Nr. 131 Erstes Blatt 180. Jahrgang Aeitag, 6. Jun! 1930 (Erlittet lüg l,ch, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die 3nu|tricrte Giehener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Schalle Monat,-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 80 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechantchlüste unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Liehen, pokschecklonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: vrühf'sche Univerfitülr vuch. und Stetnönidcrei R. Lange in Gietzen. Zchnftlettung und Geschäftrstelle: Zchulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen van 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20', mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriat; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Bietzen. Das zweite Deckungsprogramm des Reichskabinetts. Beitragserhöhung m der Arbei slosenversicherung um 1 Prozent, aber Reform der Krankenversicherung. — Reichshlfe der festbesoldeten Beamten und privatangestellten von 3-4 Prozent der Einkommensteuer. — Sonderbesteuerung der Ledigen. Berlin, 5. Juni. (Icl.-lln.) Amtlich wird milgeteilt: Das Reichskabiuelt trat unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning heute zu feiner letzten Sitzung vor Pfingsten zusammen. Die mehrwöchigen Beratungen der Reichsregierung über die Arbeitslosen Versicherung und die übrigen mit der schwierigen wirtschasks - und finanzpolitischen Lage zusammenhängenden Fragen wurden in der heutigen fiabi- nettssihung z u Ende geführt. Das Reichskabinett beschloß die Reform der Arbeiks- losenversicherung in weitgehender Anlehnung an die Beschlüsse des Vorstandes der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung jedoch mit der Maßgabe, daß der Beitrag von 3% auf 4% v. k). erhöht wird. Die wesentlichen Aenderungen im Gesetz, darunter die Beitragsfesksehung sind b i s 31. März 1931 begrenzt. Line Entlastung der Wirtschaft soll durch gleichzeitige Vorlage eines Gesetzes über die Reform der Krankenversicherung angeftrebl werden. Sodann verabschiedete das Kabinett die weiteren Gesetzentwürfe, die den Ausgleich der Ausgaben auf sozialem Gebiete und der Mindereinnahmen des Haushalts zu decken bestimmt sind, nämlich ein Gesetz über die vorübergehende Reichshilfe durch die Fe st besoldeten im öffentlichen Dien st und in der Privatwirtschaft. Das Gesetz sieht auch einen Beitrag aus den Tantiemen der Aussichtsräte vor, ferner einen Sonderbeitrag in höhe von 10 v. h. der Einkommensteuer der Ledigen. Dazu tritt ein durch Kürzung der Steuerfrlsten in der Zigarettenindustrie für das lausende Jahr zu beschaffender Betrag, der mit einer Verlängerung der Kontingentierung für die Zeit bis zum 1. April 1932 verbunden ist. hierdurch wird zusammen mit den durch nochmalige Durchprüfung des Haushalts 1930 herbeizuführenden Ersparnissen ohne neue, die Wirtschaft belastende Steuern eine volle Deckung des Haushalts gefunden werden. Das Kabinett beschäftigte sich sehr eingehend mit em Kernproblem der gegenwärtigen wirlschafts- und Finanzlage, dem nicht in ausreichendem Tempo stattfindenden Absinken der Arbeitslosigkeit. Es legt entscheidendes Gewicht auf die wieder- einbeziehung von Arbeitslos en in den Wirtschaftsprozeh durch (Einleitung größer er, den wirtschaftlichen Rotwendigkeiten entsprechenden Arbeiten. Die Reichspost wird in der nächsten Zelt eine umfangreiche Auftragserteilung über das bisher vorgesehene Maß hinaus vornehmen. Mit der Reichsbahn werden morgen die eingelcitetcn Verhandlungen mit dem Ziel fortgesetzt, sie gleichfalls in die Lage zur Vergebung dringender Aufträge zu versehen, verschiedene Wege hierzu erscheinen gegeben. Der Kleinwohnungsbau an denjenigen Orlen, an denen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein dringendes Bedürfnis bejaht werden kann und an denen gleichzeitig besonders große Arbeitslosigkeit vorliegt, wird durch zur Verfügungstellung zusätzlicher Mittel gefördert werden. Es ist im laufenden Jahre der weitere Bau von 35000 bis 40000 Wohnungen vorgesehen, welcher bis 150 000 Bauarbeitern Arbeitsgelegenheit verschafft. Das Kabinett Hal die Vorlegung eines Gesetzes beschlossen, das den Reichsarbeitsminister zu allgemeinen Anordnungen ermächtigt, durch welche die zweckmäßige Verwendung der zur Verfügung gestellten Mittel und tragbare Mieten für die minderbemittelte Bevölkerung sichergestellt werden. Diese Grundsätze sollen bereits bei der Vergebung des zusätzlichen Bauprogramms Anwendung finden. Dabei wird der oom Kabinett für die Wirtschaft im ganzen als notwendig angesehene Gesichtspunkt einer herab- fetjung von Kosten und Preisen für das Gebiet der Bauwirtschaft mit Rach- brutf verwirklicht werden. (Ein allgemeines 5 f r a - henbauprogramm, das den notwendigen Ausbau des vorhandenen Rehes vorsieht, ist in Aussicht genommen. Die Beschaffung der Mittel wird vorbereitet. Das Kabinett trat alsdann in eine Beratung über die Möglichkeit einer allgemeinen Senkung der Produktionskosten und Preise ein. Diese Beratungen werden nach Pfingsten fortgesetzt. Die Sitzung des Kabinetts schloß mit der Prüfung der vom Reichsfinanzminister oorgeleglen Aus- gabenfentungs- und Spargesehe. (Es erklärte sich mit ihren Grundzügen einverstan- den. Line zweite Lesung und Beschlußfasiung über die Einzelheiten wird in einer Sitzung unmittelbar nach Pfingsten stattfinden. Ein amtlicher Kommentar. Günstigere Gestaltung der Reichseinnahmen. Berlin, 5.3uni. (CAD. Eigene Meldung.) 3n Berliner politischen Kreisen bezeichnet man als die beiden wichtigsten Beschlüsse, die das Reichskabinett heute in der Deckungsfrage gefaßt hat, die Heraufsetzung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung um 1 v. H. und die »vorübergehende Reichshilfe" der Festbesoldeten (so lautet letzt der Ausdruck für das sogenannte Rotopfer). Die verhältnismäßig starke Erhöhung des Beitrages für die Arbeitslosenversicherung wird allerdings erheblich ausgeglichen durch die beabsichtigte Herabsetzung der Krankenkassenbeiträge, die nach Ansicht des Reichsfinanzministers, der bekanntlich Spezialist für diese Fragen ist, als durchaus möglich und tragbar erscheint. Die Reichshllse der Fe st besoldeten wird zunächst für d i e drei zukünstigen Quartale des Ltatsjahres, also vom 1. Juli ab, erhoben werden. Da sie nicht nur die Beamten, sondern auch die privatange- (teilten ersaht, wird sie verhältnismäßig niedrig sein und etwa 3 bis 4 Prozent von der jetzigen Einkommen st euer ausmachen, praktisch gesehen, beträgt die Einkommensteuer für diese Schichten in Zukunft also 10z statt 10 Prozent. Für die Ledigen kommen dazu noch weitere 10 Prozent der Einkommensteuer oder 1 Prozent des steuerpflichtigen Einkommens, so daß der Sah für sie 116 ausmacht. Der Besteuerungszuschlag für Tantiemen von Aussichlsratsmitgliedern soll erheblich hoher liegen. (interessant ist an den Beschlüssen des Reichskabinetts besonders auch die Feststellung, daß die Erhöhung der Arnsahsteuer, die man erwartet hatte, nicht erfolgt. Dabei ist in der amtlichen Mitteilung ausdrücklich unterstrichen, daß die heutigen Kabinettsbeschlüsse d a s G l e i chge wich t i in H a u s ha l t v o l l - kommen wiederher st eilen. Beachtenswert ist ferner, daß die Balancierung ohne Anleihen oder Veräußerung von Reichs besitz erfolgt. Pläne dieser Art bestehen offenbar nur für die Finanzierung der Arbeitsbeschaffung durch Belebung des Daumarktes, Ausbau des Straßennetzes usw. Die 'Behandlung dieser Fragen im Kabinett zeigt schon, daß die Reichsregierung auch die Aktion der Llnternehmer und der Gewerkschaften mit sehr starkem (Interesse verfolgt und unterstützt. In der heutigen Sitzung kamen übrigens auch die Schätzungen der Reichseinnahmen wieder zur Sprache, die erfreulicherweise sehr viel günstiger laufen, als man erwartet hatte. Ebenfalls rechnet man damit, daß die Mindereinnahme im letzten Monat das 47-Millionen- Dcfijif vom April nicht erreicht. Auch die Ein- nahmen der Reichspost haben sich wesentlich gebessert. Die parlamentarische Erledigung der heutigen Kabinettsbeschlüsse wird natürlich noch einige Schwierigkeiten machen. Sie werden in unterrichteten Kreisen aber nicht als so schwerwiegend angesehen, daß daraus für das Kabinett irgendwelche Konsequenzen entstehen. Den Grund dafür sieht man vor allem darin, daß die Beschlüsse des Kabinetts keine neuen Steuern über die bisherigen Projekte hinaus enthalten, und daß die vorübergehende Reichshilfe nicht einseitig auf die Beamt n beschränkt bleibt. Mit der Erledigung dieser Fragen durch das Kabinett beginnt politisch die eigentliche Pfingstpause. Der Reichskanzler wird am Freitag zu einem kurzen Erholungsurlaub nach Mitteldeutschland reisen. K'üik der presse. Wo bleiben die Maßnahmen zur Aus« gabendrosielung? Berlin, 6. 3uni. ($11.) Zum neuen Deckungsprogramm, das in der Donnerstagssitzung oes Reichskabinetts verabschiedet wurde, nehmen nur wenige Blätter Stellung. Die „D. A. Z." sagt, wer vom Standpunkt der 3dee einer durchgreifenden Reform des öffentlichen Ausgabenwesens das sogenannte Deckungsprogramm unter die Lupe nehme, werde feststellen müssen, daß nicht einmal der erste Schritt getan werde, der eine grundlegende Aenderung herbeiführen könnte. Ob der Etat durch die vorgeschlagenen Maßregeln notdürftig balanciert werden könne, hänge weniger von der schwankenden Finanzpolitik ab als von der Frage, ob sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in ihren Besprechungen zur Behebung der Wirtschaftskrise einigen könnten. — Der „Vorwärts" bezweifelt, ob sich für die Deckungsvorschläge eine Mehrheit finden werde. — Von einigen Blättern wird besonders darauf hingewiesen, daß in der amtlichen Mitteilung an einigen wichtigen Punkten, die für die Gesamtbeurteilung wichttg sind, die entsprechenden näheren Zahlenangaben fehlen. Rach der ,.B ö rs e nz ei tung" verlautet, daß sich die Höhe des Rotopfers bzw. der „Reichshilfe" auf etwa 3 bis 4 Prozent des Einkommensteuerbettages belaufe. Die in der amtlichen Mitteilung erwartete volle Deckung des Haushalts- fehlbettages durch das Programm beruhe dem Vernehmen nach u. a. auf den inzwischen wesentlich günstiger sich gestaltenden Steuereingängen und Po st einnahmen, die im Monat Mai beinahe die geschätzte Höhe erreicht haben sollen. — Rach dem „Loka l- a n z e i g e r" verlautet, daß die „Reichshllse" bis 8ur Sanierung der Arbeitslose n- vers icherung erhoben werden soll. — Wenn das zuttäse, dann würde cs sich nach Auffassung des „Lokalanzeigers" praktisch nicht um eine vorübergehende, sondern um eine dauernde Sonderbelastung eines Teiles des Mittelstandes zugunsten der Arbeitslosen handeln. Die preis- »nd LohnsenkunMiion bet Mrischafi Günstiger Stand der Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften Berlin, 6. Juni. (TA.) Zu den Verhandlungen, die in letzter Zeit zwischen den Unternehmern und den Gewerkschaften slattgesunden haben, wird dem „vorwärts" aus Kreisen der Freien Gewerkschaften erklärt, gegenwärtig werde sowohl im Lager der Arbeitgeber wie innerhalb der Spihen- organifalionen der Gewerkschaften über neue Vorschläge verhandelt. Ob diese Vorschläge aber nach p f i n g st e n zu neuen Verhandlungen zwischen beiden Wirlschaftsgruppen führten oder ob jede Gruppe mit ihren Vorschlägen gesondert an die gesetzgebenden Körperschaften heranttelen werde, sei noch eine offene Frage. Diese Erklärung der Gewerkschaften scheint etwas überholt zu sein. Der vom Reichsoerband der Industrie und der Vereinigung der Arbeitgeberverbände eingesetzte Ausschuß hat sich inzwischen auf ein Programm zur Preissenkung geeinigt Die gemeinsamen Beratungen mit den Gewerkschaften sind daher wieder möglich geworden. Ueber den Inhalt der Vorschläge wird von beteiligter Seite SlillfPweigen bewahrt. Es wird aber betont, daß das (Ergebnis außerordentlich erfreulich fei und auf einen erfolgreichen Abfchluß der Verhandlungen mit den Gewerkschaften hoffen lasse. Die Arbeitgeber haben die Führer der Gewerkschaften für 3reifagoormittag 11 Uhr zu einer neuen Besprechung gebeten. Die Gewerkschaftsführer, soweit | ste nicht von Berlin abwesend find, haben diesem Zeitpunkt zugestimml. Diese Beschleunigung roirÖ als ein Beweis für den Ernst der Bemühungen gewertet, die solidarische Aktion der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zur Ueberwindung der Wirtschafts- und Arbeitslosenkrise so schnell wie möglich wirksam zu machen. Weiler fordert der handel, der an den bisherigen (Erörterungen nicht beteiligt war, jetzt seine Einschaltung in die Besprechungen. Die hauptgemeinschafl des Deutschen Einzelhandels Hal dem Reichsverband der Deutschen Industrie mifgefeilf, daß sie eine Teilnahme des Einzelhandels an den Maßnahmen zur Lohn- und Preisregelung für unbedingt geboten erachte. Mansfeld endgültig stillgelegt Berlin, 5.3uni. (Priv.-Tel.) Die Mans - selber Bergbau AS., das einzige deutsche Kupferbauunternchmen. hat seine Belegschaft von 14000 Mann entlassen müssen. Der Stilllegung dieses Unternehmens, die durch den Sturz des Weltkupferpreises erzwungen worden ist, gingen längere Verhandlungen zwischen den Betriebsräten und der Betriebsleitung voraus. Da der Lohnanteil wie die Mansfeld-Verwaltung mitteilt, 75 Prozent des Gesamterlöses beträgt, war an eine Sanierung ohne Herabsetzung der Löhne nicht zu denken. Rachdem anfänglich die Bettiebsräte bereit waren, in eine 15prozen- tige Lohnsenkung zu willigen, sch.ug die Stimmung nach dem Eingreifen der Gewerkschaften um. So mußte es geschehen, daß im Eislebener Bezirk einschließlich der Familienmitglieder und der kleinen Gewerbetreibenden, die von der Bergbaubevölkcrung leben, ungefähr 70 000 Menschen in Rot geraten. Es handell sich hier um ein Schulbeispiel, wie die deutsche Wirtschaft, die unter internationalenDeprcssions- erscheinungen leidet, durch ein starres Lohnsh st em allmählich zugrunde gerichtet wird. Der Fall Mansfeld ist für die wettere Entwicklung ein Menetekel. Hoffentlich ist aus allen Seiten, sowohl bei der Lohn-, als auch bei der Preisfrage die Erkenntnis vorhanden, daß so mit den Werten der deutschen Wirtschaft nicht weiter verfahren werden darf. Der Arbeitsminister entscheidet über den Schiedet pruch Nordwest. Berlin. 5. 3uni. (TA.) Wie die Telegra- Phen-Anion erfährt, sind die Rachverhandlungen zum Zwecke der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für die nordwestdeutsche Eisenindustrie nach fünfstündiger Beratung am Donnerstagabend ergebnislos abgebrochen worden. Die Entscheidung liegt jetzt beim Reichsarbeitsmini st er, der darüber befinden wird, ob der Schieds- spruch für verbindlich erklärt wird. Eine amtliche Verlautbarung über die Verhandlungen ist für Freitag in Aussicht gestellt. ------------------- j ,Gras Zeppelin^ auf dem Heimweg nach Deutschland. M a b r i b, 5. Juni. (WTB.) Das Luftschiff „Gros Zeppelin" ist nach glücklicher Fahri über ben Ozean heule nachmittag 17.05 Uhr (18.15 MEZ.) in 5 e- oillaglattgelanbet. Der Aufenthalt von nur 20 Minuten diente ber Aebernahme ber Passagiere unb ber Post. Um 17.25 Uhr ist bas Luftschiff zur weiterfahrt unb Rückkehrnach Deutfdjlanb wieder gestartet. Beim Luftschiffbau ging folgenber Funkspruch bcs „Graf Zeppelin" ein: 2t uf flieg Sevilla 17.25 Uhr MEZ., Gibraltar st raße passiert. Sehr starker Sübwinb. Regen. Jehl klar. Leichter Sübost. Stanborf 21 Uhr MEZ. 0,4 Grab 38 Minuten West, 35 Grab 57 Minuten Rorb. ft u r s 0 ft. Graf Zeppelin. (Ein späterer Funkspruch besagt: 2 Uhr MEZ.: Oeftlid) von (Earfagena. Heue Kämpfe bei Peschawar. Aufstand ber Afridis. London, B. Juni. (WTD.) Der Times meldet aus Peschawar: (Eine aus mindestens 7000 bis 14 UDO Mann bestehende Streitmacht der Afridis befindet sich im Anmarsch auf das 11 Kilometer südwestlich von Peschawar gelegene Fort Sara. Es handelt sich meist um junge Krieger, die rote und schwarze Fahnen mit sich führen. Die Langsamkeit ihres Vorrückens scheint darauf hin^udeuten, daß sie sich über ihr endgültige« Ziel noch nicht klar sind. 3ndessen ist diese Bewegung unter den Afridis, die sich bisher an den Anruhen im Bohmand-Gebiet nicht beteiligt haben, beunruhigend. Die Behörden haben bereits Maßnahmen ergriffen, um ein weiteres Dorrücken der Abteilung zu verhindern. Spät abends bewarfen britische Militärflieger das Lager der Afridis mit Bomben, während Kavallerie, 3nfanterie und Artillerie die Straße nach Bara hielt. Eine Kavalleriebrigade ist zur Verstärkung der Truppen aus Risalpur herangezogen worden. „Times" schreibt, es sei jedoch nutzlos, die Tatsache zu verheimlichen, daß der Vormarsch auf Peschawar ein v o ll- kommen neuesStadium darstelle, das voller Möglichkeiten sei. Bürgerkrieg in China. Schwere Hungersnot in den Nordprovinzen London, 6. 3unt (WTB. Funkspruch.) .Daily Telegraph" berichtet aus Peiping (Pe- nng): 3n Tsinansu, der Hauptstadt der Provinz Schantung, wo 1928 die Riedermetzelung der 3apaner statttand, herrscht Panik. Die Stadt wird jetzt von den Truppen der Rcrn- krnger Regierung gegen die Heere i r olrchen Verbündeten gehal- t en. Die Verteidiger haben die Brücke übet teilweise zerstört. Aber eD ttt den Angreifern gelungen, an einer änderest ©teile überzusetzen. Die auswärtigen Ge- ^udtschaf ten in Peiping haben von bet- • $arteien Schutz für ihre Lands leute rn Tsinanfu gefordert. Die 3apaner bringen chre Staatsangehörigen in Tsinansu zu ihrem Schutz rn Konzentrationslager. Ein in Australien aus China eurgettoffener Beamter der Hells- Allgemeines ümformverbol in Bayern. Zur Vermeidung blutiger Zusammenstöße radikaler Verbände und Wiederherstellung der öffentlichen (Sicherheit. armee teilte mit, daß in den chinesischen Qtorb* Provinzen infolge Hungersnot über 200 000 Kinder seit 3 anuar dieses Jahres gestorben seien. 80 000 Frauen und Mädchen würden für je zwei oder drei Dollar verkauft, um aus dem Erlös Lebensmittel für die übrigen Familienmitglieder zu kaufen. Das ltniersuchungsergebnis von Neuhöfen. Berlin, 6.3uni (CAB.) Wie die „Germania" meldet, ist die Nachprüfung des Grenzzwischenfalls bei Neuhöfen so weit gefördert worden, daß bis Freitagmittag eine gemeinsame Veröffentlichung fertiggestellt werden dürfte, aus der einwandfrei hervorgeht, daß die deutschen Grenzbeamten nichts weiter als ihre Pflicht und Schuldigkeit ge- t a n haben, als sie die polnischen Grenzwärter verhafteten. Aller Voraussicht nach dürfte die ganze Aktion noch ein diplomatisches Nachspiel haben, da die Neichsregierung vor der Absendung ihrer Protestnote nach Warschau lediglich das Ergebnis der LIntersuchungsarbeiten abwarten wollte. Oer Reparaiionsagent sammelt Orden ein. Brüssel, 5. 3uni. (WTD.) Parker Gil- bert ist heute in Brüssel eingetroffen, um sich von den Mitgliedern der Negierung und den belgischen Persönlichkeiten, mit denen er während der Zeit seiüer Tätigkeit als Reparationsagent in Beziehungen gestanden hat, zu verabschieden. Parker Gilbert frühstückte bei 3aspar und wurde später von Hymans empfangen, der ihm die Insignien des G r o h o f f i - zierkreuzes des Leopold-Ordens überreichte. — 3n Paris ist dem ehemaligen Reparationsagenten von dem dankbaren Frankreich bekanntlich das Grohkreuz der Ehrenlegion verliehen worden. Kunst und Wissenschaft. Der 70. Geburtstag des Staatsministers D. Dr. Schmidt-Ott. Zu Ehren des Präsidenten der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft S. Exzellenz des Staatsministers D. Dr. Schmidt-Ott, der sein 70. Lebensjahr vollendet hat, hatte der erste Vizepräsident und der Vorsitzende des Hauptausschusses der Notgemeinschaft, die Geheimen Räte Professoren Dr. W. von D y ck und Dr. Fr. v. Müller, in das Hotel Adlon zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. 3m Verlaufe der Feier überreichte der Reichsminister des Innern Dr. Wirth im Auftrage des Reichspräsidenten den Adlerschild der deutschen Republik. Die Glückwünsche des Reichstags überbrachte Professor D. Dr. Schreiber. Für die preußische Staatsregierung sprach Kultusminister Grimme. Der badische Gesandte Honold gratulierte im Namen der Hochschuloerwaltungen der deutschen Länder. Professor Tillmann (Bonn), der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Hochschulen übergab die Stiftungsurkunde für eine <5 d) m i b t • D11 * Stiftung von gegenwärtig 1 40000 Mark. Hofrat Professor Dr von Wett st ein, Präsident der Wiener Akademie der Wissenschaften, gab die Ernennung des Jubilars zum Ehrendoktor der Philosophie der Wiener Universität bekannt. Das Vorstandsmitglied des Stifterverbandes der Notgemeinschaft Dr. von Staust überreichte im Namen der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft und sechs anderer Gesellschaften das von Professor Samberger gemalte Porträt des Jubilars. Die Universitäten Gießen und Innsbruck ernannten das Geburtstagskind zu ihrem Ehrensenator. Der Villa-Romana-Preis für einen Münchener Bildhauer. 4 Der Verein Villa Romana, eine Gründung von Max Klinger und des Verlagsbuchhändlers Dr. Georg H i r z e l, hat in diesem Jahre den Villa-Romana-Preis dem Bildhauer Josef Hensel m a n n aus München auf Vorschlag des Deutschen Künstlerbundes verliehen. Der Preis besteht in der Gewährung von Wohnung und Atelier für die Dauer eines Jahres in der in Florenz gelegenen Villa Romana, sowie einem Darpreis von 2000 Mk. Aus aller Welt. Pfingskurlaub des Reichspräsidenlen. Der Herr Reichspräsident hat Donnerstagabend mit dem fahrplanmäßigen Zuge 7.34 Alpr vom Bahnhof Friedrichstraße Berlin v e r l ass e n und sich nach seinem Besitz N e u * deck, Westpreuhen, begeben, wo er über Pfingsten verweilen wird. Das Seddiner Kleinluftschiff in der Ostsee untergegangen. Trotz aller Bemühungen ist es nicht gelungen, das Drddiner Kleinluftschiff, das wegen Motorschadens auf der Ostsee niedergehen muhte, zu bergen. Das Luftschiff ist in den Wellen versunken und dürfte endgültig verloren sein, da das Wasser an der Alnfallstelle sehr tief ist. Die drei Insassen des Luftschiffes konnten von einem deutschen Dampfer gerettet werden. Tagung der mittleren Post- und Telegraphenbeamten. Der Reichsbund der mittleren Post- und Telegraphenbeamten hat in D ü s s e l d or f seinen 17./18. Bundestag abgehalten. Die Einleitung der aus allen Teilen des Reiches besuchten Tagung bildeten Vorträge über die Lage und über die Aufgaben der mittleren Beamten der Deutschen Reichspost sowie über das in Aussicht genommene Aus- aabensenkungsgesetz, an die sich eine mehrstündige Aussprache anschloß, in der die Abg. Fahrenbach, Torgler und Lucke sowie Vertreter anderer Parteien die Lage des Reichs, der Wirtschaft und des deutschen Volkes beleuchteten und den Wünschen der mittleren Beamtenschaft baldige Erfüllung wünschten. Der Bundestag faßte eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Der Bundestag gibt der Ansicht Ausdruck, daß zur Befreiung aus der derzeitigen Finanznot des Reiches alle leistungsfähigen Schichten des Volkes herangezogen werden müssen, daß aber die mittlere Beamtenschaft der Deutschen Reichspost zu diesen Schichten nickt gezählt werden könne. Bei der Suche nach Mitteln, der Finanznot des Reiches zu steuern, darf unter keinen Umständen zu Gehaltskürzungen ufro. der Beamten, ganz München, 5. Juni (TA.) Aus Anlaß der politischen Ausschreitungen der letzten Zeil hat die bayerische Regierung ein verbot von Kundgebungen in Uniformen erlassen. 3n einer amtlichen Mitteilung heißt es, das bayerische Staatsminislerinm des Innern hat mit Anordnung vom 5. Juni mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres für das ganze Land alle diejenigen Versammlungen unter freiem Himmel, insbesondere Aufzüge, Aufmärsche, Propagandamärsche und Kundgebungen verboten, an denen sich Mitglieder von politischen Vereinigungen ober von Schutzeinrichtungen oder Vereinigungen in einheitlicher Art der Kleidung (Uniformen, Bundeskleidung), beteiligen. Den Anlaß zu dieser Anordnung geben die zahlreichen Zusammen st öhe von Angehörigen verschiedener politischer Richtungen, die im Laufe der letzten Monate rote im übrigen Reiche so auch in Bayern vorgekommen sind. Diese bedauerlichen Ausschreitungen haben ihren Grund in den scharfen politischen Meinungsverschiedenheiten. Den äußeren Anstoß dazu bildet aber in der Regel der Umstand, daß die politische Gesinnung durch äußere Anzeichen zum Ausdruck gebracht wird, häufig hat schon die bloße Begegnung uniformierter Gruppen zu Zusammenstößen geführt. Auch bei den besten polizeilichen Vorbereitungen müsse damit gerechnet werden, daß Ausschreitungen erfolgen. Ls bleibt nach den gemachten Erfahrungen nichts übrig, alsdenäuherenAn- la ß zu diesen Vorkommnissen zu beseitigen. Versammlungen unter freiem Himmel, Auszüge und Kundgebungen usw. o h n e die Beteiligung von Uniformierten sind nach rote vor gestattet. München geht mit gutem Beispiel voran. Mit diesem Alniforrnverbot des bayerischen Innenministeriums ist der Versuch unternommen worden, eine Frage zu lösen, die in der Oeffentlichkeit viel erörtert worden ist. Immer wieder kam es bei den Aufmärschen und Kundgebungen besonders der radikalen Verbände zu Zusammenstößen, die zahlreiche Blutopfer gefordert haben. Es fragt sich nun, WHP. Darmstadt, 5. Juni. In der Donnerstagssitzung des Hessischen Landtags wird die Aussprache zum Polizeietat fortgesetzt. Abg. Reiber (Dem.) wünscht auch Sparsamkeit im Kleinen bei der Polizei. Der Abbau könnte um 40 Stellen verringert werden, wenn die reinen Verwaltungsstellen nicht mit Polizeibeamten oder Angestellten beseht werden. Die Altersgrenze für Majore und höhere Offiziere könnte ruhig auf 60 Jahre, bei Oberleutnanten und Hauptleuten auf 55 Jahre erhöht werden. Beim Landeskriminalamt ist die Arbeitseinteilung mit der Kriminalpolizei bei der Staatsanwaltschaft immer noch nicht durchgeführt. Ein Polizeirat ist da außerdem zu viel. Wir haben den Eindruck, daß es bei der Landespolizeischule an der praktischen Revierausbildung noch mangelt. Alm schlagkräftig zu fein, muß die Polizei so stark wie mög- l i ch gehalten werden, und der einheitliche Staatsgedanke muh vom untersten bis zum höchsten Beamten gehen. Nationalsozialisten und Kommunisten haben in der Polizei nichts verloren. Abg. Kunkel (D. V.) dankt der Regierung für das seinerzeitige Eingreifen bei den Wormser Alnruhen. Für Worms, das in einer unruhegefährdeten Gegend liege, genüge nach der Räumung das Tlebersallkommando nicht. Sämtliche Kriminalbeamte, die im Jahre 1924 die Kriminalsekretärprüfungen abgelegt haben, müssen endlich den Beamten des unbesetzten Gebietes gleichgestellt werden. Innenni Nister Leuschner stellt fest, daß angesichts der bestehenden Vereinbarungen mit der Entente den Wünschen des besetzten Gebietes nicht entsprochen werden könne. Einer weiteren Verminderung der Personenzahl oder Schwächung der maschinellen Einrichtungen der Polizei werde ich unter keinen Umständen zustimmen. 3n Preußen betragen die sachlichen Ausgaben der Polizei 25 Prozent bei 75 Prozent Personalausgaben, in Hessen 10 Prozent bei 90 Prozent Personalausgaben. Unter keinen Almständen kann daher noch mehr gespart werden, ohne die Schlagkraft zu gefährden. Die Laufbahnrichtlinien dürften bald herauskommen. Das Landeskriminalpolizeiamt hat sich vorzüglich bewährt. Die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft wird neu geregelt werden. Der Sonderdienst ist nötig, weil auf die körperliche und sportliche Ausbildung der Polizei nicht verzichtet werden kann. Aus die kriminalistische Ausbildung der Gendarmerie wird größter Wert gelegt. Die Alni - sormschneiderwerkstatte haben wir aus ganz bestimmten Erwägungen eingerichtet. Die Alniformen sind billiger, weil mit Spezialarbeitern gearbeitet wird. Jedenfalls muß es uns überlassen bleiben, im Einzelfalle aus Zweckmäßigkeitsgründen einmal eine andere Regelung, als sie das Handwerk wünscht, zu treffen. Dos Handwerk hat mit einem unserer Aufträge für Stuhllieferungen an die Polizei unerhörten Mißbrauch getrieben. Die Stühle, die die Polizei geliefert bekam, sind nicht in Hessen, nicht einmal in Deutschland hergestellt wor- besonders der völlig unzulänglich besoldeten mittleren Post- und lelegraphenbeamten, geschritten werden: Das Besoldungsgesetz von 1927 wird vor allem von den Assistenten mit ihrem Endgehalt von 2700 Mark als eine unverdiente und völlig unverständliche Alngerechtigkeit empfunden und hat in ihren Reihen wirtschaftliche Not und Verschuldung zur Folge gehabt. Der Bundestag erwartet mit aller Bestimmtheit, daß alsbald ob die übrigen LLnderregierungen bereit sein werden, den von der Regierung in München eingeschlagenen Weg zu beschreiten. Wir glauben nicht, daß die Handlungsweise der Bayern überall Sympathien auslösen wird. Es wäre jetzt an Preußen, den bayerischen Feldzug zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung wirkungsvoll zu unterstützen. In Berlin wird man aber wohl kaum große Lust verspüren, ebenfalls mit einem Dernonstrations- oder Alniforrnverbot zu arbeiten, nachdem man sich nach dem Rücktritt des Kabinetts Müller beeilt hatte, die Almzugs- sreiheit wiederherzustellen. Das Alniforrnverbot läßt sich aber nicht umgehen, wenn man ernsthaft die öffentliche Sicherheit wiederherstellen will, weil sich immer wieder ergeben hat, daß die meisten Zusammenstöße nur dann erfolgten, wenn uniformierte Gruppen sich trafen. Mag man auch über die „bayerische Ordnungszelle spotten soviel man will, der Erlaß der bayerischen Regierung hat jedenfalls gezeigt, daß sie auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück- schrickt, wenn es gilt, erträgliche Zustände im Lande zu schaffen. Blutige Kommunisteu- demonstration in Berlin. Schießerei am Friedrichshain. Berlin, 5. Juni. (CNB.) Eine von den Kommunisten einberufene „Elendedemonstra- t i o n" hat zunächst leichtere Reibereien und später etwa gegen 20 Uhr ernstere Zusammen- stöße mit der Polizei zur Folge gehabt. Die Kundgebung selbst, die um Val Uhr an der Schloßfreiheit abgehalten wurde, verlief unter geringer Beteiligung ruhig. Die ersten Reibereien erfolgten bei dem Abzug der Demonstranten, als die Polizei einen Teilnehmer des Zuges festnehmen wollte. Es entwickelte sich ein Handgemenge. Die Demonstranten versuchten die Polizeikette zu durchbrechen, was ihnen nicht gelang. Sie zogen sich daraus in den Friedrichshain zurück, wo es zu erneuten Zwischenfällen kam. Die Polizeibeamten wurden von den Demonstranten mit Steinen beworfen und mit Stöcken geschlagen. Die Beamten griffen zum Gummiknüppel und mußten, als aus einem Gebüsch plötzlich zwei Schüsse abgefeuert wurden, von der Schußwaffe Gebrauch machen. Insgesamt sind zehn Personen ins Krankenhaus eingeliefert worden, davon sind zwei durch Schüsse schwer verletzt. den, sondern in Estland und Finnland und haben nur einer Schröpfung der Staatskasse durch die betreffenden Alnternehmer gedient. Für die AI n t e r b r i n g u n g der Versorgungsanwärter werden Erleichterungen angestrebt. Selbstverständlich werde ich nicht zu- lassen, daß in der Polizei kommunistische oder nationalfoziallstifche Agitation getrieben wird. Ich werde jeden, der einen solchen Versuch macht, entfernen und ihm einen entsprechenden Denkzettel geben. Denn die Polizei soll so bleiben wie sie ist, gut und schlagfertig und allen Aufgaben gewachsen. Bei dem immer stärker hervortretenden politischen Rowdytum hat die Polizei es sehr schwer. Sie hat aber ihre Aufgabe gut gelöst und in besonders schwierigen Fällen, wie Worms und Rüsselsheim ihren Mann gestanden. Es drängt mich, der Polizeibeamtenschaft dafür meinen herzlichen Dank auszusprechen. Zu Kapitel 39 (Aerztlicher Dienst) fordert Abg. D o n a t (Dem.) Abkehr von dem System der Gemeindeapotheken. Er wünscht ferner Durchführung der demokratischen Anträge zu Kapitel 40 (Tierärztlicher Dienst) und zu Kapitel 41 (Hebammen-Lehranstalt in Mainz), die mit dem Gießener Institut bereinigt werden solle. Abg. Glaser (Landb.) wünscht Verbot der Privatpraxis der Amtsärzte und Herausnahme der Hausschlachtungen aus der beabsichtigten obligatorischen Trichinenschau. Abg. Eckler (Zentr.) wünscht Auskunft über die geplanten Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulose. Ministerialdirektor Reitz teilt mit, daß demnächst Konzessionen für zwei bis drei Apotheken erteilt werden. Die bisherige Art der Nebenbeschäftigung der Amtsärzte habe zu keinen Klagen geführt. Nebenverdienst über 1500 Mark fliehe in die Staatskasse. In der Abstimmung werden die Ausschußbeschlüsse zu Kapitel 31 (Provinzial- und Kreisverwaltung) mit der Ermächtigung zur Einleitung der Kreisreform, Kapitil 33 (Polizei und Gendarmerie) bestätigt. Abgelehnt wird die Erhöhung der Altersgrenze der Verwaltungsoffizere der Polizei, ebenso die Aufhebung der staatlichen Schneiderwerkstätte für die Bereitschaftspolizei. Kapitel 34, 37, 39 bis 41 finden Annahme. Zu Kapitel43 (Alic e°S t ist) protestiert Abg. Reiber (Dem.) dagegen, daß die Regierung entgegen dem Beschluß des Finanzausschusses die Leitung der Anstalt einem Derwaltunasbeamten und keinem Pädagogen übertragen hat. Abg. Winter (Z.) und Abg. Birnbaum (DD.) schließen sich dem Vorredner an. Innenminister Leuschner weist darauf hin, daß dort der Lehrer nur während der Schulzeit anwesend ist und es sich um eine Pflegeanstalt handelt. Die getroffene Regelung ist durchaus zweckmäßig, da die ärztliche Leitung dem Amtsarzt übertragen wurde. Zu der Frage sprechen noch die Abg. Werner (Rats.), Reiber (Dem.), Axt (VRP.), Hammann (Komm.) und Frau Heraeus (Dntl.). Innenminister Leuschner erklärt, daß in der Anstalt der Achsstundentag eingeführt sei. Beratung auf Freitag 10 Uhr vertagt. die Besoldung der Assistenten zum mindesten derjenigen der preußischen Assistenten angegli- chen wird. Maschinengewehre für den Kaiser von Abessinien? Mit einer eigentümlichen Angelegenheit beschäftigt sich im Augenblick die an der f r anzö- sisch-schweizerischen Grenze gelegene Zollstation von S t. L o u i s, die am Dienstag Der Wheielat im Hessischen Landtag angenommen ein von Basel kommendes Auto zu verzollen hatte, das als Luxuswagen verzollt: und von einer Baseler Expeditionsfirma über Antwerpen an den Kaiser von Abessinien expediert werden sollte. Als man dia Kiste öffnete, fand man Wohl ein Auto darin^ das mit einem Luxuswagen aber nur die öiett Räder gemeinsam hatte. In Wirklichkeit handelte es sich um einen schweren Lastwagen, der für die Aufmontierung von Kanonen kleinen Kalibers sowie Maschinengewehren eingerichtet ist. 3n einigen Kisten, als deren Inhalt auf der Liste Ersatzteile angegeben waren, fand man. Schnellfeuergewehre, die übrigen Kisten sollen erst im Beisein eines Angestellten der Baseler 5trma geöffnet werden. Verhinderte Zroangsvollslreckung. In Nindorf bei Lamstedt (Kreis "Nerchaus a. d. Oste) wurde durch die bäuerliche Bevölkerung die Durchführung einer Zwangsvollstreckung verhindert. Als zwei Vollstreckungsbeamte mit zwei Landjägern in einem Kraftwagen erschienen, u m Vieh und Landwirtschaftsgerät, das gepfändet worden war, abzuholen, und nach Stade zu bringen, sanden sie die Strahe vor Nindorf aufgerissen. Außerdem war ein Hindernis errichtet. Dahinter standen die Nindorfer Bauern mit Ackergerätschaften in drohender Haltung. Ein zweiter nach Nindorf führender Weg war gleichfalls gesperrt. Die Beamten konnten die Abholung daher nicht durchführen und muhten u m k e h r e n. Die Pfändungen waren seinerzeit erfolgt, weil die Nindorfer Landwirte sich ge». weigert hatten, Abgaben an einen Entw äs s e- rungsverband zu leisten, von dem sie nur Nachteile gehabt zu haben behaupteten. Wahlbeslechung. In der Gemeinde Erkenschwick bei Reckling-, Hausen war vor einigen Monaten der K o m munist Weinert zum Gemeind e Vorst eher gewählt, aber von der Aufsichtsbehörde wegen seiner zahlreichen Vorstrafen nicht bestätigt worden. Bei der einige Wochen später erfolgten Wiederholung der Wahl wurde zum allgemeinen Erstaunen der Zentrumskandidat mit elf Stimmen gewählt, trotzdem die Bürgerlichen nur über zehn Stimmen gegenüber elf Stimmen der Linken verfügten. Es stellte sich heraus, daß der kommunistische Gemeindevertreter Weinert seine Stimme verkauft und sich dafür von dem Milchhändler Pieper 1 0 0 0 Mark hatte zahlen lassen. Vor dem Recklinghäuser Erweiterten Schöffengericht wurden nun Weinert und Pieper wegen aktiver bzw. passiver Wahl- bestechung zu je drei Monaten Ge - s ä n g n i s unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren verurteilt. Nach Dekanntwerden des Airteils hat der damals gewählte Gemeindevorsteher Rektor H ö p p e, der mit der Bestechung nichts zu tun hatte, in einem Schreiben an den Landrat aus Reinlichkeitsgründen seinen Rücktritt an» gezeigt. Oie Wetterlage. 44 "5531 45 ferdten- 22 1 O Wolkenlos. 0 heiter. <> naio oedecxi 9 woixi&OoedecKL «Kegen * Sehnet & Graupein e NeDei K Grwitter.(Q)wind5tiile.«O-i sehr leichter Ost £> massiger Südsüdwest Q stürmischer «ordwest ßle Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeicen Stationen stehenden Zahlen geoen die Temperatur an. Die Linien verDmdeo Orte mit gleichen! auf rteercsmveau umgertchneten Luitdruck Wettervoraussage. Der Luftdruck ist zwar infolge der kräftigen Erwärmung allgemein etwas gefallen, jedoch bleibt die Witterung Deutschlands vorerst unter dem Einfluß hohen Druckes. Der Kern des Hochdruckgebietes hat sich etwas südöstlich verlagert. Durch die aus ihm ausfliehenden Luftmassen ist in Deutschland die trockene kontinentale Ost- luftzufuhr erhalten geblieben, was auch zunächst die Fortdauer des schönen Wetters bedingt. Wettervorhersage für Samstag: Meist heiteres, tagsüber heißes und trockenes Wetter. Witterungsaussichiten für Sonntag: Außer vorübergehender Gewitterneigung noch keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen am 5. Juni: mittags 21,7 Grad Celsius, abends 14,4 Grad: am 6. Juni: morgens 17,5 Grad. Maximum 23,8 Grad, Minimum 7,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm* Tiefe am 5. Juni: abends 25 Grad, am 6. Juni: morgens 16,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 15 Stunden. Resseroeklerdlenst. G armisch - Partenkirchen. 10 Grad, gestern warmer Tag, Südwestwind, halb bis ganz bedeckt, gestern teils heiter, teils wolkig. Baden-Baden: 15 Grad, gestern warmer Tag, Ostwind, Witterung heute morgen» heiter bis halb bedeckt, gestern meist heiter. Westerland auf Sylt: 15 Grad, gestern warmer Tag, Südwestwind, heute heiter bis halb bedeckt, Witterung seit gestern teils heiter, teils wolkiK. Aus der Provinzialhaupistadi. Gießen, den 5. Juni 1930. Hofoper. Sonntagabend. Die Sonne ist soeben unterge- gangen, und itf) öffne das Slüdjenfenfter, dos auf das Gewirr der f)öfe des Viertels geht. Und bleibe erstaunt lauschend stehen. Eine Frauenstimme, hell, hoch, geschult, klingt leidenschaftlich bewegt aus dem fo Jmr nicht künstlerischen Milieu. Wer singt so? Und wo? Nun find es zwei Sin- gende. ein Tenor ist eingefallen, und ein Orchester begleitet--ich blicke suchend nach rechts, nach links, nach unten, nach oben — und do habe ich's. Steil, unfdhjn, f)od) und eckig ragt der Kasten eines Hinterhauses auf. Und auf seines Daches Zinnen, zwischen Schornsteinen und unter einem wahren Drahtverhau von Telegraphen-, Telephon- und Radioleitungen sitzt auf Stühlen eine behagliche Familienrunde um den Lautsprecher. Sitzt da im letzten Tagesschein und loht sich aus dem Frankfurter Rundfunk eine Oper Vorspielen. Freiluft- «Heater mit Sesselplatz. Und ich genieße auf meinem Stehplatz als Zaungast (oder wie fagt man in bit- fern Falle? das neue Wort fehlt noch), was vom hohen Olymp herab beschert wird. 3d) bin nicht die Einzige. Allmählich kehren die Ausflügler dieses unwahrscheinlich schönen Sommertages heim und alles hält Ausschau nach der erstaunlichen- Hofoper, und daS Stammpublikum auf feinen Sessclplähen in luftiger Höhe ist Zielpunkt aller suchenden Blicke. Die Dämmerung fallt ein. letzte Schwalben schießen jauchzend zwischen Drähten und Schornsteinen einher, und während die Beleuchtunos- «ssekte am Himmel wechseln, bis ein vollendet bühnenmäßiger Mond über den Dächern auftaucht, ist die Dunkelheit hcreingebrochen und macht daS Stammpublikum auf seinen Scsset- plätzen zu dunsten Schatten. Don mir aus gesehen: zu Schwarzhörern. Aber daS liegt natürlich an meinem Standpunkt. Was sehr besinnlich ist. Doch man hat nicht die Zeit, über so etwas nachzudenken. Lind im übrigen ist die Oper zu Ende, das hohe HauS ist nicht vom Publikum geräumt, sondern in diesem Falle gefüllt worden, und ein Heimchen zirpt laut und schrill feine höfiche Aachtmusik als Finale. E. M. Kamilientag der Matthäusgemeinde. Familientag nennt die Matthäusgemeinde ihre jährliche sommerliche Zusammenkunft im Philosophenwold, um dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß solche Zusammenkunft etwas anderes ist, als der Gemeindcabend, der gewöhnlich im Anfang der Adventszeit von ihr veranstaltet wird. Alles ist beim Familientag familiär eingestellt. Wie eine große Familie sollen sich groß und klein am Kaffeetisch zusammenfinden bei fröhlicher Unterhaltung, bei Musik und Gesangsvortrag: das Ganze eine Familie, eine DolkSgemeinschoft, die alle bindet und vereint. DaS Charakteristische deS Familientags ist das Zusammensein mit den Kindern. Unter der Führung der Kindertirchendomen, der „Fräuleins", wie sie von den Kindern genannt werden, waren die Kleinen in langem Zug nach dem Philosophenwald gewandert. Fröhliches Spiel überall in den einzelnen zehn Gruppen! Sinnig die Mädchen im Spiel, lebhaft und temperamentvoll die Buben. Hell leuchtet die Sonne über dem Grün deS WalbeS und dem fröhlichen Spiel der Kinder: alle Sorge um daS Wetter war behoben. Die größte Freude aber ist jedesmal die Austeilung der Brezeln, die die Männer- und Frauenvereinigung den Kindern der Kinderkirche stiftet. Dann aber flinaS im Sturmschritt hinein in den Saal, wo die Eltern saßen, damit man ja noch etwa- von dem Programme deS Tages für sich ergattere. 3m Saal hatte sich eine zahlreiche Gemeinde versammelt. Diele von der Gemeinde saßen draußen, weil der Saal nicht alle faßte. Mitglieder deS DereinS für christliche Musik bildeten diesmal die Kapelle: sie boten Ausgezeichnetes. Ein Rhythmus und ein kraftvoller Wille in der Darbietung, der verriet, daß wir es hier mit ehemaligen Militärmusikern und einer guten Schulung zu tun hotten. Die Darbietung der Musikstücke fand lebhaften Beifall bei der zahlreichen Gemeinde. Die Gemeinde begrüßt« mit herzlichen Worten der zweite Dorsitzende der Männer- und Frauenpereinigung, Herr Lehrer H ö r r. Der erste Dor- sitzende, Herr Derusslehrer W e h r h e i m , sprach über .Männer und Kirche". Gr wies darauf hin, daß die Männer in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr die Fühlung mit der Kirche verloren haben, daß die materialistische Gesinnung unserer Zeit, der Athei-mus, die antitirchliche Propaganda, vor allem dos wirtschaftliche Leben die Ursachen dieser Entfremdung sind: er wies ferner darauf hin, daß unsere besten und größten Männer im Glauben gestanden und zu ihrer Kirche geholten haben, daß unser Dolk in erster Linie einer Gesundung von innen her, aus den Kräften deS Glaubens bedürfe, daß der Kampf gegen den Unglauben, die antikirchliche Propaganda, der Kampf für Erneuerung des Dolkslebcms aus den Kräften des Evangeliums, die Erfüllung der Politik mit christlichen Grundsätzen gerade besondere Aufgaben an die evangelifche Männerwelt stelle. Welch imponierendes Zeugnis katholischen DolkSwillens sind die großen Katholikenversammlungen. Aehnliche Zusammenfassung des evangelischen DolkSwillens sind geschaffen in den Verbänden der evangelischen Männervereini- ffungen; von hier aus muß Einfluß gewonnen werden auf den Oeffentlichkeitswillen unseres DolkeS. Ein solcher Verband evangelischer Männerte reim gun^ besteht auch in Hessen: bis vor kurzem war die Männer» und Frouenvereinigung der Matthäusgemeinde die einzige oberhessische Dereinigung, die dem Derbande angehörte. Der Dortcagende forderte auf zu einer zahlreichen und lebendigen Beteiligung der evangelischen Männer an dieser Aufgabe: in ganz anderer Weife als seither, stärker und lebendiger müsse man den evangelischen Willen hineintragen in die große Oefsentlichkeit. Pfarrer Mahr alS der Gemeindepfarrer sprach über „Frauen und Kirche". Wir geben nur einen kurzen Auszug, da wir hören, daß die Ansprache in dem Gemeindeblatt „Die Matthäusgemeinde" zum Abdruck kommt. Der Redner führte aus, daß Frauen und Kirche, Frauen und Frömmigkeit allezeit zusammengehört haben, daß die Welt deS Hauses die Welt der Frau sei: ein kleiner Ausschnitt wohl aus dem Leben, aber eine wunderbare und die tiefste Welt, die es gebe. Was hier die Frau durch die Welt der Familie dem Volk« schenke, sei nicht auszuschöpfen. Der größte Reichtum der Frau ist ihr Herz, ihre eigentlich« Schönheit di« Füll« der Lieb«, die sie verströmt, ihr tiefsteS Glück die leuchtenden Augen der Kinder und die dankbar« Treue ihres Mannes. DaS alles aber sei der Frau nur möglich in engster Derbindung mit den Quellen der Ewigkeit mit dem Gotteswort, daS die Kirche verkündet, in der Gemeinschaft der christlichen Gemeinde. Frau Flimm (Gießen) hatte die Sopranpartie übernommen und fang zwei Löns-Lieder mit ihrer klangvollen, wohltuenden Stimme. Frl. Anna D a r t h (Frankfurt o. M.) sang Schuberts .Du bist die Ruh'" und .Frühlingsglauben". Eine außerordentlich gut geschulte Altstimme, rein im Ansatz, lebendig und bewegt in der Dynamik. Ganz außerordentlichen Beifall fanden die Sängerinnen in den beiden Duetten: daS war ein Zu- fammenklingen von seltener Einheit und Reinheit. Der Beifall wollte nicht enden. Herr Heinz Simon (Gießen) sang Loewes .Die wandelnde, Glocke", .Der getreue Eckhard". Wir kennen' seinen sympathischen Bariton aus der Kirche: diesem Sänger begegnet man gern in unseren kirchlichen Programmen. Frau Elfriede Fischer (Gießen) begleitete auf dem Klavier mit gewohnter Meisterschaft: ihre Begleitung ist stets dezent, sich lebendig anschmiegend der Sing- ftimme. Die Spielschar der 3ugendvereim- gung brachte die erste Szene aus .Spengler- meister Dimbächer", farnoS gespielt: die Mädchen der 3ugendvercinigung tanzten Reigen und trugen Gedicht« vor. Alles in allem ein wohlgelungener Tag! -y- Dornotizen. --TageSkalender für Freitag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tonfilm „Wien, du Stadt der Lieder". — Astoria-Lichtspiele: „Der Sheriff von Arizona" und „Diolantha". — Stadttheater Gießen. Man schreibt unS: DaS Tiroler Dolksstück .Flieg, roter Adler von Tirol", mit dem am kommenden Dienstag daS Stabttheater seine Sommerspielzeit beginnt, hat durch feine starke Theaterwirksamkeit sich sehr rasch nach der Uraufführung in Bamberg einen sicheren Platz auf den Spielplänen fast aller deutscher Theater errungen. Die Gießener Ausführung leitet Peter Fas sott als Regisseur. Der Dorverkaus hat bereits begonnen. Die Aufführung ist zugleich die erste im diesjährigen Sommerabonnement. • •• Akademische Berufung. Don der Pressestelle der Landesuniversität wird mitge- teilt: der ordentliche Professor an unserer ilni- versität, Dr. Richard Laqueur, hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Universität Tübingen erhalten. *• Polizeipersonalien. Ernannt wurden die Polizeihauptwachtmeister Hilmar E i l - Hauer in Gießen und Wilhelm Heutzen- rüber zu Dad-Rouheim zu Polizeimeistem mit Wirkung vom 1. April ab. Eine Erwerbslosenkundgebung sand gestern mittag vor der Alten Bürgermeisterei in der Gartcnstraße und anschließend vor dem Stadthaus, Bergstraße, statt. Dort erschienen unter Führung der kommunistischen Stadtratsmitglieder K ä st - ner und Lepper etwa 100 Erwerbslose, die zunächst im Stadthaus, Gartcnstraße, durch eine Kam- Mission bei Bürgermeister Dr. Seid und anschließend im Stadthaus, Bergstraße, bei Oberbürgermeister Dr. .Heller die Forderung aus Gewährung einer Pfingstbeihllfe in Höhe eine, »Unterstützung für die Erwerbslosen geltend machen ließen. Das Wohlfahrtsamt zahlt zur Zeit als Wochen- unterftützuna an die Erwerbslosen den Betrag von rund 5000 Mark aus. Da die Stadtverwaltung über Mittel zur Bewilligung einer Sonderunterftützung nicht verfügt, wurde die Forderung der Kommission abgelehnt. ** Sie Hebregister für d i e Handelskammerbeiträge liegen vom 7. bis 16. 3uni zur Einsicht offen. Interessenten feien auf die heutige Bekanntmachung der Industrie- i.nb Handelskammer Gießen hingcwiefen. ** Sic Zahlung rückständiger Gel* der für elektrische Stromlieferung betrifft eine Bekanntmachung der Sirdtion des städtischen Elektrizitätswerks in unserem heutigen Anzeigenteil. Auf die Bekanntmachung fei besonders aufmerksam gemacht. •• Preußisch-Süddeutsche Klaffen« lotterte. Sic Erneuerung der Lose zur 3. Klasse muh planmäßig späte st en S bis zum 11.3 uni 18 Uhr bei Derlust deS Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme erfolgen. Sie Beachtung dieser Frist wird namentlich bei der jetzt beginnenden Reisezeit dringend empfohlen. Litt matumderOarmstädiei-WirischaflS- verbände. WER. Darmstadt, 5. 3uni. Sic 3ndustrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, die 3ndustriellen-Dereinigung, der Großhandel, Einzelhandel, Hausbesiherverein, Gewerbeverein und Handwerkervereinigung haben gegen die Verfügung des Oberbürgermeisters auf Einstellung der Unterhaltungsarbeiten, der Rechnungszahlungen, der freiwilligen Leistungen in der Wohlfahrtspflege und der Baukostenzuschüsse Stellung genommen. Ganz abgesehen davon, daß die 'Derfügung den Eindruck einer überstürzten und durch die Art ihrer Qkroffcnt- lichuna einer das Ansehen der Stadt außerordentlich schädigenden Maßnahme mache, fei ihr Zn- Halt bedenklich, weil sich der Oberbürgermeister über die Rechtsansprüche der betroffenen Kreise einfach hinweg- s e tz e. Sie genannten Körperschaften fordern, daß alle Verfügungen des Oberbürgermeisters unverzüglich zurückgenommen werden. Sollte bis Pfingsten eine entsprechend« Maßnahme der Stadt nicht erfolgt fein, fo halten sich die Körperschaften für berechtigt, daraus zu schließen, daß der Oberbürgermeister nicht gewillt ist, den berechtigten Wünschen auf Zurücknahme zu entsprechen. Für diesen Fall werden alle weiteren Schritt« Vorbehalten. Schöne weiße Zahne. „Auch ich möchte nicht verfehlen, Ihnen meine größte Anerkennung und vollste Zufriedenheit über die „Ehlorodont-Zahnpasle" zu übermitteln. 36 gebrauche „Ehlorodont^ schon seit Jahren und ich werde ob meiner schönen wcihcn Zähne oft beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglichen Gebrauch Ihrer „Ehlorodont-Zahnpaste" erreicht habe." E. Relchelt, Schwerz, Amt Niemburg, Soalkreis. — Ehlorodont: Zahnpaste 60 Pf. und 1 Mk., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mk. bei höchster Qualität. In allen Ehlorodont« Derkaussstellcn zu haben. la junges Mastfleisch Pfd. 0 90 Karl und Heinrich Schmidt Familie Bormuth 4259D Kostenlose FußberatonO! 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Oktober, evtl, früher zu verändern. 33 Jahre, vertraut mit moderner Registratur, umfangreicher Televhon-Zentrale. Rechenmaschine, Bries-, Paket- und Bahnver'and. energisch und umsichtig. Schrifil Angev. unt. 03709 an den Gießener Anzeiger. wegen Aufgabe des Möbelgeschäftes und der Fabrikation Gießen (Buchnerstraße 1), Bad-Nauheim, Rainrod, Liederbach. Romrod, Offenbach, den 5. Juni 1930. Die Beerdigung findet Samstag, den 7. Juni, vormittags 11 Uhr. von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. — Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. kompl. Zimmer, Einzelmöbel, Kleinmöbel Bezugs- und Dekorationsstoffe zu Danksagung. Für alle Teilnahme während der Krankheit und bei dem Heimgang der Frau Marie Hampel, geb. Stützei Witwe des Obereichmeisters August Hampel danken herzlich Margarete Braun, geb. Stütze! Johannes Stützei Lina Bell. geb. Hampel. Nieder-Bessingen, Karlsruhe. Gießen, 6. Juni 1930. ________________________________________________ 03695 l.PflUBSlfeiertag 11 Uhr Peter Gaub 2. Pfingstleiertag FrühgangmilTurn» Berein 1846 nach Annerod. 8 Uhr LudwigSvlatz. [427SD eine sog. Ilanbetomni 98 toitb Ael erreich dah die 3t tatsächlich ( ton. Unb < auch einm Dirklichlei Parlamen Emsck Meine Verlobung mit Fräulein Annelise Cramer Tochter des verstorbenen HerrnReichs- bahnoberrats Robert Cramer und seiner Frau Gemahlin Else, geb. Schweisgut, gebe ich bekannt Hermann F. Schirmer Gießen, im Juni 1930 Marburger Straße 15 Dom 6i lanös toet gebeten, ir ..Die 2tei- Ich aus, J. GLUCKERT MÖBELFABRIK DARMSTADT Bleichstraße 29—31 zu verkaufen. 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Unter dem Titel, den er einer Streilschrift des IacobuS Balde 6.3. ouS dem Jahre 1653 entlehnte: .Die trockene Trunkenheit"'). RuS einer Fülle wissenschaftlichen Materials entstand hier die erste Geschichte des Tabakschmauchens, das erste Raucher-Buch. Welcher Raucher - und wer ist es heute nicht? - wollte vera.- säumen, sich dieses wistcnschaftliche und kuriose Werk in die Rähe seines ZigarrenschrankS zu legen, um sich gelegentlich über die Geschichte seiner Leidenschaft zu unterrichten? Wer weih, dah das Rauchen ursprünglich eine Kulthandlung der Mayavölker war, die stch nach einer gewaltigen Katastrophe, die über ihr Reich kam. nach Rorden und Süden wandten und so in Amerika überall die Rauchsttten verbreiteten? Raturgemäh fand KolumbuS rauchende Indios vor, aber es ist nicht bekannt, ob die Sitte auf ihn oder seine Leute besonderen Eindruck gemacht hatte. Die erste Schilderung gibt Oviedo in seiner westindischen Geschichte (1526): ihm ist das Rauchen ein Laster, .ein sehr schädliches, das darin besteht, eine Art Rauch zwecks Betäubung in stch aufzunehmen, den ste Tabaeco nennen .... die Kaziken nahmen hierzu ein gegabeltes Rohr in Form eines V, gaben die beiden Gabelenden in die Rasenlöcher und das Rohr in ein angezündetes Kraut Ein merkwürdiges Dokument, denn hier taucht wohl die Bezeichnung Tabak zum ersten Male in Europa auf. Seine eigentliche Herkunft ist nicht beweisbar, hängt aber wohl mit der Provinz Tabasco in Mexiko zu- sammen. Oviedo brachte auch 1519 den ersten Tabaksamen nach Europa, in derMitte des 16.Jahrhunderts kam er auf verschiedenen Wegen nach Spanien, Portu- gal und Frankreich. Sie schön blühende Tabakspflanze wurde alsbald in den europäischen Ziergärten gezogen. Immer schon schrieb man Dem Tabak eine beOie (Sammlung der Mitte. DaS Scheitern der Derhandlungen um die Sammlung der bürgerlichen Mitte hat erneut die Frage über daS deutsche Bürgertum der Gegenwart ausgerollt. Dabei wird nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, daß daS Scheitern dieser Bemühungen das beste Symptom für die Zersplitterung im bürgerlichen Lager sei. Run muh mam sich einmal fragen, woher das kommt. Das hat seine mannigfachen Gründe. Zuerst ist das Bürgertum keine Idee, wie z. D. der Marxismus, der große Menschenmassen zu- sammenfaht und in eine einheitliche Zielrichtung zwingt. DaS Bürgertum ist heute überhaupt nicht mehr der Begriff, wie er etwa noch inj vergangenen Jahrhundert existierte. Bürger sind wir schließlich alle. Was als Bürgertum bei der gegenwärtigen Bewegung verstanden werden wollte, daS war jene politische Schicht, die man im Gruyde genommen als Liberalismus begreifen könnte. Sie trennt sich von den Ideologien des Marxismus, sie trennt sich vom Konservatismus der Hugenbergianer und sie trennte sich nach den Scholzfchen Plänen auch von dem KlerikaliSmuS deS Zentrums. Unb damit erwuchsen der neuen Bewegung die großen Schwierigkeiten, die sie am Ende xum Scheitern verurteilten. Entweder mußte man bei den letzten Bemühungen das Zentrum mit einschließen, um damit die breite Wittelsront herzustellen, oder aber, man hatte von Anfang an die liberale These in den Vordergrund setzen müssen und damit nur die Wirtschaftspakte! und die Demokraten erfassen können. Man sieht also, daß daS Wort „bürgerlich" an sich nicht recht am Platze ist. Man sieht, daß hier in der Bezeichnung schon der Fehler lag, der, da er ein Widerspruch in sich war, ein Gelingen der fraglos wertvollen Bemühungen vereitelte. Diejenigen Kräfte, die bei der ganzen Aktion den Ausschlag gaben, wollen auch jetjt noch in ihren Bemühungen fortsahren. Unb babei ist es interessant, daß man nach ber ersten Rieberlage sofort zu einer anberen Taktik überging. Man will diesmal außerhalb der Parteibureaukratie vorgehen. Unb das wird fraglos den Stimmungen entsprechen, die heute im innerpolitischen deutschen Leben akut sind. Denn überall ist der Wunsch vorherrschend, eine Sammlung der Mitte zu schaffen, um damit endlich einmal der Zersplitterung im sog. bürgerlichen Lager ein Ende au machen. Die Kräfte müssen neutral sein, auf Denen die neue Bewegung ruhen soll. Da sie es bei ber letzten Aktion nicht waren. sondern im Gegenteil von ber Partei selbst ausgingen, war eS von vornherein klar, baß hier allenfalls eine lose Arbeitsgemeinschaft geschaffen werden konnte, aber niemals ein wirklicher Mitlelblock, der im deutschen Volke bodenständig gewesen wäre. Die Parteien vertreten Parteiinteressen, llnb da eS im Leben Aahllose Interessen gibt, bie besonbers in Deutschlanb kultiviert werben, so mußte sich unser Parlamentarismus von Anfang an zersplittern. Auch biefe Interessen müssen bei leite gesetzt werben. Die parlamentarische bürgerliche Ibee muß auS bern Volke selbst erwachsen, wenn eine sog. bürgerliche Sammlung tatsächlich zu- ftanbefommen soll. Es wirb noch manche Zeit vergehen, biS bieses Ziel erreicht ist. Trotzdem muß man seststellen, daß die Idee der bürgerlichen Sammlung heute tatsächlich existiert. Sie ist nicht mehr ein Phantom. Unb aus b.esem Grün e wird es ohne F.age auch einmal gelingen, biete Gedanken in bie Wirklichkeit umzusetzen unb bamit dem deutschen Parlamentarismus eine seste Grunblage zu geben. Einschränkung des Beamtentums be d r Re.chsbahn Dom EinheitSverbanb ber Eisenbahner Deutschlands werden wir um Aufnahme eines Artikels gebeten^ in dem eS u. a. heißt: Die Reichsbahndirektion Magdeburg hat von sich aus, wohl m unterstützender Weise ihrer vorgesetzten Verwaltung, öffentlich tn ber Tagespreise bie .Reuregelung beS Anstellungswesen- für die ilntcrbeamten“ zur Diskussion gestellt. Die amtlichen Mitteilungen enthalten Rachrichten, nach benen .Maßnahmen vorgesehen sind, bie auf bi e Sicherung einer f rü h- zeitigen Anstellung als Beamte ab- zielen". Als Unlerbeamte bei ber Reichsbahn sind diejenigen Beamten zu betrachten, bie in den Besoldungsgruppen 9—IZa eingeftuft sind unb durchweg auS dem Lohnarbeiterverhältnis stammen. Rach einem Erlaß vom 12. Dezember 1921 sind Grundsätze für den Uebertritt von Arbeitern hx bie Beamtenlaufbahnen aufgestellt. Voraussetzung für die liebem ahme in daS Deamten- verhältnis sind körperliche Tauglichkeit, Eignung für die Verwendung im De amtendienst, die teilweise neben anderen Prüfungen, durch die psycho- technische SignungSuntersuchung feftgeftellt wird, ferner eine Bewerbung, die erst nach zweijähriger Eisenbahndienstzeit erfolgen kann und bevor eine bestimmte HöchstlebenSgrenze erreicht ist, die beispielsweise bei den Betriebsassistenten 24 Jahre, bei Weichenwärtern, Stellwerksbeamten und Zugbegleitpersonal 28 Jahre beträgt. Diejenigen, bie alle Bedingungen erfüllt haben, werden durch Aktenbescheid der Reichsbahndirektion in bestimmte Anwärterlisten eingcrci^t und, wenn sie dauernd und überwiegend an jedem Tage den Dienst eines Beamten verrichten, als Hilfsbeamte geführt, ist ihnen die endgültige Anstellung als Beamte nach dem bestehenden Bedürfnis zugesichert. Das Bedürfnis, Beamte zu beschäftigen, richtet sich nach den Dienstposten und Stellen, deren Tätigkeit für Beamte vorgesehen ist. Die Frage, wo zweckmähigerweise Beamte statt Arbeiter zu beschäftigen sind, hat die Eisenbahnverwaltung auf Grund dienstlicher Erfahrungen und unter Würdigung vielfältiger Heberlegungen genau bestimmt, ohne den Rat deS Personals ernstlich zu beachten. Aber von Jahr zu Die Elaldebatte im Die Etatsdebatte im Gießener Kreistag. Bei der VoranschlagSdebatte im Gießener Kreistag, über dessen De- schlüsfe wir am Dienstag schon berichteten, handelte eS sich zunächst um die von der Kreisver- waltung beantragte Schaffung der Siel e e»nee KreiSkechnunqSr v sors Abg. Klein, Klein-Linden (Landbd.) nahm ?legen diesen Antrag der Kreisverwaltung Stel- ung und betonte, daß diese Stelle unnötig sei, wenn die gesetzlich vorgeschriebenen Revisionen vorgenommen würden. Dazu müßten die Beamten der Kreisverwaltung genügen, im übrigen müsse bei den in Betracht kommenden Personen mehr Furcht vor der Strafe Platz greifen. Die KrciSverwaltung müife mehr als früher von ihrem Revisionsrecht Gebrauch machen. Abg. Beckmann, Gießen (Soz), wie- daraufhin, daß der Ausgabe von 7000 Mk. für den beantragten Posten Einnahmen in Höhe von 4500 Mk. gegenüberständen. Er glaube, daß durch die Wirksamkeit eines solchen Revisors vorsorgend zum Schutze der ösfentllchen Gelder gearbeitet werde. Für eine solche vorbeugend wirkende Kontrolle sei eine Ausgabe von 2500 Mk, nicht zu hoch. Oberregierungsrat Ritzel als Vertreter der Krcisverwaltung erklärte, die neue Kreisleistung für diese Stelle beziffere sich nicht, wie Abg. Beckmann gesagt habe, auf 2500 Mk., sondern auf 1000 Mk., da 1500 Mk. bisher schon im Voranschlag für Kassenkontrolle eingestellt waren. Wer öffentliche Geldgeschäfte verwalte, müsse dauernd kontrolliert werden. Der Redner erinnerte an den Fall Kautz, der sicherlich unmöglich gewesen fei, wenn man damals schon sondere desinstzierende und seinen Blättern eine sehr heiftame Wirkung zu, eine Frage, über die sich die Gelehrten auch heute noch nicht einig sind. Da befand sich 1559 ein gewisser Jean Ricot aus Rimes als ftanzösischer Gesandter am portugiesischen Hofe: er empfahl die rätselhafte Pstanze der Wissenschaft, und al- er einen wissenschaftlichen Dictionnaire verfaßte, trat er für sie leidenschaftlich ein, so dah sie fortan den wissenschaftlichen Ramen Ricotiane erhielt und auch das Ricotin, daS erst im 19. Jahrhundert alS daS TabakSgift entdeckt wurde, erhielt feinen Ramen von dem Gesandten Jean Ricot, der somit in die Kulturgeschichte Der Welt eingegangen ist, ein so unfähiger Politiker er auch gewesen sein mag. In Shakespeares Werten findet sich vom Rauchen keine Spur: aber sein Zeitgenosse Sir Walter Ra- leigh, der Grober r Virginiens, war dem neuen Laster schon leidenschaftlich ergeben: als sein Gärtner einst leinen Herrn rauchend fand, stürzte et davon, um mit einem Kübel Wasser wiederzukommen, mit dem er seinen .brennenden" Gebieter begoß. Schon rauchten auch die Kapitäne und Matrosen auf öffentlichen Straßen: daS Volk scharte sich um sie und starrte sie an. Wie heute die Riggertänze, wurde damals die Sitte der IndioS fashionable, die Tabagieen entstanden, die nach Art Der Wirtshäuser eingerichteten Rauchhäuser, und der elegante junge Mann betrachtete eS als einen besonderen Vorzug, rauchen zu können. .Tabak trinken" nannte man's damals: .Sauferei des Rebels" sagte man in Holland. .Wüste Menschen". erzählt ein Bericht aus dem Jahre 1627, .pflegen den Rauch von einer Pflanze, die sie Ricotiana oder Tabak nennen, mit unglaublicher Begierde und unauslöschlichem Eifer zu trinken unb einzuschlurfen." Gegen diele unauslöschliche Begehrlichkeit halfen weder die staatlichen Verordnungen noch die Erlässe der Päpste: der .neue Unfug" mochte bei der Methode des Tabakanzündens durch Feuerstein, Schwamm und glühende Kohle noch so verheerende Brände zur Folge haben - wenigstens schob man die großen Feuersbrünste immer aufs Raucherkonto - die Menschheit ließ sich nicht abhalten, ihre Pfeife zu rauchen. Rervnisch trieb es der Sultan Murad IV. in Konstantinopel, wo Hinrichtungen, Folterung und Auspeitschung die Tabakanhänger bedrohten: auch die Geschichte des Rauchens hat ihre namenlosen Märtyrer. Wenn sich endlich Die Staaten, Obrigkeiten und Regierungen Dem neuen Gift ergaben, warum geschah es? Man konnte seinen Genutz mit Steuern belegen, und 1627 hatte ein Mantueser Herzog den genialen Einfall, gegen eine jährliche Summe von 16900 Lire den Verkauf von Branntwein und Tabak an einen gewissen Tugnoni zu vergeben: hier liegen die Quellen alles Monopolwesens, das für die Staaten von Jahr hat die Reichsbahn ihren Bedarf an Beamten reduziert: im Jahre 1927 waren im Bezirk Magdeburg vorgesehen in den DesolbunaSgruppen 9—17a 8859 Beamte, in jedem Jahre eine ruckweise Ermäßigung, jetzt. 1930, sind noch vorgesehen 8197 "Beamte. Tatsächlich sind vorhanden 9161 planmäßige De- amte und 3121 Hilfsbeamte, die im Wechsel mit den Beamten gleichen Dienst leisten. Außerdem benötigt die Reichsbahn im Bezirk Magdeburg eine große Zahl Aushilfsbeamtendiensttuer. Dadurch, daß der Stellenbedarf willkürlich gesenkt wurde, durfte in den meifben Beamtengruppen nur jede zweite oder dritte freiwerdende Stelle wieder besetzt werden, daS ist die Ursache, daß natürlicherweise die für Lohnarbeit zur Verfügung stehenden HllsSbeamten an Oe» oensjähren älter werden mußten. Wenn die Reichsbahndirektion jetzt erklärt, fte wolle die Hilfsbeamten zukünftig in jüngeren Jahren in das Beamt en Verhältnis überführen, so ist das ein Verstoß gegen Treu und Glauben. Sie hat Arbeiter in jungen Jahren animiert, zur Bahn au kommen tn der Erwartung, hier bei Fleiß, Willigkeit und Eignung in späteren Lebensjahren eine gesicherte Existenz zu erhalten. Sie hat die Arbeiter zu Bewerbungen aufgefordert, sie hat die Arbeiter geprüft, sie hat sie in Bewerber- und Anwärterlisten eingetragen, und in jedem die Hoffnung genährt, dah er eine feste Anstellung erhalten würde. Jetzt, nachdem durch die Stellenprogrammpolitik der Reichsbahn die seit vielen Jahren auf Deamtenposten beschäftigten Hilfsbeamten Dienst geleistet haben, sollen sie abgeschoben werden. Der Beamtenausschuß des Einheitsverbandes der Gifenbahner hat nach sachlicher Prüfung dieser Maßnahmen feftge» stellt, .daß es sich hier um einen schwerwiegenden Anschlag auf den Bestand des Deamten- verhältnisses in den unteren und mittleren Gruppen handelt, indem eine ganze Generation von Beamtenanwärtern in Lohnverhältnis einfach beseitigt werden". Gießener Kreistag. eine Kontrolle in der jetzt hier vorgeschlagenen Form gehabt habe. Die Revisionen durch die Oberrechnungskammer könnten eine solche laufende und unvermutete Kontrolle nicht ersetzen. Durch die Tätigkeit eines Kreisrechnungsrevisors hoffe man auch zu einer beschleunigten Rechnungslegung und einer einwandfreien Kassen» und Geschäftsführung in allen Gemeinden au kommen. Wenn der Posten vom Kreistag ab» gelehnt werde, müsse die Kreisverwaltung dem Kreistag die Verantwortung bei etwaigen unliebsamen Vorkommnissen überlassen, sie habe rechtzeitig auf wirksame Vorbeugungsmaßnahmen aufmerksam gemacht. Abg. Schmidt» Gießen (Wirtsch. Vgg.) bemerkte, in dem Antrag der Kreisverwaltung liege zweifellos etwas gutes, aber in Anbetracht der ganzen Wirtschaftslage müsse der Kreistag sich die Schaffung dieser Stelle versagen. Die finanzielle Verpflichtung des Kreises werde durch diese neue Stelle vergrößert, da der Kontrollbeamte doch das ganze vorgesehene Arbeits- Programm nicht allein bewältigen könne und mindestens doch eine Hilfskraft notwendig fein werde. Er (Redner) gebe zu bedenken, ob der Kreistag in der Lage sei, in Anbetracht der gegenwärtigen Wirtschaftslage diesem Anträge zuzustimmen. Es sei die Pflicht der Kreisbehörde, in der erforderlichen Weise durch die vorhandenen Kreisbeamten nach dem rechten sehen zu lassen. Er fei gegen den Antrag. Oberregierungesrat Ritzel betonte, selbstverständlich werde die Kreisverwaltung ihrer Auf- sichts- und Revisionspflicht in der erforderlichen Weise nachkommen, aber durch einen speziellen Revisionsbeamten könne die Kontrolle noch wirksamer als bisher durchgeführt werden. fo großer Bedeutung werden sollte. .Toback, des Sol- baten gewöhnliches Konfest", nennt Abraham a Santa Clara das neue Gift, denn die rauchenden Landsknechte des Dreißigjährigen Krieges waren feine toirlfamen Propagandisten. Unb eine Seuche war es, feltfam genug, die den SiegeSzug deS Rauchens unterstützen sollte: die Pest. Denn noch immer erhielt sich der Glaube an die heilsamen Kräfte der Pflanze. Am Anfang deS 18. Jahrhunderts hatte die Welt vor dem Tabak kapituliert. An das Tabaks» lollegium Friedrichs L, bei dem sich auch die Königin die lange Tonpfeife an einem FidibuS entzündete, fei nur vorübergehend gedacht. Ja, die Pfeife war bisher die Herrin gewesen, gegen Ende des 18. Jahrhunderts aber kam die Zigarre auf, und das napoleonische Zeitalter stand unter ihrem Zeichen. Im Brockhausschen Lexikon von 1809 ist die Zigarre noch als eine kuriose Reuheit beschrieben: .... es sind dies Blätter, welche man zu fingerdicken, hohlen Zylindern zusammenrollt und die dann, an dem einen Ende angezündet, mit dem anderen in den Mund gesteckt und so geraucht werden. Diese Art.... fängt an, auch in unseren Gegenden sehr gemein zu werden ....•) ** Immerhin wurde daS Rauchen im Freien noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als demonstrative Auflehnung gegen die Staatsgewalt betrachtet, jeder öffentliche Raucher war als Demokrat verdächtig. Als diese das Hambacher Fest veranstalteten (1832), befand sich unter den Teilnehmern bet Chemiestubent I. F. Kammerer aus Ludwigsburg, der Dafür ein halbes Jahr Festung erhielt: während seiner Haft erfand er ein Hölzchen, das stch durch Reibung ent- zündete: das Zündhölzchen, das schon einige biS ins Jahr 1680 zurückgehende Vorgänger gehabt hatte, war geschaffen. Man weiß, dah die Berliner Märztage des Jahres 48 durch eine Rede des Fürsten Lichnowskh beendet wurden, der, eigenmächtig genug, dem Volke das Rauchen - .ooch im Tiergarten" - erlaubte. Bezeichnend genug, dah in einem solchen kritischen Augenblick das Volk diese Forderung stellte. In Österreich wurde 1865 die erste wirkliche Zigarette, die sogenannte ordinäre Doppel- z i g a r e 11 e von der Tabakregie erzeugt: sie trug an beiden Seiten ein Mundstück und muhte vor dem Gebrauch in der Mitte gebrochen werden. Das ist eine kleine Ausbeute aus dem ungeheuren kulturgeschichtlichen Material, das dieses Buch enthält. Es bringt noch mehr: eine lyrische Tabaksanthologie, einen sehr originellen Dildallas zur Geschichte des Rauchens und eine Bibliographie, auS der man die gewaltige Arbeit ermessen kann, die in diesem einzigartigen Werke steckt. Auch die Geschichte des KaffeeS ist an merkwürdigen Momenten reich. Der Verfasser der .Trockenen Trunkenheit" sollte sie erzählen. Abg. DommerSheim - Langsdorf (Ldbd.) erklärte nod) einmal die Ablehnung deS Antrages durch den Landbund. Er bczweisele auch, ob die Einnahmen für diese Stelle in der erwarteten Weise kommen würden. Im übrigen würden durch diese Einnahmen auS Revisionen in den Gemeinden diese neu belastet. Zum Schluß wieS der Redner daraus hin, daß jetzt schon durch die RamenSunterschrift zweier KreiSkasse- beamten eine weitgehende Sicherungsmaßnahme geschaffen sei. OberregierungSrat Ritzel machte hieraus die schon am Dienstag berichtete Mitteilung übet die Einstellung des staatsanwaltschastlichen ®r- mittelungsverfahren- in der Sache Kautz und erwiderte sodann dem Abg. DommerSbeim, daß die Belastung der Gemeinden durch Die Revi- sionStätiakeit des beantragten Rechnungsrevisors nicht höher sein werde, als bisher durch die Visitationen, der OberrechnungSkammer, die künftig von dem Rechnungsrevisor au-geübt werden sollten. Die Kosten würden eher geringer werden und keinesfalls eine Reuausgabe bringen. Abg. Dr. Katz- Gießen (Dem.) bemerkte, eS gebe keine wirksame Kontrolle, wenn ein Beamter eben unterschlagen wolle. Auch die von ber Kreisverwaltung jetzt vorgeschlagene Ein- richtung sei nicht geeignet, Unterschlagungen auS der Welt zu schassen Er bitte von der Anstellung eines solchen Beamten abzusehen und die Kontrolle durch die Beamten der Kreisverwaltung durchzuführen Abg. Benner-Wieseck (Soz.) erinnerte Daran, dah der vorige Kreistag im verflossenent Jahre einmütig empört war über den Fall Kautz und damals geschlossen Mittel und Wege gefordert habe, um Derartigen Dingen künftig gründlichst vorzubeugen. Die Tatsache, daß die Oberrechnungskammer nur alle Drei Jahve prüfe, sei keine Garantie gegen die Wiederholung von Unterschlagungen. Der Kreistag solle doch im Hinblick auf die trüben Erfahrungen der hier vor geschlagenen Kontrolle zustimmen, Da sie wirksam erscheine und in Der finanziellen Auswirkung für Den Kreis nicht allzuschwer fei. Abg. Schudt - Gießen (Deutsche Dp.) erklärte, wenn er sich gegen diese Stelle ausspreche, so bleibe er nur konsequent. Als im vorigen Kreistag allgemein Der Schrei nach Dem Kontrolleur ertönte, sei er (Redner) auch damals schon gegen eine solche neue Stelle gewesen, und die damaligen Gesichtspunkte seien für ihn auch heute noch maßgebend. Die jetzigen KreisverwaltungS- organe hätten natürlich auch Die Kontrolle vorzunehmen. Man könne bei Der Ablehnung diese- Postens nicht einfach Dem Kreistag Die Verantwortung auf erlegen. OberregierungSrat Ritzel betonte, eS sei von Der Kreisverwaltung nicht Daran gedacht. Dem Revisor eine neue Hilfskraft beizugeben, sondern er soll eine solche Hilfe aus dem jetzt schon vorhandenen Personal deS Kreisamts erhalten. Daneben solle auch die Revisionstätigkeit der Kreis- und Staatsbeamten bestehen bleiben. Abg. Schief er st ein-Lich (Landbd.) bemerkte, im vorigen Kreistag fei er für strengste RevisionStütigkeit eingetreten. Er hoffe jetzt, dah eS dem großen Organisationsgeschick des neuen OberregierungSrats Ritzel gelingen werde, diese scharfe Revision Durchzuführen auch ohne einen neuen Beamten. Abg. Fenchel- Oberhörgern (LanDbD.) bestätigte, daß im vorigen Kreistag allgemein eine schärfere Kontrolle bedangt worben fei. Es fei jedoch festzustellen, dah vor dem Bekanntwerden des Falles Kauh überhaupt keine Revisionen der KreiSverwaltung bei dem Kreiskasserechner stattgefunden hätten. Er bedauere, Daß auch die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittelungen in Der Sache Kauß bisher keinen Erfolg hatte und nun das Verfahren einstelle. Um so jneljr sei eS nun Pflicht der Vertreter Des Kreises, nachzuprüfen, ob und inwieweit Diejenigen, Die eS früher an Der erforderlichen Kontrolle hätten fehlen lassen, zur Schadensdeckung herangezogeir werden könnten. Der Landbund werde beim Napoleonische Lleberbleibsel. 3n Livorno hat Dieser Tage eine merkwürdige Versteigerung stattgefunden. Veranstaltet wurde sie vom Kämmerer der genannten Stadt, und ihr Objekt waren vier Kisten, enthaltend insgesamt 800 Pfund — Gewürznelken. Ist eS schon an und für sich eigenartig, wenn die Verwaltung einer Stabt „auf diesem nicht mehr ganz ungebräuchlichen Wege" ein so großes Quantum ausgerechnet dieser Speisezutat losschlägt, so gewinnt die ganze Angelegenheit durch die geschichtlichen Umstände, die sich an sie knüpfen, einen ganz besonderen Reiz. In der Tat bedeutet diese Versteigerung nicht mehr und nicht weniger als Die letzte LiquiDation eines napoleonischen Machtspruches. Infolge ber unzähligen Kriegsbeschlagnahmen englischer „Schwarzware" hatte der Schah Bonaparte- auch über 900 000 Pfund Gewürznelken -u verfügen, die der Amortisationskasse in Verwahrung gegeben waren. Was sollte mit diesem ungeheuren Vorrat geschehen? Der Kaiser, der sich um alle- persönlich kümmerte, befahl Darauf eineS Tages, dah eine Reihe ihm botmäßiger Städte, ditz er in drei Klassen einteilte, diese Gewürze gegen bar kaufen sollten. In der ersten Klasse, der je 40 000 Pfund zugedacht waren, figurierten Madrid, Antwerpen, Daris. Trieft, Danzig, Reapel und Hamburg. Dre Städte Der zweiten Klasse: Ranies, Bordeaux, Marseille, Genua, Dayenne, Livorno, Venedig. Lübeck, Ancona unb Ragusa erhielten je 20 000 Pfund. Je 9000 Pfund waren Toulouse, Montpellier, Rom, Mailand, Turin, £h)on, Straßburg, Pam» pelona, Dittoria, Augsburg, Frankfurt, Leipzig, Warschau und Krakau zugedacht. Allerdings wurde diese sonderbare Idee Bonapartes nur zum Teil ausgeführt: nur einige italienische Städte, Darunter Livorno, sowie Paris und Bordeaux mußten ihr Quantum Gewürznelken abnehmen. In Livorno war davon bis heute noch ein Rest von 800 Pfund übriggeblieben. Anfang dieses Jahres untersuchte ein Sachverständiger Den Inhalt der in einem Do» denwinkel des Rathauses verstaubten Kisten und fand ihn noch durchaus brauchbar. Aber die Versteigerung blieb ein Hieb in die Luft: zum Dersteigerungstermin erschien überhaupt kein Dieter! Unb so beschloß der Stadtrat, die napoleonischen Lleberbleibsel den flammen zu übergeben. So ist auch die letzte gewissermaßen „lebende" ReminifAenz an Bonapartes „gepfefferte" Regierungsmnst zu Asche geworden. Krelsausschuh den Antrag stellen. Latz nach Lieser Richtung ein weiteres Verfahren eingeleitet werden müsse. Es müsse festgestellt werden, wer gefehlt und seine Pflicht nicht erfüllt habe und für den Schaden des Kreises verantwortlich zu machen sei. Damit war die Aussprache über diesen Punkt der Tagesordnung beendet. Die Stelle eines Rechnungsrevisors wurde, wie bereits berichtet, mit Mehrheit abgelehnt. Llm die poriotosten. Bei dem Kapitel „Allgemeine Verwaltung" wandte sich Abg. S ch u d t, Gietzen (Deutsche Vp.). gegen die nut höheren Beträgen angesetzten Porto- und ^Lelegrammkosten und beantragte Zurückführung dieses Betrages auf den vorjährigen Stand. Oberregicrungsrat Ritzel widersprach diesem Anträge und betonte, daß das KreiSamt aus Ersparnisgründen jetzt nur zweimal wöchentlich Post abfchicke, bei der Annahme deS Antrages Schudt die Postabfertigung aber nur einmal wöchentlich möglich sein werde. Dadurch würden die Geschäfte sehr gehindert. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Schudt mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Oer Baukontrotteui-. Zu dieser Position bemerkte Oberregierungsrat Ritzel, der Minister für Arbeit und Wirtschaft bestehe daraus, daß dem Gesetz genügt werde durch die umgehende Anstellung von Baukon- trolteuren. Zwecks Kostenersparnis habe der Minister anheimgestellt, daß mehrere Kreise und Städte einen Baukontrolleur gemeinsam anstellen. Die Kreisverwaltung habe den Anordnungen des Ministers natürlich Rechnung zu tragen und deshalb die Mittel von 2000 Mk. im Voranschlag vorgesehen. Wenn der Kreistag den Betrag streiche, werde der Minister den Posten aus dem Wege der Zwangsetatisierung vorsehen. Abg. Klein, Klein-Linden (Landbd.) wandte sich gegen den Posten, der gerade jetzt, in der Zeit des Darniederliegens des Baugewerbes, überflüssig sei. Er- beantragte, wie in den Vorjahren auch jetzt die Mittel zu streichen und die Baulcntrolle durch die Polizei und Gendarmerie vornehmen zu lassen. Ein Antrag Klein wurde daraufhin mit 17 Stimmen angenommen und damit die Position gestrichen. B.lebmg ter Bautätigkeit. Oberregierungsrat Ritzel bemerkte bei der Beratung über die freiwilligen Leistungen des Kreises, dah die Kreisverwaltung 100 000 Mk. zur Belebung der Bautätigkeit zwecks Hebung des Wirtschaftslebens im Kreise Gietzen eingestellt habe. Der Kreis Gietzen sei bei der Bemessung der staatlichen Daudarlehen gegenüber anderen Kreisen viel zu gering berücksichtigt. 3m Kreise seien etwa 100 Bauten wegen Geldmangels im Rohbau steckengeblieben. Die vorgesehenen Anleihemittel sollten auch mit zur Fertigstellung dieser Bauten verwandt werden. Abg. Schudt-Gietzen (Deutsche Volksp.) sprach zugleich auch im Ramen des Landbundes und der übrigen bürgerlichen Gruppen seine Zustimmung zu diesem Anträge der Kreisverwaltung aus, der durchaus zu begrüßen sei. • Sodann beantragte er die Einsetzung einer Kommission, die neben dem Kreisausschuh bei der Vergebung der Baudarlehen aus diesen An- - leihemitteln mitwirken solle. Um die Einsetzung einer solchen Kommission entspann sich eine längere Aussprache, in der sich die Abg. Be n n e r - Wieseck (Doz.), Homberg e r - Gießen (Soz.) und Deckmann -Gießen (Soz.) dahin aussprachen, daß die Kommission unnötig und gesetzlich unzulässig sei, während Oberregierungsrat Ritzel gegen eine beratende Kommission an sich nichts einzuwenden hatte und Abg. Schudt seinen Antrag wiederholt verteidigte. Schließlich wurde gemäß dem Antrag Schudt — wie bereits berichtet — die Einsetzung der Kommission beschlossen. Weiter wurde die ebenfalls schon mitgeteilte Protest-Entschließung an die Regierung über die Bemessung der staatlichen Baudarlehen angenommen, nachdem in der Aussprache die Abg. Be nn e r - Wieseck (Soz.) und Fenchel-Oberhörgern (Landbd.) sich für diese Erklärung ausgesprochen hatten. Volkshochschule G cßen. Die Kreisverwaltung beantragte, den Zuschutz an die Volkshochschule Gießen in Anbetracht chrer sördernswerten Arbeit von 100 auf 500 Mk. jährlich zu erhöhen. Oberregierungsrat Ritzel befürwortete den Antrag. Abg. Huber, Grotzen-Buseck (Landbd.) widersprach diesem Anträge namens des Landbundes und beantragte, eine erhöhte Zuschußleistung an die Volkshochschule abzulehnen. 3n Grohen-Buseck habe sich die Volkshochschule durch ihre Arbeit alle Sympathien verscherzt. Wenn sie weiter so arbeite wie bisher, könne man sie nicht unterstützen. Abg. Schudt, Gietzen (D. Vp.), stellte der Gießener Volkshochschule für ihre bisherige Arbeit ein gutes Zeugnis aus. Wenn sie ihre Arbeit dem Aufgabengebiet widme, für das sie da sei, verdiene sie die Unterstützung des Kreistages. Zu fordern fei allerdings, daß — bis auf wenige Ausnahmen — die Vortragstätigkeit und Mitarbeit der Helfer der Volkshochschule unentgeltlich geleistet werde. Bei dieser Ausgabenbeschränkung werde cs auch der Volkshochschule besser gehen. Er sei für die Annahme des Antrages der Kreisverwaltung. Rachdem Oberregierungsrat Ritzel den Ausführungen des Abg. Schudt zugestimmt halte, wurde der erhöhte Zuschuß an die Volkshochschule mit Mehrheit bewilligt. Turnen, Sport und Spiel. V. f. B. Die Ligamannschaft empfängt an beiden Feiertagen auf dem V. f.B.-Plah Gäste aus dem Maingebiet, und zwar am Pfingstsonntag den F. C. „Germania" 94 Frankfurt, am Pfingstmontag die Spielvereinigung 02 Franksurt-Gries- heim. „Germania" 94 war schon öfters Gast beim V. f. D. 3hre in letzter Zeit gegen namhafte Gegner erzielten Resultate lassen erkennen, dah sie eine respektable Spielstärke ihr eigen nennen. Der Gastgeber wird in stärkster Aufstellung antreten und sich strecken müssen, wenn er ein günstiges Resultat herausholen will. — 3n der Spielvereinigung 02 Griesheim kommt eine Mannschaft, gegen die die V. f. D.-Els kaum Chancen für einen auch nur knappen Sieg haben sollte. Die Gäste haben in zahlreichen Spielen, zumeist gegen Mann- schasten der Dezirksliga, Ergebnisse erzielt, die ihr beachtenswertes Können deutlich unter Beweis stellen. Sie dürften, besonders was Spielkultur anbclangt, dem Gastgeber glatt überlegen sein. Die V.f.D.-Elf kann, wenn sie denselben Eifer und Siegeswillen aufbringt wie im Treffen gegen die Pokalelf des Fußballsportvereins, dafür sorgen, daß die Tordifferenz nicht allzu hoch ausfällt. Die Ligareserve folgt am zweiten Feiertag einer Einladuna des Sportvereins Drei- Hausen. Ucber ihr Abschneiden kann nichts vorausgesagt werden, da die Spielstärke des Gegners zu wenig bekannt ist. Die dritte Mannschaft hat sich für den Pfingstsonntag der dritten des VfB. „Kur - Hessen" Marburg zu einem Gesellschaftsspiel verpflichtet. Die Gießener V. f. B.-Elf wird gut tun, in stärkster Besetzung zu fahren, andernfalls sie dem Gastgeber den Sieg überlassen muh. Die A. - H. - E l f steht noch in Unterhandlung mit der gleichen Dillenburgs, um evtl, an einem der beiden Feiertage auf dortigem Platz das Rückspiel auszutragen. Recht viel borgenommen hat sich die erste Iugendmannschaft. Am ersten Feiertag steht sie in Frankfurt der Ila-Iugend des Fuß- ballvereins gegenüber. Da sie wahrscheinlich mit Ersah antreten muh, wird sie gegen den spielstarken Gegner einen schweren Stand haben. Am zweiten Feiertag ist sie beim Fuhballverein Frankfurt-Eschersheim zu Gast, um dessen erster 3ugendelf ein fälliges Rückspiel zu liefern. Das Vorspiel endete mit einem 3:1-Sieg der VfB.er. Wenn sie vom Vortage nicht allzusehr ermüdet sind, sollte ihnen wenigstens ein Unentschieden gelingen. Die dritte Jugend fährt ins Dilltal. Während sie am ersten Feiertag gegen die erste. Jugend von Sinn antritt, mißt sie am zweiten Festtage ihre Kräfte mit der Jugend des Burger Sportvereins. 3n beiden Spielen wird es ihr schwerfallen, gegen die spielstarken Gastgeber aufzukommen. Spielvereinigung 1900 Gießen. o. Die zweite Mannschaft trägt am ersten Feiertag das Rückspiel gegen Grün- bergs erste Elf aus. Die Begegnung findet in Grünberg statt, und ist es dabei sehr fraglich, ob die Giehener das Dorspielresultat (Unentschieden 1:1) wiederholen können, da die Dlauwcihen zur Zeit nicht in bester Verfassung sind und ihnen der mangelhafte Grünberger Platz sicher mehr zu schaffen macht, als dem Gastgeber. Die dritte Mannschaft spielt am ersten Feiertag auf dem I900-Sportplah gegen die erste Elf des Fuhballvereins „Teutonia" Elnhausen bei Marburg. Die Spielstärke der Gäste ist hier vollständig unbekannt, so daß über den Spielverlauf nichts im voraus zu sagen ist. Cbensalls zu einem Rückspiel nach Grün- berg fährt am zweiten Feiertag 1900s dritte E l f. Gegner ist Grünbergs zweite Mannschaft. Auch hier endete das Vorspiel in Gießen unentschieden (1:1). Für dieses Spiel gilt dasselbe, wie für das Treffen vom ersten Feiertag. Fußball in Steinbach. Am ersten Feiertag empfängt die erste Mannschaft des Fußballsportvereins 1926 Steinbach die ßtga des Spiel- und Sportvereins Ehringshausen. Ob es den Einheimischen gelingt, die im Vorspiel erlittene 3:1-Schlappe wieder wettzumachen, erscheint fraglich. Am zweiten Feiertag hat Steinbach die Liga- reserve der Gießener Spielvereinigung 1900 zu Gast, die durch einige Ligaspieler verstärkt antreten wird. Daß die Einheimischen in diesem Spiel keine Siegesaussichten haben, dürfte in Anbetracht der derzeitigen bekannten Spielstärke der Blau-Weißen ohne weiteres im Bereich den Möglichkeit liegen. Für Steinbach gilt es nur, ein Werbespiel zu veranstalten. Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900. ö. An Pfingsten (1. Feiertag) hat der Sportverein „Viktoria" Altendiez zu Rationalen Wettkämpfen eingeladen. Da von den Kräften der Sp.°Vgg. 1900 an diesem Tage nur ein Teil zur Verfügung steht, wird man feine allzu großen Erwartungen hinsichtlich des Abschneidens der Spielvercinigungsvertretung hegen dürfen. 1900s Hauptstütze werden wieder die Mittelstreckler Bepperling und Peters fein. Daneben geht 3ung im Stabhochsprung Klasse III nicht ohne Chancen in den Kampf. Welche von den drei als „offen“ ausgeschriebenen Staffeln (3 mal 1000 Meter, Olympische, Schwedenstaf.el) von den 1900cm bestritten werden, stand bei der Rieher- schrift dieser Zeilen noch nicht fest. A.f.B. Leichtathletik. Am ersten Pfingstfeiertag nimmt der VfB. an den Rationalen Wettkämpfen des Sportvereins „Viktoria" 1911 Altendiez teil. Mohl bestreitet das Kugelstoßen und Diskuswerfen der 1. Klasse. Sein Abschneiden ist diesmal für ihn besonders bedeutungsvoll; wenn er die entsprechende Leistung aufbringt, wird er vom Westdeutschen Spielverband für den demnächst stattfindenden Vierverbandskampf im Kugelstoßen aufgestellt. Während Büttner über die 400 Meter der 2. Klasse geht, hat 3akob den Hochsprung der 2. Klasse belegt. Koch läuft 100 Meter und stößt Kugel in der 3. Klasse. Der zweite diesjährige Iugendklubkampf findet am Pfingstmontag auf dem Waldfportplatz statt. Gegner der VfB.-Jugend ist die Jugend des VfL. Wetzlar. Schon im Vorjahre standen sich die 3ugendabteilungen beider Vereine zweimal gegenüber. VfB. verlor beide Klubkämpfe. Handball der Sp.-Vg. 1900. 6. Es ist der Spielvereinigung 1900 gelungen, für Pfingstmontag die Iunioren-Mannschast des S. C. „Germania" Magdeburg hierher zu verpflichten. 1900 stellt den Gästen seine Iung- mannschast entgegen. Den Magdeburgern geht der beste Rus voraus. Die Spielvereinigungsleute werden um eine Riederlage nicht herurn- kornrnen, man darf aber wohl Voraussagen, daß das Spiel nicht einseitig verlaufen wird. Dafür hat die Gießener Elf — in ihrer Eigenschaft als erste Iugendrnannschast — seither zu gute und auch konstante Leistungen gezeigt. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Die 1. Iugendmannschaf t empfängt am ersten Feiertag die gleiche der Turngesellschaft Offenbach. Die Gäste haben eine beachtliche Spielstärke und werden aller Voraussicht nach den Sieg mit nach Hause nehmen. Handball im Männerturnverein (O.T). Am ersten Feiertag stehen auf dem Mtv.- Platz der ersten Mannschaft und der ersten Jugend des Männcrtumvereins die gleichen Mannschaften des Turnvereins 1861 Reu-Isenburg gegenüber. Die Isenburger Mannschaft ist als spielstarker Gegner der Meisterklafse in der Frankfurter Gegend bestens bekannt. Die Gie- tzener Jugend kann, komplette Aufstellung vorausgesetzt, das Spiel unter älmständen mit einem knappen Resultat für sich entscheiden. Radklub Germania 1899 Gießen. Die 6er-Rasen-Radballmannschaft trägt am zweiten Feiertag vor dem Spiel der Ligamannschaft des V. f. B. ein Gesellschaftsspiel gegen die 1. Mannschaft des Radklubs Teutonia Krofdorf aus. Arbeiter Turn- und Sportbund. Am Pfingstsamstagabend hat Wieseck! die erste Mannschaft Siegens zu einem Freundschaftsspiel zu Gast. Die Gäste stellen eine flinke Mannschaft ins Feld. Wieseck wird sich an- strengen müssen, wenn es gewinnen will. Wieseck! hat am ersten Feiertag die erste Mannschaft Steinaus in einem Freundschaftsspiel zu Gast. Auch dieser Mannschaft geht ein guter Ruf voraus. WieseckIb tritt vor diesem Spiel gegen die erste Mannschaft Kinzenbachs in einem rückständigen Serienspiel an. Wieseck wird sich mächtig anftrengen müssen, wenn es gegen die Gäste, die in ihren letzten Spielen gute Leistungen zeigten, nicht unterliegen, und zwei wertvolle Punkte verlieren will. Gießen Ib hat Kassel-Lichtenau zu Gast und wird alles hergeben müssen, wenn eS nicht unterliegen will. Am zweiten Feiertag wird Steinau in Gießen weilen und gegen die hiesige erste Mannschaft zu einem Freundschaftsspiel antreten. Die Einheimischen werden in diesem Spiel wohl ein kleines Plus haben. Oer Kreiszuschuß zum Gießener Stadttheater. Die Fraktion des Landbundes legte einen Antrag vor, nach dem der Antrag der Kreisverwaltung auf Gewährung eines einmaligen Zuschusses von 3000 Mk. an das Gießener Stadt- theater abgelehnt werden solle. Oberregierungsrat Ritzel bat um Ablehnung des Landbund-Antrags und wies darauf hin, daß das Gießener Stadttheater bei weitem nicht einen Zuschuß in dem Ausmaße erfordere wie anders Theater. Der gute Wille des Gießener Stadt- theaters, seine Tätigkeit auch auf die Landorte auszudehnen, liege vor, damit auch die breite Bevölkerung im Kreise Gießen mehr von den Leistungen des Theaters habe. Der Zuschuß solle dazu dienen, den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Theaters im Hinblick auf die geplante Ausdehnung seiner schauspielerischen Tätigkeit auf das Land eine bessere Grundlage zu bieten. Bei aller Sparsamkeitsverpflichtung müsse doch gesagt werden, daß der Kreis Gießen nicht so arm sei, daß er für das Gießener Stadttheater den erbetenen Zuschuß nicht aufbringen könne. Abg. Sch u d t - Gießen (Deutsche Volksp.) unterstrich mit voller Zustimmung den Standpunkt deS Oberregierungsrats Ritzel. Er zog bann etrfe Parallele zwischen den Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln, die dem sog. Hessischen Landes- thcater in Darmstadt und dem Gießener Stadt- theater gewährt werden und der darstellerischen Tätigkeit dieser beiden Theater für Oberhessen, insbesondere für den Kreis Gießen. Er kam dabei zu dem Schluß, dah eine finanzielle Beihilfe des Kreises Gießen zu dem Gießener Stadttheater für den Kreistag durchaus vertretbar fei. Das Gießener Stadttheater sei auch ein außerordentlich billiges Kulturinstitut, bei dem man anerkennen müsse, daß es mit recht bescheidenem Aufwand an Mitteln von dem neuen Intendanten Dr. Prasch auf ein sehr hohes künstlerisches Riveau gebracht worden sei. Das Gießener Stadttheater genieße im Reiche und darüber hinaus heute sehr großes. Ansehen. Auch gegen die Auswahl der Stücke sei bisher nichts einzuwenden gewesen. Der Redn?r -«wähnte in diesem Zusammenhänge den Zwischenfall in Alsfeld bei der Aufführung des Schauspiels „Die heilige Flamme" und betonte, dah dieses Stück ganz einwandfrei fei und eine ernste und gute Wirkung habe; die Kundgebung in Alsfeld hätte sich nur gegen eine jüdische Schauspielerin gerichtet. Bei dem Schauspielbetrieb des Gießener Theaters werde in einer Weise sparsam Der- sahren, daß jedes Wort der Kritik sich erübrige. Ferner sei zu beachten, dah die älniversitäts- stadt Gießen doch auch ein Teil des Kreises Gießen sei und dah die Landbevölkerung doch auch Verpflichtungen gegenüber der Stadt habe. Das Giehener Stadttheater werde ja auch erfreulicherweise von zahlreichen Landbewohnern gerne besucht, und jetzt sei die Theaterleitung bereit, der Landbevölkerung auch insoweit entgegenzukommen, dah sie plane, in einigen Städten des Kreises mit geeigneten Sälen Vorstellungen zu geben. -Sinter diesen älmständen sei es dringend notwendig und gerechtfertigt, dah auch der Kreis finanziell etwas für daS Giehener Stadttheater tue und ein entsprechender Betrag in den Voranschlag eingestellt sei. Der „Giehener Anzeiger" habe die Anregung gegeben, doch von der Einmaligkeit des Kreisen- schusses an das Giehener Stadttheater abzusehen und auch für die weiteren Jahre eine Beihilfe für diesen Zweck ins Auge zu fassen. Er (Redner) könne sich im Hinblick darauf, dah das Gie- hener Stadttheater in weitgehendem Mähe schon mit der Kreisbevölkerung verbunden sei, der erwähnten Anregung nur anschliehen, und er beantrage daher, das Wort „einmalig" bei der Beschlußfassung über den Zuschuh wegzulassen. Bei den Voranschlagsberatungen der nächsten Jahre könne man ja immer noch prüfen, wieweit es möglich sei, auch vom Kreise dem Gießener Stadttheater eine Beihilfe zu gewähren. Abg. Schmidt, Giehen (Wirtsch. Vgg.), begrüßte gleichfalls die Anregung, von der Einmaligkeit des Zuschusses abzusehen, _ und gab der Hoffnung Ausdruck, dah es möglich sein werde, auch weiterhin dem Giehener Stadttheater eine Beihilfe gewähren zu können. Abg. Bommersheim, Langsdorf (Land- bund) trat nachdrücklich für den Llblehnungsan- trag seiner Fraktion ein und erklärte, die Landbevölkerung habe für Theatervorstellungen nur wenig Bedürfnis. Wegen Mangel an Mitteln und an Zeit könne das bäuerliche Landvolk das Theater nicht besuchen. Seine Fraktion könne den von der Kreisverwaltung beantragten Zuschuß nicht bewilligen, denn sonst würde sie d e größten Vorwürse ton ihrer Wählerschaft bekommen. Zwar schätze das Landvolk bie ©egmnvei der höchsten Kulturgüter, es bedauere aber das Versinken des grohen Kulturgutes der Kirche, und es könne auch aus diesem Grunde keine öffentlichen Gelder als Theaterzuschuh bewilligen. Aus diesen Erwägungen fei seine Fraktion gegen den Antrag. Abg. Müller, Bellersheim (Landbund) unterstrich diese Ausführungen noch besonders und führte als weitere Erklärung für das mangelnde Theaterinteresse der Landbevölkerung noch an, daß vielfach schlechte Bahnverbindungen den Besuch des Theaters von auswärts unmöglich machen. Abg. Denner, Wieseck (Soz.) trat mit Rach- druck für die Bewilligung des Kreiszuschustes an das Giehener Stadttheater ein und wies darauf hin, dah die Vorstellungen des Giehener Theaters, insbesondere an Sonntagen, in sehr weitgehendem Mähe von der Landbevölkerung besucht würden; in manchen Sonntagsnachmittagsvorstellungen bestehe die Besucherschaft zu zwei Dritteln aus Angehörigen der Landbevölkerung. Im weiteren Verlaufe der Debatte, der wesentliche neue Gesichtspunkte nicht mehr ergab, traten Oberregierungsrat Ritzel und die Abgeordneten Schudt-Giehen (D.Dp.) und Hornberger Giehen (Soz.) für den Antrag der Kreisverwal- tung unter Fortlassung des Wortes „einmalig" ein, während die Abgeordneten Bommersheim - Langsdorf (Ldod.) und Fenchel-Ober- Hörgern (Ldbd.) mit Entschiedenheit den Land- bund-Antrag vertraten. Bei der Abstimmung wurde bann, wie bereits berichtet, der Antrag der Kreisverwaltung auf Gewätznung eines Zuschusses von 3000 Mark an das Giehener Stadttheater für das Jahr 1930 angenommen und dabei das Wort „einmalig" gestrichen. Mi Preis: 70 Pfg. den ersten 10 Jahren nur die milde, reine, nach ärztlicher Vorschrift für die zarte Haut der Kleinen besondershergestellte NIVEA KINDERSEIFE Schonend dringt ihr seidenweicher Schaum in die nautporen ein und macht sie frei für eine gesunde, kräftige Hautatmung. 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Fraktion g:^n m (Landbundt noch besonder g für das man- Landbevölkerung ihnverbindungen auswärts un* \ trat mit 'M* 'reiszulchus'es an und wies darauf Siebener % 'n lehr ^Ifcrunäd achmittagsvos , t zu M' *“ bevöllerung- äs >'.S »Se- LE ch«>t »> "S>& - ct „einmalig fövt lern erst hoffe." »Wenn Ihnen dieses Werk gelingt, Frau Konstanze, und wenn Sie an seiner Seite--** Er sagte noch etwas, doch die Worte verloren sich in einem unverständlichen Murmeln. Dann drückte er die Äitnfe seiner Tür nieder. .Ich Sönne ihm dieses Glück — dieses unermehliche stück." Es war an einem Mittwoch, als Konstanze etwaS später als gewöhnlich, Peters Melier betrat. Sie erkannte auf den ersten Blick, daß sein neues Werk .Erinnerung" bedeutende Fortschritte gemacht hatte. Sie freute sich aufrichtig und sah ihn glücklich an. Es fiel ihr auf, daß Peter feierliche Mienen hatte und sie sagte ihm daS ohne Umschweife. ör kam zu ihr und umfaßte ihre im Schah ruhenden gefalteten Hände mit den seinen. .Du hast recht. Mir ist feierlich xumute, Konstanze I Ich bitte dich, werde mein vor Gott und den Menschen." Dieser heißen Ditte folgte ein Kuh auf ihre Stirn. Sie schlug die Augen voll zu ihm auf. ES tat ihr weh. dah sie den Kopf schütteln muhte und sie erkannte eine große, bittere Enttäuschung in seinem Gesicht. .Du weißt, dah Lothar mich niemals freigeben würde." »Ist es das?" Seine Züge erhellten sich. Die Frage hatte fast wie ein Jubel geklungen. .Ich war in Berlin." .Du — warst - in — Berlin?" Er nickte: .Am Dienstag. — Unserer Ehe steht nichts mehr im Wege, Konstanze. Ich habe Lothar beobachtet." .Du hast ..." Ein Erschrecken malte sich auf ihrem Gesicht. .Wir können die Scheidung gegen Lothar einreichen." .Dein." Sie schrie es förmlich, aber sie wuhte gar nicht, dah eS so laut klang. .Dein Gatte lebt mit einer anderen Frau zusammen." .Das ist nicht wahr!" .Konstanze!" .Derzeihe mir... Du wirst verstehen, dah ich..." Er unterbrach sich: »Sie ist Filmschauspielerin ... Ich habe in Erfahrung gebracht, dah..." .Sei stille!" Das war Befehl und er gehorchte. Warum bebst du, Konstanze? — Weshalb ist eS dir unsahbar, daß dein Mann sich einer anderen Frau zugewendet, wenn die eigene ihn verlieh? Konstanze! Konstanze! Was kümmert dich, ob Lothar Emmerstorff, ein dir völlig fremder Mann, seine Gunst einer anderen schenkt? Weshalb frohlockst du nicht, dah dir die Pforten geöffnet sind? — WeShalb stürzt du diesem Manne hier vor dir nicht in die Arme? 3st denn Lothar Emmerstorff nicht nur ein bloheS Wort — ein QTame ohne Bedeutung, ein bloßer Begriff für dich? Natürlich ist er das pnd doch! — Es ist immerhin seltsam, wenn man seinen angetrauten Wann mit fronten Frauen in Verbindung bringt, nicht wahr? — .Das Leben ist eine Farce", kicherte eine Stimme in Konstanze, und sie war nahe daran, dieser Stimme reckt zu geben. Doch dann sagte eine andere Stimme: .0 nein, das Lehen ist durchaus keine Farce." Alles im Dasein ist zweckvoll und überaus weise bestimmt. Nichts ist unnütz. Alles hat einen bestimmten Sinn. Dann sagte eine dritte Stimme: .Der Weg ist frei, Konstanze!" und diese Stimme gehörte Peter Ahlstädt. Konstanze hob den Kopf. Sie schien zu erwachen und dem Sein wieder anzugehören. .Der Weg ist frei, Konstanze!" Sie sah PeterS stahlgraue Augen. Ein Lächeln lag um seine Lippen. Da war schon wieder ein Klein-Giesow. Die wonnige Zeit der jungen Liebe. »Ich sehe, du bist nicht froh. Konstanze." .Es ist zuviel auf einmal, Peter. Noch nicht! — Später vielleicht." .Willst du mir keine Erklärung geben?" .Die bin ich dir schuldig. Du weißt, noch ist der Kampf nicht auSgelämpft..." .Du glaubst, ich sei noch immer schwach? — Du traust mir noch immer zu, dah ich..." »Später vielleicht. Peter. Warum auch nicht später?" — Das letzte klang matt und leise. — Dann verlieh sie ein wenig unsicher das Atelier. — Peter erkannte immer deutlicher, daß Konstanze in fein Leben gehörte. Diese Frau hatte ihn auf den Weg gebracht, der hinaussührte auS den Wirrnissen einer zerstörenden Leidenschaft. In Dankbarkeit würde er ihrer harren, bis sie sah, dah er ihrer würdig war und er hoffte, gestärkt durch ihre häufige Anwesenheit, daß die Stunde, da sie ihm für immer gehören wollte, bald da fein würde. Einmal traf Peter Kurt Helbing zufällig auf der Straße. Der Bildhauer trat auS einem Porzellanladen und war gerade im Begriff, in fein harrendes Auto zu steigen, als Peter ihn anrief. . Fährst du nach Haufe, Kurt?" „3a. Auf einem kleinen Umtoeg. 3ch habe noch einiges zu erledigen. Mitte nächster Woche geht mein Schiff. Da gibt es noch allerhand zu besorgen." „Darf ich jetzt mitfahren? 3ch möchte Konstanze besuchen." Sie fliegen ein und Kurt Helbing steuerte als begeisterter Sportsmann und Automobilist seinen Wagen selbst. Später saßen Konstanze, Peter und Kurt Helbing in dem eleganten Heim des Bildhauers. Ein würziger Tee dampfte in kostbaren, hauchdünnen Schalen. Dann öffnete Helbing einen Ebenholzschrank und holte eine Keramik heraus. Es war ein brüllender Hirsch. Ein Werk von großer Schönheit. ..Dies ist mein letzte- Werk. Sozusagen mein Vchwanengesang." Er strich zärtlich, beinahe liebevoll über den Rücken deS Hirsches und stellte die Figur wieder in den Schrank. Er schritt zum Flügel und deckte ihn auf. ..Eine Bitte, Frau Konstanze." Er deutete einladend auf die Tasten. ..Geben Sie dem armen Pilgrim ein Komitat auf seine Reise nach Amerika — auf feine Reise in den Tod." Diese Worte klangen so flehend und so traurig zugleich, daß sie Konstanze wie mit Messern schnitten. Sie setzte sich an daS Instrument. Sie präludierte auS der Phantasie. Schließlich begann sie zu fingen und ihre Stimme schwebte wie ein ganz großer dunkelbrauner Schmetterling au# Samt in dem eleganten Zimmer, legte sich auf die kostbaren Teppiche und sand an den seidentapezierten Wänden einen dumpfen, schweren Widerhall. Ich weih nicht. WaS mir hier gefällt. In dieser engen, kleinen Welt, Mit holdem Zauberbann mich hält! Vergeß ich doch, vergeß ich gern. Wie seltsam mich das Schicksal leitet. Mnb ach. ich fühle, nah und fern. Ist mir noch manches zubereitet, Oh, wäre doch daS rechte Maß getroffen! WaS bleibt mir nun. als eingehüllt, Von holder Lebenskraft erfüllt, In stiller Gegenwart die Zukunft zu (erhoffen! Langsam klang das Lied in Akkorden auS. Peter schien auS einem tiefen Ginnen zu erwachen und Helbing standen die Tränen in den Augen. „Ich danke Ihnen." Er drückte ihre Hände und umfing sie mit einem Blick, der Peter da- Blut in den Kops trieb. Cs war spät, als Peter aufbrach. An diesem Abend wollte er den Weg von der Pension Bürger zu feiner Wohnung zu Fuß zurucklegen. Cr mußte einige belebte, lichtdurchflutete Geschäftsstraßen durchqueren. Der kühle Wind, der an diesem Spätsommerabend wehte, tat ihm wohl. Die Räume des Bildhauers waren geheizt gewesen, da den Kranken immer fröstelte. Außerdem steckte Peter noch der Parfümduft in der Nase, der Helbings ganzes Zimmer durchwoben hatte. Da horte cr plötzlich laut seinen Namen rufen. Er blickte auf. ES stand ein Herr vor ihm, llein, aber von sehnigem Körperbau und gut gekleidet. Peter fand sich nicht sogleich zurecht. „Peter Llhlstädt?" fragte der Kleine und strahlte vor Lachen. Gr klopfte ihm auf den Rücken und nun erkannte Peter das fröhliche Lachen seine- Schulkameraden Otto Avus lFortletzung folgt.) em Ven! doppelt so gut 1 Pfd 50 Pfg tif öflnrtie fehen für frische Qufll X /«k ■ -. t*- Rama im Blauband „Rama im Blauband" eine Margarine edelster Qualität, verbilligt das Kuchenbacken wesentlich, ohne auch nur im geringsten den Feingeschmack zu beeinträchtigen. Seht nur der Kleinen Ungeduld; Wäre der Kuchen mit der teuersten Tafelbutter gebacken, besser konnte er nicht munden 1 Hhce Sfingstwandenmi» nicht ohne ffhotof Sonderheit: 4160D Patent- ftui-Pfamera in allen Preislagen - leicht - flach - stabil Leicas, Rollfilm- sowie Klappkameras Ratenzahlung gestattet! Unverbindliche Vorführung in unseren Ausstellungsräumen Stuhl, hießen, dlodtsti. 12 Aurea! schreit der kleine Heiner, die schönsten gestrichen. Fußböden hat unsereiner. DaS gute Wehrosol mit welchem die Fußböden so wunderbar schön tm Glanz gestrichen werden, habe ich mir geholt und werde niemals wieder etwas anderes nehmen. Ausgewaschen und gebohnert kann derBoden werden,in 1-Lir.- und 1 r-Lir.-Lriginolkannen erhältlich bei Ang. Noll, Krenz-Trogerie, Babnbof- tkraße 51. 40730 IXralle tiJoA*uu ? Well es natürlichen Birkensaft enthält. Säfte der Birken — Kräfte die wirken! ÄHl 2*0. *20t 6 Jahren auftrttt. Von den Schulkindern ber Unter- klasse waren zeitweise über die Hälfte ber Kinder krank. Die Krankheit hat bis jetzt erfreulicherweise einen gutartigen Verlauf genommen. <5 Allenborf a.d. Lumda, 2. Juni. Lehrer Eimer, ber über 35 Jahre in vorbildlicher Weise an der hiesigen Volksschule gewirkt hat, trat mit dem gestrigen Tage in den wohlverdienten Ruhestand. Mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit war von einer offiziellen Feier Abstand genommen worden. Die Stadt brachte dem Jubilar üjren Dank dadurch zum Ausdruck, daß sie ihm einen Ruhesessel überreichen lieh. — Dieser Tage vollendete ber zweitälteste Einwohner unserer Stadt, ber Lanbwirt Christoph Wiehner IV., sein 9 0. Lebensjahr. Wießner verfügt noch über volle geistige unb körperliche Frische unb betätigt sich zur Zeit noch lebhaft in ber ßanb- wirtschaft seines Schwiegersohnes. * Lich, 4. Juni. Bei dem am Sonntag in Flensungen-Mücke anlählich des Gaufestes — Gau 2 des Radfahrerbundes Oberhessen — veranstalteten Zuverlässigkeitsfahren hat Heinrich Henh vom hiesigen Radfahrerverein „Edelweiß" in Klasses den ersten Preis und damit die Gaumeisterschaft zum dritten Male errungen. Der Radfahrerverein „Edelweiß" erhielt im Preiskorsofahren den 5. Preis. Wie bereits berichtet, findet bas diesjährige Dundesfest des Bundes am 28. und 29. Juni in Lich statt. Hierzu haben sich bereits für den ersten Festabend über 200 Radfahrer gemeldet, denen Privatquartiere zur Verfügung gestellt werden. Durch den Wohnungsausschuß des Festes wird die ünterbringunggfrage in den nächsten Tagen geregelt. Die Festvorbereitungen schreiten rüstig fort. Die Veranstaltungen werden in jeglicher, ganz besonders sportlicher Hinsicht, viel bieten. s. U t b b e, 4. Juni. Gestern feierte eine unserer ältesten Einwohnerinnen, die Landwirts- witwe Marie Sack, ihren 82. Geburtstag. Die Greisin erfreut sich noch einer ungewöhnlichen körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 6. Juni. Zum heutigen Schweinemarkt waren 451 Ferkel aufgetrieben. Es wurden gezahlt für Ferkel bis sechs Wochen 35 bis 38 Mk., von 6 bis 8 Wochen 38 bis 42 Mk., von 8 bis 12 Wochen 42 bis 46 Mk. Der Handel war infolge ber hohen Preise mäßig, es verblieb ein größerer lieberftanb. WSB. Wölfersheim, 5. Juni Gestern abend kam der beim hiesigen Kraftwerk beschäftigte 21 jährigen Elektro-Jngenieur Walter Loos beim Montieren eines Kohlenbaggers auf bisher unaufgeklärter Weise mit ber Starkstromleitung in Berührung. Er fiel um unb war sofort tot. Der junge Mann hatte erst vor vier Wochen sein Jngenieurexamen gemacht. Berliner Börse. Berlin, 6. Juni (WTB. Funkspruch.) Bach- bem bie Tenbenz ber gestrigen Abenbbörse weiter freunblich zu nennen war und bie Kurse gegen ben Berliner Schluß meist kleine Besserungen erfahren hatten, war bas Geschäft im heutigen Frühverkehr noch sehr klein, bie Stimmung aber weiter zuversichtlich. Die Beschlüsse ber Reichsregierung betreffs der Botgesetze kamen nldjf überraschend unb bürsten auf bie Börsentendenz kaum stärkeren Einfluß haben. Kurse würben bisher noch nicht genannt. Am Devisenmarkt hörte man Lonbon gegen Paris 123,91. (Schluß des redaktionellen Teils.) Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit. Das sind bie beiden heute entscheidenden Momente für einen Gebrauchswagen. Es kommt nicht nur auf den Preis an, sondern auf die unbedingte Oekonomie, den mäßigen Verbrauch, die geringen Reparaturkosten und die Zuverlässigkeit. Unter diesen Gesichtspunkten gesehen wird der Anschaffungspreis in die zweite Reihe gerückt. Der neue „NSU 405" von 7/34 PS. dürfte derjenige Gebrauchswagen der mittleren Klasse der Sechszylinder fein, ber alle die Vorzüge crusweist, die einen Kauf rechtfertigen. 4130v Freilicht! Freiluft! And Sonne! Genießen Sie sie von Herzen. Aber beachte« Lie eins: Reiben Sie vor jeder Sonnenbestrahlung, vor jedem Licht- unb Luftbab, alle freien oder wenig bedeckten Körperstellen kräftig mit Bidea-Creme ein. Sie vermindern dadurch die Gefahr eines schmerzhaften Sonnenbrandes. 1060V Jeder Arzt weih aus langjähriger Erfahrung, daß die Grundursache für mancherlei Beschwerden verschiedener Art im Darm zu suchen ist. Deshalb halten Sie vor allen Dingen Ihre Verdauung, den Schlüssel Ihrer Gesundheit, in guter Ordnung. Gehen Sie in die nächste Apotheke oder Drogerie und kaufen Sie sich ein Originalglas Beo» Kruschen-Salz. 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Lei Beschickung des Marktes sind die seuchenpolizei- lichen Vorschriften zu beachten. Ursprungszeugnis für Züchter, Nachweis der Quarantäne für Händler. <§ö dürfen nur Tiere aus unverseuchten Gemeinden aufgetrieben werden. 4104D Auftriebszeit von 8-9 Lthr. Nachmittags große Volksbelustigung, Konzert und Tanz auf dem Adlerplah. Lich, den 30. Mai 1930. Hess. Bürgermeisterei Lich Geil. X Sie sind erfreut, wenn Sie sich bei mir die \ / modernen, farbenprächtigen \ Badehauben Badeschuhe mit und ohne Absätzen Wasserbälle, Gürtel ansehen. Durch Fabrikbezug äußerst preiswert k Drogerie Werhofl / Kreuzplatz 10 4220 A Heugrasversteigerung. Donnerstag, den 12. b. HL, vormittags 9 Uhr, wird das Heugras von den fiskalischen Wiesen in den Gemarkungen Garbenteich, Leihgestern, Schiffenberg und Watzenborn, das Gras von Schneisen, Mähplatten, den Eisteichen, dem Peters- weiher und der Klosterwiese in der Wirtschaft des Georg Sommer VI. zu Watzenborn versteigert. 4266V Anschließend kommen 94 Düngersäcke zum Verkauf. Gießen, den 5. Juni 1930. Hessisches Forstamt Schiffenberg: __________Nicolaus. _______ Bekanntmachung. Die hebregisier für die Beiträge zu den kosten der Industrie- und Handelskammer Gießen für 1930 liegen 10 Tage lang, und zwar vom 7. bis 16. Juni d. I., vormittags 10 bis 12 Uhr und nachmittags 3 bis 5 Uhr, auf unserem Bureau zur Einsicht offen. 4250V Einwendungen gegen den Inhalt der Hebregister sind innerhalb dieser lOtägigen Frist schriftlich vorzubringen. Nach Ablauf dieser Frist wird über die vorgebrach- I ten Einwendungen entschieden. Gegen die | Entscheidung ist innerhalb zweier Wochen Beschwerde an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft in Darmstadt zulässig. Gießen, den 4. Juni 1930. Industrie- und Handelskammer Gießen: Schirmer, Kommerzienrat. Imperia höchsteVollendung 3 neue s Modelle v Für Pfingsten Schokolade, HBonbons, NekS, Wasteln, Marzipan, Nougat, Pralinen, lote und in *L2 flchm..60Wl9 fiS*** unden ab, 00. 0ef S D°m aul (hbeIje|er oclt erhalt' ° । dop >rflC9en4273D 2IU0arfe 1,1 L c t: c 0^2= B 8 A A S^ = ES X — r. C7 = &2 - 2 x>lD 2 ö SHdQ 5 E E ßg*E ■eßs 2 «e Q £ E 85 8-L 8 £. AL «eß E ID oH 3 8£kMZ 3±r ®2 8 If LZ -1 ^5 gH~. I-k Ee^ = s o-A -- —-E.E « « HZ^E 5 = e w -D LZ eJ8W E£A - »s- E s 8 X E — - Cr « --> » 9 »• ?A =2 6$I iit* Z?L s 8^ DA" 8 o L s L- o=-z e = = —* £ . c 5*i& -c «g-g o~-o « -- -- ID ~a 2 "st eC7 2 E - o 2 i 10 o O g g g' 2 cx B=gtt g Eö =. s e> Eü^ * ß® 2© ~ g - ■7=^ ä-e . ~ ~ 2 3 C _ £ 3 c; g c CG — 3 3 2 —L-_ Sr c: 2 = E * M . .2 ’&boS««' 3> G C”C*«ÄÄÜ = » 5 5:c = 6**g tf. 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