Nr. 3) Erstes Blatt |80. Jahrgang Mittwoch. 5. Zebruar 1930 Erich,in' «öglich,anher Sonntags und 5eiertaga Beilagen: Die Illustrierte _ Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monats-Be$iigspret$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichsplennig für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsorechanfchlüffe anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehen. Postscheckkonto: Zranlfurt am Main 11686. GWmrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrriil und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vuch- vnd Stcinbruderd 8. Lange in Gletzen. schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraste 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen oon 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrrst 20” . mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Gange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen Oiskoniermäßigung der Reichsbank. Herabsetzung des Wechseldiskonts von 67z auf 6 v. H. — Um die Unabhängigkeit der Reichsbank. - Keine grundlegende Aenderung des Reichsbankstatuts. Diskont und Kredit. Wie im Wirtschaftsteil des heutigen Blattes aus- | führlich mitgeteilt wird, hat die Reichsbank den Diskant van 6,5 auf 6 o.5). gesenkt, was sowohl der internationalen Geldmarktlage als den besanderen Verhältnissen der Reichsbank entspricht. Es ist aber verfehlt, in dieser Diskantsenkung so etwas wie einen Auftakt für die Konjunkturbelebung zu sehen, wie das in den wirtschaftspolitischen Darlegungen der Sozialdemokratie und der Freien Gewerkschaften geschieht. Einer der schwersten Vorwürfe, die die Sozialdemokratie dem Reichsbankpräsidenten macht, ist ja der, daß er f i ch weigere, den Diskant zu senken, obschon diese Verminderung der Kreditkasten zu einer Ankurbelung der Wirtschaft führen müsse. Wenn im gleichen Zuge dem Reichsbankpräfidenten auch der Vorwurf gemacht wird, daß er den Z u st r a m ausländischen Kapitals eigensinnig verhindere, so ist das eigentlich ein Widerspruch, denn das internationale Kapital geht nur dahin, wa es die höchsten Zinsen erhält. Nachdem die Sozialdemokratie erst kürzlich gemeinsam mit den Freien Gewerkschaften eine Kundgebung erlassen hat, die Auslandkredite für den Wohnungsbau zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit forderte, ist wohl damit zu rechnen, daß bei den Kämpfen um den Reichshaushalt und den Finanzumbau diese Forderung noch eine Rolle spielt. Nichts wäre aber verhängnisvoller, als den Wohnungsbau in Deutschland mit Auslandkapital zu finanzieren, zumal es sich beim Wohnungsbau volkswirtschaftlich auch um Gebrauchsgüter, nicht aber um werbende Anlagen handelt. Die Wohnungszwangswirtschaft hat den Baumarkt ohnedies so gründlich verfahren, daß schwere Rückschläge von unabsehbarer finanzieller Tragweite drohen, wenn es in einigen Jahren gelingt, die Jnlandkapital- bildung so weit zu steigern, daß wir den Zinsfuß wirklich senken können. Daran ändert auch das Eigenlob nichts, das sich dieser Tage das preußische Wohlfahrtsministerium gespendet hat, als es auf die starke Wohnungsbautätigkeit der öffentlichen Hand hinwies. Nebenbei bemerkt, hat diese Tätigkeit in keiner Weise ausgereicht, die Wohnungsnot irgendwie zu lindern. Der Diskontsatz mit 6 v. H. i st noch immer der höchste in allen durch industrialisierten Ländern der Erde. Frankreich hat den Diskont ■auf 3 v. H. herabgesetzt, was es bei seinem ungeheuren Kapitalreichtum auch vermag, ganz abgesehen davon, daß die deutschen Tribute dazu ausreichen, die Kriegsverschuldung Frankreichs völlig abzudecken. Der Diskont in England und Len Vereinigten Staaten ist ebenfalls niedriger als der in Deutschland, was auch für Holland und die Schweiz gilt, die die Kapitalzentren der Erde sind. Durch banktechnische Maßnahmen können wir diesen Diskontsatz nicht erreichen, denn er ist kein Ding an sich, sondern gewissermaßen auch das Spiegelbild der wirtschaftlichen und finanziellen Lage. Ein ka- pitalarmeS Land, wie es Deutschland noch immer ist, kann den Diskont nicht senken, wie sich das etwa Frankreich zu leisten vermag. Wir haben ja schon einmal den Versuch gemacht, mit dem Diskont auf 5 v. H. herunterzugehrn, ohne daß dies der inländischen Geldmarktlage entsprach. Damals brachte der frühere Reichsfinanzminister Reinhold die 500-Millionen-Mark-Anleihe heraus, die er mit einem Zinsfuß von 5 v. H. ausstattete, um so einen Druck auf den Geldmarkt auszuüben. Weder der Diskont konnte sich bei 5 v. H. halten, noch gelang es, die Anleihe unterzubringen, weil die Kapitalknappheit eben so groß war, daß dem durch einen höheren Zinsfuß Rechnung getragen werden muhte. Das Cin- strömen ausländischen Kapitals hat uns damals über die inländische Konjunktur getäuscht, was zu einem schweren Rückschlag hätte führen müssen, wenn nicht die Wirtschaft durch den englischen Vergarbeiterstreik tatsächlich angekurbelt worden wäre. Daß die Senkung des Diskonts die Wirtschaft entlastet, trifft zu, doch nicht in dem Ausmaß, wie es vielfach behauptet wird. Daß die Kapitalbildung das wichtigste Problem für unsere Wirtschaft ist, wird zwar allgemein zugegeben, aber es fehlt an Mut, die Folgerungen daraus zu ziehen. Wir verkennen viel zu sehr, welchen volkswirtschaftlichen Einfluß die Tribut la st auf die Kapitalbildung hat, da dieser regelmäßige Abfluß von zwei Milliarden Mark die echte Kapitalbildung verhindert. Rehmen wir hinzu, daß wir heute schon mit rund 18 Milliarden Mark an das Ausland verschuldet sind, die wir verzinsen und zurückzahlen müssen, so zeigt das schon. daß unsere Zahlungsbilanz auf Jahrzehnte hinaus mit 3,5 Milliarden Mark belastet ist. Davon stammen zwei Milliarden Mark aus dem Tribut, während 1,5 Milliarden Mark mindestens für die Verzinsung der Auslandverschul- düng aufzubringen sind. Da unter dem Reuen Plan fein Währungsschuh oder eine Transferklausel besteht, so ergibt sich daraus schon der Zwang, jede weitere Auslandverschuldung zu drosseln und das ganze Gewicht auf die inländische Kapitalbildung zu legen. Das geänderte Reichsbankstatut. Tie Wahl des Ncichsbankpräsidentcn. Berlin, 5. Febr. (Priv.-T«l.) Die „Voss. Ztg." veröffentlicht einen Auszug aus der Begründung zu der Aenderung des Reichsbankgesetzes, in der auch Stellung genommen wird zur Ernennung des Reichsbankpräsidenten und des Generalrats der Reichsbank. In dieser Begründung heißt es u. a.: Die Wahl des Präsidenten durch den Generalrat war beizubehalten, wobei dem Reichsbankdirektorium entsprechend seiner kollegialen Verfassung das Recht, vorher gehört zu werden, neu zugestanden worden ist. Ebenso erfolgt auch weiterhin die Ernennung der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums nach Zustimmung des Generalrats durch den Präsidenten. Bei voller Wahrung des Grundsatzes der Unabhängigkeit der Reichsbank erschien es jedoch angebracht, das bis. herige beschränkte Bestätigungsrecht des Reichspräsidenten bei der Ernennung des Reichsbankpräsidenten in ein echtes Bestätigungsrecht umzuwandeln. Ebenso ist die Bestellung der Mitglieder des Reichsbunkdiretto- riums fortan von der Bestätigung durch den Reichspräsidenten abhängig gemacht worden. Auf denselben Erwägungen beruht der Zusatz, wonach die A b - b e r u f u n g des Präsidenten oder eines Mitgliedes Berlin, 4.Jebr. (Prio.Tel.) Endlich find die (Etatsberatungen des Reichskabinetts anberaumt worden. Morgen vormittag wird der Reichsfinanzminister seinen Haushaltsplan der Reichsregierung präsentieren. 3n dieser Sitzung dürfte es allerdings zunächst nur zur Beratung des Einleitungsschreibens kommen, in dem aber alle Einzelheiten bereits kursorisch enthalten sind. Bei dieser Gelegenheit wird demnach auch die Entscheidung über die Steuergesehe fallen, deren Annahme im Kabinett jedoch durchaus sicher ist. Dagegen wird es in der JJarteifüfjrerbe- sprechung am Donnerstag zu allerhand Auseinandersetzungen kommen. Die Sozialdemokraten lehnen die A m s a h st e u e r ab, wobei die Abgeordneten Hertz und Keil die schärfste Opposition ausüben. Das Zentrum ist dagegen mit der W einst e u e r nicht einverstanden, weil es sich zur Rücksicht auf die deutschen Winzer gezwungen fühlt. Trotzdem hofft man, im Hinblick auf die Rotlage Der Reichsfinanzen, auch hier für die Zustimmung der Regierungsparteien zu erhalten. Da schon in kurzer Zeit geklärt werden muh, was zu geschehen hat. Im Namen Der Familie des Kommerzienrats Heinrich Meußdörfer übersendet der Brauereidirektor Wilhelm Meußdörser in Kulmbach Der „B. Z." eine Erklärung. Die Familie legt Dar, Daß nicht oon ihrer Seite, sonDcrn in i t Z u st i m - mung von Staatsanwaltschaft unD Untersuchungsrichter oon Der Polizei an Den verhafteten Schuberth herangetreten wor- Den sei mit Dem Hinweis, Daß seine Frau GelD bekäme, wenn er eingestehe. Seit Dem 11. November, etwa einer Woche nach Der ToDesnacht, war Schuberth, Der mit Zuchthaus u n D G e - fängnis vorbestraft ist, zur Verbüßung von fünf Monaten Gefängnis wegen Diebstahls in Strafhaft. Der untersuchenDe Polizeioberkommissar Schisfner nahm an, er habe kurz vor Antritt Der Strafe für seine Familie, eine schwächliche Frau unD Drei KinDer, noch Geld beschaffen wollen. Er besuchte Schuberth in Der Gefangenenanstalt St. Georgen in Bayreuth. Dort sagte Schuberth zu Dem Kommissar: Wenn Der junge Meußdörser meiner Frau 5000 Mark bezahlt unD mir meine Frau Dies im Gefängnis mitteilt. Dann sage i ch, was in Dieser Nacht, vorher unD nachher war. Schisfner verständigte Staatsanwalt, chast und älntersuchungsrichter. Der Untersuchungsrichter vernahm Schuberth, brachte aber nichts heraus, inzwischen war auch Popp wegen des Verdes Direktoriums derBestätigung durchden Reichspräsidenten bedarf. Während die schon bisher für eine Zuwahl oder Ergänzung des Reichsbankdirektoriums durch Wahl eines neuen Kandidaten erforderliche Zustimmung des Reichs- ■ bankdirektoriums auf Grund eines einfachen Mehrheitsbeschlusses erteilt oder versagt werden konnte, soll jetzt die Zustimmung nur dann als versagt gelten, wenn Zweidri11el der Mitglieder gegen Den zu Wählenden gestimmt haben. Die neue Bestimmuna, wonach eine Fühlungnahme des Vorsitzenden Des Generalrats ober seines Stellvertreters mit der Reichsregierung über die vorn Generalrat für Die Wahl in Aussicht genommenen Mitglieder vorgesehen ist, bezweckt, der Reichsregierung die Möglichkeit zur Stellungnahme und zur Aeußerung etwaiger Wünsche über die Stellenbesetzung zu geben. EinnenerGewinnverteilungs- schlüsiel bei der Reichsbank. Tas Reich soll stärker beteiligt werden (Berlin, 4. Febr. (WV.) Wie der Oeffent- lichkeit seit längerer Zeit bekannt ist, besteht die Absicht, die gegenwärtigen, für das Reich sehr ungünstigen Gewinnverteilungsbestimmungen des Reichsbankgesehes gelegentlich der Anpassung des letzteren an den Voung-Plan abzuändern. Die Besserstellung des Reiches ist in der Weise in Aussicht genommen, daß nach Ausschüttung einer Mindestdividende von 8 v. H. an die Anteilseigner der Gewinnverteilungsschlüssel derart abgeändert wird, daß von den ersten 25 Millionen Mark das Reich 75 v. H., die Anteilseigner 25 v. H., von den nächsten 20 Millionen Mark, das Reich 90 v. H, die Anteilseigner 10 v. H. und von dem dann noch etwa verbleibenden Restbetrag das Reich 95 v. Sy und die Anteilseigner 5 v. H. erhalten. Ilm den Anteilseignern für diese neue wenn die Frist für die Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung abläuft, wobei Das Reichsarbeitsministerium fordert, daß zur Ansammlung eines Fonds für den Winter die Erhöhung auch über den Sommer hinaus in Kraft bleiben solle, dürfte gelegentlich dieser Auseinandersetzungen das Kompromiß für alle Finanzgesehe zu finden fein, Insofern, als die f o - zialdemokratifche Partei den Steuererhöhungen zustimmen wird, und auch dem Finanzreformprogramm in feinem Prinzip die Zustimmung erteilen dürste, während die Dolkspartei dann der Fristverlängerung für die Beitragserhöhung ihre Zustimmung nicht verweigert. Ob die W e i n st e u e r, die an und für sich sehr wenig einbringt, ausrechferhalten wird, sieht Dagegen noch Dahin. Die geplanten Erhöhungen Der Genuhmittelzölle dürften jedoch die Zustimmung aller Parteien erhalten. So ist also schon jetzt damit zu rechnen, daß trotz aller auftauchenden Schwierigkeiten die großen finanzpolitischen Gesetze erledigt werden. dachtes der Diebstähle in der (Billa verhaftet worden. Staatsanwalt und älntersuchungsrichter waren dagegen, daß Die Familie Meußdörser Der Frau Schuberth Geld verspreche. Dann jedoch, auf „ die Vorstellungen des Verteidigers hin, ermächtigte sie den Kommissar Schisfner, Schuberth allein zu verhören. Schisfner bescheinigte ihm schriftlich, daß bei seinem Geständnis seine Frau 1000 Mark und nach rechtskräftiger Verurteilung restliche 5000 Mark bekommen solle. Gleich darauf hat, so erklärt die Familie, auch Popp nach vierstündigem, hartnäckigem Leugnen unter Tränen gestanden, ohne von dem Geldversprechen zu wissen, nur durch die belastenden Indizien gedrängt. Ein Mitarbeiter der Täl. hatte eine Unterredung mit Geheimrat Meußdörfer in Kulmbach, dem Bruder des verhafteten Kommerzienrats Heinrich Meußdörser. Geheimrat Meuß- dörfer versicherte, daß nicht nur nach seiner, sondern auch nach der äleberzeugung der gesamten Familie Meußdörfer, sein Bruder ganz unschuldig sei und die verhafteten Arbeiter Schubert und Popp ausschließlich und allein als Täter in Betracht kamen. Die gesamte Familie Meußdörfer empfinde die Verhaftung ihres Mitgliedes als furchtbaren Schicksalsschlag. Kampf um das Steuerkompromiß. Moweuhauers Haushaltsplan. - Welche Steuern sollen erhöht werden? - Oie Stellung der Parteien. Das Rätsel des Kulmbacher Mordes. Regelung eine angemessene Gegenleistung zu bieten, ist in Aussicht genommen, ihnen in der diesjährigen Generalversammlung folgende Regelung vorzuschlagen: Den Anteilseignern wird auf Altanteile zu je 100 Mark ein Gratisbezugsrecht auf eine Golddiskontbankaktie zu zehn Pfund gleich 200 Mark und einen neuen Reichsbankanteil zu 100 Mark gewahrt. — Das Kali t a l der Deutschen Golddisk ont- > a n k wird vorher von Der Reichsbank aus ihren Reserven voll gezahlt, so daß sie künftig über ein Aktienkapital von 200 Millionen Mark und über Reserven von rund 50 Millionen Mark ver- ügt. Bei der Golddiskontbank, die also n Zukunft eine selbständige Bank mit dein be- onderen Zweck der Exportfinanzierung wird, st mit einer Dividende von mindestens 5 v. H. ür das erste Geschäftsjahr zu rechnen. Die Reichsbank wird ihre 1 2 - v. H. - D i v i - d e n d e auch in Zukunft aufrechterhalten können, auch wenn sie chr Kapital von 120 auf 150 Millionen Mark im Zusammenhang mit der Dezugsrechtsgewährung erhöht. Den Kurswert eines Reichsbankanteils berechnet die Reichsbank auf Grund der vorgeschlagenen Regelung mit 200 v. H. Oer Hausbesitz zur Reichsfinanzreform. Beseitigung der Ansnahmcbesteuerung. — (gemeindlicher Einkommcnsteuerzuschlag. Berlin, 4. Febr. (Privat.) Der Zentralverband Deutscher Haus- und Grundbesihervereine E. D. (Berlin) hat die Forderungen des Haus- besihes zur Reichssinanz- und Steuerreform in einer Denkschrift niedergelegt, in der er, wie die übrigen Spihenverbände Der deutschen Wirtschaft die Ausfassung tundgibt, daß die Voraussetzung für die Durchführung des Voung-Planes eine grundlegende Reform unserer Wirtschafts- und Finanzpolitik sei, und daß dabei die Beseitigung Der im Zusammenhang mit Der Stabilisierung der Währung und Finanzen geschaffenen Ausnahmebesteuerung, Die in befonDerem Maße Die KapitalbilDung verhindere, erreicht werden müsse. Hierzu wird vom Zentralverband im einzelnen gefordert, daß d i e Mietzins st euer systematisch in kürzester, schon jetzt gesetzlich festzulegender Frist a b g e - baut wird. Zn Der LanDes- und Gemeinde- finanzwirtschaft sei durch Aenderung des Finanzausgleiches der Grundsatz zu verwirklichen, Daß Die Die Ausgaben betoilligenDen Kreise an Der Aufbringung Der Steuer! ast e n beteiligt werben. Hierfür fei Die Einführung eines gemeinD* lichenEinkommen st euerzuschlages geeignet. Zur (Se | unbung Des Reat7r e- dites sei weiterhin notwendig, die Besih- wechselabgaben (GrunDerwerbs- und Wertzuwachssteuer) so zu reformieren, daß sie ihren konfiskatorischen Charakter verlieren und ein normaler Grund st ücksumsah wieder möglich sei. Gleichzeitig müsse die Aufhe - bungder gesamtenWohnwirtjchafts- zwangsgesetze erfolgen. Keine Kommunalbeamten aus radikalen Parteien. Ein Erlaß des preußischen Innenministers. Berlin, 4. Febr. (WB.) Der preußische Mi- nister Des Innern hat an Die zustänDigen Dienststellen einen Erlaß über Die Bestätigung von Anhängern Der Kommuni st ischen oDer Nationalsozialistischen Partei als Kom mu nalbeamten herausgcgeben. Der Erlaß bestimmt, daß Anhängern Der genannten Parteien Die Bestätigung als leitenDe Beamte (Behördenleiter) unD als ftänDiger Vertreter oon Behör- Denleitern ausnahmslos z u versagen ist. Es handelt sich u. a. um Die Bestätigung als Bürgermeister, Amts- unD GemeinDeoorsteher. Für alle übrigen besoldeten ober unbesolbeten kommunalen Slemter ist Die Bestätigung nur Dann zu erteilen, wenn im Einzelfall Der zu BeftätigenDe s i ch zu einer pflichtmäßigen Amtsführung im Rahmen Der bestehenden Staats» orbnung unD unabhängig oon Parteiinstruktionen Durch eine positive (Er* tlärung verpflichtet unD seine Pers mlichkeit Die Gewähr Dafür bietet. Daß Die Verpflichtung ernstlich gemeint ist unD eingehalten wird. Oie Große Koalition vorläufig erledigt. Ter Sozialdemokrat Haas wird Ober» Präsident von Hessen-Nassau. Berlin, 4. Febr. (VdZ.) Zm Preußische« Landtag war heute das Gerücht verbreitet, zwischen den Abgeordneten H e i l m a n n (Soz.) und Stendel (D. D.) sei wiederum über den Eintritt der Deutschen Volkspartei kn die preußische Regierung auf neuer Grundlage verhandelt worden. Demgegenüber wird versichert, daß bei der Besprechung der beiden genannten Abgeordneten lediglich festgestellt worden sei, daß die Sozialdemokratie sich bei den letzten Koalitionsverhand- lungen loyal verhalten und daß von der Dottspartei kein offizielles Angebot zum Eintritt in die Regierung vorgelegen habe. Reue Besprechungen seien noch nicht wieder angebahnt Dagegen wird an unterrichteter Stelle bestätigt, daß für den Posten des 06er- präsrdenten von Hessen-Rassau der sozialdemckratische Landtagsabgeordnete Haas in Aussicht genommen ist. Das britische Arbeitslosen- versicherungsgeseh. London, 5. Febr. (WTB. Funkspruch) Im Unterhaus brachte gestern Premierminister Mac- donald den Vermittlungsantrag ein, die Gültigkeitsdauer des Arbeitslosenversicherungsgesetzes auf 3 Jahre festzusetzen. Er erklärte, das Oberhaus habe mit seinem Beschluß, die Gültigkeit des Gesetzes auf ein Jahr zu beschränken, einen Eingriff in die Privilegien des Unterhauses begangen. Wenn die Regierung die Vorlage fallen ließe, um ihr nach drei Sessionen gemäß der Parlamentsakte ohne Rücksicht auf die Haltung der Lords Gültigkeit zu verschaffen, dann würde der Arbeitslosenfonds völlig erschöpft sein und die Arbeitslosen würden der Armenunterst üßung zur Last fallen. Der Antrag der Regierung wurde schließlich einstimmig angenommen und die Vorlage geht jetzt in der neuen Form an das Oberhaus zurück. England und die Dominions. Die Loslösung von London. London, 4. Febr. (WB.) Der Bericht des Komitees von Vertretern der Dominions, das im Oktober und Rovember hier tagte, um d a s geltende Staatsrecht mit dem von der Reichskonferenz 1926 aufgestellten Grundsatz der autonomen Bestandteile des Britischen Reiches in Einklang zu bringen, ist heute veröffentlicht worden. Dieses in Form von «Empfehlungen" gekleidete Dokument enthält als Hauptpunkt die Forderung, das englische Parlament solle gesetzlich festlegen, daß das Einspruchsrecht gegenüber der Domi- nion-Gesehgebung, das seit 1873 nicht ausgeübt worden ist, nicht mehr in Anspruch genommen wird und daß der Gene r a l g o u v e rn e u r nicht angewiesen werden kann, seine Zustimmung zu den von den Dominions-Parlamenten beschlossenen Gesehen zu verweigern. Außerdem wird die volle internationale Anerkennung dieser Gesetze insbesondere auf dem Gebiet des Seerechts verlangt. Oie indischen Fürsten gegen Ghandi. London, 4. Febr. (SH.) Der Präsident der indischen Obersten Kammer, der Maharadscha von Patiala, hielt am Montag eine Rede, in der er zum Ausdruck brachte, daß es Pflicht der Herrscher sowie der Völker des indischen Staates sei, sich zu der Hnabhängig- keitsentschließung Ghandis zu äußern. Diese betreffe nicht nur das britische Indien, sondern sehe auch vor, daß ein unabhängiges Indien die indischen Staaten übernehmen bzw. kontrollieren solle. Herrscher wie ■Untertanen seien verpflichtet, mit aller Macht diesen Ideen entgegenzutreten. Die heiligen Verpflichtungen, die ihnen durch Verträge auferlegt seien, ließen ihnen keine andere Wahl. Die indischen Staaten seien der britischen Krone verpflichtet. Sie seien entschlossen, diese Pflichten einzuhalten. Sie sympathisierten mit den politischen Fortschritten in Indien und seien bereit, am Aufbau einer gesicherten Zukunft mitzuarbeiten. Aus aller Well. Der britische Botschafter ehrt Kapitän Dreyer. Auf einem vom Hamburger Senat aus Anlaß des Besuches des britischen Botschafters Sir Horace Rumbold gegebenen Frühstückes beim Bürgermeister Roß führte der Botschafter u. a. aus: Wir haben erst vor ganz für’er Zeit wieder einen erhebenden Beweis jener See- mannstreue erlebt, die alle seefahrenden Rationen eng miteinander Der» B i n d e n. Ich denke an den heroischen Sod des Kapitäns der „Monte Cervantes". Ich weiß, daß ich dem Gefühl des englischen Volkes Ausdruck gebe, wenn ich Ihnen mein tiefstes Beileid zu dem Verlust dieses hervorragenden Seemannes ausspreche, dessen Andenken stets überall in Ehren gehalten wird. (Eidfons Tod gilt als sicher. Die Arktische Regierungskommission in Moskau erhielt vom Kapitän des nahe dem Rordkap überwinternden Sowjetschiffes „Stawropol" einen Bericht, aus dem hervorgeht, daß gemeinsame Flüge russischer und amerikanischer Flieger zum Absturzort Eielsons endgültig die Tatsache des Todes Eielsons und Borlands ergeben haben. Die Lage des abgestürzten Flugzeuges läßt keinen Zweifel am Tode der Flieger. Hierüber ist gemeinsam mit den amerikanischen Fliegern ein offizieller Bericht aufgesetzt worden. Ausgrabungen zur Bergung der Leichen sind imgange. Die ersten Auswanderer in Brasilien. In Rio de Janeiro ist der erste Transport von 190 deutsch-russischen Auswanderern, der am 16. Januar mit der „Monte Olivia" Hamburg verlassen hatte, eingetroffen. Die Zahl der Auswanderer hat sich auf der Reise durch die Geburt von zwei Kindern vermehrt. Die Auswanderer, die sich im Staate Parana in Südbrasilien ansiedeln werden, werden teils mit dem Dampfer, teils mit der Eisenbahn nach ihrem Bestimmungsort Weiterreisen. kommunistische Mordtat. Tischler Höhler, der in Berlin am 14. Januar abends den nationalsozialistischen Studenten Wessel in seiner Wohnung niedergeschossen hatte, hat geftanben, den Anschlag mit zwei Komplizen begangen zu haben. Er ist, wie das Polizeipräsidium mitteilt, seit etwa fünf Jahren Mitglied der K. P. D. und führend in einer Sturmabteilung tätig. Er be- hauptet, von seinem Bereitschaftsführer den Be- fehl erhalten zu haben, mit ihm und einem anderen Parteigenossen dem Wessel eine „proletarische Abreibung zu verabfolgen". Da bekannt gewesen sei, daß Wessel Waffen besitze, hätten alle drei Pi st ölen mitgenommen. Beim Oeffnen der Tür habe Höhler aus einer Bewegung Wessels geschlossen, daß dieser seine Schußwaffe ziehen wollte und habe darauf geschossen. Chikago erhält Vorschüsse. Die Stadtverwaltung von Chikago, die sich in Zahlungsschwierigkeiten befindet, entschloß sich heute zu einem Schritt, der auf Errichtung einer finanziellen Diktatur hinausläuft. Der Stadtrat nahm ohne Widerspruch das Ultimatum des Dürgerhilfsausschusses unter Führung von Silas Strawn an und ging die Verpflichtung ein, daß die städtischen Behörden mit diesem Ausschuß Zusammenarbeiten werden. Unter dieser Bedingung werden Strawn und seine Kollegen, ine mehr als 50 Millionen Dollar zur Verfügung haben, der Stadt Chikago Vorschüsse gewahren. Diese Wendung bedeutet eine große Erleichterung für etwa 40 000 Angestellte der Stadt, die seit Weihnachten keine Gehälter und Löhne empfangen haben. Unamunos Rückkehr aus dem Exil. Der bekannte spanische Dichter Professor d e Unamuno ist von seinen Universitätskollegen davon in Kenntnis gesetzt worden, daß er n a ch Spanien zurückkehren und fein Lehramt an der Universität Salamanca wieder aufnehmen könne. Unamuno befindet sich seit der Errichtung der Diktatur in Frankreich und beabsichtigt, in den nächsten Tagen nach Salamanca zurückzukehren. Zwei Kinder im Klärbecken ertrunken. Die beiden Brüder Wilhelm und August Sander. sechs und acht Iahre alt, wurden in dem Klärbecken der früheren EisenhüttePhönix in Berge-Dorbeck bei Essen ertrunken aufgefunden. Die beiden Knaben sind vermutlich beim Spielen in die Kläranlagen gefallen und ertrunken. Die Verunglückten waren die einzigen Kinder des Arbeiters Sander. Schobers Ltalienfahrt. Der österreichische Bundeskanzler Schober huldigt dem Grundsatz, daß man das Eisen schmieden muß, so lange es heiß ist. Er entwickelt eine geradezu erstaunliche Tatkraft: kaum hat er die Verfassungsreform unter Dach gebracht und dadurch die Gefahr eines Bürgerkrieges von Oesterreich abgewandt, schon fuhr er nach dem Haag und erreichte es nicht zuletzt durch geschickte Ausnutzung der diplomatischen Lage, Oesterreich ziemlich unbelastet aus der Liquidation des Krieges herauszubringen, vor allem das Generalpfandrecht loszuwerden. Mit gutem Grunde ist er bei seiner Heimkehr jubelnd begrüßt worden, aber er ruht nicht etwa auf seinen Lorbeeren aus, sondern packt sofort wieder seine Koffer, um eine Rundreise anzutreten, die ihn zunächst nach Rom führt. Das ist kein Zweifel. Italien hat ihm im Haag ausgezeichnete Sekundantendienste geleistet, der italienischen Unterstützung ist es nicht zuletzt zuzuschreiben, wenn Oesterreich so billig wegkam. Es wäre also schließlich nur eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn Herr Schober jetzt in Rom seine Visitenkarte abgibt. Aber in der hohen Politik tut man für Dankbarkeit allein nichts, Mussolini hat also auch Oesterreich nicht etwa aus allgemeiner Menschenfreundlichkeit unterstützt, sondern wußte sehr genau, was er wollte. Für ihn ist Oesterreich ein wichtiger Stein auf dem Balkan, ein Bündnis mit Oesterreich könnte die Einkreisung Iugoslawiens ab- schließen. Indessen daran wird kaum zu denken sein. Denn Herr Schober ist viel zu klug, um sich auf eine Politik öffentlicher oder geheimer Bündnisse einzulassen. Er würde dafür auch weder bei den Christlichsozialen noch bei den Groh- deutschen Gefolgschaft finden. Dazu ist der Haß in Wien gegen Italien und vor allem gegen die italienische Politik in Südtirol noch zu groß. Aber es braucht ja nicht gerade ein Bündnis zu sein, zwischen Italien und Oesterreich schweben noch allerlei unbereinigte Finanzfragen, wodurch die Atmosphäre belastet wird. Herr Schober will versuchen, sie in Ordnung zu bringen. Er wird wahrscheinlich auch versuchen, handelspolitisch einen regeren Warenaustausch in Gang zu bringen, bei dem beide Staaten gewinnen könnten. Er wird vor allem aber versuchen, Herrn Mussolini klarzumachen, daß psychologisch eine engere Verbindung zwischen Rom und Wien unmöglich ist, solange in S ü d t i r o I mit Gewaltmaßregeln regiert wird. Erhält er von Mussolini die Zusage, daß die südtiroler Deutschen künftighin ungestört ihre Muttersprache pflegen und ihre Kultur wieder verteidigen können, dann wird dadurch nicht nur die Atmosphäre zwischen Oesterreich und Italien gereinigt, sondern es wird auch die Voraussetzung geschaffen für eine Annäherung zwischen Italien und Deutschland, für die an sich auf beiden Seiten alle sachlichen Voraussetzungen gegeben wären Vielleicht wird man darüber Näheres hören, wenn Herr Schober wenige Wochen nach seinem römischen Besuch auch in Berlin als Gast erscheint. Rom. Schobers Ankunst in Rom. Offizieller Empfang am Bahnhof. Rom, 4. Febr. (TU. Funkspruch.) Der österreichische Bundeskanzler Schober ist heute um 12.25 Uhr in Rom eingetroffen. Er befand sich in Begleitung des österreichischen Gesandten beim Quirinal, der dem Kanzler bis an die Grenze entgegengereist war, ferner des italienischen Gesandten in Wien und der übrigen Herren seines Gefolges. Arn Bahnhof hatte sich der österreichische Gesandte beim Heiligen Stuhl und sämtliche Herren der Gesandtschaft beim Quirinal, ferner die Unter- ftaatsfetretäre des italienischen Außenministeriums und des Ministerpräsidiums, der Gouverneur von Rom, der Präfekt von Rom, ferner die Vorsitzenden der österreichischen Landmannschaft und der deutschen Vereinigung in Rom, eine Reihe wei- tcrer höherer italienischer Beamter und zahlreiche Pressevertreter eingefunben. Die österreichischen Gäste fliegen im Grandhotel ab. Das Hotel hat bie italienischen und österreichischen Farben geflaggt. Die heutigen Mittagsblätter bringen ausnahmslos Abbildungen des österreichischen Bundeskanzlers auf der ersten Seite und ausführliche Lebensbeschreibungen Schobers. Schober bei Mussolini. Ein hoher österreichischer Orden für den Duce. 7N u f f o l i n i empfing Dienstag nachmittag den ästerreichifchen Ministerpräsidenten Schober und hatte eine VA stündige Unterredung mit ihm. Der Bundeskanzler sprach der italienischen Regierung herzlichsten Dank für die von ihr Oester- reich auf der Haager Konferenz gewährte Unterstützung aus und überreichte Mussolini den Groß- kordon mit goldenem Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik 0 e ff e r r e i d). 3m verlaufe der Besprechung wurde beschlossen, die Unterzeichnung des italienisch-österreichischen Freundschafts- und Schieds- Vertrages am Donnerstag vorzunehmen. Südtirol. Der Stein im Wege. Wien, 4. Febr. (Tel.-Un.) Wie ein christlich- soziales Blatt berichtet, hat Bundeskanzler Schober vor seiner Abreise nach Rom mit den F ü h - rern der fübtiroler Bewegung am Samstag eine Aussprache gehabt, bei der Schober erklärte, daß er in Rom — obwohl er natürlich bezüglich Südttrol keine Forderungen zu stellen in der Lage sei —, doch darauf Hinweisen werde, daß ein herzliches Einvernehmen zwischen Italien und Oesterreich einzig und allein von Italien selbst abhänge. Er werde versuchen, Mussolini auf gewisse Härten der italienischen Politik in Südtirol hinzuweisen, bie einer Aussöhnung der beiden Völker im Wege stünden. Das Äquidalionsabkommen mit polen. Oie Auffassung des Auswärtigen Amts. - Was sagt die deutsche Minderheit in polen. - Kein versaffungsändernder Charakter. - Oie Annahme im Reichstag ist Doraussehung für das Inkrafttreten des ^oungplanes. Berlin, 4. Febr. (Prtv.-Tel.) Nachdem die Verhandlungen mit Polen am Samstag zum Abschluß gekommen sind, hat die Reichsregierung dem Reichsrat die notwendigen Gesetzentwürfe mit einer Denkschrift zugeleitet, in der eine eingehende Begründung gegeben wird. Die Verhandlungen des Reichsratsausschusses werden voraussichtlich heute abend beendet werden, so daß die Vollsitzung des Reichsrats morgen ihre Beratungen abschließen kann. In amtlichen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß das Liquidationsabkommen mit Polen feinen Ursprung im Abschnitt 9 des Young- planes hat, der bie ßiquibierung b e r Vergangenheit empfiehlt. Indem die Reichs- regierung die Verhandlungen mit Polen vom Haag abgetrennt hat, hat sie erreicht, daß wir keinen Generalverzicht aussprechen mußten. Auf diese Weise ist es auch gelungen, die Gegenleistungen und die Verbesserungen gegenüber dem Young- plan zu erzielen. Im wesentlichen handelt es sich dabei um folgende drei Punkte. 1. Oie Freigabe oer bisher zur Liquidation gestellirn Güter. Im ganzen waren etwa noch 15 000 Hektar mit sogenannten dritten Liquidationsbeschlüssen behaftet. Die Schwierigkeit bestand darin, daß die polnischen Liquidationen nicht nur finanzieller Art waren, wie die in anderen Ländern, sondern politischen Charakter hatten. Es ist uns in den Verhandlungen mit Polen trotzdem gelungen, diese Liquidationen mit in das Gesamtwerk einzubeziehen und festzulegen, daß Anwesen, die am 1. September 1929 noch in der Hand ihrer Besitzer waren, e r - halten bleiben. 2. Oie Abrechnung über die beider- seiiigen Staatsforderungen. I Die Polen forderten vor allem E r st a t t u n g der Rücklagen au« der Sozialversicherung in dem abgetrennten Oberschle - s i e n. Die deutschen Forderungen beziehen sich auf die Abstimmungskosten in Oberschlesien, Allenstein, Marienwerder, die Kosten für den Transport von Desahungstruppen und ähnlichen. Die Hauptforderungen von beiden Seiten umfassen finanzielle Abgeltungen in Posen und Westpreußen. Insgesamt beliefen sich die deutschen Forderungen auf 538,7 Millionen, die polnischen auf etwa 830 Millionen, freilich mit recht ungleichem inneren Wert. Darin waren Ersatzansprüche für Requisitionen und Zwangsmaßnahmen gegen polnische Arbeiter und Kriegsgefangenenforderungen enthalten. Beide Teile haben auf diese Privatforderungen verzichten müssen. In dem Gesetzentwurf der Reichsregierung toetben nun bestimmte Maßnahmen vor- gefchlagen, die Sicherheit bieten für eine gerechte Cn t schä digung der deutschen Priv*at- ansprüche, und zwar für ein Verfahren auf schiedsrichterlicher Grundlage mit dem Reichswirtschaftsgericht als «Revisionsinstanz". Reichsregierung, Reichsrat und Reichstag bilden einen gemeinsamen Ausschuß, dem die Festsetzung der Richtlinien obliegt für die Entschädigung nach dem inneren Wert der Ansprüche. 3. Oas Wiederkaufsrecht. Deutschland hat die Ansprüche auf die Geltendmachung des Wiederkaufsrechts nicht anerkannt. Bisher hat Polen in 450 Fällen von seinen Rechten als Rachfolger der preußischen Ansiedlungskommission Gebrauch gemacht. Polen hat nun künftig auf die Geltendmachung des Wicderkaufsrcchtes verzichtet, und zwar hat Deutschland den Preis dieses Verzichtes soweit wie möglich ausgedehnt. Dabei ist auch der Todesfall des Besitzers, der in der Praxis des Wiederkaufs- rechtes bisher die Hauptrolle spielte, besonders berücksichtigt worden. Di« TteferDen, die Polen eingeschaltet hat, sind vor allem schlechte De- wirtschastung und Vergehen und Verbrechen. Die Führung der deutschen Minderheit in Polen hat gegen die Geltendmachung der schlechten Bewirtschaftung nichts einzuwenden, da sich hieraus bei dem hohen Kulturstand der deutschen Landwirtschaft in Polen bisher noch niemals eine Gelegenheit zu polnischem Eingreifen geboten hat. Die Frage der Vergehen ist in den letzten Verhandlungen dahin interpretiert worden, daß darunter nur solche ge gen den Staat, wie Fahnenflucht und dergleichen zu verstehen sind. Das ist nach Auffassung deutscher Kreise ein erheblicher Fortschritt, wenn auch nicht alle deutschen Wünsche befriedigt worden sind. In diesem Zusammenhang wird übrigens darauf aufmerksam gemacht, daß die Grenzzonenverordnung seit ihrem Erlaß tm Iahre 1926 in keinem Falle zu Enteignungszwecken gegen deutsche Ansiedler angewendet worden ist. ES wird hervorgehoben, daß bie deutsche Minderheit, deren Führer über den Verlauf der Verhandlungen unterrichtet worden sind, den Abschluß der Abkommen begrüßt, weil damit erreicht wird, daß 50 000 Hektar deutscher Siedlung mit 12 000 Siedlerstellen und 80 000 Menschen davor bewahrt werden, enteignet zu werden. In Berliner amtlichen Kreisen betrachtet man diese Abkommen auch als die notwendige Grundlage für die Weiterführung derHandelsvertragsverhandlungen. Zur parlamentarischen Erledigung der Abkommen wird bemerkt, daß die Gesetzentwürfe nach dem Urteil des Reichsjustiz- und des Reichsinnenministeriums keinen verfassungsändernd en Charakter haben, und daß deshalb keine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Außerdem liegen der Reichsregierung Gutachten namhafter Autoritäten vor, die sich in gleichem Sinne aussprechen. Der Reichstag wird die Abkommen mit Polen und die eigentlichen Poung-Gesetze in getrennter Ab - Kimmung zu erledigen haben. Dabei ist nach Ansicht maßgebender Stellen nicht zu übersehen, daß die Annahme auch der Polenabkommen eine der Voraussetzungen für die Inkraftsetzung des Voung-Planes ist. Oie Wetterlage. Dienstaa, Ami Aoerdecn- •Vai. damDg.=i B? möpt 0* 8 d c 9 ■; —Thorsrtavn- ewontemox G ntnet. o nais oraecut 9 wonug. • oeaetRt •Regeii » Schnee a Graupeln. e Meoei R Gcwiittr.(§)Windsnlle.«Q^ sew creme» 0$) «rassige» Südsüdwest Q stürmischer nordwesl Oie »feile fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Zahlen gehen die Temperatur an Oie Limen Veromdco Orte mit Gleiches) wi neeresmveau umgcr«bneien Luitdruci Wettervoraussage. Mit der östlichen Weiterbewegung bes Tiefdruckgebietes wurde die kontinentale Kaltluft weggeräumt, und milde Südwestluft hat sich über Deutschland durchgesetzt, welche im Flachlande die Morgentemperaturen über Null hielt. Neuerdings bringen wieder kältere Luftmassen vom Norden südwärts, die bei uns die Temperaturen zum Sinken bringen werden und zunächst wechselhaftes Wetter mit ein- deinen Schauern verursachen. Wahrscheinlich dürfte später unter ansteigendem Luftdruck die Bewölkung mehr zurückgehen und ruhiges Wetter mit leichtem Nachtfrost zu erwarten sein. Wettervoraussage für Donnerstag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, vereinzelte Schauer, teils als Schnee. Witterungsaussichten für Freitag: Meist trockenes, teils wolkiges, teils aufheitern des Wetter mit leichtern Nachtfrost. Lufttemperaturen am 4. Februar, mittags, 6,3 Grad Celsius, abends 3,9 Grad: am 5. Februar, morgens, 2,7 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum 2,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 4. Februar, abends, 2,9 Grad; am 5. Februar, morgens, 2,0 Grad Celsius. — Riederschlag 2,8 Millimeter. — Sonnenscheindauer l1/* Stunden. Amtliche Mnterfporlnachrlchlen. Vogelsberg. Hoher o ds kops: Rebel, minus 1 Grad, 12 Zentimeter Schnee, 2 Zenti- meter Reuschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. Taunus. Kleiner Feldberg: Rebel, minus 1 Grad, 10 Zentimeter Schnee, 3 bis 5 Zentimeter Reuschnee, Pappschnee, Ski- und Ro- delmöglichkeiten gut. Sauerland. Win ter berg: Schneefall, minus 1 Grad, 15 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee. Ski- und Rodelmöglichkeiten gut. Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, minus 4 Grad, 68 Zentimeter Schnee, 3 bis 5 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee, Ski- und Rcdelmöglichkeit gut. A lpen. Gar misch - P artenkirchen : Klar, minuS 2 Grad, 3 Zentimeter Schnee, verharscht, Ski- und Rodelmöglichkeit gut. Berchtesgaden: Klar, minus 2 Grad, 9 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee, Ski- und Äodelmöglichkeit gut. Harz. Schierke: Schneefall, null Grad, 5 Zentimeter Schnee, 2 bis 5 Zentimeter Reuschnee, Pappschmee, nur Ski möglich. Ruf nach der Behörde laut, um diesem ungeheuer« lichen Zustande ein Ende zu bereiten. Vertreterlag des neu gearündeten Gaues „Chattia-ÄZettertal" des Hess. Sängerbundes. Am Sonntag tagte in Nonnenroth km (Saft- Haus „Zum Deutschen Haus" ein durch die Präsidenten des C h a t t i a - und W e t t e r t a l - Sängerbundes berufener De^tretertag zwecks Gründung eines neuen Gaues des Hessischen Sängerbundes. Nachdem der AZettertrnbund seinen Beitritt zum Hessischen Sängerbund beschlossen hatte, war dem Ehattia- bund, der seither zum Gau Giehen-Land gehörte, Gelegenheit gegeben, sich mit diesem zu einem Gau zu vereinigen. Schon rein geographisch gehören beide Bünde zusammen, ganz abgesehen davon, daß nun auch Vereine zusammenkommen, die unter gleichen oder ähnlichen Vorbedingungen arbeiten. Daher erklärten sich die in Nonnenroth erschienenen Vertreter beider Bünde einstimmig mit der Gründung des Gaues „Chattia- W e t t e r t a l" einverstanden. Alsdann schritt ** Obst- und Gartenbauverein Gießen. Am Sonntag «prach Obstbauinspek.or K i l p, Wehlar, im vollbesetzten Saale des Hotel Hopseld über das Thema „Neuzeitliche Maßnahmen im Obst- und Gemüsebau zur Erzeugung besserer Ernten." Dom Obstbau im allgemeinen ausgehend, gab der Vortragende der Befürchtung Ausdruck, daß in den nächsten Jahrzehnten mit einem starken Rückgang in der heimischen Obst- I erzeugung gerechnet werden muh, wenn immer nur die entstandenen Lücken alter Pflanzungen durch Nachpflanzung ergänzt werden. Diese Bäume gehen nach anfänglichem Gedeihen allesamt einem Krüppeldasein entgegen, weil der Boden nach jahrhundertelanger Ausnutzung durch Obstbau baummüde geworden ist und versagt. Darum zum Teil das viele Ungeziefer. Ein volles Viertel des deutschen Obstverbrauches bezahlen wir gegenwärtig an das Ausland, während im Inlands noch riesige Vorräte unverkäuflich lagern. Dieser Tatsache gegenüber lautet die Forderung der Gegenwart: Neuland für Neupflanzungen, beseitigen überständiger Anlagen, besseres Auslichten der Kronen bei tragbaren Obstbäumen, ausreichende Düngung jedes Obstbaumes und entfernen solcher, die diese Ausgabe nicht mehr wert sind, pflegliche Behandlung der Früchte bei und nach der Ernte. Wo die Anwendung von Spritzmitteln auf Schwierigkeiten töht, weil jeder Besitzer gegen die Beschädigung oder Vergiftung der Untertulturen sich wehrt, soll man eine bessere Nindenpflege durchführen. Glatte Ninde und Madenfallen sind ein wirksames Mittel gegen die Obstmade, wie auch viele andere Feinde. Schorfige Bäume sind durchweg zu beseitigen, entweder durch Umpfropsen oder gänzliches Entfernen. An zahlreichen, dem praktischen Leben entlehnten Beispielen wurden von dem Vortragenden die immer wiederkehren- den Fehler, wie auch ihr Vermeiden geschildert, eingehender über die Art und die Anwendung der Düngung bei Obst- und Gemüsezucht gesprochen und betont, daß die Düngung an Obst- bäumen nicht in der Nähe des Stammes, sondern außerhalb der Krontraufe gegeben werden muß. Im Gemüsebau ist neben der Düngung auch auf Kalkung des Bodens Wert zu legen, nm den Wohlgeschmack und den Nährwert der Gemüse zu erhöhen. Der mit lebhaftem Beifall aufgenommene fast zweistündige Vortrag klang in die Mahnung aus, vom Auslande zu lernen, um das Ausland durch Erzeugung erstklassiger Ware schlagen zu können. *• Der Neichsbahn-Turn- und Sportverein Gießen hielt dieser Tage im Bahnhofshotel seine Jahreshauptversammlung ab. In dienstlicher Verhinderung des l. Vorsitzen- den wurde die Versammlung von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Oberbahnhofsvorsteher Heinzelmann geleitet, der zunächst den Geschäftsbericht vom vergangenen Iahre erstattete. | Die Mitgliederzahl des Vereins, die bei der Gründung im November 1928 insgesamt 69 betrug, beläuft sich heute auf 173. Die Turn- und Sportsache des Vereins hat einen erfreulichen Aufschwung genommen, und ein weiterer Aufstieg wird erwartet, sobald in etwa zwei Monaten der Ausbau der Vereins-Turn- urch Sporthalle am Aulweg mit allen neuzeitlichen Einrichtungen sertiggestellt sein wird. Der Rechner, Reichsbahnsekretär E i d m a n n , erstattete den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen 2150 Mk., die Ausgaben 1500 Mk., so daß am Ende des Iahres 1929 ein Kassenbestand von rund 600 Mk. vorhanden war. Rach dem Bericht des Rechnungsprüfers wurde dem Rechner und dem Vorstand Entlastung erteilt. Der Dereinsleitung wurde für die überaus regsame und sorgsame Vereinsführung Dank ausgesprochen. •• Eine Vereinigung ehern. 13erHu- saren G i e ß e n - W e tz l a r und hingegen d wurde in einer gutbesuchten Versammlung ehemaliger 13er Husaren, die in Dutenhofen stattfand, gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde Kam. George, Gießen, zum zweiten Vorsitzenden Kam. Schaum, Klein-Linden, zum Schriftführer und Rechner Kam. Kinzenbach, Dorlar, gewählt. Der .Vorsitzende des Vereins ehern. 13er Husaren in Frankfurt a. M., Kam. Häuser, erstattete eingehend Bericht über den 3. Regimentsappell, der vom 7. bis 9. Iuni in Frankfurt a. M. stattfinden wird. Im Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen fand ein gemütliches Beisammensein statt. stimmend. Sin schon angegrauter, etwas melancholisch aussehender Herr Lammt mit einer jungen Dame. „Rührend," denke ich, „er sieht so sorgenvoll aus, aber sorgt doch für das Vergnügen des jungen Mädchens." Irren ist menschlich. Nach 5 Minuten sehe ich ihn, anprobierend, in einer roten, goldknöpfigen Weste, mit weiten Hemdärmeln. Ein keckes Hütel mit langer Spielhahnseber wird auf seinen Kopf gestülpt — er sieht in den Spiegel, trifft dort auf ein amüsiertes Lächeln, klatscht mit der Hand auf den Schenkel, ruft „Iuhu", dreht sich um, und schwenkt lachend seinen Hut vor mir. Kleider machen Leute. Allerdings nicht immer. Dort zieht ein blonder Hüne mit luftgerötetem Vollmondsgesicht erst seinen Mantel, dann den Rock, bann zwei Strickwesten aus und streift dafür ein Prunkgewand über: Maharadfchah! Sucht er seine Lieblingsfrau? Wenn sie ihn in dem gold- strotzenden Rock und dem dämonischen Turban mit Ohrringen sieht und nicht überwältigt ist — dann, ja, dann weiß ich nicht. Ieder Zoll kein Maharadfchah! Der Ehef dieses Reiches des Scheins fuhrt mich langsam und mit leisen Andeutungen durch die Räume, die nun erst wunderlich zu leben beginnen. Da hängt Don Carlos neben Romeo — Schillersche Verse, italienische Liebesschwüre. Mozartsche Klänge kichern aus Papagenos buntem Federkleid, Anzengrubersche Dauernwesten lachen derb neben dem Biedermeierrock aus Hoffmanns Erzählungen. Eine rotseidene Soutane neben zwei etwas verblichenen, wundervoll gestickten echten Mandarinenkimonos — wo sind die Träger dieser aristokratischen Pracht, die geheimnisvoll von blutigen Boxeraufständen flüstert, von Kaisertum und Harakiri? In der hnisormkammer hängen (neue) Schill- fche Waffenröcke und friderizianische Monturen neben echten Franzosenröcken, roten Hofen und Käppis, die französische Soldaten in den siebziger Jahren in der Gesangenschaft verschacherten. In der Rüstkammer blecherne Kreuzritterhelme, „büsfel"lederne Landsknechtshauben, Grenadier- müßen der Garde du Corps neben echten deutschen und französischen Stahlhelmen des Weltkrieges. Habent sua fata ... auch Stahlhelme, Floretts, ein messingbeschlagenes Barbarossa- schwert, breit, dekorativ. Blecherne Degen zu vielen Dutzenden — aber ein echter. „Carl, 1820 , steht auf der stumpf gewordenen Klinge in der zierlichen Schrift jener Zeit eingeriht. Wer war „Carl"? Welche Irrwege nahm dies Schwert an seiner Linken? ilnb wer war der elegante Hofmann, dessen Galanteriedegen jetzt vorsichtig aus seiner weichen Lederhülle gezogen und mir gezeigt wird? Eine goldene Krone am Knauf, wundervolle Rokokoarbeit am Griff, schwervergoldetes Silber mit Perlmuttereinlagen. Ein kostbares Familienstück, vielleicht mit heißen Tränen von der verarmten Witwe verkauft? Rostige Morgensterne, gebogene Türkensäbel, Hinterlader, alte Jagdgewehre — ein verborgenes Waffenlager! Gefahr! Gefahr! Licht aus! Unb im Dunkel liegen bie Räume hinter mir — Prinz Karnevals Reich. Geschichte? Kitsch? Romeo, Don Carlos — so leben wir, so leben wir alle Sage, Unb heute ist heut. Eva von Massow. Daten für Donnerstag, 6. Februar. 1864: der Dichter Iohn Henry Mackah in Greenock gefroren; — 1919: Eröffnung der deutsch rn Nationalversammlung in Weimar; — 1929: der Dirigent Siegfried Ochs in Berlin gestorben (gefroren 1858). Bornotizen — Tageskalender für Mi11woch. Stadt« theater: „Kyritz-Pyritz", 19.30 bis 22 Uhr — Film« Vorführung „Der Weltkrieg 1914—1918 , 20.15 Uhr, Cafö Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ra- mona" und „Jennys Bummel durch die Männer ; auf der Bühne der Negertenor Elma Spyglas. — Asioria-Lichtspiele: „Achtung! Doppelgänger! , mit Richard Talmadge. ♦* Aus demGiehenerStandesamts- r e g i ft e r. Cs verstorben in Gießen in bet Zeit vom 16. bis 31. Ianuar: 16. Ian.: Emil Stieb- rich Christian Martin Otto, Rentner, 64 Iahre, Bahnhofstr. 49. 19. Ian.: Erich Werner, Ober- ©renabier, 20 Iahre, Kaiserallee 116. 20. Ian.: Marie Wallbott, geb. Häufer, Witwe, 80 Iahre, Bahnhofstr. 24. Bernhard Hermann Topp, Kaufmann, 18 Iahte, Ärofbotfet Str. 10. Iohannes Weitzel, ' berufslos, 69 Iahte, Goethestr. 68. 21. Ian.: Lorenz Keifet, Lehret i. R., 76 Iahte, Ostanlage 7. Heinrich Steinmüller, Bäcker, 22 Iahte, Mäusfrutg 12. Reinhold Martin Müllet, 9 Monate, Hinter den Schießgärten 22. Georg Fleischmann, 4 Iahte, Roonstr. 6. 22. Ianuar: Elisafretha Keil, geb. Dönges, 45 Iahte, Schul- trahe 3. 23. Ian.: Minna Huhn, Rentnerin, 56 Iahte, Bleichstr. 16. 24. Ian.: Emma Auguste Zinset, geb. Kühne, Witwe, 72 Iahte, Ludwig- trahe 28. Ingefrotg Rupp, 1 Iaht, Am Kugelberg 100. 26. Ian.: Elise Ludwig, berufslos, 68 Iahre, Asterweg 16. 27. Ian.: Wilhelmine Marx, geb. Schmidt, Witwe, 89 Iahre, Wolken- gaffe 18. Heinrich Albert Steinmann, 8 Monate, Rödgener Straße 18. 28. Ian.: Luise Foelling, berufslos, 71 Iahte, Westanlage 10. 29. Januar: Johann Peter Sann, Buchbindetmeistet, 80 Jahre, Bismarckstr. 10. August Marx, Fuhrunternehmer, 53 Iahte, Wolkengasse 18. 30. Jan.: Heinrich Seidewand, ohne Beruf, 76 Iahte, ßanbmann- ttaße 6. Katharine Pfeifet, berufslos, 64 Iahte, Neuen Bäue 15. 31. San.: Karl Neuling, Weiß- bindermeistet, 76 Iahte, Steinstr. 72. Wilhelm Schetmuly, ohne Beruf, 61 Iahte, Dammstr. 42. ♦* Absturz in einem Neubau. Gestern nachmittag stürzte der Elektromonteur Albert Donau von der Firma Schaffstaedt bei dem Neubau des staatlichen Deterinäruntersuchungs- amtes, Marburger Straße, bei Jnstallations- arbeiten im Innern des Gebäudes aus etwa sechs Meter Höhe ab. Der bedauernswerte Mann fiel dabei durch ein Glasdach und trug einen Armbruch und Kopfverletzungen davon. Die Frei- willige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz verbrachte ihn nach der Chirurgischen Klinik. Erfreulicherweise ist das Befinden des Verunglückten nicht lebensgefährlich. '* Ausgewiesen. Zu bet kürzlich gemeldeten gerichtlichen Bestrafung von Studierenden des Polytechnikums Friedberg wegen Baum- ftevels (die Utbeltäter hatten einer Anzahl junger Däumchen mutwillig die Krone abgebrochen und auch sonstigen Unfug verübt) teilt uns der Jngenieutbund Friedberg mit, daß die betreffenden Studierenden sofort nach Bekannt» werden der Tat, also noch vor ihrer gerichtlichen Verurteilung, aus dem Polytechnikum ausgewiesen wurden. ** Die Zimmermeister - Zwangs- Innung für Stadt- und Landkreis Gießen hielt am Samstagnachmittag im Restaurant „Zum Auerhahn", dahier, eine gutbesuchte Jnnungsversammlung ab. Nach dem von Obermeister Rinker (Nonnenroth) erstatteten Jahresbericht hat die Innung auch im letzten Jahre eine rege Tätigkeit entfaltet. Durch die schlechten Verhältnisse in der gesamten Wirtschaft, insbesondere durch die Kapitalnot, ist die Lage im Zimmer- Handwerk als ungünstig au bezeichnen. Die von der Innung durchgesührten Maßnahmen haben in vielen Fällen zur Minderung der Schwierigkeiten beigetragen. Der von Geschäftsführer $). Kirchner (Gießen) vorgetragene Rechenschaftsbericht zeigt eine Einnahme von 799 Mark, während die Ausgaben 672,31 Mark betragen. Bei den vorgenommenen Wahlen wurde Zimmermeister Weller (Leih- qeftern) neu in den Vorstand gewählt. Syndikus Röhr von der hiesigen Handwerkskammerneben- stelle referierte über allgemeine wirtschaftliche Handwerkerfragen. Zunächst wies der Redner darauf hin, daß wir zur Zeit an dem Ausgang einer zweifel- haften Wirtschaftsentwicklung stünden, die Verhandlungen im Haag hätten sich bis jetzt noch nicht aus- aewirkt. Der Redner behandelte bann eingehend die Frage: „Was wird sich in Zukunft abfpielen und wie müssen wir uns einstellen Er |d)ilberte die derzeitige Lage des Bauhandwerks und sprach von den Aussichten für 1930. Dor der ErMurig von Neubauten müßten alle erforderlichen Mittel sichergestellt werden, damit eine Schädigung der Bauhandwerker unmöglich sei. In bezug auf die Kapitalwirtschaft wies der Redner darauf hm, daß die Kapitalbildung ihren eigenen Weg gemacht habe. Eine Belebung des Kapitalmarktes fei nur durch Selbsthilfe des Handwerks möglich. Der Redner besprach bann noch kurz die Altersfursorge der — Aus dem Stabttheater-Bureau wirb uns geschrieben: Die Vorstellung „Kyrih- Pyrih" beginnt heute abend um 71/» Uhr. — Freitag findet die Erstaufführung von Wedekinds „Musik" statt. Spielleitung Peter Fassott. Die Rolle der Klara Hühnerwadel spielt Trude Heß. Das Stück wurde von der Intendanz zur Ausführung ausgewählt, weil es jetzt wieder besonders aktuell erscheint. Die Regie ist bestrebt, die musikalische Art, die in der Konzeption des Werkes steckt, zu gestalten und den apostolischen Charakter des Dichters, der mit glühendem Fanatismus das 'Bürgertum angreift, zu betonen. — Sonntag Operettenpremiere „Drei alte Schachteln." — Nächste Premiere: „Wie es euch gefällt", von Shakespeare. — Der Goethe-Bund labt im gestrigen Anzeigenteil zu einem Kammer-Wusikabenb mit musikwissenschaftlichem Einführungsvortrag ein, zu dem er bas Harlan-Lucas-Duis-Trio aus Freiburg i.Dr. gewonnen hat. Unter bem Titel „Oute Haus- unb Kammermusik auf historischen Instrumenten" w.rb — so schreibt man uns — bas Trio bie reiche Kunst ber Renaissance unb bes Barock bringen und hierbei den Weg von den längst vergessenen Klangwelten zu den bekannteren gehen, geleitet beim Musizieren von dem Geist der alten Musik, der sich aus der Klangart heraus ertasten oder ahnen läßt. Es ist eine in ihrer Art ebenso eigene, wie interessante Veranstaltung zu erwarten. (Siehe An- zeige.) — Einen „Vortragsabend Rheinischer Humor" veranstaltet die hieftge Ortsgruppe Lei Deut chn: ki na en H ntzlung geh l e Verbandes am morgigen Donnerstagabend im Cafe Leib. Näheres in der gestrigen Anzeige. — Wohltätigkeitsvorstellung des Vereins „Oberhefs. Damen hei m". Man schreibt uns: Wie wir hören, hat bie Protektoren des Vereins, Frau Fürstin-Witwe zu Solms-Hohensolms-Lich, ihr Erscheinen bei der Vorstellung „Die Eiskönigin" in Aussicht gestellt. — Die letzten Vorbereitungen nehmen einen flotten Fortgang, bie großen unb kleinen Mitwirkenben finb mit Feuereifer bei der Sache, um einem hoffentlich recht zahlreichen Publikum ihr Bestes zu bieten. (Siehe heutige Anzeige.) StutjioetHoüfung nnö iDteBf Danoiana Erfahrungen eines Universitätsprofessors. C ier unterere bedeutendsten Professoren auf dem Gebiet ber inneren Krankheiten berichtet in einer ersten medizinischen Zeitschrift über seine jahrzehntelangen Erfahrungen in Fällen von Stuhloerstopfung. Er empfiehlt ben an berartigen Beschwerben Leibenden längere Zeit hindurch den regelmäßigen Gebrauch eines Abführmittels, wobei er entscheidenden Wert darauf legt, daß das Mittel nur aus pflanzlichen Bestandteilen zusammengesetzt ist. Dieses wird abends eingenommen und führt morgens die gewünschte Wirkung herbei. Dabei gewöhnt sich der Patient nicht etwa an bas Abführmittel, sonbern in- Aus ber Provinzialhauptstadt. Gießen, ben 5. Februar 1930. jm Reiche M Scheins. Es kommt immer darauf an, Wie man an die Dinge herantritt. Denn sie haben alle hundert Gesichter. Unb sind sehr verschlossen, bie Dinge an sich Aber vor ben beobachtenden oder fragenden Augen werben sie berebt, und erzählen ober antworten. „ Cffiaten Sie z. B. einmal in einem Maskenver- leihgefchäst? Allein schon bie Lust dort ist riechenswert, dieser undefinierbare Hauch von Vergangenheit und „Heute nur", von Sektstimmung, von Flirt und Aschermittwcch, ber über ben Reihen der still dahängenden Kostüme schwebt. Beobachtenswert bie Persönlichkeit des Wa Nenverleihers, der Kaufmann, Künstler, Geschichts- unb Menschenkenner zugleich fein muß — auch etwas Philosoph (Wenn auch unbewußt), ilnb sehens- unb höre n s - wert bie Besucher, die hereinkommen: „Ich möchte ein Kostüm haben." Bis zu diesem nicht gerade überraschenden Ansinnen sind sie alle gleich, vielleicht auch noch bis zu dem begleitenden, etwas verlegenen Lächeln — aber bann! Der Geschäftsinhaber kennt seine Pappenheimer auf den ersten Blick. Welche Pappenheimer natürlich auch Holcksche Jäger, Kosaken, Cowboys oder Maharadschahs sein können. Von der Frauenwelt heute nur andeutungsweise zu reden; sie stellt den kleinsten Kundenkreis, denn sie kauft sich ein Kostüm in den Geschäften oder ersinnt und arbeitet Eigenes; es braucht ja heutzutage nicht viel zu sein, da außer dem Köpf, auch Hals, Schultern, Arme und Beine „freibleibend" wirken dürfen. Eine 'Ausnahme macht die dicke, unendlich mütterlich, hausfraulich und ländlich derb aussehende Frau mit schwergefüllter Wachstuchtasche, die eben her- einkomnit und „ein flottes Herrenkostüm" fordert, für sich selbst, zu meinem sprachlosem Erstaunen. (Sie fand übrigens Feins, es war räumlich un- flicht ^viel besser erging es bem ebenso vierschrötig, wie schüchternen Jüngling — und er war sehr vierschrötig — der ein Damen-Biedermeierkostüm verlangte. „Wie groß ist die Dame?", „Nee, für mich", grinst er. Das bedienende Fräulein versucht sanft, es ihm auszureden. „So große Taillen haben wir gar nicht, und der weite Rock, Sie werden überall hängenbleiben. Kann es nicht etwas anderes {ein?" Er grinst nur und dreht feinen Hut in den Händen. Ich höre dem einseitigen Gespräch ein Weilchen zu und lasse das langsam erlahmende Fräulein mit dem grinsenden Stummen von Por- tici zurück. Nach einer halben Stunde verläßt er mit einem tarierten Anzug unb rotblauem Riesenschlips grinsend das Geschäft: er war auf den „dummen August" gekommen — ich nickte bei- Hessischen Handwerkskammer, sowie die geplante Altersversicherung für Handwerker, um bann in einem Ausblick auf die Zukunft auf die Bedeutung der Mitarbeit des Handwerks in öffentlichen Körperschaften hinzuweisen. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache, in welcher noch eine Reihe onftiger Jnnungsangelegenheiten besprochen wurden- *• E i ne hessische Ortsgruppe des S ch u hv e r b a n d e s deutscher Schriftsteller. Hm bie Hauptleitung des Verbandes in Berlin xu entlasten unb bie Möglichkeit schnellerer Erledigung ber Anfragen zu schaffen, hat der Derbanbsvorstanb bie Gründung eines ben Freistaat Hessen, die Provinz Hessen- Nassau und Frankfurt a. M. umfassenden Gauverbandes angeregt- Die Vorarbeiten, die längere Zeit in Anspruch nahmen, hatte der Schriftsteller Otto S ch w e r i n in Frankfurt übernommen. Er begrüßte auf ber für Montagabend nach Frankfurt einberufenen Gründungsversammlung die erschienenen Kollegen, berichtete über bas bisher Geleistete und trug das Dersamm- lungsprogramm vor. Bei ber VorstanbsWahl Wurde ber bekannte Frankfurter Schriftsteller Dr. Alfons P a q u e t zum 1. Vorsitzenden, Otto Schwerin zum 2. geschäftsführenden Vorsitzenden gewählt- Von Hessen wurden ber Darmstädter Kasimir Ebs chm ib unb ber Mainzer Dr. Karl Schäfer in den Vorstand gewählt, dem auch eine Dame angehören wirb. Da der Hauptzweck des Schuhverbandes die Wahrung der wirtschaftlichen und geistigen Interessen der Schriftsteller ist, sowie kostenloser Rechtsschutz, muhte ein mit dem Urheberrecht vertrauter und gleichzeitig literarisch eingestellter Jurist zum Syndikus ernannt werden, den man in der Person des Herrn Dr. Salmann fand. Die Aussprache über den Namen des neuen Gauverbandes führte zu bem Ergebnis, ihn „Gau Rhein- Main" zu nennen. -------- folge der fortgesetzten gleichmäßigen Anregung der in htr Darmtätigkeit an regelmäßigen Stuhlgang. Diese Lnwireroen in 0er Jl OOG. Erfahrung wird feder bestätigen, der bei Verstopfung WSN. Friedberg, 4. Fefrr. Am vergangenen I die unübertroffenen Apotheker Richard Brandt's Sonntag machte sich zum zweiten Male em g r o • I Schweizerpillen gebraucht. Sie bestehen ausschließlich ßes Fi sch st erben in der Nidda bemerkbar, aus pflanzlichen Auszügen unb Stossen unb enthalten Eine schwarzbraune, übelriechende Flüssigkeit ver- I keine Chemikalien. Ihre prompt und zuverlässig ab- ursachte wieder den Tod ungeheurer Fischmengen. I führende Wirkung erfolgt äußerst mild, ohne Leib- Hausenweise liegen die elend ums Leben gekom- I schmerzen oder sonstige unerwünschte Nebenerschei- menen Tiere an den Ufern. Immer stärker wirb ber l nungen heroorzurufen. man zur Vorstandswahl. Zum Gaupräsidenten wurde der Präsident des Chattiabundes, Zimmer- meister und Gastwirt Karl Rinker, Nonnenroth, zu dessen Stellvertreter der Präsident des Wettertalbundes, Lehrer Glück, Langsdorf, gewählt. Gauchormeister wurde Lehrer Müller, Nonnenroth; Gaurechner Bürgermstr. Kneipp. Langsdorf; Gauschriftführer Richard Koch, Nonnenroth; dessen Stellvertreter Heinrich Wagner, Birklar. Beisitzer wurden Ludwig G ö - n e r t XIII., Queckborn, und Heinrich H a ub. Trais-Münzenberg. Vorerst soll jeder Bund seine Selbständigkeit behalten, d. h. n'cht zum Besuch von Festen innerhalb des Gaues gezwungen sein. Von einem Gaufest muß auch vorerst Abstand genommen werden, doch soll erstrebt werden, daß in kommenden Jahren verbindliche Gau- veranstaltungen stattfinden. Die Vereine sollen auch dahingehend beschieden werden, daß sie zukünftig nur Feste solcher Vereine besuchen, die Mitglied des Hessischen Sängerbundes finb. Die Tagung zeigte, daß überhaupt wenig Neigungfür bievielen Feste besteht, bie oft wegen ber vielen Storungen gar nicht zur Pflege unb Hebung bes Gesangs freitragen, son- bern lediglich der Stärkung der Vereinskassen dienen. Zur Bestreitung der Gau-Unkosten wurde beschlossen, daß dem Gau die 3 Pfennig Rückvergütung des Hessischen Sängerbundes verbleiben sollen, dazu erhält er pro Mitglied 5 Pfennig, so daß bei einem Jahresbeitrag von 1 Mk. jedem Bund noch pro Mitglied 10 Pfennig verbleiben. Alsdann besprach die Vertreterversammlung die Satzungen des neuen Gaues, die sich im großen und ganzen bestehenden Gausahungen anlehnen, und beauftragte ben ersten Dorsltzenben, biese jebem Verein zuzuleiten. Nach einem Schlußwort bes Herrn Rinker, ber ben Wunsch aussprach, baß ber neue Gau von Bestaub sein unb bem Besten ber Sängersache bienen möchte, unb nach einem Hoch auf bas deutsche Lied, brachte der Gesangverein Nonnenroth noch einige gut ein* studierte Chöre zu Gehör. Büchertisch. I — 3n ber Reihe ber 1 Mark-Bücher des Verlages Guibo Hackebeil QI.-®. (Berlin SW 48) sind vier neue Romane erschienen: „D i e Freun- d i n". Don Lisa Barthel-Winkler. Ein Buch voller Spannung und Frische. Es behandelt die seelischen Nöte einer jungen Frau, bie ihren zugrunde gehenden Mann rettet und dadurch seine Liebe toiebergetoinnt. — „Hella Fad - bemrechts Geheimnis". Von Valeska C u f i g. Das harmlose Geheimnis einer Frau, deren Gatte im Ausland Weilt, führt nach dessen Rückkehr zu einer aufregenden Verkettung von Situationen. — „DerBoxer. zwei Frauen und ein P f e i l“. Von Werner Scheff. Die Aufklärung des mysteriösen Verbrechens an einem Meisterboxer bildet den Inhalt des Buches. Scheff Weiß hier bie Spannung von Seite zu Seite zu steigern. — „K a r n e v a l". Von 2 r m - garb Spangenberg. Was baraud entsteht, daß bie Pförtnersfrau bas Zimmer ihres Unter* miet erd in besten Abwesenheit an eine junge, nette Dame vermietet, das schildert dieser flott I geschriebene Roman. (15/18) Neue Ullsteinbücher: „Ein Herr in den besten Jahren" hat es nicht leicht, Wenn er sich in ein junges, schönes, modernes und sportbegeistertes Mädchen verliebt, die durchaus nicht aus Mitleid geheiratet Werben Will unb sich mit aller Kraft bemüht, ihre Selbstänbigkeit zu bewahren. Dieses Wechselspiel schi.bert höchst anziehend QI. E. Weirauch. — In dem andern neuen Ullsteinbuch „Ringrose hört eine Stimme" geht es aufregender zu. Es ist ein raffiniert geschriebener Kriminalroman voll höchster Spannungen. Sein CBerfaffer EdenPhi 11- potts ist ein junger englischer Schriftsteller. — Die neue Skitourenkarte „Qlero- vue" von Oberengadin. (724) Alle, die schon Gelegenheit hatten, im Engadin Winterserien verbringen zu können, wird das Erscheinen ber nach ganz neuen Prinzivien vom kartographischen Qkrlag „Aerovue", Conzett & Huber in Zürich erstellten ©ätourentarte Ofretengabin, Albula-Demina, 1:50 000, freubig begrüßen. Die Karte zeigt schon auf ben ersten Blick die gesamte Gebirgskonstellation des Oberengadins und gibt bem Beschauer eine klare Uebersicht über das I gesamte Skigebiet. Schön möbl. Zltnmer in Qiitem Hause au vermieten 0807 töt. Ltciuwegä3 II Cchiilcrod.Schüle- rinnen können gute Pension in besserem Hauke haben. Zimmer nut elektrischem Licht. Sn eifmnen in der ßseichaitSiieUe des Gieß. AnA. 104GQ Laden Neustadt 19 zu ucimieien. 385D R. Becker, Keoleritrakre 9. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Laden mit Siebenlönmen Krcuävlav l ab 1. 2. 3u zu uevm. Näheres 21. Becker, Li e vier st r. 9. 10814,- tillllilllllllllllllllllillllilliiu Achtung! Achtung H Gießen, Bremen, Berlin, den 4. Februar 1930. 1 >25 D im 20. Lebensjahre. 1049C 996D steigerung Bestimmt Kiefer: 2a 22,64 10181 Fichte: la 2,05 kauf kommen 1026D 149 Stück Fichfen-Derbstangen 1. Kl. Heuchelheim, den 4 Februar 1930. 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Kl. „ Fichten-Reisstangen „ Fichten-Bohnenstangen rm Buchen-Scheiter „ „ Knüppel „ „ Stöcke „ „ Reiser „ Eichen-Scheiter „ „ Knüppel „ Fichten-Knüppel „ Eichen-Reiserknüppel Die Beerdigung findet auf Wunsch des Verstorbenen in aller Stille statt Ruh- und Brennholzversteigerung im Fürst ou Solms-Braunfelsschen Forstrevier Hungen, Distrikt Fuchsstrauch bei Garbenteich, am Samstag, dem 8. d. 7N. Zusammenkunft 10% Uhr vormittags am Bahnwärterhaus Fuchsstrauch. Zum Ver- Kaukbaus Elsoffer Marniir. 27. Ein tm Kochen und in HauSnrb. erfahr. Mädchen vornehme SxMen, auf mehrere Zähre mit flrohem Ein- fommen für Tarnen und Herren durch Vorführung der ges. gesch. [I18,V smneOloiEDinlte Hefoun jede Hausfrau iit Käufer! Taufende Anerkennungen! Garant.50°/> Kohlen-. Holz- uno Tors-Ersparnis. Dopvelie H.'izkraft! Alles koch: in halber Zeil! Eine Zierde für jeden Küchenherd. Generalverireiuna f. Gienen it. Umfl. noch frei. Zur LaaerhaUg. etwas Kavität erfoiberl. 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Be sonderen Dank dem Herrn Pfarrer für die tröstenden Worte, der Gemeindeschwester für die liebevolle Pflege, dem An ilierie-Verein sowie der 50er Vereinigung 1876—1926 lür die ehrenvolle Bestattung. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 5 Februar 1930. Bohnenstangen. Fichte: 3200 Stck. Ruhreisig in Schichthoufen. Fichte: 111 rm Die Kiefern, und Fichtenstämme 3b bis 5a eignen sich für Schreinerholz. Zusammenkunft vormittags 87z Uhr vor der Hard am Ober-Bessinger Weg. Ettingshausen, den 5. Februar 1930. Hessische Bürgermeisterei Ettingshausen. O p p e r. Statt jeder besonderen Anzeige. Nach kurzer Krankheit starb am 1. Februar plötzlich und unerwartet mein Gatte, unser Vater und Großvater Dr. Friedrich Noack. sechs Haus zwei Steh 20 Velour- einen Last MMMl- «W! 2 Stck. nebr. Voll satter. 700 mm Durchgang, nut erb., Tonneulager, sofort günstig au uei raufen. Wetlgebendne gab- lungserleichterung. Wabere» durch. Verkaalidlreklion Franktart der Ma- schinealab. Kappel, A.-G. 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Februar 1930 nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: eine Tablettenmaschine, zehn Nähmaschinen, drei Büfetts, einen Serviertisch, neun Chaiselongues, sechs Sofas, zwei Spiegel, drei Regulatoren, drei zwei Korbmöbelgarnituren, zwei Kleiderschränke, ein Eisenbett, zwei Rauchtische, zwei Schreibtischsessel, acht Bilder, zwei Klaviere, sechs Schreibtische, zwei Teppiche, einen Sessel, vier Schreibmaschinen, einen Schreibmaschinentisch, vier Vertikos, einen Bücherschrank, eine Rotationsmaschine, zwei Kredenzen, einen Eisschrank, einen Gasherd, eine Ständerlampe, eine Vitrine, einen Spiegelschrank, zwei Diwane, einen Wäscheschrank, 50 Bohner- und Scheuertücher, eine Flurgarderobe, einen Wäscheschrank, eine Eismaschine, eine elektrische Haarschneidmaschine, 150 Flaschen Likör, zehn Kartons Schokolade, 15 Dosen Obst- und Gemüsekonserven, eine Ladeneinrichtung, zwei Eisenbahnen, zwei Dampfmaschinen, zwei Projektionsapparate, ein Motorrad, sechs eiserne Träger, drei Rohrsessel, einen Gartenschirm, drei Peddigtische, drei Peddig- Chevrolet 6-Zylmder. Borküh- iuni8roaflcn, 4-lür. oreisw. abAuneben. O.Faher.MüiiiM Schreibmaschine. Dem Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 3g. GM lanu etnireien I0,,l> Büflprei u. fioDüitorei ®Q.5(tiiHlng BiSmarckstrave 6. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen, sowie für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir allen unseren innigsten Dank. Frau Anna Koel Wwe. WoelN nebst Angehörigen Gießen, den 4. Februar 1930. Für die uns beim Heimgange unserer teuren Entschlafenen in so reichem Mabe erwiesene Anteilnahme sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Karl Leibfried. Gießen, den 5. Februar 1930. 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Heute morgen verschied plötzlich und unerwartet unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Speogienneisier Georg Dahmer im Alter von 60 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Georg Dahmer jun. und Familie Rudolf Dahmer und Familie Heinrich Dahmer und Familie Richard Dahmer und Familie. Nachruf. Am 2. Februar verschied unser treuer Vertreter Herr Willy Fischer. Lange Jahre ist er uns ein wertvoller Mitarbeiter als Inkasso-Vertreter für den Platz Gießen gewesen. Der Verstorbene hat gewissenhaft unsere Interessen jederzeit wahrgenommen. Sein Name wird uns stets in hohem Angedenken bleiben. Ma6dehnrgerlel)ens-Verslchenin6s!!esellscliall „Alte Maßdebnreer von 1855", Bez.-Dir. Kassel A. Hartwig, Bezirks-Direktor. 1O57D Ettingshausen folgendes Nutzholz zur Ver- 1036D WlMZiNMl IN der ’Jiö.ie d. Universität vom 7.Febr. ab aus ca. 14 Tage gesucht. Lchr Anaeb. u. 0799 a. d. Gn. 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Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 1056D Eine schriftliche Mahnung ergeht nicht mehr. Gießen, den 5. Februar 1930. Direktion der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen. I. V.: Kun tze müller. Bekanntmachung. Die Rechnung der Landjudenschaft der Provinz Oberhessen für das Rechnungsjahr 1928 und der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1930 liegt zur Einsicht der Beteiligten acht Tage lang auf dem Bureau des Unterzeichneten, Alicenstraße Nr. 2, offen. 1027D Nur während dieser Zeit können Einwendungen gegen die Richtigkeit erhoben werden. Gießen, den 4. Februar 1930. Der Vorsteher der Landjudenschaft der ProvinzOberhessen. Louis Marcus. |Steilengesuche| Ich kuche für meinen Zungen mit höherer Schulbildung Lehrstelle in kausmännischem Bureau oder bei einer Bank. Schritt!. Angeb. unter 1010U an den Gien. 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Nach dem Vortrag Zusammensein im GastbauS Hindenburg. 1018V Die Vorstände. 7838 h UBisioei]' ÄMIII« leb. t JüwhTi iMachtt, Mw '•« toibif SgaAs M- 7>ttW ' l'b' U. 35 d.K'^ SS,* irantenweu 18i. i.io Wihin ' M -.58 M&eringe ' lo Stück-,8S ttfci ^LjyelM liB öonnoo» ^krd. kachgemäK Jj Dreißroeri ge- Immi a rtuat Mite lf6eo.Uioifffui televhonM. «kni o. neuen u. nebx. Slluo. j erschiedenes| Willi upachtengeiiidit, Uebernebme auch beilebende Pacbi, uAaeieilt.edniitl lnfleboieumerOS-3 . d. siebener Äiu. i;o kann tzach-Edea. DnöullEien unö Mtilto lernen? SdiniiL tßebuie mit fc'rcid Aet un ^en Arn. ÄnA. txbeicn. Weiterer, allein« stehender Herr Hausbesitzer „imb Rentner, wunlcht niiramcausmitt- lercn fitciicn, .bcinaUö 9icn:en» -inpiänflerin, nM über aUjabre, ojne Knbnnfl- 0'?c,n' idjoithrfjcn HauS' baluuiubtcn.^. 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Denn, wie man sich auch im einzelnen zu den Ereignissen der letzten Monate stellen mag - eines vermag heute niemand mehr zu bestreitens dah die Autorität der Banking-Regierung ke,- neswegs überall anerkannt ist, und dost es neben Tschiangkaischek, dem big versagten. 3n den letzten Ereignissen des Jahres 1929 kann man somit auch kaum die Gefährdung der Einigung Chinas, des großen Verdienstes der Kuomintang und Tschiangkai- scheks. sehen. Man muh vielmehr wohl, um die Tinge richtig zu erfassen, die Frage anders stellen. ist nicht eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse zwischen Zentralregierung und den einzelnen Machthabern eingetreten. ohne dah einer von diesen beabsichtigte, nun die Einigung zu sprengen? Wenn man von dieser Fragestellung aus an das Problem China herangeht - also stets berücksichtigt, datz nichts geschehen ist, was China wieder tatsächlich in eine Reihe von selbstän- Danzk Bristol arce/ona Albacete BERLIN Start u. Ziel '*'u-XV__ Die Streckenkarte des 7500 km langen E u r o p a - R u n d f l u g e s, der über acht Länder führt. Start und Ziel ist Berlin. Die Durchführung des Rundflugs wurde Deutschland, dem Heimatland des letztjährigen Siegers Morcik, übertragen. tung (und damit die Einnahmen!) der sämtlichen norochinesischen Eisenbahnen übertragen wurde, woraufhin dann plötzlich der Krieg der Marschälle ein schnelles Ende sand ... Dieses letztere, bisher kaum beachtete Ereignis aus dem Jahre 1929 dürfte denn auch möglicherweise den Anfang einer neuenW en- dun g in China bedeuten. Während bisher lediglich Tschiangkaischek mit seiner Kontrolle der Hafenstädte und damit der reichen chinesischen Banken eine sichere Geldquelle besah, die es ihm gestattete, seine Truppen immer zu löhnen (das Geheimnis seines Erfolges), hat jetzt mit der Übertragung der Eisenbahnen auch QJen eine solide finanzielle Basis erhalten. Die nordchinesischen Dahnen bringen zwar nicht ganz so viel wie die Banken im Süden, jedoch dürfte ihr Besitz ausreichen, um Pen eine Verdoppelung seiner Armee zu gestatten. Ob das Pen nun tun wird, ist vielleicht ungewih. Wahrscheinlicher ist es, dah er die Gelder benutzt, um seinen Freund Feng und dessen Truppen noch enger an sich zu ketten und sich so die absolute Vorherrschaft in Rordchina zu sichern. Gewiß braucht damit nicht der Keim zu neuen Streitigkeiten gelegt zu fein, da man sich vorstellen könnte, dah mit dieser „Jnteresfenfphä- renteilung“ auch die Reibungsflächen zwischen den verschiedenen Marschällen beseitigt würden. Aber einmal ist Pen Bordchinefe und hegt eine lebhafte Abneigung gegen alles, was, wie z. B. die Bankingleute, aus Südchina kommt. Andererseits ist aber auch nicht zu verkennen, dah es innerhalb der Kuomintang zu schweren Konflikten gekommen ist, die Tschiangkaischek ’ mehrfach fast zum Rücktritt gezwungen hätten. Tschiang hat sich bisher zwar immer wieder durchgeleht — aber innerhalb Chinas haben diese Dinge nicht immer dazu beigetragen, sein Ansehen zu erhöhen. Das „zweite Jahr feiner Regierung" ist somit keineswegs sehr glücklich gewesen, da im Ergebnis eine Verstärkung des Bordens erzielt worden ist, die sich in neuen Kämpfen im kommenden Jahre auswirken kann. ilnö diese eigene innere Unsicherheit ist es wohl auch, die man hinter dem Feldzug der Zentralregierung — also Tschiangkaischeks — gegen die Fremdenvorrechte zu suchen hat. Tschiangkaischek hat eben das Bedürfnis, seinem stark beschädigten Prestige wieder aufzuhelfen und es durch Wxederentfachung der nationalen Bewegung feinen Gegnern möglichst schwer zu machen, sich gegen ihn zu wenden. Dah der Der Entdecker der Blutproben-Theorie, Professor Dr. Wilhelm K. Z a n g c m e i st e r, Direktor der Königsberger Universitätsfrauenklinik, ist im Alter von 59 Jahren gestorben. Zangemeister trat be» sonders durch seine aufsehenerrcgenden Blutserumuntersuchungen hervor, durch die die Vaterschaft eines Kindes feststellbar sein soll. Kampf um die Abschaffung der Ausländervor- rechte, wie überhaupt die ganze Exterrilorialitäts- frage nicht übermäßig aussichtsreich ist, dürste ihm wohl bekannt sein. Schließlich werden Verträge ja nicht ohne weiteres dadurch außer Kraft gefetzt, daß nun plötzlich die eine Partei erklärt, ie Verträge seien abgeschafft. Aber Tschiangkaischek weiß eben andererseits auch, daß die Ausländer ihre Vorrechte mit Waffen in der Hand verteidigen müßten, und daß sie dies nur an der Küste können, während dies an den Flüssen aufwärts schon sehr viel schwieriger iJL Er rechnet also offenbar damit, daß es zu für die Chinesen „siegreichen" Zwischenfällen kommt, an denen sich der fanatische Haß der Chinesen gegen die Fremden entzündet, und daß auf diese Weise der gegen ihn gerichteten Bewegung die Spitze abgebrochen wird. Der fremde Beobachter in China wird somit den Ereignissen des Jahres 1930 mit einer ge- Amerikas „MchsgmchlspräsidenI" trift zurück. Staatspräsidenten und Generalissimus, noch zumindest drei, ja vielleicht auch mehr selbständige Gruppen gibt, die sich entweder von der Bankingregierung und Tschiang gar nichts oder nur widerwillig etwas sagen lassen. Weder Fengyühsiang in Schensi, noch der Mustergouverneur Pen in Schansi und Peking, noch gar der Marschall Tschanghsueliang in Mukden denken auch nur daran, die Befehle der Bankingregierung auszuführen oder sich gar von ihr absehen zu lassen. Sie vermeiden zwar den Schein, als ob sie sich für gänzlich selbständig hielten, und nehmen „Ernennungen" von der Ban- fingregierung entgegen aber wenn es um politisch wichtige Dinge geht, geschieht das, was die Zentralregierung wunicht, nur dann, wenn sie das vorher in Verhandlungen durchsetzte. Es wäre aber falsch, wollte man behaupten, daß die „Einigung" Chinas einen Rückschritt zu verzeichnen habe, gibt es doch eben immer noch eine 3 e n t r a l r e g i e r u n g , die bis zu einem gewissen Grade als solche anerkannt wird und auch solche Verhandlungen mit dem Ausland führt Bur zeitweise - etwa P/2 Monate lang - haben im Jahre 1929 Feng und Pen die Zen- tralrcgierung formell nicht anerkannt, während nur verhältnismäßig belanglose Rebellionen der Kwangsi-Genc äle mit allerdings sehr wechseln- dem Erfolge der Regierung die Gefolgschaft ständigen Teilreichen aufgelöst hätte —, so darf man auch feststellen, daß das hervorstechendste Merkmal des Jahres 1929 das Auftreten des Generals Pen Hsi Schan ist, der sich immer mehr zum Gegenspieler der Bankingregierung entwickelt, nachdem er vor drei Jahren noch lediglich der Gouverneur einer kleinen, allerdings musterhaft verwalteten Provinz, Schensi, gewesen war. W i e das Pen gemacht hat, ist überaus charakteristisch für chinesische Verhältnisse. Bach- dem 1928 Pen Peking und Tschihli zugestanden bekommen hatte, wurde Pen der Friedensvermittler zwischen Tschiangkaischek und den anderen Generälen. Er hat nicht nur den Zwischenträger zwischen Tschiang und Tschanghsueliang gespielt, sondern hat ebenso Fengyühsiang, den „christlichen" General, unter seine Fittiche genommen. Batürlich nicht etwa aus irgendeiner besonderen Sympathie für diesen, sondern um sich jeden Schritt mit Konzessionen der Bankingregierung bezahlen zu lassen, die natürlich einer allmählichen, aber stetigen Vermehrung seiner Macht gleichkamen. Boch in Erinnerung aller dürfte ja die Kriegskomödie dieses Jahres sein, als Pen und Feng der Qlantingregierung versprachen, in das Ausland zu reifen, bis schließlich im Ergebnis beide im Lande blieben und Pen sich seine „Beu- tralität“ im Konflikte zwischen Feng und Banking damit bezahlen ließ, daß ihm die Verwal- William H. Taft, der frühere Präsident der H. S. 21., zuletzt als Vorsitzender des höchsten Gerichtshofs in Washington der oberste Richter Amerikas, trat von seinem Amt zurück. Der ehemalige Staatssekretär Hughes, seit 91 o' vember vorigen Jahres Mitglied des Ständigen Gerichtshofs im Haag, wurde zum Nachfolger Tafts ernannt. Arnold Schönberg: „Bon heute auf morgen". Uraufführung im Frankfurter Opernhaus. Die Frankfurter Oper hatte bei dieser Premiere einen großen Tag. Der Barne Arnold Schönberg bewirkte das Erscheinen von zahlreichen deutschen und ausländischen Musikern und Pressevertretern. Sie hatte ihn auch künstlerisch, da sie mit einer in der Besetzung hochwertigen, sorgfältig vorbereiteten Aufführung aufwarten konnte. Seit der „Erwartung" und der „Glücklichen Hand", die beide fast zwei Jahr» zehnte zurückliegen, hat Arnold Schönberg als Opemkornponist geschwiegen. So wenig er sich m feinen Formprinzipien gewandelt hat, so duldsam ist er gegen den Text geworden. Damals symbolgcladene, kaum ausdeutbare Stoffe, diesmal ein gewichtsloser ehelicher Dialog mit lauen satirischen Anfpielungen auf den modernen Menschen, deren Lebensgrundsähe „von heute auf morgen“ veralten. „Er", ein wißbegieriger Bürgersmann, schwärmt von der Frau der großen Welt, die Geist, Humor, Liebreiz. Eleganz. Leichtsinn besitzt, Eigenschaften, die nun einmal im Milieu einer auf billig und praktisch hergerich- teten Siedlungswohnung schwer gedeihen. „Sie", die an sich einem kleinen Flirt mit dem süßholz- raspelnden Kehlkopfathleten nicht abgeneigt ist. greift, als es ernst zu werden beginnt, zu alter Frauenlist. Sie mimt mit mondäner Aufmachung, mit Tanz, kokettem Getue und Gerede das Idol, bis der 'Mann sich wieder reuig zum bürgerlichen, unkomplizierten Ehcg'ück bekennt. Der Librettist Max Blonda geht hierbei etwa mit der Mental tat des Gelegenheitsdicht rs für bürgerliche Freudenfeste vor, also höchst zahm und unzeitgemäß. Daß Arnold Schönberg sich von diesem Text angezogen gefühlt hat. ist erstaunlich. Denn gerade die Eigenschaften, die das Libretto von der musikalilchen Seite her bis zu einem gewissen Grade hätten retten können, besitzt Schonberg nicht i Witz und Grazie. Die schon mit gleicher Konsequenz in den früheren Einaktern und im „Pierrot ßunaire" herausgebildete Klangsprache Schönbergs bleibt, an sich schon bühnenfern und abstrakt, ohne inneren Kontakt mit den Geschehnissen Alle Theorien Schönbergs treten aufs höchste gesteigert in die Erscheinung. Die Verneinung des Äon- und Dissonanzdegrifses, die Ablehnung motivischer Arbeit auf größere Flächen, das Aufhören fester rhythmischer Gliederung ist auch diesmal charakteristisches Merkmal der Partitur. Ebenso die Behandlung der Sing- stimmen, die sich, ohne vom Jnstrumentalpart nur im mindesten gestützt zu werden, in freien, intervallmäßig unsagbar komplizierten Rezita- tiven und Melismen ergehen. Gewiß, wir fordern nicht mehr den unseren Ahnen genehmen Wohlklang, wir haben uns an eine Verwischung der harmonischen Kontraste Dur und Moll, Konsonanz und Dissonanz, gewöhnt, wir sind auch in bezug auf „Tauglichkeit" der Melodie weitherziger geworden. Doch gewisse ürbegriffe des Musikalischen lassen sich nicht umstürzen. Etwas von dem, was wir „Melodie" nennen, was sich wenigstens in bescheidenem Maße ins Ohr des Aufnahmefähigen und Aufnahmegewillten festsetzen kann, muß schließlich vorhanden sein. Das qualvolle Durcheinandersingen der gewiß mit System, aber ohne jede Rücksicht auf die für den Sänger und auch für den Hörer von der Batur gezogenen Grenzen geführten Stimmen im Schlußquartett zeigte am deutlichsten die Sackgasse, in die Schönberg als starrer Verfechter seiner Ideen geraten ist. Man ahnt ein tragisches Schicksal: wahrend die starken schöpferischen Kräfte der jungen Generation — die alle mehr oder weniger von Schönberg gelernt haben, um sich von überkommenen, abgenutzten Begriffen frei zu machen — das Melos, das geschlossene Thema wieder zu respektieren beginnen und damit zu größerer Einfachheit zurückkehren, bleibt der Wegbahner einsam an einer schon aufgegebenen Etappe stehen. — Der Frankfurter Oper hat Schonberg viel zu danken. Hans Wilhelm Steinberg hielt das komplizierte Gefüge am Pult mit höchster Feinnervigkeit zusammen. Dr. Herbert Grass Spielleitung brachte in Verbindung mit einem hübschen Bühnenbild Ludwig Sieverts die szenischen Garantien. Die ausgezeichneten Leistungen der Darsteller — Benno Ziegler (Mann), Else Gentner-Fischer (Frau), Elisabeth Friedrich (Freundin),,Anton Maria Topih (Sänger) machten auch sür den vom Werk nicht begeisterten Hörer den starken (nur wenig mit Pfeifen und Zischen durchsetzten) Beifall voll verständlich. Schonberg konnte sich mit seinen Helfern vielfach zeigen. • Voran ging Per golesis entzückende komische Oper »Der getreue Wusikmer- st e r“ , in einer vorn Stil der alten italienischen Stegreifkomödie inspirierten witzigen und einfallsreichen Inszenierung Dr. Grafs. In chr hatten mit sehr amüsanten Typen Hermann Schramm als Musikmeister, Adolf P e r m a n_n als Jmpressario und Clara Ebers als Schülerin ßauretta die Haupterfolge. A. H. Oie Motorjacht. Von Hans Webau. Bachdruck verboten. Jon schlenderte am Hafen entlang. Da lag zwischen grauen Frachtdampfern eine kleine, schneeweiße Motorjacht. Jon ging über den ßauf» steg an Bord, besah sich die Jacht, ging um die Kajüte und den dicken Messingschomstein herum, setzte sich in einen Korbsessel und rauchte eine Zigarette. Dann stand er wieder auf, öffnete vorsichtig die Kajütentür. In der Kajüte faß ein dicker, eleganter Mann an einem Tische- Jon schrak zurück. Aber der dicke Mann stand auf. „Ah," sagte er. „Sie kommen wohl auf das Inserat hin? Sie wollen die Motorjacht kaufen?" „Jawohl," nickte Jon. Da führte ihn der dicke Mann durch das Schiff, zeigte ihm den Führerstand, die Schlafkabine, den Motorenraum und alles, was es da sonst noch zu sehen gab. „Kostet?" fragte Jon. „ Fünfunddreißigtaufend Mark," sagte der dicke Herr. Jon machte ein bedenkliches Gesicht. „Das ist sehr teuer." „Das ist spottbillig," widersprach der dicke Mann. „Beu würde das Boot achtzigtausend Mark kosten, ünd außerdem, wenn Sie mir zehntausend Mark anzahlen, eilt es mit dem Rest nicht so sehr." „Gut," sagte Jon, „ich werde es mir überlegen.“ Dann ging er von Bord. Schlenderte weiter im Hasen umher, ünd sah, wie auch der dicke Mann das Schiss verließ. Es war Mittag. Da ging Jon wieder auf die Motorjacht, setzte sich in einen Korbsessel und ließ sich von der Sonne bescheinen. Es dauerte nicht lange, da kam ein Auto am Kai entlang. Das Auto hielt. Ein H rr und eine Dame fliegen aus, kamen auf die Jacyt zu. ,2lh," sagte Jon, .Sie kommen wohl wegen des Inserats? Sie wollen die Motorjacht kaufen?" e „Jawohl," sagte der Herr. Da führte ihn Jon durch das Schiff, zeigte den Führerstand, die Schlaskabinen, den Wotoren- raum und alles, was es sonst noch zu sehen gab. „Kostet?" fragte der Herr. „Zwanzigtausend." „Das ist nicht teuer.“ „Bein", sagte Jon, „das ist spottbillig. ünb wenn Sie zehntausend Mark anzahlen, eilt es mit dem Rest nicht so sehr." „Sind noch mehr Reflektanten da?" fragte der Herr. „Sehr viele", sagte Jon. „Wenn Sie kaufen wollen, kann ich Ihnen nur raten .. Der Herr wechselte einen Blick mit der Dame. Die Dame nickte. Der Herr zog sein Scheckbuch. ilnb schrieb. „Danke", sagte Jon, nahm den Scheck. „Die Jacht steht Ihnen also von Sonntag früh an zur Verfügung.“ Das Auto fuhr ab. Aber wenig später kam ein zweites Auto. Die Herren, die darin faßen, waren von der Motorjacht außerordentlich begeistert. „Sofort kaufen", empfahl der eine, „das ist ja ungeheuer billig." „Weim Sie zehntausend Mark anzahlen", sagte Jon, „eilt es mit dem Rest nicht so sehr." Da zahlten die Herren zehntausend Mark an. Ilnb als sie gegangen waren, ging auch Jon, loste die Schecks ein und aß ausgiebig zu Mittag. Als er am Bachmittag wieder in den Hafen schlenderte, begegnete ihm der dicke, elegante Herr. „Die Motorjacht ist verkauft", strahlte er, „es waren eine ganze Menge Leute da." „Schade", sagte Jon, „ich hätte sie gern genommen.“ üni> er verabschiedete sich von dem dicken Herrn. Dann ging er an Bord der Jacht, setzte sich in den Korbsessel und wartete. — Als er abends nach Hause ging, addierte ec in seinem Botizbuch. Cs dauerte ziemlich lange und am Schluß tarn eine fünfstellige Zahl heraus. In der Bacht aber faß er schon im V-Zug und fuhr nach dem Süden. Demi es war ein Samstag gewesen, an dem dies alles geschah, ilnb Jon hätte es nicht mit ansehen können, wenn am Sonntag früh mehr als achtzig Menschen an Bord der Motorjacht gegangen wären, die, wie auf einem blanken Messingschild ausdrücklich vermerkt war, nur für vierzehn Personen eingerichtet war. wissen Besorgnis entgegensehen. So viel Glück China 1929 in seiner äußeren Politik gehabt hat — die Mandschurei ist China ja schließlich erhalten geblieben so unglücklich haben sich die Dinge im Innern entwickelt. Das Spiel mit dem Feuer, das die Aufrollung der Frage der Abschaffung der Exterritorialität bedeutet, scheint nicht geeignet, um China eine friedliche innen- und außenpolitische Entwicklung für die nächste Zeit prophezeien zu können. Heimvolkshochschule Hohensolms. * Hohensolms, 2. Febr. Dieser Tage fand in dem Schulheim der Heimvolkshochschule Hohensolms die Eröffnung eines neuen Mädchenlehrganges statt. Für den dienstlich verhinderten Leiter der Schule, Pfarrer Petri, Hohensolms, sprach Dr. Kam- m e r im Kreise der Schülerinnen und einiger Eäste. In diesem Degrüßungswort deutete er die Auffassung an, welche der Hohensolmser Dolks- hochschularbeit zugrunde liegt. Es soll eine Zeit gemeinschaftlichen Lernens, gemeinschaftlichen Sichbcsinnens und gemeinschaftlicher Freude für alle Teilnehmerinnen fein. Als Vertreter des Volkshochschulvercins sprach sodann Pfarrer Gründler. Königsberg, noch herzliche Worte. Er zeigte auch, wie die einzelnen Unterrichtsfächer, von dem praktischen Hauswirtschafts- und Handarbeitsunterricht angefangen, bis hin zu der sich ganz an den inneren 2llenschen wenden- Die Volkshochschule im Die Gießener Volkshochschule veranstaltete in diesem Arbeitsjahr 31 (1928: 29) Kurse, die zum Teil noch in der Durchführung begriffen sind. Die Zahl der Kursabende (meist Doppelstunden) beträgt 329 (1928: 233), die der teilnehmenden Personen 451 (1928 und 1927 je rund 380, 1926: 305), auf die 554 (1928: gegen 500) Einschreibungen entfallen. Die starkeZu- nähme der Hörerzahl geht auf Rechnung des Winterhalbjahrs, das mit 316 eingeschriebenen Personen (411 Einschreibungen) den Durchschnitt der drei borangegangenen Wintersemester um etwa 45 Prozent übertrifft. Die äußere Entwicklung der Volkshochschule ergibt also ein günstiges Bild. Auch die Zusammensetzung der Hörerschaft hat sich in einigen Punkten günstiger gestaltet. Das seit mehreren Semestern zu beobachtende Wachstum des Hörerstammes hat im Wintersemester eine Zahl von 141 (W.S. 1928/29: 124, W.S. 1927/28: 103) Hörern aus früheren Semestern ergeben. Im Interesse der Weiterentwicklung der Volkshochschule besonders zu begrüßen ist namentlich der im Winterhalbjahr erfolgte Zugang an Hörern im Alter von zwanzig Iahren und darunter, die in den beiden vorangegangenen Wintersemestern nur in verschwindender Zahl beteiligt waren. Sie machen zur Zeit etwa 15 Prozent der Hörerschaft aus: und zwar verteilen sie sich im gleichen Verhältnis tote die übrigen Hörer auf die verschiedenen Kurse, so daß Besonderheiten in der Richtung des Bildungsinteresses bei ihnen nicht feststellbar sind. Rach wie vor sind außerdem 60 Prozent der Hörer zwischen 20 und 30 Jahren. Die junge Generation 9er Traum vom SM. Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. 29 Fortsetzung. Na.-druck verboten. „Das ist unmöglich! — Er befindet sich im Ausland — auf einer Seereise, glaube ich — und ich weih nicht einmal feine Adresse." „Dann wirst du ihn sicher niemals Wiedersehen!" brauste die Mutter auf. „Darauf gebe ich dir mein Wort! Ieht hast du ihn dir endgültig durch die Finger schlüpfen lassen. Er wird unter- Wegs längst eine andere kennengelernt haben, und ich bedaure dich nicht im geringsten, wenn du seine Verlobung in der Zeitung liest, du albernes, undankbares Geschöpf!" „Dann müßte ich es zu ertragen suchen!" antwortete Sabine anscheinend ruhig: aber in ihrem Herzen zuckte ein stechender Schmerz bei dem Gedanken, daß die Mutter recht haben könnte. Trennung ist das härteste aller Hebel, die die Liebe zu bekämpfen hat, und es gab Zeiten in Sabines prüfungsreichem Leben, wo sie, ermattet von allen Kämpfen und höhnischen Sticheleien ihrer Mutter, den letzten Rest von Lebensmut zu verlieren glaubte. Dann kam Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung über das arme Mädchen. Warum sollte er ihr treu bleiben? Die grausamen Prophezeiungen ihrer Mutter fanden ein Echo in ihrem eigenen, gemarterten Herzen, das sich unablässig die Frage stellte: Warum sollte Kurt noch einmal zu ihr zurückkehren? Er war in keiner Weise gebunden, ja, sie hatte ihn durch ihr Schreiben deutlich erkennen lassen, daß es ihr eigener Wunsch fei, ihn so frei als möglich zu wissen. Sollte er während der Trennungszeit seinen Sinn geändert haben — so hatte sie ihm geschrieben —, so würde sie ihn ihrerseits als einen Gestorbenen betrachten, als sei er für immer aus ihrem Leben geschieden. Sehr oft wand sich ihr Herz in Qualen bei dem Gedanken an diesen Ausgang. Wie leicht hatte sie es ihm gemacht, sie zu vergessen, und wie sehr war die lange Trennung dazu angetan, alle Rebel der Leidenschaft vor seinen Augen zu zerstreuen, so daß nur noch die Rachteile einer ihn entwürdigenden Heirat grell beleuchtet blieben. Hnd immer war es Doris, die die fast verlöschende Flamme der Hoffnung in Sabines verzagendem Herzen von neuem anzufachen verstand. Von ihr wußte sie, daß Kurt von Wildhofen sich mit der Iacht eines Freundes auf einer Auslandreise befand und daß sich keine Damen auf dieser Iacht befanden. Diesen letzten Sah hatte Doris dick mit Rotstift unterstrichen. Es war ein anscheinend bedeutungsloser Hmstand, und doch — wie unendlich trostreich und beglückend für das von Zweifeln gemarterte Herz des liebenden Mädchens. Hätte Sabine in dieser schweren Zeit nicht Doris Hocters Freundschaft besessen und ihre zahlreichen, liebevollen Briefe empfangen, sie hätte sich in Kummer und Sehnsucht verzehrt. Als sie von Doris' Verlobung mit dem Rechtsanwalt Kenntnis erhielt, freute sie sich aufrichtigen Herzens übej das Glück der Freundin, aber auch für ihr eigenes, schwankendes Hoffen gab es neuen Balsam in dem Briese der glücklichen 1 den evangelischen Lebenskunde, in einem großen Zusammenhang stehen: Alles soll dienen der Vorbereitung für die Ausgaben des Lebens als Frau und Mutter. Besinnliche Lieder umrahmten die schlichte Feierstunde. 22 junge Mädchen, teils aus Oberhessen und dem Rheinland, teils aus weiter Ferne, z. D. Sachsen und sogar Oesterreich, werden in den kommenden Wochen und Monaten das Schulheim bevölkern und Arbeit und Freude miteinander teilen. Turnen, Gpori und Spiel. Hochschulsport. Schtolmmtoettkämpse. Am morgigen Donnerstag veranstaltet die Gießener Studentenschaft ihre Schwimmwettkämpfe im Städt. Volks- bad. Die Wettkämpfe sind als Einzelkämpfe (Brustschwimmen, Rückenschwimmen, Freistil- schwimmen, Kopfweitsprung, Slreckentauchen und Springen) und als Mannschaftskämpfe (Brust- und Lagenstaffel) unter den Korporationen ausgeschrieben. Reben einigen Freistudenten haben bereits folgende Korporationen dazu gemeldet: Frankonia, Alemannia, Germania, Wingolf, Adelphia und Merowingia, Chattia. Außerdem wird die Hniversitätsmannschaft in einer Lagenstaffel gegen den Schwimmverein und den Turnverein von 1846 auftreten. Arbeitsjahr 1929/30. stellt demnach die Hauptmasse und im laufenden Arbeitsjahr einen steigenden Anteil der Besucher. Die verhältnismäßige Beteiligung aus Arbeiterkreisen hat zwar mit dem Wachstum der Hörerzahl im ganzen nicht Schritt gehalten, doch ist zu begrüßen, daß sich die Arbeiterhörer nicht mehr nur in einer Richtung interessiert zeigen. Arbeitnehmer sind im übrigen mehr als 75 Prozent der Hörer. Die Fortschritte der inneren Entwicklung sind nur im Rahmen der „Volkshochschule O b e r h e s s e n" möglich gewesen. Rur weil diele Grundlage da war, konnte die Volkshochschule einer Anregung mehrerer ihr nahestehender Musikfreunde folgen und einem Kammer- orchester unter Leitung von Musiklehrer Franz Bauer jr. Hebungsräume stellen. Das Orchester ist im Laufe des Winters mehrfach mit eigenen Konzerten und im Rahmen anderweitiger Veranstaltungen an die Öffentlichkeit getreten, und zwar sowohl in Gießen, wie in der Provinz. Seine Darbietungen haben überall dankbarste Anerkennung gesunden, und die Volkshochschule wird bestrebt fein müssen, ein so wertvolles Instrument der Volksbildung zu erhalten und seine Fortentwicklung zu sichern. Doch ist diese Aufgabe für die Gießener Volkshochschule allein unlösbar. Die individualpsychologische Erziehungs- beratungs stelle (Dr. Ioh. Reumann und Dr. Margret Reumann-Bücking) wurde in diesem Jahr zunehmend auch von auswärtigen Eltern und Erziehern namentlich zur Beseitigung von Lernschwierigkeiten und zur Heilung stotternder Kinder aufgesucht: auch sie Braut. Doris schrieb nämlich in der Heber- schwänglichkeit ihres jungen Glücks von einer beseligenden Zukunft, die nun bald für sie, aber auch für Sabine anbrechen würde. „Ich kann Sie nicht zu meiner Hochzeit einladen, liebste Sabine," hieß es weiter in dem Briefe, „da diese natürlich hier im Schlosse statt- finden wird, und zwar gleich nach Ostern in aller Stille. Freundinnen besitze ich außer Ihnen nicht, und Verwandte nur in meinen Schwestern, von denen zwei hierher kommen werden, ebenso Konrads Mutter und seine einzige Schwester. Gleich nach der Hochzeit kommen auch wir dann in die Residenz, da Konrad sich im ganzen nur einen kurzen Hrlaub von vierzehn Tagen gestatten kann, in dem wir auch noch eine größere Wohnung suchen und einrichten müssen. Hnd dort, liebste Sabine, hoffe ich. Sie sehr, sehr oft bei mir zu sehen. Wie schnell wir.d die Zeit vergehen, und der Monat Iuni wird vor der Tür fein, ehe Sie es 'gedacht haben." Aber es war trotz aller gutgemeinten Vertröstungen doch eine lange, schwere Zeit bis dahin, und bevor das langersehnte Ziel erreicht war, geschah noch etwas so gänzlich HnertparteteS. daß die arme, vom Schicksal verfolgte Sabine fast ihrem Kummer erlag. Es war gegen Ende März, und an einem dieser noch empfindlich kalten Frühlingstage hatte ein alter Bewunderer von Sabines Mutter den Damen zwei Logenbilletts für ein Theater übersandt. Obwohl Frau Klimar gerade an einer heftigen Erkältung litt, ließ sie sich trotz der warnenden Bitten ihrer Tochter nicht abhalten, die Billetts anzunehmen. „Es sieht dir so ähnlich, Sabine," sagte sie auf die Vorstellungen ihrer Tochter, „daß du mir nicht einmal dies kleine Vergnügen gönnst. Freilich, ich habe ja auch ohnedies Freude genug an meinem armseligen, zerstörten 2eben!“ Hm das Maß ihrer Hnvernunft vollzumachen, bestand sie noch darauf, ein leichtes Kleid und einen hocheleganten Theaterumhang zu wählen. Dieser Hmhang war ein Andenken an ihre glänzende Epoche und nichts weniger als warm, während Sabine ihr dringend den warmgefütterten alten Mantel empfahl. „Du möchtest nur, daß ich recht schäbig und erbärmlich aussehe neben dir — ich weih — ich weih ...," lautete die Antwort der in ihren schönsten Hoffnungen getäuschten Frau. „Da uns der Rat Bentheim in der Loge aufsuchen will, möchtest du mich natürlich um jeden Preis aus- stechen," fuhr sie dann fort, in ihrer Aufregung einen Gedanken verratend, auf den Sabine nie verfallen wäre. „Aber so nimm wenigstens meinen Mantel für die Fahrt!" beharrte Sabine. „Er ist doch wärmer als dieser leichte Hmhang." „Hnd steht mir zum Entsetzen! Rein, ich danke! Ich will mich nicht zur Vogelscheuche machen, nur dir zur Freude." „Liebe Mutter, was ist Rat Bentheim für mich! Ich habe ihn ja noch nie im Leben gesehen!" Mit diesen Worten gab Sabine den Kampf auf und verlieh das Zimmer. Möglich, dah die am Ende ihrer verwerflichen Pläne angelangte Frau sich wirklich noch die letzte Hoffnung machte, ihren alten Freund, der Junggeselle geblieben war, bezaubern zu können. Ob dies geschehen wäre oder nicht, bleibt eine offene wird ebenfalls nur auf der neuen Basis zu einer gesicherten Einrichtung und evtl, noch ausgebaut werden können. Die Fragen der Lehrerfortbildung, die zu den Lebensfragen einer städtischen Qlbenb- volkshochschule gehören, können, wie die stark- besuchte und anregende Fachsihung zur Eröffnung des Winterhalbjahrs zeigte, in dem weiteren Rahmen O^rrhessens mit besserem Erfolg angegriffen werden. Dank dem oberhessischen Lehreraustausch konnten bereits in diesem Winter mehrere auswärtige Lehrer unter tragbaren Bedingungen für Giehener Kurse gewonnen und damit das Semesterprogramm bereichert werden. Die gemeinsamen Besichtigungsfahrten, an deren erster nach Frankfurt über vierzig Personen aus Giehen, Butzbach und Friedberg teilnahmen, sind aus mehreren Gründen ebenfalls nur auf der breiten Basis des ober- hessischen Hörerkreises durchzuführen. In diesem Zusammenhang sind auch die Ausführung des Spiels „Die Flucht zu Gott" (Stephan Zweig) durch eine Frankfurter Jugend- sp i el sch a r und die Vorführungen von Familienspielen (Pastor Jahn. Stettin) zu nennen. Beide Veranstaltungen waren dadurch leichter durchführbar, dah die Spielschar außer in Giehen noch in Dad-Rauheim auftrat und dah die Familienspiele noch in vier welkeren Orten gezeigt wurden. Aus dem inneren Betrieb der Volkshochschule ist schliehlich folgendes hervorzuheben: Rach dem Beispiel anderer Volkshochschulen werden feit einigen Semestern Kurse geringeren Hmfangs (drei bis sechs Abende) veranstaltet, eine Neuerung, die nicht das erwartete Interesse gefunden hat und deshalb wieder auf- gegeben werden muh. So bedauerlich dies an sich ist. so spricht anderseits die Bevorzugung der ausgedehnten, zehn bis fünfzehn Wende umfassenden Kurse durch die Hörer dafür, daß die intensive Bildungsarbeit Wurzel geschlagen hat. Die Volkskunstabende zählten bisher je 250 bis 350 Besucher: diese Einrichtung kann nur erhalten werden, wenn der Besuch im nächsten Jahr ganz erheblich steigt. Auch bei den Einführungsvorträgen zum Schauspielplan des Stadttheaters und den Einführungen zu Konzerten hat die Besucherzahl enttäuscht. Trotz einzelner Fehlschläge können alle Mitarbeiter auf ein besonders befriedigendes Arbeitsjahr zurückblicken. Wenn auch von einer Sicherung der Volkshochschule noch längst nicht die Rede sein kann, wenn auch in diesem Jahr wirtschaftliche Schwierigkeiten sehr auf die Arbeit drückten und zu erheblichen Verzichten bei der Durchführung des Programms zwangen, so haben sich doch die Vorbedingungen für den weiteren Ausbau im nächsten Arbeitsjahr sehr fühlbar gebessert. W. H e g a r. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Wieseck, 4. Febr. Der hiesige Bürger- Verein hielt am Samstag seine Jahresversammlung ab. Rach Prüfung der Rechnungsführung und der Entlastung des Vorstandes wurde der seitherige Vorstand fast vollzählig wiedergewählt: eine Veränderung bzw. Ergän- Frage: jedenfalls erschien Rat Bentheim nicht in der Loge, so daß Frau Klimar ihre elegante Kleidung für ihn umsonst angelegt hatte. Im Theater war es heiß und alles überfüllt, und als Mutter und Tochter nach Schluß der Vorstellung stark erhitzt auf die Straße traten, mußten sie einige Minuten lang auf die elektrische Bahn warten, die sie zur Heimkehr benutzen wollten. Als sie endlich einsteigen konnten, zitterte Frau Klimar vor Kälte und bereute jetzt bitter, nicht doch lieber ihren warmen, alten Mantel bei sich zu haben. Am nächsten Morgen war sie zu krank, um das Bett zu verlassen, so dah Sabine einen 2lrzt herbeirufen ließ. Es war ein bedenklicher Fall — eine heftige Lungenentzündung mit hochgradigem Fieber. Drei Tage lang verursachte die Kranke durch ihre Fieberphantasien ihrer fassungslosen Tochter eine namenlose Angst: dann wurde sie von Stunde zu Stunde schwächer, und am Morgen des vierten Tages schlummerte sie sanft ein, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Sabine, nun völlig verwaist, war durch den jähen Tod ihrer Mutter wie vom Blitz getroffen. Trotz großer Fehler und schwerer Vergehen war die Mutter ihr alles gewesen, und hatte sie nicht auch oft genug nur aus Liebe zu dem einzigen Kinde gesündigt? Als Sabine an dem offenen Grabe stand und sich klarzumachen suchte, dah ihre noch immer schöne junge Mutter für immer von ihr gegangen war, befiel sie eine beklemmende Angst bei dem Gedanken an ihre völlige Verlassenheit. Fast gebrochenen Herzens kehrte sie von dem traurigen Gang in ihr verödetes Heim zurück. Aller Mut, alle Seelenstärke, die sie bis dahin aufrechterhalten, waren dahin. Sie brach zusammen und wurde bald darauf von einem heftigen Fieber ergriffen. Die Wirtin, von der ihre Mutter die Zimmer gemietet hatte, pflegte Sabine einige Tage lang so gut sie konnte: dann erst zog sie einen Arzt zu Rate, der die Heberweisung der Patientin in ein Krankenhaus anordnete. Wochenlang kämpfte das junge Leben gegen die tückische Krankheit, bis endlich eine schwache Wendung zum Besseren eintrat. Doch eine hochgradige Rervenobspannung folgte den Fieberzuständen, so dah Sabines Kräfte aufs äußer ft e erschöpft wurden, und nur sehr, sehr allmählich gelangte die Kranke dank ihrer Jugend wieder in den Besitz ihrer Kräfte. Endlich durfte sie täglich einige Stunden das Bett verlassen, und als sie eines Tages, in Kissen und Decken gehüllt, abgezehrt und lilienweiß, in einem bequemen Sessel lehnte, trat die freundliche Krankenpflegerin ein und überreichte der Rekonvaleszentin eine Visitenkarte. „Es ist eine Dame im Sprechzimmer, die Sie besuchen möchte!" sagte sie in aufmunterndem Ton. „Der Doktor hat erlaubt, dah sie zehn Minuten lang mit Ihnen reden darf, aber auch nicht eine Sekunde länger. Sie kommt soeben die Treppe herauf." Heber Sabines Züge flog etwas wie eine leichte Röte, als sie nun, so schnell es ihre Schwäche erlaubte, nach der Karte griff und sie mit den Augen überflog. „Frau Doris Hagenau," las sie mit freudigem Herzen. * w * zung trat lediglich in der Besetzung des Postens des 2. Schriftführers und des Archivars ein. Es wurde bedauert, daß dem Verein nicht mehr Mitglieder angehören, da er doch Arbeitnehmer, Gewerbetreibende und Landwirte zu gemeinsamer kommunalwirtschaftlicher Arbeit vereinigt. Eine gründliche Aussprache erfolgte über die jüngste Gemeinder a ts- w a h l und die im Wahlkampf gemachten Erfahrungen. Ferner wurden kommunale Fragen von weittragender Bedeutung für das Allgemeininteresse der Wiesecker Bürgerschaft erörtert. Gegen die Erbauung eines Schwimmbades wurde entschieden Stellung genommen, da unsere Gemeinde durch die Schaffung von vier Sportplätzen für die Förderung sportlicher Interessen schon viel getan habe und die Schaffung einer Gelegenheit für den Schwimmunterricht und für das Baden leichter und bllliger bewerkstelligt werden könne, wenn man an der regulierten Wiefeck mit ihrer Schleuse die Hfer entsprechend herrichte, oder den Dadeinteressenten durch Pachtung einer Wiese an der Lahn Gelegenheit zu unentgeltlichem Baden und Schwimmen biete. Die bürgerlichen Gemeinderatsmitglieder sollen ersucht werden, gegen das Schwimmbadprojekt entschieden Stellung zu nehmen, da dieses Vorhaben die Gemeinde mit einem jährlichen Zuschuß von 6000 Mark belaste, jetzt aber doch dringendere Aufgaben (z. B. Wasserversorgung, Kanalisation und Straßenbau) zu erledigen seien. Falls die sozialdemokratische Mehrheit im Gemeinderat sich zugunsten des Schwimmbadprojektes für etwa 50 000 Mark ausspreche, soll der Beschluß angefochten und der Aufsichtsbehörde zur Entscheidung vorgelegt werden. Man erwartet eine Behandlung dieser Frage unter rein sachlichen Gesichtspunkten und unter Würdigung der Interessen der gesamten Bürgerschaft. :—: Aus derRabenau, 3. Febr. Bei der in den Rabenaufchen Waldungen, Distrikt Eichwald abgehaltenen Holz.Versteigerung wurden bei nicht besonders starker Beteiligung nachfolgende Preise erzielt: Buchenscheiter 24 bis 26 Mk., Duchenknüppel 18 bis 20 Mk. pro zwei Raummeter. Buchenstöcke wurden mit 12 bis 16 Mk. pro Raummeter bezahlt, während Buchenreisig 1,50 bis 2,50 Mk. pro Raummeter kostete. Eichen-, Fichten- und Aspenknüppel wurden mit durchschnittlich 8 Mk. pro zwei Raummeter bezahlt. :—: Beuern, 3. Febr. Für die im Jahre 1929 verstorbenen Mitglieder des Kirchen- vorstandes August Weimar und Gemeinderechner i. R. Georg Stein fand jetzt Ersatzwahl innerhalb der Kirchenvertreter statt. Es wurden gewählt Steinhauer Konrad Stein - müller und Landwirt Karl Ranft. Kreis Alsfeld. *!• Ruppertenrod, 2. Febr. Heute gab im Saale der Gastwirtschaft Horst die Kapelle des Gießener Batl. Inf. - Regt. 15 unter Leitung von Obermufikmeister Löber ein Konzert. Der Saal war voll besetzt, u. a. waren auch zahlreiche Besucher aus den umliegenden Ortschaften erschienen. Das Programm enthielt zunächst Streichmusik, während Blechmusik erst nach der Pause folgte. Reben Militärmärschen und Liedern wurden Ouvertüren und Potpourris gespielt. Das Publikum spendete stürmisch Beifall. An einem Juninachmittag wurde in der im ersten Stock gelegenen Wohnung eines eleganten Hauses in der Diktoriastraße in D. ein Fenster geöffnet. Gleich darauf streckte eine junge Dame von zierlichem Wuchs ihr dunkelhaariges Köpfchen heraus, soweit es zwischen den blühenden Topfgewächsen nur irgend möglich war. Es war aber ein vergebliches Bemühen, um die nächste Biegung der Straße einen Blick zu werfen. Auf den Plätzen und Promenaden der Residenz herrschte an diesem ausgesucht schönen Frühlingstage ein fröhliches Leben und Treiben, dem aber die graziöse Dame am Fenster nicht die geringste Aufmerksamkeit schenkte. Das, wonach sie so ungeduldig ausschaute, war nur ein mit Gepäck beladenes Auto, das noch immer nicht in Sicht kommen wollte. „Er müßte doch nun schon hier sein!" sagte sie jetzt, sich in das Zimmer zurückwendend, mit ungeduldig erregter Stimme. Es war ihr eigener kleiner Empfangssalon, in dem die Dame sich befand. Man konnte sich kavm einen entzückenderen Raum denken als dieses kleine Gemach, dessen zierliche Möbel in effektvollem Kontrast zu den mattrosa bekleideten Wänden des Erkergemachs standen. Die lauschigen Winkel und Ecken waren mit Draperien aus kostbaren Stoffen, wertvollen Kunstgegen- ständen und Treibhausgewächsen dekoriert, während an den Wänden einige Kunstwerke italienischer Meister prangten. Die Dame, an die die Wartende ihre Worte richtete, faß in der Tiefe des Zimmers auf einem kleinen Schemel und hielt ein aufgeschlagenes Buch in der Hand, freilich, ohne von dessen Inhalt eine Ahnung zu haben, obgleich ihre Augen unablässig auf den geöffneten Seiten hafteten. „Run, das muß ich sagen, ich begreife dich nicht!" rief die junge Frau Rechtsanwalt Hagenau jetzt. „Ich glaube, du bist nicht halb so aufgeregt wie ich!" Sabine Klimar blickte nun doch von ihrem Buche auf. Ihr reiches Haar schimmerte so goldig tote je, ihre tiefblauen Augen und ihr leuch- tend-weiher Teint waren so bezaubernd wie immer, und doch schien eine große Veränderung mit ihr vorgegangen zu sein. Heber ihrem ganzen Wesen und in ihren Zügen lag- eine Weichheit, durch die sie nur noch einen neuen Reiz erlangte. Man sah auf den ersten Blick, daß die harte Schule des Lebens nicht spurlos an ihr vorübergegangen war, sondern sie gereift und geläutert hatte. Der Tod ihrer Mutter und ihre eigene schwere Krankheit hatten sie nicht nur physisch gewaltig erschüttert, sondern auch eine tiefe Hmtoanölung in ihrem Seelenleben vollzogen. Die stillen Tage der Rekonvaleszenz waren Zeiten der ernstesten Einkehr in sich selbst und der heftigsten Reue über ihr vergangenes Leben gewesen. Sie hatte gelernt, ihre Mutter milder zu beurteilen und in deren Hnglüd manche Entschuldigung für ihre Fehler zu finden: aber sie hatte auch gelernt, sich selbst einen Teil der Schuld beizumessen, und sie dachte seitdem mit Scham und Widerwillen an jede Stunde ihres so entwürdigenden Daseins zurück. .Ich kann nie, niemals einen Mann glücklich machen!" hatte sie damals im Krankenhause auf eine Bemerkung der jungen, glückstrahlenden Doris erwidert, die sie mit heiteren Zukunftsbildern aufzumuntern suchte. (Schluß folgt.) ft - > - ebr. Heute gab t die Kapelle Regt. 15 unter ibereinKon- etzt, u. a. waren Mn umliegenden ogtamm enthielt Aechmulik erst Militämärlchen und Potpourris e stürmisch Dei- a ,c Ufer ent. , , W Te- 1 Un^ Sifoyjn, ’ rr Segen tai ?Un9 zu nch. SÄE »te.i M-nsten dez 5? 3lad aus- W und der m(r borgelegt Eung dieser tspunkten und ®er gesamten 8ebr. Jet der Distrikt Eich, ^^gerung Beteiligung *l«24 bis 0 pro en mit n Vü ehrend 2uchm. unnneler kostete, bel wurden mit 'ei Raummeter die im Jahr? 's Kirchen- und Gemeindend seht Ersah- 'eter statt. Er ntab Stern- anst. rde in der im einer eleganten 'S. ein Zenstcr >rne junge Same chaariges Kvps- i den blühenden [lief) war. s DWÜhen. um e einen Süd zu ■naben bet Aesi- cht schönen Früh- mb Treiben, dem Fenster nicht bie !te. Das. wonach par nur ein mit ch immer nicht in Sier fern!'* rückvenöenö, mu Emps-rngssalon. Man konnte sich tim denken aW [liehe Nobel ur HabetteW Mr. Sie lau- n mit Staben® üen KusE n dekoriert, VZ Kunstwerke M* **(*» AS äS lQ(b so ausgereg d«b »°nS m und öi? Sajetänbe®n8 M 1 'Jfrß xrZL sonderns Doll' SeeEvaren Ä ör^" Nicht öa^iljjaen ehaf, ‘Stmein. BZ Sonderverkauf in Slichereien und Spitzen 1 Posten Reste bis zur Hälfte im Preise ermäßigt M. G. 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Sicherstellung: Die Goldpfandbriefe sind durch erststellige, innerhalb der mündelsicheren Beleihungsgrenze bewilligte Goldhypothekendarlehen und die Goldkommunalanleihe durch Golakommunaldarlehen an Städte, Kreise und Gemeinden des Regierungsbezirks gesichert, und zwar zu jeder Zeit in fjeicher Höhe und von mindestens gleichem Zinsertrag; außerdem haftet ür ihre Verzinsung und Rückzahlung die Nassauische Landesbank mit ihrem gesamten Vermögen — Eigenkapital und Reserven. Oeffentliche Sicherstellung: Der Bezirksverband des Regierungsbezirks Wiesbaden als öffentliche Körperschaft haftet unbeschränkt für sämtliche Verpflichtungen der Nassauischen Landesbank mit seinem gesamten Vermögen und mit seiner Steuerkraft. Hierin sind eingeschlossen alle Städte des Regierungsbezirks Wiesbaden, wie Frankfurt a. M. (Höchst), Wiesbaden und sämtliche Landkreise mit ihren Gemeinden. Die Pfandbriefe und Kommunalschuldverschreibungen sind leicht veräußerliche und lombardfähige Wertpapiere und für die Anlegung von Mündelgeldern in ganz Deutschland zugelassen. Ausgabe in Stücken zu 500, 1000, 2000 und 5000 GM. Amtliche Börsennotiz in Frankfurt a. M. und Berlin. Die Stücke sind sofort lieferbar und können entweder durch unsere Kassen oder durch sämtliche Banken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften bezogen werden. Hauptgeschäft: Wiesbaden, Rheinstraße 42/44. Hauptfiliale: Frankfurt a. M„ Zeil 127. Direktion der Nassauischen Landesbank. u.c® Ploddtrabe 5 Heute abends 8.30 Uhr humoriftifcher Abend Auftreten eines erftklaffigen Humor- W UW M An die gesamte Studentenschaft uitf) die r.ricgcrvcre»ne (»iesienS! Besucht die heule Mittwoch, den 5. Febr.. abends 8 Uhr un Zeitsaal des Catö Vcib stailnndenoen aronen Zilmtorjührunaen des Ortgtnal-ZtlmS: «7oD Oer IBettfrieg 1914-1918 und des Lriginal-ZtlmS: Oer Weltsiug des „Grafen Zeppelin" in zwanzig Tagen Zum Beiten d. 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