Nr. 51 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 6. Hebruar (950 Eriche >ni loglich, nutzer Sonntags und Feieriag» Beilagen: Die Illustrierte ©tefcener tfamilienblättei Heimat im Bild Die Scholle monat$Be}ugspret$: 2.20 Reichsmark und 30 Neichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. .-rernsorechanschlüste anterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Srantfurtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vn'6 vnd Verlag: vrühl'fche Universitälr-Vuch- und Stetnöruderei R. Lange in Stehen. Zchriftlettung und Geschästzstelle: Zchul^trahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig, für Ne- klameanzeigen von 70 m Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20" mehr. Ehefredakteur Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Di H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biegen Annahme des Haager Vertragswerks im Neichsrai. Ein Bertagungsantrag Bayerns, der gleichzeitige Jinanzreform fordert, wird abgelehnt. - Starke Opposition gegen das Abkommen mit Polen. Berlin, 5. Febr. (Bdz.) Der Reichsrat beschäftigte sich mit den Ergebnissen der Haager Konferenz. Der Generalberichterstatter Ministerialdirektor Dr. Brecht stellte fest, das) der Durchschnittswert der Annuitäten nach dem Reuen Plan einschließlich der Zahlungen an die Bereinigten Staaten ohne die Dawes- Anleihe für die ersten 37 Jahre 1922,7 Millionen (für die ganze Zeit 1887 Millionen) betragt, also mit der Dawes-Anleihe etwas unter zwei Milliarden Mark. Die Entlastung für 1929 beträgt, wenn man die Zahlungen an Belgien und den einmaligen Beitrag für die Kommtssto- ncn berücksichtigt, 618,3 Millionen, für 1930 685,1 Millionen Mark. Der Gegenwartswert der ganzen Reparationsschuld berechnet sich auf rund 34 Milliarden Reichsmark zu 5,5 D. Sy Die jetzt vereinbarten Annuitäten sind immer noch zu hoch, daß auch von uns niemand die Verantwortung übernehmen kann, ihre Aufbringung und noch weniger ihren Transfer als gesichert zu betrachten. Wir haben in dieser Hinsicht die größten Zweifel. Für unsere Entscheidung kommt es aber nicht nur auf dte absolute Höhe der Annuitäten an, sonst würden wir das Abkommen ablehnen. Aber die Annuitäten sind doch wesentlich geringer als Die, zu denen wir zur Zeit verpflichtet sind. Lehnen wir den neuen Vertrag ab, so bleibt bis auf weiteres der alte in Kraft. Das ift der Kernpunkt. Mit der Annahme des Reuen Planes höre die unwürdige finanzielle Kontrolle auf. Die Reparationskommifsion fällt fort. Vier Gründe, und zwar 1. die so» fertige Ermäßigung der Oefamtannui- t ä t um zunächst rund 700 Millionen, 2. die Möglichkeit, bei weiterer ungünstiger Wirtschafts. entwicklung neue Verhandlungen fjerbei- zuführen, 3. die wirtschaftlich katastro- phalen Folgen einer Ablehnung, 4. der Forts all der Finanzkontrolle, veranlaßten die Ausschüsse, trotz der ungeheueren Gesamtlast die Zustimmung zu dem Abkommen zu empfehlen. Zu diesen finanziellen Gründen kommt die Räumung desRhein- la ndes bis zum 30. Juni dieses Jahres. Die Abschüsse haben sich ferner davon überzeugt, daß nach dem neuen Abkommen die Sanktionsklausel des Versailler Vertrages hin- fällig wird. Die „Zerreißungsklausel" ist feine einseitige Klausel mehr. Wir bedauern, daß es nach der Vorgeschichte für notwendig gehalten wurde, diese peinliche Formulierung völkerrechtlicher Selbstverständlichkeiten zu unternehmen. Die Hauptsache ist aber für uns, daß damit die Sanktionsllausel beseitigt ist. Die bisherige internationale Bindung der Berhältnisse von Reichsbahn und Reichsbank wird wesentlich gemildert. Beide werden jetzt rein deutsche Unternehmen mit rein deutschen Vorständen und Verwaltungsräten. ©er bah rische Mn stkrpräsident Selb nanzausgleich erfordert eine gründliche Arbeit, wenn er zu dem gewünschten Ziel der Entlastung der Wirtschaft führen soll. Ueberdies ist die Voraussetzung für eine Sanierung die vorherige Annahme des Poung-Planes. Der Gesandte für M e ck l e n b u r g - S ch w e - r i n erklärt, seine Regierung könne dem Haager Abkommen nicht zustimmen, weil darin Deutschland unerträglich belastet werde und die Saarfrage noch nicht gelöst fei. Mecklenburg-Schwerin werde aber auch nicht dagegen stimmen, um nicht den Anschein zu erwecken, als wollte es die Befreiung deutscher Gebiete von fremder Besetzung verzögern. Für die preußischen Provinzen O st - Preußen, Pommern, Brandenburg und Riederschlesien erklärt Freiherr von Gayl, daß die Bertreter der genannten Provinzen den Reuen Plan und die damit zusammenhängenden Vorlagen a b l e h n e n. Unsere Bedenken können um so weniger zurückgestellt werden, als uns die für die Durchführung des Planes notwendige Umstellung der gesamten Wirts chafts- und Finanzpolitik bisher keineswegs gewährleistet erscyeint. Bei der Abstimmung wird das Haager Abkommen mit 48 gegen 6 Stimmen (Thüringen, Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Riederschle- fien), bei zwölf Enthaltungen (Bayern und Mecklenburg-Schwerin) angenommen. Oie Liquidationsabkommen. Der Reichsrat beschäftigte sich dann mit den Liguidationsabkornrnen Auch hi rüder berichtete Ministerialdi.ektor Dr. Brecht Rach dem Versailler Vertrag konnten die Gläubigermächte deutsches Vermögen liquidieren und den Erlös behalten. Die deutschen Vertreter haben nochmals versucht, diesen Zustand zu ändern, leider mit geringem Erfolg. Der Wert des von der Liquidation freigegebenen Vermögens wird geschätzt bei Belgien auf 20 Millionen, ebenso bei Frankreich, bei Kanada auf 6,5 Millionen, bei England auf 40 Millionen, bei Australien auf 5,5 Millio- nen und bei Reuseeland auf 370000 Mark, insgesamt also rund 92 Millionen. Der Wert des von England nicht freigegebenen Vermögens wird auf 11 Millionen geschätzt. Die Ausschüsse haben bedauert, daß nicht mehr erreicht werden konnte. Aber durch eine Verweigerung der Ratifizierung des Abkommens wären die Erlöse nicht freigeworden. Im Gegenteil wäre die Liquidation fortgesetzt worden. Gemeinsam mit diesem Abk mmen werde auch das polnische Abkommen vorgelegt. Darin verzichtet auch Polen auf weitere Liquidationen. Der Wert der Freigabe wird auf 55 bis 70 Millionen geschäht. Die Ausschüsse billigten das Ziel der Reich Zregierung, zu einer üeberschwenimimgMastkophe in der Grenzmark Das Staubecken einer Lieberlandzentrale gebrochen. — Oas Dorf Straßforth vom Hochwasser eingeschloffen. '4\ Verständigung mit Polen zum Schuhe der deutschen Minderheiten in Polen zu kommen. Freiherr von Gayl erklärte, das deutsch- polnische Abkommen fei für die Vertreter des deutschen Ostens unannehmbar. — Reichsaußenminister Dr. Curtius erklärt, für die Reichsregierung würde eine Ablehnung des deutsch-polnischen Abkommens unannehmbar sein. Der ostpreußische Antrag aus Ablehnung des deutsch-polnischen Abkommens wird a b gelehnt. und zwar mit 37 gegen 21 Stimmen bei acht Stimmenthaltungen. Gegen das deutschpolnische Abkommen stimmten Ostpreußen, Grenzmark Posen-Westpreußen, Brandenburg, Ober- und Riederschlesien, Pommern, Schleswig-Holstein, Westfalen, Rheinprovinz, Bayern und Mecklenburg-Schwerin. Enthalten haben sich Württemberg, Thüringen, Bremen und Oldenburg. öer Reichsetat. Beratungen des ieichekabinetiS Berlin, 5.Febr. (lel.-Un.) Amtlich wird mikgeteilt: Das Reichskabinell trat am Mitt- woch unter Vorsitz des Reichskanzlers in eine erste Beratung über b i e Gestaltung des Etats 1 930 ein. Der Reichsfinanzminister er- stattete über den gegenwärtigen Stand der Vorbereitung des Haushalts und die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten einen ausführlichen Bericht, dem eine eingehende Aussprache folgte. Ls wurde in Aussicht genommen, am Freitag vormittag m i t den Parteiführern eine Besprechung über den gleichen Gegenstand zu veranstalten. * Die amtliche Mitteilung über die Beratungen des Reichskabinetts, die am Mittwoch mehrere Stunden in Anspruch genommen haben, ift deshalb so inhaltsarm, weil Beschlüsse noch in keiner weife gefaßt worden sind. Dagegen sind in aller Ausführlichkeit die Möglichkeiten einer U m - f ahfteuererhöhung, einet Biersieuer- erhöhung sowie einer Stützungsaktion für die Arbeitslosenversicherung erwogen worden. Nach zuverlässigen Informationen zufolge berechnet man im Reichsfinanzministerium den Fehlbetrag, der unbedingt zu decken sein wird, nunmehr mit 700 Millionen Mark. Daran beteiligt sind in der Hauptsache rund 130 Millionen Mindereingänge an Steuern, etwa 450 Millionen für die Sozialversicherung und rund 105 Millionen Forderungen aus dem Nachtragshaushalt. Die ursprünglich geplanten Steuersenkungen dürften damit auf unbestimmte Zeit vertagt werden. Auch Sparmöglichkeiten sind erörtert worden. Man ift jedoch der Ansicht, daß etwa 95 v. h. der Ausgaben zwangsläufig sind und die Sparmöglichkelten bedauerte, daß im Ausschuß der bayerische Der- tagungsantrag abgelehnt worden sei. Die Finanzlage des Reiches, der Länder und Gemeinden treibe einer Katastrophe zu. Ohne eine vorherige Sanierung sei es unmöglich, das Haager Abkommen zu erfüllen Uederdies sei dieses Abkommen wiederum auf der Kriegsschuldlüge aufgebaut. Eine Zustimmung zum Haager Abkommen wäre nicht zu verantworten, wenn nicht im gleichen Zeitpunkt minde st ens Vorsorge für eine innere Sanierung der öffentlichen Finanzen getroffen ift Die bayerische Staatsregierung muß beantragen, daß beides gleichzeitig behandelt und verabschiedet wird. Die Deutsche Zentrumspartei und die Bayerische Volkspartei haben Anträge in gleichem Sinne gestellt und diese erfahrenen Parteien werden nicht Unerfüllbares verlangen. Der bayerischen Staatsregierung sind diese Dinge so wichtig, daß ihr ohne ein Entgegenkommen auf ihren Vertagungsantrag eine Stellungnahme zum Haager Abkommen selbst unmöglich ist. Reichsauhenminister Dr. Lurlius: Der Vorredner hak gesagt, das neue Abkommen fei auf der Kriegsschuldlüge aufgebaut. Dazu habe ich zu erklären: 1. Die gegenwärtige Reichsregierung hat wie alle anderen stets gegen das Sriegsfchuldurteil des Versailler Vertrages protestiert und wird alles daran sehen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. 2. Die deutsche Reichsregierung hätte niemals einen Vertrag vertreten, der die Anerkennung dieses Urteils in sich geschloffen hätte. Reichssrnanzminister Dr. Molden- Ha u e r : Die energischen Bemühungen, schleunigst die Reichskasse zu sanieren und eine durchgrei- fende Reich sftncinzreforrn vorzubereiten, sind so gefördert, daß heute das Reichskabinett sich mit meinen Borschlägen zum Etat 1930 beschäftigen wird. Ende nächster Woche werde ich mit den Finanzministern der Länder beraten, vor allem über die Beseitigung der Kassennot. Die Sanierung für den Etat 1930 berührt aber den Finanzausgleich sehr stark. Dieser Fi- Der Staudamm der Küddow bei Straßforth. Der Pfeil bezeichnet die Ueberschwemmungsstelle. R e u ft e 11 i n, 5. Febr. (WB.) Gestern abend gegen 9 Uhr brach aus bisher ungeklärten Gründen die etwa 25 Meter lange, aus Beton und Eisen gebaute Hauptsperre des neuerbauten Küddow - Kraftwerkes der ääebcrlandzentrale Pommern bei Flederbom. Etwa drei Millionen Kubikmeter Wasser stürzten müh! in der Richtung auf das eine halbe Stunde entfernte Hauptwerk und setzten dieses vier Meter tief unter Wasser. Den sofort verständigten Staubecken Beykenkammer und Borkendorf gelang es noch rechtzeitig, ihre Staubecken abzulassen und sonnt die größte Gefahr abzuwenden. Der Schaden, den die Wasfermassen angerichtet haben, ist ungeheuer. Ein Wohnhaus, das in der Rähe des Staubeckens liegt, wurde bis zum Dach unter Wasser gesetzt Die Bewohner konnten sich auf den Dachoden retten. Das Dorf Straßforth wurde von den Wassermassen eingeschlos- s e n. An manchen Stellen ist Bieh ertrunken. Menschenleben sind bis jetzt nicht zu beklagen. Es ertrank viel Bieh — Schweine und Ziegen —; Hausrat wurde in großen Mengen beschädigt und erhebliche Getreide- und Futtervorräte fort» gespült. Wie ergänzend mitgeteilt wird, handelt es sich um die Hochwasserentlastungsanlage des Küddow-Kraftwerkes Flederbom, die dazu dient, den Wasserstand des Stausees zu regulieren und die aus einem Detonbauwerk mit drei Schutzöffnungen besteht. Der Einsturz hatte zur Folge, daß die in dem Staubecken angesammelten Wassermengen sich über den Damm ergossen, der zu beiden Seiten der Schuhanlage unversehrt stehen blieb. Die Entleerung des Stausees dauerte von 23 bis gegen 23 älhr. Cs sind nach Schätzung von fachmännischer Seite etwa 2 V2 Millionen Kubikmeter Wasser abgeflossen. Am Mittwochmorgen zwischen 4 und 5 älhr kam die Flutwelle in Borkendorf an. Dort waren bereits auf die Mitteilung der Bauleitung des Fieder- borner Kraftwerks hin alle erforderlichen Mah- nahmen getroffen worden, um ein allmähliches Abfluten der Wassermengen in Richtung Schneidemühl durchzuführen. Rach den bisherigen Meldungen hat das Wasser auf. seinem Wege zwischen Flederborn und Borkendorf erheblichen Schaden angerichtet, doch ist der Schaden in dem betroffenen Hochwassergebiet zwischen Straß- forth und Dvrkendorf nicht so hoch, wie zuerst befürchtet wurde. Der größte Schaden ist naturgemäß in unmittelbarer Rähe des Stauwerkes Flederbom unterhalb Straßforth angericht:t wor- ben. Die Hochwasserwelle war bei ihrem Heraustritt aus dem unmittelbar betroffenen Heber» schwemmungsgebiet bereits erheblich a b geflacht, so daß die Wucht der Fluten bereits unterhalb Tarnoke erheblich gemildert war. Das Küddow-Wasserkcaftwerk Flederbom arbeitet zusammen mit dem Dammkraftwerk Belgard in Pommern und hat die Bezirke Tempelburg, Deutsch-Krone und Reu-Stettin mit Strom zu versorgen. daher sehr gering sind. Für Abdeckung des großen Fehlbetrags in der Arbeitslosenversicherung denkt man daran, bei den übrigen Sozialversicherungen eine auf zwei Jahre befristete Anleihe aufzunehmen. Der Gedanke einer sog. Ge- fahrengemeinschaft aller Sozialversicherungen ist jedoch fallengelassen. Fragen des heereshaus- Halts sind in der RUttwochbesprechung des Reichskabinetts nicht berührt worden. Man geht jedoch nicht fehl in der Annahme, daß bei der anqe- kündigten P a r t e i b e f p r e ch u n g am Freitag neben der gesamten Finanzlage und Vorschlägen zur Stopfung des Loches im Reichshauchalt auch die bereits in der Oeffentlichkeif erörterte Frage der Geldbewilligung für den Bau des Panzerschiffes B zur Verhandlung kommen wird. Scharfe Kritik der Wirtschaft. Wo bleibt der Wille zur Svariamkeil? Berlin, 6. Febr. (TU.) Zu der Kabincttssitzung über den Etat nehmen die Berliner Blätter in Erwartung der Besprechung mit den Parteiführern am Freitag noch nicht Stellung. Rur dic „DAZ." weist darauf bin, daß das deutsche Volk jedenfalls vor der erschütternden Tatsache stehe, daß es auch weiter auf einen cm ft en Willen zur Sparsamkeit warten solle und daß d i e Poungplanersparnissc durch 21 u s - gaben ft eigerungen nicht nur voll verzehrt würden, sondern nicht einmal aus- reichten, sie völlig zu decken. In weiten Wirt- schaftskreisen, die der Volkspartei und dem Zentrum nahcstehen, sei die etimmung alles andere als freundlich. In den gleichen Kreisen habe es auch besonders befremdet, daß die tatsächliche Verknüpfung zwischen Polenvertrag und Poungplan nun auch formal durch den Einbau des Polenabkommens in das allgemeine Liquidationsgesetz hergestellt sei, während die Bemühungen, auch nur die innerdeutsche F i - nanzpolitik in Beziehung zum Voungplan zu bringen, kein geneigtes Ohr gefunden hätten. Die „DAZ." weist weiter darauf hin, daß das Polenabkommen trotz der relativ großen Mehrheit im Rcichsrat noch nicht gesichert sei, heute reiche die Front der Abgeordneten, die eine Annahme dieses Vertrages für unmöglich hielten, und zwar nicht aus agitatorischen Gründen, sondern aus genauester Kenntnis der Ostvcrhältnisse heraus, schon weit in die demokratischen Reihen hinein. Oer Panzerkreuzer B. Daö Ncichökabinett Plant eine Zwischen« lösung. um einen Koalitionötonflikt zu vermeiden. Berlin, 5. Febr. (Priv.-Tel.) Da es sich jetzt entscheiden must, ob auch der Panzerkreuzer b zum ersten Male etatisicrt werden soll, sind die Koalitionsparteien in Schwierigkeiten geraten. Bach den ursprünglichen Dispositionen mühten für den neuen Panzerkreuzer B in den Etat 1930 2,1 Millionen eingesetzt werden. Der Reichswehrminister, der an und für sich auf den Dau der Panzerschiffe besteht, hat aber dem Vernehmen nach zunächst davon 21 b - stand genommen, diese Summe in seinen Voranschlag einzuschen, was Wohl darauf zurückzuführen ist, bau die Sozialdemokratische Partei bereits mit aller Deutlichkeit zu verstehen gab. dah sie grundsätzlich eine solche An- forderung a b l e h n e n würde, da die Bewilligung dieser Summe einen späteren Bauentschlus; präjudiziere. Das Kabinett bemüht sich, den Kon- slikt in seinen eigenen Reihen zu vermeiden. Als ein Weg hierfür wird in Regierungskreisen der Vorschlag betrachtet, das Schiff im Etat mit einem nominellen, geringfügi- genBetrag — 100 000 Mark — erscheinen zu lassen, um es sozusagen präsent zu halten. Auf der anderen Seite würde der Reichs- wehrminiftcr an anderen Stellen des Wehretats sehr viel größere Ersparnisse— man spricht von mehreren Millionen — durchführen. Damit würde ohne Austrag der grundsätzlichen Frage vom Standpunkt der Finanznot des Reiches eine Zwischenlösung gefunden sein. Protest gegen ein Darlehen für die Arbeitslosenversicherung. Berlin. 5. Febr. (WB.) Der Hauptausschuh für die soziale Versicherung der Privatange st eilten, der in 37 Angestelltenorganisationen mehr als 800 000 Mitglieder vertritt, hat an die Reichsregierung ein Schreiben gerichtet, in dem er sich mit dem Plan eines Darlehens der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte an die Arbeitslosenversicherung beschäftigt. Bei der gegenwärtigen Lage der Arbeitslosenversicherung sei der HauptauSschuh für die soziale Versicherung der Privatangestellten der Meinung, dah ein Darlehen angesichts der völligenäln möglich keil derRück- zahluna als verloren oder mindestens a u f daS äußerste gefährde t anzusehen sei. Der Hauptausschuh erhebt gegen die aufgetauch- ten Pläne schärfsten Einspruch und ersucht die Reichsregierung auf das dringendste, von jedem Eingehen darauf Abstand zu nehmen. Oie Kommunisten auf der Suche nach propaganbamaterial. Hamburg, 5. Febr. (Priv.-Tel.) 3n der Hamburger Bürgerschaft erklärte bei der Aussprache über den mihglückten Aufstands- v ersuch der KPD. der sozialdemokratische Redner Senator E h r e n t e i t. dah der Großvater deS durch eine Kugel tödlich verletzten Lehrlings, der als Unbeteiligter in die ersten Zusammenstöße hineingeraten war, mitgeteilt hat, bei ihm seien Vertreter der KPD. gewesen und hätten die älnterschreibung eines Reverses an- getragen die Leiche seines Enkels der KPD. zur Beerdigung auszu liefern. Die KPD. werde die Beerdigungskosten übernehmen unb ihm außerdem noch 2000 Mk. bezahlen. Dieses Ansinnen ist von der Familie mit Entrüstung abgclehnt worden. Diese Mitteilung löste in der Bürgerschaft stürmische Entrüstung aus. Herbst in Apulien. Äon Albert H. tausch. IV. Monte Gargano. (Manfredonia / Monte $. Angelo.) Der Regen, der uns am Tage verschont hatte, fiel des Rachts. Aber am nächsten Morgen war der Himmel wieder klargefcgt, das Gewölk weit an den Horizont zurückgewichen, das Firmament in reiner Bläue über der vergoldeten Stadt gewölbt. Wir kauften (Elfen und Wein und brachen gegen neun Uhr nach dem Monte Gargano auf. Es war ein Sommertag, in den wir hinausfuhren, blau und rosa, ein ganz durchleuchteter, kristallener Tag ohne Schwere, ohne Dichte. Immer wechselte das Licht zwischen den beiden Grundfarben, die in weißes Gold gebettet lagen .. Dasselbe Land, das sich gestern in erdrückender Schwermut gezeigt hatte, schien nun so körperlos, nur noch ein Schein, als Hobe es seinen innersten Stoff verwandelt und keine andere Bestimmung mehr, als zu leuchten, wie das Feuer des Himmels cs ihm befahl. Nordostwärts ging die Fahrt, der 'Adria entgegen. Zu unsrer Linken, noch ganz in lila Dunst verborgen, lag das Gargano.Gebirge, jene Halbinsel, die den Sporen des italienischen Stiesels bildet und tief ins Meer gegen die dalmatinifchcn Gestade vorspringt. Sie formt im Süden mit der apulischen Küste den Golf von Manfredonia, den schönsten der westlichen Adria. Ueber diese kleine, verträumte Hafenstadt, in der nur selten ein Dampfer landet, gelangt man am raschesten In das Innere der einsamen Garganoberge, von ihr aus auch läßt sich die Halbinsel am leichtesten ostwärts bis zur Nord- kiiste umfahren. Nur um die Zeit, wo die großen Wallfahrten nach der Kirche des Heiligen Michael in Monte S. A n g e l o slattfinden, sieht die entlegene Landschaft Pilger aus allen Teilen der Welt. Kommt man zu anderer Zeit hinaus in das Bergnest, so findet man die Einsamkeit und Unberührtheit, die man zu finden wünschte .. Nur im Fluge — und kaum das einzelne Bildnis fest, haltend — nahm das Auge, was sich ihm barbot: Dclbaumgärten, Mandelgärten (wer ihre Blüte kennt In diesem Lande, weiß, was das Wort an Zauber birgt), weidende Herden, Füllen, springend in Gehegen, einsame Gehöfte, verlassene und oer- fallende Herrenhäuser, Eukalyptusbäume in kleinen Gruppen angepflanzt, um dem Fieber zu wehren, das diese Niederung des Candelaro heimsucht. Oft sind die Fenster mit dichtem Drahtgeflecht vergittert. Attentat auf den Präsidenten von JReiifo. Oer pfäsidenienwechsel. - Ortez Kufrio durch Pistolenschüsse am Kiefer leicht verletzt. — Oer Attentäter verhaftet. Mexiko, 5. Jebr. (wv.) Die heutige Amls- (ibergabe durch den Uebergangspräfidenlen "P u r - les Gil an feinen ordnungsmäßig gewählten Rachfolger Pasquale Ortez H u b i o vollzog sich angesichts einer unübersehbaren Menschenmenge im Stadion der Haupt st adt Mexiko. Etwa 50 000 Personen, darunter das gesamte diplomatische Korps, wohnten dem feierlichen Akt bei. Der scheidende und der neue Präsident hielten Reden, die von der Menge stürmisch bejubelt wurden. Die Feier wurde empfindlich gestört durch ein A t t e n t a t auf den neugewählten Präsidenten. Ein junger Mann feuerte sechs Schüsse auf den Präsidenten R u b i o ab, als dieser nad) der Einführung in sein Amt den Rationalpalast verließ. Der Täter wurde fest genommen und im Jla- tionalpalast einem verhör unterzogen. Der wagen des Präsidenten setzte die Fahrt nach der privat- wohnung Rubios fort. Der Präsident wurde a m Kiefer verwundet. Die Kugel ist auf operativem Wege entfernt worden. Die Aerzte des Kron- kcnhaufes, in dem die Operation vorgenommen wurde, erklärten, daß der Zustand des Präsidenten nicht besorgniserregend fei. Der erste Schuh, der eine Kieferverlehung verursachte, ging um Haaresbreite an der Schlagader vorbei. Der Präsident erhielt auch eine Schutlerwunde, doch wird bekanntgegeben, daß- sein Zustand zu Besorgnissen keinen Anlah gibt. Durch die von dem Attentäter abgegebenen sechs Schüsse wurden auch die Gattin des Präsidenten und seine kleine Richte Ofelia Ortega leicht verletzt. Der Attentäter erklärte bei seinem verhör Im Rationalpalast, er heiße Daniel Flores und fei 22 Jahre all. Er sei e i n Anhängervon Jose vasconcellos, der im Wahlkampf von Rubio geschlagen wurde. Der frühere präsidenl Porte! Gil, der provi- forifch wieder die Leitung der Regierung übernahm, teilte der presse mit, dah Frau Ortiz Rubio bereits vor einigen Tagen einen anonymen Drohbrief erhielt, in dem es hieh, ihr Galle werde den Amlseid niemals leisten können. Gil führt in einer offiziellen Erklärung über das Attentat aus, dah die von Daniel Flores abgegebenen Schüsse den Präsidenten und feine Gattin verletzt hätten, während der Wagenführer unverletzt blieb. Glücklicherweise seien die Schüsse, obwohl Kopfstreifschüsse, doch nicht gefährlich. Die Tat zeige erneut, dah ungesunde Elemente im Lande seien, die vor nichts zurückschreckten und die Ration ins verderben stürzen möchten. Die Aerzte hoffen, dah der Präsident in einigen Wochen wieder her- gestellt fein wird. Die Schnhoerletzung am Unterkiefer sei nicht als gefährlich anzuschen, obwohl ein Knochenstück entfernt werden dürfte. Oie Reichsregiemng empfiehlt die Haager Abmachungen. Oie Oenkschriften zu Berlin. 5. Febr. (Privat.) Die Reichs re- g i e r u n g hat den Gesetzentwürfen, die' durch den Poungplan notwendig geworden sind, bei der lieber- mittlung an die parlamentarischen Instanzen einige Denkschriften beigefügt, in denen versucht werden soll, das Verständnis des zur Inkraftsetzung des Berichtes vereinbarten Vertragslverkes zu erleichtern. Die Hauptdenkschrift entwickelt zunächst die grundlegenden Unterschiede zwischen dem youngplon und dem Oawesplan. Sie verbreitet sich ausführlich über die finanzielle Umgestaltung der deusichen Reparationsschuld, die bisher in zweifacher Beziehung festgelegt war, näm- lich durch den Londoner Zahlungsplan über 132 Milliarden und durch die Annuitäten des Dawesplans. Die Denkschrift gibt dann einen Ueberblick über die Ermäßigu n g e n , die die Reparationslast durch den Poungplan erfährt, und unterstreicht besonders die Vorteile, die in den Möglichkeiten des Moratoriums und der (Einberufung des „beratenden Sonderausschusses" liegen, ferner In der Verbindung der Reparationsfrage mit etwaigen Kriegsschulden Nachlässen der Gläubiger und in dem Fortfall des komplizierten Systems von Verpfändungen und Kontrollen. Für die Klarstellung des rechtlichen Verhältnisses des Neuen Planes sei der entscheidende Grundgedanke, daß die neue Regelung an sich vollständig und erschöpfend ist, so daß die früheren vertraglichen Abinachungen in keiner Weise zum Eingreifen und auch nicht zur Ergänzung herangezogen werden können. Damit wird der gesamte, für die Durchführung der Reparationen im Vertrag von Versailles geschaffene Mechanismus beseitigt. Die Darlegungen der Denkschriften über den Voung-Gesehen. die Sankiionsbestininiungen. Sie ergeben, daß das Sanktionssystern von Versailles und der Londoner Vereinbarungen von 1924 beseitigt worden ist. Bei Schwierigkeiten im Rahmen der Durchführung des Neuen Planes finden lediglich die Verfahrensarten die- f e s Planes (Schiedsgericht) Anwendung. Selbst wenn von den Gläubigermächten behauptet wird, daß der außerhalb des Rahmens des Planes liegende äußerste Fall, d.h. Handlungen der deutschen Regierung, die ihren Willen beweisen, den Neuen Plan zu zerreißen, gegeben feien, sind sie gezwungen, zunächst die hoch st e internationale Instanz anzurufen. Ferner werden für den Fall einer für Deutschland ungünstigen Entscheidung dieser Instanz keineswegs Sanktionen, d. h. Strafmaßnahmen. festgelegt, sondern es wird lediglich entsprechend doltz gemeinen Völkerrecht die Wiedergewinnung der Handlung sfr e i h c i t konstatiert. Aus der Begründung des Gesetzes zur Aenderung deü ^eichöbahngesetz-'S ist hervorzuheben, daß das Reich grundsätzlich berechtigt ist, Aenderungen am Reichsbahngesetz und an der Gesellschaftssatzung vorzunehmen, die durch eine Aenderung der Verhältnisse gerechtfertigt erscheinen oder deren tatsächliche Zweckmäßigkeit sich durch die Erfahrung ergeben habe. Voraussetzung ist lediglich, daß die Aenderungen die $ e ft immun g e n über öle Reparationszahlungen und die für sie vorgesehenen Garantien sowie den unabhängigen Charakter der Gesellschaft mit ihrer selbständigen Verwaltung nicht beeinträchtigen. Durch diese sogenannte Revi- sionsklausel ist also die Möglichkeit gegeben, daß der für die Dauer von 37 Jahren nicht übersehbaren Entwicklung des gesamten Verkehrswesens auch auf dem Gebiete der Reichseisenbahn Rechnung getragen werden kann. nicht leicht fiedelt sich hier an, wer Grund und Boden erst erwerben muß .. Plötzlich flattert ein purpurner Schein auf uns zu .. Wir sind dichter an den Gargano herange- fahren, seinem seltsamen Lichterspiel von nahem ausgesetzt .. Was geschieht dort drüben? Schleier um Schleier fallen, werden von unsichtbarer Hand zerteilt, fortgezogen, hochgehoben: in glühendem Rosa, das auf hellbraunem Grunde lagert, strahlt uns die entblößte Flanke des Gebirges entgegen — und steht und bleibt in diesem Alpenveilchenlicht unter enzianblauen Himmeln .. Wir halten, starren in das Wunder (als sei die Röte der letzten Mandel- blüte dort drüben an dem Felsgestein versickert) .. Dann nehmen wir — auf nun schneeweißer Straße — eine letzte Wende, eine letzte Höhe: und halten abermals: Adria — Adria! Dort, vor uns, nah und dennoch weit im silbernen Dampfen, das feidne, blaffe, blauende Meer .. ganz still, ohne Welle, ohne Schaum, ohne Segel .. Herüberblendend wie bleierne Spiegel, heiß, das Meer .. An es geschmiegt, fast in es hineingeschoben^ Manfredonia, erster der vielen apulischen Häfen, angeglüht von allen Träumen des Orients .. Hinein nach Manfredonia. Hellblaue, hellgelbe, rosarote Häuserwände. Esel, Maultiere, Karren, Melonen, ausgeschnitten: dunkel- rote, orangefarbene .. Duft von Melonen, von Trauben .. Duft aus Ställen .. Orient. Weiter .. Auf die Straße nach Monte S. Angelo. Nicht auf die neue, die nähere .. Auf die alte, die viel längere, welche sich nur langsam in die Berge windet und die weiten, die erschütternden Rückblicke auf Meer und Küste gibt .. An brennenden Steinwänden geht es hin. Oelbäume. Palmen. Oleander. Eidechsen lauern, laufen, äugen .. Wo sind wir? Zur Rechten das Meer, siedend in Silber und Bläue .. Wo sind wir? Iahe Wende: Verschluckt von braunen Bergfalten das Süd-Bild .. Aufwärts, in unzähliaen Kehren. Und immer wieder das gleiche Spiel. Wechsel der Bilder zwischen Felsgebirge und Süd-Meer .. Schluchten, Grate, Kämme, jenseitige Täler, Flanken, Gipfel, wandernde Wolkenschatten über alledem — Buchten, Küsten mit Silbersaum, runden, hellblauen Spiegeln in Goldfassung, ziehendem Segel, Windstreifen, hingeflirrten--und schließlich alles dies vergessen: vor uns, weiß und silbergrau, auf ober Steinhöhe, überglüht von unerbittlicher Sonne, an die neunhundert Meter hoch: die höchste Stadt des ©arganogebirges: Monte S. Angelo. Wir sind nicht als Wallfahrer gekommen, wenngleich wir die unterirdische Grottenkirche des Erz- engels betrachten. Ein schöner Bischofsstuhl aus Marmor, auf Löwen ruhend. Dumpfe, süßliche Luft aus Weihrauch und haftendem Nachduft menschlicher Ausdünstung. Hinaus aus diesem lichtlosen Verließ. In den Bergwind hinauf. Oben vor dem Haupteingang zur Grottenkirche, ein alleinstehender, prachtvoller Glockenturm. Genug von Kirchen. Hier ist Gewaltigeres. Hier ist das unerhörte Schloß der normännischen Fürsten. Trümmer. Aber welche Trümmer! Welche zwingende Wucht eines Machtgedankens in diesen weißgrauen Mauern, in diesen Türmen, diesen Bastionen! Dort hinauf über Ircppenfteige — und von dort nicht mehr herunter, bis es Zeit zur Heimkehr wird .. Solche Blicke gibt es nur noch an einer Stelle: in (Enna, der höchsten Stadt Siziliens. Auf das ergreifende, glühende Gestein von Calascibetta und Leonforte. So hier auf die nördlichen Züge des Gargano .. Hinreißend, zum Aufschreien groß. Groß die Schau, wie die Seele der normännischen Herrscher, jene wundervolle Wikingerseele, die nicht mehr roh war und doch den gewaltigen Griff hatte .. O, welche Mittagshöhe! Aus den Boden, in bas warme, gebleichte ©ras .. Hier, im Bannkreis biefer Trümmer, fanb i ch das Heiligtum bes Monte Gargano. Dilemma. Äon Charlie Noettinghoff. Kasimir ist dreiundzwanzig Jahre alt. ledig, sitzt dienstmüde in der Straßenbahn und lieft einen spannenden Roman. Der Wagen ist sehr, sehr voll und plötzlich erblickt Kasimir schielenden 2luges eine vor ihm stehende, schaulelnde ältere Dame. Sofort hüpft ihm der Paragraph ..Plah-anbieten" des Moralkodex' ins Gedächtnis. Aber Kasimir ist unerhört müde und steht nicht auf. Errötet innerlich, steht aber nicht auf. Er fühlt die Vernichtung schießenden Blicke der älteren Dame auf seinem Scheitel. Kasimir beruhigt sein wogendes Gewissen mit wissentlich falschen Einschätzungen: „Ach was, eigentlich ist sie gar nicht so alt und schwach. Sicherlich ist sie strotzend gesund und gar nicht müde. Wahrscheinlich hat sie gaf keine Lust, sich hinzusetzen." Die ältere Dame seufzt krampfhaft auf und sieht sich um. Kasimir gibt sich angestrengten, aber vergeblichen Versuchen hin, die schöne Romanstimmung von ehedem wieder Herzust.'llen. Es gelingt ihm nicht... Weiter tobt der Kampf mit dem „Moralkodex": ,Oskars Großmutter zum Beispiel spielt Tennis! Wenn ich aufstehe, dann fährt die 2Ute womöglich biS zur Endstation und ich habe meinen Platz gehabt. Wenn einem Oie Schulen im hessischen Sparprogramm. Lchulgclderßöhung und Bolksschullasten der Gemeinden. Darmstadt, 5. Febr. (Wolffbureau. 3m Sofortprogramm der Hessischen Regierung ist vorgesehen, daß die Gemeinden für jede Volksschullehrer st eile einen Beitrag von 200 M k. leisten sollen. Gleichzeitig hatte der Kultusminister erklärt, daß den Gemeinden mit höheren Schulen aus der Schulgelderhöhung ein Ausgleich erwachse. 3n der Presse ist gegen die geplante Belastung der Gemeinden durch den Volksschullastenbeitrag z^T. scharf Stellung genommen worden. Wir haben uns daher die Zahlen über den Besuch der höheren Schulen und die Auswirkung der Schulgelderhöhung rerfchafst. Zu unte*.idealen |au) die Auswirkungen der Schulgelderhöhung im vergange..en 3ahr und die ab 1. April 1930 zu erwartende Mehreinnahme angesichts der bevorstehenden Erhöhung der Schülerzahl. 3n diesem 3ahre tritt zum erstenmal an den höheren Schulen der verstärkte Schülerzugang in die Erscheinung. 3n der ausgesprochenen Schulstadt Darmstadt betragen die Mehrausgaben für Volks- schulbeiträge 40 000 Mk.. die Schulgelderhöhung bringt ein Mehr von 64 000 Mk. und der verstärkte Schülerzugang weitere 6000 Mk., zusammen 72 000 Mk. Es verbleibt hier also eins Mehreinnahme von 32 000 Mark. — Auch für Gießen ist das Berhältnis noch günstig: Bei 14 000 Mk. Ausgaben betragen die Mehreinnahmen 26 000 Mk. bzw. 4000 Mk., zusammen 300C0 Mk., also einP 1 us von 16 000 Mark. — Für Worms betragen die entsprechenden Ziffern: Ausgabensteigerung 24 000 Mark. Einnahmensteigerung 24 000 Mk. bzw. 3000 Mark, zusammen 27 000 Mk.. also einP1 us von 300 0 Mk. — Für Michelstadt i.O.: Ausgabensteigerung 2200 Mk., Einnahmensteigerung 2300 bzw. 500 Mk., zusammen 2800 'Mk.. also ein Plus von 6 0 0 OK L — Für Mainz hatte die Presse eine Mehrbelastung von insgesamt über 100 000 Mk. herausgerechnet. Die entsprechenden Ziffern sind: Ausgabensteigerung 50 000 Mark. Einnahmensteigerung 39 000 bzw. 4000 Mark, zusammen 43 000 Mk.. also ein Minus von 7000 Mk. — Für Offenbach betragen die Ziffern: Ausgabensteigerung 42 000 Mk. Einnahmensteigerung 33 000 bzw. 4000 Mk., zusammen 37 000 Mk., also ein Minus von 5000 Mark. — Bei der Ausgabensteigerung ist bereits ein gewisser Wahrscheinlichkeitssah für Stelleneinsparungen berücksichtigt. Oie Floiienkonferenz. Der Bau von Ersatzlinicnschissen soll auf« gehoben werden. London, 6. Febr. (WTB. Funkspnich.) In der „Daily News" fügt Wilson Harris: Es ist sicher, daß die Flottenkonferenz den Bau von Ersatzschiffen der gegenwärtigen Linienschiffe bis November 1936 au ff Rieben wird. Es werde ein Vorschlag geprüft, bereits jetzt eine Anzahl Groß fampffchiffe abzubrechen, nämlich acht britische, 6 amerikanische unb 3 japanische. Dies würde die Großkampfschiffe der drei genannten Länder auf 12, 12 und 7 vermindern, was beinahe dem ursprünglichen Washingtoner Verhält- n i s 5:5:3 entspräche. In diesem Zusammenhang sei die Haltung Frankreichs wichtig, da Frankreich beh Bau neuer Großkamps- schiffe erwäge, um ein Gegengewicht gegen bie „Ersatz Preußen" und ihre künftigen Schwe- fterschiffe zu haben. Dies sei aber keine wirkliche Schwierigkeit, benn Deutschland könne nur sechs Fahrzeuge dieses Schiffstyps bauen unb werbe es wahrscheinlich gar nicht auf diese Zahl bringen. In dem Artikel wird weiter ausgeführt, gestern abend hätten die Hauptdelegierten beschlossen, den Gedanken einer völligen Anschaffung der U-Boote fallenzulassen, dem Vernehmen nach soll aber der Versuch unternommen der Wagen zu voll ist. so nimmt man sich eben ein Auto. 3ch habe nicht die Mittel dazu." Kasimir windet sich innerlich unter den tadelnden Blicken sämtlicher Anwesenden. Er schielt einen jungen Mann an. dessen Kopf in bleiernem Schlaf ruckweise auf und nieder pendelt. 3dee: Er wird auch den Schlafenden markieren. Warum foU er nicht schlafen? Bitte! Kein vernünftiger Mensch kann ihm bann einen Vorwurf machen. Müde Leute schlafen eben und kümmern sich nicht um stehende Mitreisende, weil sie sie ja gar nicht sehen können, wenn sie die Augen zu haben!... Kasimir beginnt intensivst zu schlafen, als sei er sein Leben lang Filmschauspieler gewesen. „Ach, Kasimir!" ruft es da laut und froh neben ihm. Cousine Leni steht vor ihm, des Wiedersehens unbändig froh. Die ältere Dame steht auch noch vor ihm. Sie scheint nicht froh zu sein. Kasimirs sämtliche Schweißporen öffnen sich. Was tun? Was tun?... Man stelle sich vor: Er würde also aufstehen und Leni — er darf es keinesfalls mit ihr verderben! — feinen Platz anbieten... Was tut die ältere Dame, wenn Leni sich hinseht? Was tun die mitfahrenden Wageninfassen? Unb wenn Leni ihn blamiert, seinen Platz ausschlägt und der älteren Dame anbietet. Wie steht er dann da?! Was geschieht jedoch erst, wenn er sitzen bleibt? Rein, nein — er kann nicht sitzen bleiben!... Entsetzlich!... ilnb plötzlich schnellt Kasimir hochroten Kopses empor, vergißt den Roman unb ferne Akten- moppe, stoßt bie ältere Dame gegen das Knie unb Cent vor den Kopf, windet sich durch den Mittelgang unb springt ab... Hochschulnachrichten. Die Ernennung des Heidelberger Privatdozenten Dr. Karl Mannheim zum Ordinarius der Soziologie an der Universität Frankfurt am Main als Nachfolger von Prof. F. Oppenheimer ist erfolgt. — Ferner wurde der o. Professor D. Ernst Kohlmeyer von der Universi- tät Breslau in gleicher Eigenschaft in bie Theologische Fakultät der Universität Halle versetzt. Pros. Kohlmeyer übernimmt in Halle den Lehrstuhl der Kirchengeschichte als Nachfolger des Geheimen Konsistorialrats Johannes Ficker. — Der Göttinger Historiker Geheimrat Prof. Dr. Karl Brandl hat den an ihn ergangenen Ruf an bie Universität Berlin abgelehnt. — 0/ ■V iigfionr _Nor Oertn O Pans franM Mittwoch. 5. r enruar, J930. 71at)ds >>,, __LnT^ayen fr*“*' ■ ren$. scn soll aus. W löx den der Schul. ?** loÄftun9 s$'s Ä2S un9tn d«,. Ä. * 6t. Mem Iaht- Mmltn .^chemung. Darm. 1 h*r Valiz. Seldcihähung '"d.der der- zusam. eine Mark. - läfriiä noch ’cfraqcn die X) Mk, zu. on 16 000 n die ent* cung 24000 Vito. 3000 rtfij NainzhM on insgelM Die enispre« gening 50 000 ) bzw. 4000 ein Minus ach betragen «0 M Ein. M, zusam- von 5000 Mng ift de- keÜÄah für Pchligt. '^Cnc Ä"' nefr* ifen. . . «riool- S'SS H.s n de^ :n d>e enM ,, e oer- at.HM ^n |fln0enen i. ** spruch.) 3n der : Es ist sicher, on ErfaWfsen November 1936 i Borjchlag ge- zahl Groß' nämlich acht panifty. Dies «i genanntere war drmvhe er Derhält- Zusammenhang Hs wichtig, da Sroßkampf- wichl gegen die instigen Schw«' keine wirkliche int nur sechs MN und werde e Zahl bringen, geführt, gestern bcfchloffen, den Abschofsung en, dem D«r- ^nternomnM man sich eben ittel dazu, ter den W* tn. Er sch'elt topf in blerer« ,er pendelt, lasenden mar* )lasen? 2rtte m dann einen lasen eben und Mittersende. tonnen, ®enn ' (rnh N Z not iK ältere Dam- int nicht stob n össnen sich. Dame. D-nn ? Olein, nrm I Nach, dem Spiel von f ar 8 eine große Stadt Britanniens. Die Aus* grabungen sollen zu Anfang des Sommers beginnen und werden mehrere Jahre dauern. Man verspricht sich von ihrem Ergebnis wertvolle Aufschlüsse über die britannische Kultur vor 2000 wahren. ein öfter und gern gehörter Vortragsredner. Noch am 30. Dezember v. 3. hat er dort unter großem Beifall über französische Einflüsse in der Freiburger Bevölkerungsentwicklung des au . gehenden 17. Jahrhunderts aus Grund eigener archivalischer Aeuforschungen gesprochen. Der Verewigte wird in seinen schriftstellerischen Werken in bester Wertschätzung fortleben. Unser neuer Vornan. In der heutigen Bummer unseres Blattes bringen wir den Abdruck des in unserem Leserkreise mit so lebhaftem Interesse auf genommenen Romans „®er Traum vom Glück' von Lovett und Weißenthurm zu Ende. In der morgigen Ausgabe des „Gießener Anzeigers" werden wir mit der Veröffentlichung eines neuen Romans beginnen, von der wir uns einen nicht geringeren Erfolg glauben versprechen zu dürfen. Es handelt sich hier um das Werk eines sehr routinierten Schriftstellers, der bi.her noch nicht bet uns zu Wort gekommen ist; seine höchst bemerkenswerten Publikumserfolge auf dem ganz besondere I Anforderungen stellenden Gebiete des 3e;tung3- romanes sprechen indessen dafür, den Autor auch unserer Leserschaft — mit feinem jüngsten Wer? — einmal vorzustellen: „Oie blonde Sklavin" von Hermann Weick Aus der Provinzialhauptstadt Gießen, den 6. Februar 1930. Landgerichispräsident L K. Geheimerat Or. Gustav Güngerich. Es wurde beschlossen, die Ruinen Q3crulam auszugraben. Derulam war be reits vor der Landung Julius ES ist ein überaus spannender und anschaulich geschriebener Roman, der das Lebens- und Liebesschicksal einer unverschuldet in die Hände emeä brutalen Gewaltmenschen geratenen schönen Frau und den erbitterten Kampf zweier Männer um den Besitz der „blonden Sklavin" schildert. Die Handlung verfügt über ein lebhaftes Tempo, dramatische Schlagkraft und steigert sich von Kapitel zu Kapitel gegen das Ende hin, bis eine toa^r- haft überraschende Wendung den ins Kriminelle hinüberspielenden Liebesroman zu einer befreienden und harmonischen Lösung führt. Wir sind überzeugt, mit der Erwerbung dieses Werkes einen glücklichen Griff getan zu tja&en, und wir hoffen, mit seiner Veröffentlichung allen unseren Leserinnen und Lesern eine besonders willkommene und fesselnde Lektüre zu bieten. Taten für Freitag, 7 Februar. 1801: der Maler und Kupserstecher Daniel Chodowiecki in Berlin gestorben; — 1312: der Dichter Charles Dickens in Landport bei Portsmouth geboren; — 1851: der Kunsthistoriker Hugo v. Tschudi auf Gut Iakobshof in Rieder- österreich geboren (gestorben 1911). Gictzencr Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 180, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 10 । bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 30 bis 35, Unter-Kohlrabi 8 bis 10 Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat 1OO bis 120, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Endivien 80 bis 100, Rüsse 50 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 70 bis 80, Eier 13 bis 14, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 25 bis 30, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück; Kartoffeln 3,80 bis 4, Wirsing 10 bis 12 Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 7 bis 8, Aepfel 10 bis 12, Dirnen 8 bis 10 Mk. der Zentner. ** Sitzung des Provinzialausschusses. Am nächsten Samstag, vormittags 8,30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaals des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Antrag der Reichsbahndirektion Frankfurt a. Main auf Enteignung von Gelände zur Erweiterung des Dahnhofs Reu- haus in Homberg a. d. Ohm; 2. Gesuch des Heinrich Raaf in Gießen um Erlaubnis zur Ausdehnung seines Wirtschaftsbetriebes in dem Hause Walltorstr atze 34 zu Gießen; 3. Klage des Johann Höhn in Gietzen gegen das Kreisamt Gießen wegen Versagung eines Wandergewerbescheines für 1930; 4. Berufung des Heinrich Groth in Bad-Rau heim gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Friedberg wegen Richtgenehmigung zur Inbetriebnahme einer Pferdedroschke; 5. Berufung der Stadt Alsfeld gegen das Urteil des Kreisausschufses des Kreises Alsfeld in Sachen: Klage des Rechtsanwalts Domseiff in Alsfeld als Konkursverwalter über das Vermögen von Karl und Richard Listmann in Alsfeld gegen die Stadt Alsfeld wegen Erhebung von Wertzuwachssteuer. *♦ Sie Kreiskpmmission des Kreis- jugendamtes Gießen. Im letzten Amts- verkündigungsblatt fordert das Kreisjugendamt Gietzen die im Kreise Gietzen wirkenden Vereinigungen für Iugendwohlfahrt und Jugendbewegung auf, bis zum 1. März geeignete Per- | sonen als Mitglieder der Kommission des Kreis- iugendamtes vorzuschlagen. Wohlfah-rtsvereine *sind auch dann vorschlagsberechtigt, wenn sie sich nicht ausschliehlich mit Iugendwohlfahrt befassen. •* Schulpersonalie. Der Lehrer Albert F e n ch e l zu Höckersdorf, Kreis Schotten, wurde zum Lehrer an der Volksschule zu Lollar mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts ab ernannt. * Sie Aufbauschule Friedberg macht im heutigen Anzeigenteil auf die Anmeldung und Aufnahmeprüfung für die Aufbauschule in Friedberg aufmerksam. Sie Aufbauschule führt begabte und fleißige Jungen, die mindestens sieben Jahre die Volksschule besucht haben, in sechs Jahren zur Reifeprüfung. Das Reifezeugnis der Aufbauschule berechtigt zu allen akademischen Studien und zu Berufen, für die das Bestehen der Reifeprüfung Vorbedingung ist. •• Verhaftu ngen. Am 4. Februar wurden hier die beiden Brüder Hans und Paul I Dohlein aus Bamberg festgenommen, die als angebliche Scherenschleifer von Haus zu Haus gingen, um Aufträge zum Schleifen von Scheren I usw. entgegenzunehmen. In einer Pension hatten I sich beide als Monteure eingemietet, dort übten sie auch ihr Schleiferhandwerk aus, das darin I bestand, die erhaltenen Gegenstände mit Schmirgelpapier und Feile zu bearbeiten, um so ein ordnungsmäßiges Schleifen vorzutäuschen. In einem Falle liehen sie sich für das sog. Schleifen einer Schere und zwei Messer von Fleischhackmaschinen 5 Mk. geben. Rach fachmännischem Gutachten kostet das sachgemäße Schleifen dieser neue Lebensenergie mit Quäker Rapidflocken. Sie werden von Ärzten als tägliche Nahrung empfohlen. Denn seit mehr als 50 Jahren sind Name und Schutzmarke „Quäker“ die Bürgschaft für höchsten Nähr« wert und absolute Reinheit — In 3-5 Minuten tafelfertig. Quäker Rgiiidffo&en Literatur. , , , Kein Wunder, daß dieser Mann die hohe Wert- schätzung aller Kreise der Bevölkerung. besitzt, die ihn aus seiner dienstlichen Tätigkeit oder dem geselligen Verkehr kennen, und daß er ganz besonders sich höchster Verehrung bei allen Richtern und Anwälten erfreut, die jemals mit ihm in dienstliche Berührung kamen. Seine stete Hilfsbereitschaft und sein bestes Wollen lernten alle kennen. Der Ernst dornenvoller Aemter ließ dabei den Jubilar niemals den reinen goldenen Humor verlieren, der im Freundeskreise sprudelt und um den ihn heute noch die Jugend beneiden darf. In glücklichem Fam-lien- leben mit seiner Gattin Charlotte, geb. Pfann- rnüller, genießt Geheimerat Dr. G ü n g e r i ch unter uns Gießenern in Gesundheit sein otium cum dignitate, seinen wahrlich wohlverdie 'ten Ruhestand. Möge dem Achtzigjährigen, zu dessen ragender Gestalt Kinder und Kindeskinder und viele andere emporblicken, dem die Herzen seiner alten Freunde und Verehrer in Treue und Dankbarkeit entgegenschlagen, noch ein langer heiterer Lebensabend in Gesundheit beschieden sein. Or. Friedrich Noack t. Am 1. Februar ist in Freiburg i. B., das er zu seinem Ruhesitz erwählt hatte, nach kurzer Krankheit | der Privatgelehrte und Historiker Dr. Friedrich N o a ck verstorben. Der Heimgegangene, der im 72. Lebensjahre stand, war ein geborener Gießener, ein Sohn des Philosophieprofessors Dr. Ludwig Noack, der als Leiter der Universitätsbibliothek in weiten Kreisen bekanntgeworden war. Friedrich Noack besuchte das Gymnasium und die Universität in Gießen. Aus der Hochschule war er ein Schüler Wilhelm Dürfens, bei dem er im Fahre 1880 zum Dr. phil. promovierte. Er war dann eine Reihe von Jahren Redakteur an der „Krefelder Zeitung" und der „Kölnischen Zeitung", hierauf ging er als Vertreter der „Kölnischen Zeitung" nach Rom, wo er von 1891 bis 1902 und 1905 bis 191) die , Kölnische Zeitung" vertrat. In den Jahren 1902 Oo und dann wieder von 1915 bis 1917 wirkte er als Leiter des Feuilletons und stellvertretender Chefredakteur in der Hauptredaktion der „Kölnischen Zeitung" in Köln. 1918 ging er für die „Kölnische Zeitung nach Wien, im Oktober 1918 trat er dann in den Ruhestand, den er feit 1921 in Freiburg i.B. verlebte, um dort seine großen historischen Arbeiten über die Geschichte des römischen Deutschtums abzu- fch(i£ftcn. In den letzten Jahren hatte der Heimgegangene der sich in außerordentlich fruchtbarer Weise schriftstellerisch betätigte und auch im ..Gießener Anzeiger" mehrfach Beitrage veröffentlichte. noch weitere Arbeitsgebiete in Angriff genommen, und zwar die archivalische Erforschung der Geschichte Freiburgs im 17. und 18. Jahrhundert und die Mitarbeit am Deutschen Auslandinstitut in Stuttgart. An der Haupt- pflegestätte der Heimatkunde des Breisgaus, dem Freiburger Heimatverein „Schauinsland", war er Lin Slahlhelmmann erschlagen. Auf dem Heimweg von A m m e n d o r s bei Halle war in der Nacht zum Sonntag der 25jährige Walter Graefe aus Besten, Mitglied des „Stahlhelm, von K o m m u n i fte n überfallen und schwer mißhandelt worden. Graefe ist seinen Verletzungen erlegen. Unter der Bevölkerung herrscht große Erregung, da es in wenigen Wochen der zweite Fall ist, daß hier ein Stahlhelmmitglied nachts von Kommunisten überfallen und tödlich verletzt worden ist. Line Griechin zur „Miß Europa" gewählt. In Paris wurde von einer Jury aus 19 Malern und Bildhauern verschiedener Länder die Schönheitskönigin Europas gewählt. 19 Rationen, darunter Deutschland, waren durch ihre Schönheitsköniginnen vertreten. Die Wahl fiel auf die Vertreterin Griechenlands, die 18jährige Tochter eines Advokaten aus Sparta, Alice D i p l a r a k u, die 10 Stimmen erhielt, während die französische Schönheitskönigin 3, die belgische zwei und alle anderen je eine Stimme erhielten. Sturmfahrt eines holländischen Postagierdampfers. In Halifax ist der holländische Passagierdampfer „D e e n d a m" nach einer ungewöhnlich stürmischen Ueberfahrt mit drei Tagen Verspätung eingetroffen. Der Kapitän erklärte, daß sich W e (l e n bis zu 30 Meter Höhe über das Sch.ff er- gossen und die Räume der 3. Klasse überfluteten. Die Luken wurden durch die Gewalt der Wellen eingeschlagen. Im Speisesaal stand das Wasser vier Fuß hoch. Alle beweglichen Gegenstände wurden fortgerissen, auch das Klavier stand völlig unter Wasser. Einige Rettungsboote wurden schwer beschädigt und 40 Fenster zertrümmert. Der Kartenraum, der sich 20 Meter über dem Wasserspiegel befindet, wurde völlig verwüstet. Unter den Frauen und Kindern, die sich in den unteren Decks aufhielten, herrschte eine unbeschreibliche Aufregung. Dronkheim soll nicht umgetauft werden. Die beiden Häuser des norwegischen Storthing hatten im vorigen Jahre beschlossen, daß die Stadt Drontheirn vorn 1. Januar 1930 ab wieder ihren mittelalterlichen Rarnen Ri daros führen sollte. Diese Maßnahme hatte in weiten Kreisen, insbesondere auch bei der Stadtverwaltung, s o starken Widerspruch gesunden, daß das Parlament sich mit der Frage nochmals beschäftigen mutzte. Das Oberhaus hat heute mit 57 gegen 55 Stimmen beschlossen, daß der Rame Dronthcim beibehalten werden soll. Ausgrabungen in England. ken ein Ziel. . r , Geheimerat Dr. Güngerich gehört zu lenen seltenen Menschen, denen es vergönnt ist bis ins Patriarchenalter hinein sich oie «rische und Schärfe des Geistes, eine unermüdliche Arbeitskraft und eine geradezu jugendliche Elastizität des Körpers zu erhalten. Das Leben im fast spartanisch einfachen väterlichen Gutshause schuf gewiß hierzu die Grundlage. Wem es jemals vergönnt war, unter oder neben Geheimerat Dr. Güngerich zu arbeiten, kennt sein starkes Gedächtnis, die Fülle feiner theoretischen Kenntnisse, die Raschheit und Zielsicherheit seines Urteils, die Klarheit (einer Entscheidungen und seine restlose Objektivität. Offenheit und Grad!)eit liebend, war Geheimerat Dr. Güngerich als Mensch und Richter allzeit ein Feind jeglichen trockenen Schleicher- tums, dabei Freiheit der persönlichen Gesinnung mit aristokratischer Lebensauffassung aufs glücklichste in sich vereinend. Gleichzeitig ist er em Freund der Kunst, ein Kenner der Geschichte und der schonen Am morgigen 7. Februar vollendet der Landgerichtspräsident i. R. Geheimerat Dr. rnr. Gustav Güngerich sein achtzigstes Lebensjahr. In bewundernswer er geistg:rund körperlicher Frische tritt der Jubilar: in em neues Lebensjahrzehnt ein. Ein guter Ober he Ne — sein Vater war Gutspächter des idyllisch I gelegenen Hof Albach bei Lich — blieb rat Dr. Güngerich allzeit auch ein treuer Sohn seiner schönen oberhessischen Heimat. Rach dem Besuch der Gymnasien rn Gießen und Darmstadt und wohlbestandenem Maturr- tätsexamen gedachte er sich dem kaufma.mischen Berufe zu widmen und arbeitete deshalb zunc^st ein Jahr lang bei der bekannten chemischen Firma Merck in Darmstadt, machte alsdann den Feldzug 1870/71 als Kriegsfreiwill'ger im Groß- herzoglich hessischen 1. Reiterregiment mit und studierte darauf an unserer Landesumversilat Gießen die Rechtswissenschaft. Hier gehörte er dem Korps Teutonia an, dessen Ehrenmitglied er heute ist. Im April 1875 verlieh er nach bestens bestandenem Fakultätsexamen die How- schule. Bald darauf erwarb er die luristische Doktorwürde. Als Gerichtöak^essist, heute Refe- rendar genannt, beschäftigte er sich zu Beginn seiner Lausbahn an den Gerichten rn Gießen | und dem damaligen Landger.cht Lich, sodann am Kreisamt in Du-ingen, be- stand im Mai 1877 bestens das Staatsexamen und wurde dann zum /Zwecke weiterer praktischer Ausbildung „©tagiar bet dem damaligen Hofgerichtsadvokaten, spateren Rechtsanwalt und Reichs- und Landtag.abgeordneten Dr. Egid Gutfleisch in Gießen, dessen ausgezeichneter Mitarbeiter er zwei Jahre Jang blieb. Nach längerer Amtsanwaltszeit in Gießen wurde Dr Güngerich Ende Rovember 1883 provisorischer und sodann Ende 1884 definitiver Staatsanwalt in Darmstadt, wurde im Sommer 1890 Amtsrichter am Amtsgericht Darmstadtl, im Jahre 1894 Landgerichtsrat am Landgericht Der Provinz Oberhessen in Gießen und no-y im gleichen Jahre Erster Staatsanwalt bet diesem Gericht. Als Oberstaatsanwalt trat der heutige Jubilar stets in objektivster Weise als Anklagevertreter in die breitere OeffentUchkett. Rach mehrjähriger Tätigkeit als Landgerichtsdirektor in Gießen und feit 1905 in Darmstadt erfolgte im Jahre 1908 seine, eine hohe Auszeichnung bedeutende Ernennung zum Landgerichtsprastden- ten der Provinz Oberhessen, welch verantwor- tungsvoNes Amt er bis zum Jahre 1923 bekleidete Das Gesetz über die Altersgrenze setzte seinem unermüdlichen praktischen richterlichen Wir- öwoixenios0nerttr.9na!t> oedeexr.» woiKiaeDtdecxi «»I ruutsnivtiu umatr«6o*ien Uilldrucfc Wettervoraussage. Die seitherige Störung, welche sich in zwei Kerne aufgespalten hat, von denen der eine über der Ostsee, der andere über Südfrankreich liegt, füllt sich weiter auf. An ihrer Rückseite bringt Kaltluft südwärts, welche das deuijche Küstengebiet und das westliche Deutschland bereits erreicht hat. Sie wird sich weiter durchsetzen, die vorhandenen Warmluft- reite wegräumen und Temperaturrückgang bis unter Null verursachen. Des weiteren treten in ihrer Begleitung zunächst noch Niederschläge, meist als Schnee, auf. Da gleichzeitig mit dem Kaltluststrom Barometeranstieg verbunden ist, und der nordwestliche hohe Druck mehr nach dem Festlande gezogen wird, so ist später eine Besserung der Wetterlage nicht ausgeschlossen. Wettervoraussage für Freitag. Weiterer Temperaturrückgang, nachts bis unter null. Rebelig-wolkig, auch aufheiternd, vereinzelt Riederschläge, meist als Schnee. Amtliche Wintersporlnachrlchten. Vogelsberg. Hoherodskopf: Klar, minus 1 Grad, 16 bis 20 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. — Herchenhainer Hohe: Klar, plus 1 Grad, 10 bis 15 Zentimeter Pappschnee, Sportmöglich- keit vorhanden. w Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, minus 2 Grad, 57 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee, nur Skisport möglich. Alpen. Garmisch - Partenkirchen: Klar, minus 3 Grad, 2 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. Stück- nur 85 Pf. Das Geschäft der beiden mutz einträglich gewesen sein, denn in ihrem Besitz wurden noch nicht bearbeitete Scheren usw. von 35 Austraggebern aus unserer Stadt vorge- unden. Diese werden ersucht, ihr Eigentum bei der Kriminalabtcilung, Zimmer 62, in Emps ang zu nehmen. Die beiden Betrüger, die sich u. a. angeblich auch in Friedberg. Marburg und Kassel auf gehalten und dort gearbeitet haben, wurden dem Amtsgericht zugeführt und kamen in Untersuchungshaft. Weiter wurden noch festgenommen der Arbeiter Hintz aus Danzig, wegen vorsätzlicher Zertrümmerung einer Erkersch.ibe, der Kaufmann Franz Schmitt auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Darmstadt und der Steuersekretär Hermann aus Schlüchtern wegen Betrugs und Unterschlagung. Oie Wetterlage. werden ein internationales Statut zu ' ickaften um ihre Verwendung in Knegszecken zu rÄ Ämes" meldet, die britisch« Regierung werde Vorschlägen, alle Ersatzdauien für Schlacht, schiffe b i s 19 3 6 aufzu schieb en und vor dem Genannten Jahre eine Konferenz abzuhalten, um zu untersuchen ob der Bau von Ersatzfahrzeugen rückt noch weiter aufgeschoben werden konnte. Sollte aber der Ersatz beschlossen werden dann , tollte vereinbart werden, ine Tonnage der Schlacht- U fe auf ungefähr M 000 Tonnen unt> das ftohber der schwersten Gefchutze dieser Schifte von 18 auf 16 Zoll herabzusetzen. Spaniens Zukunft. förflf Romanones über die Berfalsungs- cntwicklung. Paris, 5. Febr. (WTB.) Dem „Matin".hat Graf Romanon-s, der Führer der Liberalen, seine Ansichten zur politischen Lage in Spanien mitgeteilt. Gras Romanones wünscht, daß die Regierung des Generals Der-mguer bis zur Losung ihrer Aufgabe am Ruder bleibe. Rach dieser Hebergan^speriode mußten alle Generale in die Kasern en z u tu ck g e- schickt werden mit dem Verbot, sich weiter PoU- tisch zu betätigen. Die Wahle u könnten ni^ vor Ende des Jahres stattsinden. Es handele sich jetzt nicht um eine Wiedereinführung der Ver- sassung von 1876, denn diese sei endgültig abgeschasst. Es müsse eine neue, gründ- legende Verfassung geschasfen w.rden, zu der man einzelne Artikel der letzten Verfassung benutzen könne. Die erste Eortes^versammlung müsse also eine verfassunggebende Versammlung Auf die Frage, ob der K önig für eine 2len- derung der Verfassung fein werde, die feine Rechte einengen würde, antwortete Gras Romanones: „Glauben Sie, daß ein gewiften- Hafter Monarchist eine Abänderung der Verfassung Vorschlägen tarnt, die für seinen Souverän ungünstig ist? Die Verfassmtg, die aus dem König einen Präsidenten der Republik mit Erfolg macht, ist ein Elixier der Langlebigkeit für die Monarchie. Ich bin Monarchist und werde doch meinem König nicht einen Giftbecher an- bieten, sondern im Gegenteil ein Mittel, damit er weiterleben kann und sich über den Parteienkampf erhebt." Für die Monarchie sei zur Zett keine unmittelbare Gefahr zu verzeichnen, aber in einer späteren Zukunft könne die republikanische Gefahr ernste Charakter annehmen. Das sei auf die Diktatur zurückzuführen; die spanische Jugend sei durch das Regime Primo de Riveras Der elementarsten bürgerlichen Freiheiten beraubt worden und sei republikanischen Bestrebungen und Gedankengängen gefolgt. Aus aller Well. weitere Verhaftungen im Fall Wessel. Rach einer Mitteilung der Polizei sind im Zusammenhang mit den Ermittelungen wegen des Anschlags auf den nationalsozialistischen Studenten Wessel noch weitere Verhaftungen erfolgt. In Glienicke an der Rordbahn wurden ine Mitglieder der KPD. Willi G a n d e r und Theodor Will festgenommen, die als die Besitzer der Limousine ermittelt wurden, in der ter Haupttäter Hohler genannt Ali an die tschechoslowakische Grenze gebracht wurde. Ferner wurde in Spandau ter Parteisekretär und ständige Kurier der KPD. Viktor D r e w n i h k i festgenommen, ter den Hohler unter Umgehung der amtlichen Grenzkontrolle nach Prag geleitet hatte. MUW HERMANN »STERN V c,ovfialat 0.30 Mk. Sehr schön, ^eldsalai, Gndivien. Spanische Blut Cronncii usiv. bi 11 tgst täglich im Vaden, Selieröweg 3, u. Samstag auf dem Markt, a. Eingang d. Loiantschen Gartens. Svau Romer-Srosch Lieferung frei HauS. Tel. 2074, Brennholzversteigerung der Stadt (ließen Aus den Waldungen der Stabt Gießen sollen am Dienstag, dem 11. Februar 1930 9% Uhr beginnend, aus den Abt. 12 und 13a des Distrikts Hangelstein, Bezirk des Försters Lotz in Wiescck, versteigert werden: 1088C 172,4 rm Buchenschciier 3,0 rm Eichenscheiter 58,0 rm Buchcnknüppel 6,9 rm Eichenknüppel 1530 Wellen Buchenreifig 3. Kl. 50 Wellen Eichenreisig 3. Kl. 23,0 rm Buchenstöcke 1,0 rm Eichenstöcke Zusammenkunft: Straße nach Daubrln- gen, in der Nähe des Steinbruchs. Ferner sollen am Dienstag, dem 11. Februar, 15 (3 Uhr) beginnend, 27 Hausen Knüppel- und Reiserhofz, die am Wicsecker Weg und an der Eder siraße lagern, versteigert werden. Zusammenkunft am Wiesecker Weg bei Haus Nr. 44. Gießen, den 5. bruar 1930. Der Oberbürgermeister. 3.23.: Dr. Rosenberg. Frau Emma Wörner geb. Roth im 69. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Konrad Wörner. Gießen (Rodheimer Straße 30), den 4. Februar 1930. Die Einäscherung fand auf Wunsch der Entschlafenen in der Stille statt. I064D Hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß am 5. Februar meine Hebe treue Frau, unsere innigstgeliebte, treusorgende Mutter, Schwiegermutter und Hebe Großmutter Frau Margarethe Gast geb, Nos im Alter von 56 Jahren uns durch den Tod entrissen wurde. In tiefem Schmerz; Adam Gast Familie Bernh. Reich Familie Wilhelm Gast. Garbenteich, Bad-Nauheim, den 6. Februar 1930. Die Beerdigung findet Samstag, 8. Febr, nachmittags 3.15 Uhr statt. *47 Am Dienstag, dem 4. Februar, abends 11 Uhr, entschlief sanft nach schwerem Leiden plötzlich meine Hebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Zwangsversteigerung. Freitag, den 7. Februar 1930, nachmittags 2% Uhr, werden im Kellergeschoß des Finanzamts, Lessingstraße Nr. 1, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung versteigert: zwei Bertikos, ein Büfett, eine Flurgarderobe, zwei Ladenkassen, ein Schreibsekretär, ein Herrenzimmer, ein Untersuchungstisch, zwei Schreibtische, zwei Wanduhren, eine Standuhr, 35 Flaschen Likör, zwei Photoapparate, eine Chaiselongue, ein Sofa, ein Kleiderschrank, ein rundes Tischchen, ein Bild, zwei Grammophone, ein Har- monium, ein Gasherd, ein Gasheizofen, drei Tauchsieder (elektrisch), eine Rolle Packpapier, 1,50 m Hosenstoff (gestreift), ein Ballkleid. 1087D Bestimmt: eine Schreibmaschine (Smith-Premier) mit Tisch, zwei Tische, eine Nachttischlampe, 42 Stück Perlenhalsketten und verschiedene Kurzwaren. Finanzamt Gießen. Vollstreckungsstelle. Masken- und Karneval Artikel in reicher Ausw./ Verleihen von Dominos u. Maskenanzügen von Mk. 2 00 an / Perücken, Locken, Puder Schminken Maskenfrisuren iodsd GO.Wahl. Neostadl 33 Separate Dam.- u. 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