Vr. 286 Erster Blatt 180. Jahrgang Samstag, 6. Dezember 1930 Lrlcheinl tügltch,außer Sonntag» und Feierlag«. Btlleaen; Die DDuftrierte Gießener FamilienblLtter Heimo! im Bild Die Scholle Monatr-Bezugrpretr: 2.20 Reichsmark und 30 RetchLpfenntg für Träger» lohn, auch bei Richter» e*inen einzelner Ulummem folgt höherer Gewalt. Lernsprechanschlüfse «nttr5ammelnummcr225L Anschrift für Drahwach» richten: Anzeiger »lebe«, poßschemonto: Sra*tfurtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck und Verlag: vruhl'sche Univerfiiäts-Vllch- und Zteindruckerei K. Lange ht Stehen. Zchristlettung und Geschäftrftelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagtinummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re» dlameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wich. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Tardieus Sturz. Mitten in die Rotverordnungsdebatte im Deutschen Reichstag, deren Ausgang für das Schicksal der ReichSrcaierung und ihres Sanierungspro- gramms entscheidend fein wird, platzt eine aufrcn- politische Sensation: be r 6 t u r ä derfranzö- fischen Regierung. „Sensation" ist allerdings fast zu viel gesagt. Andre Tardieus zweites Kabinett stand 'schon seit Wochen wackelig. Die ohnehin geringe Mehrheit von 56 Stimmen, über die es am 5. Marz 1930 bei seinem Amtsantritt verfügte, ist immer mehr geschwunden, bei den Abstimmungen der letzten Wochen nahm die Flucht aus dem Regierungslager geradezu beängstigende Formen an, bis Tardieu schließlich bei der letzten Abstimmung in der Kamme r, am 28. Rovein- ber, es nur mit Hilfe seines dreißig Köpfe starken Kabinett- auf eine Mehrheit von 14 Stimmen brachte, die also tatsächlich keine Mehrheit mehr war. 3n dem für ihn weniger günstig zusammengesetzten Senat konnten solche Kniffe nicht mehr verfangen, er blieb mit acht Stimmen in der Minderheit und zog daraus die Konsequenzen. — Als Tardieu im März dieses Jahres daran ging, nach der Eintagsfliege des Radikalen Ehautemps. sein Zweite- Kabinett auf die Deine zu stellen, hatte er sich unter der Parole des Burgfriedens bemüht. auch die Radikalen zur Beteiligung an seinem Kabinett zu bewegen, das er als „Geschäfts- Ministerium" zu deklarieren suchte. Hcrriot, Dala- dier, Ehautemps und anderen Radikalen bot er Ministerporteseuilles an, aber die radikale Partei lehnte ab. Tardieu. der gegenüber den Linksparteien stets eine ausgesprochene Kampfstellung eingenommen habe und niemals auf seine enge Solidarität mit der reaktionären Rechten verzichten werde, fet nicht der Mann, unter dessen Führung „da- Werk der republikanischen Dersöhnung" vollbracht werden könne. 3n der Prägung pomphafter, aber darum doppelt verschwommener politischer Schlagworte sind die Franzosen aller Schattierungen von jeher Meister gewesen. Aber dahinter stand ein sehr handgreifliches und bei der politischen Vergangenheit Tardieus gewiß verständliches Mißtrauen gegen den designierten Ministerpräsidenten. Daß der einstige „junge Mann" Cle- menceauS, der in Versailles stets die schärfste Tonart vertreten hat und auch noch in der Aera Poincare mit den Alnversöhnlichen liebäugelte, nun mit Driand als Außenminister die Derständi- gungspolitik weitertreiben werde, erschien den Radikalen trotz der naheliegenden Parallele Poincare mehr als unwahrscheinlich, besonders da er seine Beziehungen zur Marin-Gruppe kaum werde lösen könne,'«. So gelang es Tardieu damals nicht, die Radikalen zur Mitarbeit heranzuziehen, obwohl er die schwebenden Fragen der Wirt- schasts - und Finanzreform in den Mittelpunkt seines volitischen Arbeitsprogramms gc- rüdt hatte. Aino gerade hierin sollte sein zweites Kabinett versagen. Die Weltwirtschaftskrisis hat Frankreich dank feiner üoeraus glücklichen wirtschaftlichen Grund- strucktur verhältnismäßig wenig anhaben können. Frankreichs wirtschaftliche Stärke beruht auch heute noch auf seiner Landwirtschaft und der immer noch breiten Schicht des gewerblichen Mittelstandes. Die Zahl der wirtschaftlich selbständigen Existenzen hat sich dank der günstigen Boden- und Klimaverhältnisse und dank einer gesünderen Bevölkerungsverteilung zwischen Stadt und Land trotz entgegenwirkender Tendenzen, Pie auch in Frankreich Anzeichen der Landflucht erkennen lassen, wenigstens vorläufig noch weit höhergehalten, als "in Ländern stärkerer und schnellerer Industrialisierung. Die Stärke des inneren Marktes hat eine geringere Abhängigkeit von den Schwankungen kxä Weltmarktes zur Folge. Wenn nun aber Frankreich zwar produttionswirtschastlich in hohem Grade autonom ist — von dem engen Zusammenhang der vstsranzösischen Schwerindustrie mit der Deutschlands. Belgiens und Luxemburgs sei hier abgesehen —. so fühlt Frankreich seine Verbundenheit mit der Weltwirtschaft doch auf finanziellem G ebiete in besonderem Maße. Frankreich, bas Land der kleinen Rentner und Sparer, hat seine aus ter Vorkriegszeit her traditionelle Rolle als internationaler Geldgeber großen Stils wieder auf genommen. Obwohl es selbst bei Amerika noch beträchtlich in der Kreide steht, hat es doch in einer Reihe europäischer Kleinstaaten namentlich des Ostens und Südostens große Kapitalien angelegt. Daneben herrscht bekanntlich infolge der Politik der Dank von Frankreich im Lande ein starker Goldübersluß, dem man die große Teuerung auf den Warenmärkten zuschreibt. Sie ist noch verstärkt worden durch die Politik Tardieus, der, um einem Alebergreifen der Welt- agrarkrisis auf Frankreich vorzubeugen, die Preise der landwirtschaftlichen Produkte in die Höhe trieb. Die Depresswn auf dem Weltmarkt und die Zuspitzung der außenpolitischen Lage in Europa ist natürlich auf den Kurs der ausländischen Anleihen an der Pariser Börse nicht ohne Einfluß geblieben, und eine umfangreiche und rücksichtslose Baissespekulation hat dazu das ihrige getan, in der großen und einflußreichen Schicht der kleinen Kapitalisten, der Rentner und Sparer, eine Welle des Mißtrauens zu erzeugen, die -sich in den brtz^n Wochen mit zunehmender Heftigkeit gegen die Regierung und ihren Ches Tardieu kehrte. Von Tag zu Tag gelang es seinem prvnonziert zur Schau getragenen Optimismus weniger, die Verstimmung zu beschwichtigen und den Eindruck aufrechtzuerhalten, daß es seinem Regime gelingen werde, die Wirtschafts- und finanzpolitischen Schwierigkeiten zu meistern. Es bedurfte nur eines handfesten Börsenfkandals, um ihm beut- Cin letzter Appell -es Reichskanzlers. Oie Oebatie über die Notverordnungen. — Vor der Entscheidung des Reichstags. Berlin, 5. Dez. (DDZ.) 3n der Freitag- fifjung wurde die erste Beratung des Haushalts für 1931 in Verbindung mit der Aussprache üher die neue Rotverordnung und die dazu vorliegenden Anträge fortgesetzt. Abg. Rippe! (Ehr.-Soz.) erklärt, man könne über die Anwendung des Artikels 48 denken, wie man wolle. Tatsache sei. daß weiteste Kreise des Volkes es begrüßen, daß der Reichskanzler sich nicht in unerquicklichen Verhandlungen ergehe. sondern klar und zielbewußt handele. Bessere Vorschläge als die der Regierung habe man in der Aussprache nicht gehört. Tributzoll und Enteignung der Dörsensürsten seien Seifenblasen, die zerplatzen, wenn man zufasse. Dringend notwendig sei vor allem auch die Sanierung der Gemeinden. Die Parteiherrschaft auf den Rathäusern habe der Selbstverwaltung das Grab gegraben. Es sei unverständlich, wenn B. ein Bürgermeister im Wuppertal (früher Elberfeld-Barmen) 30 000 Mk. und der Regierungspräsident desselben Bezirks 16 680 Mk. Gehalt beziehe. Ein Musterbeispiel von Aleberverwaltung liefere die Stadt Bochum. Stadt und Reichspost beschäftigten je 1200 Personen. Während bei der Post aus die 1200 Beamte vier leitende Beamte kommen, habe die Stadt Bochum deren 57. Die Reichspost zahle ihren 1200 Beamten 3,5 Millionen Mark, Oie Stadt Bochum mehral-6.5Millionen. Abg. Drewitz (Wp.): Wir sind als Reaktionäre beschimpft worden, weil wir gegen bic verschwenderische Ausgabenbewilligung und auch gegen die überhöhte Desol- dungsordnung gestimmt haben. (Zurufe von den Sozialdemokraten.) Wenn Sie (zu den Sozialdemokraten) mit Ihren Zurufen mir meinen Beruf als Bäckermeister vorwerfen, so beweisen Sie damit die Großmannssucht des Parteibeamten, der ehrliche Arbeit verachtet. (Lebhafter Beifall bei der Wirtschaft-Partei.) Wir haben immer die Ausgdbensenkung gefordert, ober man ist un- nicht gefolgt und sieht nun die Folgen. Wenn nun zur Gehaltskürzung bei den Beamten geschritten werden muh, so ist es eitel Heuchelei, wenn man die Verantwortung dafür allein der Wirtschaftspartei zu- schieben will. Die Regierungsparteien sollten ehrlich genug fein, ihre Verantwortung dafür zuzugeben. Von der Regierung müssen wir verlangen, daß sie energisch sich gegen die Beamtenorganisationen wendet, die jetzt der Wirtschaft-Partei die Verantwortung aufbürden wollen und zum Boykott der Geschäfte auffordern, deren Inhaber unsere Mitglieder 'sind. Wir haben uns keineswegs gegen den Preisabbau gesträubt, aber wir haben auch ehrlich ausgesprochen, daß die Preissenkungsaktion der Regierung Spiegelfechterei ist. Das Arbeitsministerium hat zwar Verhandlungen mit den Konsum vereinen über die Preissenkung geführt, aber e- hat dazu nicht die Vertreter des Handwerk- und Kleinhandels zugezogen. Die Vertreter der Konsumvereine haben erklärt, daß sie die Preise nicht weiter senken könnten. Die Alnternehmer- und Gewerkschaftsvertreter vereinbarten aber auf dieser im lich zu machen, daß sein letzte« Stündlein geschlagen habe. Politik und Geschäft haben in Frankreich von jeher enger zusammengehört, als anderswo. Bekannte Parlamentarier als stille Teilhaber dunkler Ehrenmänner an der Börse oder als Jnteressenver- treter irgendwelcher Jndustriegruppen haben in der Geschichte der Dritten Republik stets eine große, wenn auch wenig rühmliche Rolle gespielt. So ist der F a l l O u st r i c, der im November so viel Staub aufwirbelte und den Stein ins Rollen brachte, über den Tardieu am Donnerstag gestolpert ist, an sich nichts besonderes. Ein Pariser Bankier und übler Börsenspekulant macht unsaubere Schiebergeschäfte, wie das, wie schon gesagt, in Frankreich so üblich ist, auch mit Politikern. 21m 7. November ist er genötigt, seine Zahlungen einzustellen. Ein großer Kundenkreis wird schwer geschädigt. Die schon ohnehin nicht geringe Nervosität des Publikums wächst zur Lawine der Empörung an, als bekannt wird, daß namhafte Politiker beteiligt waren. Interpellationen in der Kammer zwingen den Ministerprasi- dcnten zur Stellungnahme. Sein Justizminister Raoul Pöret wird der Verbindung mit dem Spekulanten Duftric beschuldigt und noch ein paar wei- tere Mitglieder seines Kabinetts sollen bedenkliche Dreckspritzer abbekommen haben. Einmal noch gelingt es Tardieu, den Sturm zu beschwören. Er stellt die Vertrauensfrage und erhält am 14. November noch eine Mehrheil von 47 Stimmen. Aber er beeilt sich, so unauffällig wie möglich, den diskreditierten Justizministcr PLrct durch den Senator C h ö r o n zu ersetzen. Es hilft nichts mehr. Wenige Tage später werden zwar noch zwei Unterstaatssekretäre ausgebootet, die ebenfalls in die Affäre Oustric verwickelt sind. Aber die Lawine ist im Rollen. Tardieus Mehrheit in der Kammer schrurrzpft auf vierzehn Stimmen zusammen und nur, indem er seine rund 30 Kabinettskollegen an der Abstimmung teil- nehmen läßt gelingt es ihm überhaupt noch, sich zu behaupten. Im Senat dagegen, wo die Mehrheitsverhältnisse für ihn ohnehin ungünstiger liegen, erfüllt sich sein Schicksal. Obwohl Poincars sich entschieden gegen einen Sturz des Kabinetts aus- fpriajt, gurt) eine Nachfolge Tardieus ablehnt und persönlich in der entscheidenden Senatssitzung er- Ministerium veranstalteten Konferenz, durch Konsumvereine, Werkskonsumvereine und Warenhäuser einen scharfen Konkurrenzkampf gegen den Kleinhandel zu führen. Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß eine Preissenkung erreicht wird. Die Voraussetzung ist aber eine steuerliche Entlastung der Wirtschaft. Die wenigen guten Bestandteile der Rotverordnung werden bei weitem überwogen durch die für uns unannehmbaren Bestimmungen. Wir lehnen deshalb die Rotverordnimg ab. 2Ibg. Rauch- München (Bayerische Dp.): Die Preislenkungsaktion wird vor allem gehemmt durch das Preisdiktat der Kartelle und Syndikate. Für das deutsche Volk ist e- aber eine Schicksalsfrage, daß wir von den hohen Preisen herunterkommen. Wir sind von Ländern umgeben, deren Valuta weit unter dem Stand der Dorkriegswährung steht. ES kommt alle« darauf an2> daß wir Preise, Gehälter und Löhne gleichmäßig senken. Titan darf nicht einseitig den einen dieser Faktoren herausgreifen. Die Aufblähung de« DeamtenapparateS ist in erster Linie durch das Parlament verschuldet worden. Eine Aleberfüllung herrscht auch im Kleingewerbe. Ohne Preisabbau ist ein Gehalts abbau nicht durchführbar. Wir lehnen einen Gehaltsabbau nicht grundsätzlich ab, werden aber scharf darauf achten, ob zur rechten Zeit der Preisabbau folgt. Abg. Dr. Weber (D. Stp.) spricht die Hoss- nung au«, daß die Preisgestaltung unter Mitwirkung der Regierung einen Ausgleich für baden Beamten auferleglc GehaltSopser herbeiführe. Lebhafte Bedenken beständen gegen die neuenZoll- erhöhungen. Wenn die Regierung von der zehrenden Sorge um den Etat, befreit sein werde, dann müsse sie sich den außenpolitischen Problemen zuwenden. Die Grundlinie der Politik der Staatspartei mache eS zur Pflicht, die Bedenken im einzelnen zurückzustellen unt> der Rotverordnung zuzustimmen. Brüning warnt.... jRebe und Gegenrede zwischen Reichskanzler und Parteien. — Oer Appell an das Verantwortungsgefühl des Reichstags. Reichskanzler Or. Brüning: E« hat sich im Lande eine erfreuliche Bereitschaft zur freiwilligen Mitarbeit an den Plänen der Reichsregierung gezeigt. Da- gilt auch für die Preissenkungsaktion. Es ist aber notwendig, daß die Preissenkung m ö g l ich st s ch n e ll bi« zu dem Punkte durchgeführt werde, den sich die Reichsregierung als Ziel gesetzt hat. (Rufe recht«: „Sie erhöhen ja die Steuern!" s Würde sich die Preis- senkungSaktion noch mehrere Wochen bin» !ii eb c n, dann bestände allerdings für die Wirt- chaft die Gefahr, daß die Käuferschichten ich stark zurückhalten. Die Aeichsregie- rung wirb selbst öffentlich erklären, wann sie glaubt, ihr Ziel bei der Preissenkung erreicht zu haben. Augenblicklich ist dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen. Der Textilgroßhandel kann eine weitere Preissenkung nicht vornehmen. Abg^Drew'tz hat erklärt, die O.o Verordnung Lnne die Wirtschaft nicht voll befriedigen. Die Reichsregierung hat aber nie ein Hehl da rau- gemacht, daß die Rotverordnung nur einen Anfang darstellt und daß weitere Maßnahmen zur Gesundung der Wirtschaft folgen sollen. (Rufe bei den Kommunisten: „Es sollen also noch weitere Raubzüge folgen!") Die Regierung hat mit den Parteien Fühlung genommen und hat zu einem hohen Prozentsatz die Wünsche der Parteien verwirklicht. Die letzten zehn Prozent, die in der neuen Rotberordnung nicht verwirklicht sind, würden weder auf diesem, noch auf dem normalen parlamentarischen Wege zu verwirklichen sein. (Zuruf bei den Rationalsozialisten: „Was bedeutet das?") Daß Parteiforderungen überhaupt nicht hundertprozentig erfüllt werden können. auch Ihre nicht! — Auf einen weiteren Zuruf der Rationalsozialisten: 3a, machen Sie mir denn einen Dorwurf daraus, daß ich nachdeie'e? (Sehr gut!) Sehr gewundert habe ich mich über die gestrige Rede des Abg. Gereke. Gerade die Kritik der Landvolkpartei an dem Inhalt der Rotverordnung hätte bedenken müssen, daß bei einer Einzelabstimmung die Maßnahmen für die Landwirtschaft zu kurz gekommen wären. Es kommt mir aber so vor, al- ob einzelne Parteien nur das in Rotverordnungen niedergelegt wissen wollen, was ihren bes andere ii Interessen entspricht. Das aber ist unmöglich Ich verstehe, daß da» deutsche Volk ohne Unterschied der Parteien den schweren Druck der Reparationslast beklagt und daß alle darum kämpfen, daß dieser Druck erleichtert wird. Aber, wenn Sie weiter nichts können, als daß Sie hinter jedem Problem und hinter jeder Frage als einzige Antwort die Tributfrage haben, dann können Sie weder der Landwirtschaft noch der wirtschaft überhaupt helfen. (Wiederholte Zurufe des nationalsozialistischen Abg. Reinhard.) Wenn ich politische Belehrung brauche, werde ich mich an Sie wenden, Herr Reinhard, als an die geeignetste Persönlichkeit. (Sehr gut! und Heiterkeit.) Wir haben alles versucht, um auch mit dem Druck höchster Zölle dem Getreidebau zu Helsen. (Zuruf: „V e r e d e l u n g s w i r t s ch a f t!") Ja, darauf wollte ich gerade zu sprechen kommen. (Zuruf: „Veredeln mir mal das Kabinett ein bißchen!" — Heiterkeit.) Wenn Sie sich darüber einigen könnten, in welcher Form und mit welchen Persönlichkeiten das Kabinett veredelt werden scheint, wo er dem Ministerpräsidenten bei der Abwehr der Angriffe des radikalen Sprechers lebhaft applaudiert, bleibt Tardieu in der Minderheit. Die Abkehr der Gruppe Loucheur, die großindustrielle Interessen repräsentiert, gibt den Ausschlag gegen ihn. Das zu späte Eingreifen der Regierung bei den Börsenmanövcrn der letzten Wochen, das die unlautere Spekulation begünstigte und den Oustric-Skandal ermöglichte, die bedenklich anwckchsende Teuerung, der ungenügende Schutz der Laienschule gegen Uebergriffe der Kirche, schließlich die zwiespältige Außenpolitik des Kabinetts Tardieu-Briand und namentlich seine Haftung in der Abrüstungsfrage, das alles wird von der Oppofition zur Begründung ihres Mißtrauens gegen den Kurs Tardieu ootge- bracht. Ausschlaggebend ist vielleicht der Gedanke, daß für 1932 die N e u w a h l e n vor der Tür stehen, und man dem Kabinett Tardieu nicht erlauben will, b.is dahin mühsam sein Leben zu fristen, obwohl es längst innerlich morsch und nicht mehr imstande ist, int Innern wie nach außen die zielbc- wußte Politik zu treiben, die die ihm gestellten Aufgaben fordern. Voraussagen über die Entwicklung einer Rcgie- rungstrifis in Frankreich find bei dem starken fluktuieren der Parteioerhältnisse in der französischen Deputicrtenkammer und der Schwierigkeit, feste Mehrheiten zu bilden, stets mißlich. Wer nun T a r - dicus Erbschaft antreten wird, ist besonders schwer zu sagen, weil der Senat, der das Kabinett Tardieu gestürzt hat, ja eine andere parteipolitische Zusammensetzung hat, als die Kammer. Ein linksorientiertes Minderheitskabinett unter radikaler Führung ähnlich dem Kabinett Chan- temps, das im März zwischen dem ersten und zweiten Kabinett Tardieu über die Vorstellung in der Kammer nicht hinwegkam, würde vermutlich das gleiche Schicksal haben, wie Ehautemps. Da eine Mitwirkung der Sozialisten unwahrscheinlich ist, bliebe ein Kabinett der s o g. Konzentration von den Radikalen über die Gruppen Lou- cheur und Tardieu bis zur Fraktion Maginot (Kriegsminister im aurücfgetretenen Kabinett) einschließlich. »Konzentration* ist deshalb auch schon das große Schlagwort der Stunde, an das sich alle klammern. Aber es fehlt der Mann dazu, besieg Autorität die widerstrebenden Parteien zusammenzufassen und beieinander zu halten vermöchte. P o i n c a r 6 hat zwar entschieden abgelehnt, sich dieser Aufgabe au unterziehen, aber es ist keines wegs sicher, daß dies fein letztes Wort war. Er wäre die Willensstärke Persönlichkeit, um namentlid) auch die Wirtschafts, und finanzpolitischen Schwierigkeiten zu meistern. Und er ist auch immer der Mann der absolut weißen Weste gewesen, dem man die moralische Unantastbarkeit zutraut, um mit den peinlichen Restbeständen aufzuräumen, die der Oustric- Skandal hinterlassen hat. Gesundheitsrücksichten kommen für Poincares vorläufig noch ablehne"de Haltung wohl kaum ernsthaft in Frage. Er hat sich von seiner schweren Erkrankung wieder gut erholt, so gut, daß er imstande ist, alle vierzehn Tage in der argentinischen Presse einen giftgeschwollenen Artikel gegen Deutschland loszulassen. Auch seine siebzig Jahre dürften ihn nicht sonderlich drücken. Pom- cares alter Gegner, (flömcnceau, trat mit 76 Jahren an die Spitze des Kriegskabinetts und diktierte zwei Jahre später den Versailler Vertrag. Aber schwerer wiegt wohl für Poincarö die Aussicht, noch einmal mit der höchsten Würde der französischen Republik, der Präsidentschaft betraut zu werden. Da die Amtszeit des gegenwärtigen Präsidenten der Republik, Gaston Doumergue, im kommenden Jahre ablauft, liegt es auf der Hand, daß Poincars sich jetzt nicht ohne Not vorzeitig erneut engagieren möchte. Man wird also auf ihn als Retter aus der 51ot diesmal nicht ohne weiteres rechnen können. Für das d e u t f ch . f r a n z ö f i s ch e Verhält« n i s wird der Ausgang der Regierungskrisis in Frankreich von größter Bedeutung sein. Der Kabi- nettswechsel erfolgt in einem höchst kritischen Augen- blick und es kann nicht ohne Einfluß bleiben, ob bic französische Außenpolitik unter einem neuen Kabinett eine klare Linie findet oder ob auch dieses mie Tardieu auf die Unterstützung von Parteien der Rechten angewiesen ist, die den außenpolitischen Kurs des Kabinetts innerlich ablehnen und für ihre aus innerpolitischen Gründen notwendige Unterstützung außenpolitische Konzessionen verlangen. Deutschland wird also der Entwicklung der Dinge in Frankreich mit großer Aufmerksamkeit folgen. kann, so wäre das erfreulich. — Die Reichsregierung Hot sich eingehend mit dem Schutz der Veredelungs- wirtschaft beschäftigt. Wenn Sie aber in der Land- volkpartei glauben, den notwendigsten Sanierungs- niatznahmen der Reichsreaierung Ihre Zustimmung versagen zu sollen, so kann ich Ihnen nur das eine sagen: Bei einer solchen ablehnenden Haltung werden auch alle weiteren denkbaren Zoll- Maßnahmen die Lage der Landwirtschast nicht retten können, denn das erste Problem, auch für die Landwirtschast, namentlich für die Zins- belastung und Steuerbelastung der Landwirtschaft, ist die Sanierung unserer Finanzen. Sie können Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft beschließen, wie Sie wollen-, wenn Sie den Kopf in den Sand stecken vor diesen Problemen, dann werden alle übrigen Maßnahmen nicht ihren vollen Erfolg haben können. (Sehr richtig!) Ich begreife nicht, weshalb landwirtschaftliche Organisationen gegen die landwirtschaftliche Einheilssteuer Stellung nehmen konnten. Sie bedeutet doch nichts anderes, als daß die Landwirtschaft ein st e u e r ■ freies Existenzminimum von 6000 Mk. jährlich erhalt. (Hört! Hört! links. — Abg. Torgier (Korn.): „An die Arbeiter denken Sie wohl überhaupt nicht?") Wenn die Reichsregierung alle diese Maßnahmen für die Sanierung der Arbeitslosenversicherung und zur Sicherung der Sozialversicherung trifft, wenn sie den Preisabbau fördert, so ist das sicherlich Arbeiterpolitik (Unruhe bei den Kommunisten. — Ordnungsruf gegen den Abg. Rädel (Komm.).) Wenn ich Ihnen (zu den Kommunisten) antworten wollte, dann müßte ich auf d i e Derhältnisse eines anderen Landes eingehen, wo die Lage der arbeitenden Klassen viel schlimmer ich als bei uns. (Abg. Stöchr: (Komm.): „Sie bauen ab, und dort wird aufgebaut!") — Lachen bei der Mehrheit. — Zuruf bei den Sozial- demokraten: „Galgen werden in Rußland auf- gebaut!" — Lärm bei den Kommunisten. — Abg. Stöcker: „Bier Millionen Erwerbslose gibt es in Deutschland, Herr Kanzler!) Die Reichsregierung muß in dieser Stunde die Parteien davor warnen zu glauben, daß unmittelbar und sofort an den Bestimmungen der Notverordnung noch ungeheuer vieles ober überhaupt etwas geändert werden könnte. Ich muh davor warnen, daß im Laufe der Debatte die Parteien sich in Einzelheiten verlieren. Ich muh davor warnen, daß dadurch eine Stimmung erzeugt wird, die nicht nur in diesem hohen Hause, sondern in der Welt di e bedenklich st en üonfequen- zen haben mühte. Es ist meine Pflicht, In dieser ernsten Stunde Sie zu bitten, dah die Jlotoerorbnung, so wie sie ist, angenommen bzw. nicht aufgehoben wird, dah die Entscheidung darüber e h e st e n » gefällt wird. Und, meine Herren, seien Sie sich ihrer Verantwortung bewuht! halten Sie mit Ihrer Kritik in dieser wirklich ernsten Stunde zurück! Sie wissen nicht, wenn die Dinge etwa zum Scheitern kommen sollten, was hinter diesem Scheitern stehen könnte. Sie tragen eine furchtbare Verantwortung, und ist bin überzeugt, dah es genügt, die Parteien an diese Verantwortung erinnert zu haben, dah Sie sich ihrer Pflicht dem Staat, dem Volk gegenüber bewuht werden und den TU u t haben (lärmende Zwischenrufe bei den Kommunisten), die Maßnahmen zu ergreifen, die e» dem Volk ermöglichen, über diese schweren Zeiten Hinwegzukommen. (Lebhafter Beifall in der Mitte.) des Nie Preissenkung. Minister Schreiber über die Erfolge der Aktion. Ein außenpolitisches Zwischenspiel Oer ReichSaußenmimster und seine Kritiker von rechts. Preisabbau an einem Tage vor s i ch gehe. In Deutschland hätten sich seit Mitte 1929 die Preise für die Lebenshaltung immerhin um sieben v.H. gelenkt, bei der Ernährung allein um 11 v.H. Besonders stark sei auch der Textiloreis gesenkt worden. Die Regierung könne nicht die Preise für Tausend? von Waren diktieren; sie könne aber versuchen, den Preisabbau zu organisieren, soweit es den natürlichen Tendenzen entspreche. Dor allem müsse sie ihre Sorge darauf richten, daß Preissenkungen bis zum Verbraucher durchdringen. Di« Erfolge könnten nicht bestritten Abg. Rosenberg (Rats.) schildert die Unterdrückung der deutschen Minderheit in Polen. Das Ziel der polnischen Aufständischen sei, die polnischen Grenzen von 1792 wieder zu erreichen. Polen hätte sich den Deutschen gegenüber eines offenen Bruches der Minderheitenordnung schuldig gemacht, aus dem die Reichsregierung die Konsequenzen zu ziehen habe. Das Versailler Diktat bedeute einen Bruch der von Wilson feierlichst verheißenen 14 Punkte. Wilson hat in seiner Rede damals die Ehre der amerikanischen Ration verpfändet. Wir erinnern die Amerikaner daran, daß auch der reichste Staat der Welt eine Ehre zu verlieren hat. Frankreich hat setzt selbst durch Richtersüllung der Abrüstungsverpflichtung den Versailler Vertrau gebrochen. Deutschland muß daraus die Konsequenzen ziehen. Dazu brauchen wir eine Abkehr von dem jetzigen System der Außen- und Innenpolitik die Ausmerzung des sozialdemokratischen Einflusses auf diese Politik. Wir kämpfen nicht nur gegen das jefeige System, sondern auch gegen d i e Persönlichkeiten, aus denen dieses System geboren ist und mit denen es zugrundegehen wird. (Beifall bei den Nationalsozialisten.) Abg. Bürgers (Z.) bezeichnet die Notverordnung als ein Fundament der Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Existenzbedingungen. Deutschland hätte ohne A u s l a n d s k r e d i t sich nach dem verlorenen Kriege nicht erholen können, und es ist auch keine Schande, wenn wir zum Wiederaufbau unserer Wirtschaft auf ausländisches Kapital zu- rüefgreifen. Zu einem günstigen Zinsfuß werden Wir dieses Kapital aber nur erhalten, wenn mir das Risiko auf ein Minimum reduzie- r e n durch eine möglichst schnelle Stabilisierung unserer Staatsfinanzen. Gewiß ist eine Verwinde- rung der Reparationslast notwendig, aber wir dürfen nicht die Nerven verlieren. Die Zeit arbeitet für uns, und wir müssen uns hüten, durch vorzeitiges Vor stoßen unsere Chancen aus der i)anb zu geben. Auch der Weg zu einer Ermäßigung unserer Reparationslast führt nur über eine vorherige Sanierung unserer inneren Verhältnisse. Zu einer geduldigen Arbeit in dieser Richtung gehört mehr Vaterlandsliebe als zur Katastrophenpolitik. Ada. Feder hat die italienischen Verhältnisse so gerühmt, daß ich mich gefragt habe, wie er wohl hätte reden müßen, wenn er italienischer Abgeordneter wäre. (Ein Nationalsozialist ruft: .^Infamie!" und wird deswegen zur Ordnung gerufen). Tatsächlich hat sich auch im Siegerlande Italien die Arbeitslosigkeit um 60 Prozent er. höht. (Hört! Hört!) Dabei ist die Produktion wesentlich zurückgegangen. Der öffentliche Finanzbedarf ist in Italien, das doch Reparations- gelber bekommt, um 26 Prozent gestiegen. Die italienische schwebende Schuld ist höher als die Deutschlands. (Hört! Hört!) Daraus ergibt sich jedenfalls, daß die Weltwirtschaftskrise auch auf Die Siegerstaaten ihre Wirkung übt. Abg. Dr. Freiherr v. Freytagh-Lo- ringhoven (Dn.) erklärt: Die deutsche Außenpolitik von heute klammere sich in völliger Planlosigkeit hilflos an die ausgehöhlten Schlagworte der Stresemannschen Zeit. 3n Genf wolle man die Minder Heltens rag« grundsäh'ich fördern, verstricke sich abr in zwcck'ose Auseinandersetzungen. Aach den Deutschenverfolgungen t n Prag habe sich der Außenminister nur gegen die materielle Schädigung der deutschen Filmindustrie gewandt, und er habe erleben müssen, daß ein sudetendeutscher Abgeordneter ihn im Prager Parlament getadelt habe. Sogar von Litauen lasse sich der deutsche Außenminister täuschen. Vollends hilflos sei er gegenüber den unerhörten Polengreueln. Gr sehe nicht, daß es sich um einen zielbewußten Vernichtungskampf gegen daS Deutschtum handele. Dr. Curtius habe weder Plan noch Ziel. Verständigung im Westen und Revision im Osten seien unvereinbar miteinander. ReichSarrßenminister Or. (Surtiut: Ich bin Der letzte, der sich dagegen wehrt, daß mit dieser Debatte auch autzenpmlllfche Fragen verknüpft werden. Ich muß es zurückweisen, wenn Sie uns immer unterstellen, daß wir uns an der Außenpolitik vorbeireden wollten. Wir haben uns in drei Sitzungen deS Auswärtigen Ausschusses über die ganzen Fragen eingehend unterhalten. Bei der Darstellung unseres Vorgehen- gegen die Praaer Demonstrationen hat Herr v. Freytagh wieder die KampfeSweise bewiesen, die totr schon feit Jahren zur Genüge kennen. (Abg. v. Freytagh. Unerhört! — Rufe rechts. Frechheit!) Sie haben verfchwiegen. dah am Tage nach der Demonstration der deutsche Gesandte in Prag vorstellig geworden ist und dah auf Grund feines Vorgehens die entscheidenden Beschlüsse gefaßt worden stnd. Auch bei der Schilderung der Vorgänge im Memelland haben Sie irrtümlicherweise — ich drücke mich vorsichtig aus (Abg. v. Freytagh: Das wollte ich Ihnen auch raten! — Lärm und Lachen links.) — nicht den Abschluß der Sache geschildert, sondern ein Zwischenstück. Es hat keinen Sinn, jetzt im Rahmen Der Debatte über die Notverordnung außenpolitische Fragen zu erörtern, deren Gesamtzusammenhang doch nicht richtig herausgearbeitet werden kann. Wir werden wie bisher eine gradlinige Minderheitenpolitik treiben. Mi', dieser ist es nicht vereinbar, wenn man die Wiederaufhebung de - L i q u i d a t i o n s a b k o m m e n s mit Polen fordert. Aach diesem Abkommen dürfen 40 000 bis 50 000 Hektar deutschen Bodens in Polen nicht weiter liquidiert werden und über 80 000 Menschen in Polen werden auf diese Weise Dem Deutschtum erhalten. Ich würde Ihnen (nach rechts) empfehlen, sich mit Den Deutschen MinDerheitsvertretern in Verbindung zu setzen. Sie werden sich wundem, was sie zu Ihrem wahnwitzigen Beschluß sagen. Oie zweite Rednergarnitur. Die Abstimmung am Samstag zu erwarten. Abg. v. Stauffenberg (Landvolk): Seit Schiele das Ministerium übernommen hat, ist der Weltgetreidepreis unaufhaltsam weiter gesunken. Aotwendig sind Einfuhrverbote gegen überflüssige ausländische Agrarprodukte. Wir haben volles Vertrauen zu unserem Minister Schreie, aber wir fürchten, daß hier ein guter Mann einer verlorenen Sache dient. Vor allem steht diese Reichsregierung ganz unter dem Einfluß der vreußifchenRe- glerung, die für die Landwirtschaft wenig übrig hat. Abg. Köster (WP.) bekämpft die B ie r- und Getränke steuern, die nicht nur den Handel ebenso schwer schädigten wie die Mehrbelastung des Tabaks, sondern so hohe Verwaltungskosten und technische Schwierigkeiten zeigten, daß sie von zweifelhaftem fiskalischem Wert seien. Vor allem lehne die Wirtschaftspartei es ab, den Gemeinden die Biersteuer zu überlassen. Eher liehe sich über eine Neuregelung der Reichsbiersteuer verhandeln. Abg. Dr. Mumm (Ehr.-Soz. 93b.): Ich stelle den Antrag, die Reichsregierung möge baldmöglichst in die Erörterung einer Revision der Tribut- lasten mit den am Poungplan beteiligten Mächten eintreten und dazu alle innerpolitiscben Maßnahmen, die zum Erfolge notwendig sind, treffen. (Ruse bei den Nationalsozialisten: Die werden schön lachen, die haben keinen Mumm dazu!) Sie können folche Zwischenrufe machen, aber die Verantwortungsbewußten unter Ihnen bitte ich, daran mitzu- roirten. Möge Gott mit dieser Revision die Krönung des Lebenswerkes Hindenburgs uns geben. (Ruse bei den Nationalsozialisten: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!) Es sprechen noch die Abg. Dr. Halacher (93.93p.), Dr. Kleiner (Dntl.), Rädel (Korn.) und Hopp (Ldv.). Danach wird die Beratung aus Samstag vertagt. Präsident Löbe erklärt, es werde vielleicht möglich sein, um 14 ober 15 Uhr abzu st Immen Sollte bie Debatte länger bauern, so könnte bie Abstimmung am Dienstag — ber Montag ist wegen eines katholischen Feiertags sitzungssrei — vorgenommen werden. Das Haus stimmte dem Vorschläge des Präsidenten zu. Berlin, 5. Dez. (TU.) Im Hauptausschuß Preußischen Landtags entspann sich eine Debatte über die hohe Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen. Handeisminister Dr. Schreiber erklärte, die Oeffentljchkeit erwarte immer, daß der Oie Kabineiiskrisiö in Frankreich. Die republikanische Konzentration. — Wer ist der kommende Mann? Briand oder Barthou? P a r i s, 6. Dez. (EAB. Funkfpruch.) Die Morgenpresse bringt klar zum Ausdruck, was an dieser Stelle unmittelbar nach der Abstimmung des Senats als die notwendig« Folg« des Sturzes des Kabinetts TarDieu bezeichnet word«n war: Die Schaffung einer republikanischen Konzentration. Es scheint aber, dah, wenn Der Präsident per Republik heute nachmittag einen Senator, ob er nun Louis Barthou oder Steeg oder Sarraut heißen mag, berufen wird, um ihm Die Kabinettsbildung anzuvertrauen und dieser mit Den einzelnen Parteien Fühlung nimmt, er sofort feststellen wird, daß alle , Konzentration" sagen, dah aber nicht alle dieses Wort in der gleichen Weise deuten, und das scheint die Schwierigkeit zu fein, auf Die jeder Parlamentarier stoßen wird, Der zuerst vorsühlt, um zu wissen, wie weit er gehen kann. Wo er links mit der Konzentration zu beginnen hat, weiß er, nämlich bei denRadi - falen. Wo er enden muh, das weih er nicht, und bei der Frage dieser Abgrenzung werden sich die Schwierigkeiten ergeben. Schon heute vormittag zeigt Die Morgenpresse, dah Blätter, die aus Dem Standpunlt der Fraktion Maginot und L^Üis Marin stehen, zwar „Konzentration" schreiben, aber „B u r g s r i e D e n" meinen, D. h. Ausgleich Der Parteien, so wie et sich im Kabinett Der Finanzsanlerung Poin- car4s 1923 zeigte. Etwas Derartiges mitzumachen, ist D e n R a D i k a l e n fast unmöglich, da Die belDen lehren Parteitage, sowohl der in Angers, als auch Der in Grenoble, Den Ausschluß Der reaktionären Parteien, also Den Ausschluß zum mindesten der demokratisch-republikanischen Vereinigung (Louis Marin), auch vielleicht Den Ausschluß der demokratischen und fo* ziaten Aktion (Maginot) gefordert haben. Würde Das letztere geschehen, dann wäre ziffernmäßig eine neue Mehrheit kaum zu bilden. Alle Blätter sprechen deshalb von Den Schwierigkeiten, Die sich ergeben wurden, und es ist Die falsche Interpretierung Der Formel „republlka- irische Konzentration", Durch bie Die rechtsgerichteten Elemente Diele Situation herbeigeführt haben. Unter Diesen Umständen wäre der Mann, Der sich von Dem großen innenpolitischen Betrieb seit Jahrzehnten fern gehalten hat unD der gewissermaßen über Dem Ganzen schwebt, der gegebene Mann zur Entwirrung Der Lage, nämlich BrianD. Die Morgenpresse nennt in ber Hauptsache als Persönlichkeit, Die Der Präsident Der Republik im Verlaufe des heutigen TageL^berusen wird, um ihr Die Kabinettsbildung anzubieten, Senator Barthou, der Der demokratisch-radikalen Vereinigung im Senat angehört, Die Der Gruppe Loucheur in der Kammer entspricht, und bie in vielen Fällen bei Abstimmungen grundsätzlicher Art das Zünglein an der Waage bildet. Barthou war im ersten Kabinett Tardieu Iustiz- miniftcr. Er hat sich bei Der Abstimmung, Die Den Sturz Des Kabinetts herbeiführte, ber Stimme enthalten. „L'Ordre" zweifelt^ Daß die Kombination Barthou Erfolg haben könne, da Barthou zwar Der Favorit des Senats sei, aber nicht Das Vertrauen Der Kammer besitze. Louis Barthou ist, man könnte sagen, eine abgestempelte Persönlichkeit. Deutschland hat ihn bei einem besonderen Anlaß, nämlich auf der Konferenz von Genua 1922, kennengelernt Krylenko beantragt die Todesstrafe gegen alte Angeklagten. Vor dem Llrteil im Moskauer Industrie-Sabotage Prozeß. Moskau, 5. Dez. (WTB.) Im Prozeß gegen die Angehörigen der Jndustriepartei hielt nach Abschluß der Vernehmungen der öffentliche Ankläger Krylenko die Anklagerede. Nicht nur in der Sowjetunion, sondern In ganz Westeuropa folge man jedem In diesem Saale erklingenden Wort. Der Prozeß habe die Aufmerksamkeit auch dadurch, daß die Sowjetregierung und die öffentliche Anklage nicht davor zurückscheuten, schwere Mängel des Staatsorganismus aufzudecken, gefesselt. Wir fürchteten nicht, erklärte Krylenko, unsere Mängel aufzuzudecken, weil wir annehmen, die schöpferische Begeisterung der Arbeiterklasse werde beh Machenschaften unserer Feinde widerstehen können. Gegenwärtig habe man eine Wiederholung des Schachty-Prozesses auf erweiterter Grundlage. Spionage habe man auch Im Schachty Prozeß gehabt, jetzt jedoch handele es sich schon um die Durchführung von O p e- ratioaufträgen des Gegners. Man stehe vor einer Vereinigung fämtlidjergegen- revolutionärer Kräfte zum Zwecke der Vernichtung dxr Sowjetunion und zur Erstellung unmittelbarer Verbindungen mit den Intervenienten- Organisationen Westeuropas. , Krylenko hob.Ramsins Erklärung hervor, daß das praktische Programm der Jndustriepartei auch die Vorbereitung einer Militärdiktatur des weißgardistschen Generals Lukomski enthielte und wies an Hand der Zitate aus dem Organ der Weißgardisten „Renaissance" nach, daß das Programm dieser Diktatur m der Wiederher- ftelluna der Monarchie bestanden habe. Ramsin ging bewußt auf Massenerschießungen und Strafexpeditionen los mit Millionenopfern der Arbeiterklasse und der Bauernschaft. Die Hauptrolle unter dem Anklagematerial nimmt darunter das Geständnis der Angeklagten ein. Die Annahme diese Geständnisse seien Ergebnisse von Foltern, ist absoluter Unsinn. Der Umstand, daß die Angeklagten g e st ä n d i g sind, ist erklärlich durch das Fehlen jeglicher Hoffnung, ihr Leugnen könnte zu irgend etwas führen. Krylenko zitierte eine Aeuherung des englischen Abgeordneten Deterbing bei der Zehnjahrfeier Der russischen Schule In Paris am 11. Juni 1930, worin er behauptete. Die „Befreiung" werbe in einigen Monaten erfolgen. Ev ging Darauf zu Ramsins Aussage über eine Verbindung mit französischen Militär- kreisen über unD berief sich auf Die Den Ottten beigelegten Auszüge au 3 Dem Tagebuch Des Generals Janin. Ferner wies er Darauf hin. Daß keinerlei Ursachen Dafür Vorlagen, Ramsins Erklärungen über Das Vorhandensein einer Kommis Ion Des französischen Generalstabes für Die Vorbereitung einer Intervention nicht Glauben zu schenken. Er zitierte einen Artikel Des zur Gruppe TarDieu gehörenden Abgeordnelen Fouere, Der im Ro- vember in der Pariser „Victoire" veröffentlicht wurde und zur Durchführung der ^chirurgischen Operation" zur Herbeiführung des Ausschlusses der Sowjetunion aus der Mitte Der zivilisierten Völker aufforderte. Zum Schluß ftetlte Krylenko folgend« Strafanträge: Do d durch Erschießen gegen Ramsin und sieben weitere Angeklagte. Krylenko erklärte, daß v'.on Gnade keine Rede fein könne, da Die Angeklagten Die größten Feinde Der Sowjetregierung seien. Die nicht nur Die Regierung stürzen wollten, sondern mit ausländischer Hilfe auch einen neuen Weltkrieg verursachen wollten, dessen Ausmaße gar nicht zu übersehen Heu. Es sprachen Dann die Verteidiger Der Angeklagten Kuprßanow. und Sitnin, Die übrigen Angeklagten hatten auf Verteidiger verzichtet. Der Verteidiger Kuprijanows, Brande, stimmte Den vom Staatsanwalt gezogenen Schlüffen zu, wendete sich aber für feinen Mandanten! gegen das beantragte Strafmaß. Er verwies darauf, daß Kurijanow ein vollesReue- bekenntnis abgelegt hätte, und erblickte einen mildernden Umstand in Der politischen ün- wissenheit Kuprijanows. Er führte ferner aus, Daß die Hauptschuldigen, nämlich Das Handels» und Industriekomitee und gewisse Vertreter französischer Regierungskreise, Die Den wahren Mittelpunkt der tonterreoolutio* nären Tätigkeit bildeten, Dem Gericht ent- gingen. Der Verteidiger Sitnins, O z e P. ittet ebenfalls bas Gericht um ilmtoanD- lung ber Tobes strafe in Anbetracht Der Reue Der Angeklagten. werden. Beim B r o t p r e i s müsse anerkannt werden, daß die Bäcker bei der Senkung auf einen sehr erheblichen Teil ihrer Verdienstspanne verzichtet hätten. — Annahme sand ein Antrag auf einen stärkeren Abbau der Preisspanne zwischen Erzeugerpreis in der Landwirtschaft und Verbraucherpreis hinzuwirken. Bredis Rücktrittsgesuch genehmigt. Berlin, 5. Dez. (WTB.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute vormittag den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag über Die Polltische Lage. — Der Herr ReichsPräsiDent hat auf Vorschlag des Reichskanzlers Den Reichsminister Dr. BreDt seinem Antrag« entsPrechenD vom Amte des Reichsmini sters Der Justiz entbun- Den und den Staatssekretär im Reichsjustizmini- sterium Joel bis auf weiteres mit Der Wahrnehmung Der Geschäfte Des Reichsjustiz- ministers beauftragt. Aus aller Welt. 180 Stunden im Bergwerk verschüttet und lebend geborgen. Bekanntlich wurden am Freitagmorgen voriger Woche auf der Zeche „V i k t o v* in Castrop-Rauxel durch Zubruchgehen eines Strebepfeilers zwei Bergleute verschüttet. Am vergangenen Sonntag war es gelungen, mit einem der Verschütteten, den Bergmann Wienpahl, der unverletzt geblieben war, in Verbindung zu treten. Man führte ihm seitdem durch ein Preßluftrohr flüssige Speisen und Frischluft zu. In- zwischen wurden die Rettungsarbeiten mit fieberhafter Eile betrieben. Da die Bergungsmannschaften seitlich an die Bruchstelle, die sich über acht Meter erstreckt, nicht herankommen konnten, ging man dazu über, von unten her einen Stollen durch die Kohle zu treiben. Am Freitagabend um 7.16 Uhr ist es den Rettungsmannschaften nach mühevoller Arbeit endlich gelungen, den Verschütteten noch lebend aus seiner qualvollen Lage zu befreien. Er hat im ganzen 180 Stunbenln seinem unter- irdifchen Gefängnis ausharren müssen. Trotz seiner genau 185stundigen Gefangenschaft in dem dunklen Hohlraum der Bruchstelle befindet sich Wienpahl dank der fortgesetzten Nahrungs- und Frischluftzufuhr in erstaunlich guter körperlicher Verfassung, fo daß er sich, nachdem er ein einfaches Mahl bestehend aus Milch und Zwieback eingenommen hatte, in Begleitung eines Arztes in seine Wohnung begeben konnte. Wienpahl hatte während seiner langen Gefangenschaft keinenAugenblickdenMut verloren und sich fast unausgesetzt mit den Rettungsmannschaften verständigt. kommunistische Krawalle in Berlin. Die Kommunisten hatten in Berlin ihre Anhänger zu Kundgebungen auf den verschiedensten Plätzen Der Staat aufgeforDert. Während Diese Verfammlungen selbst teilweise nur schwach besucht waren und auf mehreren Plätzen überhaupt niemand erfchienen war, schlossen sich Die verschiedenen Trupps später zu größeren Zügen zu- fammen, die zum Teil nach Dem Stadt- inner n marschierten. In Der Markgrafen- st raße kam es zu erheblichen Krawallen, als ein: Zug von mehreren Hundert Kommunisten aufgelöst werden sollte, well verbotene Lieder gesungen wurden. Die Demonstranten setzten sich zur Wehr und bewarfen die Beamten mit Pflasiersteinen. Ein Schutzpolizist wurde zu Boden geschlagen, konnte aber von feinen Kameraden befreit werden. Eine Gruppe Der Ruhestörer suchte ein Lebensmittelgeschäft zu plündern, wurde jedoch von Der Polizei zu» rüdgeDrängt. Unter Anwendung Des Gummiknüppels stellte schließlich ein größeres Polizeiaufgebot Die Ordnung wieder her. Auch vor Dem Rathaus und auf Dem Alesanderplatz wurden kommunistische Züge und Zusammenrottungen mit Dem Gummiknüppel zerstreut. , Annahme der Steuervorlagen im Hessischen Landtag. Oie regierende Koalition beschließt die Erhöhung der Grund» und Sondergebäudesteuer. Darmstadt. 5. Dez (WöP.) Aus der Tagesordnung steht die Aussprache über die Steuer- und Beamtenvorlagen. Abg. Cur (Soz.) hält es für möglich, daß 1931 die SteueLÜoerrncisungen weiter zurückgehen. Frag- lich ist, ob das Reich die ungeheuere n S teuer- s e n k u n g e n 1932 aufrechterhallen könne. Die Grundsteuererhöhung ob 1. April 1931 kann von keiner Wirkung auf die Preisabbauaktion fein, da erst bei der Bu^gctberatung der Umfang der Steuer- erhöhung sestgelcgt werden wird. Dor der Schaffung einer neuen Besoldungsordnung schrecken wir nicht zurück. Zinanzminister Kirnberger: Hessen hat nicht nur bereits die Sonder- ft e u e r mit dem Ergebnis gesenkt, daß ein Ausfall von rund 3 Millionen für die Staatskasse entstanden ist, der sich nach stärkerer Heranziehung der hoch- rcntierenben Häuser immer noch aus 2,5 Millionen berechnet, sondern auch vom 1. April ab die Realsteuern im ganzen — trotz der Angleichung der Gebäudefteuer an die Sätze anderer Lander — um eine Million gesenkt. Ein Vergleich der Städte Main-, Offenbach und Frankfurt zeigt, daß die Grundsteuer in Hessen wesentlich geringer ift als in Preußen, lieber eine A e n d e- rung des inneren Finanzausgleichs wird spätestens im Zusammenhang mit der Durchführung des für das Fahr 1932 zu erwartenden neuen Finanzausgl ichs zwischen Reich und Ländern verhandelt werden. Es muß dabei freilich Vorsorge getroffen werden, daß die mit Wohlfahrtsausgaben besonders stark belasteten Gemeinden lebensfähig erhalten bleiben. Die Bcfreiungs- und Ermägigungs- bcflimmungen wirken sich vor allem auch zugunsten der Landwirtschaft aus, da es in Hessen nur wenig landwirtschaftliche Wohngebäude mit einem Steuerwert von mehr als 10 000 Mark gibt Die Sparvorschläge des Abg. Leucht- g e n s, der von Millionen gesprochen hatte, die auf der Straße liegen, bezeichnete der Minister als Braktisch undurchführbar. Wenn z. B. die niveriität Gießen und die D o r m st ä d - ter Technische Hochschule aufgehoben würden, so wird das praktisch sich jetzt nicht einmal auswirken, weil für die Institute noch auf Jahre hinaus La st en zu tragen wären. Für zwei der bedeutendsten hessischen Städte bedeute ein solcher Abbau im übrigen eine Katastrophe. Hessen hot seinen Gemeinden einen weit größeren Anteil der Sondersteuer für den allgemeinen Finanzbedarf überlassen als andere Länder, insbesondere Preußen. In Preußen erhalten die Gemeinden nur ein Sechstel des Aufkommens der Hauszinssteuer für den allgemeinen Finanzbedarf, in Hessen aber zwei Sechstel. Die Ausgaben der allgemeinen Verwaltung in Hessen betragen nur 1,5 Millionen. Die Ausgaben für die Zentral- behörden (die Ministerien) betragen nur 1,7 Millionen. Wo da Millionen zu sparen seien, ist unersichtlich. Abg. Best (VRP.) hält den Beamten- a p p a r a t für zu groß. Statt Steuererhöhung fordern wir Erhöhung der Altersgrenze, Abbau der Theatersubvention und Aufgabe einer der zwei Hochschulen, wobei bwU niversität Gießen in Frag« käme. 2lbg. Donat (Dem.): Bei den unteren Beamten können wir keine Abstriche mehr zulassen. Wir stimmen den neuen Opfern zu, die alte Teile gleich treffen. Abg. Glaser (Ldbd): Bei der trostlosen Lage in _ allen Volksschichten ist die geplante Steuererhöhung nicht zu verantworten. Zuber Regierung Brüning-Schiele habe ich. im Gegenteil zu einem Teil meiner landwirtschaftlichen Freunde, volles Vertrauen. Abg. Böhm (Tu) lehnt die Vorlage ab. Die Anträge der Opposition zur Sanierung — Erhöhung der Rotariatsab igerungen, Warenhaus» (teuer usw. — habe die Regierung and ihre Koalition stets abgelehnt. Jetzt lege man zaghaft ähnliche Vorlagen a 18 eigene Erkenntnis vor. Aby. Dr. Werner (Rats ): Die von dem un- gesehllch weiterbestehenden Landtag jetzt zu beschließenden Cteuerg s.tze müssen auf ihre Re chtmäßigkeiterst nachge'^rüft werden. Ich fordere wie schon seit Jah.en Verfeir.e- rung des Landtags, Kommunalisierung der Stadt- Polizei und Behördenabbau. Innenminister Leuschner teilt mit, daß in der Frage der Kreisreform außer einigen vorbereitenden Arbeiten überhaup t noch nichts Ausschlaggebendes erledigt worden ist. In der Abstimmung wird die Erhöhung der Grundsteuer und der Sondergebäudesteuer mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und deS Zentrums in erster und zweiter Lesung beschlossen. Die Abänderungsanträge werden abgelehnt. Nächste Sitzung Dienstag. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimm, die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung ) Zur Einweihung des Gefallenendenkmals In Lollar. Durch einen Aufruf an die Einwohnerschaft von Lollar in der Dienstagnummer des „Gießener Anzeigers" wurde auf die Erregung und Empörung hingewiesen, die der Gemeinderatsdeschluß, die Einweihung des auf dem Friedhof stehenden Denkmals ohne einen Geistlichen oorzunehmen, ausgelöst hat. In Ergänzung dieses Aufrufs und zur Aufklärung fei noch folgendes gesagt: Der Beschluß, der mit den acht sozialdemokratischen Stimmen gegen fünf des übrigen Gemeinderats erfolgte, schließt nicht nur den Geistlichen aus, sondern besagt auch, daß die Lollarer Vereine (entgegen den allgemeinen Gepflogenheiten bei derlei Anlässen) nicht zur Ein- weihung eingeladen werden sollen. Es ift dies eine bewußte und vorsätzliche Zurücksetzung der Lollarer Vereine, deren Vertreter es doch waren, die im Jahre 1924 auf Einladung des Herrn Bürgermeisters und angeregt durch den Veteranen- und Krie« geruerein die Errichtung des Gefallenendenkmals beschlossen und die der damaligen Gemeindevertretung als der bestgeeigneten und zuständigen Stelle die Vorbereitung und Ausführung in die Hand gelegt hoben. Unter den Vereinen muß sich ganz besonders die Sängervereinigung — ein Gesangverein mit nahezu 300 Mitgliedern —, betroffen und verletzt fühlen, die doch den Grundstock für das Gefallenendenkmal gelegt hat, indem sie am 23. Ro» oember 1921 hierfür den Betrag von 1400 Mark der Bürgermeisterei übergab. Es ist lief bedauerlich, daß von der zur Zeit hier herrschenden Linksmehrheit des Rathauses fo wenig Rücksicht auf die anders. und besonders die kirchlich, bzw. religiös- denkenden Gemeindemitglieder genommen und bei einem Anlaß — wie der Weihe eines Gefallenen- ehrenmals —, der einigend und versöhnend wirken sollte, di« Gemeinde zerklüftet und auseinander- gerissen wird. Da feststeht, daß ein großer Teil der Lollarer Einwohnerschaft sich nicht an einer solchen allgemein nicht üblichen Weihe beteiligt, wäre eine Verschiebung der für nächsten Sonntag geplanten Veranstaltung zwecks Nachholung des Versäumten dringend zu wünschen. Ein Dereinsmitglied. Dem Veteranen- und ftrkgeroerdn In Lollar zur Erwiderung. Der Gemeinderat zu Lollar hat in seiner Sitzung vom 24. November 1930 mit Mehrheit wie folgt beschlossen: „Das Ehrenmal für die Gefallenen der Gemeinde Lollar wird am Sonntag, den 7. Dezem- ber, nachmittags 3 Uhr, in einfacher, würdiger Form eingeweiht. Die Weiherede hält Bürgermeister Schmidt. Die gesamte Gemeinde ist zu dieser Feier einzuladen." Dieser Beschluß veranlaßte den Veteranen- und Kriegerverein in Lollar, dessen Vorsitzender Mitglied des Gemeinderats ist, durch Inserat und Veröffentlichung einer Dersammlungsentschließung in Nummer 282 des „(Siebener Anzeigers" in einer Weife auf die Einwohnerschaft von Lollar einzuwirken, die von der Mehrheit des Gemeinderats auf das entschiedenste zurückgewiesen werden muß. Dieser Schritt des Veteranen- und Kriegervereins in die Oeffentlichkeit kurz vor der Gefallenenehrung, ebenso Form und Inhalt des Inserats nehmen dem Verein das Recht, der Gemeinderats.Mehrheit Verletzung religiöser Gefühle vorzuwerfen. Der Vor- wurf, der überdies unberechtigt ist, klingt aus diesem Munde nicht gut, der selbst die Pietät den Toten gegenüber am heutigen Tage vermissen läßt. Die letzige Mehrheit des Gemeinderats bat es wirklich nicht verdient, mit solchen Vorwürfen bedacht zu werden, da gerade sie es gewesen ist, die einer selbstverständlichen Ehrenpflicht gegenüber den Gefallenen und den Erwartungen der Angehörigen der auf dem Lollarer Friedhof liegenden Krieger durch die Errichtung dieses Ehrenmals nachkam. Eine bis zur letzten Gemeinderatswahl bestehende anders- gerichtete Mehrheit, die zum großen Teil dem Veteranen- und Kriegerverein nahestand, brachte es nicht über sich, diesen Verpflichtungen nachzukom- men. Weiter versagen wir es uns, dem Vorbild des Veteranen- und Kriegervereins, die Presse zur Austragung derartiger Angelegenheiten in Anspruch zu nehmen, zu folgen. Besonders zu dem Tage, der alle Einwohner des Ortes zur Feier zusammen- führen soll, wollen wir alles sonstige Trennende vermieden sehen. Unsere gesamte Mitbürgerfchaft fordern wir auf, der Einladung der Gemeindeverwaltung trotz der Aktion des Veteranen- und Krie- geroerems bis zum Letzten Folge zu leisten, entsore. chend der ersten Zeile des Denkmalsspruchs: Den Toten zur Ehr. Im Auftrag der Gemeinderats-Mehrheit Fritz Rohrbach. Berliner Börse. B e rlin, 6. Dez. (WTB. Funkspruch.) Auch der letzte Bormlttagsoerkehr in dieser Woche stand im Zeichen stärkerer Zurückhaltung seitens der Spekula- tion. Die Tendenz war wieder nur als gefchästslos und abwartend zu bezeichnen, da die für heute nach- mittag zu erwartende Entscheidung im Reichstage die Unternehmungslust hemmte. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,56. London gegen Mailand 92,68, London gegen Spanien 43,75, London gegen Amsterdam 12,0660, London gegen Schweiz 25,0625, London gegen Kabel 4,8560, Konten gegen Berlin 20,3625, Kabel gegen Berlin 4,1930. Oie Deiterlaae Jto- 'StydlSQoriT 3fr Aberdeen- 53 5 >4 >4 SEE: -------vai. o Demi 3 (V £-o 4$ ’arts Trankt e* Ovotiertet O neuer, q harn oedecki • wolkig. • Bedeckt • Reges # Schnee a Graupeln e Hebel K6ewit'/r.(g)Windstille sehr «eichte» O$i nassige» SOdsuawest q stürmische tordtfcsl die eteue fliegen mn dem wmot Pie oe, den Stationen stehenden Zah» len geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichet* «u« Meeresniveau umgerechnete» Luftdruck *4ticttnovvuue)aflc. Bei langsam fortschreitendem ßuftbrucffall baut sich das Hochdruckgebiet immer weiter ab. Wohl lagen im Bereich der kontinentalen kalten Boden- luft die Temperaturen noch meist unter RuU, zeigen aber überall leichten Anstieg. Berlin unbDres- den meldeten heute morgen schon plus 1 Grad. Die Temperaturumkehr wiro lang,am weiter sortschrei- ten, wobei der neblig-trübe und wolkige Witterungscharakter anhält. Das neue Tief über Island dürfte seine Ausläufer auch auf dem Festlands an Raum gewinnen lassen, so bah mit Beginn der neuen Woche die Anzeichen zum Witterungsumschlag stärker m Erscheinung treten. Aussichten für Sonn tag: Weitere Abschwächung deS Frostes, meist neblig und wolkig unö nur vorübergehend aus klarend, vorerst noch trocken. Aussichten für Mo ntag: Milderes und mehr bewölktes Wetter mit aufkommender Rieder- schlaasneigung. Lufttemperaturen am 5. Dezember: mittags 1,1 Grad Celsius, abends —2,7 Grad; am 6. Dezember: morgens —2,9 Grad. Maximum plus 1,6 Grad, Minimum — 4,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Dezember: abends —0,6 Grad; am 6. Dezember: morgens 4- 0,2 Grad Celsius. — Son- nenscheindauer 3% Stunden. MENDE 38 Dtete looooo boten ihn (Sn-routöiges (Selchen? 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Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages hat in einer ausführlichen und scharfen Entschließung, die dem Empfinden des ganzen deutschen Dolles entspricht, das unterstützt. Die Rote ist nicht we- niaer als dreißig Seiten lang und enthält vor allem das Material, das die polnischen Terrorakte gegen die deutsche Minderheit beweist. Deutschland will die Sache nicht überstürzt wissen, verlangt deshalb nicht eine Sonderlagung des Dölkerbundsrats, die in jeder Beziehung unpraktisch wäre, fordert aber, daß im Januar ein klarer Beschluß des Dölkerbundsrats über diese Beschwerde erfolge. So wird die Ratstagung Anfang Januar 1931 sehr ernst und spannend werden. Kommen doch bei ihr auch zur Sprache das Ergebnis der Dorbereitenden Abrüstungskonferenz und die Paneuropafrage! Die Sache selber ist klar, das, was Deutschland will desgleichen, Stimmung und Forderung des deutschen Dolkes sind so übereinstimmend, daß es durchaus nicht nötig ist, damit Forderungen zu verbinden, die über das Ziel hinaus- schießen, politisch unzweckmäßig sind und in die Luft gehen. Trägt doch auch dieser Vorfall und Vorstoß, zu dem Deutschland gezwungen ist, eine innere Logik in sich, die von selber weiterführen muh! Das Verhältnis zwischen Berlin und Warschau verschärft sich von Tag zu Tag, und dieser Streit um die Minderheitenfrage rollt gapsz von selbst die Frage der Grenzen und ihrer Revision auf. Wenn die polnische Presse von einer „diplomatischen Offensive Deutschlands" in dieser Beziehung spricht lein Wort, das sie vom „Temps" übernommen hat), so soll sie damit durchaus recht haben. Denn diese Offensive ist notwendig, zu ihr gezwungen worden ist Deutschland durch das Verhalten Polens, das in den Vorgängen bei der vbcrschlesischen Wahl alle Grenzen überschritten hat. Damit ist die deutsch-polnische Frage Völkerbunds frage größten Stils geworden. Die Völkerbundsdiplomatie wird einsehen müssen, daß sie hier mit der Methode, die in den lewen Jahren in Genf so überhand genommen hcy, d. h. lediglich zu manövrieren, nicht durch- Itymmt. Roch ernster wird die Situation, wenn wir den Gang der Genfer Abrüstungsbesprechungen betrachten. Die deutsche Delegation, an ihrer Spitze Graf Bernstorfs, kämpft entschieden, würdig, geschickt. Aber sie kämpft hoffnungslos. Alle ihre Anträge werden abgelehnt. Heben wir nur die aller- wichtigsten hervor: den Artikel Ea der Konvention, der bestimmt, daß die früheren Der- trätze über Rüstungsfragen, also auch die einschlägigen Bestimmungen der Friedensverträge ausdrücklich aufrechterhalten werden, und: den Antrag auf Festlegung des Termins der Abrüstungskonferenz, den Deutschland auf den 5. Ro- dcmber 1930 festgelegt wissen wollte. Die Bedeutung des erstgenannten Artikels liegt auf der Hand. Bleiben die Abrüstungsbestimmungen der Friedensverträge unberührt, s» ist das, was Graf Bernstorff glücklich die „paritätische Sicherheit" genannt hat, nicht erreicht. Die Abrüstung bleibt ungleich, einseitig erzwungen, der Rüstungsausgleich, um den allein eine ernsthafte Abrüstungsdebatte sich drehen kann, wird unmöglich. Die Schärse, mit1 der Graf Bernstorfs das zurückgewiesen hat, war völlig berechtigt. Eine solche Regelung wützde die Rechtsungleichheit in Militärfragen t/erewigen. Deutschland würde ja, wenn es eint solche Konvention an« nähme, nichts anderes t^n, als die Entwasfnungs- bestimmungen des Vcr'.ailler Vertrages noch einmal und noch dazu freiwillig anerkennen. Was hatte das für uns ßlrr einen Sinn, für einen Gießener StaSttheater. Gastspiel des Frankfurter Opernhauses: „Der Tewor der Herzogin". Die Frankfurter Oper gastierte mit dem in letzter Zeit vielfach -erfolgreichen „Tenor der Herzogin", Operette In drei Aufzügen von Richard Kehler, nach, einem Lustspiel von Ilgen- stein, Musik pon Eduard Künneke. Es ist, wie man schoA bei der einheimischen Reuigkeit „Meine Schwester und ich" feststellen konnte, keine üble Idee, ci^en Lustspieltert zur Grundlage eines Operettenlib,pettos zu machen, obwohl man zu- aeben muß, daß die Verwandlung im ersten Falle doch origineller ausgefallen ist. Hier tolrb die an sich schon reichlich phantastische Fsabel durch die Vertonung völlig in einen illusionistischen Etil aufgelöst, der bestrebt ist, möglich^ viel Handlung und Dialog in ©e- sangSrvnnmern und Tanzeinlagen umzusetzen, wodurch vas Ganze — nach dem berühmten Motto „Co /st das Geben“ — in eine Sphäre von opern- hafter Unwahrscheinlichkeit gerückt wird, die aller« din§s mit dem auf Sachlichkeit gerichteten Ge- sche.cack unserer Zeit nicht recht in Einklang zu bv.ngen ist. • Die Operette ist, wie man vielfach zu bemerken Gelegenheit hatte, ähnlich wie Schwank und Posse, eine der konservativsten Gattungen des Spieles auf dem Theater: an ihr sind z. D. gewisse grundsätzliche Veränderungen der politischen und soziologischen Ordnung in der modernen Welt spurlos vorübergegangen. So spielt der erste Akt in einem Hotel der Residenz Siebenstein, der zweite und dritte sogar im Kavalierhaus des Schlosses der Herzogin-Witwe Ernestine... Die für drei Akte etwas dürftige Handlung beruht auf dem Motiv, daß ein Opernsänger, der den Ehrgeiz hat, in Eiebenstein zum Kammersänger zu avancieren, aus gewissen, hier nicht näher zu erläuternden Gründen durchaus ein Junggeselle sein muh. Da der für Siebenftein Auserkorene unglücklicherweise, glücklich verheiratet ist, sieht man sich genötigt, seine Frau erst als seine Geliebte, dann als seine Schwester auszugeben. Man kann die Peinlichkeit der Kata- ftwphe ermessen, wenn in daS erlauchte Konzert Vorteil? Wozu hätte man bann in sechs Jahren soviel Zeit auf die Abrüstungsdebatte verwendet, wenn man grundsätzlich von dem Miß» Verhältnis der Rüstungen ausgehen will, das die Pariser Friedensverträge festlegen? Auch in der Frage des Datums konnte die deutsche Absicht nicht durchgesetzt werden. Es wurde nur beschlossen, dah der Völkerbundsrat in seiner nächsten Tagung, also im Januar, das Datum der Abrüstungskonferenz „f e st l e g e n" soll. So wird auch in diesem Punkte die Januar-Tagung des Rate- eine Krise ersten Ranges. Denn was wird, wenn diese Festlegung aus ein bestimmtes Datum im Januar tatsächlich nicht erfolgt? Eine nochmalige Vertagung mit den bekannten Worten: „Sobald als möglich", kann sich Deutschland einfach nicht gefallen lassen. Genau wie in der polnischen Frag« kommt also hier die Krise für den Völkerbund. von der Eurtius mit Recht neulich vor dem Reichsrat gesprochen hat, früher als gedacht war. Man begreift nicht recht, warum die andere Seite es dazu kommen ließ. Sie weih doch nun, und hat es an der Haltung Deutschlands, mit dem Italien und Rußland immer zusammengingen, gesehen, daß sie um eine Entscheidung nicht mehr herumkommt, die eine Lebensfrage für den Völkerbund an sich ist. Diese Debatten haben sich immer schärfer zu persönlichen Auseinandersetzungen zwischen Lord Robert Cecil und Graf Bernstorfs zuge- spitzt. Der letztere sprach immer äußerst ruhig, der erstere mit wachsender Schärfe und Gereiztheit — das gibt bereits den Schlüssel zur Lage. Wie erllärt sich die Haltung Lord Robert CecllS in Genf, der durchweg und mit zunehmender Schärfe d ie Partei Frankreichs genommen hat? Für ihn selbst nehmen wir an, dah er auch heute ein ehrlicher Freund der Abrüstung ist, und so wird seine Erscheinung geradezu tragisch. Denn jetzt nahm dieser Abrüstungsführer, der noch dazu eine Gabourregierung vertritt, genau den gleichen Standpunkt ein, wie vor einem und zwei Jahren der starre Vertreter einer konservativen Regierung. Warum gibt sich Cecll zu diesem Wandel seiner Haltung her, wenn nun einmal die englische Regierung eine Schwenkung vornahm? Was jetzt geschieht, steht ja in einem flagranten Widerspruch zu der großen Rede Hendersons zu Anfang der diesmaligen , Völkerbundstagung. Cord Robert Cecll muh offenbar glauben, dah er mit dieser Haltung zuletzt doch der Abrüstungsidee diene. Man kann sich zurechtlegen, er habe den Wunsch, dah zunächst einmal der Entwurf einer Konvention wirklich fertig, die eigentliche Abrüstungskonferenz endlich einberufen werde. Aber man muß noch etwas tiefer gehen. Der Wunsch Englands, dem die Gandabrüstung ja gleichgültiger ist, ist nach wie vor, dah Italien und Frankreich dem Gondoner Flottenabkommen beitreten. Da England weder Gust noch Kraft hat, die italienische Forderung auf Parität mit Frankreich gegen das letzte durchzusehen, so geht es auf der Ginie des geringeren Widerstandes vor. Auf deutsch: es läuft den Franzosen in Genf, in den Fragen der Gandrüstung geradezu nach, gesteht den Franzosen also ihren Standpunkt in bezug auf das Kriegsmaterial, namentlich die ausgebildeten Reserven zu. Ist dergleichen vielleicht schon im Frühjahr in Conbon zwischen England und Frankreich festgelegt worden, ähnlich wie 1928 zwischen Chamberlain und Briand? Heute wäre das für England leichter, weil die Spitze gegen Amerika nicht so scharf heraus käme, wie vor zwei Jahren. England würde den Beitritt Frankreichs zu dem Gondoner Flottenprotokoll, das Amerika für wichtig und als einen Erfolg seiner Politik ansieht, dafür eintauschen. Freilich ist zunächst nur klar, daß in Gandrüstungsfragen der Standpunkt Frankreichs durch englische Zugeständnisse unterstützt würde, England also mit Frankreich und feinen Trabanten eine Front gegen Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Bulgarien, Ruhland und Italien bildet. Dagegen ist noch in keiner Weise klar, ob Frankreich in der Seeabrüstungsfrage wirklich Zugeständnisse der Hofgesellschaft das kleine Söhnchen des „illegitimen" Ehepaares im Rachthemd hereingelaufen kommt und sich bei feiner Mutti beklagt, dah es vor Gärm nicht schlafen könne. Soviel vom Text. Die Partitur wird nach einer anfänglich fast opernhaft intonierenden Ouvertüre zufehends lockerer, gelöster und moderner in der Instrumentierung, ist aber im ganzen weniger auf eine suggestive, zur Volkstümlichkeit geschaffene, schlagermäßige Melodik eingestellt als auf die Herausarbeitung einer rhythmisch betonten Ginienführung... bet Grundlage zu den vielfach grotesken — aber nicht gerade einfallsreichen und auch keineswegs immer besonders graziösen — Tanzpartien. Am wirksamsten: das Terzett im ersten und ein schon fast barietö- mäßig aufgezogenes Duett im Mittelakt. * Der recht schwungvollen und lebendigen Aufführung — Inszenierung: Rudolf Scheel: musikalische Geltung: Gurt Kretzschmar: Tänze: Marion Herrmann — kam im Gesamtniveau die gesangliche Durchbildung und Routine des Opernensembles merkllch zustatten: man sah eine gefällige Ausstattung (von Gbffler) und einen ziemlichen Aufwand großer Toiletten. Karl PistoriuS, als Opernsänger, brachte die sympathischen Mittel seines gepflegten Organs im ersten Akt am vorteilhaftesten zur Geltung: im zweiten hätte etwas mehr stimmliche Entfaltung nichts geschadet. Trude K o l l i n, seine Partnerin, widmete sich mit erfreulichem Temperament, gesanglich und darstellerisch sehr geschmeidig, dem Dersteckspiel der (leinen Hofintrige. « Das obligate zweite Paar gaben Cha Justus und Emil Seidenspinner, die mit bestem Erfolg auf die tänzerische Auswertung ihrer Partien bedacht waren. Josef Gareis spielte mit allerlei vergnügten Pointen den nicht sehr schmeichelhaft gezeichneten Hostheaterintendanten. Emma Holl, auf eine halb komische, halb ehrwürdige Repräsentationsrolle beschränkt, hatte leider gar nichts zu singen. — Das HauS war diesmal auffallend schwach besucht. Es gab aber viel Beifall und mehrere Wiederholungen bth. macht, ob es tatsächlich die Beschränkung nach oben für alle Schiifskategorien übernimmt, die in Condon beschlossen wurde. Auf diese Weise spielt England ein gefährliches Spiel, das aber in Amerika anscheinend noch nicht begriffen wird. Es arbeitet geradezu mit Gewalt wieder ein Bündnissystem, eine Gruppenbildung heraus, wie es vor dem Kriege bestand und das den Krieg geradezu mit Sicherheit in sich trägt Wir übertreiben durchaus nicht die Bedeutung der Zusammenkunft zwischen Litwinow und Grandi in Mailand, ober die Besuche des türkischen Außenministers in Rom und Sofia. Aber daran ist doch kein Zweifel, daß in allen diesen Ländern und nun auch einschließlich Deutschlands derartige Bündinserwägungen immer stärker hervorgetrieben werden, wenn die englische Politik ein Spiel spielt, wie es Lord Robert Cecil im Auftrag seiner Regierung in Genf getan hat. Einen Fingerzeig für alles gibt Cecil selbst, wenn er in einem Rechtfertigungsartikel in der „Reuen Züricher Zeitung", der in keiner Weise überzeugt, bern Termin der Weltabrüstungskonferenz in Aussicht nimmt — für März 1 9 3 2! Es fei wiederholt, dah England mit dieser Haltung ein sehr gefährliches Spiel spielt, sowohl für den europäischen Frieden, der durch solche Bündnis- und Gruppenbildungen direkt bedroht wird, wie für sich selbst, weil es nämlich nach seiner ganzen Lage unweigerlich in einen etwa ausbrechenden Konflikt doch herein- gezogen würde. Erinnert nicht heute schon manches an CecilS Haltung in Genf an d i e Politik von Sir Edward Grey im Jahre 1914? Wenn wir sagen, dah Amerika dieses Spiel, diese Gefahren offenbar nicht begriffen hat, so memen wir damit nicht die öffentliche Meinung in Amerika, von der man bas nicht verlangen kann, sondern ganz direkt die amerikanische Politik. Erfreulich scharf hat zwar der Staatssekretär 6 t imf o n die Tendenzmel- bungen über eine amerikanisch-französische Zus ammenarbeit dementiert. Desgleichen hat Stimson korrekt und richtig Tendenz- lügen über angebliche Aeuherungen von ihm zum deutschen Botschafter in Washington über Deutschlands Abrüstungspolitik dementiert. Das ist alles ganz gut und zunächst auch wirksam, um für einen Augenblick der Pariser Tendenzmacherei das Handwerk zu legen. Aber Herr Stimson wird daran sehen, dah der Standpunkt Amerika- nicht mehr ausreicht. Die Welt versteht einfach nicht mehr, wie bei solcher Zuspitzung der Gegensätze, die ja zugleich auch Klärung bedeutet. Amerika die Rolle lediglich des Beobachters in Genf spielen will, über die es mit seiner Vermittlungsaktion zwilchen Paris und Rom ja selbst wieder hinausgegangen ist. Mit dieser Haltung tut die amerikanische Regierung den Gegnern jeder Guropapolitik Amerikas im eigenen Lande doch niemals genug. Andererseits gefährdet sie ohne ihren Willen, gegen ihren Willen, den europäischen Frieden, indem sie Erwartungen auf eine Unterstützung der Frie- denSarbeit erregt, nicht erfüllt und gegen den eigenen Willen Frankreichs Spiel spielt. Es ist wirklich so weit gekommen, daß man heute bei der Haltung Hoovers in diesen sich zu- spitzenden Fragen bereits eine fatale Erinnerung in sich aufsteigen fühlt an — Wilson. Man sage nicht, dah das zu schwarz gesehen sei. Monate-, jahrecang haben wir die Entwicklung dieser Fragen, des deutsch-polnischen Verhältnisses und der Abrüstungsfrage, auch im Licht der großen Weltbeziehung — Englands und Amerikas und ihrer Stellung zu Europa — betrachtet. Eie spitzen sich jetzt schneller und schärfer zu, als Deutschland im letzten Jahr erwartet hat und man kann ihm wirklich nicht vorwerfen, dah es dazu beigetragen habe, diese Fragen zu verschärfen. Jetzt wundert sich die Welt über dis Haltung des Grafen Bemstorsf in Genf. Sieht man denn draußen nicht, dah der deutsche Vertreter von der in Deutschland nun einmal bestehenden Stimmung und Ueberzeugung hinweggefegt werden würbe, wenn er anders handelte? Sieht ir.an nicht, wie schwer es durch die Schuld der anderen Seite, vor allem Frankreichs, heute in Deutschland einem Staatsmann geworden ist, kalte Ruhe, kühlste Ueberlegung zu bewahren, wenn er auf die steigende Flut um ihn herum sieht, deren noch andauernde Kraft mit jeder Wahl neu bestätigt wird? Kann man im Ernst glauben, daß es bei uns Eindruck macht, wenn etwa der frühere französische Minister Troquer jetzt in Deutschland vom wirtschaftlichen Zu- fammenschluh der europäischen Wirtschast spricht, durch den die Kultur gerettet werben soll, wenn zugleich die französische Politik nicht nur nicht- dafür, sondern alles dagegen tut? Land ohne Politik. Von unserem römischen E-Korrespondenten. Rom, Dezember 1930. Es sind jetzt fünf Jahre, dah Italien von einem einzigen Manne regiert wird. Vielleicht ist bas die größte unter den vielen Merkwürdigkeiten des Landes, das in Rom formell und rechtlich sogar eine dreifache Herrschaft kennt: Zepter, Tiara und Liktorenbünbel. König, Papst und Duce. Auherbem hat es noch ein Parlament, Kammer und Senat. Rur dah auch b a 8 Volk regieren würde, baS hat noch niemanb behauptet. Dieses Volk war schon vor acht unb zehn Jahren, wie so manches anbere heute, parlamentsmüde, also selbstverwaltungsmüde geworden, unb es jubelte bem Manne zu, der mit eisernem Besen in die muffigen Winkel unb ben angestammten Herren Abgeordneten, die im Verzehren der Tagegelder einen einträglichen unb angenehmen Beruf erblickten, dabei in die Rippen fuhr. Das Voll hatte auch nichts dagegen, als er am 3. Januar 1925 b i e Diktatur proklamierte, worauf sich die Opposition „auf ben Aventin zurückzog", bis sie schließlich durch regelrechte parlamentarische Abstimmung der Mehrheit die faschistisch geworden war, ihrer Mandate verlustig erklärt wurde. Auf das Rumpfparlament der Cchwarzhemden folgte dann die Verwirklichung des Jdealtraumes vieler Parlamentsgegner: die Abschaffung der ganzen Einrichtung?? Durchaus nicht. Es ergab sich beschämenderweise, dah die Technik zwar mit dem bekannten unwidei^tehlichen Wie ein Buch entsteht. Don $e!i? Timmermans. Von dem großen Flamen Felix Timmermans erschien vor ku zern im Insel-Verlag ein neues Buch „Die Delphine", eine Geschichte aus der guten al en Zeit (mit vielen Zeichnungen des Dichters). Timmermans plaudert im folgenden über die Entstehung dieser Geschichte. Zu Hause in meinem Rummelkasten liegt noch ein altes Bild aus der Biedermeierzeit, das eine sehr liebe junge Frau mit wehmütigen Augen und verlangendem Mund darstellt. Rach der Mode jener Zeit trägt sie das Haar in drei Stufen, und eine lange Korkzieher locke fällt ihr auf die rechte Schulter. Ich habe nie gewußt, wen dieses Bild darstellt, hatte aber einmal geäußert, übet diese Frau könne man eine schöne Geschichte erzählen. Eines Tages sagte meine Mutter, als ihr das Dlld in die Hände kam: „Das ist eine Verwandte von uns", aber sie wußte nicht, von welcher Seite. Verwandt war die Frau mit uns also auf jeden Fall. Ich vergaß das Blld. Ein paar Jahre später. in einer Winternacht zwischen zwei und drei llhr morgens, hörte ich in unserer stillen Straße einen Mann ein sehr wehmütiges Lied fingen. Er fang das Lied ohne Worte, indem er eine '-Baßgeige nachahmte. Er hatte eine zarte angenehme Stimme. Ich konnte mir nicht denken, wer es fein könnte, habe es übrigens auch nie erfahren. Aber er fang so gefühlvoll mit einer seelenvollen Stimme ein Lied, das aus tief bedrängtem Herzen kam. Ich kannte das Lied nicht, habe es auch später nie wieder gehört, aber es ließ mich gleich an Rußland denken, an etwas sehr Fernes und Mystisches, an die Demut der russischen Seele, an die wehmütige Unendlichkeit der Steppen. In meiner Phantasie sah ich Ikone und Kaukasusberge. Etwa zehn Jahre vorher war in unsere kleine Stadt ein Herr aus Rußland zurückgekehrt, der eine hohe, bünenfanbfarbige Pelzmütze trug. Dachte ich an ihn? Ich weiß es nicht. Aber ich lauschte, lauschte, bis die Stimme am Ende der Straße wegstarb. Das Lied machte auf mich einen tiefen Eindruck. Mötzlich dachte ich an das Bildnis, das vergessen in meinem Rummelkasten lag. Lebhaft stellte ich mir vor, daß diese Frau diesem Lied gelauscht hatte, und wie sie la der nächsten Vorwärtsstürmen des Menschengeistes allerhand Reuerungen inzwischen zuwegegebracht halle, einen Ersatz für die Volksvertretung aber nicht zu liefern vermochte. So etwas ist offenbar nicht so wichtig wie etwa der Tonfilm. Mussolini regierte also freibleibend weiter, wie er es gewohnt war, und als endlich das „Ständeparlament" aufkam, regierte er gleichfalls weiter, ohne sich etwas dreinreden zu lassen. Die neuen Abgeordneten hatten auch gar keine Lust dazu, sie mußten ja hundertprozentigo Faschisten sein, und da in der Hierarchie deS Faszio nur e i n Wille gilt, nur e t n Wort, nur e i n Mann, so sprach jetzt Mussolini in Wirklichkeit nur mit vierhundertfach verstärkter Stimme. Die Kammer ist nichts anderes als e i n multiplizierter Mussolini. Cs ist eigentlich schwer zu begreifen, wozu er diesen Lautsprecher braucht und warum er ihn duldet. Seine Feinde sagen: aus Bedürfnis nach Weihrauch. Aber das stimmt nicht, denn der Diktator hat sich mehr als einmal verbeten, daß seine Person schlechten Rednern als pompöser Sockel diene. Freilich ohne Erfolg. Roch immer enden die meisten ihren Vortrag, der schon deswegen keine Aufregung verursachen kann, weil ja niemand das bekannte und vorgeschriebene Geleise verlassen darf, mit einem hinreißenden, in das unfehlbare Wort Duce aus- klingenden Hymnus, der die Hände der Zuhörer in Bewegung fetzen soll. Denn wenn schon überall nur der Vortrag des Redners Glück macht. Rächt wieder sehnsüchtig und ängsllich dieser Stimme lauschen würde. Drei Rächte hintereinander würde sich das wiederholen, und das Lied hatte in ihr die Liebe zu diesem unbekanntem Mann entfacht. Einige Tage spä er toür:e sie ihm bei irgendeiner Gelegenheit begegnen. Es kam so weit, daß sie sich liebten. Da entdecke sie, daß er verheiratet war, und in ihr entstand ein Kampf zwischen ihrer Liebe und ihrem Gewissen. An diesem Kampfe würde sie zugrunde gehen. Da hatte ich plötzlich eine Geschichte, gewachsen aus diesem Lied und diesem Bild. Am nächsten Tag fing ich schon an zu schreiben. Die Geschichte sollte sich in der guten alten Zeit in unserer kleinen brabantischen Stadt abspielen. Auf der zehnten Seite geriet ich ins Stocken. So etwas war in unserem Städtchen nicht möglich, man kennt sich, und man weiß, bevor man sich verliebt, wer verheiratet ist und wer nicht. Deshalb ließ ich die Frau, die ich Anna-Marie genannt hatte, aus einem anderen Lande kommen, aus Italien. Aber unterwegs blieb sie stecken. Es mag fein, daß man von Lier nach Italien geht, aber kein Mensch kommt aus Italien nach Lier. Rach Gier kommt man nur aus Versehen. Deshalb habe ich eine Erbschaft in die Geschichte ein- geflochten. Für eine Erbschaft kommt man schon nach Gier. And nun kam sie. Jetzt brauchte ich natürlich auch einen Rotar. Ich kannte ein Original, das ich als solchen auftreten ließ. Aber biefer Mann hatte natürlich nun auch wieder seine Giebesgefchichte. ©o_ kam eins zum andern. Ich fand, daß es eine günstige Gelegenheit war, auch unseren Onkel Rikus — alias Van de Rast — als Freund des Notars auftreten zu lassen. Unb warum sollte ich dann die kleine gemütliche Gesellschaft. „Die Delphine", worüber ich unter einem anderen Ramen schon soviel hatte erzählen yören nicht hier verwenden? Unb warum nicht diese Begebenheit erwähmn unb warum richt jene? ilnb so entstanden „Sie Delphine" aus einem unbekannten Gied und einem alten Bildnis einer unbefemnten Verwandten. Viel ist manchmal nicht nötig, um ein Buch entstehen zu lassen: ein fallendes Blatt, ein Gied oder ein Vogel, der durch den Abendhimmel zieht, und gleich offnen sich un- Horizonte, die man bis dahin nicht vermutet hatte. Rur das Schreiben erfordert ein wenig Geduld und Hingabe, und natürlich auch Feder und Papier. , - . A i- 4 • 4. 4 * * lll Io ist es in Italien von einem theaterhaften Del- falt abhängig. Mussolini hat lcüher einmal gesagt. er begreife nicht, wozu überhaupt geredet werde: es wäre doch niet ßtoedmä^iger, wenn einer, der wirklich etwas Wichtiges zu sagen habe. Dafür die Zeitung benähe. Dann tonne man die Sache in Ruhe lesen und überlegen. Warum also seht er sich setzt in die Äammer und langweilt sich? Da wäre nun allerdings zu sagen, das; es neben dem Einheitsparlament auch nur eine Cinheitszcilung gibt, eine faschistische, und Las; sich die Presse selber durch Beschluß als „Werkzeug im Dienste des Duce" bezeichnete. Bon dieser Seile ist also auch nichts zu erwarten, was einer Kampfernatur gefallen könnte. And da cd auch keine Wahlen mehr gibt, keine Versammlungen. leine Redner anderer Färbung, keine gegnerischen Lehrstühle und Kanzeln, so kann cs folglich auch keine Politik mehr geben. Italien ist das Land ohne Politik, und es ziemt sich, die Vorteile und Nachteile einer solchen Verwaltung, wie sie sich in einem Lustrum heraus- gestellt haben, kurz zu erwähnen. Die Außenpolitik, die ja in tast allen Landern der Welt, auch in den besten Demokratien, von wenigen Männern gemacht wird, wollen wir dabei auS- scheiden. Vach wie vor regieren Kabinette und Gehcimdiplomatie, Italien macht dabei also keine Ausnahme. Wie aber wirkt sich die Autokratie Mussolinis im Innern aus? Wichtig zu wissen ist, daß der Führer der Ra- livn wie das Parlament so auch die Stadt- und Landgemeinden beherrscht, daß es keine Magistrate und Gemeindeversammlungen gibt, daß er die Präfekten und Podesta ernennt Die naturgemäße Folge ist die, daß die Dinge dort gut gehen, wo ein solcher, von den römischen Zentralgewalt gestellter Statthalter, der nahezu unumschränkte Vollmachten hat, feinen Pflichten als Ehrenmann nachkommt, daß aber mangels der Kontrolle schwere Schädigungen des Gemeinwohls eintreten können, wo er versagt. Kommt das vor, so hält Mussolini unerbittlich Gericht, wie jetzt der Fall des Mailänder Podest ä zeigt der zusammen mit einem früheren Minister auf die liparischen Inseln geschickt wurde. Mussolini ist aber fein allgegenwärtiger Gott und so kann es oft lange gehen, bis die iln3uf’rteben«* heil bis zu seinen Ohren bringt Bezeichnend sind hier bte Urteile der Fremden, die in allen Sprachen gleichsinnig lauten, sowie dem Reisenden etwas unangenehm auf fällt: Hier ist scheint's Mussolini noch nicht gewesen! Viele persönliche Wünsche, die anderswo durch Abgeordnete oder Parteien vorgebracht, begründet und zu Wichtigkeiten erkünstelt werden können, müssen so unerfüllt bleiben, Quertreibereien, Obstruktion, Verschleppungen sind nicht möglich. Der Statthalter befiehlt und so geschieht's. Die einen, die den Vorteil davon haben, sind begeistert von dem System, die andern — haben keine Gelegenheit zur Kritit Schwer zu sagen, was besser ist, wenn man über die Sorgen eines kleinen Kreises hinaufschaut und zu den größeren Zielen einer Ration. Heute zum Beispiel handelt es sich nicht um einen Brückenbau ober eine: €traßentaufe, bei der irgendein Parteiheld zu Ehren kommen soll, sondern um die große Wirtschaftskrise, die auch Italien erfaßt hat. «Mas tun? Statt endloser Reibereien im Parlament, statt Ministerkrifen und Streiks und Reuwahlen und dem ganzen Hin und Her des Mehrheitssystems, statt der Auswüchse be8 .Parteiismus" gibt es in Rom nur einen Willen, der ein Befehl ist: Runter mit den Preisen und den Löh- i nen! Die Wirtschaft ist genau einzustellen auf das Etaoilifierungsverhältnis der Lira, 1 zu 4! Tälnb schon kommt die Lawine ins Rollem In einem fast unheimlichen Tempo geht es abwärts. Die Qlbgeorbneten müssen den Anfang machen mit ihren Diäten, die Aufsichtsräte mit ihren Tantiemen. Aus den Märkten kullert es herunter wie Geröll am Steilhang und über Rächt haben sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber über die acht- prozentige Lohnherabsetzung geeinigt, die anderen Ländern so viel Kopfzerbrechen verursacht. Vom ersten Dezember ab wird die gesamte ßebenäpal- tung im ganzen Lande um durchschnittlich ein Zehntel der Ziffern gesenkt sein. Mag man diese Erscheinung nun freiwillige Disziplin, verständige Unterordnung des Einzelnen zum Wohle der Gesamtheit, Staatsklugheit oder Furcht vor Gewalt nennen, der Erfolg gibt jedenfalls dem System Recht. Er ist nichts anderes als die automatische Auswirkung der fünfjährigen Alleinherrschaft eines großen Mannes. Damit aber erhebt sich auch die Frage, was aus einem Volk werden soll, das die Selbstverwaltung verlernt, das wie so mancher Re- frut froh darüber ist, wenn ihm ein anderer das Denken abnimmt. Wie, wenn es eines Tages ohneOffizicre dasteht? Wird es die Politik wieder schnell genug lernen können? Aus der provinzialdouptstadi. Gießen, den 6. Dezember 1930. $rau Professor Kramer 70 Jahre alt. Am morgigen Sonntag, 7. Dezember, begeht unsere Mitbürgerin Frau Professor Wilhelmine Kramer W w e, in voller körperlicher und geistiger Frische ihren 70. Geburtstag. Die Jubilarin kann an diesem Tage auf ein reich gesegnetes Wirken zurückblicken. Frau Professor Kramer war vom 14. Juni 1919 bis 31. Dezember 1929 Mitglied der Gießener Stadtverordnetenversammlung. In der Wahlperiode 1919 1922 wirkte sie in der Armendeputation, in der Deputation für das Wohnungswesen, im Kunstbeirat und im Kuratorium der Höheren Mädchenschule in reger Weise und mit unermüdlicher Schaffensfreudigkeit mit. Die gleiche umfassende Tätigkeit entfaltete sie in der Wahlperiode 1923,25 ass Mitglied des Theaterausschusses und der Theaterdeputation, des Wohlfahrtsausschusses und der Wohlfahrtsdeputation, der Wohnungsdeputation, der Deputation für Rentncrfürsorge, des Schulvorstandes, des Kuratoriums der Höheren Mädchenschule, des Kunst- beirates (Stellvertreter) und des Beirats für das Wohnungsamt. Mit großem Eifer war sie auch in der Wahlperiode 1926 29 im Marktausschuß bzw. in der Marktdeputation, im Schulvorstand, im Beirat zum Stadtschulamt, im Kuratorium des Lyzeums und der Studienanstalt (als Stellvertreter) und in der Wohl fahr tsdeputalion bemüht, zum Besten der Allgemeinheit und mit warmherziger Fürsorge für alle Hilfsbedürftigen zu wirken. Auch im Plenum des Stadtrates, dem sie als Mitglied der Deutschirationalen Volkspartei angehörte, trat sie stets mit Eifer und warmherzigem Empfinden für die Förderung unseres Gemeinwesens und für die Wahrung der berechtigten Interessen aller wirtschaftlich Schwachen, insbesondere der Kriegerhinberbliebenen und Kleinrentner, ein. Schon vor ihrer Tätigkeit im Stadtrat war Frau Kramer im öffentlichen Leben an hervorragender Stelle in vorbildlicher Weise tätig. Seit 1914 wirkt sie im Vorstand de? Aliceschulvereins mit, dessen stellvertretende Vorsitzende sie seit 1923 ist. In ihren Vorstandsfuilktionen teilte sie sich in die Bearbeitung des wirtschaftlichen Teiles mit dem Vorsitzenden. Während der Vorsitzende, Professor Dr. Alles, das Amt des Gießener Stadtschulrates bekleidete, gehörte Frau Kramer den staatlichen Prüfungskommissionen als Vertreterin des Aliceschulvereins an. Um die Entwicklung des Aliceschulvereins und feine segensreichen Auswirkungen auf die vielen jungen Mädchen, die im Laufe der Jahre in den Dereins- inftituten ausgebildet wurden, hat sich Frau Kramer allgemein anerkannte, bleibende Verdienste erworben, auf die bei dieser Gelegenheit in gebührender Weise auch einmal öffentlich hingewiesen sei. daneben widmete sie sich als Vorsitzende des Alice-Frauenvereins in großzügiger und unermüdlicher Weise den vielsältigen Bestrebungen, die unter der Flagge des Roten Kreuzes zum Segen weitester Türgerkreise auch in unserer Stadt entfallet werden. Seit einer langm Reche von Jahren Führerin dieses gemeinnützigen Vereins galt chr regstes und unermüdliches Interesse jeglicher unei^nnühiger Arbeit, aus der Hilfsbedürftige aller Art Aufrichtung und neue Kraft gewinnen konnten. Beim Dienenkorb, bei dem Hilfswerk für Studenten, bei der Ausbildung von Schwestern vom Roten Kreuz, in der Fürsorge für die Kinder gefallener Krieger, bei wohlverdienten Ehrungen langjähriger Hausangestellter usw., überall war Frau Kramer stets in vorderster Linie der Arbeit als Führerin und Mitarbeiterin zu finden. Dabei kam chr großes soziales Verständnis, warmherziges frauliches Empfinden und gewinnende, liebenswürdige Art des Umgangs mit Menschen der verschiedensten Bevölkerungsschichten in hohem Maße zustatten. Durch diese weitreichende öffentliche Arbeit, wie auch durch ihre Eigenschaften als edler und Warmherziger Mensch mit steter Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft hat sie sich in den weitesten Kreisen unserer Bürgerschaft höchste Wertschätzung und dankbare Verehrung erworben. Diele Mitbürgerinnen und Mitbürger werden ihr am morgigen 70. Geburtstage von ganzem Herzen wünschen, daß es ihr vergönnt sein möchte, noch lange Jahre in Gesundheit und Kraft zum Segen der Hilfsbedürftigen und zur Befriedigung der eigenen Schaffensfreude tätig sein zu können. Daten für Sonntag, 7. Dezember. Sonnenaufgang 7.50 Uhr, Sonnenuntergang 15.53 Uhr. — SERonbaufgang 16.40 Uhr, Mondunfergang 9.57 Uhr. 1542: Maria Stuart, Königin von Schottlaird, geboren; — 1836: Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahn Nürnberg—Fürth. Daten für Montag, 8. Dezember. Sonnenaufgang 7.51 Uhr, Sonnenuntergang 15.52 Uhr. — Mondausgang 17.5.5 Uhr, Monduntergang 10.52 Uhr. 65 v. Chr.: der römische Dichter Quintus Hora- tius Flaccus geboren; — 1815: der Maler Adolf von Menzel in Breslau geboren; — 1832: der norwegische Dichter Björnstjerne Björnson geboren. Gießener Wochenmarltpreise. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 160 Pf. (Kochbutter von 130 Pf. an), Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10 (pro Zentner 4 Mk.), Weißkraut 5 bis 6 (pro Zentner 3 Mk.), Rollraut 8 bis 10 (pro Zentner 5 Mk.), gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Anterkohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 60 bis 100, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 8 bis 10. Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3,5 bis 4 (pro Ztr. 2,20 bis 2,50 Mk.), Aepfel 25 bis 40, Birnen 20 bis 30, Russe 60 bis 70, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 80 bis 100, Suppenhühner 80 bis 100, Gänse 80 bis 100 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 70, Sier 16 bis 18, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pfennig pro Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Stabt« tijeater: „Schinderhannes", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Wohltätigkeitskonzert der Gesangschule Heermann, 20 Uhr, in der Neuen Aula. — Hess. Landes-Geflü- gclschau, in der Dolkshalle, 8 bis 18 Uhr. — Erste Reichskurzschriftgesellschaft „(Babelsberger" und Damenabteilung: Vereinsabend, in der „Stadt Lich". — Artilleristen-Verein: Monatsversammlung, im .Hessischen 5)of". — 222er: Herren-Abend, 20 Uhr, im Andres. — Gießener Ruderklub Hassia: Mitgliederversammlung, im Bootshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Leutnant warst du einst bei den Husaren". — Astoria-Lichtspiele: „Falschmünzer" und „Amor auf Ski". — Tageskalender f ü r Sonntag. Stadttheater: „Der Detter von Dingsda", 18 bis 21 Uhr. — Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: Oeffentliche Versammlung, 20 Uhr, in der Turnhalle. — Hessische Landes-Geflügelschau, in der Dolkshalle, 8 bis 18 Uhr. — Nationales Tanz-Turnier, im Club, 20.15 Uhr. — Sp. Vgg. 1900: Halldballmeifterschaft, 15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, vormittags 11.15 Uhr. — „Die Donau", abends „Leutnant warst du einst bei den Husaren". — Astoria-Lichtspiele: „Falschmünzer" und „Amor auf Ski". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Sonntag, außer Abonnement, Fremdenvorstellung. „Der Detter aus Dingsda", Operette von Eduard Künneke, Gast- h>iel der Vereinigten Operettentheater Dochum- Hambor.r. — Dienstag, zum letzten Male, Wolfgang Goetz' „Reidharöt ron Gneisenau". — Mittwoch, erste Wiederholung des mit so großem Beifall aufgenommenen musikalischen Lustspiels „Meine Schwester und ich", von Derr-Verneuil- Denatzky, unter der Spielleitung des Intendanten. — Freitag, 19.30 Uhr, „Rofe Vernd", von Gerhart Hauptmann. — Samstag, zum erstenmal „Goldmarie und Pechmarie, em Weihnachtsmärchen von Alvys Prasch, unter der Spielleitung von Karl Dvlck. Die Vorstellung findet als erste Kindervorstellung zu ermäßigten Preisen statt. Deginn 15.30 Ahr. - Die Gesellschaft für Erv- ttsb Völkerkunde veranstaltet am Donnerstag, 11. Dezember, in der Reuen Aüla der Anrver- fität einen Lichtbildervortrag, zu dem Prof. Dr. G. Schott gewonnen wurde. Der Redner wird über „Geographische Charakterbilder von einer wisfenschafllichen Seereise um die Erde: auS Oft* afien und dem malaiischen Archipel" sprechen. — DieDeutscheAngestellten-Kran- kenkasse, Verwaltungsstelle Dießen, hält am 8. Dezember im Restaurant „Hessi'chec Hof" eine Versammlung ab, in der die Mitglieder Gelegenheit haben, zur Reugestaltung der Satzung infolge der Rotverordnung Stellung zu nehmen. Räßeres in der heutigen Anzeige. •• Iap anischer Stuvienbesuch in Gießen. Von der Pressestelle der Landes* Universität Gießen wird unS geschrien: Der Direktor des Botanischen GartenS Tai-' hoku, Formosa, F. Seki. welcher von der japanischen Regierung zu Studienzwecken nach Deutschland entsandt worden ist, wird außer den Botanischen- Garten der Aniversitäten München und Freiburg auch den Botanischen Garlen unserer Aniverfllctt-besuchen. " Von der Landesuniversität. Zum Zwecke der Habilitierung werden solgende Herren Probevorlesungen halten: für das Fach der praktischen Theologie Dr. Paul Schütz am Dienstag, 9. Dezember, 12 Ahr im Großen Hörsaal über „Die Idee einer Welllirche als westöstliches Problem bei Druno Dauer"; für das, Fach dcr Augenheillunde Dr. Walter Rauh am Mittwoch, 10. Dezember, 18 Ahr in der Kleinen Aula über „Innere Sekretion und Auge"; für das Fach der Allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie Dr. Werner Sch vp - per am Dienstag, 10. Dezember, 19 Ahr in der Klemen Aula über „Geschwulst und Gewebezüch- hing“; für das Fach der Eeburtshilse der Gynäkologie Dr. Heinrich Ro ssenb eck am Donnerstag, 11. Dezember, 18 Ahr in der Kleinen Aula über „Der gegenwärtige Stand unserer Erkenntnis von den natürlichen Ursachen des Geburtseintrittes und ihre Bedeutung für die wissenschaftliche und praktische Geburtshilfe". '* Oberhesfifcher Kunstverein. Die bereits im Anzeigenteil bekanntgegebene IahreS- verlosung für die Dereinsmitglleder findet Montag, 8. Dezember, 11 Ahr im Turmhaus am Drandplatz statt. SS werden verlost 9 Anrechtscheine im Wert von zusammen 530 Mark, sowie 26 Kunstgegenstände: 5 Oelbilder, 4 Aquarelle, 6 Zeichnungen, 10 Werke der Graphik. 1 Keramik. Die Dilder, sämllich gerahmt, im Werte von 1000 Mark. Die Gewinne sind bereits auSgehängh Die Mitglieder sind zur Veranstaltung einge- laden. Die Gewinnliste wird demnächst im Ausstellungsraum ausgelegt, den Gewinnern geht direkte Benachrichtigung zu. Gleichzeitig sei noch* mals auf die derzeitige, bis 22. Dezember dauernde Weihnachtsausstellung: Künstlerhilfe 1930 aufmerksam gemacht und deren reger Besuch empfohlen. Die Ausstellung ist bet freiem Eintritt für jedermann. Sonntags. WvntagS, Mittwochs. Freitags von 11 bis 13 Ahr. Sonntags auch von 15 oiS 18 Ahr. Mittwochs von 15 bis 19 Ahr geöffnet ** Die Museen und der Hetdenturm sind am Sonntag .zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. ** Die städtische Kunstsammlung im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist morgen, Sonntag, von 11 bis 13 Uhr 6ei freiem Eintritt geöffnet Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt ** (Jin Anlagenko nz e r t findet morgen. Sonntag, 11 Uhr, durch das Musikkorps unseres Bataillons bei günstiger Witterung in der Südanlage statt. Leitung: Obermusikmeister L ö b e r. Die Musikfolge verzeichnet folgende Darbietungen: Choral: „Macht hoch die Tür, Fantasie aus der Oper: „Die Perlenfischer", E. Bizet; „Einig und stark", Marsch, C. Friedemann; „Kommandeurruf", Marsch, W. Löber; „Kaiser-Walzer", Ioh. Strauß; Armee- marsch I, Nr. 7 I. Bataillon Garde; Armeemarsch H, Nr. 240 „Preußens Gloria", G. Piefke. ** Der nächste Diehmarkt findet am Dienstag, 9. Dezember, mit Rindvieh (Nutzvieh) und am Mittwoch, 10. Dezember, mit Schweinen statt. •• Rotstandsarbeiten. Zur Zeit sind m der Straße „An der Kaserne" Rotstandsarbeiter damit beschäftigt, das Gelände umzuarbeiten, das zum Frühjahr als gärtnerische Qlnlage au gestaltet werden soll. In Verbindung damit erscheint es Kunst und Wissenschaft. Professor PreetvrmS bleibt in München. Die vor kurzer Zeit von Berlin aus verbreitet- Weldung, daß der bekannte Graphiker und Illustrator Professor Dr. Emil P r e e t o r i u s in München demnächst als Lehrer an die Berliner Kunsthochschule übersiedeln werde, scheint sich nichtzu bestätigen. DaS bayerische Kultusministerium hat nach der Meldung eines Berliner BlatteS für die Betätigung des Künstlers günstigere Entfaltungsmöglichkeiten als bisher geschaffen. an deren Finanzierung sich, wie matt hort, auch bie Stadl München beteiligen toisk aus Siegesfreude, Hoffnung, Tragik und gefaßter Entsagung. Wohl das Erschütterndste gibt in diesem Buche die wortgetreue Abschrift aus dem LogbuchStrlnb- b e r g s *, der zuerst den weißen Tod erleiden mußte. Niels Strindberg, der erst siebenundzwanzigjährige Physiker, war der jüngste der Exveditionsteil- nehmer. Boll Ueberzeugung von dem Gelingen des AndrSefchen Planes, stellte er sich der Expedition zur Verfügung, nachdem er sich kurz vor dem Aufstieg noch verlobt hatte. Sein Logbuch ist ein Tagebuch, eigenllich ein Brief, auf jeden Fall eine Mitteilung, die er in Kurzschrift für seine Braut abfaßte. Dieser Brief, der dreiunddreißig Jahre brauchte, um in die Heimat zu gelangen, ist am 21. Juli 1897 1 Uhr mittags auf einer Eisscholle begonnen worden. Noch einmal wird hier — diesmal rein von Mensch zu Mensch — eine Schilderung der Geschehnisse gegeben, vom Tage der Abfahrt an. In rührend einfacher Weise erzählt Sttindberg seiner Braut den Aufstieg des Ballons. Eben hat er AndrSe zum Start ermuntert, und der hat eingeroib ligt, weil er „keine stichhaltigen Gegengründe nabe". Der Ballon wird mit Gas gefüllt, und währenddessen trinkt Strindberg mit Freunden zusammen eine Flasche Sekt auf gutes Gelingen. Endlich ist der Augenblick des Abschieds gekommen. Der junge Strindberg schildert ihn so: „Er war herzlich und ergreifend, aber ohne alle Rührseligkeit. 21 norde rief: Strindberg und Fränkel, seid Ihr klar zum Ein- steigen? — ,3a 1‘ — Wir stiegen ein. Für einen Augenblick flogen meine Gedanken zu Dir und den Lieben daheim. Wie wohl unsere Fahrt ausgehen mag? Diese Gedanken wollten mich schier überwältigen, aber ich mußte mich beherrschen... Vielleicht ist mir dabei eine Träne über die Wange gelaufen." Langsam stieg der Ballon in die Höhe, die Zurück- bleibenden riefen „Hoch!", die Luftfahrer antworteten: „Das alte Schweden soll leben!" Sie machen photographische Aufnahmen vom Start, von denen Strindberg allerdings selbst berichtet, daß sie nicht gelingen würden, well er eine falsche Einstellung gewählt habe. Immer rascher entfernt sich der Ballon mit den Forschern, noch hören sie von fern ,Hurra"-Rufe — dann verschwindet die Däneninsel und mit ihr das letzte bißchen Erde, was sie mit der Heimat verbunden hot. * Uebrigen» ein Neff« de» Dichter», ' > Oer Brief, der dreiunddreißig Jahre brauchte. Strindbergs Tagebuch von der Andree- Expedition. Reiches Material ist von der „Bratvaag-Expedi- tion", einer norwegischen Gruppe von Forschern, die nach Franz-Josevh-Land im Sommer dieses Jahres wollte und durch einen Zufall auf die kleine Insel Dito im Eismeer geriet, nach Hause gebracht worden. Ihr gelang es, vor allem die Leichen der beiden Polsucher Andröe und Strindberg zu bergen und in die Heimat zu führen; den dritten Kameraden Fränkel brachte etwas später dos flinke Journalistenschiff, die Asbjörn", nach Stockholm. Und auf beiden Bergungsschiffen tarnen Dokumente jener Polarexpedition aus dem Jahre 1897 nach Schweden, Dokumente, die fast bis in die letzte Einzelheit hinein das furchtbare Geheimnis lüfteten, das dreiunddreißig Jahre lang über dem Derbleib der Andree-Expedition lag. Längst hatte die Mensch- beit die Hoffnung aufgegeben, jemals Klarheit über das Ende der drei tapferen Männer zu bekommen. Sie galten als verschollen, sie dursten wohl ihr Ende beim Wsturz aus dem Ballon „21bler gefunden haben. Auf dem Eise oder im Meer, wer wollte das sagen! Die Auszeichnungen der wagemutigen Pioniere der Arktis haben sich — zu unserem Glück — erhalten; wenigstens zum ansehnlichsten Teil überstanden sie das Zerstörungswerk der Natur. Andrdes Tagebuch ist zwar sehr mitgenommen, nur seitenweise ist es klar lesbar ober boch wenigstens entzifferbar. Es gibt in diesen verblaßten, verwaschenen Schrift- zelcken der Wissenschaft ein außerordentlich wertvolles Dokument über die mißglückte Polfahrt, über die Gründe der Notlandung, über den Marsch der Drei durch die Eiswüste — und es kündet in wenigen, fast schon verzweifelt, gewiß aber doch entsagungsvollen Worten das bittere Ende der Expebi- tionsteilnehmer. Der Verlag F. A. Brockhaus in Leipzig gibt das gesamte Dokumentenmaterial an Hand Der Funde in feiner neuesten Berlagserschei- nung: S.A. Andrde, „Dem Pol entgegen", heraus. Ein Werk, das man erschüttert aus der Hand legt, ergriffen von der wundersamen Mischung Strindbergs Brief an die Braut ist entstanden, nachdem die kurze Ballonfahrt längst gescheitert ist. Die drei Kameraden sitzen im Eise fest, sie haben zwar den Mut und sind davon überzeugt, daß sie sich irgendwie durchschlagen und retten können. Aber eine leise Skepsis klingt doch durch. Natürlich, daß die Schilderung Strindbergs sehr eingehend alle Versuche beschreibt, wie die Polarforscher sich nach dem gelobten Land Spitzbergen ober nach Franz- Joseph-Land durchschlagen könnten. Drei schwere Schlitten sind hoch bepackt. Jeder hat eine Ladung von ungefähr 160 Kilogramm. Keiner kann seinen Schlitten allein ziehen, deswegen helfen sie immer zusammen, einen Schlitten gemeinsam etwa 1 bis 2 Kilometer vorwärts zu bringen, um dann den zweiten und den dritten zu holen. Aber damit ist auch ihre Tagewerk getan, die Nacht bricht herein, sie müssen ein Lager auffchlagen, das kunstlos errichtet — mitten in der Eiswüste steht. „Im Zett haben wir unseren Schlafsack, in dem liegen wir zu tritt, Seite an Seite. Eng genug ist es ja, aber wir vertragen uns gut." Strindberg berichtet zwischendurch immer wieder von Erlebnissen, die in der Einöde der Arktis etwas aufmunterten oder sogar ein bescheidenes Maß von Freude in die anstrengenden Tage brachten. Seine Kochkünste schildert er: „In diesem Augenblick lutschen wir an einem Karamelbonbon, das ist eine richtige Schleckerei. Ja, das ist hier kein Honiglecken! 'Heute abend brachte ich eine Suvpe auf den Tisch, die schmeckte wirklich nicht gut. Dieses Rousseaufche Fleischpulver schmeckt ganz abscheulich. Es wird einem gleich zum Ekel, aber wir haben die Suppe trotzdem ganz brav gegessen." Und bann wieber, nur ein paar Zeilen weiter, mit leiser Wehmut unb mit fast schon erkennbarer Ergebung in ein Geschick, bas unabänberlich scheint: „Wie seltsam ist es boch, beuten zu müssen, baß mir vielleicht noch nicht einmal zu Deinem nächsten Geburtstag daheim sind. Vielleicht müssen wir sogar zweimal überwintern. Wer kann das heute sagen? Wir wandern langsam voran. Vielleicht erreichen wir Kap Flora in diesem Herbst nicht mehr, sondern müssen wie Nansen In einem Erdloch überwintern. Arme kleine Anna, wie verzweifelst wirft Du sein, wenn wir nicht bis zum nächsten Herbst zu Hause sind. Sei gewiß, es ist entsetzlich für mich daran denken zu müssen, nicht meinetwegen, denn ich fürchte mich nicht, ein« hart« Zett durchzumachen, wenn ich nur einmal wieder heimkomme.. Das Tagebuch Tür Strindbergs Braut enthält nun eine Reihe von täglichen Beobachtungen und schildert dann ein Festdiner vom 18. September 97 auf einer Eisscholle: „Seehundssteak und Eismöwe in Butter und See- hundsspeck gebraten. Seehundleber, Hirn und Niere, Butter unb Schuhmacherbrot. Wein. Schokolade mit Mellinsfood-Mehl, Albert-Keks unb Butter; Gäteaux raisins, Himbeerfafttunke. Portwein 1834, Antonio de Ferrara, Geschenk des Königs. Trinkspruch auf den König von Andröe, königliche» „Hurra!" Königshymne, einstimmiger Gesang. Keks, Butter. Käse. Ein Glas Wein. Feststimmung! Den Tag über wehte die UnionsfahnL neben dem Lager." Vom 11. Juli bis 17. Oktober enthält das Logbuch für die Braut kaum noch Eintragungen, dagegen gibt Strindberg in feinem NotizkaleiLer fast noch für jeden Tag eine kurze Eintragung, was geschehen sei. Für die letzte Oktoberwoche 1897 darf wohl der Tod der Expebttionsteilnehmer berechnet werden; Strindbergs letzte Eintragung lautet: „Oft. 17. Sonntag. Nach Hause 7 Uhr 5 vormittags." Wenige Tage vorher war die Eisscholle geborsten« E. W. angebracht, daraus hinzuweisen, daß der Platz süL- ttch der Kaserne I einen wenig schönen Anblick bietet. da er seit längerer Zelt ständig oU L^gerpla) für Stratzänbauma ter. allen diente. Die ilnterucin- gung der Materialien an einer anderen, weniger tn$ Auge fallenden Stelle, und die Einebnung des Platze« Vnnte dem Stadtteil wesentlich zur Verschönerung gereichen. •• Politische Schlägerei im Selters- n> e g. 3n der letzten Nacht gegen 2 Uhr sand im Srltersweg eine Schlägerei stall, an der sich Korn- mnntften, Angehörige des Reichsbanners und Nationalsozialisten beteiligten. Ein Polizeibeamter, der einschritt, wurde dabei am Kopse erheblich verletzt, hinaufoaunenbe Polizeioerstärkungen konnten alle Beteiligten festnehmen und zur Wache bringen, von wo sie noch Feststellung der Personalien wieder entlassen wurden. Alle Teilnehmer an dieser Schlägerei befinden sich im Aller von 18 bis 30 Jahren. Der Vorfall wird ein gerichlliches Nachspiel nach sich ziehen. "KeinefalschenKontrolleure. Wie uns aus Grotzen-Linden berichtigend mitgeteilt wird, handelte eS sich bei den Kontrolleuren (vergleiche Bericht in Ar. 281 des „Gießener 2In- -sger") um Beamte, di« die Kontrolle im amt- licken Auftrage zu Recht auSübten. Oberheffen. Landkreis Gießen. Z Hödgen, 5. Dez. Unter den Kindern unseres OrteS treten die Masern in Derbindung mit starkem Husten auf. Die Kleinkinderschule mutzte deshalb geschlossen werden. — Die Gemeinde erhält mit Wirkung ab 5. De- zember eine eigene Po st stelle mit Paket- Annahme und -Ausgabe, nachdem seither nur der direkt« Dries- und Depeschendienst von Glotzen her bestand. Die Poststelle ist dem bisherigen Posthilfsstelleninhaber Balser übertragen worden. O Annerod, 5. Dez. Dieser Tage begannen hier die Holzhauerarbeiten. Nach einem De- schlutz des Gemeinderats wurden in diesem Jahre nur ausgesteuerte Erwerbslose zu den holzfällunsis- arbeiten herangezogen. — Am 5. Dezember erhielt die Gemeinde eine eigene Po st stell e. Die Maßnahme wird allgemein begrüßt, da sich dadurch für die Einwohnerschaft insbesondere im Paketpostoer- kehr eine wesentliche Erleichterung ergibt. Auch den Rentnern ist nunmehr der beschwerliche Weg nach Gießen erwart. Die Verwaltung der Poststelle ist der Witwe Schäfer übertragen worden. X Großen-Buseck, 5. Dezember. Das San- deskirchenamt hat den Pfarramtskandidaten Werner Kalbhenn, Sohn des hiesigen Pfarrers, zum Pfarrassistenten in der evangelischen Gemeinde zu Lollar (Pfarrei Kirchberg) ernannt; er wird am 3. Advent in der Kirche zu Kirchberg von dem Superintendenten l). W a g n e r ordiniert werden. X Lollar, 5. Dez. Pfarramtskandidat Wilhelm Hitzing, dahier, wurde vom Londeskirchenamt die Stelle eines Pfarrassistenten in der evangelischen ®e- meinde zu Vilbel übertragen. • L i ch, 6. Dez. Am 15. d. W. findet hier der altbekannte Weihnachtsmarkt (Ferkel-und Krämermarkt) statt. Bei der nach allgemeinem Urteil auf der Höhe stehenden Schweinezucht im hiesigen Bezirk ist mit einem guten Besuch des Marktes zu rechnen. Auch die hiesige Geschäftswelt hat alle Vorkehrungen getroffen, um den Wünschen der Marktbesucher beim Einkauf ihres Weihnachtsbedarfes in jeder Weise gerecht zu werden. Auf die Anzeige im heutigen Anzeigenteil sei hingewiesen. ! Hungen. 4. Dez. 3m Alter von 87 Jahren starb dieser Tage der hiesige Einwohner Ph. K. Bender. Heber 30 Jahre war er Mitglied des Gemeinderats. Bürgermeister Fendt gedachte seiner in der letzten Gemeinderatssihung mit ehrenden Worten, indem er aus die mancherlei Verdienste hinwies, die sich der Verstorben« um das Wohl unserer Gemeinde erworben hat. ^Rabertshausen. 5. Dez. Am ersten Adventssonntag veranstaltete die hiesige Schule eine wohlgelungene AdventSseler, die sehr gut besucht war. Gedichtvorträge der Kleinsten, ein Adventsspiel der älteren Schüler, durch Gemeindegesang und Schülerchor un erstüht, bildeten das abwechslungsreiche Programm. Gutsbesitzer Hoffmann dankte im Aamen der Gemeind« all denen, die sich um die Ausgestaltung d«S Abends bemüht hatten. Eine Kollekte ergab den Betrag von 19,55 Wk. Kreis Friedberg. WSR. Friedberg, 5. Dez. Der Rangiermeister Georg Frey ist in der vergangenen Rächt im hiesigen Hauptbahnhof tödlich verunglückt. Der HngLckSfall ereignete sich zwischen 12 und 1 Hhr. Wan nimmt an, datz Der Bedauernswerte auf den Schienen auSrullchte und dann überfahren wurde. Er hinterläht ein« Witwe mit drei unmündigen Kindern. Kreis Schotten. I Ober-Lais. 3. Dez. 3n diesen Tagen wurden die Arbeiten für daS erste Deilprvrekt der hiesigen Feldbereinigung, die Durchführung von Dränagearbeiten in der Gewann „3m RutertS". vergeben. Die Ausführung übernahm Maurermeister P r e u s ch von hier zu den Sätzen dcS Voranschlages. Es mühen bei der Arbeit in erster Linie Erwerbslos«, beschäftigt werden. Die Anfuhr der Dränageröhren roird noch im Laufe dieser Woche erfolgen, so datz die Arbeiten in der nächsten Woche begonnen werden können. — Der außerordentlich nasse Herbst hat die Schäden, die durch den L a i s b a ch an den Wiesen unserer Gemarkung verursacht werben, besonders kratz in Erscheinung treten lassen. Der Laisbach durchsticht unsere Gemarkung mit äußerst wenig Gefälle, bildet Windungen und Schleifen und überschwemmt bei starken Regengüssen die Wiesen aus weite Strecken. Diese Wiesen sind nun stark versumpft. Die Wirkungen der Versumpfung erstrecken sich weithin und auch Waldvarzellen an der .SchmittSwies«'' sind davon in Mitleidenschaft gezogen. Die Ge- radelegung des BachlaufeS. die bald vorgenommen werden soll, wird diese Mängel beseitigen. Auch dies« Arbeit wird dazu beitragen, die in unserer Gemeind« bisher sehr grotze Arbeitslosigkeit zu lindern. - Die Holzhauerei in der hiesigen staatlichen Försterei hat begonnen. Leider ist der Holzeinschlag für dieses 3ahr geringer vorgesehen, ald bisher. 2 Babenhausen II, 5. Dez. Die Fortbildungg. schüler und -schülcrinnen unternahmen eine B e s i ch . tlgung des Versuchs - und Mustergutes Selgenhof und erhielten dann in Form des An- schauungsunterrichtes ihren schulplanmäßioen Land- Wirtschaftsunterricht. Diplom-Landwirt Adelberger hielt den erläuternden Vortrag. — In geistiger und körperlicher Frische feierte der ä 11 e ft e Ein- wohner des Dorfes Karl Rahn seinen 87. Ge- burtstaa. Dem Jubilar wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Der Musikverein brachte dem allgemein beliebten Greis ein Ständchen. .............. " 1 1 ■ 1 Äird>fid)t Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 7. Dezember. 2. Advent. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Mahr; 11: Kinderkirche für die Matchäusgemeinde; Psr. Mahr; 17: Pfr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für die Marius- gcmeindc. — Johanneskirchc. 9.30: Psr. Bechtols- Heimer. 11: Kinderkirche für die Lukasgemelnde, Pfr. Bcchtolsheimer; 17: Pfarrer Ausfeld; Leichte und hl. Abendmahl für die Johannesgemeinde; 20: Bibel- besprechung im Johannessaal; Pfr. Lenz. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; Beichte und hl. Abendmahl für die Luthergcmeinde; 11.30: Kinderkirche für die Luthergcmeinde; Pfr. Lenz. — Liisa, bethkieinkinderfchule. 9.45: Pfarrer LicxBaa»; 11J Kinderkirche für die Petrusgcineinde; Pfr. Lic.ffiaoa. Jlcue Aula. 11.15: Uniocrfllätsgollcsdienft; Predigt; Profesior Dr. Schumann. — ßlein-Cinöcn. 11: Kin- dergollesdienft; 13.30: hauptgottesdienft. — Wiefeck. 9 30: (Chorschule); Kollekte für evangelische Gemeindehäuser; 10.45: Kinderkircke. — Alteo-Lofeck. 14; Kollekte für evangelische Gemeindehäufer. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 13.30: Mainzlar. — Haufen. Garbenteich. Missionar Lauk; 10: Garbenteich; !3r Hausen, Borneofilm 16.30: Garbenteich; 20: Hausen. Watzenborn-Steinberg. 13: hauptgottesdienft. — Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Pfarrvikar Droudt; hl. Abendmahl; 12.45: Kindergollcsdicnft; 14: Stiftsdechant Kahn. katholische Gemeinden. Samstag, den 6. Dezember. Gietzeu. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 7. Dezember. 2. Adventssonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Meße; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt, 11: Messe mit Predigt; 17.30: Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Dich. 7.45t Hochamt mit Predigt; Kommunen der Jugend. — Nidda. 830: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 10. Dezember. Hungen. 7 Uhr: hl. Meße. Donnerstag, den 11. Dezember. Laubach. 7L0 Uhr: hl. Messe. Lonufansdicnkt d.Rerztc n.-21notbcfrn am 7. lF30 ÖtL Dr. Gürtler. Dr. Meyerboff Pelikandpoiheke. 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April fakrprcli RM. 975,- Muhe. 6.t L gewesen. Der „Vorwärts" lobt vor all/ ngenen et- rnlzahl der ff ■ f ffi ML L « -3& 15 BZ M M Weltgeschehen im Gießener Anzeiger Unsere Weihnachtspreisaufgabe 1930 > Lady Drummond Hay 143 (153) 3 (16' (13) (0 (12) (54) (62) (73) (45) (23) (5) Ml Die Aufgabe besteht darin, festzustellen, worum es sich jeweils handelt Das ist leicht für jeden, der ein gutes Gedächtnis hat und unser Blatt aufmerksam verfolgt Zur richtigen Lösung Ist nur ein markantes Stichwort nötig; zweiunddreißig kurze Bezeichnungen genügen. Die Lösungen müssen bis zum Montag, 15. Dezember — mit der genauen Angabe von Vor- und Zunamen, Wohnort und Straße des Einsenders, sowie unter Beifügung der Bezugsquittung — in einem geschlossenen Umschlag mit der Aufschrift „Preisaufgabe" bei der Redaktion des Gießener Anzeigers eingelaufen sein. Bekanntgabe der Lös ungen und der Preisträger am 20. Dezember. Die Preisträger werden nach Vollständigkeit und Richtigkeit der Lösungen ermittelt Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung über die Preisverteilung als endgültig an. Angehörige des Verlages und der Redaktion sind von der Beteiligung ausgeschlossen. Als Preise sind eine Anzahl schöner und praktischer Dinge ausgesetzt darunter ein Photographenapparat ein elektrisches Bügeleisen, eine Damenhandtasche, eine Weihnachtsgans, ein Delikateßkorb, Theaterkarten, Bücher und Bilder. Unsere Preisaufgabe wendet sich an alle Bezieher des Gießener Anzeigers. Wir haben auf dieser Seite eine Anzahl von Text- und Bildausschnitten aus dem Gießener Anzeiger zusammengestellt: sie behandeln bedeutende Ereignisse aus dem Gebiete der Politik, der Wirtschaft der Wissenschaft der Kunst, der Technik, der Lokalgeschichte und des Sports. Sämtliche Ereignisse sind im Laufe dieses Jahres In unseren Spalten behandelt worden. zrüning er, daß kehren l erungen \ V künftige I irisch nft 1 Ite Der- \ l id) der 1 Uhr war 1 ■rnuxvfl»* \ Spiel Mit für Uchiedet. !^Unaager Mummen M rutsch" stchi ^, \ Ges ev \ erklärt, \ gegeben \ Ding«- \ M . Voten s W darf \ X fassen ’ konrrnt. , Ä dar- ^Mtolcher Ilm- ^^^Mxeben WUe» weiter, „mache die gleichen Empfindungen durch wie bei meinem ersten großen Zeppelinflug im Jahre 1928. Die gleiche gehobene Stimmung herrscht auf der Kommandobrücke, in den Ravi- gations- und Maschinenräumen, wie bei dem Zeppelin. Eine andere Aebnlichkeit tft s Gefühl äußerster Sicherheit ; 17 Bequemlichkeit a u f dem Passas zdeck. Es ist kaum eine Bewegung zu verspüren und der furchtbare Lärm der zwölf Motoren mit ihren -Liyueiiers \ im Lause — 107 ! 76 68 i 41 | 30 23 3 20 J 19 i 18 I I4 Die Kranken leiden noch an Atemnot und Brustschmerzen. Sie hoben, soweit sie sich übp'-haupt bisheei zu dem Unglück äußerten, noch nick Zi wesentlichesj aussagen können. „CEs kam alles so plötzlich", sagt der erne, „mein Nachbar fragte mich, ob ich auch Atemnot spüre. Da sackte er schon zusammen und zugleich legte es sich auch mit drückender Last auf meine Brust. Ehe wir an Weiteres denken konnten, verloren wir das Bewußtsein." Das zeugt davon, daß der Kohlensäuregusbrpch mül ^Die Räum 32 (8' (0) = w^ o -Pro- \ und 551^4 ®59' WW „Ich selbst", berichtet ÄSSS i 15 V* - \ ’-.nb em«6* 3S W* °wU wo« w s«'““ o6c' ’’ jl u«6 st- «e9i«tun9 9' \ Ul,atsselndllen, ich schwärme für diesen Ring, aber Vater macht alles zu Geld, er gibt mir keins von den kostbareren Schmuckstücken." , , . Sie hatte den Handschuh schon angezogen und meinte vergnügt: „Was lockt Sie, jetzt zu sehem Monsieur? Wollen Sie ein Museum betrachten ober das Schloß, möchten Sie in den Zoologischen Garten oder wollen wir lieber einen Rundgang durch die Stadt machen? Es ist jetzt zwölf Uhr. Ich habe, offengestanden, Appetit, ein leichtes Gabelfrühstück könnte mich reizen/' An Deutlichkeit ließ es diese Holländerin nut dem Aussehen einer Pariser Lebedame nicht fehlen. Es interessierte sie anfdtemenb wenig, wie er hieß und was er war. Ihr schien nur daran zu liegen, für ein paar ©tunben ,^n^n Begleiter zu haben, bet während der Zerf bie Unkosten übernahm. _ , _ »Ich kenne einen entzückenden Lunchrvom. Dort sitzt man äußerst mollig und ungeniert. Es wird Ihnen gefallen. Ein neueres Plätzchen gibt es in ganz Paris und Berlin nicht. Er sagte lässig: „Kennen Sie Paris und Berlin, meine Gnädigste?" Also erkannt hatte sie ihn auf keinen Fall. Er gab höflich zurück: „Ich bin Spanier und spreche das Französische fließend." „Schön", lächelte sie und zeigte ihm, wie tadellos ihre Zähne in Ordnung waren. „Wir haben nämlich einen herrlichen Ring, der feit einigen Monaten verfallen ist und von meinem Vater verkauft werden kann. Ich zeige ihn Ihnen, Monsieur." rr Der Alte brummte etwas, aber die Montirossi kümmerte sich nicht darum. Sie sagte lässig: „ORein Vater meint, der Ring würde Ihnen zu teuer sein." Sie verschwand hinter dem Vorhang und kehrte gleich daraus zurück mit einem weißen Leberetui, das sie öffnete unb ihm einen Ring entnahm, in der Form eines Blumenkelches, der zusammengesetzt war aus den verschiedensten farbigen Iuwelen. Aus Brillanten, Saphiren, Türkissen unb Rubinen, Golbtopas unb hellgelbem Beryll. Es war ein antiker unb wertvoller, eigenartiger Primo Duero vergaß für Augenblicke vollständig, weshalb er sich hier in bem dunklen Laden der Heerengracht auf hielt. Sein fachmanni- sch.'r Blick war gefesselt. , ... Er fragte, wieviel das Schmuckstück kosten sollte. Es gab eine lebhafte Unterhaltung zwischen Vater unb Tochter, bann nannte der Alte bie Summe von drei tauf enb Gulden. Primo Duero sand den Preis reichlich hoch, aber es reizte ihn, das Stück zu kaufen. Auch nahm er an, der Kauf würde die beiden in gute Laune versetzen. Er konnte sich bann leichter etwas anpirschen, Gelegenheit zu längerer Unterhaltung suchen. So schloß er denn ab, und legte das Geld sofort in bdr auf den Tisch. Die Montirossi war plau- berluftig geworden. „Haben Sie sich unser schönes Amsterdam schon angesehen?" fragte sie interessiert, unb ihre dunklen Augen wurden kokett. Er erwiderte: „Ein bißchen bin ich ja schon benungetommen, aber wenn man allein bummelt, sieht man das Beste nicht. Es müßten überall gute Freunde von einem wohnen, die das Füh- reramt übernähmen." Sie girrte ihn an: „Das kann man doch habenI Wenn Sie wollen, führe ich Sie gern.“ Primo Duero war etwas verblüfft, aber er na"m das Angebot sofort an. Was wagte er dabei? Aichts. Doch durfte er hoffen, leichter zu erfahren, was er zu wissen wünschte. Wie sie in Sie nickte. „Paris kenne ich, aber Berlin nur aus den Schilderungen von Bekannten." Warum log sie? durchzuckte es ihn. Irgendwie mußte sie doch in bezug auf die blauem Brillanten ein schlechtes Gewissen haben. Er ließ sich willig von ihr führen und achtete gar nicht auf den Weg. In einer stillen, schein- bar vom Zentrum ziemlich abgelegenen Straße, durch die eine Gracht ihr trübes Wasser kaum vorwärts zu bewegen schien, machte sie halt unb klingelte an einem Haus, bas einem stillen Prwathaus glich. Ein Mann mit Kellnerjacke öffnete unb lieh beide eintreten. Die Tür zu einem in halboffenen Aischen ein- gcteilten Raum sprang vor ihnen auf. Aur ein Paar saß in einer der Aischen und tränt Ehampa gner, sonst sah man keine Gäste. Die Montirossi wählte einen Platz und lachte ihn an: „Wir trinken doch auch Sekt, nicht wahr? Um diese Zeit trinke ich ihn am liebsten." Sie ließ sich vom Kellner den Mantel ab- nehmen unb Primo Duero sah, daß sie bas Kleid gewechselt hatte. Ein schickes schwarzes Seidenkleid hob ihre künstliche Blondheit und sie schaute ihn mit verführerischem Lächeln an. „Erzählen Sie mir etwas, QHonfkur. Sind Sie verheiratet? Olein. Aber ich bin es, doch mein Mann ist langweilig und ich brenne ihm ab und zu mit Begeisterung durch." Primo Duero dachte, weshalb spielt sie die verheiratete Frau? Von ihrem ersten Mann war sie geschieden unb ihr zweiter war gestorben. Die Montirossi neigte sich zu bem neben ihr Sitzenden. „Sie gefallen mir, Monsieur, Sie gefallen mir sogar sehr. Es wäre doch nett, wenn auch ich Iynen gefiele." Primo Duero verlor ein bißchen die Fassung. Diese Form sollte bas Abenteuer, bas ihm für feine Zwecke sehr gelegen gekommen, eigentlich nicht annehmen. Er tat sehr bescheiden. Mochte sie ihn für einen ausgemachten Dummkopf halten. Er antwortete: „Ich wage es nicht. Ihnen leichte Komplimente vorzusetzen. Sie sind zu schon dafür! Und bitte, bestellen Sie hier ganz nach Ihrem Geschmack, ich möchte Ihnen die Wahl der Speisen und Getränke überlassen." Sie nickte ihm gnädig zu und unterhielt sich lebhaft mit bem Kellner. Kaviar und Sekt bildeten den Auftakt zu dem Lunch, und die Montirossi bewies guten Appetit, denn Eier mit Schinken folgte. Dann gab es kleine Filets mit einer raffiniert zusammengestellten Garnierung. Während des Essens plauderte die Montirossi, und Primo Duero spielte den Schüchternen. Er erhoffte viel von der Sektstimmung, die sich bei ihr immer stärker bemerkbar machte, während er sich vollkommen nüchtern fühlte, weil er sehr wenig getrunken. ___________________ Jst sie das wirklich ? Schlank und elastisch wie ein junges Müddien? So günstig kann Schlankheit Ihr Aussehen beeinflussen, darum trinken Sie den angenehmen. Mrzt). empfohlenen ur Ernst Richtern FrühstUcke- kräutertee. Die trügen Fettpolster schwinden, Sie werden chlanker und fühlen sich irisch md verjüngt. Paket Mk. 2.—, Kurpdcg. 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Br sieb, Ip'zter-1 erreicht den Schloßiark v.Donanesch'men.Hier entspringt eine kleine Quelle und wird In die Brisarh f'eleitef. — Der bescheidene,Schwarzwald hach heißt von hier ab DONAU und ist der zweitgrößte Fluß Europas. Sehwäb. Jnra, TnttUnqeu, Kloster Beuron, der Pulenstein. Schloß Sigmar n^ea. Donanwilrih. l'lm, luno'stadt. Klos’er Weltenhnrn. Kehlha’m m't der Bnbmeshaile. her Dom r,n Hege eburg. Die latste flen*so**e Stadt: Passau. Der Bakonvwald. Esztergom. Am Rande der Karpathen. Rndnpesf. Die alteRömer«ied- hing Aqnlncum Dor Cxardns. Jugosln wisch es Land a d. Don au. Pcterwardeln. Mündung der Save, des letzten Zuflusses ans Im Beiprogramm: Die neueUfa-Tonwoche Itnmiinlcn: Tnrn - Severin. Bukarest, die östl. Großstadt auf dem Balkan. ?080r Nur Sonntaq, d n 7. Dezember 1930, 11.13 Ohr vormlttans 6. Kaituriiln] Veranstaltung Der gewaltige völkertrennende Strom: Die Donau vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Heretollnm: Institut für Kultur- forschnnn. Berlin. Silier Mhnachis-Mart!! Montag, den 15. Dezember 1930, Schweine» und Krämermarli. Sei Äeschickung des Diehmarltes sind die seuchenpolizeilichen Sestim- mutigen zu beachten. Urfprungszeug- nifle für Züchter, Nachweis der Quarantäne für Händler. Tiere dürfen nur aus unversuchten Gemeinden aufgetrieben werden. Der Auftrieb hat in der Zeit von 9-10 Uhr statt- zufinden. st sso Lich, den 4. Dezember 1930. Hessische Sürgermeisterei Tich. ______________Geil._________ Vullenvevkauß. Unsere beiden um j e 20 Ztr. wie- genden Stationsbullen in Heuchel» heim i. W. und Reichelsheim L W. werd, ohne Gewähr geg.Sarzahl. zum Schlachten verkauft. Die Äullen werd, satt gefüttert gewogen mit 3°/0 Abzug. Schiiftl. Angebote je Ztr. Lebendgewicht bis Mittwoch, den 10. Dez., vorm. 8 Uhr, an den Landwirtfchafts» kammet-Ausfchuh in Gießen erbeten. Leide Süllen sind erstkl. Schlachttiere. Gießen, den 3. Dezember 1930. Landwirtschaftslammer»Ausschuß für Oberhessen. 82020 Bekanntmachung. Am Alonlag, dem S. Dezember, wird in dem Hause des bahnamtlichen Rollfuhrunternehmers A. Lyncker, Lrlengasfe 7 in Gießen, eine 8247V „amtliche Annahmestelle für Expreß-, Eil- und Hrachtstückgüler" errichtet. Frachtstückgüter können an jedem Wochentage von 9—12 und von 14—16 Uhr, Cilstückgüter von 9—12 und 14—17 Uhr und Expreßgüter von 9—12 und 14—18 Uhr ausgeliefert werden. Außer den tarifmäßigen Frachten werden für die Beförderung von der Annahmestelle nach dem Bahnhof noch folgende Ueberfuhrgebühren erhoben: Bei i Sendungen \ für für Eil- und im Gewichte Expreßgut Frachtstückvon gut 1—5 kg 0,15 RM. 0,30 RM. 6—20 kg 0,20 RM. 0,30 RM. 21—50 kg 0,30 RM. 0,30 RM. 51—75 kg 0,45 RM. 0,45 RM. 76—100 kg 0,60 RM. 0,60 RM. 101—125 kg 0,75 RM. 0,75 RM. 126—150 kg 0,90 RM. 0,90 RM. 151—175 kg 1,05 RM. 1,05 RM. 176—200 kg 1,20 RM. 1,20 RM. über 200 kg für je angefangene 50 kg 0,30 RM. 0,30 RM. Gießen, den 1. Dezember 1930. 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Auftriebszeit an beiden Markttagen von 8% bis 9% Uhr vormittags. Auf dem Rindoiehmarkt wird fämlliches Dich gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Gießen, den 6. Dezember 1930. Der Oberbürgermeister. ______I. V.: Dr. Rosenberg._____ Lag--Verpachtung. Die Gemeindejagd Bishards bei Gedern (Oberhessen), 1226 Hektar inklusive Feld und Wald, bestehend aus Jagdbezirk 1 und 2, soll am Samstag, dem 10. Januar 1931, nachmittags 2 Uhr, in der Wirtschaft des Karl Schmidt in Burkhards auf weitere sechs Jahre, beginne:b vom 1. Februar 1931 ab, meistbietend versteigert werden. Nähere Bedingungen werden im Termin bekanntgegeben. 8200V Burkhards, den 2. Dezember 1930. Hessische Bürgermeisterei. Kunkel. en dötail en gros Else Dittmar 8203 A Gießen, Löwengasse 20 Umtausch von Schafwolle u. Stricklumpen Reelle Bedienungl Gute Qualitäten! Allergrößte Auswahl I Billigste Preise! Nr. 286 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 6. Dezember (930 Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. -Zu Beginn der Woche war die Tendenz an der Börse etwas fester. Nachdem der Ultimo ohne Reibungen überwunden werden konnte, schritt die Spekulation in etwas größerem Ausmaße zu Neuengagements, zumal auch vereinzelte Aufträge vorgelegen hatten. Das Geschäft war aber nicht gerade sehr umfangreich und beschränkte sich in erster Linie auf einige Spezialgruppen. Es ergaben sich teilweise beträchtlichere Rursbesserungen. Die Kurse waren jedoch bald wieder etwas schwächer, nachdem die Deckungen nachgelassen hatten. Verstimmend wirkten vor allem wieder schwächere Auslandbörsen. Material kam jedoch in größerem Umfange nicht heraus, so daß die Verluste von nicht allzu großer Bedeutung waren. Einige Lpezialpapiere waren auch weiterhin gefragt. Die Grundtendenz bewies ihre Widerstandskraft. Als günstig gewertet wurden die Zunahme der Spareinlagen im Reiche und die Möglichkeit, daß die neuen Gesetze auch ohne Notverordnung untergebracht werden können. Eine gewisse Zurückhaltung und Vorsicht blieb jedoch bestehen, da man die Abstimmungsergebnisse hierüber abwarten will. Zum Wochenschluß tonnte sich das Geschäft noch nicht recht entfalten, doch war die Tendenz allgemein freundlicher, wozu vor allem die Ausführungen des Reichsfinanzministcrs im Reichstage beigetragen haben. Die Neuyorker Börse hatte wieder schwache Kurse gemeldet, was aber auf die Tendenz keinen sonderlichen Einfluß auSüben konnte. Die Kulisse verharrte immer noch in ihrer Zurückhaltung, da eine endgültige Bereinigung der innerpolitischen Lage vor Samstag nicht zu erwarten ist. Die allgemeine Lage wurde aber recht zuversichtlich beurteilt. Bei einem Vergleich der Kurse mit den der vergangenen Woche betrugen die Besserungen von 2 bis zu 7 Proz. Führend waren von internationalen Aktien Cvrnska mit plus 7 Mk. und Harpener mit plus 7 Proz. Deutsche Linoleum waren kaum mehr angeboten. Zeitweise machte sich _ für dieses Papier stärkeres Rück- deckungsbedürsnis geltend, und es trat ein Gewinn von 7*/z Proz. ein. Mehr im Vordergrund standen noch Salzdetfurth mit plus 81 '2 Proz., Westeregeln mit plus 6* 3 Proz., Siemens und Schuckert mit je plus 51, t Proz., Mannesmann mit plus 4’/g Proz., Aschersleben mit plus 6 Proz., Felten mit plus 5 Proz., Deutsche Erdöl mit plus 5'/, Proz., Schiffahrtswerte mit plus 4 Proz., und vor allem Reichsbankanteile mit plus 14 Proz. Letztere sollen von Auslandseite stärker gesucht gewesen sein. Am Pfandbriefmarkt war das Geschäft im allgemeinen still. Teilweise konnten sich auch hier kleine Besserungen ergeben. Am R e n - tenmarkt lagen von deutschen Anleihen Altbesitz bedrückt, während sich Neubcsih und Schutzgebiete etwas erholen konnten. Auch die Pounganleihc hatte wieder eine Aufwärts- bcw^gung zu verzeichnen. Von Aus'ändcrn bestand für Mexikaner Interesse. Am Devisenmarkt lag die Mark fest. Devisen waren eher ongeboten und schwächer. Wochenbericht vom frankfurter Produktenmarkt. Am Frankfurter Getreidemarkt bewegte sich das Geschäft weiterhin in engen Grenzen, und nur für Futtermittel erhielt sich in Anbetracht dec kalten Witterung, die eine verstärkte Etallfüttc- rung bedingt, das Intcreffe. Roggen stand in dieser Woche im Vordergründe des Interesses. Der Deimischungszwang von Roggenmehl zu Weizenmehl lieh eine etwas größere Amsahtätigkeit aufkommen, an der sich namentlich die niederrheinischen Mühlen etwas mehr beteiligten. Auch von süddeutschen Mühlen wurden einige kleine Käufe vorgenommen, so daß Zegen die Vorwoche «ine Erhöhung des Preises um 5 Mk. per Tonne eintrat. Weizen blieb Von den Ereignissen an den anderen Märkten vollkommen unbeeinflußt. Das Geschäft war äußerst schleppend. Gegen die Vorwoche gab der Preis um l’/s Mark per Tonne nach. Auslandweizen wurde nur in ganz feinen Qualitäten verschiedentlich etwas gekauft. Etwas mehr Nachfrage stellte sich für Brau- und Industriegerste ein, da im Hinblick auf die Zollerhöhung sich die Brauereien etwas mehr eindeckten. Die Preisbefferungen betrugen 3 bis 5 Mark per Tonne. Auch Hafer wurde von der Bewegung etwas mitgezogen und konnte sich um 2,50 Mark per Tonne bessern. Am Mehlmarkt lag Weizenmehl weiter sehr still. Trotz der Ermäßigung um 25 Pf. per Doppelzentner durch die Großmühlen konnte sich kaum Geschäft entwickeln. Die Forderungen der zweiten Hand bewegten sich um 0,50 bis 0,75 Mk. unter den Grohmühlenpreisen. Trotzdem die Preisspanne nicht unbedeutend ist, blieben die ilmfätje’ klein. Anders war es bei Roggenmehl. Hier konnte sich ziemlich lebhafter Handel entwickeln, da der bekannte Grund stärker anreg le. Die Forderungen lauteten l'/r Proz. höher. Fest lagen auch Futtermittel, besonders Weizenkleie konnte sich erneut stärker befestigen. Rogsenkleie war nur weniger befestigt. Auch für andere Mühlenfabrikate, wie Soyafchrot, Biertreber, Malzkeime, Trockenschnihel und Qelkuchen erhielt sich die festere Stimmung. Weizenkleie gewann erneut 1,25 Mk., Roggenkleie 0,50 Mk. Rauhfuttermittel wurden kaum beeinflußt. Hül- fenfrüchte und Kartoffeln unverändert. Am Weltmarkt ist die Lage nach wie vor recht unsicher, und nur lediglich das Aufhören der russischen Dumpingverkäufe ließ die Preise ziemlich unverändert notieren. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen in Mark (für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilogramm): Weizen (Hektolitergewicht 74 Kilogramm) 265, Roggen (Hektolitergewicht 70 bis 71 Kilogramm) 175, Sommergerste für Vrauzwecke 203 bis 215, Hafer (inl.) 155 bis 160, Weizenmehl, südd. 40,75 bis 42, do. niederrhein. 40,75 bis 41,75, Roggenmehl 27 bis 28, Weizenkleie 9,25 bis 9,50, Roggenkleie 8,75. Wochenbericht vom frankfurter Schlachtviehmarkt. Die Preisrückgänge der vergangenen Woche setzten sich nur noch zum Teil weiter fort. Das Geschäft bewegte sich wiederum in sehr engen Grenzen, da die bekannten Gründe weiter auf die Stimmung drückten. Der Auftrieb war teilweise wieder recht groß, so bei Schweinen. Der Handel war denn naturgemäß auch sehr schleppend. Die Preise lagen gegen die Vorwoche bis 2 Mark niedriger. Auf dem Rindermarkt war der Umsatz ebenfalls sehr klein, doch wurde der Marit nahezu geräumt. Größere Preisnachlässe hatten Kühe, die in den unteren Gattungen bis zu 3 Mark einbüßten. Bullen gaben 1 bis 2 Mark, Färsen und Ochsen je 1 Mark nach. Am K ä l b e r m a r k t machte sich nach den Rückschlägen der letzten Woche eine gewisse Reaktion bemerkbar. Allerdings muß man berücksichtigen, daß der Auftrieb erheblich geringer als in der Vorwoche war. Der Handel war jedoch auch hier ziemlich ruhig. Immerhin stellten sich, namentlich in den unteren Gattungen, Preisbesserungen bis zu 7 Mark ein, während beste und mittlere Tiere 1 bis 2 Mark anziehen konnten. Am S ch a f m a r k t machte sich der immer geringer werdende Auftrieb bemerkbar. Die Preise liegen hier, gegenüber den anderen Gattungen, auch in letzter Zeit immer sehr stabil, und konnten sich in dieser Woche weiter leicht bessern. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1543 Rindern, darunter befanden sich 251 Ochsen, 105 Bullen, 468 Kühe und 390 Färsen, ferner aus 1166 Kälbern, 376 Schafen und 6001 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 92 Rinder und 651 Schweine mehr am Markt, dagegen standen 327 Kälber und 80 Schafe weniger zum Verkauf. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 53 bis 55, a2) 48 bis 52, bl) 42 bis 47. Bullen a) 50 bis 54, b) 46 bis 49. Kühe a) 40 bis 45, b) 35 bis 39, c) 30 bis 34, d) 25 bis 29. Färsen a) 53 bis 55, b) 48 bis 52, c) 42 bis 47. Kälber b) 66 bis 71, c) 61 bis 65, d) 55 bis 60. Schafe al) 45 bis 48. b) 38 bis 44, c) 30 bis 37. Schweine a) 60 bis 62, b) 61 bis 63, c) 62 bis 64, d) 61 bis 63, e) 58 bis 60. » • Keine generelle Kündigung der Auswertungshhpotheken der S p ar- kaffen. Der Ausschuß für das Sparkassenwesen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes nimmt zu den Aufwertungsschlußgesetzen vom 18. 3uli 1930, insbesondere zu der Frage der Kündigung der Aufwandshypotbeken, folgende Stellung ein: Die Sparkassen sind, um auch von sich aus zur Beruhigung der Wirtschaft beizutragen, als gemeinnützige Anstalten bereit, den Zweck des Gesetzes zu unterstützen, die Fälligkeit der Hypotheken auf einen gewissen Zeitraum zu verteilen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband empfiehlt deshalb den Sparkassen, von einer allgemeinen Kündigung der Aufwertungshdpotheken zum l.Ianuar 1932 grundsätzlich Abstand zu nehmen. Er geht dabei von der Voraussetzung aus, daß die Fälligkeiten der restlichen Aufwertungsspareinlagen im Vcrordnungswege auf längere Zeiträume verteilt werden. Frankfurter Vörsc. Frankfurt a.M., 6. Dez. Tendenz: zurückhaltend. — Die Wochenschlußbörse verkehrte infolge der Zurückhaltung des Inlandes und der eher schwächeren Auslandbörsen in lustloser Hal- t u n g. In Anbetracht der bevorstehenden Abstimmungen in der heutigen Reichstagssitzung verhielt sich die Spekulation sehr reserviert, und da auch wiederum keine Austräge eingetrosfen waren und Anregungen ebenfalls nicht Vorlagen, bewegte sich das Geschäft in engen Grenzen. Die Grund- ftimmung war jedoch nicht unfreundlich und eine gewisse Widerstandsfähigkeit unverkennbar. Man beurteilt die politische Lage etwas ruhiger und rechnet mit einer knappen Regierungsmehrheit. Es wurden daher am Farbenmarkt in J.-G.-Aktien kleine Käufe vorgenommen, und dieses Papier hatte einen Gewinn von 1 v. H. zu verzeichnen. Im übrigen lagen die Kurse nicht ganz einheitlich, blieben jedoch meist gehalten. Am Clektromarkt gaben Siemens auf kleine Abgaben 1 v. S). nach. AEG. konnten sich dagegen um etwa 1 v. H. erholen. An den übrigen Märkten herrschte große Geschäfts st ille, so daß Erstnotierungen kaum zustande kamen. Gut behauptet eröffneten Süddeutsche Zucker, Karstadt, Metallgesellschaft und Bauunternehmungen. Banken lagen um Bruchteile eines Hundertteils niedriger. Bon internationalen Werten erhielt sich für Svenska weiter einiges Interesse, doch kam bei der geringen Geschäftslust zunächst fein Kurs zur amtlichen Notiz. Auch an verschiedenen anderen Märkten stockte der Verkehr fast vollkommen. Auch im Verlaufe trat keine Geschäftsbelebung ein. Die Kurse waren gegen Anfang im allgemeinen gut behauptet. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 v. H. angeboten. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1930 gegen Pfund 20,3625, London gegen Kabel 4,8565, gegen Paris 123,58, gegen Mailand 92,65, gegen Madrid 43,80, gegen Schweiz 25,0625, gegen Holland 12,0650. 'Berliner Börse. Berlin, 6. Dez. In Erwartung der für heute nachmittag angesetzten entscheidenden 'Abstimmungen im Reichstage (Gerüchte, daß die Abstimmungen auf Dienstag verschoben wurden, sind falsch), übte die Spekulationen im heutigen Bormittagsoerkehr und auch noch an der Vorbörse stärksteZurückhal- t u n g. Neuyork konnte sich gestern zwar gegen Schluß etwas erholen, auch die übrigen Auslandbörsen meldeten heute eher festere Kurse; bei den Banken lagen aber, wenn auch in kleinerem Umfange, immer noch Berkaussauftröge des Auslandes vor, die jedoch heute höher limitiert waren. So war die heutige Eröffnung zwar stimmungsmäßig eher etwas freundlicher, zumal die Spekulation nach den gestrigen Realisationen etwas mehr Aufnahmenei- gung zeigte, die Kursentwicklung war aber nicht ein- heitlich. Die Abweichungen gegenüber den gestrigen Mittag-Schlußkursen gingen bis zu 1,5 v. H. nach beiden Seiten. Das Geschäft war sehr klein. Erwähnenswerte Momente aus der Wirtschaft fehlten, auch die gestrigen Ausschreitungen in Berlin hatten keinen Einfluß auf die Kursentwicklung, da man als das wesentlichste des heutigen Tages eine Re- gierungsmehrheit bei den Abstimmungen im Reichstag ansieht. Deutsche Anleihen lagen behauptet. Ausländer völlig geschäftslos. Auch Pfandbriefe sehr still. Reichsschuldbuchforderungen konnten sich in späteren Fälligkeiten um eine Kleinigkeit (bis zu 0,25 v. H.) bessern. Der Geldmarkt scheint sich langsam entspannen zu können. Tagesgeld senkte sich auf 5,5 bis 7,5 v. H., Monatsgeld wurde mit 6.75 bis 8 v. H. genannt, und Warenwechsel stellten sich auf etwa 5,5 v. H. Auch der Verlauf war sehr ruhig, das Kursniveau kaum verändert. Es überwogen kleine Erholungen um Bruchteile eines Hundertteils. Polyphon konnten sogar 1,5 o. H. anziehen. Oenkmalsweihe in Darmstadt. Darmstadt, 3. Dez. Hier weihte di« ehemalige großherzoglich-hessische T r a i n a b t e i I n n g N r. 1 8 ein Denkmal für ihre gefallenen Kameraden des Weltkrieges. Zahlreiche Angehörige der früheren Trainformationen hatten sich dazu eingesunden, die befreundeten hessischen Regimentsvercinc hatten Abordnungen entsandt, der ehemalige Großl)erzog Ernst Ludwig nahm mit der Großherzogin Eleonore ebenfalls an der Feier teil. Zah'.rei che Vertreter der Behörden waren erschienen. - Don der ehemaligen Trainkaserne bewegte sich der Zug der Teilnehmer nach dem Denkmalsplatz in der Orangerie zum Akt der Denkmalsweihe, der cingd eitet wurde durch das Niederländische Dankgebet und die Begrüßungsansprache des Rittmeisters d. R. a. D. Dr Leuchs-Mack, Frankfurt, der eindrucksvolle Worte deS Gedächtnisses an die Gefallenen sprach, linier den Klängen des Liedes „3$ hatt einen Kameraden", unter dem Donner der Böllerschüsse und bei gesenkten Fahnen und Standarten fiel die Hülle des Denkmals. Im Anschluß daran hielt Stadtpfarrer Lautenschläger die Weiherede. Nach dem evangelischen Geistlichen hielt der Ehrenvorsitzende der Train- Vereinigung die Festrede, die einen eindrucksvollen Abschluß durch den gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes erhielt. Oberbürgermeister Mueller nahm sodann das Denkmal in den Schuh der Stadt, der Großherzog legte einen Kranz nieder, den Abschluß sand die würdige Feier durch den Vorbeimarsch der Vereine am Denkmal. Dem Weiheakt ging ein BegrüßungS- abend am Vortage voraus. Am Weihetag trafen sich nach der Feier die Kameraden im Saalbau zu einer großen Wiedersehensfeier. Spiclplan der Frankfurter Theater. Schauspielhaus. Sonntag. 7. Dezember, von 15.30 bis gegen 18 Uhr: Eharleys Tante: von 20 bis gegen 23 Uhr: Wie werde ich reich und glücklich? Montag, 8., von 19,30 bis gegen 23 Uhr: Geschichte Gottfriede ns von Derlichingen mit der eisernen Hand. Dienstag, 9.. von 15.30 bis gegen 18 Uhr: Geschloßene Vorstellung für Erwerbslo.e: Eharleys Tante: von 20 bis gegen 22: Der Mann, den sein Gewissen trieb. Mittwoch, 10., von 20 bis gegen 23 Uhr: Wie werde ich reich und glücklich? Donnerstag, 11., von 20 bis gegen 21.30 Uhr: Tartüff. Freitag. 12., von 19 30 bis gegen 23 Uhr. Geschichte Gottfriedens von Derlichingen mit der eisernen Hand. Samstag, 13., von 16 bis nach 18Ahr: Kaladu-Kalada: von 20 bis gegen 22 Uhr: Der Mann, den fein Gewissen trieb. Sonntag, 14., von 16 bis gegen 18 Uhr: Einmaliges Tanz-Gastspiel: Thery Schultheis: von 20 bis gegen 23 Uhr: Wie werde ich reich und glücklich? Opernhaus. Sonntag, 7. Dezember, von 15 bis 18 .Wir: Zar und Zimmermann: von 19.30 bis nach 22 älhr: Das Land des Lächelns. Montag, 8., von 19.30 bis nach 22 ülhr: Der Darbiev von Sevilla. Dienstag, 9.. von 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Simone Doccanegra. Mittwoch, 10., von 19.30 bis nach 22.30 chlhr. Zar und Zimmermann. Donnerstag, 11., von 19.30 bis nach 22 äähr: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Freitag, 12.: Geichlos'en. Samstag, 13., von 19.30 bis gegen 22.30 chlhr: Simone Boceonegra. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) F. A. Die Aiifwertungsvorschriften dienen vielfach nur der Zweckmäßigkeit, nicht der Erfüllung s i t t - l i ch begründeter Forderungen. Wir hallen Ihren Aufwertungsanspruch noch nicht für aussichtslos, wenn nicht das Gericht in etwaigem allzulangcn Schweigen den Erwerbern gegenüber einen Verzicht auf Aufwertung erblicken sollte. Ihr bisheriges Verhallen spricht für das Gegenteil. Bei Ihrem weiteren Vorgehen bedürfen Sie der Hilfe eines Aufwertungssachkundigen. 3. h. in St. 1. Rach § 226 Bürgerliches Gesetzbuch ist die Ausübung eines Rechts unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen (Schikaneoerbot). Der Nachbar darf Ihnen also nicht durch Errichtung eines hohen Holzstoßes das Licht nehmen. — 2. Auf Nachbargrundstücken dürfen nicht Anlagen (z. B. eine Kalkgrube) her- gestellt werden, wenn deren Bestand oder Benutzung das andere Grundstück gefährdet (§ 907 BGB ). Ob der Fall vorlleqt, können wir nicht sagen. — 3. Bei fruchtloser Aufforderung des Nachbarn steht Ihnen ein Klagerecht zu (Amtsgericht). Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zifferp geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o H., Lombardzinsfuß 6 o H Frankfurt a. M. Serlin Schluß- hirt 1-Ubr- fluni Schluß- tun Ansa. y flure- Datum 5 12 6 12 5 12 6 12 6% Deutsche ReichSanlethe non 1927 ........ 86,5 86,65 - 7% Deuiiche ReichSanlethe von 1929 ........ 98,5 _ 98,5 Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mit Auslol.-Rcchten . - 51,6 _ 51,6 51,6 Deigl. ohne AuSIof.-Rechte . . 6% Hell. Bolkdsloat von 1929 trüdiohlb. 102%) . ... 6 — 5,95 6 88,5 _ 88,5 Cbrrheiicn Provinz • Anleihe mit LuSlol.-Rechten ..... 50 _ _ Deutsche Komm. Sarnrnelabl. Anleihe Serie 1 .... 49,25 _ 49,8 _ 6?o ssranks. Lnv.-Bank (Soldpse XIII unkündbar die 1934 . . 98,5 _ 7% Krauls. L'yp .Banl Soldpfe unkünvbar bW 1932 92,25 !e Bergbau ...... 10 — — 168 169,75 69 — 69.5 70 Äöln-Äcuelien . ..... « < — — 80.75 81,5 Mannesmann-Röhren ... e • 70 — 70.4 70,9 — — — 38,5 Cbcrldilel Eisen de darf . . . . b — — — _ Lberschlej. flotsroerte . • • 7 — — 69 69,6 Pbonir Bergbau .... w —— — 62.13 Rheinische vraunkobieu . . 10 — —— 155 154.5 kbeinftüni ...... . 6 — —— 73,75 74,4 «iebeck «octo ...... •16 - - — - Frankfurt o M Serltn Echillß», 4urS 1-Ubr- fl re Echluß- lure Aniang- «ure Datum 5 12 6 12 5 12 6 12 Bereinigte Stahlwerke 65 — 64.75 64.75 Liavi Minen . . . . 16»/, — 33.65 33.5 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 150 — 150.5 152 Kaliwerke Üi'cireregeln . . . 10 152 _ 154 153 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 232,5 — 233,5 234,5 Z. G. ssarben.Indusme . . . 12 132,65 133,5 132,65 133.6 Tvnamit Nobel . . . . . . . 6 — 62,75 63,6 Echeideanllalt.... . . . . 9 128,5 — - Golojchmidt .... . . . . 6 43 — 43,25 43,5 RütgecSwerke .... . . . . 6 47 — 46.9 47 MetallgeieUlchaii. . . . . . . 8 83 83 83,25 Banknoten. Berlin, 5 ’D zember ^eld Erlei Amen'anilche Noten..... 4.179 4.199 Belgische Noten. ....... 58.32 58,56 Dänische Noten ........ 111.83 112.27 Englische Noten .«••••.. 20,322 20.402 Zranzosische Noten ....... 16.44 16,50 Holländische Noten ....... 168,26 168.94 Ztalienische Noten........ 21,91 21.93 Äormegi'che Noten....... 111,73 112,17 Teuiich-OeÜerretch, 1 100 Schilling 58,78 59,02 Numanlickie Noten....... 2,477 2.497 Schwedische Noten....... 112,25 112.69 Schweiler Noten........ 81,01 81.33 Spanische Noten........ 46.26 46.44 D'chechoslowakijche Noten..... 12,382 12.442 Ungarische Noten ....... 73.02 73,32 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a 2H. Philipp Holz nimm......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Gementwerk Karlstadt. ... 10 Wovb & fiteolap......8 Gdiultbets Patzenhoser . . . 15 Cftroetlc.........12 Alu...........18 Bemberg.........14 Zellstoff Waldhof .... 13*/« Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Cbarlottenburger Wasser . . . 6 Dessauer fflti . . ...... 0 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau A.-G. ..... 0 Rat. Automobil ...... 0 Lrenitein & Koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 10 Evenska .......... frankfurter Siaidjinra .... 4 <8 riyner .........t Hevligenltaedl ....... 6 Iungbans...... 6 Lechwerre..........8 Mainkraftwerke Höchss a. M.. . 8 Miag ........10 »ebr. Roeder.......y voig: & Haesfoer ...... v tzuddeunche Zucker • • . . r. 73,5 — 72 — - 72 — — — —— 47,75 48,75 — — — 174 175 — — 139 138 63 — 63,4 63.25 64 — 64.25 64.13 — — 105,5 105 — — 74 — — — 82 81.5 — — 110 111.25 24,5 — 25.13 25 108,75 — 108.25 109.4 — — 32,25 — — — — » - — — 44.5 — 114 — 115 115,5 287 — 287 287 13,5 12,5 — 24 — 25,25 — — — — 30 — 30 29,5 78,5 — — — —1* — - —— 61 — 62 — 83 — — — 150 — 159 — 136 135 137 - 5 Okzembet 6 Dezember Amtlich. «Seid Jiotrniny 3n- Amu.chr hontrung CTrif IPnr Ämft.» 'Hott. 168.59 163.93 168.61 168,95 Bn'n-Atres 1,432 1.436 1,432 1.436 Brsi-Antw 58.435 58.45 58,4h5 58.585 Gbriftianta ■ 112,00 112,22 112,00 112,22 Kopenhagen 112,02 112,24 112.03 112.25 Stockholm . 112.37 112.59 112.37 112.59 Hclltnllfors. Italien. . . 10.541 10.561 10,541 10.561 21,95 21.99 21.95 21.99 London. . . 20.337 20,377 20.341 20.381 Wcunort . . 4.189 4.197 4,189 4.197 Paris.... 16.46 16,50 16.457 16.497 Schwei; . . 81.145 81,305 81.145 81.305 Svani::t . 44.60 44.70 46.45 46.55 Japan . . . 2,076 2.080 2,076 2,080 'Xto de Ian Wien in T-° 0,398 0,400 0,396 0,398 CtiL abgeit 58,955 59,075 53,955 59,075 Prag . . . . 12.425 12.445 12.425 12,445 Pelirad . 7.409 7.423 7.409 7,423 Dndavlit. . 73.23 73,37 73,23 73.37 Bulwrien . 3,036 3,042 3.036 3,042 Lissabon 18,81 18.85 13,81 18,85 Danna. . . flonft .nttn. 81,32 81,85 81.35 81 .51 1.784 1,789 1,784 1.789 Süthen. . 5.427 4.189 5.437 5,427 5,437 Ennada 4.197 4.189 4.197 111'4 USD . 3.267 3.273 3.267 3.273 Cairo .. 20,86 20,90 20,86 20,90 Widersprüche beim Preisabbau. Kommuualpolrtischc Zeitbetrachtung. 3n steigendem Mähe beschäftigt sich die Oefsent- lichkcit mit den Auswirkungen der P r e i s s e n - kungKaktion der R e i ch s re g i e r un g. Auf zahlreichen Gebieten des Wirtschaftslebens such im Laufe der letzten Wochen schon mancherlei annehmbare Ergebnisse dieser Regierungs» arbeit zmage getreten. Wichtige Stoffe der Urproduktion, aber auch Erzeugnisse der weiterverarbeitenden Industrie und Gegenstände des täglichen Lebensbedar'es haben in der Preisgestaltung eine rückläufige Bewegung angetreten. Als Parallelerscheinung dazu sind eine Anzahl Gehaltsund Lohnabkommen durch teilweisen Abbau der Tarife neu geordnet bzw. zu diesem Zwecke zu den nächstnwglichen Terminen von der Arbeit- qebcrseite gekündigt worden. DMeben steht die Gehalts- und Lohnkürzung der Beamten und Angestellten der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden. Wir sehen also, daß sowohl von Arbeitgebern wie Arbeitnehmern aller Berufe, wie aud> von weiten Kreisen der Geschäftstvelt dem Bemühen der Reichsregierung zum Abbau der Preise Unterstützung zuteil wird. Dabei wurden bisher auch Opfer der eigenen Wirtschaftsgrundlage nicht gescheut in der richtigen Erkenntnis, daß nur durch eine allgemeine Senkung des Preisniveaus unserem Bolle und jedem einzelnen Volksgenossen zu helfen fein wird. Leider muh der Chronist unserer Zeit aber fest- stellen, dah die oben ausgezeichnete Front im Kampfe gegen das überhöhte Preisniveau an wichtigen ©'teilen durchbrochen wird. Und zwar sind es die Reichs - und Landesbehör- oen, wie auch die Kommunalverwaltungen, die durch ihre neueste Steuerpolitik einem Abbau der Preise entgegenwirken. Während unter dem Eindruck des Vorgehens der Reichsregierung von allen Seiten und täglich immer stärker eine wirksame und dauernde Ent- laftung unserer Wirtschaft und Lebenshaltung durch umfassenden Preisabbau gefordert wird, beschließen zu gleicher Zeit die gesetzgebenden Körperschaften in Reich, Staat und Kommunen neue Steuern und Erhöhung der Werktarife. Es wird niemand bestreiten, dah für die erheblich gestiegenen Wohlfahrts- lasten Deckung bereitgestellt werden muh, um das Gleichgewicht in den öffentlichen Haushalten zu erhalten. Man muh aber doch die ernste Frage aufwerfen, ob der jetzt eingeschlagene Weg der Steuer- und Tariferhöhung wirklichderein- zig mögliche war. In weiten Kreisen der Bevölkerung wird im Hinblick auf die Preis- äbbaubestrebungen mit gutem Grund die Meinung vertreten, dah die Deckung der zwangsläufig gediegenen Zürsorgelasten unbedingt aus Abstrichen an anderen Teilen der Haushalte hätten genommen werden müssen. Bei Kommunen von der Größe unserer Stadt und auch bei Heineren Gemeinden mag diese Möglichkeit vielleicht nur in geringerem Ausmaß vorhanden fein, da die Haushalte hier vielfach unter dem Zwang der Verhältnisse schon von vornherein auf äußerste Beschränkung zugeschnitten waren und seit der Aufstellung dieser Haushaltspläne die Lage noch wesentlich ungünstiger geworden ist. Viel leichter wäre die Möglichkeit zur Deckung erkwhter Wohlfahrtslasten durch verstärkte Abstriche am laufenden Haushalt beim Reiche und bei den Ländern vorhanden gewesen, da hier große Haushalte in Betracht kommen, bei denen schon eher Ersparnisse an den verschiedensten Titeln durchzuführen gewesen wären, wenn man an den entscheidenden Stellen die Dinge auch einmal gründlich unter dem Gesichtswinkel des vielgeplagten und steuerlich über alte Gebühr in Anspruch genommenen Bürgers angesehen hätte. Jedenfalls wird man sich in allen Regie- rungsstuben und Parlamenten darüber klar sein müssen, daß die neuen Steuer - und Tariferhöhungen nur dazu führen werden, die bisherige rückläufige Tendenz in der Preisgestaltung zu hemmen, oder sie gar — was sehr leicht möglich ist — völlig wieder aufzuheb en. Denn man kann doch nicht erwarten, oah der Industrielle, der gewerbliche Kaufmann oder der Handwerksmeister einerseits auf die Dauer den Preis für seine Produkte senken kann, während man ihm gleichzeitig auf der anderen Seite neue Lasten für die Reichs-, Staats- und Kommunalwirtschaft aufbürdet. So kann man einen vernunftgemäßen Gleich klang zwischen Preisabbau und Steuerpolitik nicht erzielen, den unser Volk doch so bitter nötig hat und dem auch wir ernstlich den richtigen Weg bereiten helfen mochten. Trotz der Hindernisse, die der Preisabbau durch die verkehrten (teuer- und tarispolitischen Maßnahmen der Regierenden erfährt, darf die Bewegung zur allgemeinen Preisverbllligung nicht zum Stillstand kommen. Dieses Ziel kann man aber nicht dadurch erreichen, daß man Prüfungskommissionen oder dergleichen untaugliche Dinge aus der Zeit der Zwangswirtschaft jetzt wieder aufleben laßt, wie es in Gießen von gewisser Seite vorgeschlagen wird. DaS allgemein erstrebte Ziel wird vielmehr nur zu erreichen sein, wenn man sich grundsätzlich vor jedem Eingriff in die wirtschaftliche Freiheit hütet, dagegen aber alles fördert, was geeignet ist. die Lösung dieses schwierigen Problems in ruhiger und sachlicher Arbeit zustandezubringen, Mißstimmung und gegenseitige Verärgerung aber hintanzuhalten. In der Kommune wird es vor allem unerläßlich sein, die jüngsten Erhöhungen der Steuern und Tarife spätestens mi t Ablauf dieses Haushaltsjahres wieder zu beseitigen. Darüber hinaus wird man darauf bedacht sein müssen, bei allerstrengster Sparsamkeit im nächsten Haushaltsjahr unter keinenLlm ständen die steuerliche Inanspruchnahme der Bürger, wie sie zu Beginn des gegenwärtigen Rechnungsjahres festgesetzt wurde, zu überschreiten, sondern sie zu mindern, da das Steuerausmaß zu Beginn des Rechnungsjahres 1930 bereits überaus hoch war. Freilich wird den Gemeinden bei einer derart umgestalteten Steuer- und Werktarifpolitik die verständnisvolle Unter» stühung des Landes und des Reiches zur Seite stehen müssen. Auch im Lande müssen die Gesetze der strengsten Sparsamkeit weit mehr als bisher befolgt werden. Es gibt in der hessischen Staatsverwal.ung unzweifelhaft noch eine Menge Dinge, die man beim Abbau der Ausgaben ernstlicher als bisher anfassen kann, ohne dabei lebenswichtige Interessen gefährden zu müssen. Freilich wird man mit mancherlei Dingen — zum Beispiel mit der ungewöhnlich hohen Subvention für das sog. Hessische Landes- Theater, in Wirklichkeit aber Darmstädter Stadttheater, ebenso mit dem riesig aufgeblähten Apparat der Zentralverwaltung in Darmstadt — etwas unsanft umgehen müssen. Daneben dürfte es auch wohl nicht zum Schaden des Landes sein, wenn man die Zahl der Landtagsabgeordneten nun endlich auf etwa die Hälfte ihres bisherigen Umfanges herabsehen und auch einmal nachdrücklich vonobenher mit der Reform der Verwaltung beginnen würde. Dabei dürfen auch Stellenbesetzungen in den Ministerien, die unter politischen Gesichtspunkten erfolgten, beim Abbau kein Hindernis sein, auch dann nicht, wenn diese Posten jetzt auf den Inhaber gesetzt sind! diese Einschränkung wird sicherlich kein Un- glück für das Land sein, jedenfalls sich nicht so schlimm auswirken, als wenn man den Mittelstand und die Wirtschaft in ständig steigendem Maße in Grund und Boden hinein besteuert und damit die Henne schlachtet, von der man immer noch die Eier erwartet. Was hier vom Lande gesagt ist, gilt in gleichem Ausmaß, ja vielleicht in noch dringlicherer Weise für das Reich. Vor allem müssen die maßgebenden Stellen des Reiches endlich in geeigneter Weise die Gemeinden von der steigenden Last der Betreuung der ausgesteuerten Erwerbslosen befreien. Gerade durch diese immer mehr angewachsene Belastung ist die Finanznot der Gemeinden in besonderem Maße entstanden. Diese Fürsorge, deren Ursachen doch in keiner Weise lokaler Art sind, sondern in der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung gesucht werden müssen, muß künftig als Deichsangelegenheit oder als Ausgabe der Är- beitslosenversicherung angesehen werden. Wenn die Gemeinden von dieser Belastung künftig verschont bleiben, wird ihre finanzielle Lage schon weit günstiger fein, als bisher. Daneben ist cs aber auch erforderlich, daß man der Gesetzgebungsmaschine im Reich und im Staate künftig mehr Feierschichten als bisher auferlegt und bei der Gesetzgebungsarbeit sich befleißigt, die finanzielleAuswirkung der Gesetze für die Folgezeit denen aufzubürden, die sachlich dafür zuständig sind, nicht aber alles ohne weiteres vom Deich oder vom Lande auf die Kommunen allein abzuwälzcn. Die maßgebenden Stellen iin Reich, Staat und Kommune müssen sich unter allen Umständen darüber klar werden, daß in den Rahmen der Preislenkungsaktion auch die Steuer- und Sozialpolitik wegen ihrer Auswirkungen auf die Gestehungskosten der Wirtschaft hineingehören. Wenn der Preisabbau von den Regierenden ehrlich erstrebt wird, müssen sich Steuer- und Sozialpoliti.k diesem großenZielunterordnen, und dabei darf man auch vor der größten SparsaEert-— die man sonst immer anderen Leuten empfiehlt — im eigenen Revier nicht zurückschrecken. Die Bevölkerung muß mit allem Rachdruck fordern, daß ihrem Verlangen auf Ges undung unserer Wirtschaft und dadurch bessere Gestaltung der Lebensverhältnisse auch gegen die Lauheit und Schwerfälligkeit der Regierenden Geltung verschafft wird. Der Preisabbau im Gewerbe und Handwerk. Texiilwaren-Vorbild des Preisabbaues! Aus Kreisen der Textilwarenbranche wird uns geschrieben: Es ist wirklich nicht verwunderlich, daß die Bewegung des Preisabbaues wie kaum eine andere Frage alle Gemüter aufgerührt hat und sie auch noch lange nicht zur Ruhe kommen lassen wird, denn es geht um die Möglichkeit, das verringerte und sich noch vielfach verringernde Einkommen mit den einfachsten Bedürfnissen des täglichen Lebens in Einklang zu bringen. Es ist ein langer, schmerzensvoller Weg, bis sich in den einzelnen Warengruppen die unterste Preisgrenze herausgebildet hat. Der Weg ist deshalb so lang, well bei der engen internationalen Verflechtung der Wirtschaft die Preisentwicklungen gegenseitig stark voneinander abhängig sind und sich erst allmählich durchsetzen können. Wenn das Endprodukt billiger werden soll, dann muß die Maschine billiger werden und billiger arbeiten, die Maschine fordert billigeres Eisen, das Eisen fordert die Kohle auf, die Kohle sagt, sie sei von den Frachten abhängig, und so geht der Kreistanz in allen einzelnen Gruppen weiter, und wir stehen zwischen echten und unechten Gründen mitten im Wirbel der Dinge. In diesem Durcheinander, in diesem Tohuwabohu, aus dem immer nur der Ruf „Preisabbau — Preisabbau" herausschallt, ist es nötig, die Erkenntnis für diejenigen Artikel zu scharfen, bei denen nach ehrlicher Ueberzeugung und unter Berücksichtigung aller Faktoren der Preisabbau sich in großen Zügen bereits durchgesetzt hat. Diese Gruppe ist die Textilindustrie, deren Erzeugnisse zum täglichen Bedarf gehören, denn sie versorgt uns mit Unter- und Oberkleidung, mit Strümpfen, mit allen Waren aus Wolle und Baumwolle, aus Flachs, Seide und Kunstseide. In dieser Industrie hat eine Weltkrise schon vor etwa zwei Jahren eingesetzt, als die Preise für die Rohstoffe anfingen zu sinken. Dieses Abgleiten der Rohstoifpreise hat sich fortgesetzt, so daß man heute nach Ansicht berufener Kenner der Weltmarkt Verhältnisse den Tiefpunkt der Rohstoffpreise schon überschritten hat. Hand in Hand mit dem Abgleiten der Rohstoff- Preise ging eine Lieber-Erzeugung in der ganzen Welt, hervorgerufen durch die technische Verbesserung der Maschinen, die mehr erzeugten, als Verbraucher da waren, sowie die allmählich finkende Kaufkraft. Es ergab sich also in der Textilwirtschaft schon vor Jahresfrist die Rotwendigkeit, oie Preise für Webwaren aller Art viel billiger zu gestalten, weil sonst die Absatzmöglichkeiten fehlten. Besonders in der deutschen Industrie, der durch immer neu aufgerichtete Zollschranken des Auslandes der Export fast unmöglich gemacht wurde, hat sich oie Textilkrise in schärfster Form preissenlend ausgewirkt. Infolge der lanaandauernden Absatzstockung sind auf Grund des ehernen Wirtschaftsgesetzes von Angebot und Rachfrage bei dem Lieberwiegen des Warenangebots die Preise bereits außerordentlich gesunken. Es kommt noch eins hinzu. Rirgends ist der Konkurrenzkampf so scharf wie im TextileiNAelhandel. Jedes Geschäft, das die Kundschaft anziehen und erhalten will, steht unter dem Druck der Sorge, sich von den Konkurrenten im Preis nicht unterbieten zu lassen. Diese völlig freie Konkurrenz aber ist die sicherste Gewähr dafür, daß die Versorgung des Publikums mit De- lleidungsgegenständen in der zweckmäßigsten und billigsten Bteise erfolgt, weil jeder Käufer die Möglichkeit hat, sich durch Preisvergleich bei den verschiedenen Geschäften selbst das Urteil darüber zu bilden, wo er am vorteilhaftesten kauft. Preisabbau der Schneider. Die Freie Schneider-Innung des Kreises Gießen bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: Die allgemein gebilligten Preissenkungsbestre- bungen der Reichsregierung wirken sich für das Handwerk und den Einzelhandel dadurch sehr drückend aus, weil die Verbraucherschaft mit ihren Aufträgen und Käufen stark zurückhält. Haben diese Kreise ohnehin am stärksten unter der Wirtschaftskrise zu leiden, so wird ihre Lage durch die allgemeine Austragszurückhaltung geradezu katastrophal. Dies trifft besonders auf das Wahschneiderhandwerk zu. Das Schneidergewerbe leidet ohnehin unter Der vielen sogenannten stillen Zell (Sommer- und Wintermvnate). Es müßte also jetzt mit den Herbst- und Winteraufträgen voll beschäftigt sein, leider ist dem nicht so. Während die größeren Betriebe ihre Gesellen nicht beschäftigen können, leiden die kleineren Meister und Meisterinnen oft selbst an Arbeitsmangel. Geschäftszusammenbrüche und bittere Rot in den Familien sind die Folgen. Unstreitig steht fest, dah auch die Kreise, die noch in der Lage sind, Bestellungen aufzugeben, nur deshalb zurückhalten, weil sie starke Preisrückgänge erwarten. Sie werden aber leider in ihren Hoffnungen getäuscht. Soweit das Maßschneidergewerbe die Preisbildung beeinflussen kann, nämlich in der Höhe der Gewinnspanne, ist es schon auf das äußerste Maß zurückgegangen, ja vielfach über das geschäftlich erträgliche Maß hinaus: find doch Llnterbilanzen beinahe an der Tagesordnung, und die Einkommen kleiner Meisterinnen und Meister liegen vielfach unter dem Gesellcn- lohn. Aus die Materialpreife, Stoffe und Futter, die Löhne und Unkosten hat das Gewerbe kaum Einfluß. Diese Gestehungspreise stehen aber noch mindestens 100 Prozent höher gegenüber den Vor- kriegspreisen. Das Schneidergewerbe ist sich vollkommen klar, daß für die geschwächte Kaufkraft dss Publikums die Preise zu hoch liegen und dah nur eine wesentliche Senkung derselben den Llmsatz merkbar steigern könnte. Das Publikum ist wirklich auf ganz falscher Fährte, wenn es die hohen Preise dem Schneidergewerbe zur Last legt Die Arbeitsnot und die große Liebersetzung im Schneidergewerbe hat feit Jahren einen Konkurrenzkampf entfesselt, bei den Preisabbau, soweit er im Bereich des Mögt lichen liegt, schon längst herbeiführte. Die Verbraucherschaft sollte sich dieser Tatsache nicht länger verschließen und ungesäumt ihre Aufträge an Winterkleidung erteilen. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 5. Dez. Ein Spenglergeselle und zwei Knechte aus einem Ort des VrmelsbergS standen unter der Anklage, teilweise allein, teilweise zusammen Diebstähle ausgeführt zu haben. Die beiden letzteren wurden nach umfangreicher Beweisaufnahme, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, freigespro«' ch e n, da ihre Schuld nicht einwandfrei fest- gestelll werden konnte. Der Spenglergeselle erhielt ein Jahr und eine Woche Gefängnis. Er war im wesentlichen geständig. Unter Ausschluß Der Oeffentlichkeit wurda gegen einen Dienftrnecht aus Der Wetterau toegeti Sittlichkeitsverbrechens verhandelt. Die Begründung des auf acht Monate ®efängni8 lautenden Urteils ergab, dah er sich an einem achtjährigen Mädchen vergangen hatte. (Schluß des redaktionellen Teils.) Mittelmeer- und Orientfahrten von Lloyd und hapag. Don den deutschen Schiffahrtsgesellschaften Ham- burg-Amerika-Linie, Hamburg, und Norddeptfcher Lloyd. Bremen, wird das Programm ihrer für die Monate Januar bis Juni 1931 in Aussicht genomme. nen Mittelmeer- und Orientfahrten bekanntgegeben. Verschiedentlich weisen die Reiseprogramme gegenüber den Vorjahren Steuerungen auf. 1558V Sparen und genießen find zwei Dinge, die scheinbar schwer unter einen Hut zu bringen sind. Aber trotz Der geldarmen Zeit braucht man sich den Genuß eines guten Tropfens nicht zu versagen, wenn man nach alter erprobter Sitte feine Schnäpse mit Reichel-Essenzen selbst herstellt. 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Die Ligareserve muh zum Der andSspiel nach R.-Weisel und mühte auf Grund ihrer letzten Leistungen Sieger werden, hauptsächlich dann, wenn die Mannschaft in stärkster Ausstellung antritt. Zu berücksichtigen haben die Giehener nur die nicht gerade idealen Platzvcrhältnisse in Rieder-Weisel. Die dritte Mannschaft darf die Begegnung in Bieber auch nicht auf die leichte Schulter nehmen, wenn fie ihre Spitzenstellung nicht gefährden teilt Die Mannschaft ist zur Zeit in recht guter 8ct.it und man wird nicht fehlgehen in der Annahme, dah sie auch von Bieber siegreich zurück- kehrt. Die vierte Mannschaft spielt vormittags auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe gegen Garbenteichs zweite und wird sich dabei die Punkte nicht entgehen lassen. Den Stürmern ist aber anzuraten, sich etwas mehr um Schuhsicherheit zu bemühen, damit auch die Llebcrlegenheii int Feld spiel int Resultat besser zum Ausdruck kommt. Die Jugend hält ihren ersten Wandertag ab. Die ^l-Iugend trifft sich in Lollar, die AII- Ougend in Butzbach. D.e Schüler in den frühen Mittagsstunden nach vorausgegangener Wanderung zu kurzen Spielen in Gießen auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900. Fußballklub 1926 Großen-Duseck. Die Ligamannschaft des FC. 1914 ..Teutonia" Lauoach ist morgen int Berbandsspiel in Großen- Duseck Gegner des FC. 26. Beide Bereine stellen in bie'er Spiclserie zum erstenmal Ligamannschaften, die in der Bezirksklasse II deS Bezirks tes'en-Hannover int Gau Giehen-Wetzlar um die unkte kämpfen. 3m Dcr'piel siegle Grvhen- useck in Laubach mit 1:0 Toren. Wenn es der Platzmannschaft auch int Rückspiel gelingen sollte, die .Teutonen" zu schlagen, so ändert sich der Tabcllenstand we entlich. Mit etwas Geschick und Spiclsreunde mühte es der Dusccker Elf gelingen, als Sieger aus diesem Spiel hervorzugehen. Sandball der Sp.-Dg. 1900. Der kommende Sonntag ist für 1900s Handballer von entscheidender Bedeutung. Es wird wahr'cheinlich die Frage beantwortet werden, Wer den Lahnkreis bei den kommenden Spielen um die Dezirksmeisterschaft zu vertreten hat. Es stehen die Heiden aktiven Mannschaften des BsL. Wetzlar den gleichen der Spielvcreinigung 1900 gegenüber. Die Entscheidung liegt naturgemäß bei den ersten Dertretungen der genannten Der- eirie. Da man die am vergangenen Sonntag zwischen Wetzlars erster und 1900s zweiter Els als Gesellschaftsspiel ausgetragene Begegnung zunächst noch unberücksichtigt lassen muß, ergibt sich für beide Kontrahenten Punktgleichheit.Wenn man nun berücksichtigt, daß die Svislstärke in diesem 3ahr von seltener Ausgeglichenheit ist (das Vorspiel in Wetzlar endete knapp 3:2 für die Platz Besitzer >, wird die besondere Rote des Treffens klar. Eine Boraussage läßt sich unter die'en Umständen nicht machen. — Das Spiel der zweiten Mannschaften ist in erster Linie eine Prestige-Angelegenheit. Die Giehener werden zu beweisen haben, daß ihre Niederlage beim Borspiel nicht ganz den Kräfteverhältnissen entsprach. Die erste 3ugendmannschaft weilt bei der gleichen des Turnvereins Hausen (Kreis Giehen), und die 1900er werden alles daransehen müssen, um ehrenvoll abzuschneiden. Handba'l an der ltniversität Gießen. Auf die Ausschreibung des Amts für Leibesübungen der Universität Gießen hin meldeten acht Korporationen. Die Spiele werden in zwei Gruppen durchgeführt. Die Gruppensieger ermitteln unter sich den Universitätshandballmeister. Ueber die Aussichten der einzelnen Verbindungen zu urteilen, wäre verfrüht, da ja von Semester zu Semester die Spielstarken der Mannschaften sich ändern. Auf alle Fälle sind recht harte Kämpfe zu erwarten, denn manche Korporation verfügt zur Zeit über gute Kräfte. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Nachdem das erste angesehte Spiel um die Dezirksmeisterschaft der 1. Klasse infolge Platz- Überschwemmung nicht ausgetragen wurde, findet das erste Treffen zwischen Giehen I und Raunheim I am kommenden Sonntag in Raunheim statt. Beide Gegner treten in stärkster Aufstellung an. Eine Borhersage bei dem gleichen Kräfteverhältnis ist kaum möglich. Um die Dezirksmeisterschaft der 2. Klasse stehen sich Watzenborn I und Leun I in Watzenborn gegenüber. Auch in diesem Spiel dürften die Einheimischen, nach ihrer im Spiele gegen Hachborn gezeigten Leistung am Borsonntag, als sicherer Sieger den Platz verlassen. Wiescck I hat zu einem fälligen Rückspiel die erste Mannschaft von Oppenrod zu Gast. Obwohl der Platzbesiher in veränderter Aufstellung antritt. sollte ihm der Sieg doch nicht zu nehmen fein. Vorher stehen sich die erste Jugend Rödgens und die 3. Jugend des Plahbesitzers im Freundschaftsspiel gegenüber. Grünberg I spielt gegen die lb-Mannschast von Wieseck in Grünberg. 3n diesem Spiele dürften die Gäste ein Plus haben und alÄ Sieger den Platz verlassen. Auch im Spiele Grünberg Jugend gegen Wieseck I Jugend dürften die Gäste die besseren sein. Marburg II und Rüdingshausen 1 tragen in Marburg ein Pflichtspiel aus. dessen Ausgang nicht vorauszusagen ist. Frankenbach ist in Sichertshausen zu Gast und wird wohl wenig Hoffnung auf einen Sieg setzen können. Launs- 6ad) I und Wißmar I werden sich in LaunSbach als Rachbarn eine Art Lokal-Derby liefern, das interessanten Derlauf nehmen dürfte. Germania Allerlshaufen — Burkhardsfelden 1:1. Am Sonntag weille die Reulingsmannfchaft des Fußball-Klubs „Germania" Allertshausen zu einem Freundschaftsspiel in Burkhardsfelden und spielte gegen die zweite Mannschaft des dortigen Vereins unentschieden 1:1. Am Sonntagvormittag findet in Giehen die Jahresversammlung der Dezirks- Schiedsrichtervereinigung statt. Rach Entgegennahme des Jahresberichtes, eines Referates des Kreis-Schiedlrichterobmannes und Erledigung der Wahlen wird die Tagung sich noch mit dem Ausbau der Schiedsrichterbewegung befassen. Die Handball-Schiedsrichter tagen am Samstagabend in Giehen. Rausch-Hürtgen abermals Sechstagesieger. Das dritte Kölner Sechstagerennen endete am Donnerstagabend mit dem erwarteten Siege der Kölner Rausch-Hürtgen, die damit zum zweiten Male in dieser Saison erfolgreich sein konnten. Die letzten Stunden verliefen ziemlich ereignislos und brachten nur den schwächeren Paaren Rundengewinne. Die Gesamtstrecke betrug 3086 Kilometer. Das Schlußergebnis: 1. Raufch^lürtgen 196 P.; zwei Runden: 2. Gebr. van Kempen 432 P, 3. Rieger-Kroschel 153 P.: drei Runden: 4. Pijnen- burg-Frankenstein 266 P., 5. Ehmer-Tietz 159 P.; fünf Runden: 6. Oszmella-Meyer 171 P.; sechs Runden: 7. Krewer-Thollembeek 131 P.; sieben Runden: Damm-Dumm 100 P. Bekannte Rennfahrer in Frankfurt. Der zweite Renntag in der Frankfurter Fest- Halle am heutigen SarnStag bringt eine noch bessere Besetzung als am ersten, in zeder Hinsicht gelungenen Tage. Drei Strahenfahrer von Rang bestreiten ein Omnium: Leducq (Frankreich), der Sieger der Tour de Franc« 1930; Buse, der Gewinnet der Deutschlandrundfahrt 1930, und Adolf Schön (Wiesbaden). — Den Mittelpunkt deS Renntages dürfte aber wieder ein 75-Kilornetcr- Mannschaftsrennen bilden, für das bislang die Paare Rausch Hürtgen, Ehrner Tietz, Krüger/ Funda, Knappe Junge und Dempsey, (Lider verpflichtet wurden. Kurze Sportnotizen. Badens Tennisranglifte wird bei den Damen von Frl. Weihe, bei den Herren von Dr. Buß-Mann- Heim angeführt. Frankreich — Spanien lieferten sich einen Tennisländerkampf in Barcelona, den die Franzosen mit 9:1 Punkten gewannen. e Amerikas Kunstlaufmeister, Roger F. Turner und Miß Maribel Vinson, werden sich im Februar an den Kunstlaufweltmeisterschaften in Berlin beteiligen. Australiens Hockeydamen, die gegen Deutschland 2:3 verloren, siegten jetzt gegen Holland mit 3:1. * Vienna Wien hat den englischen Tabellenführer Arsenal zu einem Spiel herausgefordert. Das Wmterpwgranim des Gießener Lisverems. Auf Schlittschuh und Rollschuh. In einer kürzlich stattgefundenen Besprechung mit dem Vorstand des füdwestdeutschen Eislaufverbandes wurden die von Gießen übernommenen Meislerschaftskämpfc tm Eisschießen und Eisschnellauf auf den 24. und 25. Januar festgelegt. Der Eisver- ein bietet damit zum ersten Male der Gießener Einwohnerschaft Gelegenheit, eine sportgerechte Eis- Veranstaltung kennenzulernen. Das Eisschießen wird von schätzungsweise 12 bis 15 Mannschaften bestritten werden und auf fünf Bahnen stattfinden. Die Eisschnelläufe gehen über 500, 1000 und 3000 m, die auf einer 400 m langen ovalen Bahn gelaufen werden. An allen Wettkämpfen werden auch Mannschaften und Mitglieder des hiesigen Eisvereins teil- nehmen. Allen find diese Kämpfe in ihrer sportgerechten Durchführung etwas gänzlich Neues, aber auch dies wird überwunden werden.und in kommenden Jahren ist dann bamfb zu rechnen, daß auch bte Vertreter Gießens im Eissport an erste Stellen kommen. Verbunden mit diesen Verbandsmeisterschaften, werden die vereinsofsenen Kämpfe im Kunstlauf und Schnellauf von den Schülerstufen bis zu den Aktiven burd)- gefiihrt. Diese Veranstaltung ist in dem langen Winter 1928'29 erstmalig wieder nach dem Krieg unter guter Beteiligung aufgezogen worden. Dies- Oer Sport im Reiche. Weihnachten steht vor der Tür, und tote immer erfährt der Sportbetrieb in dieser Zeit stets eine beträchtliche Einschränkung. Doch die Rasenspvrt- ler können jetzt noch keine Pause einlegen, sondern müssen vielmehr jeden Spieltag nützen, um später nicht Terminschwierigkeiten ausgesetzt zu sein. 3m Fußball wird sich daher am Sonntag auf allen Plätzen ein lebhaftes Treiben entwickeln. Der bisherige Berlauf der Meisterschaftsspiele ist in allen Verbänden ohne größere Störungen glatt vonstatten gegangen. Früher als sonst beginnen die Schlußkämpfe, die allenthalben interessant zu werden versprechen. — 3m Hockey hebt sich von den übrigen Spielen die letzte Silberschild-Ausscheidung zwischen den Dcrbands- mannschaften von Süd- und Westdeutschland in Frankfurt a. M. ab. — Mit Aufmerksamkeit wird man im Rugby das Abschneidcn des SC. 1880 Frankfurt auf seiner Englandreise verfolgen. Die Frankfurter spielen schon am Samstag gegen die Orford Greyhounds und sind am Montag in London bei den Old Alleynians zu Gast. — 3n der Halle treten im Tennis Blau-Weiß Berlin und die lllhlenhorster Klipper in Hamburg zusammen. Unter schützenden Dächern entfalten auch die ©d>to immer eine eifrige Tätigkeit. Westdeutschlands Damenelite mißt sich beim 3nter- nationalen von Rhenus Köln mit Hollands Meisterinnen. 3m Berliner Wellenbad finden gut- besetzte lokale Wettkämpfe statt. Das erste sportgerechte Hallenbad in Budapest wird am Sonntag mit einem internationalen Fest der Oeffent- lichkeit übergeben. — 3m Lager der Turner werden auf den Kreistagen neue Pläne für die Zukunft geschmiedet. 3n Berlin, Stettin und Essen werden die sogenannten „kleinen Kreis- hirntage“ abgehalten. Während der Wintersport im Freien raxß feiern muß, ist man im Eishockey in der günstigen Lage, schon jetzt Wettspiele austragen zu können. Auf der Kunsteisbahn im Berliner Sportpalast führt der Berliner Schlittschuh-Klub mal wird aber mit einer größeren Teilnehme rz a h l und besseren ßei ft ungen zu rechnen fein, da der neueingeführte Rollschuhsport gute Vorarbeit leistet. Erstmalig soll dann auch ein Eishockeyspiel gegen eine Frankfurter Mannschaft gezeigt werden. Dieses schnellste Mannschaftsspiel hat sich in den letzten Jahren in Deutschland eine große Anhängerschaft gewonnen, bestehen doch in Berlin allein jetzt 80 Mannschaften. Die Gießener Mannschaft wird ja wohl noch als Anfänger schlecht abschneiden, dürfte aber durch die Freundschaftsspiele viel lernen. Rebenher pflegt der Gießener Eisverein den Rollschuhlauf. An den viermal wöchentlich abgehaltenen älebungsstunden wird eifrig im Kunstlauf geübt, und manchem, der auf dem EiS seine Figuren nicht zuwege brachte, gelingt hier die vorbereitende Hebung. Die Gishockeyspiele werden ab nächster Woche ihre Vorübungen auch auf Rollschuhen durchführen. Sobald die Technik der hiesigen Läufer konkurrenzfähige Formen angenommen hat, soll dann eine größere Rollschuh- Werbeveranstaltung steigen. 3m Verein mit Frankfurter und Remscheider Sportkameraden wird dann in der Dolkshalle oder vielleicht schon auf Freilustbahn ein kleiner Wettbewerb durchgeführt werden. Aus allem ist ersichtlich, daß man im Gießener Eisverein bemüht ist, dem von ihm vertretenen Zweig des Wintersports die rechte Geltung zu verschaffen. (Man beachte die gestrige Anzeige.) am Samstag und Sonntag Kämpfe gegen Englands Rationalmannschaft durch. Hochkonjunktur ist im Radsport, wo die zahlreichen deutschen Winterbahnen ihre Veranstaltungen schon an den Wochentagen unterer in gen müssen. So sind am Samstag Hallenrennen in Frankfurt a. M., Stuttgart und Köln angczeigt. Am Sonntag veranstalten Breslau und Dortmund Berufsfahrer-Rennen. Einigung im deutschen Radsport. Zusammenschluß in der „Deutschen Radfahrerschaft". Was bisher unmöglich schien, scheint nun endlich zu werden, denn die Einigung im deutschen Radsport ist so gut wie vollzogen. Die Entscheidung fiel in der Sitzung der Sportkommission des Vereins Deutscher Fahrrad Industrieller in Leipzig mit den Vertretern des Bundes Deutscher Radfahrer und der Vereint- gung Deutscher Radsportverbände. Der gleiche Vertrag, der vor zwei Jahren abgelehnt wurde, fand diesmal Annahme, nachdem über alle Streitpunkte, die damals die Einigung scheitern ließen, im Verhandlungswege gegenseitiges Einverständnis erzielt werden konnte. Während die VDRV.-Vertreter Bergmann (Leipzig), Haas (Bamberg) und Schirmer (Hannover) den neuen Vertrag bereits unterschrieben haben, mußten die Bevollmächtigten des BDR., Frenzel (Leipzig) und Budzinski (Berlin) die Unterzeichnung noch zurückstellem um den Beschlüssen der Hauptversammlung des Bundes am Samstag und Sonntag in Dessau nicht vorzugreifen. Die radsportliche Einheitsfront wird unter der neuen Bezeichnung „Deutsche Radfahrerschaft (DR.)" erfolgen, die nicht nur die Lizenzen austeilt, sondern auch die Sportgesetze festsetzi und den Terminkalender aufstellt. Die VDRV. wird damit Mitglied der UCI und der Alliance Internationale de Tourisme und wird in diesen Weltverbänden vertreten fein. Die Einteilung der Aktiven in zwei Gruppen, Amateure und Geldpreisfahrer, wird beibehalten. Die Vertragsdauer ist zunächst auf zwei Jahre bemesien. Rundfunkprogramm. Sonntag. 7. Dezember. 7.15 Ußr (von Hamburg): Hafenkonzert. 8.15 (Hürzweller-Saar): Katholisch? Morgenfeier. 9.15: Dortragsstunde von Max Koninsli: Kurzgesch ch- ten. 9.45 (Braubach). Stund« des ChorgcfangS. 10.30: Laienmusik. „Was singen und spielen wir zu Weihnachten?" Gespräch zwischen Helma Au- tcnrieth-Schlcußner und Hans Rosbaud. 11.15: .Wohin gehe ich Skilaufen?" Vortrag von Dr. Walter Ding. 11.45: Einführung in das 5. Montagskonzert: Crstaufsührung der 1. Sinfonie von Bernhard Selles ('Bernhard Selles und HanS RoSbaud). 12: Mittagskonzert. 14: Stunde der 3ugend. 15: Stunde des Londes. 16.15 (München): Konzert des großen Rundfunkorchester-. 17.30: Schallplattenso zert. 18: .Die geschichtlichen Grundlagen des Saacproblerns". Vortrag von Stu- dienprvfessors Dr. Kloevekorn, Saarbrücken. 18.25: Oscar Maurus Fontana lieft aus eigenen Wertem 19.30: 3oachim Ringel nah Loft aus eigenen Werken. 20 (Rationaltheater Mannheim): Ariadne auf Raxos. Oper in ei en Aufz g: mit ei e n 03:r Piel von Hugo von Hofmannst-al. 22.45: lllnterhal- tungskonzert. Montag, 8. Dezember. 7.30 lllhr: Frühkonzert. 11: Promer.adenkonzert deS Frankfurter Konzertorchesters. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: .Die Beschäftigung erwerbsloser 3ugendlicher". Vortrag von Stadlrat Else Alken. 16: Rachnittagsko z r, des Rundsun orche- sters. 18.05: „Eine muülalt che Reise um d'.eWclt", Vortrag von Dr. Wilhelm Heinitz, Hamburg. 18.35: Eine Viertelstunde Deutsch. 19.C5: Englischer Sprachunterricht. 19.30 (Großer Saal des Saal» baues, Frankfurt a.OK.): 5. Montagkkonzert deS Frankfurter Orchestervereins. 21.15: Zeit bericht: Sowjet-Parteikongreß in Moskau. 22: Zentral- Olotrufanlag». 22.40: Tanzunterricht. 23.10 bis 24: Tanz- und Unterhaltungsmusik. Dienstag, 9. Dezember. 7.30 ilßr: Frühkonzert des Rundfunkquinte'.tS. 11 bis 12 (Wiesbaden): Frühkonzert am Kochbrunnen. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Haus- frauen-Rachmittag. 16 bis 17.45 (Kassel): Konzert des Musiklorps des 3. Jäger-Batts. 15. 3ns.-Rcgt. 18.05: .Der Trierer Bezirk in seiner regionalem Bedeutung und Verflechtung". Vor.rag von Sub- direktor Funk, Trier. 18.35: ..Das Weich eldelta". Vortrag von Prof. Dr. Erich Wunderlich 19.05: Ein Tag der Arbeit. Musikalisch literarische Stunde. 19.50: Blasmusik des Philharmonischen Diäserorchesters. 20.30 (von Wien): Wir hören Lebens Vorgänge. Ein Run'.fnnk-E7bellm:ntaloor- trag. 21 (Karlsruhe): Musikalische Versuchsstände zur Prüfung funkgeeigneter 3nstrumentation. Mittwoch, 10. Dezember. 7.30 iH)r: Frühkonzert auf der Kino-Orgel. 10.20: Schulfunk. .Arbeit und Aufgaben der Polizei", Vorttag von Polizeidirektor Dittmar, Offen- vach. 11 (Wiesbaden): Frühkonzert am Kochbrun- nen. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Stunde der 3ugend. 16: Konzert iesRvn.funkolchrsiers. 18.05: .Frau und Gesellschaft in ©üOamerita", Vortrag von Erna Pinner. 1835 (Mannheim): ..Das Klei..- portrait in Plastik und Malerei", Vortrag von Prof. Dr.-F-Walter. 19.03, Pädagogischer Vortrag von Professor Dr. F. Walter. 19.30: Die Instrumente des Orchesters. 20: Richard Wagner in Paris. 21.15: Die Passiva ter Insclmenschen. Hörfolge mit friesische Musik. 22,30 bis 23.15: Konzert auf zwei Klavieren. Donnerstag, 11. Dezember. 7 30 ilßr: Frühkonzert des Rundfunfquintelts. 11 (Wiesbaden): Frühkonzert am Kochdrunnen. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Stunde der 3u- gend. 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters 18 05: Zeitfragen 18 33: „Vo.n W sen der Sta^t Frantfurl , Vortrag von Otto Ernst Sutter, Frankfurt. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30 (Freiburg): Konigslinder. Märchenoper in drei Aufzügen. 22.45: Chansons, gelungen von Rolf Ghcttberg, Berlin. 23 bis 24: Unterhaltungsmusik. Freitag, 12. Dezember. 7.30 älhr: Frühkonzert. 11 (Wiesbaden): Früh- konzert am Kochbrunnen. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: „Ein Vater kommt in die Sprechstunde", Gespräch zwischen 3ngenuur Waldemar Scheyrer, Wiesba-en-Btebrich, und Rektor K. Wehrhan. 15.25: Eine Führerbesprcchung als Reportage durch 3ugen6Ieiter Willi Obländer. 13 (Kurhaus Wiesbaden): Konzert des Kurorchestcrs. 17.55: „Theaterkrife vom Schauspieler aus gesehen. Statistisches und Erlebtes', Vortrag von Wolfgang Kaehler. 18.05: Buch und Film. 18.35 (Freiburg): „Wissenswertes für den Rundfunkhörcr aus d.m Gebiet des Funkrechts ', ein Ge präch ztoisch:n Po- l'.zeihauptmann Kamp und Ernst Brügger. 19 05: Äcrztcvortrag: „Kann man vorzeitigem Altern Vorbeugen?" 19.30: Wiener Mu i?, gespielt vom Philharmonischen Orchester Stuttgart. 20: Der erste Schuß. Hörspiel von Erich Roether. 21.15: Liederstunde. Luise Richartz. 21.40: Gastkonzert. Samstag, 13. Dezember. 7.30 (Gießen): Militärkonzert des Musilkorps des l.Hess. Grenadier-Bataillons 15. Znf.-Regts. Gießen. 10.20: Schulfunk: Englisch. 11 (Wiesbaden): Frühkonzert an Kochbrun.en. 12 20: Schallplattenkonzert. 14.30: S.unue der Jugend. „Zum Andenken an den Weltenbummler Kurt Faber". 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17 (aus einem Privatharlle in Stuttgart): Alte Hausmusik. 18.05: „Die Rot der Jugend", Vortrag von Frau Professor Lilli Rötting. 18.35: „Der Kampf des Handwerks im kapitalistischen Zeitalter". Vortrag von Privatdozent Dr.A.Wagner, Marburg. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Vortragsstunde von Hans Reimann. 20.15: Das Modell. Operette in drei Akten. 23.05 bis 24: Tanzmusik. Sprechstunden der wcocution. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts ft eile zu richten. rRullrirhSali Sodbrennen V ■wee WWfw 25ogr.o.6o. Tabletten 0.25 u.1.50 Erhältlich LApotfiehn u. Drogerien Vertrieb fUSA. 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