Nr. 259 Erster Blatt (80. Jahrgang Mittwoch, 5. November (950 Eriche in» lügl'ch,außer Sonntags und Feierlag» Beilagen Die 30nitrierte «tetzenei FamilienblLttei Heimat 'm Bild Die Scholle Monat, .Sezugroretr: 2.20 Reichsmark und 30 Relchbpiennig für Träge» lohn, auch bei Nichte» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanfchlüste anterSammelnummer2251 Anfchrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Sranffurtam Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Vrrck vnd Verlag: vrühl'fche Univerfitäls-Vuch- und Stetnöruderci R. Lange in Stehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchufftrahe 7. Annahme von Anjetgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klamearneigen von 70 nun Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen ■ .—S Starke Kürzungen im Reichshaushalt. T)o X gestartet. Allenrhein, 5. Jloo. (1BXB. Eigner Drahk- Oie Gestaltung des Voranschlags für 1931. — Starke Abstriche an den Etats aller Reichsrefforis. - Auch die Lleberweifungen an die Länder werden beträchtlich gesenkt. bericht.) Do X (ff heule vormittag um 11.31 Uhr gcslariel und nahm Kurs auf Friedrichshofen. Ueber der Stadl zog das Flugschisf eine Schleife und fetzte dann seinen Flug in R i ch - Berlin, 3. Rov. (DDZ.) Der Reichshaus- haltsplan für 1931 wird morgen dem Reichs- rat zugeleitet. Er schließt im ordentlichen Haushalt mit rund 10,4 Milliarden Mk. in Einnahmen und Ausgaben ab, wozu noch der außer- ordentliche Haushalt in Höhe von 237 773 000 Mark tritt. Die Anleiheermächtigung zur Bestreitung außerordentlicher Ausgaben aus früheren Rechnungsjahren beträgt 648 Mill., wozu für 1931 weitere 71 Millionen treten. Ferner wird der Finanzminister ermächtigt, zur teilweisen Deckung des Fehlbetrages aus dem Rechnungsjahr 1930 im Wege des Kredits die Summe von 375 Mill. Mk. bis zur Abdeckung des Fehlbetrages zu beschaffen. Weitere 150 Mill. Mk. sollen im Wege des Kredits solange und soweit beschafft werden, als die durch die Veräußerung der Vorzugsaktien der Reichsbahn flüssig zu machenden Deckungsmittel noch nicht oder nicht in vollem Umfange zur Verfügung stehen. 3m Haushaltsgesetz ist auch vorgesehen, daß, wie bekannt, im Hinblick auf die Einschränkung des Personalaufwandes in der öffentlichen Verwaltung der Länder und Gemeinden die Heber- Weisungen an dieLänder um lOOQUil- Honen 3H f. gekürzt werden. Die für den 1. April geplante sechsprozentige Kürzung der Deamtengehälter ist im Entwurf des Haushaltsplans bereits berücksichtigt, so daß in allen Haushaltsplänen die Ansätze für den Personalauswand verringert worden find. ZReicfrtfpräfibent Reichstag und Reichskanzlei. Der Reichspräsident hat bekanntlich ebenso wie die Reichsminister auf 20 Prozent seines Gehalts verzichtet. Sein Gehalt erscheint daher im Haushalt nur mit 48 000 Mk., wozu 120 000 Mk. Aufwandsgelder treten. 3m Haushalt des Reichstags ist infolge der Vermehrung der Abgeordnetenzahl die Entschädigung an die Eisenbahn für die freie Fahrt der Abgeordneten um 222 000 Mk. auf rund 1,5 Millionen erhöht worden. Dagegen haben dieAufwands- entschädigungen trotz des Zuwachses an Abgeordneten eine Verringerung um rund 300 000 Mark infolge der Diätenkürzung erfahren. Die Herausgabe der Veröffentlichungen des Hntersuchunasausschufses erfordert nochmals 65 000 Mk. 3m Haushalt des Reichskanzlers ist die Vertretung des Reiches in München bereits für 1931 weggefallen. Auswärtiges Amt. 3m Haushalt des Auswärtigen Amts betragen die fortdauernden Ausgaben rund 56 Mill, gegenüber 60 Mill, im 3ahre 1930. So werden u. o. herabgeseh t die Mittel für die Förderung des "Nachrichtenwesens, für die Pflege kultureller und wistenschaftlicher D zichun- gen zum Aus!ande, zur Förderung des deutschen Schulwesens im Auslande, für die Deutsche Völkerbundsliga und andere Posten. Reichsinnenminister. Auch im Haushalt des Reichsinnenmini- fteriums haben sich fast alle Ansätze eine Kürzung gefallen lassen müssen, so die Mittel für die Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Zwecke, für die Deutsche Rotgemeinschaft, für die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, zur Förderung des Tum- und Sportwesens, zur Förderung der Votks- und 3ugendwohlfahrt, für die Bekämpfung des A.koholismus, für die Technische Rothilfe u. a. Reu eingestellt sind für Beihilfen für das Rote Kreuz 250 003 Mark zur Erfüllung der ihm auf Grund der Genfer Konvention obliegenden Ausgaben. Die ständigen Verwaltungsausgaben sind um 130003 Mark gesenkt worden. Auch bei den einmaligen Ausgaben sind Senkungen erfolgt, so bei den studentischen Wirtschaftsbeihilfen. Reu angeforbert werden 100 000 Mk. für die Vorbereitung der Wahl des Reichspräsidenten, die im 3cchre 1932 erfolgen muß. Wirtschasts- und Arbeitsministerien. Der Haushalt des Reichswirt schafts- Ministeriums weist gleichfalls eine Ersparnis von rund 4 Mill. Mark aus. Besonders stark sind die Einsparungen beim Statistischen Reichsamt. Bei den einmaligen Ausgaben sind infolge der Sparmaßnahmen d ie Mittel für die Förderung des Eisenerzbergbaues an Sieg, Lahn und Dill fortgefallen. Auch die Amähe zur Förderung wissenschaftlicher Bestrebungen von allgemein wirtschaftlicher Wichtigkeit, der Zuschuß für das Deutsche Handwerlsinstitut und der Beitrag zum 3nstitut für Konjunkturforschung sind gestrichen worden. 3m Haushalt des R e ich s a r be i t s rn inist e r i u rn s erfordern die Reichszuschüsse zu den Renten d e r 3 n v a l i d e n v e r s i ch e r u n g mit rund 235 Millionen infolge der Zunahme der Renten gegenüber dem Vorjahre ein Mehr von 16 Millionen Marl. Dagegen wird der Beitrag für Steigerungsbeträge der 3nva- lidenversicherung um 7 Millionen herabgesetzt, da die Zahl der in Frage kommenden Renten allmählich geringer wird. Der Reichstzuschuß zur Familrenwochenhilfe soll un 3ahre 1931 ganz f o r t f a 11 e n. 3m Kapitel Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung sind die Mittel für die Krisenfürsorge mit Rücksicht auf die Entwicklung des ArbeitsMarktes um 100 auf 400 Millionen erhöht worden. Die Mittel für den Rot stock der Reichsanstalt, sowie der Reichszuschuß und die Darlehen an die Reichsanstalt sind in Wegfall gekommen, da der Ausgleich der Einnahmen und Ausgaben auf Grund der neuen Finanzvorlage der Reichsregierung neu geregelt werden soll. Der sog Wohnungsfürsorgefonds ist von 6,5 auf 3 Millioneu Markherabgeseht worden. Mm rund sieben Millionen touroen auch b ie Ausgaben für b i e landwirtschaftlicheSiedlung gesenkt. Für die Kleinrentnerfürsorge sind wie im Vorjahre 35 Millionen Mark vorgesehen. Kürtzungen haben auch erfahren bie Mittel Aur Förderung der privaten Wohlfahrtspflege, für bie Blindenfürsorge und andere soziale Ausgaben. Für Zwecke der Kinder- speisurrg (bisher 1 Million Mark) sind keine Mittel vorgesehen. Reichswehr. 3m Haushalt des Reichswehrmlnifte- riums ist eine Ausgabensenkung um insgesamt 7 Millionen vorgesehen, und zwar 4,5 Millionen für das Heer, 2,5 Millionen für bie Marine. Der 1930 begonnene Abbau ber Heeresleitung wirb fortgesetzt. Insgesamt sollen 397 Beamte, Offiziere, Angestellte, Unteroffiziere und Mannschaften eingespart werben, davon 47 allerdings erst 1932 ober später. Die Ersparnis für 1930 unb 1931 aus diesem Abbau beträgt nicht ganz 1 Million. Bei der Marine werden Einnahmen von etwa 3 Millionen aus dem Verkauf von nicht mehr dien st fähigen Schiffen erwartet. Der Minderbedarf an fortdauernden Ausgaben beträgt rund 6,8 Millionen gegenüber dem Etat von 1930. Besonders wichtige Einsparungen sind: rund 5% Millionen durch Einschränkung der Instand- setzungskosten der Schiffe und Senkung der Magazinbestände. Dagegen haben sich die Kosten für Schiffsübungsmunitton auf 1,4 Millionen erhöht. Für Schiffsbauten und Armierungen werden neben den 34,77 Millionen weitere Raten für die bereits genehmigten Neubauten und noch ein erster Teilbetrag für das Panzerschiff „Ersatz Lothringen" von 10,83 Millionen, für den Bau von fünf Bewachungsfahrzeugen von 2,9 Millionen und den Bau von sieben Uebunasfahrzeugen von 1,5 Millionen angefordert. Insgesamt sind für Schiffsbauten und Armierungen gegenüber 1930 rund 9,2 Millionen mehr eingesetzt. Eingesparl werden bei den Arbeiten zur Verbesserung der Werft Wilhelmshaven, des Arsenals Kiel und des Fahrwassers der Jade insgesamt rund 1,8 Millionen, 'bei den Kosten für die Verbesserung ber Derteidi- gungsmittel unb der Waffenausbildung rund 3,2 Millionen, bei den Kosten der Unterbringung und Fürsorge 0,3 Millionen. Dagegen erhöhten sich bie Ausgaben von Luftschutzübungen um 1 Million. Insgesamt sinb bie einmaligen Ausgaben gegenüber 1930 um 2,8 Millionen höher angesetzt. ZuNizwesen. Beim R e i ch s j u st i z m i n i st e r i u m und Reichsgeri cht sind die Ausgaben um 218 000 RM. gesenkt worden. Beim Reichspatentamt mußte dagegen infolge des gesteigerten Geschäftsganges eine Erhöhung um 924 000 RM. eintreten, so daß die Gesamtausgaben für den Haushalt des Reichsjustizministeriums um 700 000 RM. höher liegen als 1930. Landwirtschaft. 3m Haushalt des Reichsernährungsministeriums sind bie Beihilfen zur Förderung ber bäuerlichen Wirtschaftsberatung um 500 000 Mk. auf 1,9 Mill. Mk. erhöht worden. Endgültig weggefallen sind 16 Mill. Mk. für die Beteiligung des Reichs an der Dodenkultur°AG.. 10 Millionen zur verbilligten Abgabe von gekennzeichnetem Roggen für FütterungsAwecke und eine Million zur Förderung des Absatzes für Kartoffelerzeugnisse. Verkehr. Zm Haushalt des Reichsverkehrsmini- steriums fällt der R e i ch s w a s s er s chu tz vom 1. April an fort, da ihn zu diesem Zeitpunkt die Länder übernehmen. Für die Luftfahrt sind rund 39 Mill, vorgesehen, wovon etwa 19 Millionen zur Förderung des öffentlichen Luftverkehrs durch die Lufthansa bestimmt sind. 3n diesem Betrage sind auch 1,1 Mill, für Versuchs- sahrten des Zeppelin-Luftschiffes enthalten. Die Mittel zur Förderung des Kraftfahrwesens sind von 650 030 auf 600 000 Mk. herabgesetzt. VersorgungS- und Ruhegehälter. Einer der größten Haushalte ist der für Ber- jorgungs: und Ruhegehälter mit einer Gesamtausgabe von 1,65 Milliarden RM Gegenüber dem Vorjahre sind Kürzungen von insgesamt 104 Millionen erfolgt, von denen allein 96 Millionen auf die Einsparungen für Angehörige der ehemaligen Wehrmacht entfallen. 1,55 Millionen sind bei ber neuen Wehrmacht eingespart, 6,3 Millionen bei der Zivil- oerforgung gespart worden. Dem stehen einige Mehransätze in Höhe von 8 Millionen gegenüber, so daß im ganzen der Haushalt eine Kürzung von 96 Millionen erfahren hat. Im Haushalt des Reichsfinanzministeriums sind für Um- und Neubauten für Finanz- und Zollbehörden rund 2,5 Millionen vorgesehen. Etwa die Hälfte davon entfällt auf die Fortsetzung begonnener Bauten Der Haushalt der allgemeinen Finanzverwattung liegt noch nicht vor, da seine Aufstellung eng verbunden ist mit der Erledigung der von der Reichsregierung oorgelegten Gesetze. Kriegslasten. Der Kriegslastenhaushalt fordert für die Unterstützung der Krankenempfänger an der Saargrenze 5 Millionen an, gegenüber 7,5 im Vorjahre. Auch die Mittel für die O st h i l f e werden in diesem Haushalt angefordert, und zwar sind insgesamt etwa 90 Millionen Mark vorgesehen. Als rückständige Besatzungs- und Räu - mungstoften sind 7,4 Millionen in den Haushalt eingesetzt, gegenüber noch 48 Millionen im Vorjahre. Andererseits werden durch die Räumung des besetzten Gebiets bei den Besatzungszulagen und anderen Maßnahmen 1,4 Millionen gespart. t u n g o n ff a n i fort. Die Flugroute wird fein: Konstanz — Bafel, voraussichtlich Karlsruhe rheinabwärts. Der Flug nach Amsterdam wird ohne Unterbrechung durchgeführl. 3n Atten- rhein waren nur wenige Zuschauer, dagegen zahlreiche Pressevertreter und (jilmleute versammelt, um dem bedeutungsvollen Augenblick, an dem das Ftugfchiff den Bodensee verlassen wird, beizuwohnen. Der leitende Ingenieur Eitel wird auf dem ganzen Flug des Do X durch die beiden amerikanifchen Spezialisten für Lurtih-Lonqueror-Nlotore, die Ingenieure B r e ro t o n und Gody , unterstützt werden. Diese beiden Ingenieure haben die zwölf Lurtitz-Nlotoren herübergebracht, ihren Einbau überwacht und die THotoren auf den Probeflügen eingehend kontrolliert. Der Erbauer, Dr. Claudius Dornier, der zur Zelt in Berlin weilt, wird nach dem Start von Berlin nach Amsterdam reifen, um den Flug des Do X von Amsterdam nach Le Havre mitzumachen, wahrend fein Bruder IHaurice Dornier den Flug erst von Lissabon aus mitmacht. Passagiere nehmen an dem lleberführungsslug nach Amsterdam nicht teil. Dietrich und Stegerwald begründen die Jinanzvorlagen. Berlin, 4.Nov. (VDZ. Funkspruch.) In der öffentlichen Sitzung des Reichsrats erklärte in Fortsetzung seiner Ausführungen zum Sanierungspro- gramm der Reichsregierung Reichsfinanzminister Dietrich Bei der Neuregelung der Wohnungswirtschaft handelt es sich in erster Linie um die Angleichung der Bauwirtschaft an das tatsächliche Bedürfnis und die Zahlungsfähigkeit der Wohnungssuchenden, zweitens um die Freimachung von Kapital für die Wirtschaft, drittens um die Pflege der Siedlung auf dem Lande und endlich dem Abbau der Wohnungszwang s w i r t f ch a f t. In den Jahren 1928 und 1929 find je 8 Milliarden in öffentlichen und industriellen Wohnungen verdaut worden. Einen solchen Kapitaloerbrauch in der Dauwirtschast kann ein kapitalarmes Land wie Deutschland nicht aushalten. Ein besonderer Vorteil der vorgesehenen Maßnahmen ist es, daß durch die Umstellung eine Senkung der Realsteuern erfolgen wird. Es muh unter allen Umständen eine Entlastung der Wirtschaft erfolgen. Es ist populär und sehr bequem zu sagen, man decke die Staatsausgaben durch Belastung der vorhandenen Objekte. Ls ist aber Demagogie, zu glauben, daß eine solche Politik zu dem Ziel ber Belebung der wirtschaft unb ber Verringerung ber Arbeitslosigkeit führen könne. Beim endgültigen Finanzausgleich geht der Plan dahin, die Steuerquellen möglichst aufzuteilen. Eine zu weitgehende Abdrängung der Länder von der Einkommensteuer soll nicht erfolgen. Einer schleunigen Klärung bedarf die Regelung des Finanzausgleichs für 1930 und 1931. Der Minister bespricht dann die Kassen läge. Die schwebenden Schulden betrugen am 1. April 1670 Millionen. Wäre der Wirtschaftszusammenbruch nicht erfolgt, dann wäre in der Zwischenzeit mehr als die Hälfte davon getilgt worden. Durch die Kreuger-Anleihe ist ein Teil der schwebenden Schuld in eine dauernde umgewandelt worden. Der sogenannte Schacht-Kredit mit 350 Millionen ist getilgt. Ferner ist die Bankschuld um 100 Millionen verringert. Aber die Defizite des Jahres erforderten neue Kreditaufnahmen. Menschlicher Voraussicht nach werden unsere schwebenden Schulden am Ende des Etatsjahres ungefähr wieder die gleichen fein wie zu Beginn. Es mag bedauerlich fein, daß die gewaltigen Anstrengungen dieses Jahres nur dieses negative Ergebnis hatten. Immerhin ist es beruhigend, wenn in einem solchen Katastrophenjahr, in dem der Etat um rund 2 Milliarden gekürzt wurde, das Reich nicht wieder in die Abhängigkeit von kurzfristigen Krediten geraten ist. Es gibt außeddeutsche Länder, bei denen die Kreditwirtschaft einen ganz anderen Umfang angenommen hat. Die deutsche Finanz- und Wirtschaftslage ist schwierig, gibt aber keine 93 er» anlaffung, den Katastrophenpoliti- fern nachzulaufen. Vor allem ist die Wiederher st ellung des Vertrauens nötig. Dem Problem der Kapitalflucht kann man mit den jetzigen Maßnahmen nicht beikommen. Durch Wiederherstellung des Vertrauens in die Stabilität der deutschen Verhältnisse wird auch die Kapitalflucht von selbst aufhören. Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald: Die Oeffentlichkeit beschäftigt sich mit der Ver - selbständigung der Arbeitslosenversicherung. Wir rechnen damit, daß im nächsten 3ahre 900 000 Menschen unter Krisenfürsorge fallen und daß die Wohlfahrtsunter- stühung am 2. April 1931 etwa 7 bis 800 000 Erwerbslosen zugute kommen wird. Ferner rechnen wir mit P/4 Millionen Hauptunterstühungs- empsängern. Wenn die Sanierungspolitik überhaupt einen Sinn haben soll, dann muh im nächsten Jahre mit einer Verminderung der Arbeitslosigkeit gerechnet werden. Wird der Beitragssatz von 61/2 Proz. beibehalten, dann müßten wir im nächsten 3ahre mit den Mitteln sicher ausreichen. Reichskanzler Dr. Brüning spricht. Neben dem Kanzler links Ministerpräsident Braun und die Reichsminister Stegerwald und Dietrich. Neben dem Kanzler rechts Reichstagsprrisident Löbs unb Staatssekretär Pünber, « - -.WM Hebet die L o h n p o l i t i k besteht augenblicklich große Verwirrung. Ganz zu Hnrocht wird der Regierung vorgcworsen, daß sie Lohnsenkungspolitik treibe. Dabei wird vergessen, daß in an- deren Ländern, wo der Staat sich gar nicht um die Löhne kümmert, auch eine starke Lohnsenkung einget reten ist im freien Spiel der Kräfte Wenn die Reichsregierung ihre Machtmittel zur Stabilisierung der seitherigen Löhne einsetzen wollte, so stände sie vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Heberlassen wir die Lohnentwicklung dem freien Spiel der Kräfte, so könnten bei der deutschen Neigung zu extremen Strömungen. Störungen der öffentlichen Ordnung im Gefolge von Streiks und Aussperrungen eintreten, daß das Sanierungswerk ernstlich gefährdet werden könnte. Für die Regierung bleibt daher nur der dritte Weg der Lohnpolitik offen, nämlich mäßigend und regulierend einzugreisen. Hierauf wurde gegen 12 Hhr die öffentliche Reichsratssitzung geschl's en und die Beratung in vertraulicher Sitzung fortgesetzt. Es sprachen die Ministerpräsidenten fast aller deutschen Länder. Sn der Aussprache kam der einmütige Wille zum Ausdruck, an dem großen Reformwerk mitzuarbeiten, wenn auch in Einzelheiten noch Bedenken vorgebracht wurden. Oer Eindruck -er Kanzlerre-e Die Meinung der Berliner Dresse. Berlin, 4. Rov. (TH.) Bon den Abend- blättern nimmt nur ein Teil zu den umfangreichen Regierungserklärungen Brünings, Dietrichs und Stegerwalds im Reichsrat Stellung. Sm wesentlichen wird hervorgehoben, daß die Regierung mit dieser öffentlichen Aktion eine größtmögliche psychologische Wirkung habe Hervorrufen wollen, und die den Regierungsparteien nahestehenden Blätter stellen fest, daß dies dem Reichskanzler auch durchaus gelungen sei. Minister a. D. Reinhold feiert in der „B o s s i s ch e n Zeitung" Brüning, der frei und in feiner sicheren, bestimmten und überzeugenden Form sprach, als einen wirklichen Staatsmann, der immer mehr über sich hinauswachse und zu der staunenswerten Sachkenntnis auf vielen Einzelgebieten von Monat zu Monat mehr die unbeirrbare Sicherheit des Snstinkts untf den auf ein großes Ziel gerichteten Willen gewinne. Auch das »Berliner Tageblatt spricht von einem tiefen Eindruck, es fordert aber über die Finanzsanierung hinaus auch die Reichsreform, zu der die Regierung größerer Hnabhängigkeit von den föderalistischen Kräften bedürfe, vor denen sie heute plädiert habe. Der „Lokal- Anzeiger" findet das Galopptempo besonders auffällig, in dem die Regierung die Erledigung der dreißig Reformgesetze (innerhalb 14 Tagen) verlange. Das hätte doch nur Sinn, wenn sich sofort die Reichstagsverhandlungen anschlössen. Das Blatt schließt daraus, daß Brüning mit dem kühnen Gedanken umgehe, alsbald nach der Verabschiedung der Gesetze durch den Reichsrat sie oder ihre Hauptteile durch Rotverordnungen in Kraft zu sehen in der Annahme, daß weite Kreise, die der Einführung der Gesetze niemals zugestimmt hätten, vor deren Außerkraftsetzung zurückschrecken würden. Das Blatt fragt daher in aller Form, ob die Regierung nun auch das verfassungsmäßige Steuerbewilligungsrecht des Reichstages auf dem Wege über Artikel 48 außer Kraft sehen wolle. Die „Deutsche Zeitung" sieht in den Vorschußlorbeeren, die Brüning der „Sachlichkeit" des Reichsrates gespendet habe, eine deutliche Spitze gegen den unbequem gewordenen Reichstag. Die Sachlichkeit heiße Otto Braun und verfüge über die zumeist ausschlaggebenden preußischen Stimmen. Der sozialdemokratische „QI be n d" hält sich sehr zurück und meldet bereits für viele Punkte kritische Bedenken und wesentliche Verbesserungsvorschläge der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion an. Das Blatt vermißt vor allem eine tatsächliche aktive Wirtschaftspolitik mit dem Ziele der Preissenkung. Der „S u n g d e u t s ch e" sieht in dem Hinweis des Reichskanzlers auf den Zusammenhang zwischen Außenpolitik und Sanierungsprogramm die Absicht des Kabinetts, durch die Finanzsanierung die Hände für die Revisionsver- Gießener Etavttheater. Gastspiel Harry Liedlte: „Em idealer Gatte' von Oscar Wilde. Wir haben so lange keinen Wilde mehr hier gehabt. Die „Salome": das ist nun auch schon wieder eine ganze Weile her, und zudem nimmt dieses wilde und blutige Stück (so wenig es seinen Schöpfer verleugnet) doch eine gewisse Sonderstellung unter Wildes Werken ein, und wenn von seinen Stücken die Rede ist. denkt man doch immer zuerst an die Lustspiele, die Salondramen, die Skandalaffären. So war diese Begegnung ein begrüßenswertes Ereignis im Spielplan. * „Ein idealer Gatte" ist dreierlei in einem: Lustspiel, Salondrama, Skandalaffäre: eine gesunde und dauerhafte Mischung für das Theater. Man mertt ihm gar nicht an, daß er schon fünf- unddreihig Sabre alt ist. Solche Sntrigenstücke sind offenbar, wenn man sie ein wenig auf neu herrichtet, unverwüstlich. Zumal wenn sie so nach allen Regeln der Kunst und der älteren französischen Schule gebaut sind wie dieses hier. * Es hat aus mehreren Gründen wenig Sinn, den Snhalt zu erzählen, was immer ein undankbares Geschäft ist und außerdem viel kostbaren Platz beansprucht. Zu bemerken ist, daß Wilde hier mit allen Mitteln arbeitet, die eine rafft- nierte Dramaturgie für unfehlbare Publikumswirkungen ausgeknobelt hat. Aus ein wenig PoUtik, reichlich Liebe und einer saftigen, ausgewachsenen Gemeinheit läßt sich eine sehr be- kömmliche Fabel Herstellen, die mit mehreren großen Szenen, gestohlenen Briefen, verwechselten Personen und verlorenen Diamanten auf- wartet, den Zuschauer bis ganz zuletzt in Atem halt und für die ausgestandenen Aengste mit zwei zärtlichen Umarmungen und der obligaten Verlobung freundlich entschädigt. Ein Kritiker hat über die Wildeschen Gesellschaftsspiele gesagt: „Regie und Darsteller müssen verstehen, daß nicht Seelen und Schicksale, sondern Geist und Worte der Snhalt dieser Stücke sind" Das gilt auch für den Zuschauer und ist, obwohl es zunächst sehr hart klingt, doch im wesentlichen richtig. Cs handelt sich hier durchaus in erster Linie um Theater, um Effekt, um gute, fbannende amüsante Unterhaltung: jedes der Wildeschen Die ersten Wahlresnltaie ans Amerika. Starke Mehrheit der Prohibitionsgegner. - Sieg der Demokraten. Reu York. 4. Rov. (TU. Junffprudj.) Die amerikanischen Wahlen find im ganzen Lande bei ungewöhnlich starker Beteiligung im allgemeinen ruhig verlausen. 3n Reuyork waren mehrere Versuche, den Wahlakt zu stören, zumeist harmlosen Charakters. Insgesamt wurden 15 Personen dabei verhaftet. Die republikanische Zeitung „Herold Tribüne" meldete um 7.50 Uhr abends, daß der demokratische Gouverneur des Staates Reuyork, Roosevelt, mit großer Mehrheit wieder- ge wählt fei. Die demokratische Presse bezeichnet Roosevelts Sieg mit einer Mehrheit von über einer halben Million als einen Rekord. Soweit die Ergebnisse aus dem Londe vorliegen, hat sich eine ft a r k e Mehrheit für die Aufhebung der staatlichen Prohibitionsgesehgebung in Illinois, Massechussets und Rhode Island ergeben. In Illinois unterlag die republikanische Senatskandidatin, die bekannte Millionärin Ruth Anna M c C o r m i ck gegen den früheren langjährigen demokratischen Senator James Hamilton Lewis, der mehr als die doppelte Stimmenzahl erhielt. In Rem Ierfey siegte der republikanische Senatskandidat M o r r o w mit großer Mehrheit. In den Kongrehwahlen kommt gleichfalls Abneigung gegen die Prohibition zum Ausdruck. Sogenannte nasse Kandidaten wurden ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit wiedergewählt. Der Vorsitzende des demokratischen Landesous- schusies teilte um Mitternacht mit, daß eine Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus gesichert erscheine und daß im Senat gleichfalls ein erheblicher Zuwachs a n Mandaten zu erwarten fei. In Wisconsin wurde PH. 3- Lafollette, der jüngste Sohn des verstorbenen Senators Robert Lafollette, mit großer Mehrheit als republikanischer Gouverneur gewählt. „Associeted Preß" gibt um 1 Uhr morgens 214, also rund d i e Hälfte der Ergebnisse der Wahlen zum Repräsentantenhaus bekannt, hiervon entfallen aus die Republikaner 92 und auf d i e Demokraten 12 2, während die bisherige Mandatszahl 260 gegen 160 betrug. Entwaffnungsakt Umfangreiche Waffenfunde bei Wien, 4. Rov. (TH.) Das österreichische Bundesministerium hat am Montag Haussuchungen nach Waffen bei den sozialdemokratischen Organisationen sowohl in Wien als auch in der Provinz angeordnet. Sn Wien wurde das Parteihaus der Sozialdemokraten, in dem sich auch die „Arbeiterzeitung" und das „Kleine Blatt" befinden, von Polizeibeamten durchsucht, ebenso die Lokale der sozialdemokratischen Sportverbände. Dis Mittag wurden in Snnsbruck sechs Maschinengewehre und 130 Kisten mit Munition, ein Paket Sprengstoff und mehrere Kisten mit Snfanteriegewehren und sonstiges Kriegsgerät beschlagnahmt. Sn Graz erfolgte die Beschlagnahme verschiedentlichen Kriegsgeräts einschließlich Munition. Sn Wiener-Reustadt nahm aus dem Hauptplah eine starke Maschinengewehrabteilung Aufstellung. Einige hundert Mann Gendarmerie besetzten sämtliche Parteilokale sowie das Rathaus. Bisher wurden hier zwei Maschinengewehre und mehrere tausend Snfanterie- gewehre nebst Munition, sowie in dem sozialdemokratischen Konsumverein in Mödling zwei Maschinengewehre und mehrere hundert Sn- fanteriegewehre gefunden und beschlagnahmt. Sn Wiener-Reustadt erschien auch in der Wohnung des sozialdemokratischen Landeshauptmann-Stellvertreters Hellmer Gendarmerie und suchte nach Waffen. Hellmer hat gegen die Verletzung seiner Smmunität als Landtagsabgeordneter bei der Regierung telegraphisch Protest erhoben. VN in Oesterreich. i sozialistischen Organisationen. Auch der Sndustrieort Druck a. d. M. wurde früh morgens von Truppen des Dundesheeres und Gendarmerie durchsucht und alle Drücken der Stadt und die in die Stadt führenden Straßen durch Posten gesperrt, vor der Filiale des Konsumvereins zudem spanische Reiter ausgestellt, um Störungen zu verhindern. Waffen wurden hier nicht gefunden. Hmfassende Maßnahmen sind auch in Linz und Steyr getroffen worden, da man in Oberösterreich großen Warenlagern des Republikanischen Schutzbundes auf der Spur war. Sn Linz wurde eine Haussuchung im Hotel „Schiff" vorgenommen, das der Sozialdemokratischen Partei gehört. Sm Hintergebäude des Hotels befand sich ein Lichtspieltheater, das gleichfalls der Partei gehörte. Sn den Kellerräumen darunter wurde eine Betondecke von außerordentlicher Stärke festgestellt, die unter Anwendung aller Vorsichtsmaßnahmen gesprengt wurde. Darunter wurde ein umfangreiches Waffenlager gefunden, darunter drei Maschinengewehre, dreihigtausend Patronen, frisch eingegurtete Maschinengewehrmunition und zahlreiche Handgranaten. Der Sprengstoff der Handgranaten befand sich in Zersetzung, so daß die Gefahr der Selbstentzündung, wie sie bei alten Sprengstoffen dieser Art häufig vorkommen, gegeben war. Sn Stehr wurden in den Räumlichkeiten des sozialdemokratischen „Tageblattes" zahlreiche Gewehre, in den Steyrer Werken mehrere Maschinengewehre gefunden. Handlungen über den Doung-Plan freizubekommen. Dre kommunistische „Welt am Abend" und der nationalsozialistische „Angriff" nehmen von der Reichsratssitzung überhaupt keine Rotiz. Grzesmski Polizeipräsident von Berlin. Berlin, 4. Rov. (WTB. Amtlich.) Das preußische Staatsministerium hat beschlossen, den Staatsminister a. D. Grzefinfki zum Polizeipräsidenten von Berlin zu ernennen. Der bisherige Polizeipräsident von Berlin, Zörgiebet, ist in den ein st welligen Ruhe st and verseht worden. Stücke hat ein wenig von der graziös-gepflegten Form, der bezaubernden Artistik seines „Dorian Gray". Man ist entwaffnet von der Fülle der kleinen Bosheiten, der lockeren Aphorismen und berühmten Paradoxe, vom witzigen und geistig beweglichen Dialog dieses Engländers. Aber er selber hat einmal gesagt: Wer unter die Oberfläche schürft, tut es auf eigene Gefahr. Das ist in diesem Fall weder zu empfehlen noch auch der Sinn der Kritik: man wird nicht mehr von diesem Schauspiel verlangen, als es sein will, und ihm nicht vorwerfen, daß es vor lauter Raffinement und Effekt an der Lösung der tiefer liegenden Probleme, nicht ohne Eleganz, vorübergleitet. — Es war, darauf kommt es an, ein amüsanter Abend. — Hnd ein großer Abend auch, kein Zweifel. Ausverkauftes Haus, wenn wir recht gesehen haben; und das zum ersten Male in dieser Spielzeit, wenn wir uns recht erinnern. (Eine Erinnerung übrigens, die etwas nachdenklich stimmt, wenn man sich besinnt, wie viele von den früheren und zum Teil noch „prominenteren" Gastspielen ein so volles Haus gehabt haben.) Dieser Abend gestaltete sich zur Huldigung für Harry Liedtke, dessen Film-Popularität sich deutlich im Kassenraport bewährt, der schon mit Beifall begrüßt wurde, ehe er noch den Mund auftun konnte, und auch später noch auf offner Szene die Hände in Bewegung setzte. Er ist der Bonvivant des Films, er ist nun einmal der Liebling des Publikums, da ist nichts zu machen, und wenn er gar noch eine so wunderbare Aufgabe hat (wie jene etwas moderneren Meisterdetektive), die ausgekochteste und von allen Hunden gehetzte Schurkin mit seinem gewinnendsten Lächeln an die Wand zu drücken, sie schachmatt zu machen, ihr den gefährlichen Trumpf aus dem zarten Händchen zu winden, daß sie ganz klein und häßlich wird und nicht mehr piep sagen kann, — dann ist er einigermaßen unwiderstehlich. Er spielt das auch sehr nett und sehr liebenswürdig, aber allerdings in dem einmal festgelegten und etwas stereotypen Stil, den man vom Film her an ihm kennt. Sedensalls gebietet die Gerechtigkeit, festzustellen, daß die Mehrzahl der übrigen, ein bißchen anonym und ein bißchen nebenbei als „Ensemble" zusammengefahten Milwirkenden darstellerisch dem Star dieses Gastspiels mindestens ebenbürtig war. Ein Beamtenerlaß des Hamburger Senats. Hamburg, 4. Rov. (TH.) Der Senat hat am Montag folgenden Beschluß gefaßt: „Beamte, die Parteien oder Organisationen unterstützen oder fördern, die den gewaltsamen H m - stürz der bestehenden Staatsordnung erstreben, verletzen die aus dem Deamtenverhältnis sich ergebende besondere Treuepflicht des Beamten gegenüber dem Staate und machen sich eines Dienstvergehens schuldig. Zu diesen Parteien gehören die Kommunistische Partei Deutschlands und die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Die Kommunistische Partei Deutschlands hat selbst zugegeben, daß sie den gewaltsamen Hmsturz der Dor allem Arthur Schröder wäre da zu nennen, der mit vornehmer Zurückhaltung und sicherem Takt den Lord Ehiltem spielte. Traute Carlsen ferner, die mit geschmeidiger Routine und aufreizender Verruchtheit die erpresserische Mrs. Cheveley bediente. Eine echt Wildesche Figur: Max Landas Cavcrsham, knapp, pointiert, trocken und witzig. Freundliche Wiederbegegnung mit Carola Toelle, die sehr fein und sehr damenhaft die Dorothy gab: Roma Bahn (als Mabel) in der gleichen frischen Sugendlich- feit, mit der sie sich vor ein paar Sahren in Berlin durchgefetzt hat. Olga Limburg endlich, die sich als lächerlich geschwätzige und aufgeplusterte Lady Markby ein Sonderapp.äuschen holte. • Die saubere und gepflegte Aufführung stand unter der bewährten Regie von Professor Eugen Robert: Gesamtleitung: Gastspieldirektion Alfred F is ch e r, Berlin. Es wurde stürmisch geklatscht. hth. Geschmackvolle Geschichten. Von K.Z Grün. Ein Großvikar von Bordeaux hatte mit seinem Erzbischof um einen getrüffeden Truthahn gerne.tel und die Wette verloren. Da der Großvikar längere Zeit nichts von sich hören lieh, mahnte ihn der Erzbischc». Der Grohvikar entschuldigte sich. „Das liegt daran, Monseigneur, die Trüffeln sind diese Jahr mißraten." Woraus der Erzbischof antwortete: „Glauben Sie das nicht, lieber Bruder. Das ist ein falsches Gerücht, das die Truthähne ausgestreut haben." Ein irischer Adeliger, der ein großer Gourmet wesen war, kam zum Sterben und ließ seinen Sohn zu sich rufen „Vermögen kann ich Dir leider nicht hinterlassen, mein Sohn", gestand der alte Feinschmecker.. „Aber ich habe dir ein Geheimnis mitzuteilen, das vielleicht einigen Ersatz leisten kann. Rach jahrelangen Versuchen bin ich zu der Heberzeugung gekommen: Krabbensauce ist entschieden besser als Hummer, aucel" Dem Lord Dudley war das opulenteste Diner ohne Apfelpastete nichts. Bei einem Galadiner des Fürsten Esterhaz) gene' er über das Fehlen seiner Lieblingspeise außer Fas uig und murmelte vernehmlich vor sich hin: „Gott sei meiner Seele gnädig I.. Richt einmal Apfelpastete gibt esl" Diogenes war dagegen mit feiner sprichwörtlichen bestehenden Staatsordnung erstrebt. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei verfolgt nach zahlreichen Aeußerungen maßgeblicher Führer das gleiche Ziel. Gegenteilige Erklärungen von Führern dieser Partei aus jüngster Zeit beweisen nicht, daß die Na.ionalsoziali^ische Deutsche Arbeiterpartei dieses Ziel ausgegeben hat. Der Senat warnt daher die Teamtens^a.t nachdrücklichst vor jeder Hnterstützung und Förderung solcher Partei- Organisationen." Oie Schlichtungsstelle für den Konflikt in -er Berliner Metallindustrie. Berlin, 4. Nov. (TU.) Amtlich Die in der Berliner Metallindustrie zur endgültigen Regelung der Löhne von den Parteien vereinbarte Schlichtungsstelle ist nunmehr gebildet worden. Außer dem früheren Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, dessen Bestellung der Oeffentlichkeit bereits bekannt ist, hat der Retchsarbeitsminister im Benehmen mit beiden Parteien-de^Oberbürger- meister Dr. Jarres in Duisburg und den Professor Dr. Sinzheime r in Frankfurt a. M. zu Mitgliedern der Schlichtungsstelle ernannt. Die Genannten haben die Berufung angenommen. Die Schlichtungsstelle wird die Verhandlungen unter Vorsitz des Ministers a. D. Brauns alsbald aufnehmen. Brauns rechnet damit, daß es gelingen wird, die Entscheidung bis Samstagabend herbeizuführen. Das Schiedsgericht ist so zusammengesetzt worden, daß Dr. Brauns als der neutrale Vorsitzende anzusehen ist, während Professor Sinzhei- mer den Arbeitnehmern und Dr. Jarres den Arbeitgebern nahesteht. Es ist aber anzunehmen, daß das Schiedsgericht am Freitag zunächst in direk - ten Verhandlungen die beiden Parteien noch einmal hören wird, ehe das eigentliche Schiedsgericht unter sich berät. Dabei dürste es dem Dor- itzenden vor allem darauf ankommen, einen e intim m i g e n Spruch des Gerichtes herbeizu- ühren. Oie Pariser Kammer beginnt. Außenpolitische Debatte. — Verhinderte Redner. . Paris, 4. Nov. Das französische Parlament hat heute seine außerordentliche Tagung eröffnet. Sn der Kammer herrschte das Treiben der großen parlamentarischen Tage. Als Außenminister B r i a n d , der einen frischen Eindruck machte, den Sitzungssaal betritt, wird er auf der Linken mit dem Rufe: Es lebe Briandl begrüßt. Während der Ferien ist ein radikaler Abgeordneter, S bebau 11, ein Kriegsblinder, in die Kammer gewählt worden. Als er am Arm eines radikalen: Abgeordneten den Sitzungssaal betritt, bringt man ihm eine Ovation dar, an der sich auch Ministerpräsident Tardieu beteiligt. Die Linke hat jetzt also ebenfalls ihren blinden Abgeordneten, wie ihn die Rechte in der Person des Abgeordneten Scapini zu den ihrigen zählt. Nach Verlesung der vorliegenden etwa 60 Snter- peklationen erklärte Ministerpräsident Tardieu, daß die Regierung bereit sei, zuerst die Snter- pellation über die Außenpolitik der Regierung zu beantworten und nach diesen in die Beratung der Snterpellationen über die Mißstände in bet französischen Luftfahrt einzutreten. Nach lebhafter Debatte wurde beschlossen, sofort in die Diskussion der Außenpolitik einzutreten, eine Entscheidung, die mit großer Heiterkeit ausgenommen wurde, weil man wußte, daß der Hauptinterpellant, Franklin- Bouillon, seine Akten nicht bei sich hatte und deshalb nicht sprechen konnte. Er erhob sich und erklärte unter dem schallenden Gelächter der Linken, er appelliere an ihre Höflichkeit, den Beginn der Aussprache erst auf Donnerstag festzusetzen, da er ohne seine Akten nicht sprechen könne. Die Linke lehnte ab. Auch der zweite Snterpellant, der Abgeordnete Scapini, der ebenfalls über die Außenpolitik zu interpellieren gedenkt, erklärte, er sei n i ch t v o r- Anspruchslosigkeit überglücklich bei dem Anblick einer Maus, die an seinem halb trockenen Brotrest nagte: „Sch bin reich, ich habe sogar Mitesser!" Wenn der Herzog von Escars, oberster Haushofmeister Ludwigs XVII1., mit seinem Herrscher zusammenkam, um über eine neue Speise zu beraten, mußten selbst die Minister im Vorzimmer war:en. Am nächsten Tag erschien dann in den offiziellen Zeitungen ein Bulletin: „Seine Majestät hat mit dem Herzog von Escars Kabinettsrat abgehalten!" An einer Pastete, die der Mundkoch Roel dem Alten Fritz eines Tages gebacken hatte, verdarb sich der König den Magen. Friedrich der Große ließ seinen Rapoleon des Psannenstieles kommen und meinte. „Er wird sehen, wir fahren beide in die Hölle. Er, weil er die Pastete fabriziert, ich, weil ich sie gegessen habe." Roel erwiderte schlagfertig. „Tut nichts, Majestät, wir sind ja beide an das Feuer gewöhnt." Königin Anna von England war nicht nur eine bekannte Feinschmeckerin, sondern auch eine Kochkünstlerin von ziemlichen Graden. Daher tragen noch heute ausgesuchte Speisen den Zusatz: „After Queen Anns fashion“ "nach Königin Anna Art). Also Malborough war als siegreicher Feldherr nach London zuruckget.^rt, und ging, oyne sich melden zu lassen, direkt zum St.°Sames°Palast. Die Königin war gerade bei der Mischung eines Puddings in der Küche. Trotzdem ließ sie den Feldherrn vor und beglückwünschte ihn zu seinem Erfolg „Shre Verdienste, He.zog, wird die Ration zu ehren wissen. Shre Königin a er hat jetzt nur einfachen Dank und die Bi te, wenn Sie wollen, heute ihr Gast zu der Mahlzeit zu sein, für bie Sie sie eben beschäftigt finden." Seit diesem Tag ist der „Malborough-Pudding" eine Lieblingsspeise der Engländer. Hochschulnachnchten. Sn Halle verschied der emerit. Ordinarius der vergleichenden Anatomie und Physiologie der Haussäuger Geh. Regierungsrat Pros. Dr. med. Dr. sc. nat. Rudolf Disselhorst im Alter von 76 Sahren. — Pros. Dr. Erhard Reuwiem in Greifswald hat den an ihn ergangenen Rus aus den Lehrstuhl des öfsen,t- lichen Rechts an der Hniversität Münster als Rachfolger von Prof. Sos. Lukas angenommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius in Münster erhalten. Der „Prophet" We ßenberg vor Gericht .Bartl Oslo Dl Kl stürmische* NordWCSl dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf -ginnt. linderte "•öen »er Mer-daß man die ttiitKathreinerjcmWc DJüld) dmmal (!) leichter verdaut als reine ÜHildj ...daß Kathreiner mit Mich Lut schracckt, wiflett wir läugft/ -das 1ml) ctt unsere LrnÄmugeftrscher erst im voriMsAadr entdeckt / ©wolkenlos O neuer. ® halt» Oedecki ® wolkig. • Bedeckt. • Reoe^ * Schnee csäraupeln ■ HeDel K Gcwit'/r.© Windstille. O» sehr leichte* Osi jJ massige* Südsüdwest q stürmische* «tordwesl Ole Piene fliegen mit dem winde. Ole do den Stationen stenenoen Zahlen geoen die Temperatui an. Die Linien verbinden Orte mit.gieichcofc ilutnecresniveau umgerechneten Luftdruck bereitet und bitte deshalb, von der sofortigen Aussprache abzusehen. Auch dies wurde ab- gelehnt. Der dritte Interpellant, der radikale Abgeordnete und ehemalige Ltnterrichtsminister Francois Albert, erklärte, er befände sich in dergleichen Lage wie die übrigen Interpellanten, doch wolle er dem Beispiel der beiden ersten Redner nicht folgen und sprechen. Der Redner wies die von der Rechtspresse gegen Bricmd gerichteten Angriffe scharf zurück. Seine Ausführungen lösten scharfen Widerspruch aus, und es kam zu lärmenden Szenen, so daß die Sitzung auf eine halbe Stunde unterbrochen werden muhte. Berliner Börse. Berlin, 5. Nov. (WTB. Funkspruch.) Nachdem schon gestern abend auf die Regierungserklärung im Reichsral die Kurse etwas anziehen konnten, war auch heute früh eine etwas freundlichere Stimmung fcstzustellen, da man annahm, daß sich das Interesse, für Spezialwerte wenigstens, erhalten werde. Die Umsatztätigkeit blieb aber nach wie vor gering, und die gestrigen Abendkurse wurden nur taxiert. (AEG yrfa 117, Siemens zirka 181, Farben zirka 143 und Reichsbank zirka 230 ) Parlament ig eröffnet, n der yro- henmimster machte, den Linien mit - Während ter, Stammet ae» ! radilalm. bringt man ) auch Mi« Linie hat igrordneten, 8 Wgevrd« dq 60 Inter- Tardieu, die Inier- t der Re- 'feit in die )ie Wih- istsahrt wurde br- >er Außen* ,g, die mit e, weil man ranklin- t bei sich >en konnte, em schallen- ,ete an ihre che erst auf seine Akten e ab. Auch mete 6ca* inpoiitik zu icht vor- em Anblick en Drotccst illitesserl" rster n Herrschee .eile zu b«- Dorzimmer ann in den Deine ^abinetlsrat Matte. Kr fe^at "rr 1’e, in der JV’Oen °er* ,'N öor» '** Dr. S’i^inifttr Jberbürger* de" Pro* in.®, m 1L Die ®e* imei Die 'Sen unter bbold aus* i wird, die herbeizu- "mengesetzt iraie Dar* r Sinzhei. 5 den Ar. ijmen, doh ndirek- Parteien Tchieds* । dem Dor* einen ein* 5 herbeizu* Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll „erfrier -W -O-- ; Ci« ib« lTX" M "S*.| sfä 1 £; dicielN Dor dem Schöffengericht Drriin-Mitte begann der Prozeh gegen den Heilmagnetiseur Iosef Weißenberg wegen fahriästig^r Tötung unter erschwerenden Umstunden und fahr.ässigcr Körperverletzung. Weißenberg ist der Begründer und das Oberhaupt der in Deutschland weitverbreiteten Sekte, die den Ramen ,Evangelische Io- hanneskirche, nach der Offenbarung St. Io- hanneS" führt. Bon Beruf ist der Angeklagte Maurer und Kellner. Seit dem Iahre 19)3 betätigt er sich als Heilmagnetiseur. Dann will er eine Erscheinung gehabt haben, die ihm bedeutete, geistlich tätig zu werden und zu predigen. Unter den überzeugten Anhängern des Angeklagten befand sich auch das Drogistenehepaar W e r n i ck e. Im Iuni 1929 bildete sich bei dem Ehemann, der an Zuckerkrankheit litt, im Racken ein Karbunkel. Obwohl dieses Ge- schwür einen bedrohlichen Eharakter annahm, lehnte Wernicke die Zuziehung eines Arztes ab. Er behandelte es nach Befragen Weißenbergs vielmehr durch Auflegen von weißem Käse Da das Geschwür schlimmer wurde, schrieb die Ehefrau nochmals an Weißenberg und dieser antwortete, daß zunächst ein Ta^lappen und dann trockener weißer Käse auf die Wunde gelegt werden solle. Der Zustand des Kranken wurde schließlich so bedenklich, daß Frau Wernicke einen Arzt hinzuzog. Sanitätsrat Dr. B r a tz stellte sest, daß sich das Geschwür über den ganzen Racken und Hinterkopf ausgebreitet hatte und daß bereits Blutvergiftung eingetreten war. Zwölf Stunden nach der Einlieferung ins Krankenhaus st a r b Wernicke bereits. Die medizinischen Sachverständigen Prof. Dr. Strauch und Medizinalrat Dr. Frhr. v. Marenholtz sind auf Grund der Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, daß Wernickes Tod durch die s a h r l ä s - sige Behandlung des An^eilagten eingetreten ist. Die Ehefrau bemüht sich auch jetzt noch, Weißenberg zu entlasten. Sie ist noch immer eine fanatische Anhängerin Weißenbergs. Im August 1929 ercrankte das fünf Monate alte Kind der Eheleute Haenicke in Hohenfinow an einer Augenentzündung. Eine von einem Arzt verordnete Salbe wurde von den Eheleuten nur einmal zur Anwendung gebracht. Rachdem mit der Gemeindeschwester vereinbart war, daß das Kind in die Charit^ chAoeldem Ute. b der Trohe cles komme" mir f«M lastete k-brl' .» Aoel er* Majestät, loik Wettervoraussage. Der Kaltlufteinbruch, welcher sich einerseits auf die Temperaturen ausgewirkt und andererseits zu Barometeranstieg geführt haü ist bereits wieder be- endet. Dabei hat sich die Wetterlage in unserem Bezirk etwas freundlicher gestaltet, und die Niederschläge waren nur leichterer Art. Die Wetterlage geht aber neuen Verschlechterungen entgegen, denn über Irland, England und Nordfrankreich setzt stärkerer Luftdruckfall ein. Die Winde kommen dort aus südlicher Richtung und nehmen sehr lebhaften stürmischen Charakter an; Bewölkung und Niederschläge treten ebenfalls auf. Bei uns kündigt das wieder fallende Barometer den Witterungsumschlag an, der abermals Niederschläge und unfreundliches Wetter bringen wird. Aussichten für Donnerstag: Zurück- drehen der Winde auf Süden und Südwesten. Zunahme der Luftbewegung, bewölkt und bedeckt mit Niederschlägen, milder. Lufttemperaturen am 4. November: mittags 9,1 Grad Celsius, abends 5,5 Grad; am 5. November: morgens 4,8 Grad. Maximum 9,3 Grad, Minimum 4,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 4. November: abends 7,2 Grad am 5. November: morgens 6 Grad Celsius. — Niederschläge 0,2 mm. Aus Oer PromnütofbaupfftaDt Gießen, den 5. Rovember 1930. Oer Weg zum Glück. Da, wo die menschlichen Wünsche wandern, in der ganzen großen Ideenwelt, stehen ungezählte Wegweiser mit der Aufschrift: „Zum Glück". Doch nie ist eine nähere Erklärung dabei, nie weih man: laufen alle Wege auf einen gemeinsamen Punkt zu, den man überall das Glück nennt, oder mündet jeder auf unbestimmter Stelle, oder führt gar der eine oder der andere absichtlich irre, damit der rechte Weg nicht allen offenbar wird, sondern nur den Auserlesenen? So viele sind ausgezogen, einem dieser Wegweiser nach, und alles fanden sie, nur kein Glück. Vielleicht liefen sie daran vorbei und sahen es gar nicht, oder es war etwas, das ihnen zu unbedeutend dünkte, sich gar nicht der Mühe des Verweilens lohnte und das doch die Fähigkeiten des Glücklichmachens in sich trug. Wird einer sagen: „Beschreibt es mir, wie es aussieht, damit ich nicht daran vorübergehe!". Wie es aussieht?! Glück sieht nicht aus, ist nicht greifbar, nur seelisch. Glück ist kein Begriff; und wollte man sich recht prosaisch ausdrücken, so müßte man sagen: „Was dem einen eine Eule ist, ist dem anderen Rachtigall". Darum stehen auch so viele Wegtoeiser, die alle die gleiche Inschrift tragen, und doch jeder zu einem anderen Glück hinweist. Jeder, der froh und zufrieden sich einen Zustand geschaffen hat, der ihm als Höhepunkt im Leben, als „Glück" gilt, sagt wohl: das war mein Weg zum Glück! In stiller Beschaulichkeit fand es her eine, im lauten Leben suchte es der andere. Die Stille erscheint so vielen leer, und darum laufen sie der lauten Reklametrommel der Stadt nach. Dort, wo mit dem Dunkelwerden die farbigen Lichter der Angreisungen leuchten, wo das Hupen der Autos, das Läuten der Straßenbahnen und das Geschrei der Vergnügungen die Rotrufe des einzelnen erstickt, da, wähnen so viele Toren, müsse das Glück sein. Müde und zerschlagen verlangen sie oft heim. — Die kleine Stadt bietet mehr Liebe, mehr Herzenswärme, mehr Mitgefühl als der Moloch Großstadt, in der ein Mensch an Einsamkeit vergehen kann. Junge Augen schauen mit besonderer Sehnsucht nach dem bunten Leben und halten den Kreislauf von Tragödie, Trauerspiel und Lustspiel für einen unterhaltsamen Reigen. Mittanzen. mitschwingen können — das ist gewiß das Glück! Tausende starben daran, sie kamen wie die Motten zur Flamme, verbrannten sich die Flügel und gingen elend zugrunde. Glück ist ein Begriff! Aber erst im Alter kommt das Verständnis für das Glück. Dann weiß man. ob man es errungen hat, weiß, ob man daran vorbeigegangen ist, und versteht es, fein Glück zu hegen und zu pflegen, auch wenn es nicht jene Formen angenommen hat, von denen man einst träumte ... Zechtverein Daisenschuh. Auf Einladung des Bürgermeisters Dr. Seid und des Rentiers Winn fand gestern abend im Stadthaus Gartenstraße eine Sitzung statt, in der über die Frage der Wiederbelebung des früher hier tätigen Fechtvereins Waisenschutz beraten wurde. In Verhinderung des Bürgermeisters Dr. Se i b leitete Herr Winn die von zahlreichen Damen und Herren besuchte Sitzung, und er gab dabei einleitend kurzen Aufschluß über die frühere segensreiche Wirksamkeit des Vereins Waisenschuh bei der Unterstützung von hilfsbedürftigen Halbwaisen. Sodann gab Herr Mohr (Mainz) vom Hessischen Hauptverein der Waisenschutz-Organisation einen Ueberblid über das Tätigkeitsfeld der freiwilligen Fürsorge für Halbwaise, die besonders in der Form von Weihnachtsbescherungen, Ausstattungen bei Konfirmationen und Kommunionen, sowie in gewissen Fällen auch in der Gewährung von Aufenthalten in Erholungsheimen zum Ausdruck fomme. An den aufschlußreichen Vortrag knüpfte sich eine rege Aussprache an, hr der allgemein die Wieder- teiligung auS allen Schulen Hessens war über Erwarten groß; es wurden etwa 700 Entwürfe eingereicht. Die Arbeiten bieten einen interessanten und für den Besucher, der sich für die De- hfccbtunq der Ausstellung Zeit nimmt, tiefen Einblick in die Seele des Kindes und unserer Jugend überhaupt. Auf 'Veranlassung des Stadtschulamtes Gießen werden diese Arbeiten in einet Ausstellung in der Turnhalle der Pestalozzi- schule, Rordanlage 6, vom 6. bis 15. Rovern bet von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 llhr der Oeffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich gemacht. Der Eintritt ist frei. •• Ertappter Wilddieb. Dom Verein „Hubertus", Sih Gießen, wird uns mitgeteilt: Dor einigen Tagen vernahmen die Iagdpächtet von Dutenhofen bei der Jagdausübuna das Klagen eines Rehes, das nach langem Kampf, den daS Tier offenbar zu bestehen hatte, schließlich verstummte. Man suchte die Dickung ab, au8 der die Laute drangen, und fand ein in der Schlinge frisch verendetes Rehkitz. Die ganz« Umgebung zeugte von dem furchtbaren Todeskampf des qualvoll erdrosselten Stückes. Der Jagdaufseher Kreutz konnte nach stundenlangem Ausharren in der Rähe des Wildes am Vormittag des Fvlgetages den Frevler in der Person deS Ludwig Schneider jun. aus Dutenhofen feststellen, als dieser das Reh auS dec Schlinge löste, um damit zu verschwinden. Bei der folgenden Haussuchung durch die Landjägerei wurde festgestellt, daß Schneider schon mehr gewildert hat, so daß er nunmehr seiner Bestrafung entgegensieht. Hoffentlich findet dabei auch die tierquälerische Art des Fangens mit der Schlinge die entsprechende Berücksichtigung. •• Gefundene Gegenstände. Das 03er- zeichnis der im Monat Oktober gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Pht- livP-Platz l. eingesehen werden Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen Oie Wetterlage. Aus aller Welt. Der Kasseler Magistrat lehnt die SDOO-Tfiarf-Spenbe für die Streikenden ab. Im Magistrat wurde ein Antrag der Stadtverordnetenversammlung, 5000 Mark s ü r die Opfer der Bergwerkskatastrophen von Alsdorf und Maybach zu bewilligen, angenommen, wogegen der Dechluß der Sladtver- ordnetenversammlung, 5000 Ma.k fürdie streikenden Metallarbeiter in Berlin yt bewilligen, abgelehnt wurde. Der Oberbürgermeister teilte mit, daß im Laufe dieser Woche Derhandlungen mit Vertretern von Danken und der Landeskreditkasse stattfinden sollen, die die Aufnahme einer Anleihe zur Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms zum Zweck haben. Proteststreik gegen die Getränkesteuer in Dresden. Auf Grund der Rotverordnung ist in Dresden eine zehnprozentige Getränkesteuer eingeführt worden die vom 1. Rovember ab in sämtlichen Gastwirtschaften aus alle Getränke außer Bier erhoben wird. Gegen diese Steuer haben die Dresdener Gastwirte beim Stadtrat Einspruch erhoben, der aber erfolglos geblieben ist. Daraufhin wurde beschlossen, zum Zeichen des Protestes am Don- nerstag sämtliche Dresdener Gaststätten ge- schlossen zu halten. Auch die großen Hotels beabsichtigen, sich diesem Proteststreik anzuschliehen. Line Ratte stört die Stromversorgung. Bocholt wurde am Dienstagabend durch ein . eigenartiges Vorkommnis in ein halbstündiges Dunkel gehüllt. Die Untersuchung ergab, daß sich eine Ratte indieTransfor- matorenstationder Flenderwerke ein- gcschlichen hatte. Das Lier hatte sich an ein Relais des 10 000°Dolt-OeIschalters herangemacht und eine lleberbelastung der mit Oel gefüllten Kästen der Stromwandler herbeigesührt. die infolgedessen platzten. Das hochgradig erhitzte Oel verbrannte unter explo.ivartigen Erscheinungen. Der dadurch in dem geschlossenen Trans,ormatoren- raum entstandene Luftüberdruck bewirkte, daß eine Wand herausgedrückt wurde. Die Flenderwerke müssen für zwei Tage stillgelegt werden. Die Ratte mußte ihre Reugier mit dem Leben bezahlen. „G 38“ in schwerem Sturm. Die Junkers G 38, die von Barce lonanach Madrid gestartet war, muhte in der Rähe von Tarragona infolge schweren Llnwetters gegen einen Sturm von 190 bis 200 Stundenkilometer mit Vetikalböen bis zu 500 Meter an- kämpfen. Die Maschine, die infolge des Sturmes, der ihrer Eigengeschwindigkeit gleichkam, nicht mehr vorwärts kommen konnte, fuhr deshalb nach Barcelona zu rück, wo sie wohlbehalten eintraf. belebung des hiesigen DereinS Waisenschutz begrüßt wurde. Da 359 Bürger unserer Stadt gegenwärtig die direkte Milg.iedschaft beim Hessischen Hauptverein in Mainz haben, soll dieser Mitgliederstamm als Grundlage des neuen Ortsvereins gelten und darauf weiter aufgebaut werden. Rach dem formellen Beschluß über die Wiederbelebung des Gießener Ortsvercins wurde folgender Vorstand gewählt: Derwaltungsamt- mann Kaitzer, Vorsitzender; Derwaltungsober- fefretär Häuser, Schriftführer; Derwaltungs- obersekretär Gräf, Rechner; ferner noch Frau Dr. Marx, Frau Rotar PeterS, Oberschwester Anita Hermannh, Frau Reh, Psarrer A u s s e l d, Kausmann Weisel, ilhrmacher- meistcr Stöver und Schreinermeister Beil. Aus Zweckmäßigkeitsgründen wurde Gewicht darauf gelegt, daß die Leitung des Vereins in enger Verbindung mit dem städtischen Wohlfahrtsamt als der beftinformierten Seite auf diesem Arbeitsgebiete steht. Aus dem Zuchthaus entsprungen. Gestern kurz nach 18 Uhr ist der im L a n d e s - zuchthaus Marienschloh bei Rockenberg untergebrachte 30 Jahre alte Strafgefangene Georg Poth aus dem Zuchthaus aus- gebrochen und flüchtig gegangen. Der Mann ist Schreiner von Berus und war in seiner Zelle mit Holzarveiten beschäftigt. Dabei hatte er es fertiggebracht, sich eine Leiter anzufertigen und diese gestern nachmittag, als er bei Arbeiten im Zuchthaushose tätig war, heimlich aus der Zelle ins Freie zu schassen. Mit Hilfe dieser Leiter gelang es ihm dann, unbemerkt die Mauer zu über ft eigen und auf und da» kommen sollte, weigerte sich die Mutter plötzlich. es nach Berlin zu bringen. Es sei ein Brief getommen, das Kind werde so gesund. Der Brief stammte von Weißenberg, der Frau Haenicke auf eine schriftliche Anfrage mitteilte, sie müsse zwei Eßlöffel weißen Käse nehmen uni) etwas Salz dazu und dieses ordentlich verrühren, dann in einen Lappen packen und dem Kind über Rächt auf die Augen legen. Am nächsten Morgen müsse sie den Käse verbrennen. Diese Behandlung müsse wöchentlich zweimal vorgenommen werden. Die Mutter müsse aber recht ernst ins Gebet gehen und in Geduld und Hoffnung verharren. Monatelang wurde das Kind demeniiprechend behandelt. Als Frau Haenicke Weißenberg aufsuchte, sagte dieser u. a.: Ich gebe Ihnen keinen Rat, ob Sie zum Arzt gehen sollen oder nicht, aber Ihr Kind wird auch so gesund. Das Kind erblindete jedoch schließlich auf beiden Augen. Das Schöffengericht verurteilte Weißenberg unter Freisprechung von der Anklage der fahrlässigen Tötung wegen fahrlässiger Körperverletzung z u sechs Monaten Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte der Dorsitzende aus, daß der Angeklagte als nicht mit voller Sicherheit überführt angesehen werden könnte, am Tode des Drogisten Wernicke schuldig zu sein. Als erwiesen sehe das Gericht aber an, daß der Angeklagte schuld an der Erblindung des Kindes des Ehepaares Haenicke gehabt habe. Denn er habe zweifellos eine Behandlung der Augen mit weißem Käse empfohlen. Deswegen habe auch das Gericht die Frage, ob der Angeklagte fahrlässig gehandelt habe, bejaht. Das Hauptverschulden erblicke aber das Gericht in der Fernbehandlung von Krankheiten durch Briefe. Bei der Bemessung des Straf- maßes habe das Gericht mildernd berücksichtigt, daß die Eltern des Kindes noch ein weit g r ö. ß e r e s Verschulden als den Angeklagten träfe. Aber die Tätigkeit von Leuten, wie des Angeklagten Weißenberg, die Krankheiten durch Fernbehandlung heilen wollten, stelle eine große Gefahr für das Dolkswohl und die Dolksgesund- beit bar. Es müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, daß durch die Behandlung des Angeklagten einem jungen Menschen das ganze Leben verdorben sei. von zu gehen. Kurze Zeit später wurde sem Verschwinden bemerkt und sofort die Verfolgung in die Wege geleitet. Beamte der Landes» kriminalpolizeistelle Gießen nahmen mit Hilfe eines Polizeihundes die Rachforschungen auf, der Hund verfolgte auch auf eine größere Strecke hin die Spur, verlor sie aber schließlich, so daß diese Suche abgebrochen werden muhte. Poth, der sich bei seinem Ausreihen in Anstalts- kleidung befand und ohne Geldmittel war, hatte wegen Spionage zugunsten Frankreichs eine längere Zuchthausstrafe in Marienschloh zu verbüßen Sämtliche Sicherheitsbehörden sind von dem Ausbruch des Gefangenen natürlich sofort in Kenntnis gesetzt worden. Bornottzcn. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Geschäft mit Amerika", 20 bis 22 Uhr. — Institut für Leibesübungen der Universität Gießen; Ski-Klub Gießen im DSD.: Ski-Film „Sonne über Piz Palü, 20 Tlhr, in der Reuen Aula. - Rationalsozialistische Deutsche Arbeiter- Partei: Oeffentliche Versammlung, 20.15 Uhr. im (Safe Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Unter den Dächern von Paris". — Astoria-Licht- spiele: „Achtung! Falschmünzer!" — Aus dem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: Heute findet um 20 Uhr unter der Spielleitung von Karl Volck bie Erstaufführung von Paul Franks und ßubroig Hirschfelds Lustspiel: „Geschäft mit Amerika" statt. Der Erfolg, ben bas Stück anberwärts bereits errang, bürste ihm auch hier unter Karl Volcks Regie nicht versagt bleiben. Mitwirkende: bie Damen Jahn, Leutholf, Schwenb; bie Herren Bäuerle, Hauer. — Am Freitaa erstmalige Wiederholung bes Schauspiels „Neioharbt von Gneisenau" von Wolfgang Goetz unter ber Spielleitung von Walter Bäuerle. — DonderDolkshochschule. Der Kursus „Handschrift und Charakter" fällt heute aus. Siehe Anzeige. — Filmvorführung im DHD. Morgen, Donnerstag, läßt die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derbandes im Cafe Leib den Film „Milak, der Grönlandjäger" vorführen. (Siehe heutige Anzeige.) • •• Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Wilhelm Rau zu Wallernhausen die evangelische Pfarrstelle zu Dortelweil, Dekanat Rodheim, und dem Pfarrverwalter Lic. Ernst zur Rieden zu Offenbach die evangelische Iugendpfarrstelle zu Offenbach übertragen. •* Straßensperre. Wegen Kanalausführungen wird die Provinzialstrahe Grünberg— Hungen, Ortsdurchfahrt Hungen, vom 10. Rovember ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über die Ortsdurchfahrtstrahe an der neuen Schule vorbei. * Die Verlosung von Auslosungsrechten der Ablösungsanleihe der Stadt Gießen betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung, die der Aufmerksamkeit der Beteiligten empfohlen sei. ** G es chäf tsj ub iläum. Am morgigen Donnerstag, 6. Rovember, kann die Firma Sonn & Hertz, Mineralöl-Import, Gießen, Walltorstraße 44, auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma erfreut sich in Gießen und weit darüber hinaus dank ihrer guten kaufmännischen Grundsätze besten Ansehens. ** Arbeits-Jubiläum. Am morgigen 6. November ist der Oberheizer Karl Schweng- ber fünfundzwanzig Jahre bei der Veterinär-medizinischen Fakultät der Universität Gießen tätig. Der Jubilar erfreut sich bei der Fakultät und bei seinen Mitarbeitern wegen seiner dienstlichen und persönlichen Eigenschaften eines hohen Ansehens. "* Zeichen-Ausstellung. Die Hessische Wanderausstsllung für Gesundheitspflege und soziale Fürsorge hatte im Februar in Verbindung mit dem Minister für Kultus und Dildungswefen einen Schülerzeichenwettbewerb ßur Erlangung eines Diplomentwurfes ausgeschrieben. Die Be- Jan .Nordo; -.2. jtiageif. 1 -o O W 4 4 J Kami .5. 5X Strick -Westen -Pullover -Kleider für Damen, Herren und K nder kaufen Sie am vorteilhaftesten in meinem Spezialgeschäft Große Auswahl! Billigste Preise! Bekannt gute Qualitäten! 10% Stets Eingang von Neuheiten! Rabatt von jetzt bis Ende November 10% Strumpfhaus __ —, ■_ Greb Seltersweg 61 ?sztv im Alter von 60 Jahren. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 6. November, nachmittags 2 Uhr. von der Kaoelle des Neuen Friedhofes aus statt 06842 Heuchelheim, Altona, den 5. November 1930. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 6. November, nachmittags l1/, Uhr, vom Trauerhause, Ludwigstrafie 20, aus statt 7538 b Gießen (Schützenstraße 15), den 4. November 1930. In tiefer Trauer: Frau Katharine Gräf Wilhelm Gräf Todesanzeige. Nach kurzer, schwerer Krankheit verschied am 8. November mein lieber Mann, mein guter Vater Wilhelm Gräf Montag, den 3 November, abends 7 Uhr, entschlief sanft nach langem, schwerem, mit grober Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Karl Rinn II. Weißbindermeister im vollendeten 65. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Katharine Rinn, geb. Schimmel. Für die Aktivltas: Bauer X al. Für den A.H B.: Dr. Übrig. 7543V findet Donnerstag, 6. Nov, nachm. 2 Uhr statt — Um zahlt. Beteiligung bittet der Vorstand. 7532 D Aktivitas und A. H.V. der Turnerschaft i.V.C. „Arminia“, Wir bedauern hiermit tief das Ableben unseres lieben A.H. Dr. phil. Jakob Roßbach Studienrat In Dieburg. Die Beerdigung unseres heben Kameraden Wilhelm Gräf Eisenbahn - Fahrbeamten - Verein, Gießen. wahren. Der Vorstand. 7534 n Nachrufi Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres 1b. Kollegen Herrn Ludwig ÖBwaid, Obersebaffner i. H in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung hat heute bereits stattgefunden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken be- Für eine gute Tasse Kaffee sorge ich immer durch meine beliebten Mischungen per Pfund per Pfund per Pfund • Mk. 3.00 .Mk. 3.60 .Mk. 3.80 Schellfische o. K. P'd. Mk. 0,40 Goldbarsch o. K. Pfd. Mk. 0,35 DÜelMd.Mk.0,00 VratscheUWe Pfd. 2)ir. 0,30 Edamer Käse Psd. Mk. 0,40 MKaUeW Tel. 3085 I7546D r-ZlM.-VW. nut Badei., Stüctie, Balkon 60 qm groß ab 1. 12. a. Dm. ?5ieD Schnbcrtsfr. 2. Gut möbl. 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Gteh.Anz. 0685'» Erst sehen JunKEMHUM ken! 7423 A 12/50 PS Chrysler Heyd L Sohn Seltersweg 12 Sie sich unser Lager in Oefen an, bevor Sie eich zum Kauf entschließen. Junker- L -Ruh- Oefen, Kramer-Oefen, Juno-Oefen, nur erste Mar- Jlllll ......i brauch zu machen. Wie sieht das Programm der nächsten Wochen aus? Die erste Unterhaltungsstunde findet (oergL die gestrige Anzeige) am Freitag. 7. November. 16 Uhr im Singsaal des Realgymnasiums statt-, sie bringt Lieder für Sopran (Frau Minna W o'lff. am Klavier Frau Elfriede Fischer), sowie Rezitationen (W. H e g a r). Für die weiteren Unterhaltungsstunden sind vorgesehen: „Meine Reisen auf der Insel Ceylon" (mit Lichtbildern, Oie Jagd im November. 3agdhornrus uni) Hundegeläut, Treiberlaut und Düchsenlnall, die Zeit dcr herbstlichen Treibjagden ist da, die Zeit, von der ein begeisterter 3ägersänger wünscht: „O könnt es Herbst im ganzen Jahre bleiben, das wäre, was mein Herz begehrt." Die hohe Zeit des Rotwildes ging zu Ende, und in vielen hegerisch verwalteten Revieren gilt es als ein ungeschriebenes Gesetz, daß nach der Brunst kein starker Hirsch mehr gestreckt wird. Dafür benutzt der Weidmann die Folgezeit, um auszumerzen, was für den Bestand an geringen Hirschen unerwünscht erscheint, und vor allem, um durch Abschuß von Gelttieren und Kälbern das Geschlechtsverhältnis zahlenmäßig zu regeln. Wo die Fütterungen noch nicht vorbereitet wurden, wird es Zeit dazu, um für schlechte Zeiten gerüstet zu sein. Das Damwild tritt aus der Druntt, fein Abschrch erfolgt nach gleichen Gesichtspunkten wie beim Rotwild. Schwarzwild ist feist und findet, wo der Wald Eicheln oder Bucheckern brachte, auch fernerhin reiche Mast. Jede Reue, die als Borbote des kommenden Winters fällt, wird zum Besagen benutzt. Das Rehwild trägt sein Winterkleid, die Böcke werfen ab. 3n Preußen beginnt am 1. Rovember die Schonzeit des Dockes, während gleichzeittg der Abschuß weiblichen Rehwlldes und der Kitze freigegeben wird. 3n diesem Jahre wird sich zum ersten Male die Verordnung vom 16. Dezember 1929 auswirken, wonach einmal die Schuhzeit für Bock und Ricke getrennt und ferner nur der Kugelschuh (auch als FangschußI) erlaubt ist, wenn sich der Schütze nicht der Gefahr der Bestrafung und der Beschlagnahme des Wildes aussehen teilt Damit sind Treibjagden auf Rehwild in der Praxis ziemlich ausgeschlossen, und der Abschuß wird sich in der Hauptsache auf Pirsch und Anstand vollziehen müssen. Damit ist endlich eine Dejagung des Rehwildes in einer Art erreicht worden, wie sie in vielen Revieren als weidmännische Art schon längst Anwendung fand, ehe der Staat zur Erhaltung der Rehstände eingriff. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, muh der in Preuhen jagende Weidmann sich eingehend 'unterrichten, was der zuständige Bezirks- aus chuß bezüglich des Abschus es von Kitzen beschlossen hat, da diese Deschlüsse in dem Staatsgebiete starte Abweichungen zeigen. Wir geben sie für diejenigen Bezirke wieder, die für unsere nähere Umgebung in Betracht kommen: Kassel: männliche Kitze Schonzeit, weibliche Schuhzeit Rovember (Ausnahme einige namentlich genannte Reviere), Koblenz: männliche Kihe wie Kassel, weibliche vom 1. Rovember bis 31. Dezember Schuhzeit. Wiesbaden: alle Kitze haben Schonzeit. — 3n Hessen hat das gesamte Rehwild Dchuhzeit bis Ende des Monats. Leider ist damit noch die Möglichkeit geboten, auf Treibjagden wahllos Rehwild mit der Schrot,linte ab- oder zu Holze zu schieben. Ersreulicherweise ist von 3ahr zu 3ahr die Zahl der Jäger im Wachsen, die diesem 3agbbetrieb den Rücken kehren und auch ihre Mithilfe dabei verweigern. Durch die Reusestsehung der Schuhzeit in Hessen (Beginn 1. Oktober) ist, wie die Praxis gezeigt hat, der Abschuß mit der Kugel unter Ausmahl des abzuschießenden Stückes ganz außerordentlich crl ientert worden, so daß ein tüchtiger Jäger auf die Treibjagd verzichten kann. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr fern, wo das Beispiel einzelner Reviere, Hegeringe oder Vereine (z. D. Hubertus Giehen) allgemeine Anerkennung und Rach- ahmung findet zur Ehre und zur Hebung des Ansehens einer weidgercch en hessischen Jägerei. Die Hasentreibjagden im Walde kommen jetzt richtig in Gang. Auch die Feldtreiben werden gegen Monatsende einsetzen, obwohl es damit gar nicht eilt, da die Schuhzeit erst am 15. Januar endigt und bei frühem Ab chuß gerade in diesem Jahre noch sehr viele kleine Häschen zur Strecke kommen. Der Fuchs wird immer eine besondere Zierde der 6trcde einer Waldjagd sein. Sein Balg ist nun gut und lohnt Jagd und Fang. Der Dachs ist feist und richtet sich seinen Dau für den Winter ein. Wo der Bestand einen gewissen Abgang vertragen kann, ist jetzt die Zeit zum ©raben. Das Rebhuhn hat zwar noch Schuhzeit, doch lohnt seine Jagd nicht mehr, da es nicht mehr hält. Besser wird es auch fein, Vorkehrungen zu feinem Schuhe zu treffen. Denn die Felder werden von Tag zu Tag kahler, und wo Hecken und ähnliche Zufluchtsstätten fehlen, sind die Hühner dem Raubzeug schonungslos Preisgaben. Deswegen wird man gut tun, in Hecken oder auf- geschichteten Reisighausen Futterstellen einzurichten. Das Rebhuhn ist für Hege dankbar. Der Fasan hat Schahzeit. Dank der Verkürzung seiner Schuhzeit in Hessen sind die unreifen 3ungfüfanen aus den Schaufenstern unserer Wildhandlungen verschwunden. Die Hähne sind von den Hennen zu unterscheiden und sollten allein abgeschossen werden, obwohl das Gesetz auch Hennen freigibt Aber unser einheimischer Fasanenbestand ist noch nicht wieder so stark, daß wir uns den Luxus eines Hennenabschusses erlauben könnten. Es ist höchste Zeit, die Fa- fanenfütterungen anzulegen ober zu beschicken. Enten und Gänse treten als nordische Gäste und Durchzügler in größerer Zahl auf. 3n nassen Wiesen liegen die Bekassinen und scheinen mit ihrem „Aetsch, Aetsch" den Schützen zu verspotten, indes die Waldschnepfe bei Holztreiben wieder öfter vors Rohr kommt. Univerfitäts-Garteninspektor i. R. Rehn eit), „Die Rätsel der Handschrift" (mit Lichtbildern, W H e - gar, Leiter der Volkshochschule), „Gesundheitspflege und Krankheitsverhütung im Alltag" (Dr. M a l e ch), „Konzert für Klavier, Violine, Flöte", „Was muß jeder Staatsbürger von der Reichsoerfassung wissen?" (Stadtschulrat Fischer), „Die Genxitz- und Rauschgifte, die Wirkungen ihres Mißbrauchs im Völker- und Einzelleben und ihre Anwendung zu Heilzwecken". Taten für Donnerstag, 6. November. 1672: der Komponist Heinrich Schütz in Dresden gestorben: — 1771: Alois Seneselder, Erfinder des Steindrucks, in Prag geboren; — 1883: der norwegische Dichter 3onas Lie bei Drammen geboren; — 1893: der Komponist Peter 3ljitsch Tschaikowsky in St. Petersburg gestorben. Hubertusfeier 1930. Zum zehnten Male hatte der „Hubertus", Verein weidgerechter Jäger, Sih Gießen — wie man uns berichtet — am Samstag seine Mitglieder zur Hubertusfeier, dem Fest der Jägerei, zusammengerufen, und in großer Zahl füllten sie zusammen mit einigen Gästen den Saal des Hotel „Hindenburg", wo Waldesgrün auf Tisch und Wänden die Schar frohgestimmter Weidgesellen grüßte. Den Hauptanziehungspunkt bildete wiederum die Ausstellung, die einen llcbcrblid über die Iahresstrccia einer größeren Zahl von Mitgliedern bot. 3n emsiger Arbeit war das zahlreiche Material (ein Hirsch, ein Auerhahn und 137 Rehgehörne) (58 Aussteller) von den Herren Aug Kilbinger und Studienrat Hölze l gesichtet und geordnet und von den Herren Geh. Rat Prof. Dr. Olt, Reg.-Rat Freiherr Schenk zu Schweins- b e r g und Kilbinger bctecr.et worden. Den Willkomm des Vorstandes an Mitglieder und Gäste entoot der erste Vorsitzende, Herr Aug. Pascoe, Dutenhosen, dabei der Bedeutung des Hubertustages für die we:M,e.echte 3agb gedenkend. A.s zweiter ergriff während des- Schüssel- treibens der Senior, He.r Oelonomierat Hoffmann, das Wort, u.n den Mitglied Jagdaufseher Kreutz aus Dutenhofen herzlichen Weidmannsdank zu sagen für sein wiederhot.es mannhaftes Eintreten für sein Wild im Kampfe gegen Wildfrevler. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte er ihm die goldene Hubertus- medaille mit der Aufschrift: „Für Derd.enste.im Jagdschutz". Die Besprechung der Ausstellung übernahm in Vertretung des leider verhinderten Herrn Geh. Rat O l t Studienrat Hölze L Er führte u. a aus, daß wider Erwarten die Gehöm- bildung in diesem 3a)re trotz des milden Winters hinter der des Vorjahres, das auf den harten Winter 1928 29 folgte, zurückstehe. Der Durch» schnitt sei aber erfreulich, und es unterliege keinem Zweifel, daß die alljährlichen Ausstellungen ihre erzieherische und an egende Wirkung nicht verfehlten. Eine Reihe von besonderen Erscheinungen (Vererb e, Dre.stangigkeit, Perücke bock. Perüden- hirsch, Moorböcke u. a.) wurden einer be anderen Besprechung unterzogen. Es folgte bann dre Preisverteilung, an die sich bei Zagdlled und frohem Scherz und Trunk ein luftiger Cäger- abend anschloß. Das Ergebnis der diesjährigen Prämiierung war: Einzelstüde. Goldene Medaille: Oberltn. Petermann, Fabrikant Ludwig Rinn, Molkereibesitzer Friedrich Grieb. Silberne Medaille: Pros. Dr. Ieh (2), Braue- reibesitzer Ihring jun. (2), Obersorstmeister Dr. Schüz, Kaufmann Fritz Sung. Bronzene Medaille: Revierförster Metzler, Förster Kalber- lah, Apotheker Dornberger, Bürgermeister Dr. Selb, Rechtsanwalt Albrecht, Ingenieur August Pascoe, Syndikus Münch, Iuwelier Hammer• mann. Abschußsammlungen. Silberne Medaille: Prof. Dr. 2eh. DronzeneMe - daile: Offizierjagdverein, Drauereibesitzer Jh- ring, Iagdausseher Kreutz. Auch das Forst amt Rabenau (Freiherr Roeder v. Diersburg) hatte in die'em Iahre wieder seinen ganzen Bodabschuß ausgestellt, der — wie alljährlich — wieder viel Anregung bot. •• Hans-Sachs-Abend. Man berichtet uns: Die fahrenden Gesellen, Bund für deutsches Wandern und Leben im DHB., Ortsgruppe Gießen, veranstaltete am Sams.ag im Saale des Der- dandsheims des Deut ch ationalen Handlungs- gehilfen-Verbandes einen Hans-csachs-Abend.Dcr Gruppenleiter W. Mo hl sprach einleitend über die Bestrebungen der fahrenden Gesellen im DHV, wobei er besonders betonte, daß man den Wert bei der Pflege der Geselligkeit darauf lege, daß deutsche Dichter und Meister zu Worte kommen. Es komme nicht darauf an, mit oberflächlichen Darbietungen eine Geselligkeit zu schassen, sondern aus dem unerschöpflichen Dorn deutschen Volkstums nur könne eine zu Herzen gehende Geselligkeit kommen. Rachdem der Redner kurz über Meister Hans Sachs und seine Werke gesprochen hatte, führte die Gruppe der fahrenden Gesellen zwei Hans-Sachs-Spiele au;, und zwar zunächst „Der Teufel nahm ein altes Weib' und darauf DttHlieifUtn-tiilioiMfl Roman von Hans Friedrich. Urheber-Rechts,-, atz durch Verlag Oskar Meister, Werdau L 6a. 23 Fortsetzung. Nachdruck verboten Da fetzte die Musik ein. Ungarischer Tanz. Derselbe, den Strobl in Garmisch auf Wunsch der Frau Dr. Berger gespielt hatte. Damals glaubte er sich an der Schwelle zum Glüd, weil er durch den Derlagsdirektor einen Einblick in die Verhältnisse tun durfte, in denen die Jugendliebe lebte. Er hatte denn auch seine Kenntnisse entsprechend ausgenühll Ilnö vielleicht — hoffentlich — gab es in der Jagdhütte auf dem Brunnenkvgel den Auftall zu einem neuen Kapitel für sein und Trudes Leben. Drüben aber, am Tisch Schwaihofers, tauchte eine blonde, haltlose Frau ihr erglühendes Gesicht in die kühlen Rosen und ließ sich von ihrem Kavalier Schmeicheleien sagen. Er sprach sich in Freude und Begeisterung. Dieses reife Geschöpf gefiel ihm. ilnö nicht ein Gedanke verband ihn noch mit dem Mädchen, das fiebernd im kahlen Gasthofszimmer zu Sölden lag und von ihm träumte. 20. Die kleinen Röte des Alltags sind es, die den Menschen zernagen und zerfressen. Das Geld rann Gutenberg durch die Finger, das von Mute Hansen geliehene Geld. Das gute Kind hatte ihn nach seiner Rettung aus Bergnot einen Tag lang aufopfernd gepflegt, bis er die Schrecken und lieberanftrengungen seines Abenteuers am Grieskosel überstanden hatte und wieder voll bei Kräften war. „Du guter, törichter Mensch, steigst wegen der paar Kröten mutterseelenallein hinauf in die rote Region der Felsen und begibst dich in Lebensgefahr! Wenn der brave Gstrein nicht acht gegeben hätte, wärst du rettungslos verloren gewesen", hatte Mute ganz ernsthaft gezürnt. ilnö dann mußte er das von ihr auigezwungene Darlehen annehmen. Wit unwiderstehlicher Liebenswürdigkeit hatte sie es chm aufgedrängt. „In erster Linie bin ich mit Schuld an deinem Verlust; denn wenn du dich bei unserer Hochtour nicht so sehr um mich hättest bemühen müssen, wäre dir die Geldtasche wahrscheinlich nicht entglitten. Du muht schon gestatten, daß ich dir den Verlust ersetze und zinslos zur Verfügung stelle. Ich habe wieder eine Dergskizze in Auftrag und behalte noch mehr als genug für mich." Was war ihm da weiter übrig geblieben, als das Anerbieten des tapferen Mädchens anzunehmen? Die Rot zwang ihn dazu. Ohne Geld ist schon daheim nichts anzufangen, geschweige denn in der Fremde. Der Mammon gehört nun einmal zu den unerläßlichsten Tauschgütern des menschlichen Lebens. „Heißen Dank!" hatte er mehr mit den Augen als mit dem Wunde gestammelt und die kleine zuckende Mädchenhand mit seiner Rechten umschlossen. „Und wann soll ich dir das Darlehen zurüd- zahlen?" Da hatte sie ihn schelmisch angelacht: „Wenn du das Honorar für deinen Bergroman bekommst." Hoffnungslose Sache! Wenn Mute gewußt hätte, dah sie ihm mit dieser Aeuherung wehe tat, wäre diese Anspielung auf Zukunftslorbeer sicher nicht über ihre Lippen gekommen; denn mit dem erhofften Roman wurde nichts! Ach, Mute hatte Heiirz Gutenberg in dieser Hinsicht vieles voraus: Sie malte frisch und unbekümmert, was ihr gefiel und bannte so einen Teil ihrer Schönheitsbegeisterung auf die Leinwand. Er dagegen quälte sich viel zu sehr mit dem Stoff ab, suchte Konflikte wo keine waren und kam dabei überhaupt nicht zum Anfang. Verwünschte Geschichte! Die Fäuste gegen die Stirn gepreßt, sah Gutenberg in der kühlen Wirtsstube beim Falkner. Draußen goß die Sonne das warme Gold ihres Frühscheins über die Menschen, die klein und ohnmächtig wie Ameisen auf die Berge kletterten, an den Felsen klebten und nur im Schneckentempo vorwärts kamen. „Da sitze ich nun und bin meinem ehrgeizigen Ziele um keinen Schritt nähergekommen!" grollte Gutenberg. Vor ihm lag das offene Rotizbuch. Die weihen, leeren Blätter gähnten ihm wie zum Hohn entgegen. Einen Roman zu erleben, war er ausgezogen. Und das Fazit? Die Fahrt nach Garmisch und Sölden, die Freundschaft mit Mute Hansen, die Bekanntschaft Ludwig Schwaihofers, die Süden der Berge — aber das reichte noch nicht zu einer Handlung. Von draußen herein klang das „Grüß Gott" eines Einheimischen. Der harte Tritt von Ragel- schuhen hallte auf den Derandapfosten. Aus seinen trüben Gedanken auf geschreckt, warf Gutenberg einen Dlid aus dem halb offenen, Fenster. Aha, der ©meiner Sepp — der Säger des Herrn Schwaihoser! Und wie die Miedl um ihn herumscharwenzelte! lieber das Gesicht des Dichters huschte es wie Freude. Ia, die beiden hatten es gut. Die kümmerten sich den Teuxl um die geistige Rot und künstlerischen Gestaltungswillen. Diese Raturkinder ahen das karge Brot ihres Lebeirs mit krachendem Mut, vegetierten mit der dunklen, unbewußten Triebhaftigkeit gutmütiger Tiere. Sie standen mit beiden Deinen auf der Welt und erfüllten ihren Zweck im Kreise der menschlichen Gesellschaft, so gut sie konnten. Draußen entspann sich ein Gespräch, das bei Seppls Mundfaulheit die Miedl fast allein bestritt. „Schau, der Sepp!" lachte sie übermütig hänselnd, „wenn das der Herr Schwachofer wüht, dah sein Iäger alsbald in der Früh heroben beim Falkner sitzt!" Der ©meiner hatte jetzt keine Zeit für den gutmütigen Spott der Dirn. Er stopfte umständlich seine Pfeife, sammelte sorgfältig die paar Krümel danebengefallenen Tabaks und entzündete dann ein Streichholz. Erst als er ein Paar riesige Rauchwolken vor sich hingepafft hatte, schien er seine Sprache wiedergefunden zu haben. „Tu dich net giften, Miedl. Der Iager is a Mensch und ka Vieh net!" Während er diesen philosophischen Erguß verzapfte, gingen feine dunklen Augen mit wohlgefälligem Blinzeln über die Dirn hin. Die brachte ihm fein Stamperl Enzian, und weil es gerade nichts weiter zu tun gab, setzte sie sich am das andere Ende der Dank. „Der Hirsch is hin ... Die Jägerei is aus .. sagte sie nach einer Pause, weil der Sepp keine Zeit zum Sprechen hatte und wieder einmal mit seiner Pfeife nicht ins ©eschid kam. Dald mußte er neu anzünden, dann vergah er wieder das Ziehen, und schließlich war gar das Rohr verstopft. Da schlug das Miedl eine andere Taktik ein; denn was der Sepp zu maul- und denkfaul war, das hatte die Dirn zu viel. „Ja, der junge Herr Schwaihoser — dös is oancr!“ begann sie ihre diplomatische Stichelei. „Dös is a Kaffalier! Hat mir mei Padl auffi g schleppt vor nix und wieder nix! Ja, der gnädige Herr, dös is a vertuifelt feiner Duab!" Sie strich sich mit den großen Händen in gemachter Verlegenheit über die Weiße Schürze und schielte hinüber zu ihrem „Jager". Der brauchte doch nicht zu wissen, dah der Schwaihoser, der deppete Malefizsakra, gar nicht daran gedacht hatte, ihr eine Aufmerksamkeit zu erweisen, als er sie gestern traf. Dem Sepp konnte man schon mal eine Lüge aufbrennen, der merkte nicht, was gehauen oder gestochen war. „Der Herr Schwaihoser macht mit ancr jeden seine Spahetteln", gab der Jäger bekümmert zu- rüd. lind wie tröstend für sich fügte er hinzu: „Aba nächste Wochen will der alte Herr außi kommen. Kruzitürken — da bläst an anderer Wind!" Die Miedl tat sehr harmlos. „Ro ja, da hat dös G'spusi an End ..Und .scheinheilig: „Leicht weißt, Sepp, ob der Jungherr noch lang da is?" Der Sepp hatte eben ein neues Zündholz für die vertrackte Pfeife geopfert und war nun endlich aus seiner Lethargie erwacht. „Miedl — tu dich net föppeln mit mir!" bat er seltsam weich. Dabei schob er seine gewaltigen „Pranln" zum Zeichen der Annäherung über den Tisch. Weil aber das Deandl zu weit ab sah, zog er sie wieder zurüd. Rachher tat er ein paar erregte Züge aus seiner Pfeife und kam auf den eigentlichen Zweck seines Morgenbesuches zu sprechen. „Der Herr Schwaihofec hat a G'spusi mit dem Maldeandl ang’fangen, was den Röderkogel so trefflich abkonterfeit hat. lind i bitt' den alten Herrn um a Zulagen, weil doch der Mensch net ewig ledig bleiben kann." Der ‘Brunnen rieselte dünn gleich neben der Veranda und mischte seine Laute geschwätzig in die Rede der beiden Verliebten. „Ah — heiraten möchst, Sepp? staunte die scheinheilige Miedl. Der ©meiner nickte ernsthaft. „Tatst a Reugier hoam, wen i möcht?" Miedl faltete die Hände im Schoß und sah so gottergeben drein wie ein Osterlamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Da nahm sich der Jäger ein Herz und rückte ein Stückl auf der Dank weiter bis dicht in die Rahe des Deandls. „'s Miedl aus Silz hab i aufs Korn g'nom- men." Die paar Worte kamen mit einem tiefen Atemzug und unerhört mutig aus seinem Munde. Ilnö diesmal sagte die Dirn nichts, schwieg sich in ratloser Verlegenheit aus. Das toar dem Sepp Antwort genug. Aber zu einem richtigen Dcr- sprrchsbussel kam es nicht, weil in diesem Augenblick eine ganze Schar Touristen den Felspfad von der Alm herauf lärmten. Man hörte sie schon von weitem schwatzen; denn die Fremden konnten ihre großstädtischen Zungen nicht einmal in der heiligen Dergeinsamkeit im Zaume halten. • In der Wirtsstube stand Heinz Gutenberg lauschend hinter den Myrtenstöden und sagte leise, den Verlobungsakt aus der Veranda abschließend: „Amen!" Er hatte soeben eine Szene seines neuen Romans erlebt... Und die Sonnenstrahlen glitten mit zitternden Fingern über die Wasser- und Weinkarafsen auf den weiß gescheuerten Tischen, woben eine Aureole um das Kruzifix in der Ede und um die grellbunten Marienbildchen rechts und links davon. — Als der Jäger ging, machte sich auch Gutenberg auf den Weg. Die Sonne stand schon hoch, und die letzten Morgennebel hatten sich verflüchtigt. Der Schriftsteller wäre gern noch ein Weilchen geblieben, aber das Geschwätz der Einkehr haltenden Salon-Tiroler ging ihm auf die Rerven. Er hoffte den ©meiner Sepp einzuholen und ihn in ein Gespräch zu verwickeln; denn die geradlinige Art dieses Gebirgsmenschen-- (Fortsetzung folgt) „Das Kälberbrüten". Der überaus starke Beifall, den die zahlreichen Zuschauer während der Ausführung und am Schlüsse den Mitwirkenden spendeten, war ein Beweis dafür, daß man gute deutsche Geselligkeit mit einfachen Mitteln pflegen kann. Die Beisetzung -es Bischoffs von Limburg. WER. Limburg, 4. Rov. Unter großer Anteilnahme der Diözese Limburg und des ganzen Aassauer Landes wurde heute Bischof Dr. A u g u st i n u s Kilian zur letzten Ruhe geleitet. Um 9.15 Uhr wurde die Bahre mit der sterblichen Hülle des Bischofs vom Domkapitel in die Stcätkirche geleitet, um dort für das Totenofsiziurn aufgebahrt zu werden, das unter großer Beteiligung der Geistlichkeit aus der ganzen Diözese Bischof Dr. H i l f f r i ch hielt. Anschließend folgte der Trauerzug durch die Straßen der Staht. E.wa 3000 Menschen, darunter 600 bis 700 Geistliche, mögen an dem Zuge teilgenommen haben. Tausende umstanden zu beiden Seiten die Straßen. Dor dem Leichenwagen schritten acht Bischöfe und drei Aebte, und zwar Bischof Dr. Damian Schmidt, Fulda; Bischof Dr. Hugo, Mainz; Bischof Dr. Borne- wafser, Trier; Weihbischof Dr. Hamels, Köln; Bischof Dr. S p r o l l, Rottenburg; Weihbischof Dr. ©trätet, Aachen; Missionsbischof Hennemann, Bischof Dr. H i l f f r i ch, Abt Dr. Ildefons von Herwegen, Maria- laach; Abt Dr. Hoffmann, Marienstatt, und Abt Münz, Himmerode. Reben dem Leichenwagen schritten - Alumnen des Priesterseminars mit brennenden Ketzert. Hinter dem Leichenwagen folgten die Verwandten des Bischofs und die Vertreter der Behörden, die in großer Zahl an der Beisetzung teilnahmen. Als Vertreier des preußischen Staatsministeriums war Ministerialrat Schlüter erschienen. Ferner sah man im Leichenzug Regie- rungsvizeprasident Gommer, Wiesbaden, den Vizepräsidenten des Oberpräsidiums Kassel, V o l ck e r t, den Vizepräsidenten des Provinzialschulkollegiums Kassel, S o n d a g, Postrat Dauer von der Oberpostdirektion Frankfurt, Dr. Lammers, Generaldirektor der Rassauischrn Landesbank Wiesbaden, Professor Dr. Heimberger, Prorektor der Universität Frankfurt. Dr. H e m - pen, Oberlandesgerichtspräsident in Frankfurt, Dr. Lutsch, Landeshauptmann von Rassau, sowie als Vertreter der Ev. Landeskirche Rassau und des Landesbischofs Dekan Dr. E r n st. Idstein. Vor dem Dom bildeten die Schulkinder Spalier. Etwa 4000 Personen nahmen an der Trauerfeier im Dom teil. Um 11.30 Uhr fand das feierliche Requiem statt, das von Bischof Dr. H i l f f - rich zelebriert wurde. Der Domchor sang das Requiem von Perosi, dem letzten Kapellmeister der Sixtinischen Kapelle. Die Gedächtnisrede hielt Bischot Dr. Hugo, Mainz. Dann erfolgte die bei Bischöfen übliche fünffache Absolution und die Ueberführung des Sarges in die Gruft am Sakramentsaltar, in der auch Bischof Dominikus seit 17 Jahren ruht. Oberheffen. Landkreis Gietzen. T Allendorf a. d. Lahn, 4. Rov. Am Montagnachmittag fand unter großer Anteilnahme dex Einwohnerschaft die Beerdigung des am Samstag verstorbenen Lehrers Heinrich Jäger statt. Der Kirchengesanqverein sang das Grablied, Pfarrer Germer schil)erte den Entschlafenen als einen treuen Erzieher und Führer der Jugend. Kreisschulrat Fischer widmete dem Verewigten Worte des Dankes für seine fruchtbringende Arbeit. Zahlreiche Kränze wurden am Grabe des beliebten Lehrers niedergelegt. * Steinbach, 4. Rov. Am Samstag fanden sich in der Gastwirtschaft Deuker die Schul- kameradenvonSteinbach undAlbach aus dem Jahre 1880 zu einer gemeinsamen Feier des 5 0. Geburtstages kameradschaftlich zusammen. 34 Altersgenossen nahmen an der Feier mit ihren Angehörigen teil. Der Saal war prächtig mit Tannengrün geschmückt. Herr Ludwig W a l b begrüßte als Vorsitzender der Altersvereinigung die Kameraden, wies in einer kurzen Rede auf die heutigen schweren Zeitläufte hin und erinnerte an jene Tage, da man zum Teil gemeinsam die Schulbank drückte. Der Redner gedachte weiter in ernsten Worten der im Weltkrieg gefallenen Kameraden, sowie der anderen Verstorbenen. Das Lied „Ich hatt' einen Kameraden" rief die Erinnerung an die Toten wach. 2m weiteren Verlaufe des Abends gab der Vorsitzende noch eine Reihe ernster und heiterer Erlebnisse aus vergangenen Tagen zum Besten und beschwor damit im Geiste eine andere Zeit herauf, die noch nichts wußte von der Unrast der gegenwärtigen Tage. Eine Kapelle füllte und umrahmte den übrigen Abend mit flotter Musik, und die 50jährigen huldigten eifrig dem Tanze. Herzliche Dankesworte galten dem Veranstalter des Abends mit dem Wunsche, alljährlich eine solche kameradschaftliche Zusammenkunft zu veranstalten. *Alten-Duseck,4. Rv). Di.'ser Tage könnt? der Landwirt Wilh. Wagner von hier in toller körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 8 6. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist seit 1888 Mitglied dcs Kirchenvorstandes. Gr ist der einzige hier noch lebende Veteran von 1870/71 und der älteste Mann unserer Gemeinde. Trotz seiner 86 Jahre versieht er immer noch seine Feldarbeit. >. Ruttershausen, 4. Rov. 2n unserer Gemeinde, wie auch in den benachbarten Gemeinden Staufenberg und Mainzlar, hielt Diplom-Landwirt Dr. Klingelhöfer (Gießen) gutbesuchte und beifällig ausgenommene Vorträge über die „Bedeutung der natürlichen und künstlichen Düngemittel für die Ernährung der Pflanzen". f T r e i s a. d. L d a., 4. Rov. Der Turnverein „Gut Heil" hatte am Sonntagabend im Der- einslokal bei Wirt Will seinen 58 diesjährigen Siegern auf den verschiedensten Turnfesten dieses Jahres einen Ehrenabend veranstaltet, der zahlreich besucht war. Rach einer Ansprache des 1. Vorsitzenden, Lehrer Walter, wurden die Ramen sämtlicher Sieger verlesen, worauf dann in bunter Abwechselung die Turner ihr Können an Barren und Pferd zeigten; Schülerinnen und Zöglinge führten Stabübungen, Keulenschwingen,Freiübungen und Volkstänze vor. )( L i ch, 4. Rov. Am Sonntag feierte das Ehepaar Forstwart i. R. Johann Philipp Findt und Frau Katharina geb. Eise in voller geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaar, das sich in weiten Kreisen der Bevölkerung der gröfp ten Wertschätzung erfreut, wurden zahlreiche Glückwünsche und Geschenke, u. a. vom Landeskirchenamt, der Kirchengemeinde, dem Ministerium, dem Kreisamt und der Stadtverwaltung zuteil. — Am Sonntagabend fand im Gemeindehaus ein Mission svortrag statt. Missionar B t u m e r von der Leipziger Mission hielt an Hand von 50 schönen Lichtbildern einen anschaulichen Vortrag über Ostafrika. Gemeinsam gesungene Lieder und Vorträge des Posaunenchores umrahmten Öen Abend. Nrcis Schotten. )—( Rupper t sburg, 4. Rov. Bei der Treibjagd, die im westlichen und nordwestlichen Teile unterer Gemarkung stattfand, wurden 12 Rehe, 53 Hasen und ein Fuchs zur Strecke gebracht. Fasanen, die man vielfach auch antraf, sollten nicht geschossen werden. — Von Privatbesitzern werden hier in diesem Herbste größere Reupflanzungen von Ob st bäumen gemacht. Ungefähr 150 Bäume, darunter 40 Kirschbäume, kommen zur Anpflanzung, und zwar fast ausschließlich die Standardsorten. Kreis Alsfclv. O-fr Alsfeld, 3. Rov. Am Sonntag gastierte hier das Gießener Stadttheater mit dem Volksschaufpiel „Schinderhannes von Zuck- mayer. Für die Vorstellung, die nahezu ausverkauft war, machte sich reges Interest bemerkbar, auch durch zahlreichen Besuch aus den benachbarten Ortschaften trotz ungünstigsten Wetters. Die Vorstellung bedeutete in jeder Hinsicht einen vollen Erfolg Die schauspielerischen Leistungen standen auf voller Höhe und verdienen vollste Anerkennung. Eine hervorragende Leistung war insbesondere der „Schinderhannes" des Jochen Hauer. Das Publikum war begeistert und der Beifall reichlich. Die von Gießen mitgebrachten Bühnenbilder schufen von vornherein für die Vorstellung einen stimmungsvollen Rahmen. Es ist festzustellen, daß das Interesse an dem Gießener Stadttheater hier in den letzten Jahren ständig gestiegen ist. Wirtschaft. Gekündigtes Lohnabkommen, Der Metallarbeiter-Lohntarif für Lahn-Oberhefsen, unter den 8500 Metallarbeiter fallen, ist von dem Arbeitgeberverband zum 3 0. Rovember gekündigt worden. Zweck der Kündigung ist, die Lohnsätze einer Reuordnung zu unterziehen. Günstige Auswirkung des Vermahlungszwanges. Seit der Einführung des Vermahlungs- Zwanges zeigt sich in der Entwicklung des deutschen Außenhandels für Weizen ein starker Rückgang der Einfuhr von ausländischem Weiten und ein außerordentliches Sinken der Ausfuhr deutschen Weizens. Anderseits kann man in diesem Zusammenhänge feststellen, dah sich die innerdeutsche Preisbewegung von dev Preisentwicklung auf den Weltmärkten derart abgelöst hat, dah zunächst eine Beeinflussung des deutschen Weizenmarktes nicht zu befürchten ist. Im Wirtschaftsjahr 1929/30, dem ersten Jahre, in welchem der Dermahlungszwang voll in Kraft war, ist die Einfuhr von Weizen auf 56 Prozent des Vorjahres gesunken. Die Einfuhrminderung beträgt rund 11 Millionen Doppelzentner, d. s. etwa 1,1 Millionen Tonnen. Dabei muh man beachten, daß im Juli 1929 noch eine ungewöhnlich hohe Einfuhr vorhanden war, die vor dem Inkrafttreten des Vermahlungszwanges stattfand. Die Ausfuhr ist, trotzdem nach wie vor erhöhte Cinfichrscheinwerte zur Verfügung standen, auherordentlich stark gesunken. Das hat seinen Grund darin, daß die Pveis- bildung für Weizen auf den Weltmärkten ungewöhnlich schlecht ist, anderseits aber auch darin, daß der Vermahlungszwang auf die Preisbildung für Inlandweizen in einer Weise einwirkte, die auch dem größten Teil des Ostens ermöglichte, im Laufe des Jahres einigermaßen rentable Weizenpreise zu erzielen, so dah Verlustverkäufe an das Ausland mehr und mehr vermindert werden konnten. Die Tonne Inlandweizen notierte in Berlin Ende Oktober nur noch 220 Mk., während fie im Juni d. I. den Rekordsah von 300 Mark erzielte. Die Auslandsnotierungen sanken ungefähr um 30 Prozent. * Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 27. Oktober bis 1. Rovember auf 95,7 gegenüber 97,4 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 91,6 (94,0), Gruppe verarbeitende Industrie auf 84,7 (86,2) und Gruppe Handel und Verkehr auf 118,6 (119,8). Für den Durchschnitt des Monats Oktober ist der Index mit 96,4 gegenüber 102,3 im September ermittelt, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie mit 92,2 (98,7), Gruppe verarbeitende Industrie mit 84,4 (90,8) und Gruppe Handel und Verkehr mit 118,7 (125,3). * Der fiebenprozentige Zinsfuß der Hypothekenbanken. Gestern fand im Reichswirtschaftsministerium zwischen den beteiligten Ressorts, der Reichsbank und den Spitzenverbänden der Boden- und Kommunal-Kredit- institute eine Aussprache über die Zinspolitik statt. Hierbei wurde Einverständnis darüber erzielt, daß bis auf weiteres bei Reuemissionen von Schuldverschreibungen an dem siebenprozentigen Zins festzuhalten ist. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 5. Rov. Tendenz: uneinheitlich. — Die Regierungserklärung im Reichsrat hatte eine festere Tendenz an der gestrigen Abendbörse zur Folge, die sich auch im Vormittagsverkehr fortsetzen konnte. Da aber Aufträge kaum eingetroffen waren, das Publikumsinter- effe sich nur in Ausnahmefällen auf einzelne Werte beschränkte und die gestrige Pariser Börse nach fester Eröffnung schwach geschlossen hatte, war man zu Beginn des offiziellen Marktes enttäuscht und ein Kursrückgang konnte nicht ausbleiben. Die ®runi)ftimmung zeigte jedoch eine nicht zu verkennende Widerstandskraft, und vereinzelt gab die Kulisse Material an den Markt. Es ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse meist Kursabschläge, die aber größeres Ausmaß in keinem Falle an- nafjmen. Wenige Papiere machten jedoch eine Ausnahme und lagen erneut um Bruchteile eines Prozentes fester. 3m großen und ganzen muhte die Kursentwicklung als nicht einheitlich bezeichnet werden. Der Chemiemarkt eröffnete durchweg bis 0,5 Prozent höher. Am Elektromarkt zogen Licht und Kraft 1,5 Prozent und Schuckert 1 Prozent an, während AEG. 0,75 Prozent und Siemens 1,75 Prozent einbüßten. Von Warenhausaktien besserten sich Karstadt um 1 Prozent. Der Montanmarkt zeichnete sich durch fast vollkommene Llmsahlosigkeit aus. Phönix und Rheinstahl lagen jedoch bis l"Proz. höher. Etwas mehr Interesse bestand für Bauunternehmungen. Wayß & Frey tag erholten sich um 2. Holzmann und Zement Heidelberg um je 1,25 Prozent. Gedrückt eröffneten am Schijfahrts.narkt Ha- paa minus 1 Proz., Rordd. Lloyd blieben unverändert. Am Bankenmarkt traten im allgemeinen Besserungen bis zu 1 Proz. ein. Am Rentenmarkt waren Deutsche Anleihen leicht erhöht. In Türken Hatten die Abgaben etwas nachgelassen. Vereinzelt stellte sich Rachfrage nach Anatoliern ein, Die fast 1 Prozent gewinnen konnten. Pfandbriefe waren bei stillem Geschäft kaum verändert. Im Verlaufe wurde das Geschäft, vom Farbenmartt ausgehend, etwas lebhafter. Die Tendenz war wieder freundlicher. Auch für Elektrowerte bestand Interesse. Gegen Anfang traten Besserungen um bis zu 2 Prozent ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 Proz. erneut etwas-leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1998, gegen Pfund 20,395, London gegen Kabel 4,8560, gegen Paris 123,78, gegen Mailand 92,81 Berliner Börse. Berlin, 5. Rov. Bei ruhigem, kleinem Geschäft eröffnete die heutige Börse in freundlicher Haltung. Die höheren Taxen des Vormittagsverkehrs wurden zwar nicht immer erreicht, die ersten offiziellen Rotierungen entsprachen aber etwa den gestrigen Frankfurter Abendbörsenkursen und lagen 1 bis 3 Prozent über dem gestrigen Mittagsschluh. Bei den Banken war der Ordereingang sehr gering. Das Geschäft setzte sich in der Hauptsache aus Deckungen der Spekulation und kleinen Interessenkäufen für die Börse zusammen. Die freundliche Stimmung wurde noch verstärkt, als man merkte, dah die [eintägigen Abgaben am Kalimarkt, die angeblich mit der Pariser Dankinsolvenz zusam- menhingen, ausgehört haben. Auch blieben die günstige Regierungserklärung im Reichsrat und die Reden im Langnam-Verein nicht ohne günstige Wirkung, zumal aus letzteren erkennbar war, daß sich die Wirtschaft hinter das Regierungs- Programm stellt. Der Ausgang der amerikanischen Wahlen wurde zwar für drüben eher ungünstig, für Deutschland aber günstig kommentiert. Größere Kursveränderungen wiesen Salzdetfurth mit plus 5,75 Prozent, Schubert & Salzer mit plus 3,75 Prozent, Wiking-Zement mit plus 4,75 Proz., Schultheiß mit 4,25 Proz. usw. auf. Dagegen waren Chadeaktien minus 2,50 Mark und Akkumulatoren minus 3,25 Prozent bei der Eröffnung bemerkenswert schwach. Im Zusammenhang mit der gestrigen Aufsichtsratssiyung der I.°G.-Farben war das Geschäft am Farbenmarkt ziemlich lebhaft. Deutsche Anleihen waren uneinheitlich. Von Ausländern neigten Bosnier zur Schwäche, dagegen waren Anatolier etwa 1 Prozent höher. Der Pfandbriefmarkt war weiter still und kaum verändert. Reichsschuldbuchforderungen etwa gehalten. Der Geldmarkt war immer noch ziemlich angespannt; Tagesgeld stellte sich auf 6 bis 8 Prozent, Monatsgeld auf 6 bis 7,5 Prozent, Warenwechsel auf etwa 5,5 Prozent. Rach den ersten Kursen war eine schwäch ere Welle festzustellen, die zu Rückgängen bis zu 2 Prozent führte. Später fetzten wieder kleine Bankkäufe ein, die die meisten Kurse wieder auf Anfangsniveau und teilweise noch darüber hinaus hoben. Lebhafteres Geschäft hatten aber nur hoben. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 5. Rov. Tendenz: ruhig. — Am heutigen Produktenmarkt war das" Geschäft sehr ruhig. Das Angebot von Inland- ware hatte wieder etwas zugenommen. Für Weizen machte sich vereinzelt etwas Kaufneigung gellend, bei leicht anziehendem Preise. Roggen war unverändert notiert. Sommergerste weiterhin stark vernachlässigt, doch im Preise unverändert, da das Angebot kein größeres Ausmaß annahm. Auch der Mehlmarkt war sehr ruhig. Preisveränderungen waren nicht eingetreten. Für Futtermittel hielt die Rachfrage bei unveränderten Preisen an. Es wurden notiert: Weizen (Hessen und Provinz Hessen-Rassau) Hektolitergewicht von 75 Kilogramm 257,50 bis 258,50; Roggen (Hessen, Provinz Hessen-Rassau und älnterf ranken) 165; Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 215; Hafer, inländischer 152,50 bis 157,50; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 40,75 bis 41,75; Roggen mehl 25,60 bis 26,50; Weizenkleie 6,25; Roggenkleie 6,50. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Frankfurt a. Ul Berlin Frankfurt a. Dl. Berlin Frankfurt a. Dl. Strfin Banfnöien. Schiuß-i furei | l-Uhr- flurt Schluß«! lurs 1 Anfang« flur4 Schluß«! turs | t-Uhr- Kurs Schluß-s fürs | l'Uhr« Kure Schluß«! für« | Anfang- Kurs Aerlin, 4. November (Selb Ärlef kurs I KurS Amerikanische Noten...... 4,19 4,21 Oaium 58,25 58,49 4 11 5 11 4 11 5. 11 Votum 1 11 5 II 4 11. i 5. 11 Datum 4 11 5 11 4 11 5 11 T'iniiche Noten ...» eitg!i|d)c Noten .... « . - 111,88 20,355 112,32 20,435 6% Deutsche Reichsanlelhe Hamvurg-Amertka Pakei . . Hamburg-Südam. Dampfschiff Hansa Dompsschifs..... Norddeutscher Lloyd .... Allgemeine Deutsche Creditanst. Barmer Bankverein .... Berliner Handelsgesellschaft . Commen- und Privat-Bank. Darmstädter und Nattonalbanl Deutsche Bank und Dtsconw-Gesellschast, . . . Dresdner Bank ...... Neichsbank........ i 75,5 74,75 73,25 74,25 Bereinigte Stahlwerke . 68,5 — 68,5 68,6 Französische Noten . . . 16,433 16,493 von 1927 .......... 7% Deutlche Reichsanleihe von 1929 ........ Deutlche Anl^M>Iü1.-Schuld mit Auslol.-Rechten ..... Desgl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 8% Hell. VolkSstoa« von 1929 (rtdiabib. 102%)...... Lberhessen Provinz • Anleihe mit Auswi.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 .... 8% Tranis. Hyp.-Bank Goldpse. XIII unlünbbar hi? 1934 . . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 .... 4%% Rheinilche Hyp.'Bank 1 1 1 1 $ 1 1 6,75 87,1 98,4 54,25 6,65 89 51,25 54,25 6,7 8 1" 8 10 10 12 11 12 10 10 12 75 102,5 128,5 112,25 143 111 m 75 102,25 114,75 112 111,5 228,4 159 122 73,9 97,13 102,5 129 113,5 145,75 111 110,5 228 160 74,75 97,75 102,13 103,5 114,25 147 111,5 111,5 229,5 Otavt Mlncn..... Kaliwerke Aschersleben . Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke Salzdetfurth . I. G. Farben-Industrte. Dynamit Nobel .... Scheldeanstalt..... Goldschmidt ..... RütgerSwerke ..... Metallgeselllchast. . . . • 16'/, . 10 . 10 . 15 . 12 . . 6 . . 9 . . 5 . . 6 . . 8 34 191,5 193,5 263 142,5 134 43,5 49,5 87 142,4 50 50 32,5 191,5 193 259 140,5 42,4 49,25 87 33,25 191,5 193 264,75 143 42,13 50 Holländische Noten ....... Italienische Noten Norwegische Noten ....".. Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten....... Schweizer Noten ...... Spanische Noten ........ Tschechoslowakische Noten..... Ungariiche Noten ...... Deoifenmartl Berlin lbö,51 21,88 111,88 58,95 2,47 112,33 81,17 46,81 12,395 73,20 - Jranffurl 103,13 21,96 112,32 59,19 2,49 112,77 81,49 46,99 12,455 73,50 a. rn. 98,25 — — — AEG........... 0 117,9 116,5 116 116,75 Philipp Hvlzmann . . . 77 78,25 78 78 4 November 5 November 93,25 — — — Bergmann........ Elektr. Lieferungsgefellfchast. Licht und Kraft...... Felten & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... Hamburger Elellriziläts-Werke Rheinische Elektrizität . , . Schlesische Elektrizität. . . . Schuckert & Eo. . ..... Siemens & Halske ..... Transradto ........ Lobmeyer L Co.. ... . . Buderus...... • . • Deutsche Erdöl ...... Gelsenkirchener ...... Harpcner . ...... Hocich Elfen. . ...... Fi!e Bergbau....... Klöckuerwerke ■ ...... Köln-Ncueilen..... • Manncrmunn-Röhreu . . . Mansselder Bergbau . . . Obcrichlel Eilenbedarf ... | Lberschlef. Kokewerke . . 1 Phönir Bergbau ... I Rheinische Braunkohlen . . Rbeinstohl ..... . 1 RiebrcI Mont« ...... v 10 ।11owiiiiSw।Sw T। —।L।L vinII 114 125 93,6 123 135,5 179,25 67,13 67,5 80,5 136 114,25 122,5 92,65 121,75 115,75 133,25 179,13 144 53,75 67 84,5 85 72,5 222 69,75 76,2k /2,25 39 40,25 75,25 66,5 173,23 78,65 125 94,25 123,5 1I4J> 135 180 145 54,5 67,9 86,5 87 73,25 70 72,9 40 | 75,75 1 67,25 176,13 80 1 — Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. . Wayß & Frey tag . . . Schultheis Patzenhoser . Ostwerke....... Aku......... Bemberg....... Zellstoff Waldkws . . . Zellstoss Aschaffenburg . Charlottenburger Wasser Dessauer GaS..... Daimler Motoren . . . Deutsche Linoleum . . Orenstein & Koppel • • Leonhard Tietz . . • • Svenöko ...... Frankfurter Maschinen . Grihner....... Heuligenstaedt . . . . Zunghans. ..... Lechwerle....... Moinkrastwerke Höchst a. Miag ...... fflebr. Roeder . • Botgi & Haeffner . . . Süddeutsche Zucker . . • . 10 . 10 1 1 1 1 | | | | | | I | | 1 1 1 1 1 1 1 1 1121 1 L 18 53 172,5 138 67,75 68,5 108,9 80 83 108,75 25 126,5 47,5 116,5 281 17,5 29 '5,5 70,25 149,75 133,25 — Amtlich, Geld Notierung Nrie AmMchr Geld Notierung Sric Ltqu. Goldpse......... 8% Pr. LandeSpiandbriefanstalt, Pfandbriefe R. i 9 8% Pr Landespian^briesanstaU, ftomm^Cbl. R. 20...... 7% Pr Landecwiandbrtesanstalt, Psandbriese 81 21 ..... A.E.G abg. VorrnegS-Obltgatto- neu. rückzahlbar 1932 .... 4% Oesterretchtsche Goldrente . 4,20% Oesterreichijche Silberrente 4% Oesterreichtsche Einheitliche Rente -..... 4% UngarlldK Goldrente . . . 4% Ungariiche StaatLrente v. 191C Prima Kabeljau o.5t. l. AuSschn. 70 3) Prima Seelachs o.K. i.Auöschn. 50 Prima Goldbarsch ohne Äovt . • 50 Prima Rotzungen 1 — Prima Schollen große .... 90 Filets . 80-90 4 leb. Karpfen ^1.60 „ Schleien^ 2.10 „ Aale . .K 1.70 täglich irische Näucherwaren. A. 806 Ms. Mäusb. 15. Tel. 3612. KurzgeschnttteneS Anmachholz liefert 1490V Damplsägewnrk Lollar B. Nubn, A. G. la Düngekalk stets vorrätig 6533V C. Nübiamen. ^ernipr. 3659. Ladestation für Akkus fachmännische und reelle Bedienung. B. Altdott.Westanl.31 Hosd.Fa.DernLCo. Tel. 4335. l^P Mehrere tragende Rinder (reine Ostpreußen), direkt von der Weide kommend, stehen zum Berkaus bei 7540D C. Müller. Henriettendos. Grundstück in Nähe der Mar° garetenhütte zu verkaufen. Zu erfragen tn der GeschaflSst. d. Gieß. 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Abend Mitt' woch, den 12. November 1930. -hoD