Nr. 55 Erstes Blatt 180. Zahrgang Donnerstag, 6. März 1950 Erschein» loglich.nutzer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätte, Heimat im Bild Die Scholle Monalr-Bezugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse nnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Stehen, postschecktonto: Zranlsurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Vberhesfen Druck und Verlag: vrühl'sche UniversitS1§-Vuch- und Zleindruckerei K Lange in Gießen. 8chriftleitnng und Geschästzitelle: ZchuNtraße 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig, für Re- klamean^cigen von 70 n m Breite 35 Reichspfennig, Dlatzvorschrist 20" mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyrwt; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Gießen Einigung des Mchskabinetts über das Delkungsprogranim. Moldenhauers Kompiomißvorschlag angenommen. — 475 Millionen neue Steuern. — Oie Finanzierung der Arbeitslosenversicherung. — Ein Ausgaben- und Steuersenkungsprogramm für 1931. Berlin, 5. März. (TU.) Wie die Tele- graphen-Llnion erfährt, hat sich das Reichs- kabinett in seiner Mittwoch-Sitzung auf den Kompromiß Vorschlag des Reichs- finanzministers Dr. Moldenhauer geeinigt. Amtlich wird hierzu mitgeteilt: „Die mehrtägigen Beratungen des Reichskabinetts über die Deckungsvorlagen wurden heute zu Ende geführt. Die Beratungen führten zu einem Einvernehmen. Der Haushaltsplan für 1930 und die Deckungsvorlagen werden noch in den nächsten Tagen dem Reichsrat zugehen." Reichspräsident v. Hindenburg emp- sing heute den Reichskanzler Müller zum Vortrag. Wie die Telegraphen-Union weiter erfährt, hat daS Reichskabinett die Deckungsvorlage für den Reichshaushalt 1930 im allgemeinen in der Form verabschiedet, in der der Reichsfinanzminister Moldenhauer dies ursprünglich geplant hatte. Es werden also vorgesehen folgende Sieuererhöhungen für l°30: a) Eine Erhöhung der Bier st euer um 7 5 v. h. statt der ursprünglich im hilferdingschen Plan vorgesehenen 50 v. h.» um den -höheren Betrag den Ländern zur Verfügung zu stellen. Die Erhöhung der Biersteuer soll 240 Millionen Mark erbringen, von denen 150 Millionen dem Reich und 90 Millionen den Ländern zugute kommen werden; b) erfolgt eine Erhöhung der Zölle auf Benzin um 4 Pf. auf 10 Pf. für das Liter, und die Einführung eines Benzolzolles von 6 Pf. für das Liter, während Benzol bisher bekanntlich zollfrei eingeführt wurde. Benzin- und Ben^olzölle sollen 65 Millionen erbringen, von denen 26 Millionen an die Länder gehen sollen. Als Entschädigung für die neue Belastung der Automobilindustrie soll eine Ermäßigung der Krafk- fahrzeugsteuer um 10 Millionen erfolgen; c) sodann ist bereits eine Erhöhung der Kaffee- und Teezölle erfolgt, die 35 Millionen bzw. 45 Millionen Mark erbringen sollen: d) wird die Mineralwasser st euer wieder eingeführk, die 40 Millionen erbringen soll. Die Steuer soll hauptsächlich den Kommunen für soziale Zwecke zugute kommen; e) wird die Industriebelastung nach dem Dawcsplan b e i b e h a l t e n. Diese Steuer wurde bisher in einer höhe von 300 Millionen erhoben. Für das Jahr 1930 sollten 50 Millionen aus dem Reservefonds bei der Bank für Jndustrie- obligationen in Anrechnung kommen, so daß nur 2 5 0 Millionen einge; ahlt zu werden brauchten. Statt dessen wird nunmehr in Verfolg der Neuregelung der Deckung des Fehlbetrages bei der Arbeitslosenversicherung ein Zuschlag von 50 Millionen hier erhoben werden, jedoch werden künftig 70 Millionen aus dem Reservefonds bei der Bank für 3n- dustrieobligationen ungerechnet, so das; tatsächlich aus der Jnduskriebelastung 2 8 0 Millionen erhoben werden. 50 Millionen werden aus dem Reservefonds der Bank für Jndustrieobligationen entnommen, die als Notstock der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung überwiesen werden. Die anderen 50 Millionen sotten durch eine B e i - lragserhöhung aufgebracht werden. Ihre höhe steht allerdings noch nicht fest. Der verwaltungsrat der Reichsanstalt soll prüfen, ob ein viertel Prozent genügt oder ob ein halb Prozent notwendig ist und der Reichsregierung einen entsprechenden Vorschlag machen. Das Reichskabinett wird dann die gesetzliche Regelung veranlassen. Damit sollen Reformvorschläge des Verwaltungsrates verbunden werden, die sich auf längere Sicht durchführen lassen. Auch ihre Verwirklichung würde reichsgesehlich erfolgen. Dieser Meg ist gewählt worden. um den Bedenken der Sozialdemokraten für die Zukunft der Arbeitslosenversicherung Rechnung zu tragen; f) etwa 30 Millionen sollen durch Verkürzung der Vorauszahlungsfristen ufro. hereinkommen. Die neuen Steuern sollen insgesamt 475 Millionen mehr bringen, von denen 300 Millionen dem Reich und etwa 170 Millionen den Ländern zugute kommen sotten, so daß das Defizit im Reichshaushalt gedeckt wäre. Zugleich mit diesen Skeuererhöhungen hat das Reichskabinett in feiner Mittwochfihung noch eine Reihe weiterer Maßnahmen beschlossen, die schon jetzt eine Senkung derReichöauSgaben für!931 sichern sollen. Diesem Zweck dienen folgende Maßnahmen: 1. soll der Reichsfinanzminister ermächtigt werden, in Zusammenarbeit mit dem Reichssparkom- missar ein Gesetz zur Senkung der Ausgaben bei Reich, Landern und Gemeinden auszuarbeiten; 2. ist ein Sabinetlsbeschluß gefaßt worden, der durch den Reichstag bestätigt werden soll, daß die Ausgaben im haushalt für 1931 gegenüber dem haushalt 1930 um 600 Millionen zu senken sind; 3. ist dem Reichsrat der Entwurf eines Gesetzes zur Senkung der Einkommen ft euer ab 1. Ap r i l 193 1 zuzuleiten, der dem ursprünglichen hilferdingschen Entwurf entspricht, d. h. die Stenern werden durchschnittlich um 1 2i v. h. gesenkt. Die einkommen st euersreie Grenze wird um 220 auf 1440 Mark fjeraufgefeilt Diese Maßnahme soll Steuersenkungen in höhe von 350 Millionen Mark erbringen; 4. ist ein Gesetzentwurf dem Reichsrat zugeleitet worden, der die bisherige Möglichkeit einer Z u - rückerftattung der Vorauszahlung auf die Lohn ft euer wegen eingetretener Arbeitslosigkeit a u f h ö b t und statt dessen bestimmt, daß der Pauschalbetrag aus dieser bisherigen gesetzlichen Regelung in dieser Frage in höhe von 60 Millionen Mark der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung als Reservefonds überwiesen werden soll. * Von unterrichteter Seite wird darauf hingewiesen, daß die Lösung der schwierigen Finanzfragen von drei Gesichtspunkten auszugehen hat. Zunächst tarn es darauf an, die Ka f fenvcrhältnisse zu sanieren, indem der Druck beseitigt wurde, der bisher auf ihnen lastete. Dazu war die F c r t i g st e l l u n g eines wirklich gedeckten Etats und die Milderung der schwebenden Schuld durch den Tilgungsfonds notwendig. Zweitens mußte gerade angesichts der Krise auf dem Arbeitsmarkt auf eine Entlastung der Wirt- schäft hindearbeitet werden. Diesem Ziel dient die für das nächste Jahr beschlossene Herabsetzung der Ausgaben und der direkten Steuern. Zu der Senkung der Einkommenssteuer tritt wahrscheinlich noch eine Senkung der Gewerbe st euer. Damit sie aber wirksam durchge- führt werden kann, soll zunächst das Steuer- vcreinfackungsgesetz geschaffen werden. Die dritte Aufgave war die Berücksichtigung der trostlosen Lage der Länder und Gemeinden durch die Zuführung bestimmter Steuerarten. Das Reichskabinett hat die notwendigen Gesetzentwürfe trotz der durch die Schwierigkeiten bedingten Verzögerung noch inncrhalv der vorschriftsmäßigen Termine verabschie- det, so daß damit gerechnet werden kann, daß die Steuern bis zum 1.April, dem Beginn des neuen Etatsjahres, zu fließen be» Ssinnen, also eine weitere Anspannung der Kas- enlage nicht befürchtet zu werden braucht. Don beteiligter Seite wird unterstrichen, daß mit diesen Vorlagen ein großes Werk der Finanzgesetzgebung begonnen worden ist, das über die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinwegführen, aber auch bereits zukünftige Besserungen einleiten soll. Die Aufnahme bei den Fraktionen. Trotz vieler Bedenken ein allgemeines Gefühl der Erleichterung. Berlin, 5.März. (ERB.) Das Finanzkom- promih des Kabinetts wird bei den Fraktionen, die hinter der Regierung stehen, mit einer gewissen Zurückhaltung beurteilt, die sich ganz natürlich aus den großen Schwierigkeiten der behandelten Fragen unö daraus ergibt, bah bei einem Kompromiß die Wünsche keiner Partei hundertprozentig erfüllt werden können. Die Bedenken der Deutschen Volkspartei richten sich in erster Linie gegen den Verzicht auf die A u t o n o m i s i e r u n g der Reichs- a n st a l t, zumal die letzte Entscheidung wieder ans Kabinett zurückgeht, wenn der Verwaltungsrat sich über die Beitragserhöhung und die Reformen nicht einigen kann. — Auch die Sozialdemokratie ist mit dieser Lösung nicht ganz zufrieden, weil die Mittel für die Versicherung begrenzt werden. Außerdem sehen die Sozialdemokraten in den Maßnahmen, die das Kabinett für das nächste Etatsjahr beschlossen hat, eine Beschränkung des Budget rechts des Reichstages. — Im Zentrum verlangt man eine Garantie dafür, daß die Finanzvorlagen auch von den Parteien m i t g e m a ch t werden. Man denkt daran, sich vor der Verabschiedung der Pounggesehe von den übrigen Fraktionen ein schriftliches Versprechen der Art geben zu lassen. Lieber diese einzelnen Wünsche hinaus herrscht im Reichstage aber überall sichtliche Erleichterung. Trotz aller Vorbehalte begrüßt man die Lieberwindung der Krise so allgemein, daß mit einer glatten parlamentarischen Abwicklung der Pounggesetze und der Finanzvorlagen gerechnet wird. Was sagt die Presse. Finanzsanierung und Aoungabkommen. Berlin, 6. März. ($11.) Die alte Kontroverse zwischen der Sozialdemokratie und dem Zentrum in der Frage der Priorität der Finanzfanierung vor der Ratifizier rung des Voungplanes hat leider durch das gestern im Reichskabinett endlich zustande gekommene Finanzkompromiß keine Abschwä- chung erfahren. Rach dem, was die Berliner Blätter über die Haltung der Regierungsfraktionen berichten, ist fogar anzunehmen, daß es in der Prioritätsfrage zeht zum E n d k a m p f zwischen den beiden genannten Parteien kommen wird. Der „Vorwärts" berichtet über die Aussprache in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, daß die Regelung der S t e u erfragen vielfach als völlig unbefriedigend bezeichnet worden sei. Sehr scharf sei auch die geplante Festlegung auf eine Senkung der Ausgaben und der Steuern ab 1. April 1931 kritisiert worden. Der Gedanke, für das Jahr 1931 die Einsparung von 600 Millionen zu versprechen, sei als geradezu leichtfertig bezeichnet worden. Die Sozialdemokratie könne s ich natürlich nicht dabei beruhigen, daß sie für 1930 eine Minderung der sozialen Leistungen verhindert habe, wenn der Kampf um sie int nächsten Jahre nur noch schärfer ausbrechen solle. Am allerwenigsten aber könne sie daran denken, sich für diesen bevorstehenden Kampf von vornherein in eine aussichtslose Position hineindrängen zu lassen. An diesem Punkte werde also die allerschärfste Prüfung einsehen müssen. Man habe allerdings auch Verständnis dafür gehabt, daß eine Einigung im Kabinett auf alle Falls notwendig gewesen sei, um für die Beratung der Vounggesehe freie Bahn zu schaffen. So notwendig auch eine gründliche Verbesserung des finanzpolitischen Regierungsprogramms sei, und so sehr sich die Sozialdemokratie freuen würde, bei dem Streben nach ihr die Hilfe des Zentrums zu finden, so wenig könnte zeht noch die Taktik verantwortet werden, die den Voung- plan in eine Gefahr bringe, im Strudel inner- politischer Streitigkeiten zu versinken. Im Gegensatz dazu sieht die „Germania" den Weg für die Ratifizierung des Voung-Planes noch nicht frei. Das Zentrumsblatt schreibt: Die Einigung des Kabinetts ist gewiß wichtig und erfreulich. Aber sie wird ihre Ergänzung in einer unzweideutigen Bindung der Regierungsparteien finden müssen, die vor der Voung-Entscheidung eine Sicherung für dte Durchführung des Finanzprogramms gibt. Es wird Sache der Reichsregierung fein, diese Bindung zu schaffen und zu verhüten, daß die im Kabinett mit Mühe und Rot überwundene Krise nun von den Parteien her droht. Die Mittel hierzu hat sie in der Hand. Die „DAZ." betont, daß der erste Finanz- plan der Reichsregierung einen Sieg der Sozialdemokratie darstelle. DaS Bedauerliche und Bedenkliche der Lage liege in der politischen Tatsache, daß der Versuch der Deutschen Volkspartei, die Sozialdemokratie zur Abkehr von ihrer verhängnisvollen Finanzpolitik zu zwingen, sich nicht habe durchsetzen können, denn was das Programm der Reichsregierung an Zukunftsversprechungen enthalte, erinnerte verzweifelt an ähnliche frühere Zusagen, die im Winde zerslattert seien. Die „Börse n z e i t u n g hebt hervor, daß man sich angesichts der allgemeinpolitischen, aber namentlich auch wirtschaftspolitischen Unzulänglichkeit, Anfechtbarkeit, ja Gefährlichkeit des Kabinettskompromisses eine Zustimmung der DVP. zu den Regierungsbeschlüssen nur schwer vorstellen . forme. Das „Bcrliner Jage» b 1 a 11“ sieht darin, daß sich die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion ihre Stellungnahme Vorbehalten hat, bis ihr die neuen Gesetze vorliegen, den Versuch der Sozialdemokratie, die Entscheidung über die Finanzfrage hinter die über ben Voungplan zurückzuverlegen. Man rechne daher im Zentrum nut der Möglichkeit einer Verschiebung der dritten Lesung des Voungplanes, mindestens bis 13. März. Das Reninerversorgungsgeseh. Berlin, 5. März. (Priv.^Tel.) Dem Reichsfinanzminister ist soeben eine Eingabe des Deutschen Rentnerbundes zugegangen, in der die Bereitstellung von Mitteln für die Schaffung eines Rentnerversorgungs- g e s e h e s verlangt wird. Die Möglichkeiten hierfür sieht der Deutsche Rentnerbund in der Einsparung der ZOO Millionen aus dem Voungplan und in der Schaffung einer besonderen Vermögenszuwachssteuer. Sa» bei wird allerdings, was die reine Vermögenssteuer angeht, eine wesentliche Erhöhung der vermögensfreien Grenze für die über 60 Jahre alten Rentner verlangt, und jedwede Erhöhung der Erbschaftssteuer für vermögenssteuersreieVermögen abgelehnt. Oie deutsch-österreichische Girafrechtskonferenz. Eine ^robcabfiimmunst entscheidet gegen die Todesstrafe. Wien, 5. März. (WTB.) Die deutsch-österreichische Strafrechtskonferenz erledigte unter dein Vorsitz des Geheimrats Professor Dr. Kahl zunächst eine Reihe von zurückgestellten Bestimmungen über Kuppelei, 'Beleidigung und Verletzung fremder Geheimnisse, üble Rachrede und Verleumdung. Eine längere Debatte entwickelte sich über die Frage, ob die Entscheidung über die Strafarten, darunter rnsbesön- dere auch über dieAufrechterhaltungder Todesstrafe, die zurückgestellt worden war, schon heute getroffen werden soll. Dom Vorsitzenden gemachten Vorschläge, daß die Absti.nmung darüber le dig lich eine Feststellung der Ansichten sein soll, wurde Folge geleistet und in diesem Sinne die Abstimmung vorgenommen. Es sprachen sich 30 Stimmen gegen die Beibehaltung der Todes st rase und 14 Stimmen dafür aus. Die vorbc- haltene Entstheidung über die Strafbarkeit der Homosexualität, der Bestialität und des Ehebruches wurde ebenfalls durch Abstimmung herbeigeführt. Für die Strafbarkeit der Homosexualität stimmten 23 Mitglieder, gegen die Strafbarkeit 21 Mitglieder. Dasselbe Stimmenverhältnis ergab sich für die Strafbarkeit der Bestialität und des Ehebruches. — Rach Dankesworten von Iustizminister Dr Slama, dem Konserenzvor- sihenden Geheimrat Dr. Kahl und dem Obmann des österreichischen Sonderausschusses Dr. Waber an die Teilnehmer wurde die Beratung der Konferenz beendet. Oie Führer -er Grünen Krönt im Reichsernährungsministerium. Berlin 5. März. (T.-Ll.) In Fortsetzung der Besprechungen, die vor einiger Zelt zwischen dem Reichskanzler und dem Reichsniinister für Ernährung und Landwirtschaft einerseits und der Grünen Front andererseits statt- fanden, wurde am 5. März im Reichsministerium für Ernährung unö Landwirtschaft ausführlich über die Lage verhandelt, die durch den ungeheuren Preissturz für zahlreiche landwirtschaftliche Erzeugnisse am Weltmarkt eingetreten ist. Die Hauptsorge bildet nach wie vor die Roggenfrage. Es wurden verschiedene Vorschläge gemacht, die diese Frage durch Ausräumung aller derjenigen Momente, die den Roggenpreis ungünstig beeinflussen, gelöst werden soll. Im übrigen wurde die immer noch wachsende Rotlage der landwirtschaftlichen Produktion in ihrem ganzen Umfange erörtert, eine Reihe von positiven Vorschlägen sollen als Grundlage für die ferneren Verhandlungen Menen, die vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit Rachdruck gefördert werden. Maßnahmen, die den Handel ausschalten, wird man dabei vermeiden. Die Bäcker zum Beimahlungszwang. Berlin, 5.März. (CNB.) Der Zentralver- band Deutscher Bäckerinnungen „Germania" veröffentlicht eine Kundgebung zu dem Pro- iekt, die Herstellung und den Vertrieb von reinem Weizenmehl zu verbieten und einen B e i in a h - lungszwang von 60 o.h. Roggen zum Weizen anzuordnen. Die Kundgebung der Backer- Innungen erklärt, daß bei aller Anerkennung der Not der Landwirtschaft vor solchen Vorschlägen die sie „ungeheuerlich" nennt, gewarnt werden muffe Zhe Beimischung von 60 v.h. Rogaenmehl 3um Weizenmehl bedeute praktisch ein Verbot b e r 5) e r ft e U u n g v o n K u ch e n w a r e n, von c n $ Weiogebäck, mindestens aber eine ^hebliche Verschlechterung des Kleingebäcks Die' Folge wäre die E n 11 a f f u n g t a u f e n b e r ü o n £c?cV,r9.eJelIen und damit ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit. Ein Schleichhandel mit ungemischten Auslandmehlen und ungemischten In- landmehlen werde einsetzen. Oie Etaiberaiungen im hessischen Finanzausschuß. Darmstadt 5. ffliärü. Oedecxt ® woixie. • »edeext ♦ Schnee a Graupeln, a hebet K üee/itter^)Wind$tilic«O-’ cirnier Osi natsiQU Südsüdwest b sturmfrcne» nordwes» die »feile fliegen mit dem Winde. Pie oci den Stationen dienenden Za*- Därme Den len den gelber 3 ibn -rübi luaii au hell- uni ßs ist 1 Frühlin? graue P frost. Ä vor der nenuntc kaum zv voll aus Mr Höher, einer zu riflcn Si Aus fern unb Tau Leben vo gekannt 1 dem z ahl Mtblümd Jahr. T Ulanzch Boden l Zwei zu sein haben schüttelt. Mch die hungrig« Dehe d zweige schöne : denken, lern ifr SlWttgi lieblichen T och to Gedanken zugelas 19160 Frii H01 De Fri Sh sir AI tei Ei Aus -er Provinzialhauptfiadt. Gießen, den 6. März 1930. Vorfrühling am sonnigen Hang. Erster Sonntag im März! Festlich strahlend lockt die Sonne. Und so wandern wir hinaus: Vater, Mutter, Bub und Mädel in glücklicher Gintracht. Ferne Hügel sind unser Ziel, wo uns der Frühling in jedem Jahr zuerst begegnete. Durch kleine Dörfchen führt unS der Weg. Sonntäglich blinken weihe Gardinen hinter blan- len Scheiben. 3m kleinen Vorgärtchen läuten unzählige Schneeglöckchen dem Frühling Willkomm. Lienen sind erwacht aus langem Winterschlaf und breiten wohlig die zarten Flügel der wärmenden Sonne entgegen. Gin lebhaftes Hin und Her ist vor den Fluglöchern des Bienenhauses. Bauern im Sonntagsgewand stehen in Gruppen, froh schwätzend auf den Straßen. Dies alles erhascht der Blick im Borübergehen. Die sonnigen Hügel locken uns heute, wo her Frühling schreitet auf leisen Sohlen. Gleich hinter dem Dörfchen steigen sie an. Gemächlich klimmen wir hinauf. Der Bub und das Mädel lebhaft voraus, den Blick immer suchend am Boden, bis die Kleine laut jauchzend ruft: .,3ch hab' die erste!" Wir umstehen das liebliche Frühlingswunder, die blaue Blume mit dem goldgelben Strahlenbüschel von Staubfäden und iehen ihr zu wie sie Sonne trinkt, Licht und Wärme, ilnh ein Schmetterling kommt, der Große Fuchs, die Liebliche zu umkosen Dann senkt er den "Rüssel hinab in den blauen Kelch, zu trinken den dargebotenen Honigtropfen. Auch ein gelber Zitronenfalter ist schon erwacht. Wir sehen ihn drüben gaukeln. Während wir weiterschreiten, luatS aus dem Boden, da und dort, strahlend hell- und dunkelviolett in ganzen Sträußchen. Es ist die Küchenschelle, eine der ersten Frühlingsblumen. Ihre Knospen sind in dicke, graue Pelzchen gehüllt zum Schutz gegen Racht- frost. Auch die schon offenen Blüten schützen sich vor der Kälte durch Zusammenfalten nach Sonnenuntergang. Ihre grünen Blätter sind noch kaum zu sehen. Sie kommen erst, toemt die Pflanze doll auf geblüht ist. Wer genau zusieht, entdeckt noch einen Frühblüher. Das ist das Hungerblümchen. Aus einer zierlichen Blattrosette erhebt es seine niedrigen Stiele mit den winzigen Weißen Blütchen. Auf dein sonnigen Hang stehen sie zu Hunderten und Tausenden nebeneinander, ihr bescheidenes Leben vollbringend, von den wenigsten Menschen gekannt und beachtet. Der Volksglaube sieht in dem zahlreichen Auftreten und Blühen des Hungerblümchens das Zeichen für ein unfruchtbares Jahr. Der Raine stammt jedoch daher, weil das Pflänzchen auf nahrungsarmem, kümmerlichen! Boden wächst. Zwei bis drei Wochen scheint die Ratnr voraus zu sein gegen andere Jahre. Die Haselkähchen haben ihren gelben Blutenstaub schon ausgeschüttelt. Vicht lang wird's dauern, so werden auch die Weiden in voller. Blüte stehen und den hungrigen Bienen das erste Futter darreichen. Wehe den Menschen, die rücksichtslos die Blütenzweige von den Büschen reißen und Gottes schöne Vatur verschandeln! Jeder sollte' daran denken, daß er damit den emsigen Honigsammlern ihre ersten „Weideplätze" raubt und den Spaziergängern, die nach ihm kommen, einen lieblichen Anblick! Doch wir wollen uns jetzt keinen verdrießlichen Gedanken hingeben. Wir lauschen der Kohlmeise, die aus dem Geäst des Apfelbaumes ruft: Frühling ist s, Frühling ist's. Veckend jagen sich Männchen und Weibchen von einem Baum zum andern. Ihr schwarzblaues Käppchen scheint für den Sonntag besonders schön geputzt und geplättet zu sein ,so glänzt's in der Sonne. Dann treffen wir im Duschwäldchen ein zärtliches Goldammerpaar. Do leuchtend gelb ist des Männchens Kopf und Hals, daß die Kinder meinen. es sei wohl ein entflogener Kanarienvogel. Mit Heiterkeit im Herzen kehren wir heim, und mir kommt Mörikes schöner Frühlings- gedanke in den Sinn: Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte: Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon. Wollen balde kommen. — Horch, von fern ein leiser Harfenton? Frühling, ja du bist's! Dich hab' ich vernommen! H. O. Daten für Freitag, 7. März 1792: der englische Astronom Sir John Herschel in Slough geboren. — 1922: der Mediziner Karl Ludwig i^hleich in Saarow-Pieskow gestorben. Gictzener r6ochcnmarktprcisc. Es kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 170, Matte 30 bis 35, Wirsing 25 bis 35, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 35 bis 40, älnter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 180 bis 200, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Russe 50 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf. Tauben 70 bis 80, Eier 10 bis 11, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 30 bis 40, Endivien 40 bis 60, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: Radieschen 25 bis 30 Pf. das Bund: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk. der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Akademische Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende: Betriebswirtschaftlicher Kursus (Thema. Selbstkostenproblem, Vortragender tlniv.-Prof. Dr. Aulcr», 20,15 Llhr, Großer Hörsaal des Dvrlesungsgebäudes. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon als Kannibalen" und „Luvino Lane im Sanatorium". — Ast oria-Lichtspiele: „Der Schrecken der Posträuber" und »Dolores, die Pantherkatze". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Freitag, 7. März, findet die zweite Wiederholung des mit so großem Beifall ausgenommenen Arnold-und-Dach - Schwankes „Weekend im Paradies" statt. Am Samstag, 8. März, um 15.45 Uhr findet zu kleinen Preisen eine Schülervorstellung des Shakespeare-Lustspiel „Wie es euch gefällt" statt. Man wird es hoffentlich begrüßen, daß auch der Jugend eine Sonderausführung dieses klassischen Lustspiel« geboten wird. Das heitere Stück wurde allseitig als eine besondere in Spiel, Kostümen und Bühnenausstattung wohlgelungene Aufführung angesehen. — Sonntag, 9. März, 18.30 Uhr, findet als letztes Operetten-Gastspiel des Frankfurter Operetten-Ensemble« eine einmalige Ausführung „Der fidele Bauer" statt. — „Die R o t der deutschen Ostmark" ist Has Thema eines Vortrages am nächsben Montagabend im EafS Leib, zu dem die Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine Gießen im Anzeigenteil unseres gestrigen Blattes eingeladen hat. Vortragender ist Archivrat a. D. Thiele aus Berlin. Der Eintritt ist frei, Gäste sind den Einladenden willkommen. • ** Festgoitesdicnst in der Stadt- kirche Am nächsten Sonntag wird der Hauptgottesdienst in der Stadtkirche um 9.30 Uhr auf Wunsch der 50er-Vereinigung 1870 1920 lVorsitzender Stadtratsmitglied Apotheker S ch w i c - der) zu einem Festgottesdienst für alle im Jahre 1870 geborenen Männer und Frauen, sowie deren Angehörige ausgestaltet. Die Predigt wird Pfarrer Mahr halten. Die Konzertsängerin Frl. Stammler und der K i r ch e n ch o r werden bei dem Gottesdienst mitwirken. An dem Festgottesdienst werden alle Mitglieder der Vereinigung ohne Unterschied der Konfession teilnehmen. Die Altersvereinigung wird an diesem Sonntag die Kirche mit Blumen schmücken und außerdem auf den Gräbern der Heimgegangenen Alterskameraden Kränze niederlegen lassen. ** Eine Schulfeier des Realgymna- s i u m s findet am morgigen Freitagnachmittag in der Turnhalle der Anstalt statt. Ferner veranstaltet die Direktion der Schule eine Ausstellung der Schülerzeichnungen. Die heutige Anzeige sei der besonderen Beachtung empfohlen. •• Städtische Brennholzver steige- rung. Auf die am morgigen Freitag 9.30 Uhr beginnende Brennholzversteigerung der Stadt Gießen in der Abteilung 51 des Stadtwaldes, bei der außer erstklassigem Buchen- und Eichenbrennholz auch kleinere Mengen Fichtenderbstangen 1., 2. und 3. Klasse zum Verkauf kommen, fei an dieser Stelle besonders hingewiesen. Bei dieser Versteigerung wird da« noch restliche Brennholz aus der Försterei Rödgen (Abt. 3 — Stolzenmorgen —, 19b — Dhilosophenwald — 23, 27, 28, 38 und 42 — Stadtwald —) ebenfalls zur Verwertung gelangen. Das Holz aus diesen Abteilungen kann jedoch nicht vorgezeigt werden, weshalb vorherige Besichtigung empfohlen wird. Zusammenkunft: Alter Rödger Weg, 11. Schneise (an der Happelwiese). *• Keine Geflügelcholera mehr. Das Polizeiamt teilt mit: Die Geflügelcholera in dem Hühnerbestand des Theo Bieker, Gießen, Reustadt 55, ist erloschen. ** Ein Saatgutmarkt mit anschließendem Grünlandkursus findet auf Veranlassung der Landwixtschaftskammer .am kommenden Sonntag in G r ü n b e r g im Gasthaus ., Zum Rappen^ statt. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten. ** Die landwirtschaftliche Haus- haltungsschule in Michelstadt, eine Einrichtung der Hess. Landwirtschaftskammer, eröffnet am 2. Juli wieder einen fünfmonatigen Haushaltungskursus Zur Beteiligung an diesem Kursus wird in unserem heutigen Anzeigenteil eingeladen. Man beachte die Anzeige. "Der Eisenbahnverein Gießen hielt am Sonntagnachmittag im Saale des Kath. Vereinshauses seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab. Aus dem vom ersten Vorsitzenden, Reichsbahnobersekretär A l t h a u s, erstatteten Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl des Vereins sich im verflossenen Jahre m erfreulicher Weise vermehrt hat. Der starke Mitgliederzuwachs berechtige zu der Hoffnung, daß bald wieder die Mitgliederzahl wie vor dem Kriege erreicht sein werde. Mit den Veranstaltungen des Berlins im verflossenen Jahre könne man zufrieden sein. Auf dem Gebiete der Mitglicderfürsorge habe der Verein segensreich gewirkt. 125 kranken und erholungsbedürftigen Mitgliederkindern sei im Laufe des verflossenen Jahres aus Mitteln der Dereinsfürsorge ein sechswöchiger Kuraufenthalt ermöglicht worden Der vom Rechner, Reichsbahnassistent August Loos, erstattete Kassenbericht wies eine Einnahme von 2292,18 Mark und eine Ausgabe von 2254,56 Mk. auf. Rach dem Bericht des Kassenprüfers wurde dem Rechner mit Dank Entlastung erteilt. Für drei ausgeschiedene Vorstandsmitglieder wurden Reichsbahnsckretär Heinrich L u h, Reichsbahnassistent Hamel und Reichsbahnhilfswagenmeister Leinweber gewählt. Der Vorsitzende teilte dann mit, daß der Vorstand für die diesjährigen Vereinsausflüge Koblenz gewählt und die erforderlichen Schritte zur Genehmigung der beiden Sonderzüge bereits eingeleitet habe. Die Errichtung einer Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen Eisenbahner sämtlicher Dienststellen in Gießen wurde erneut in Erwägung gezogen. Der Vereinsvorstand wurde beauftragt, an die Reichsbahndirektion Frankfurt mit der Bitte um Heberlassung einer geeigneten Flache an einer Wand der Bahnhofshalle zur Anbringung einer Ehrentafel heranzutreten. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Keliglonsgemeinbc Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 8. März. Vorabend: 6 Uhr: morgens: 9 Uhr: abends: 6.25 und 7.05 Uhr. Israelitische Religionsgescllschasi. sabbatfeier den 8. März. Freitag abend 5.50 Uhr: Samstag vormittag 8.30 Uhr: nachmittags 3.30 Uhr: Sabbatausgang 7.05 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7, abends 5.30 Uhr. (Schluß des redaktionellen Teils.) „Der haushalt ist der beste, in dem man nichts Ueberfliissiges will und nichts Notwendiges entbehrt", hieß es im Altertum. In der heutigen Zeit hält man sowieso nur Ausschau nach dem Notwendigen, dabei Guten und Billigen. .hierbei sind in erster Linie Maggi's gebrauchsfertige Suppenwürfel zu nennen, weil sie um wenig Geld nahrhafte, wohlschmeckende Suppen in reicher Auswahl liefern. In Millionen von .Haushaltungen sind diese praktischen Helfer der Küche ständig im Gebrauch. 407D TVilf heute, jeder -6ein /- jjrum tutypiier- j/jraxiri^ jfadhinein Und nimm jfäiAerSÄcnax-. Sei/edaitr Sc /uh td du dich verjüngt im Sj?t Ab Freitag, den 7. März, sieht ein großer Transport osipreußische hochtragende MemMdel in meinen Stallungen zum Verkauf. J9llD £811016 £86, Wtt ««8 Ich bin nunmehr auch am Landgericht Giefeen zugelassen. 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Georg Frey, München Die trauernden Hinterbliebenen: Katharina Schaum geb. Dern Familie Karl Faber Familie Heinrich Schaum nebst allen Angehörigen. Grofien-Linden, Hörnsheim, den 4 März 1930. Die Beerdigung findet Freitag, den 7. März, nachmittags 23/< Uhr statt. 01540 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unsern lieben, treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Herrn Johannes Schaum I. nach schwerem Leiden im 75. Lebensjahr heute abend 10 Uhr zu sich zu rufen. Junges Ehepaar lucht zum 1. 4. 2-3lmmer®oöng. mit Külve. Schr. Ang. u. 01532 an den GieK. An,. 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Frau Marie Seh. Euler. Gießen, Bad-Nauheim, 5. März 1930. Die Beerdigung fand in aller Stille statt. Todesanzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß heute früh 4l/3 Uhr unser lieber Sohn und Bruder Heinrich Balser im blühenden Alter von 18 Jahren nach kurzem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden in die Ewigkeit abgerufen wurde. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Balser XII. Oppenrod, den 5. März 1930. Die Beerdigung findet Freitag, den 7. März, ralfrage ""stände und alfa losen — l|tcrarik ’M we nimmt, S'N s» «Sä?* fd)Pi4c Mit 20 lich fr zu 6k abgeleg konische brachte baute Hotels, er kurz letzt sei Anfang Der treu, o S. $ ? L Zwk nen E 1300 ' hat fi Somskog. 8. marj. abends 87, Uhr: Deremsabenö imKaufmäunifche« Vereiusbaus. Werbeabend m. Bor- frag über d.Berliner Stenoar.-Tag. I9MD Knrxiekrllivereli von 1861 M. Damenvereln Babelsberger. AAAAAAAAAAAA WWWWWW rZleitziges Mädchen nicht untev 15 I., von 8-2Uhr gesucht. 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Wenn - wie es in Schweden Brauch — alle seine Geschäftsfreunde und Schuldner ihm zum Geburtstag ein Glückwmrschtelegramm schicken würden, sollten cs deren gar viele wer- beir Auf der ganzen Welt gibt es kaum jemand, der so viele Kreditoren hat, wie der Beherrscher des schwedischen Zündholztrusts. Wenn er im vorigen Iahry der deutschen Regierung ein Darlehen von 500 Millionen Mark gab, bedeutet das schließlich doch, daß jeder Deutsche Herrn Kreuger aus Stockholm fast zehn Mark schuldet. Gleicherweise hat der Zündholzkönig ja aber auch der französischen Regierung, den baltischen Staaten unb denDal- kanländern mit großen Darlehen unter die Arme gegriffen: bis nach Südamerika reichen die Staatsanleihen des nordischen Finanzdiktators. Zwölf Länder mit mehreren hundert Millionen Einwohirern haben vom Kreugerkonzern über 1300 Millionen geliehen: als letzter im Bunde hat sich soeben die Freie Stadt Danzig dem Zündholztrust verschrieben. Mit einer- ganzen Reihe anderer Länder schweben Monopol- und Anleihevcrhandlungen: dazu kommt der finanzielle Einfluß des schwedischen Zündholztrusts und seiner Tochtergesellschaften auf alle die Staaten, wo Kreuger ,->iDat rein offizielles Monopol besitzt, wo aber doch viel Tausende von Angestellten i« Betrieben arbeiten, die der Kontrolle des Schwedentrusts unterstehen, der in der Beherrschung des Weltmarktes nirgends ein Gegenstück hat. Richt mit Automobilen, Lokonrotiven oder Petroleumquellen, nicht mit Objekten, die schon in der Einzahl erhebliche Werte darstellen, hat Kreuger sein Vermögen erworben. Mit dem verachteten Zündholz, dessen Preis sich kaum angeben läßt, hat er sein Reich aufgebaut, den weltumspannenden Konzern, von dem allein die beiden Stockholmer Stammhäuser im vergangenen Jahre einen Reingewinn von weit über 100 Millionen beim Steuerfiskus anzeigten. Mit den Zündholzinillionen hat der Kreugerkonzern später neue Wirtschaftszweige erobert, Erzfelder, Grundstücke. Wälder und Zellstoffabriken in aller Welt erworben - doch das Zündholz ist der Mittelpunkt, die Seele des Riesenunternehmens geblieben. Der Zündholztrufst hat, wie iricht anders zu erwarten, viele Feinde. Ivar Kreuger hat keine Feinde. Persönlich kennt auch in Stockholm fast niemand den schwedischen Wirtschaftskönig. Er macht keine Gesellschaften mit, gibt keine Interviews und sucht zu verhindern, daß sein Rcune oder sein Bild in die Zeitungen kommt. Mit jungen Jahren ist er eine sagenumwobene Gestalt geworden, deren Fähigkeit, sich der öffentlichen Aufmerksamkeit zu entziehen, sprichwörtlich geworden ist. Ivar Kreuger, dessen Vorfabren vor 200 Jahren aus Deutschland In Schweden ein- wänderten, stammt zwar nicht aus ärmlichen, aber doch einfachen Verhältnissen. Die kleine Zündholzsabrik, die sein Vater in Kalmar besaß. hat für seinen Werdegang wenig bedeutet. Wit 20 Jahren ging er, nachdem er ungewöhnlich frühzeitig an der Technischen Hochschule zu Stockholm sein Examen als Bauingenieur abgelegt hatte, nach Amerika. Auf beiden amerikanischen Kontinenten, in Afrika und Australien brachte er seine Jugend- und Studienjahre zu, baute Wege und Brücken, Sportpaläste und Hotels. Rach Schweden zurückgekehrt, gründete er kurz vor dem Kriege die Baufirma, die noch jetzt seinen Ramen trägt, und die aus kleinen Anfängen bald zum Weltunternehmen wurde. Der Arbeitsweise des Baumeisters blieb er treu, auch als er zur Zündholzindustrie über» Sing. Klug berechnend, fügte er Stein zu Stein, aute auf festen Fundamenten den Zündholztrust Gießener Gtadttheaier. W. S. Maugham: „Die heilige flamme". 'Dian hat nach den vielen früheren Aufführungen dieses sehr erfolgreichen Stückes allenthalben ziem- lich einmütig erklärt, daß es ein Reißer fei. Dein rft kaum zu widersprechen. Es darf aber vielleicht betont werden, daß der englische Dramatiker Maugham schon schlimmere Stücke geschrieben hat als dieses. llnb daß das Reißerische hier nicht in der Handlung liegt. Die Handlung ist in ihrer Verkettung zwar ungewöhnlich, aber durchaus nicht unwahr scheintich: uird es ist kaum ernsllich von der Hand zu weisen, daß die Wirklichkeit manchmal erheblich unglaubwürdiger spielt als die Literatur und sich manchmal geradezu kitschig gebärdet. * Das Reißerische liegt also, für unser Empfinden, darin, wie die Wirklichkeit für die Literatur ausge schlachtet wird. Stellenweise sogar darin, daß sie überhaupt aufs Theater gebracht wird. Die Generalfrage des Stückes — ob eine Mutter, aus Liebe, imstande fei, ihr unheilbar krankes Kind zu töten und also durch den Tod von seinen Leiden zu erlösen — ist so beschaffen, daß sie besser von einer literarischen Diskussion ausgeschlossen bleibt, ... zumal wenn kein Dichter sich dieser Diskussion an- nimmt, sondern ein Schriftsteller. * Maugham hat aber mit dem, was man bisher von ihm zu hören bekam, durchaus bewiesen, daß er ein Schriftsteller ist, ... mit diesem Stück hat er sogar gezeigt, daß er ein sehr geschickter Schriftsteller ist. Denn selbst da, wo sein dramatischer Instinkt aussetzt, was hier mehrfach geschieht, erzeugt und bewahrt er bis zuletzt eine starke Spannung, die den Zuschauer erst ganz kurz vor dem letzten Vorhang entläßt. * Technisch ist also das Schauspiel keineswegs schlechter als manches der tüchtigen englischen Krirhinalstücke, die jetzt so beliebt sind. 'Aber gerade diese Technik, die glatte Handfertigkeit und speku latioe Geläufigkeit — einem solchen Stoff aegen- über — verstimmt ebensosehr wie das große Pathos und die Sentimentalität, die doch an bemerkenswerten Stellen (im geschwollenen Titel zum Beispiel und am Schluß des dritten Aktes) die scheinbare Gelassenheit und die typisch angelsäch- „Svenska Tändsticksaktiebolaget" und den Finanztrust „Kreuger & Troll". Der Zündholzkönig hat nicht einmal zum Heiraten Zeit gehabt: die amerikanischen Zeitungen haben ihn zum reichsten Junggesellen der Welt ernannt. Er gönnt sich nicht die Muhe, Feste zu feiern und Glückwunschtelegramme zu lesen. Zu seinem 50. Geburtstag ist er außerhalb der Landesgrenzen geflüchtet, hat streng untersagt, daß in seinen Betrieben eine Einsammlung erfolge oder in irgendeiner Form seines Geburtstages gedacht werde. Sein Versuch, der Oeffentlichkeit den Jahrestag vorzuenthalten, ist gescheitert. Eine Reihe von Kreugerbiographien finb erschienen. Aeber den Kreugertrust können sie manches sagen — über Ivar Kreuger fast nichts. Seine Anonymität hat einen eigenartigen Rimbus um ihn gewoben: nur die Pressephotographen in Berlin, Paris und Reu- York haben wie eine schwedische Zeitung feststellt — den Beweis dafür erbracht, daß er wirklich lebt. In Stockholm, in seinem eigenen Vaterlande, ist der nüchterne Finanzdiktator eine romantische Sagensigur. Oie reichsten Leute der Welt. 30000 Oollarmill onäre. — Etwa 2 400 Millionäre in Deutschland. — Kein Deutscher unter den reichsten Männern der Welt. Von Rudolf Bier. Auch in Amerika gibt es eine Art „Gvthaer Almanach". In dem Buch „Who is who in America“ werden zunächst die führenden Familien des Landes aufgezählt, die „Oberen Vierhundert", die eine Art Hoch adel bilden, und in deren Gesellschaft der Außenseiter kaum jemals einbringen kann. Blättert man dies Buch durch, so vermißt man merkwürdigerweise zwei Ramen, von denen der Europäer als selbstverständlich annimmt, daß ihre Träger zu den „upper four hundred“ gehören: Die Ramen Rockefeller und Ford. Der Petrolemn- konig und Automobilkönig sind zwar die reichsten Männer der Welt, aber sie besitzen noch nicht genügend Ahnen, um in dem als Pluto- kratisch verschrienen Amerika in die vornehmste Gesellschaft ausgenommen zu werden. Wer in den exklusivsten Kreisen Reuyorks verkehren will, muh zwar sehr viel Geld besitzen, aber es wird außerdem von ihm verlangt, daß seine Familie schon lange wohlhabend ist. oder daß er nachweisen kann, von den ersten Einwanderern abzustammen. Run mag es kein besonderes Vergnügen fein, in dem langweiligen Kreis der Oberen Vierhundert zu verkehren, und viele amerikanische Multimillionäre werden gern auf diese Ehre verzichten. Sie werden sich damit begnügen, zu der Schicht der oberen Zehntausend zu gehören, die immer noch vornehm genug ist, und in die man ohne weiteres Eingang findet, wenn das Bankkonto eine gewisse Summe erreicht hat. Allerdings gehören zu der Klasse der amerikanischen Millionäre längst viel mehr als zehntausend Menschen. Im Jahre 1914 gab es in den Vereinigten Staaten nur 4500 Personen, die mindestens je eine Million Dollars besahen: 1917 waren es 11 800 Dollarmillionäre, und vor wenigen Monaten meinte das Schatzamt, auf Grund der Steuerlisten 14 000 Dollarmillionäre feststellen zu können. Die Banken haben über die Angaben des Schatzamtes nur gelächelt, denn sie wissen, daß auch in Amerika die reichen Leute nicht gern ihr gesamtes Vermögen den ©teuer» behördett angeben. Rach der Schätzung der Banken gab es vor dem Krach an der Reuhorker Börse in den Vereinigten Staaten rund 30 000 Dollarmillionäre. Wieviel Personen inzwischen ihr Vermögen verloren haben, steht nicht fest. Aber wahrscheinlich haben es andere gewonnen, und so wird sich die Zahl der Dollarmillionäre nicht wesentlich verändert haben. Ein Vermögen von einer Million Dollars ist eine schöne Sache — aber es gibt in den Vereinigten Staaten nach der amtlichen Steuerstatistik sogar 283 Amerikaner, die jährlich mindestens dieses Vermögen verdienen! Zehn amerikanische Steuerzahler geben den Behörden an. daß sie in jedem Jahr ein Einkommen von über fünf Millionen Dollars ober von 21 Millionen Mark haben. Diese zehn Amerikaner verteuern jährlich ein Einkommen von zusammen rund 90 Millionen Dollars ober 380 Millionen Mark. Vergleicht man diese Summen mit den Beträgen, die die reichsten Männer Deutschlands versteuern, so wird offenbar, wie wenig sich die deutschen Finanzmagnaten mit den Amerikanern messen können. Unter den Industriekapitänen, die in Deutschland am meisten Geld verdienen, steht Fritz Thyssen zweifellos an hervorragender Stelle. Man kann annehmen, daß er heute wieder ebensoviel besitzt wie sein Vater vor dein Krieg, nämlich 50 Millionen Mark, und dieses Vermögen wird sich durchschnittlich um drei Millionen Mark jährlich vermehren. Damit würde Thyssen in Amerika noch nicht zu den 283 Leuten gehören, die ein Einkommen von mindestens einer Million Dollars Habern Auch das Oberhaupt der I.--G.-Farben, der Geheime Kommerzienrat Dr. Karl Bosch, könnte sich nicht in diese Kategorie einreihen, da sein Einkommen auf jährlich „nur" mehr als zwei Millionen Mark geschäht wird: sein Vermögen ist mcht genau bekannt, doch dürfte sein Aktienbesitz etwa 20 Millionen Mark wert fein. Reben ihm besitzen in der chemischen Industrie die Brüder Karl und Arthur von Weinberg bas meiste Geld. Zu den Männern mit dem größten Einkommen in Deutschland gehört auch Karl Friedrich von Siemens, der jährlich etwa anderthalb Millionen Mark verdient und ein Privatvermögen von mindestens 20 Millionen Mark besitzt. Bei allen diesen Angaben ist nicht das Vermögen der Familie gemeint, daß weit größer ist, sondern nur die Summe, über die die einzelne Person verfügt. Man kann schwer schätzen, wie reich Jacob Michael ist, der gerade in den letzten Wochen größere Aktienpakete verkaufen muhte. Es wird angenommen, daß er mindestens 100 Millionen Mark hat. Wie schwer es jedoch ist, zuverlässige Ziffern anzugeben, geht daraus hervor, baß der Nachlaß bes vor vier Monaten verstorbenen Berliner Multimillionärs Albert L o e s k e von ben verschiedenen Sachverständigen auf 20 bis 130 Millionen Mark angegeben wird. Da die reichsten Leute gewöhnlich nur einen bescheidenen Teil ihres Vermögens m barem Geld anlegen, da aber andererseits Grundbesitz und Beteiligungen an Gesellschaften einen schwankenden Wert haben, können die Schätzungen stets nur mit großer Vorsicht benutzt werden. Immerhin steht fest, daß die drei Brüder Georg, Wilhelm und Franz Wertheim sowie bie Herren Georg und Martin Tietz und Dr. Zwillenberg im deutschen Handelskapital an führender Stelle stehen. Unter den Bankiers gelten Franz von Mendelssohn und Jakob Goldschmidt von der Darmstädter und Rationalbank mit je 40 bis 50 Millionen Mark als die Reichsten. Karl Fürstenberg von der Berliner Handelsgesellschaft und Rathenaus Schwager A n d r e a e , der Geschäftsinhaber des Bankhauses Hardy L Co., mögen je über 20Millionen Mark besitzen. Schließlich sind der Hamburger Bankier Warburg, die Kölner Finanzleute Louis Hagen und Freiherr von Oppenheim sowie die Inhaber des Bankhauses von Goldschmidt-Rothschild bei einer Aufzählung der kapitalkräftigsten Bankiers nicht zu fische Nüchternheit in der Entwicklung des „Falles" durchbricht. * Ja, um einen Fall handelt es sich hier: ob man ihn nun als Familienkatastrophe, als psychoanalytische Schuluntersuchung oder als Kriininal- sache auffassen will, tut nicht viel zur Sache. Die wesentlichen Elemente der Fabel: ein im Kriege abgestürzter Flieger liegt seit Jahren ohne Hoffnung auf Genesung gelähmt. Er hat eine junge und schöne Frau: er liebt sie ... wie ein gesunder Mann und also hoffnungslos. Die Frau ist gut zu ihm, aber sic verwechselt ihr Mitleid mit Liebe. Ihre eigentliche Liebe gehört, dem Kranken verborgen, dessen Bruder. In der Nacht nach dem Abend, an dem diese heimliche Leidensd)aft (dem Zuschauer) offenbart wird, stirbt der Kranke. Seine Pflegerin kommt am nächsten Morgen mit der Nachricht des Todes — mit der Anklage des Mordes und mit der Anschuldigung, die Frau des Toten, die am Abend einen Schwächeanfall überstand, erwarte ein Kind. * Tie Unterlagen für bie Anklagen finb schwerwiegend genug. Die junge Frau gibt zu, ihrer Mutterschaft entgegenzugehen und wird durch dieses halbe Geständnis schwer belastet. Eine gerichtliche Verhandlung scheint unvermeidlich, da die Pflegerin aus Pflichtgefühl, wie sie sagt, auf einer Obduktion besteht, die die Berechtigung ihrer Qlntlage erbringen müßte. Im Laufe der sehr geschickt zugespihten Untersuchung im Familienkreise ergibt sich, bah die Krankenschwester nicht so sehr aus Pflichtgefühl als aus jahrelang uneingeftaubener Liebe zu dem Kranken und aus eifersüchtigem Haß gegen dessen Frau auf einer Aufklärung bestand. Aber endlich stellt sich heraus, bah nicht bie junge Frau, sonbem bie greife Mutter bie Tat begangen hat. — Tie Ausführung, von F a s s o 11 recht wirkungsvoll geleitet und gesteigert, war besser als bas Stück: glattes, sauberes Theater mit flüssigem Zusammenspiel, bas nur ein eittziges Mal infolge einer entschuldbaren Hemmung aussetzte. Die freunblichsten Eindrücke des Abenbs gingen von der Wiederbegegnung mit Frau Auguste Prasch-Grevenberg aus: sie hatte als Gast die Rolle der Mutter übernommen, und inan kann sich nicht leicht einen willkvmmeren Anlaß zur Entfaltung ihres bedeutenden Könnens und ihrer persönlichen Eigenart vorstellen. Es war eine Freude, der reifen und abgeklärten Darstellung, der schauspielerischen Kultur und der klaren gepflegten Diktion von Frau Prasch- Grevenberg zu folgen, bie ihre Gestaltung der Rolle weit über das Niveau des Stückes hinaushob: sie gab mehr, als der Text zu geben vermag: menschliche Wärme und seelische Gröhe einer sehr gütigen, klugen und mütterlichen Frau. In der schwierigen und wichtigen Rolle der Stella fand Trude H e h eine ihrer Begabung durchaus entgegenkommende Aufgabe, bie sie — hier etwa auf einer mittleren Linie zwischen ihren Leistungen in „Mary Dugan" und ber ..Perlenkomödie'' — in überzeugender Weise beherrscht und löst. - Auf einen feinen und stillen Ton hatte T a n n e r t, im ersten Akt, den jungen Maurice Tabret gestimmt; Arzdorf holte aus ber spröben und wenig dankbaren Figur des Colin das Möglichste heraus: Lieselotte Fuhrmann (Schwester Wayland), hingegeben an die verbissene Aktivität ihrer anklägerischen Rolle, wirkte von Ansang an zu starr und stellenweise auch mimisch verkrampft. Gut standen an ihrem Platz Hais (Dr. Harvester) und Fassott (Liconda): beide angenehm knapp und reserviert. Starker Beifall schien in erster Linie ber Aufführung zu gelten; besonders Frau Prasch- Grevenberg wurde herzlich begrüßt. Dr. Th. Kaiser Friedrich II. und das Elsaß. Auf Einladung des O b c r h e s s i s ch e n G e - schicht svereins sprach an dessen letztem Vortragsabend ber Frankfurter Historiker Prof. Dr. Fedor Schneider über den großen Hohenstaufen und seine Beziel-ungen zum Elsaß. Noch immer herrscht die Ansicht, der letzte Hohestaufe habe nur in Italien gewirkt und mir für dieses, das Land seiner Geburt, Liebe gefühlt; in Deutschland, das er einige Male durchzogen habe, sei er ein Fremder geblieben. Eine Auffassung, die dec Vortragende zu widerlegen suchte, indem er auf die Persönlichkeit des Staifers und seine Beziehungen zuni Elsaß einging. Im Anschluß an eine Rektoratsrede Karl Hampes wies der Redner auf den Mythus vom Fortleben des Herrschers hin, der sich sofort nach seinem Tod entwickelte und in Deutschland wie in Italien zum Auftreten zahlreicher „falscher Friedriche" vergessen. Etwa 50 Millionen Mark soll der Bauunternehmer Adolf Sommerfeld haben, und die gleiche Summe schreibt man sowohl den beiden Brüdern Dr. Ernst P e t s ch e k und Karl Petschek sowie ihrem Vetter Paul Petschek zu; die drei Petschcks. bie aus ber Tschechoslowakei stammen, besitzen große Braunkohlengruben. Damit ist die Liste der reichen Deutschen freilich noch nicht erschöpft; es fehlt z. D. das Kruppsche Vermögen, und vor allen Dingen fehlt eine Berechnung des Hohenzollern-Der» mögens, das aus Landbesitz, aus Schlössern und Kunstwerken besteht. Der Regierungsrat Rudolf Martin hat vor etwa einem Jahr berechnet, daß ber Hohenzollernbesih, wenn man ihn verkaufen würbe, etwa 500 Millionen Mark einbringen könnte. Aber bas Vermögen des früheren Kaisers ist nur groß für deutsche Verhältnisse, wirb bagegen weniger bedeutsam, wenn man es mit amerikanischen Vermögen vergleicht. 100 Millionen Dollars? Die Familien Ford und Rockefeller besitzen zweifellos jede mehr als das Zehnfache, die Brüder Mellon. Bankiers und Aluminium- industrielle, mindestens das doppelte. 2n seiner besten Zeit hatte man ben verstorbenen belgischen Bankier Alfred Loewenstein nahezu auf diese Summe geschätzt, wenn seine Hinterlassenschaft auch nur etwa 100 Millionen Mark betragen haben soll. Die Astors, die Vanderbilts ober ber japanische Baron Mitsui, um nur ein paar weltbekannte Ramen zu nennen, finb sicherlich vermögenber als die Hohenzollern. Auch Ivar Kreuger, der schwedische Zündholzkönig-. Simon P. P a t i n n, der Besitzer der bolivianischen Zinngruben, ober gar ber Herzog von Westminster, bem ber wertvollste Teil Lon- bons gehört, sind mit deutschen Multimillionären nicht zu vergleichen. Ueberhaupt gibt es in England eine große Zahl reicher QBäuner, bie sich eher als Deutschlands Millionäre mit ben Amerikanern messen können. Da ist zunächst ber in ben letzten Jahren oft genannte englische Rüstungskönig Sir Basil Z a h a r o s f, der mindestens 600 Millionen Mark „schwer" sein soll. Insgesamt gibt es nach der Statistik des britischen Schatzamtes 572 Engländer, die mehr als eine Million Pfund besitzen. In Deutschland leben nach der Steuerstatistik 2400 Millionäre, gegen 15 547 vor bem Krieg. Aber um in Englanb Millionär zu werben, muß man nicht über eine Million Mark, sondern über den zwanzigfachen Betrag: nämlich eine Million Pfund, verfügen! Während sich die Zahl ber Marlmillionäre feit bem Krieg auf ein Sechstel verringert hat, ist bie Zahl ber Pfunbmillionäre, bie im Jahre 1906 nur 19 betrug, feit biefer Zeit auf bas Dreißigsache gestiegen. 138 Englänber haben ein Jahreseinkommen von mehr als zwei Millionen Mark versteuert! Insgesamt haben biete 138 Multimillionäre im Jahre 1927 27 Millionen Pfunb, also über eine halbe Milliarbe Mark einkassiert. Wenn man ganz von ben Durchschnittseinkommen ber Völker absieht, fonbem nur bie Spihenbeträge ber reichsten Männer in Betracht zieht, ergibt sich auch aus biefen Ziffern, baß Deutschland heute zu ben ärmeren Rationen gehört — obwohl allein in Berlin 290 Millionäre leben. Die hessischen Aerzie müssen Gewerbesteuer zahlen. Vor einigen Tagen befaßte sich ber Hessische Verwaltungsgerichtshof mit einer Rechtsbeschwerbe bes praktischen Arztes Dr. W i h m a n n, Darmstadt, gegen die Heranziehung zur hessischen Gewerbesteuer, die im Jahre 1928 ei?geführt wurde. Das Verwaltungs- gericht hat sich numueyr wie die beiden Vorinstanzen auf den Standpunkt gestellt, daß die Heranziehung der hessischenAerzte- schaft zur Gewerbesteuer gerechtfertigt ist. Die Rechtsbeschwerbe des Arztes, bie als Präzebenzfall geführt wurde, wurde kostenpflichtig abgewiesen. führte. Das Charakterbild dieses „ersten modernen Menschen auf dem Throne" bleibt umstritten: Konrad B u r d a d) und Franz Kampes betonen mehr das mittelalterliche Element in Friedrich II. Wir wissen wenig Auchentisches vom Wesen dieses außer- gewöhiüichen Fürsten und Menschen; im ganzen nur das, was spätere Benützer aus seiner verlorenen Biographie übernahmen. In dieser Biographie war der Kaiser, wie es scheint, als ein Unioersalmensch bezeichnet: das Per- fönlichkeitsideal der Renaissance. Aus der Vielseitigkeit seines Wesens hob der Vortragende in erster Linie die Staatskunst hervor. Friedriä) tritt uns zunächst als praktischer Staatsmann entgegen. Er ist dec Verwaltungskaiser, beginnt mit übersichllicher Organisation, Vermehrung des Staatsgutes und der Einkünfte. Aber dieser Rationalist hat im Grunde etwas Dämonisd)es: sein Leben ist ein faustisches Ringen, die Welt allseitig zu begreifen, das eigene Ich zu (teigem, alles seiner Macht zu unterwerfen. Wie durch ein Wunder bemächtigte sich ber Siebzehnjährige des Reiches seiner Väter. Acht Jahre lang regierte er wie diese als deutscher König. Das Elsaß, in dem er zuerst Fuß faßte, blieb der Mittelpunkt seiner Macht; ein ebesondere Liebe verbindet ihn mit Hagenau, ber stolzen Barbarossapfalz. Der Redner gab einen Ueberblick über den stau- fischen Besitz im Elsaß, der so beträchllick) war, daß Alois M c i ft e r diese Landschaft eine stoufische Provinz nennen konnte. Weben Hageimu waren Schlett- stadt. Erbe der staufischen Ahnfrau Hildegard, Colmar, ber Odilienberg mit Kloster Hohenburg wich- tige Besitzungen. Friedrich II. Bedeuümg für das Elsaß besteht in den Etädtegründungen und in ber Organisation der Verwaltung. Der Kaiser schuf die Prokuration des Elsaß, eine Zenkraloerwaltung mit dem Sitz in Hagenau. Hier nahm Friedrich nach der Hochzeit mit seiner dritten Gattin Aufenthalt bis zum nädjfteii Frühjahr. Aber die Tätigkeit Friedrichs für das Elsaß ging nicht mit ihm selbst zu Grunde. Rudolf von Habs bürg knüpfte gerade zwischen Rhein und Vogesen an ihn an, und erst der Westfälische Frieden vernichtete die starke Stellung Habsburgs an der Westfront, die auf staufischen Grundlagen aufgebaut war. Wenn überhaupt irgendwo in Deutschland, so ist Kaiser Friedrich II. mindestens nickst im Elsaß ein Fremder gewesen. Rach reichem Beifall dankte der Vorsitzende, Unio.- Bibliotheks-Direktar Dr. Ebel, bem Redner. An der Diskussion beteiligten sich Prof. Dr. Roloff, Studienrat Dr. König und Prof. Dr. Ebel, der bie Versammlung schloß. Dr. Wn. Aus der Provinzialhaupifiadi Gießen, den 6. März 1930. Hausbesiheriagung in Gießen. Dieser Lage hielt der Gießener Hausbesitzerverein unter der Leitung seines 1.Vorsitzenden, Stadtratsmitglied H. Launs- pach, seine 2 3. Hauptversammlung im Hotel „Hindenburgs ab. 3u Beginn der Versammlung erstattete der Vorsitzende Launspach den Jahresbericht. Er führte dabei u. a. folgendes aus: Das Iahr 1929 stand für den deutschen Haus- und Grund- besitz unter dem Zeichen des Kampfes. Der gesamte Mittelstand. Hausbesitz, Handwerk und Gewerbe, alle hatten gemeinsame Sorgen und berechtigte Wünsche. Betrachtet inan die wirtschaftspolitischen Verhältnisse in Deutschland-, so kann der unparteiische Sozialpolitiker die Feststellung machen, daß der Kampf nicht mehr im Sinne des strengen Marxismus dem Kapital als solchem gilt, sondern daß er zu einem Bingen, um den Kopitalbesitz im Interesse politischer und wirtschaftlicher Machtgewinnung geworden ist. Es ist für unseren republikanischen Dolks- stoat Selbsterhaltungspflicht, wenn er den breiten Schichten des Mittelstandes ihre wirtschaftliche Selbständigkeit und Freiheit wiedergibt und ihre Existenz nicht untergräbt, auf deren Leistungsfähigkeit Staat, Länder und Gemeinden keineswegs verzichten können. Die gerechte Forderung der Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft ist in der gewünschten Weise bisher nicht in Erfüllung gegangen. Hieraus läßt sich auch die schlechte Lage am Kapitalmarkt und bei dem Bauhandwerk erklären. Schon aus diesem Grunde müßte die freie Wohnungswirtschaft wieder eingeführt werden, denn nur dann wird sich auch die Bautätigkeit wieder heben. Aber trotz wiederholter Eingaben hat es die hessische Regierung nicht für nötig befunden, Abhilfe zu schaffen. Die einzige Erleichterung, die ober kaum in Frage kommt, ist die, daß in Gießen Wohnungen über 1800 Mark und Geschäftsräume über 4800 Mark Friedensmiete aus dem Mieterschuhgesetz herausgenommen worden sind. Diese sog. Lockerung ist aber nur erfolgt, um die Hausbesitzer zu beruhigen; man will ihnen den guten Willen zeigen, wenn man auch schon vorher weiß, daß diese Lockerung praktisch keinen Wert hat. An eine wirkliche Lockerung oder gar Aufhebung der Zwangswirtschaft denkt der hessische Minister gar nicht, obgleich es für größere Wohnungen heute oft schon schwer fällt, einen passenden Mieter zu bekommen. Geschäftsräume stehen bereits in größerer Anzahl leer. Die Reubau- wohnungen müssen trotz der angeblich großen Wohnungsnot, die hier bestehen soll, meist an Auswärtige vermietet werden, weil sich hier keine Mieter dafür finden. Es ist sicher, daß genug Wohnungen vorhanden sind, sobald die Zwangswirtschaft aufgehobeü wird. Der heutigen allgemeinen Entwertung des Haus- und Grundbesitzes, seiner Ausschaltung aus dem Kapitalmarkt und den unübersehbaren folgenschweren Auswirkungen der bestehenden Wohnungswirtschaft auf das Gesamtgefüge der deutschen Wirtschaft muß mit Entschiedenheit entgegengetreten und die freie Wohnungswirtschaft mit Rachdruck gefordert werden. Der Boden hunger der Gemeinden hat mit der Zeit groteske Formen angenommen und vielfach zu einer Aeberschuldung der Gemeinden geführt, wodurch die Steuerlasten für die Bürgerschaft verstärkt wurden, was zu einer wirtschaftlichen und finanziellen Katastrophe füh- Sie blonde Sklavin. Roman von Hermann Weilt. 23 Fortsetzung ’JladiDrurf verboten Seine Hände sanken herab. Er wollte etwas sagen, brachte aber keinen Laut mehr über die Lippen. Wortlos wandte er sich ab. ..Run, habe ich vielleicht gelogen?" sagte Honnecker in mitleidiger Ironie. Er machte eine verächtliche Gebärde zu Eva Witte hin. „Wenn ich nicht gewesen wäre, säße sie im Gefäng- nis! Aus Mitleid mit ihr habe ich die Sache vertuscht ..., vor Gericht bezeugt, daß Reinhold Witte sich selbst erschossen habe, als Dank dafür macht sie nun solche Geschichten! Das hat man von seiner Gutmütigkeit?" Breitspurig, von der Gewißheit seines Sieges geschwellt, stand Honnecker da. Den beiden Herrschaften hatte er ja die Suppe gründlich versalzen! ... Daß Schulhofs nach den Eröffnungen, die er ihm gemacht hatte, von jetzt an auf Eva verzichten würde, stand für ihn fest, llnö Eva? ... Sie würde froh sein, wenn sie nach dieser Blamage bei ihm, Honnecker, bleiben konnte. Die Sache stand für ihn gut, besser als je? Felix Schulhofs griff nach seinem Hut, der ihm vorhin entfallen war In ihm war eine grenzenlose Leere. Er war keines klaren Gedanken mehr fähig. Rur fort wollte er ..., fort aus diesem Zimmer, wo die Wände auf ihn einzudrücken schienen und er zu ersticken meinte. Da vernahm er einen herrischen Ausruf Honneckers: „Wohin willst du?" Er wandte sich um und sah Eva Witte zur Tür wanken. Sie gab keine Antwort. Honnecker vertrat ihr den Weg ..Du bleibst!" Ein letzter Widerstand schien ihr neue Kräfte zu verleihen. Ihre Gestalt straffte sich. >'Ich gehe fort!" sprach sie fest. „Du bleibst! sage ich noch einmal!“ -Du kannst mich nicht halten?" Er packte sie rücksichtslos an der Schulter. „Weiht du. was dir geschieht, wenn du mir nicht parierst?" Sie entwand sich seinem Griff. „Bisher habe ich deine Drohungen gefürchtet. Heute schrecken Sie mich nicht mehr! Was kann mir nach die;er Stunde noch Schlimmeres widerfahren!" Verzweifelter Schmerz schrie aus ihren Worten. Felix Schulhofs, der regungslos dastand wurde seltsam ergriffen. Mitleid durchströmte ihn heiß. ..Was dir widerfahren kann?" schrie Honnecker wutentbrannt. ..Das wirst du erfahren wenn du gehst!" ren muß. Das von den Gemeinden weit über ihren Bedarf angekaufte Bodengelände liefert den sicheren Beweis, wie zielbewußt sie boden- reformerische Thesen in die Praxis um» gesetzt haben. Die Finanzierung dieser Käufe wurde zum größten Teil aus dem Auskommen der Realsteuern und sonstigen Abgaben bestritten. aber auch auf dem Wege der Enteignung und durch Spekulationen, vielfach auf Kosten des mittelständischen Grundbesitzes, durchgeführt. Richt nur den bodenreformerischen Gesehen. sondern auch der Damaschkeschen Bodenreform bewegung gilt der Kampf des städtischen und ländlichen Grundbesitzes. Rur Einigkeit und fester Zusammenschluß des im Mittelstand verkörperten Bürgertums in allen feinen Schichten kann dazu beitragen, daß die immer verhängnisvoller werdende Wirtschafts- und Steuerpolitik durch Gegenwehr verhindert werden kann. Allgemeine?. Irn vergangenen Iahre wurde die Grundsteuer für den bebauten Grundbesitz von der Stadt von 22 auf 25 Pf. pro 100 Mark Steuerwert erhöht und für den land- und forstwirtschaftlichen Grundbe- s i h von 32 auf 40 Pf. Der Wasf erpreis für den Kubikmeter stieg von 20 auf 25 Pf. Diese Erhöhung hatte der Hausbesitzer allein zu tragen, es war ihm keine 2lbwälzungsrnöglichkeit gegeben. Seitdem der Wasserverbrauch von dem Hausbesitzer uneingeschränkt zu tragen ist, ist der Verbrauch von 1914 bis heute über 100 Prozent gestiegen, obgleich die Einwohnerzahl nur um etwa 1000 Personen gewachsen ist. Ob und wie der Hausbesitzer dieses Iahr wieder belastet werden soll, steht noch nicht fest; fest steht es für uns jedoch, daß von unserer Fraktion jeder Versuch auf Reubelastung des Besitzes auss äußerste bekämpft werden wird. Es muh auch einmal in der Oeffentlichkeit gesagt werden, daß Gießen bei der neuen Be - soldungsordnung in Die ^-Klasse gekommen ist und somit die Beamten ihren Wohnungsgeldzuschuß nach dieser Klasse berechnet bekommen, während die Mieten immer noch nach der O-Klasse bezahlt Werdern Es ist sehr bedauerlich, daß es trotzdem immer noch Beamte gibt, die von ihrem Vermieter verlangen, daß er ihnen die Wohnung vollständig in Ordnung hält, selbst wenn der Vermieter eine arme Witwe ist, die ihr Leben nur kümmerlich fristen kann. Daß solches Verlangen nicht gebilligt werden kann, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Innere vcreinsangelegenheilen. Es wurden im verflossenen Jahre ad gehalten eine Hauptversammlung, eine Mitgliederversammlung und vier Vorstandssitzungen. Die Geschäfts- stelle wurde in verstärktem Maße in Anspruch genommen, ganz besonders dann, wenn es galt, Steuererklärungen abzugeben, oder Gebnhren-Ver- teilungen oorzunehrnen. Weiter hat es der Verein an Eingaben an Behörden nicht fehlen lassen, wenn es galt, die Interessen seiner Mitglieder wahrzunehmen. 2Rifglieberberoegung. Die Mitgliederzahl betrug am 31. Dezember 1928 1027, neu hinzugetreten sind 43, durch Tod, Verkauf, Zahlungsunfähigkeit usw. schieden aus 42, so daß die Mitgliedcrzahl am 31. Dezember 1929 1028 beträgt. Es müßte eine moralische Pflicht für jeden Hausbesitzer fein, der Hausbesitzerorganisation anzuge hören, denn nur durch Macht ist das Ziel der freien Wirtschaft zu erreichen. afsenberrcht U"d Wahlen Aus dem Kassenbericht, der von Bauoberinspektor Matheis vorgetragen wurde, ging her- Eva Witte gab ihm keine Antwort. Als sei er nicht da, schritt sie an ihm vorbei, bet Türe zu. Dort drehte sie sich kurz um. Ein weher Blick streifte abschiednehmend Felir Schulhofs. „Eva!" Wie ein Alarmruf gellte die Stimme Schnl- hofss durchs Zimmer. Mit ein paar Schritten war er an Evas Seite. „Ich gehe mit dir, Eva!" Fassungslos sah sie ihn an. Etwas wie Freude huschte über ihr verstörtes Gesicht. Dann schüt-. telte sie das Haupt. „Ich gehe mit dir!" sagte Schulhofs nochmals bestimmt und ergriff ihre Hand. Honnecker hatte sich in einen Sessel geworfen. Er schüttelte sich vor Lachen. Aber aus diesem Lachen klang drohend, wie unterirdisches Beden, der wilde Grimm über das Mißlingen seines Planes. „Wundervoll? Der reinste Film!" rief er schallend. „Man könnte heulen vor Rührung!" Plötzlich sprang er auf. Sein Gesicht war in tierischer Wut entstellt. Drohend schüttelte er die Faust. „Ihr sollt mich kennenlernen! Zugrunde richte ich euch beide! Darauf könnt ihr euch verlassen!" XXII. Anfangs waren sie die Straße hahin- gehastet, als könnten sie sich nicht schnell genug von Honneckers Hause entfernen. Run aber verlangsamten sie ihre Schritte mehr und mehr. Sie hatten noch nichts miteinander gesvrochen. Es war, als sei alle Kraft, alles Leben in ihnen erloschen. Zwei Zerbrochene. Dom Schicksal Geschlagene, so schleppten sie sich hin. An einer Straßenkreuzung blieb Eva Witte stehen. Mit hilfloser Gebärde streckte sie Schulhofs ihre Hand entgegen. „Adieu? ..." sagte sie leise. „Wohin willst du gehen?" Sie sah zu Boden. „Ich. weiß es nicht ..." Er hielt ihre kalte Hand in der seinen. „Willst du nicht bei mir bleiben. Eva?" Ein harter Zug war um ihren Mund. „2ch habe dir schon genug Unglüd gebracht, Felix... ich muß meinen Weg jetzt allein gehen!" Schmerzbewegt sah er ihr in die vergrämten Züge. „Was willst du beginnen?" fragte er nach kurzer Pause. Sie zuckte resigniert mit den Schultern. ..Ich weiß es nicht... Lange wird... er ja nicht zögern, seine Drohung auszuführen ..." Schulhofs senkte, wie von schwerer Last gebeugt, ben Kopf. Er atmete schwer. Dann aber brach es aus ihm, leidenschastlich. überstürzt: „Wie war das möglich. Eva... das Schreckliche? ... Ich kann es nicht fassen! ..." Eva Witte gab nicht gleich Antwort. In ihren Zügen arbeitete es wie in einem schweren Kampfe. vor, daß die Siaffc wiederum ein Plus aufzuweisen hat. Kasse und Bücher wurden von den gewählten Revisoren Herbert und Götz eingehend geprüft und in bester Ordnung gefunden. Bei der Ersatzwahl für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden die Herren Matheis, Ringel und S i l b c r e i s e n wiedergewählt. Neugewählt wurde Oberingenieur Stadtratsmitglied Kurz. 3tc Aussprache. An der freien Aussprache beteiligten sich in hervorragender Weise die Stadtratsmitglieder PH. N i - colaus, Kurz und Bäckerobermeister Wilhelm Loeb er sowie Bergassessor Petri und Druckerei- besiher Klei n. Alle Ausführungen galten dem Kampfe gegen die Zwangsgesetze und gegen die steuerliche Ueberlaftung des Hausbesitzes, wie der gesamten deutschen Wirtschaft. * ** Zusammenschluß alter Soldaten. Im größten Teile des Reiches hrrben sich, wie man uns mitteilt, die ehemaligen 4. Gardisten und Kriegsteilnehmer des Res.-Jnf.-Regts93 (Tochterregiment) als Reichsbund 4. Gardisten mit dem Sih in Berlin in Gaue und Ortsgruppen zusammengeschlossen. Runmehr haben sich auch die ehemaligen Angehörigen beider Regimenter in Hessen-Rassau, Kreis Wetzlar, Hessen und den angrenzenden Teilen zu- sammengefunden und den Gau Hessen-West mit bem Sitz in Gießen, sowie den Gau Hessen-Ost mit dem Sih in Kassel gegründet. Den Vorsitz des Gaues Hessen-West hat Oberst a. D. Kock in Gießen übernommen. Der Bund verfolgt den Zweck, die Lieberlieferung der Regi- meuter aus Kriegs- und Friedenszeit treu zu bewahren, kameradschaftliche und vaterländische Gesinnung zu pflegen, bedürftige Kameraden und deren Hinterbliebenc zu unterstützen und den Wehrgedanken vorwärtszutragen. Am 28. und 29. Mai soll in Berlin eine Wiedersehensfeier der alten Kameraden beider Regimenter statt- finden. Evangelischer Bund. Rach längerer Unterbrechung fand am vorigen Sonntag in der Ioßanneskirche wieder ein Familienabend statt. Rach einem eindrucksvollen Orgelspiel richtete der Vorsitzende des Zweigvereins herzliche Begrüßungsworte an die sehr zahlreich Erschienenen. Darauf hielt Frau Lina L e j e u n c, Eisenach, einen Vortrag über das Thema: ..Freude als Quelle der Kraft". Die Rednerin führte etwa aus: In der heutigen Zeit wird die Pflege des Körpers als Quelle der Kraft sehr betont, um den schweren Kampf ums Dasein besser bestehen zu können. Doch bringt diese Körperkultur nicht die ewigen Kräfte, wonach die Seele des Menschen verlangt. Als Voraussetzung zur Erschließung dieses Freuden- guells ist es notwendig, daß eine Freude am Dasein an und für sich bestehen kann, was leider mancherorts, z. B. in den armen Thüringer Dörfern wegen des allzu geringen Verdienstes in Der Heimindustrie nicht möglich ist. Ebenso kann d a keine rechte Freude auskommen, wo für große Familien nur ein bis zwei Wohn- räume zur Verfügung stehen (wozu durch statistische Angaben erschreckend traurige Bilder entrollt wurden). So wird oft der Alkohol als Quelle der Freude angesehen. Ferner werden jetzt die Menschen vielfach irregeleitet, wie das z. B. aus dem ., Freidenker-Vaterunser" zu ersehen ist. Man muh besonders die Iugend davor warnen, sich falschen Freuden hinzugeben, die nur zerstörend und zersetzend wirken. Welches sind nun die Brunnenstuben echter, wahrer Freude? In eindringlichen, herzlichen Worten wies die CBortrageiiDe auf den hin. der für uns die reinste und stärkste Quelle der Kraft ist: Iesus von Razareth. Auch verstand fie es, Endlich sagte sie mit seltsam harter, klangloser^ Stimme: „Ich will Dir erzählen, wie alles gekommen ist. Vielleicht ist es gut, wenn du es erfährst... damit du nicht mit gar zu bitteren Empfindungen an mich zurückdenkst!" Sie gingen weiter, gelangten in eine breite Allee, in der nur wenige Häuser standen, und schritten langsam, in ihre Gedanken verstrickt, dahin. Roch immer hatte Eva Witte nicht zu sprechen begonnen. Es war, als fände sie keine Worte, um das zu sagen, was gesagt werden mußte. Schulhofs ließ sie gewähren; ec fragte nicht. Er ahnte, was in diesen Augenblicken in Eva vorging. Plötzlich sing sie an. Sie sprach ruhig, sachlich, als schildere sie ihm Leben und Schicksal einer Fremden. „Meine Eltern, die mich sehr geliebt hatten starben früh. Allein stand ich im Leben. Ich war jung, unerfahren, als Reinhold Witte in mein Leben trat. Er war seit langem der erste Mensch, der gut zu mir war. Sein frisches, unbekümmertes Wesen nahm mich gefangen. Ich ahnte damals nicht, daß diese geflissentlich zur Schau getragene Forschheit, dieses Draufgängertum nur Maske waren; daß er im Innern ein schwacher, charakterloser Mensch war. Er war Schauspieler und zu der Zeit, als ich ihn kennenlernte, an einer großen Berliner Privatbühne engagiert. Ich wurde seine Frau. Anfangs schien alles gut zu gehen; aber bald zeigte sich mir das wahre Wesen meines Mannes. Er vernachlässigte mich, wurde unfreundlich, brauste bei dem geringsten Widerspruch auf und blieb oft die ganze Rächt außer dem Hause, llnö wenn er Dann morgens heimiam, betrunken, übernächtig, in sinnlos gereizter Stimmung, ließ er seine schlechte Laune an mir aus. Ich bemerkte bald die beiden Leidenschaften, denen er fröhnte: er tränt und spielte! Ich redete ihm gut zu, schilderte ihm Die Gefahren, Die dieses Treiben für ihn und sein künstlerisches Fortkommen hätten; er versprach auch Besserung, aber nach wenigen Tagen verfiel er wieder den beiden Lastern. Das Leben wurde mir so zur Qual. Mein Gefühl für Reinhold Witte, das wohl niemals stark gewesen war, erkaltete mehr und mehr. Dennoch hielt ich bei ihm aus und versuchte alles, ihn auf einen ordentlichen Weg zu bringen. Es war vergebens! Eines Tages brachte er Peter Honnecker mit nach Hause. Sogleich beim ersten Anblick des Mannes hatte ich ein unerklärliches Gefühl des Anheimlichen. Seine harten, brutalen Augen, die mich rücksichtslos betrachteten und mich gleichsam zu entkleiden schienen, flößten mir Angst ein. Ich ahnte, daß er Schlimmes gegen uns im Schilde führte. Meine Ahnung trog mich nicht. Honnecker kam fortan regelmäßig zu uns und ich fühlte, daß es nur meinetwegen geschah. Die Gier, mit der in beredten Worten auf die reinen Freud«, hinzuweisen, Die uns im Born Der Ratur fp reichlich sprudeln und Kraft in Fülle spenden; ebenso auf diejenigen, welche die Kunst Da« bietet. Erst recht sei eine Freudenquelle für die Familie die Geburt Der Kinder und die ständige Freude beim Heranwachsen und bei der Erziehung. Ferner, welche Kraft geht aus dem Leuchten von frohen, glücklichen Menschen über auf Deren Umgebung! Alle diese edlen und reinen Freuden sind ein Kraftquell, der nie verfandet. Er führt dazu, die Sorge für das Ich ganz zu verlieren, und immer mehr zu der aufopfernden Hingabe an die Nächsten emporzu- wachsen, wie sie Iesus Den Menschen vorgelebt hat. Umrahmt tourDc Der Vortrag von vier Liedern, die Fräulein Siglinde B u ch h o l d vom Konservatorium Frankfurt a. M. unter Begleitung des Organisten Habicht seelenvoll und in höchster Vollendung vortrug. Mit herzlichen Dankeswortcn für alles Gebotene schloß Der Vorsitzende die schöne Veranstaltung. - Im Anschluß daran sprach die Rednerin noch im Konfirmanden- saale über die von ihr geleitete ..Heimglück"- Bewegung und zeigte in vielen Lichtbildern Die herrliche Lage ihres „Heimglückhauses" in Eisenach, seine zweckmäßige Einrichtung, sowie das Leben der darin feit einem Iahre bestehenden ..Bräuteschule", in der Verlobte in der Führung des Haushaltes, in Der Säuglingspflege, wie überhaupt für ihren späteren Pflichtenkreis eine Ausbildung erhalten, die darauf abzielt, entgegen Den vielfach zersetzenden Bestrebungen Der Gegenwart dein christlichen Charakter der deutschen Familie wieder zu seinem Recht zu verhelfen und damit Aufbau-Arbeit im besten Sinne I zu leisten. ** Allgem. Deutscher Frauen vereiw Ortsgruppe Gießen. Man berichtet uns: Die Märzsihung Der Gießener Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins bracht» einen Vortrag von Frl. Anna D ö ß über ihr« Arbeit an der Mädchenfortbildungsschule im Kreis Schotten. Der ländliche Fortbildungsunter- richt in dieser Gegend liegt erst feit wenigen Iahren in Der Hand beruflich ausgebildete« Kräfte, die sich natürlich ihren Wirkungskreis erst mühsam und mit großen Kämpfen ausgestalten müssen. Der Unterricht befaßt sich in der Hauptsache mit Rähen und Kochen. Gerade auf letzterem Gebiet hat die Lehrerin eine sehr dankbare Aufgabe, Denn es bietet sich ihr Gelegenheit, die SchülerinnLn zu einer geordneten unbehaglichen Ausgestaltung Der Häuslichkeit anzu- leiten. Am Schlüsse ihrer interessanten Aussüh- rungen Der trat Die Rednerin die Ansicht, daß die jetzige Ausdehnung des Fortbildungsunterrichtes auf mehrere Iahre nicht zweckmäßig sei und daß man Wohl bessere Erfolge erzielen könne, wenn einfach ein volles Schuljahr mit ausschließlich hauswirtschaftlicher Lehre an Die achtklasstge Schule angefügt werde. Die gegenteilige Auffassung vertrat in der Diskussion Fräulein Weitzel, die Rektorin Der Gießener Fortbildungsschule. Sie ist Der Meinung, daß die Mädchen im ersten Iahr nach Der eochule nod) nicht genügend Interesse für eine abschließende Hauswirtschaftslehre hätten; auch bedeute ein weitere- 3abr ohne Verdienst eine zu große Belastung für Die meisten Eltern. In Der zweiten Hälft» Der Sitzung berichtete Frau Koeppe übet Die guten Fortschritte der als Zweigverein des Ml- gemeinen Deutschen Frauenvereins und in Zusammenarbeit mit den anderen Gießener Frauenvereinen eingerichteten Hausfrauenberatungsstelle. Erfreulicherweise hat sich auch in weiterem Kreisen der Bevölkerung reges Interesse für die ii€ue Einrichtung gezeigt, so daß man hoffen Darf, daß die Beratungsstelle Den Gießener Hausfrauen bald unentbehrlich wird. N. M, er mich betrachtete, entging mir nicht; so gut eS ging, mied ich seine Rähe. Auf meinen Mann hatte er einen unheilvollen Einfluß. Seitdem Honnecker mit ihm verkehrte, trank und spielte Reinhold mehr als je. Es war, als suche Honnecker ihn immer tiefer in das Laster hineinzutreiben. Tage- und Rächtelang sah ich meinen Mann nicht mehr. Er vernachlässigte seinen Beruf und war bald ohne Engagement. Wovon er... und ich dann lebten, blieb mir nicht lange verborgen. Von Honnecker schien mein Mann Geld zu belonunen. Als ich ihn einmal deshalb fragte, herrschte er mich wütend an: das seien seine Sachen, Die mich nichts angingen I Da wußte ich, daß mein Verdacht richtig war. Warum aber gab Honnecker meinem Manne Geld? Warum schleppte er ihn immer wieder M Gelagen und Spielereien?... Warum suchte er bann immer wieder meine Rähe, zeigte et mir immer deutlicher seine Begehrlichkeit? ... Ich hatte ein Gefühl des Grauens. 21m liebsten wäre ich geflohen. Was hätte mich länger halten sollen? Ie tiefer mein Mann in feinem lasterhaften, ausschweifenden Treiben versank, desto mehr machte er mir das Leben zur Quak. Alle Schuld, daß es mit uns abwärts ging, bürdete er mir auf. Er schalt mich, er mißhandelte mich; einige Male drohte er mir auch mit Dem Revolver in der Hand, mich zu erschießen. Diese unablässigen Kämpfe und Aufregungen hatten meine Kräfte zermürbt. Eines Tages aber, nach einer häßlichen und Demütigenden Szene, fand ich doch noch Die Kraft zu einem Entschluß. Warum sollte ich dieses elende Leben weiterführen? Ich war jung und wurde mich allein schon durchbringen. Mein Mann war abends fortgegangen; ich wußte, daß er vor Dem nächsten ^Mittag nicht zurückkommen wurde. In der Frühe des folgenden Tages gedachte ich. Das Haus zu verlassen. Ich packte meine Koffer unD legte mich gegen Mitternacht zu kurzem Schlafe nieder. Plötzlich fuhr ich in die Höhe. An Der Schlafzimmertür, Die ich verschlossen hatte, wurde gerüttelt. Zu gleicher Zeit hörte ich Die trunken» Stimme meines Mannes. Ich gab leine 2Int- toort. Da schlug er mit den Fäusten an Die Tur; immer lauter schrie er. war entschlossen, ihm nicht zu offnen, sieben meinem Bett standen die Koffer; er tourDc sie sehen, mich fragen, warum sie gepackt seien, es würde zu einer Auseinandersetzung kommen; dies wollte ich vermeiden, ich hatte genug von den ewigen Streitereien. Stärker aber als dieser Grund bewog mich ein anderer, die Tür aufzumachen. Aus der Stimme meines Mannes vernahm ich eine heiße Gier, die ich nur zu gut kannte. Schon einige Male in letzter Zeit hatte er mich so, betrunken, seiner Sinne kaum mächtig, überfallen, und es hatte mich alle Kraft und List gekostet, um mich feinem tierischen Verlangen zu entziehen. (Fortsetzung folgt.) 2HÜ' Großod' Atter v< hause" 21H 11. M pdlaW hiO A 1 Viniral 15.3un< Oie A ■Sie , cmpfö Sette c betrag ist 2W MM man W bitteni schritten »üyungs« um nahe Die M liegt iw D' Leif verte allen ■ lichc Äusträk toenigfte Der Tc etwas fl Ileflt. sch sehnli gische ui Häuser S gut (ibg< Vamttiss vom 3r hältmsr werter induss aus -er pierii hem In fenbar ungünfii WeN« Here aus der tische 5 tauft tot Herei-Äu fähiger ! ders btt sichtlich Wesses spanntei tigen zr wo entv wo mar leisten ( aus die messehai ab laus er sich die lat. j sichtSrat aus den Dertcilur t'vrzuschli 'Was ruhe. C Je Bert ßvmbu Arnchs i über bk »nwg* 8t Tffgl. 0(, ’ M ft q0 -M untü ° !"Titel hat bis jetzt noch keinen gesetzlichen Schutz. Es kann sich also jedermann Chemiker nennen, der einen entsprechenden Fachunterricht genossen hat. Stammtisch Sotdan. Es ist uns nicht bekannt, ob der Boxer Mar Schmcling während seiner Beruss» boxertaiifbahn bereits einmal k. o. geschlagen wurde. Wir empfehlen Ihnen, beim Deutschen Boxsportverband in Berlin anzufragen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag gefchloften. Gtwinvauszng 5. Klasse 34. PreußisL-Süddeuische (260. Preutz.) Klassen-Loklerie Ohne Gewähr Nachdruck oerbolen Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Eewmne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Ableitungen 1 und II 22. Ziehungslag 5. März 1930 ön der heutigen Bormltlagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 »ctoirme tu 50000 M 262612 4 Dcwinnr ,u 10000 M. 243412 335379 8 (tottnnr tu 6000 QL 110434 143794 270823 301017 12 tu 3000'm. 200766 264047 288373 266780 284133 382381 16 »vtr.nn? »I 2000 M 63397 120748 123824 243515 276153 282725 294940 324430 50 ffiromne .u 1000 M. 69619 60634 89027 106017 128267 131060 140100 157038 157608 158409 173598 177178 189423 209144 215841 23I292 245468 258442 275818 294113 327309 339699 343977 346008 38669: 90 »Otrtnnc iU 500 l'l. 3914 8888 32551 36023 82042 62066 65651 90637 91102 121035 121047 124763 140046 151834 199611 203256 203713 207853 218378 218400 239226 248324 262999 270196 271656 274690 293172 295313 308932 309026 319901 323567 323716 324393 324705 328825 341270 345644 347001 347526 366342 369453 380761 393729 396705 242 tu 300 HL 2023 6001 8644 16341 16449 18443 22228 23698 27927 30271 30351 33627 37458 42703 49321 50090 50609 66939 67154 67495 70300 72040 77689 87496 88370 94864 98813 99992 102754 112859 119318 124321 127410 128542 128774 131678 132538 145994 145999 150548 152220 154324 160729 161229 166254 168586 172224 173428 182402 194745 196659 199111 205259 206934 210939 213128 217130 217770 223864 223879 227666 228715 23'972 233576 233823 242906 245586 245710 247600 253064 256365 261913 264073 266815 203l68 268658 271544 277642 279485 280659 280867 281782 282017 282165 285239 287695 289424 290403 303635 305463 317339 318757 319929 322491 323330 325619 330043 330859 335978 337111 342258 346606 348953 352349 354745 355812 359586 361675 362483 366575 377212 332940 385165 386461 387736 389235 391326 397146 397176 399693 399924 Ön der heutigen Nachmittagsziedung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 12 Srwinn« »v 3000 M. 12449 244191 971499 294352 316453 347547 10 »ewmn- zu 2000 m ltzkii innrade verblieben 2 Prämien zu |e WirKM, 2 Eeivmm zu je 75000, 2 zu je 26'xjO, 38 zu i» IU< , 3* zu je 50« C 124 zu ,» 3*>00, 2' fr zv :e <24 zu |t 1000, 1052 zu j« öuO, 29fr zu k 6'0 JJL Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzi beschlossenen Dividende an — Re.chsbankdiskont 6 o $)., Lombardzinsfuß 7 o H Hranlwri a J)l. Serlw .u|?» rar» l'Uvr- « r» Schluß-!An>on,r» hird । fiurd Dalum 5.4 6. 4. 5. 4 6. 3 6% ttutkbe ih'ciMuueitje von 1927 . • 7% Deutsche 3iei1v nlvil« von 18M .... Deutsch« Aul. 2lv:vi. schuld ml! Au-los. Rechten Deegl. ohne Austch.-Rechte . . . t#% Hel«. Boll-staai von 1929 (tüdwblb. 102%) C6erbe)ien Provinz - Anleihe mii Au-lol -Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. -Mnirlhe Serie i 8% Tvranff. Hnp.-Bank Holdple XIII unkündbar bi» 1931 7% Frankl. Hnp.-Bank Soldvke intfüii6brtt bis 1932 4VZ% «bclnixhc Hnv.-Banl t'iau. Oioiovfc. 8% Pr. Landeopsandbriefanstoa, Pfandbriefe R. 17 - 8% Pr Lande-vionvbnesanstall, Kvmin.-Lbl. R. m 7% Pr l'anbfjpfanhbrtetaitftau, Pfandbriele R. lv ob«. VorlrieaS-Lbltgano iten rückrablbar 1932 . • ■ ■ 4% £ eitertetdiu die (Soloreute . . 4,20% Cefteneidiilcfie Cilberrente <% Ocüerreichtlche Einheitliche tNenit 4% Ungarische Goldrcnie . . . . 4% Ungariiche Ltaatsrcnte v. 1910 W*% desgl. von 1913 4% Ungarische Sronenrentr 4% Türkische Zollanleilie von 1911 1% Türkische Bogdadbahn-Anl. Serie I . 1% t-eM Seite II - - • ■ - 5% Rumänische veretnv. Rente von 1903 4K% Rnmämsche vereinh. Rente von 1913 ......... 4% Rumänische vereinh. Rente - 87,5 — 87,4 — 97 - 97,5 - 51 — 51 51 .65 8.6 ,6 3.6 86 - 85,7 - 48,5 - - 48,5 - 48,5 — 96,5 - - — 84,5 — - — 81,5 — - - 97 - 97 — 4.5 — .4 — 89 — 9 — 92 - - - 28,5 — 28,75 5,25 — 5,45 — 2,7 - 2,7 — '5,9 25,75 25,8 25,75 — 22.9 23,2 23.13 — — 24.4 — 2,6 — — — 6,2 6,13 '.45 — e,?5 — 6,5 — 6,25 — 6,4 6.25 11,1 — 11,2 — 17,1 — 17,25 — 8,8 — 8,85 — rranfhirt a. TR. I 25erl n e-üuuy»1 * * 4 * * * * * 10 Schlup« Arno g« urS । flur ur Rur» Datum ... | 6. 3. 5 4. 6 3 -ainDurfl-rimenra 'l'alei . . 7 105,5 — 165 104,75 ^ambura-Lbdaw. Tampsschifs 8 _ - 168.75 »anifl Tampssäiiss . 10 — — - —— Vvrvdeui'cher L'.cuv . . 8 06.75 130 107.25 107,25 Allgemeine TeuiI»eCreditanst. 10 121 156 121,12 121,13 Barnier Banlverein 10 130 i6 5 129,75 129.25 Berliner Hanoel,ae>eilschal> 12 184 — 183.5 182 9 vom men- uns Prival-Bank 11 56,25 155.5 156.25 155,25 Tariniiadier unv Na'ionaWanl 12 237.25 — »37 235,5 leutidw Bank unv TiSconio chelellschasl, . . 10 148 147 47.6 147.25 Treodner Bank...... 10 s9,5 148,75 145 14o 'Heichsbanl ....... 12 •88,5 »8 287 25 .t.S.S........... 8 >65.25 163,75 164,75 164 Bergmann........ 9 — — 203 — Llekn. ÜlejernngSgeiellschafl 10 — — 63.5 — Licht unv Äiait . . 10 68.5 167 75 168 — A.'ltcn & o'uillcmime - ?•/. 123 127.5 —— Geseuschasi fut «lolirilche Untemebmuiinen 10 173 172,5 172 5 172 z5 Camburger (rleftriuläte ^de 10 — — 131 131 llheinilche G.eftriji'di . . . 9 — — - - ScbleiiidH- (5ieftri3ifci. . . . 10 — - 166,75 167,5 Scl'uderl & (Sv....... 11 — — ,00.75 186.6 Siemens & palste..... IC — — 253.13 249 Lransravio........ . 8 — Labmever & Eo....... lf 165 — 165,25 Buvcrur . ...... . 6 76 — 76.25 76,5 Deutsche Erdöl . ..... . 6 — 102,75 102.13 Essener SteintoW«..... . 8 — — 140 — Gelsenkirchener...... . 8 38,5 — 133,25 138,5 Harpener ...•••• . 0 134 — 133 7 5 134,5 Hoesch Ersen........ t>‘/2 — - 111 110 I.ie Bergbau ....... 10 — 249,5 248 75 ÄlMfttenperfe ...... . 7 •05,5 - 105.5 104 5 fföln^lcueiien....... . 7 — 108.25 106,25 Mannesmann-Röbren . . . . 7 106.25 106.5 106 25 Mansselder Bergbau .... . 7 — 105.75 105 Lberschlel- Eisenbevars . . . . 5 — - — — Oberschlei. Kottwerie.... . 7 — 01,75 101 Phonri Bergbon..... 102,75 102.65 102,5 Rbeinnche Braunkohlen . . 10 — — 236.25 Rtzetnstahl ...... . 6 17,25 117 17,25 117,4 ................... 7,2 — — ran' ur o. | Berlin ertjiutPi I'UN - | (rtii.uB» -a an • u re fiur. | ■■ri fiure Datum 5. <• tz - 3. 1. 6. i. Bereinige S>abiwer!e . 96 — 95 5 95 5 Omvi Minen . . 16*/» — — 17,13 57 flaiimerfe Aschersleben . . . i 13 — 213 212 5 liolnverle PZeneree.eln . . . li 216 — 216 Kaliwerle salrdeksurib . . . 15 164 — 163,75 362 ,1. S Aflrben .lnDuftrte . . . 11 65.9 164.13 165 65 164,75 Tnnamir '.’lcbcl ..... . f - Gcheioeanftalt ....... . V >48 — _ ('wlvschmivk . ...... . 5 70 _ 70.5 9,5 Slüiflcrsroerfe ....... . 6 7,5 77 /7.13 MetallaeleUIchast...... . k 108 107 5 — PbUrvv Holzmann..... . 7 95.5 _ 95.25 96,5 Zementwerk Heidelberg . . IC 127 — Hementwerk Karlklavt. . . . 10 ■41,5 — — — Wann & Rrentag .... . S 83 83 25 82 — Gdiuithetc Patzenhoier . . . 15 — 273 271 Litwerke......... 12 — — .10,5 210 Hfu ......... le 09,5 — 109.5 109,8 Bember-,......... 14 - 154.5 155 153.75 gellstesj Woldkot .... 3’/. - zll.5 210 Bellfloft Aichasienbur« . . . 12 154 — 153.75 (rbarloitenburger Lasser . . . 9 — — 105.75 105.25 Tessauer OlaS ..... . e —— — 172,75 172 Daimler Motoren .... . 0 9.5 — 39.5 j9,5 Deutsche Linoleum .... • . 247 — 248 248 Maschinenbau A.57 157 Evenska ..... — — 337 336 zranksurter Maichmeu . . . . 4 — — 37 Britzner . ...... . 6 14.75 — 44 — Henliaenstaedt ...... . 0 —— — Iungbans ...... Lechwerke......... . 6 . 8 40 106 106 39 _ Mainkrastwerke Höchst o. M.. - 8 107 — — M-iog ...... 10 131 — i30 139 Gebr. Roeder....... 10 117 — Solgt & Haesfner ..... . 9 218 — 218 — Süddeutsche Suda . . . . 10 153 153 155,5 — Ban.noten. Zer.In, 5- t^eiS Brief □ ti.c.i: e 'Jlo cn..... 4,166 4.186 1 efflü i't 9 • - 81,31 81.47 81,34 81,50 Konst ntra. 1,785 1.789 1,785 1,789 Athen - . . 5.415 5.425 5.415 5,425 Canada 4.167 4.175 4.167 4.175 Uta uat). . 3.686 3,696 3.686 3,694 Cairo . .. 20,86 20,90 20,86 20,00 Landbund - Versammlung in Hungen. kz. Hungen. 4. März. Der Hessische Landbund veranstaltete am Sonntag hier in der „Traube" eine Versammlung seiner Mit» glieder in Oberhessen, die der Stellungnahme zum hessischen Spargrogramm und zu dem Wirten der Nationalsozialisten galt. 2m Anschluß an die einleitenden Worte des Vorsitzenden, Landtogsabgeordneten Fenchel (Ober* Hörgern), hielt Dr. Leuchtgens (Friedberg) einen mehrstündigen Vortrag. Rachdem sich der Redner kurz mit der Außenpolitik beschäftigt hatte, wandte er sich den verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Fragen in Deutschland zu, wobei er u. o. eine Beschränkung der Lebensansprüchc i n Stadt u n d Land auf einfachere Grundlage forderte. Die Sozialfürsorge bezeichnet der Redner als zu stark angespannt. Allenthalben sei größte Sparsamkeit dringend notwendig, vor allem bei der Wirtschaft der öffentlichen Hand. Bei der Besprechung der gegenwärtigen Steuerreformver- hondlungen sprach sich der Redner für eine weitere starke Drosselung der Ausgaben und gegen das sogenannte R o t o p f e r aus. ■3ur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft forderte der Redner eine Preispolitik, die eine Analeichung der Erzeugerpreise an die heutigen Lebensbedingungen bringe; eine Einfuhrsperre und Durchsetzung erhöhter Erzeugerpreise bei dem Verbraucher seien die Grundprobleme der nächsten Zeit. Zum hessischen Sparprogramm forderte der Redner namens des Landbundes weitere entschiedene Senkung der Ausgaben zur Beseitigung des Defizits und eine fühlbare Steuersenkung. Die Minderung der Realsteuern müsse schon in den Gemeinden, in den Kreisen und in der Provinz beginnen. Die Behörden müßten verkleinert und ihre Zahl verringert werden, der Zugang zur De- amtenlaufbahn sei zu sperren, so hart das auch für den einzelnen sei. Weiter forderte der Redner ein Opfer von der Beamtenschaft insofern, daß sie auf einen Teil ihres Einkommens Verzicht leiste; bei dieser Forderung handele es sich nicht um eine Feindschaft gegen das Beamtentum, sondern es drehe sich hier nur um den Kamps zwischen dem Landbund und der Ministerial- bureaukratie. Der Behördenapharat müsse von oben her abgebaut werden; bevor Hessen seine Selbständigkeit aufgebe, müsse es erst sein Ministerium verkleinern. Durch Vereinfachung in der Fortbildungsschule könnten drei Millionen, an den Polizeilasten der Städte ebenfalls drei bis vier Millionen gespart werden. — Das Landestheater solle von denen unterhalten werden, die den Vorteil dieser Einrichtung hätten. Der Antrag des Landbundes auf Kürzung der Zulage für Kinder bis zu 16 Jahren habe zu einer Ersparnis von 3/4 Millionen Mark geführt. Durch Senkung der Zuschüsse für die höheren Schulen und den Abbau solcher Anstalten solle noch weiterhin gespart werden. Zum Schlüsse beschäftigte sich der Redner mit der Agitation der Rationalsozialisten, deren umstürzlerische Absichten abzulehnen seien, da besonders der Dauer Realpolitik treiben müsse. Der Redner ermahnte die Zuhörer zu einigem und geschlossenem Zusammenstehen. Eine lebhafte Aussprache über den Vortrag bildete den Ab* schluß der Versammlung. Das erste Ferngas im Siegerland. WSR. Siegen, 5. März. Run hat das erste Ferngas im Siegerland Einzug gehalten, und zwar wird zunächst das Eichener Walzwerk (Vereinigte Stahlwerke) täglich 140 000 Kubikmeter verbrennen. Das Gas kommt mit einem Druck von etwa 3 Atmosphären in Eichen an und wird dort in besonderen Durchgangsapparaten auf ungefähr V$ Atmosphäre heruntergedrosselt. Dos Bild der Industrie wird sich auf die Dauer dadurch etwas ändern, daß Kamine für den Abzug der Gase bei den Oefen nicht mehr notwendig sind. Das verbrennende Gas ist so gering an Menge, daß es nicht besonders abgezogen zu werden braucht. Infolgedessen werben nach und nach die eisernen Kamine bei den Werken verschwinden und dazu auch der starke Rauch und Qualm, der die Gegend Eßt mehr Roggenbrot! nicht gerade verschönte. Wirtschaftlich erhofft man viele Aenderungen durch das Ferngas, und zwar in der Richtung, daß es ermöglicht, die heimische Industrie im Wettkampf mit dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet wirtschaftlich zu erhalten. Siegen selbst erhält erst in einiger Zeit Ferngas. Erweitertes dezirksschöffengericht Gießen. ‘ Gießen, 5. März. Heute standen zwei Anklagen wegen Sittlichkeitsverbrechen zur Verhandlung. Die Oeffentlichkeit war in beiden Fällen ausgeschlossen. Im ersten Fall wurde ein älterer Mann aus Hungen, der sich an einem kleinen Mädchen fortgesetzt vergangen hatte, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er war im wesentlichen geständig. Im zweiten Fall handelte es sich um einen noch jungen Mann aus Glauberg, dem zur Last gelegt wurde, daß er sich an seiner kleinen Schwester vergangen habe. Das, was er zugab und als harmlos hinzustellen suchte, erfüllte bereits den Tatbestand eines Sittlichkeitsverbrechens; durch umfangreiche Deweisaufnahme wurde aber dargetan, daß er sich im Sinne bet Anklage sehr viel weitergehend schuldig gemacht hatte. Die Strafe lautete auf ein Jahr drei Monate Gefängnis. Rundfunkproqramm. Freitag, 7. März. 12.30: Schallplattenkonzert: Wunsch-Konzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend: „Das Los des ungelernten Arbeiters'. Vortrag von Berufsberater Daubert. Arbeitsamt Frankfurt a. M. 16 bis 17.45: Von Homburg: Konzert der Kurhauskapelle Burkart. 18: In einem Trödlerladen, Mikrophonreportage. 18.35: Von Stuttgart: Aerztevortrog. 19.05: Don Stuttgart: Volkswirtschaftliche Reihe — „Das Reparationsproblem und die deutsche Wirtschaft", Vortrag von Dr. Scheffold. 19.30: Von Stuttgart: Lieder ehrbarer Gesellen und reisender Drüdder. zur Laute gesungen von Hermann Munk, Hannover. 20.10: Von Kassel: Im Bahnwärterhaus, von A .Stein- Landesmann. 20.55: Rach Stuttgart: Stunde für Laienmusizieren. 21.45: Von Stuttgart: Im Vorzimmer des Todes. Sketch von Harry Hastings. 22.45: Von Stuttgart: Opernabend des Rundfunkorchesters. Samstag, S. März. 11.15 bis 11.45: Schulfunk. 12.30: Schallplattenkonzert: Heiteres Mittagsständchen, 14 bis 14.45: Rach Stuttgart: Stunde der Jugend. Aus dem deutschen Liederkranze. .16: Von Stuttgart: Rach- mittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17: Tanztee. 18.05: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: ..Der Wert der Allgemeinbildung", Vortrag von Prof. v. Dühring. 18.35: Stunde der Arbeit — „Mensch und Maschine", Vortrag von Dr. de Man. 19.05: Spanischer Unterricht. 19.30: Literarische Veranstaltung: Ein altes Thema. 20.15: Von Stuttgart: Variete für Orchester. 21.45: Dom Frankfurter Hallensportfest. Betr.: Die Abänderung der Fluchtlinien Ecke Guauthstraße, Bismarckstraße und Schiffenberger Weg. Bekanntmachung. Auf Beschluß des Stadtrats vom 30. April 1929 und mit Genehmigung des Herrn hessischen Ministers des Innern vom 1. Februar 1930 zu Nr. M. d. I. 48 906/29 sind die Fluchtlinien Ecke Gnauthstraße, Bismarckstraße und Schiffenberger Weg abgeändert worden. Der abgeänderte Bebauungsplan kann bei dem städtischen Hochbauamt während der üblichen Geschäftsstunden eingesehen werden. 18390 Gießen, den 3. März 1930. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Die Abfuhrscheine über dos aus dem Staatswald aus der Hand abgegebene Holz find vom 10. b. 21L an von den zuständigen Kassenstellen zu bez' hen. Ueberweisung und erster Abfuhr- tog am 10. d. M. Ablauf der Zahlungsfrist für unverbürgte Holzgeldschuld am 31. d. M. 1920D Gießen, den 5. März 1930. Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus. Zwangsversteigerung. Freilag, den 7. d. IR., nachmittags 2 Uhr, werden im Erdgeschoß des Finanzamts, Lessingstraße Rr. 1, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung versteigert: ein Herrenzimmer, ein Operationsstuhl, zwei Ladenkassen, 20 Flaschen Likör, drei Schreibtische, ein Kleiderschrank, ein runder Tisch, ein Tisch, drei Grammophone, ein Kassenschrank, zwei Schreibmaschinen, ein Sofa, eine Badewanne, zwei Flurgarderoben, zwei Korbsessel, ein Harmonium, eine Standuhr, vier Furnierpreßmaschinen. voraussichtlich bestimmt: zwei Schnellwaagen, ein Klavier, ein Büfett, zwei neue Photoapparate, eine Weckeruhr, verschiedene Kurzwaren und Hausholtiingsartikel. 1905D Finanzamt Gießen, vollftreckungssielle. Nachlaßversteigerung. Freitag, den 7. März, von 2 Uhr ab, versteigere ich in meinem Lokal Brandgasse 3: 01535 eine Nähmaschine, drei Kleiderschränke, drei Sofas, drei vollständige Betten mit Federbetten, zwei Kücheneinrichtungen, einen Auszugtisch für 24 Personen (Eiche), zwei Waschtische, Stühle, Tische, ein Kinderbett (weiß), Spiegel, Bilder, einen Rauchtisch, ein Barometer, zwei Nachttische, eine Stehleiter, ein Fahrrad, einen Nachtstuhl, zwei Ofenschirme, zwei Taschenuhren, zwei elektrische Lampen, zwei Schmetterlingskasten, Porzellan, Töpfe usw., ferner eine neue Nähmaschine, zwei Schrankgrammophone, zwei Kleiderschränke. Von 11 Uhr ab geöffnet. t). Benner II.. Auktionator und Taxator BetitelernliglönWnietL Mittwoch, den 12. Mär; 1930. vormittags 12)-' Uhr, werden in unserem Amtszimmer 16 Fuchsbälge und zwei Dachs- schwarten öffentlich meistbietend gegen sofortige Barzahlung versteigert. ' 19170 Romrod, den 5. März 1930. Hessisches Forstamt Romrod. _____________S i e p m a n n._____________ Versteigerung. Freitag, den 7. d. M., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Reuenweg: 19140 eine Schäfer-Hündin, fünf Jahre alt, mit Stammbaum, eingetragen, und m. s. g. ausgezeichnet. Die Hündin ist sehr schön und zur Zucht geeignet. Dieselbe flammt aus einem Nachlaß und wird zum Höchstgebot zu- gefchlagen. Versteigerung bestimmt. L. Atthoff, Nachlaßverwalter Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Januar 1930 können noch bis zum 10. d. M. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 19250 Eine schriftliche Mahnung ergeht nicht mehr. Gießen, den 5. März 1930 . Direktion der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen. ______________________S t o l t e.______________________ KiinfmonatigeKurse an lm SansWknnMnle Oer LMMlsllMklMM in MeiWl i. sm. Vollständige Ausbildung in allen Zweigen der Hauswirtschaft, Molkerei und Kleintierzucht. Ferner gründliche Unterweisung in der Fertigung von Handarbeiten, Weißzeugnähen, Kleidermachen sowie theoretischer Unterricht auf den verschiedensten Gebieten. Billigster Pensionspreis einschließlich Schulgeld usw. Beginn des nächsten Kursus 2. Juli 1930. Auskunft sowie Versand der Aufnahmebedingungen durch die Land- wirtschaftskam.rer in Darmstadt, Rheinstraße 62. Freitag, den 7. März, nachmittags ab 2 Ahr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28- 19230 ein Büfett mit Krendenz, ein Sofa, zwei Küchenfchränke, sechs Sessel, und Tisch, einen Bücherschranks einen Stegtisch mit vier Stühlen, eine Anrichte, eine Wäschemangel, drei emaillierte Oefen, ein Motorrad, ein Damenrad, ein Herrenrad, Damen-, Herren- und Kinderschuhe, Zigarren, eine Schreibmaschine (Continental), einige neue gute Promenaden- und Klappmagen u. v. a. Versteigerung bestimmt. Ludwig hartmeh Auktionator und Taxator Neuenweg 28 — Telephon 3414 Biete in Leipzig und in Frankfurt a. M. 4 Zimmer und Küche an und suche in Gießen eine 3- bis s-Zimmer-Wohnung. 19nd Angebote an IDiW.Bögel/Wtranspott Herborn (Oillkreis). SoalyuM! und GräMiirm Die LandwirtschastSkammer üeimtfiühct am Sonntag, d.9. März 1930, von vorm. 11.33 bis naehm. 2.30 Uhr InOrttnbergltn Gasthaus „Zum Happen“ einen Sastgutmarkt. Ausgestellt sind Verkaussmustervrobeil von Saatgetrelde und Saatkortofseln ans den hessischen Saatbaustellen sowie Slice« u. Luzernesämereien. Bestellungen werden ausdemSaatgutmarklentgegeugenommen. Im Anschluß an den Saatgatmarkt findet ab 3 Uhr naehm. im gleich. Gaalbaus ein Grttn- landkursus d. Landwlrtsehaftskammer statt. Die Landwirte weiden zu zahlreichem Besuch dieser Veranstaltungen cingeladen. IWI9D] Landwlrtschaltskammer ttr Hessen. Verpachte in größerem Orte Nähe Gießen mein Gemischtwaren- Geschaft mit schöner Wohnung. 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März, nachmittags 6 Uhr, in dem Evangelischen Schwesternhaus statt. — Tagesordnung: 1. Jahresbericht 2. Rechnungsablage 3. Vorstandswahl. igsod Giefien, den 26. Februar 1930. Für den Vorstand: Ausfeld. HeiomiÄinhiilaloriuni Hermann Honig, Seltersweg 87 Sprechzeit: Täglich von 9—12 u. 14 — 16 Uhr, außer Sonntags Wir behandeln nach unserer langjährig erprobten Spezial- metbode (ohne Operation und Bestrahlung — Giftfreie Kuren) alle Hautkrankheiten u. Beinleiden. Geheilte Patienten können auf Wunsch jedem Interessenten vorgestellt werden. 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März 1930, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche musikal' Passionsandacht Mitwirkende: Frau Gertrud Weyl-8ießen (Mezzo-Sopran) Fräulein Käthe 6ärtner-6ießen, Klein-Linden (Alt) Fräulein Gertrud Neumann-Wetzlar (Violine) Herr Musiklehrer Franz Bauer jun.-6ießen (Violine) Knabenchorschule der Stadtkirche Herr Stadtorganist Heinz Simon-Gießen. Jedermann herzlich willkommen! Eintritt frei! — Programm 30 Pfennig ab 71/* Uhr abends am Eingang der Stadtkirche. Der Vorstand. 19080 eMit Musik mancherlei i»22D erzielt man stets viel Freude! BAUERMANN Boston-Walzerei erfreuet ALLE Leute! Preis 80 Pf. Zu beziehen durch die Musik- u. Buchhandlungen. 1 Bienenvölker gut überminiert, gebe wegen vorgerückten Alters mit allem Zubehör sehr vretswert ab. issab Karl Merkel, Förster i. R. Treis a. d. Lda. Zoll neue IMdiinen- ßlntidjtuug ffle Mmi wie: Knetmaschine, Teig Teilmaschinc, Schlag ma sch., Sc m mclmüblc. Sackst an der, Meblsicb- maschine n. mehr. Backtröge, auch einzeln. sofort günstig zu oerrnufen. 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Ferner veranstalten wir wieder eine Ausstellung der Schülerzeichnungen, die geöffnet sein wird am Freitag, dem 7. März, von 14-16 Uhr, am Samstag, dem 6. März, von 8-12 und von 14-18 Uhr, und am (Sonntag von 10—18 Uhr. Zu beiden Veranstaltungen laden wir die Angehörigen unserer Schüler und Freunde unserer Anstalt herzlich ein. neu) Direktion des Realgymnasiums. Kaufmann aus der Kolonial-, Trogen, Material-, Farben undEiicnwaren- branche, 40 Jahre all, sucht, gestützt auf la Zeugnisse und Referenzen per sofort Vertrauensvollen, evtl, auch Stellung als Berkäuser, Lagerist, Reisender oder Filialleiter. Führerschein Kl. 1 und 3a. Gefl. schrtitliche Angebote unter 0152^ an den Gießener Anzeiger erbeten. mtt 3-Zimm. Wob., 2 groß. Werkstätten, schönem Garlew öteivrocit zu verk. Näheres bet [015:23 Bäckermeister JobS. Horst jnn., Lobra. 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