Nr. 181 Erstes Blatt J80. Jahrgang Dienstag, 5. August 1950 Erscheint IS glich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamUienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Monat» Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger, lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern Infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse anterSammcInummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten- Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Dnid und Verlag: vrühl'sche UaiverfilLU-vuch' und Sleindruckerel H. Lange in Siehrn. Zchriflleitung und Geschäftsstelle: Zchulfttahe L Annahme von Anzeigen für die lagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für [ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re» stlameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrift 20*, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.lhyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für beit Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Höpler-Aschoffs Sparprogramm. ■Bon unserer Berliner Redaktion Den preußischen Finanzminister hat der Ruhm seines Kollegen im Reiche nicht schlafen lassen, er hat in Form einer Denkschrift ebenfalls ein Sparprogramm ausgearbeitet, womit er hundert Millionen aus dem preußischen Etat streichen zu können hofft. Sicherlich ein nützliches und notwendiges Beginnen. Kein Zweifel, daß Preußen ebenso wie das Reich und viele Gemeinden in den letzten Fahren weit über seine Verhält n i s s e gelebt hat. Die Sparaktion, die ja nun im Herbst mit aller Gewalt durchgeführt werden muß, kann also auch an Preußen nicht vorübergehen. Es will uns sogar scheinen, als ob hundert Millionen, gemessen an der Höhe des preußischen Etats, nicht einmal sonderlich viel wären. Man braucht ja nur daran zu denken, daß der Staat sich den Umbau der Oper in Berlin mehr als ein rundes Dutzend Millionen hat kosten lassen — also erheblich mehr als einen Reubau. Und auch sonst würde gewiß der Rotstift in dem Haushalt noch nützliche Verwendung finden. Aber so wie Herr Höpker-Aschoff sich das denkt, geht es doch nicht. Einen erheblichen Teil seiner Ersparnisse will er ausgerechnet bei der Schule herausholcn. Er hat entdeckt, daß die Volksschulen zu gering besucht sind, die Schülerzahl ist gegenüber der Vorkriegszeit von 6,5 auf 4,3 Millionen heruntcrgegangen. während gleichzeitig die Lehrerzahl nur von 117 000 auf etwa 110 000 gesunken ist. Also rechnet er sich heraus, daß mindestens 1 0 000 Lehrer- stellen überflüssig find, die er in einem Zeitraum von drei Fahren cingchen lassen möchte. Rechnerisch mögen die Zahlen des preußischen Finanzrni nisters stimmen, kulturpolitisch sind sie sicher falsch. Fn dem Exempel kommt auch die Feststellung vor, daß der Durchschnittsbesuch der Klasse von 63 auf etwa 38 heruntergegangen ist. Wir halten das für einen Fortschritt, beim schließlich ist doch die Schule dazu da, daß die Kinder darin etwas lernen und daß sie das bei einer Frequenz von über sechzig nicht können. Rasche Justiz. Don unserer Berliner Redaktion. Die Regierungsnotverordnung, die sich gegen den Mißbrauch von Waffen im Wahlkampf richtet, hat vor allen Dingen den Vorteil, daß sie eine rasche Sühne ermöglicht. Der Beweis dafür ist zuerst in Berlin erbracht. Dort wurden eine Reihe von Kommunisten bei der Antikriegskundgebung verhaftet, und man fand bei ihnen gefährliche Waffen wie Dolchmesser und Schlagringe. Schon am folgenden Tage standen sie vor dem Schnellrichter, der sie mit der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis belegte. Da- wird hoffentlich wie eine kalte Dusche auf alle überhitzten Gemüter wirken. Denn wenn es auch Raturen gibt, die sich selbst mit einer Strafe von drei Monaten Gefängnis noch alS Märtyrer vorkommen, so bedeutet das doch für fie die Ausschaltung für die ganze Zeit des Wahlkampfes, was ihnen unter allen Umständen schmerzlich fein dürfte. Wenn also andere Gerichte mit d« r g l e i che n S ch n e l l i g- keit arbeiten, bann läßt sich erwarten, baß der gemeingesährlia-e Mißbrauch von Waffen im politischen Kampf in kurzer Frist aufhört. Die Zeitungen bringen ja fast täglich Berichte über Schlägereien zwischen Anhängern der Flügelparteien, die sich häufen müssen, je weiter der Wahlkampf sich seinem Ende nähert. Wenn wir also nicht allmählich in exotische Zustände hineinsteuern wollen, dann muß hier mit harter Hand durchgegriffen werden. Der politische Kampf darf nicht zum Schlachtfeld werden, auch die Frontgeneration, die aus dem Kriege mit einer gewissen Verachtung des Menschenlebens zuruckkam, hat sich wieder umgestellt. Heute ist es die kaum wahlberechtigte Fugend, die in Schießereien sich aus toben zu müssen glaubt und damit doch bewußt ober unbewußt den Bürgerkrieg vorbereiten hilft. Wie ernst die Dinge liegen, zeigt, daß vor wenigen Tagen erst in Leipzig tmeber in einem Gartenverein ein nicht unerhebliches Waffenlager entdeckt wurde, bespickt mit Maschinengewehren, Fnfanteriegewehren, Karabinern, Handgranaten und reichlicher Munition. Die Verbindung zur Kommunistischen Partei ist nachgewiesen. Rechnet man dazu, daß die Kommunisten schon vor wenigen Wochen einen Was stendieb stahl größeren Umfange« durchexerzierten, der ihnen zum Glück nicht vollkommen gelang, dann ergibt sich daraus doch, daß auf dieser Seite zum mindesten alle Vorbereitungen für eine sehr ernsthafte blutige Auseinandersetzung getroffen werden, wobei offenbar Leipzig als Wafsensammlungsplah auSgewählt ist, um uns zum gegebenen Zeitpunkt mit einer Abbildung russischer Zustände zu beglücken. Dieser Leipziger Fund hat bewiesen, daß in kommunistischen Händen erhebliche Waffenbestände sein müssen, die im geeigneten Augenblick den Stoßtrupps in die Hand gedrückt werden sollen. Das ist also keine Spielerei, das ist bitterer Ernst, und die Polizeibehörden haben eigentlich keine wichtigere Aufgabe, als hier aufzupassen, um möglichst viel von diesen Beständen zu beschlagnahmen, ehe sie gefährlich werden können. Sonst könnten wir es vielleicht sogar erleben, daß in den letzten Tagen des Wahlkampfes mit Maschinengewehren argumentiert wurde. . Siegfried Wagner in Bayreuth einer Herzlähnnnig erlegen. Die letzten Stunden. Bayreuth, 4. Aug. (IDIB.) heule nachmittag 530 Uhr ist Im Städtischen Krankenhaus zu Bayreuth Siegfried Wagner gestorben. Ueber die letzten Stunden Siegfried Wagners werden von unterrichteter Seite noch folgende Einzelheiten bekannt: Das Befinden Siegfried Wagners hatte sich seit Sonntag mittag auf das bedenk lich ste verschlechtert. Die hiesigen Aerzte und Professor Romberg (München) hatten sich seit lagen um den Kranken bemüht, ohne jedoch die Entzündung des Herzmuskels beheben zu können. Am Sonntagvormittag hat Wagner, nachdem man ihm mitteilte, daß am Festspielhügel alles in bester Ordnung sei. und die Ausführungen überall bestens ausgenommen würden, in scherzendem Ton geäußert: „Jia, da wird Reinhardt ja seine Freude haben!" Am Sterbebett waren sämtliche Familien- Mitglieder versammelt. Die Lethargie trat im Lause des mittags ein, der Tod um 17.35 Uhr. Seine letzten Worte waren. „Lva, Lulu!" Sie galten seinen beiden Schwestern, Frau Eva Lhamberlain und Danila Thode. Der Hüter von Bayreuth. Mitten in die erfolgreichen und glanzvollen Bayreuther Festspiele hinein bricht die Trauer- künde von dem Tobe Siegfried Wagners, für die Festspielstadt selbst ein furchtbarer, kaum zu verwindender Schlag, für die ganze Kulturwelt, nicht nur die musikalische, ein bedeutsames Ereignis, das die Gemüter von Millionen bewegen und erschüttern wird. Mm wenig mehr als vier Monate also hat der einzige Sohn und Erbe Richard Wagners feine Mutter überleben sollen, die am 1. April d. 3. in dem beinahe mythisch zu nennenden Alter von 93 Fahren aus dem Leben schied; er selber, gefahren in Luzern am 6. Funi 1869, hatte erst das 61. Lebensjahr vollendet, und menschlichem Ermessen nach hätte es ihm vergönnt fein formen, die Festspiele nach glücklicher Uebertoinbung ber schweren Krise nach bem Kriegsausbruch wieder auf eine feste, sichere Grundlage zu stellen, für den Genius seines verewigten Bakers ein Denkmal, dauernder als Erz. Er ist unter dem Uebermafj von Arbeit, das er auf sich genommen hatte, vorzeitig zusammengebrochen, er hat sich in der begeisterten Hingabe an den großen Gedanken des väterlichen Werkes tatsächlich verzehrt, aber er hat noch auf dem Krankenlager, das ihm zum Totenbette wurde, das Bewußtsein haben dürfen, daß seine Kräfte gerade ausgereicht haben. »Keinen Tag früher hätte der Zusammenbruch kommen dürfen", so haben die Fntimen von Bayreuth beim Beginn der Festspiele gesagt, aber die Arbeit war für diesmal vollbracht, das Werk, das bei den eigenartigen Verhältnissen von Bayreuth immer wieder neu auf gebaut werden muh, war vollendet und, wie die Aufführungen bewiesen, gelungen. So kommt ein versöhnender Zug in die Tragik dieses Todes, ber eine Fülle schwerer und großer Fragen aufwirst. Richard Wagner hatte, wie man sich erinnert, seinen einzigen Sohn ursprünglich zum Architekten bestimmen wollen; es hat sich aber gezeigt, daß er dem künstlerischen Erbe des Vaters ein treuer und hervorragender Hüter war. Als Komponist hat Siegfried Wagner sich nicht dauernd durchzusetzen vermocht, die Opem, denen sein Rame die größten Bühnen erschlossen hatte, haben sich nirgends auf dem Spielplan halten können. Auch die Eigenschaften des genialen Regisseurs haben ihm vielleicht gefehlt. Aber alles in allem war er nach dem Urteil der Berufensten und am besten Eingeweihten doch eine ungewöhnliche Persönlichkeit, der Aufgabe gewachsen, die er mit leidenschaftlicher Energie auf seine Schultern genommen hatte, und ihrer im höchsten Maße würdig. Das deutsche Volk hat also allen Grund, aufrichtig an feinem frühen Grabe zu trauern. Siegfried Wagner wird teilhaben an ber Unsterblichkeit seines Vaters, nicht nur als der Ramensträger des Siegfried-FdyllS, das für alle Zeiten zu den köstlichsten Kleinoden deutscher Musik gehören wird, und der Trauermarsch aus der »Götterdämmerung", der an seinem Grabe ertönen wird, wird ber Dolmetsch der Seele eines trauernden Volkes sein. Siegfried Wagner hinterläßt eine erst im Anfang der 30er Fahre stehende Witwe, Frau Winifred, und vier Kinder, von denen bas älteste ein etwa 14jähriger Sohn ist. Es besteht die Hoffnung, daß das Werk von Bayreuth fortgeführt werben kann, wenn ber tatkräftigen und liebenswürdigen Frau die entsprechenden künstlerischen Kräfte zur Seite treten. Daß das geschehe, ist eine Angelegenheit und ein Wunsch k^s ganzen deutschen Volkes. Der Mann und das Werk. Berliner Presseftimmen zum Tode Liegsricd Magners. Berlin, 5. Aug. (TU.) Alle Berliner Blätter würdigen in allgemeinen Umrissen die Bedeutung Siegfried Wagners als Beschützer des Erbes von Bayreuth, als Regisseur und als Dirigent. Sie verweisen übereinstimmend auf das tragische Geschick, das ihm nicht nur während der letzten Vorbereitungen zu den diesjährigen Festspielen leine Mutter Cosima sterben ließ, sondern auch ihn selbst die Teilnahme an einer öffentlichen Vorstellung seiner Inszenierung verwehrte. Die Blätter heben vor allem seine Treue hervor, mit der er sich für das Lebenswerk seines Vaters einsetzte und fürchten um die Zukunft der Festspiele, die in diesem Jahre so erfolgreich verlaufen seien. Im einzelnen schreibt die „Vossische Zeitung", Siegfried Wagner sei ein schlichter, gütiger, hilfsbereiter und heiterer Mann gewesen. Familien» sinn sei die zentrale Eigenschaft des Bürgers, des Menschen und schließlich auch des Künstlers gewesen. Das „Berliner Tageblatt" meint, die Geschichte des Musikdramatikers Siegfried Wagner sei eine Geschichte stiller Tragik. Bayreuth sei erst nach allen Lähmungen der Kriegs» und Nachkriegszeit erhalten und erhalten bleiben müsse es auch nach seinem Tode, denn es sei eine Angelegen» heit der Nation. — Die „D A Z." unterstreicht vor allem die außerordentliche Arbeitskraft. Die vielen Tausende, denen ber Besuch der Festspiele ein un» auslöschliches Erlebnis bedeute, würden wissen, welche seltene Persönlichkeit dahingegangen sei. Die »Dörsenzeitung" betont: Die Tradition zu wahren, ohne in ihr zu erstarren, sich unserer veränderten Art des Schauens anzu- passen, ohne sich willkürlich über die Regievorschriften Richard Wagners hinwegzusetzen, diesen Ansprüchen zu genügen, hat sich der Sohn als der rechte Mann erwiesen. Der »T a g“ fei- Die Donnerstag-Besprechung Lcholz wird mitHöpker-Aschoff verhandeln Berlin, 4.Aug. (CNB.) Wie wir erfahren, ist für Donnerstag eine Aussprache zwischen D r. Scholz und Dr. Höpker»Aschoff in Aussicht genommen. Sie ist noch mit Koch- Weser vereinbart worden, der aber inzwischen bekanntlich von der Leitung der Staatspartei zurückgetreten und in Urlaub gegangen ist, so daß die Staatspartei in dieser Besprechung durch den preußischen Finanzminister vertreten sein wird. In politischen Kreisen sieht man in der Tatsache, daß diese Aussprache überhaupt möglich ist, ein Zeichen dafür, daß die zugespitzte Polemik, die am Samstag zwischen den beiden Parteikorre- spondenzen geführt wurde, doch noch nicht das letzte Wort bedeutet. Ob die Aussprache zu einem positiven Ergebnis führen wird, wird freilich vorläufig noch bezweifelt, da beide Parteien von verschiedenen Voraussetzungen ausgehen. Bei der Deutschen Volkspartei scheint die Stimmung jetzt etwas konzilianter zu fein als am Samstag. Man stellt sich die Entwicklung aber nur so vor, daß die Deutsche Staats- Partei in die von Dr. Scholz erstrebte Kombination mit den anderen Parteien zurückkehrt. Aus der anderen Seite sieht die Staatspartei das Ziel in der Verschmelzung der Volkspartei mit ihr. Bei dieser Verschiedenheit der Ansichten über den möglichen Weg läßt sich eine Prognose für die Donnerstagbesprechung nicht stellen. Eine Erklärung oer Staatspartei Berlin, 4.Aug. (CNB.) Der Aktionsausschuß der Deutschen Staatspartei oer- vffentlicht folgende Mitteilung: Herr Erich Koch- W e s e r hat in einem Schreiben vom 1. August 1930 an den Führer der Deutschen Bolkspartei, Herrn Dr. Scholz, diesem vorgeschlagen, daß beide Herren angesichts der Gründung der Deutschen Staats- Partei sich gegebenenfalls von der Führung zurückhalten, um sachliche Entscheidungen ihrer politischen Gefolgschaft von hemmenden persönlichen Rücksichten zu befreien. Herr Dr. Scholz hat dieses Schreiben mit einem telephonischen A n - ruf bei Herrn Koch-Weser beantwortet, indem eine ert den Verstorbenen als ideenreichen Anreger auf der Bühne und als Dirigenten, der wie keiner mit dem Werke feines Vaters vertraut gewesen sei. Der »L o k a l a n z e i g e r“ erklärt, Siegfried Wagners hervorragende Eignung für den Posten des Bayreuther Festspielleiters beruhte vor allem darauf, bah er dichterisches und nuififaliWje« Talent mit stark baukünstlerischen Fähigkeiten verbunden habe. Die »Deutsche Tageszeitung" hebt ebenfalls di« unbestrittenen Verdienste um die Fortführung der Festspiele hervor, und fragt mit Sorge, wer nun den zwiefach verwaisten Platz des Führers einnehmen werde. Der »Börsen» Courier“ ist der Ansicht, daß der Verstorbene nicht Richard Wagner, sondern Humperdinck fortgesetzt habe, aber die Volkstümlichkeit in seinen Opern fei bewußter, naiver und anspruchsloser gewesen. Der »Vorwärts" lobt vor allem, daß das Bayreuther Erbe durch kluge Anpassung an die Entwicklung des modernen -rheaters von ihm vor Erstarrung in unfruchtbarer Tradition gewahrt worden sei. Bestürzung in Bayreuth. Die Festspiele gehen weiter. Bayreuth, 4. Aug. (WTB.) Die Nachricht vom Tode Siegfried Wagners bat hier ungeheuren Eindruck ausgelöst. Die städtischen Gebäude tragen bereits Trauerschmuck. Di« Straßen der Stadt sind sehr belebt. Obwohl der größte Teil der Bevöl» terung auf das Ableben Siegfried Wagners gefaßt war, kam die Nachricht doch bestürzend und überraschend. Morgen mittag um 12 Uhr findet in der Kapelle des Städtischen Krankenhauses die Einsegnung der sterblichen Hülle des Heim, gegangenen im engsten Familienkreise statt. Dem Vernehmen nach wird Siegfried Wagner am Freitag auf dem Städtischen Friedhof b e i g e s e tz t werden. Die äußeren Veranstaltungen werden von der Stadt als Ehrenpflicht übernommen. — Dse F e st- spiele müssen aus rechtlichen und finanziellen Gründen weitergeführt werden und werden nicht verschoben. Aussprache für Donnerstag vereinbart wurvr. Trotzdem hat die offizielle Korrespondenz der Deutschen Volkspartei bereits einige Stunden nach diesem Gespräch eine Antwort darauf veröffentlicht, die sich durch Ton und Inhalt vor allen loyalen Deutschen von selbst richtet. Es hat bisher zu den übelsten Gewohnheiten Deutscher Parteipolitik gehört, jedesmal beim Scheitern eines Verhandlungs- oder Derständigungsver- suches eine langwierige Erörterung der Schuldfrage zu entfachen. Die Deutsche Staatspartei, die es als ihre Aufgabe ansieht, mit solchen politischen Methoden zu brechen, denkt nicht daran, sich an einer solchen Erörterung zu beteiligen. Sie überläßt cs Herrn Dr. Scholz, die Argumente der Nationalliberalen Korrespondenz zurückzuweisen, um die von ihm angeregte Unterredung noch zu ermöglichen. Herrn Koch-Weser gegen Verunglimpfungen feiner Person oder seines politischen Wirkens in Schutz zu nehmen, können wir uns versagen, da er gerade durch seinen Brief an Herrn Dr. Scholz ein Beispiel selbstloser Sachlichkeit und politischen Weitblicks gegeben hat, wie es im deutschen Parteileben leider allzu selten geworden ist. Oie Spitzenkandidaten der Wirtschafter« Partei in Hessen. WSN. Frankfurt a. M., 4. Aug. Die Reichspartei des deutschen Mittel st andes, Wirtschaftspartei, beschloß in ihrer Wahlkreiskonferenz, als Spitzenkandidaten zum Reichs- t a g für den Wahlkreis Hessen-Nassau den jetzigen preußischen Landtagsabgeordneten Dr. Rhode aus Frankfurt a. M. aufzustellen. Sie ermächtigt den Spitzenkandidat Dr. Rhode angesichts der politischen Lage, die er im Reichstag oder Landtag nach erfolgter Wahl vorfinden wird, je nach seinem Ermessen das Reichstags- ober Landtagsmandat niederzulegen, damit ein Handwerks- meister entweder im Reichstag ober ßanbtag nachrückt. Für ben Wahlkreis Hessen-Darm- stabt würbe als Spitzenkanbibat der Reichspartei des deutschen Mittelstandes, Wirtschaftspartei, einstimmig Professor Dr. H o r n e f f e r (Gießen) auf- gestellt. Die Wahlkreisoersammlung hält an bem b e r u f s ft ä n b i f d) e n Gebanken und ber Selbstänbigkeit ber Wirtschaftspartei fest. Dotkspartei und Gtaatspartei. darüber braucht wohl kein Wort weiter verloren zu werden. Run die Klaffen künftig wieder auf eine solche unmögliche Frequenz aufzufüllen, nur um Lehrerstellen zu sparen, das ist e i n e g I a 11 e Unmöglichkeit, wirft vor allem auf die kulturelle Einstellung des Finanzministers ein eigenartiges Licht, zumal ja auch nicht vergessen werden darf, daß der Andrang zu den höheren Schulen von Fahr zu Fahr steigt und dort gerade die unteren Klassen über die Grenze des Tragbaren hinaus überbesetzt sind. Ein Glück nur, daß es sich bei diesen Plänen vorläufig nur um einen Vorschlag handelt, der noch der Rachprüfung durch das Staatsministerium bedarf. Die Geparaiistenverfolger vor Gericht. Bis zu zehn Monaten (Gefängnis für schwer vorbestrafte Angeklagte. Mainz, 4. Aug. (TU.) Unter großem Andrang des Publikums und verstärkten Polizei- schutzmahnahmen fand am Montag vor dem Erweiterten Bezirksschöffengericht in Mainz in beschleunigtem Verfahren die Hauptverhandlung gegen sieben in Untersuchungshaft befindliche Angeklagte statt, die sich in der Rächt vom 2. zum 3. Fuli an den Antiseparatistenunruhen in Mainz beteiligt hatten. die Anklage lautet auf schweren Landfriedensbruch in Tateinheit mit Zerstörung, Vernichtung und Plünderung von Privateigentum. Die Feststellung der Personalien der Angeklagten ergab, daß sechs von ihnen wegen Eigentumsdelikten und Gewalttätigkeiten vorbestraft finb. Bezüglich des Hauptangeklagten, des 35jährigen fünfmal wegen schweren Diebstahls vorbestraften Gelegenheitsarbeiters Eckel wurde festgestellt, daß er wegen pathologischer Trunksucht wiederholt in Anstalten interniert war und sich an den Mainzer Tumulten nur zu dem Zweck beteiligte, um zu plündern. Er hat bei dem Ueberfall auf eine Villa eines fälschlich als Separatisten bezeichneten Einwoh- nerS einen Anzug gestohlen und ihn im Pfandhaus versetzt. Das Gericht verurteilte ihn zu ehn Monaten Gefängnis. Ein 23jähnger Angeklagter, achtmal vorbestraft. u. a. wegen Zuhälterei, der sich an bcn Tumulten aus Radaulust und Zerstörungswut beteiligte, erhielt neun Monate Gefängnis. Zwei jugendliche Angeklagte wurden wegen einfachen Landfriedensbruches zu je drei Monaten Gefängnis, ein anderer wegen Beteiligung an der Zerstörung der Wohnung des Separatistenführers Schäfchen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter hatte auf der Straße Zigaretten und Zigarren, die aus einem zerstörten Geschäft herausgeworfen worden waren, aufgehoben. Wegen Fundunterschlagung erhielt er 20 Mk. Geldstrafe. Ein anderer Angeklagter markierte in der Verhandlung den wilden Mann. Er wird auf seinen Geisteszustand untersucht werden. In der Begründung des Urteils führte das Gericht aus, daß kein Staat derartige Ausschreitungen dulden dürfe, da sonst die Existenz Des Staates gefährdet sei. Rur mit Rücksicht auf die allgemeine Erregung und Empörung der Bevölkerung über das Treiben der Separatisten habe das Gericht Milde walten lassen. SS bleibt bei der Tariferhöhung Der Reichsverkehrsminister lehnt nochmalige Nachprüfung ab. Berlin» 4. Aug. (ERD.) Die Reichsvereinigung der Reisenden und Vertreter im Gewerk- fchaftsbund der Angestellten hatte den Reichsverkehrsminister gebeten, die genehmigten Tariferhöhungen, die am 1. September in Kraft treten, wegen der unsozialen Belastung der dritten Wagenklasse nochmals nachzuprüfen. Der Reichsverkehrsminister hat hierauf geantwortet, daß er diesem Anträge nicht entsprechen könne. On der Begründung des Reichsverkehrs- ininisteriunrs heißt es: „Die Deutsche Reichsbahngesellschaft ist durch einen empfindlichen Einnahmerückgang seit dem vorigen Herbst in finan- Mlle Schwierigkeiten geraten. Rach sorgfältiger Prüfung hat die Reichsregierung sich entschlossen, Der beantragten Erhöhung zuzustimmen. Sie glaubte das um so mehr tun zu können, weil sie die Erhöhung der Wagenladungslar ife entsprechend der Entschließung des Reichseisenbahnrates wegen der außerordentlich ungünstigen Rückwirkung auf die Gesamtwirtschaft und auf alle Volkskreise abgelehnt hatte. Auch fallen die Beträge, um die die P e r - sonenfahrpreise erhöht werden sollen, gegenüber den allgemeinen Kosten einer Reise nicht entscheidend ins Gewicht und werden sich für das reisende Publikum nicht besonders drückend auswirken.“ Oer Streit um die Sozialversicherung in Frankreich. 3m nordfranzösischen Textilrevier von Roubaix, Tourcoing und Hingegen!) ist ein sehr merkwürdiger Generalstreik zur Wirklichkeit geworden. Der Kampf dreht sich darum, wer die La st en der soeben eingeführten französischen Sozialversicherung zu tragen hat. Rach langwierigen Verhandlungen hat das französische Parlament sich auf die Einführung eines umfassenden Sozialversicherungsgesetzes geeinigt, dessen praktische Durchführung zu zahlreichen Schwierigkeiten Veranlassung gegeben hat. Viele Firmen und Industrien haben ihre Preise ganz erheblich her- aufgesetzt, und zwar um Beträge, die weit über das hinausgehen, was sie mutmaßlich an Mehrbelastung durch die Sozialversicherung zu tragen haben. Heber die Verteilung der L a st e n ist es zu tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern^ gekommen. Die französische Regierung hat anläßlich der Proklamierung des Generalstreiks und anläßlich einiger kommunistischer Ausschreitungen die Polizeikräfte im nordfranzösischen Industrierevier bedeutend verstärkt. Die Streik- Parole^ ist von den Arbeitern entsprechend der Beschlüsse der Gewerkschaften befolgt worden. Die Streikbewegung hat auch auf einige andere Teile Frankreichs übergegriffen. Lusifriede mii Polen? Zwischen Deutschland und Polen ist so etwas wie ein Luftfriede zustande gekommen. Auf unsere sehr nachdrücklichen Beschwerden haben die Polen doch wohl eingesehen, daß das fortgesetzte Spazierenfliegen ihrer Militärflugzeuge über der deutschen Grenze eine Unmöglichkeit ist. Sie haben deshalb Urfehde geschworen. Mehrere der Uebeltäter aus der letzten Zeit sind disziplinarisch bestraft, und für künftige FÄle hat die polnische Regierung Maßnahmen in Aussicht gestellt, wodurch Wiederholungen oerhindet werden sollen. Warten wir ab, wieweit das wirklich hilft. Es kann uns niemanb- verdenken, wenn wir nach dutzendfachen Grenzver- letzungen etwas mißtrauisch geworden sind, weil wir darin keinen Zufall, sondern ein bestimmtes S y st e m gesehen haben, um so mehr, weil die polnischen Flugzeuge überall da erschienen, wo für sie vielleicht aus der Geländebeobachtung militärisch etwas zu holen war. Die Art freilich, wie von Warschau aus dieser Luftfriede veröffentlicht wird, muß bedenklich stimmen. Die pol- Nische Regierung behauptet, daß die Zuwiderhandlungen auf Fehler Der Flieger oder auf atmosphärische Einwirkungen zurückzuführen seien. Sie behauptet zudem, daß ähnliche Fälle auch auf deutscher Seite festzustellen seien. Das stimmt doch wohl kaum. Natürlich ist nicht zu vermeiden, daß hin und wieder einmal sich ein Flieger verirrt, zumal bei der Grenzziehung, wie sie im Versailler Vertrag beliebt worden ist. Aber schließlich handelt es sich auf deutscher Seite doch immer um Ver- kehrsflugzeuge, während es auf polnischer Seite regelmäßig Militärflieger waren. Und das ist doch immerhin ein Unterschied; nach unserer Meinung sogar ein entscheidender Unterschied. Oer Fall Euvelier. Der Fall selbst ist unbedingt peinlich. Französische Schwimmer kommen Anfang Juli zu einem Wettkampf nach Zeitz. Sie schlängeln sich an die Ortsfchonen heran, werden dabei belästigt, Zuschauer suchen zu vermitteln, einer von diesen bricht plötzlich unter ei nem Messerstich zusammen, und der französische Schwimmer Euvelier wird als Sine große Programmrede Minister Meirichs Oas Reformwerk. — Oie Sammlung der Mitte. — Oie Karlsruhe. 4. Aug. (WTB.) In einer Kundgebung der Deutschen Staatspartei sprach der Reichsminister der Finanzen Dietrich über das Thema „Interessentenhaufen oder Staatsvolk". Finanziell und wirtschaftlich wird dasjenige Volk am ehesten aus den Schwierigkeiten herauskommen, welches sich den strukturellen Veränderungen in der Weltwirtschaft am schnellsten anpaßt. Die Schlüsse, die hieraus zu ziehen sind, sind zunächst dreierlei Art. 1. daß ein weiteres Anschwellen der Reichs-, Länder- und Gemeindeausgaben unmöglich und daher Einschränkung und Sparsamkeit geboten ist, 2. daß die sozialen Einrichtungen insofern einer Reftzrm bedürfen, als die Auswüchse zu beseitigen sind, 3. daß die Lücken des Etats auf das schnellste auszufüllen sind. Alle drei Aufgaben hat die Regierung in Angriff genommen. Die Maßnahmen, die vorläufig getroffen sind, beheben die ärgsten Rotstände und bieten einige Monate Gewähr dafür, daß das Reich und mit ihm die sozialen Versicherungsträger nicht zahlungsunfähig werden. Die größte Sorge bereitet uns aber die Reform des Wahlrechtes und die R e - form des Reiches. Das Wahlrecht und das Wahlverfahren, das wir haben, sind völlig überlebt. Die Verbindung zwischen Wählern und Abgeordneten ist gelöst, die Parteibureaukratie und die Parteiinstanzen sind allmächtig. Einen Zustand zu schaffen, der den Wähler wieder in Verbindung bringt mit feinem Abgeordneten, der ihm Einfluß gibt auf die Person des Abgeordneten und der damit gegenseitiges Verständnis und Vertrauen hervorruft, muß das Ziel der Reform fein. Das gegenwärtige System des Wahlrechts hat zu einer unsinnigen Parteizersplitterung geführt, weil es jeder kleinsten Gruppe möglich machte, mit eigenen Listen aufzutreten. Dieses System hat aber insbesondere durch die R e i ch s l i st e gleichzeitig eine Anzahl Abgeordneter in das Parlament gebracht, die nicht, wie es der Verfassung entspricht, die Interessen des gesamten Volkes wahrzunehmen in der Lage sind, sondern die die Interessen einer einzelnen Gruppe berufsmäßig verfech- t e n müssen. 3n der Mille stehl völlig zersplillerl derjenige Teil des Bürget- und Bauerntums, der freien Berufe, der Angestellten und auch eines bescheidenen Teiles der Arbeiter, die die Träger des Gedankengutes der Entwicklung des hinter I Aufgabe der Jugend. uns liegenden Jahrhunderts sind. Kennen wir sie die liberale demokratische Gruppe oder nennen wir sie die fortschrittliche Gruppe, allen diesen Staatsbürgern ist gemeinsam die geistige und wirtschaftliche Einstellung. Es geht um die Frage, wie weit diese Schicht wieder zu Macht und Einfluß gelangen kann. Was wir brauchen, das ist der Zusammenschluß der Mitte, genau so, wie sich die Rechte, soweit sie positiv an dem Staat mitarbeiten will, zusammenfindet. Wir haben die Staatspartei ins Leben gerufen, und die Gründung dieser Partei bezweckt, die Mitte zusammenzufassen. Die Demokratische Partei ist bereit, in dieser Staatspartei aufzugehen. Sie ist der Meinung, daß die Volkspartei dieselbe Aufgabe hat. Schon aber spielen wieder die taktischen Erwägungen, ob die eine oder andere Seite es falsch gemacht hat, eine Rolle Der Kampf um die Sache muß in den Vordergrund gestellt werden. Eine starke und fortschrittliche Mitte ist eine Notwendigkeit, auch für die Flügelparteien der Sozialdemokraten und Konservativen. Sie ist die Voraussetzung, daß das parlamentarische System in Deutschland sich behaupten kann. Sie ist demnach die unerläßliche Vorbedingung für eine geordnete Staatsführung auf republikanischer Grundlage. Sollte es im deutschen Volk nicht soviele Menschen geben, daß wir eine so große Gruppe staatsgesinnter und staatstreuer Bürger bilden können, ohne die weder nach rechts noch nach links bei uns zu regieren ist? Der Jugend rufe ich zu: Ihr seid in die Extreme gegangen, ihr seid nach rechts und links davongelaufen. Radausüchtige Elemente haben versucht, — nicht euch zu begeistern — sondern euch zu verleiten. Entschließt euch, zurückzukehren zu positiver Mitarbeit am Staat. Ihr habt den Parteihader satt; also reiht die Grenzpfähle der Parteien nieder. Kämpft um euren Staat und damit um eure Zukunft. Das Bürgertum aber, der Träger geistiger und wirtschaftlicher Freiheit, kämpft den letzten Kampf um seinen Einfluß. Geht er verloren, so gerät das ganze Gedankengut der letzten hundert Jahre in Gefahr. Der Idealis- muß, ohne den kein Volk bestehen kann, verfallt, und im Kampf der großen Kapitalmächte mit den abhängigen Existenzen um knappste Verteilung des Arbeitsertrages wird das deutsche Volk sich aufreiben. Wir sind ein beispiellos zähes Volk, das die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch allen Schicksalsschlägen getrotz hat. Was uns fehlt, ist nicht Zähigkeit und ist nicht Willen, was uns fehlt und was wir erwerben müssen, das ist der Wille, ein Staatsvolk zu sein. Täter verhaftet, bald daraus auch^ vom Schnellrichter zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die Berufung, die er eingelegt hat, ist von der Strafkammer in Weißenfels jetzt a b g e l e h n t worden, obwohl der Staatsanwalt eine Milderung des Hrteils auf dreihundert Mark Geldstrafe beantragt hatte. Schon das erste Urteil ist in Frankreich sehr stark politisch ausgenuht worden. Dieses zweite Urteil wird dasselbe- Schicksal erleben, zumal da wir bedauern, daß die Strafkammer an dem Urteil erster Instanz festgehalten hat. Der Nachweis der Täterschaft scheint nach den vorliegenden Berichten nicht völlig einwandfrei geführt, dagegen spricht mancherlei dafür, daß die französischen Gäste angerempelt worden sind. Grund genug, von einer Gefängnisstrafe abzusehen; die Ansichten, daß mit einer Revision vorm Oberlandesgericht noch etwas zu ändern ist, sind nicht allzu groß, da es sich dabei nicht mehr um die Feststellung des Tatbestandes, sondern nur um die juristischen Folgerungen handelt. * Entgegen den Erklärungen des Zeugen Ducamp, der seinen Landsmann Euvelier nach Weißenfels begleitet hatte, und gleich nach seiner Ankunft in Frankreich in französischen Zeitungen von großen Kundgebungen der Weißenfelser Bevölkerung gegen die Franzosen erzählt hatte, erklärt der Schwimmer Euvelier selbst heute in einem Interview im „Petit Parisien", daß die Bevölkerung von Weißenfels keineswegs gegen ihn demonstriert habe. Die Arbeiterbevölkerung habe ihn bis zum Bahnhof begleitet und die Internationale gesungen, um gegen das Hrteil zu protestieren. Beim Reichsgericht, wo Revision des Hrteils beantragt sei, werde seine Anwesenheit vor Gericht nicht wieder notwendig sein. Gr habe Vertrauen zum endgültigen Ergebnis. Man habe von einem möglichen Abbruch der Beziehungen zwischen den französischen und deutschen Schwimmern gesprochen. Er sei nicht dafür, er sei i m Gegenteil bereit, sich Ende dieses Monats nach Nürnberg zu begeben, um sich bei der dort geplanten Veranstaltung mit deutschen Schwimmern zu messen. Wie der „Matin" berichtet, hat der Vorstand des französis ch e n Schwimmerverbandes, der unter dem Vorsitz des Präsidenten des Stadtrates von Paris de C a st e l - laue steht, um den Stand der deutsch-französischen sportlichen Beziehungen, vor allem im Hinblick auf die Beteiligung französischer Schwimmer an der im Lause dieses Monats stattfindendenSchwimmerveranstaltung in Nürnberg geprüft. Die getroffene Entscheidung werde erst veröffentlicht werden, wenn sie dem Außenminister zur Kenntnis gebracht sein werde. Aus aller Well. Deutscher Stenvgraphentag. Aus dem Degrüßungsabend anläßlich des Deutschen Stenvgraphentages hielt der Vorsitzende des Hauptausschusses, Studiendirektor Dr. Taster die Begrüßungsrede. Der Redner huldigte Gabelsberger und Stolze als Altmeister der Kurzschrift. Er grüßte Ferdinand Schrey, der heute noch in Berlin lebt. Ferner würdigte er die Schaffung der Einh e i t s ku r z s ch r i f t als einen Schritt auf dem Wege zur deutschen Einheit überhaupt und sprach die Hoffnung aus, daß die Einheitskurzschrift ihren Siegesmarsch weiter fortsetze. Auf der Festversammlung hielt Staatssekretär a.D. Heinrich Schulz die Festansprache. Der Redner würdigte die Erfindung der Stenographie als eine geniale Tat, die kulturgeschichtlich dicht hinter der Erfindung der Buchdruckerkunst rangiere. Er sprach allen Stenographen und Stenographenvereinen in Deutschland Anerkennung und Dank dafür aus, daß sie jahrzehntelang im Kampfe mit der Gleichgültigkeit der Behörden und der menschlichen Natur die Sache der Stenographie hochgehalten haben und die Stenographie weit über alles Vereinsmähige hinausgeschoben haben. Mit der deutschen Einheitskurzschrift könne alles geleistet werden, was nur je ein anderes System zu leisten imstande sei. Auf sie hätten sich alle maßgebenden Faktoren, vor allem die Reichsbehörden und sämtliche deutsche Länder, geeinigt. Der Redner wandte sich schließlich an die Gegner der Cinheits- stenographie, die er aufforderte, die Streitaxt zu begraben und, sich mit den Anhängern der Einheitsstenographie zu der großen segensvollen Arbeit zu einigen, die Kurzschrift zu einem selbstverständlichen Instrument für jedermann zu machen. Der Referent für Kurzschrift im Reichsinnenministerium, Oberregierungsrat Dr. Becker, überbrachte dann die Grüße des Reichsinnenministers. Auch die Länderregierungen von Bayern, Sachsen und Hessen ließen durch ihn ihre Anteilnahme am Deutschen Stenographentag zum Ausdruck bringen. — Beim Bundesschnellschreiben erhielten K i e r z e k, Aachen, (400 Silben) das Bild des Reichspräsidenten und Pringsheim, Darmstadt, (340 Silben) eine Goldene Feder eines Berliner Zeitungsverlages. Ferner erhielten Ha atz, Würzburg, (320 Silben), Martin Günther, Berlin, (320 Silben), Paul Knoop, Berlin, (300 Silben). Wilhelm Döring, Kulmbach, (300 Silben), Schulze, Berlin, (300 Silben), G r o b e i s, Kulmbach, (300 Silben), Käppel, Bergen, (300 Silben) und Schelle hm, Braunschweig, (300 Silben) Schreibmaschinen bekannter Firmen. Proteff gegen das Mainzer Befreiungsdenkmal. Die katholische Geistlichkeit hat gegen das Befreiungsdenkmal einen Protest erlassen, der auf den Kanzeln ver lesen wurde und in dem es u. a. heißt: „Auf dem Schillerplatz ist das sogenannte Befreiungsdenkmal eingeweiht worden. Ob es vom künstlerischen Standpunkt aus das Lob verdient, das ihm von mancher Seite gespendet wird, werden berufene Kritiker entscheiden. Als Katholiken müssen wir das Denkmal nicht bloß vom ästhetischen, sondern auch vom religiös-sittlichen Standpunkt bekämpfen und als öffentliches Denkmal a b l e h n e n. Ein großer Teil der katholischen Bevölkerung fühlt sich in seinem Empfinden tief verletzt, daß man in einer Stadt, die zu einem großen Teile katholisch denkt und fühlt, ein solches Denkmal aufgestellt hat. Keine sittsame christliche Frau wird sich in einer solchen Entblößung in der Oesfentlichkeit zeigen, aber man hält es für unbedenklich, an einem verkehrsreichen Platz eine nackte Frauengestalt in Stein darzustellen. Wir legen deshalb entschieden Verwahrung gegen die Aufstellung des Denkmals ein." hirth gibt den Weiterflug auf. Die deutschen Flieger Hirth und Weller sind auf dem Luftwege aus Kalladarnes kommend, in Reykjavik auf Island gelandet. Hirth hat den Weiterflug auf gegeben, da der De- zirksvorsteher in Iulianohaab auf G r önland telegraphisch mitgeteilt hat, daß sich dort keine Stelle befindet, die als Landungsplatz in Frage käme. Das Flugzeug wird nunmehr verpackt und mit dem Dampfer „Minnesota" nach Montreal (Kanada) abgehen. Schwere Pilzvergiftung. In einer Familie in Pillau (Ostpr.) wurden Pilze, die man auf einem Spaziergang gefunden hatte, gegessen. Darauf erkrankten elf Personen. Obgleich sofort ärztliche Hilfe herbeigeholt wurde, starben der Mann, die Frau, die Tochter, sowie eine befreundete Dame. Es wurde festgestellt, daß sich unter den Pilzen einige Knollenblätterpilze befunden haben. Schwere Verwüstungen durch eine Windhose. Eine schwere Windhose, verbunden mit Wolkenbrüchen und einem Gewitter mit Emgelschlägen, hat die Hingebung von Meldorf (im Dithmarschen) heimgesucht und schwere Schäden angerichtet. Eine große Zahl von Bauernhöfen wurde stark mitgenommen. Die Dächer wurden abgedeckt und zahlreiche landwirtschaftliche Maschinen zerstört. Durch das eindringende Wasser wurden im Innern der Häuser große Verwüstungen! angerichtet. In Meldorf wurden zahlreiche Alleebäume wie Streichhölzer umgeknickt. Zwei Häuser mutzten wegen Einsturzgefahr geräumt werden. Der Leiter des Dessauer Bauhauses zurückgetreten. Der Leiter des Dessauer Bauhauses, Architekt Hannes Meyer, ist von seinem Amt zurück- getreten. Vom Magistrat war ihm der Rücktritt nahegelegt worden, weil man zu der lieber« Zeugung gekommen war, daß feine grundsätzliche Einstellung zum Bauhause und zur Bauhausarbeit zur Duldung der in der Oesfentlichkeit vielfach erörterten kommunistischen Betätigungen im Bauhause geführt hat, und daß sicks daran unter der Leitung von Hannes Meyer auch künftig nichts ändern würde. Zum Nachfolger ist der Architekt Ludwig Mies van der Rohe in Aussicht genommen. Oie Pünktlichkeit bei der Reichsbahn. Der oberste Grundsatz bei der Deutschen Reichsbahn, die Betriebssicherheit, ist jetzt durch einen weiteren wichtigen Grundsatz ergänzt worden, nämlich die Pünktlichkeit. Rach den neuesten Anordnungen soll es unter allen Um- ständen vermieden werden, daß Zugverspätungen eintreten und es sind zu diesem Zwecke eine Reihe von Vorschriften erlassen worden, die sich in erster Linie für eine pünktliche Einhaltung der Personenzugfahrzeiten einsehen. Rach den neuesten Richtlinien ist die Leitung und Beaufsichtigung des gesamten Fahrdienstes und damit die Verantwortung für die pünktliche Durchführung des Fahrplans den Reichsbahndirektionen zugewiesen worden. Weiter ist die Heberwachung der planmäßigen Durchführung der schnellfahrenden Züge auf durchgehenden Linien besonderen geschäftsführenden Reichsbahndirektionen übertragen worden, die sich zu bemühen haben, bet Hnregelmähigkeiten in der Durchführung der Schnell- und Eilzüge auf größeren durchgehenden Strecken für Abhilfe und Besserung zu sorgen. Man hat einen besonders ausgearbeiteten Plan auf gestellt, nach dem in bestimmten Zeitabschnitten an die Zentrale Berichte über Zugverspätungen und deren Hrsachen einzureichen sind, die dann dazu verwandt werden, die notwendigen Maßnahmen für ein Ausschalten der Zugverspätungen zu ergreifen. Diese Berichte sollen in Form von Derspätungsnachweisen, Halbmonatsübersichten, Monatsübersichten und Iahresübersichten gegeben werden. Die Hauptverwaltung ist auf Grund dieser Hebersichten dann in der Lage, aus den Meldungen den Prozentsatz der verspäteten Züge, wie auch die Durchschnittsverspätung im ganzen Reiche festzustellen und geeignete Maßnahmen zu deren Verhütung zu ergreifen. Eine ähnliche Einrichtung bestand zwar schon früher, doch war sie nicht so straff durchorganisiert, daß eine einheitliche Hebersicht möglich war. Oie Wetterlage. ßärei *16 16 ZZ o, 16 75V —-- n r Artin» —Rost' .Nordoyar vjy- v ankf' Wien -------- fr50 - um ©womenlos.© netter <>naro oeaecet Owoixig. enegecn »Reget * Schnee c» traupem e mcdci "K 6e*ntter.(§)windstiilc.O' seh, leichter Ost massiger "Südsüdwest q stürmischer «lordwest Ole Piene fliegen mit dem winde Oie deinen Stationen stenenden Zahlen gehen die Temperatur an. Pie Linien verdmdeo Orte mit gleichen» auf rteercsniueau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. In der Rinne tiefen Druckes, die sich von England über Südskandinavien bis nach Finnland hin erstreckt, wandern dauernd Tiefdruckwirbel, die sich vorübergehend auf unser Wetter auswirken. Da der Dorüberzug der Kemgebiete verhältnismäßig schnell vor sich geht, so wird die Witterung einen stark wechselhaften Charakter annehmen. Aufheiterung und wieder stärkere Bewölkung lösen sich ab, zeitweise kommt es auch noch zu Regenschauern. Die Temperaturen werden oabei ebenfalls gewissen Schwankungen unterworfen sein. Aussichten für Mittwoch: Bewölkung mit Aufheiterung wechselnd, Temperaturen schwankend, vereinzelt noch Regenschauer. Lufttemperaturen am 4. August: mittags 19,5 Grad Celsius, abends 15,2 Grad; am 5. August: morgens 16,4 Grad. Maximum 20,8 Grad, Minimum 11,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4 August: abends 18 Grad; am 5. August: morgens 15,4 Grad. — Niederschlag 0,8 mm. Reifewetterdienst. Garmisch-Partenkirchen: 14 Grad, gestern warmer Tag, Windstille, heute morgen mäßiger Regen. Swinemünde: 18 Grad, gestern warmer Tag, Südwestwind, heiter bis halb bedeckt. Aus Der Provinzialdouptstadt. | Stehen, den 5. August 1930. SlnguterSekannler in schlichtem Gewände Dir Deutschen haben ein 6prühroort, das mir dann anwenden, wenn uns etwas nicht besonders gefallt, wenn wir allerlei auszufetzen haben oder wenn uns die Sache zu geringfügig erscheint. „Es ist nicht weit her!" sagen wir. Dieses Sprichwort spricht Bände und ist bezeich- nend für deutsches Wesen. Wenn wir die Verneinung nämlich umtcbren, dann mühte es bei etwas ganz Vorzüglichem heißen: „Das ist weit her!" Das sagen wir nun zwar nicht, handeln aber sehr ost danach. Die Kleiderstoffe müssen „echt englisch" sein, die Damen holen ihre neuesten Klciderrnusler aus Paris, wieder andere schwören auf Amerika, das Weizenmehl muh aus dem Auslande kommen, es fei feiner gemahlen, die besten Eier kämen aus Däne, mark, und der Käse muh aus der Schweiz oder aus Holland fein. So wollen es viele haben Rur recht weit her! Und weil wir gerade am Käse sind, warum denken so wenige an unfern heimischen Handkäse? Ist er vielleicht schlechter als der ausländische? Wenn er auch nicht in die feine Klasse der Edelkäse wie Camembert, Rochefort usw. gehört, so *iat er anderseits den großen Vorzug, dah er ein echt deutsches Erzeugnis ist. Für unsere Gegend ist der Handkäse sogar so etwas wie Heimatkunst. Als 4d) vor Jahren auf dem Brocken einkehrte, lieh ich mir natürlich einen Harzer Käse geben. Der Form noch gleicht er unferm Handkäse, aber die Farbe ist ganz anders, fast grünlich. Trotz des guten Geschmacks muhte ich doch unwillkürlich an unseren Heimatkäse denken, der in seinem Goldgelb auch mit- hilft, dah das Apge etwas hat. Dasselbe mag ein Herr am Nebentisch der auch vor seinem „Harzer" sah, gedacht haben Wir kamen in ein Gespräch und behandelten natürlich die „Käsefrage". Der Herr war aus Berlin und hatte eine Vorliebe für den Mainzer Handkäse, wie er allgemein genannt wird. Dann sagte er so beiläufig: ,Zch habe übrigens einen guten Bekannten in Hochelheim bei Mainz (I), von dem bekomme ich alle vierzehn Tage eine Sendung, die ich mit einigen Freunden teile." Ich hatte keine Ursache, den kleinen Geographie- fehler des Berliners aufzuklären, freute mich aoer über das Lob das unserm Mainzer Handkäse, der hier in der Gegend von Gießen hergestellt wird, gezollt wurde. — Handkäse im eigentlichen Sinne des Wortes ist er auch schon nicht mehr; denn fast in allen Betrieben haben jetzt Maschinen ihren Einzug geholten Man schaue sich nur einmal eine solche Käsefabrik an. Da stehen die Knetmaschinen, die die Matten, die aus der Molkerei bezogen werden, gehörig kneten, mit Salz, Natron und etwas Kümmel mischen und dann die Masse in ein Rohr leiten. Beim Heraus- pressen schneiden feine Drähte die formgerechten Käse ob. Sie kommen zum Trocknen auf ein Brett, später in den Keller Nach einigen Tagen sind sie versand- reif. Früher wurde dos alles mit der Hand gemacht. Es war eine mühsame Arbeit, dos Kneten und Formen. Wer einmal in einem der ersten Züge nach Frank- furt fährt, hat sicher schon in einem Wogen gesessen, in dem mehr Körbe als Fahrgäste standen Und welchen Inhalt führt erst der Packwagen mit! Der ganze Zug riecht nach Handkäse In Frankfurt teilt sich die Händlerschaft, einige fahren nach Offenbach, andere nach Mainz (!) und noch weiter. So wandert der Mainzer Handkäfe aus Dberbeffen in alle größeren Städte Und er ist es wert. Wer einmal zum Frühstück einen „reifen", recht speckigen Handkäse mit frischer Butter und gutem Roggenbrot, dazu ein Glos Most ober Apfelwein genossen hat, der weiß, daß er nicht zu kurz gekommen ist Mag man noch soviel von Vitaminen reden, mögen die andern Holländer und Schweizer Käse loben, wir Oberhessen bleiben bei unserm Handkäse, wenn er auch eine Schattenseite hat Sein Geruch ist nämlich manchmal nicht gerade vornehm. H. Z- Gietzcner Wochenmarttprcise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35. Wirsing 10 bi« 12. Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 15, gelbe Rüben und rote Rüben 15 bis 20, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, grüne Dohnen 20 bis 25, gelbe Dohnen 25 bis 30, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Erbsen 20 bis 25. Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 10 bis 15, Pilze 30 biS 35. Kartoffeln 6, Frühäpfel 20 bis 25. Falläpfel 5 bis 6. Dirnen 20 bis 30. Dörrobst 30 bis 35. Heidelbeeren 35 bis 40. Stachel» und Johannisbeeren 20 biS 25. Pflaumen 20 biS 25, Zwelschen 40 biS 50, Mirabellen. Himbeeren und Reineclauden 40 biS 45, Aprikosen 50 bis 55. Pfirsiche 50 bis 80, Drombeeren 45 bis 50, Rüste 60 biS ZO. Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 biS 120 Pf. daS Pfund; Käse (10 Stuck) 60 bis 140 Pf, Tauben ZO bis 80, Sier 11 bis 12. "Blumenkohl 30 bis ZO, Salat 10 bis 15. Salatgurken 20 biS 40, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück: Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund; Kartoffeln 5,50 Mk. der Zentner. Taten für Mittwoch 6. August Sonnenaufgang 4.30 Uhr; Sonnenuntergang 19.41 Uhr. — Mondaufgang 18.49 Uhr; Wond- untergany 0.40 Uhr. 1195: Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen in Braunschweig gestorben; — 1809: der Dichter Alfred Tennyson in SomerSby geboren; — 1914: Kriegserklärung Oesterreich- Ungarns an Rußland und Serbiens an Deutschland. BornoNzen. — TageskalenderfürDienstag. Stadt- theater: „Der Deilchenfresser", 20 bis 22.30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. „Wenn du einmal dein Herz verschenkst ..und „Die Lady von der Straße". — Letztes Auftreten von Oberspiel' leiter Hans Tannert. Aus dem Stadttheater- bureau wird uns geschrieben: Heute tritt Hans Xannert zum letztenmal in Gießen als Leutnant von Lernst in dem Lustspiel „Der Veilchensresser" auf. Ferner wirken mit die Herren Dommisch, Hoeser, Linkmann, Nieren, Ritter. Schelcher, Seitz, Volck, Wahlen, Sßefcner, Zingel, und die Damen Doering, Jahn, Jüngling, Koch, Schwend. Hilde Schwend vom Stadttheater Plauen, die als erste schwere Sentimentale und jugendliche Heldin ver» pflichtet wurde, und Reinhold Schelcher vom Schau» spielhaus Köln, der als jugendlicher Held und Lieb» Haber oerpflithtet wurde, treten mit dieser Vorstei» lung zum erstenmal in Gießen auf. Beginn der Vorstellung um 20 Uhr, Ende gegen 22.30 Uhr. " Dienftiubiläum bei der Reichs- bahn. Am 2. August konnte der Reichsbahnsekretär Ludwig Keßler beim Bahnhof Gießen auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar in Gegenwart des gesamten Bahnhofsbüro» Personals von dem Leiter des Bahnhofs, Reichs» bahnamtmann Dörr, die Glückwünsche und An» erkennung der Reichsbahnverwaltung ausgesprochen. Die Mitarbeiter des Jubilars ehrten ihn durch die Ueberreichung eines Iubiläumsgeschenks. Mit herzlichen Worten dankte der Jubilar für die ihm zu» teil gewordenen Auszeichnungen. •* Die Mieten in der Schwarzlach. Wie uns vom Wohnungsamt mitgeteilt wird, sind für die Wohnungen Typ B (3 Zimmer und Wohnküche mit Zubehör) in den städtischen Häusern am verlängerten Asterweg folgende Mietpreise zu zahlen: Parterre 48 Mark, 1 Obergeschoß 50 Mark, 2 Ober» geschah 49 Mark Die in unserem Bericht vom Sams» tag für diesen Wohnungstyp angegebenen Mietpreise waren gelegentlich des Besichtigungsgangs der Presse irrtümlich angegeben worden. "Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. Es verstorben in der Zeit vom 16. bis 31. 3uli in Gießen: 18. Margarete Henriette Schreiner geb. Hifolai. Witwe, 68 3., Ederstrahe5; 20. LouiS Reiß, Kaufmann, 49 3., Mäusbucgl2. 22. Katharine Größer geb. Weimer. Witwe, 813 . Walltorstraße 15; 22. Wil- Helm Walther, Drechsler, 54 3.. Lahnstrahe 27; 23. Ottilie Römheld geb. Feldmann, Witwe, 46 3., Gnauthstraße 1 29 3u ins Karl Christ, Reichs- bahnfekretär, 62 3ahre, Frankfurter Straße 125. ** Sonntagsfahrkarten am Verlas- Jung« tag. Der Verfasfungstag (11. August) ist in Hessen gesetzlicher Feiertag. Demgemäß läßt die Reichsbahnverwaltung in den hessischen Orten der Reichsbahndirektionen Frankfurt und Mainz Sonntagsfahrkarten ausgeben. Die voy diesen Bahnhöfen ausgegebenen Sonntags-Rück- sahrkarten gelten in diesem 3ahre zur Hinfahrt am Samstag, 9. August, von 12 Uhr an, am, Sonntag und am Montag den ganzen Tag, zur Rückfahrt am Sonntag und Montag den ganzen Tag, und am Dienstag bis 9 Uhr vormittags, d. h. die Rückfahrt am Dienstag muß spätestens mit einem Zuge angetreten werden, der um 9 Uhr den Zielbahnhof verläßt. „Graf Zeppelin" in Darmstadt Darmstadt, 4. "Aug. (TU.) Rach längerem Flug über das Rhein-Maingebiet, die Städte Frankfurt, Hanau und Mainz, den Taunus und den Odenwald, traf da- Luftschiff ..Graf Zeppelin" heute kurz nach 17 Uhr über Darmstadt ein. Eine Gewitterböe verhinderte jedoch zunächst die Canbung. Erst nachdem sich die Böe verzogen hatte, konnte das Luftschiff um 18.32 Uhr auf dem Griesheimer Land, umjubelt von Tausenden von Zuschauern, landen. Rach kurzem Aufenthalt erfolgte um 18.50 Uhr der Start zum Weiterflug. Friedrichshafen, 4. Aug. (WTB.) Das Luftschiff ..Gras Zeppelin" ist um 0.30 Uhr bei strömendem Regen glatt gelandet. 5lufl über Oberhessen, Gießen geschnitten. Aus feinem Rundfluge über dem Rhein-Main- gebiet passierte daS Luftschiff ..Graf Zeppelin" gestern gegen 13 Uhr R i d d a. ES flog dann weiter über Hungen bis In die Gegend von Langsdorf und schwenkte hier nach Südwesten in Richtung "Butzbach ab. Obwohl die Gießener Stadtverwaltung, Se. Magnifizenz der Rektor der Universität, der Derkehrsverein und andere für den Zeppelin-Luftschiffbau begeisterte Mitbürger die Leitung des ..Graf Zeppelin" wiederholt gebeten hatten, mit dem Luftschiff auch einmal bei Tage Gießen zu überfliegen, hat man bei der Luftschiffleitung diese Wünsche bisher stets unbeachtet gelassen. Gestern hätte dos Luftschiff von Hungen bis Gießen höchstens eine Flugzeit von 10 Minu- t c n gebraucht, zur Landung in Darmstadt wäre es auf alle Fälle noch zur vorgesehenen Zeit erschienen. Trotzdem wurde Gießen wiederum in geradezu auffälliger Weise geschnitten. 3n weiten Kreisen der Gießener Bevölkerung ist nachgerade der Eindruck entstanden, daß man bei der Leitung des „Zeppelin"" offenbar eine Animos ität gegen Gießen habe, die um so weniger zu verstehen sei, als vor einigen 3ahren Dr. Eckener hier in begeisterter Weise gefeiert wurde und unsere Bürgerschaft bei Geldsammlungen für Zeppelinzwecke auch stets eine sehr freigiebige Hand hatte. Häufig kann man in der Bürgerschaft die Meinung äußern hören, daß man nur bei Geld- fammhmgen untere Stadt zu finden wußte, im übrigen aber sich nicht um sie kümmere. Oberbeffen Schottener Sommermarkt. (Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers".) * Schotten, 5. Aug. Gestern und heute wurde hier der altbekannte und immer gern besuchte Scho11ener Sommer markt abgchalten. Am gestrigen Montag sand Pferde-, Bullen» und Rindoiehmarkt statt, heute ist vor allem der Schweinemarkt Mittelpunkt des ganzen Interesses Außerdem lenkt der Ärämermartt die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Gestern waren aufgetrieben 250 Stück Großvieh etwa 100 Kälber, 100 Pferde und 50 Fohlen. Der Handel verlies flott, die Preise waren den Verhältnissen entsprechend hoch.Für gute Pferde wurden je nach Qualität zwischen 1000 und 1500 Mark gezahlt. Fohlen kosteten je nach Qualität 200 bis 300 Mark. Großvieh kam pro Stück auf 400 bis 600 Mark, Kälber brachten Preise van 100 bis 120 Mark. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen etwa 750 Ferkel und Einleger zum Verkauf. Der Markt war von Käufern sehr stark besucht. In der Stadt, die mit Verkaufsbuden des Krämermarktes reich gefüllt ist, bewegen sich große Men» sä)enmasfen, so daß man mit gutem Grund sagen kann, daß der Schottener Sommermarkt nach wie vor ein Hauptpunkt des Verkehrs und Wirtschaftslebens im Vogelsberg ist. Ziegen- und Schweinemarkt in Hungen. //Hungen, 4. Aug Der gestern hier ab» gehaltene Ziegen- und Schweinemarkt war mit 86 Ziegen (einschl. Lämmer) und mit 597 Ferkeln beschickt. Der Handel auf dem Ziegen» markt war gut, es wurden eine ganze Anzahl Böcke und auch Ziegen verkauft und für Ziegen- bocke bis zu 120 Mark, für Ziegen je nach Qualität bis zu 90 Mark bezahlt. Der Handel auf dem Ferkelmarkt war infolge des reichlichen Angebots mittelmäßig, es verblieb Ueberftanb. Bezahlt | wurden für bis zu 6 Wochen alte Ferkel 18 bis 20 Mark, 6 bis 7 Wochen alte 21 bis 30 Mark. 7 bis 8 Wochen alle 31 bis 36 Mark, 8 bis 10 Wochen alle 37 bis 42 Mark. Der Markt hatte im allgemeinen unter der ungünstigen Witterung (es setzte um etwa 9.30 Uhr Regen ein) zu leiden, lieber die Prämiierung werden wir noch berichten. Landkreis Wickcii. X Allendorf (L a h n). 4. Aua. Die hiesige Feldbcreinigungsgefellschaft hat an Unkosten für die Anführung der Zusammenlegung noch den Betrag von 70 000 Mark aufzubringen. Rach KommlsiionSbefchluh soll dieser Betrag auf die beteiligten Grundbesitzer dergestalt umgelegt werden, daß diese pro Morgen 25 Mark und für den Quadratmeter Dvnitie- rungswert 1,6 Pf aufzubringen haben. Wie der notleidende Landwirt diese Beträge und die Zinsen aufbringen kann, ist vorerst noch unklar. Die Beteiligten haben daher bei tvt hessischen Regierung Schritte unternommen mit der Bitte, die Beträge zu ermäßigen bzw. einen StaatS- zuschuß hierzu zu gewähren. Ärcie Büdingen. y. Ridda. 4. Aug Der Kur- und Der-- kchrsverein Dao Salzhausen -Ridda: hat auf der Beunde, neben dem DiSmarckstein, einem der schönsten und aussichtsreichsten Punkto zwischen Dad Salzhausen und Ridda, einen AuS- fichtstempel und zugleich eine Schutz- Hütte errichten lassen. Dieser kleine Bau kommt einem dringenden Bedürfnis entgegen und mürbe dieser Tage mit einer kleinen, stimmungsvollen Feier vom Kur- und Derkehrsverein der Stadt Ridda in "Verwaltung und Besitz übergeben. Der Borsitzende des KurvereinS, Geh. 3uftiArat Römheld. hier, gab zuerst einen Ucberolick über die Entstehung des Planes und dankte aHcn Förderern desselben und für die Unterstützungen zu dessen Ausführung. Er übergab Bürgermeister Rullmann die neue Beundehütte in Besitz der Stadt Ridda. Bürgermeister Rull- m a n n übernahm mit herzlichen DankeSWorten die schöne Hütte und versprach, sie in besonderen Schutz der Stadtverwaltung gegen Beschädigung und Verschandelung zu stellen. Ermittelte Frevler würden unnachsichtlich zur Anzeige gebracht werden. An die Uebergabe schloß sich eine gemütliche Rachfeier im Tempelchen und in dessen Umgebung. — Der Dorstand der Bezirkssparkasse Ridda wählte kürzlich den seitherigen langjährigen Gehilfen der Kasse, Heinr. M e u b, zum Rachfolger des vor zwei Monaten verstorbenen Kontrolleurs Karl Düppel. „?“ Ridda, 4. Aug. Die Kriegerkameradschaft „H a s s i a", Bezirk Ridda. veranstaltet am 10. August hier ein Kriegersest. Dies dürfte daS erste fein, das feit Kriegsbeginn 1914 abgehalten wird. Aus dem Riddatal, 4. Aug. Die zahlreichen Dreschmaschinen unseres Tales sind in ihre Dreschbezirke in der Wetterau abgerückt. Der Beginn der Dreschsaison liegt fast 14 Tage früher, als in normalen 3ahren. Die .kleinen" Leute haben schon ihre Frucht an den Ortsau-- gängen dreschen lassen. Man ist mit dem Druschergebnis allgemein zufrieden, wenn auch bei Lagerfrucht die Körner nicht die Dollkommenheit der vorigen Ernte erreichten. Berliner Sorte. Berlin, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Auch im heutigen Frühverkehr änderte sich an der lustlosen Stimmung für Effekten nichts. Bei den Banken war immer noch kein Kaufinteresse der Kundschaft feft» zustellen, auch Anregungen besonderer Art fehlten weiterhin. Die Tendenz ist daher vorläufig als ge» schäftslos und abwartend zu bezeichnen. Arn Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,81, Conbon gegen Mailand 92,98, London gegen Spanien 43,70, London gegen Buenos 40,45, London gegen Kabel 4,8716 zu 4,8719, London gegen Berlin 20,3775 zu 20,38, Kabel gegen Berlin 4,1830. Verantwortlich für das Feuilleton i. 93.: Or. Fr. W. Lange. werden behoben durch Kaiser-Natron. Milde im Geschmack, sehr bekömmlich, überzeugen Sie sich durch einen Versuch. Nur in grüntr Origintipackung, nitmalt Iota, In den meisten Geschaffen Rezepte gratis. Arnold Holste Wwe. Bielefeld (4.681 / • V/. L r & Die Statistik zeigt, daß der Gesamt-Verbrauch an Zigaretten in Deutschland gesunken ist. In diesen Zeiten der Umsatz-Stockung steigt unser Kolli»! Umsatz. Daran erkennen wir, wie richtig es ist, dem Raucher für sein gutes Geld einen vollen Gegenwert in hoher Qualität zu bieten. Wirble ins Leben! Roman von Anna Zink. Llrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau, 6.-QL 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Nun, etwas gefunden?" fragte er, als er der Männer ansichtig wurde. Die schüttelten nur die Köpfe. „O weh'" sagte der Alte aufrichtig bekümmert. Sie stiegen ein und fuhren in den Ort zurück. „Ich glaube", nahm Grundmann das Wort, „das beste ist, der Herr und sein Chauffeur quartieren sich bei uns im Oberen Gasthof ein. Das ist wohl bescheiden, aber sauber und gut. Llnd das Auto kann man auch einstcllen. Morgen können wir dann frühzeitig unsere Nachforschungen wieder aufnehmen." Contius mußte dem Mann beistimmen. Sie waren bald am Gasthof angelangt. Dort waren die Wirtslcute noch wach. Rührend war ihre Teilnahme, als sie hörten, daß alles Suchen bislang vergeblich gewesen war. Reginald und ebenfalls sein Chauffeur zogen sich gleich zur Ruhe zurück. Reginald fühlte sich wie gerädert. Er wollte noch einen Bericht an Much verfassen, aber der Federhalter fiel ihm aus der Hand. Kaum konnte er sich noch entkleiden, dann sank er ins Bett und verfiel fofort in liefen traumlosen Schlaf. „Haben Sie sich auch gewiß nicht verhört, gnädige Frau?" fragte Bernhard Much. Er war zum erstenmal aufgestanden und sah in einem bequemen Sessel. Sein Gesicht war noch immer blaß; dunkle Ränder unter den Augen zeugten von Schmerz, die ihm seine kranke Schulter immer hin und wieder noch bereitete. Qlber seine Bewegungen waren frisch und lebhaft, und seine Sprechweise hatte wieder die alte Bestimmtheit die seine Freunde an ihm kannten. „Nein, nein", widersprach Frau von dem Berg lebhaft und fuhr dann fort: „Mein Mann hat es ebenfalls gehört, wie Barbara den Herrn als Dr. Siegcrt vorstellte. Da ist ein Irrtum vollständig ausgeschlossen. Nicht wahr?" wandte sie sich an ihren Gatten. Herr von dem Berg nickte würdevoll mit dem Kopf. „Iawohl, das muß ich dir bestätigen, meine Liebe. Du hörst zwar manchmal allerhand, was gar nicht gesagt worden ist, aber diesmal gerade kann ich nur sagen, verehrter Freund: Ich habe den Namen auch klar und deutlich verstanden." Er zog ein blaugesprenkeltes Taschentuch hervor und tupfte sich sorgsam Glatze, Stirn und Backen ab. „Bitte, beschreiben Sie mir den Herrn doch ganz genau", bat Much, „Sie werden verstehen, daß ich Klarheit haben möchte, um jeden Preis." „Aber natürlich, Herr Much", flötete Frau von dem Berg in ihren süßesten Tönen und wippte kokett mit dem übergeschlagenen Bein. Ein sehr kleiner Schuh, bestimmt das neueste Pariser Modell, bekleidete ihren Fuß. Sie wußte, daß sie wohlgeformte Beine hatte und zeigte sie gern. Ihr Kleid reichte knapp bis zum Knie. Für Muchs korrekte Ritterlichkeit hatte sie eine kleine Verliebtheit, und er war durchaus nicht unempfänglich dafür. Sie und auch ihr Mann begannen nun eine genaue Schilderung des fraglichen „Dr. Siegelt", und Much sagte zum Schluß: „Nein — fraglos ist es Herr Reginald Contius, derselbe, den mir Barbara als ihren Iu- gendfreund ins Haus brachte, und den ich auf ihre dringenden Bitten hin bei mir gastlich aufnahm." „Ich verstehe aber nicht", fuhr Much nach einigem Nachdenken fort, „welchen Grund er oder Barbara hatte, einen anderen Namen anzugeben als den, den sie mir nannte?" „Aber das ist ja so einfach, bester Freund", platzte Frau von dem Berg heraus, die es natürlich kaum abwarten konnte, ihre Weiheit und Kombinationsgabe anzubringen. Bernhard Much zuckte die Achseln. „Gnädige Frau, mir ist das gar nicht klar. Ich wäre Ihnen aufrichtig verbunden, wenn Sie mir da etwas die Augen öffnen würden." „Hat Ihnen Barbara nicht auch das Märchen von der Autopanne erzählt?" fragte die Dame mit reichlich spöttischem Lächeln. „Gewiß hat sie mir das berichtet", gab Much Plötzlich und unerwartet entriß uns heute der Tod unsre heißgeliebte Anni Margrete im zarten Alter von 11 Monaten. In tiefem Schmerz: Albert Steinmüller und Frau nebst allen Angehörigen. Heuchelheim, den 4. August 1930. d4S2D Die Beerdigung findet Mittwoch, 6. Aug.. nachm. 4 Uhr vom Sterbehaus, Ludwigstraße 7 aus statt. Möbelwagen-Lastzug Zur Mitnahme von Gütern bieten an: am 8. August Gießen - Somberg a. d. Ohm am 9. Aug. Gernsheim, Darmstadt, Frankfurt a. Al.-Gießen am 18. August Alzey, Mainz - Gießen o^g Keßler & Berkel, Möbeltransport Kreuzplah 6 — Telephon 3368 Autodroschkenruf Telephon 4242 Am Bahnhofsplatz große und kleine Wagen stets greifbar Ausschneiden 1 Aufhingen I 04889 CafedÄmend SYlittwod), den 6. &lugust1930 djüunsd) ~ Süßend mit verstärkter Di aus kap eile. 5488D Mittwoch, den 6. 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Baubureau: Städtisches Hochbauamt, Asterweg 9 II. Die Angebote müssen verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen fein. Städtisches Hochbauamt: Graoert. Bekanntmachung^ Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Juni 1930 können noch bis zum 15. d. M. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 5483D Eine schriftliche Mahnung ergeht nicht mehr. Gießen, den 4. August 1930. Direktion der Elektrizitätswerke, lleberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen. Stolte. erstaunt zu. „aber warum sagen Sie, das Märchen von der Autopanne? Ich verstehe Sie immer weniger." Nun mußte Frau von dem Berg lachen. „Nein, ihr Herren der Schöpfung seid doch gar zu blind!" kicherte sie, bis ihr Mann ihr einen nicht mißzuverstehenden Wink gab, daß ihre Heiterkeit wirklich nicht am Platz war. Sie verstand und wurde ernst. „Sie können überzeugt sein, Herr Much, daß ich über Barbaras Verhalten sehr betrübt bin. Es ist doch ganz klar: Sie hat fick) ein heimliches Rendezvous mit ihrem früheren Freund gegeben. Es war deutlich zu merken, wie peinlich es ihr war, uns beide zu treffen. Und die Art und Weise, in der sie unser Angebot, sie zu Ihnen zu begleiten, abwies, lieh auch nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig." Das traf. Bernhard Much war es, als leuchte ihm jemand mit einem starken Scheinwerfer plötzlich ins Gesicht. Das tat in den Augen, int Kopf so weh, daß er die Augen schloß und das Gesicht mit den Händen bedeckte. „Ich kann leider nur sagen", lieh sich Herrn von dem Bergs fette Stimme vernehmen, „dah meine Frau in gewissen Dingen eine sehr feine, untrügliche Nase hat." Much stöhnte leise. „Diesem Menschen habe ich vertraut — ich habe ihn wie einen Freund behandelt, habe ihn damit betraut, Barbara zu suchen, habe alles in seine Hand gelegt. Und nun ist's wahrscheinlich nichts anderes als ein abgekartetes Spiel zwischen den beiden, um mich in aller Bequemlichkeit mit meinem Geld zu betrügen. Ich Esel sitze also hier in tausend Aengsten um sie! O, es ist fürchterlich!" „Sehen Sie, lieber Herr Much", ergriff Herr von dem Berg gerührt das Wort, „deshalb sind wir zu Ihnen gekommen, um Ihnen als getreue Freunde die Augen zu öffnen und Ihnen behilflich zu sein." Er putzte sich geräuschvoll die Nase, er hatte ein weiches Herz. Frau von dem Berg aber sprang auf, lief zu Much hin und drückte ihm lange die Hand, wobei sie ihm so innig und teilnehmend in die Augen sah, daß Bernhard Much eine leise Abwehr nicht unterdrücken konnte. „Tragen Sie es wie ein Mann", flüsterte ihm die Dame zu. „Sie bewahren doch immer so viel Haltung, das ist ja so prachtvoll an Ihnen." Much tat diese temperamentvolle Teilnahme wohl. „Was wollen Sie jetzt gegen diesen Menschen unternehmen?" fragte Frau von dem Berg mit glühendem Interesse. „Ich würde ihn als Betrüger anzeigen und ihm außerdem den Ehebruch zur Last legen." „Ich muß mir die Sache durch den Kopf gehen lassen", erwiderte Much. „Man darf da nichts Unüberlegtes anfangen. Ich möchte versuchen, mir noch einige Beweise zu verschaffen." „Aber ich bitte Sie, das sind doch Beweise genug!" rief Frau von dem Berg. „Das dürfen Sie doch nicht auf sich sitzen lassen. Sollen wir die Sache in die Hand nehmen, weil Sie doch immer noch sehr leidend sind?" „Danke, danke, gnädige Frau!" Much erhob beide Hände, „so sterbenskrank bin ich nun doch nicht mehr. Ich möchte das doch selbst erledigen." „Ia, liebes Kind, das sind so heikle Angelegenheiten, daß wir sie Herrn Much überlassen wollen. Wir haben jedenfalls unserer Freundespflicht genügt. Was er zu tun hat, liegt bei ihm. Da dürfen und wollen wir uns nicht hineinmischen", sprach Herr von dem Berg. „So ist es", erwiderte Bernhard Much liebenswürdig. „Ich bin Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin sehr, sehr dankbar für Ihre Winke. Aber — mich betrifft es, wie gesagt, am schmerzlichsten, und ich muß damit fertig werden!" Er stützte müde den Kopf in die Hand. „Komm, komm, Herz! Wir dürfen Herrn Much mit unserem Besuch nicht zuviel werden. Wir kommen ein andermal wieder", drängte Herr von dem Berg seine Frau und stand auf. Sie wäre am liebsten noch stundenlang geblieben und hätte eingehend alle Möglichkeiten dieser pikanten Angelegenheit erörtert, aber sie fügte sich. Ihr Mann konnte manchmal recht unangenehm werden, wenn sie nicht zur Zeit nachgab. (Fortsetzung folgt.) Gänzlicher Ausverkauf wegen Aufgabe des Ladengeschäfts! Sämtliche Schuhwaren zu bedeutend ermäßigten Preisen! 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Landespfandbriesanstall, Pfandbriefe R. 10...... 101,25 _ 101,75 98 98 97 97 A.G.G. abg. Bortriegi-Obttgatio neu. rückzahlbar 1932 ..... 92 —— 4% Oesterretchtsche Goldrente . 4,20% Oesterreichische Gilbertentf 4% CefterreWfdje Einheitliche Rente ......... •% UnaarW Goldrente .... 4% Ungarische Gtaatsrente V. 1910 4y,% betfll. von 1913 ... 4% Ungarische Rronenrente . . 4% ramsche ZoUanleihe von 1911 4% ramsche Vagdodbahn-Anl Serie ............ 4% bergt. Serie II . - - - - 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 ......... 4%% Rumänische vereinh. Rente von 1913 .......... 4% Rumänische vereinh. Rente . 26,5 23,5 2,15 5 5 5 15,75 7,3 24,15 26,4 2,15 23,75 19,8 20,75 2,13 5,1 5,13 9,7 16 7,45 3,2 2,15 24,2 2,1 5 5,1 5,1 7,5 Frankfuri a. Ul Berlin Schluß- iure l-Uhr- Kurs Schluß- für» Anfang« KurS Datum 4. 8. 5. 8. 4. 8. 5 8. oamvurg-Amerila ’iiaiei . . < 91 88,5 90 89 Hamburg-Güdam. Dampfschiff 8 — — — Hansa Dampfschiss..... 10 — — 125 — Norddeutscher Llovd .... 8 90 89 90,25 89,13 Allgemeine Deutsche Creditanst. 10 107,25 —- 107,5 107 Barmer Bankverein .... 10 114.5 114,5 114,5 114,5 Berliner Handelsgesellschaft . 12 146 — 145,25 144,75 Commerz- und Privat-Bank . 11 131,5 130 131 130 Darmstädter und Nationalbank 12 183 — 183 182 Deutsche Bank und DiSconto-Gesellschaft, . . . 10 126 — 126 125 Dresdner Bank...... 10 126,5 — 126 125,25 Reichsbant........ 12 241 — 241,5 240,5 A.E.G........... 8 139,5 138,5 139,25 138,75 Bergmann........ 9 — — 172,5 172,5 (Helft. LieferungSgesellschaft. 10 — — 127,75 127 Licht und Krall...... 10 135,5 — 135.13 134 Fellen & Guilleaume . . . IVi 99,5 99 100 97,5 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 136,25 135 136,25 134,5 Hamburger Elektrizitäts-Werke 10 131 129,5 Rheinische Elektrizität . . . . 1) — — — — Schlesische Elektrizität. . . . 10 — — 130,5 129,25 Schubert & (So..... . 11 149,5 182 150,5 Siemens & Halske ..... 16 189,5 186,5 189,25 187 Transravio . ....... . 8 — — — Lahme y er & So...... . 10 154 — 153 — Buderus......... . 6 60,5 — 59,5 — Deutsche Erdöl ...... . 6 — 73 73,25 72,5 . t- — — — —— Gelsenkirchener ...... . 8 107,5 — 107,25 105,5 Harpener......... . 0 95,5 — 95,75 94 Voesch Eilen. ...... 6’/r — — 85 84 Iile Bergbau . ...... 10 — — 224 —- Klöcknerwerke ....... — — 82 81 Köln-Neuellen..... . 7 — — 82,5 82,25 ManneSmann-Röhren ... . 7 84,5 — 84,25 83,75 Mansselder Bergbau .... . 7 — — 53,5 53,4 Oberschlel. Eilenbedarf . . . . 6 — — Oberschlej. Kokswerkb.... . 7 — — 87 85,75 Phönix Bergbau...... S'/, 76,5 76,75 76,75 Rheinische Braunkohlen . . 10 216 214 216,5 214,5 Rheinstahl........ . 6 89,5 89,5 89,25 Site deck Montan ...... 7,2 — Frankfurt a. Dl. | Berlin Schluß-! Furt) 1-Uhr- Kur» Schluß- kurS Anfang- Kurs Datum 4. 8 5. 8. 4- 8 5. 8 Bereinig,e Stahlwerke - 16'/. 77 — 77,25 77 Otavi Minen .... 39 39,5 Kaliwerke AlcherSIeben . . 10 185,5 185 184 Kaliwerke Westeregeln . . 10 191 — 191 190 Kaliwerke Salzdetfurth . . 15 317 — 317 312,5 I. G. Farben-Industrie . . 12 149,65 148,75 150,4 149 Dynamit Nobel . . . ... 6 — — 70,25 — Scheideanstalt.... ... 9 138,25 — —- —— Goldlchmidt ..... ... 5 55 54,5 55,25 55 RülgerSwerke .... ... 6 49,5 48,5 49,4 48,25 Melällgesellschast. - . ... 8 104,5 — 104 103,75 Philipp Hol,mann ...... 7 Zementwerk Heidelberg . . 10 vementwerk Karlstadt. ... 10 Wavb & Freytag......6 GdiultbeUl Patzenhoser ... 16 Lltwerke.........12 Atu...........lk Bemberg.........K Zellstoff Waldhos .... 13'/, Zellstoss Aschaffenburg . . . 12 Charlottenburger Wasser . . . k Dessauer Gar........ 9 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau A.-G. ..... 0 Rat. Automobil.......O Ctenflein & Koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 10 Gtienilo ......... frankfurter Maschine» .... 4 Gritzner ...... 6 Heyligenstaedt.......0 Iunghan«.........6 Lechwerke..........8 Mainkraftwerke Höchst a.M-. .8 Miag...........10 Gebr. Roeder ....... 10 Voigt S Haesfner ...... 9 Süddeutsche fluder .... 10 75,5 — 75,5 73 103,5 — — — 125 —— —— — 70 — 70 — — — 260 257 — —— 208 205 85 85,5 86,75 89,75 85,25 90 —— 87,5 — — 127,5 126 — 96,75 97 95 — — 93,75 93 —• 129,5 128,5 27,5 27 27,4 26,25 179 — 178,5 177 — 42 41,75 — — 10,75 10,25 — 60 59,25 130 — — 130 — 303,5 302,5 22,75 —— 22 — 31 — 30,5 — ew 30,5 — 30,25 — 93,75 — — — 86 — — 85 100 — — — 156 — 156 — 150,25 — 150,25 —• Vanknoten. Deoifcnmarfl Berlin — Frankfurt a Hl Derlin, 4- August (Selb Dries " Amerikanische Noten...... 4,162 4,182 Belgtlche Noten ....... 58,50 58,74 Dänilche Noten ........ 111,88 112,32 Englische Noten ........ 20,33 20,41 Französische Noten . ...... 16,436 16,496 Holländische Noten....... 168,13 168,81 Italienische Noren. ....... 21,96 22,04 ^korwegilche 'JZolen....... 111,73 112,22 Deutsch-Oesterreich, ä 1OO Schilling 59,16 59,40 giumöiiiiche Noten ....... 2,46 2,48 Schwedische Noten ....... 112,25 112,69 Schweizer Noten ........ 81,36 81.68 Spanische Noten ........ 46,31 46.49 Tschechoslowakische Noten..... 12,385 12,445 Ungarische Noten ....... 73,10 73,40 4. August 5 -August Amtliche Notierung Amtliche Aoilerung Geld Zlrlc Geld Vr>e Amlt.-Nott. 168,32 168,66 168,34 168,68 Buen-AireS 1,504 1,508 1,506 1,510 Brss. Antw. 58,49 58,61 58,49 58,61 Christiania. 112,04 112,26 112,04 112,26 Kopenstagrn 112,10 112,32 112,65 112,10 112,32 Stockholm - 112,43 112,42 112,65 ßelfinoford. 10,518 10,538 10,519 10,539 Ikalien. . . 21,89 21,93 21,89 21,93 London. . . 20,356 20,396 20,36 20,60 Neuyork . . 4,17»5 4,1865 4.179 4.187 Pari«.... 16,44 16,48 16,44 16.48 Schwei» . . 81,23 81,39 81,265 81,425 Spauieu . 46,70 46,80 46,50 46.60 Sapan . • • 2,064 2,068 2,076 2,080 -Hio de ftan Wien in D-- 0,434 0,436 0,434 0,436 Ceft. abfleft 59,105 59,225 59,095 59,215 Prag . . . 12,393 12,413 12,396 12,416 Bel irad . . 7,421 7,435 7,415 7,429 Badavest. . 73,29 73,43 73,30 73,44 Gulgarien . 3,032 3,038 3,032 3,038 Lissabon . 18,77 18,81 18.77 18,81 Danzig. . . Äonftantin. 81,40 81,56 81,43 81,59 1,784 1,789 1,784 1.789 Athen. . . 5,435 5,445 5,435 5,445 Canada . . 4,185 4,193 4,185 4,193 Urnpuat). . 3,417 3,425 3,417 3,423 Cairo . . . 20,865 20,905 20,87 20,91