Nr. 182 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 6. August 1950 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. DtonatsBeiugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Trägen lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüfse enter5ammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anjeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Blain 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vnick und Verlag: vrühl'fche Unioerfitätr-Vuch- und 5teindruSerel 8. Lange in Gießen. bchrifllettung und Seschäflsftele: Zchulftraße 7. Annahme von Bnjeigen für die Tagesnummer bis jum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameangeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrist 20' . mehr. Chefredakteur Dr. Frredr. With. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen. Butterkrieg. Der starke Sturz der Butterpreise im Frühjahr hat die deutsche Landwirtschaft gerade in dem Augenblick getroffen, wo wir durch Der- befferung unserer Milchwirtschaft zu einer Steigerung Der Erzeugnisse zu gelangen hofften und dadurch Hunderte von Millionen ersparen wollten. die bisher für die Einfuhr von Milchprodukten ins Ausland gingen. Durch den Sturz der Butter wurden alle Rentabilitätsberechnungen über den Haufen geworfen. Begreiflich genug, daß deshalb die Landwirtschaft auf eine Erhöhung des Zo11schutzes drängte, die aber nicht möglich war, weil der DutterpreiS im finnischen Handelsvertrag gebunden ist. Es bliebe also nur die Möglichkeit, entweder den Handelsvertrag mit Finnland zu kündigen oder im Verhandlungswege Finnland für eine Erhöhung des Zolles ?u gewinnen. Was an sich um so leichter mög- ich gewesen wäre, als die Buttereinfuhr aus Finnland nach Deutschland nicht allzu groß ist und in privaten Verhandlungen den Finnen die Abnahme der bisher von ihnen eingesührten Mengen sichergestellt werden sollte. Die eigentlichen Ruhnießer des niedrigen Butterzolles sind vor allem Holland und Dänemark, die auf Grund der Meistbegünstigung ihre Butter billig auf den deutschen Innenmarkt werfen und unsere Bauern unterbieten konnten. Don ihnen ging denn auch der Widerstand gegen eine Aenderung der entsprechenden Bestimmungen des deutsch-finnischen Handelsvertrages aus, der sich einmal mit einem Protest in Berlin, zum andern in einer Doykottbe- toegung gegen deutsche Waren in Holland, zum dritten in einem diplomatischen Druck auf Finnland äußerte. Finnland bat eS bisher nicht gewagt, die bereits getroffenen Abmachungen zu ratifizieren, weil es Repressalien Hollands und der nordischen Staaten fürchtet. Die deutsche Regierung hat aber noch einmal Vertreter nach Helsingfors ?geschickt, um zu einer gütlichen Regelung zu ommen. Der Ausgang ist deswegen so wichtig, weil der Srnährungsminister Schiele auf die Erhöhung der Butterzölle sestgelegt ist. Wenn er also jetzt nicht zu einer Verständigung mit Finnland kommt, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als im Kabinett die Kündigung des Handelsvertrages zu beantragen und, falls er damit unterliegt, feinen Rücktritt zu erklären. Wo- duvch dann die ohnehin nicht gerade durchsichtige Gliederung des Wahlkampfes noch verworrener würde. In politischen Kreisen rechnet man aber daraus, daß es zu solchen Folgerungen nicht kommen wird, obwohl der Reichsverband der deutschen Industrie mit großem Rachdruck die Reichsreaierung gewarnt hat vor den Gefahren, die die Durchführung des Boykotts inHol- I a n b für uns bringen könnte. Holland ist sicher einer unserer oeften Kunden, eins der wenigen Länder, daS mehr Waren aus Deutschland kaust als nach Deutschland verkauft. Aber auch die Hollander sollten nicht vergessen, daß Deutschland ungeheure Reparationen zahlen muh, daß es infolgedessen darauf angewiesen ist, seine Einfuhr tunlichst zu drosseln und deshalb Aar nicht anders handeln kann als durch Hochzuchtung der eigenen Landwirtschaft Devisen zu sparen. Uns will scheinen, als wenn die Holländer sehr viel mehr Anlaß hatten, gegen die Auswüchse des Schutzzolles in den Vereinigten Staaten einzuschreiten, weil dort die finanziellen Auslandverpflichtungen fehlen, die in Deutschland immerhin Schutzzölle rechtfertigen. Deutsche Sozialpolitik. Eine Diebe StegcrwaldS in München. München, 6. Aug. (TU.) Die christlichen Gewerkschaften Münchens hielten eine Dertrauens- männerversammlung ab, auf der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald u. a. ausführte: Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik könnten nicht gesondert, sondern müßten als eine Einheit behandelt werden. Wenn Deutschland sich nicht baldigst auf die internationale Preislage umstelle, dann werde die Massenarbeitslosigkeit zu einer Dauererscheinung werden. In derselben Stunde, in der sich die privatkapitalistische Ordnung in einer schweren Krise befinde, könne innerhalb dieser Ordnung nicht sozia- l i st i f ch e S t e u e r- und Wirtschaftspolitik gemacht werden. Keine Zeit sei ungeeigneter für wirtschaftliche Experimente als die Gegenwart. Das Bürgertum müsse sich llar sein, daß es für die deutsche Arbeiterschaft ein politisches und wirtschaftliches Zurück auf 1914 nicht mehr gebe. Rur über das Tempo des Aufstiegs könne man streiten, nicht aber über den Aufstieg an sich Schließlich müsse die Arbeiterschaft sich bewußt werden, daß sie nur mit dem deutschen Dolk im ganzen auf steigen oder in eine große Elendsperiode hineingeführt werden können. Der Wahlkampf gehe darum, die Staatsfinanzen auf eine dauernd gesicherte Grundlage zu stellen, ein Steuersystem zur Einführung zu bringen, bei dem die Körperschaften, die die Ausgaben beschließen, auch für die Aufbringung der Mittel zu sorgen hätten. Sparsame Wirtschaft sei notwendig auf der ganzen Linie mit der Maßgabe, daß an der Volksgesundheit, der Volkskraft und der Dolksmoral nicht Raubbau getrieben werde. Die Quelle der Sozialpolitik sei eine gesunde Wirtschaft. Daher müsse nachdrücklichst an der Kräftigung bet Wirtschaft gearbeitet werden. Oie Mitte im Aufmarsch zum Wahlkampf. Ein „Lunger Volksparteiler" an Dr. Scholz. Die Wäßlcrichaft will klare Fronten. B e r l i n, 5. Aug. (TU.) Das volksparlellichc Mitglied der Preffeableilung der Reichsregierung Oberregierungsrat Dr. IDalter Heide veröffentlicht im „Börfen-Couriet“ einen offenen Brief an den Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, in dem es u.a. heißt: Auf breitester Basis haben Sie versucht, Liberalismus und Konservatismus auf auf einen gemeinfamen Renner }U bringen — nicht ideenmähig oder weltanschaulich — sondern in dem alles umspannenden willen zur Rettung des Vaterlandes. Ihr erster versuch ist se hl geschlagen. Leider. Taktische Ungeschicklichkeiten, gegenseitiges INihtrauen, weitgehende Verärgerung haben den guten willen nicht zur Tat werden lassen. Sie haben Ihre Sammlungsaktion nicht aufgegeben, sondern sie auf nachbarlicher Basis fortgesetzt. Die letzte Möglichkeit zu einer Sammlung ist nicht ausgeschöpft, solange nicht der Brief von Herrn stoch die Erledigung gefunden hat, die er verdient und die weite streife auch der Volkspartei erhoffen. Sie sollen eine Besprechung mit der Staatspartei für denselben lag anberaumt haben, wie die Verhandlungen mit den Nachbarn der Rechten. Das ist 5 u spät, wenn Sie ehrlich die Verständigung mit der Staalspartei wollen, und daran zweifle ich keinen Augenblick, dann muh die geplante Besprechung mit Herrn stoch ober dem neuen Verhandlungsführer Dr. Höpker-Aschosf schon heute oder morgen stattfinden, damit die Staalspartei bereits am Donnerstag, dem Tage der (Befamlbe- fprechung, in ihre alte Front wieder eInge re I h t ist. Der Staat ist in Gefahr. Die Zeit drängt und d I e Wählerschaft will klare Fronten. Die Jugend verlangt aus dem harten willen des Front- erlebniffes und aus ihrem Idealismus die befreiende Tat. hätte Strefemann gelebt, wäre es sicherlich nicht zu dieser Art der Gründung der Staatspartei gekommen, die wir bedauern. Niemals aber wäre auch ein Bruder st reit ent st anden, wie wir ihn jetzt erleben. Nicht Sie trifft die Schuld, daß es so kam. Aber Sie haben jetzt die heilige Pflicht, noch einmal die ausge- ft reifte Hand z u ergreifen, die Herr stoch Ihnen bot ... Zwei Männer mit solch vornehmer Gesinnung, die einander „In alter Verehrung" begegnen, sollten gemeinsam den weg aus diesem Labyrinth des Hasses und der Zwietracht finden. Herr Minister, bringen Sie in die Verhandlungen den frischen hauch einer neuen Ge- {Innung, sprechen Sie von Mann zu Mann, ohne sich in Taktik zu verlieren. Denn d i e Einzelpersönlichkeit ist immer noch das Primäre. Offenheit und Tatwille bedingen den Erfolg. Volkspariei und Siaaispariei Die Aussprache zwischen Koch-Weser und Scholz. B e r l i n , 5. Aug. (WTB.) Die Rational - liberale Korrespondenz, der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Volkspartei, teilt mit: Die in der Presse verschiedentlich verbreitete Auffassung, daß die zwischen den Herren Koch und Scholz verabredete Aussprache den Zweck habe, neue politische Verhandlungen zwischen Deutscher Dolkspartei und Staatspartei herbcizuführen, ist unrichtig. Es handelt sich bei dieser Unterredung nicht um eine politische Aktion, sondern um eine einfache Aussprache von MenschzuMensch, die Nationalisierung der Reichsfinanzverwattung. Berlin, 5. Aug. Seit mehreren Monaten ist das Reichsfinanzministerium und die Reichsfinanzverwaltung Gegenstand eingehender R a - tiona lis ier un gsprüf ungen. Diese Erhebungen, die im Einverständnis mit dem Finanzminister vom Reichssparkommissariat durchgeführt werden, erstrecken sich nicht nur auf die Berliner Zentralstelle, sondern auch auf die Landes- finanzämter und auf die Zollverwaltung, die bereits einmal Gegenstand einer kleineren Ueberprüfung war. Angesichts der Rotwendigkeit, in der gesamten Reichsverwaltung zu einer größtmöglichen Sparsamkeit zu kommen, ist auch der neue Finanzminister an dem Ergebnis besonders stark interessiert. Es handelt sich um eine Fülle außerordentlich komplizierter Fragen. Auch Probleme des Steuererhebungswesens fallen in den Untersuchungsbereich. Wie wir hören, sollen die Prüfungen bis Ende September abgeschlossen sein, so daß dann dem Reichsfinanzminister das Ergebnis in Form einer Denkschrift mitgeteilt wird. Es ist Sache der Reichsregierung, über die prakttsche Auswertung der dann er» auf Grund des Briefes von Herrn Koch-Weser an Scholz erfolgt und die sich auch schon daraus von selbst ergibt, daß Herr Koch-Weser und Dr. Scholz sich aus langen Jahren gemeinsamer kommunaler Tätigkeit kennen. Die durch den ein- fttmmig gefaßten Beschluß des RcichsauSschusscS der DDP. bestimmte Haltung der ganzen Partei hat sich in keiner Weise geändert. Die Deutsche DolkSpartei ist nach wie vor bestrebt, ohne Rücksicht auf die Begriffe rechts und links, alle diejenigen zusammenzuführen, die bereit sind, die Rettung des Staates in letzter Stunde über alles andere, sonst Trennende zu stellen. Die Deutsche Dolkspartei würde, wie schon mtt- geteilt, mit großer Befriedigung davon Kenntnis nehmen, wenn die S t a a t S p a r t e i an den eingeleiteten erfolgversprechenden Verhandlungen über die Bildung einer solch großen Front t e i l n e h m e n würde. Der Ehnstlich-soziale Volködienst in Hessen-Nassau. F r a n k s u r t a. W._ 5. Olug. (WSR.) Der Vorstand deS Landesverbandes Rassau des Christlich- soz a en Volksd.cnstcs hielt am vergangenen Sonntag in Höchst a. M. eine Tagung ab. in der zu den Beschlüssen des Reichsvorstandes über die Reichstagswahlen Stellung genommen wurde. Sie wurden einhellig gebilligt. Ferner erfolgte die Aufstellung der Äanbibatenliftc für den Wahlkreis Hessen-Rassau, an deren Spitze 6er bisherige christlich - soziale Abgeordnete H a r t * w i g steht. EinAppeiiHöpkei-AschoffszlirSmmiMgderMtte Köln, 6. Aug. (ERB.) Die „Kölnische Ztg." veröffentlicht einen 2lppell des preußischen Finanzministers Dr. Höpker-Afchoff, in dem es u. a. heißt: Cs gilt, die staatsbürgerliche Mitte aus der Demokratischen Partei, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschastspartei und der Dolksnationalen Bewegung zu bilden. Es ist ein Trugschluß, auch die anderen Elemente der neuen Rechten in die neue Staatspartei eingliedern zu wollen. Wie sollen wir aus die Dauer mit Westarp und Schiele gemeinsame Kulturpolitik, WirlschastepoUlil und Auß.'npoli- tik machen können? Die neue Staatspartei, unsere Hoffnung, kann nur dann groß und mächtig sein, kann nur bann die Sehnsucht von Millionen von Staatsbürgern erfüllen, wenn ihr die ent« schlossc ne Richtung politischen Handelns nicht durchetne Derkoppelung mit wesensfremden Elementen verdorben wird. Diese Erkenntnis muh sich durchsetzen, wenn unsere weiteren Bemühungen einen Erfolg haben sollen. Die Stunde ist so ernst, daß unsere Bemühungen nicht an Personen und an Empfindlichkeiten über das Vorgehen von Personen scheitern Dürfen; ich spreche ganz offen: Koch - Wes e r war davon durchdrungen, daß die neue Staatspartei aus Den oben bezeichneten Elementen Der staatsbürgerlichen Mitte gebildet werden könnte. Er hat, weil er glaubte, handeln Ku müssen, schnell gehandelt und zunächst einmal Die Clemente Der Demokratischen Partei und Der volksnationalen Bewegung im wesentlichen ^ufammenge* führt. Run finD die anderen. Die auch nach unserer äleberzeugung für eine ReubilDung in Frage kommen, v e r st i m m t. Ich appelliere an Die Verantwortlichen, Diese Verstimmung zurück- zustellen. Koch-Weser hat sich bereit erklärt, zurückzustehen unD anDeren Männern unD Frauen Die Führung zu überlassen, wenn nur Das große Werk gefördert werDen kann. Ich appelliere an Die Verantwortlichen, jetzt keine Taktik zu treiben und ihren Verstand nicht Daran zu verschwenden, Die anDeren ins Unrecht zu setzen, um etwa eine bessere Position im Wahlkampfe zu haben. Die ernsten Wähler wollen von Taktik nichts wissen; sie wollen Die Staatspartei, Der sie mit gutem Gewissen ihre Stimme geben können. Sie wollen — nachdem sie in der Politik heimatlos geworden sind — wieder eine Stätte politi schen Wirkens haben. Roch ist es nicht zu spät. Oie Hitzewelle in Amerika. Katastrophale Auswirkungen auf die amerikanische Landwirtschaft. Washington, 5. Aug. (WTB.) Die bereits feil Dem 17. Juli im ganzen Mittelweslen und Osten Des LanDes herrschende Hitze von 40 bis 45 Grab Letsius, Die nur währenD Dreier Tage Der vergangenen Woche auf 35 Grad herunterging, feit Sonntag aber wieher Tag unD Nacht ununterbrochen anhält, unterwirft nicht nur Menschen unD Vieh schweren Strapazen, sonDern Droht auch Der LanDwirtschaft unermeßlichen SchaDen zu bringen. Seit Wochen ist kein Regen gefallen, und Die Wetterwarten können für absehbare Zeil keine Erlösung in Aussicht stellen. Der Präsident Der lanDwirtschasttichen Genossenschaft hat Dem Präsidenten Hoover mitgeteilt. Daß Die Hitze unD Die Trockenheit sich zu einer großen Katastrophe für ZweiDrittel Des LanDes auszuwachsen Droht. Das GetreiDe ist zum großen Teil verDorrk, Die ID e i De n finD in Der ftän- Digen Glut Der Sonne braun gebrannt. Oeft- lich Des Mississippi haben walbbränbe große Strecken verwüstet, Flüsse unD Seen trocknen aus. Die Fische Herben, Das Vieh geht an Wassermangel ein, unD in Den meisten GegenDen roirD Das Trinkwasser Immer knapper. Präsident Hoover ist Daher von Vertretern Der LanDwirtschaft aufgeforDert roorDen, Den Farmern roeit- gehenDe ft r e D i t e sowie ermäßigte Frachtraten zu verschaffen. Damit Das Vieh aus Den ftxitteten Vorschläge, die von einem früheren Landesfinanzamtspräsidenten, also einem guten Kenner der Verwaltung, leitend bearbeitet werden, zu entscheiden. Oie Zukunst Bayreuths. Frau Winifred Wagner die Leiterin der Festspiele. B a y r e u t h, 5. Aug. (WTB.) 3n der Kapelle des städtischen Krankenhauses fand heute vormittag die Aussegnung Der Leiche Siegfried Wagners im engsten Familienkreise statt. Rach einem Quartett der Konzertmeister des Festspielorchesters richtete Dekan Dr. Wolf- Harth erhebende Worte an die Trauerversammlung. Es waren neben der Gatttn des Verstorbenen erschienen die Schwestern Daniela Thodc, und Frau Chamberlain, ferner u. a. die drei Dirigenten der Festspiele Dr. M u ck, Tos - c a n i n i und Elmendorf, Prof. Dr. Rüdel, der Letter der Chöre. Graf du Moulin- 6darbt, München. Am Mittwoch erfolgt die äleberführung der Leiche in die Stadtkirche, wo sie aufgebahrt wird. Freitagabend findet im Festspielhaus eine große Trauerfeier des Orchesters futterarmen Gegenden abtransportiert werden könne. Es wird darauf hingcwiefen, daß in Flachs, Baumwolle, Mais, ftartoffeln, Tabak und Baumfrüchten katastrophale Mißernten zu befürchten feien. Der bisher angerichtete Schaden fei bereits so groß, daß Die Folgen noch mehrere Jahre zu spüren seien, selbst wenn innerhalb Der nächsten 30 läge Regen kommen sollte, wofür jeDoch wenig Aussicht besteht. Die Hitze fordert tägiichzahlreicheTodes- opfer. In Neuyork finD gestern sechs Personen Dem hihschlag erlegen. Man befürchtet, daß bei einer FortDauer Der Hitze, Deren EnDe noch nicht abzu- sehen ist, an vielen Orten Mangel an Wasser unD Milch eintreten roirD. Die CanDrolrte roeröen angeroiesen, Das Dem versengen ausgesetzte (Betreibe als Viehfutter zu oerroenDen. Der Schaden, Der Der Landwirtschaft bisher entstanden Ist, wird auf eine halbe Milliarde Dollar geschätzt. In der Stadt Neuyork allein beträgt der Schaden, Der Dem Wirtschaftsleben durch die lähmende Hitze zugefügt wird, schätzungsweise fünf Millionen Dollar täglich. Allein an ft o r n find nach den Berechnungen der Getreidemakler im Juli 400 Millionen Bufhels vernichtet worden. Die Lage ruft in Begierungsfreifen lebhafte Beunruhigung hervor. Präsident Hoover hatte mit dem Sekretär für Ackerbau eine längere Besprechung über die Not der Landwirtschaft. und der gefamten Künstlerschaft für Siegfried Wagner statt. Siegfried Wagner hat in seinem Testament seine Gattin Frau Winifred als alleinige Erbin eingesetzt und als alleinige zukünftige Leiterin der Bayreuther Festspiele bestimmt. Auf ihren Wunsch hin haben sowohl Künstlerschaft als auch alle an den Festspielen beteiligten Stellen chre Aemter beibehalten. Eine Absetzung der Bayreuther Festspiele 1931 dürfte mit Rücksicht auf die bereits getroffenen umfangreichen Vorbereitungen nicht in Frage kommen. — Reichskanzler Dr. Brüning hat zugleich im Harne der Reichsregierung an Frau Wagner ein herzliche- Bei-, leidstelegramm gerichtet. deteiligllng her Franzosen an den Nürnberger Echwimmwetttämpsen. Paris, 6. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der französische Schwimmeroerband wird an der internationalen Veranstaltung in Nürnberg teilnehmen. Die Sportzeitung „L'Auto" schreibt, Die Mitglieder des Vorstandes des französischen Schwimmer, verbandes hatten zwar bedauert, baf$ im Falle Cuvelier nicht Freisprechung erfolgt sei, sie seien Abc» e l n ft i m m i g der Auffassung gewesen, daß die Angelegenheit über den sportlichen Rahmen hinausgehe und daß es Sache der Regierung sei, einzugreifen, wie sie es für angebracht halte. — Die Staatsanwaltschaft hat gegen die an den Beschimpfungen der französischen Schwimmer in Zeitz beteiligten Nationalsozialisten ein Verfahren wegen Bedrohung, Nötigung und groben Unfugs eingeleitet. Die Ermittlungen nach weiteren Teilnehmern an diesen Vor- gangen in der Nacht zum 7. Juli dauern noch an. Sollte es zu einem neuen Prozeß kommen, so werden Cuoelier und sein Begleiter Tribouillet als Zeugen geladen werden. Der Wolf im Schafspelz. Eine argentinische Stimme gegen Poineare Buenos Aires, 5. Aug. (TU.) Gegenüber den am 30. Juli gleichzeitig im Pariser „Excelsior" und in der „Nation", Buenos Aires, erschienenen Artikeln Poineare s, worin dieser in der gewohnten Weise Deutschland verdächtigt, und selbst die Person des Reichspräsidenten in die politische Debatte zieht, erklärt die „La Plata- Zeitung" in Buenos Aires in einem Leitartikel: Poincarös Kritik an der Person des Reichspräsidenten gehe sehr fehl, denn dieser habe Beweise genug dafür geliefert, daß er die neue Zeit besser verstehe, als Poincars, dessen Geistesverfassung mehr und mehr an die Clsmen- ceaus erinnere. Poincarss ständig wiederholte Warnungsrufe vor der deutschen Reichswehr und feine von jedem einigermaßen objektiv Gesinnten als sehr fadenscheinig erkannten Argumente für Frankreichs Ansprüche auf das Saargebiet seien allmählich etwas komisch. Poincars widerspreche sich selbst, indem er einerseits den Dank dafür vermisse, daß Frankreich ohne vorherige Garantie für einen geordneten deutschen Haushalt und für die pünftlidje Erfüllung des Poungplanes das Rheinland geräumt habe, auf der anderen Seite aber die vollkommen verfassungsmäßigen deutschen Ausnahmeregeln, die ge- rade der Erfüllung der deutschen Verpflichtungen dienen sollten, als ein Anzeichen diktatorischer Gelüste und der Rückkehr zu den alten autoritativen Anschaungen hinstelle. Poineare erscheine als ein Wolf im S ch a f s f e l l, der mit allen Mitteln versuche, in der Welt Mißtrauen gegen Deutschland zu säen. Die kommunistische Schreckens- herrschast in China. London, 5. Aug. (TU.) Nach den in Tokio vorliegenden amtlichen Berichten dehnt sich die Schreckensherrschaft der Kommunisten in China immer weiter aus. Die Frau des englischen Chefingenieurs der Tientsin—Pukau-Eisenbahn wurde in ihrem Hause von einem chinesischen Soldaten durch Bajonett st iche lebensgefährlich verletzt. Ferner werden zwei Missionarinnen, Fräulein Harrison und Fräulein Nettleton, die sich seit längerer Zeit in den Händen der Kommunisten befinden, mit dem Tode bedroht, falls von den britischen Behörden nicht innerhalb kurzer Zeit das verlangte L ö s e g e l d in Höhe von 120 000 Mark gezahlt wird. Ein Chinese hat von Fräulein Harrison einen Brief erhalten, in dem die Martern geschildert werden, denen Fräulein Nettleton ausgesetzt wurde. Dem Briefe lag u. a. ein abgeschnittener Finger von Fräulein Nettleton bei. Die Kommunisten drohten, von beiden Frauen sämtliche Finger abzuschneiden, falls das Lösegeld nicht sofort gezahlt werde. Die von der Nankingregierung verbreiteten Berichte über eine RäumungoonTschangtscha durch die Kommunisten und die Wiederbesetzung durch die Regierungstruppen sind nach englischen Meldungen aus Schanghai unrichtig. Die Kommunisten sollen sich nach wie vor in der T Stadt befinden. Regierungstruppen, die den Fluß Siang unter dem Schutz des Feuers der vor Tschangtscha liegenden Kanonenboote überqueren wollten, seien durch die Kommunisten zurückge- w o rfen worden. 21 m 1. August fei von den Kommunisten in Tschangtscha eine Sowjetregierung für die Provinzen Hupei, Hunan und Kiangsi gebildet worden. Die Zusammenziehung von Flottenstreitkräften vor Tschangtscha suchten die Kommu- nisten durch Versenkung von Booten aller Art zu verhindern. Lung-Siegfried. Die Tragik des Erben eines großen NamenS, die auf Goethes Nachkommen so schwer lastete, Vt. auch dem einzigen Sohne Richard Wagners nicht ganä erspart geblieben. Zwar wußte er mit fernem fröhlichen Naturell sich das Gute, das aus diesem Erbe erblühte, zunutze zu machen '' und hat die große Heberlieferung von Bayreuth getreu aufrecht erhalten. Doch feine eigenen musikdramatifchen Schöpfungen standen im Schatten der väterlichen Riesensonne, und so wird er in der Geschichte nur als der Sohn Richard und Eosima Wagners fortleben. Der Daker hat ihm bald nach seiner Geburt die Unsterblichkeit gesichert, indem er dieses Erlebnis in seinen Werken gestaltete, besonders im „Siegfried" und in dem herrlichen „Siegfried-Idyll". So verschmolz sein Name mit dem des »Jung-Sieg- Lm Zeichen der Abrüstung. Englische Flottenpropaganda. Die Konkurrenz der Kontinentalmächte. „Ersatz Preußen". London, 5. Aug. (TU.) Der Marinesachver- ständige des „Daily Telegraph" nimmt den bevorstehenden Stapellauf der „Ersatz Preu- ß e n" zum Anlaß, um erneut in großer Aufmachung auf die umwälzenden Konstruktionserneuerungen bei einigen festländischen Flotten hinzuweisen. Drei Neubauten feien von allergrößter Bedeutung: 1. Der Dau der „Ersah Preußen", durch die nach Ansicht zahlreicher englischer Flotten- sachverständiger der neue 10 000-Tonnen-Kreuzer mit 20 Zentimeter-Geschützen überholt wurde: 2. die Schaffung eines neuartigen italienischen Kreuzers von 5250 Tonnen Wasserverdrängung, der trotz seiner Geschwindigkeit von 37 Knoten so schwer bewaffnet sei, daß hierdurch der Wert der neuen französischen Flotillensührerschiffe in Frage gestellt werde: 3. der Bau eines neuen französischen Unterseebootes, das so schwer bewaffnet fei, daß ihm mit gewöhnlichen Hnterseeboot- Abwehrmaßnahmen nicht mehr beizukommen sei. Die weitaus größte Bedeutung dieser drei Neukonstruktionen besitzt nach Ansicht des Korrespondenten „Ersatz Preußen". Neben zahlreichen Neueinrichtungen auf dem Schiff erscheine der Aktionsradius von etwa 18000 Meilen das wichtigste Plus des Schiffes. Mit alleiniger Ausnahme eines Schlachtkreuzers fei kein anderes Kriegsschiff in der Lage, diesem Typ entgegenzutreten. Schisse bis zu 10 000 Tonnen Wasserverdrängung seien der „Ersah Preußen" unterlegen und große Schiffe nicht annähernd schnell genug. Zahlreiche britische Marineoffiziere seien der Auffassung, daß es eine schlechte Flottenpolitik sei, nun 10 000- Tonnen-Kreuzer zu bauen, nachdem durch die festländische Neukonstruktion ein Typ geschaffen werde, der jeden 10 000-Tonnen-Kreuzer mit Leichtigkeit vernichten könne. Die Hinweise auf die Neukonstruktionen in Italien und Frankreich enthalten an sich nicht viel neues, sind aber im Zusammenhang mit den vorangegangenen Mitteilungen und durch die große Aufmachung im „Daily Telegraph" bemerkenswert. Große französische Manöver in Lothringen. Größte Truppcnemfaltung seit dem Kriege Paris, 5. Aug. (WTB.) Der „Matin" macht Angaben über die diesjährigen Herbstmanöver, die vom 4. bis 10. September in Lo thringen abgehalten werden. Es wird sich um die größte Truppenentfaltung seit dem Kriege handeln, denn es werden daran nicht weniger als 50 000 Mann teilnehmen, nämlich 24 Bataillone Infanterie, sechs Bataillone Iäger zu Fuß, zwölf Bataillone algerische Schützen, 32 Schwadronen Kavallerie, vier Abteilungen Maschinengewehre auf Autos, zwei Regimenter Dragoner, drei Regimenter leichte Artillerie, zwei Regimenter berittener Artillerie, fünf Regimenter schwere Artillerie, zwei Regimenter Flugzeugabwehrge- schütze, zwei Bataillone Tanks, drei Telegraphenbataillone, drei Pionierbataillone, zahlreiche Flugzerg- und Train-Abteilungen. Das Hauptquartier befindet sich in Luneville, wo 240 Stabsoffiziere untergebracht werden. Der Generalinspektor des Heeres Marschall P e t a i n wird den Manövern beiwohnen, ebenso Kriegsminister M a g i n o t. Die Manöver selbst werden südlich durch die M e u r t h e, nördlich durch die Saar begrenzt und sich auf die Strecke Luneville — Metz erstrecken. Oie Herbstmanöver des Reichsheeres. „Durch Flaggen markiert". Berlin, 5. Aug. (WTB.) Dom 15. bis 18. September finden in der Gegend zwischen Bamberg — Koburg — Meiningen — K i s s i n g e n Herbstübungen des Reichsheeres statt. Hm die Kosten möglichst niedrig zu halten, und trotzdem die höheren Führergruppen des Heeres zu schulen, werden diese Hebungen als Rahmenübungen abgehalten. Die Eigenart der Rahmenübung besteht darin, daß nur eine Division und eine Kavalleriedivision als geschlossene Truppenteile auftreten, während von anderen Divisionen alle Stäbe bis zu den Bataillonen, Artillerieabteilungen und die Nachrichtenverbände teilnehmen und d i e K a m p f - linken durch Flaggen markiert werden. Bei den anderen Divisionen tritt nur der Divisionsstab in Erscheinung. Bei den Derbän- den, die nicht als Dolltruppen auftreten, spielt sich also nur die Tätigkeit der Befehlsstellen und der Nachrichtenverbindungen kriegsmäßig ab. Die Nachrichten über den Kampsverlauf werden im wesentlichen durch Leitungsosfiziere gegeben. Die Rahmenübungen selbst leitet der Chef der Heeresleitung Generaloberst Heye. Die blaue Partei führt General der Infanterie Hasse, die rote Partei General der Kavallerie von Kayser. Der Reichswehrminister nimmt an der ganzen Dauer der Hebung, der Herr Reichspräsident nimmt vom 16. bis 18. September an den Hebungen teil. Am 19. September nimmt der Reichspräsident einen Dorbeimarsch der beteiligten Dolltruppen bei Römhildt ab. Die sechs Divisionen und zwei Kavalleriedivisionen, die an der Hebung nicht als Dolltruppen teilnehmen, halten in diesem Iahr nur Geländeübungen in der Nähe ihrer Standorte ab. Das Wirtschaftssystem des Faschismus. In der faschistischen Diktatur ist in Italien seit sieben Jahren eine Basis geschaffen worden, von der aus eine Rekonstruktion der Wirtschaft unternommen wird. Das italienische: cosi disse il Duce e cosi fu (so sprach der Duce und so geschah es) ist auch im Wirtschaftlichen das Tor zur Dollbringung einer wirklichen Tat geworden. Der Faschismus will unter Anerkennung der noch für lange Zeit lebendigen Funktion des Privatkapitalismus die höchste wirtschaftliche Potenz zum Wohle der gesamten Nation erreichen. Grundlegend dafür sind nun folgende Gesetze: 1. das Gesetz vom 3. April 1926 über die rechtliche Ordnung der kollektiven Arbeitsbeziehungen, 2. das Dekret Dom 1. Iuli 1926, enthaltend die Ausführungsbestimmungen über das Gesetz vom 3. April 1926 und 3. die Carta del Lavoro Dom 21. April 1927. Die Wirtschaft ist im Faschismus der Angelpunkt des nationalen Lebens. Nur der Produzent ist Dollwertiger und voll- fried", den Wagner so wunderDoll gestaltet. In den Wochen Dor der Geburt des Kindes arbeitete Wagner am „Siegfried" und las mit seiner Frau Wolframs „Parsifal", der auf beide einen großen Eindruck machte. Am Abend des 5. Iuni 1869 war Nietzsche zu Wagner nach Triebschen gekommen und Derbrachte den Abend mit ihm. In der Frühe um Dier Hhr des folgenden Tages wurde Iung-Siegfried geboren. In dem Tagebuch Cosimas, aus dem jetzt Graf Du Moulin Eckart in seiner Cosima- Wagner-Biographie Mittellung gemacht hat, trug Wagner selbst die Geschichte dieses Ereig- nifies ganz im Stile seiner Frau ein. Er hörte plötzlich, wie der gute Hausgeist Dreneli den Ruf ausstieh: „Ach Gott im Himmel!" und wähnte in seiner Sorge, es sei etwas Furchtbares eingetreten. Aber als er sie fragte, lachte sie freudig: „Ein Sohn ist da!" Seine tiefe Ergriffenheit schildert der Meister in dem Tagebuch: „Da überraschte ihn ein unglaublich schöner Feuerglanz, der an der Orangetapete zunächst der Schlafzimmertür mit niegesehener Farbenglut sich entzündete und auf der blauen Schatulle mit meinem Porträt sich widerspiegelte, so daß dieses, Dom Glas überdeckt und mit einem Heinen goldenen Rahmen eingefaßt, in überirdischer Pracht sich Derflärte. Die Sonne war soeben über dem Rigi heroorgetreten und hatte ihre ersten Strahlen hineingeworfen. Der glorreichste Sonnentag leuchtete. Ich war heiter und froh gestimmt", heißt es dann weiter im Sinne der Mutter. „Das Geschenk, welches uns das Schicksal durch die Geburt eines Sohnes machte, erschien mir sogleich in unermeßlich tröstlichem Werte. Ein Sohn Richards ist der Erbe und einzige Dertreter des Da ters, er wird der Schützer und Geleiter seiner Schwestern fein.“ Cosima erzählt dann selbst, wie in diesen ersten Freudentagen Warner am „Siegfried" weiter arbeitete und ihr berichtete, „daß seine Iubelthemen sich selbst zum MotiD „Heil der Mutter, die mich gebar" als Begleitung Dortresslich anschmiegen, so daß dieser Jubel im Orchester ununterbrochen bis dahin, wo Siegfried selbst darin einstimmt, erklingt." Der Meister hatte schon Dor der Geburt des Sohnes einen kleinen Bogel Dor dem Fenster zwitschern hören, den er den ..Bogel Siegfrieds" nannte: er glaubte in seinem Gesang die Ankündigung des Kindes zu hören, und als er das berechtigter Staatsbürger. Sein Dogma ist: die Suprematie des Staates über die Wirtschaft. Es ist ein Versuch einer Synthese zwischen sozialistischem und kapitalistischem Wirtschaftssystem. Die freie Hnternehmertätig- feit ist durch die Carta del Lavoro grundsätzlich anerkannt. Der Staat hat jedoch im Falle der mangelnden oder unzureichenden Initiative das Recht des unmittelbaren Eingriffs. In seinen Beziehungen zur privaten Wirtschaftsführung kennt der faschistische Staat dahei drei Formen der Intervention: die Kontrolle, die Ermunterung und die Hebernahme der Betriebsführung. Stets ist der Organisator eines Wirtschaftsunternehmens dem Staate für die Richtung und Leitung der Produktion verantwortlich. Neben die Anerkennung der Privatinitiative tritt dann die zweite Hnterthese der Zusammenarbeit zwischen den Faktoren der Produktion, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, im Interesse der Ausbalancierung der gegen- Zwitschern wieder vernahm, meinte er, daß sich nun der Bogel nach dem Knaben erkundige. In dem Iubel über den Sohn schuf er die Skizzen zum dritten Akt des Musikdramas. Seinem Siegfried gab er den Kosenamen „Fidi Vogelsang", und aus diesen Eindrücken, die sich in seiner Seele fortentwickelten, ist dann ein Iahr später dos „Siegfried-Idyll" entstanden, die schönste Huldigung, die wohl je in der Musik einer Mutter und ihrem Kinde dargebracht wurde. Cs war zu Weihnachten 1870, als Wagner seine Frau bei ihrem Geburtstag mit dieser neuen Symphonie überraschte. „Den ganzen Tag bin ich wie im Traum", schrieb sie darüber, „der Geist lauscht nach den verklungenen Klängen und gebärt sie sich wieder; das Herz, erdrückt von seinen Empfindungen, sucht Erlösung in der Musik." Auf das Widmungsblatt hatte Wagner geschrieben: Tribschener Idyll mit Fidi-Vogelsong und Orange-Sonnenaufgang als symphonischen Geburtstagsgruß seiner Cosima dargebracht von ihrem Richard." Es war der Widerhall des großen Erlebnisses, der hier zu Tönen geworden, und es war zugleich eine neue Gestaltung des „Iung-Siegfried". So huldigte der Meister seinem Sohn in unvergänglicher Weise. Vergnügungsreisen zum Südpol. Dem Globetrotter, der seine Reisegelüste bereits überall auf dem Erdball befriedigt hat, der Bergtouren im Himalaja und in den Anden, Wanderungen in China und auf den Südseeinseln unternommen hat, winkt eine neue Sensation: Der Süd- Polarkreis wird als Reiseland erschlossen. Besuche der Nordpolargegenden zu Schiff und im Flugzeug haben bereits den Reiz der Neuigkeit verloren: jetzt ist der Südpol die große Mode, und die Antarktis lockt, zu der bisher noch kein Vergnügungsreisender vorgedrungen ist. Hat doch bisher noch niemals eine Frau das Nohmeer erblickt und ist weiter südlich auf der Erde gekommen als bis zur Deceplion-Insel. Forschungsreisende wenden sich immer eifriger diesem Gebiet zu, und ebenso haben sich die Walsischfänger, nachdem sie die Nordpolarmeere von diesem Riesentier schon so ziemlich gesäubert haben, den noch reichen Jagdgründen der antarktischen Waffer zugewendet. Da dürfen also die Touristen nicht zurück- stehen, und es wird sich ihnen noch in diesem Jahre eine glanzende Gelegenheit bieten, die Neugierde fettigen Beziehungen zur Herbeiführung der Solidarität aller produktiven Kräfte der Nation. Das sichtbare Zeichen dieser Einheit ist der durch Streik- und Aussperrungsverbot und die Einrichtung der Arbeitsgerichtsbarkeit eingeführte Arbeitsfrieden. Die tätige Mitwirkung an der Gestaltung der Wirtschaft ist durch die Vertretung der Arbeitnehmerschaft im nationalen Korporationsrat gesichert. Heberall aber ist ein Vordringen der Planwirtschaft zu verzeichnen, d. h. das Bedarfsdeckungsprinzip wird gegen über, dem Erwerbsprinzip protegiert. Kurzum, das faschistische Wirtschaftssystem stellt sich in seiner Erscheinung als ein systematischer Interventionismus dar. Die vier Hauptziele habet sind die Begünstigung der landwirtschaftlichen Produktion, die Steigerung der industriellen Produktion, bessere Organisation des Exports und Verbreitung des Gedankens der höchstmöglichen Ergiebigkeit der Produktion unter dem Produzenten. Eine Betätigung der öffentlichen Hand wird abgelehnt. Zusammengefaßt stellt sich das Wirtschaftssystem des Fafchismus der als eine Theorie, die nicht in der rechtlich garantierten bürgerlichen Existenz das Wesentliche sieht, sondern in der Eigenschaft des einzelnen als werteschaffender Produzent. Damit-nähert sich die faschistische Theorie der bolschewistischen, doch ist die Grenze zwischen Individual- und Kollektivwirtschaft nicht llar gezogen. Oer Lehrlmgsmangel. Berufsberatungsstetten und Geburtenrückgang. Die augenblicklich herrschende Lehrlingsknappheit, eine Folge des Geburtenrückganges während des Krieges, hat den Reichsaus- schuß der deutschen Iugendverbände veranlaßt, interessante Ermittlungen über die Auswirkungen der Lehrlingsknappheit anzustellen. Er untersucht an Hand der Veröffentlichungen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung die Arbeit der Berufsberatungsstellen, soweit sie für Jugendliche und Lehrlinge in Frage kommen. Zunächst ist dabei bemerkenswert, da.ß die absolute Zahl der Ratsuchenden sich seit dem Jahre 1929 bis zum Jahre 1927 28 um etwa 86 Prozent vermehrt hat. Hn- gefahr um den gleichen Prozentsatz stieg, wenn auch mit größeren Schwankungen, die Zahl der offenen Lehr- und Anlernstellen. Im Jahre 1928/29 ist bann bei beiden Zahlen ein Rückgang zu beobachten, der mit Bezug auf die Zahl der Ratsuchenden auf den Ge - burtenausfall während des Krieges zu- rückgeführt wird. Die ständig zunehmende Zahl der Ratsuchenden bei den Berufsberatungsstellen und der offenen Stellen dürfte ein Zeichen dafür sein, daß sich die Beratungsstellen immer mehr durchsetzen. Interessant sind die Erhebungen über die Berufswünsche der Jugendlichen. Es überwiegen dabei diejenigen für die Metallindustrie, die kaufmännischen Berufe und das Baugewerbe. Trotz des Mangels an Lehrlingen besteht augenblicklich noch ein Heberangebot vor allem bei den Berufen der öffentlichen Verwaltungen, der Gesundheits- und Körperpflege, sowie im Vervielfältigungsgewerbe. Bei den weiblichen Jugendlichen verdichten sich die Berufswünsche vor allem auf die kaufmännischen Berufe, das Bekleidungsgewerbe und die häuslichen Berufe. Aus aller Welt. Grohfeuer in einer Reparaturwerkstätte. In Karlsruhe wurden die Gebäude der Firma Dalhofer & Hummel, Autoreparaturen, durch Großfeuer zerstört. Die Feuerwehr hatte die größten Anstrengungen zu machen, um des Brandes Herr zu werden. Durch die Explosion von Tankanlagen wurde eine Mauer zum Einsturz gebracht. Ein gerade vorübergehendes Ehepaar, das in der Nähe der Brandstätte wohnte, wurde verschüttet. Die Leichen konnten erst am nächsten Morgen unter den Trümmern gesunden werden. Die Explosion ist vermutlich durch die Entzündung von Denzin- gasen hervorgerufen worden. Der Explosionsdruck war so stark, daß die Seitenwände des Gebäudes barsten und samt der oberen Decke in sich zu- nach den Schnee- und Eisgefilden des Südens zu befriedigen. Ein erfahrener Polarforscher, der als Kapitän Shackleton auf seinen Forschungsreisen begleitet hat, Commander J.R. Stenhouse, der einzige Polarforscher, der zu allen Jahreszeiten ein Schiff im Rohmeer befehligt hat, bereitet einen solchen Dampferausflug nach der Antarktis vor. Er hat sich zu diesem Zweck einen Dampfer von 12500 t gesichert, der noch für die Eisarbeit verstärkt wird, und läßt ihn zu einem Luxuskreuzer umgestalten, auf dem etwa 200 Passagiere bequeme Hnlertunft finden werden. Die Kosten sind allerdings nicht gckvz billig und werden sich je nach Bedürfniffen des einzelnen Reisenden auf etwa 10000 bis 15000 Mark belaufen. Der Südpolarkreis bietet aber dafür den Besuchern einzigartige Vorzüge und großartige Überraschungen. Es ist ein keimfreies Gebiet. Stenhouse hat Konservenbüchsen gefunden, die in einer Hütte des Polarkreises 14 Jahre lang lagen und nicht die geringste Spur von Rost zeigten. Der Inhalt war tadellos. Außerdem sind die ultravioletten Strahlen hier stärler als in irgendeinem andern Teil der Welt- Erkältungen sind unbekannt. Die Sonne scheint 24 Stunden im Januar, und die Kälte ist durchaus erträglich. Es ist ein trockenes und keineswegs rauhes Klima, das hier herrscht- Der beste Monat zu einem Besuch des Südpols ist der Januar: auch im Februar und März ist die Durchfahrt fast eisfrei, aber der Tag hat dann nicht mehr 24 Stunden. Wundervolle Farbenspiele erwarten den Besucher in diesem ewigen glänzenden Sonnenschein. Aus der Westseite des Rohmeeres erheben sich Bergketten über 3000 m hoch und umgeben die Küste mit einem großartigen Rahmen. Der Mount Erebus, ein dampfender Vulkan, der über 4000 m emporragt, erhebt sich über den Winterhütten, die Scott und Shackleton bewohnten. Diese Hütten und ebenso das Lager des Amerikaners Byrd werden besichtigt. Auch wird man das eigenartige Schauspiel der großen Walsischflotten bewundern können, die hier im Polarmeer die unglücklichen Riesen auf ihren schwimmenden Fabriken sofort verarbeiten. Der Dampfer soll am 10. Dezember von Southampton absegeln und im Mai nächsten Jahres zurückkehren. Die ganze Reise wird sich über eine Strecke von etwa 50000 km ausdehnen, wobei die Reisenden etwa 120 Tage auf dem Schiff verbringen und 21 Tage an Land. Wie Stenhouse hervorhebt, findet sein Plan große Begeisterung, und es wird nicht an Reisenden fehlen, die sich diese neue Sensation verschaffen wollen. ,Mrc Oüo.Jj AMrdeei inkf. •ari5 Wien J^Bryna; lermönt äude der Firma «aratuM. burd) loehr Halle die n, um M Dran- > Erplosion von Mauer -um ade vorüber- n der Mhe der rlfiüttet. 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Ts ir die Mela!!-- leruse und da- i an Lehrlingen ebermgebot vor rtlichen Dermal. rperpslege.lomie i den weiblichen Jerufswünlchc ’n ‘Berufe, das siichen Berufe. 2 Ratschläge für die Schönheitspflege auf der Reise 1. Zur natürlichen Bräunung der Haut fette man vor und nach der Besonnung die Haut, insbesondere Gesicht und Hände, mit Creme Leodor gründlich ein; man erzielt dann ohne schmerzhafte Rötung eine gesunde, sonnengebräunte Hautfärbung. — Creme Leodor, Tube 60 Pf. und 1 Mk, Leodor-Edel-Seife 50 Pf. In allen Chlorodont - Verkaufsstellen zu haben. uSd^n!;r welßer Zähne putze man früh und 5-, Jihne hen-lidt,erfrischenden Zahnpaste Chlorodont, die auch an den Seitenflächen mit Hilfe der Chlorodont-Zahnbürste einen elfenbeinartigen Glanz 7^U„S|;-7e,Ch.0L?d0?,;?ahn?aS,e’ Tube 60 Pt und I Mk, Chlorodont. Zahnbürste 1 Mk, Chlorodont-Mundwasser 1 Mark sammen stürzten. wobei Vorderfront und Dach den ganzen Gehweg und zum Teil den Fahrdamm bedeckten Aus den Trüminern schossen hau-hohe Stichflammen. Fuldaer Bischosskonferenz. Die diesjährige Fuldaer Bischosskonferen; ist mit einer feierlichen Andacht in der Bonisatiusgrust er- Öffnet worden An der Konferenz nahmen teil: fiardinalfurstbischof Dr. Bertram von Breslau, fiardinalerzbischof Dr. Schulte von Köln. fiardi- naler-bischof Dr. F a u l h o b e r von München. Erz. bischos Dr. Carl Fritz von Freiburg. Bischof Dr. Poggenburg von Münster. Bischof Dr. Klein von Paderborn, Bischof Dr. B e r n i n g von Dena, brück, Bischof Dr. Schreiber von Meißen. Bi- fchof Dr. Bornewasser von Trier. Bischof Dr. Hugo von Mainz, Bischof Dr. S prall von Roltenburg, Bischof Dr. Bares von Hildes- Heim. Kapilular-Vikor Dr. Spannenkrebs von Crmland. Titularbischof Dr. Hilfrich, Coadjutor des Dischofs von Limburg, Prälat Kaller von Schneidemühl, Generaloikor Di t tert von Mittel- walde (preußischer Anteil der Er-.diözese Prag), Oe» nerolvikor Kathan von Brar.itz (preußischer Anteil der Erzdiözese Olmütz). Die Beratungen finden im Priesterseminar statt. 8. IDcUtaqung des Jugendbunde« für entschiedenes Christentum. 5000 Vertreter des Zugerrbbundes für entschiedenes Christentum aus aller Welt versammelten sich in Berlin in der Autohalle am Kaiserdamm zum ErösfnungSabend der 8. Welttagung. Allein 800 Amerikaner unter Führung des Präsidenten des Weltbundes drS Iugendbundes Dr. A. Polin g (Reuyork) vertreten über 57 000 Ortsgruppenverbände mit 3,5 Millionen Mitglieder. 100 Engländer, 15 Afrikaner, 18 Chinesen, Unber, Japaner, Koreaner und fast alle europäischen Länder, im ganzen 31 Stationen, sind in Abordnungen vertreten. Ein Reichsverband Deutscher Rundfunkhörer. Dieser Tage wurde in Berlin der ..Reichs* verband Deutscher Rundfunkhörer e. D." (für Kultur, Beruf und Volkstum) gegründet. Zweck des ReichSverbandeS ist: 1. Zusammenschluß aller deutschen Rundfunkhörer auf überparteilicher Grundlage zur Wahrnehmung der Interessen von Kultur, 'Beuif und Volkstum gegen die Vorherrschaft der marxistischen und kommunistischen Hörerorganisationen: 2. Aushebung der Unmündigkeit der Rundfunkhörer durch Erweiterung von Mitbestimmungsrechten im Programmrat und in der technischen Leitung der deutschen Dender: 3. Fortbildung der technisch interessierten Rund- funkhörer in eigenen SchulungSwochen und Bostler- kursen. Schwere Bluttat Jugendlicher. 3n dem kleinen badischen Dorschen Ulm (bei Lichtenau) war ein 12 Jahre alter Knabe Der- schwunden. Er wurde als Leiche in einem Sack in einem kleinen Bach gefunden. Die Leiche wies einen Revolverschuß auf. Die Untersuchung ergab, daß der Knabe mit zwei 17jährigen Burschen zusammcngewcscn war. Diese wurden fest genommen und haben erklärt, daß der eine von ihnen den Zwölfjährigen im Scherz durch einen Revolvcrschuß getötet habe und daß sie dann aus Angst die Leiche in einen Sack gesteckt und im Bach versenkt haben. Drei Hochtouristen tödlich verunglückt. Drei niederösterreichische Touristen stürzten beim Abstieg vom Groß-Glockner, als sie den gleichfalls auf dem Abstieg befindlichen Hochalpinen Kurs des Landesgendarmeriekom- mandos für Kärnten überholen wollten, wobei sie die nötige Sicherung unterließen, über einen 600 Meter hohen Dteilhang in der Südwand des Klein-Glockners ab. Die vollkommen entstellten Leichen wurden nach KalS gebracht. Blutiger Rassenkampf in einem amerikanischen Gefängnis. 3n dem Stadtgefänanis Welsare Ösland, das sich aus einer 5nsel inmitten des Flusses befindet, der den Reuyorker Stadtteil Manhattan von Brooklyn trennt, kam es zu einem erbitterten Kamps zwischen mehr als 400 Weihen und Regern, bei dem 7 Sträflinge schwer verletzt und über 20 leicht verletzt wurden. Tausende von Passanten sahen von den benachbarten Drücken der stundenlangen Schlägerei zu. bic sich in dem Gefängnishof abspielte und bei bet es sich weder um eine Meuterei, noch einen Fluchtversuch, sondern lediglich um die Austragung von Rassengegensätzen handelte. Wllbe 3agb hinter einem Autobleb. Eine wilde 3agb hinter einem Autodieb spielte sich vor bet Drunewaldstrahe in Berlin quer durch Schöneberg bis zum Magdeburger Platz «b. Ein junger Mann hatte in der Froben- Strahe einen Wagen gestohlen. Passanten hatten ihn beobachtet und zwei Polizeibeamte auf den Dieb aufmerksam gemacht. Kurz entschlossen schwang sich ein Polizeibeamter auf das Trittbrett und versuchte, den Wagen anzu- halten. ES gelang aber dem Dieb, ihn vom Wagen zu stürzen. Er erlitt einen lebensgefährlichen Echädelbruch. Der zweite Beamte folgte dem Dieb in einer Droschke. 3n rasender 3agb ging es bis zum Magdeburger Platz. Hier wurde der gestohlene Wagen zum Stehen gebracht, und zwar dadurch, daß der Beamte in den Reisen schoß. Rach kurzem Kamvf konnte der Dieb, der Äjährige wohnungslose Chauffeur Kurt Frey verhaftet werden. Rur mühsam gelang es den Polizeibeamten, den Dieb vor der Lynchjustiz der Passanten zu schützen. Betonen beförberung durch Kleinlustschiff vom Dampfer aus. Das zweimotorige Kleinluftschiff ..Wayflower" landete aus dem Achterdeck des an der Quarantänestation von Reyyork l egenten Lloyddampsers /Bremen“, nahm den Präsidenten der Good-Vcar- Feppelingesellschast Litchfield an Bord und Ian- ®etc "Nt ihm wenige Minuten später auf dem Flugfeld von Long Island. Dies ist der erste derartige Versuch mit einem Kleinlustschiss. Aus öer Prvvinzialdaupistodt - Gießen, den 6. August 1930. Geh. Schulrat Dr. Hensett t- Gestern früh ist hier der frühere Gießener Ghmnasialdirektor Geh. Schulrat Dr. Wilhelm H e n s e l l verstorben. Der Entschlafene konnte am 1. August d. 3. noch feinen 76. Geburtstag begehen. Er war im Jahre 1854 in Rinteln geboren, studierte in Marburg Deutsch, Geschichte und klassische Philologie und wirkte vom Jahre 1890 ab am Reuen Gymnasium in Darmstadt. 3m Fahre 1897 wurde er zum Direktor deS Gymnasiums in Laubach ernannt, im 3ahre 1899 übernahm er die Leitung des Gymnasiums und der Realschule in Offenbach. Von dort kam er im 3ahre 1906 als Direktor an das hiesige Gymnasium und Pädagogische Seminar, wo er, wie auch in seinen früheren Wirkungsorten, eine segensreiche pädagogische Tätigkeit entfaltete. Seit 1921 lebte der von Schülern und Lehrern verehrte und in weiten Kreisen der Bürgerschaft hochgeachtete Schulmann hier im wohlverdienten Ruhestand. Das Andenken an diesen ausgezeichneten Pädagogen und vorbildlichen Menschen wird bei seinen früheren Mitarbeitern und Schü- lern und darüber hinaus bei allen, die ihm nähertraten, noch lange in Ehren fortleben. Vorsicht beim Genuß von Morcheln. Vergiftungen durch den Genuß von Morcheln, insbesondere von selbst gesammelten, werden alljährlich beobachtet. Don berufener Seite wird mit Recht immer wieder daraus hingewlesen, daß man nur solche Pilze essen soll, die man als sicher ungiftig kennt. Darüber hinaus sind in diesem 3ahre Erkrankungen nach dem Genuß von Morcheln oder Epetse- morcheln aufgetreten. Cs ist einem großen Teil der Bevölkerung unbekannt, daß die Morchel in frischem Zu st and Giststofse enthält, die sogar tödliche Wirkungen Hervorrufen können, wenn nicht die nötige Vorsicht dabei geübt wird. Diese besteht darin, die Morchel nicht nur abzuwaschen, oder mit heißem Wasser einmal abzubrühen, sondern man muh sie regelrecht mit reichlichemWasser kochen und, nachdem die Pilze im Wasser mindestens zwei Minuten lang im Kochen erhalten worden sind, das Kochwasser weggießen. Die Gist- stosse der Morchel, insbesondere die Helvella- fäure, sind in heißem Wasser löslich, werden aber durch das Kochen nicht unwirksam gemacht. Der Pilz leidet durch diese Vorbehandlung des regelrechten Abkochens in keiner Weise an seinem Wohlgeschmack. Auf keinen Fall darf das Kochwasser der Morchel zur Herstellung von Pilzsuppe oder Dratentunken verwendet werden. Die getrocknete Morchel, wie sie im Handel erhältlich ist, hat ihre Giftigkeit verloren und bedarf keiner besonderen Vorbehandlung. 3n allen Fällen, in denen nach dem Genuß der Morchel oder Speifemorchel Krankheitserscheinungen, wie Hebelfeit, Erbrechen. Durchfälle. Gelbsucht ufw. auftreten, ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. WSR. Vorriotizcn — Tageskalender für Mittwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn du einmal dein Herz verschenkst" unb „Die Laby von ber Straße". — Kirchenkonzert. Am Freitag, 8. Aug., um 20 Uhr, wird der Verein für christliche Musik in der 3ohanneskirche ein Kirchenkonzert veranstalten, dessen Reinertrag den Hinterbliebenen der in Schlesien verunglückten Bergleute zugute kommen soll. Außer dem Verein für christliche Musik werden Lehrer Habicht (Orgel) und Fräulein Milly von der Heydt (Sopran) mitwirken. Um möglichst vielen den Besuch au ermöglichen, ist der Eintrittspreis auf 50 Ps. festgesetzt worden. Die Eintrittskarten find an den Eingängen der Kirche zu erhalten. (Siehe heutige Anzeige.) ** Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch die evang. Kirchenretzierung wurde dem Psarrer Heinrich (9 ö 11 e r t zu Altenschlirf die evangelische Pfarrstelle zu Hutzborf, Dekanat Lauterbach, und bem Pfarrer Fritz Bohne zu Hohenstabt- Ernsttal i. S. bie evangelische Psarrstelle zu Nieber- Erlenbach, Dekanat Robheim, übertragen. “ Evangelische Pfarrer und Tier- schuharbeit. Das Evangelische Landeskirchen- amt in Darmstadt hat wegen Mitarbeit der Geistlichen der Evangelischen Landeskirche im Tierschutzverein für Hessen eine Verfügung an die evangelischen Dekanate erlassen, in der es u. a. wie folgt heißt: .Wir möchten nicht unterlassen, daraus hinzuweisen, daß für den Geistlichen, zumal auf dem Lande, die Tierschuhsache ein Gebiet der Seelsorge darstellt, das im Zugendunterricht bei. der Behandlung des 1. Artikels und dementsprechend auch in der Predigt ohne große Zeitopfer mit innerem Gewinn bearbeitet werden Fann. Keine Ehrfurcht und Liede gegenüber dem Schöpfer ohne Achtung, ja Liebe zu seinen Geschöpfen! Daß es infolgedessen auch eine Aufgabe für Geistliche ist, hierfür geeignetes Anschauungsmaterial durch die Zeitschrift zu sammeln und anderen darzubieten. liegt auf der Hand. Es handelt sich bei der Tierschutzsache ohne Zweifel um ein beachtliches Stück wertvoller .Torfkirchenarbeit". O. vr. D i e h L“ •• Preisgekrönte Gießener Stenographen. Auf bem Deutschen Stenographentag in Berlin, über den wir in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, wurden u. a. auch folgende Gießener Stenographen beim Wettschreiben mit Preisen ausgezeichnet. Die Gießener Preisträger sind folgende Damen und Herren. (Es bedeuten G. = 1. Reichskurzschriftgesellschaft „(Babelsberger" und Damenabteilung e. V. Gießen: 23. 61 = Stenographenverein von 1861 Gießen.) Abteilung 2 20 Silben: 1. und Ehrenpreise bzw. Ehrengabe: Kurt Moosdorf, G.: Ottilie Irefer, G: Georg Wahl, G. — Abteilung 200 Silben 1. Preis Lehrer Dehmer, 23. 61. — Abteilung Die Wetterlage. Berliner Börte. Berlin, 6. Aug. (WTB. Funkspruch) Wie nicht anders zu erwarten war, lag auch der heutige Frühoerkehr zurückhaltend und ohne Geschäft. Eine Tendenz war noch nicht zu erkennen, da Kurse noch nicht genannt wurden. Am Devisenmarkt hörte man London gegen Paris 123,8250, London gegen Mailand 92,99, London gegen Spanien 43,70 zu 43,75, London gegen Buenos 40,45, London gegen Kabel 4,8725, London gegen Berlin 20,38 zu 20,3825, Kobel gegen Berlin 4,1828 zu 4,1830. Hann wird die nun nvch übler zugerichtete (B) Straße ihrem Zustand überlassen. Zwei Beispiele: Gelegentlich der seit Monaten gesperrten D- Straße Grvßen-Linden—Lang-GönS-Frankiurl a. M.. wurde die (B) Straße Leihgestern — Lang-Göns zur Umleitung des Verkehrs benutzt. Das sämtliche Kleber gründungsmaterial wurde durch die AutoS von der Chaussierung fongestäubt. Der hervorstebende spitze Kleinschlag macht es dem Landwirt unmöglich, mit feinem Rindvieh auf dieser Chaussierung zu fahren «Tierschutzgefetz!). Es ist bedauerlich, wenn man fleht, wie sich der Landwirt mit feinem beladenen Fruchtwagen auf Feldwegen in den Ort schlängeln muß. Warum wird nicht dafür gesorgt, daß wieder llcbergrünbunggmatcrial auf diese Chaus- fierung gebracht wird? Aehnlich ist cs mit der Vernachlässigung der ebenfalls zur Umleitung benutzten (B) Straß« von Leihgestern nach Großen-Linden. Die Gemeinde Leihgestern ließ im vergangenen 3ahrc unter großem Kostenaufwand einen Kanal in diese Straße verlegen, um durch Sinkkasten das auf dieser steilabfallenden Strafte ankommende Wasser abAufangen und vom Dors fern- huhalten. 3nfolge Der Umleitung wurde auch hier das UebergründungSmaterial durch die Autos seitwärts in die Rinne geschleudert, die vorhandene Pflasterung stellenweise mit 15 bis 20 Zentimeter hohem Dreck vollständig zugedeckt. (Bereits beginnt stellenweise die Verrasung.) Durch den seither anhaltenden Regen sind sämtliche Sinkkasten zugefchlemmt, das Wasser fließt (auf der Fahrbahn!, trotz der Kanalisierung in den Ort. Heber all da, wo daS Eigentum der Provinz in Gefahr steht, beschädigt zu werden, ist sofort der betreffende BezirkSbeamte zur Stelle. Wo ist die Provinzialstrahenbaubebörde in Fällen, wenn daS Eigentum der Privaten, oder Gemeinden durch die Provinz beschädigt wird? Hat die Provinz Mitleid mit Autosedern und Autoreifen, so sollte sie doch auch die armen Zugtiere nicht vergessen. Hoffentlich genügen diese Zeilen, daß sich die zuständige Behörde bald einmal diese Zustände ansieht und Äbhilfe schafft. Mehrere Leihgesterner Bürger. ©wollenlos.o nenn etdec-i 8 vorxig. Gvearcxi. * Xhnee a Sraupein ■ «toei X OfWiuer ^)wind>iuie.«^ Mh# leichter On sei Stationen itenenden zih» len geben die Temperatur in. Oie Linien veromdco Ort» mit gicicnc* guf fleeruniveiu umgereeDnelen Lultdrucu Wettervoraussage. Das Störungsgebiet im Norden scheint sich jetzt allmählich abzuflachen und mehr nordöstlich zu verlagern. An feiner Südseite wehen allerdings immer noch ziemlich lebhasle Westwinde, wodurch unser Wetter den wechselhaften Charakter vorerst beibehält. Wohl wird mit der Zufuhr kühlerer Luft an ber Rückseite von Westen her der Druck etwas anfteigen, io daß vorübergehende Besserung zu erwarten ist, jedoch kommt eine rechte Beständigkeit noch nicht auf, da unter dem Einfluß der ozeanischen Luftmafsen sich nach Aufheiterung Immer wieder Bewölkung bilden wird und vereinzelt auch noch leichte Schauer auftreten können. Aussichten für Donnerstag: 3mmer noch unsicheres, teils wolkiges, teils aufhcitern- des Wetter mit Reigung zu einzelnen Schauern, mäßig warm. Verantwortlich für bas Feuilleton i. D-: Dr. Fr. W. Lang e. Wann gilt Steuerzahlung dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf a 1 s geleistet, wenn Zahlungen über Reichsbankgirokonto erfolgen? In den von Steuersyndikus Hermann Will zu Gießen Sozialdemokratie und Derfaffungsfeier in Büdingen. * Büdingen. 5. Aug. Die Veranstalter der amtlichen Verfassungsfeier in unserer Stadt haben wegen der Person des Festredners eine Absage seitens der Sozialdemokratischen Partei Büdingens erfahren. Dom Kreisamt, das die amtliche Feier des Der- fassungstages vorbereitete, war der dcutschvolks- parteiliche Landtagsabgeordnete Oberstudiendirektor Dr. Keller (Büdingen) als Festredner für die Feier gebeten worden. Dagegen wurde von der hiesigen Sozialdemokratie unter Hinweis auf die politische Tätigkeit Dr. Kellers im Landtag Widerspruch erhoben. 3n den letzten Tagen beschäftigte sich nun eine Versammlung der hiesigen Sozialdemokratie mit der Angelegenheit. Es wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, an der vom Kreisamt vorbereiteten a m t- kichen Verfassungsfeier sich nicht zu beteiligest, da man es ablehnt, Dr Keller als Festredner zu Horen. Die hiesige Sozialdemokratie will am Ver^assungstage eine eigene Verfassungsseier ihrer Partei veranstalten. Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des GleBener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll 14 0 Silben: 1. Preis fiert Kühn, 23. 61; Emms Schüler, ®.; 2 Preis Heinz Theisebach. — Abteilung 120 Silben: 1. Preis Max Katz, ©•: Käthe Dernuth, G.; Minni Schmitz, G.; Erna Philipp, G — 2. Preis Friede. Hof, G: Luise Reinhardt, G. " ErplosionSunglück. Heute vormittag gegen 10.30 ll&r explodierte in einem großen Wohnhaus-Reubau an der Straße Auf der Weißerde bei 3nstallationSarbeiten ein kleiner Schweißapparat. Der an bem Apparat beschäftigte Schlosser Diehl von hier wurde dabet von der abgefbeengten Haube deS Apparats so unglücklich getroffen, daß er mit schweren Kopfverletzungen in die Ehirurgifche Klinik gebracht werden muhte, lieber das Befinden des bedauernswerten Mannes war uns bei RedaktionS- schluß noch nichts RLHercS bekannt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schlimme Zusfänbe der B-Sfrafoen. Daß die Provinzialstrahenverwaltung anscheinend heute ihr ganzes Augenmerk auf die (D) Durchgangsstrahen richtet und die anderen (B) Straßen nur noch als Stiefkind behandelt, wird der an den letztgenannten Straßen wohnenden Bevölkerung immer deutlicher klar. Einen Strahenwärter sieht man hier nur bann, wenn eine Durchgangsstrahe instand gesetzt und eine solche (B) Rebenstrahe für U m lei tun g szwe cke benutzt wird. Bevor das Schild „Umleitung" auf- gestellt wird, werden noch einmal alle Schlag- Ivcher verebnet, dem Strahenwärter wird auch dann für sylche (B) Straßen ausnahmsweise einmal etwas Deckmaterial zum Ausbessern zur Verfügung gestellt. 3st bte Umleitung vorbei. herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rund- fchreiben 14/15) lesen wir: Rach einer Aenderung und Ergänzung der Amtskaffenordnung der Reichs- abgabenoerwaltung gelten Zahlungen, die über Reichsbankgirokonto zugunsten einer Reichskasse erfolgen, dieser Kasse gegenüber an bem Tage erfolgt, gn dem sie mittels Uebermeifungsauftrages oder Barzahlung an eine Reichsbankanstalt geleistet sind. Als Einzahlungstag gilt der Tag, der sich aus dem auf der Durchschrift des Uebermeifungsauftrages oder Reichsbankzahlfcheines befindlichen Tagesstempelaufdruck der Reichsbankanstalt ergibt. * Wiedererlangung des amerikanischen Bürgerrechts. Die Gießener Vertretung der Hambury-Amerika-Linie, das Reifebureau Loeb, teilt uns mit: Nach einem kürzlich in Kraft getretenen amerikanischen Gesetz können Frauen, die ihr amerikanisches Bürgerrecht verloren haben: 1. weil sie einen Ausländer heirateten: 2. weil sie einen Ausländer heirateten und in einem fremden Lande ansässig waren: oder 3. weil der amerikanische Ehemann fein Bürgerrecht verloren hat, ihr Bürger- recht in den Vereinigten Staaten ohne Schwierig- feit wieder zurückerhalten. Es bedarf hierzu nur der Erfüllung einiger Formalitäten. Diese Möglichkeit ist von Bedeutung, da Frauen, welche das Bürgerrecht wiedererlangt haben, bei der Disaerteilung bevorzugt werden, und ebenso ihr nicht-amerikanischer Ehemann. Kinder unter 21 Jahren einer solchen Amerikanerin fallen nicht unter die Quote. Eltern und Kinder können somit ihr Visum innerhalb ganz kurzer Zeit erhalten. Die Hamburg-Amerika-öinie und der Norddeutsche Lloyd, sowie die Vertretungen beider Gesellschaften sind über die Ausführungsbestimmungen dieses Gesetzes unterrichtet. Jetter Verderb ausgesdilossen wenn Sie Ihre Zutaten zum Einmachen in den Erste Qualitäten! Aeuberste Preise! Persönliche Bedienung! 5% Rabatt! fdekaSestfiäften kauten! 5490 A. Statt besonderer Anzeige. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. 5501D Mainzlar, den 5. August 1930. 5 02D Heuchelheim, den 5. August 1930. 64873 Es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten, was man hat, muß scheiden. Die Beisetzung findet in Darmstadt von der Leichenhalle des Alten Friedhofs Freitag, den 8. August, nachmittags 4 Uhr statt. Gießen (Bergstraße 3), Juist, Rostock, Frankfurt a. M., den 5. August 1930. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 7. August, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen, für die vielen Kranzspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Dörr sagen wir hiermit allen unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Hermann Ernst Hofmann. In tiefer Trauer: Heinrich Vogel III. und Kinder. Todes-Anzeige. Montagmittag 1% Uhr entschlief sanft nach kurzer Krankheit mein innigstgeliebter Mann, der treusorgende Vater seiner Kinder, unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Wilhelm Weilersims, Postschaflner im Alter von 38 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Weitershaus, geb. Weigel, und Kinder Wilhelm Weitershaus, Vater Familie Heinrich Weitershaus Familie Friedrich Weitershaus Katharine Weitershaus. Frankfurt-Niederrad, Klein-Linden, Lützellinden, Großen-Linden, den 6. August 1930. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 7. August, nachmittags 3 Uhr, vom Hause des Bruders, Verlängerte Kirchstraße aus statt. 5512D Heute mittag 1 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante Katharine Vogel geb Bingel im 39. Lebensjahre. — Erst vor 7 Monaten schenkte sie einem Töchterchen das Leben. Vermietungen] 4 - Zimmer- Wohnung im Stadlinnern zu vermieten, ©cbriitl. Angeb. unter 5510D an den Gieß. An». neue Bo&nung 2 Zimmer und geräumige Küche, in Kroldors ab 1. Sept, zu vermieten. Schr. Angeb. unter 04901 a. d. Gieß. Anz. Heute in der Frühe verschied unser lieber Vater und Großvater, der Großherzoglich Hessische Geheime Schulrat Dr. phil.Wilhelm Hensell Gymnasialdirektor i. R. nach arbeitsvollem und segensreichen Wirken und eben vollendetem 76. Lebensjahr. Dr. med. Ernst Hensell Ellen Henle, geb. Hensell Hermann Hensell Else Hensell, geb. Gerdts Univ.-Professor Dr. jur. Rudolf Henle Erna Hensell, geb. 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An die weichgcschmorten Champignons gibt man 3 Eß- löffel feingewiegte Petersilie daran, ferner 3 geriebene Zwiebeln, 3 Eßlöffel Semmelmehl, 1 $ Tasse zerlassene Butter, etwas Salz und ein wenig gestoßenen Pfeffer. Man gibt die gut verrührte Masse in eine feuerfeste Form, tut 2 Eß- löffel saure Sahne darüber und bäckt sie 1 2 Stunde im heißen Ofen, worauf man das Gericht Heist zu Tisch bringt. Gedämpfte Trüffeln. Die gut abgebürsteten Trüffeln werden mit ein wenig Wasser, in dem man zwei Maggi-Fleischbrühwürfel aufgelöst hat, und so viel Rotwein, daß sie gerade bedeckt sind, auf ein gelindes Feuer gesetzt. Man gibt einige Gewürzkörner, ein paar Delken, Salz, ein wenig frische Butter und ein paar Zitronen- fcheiben daran und läßt die Trüffeln abtrvpfen und richtet sic recht Heist an. Sie werden mit frischer Butter als Vorspeise zu Tisch gegeben. Die Sehe wird zu Rinderfilet oder Wildbraten gereicht. Gin Pilzpudding wird bereitet, indem man eine feuerfeste Form zunächst mit dünnen Speckscheiben auslcgt und darauf eine fingerdicke Schicht Brotkrumen hincingibt. Darauf folgt eine Schicht beliebiger, in Butler geschmorter Pilze, die man mit Salz, gemahlenem Pfeffer, geriebener Zwiebel und feingcwicgter Petersilie bestreut und mit zerlassener Butter beträufelt. Darauf folgt wieder eine Drotschicht, und so immer abwechselnd, bis die Form gefüllt ist. Die oberste Lage must eine Drotschicht sein, die mit Butter betäufelt wird. Die Form wird zugedeckt und etwa eine Stunde in mastig warmem Ofen gebacken 3n der letzten Viertelstunde muh man den Deckel abnehmen, damit der Pudding eine Ärufte bekommt. Wird Heist zu Tisch gegeben. als Dor- oder Zwischengericht. Pilze soll man am besten nur in der eigen tlichen Pilzzeit effen, da sie durch Trocknen sehr viel von ihrem natürlichen Wohlgeschmack verlieren. Ein erster Blick hinter die Kulissen der Herbstmode. Evaö Augustbesuch in Paris. Viermal im Jahr fahren die führenden deutschen Modekünstler nach Paris. 3m Frühjahr lassen sie sich für die Sommerkollektion anregen, im Sommer werden ihnen Herbstmodelle vorgeführt, im Herbst heißt es. neue 3deen für die Winterkleider ju bekommen, wobei die großen Abendkleider die meiste Aufmerksamkeit beanspruchen und im Winter zerbrechen sie sich den Kopf darüber, wie sie die Frauen im Frühjahr anziehen werden. Sie sehen ihn nicht, den Glanz dieser herrlichen Stadt, nicht die grandiosen Fassaden längs der prächtigen Avenuen, nicht die breiten Boulevards mit den Tag und Dacht hell erleuchteten Fenstern, nicht die verführerischsten Auslagen und kaum die Konkurrenz, die gleichfalls Paris nach neuen Tips absucht. Sie sehen bloß Biesen, Bkenden, neue Stoffmuster, eine noch nie dagewesene Form eines weißen Rips- krägelchens, der die Trägerin garantiert zcktn mitleiderregenden Waisenkind stempelt, Glocken- und Faltenpartien, Ansteckblumen, Schmucknadeln (das Allerneueste darin sind „Klemmer", Agraffen aus glitzernden, mehr oder minder echten Steinen, die. ohne Dadel gearbeitet, je nach Bedarf an den Hut oder den Kleiderausschnitt bloß angeklemmt werden) und raufen sich im übrigen die Haare einzeln nacheinander aus. wenn sie die Preise, der Modelle erfahren. 800 bis 1000 Mark kostet ein in einem ersten französischen Modellhaus entworfenes Kleid, das ihnen dann zu Hause Anregung für zwanzig andere bieten muß, damit der hohe Anschaffungspreis sich lohnt. Dann kommt die Heimkehr mit den kostbaren Schätzen, die zuerst bloß ehrfürchtig von weitem betrachtet werden, wie wenn man etwa einen neuen Verwandten auch erst einmal aus der Feme anguckt, ehe man sich mit ihm anfreundet. Bis man sich allmählich mit der besonderen Dote der neuen Kleider vertraut gemacht und sie so genau nach jeder Richtung hin untersucht hat, daß ein fröhliches Kopieren beginnen kann. Auf der 3agd nach Erfolg wird dann eine reizvolle Linie häufig genug so unendlich oft abgctoanbelt, daß man sie in einen unverdient frühen Tod hineinheht, denn durch nichts wird der Wert eines Einfalls schneller herabgesetzt, als durch ein zu häufiges Erscheinen. Das ist bei den Kleidern wie bei den Frauen: die am seltensten zu sehen sind, sind die Begehrtesten. Während wir jetzt mit Hilfe von Georgette, Rohseide und pastellsarbenem Crepe de Chine mit aller Gewalt einen Sommer vortäuschen, der in Wahrheit noch nicht viel von uns wissen wollte, ist in den Modellhäusern He r b st. Da werden die Kleider zusammengestellt, die uns bei der Rückkehr aus der Sommerfrische darüber trösten sollen, daß eine schöne Zeit mal wieder vorbei ist. Cs liegt in der Datur der Sache, dieweil die Herbstsaison in der ^lebergangszeit liegt, daß dafür vor allem kleine Kleider für den Vormittag angefertigt werden, die nach wie vor sportlich und kurz sind. Der Rocksaum reicht etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter übers Knie. Beine werden also getragen und auch dabei heißt es nach wie vor: je schlanker und länger desto besser! Das dreiteilige Com- p l e t für den Vormittag aus gewirktem Wollstoff, der wie Tweed aussieht, aber viel weicher ist, wird, wenn die Jackenkleider unterwegs abgenutzt sein werden und eine kühle Witterung das Tragen von leichten Sommerkleidern verbietet, Favorit der praktischen Frau werden, die bei der Tätigkeit im Haushalt und bei Besorgungen in der Stadt fein allzu empfindliches Kleid haben darf und trotzdem immer gut angezogen wirken will. Eine amüsante neue Farbenzusammenstellung ist braun und türkis. Zu einem braunen Rock mit abgesteppten Falten ein türkisfarbenes Eisteckblüschen, darüber eine braune Jacke auf zwei Knöpfen, eng um die Hüften gezogen, ein braun und türkis gestreifter Schal für den Hals und eine braune Kappe mit winziger rechtsseitlicher Bandschleifengarnitur, das linke Ohr frei lassend, dafür auf der anderen Seite bis zum Halswirbel heruntergezogen, das ist ein idealer Dormittagsanzug. Auch das Ka - sackkleid wird wieder zu sehen fein, nachdem es eine Weile von der Bildfläche verschwunden war, jedoch so gearbeitet, daß es aussieht, als wäre es aus einem Stück, denn der Kasack liegt so eng wie ein Pullover auf dem Rock. pilzgenchie. Don Ilse Wiebemann. Dom Frühling bis in den Spätherbst wird unsere Küche durch eine angenehme Zutat bereichert: durch die Pilze, die entweder mit Fleisch zusammen jubereitet werden oder uns auch das Fleisch ersetzen können. Wo man die Möglichkeit hat, Pilze selber zu sammeln, sollte man es nicht versäumen, denn es macht unerrdlich viel Freude, den Wald zu durchstreifen und köstlich duftende Pilze einzubringen. Datürlich muh man beim Sammeln vorsichtig fein, doch wird man ja die wenigen wirklich giftigen Pilze rasch herauskennen. Anfänger im Pilzsammeln sollen natürlich nur die Pilze sammeln, die sie wirklich kennen und sich nicht auf Experimente einlassen. Wer sich nicht heranwagt, soll die Pilze auf den Märkten kaufen: sie sind ja glücklicherweise nicht allzu teuer. Beim Putzen der Pilze muß man all die Pilze entfernen, die irgendwie wässerig, schwammig, weich, angefault und von Maden zerfressen sind. Solche Pilze sind mindestens ebenso schädlich. wie die eigentlichen Giftpilze, und manche Pilzvergiftung ist nur darauf zurückzuführen, daß die Hausfrau bei der Zubereitung nicht sorglich genug zu Werke gegangen ist. Man muß jeden Pilz der Länge nach durchschneiden, damit man sieht, ob er innen wirklich fest und unversehrt ist. Beim Putzen entfernt man durch Schaben allen Schmutz und wäscht die Pilze dann so lange in klarem Wasser, bis kein Sand mehr in dem Gesäß bleibt. Dann gibt man sie zum Abtropfen auf ein Sieb, Trüffeln muß man mit einer Bürste im Wasser sauber bürsten: sie werden nicht geschabt. Die Zubereitungsweise von Pilzgemüse ist höchst einfach. Man tut die vorbereiteten Pilze in zerlassene Butter und schmort sie, nachdem man sie mit etwas Salz bestreut hat, in geschlossenem Topf weich. Manche lieben es, sie hinterher mit ein wenig feingehackter Petersilie zu überstäuben, nötig ist das aber nicht: es kommt auf den persönlichen Geschmack an. Ganz falsch ist es, die Pilze in Wasser gar zu kochen, wie cs noch vielsach aus Unkenntnis üblich ist. Die Pilze werden nur hart und ledern dadurch, und es ist zur Bereitung viel längere Zeit erforderlich, als wenn man sie nur in Butter weich schmort. Es lohnt sich, einen Vergleich anzustellen. Die mit Butter weichgeschmorten und mit Maggiwürze vollendeten Pilze kann man nun entweder als Gemüse zu Fleisch verzehren, oder man kann Frikassees und Ragouts aller möglichen Art beimischen. Auch zu Soßen sind sie gut verwendbar. Eine Fischsoße mit Champignons oder Steinpilzen ist von großem Wohlgeschmack. ®aiu vorzüglich ist eine Omelette mit Pilzfüllung. Man rührt einen einfachen, nicht gesüßten Cierkuchenteig an, gibt einen Löffel davon in eine Pfanne mit heißem Fett, läßt ihn gut zerlaufen und belegt ihn, sobald er erstarrt ist, mit einer Lage geschmorter Pilze. Dann gibt man eine zweite Teigschicht darüber, wartet, bis auch diese leicht angebacken ist, wendet die Omelette und backt sie fertig. Erleichtern kann man sich die Herstellung, indem man kleine Pilzbeignets backt, die also nicht die ganze Pfanne cinnehmen, sondern nur fo groß sind wie etwa Apsclbeignets: sie lassen sich besser umkehren und werden leichter gar. Diese Pilzbeignets sind als Beilage zu Braten sehr beliebt, können aber auch als Zwischengericht gereicht werden. Champignons, Steinpilze und die gelben Pfifferlinge toirb man wohl immer allein für sich bereiten, da der Wohlgeschmack jeder einzelnen Art durch Zusatz anderer Pilze geschädigt würde. Hat man aber andere Pilze, etwa Birkenpilze, Grünlinge, Reizker, Rehpilze und dergleichen, so soll man sie am besten mischen. Besonders Rehpilze bedürfen eigentlich der Mischung mit einer Müssen Mütter einsam werden? I Don Johanna Meyer. In einem alten Laienbrevier stehen die Worte: „(Bel)' fleißig um mit deinen Kindern, habe sie Tag und Nacht um dich und liebe sie, und laß' dich lieben — einzig schone Jahre". Es gibt kein Rezept zum Glücklichfein mit unseren Kindern. Aber diese Worte umschließen doch unendlich Bieies, was über den Zusammenhang Mutter — Kind zu sagen ist, ein Zusammenhang, dcr uns zu der zeitgemäßen Frage kommen läßt: Müssen Mütter einsam werden? Ein Hauptfaktor unserer Erziehung und Der- bundenheit ist gemeinsame Fröhlichkeit. Denn allerfrüheste Kindhcitseindrücke hasten, geben Verbindungen für fpäter, dort, wo man den Ursprung vielleicht selbst längst vergessen hat. Schon beim kleinen Kinde darf uns nichts zu klein erscheinen, um es nicht zu werten. Der Schmerz, den das Kind um einen verlorenen Ball empfindet, ist nur klein, mit unserem Maßstab gemessen. Hier schon senken wir überall feinste Wurzelfäserchen in den weichen Boden. Unzählbar viel Samenkörner Liebe muß die Mutter ausstreuen, damit einige davon Frucht tragen, denn viele werden vom Wind fort» geweht, viele bringen nicht tief genug ein, und viele erstarren später, wenn sie sich ans Licht wagen. Eine allzu lange Bevormundung, auch in Aeußerlichkeiten, sollte vermieden werden. Ein immerwährendes: „Du sollst das nicht tun!" „Hast du das schon erledigt?" stumpft entschieden ab und kann schon früh eine Entfremdung zwischen Mutter und Kind herbeisühren. Man soll sich nicht durch Schelten um Vergänglichkeiten vielleicht um die Frucht seines Lebens bringen. Man sollte nie Dinge zu Wichtigkeiten anwachsen lassen. Suchen wir doch einmal in unseren eigenen Erinnerungen, was von Kindheitseindrücken, in gutem und in schlechtem Sinne, am tiefsten haftengeblieben ist. Es ist auch nicht gut, häufig zu sagen: „Zu unserer Zeit". Wir leben nicht mehr zu unserer Zeit. Wir leben in der Zeit unserer Kinder. Der alte Fontane sprach das weise Wort: „Sie beherrschen die Szene, sie sind dran". Viele Mütter gibt es, die mit ihren kleinen Kindern klein zu sein verstehen und die versagen, wenn es heißt, mit ihnen groß zu werden. Es ist sehr schwer, die Entwicklungsstufen der Kinder zu erfüllen, sich zart einem neuen Lebensbezirk einzuschmiegen. Tun wir dies aber nicht, dann entgleiten die Kinder den Müttern auf dem Wege von der einen zur anderen Stufe. Wir verstehen das Kleinkind, wenn es noch nicht sprechen kann, und wir müssen lernen, das große zu verstehen, wenn es nicht sprechen will. Ich glaube, das Geheimnis dieser schweren Uebergangszeit für die Mutter heißt: Hineinlauschen und ... schweigen können. Die Harmonie und die Disharmonie zwischen Mut» ter und Kind im Entwicklungsalter führt zu einschneidendsten Entscheidungen. Es eröffnet sich gerade hier eine Fülle von Konflikten, deren jeder die Möglichkeit der verstärkten Bindung, deren jeder aber auch die Möglichkeit der Vereinsamung für die Mutter in sich birgt. Einige dieser Konflikte sind: Schule, Freizeit, Freundschaft, Politik, Religion, Sexualität, Familie, Lebensauffassung im allgemeinen. Viele Jahre hindurch bildet die Schule die Welt des Kindes. Hört geduldig alle Schulgeschichten mit an, auch wenn sie euch langweilig sind. All dieses Miterleben sind Tore, durch die wir Mütter schreiten, oder die sich vor uns schließen, so daß wir draußen stehen bei weiterem Erleben von Jugend und Reifezeit. Nimm dir die Zeit für die augenblicklichen Neigungen, selbst für die Schwächen deines Kindes. Diese Interessen und Neigungen wechseln noch sehr häufig. Nimm Anteil an ihnen. Laß nicht das traurige Wort wahr werden: „Gegenwart ist, nie Zeit haben". . Von großem Wert ist es, wenn sich de r Bildungsgang der Mutter dem der Kinder frei einzuschalten vermag. Auch darin muß die Mutter mit ihren Kindern wachsen. In Religion und Politik durchschreitet das Entwicklungsalter oft krasse Gegensätze, die noch nicht Entscheidungen sind. Wir dürfen auch nicht Vorwürfe aus Lebensäußerungen machen, die ein Produkt der Zeit find. Nachkriegszeit, Wohnungsnot, Wirtschaftskrise, Konkurrenzkampf schufen und erfordern klare, kühle Menschen, die sich ihres Wertes bewußt sind und ohne ein gewisses Maß von Rücksichtslosigkeit einfach nicht existieren können: das Tempo der Generationen mußte ein anderes werden. So vollzieht sich auch das Ueberfchreiten, bas Dergessen- roerben schneller. Auch bies müssen wir begreifen: Die Tenbenz ber neuen Generation heißt: Kollektivismus, nicht mehr Jnbivibualismus. Die heutige Zeit fordert in hohem Maße Aktivität. Das Mutterwort „Aufopferung" wird später nicht selten vom Kinde durch das Wort „Schwäche" ersetzt. Vor dem noch nicht voll erwachsenen Kinde dürfen keinesfalls Unstimmigkeiten ernster Art zwischen den Eltern zum Austrag kommen. Eltern sollen dem Kinde verkörpern: Einigkeit, ruhige Ueberlegenheit und Klarheit. Die Eltern sollten nicht in Gegenwart anderer erziehen. Aber die Mutter muß sich auch so weit bezwingen, nicht in Gegenwart anderer allzu zärtlich zu sein. Jedes Ucbermaß kann zu einer merkbaren Entfremdung führen. Tiefstes Verbundensein gehört dazu, um in entscheidenden Jahren das Vertrauen für eine sexuelle Aufklärung zu erwerben und zu erhalten. Die Zeit des heranreifenden Kindes ist diejenige, in der wir beginnen, Mensch zu Mensch zu stehen, in der die Mutter sich auch bewußt einmal ihres Heiligenscheins entkleiden und sagen soll: „Das und das habe auch ich falsch gemacht. Komm zu mir in deiner Not. Not ist noch kein Fehl". Und wie ist es, wenn eine Mutter eine neue Lebensbindung eingeht? Dem berechtigten Egoismus der Jugend bleibt es zunächst unfaßbar, daß die Mutter ein Recht haben soll, sich noch einmal — selbst nach dem Tode des Vaters — ein neues, eigenes Leben aufzubauen. Und dennoch muß betont werden, daß eine Mutter nicht lediglich Bindeglied zwischen zwei Generationen ist. Sie ist ein Mensch, von dessen innerstem und eigenstem Leben wir viel weniger wissen, als von vielen fremden. Ein besonderes Kapitel innerhalb der Familienbeziehungen ist die Einstellung ber verhältnismäßig jungen Mutter zur Heranwachsenden Tochter. Diese Mutter muß es lernen, geschickt in ein anderes Rollenfach überzugehen. Verwog sie das nicht, so kann in diesem Mangel an Einsicht häufig der Grund einer einschneidenden Entfremdung gesucht werden. Und noch eine Schwierigkeit will ich streifen, deren Gestaltung unsere Lebenskunst erweisen muß: das Verhalten beiderEhewahlder Kinder. Wiederum eine Gefahr, einfam zu werden, aber nicht eine unbedingte Notwendigkeit, einsam toyben zu müssen Die erniebrigenbe und alberne Verspottung ber Schwiegermutter liegt einige Jahrzehnte zurück. Schwiegermutter zu sein, kann jebesmal zum Motiv einer seelischen Tragödie werden. Umschiffe diese, vielleicht allerschwerste Klippe ber Einsamkeit mit aller Güte, Klugheit unb Geschicklichkeit beiner Lebenserfahrung! Auch Großmutter zu sein ist in bieser Zeit ber Probleme eine sehr viel schwerere Aufgabe, als zur Zeit, ba man frieblich auf einem Lehnstuhl sitzen unb seinen Enkeln Märchen erzählen durfte. Gürtel in Taillenhöhe. und al- Verzierung wird in Ablösung deS ewigen Krageneinerleis e i n spitzer Ausschnitt Schule machen, um den ringsherum Wollblätter aus dem Stoff des Kleides, immer eins über- andere, gelegt waren. Das ist mal etwa- DeueS. flattert fo luftig und trägt bei weichem Material gewiß nicht unvorteilhaft auf. $ür Küche unb Haus. Aromatischer Frucht ja ft. Don der Saftgewinnung durch AuSkochen dec Früchte ist man in Erkenntnis dessen, daß dadurch Aroma und lebenswichtige Stosse des Obstes verloren gehen, abgekommen. Entsprechend der Umwandlung der gesamten Speilczubercitung von Kochen in Dünsten, wird der Saft heute auch den Früchten durch Dünsten entzogen. Zu diesem Zweck sind verschiedene Apparate für den Haushalt auf den Markt gebracht worden, die. mit Sieb und Tülle versehen, den Saft flalchensertig liefern. Wem die Anschaffung eines solchen Apparates aber zu kostspielig ist, der kann sich mit vorhandenen Geräten helfen. Man wählt zwei aufeinander passende Kochtöpfe, tut in den unteren Wasser und schichtet in den oberen Fruchtfleisch und Zucker lagenweise ein. Das Wasser wird erhitzt, und der Dampf zieht au- dem darüber stehenden Obst den Saft. Geben die Früchte keinen Saft mehr her, gibt man den 3nhalt deS oberen Topfes auf ein Tuch, das man an den» vier Beinen eines umgekehrten Stuhles befestigt hat, und läßt den Saft über Dacht in ein daruntergestelltes Porzellan- ober Steingesäß tropfen. Zur Bereitung von Gelees kann das gleiche Derfahren angewandt werden, man gibt bann Zucker und Früchte zu gleichen Teilen zum Dün- sten. 3n beiden Fällen wird den Produkten das natürliche Aroma erhalten. Wic bereitet man guten Tee? Dor allem schaltet man jegliches Metall habet aus! Um das feine Aroma der Teeblätter zu erhalten und zu pflegen, verwende man nur Porzellan oder Steingut für die Bereitung einer guten Tasse Tee. Am besten schüttet man bie Menge der Blätter (auf zwei Tassen einen Kaffeelöffel) in die Porzellankanne, die an warmer Stelle ausgestellt wird, bis das Wasser kocht. Aber es muh wirklich kochen, es darf nicht nur sieden, sonst wird der Geschmack des Tees ganz erheblich beeinflußt. Beim Aufgießen lasse man das Wasser kreisrund in die Kanne sprudeln, schütte es nicht zu temperamentvoll über. Dann wird die Teekanne zugedeckt und fünf Minuten warm gestellt. Erst dann ist das Getränk trink- fertig und wird sofort serviert, wobei zu beachten ist, daß die hohe Temperatur durch einen Wärmer erhalten werden muß, um ein tadelloses Aroma zu bewahren. Wird der 'Tee schnell getarnten, so läßt man die Teeblätter in der Teekanne, die ja mit einem Sieb versehen ist und« die Blätter nicht hindurch läßt. 3m anderen Falle nimmt man sie besser heraus, weil der Geschmack sonst zu streng wird. Tee ist ein köstliches Genuß- und Crwärmungsmittel, schasst geistige und körperliche Erfrischung und sollte darum immer „mit Liebe" bereitet werden. Rezepte. Kartoffelpudding. Zwei Tassen geriebene Semmel übergießt man mit reichlich einem Viertel Liter lauwarmem Wasser und läßt die Semmel weichen. 3n* zwischen reibt man 400 Gramm am Tage vorher abgekochte Kartosseln, gibt diese zu der geweichten Semmel, ferner anderthalb Eßlöffel Kartoffelmehl, 90 Gramm gehackte Zwiebeln, 75 Gramm zerlassene Butter oder Margarine, eine Prise geriebene Muskatnuß und das nötige Salz. Alle- Als einen Kernpunkt unserer Betrachtung möchte ich noch die Ausfüllung der Freizeit nennen. Gewiß bleibt gemeinsames Lesen, Reisen, Lernen, praktische Arbeit tun, ein Ideal für die Mutter. Aber auch früh schon sollte sich eine Frau das Recht nehmen, ihren eigenen Interessen, abgesondert von denen ihres Mannes, und ihrer Kinder, einen Teil ihrer Zeit zu bewahren. Dies ist ein wichtiges Reservat für die zwangsläufig kommenden Stunden des Alleinseins. Wir sind nicht mehr Mütter völliger Entsagung. Liegen keine Berufspflichten, keine besonders starken Kunstneigungen vor, dann muß eine Frau dorthin gehen, wo sich auch die Mütterlichkeit der unverheirateten oder der kinderlosen Frau auswirken kann: in die Sozi a l a r b e i t. Ein Handeln der Gesamtarbeit für die Gesamtheit trägt zur tiefsten eigenen Bereicherung bei. Man empfangt immer mehr, als man gibt. Hierin liegt unbedingte Sicherheit, nie einsam zu werden, hier wird man immer gebraucht. Hier findet auch die Mutter ein Feld der Betätigung, die das Schicksal ihres eigensten Lebensinhaltes beraubt hat. Nach dem Tode ihres über alles auf Erden geliebten Stiefsohnes schreibt Henriette Feuerbach an eine Freundin: „Ein, ist mir geblieben: die Fähigkeit, der Lebensberechtigung derer, die ich liebe, mich zu freuen. Das ist für den Rest meines Lebens der Anteil am Leben". Sie war eine Frau, die das Höchste zur Wahrheit werden ließ: dankbar für genossenes Glück zu bleiben. Schon Jahre vorher hatte sie empfunden, daß räumliche Trennung durchaus nicht zu Entfremdung und Einsamkeit führen muß, daß Briefe sogar manchmal näherbringen können, als eine mündliche Aussprache. Das bleibt ja das Wesen des Mutterglückes: sein Bestes hingeben an ein Zweites. Immer eine Brücke zur Heimkehr bilden. Immer bereit sein. Unsere Hände wie Schalen offen zuhalten, auf daß Freuden und Schmerzen hineingeschüttet werden können. Jede Verbitterung macht einsam. Jedes Ausströmen von Liebe macht reich. Es gibt so viele Kinder — kleine Kinder und große Kinder —, die der mütterlichen Seele einer Frau bedürfen. Und, wie bei jeder großen Liebe, so auch in der Liebe zu unseren Hindern, müssen wir Frauen so viel Reichtum, Schönheit, Erinnerung und Verwurzelung in uns tragen, daß wir ... auch getrennt und vielleicht verlassen ... nie ganz arm, nie innerlich einsam werden können! gut durcheinander gemischt muß eine ziemlich trockene Masse ergeben. Diese drückt man in eine gefettete Form und läßt den Pudding anderthalb Stunde im Wasserbade kochen. Tomatenoder Petersiliensohe ist dazu geeignet. Salat von weißen Bohnen. Weich gekochte weiße Bohnen schüttet man auf einen Durchschlag zum Abtropfen. Bon Tomatenbrei. Salz, Pfeffer. Essig, Oel.rührt man eine Soße und gibt sie über die Dohnen. Man überstreut mit geriebenem Meerrettich und legt rings- lieber die letzten Dorträge im Rahmen des Dritten Gießener Ferienkurses ist noch zu berichten: Privatdozent Dr. A. Storch (Gießen) sprach über Psychoanalyse und Persönlichkeitsforschung. Die Grundgedanken des Vortrages sind etwa folgende: Von empirischen älntersuchungen an neurotischen Kranken ausgehend, zeigte Freud die Bedeutung der unbewußt-vitalen Kräfte im Menschen, insbesondere der nicht eingestandenen verdrängten Regungen und ihre Wirksamkeit in der neurotischen Symptombildung. Diese Regungen zeigten sich in infantilen Triebbildungen, insbesondere erotischer Art verankert. Der Äeu- rotische erscheint so als der an vergangene Triebgestaltungen gebundene Mensch, der an der Linerfüllbarkeit seiner regressiven Triebwünsche scheitert und durch sie in Konflikt mit seinem Ideal- Ich gerät. Seine Shmptombildungen erscheinen sinnvoll als Ausdruck eben dieser Konfliktsituation. 3n ihrer Theorie versucht die Psychoanalyse olles Lcbensgeschehen bis in die geistigen Akte hinauf aus wenigen vitalen Grundtrieben zu erklären. Sie arbeitet mit einer energetischen Auffassung (Anhäufung und Entspannung von Triebcnergien). Die Psychoanalyse hat eine Fülle von tatsächlichen Phänomenen entdeckt, sie geht aber in der Interpretation derselben von einer geistigen Haltung aus, die sich vor der tieferen philosophischen Besinnung nicht rechtfertigen läßt. In dieser Haltung ist sie Riehsche nahe, dem der Geist „die kleine Vernunft" war, hinter der „die große Vernunft des Leibes" wirkt, mithin dem Iertrümmerer der „alten" Werte, nicht dem aufbauenden Riehsche. Der Psychoanalyse bleibt die eigentliche personale Schicht des Menschen, die Schicht der Sinn- und Wertverwirklichung in ihrer Eigengesetzlichkeit verborgen. Deutlich zeigt sich dies in ihrer Stellung zur Kultur und besonders zum Religiösen: die Verwurzelung im Vitalen — in physiologischen Rotzuständen (Riehsche) — besagt nichts Entscheidendes über den Wahrheitsgehalt der religiösen Sinnsphäre und erschöpft auch nicht den existenziell-personalen Bedeutungsgehalt des Religiösen. Die Abwandlungen der Psychoanalyse (Adler, Jung) versuchen diese Mängel auszugleichen, bleiben aber gleichfalls einseitig, ohne das Ganze des Menschen zu umfassen, während die Sprangersche Typen- lehre einseitig gegenüber dem Vitalen die Sinn- relationen betont. Llmfassender auf die psycho- physische Ganzheit des Menschen eingestellt, erscheint die Typenlehre Kretschmers. Ihr ist trotz Gegensähe nahe verwandt die Typenauffassung von Iaensch. Freilich liegt es im Wesen der Typenlehren, daß sie an das konkret Einmalige des Menschen nicht heranreichen. Die charakterologischen Systeme, besonders Klages, Häberlin, geben große umfassende Perspektiven. Erst eine philosophisch-medizinische Anthropologie vermag jedoch alle diese verschiedenen Gesichtspunkte zu vereinigen und zu einer Lehre vom Menschan zusammenzufassen. Auf dieser Ebene kann auch nach der heute schon fortgeschrittenen Lleberwin- dung einer ausschließlich mechanisch-kausalen Er- fLfsung des Menschen die unvermeidliche Auseinandersetzung einer idealistischen Deutung von Sinn- und Ideengehalten her mit einer vita- listischen, vom blinden Lebensdrang ausgehenden ihre Auflösung finden. Sie gelangt zur Synthese in einer konkret-personalen Auffassung, nach der es im Wesen des Menschen liegt, in seiner ein- maligcn ihm gegebenen Seinsform das zu verwirklichen, was in ihm als Sinn seiner Existenz lebt, Professor Dr. Walze! (Bonn) sprach über das Thema: Der deutsche Roman der Gegenwart. Er sagte u. a.: Seit dem Weltkrieg, also etwa seit dem Expressionismus, erlebt der deutsche Roman bemerkenswerte Schicksale. Als der Expressionismus seinen jähen, dem Grotesken ge» herum hartgekochte Eihälften, Rapunzen oder Salatblätter. Daten für Donnerstag 7. August Sonnenaufgang 4.32 Llhr. Sonnenuntergang 19.39 Llhr. — Mondaufgang 19.26 Llhr, Monduntergang 1.40 Llhr. 1848: der Chemiker Ioh. I. Freiherr v. Ber- zelius in Stockholm gestorben: — 1898: der Aegyptolege Georg Ebers in Tutzing gestorben: 1902: der Staatsmann R. v. Bennigsen gestorben. neigten, auf knappe Kürze gerichteten Formwillen dem Zeitalter aufzwang, schien dem Roman und seiner ausführlichen Darstellungsweise aller Raum genommen zu sein. Romane in expressionistischer Gestalt der Wortkunst muteten dem Leser ein Zuviel von unentwegter Spannung und von eiligem Schrittmaß zu. Solche gedrängte Fülle war nur in dem engeren Bereich der Ro- velle zu ertragen. Wirklich gewann damals die Rovelle durch Karl Sternheim und durch Kasimir Edschmid eine neue Gestalt von ausgeprägter Eigenheit. Seit dem Zusammenbruch des Expressionismus scheint der Roman wieder in seiner altgewohnten Form zu seinem Recht zu gelangen. Roch mehr: Sein Umfang überschritt mehrfach den Brauch, der um 1900 galt. Man hat wieder viel Zeit und viel Geduld für ihn übrig, mehr als selbst einst für die Werke der Keller, Raabe, Fontane und Ricarda Huch. Thomas Mann überholte nun in seinem ..Zauberberg" um beträchtliches die Seitenzahl seiner früheren Werke. Schon da kündigt sich der Wunsch an. über den Roman des Impressionismus hinauszulommen. Freilich bleibt mit Rotwendigkeit manche Gebärde des Impressionismus noch üblich, wenn — wie im Fall Thomas Manns — einer der Führer des Impressionismus von einst sein Schaffen weiter ausgestaltet. Wohl das wesentlichste neue Merkmal des Romans ist das wiedererwachte Bedürfnis, sittliche Ziele zu weisen. Der Expressionismus hatte im Widerspruch gegen die Haltung fast der gesamten deutschen Dichtung der Zeit um 1900 solche sittlichen Ansprüche erhoben. (Sie bestehen heute besonders im Kriegsroman, der dank dieser Tatsache abermals mit dem Expressionismus und * Henschel & Sohn AG.. Kassel. Wie die Verwaltung in ihrem letzten Geschäftsbericht schon ausgeführt hatte, muhte sie in Zukunft mit Entlassungen von Arbeitern rechnen, wenn nicht demnächst weitere Aufträge hereinkommen würden. Da die Hoffnung, daß rechtzeitig herein- kommende neue Aufträge genügend Beschäftigung für den augenblicklichen Arbeiterstand bieten, sich bisher nicht erfüllt hat, hat die Verwaltung bei der Regierung in Kassel vorsorglich zunächst einen Antrag zur Entlassung von 300 Arbeitern gestellt. Der Antrag ist von der Regierung genehmigt worden. Die Verwaltung von Henschel & Sohn hat sodann noch einmal einen Antrag auf Entlassung von 50 Arbeit e r n gestellt. Lieber den letzteren Antrag ist eine Entscheidung seitens der Regierung bisher nicht gefallen. Es handelt sich bei diesen Anträgen um eine vorsorgliche Maßnahme. Ob die beantragten Entlassungen tatsächlich zur Ausführung kommen, hängt mit dem Beschäftigungsgrad der Firma in der nächsten Zeit zusammen. * Der Aktienindex vom 28. Juli bis 2. A u g u st. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924 26 = 100) stellt sich für die Woche vom 28. Juli bis 2. August 1930 auf 105,3 gegenüber 108,0 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 101,4 (105,4), Gruppe verarbeitende Industrie 94,6 (97,2) und Gruppe Handel und Verkehr auf 127,3 (129,1). Für den Durchschnitt des Monats Juli 1930 ist der Index mit 110,0 gegenüber 116,4 im Durchschnitt des Juni 1930 ermittelt, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie 107,6 (114,5), Gruppe verarbeitende Industrie mit 99,1 (105,8) und Gruppe Handel und Verkehr mit 131,0 (136,6). Berliner Börse. Berlin, 6. Aug. Die ungünstige Situation für Effekten hatte zu Beginn der heutigen Börse mit dessen Kampf gegen den Krieg sich verwandt zeigt.) Allerdings wird es vielen Erzählern nicht leicht, den Eindruck zu meiden, daß sie zuletzt noch ein bißchen Moral an» fügen, aber dem, was sie eigentlich fesselt, länger nahe bleiben, dem Unsittlichen, das sich in dem Leben der Gegenwart und besonders in der Erotik der Jugend durchsetzen will. Liegt dem Roman — und auch das wurde vom Expressionismus gefördert, wenn auch nicht als ganz neuer Anspruch vorgetragen — doch nichts mehr an der kunstvollen Dämpfung, die zumal seit Keller sich im 19. Jahrhundert durchgefetzt hatte. Er will wieder aufregen, wieder schlimme Erwartungen wecken und sie nur spät beruhigend losen. Kriminalistisches ist an der Tagesord- nung. Richt länger liegt eine weite Kluft zwischen kunstvollem Erzählen und dem Detektiv-, überhaupt dem Schauerroman. Das Modeschlagwort „Reue Sachlichkeit" wird auch zur Rechtfertigung dieser Erzählweise herangeholt. Es deutet auf Preisgabe aller Sentimentalität. Sicherlich weckt jetzt manches im Roman des Impressionismus den Eindruck des Sentimentalen. Am unmittelbarsten wohl das Bedürfnis, die Abschattungen im Seelenerlebnis überfein empfindender Versallmenschen zu errechnen. Einer Eigenart, die nicht länger auf dekadente Reizbarkeit oder „Reizsamkeit" stolz sein möchte und durchs Sport zu gesunden hofft, find solche Seelenerlebnisse gleichgültig, wenn nicht gar verächtlich geworden. Ob die Dichtung (nicht nur der Vornan) sie völlig überwunden hat, bleibe offene Frage. Schon wurde festgestellt, daß neue Sachlichkeit zuweilen auch nur zu neuer Süßlichkeit toeröc; Anderseits birgt sich in dem Streben, das schlichte Lebensgefühl Ungebrochnerer zu packen, auch ein Verzicht auf manche Gewinne hoher Kultur, die gerade dem Roman um 1900 etwas Selbstverständliches waren. Gewollt und nichtgewollt kehrt manches wieder, das vor einem Menschenaller im Brauch war. Einzelne Kühne wagen daneben ganz neue Wege. Schon zur Zeit des Expressionismus hatte Alfred Döblin mutig Llngewohntes in den Roman hin- eingetragen, auf die Gefahr hin, Schwer- oder Llnerträgliches zu bieten. Jetzt greift er in dem Buch „Alexanderplah" zu Mitteln des Erzählens, die auf den ersten Blick wie überwältigende Erfüllung neuer Sachlichkeit wirken können. Freilich dürfte er nur übernehmen, was vor ihm das Ausland gewagt hat. eher noch eine Verschlechterung erfahren. Die Momente aus der Wirtschaft, die man in der Morgenpresse fand (anhaltende unbefriedigende Lage des Ruhrkohlenmarktes, weitere Arbeiter- entlassungen und Betriebseinschränkungen im Ruhrbergbau, die Breslauer Eiseninsolvenz Otto Schwarz usw.), waren nicht dazu angetan, die Spekulation aus ihrer Reserve herauszulocken. Die Exekutionen, die schon in den letzten Tagen die Börse beeinflußt hatten, setzten sich heute in eher verstärktem Maße fort, wobei immer noch nicht deutlich erkennbar ist, woher die Ware kommt. Da aber auch die Differenzen zu den letzten Liquidationskursen von Tag zu Tag größer werden, schien es sich bei den heutigen Abgaben wieder um Verkäufe der Kulisse zu handeln, jedenfalls konnte man bei den Banken verstärktes Inland- und Auslandangebot feststellen. So lagen die ersten Kurse im Durchschnitt 1 bis 3 Prozent schwächer: Spezialpapiere verloren noch darüber hinaus bis zu 7 «Prozent. Selbst die unveränderte Dividende, die für 1930 bei den Deutschen Linoleum nach einer Verwaltungserklärung als gesichert angesehen werden darf, konnte nicht verhindern, daß dieses Papier um 1,25 Prozent nachgab. Rheinische Braunkohlen wurden heute exklusive Dividende gehandelt. Mit Minus-Minus-Zeichen waren Aschaffenburger Zellstoff und Berliner Maschinen erschienen. Aber auch Papiere, wie Schubert & Salzer, Berger, Spritwerte, Salzdetfurth, Schuckert waren um 5 bis 8 Prozent gedrückt. Rur ganz vereinzelt konnte man ein- prozentige Kursbesserungen feststellen, so bei Iunghans und Maschinen-Augsburg-Rürnberg. Deutsche Anleihen gaben ebenfalls nach. Ausländer konnten sich etwa behaupten. Pfandbriefe lagen fast umsatzlos und ohne erkennbare Tendenz. Der Geldmarkt zeigte heute eine kleine Erleichterung für Tagesgeld mit 3,5 bis 5,5 ProDritter Gießener Ferienkurs. Wirifchast. zent: später war dieser Sah aber nicht mehv du erzielen. Auch im Verlaufe glitten die Kurse zunächst weiter ab. Die Banken intervenierten nur wenig. Der einzige Kurs der Berliner Börse, der noch über 300 Prozent stand (Salzdetfurth) unterschritt diese Grenze erstmalig feit langer Zeit und ging mit 298,10 Prozent tum. Sonst waren im Verlaufe zwei- bis vierprozentige Rückgänge keine Seltenheit. Später bekamen die Kurse auf dieser ermäßigten Basis einen gewissen Halt, zumal der Verkaufsdrang nachgelassen hatte und die Banken geneigter waren, die noch herauskommende Ware aufzunehmen. Kurseinbruch in Frankfurt. Frankfurt a. M., 6. Aug. Tendenz flau. Der heutige Vormittagsverkehr zeigte, ebenso wie die gestrige Abendbörse, eine nicht zu verkennende Widerstandskraft. Die wirtschaftliche Lage hat sich nicht gebessert. Es waren im Gegenteil verschiedentlich weitere verstimmende Meldungen eingetroffen, die von Arbeiterentlassungen infolge der weiter rückgängigen Konjunktur sprechen und der Kulisse eine, starke Zurückhaltung auferlegten, zumal Aufträge von Publikums- oder Auslandseite nicht^eingetrofsen waren. Das beeinflußte die Tendenz“’Tiorläufig wenig. Erst als in erheblichem Umfange Exekutionen borgenommen wurden, schritt auch die Kulisse zu Blankoabgaben. Die Tendenz war sehr schwach, so baß gegenüber der gestrigen Abendbörse Kursverluste bis zu 7,5 Proz. eintraten. Man vermutet in der Hauptsache Auslandabgaben, und zwar von der Schweiz und der Tschechoslowakei. Auch die schwache gestrige Reuyorker Börse trug zur Verstimmung bei. Das herauskommende Material wurde nur schwer aufgenommen. Am stärksten wurden von dem heutigen Kurseinbruch am Kalimarkt Salzdetfurth mit minus 7,5 Proz. und Westeregeln mit minus 6,5 Prozent betroffen. Auch am Elektromarkt ergaben sich recht erhebliche Kursrückgänge. Schuckert verloren 6 Proz., Siemens 4, Lahmeher 3, Felten 5 und AEG. 2,25 Proz. Rur Lechwerke waren gut behauptet. Ziemlich groß war das Angebot noch in Zellstoff- a f t i c n. von denen Aschaffenburg 7 und Waldyof 4,72 P r o z. verloren. Am Chemiemarkt gingen die Verluste unter Führung von I. - G. - Farben bis zu 3,5 Prozent. Auch die übrigen Märkte wurden von dieser Abwärtsbewegrkng stark in Mitleidenschaft gezogen. So gaben auch Schiffahrtspapiere, Montanwerte, Deutsche Linoleum und Süddeutsche Zucker usw. bis 3,5 Proz. nach. Eine Ausnahme machten Conti-Gummi, die leicht gebessert eröffneten. Auch der Rentenmarkt konnte sich der verschlechterten Situation nicht entziehen, doch blieben die Rückgänge ziemlich bescheiden. Im Verlaufe war das Angebot nicht mehr so dringend, doch gaben die Kursbzumeist w e i- t e r etwas nach. Salzdetfurth verloren zirka 4 Proz.; sonst bewegten sich die Verluste gegen Anfang im Rahmen von 1 Proz. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 Proz. etwas leichter. Am Devisenmarkt war das Pfund etwas fester. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1830, gegen Pfund 20,3813, London gegen Kabel 4,8728, gegen Paris 123,4813, gegen Mailand 93,00, gegen Madrid 43,80, gegen Schweiz 25,0525, gegen Holland 12,0875. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Aug. Weizen in abfallender Qualität entsprechend niedriger. Troi> der höheren Auslandnotierungen war am Produktenmarkt keine freundlichere Stimmung zu erkennen. Auch das geringer werdende Angebot von Inlandware blieb ganz ohne Einfluß. Die Händler schritten nur im Bedarfsfälle zu Abschlüssen. Weizen und Roggen war leicht nachgebend. Der Mehlmarkt hatte nur schleppendes Geschäft, doch trat nur in Roggenmehl ein geringer Preisabschlag ein. Auch für Kleie hatte die Rachfrage nachgelassen, und der Preis war ebenfalls etwas nachgebend. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je Doppelzentner. Es wurden notiert: Weizen (Hessen und Provinz Hessen-Rassau) Hektoliter» gewicht von 76 Kilogramm 270 Mk., Roggen (Hessen, Prov. Hessen-Rassau und Unterfranfen) Hektolitergewicht von 70 Kilogramm 170, Hafer (inländischer, alte Ernte) 185, Hafer (ausländischer, neue Ernte) 175, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 43,50 bis 45,25, Roggenmehl 26,75 bis 27,75, Weizen- und Roggenkleie 7,90 bis 8 Mk. — Tendenz: ruhig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Lle hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt be|d)lof|enen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Franktun a. DI. Berlin Gchiuß- kurs 1-Uhr» Hits Schluß» fürs Ansang» Kurs Datum 5. 8 6. 8. 5. 8. «... 6% Xeunaje vteia)euiueujt von 1927 ..... 7% Deutsche Reichsanleihe 88 — 88 — von 1929 .......... $eutf*e Anl.-Ablöl.-Schuld mii 102 — 102,1 — eiu6loL-8ted)ten ..... 6C,5 60,2 60,5 60,3 DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte . . 8% Aefi. Bolksstaat von 1029 «rückzahlb. 102%)...... 8,25 8,1 8,35 8 95 — 95,1 — Oberteilen Provinz > Anleihe mL AuSIoi.-Rechten..... 59 _ _ Deutsche Komm. SammelabL Anleihe Serie 1 ... 8% Franks. Hhv.-Bank Goldpse 59,7 — 60 — XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hr>P.-Bank Goldvse 101,5 — — — unkündbar bis 1932 . *¥i% Rheinische Hnp.-Bank Ligu. Goldpse........ 96 — — — 87,75 8% Pr. LandeSpsandbriesanstalt Psandbriese R. 17 ...... 8% Pr LandeSpsandbriesansialt. 101,25 — 101,25 — Komm.-Cbl. R. 20...... 7% Pr: LandeSpsandbriesansialt. 98 — 98 — Pfandbriefe R. 10...... V.E.G. abff. BorkriegS-Obligatio 97 — 97 — nen. rlldtflbrbar 1932 92 — — — 4% Oesterretchtlche iSulorente 26,4 26,5 i,13 4,20% Lösterreichische Silberrenle — 4% Oetterreichische Einheitliche Rente 2,1 2,15 24,2 20 «% Ungarische Goldrente .... >4,15 _ 24,3 4% Ungarische Staatorenie v. 1910 19,8 _ 4%% beflfll. von 1913 20,65 — 20,75 4% Ungarische ftrouenrente . . 2,15 — 2,1 5,05 2,05 5,05 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl 4,95 4,9 Serie 1 5 — 3,25 4% detgl. Serie 11....... 6% Rumänische vereinh. Rente 5 — 5,1 — von 1903 .... . i,5 — 9,5 __ 4%% Rumänische vereinh. Rente von 1913......... 15,75 _ 16 15,9 1% Rumänische vereinh. Rente 7,4 — 7,5 7,4 Frankfurt a. Dl Berlin Schluß- lurü 1-Uhr» Äur« Schluß» lurs Atsta g» siurS Dalum 5. 8. ° “■ 5. 8 6. 8 oamvurg-Ämenta 'Bittet . . . 1 88,5 86,25 88,4 86 Hamburg-Südam. Dampsschist . 8 148 Hansa Tampsschiss . . . 10 — _ Norddeutscher Llohd .... . 8 88,5 85,25 88,5 86,13 Allgemeine Deutsche Ereditanst. 10 106,25 106,75 106,75 Barmer Bankverein . . . 10 U4 114 114 114 Berliner Handelsgeiellschast . 12 143,25 144 142 Commerz- und Prioat-Bank . 11 129,5 128,5 >29,5 128,5 Darmstädter und Nationalban! 12 183 182 180 Deutsche Bank und TiSconto-Gesellschasl, . . . 10 125,13 124,5 125,13 124,25 Dresdner Bank...... 10 125,5 125,25 124,25 Reichsbant........ 12 239 — 738,5 235,5 A.E.G. . ......... . 8 138 135,75 138,25 136,75 Bergmann........ . 9 T 171 169 Elektr. LieserungSgelellschaft. 10 — — 126,25 122,75 Licht und Kraft ..... 10 132,75 — 133,5 129 Feiten & Guilleaume . . . 7'/z 98 93 97,13 94 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 134 130 133 130 Hamburger ElektrizitätS-Werle 10 129,75 128 Rheinische Elektrizität . . . . 9 — _ 124 schlesische Elektrizität. . . . 10 — _ 128 124,25 ädtudert & do. . ..... 11 — 143 149,25 142 «lernen« & Halüke..... 16 185,5 181,8 186,5 182,5 Transradto........ . 8 109,25 107 Lahmeher & (So.. ..... 10 154 151 152,5 150 Buderus ..... . v 59,5 — 59 56,5 Deutsche Erdöl...... . 6 72,5 70 72 70 Essener Steinkohle ..... . 8 Gelsenkirchener ...... . k '04,5 101,5 i04,5 101,5 Harvener........ . 0 93,5 94 91,75 Hoesch Eisen........ 6*6 — 84 83 I>Ie Bergbau....... Klöcknerwerke....... 10 — 80,5 80 Köln-Neuesten....... — _ 81,75 80,5 ManneSmann-Röhren . . . e < >2,25 81,13 83 81,6 ManSselder Bergbau ...» 53.13 52.75 Obersckles Eisenbedarf . . . . 6 _ Oberschles. Kokswerke.... _ _ 84,76 R2 96 Phönix Bergbau...... 6*/t '6,5 _ 76,5 76,25 Rheinische Braunkohlen . . Rheinstahl ...... Stiebet! Montan ...... 10 . 6 7,2 214 89 86 '14,5 88,5 204 86 Frankfurt a. Di. Berlin Schluß» turd 1-ühr- Kurel Echluß- tur i Anfang» Kurs Datum 5. 8. 6. 8. 5. 8. 6. 8. lUcretnigre Stahlwerke . . . 77 75 76,75 76 Otaoi Minen......16'/. 39,5 39,13 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 183,5 — 183 179,25 Kaliwerke Westeregeln ... 10 188 182 188 185 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 310 302,5 310,75 305,25 3. Farben-Industrie ... 12 147,65 144,13 147,75 144,25 Dnnainil Nobel.......6 — 69,13 Scheideanstalt........9 136,5 134 Goldschmidt ........5 54,5 55 54,25 Rütgerswerke........6 48,5 47,9 47 Metallgesellschafi.......k 103 101 103,5 101,5 Philivv Holzmann......7 73 72 72,75 70,75 Zementwerk Heidelberg . . 10 102 101 Eementwerk Karlstadt. ... 10 124 _ Wanb & Kreistag......8 70 — — — Schultheis Payenhofer ... 15 _ _ 254 249 Ostwerke.........12 — — 203 198 Aku...........18 87 — '6,75 84 Bemberg.........11 90 — 88 87 Zellstoff Waldhos .... 13'/, — 119,25 124 119,5 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 — 89 95 87 Charlottenburger Wasser ... 8 — 93 90 Dessauer Gas........v — — 126,5 124,5 Daimler Motoren......0 27 25 26,13 25,5 Deutsche Linoleum ...... 176,5 174 176,25 175 Maschinenbau A.-G. ..... 0 — 42,4 41,25 Nat. Automobil.......0 — — 10,25 Crcnftefn & Koppel.....6 — — 59 56,5 Leonhard Tietz ...... 10 130 — 130 129 Svenska .......... — — 303,5 301 ftrantfurter Maschinen .... 8 22,5 _ 22 — Gritzner ...... 6 32,5 — 31,75 — Heyligenstaedt ....... 0 — —— IunghanS.........6 30 _ 30,13 — Lechwerke..........8 93,75 93 _ Mainkraftwerke Höchst a. M.. .8 — — Miag .......10 — — 84 — fflebr. Roeder.......10 99,5 — — — Boigt & Haessner......9 156 — 156 — Süddeutsche Zucker .... 10 150,25 148 148,25 — Banknoten. gertln, 5- 2lt gust Geld Arles Amerikanische Noten...... 4,164 4,184 Belgische Noten ....... 58,48 58,72 Dänische Noten ........ 111,88 112,32 Englische Noten . ....... 20,325 20,405 Französische Noten..... . 16,435 16,495 Holländische Noten....... 168.11 168,79 Italienische Noten........ Norwegische Noten....... 21,96 111,88 22,04 112,32 Deutsch-Oesterreich, ä 1OO Schilling 59,035 59,275 Rumänische Noten....... 2,47 2,49 Schwedische Noten....... 112,27 112,71 Schweizer Noten . . ...... 81,44 81.76 Spanische Noten...... . 46,41 46,59 Tlchechoslowakische Noten..... 12,37 12,43 Ungarische Noten ...... 73.10 73.40 Dcoi|iamatfl Berlin — Jranffurl a M 5 Au?,ust 6. August Amtliche Geld Kotierung Brie. Amtliche Geld Kotierung Ane «mit.»'Hott. 168,34 168,68 168,43 168,77 Buen.-AtceS 1,506 .1,510 1,518 1,522 Brss.-Antw 58.49 58,61 58,495 58,615 Cbrtstiania. 112.04 112,26 112,05 112,27 Kopenhagen 112,10 112.32 112,10 112,32 Stockholm . 112,42 112,65 112,44 112,66 Hslsingfors- 10,519 10,539 10,519 10,539 Italien. . . 21,89 21,93 21,895 21,935 London. . . 20,36 20,60 20,362 20,402 'Jieunort . . 4,179 4,187 4,179 4,187 Paris.... 16,44 16,48 16,44 16,48 Schwei; . . 81,265 81,425 81,265 81,425 Spaitirtt. 46,50 46,60 2,080 46,45 46,55 Japan - . . 'Kto de Ian Wien in D-> 2,076 2,066 2,070 0,434 0,436 0,430 0,432 Ceft. abflcit. 59,095 59,215 59,095 59,215 Prag ... 12,396 12,416 12,394 12,414 Bell rod . . 7,415 7,429 7,417 7,432 Budapest. . 73,30 73,44 73,30 73,44 Bulgarien 3,032 3,038 3,032 3,038 Lissabon 18,77 18,81 18,79 18,83 Danzig. . . 81,43 81,59 81,40 81,56 Konst ntin. 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. . . 5,435 5,445 5,44 5,45 Canada 4,185 4,193 4,185 4,193 Hut not) . . 3,417 3.423 3,437 3,453 Cairo . . . 20,87 20,91 20,87 20,91 Die Meisterschaften der deutschen Leichtathleten in Vertin. 3:01.4 Win., 2. Tn. Garbcnhcim. 3:10.4 Win. 4x5 0 - Meter • Freistil - Staffel- Schwimmen für Jugend 1. Tv. Dorlar 3:03.4 Min., 2. 2d. Lollar, 3:30,4 Win. K-frl bZ* > Maeser I (Königsberg) Sieger im Speerwurf (62,94 Meter). Am Ziel des llX)-Meter-Laufs: Körnig (Berlin) mit knappem Vorsprung Erster (10,7 Sek.). Wegener Sieger im Stabhochsprung (3,94 Meter). Die Studenten-Weltmeisterschasten. Bei den internationalen Meisterschaften der Stu- denten in Darmstadt hatten am Dienstag in der Hauptsache die Schwimmer und Wasserballspieler das Wort. Sie füllten neben dem Rugbytreffen und dem Fechten den Hauptteil des Programms aus. Das Wetter war am Vormittag noch trüb, besserte sich aber am Nachmittag sehr, und bei Beginn der Schwimmentscheidungen im Hochschulstadion lachte heller Sonnenschein, dessen sich die Aktiven und die Zuschauer, die das Stadion bis auf den letzten Platz gefüllt hatten, erfreuten. Die Anteilnahme der Zuschauer an den Konkurrenzen war wieder sehr stark und wuchs teilweise zu heller Begeisterung. Die Entscheidungen im Schwimmen. Die erste Schwimmentscheidung fiel am Vormittag im Grasten Woog mit dem Kunstspringen der Dame», das nur drei Deutsche als Teilnehmerinnen sah. Siegerin wurde Frl. Dr. Borgs (Münster) mit 79,64 Punkten vor Frl. Sparbier (Hamburg) (53,70), und Frl. Schraube (Kiel) (49,02) Punkte. Im Kunstspringen der Herren gaben die Italiener Rota und Cucurroula nach den Pslichtsprünaen auf. Auch hier gab cs einen deutschen Sieg durch Hefter, der mit 153,30 Punk- ten und Platzziffer 6 vor seinem Landsmann Vie- bahn (152,62 Punkte, Platzziffer 9), dem Finnen Niemelainen (140,96 Punkte, Z. 15), dem Deutschen Linge (135,34 P., Z. 20) und dem Letten Maurin (83,64 P., Z. 25) den ersten Platz belegte Einen weiteren deutschen Sieg gab cs im 1 0 0 - Meter - Rückenschwimmen derHerren durch Ohl- wein mit 1:16,5 Min. vor Bitskey (Ungarn) (1:16,7), Dr. Frank (Deutschland) 1:17,4, Faye (Frankreich), Grosio (Italien) und Henkel (Deutschland). Ueber 400-Meter Freistil fielen die drei ersten Plätze an Italien. Gambi siegte in 5 24,4 Min. vor Bagigalupo (5:28,5), Äliberti (5:41,2), Gillruth (England), Feher (Ungarn) und Barocco (Frankreich). Das 1 0 0 - M c t e r-R ü ck e n- schwimmen der Damen war eine französische Angelegenheit. Frl. Salgado siegte in 1:30,8 vor ihrer Landsmännin Blondcau (1:33,2), den drei deutschen Schwimmerinnen Sporbier, Schraube und Zicgenfust und der Belgierin Philip. Zwei ungarische Wasserballsiege. Die ungarischen Wasserballer, bei denen sich mehrere Internationale befinden, gaben am Dienstag glänzende Proben ihres ausgezeichneten Könnens. Sie schlugen am Vormittag England mit 10:1 (5:0) und gewannen am Vachmittag gegen Frankreich mit 12:1 (7:0). Die Ungarn haben sich damit die Meisterschaft ihrer Gruppe gesichert. In der anderen Truppe ist Deutschland Sieger. Deutschland und Ungarn treffen sich am Mittwoch im Endkampf um die Studenten-Weltmeisterschaft im Wasserball. Die Einzelkämpfe im Degenfechten sahen zuerst 24 Fechter im Kamps, von denen 12 in die Entscheidung kamen, unter ihnen auch der Deutsche K o l b i n g e r. Die Schlußrunde endete insofern mit einer Ueberraschung, als Europameister Minoli (Italien) im Stichkampf von seinem Landsmann Agostoni geschlagen wurde, so daß A g o st o n i 'Weltmeister wurde. Das End- klassement: 1. Agostoni (Italien) 10 Siege: 2. Minoli (Italien) 10 S.: 3. Osterrieth (Belgien) 8: 4. De Volland (Frankreich) 8 S.: 5. Iourdant (Frankreich) 7 S.: 7. Dutot (Frankreich) 6 S.; 7. Müller (Schweiz) 3 S: 8. Kolbinger (Deutschland) 3 S. Deutschland schlägt Spanien im Rugby 47:0. Das erste Rugbyspiel war von 8000 Zuschauern besucht. Es war ein spannender Kampf, der auch, obwohl die Südländer sehr temperamentvoll kämpften, fair blieb. Deutschland war in der ersten Hälfte stark überlegen. Vach der Paus« waren die Spanier etwas besser, konnten aber nichts erreichen. Gegen Schluß kam Deutschland wieder stark auf. Bei der Pause stand der Kampf bereits 23:0. Der deutsche Sieg ist verdient. Die Deutschen Schwimm-Meisterschaften. Bei herrlichem Sommerwetter nahmen die Deutschen Schwimm-Meisterschaften am Samstag im prächtigen Dante-Stadion in München vor 2500 Zuschauern ihren Anfang. Bei einer mustergültigen Organisation wickelten sich die Kämpfe prompt und einwandfrei ab. Durch geschickte Verteilung wichtiger Meisterschaften aus beide Tage gab es bereits am Samstag sehr wertvolle, sportliche Kämpfe, darunter auch die beiden wichtigsten Staffeln über 4x200 Meter Freistil. 4x200 Meter Brust und das Einzelschwimmen über 100 Meter Freistil. Die Kämpfe übertrafen alle Erwartungen. Fast in allen Disziplinen gab es neue Meister und mehrfach lleberraschungen. Oie Ergebnisse vom Samstag. Herren: 4 2 0 0 Meter Freistil: 1. Magdeburg 96 (Mannschaft: Schweizer, Gubener. Schulze 1., Schulze 11.) 10:09,6; 2. Hellas Magdeburg 10: 12,4: 3. Poseidon Leipzig 10:14,6. 4x200 Meter Brust: 1. Poseidon Leipzig (Anker, Zoege, Künninger, Koppe) 12:26,4; 2. (Hellas Magdeburg 12:08,4; 3. SD. Göppingen04 12:27,8. 4x100 Meter Freistil V. o. W. (Vereine ohne Winterbad): 1. SV. Vossen (Blaubach, Buh I., Butz II., Paul) 4:56,6: 2. Hessen Worms 5:00,5. 1 00 Meter Freistil: 1. Derichs, Sparta Köln. 1:03,4; 2. Schubert. Dorussia-Silesia, Dr^skiu, 1:03,8; 3. Schulze, Magdeburg 96. 100 Meter Rücken: 1. Küppers, Bremen 85, 1:11.4; 2. Ohlwein, Essen. 1:15,4; 3. Schumburg, Hellas Magdeburg. 1: 16. Kunstspringen: 1. Riebschläger, Zeitz. Platzziffer 5. 193.08 Punkte. 2. Veumann. Spandau 04, Platzziffer 13, 179.48 Punkte; 3. Plumans, Sparta Köln, Platzziffer 14, 178,18 Punkte. Damen: 3) 2 0 0 Meter Brust: 1. Magdeburger Damcnschwimmverein (Rading, Everth, Rocke) 10:17,1; 1. Vir« Charlottenburg 10:18.8; 3. Poseidon Leipzig 10:24,1. 100 Meter Rücken: 1. Strubel. Berliner SC.. 1:28,8: 2. Sasserath, Rheydt, 1:29; 3. Kuchner. Düsseldorf 98. 1:34,6. Oie Ergebnisse vom Sonntag. Herren: 4x100-Meter-Frei st il: 1. Magdeburg 96 (Mannschaft: Schulzei. Schulze II, Gubener. Schweizer), 4:24; 2. Poseidon Leipzig. 4:27; 3. Hellas Magdeburg 4 33 Minuten. 4 0 0 - Meter - Lagenstaffel. 1. Hellas Magdeburg (Mannschaft: Schulz, Rademacheri. Gruß), 5:21,8; 2. Sparta Köln 5:35; 3. Poseidon Leipzig 5:26,4 Minuten. 4 x 1 00 - Meter - Bruststaffel für Vereine ohne Winterbad: 1. Freiberg 98 (Sachsen) 13:21,8 Min. im Alleingang. 2 00 • Meter - Freistil: 1. Schubert. (Dorussia-Silesia. Breslau), 2:25; 2. Derichs (Sparta. Köln). 2:31,6; 3. Gebert (Hellas. Magdeburg), 2:31,8 Minuten. 1 5 00 - Meter - Freistil: 1. Reichel. SV. Göppingen 04 . 22:17 ; 2. Bode. Hildesheim, 22:19,9, 3. Eckstein, Poseidon Leipzig. 23:20.8. 200 - Meter - Bru st: 1. Koppen, Poseidon Leipzig. 3:00.2 (Zielrichterentschcidung); 2. Schwarz. Göppingen 04. 3:00.2; 3. Buldig Sparta Köln, 3:01,5 Minuten. Turmspringen: 1. Plumans, Sparta Köln. Platzziffer: 6.5 : 92,53 Punkte: 2. Riebschläger Zeitz. Platzziffer: 8.5; 90.54 Punkte: 3. Grothe, Poseidon Berlin, Platzziffer 15; 85,24 Punkte Beste Gesamtleistung: 1. Poseidon, Leipzig. 97 Punkte. 2. Hellas, Magdeburg, 93 Punkte; 3. Sparta, Köln, 61 Punkte. Damen: 4 0 0 - Meter - Lagen st affel : 1. Vire, Charlottenburg. 6:23,8, (Mannschaft: Wiedemann. Suchard. Mürschel); 2. Magdeburger Damen- Schwimmclub 629,3: 3. Rheydt 03 6:39.4 Min. 3 x 100- Meter - Freistil: 1. Blau- weist. Dresden, 4:09.5-, (Czyminski. Ueberschaer. Schonemann); 2. Vice. Charlottenburg. 4:14,3; 3. Poseidon. Stettin. 4:18,5 Minuten. 100 - Meter - Freistil: 1. Küppers, Erkens (Oberhausen), 1:18,5; 2. Schneider. Stettin. 1:19,4; 3. Wunder, Poseidon Leipzig und Rundzler. Friesen Berlin, je 121,6 (tot. Rennen). 2 0 0 - Meter - Brust: 1. Rrckx Magdeburger Damenschwimmklub. 3:19,2; 2. Suchard, Vixe Charlottenburg, 320,5; 3. Weiners, Wandsbek 3:23,7 Minuten. Kunstspringen: 1 Jordan, Bayern 07 Vürnberg. Platzziffer 5, 97,78 Punkte; 2. Schlüter. DfvS. München. Ziffer 12, 85.16 Punkt; 3. Koslowsky. Germania Berlin. Zifser 16, 81,20 P. Be st e Gesamtleistung: 1. Visse, Cha» lottcnburg, 69 Punkte. 2. Magdeburger Damenschwimmclub 55 Punkte; 3. Damenschwimmverein München, 28 Punkte. Südwestdeutscher Turn - Verband Lahn Titnöbcrss-b)au. Zusammen mit dem am Sonntag zum Austrag gekommenen Gauwettschwimmen hielt der Lohn-Dünsberg-Gau sein diesjähriges Schüler- roetlurnen ab. Während sich die Kleinsten bereits morgens, über 150 an der Zahl, im friedlichen Wettkampfe in Rodheim matzen, stritten die Turner am Nachmittag in Launsbach um den Sieg. Das Schülerturnen nahm um 8 Uhr seinen Anfang und war dank der umsichtigen Leitung durch die beiden Turnwartc Keller (Rodheim) und Wagner (Lollar) bereits um 12 Uhr beendet. Den Abschluß des Turnens bildete die 4X100-Meter-Staffel um den Gau Wander- preis, die von Lollar gewonnen wurde. Die Preisoerteilung, mit einer kurzen Ansprache des Turn- warts Wagner (Lollar) cingeleitet, brachte nachstehende Siege: 1. G M a n k, Wieseck, 112 Punkte; 2. K. Müller, Lollar, 108 P, 3. K. Algeyer, Lollar, 107 P.; 4. W. Fischer, Ruttershausen, W. Nuhn, Lollar, 103 P.. 5. W. Becker, Rodheim, K. Dern, Lollar, K. Meister, Lollar, H. Schleenbecker, Ruttershausen, 102 P., 6. A. Nickel, Lollar, 101 P.; 7. H. Schnaut, Lollar, W. Kraus, Londorf, 100 P.; 8. W. Eisenhut, Wieseck, A. Jung, Dorlar, W. Volk, Launsbach 99 P.: 9. A. Wisker, Wißmar: 10. P. Haas, Wieseck, W. Stein, Kcsselbach, H. Gerlach, Lollar, H. Hengst, Dorlar und H. Kleinhenn, Daub- ringen, 97 P.; 11. W. Stumpf, Karbenteich, Bccht- hold, Launsbach, 96 P.. 12. E. Becker, Wieseck, K. Reitz, Londorf, W. Kuhlmann, Dorlar, A. Göbel, Wieseck und H. Uhrberg, Lollar, 95 P.; 13. A. Dutenhöfer, Rodhcim, K. Säger, Londors, W. Komp, Lollar, und G Stamm, Waldgirmes, 94 P.; 14. K. Mank, Wieseck, K Scherer, Wieseck, H Ole- motz, Londorf, E. Heibertshausen, Lollar, O. Drom- mershausen, Wißmar, und Ä. Pfeiffer, Waldgirmes, 93 P; 15. H. Ferber, Lollar, A. Rohrbach, Wieseck, und A. Lepver, Waldgirmes, 92 P 4X100-Meter- Stoffel: 1. Tv Lollar 60’hn Sek.: 2. To. Wieseck 61e/io Sek.: 3. To. Waldgirmes. Das unter Leituna von Gausvortwart Winter in Launsbach zum Austrag gekommene Gauweltschwimmen ist. wie überhaupt sämtliche diesjährige Veranstaltungen. in bezug auf Beteiligung und Leistungen als das beste der seitherigen zu bezeichnen. In drei Klaffen kämpften 80 Turner um den Sieg, wobei mitunter sehr ansprechende Leistungen erzielt wurden. Als beste Leistung ist wohl der Sieg von Rolshausen. Dorlar, im 50-Meter-Iugend-Brustschwimmen mit 41.6 Sekunden zu bezeichnen. Am besten schnitten hier die Vereine Ahbach und Dorlar ab. die in der Senioren- bzw. Jugend-Klasse jeweils die ersten Plätze belegten. Im Stasfelschwimmen war bei den Senioren Lollar, bei der Jugend Dorlar erfolgreich. Bei den Senioren muhte die Atz- bacher Staffel, in günstiger Position liegend, infolge Frühstart disqualifiziert werden. Vachstehend die E r ge b n iss e: 50-Mcter-Brust-Schwimmcn für Se- nioren. 1. Fritz Geier, Ahbach. 43.1 Sek.: 2 O. Schermuly. Lollar, 44.4 Sek.: 3. W. Vogel, Mainzlar. 47.8 Sek.; 4. A. Best. Wihmar, 48.1 Sek.: 5. K Gaubeaud. Garbenheim. 48.2 Sek. 50-Meter-Frei st il-Schwimmen für Senioren: 1. O. Löw. Atzboch. 41.8 Sek.; 2. E. Delte, Dorlar. 43.4 Sek.; 3. O. Wagner. Wieseck. 43.7 Sek: 4. O. Schermuly. Lollar, 45 Sek.: 5. K. Pfaff. Launsbach. 45.1 Sek. 50-Meter-Brust-Schwimmen fürIu- gend 1. R. Rolshausen, Dorlar. 41.6 Sek.; 2. A Auer, Mainzlar. 45.8 Sek.: 3. E. Winter. Launsbach. 46.3 Sek.; 4. E. Deibel. Lollar, 47 Sek.; 5 E Spchrer. Staufenberg. 47.8 Sek. 50-Meter-Frei st il-Schwimmen für Jugend 1. K. Reinstädtler, Dorlar. 43.4 Sek.; 2. E. Hengst. Dorlar. 44 Sek.: 3. E. Deibel. Lollar. 44.7 Sek.: 4. K. Oestreich. Dorlar, 46.7 Sek.: 5. W. Will. Ruttershausen. 46.5 Sek 50-Meter-Frei st il-Schwimmen für Altersklasse: 1. G. Herrmann. Wißmar. 54.1 Sek.: 2. W. Groh, Atzbach. 4Z5 0 - Meter - Freistil - Staffel- Schwimmen für Senioren: 1. Tv. Lollar, Arbeiter-Turn- unb Ewortbunb. Lollar I — Wieseck I 5:2. Ein wenig interesfanres Spiel lieferten sich diele Gegner am Sonntag in Lollar. Lollar stellte sich komplett, während die Gäste mit Ersah an traten. Vach kurzer Zeit lagen die Gäste mit 2.0 in Führung Dann ging Lollar stark auS sich heraus und konnte vi» Halbzeit da» Resultat aus 22 stellen. Vach Seitenwechsel verlor da» Spiel mehr und mehr an Reiz. Vach- dern der linke Verteidiger der Gälte nacheinander zwei Selbsttore verschuldete, ließen auch einige Spieler der Gäste ihre Mannschaft im Stich. To daß es Lollar gelang, einen 52-Sieg zu erzielen. Daubrlngm I — Wieseck Ib 2:2. Diese Gegner standen sich im Rückspiel in Daubringen gegenüber. Auch hier traten die Gäste mit Erlay an. wahrend die Einheimischen sich komplett stellten Beiderseits kamen die Tore öfter- in gefährliche Bedrängnis, doch manche sichere Sache wurde ausgelassen. Vur zweimal gelang es jeder Partei, dem Leder den Weg in» Vetz zu zeigen. Wieseck 1. Jugend — Gießen 1. Jugend 3:0. Auf dem Wiefecker Sportplätze standen sich diese Gegner gegenüber. Don Anstoß ab war Dießen etwas überlegen, verschenkte auch im Glauben an einen sicheren Sieg einen Elfmeter, bann aber kam Wieseck mehr und mehr auf und führte bei Halbzeit 10. Auch nach Seitenwechsel blieb Wieseck überlegen und erzielte noch zwei Tore. Das Spiel nahm nun sehr an Schärfe zu und wurde kurz vor Schluß abgebrochen. wlcseck 3. Jugend — Odenhausen 1. Jugend 1:0. Vorher spielte die dritte Jugend Wieseck» gegen die erste Ovenhausens Hier konnten die körperlich weit unterlegenen Einheimischen abermals einen knappen 1:0-Sieg erzielen. wieseck 2. Jugend — Irels Jugend 3:1. Die zweite Jugend Wieseck» war in Trei» Gegner der dortigen Jugend und konnte einen schönen 3:l-6teg mit nach Hause nehmen. Handball. wieseck I — Friedberg (Schwarzrotgold) I 9:2. WieseckS Handballer hatten sich Gäste au» dem 6. Bezirk zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Die Gäste stellten eine körperlich kräftige Mannschaft, während die Einheimifchen mit Ersatz antreten muhten. Es entwickelte sich gleich nach Spielbeginn ein flottes Spiel. Mehr und mehr schälte sich eine llcberlegenheit der Einheimischen heraus, die in gleichmäßigen Abständen Tor auf Tor erzielten, während Die Gäste durch gute Einzelleistungen nur zweimal erfolgreich waren. Kinderturnen des Bezirks in Fronhaufen. Am Sonntagvomrittag trafen sich die Kinderabteilungen der Bezirksvereine in Fronhausen, um dort im friedlichen Wettkampfe ihre Kräfte im Mannschafts- und Einzelkgmpf zu messen. Knaben und Mädchen über zehn Jahre maßen ihre Kräfte im Mannschafts-Siebenkampf, der auch als Ginzel-Sechskampf gewertet wurde, während Knaben und Mädchen unter zehn Jahren ihr Können im volkstümlichen Vierkampf zeigten. Gegen Mittag waren d e Wettkämpfe beendet. Dis Kinder wurden von den gastlichen Einwohnern Fronhausens zum Mittagessen eingeladen. Vachmittags ging ein stattlicher Kinderfestzug durch die Ortsstraßen nach dem Sportplatz. Hier marschierten weit über 400 Kinder zu den Freiübungen auf. Aus der Siegerliste geben wir nachstehenden Auszug. Mannschaftsfiebenkämpfe, Mädchen über 10 Jahre. 1. Wieseck 250.09 Punkte: 2. Lollar 245.56 P.; 3. Droßen-Linden 228,54 P.; 4. Krofdorf 227,57 Punkte; 5. Fronhausen 216,37 Punkte. Mannschastsfiebenkampf, Knaben über 10 Jahre. 1. Gleiberg 275,44 P.; 2. Großen-Linden 271,01 Punkte; 3. Krofdorf 263,78 P.; 4. Wieseck 263,07 Punkte; 5. Alten-Buseck 259,64 P. Sechskampf (über 10 Jahre), Mädchen. 1. Kätha Vogel, Fronhaufen. 251,36 P.; 2. Erna Kling. Wieseck. 246,73 P.; 3. Marie Berg. Gr.- Linden, 246.36 P.; 4 Ella Hammel, Lollar, 244,09 P.; 5. Toni Kreiling, Wieseck, 241.45 P. Sechskampf (über 10 Jahre), Knaben. 1. Walter Kreiling, Wieseck. 305,09 P.; 2. Otto Klinkel, Launsbach, 304,09 P.; 3. Karl Leib, Gleiberg. 292.64 P, 4. Walter Eisenhut, Wieseck, 292.55 P.; 5. Walter Ruhl, Großen-Linden, 279,36 P. vicrkampf (unter 10 Jahre), Mädchen. 1. Milli Lungershausen, Wieseck, 193,18 P.; 2. Tilli Kreiling, Wieseck. 164.73 P; 3. Emmi Weller. Wieseck. 163,27 P.; 4. Lydia Peter, Wieseck. 135.73 P.; 5. Irmgard Schäfer, Wieseck, 134,45 P. Vierkampf (unter 10 Jahre), Knaben. 1. Alfred Mühlich, Wißmar. 185.55 P.; 2. Ernst Schupp, Lollar. 181,09 P.; 3. Alfred Seibert, Wieseck, 174 P.; 4 Heinr. Münch, Lollar, 164,27 Punkte; 5. Alfred Groh. Wißmar. 163.27 P. Stafetten: Mädchen 5X6O-2Heter. 1. Wiefeck 1 51,2 Sek.; 2. LollarI 51.5: 3. ®r.- Linden 53.3; 4. Wiefeck II 55; 5. Wieseck Ili 56. Stafetten: Knaben lOZbO-IUeter. 1. Wiefeck 142.5 Min.; 2. Gleiberg 1:44.2; 3. Staufenberg 1:45,1; 4. Wißmar 1:465; 5. ®r.- Linden 1:47. Tauziehen. 1 Gleiberg; 2. Heuchelheim; 3. Kinzenbach und Wieseck I; 4. Launsbach, Großen-Linden. Gleiberg 11 und Wieseck II. Gegen Kopfschuppen und Haarausfall verwenden Sie nicht dieses oder jenes, sondern verlangen Sie ein Mittel, das wissenschaftlich erprobt ist und seit 50 fahren unvergleichliche <007v Erfolge zu verzeichnen hat: Dr. DRALLE’s Birken wasser Or/gintlf/aschc RM 2.40 Doppe/flache RM 4.20 Wirble ins Leben! Roman von Anna Hink. Urheber-Rechtsschutz durch Qkrlag Oskar Meister. Werdau, D.-A. 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Noch eine Bitte habe ich, meine Freunde", sagte Much, als beide vor ihm standen, um sich zu verabschieden, „ich möchte auf keinen Fall, daft die Geschichte irgendwie bekannt wird. Sprechen Sie zu niemand im rüber. Für mich gibt es nun mal nichts Fürchterliches als Klatsch und Skandal in Verbindung mit meinem Namen. Sie versprechen es mir, nicht wahr?" „Aber das bedarf doch keiner Erwähnung. Wir werden schweigen wie ein Grab!" „Ich danke Ihnen", sagte Much bewegt und driickte beider Hände. „Jetzt entschuldigen Sie mich, ich muh mit mir allein fein. Kommen Sie recht bald, einmal wieder." Sie schüttelten sich die Hände, und Much zog Frau von dem Bergs gepflegtes Händchen galant an die Lippen. „Wenn ich mir Frau Barbara so vorstelle, kann ich mir's gar nicht denken, das) sie ihren Mann derartig hintergeht", meinte Herr von dein Berg nachdenklich, als sie zusammen aus dem Haus traten. „Vielleicht hast du dich doch etwas getäuscht." „Ich täusche mich nie in . solchen Dingen", gab seine Frau sehr selbstbewußt zurück. „Und im. übrigen könntest du gern etwas mehr Form und Korrektheit im Verkehr mit deiner Gattin auf- wenden. Herr Much ist dir darin entschieden bei weitem über." Das letztere kam so spitz und anzüglich heraus, daß Herr von dem Berg es vorzog, keine weiteren Betrachtungen über Barbara Muchs Unschuld anzustellen. — Bernhard Much las den letzten Bericht, den ihm Reginald Contius zugesandt hatte, ein paarmal sorgfältig durch. Drei Tage war es erst her, das) Reginald fort» gefahren war, um Barbara zu suchen. Jeden Tag hatte er einen kurzen Brief an Much gesandt. Und immer war das Ergebnis seiner eifrigen Nachforschungen erfolglos gewesen. Reginalds briefliche Berichte waren stets ganz fachlich und nüchtern gewesen, und trotzdem hatte es Much immer geschienen, als lese er zwischen den Zeilen von dem tiefen Ku,inner, von 6er großen Niedergeschlagenheit Reginalds, da all sein Suchen zu keinem Erfolge geführt habe. „Ich habe alle Behörden in weitem Umkreis in Kenntnis gesetzt von dem Verschwinden Frau Barbaras, aber es ist, als habe sie der Erdboden verschlungen", hieß es in Reginalds letztem Bries. Much grübelte nach und runzelte die Stirn. „Ist es denn überhaupt möglich, daß ein Mensch so spurlos verschwinden kann? Wir leben doch schließlich in einem geordneten Staate und nicht im finsteren Mittelalter", dachte Much mißtrauisch. Und ihm fiel alles ein, was seine Bekannten ihm vorhin erzählt hatten. Ob sie doch recht hatten? Dann vergegenwärtigte er sich Contius' ehrliches Gesicht, vor allem seine klaren, offenen Augen, und eine innere Stimme flüsterte ihm zu, daß ein Betrüger nicht so aussehen könne. Gr griff nach Barbaras Bild, das immer aus einem Tischchen neben ihm stand, und betrachtete es aufmerksam und eingehend. Es war eine gute Momentausnahme. Besser konnte man Barbaras bewegtes Gesicht nicht fest- halteu. Heiter und strahleiid schaute sie drein, ein kleines eigensinniges Lächeln um den feinen Mund. Und das schien zu sagen: Ihr kennt mich ja doch alle nicht recht. Much vertiefte sich immer mehr in die Photographie. Plötzlich klopfte es an der Tür. Er stellte das Bild mit einem Seufzer auf feinen Platz zurück und rief: „HereinI" Die Tür tat sich auf und Schwester Irene trat ein, wie immer liebenswürdig und offenbar in ihrer strahlendsten Laune. „Darf ich Ihnen etwas Wein bringen?“ fragte sie Much und sah ihn besorgt an. „Sie gefallen mir gar nicht, Herr Much. So blaß und angegriffen waren Sie ja feit Tagen nicht." Much konnte einen schmerzlichen Seufzer nicht unterdrücken. Die Schwester war sofort bei ihm, rückte ihm, die Kissen zurecht und holte, ohne seine Zustimmung abzuwarten, ein Glas Wein. Much machte eine müde, abwehrende Hand* bewegung. „Das nützt auch nichts, liebe Schwester." „Sie haben Sorge um Ihre Frau Gemahlin?" fragte sie scheinbar harmlos und teilnehmend. „Wenn eS das allein wäre", entfuhr es Much, halb gegen feinen Willen. „Wollen Die fich nicht lieber wieder legen, Herr Much?" fragte die Schwester und tat, als ob sie feine Bemerkung nicht gehört hätte. Er trank hastig ein wenig von dem dargereich- ten Wein. „Nein, nein", sagte er zerstreut, „ich bin wicht so müde, wie Sie denken. Kommen Sie, Schwester, holen Sie sich ein Glas und leisten Sie mir ein wenig Gesellschaft." Bescheiden wehrte sie ab. „Danke sehr, Herr Much. Ich glaube wirklich, es ist besser, Sie gehen ins Bett, damit das Fieber nicht wieder kommt." Und sie legte ihm besorgt ihre weiße gepflegte Hand auf die Stirn. Much schloß einen Moment die Augen und überlief) sich dem seltsamen Reiz, der von dieser Hand ausging, er war einschläfernd und erregend zu gleicher Zeit. Dann richtete er sich plötzlich auf, daß der Schwester Hand von seiner Stirn herabglitt, und sah. sie so forschend an, daß sie leicht errötete. „Hören Sie, Schwester", begann Bernhard Much mit einem plötzlichen Entschluß, „ich möchte Sie gern etwas fragen. Ditte, sehen Sie sich hier in meine Nähe." Er wies auf einen Sessel, der etwas schräg vor feinem Lehnstuhl stand. Die Schwester ließ sich wortlos auf dem bezeichneten Sessel nieder. Sie hatte die Hände in den Schoß gelegt und schien sie mit Hingabe zu studieren. „Sehen Sie", begann Much mit leicht geröteter Stirn, „ich habe keinen Menschen, mit dem ich zur Zeit offen und — tote soll ich sagen -r- objektiv und nüchtern über eine bestimmte Angelegenheit sprechen kann. Sie haben mich so selbstlos und aufmerksam gepflegt — darf ich Sie mit einigen Fragen behelligen?" Sie nickte nur zustimmend, und er fuhr fort: „Sie wissen, daß meine Frau seit einigen Tagen spurlos verschwunden ist. Da ich selber noch krank war, bat ich Herrn Contius, der mir wirklich nahegekommen war, nach Barbara zu suchen." Schwester Irene murmelte etwas wie „den Dock zum Gärtner bestellen", aber Much hatte in seiner Unruhe nicht genau hingehört. „Wie meinten Sie?" fragte er höflich. „Oh, gar nichts weiter", sagte die Schwester mit ihrem unschuldigsten Lächeln von der Welt. „Ich meinte nur, daß das vielleicht etwas uwvorsichtig war." „Wieso?" fragte Much betroffen. „Ich glaube, Herr Much, Sie erregen sich unnötig. Es war nur eine dumme Bemerkung von mir", beteuerte Irene scheinheilig. — ®ic me*ntcn etwas ganz Bestimmtes!" rief Much mißtrauisch. „Ach, Herr Much, hätte ich doch lieber nichts Wecker gefaßt.“ Schwester Irene verstand es großartig, eine unschuldsvoll bekümmerte Miene aufzusehen. „Es war wahrscheinlich gar nicht so bös gemeint, wie es sich ausnahm", fuhr sie, fort und sah wieder vor sich hin. „Ich will aber wissen, was Sie meinen", beharrte Much eigensinnig. „Für mich als unbeteiligte Dritte ist diese ganze! Angelegenheit denkbar peinlich", murmelte die Schwester. „Erlassen Sie mir doch die Einzelheiten, die Sie nur unnötig aufregen und an. der unerfreulichen Sache nun doch nichts mehr ändern." „Hören Sie, Schwester, ich sehe, Sie wissen, mehr als wir alle. Haben Sie Erbarmen und sagen Sie alles, was Sie wissen. Mit diesen! Andeutungen quälen Sie mich mehr, als Sic> mich zu schonen glauben!“ sagte Much mit großer Bestimmtheit. „Sie brauchen nicht zu befürchten, daß Sie selbst dadurch in ein schiefes Licht fom- men“, fuhr er eindringlich fort, als die Schwester eine abwehrende Gebärde machte. „Ich schätze Sie sehr und achte Sie hoch. DdS-sollten Sis doch wirklich wissen." „Nun gut", begann sie zögernd. „Da Sie, Herr Much, es ausdrücklich wünschen, will ich darüber sprechen, obgleich es nicht meine Absicht war." Sie machte eine kurze Pause. Much sah sie erwartungsvoll an. „Es war vor ein paar Tagen", fuhr sie fort. «Sie schliefen, und ich wollte in mein Zimmer hinaufgehen, um mir eine Handarbeit zu holen. Ich kam gerade an Herrn Contius Zimmer vorbei, als ich leises Lachen daraus hörte. Sie wissen, ich bin wirklich nicht neugierig, Herr Much. 3d) hätte wahrscheinlich auch nichts bemerkt, wenn mich der Ruf Frau Muchs: .Nein, nein, Reginald, das darfst du nicht', aufmerksam gemacht hätte. Die Tür war leicht angelernt, und ein kurzer Blick genügte, um zu sehen, was da vorging. Reginald hielt Frau Much auf den Knien und küßte sie, und sie schien auch trotz ihres vorherigen Ausrufes nichts dagegen zu haben, denn sie ließ es nicht nur geschehen, sondern erwiderte seine Küsse mit Hingabe." Schwester Irene schwieg und beobachtete die> Wirkung ihrer Erzählung. Sie konnte zufrieden sein. (Fortsetzung folgt.) Alles, was zu einer fertigen Soße gehört, enthält MAGGI5 Bratensoße MAGGI5 Bratensoße nur noch mit Wasser zu kochen 1 Würfe! für gut 1/4- Liter vorzügliche Bratensoße 15 Pfg\ Hautkrankheiten und Beinleiden Spezialbehandlung ohne Operation. Keine Bestrahlung Wir weisen durchschlagende Erfolge selbst In veralteten Fällen nach. Auskunft kostenlos. 04900 Muttermale Tätowierungen Blutschwamm entfernen wir in wenigen Tagen. 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