlungen. Die einschreitende Gendarmerie und die leitenden Beamten wurden beschimpft. Bei der Räumung der Straße erlitt ein Demonstrant durch einen Säbelhieb leichte Verletzungen. Die Abtei- lung, die die Räumung vornehmen sollte, wurde mit einem Steinhagel empfangen, wobei der Führer und zwei Beamte leichte Verletzungen erlitten. Es gelang schließlich, die Demonstranten zu zerstreuen, wobei zehn Verhaftungen vorgenommen wurden. Aus aller Welt. Schwere Erdbebenkatastrophe in Hinterindien. Ein Erdbeben, das am Montagabend große Teile von Birma heimsuchle, hat nach den von verschiedenen Seiten vorliegenden Rachrichten die 11 600- Einwohner-Stadt pegu vollständig zerstört. Insgesamt sollen 1000 Menschen getötet worden sein. In Rangoon sind 59 Personen getötet und 204 verletzt worden. Anter den Toten befindet sich, soweit bisher festgestellt werden konnte, kein Europäer. Da die Verbindungen mit Rangoon unterbrochen sind, liegen keine genauen Einzelheiten über das Anglück vor, doch ergibt sich aus den verschiedenen indirekten Meldungen etwa folgendes Bild: Auf die Erdstöße folgte eine Springflut und der Ausbruch von Feuer, pegu ist völlig vernichtet, Rangoon hat zum Teil sehr schwer gelitten. Etwa 50 Gebäude wurden zerstört, die weltberühmte Schwedagon pagode wurde beschädigt. Dem Hauptbeben ging eine Anzahl kleinerer Lrderschüt- terungen voraus. Die große Eisenbahnbrücke fünf Kilometer nördlich von pegu auf der Hauptlinie nach Mandalay wurde zerstört. Die indischen Extremisten, die in dem Erdbeben eine Strafe für die Verhaftung Gandhis sehen, haben in Rangoon große religiöse Demonstrationen abgehalten. In pegu wurde bei dem Erdbeben eine Reismühle völlig zerstört. Ein kinotheater brach zusammen, während die Vorstellung im Gang war. Die Bergung der Leichen ist noch im Gange. Die Zahl der Toten wird auf 5000 bis 7000 Personen geschäht. Schwerer Wirbelsturm In Texas. Der Süden des Staates Texas ist von einem schweren Wirbelsturm heimgesucht worden. Wieviel Orte von der Katastrophe betroffen worden sind, war bisher infolge der Zerstörung der Verbindungen nicht festzustellen. Viele einzelstehende Farmen sind verwüstet worden. Der Tornado hat auch zahlreiche Todesopfer gefordert. Nach den Mi Mitternacht aus mehreren Ortschaften eingetroffe» neu Meldungen waren bereits mindestens 30 Personen ums Leben gekommen. In der Morgenfrühe wurde mit weiteren 45 Todesmeldungen gerechnet, so daß die Zahl der Opfer sich auf über 70 erhöhen dürfte. Der Wirbelsturm raste in einer Bahn von einem Viertelkilometer Breite über eine Strecke von wenigstens 100 Meilen dahin und entschwand schließlich im Golf von Mexiko. Auch in anderen Teilen von Texas ist durch schwere Stürme großer Schaden angerichtet worden. Der Reichskanzler an Oskar von Miller. Der Reichskanzelr hat an Dr. Oskar v. Miller das folgende Telegramm gesandt: „Zur Vollendung des 75. Lebensjahres sende ich Ihnen, zugleich im Ramen der Reichsregierung, herzliche Glückwünsche. Mit tiefer Befriedigung können Sie auf ein Leben zurückschauen, d^s in verantwortlicher Tätigkeit der F ö r d e r u*n g deutscher Geisteswerke der Raturwissenschaft und Technik galt. Gelegentlich des Richtfestes des Studiengebäudes des Deutschen Museums, Ihrer neuesten Schöpfung, das an Ihrem Ehrentage stattfindet, wird Ihnen erneut bekundet werden, welche große Verehrung und Bewunderung die gesamte Kulturwelt Ihnen entgegenbringt. Mögen Euer Exzellenz noch viele Iahre weiteren erfolgreichen Wirkens beschieden sein." Regierungsjubiläum des Königs von England. König Georg beging am Dienstag sein 20jäh- riges Regierungsjubiläum. Aus diesem Anlaß waren alle öffentlichen Gebäude beflaggt. Eine im Hyde-Park aufgestellte Batterie feuerte um 12 Llhr mittags den Königssalut von 21 Schüssen. Dieselbe Ehrenbezeugung erwiesen zur gleichen Stunde sämtliche Standorte des Heeres und der Marine. Raubüberfall auf ein Diplomatenauto in Rumänien. Ein Kraftwagen, in dem sich der zur Zeit in Rumänien weilende amerikanische Finanzberatev in Polen, Charles Dewey, die Frau des polnischen Gesandten in Bukarest, Szembeck, und der rumänische Gesandte in Washington, Dawilla, befanden, wurde während der Rächt in der Rähe von Bukarest von sechs Räubern überfallen. Die Reisenden wurden mit P i st o - len bedroht und ausgeplündert. Frau Szembeck muhte ihre Schmucksachen ausliefern. Der Kraftwagen kehrte vom Schloß Mogoshoioa, wo der Fürst Dibesco zu Ehren Deweys ein Essen veranstaltet hatte, nach Bukarest zurück. Die Räuber liehen die Ausgeplünderten ihr«. Fahrt fortsetzen. Oie Wetterlage. Xoryna Vai. SeyapQord' 3E Norddia, Köst 1Z _ Klagen». T 4 Ba wiei o , wo Äf, 11 Dienstag den 6. Mau?*7 abds.. _< Ärö' «ute es < dacht tva ÄS Sto i tii r°-°" Ä-S« in einem 8^ rtiA wieder, m tau freundlich ffren waldig' ft* Al ablauler weichen Polster rasch voruberei cht war. 3a, die M mich von mein? tonle Ihnen fu bin gern wie ahm" . M Meno a ich. Das hatte glich ihn mH W damals bin <4 die Mn Täte tinb die Mlt, schen, waren E bin ich gesessen, zugesehen, und gen so hell, wie chen duftender dem Singsang (Blume schenke mir metfourtr stets redete V gekstimnisvolb heimkehrte, v Erlebten. Wc sobald ich mit Jetzt aber? te Summen Menden N! M aber spr nmg an diese , völlig ausgelös Erinnerung ar Fahrt bereitet sie nut sein !r Unb ich we meines Dekan der aus Lchu ziehen werde, imb lein M M sonder bjönheit, an fe beglückend md Gewinn ’ OerSi Nach einer sind durch de ter und vom Cchu HO mit halb gestellt wart stundeiM b Wer 30 Al stundenzahl b? festgesetzt, Du Zungen ufa 11 ollen Leh worden. -• ' bchweresj Sag gestern ®ta6t niedei ^tter, das UinderSeg gehaust 5« starken l ?W am i °°n 6nglanb. ifQ9 lein AjLH. ?esl°ügt. eine ue feuerte um ,on 21 ed)ü|fen. u Sur gleichen Seeres unb bn PS I:Ss ine 6Ä, °°" ;^t(n 'ZS Her Atz Ö'j; °udes dez toirb eÄ* yMt Aui. w9«n Uuer en erfolgreich^ Io in Rumänien, «-ur M in ' Mnanzberatn rau des polm. mbeck, und der gton, DlUvilla- St in der Ache bern über- mit Piste- ludert. Frau heu auWem. Mvgvfhviva, en Dewehs ein Dukavest zurück. Plünderten ihre y/ Ä~: not«!or ®. Hob. 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Erforderliches Kapital je nach Größe des Bezirkes, RM. 1500 bis RM. 5000 Persönliche Bewerbung am Freitag von 9—1 Uhr u. 2—6 Uhr im Hotel Schütz in Gießen bei Dr. Schmitt. _ __________________________3587 V Die Beerdigung findet Freitag, 9. Mai, nachm.2Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. _______________________________35960 Mädchen in kleinen Haushalt für vormilt. gesucht. Zu erfr. i. d. Geschit. d. Gies;. Anz. 3597D Kath., geb. Burk Mariechen Jung Familie Heinrich Jung Familie Joh. Gg. Burk Watzenborn, den 6. Mai 1930. Es wird die Erhebung einer Umlage beschlossen, wozu auch die Ausmärker beizutrogen haben. Viliingen, den 6. Mai 1930. Hessische Bürgermeisterei Viliingen. Pauli. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Bidingen für Rj. 1930 liegt vom Donnerstag, dem 8. 7Nai, eine Woche lang zur Einsicht offen. Innerhalb dieser Zeit können Einwendungen schriftlich oder mündlich vorgebracht zum Alleinvertrieb eines patentierten Konsum-Artikels Wohnungsvergebung. Wegzugshalber sind per 15. d. M. zu vermlelen: 1 Blerztmmerwohnung „Am Aulmeg", 1 Blerztmmerwohnung „Am Kugelberg", Anträge ans Zuweisung wollen von unseren Mitgliedern umgehend an uns eingeretcht werden. Saugenoffenschasti8S4zuGießen Die Beerdigung findet Donnerstag, den 8. Mai, nachmittags 3 Uhr. statt. In tiefem Schmerz im Namen der Hinterbliebenen: Justine Linkmann Wwe. und Kinder. ÄuWen für seines Ladengeschäft gesucht. Schr. Angeb. unter 03069 a. d. Gieß. Anz. Versteigerung. Donnerstag, den 8. Mai 1930, nachmittags 2 Ahr, werden im Erdgeschoß des Finanzamts Giehen, Leffingflr. 1, zwangsweise gegen Barzahlung versteigert: sechs Mille Zigarren, 20 Flaschen Likör, eine Kredenz, eine Nähmaschine, drei Tische und zwölf Stühle mit Ledersitz, zwei Schreibtische, ein Schrank, ein Kopfwaschapparat, ein Motorrad, zwei Schreibmaschinen, vier Stühle, zwei Sofas, ein Liegesofa, ein Klavier, eine Standuhr, eine Hängelampe (elektrisch), ein Gasherd, ein Vertiko, ein Bücher- Für die/vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit und bei dem Hinscbeiden unserer lieben Tochter Mariechen sowie für die überaus zahlreichen Kranzspenden und allen denen, die ihr das letzte Geleite gaben, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Gott dem Allmächtigen hat cs gelallen, unser innigstgeliebtes. gutes Töchterchen. Schwesterchen, Enkelchen und Gothchen Katharine Jung nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im blühenden Alter von fast 10 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Jung V. und Frau Jaifische Fischhaus Cuxhaven Marktstr. 14. [W14A Der« Gerichtsvollzieher in Gießen. Steinstraße 13 — Telephon 4101. MW vom Lande, nicht unter 19 I., gesund «.ehrlich, das etwas kochen u. gut nähen kann, iürgutesHaus in Gießen (4 erwachs. Personen! sofort ob. z. 15. d. M. gesucht. Schrtftl. Angebote unter 03065 an den Gieß. Anz. erbeten. Tüchtiges, braves WW für tagsüber gesucht. Zu ertragen in der Geschäftsstelle d. Gieß. 2üu. 3586 D Malmarkt- Lotterie Ziehung garantiert 13. Mai 2G2e9w° 30000 GeV.* 14200 Gewinne 0250 Gewinne geld- ö LOSeZURM.1.- Porto u. Liste 30 Pfg. empfehlen A. Oißkelmann. Worms Postscheckkonto Frankfurt M. 15194 sowie dje Staatl. Lotterie-Einnahmen u. d. bekannt.Verkaufltellen Schönes mööl. dimmet mit el. L. für sofort oder sväter zu oerm. Zu erfr. i. d. Geichst. d. Gteß.Anz. 3573D Bestimmt: ein Motorrad, fünf verschiedene Herren - Anzugstoffe und verschiedene Kurzwaren. 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Einmal etwas ganz anderes, für viele gewiß auch etwas ganz neues: vielseitig und abwect^slungsreich, fremdartig und volkstümlich, voller Stimmung, Bewegung und Farbe, gute Unterhaltung und doch auch in den meisten Teilen des Programms mehr als nur Unterhaltung —: die aus gesunder Naturhaftigkeit her- ausgewachsene und hod)entiDicfcItc Kunstübung eines grundmusikalischen Volkes. * Zunächst das Balalaikaorchester. Erstaunlich ist bei dessen fast primitiver und jedenfalls kaum sehr gestufter Husammensetzung — die Saiteninstrumente verschiedenen Volumens werden nur vom Klavier und vom Tamburin begleitet, akzentuiert und gelegentlich ausgchellt — die biegsame Geschlossenheit, die Fülle, die dynamische Spannweite und Resonanz des Klangkörpers, den der Dirigent, Dr. E. S w e r k o f f, überaus feinfühlig und diszipliniert beherrscht. Das Orchester begann mit gediegener, manchmal fast ein wenig akademisch wirkender Programmmusik: man horte Stücke von Michailowsky, M o u s s o r g s k y (aus dem „Jahrmarkt von So- rotschinsky") und die brillant vorgetragene Romanze (op. 5) von Tschaikowsky: dann aber, in den von Michailowsk!) vertonten „Lieder der Trauer und Freude" kam der volkstümliche Charakter, Rasse und Temperament des russischen Orchesters mit der ganzen Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit einer elemantaren Musizierfreudigkeit zum Durchbruch. * Hiernach sang der Tenor Michael Wisch- n j e w s k y zwei russische Lieder, „Erinnerung an Moskau" und das berühmte „Wolgalied": dies war für unser Gefühl der stärkste Eindruck des ganzen Konzertes: eine große, strahlende Naturstimme: biegsam und weich, obwohl durchaus männlich in Farbe und Umfang: unverbildet, aber technisch glänzend geschult. Es war ein Genuß, dieser Stimme, die sich gleichermaßen vom typisch deutschen und vom typisch italienischen Tenorklang abhebt, zuzuhören. Den Abschluß des ersten Teils bildete ein von Sergej Säroin im farbenprächtigen, allrussischen Kostüm mit wirbelndem Temperament und sauberster Technik oorgeführtcr Bauerntanz. ♦ Nach der Pause spielte Elisabeth Wolgina zwei Solostücke für Balalaika, russische Phantasie von P o g o r j e l o f f und Variationen über ein russisches Volkslied zur Klavierbegleitung mit einer wahrhaft erstaunlichen Virtuosität: rein musikalisch wirkten die beiden Stücke weniger unmittelbar als die Darbietungen des Orchesters, sie sind wohl auch als technische Bravournunimern mehr auf konzertmäßige Publikumswirkung im westeuropäischen Sinne eingestellt. Zum Schluß der Männerchor W. H. B. Ein wundervoll abgestimmtes, aufeinander eingesungenes Stimmenorchester von sonorer Fülle und Geschmeidigkeit: seine organischen Stützen sind der Tenor Wischnjcwsky, der Bariton T s ch u b und mehrere profunde Bässe von großartiger Tragkraft. Der Chor sang, wiederum unter Leitung von Dr. Swerkosf, originalrussische Volkslieder („Der Burlsk" von T r i o d i n , „Abendglocken" von E m e l j a n o f f, „Fischerlied" von W e r st o w s k y. Ukrainische Volksweisen) und schloß mit dem Scherz- lied „Pachom" als Zugabe. Der Besuch war leider nur schwach. Das Publikum war begeistert, klatschte, trampelte und konnte sich kaum entschließen, noch Hause zu gehen. Es gab natürlich etliche Wiederholungen, gesungen, gespielt und getanzt. — Die Zuhörer werden sich der Intendanz für die Veranstaltung dieses vortrefflichen Gastspiels zu freudigem Dank verpflichtet fühlen. —y— Oskar v Miller Zu seinem 25 Geburtstage. Don Ingenieur Karl Stowronnek. Dom 16. bis 25. 3uni 1930 findet in Berlin die Zweite Weltkrafttagung statt. Sie wird sich in der Hauptsache mit der Verteilung der Energie befassen. Ehrenvorsitzender dieser Tagung ist ein Mann, der gerade auf diesem Gebiete in der ganzen Welt das höchste Ansehen genießt und der darin mit weit vorausschauendem Blick Vorbildliches geschaffen hat: Oskar v. M i l l e r. Oskar Miller wurde am 7. Mai 1855 in München geboren, wird also heute 75 3ahre alt. Sein Vater, Ferdinand Miller, von Beruf Erz- gieher, war ein technisch und künstlerisch hoch begabter Mann. Er leitete seine stattliche Bubenschar — Oskar war sein zehnter Sohn — zu selbständigem Schaffen an, was gerade bei Oskar auf fruchtbaren Boden fiel, da seine Hauptbegabung wohl in dieser Dichtung lag. So ist es auch nicht verwunderlich, daß chm Lateinisch und Griechisch auf der Schule weniger Freude machten und daß sein Platz dort erheblich hinter dem Vorletzten lag. Dach dem Durchlaufendes Dealgymnastum- bezog Oskar Miller die Technische Hochschule in München. Dach glänzend bestandenem Staatsexamen trat er in den Staatsdienst, wo er im Eisenbahn-, Drücken- und Wasserbau tätig war. 3m 3ahre 1881 erreichte er, daß er auf die Elektrotechnische Ausstellung in Paris entsandt wurde, wo neben vielem anderem die erste Glüh? lampe von Edison gezeigt wurde. Dach seiner Rückkehr nach München arbeitete er sich weiter in das Gebiet der Elektrotechnik ein. Die großen Erfolge der Pariser Ausstellung ließen den Wunsch in ihm reifen, auch in Deutschland, und zwar in München, eine gleiche Ausstellung zu veranstalten. Er gewann zahlreiche leitende Männer für seinen Plan, die Ausstellung fand tatsächlich im 3ahre 1882 statt und brachte einen großen Erfolg. Sie zeigte auch die erste Kraftübertragung über 57 Kilometer: Ein in Miesbach aufgestellter Stromerzeuger von l1Pferdekräften trieb über einen Telegraphendraht eine Fliehkrastpumpe auf der Ausstellung in München, die einen Wasserfall von 21z2 Meter Höhe speiste. Die Münchener Ausstellung hatte die technischen und organisatorischen Fähigkeiten Millers ins hellste Licht gerückt. So schickten ihn denn einige namhafte Wirtschaftssührer auf eine bier- monatige Studienreise in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er Edison und andere Größen kennenlernte. Auf Grund der reichen Anregungen, die er in Amerika erfahren hatte, machte er im 3ahre 1883 der bayerischen Regierung den Vorschlag, eine Stelle zu schaffen, die sich mit der Um- Wandlung der bayerischen Wasserkräfte in elektrische Energie beschäftigen sollte. Er erklärte sich bereit, die Vorarbeiten ohne besondere Vergütung zu übernehmen. Sein Vorschlag wurde abgelehnt. 'Diese Tatsache und die Hemmungen, die die Engigkeit des Staatsdienstes seinem beweglichen Geiste auferlegten, veranlaßten ihn, zuzugreisen, als ihm Emil Rathenau im 3ahre 1884 anbot, mit chm zusammen die Leitung der neugegründeten Deutschen Edison- gesellschaft, der jetzigen Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft zu übernehmen. 3m 3ahre 1890 zog Miller nach München zurück und gründete ein technisches Bureau. Eine seiner ersten Tätigkeiten war die Planung einer elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt a. M. Diese Ausstellung ist in der ganzen Welt berühmt geworden, denn sie biloet einen Markstein in der Geschichte der Elektrotechnik, da zum ersten Male eine große Energieübertragung auf eine Entfernung von 180 Kilometer verwirklicht wurde. 3n Lauffen am Deckar wurde mit einer Wasserkraft von 300 Pferdestärken Drehstrom von 50 Volt Spannung erzeugt Mittwoch, 7. Mai 1950 und auf 25 000 Volt umgespannt. Dieser hochgespannte Strom wurde auf die Frankfurter Ausstellung geleitet. Dabei waren nicht nur ungeheure technische Schwierigkeiten zu überwinden, sondern auch die Widerstände der Fachgenossen und namentlich auch die, die Behörden dem Unternehmen bereiteten. Diele Kraftwerke sind in der Folgezeit noch Millers Plänen gebaut worden; aber schon vor dem Kriege griff Miller darüber hinaus, denn er hatte wohl als erster die heute Gemeingut gewordene Erkenntnis gewonnen, daß man die einzelnen Elektrizitätswerke zusammenschließen müsse. Diesen Gedanken verwirklichte er in der Pfalz und konnte so die Erfahrungen sammeln, die ihn dann befähigten, die einheitliche Ausnutzung der Energiequellen in Altbahern zu erreichen. Während des Krieges schuf er die Pläne zum Walchenseewerl, um den heimkehrenden Kriegern Arbeitsgelegenheit zu schassen. Er setzte es durch, daß dieses Werk nicht Sonderansprüchen dienstbar gemacht, sondern als Spitzenkraftwerk in die Landesversorgung eingegliedert wurde. Zum Schluß noch zu einer anderen Tätigkeit Oskar v. Witters. Schon im 3ahre 1903 hatte Miller seinen Plan bekanntgegeben, ein Museum ber Technik zu gründen. München stellte für den Museumsbau einen Bauplatz zur Verfügung. Das Reich und der Staat versprachen Unterstützung durch Geld, ebenso die 3ndustrie und viele andere Kreise. 3m alten Münchener Dationalmu- seum wurden die Sammlungen zuerst ausgestellt. 3m 3ahre 1905 bekam das Museum den Damen »Deutsches Museum". Aber bald wurden die Räume zu eng, und so wurde im 3ahre 1906 auf der 3farinfel der Grundstein für das heutige Deutsche Museum gelegt. Durch Krieg und Geldentwertung wurde die Fertigstellung verzögert, aber allen Widerständen zum Trotz konnte das Museum am 7. Mai 1925 vollendet werden. Zahlreiche Auszeichnungen wurden Oskar von Miller zuteil: er erhielt den Titel Exzellenz und den Adel, aber er ist in feinem ganzen Wesen immer ein einfacher und schlichter Mann geblieben. Seine Gedanken eilten denen seiner Zeitgenossen weit voraus, aber im Gegensatz zu vielen anderen Pionieren der Technik durfte er es in voller geistiger Frische erleben, daß sie sich als richtig erwiesen und in die Tat umgeseht wurden. So wird denn unzweifelhaft Oskar v. Miller auf der Zweiten Weltkrafttagung in Berlin besonders gefeiert werden, nämlich dafür, daß er die Elektrizitätsversorgung in neue, zweckmäßige Bahnen gelenkt und im Deutschen Museum eine Stätte der Belehrung für Tausende und ober Tausende geschaffen hat, aus der Anregungen zu neuen Taten sprießen werden. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 106 Zweiter Blatt Blick auf Malta, den englischen Flottenstützpunkt im QHittelmeer, wo wegen der Sprachensrage ein scharfer Konflikt zwischen der englischen Derwaltung und der italienischen Geistlichkeit besteht. noch nicht voll ausgenützt. Fährt es nur mäßig im Bauen fort, so wird es in Kürze 15 Kreuzer gegen die 10 Frankreichs werfen können und mit feinen 54 Unterseebooten im Gesamtraum von 45 000 Tonnen steht cs säst auf gleicher Höhe an Schlagkraft mit England, Amerika und Japan. Zufammengc- faßt: die Flottenparitat mit Frankreich, die es in London verlangte und an deren Verweigerung die Konferenz scheiterte, weih Italien praktisch durch- zusetzcn. Cs kann sich die schönen Worte sparen, denn seine Handlungen sprechen. Soweit märe nun alles in Ordnung und dem blutigen Kriegsspiel gleicher Kräfte steht praktisch nichts mehr im Wege, als die alte Frage: Wie wird sich bei dem Kampfe ums Mittelniecr England verhalten? Es ist klar, daß schon die Neutralität der britischen Flotte den Schicksalstreit zwischen den la- tcinischen Schwestern entscheiden kann, je nachdem, ob sie absolut oder „wohlwollend" sein wird. England kann, ohne einen Schuß abzuseucrn, die Maule- salle bei Gibraltar und Suez zusperren, dann sitzt Italien rettungslos drin. Denn Mussolini hat zwir die Getreideschlacht gewonnen, die sein Volk in der Nahrung unabhängig macht von der Zufuhr, aber noch nicht Kohlen und Eifen genug im Lande gefunden. Der Karöinalgedanke der italienischen Politik roar daher und mußte bisher sein das ungetrübte Einverständnis mit England, wenn nicht sein Wohlwollen. In dieser Voraussetzung entschloß sich Mussolini sogar, einen gefährlichen Trumpf auszuspielen, indem er sich bereit- erklärte, auf seinen bisherigen Standpunkt in der Unterseebootsfrage zu verzichten, das heißt, diese Hauptwaffe der schwächeren Staaten zu opfern, wenn auch d i e anderen sich zu diesein Schrill entschließen könnten. ,Es ging natürlich wie mit den Divisionen und den Gasbomben. Die anderen lehnten ab und alle zusammen rüftetckn auf. Immerhin, 22 Unterseeboote auf einmal hatte man sich von Italien nicht erwartet. Sie fügen sich schlecht in die übliche diplomatische Berechnung eines Zusammenstoßes zwischen bloß zwei Mittelmeerstaaten Wohin steuert Italien? Sieht es, weiser als seinerzeit Deutschland, über den Zweifrontenkrieg mit Frankreich und Jugoslawien hinaus, denkt es jetzt auch an die furchtbare britische Möglichkeit? Der Duce ist gewohnt, die Dinge im großen zu sehen. Wer weiß, das Gleichgewicht im Mittelmeer kann sich durch einen unerwarteten Stoß von außen her in ganz anderer Richtung verschieben, als wir dach- ton. Wie, wenn die englische Flotte in Indien gebraucht wird? Wie, wenn die Dinge in Malta sich zuspitzen? Es ist dort jetzt soweit, daß die Geist- lichkeit, in geschlossener Front gegen die britische Regierung aufgetreten, jeden Einwohner mit Verweigerung der Absolution bedroht, der für die englische Partei fthnnit oder auch nur ihr befreundete Kandidaten unterstützt. Matta ist italienisch! Der Sorachenkampf lobt weit heftiger als in Südtirol. Aver niemals, so lange überhaupt noch strategische Punkte Gewicht haben, niemals kann England eine Schwächung seiner Machtstellung dort zulassen. Malta sehen und begreifen, ist eins Dieser Flottenstützpunkt, diese natürliche Festung ist weit wichtiger als Gibraltar ober Suez, denn sie steht zwischen Biserta und Sizilien, zwischen Frankreich und Italien. Sie entscheidet. Es scheint, als ob man bei aller Bewunderung die Kühnheit des Ducc doch noch unterschätzt habe. Die englische Presse tut zwar, als ob sie die italienischen Unterseeboote, die im Ernstfälle natürlich keine barbarischen Torpedos, sondern nur Regiezigaretten abschießen werden, gelassen betrachte: Betrifft uns nicht! Aber in Wirklichkeit ist heute keinem der Anstößer in der „Völ- kertränke" so recht wohl. Taten für Tonncrstaq. 8. Mai 1794: der Franzose Laurent Lavoisier in Paris gestorben: — 1803: der Chemiker Justus Freiherr von Liebig in Darmstadt geboren; — 1828: der Philcmtrop Henry Dumont, Begründer des Roten Kreuzes, in Genf geboren. Klottensrühling im Mittelmeer. Wetterleuchten über dem Mittelmeer. — Wohin steuert Italien? — Oer Kampf um Malta Don unserem römischen k-Korrespondenten. Rom. Mai 1930. Mit südlichem Ungestüm hat der Flottenfrühling die Dhemsenebcl durchbrochen. 3n Heller Begeisterung ließ 3talien an fünf Küsten zugleich am Sonntag nach dem Londoner Schiffbruch neue Kriegsschiffe von Stapel und nun schreitet der Flottenfrühling mit der nämlichen natürlichen Gewalt weiter, mit der die Bäume unter dem inneren Druck ausschlagen... Mit solchen blumigen Wendungen beginnen die Leitartikel in den römischen Zeitungen, deren Aufgabe es ist, die große Gebärde zu erklären, mit der Mussolini 22 Unterseeboote auf einmal in Auftrag gegeben hat. Dazu einen Washingtonkreuzer und sechs Torpedoboote. Kein Zweifel, der Dölkerbund hat einen guten Magen. Er wird auch diese Arznei mit trockener Archivmiene hinunterschlucken und im übrigen bemerken, daß ja gegenwärtig nicht die Frage der Flottenrüstungen zur Debatte stehe, sondern das Problem der unter Umständen von ihm ins Leben zu rufenden Luftflotte. Alles zu feiner Zeit. Wenn dann das Unwetter über dem Mittelmeer losbricht, wird man Muße genug haben, über den Opiumhandel zu sprechen. Außerdem duldet Gens keine Schwarzseher. Italien rüstet, nun ja. was ist da schon dabei? Es füllt nur die Lücken feines Dauprogramms aus. Frankreich erhält jedes 3ahr von seinem Locarnopartner an die tausend Millionen Gold- mark zur Auffüllung feines Gefchühparkes, aber wagt jemanb an der Friedfertigkeit seiner Ge- schästsgesinnung zu zweifeln? Amerika meint, infolge der Londoner Abmachungen hätten Frankreich und 3talicn ihre Schwierigkeiten untereinander zu regeln, die Sache gehe — wörtlich zitiert au« den Kommentaren zum italienischen Flottenbefehl — die Bereinigten Staaten direkt nichts an. „Betrifft mich nicht!" - Betrifft niemanden. wenn nächstens der Krieg ausbricht, wie jetzt der Flottenfrühling. Er stehl schon im Saft, um im Bilde zu bleiben, mit den Händen kann man s greifen — was geht es uns an? Man hat mir schon gesagt, ich solle doch endlich einmal aufhören, den Teufel an die Wand zu malen. Ausgezeichnet. Beschwören wir also die bösen Geister mit der neuen Sachlichkeit. Ecco: Die italienische Kriegstonnage betrug 1922 rund 190 000 Tonnen. Die im Laufe der letzten sieben Jahre ausgeschiedenen Schisse abgezogen und die 82 500 Tonnen Neubauten des gleichen Zeitraums hinzugerechnet, ergab sich bis zu den Abrüstungs- ung Friedenskonferenzen des vergangenen Jahres eine bescheidene Ziffer von 272 500 Tonnen. Seither sind jedoch hinzugekommen: 32 000 Tonnen und 57 500 Tonnen Werftbauten und die soeben von Mussolini für 1930 bestellten 43 900 Tonnen, zusammen 405 900 Tonnen. Mit anderen Worten dank der Londoner Abrüstungskonferenz genießt Italien d i e r e l a t i d ft ä r f ft c 21 u f r ü ft u n g. Die Rechnung Genfs stimmt also. Für den italienischen Finanzminister machen diese Neubauten nicht mehr als 2,8 Milliarden Lire aus, also nur ein Drittel der Summe, die Deutschland jährlich und frohen Mutes für die Kriegsmaschinerie seiner Gegner ausgibt. Und da diese „Reparationen" durchaus friedlichen, ja völkerver- föhnenden Charakter haben, wie man in Paris nicht müde wird zu versichern, so müssen logischerweise auch die mussolinislyen Schiffsgeschütze dem Frieden dienen. Si vis pacem, para bellum! Wenn du Frieden haben willst, zahle Tribute und Schiffe! Aber bleiben wir sachlich. Italien hat sein 75 000- Tonncn-Recht aus dem Vertrag von Washington Helene Mayer (links) und Heim- Offenbach (rechts) errangen bei dein in Mainz ausgetragenen Turnier den deutschen Florettmeistertitel 1930. Helene Mayer ist damit zum 6. Male deutsche Meisterin. Süddeutsche Gastwirtsmeffe in Mainz. WSD. Mainz, 5.Mai. Die 3. S n d d e u 11 ch e G a st w i r t s m e s s e, die vorn 3. bis 12. Mai hier abgehalten wird, wurde am Samstagvornnttag in der Stadthalle mit einer kurzen Feier eröffnet. Der Dorsitzende des Hessischen Gastwirtsver- bandes. Tischler, Darmstadt, begrüßte namens des rhein-mainischen Gastwirtsverbandes die Erschienenen, insbesondere den Vertreter des Staatspräsidenten Adelung. Wirtschaftsrninistcr K o - teil, und die Vertreter der übrigen Staats- und städtischen Behörden, u. a. Oberbürgermeister Dr. K ü l b, Landeskommissar Geheimerat Dr. ü f i n g c r. Obcrregicrungßrat Strecker von der Provinzialdirektion, Oberregierungsrat Lanz vom Reichsvermögensamt u. a. m. Weiter wurden willkommen geheißen der Vorsitzende des Deutschen Gastwirtsverbandes. Reichstaasabgeordneter K ö st e r. und der Präsident der Industrie- und Handelskammer. Scholz. Der Redner dankte der Mainzer Gastwirtsinnung für die vorbildliche Vorbereitung der Messe und gab der Hoss- nung Ausdruck, daß man sich zur 4. Gastwirtsmesse in Stuttgart int nächsten 3ahre Wiedersehen werde. Minister Kor eil begrüßte die Versammlung im Auftrage des am Erscheinen verhinderten Staatspräsidenten Adelung namens der hessischen Staatsregierung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß das Gastwirtsgewerbe zur sozialen und sittlichen Gesundung unseres Volkes beitragen möge durch Fernhaltung der Völlerei, aber auch jener Heuchelei, die von gewisser Seite gepredigt werde. Am Schlüsse seiner Ansprache erklärte er namens des Schutzherrn der Veranstaltung, des Staatspräsidenten Adelung, die Süddeutsche Gastwirtsmeffe für eröffnet. Oberbürgermeister Dr. K ü I b gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Messe nach Mainz gelegt worden fei. und empfahl die Stadt, die ' sich von den Leiden der Besetzungszeit erholen müsse, der besonderen Fürsorge deS hessischen Staates. Er betonte, daß Mainz, wenn es auch in erster Linie Handels- und Industriestadt sei, doch auf die Werbung für den Fremdenverkehr nicht verzichten könne und wünschte der Ausstellung in diesem Sinne Erfolg. An die Begrüßungsansprachen, die von Musikvorträgen umrahmt waren, schloß sich ein Rund- gang durch die Ausstellung. Alle für die Gin- DiedeutschenFlorettmeister 1930 Ein Schloßmuseum in Büdingen. !! Büdingen, 5. Mai. Am gestrigen Sonn- togvormittag wurde im Schloß zu Büdingen in Anwesenheit verschiedener geladener Gäste ein Schlohmufeum eingeweiht und nunmehr der Ocffentlichkeit zugänglich gemacht. Den eifrigen Bemühungen und der Tatkraft der Fürstin Marie zu Vsenburg-Büdingen, nicht zuletzt aber auch ldem ganz spezifischen Ber- ständnis des bei der Einrichtung mitbeschäftigten Kustos i. R. W e l ck e r, Büdingen-Christinen- hof, ist es zu danken, daß endlich in dem für ganz Hessen, ja für ganz Südwestdeutschland so bedeutungsvollen Baudenkmal, der alten Wasserburg Büdingen, eine Sammlung untergebracht werden konnte, die wohl in allen Kreisen größte Beachtung finden dürfte. Die Sammlungen beziehen sich zunächst nur auf die Geschichte des Schlosses, der Stadt und des engeren Kreises Büdingen. Es ist im höchsten Maße erstaunlich, welch' eine Fülle bedeutungsvoller Schätze im Zeiträume weniger Wochen nur in den Räumen und Kammern des Schlosses zusammengetragen werden konnte, und cs ist ein deutliches und auch erfreuliches Zeichen dafür, daß entgegen der öffentlichen Meinung unser Land doch noch eine große Fülle von Schätzen aufzuweisen hat, die durch geeignete Maßnahmen leicht mobilisiert und in würdigen Räumen der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Rachdem Se. Durchlaucht Für st Karl zu Bsenburg-Büdingen die Gäste begrüßt hatte, übernahm Kustos Weicker die Führung durch die Sammlungen. Er betonte dabei ausdrücklich, daß die Sammlungen einen Versuch darstellen, dem durch die Enge des Raumes zunächst noch Schranken gesetzt waren. Der Zukunft müsse es überlassen bleiben, weitere Pläne zu verwirklichen. Die einzelnen Stücke alle aufzuführen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Die Sammlung umfaßt vor allem hochinteressante Oelbilder und graphische Blätter der alten Grafen und Herren von Bsenburg-Büdingen und ihren Gemahlinnen, dann alte Bilder der Stadt Büdingen mit den Schlössern und Höfen der Umgebung. Alte Urkunden mit plastischen Siegeln, alte Stempel, Siegelringe, Schmuckstücke, Orden und Ehrenzeichen findet man in besonderen Schrän- kan ausgelegt. Recht zahlreiche und hochinteressante alte Waffen, Helme, wunderbar schöne Kleidungsstücke, Schmuck, Kopfbedeckungen, reizvolle Kinderkleidchen und ähnliches mehr, aus den letzten 300 Fahren, füllen Wände und Schränke. Von den zahlreichen Gebrauchsgegenständen aus alter und nachmittelalterlicher Zeit, von keramischen Stücken, von Steinzeug, von alten Dachziegeln, Mörsern, Werkzeugen der Flachsbereitung, Möbeln, Ofenplatten, Hufeisen, Sporen aller Zeiten, ferner von den Schreiner- und Schmiedearbeiten, von alten Wetterfahnen, Prunkschlitten, von einer hübschen Tragsänfte, von den Hallstattgrabfunden und prähistorischen Bronzen, von Ofenkacheln aller Zeiten, von Leuchtgeräten, von den alten Fahböden, von reizvollen Stuckfragmenten u. v. a. m., soll hier nur andeutungsweise die Rede sein. Wenn auch die Ausstellung nicht den Anspruch erhebt, ganz besondere Wertstücke und Seltenheiten aufzuzeigen, so darf man doch sagen, daß hoffentlich recht zahlreiche Besucher auf ihre Kosten kommen'werden. Wenn es noch gelänge, die bereits zur Schau gestellten Sammlungen mit den zur Zeit nur untergestellten Sachen des Geschichtsvereins zu verbinden — die Aussichten hierzu sollen nicht ungünstig sein —, dann könnte auch in unserer Stadt ein schon längst wünschenswertes Heimatmuseum zustande kommen. richtung von Hotels und Gasttvirtschaften wichtige Gebiete, die Erzeugnisse der Kochkunst, der Konditorei und Bäckerei werden in mustergültiger Weise dem Beschauer vor Augen geführt. Bei einem anschließenden Frühstück wurde noch eine Reche von Ansprachen gehalten vom Vorsitzenden der Messcleitung Kirsch, von Landeskommissar Dr. U s i n g e r und Reichstagsabgeordneter K ö st e r, in denen der Wunsch für einen guten Erfolg des Unternehmens zum Aus- druck kam. Aus Oer Provinzialhauptstadt. Gießen, den 7. Mai 1930. Verkehrsverbefferung auf dem Bahnhof Großen-Linden. Vor kurzem wurde an der Station Großen- Linden die neue Bahnsteigsperre auf der östlichen (Leihgesterner) Seite eröffnet, durch die nun die Reisenden direkt auf Bahnsteig 2 zu den in der Richtung Gießen fahrenden Zügen gelangen können. Seither muhten die Reisenden nach Verlassen der Sperre auf der westlichen (Großen-Lindencr) Seite erst beide Gleise überschreiten, um den Bahnsteig 2 zu erreichen, was bei dem Herannahen der oft auS beiden Richtungen gleichzeitig ankommenden Züge, recht gefährlich war und außerdem zu Verkehrs ft örungen führte, weil, wie man oft beobachten konnte, der eine Zug vor dem Signal halten mußte, bis der andere eingefahren war. Reisende, die nun in der Richtung Gießen fahren wollen, begeben sich durch den neuen Warteraum, in dem sie Fahrkarten bis Gießen und darüber hinaus erhalten, direkt auf Bahnsteig 2; Reisende. di« aus der Richtung Frankfurt kommen, verlassen auf diesem Weg den Bahnkörper. Wer in der Richtung Frankfurt fahren will, erhält seine Karte wie seither im alten Stationsgebäude und steigt nach wie vor auf Bahnsteig 1 in den Zug. Auch für die aus der Richtung Gießen kommenden Reisenden hat sich der Ausgang nicht geändert. Rach Eröffnung der neuen Sperre hatte die Reichsbahn versucht, die Reisenden durch einen Fahrkartenautomaten zu bedienen, was sich aber bald als unmöglich erwies. Sie hat nun den im neuen Wartesaal schon vorgesehenen Raum für die Fahrkartenausgabe an Werktagen von 7 Uhr bis 19 Uhr (Sonntags bis 20 Uhr), mit einem Beamten besetzt, der Fahrkarten ausgibt. Zu den Zügen v o r 7 Uhr und n a ch 19 Uhr bzw. 20 Uhr, bedient ein Automat mit Karten 3. Klasse n u*r bis Gießen. Ob sich diese Anordnung auf die Dauer b“rt^t^r€n läßt, muß die Erfahrung lehren. Gepäckstücke werden, wie seither, im alten Stationsgebäude abgefertigt. Wie verlautet, hat die Reichsbahn in Erwägung gezogen, durch die Erbauung einer Unterführung eine bessere Verbindung zwischen den beiden Warteräumen herzustellen, was besonders für die Reisenden, die Gepäckstücke aufgeben und in der Richtung Gießen fahren wollen, sehr von Vorteil wäre. * “ Der Deutsche Sparerbund für Eigenheime veranstaltete am Samstagabend im Saale des Cafe Leib einen öffentlichen Vortrag, bei welcher Gelegenheit Volkswirt A. Timm, Düsseldorf, über Bausparkassen sprach.- Der Redner schilderte zunächst die Ursachen der Wohnungsnot, besprach das Wohnungselend in den Großstädten und wies auf die Gefahren der Wohnungsnot in sittlicher, moralischer und hygienischer Hinsicht hin. Weiter besprach der Redner die Art der seitherigen Bekämpfung der Wohnungsnot, wies auf die Schwierigkeiten der Finanzierung des Wohnungsbaues hin, um sich dann eingehend mit den Ursachen der hohen Zinssätze und deren Aus- Konstanze. Vornan von Karl Heinz Voigt. Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Konstanze betrachtete mit ruhigem Blick den Benjamin der Familie, ihren jüngsten Bruder Felix. Der war ihr der liebste. Felix war ihr am meisten ans Herz gewachsen. Er war ihr auch im Alter der nächste. Sie fühlte, daß die Reinheit und Kindlichkeit seiner Seele mit der ihren harmonierte. Ihre Blicke kreuzten sich und eine feine Röte überzog Felix' jugendliche Wangen. „Du verdirbst die ganze Zukunft deines Bruders, Konstanze. Denkst du, die Zollens wollen eine geschiedene Frau in der Familie haben? — Run, nachdem Felix glücklich seinen Diplom-Inge- nieur in der Tasche hat und die Verlobung veröffentlicht werden kann, nun wirfst du da deinem Bruder wieder einen Knüppel zwischen die Deine." Felix schüttelte den blonden Kopf. 3n seinen Augen leuchtete ein stiller Glanz kindlicher Güte. „Ach, Papa", sagte er mit einem langen Blick auf seine jüngste Schwester, die er abgöttisch liebte und verehrte, „das ist ja nicht so schlimm. Iose- phine wird vernünftig sein. Sie liebt mich, und wenn Konstanze nicht mehr zu Lothar zurückkehren kann wird Josephine es auch verstehen." Der Oberst schien auf den Einwand seines jüngster Sohnes gar nicht gehört zu haben. Er hatte sich in den Gedanken, den der Gerichtsrat vorhin aufgeworfen hatte, so verbissen, daß er ihn nicht mehr verlieh und ihm auch jetzt wieder Worte verlieh: . ..Jedenfalls sage ich dir das eine, Konstatrze". nef er mit unbeherrschter Stimme, „als geschiedene Frau kenne ich dich nicht mehr." „Du kannst ganz unbesorgt sein", erwiderte Constanze völlig leidenschaftslos, „Lothar hat mir ausdrücklich erklärt, er denke gar nicht daran, sich von mir scheiden zu lassen." . ®e£$berft baute sich breitbeinig, die Hände in den Taschen vergraben, vor seiner Tochter auf und starrte fie sprachlos an. Schließlich schüttelte er den Kopf. 'Aas glaube ich nicht. - Es ist doch das Rachstliegende, daß ein Mann, dem seine Frau davonlauft, bie Scheidung einreicht." Run mrschte sich auch Hans von Ohlsen, Kon- stanzes Schwager, m die allgemeine Debatte. Er klemmte das Einglas ins Auge und näselte: weint mir allerdings auch ziemlich sicher, daß der Skandal nicht ausbleiben wird. Auf leden Fall mühte versucht werden, die ganze Sache wieder einzurenken." „Bitte, gebt euch keine Mühe!" Der Baron nahm sein Glas aus dem Auge und musterte mit unverhohlenem Interesse die Wirkung zu beschäftigen. Der Redner kam dann auf die Entstehung der Bausparkassen zu sprechen, die in Deutschland bereits vor dem Kriege bestanden, dann aber ein Opfer der Inflation wurden, zeigte die günstige Entwicklung des Bausparkassengedankens in Amerika und England, um sich dann mit den Aufgaben und Zielen der zur Zeit in Deutschland bestehenden Bausparkassen zu beschäftigen. Er besprach in diesem Zusammenhang die Vorteile einer Bau- sparverpflichtung, welche die Möglichkeit der Schaffung eines Eigenheims bietet, während die Mietzahlung im fremden Haus bei gleichen monatlichen Leistungen keinen Hauserwerb ermöglicht. Weiter erläuterte der Redner, unter besonderer Besprechung der Aufgaben des Deutschen Sparerbundes die Mindestsparzeitcn, dieEin- ordnung in die Zuteilungsgruppen, die Wartezeiten, die Ausschüttung der Daugelder, sowie die Tilgung der gegebenen Daudarlehen, die sowohl zum Reubau wie auch zum Ankauf eines Hauses, außerdem auch zur Ablösung von Hypotheken Verwendung finden können. Er besprach weiter die Sicherheiten und die Möglichkeit der Stundung bei unverschuldeter Rot. Zum Schluß beschäftigte sich der Redner noch mit dem zur Zeit dem Reichstag vorliegenden Entwurf zu einem Reichsaussichtsaeseh, der auch eine Sicherung der Hinterbliebenen im Falle des Ablebens des Bausparers vorsieht. — An die Ausführungen des Vortragenden schloß sich eine Aussprache, an der sich Vermessungsrat Karle, Bauunternehmer Weimer und der Vortragende beteiligten. ** VortragSalewski. Man berichtet uns: Im vollbesetzten Hörsaal 34 der Llniversität hielt auf Einladung der , Christengemeinschaft Herr Wilhelm S a l e w s k i (Mannheim) einen Vortrag zur Charakterisierung der Freudschen Psycho- Plastischen Formen seiner schönen Schwägerin. Magda bemerkte das und sandte ihm einen bösen Blick zu. Der Konsul räusperte sich verlegen, sog an seiner dicken Importe und fragte dann direkt seine Schwester mit etwas plumper Indiskretion. „Ja, sage einmal, Konstanze, ist denn das der wirkliche Grund, den uns Papa auseinandersehte. Fehlende Harmonie? — Vielleicht spielt doch noch etwas anderes mit?" Er räusperte sich wieder, machte eine kleine Pause, als suche er nach Worten und ergänzte dann: „Ich kenne ja Lothar auch, er ist ein nicht gerade sehr amüsanter Mann, nüchterner Industrieller. Ich halte ihn sogar für leidenschaftslos. Vielleicht ist dort der wunde Punkt zu suchen, wie?" Konstanze antwortete nicht. Werner v. Heistritz fuhr fort: „Oder, um deutlicher zu sein: Vielleicht kann dein Mann — verzeihe — doch nicht das genügende Maß aufbringen, um dich glücklich zu machen — ich meine —" er stotterte und schien nach den rechten Worten zu suchen, — „ich will sagen, eine Frau in deinem Alter — die Regungen einer Frau ...“ Konstanze unterbrach ihn jäh: „Es ist nicht nötig, derartige Probleme aufzurollen. Derlei hat mit meinem Entschluß ganz und gar nichts zu tun." Hans von Ohlsen klemmte sein Monokel wieder ein. Er fand feine Schwägerin überaus anziehend und ihm bereitete dieses Verhör mit der schönen Frau eine interessante und prik- kelnde Studie. Der Gerichtsrat, der während der letzten Minuten still vor sich hingesehen hatte und wohl irgend etwas intensiv in seinem hohen, eiförmigen Schädel verarbeitet haben mochte, lieh einen kurzen Pfiff hören, als hätte er nun etwas ganz besonders Gescheites entdeckt. „Man müßte versuchen, Lothar einen Schei- dungsgrund nachzuweisen," sagte er mit gedämpfter Stimme, als fürchte er sich, Unberufene könnten ihn hören. „Dann wäre wenigstens die Ehre der von Heistritz gerettet." „Der Gedanke ist gut,“ stimmte ihm der Baron von Ohlsen bei. „Mit einem „Schuldig zu beiden Teilen" wäre jedenfalls schon mehr gerettet, als wenn Konstanze den Sündenbock allein darstellen müßte." Ein häßliches Lächeln spielte bei diesen Worten um seine vollen Lippen. „Es wird schwer sein," meinte der Konsul, „Lothar irgend etwas nachzuweisen." Der Gerichtsrat verzerrte sein Gesicht zu einer orahe: „Run — eine kleine Untreue — eine Unbefonnenfjeit, jetzt in Konstanzes Abwesen- „ euch nicht!" rief Konstanze aufs höchste entrüstet, „Lothar ist ein viel zu vornehmer Charakter, als daß er sich auch nur das geringste zuschulden kommen liehe." analytischen Theorie. Der Vortragende schilderte in sachlicher Weise die bekannte Methode der Psychoanalyse. Aber es verhalte sich durchaus nicht so, daß Freud — der Schöpfer der Psychoanalyse — in voraussetzungsloser Weise an die Tatsachen herangetreten wäre. Vielmehr sei er von den materialistischen Ueberzeugungen des 19. Jahrhunderts, von der darwinistischen Auffassung des Menschen als eines vom Tiere herstammenden Wesens, ausgegangen. Der Gedanke eines göttlich-geistigen Ursprungs des Menschen, einer Schöpfung im Sinne der Schilderungen der Bibel, habe er von vornherein abgelehnt. Da Freud nur im Menschen ein Rachfahre des Tieres sah, muhte er als konsequenter Denker auch dahinkommen, als ausschlaggebende Kräfte die tierischen Bedürfnisse, vor attem die Sexualität, anzusprechen. Richt in einem geistigen Ich — dessen Herrschaft im Menschen-Inneren Freud leugnete — nein, nur in der animalischen Ratur, in der „Libido", d. h. Sexualität, sah er die Triebfeder für das Tun des Menschen. Diesem gegenüber stellte Herr Salewski eine Auffassung vom Wesen des Menschen hin, die dieses mit Goetheschen Ausdrücken als eine geistige „Eutelechie", eine „geprägte Form, die lebend sich entwickelt", bezeichnete. Der Mensch sei eben „ein Gipfel der Ratur" in dem Sinne, daß er ein Etwas in sich trage, das nicht im Pflcmzen- und Tierreich vorhanden fei, das geistigen Ursprunges ist. Dies Geistige,, dieses Ich des Menschen, wurzle in dem Zusammenhang mit der göttlichen Schöpferkraft: von da aus strömen ihm höhere geistige Kräfte zu, die in der Moral, in der Religion und in der Kunst ihren Ausdruck finden. Gewiß, das Ich des Menschen habe oft schwere Kämpfe mit der niederen Trieb- natur zu bestehen: aber der Weg vorwärts sei weder der, sich von den unterbewußten Ge- Dieser Hieb saß. Werner bekam einen roten Kopf, der Baron biß sich verlegen auf die Lippen, der Gerichtsrat verbarg seine Verlegenheit hinter einem fatalen, flatternden Lachen. „Bist du denn von Sinnen, Konstanze? Jetzt auf einmal hältst du wieder große Stücke auf deinen Mann? — Du weiht scheinbar überhaupt nicht mehr, was du willst." „Ich bin nur gerecht und dulde nicht, öah über abwesende Fremde in einer Art, wie es hier geschieht, geurteilt wird." Sie empfand es als unwürdig, weiterzusprechen. „Fremde?" fragte ihre Mutter. „2a, Fremde," erwiderte sie. „Lothar ist mir fremd, er ist nicht mehr mein Mann und wird es auch nie mehr fein.“ Frau Oberst von Heistritz tupfte sich mit dem Taschentuch über das verweinte Gesicht. Die alte Dame fühlte sich großen Entscheidungen gegenüber immer etwas hilflos. Sie war schüchtern und zurückhaltend. Das lag in ihrer Erziehung. Sie hatte sich eigentlich immer unterordnen müssen. Von Kindheit an. Ihr Vater war streng gewesen und herrisch, ilnö in ihrer Ehe hatte sich diese ilnterorbnung fortgesetzt. Denn im Hause des Oberst von Heistritz muhte stets alles nach seiner Pfeife tanzen. Werner, der Konsul, war eigentlich der einzige, der in Gegenwart des Oberst auch mit seinen eigenen, oft gegenteiligen Meinungen nicht hinter dem Berge hielt. Die kleinen verweinten Augen der Frau Oberst glitten jetzt von einem zum.andern, als müsse sie sich erst vergewissern, dah niemand etwas gegen ihren Einwand haben würde. Schliehlich sagte sie mit etwas vorwurfsvollem Ton, dennoch aber mit unendlicher Liebe im Blick zu Konstanze: „Du mußt versuchen, Kind, die Eigenarten Lothars zu verstehen. Er ist gewih nicht leicht zu nehmen, aber mit gutem Willen lernt man viel." „Ich habe drei Jahre lang den besten Willen gehabt, eine Che zu führen, wie ich sie mit meinem Gefühl vereinbaren kann/' entgegnete Konstanze mit verlorenem Blick. Es schien, als läge vor ihren sonst so schönen Augen ein leichter Schleier. Sie sah niemanden an. Ihr Blick ging in uferlose Weiten. „Das klingt ja gerade," schnarrte der Baron von Ohlsen, „als hättet ihr die ganze Zeit eurer Ehe in Streit gelegen." Sein etwas verlebtes Gesicht war interessiert auf seine Schwägerin gerichtet. „Hältst du Lothar und mich für derart geschmacklos?" fragte Konstanze mit verächtlichem Achselzucken. „Es ist eine alte Tatsache," philosophierte Werne» von Heistritz, „dah nach solchen Einstimmigkeiten die Versöhnung um so herzlicher ist." Der Klemmer auf seiner großen Habichtsnase wackelte. Cs war völlig unbegreiflich, daß er nicht herabfiel. Aber der Konsul belaneicrte ihn ■ walten mikreißen zu lassen, noch der, fehler- durch Askese abtöten zu wollen. Vielmehr trage das Ich, durch sein Verbundens-in mit der geistigen Schöpferkraft, in sich die Fähigkeit, diese Gewalten der niederen Ratur zu ergreifen, zu beherrschen und umzuwandeln in sittliche Kraft unb christliche Liebe — eine opfernbe Liebe, bie »nicht das Ihre sucht". Es sei eben die Aufgabe des Ich, in dieser Weise „Herr in seinem eigenen Hause" zu werden. ** Die Gruppe der weiblichen Angestellten im G. D. A., Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag im Saal des „Frankfurter Hof" — wie man uns berichtet — einen harmonisch verlaufenen Festabend ab, der eine gemütliche Stimmung auslöste. Wiener'Lieder, mit Duetts und Vorträgen abwechselnd, gaben dem Abend eine sprudelnde Laune, bie besonbers Herr Luft jr. mit wohlklingenber Stimme hervorzurufen verstand-Die Gaufrauenführerin, Frl. Reumann, Frankfurt a. M.. hielt die Begrüßungsansprache und hob hervor, daß gerade die Frauen, wie zu keiner Zeit, in der Gegenwart ihre gute deutsche Eigenart pflegen und betonen sollten. Die schweren Wirtschaftsverhältnisse, vom Poungplan verschärft, könnten nur überwunden werden, wenn alle Kräfte zusammenwirken und zusammenarbeiten zum Wiederaufbau der kulturellen und materiellen Kräfe. Die berufstätige Frau lerne die Erfordernisse des Tages aus eigener Anschauung kennen und müsse auch daraus die Folgerung ziehen, sich einer Berufsorganisation anzu- schließen. Eprudeljubiläum in Bad-Nauheim. WER. Bad-Rauheim, 6. Mai. In diesen Tagen sind es 75 Jahre her, daß in Bad- Raiiheim die Quelle XII., der Frieörich- Wilhelm-Sprudel, zutage getreten ist. Die Bohrung wurde seinerzeit unter Leitung des Kurfürstlichen Salinen-Inspektors Ludwig in Bad-Rcmheim ausgefühtt. Der Sprudel erhielt seinen Ramen nach dem damaligen Landesherrn, dem Kurfürsten Friedrich -Wilhelm von Hessen-Kassel. Die Bohrung reicht 180,1 Meter tief und liefert Sole von 3,34 Proz. Salzgehalt, sowie 4451,0 Kubikzentimeter völlig freie Kohlensäure in einem Liter Wasser bei einer natürlichen Wärme von 34,4 Grad Celsius. Die tägliche Schüttungsmenge beträgt 1 500 000 Liter, aus denen nahezu 4000 Bäder täglich bereitet werden können. Tagung der Post- und Telegraphenbeamten. WER. Butzbach, 6. Mai. Der V e rb a n d Hessen im Reichsverband deutscher Post- und Telegraphenbeamte n hielt hier vorgestern eine Tagung ab. In Anwesenheit von Vertretern der Oberpostdirektionen Frankfurt, Kassel, Koblenz unb Würzburg, sowie des Deutschen Beamtenbundes wurden nach der Wiederwahl der Vorstandsmitglieder verschiedene Anträge über die Schaffung neuer Oberpostschaffnerstellen und die Gleichstellung der Postboten mit den Hilfsschaffnern behandelt. In einer einstimmig angenommenen Entschließung forderte die Versammlung von der Reichsregierung die Gleichstellung aller Reichsbeamten in den einzelnen deutschen Ländern. Des weiteren wurde gegen die Gehaltskürzungen unb die Entziehung der Kinderzulagen Einspruch erhoben. Die nächste Tagung der hessischen Postbeamten wird im Jahre 1931 in Darmstadt stattfinden. Aus dem AmtsverkündigungsblaiL. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 33 vom 2. Mai enthält: Gemeindefinanzstatistik. — Die Schlachtvieh- und Fleischbeschau. — Turbinenanlage des Mühlenbesitzers Zimmer in Grünberg. — Kanalisation in der Gemeinde Lollar. — Vertilgung der Maikäfer. — Das Bildnis Walters von der Vogelweide. — Schutz des Waldes. gut. Er blieb auf feiner Stelle sitzen, als wäre er dort festgewachsen. „Ja, Konstanze," ergänzte die Frau Oberst leise. „Werner hat ganz recht." Der Oberst nickte zu diesen Worten seiner Frau und der Gerichtsrat murmelte etwas ilnüer- ständliches, wobei das Zyklopenartige seines Gesichtes besonders grotesk hervortrat. Konstanze nahm einen letzten Anlauf. Sie fühlte, ihr ganzer Kampf hier war ein Gefecht gegen Windmühlen — das Gespenst des Grauens vor so viel Richtverstehen oder Richtverstehenwollen hockte hier im Zimmer. Sie sah es bereits ganz deutlich. Es lauerte dort in jener Ecke und stierte sie mit glühenden, lüstern-aufdringlichen Augen an. „Es handelt sich ja hier gar nicht um irgendeine Einstimmigkeit," sagte sie mit matter Stimme und wunderte sich selbst über ihre Zähigkeit, mit der fie nun — ein letztesmal — ihre Sache vertrat. „Eine einmalige Meinungsverschiedenheit ist doch wahrhaftig nicht der Grund, weshalb ich Lothar verließ. Haltet ihr mich wirklich für derart naiv, daß ich deswegen alles opfern würde, meine Ehe, meine Zukunft, meinen Ruf unb nicht zuletzt den Ramen meiner Familie?" „Da sagst du es selbst," fuhr der Oberst auf und lief wie ein Stier, dem man das rote Tuch zeigt, in der Stube auf und ab. „Ganz recht hast du," rief er laut und ohne jede Beherrschung, „du beschmutzest mit deinem unsinnigen Tun deinen Ramen und damit auch den der von Heistritz. Ja, nicht genug damit...“ Ich war mit meiner Rede noch nicht zu Ende, Papa," unterbrach ihn Konstanze äußerst ruhig. Der Oberst, im Leben durchaus ein Kavalier der alten Zeit, respektierte auch in seiner Toch-l ter die Same. Er beherrschte sich mühsam unT sagte kurz: „Also bitte!“ „Ich wollte noch sagen," fuhr Konstanze fort, „dah irgendwelche Streitigkeiten zwischen Lothar und mir durchaus nicht stattgefunden haben. Jetzt nicht und überhaupt niemals. Was ich euch schon wiederholt erklärte, ist das Ausschlaggebende meines Tuns gewesen: Ich habe eindringlich empfunden, daß unsere Ehe nicht zu Recht bestehen kann, weil die vollste Liebereinstimmung der Seelen fehlt. Lind wer das nicht verstehen kann, der tut mir leid, dem kann ich nicht helfen.“ Cie hatte, zum Schluß immer schneller ge- I£rc0.!$en. Ein gewisser Eifer, der ihren innersten Gefühlen entsprang, hatte sie jetzt ganz beherrscht Run erhob sie sich jäh, so daß alle AM erstaunte Gesichter machten und Hans von P611 en fein Einglas wieder einklemmte und mit lebhaftem Interesse die ganze Schönheit seiner Schwägerin, die sich in diesem Moment mit all ihrer Süße zeigte, in sich aufnahm. (Fortsetzung folgt.) - unb ■rften ®Pre suchen. au> Jildinonien auch im V S »«v; solchen vl das 2usse Film zu ansmg.be durch d>e miigenssene Ohren sur vollste und Aunst der Dildbclvegu Jetzt aber. Schreck dort sich an di Nldbehand Der Sonnt optischer Hi aussock emicht hat Die Filn scheu Dora, QWj&ri durch inmu Errungcnsch Films bleib dem Wesen bestimmter1 Methoden, Phantasie? Der Filr dem Wime ich Echausp in allererste Es liegt ganges ein schauspielei die seines men Film Kameram« ja das Ki ftaltung ft Dieöergab les, der du srrische und und Karner film kommt von dem dl des Darste Kontrvllma schalldicht Worte der sie spricht, kommen, t tegtgeten. fätoädjm i liegt bei ih stei gelang Es ist von der b gegeben tt rein techni oder lan mutz der bchanspie sprechen I kleinen f< rc . 3n einem letzt ein Sramm, lMacisrich Münchener Lump" de wußte, steh Md und einen vorzi ®l*itang «ben der Ahnden Aensich < beinah Paul überrasch^ "Nische^ Ä ÄL, Aminen K Ä das $ k£mnii6 Ix Sä ten £ ein pvz bes Aus der Welt des Ulms. Mimen und Sprechen. Don Emil Jonningd. Der Ton- und Sprechfilm Hot noch viele Gegner, — und gerade unter den Freunden und Anhängern der Filmkunst, — weil man in den ersten Sprechfilmen den, allerdings verständlichen, Fehler machte, die ganze Wirkung im Ton zu suchen, auf den Ton zu stellen, und dabei das Bildmoment vernachlässigte, das ja schließlich auch im Tonfilm Hauptsache bleibt. Das Ereignis, daß das bisher stumme.Kind plötzlich sprach, versetzte seine Eltern, die Produzenten, in einen solchen Sinnestaumel, daß sie darüber ganz das Aussehen vergaßen. Die Tatsache, daß der Film zu tönen, zu sprechen und zu fingen ansing, begeisterte die Produzenten und bas durch die übersteigerte amerikanische Reklame mitge^issene Publikum derart, daß sie nur noch Ohren für den Ton hatten. Gerade das Wertvollste und das Charakteristische des Films, die Kunst der Bildeinstellung, Bildablösung und Dildbctvegung geriet dabei ins Hintertreffck^. Jetzt aber, wo die erste Freude und der erste Schreck vorbei sind, ist auch die primitive, bedenklich an die Anfänge des Films gemahnende Bildbehandlung im Tonfilm bereits überwunden. Der Tonfilm seht seine Entwicklung, auch in optischer Hinsicht, von dem Entwicklungsstadium aus fort, das der stumme Film augenblicklich erreicht hat. Die Filmkunst fußt auf komplizierten technischen Voraussetzungen. Es liegt deshalb in ihrer Natur, ihre künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten durch immer neue technische Erfindungen und Errungenschaften zu bereichern. Das Wesen des Films bleibt trotzdem konstant und deckt sich mit dem Wesen jeder anderen Kunstform, mit Hilfe bestimmter Ausdrucksmittel und konstruktivistischer Methoden, Vorgänge der Wirklichkeit oder der Phantasie zu übermitteln. Der Filmdarsteller muß sich umstellen: aus dem Mimen wird ein Sprechschauspieler. Da ich Schauspieler bin, geht mich das natürlich in allererster Linie an. Es liegt an der Kompliziertheit des Werdeganges eines F4lms. daß die Leistung des Film- schauspieler« nicht so selbständig sein kann. wie die seines Kollegen von der Bühne. Beim stummen Film ist sie abhängig vom Regisseur und Kameramann, denn im Gegensatz zur Bühne sieht ja das Kino-Publikum nicht die unmittelbare Gestaltung des Schauspielers, sondern die technische Wiedergabe des photographischen Bildausschnit- tcs, der durch die künstlerisch und technisch schöpferische und vermittelnde Tätigkeit des Regisseurs und Kameramanns zustande kommt. Beim Tonfilm kommt noch ein dritter Mittelmann hinzu, von dem die Wiedergabe der akustischen Leistung des Darstellers abhängt: der Akustiker, der Kontrollmann des Mikrophons. Er sitzt in einem schalldicht abgeschlossenen Raum und hört die Worte des Schauspielers nicht so, wie dieser sie spricht, sondern wie sie aus dem Lautsprecher kommen, von der Technik aufgcfangen und wiedergegeben. Der Akustiker kann den Ton abschwächen und verstärken, und die Entscheidung liegt bei ihm, ob eine Ton-Aufnahme einwandfrei gelungen ist cder nicht. Cs ist natürlich das Ideal, daß der Ton von der technischen Apparatur genau so wieder- gegeben wird, wie er „hineingeklungen" ist. Diese rein technische Frage wird ohne Zweifel über kurz oder lang endgültig gelöst werden. Trotzdem muh der Schauspieler, — auch der Dühnen- Schauspieler — speziell für das Mikrophon zu sprechen lernen, muh sich auf diesen merkwürdigen kleinen schwarzen Kasten einstellen, wie er es „Oer Tiger." Der erste Kriminal-Tonfilm. Berlin, Anfang Mai. In einem Ufatheater am Kurfürstendamin läuft jetzt ein vollständiges Tonfilmprogramm. das viele Möglichkeiten und Geschmacksrichtungen zeigt. Weiß-Ferdi, jener Münchener Komiker, der im „Unsterblichen Lump" den Bürgermeister so drastisch zu mimen wußte, steht hier mit einem Tonsilmsketsch redend und singend auf der Leinwand: es gibt einen vorzüglichen Kultur-Tonfilm, „Der Salon der Meeresungeheuer", der die Einkleidung in ein Schaubudenabenteucr dazu benutzt, ganz ausg^eichnete Aufnahmen aus dem Leben der Tiefseetiere vorzuführen, einen atem- raubenden Ringkampf einer Krabbe mit einem Tintenfisch etwa, der in seiner unverfälschten.Gewalt beinahe etwas Menschlich-Ergreifendes hat, und Paul R. P e r o f f und Leon M e lach o w s k i zeigen einen possierlichen, gezeichneten Tiertrickfilm »Die Meistersinger", der mit überraschenden Grotcskeinsällen und seiner zeichnerischen Ausführung den amerikanischen durchaus nicht nachsteht. Der grohe Schlager des Programms aber ist der erste Kriminaltonfilm „Der Tiger", der unter der Produktionsleitung Alfred Zeislers und der Regie von Johannes Meyer gedreht wurde. Sie haben auch diese Aufgabe — wie damals den stummen Kriminalfilm „Dom Täter fehlt jede Spur" — mit vielem Geschmack gelöst. Der Film zeigt eine spannende Detcktivfabel, die sich durchaus auf realem Berliner Boden bewegt und sich von allen detektivischen äleber- treibungen der versinkenden Zimmer, unterirdischen Gänge und geheimnisvollen Finger ausdrücklich fernhält. Aber schon eNveist es sich, daß der Ton viel intensiver als der gedruckte Zwischentitel zur Erzeugung jener „Spannung" brauchbar sein wird, die für einen Kriminalfilm nun einmal unerläßlich ist: Aus verworrenen Gesprächsfetzen und abgerissenen Dialogen formt sich das Bild der Berliner „Unterwelt" und der geheimnisvollen Gestalt jenes Mörders, der in seinen Kreisen als „Tiger" berühmt und berüchtigt ist? Wer ist er? Die akustischen Möglichkeiten sind mannigfaltig, und in einer Berliner Kneipe, die auch von sensationslustigen Fremden besucht wird, kann sich viel ereignen, ehe sich der Täter zu enthüllen braucht. Gertrude Berliner kann ihren Schlager singen und mit Jens Keith einen vollendeten Apachentanz vorführen, der bei offener Szene seines rapiden Tempos wegen beklatscht wird (Musik von Willi Kollo), der geheimnisvolle Herr im Frack kann erscheinen und verschwinden, Typen und Kaschemmentiefen können gezeigt werden, man kann Mi- beim stummen Film gelernt hat, sich auf die Kamera einzustellen, anders zu spielen, als auf der Bühne und mehr noch, für die Groh- Aufnahme anders, alS bei einer Weiteinstellung. Wie er die Geheimnisse und Finessen der Kamera ergründet hat und sein Mienen» und Körperspiel ihnen anpaßtc, muh er sich jetzt in seiner Sprache nach dem Mikrophon richten. Ich bin glücklich, daß ich meinen ersten Tonfilm* in meiner Muttersprache in Deutschland spielen durfte: bei der Ufa unter der Produktionsleitung meines alten Freundes Erich Pommer. Die Regie führte mein amerikanischer Freund Joses von 6 ternb erg, ein gebürtiger Wiener Er hat bereits seinen ersten großen Tonfilm-Erfolg in Amerika hinter sich von wo wir ihn geholt Habern • .Der blaue Engel", der demnächst auch in Gießen gezeigt werden soll. Kerntonfilme in natürlichen Karben. Don Max Fischer. Wenn man ein Bild, fei es irgendein gemaltes Bild oder ein Lichtbild, einen Film oder einen wirklichen Gegenstand, elektrisch fernsehen will, so kann man nicht das ganze Bild auf einmal in die Ferne senden: man muh es vielmehr in einzelne Streifen zerlegen und diese in ihrer Helligkeit dauernd schwankenden Streifen gewissermaßen wie einen Film abrollen lassen. Dies muß so rasch geschehen, daß der Eindruck jedes Punktes noch im Auge haftet, wenn das Bild zum zweitenmal abgetastet wird, denn nur dann wird beim Beschauer die Täuschung hervorgerufen, als sähe er das ganze Bild, das heißt sämtliche Punkte des Bildes, gleichzeitig. Dazu ist es erforderlich, jeden Bildpunkt 16mal in der Sekunde zu übermitteln, wenn das Bild nicht flimmern soll. Man hat sich allerdings beim Fernsehen dazu entschließen müssen, jeden Punkt nur 12jmal in der Sekunde zu geben, was an sich bedauerlich ist, aber leider nicht anders geht, wenn der Empfang von Funksendern mit benachbarten Wellenlängen nicht gestört werden soll. Bis jetzt konnte man nur Schwarz-weiß fernsehen, also so, wie wir auch die Bilder im Lichtspielhaus sehen. Es wurden also nur Helle und dunkle Punkte, Lichthelliakeiten, aber nicht Farben übertragen. Dies ist zweifellos ein Mangel, mit dem wir uns abgefunden haben, weil wir es eben nicht anders kennen, und weil die Farbenübertragung bisher unmöglich war. Es hat allerdings immer Erfinder gegeben, die sich bemüht haben, uns das farbige ßaufbilb im Lichtspiel zu bescheren; wie wir aber alle wissen, hat sich das farbige Laufbild noch nicht durchsetzen können, weil die Verfahren zu verwickelt und die Bilder noch unvollkommen sind. Auch beim Fernsehen hat man säst schon von Anfang an nach Verfahren gesucht, die es gestatten sollten, farbige Fernsichten in natürlichen Farben zu übertragen und wirkliche Gegen- sätze so farbig fernzusehen, wie sie wirklich ausseyen. Man hat dazu z. B. den Weg gewählt, daß man die einzelnen Bildpuntte in jeder Sechzehntelsekunde nicht nur einmal, sondern dreimal übertrug, nämlich immer einmal für rot, einmal für blau und einmal für gelb. Im elektrischen Teil unterscheiden sich diese Farben nicht, im Empfänger aber leuchtete die Lampe bei jeder ersten der drei Wiedergaben des Bildes durch rote, bei der zweiten durch blaue und bei der dritten durch gelbe Blenden. Da diese Bilder nun sehr schnell aufeinander folgen, so erschien ein Punkt, der etwa durch die blaue und unmittelbar darauf durch die gelbe Blende belichtet wurde, im Empfänger grün. Es ist also ein ähnliches Verfahren wie bei dem Dreifarbendruck, nur daß die Farben eben nicht auf Papier, sondern erst int Auge, vielleicht sogar erst im G-Hirn des Beschauers aufeinander gedruckt werden. Die Verwirklichung des Gedankens scheitert in erster Linie daran, daß man die dreifache Zahl der Bilder geben muß, und dies ist, wie wir oben ausgeführt haben unmöglich. Dann aber tritt bei schnell bewegten Gegenständen eine Verschiebung der Farben gegeneinander auf, so daß die verschiedenfarbigen Bilder nicht aufeinander passen und Mißsarben entstehen. Einen ganz neuen Weg geht nun Ingenieur Albert Alexander A h r o n h e i m , der seine Gedanken dieser Tage der Technisch-Literarischen Gesellschaft vortrug. Er führte auch vorläufig noch sehr einfache Versuchsgeräte vor, mit denen er zwar noch keine Fernsichten zeigen konnte, die aber den Sachverständigen das Grundsätzliche seiner Erfindung erkennen ließen. Es ist danach kein Zweifel, daß Ahronheim einen Weg beschritten hat, der geeignet ist, das Fernsehen in natürlichen Farben möglich zu machen, ja es scheint mir sogar — was Ahronheim in seinem Dortrage selbst nicht gesagt hat —, daß man auf diesem Wege vielleicht zu einer befriedigenden Lösung der Frage des bunten Laufbildes im Lichtspiel kommen könnte. Dies wäre dann ein ähnlicher Weg wie etwa die elektrische Reinigung von Röntgenbildern. Während man, wie erwähnt, bisher beim Fernsehen nur die Helligkeit des Lichtes übertrug und so Schwarz-weiß-Fernsichten erzielte, so übermittelt Ahronheimer nur die Farben, wie ja auch der Maler sein Bild nur aus Farben zusammensetzt. Ahronheim begnügt sich dabei nicht nur mit drei Farben, wie man es beim Dreifarbendruck und dem farbigen Fernsehen nach dem oben erwähnten Vorschlag tut, er will vielmehr etwa 10 bis 12 Farben verwenden. Bekanntlich wird das, was wir Licht nennen, durch elektromagnetische Wellen hervorgerufen, und zwar durch sehr kurze Wellen, die in ihrer Länge weit unter unseren Funkwellen, selbst tief unter den Kurzwellen, liegen. Wir empfinden also nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus den elektromagnetischen Wellen als Licht. Unser Auge ist gewissermaßen ein Detektor für elektromagnetische Wellen, der auf längere Wellen — wie es unsere Funkwellen sind — oder auf noch kürzere als die Lichtwellen — z. B. die Röntgenstrahlen — nicht anspricht. Der Bereich der elektrischen Wellen, den wir als Licht empfinden, ruft aber im Auge nicht in allen Abschnitten denselben Eindruck hervor: Die längsten Lichtwellen sehen wir vielmehr als rot und dann geht es weiter über alle Farben des Regenbogens bis zum violett. Wenn dann die Wellen noch kürzer werden, emp- finden wir sie ebensowenig als Licht wie die über dem Rot liegenden: unserem Körper fehlt ein Mittel zum Nachweis ihres Vorhandenseins. Ahronheim benutzt nun die verschiedenen Längen der elektromagnetischen Lichtwellen, die ein beleuchteter Gegenstand zurückwirft, um 10 bis 12 Wellen- kreise zu steuern, die dann den Trägerwellen entsprechende Reize aufdrücken, ähnlich wie ja auch die Sprache den Wellen durch Abschneiden der Wellen- kämme aufgedrückt wird. Auf der Empfangsseite, also im Fernsehempfänger, werden diese Reize den Wellen wieder abgenommen und rufen dann an den entsprechenden Stellen der Fernsicht dieselben Farben hervor, die bas zu betrachtende Bild im Empfänger hat, natürlich nötigenfalls durch Ueberlage- rung mehrerer Farben wie beim Mehrfarbendruck. Da Ahronheim 10 bis 12 Grundfarben verwendet, alfo nicht weniger Farben als der Maler so kann er damit zweifellos außerordentlich vollkommene Wirkungen erzielen. Außerdem lädt er derselben Trägerwelle noch die Sprache auf und zeigte bei den Vorführungen, daß man diese beim Empfänger voll- kommen heraussieben kann, so daß die Farben durch die Ueberlagerung der Sprache weder verändert werden noch Helligkeitsschwankungen erleiden. Ahronheim denkt sogar daran, die Sprache gleich zweimal zu überlagern, und zwar einmal mit etwas Verspätung, um dadurch den Nachhall oorzutäu- schen, der namentlich der Musik die raumfüllende Wirkung verleiht. wie wir sie in einem guten Ron» zertsaal hören. Wenn dabei freilich von räumlichem Hören gesprochen wird, so trifft dies nicht ganz zu, da man unter räumlichem Hören etwas anderes versteht, nämlich die Feststellung des Ortes ober wenigstens ber Richtung, wo ein Schall herkommt. Es wäre natürlich am schönsten, wenn man ble bie verschiebenen Farben ergebenden Lichtwellen selbst elektromagnetischen Trägerwellen. also Funkwellen, aufbrücken könnte. Leiber ist bies unmöglich, weil bie aufgebrürften Wellen immer eine sehr erheblich größere — sagen wir etwa bie hundertfache — Länge haben müssen als bie Trägerwellen. Wie wir aber oben ausaesührt haben, ist in Wirklichkeit gerabe bas Umgekehrte ber Fall, da eben bie Lichtwellen ungeheuer viel kürzer finb als bie Funkwellen. So muß Ahronheim bie eine Farbe beftimmenbe Wellenlänge dazu benutzen, einen ber Trägerwellen ausbrückbaren Reiz zu erzeugen. Dies ist ein un- Dcrmeibborer Umweg, ben man aber mit verhältnismäßig einfachen Mitteln gehen kann. Es ist erstaunlich, wie wir gerabe in ben letzten Jahren immer mehr bahin kommen, uns bie elektromagnetischen Wellen in ben verschiedensten Oktaven dienstbar zu machen, und es gehört keine Sehergabe zu ber Voraussage, daß wir auf diesem Gebiete ber Physik unb ber Technik noch vollkommen in ben fttnber- schuhen stecken unb noch Ungeahntes zu erwarten haben. Oie Musik im Tonfilm. Don Friedrich Holländer. Der Tonsetzer kann das Aufkommen des Tonfilms nur freudig begrüßen. Zwei grundlegende Faktoren veranlassen ihn dazu. Der erste Faktor, zwar rein äußerlicher Ratur, darf nicht gering bewertet werden. Cs ist der Vorzug, der in der mechanischen Festlegung der Wiedergabe eine- musikalischen Werkes besteht. Rur der mit Bühnen- und Konzertverhältnissen Vertraute weih dieses Moment gebührend zu schätzen. Die Erstausführung eines Bühnenwerkes kann noch so gut ausgefallen sein. Imponderabilien mannigfacher Art bleiben bestehen, die jeder Wiederholung des Stückes anhaften. Sie lassen sich beim besten Willen und eifrigstem Bemühen niemals ganz ausschalten. Unpäßlichkeiten bei Darstellern oder Darstellerinnen, Starlaunen, gedrückte Stimmung des Dirigenten ober des ausführenden Personals lauter Momente, die jeden Abend von neuem die einwandfreie Wiedergabe einer Bühnen- Komposition im Sinne des Tonsehers gesähr- den und den Erfolg aufs Spiel sehen können. Der Tonfilm bietet die Möglichkeit der einmaligen künstlerisch vollendeten Musik»Aufnahme. Damit ist eine beliebige Anzahl von Wiederholungen in gleich vollendeter, künstlerischer Ausführung stets gewährleistet. Kehlkopfverstimmungen und Starlaunen sind völlig ausgeschaltet. Tadellose Ausführung des Werkes bei sämtlichen Wiederholungen ist ein für allemal gesichert. Der zweite Faktor, den der Tonseher bei der Betrachtung des Tonfilms in Erwägung zieht, lien und Stimmung geben und trotzdem immer eine prickelnde Spannung wachhalten. Ein Film, de? nur hierdurch und durch seine Sauberkeit wirken will: kein Film der großen CH amen, einer ganz ohne Stars. Seine DarsteUer sind sämtlich fast unbekannt, Charlotte Susa und Harry Frank, die hier die großen RoUen spielen, waren bisher nur in kleineren beschäftigt. Aber es geht auch ohne die kostspieligen Drrühmt- beiten: der Beifall des Premierenpublikums jedenfalls bewies, daß es sie nicht vermißt hat. B. D. Conrad Veidt erzählt... . ich will kein Tämon mehr sein .. Cs ist wahrscheinlich eine Enttäuschung: der dämonische Conrad V e i b t hat gar nichts Dämonisches an sich. Im Gegenteil, er wohnt in bem allermobernsten Hotel Berlins, bessen neu- sachliche Ausstattung gerabezu jeder Romantik Hohn spricht. Er trägt ein Monokel und raucht Zigaretten. Seinen Kopf brauche ich nicht zu schildern, er scheint hinlänglich bekannt. Herr Veidt ist augenblicklich scheinbar etwas erregt, denn er geht hastig durch sein Hotelzimmer unb hält es in keinem Sessel lange aus. Er ist es wirklich. Er sagt, er habe jetzt eine anftrengenbe Zeit vor sich und komme keinen Morgen vor vier Uhr ins Bett: Nachtproben in der „Tribüne", wo er wieder als Bühnenschauspieler auftreten werde, der er ja ursprünglich gewesen ist. „Das ist mir, nach so vielen Filmjahren, doch wieder etwas ganz Reues. Cs revolutioniert den ganzen Menschen!" Immerhin gibt das Eprechtheater Anlaß zu dem neuen Tonfilm zu kommen, den er vor kurzer Zeit vollendet hat: „Die letzte Kompanie". Wie er es aber nicht lange auf einem Platz aushält, so bleibt er auch keineswegs bei einem Thema: wir reden plötzlich — wer weih, wie es geschah — von Hollywood. Er begeistert sich: „Das landschaftlich Tropische ist freilich Kulisse. Früher war dort nichts als Wüste, unb bie berühmten Hollywoober Palmen sind künstlich angepflanzt. Aber benken Eie Eie haben bas Meer dicht bei sich. Eie können im Rovember baden unb zu gleicher Zeit auf ben nahen Bergen Ski laufen, während im Hintergrund bie herrlich beleuchtete Wüste liegt ...“ Er ist offenbar mit seinen Gedanken im tiefsten Amerika und achtet auf meine Frage nach ber letzten Kompanie nicht weiter. Er ist auf einen anderen Stuhl unb zu einem neuen Thema gekommen, zu bem großen Film, ben er in Amerika gespielt hat, „Der Mann, der lacht". Ich wage, um ihn auf bie „Kompanie" zu bringen, zu sagen, daß ich den Film scheußlich gefunben habe. Man benfe: einen fahrenben Gaukler zu spielen, bem bie Lippen fortgeschnitten wurden, so daß nur das scheußlich bleckende Gebiß bleibt! Veidt ist hiervon begeistert: „Sehr richtig! Gräßlich! Aber das will Amerika, darum ist der Film drüben ber Bombenerfolg geworden: den Kontrast des verstümmelten Mannes zu ber schönen graul Das will man empfinben: bas Gruseln unb bas Weinen! Rachher happy end! Zuerst wird alles in Auflösung gebracht, ber Zuschauer sitzt wie in einem dumpfen Traum — aber endlich kommt bie Erlösung, er hat aus- geträumt, bie* Weltorbnung ist wieberhergestellt! Was will man machen? Amerikanische Psychologie. Darum war der Film in Deutschlanb eben ein Mißerfolg." Ich versuche, ihn auf seine „Kompanie" zu bringen, aber es mißlingt abermals, er ist noch immer bei Amerika: „Natürlich, man nimmt manchen Film mit Bedenken, aber wenn man sich dazu entschlossen hat. gibt es doch nur eins: die äußerste Konzentration. Jener „Mann, der lacht" war eine sehr harte Aufgabe. Meine uiffere verzerrte Gesichtshälfte muhte starr bleiben, ich konnte nur mit ben Augen unb ber Stirn spielen — bazu die Großaufnahmen!" Er ist recht erregt und zerstreut; die Erinnerung an diese Rolle scheint noch erheblich nachzuwirken. Ich suche ihn durch die Erklärung zu besänftigen. daß jene lebende Grimasse eine unerhörte schauspielerische Leistung gewesen fei. Aus einigen Umtocgen führe ich ihn zum Tonfilm zurück. „Ja," antwortete er, „als ich zum ersten Male meine Stimme hörte, war ich entsetzt. Ebenso wie damals, als ich mich zum ersten Male aus ber Leinwand sah Gewiß, es gibt ein gefährliches Mikrophontieber, ich kenne es aus ben Probeaufnahmen. Rachher habe ich es nicht mehr gehabt ..." Ich finbe, daß er auf bem besten Wege zur „Letzten Kompanie" ist, unb lasse ihn über ben Tonfilm im allgemeinen sprechen. „Die Tonfilmaussichten? Fabelhaft!! Denken Sie, jetzt erst werben wir zum Kammerspiel kommen. Da werden sich neue Wege zeigen ..." Worauf ich ihn mit ber Frage ergreife und halte, welche Aussichten er sich von unb für die „Letzte Kompanie" verspreche. „O das ist ganz etwas Reues, wenigstens für den Tonfilm. Es ist bas erste große Tonfilm- brama. Das helbische Drama, im geschichtlichen Kostüm! Hintergrund: ber Rückzug nach ber Schlacht bei Jena. Dabei doch toieber eine ganz menschliche Sache. Ich bin ber Hauptmann von breizehn Mann, bie genau wissen, daß sie morgen alle tot sein werben..." „Also kein happy end?“ „Keins. Unb ba hinein spielt noch eine Liebcs- empfinbung ..." Unb plötzlich ist er wieder vom Thema abgesprungen und redet unermüdlich über die deutschen Schauspieler: „Krauß! Das ist ber größte! In jeber Rolle ein anderer unb hoch immer toieber er selbst! Wer kann ben „Kaiser von Amerika" so spielen wie er? Er ist ber größte Schauspieler der Welt!" Inzwischen habe ich mir überlegt, wie er wieder auf seine Kompanie zu bringen sei unb stelle bie sanfte Frage, ob er biefe Rolle mit ober ohne Bedenken übernommen habe. „Ganz ohne Bedenken," erklärt er mit Überzeugung. „Denn sie bringt mich dahin, wohin ich schon lange kommen wollte. Was weiß man von sich unb seinen Mitteln? Ein Schauspieler, ber, sagen wir, vierzig Jahre alt ist, hat eine anbere Uebersicht über sich selbst als damals, als er begann. Das Chaos ber Jugenb ist geklärt, man hat etwas erlebt unb man braucht bie Erlebnisse. Man ist reifer geworben. Gewiß, es gibt Menschen, die in einem solchen Alter ausgebrannt sind — mir aber ist, ich fange wieder mit meinem vermehrten Wissen und meinen gesammelten Erfahrungen von vorne an. Bisher war ich als der Dämon abgestempelt. Seitdem ich im „Caligar i" meinen ersten großen Erfolg halte, wurde ich geholt, wenn es etwas Dämonisches zu spielen gab. Wir nehmen uns Veidt, hieß es bisher immer, da kann nichts schief gehen. Aber nun habe ich es satt. Ich habe mich, das Publikum hat sich gewandelt. Ich will kein Dämoniker mehr sein. Richts mehr vom „Mann, der lacht!" Ich will weiter nichts, als natürliche Menschen spielen, die mit beiden Beinen fest auf ber Erbe stehen. Unb darum habe ich diesen Hauptmann in der „Letzten Kompanie" so gerne gemacht, denn er ist eine ganz unphantastische, natürliche Ausgabe. Ueber- haupt: natürlich. Das Mikrophon zwingt uns dazu, so menschlich unb einfach wie möglich zu sprechen. Alles anbere wirb tontechnische Grimasse. Unb welche Fortschritte haben wir schon gemacht! Kennen Eie ben „Unsterblichen Lump"? Ist er tontechnisch nicht nahezu vollenbet ...?" Und so geht es noch eine Weile zwischen einigen Stühlen weiter. Es ist jetzt nahezu ausgeschlossen, ihn nochmals zur letzten Kompanie zurückzuholen. Dazwischen immer das Telephon. Auch ein Zeichner, ber jetzt bazukommt, hat es nicht leicht, denn er muß Conrab Veidt bei seinen verschiedenen Gängen durch das Zimmer nachjagen. „Sagen Sie doch allen, die es hören mögen,“ bittet Conrad Veidt zum Schluß, „sagen Sie es allen: ich will kein Dämon mehr sein". Nun, wenigstens das habe ich doch, denke ich, ihn mit oller Deutlichkeit erklären lassen. A. <•*. /V- Wirtschaft ' ‘ fr s • .1 ! £ Sranffurt a. M. Berlin Banknoten. 6. 5. i 7. 5. 6. 5. 7. 5. 6. 5. 7. 5. 6. 5. 7H. 110,5 112 110,25 111,13 Allgemeine Deutsche Credltanst. 10 12,1 57,75 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 170 4- f 243,5 26,6 26,25 71 71,75 24,13 6,7 7,05 । 129 16,9 120,5 Anfang. Kur- 7 7 Hansa Dampsschsss . Norddeutscher Lloyd Anfang. Kur- 26,5 4,25 Schluß, für« 60 12,2 164.5 124,5 165,5 146 142,5 143,5 100,5 96,5 94,5 10 12 10 8 110,65 115 126,5 174,5 150,5 228 142,75 144,5 297 170,5 100,5 105 74,75 139 124,5 110,25 115,13 126.5 175 150,5 227,5 142,65 144.25 296,5 170,25 185,25 164,25 124,25 165,75 146 163 189,5 240,5 170,25 70,75 102 138,5 124,75 108.5 216 100,25 104,4 74.4 70,5 110,75 99,9 226,13 118 111,4 115,5 126,5 176 151 228 142 143,5 207,5 169,75 44,9 106,25 10 io 12 8 . 9 99,8 226 118 124 166,75 138 161,13 190 243 35 38 44,5 106,5 95,75 132 103,5 195 87,25 103,75 59,65 11,8 94,75 . 9 10 11 16 . 8 10 . 6 , 6 . 8 . 8 . 0 61/, 10 . 7 Schluß« für« । 112 126,5 151 87,4 103,75 60 11,95 94,1 55 58.1 99,75 94 86,5 100,5 96,5 94,75 94,5 102,75 138,75 125,13 107,5 216 106,25 105,25 74 111,25 226 113,5 35 ! 37 | 45 ; > 24,4 21,9 2,4 ist ebenfalls von hohem Wert. Es sind die unübersehbaren Möglichkeiten, die der Tonfilm dem schöpferischen Musiker bietet. Nichts regt die Phantasie des Komponisten stärker an, als die Vorgänge, die sich nach den noch ungeschriebenen Gesehen des Films auf der Leinwand abspielcn. Sowohl die konkreten als auch die abstrakten Vorgänge der filmischen Darstellung drängen an und für sich immer nach Musikalität. Sie können sogar durch musikalischen Aufbau in ihrer Entwicklung stark gefördert und veredelt werden. Ich selbst habe bei der Erfindung der Musik für den großen Ufa-Tonfilm der Crich°Pommer°Produktion „Der blaue Engel" diese Erkenntnis praktisch ausgewertet. Der Regisseur, von Sternberg, ein äußerst feinfühliger Künstler, hatte, in klarer Erkenntnis seiner Aufgabe, den Wunsch geäußert, meine Komposition vor Beginn seiner Atelicrarbeit kennenzulernen. Starke Befruchtung des eigenen Schaffens erwartete er von der Musik. Schon mit dem Schlager „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" — war die Charakterrolle von Marlene Dietrich, der vcr- . 7 . 6 . 7 ey, io . 6 7,2 wobei er a übrigen si stützt murb H großen usw, ober und es blei! °'sthe, zu bi Nehmen we führerischen Variete-Sängerin Lola-Lola, so scharf Umrissen, daß durch dieses Chanson eine klare Grundlinie für die Handlung gewonnen war. Dieses Chanson schuf sofort die Atmosphäre, nach der der Stoff gebieterisch verlangte. Das Thema dieser Melodie war prädestiniert dazu, Leitmotiv für das innerste Geschehen zu werden, Schickfalsmotiv des verführten Professor Rat (Emil 3annin g s). Das gleiche Motiv in symphonischer Gestaltung begleitet die Handlung bis zur Katastrophe. Ein anderer Schlager „Kinder, heut' Abend such' ich mir was aus" schaltet sich beim ersten Auftreten des Professors organisch in das Gefüge der Geschehnisse ein, als er in der Umgebung erscheint, die ihm zum Verderben werden soll. Dieser Schlager ergänzt und steigert zusammen mit dem Choral „Heb' immer Treu und Redlichkeit" — das Glockenspiel der Turmuhr spielt ihn — die Fülle der dramatischen Gegensätze, die sich im Verlauf der Handlung entwickeln. Kunst und Wissenschaft. Massenfälschungen von Meisterwerken des französischen Impressionismus. Paris, 5. Mai. (CRB. Funksvruch.) Paris hat jetzt seinen K u n st s k.a n d a t, nach dem Muster der Affäre D o s s e n a in Rom. Was Dossena für die frühitalienische Plastik getan hat, das hat ein Mater Cazeau in Maison- Laffitte für die großen Ramen des französischen Impressionismus getan. Er stellte, und zwar in stattlicher Fahl olles her, was in dieser Beziehung gut und teuer ist. Er malte ..echte" Degas, er malte ..echte" Cezanne, er versuchte sich als Claude Monet, als Theodor Rousseau, als Corot und Sisley. Als ihn das Schicksal ereilte, war er in seinem Atelier gerade beschäftigt, die letzte Hand an ein Bild zu legen, daß von einem vor Jahrzehnten verstorbenen Meister herzurühren bestimmt war. Im ganzen soll cs sich um ein Geschäft von mehreren Millionen Francs handeln, an dem leider auch der Enkel eines Großen jener Zeit, des Malers M i l l e t von Barbizon, ein gewisser Charles Millet, als Agent für den Absatz der Fälschungen beteiligt ist. Der Kunsthandel hat freilich, insbesondere von Corot, manches Werk schon auftauchen sehen, das verdächtig war. Trotzdem soll der fleißige Cazeau auch Sachverständige getäuscht haben. Generalintendant Ebert bleibt in Darmstadt. Von der Verwaltungskommission des H e s s i - schen Landcstheaters in Darmstadt wird mitgeteilt: Generalintendant Professor Karl Ebert Hot sich erfreulicherweise entschlossen, dem Ruf nach Mannheim nicht zu folgen und der Verlängerung seines Vertrages in Darmstadt zuzustimmen. Barmer Bankverein .... Berliner Handelsgesellschaft . Commerz, und Privat-Baiik. Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und Tiseonto-Gesellschast,. . . Dresdner Bank ...... Reichsbank........ A.E.G........... Bergmann........ 133,5 । 195 161,5 I Rheinische Elektrizität Schlesische Elektrizität. Schlickert L Co. . . . Siemens L HatSke . • Lransradio ..... Lahmcver L Co.. . . Buderus...... Deutsche Erdöl ... Essener Steinkohle • • Gelsenkirchener . . . Harpener. ..... Hoesch Eisen. .... 3*1e Bergbau .... Ktücknerwerke .... Köln-Neuessen.... ManneSmann-Rölirea ManSfelder Bergbau . Oberschles. Eisenbedarf Oberschles. Kokswerke. Phönix Bergbau . . . Rheinische Braunkohle» Rheinstahl ..... Rtebeck Montan ... 2,4 6,9 6,75 6,75 10 16,95 8,1 6 Berlin [mb in dem letzten I°9 Reichs" Den, und m weit oorroa oder 31. i ben Unterau Die Reiche bet Reichsre zvtrelbe bah die Der Inner ge Ausgaben, d jltlierle schaflsvertreter aus dem ganzen Bezirk beteiligt haben, gegründet worden. Zu geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern wurden gewählt der bisherige Hauptgeschäftsführer der Frankfurter Filiale der Deutschen Raiffeisenbank, K. Jolk, und der Geschäftsführer M. Mieth: außerdem gehören dem Vorstand ehrenamtlich an Geschäftsführer G. Dickhaud (Idstein) und Kaufmann K. Kitzel (Frankfurt a. M.-Sossenheim). In den Aufsichtsrat wurden zunächst zehn Genossenschaftsmitglieder aus Nassau, Kreis Wetzlar und Oberhessen gewählt, den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm der Derbandsvorsitzende Dr. N o l d c n , als sein Stellvertreter wurde Lehrer Gerhards (Groß- Rechtenbach) bestimmt. Mit dieser Gründung ist neben dem Verband und der auf guter und sicherer Grundlage arbeitenden Zcntralwarenanstalt, der Raiffeisen-Hauptgenossen- schäft, auch das bisher von der Frankfurter Filiale der Deutsä^n Raiffeisenbank noch rein genossenschaftlichen Grundsätzen betriebene Geldgeschäft auf eine angemessene und durchaus aussichtsvolle Grundlage gestellt. Schweinemarkt in Gießen. Der heutige Schweinemarkt in Gießen war mit 180 Ferkeln, zum größten Teil von Händlern, beschickt. Da sich sehr viele Käufer cingefunden hatten, war der Handel flott, so daß kein Kleber- stand verblieb. Bezahlt wurden für Ferkel, sechs bis acht Wochen, 40 bis 50 Mark: acht bis dreizehn Wochen, 50 bis 60 Mark: über dreizehn Wochen alte 60 bis 70 Mark je Stück. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Trostloser Zustand der Straße von Steinberg nach Grüningen. (Ls ist an dieser Stelle schon oft über die traurige Beschaffenheit der Landstraße von Steinberg nach Grüningen geklagt worden. Bekanntlich herrscht hier ein starker Omnibus-, Lastkraftwaqcn- und Pferdefuhrwerksverkehr nach Gießen. 'Die Strecke ist als Zufuhrweg für Gießen stark belebt und hat deshalb erheblich mehr Bedeutung, als irgendeine Perbindungsstraße zwischen zwei Ortschaften. Und wie sieht es hier aus! Die Oberfläche der Straße ein Höckerfelh, dazwischen ukhähüge Schlaglöcher, viele davon von enormer Breite und Tiefe. Wehe dem armen Kraftfahrer, der dieses Trichterfeld nicht kennt und gar bei Nacht hineingerät! Für die v-Straßen hat er seine mühsam zusammengesparte Kraftfahrzeugsteuer bezahlt, das erkennt er hier mit grausamer Deutlichkeit. Um einigermaßen ohne Beschädigung durchzukommen, besonders in der ' oberen Hälfte vor Grüningen, lenken Kraftfahrer und Fuhrleute ihre Fahrzeuge zur Seite und fahren Auf dem Fußweg. Es herrschen also, kurz gesagt, Zustände, die' jeder Beschreibung spotten. Wenn hier nicht baldigst Abhilfe geschaffen wird, werden die Schadenersatzklagen nicht ausbleiben, denn entweder muß die Strecke ohne Gefahr für Leib und Leben passierbar sein, oder sie muß gesperrt werden. Warum muß eine Straße erst der vollständigen > Zerstörung anheimfallen, um sie nachher nach dem Verfahren aus dem vorigen Jahrhundert mit Dampfwalze, Schotter und Sand neu herzurichten. Die Strecke Holzheim—Grüningen wurde im oori- / gen Jahre auf diese Weise erneuert, heute zeigen sich' die Schlaglöcher schon wieder serienweise. Ohne Teerüberzug wird auch diese Strecke bald wieder zerstört sein, und das Geld der Steuerzahler ist ausgegeben. Wenn die Schlaglöcher und Unebenheiten einer j beschädigten Straße mit Teer und Feinschlag aus-1 gefüllt werden und dann die Strecke mit einer I durchgehenden Teerschicht überzogen wird, ist die ■ Haltbarkeit für einige Jahre ohne große Ausbesse- \ rungskosten gewährleistet, wenn der Verkehr nicht zu stark ist. Dieses Verfahren hat sich doch an vielen 1 Straßen bewährt und ist billiger als Neuwalzen, j Möge dieser Hinweis dazu beitragen, daß endlich einmal der unerträglichen Verkehrsnot auf dieser Strecke obgeholfcn wird. Ein Leidtragender im Namen vieler Leidensgefährten. 2.4 24.6 l 21,9 2,4 7 . 6 . 0 . 6 . 8 . 8 l'J 10 . 9 10 ffrankfurier Malchlnea . . Krihner...... . Heyligenfkaedl..... Iunghans........ Lechwerke. ....... Mainkraftwerte Höchst a. M. Mtag.......... Gebr. Roeder ...... Voigt & Haessner . . . . Süddeutsche Zucker . • . Reichsbank und Oiskontfrage. Die für den Beginn dieser Woche erwartete Einberufung des Zentralausschusses der Reichsbank ist nicht erfolgt und eine Entscheidung über die Ermäßigung des deutschen Reichsbankdiskonts noch nicht gefallen. Für die abwartende Haltung des Reichsbankdirektoriums sind Gründe maßgebend, die sich zum Teil darauf beziehen, daß die zum Monatsbeginn erwarteten Rückflüsse bisher nicht eingetreten sind, zum anderen Teil mit seiner Auffassung bezüglich der internationalen Diskontlage Zusammenhängen. Es ist bekannt, daß sich die internationalen Geldmärkte im Stadium der Vorbereitung der ersten Reparationsan- leih et rauche befinden und daß die Verbilligung der kurzfristigen Gelder bisher noch nicht nennenswert auf die Kapital sätze übergegriffen hat. ^Tie Reichsbank will vor allem abwarten, wie sich die neuen internationalen Diskontsenkungen am Devisenmarkt auswirken. Die Entwicklung des R e i chs- m a r k k u r s e s während der letzten Tage läßt deutlich erkennen, daß man allgemein mit einer Dis- tontsenkung der Reichsbank gerechnet hatte. Aber von einem erheblichen Devisenangebot kann am deutschen Markt nicht gesprochen werden, wie lange allerdings die gegenwärtige Situation anhält, ist fraglich. Wenn trotzdem über kurz oder lang eine Ermäßigung des Reichsbankdiskonts für wahrscheinlich gehalten wird, so liegt dies daran, daß man mit neuen großen G o l d z u f l ü s s e n rechnet. Anscheinend will die Reichsbank solche großen Goldzuflüsse abwarten und erst dann zwangsläufig den Diskont ermäßigen. Zu berücksichtigen ist auch, daß die gegenwärtigen Vorgänge auf den internationalen Geldmärkten sehr bald zu einem Ende führen können, zumal die Ausgabe der Reparationsbonds bevorsteht, die natürlich nicht ohne Ein- Iluß auf das große Geldangebot fein wird. Wenn alfo die Reichsbank jetzt den Diskont sofort ermäßigen wurde, so würde sie gegebenenfalls sehr bald gezwungen sein, ihn wieder zu erhöhen, und Dis- konterhöhungen haben stets einen stärkeren Effekt •-auf die allgemeine Zinslage, als Diskontermäßigun- ?gcn. Man kann daher die reservierte Haltung der R e i ch s b a n k verstehen, die die D i s- kon.tbaisfe nicht mitmachen will, um nicht der Wirtschaft sehr unerwünschte Erschütterungen von der Zinsseite her zu bringen. Auch dos Direktorium der Schweizerischen Nationalbank hat sich zur Aufrechterhaltung des Diskonts trotz der internationalen Diskontbaisse entschlossen. Vom ländlichen Genossenschaftswesen. Da die V e r e i n h e i t l i ch u n g s b e ft r e b u n - gen im Rhein -Maingebiet zu einem posi- tiuen Ergebnis bis jetzt nicht geführt haben, hat üch — wie uns vom Raiffeisen-Perband Frankfurt a. M. berichtet wird — der Raiffeisen-Verband Frankfurt a. M., dem 621 Genossenschaf- len angehören, gezwungen gesehen, für die Geld- wirtichaft seiner Mitglieder durch die Errichtung einer eigenen Verbandskasse zu sorgen. Dementsprechend ist die „G e n o s s e n s ch a s t s - bank Raiffeisen" als eingetragene Genossen- MaE mit beschränkter Haftpflicht mit dem Sitze in ifranksurt a. M. in einer am 3. Mai unter dem Vor- l'v des Verbands-Vorsitzenden Dr. N o l d e n statt- gehabtcn Versammlung, an welcher sich Genossen- Mehr als 16. bis 18. ßänöert1 ein halbes gangenen ? geleistet M eine recht seinerzeit Hot sich al schiedene ' lassen, bis wurden. D berAbgr shen Re Men» wi vrzanisc Wtx $ zwisihrn Bei bet Irtz Ährer blii fcmplej ofj kommen in rung Ser u finanjie H-m Rach btt letzten r schlagnn auherpreutz gung Prer großen un teil von ! wurde ab gung der herigen s mein|d geb u n c $ - Frankfurt a. M. | Berlin fit 10 ttW'nl «■% Die 3 Die fllonaU; £20 0)5Pf'I lehn, auch toinen ei”! Infolge^ lMterSanM Anschrift > ztaiifstrtui Oeftr. LieserungSgelelllchaft. 10 Licht und Kraft......10 Felten L Guilleaume ... 7^ Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger Elektrizitäts-Werke 10 4% Oesterretchtlche Golvrenlr . . 4,20% Oesterreichilche Silberrenle 4% Oesterreichilche Einheitliche Rente........... 4% Ungarilche Goldrente .... 4% Ungarilche StaatSrente v. 1910 4Vi% beSfll. oon 1918..... 4% Ungarische Kronenrente . . . 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Llnl. Serie 1........... 4% desgl. Serie U....... 5% Stu manische vereknh. Rente von 1903 .......... l'A% Rumänische Verein-. Rente von 1913 .......... 1% Rumänische verelnb. Rente . Polens tr te . * der D LS W\ t s* ->>' »die' N schog L“ fi M Wünschten nun r Men "freut, M se* L°uch ä 3'" SW LK Heben Lnber mönn?u,nte IliSkin. ^flUho ^ge 'mniCt /er. + Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/1926 = 100) stellt sich für die Woche vom 28. April bis 3. Mai auf 121,3 gegenüber 121,7 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 119,6 (120), Gruppe verarbeitende Industrie auf 110,9 (110,9) und Gruppe Handel und Verkehr auf 141 (141,8). Für den Durchschnitt des Monats April 1930 ergibt sich eine Steigerung auf 122,2 gegenüber 119 im Durchschnitt März 1930, in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 120,9 (118,6), Kruppe verarbeitende Industrie auf 110,3 (107,4) und Gruppe Handel und Verkehr auf 142 (139,5). * D r. C. Schlei, ßn er A. - G., F°rankfurt a. M. Die G.-V. genehmigte den Abschluß mit 7 (i. V. 0) v. H. Dividende auf die Stammaktien mit 104 gegen 14 Stimmen eines Aktionärs, auf dessen Anregung in Abänderung der ursprünglichen Vorschläge auf Wertpapiere nur 7000 (anstatt 10 000) Mark abgeschrieben und die freiwerdenden 3000 Mk. der Reserve überwiesen werden. Der Aktionär bemängelte die Höhe der Unkosten und Abschreibungen und beantragte die Verteilung einer Dividende von 10 v. H. Demgegenüber wurde von der Verwaltung erklärt, daß die Reserven der Gesellschaft nach wie vor gestärkt werden müßten, um der Konkurrenz des I.-G.-Farben-Konzerns auf dein Filmgebiet ent- gegentreten zu können. Infolge dieses Konkurren;- kampses müsse mit einem weiteren Steigen der Unkosten gerechnet werden, da das Unternehmen der enormen Reklame der J.-G.-Fabrikate nur durch hochwertiges Material und neue Spezialartikel be- gegnen könne. Die G.-V. beschloß sodann einstimmig die vorgeschlaeene Erhöhung des Stammaktienkapitals von 270 000 auf 600 000 Mark. Die neuen r-t-t - Aktien, auf die zunächst 25 v. H. einbezahlt werden sollen, werden den Aktionären im Verhältnis 1:1 zum Bezüge angeboten. Die vorgeschlagene Erhöhung des Vorzugsaktienkapitals von 5000 Mark auf 10 000 Mark wurde gcaen die 14 Stimmen des Aktionärs genehmigt, der Protest zu Protokoll gab. Odenwälder Hortsteinindustrie A.-G., D a r m st a d t. Die Generalversammlung beschloß die Ausschüttung einer Dividende von 8 (im Vorjahr 7) Prozent auf die Stammaktien. Die Aussichten für das Jahr 1930 wurden von der Verwaltung als zunächst nicht sehr günstig bezeichnet, da es dem Reich, den Ländern und der Reichsbahn an Geld mangele. Bestimmte Voraussagen könnten nicht gemacht werden. Zur Zeit werde mit verringerter Belegschaft gearbeitet, doch hoffe man im Laufe des Jahres auf eine Belebung des Geschäftsganges, wenn durch Steuereingänge neue Mittel in die Staatskasse geflossen seien. * Frankfurter Bank, Frankfurt a. M. Die Generalversammlung genehmigte ohne Aussprache den Abschluß für 1929 mit wieder 7 Proz. Dividende auf die Stammaktien. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 7. Mai. Tendenz: freundlicher. — Im Einklang mit den festeren Schlußkursen an der gestrigen Reuhorker Börse war die Stimmung am heutigen Markt freundlicher. Das Geschäft erfuhr aber trotzdem keine nennenswerte Belebung, da immer noch die zweite Hand fehlte. Rur einzelne Spezialwerte traten etwas mehr in Erscheinung. Anregende Momente waren sonst nicht vorhanden, vielmehr drückten die in letzter Zeit bekanntgewordenen ungünstigen Rachrichten immer noch etwas auf die Stimmung. In der Hauptsache wurden die Rückgänge der Kupferpreise beachtet, die zu einer völligen Interesselosigkeit in diesen Werten führten. Gegenüber der gestrigen Abendbörse traten zumeist Besserungen in kleinem Ausmaße ein. Etwas in den Border- grund treten konnten am Clektrornarkt Siemens mit plus 2 Prozent: AEG. lagen dagegen auf Realisationen leicht gedrückt. Am Chemimarkt eröffneten I.-G.-Farben 1 Prozent und Deutsche Erdöl 1,5 Prozent fester. Am Markt der Montanaktien erhielt sich auch heute das Interesse für Rheinstahlaktien, die bei lebhaften Umsätzen wiederum 2,5 Prozent gewannen. Kaliwerte lagen dagegen im Einklang mit dem nicht gerade befriedigenden Kali- absatz in diesem Jahre im Angebot und bis zu 2 Prozent schwächer. Dem Markte der Freigabe a k t i e n wandte sich ebenfalls vermehrte Rachsrage zu. Hapag und Rorddeutscher Lloyd lagen bis zu 1,5 Prozent fester. Bankaktien uneinheitlich. Dresdner Bank büßten 1 Prozent ein, während Commerzbank leicht erholt lagen. Deutsche Linoleum traten mit plus 1.5 Prozent etwas mehr hervor. Zellstoff Aschaffenburg etwas nachgebend. Auch heute bestand für deutsche "Renten weiter Interesse. Besonders Anleihen ohne Ablösung zeigten weiter aufsteigende Kursbewegung. Im Berlaufe blieben einige Spezialwerte im Vordergründe. Im allgemeinen blieben bei freundlicher Tendenz die Kurse des Anfangsniveaus gut behauptet. Am Anleihemarkt waren Reubesih weiter lebhaft gehandelt, bei einer weiteren Besserung. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 Prozent notiert. Am Devisenmarkt lag das Pfund international schwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4,19025, gegen Pfund 20,3620, London gegen Kabel 4,8595, gegen Paris 123,82, gegen Mailand 92,68, gegen Madrid (etwas erholt) 29,55. gegen Schweiz 25,0858, gegen Amsterdam 12,0750. Fra:.7' .rtev Getreidebörse. Frankfurt a. M., 7, Mai. Am heutigen Produktenmartt war die Stimmung im Ein- nang mit den höheren Auslandnotierungen nicht unfreundlich, doch blieben die Händler sehr zurückhaltend, da sich stärkeres Angebot von Aus- landware bemerkbar machte, was im Verlause eine Preissenkung vereinzelter Getreidesorten zur Folge hatten. Besonders Roggen war gedrückt, während an den übrigen Märkten die Preise teilweise behauptet blieben. Unter Druck standen noch Weizen- und Roggenkleie. Don Mehlen war Roggenmehl niedriger notiert. Cs wurden notiert: Weizen, Hektolitergewicht von 78 Kilogramm, 305; Roggen, Hektolitergewicht von 72 Kilogramm, 182,50—185; Sommergerste für Brau^wecke 205—207,50; Hafer, inländischer, 185 vis 190; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 43.50—45,25; Äoggenmehl 26,50—27.75; Weizenkleie 7,75; Roggenkleie 9,00-9,25. Tendenz: flau. l-Uhs. I (rdilug- -Hur« | kur« w - MH. Kurszettel der Berliner un- Frankfurter Börse. D>- h,n.°r den Papieren ang.^hrten Ziffern geben die Hijhc der zuleht b-,ch,°'sen-n Dividend- an. - R-ich-bankdi-kont 5 v.H, Lombardzin-suß 6 n.tz. Dalum iiamvurg-Amerika Pakcl ... 7 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Datum 6% Deutsche StetchLantcihe von 1927 .......... 7% Deutsche SieichSanIeche von 1929 .......... Deutsche An^2lblöI.«Cchtlld mit AllLlos^Rcchlen....... DeSgl. ohne Auslos^Rechte . . . 6% Hess. VoUsstaat von 1929 (rückzahw. 102%)...... Oberhessen Provinz - Anleihe mit AuLlvs^Rechten....... Deutsche Komm. Eammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% flranks. Hyp.-Bank Goldpfe. XIII unkündbar bis 193-1 . . . 7% Franks. Hyp^Bank Goldpfe. unkündbar bis 1932 .....