Nr. 253 Erstes Blatt 180. Jahrgang Montag, b. Oktober 1930 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertag» Beilagen: Vie Illustrierte Bietzen« FamilienblLtt« Heimat im Bild Die Scholle monatt Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen ein-j einer mumm em infolge höherer Gewalt. lfernsprechanschlüfie anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Sranlfurtam Blain 11686. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitüt§-Vuch' und Steindruckerei R. Lange in Stehen. 5christlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 2011 „ mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Ma; Filter, sämtlich in Gießen. FurchtbareExplosionskatastrophe des englischen Riesenlufischiffsiri04 Auf der Fahri nach Indien von schweren Regenböen in der Rahe von Paris zu Boden gedrückt und in Flammen aufgegangen.— Fünfzig Todesopfer. — Rur acht Mann der Besatzung gerettet. Oie erste Meldung. Paris. 5.Ott. (121.) Das englische Luftschiff „R 101“, das gröhle Luftschiff der well, das am Samstagabend zur Fahrt nach Indien auf- gestiegen war, ist in der Rahe von Allonne bei Beauvais, etwa 150 Kilometer von Paris entfernt, am Sonntagmorgen gegen 2 2lhr ver- unglückt. Das Schiff flog in der Dunkelheit gegen einen Hügel und explodierte. Von 66 Personen. die sich an Bord des Luftschiffe» befanden, kamen 50 in den Flammen um. Acht Personen der Befahung wurden schwer verletzt in das nächste Krankenhaus eingeliefert. Unter den Toten befinden sich der englische Luftfahrtminister Lord I h o m s o n. der Leiter des englischen zivilen Flugwesen» Sir Sefton-Brancker und der Kommandant de» Luftschiffes. Bon den Passagieren de» Luftschiffes wurde keiner gerettet Oie Katastrophe. Gegen den Boden gedrückt. — Eine furchtbare Explosion — Tas Riesenluftschiff in Flammen. Paris. 5. Ott. (Tel.-Un.) Das englische Luft- schiss „R. 101“ stieg am Samstag um 20 Uhr in Lardington mit 66 Personen an Bord zu der schon seit langer Zeit geplanten Fahrt nach 3 n - dien auf. Infolge des über ganz England und Nordfrankreich lagernden Tiefs waren die Wetterverhaltnisse wenigstens für den Beginn der Fahrt keineswegs besondersgünstig. Aus diesem Grunde kam das Luftschiff auch v e t - hattnismätzig langsam vorwärts und erreichte erst Sonntagfrüh gegen 2 Uhr die Stadt Beauvais, die etwa 15 0 Kilometer nördlich oo n Paris liegt. Die Ungunst des Wetters zwang das Luftschiff, verhältnismähig niedrig zu fliegen. Etwa 1,2 Kilometer füdlich von Beauvais bei der kleinen Ortschaft Allonne wurde die „R. 101“ von einer Bertifalböe plötzlich gegen den Erdboden gedrückt. Die unmittelbare Folge war die Explosion der Brenn st offtanks, worauf das Luftschiff in Flammen aufglng. Der ersten Explosion folgte bann kur; daraus eine zweite. Gegen 2 Uhr morgens wurden die Bewohner von Beauvais durch den Lärm mehrerer 2Uo- toren aus dem Schlafe geweckt. Als die Leute die Fenster öffneten, bemerkten sie das große englifche Luftschiff, das fehr niedrig flog und von Rorbroeften her aus bet Richtung Abbeville kam. Trotz bes Regens unb bichten Nebels zeichnete sich das Luftschiff mit feinen roten unb grünen Signal- lichtem deutlich vom Nachthimmel ab. Es schien schwer gegen bie Regenböen anju- kämpfen plötzlich ertönte eine furchtbare Explosion Wan sah riesige Flammen emporfteigen, unb bas Luftschiff stürzte ab Die Bewohner von Beauvais unb bie Bevölkerung von Allonne, bas etwa 4 Kilometer füböstlich von Beauvais liegt, liefen querfelbein ber Unglücks- stelle zu, konnten sich aber wegen ber ungeheuren Hitze, bie ber Branb entwickelte, bem Luftschiff nicht nähern. Wan sah nur einige gespen st erst a f t e Schatten hin- unb herlaufen — es waren ein paar Leute ber Besatzung bes Luftschiffes, bie Ihr Leben retten konnten An der Llnglücksstätte. Die Bergung der Opfer — Ein Anblick des Grauens. Allonne sur Oise, 5. Oft. (Don dem Sonderberichterstatter der 211.) Aus den Trümmern des Luftschiffes „R. 101“ wurden bis in die Rachmittagsstunden 47 vollkommen verkohlte Leichen geborgen. Drei weitere Tote liegen noch unter den Trümmern. Acht Personen gelang es noch, das in Flammen aufgehende Schiff au verlassen. Während zwei von ihnen unversehrt blieben, wurden die übrigen sechs schwer verbrannt in das Krankenhaus von Beauvais übergeführt, wo zwei von ihnen bereits ihren Derlehungen erlagen. Don den Toten konnte bisher nur der englische Luftfahrtminister Lord Thomson und wenige andere Persönlichkeiten identifiziert werden. Die Unglücksstelle, die von einem kleinen Wäldchen auf der einen Seite und einer Böschung auf der anderen Seite begrenzt ist, bietet ein Bild grauenhafter Verwüstung. Das Gerippe des Riesenschiffes liegt mit dem Bug auf einer Böschung, während das Heck noch in die Luft ragt Hier unb da sieht man einige Fetzen der Hülle, sonst nichts als verbogene Aluminiumträger, Drahtverspannungen, zersplitterte Fensterscheiben und eingedrückte Motorgondeln. An einigen Stellen steigt noch eine leichte Rauchfahne gen Himmel und zeichnet den vielen Flugzeugen den Weg, die aus London und anderen Städten eintreffen. Die Passagiergondel liegt völlig eingedrückt unter den Trümmern. Rur Glassplitter und Meß- apparate, die rings herumliegen, deuten darauf hin, daß hier ein st das Herz des Schiffes gewesen ist. Am Abhang der Böschung sind die 47 Leichen aufgebahrt. Die Truppen des 51. Infanterie- Regiments von Beauvais haben im Derein mit der Landgendarmerie die Einsargung übernommen. Gröhe zweiräderige Bauernfuhrwerke bewegen sich langsam über das Rübenfeld der Chaussee zu, um jedesmal drei oder vier Särge im Bürgermeisteramt abzuliefern. Die große Zahl der Toten erklärt sich vor allem daraus, dah sowohl die Passagiere, wie auch ein Teil der Mannschaft während des Unglücks schliefen. Die ersten, die unmittelbar nach der Katastrophe an der Unglücksstelle eintrafen, waren die Feuerwachen von Allonne, die sich leider erfolglos bemühten, die Flammen zu löschen. Erst in den frühen Morgenstunden war es möglich, mit den Bergungsarbeiten zu beginnen, da bis dahin die glühenden Eisen- massen jede Annäherung verhinder- t e n. Mit Brechstangen und Eisensägen muhte zu Werke gegangen werden, um die eingeklemmten Leichen aus den Trümmern hervorzuholen. Ein Ingenieur, der sich unter den Geretteten befindet, lieh es sich nicht nehmen, trotz schwerer Derlehungen persönlich die Bergungsarbeiten zu leiten, da er genaue Angaben über den Auf- enthaltderOpfer während der Katastrophe geben konnte. Augenzeugen berichten....: Oer Chefingenieur Leach schildert den Hergang der Katastrophe. — R101 im Kampf mit dem Regensturm. An Bord während der Llnglücksfahrt. Bericht der Ueberlebenden. Paris, 5. Oft (WTB.) lieber bie Umstände, bie zu ber Katastrophe führten, hat ber Chefingenieur ber Firma, bie bas Luftschiff gebaut Hal, Leach, eine eingefjenbe Darstellung gegeben. Er erklärte: Die zwölf Wann bes wachbienstes waren auf ihrem Posten. Ich selbst befanb mich im Pilotenabteil. Die Reife war ohne Zwischenfall vor sich gegangen, als wir kur; vor Beauvais von einem Gewitter- unb Regen ft urm überrascht wurden, der das Luftschiff hin- und h e r s ch ü 11 e l te. Ich hatte jedoch ;u ber Tüchtigkeit des Luftschiffes volles Bertrauen. Es fetzte feinen Weg fort, und ich war durchaus beruhigt. Gegen 1.40 Uhr jedoch, als das Luftfchiff über Beauvais stand, schien es mir. als ob der Hinterteil in ein starkes Schlingern geraten war. Die Fahrt verlangsamte sich. Um 1.43 Uhr gab die Funkstation des Flughafens Le Bourget unsere Position mit ;roei Kilometern von Beauvais an. Ich wühle nicht mehr, In welcher höhe ist mich befand und suchte einen Ausweg, um dem Unwetter ;u entgehen. Es gelang auch, dem fürchterlichen Winde Widerstand ;u leisten. Jetzt fetzte der Regen mit aller Kraft ein, und das Luftfchiff wurde schwer, plötzlich trat die Katastrophe ein. Das Borberteil bes Luftschiffes trat, nachbem es sich bereits ;roeimal geneigt hatte, in heftige B e- rührung mit bem Lrbboben, unb ;roar auf einen kleinen Hügel. Die fürchterliche Explosion trat sofort ein. Ich ftür;te an bie wanb unb suchte einen Ausweg. Ls gelang mir, ein Loch ;u brechen, burch bas ich kopfüber, ;iem- lich schwer verbrannt, aber im übrigen gefunb, bas Freie gewann. 3m Schlafe überrascht. Dem Flammentode entronnen. — Der Kapitän harrt auf feinem Posten aus. Der Funker D i s l e y , der sich unter den Gereiteten befindet, erklärte: Die meisten der Lleberlebenden schliesen: wir wurden geweckt, um unsere Posten einzunehmen, als das Schiss etwas schwankte. Bevor ich wuhte, was aeschah, war ich von Flammen eingeschlossen. Das einzige, was wir tun konnten, war, herauszuspringen im Bertrauen daraus, dah wir uns in nicht zu groher Höhe befanden. Einer von uns hatte einen Fallschirm, wenn wir in gröberer Höhe geflogen wären, wären wir alle verbrannt. — Ein anderer Lieberlebender mit Ramen C o o k, _ der schwere Brandwunden erlitten hat, erklärte: Furchtbar! Der Kapitän des Luftschiffes, Irwin, erwies sich als Held. Als ich mir einen Weg durch die Flammen bahnte, sah ich ihn ruhig an seinem P o st e n stehen, Befehle geben, er starb auch auf seinem Po st en. Rach weiteren Berichten wurde im Innern der Führergondel die verkohlte Leiche eines Mechanikers gefunden, der nocheinen Schraubenschlüssel in der Hand hielt. Die acht geretteten Passagiere befanden sich in der mittleren Kabine, während die übrigen in den Seitenkabinen untergebracht waren. Zwei der Geretteten erklärten, dah sich während des Absturzes ein über ihnen befindlicher Wasserbehälter öffnete und dah sie dadurch vor dem Flammentode bewahrt wurden. Ein furchtbarer Anblick. Die Nieseniackel des brennenden Luftschiffs Paris. 6. Okt. (TU.) Eine Krankenschwester, die sich unter den Sanitätsmannschaften befand, die aus Beauvais zur Absturzstelle des „R. 101" kommandiert wurde, berichtet u. a., dah sie die Explosion im ersten Augenblick für einen gewaltigen Donnerschlag gehalten habe. Wenige Minuten später sei der Befehl zum Aufbruch eingetroffen. Mit anderen habe sie sich im Kraftwagen zur Unglücksstelle begeben. Das Luftschiff habe, halb in den Apfetbäumen hängend, auf einer Wiese gelegen, während die Fetzen der Umhüllung und Teile der Maschinerie sich in den Bäumen des benachbarten Waldes gehalten hätten. Das Wrack habe gebranntwieeine R i e s e n f a 3 e l und dabei eine Hitze verbreitet, die keine Annäherung gestattet habe. Wo die gleich darauf eingetroffene Feuerwehr den Wasserstrahl hingerichtet habe, habe man sich in der Glut windende Menschenleiber gesehen. Der Anblick sei fürchterlich und unbeschreib- l i ch gewesen. Ein französischer Offizier, der die Bergung», arbeiten mitleitet, schildert dem Vertreter der leie- graphen-Union den furchtbaren Augenblick der Katastrophe folgendermaßen: Es sei kurz vor 2 Uhr nachts gewesen, als er plötzlich von lautem Motorengeräusch geweckt worden sei. Die Nacht sei äußerst dunkel gewesen, doch habe man sich den Leib des Riesenschiffes vom Himmel ab- heben sehen. Er habe sich kaum wieder zur Ruhe begeben, als das Zimmer von einem hellen Lichtschein, rote von einem Blitz, erleuchtet worden sei, dem unmittelbar darauf eine furchtbare Explosion gefolgt sei. Seine Frau habe geäußert, es handle sich sicher um den „Graf Z e p p e l i n", der seineBomben a b ro e r f e (!) Wenige Minuten später habe man bereits Alarm geblasen, und seine Kompanie sei zur Hilfeleistung ausgerückt. Andere Bewohner von Allonne und Beauvais wollen gesehen haben, wie das Schiff mehrere Male im Kreise herumfuhr, um anscheinend nach einem geeigneten Landeplatz Ausschau zu halten. Man vermutet, daß es dabei zu tief gegangen ist und mit dem Bug gegen die Böschung stieß. Das Rettungswerk. Die Löscharbeiten beendet. — Eine Tranericier. Beauvais, 5. Okt. (WTB.) Das schwierige Rettungswerk nahm seinen Anfang, als der Tag anbrach. Zahlreiche Feuerwehrleute und Gendarme drangen in die Trümmermassen ein und fanden zunächst vier nackte und verbrannte Körper, die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren. Sie wurden auf Bahren gelegt und an einer Hecke in Reihen gestellt. Die Reihe wurde schnell größer, da bei dem weiteren Rettungswerk immer mehr Leichen gefunden wurden. Die Löscharbeiten sind so gut wie beendet. Man kann jetzt mit Bestimmtheit sagen, daß 50 Personen ums Leben gekommen sind. Dis heute nachmittag waren 47 Leichen geborgen, und man hofft, die drei anderen Leichen auch noch im Laufe dieses Rachmittags bergen zu können. Die 47 Leichen sind eingesargt worden und nach der Bürgermeisterei von Allonne gebracht worden. Dort werden im Laufe des Abends D e r t r e t e r derenglischenBehörden erwartet, die in der Lage sind, die einzelnen Leichname zu identifizieren. Außerdem sollen sachverständige Techniker ankommen, die den Dersuch machen wollen, aus den Trümmern des Luftschiffes festzustellen, welches die Ursache der Explosion gewesen ist. Im Krankenhaus von Beauvais fand am Rachmittag ein Gottes- dienst statt, an dem neben dem englischen Generalkonsul und den inzwischen aus London eingetroffenen Persönlichkeiten, der französische Luftfahrtminister Laurent Eyna c und eine Reihe anderer hoher amtlicher Würdenträger teilnahmen. Alle Fahnen der Stadt sind auf Halbmast geflaggt und mit Trauerfloren umgeben. Ein französisches Militärflugzeuggeschwader traf im Laufe des Rachmittags hier ein, umkreiste die Trauerstätte und warf einen Kranz, ab. Englische Sachverständige treffen ein. Dem ersten englischen Militärflugzeug, das an der Unglücksstätte eintraf, entstiegen Marschall John S h a l m o n d, Stabschef des englischen Luftfahrtwesens und Fliegermaior Holt. Nach einem Augenblick der Sammlung vor den aufgebahrten Särgen begaben sich die englischen Offiziere zur Unfallstelle, wo sie sich durch einen Gendarmeriekommandanten, der einer der ersten Augenzeugen des Unfalls war, die näheren Einzelheiten erklären ließen. Der englische Fliegerattache in Paris wurde mit ber 3 b e n- tifizierung ber Opfer beauftragt. Er suchte vor allem bie Leiche bes englischen Luftfahrtministers Lorb Thomson festzustellen. Es ist ihm bisher nicht gelungen. Aus Englanb finb auch zahlreiche Journalisten im Flugzeug an ber Unfallstelle eingetroffen. Die Ursache der Katastrophe. Paris, 6.0kt. (WTB. Funkspruch.) Der gerettete englische Ingenieur Leach hat, wie hava» aus Beauvais berichtet, im Laufe bes Abends noch erklärt, baß die Explosion des Luftschiffes „R. 101“ zweifellos auf bas Zerreißen elektrischer Leilungsbrähle zurückzuführen fei. Gestern um 1.20 Ahr brannte bas Oel in ben Tank» noch lichterloh. Die gemischte englisch-französische Unter- suchungskommission hat heute unter Leitung eines (Engländern^ ihre Arbeit ausgenommen. Die genaue Ursache des Unglücks läßt sich noch immer nicht erkennen. Der Leipziger Sonderkorrespondent der „2Hot- nmg Post" halte eine Unterredung mit Dr. (Eckener über die möglichen Ursachen der britischen Luftschisfkataslrophe. Dr. Eckener hält es für möglich, daß „R. 101“ für den ersten Teil seines Fluges zu stark belastet war, um so stürmischem Welter widerstehen zu können, zumal da das Luftschiff durch den heftigen Regen eine weitere Belastung erhalten Halle. Dr. Lckner sagle weiter: „Der Bau des Schiffes war gut, das weih ich.“ Ein Beamter des Luftfahrtminifleriums erklärte, als feine Aufmerksamkeit auf Berichte aus Paris gelenkt wurde, daß mehr Leichen gefunden feien, als die Zahl der an Bord befindlichen Personen betrug, die Anwesenheit eines blinden Passagiers an Bord des „R. 101“ komme nicht in Jragc. Jedes Mitglied der Mannschaft und jeder Passagier sei beim Betreten des Luftschiffes zweimal nachkontrol- lierl worden. — weiter wird gemeldet, dah Lord Thomson, sein Diener und alle Offiziere des „R. 101“ besondere beträchtliche Versicherungen gegen Unglücksfall abgeschlossen hatten, und zwar bei der britischen Luftversicherungsgesellschaft und bei Lloyd. Sir Sefton Brander hatte sich nicht besonders gegen Unglücksfall versichert. Ebenso waren auch die Mannschaft und das Luftschiff selbst nicht versichert. Eckeners Meinung. Die Sicherheit des Luftschiffs als Berkchrmittel. Leipzig, 5.Oft. (SU.) Auf einem Empfangsabend, den der Rat der Stadt Leipzig gab, äußerte sich Dr. Eckener üben, die Vernichtung des „R 101“ etwa folgendermaßen: Es scheint mit einiger Sicherheit aus den Rachrichten hervvrzu- gehen, daß das Luftschiff in böigem Wetter und durch sehr heftigen Regen gegen den Boden gedrückt und dabei zerstört loorden ist, und daß die nachfolgende Explosion sekundärer A r t war. Jedenfalls ist es nicht richtig, daß die Explosion vielleicht durch das Herauf- oder Herunterdrücken des Luftschiffes ausgelöst worden sein kann. Daß man beides, das Weiter und die Explosion als Ursachen des Unglücks anführt, beweist, dah man die Urs ache nicht kennt. Och würde es nicht verstehen können, wie es sich zugetragen haben soll, daß das Luftschiff durch heftige Regenböen gegen den Boden geschleudert worden ist. Wir haben mit dem Zeppelin — und das englische Luftschiff ist von gleicher Beschaffenheit — eine dynamische Hubkraft von 15 000 Kilogramm, d. h. also, die Regenbelastung des Luftschiffes kann ruhig 15 000 Kilogramm betragen und trotz dieser Last können wir das Schrff schwimmend erhalten. Wir haben aber niemals, auch nicht bei stärkstem Regen, eine höhere Belastung gehabt als 6 oder 7 Tonnen. Wir muhten also nicht die halbe dynamische Energie aufwenden. Selbst ein besonders schweres Gewitter im Rhonetal haben wir ohne Ballast abgabe -überwunden, ein Gewitter, von dem ich selbst sage, dah es uns wohl heftiger nicht mehr Heimsuchen wird. Wir haben bewiesen, dah ein Luftschiff auch durch die kräftigsten Regenböen zu bringen ist. Man kann also im Hinblick auf das Unglück des englischen Luftschiffes nicht so verallgemeinern, dah man sagt: 3n einem solchen Wetter ist das Luftschiff nicht zu halten. Wir haben gezeigt, daß ein Luftschiff wirklich ein sicheres Berkehrsmit- t e l ist. Vielleicht wird bei der Fahrt in die Arktis, wo die sagenhafte Eisbelastung fein soll, an die ich aber nicht glaube, die Belastung des Schiffes durch Witterungseinflüfse eine Rolle spielen. Das Llnglücksschiff. R. 101 das größte Luftschiff der Welt. London, 5. Oft. (TU.) Die auf der Fahrt nach Indien verunglückte, „R. 101" ist von den Königlichen Luftschifswerken in (Barbington erbaut worden. Das Luftschiff wurde etwa Ende September 1929 endgültig fertiggestellt, nachdem sich vorher kleinere Bauänderungen noch als notwendig herausgestellt hatten. Im Laufe der folgenden zahlreichen Probeflüge erwies sich später dann noch die Notwendigkeit konstruktiver Aenderungen, die im Laufe des Sommers dieses Jahres durchgeführt wurden. Das Gasfassungsvermögen belief sich auf ungefähr 5 Millionen Kubiksuh, womit die „R. 101" das größte Luftschiff der Welt war. Die Tragfähigkeit des Luftschiffes betrug etwas mehr als 150 Tonnen. Die Länge etwa 217 Meter, der größte Durchmesser 39,3 Meter, die Höhe einschließlich Gondeln 42 Meter. Die Tankbehälter konnten nahezu 29 Tonnen Schweröl aufnehmen. Ursprünglich sollte die „R. 101" etwa 100 Passagiere tragen können. Noch während des Baues kam man von diesem Plan ab, weil man das erheblich billigere Schweröl, für das andere Motoren eingebaut werden mußten, für das neue Luftschiff verwenden wollte, wodurch man gleichzeitig eine größere Sicherheit gegen Feuers - und Explosionsgefahr zu erreichen hoffte. Auch in anderer Hinsicht ist dem Sicherheitgedanken mancherlei geopfert worden. Während „Graf Zeppelin" nach englischen Angaben Böen von höchstens 25 Stundenkilometer Stand halten kann, wurde die Widerstandsfähigkeit der „R. 101" gegen Vertikalböen mit 72 Stundenkilometer angegeben. Für die Erbauer dürfte es besonders tragisch fein, daß das Luftschiff gerade in diesem Punkte versagt haben sollte, vorausgesetzt, daß es wirklich einer Vertikalböe zum Opfer fiel. Oie paffagierliste. London, 5. Ott. (WTB.) Die vollständige Liste der Passagiere des verunglückten „R. 101“ weist folgende Tiamon auf: Lord Thomson, britischer Minister für Flugwesen; Sir Sefton Brancker, Direktor der Zivilluftfahrt; Geschwaderchef Pa Istra von der australischen Militäraviatik; Geschwaderführer O'Reill, Vertreter des Staatssekretärs für Indien; Kommandant Eol- more, Direktor des Luftfahrtdienstes; Oberstleutnant Richmond; Major Scott; Ge- schwaderführer Rope; Major Bichop, Chef, infbeticr der englischen Avatik; B u ck, Attache des Luftfahrtmimsteriums. Die Urteilsbegründung im Leipziger Hochverralsprozeß. Leipzig, 4. Oft. (WTB.) Im Hochverratsprozeß gegen die Ulmer Reichswehroffiziere führte der Vorsitzende Reichsgerichtsrat Baumgarten zur Begründung des bereits am Samstag gemeldeten Urteils u. a. aus: Der Senat hat folgenden Sachverhalt für erwiesen erachtet: Die Angeklagten Scheringer und Ludin waren unzufrieden mit gewissen Verhältnissen in der Reichswehr. Insbesondere meinten sie, daß die Entwicklung im Heere wie im Volk zu sehr nach links gehe, daß das Heer zu weit von oben geleitet werde. Anstatt nun den vorgeschriebenen D i e n st - w e g zu beschreiten, fuhren die beiden Angeklagten nach München, traten mit drei Herren der Zentralleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter- Partei in Verbindung und trugen ihre Schmerzen vor. Diese Reise nach München war einmal eine Jnformationsrei f e für sie selbst über die Zwecke und Ziele der NSDAP.; zweitens ging sie aber auch dahin, die Münchner Herren über d i e Mißstimmung der Angeklagten und gleichgesinnter Kameraden zu unterrichten. Nach Ludins Angaben erklärten sich die beiden Angeklagten bereit, eine Verbindung zwischen Reichswehr und jener Partei herbeizuführen. Obgleich beiden Angeklagten in München gesagt worden war, daß sie mit feinem gewaltsamen Vorgehen der Partei rechnen fönnten und obgleich sie keine Aufgabe erhielten, erklärten sie sich doch bereit, zu sehen, was sie im Heere im nationalen Sinne ausrichten könnten. Nach ihrer Rückkehr nach Ulm teilten die Angeklagten ihre Münchner Erlebnisse dem Angeklagten Wendt mit, der sich zustimmend äußerte. Sie faßten den Entschluß, mit anderen Kameraden die Verbindung aufzunehmen, von denen sie glaubten, daß sie für ihre Pläne zu gewinnen seien. Diese Gespräche können nach Ueberzeugung des Gerichtshofes nicht harmloser Natur gewesen sein. Hier bricht eine Dame in hysterische Schreie aus. Sie ruft: Zu solchem Gerichtshof sollen wir Deutsche noch Vertrauen haben; das höchste Gericht verläßt uns Deutsche. Sie wird unter heftigem Schreien aus dem Saale geführt. Sodann verteidigte der Vorsitzende die Ber- handlungssührung des Untersuchungsrichters. Der Untersuchungsrichter habe die Ausgabe gehabt, objektive Wahrheit zu erforschen, wobei die Angeklagten und Zeugen nicht immer mit Glacehandschuhen ungefaßt werden konnten. 3m übrigen hätten Ludin und Scheringer ausdrücklich erklärt, daß sie vom Untersuchungsrichter gut behandelt worden seien. Die Reisen der Angeklagten haben alle ein gemeinsames Ziel verfolgt. Ludin habe als Ziel ihrer Bemühungen angegeben, jetzt die Regierung durch eine andere zu ersetzen. Das Gericht ift davon überzeugt, daß die drei Angeklagten die Reisen zu privaten Zwecken für ihre besonderen nationalistischen 3deen auSgeführt haben. Es ist von ihrer Einstellung aus durchaus möglich, daß sie nur Gutes gewollt haben, aber der Zweck heiligt nicht die Mittel. Die Angeklagten waren sich auch der Strafbarkeit ihres Tuns bewußt. Das Unternehmen der Angeklagten richtete sich gegen die ihnen mißliebige jetzige Regierung, die bei gegebener Gelegenheit gewalts am beseitigt werden sollte. Der Angriffsplan war der Sturz der Regierung durch Gewinnung der Reichswehr dafür, dah die Reichswehr einer für möglich gehaltenen nationalsozialistischen gewaltsamen Um» sturzbewcgung nicht entgegentrete, also durch Vorbereitung eines günstigen Bodens dieser Armee für einen Umsturz von rechts. Das Unternehmen sollte auch nicht in nebelhafter Ferne, sondern in absehbarer Zeit verwirklicht werden. Danach liegen in objektiver Hinsicht die Tatbestandsmerkmale des § 86 nach Ueberzeugung des Gerichts fest, und zwar ist das Delikt gemeinschaftlich begangen worden. Von einer Zuchthausstrafe könne selbstverständlich keine Rede sein, da die Angeklagten, denen die Ueberzeugungstäterschaft zuzubilligen sei, nicht aus ehrloser Gesinnung gehandelt haben. Mildernde Umstände konnten den Angeklagten aber nicht zugebilligt werden. Den Strafverschärfungsgründen stehen einmal die Jugend und die tadellose Vergangenheit der An-» geklagten gegenüber. Dann fällt auch ihr Tun in eine hochpolitische Zeit. Vor allen Dingen hat der Senat strafmildernd die edlen Motive berücksichtigt, die die Angeklagten zu ihren so bedauerlichen Straftaten getrieben haben. Wenn sie auch geirrt haben, so waren sie doch von hoher, von glühender Vaterlandsliebe beseelt. Aus diesen Gründen hat sich der Gerichtshof veranlaßt gesehen, die vom Vertreter der Reichsanwaltschaft beantragte Strafe um ein 3ahr herabzusetzen. Meinung -er presse. Berlin. 4. Oft. (TU.) An den Anschlagsäulen des „Völkischen Beobachters“ in München wird von der RSDAP. folgender Kommentar veröffentlicht: „Das Urteil von Leipzig ist die Kapitulation des Reichsgerichts vor dem Berliner System des .gefunden Pazifismus'. Cs handelt sich um ein politisches Tendenzurteil, das in schroffstem Widerspruch zum gesamten Prozeßergebnis steht. Aber es mußte offenbar gefällt werden, um das System Groener-Schleicher-Hammerstein vor der offenen Niederlage zu retten. Moralisch ist das System der Berliner Bureau- generale trotzdem gerichtet. 3n Berlin wurde der Pelzjäger und Sklarekfreund Boß freigesprochen, in Leipzig wurden ehrenhafte, tapfere deutsche Offiziere eingesperrt, weil sie Deutschland und ihren Soldatenberuf zu sehr liebten.“ Das „Berliner Tageblatt" schreibt u. a.: Dieses Urteil war nach dem Gesetz geboten, und es war notwendig, um die Klarheit über die Pflichten der Reichswehrangehörigen wiederherzustellen. Diese Klarheit muh bestehen, wenn der Staat bestehen soll; wollte der Staat darauf verzichten, so gäbe er sich selbst auf. — Die „D o s s i s ch e Zeitung" weist darauf hin, daß der Spruch des Reichsgerichts dem allgemeinen Rechtsempfinden Rechnung trage. Es komme für die Öffentlichkeit weit weniger darauf an, daß die angeflagten jungen Offiziere zu besonders hohen Strafen verurteilt würben, als darauf, daß das höchste deutsche Gericht die Feststellung traf: Vorbereitung zum Ungehorsam gegen militärische Befehle In der Form, wie sie von den Angeklagten getrieben worden war, fei Vorbereitung zum Hochverrat. Die „D A Z." glaubt, daß das Urteil von Volk und Heer als ungerecht empfunden und nicht verstanden werde. Gewiß könne Politik in der Armee nicht geduldet werden. Der Prozeß scheine aber erwiesen zu haben, daß eine Vorbereitung zum Hochverrat diesen Soldaten völlig fern gelegen habe. Was sie getrieben haben, sei Vaterlandsliebe gewesen« Das Ziel dieses Prozesses sei gewesen, die 3lle- galität der Nationalsozialisten zu erweisen. ES sei unverständlich, dah die Wahlen des 14. September die zuständigen Stellen nicht veranlaßt hätten, ihren Standpunkt zu revidieren. — Der „Lokalanzeiger“ schreibt, das Urteil zeige mit einer geradezu fürchterlichen Klarheit, wie weit sich der Geist dieser Rechtsprechung vom Rechtsempfinden eines gewaltigen, beständig wachsenden Teils des deutschen Volkes inzwischen entfernen konnte. Die „Deutsche Tageszeitung" erklärt, geradezu grotesk mute die Annahme an, daß eine Verbindung mit den Rationalsozialisten als „Hochverrat" anzusehen sei angesichts der Tatsache, daß der Reichskanzler mit der Hitlerfraktion in einem Augenblick über Regierungsfragen verhandele, wo Reichswehrangehörige wegen ihrer 3uneigung zu dieser Partei in Acht und Dann getan werden. — Die „Lei p z i ge r R e u e st en R a ch r i ch t e n" schreiben: „Die ^Nationalsozialisten werden bedauern, daß die Reichskagswahlen nicht erst an diesem Sonntag fällig sind. Das Urteil des höchsten Gerichtshofes im Hoch- vorratsprozeß gegen die drei Reichswehroffiziere wäre für sie gut fünfzig Mandate mehr wer t". — Die „TäglicheRundschau" sagt, die Angeklagten hätten in ihrem ganz kleinen Bereich ein wenig von dem getan, was ein QJorf, ein Freiherr vom Stein, ein Schill getan hätten, die Rebellen gewesen seien, als sie anfingen, und Befreier, als ihr Werk getan. Das Volk könne kein Vertrauen mehr zu einem Staat haben, der 3ustiz kenne, aber keine Gerechtigkeit. Ein Brief an den Reichspräsidenten. Leipzig, 4. Oft. (TU.) Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Sack hat nach der Verkündung des Urteils gegen die Reichswehroffiziere a n den Reichspräs id enten folgendes Telegramm gerichtet: .Hochzuverehrender Herr Reichspräsident! Tief erschüttert durch die soeben verlesene Urteilsbegründung gegen di^ drei Reichswehroffi- ziere Scheringer, Ludin und Wendt richte ich an Sie in dieser geschichtlichen Stunde die Bitte: Treffen Sie Vorsorge, daß durch das Urteil gegen diese hervorragenden Soldaten die tiefe Kluft der gegensätzlichen Weltanschauungen, die uns Deutschen immer wieder den Weg zuv wahren Volksgemeinschaft versperrt, nicht unüberbrückbar wird. Die gleiche hohe Vaterlandsliebe, die einst die Soldaten der alten Armee beseelte, als sie sich unter Führung des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg gegen eine Welt von Feinden behaupteten, ist diesen jungen □Könnern jetzt zum Verhängnis geworden. Geben Sie, Herr Reichspräsident, die Verurteilten als Offiziere frei. Genehmigen Sie, Herr Reichspräsident, den Ausdruck meiner unwandelbaren Verehrung. Gez. Rechtsanwalt Dr. Alfons S a d.“ Tiefste Bestürzung in England. Der erste Eindruck der Trauerbotschaft. London, 5.Oft. (WTB.) „R.101“, das größte Luftschiff der Welt, der Stolz der britischen Luftschiffahrt, liegt in einem französischen Obstgarten, eine Masse verbogener, geschwärzter Metallstücke. Von den 54 Männern, die so frohen Mutes im Luftschiff gestern abend abfuhren, zuversichtlich, daß sie einen epochemachenden Flug nach 3ndien unternehmen würden, sind alle außer acht tot. — Mit diesen Worten wurde der englischen Oeffentllchkeit die furchtbare Luftschiffkatastrophe mitgeteilt. Die Rachricht, die die „Titanic-Katastrophe der Luft" genannt wird, hat Trauer in ganz England, vom König und den Kabine ttsmitgliedern bis herab zum letzten Bürger, verbreitet. 3n seinem Telegramm an den Lordmayor spricht der König von einem „nationalen Unglück". Ueber den öffentlichen Gebäuden und vielen Privathäusern wehen die Flaggen auf Halbmast, und in fast allen Äird)en nehmen die Geistlichen in ihren Predigten auf das furchtbare Unglück Bezug und zollen den Opfern hohe Anerkennung. Das Königspaar vereinigte sich in der Kirche von Sandringham mit den Dorfbewohnern zu einer Fürbitte für die durch das Unglück ums Leben Gekommenen und ihre Hinterbliebenen. Das Luftfahrtministerium hat heute früh den Angehörigen der Verunglückten telegraphisch Mitteilung über die Katastrophe gemacht. Aus dem gesamten brittschen Reich und der übrigen Welt laufen Berichte ein über die tiefe Anteilnahme an der Katastrophe, die daS britische Luftfahrtwesen betroffen hat. Die plötzliche Rachricht von der Katastrophe hat in England um so größeres Entsetzen erregt, als das Riesenluftschiff von den Sachverständigen als „Wunderschiff" und als „das letzte Wort im L u f t s ch if f ba u" bezeichnet worden war, das nach den Worten eines Blattes „die britische Luftüberlegenheit ein für allemal barlegen sollte". Aber bereits kurz nach dem Start schien es den Tausenden von Zuschauern, die sich versammelt hatten, um dem Luftschiff auf feiner Fahrt nach 3ndien Lebewohl zu sagen, daß etwas nicht in Ordnung war und dah es ungewöhnlich tief flog, die Spitze gesenkt und den Schwanz hoch. Die Teilnahme in Deutschland Eckener telegraphiert an Macdonald. Berlin, 5. Oll. (WTB.) Aus Anlaß der furchtbaren Katastrophe, von der das Luftschiff „R 101“ betroffen wurde, hat Reichskanzler Dr. Brüning dem englischen Ministerpräsidenten Macdonald ein warm gehaltenes Beileidstelegramm übersandt. Dr. Eckener, dem bei seiner Ankunft mit dem „GrafZeppelln" in Leipzig durch den Leipziger Oberbürgermeister Mitteilung von der Zerstörung des „R 101“ gemacht wurde, hat an Ministerpräsident Macdonald folgendes Telegramm gerichtet: „Tief bewegt von dem tragischem Geschick, das der englischen Ration so viele wertvolle, ht ihren 3dealen strebend vorbildliche Männer nahm, bitte ich Ew. Exz. mein herzliches Beileid aussprechen zu dürfen. Die Besatzung des „Graf Zeppelin" trauert aufrichtig in kamerad- fchas t liche r Verbundenheit, gez. Dr. Eckener." Die Deutsche Lufthansa richtete an das Zivildepartement des englischen Lufts ahrtmini- steriums folgendes Beileidstelegramm: „Tief erschüttert durch die furchtbare Katastrophe von „R 101“ bitten wir aufrichtigstes Beileid entgegenzunehmen. Hervorragende Männer, deren 21 amen auch in Deutschland besten Klang haben, setzten ihr Leben als Pioniere für die hohe 3dee der Luftfahrt ein. Mit dem ganzen englischen Flugwesen trauert die Deutsche Lufthansa, Aufsichtsrat und Vorstand." Hitler spricht in Frankfurt. Freiheit und Ehre, oder Bolschewismus. Frankfurt a. M., 5. Oft. (Tel.-Un.) Anläßlich des zweiten we st deutschen Hitler- Tages sprach gestern abend in einer öffentlichen Versammlung in der Festhalle vor etwa 20 000 Zuhörern Adolf Hitler. Er behandelte zunächst das Ergebnis der Wahlen vom 14. September, die eine allen sichtbare Feststellung des Erfolges des elfjährigen Ringens der Nationalsozialisten um die Seele des Volkes darstelle. Die Nationalsozialisten dächten nicht daran, mit schwachen Korrekturen das fortzufehen, was andere begonnen haben. Der Sieg fei erst dann vollendet, wenn ein neues deutsches Volk hinter den nationalsozialistischen Führern stehe. Bismarck habe vor 60 Jahren die deutschen Stämme geeint. Seit dieser Zeit zerfalle aber das deutsche Volk in zwei Hälften. Hier gehe es um Deutschlands Schicksal. Bleibe diese Trennung, dann sei das Ende des Deutschen Reiches gekommen. Die Nationalsozialisten hätten die Plattform geschaffen, auf die jeder Deutsche treten könne, der guten Willens fei. Wer den Nationalsozialismus nicht ver- tehe, dem sei das politische ßeben nicht Inbegriff >er Aufopferung. Wenn es das Ziel der National- ozialisten wäre, nur Mandate zu erringen, könnten ie heute rasten. Ihnen genüge aber der 14. September nicht. Ihr Ziel sei die Erreichung der re st losen politischen Macht in Deutschland auf legalem Wege. Es sei eine Lüge, die von den „Sachverständigen" festgesetzten Tribute als erfüllbar zu bezeichnen. Das Bekenntnis von Deutschlands Schuld am Kriege fei die moralische Grundlage und Rechtfertigung von Versailles und alle daraus resultierenden Erpressungen. Das Deutschland von heute aber könne nicht schuld sein an den Geschehnissen der Vergangenheit. Die nationalsozialistische Bewegung werde sich gegen bie Stornierung des deutschen Volkes zur Wehr setzen, daß man nach 60 Jahren noch Menschen mit einem Fluch belade, an dem sie unschuldig seien. Wenn die Wett auf der buchstäblichen Erfüllung der Tribute bestehe, werde die deutsche Wirtschaft völlig zusammenbrechen. Wenn ein Volk wirtschaftlich enteignet werde, habe es kein Verständnis mehr für we st liche demokratische Kul- t u r und werbe bem Bolschewismus verfallen. Wenn bas Ausland glaube, baß es ihm besser gehe, wenn am Rhein unb an ber Norbsee bie rote Fahne des Irrsinns aufgezogen sei, solle es nur so fortfahren. 3n Deutschland gebe es heute nur zwei Möglich- lichtesten. auf ber einen Seite Freiheit und Ehre des Nationalsozialismus, auf ber anberen den Bolschewismus. Die Mitte ber Erfüllung werde nicht meljr lange fein. Das deutsche Volk sei wach geworden. Hitler schloß: „Unsere Gegner mögen wissen, daß wir die Hoffnung haben, daß auch dieserReichs- tag seinen Weg nicht gehen kann unb totII. Möge er bald wieder aufgelöst werden. Wir sind überzeugt, daß sich die 6,5 Millionen Stimmen um weitere Millionen vermehren, bann wird bas deutsche Volk Abrechnung halten und aus den Trümmerhaufen der Parteien, Gruppen und Stände wird sich bie deutsche Ration wieder erheben." Hitler beim Reichskanzler. Brüning fetzt die Partciführer- besprcchungen for I? Berlin, 5. Oft. (Tel.-Un.) Amtlich wird mitgeteilt: Nach verschiedenen Besprechungen mit dem Parteioorsitzenden des Zentrums Prälaten K a a s hat heute im Rahmen der mit den Vertretern der Fraktionen getätigten Besprechungen auch eine Besprechung des Reichskanzlers mit den stellvertretenden Vorsitzenden der Zentrumsfraktion Esser und Perlitius stattgefunden. Außerdem empfing der Reichskanzler in den Abendstunden als Vertreter der NSDAP, den Vorsitzenden Hitler sowie die Reichstagsabgeordneten Minister Frick und Göring. Im Laufe des morgigen Tages wirb ber Reichskanzler Vertreter der Deutschnationalen Volkspartei empfangen. Wieder Religionsunterricht in Braunschweig. Braunschweig, 4. Oft. (TU.) Der neue braunschweigische Kultusminister, der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Franzen, hat an den Reichsinnenminister Dr. Wirth folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Reichsminister! Unter Bezugnahme auf die bisherigen Verhandlungen in der braunschweigischen Schulangelegenheit beehre ich mich, 3hnen ganz er- gebenst mitzuteilen, daß ich den Schulerlaß meines Amtsvorgängers vom 6. 3anuar 1928 für den Freistaat Braunschweig auf gehoben unb damit die für das braunschweigische Schulwesen nach Artikel 174 ber Reichsversassung bestehende Rechtslage wiederhergestellt habe. 3n der Annahme, daß damit die Angelegenheit beiderseittg als endgülttg erledigt werden kann, würde ich 3hnen für baldige ®r- ledigimg dankbar sein." Gleichzeitig ist durch eine Verfügung dss Ministers der sogenannte Sieversche Schulerlaß auf* ♦ !Cfc D-- e Da- ‘.Wen, d'e Ilie. !>• £ ‘“««St •4a K ftit *ra9en der. 'egen ihre- Neuesten [Ä fatb. ^rvssizier« ^temeh- ch«u"sM Mz. tkinel 2 ton hättet Ute an. Derkge. \Nt zu ■ ebrr!?me rnien. Verteidig«! Verkündung Were an 'M Tele. stdent! Tief Urteil-. IchÄvehcosfi« richte ich an ! die "Sitte: das Urteil i die tiefe miungen, die i Weg zue nichtun« iche hohe ie Loidaten sich unter v.Hinden« behaupteten, jetzt zum en Sie. §ert 118 Offiziere räsident, den erehrung. ns Sack." g zusammen« ftlich ent« rrständnir tische Rui« -rfcflen. Wenn er gehe, wenn )fe Fahne der fo fortfahlen. lei Möglich- reihelt und ier anderen t mehr fange «otben. Litler sen, daß Vir erDeichs' i kann und aufgelöst sich die 6,5 Millionen ver« Bolt Abrech- erhaufen M )ird sich lne rnzier. ihrer. » sich wird mit« 3n mildem Men Kaar lierireiern der auch eme^ flelloertrekn« i empfing der lsLertre. den Hitl.e' inifter n Tages «lrd tfchnat'v terrichl fe,Siä >§K et* rf(«8 ^c:ufge* ^LÜgif^ •“Ä*” HLÄ«8£ $$«•'* ab Oie Detierlaae 55£ y 'isfiord Th;r$fr»Z{fc{y^ das war Genuß! Cigaretten mit Mundstück 20 km Stundengeschwindigkeit bei glühender ~l a Koruna Sport ist heute 100 km Geschwindigkeit und mehr« das war Sport! Stundenlang kerzen- Sonne Vergnügen ist lose Kleidung — Ungezwungenheit. gerade sitzen — in absurde Kleidung gezwängt die Cigarette ohne Mundstück« Und Genuß das war Vergnügen! Die neuste Modetorheit i 5 l Wien O gen. Teilweise sollen die Steuern rückwirkend 1. April 1930 erhoben werden. Schwere Zrankfurier Zinanzsragen. Frankfurt a. TL, 4. Ott. (TU.) Der Frank« furter Magistrat wendet sich in einer amtlichen Er« Oer Stahlhelm am Rhein. Ein ernster Appell an die einstigen Kriegsgegner Wegen dieser Sache stand bei dem Aschaffen- burger Gericht für den 2. Oktober Termin gegen Ä. wegen fahrlässiger Tötung an. K. konnte befürchten, seinen Führerschein zu verlieren und auch zu Schadenersatz verurteilt zu werden. leit mit der Mitteilung, Stadt nicht Kunst und Wissenschaft. Rücktritt Geheimrat DierS? Berlin, 4. Oft. (TU.) Der bekannte Chirurg Geh. Medizinalrat Professor Dr. August Bier, einer der markantesten Vertreter der Berliner medizinischen Fakultät, legt, wie der ,Lokal- Anzeiger" hört, am 1. April 1931 die Leitung der chirurgischen Universitätsklinik nieder. Geheimrat Bier wird am 24. Rovember 69 Llahre alt. Berliner Sode. Berlin, 6. Ott. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr war eine Tendenz noch nicht zu erkennen; die Spekulation verhielt sich abwartend, da die politische Situation weiter unübersichtlich ist. Eine gewisse freundliche Stimmung ging von dem Umstand aus, daß der amerikanische Ueberbrückungs- krcdit in Höhe von 125 Millionen so gut wie ge« deckt zu sein scheint. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,86, London gegen Mai« land 92,79, London gegen Spanien 46,85, London gegen Kabel 4,86, London gegen Buenos 39,60, London gegen Berlin zirka 20,4190, Kabel gegen Berlin zirka 4,2015 Koblenz. 4.Ott (211.) Trotz des starken Regens herrschte schon am Samstagvormittag in Koblenz reges Leben. Unaufhörlich marschierten Stahlhelmkolonnen durch die Straßen. Zahlreiche Ehrengäste sind angekommen, darunter der frühere Kronprinz, Prinz Eitel-Fried- rich und Prinz Oskar. Am Abend fand eine Kundgebung am Deutschen Eck statt. Der Regen hatte nachgelassen, so daß die Höhenfeuer auf den Bergen und die bengalische Beleuchtung des Ehrenbreitstein voll zur Wirkung kamen. Rach musikalischer Einleitung sprach der zweite Dundesführer des Stahlhelms, Oberstleutnant D ü st e r b e r g. Er sagte u. a.: Wir fordern hier das Selbstbestimmungsrecht, daß man allen Völkern verheißen und mit dem man das niederschmetternde Diktat von Versailles begründet hat, auch für das deutsche Volk. Millionen Deutsche leiden unter fremder Herrschaft, wobei Polen sogar deutsches Gebiet zerreißt. Glauben die Aufallsiegerstaaten wirklich, daß das deutsche Volk Jahrzehnte geduldig ein kncchtelos tragen würde? Der Stahlhelm kennt den Krieg und will deshalb den Frieden. Um des Friedens willen fordern wir die Revision des auf der größten Lüge der Weltgeschichte, der deutschen Kriegsschuldlüge, aufgebauten Diktats von Versailles. Rur die Rückkehr zu den von Präsident Wilson zugesagten Friedensbedingungen kann eine befriedigende Lösung bringen. Um des Friedens willen: Hinweg mit den untragbaren Tributlasten! Mehr Raum für unser erstickendes Volk! Um des Friedens willen fordern wir die Einstellung der von den Feindstaaten in den Schulen, in der Presse und amtlich betriebenen Kriegsgreuellügen. Wir lebenden Zeugen des Weltkrieges wissen, daß die Ehre der kaiserlich-deutschen Wehrmacht rein geblieben ist; um des Friedens willen fordern wir den R ü - stungsausgleich. Wir im Stahlhelm achten die Vaterlandsliebe, die Tapferkeit, Ehre und Opferfreudigkeit unserer einstigen Gegner. Wir können aber nicht früher ihnen die Hand geben, ehe nicht das furchtbare Aicht Raubmord, sondern Selbstmord? Bad Orb, 5.0«. (WSN.) Die nach der Auffindung des Chauffeurs Nikolaus Kuhnmünch in Bad Orb eingesetzten Ermittlungen ergaben zunächst den Verdacht eines Raubmordes Es wurde festgestellt, das K. in der Nacht zum Donnerstag gegen 3 Uhr seinen Wagen in der Garage in Bad Orb aboestellt hatte, nachdem er sich von Freunden verabschiedete. Unmittelbar ist er aber mit dem Wagen wieder fortgefahren. Aus dieser Fahrt ist er dann zu Tode gekommen. Es konnte aber niemand ermittelt werden, der ihn zu der zweiten Fahrt veranlaßt hatte. Für die Kriminalpolizei taucht jetzt der Verdacht auf. daß es sich um einen Selb st mord handelt, den K. unter Rücksichtnahme auf seine Angehörigen in geschickter Weise als einen Raubmord vor- tLufchte. Gestern nachmittag fand durch mehrere Aerzte unter Hinzuziehung von Schieß- lochverständigen und des Gerichtschemikers Dr. Popp. Frankfurt, die Sektion der Leiche statt. Die Sachverständigen kamen unabhängig von den Ermittlungen der Beamten der Landeskriminal- volizei ebenfalls zu dem Ergebnis, daß die Verletzung an der linken Hand oes K. und die tödliche Kopfwunde nur durch einen Schuß entstanden sind. ES wurde einwandfrei ermittelt, daß K. die Handobersläche der linken Hand auf die rechte Schläfe aufgelegt und dann die Mündung der Pistole auf die Handfläche aufgesetzt hat. Für die Ermittlung der Art der Ausführung, wie sie K. machte, gibt eS eine einfache kriminalistische Erklärung, auf die aber hier nicht eingegangen werden kann. Die Verletzungen find jedenfalls kaum von anderen Personen herbeigeführt worden. Es ergeben sich auch keine Verdachtsmomente für die Täterschaft anderer Personen. Das Motiv der Tat glaubt man wie folgt zu klären: 3m Juli hatte K. bei Lichtenau einen Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer, der dabei zu Tode kam. während der Sozius schwer verletzt wurde. gehoben, der den braunschweigischen Schulen ihren christlichen Charakter „ahm. Der alte Zustand ist dadurch wiederhergestellt, wonach der Religionsunterricht wieder als o rdentlicheS Lehrfach in Den Schulen eingeführt wird und die Schulen die Klassengebete wieder ab- ha l ten dürfen. Der Ehristlich-soziaie DolkS-ienst Unterstützung des Kabinetts Brüning. Berlin, 4. Oft. (TU.) Der Christlich-soziale IolfSdienft gibt über feine letzten Besprechungen folgenden Bericht: Die Reichstagsgruppe kes Christlich - sozialen VolkSdiensteS hat am 3. und 4. Oktober über die politischen Gegen- Dartsaufgaben beraten. Angesichts der ernsten Lage des Reichs und der ungeheuren Schwierig- leiten der deutschen Wirtschaft erklärt sich der Iolksdienst bereit, die jetzige Regie- tu n g s o lange und Insoweit z u unterstützen, als sie den dringenden toirt- fchaf tllchen Notwendigkeiten der Gegenwart unter Berücksichtigung der Forderungen sozialer Gerechtigleit Rechnung trägt. Die Reichstagsgruppe des Volksdienstes ist nicht In der Lage, zu den Einzelheiten des ihr amtlich noch nicht zugegangenen Programms der Regierung schon jetzt Stellung zu nehmen. Sie sieht aber in diesem Programm den ernsten Dillen derRegierungzudurchgrei- senden Maßnahmen. Angesichts der auf Die Dauer untragbaren Belastung des deutschen Iolkes ... ** aber gefordert werden, daß die Regierung die Revis i o n das Voungpla- ne8 mit größtem Rachdruck in Angriff nimmt. Gleichzeitig erklärt der Christlich-soziale Volks- Dienst, daß er in der Bekämpfung der Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Außenpolitik sieht. unbefriedigend ist, sondern daß die Entwicklung eine Heraufsetzung ber Steuern und G e - b ü h r e n erfordert, die Frankfurt in dieser Beziehung an die Spitze der deutschen Städte bringt. Während z. B in Berlin die Gesamtsteuern pro Kopf der Bevölkerung 71,4 Mark betragen, würde nach Einführung der neuen Belastungen für Frankfurt ein Satz von 85,4 Mark herauskommen. Der voraussichtliche Fehlbetrag im laufenden Hous- Haltsjahr beträgt 15 Millionen Mark. Die vom Magistrat vorgesehenen neuen Steuern, darunter erhebliche Erhöhungen der Realsteuern, sollen insgesamt 8,5 Millionen Mark erbrirv Unrecht an unserem Volk wieder gutgemacht ist. Bleibt der jetzige Unterdrückungs- und Entrechtungszustand bestehen, so muh die Welt wissen, daß der Tag kommen wird, an dem das zur Verzweiflung getriebene deutsche Volk mit seinen 60 Millionen sich erheben wird. Dann wird Deutschland nicht allein stehen. Unrecht verjährt nie. Das prophetische Mahn- wort SchenckendorssS: ^Rlemals wird daS Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu!“ brennt in unseren Herzen. Rach der Rede Düsterbergs begrüßte Oberbürgermeister Rüssel den „Stahlhelm". An dem Empfang der Ehrengäste nahmen auch Vertreter der norwegischen Frontkämpfervereiniguna und einer faschistischen Vereinigung Italiens teil. Aufmarsch und Kundgebung. Als Abschluß der Kundgebung sand vor dem Schloß ein Zapfenstreich statt. Auf dem Karthause wurde am Sonntagvormittag zum Appell angetreten. Der Aufmarsch von über 120 000 Stahl- Helmern dauerte bis zum Mittag. Rach einem kurzen Feldgottesdienst gab der erste DundeS- führer S e l d t e die vom Bundesvorstand gefaßte Entschließung bekannt, in der es u. a. heißt: »Der nationale Erfolg des 14. September war euer Erfolg. Der Verantwortung gegen unser Volk bewußt, werden wir den Kampf um die deutsche Freiheit in restloser Hingabe soriführen. Für den Stahlhelm gibt es nur Kampf und wieder Kampf, um endlich die Revision der Schandverträge durchgeschi zu sehen. Hinweg mit der unfruchtbaren marxistischen Diktatur in Preußen! Fort mit denen, die Deutschland ins Unglück geführt haben. Mit allen gesetzlichen Mitteln, auch mit der Waffe des Volksbegehrens werden wir den Kampf um die Macht in Preußen fortsetzen. Der Preußen- Haß haßt Deutschland! Der Reichspräsident als Reichsverweser soll in Zukunft auch das Amt bei preußischen Staatspräsidenten innehaben." Dundesführer S e l d t e richtete zum Schluß an die Stahlhelmer die Aufforderung, in den kommenden Jahren ihren Mann zu stellen und schloß mit einem dreifachen Hurra auf da- deutsche Vaterland. 0 Wolkenlos.<9 neue«, a natö oedeext • wolkig. •oedecm »Regen * Schnee a 6-aupem e Ntoei "K Gewitter @wind$tuic.-O> sehr leichter Ost «nissige« Südsüdwest Q stürmische« "ordwesl Oie Plfiie fliegen mit dem winde Die oeiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen eeromden Orte mit gleichens lut Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Unter erheblicher Vertiefung ist der Jslandwirbel ziemlich rasch ostwärts gewandert und hat in Deutsch, hnb zum Teil recht ergiebige Niederschläge verursacht. Sein Kerngebiet liegt heute morgen mit Barometerständen von unter 735 mm über Südschweden. Somit wird nunmehr unser Wetter von seiner Rückseite bestimmt, die sich bereits durch einsetzende Abkühlung bemerkbar macht. Durch das teilweise leb- laste Zufließen der ozeanischen Luftmassen aus höheren Breiten gestaltet sich die Witterung unbeständig, wobei Regenschauer auftreten. Die Abkühlung schreitet vorerst noch weiter fort. Aussichten auf besseres Wetter sind zur Zeit noch nicht zu erkennen. Aussichten für Dienstag: Unbeständig, wechselnd wolkig, dabei vorübergehend Aufklaren, noch Regenschauer, etwas kühler. I&T IKA H $ selbstverständlich ohne Mundstück tlärung an die Oeffentlich! daß die finanzielle Lage der Stadt nicht nur wie die aller deutschen Städte außerordentlich nt 3Z 2 O ;io Gern 5 „an jannayen von Nowack den praktischen Gießen Seltersweg 85 6665 A Der beste Schutz 590 U 7.90 8.90 C. Röhr L Co SCH UH HAUS 679'A 6804 A 2045 V Heute Montag Premiere: 3 'M gesucht. 06173 bewährt. Erhältlich 6793D | Empfehlungen 19" e t Bräutigam mit 100 PS Der große Lacherfolg! 6810D 6688 C U hergestellt wurden, zu sehen. — Anmeldung zum Unterricht am 13., 14., 16. und 17. Oktober, vor- oder nachm. erbeten. 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Ministeriums care getrvsse zugunsten 'j Präsidenten dem befcheid zu begnügen, daß beide e geschlossen fy. kriegszeit oft ner, was ja er2- - SZL 2 3 o-„ 8 2 3 S-op 3 iSro a = A 2 2 a a 3 b’k> r. r?^3 S ^6>S. g-RS-s a ü'w_ o ‘ aS S TO tz>cr "r 2 Zöl-o 3 i 3 a J.3 M 5 8 L2 3- '9'i- 8 - 3-Ja a.-co 3 S^Z'Z 3 3 to e 3 3 c*i S 2 7?r> Dl 3 TO Ob TO Q.cd © QS a. §Ö1^S 2 9 61», f= „ t- Cr zy, 2 -i to 61 8 TO 3 Q o=-3w 3 Z 35 — c iS L Z ° er cq "^S C/'ro' to" 32a Z° to <, i5 a -5 ■o*o 2 _ d o*ca 3 A 3 S TO.TO WS-OO d a 3 3 S er D 2 ' oluc '-4-t -x1 2 , — o o 2.2 e* a 3 <52 * t-s o 3 £2>5 3Z*ae TO 3 2 TO TO br. o 'S ;I 5'3 3 ti a- 3-^a o cd" 9’ a 2/ toDKZ'3toto3.Dq_ to D a ö'_.. - LZ _ CD CF 2 - K o" to a — to ° a , 3 e 8 to § 3-77» O-L <=ra D S2 ___er to _ -v a 3 a 3 d to- a q cd 2,'d' 2 to B le-cr ßio e D to - w __ n o* -E/Zzs 51S. A*» a 3 ■ff 06 3 £PS2*5gs:8 TO -TO, 5 " 61- 3: a 61A d Ä3Z>-Z 2S,iSD sa AZ. 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R.'d 2 Ob5. 3 TO 53 e - ti TO50 TO « 8 =3 2. Zs " 2 ?ts’3 § 3 TO Z 3 - 3 3 2 CTO S*.-3*_,*ZZ. 3 s sr -3*3 F ^&2 3 »ö«? — TO TO P ^o* TO 3 L TO O" d5 O'to B^HcD — 3 3 e D Ob TO TO <5 TO Z2 ° -3 2- O 2*3 3 3 SMZ 23/SS)„. r a SCH 3 O* L. «> "cd -CP - _ CM @@E-Z2.c 3 3 3 3^ er- ■ E- «3 TO TO 75-- -i 0-2*. " er ? 2 3 -3* =2aa;E -- To 2. TO a 61 «r es*3to-:~|«=3 a^S-o-tSoe _ Z 8 to" Z-ZL>ZD?Z 3 c, 8 a _, to a öl- e5| 5 §^*9* 8 3-a^Z 3 B TO 6> 'D d. ö g- to ; . -z 1 g3A° ÖE32 «•: ‘ s a 3 to £» r§*@6T z 3 3 Z^2-^ 3 er ö bj>ö c "to t Zto ZS?" 5*2*3 to a ö 3 L.^nÖl to •1 ± p D 3 D *2 es.t§ Sar-5. TO Z to —, ?u,©£ a3 5 8"3.tz>2§ C 3: “* Q. TO» to q- s=- li<- ' 8 8 2 TO E öZto 2. 13 O* ' • — «V 3 2= 2.0:612. ss=‘Za»53„|s 0.3'EZa- 3 to 2^ 3 5- K2. E Omi5i' to2 To 3 TO 3 = wto 3 5i|3 = = S- = 3 o S1 TO O 2.2- c T-NZ- a © TO Q I A TO 3» 3 8 ä 8 2 3 8 to er K§ 3 ..»viuuy, v. wiiOVCI 1930 Siegener Anzeiger (ivenerai-Aiizeiger für rvverye„e>., Nr. 233 Zweites Blau Das Krühstück von Bar-le-Ouc. „poincare — la guerre." Die bevorstehende Rückkehr Poincares in die aktive Politik Frankreichs hat längst ihre Schatten vorausgeworfen. Die inner- politifche Stellung des Außenministers Vriand war bereits vor Beginn der Genfer Böller» bundsarbeiten nicht.mehr sonderlich fest. Das Scheitern seiner Paneuropa-Pläne, denen bekanntlich in Gens ein Begräbnis erster Klasse bereitet wurde, das Mißlingen der Flottenverständigung mit Italien und die Behandlung einer Reihe ooft eigentlichen Dölkerbundsangelegen» heiten hat die Position Driands in der französischen Oesfentlichkeit so sehr geschwächt, daß es für seine innerpolitischen Gegner, allen voran für Herrn Coty, eine Kleinigkeit war, ihm bei PoincarS und Glemenceau, dessen „junger Mann" Tardieu lange Iahre hindurch gewesen ist, resultiert. Wenn aber der Friede zwischen diesen beiden Männern zustande gekommen ist, dann darf man gewiß auch ohne weiteres vermuten, daß zwischen ihnen für die nächsten Monate sehr bestimmte innerpolitische Abmachungen getroffen worden sind. Sie dürften sich nicht nur auf die Ausbootung Briands beziehen, fondern auch wohl daraus, daß Poincare an der Spitze des französischen Kabinetts die Möglichkeit bekommt, seine Kandidatur für die Wahl des Präsidenten der Republik, die im Frühjahr nächsten Iahrcs stattfindet, entsprechend vorzubereiten. Er hat eine solche Gelegenheit schon einmal, vor dem Kriege, mit all dem Ge» Artstide Briand. seiner Rückkehr nach Paris ein en unfreundlichen Empfang zu bereiten. Da nun auch zwischen dem Ministerpräsidenten Tardieu und Briand starke persönliche und politische Kontroversen bestehen. Tardieu also absolut kein Interesse daran hat, seinen Außenminister länger zu halten, als das unbedingt erforderlich ist, muh man beim jetzigen Stand der Dinge damit rechnen, daß Briand in absehbarer Zeit aus dem Amte scheidet. Das aber scheint geradezu eine der D o raus- f e h u n g e n für die Rückkehr Poincares in das politische Leben zu sein, und das geheimnisvolle Frühstück von Bar-le°Duc, an dem neben Poincare noch Tardieu und der französische Kriegsminister M a g i n o t teilnahmen, kann diese Vermutungen nur verstärken. Schon seinerzeit, als Poincare dem Präsidenten der Republik für seine Rachfolge Tardieu vorschlug, da er sich selbst den Anforderungen des Amtes gesundheitlich nicht gewachsen fühlte, ließ er keinen Zweifel darüber, daß er zu gelegener Zeit selbst wieder an dessen Stelle zu treten gedenke. Der zähe Lothringer ist inzwischen genesen, und man darf wohl annehmen, daß er in Bar-le-Duc Tardieu an die Innehaltung der Abmachungen erinnert hat, die seinerzeit nach dem Sturz des Eintagsministeriums Chautemps zwischen ihm und Poincare getroffen wurden. Wenn Tardieu nun also augunften Poincares den Sessel des Ministerpräsidenten wieder räumen muß, um sich mit dem bescheideneren Stuhl des Innenministeriums zu begnügen, so darf man wohl weiter annehmen, oaß beide endgültig ihren Frieden miteinander geschlossen haben. Denn sie waren in der Rach- rricgszeit oft einander sehr scharfe politische Gegner, was ja schon aus der Feindschaft zwischen Raymond Poincarö. schick und der kalten Lieberlegung wahrgenommen. die ihm eigen sind. Aus jener Zeit, in der er vor dem Kriege Ministerpräsident war. stammt das geflügelte Wort: „Poincarö — 1 a guerre.“ Er hat das Versprechen, das in diesen furchtbaren Worten liegt, dann als Präsident der Republik eingelöst; er war der Kriegspräsident Frantreichs. Machen wir uns deshalb keine Illusionen darüber: gelingen die innerpolitischen Pläne Poincares und Tardieus, so werden wir uns innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit auf dem Felde der europäischen Politik wieder vor ähnlichen Zuständen finden, wie sie die Vorkriegszeit und ihre verhängnisvolle Entwicklung charakterisierten. Auf die Gegenwart bezogen bedeutet das, daß die französische Politik sich noch hartnäckiger als bisher an den Buchstaben von Verträgen klammern wird, deren Llner- füllbarkeit durch die wirtschaftlichen und politischen Tatsachen der Rachkriegszeit längst erwiesen ist. Es bedeutet, daß Frankreich jedem etwaigen Revisionsverlangen Deutschlands mit Einsatz seiner ganzen Kraft widersprechen wird, es bedeutet, daß die deutsche Forderung auf Abänderung der Ostgrenzen von der französischen Oesfentlichkeit noch zäher bekämpft werden wird, als das schon bisher geschehen ist. Poincare - das ist heute nicht mehr der Krieg, sondern die Verewigung des Krieges, mit brutalen Diktaten, die nicht auf deutsche und europäische Lebensbedürfnisse, sondern ausschließlich auf die französischen Hegemonialpläne zugeschnitten sind. Es wird gut sein, daß wir uns in Deutschland rechtzeitig auf diese Tendenzen und ihre Ent- wicklunasmöglickkeiten einrichten. Wir müssen uns klar darüber werden, daß der Abschnitt der Locarnopolitik mit der Rückkehr Poincares in das politische Leben Frankreichs endgültig abgeschlossen ist. Wir müssen erkennen, daß die Verhältnisse, wie sie sich voraussichtlich schon in der nächsten Zukunft entwickeln werden, zwar nicht neue Methoden in der deutschen Außenpolitik - sie werden diktiert von der machtpolitischen Schwäche Deutschlands - wohl aber eine neue Dynamit erfordern. Wir müssen uns weiter darüber klar werden, daß wir uns die Freiheit, die uns alle bisherigen Re- parationsverhandlungcn und Reparat onsobma- chungen schuldig geblieben sind, nur erkämpfen können, wenn wir uns sofort mit festem Willen daran machen, unsere Kraft durch zielbewußte Regeneration von innen heraus neu auszubauen und sie dann an der außenpolitischen Front einzusetzen. Schacht spricht ein offenes Wort. Oer ehemalige Reichsbankpräsident kündigt in Neuyork die Notwendigkeit eines ReparaiionsmoratoriumS an. Reuyork, 3. Ott. Der frühere Reichsbank- präsident Dr. Schacht hielt auf einem Festessen in der amerikanischen Handelskammer auf Verlangen interessierter Kreise eine Rede über das Reparotionsproblem. Zahlreiche Versprechungen seien von den Alliierten nicht eingehalten worden, man brauche dabei nur an Eupen und Malmedy, Oberfchlesien, die Minderheitenfrage und die Abrüstung zu denken. Durch die Beschlagnahme des Privateigentums und die Auslieferung ungeheurer Sachwerte sei Deutschland alles genommen worden, was von einem Volke zum andern überhaupt übertragbar war. Darüber hinaus verlange man von Deutschland noch Reparationszahlungen. In der Welt herrsche allgemeines Mißtrauen. Eine Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes drohe neue soziale Llnruhcn herbeizuführtzn. Richts sei verderblicher und gefährlicher, als abzuwarten und zu sehen, was kommen werde. Sofortiges Handeln sei notwendig. Der Lebensstandard aller Völker müsse durch internationale Zusammenarbeit erhöht werden, und zwar nicht nur, um Deutschland zur Aufbringung seiner Reparationszahlungen zu helfen. Deutschland sei außerstande, sich neue Märkte zu erobern, da sich andere Völker entweder dagegen sperrten oder aber nicht kaufen könnten. Da keine Substanz mehr vorhanden sei, müsse Deutschland Geld verdienen, um seinen Reparationsverpflichtungen nachkommen zu können. Der Kardinalfehler der sozialistischen Politik sei es gewesen, der Welt und der deutschen Arbeiterschast vorzumachen, daß das Reich in der Lage sei, die Reparationszahlungen zu leisten. Seit der Haager Konferenz beginne der kleine Mann in Deutschland einzusehen, daß er an den Wiedergutmachungsverpflichtungen direkt inter- efsiert sei. da er mit seinem eigenen Verdienst dafür aufkommen müsse. Darauf sei der Umschwung zurückzufnhren. wie er in dem Ausfall der Reichstagswahlen zum Ausdruck gekommen sei. Das deutsche Volk fühle sich in seiner nationalen Würde fortgesetzt mit Füßen getreten. Die ihm auferlegten Bedingungen seien unerfüllbar. Diese Erkenntnis habe die verständliche Reaktion verursacht. Schacht gab dann seiner gespannten Zuhörerschaft eingehend die Gründe bekannt, die ihn nach der Haager Konferenz zur Ablehnung des Voung-Planes veranlaßt haben. Diese Gründe seien einmal die weitere Beschlagname des deutschen Eigentums gewesen, ferner die Einführung der politischen Sanktionsklausel, die die Möglichkeit zur Anwendung von Gewaltmaßnahmen bedeute Die gegenwärtige Lage in Deutschland, die eine Folge seiner katastrophalen Wirtschaftslage sei, gebe dem Reichskanzler Brüning unzweifelhaft das Recht, ein Moratorium zu verlangen« Der Reichskanzler schrecke aber vor diesem Mittel zurück, um die Welt nicht zu beunruhigen. Aber der Antrag auf ein Mc^atorium werde eines Tage« bestimmt kommen. Schachts persönliche Ansicht sei. daß Brüning jetzt eine Atempause einlegen wolle durch eine neue Anleihe. Brüning wolle der Welt Gelegenheit geben, die Reparationsfrage für eine endgültige und tragbare Lösung noch einmal zu gemeinsamer sachlicher Arbeit zu überprüfen. Aerzie-Tagung in BadNauheim. 4 Bad-Rauheim, 3. Ott. Von etwa 150 deutschen und ausländischen Aerzten ist t>er 7. Fortbildungslehrgang für Aerzte besucht. der von der Vereinigung der Bad-Rauhei- mer Aerzte veranstaltet wird und als Gesamtthema die „Pathologie und Therapie der Zirkulationsstörungen" behandelt. In zum Teil sehr aktuellen Einzelreferaten sprachen gestern und heute Prof. Koch (Berlin) über „Der funktionelle Dau des Herzens". Prof. Moritz (Köln) über „Das Spiel der Herzklappen", Prof. Veil (Iena) über „Herz und endokrine Erkrankungen", Prof. Koppang (Oslo) über „Herz- und Aortenlues". Prof. Hildebrandt (Gießen) über „Pharmakologie der Herz- und Ge- fäßkronkheiten", Prof. o. o. Delden (Berlins über „Kreislaufanalepsis", Prof. Cbbecke (Bonn) über „Gefäßreaktionen und Blutversorgung der Riere", Prof. Grafe (Würzburg) über „Kreislaufstörungen bei Stoffwechselkrankheiten", Prof. Seyderhelm (Frankfurt) über „Operation und Herz" Prof. Munk (Berlin) über „Die sog. periphere Arteriosklerose". Der dritte Tag wird noch folgende Referate bringen Dr. Kutschera HAichbergen, Wien) »Herzschwäche und Myodegeneratio cordis", Prof Freudenberg (Marburg) „Die Beteiligung des Herzens bei der infantilen Tetanie", Dr. H. Sachs (Berlin) „Die Kreislaufstörungen des Schulkindes", Prof. Katfch (Greifswald) „Lieber Erfahrungen mit der Schlagvolumenbestimmung". Der Lehrgang wurde vom Dorsihenden der hiesigen Aerztevereinigung, Sanitätsrat Dr. Hahn, im Hörsaal des Medizinischen Instituts eröffnet. Als Gäste hieß Dr. Hahn u. a. willkommen: Kurdirektor v. Böhmer, Bürgermeister Dr. Ahl. Ministerialrat Schrohe von der Ministerialabtei- lung für öffentliches Gesundheitswesen, den Dekan der Gießener medizinischen Fakultät, Prof. Hildebrand. Einem geselligen Beisammensein im Kurhaus wohnte gestern abend Finanzminister Kirnberger bei, 5er Gelegenheit nahm, die Gäste namens der hessischen Regierung herzlichst zu begrüßen. 2$. Bad-Rauheim, 4. Ott. Aus Anlaß der Aerztetagung fand gestern abend im kleinen Bühnensaal des Kurhauses vor ausverkauftem Hause eine Aufführung des Lustspieles „Die Prinzessin und der Eintänzer" durch das Gießener Stadttheater statt. Die Darstellung und die Bühnenausstattung waren ausgezeichnet und verhalfen dem Stück zu einem großen Erfolg. Sternfahrt durchHinimi undHölle Von Hermann Linden. 3a, nun also traten wir heraus auf die Straße, in den frühen, geräuschlosen Morgen, schon aber tropfte wieder häßlicher Regen aus feindlichen Wolken herab, die Dögel fangen nur mit wenigen Schnäbeln, Fabriksirenen schrien in der Ferne, „er“ aber stand da, willig und rennbereit, in dunkelbraunem Glanze, mit der Standarte geschmückt. Wir streichelten ihn, guckten ihm noch einmal hinein in den stählernen Leib, stiegen ein. Die kleine Frau mit dem schlauen Kindergesicht, der rundliche Monteur, ich. die Handkoffer und Decken und dann er, er, der unser aller Genick in der Hand haben sollte, zwei Tage lang. Dann fuhren wir los. Himmel und Hölle, durch die wir fuhren, liegen beide auf unserer Erde. Der Himmel waren die kurzen Augenblicke der geizigen Sonne, ungeahnte, entzückende landschaftliche Motive und — vor allem — der Rausch des Tempos, der rasenden Leichtigkeit, wenn er dahinschob, flog, glitt, hundertundzwanzig Kilometer die Stunde, wie konnte er das nur, unser Freund, zweiundzwanzig Zentner ist sein Gewicht? Weil er einen silbernen Adler vorne an der Stirne trägt? Die Hölle hingegen war der Regen, der verflucht fein soll, der Hagel — dito! — der uns seine kalten, spitzen Cisstacheln in die freien Gesichtsstellen stieß — teuflischer jedoch als diese himmlischen Plagen waren jene Schurken, die ohne Signal um die Kurven fuhren, zehnmal haben sie unsere Gesichter erbleichen lassen auf dieser Fahrt, wären wir der Staat, wir hätten ihnen die Führerscheine zerrissen! Alle Insassen des Wagens haben eine Funktion. Die kleine Frau neben dem Fahrer notiert die Kilometer, kneift fortgesetzt die elektrische Hupe und verteilt Brote und Zigaretten. Der Monteur hat die Landkarte in der Hand und verfolgt die Orte. Llmwege gefährden die Punktzahl. Ich gucke in die Lust, verwünsche den Regen und fresse die Landschaft. Die kalte Miene des Fahrers zeigt uns Rückwärtssihenden die Spiegellaterne rechts. Tempo ist nur spürbar im offenen Auto. In ihm allein merkt man die wahre Geschwindigkeit. Im Flugzeug sitzt man wie in einem Zimmer. 3m offenen Auto aber sitzt man mitten in der Luft Mit hör f’if» fteiaernben Sckmelliakeit verändert sich der Aggregatzustand der Lust. Ganz empfindlich bei windigem Wetter. Die Lust wird hart. Bei achtzig Kilometer Geschwindigkeit fängt fie an zu schmettern, und bei hundert zerbricht sie ständig wie Glas. Zuweilen verliert der Fahrer meine völlige Sympathie. Wenn er über Cisenbahngeleise fährt oder abschüssige Böschungen herab. Hopsa, geht es da, und wir zwei, der Monteur und ich, die wir hinten sitzen, fliegen empor wie auf einem Pferdesattel. Wir fallen doch noch einmal heraus Der Monteur ist dicker als ich, er fliegt nicht so hoch Dieses Fahren ist kein reines Dergnü- gen. Man kann es sich nicht leisten, sich gemütlich in den Fond zurückzulegen. Man darf die Landschaft nicht anträumen. Man muh auf fein Leben achtgeben Roch nie habe ich so viel körperliche Akrobatik getrieben Sofort, wenn das schwere Tempo einsetzt, muh man seinen Körper strategisch placieren. 3ch bohre Schuhspitzen, Ellenbogen und Fäuste in das Lederpolster, sehe mich tief und schräg, lege mich bei linken Kurven nach links, bei rechten Kurven nach rechts und bedauere mein geringes Gewicht. Aber es nützt nur relativ. Hopsa, springt der Wagen: „Herr", — schreie ich den Fahrer an — „ich wiege nur einhundertzwanzig Pfund!" Aber mein Ruf zerbricht wie die Luft. Der Fahrer hört ihn nicht. Er fährt und fährt. Immer geht es noch einmal gut vorbei. Diese Sprünge sind etwas für die Freunde des süßen Grauens. Durch bayerische Dörfer und Städte fahren wir, Städte, in denen die Bischöfe sitzen und Dörfer, für die ein Automobil eine Sensation ist Alte Mütter stehen auf ihren hohen Haustreppen und starren dem blitzenden Teufel nach, Dauernkinder reihen den Mund auf wie die Würzburger Drückenlöwen, auf dem Bamberger Marktplatz läßt ein Weißbinder feinen Färb« topf fallen, er hätte das nicht zu tun brauchen. So schrecklich sind wir doch nicht. Zwischen einem halben Dutzend Straßen müssen wir jeweils jonglieren, bis wir die fahrbare gefunden haben. Wir Automobilisten find die Tyrannen der Landstraße. Wir finden daher wie alle Despoten widerspenstige Untertanen. Zwar nicken im Allgemeinen die Gäule gleichmütig vorüber, die scheckigen Köpfe der Kühe biegen scheu zur Seite und das gackernde, piepsende Federvieh stiebt entsetzt vor dem Hupengeschrill auseinander — aber unter all diesen Tieren, Radlern und wandernden Rucksäcken ist manche bocksbeinige Ratur. Aber da gibt es Straßen in den Wäldern der Rhön, die Lahn, entlang, im Taunus. Straßen, durch Wälder laufend, die hundert Kilometer lang kein menschlicher Fuß und kein Pferdehuf betritt, selten ein Radler überfährt — hier entwickelt unser brauner, ehrgeiziger Freund erst seine eigentlichen Kräfte. Die Hand des Fahrers greift ihm mit einem Hebel tief in das Herz und nun beginnt er zu rennen. Die Luft knirscht und klappert. Zerbrechendes Glas. Spanische Kastagnetten. Wie saust er dahin! Fliegend. Leicht und leise. Einem Schlittschuhtänzer vergleichbar, der über das Eis hinfliegt. Gottes und unsere Welt ist schön. Das Leben ist herrlich. Man vergißt das oft. Aber immer wieder muh man es bekennen. „Monteur, Monteur", lache ich, „was ist denn mit 3hnen los, 3hr Gesicht, das heute morgen rot war und pausbäckig wie ein Apfel, ist ja ganz elefantengrau geworden? Eine Staubkolonie?" Er gnnst und deutet auf mein eigenes. 3ch ziehe den Spiegel. Wir beide schon haben den Schmutz eines ganzen Landes im Gesicht. Ach, wie aber wird der Wagen erst aussehen? Auch die Seifenfabriken werden Ruhen ziehen aus dieser Fahrt. Zuweilen wird getankt. Dann murrt er, der Wagen. Stillstehen ist nichts für ihn. Das muh er oft genug in der Garage. Wir werden, wenn wir so weiter fahren, bald am Ziele fein, wir werden, da wir viele Konkurrenten schon überholt haben, die höchste Kilometerzahl erreichen, wir werden müde und blaß, aber lachend aus dir heraussteigen, brauner Renner, ein Bad wird auf dich Herniederrif chen ... Roch aber fahren wir, fahren, fahren. 3rrftnnig vergnügt flattert die Standarte am linken Rande der Glasscheibe. Pfützen spritzen auf als schmutzige Fontänen. Rach zeitraubenden Serpentinen kommen wieder lange Straßen. Sie haben oft tiefe Mulden. Zuweilen sehen sie aus, als würden sie lebendig, würden sich bewegen, geringelten Schlangen gleich, die ihre Leiber auf- und niederrollen. Wir fahren. Für uns gibt es nichts als die Richtung. Tannenduft vermischt sich mit Düngergestank. ' Wieder beginnt es zu regnen. Dennoch sind die Dorfstrahen voller Kinder. Sie gellen eine Salve in den <5fai*b unseres Renners Wir fahren durch die Zielstadt auf den Cmp- fangsplatz. Die Musik schmettert jedem Wagen eine Ovation entgegen. Mädchen bringen Blumen, Sekt und Brote. Die einfahrenden Wagen reihen sich auf. Photographen haben zu tun. Wir können das gereichte Glas nicht sofort nehmen. Die Handschuhe lassen sich so schwer ausziehen. Sie sind durchnäßt. Wir betrachten unseren Renner. Der Schmutz eines ganzen Erdteiles klebt an ihm. Lind noch etwas. Eine Taube. Sie hängt unter dem Motor. Sie ist tot. Fristete vielleicht einige Minuten vorher noch ihr zartes Leben. Flatterte in den stählernen, sausenden Tod. Hochschulnackrichten. Der namhafte Leipziger Germanist, Geheimrat Professor Dr. phil., Dr. theol. h. c.» Dr. med. h. c. Eduard Sievers feiert am 6. Oktober das 60jährige Doktorjubiläum. Fachliterarisch hat sich Geheimrat Sievers besonders auf dem Gebiete der altgermanifchen Philologie, Phonetik und Metrik betätigt. Die von Sievers begründete „Schallanalyse" erregte in Fachkreisen erhebliches Aufsehen. - In der Philosophischen Fakultät der Universität R o st o ck ist der außerordentliche Professor für vergleichende Sprachwissenschaft, Dr. Leo Weisgerber vom 1 Oktober 1930 ab zum ordentlichen Professor ernannt worden. Aus Anlaß der Eröffnung des neuen Pergamon-Museums in Berlin sind von einem ungenannten Deutsch-Amerikaner 50 000 Mark für die weitere Erforschung und Erhaltung der Altertümer zu Pergamon gestiftet worden. Durch diese hochherzige Zuwendung wird der Leiter der Ausgrabungen, Geheimrat Direktor Dr. Th. Wiegand, instandgesetzt, zahlreiche Probleme, die das Gebiet der alten Stadt Pergamon noch bietet, ihrer Lösung entgegenzuführen. Profeffor Dr. Friedrich Ludwig, der Rektor der Göttinger Universität während des ©tu* dienj^hres 1929'30, ist verstorben. Professor Ludwig stand im 58. Lebensjahre und ist einem schweren Herzleiden erlegen. Er hatte in Marburg und Straßburg studiert, habilitierte sich 1905 in Straßburg und kam 1920, als er von den Franzosen aus Straßburg vertrieben wurde, nach Göttingen. Hier übernahm er den Lehrstuhl für Musikgeschichte. Tagung des hessischen Handwerks und Gewerbes. (Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers".) Die Stabt Alsfeld war am Samstag und gestern die Stätte einer bedeutsamen Tagung: des diesjährigen HessischenHandwerker- und Gewerbetages. Don der Bevölkerung der Stadt und ihrem Bürgermeister Dr. B ö l - sing als Vertreter der Stadtverwaltung wurde den Gästen ein herzlicher Empfang bereitet, der sowohl in der organisatorischen Vorbereitung wie auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Bereicherung der Tagungsstunden überzeugend zum Ausdruck kam. Den umsichtigen Gastgebern wurde denn auch am Schlüsse der Tagung verdientermaßen Dank und Anerkennung ausgesprochen. Oer Begrüßungsabend als Auftakt. Aach der Tagung des Landesausschusfes am Eamstagnachrnittag, die hauptsächlich der Vorbereitung der Hauptversammlung galt, fand am Samstagabend im großen Saale des „Deutschen Hauses" bei starker Beteiligung ein B e - grüßungsabend statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz beseht. Das reichhaltige Unterhaltungsprogramm wies in bunter Abwechslung Darbietungen der Gesangvereine „Liederkranz" und „Harmonie", sowie des Alsfelder Turnvereins, ferner mehrere lebende Bilder auf, von denen namentlich das letzte Bild, die Huldigung des Handwerks an den Reichs- prasidenten von Hindenburg, stürmischen Beifall fand. Glasermeister L e n t h als Vorsitzender des Ortsgewerbevereins Alsfeld begrüßte in kernigen Worten die Gäste. Ministerialrat Hechler. Darmstadts als Vertreter des Hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft überbrachte dessen Grüße. Bürgermeister Dr. Völsing sprach namens der Stadtverwaltung, gab seiner Freude über den guten Besuch der Tagung Ausdruck und begrüßte besonders die Vertreter aus dem befreiten rheinhessischcn Gebiete. Es sei auch eine selbstverständliche Aufgabe der Gemeinden, das Handwerk zu fördern, dem er wieder bessere Zeiten wünschte. Rarnens der Handwerkskammer überbrachte deren Vorsitzender A o h l, Darmstadt, Grüße zu der Tagung, die in eine außerordentlich schwere Zeit der Wirtschaftskrise falle. Den Höhepunkt des Abends bildete die glänzende Aufführung des 6. Aktes mit Schwerttanz aus dem Festspiel zur 700-Iahrfeier der Stadt Alsfeld: „Im Sturm des großen Krieges" von Oberreallehrer Karl Dotter, das teilweise infolge des stürmischen Beifalls wiederholt werden mußte. Die entsprechende musikalische Um- rahmung des Abends hatte das unermüdliche Alsfelder Zugendorchester unter Leitung von Oberreallehrer Dotter übernommen, der sich seiner Aufgabe vortrefflich entledigte. Oie Hauptversammlung fand am gestrigen Sonntag vom Vormittag bis in den Nachmittag hinein im großen Saale des „Deutschen Hauses" statt. Mehrere hundert Vertreter des Handwerks und Gewerbes aus dem ganzen Hessenland: insbesondere natürlich viele aus Oberhessen, füllten den großen Saal und die Empore bis zum letzten Platz. Oie Eröffnung. Der Vorsitzende des Hessischen Handwerker- und Gewerbsverbandes, N o h l (Darmstadt), begrüßte in feiner Eröffnungsansprache besonders die Behördenoertreter und die sonstigen Ehrengäste. Dann betonte er, daß man der Wirtschaft trotz aller Warnungen zu viel zugemutet habe, und auch das Handwerk jetzt verzweifelt um sein Bestehen ringe. Er sagte dann u. a. weiter: Man hat feit der Umänderung unserer Staatsform zu viel Gesetze gemacht, die zur Lahm- legung der Wirtschaft führen muhten. Wir haben uns Wohlfahrtseinrichtungen gegen den Willen der Wirtschaft gestattet von einer Ausdehnung, die sich nur ein Staat erlauben kann, der über viel Geldmittel verfügt. Es war, als wenn wir den Krieg gewonnen hätten. Man dachte zu wenig an die Beschaffung von Arbeit für das Volk. Die Einrichtung der Wohlfahrt war die Hauptsache. Die Reichsregierung sucht nun allerhand Auswege. Da erschien als erstes wieder die Preissenkung in der Wirtschaft und im Handwerk. Die Reichsbahn erhöhte ihre Tarife, und dem Handwerker, der für die Reichsbahn Arbeit liefern wollte, wurde zugemutet, wenn er als billigster bei den Submissionen auf Arbeiten reflektierte, nochmals einen ganz unerträglichen Rachlaß einzugehen. Also wieder und immer wieder wird am Kleinen angefangen, und die eigentlichen Urheber der Heberteuerung, Syndikate, Trusts usw., werden geschont. Wo es galt, haben wir uns eingesetzt für den von uns vertretenen Berufsstand. Unaufhörlich haben wir vermittelnd zwischen Handwerk und den maßgebenden Stellen gestanden, aber e i n Berufsstand allein ist ohnmächtig gegen die Entwicklung eines solchen Rieder- ganges. Wir wissen, wie schwer es jedem einzelnen unserer Standeskollegen sein wird, sich und seine Familie in diesen ungeheuerlichen Zeiten zu ernähren. Wir sehen zwar mit großem Bedenken den kommenden Monaten entgegen, verlassen uns aber auf uns selbst. Rur stellen wir die Forderung, daß zur allmählichen Beseitigung der enormen Schuldenlasten des Reiches, des Staates und der Kommunen äuherfte Sparsamkeit im haushalt geübt wird. Die Steuergesetzgebung muh vereinfacht und so gestaltet werden, dah die Lasten gleichmähig und gerecht verteilt sind. Heute dreht es sich noch um die E r h a lt u n g unseres Eigentums. Das Handwerk muß in diesen schweren Stimden zusammen stehen und seine Geschicke selb st in die Hand nehmen. Der Ruf nach Besonnenheit in de r A o t soll uns vernünftig machen. Mit festem Arbeitswillen wird das deutsche Handwerk sein Schicksal -auch in Zeiten dieser Rot meistern, wenn es geschlossen zusammen- st eh t. Durch seinen Fleiß und Arbeit sollen auch wieder bessere Tage kommen, nicht nur für bas Handwerk, sondern für das gesamte deutsche Vaterland. Hierauf übermittelte Ministerialrat Hechler. (Darmstadt) die Grüße und besten Wünsche der Regierung. Kreisdirektor Dr. Stammlur (Alsfeld) begrüßte die Tagung namens des Kreises Alsfeld würdigte die große Bedeutung des Handwerks und Gewerbes für die Volksgesamtheit in treffenden Worten und schloß mit besten Wünschen für den Handwerker- und Gewerbestand. ^.Bürgermeister Dr. Völsing (Alsfeld) hieß die Gaste im Aamen der Stadt Alsfeld will- kommen, wies darauf hin, daß in Alsfeld von jeher Handwerk und Gewerbe Mittelpunkt des kommunalen Lebens seien, und begrüßte es mit Genugtuung, daß Handwerk und Gewerbe zu dieser Tagung nach Alsfeld gekommen seien. Er bezeichnete die Tagung als eine R o 11 a g u n g , die aus der Rot der Zeit entstanden sei und wünschte, daß die Beratungen den Teilnehmern einen Lichtblick geben möchten. Rach kurzen Dankesworten des Verbandsoor- sihenden folgten die Hauptberatungspunkte. Oie Vorträge. Zunächst sprach Dr. Wagner (Marburg) über die „Be deu tung und Aufgaben des deutschen Handwerks in der wirtschaftlichen und politischen Krisis der Gegenwart". Rach einem Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte des Handwerks seit der Mitte des vorigen Iahrhunderts kam der Redner zum Kernproblem seines Themas. Er hob eindringlich die Rachteile der Tatsache hervor, dah der gewaltigen vereinigten Macht der Kartelle, Trusts und Syndikate der Mittelstand noch immer als einzelner gegenübersteht. Sodann nahm er Stellung gegen die Betätigung der öffentlichen Hand in der Wirtschaft, schilderte die große Bedeutung des Mittelstandes und des Handwerks für das Volksganze und warnte, den Mittelstand noch tiefer herabzudrücken, da unser Volk dann schließlich beim Bolschewismus enden werde. Aus wirtschaftlichem und standespolitischem Wege müsse das Handwerk sich aus der Rot der Zeil herausarbeiten. Zu diesem Zwecke empfahl der Redner in wirtschaftlicher Hinsicht unbeöyigte Einigkeit im Handwerk und Zusammenschluß in Handwerker-Genossenschaften. Standespolitisch sei der Mittelstand aus das Beispiel der Gewerkschaften hinzuweisen. Handwerk und Gewerbe müßten sich eine feste standespolitische Organisation schaffen und diese in die Waagschale werfen. Standespolitik müsse über Parteipolitik gehen. Mißgunst und Berufsneid seien im Handwerk und Gewerbe zu unterdrücken. Der Mittelstand könne nur weiter existieren, wenn er solidarisch sei und seinen Führern folge. Rur auf der Grundlage eines festgefügten Mittelstandes könne unser Volk auf die Dauer bestehen. Darum sei im gesamten Volksinteresse die Erhaltung und Ausbreitung eines gesunden Mittelstandes notwendig. Der zweite Redner. Als zweiter Redner sprach Syndikus Dr. Vierrath- Berlin über „Aufstieg oder Nieder- gang, Schicksalsfragen d e s deutschen Handwerk s". Der Redner polemisierte in scharfer Form gegen die Politik im vergangenen Jahrzehnt und betonte, die bisherigen Kabinette hätten uns mehr hineingeritten, als geholfen. Diese Politik werde heute noch getrieben, und dabei gehe das Volk zugrunde. Sodann steigerte der Redner seine Vorwürfe gegen das parlamentarische System und gegen die führenden politischen Kreise weiter, worauf derRegierungsvertreterMinistcrial. rat Hechler den Saal verließ. Der Redner betonte dann u. a., wenn der Mittelstand bessere Zeiten herbeiführen wolle, bann müsse er hinein in die Stellen, wo Einfluß vorhanden sei. Der Mittelstand dürfe nicht nur an sein Geschäft denken, sondern müsse auch am Staat und im kommunalen Gemeinwesen Mitarbeiten. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen beschäftigte sich der Redner u. a. mit der Auswirkung der Beamtenbesoldungs-Erhöhung von 1927, mit den Lohnsteuersenkungen und mit dem Anwachsen der 31. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Roman von 3- Schneider-Foerstl. Llrheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. Traumhaft scheu erglühten die Christrosen unter der Decke des Schnees, die der Himmel als schützender Mantel über sie warf. Mit zagen ^Fingern brach sich in Frankes Herzen das Hoffen Bahn und grub sich durch Zorn und Groll den Weg zur Liebe, der solange verschüttet gewesen war. 3n sich hineinhorchend dachte er den Worten der Mutter nach: „Sie hat dir alles überlassen und nichts für sich behalten. Gibt dir das nicht zu denken?"--llnö weiter hatte sie gesagt: „Wenn du den Brief in Ruhe liest, mußt du doch fühlen, daß er unter unsäglichem Leid geschrieben ist." „.Unter unsäglichem Leid!" Helene, was liegt zwischen uns?--Zum Ersten Male kam es ihm zum Bewußtsein, daß etwas zwischen ihnen sein mußte, was sie voneinander getrennt hatte. Ihr Bries ruhte seit zenem Tage in seiner Brieftasche verborgen. Unleserlich, in der Schwärze der darübergeflos- lenen Tinte, war doch jedes Wort in seinem Erinnern geblieben: „Ich nehme alle Schuld auf nnch. Du kannst mich wegen böswilligen Ver- lassens anklagen und wirst das Gesetz immer aus deiner Seite finden." Das Gesetz! — Lächerlich! Was hatte das Ge- fetz mit ihrer und seiner Liebe zu tun? „Sollte dir Bert einmal lästig fallen, so bringe ihn mir. Meine Arme sind immer für ihn gc- öffnet! 2Eit tausend Wonnen, Just!"--Mit taufenö Wonnen! So sehr liebte sie Ihn! Und trohdeni ihr Verzicht: „Ihn überlasse ich ganz deiner Liebe und Sorge. Ihm schenke ich nichts ^ge.ihm, dah ich es bis zum letzten BluEtropfen für ihn zu verströmen be- reit bm. Etwas Besseres habe ich nicht zu geben. Helene, pur ein einziges klares Erkennen das deine Worte enträtselt. Warum entsagst Äer alles liebst? Warum ver» bannst du dich selbst, wenn deine Seele sich dabei verblutet? J '-Do? dir^ mein Iust, knie ich und danke dir für die sechzehn Iahre des Glückes! Für jede Stunde der Liebe und Seligkeit, die mir an deiner Seite wurde! Helene, war ich denn verblödet, dah ich aus diesen Worten nicht den Schrei der Sehnsucht horte, der von deinem zu meinem Herzen rief? War ich denn so von jedem Gott verlassen, dah ich nur meiner Qual gedenkend, die Verzweiflung deiner Seele nicht fühlte und dich der Sünde zieh, ein dirnenhaftes Weib zu fein? — Unö hast mich doch deiner Liebe und Treue bis ans Ende versichert? Draußen ging der Sturm zur Ruhe. Klein- Iust sprach zuweilen im Traum. Sein ruhig klopfendes Herz wußte nichts von der Qual des anderen, das Seite an Seite mit ihm schlug. Helene, wo finde ich den Weg, der mich bis r sührt, die dein Geheimnis verschließt? Ich will sie erbrechen — und stünde Mord und Blut dahinter. Von dem Ietzt rannen seine Gedanken in die Vergangenheit zurück, in die Tage ihrer kurzen Brautzeit. Sie lehnte im Garten an seiner Schul- klagte: „Du hast mich'krank gemacht! Vielleicht muh ich sterben daran!" Stand er nicht hier schon an der Schwelle des großen Rätsels? Wie ein Pfeil schoh baß Erinnern auf an jenen Morgen, wo sie ihm, bleich toie_ der Tod, entgegengekommen war. Sie war verändert gewesen wie ein Mensch, der innerhalb vierundzwanzig Stunden ein anderer ge- tooröen ist: „Ich habe mich an einer Schnur gewürgt — sie rih." Und dann das schaudervolle Bekenntnis: „Ich habe es selbst getan, weil ich unheilbar krank bin.“ Unheilbar krank! „3$ Rarr!" — Der kleine 3uft schrak jäh auß feinem Traum empor. Franke drückte ihn sachte wieder zurück. Er hatte ihre Worte streng sachlich genommen und sie — die Aermste — hatte von dem Siechtum ihrer Seele gesprochen. ou mein armes, gehetztes Weib!" Welche Last schleppte sie neben ihm her durch alle die 3ahre, an welchen sie Seite an Seite mit ihm gegangen war? llnö toieöer suchte und suchte er und fand Die Türe nicht zu dieser allerletzten Kammer, bis an deren Schwelle er vorgedrungen war. llnö wieder bohrte er sich den Weg in die Vergangenheit. Zäh und verbissen überdachte er die Stunden vom ersten Male seines Zu« sammentreffens mit ihr: Die Fahrt herüber Dolepp, wie sie am Waldsaum das weihe Tuchlein flattern lieh. Aversons Gesicht tauchte im jähen Schüsse auf und versank wieder. —--Der nicht' __ war treu! 3hr Freund und seiner! Ein ?er cmen Mann beschmutzte wie diesen. t ^min? ~ Wie ein Peitschenhieb fuhr es über ihn hin, dah sich fein ganzer Körper bäumte. rnach der Grohmama, fühlte W zuruckgedrängt und murmelte unverständliche Worte tn das Kissen. Franke krallte die Finger in das Leinen und biß in die Lippen, bis er u3lut verspürte. „3ch bin schon einmal verheiratet gewesen! Selene, in diesem kurzen Geständnis jener Vormittagsstunde liegt dein Geheimnis ücr- Eert. — — Hier begann ihre Lüge! Hier SÄ Wahrheit ab und ging Öen OSeg öer Schuld und des Betruges, der Zuletzt u ®D™en9eftrul)l> der Verzweiflung endete. Und aus dem es keine Rettung mehr gab — von ihm zu trennen. ' ii. SÄ RQDort^.l8re£ Briefes glaubte er nun Jinrote butter hatte geurteilt wie eine S* Herrn. Er war unter unsäglichem Leid geschrieben und seine Seele hatte die Qual der ihren nicht geahnt. Hnd sie, die arme verzweifelte Frau, hatte wohl Stunde um Stunde gewartet, dah er käme! Daß er frage! Dah er sie zurückhole in seine Arme, heim zu sich und den Kindern! Und nichts von alledem hatte er getan! Wie ein gekränkter Pascha hatte er hier auf Rottach-Berghof ge- selien und hatte sie ihrer Rot und Verzweiflung überlassen, als ob es sich um eine Fremde, Ungeliebte handle und nicht um das Weib, das sechzehn 3ahre lang in Treue an feiner Seite gegangen war. Älein-^uft fühlte sich plötzlich aus feinem Kinderschlaf gerissen und mit Küssen überschüttet. Lächelnd hob er die Arme und schlang sie um Den Hals des Mannes, der ihn immer und immer wieder an seine Brust drückte. Der Kleine lächelte noch, als das Köpfchen wieder gegen das Herz des Vaters gesunken war und dort liegen blieb bis zum Morgen, wo die helle, strahlende Wintersonne ihn aus weihnachtsseligen Träumen weckte. „Gott, wie Papa schreibt!" sagte Sabine und Aich das Blondhaar aus der Stirne, um eß im Dacken zu knoten. Der Spiegel warf das Bild Hellas, die hinter ihr stand, zurück. Die Hände welche den Bogen hielten, zitterten leicht. 3hr Mund war zum Weinen verschoben und prehte sich hart aufeinander. „Wenn ich nicht solche Furcht vor ihm hätte! Einen, den man zum Schafott bringt, kann das Herz nicht ärger klopfen wie mir.“ „Er hat uns aber doch immer geliebt! Er war doch immer gut zu uns - früher wenigstens", mahnte Sabine. „Dah er durch Huberts Unglück ein anderer geworden ist, darfst du ihm doch Nicht als solche Schuld anrechnen.“ „Ach du! — Du betrachtest es eben nur von öcmem Standpunkt aus." Hella rief es in zorniger Verzweiflung und Selbstanklage und blickte ans Fenster tretend, noch dem See, der in gleichförmigen Wellen kreiste. „Einmal!--Einmal nur möchte ich noch--“ »Was möchtest du denn, Hella?“ Sabine legte Die Hand auf die Schulter der Schwester und lehnte ihr Gesicht an deren Wange. Mit der Linken streichelte sie ihr den Arm herab. Ohne sich umzusehen, den Blick noch immer auf Den See gerichtet, seufzte die Aelteste: „Roch einmal so glücklich fein, wie ich es früher war" Sabines Arme glitten herab. „3ch begreife dich jetzt m so vielem nicht mehr." „Das glaube ich wohl! Aber lah nur!" Die 2^ere schob die Schwester heftig von sich: „Ich habe es der Mama versprochen, daß ich nicht mit dir über all diese Dinge spreche — die - ach Sabine! - Ich -“ Mit eben demselben Ungestüm, mit dem sie vorher die Schwester von sich geschoben hatte, warf sie jetzt die Rrme um deren Hals und drückte das Gesicht gegen ihre Schulter. Die Hände der Iüngeren streichelten immerzu über den blonden Kopf und hielten die SechGewerbesteuer usw., wobei er hervorhob, von Steuergerechtigkeit sei heute gar nichts zu spüren. Er übte bann scharfe Kritik an den außerordentlich hohen Sozialauswendungen, womit er aber gegen eine in vernünftigen Grenzen gehaltene Sozialfür- sorge nichts sagen wollte, und an dem ungeheuerlichen Anwachsen der Verwaltungskosten. In diesem Zusammenhang sprach er von vier inneren Feinden: 1. die ungeheure Verwaltungsaufblähung, 2. das Rosen der Gefetzgebungsmaschine, 3. die lieber- spannung des sozialen Gedankens, 4. die Bewilli- gungssreudigkeit der Parlamente. Er nahm Stellung gegen die Ernennung von Beamten aus politischen Gründen auf Grund des Parteibuches und gegen „den unheimlichen Bildungsfimmel". Er sprach sich nachdrücklich für den Grundsatz des Berufsbeamtentums und für entschiedenste Sparsamkeit in der Verwaltung aus. vom Handwerk und Gewerbe müsse zur Durchsetzung seiner Forderungen Im Staate mehr Solidarilälsgefühl, der Ausbau feiner wirtschaftlichen Macht durch Schaffung von Genossenschaftsbanken, mehr Opfersinn gefordert werden. Danebe müsse die Berufsausbildung noch besser werden, die Nutzbarmachung kaufmännischer Grundsätze im Betrieb, rationelle Ausnutzung des Materials und geschickte Reklame bei der Kundenwerbung seien weitere Erfordernisse. Die Handwerker und Gewerbetreibenden müßten ferner zuerst Kollegen und dann erst Konkurrenten, sie müßten eine Lebens- und Schicksalsgemeinschaft von Persönlichkeiten sein. Auf diesen Wegen könnten sie auch mehr Macht im Staate erringen. Aussprache. Ministerialrat Hechler, der nach dem Vortrage von Dr. Vierrath wieder im Saale erschien, protestierte entschieden gegen die Ausführungen des Redners, dessen „gehässige und unverantwortliche Ausdrücke gegen die Reichsregierung und die Landes- regierung er entschieden zurückweise". Dr. Vierrath gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß bei dem Regierungsvertreter ein solcher Eindruck seiner Worte entstanden sei. Don Gehässigkeit sei ihm nichts bekannt, ihm habe auch jede Absicht der Kränkung, der Beleidigung oder Beschimpfung der Behörden und Regierungen ferngelegen. Ministerialrat Hechler nahm mit Befriedigung von dieser Erklärung Kenntnis, die es ihm ermögliche, weiter an der Sitzung teilzunehmen. Nach einer kurzen Verhandlungspause gab der Vorsitzende Nohl eine Erklärung ab, in der der Zwischenfall außerordentlich bedauert und erklärt wurde, daß das Handwerk, fine bisher schon, auch künftig die guten Beziehungen zur Regierung aufrecht zu erhalten wünsche. Nach feiner Ueberzeugung habe der Vortragende zwar temperamentvoll gesprochen, aber sicherlich niemand beleidigen wollen. Oer JReR der Tagesordnung. Der Vorsitzende R o h l erstattete sodann die Jahresberichte der Ausschüsse. Anschließend folgte eine Aussprache über die Vorträge und die Ausschußberichte, in der den Darlegungen des Vortragenden zugestimmt und die Berichte gutgeheihen wurden. Die Iah res» r e ch n u n g wurde nach der Prüfung durch den zuständigen Ausschuß gutgeheihen. Anschließend berichtete Handwerkskammerdirektor Schüttler, Darmstadt, über eine -Reihe von Anträgen, die entsprechend Öen Ausschußbeschlüssen weiter behandelt werben sollen. Die Anträge haben u. a. zum Gegen- ftanö: Schärfere Bekämpfung der Schwarzarbeit, Schuh von Handwerk und Hausbesitz gegen die andauernde Erhöhung der Gemeindesteuern, Stellungnahme gegen die vermehrte Inanspruch- nahme der Sondergsbäudesteuer für allgemeine zehnjährige umfaßt, bis sie wieder ruhiger geworden war. „Wir müssen packen, Hella. Denke an morgen abend! Da holt uns Bödlinger mit &em Schlitten in Tegernsee. Freust du dich denn gar nicht auf zu Hause?" „Ich habe nur Angst! — Solch unerklärliche 2Inglt. Ich springe noch in den See oder vom Balkon oder —“ Sabine begriff nicht, warum öie Schwester plötzlich mit einem hellen Schrei nach dem Fenster zurückwich und abwehrend den Arm hob. Im Rahmen der Türe stand Franke und sah nach den Töchtern hinüber. Der Hut, den er in ber Hand trug, kollerte zu Boden, so wild hatte Sabine sich an feine Brust geworfen: „Vater!“ Sie hob das Gesicht und ließ die Augen über fein ergrautes Haar streichen. Ihr roter, weicher Wund blühte dem schmerzverzogenen des Mannes entgegen, der über sie hinweg nach seiner Aelte- sten sah, deren Gesicht blaß vom Fenster her- überleuchtete. »Hast du meinen Brief nicht bekommen, Hella?“ Sie stand wie angewurzelt. Rur ihre Augen schrien. Dann schob sich Fuß um Fuß, bis sie nur noch ein Meter Abstand von ihm trennte. 3hre Hand hob sich und glitt wieder an dem Zin.de herab. Seinen ganzen Anblick, jede Strähne ergrauten Haares empfand sie als eine Anklage. Sein leidgezeichnetes Gesicht, das von durchkämpften Rächten und durchgerungenen Tagen sprach, war ihr noch nie so erbarmens- unö liebenswert erschienen, als sie es jetzt vor sich^sah. „Ich bin schuldig geworden, Vater", stammelte sie leise. Sie bemerkte fein tiefes Erblassen und hob ihm bittend die Hände entgegen. „Richt so. Vater! — Richt so! Schuldig an dir!" Er hatte den Arm zu spät nach ihr ausgestreckt. Sie lag vor ihm in den Knien und lehnte das Gesicht gegen seine Hüfte, fühlte seine Hand auf ihrem Scheitel ruhen und griff danach, um ihre Lippen Darauf zu pressen. Sabine schlich sich wortlos aus dem Zimmer und drückte die Türe hinter sich zu. Was der Vater jetzt mit der Schwester zu sprechen hatte, sollte niemand außer ihnen hören. Als sie nach einer Viertelstunde wieder zurück- farn, saß er auf dem kleinen Divan und sprach ruhig mit Hella, deren Blick mit hingebender Liebe und bedingungslosem Vertrauen an ihm hing. Er winkte ihr zu und sagte gütig: „Ihr fahrt morgen nach Hause. Onkel Averson kommt euch cni0c9®n. In München erwartet euch die Großmama." Sabines Augen standen Dott weher Angst. lst in guten Händen, Kind. Professor Klahn hat meine Ditte erfüllt und verbringt fein Weihnachten auf Rottach-Berghof. - Außerdem i]t auch Graf Donnerswoda feit vorigem Sonntag unser Gast.“ „Vater!" Sabine legte von rückwärts die Arme um feinen Hals und drückte ihr junges Gesicht an fein hager und bleich gewordenes. (Fortsetzung folgt.) Verwaltungszwecke, sofortige Aufhebung ber WohnungSzwangswirtschast, die Ueberhandnahme ber Zuchthausarbeit, Unterstützung der Beamten im Kampfe für die Beibehaltung DeS BcrufS- beamtcntumS. Weiter wurde einstimmig^ eine <$ n t - schliehung angenommen, in der eS heißt: „Die Versammlung nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß im LandeSzuchthaus Butzbach eine mit modernsten Holzbearbeckungs- methoden ausgestattete Gchreinerwerk- stätte besteht und in dem Gefängnis zu D a r m st a d t eine moderne D u ch - Druckerei und Buchbinderei eingerichtet ist. Der Verband wendet sich entschieden gegen eine solche, daS Handwerk schwer schädigende Konkurrenz seitens st aal- licher Behörden. Besonders befremdlich findet es der Verband, dafi eine starke Kundenwerbung seitens dieser StaatSeinrichtungen eingesetzt hat und Dafi sogar Strasanstalts- insassen zu Handwerkern auSgeb il- det und zur Ablegung der Gesellenprüfung angehalten werden. Der Verband beauftragt die Verbandsleitung, gemeinsam mit der Handwerkskammer mit aller Schärfe gegen diese Einrichtungen der StrafanstaltSbehör- 5en und der Justizverwaltung Stellung zu nehmen zum Schutze des Handwerks." Vachdem unter „Verschiedenes" noch .einige Wünsche vorgebracht worden waren, wurde die Tagung geschlossen. Der nächstjährige Verbands- tag soll in Bensheim stattsinden. Gemeinsames Mittagessen, bei dem Vorsitzender Vvhl auf daS hessische Handwerk und Ministerialrat Hechler auf weiteres gutes Zusammenarbeiten sprachen. ferner der Stadt Alsfeld gedankt wurde, sowie Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten Alsselds beschlossen den Derbandstag. Aus der Provinzialhauptstadi. Gießen, den 6. Oktober 1930. Oer Jugend entwachsen. Das glauben alle, dafi es ein Glück sei, der Zugend entwachsen zu sein. Jedes Kind blickt zu dem Erwachsenen empor mit dem Gedanken: Wenn ich erst so weit sein werde! Vicht rasch genug kann es gehen mit dem Wachsen und Entwachsen. Der Schüler möchte dem Einfluß des Lehrers entrückt sein und sieht die Ersüllung seiner grofien Wünsche darin, die erträumte Freiheit zu besitzen. Der Lehrjunge möchte der Zucht des Lehrherrn nicht mehr unterworfen sein: Wenn ich nur erst Gehilfe sein werde! Das junge Mädchen blickt auf die älteren, die größere Freiheiten geniefien: Wenn ich nur erst so alt wäre, dafi ich auch nicht mehr so dem Willen der anderen unterworfen wäre! UnD noch kaum recht gedacht, ist das schon erreicht. Aber dann nimmt sich daS Erträumte ganz anders aus. Was großer Vorteil schien, ist gar kein Vorteil mehr. Mit der scheinbar größeren Freiheit sind die Pflichten gewachsen, die nicht minder einengen, alS die frühere Unfreiheit. Die Freiheit, die man erreicht zu haben glaubt, ist der eigenen Verantwortung anheimgegeben und nimmt sich nun gar nicht als Freiheit aus. Der Zucht des Lehrherrn wollte man entwachsen und sieht sich nun der Forderung eigener Zucht gegenüber, die nicht im geringsten weniger streng sein darf, wenn man sich im Leben behaupten will. 11 nb läßt man diese Selbstzucht locker, weil man mangels Ginsicht und Erfahrung glaubt, dafi es möglich sei, ihr cnt- taten zu können, so sühlt man an sich selbst die Vachteile, vor Denen man srüher Durch die Fürsorge der andern bewahrt wurde. Der Jugend entwachsen heißt nicht, etwas gewinnen, sondern etwas verlieren, oder besser, es bedeutet, etwas anderes eintauschen, das noch lange nichts Besseres zu sein braucht. Ob cs besser oder schlechter ist, ob es höher oder niedriger zu bewerten ist, das hat jeder allein zu entscheiden. Einzig darauf kommt es an, daß wir imstande sind, mit dem Veuen, das an uns herantritt, so zu wirtschaften, daß ein Gewinn für uns entsteht. Wer bereits ein Stück ins Leben hineingewandert ist, dem ist es nicht fremd, daß er sich über sein Leben jemals Gedanken gemacht hat. Gr hat immer wieder lernen, umlernen, durch Enttäuschungen und Viederlagen gehen müssen, um dorthin zu finden, wo er heute -steht. Wohl ihm, wenn er bei ernster Prüfung sagen kann: Ich habe bestanden, ich habe mich in meiner Aufgabe bewährt. Vicht alle können so sprechen, denn mancher ist entgleist durch Lei- denschast, durch mangelndes Gleichgewicht, durch Fehlen der Festigkeit des Charakters, die von ihm verlangt wurde. Sie müssen Darum nicht gescheitert sein am Leben: es genügt schon, daß sie schwankenden Boden unter sich haben. Und dem schwankt der Boden, dem nicht klar bewußt von Ansang an die Grundlage der Erkenntnis gegeben wurde, daß es nur scheinbare Freiheiten sind, die man gewinnt, wann man Der Äugend entwächst. S-r. Eröffnung der ärztlichen Fortbildungskurse. Wie man uns mitteilt, fand gestern im Studentenheim am Leihgesterner Weg die Eröffnungssitzung derFortbildungskurse der Medizinischen Fakultät unserer Landesuniversität statt. Etwa 80 Personen aus Hessen und allen Teilen des Reiches nahmen Daran teil. Notlandung eines französischen Klug zeuges im Vogelsberg. Am Samstag zwischen 17 und 18 Uhr landete ein französisches Flugzeug auf freiem Felde zwischen VieDer-Ohmen und Mer- I a u. Das Flugzeug war mit einem Piloten und einem Passagier besetzt. Es befand sich auf einem Sonderflug von Ä o ton d nach Paris. Dar Pilot hatte im Vebel die Orientierung verloren und suchte den Gießener Flughafen, um hier notzulanden. Da ihm dies nicht gelang, mußte er sich zu der Außenlandung entschließen. Die Flugmafchine blieb unbeschädigt, ebenso tarnen Die beiden Flieger zum Glück unverversehrt davon. Das Flugzeug, das zunächst beschlagnahmt wurde, startete gestern vormittag unter Führung des Piloten nach Dem Gießener Flughafen, wo es gegen 11 Uhr lanDctc. Der Passagier begab sich im Kraftwagen von VieDer-Ohmen nach Gießen. Vach Erledigung Der Formalitäten wurde Die Maschine heute vormittag zum Weiterflug nach Paris wieder freigegeben. Ausstellung ^Technik im Heim^ in Darmstadt. (Elnfaufeberahing der Hausfrau. Die Kunst deS Haushaltens ist in Der Hauptsache an zwei Voraussetzungen geknüpft: an die Geschicklichkeit, die zur Verfügung stehenden Geldmittel den verschiedenen Bedürfnissen der Wirtschaft entsprechend einzuteilen, und an die Fähigkeit, die PreiSwürdigkeit eines Artikels richtig zu beurteilen. Weitaus den meisten Hausfrauen sind bei Anschaffungen in der Höhe der Ausgaben Grenzen gezogen. Eben deswegen sollte es um so selbstverständlicher sein. Daß unter Den verschiedenen Ausführungen eines HauShalt- gegenstandeS stets nur Die zweckmäßigste gewählt wirD. Bei aller Aufmerksamkeit kommt eS Doch ost vor, Daß sie sich nicht gerade für daS Beste entschieden hat. Woran liegt es? Kein Zweifel: sehr vielen Hausfrauen fehlt heute noch Der n tige Blick gerade für Die Erfordernisse, die als wesentlich beim Ginkaus zu berücksichtigen sind. Es sehlt noch Der objektive Maßstab, um zu erkennen, waS gut, was besser oder schlechter ist. 3n zahlreichen Fällen kann man hier durch einen allgemeinen Vat Abhilfe schassen. Aber nicht immer ist eS mit einer allgemeinen Anweisung getan, weil die Ansorde- rungen verschiedener Haushaltungen an ein Gerät, ie nach der Eigenart und den Voraussetzungen des Haushaltes verschieden sind. Immerhin gibt es ein Mittel, Das auf jeden Fall Dazu beitragen WirD, falschen oder schlechten Einkäufen vorzubeugen: Planmäßige Aus- bilDung Der Urteilskraft durch Unter- rjchtung und Aufklärung Der Hausfrau. Ein zeitgemäßer Ratgeber für Den Einkauf ist die Ausstellung .Technik im Heim", die in der Darmstädter Festhalle biS 19. Oktober gezeigt wird. Daten für Ticnelag, 7. Oktober. Sonnenaufgang 6.09 Uhr, Sonnenuntergang 17.26 Uhr: Mondaufgang 5.34 Uhr, Monduntcr- gang 17.26 Uhr. '1849: der Dichter Edgar Allan Poe in Baltimore gestorben: — 1862: der Schriftsteller Otto Emst in Ottensen geboren. rvornotizen. — T a geskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Greifer". — Astoria-Lichtsptelö: ..Rin-Tin-Tin" und „Bräutigam mit 100 P.S". — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Mit Dem „Schinderhannes" hat das Gießener Stadttheater seine Winterspielzeit begonnen. Don der Erstausführung — unter der Regie des Intendanten Dr. P r a s ch — ging eine starke Wirkung aus. In den fiauproUcn: Jochen Hauer (Buckler) und Elisabeth W i e l a n D c r (Iulchen). *• Straßcnfpcrrun g mitgeteilt vom Ober- hessischen Automobil-Club e. 23. (Ä. v. D.), Gießen. Die Provinzialstraße Pohl-Göns — Niederkleen wird bis zur Landesgrenze wegen Walzarbeiten ab 6. Oktober gesperrt. Umleitung erfolgt über Lang-Göns. — Die Sperre auf der Provinzialstraße Schotten — Nainrod ist wieder aufgehoben. •* Schneegänse. Am Örytagabcnb nach Sonnenuntergang kreisten einige Schneeganse längere Zeit über dem Trieb, vereinten sich mit etlichen Artgenossen und zogen bann bei hereinbrechender Dämmerung in ber Richtung Wetzlar weiter. Bezirk Hessen-Hannover. VfB. Gießen landete auf eigenem Platze im Verbandsspiel über „Germania" Fulda einen verdienten 3:0-6ica. Die Gäste zeigten nur eine mäßige Leistung. Außerdem spielten Spv. Kassel — Hcrman- nia Kassel 31; Borrussia Fulda — Sport Kassel 3:1; Ockershausen — Kurhessen Marburg 4:1; Großalmerode — FC. Krone 3:1; Einbeck 05 — Hessen 00 Kassel 3:0 und SC. Kassel 03 — SC. Göttingen 09 5:3. » SpV. 1900 Gießen 1. Mannschaft verlor in Wallau 3:5. Die 2. Mannschaft Der Spieloereiniaung 1900 Gießen entschied bgs fällige Derbandsspiel gegen die Reserve des VsB. Gießen vor wenigen Zu- schauern auf dem Sportplatz am Trieb knapp mit 2:1 für sich. Die 3. Mannschaft von 1900 gewann gegen Daubringen 4:0. Die 3. Mannsci)aft des VfB. schlug auf dem Waldspielplatz Die 1. des Sportvereins Bieber 3:2. Freie Turnerschast Gießen. Auf dem Platz am Trieb spieltedie 1. Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen und blieb mit 6: 1 Sieger. Vorher verlor die Ib-Mannschaft gegen Vaunheim hoch mit 1:9. Die Iugen.8 spielte gegen Vodiheim Jugend 2:1. Punktekämpfe in der Gruppe Main. Das wichtigste Spiel der Gruppe Main war am ersten Oktobersonntag daS Frankfurter »Lo- kaldcrbv" Eintracht- Sportverein. Trotzdem die Eintracht in der Gruppe eine deutlich dominierende Stellung cinnimmt und obwohl das Wetter denkbar schlecht war, kamen doch 12 000 Zuschauer. Die Eintracht war zwar Die bessere Mannschaft unD siegte auch verDient 3:1 (1:0), aber Der FSV. kämpfte Doch sehr brav unD zeigte, Daß sich seine Mannschaft wieder auf an- steigender Linie befindet. — Eine kleine ilcbct- raschung war Das 2:2, das auf Dem gefährlichen „Biebcrer Berg" zwischen den Offenbacher Kickers und Der Anion Viederrad zu- ftanDe kam. Vot-Weifi schlug Den Veulinq Fechenheim erwartungsgemäß sicher 5:1 (2:1). Oie Punktkämpfe in der Gruppe Hessen In ber Gruppe Hessen fanden nur drei Spiele statt. 623. Wiesbaden und F6V. Mainz pausierten. Alemannia Worms hatte in ber Viktoria Urberach keinen ernsten Gegner und fertigte ben Liganeuling mit 8:1 (3:1) überlegen ab. Isenburg, bas bei 623. 98 Darmftabt weilte, hatte schwer zu kämpfen, um einen 2:1- (1:1-) 6ieg herauszuholen. Der erbittert burchgeführte Kampf brachte zwei Platzver- weise. Der Darmstädter Geyer mußte wegen Tät- lichkeit, und der Isenburger Engelhardt wegen Schiedsrichterbeleidigung den Platz verlassen. War- matia Worms schlug Langen 4:1 (3:0); allerdings wurde das 6piel als Privatspiel gewertet. Nürnberg—Fürth 2 : 2. InVordbayern gab es an Diesem Sonntag eine Veuauslage der immer reizvollen Begegnung zwischen Spvg. Fürth und dem 1. FC. Nürnberg. lieber 20 000 Zuschauer hatten sich im Von- hos versammelt, Die Zeuge eines spannenden Kampfes wurDen. Gehörte Die erste Spielhälste Dem Klub, Der bis Dahin auch mit 2:1 führte, so Dominierten in Der zweiten Halbzeit Die Fürther, Die denn auch mit 2:2 gleichzogen. Oie Schalter Berufsspieler wollen nach Wien. Die von Dem Westdeutschen 6picl-23orbanb zu Profis erklärten ehemaligen Spieler von Schalke 04 haben beschlossen — da sie nun schon einmal Berufsspieler sind — als solche Anstellung zu finden. Czepan, Kuzorra und Röthardt befinden sich zur Zeit in Wien, um dort mit Vereinen zu verhandeln. Städtewettkampf im Fechten OT. Die Gießener Mannschaft In Front. Vier Vereine Des TurngaueS Hessen (DT.) trugen gestern in Marburg vor lebhaft interessierten Zuschauern einen Mannschaftskampf im leichten Säbel aus. Sieger wurde verdient die Mannschaft Des Tv. 18 4 6 Gießen (Ludwig Gerhardt, Hergenröther Walter Gerhardt, Die Die Gegner mit 6 Punkten schlug (18 Ginzelsiege) und Den spannenden Kampf gewann. Es folgten Tv. Wetzlar mit 4 Punkten (15 Einzelsiege), T. u. Spv. Butzbach und T. u. Spv. Marburg. Die besten Einzel- fechter waren: Maletzke, Butzbach, und W. Gerhardt, Gießen, mit je 8 Siegen, L. Gerhardt, Dießen, mit 7 Siegen. Oer letzte Frankfurter Renntag. Helmut gewinnt den Offobcrpreis. Der feit Samstag mit kurzen Pausen niedergehende Regen hatte einen schwachen Besuch des letzten Franksurter Renntages zur Folge. Hohe Quoten wurden jedoch infolge Der schwachen FelDer nicht erzielt. 3n Den beiden Hauptprü- fungen, Dem Oktoberpreis für Zweijährige unD Dem WälDchens-Rennen siegte Rund um Gießener Sportstätten. Oer Platz des VfB. — ein Idyll. Ebenso wie auf Dem Sportplatz Der Spielver- > cinigung 1900 werDen zur Zeit auch am Platze des Vereins für Bewegungsspiele Arbeiten Durch- aeführt, Die Der Vervollständigung Der Anlage Dienen. Der Waldspielplah DeS VfB. wird an Der Dem Dereinsheim zunächst gelegenen Ecke um ein nicht unwesentliches Stück erweitert. An jener Stelle soll ein neuer Haupteingang geschaffen tocrDen. Der Haupteingang, Der als solcher bisher bestand, Dient nicht mehr seinem eigentlichen Zweck in vollem Maße, Denn Die Straße, Die zu ihm führte, tourDe Durch Den Bau der Wendegeleise Der Straßenbahn nahezu völlig lahmgelegt und Der Verkehr auf Den Waldweg nach Den Militärschießplätzen verwiesen. Der Haupteingang besindet sich Demnach in Zukunft am Waldweg. Die Erdbewegungs- arbeiten für Die Erweiterung Des Sportplatzes tocrDen auch in Diesem Falle aus Den für toert- schaffenDe Arbeitsiosenfürsorge bereitstehenden Mitteln bestritten. Wie wir weiter hören, hat Der Verein Die Absicht, Die Auskleideräum- I'. eß (eiten, Die bisher ihren Zweck noch nicht in iDealer Weise erfüllen konnten, auSzubauen und stabiler zu gestalten. Mit dieser Arbeit soll im kommenden Frühjahr begonnen werden. Wenn diese Arbeiten Durchgeführt sein werDen, wird man nicht umhin können, die gesamte Anlage als eine Sportstätte zu bezeichnen, wie sie nicht leicht ein Sportverein von der gewiß nicht übermäßigen Größe des VfB. aufzuweisen haben wird. Was auf dem Waldspielplah geschaffen wurde, ist allerdings nicht an einem Tage erbaut worden. Die Sportstätte DeS VfB. ist die Frucht jahrelanger zäher Arbeit. Daß der Waldspielplah in seiner heutigen Form zum großen Teil daS Werk Des rftßrigen VvrstanDS- mitgliedes Ploch ist, wissen über Den Rahmen deS Vereins hinaus viele. 3m März 1924 wurde mit der Anlage des Platzes begonnen; die Einweihung konnte im August 1925 erfolgen. 3m 3ahro 1926 wurde die über 400 Meter lange Aschenbahn ihrer Bestimmung übergeben und 1927 frönte man baß Ganze mit einem ebenso zweckentsprechenden wie schönen Vereins- Heim. Dabei umfaßt der Verein in seinem heutigen Umfang nur wenig mehr als 260 zahlende Mitglieder, eine Zahl, in der die Jugendlichen nicht einbegriffen sind. Angenehm berührt Die Tatsache, Daß der VfB. seinen im Weltkriege gefallenen MitglieDern an einer toürDigen Stelle einen schlichten Stein, einen FinDling, als mahnendes Zeichen aufgestellt hat. Die ganze Platz- anlage macht Den Eindruck Des Gepflegten, DeS sorgfältig Behüteten, ein Eindruck, dem sich der Beschauer kaum entziehen kann. Allerdings bereitet das eigentliche Spielfeld Dem Verein immer wieder Kummer. Zur trockenen 3ahreSzeit befindet sich Der Platz in ansprechender Verfassung. Wehe aber, wenn anhaltende feuchte Witterung ihre Wirkung au«- übt. Der Letteboden. der dem Wasser keine Möglichkeit gibt, einzusickern, hält alle Feuchtigkeit an Der Oberfläche. Daß es für Mannschaften, die Dann auf Dem aufgeweichten Dpielfe l d e Punkte erringen müssen oder sollen, kein Vergnügen ist, zu kämpfen, ist verständlich. Mit dem toenig angenehmen Umstand wird sich Der Verein aber wohl für immer abfinden müssen. Zusammengefaßt: Der Waldspielplah Des VfB. ist, von dem eben geschilderten Vachteil abgesehen. ein 3dyll, an das sich die 3ugendlichen, die sich jetzt auf ihm tummeln können, zu späterer Zeit wohl oft erinnern werden. der Trainer Dutzke. Helmut gewann den Oktoberpreis mit viel Glück, Da Die Opelsche Frivole im Dogen behindert wurde und Dann nur noch (u HalSlänge auflaufen konnte, während Die Weinbergsche Makrele schon am Start viel Terrain verlor. 3m WäldchenS-Rennen hatte Det Dreijährige MajorDomuS De8 Stalles Weinberg vom Start abgeführt, war aber in Der Distanz Dem Speed-Angriff von Silberstreif nicht mehr lewachsen. 3n DaS einleitende Rennen, Den PräsiDenten-PreiS, hatten sich Mtenhof unD Moeve deS Dr F. Merck geteilt. 3m A b • chieDs-Au «gleich gab es eine große Ueberraschung, da Ebbo alle Form weit überbot Erst kurz vor dem Ziel konnte Der Opelsche Eisen- Hagel Den weit enteilten Mohrenpeter im Ver- losungS-Rennen erreichen, der auch noch Vonne passieren lassen mußte. Die beiden sehr schönen 3agbrenncn wurden Durch ausgezeichnete Ritte entschieden. 3m Feist Gabinet-3agDrcnncn gewann Herrn v. Moß- ners Kabalia gegbn 3ohannisfeuer und Original. Das 4500 Meter lange Königstein-Jagdrennen wurde in schärfster Fahrt gelaufen. Die beiden Pferde des Stalles Schmitt führten abwechselnd vor Porto Flip, der der zu schlagende Gegner war. 3m letzten Bogen empfahl sich Montagne Russe, doch kam Porto Flip nochmals stark auf und gefährdete einen Augenblick die Siegerin, die feßarf nach Hause geritten werden mußte. Magdeburgs Schwimmerinnen erneut besiegt. Die Mannschaft des 1. Magdeburger Damen« 6C. trug aus ihrer Reise durch Westdeutsch- land nm Freitag einen Klubkamps gegen Dortmund 06 aus und mußte llch erneut geschlagen bekennen. Von den sieben Wettbewerben gewannen die Gäste nur das 1. und 2. Brustschwimmen und die Lagenstaffel, so daß der 6ieg mit 8:6 Punkten an Dortmund siel. OaS Meraner Tennisturnier. Das internationale Tennis-Turnier in Meran nahm am Sonntag bei gutem Besuch seinen Anfang. 3n den Einzelspielen wurden die Deutschen Schwenker (Berlin), Dr. Veutter (München) und Fräulein Kollrneyer (Berlin) schon in der ersten Runde auSgcschaltet. Dagegen konnte Dr. L a n fern ann den 3talicner 3atta 6:2, 3: h, 7:5 unfe Dr. Kupsch den Prager Lohka 6:8, 6:4, 6:4 abfertigen. Jrau Friedleben in Varese geschlagen. Die deutsche Tennisspielerin Frau Friedleben. Die zur Zeit an einem Turnier in Varese tcil- nimmt, mußte im Einzelspiel gegen Die Französin Veuseld mit 5:7, 3:6 Den Kürzeren ziehen. Dagegen konnte die Franksurterin mit Dem Engländer HugheS als Partner im Mi red über Frl. Valerio-Bans ielfe 7: 5, 6: 4 erfolgreich bleiben und im Damen-Doppel siegte sie zusammen mit Frl. Valerio über Frl. Veufeld/Adamoff 6:4, 6:2. PelherS ^500-Meter-Weltrekord geschlagen. Der Franzose Ladoumegue schlug am Sonntag in Daris PelherS 1500-Mcter-Weltrekord um 1,8 Sekunden und stellte mit 3:49,2 einen neuen Weltrekord auf. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Kleiy-Ltnden, 6. Okt. Zu dem am Freitag berichteten Unglücksfall des Elektromeisters Karl Faber aus Holzheim, der in der Nähe unseres Ortes auf der abendlichen Heimfahrt mit seinem Mo- törrad mit mehreren Radfahrern kollidierte und dabei durch Sturz erheblich verletzt wurde, wird uns von einem Radfahrer mitgetcllt, daß die Näder der drei Radler beleuchtet gewesen seien und auch N ü ck st r a h 1 e r hätten. Die Nadsahrer hätten sich sojort um den Verunglückten gekümmert und selbst ärztliche Hilfeleistung veranlaßt. ck. Heuchelheim, 5. Okt. Gestern abend geriet daS Motorrad des Schmiedemeisters Hartmann aus Atzbach hier beim Tanken auf noch unaufgeklärte Weise in Brand. Der Benzintank explodierte und daS Motorrad verbrannte bis auf die Gisenteile. KreiS Friedberg. WSN. Friedberg, 4. Okt. Gestern nachmittag wurde im benachbarten Dorheim ein dreijähriger Junge von einem Lieferwagen überfahren und getötet. Der Junge war aus einer Schar spielender Kinder plötzlich vor den Wagen gelaufen, so daß der Chauffeur das Unglück nicht mehr abwenden konnte. KrctS Schotten. x Schotten, 4. Okt. Am 2. Oktober wurde seinerzeit das auf Dem Altenburgskopf befind liche Denkmal für Die gefallenen hessischen Forstleute eingeweiht. Aus diesem Anlaß wurde von Den hessischen Forstleuten eine Weihe st unDe am Denkmal abgehalten. Dazu sanden sich etwa 80 Forstleute ein. Va- mens des Hess. ObersorsterverbandeS sprach Forstmeister Rausch, namens des Försterverbandes Förster Kolb, namens des Verbände- Der Forstsekretäre Forstsekretär Degen, Die Waldkränze mit ehrenden Worten am Denkmal niederlegten. 0 Hcrchcnhain, 5. Okt. Die Organisation des Rettungsdienstes bei der Segelfliegerei auf Der Herchenhainer Hohe wurde in Der Weise geregelt, Daß sich die nächst erreichbaren Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz in die Bereitschaft teilten. CS stellten; sich zur Verfügung die Sanitätskolonnen von Gedern, Lauterbach und Schotten. Der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz hat in dankenswerter Weise für Den Rettungsdienst eine Tragbahre und einen Verbandkasten zur Verfügung gestellt, Die im Vater-Bender- Heim aufbewahrt und stets 'im Notfälle zur Hand sind. Haftentlassung in Wehlar. WSN. Wetzlar, 4.Okt. Der im Zusammenhang mit den Vorkommnissen bei der Stadtverwaltung vor kurzem wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft genommene Stadtbauinspektor Hepp ist wieder aus der Haft entlassen worden. Starkenburg. WSN. Darmstadt, 5.Okt. Nach Verhand« hingen mit den Vertretern der Landwirtschaft und des Handels wird ob kommenden Montag Der Milchpreis Der Stadt Darmstadt auf 32 Pf. । pro Liter festgesetzt. Bei der Berufsfeuerwehr zu Befuch Gießen zum Wirkungskreis der hiesigen Feuerwehr gehört, der Mannschaft auch zur Obhut anvertraut ist. Berufsfeuerwehr? Es sind nicht allzuviele — außer den mittelbar und unmittelbar Beteiligten —. die die Derufsfeuerwehr in ihrem Aufbau, ihrer finnreichen, ausgeklügelten, ausgerechneten Organisaiton und der Fülle ihres Auf- gabenkreises kennen. An der Hand eines kundigen Führers wird dem Besucher manches klar, was er sich selbst Wohl kaum im Geiste konstruieren konnte. Die Gießener Feuerwehr ist in der angenehmen Lage, über durchaus zeitgemäße Einrichtungen zu verfügen. Das bezieht sich aber nicht etwa nur auf den Wagenpark, vielmehr trifft dies für das A und O der Feuerwehr, die Meldeeinrichtungrn, zu: 3n der Zentrale, im Gehirn der Feuerwehr, laufen aus allen Stadtteilen -die Drähte von den Feuermeldern her zusammen. Zwei Mann lösen sich im Wachdienst ab, sind bereit, jeden Augenblick die Mannschaft zu alarmieren. Das geschieht Lurch Glockensignal. Zur Nachtzeit leuchten im gleichen Augenblick, da in irgendeinem Stadtteil auf den Knopf des Feuermelders gedrückt wird, im Feuerwehrdepot sämtliche Lampen auf. Llnd dann?! Dann haben die 6 Berufsfeuerwehrleute die Pflicht, innerhalb VVi Minuten fertig gerüstet auf dem stets bereitstehenden Wagen nach dem Brandplatz auszurücken. Am Tage muß der Feuerwehrmann in einer Minute bereit sein. Ebenso sinnreich, wie einfach ist die Art, in der der Ort der Feuermeldung mitgeteilt wird. Der Wachhabende liest vom Morseschreiber die Ziffer der Meldestelle ab, betätigt eine Apparatur an der Empfangsanlage und in den Räumen, in denen die Wagen untergebracht sind, leuchtet auf großem Transparent eine Rümmer auf, die gewissermaßen den Weg weist. An der Brandstelle angekommen, hat ein Mann, der eigens dazu beauftragt ist, dem Depot sofort mitzuteilen, welchen Umfang der gemeldete Brand aufweist. 3e nach dem Stand der Dinge werden dann eventuell Mannschaften der Freiwilligen Feuerwehr mittels der Ringleitung alarmiert, an die ungefähr die Wohnungen von 50 Mann angeschlossen sind. Der ganze Alarm ist eine Angelegenheit weniger Minuten. Bis dahin erfahren die meisten Bürger unserer Stadt kaum etwas von einem Brand, mit dem sich die Berufsfeuerwehr bereits beschäftigt. Rur in Fällen von äußerster Rotwendigkeit werden auch die anderen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert. Und zwar durch diS Sirenen, die sich im Dachboden des Hauses Kaminka am Marktplatz und des Realgymnasiums in der Lud- wigstraße befinden. Erst dann ist der Bürgerschaft Gelegenheit gegeben, der Feuerwehr unter Umständen — im Wege zu sein... Die gesamte Signalanlage der Feuerwehr ist nur mittelbar vom allgemeinen Elektrizitätsneh abhängig, denn im Depot ist eine genügend große Akkumulatorenbatterie mit der notwendigen Reservebatterie vorhanden, die eine vorübergehende Störung im Hauptneh nicht fühlbar werden läßt. Zur Kraftlieferung für die Akkumulatoren wird natürlich der Strom des Elektrizitätswerkes herangezogen. Außerhalb der geschilderten Signalcinrichtung ist die Feuerwehr auch telephonifch zu erreichen unter den Rummcrn 2241 und 2245; im äußersten Falle aber unter dem R o t r u f 02, der allerdings erst zu dem Zeitpunkt in Anspruch genommen werden sollte, da man ungefähr die Rotbremse der Eisenbahn in Bewegung sehen würde. Direkte Verbindungen bestehen u. a. von der Feuerwache aus zur Polizei unö zur Sanitätswache. Für den Schuh des Eigentums der Gießener Bürger vor Feuergefahr stehen auch technische Hilfsmittel in ausreichendem Maße tzur Verfügung. Die Berufsfeuerwehr verfügt über eine Motorleiter, die bis zur Höhe von 24 Meter emporgetrieben werden kann und selbst bei einem Neigungswinkel von 75 Grad noch stabil bleibt. Reben*der Derufsfeuerwehr verfügt die Freiwillige Feuerwehr zusammen mit der Gailschen Feuerwehr über drei weitere große Leitern. Zugleich mit der Gründung der Derufsfeuerwehr im 3ahre 1914 wurde eine Motorspritze mit der eminenten Höchstleistung von 2000 Liter pro Minute beschafft. Der Wagen trägt außer der Motorpumpe noch einen Wasserbehälter, der allein 390 Liter Wasser faßt und die Feuerwehr für kritische kurze Zeit von äußerer Wasserzufuhr unabhängig macht. Ueberflüssig zu schildern, daß der Wagen mit noch vielerlei Geräten, einer großen Leiter, Hängeleitern, Sprungtuch, Rauchmasken für die Mannschaft, Pickel, Deil, Sägen, Seilen, Winden und noch manchem anderen ausgerüstet ist. Königs Rauchhelm ist ebenfalls vorhanden, er hat sich allerdings in der Praxis nicht als ideales Hilfsmittel erwiesen. Universeller noch als die Motorspritze ist der Rettungswagen eingerichtet. Von der jedermann bekannten Hebevorrichtung für gestürzte Pferde bis zum modernsten Schaumlöschapparat ist alles vorhanden. Der Schaumlöschapparat hatte bekanntlich seine Eignungsprüfung, die auf dem Platz an Oswaldsgarten stattfand, mit „sehr gut" bestanden. Der Rettungswagen ist für die Feuerwehr, die ja das „Mädchen für alles" ist, wenn sich die übrige Menschheit nicht mehr* zu helfen weiß, ein außerordentlich nützliches 3nstrument. Reben diesem Wagen verfügt die Feuerwehr noch über einen Sanitätswagen. 3m Depot steht außerdem noch eine Motorspritze von 700 Liter Minutenleistung, die dem Kreis Gießen gehört, aber, da auch der Landkreis Weit auseinander gehen die Meinungen über die Tätigkeit der Derufsfeuerwehr — während der ruhigen Zeit. Völlig irrig ist die Ansicht, daß die Feuerwehrleute nichts anderes zu tun hätten, als aus Alarm zu warten. Die Gießener Feuerwehr seht sich vielmehr aus Handwerkern zusammen: Schlosser, Wagner, Schmied usw., die tagsüber in den Werkstätten, die im Depot eingerichtet worden sind, Werkzeuge und Geräte anfertigen und reparieren für das Tief- und Hochbauamt und die diesen Aemtern angegliederten Unterabteilungen. Es wird also von der Feuerwehr nicht nur werterhaltende, sondern auch wert- schaffende Arbeit geleistet. 3n Anbetracht dessen ist es Pflicht, dem Feuerwehrmann, der manchmal sein Leben einseht für seiner Mitmenschen Gut und Eigentum, jene Hochachtung entgegenzubringen, die er wohl verdient. Außerdem dazu beizutragen, ihn vor dem Mutwillen „erwachsener Kinder" und bösartiger Zeitgenossen zu beschützen, die ihn oft genug aus purem Unfug aus wohlverdienter Ruhe reißen, ist Selbstverständlichkeit. Uebrigens, nicht jede Stadt verfügt über eine so ausgerüstete und so ausgebildete Feuerwehr, daß sie selbst kritischen Fällen gewachsen sein wird. Daraus aber soll man noch lange nicht die Forderung ableiten wollen, die Feuerwehr müsse schon an Ort und Stelle sein, bevor es überhaupt zu brennen begonnen hat ... Wirtschast. Ermäßigung der p°eise für Kartoffelflocken. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat den Abgabepreis sowohl von gekennzeichnetem Roggen, als auch von Kartoffelflocken, deren Bezug zur Einfuhr von Futtergerste zu dem ermäßigten Zollsatz von 6 Mk. für einen Doppelzentner berechtigt, von 200 Mk. auf 170 Mk. pro Tonne ermäßigt. Auf Grund vielfacher Wünsche aus landwirtschaftlichen Kreisen ist ferner durch Verordnung vom Samstag bestimmt worden, daß die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft mit den Beziehern auf deren Antrag vereinbaren kann, das gekennzeichneter Roggen und Kartoffelflocken in einem anderen als dem bisher geregelten Verhältnis (bisher 75 Prozent gekennzeichneter Doggen und 25 Prozent Kartoffelflocken) zu liefern find. 3n besonderen Fällen kann die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft auf Antrag des Beziehers ausschließlich gekennzeichneten Roggen oder Kartoffelflocken abgeben. Verbotene Streckung von Futtermitteln Die Reichsregisterftelle für Futtermittel teilt mit: Cs ist bekannt geworden, daß in einer Reihe von Fällen Abfälle aller Art (Leinfaatrückstände, Erdnuhhülsen, Müllereiabfälle usw.) von Mühlen aufgekauft werden, um damit Futtermittel zu strecken. Ein derartiges Vorgehen, das als Futtermittelverfälschung angesprochen werden muß, wird nach § 12 des Gesetzes über den Verkehr mit Futtermitteln vom 22. Dezember 1926 mit empfindlichen Strafen bedroht. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 6. Oft. Tendenz: lust- los. — Zu Beginn der neuen Woche kam das Geschäft am Effektenmarkt nur sehr schwer in Gang. Die allgemeine Zurückhaltung und Geschäftslosigkeit, die schon im Verlaufe der Samstagsbörse in Erscheinung trat, hatte sich noch verstärkt, da man die weitere, noch ganz ungewisse Entwicklung der innerpolitischen Lage abwarten will. Geschäftshemmend wirkte sich ferner die schwache Haltung der Reuyorker Wochenschlußbörse aus. Bei minimalen Umsätzen überwogen die Abgaben. Die ersten Rotierungen lagen überwiegend 1 bis 2 Prozent schwächer. Elektrowerte waren etwas stärker angeboten. Gesfürel. büßten 3 Prozent, Schuckert 2,25 Prozent, AEG. 1,5 Proz. und Siemens 1 Proz. ein. Farben eröffneten 1,25 Prozent niedriger. Riedriger setzten außerdem ein: Hapag (minus 2 Proz.), Deutsche Linoleum (minus 2,5 Proz), Aku. (minus 1), Daimler (minus 1 Proz.), Westeregeln (minus 1,5 Prozent). Montanwerte lagen fast vollkommen geschäftslos, so daß Rotierungen zunächst nicht zustande kamen. Auch Banken hatten kein Geschäft bei meist behaupteten Kursen. Am Markte der Bauunternehmungen blieben Wayß & Freh- tag behauptet, Zement Heidelberg waren auf eine größere Verkaufsorder jedoch F Prozent ab- geschwächt. Am Anleihemarkt wurden Altbesih nach der mehrtägigen Unterbrechung infolge der Ziehung erstmalig wieder mit 57 Prozent festgesetzt. Reubesihanleihe gaben leicht nach. Ausländische Renten waren still. Am Pfandbriefmarkt war das Geschäft ebenfalls gering. 3m Verlaufe hielt die Geschäftsstille an, die Kurse bröckelten meist weiter etwas a b. Siemens waren etwas stärker gedrückt. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 3,5 Prozent gesucht. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2015, gegen Pfund 20,42, London gegen Kabel 4,86, gegen Paris 123,83, gegen Mailand 92,81, gegen Madrid 47,00, gegen Schweiz 25,0325, gegen Holland 12,05. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 6. Oft. Auftrieb: 1369 Ristder, 380 Ochsen, 144 Bullen, 418 Kühe. 427 Färsen, 482 Kälber, 110 Schafe, 5719 Schweine. Es notierten: Rinder. Ochsen: voll- fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 58 bis 60 Mark, do. (ältere) 53 bis 57, sonstige vollfleischige (jüngere) 48 bis 52; Bullen: jüngere, vollsleischige, höchstens Schlachtwerts 54 bis 57, sonstige vollsleischige oder ausgemästete 49 bis 53; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 48 bis 50, sonstige voll- fleischige oder ausgemästete 43 bis 47, fleischige 38 bis 42, gering genährte 33 bis 37; Färsen (Kalbinnen, 3ungrinder): vollsleischige. aus- gemästete. höchsten Schlachtwerts 59 bis 61, voll- fleischige 55 bis 58, fleischige 50 bis 54; Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 78, bis 81, mittlere Mast« und Saugkälber 73 bis 77, geringe Kälber 66 bis 72; Schweine. Vollsleischige Schweine von etwa 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 57 bis 59, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 56 bis 58. — Marktverkauf: Rinder: ruhig, nahezu ausverkauft. Schweine: ruhig, ausverkauft. Kälber: ruhig. Schafe: rege, geräumt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Oft. Zum Wochenbeginn war die Haltung am hiesigen Produkten- marft eher etwas freundlicher, so daß das Geschäft größeren Umfang annehmen konnte. Bei weiter ziemlich geringem Angebot bestand 3nter- effe für Brotgetreide. Außerdem waren Futtermittel im Gegensatz zu den letzten Wochen lebhaft gefragt. Bereits am Freitag und Samstag voriger Woche sollen Futtermittel in größeren Mengen umgesetzt worden fein. Am Mehlmarkt war das Geschäft still; es konnten sich aber auch hier Preiserholungen durchsetzen. Es wurden notiert (Getreide je Tonne, die übrigen Waren je 100 Kilogramm): Weizen (Hektolitergewicht von 75 Kilogramm) 250, Roggen 165. Hafer, inländ. 155 bis 160, Weizenmehl, südd. Spezial 0 40 bis 40,75, Roggenmehl 26,50 bis 27,25, Weizenkleie 6,50, Roggenkleie 6,75 bis 7, Erbsen 28 bis 35, Linsen 32 bis 60, Heu 5,50 bis 6,00, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht 2,25 bis 2,50, gebündelt 2, Treber, getrocknet 10 bis 10,75. Tendenz fester. Frankfurter Eiermarkt. Sranffur t a. M, 4. Oft. Marktlage: Bei unveränderten Preisen ist die Stimmung weiterhin fester, doch hat das Geschäft einen größeren Rückgang erfahren, da der Konsum die hohen Preise nicht bewilligt und sich vorwiegend auf die billigeren Qualitäten beschränkt. Das schon etwas stärkere Angebot von Kühlhauseiern trug ebenfalls leicht zu dem Ab- sahrückgang bei. Auch gegen Ende der Woche konnte eine Geschäftsbelebung nicht eintreten. Cs notierten in Pfennig per Stück: Holländer 12,50 bis 15; Bulgaren 11,50 bis 11,75; Dänen 12,50 bis 14,50; Jugoslawen 11,25 bis 11,75; Belgier 13,50 bis 14,50; Rumänen 10,75 bis 11; Schlesier 11,50 bis 12,50; Polen 9 bis 9.25; Bayern 11,50 bis 11,75, Chinesen 9,75 bis 10,50; Norddeutsche 11,50 bis 13,50. Auslandeier unverzollt ab Grenzstation, 3nlandeier ab Station. Letzte Nachrichten. Schwere Flugzeugkaiastrophe in der Dresdener Heide. Dresden, 6. Off. (WTB. Funkspruch.) Das Flugzeug D 1 9 3 0, das sich auf dem Fluge Berlin — Wien befand und fahrplanmäßig um 9.15 Uhr in Dresden landen sollte, ist heute vormittag über einem Reichsmehrschießstand in der Dresdener Heide abgestürzt. Ls mar mit einem Piloten, einem Monteur und 6 Passagieren beseht. Sieben Personen waren sofort tot, die achte ist auf dem Transport nach dem Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Es handelt sich bei der Maschine um eine Messer- schmidt N 20, die für 15 Personen zugelassen ist; der Typ ist bei der deutschen Lufthansa seit langem im Dienst. Ueber die Ursache laßt sich noch nichts sagen. Die Maschine ist von dem Ausprall vollkommen z e r ft ö r t, sie ist jedoch nicht verbrannt. Das Flugzeug war im Begriff, die übliche Schleife vor dec Landung zu ziehen, um den Windverhältnissen entsprechend von Ost bis Südost sich dem Boden zu nähern. Augenzeugen haben gesehen, daß sie in der Schleife hinter den Bäumen eines Hügels verschwand. 3n dem Wetter kann die Ursache nicht zu suchen fein, da die Sicht 10 Kilometer und die Wolkenhöhe 600 Meter betrug. 4paffagierezuvielanBord öe^RlOl? B eauvaiß, 6. Oft (WTB. Funkspruch.) Die Ueberlebenben der Luftschiffkatastrophe erklären mit aller Bestimmtheit, daß sich im Augenblick des Unglückes 58 Personen an Bord des Luftschiffes befanden, obwohl der Luftfahrtminister erklärt hätte, daß nur 54 Personen an Bord seien. — Einer der Ueberlebenben des Unglücks ist heute früh g e st o r b e n. — 3m „Echo de Paris" erklärt ein Offizier des französischen Luftschiffahrtwesens. der seinerzeit an Bord des „Graf Zeppelin" die Fahrt von Luers nach Friedrichshafen milgemacht hat: Das englische Luftschiff hatte kein Benzin an Bord. Die Motoren arbeiteten mit Schweröl. Die Explosion ist, wie das der Augenschein ergibt, in dem Augenblick erfolgt, als das Luftschiff den Boden berührte. Unter dem Aufprall ist das Luftschiff offenbar zerbrochen, die elektrischen Leitungsdrähte zerrissen und dabei dürfte ein elektrischer Funke übergesprungen sein. Das Luftschiff war mit w a s s e r st o f s- g a s gefüllt Das Gas war in etwa 40 Zellen enthalten; aber es war unvermeidlich, daß es undichte Stellen gab. Der Funke genügte, um eine Explosion hervorzurufen, und das bedeutete sofort Brand. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. h., Lombardzinsfuß 5 o. h. $ranffurt a. Dl. Berlin Schluß«! kurs | 1-Uhr- Hure Schluß«! kurs | Anfang- Kurs 'Datum 4 10 6 10. 4 10 6 10 6% Deutsche RetchSanIeihe von 1927 .......... 7% Deutsche Reichsanleihe 88 — 88 — von 1929 .......... Deutsche AnI.-Wlös^SchuId mit 99,25 — 99,5 — Auslos.-Rechten....... — 57 _ 57 6,7 Desgl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 6% Heii. Bolksstaat von 1929 6,9 6,8 6,75 (rüdialjlb. 102%)...... Oberhesicn Provinz • Anleihe mit 89,5 — 89,4 — Austos.-Rechten....... _ Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hvp.-Bank Goldpse 56,5 — 56,6 — XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hhp.-Bank Goldpse 100 — — — unkündbar bla 1932 ..... 4y2% Rheinische Hhp.-Bonk 94,5 — — — £tqu. Goldpse........ 86 8% Pr. Landespsondbricfanstal — Psandbriese R. l S..... 8% Pr. Landespianobriefanstal 101 — 101 — Komm.-Obl. R. 20..... 7% Pr. Landevvlandbriesanstal 98 Psandbriese R. 21..... 97 A E G. abg. Bottnegs-Obligatio — nen, rückzahlbar 1932 .... 94,5 — — — 4% Oesterreichische Golbrente . 27,5 4,20% Oesterreichische Silberren — 4% Oesterreichische Einheitlich 2,3 Rente.......... —— 4% Ungarische Goldrente . . . _ 24^25 — 4% Ungarische Staalsrente V. 191 — _ 24,4 *Vi% desgl. von 1913 .... — _ 19,4 4% Ungarische Kronenrente . . 1,95 _ 1,95 5,1 4% Türkische Zollanleche von 191 4% Türkische Bagdadbahn-Anl 5 — 5,05 Serie 1.......... 5,05 5,05 — 5,1 4% desgl. Serie II...... 5% Rumänische vereinh. Reni — 5,1 5,05 von 1903 ......... 9,2 - 9,4 4y*% Rumänische vereinh. Ren von 1913 ......... 15 —— 15 4% Rumänische vereinh. Rente . 7,11 — 7.7 — Frankfurt a. M. Berlin Schluß«! Iure 1 1-Uhr- Kurs Schlußkurs Anfang« Kurs Datum 4 10 6 10 4 10 6. 10. Hamburg-Amerika Paket . . 79,5 77,5 79,25 78 Hamburg-Südam. Dampsschiff . 8 Hansa Tampsschiss ..... 10 — — — — Rorddeutscher Llohd .... . 8 80,5 — 80,13 78,75 Allgemeine TeutscheCreditanst. 10 102,25 — 102 102,13 Barmer Bankverein .... 10 108 108,5 108,25 Berliner Handelsgesellschaft . 12 131 133,5 133,5 Commerz- und Privat-Bank . 11 119 118,9 119.25 118,9 DarmsHdter und Nationalbank 12 162,5 161,5 161,5 Deutsche Bank und DiLconto-GeseUschaft, . . . 10 117,75 —— 117,25 117 Dresdner Bank...... 10 116,5 116 116,5 116 ReichSbant ........ 12 226 222,65 221 A.E.G........... 123 121,5 122 122,25 Bergmann........ . 9 — 150 Elektr. Lieferungsgesellschaft. 10 120 — 118,25 116,75 Licht und Straft...... 10 125,5 — 125,65 123,25 Felten & Guilleaume . . . lYi 97,5 — 98 97,25 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 126 123 124,75 123,75 Hamburger ElektriziiätS-Werke 10 120,5 Rheinische Elektrizität . . . . 9 125 _ Schlesische Elektrizität. . . . 10 — 121,5 121 Schuckert & ISo....... 11 138,5 136.4 137,25 137,25 Siemens & Halske ..... 16 182 181 181,5 182 Lransradio........ . 8 194 Labmeher & Co....... 10 145,5 — 146 — Buderus......... . 5 52 _ 53 51,5 Deutsche Erdöl...... . 6 67 66,5 66,5 66 Essener Steinkohle ..... . 8 Gelsenkirchener...... . 8 100,5 — 99,5 98,5 Harpener......... . 0 88 — 88,5 86,75 Hocsch Eisen........ 6 V, — 79,75 Ilse Bergbau....... 10 202 — 202,5 203,5 Klöckncrwerke ....... . 7 73 _ 73 70,75 Köln-Rcucssen..... . . 7 — 81 80 ManneSmunn-Röhren ... . 7 — _ / 3,75 72.75 Mansselder Bergbau .... . 7 47 _ 46 45.6 Oberschles. Eisenbedars ... . 5 _ Oberschlcs. Kolswerke.... . 7 — — 74,5 74,5 Phönix Bergbau...... 6'/, 69,5 _ 69,5 68,75 Rheinische Braunkohlen . . 10 180 _ 181 180 Rhein stahl........ . 6 76 — 76 75,5 Rtebeck Montan ...... 7,2 — Frankfurt a. Ul. Berlin Schlußkurs l«Ubr» Kurs Echluß- kurs Anfang- Kurs Datum 4 10 6 10 4 10 6. 10. Bereinigte Stahlwerke . 71,5 — 71,4 70 Otavl Minen..... 16'/. — 29 9 30,5 Kaliwerke Aschersleben . . 10 197 — 197,75 195 Kaliwerke Westeregeln . . 10 199,5 198 199 Kaliwerke Salzdetfurth . • . 15 282 281,75 279,25 F. G. Farben-Jndustrie. Tvnamit Nobel .... - . 12 139 137,75 138 138,5 . . 6 64,5 Scheideanstalt..... . . 9 — 135,5 — Goldschmidt . . . . . . . 5 43,5 44 43 42,75 Rütgcrswerke..... . . 6 51 50,6 50,5 Metallgesellschasi. . . . . . 8 98,5 98,5 98,5 Philipp Holzmann . . . . . 7 75,65 _ 76 Zementwerk Heidelberg . 10 99,5 — Cemcntwcrk Karlstadt. . . 10 — — — _ Wahb & Freytag . . . • . . 8 52 52 51 — Schultheis Patzenhofer . . 15 — _ 189,13 191 Ostwerke....... . 12 — 151,75 151 Alu......... . 18 64 63 63,5 63,5 Bem berg....... . 14 — 73,9 72,25 Zellstoss Waldbos . . . e 137. 122 — 122 122,25 Zellstoff Aschafsenburg . e . 12 — 86,5 Charlottenburger Wasser e . . 8 —- — 84 84 Dessauer Gas..... . . 9 — — 117,5 117,5 Daimler Motoren . . . . . 0 26.25 25,5 25,75 26,13 Deutsche Linoleum . . 159,5 156 156,75 — — Rat. Automobil . . . . • . . 0 — — 12,13 12,13 Orenslein & Koppel . . . . 6 — — 48 48 Leonhard Tietz .... . 10 120 — 120,25 Svenska..... . 300 — 300 300 Frankfurter Maschinen . . . 4 20 _ 20 Griyner....... . . 6 _ 29,5 _ Hehligenstaedt . . . . • . . 0 — — Iunghans. . . 6 29,5 — 30 Lechwerke....... . . 8 93 - _ Mainkraftwerke Höchst a. M. . . 8 — — _ Altag......... . 10 — 78 _ Gcbr. Roeder..... . 10 95 _ Boigt & Haeffner . . . Süddeutsche Zucker . . e . . S . 10 150 132,25 133 150 133,5 — Banknoten. Berlin, 4. Oktober Geld Brief Amerikanische Roten..... Belgische Roten ....... Dänische Roten ....... Englische Roten ........ Französische Noten....... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten....... Schweizer Noten........ Spanische Noten........ Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten ..... Devifctimarfl Berlin 4,205 58,33 112,15 20,39 16,45 169,09 22,01 112,13 59,13 2,47 112,62 81,49 43,21 12,42 73,22 - Frankfurt 4,225 58,57 112,59 20,47 16,51 169,77 22,09 112,57 59,37 2,49 113,06 81,76 43,39 12,48 73,52 Q. M 4- Oktober 6 Oktober Amilian Geld Xo'ierung Brie« Amlilche Geld Notierung Brie Am».« Rott Buit.-Atre Brss. Antw- Christiania. .Kopenhagen Stockholm . HclsingforS. Italien. . . London. . . Weunort . . Paris.... Schweiz .. Spanien. . Japan .. . Rio de Ian Wien in D-- Ccft. abgesi. Prag . . . . Belirad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Canada . . Uru