Ur. 232 Erstes Blatt 180. Jahrgang Samstag, 4- Moder 1930 Eriche,ni täglich,außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte vtehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-vezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höhere, Gewalt. Zernfprechanfchlüfse antetSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten anjetger Sieben, postschetnonto: granffurtam Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche UniversitSlr-Vuch' und Zteindruckerei L. Lange in Stehen. Schriftleitrmg und Seschästrftelle: Schulttrahe r. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer als zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°,, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen. Das nächste Ziel. Das Finanzprogramm, das die Reichsregierung als Ergebnis eingehender und langwieriger Beratungen, zu denen auch der preußische Finanz- Minister und der Reichsbankpräsident hinzugezogen waren, nun der Oeffentlichkeit unterbreitete, legt ohne jeden Versuch zur Verschleierung der Laae oder Abschwächung der geforderten Opfer sehr nüchtern und sachlich die Maßnahmen dar, die dem Reichskabinett zur Behebung der Wirtschaftsdepres- sion von der finanzpolitischen Seite her unumgänglich erscheinen. Daß es niemandem ganz recht gemacht werde,, '^nnte, daß die Kritik diese Maßnahme überspannt, jene zu dürftig findet, je nachdem welche besonderen Interessen zu schützen sind, mag als der beste Beweis dafür gelten, daß alle Volksschichten in irgendeinem Punkt von den Not- mahnahmen betroffen werden, daß alle Opfer bringen müssen, wenn das Ziel einer Sanierung der Reichsfinanzen und einer Senkung der öffentlichen Lasten als Voraussetzung für eine Wirtschaftsbe- lebung erreicht werden soll. Mag man auch zu den Einzelheiten des Programms stehen wie man will, das eine muß auch von politischen Gegnern des Kabinetts Brüning anerkannt werden, daß es zum erstenmal seit Beseitigung der Inflationskrisis den ernsten Willen erkennen läßt, mit der stupiden und ideenlosen Politik des Fortwurstelns radikal Schluß zu machen und Wege zu zeigen, wie wir zu einer Bereinigung unserer öffentlichen Finanzwirtschaft kommen können. Deshalb hat das Kabinett auch Anspruch darauf, daß sein Programm so sachlich und ernst beurteilt wird, wie es aufgestellt wurde. Die Sozialdemokratie hat zu allerletzt Veranlassung, es mit der demagogischen Behauptung abzutun, es fordere Opfer von allen Volksschichten, nur nicht von den Besitzenden. Es war doch nicht zuletzt der starke sozialdemokratische Einfluß in oder außerhalb der Regierungen, der seit 1924 den Staatskarren immer näher dem Abgrund zugleiten ließ, ohne daß die stärkste Partei des Reichstags einen Finger rührte, ihm in die Speichen zu fallen. Aber auch die Rechte sollte sich das Programm des Kabinetts Brüning sehr eingehend daraufhin ansehen, ob es nicht einer Reihe wesentlicher Forderungen gerecht zu werden bestrebt ist, die von der Rechten seit Jahr und Tag immer wieder erhoben worden sind, namentlich aber auch, ob das Programm als Ganzes und der Geist entschlossener Abkehr von einem als falsch erkannten Wege, der aus ihm spricht, nicht der Förderung wert sind in einem Augenblick, wo eine radikale Aenderung des Kurses noch ohne schwere innerpolitische Erschütterungen möglich erscheint und von breitesten Volksschichten gefordert wird und getragen würde. Wo sich bei uns in Deutschland im Kreise der Regierenden einmal der so selten gewordene Mut zur Unpopularität zeigt, der Entschluß zum Aufräumen und Durchgreifen, der Wille, aufs Ganze zu gehen, da verdient dies Ermunterung und Unterstützung. Richt mitmachen zu wollen, weil einem der oder jener Minister im Kabinett nicht paßt, oder an dem Programm herumzukritteln, weil man fürchtet, die Ucbernahme der Mitverantwortung für diese oder jene Regierungsrnahnahme könne die Partei um die Gunst einzelner Wählerschichten bringen, das sind Ausflüchte, die heute niemandem, der zur Verantwortung berufen wurde, abgenommen werden. Eine Stunde der Rot fordert ein klares Bekenntnis: ein eindeutiges Ja und die Pflicht rückhaltloser Mitarbeit unter vollem Einsatz aller Kräfte oder ein eindeutiges Rein und die Pflicht, andere Wege zu zeigen, auf denen das uns gesteckte Ziel der Neuordnung im eigenen Hause, der Beseitigung der Wirtschaftsnot und der Befreiung von unerträglichen Tributlasten schneller und leichter zu erreichen ist. Das Finanzprogramm erscheint von verschiedenen Gesichtspunkten her betrachtet gewiß nicht als Ideallösung, kann es gar nicht, denn dazu kommt die Erkenntnis, daß es mit dem dilettantischen Fortwursteln nach der Parole „Zeit gewonnen — alles gewonnen" einfach nicht mehr weitergehen kann, viel zu spät. Was noch vor wenigen Jahren ohne besondere Anstrengungen durchzusetzen gewesen wäre, wenn man sparsamer gewirtschaftet hätte, nicht ins Uferlose Ausgaben bewilligt hätte, ohne sich um deren Deckung zu kümmern, und mit einer vernünftigen Verwaltungs- und Steuerreform begonnen hätte, als es noch Zeit dazu war, das bedeutet heute unter dem Zwang leerer Kaffen und eines Milliardendefizits im Staatshaushalt bei einer krisenhaft zugespitzten Wirtschaftsdepression schwere, kaum tragbare Opfer für alle Schichten des Volkes, die aber übernommen werden müssen, wenn eben überhaupt einmal ein Anfang mit der Sanierung gemacht werden soll. Nur aus dieser Zwangslage heraus ist auch der Plan des Reichsfinanzministers zu billigen, auf dem Wege eines Ueberbrückungskredites — ein Wort, das noch aus der Aera Hilferdinq einen üblen Beigeschmack hat, in dem neuen Zusammenhang aber andere Bedeutung erhält — d i e schwebende Reichsschuld in einem Zeitraum von drei Iah- ren abzudecken, da keine Möglichkeit besteht, sie durch eine langfristige Anleihe zu konsolidieren. Voraussetzung für die Gewährung eines solchen Kredites zur Beseitigung des diesjährigen Haus- hallsdefizits ist die Schaffung eines Schuldentilgungsfonds aus laufenden Haushaltsmitteln analog dem seinerzeit vom damaligen Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht durchgesetzten. Das aber setzt wiederum voraus, daß im Haushalt des kommenden Etatsjahres diejenigen Einsparungen Platz greifen und zur Sicherung der durch den Zusammenbruch der Wirtschaft in den letzten Monaten rapide gesunkenen Steuererträge diejenigen Lastensenkun- gen erfolgen, die das Sanierungsprogramm des Reichskabinetts vorsieht, mögen die Opfer, die es verlangt, vom einzelnen auch noch so schwer emp- Sozialdemokraten und Brüning-Kurs. Brünings Besprechungen mit den Parteiführern. Berlin, 3. Ott. (ERB.) Reichskanzler Dr. Brüning, der auch heute seine Besprechungen mit den Parteiführern über das Finanzsanie- rungsprogramm der Reichsregierung fortsehte, empfing im Laufe des Bormittags den Führer der Deutschen Volkspartei Reichsminister a. D. Dr. Scholz und am Rachmittag für den Christlich-Sozialen Bolls, ienst die Abgeordneten Hartwig, Mumm und Simpfendörfer. Samstagnachmittag wird die Besprechung des Reichskanzlers mit den beiden nationalsozialistischen Vertretern Dr. Frick und S t ö h r stattfinden. Der Empfang des Vertreters der Deutsch- nationalen Volkspartei ist auf Montag verschoben worden. Cs ist anzunehmen, daß nicht Geheimrat Hugenberg zum Kanzler gehen wird, sondern der stellvertretende Parteivorsihende Herr v. Winterfeld, da Dr. Hugenberg augenblicklich nicht in Berlin weilt. Eine Entschließung der sozialdemokratischen Fraktion. Berlin, 3.Oft. (121.) 3n der Freilagssihung der sozialdemofratischen Reichstagsfraktion wurde folgende Entschließung angenommen: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sieht nach dem Ausgang der Reichstagswahlen in der Erhaltung der Demokratie, der Sicherung der Verfassung und dem Schuhe des Parlamentarismus ihre ersten Aufgaben. Die Demokratie ist bedroht von allen sozialreak- tionären fireifen, die die Wirtschaftskrise zum Abbau der Sozialpolitik und zur Senkung der Löhne ausbeuten wollen. Sie ist bedroht durch die faschistische Bewegung der Rationalsoziati st en, die den Opfern der kapitalistischen Wirtschaftskrise nach der Zertrümmerung der Demokratie die sofortige Heilung aller Leiden und die Lösung aller sozialen Fragen vorgaukeln; sie ist bedroht durch die fi o m m u n i st i s ch e Partei, die selbst in dieser gegenrevolutionären Situation die Arbeiterklasse spaltet und den fiampf gegen Sozialreaktion und Faschismus erschwert. Die Sozialdemokratie kämpft für die Demokratie, um die Sozialpolitik zu schützen und die Lebenshaltung der Arbeiterschaft zu heben. Die firife kann nicht gelöst werden durch Verminderung der Kaufkraft der Massen, sondern nur durch Arbeitsbeschaffung. Ebenso unerläßlich ist der fiampf der Fraktion im neuen Reichstag zur Herbeiführung eines Rolgesehes, über eine solche Herabsetzung der Arbeitszeit, die es ermöglicht, die Erwerbslosen wieder in Arbeit zu bringen. Die politische Unsicherheit birgt die Gefahr künftiger politischer Verwicklungen in sich. Sie hat die Flucht des deutschen Kapitals gesteigert und hindert dem Zustrom ausländischen Kapitals. Sie verschärft die Wirtschaftskrise. Rur die Sicherung eines ftreng verfassungsmäßigen Regierens ermöglicht die notwendige Arbeitsbeschaffung zur Milderung des wirtschaftlichen Riedergangs. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird unter Wahrung der Lebensinteressen der arbeitenden Massen für die Sicherung der parlamentarischen Grundlagen und für die Lösung der notwendigen finanzpolitischen Aufgaben eintreten. Die Sozialdemokratie hält an den Grundsätzen der bisherigen A u h e n p o l i - t i k fest, die zur Befreiung des Rheinlandes und zur Herabsetzung der Reparationsiasfen geführt hab Sie lehnt alle außen- und handelspolitischen Experimente ab, die die wirtschaftlichen Beziehungen stören. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, entschlossen, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Arbeiterschaft mit größter Energie zu verteidigen, wird auf dem Wege der ordentlichen Gesetzgebung die Beseitigung der für die breiten Massen des Volkes unerträglichen Bestimmungen der Rotverordnungen fordern und erwartet von allen Arbeiterorganisationen strengste Aktivität für die großen bevorstehenden Kämpfe und die Bereitschaft, ihren Kampf außerhalb des Parlaments mit allen gegebenen Mitteln zu unterstützen. Hiller über das außenpolitische Ziel. Nationalsozialisten und Versailler Vertrag. — Oie Eroberung der Macht auf legalem Wege. — Oie Abwehr der bolschewistischen Gefahr. London, 4. Okt. (WTB. Funkspruch.) „Times" veröffentlicht eine Unterredung ihres Münchener Korrespondenten mit Adolf Hitler. Auf eine Frage, ob ein nationalsozialistischer Außenminister den Versailler Vertrag völlig zurückweisen, oder sich damit begnügen würde, eine Revision der politischen Verträge herbeizuführen, antwortete Hitler: Der entscheidende Faktor in unserer Haltung gegenüber den auswärtigen Verpflichtungen ist nicht, was wir tun wollen, sondern was wir tun können. Ebenso wie es eine unehrliche Handlung ist, wenn ein Kaufmann seinen Hamen unter einen wechsel seht, von dem er weiß, daß er ihn nicht einlösen kann, so ist es unehrlich von einem Staatsmanne, im Romen seiner Ration ein internationales Abkommen zu unterschreiben, von dem er weiß, daß die Ration unfähig ist, es zu erfüllen. Sie können überzeugt sein, daß wir nichts übernehmen werden, was wir nicht durchführen können. Zu dem Satz „Köpfe werden rolle n", erklärte Hitler: Als ich und meine Waffenkameraden während jener furchtbaren Jahre von 1914 bis 1918 im Schützengraben waren, erkannten wir alle, daß 50 Pard von uns entfernt im britischen Schützengraben anständiae Menschen waren. Trotzdem war es unsere Pflicht zu kämpfen und jene Männer zu töten. Wie muß unsere Haltung gegenüber Leuten sein, die charakterlos sind und den Ruin ihres Vaterlandes herbeigeführt haben. Es ist schwieriger für England als für jede andere Nation, sich in die Laae hineinzudenken, in der sich Deutschland befindet. Niemals ist England so gedemütigt und so vollkommen überwältigt worden, wie Deutschland im Herbst 1918. Wie würde die Haltung der enMchen Patrioten gegen Mitglieder ihrer eigenen Nation sein, die versucht haben sollten, ihr Land zu vernichten? wir sind nicht auf eine blutige Revolution aus. wir erobern den Reichstag, und wir haben uns bereits zur zweitstärksten Partei emforgearbeitet Bei den nächsten Wahlen werden wir zur stärksten Partei des Reichstags werden, wir werden die politische Macht mit streng rechtlichen Mitteln erobern. Ich glaube, daß die letzte Spur der Entfremdung zwischen England und Deutschland bald völlig verschwunden sein wird. Es könnte gut Jein, daß in einer nicht entfernten Zeit England sich über den Bestand eines starken und wiedererwachten Deutschlands freuen wird. Wenn sich eines Tages d l e bolschewistische Gefahr nach allen Richtungen ausbreitet und die rote Fahne von Wladiwostok bis an den englischen Kanal geht, dann ist es zu spät. Das heutige Deutschland ist zu schwach, um den bolschewistischen Angriffen zu widerstehen, und daher ist unsere Bewegung kein Jinyotum, sondern eine leoenswichtige Notwendigkeit für Deutschland I und für Europa. Ich kann nicht sehen, warum I g . n unsere Ziele und Methoden von irgendwelchen I guten Engländern Einspruch erhoben werden kann. Goebbels kündigt ein Volksbegehren ans Auslösung des preußischen Landlags an. Nationalsozialistische Massenversammlungen in Berlin. Berlin, 4. Oft (XU.) 3n zwei wegen Heber- füllung polizeilich gesperrten Massenversammlun- gen der ÄSDAP. erklärte _ der Reichstagsabgeordnete Dr.Goebbels über die politische Lage, das sogenannte S an i e run g s Programm des Reichskanzlers Brüning bringe nicht in einem einzigen Punkte die nach nationalsozialistischer Ansicht dringend erforderliche grundsätzliche Umstellung auf allen Gebieten der deutschen Innen- und Außenpolitik. Dieses Programm saniere die Republik und vernichte dabei das Volk. Wenn der Reichskanzler glaube, es mit wechselndenMehr- heiten von rechts und links durchbringen zu können, so werde diese Rechnung hinsichtlich der Rationalsozialisten, die entweder regieren, oder in der Opposition bleiben wollten, nicht stimmen. Wenn die Nationalsozialisten regierten, so würden sie damit zum Ausdruck bringen, daß mit dem bisherigen Kurs in Deutschland auf allen Gebieten gebrochen werden müsse. Erste Bedingung für die nationalsozialistische Mitarbeit seien sofortige Wahlen in P r-e u h e n. Rach der preußischen Verfassung könne ein Zehntel der Bevölkerung ein Volksbegehren auf Auflösung des Landtages erwirken. 4,1 Millionen von den 4,8 Millionen notwendigen Stimmen brächten auf Grund der letzten Wahl schon die Rationalsozialisten zusammen. Goebbels erklärte weiter: Wir werden in den nächsten Tagen ein Volksbegehren steigen lassen, das die sofortige Auflösung des Preußischen Landtages verlangt, und wir werden es bestimmt durchbringen. Dann könnten am 10. Dezember Reuwahlen stattfinden. Danach werden wir das Innenministerium und den Posten des Berliner Polizeipräsidenten besetzen. Von Preußen ist der Verfall des Reiches unter Grzesinski, Braun und Genossen vor sich gegangen, von Preußen aus wird das Dritte Reich unter Führung von Adolf Hitler und Goebbels Herborsteigen. Goebbels forderte dann die Menge auf, das Wessel-Lied stehend und mit in faschistischer Art erhobener Rechten zu singen, das in den Sätzen „Bald flattern Hillers Fahnen über Barrikaden, die Zeit der Knechtschaft dauert nur noch kurze Zeit" ausklang. Unter riesigem Beifall der Menschenmenge und von Frauen ■UOQDQ UUDQ gpggda^) a(jnj stiusPjsg usjaL )iui fanden werden. Der innere Zusammenhang dieser Maßnahmen erhellt am deutlichsten das Verlangen der Regierung, ihr Programm als ein Ganzes betrachtet und beurteilt zu wissen, aus dem kein Teil herausgebrochen oder abgeschwächt werden kann, ohne eben das Sanierungswerk als Ganzes zu gefährden. Im einzelnen wird natürlich noch mancherlei zu dem Finanzplan zu sagen sein, wenn die bisher erst skizzenhaft erkennbaren Absichten der Regierung sich zu genau ausgearbeiteten Entwürfen verdichtet Haden. Das gilt namentlich von den geplanten Steuergesetzen, die auf eine Vereinheitlichung, Vereinfachung und Verbilligung unserer gesamten Steuerverwaltung abzielen, die aber auch endlich der Anfang sein müssen zu einem Steuerum - bau von Grund auf, denn nur eine Senkung und vernünftigere Staffelung der direkten Steuern kann die Kapitalbildung fördern, ohne die die deutsche Wirtschaft zum Erliegen kommt. Auch der bedrohlich anschwellenden Kapitalflucht wird man am schnellsten Einhalt tun können, wenn dem Kapital in Deutschland wieder Sicherheit und Arbeitsmöglichkeit geboten wird. Und nur durch neue Kapitalbildung der deutschen Wirtschaft wird eine schnelle und dauernde Beseitigung der Arbeitslosigkeit gelingen. Hier zeigt das Sanierungsprogramm Dietrichs vorläufig nur Ansätze, die ausgebaut werden müssen, sobald die Lawine der öffenllichen Lasten zum Stehen gebracht worden ist. Das hierzu Erforderliche ist vorgesehen. Die Streichungen am Haushalt des Reiches sind beträchtlich, die einzelnen Ressorts haben den auf sie entfallenen Abstrichen bereits zugestimmt und durch Kürzung der Ueberroeifungen an Länder und Gemeinden ist Sorge getragen, daß sich die Sparwelle auch dorthin fortpflanzt. Da der preußische Finanzminister an der Fertigstellung des Sanierungsprogramms mitgearbeitet hat, ist anzunehmen, daß sich im Reichsrat kein Widerspruch gegen die die Länder und Gemeinden treffenden Sparmaßnahmen geltend macht. Hierhin gehört auch die Senkung der R e a l ft e u e r n , mit der nun endlich — viel zu spät — Ernst gemacht werden soll. Dabei erscheint allerdings nicht unbedenklich, daß diese Senkung aus Mitteln der H a u s z i n s st e u e r ermöglicht werden soll, was natürlich auf den Baumarkt nicht ohne Einfluß bleiben dürfte, wie überhaupt die geplante Neuregelung der Wohnungs- wirtschaft, die die Baugeldbeschaffung auf den Weg der privaten Einzelbeleihung oder der An- leihen verweist, wahrscheinlich das Tempo in der Beseitigung der Wohnungsnot verlangsamen wird. Das durchaus gesunde Ziel ist aber hier die Rückkehr zur freien Wirtschaft durch einen über eine gewisse Zeitspanne verteilten Abbau der behördlichen Zwangsbewirtschaftung. Der nur angedeutete, aber nach der Herstellung des Gleichgewichts im Reichsetat in Aussicht gestellte neue endgültige Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden wird bei der Notlage der durch die Erhöhung der Soziallasten in arge Bedrängnis geratenen kommunalen Finanzzen eins der schwierigsten Kapitel der Finanzreform sein. Um zu einer dauernden Gesundung der öffenllichen Finanzwirtschaft und einer wirksamen Entlastung zu kommen, wird es aber unumgänglich fein, daß auch in den Gemeinden, namentlich in einer Anzahl von Großstädten, die sich in vergangenen Jahren manches geleistet haben, was weit über ihre Verhältnisse ging, der Sparwille und der Zwang, sich nach der Decke zu strecken, stärker betont wird. Dazu gehört auch, daß den Gemeinden wieder die volle Verantwortung für ihre Finanzgebarung zugeschoben wird, ihnen aber andererseits auch Steuerquellen zugewiesen werden, die ausreichen, um der großen Aufgaben gerecht zu werden, die den Gemeinden obliegen. Der Rotstift des Reichsfinanzministers hat diesmal auch nicht vor den personellen Ausgaben halt gemacht. Das Sanierungsprogramm sieht eine Kürzung der Beamtengehälter um 6 v. H. vor, das entspricht ungefähr einem Drittel der den Beamten durch die Köhlersche Besoldungsreform vom Jahre 1927 gewährten Gehaltserhöhungen. Daß sich ohne diese Maßnahme ein wirksames Zusammen- streichen des Reichshaushalts und der Haushalte der Länder und Gemeinden nicht ermöglichen läßt, ist bejonoers veshaib |a)merdlicy, weil hiervon eine Ve- vöikerungsjcyicyt hort beiroffen wird, die als -träger eines |orgfaltig jur seine bejonbereii Ausgaben vor- geblldeien und zum Dienst am Voltsganzen erzogenen Lerussbeamtenlums auch in kriechen Jahren die stärkste und zuverlässigste Stutze des Staates nxir und sich auch noch in der Heil eines systematischen Bernicylungstampfes gegen den Gedanken des Eigentums das Gefuht für den Werl der bürgerlichen L>ekbstandigkeit für Staat und Wirtschaft erhallen Halle. Es wird vielfach eingewandl, datz durch diese zeilweije Senkung der Beamtengehaller die Kaufkraft einer wichtigen Konsumentenscylchl erheblich beschränkt wird, das ist gewiß nicht unrichtig, aber es ist doch andererseits zu bedenken, daß bei einem Verzicht auf diefe Streichung an den Perfonal- ausguben der öffentlichen Haushalte das verbleibende Defizit durch >2teuerhohungen hätte gedeckt werden 'nü||en, die natürlich gleichfalls sich m einem Konsumruckgang ausgewirtt hätten, daneben aber die Absicht des Sanierungsprogramms, Ankurbelung der Wirt|chaft zur Behebung der Arbeitslosigkeit, zunichte gemacht hätten. Man vergesse doch auch nicht, daß ja nicht allein den Beamten schwere Opfer zu- gemutet werden. Auch die Wirtschaft, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber, werden durch die außerhalb des Sanierungsprogramms auf Grund der Notverordnung verfügte erneute Beitragserhöhung zur Arbeitslosenversicherung wiederum schwer belastet. Das war notwendig, um den Reichshaushalt von dem Faktor ständiger Unsicherheit zu befreien und auf stabile Grundlagen zu stellen. Zwingend wird nun aber auch eine Reform der Arbeitslosenversicherung, die sich nicht darauf beschränkt, kleine Schönheitsfehler zu beseitigen, sondern wirklich durchgreift. Der Finanzplan des Reichskabinetts erhält feine besondere Bedeutung dadurch, daß er sich a u f b r e i Jahre, in einzelnen Teilen sogar auf fünf Jahre, erstreckt, was, wie oben schon gesagt, burch die Einrichtung des Schuldentilgungsfonds notwendig wurde. Aber in dieser Zeit sollen nach dem Willen der Regierung keine Ausgaben über d i e Ltatsansätze des Finanzplans hinaus pewilligt werden und etwaige Ueberschüsse aus aesseren Steuereingängen zu Steuersenkun- ß e n benutzt werden. Auch wir halten diese ge, jetzliche Bindung der Ausgaben und der Verwendung der Ueberschüsse zu Steuersenkungen über einen längeren Zeitraum als das laufende Ttatsjahr für dringend notwendig, wenn die Wirtschaft sich erholen und kräftigen soll. Es ist auch er- 'orderlich, für die öffentliche Finanzwirtschaft einen festen Rahmen zu schaffen, in dem die große Re- wrmarbeit, die doch erst mit diesem Sanierungsplan beginnt, mit Erfolg durchgeführt werden kann, Wir haben ts schon mehrfach beklagt, daß der Reichskanzler, obwohl ein Mann des in Fragen der Taktik so überaus geschickten Zentrums, über der Vertiefung in die sachliche Arbeit, für die er ein außergewöhnliches Maß von Fachkenntnis mitbringt, die psychologische Seite der ihm gestellten Äusgabe allzu leicht vergißt. Es muß doch auch ihm begreiflich sein, daß die schweren Opfer, die er mit der Durchführung seines Finanzpro- gramms erneut vom deutschen Volke verlangt, eher hingenommen und williger getragen werden, wenn er ihm das große Ziel zeigt, auf das er hinsteuert. Die Kritik, die fein Programm gefunden hat, wird ihm ja schon zu verstehen gegeben haben, daß mit Sachlichkeit allein, mit dem Appell an den Verstand und an den Geldbeutel nicht ein Feldzug geführt werden kann. Das Volk will sehen, warum es zahlen und entbehren soll, es will wissen, was auf dem Spiel stehl und was gewonnen werden soll. Warum denn kaum ein Hinweis auf die als Folge der Ausgabensenkungen und Gehaltskürzungen zu erwartende und nachdrücklich anzustrebende Preis- senkung? Hat man die Bemühungen um eine Lockerung der Kartellbindungen bereits aufgegeben? Sollte etwa die Reichsbahn, -bie ihre hohen Tarife bislang mit den hohen Personalausgaben begründete, nach der auch für sie geltenden Gehaltskürzung, nicht einen Abbau der Tarife vornehmen können, deren Höhe eine Senkung der Preise nicht unwesentlich hemmt? Warum kaum ein Wort über die Derwaltungs- und Reichsreform? Das Werk der Reichsregierung muß ein Torso bleiben, wenn sie sich nicht endlich mit Energie an diese Probleme heranwagt. Durch Vereinfachung der Verwaltung, die in den drei Jahren der Erholungspause eingefädelt werden muß, können erhebliche und dauernde Ersparnisie gemacht werden. Die Neugliederung des Reiches aber muß endlich klare politische Derhältnisie schaffen, die ein Nebeneinander- und vielfach sogar Gegeneinanderregieren der verschiedenen Instanzen in Reich und Ländern in Zukunft unmöglich machen und eine starke, einheitliche politische Führung gewährleisten. Warum schließlich kein Wort über das letzte Ziel aller innerpolitischen Reformarbeit, bie Re vision unserer Tri^- b u 11 a ft e n? Warum sagt man dem Volke nicht, daß die Opfer verlangt werden müssen, um uns die finanzielle Rüstung zu schaffen, die uns allein in» standletzt, bie Revision des Poungplanes und eine Herabsetzung der im Haag übernommenen Tribut» Verpflichtungen mit einiger Aussicht auf Erfolg zu fordern? Jeder Deutsche wird finanzielle Opfer bringen, wenn er weiß, daß sie nicht nutzlos sind, daß sie nicht, wie bisher in dem bodenlosen Faß verschwinden, sondern der Regierung die Waffe schmieden sollen, mit der sie die Revision durchsetzen will. Aber wir können nicht wieder unsere Forderung auf Revision anmelden, auf die Gefahr hin, daß unsere Staatsfinanzen durch ein paar Pariser Börsenmanöver an den Rand der Katastrophe gebracht werden. Herrn Hilferdings Nieder- läge im Haag sollte uns doch Lehre genug fein, erst einmal im eignen Hause nach unseren Kräften Ord- nung zu schaffen, »bevor wir hoffen können, unsere Ansprüche auf Revision durchzusetzen. Auf diesen Ent- scheidungskampf mit unseren Tributgläubigern uns oorzubereiten, istdasZiel unserer Anstrengungen Das Volk erwartet von feiner Führung, daß ihm dieses Ziel auch gezeigt werde, um dessenwillen es sich lohnt, die Opfer auf sich zu nehmen, die der Sanierungsplan der Reichsregierung von -ihm fordert. Die Beamtenbesoldung. Eine Entschließung des Gießener Ortskartells desTeutschenBeamtenbundes Der Deutsche Beamtenbund, Ortskartell Gießen, bittet um Veröffentlichung nachstehender Stellung-' nähme zur Gehaltskürzung: „Der Geschäfts- führende Vorstand muß aus dem jetzt bekanntgewordenen Wirtschafts- und Finanzplan der Reichs- regierung entnehmen, daß wiederum die Beamtenschaft in besonders starkem Maße bei der Sanierung der Finanzen von Reick, Ländern und Gemeinden herangezogen werden soll. Die Gesamtauswirkung aller Maßnahmen ist ohne gründliche Prüfung und ohne Kenntnis der Einzelvorlagen noch nicht völlig zu übersehen: es muß aber schon jetzt mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß die neuerdings beabsichtigte Belastung für die wirtschaftlich ohnehin geschwächte Beamtenschaft eine weitere empfindliche Erschwerung ihrer Lage bedeutet und für weite Schichten der Beamten ^unerträglich wird. Zudem enthält der Plan keinerlei Vorschläge, durch die die von der Reichsregierung selbst programmatisch verkündete und von allen Seiten für notwendig und möglich gehal tene Preissenkung gesichert wird. Der Vorstand wird alle geeignet erscheinenden Maßnahmen ergreifen, um die der Beamtenschaft drohende Belastung und die gegen die Länder-, Gemeinde- und Körperschaftsbeamten geplanten Sondergesetze abzuwehren. Er erwartet dabei die tatkräftige Unter» stutzung der gesamten Beamtenschaft. gez.: Althaus. Neumann Weith." Oie Beisetzung des Prinzen Leopold von Bayern. Oer Reichspräsident bei der Trauer feier. Ff 1 erzbischof von München-Freising, Dr. v. Faul- Trauergäste wurden dem Reichspräsiden, t e n von der Menge stürmische Huldigun» gen dargebracht. Kardinal-Erzbischof Dr. von Faulhaber segnet den Sarg vor der St. Michaels-Hofkirche. wo bereits vorher Reichspräsident von Hindenburg in Begleitung des bayerischen Mi- nifterpräfibenten Dr. Held, des Landtagspräsidenten Stang und Angehörigen des Hauses Wittelsbach Platz genommen hatte. Der Bayerische Landtag und der Münchener Stadtrat mit Oberbürgermeister Scharnagl an der Spitze waren zahlreich vertreten. Der Sarg wurde auf den geschmückten Katafalk gehoben, während die Abordnungen der Inhaber-Regimenter zu beiden Seiten des Katafalks mit gezogenem Säbel Aufstellung nahmen. Dompfarrer Fischer würdigte das Leben und Wirken des Verstorbenen. Nach Beendigung der geistlichen Feier, die von Kardinal von Faulhaber zelebriert wurde, wurde der Sarg in die Gruft gebracht. Drei Ehrensalven der Infanterie und der Artillerie ertönten, die Fahnen der Inhaber-Regimenter senkten sich über der Gruft. Das Lied vom Guten Kameraden grüßte den Feldherrn, dessen fieben ganz der Armee gehört hatte. — Bei der Abfahrt der des früheren Kaisers, ferner die Generalität der deutschen und österreichischen Armee mit den Generalen von Below und Graf Bothmer. Die Reichswehr war vertreten durch den Chef der Heeresleitung, Generaloberst Heye, und den Landeskomandanten von Bayern. Dem Zuge folgten bann zahlreiche militärische Vereine und die Abordnungen der Regimenter, bereit Inhaber der Verstorbene war. Gegen 10.30 Uhr langte die Spitze des Trauerzuges anderst. Michaels- Hof k i r ch e an. Am großen Portal wurde die sterbliche Hülle vom Kardinal- München. 3. Oft. (TU.) Unter Anteilnahme fast der gesamten Bevölkerung Münchens erfolgte heute vormittag die feierliche Bei- s e tz u n g des verstorbenen Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Schwarze Fahnen wehten, ferner sah man zahlreiche weiß» blaue und schwarz-weiß-rote Fahnen auf Halbmast. Ueberall in den Straßen standen ungeheure Menschenmengen. Um 9 Uhr begann in der Leopvldstraße vor dem Trauerhaus, dem Palais des Prinzen Leopold, die militärische Trauerparade. Dann setzte sich langsam der Trauerzug in Bewegung. In den Lüften kreiste ein Flugzeug, das mit schwarzen Fahnen verhängt war. Der Zug selbst bot ein in München schon lange nicht mehr erlebtes militärisches Schauspiel. Berittene Reichswehr eröffnete die lange Reihe des Trauergefolges. Dann rollten Artilleriewagen vorüber. Das Musikkorps lieh den Trauermarsch erschallen. Im Parademarsch mit aufgepflanzten Seitengewehren marschierten die Reichswehrtruppen vorüber. Hierauf folgten die Geistlichkeit. Dann wurde das Kissen mit den Orden des Verstorbenen getragen. Auf einer Lafette stand der Sarg, in den bayerischen Farben ausgeschlagen, mit Helm und Degen des Heerführers. Im Trauergefolge sah man die nächsten An- verwandten des Prinzen, Kronzrinz Rupprecht von Bayern, die Prinzen Konrad und Albrecht, die Erzherzöge Josef August, Josef Franz, Franz Salvator, Hubert und Theodor, den Prinzen Adalbert von Preußen als Vertreter Haber, eingeholt. Sechs Offiziere der Reichswehr trugen den Sarg an das Ehrenspalier der Reichswehr und den Fahnen der alten Armee zum Chor, Dem Andenken Gtrefemanns. Enthüllung des Grabsteins in Berlin. Berlin, 3.Okt. (WTB.) Aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages Dr. Strefemanns fand auf dem alten fiouisenstädtifchen Friedhof zu Berlin eine Feier zur E n t h ü l l u n g des von Prof Hugo Lederer entworfenen Denkmals statt. Aus mächtigen grauen Quadern gefügt, umrahmt eine schlichte, entfernt an bie Form eines griechischen Architraos gemahnenbe hohe Wanb bie geräumige Minister Wirth spricht am Sarkophag. großen Gustav ©trefemann entgegen. Das ist das Zeichen des großen Staatsmannes des deutschen Volkes gewesen, daß er in der kurzen Spanne, die ihm der Herrgott zu wirken gab, folgerecht gehandelt hat, folgerecht aus dem Wunsche eines stürmischen Herzens heraus unter den Bedingungen, die uns in diesen Zeitläuften das Geschick gegeben hat. Und so hat Die Trauergemeinde vor dem Grabmal. I i- f'x' ■ - v Grabstätte, in bereu Mitte ein Sarkophag aus gleichem Material ruht. Nur ein Wort: „Strese- mann" in einfachen vergolbeten Buchstaben hebt sich von bem Denkmal ab, bas schone alte Bäume überragen. Die Feier, bie vom Chorgesang bes Akabemischen Sangerchors unter Leitung von Kittel umrahmt war, unb bei beren Beginn um bie zwölfte Stunbe bie alte Fnebhofsglocke läutete, in beren Klang bie flocken aller umliegenben Kirchen mit ihrem Geläut einfielen, vereinten um das Grab bie Familie de? Verstorbenen, bie Spitzen der Reichs- und fianberdehorben unb eine Anzahl gelabener Gäste Reichsminister Dr. Wirth hielt eine Rebe, in der u. a. folgendes sagte: Aus Professor Hugo Lederers Hand nehmen wir mit Dank und Anerkennung das Grabmal des er auf der Höhe des Ruhrabwehrkampfes jenen Weg gefunden, um auS den Wirren jener Tage das deutsche Volk herauszuführen. So hat er konsequent die Politik der Verständigung, die Politik der Versöhnung mit allen unseren ehemaligen Kriegsgegnern fortgeführt, bis zu dem Tage, der chm nicht vergönnt war, wo die Friedensglocken am deutschen Rhein die Freiheit verendeten. Diese Folgerichtigkeit ist es, die wir unserem deutschen Volk als Erbe unseres großen ©trefemann in dieser Feierstunde wünschen möchten. Der Herr Reichs- Präsident, der Reichskanzler und die Reichsregierung sowie die Sttfter dieses Denkmals widmen in dieser Feierstunde dem Andenken des großen Toten den verdienten Lorbeer. Eine Trauerfeier des Völkerbundes. Ehrende Worte des Präsidenten Tituleseu. Genf, 3. Oft. (WTB.) Der Präsident der Dölkerbundsversammlung Titulescu unterbrach heute mittag die Beratungen, um ©trefemann folgende Worte des Gedenkens zu widmen: Es ist heute ein Jahr vergangen, seit Dr. ©trese- mann Deutschland und dem Völkerbund durch den Tod entrissen wurde, ©trefemann besaß eine seltene Gabe, er war Mensch. In allen öffentlichen und privaten Erörterungen hat er. ohne jemals die Interessen seines Landes außer Acht zu lassen, die Fähigkeit besessen, die Auffassung der anderen zu verstehen. Man konnte mit ihm nicht nur verhandeln, man konnte mit ih m sprechen. Deshalb hatten wir für ihn mehr als Bewunderung, mehr als Achtung, nämlich Liebe. Ja, wir haben ihn geliebt. Daß er nicht mehr unter uns weilt, darin liegt der tiefe Schmerz, den wir alle empfinden. Je mehr die Zeit vergeht, um so mehr wird die Rachwelt das Urteil seiner Zeitgenossen bestätigen: Er war em großer Deutscher, ein großer Bürger derWelt. Entsprechend der Aufforderung des-L)räsiden- ten, „öen ehrlichen Diener Deutschlands und des Völkerbundes durch einen Augenblick der Sammlung zu ehren", erhoben sich die Delegierten von ihren Plätzen. Im Olamen der deutschen Delegation sprach Graf Bernstorff dem Präsidenten und der Versammlung Dank aus. Wir alle, so fügte der Graf hinzu, können sein Andenken am besten ehren, wenn wir seine Arbeit im gleichen Geiste der internationalen Verständigung fortsetzen, die feinen Flamen unsterblich gemacht hat. In der deutsch-lutherischen Kirche fand ein Gedenkgottesdienst statt. Der Pfarrer der deutschen Gemeinde Pastor Fiedler würdigte die Verdienste ©trefemann^ um seine Ration und um die Gemeinschaft der Völker. Außer den noch hier weilenden Mitgliedern der deutschen Delegatton, sowie zahlreichen Vertretern der Genfer deutschen Kolonie waren u. a. der Präsident der Völkerbunds Vers ammlung Titulescu, der Generalsekretär des Völkerbundes Sir Eric D r u m * mvnd, Untergeneralsekretär ©ugimura, im Auftrage der französischen Delegatton der französische Generalkoni ul, die Mitglieder der österreichischen und der ungarischen Delegatton, sowie die Berliner Gesandten von Chile, Kuba und Litauen erschienen. Das Urteil im Leipziger Hochverratsprozeß. Die angeklagten Offiziere zu 1% Jahren Festung und Dienstentlassung verurteilt. c e i p z i g, 4. vkt. (ÖIB. Zunksprnch.) 3m Hochverratsprozeß gegen die Ulmer Reichswehroffiziere verkündete der Vorsitzende, Reichsgerichtsrat Dr. Baumgarten, folgendes Urteil: Die Angeklagten werden wegen gemeinschaftlicher Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens nach § 86 Strafgesetzbuches je zu einer Festungshaft von 1 3ahr und 6 Monaten kostenpflichtig verurteilt. Auf die erkannte Strafe werden je 6 Monate 3 Wochen der Untersuchungshaft angerechnet. Scheringer wird von der in der Hauptoer- Handlung erhobenen Anklage, durch Veröffentlichung eines Zeitungsartikels ein vergehen gegen § 92 des rMlitöcstrafgefehbuches begangen zu haben, fteige- fprochen. Gegen Scheringer und Lubin wird auf Dienstentlassung erkannt. Das Uniformverbot in München. Protest der Nationalsozialisten. Münche n, 3. Oft. (TTl.) Wegen der Aufrechterhaltung des Tlnisormverbots anläßlich der Beisetzung des Prinzen Leopold von Bayern ist es nicht nur zu einem Konflikt zwischen Stahlhelm und Polizeidirektion gekommen. Die Leitung der RSDAP. erlaßt im „Völkischen Beobachter" folgende Erklärung: „Ein kleiner Polizeibeamter hat sich angemaßt, zu verbieten, daß Kämpfer des Weltkrieges ihrem alten Generalfeldmarschall, dem Prinzen Leopold, das Ehrengeleite in der Kleidung geben, in der sie den Kampf um ein neues ehrenhaftes Deutschland führen. Die Rationalsozialisttsche Deutsche Arbeiterpartei hat sich in diesem Falle mit dem Stahlhelm solidarisch erklärt. Dank der neuerlichen Brüskierung des nationalen Münchens ist die größte nationale Partei Deutschlands im Trauergefolge einer der ehrwürdigsten Gestalten größter deutscher Qtergangeritjeit nicht vertreten.“ In einem Schreiben an den Oberbürgermeister Scharnagel hat die nationalsozialistische Stadtratsfraktion die Aufrechterhaltung des Uniform- Verbots bei der Beteiligung am Trauerzug als eine Provokation bezeichnet. Im „Völkischen Beobachter" heißt es, im bayerischen Innenministerium habe man auf Vorhalt erwidert, man könne deshalb keine Ausnahme von dem TInifvrmverbot machen, weil dann bei der Beerdigung eines Sozialdemokraten auch dem Reichsbanner erlaubt werden müsse, in Uniform aufzuziehen. Der 11. Reichssronlsoldalenlaq. Seldte spricht in «oblenz über die politische Aufgabe des Stahlhelms Koblenz, 3. Oft. (TTl.) Als Auftakt des 11. Reichsfrontsoldatentages fand am Freitagabend eine öffentliche Kundgebung in der Stadthalle statt. Der erste Bundesführer des Stahlhelms, Franz Seldte, behandelte nach Dankcs- toorten an die Rheinländer die Ziele des Stahlhelms. Der Stahlhelm wolle mithelfen, die Volfsgemeinschaft herbeizuführen. Er wolle helfen, daß derStolzaufdie Ration und das Selbstvertrauen wiedererwachen, daß das deutsche Volk es ablehne, Objekt der anderen Völker zu sein, daß im deutschen Volke und vor allem in der deutschen Jugend der W e h r w i l l e sich wieder hebe. Die Frontsoldaten, die den Krieg kennen, wünschen den Frieden und wünschen feinen neuen Krieg. Sie wünschen nur eines: politische Freiheit und deutschen Lebensraum. Bei allen natto- nalen Menschen herrsche Freude über den Ruck nach rechts. Der Stahlhelm begrüße diesen Ruck. Aus aller Welt. Schweres Eisenbahnunglück in Paris. In der Nähe des Bahnhofs St. Lazare fuhr der nach Nantes ausfahrende vollbesetzte Personenzug auf einen aus noch nicht geklärter Ursache auf demselben Gleis haltenden Zug auf. Die Maschine und die beiden ersten Wagen des rammenden Zuges wurden stark beschädigt. Die Reisenden stürzten sich in ihrer Erregung, teils um sich über die Ursache des Zusammenstotzes zu unterrichten, teils um sich in Sicherheit zu bringen, trotz der Warnrufe des Zugpersonals auf das Geleih, In diesem Augenblick fuhr einelektrischerZug, der auf dem Bahnhof St. Lazare laden wollte, ein. Die auf dem Geleis versammelten Reisenden wurden von ihm erfaßt. Hierbei sind 5 Personen getötet und 30 verletzt worden. Ein Passagier aus dem Flugzeug gesprungen. Nach der Landung des Flugzeuges der Strecke Hamburg—Hannover auf dem Flughafen Hannover berichtete der Passagier Raedle, daß gegen 12.10 Uhr ein zweiter Passagier Pipler in offenbar selbstmörderischer Absicht aus dem Flugzeug gesprungen sei. Beide Passagiere hatten nebeneinander gesehen, und Raedle habe interessiert aus dem Fenster die Landschaft betrachtet, bis er einen scharfen Luftzug verspürt habe. In diesem Augenblick habe er gesehen, wie sich Pipler hinausstürzte, ohne daß er ihn daran hindern konnte. Die völlig zerschmetterte Leiche ift in der Rahe von Svttorf im Kre se Harbur aufgefunden worden. Rach den zurückgelassenen Papieren des Toten handelt eS sich um einen Chauffeur aus Schlesien, der seinen Wohnsitz in Hamburg hatte, und seit einigen Wochen stellungslos war. Cc hatte im Mai 1929 seine Frau durch ein Straßenbahnunglück verloren. Er gab darauf seine kleine Tochter an Verwandte und wanderte nach Kanada aus, von wo er Pfingsten d. I. zurückkehrte. Obgleich er in Hamburg zeitweise Arbeit fand, war er verzweifelt, da es ihm nicht gelang, festen Fuß zu fassen. Geheimnisvolle vombenexplosion in einem Postwagen. Als am Hauptpostamt in London, in dem dos Sortieren der Postsache.n vorgenommen wird, aus Irland kommende Briefsäcke und Pakete von einem Postwagen abgeladen wurden, erfolgte plötzlich eine Explosion, durch die der Wagen zerstört wurde. Zwei Postbeamte wurden verletzt. Die Beamten der Londoner Geheimpolizei sind der Ansicht, daß die Explosion in dem Post- auto durch eine mit Pulver gefüllte eiserne Bombe herbeiaeführt worden sei. Die Sendung stammte aus Belfast in Irland. Der Bezirk, für den das Paket bestimmt war, ist sehr groß und umschließt das Regierungsoiertel und auch den Buckingham-Palast. Furtwängler dirigiert nicht in Prag. Wilhelm Furtwängler hat auf Grund der bekannten Zwischenfälle und Kundgebungen gegen die deutsche Kultur seine Zusage zum Konzert mit dem Berliner Philharmonischen Orchester, das am 9. Oktober in Prag stattfinden sollte, zurückgezogen. Es sei jedoch notwendig, daß außerhalb der wechselnden Parteien wie ein Fels im Sturm eine starke nationale unabhängige Macht ftcfj«. Dies sei und bleibe das Ziel und die AuUabe des Stahlhelms. Auf einem Presfeempfang erklärte Veldte ferner: Der Ausgang des Krieges ist durch em innerpolitisches Ereignis ohne unseren Willen und ohne daß die Frontsoldaten hätten emgreifen können, entscheidend beeinflußt worden. Wir haben in den ersten Jahren versucht, neben der Abwehr des bolschewistischen Chaos uns auf den Kampf für unsere außenpolitischen Ziele zu beschränken: doch haben wir erkannt, daß die Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchführung dieses Kampfes zunächst einmal au f dem Gebiet der Innenpolitik geschaffen werden müssen. Der heutige Zustand parteipolitischer Zerrissenheit und Verbissenheit legt die Kräfte des deutschen Volkes, die im gemeinsamen Kampf nach außen gerichtet sem sollten, nach innen. Dieser Zustand ist dringend der Ab- änderung bedürftig. So, wie bisher, parlamentiert und gewurstelt worden ist, geht es nicht mehr weiter, wenn Deutschland wieder frei und unabhängig werden soll. Es kommt darauf an, daß nunmehr einmal wirklich und auch national regiert wird. Wir sind aus heiligster in persönlichem Erleben erworbener Ueber- zeugung fanatische Vertreter des Staatsgedankens, aber wir wolleß, daß der Staat auch wirklich Staat ist und nicht, wie erst kürzlich ein demokratischer Minister sagte, ein Haufe von Interessentenvertreter. Für Deutschland wollen wir die innere und äußere Befreiung. Kleine politische Nachrichten. Die Parlament.Ichen Arbeiten in Hessen setzen wieder ein. Der Finanzausschuß wird für den 14. Oktober zu einer wahrscheinlich einwöchigen Tagung zusammenberufen. Auch der Gesehgebungsausschuß wird gegen Ende Oktober zu einer zweitägigen Tagung zusammentreten. Der Herr Reichspräsident hat dem bisherigen deutschen Botschafter in London, Dr. S t h a m e r, anläßlich seines Aebertritts in den Ruhestand ein Schreiben zugehcn lassen, in dem es u. a. heißt: In schwerer Zeit haben Sie den Londoner Posten angetreten und dort auf meinen besonderen Wunsch fast elf Iahre ausgehalten. Auf die erzielten Erfolge können Sie mit Stolz und Befriedigung zurückblicken. Ich hoffe, daß es Ihnen nach dieser aufreibenden Zeit jetzt vergönnt sein wird, im Kreis« der Ihren viele schöne Iahre in Ihrer Vaterstadt Hamburg zu verleben. Der Preußische Staatsrat nahm einen Antrag der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft an, worin das Staatsministerium ersucht wird, die Verhandlungen mit dem tschechischen Schuhkönig Bata einzustellen und das in Frage stehende Gelände dem Staatsbesitz zu erhalten. Ein Vertreter des Staatsministeriums erklärte, daß die Staatsregierung entschlossen sei, den Vertrag mit Bata abzuschliehen, da ausländische Arbeiter überhaupt nicht und Angestellte nur im ersten Iahr in sehr beschränkter Anzahl hereingelassen werden dürfen. Finanzplan und Parlament Dolle Bewegungsfreiheit. Wird eine baldige Vertagung des Reichstags möglich? Berlin, 3. Okt. (TU. Funkspruch.) In Regie- rungskreisen wird die Entschließung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion verhältnismäßig gün- ft i g beurteilt. Man glaubt, zu der Annahme berechtigt zu (ein, daß die Mehrheit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion entschlossen sei, den gegen die Notverordnungen geführten Aufhebungsanträgen, die alsbald im Parlament eingebracht werden dürften, ihre Z u st i m - mung zu versagen. Weitergehende politische Rückschlüsse gestattet die sozialdemokratische Entschließung jedoch auch nach Auffassung führender politischer Kreise des Regierungslagers nicht. Die Entschließung ist offenbar dazu bestimmt, der Sozialdemokratie ihre volle taktische Bewegungsfreiheit im Reichstag gegenüber der Haltung des rechten Flügels der Regierungsparteien und der Rechtsopposition zu wahren. Man sieht deshalb in dem Reichskanzler nahestehenden Kreisen den weiteren Aeußerungcn sowohl des Landvolkes wie der Wirtschaftspartei mit Interesse entgegen. Bon unterrichteter Seite erfährt das WTB. über die Stimmung, die in der sozialdemokratischen Sitzung zum Ausdruck kam, daß man nicht daran denkt gleich nach Zusammentritt des Reichstages an einen Sturz der Regierung mitzuwirken. Man geht dabei offenbar von dem Gedanken aus, daß angesichts der augenblicklichen Unmöglichkeit, eine parlamentarische Mehrheit für irgendeine andere Regierung herbeizuführen, niemand weiß, was auf eine Regierung Brün in g folgen würde. Die Sozialdemokratie würde also zwar die Aufhebung gewisser Bestimmungen der Notverordnung fordern, habe sich aber auch bereits Verhandlungsbrücken gebaut, so wird denn die Entschließung im ganzen dahin interpretiert, daß sich die Möglichkeit zu einer T o - lerierung des Kabinetts durch die Sozialdemokratie wenigstens für die erste Zeit biete. Die Frage wird nun sein, ob die Sozialdemo- tratic auch damit einverstanden ist, daß der Reichstag sehr schnell wieder vertagt wird. Die ersten Sitzungen des neugewählten Parlaments werden mit geschäftsordnungsmäßigen Dingen genügend angefüllt sein. Der Reichstag wird dann vor allem die Ermächtigung für den lleberbrückungskre- d i t und das sicher zu erwartende Mißtrauensvotum zu erledigen haben. Wenn es dann noch gelingt, eine Einigung über die Rotverordnung herbeizuführen, so würde gegen Ende der ersten Parlamentswoche die Frage der Vertagung akut werden. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß auch hierüber in den Unterhaltungen des Kanzlers mit den Fraktionsführern bereits gesprochen worden ist. Es wird darauf ankommen, ob die Sozialdemokraten oder wenigstens der größte Teil ihrer Fraktion für die Vertagung zu gewinnen sind. Dabei ist nicht zu übersäen, daß die Führung in der sozialdemokratischen Fraktion sich heute zwar stark durchgesetzt hat, daß die Entschließung aber offenbar nicht einstimmig angenommen worden ist und auch nichts über das Stimmverhältnis mitgeteilt wird. Es läßt sich also im Augenblick noch nicht feststellen, wie stark die Minderheit in der Fraktion ist. Oie Meinung der preffe. Berlin, 4. Okt. (Tel.-Un.) Di« Entschließung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wird von den Berliner Blättern verschieden beurteilt. Die „Germania" ist der Auffassung, daß die Entschließung, die an sich schon schweren parlamentarische Verhältnisse wenigstens nicht schwieriger gemacht hab« und bi« Hoffnung zulasse, einen glatten Weg zu finden. Der „B ö r s e n - C o u r i e r" (dem.) sagt, die Entschließung bemüh« sich, Möglichkeiten positiver Mitarbeit wenigstens nicht kurzweg auszuschließen. Gleichwohl seien auch noch jetzt die Zugeständnisse an den Klassen- k a m p f g e i st so groß, daß man kaum eine Brücke zu der Erkenntnis der Staatsnotwendigkeiten sehe. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (oolksp.) bezeichnet es als interessant, baß bie Entschließung kein« ernsthaften Einwendungen gegen das Regierungsprogramm vorbringe. Was die Sozialdemokratie aber oorlege, sei eine Halbheit, die sich aus der gesamtpolitischen Lage erkläre. — Die „Börsenzeitung" (kons.) stellt fest, daß sich die von den So- zialdemokraten aufgestellten Forderungen mit der Gesamttendenz des Regierungsprogramms nicht vereinbaren liehen. Die „Deutsche Tageszeitung" (Landvolk) sieht in der Entschließung eine entschiedene Absage an bie Regierung Brüning und eine Drohung mit ber pro- letarischen F a u st. Das Blatt würde es unter tiefen Umständen nicht verstehen, wenn sich der Kanzler mit solchen Partnern in weitere Verhandlungen einließe. — Die „Vofsische Zeitung" (dem.) spricht von Sünden der Sozialdemokraten, die zwar durch di« Entschließung nicht wieder gut gemacht würden, es bestehe aber die Hoffnung, baß in der nächsten Zukunft Fehler vermieden werden. Der Wortlaut lasse keinen anderen Schluß zu, als den, das Kabinett Brüning gewähren zu lassen, wenn es sich innerhalb der Grenzen der Verfassung bewege und bas Recht des Parlamentes respektiere. Das Präsidium des Zentralkomitees der H. d. S. S. R. hat Leo C h i n t s ch u k zum Botschafter der Sowjetunion in Berlin ernannt. Chintschuk entstammt einer bürgerlichen Familie. Vor dem Kriege war er fünf Iahre lang in Iakutsk verbannt. 1917 wurde er Vorsitzender des Moskauer Arbeiter- und Soldatenrates. 1919 trat er in die Kommunistische Partei ein und bekleidete mehrere bedeutende wirtschaftliche Aemter. • Der Schweizerische Rationalrat beschloß, dem Volk eine Revision des Artikels 12 der Bundesverfassung zur Abstimmung vorzulegen. Danach wird den Mitgliedern der Eidgenössischen Regierung, des Parlaments, kantonaler Parlamente und Regierungen die Annahme von ausländischen Orden, Aus - zeichnungen, Pensionen und Geschenken oder das Tragen von Auszeichnungen verboten, falls sie ihre öffentlichen Aemter behalten wollen. Der König und die Königin von Italien haben ihre Zustimmung zu der Verlobung ihrer Tochter, der Prinzessin G i o v a n n a, mit König Boris von Bulgarien erteilt. Vie Wetterlage. .Jan rtaytn. ;iur" o nai Ä 12.A ' IO 5C.H11 ©wolkenlos. <3 heitf» O mi» oedt<«i • woiiuo •Gedeckt, eitegen «Schnee a. Graupein o MOei K Gewitter ©wmdM'He. seh» leichter Ost massiot' Südsüdwest stürmischer "ordwesl Oie Pfeile fliegen dem winde Oie oeiaen Stationen stehenden Zanten gehen die Temperatur an Die Limen verbinden Orte mit gleichen* auf neeresniveau umgerechneten Luftdruck Wette wo rausjage. Durch bie neue Islanbstörung, beren Bereich sich schon über bie britischen Inseln unb ben Kontinent erstreckt, wirb ber Hohe Druck abgeschwächt, unb fein Einfluß geht bem Ende zu. Die Winde drehen nach Süden und bringen Warmluft über Deutschland. Dadurch werden sich sowohl bie Temperaturgegensätze ausgleichen, als auch allgemeine Erwärmung ein- setzen. Gleichzeitig nimmt bie Bewölkung zu, und Nieberschläge sinb zu erwarten. Aussichten für Sonntag: Nebliges und wolkiges Wetter, roärmer Ausgleich der Temperaturen zwischen Tag und Nacht, zeitweise Regen. AussichtenfürMontag: Mildes und meist wolkiges Wetter mit Neigung zu einzelnen Nieder- schlügen. König Georg von England sagte, als er noch Prinz von Wales war, anläßlich eines von einer Kommission abgegebenen Gutachtens folgendes aus: „Da sich bei dieser Untersuchung herausgestellt hat, daß sogar die weltberühmtesten Handelshäuser das Inserieren unmöglich, auch nicht für kurze Zeit, entbehren können, ohne daß ihr Absatz zurückgeht, ist es auch klar, daß es für unsere Industrie notwendig st, für sie als Ganzes regelmäßig Reklamezu machen!“ Erfahrene Hausfrauen braten mit der ausgiebigen Rama! Warum? Weil der Braten mit Rama ohne großen Aufwand köstlich gerät Gleich beim Anbraten merken Sie, wie ergiebig Rama ist und wie wunderschön sie bräunt Und dann —sie spritzt gar nicht infolge Ihres außerordentlichen Fettreichtums. 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Für die vielen Beweise aulrichtiger Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben Mutter sagen wir aut diesem Wege herzlichen Dank. Heinrich Reuschling II. nebst Kindern. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann und Vater, unseren Großvater und Onkel Karl Rühl Altveteran von 1870/71 am 2. Oktober im Alter von 85 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu rufen. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Luise Rühl, geb. Schilcher Leiiirlch Rühl und Familie Ludwig Rühl Ludwig Kühl und FamMe Heinrich chlicher u. Frau. Gießen, Rockenberg, Schotten, den 3. Oktober 1930. Die Beerdigung findet in aller Stille statt _____________06i n 2 entmööl Zimmer alSb. z. verm. Südanlage 9 v. Garage zu vermieten 06157 Leihgesterner weg 5. Garagen in der Händelftrafte zu vermieten. 5841D Näheres Frank- furtcr Str. 29 v. Kleine Scheuer mit Stall, auch als Vaaet geeig., Löwen- gaese 11, au verm. Näheres A. Becker, Kevleri'lr. 9. 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Vereins Monatsversannnlong heute abend 8'/, Uhr Hessischer Hof s»,n, i > Veraff 116 Oktober- Stammtisoh IUI ans. 67S»D □ '5-j Montag K.Qktob.. 20 llbr nnremdenvorstellung Weekend im Paradies Schwank in 3 Akten von Arnold u. Bach. Dienstag, 7. Okt., von 19.30 b. neg. 22.30 l.Slenstllg-M.-vorst. sdjinöetößnnes Schauspiel in vier Akten <9 Bildern» von Carl?>uckmat)er. Mittwoch, 8. Okt., von 20 bis 22 Uhr r.minwüiy-M. vom. Bum eruen Male Die MiineW und der diniiinjet Lustspiel in 5 Bildern von Engel und Grunwald. Freitag, 10. Okt.» von 20 bis 227« Uhr 2. Zrellag-Atwll VM. Einen X iDin ki W nmdien Posse mit Gesang in vier AufAiigen von Johann Nestroy Sonnlag, lÄ.Okt., von 18 b.geg.20'/zUhr Aufter Abonnement I-remdenvorsiellung Erlies Ensemble- Gastspiel d. Deutsch. KünstlertheaterS Berlin Zum ersten Male Metfffieu Komödie in 3 Akten von W. Somerset- Maugham. Samstag, 4. Oktober 1930 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Nr. 232 Zweites Blatt Die romanischen Schwestern. Außenpolitische Umschau. Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. pro,, der Geschichte an der Universität Äerlin,Mitglied der deutschen Dölkerbundsdeiegation. Genf, 2.Oktober. Ohne daß ba8 nach außen irgendwie hervortritt, werden wichtige Auseinandersetzungen Des Bölter» bundcs von der Frage: Italien — Frankreich überschattet. Die letzten Verhandlungen zwischen beiden Mächten haben ja auch tn Genf durch die beiden Sachverständige», den Franzosen W a s s i g l i und Len Italiener Rosso stattgefundcn. Sie sind völlig gescheitert. Wie die italienische Verlautbarung behauptet, weil Frankreich unannehmbare Gegenvorschläge gemacht habe, die die italienische Regierung veranlaßt hätten, die Verhandlungen abzubrechen. In Frankreich wiederum glaubt man oder behauptet man zu glauben, daß der Sieg Hitlers in Deutschland Mussolini wieder zu einer Schwenkung veranlaßt habe, indem der Duce das dadurch für Frankreich schwieriger gewordene Verhältnis zu Deutschland für sich ausnutzen wolle. Das sind ja nun keine ernst zu nehmenden Kombinationen. Man hatte in den Verhandlungen den Ausweg versucht, die Parität in der Gesamttonnage der Kriegsflotten und die Parität der Schiffseinheiten (bekanntlich ist Italiens Hauptforderung in der Rüstungsfrage die Parität mit Frankreich) voneinander zu unterscheiden. Run ist diese tja. 'tätsforderung für Italien eigentlich mehr etwas Theoretisches, dahinter steht immer die Absicht, in einer Gesamtbereini- gung zwischen Frankreich und Italien für letzteres bestimmte andere politische Forderungen zu erreichen, wobei natürlich zu allererst an die bekannten Kolonialsragen gedacht wird. Aber die französische Politik setzt hinter diese ganzen Verhandlungen keinen ernsthaften Rachdruck. Driand ist es wohl ernst, diesen Gegensatz in Rüstungsdingen etwas zu entspannen, aber er findet nicht die Möglichkeit dazu, noch hat er wohl auch den ernsten Willen, französische Opfer für eine französisch-italienische Verständigung zu bringen. Die französische Politik fragt sich, was sie für dergleichen Opfer hatte, was Italien dafür geben könne? Wenn man das Verhältnis so rein machtmäßig und nach der augenblicklichen Situation nimmt, ist kms ja auch richtig: Frankreich hat von Italien noch nichts zu fürchten, Italien fordert und hat dafür nichts zu bieten. Lind England? Es strengt sich nicht besonders an, zu vermitteln, und neigt in her ganzen Frage mehr zu Frankreich als zu Italien, was, absolut betrachtet, seltsam, ja widerspruchsvoll, aber in der heutigen Lage Englands zu verstehen ist. So bleibt es zwischen Frankreich und Italien im besten Falle auf dem toten Punkt. Aber diese an sich verständlichen Erwägungen sind doch keine Behandlung eines großen europäischen Problems. Es sind doch nicht _ zwei starre Faktoren, die im heutigen Machtverhältnis einander dauernd gegenüber stehenbleiben würden. Italien ist doch ein Land von großer zur Expansion drängender Lebenskraft, und ein so tief begründeter Gegensatz wie der zwischen dem konservativen Imperialismus Frankreichs und dem expansiven Italiens, die sich auf gar manchen Plätzen berühren und reiben, löst sich doch nicht von selber, indem man ihn auf dem toten Punkt stehenbleiben läßt. Er ist und bleibt in jedem Falle eine Bedrohung des europäischen Friedens. Richt heute und morgen im Sinne einer ernsten Gefahr, wohl aber lähmt er die ganze Arbeit, den Frieden Europas „zu organisieren". Das eben spürt man hier in Genf an manchen und gerade den wichtigsten Stellen. Warum bleibt ein englischer Ab- rüstungsvorstoh (Hendersons Erklärung) dann schließlich doch halb und halb hängen? Wie soll die am 3. Rovember zusammentretende letzte „vorbereitende" Abrüstungskonferenz wirklich etwas zustande bringen? Immer ist es diese Frage — denn das Problem England — Frankreich ist es bei weitem nicht so —, die Frage Frankreich — Italien, die wie eine Zentnerlast auf diesen Bestrebungen liegt. Eine Generalverständigung zwischen Frankreich und Italien wäre an sich durchaus möglich und gar nicht so schwer. Der Gegensatz ist, so bedeutsam er ist. nicht einfach mit dem deutsch- englischen vor dem Kriege gleichzusetzen. Denn es stehen nicht Schwierigkeiten zwischen diesen Ländern wie der deutsche Welthandel und die deutsche Flotte damals im deutsch-englischen Verhältnis. Auf der Balkanhalbinsel und in Südosteuropa ist die französisch-italienische Rivalität überhaupt keine wirkliche Realität: sie arbeitet mit antiquierten schematischen Vorstellungen. Ist Albanien wirklich für Italien ein Cxpansionsgebiet, das der Rede wert wäre? Der Kampf um Afrika? Handelspolitische Gegensätze? Das einzig ernsthafte ist natürlich die Position im westlichen Mittelmeer, die aber doch auch nichts Absolutes ist, sondern Mittel zum Zweck. Aber trotz alledem: Weder in Paris noch in Rom kommt man von Vorstellungen los. die nicht mehr in jeder Beziehung passen, und die Frage bleibt, mit allen unerfreulichen Konsequenzen für Europa, eben auf dem toten Punkt. Man sieht nicht, daß die deutsche Poli- t i k erhebliches tun könnte, die Lage überwinden zu helfen. Die gegebene Stelle, von der der Einfluß kommen könnte, wäre natürlich London. Allein kommen Frankreich und Italien offenbar nicht zusammen, aber unter englischer Vermittlung wäre das wohl möglich. Warum tut England nichts oder so wenig, daß es nichts nützt? Die englische Außenpolitik kann bei der Lethargie, in die die amerikanische Außenpolitik wiederum verfallen ist, auf wirkliche Mithilfe der Vereinigten Staaten, die ja entscheidend sein würde, nicht rechnen, und biccng- lische Außenpolitik kann ebensowenig größere Aktionen anlegen und überlegen, wie die deutsche. Denn das Labour-Kabinett. das ganz gute Gedanken und gute Köpse für die Außenpolitik hat, steht zu wenig fest, als daß es sich irgendwie erheblich vorwagen könnte. An die Abcschützen des Reichstages! Kleines Brevier für neue M. d. R.'s. - Was ein großer Mann von einem Hohen Hause wissen muß. - Verkehrssignale auch fürs Reden. Rachdruck verboten! Der Direktor beim Reichstag. Berlin NW 7 im September 1930. Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Rach Zeitungsnachrichten sind Sie zum Mitglied des Deutschen Reichstags gewählt worden und haben daher während Ihrer Zugehörigkeit zum Reichstag nach tz 11 des Gesetzes über die Entschädigung der Reichstagsmitglieder das Recht zur freien Fahrt auf allen deutschen Eisenbahnen. Die gleiche Vergünstigung gewährt die Reichspostverwaltung für ihre Kraftpostlinien. Zur Ausfertigung der Fahrkarten sind zwei un- aufgezogene Lichtbilder erforderlich, um deren umgehende Einsendung an das Bureau des Reichstags ich ergebenst bitte. Die Fahrkarten werden Ihnen dann sofort von hier aus zugesandt werden. In vorzüglicher Hochachtung Galle.' So beginnt's! Lind was den neugewählten Herren M. d. R.'s dann weiter blüht, schildert unser Berliner St^.-Mitarbeiter in den nachfolgendem Zeilen. „Herr Direktor läßt bitten!", lautet die Meldung, aber das Interview mit dem Direktor beim Reichstag ist erstaunlich kurz: Denn in den weiten Räumen des Hauptbureaus herrscht Hochbetrieb. Es gilt, in fieberhafter Eile das neue Reichstagshandbuch herzustellen, zu welchem Zweck jeder Abgeordnete per Fragebogen alles das an den Reichstag mitzuteilen hat, was er zur Veröffentlichung für nötig hält. „Was das neue M. d. R. alles wissen muß, soll ich Ihnen sagen? Lieber Herr, dazu habe ich augenblicklich wirklich keine Zeit, und außerdem fragt man mich das so oft! Gestatten Sie, daß ich Ihnen lieber einen Wegweiser mitgebe und machen Sie Ihre Erkundungsfahrt auf eigene Faust! Guten Tag!" Damit stehe ich schon wieder draußen. Aber nun bemühe ich mich, mich eingehendst zu informieren, um zu Ruh und Frommen all derer, die zum erstenmal in das Hohe Haus vor dem Brandenburger Tor einziehen, das Wichtigste hier wiederzugeben. Vor allen Dingen, sehr geehrter Herr neuer Abgeordneter, wollen Sie sich bitte nach Empfang des großen weihen Briefumschlages mit dem Stempel: „Reichstag— Bureau — Frei durch Ablösung" in die nötige Positur setzen: denn Ihre große Stunde hat nun begonnen. Richt mehr brauchen Sie den Wählermassen wie vordem nachzulaufen und um ihre Gunst werben, nein, jetzt sind die Dinge umgekehrt: ein Volk liegt zu Ihren Füßen. Warum, das werden Sie gleich sehen! Wenn Sie, glücklicher Besitzer einer Freifahrtkarte und monatlicher Diäten von zur Zeit noch monatlich 750 Mark (ob cs weniger wird, kann man ja noch nicht wissen!), zum erstenmal Ihren Hut und Mantel im Reichstagsgebäude auf den eigens für Sie bestimmten und mit einem Ramens- schild verzierten Kleiderhaken gehängt haben, legt der Garderobendiener einen kleinen Hebel um — und sofort wird die Tatsache Ihrer Anwesenheit dem Hohen Hause automatisch mitgeteilt. Auf der Ramenslasel in der Rordhalle, wo sich der Anmelderaum befindet, und auf einer ähnlichen Tafel in der Telefonzentrale leuchtet Ihr Rame auf: und von nun an können Sie tun und lassen, was Sie wollen, man findet Sie immer und überall. Das Postamt zum Beispiel, das extra nur für die Abgeordneten unterhalten wird, stellt Ihnen Telegramme, Eilbriefe und Wertsendungen unmittelbar durch besondere Briefträger zu, Denen keine Mühe zu groß ist, Sie treppauf, treppab im ganzen Hause zu suchen: Einschreibe- und gewöhnliche Briefe übermittelt Ihnen der Fraktionsdiener. Wenn Sie aber Briefe oder Telegramme absenden oder gar (Gott behüte!) Geld einzahlen wollen, dann steht das Postamt von acht Llhr früh bis neun Llhr abends zu Ihren Diensten, und wenn die Sitzungen etwa länger dauern sollten, auch noch bis zum Schluß. Für gewöhnliche Briefe, für die der Weg zum Postamt Ihnen sicherlich zu Leit ist. befinden sich an allen Ecken des Reichstags besondere Briefkästen, die stündlich geleert werden. Wenn Sie bereits aus diesen Angaben ersehen können, daß alle und alles miteinander wetteifern. um Ihnen Ihre schwere Aufgabe leicht und erträglich zu gestalten, so werden Sie auch an anderen Orten des Reichstages Gelegenheit haben, festzustellen, wie man Ihnen Ihre Wünsche geradezu von den Augen abliest. Denn der Schreibsaal zum Beispiel ist nur für die Mitglieder des Reichstags und des Reichsrates bestimmt — Sie dürfen jeden unbarmherzig hin^ auswerfen lassen —, und gar i m Zeitungslesesaal hängt nicht nur eine größere Anzahl in- und ausländischer Tageszeitungen, sondern man berücksichtigt auch Ihre Wünsche wegen etwaiger Auslegung weiterer Blätter. Unnötig natürlich zu sagen, daß sich die T e l e- phonzentrale Ihrer ganz besonders liebevoll annehmen wird, weil sie ja sowieso schon Kummer gewöhnt ist, nach den Herren Abgeordneten dauernd suchen zu müssen. Denn zu sagen, nach welchen Räumen er geht, fällt niemandem ein. Aber die Zentrale weiß schon, wie sie sich hilft: sie läutet zunächst einmal im Restaurant an, und das stimmt ja auch in den meisten Fällen. Für die restlichen Fälle hat man Ihnen jegliche Lauferei abgenommen: denn in jedem Raum und Räumchen ist ein Femsprech- apparat. Ratürlich hat man Ihnen auch die Arbeit selbst möglich bequem gemacht. So erhalten Sie beispielsweise Ihre Reden noch während der Sitzung fein säuberlich nachstenographiert und abgeschrieben zur Kontrolle vorgelegt (vorausgesetzt, daß man Sie hat zum Wort kommen lassen), und wenn Sic etwa während der letzten Stunde vor Sihungsschluß gesprochen haben sollten, so schickt man Ihnen die Riederschrift noch am selben Abend in die Wohnung. Weiter ist dafür gesorgt, daß Sie die wichtigsten Stellen für Ihre Tätigkeit nicht verpassen. Kein Gott hielte es ja aus, ununterbrochen allem zuzuhören, was da geredet wird, so wird man füglich auch von Ihnen nicht verlangen, was man vom lieben Gott nicht erwartet. Also werden Sie die Restaurationsbetriebe und die Wandelhallen mit den breiten und sehr bequemen Ledersesseln häufig frequentieren (doppelt häufig sogar nach dem Fortfall der Schreibtische im Plenarsaal und ihrem Ersah durch Bänke), und man hat daher die Pflicht, Sie stets auf dem Laufenden zu halten. Verzagen Sie nicht, wenn es klingelt: das Klingeln ist nicht für die Dienstboten, sondern für Sie! Wenn es dreimal tief an der großen Glocke läutet, kommt eine Abstimmung oder die Feststellung der Tagesordnung an die Reihe: dreimaliges Helles Läuten dagegen zeigt Redner» roedjfel an und kann Sie nur dann interessieren, wenn Sie selber an der Reihe sind. Bei großer und kleiner Glocke abwechselnd handelt es sich um besondere Vorkommnisse (man kann nie wissen...!), und hupenähnliches Signal ruft zur namentlichen Abstimmung, zu der Sie jedoch nur zu erscheinen brauchen, wenn Ihre Fraktion es verlangt. Da wir gerade von den Abstimmungen reden, möchte ich mir den Hinweis auf die Ia - und Rein-Türen erlauben. Eie werden dann benutzt, wenn über das Ergebnis der Abstimmung auch nach der Gegenprobe noch Llnklar- heit herrscht. Dann müssen die Abgeordneten den Saal verlassen, und alle Türen bis auf drei werden geschlossen. Die eine ist die Ia-Türe, die andere die Rein-Türe, die Dritte ist für Indifferente. Die Ia-Tür ist rechts, die Rein-Tür links vom Präsidium. Ditte verwechseln Sie bloß nicht die Anordnung. Wenn Sie aber ganz sicher gehen wollen, wählen Sie in allen Fällen den goldnen Gießener Giabttheater. Franz Lehar: „Das Land des Lächelns". Die neue Lehar-Operette ist bemerkenswert zunächst durch die Tatsache, daß sie der große Erfolg der letzten Spielzeit war (wieviel von diesem Erfolg allein auf das Konto von Richard Tauber zu sehen ist, kann nach der hiesigen Aufführung nur geahnt werden) — zum andern aber dadurch, daß es sich hier eigentlich gar nicht um eine Operette handelt. * Sofern es bisher nämlich als untrügliches Kennzeichnen der echten Operette galt, haß — abgesehen von andern charakteristischen Wesensmerkmalen — spätestens im dritten Akt mindestens ein Paar „sich gekriegt Ijat", daß das Ganze also, volkstümlich gesprochen, gut ausgeht (happy end) ... dann kann hier von einer Operette im hergebrachten Sinn nicht die Rede sein. Es geht bös aus, zum mindesten sehr zweifelhaft, sie kriegen sich nicht, sondern sie gehen mit großer Szene auseinander: das Stück endet mit Schluchzen und Tränen, auf der Bühne und sogar im Parkett ... beinah wie in der „Butterfly", • „Madame Butterfly", die traurige und rührende Geschichte von der kleinen Frau Schmetterling, ist. wie uns scheint, überhaupt hier das Stichwort. Einmal der unverkennbaren motivischen Anklänge wegen (in der Handlung und im Milieu) und überdies für die Bewertung der Partitur, die mehr der Oper als der Operette zuneigt. Zwischen Peking und Wien pendelt die Handlung hin und her. Abendland und Ferner Osten sind die landschaftlichen, raffen mäßigen und psychologischen Kontraste, auf denen das Libretto sich aufbaut,... wenn überhaupt in einer Operette ernstlich von Psychologie die Rede sein könnte. Gelber Mann und weiße Frau, gelbe Frau und weißer Mann — das sind die Gegensätze, die sich nach dem Willen der Autoren, nicht vereinigen lassen und dem Operettentext den opcrnhaften Akzent geben. (Don Tragik kann natürlich so wenig die Rede fein wie von Psychologie.) Eine Wiener Generalstochter schlägt den Antrag eines jungen österreichischen Offiziers aus, um einem hohen chinesischen Würdenträger, den fie liebt, als Gemahlin in feine Heimat zu folgen ... ins Land des Lächelns: in China lächelt man immer ... auch wenn man eigentlich lieber weinen möchte. (Zur Erläuterung des Titels und des lyrischen Grundmotivs.) Es geht nicht gut: Europa und Asien sind und 'bleiben einander fremd. Dies als operetten- haste und ganz ins Persönliche getriebene Ruhanwendung weltpolitischer Zeiterkenntnisse. Eine rätselhafte Sitte — die dem ahnungslosen Abendländer allerdings eher türkisch als chinesisch vorkommt — befiehlt, daß der gelbe Prinz außer seiner europäischen Gemahlin noch vier Mand- schufrauen heiratet. Cs ist klar, daß die Wienerin darauf verzichtet, sozusagen als Lieblingsfrau des Mandarins in einem Harem zu sitzen. Sie flieht — mit Hilfe des abgewiesenen Freiers, der ihr gerade zur rechten Zeit nachgercist kommt: die Flucht wird entdeckt, aber der Prinz leistet großmütig Verzicht und bleibt zurück mit feiner kleinen Schwester, die sich in den wienerischen Leutnant verliebt hat und ebenfalls allein bleiben muh, unter Tränen... im Lande des Lächelns. So haben die Librettisten Ludwig Herzer und Fritz Löhner (nach Victor L e 0 n) sich das ausgedacht. Lehar begleitet die Handlung mit einer ganz opernmähig angelegten Partitur, die am originellsten und einfallsreichsten erscheint ,wo es sich um die ausmalende Vertonung exotischer Motive handelte. Reden dem sehr populär gewordenen Tango „Dein ist mein ganzes Herz" sind das Antrittslied des Prinzen und das Duett „Meine Liebe, deine Liebe" aus dem zweiten Akt hervorzuheben, das bann im dritten als Dutterfly-Solo pianissimo wiederholt wird. Die Aufführung (Vereinigte Operettenbühnen Dochum-Hamborn) wurde von Kapellmeister Dr. Erich Schalscha straff und sauber dirigiert, von Direktor Dachenheimer mit dekorativer Ausstattung und starker Publikumswirkung in Szene gesetzt. Den Prinzen gab Waldemar Frahm, darstellerisch mit angenehmen Mitteln, gesanglich nur in der Mittellage befriedigend. Erna Wigger als Lisa: am besten im ersten Akt, später ein wenig konventionell. Anny Sperg fang, tanzte und spielte sehr hübsch die kleine Chinesin Mi. Den Leutnant machte Heinz Virneburg im bewährten Donvivantftil. Bon den Chargen: Adolf Wiesner, Ioachim Liman, Fritz R 0 l f. — Das Haus war diesmal erfreulich stark beseht. Es gab mehrere Wiederholungen, viel Deifall und zum Schluß sogar etliche Tränen. hth. Wunder unter Wasser. Don Paul Eipper. In allen großen Städten gibt es ein Aquarium. Wohl die schönsten dieser Schausammlungen der Fische, Lurche und Reptilien befinden sich in “Berlin und London. Ich kenne fast alle, stand in der Mittelmeerstation des Fürsten von Monaco, erfreute mich oft am zwar kleinen aber reizvollen Leipziger Aquarium, genoß die Anlage auf Helgoland, wanderte zu vielen Malen durch die Aquarien von Holland, “Belgien, Frankreich und Italien. Lleberall ist die gleiche Verzauberung. Die Menschen kommen in einen dämmerigen Raum, lassen scheinbar die Sphäre der luftumwehten Erdoberfläche hinter sich und wandeln durch einen Tunnel mit erleuchteten Seitenfenstern. Man erlebt das Unmögliche: die Tiefe der Gewässer tut sich vor einem auf, das Auge erblickt die Bewohner des Meeres und der Flüsse, der Schönheitssinn berauscht sich an den Wundem der Farbe, die leuchtender sind als tropische Blumen, die Phantasie schwelgt in abenteuerlichen Formen und Gestalten. Ich stand Woche um Woche täglich lange Zeit im “Berliner Aquarium vor jener Scheibe, die den Blick freigibt auf die zerklüftete Felsenküste. Der Oktopus lebt hier, ein rötlichbrauner Tintenfisch, und für gewöhnlich klebt das schwammige Aier eingezwengt am Gestein. Immer spielen seine Fangarme, tasten schlangengleich durchs Wasser, die Saugnäpfe heften sich irgendwo fest, greifen und verschieben das Geröll: so sind die Lebensäuherungen des Polypen. Eines Abends vollzog sich eine jähe Verwandlung: der Körper des Tieres schwoll an, die Haut veränderte sich, aus lehmgrauem Braun wurde in zauberhaftem Farbenspiel tief glühendes Rot: die halbmondförmigen Augen verrieten Erregung, und der Papageienschnabel zuckte. Plötzlich flatterte die Scheibe des hals- und knochenlosen Leibes hoch, der Oktopus schwebte mitten im Bassin, Die langen Arme hingen wie Schleierbänder abwärts, und dann wurde aus dem Hochtrieb ein Vorwärtsdrang, die Krake schoß horizontal durch die Fluten, so schnell und unheimlich, mit nachschleppenden Fühlerfäden, daß eine körperliche Angst mir Herzklopfen verursachte. In London fiel mir die besondere Leuchtkraft der ganz klaren Wasserbecken auf, und ein solcher Reichtum an Tierbestand, daß nur das Berliner Aquarium damit in Wettbewerb treten kann. Lange Stunden sah ich auf einer der bequemen Holzbänke im Mittelgang, verträumt pnd genießend, was aus den hellerleuchteten Schauflächen zu mir ins Dämmerlicht herüberstrahlte. Eine klösterliche Stille war im Raum, von irgendwo hallte der Schritt des Aufsichtsbeamten; mich interessierte das Spiel der tropischen Zierfische, die wie flimmernde Edelsteine durchs Wasser schnellen, Glühkohlen, Goldflößchen, Smaragdbänder, kaum wallnuhgroß, lebend gewordene Sonnenträume. Aber es sind auch Riesen in diesem Hause der Meerestiefe. Wir sehen ein Schaubecken über die ganze Breite einer Wand, und darin leben ein paar Meeraale, Ungeheuer an Stärke und Länge. Das größte Exemplar mißt wohl mehr als drei Meter, wenn es aus seinem Felsennest in schlangengleichen Bewegungen hervorkommt, ein böses, gefräßiges Raubtier. Drachenfische irisieren bunt, mit langen Strahlenstacheln am Rücken und zu beiden Seiten der Brust; der seltene Kofferfisch, drollig, plump und starr, bis auf das fieberhaft kreisende Schwänzchen. Aber am merkwürdigsten die Lungenfische, gewissermaßen Lleber- bleibsec aus vorgeschichtlichen Zeiten, als die Form der Erde sich erst noch gestaltete. Diese Lungenfische sind Doppelatmer, besitzen neben den Kiemen eine Lunge und kommen in kurzen Zeitabständen immer wieder an die Oberfläche des Wasserbehälters, um zu atmen. Der afrikanische Lungenfisch hält einen Sommerschlaf, baut sich während der Trockenheit ein Rest aus Schlamm und Schleim, nimmt viele Wochen fang keine Rahrung zu sich und zieht durch einen Kanal Lust in seine Lungen. Von allen Rätseln der Aquarien ist mir die Beobachtung der Eitasche des Katzenhais am interessantesten. Reun Monate reift der Embryo in seiner Hülle, die so durchsichtig ist, daß wir Menschen das Wachstum des Fischkindes wohl erkennen können und seine lebhaften Bewegungen. Wer eine beschauliche Stunde des Raturgenusses sucht, wird im Aquarium die Hast unserer Zeit vergessen und reich beglückt sein, demütig werden vor der Mannigfalt der Schöpfung. Mittelweg, die Tür gerade gegenüber dem Präsidium. Wenn Sie daran sein sollten, eine Rede zu halten, so kümmern Sie sich um nichts, besonders nicht um die Zwischenrufe Ihrer Gegner. Ihre Rededauer ist freilich leider beschränkt — Sie dürfen nur eine Stunde lang reden —, aber wo- nigstens brauchen Sie nicht Ihre Taschenuhr neben sich zu legen, um Ihren wirksamen Schluß und Abgang nicht zu verpassen. Denn der Herr Rcichstagspräsident ist so liebenswürdig, Sie dieser Mühe zu entheben: Auf dem Rednerpult sind Verkehrssignale angebracht, und ein gelbes Licht bedeutet: „Achtung — noch fünf Minuten!", ein rotes: „Halt, stop, — cs ist alle!" Da ist also bestens vorgesorgt. vorsichtig sollten Sie nur in bezug auf gewagte Bemerkungen sein, weil sonst der Präsident Sie zur Ordnung ruft. Ein oder zwei Ordnungsrufe pro Rede können Sie getrost riskieren, ohne daß Ihnen etwas passiert: kritisch wird die Sache erst mit dem dritten Ordnungsruf, weil dann (nach § 91 der Reichstags-Geschäftsordnung) der Präsident über Sie den Ausschluß von den Sitzungen bis zu dreißig Tagen verhängen kann. Lind wenn Sie nicht sofort den Saal verlassen, verlängert sich diese Strafzeit um nochmals dreißig Tage, automatisch sogar. Das ist sehr unangenehm: denn es trifft Sie höchst empfindlich an der Geldbörse und an der Freifahrtkarte. Für solche Aus- schlußzeiten bekommen Sie keine Diäten, und Sie müssen — die Fahrkarte abgeben. Das wäre doch peinlich! Abgesehen davon, daß Sie nicht nur das Recht haben, auf allen Staatsund Privatbahnen Deutschlands und auch auf allen Dampfschiffen umsonst und in jeder beliebigen Klasse zu fahren, werden Ihnen auch, wenn Sie in der Wahl Ihres Wohnsitzes vorsichtig genug waren und mindestens vierhundert Kilometer von der Rcichshauptstadt entfernt wohnen, zwei Drittel Ihrer Schlafwagenkosten erseht und dreiviertel Ihrer Flugzeugreisen. Da haben Sie übrigens auch wieder einen Beweis dafür, wie man sich um Ihr persönliches Wohlergehen forgt: denn erstens ist Ihnen ja bekannt, daß in ledern Schnellzug noch bis zur Abfahrt Betten für die Abgeordneten freigehalten werden, so daß Sie sich noch in letzter Minute entscheiden können, ob Die bequem reisen wollen: zweitens genügt im Falle des Reisens ein kurzes Avis an das Reichstagsbureau, und schon ist die Platz- oder Bettkarte für Sie reserviert. Selbst wie Sie die Diäten ausgezahlt wünschen, — ob in bar oder durch Lleberweisung auf Bank- oder Postscheckkonto —, können Sie ganz noch freiem Gutdünken bestimmen, auch Sonbcr- wünsche werden hier gern berücksichtigt. Sie brauchen also keine Angst zu haben, daß Sie sich am LIlttmo an der ReichStagskasse anstellen müssen. Auch für die sonstigen Rotwendigkeiten des täglichen Lebens ist bestens Vorsorge getroffen: im Erdgeschoß, in der nordwestlichen Ecke, befindet sich ein Turnsaal mit verschiedenen Turngeräten, insbesondere mit medico-mechani- schen Apparaten für körperliche Hebungen, Atmungsgymnastik (Reden!), elektrische Massage usw. Die unmittelbar anschließende Barbier- stube sorgt für Beseitigung der Bartstoppeln, und last not least im Baderaum erfrischt das Wannenbad und stellt den ganzen Menschen wieder her. Aber im Wannenbad stutzte ich, denn hier scheint sogar die Allmacht eines M. d. R. zu enden. Kurz und bündig hängt nämlich hier des Bademeisters Llkas: „Die bestellten Bäder müssen pünktlich zur verabredeten Zeit abgenommen werden. Andernfalls wird zugunsten anderer Bewerber darüber verfügt." Aus -er pwvinzialhauptstadt. Gießen, den 4. Ottober 1930. Sonnige Herbsttage. Wenn ein Freund in die Fremde geht und wir vor dem Abschied noch kurze Zeit zusammensitzen, dann werden wir diese Stunden oder Minuten später nie vergessen. Jedes Wort wird in uns nachklingen, jede Miene des Freundes wird sich fest einprägen. Es wird bei solchem Abschied meistens wenig gesprochen, Wehmut und Trennungsschmerz verschleiern die Augen, die Stimme. Was sollte man auch noch viel sagen? Ist der Augenblick doch so ernst, fast feierlich, daß man Nebensächlichkeiten, von denen ja die Gespräche oft so erfüllt sind, gor nicht berühren mag. Merkwürdigerweise schaut der Blick beim Abschied immer mehr in die Vergangenheit, als in die Zu- kunft. Schöne Stunden, lustige Streiche werden noch einmal erwähnt, dunkle, von Trauer und Trübsal überschattete Tage sind vergessen. Man will dem Freunde die letzten Augenblicke so froh und leicht machen, wie es eben geht. Und dann blickt man sich noch einmal in die Augen, drückt sich die Hände, und — ist allein. Kommt der erste Brief aus der neuen Welt, steht mit einem Male wieder die Abschiedsstunde vor unferm Auge. Dieses Bild des Freundes bleibt, bleibt auch in den nächsten Jahren. — Geht es uns bei diesen letzten Sonnentagen des Herbstes nicht gerade so? Empfinden wir nicht auch, daß hier Abschied genommen wird, Abschied für viele Monate, Trennung von Sonnenschein und Wärme? Auch jetzt sind es Tage der Rückschau. Unsere Gedanken fliegen zurück, strahlende Sommer- tage, die ja in diesem Jahre so selten waren, erstehen aufs neue. Wie gern läßt man sich von der Oktobersonne täuschen, und doch hängen drüben an ber ^erfe schon lange die weißen Marienfäden, dos Abschiedszeichen des Sommers. Eine wehmütige Stimmung legt sich leise auf unser Gemüt. Aber wie dankbar genießen wir die besonnten Herbsttage! Wir nehmen sie hin wie ein Geschenk das uns überraschend in den Schoß fiel und so dop- pelte Freude verursacht. Wir lassen die Schönheit der Natur noch einmal stark und frisch auf uns wirken. Wohl liegt uns noch der Klang von Sicheln und Sensen in den Ohren, wohl sehen wir noch wie die reife Frucht hinsank unter der Hand der Schnitterin und nur noch kahle Stoppeln von der Schönheit des Getreidefeldes erzählten. Aber schon hat der Herbst auch hier seine weichen Farben aufgetragen. Ueberall sproßt neues Grün, wo nicht der Landmann die Erde umgepflügt hot. Die Natur tat ihr großes Werk, still und ergeben. Nun, nachdem der Segen geborgen, verlöscht sie langsam, und feierliche Stille zieht über das Land. Am Feldwege aber, am Ackerrain, blühen noch Wegwarte, Rainfarn und Schafgarbe. Die letzten Blüten, sie sammeln wie Hohlspiegel die Sonnenstrahlen ein und geben sie verstärkt zurück. Aber die schönsten Blumen deuten dos End« an. Wir holen die letzten Rosen im Garten, noch sind es Knospen, im Zimmer erst öffnen sie sich. — Am innigsten feiert unsere Jugend den Sonnen- lag draußen. Der Wind hat sich gelegt, dos Drachensteigen ist zu Ende. Dafür locken die. Brombeeren am Waldrand, die reifen Haselnüsse wollen gepflückt sein. Gaben uns die Obstbäume in diesem Jahr nur wenig Früchte, die hellen Knabenaugen sehen doch noch hier und da einzelne hängen. Und wie gut schmecken diese gestoppelten Slepfe'l! Noch vollbrachtem Werk, nach dem Spiel, liegen sie da, die Mädchen und Buben, am Waldessaum, auf dem weichen Moospolster und schauen hinauf noch dem tiefblauen Himmel. Sie fühlen unbewußt, daß es die letzten schönen Tage sind. Aber unbekümmert und unbeschwert über Abschied und Sommers Ende genießen sie voll und ganz die Licht burdj- flossenen Stunden. Drüben im Feld pflügt ein Bauersmann. Er legt in die Furchen den neuen Samen für dos kommende Jahr, voll Hoffnung und Freudigk'.it. Genau so sind unsere Kinder: Sie sinnen und trauern nicht müßig über Vergangenes: sie nehmen die Zeit, wie sie kommt, sie handeln. Das trockene Kartoffelstroh wird zusommengetragen, bald leuchtet ein Feuer auf. Schwer legt sich der weiße Rauch auf die Erde, vermischt sich am Abend mit den aufsteigenden Herbstnebeln, während die Feuerchen langsam verglühen. Die Kinder aber ziehen singend leuchtende Laubespracht aus dem Walde in den Händen, nach Hause. Auch der Landmann macht Feierabend. Sein Tagewerk ist vollbracht. Er senkte die goldene Frucht in die Erde. Und sie wird, trotz WinterSeuer in der Marburger Straße. Heute, Samstagmorgen, brach im Anwesen des Gutspächters Faber (früher Gottmann) in der Marburger Straße 65 Feuer aus. Ein Knecht glaubte gegen VslO Hhr im Stallgebäude ein Zischen bemerkt zu haben. Er ging der Ursache nach und bemerkte Flammen, die sich mit großer Geschwindigkeit ausbreiteten. Gleich darauf wurde die Feuerwehr alarmiert. Das Vieh, das sich im Stalle befand, wurde in Sicherheit gebracht. Auch einige landwirtschaftliche Geräte konnten geborgen werden. Die großen Stroh- und Heuvorräte auf dem Stallboden wurden sofort vom Feuer erfaßt, das im Ru hell aufloderte und den Dachboden angriff. Es dauerte nicht allzulange, da ragten bereits die brennenden Balken ins Freie. Die Feuerwehr, die wenige Minuten nach der Alarmierung an der Brandstelle erschien, ging dem Feuer mit viel Wasser zu Leibe, ohne indessen verhindern zu können, daß der Dach st uhl von den Flammen völlig vernichtet wurde. Die Feuerwehr drang auch in das Innere des Gebäudes vor und versuchte, der brennenden Strohmassen Herr zu werden. Der beizende Rauch erschwerte die Arbeit allerdings sehr. Als ein glücklicher Umstand ist es §u bezeichnen, daß das Stallgebäude völlig getrennt von den anderen Wirtschaftsgebäuden liegt, eine weitere Gefahr also nicht bestand. Aus diesem Grunde konnte man auch auf eine Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr verzichten. Da die Strohmassen immer wieder aufflammten, war an die Erhaltung irgendSeit gestern erscheint als Winterausgabe der T aschen-Fahrplan des Gießener Anzeigers mit sämtlichen Eisenbahnverbindungen Oberhessens und der benachbarten preußischen Bezirke,sowie mit dem zuständigen Post-und Privat-Kraftwagenverkehr als kostenlose Sondergabe stürme und Kälte, einst im Frühjahr grün und frisch aus dem Boden hcrvorsprießen. Das ist unser Zukunftsglaube, der auch diese besonnten Herbsttage vergoldet und uns den Abschied vorn Sommer leicht macht. G. U. Verlegung der Siadipost in Sicht. Die Postverwaltung hat, um für die Stadt- Post günstigere RaumverhÄltnisse zu schaffen, die Räume des bisherigen Cafe Ern st Ludwig an der Ecke Reuenbäue und Reuenweg gemietet. Cs müssen dort zunächst gewisse LImbauarbeiten für die Zwecke der Post vorgenommen werden, übet deren zeitlichen Beginn zur Zeit noch nichts bestimmt ist. Das MietverHältnis der Post mit dem Besitzer des gegenwärtigen Stadtpostgebäudes in der Schulstraße laust noch bis zum 1. Oktober 1931. Es wird damit zu rechnen sein, daß voraussichtlich im Spätsommer des nächsten Iah- rcs die Verlegung der Stadtpost nach dem neuen Heim durchgeführt wird. Krastpostlinien Krofdorf und Wißmar. Der ab 5. Oktober geltende Winterfahrplon für die Kraftpostlinien steht nunmehr endgültig fest. Gegen den bisherigen Fahrplan treten auf der Linie Gießen—Krofdorf folgende Änderungen «in: Richtung G ie ße n — Krofdorf: Der Wagen täglich ab Gießen 8.25 Uhr fährt über Launsdach—Wißmar und trifft in Krofdorf erst um 9.00 Uhr ein. (Bisher 8.45 Uhr.) Eine Fahrpreiserhöhung tritt dadurch nicht ein. Die Fahrten ab Gießen werktags 12.25, Sonntags 12.35 sind in den täglich fahrenden Wagen 12.30 ab Gießen, 12.50 Uhr an Krofdorf zusammengelegt worden. Richtung Krofdorf-Gießen: Diese Fahrt wird jetzt m 17 Minuten zurückgelegt, so daß die Wagen dieser Richtung jetzt 3 Minuten früher in Gießen eintreffen. Der bisher täglich um 9.00 in Krofdorf abgehende Wagen fährt jetzt 9.05, der um 13.05 bisher, jetzt 12.55 Uhr. Mittags hat man dadurch Anschluß an den auf der Eisenbahnlinie Lollar—Wetzlar um 13.02 auf Haltestelle Krofdorf- Gleiberg nach Wetzlar abgehenden Zug. Werktags morgens kann man auch ab 6.50 Krofdorf mit dem über Wißmar und Launsbach nach Gießen gehenden Wagen, Gießen an 7.25 Uhr fahren, desgleichen Sonntags mittags ab Krofdorf 11.50 über Wißmar und Launsbach, Ankunft Gießen 12.25 Uhr. Die Linie Gießen—Launsbach—Wißmar hat nunmehr folgende Fahtten: Richtung von Gießen: Werktags Gießen ab 6.20 über Krofdorf (umsteigen), an Wißmar 7.00, an Launsbach 7.10 Uhr: der Wagen fährt weiter nach Gießen. Täglich ab 8.25 Gießen, an Launsbach 8.41, an Wißmar 8.51: der Wagen fährt weiter nach Krofdorf. Werktags ab Gießen 12.30, an Launsbach 12.46, an Wißmar 12.56. Täglich ab Gießen 17.35, an Launsbach 17.51, an Wißmar 18.01 Uhr: der Wagen fährt weiter nach Krofdorf. Richtung nach Gießen: Werktags mit dem 6.50 von Krofdorf kommenden Wagen ab Wißmar 7.00, ab Launsbach 7.10, Ankunft Gießen 7.25 Uhr. Täglich 8,-y Launs- bad), 8.51 ab Wißmar mit dem Wagen nach Krof- dsu'f (umsteigen), 9.05 nach Gießen. Sonntags 12.00 ab Wißmar, 12.10 ab Launsbach mit dem von Krof- darf kommenden, daselbst 11.50 abfahrenden Wagen, an Gießen 12.25 Uhr. Werktags 13.00 ab Wißmar, niO ab Launsbach, an Gießen 13.25 Uhr. Täglich ab Launsbach 17.51, ab Wißmar 18.01 mit dein Wagen nach Krofdorf, dort umfteigen, 18.25 Uhr nach Gießen. Für die mit dem Umfteigen über Krof- borf verbundenen Fahrten gilt derselbe Fahrpreis, ?l€ b,rctkn Fahrten Wißmar, Launsbach nach Gießen. „®er. und Absahrtsort in Gießen ist jeweils der Bahnhof. eines Teiles des Gebäudes nicht zu denken. Der Sachschaden ist nicht unbedeutend, zum großen Teil jedoch durch Versicherung gedeckt. Die Feuerwehr befand sich bei Redaktionsschluh noch in boller Tätigkeit. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 170, Kochbutter von 130 an, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Bohnen 15 bis 20, Sinter-Kohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 31/» bis 4 (der Zentner 2,80 bis 3 Mk.), Falläpfel 8 bis 10, Aepfel 20 bis 35, Dirnen 15 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Preißelbeeren 45 bis 50, ZWetschen 20 bis 25, Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110, Rüsse 40 bis 60 Pf. das Pfund: Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 14, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 10 bis 30, Endivien 10 bis 15, Ober- Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stuck; Radieschen Bd. 10 bis 15 Pf. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Gesangverein „Heiterkeit": Abendunterhaltung und Ball, 20 Uhr, in der Turnhalle. — Artilleristen- Verein: Versammlung, 20.30 Uhr, im „Hessischen Hof". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon als Modekönige." — Astoria-Lichtfpiele: „Die Jagd nach der Million". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Weekend im Paradies", 18 bis 20.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon als Modekönige". — Astoria-Lichtfpiele: „Die Jagd nach der Million". — Das Stadttheater Gießen bringt, wie man uns schreibt, morgen als erste Fremdenvorstellung der diesjährigen Winterspielzeit zum letztenmal den erfolgreichen und heiteren Schwank „Weekend im Paradies" von Arnold und Vach. Das Stück wurde im vorigen Winter mit großem Beifall ausgenommen. „Weekend im Paradies" behandelt bte Geschichte eines Wochenendhotels. In Berlin hat das Stück mehr als 300, in Wien mehr als 100 Aufführungen erlebt. Die Hauptrolle des Rcgierungsrates Dittchen spielt Heinrich Hub, der auch die Spielleitung hat. Die Rolle der Tutti spielt Fräulein Leutholf, die sich mit dieser Rolle erstmalig dem Gießener Publikum vorstellen wird. Die übrigen Mitwir- den sind die Damen: Doering, Iahn, Koch, Jüngling, Wielander: die Herren: Bruck, Fassott, Hauer, Linkmann, Vieren, Ritter, Schelcher, Volck, Wahlen, Wesener, Zingel. Die Vorstellung beginnt um 18 Llhr und endet um 20.15 Uhr. — 21m Dienstag erstmalige Wiederholung des mit großem Beifall aufgenommenen Schauspiels von Zuckmayer: „Schinderhannes". Leitung: der Intendant. — „Die Prinzessin und der Eintänzer", Lustspiel in fünf Bildern von Engel und Grünwald, gelangt am Mittwoch zum erstenmal zur Aufführung. — Restroh kommt am Freitag zu Wort mit einer Posse mit Gesang und Musik: „Einen Iux will er sich machen". — Am kommenden Sonntag, 12. Oktober, Gastspiel des Deutschen Künstlertheaters mit Leopold ine Konstantin. Zur Aufführung kommt Maughams Komödie „Wasserscheu". — Märchenspiel. Man schreibt uns: Morgen, Sonntag, 16 Uhr wird im Katholischen Vereinshaus ein Märchenspiel aufgeführt: „DaS tapfere Schneiderlein". Damit alle Kinder kommen können, kostet der Eintritt nur 20 Pf. Man beachte die gestrige Airzeige. * ** Der Straßendurchbruch an der D a rn m st r a ß e ist gegenwärtig wieder rege im Gange. Zur Zeit wird das Haus hinter dem früheren Laden des Metzgermeisters Hofmann niedergelegt, anschließend wird dann wohl auch bald mit der Existenz der übrigen in dem Abbruchsbereich stehenden Gebäud: Schluß gemacht werden. Das Straßenbild wird nach der Beseitigung dieses Engpasses zweifellos stark gewinnen. ** Straßensperrung, mitgeteilt vorn Oberhessischen Automobil-Club EV. (A.v.D.), Gießen: Die Straße Kirchhain — Hersfeld wird ab Chausseehaus bis zur Kreisgrenze Marburg—Kirchhain bis auf weiteres gesperrt. Die Umleitung nach Kirchhain erfolgt für den Verkehr aus Richtung Frankfurt über Marburg—Schützenpfuhlbrücke— Kleinseelheim—Kirchhain und umgekehrt: für den Verkehr aus Richtung Frankenberg und Biedenkopf über Chausseehaus—Bürgeln—Ginseldorf—Sauer- boch—Kleinseelheim—Kirchhain und umgekehrt. Die städtische Kunstsammlung im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist morgen, Sonntag, von 11 bis 13 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. -z- ** D ie Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zu kleinen Preisen geöffnet. **ZahlreicheSonder?üae verkehrten aus Anlaß des Stahlhelmtages am Rhein in unserem Bahnhof. Bisher wurden 15 Züge abgefertigt. Im Laufe des Heuthen Tages sind noch zwei Transports zu erwarten. Die Züge kamen mit Ausnahme eines Zuges, der über Siegen von Oldenburg kam, durchweg aus der Richtung Kassel. Der Rücktransport der Stahlhelmer wird bereits morgen, Sonntag, gegen Abend einsetzen und erst während der Nacht vom 7. zum 8. Oktober abgeschlossen werden können. ** AkademischeKurse für Kaufleute und Gewerbetreibende veranstaltet die hiesige Industrie- und Handelskammer in Gemeinschaft mit der Gießener Hochschulgesellschaft auch in diesem Jahre wieder. Der Arbeitsplan umfaßt einen volkswirtschaftlichen und einen rechtswissenschaftlichen Kursus. Außerdem ist ein Einzelvortrag von U nivers i tä tsprofess or Dr. Götze über „Das deutsche Märchen" vorgesehen. Interessenten seien auf die heutige Anzeige besonders hingewiesen. ** Eine Bekanntmachung über die Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung befindet sich im Anzeigenteil unserer heutigen Ausgabe. Interessenten seien besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Gendarm eriepersonalie. Mit Wirkung ab 1. Oktober wurde der Gendarmeriemeister Peter Steinmann zu Alsfeld zum Gendarmeriekommissar ernannt. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Odenhausen, 4. Oft. Am Sonntag, 5. Oktober, feiert Herr P. Peter III. von hier sein 25. Iubiläum als Polizeidiener. Der Iubilar steht im 72. Lebensjahr und ist als pflichttreuer Beamter allgemein bekannt und geachtet. — Gegenwärtig wird für die neuerbauten Häuser an der Bahnhofstraße die Wasserleitung gelegt. Für die Durchführung der Erdarbeiten wurden Arbeitslose herangezogen. Da vor einiger Zeit auch elektrische Lichtleitungen installiert wurden, sind die Wünsche der Anwohner nun erfüllt. Kreis Friedberg. 2$ Bad-Rauheim, 4. Oft. Bei Crdar- beiten in der Gabelsberger Sttaße stieß man heute wieder auf einen wertvollen Fund aus der jüngeren Eifenzeit. Man fand wohlerhalten eine größere Schüssel aus schwarzem Ton, Lanzenspihen und Messer. Der Fundort gehört dem bekannten Fundgebiet „Am Sichler" an, wo Professor Helmke (Gießen) schon vor Jahren eine größere keltisch-germanische Siedlung nachgewiesen hat. MSR. Vilbel, 2. Oft. Die gestrige stark besuchte Gemeinderatssihung hatte sich mit der Klärung der Frage zu beschäftigen, was lebenswichtiger ist, eine Realschule oder die O m - nibusverbindungmit Frankfurt. Beides, Realschule und Omnibus, sind nämlich Zuschußbetriebe, nur kostet die Schule die Stadt etwa 14 000 Mark, während der Omnibusbetrieb sich mit etwa 6000 Mark begnügt. In der Ver- samrnlung prallten die Gegensätze scharf aufeinander. Die sozialdemokratische Mehrheit des Gemeinderats geht angesichts der drohenden Erhöhung der kommunalen Aufwendungen ernsthaft mit dem Gedanken um, die Realschule aufzulösen. Die vier Volksschulen müßten vorerst genügen, umsomehr, als unter den rund 100 Schülern der Realschule mehr als ein Drittel Auswärtige feien. Rach längerer Debatte wurde die Frage der Weiterexistenz der Realschule zurückgestellt. Kreis Schotten. § II l r i ch st e i n, 3. Oft. Für den von hier scheidenden Oberamtsrichter Bachmann und seine Familie fand im Saale der Gastwirtschaft Gustav Groh eine gut besuchte Abschieds- feier statt, die vom Zweigverein des Vogelsberger Höhen-Clubs veranstaltet wurde. In Ansprachen von Tierarzt Meiski und Dr. med. Bruchhäuser wurden die Verdienste des Scheidenden eingehend gewürdigt, die dieser sich durch seine rege Mitarbeit um den Zweig-, wig um den Gesamtverein des V. H. C. — er gehört als juristischer Beirat dem Gesamtvorstand an — erworben hat. Bürgermeister Appel überreichte auf Beschluß des Gemeinderats, der in seiner Mehrheit ebenfalls der Feier beiwohnte, eine künstlerisch ausgeführte Hindenburgbüste als Erinnerungsgabe der Gemeinde, wie auch Tierarzt Meiski eine Gabe des V.H. C. überreicht hatte. In warmen, herzlichen Worten hob er hierbei hervor, wie Oberamtsrichter Bachmann in den fast elf Jahren seines Hierseins eng mit der Bevölkerung seines Bezirks, vor, allem mit der Ulrichsteins verwachsen sei und ihre Interessen stets nachdrücklich vertreten habe, so daß ihn und seine Familie die besten Wünsche der gesamten Bevölkerung in seinen neuen Wirkungskreis, nach Gießen, begleiten. Rach altem Herkommen verabschiedete sich der Scheidende noch besonders von den Standesbeamten und Orts- gerichtsvorstehern des Gerichtsbezirks LIlrichstein, wobei ebenfalls in schöner Weise zum Ausdruck kam, wie sehr er sich in seiner langen Ulrichsteiner Amtszeit die Wertschätzung und das Der- trauen der Bevölkerung zu erringen gewußt hat« Sprechstunden der Stedattion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. m" » X & K ?uder eg ?‘rQ6enbiib ,,cs äweikl. u°^Vber. u ®le6en: :*K 5'“«l in T-. 'st mor. '«'em ffjn, Reifung ffr, ^«tn 1 Storntt aus L? «n,fr,ln dferl'gt. 3m Transporte sn°fat eines J kam. durch, iransport btr ÄWn vom I können. «Mltute Maltet die ®« in ft. -«kbrntspim und einen -rdm ist ein vfessor Dr. ^vorgesehen.' Anzeige be- über Hix Arbeite iich im In- r. Interessen- fam gemacht. >c. Mi Dir- itmeriemeifter zum ®cnbat« mittag, 5. Df. von hier sein Jubilar sicht Weiter Beet. - ©egen- Käufer an der ung gelegt fiten ünirkn einiger Zeit aUiett timt- t nun erfüllt. Bei Urbar- je stich man llen Fund it. Man sand mä schwarzem Der Fundort .Am Sichlet' m) schon vor anische Sied- rigc stark be- sich mit der maß lebcni' k t die Om- ksurt. Cßei- nämlich 3u- [c die Stadt mnibusbetrieb In dec Mr- schars unfein- .rheit des Sc- übenden Sc- ngcn ernsthatt ule aufzulosen, reift genügen, । Schülern «r zwurtige fc>cn. ie Frage der ckgestellt. den von hier hmann unÄ Kostwirtschofr des rde. 3n 2ln- nd Dr. med. ibienfte des ne dieser stch Zweig', w« - er geho" jrftanb an-- el überrechte W ta l"nef UtoW* Sw* °LZz. w« en l*1, c, so * 5* est^ " itt- nn&flluü enFMim Ausdruck lange" ° Ä Hittion- » i«eM au1 2 5 7 4 33 6794V termin 8. Jlooember 1930. 3 34 Stricklumpen. 06'15 7 3 2 6 Bitte Schaufenster beachten! 6797 A 6717 D 1 Zimmer-GaSoien. 10 5 2 4 43 1 8 1 5 2 3 1 2 7 2 1 1 8 b) 9% TD Ci 39 ' Gießen, den 1. Oktober 1930. Der Oberbürgermeister: 1.23.: Dr. Rose n berg. , Uhr, Zusammenkunft Ecke Kaiserallee-Alter Rödger ;q; Triebviertel, Flur XVIII, zwischen Wohnbaracken und Mittelweg: Grundstücke, Flur XX, vor und hinter der Wirtschaft „Zum Philosophenwold": Triebviertel, Flur XX, zwischen Philosophenmold und Oberloch. Uhr (2 Uhr nachmittags), Zusammenkunft am Eichamt Keßlerschen Scheuer: . V( . Aecker, Flur XXII, in der Nähe des Neuen Friedhofs. Schriftliche 'Angebote mit Aufschrift „Kunstdünger" sind bis 13. Oktober, vormittags 9 Uhr, bei uns einzureichen. Gießen (Wilhelmstr. 56), 2. Oktober 1930. Hessisches Forstomt Gießen. Familien-Drucksachen Verlobung san zeigen _ — Vermählungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße Geburtsanzeigen Meine Kurse nach bestbewährtem System beginnen wieder am 6. Oktober Eintritt kann jederzeit erfolgen. 0612 6 Bekanntmachung betreffend die Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Aus Grund von Beschlüssen der Reichs- regierung beträgt der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung für das Reichsgebiet ein- heitlich 6,5 v. H. des maßgebenden Arbeit», entgelte. 6775V Die Beitragserhöhung tritt am Montag, dem 6. Oktober 1930, in Kraft und gilt bis Lang &W iederstein Fachgeschäft in Glas und Porzellan / Mäusburg 14 am Aulweg. b) 11 Uhr, Zusammenkunft bei der Maraaretenhütte: 16 Grabstücke. Flur VIII bei der Margaretenhütte und hinter der Wirtschaft Sänger: 3 Aecker, Flur VIII und XL, neben der Wirtschaft Sänger und hinter der Kläranlage. ^Sperrholz tn Eiche, Gaboon u. Kieler Ä-25rnm ■ i ä “ 'Bretter und Dielen aller Stärken, Ü“2* ichwediiche und bäuerische Hobel- «L -- breiter, Spalterlatten, E.chen- u. Z a «2 buchen-Schnlttwaren liefern in allen Stärken l11TD slisWö Dörr & Go., ®ießen ■ S£o Tclevbon 3949. Letten in allen Stärken prompt Heterber Gmndstücks-Vetpachtung der Stadt Gießen. Montag, den 6. Oktober, und Dienstag, den 7. Oktober 1930, sollen die leihfällig gewordenen Grundstücke der »tobt Gießen öffentlich meistbietend an Ort und Stelle auf wettere sechs Jahre verpachtet werden, und Zwar: 67O8L Montag, den ö. Oktober 1930: a) 8% Uhr, Zusammenkunft am Schifsenberger weg, am Bohn- Grabstücke, Flur XXXVIII, auf der Hohleich, hinter dem Schlachthof: Aecker, Flur XXXVIII, daselbst: Aecker' Flur XXXV, auf der Hardt, über der Kropbach: Wiesen, Flur XXIX, am Alten Krosdorfer Weg: Acker, Flur XXIX. daselbst: n , Aecker, Flur XXIX, zwischen Lahn und Altem Krof- c) 14 Uhr (2 Uhr nachmittags). Zusammenkunft an der (Babelsberger Strafte, Ecke Hommstroße: 1 Garten, Flur XXXVIII, an der Gabelsbergerstraße; Garten Flur XXXVIII, hinter dem Elektrizitätswerke: Grabstucke, Flur XXXVIII, hinter dem Elektrizitätswerke: Garten, Flur XXXVIII, am Hohleichweg beim Schlacht- Private Zuschoeide-Faclischule Kietzen Seltersweg 73 staatlich genehmigt Inhaberin Minna Wehrum I. Schäfer, Auktionator, Bad-Naubcim Kaiieriu-Etilabetb-Plaij 2. Ferulvr. 2714. In VIdi iCbcrbeff.) maküves, gut erhalt. Anwesen mit freiet Wobnung. Scheune, Stallung und großer Weriüätie güm't. au vetkau en. 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Flur XIV, Ecke Schiffenberger Weg und Straße nach Steinberg; Grabftücke, Flur XII, am Erdkauterweg, bei der Heyligen- ftoedtschen Fabrik; Aecker, Flur XII, am Ohlebergsweg, hinter dem Sage- werk: Aecker Flur XII, am Wartwea; Grabftücke, Flur V und VII, bei der „Schönen Aussicht": Grabstücke, Flur VII, in der Nähe der „Schönen Aussicht", Fast neue, komplette StWiiMHiii au verkaufen. Bestehend auS etuer vollständigen Vabenetnrtcbtunfl l3 Meier lange sNarmortbeke mit Glasaufmtzi. 1 transportable Kühlanlage, 1 3-P8 SUlotor, lBliß. 1 Wolf, 1 Schlelfftetn, Antrtebsanlnge, sowie 1 weißen, enmill. Küchenherd und if weiteres. Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung richtet sich nach dem Grundlohn (Lohnstufen, Mits liederklassen, wirklicher Arbeitsverdienst), der nach der Satzung der Krankenkasse für die Beiträge zur Krankenversicherung maßgebend ist. Für die nicht mehr krankenoersicherungspflich- tigen Angestellten, die nach § 69 Nr. 2 und 3 AVADG arbeitslosversichcrungspflichtia sind sowie für freiwillig Versicherte (§ 68 AVALG) beträgt der Beitrag monatlich 19,50 RM. Für unentgeltlich beschäftigte Lehrlinge und für Lehrlinge deren Ar- beitsentgelt geringer als 6 RM. in der Woche und 25 RM. im Monat ist, beträgt der Arbeitslosenoersicherungsbeitrag rnin- beitens 6,5 v. H. dieser Beträge. Die Der- sicherungsfreiheit der Lehrlinge im Rah- men des Z 74 AVAVG. bleibt unberührt. Weitere Auskunft geben die Einzug- stellen (Krankenkassen). Gießen, den 3. Oktober 1930. Der Vorsitzende des Arbeitsamts. Dr. B u e s. b«I mincralftofiarmtm Sutter t Die phyfiolog. vollkommene gew. Sutterhalfc • Nohrsal^ • DUswung m.Brochmanns Zwerg-marKe l schlitzt sicher vor Kuochenertzronkunoen t Erstaunliche Erfolge bei Mast und «us- sucht! Gierige Seefier! Mehr Milch, Sleisch, Sett, Eier! Rur echt tu Original. 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September 1930 bei der Firma Süddeutsche Lack- und Farbenfabrik, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen, folgendes eingetragen: Der Sitz der Gesellschaft ist nach Hagen (Westfalen) verlegt. 6759V Gießen, den 29. September 1930. Hessisches Amtsgericht. Lieferung von künstlichem Dünger. Die Lieferung von 300 Zentner Thomasmehl (16°/uig) und 240 Zentner Kainit (12°/oig), frei Bahnstation Großen-Buseck, sowie von 30 Zentner Thomasmehl (16°/oig) und 20 Zentner Kainit (12°/oig), rei Station Mainzlar — sämtlich in Tute- Säcken —, wird öffentlich vergeben. Liefer- c) 14 , . in der Dammstrahe: r r 5 Grabftücke, Flur II, zwischen Dammstraße und Schillerstraße, entlang der Eisenbahn; " Grabftücke, Flur II, zwischen Schillerstraße und Weser- straßc, entlang der Eisenbahn; Garten, Flur II, an der Weserstraße; Grabftücke, Flur II, rechts der Ederstraße und bei der Bahnüberführung an der Ederstraße; Grabftücke. Flur XXVII, rechts am Wißmarer Weg, beim früheren Tonnenschuppen: Wiesen, Flur XXV und XXVI, daselbst, bei der früheren ^4^räbstücke, Flur IV, an der Gnauthstraße, ' Aecker, Flur XIII, Ecke Schiffenberger Weg und Erd- 5ullen»erfieiflerung des Landwirtschast4iammer-Ausschusses für Oberhessen am Donnerstag, den 9. Oktobor 1930, vormittags 11 Uhr in Lauterbach. Gemeldet sind Über 30 Fleckviehbullen. Gemeinden und Zuchtgenoffenfchasten ist hier beste Gelegenheit geboten, gute Zuchttiere zu erwerben. Gießen, den 26. September 1930. 66250 LandwirtschastSkammer'Ausschuß _______für Oberbeffen. Frankfurt am Main Plerde-Märkte 6.OkL,l. De*., S. Jan., 9. Febr., 16. März. Durch»chn Auftr. 700 Pferde all. Ra»»., auch Schiachtpferdei ör. Auswahl u. beste Gelegenh. f. Kauf od lausch. Ein Besuch dieser Mirkte ist zu empfehlen Der Handel Sonntage verbot ■G ■ KÜR' MARK CIGAPETTEN \ • cntyielzjcn ^eni» äie Aii^L)(J<£ruriyowctL^e gcorSrbetert niuf ul Lmxjc Eisern cjerirJJrtert labak, eieix etwa- noch, verbliebenert Premäkorpcr, ttacezkytuAcZ) , Preiswerte Mantelstoffe Hier einige Beispiele: TweedmnntelwtofF, 140 cm breit, modern. Geschmack, teils mit angewebtern Futter, 0 HK per Meter................Mk.7L0, 5.1», 4.25, u.Zu HantclmtofTe. englisch.Geschmack, 140 cm breit, mit angewebtem Futter, /IHK per Meter................Mk. 6.90, 5.20, 4.90, •f.Zu Ottomane, 140 cm breit, mit Wollfutter, 0 Qfi In schwarz und marine.....per Meter Mk. O.uU Außerdem alle anderen Mantel- und Kleiderstoffe In Riesen-Auswahl zu außergewöhnlich niedrigen Preisen Max Marx Siegmund Spier Hedwig Marx, geb. Simon Else Spier, geb. Marx Vermählte Gemünden Dollar Gemünden 2ez. Kassel Hessen Äez. Kassel Trauung: Adlers Kurhotel Äellevue, Sad'Nauheim 5. 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Vortragender: Herr Privatdozent Dr. Bötticher. Vorlesungstage: 12., 19. und 26. Februar. III. Einzelvortrag Thema: Das deutsche Märchen. Vortragender: Herr Universitätsprofessor Dr. Götze. Vorlesungstag: 5. März. Sämtliche Vorträge finden im Großen Hörsaal des Vorlesungsgebäudes der Universität in der Zeit von B/4 bis 10 Uhr abends mit ^stündiger Pause statt. Die Vorlesungsgebühr für alle Vorträge beträgt 6,— RM., für den volkswirtschaftlichen Kursus 4,— RM., für den rechtswissenschaftlichen Kursus 2,- RM. und für den Vortrag „Das deutsche Märchen“ 1,— RM. Teilnehmerkarten sind erhältlich auf dem Sekretariat der Handelskammer, bei der Commerz- und Privat-Bank, Darmstädter und Nationalbank, Deutschen Bank und Discontogesellschaft, Handels- und Gewerbe-Bank sowie am Eingang zum Hörsaal. Die Teilnahme an den akademischen Kursen ist nicht auf selbständige und angestellte Kaufleute und Gewerbetreibende beschränkt, sondern jedermann wird hierzu freundlichst cingcladen. Im Auftrage: Industrie- und Gießener HandelskammerGießen Hochschulgesellschaft gez. §chirmer, Kommerzienrat. gez. Graef, Provinzialdirektor. Eine Amerikareise 3322V Ist mehr als ein Vergnügen . . . . ... sie ist eine Lebensbereicherung. Unvergeßliche, unvergleichliche Eindrücke nehmen Sie mit sich. Eine vierwöchige Gesellschaftsreise mit einem der weltbekannten Dampfer der WHITE STAR-LINIE kostet ab Frankfurt und dahin zurück nur 1033.- Mark. Ruhige Fahrt. Größte Bequemlichkeit. Vorzügliche Verpflegung. Viele Sehenswürdigkeiten. Lei chte Verständigungsmöglichkeit. Verlangen Sie Prospekte durch Gebr. Jullmann, Gießen Bahnhofstraße 66,Telephon 3642 Vermählungs- Anzeigen liefertdio BrUhl’sche Druckerei Wo gehen wir am (Sonntag, dem 5. Oktober hin? ZumOkloberfestaufdie Mittelstmühle b. Trohe Tanzmusik, auSaesübrt vom Blasorchester der Kapelle Mauk, Wieselt. AutobuSoerkehr ab 8.45 Uhr, Walltorstr. Um zahlreichen Besuch bittet A. Hirstein. Waldrestaurant 11. 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Oktober 1930 6755 D Gemütlich li leMoil HL und geschmackvoll zugleich Es gebt nichts über ein behagliches Heim. Bel den gewährten Zahlungserleichterungen ist es ein leichtes, sich geschmackvoll einzurichten und Möbel in den neuen, modernen Formen anzuschaficn. — Bitte besichtigen Sie meine Ausstellungsräume. Sie werden erstaunt sein über die niedrigen Preise. 6784A Ernst Rau, Gießen, Walltorstr.37 das führende Haus für komplette Wohnungs-Einrichtungen und Einzelmöbel. Ausstellungsräume; Kreuzplatzl und Asterweg 16a Nr. 232 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 4. Oktober (950 Die Dynastie der Eisenbahnkönige. Multimillionär William K. Danderbilt in Berlin. - Wie das Zamilienv rmögen von mehreren Milliarden Mark entstanden ist. - Bettelbriefe, die ihn nicht erreichen Don Fred (£. Dillinger. wältigen, und DanderbiltS 'Arbeitskraft würde Siner der reichsten Männer der Welt, William St Danderbilt, hält sich zur • Zeit vorübergehend in Deutschland auf. 3m engen Kreis der amerikanischen Finanz- aristokratie spielen die Danderbilts n.cht nur durch die Macht ihrer Millionen, sondern auch durch die Zahl ihrer Familienmitglieder eine besondere Rolle. Man must schon sehr gut in diesem Milieu Bescheid wissen, um alle Bander- bilts zu kennen, die Geschiedenen und die Wieder- verheirateten, die Männer und Frauen, die mit der englischen Hocharistokratie, mit dem feudalen Adel des europäischen Kontinents und mit den amerikanischen Finanzmagnaten verschwägert sind und ihr Leben abwechselnd auf Schlössern in Kalifornien und auf Florida, auf Luxusjachten, auf Weltreisen und in den exklusiven Zirkeln der fünften Avenue oder der Park-Avenue in Neu- york verbringen. Sie alle sind die Nachkommen eines rohen und ungebildeten Fährmannes, der am Ansang des vorigen Jahrhunderts Gepäck und Passagiere in einem Boot zwi ch:n Staten Island und Neuyork hin und her beförderte. Der erste Danderbilt, der es zum hundertfachen Dollarmillionär gebracht hatte, wurde im Jahre 1794 geboren und übernahm den Beruf eines Fährmannes von seinem Bater. Heute herrschen seine Nachkommen in der vierten und fünften Generation über zahlreiche Eisenbahnen, Strahen- bahncn, Elektrizitätswerke, Kohlengruben und an- dere Bergwerke, Speditionsgesellschaften. Industrieanlagen aller Art und Kabellinien von ungeheuerem Wert! sie besitzen darüber hinaus Grundbesitz, sie haben einen Teil ihres 'Der- mögens in staatlichen und städtischen Schuldverschreibungen angelegt. Wenn man das Familienvermögen der BanderbUts vor etwa zwei Jahr» zehnten sicherlich zu niedrig mit 700 Millionen Dollar angegeben hat, so muh man jetzt, bei der Wektsteigerung dieses Besitzes und bei der beträchtlichen Ausdehnung der Unternehmungen, auf weit über eine Milliarde Dollar oder nahezu viereinhalb Milliarden Mark veranschlagen. Dieses ungeheure Bermögen ist im Laufe eines Jahrhunderts entstanden — aus dein Nichts, wenn man von der Vermögenslage des schon erwähnten Fährmannes Cornelius Dan- verbild ausgeht, oder aus dem. Zusammenbruch anderer Eisenbahnherrscher, aus rücksichtsloser Ausbeutung und aus merkwürd>en Verträgen mit öffentlichen Körperschaften, wenn man dagegen den Weg jedes einzelnen Hundertdollar-' scheincs zurückverfolgen kannte, bis er auf 03 an» derbilts Bankkonto gelandet ist. William Kisscun Banderbilt, der augenblicklich in Deutschland weilt, ist ein Urenkel jenes Fährmannes Cornelius Banderbilt, der von holländischen Einwanderern abftammte. Fälschlich ist behauptet worden, daß William K. Banderbilt sich augenblicklich auf einer Hochzeitsreise befindet! dieser Irrtum ist wohl darauf zurückzuführen, dast die Frau des 52jährigen Mannes noch sehr jugendlich aussieht. Aber Rosamunde Lancaster W a r b u r t o n , wie sie vor ihrer Heirat hieß, konnte sich schon vor nahezu drei Jahren Mrs. Banderbilt nennen. Die Hochzeit fand damals in Paris statt, und zwar drei Monate nach Danderbilts Scheidung ton seiner ersten Frau. Lind aus bestimmten Gründen kann man sogar etwas über die richtige Hochzeitsreise sagen. Nach der Trauung begab sich das Paar an Bord der Luxusjacht Ara, die dann auf Ozeanfahrten in stürmisches Wetter geriet. So könnte plötzlich in Neuyork das Gerücht auf treten, das Brautpaar sei in einem Sturm um^ekommen, denn das Schiff war ein paar Tage überfällig. Dieselbe Luxusjacht hat jetzt mieder William K. Banderbilt nach Europa geführt. Das Schiff war während des Krieges ein französisches Patrouillenboot und wurde von dem Eisenbahnkönig für über zwei Millionen Mark gekauft. Mindestens dieselbe Summe ist für den Umbau angelegt worden. In dem prächtigen Speisesaal befindet sich em balancierender Tisch, der selbst bei stärk- Item Sturm seine horizontale La^e beibehält. Der Tisch und alle Möbel in den Gesellschafts» räumen und den Schlafzimmern sind aus Mahagoni. Der Speisesaal ist für 15 Gäste eingerichtet. An der Wand hängen Seeftücke _ von ersten Meistern, alle Beschläge an den Möbeln sind aus künstlich mattiertem Silber. Die Bücher in der Bibliothek sind charakteristisch für den Inhaber des Fahrzeuges! sie latten erkennen, dast sich Banderbilt viel mit Jagd und Fischerei beschäftigt und daß ihn als einzige Wissenschaft wohl die Nautik interessiert, während ihm Philosophie und überhaupt schwere wisfenfchaft- liche Werke fein Vergnügen bereiten. Auch Romane sind spärlich vertreten: dafür findet man in der Schiffsbibliothek eine Reihe vollswirt- schaftlicher Bücher. Die Luxusjacht verfügt über sechs Schlafzimmer für Gäste, und natürlich gehört zu jedem dieser Räume ein Badezimmer. Danderbilts eigenes Badezimmer ist ganz aus Marmor und besitzt Leitungen für warmes und für kaltes Meerwasser. Besonders sorgfältig ist die Radioanlage ausgestaltet, die an Kraft die besten Einrichtungen auf den größten Ozeandampfern übertreffen soll. Auf einem solchen Schiff läßt es sich schon aushalten, und Dander- bilt hat mit diesem Fahrzeug schon viele herrliche Reisen unternommen. Der Name Banderbilt hat für die Menschheit einen magischen Klang bekommen, und man beschäftigt sich mit dem Leben dieser Multimillionäre ausführlicher, als dies vielleicht durch die Eigenart dieser Persönlichkeiten gerechtfertigt wird. Was weih man über William K. Bänder» bilt? Nun, er ist ein recht tüchtiger Sportsmann, ein guter Segler, ein Mann, der im rasenden Autorennen das Steuer sicher in der Hand hält, und ein Pionier der Luftfahrt, der schon vor vielen Jahren als Pilot ein Flugzeug gesteuert hat. Er ist mehr Sportsmann als Kaufmann; wenn man erst so reich ist, findet man tüchtige Kaufleute genug, die die Last der Geschäfte gegen ein entsprechendes Entgelt auf ihre an härtere Arbeit gewohnten Schultern laden. Ein einzelner Mensch könnte ja sowieso die Flut der geschäftlichen Dorschläge, finanziellen Dispositionen und wirtschaftlichen Anordnungen nicht be- nicht einmal ausreichen, wenn er nur alle an ihn gerichteten Bett elbrief e selbst beantworten wollte. Die Berliner Post kann die Auslieferung dieser Briese im Augenblick keinem Briefträger mehr anvertrauen, sondern muh in kurzen Abständen vor dem Hotel des Eisenbahnkönigs vorfahren und im Wagen die Gesuche um älnterstühung, um Einrichtung kleiner Geschäfte, um Gewährung von Mitgiften und ähnliche Bitten um Almosen heranschleppen. Diese Briefe bekommt Danderbilt selbst niemals zu Gesicht. Sie werden geöffnet, denn es könnte zufällig unter ihnen einmal eine wichtige Nachricht fein. Aber wenn die Sekretäre die ersten Zeilen gelesen haben, so werfen sie die Bettelbriefe fort. So leicht ist von einem Danderbilt nichts zü bekommen! Man fagt ihm nach, dah er vor ein paar Jahren in einem kalifornischen Hotel überaus sparsam mit dem Trinkgeld gewesen sei. Zwei Wochen wartete das Stubenmädchen; schliehlich wagte sie einen Vorstoß. Sie sprach ihn auf der Treppe an und sagte: „Verzeihen Sie, Herr Banderbilt, aber heute Nacht habe ich von Ihnen geträumt.“ — „Was denn?" fragte der Millionär. — „Sie haben mir im Traum zehn Dollar geschenkt." — Danderbilt schüttelte bedächtig den Kopf und Das Sanierungsprogramm der Reichsregierung wird nicht nur dem Reiche und den Ländern, sondern auch den Kommunen eine Fülle neuer und außerordentlich wichtiger Probleme bringen. Es fei beispielsweise nur an die Frage der Realsteuern, die Neuregelung der Wohnungswirtschaft, die Dereinfachung des Steuerwesens und an die Minderung der Der- waltungskosten erinnert, um darzutun, welche wichtige Kommunalarbeit für eine Reihe von Jahren als nächst erfüllbare Aufgabe vor uns steht. Dazu werden zweifellos im Derlaufe der kommenden Jahre noch weitere Probleme hinzutreten, die sich aus der finanziellen Sanierungsarbeit und aus der wirtschaftlichen Liquidation des letzten Jahrzehnts auch für die Kommunen ergeben werden. Diese bedeutsamen Aufgaben werden auch die Stadtverwaltung und den Stadtrat unseres Gemeinwesens vor schwerwiegendste Entscheidungen stellen, sie werden aber auch zweifellos weite Kreise der an der Gestaltung der kommunalen Geschicke interessierten Bürgerschaft lebhaft beschäftigen und dadurch ein Anwachsen des kommunalpolitischen Interesses Hervorrufen, das man vom Standpunkt der geistigen Mitarbeit aller Bürger an den Aufgaben der Allgemeinheit nur begrüßen kann. Bei dieser Sachlage ergibt sich die naheliegende Frage, ob unsere Bürgerschaft eine Organisation besitzt, in deren Rahmen man die unter parteipolitisch neutralen Gesichtspunkten zu leistende Mitarbeit der Bürger einordnen kann. Diese Frage stellen, heißt sie zugleich verneinen. Bisher haben sich die Ortsvereine der verschiedenen politischen Parteien in der Regel nur bei besonderer Gelegenheit, namentlich bei der Ausstellung von Kandidatenlisten für die Stadtratswahlen, eingehender mit kommunal- politischen Fragen beschäftigt. Im großen und ganzen hielt man es so, daß die im Stadtparlament sitzenden Vertreter der politischen Parteien unter eigener Verantwortlichkeit nach bestem Wissen und Gewissen zu den kommunalen Dingen Stellung nahmen. Neuen den parteipolitisch organisierten Kräften hat lediglich der Derkehrs- verein mehrmals gelegentlich seiner Jahreshauptversammlungen kommunalpolitische Themata erörtert, man wird aber zugeben müssen, dah die Beschäftigung mit kommunalvvlitischen Fragen im allgemeinen nicht zu dem eigentlichen Aufgabengebiet des Verkehrsvereins gehört, sondern nur in loser Fühlung mit seinem Arbeitsprogramm steht. Cs soll hier natürlich den politischen Parteien und ihren Organisationen in unserer Stadt in keiner Weise zunahegetreten werden, wir möchten vielmehr betonen, daß bei der Mitarbeit der Damen und Herren des Stadt- raies ernster Arbeitswille und die Bereitschaft zu ausbauender Stellungnahme gegenüber den mancherlei Fragen der kommunalen Geschäfte fest- • zustellen war. Aber die Dinge liegen doch so, daß bei kommunalpolitischen Dcreinsberatungen der Parteivertretungen die Angehörigen der anderen Parteien nicht zugegen waren, in den meisten Fällen aus naheliegenden Gründen ja auch nicht zugelassen wurden. Cs fehlte mithin an einer überparteilichen, allen Parteien gegenüber völlig neutralen Plattform, auf der sich die lommunalpoliti- schen Mitarbeiter aus allen Parteien zu gemeinsamer öffentlicher Aussprache mit der Bürgerschaft über kommunale Aufgaben zusammenfinden konnten. Diese überparteiliche Plattform besaß unsere Stadt früher in dem Gießener Bürger- verein, als dessen eifrigster Vertreter Rektor Müller bis in die letzten Lebenstage des Vereins vorbildliche Arbeit leistete. Cs sei hier als Beispiel nur an die Tätigkeit erinnert, die aus dem Kreise des Bürgervercins und insbesondere von Rektor Müller im Sommer 1922 bei dem Kampfe um den Schisfenberg geleistet wurde. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dah ein Bürgerverein als parteipolitisch neutrale Organisation fruchtbare Arbeit zum Besten des Gemeinwohls leisten kann, so wäre dieser Beweis schon damals in ausreichender Weise erbracht worden. Es war bedauerlich, daß dieser gemeinnützige Verein auch der Notzeit der ersten Nachkriegsjahre zum Opfer fiel und später nicht wieder zu neuer Wirksamkeit erweckt wurde. Bei mancher kommunalpolitisch wichtigen Angelegenheit in den verflossenen Jahren hätte er gute Mitarbeit leisten können. Aber was bisher nicht zur Tat geworden ist, kann im Hinblick auf das, was wir zu Beginn unserer Betrachtung sagten, jetzt verwirklicht werden. Es ist nur erforderlich, daß sich geeignete und ar» meinte dann: „Zehn Dollar sind ein bißchen viel. Aber macht nichts, behalten Sie sie nur!" Zuweilen ist Danderbilt großzügiger gewesen. Dor einigen Jahren lag seine Luxusjacht im Hafen von Konstantinopel. Da er erfahren hatte, dah der französische Schauspieler Eoquelin in der Stadt weilte, trat er an ihn mit der Bitte heran, bei einer Abendgesellschaft einige Monologe vorzutragen. Am nächsten Tag empfing Co- quclin in seinem Hotel einen Scheck, den folgender Bries begleitete: .Sie haben uns gestern zum Lachen und zum Weinen gebracht. Da alle Philosophen in der Meinung übereinstimmen, daß es für den Menschen besser sei, au lachen als zu weinen, habe ich folgende Rechnung aufgestellt: 600 Dollars dafür, dah Sie uns sechsmal zum Weinen brachten, und 2400 Dollars dafür, dah Sie und zwölfmal zum Lachen anregten. Das macht insgesamt 3000 Dollars." Nicht immer hat sich Danderbilt so jovial benommen. Als er eines Tages in einem Zug der Neuyork-Central Eisenbahn sah, kam der Schaffner, um die Karten nachzusehen. Der einzige, den er nicht aufforderte, war Danderbilt, den der Schaffner kannte und von dem er wußte, daß er der Haupteigentümer der Dahn war. Danderbilt nahm das übel und hielt es für eine Nachlässigkeit in der Kontrolle. Der Schaffner mußte also den Millionär auf- fordern, nun seine Karte zu zeigen. Aber der Eisenbahnkonig konnte sie in der Eile nicht sinden. „Etwas rasch, bitte“, mahnte der Schaffner. Doch Danderbilt mußte gestehen, dah die Karte verschwunden sei. „Da Sie ohne Fahrkarte reifen“, erklärte nun der Schaffner im strengen Dienstton, .müssen Sie den doppelten Fahrpreis zahlen." Danderbilt konnte sich nur damit trösten, daß das Strafgeld feinem eigenen älnternehmen zugute kam! beitswillige Bürger zusammenfinden in dem Willen, die Wiederbelebung dieses D c r e i n s in die Wege zu leiten. Cs darf dabei nicht verkannt werden, dah zur richtigen Erfüllung dieser organisatorischen Aufgabe ein hohes Maß von Opferfreudigkeit und von ernster Arbeitslust erforderlich ist. Aber wir glauben sagen zu können, dah für diese Aufgabe Männer in unserem Gemeinwesen vorhanden sind, denen die Bürgergesamtheit nur den genügenden Resonanzboden für selbstlose und sachliche Arbeit zur Verfügung zu stellen hätte. Cs wird sich natürlich nicht darum handeln können, nur Bezirks in teressen zu vertreten, für die wir ja zum Teil schon Organisationen haben, wie z. B. den Nordostverein und die Seltersweg-Dereinigung. Die Arbeit eines neu gegründeten Dürgervereins muh vielmehr der Vertretung der ® cf am t interef f en gewidmet fein, wobei natürlich die Dertreter der einzelnen Stadtbezirke sehr wosl mitgestaltend in die Arbeit eingeschaltet werden können. Einen neuen Bürgerverein möchten wir auch nicht als eine Art Konkurrenzunternehmen gegen die parteipolitischen Ortsvereine angesehen wissen, er muh vielmehr die überparteiliche Plattform bar [teilen, die wir gegenwärtig noch nicht besitzen. Dielleicht wird es einem parteipolitisch neutralen Dürgerverein auch gelingen, d i e breite Schicht der Bürger, die bisher bei Kommunalwahlen desinteressiert abseits blieb — bei der letzten Kommunalwahl am 17. November 1929 gingen nur 48,56 v. H. der Stimmberechtigten zur Wahl, während 51,44 v. H. nicht abstimmten — bei künftigen kommunalen Wahlgängen auf parteipolitisch neutraler Grundlage an die Urne zu bringen. Die politischen Parteien könnten u. E. darin wohl kaum eine Schmälerung ihrer Basis erblicken, denn es würde sich ja nur darum handeln, diejenigen Kräfte für die kommunale Mitarbeit zu mobilisieren, die bisher wohl gerade um deswillen beiseite standen, weil sie sich für eine Wahl zum Stab trat unter parteipolitischen Gesichtspunkten nicht erwärmen konnten. Durch die Beteiligung dieser Bürger an den kommunalpolitischen Entscheidungen würde aber das Fundament der Stadtratsarbeit fraglos bedeutend verstärkt werden, und dadurch würde auch die Gestaltung der Dinge im einzelnen nur gewinnen. Cs wäre zu begrüßen, wenn im Hinblick auf die großen Ausgaben der künftigen Kommunalarbeit, die schon in verhältnismäßig kurzer Zeit akut werden dürften, die hier angeregte Neu- gn.nfcung eines Bürgervereins baldmöglichst zur Tat werden würde. Aus Zweckmäßigkeitsgründen dürfte es sich wohl empfehlen, die entscheidenden Schritte zu dieser Neugründung aus dem Kreise der führenden Männer dos alten Bürgervereins zu unternehmen. 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Franke drückte die Kiefer hart aufeinander. .Die Hunde. Tert?“--. , , t ,3a! — Titte, Tater!“ drängte er und schob seinen Körper etwas von ihm ab. Der Kranke hätte Unmögliches verlangen können Franke hätte es zu tun versucht. Er erhob sich' legte zuerst den ermatteten Körper zurück und schritt nach der Tür. lieh die kleine Time im Tang aufflammen und lief die Treppe hinab. Schneegestöber schlug ihm entgegen, als er ins Freie trat. Der Sturm ritz an seinem Haar und wirbelte ihm Hande voll nasser Flocken in den Hals und auf die Trust, die nur von einem Hemd geschützt wat. Die beiden Wolfshunde winselten auf. als sie ihn nach ihrer Hütte kommen hörten. Er löste sie von den Ketten und tätschelte die. warmen Leiber, die sich gegen ihn drückten. Tor ihm her jagten sie durch den Schnee, hielten die Aasen zu Toden und kläfften in wildem Geheul den Garten hinab. War das nur der Ausbruch momentaner Freude über die erlangte Freiheit oder was sonst? Franke nahm sich nicht Zeit, weiter darüber nachzudenken, ging dem Hause zu und wollte den Tiegel wieder vorstoben. Da kamen die Hunde zurück und sprangen an ihm hoch, daß er nach einem Halt suchen muhte, um nicht von ihnen überrannt zu werden. „Tessa, wirst du wohl!" Er suchte sich der Hündin zu erwehren. Sie am Halsbande nehmend, zog er sie über die Stufen hinab. Ihr Gekläff war ohrenbetäubend und hatte zur Folge, daß Töd- linger in Hemd und Hose und schweren Holzschuhen herbeigeeilt kam. „Lassen Sie's, Herr Doktor. Die Tiefter hören was. — Oder sie riechen s." Gr lieh die Taschenlampe, die er in der Hand trug, aufblihen und nahm das eine der Tiere am Halsband: „Such, Tessa, such!"-- In der nächsten Minute hatte sie sich losge- rissen. jagte den Hang hinab, sprang mit einem Satz über die Umzäunung und verschwand in der Rächt. Tur ein heiseres Kläffen tönte lang- gedehnt durch die Stille. „Sie wird schon wiederkommen", sagte Töd- linget ärgerlich. „Wer hat denn die Tiecher losgelassen. Herr Doktor?" .Ist was nicht in Ordnung gewesen?" „Tert glaubt etwas gehört zu haben." „Das kann schon sein. Der Herr Tert hört scharf. Er ist auch ein bihchen hellsehig.--Die verfluchten Köter" schalt er. „Ietzt haben sie ein Wild aufgestöbert. Wahrscheinlich eine Reh» geih." Tödlinger lieh den Doktor stehen und lief, sich eine Ioppe zu holen. Dann jagte er in langen Sprüngen über die verschneiten Wiesen hinab, dem Walde zu. Franke ging ins Haus und drückte die Türe, durch welche Schneegewirbel hereinkam, ins Schloß. Tert sah ihm mit fragenden Augen entgegen. „Es ist nichts", beruhigte Franke. „Der Sturm hat irgendein Wild aus dem Holz herausgetrieben. Das haben die Hunde gewittert." Der Knabe sah ihn ungläubig an, widersprach aber nicht und legte den Kopf in die Kissen zurück. Ans Fenster tretend, hörte Franke, wie das Tellen allmählich verstummte. Etwas später sah er Tödlinger durch das Schneegestöber dem Hause zustapfen. Die Hunde mochten das arme Wild wohl böse zugerichtet haben, denn der Tertoalter trug es auf den Armen. Er sah, wie die Füße des gehetzten Tieres nach abwärts hingen. Mit einem raschen Tlick nach dem Tette hin, ging er leise aus dem Zimmer und stieg die Treppe hinab. Er kam zu spät, die Türe aufzuklinken, denn Mamert hatte es mit dem linken Ellenbogen bereits besorgt. „Erschreckens nicht, Herr Doktor!“ Für Sekundenlänge stand eine dunkle Wand vor Frankes Augen. Er taumelte und streckte unsicher die Arme nach dem Kinde aus, dessen Köpfchen schwer an Tödlingers Schulter ruhte. Der Laut, welcher aus seinem Munde brach, war nicht verständlich. „Soll ich eine Wärmflasch'n machen und einen Tee, Herr Doktor?--Iusterl, tu die Augen auf, der Tater’l ist bei dir!" An Frankes weißem Gesicht vorübersehend, streichelte Mamert die blaugefrorenen Wangen des Iungen, sorgte sich, daß dem Doktor die Last zu schwer würde und wollte das Kind wieder auf die Arme nehmen. Ein Tlick, so maßlos von Qual und Verzweiflung erfüllt, traf ihn, daß er wortlos nach der Küche ging und Feuer anzuschüren begann. Franke neigte das Gesicht und lieh die Stirne auf Iust's kalter Wange ruhen. Aus seiner Trust kamen Töne, ähnlich dem Röcheln eines Sterbenden. Dann riß er sich zusammen und stieg mit dem Knaben die Treppe hinauf. An Terts Zimmer vorüber gelangte er in seine Schlafstube. Durch die halboffene Türe ries der Kranke eine Frage durch das Dunkel. Den halberstarrten Sohn auf den Armen, trat Franke an das Tett seines Aeltesten. Ist Tert ein Hellseher, fragte er sich, denn Dieser begriff sofort. „Leg ihn mit an die Seite, Vater, so wird er am raschesten warm." Franke legte ihn aber erst auf den Divan und entkleidete den halberfrorenen Körper. Als er ihn dann mit Tüchern und behutsamen Massagebewegungen warm rieb, schlug Iust die Augen auf, ließ sie aber sofort wieder finken. Ein Schrecken ohnegleichen machte sein kleines Herzchen in jagenden Sprüngen hüpfen. „Iusti!" kam vom Tett her eine zärtlich lockende Stimme. An dem Tater vorüber, sah der Kleine nach dem Trüber hin und grüßte ihn mit den Augen. Als Franke ihn an Terts Seite legte, steckte er den Kopf unter dessen Achsel und hielt den gelähmten Körper mit beiden Armen umfaßt. Wenige Minuten später war er eingeschlafen. Franke stand reglos etwas abseits vom Tette und drückte die Hand über die Augen. „Tater!“ bettelte Terts Stimme leise. Und als in dessen Gestalt noch immer keine Regung kam, flüsterte er noch einmal: „Tater!“ Da brach dieser neben ihm in die Knie und preßte das Gesicht in das Linnen. Terts Hände strichen über seinen Rücken hin und kosten ihm das früh ergraute Haar. „Wie viel Leid habe ich über dich gebracht!" Frankes «Ähultem bogen sich langsam auf. „Alle flüchten sie vor mir: Erst die eigene Frau, dann Hella — nun Iust." Der Knabe erschrak, lächelte schmerzlich und krümmte die Hände ineinander: „Sie flüchten vor mir, Tater.“ „Um Gottes willen, nein, Tert!" „Doch, Tater! Es ist so!" Die Dulderaugen wichen scheu von ihm ab. „Hella floh, weil mein Kranksein jede Lust und Freude hier ertötete, die Mutter ging, weil sie meinen Anblick nicht mehr ertragen konnte. Sabine hat aufgeatmet, daß sie mit Hella in die Pension durfte unb nun wollte auch Iust sich heimlich toeg^ schleichen. — — Tegreifft du, Tater, daß es höchste Zeit ist, daß etwas geschieht?“ Franke sah ihn aus tiefliegenden Augen an. „Was soll geschehen, Tert?“ „Laß mich fortbringen“, sagte der Kranke ernst. „Tie!" Der Doktor riß die Hände des Sohnes an sich unb legte das Gesicht darauf. Der Rücken des Gelähmten drückte sich etwas nach vorne. Franke hörte ihn das erstemal feit jenem Unglückstage aufstöhnen. Er fand kein Wort des Trostes mehr. Ganz ausgedörrt war seine Seele von Leid und Ter- zweiflung. Die Kehle zersprang von ungeweinter Qual und das Herz war ein Friedhof zerschlagenen Glückes und wilder Hoffnungslosigkeit. — Das Weinen des Knaben verebbte. Franks hob das Gesicht. Ihrer beider Hände schoben sich tröstend ineinander. „Run sollst du schlafen, Tert I“ Franke wollte Iusts Hände, die auf dessen Trust lagen, herabdrucken, aber der Kranke legte bte leinen barüber „Sei wieder gut zu ihm, tote du es früher warst l — 3a, Tater? — Und erlaube, daß die Schwestern Weihnachten zu Hause verbringen, auch Hella. Ticllcicht, wenn du der Mutter schreibst, daß ich sie bitten lasse — recht innig bitten, Tater — kommt sie auch.“ Obwohl Franke von HeleneS „Rein" überzeugt war, versprach er doch den Wunsch Des Sohnes zu übermitteln: „Und nun laß mich Iust herausnehmen“, sagte er unb schob den Arm unter den jetzt so mollig warmen Körper. Als er Terts angstvollen Tlick sah, tröstete er freundlich: „Ich nehme ihn zu mir ins Tett Du muht keine Sorge um ihn haben, mein Iunge. Er darf von heute ab an meiner Seite schlafen. — Dann vergißt er, daß es einmal eine Zeit gab, in der er sich vor mir fürchten muhte." Tert widerstrebte nicht mehr, griff nur nach Frankes Händen und drückte seine Lippen darauf. „Tater, ich danke dir! — Und wenn ich nun auch noch die Gewißheit hätte, bah bu Hella verzeihen wirst, dann würde ich wohl schlafen können, wie schon lange nicht mehr." „Ich will verzeihen, Tert!“ „Tater! — Gibt es denn soviel Glück auf einmal?" Tert deckte die Hände über daö Gesicht und seine Schultern bebten leise. Franke trug seinen kleinen Sohn in Das Zimmer hinüber und als er zurückkam, lag sein Aeltester tief in die Kissen gedrückt, mit einem Lächeln friedvoller Seligkeit in dem bleichen LeidenS- gesichte. Er beugte das Knie wie vor einem GotteS» wunder unb legte ben Kopf auf dessen herabgleitende Hand. „Erbitte mir nun noch ein Letztes, mein armer Märtyrer: Und rufe mir mit der Kraft deiner Dulderseele die Frau zurück, ohne die ich nicht leben kann." Ton unten kam das leise Winseln der Hunde unb aus bem Zimmer nebenan rief Iusts Kinder- stimrne: „Grohmama!" Franke erhob sich und neigte sich noch einmal über den Schlafenden. Dann ging er zu seinem Iüngsten und streckte den Körper neben ihm auS. Er fühlte die Wärme des schlanken Kinderleibes und brückte sich enge bagegen. Zwei blaue Augen standen urplötzlich erschrocken offen: „Tater!“-- „Liegst bu auch gut, mein Tub?“ Und als Iust angstvoll von ihm abrüden wollte, schloß er ihn fest in die Arme: „Morgen fährst du mit Grohmama nach München, das Christkind zu besuchen, ja? Und nächste Woche kommen Hella und Sabine." „Die Mutter auch?" lallte der kleine Mund. „Die Mutter auch!" Das Kindergesicht strahlte zum ersten Male wieder seit vielen, vielen Monaten in frohem Glänzen auf. Dann sank der blonde Kops zurück unb blieb an Frankes Trust ruhen. (Fortsetzung folgt.) vio-ifi Normal dose Kupferkessel fabrizieren als Spezialität Wilhelm ZimmerG.m.b.H. Abteilung Kupferschmiede Bahnhofstr. 12 BleBen Tel. 2072 Für Wiederverkäufe.- besondere Preise 6454D NWK NWK unübertroffen HaltbarKeil Jn allen W Preislagen. Adreßbuch z.:; SMplan und Einwohner' und Geschäfisverzetchnissen von 2 Stadien und 24 Ortsgememben mit etwa 100000 Einwohnern nedst wertvollem Wirt- schasts- unb kulturgeschichtlichen Sonderabschnitt / Preis 10 Reichsmark vberhesflscher Adreßbuchverlag, Gießen, Schulstr 2 PREUSSISCHE LANDESPFANDBRIEFANSTALT Körperschaft des öffentlichen Rechts BERLIN W8 Zweigstellen In FR AN K FU RT/M., ESSEN und MÖNCHEN Zelchnungs - Einladung in der Zelt vom 6. bis 25. 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O Aut< W Bahn 8 Bahn W Auto + Bahn S Auto W — 7-42 8-04 10-15 13-34 13-39 15-sc 18-26 21-53 21-36 abßutzbach-W. an 6-47 9-48 12-50 12-34 17-03 20-29 20-35 — — 7-48 8-09 10-20 13-40 13-44 — 15-55 18-52 — 21-58 21-41 M Butzbach-Ost 6-43 — 9-45 12-27 12-30 16-58 20-26 20-30 — — 8-oi 8-19 10-2R 13-5? 13-5' — 16-03 18-44 21-49 21-50 11 Griedel Bhf. .* 6-36 9.37 12-19 12-23 16-so 20-18 20-23 — 8-11 8-26 10-34 13-59 13-59 16-09 18-51 — 21-56 21-56 Gambach ... 6-26 9-31 12-13 12-14 16-35 20-12 20.12 — —— 8-18 8-31 10-39 14-05 14-04 — 16-14 18-57 —- 22-02 22-01 Oberhörgern . 6-20 9-96 12-08 12-08 16-27 20-07 20-07 — — 10-41 14-06 — 16-1 fJ — 22-os Eberstadt.... • — 9-24 12-06 20-05 — — 8-24 8-36 10-47 14-ic 14-17 — 16-2? 19-0? 22-07 22-0» Münzenberg . 6-16 9-18 12.00 12-03 16-21 19-59 20-o? — — 8-30 8-40, 10-52 14-15 14-17 16-27 19-06 22-12 22-14 Trais-Münzbg. 6-n — 9-15 11-65 11-59 16-14 19-54 19-57 — 8-38 8-46 10-59 14-21 14-24 14-26 16-34 19-1? 22-16 22-23 Muschenheim. 6.06 8-25 9-ot 11-48 11-52 16-05 19-47 19-52 —- —- 8-46 8-51 14-26 • • 19-17 — 22-23 Hof-u. D.-Güll 6-oi • 11-47 1 b-57 19-47 — —— 11-05 14-28 16-38 — 22-25 Arnsburg .... 9-02 11-44 19-43 — — 14-32 — Birklar...... • 8-?n • • I —— — 9-o? 9-02 11-14 14-37 14-39 14-40 16-4 9 19-28 22-34 22-36 anLich........ab 5-50 8-IG 8-50 11-32 11-35 15-40 19-31 19-36 — 6-o» 9-35 9-16 — — — —- — — 19-35 —— — abLich........an — — 8-06 —— 11-24 14-51 — — 21-40 614 10-oc 9-29 —- —— — — 19-46 — Niederbessing. — — 7-54 —- 11-11 14-18 — —— 21-28 6-1*1 10-07 9-35 — — — — — — 19-53 — — Oberbessingen — — 7-49 11-05 14-03 — — 21-23 6-25 10.1- 9-39 — — — — — 19-57 — — MünsterfObh.) — — 7.1* — 11-00 13-58 — 21-19 6.30] 10-i s 9-44 — —- — —- — — 20-04 —- — Ettingshausen — — 7-38 — 10-55 13-53 — — 21-12 10-26 9-48 — — — — — — — ^Harbach....., , — — — 10-50 13-44 — — • 6-35 10-36 9-55 — — — —— — 20-09 — — Queckborn Bf.R — — 7-32 — 10-44 13-37 — 21-06 6.511 10-5Z 10-05 — — — — — — 20-25 — — anörünberg Bhf.ab — — 7-161 10-32 13-19 — — 20-50 Bac -Na uheim- -Oberkleen und zurück Nur Di., Do. 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Eine weitere Erleichterung für die Roggenversütte- rang wird dadurch gewährt, daß auf Antrag bei der Deutschen Getreidehandelsgesellschast von der Borschrift der Uebernahrne von Kartoffel- s l o ck e n im Umfange von 25 Prozent der Eosin- roggenmenge bis aus weiteres A b st a n d genommen werden kann. 3n diesem Falle must jedoch eine entsprechend größere Menge Eosinroggen bezogen werden, d. h. praktisch, dast die Derfütterung von einer Tonne Eosinroggen di« Berechtigung zum Bezüge von einer Tonne Auslandgerste zum ermäßigten Sah von 6 Mark je Doppelzentner geben^ann. • Exportforcierung be i den Opelwerken. Die Adam Opel AG. in Rüsselsheim, die bekanntlich wegen Inventuraufnahme und Umstellungsarbeiten den Betrieb für 14 Tage stillegt, will in Zukunft dem Export ihrer Wagen größere Aufmerksamkeit zuwenden. Die Gesellschaft will sich dabei der in fast allen Ländern arbeitenden und bereits ausgebauten Ab- sahorganisation der ihr nahestehenden General Motors bedienen. Die Verwaltung hofft, aus diesem Wege doppelt so viel Wagen exportieren zu können, als im Inlands abgcseht werden. Der Export soll also in Zukunft die Grundlage der Produktion bilden, so daß die Saisonschwankungen des deutschen Geschäftes leichter als bisher ausgeglichen werden könnten. * Reue Dergarbeiterentlassungen. Infolge der aichaltenden Absatzschwierigkeiten sieht sich die Verwaltung der zu den Vereinigten Stahlwerken gehörigen Zeche „Germania" in Dortmund-Marten gezwungen, einzelne Reviere ihrer Schachtanlagen stillzulegen. Zum 15. Oktober kommen daher 1500 Bergleute, daranter 68 Angestellte, zur Entlassung. — Rachdem erst am 30. September auf den Schachtanlagen der Zeche „Rheinpreusten" 143 Bergleute entlassen wurden, hat die Verwaltung des Steinkohlenbergwerks „Rheinpreuhen" infolge der weiter schlechten Wirtschaftslage auf Schacht 4 in Mörs und auf Schacht 5 in Utfort bei Mörs je 150 Bergleuten zum 15. Oktober gekündigt. Außerdem werden elf Angestellte entlassen. * Feierschichten auf den Saargru- ben. Wie die Bergwerksdirektion der Saar- gruben mitteilt, werden in diesem Monat drei Feierschichten eingelegt, da der Absa) der Saar- kohle sich nicht gesteigert hat. So hat allein die von der Saarindustrie abgenommene Kohlenmenge sich um 2500 Tonnen im letzten Monat verringert. * Preustis che Landespfandbrief- anstalt. Die Anstalt, die auch während der letzten Wochen die Kurse ihrer Wertpapiere unverändert gehalten hat, legt vom 6. bis 25. Oktober 5 000 000 Mark siebenprozentige Goldmark- Pfandbriefe, Reihe XXI, zum Vorzugskurse von 96,5 Prozent (derzeitiger Börsenkurs 97 Prozent) zur öffentlichen Zeichnung auf. Wie aus der heutigen Anzeige ersichtlich ist, wird der erste Zinsschein am 1. April 1931 fällig, so dast der Zeichner den Vorteil der Aufhebung des Kapitalertragssteuerabzuges geniestt. Die Gesamtkündigung der Reihe XXI ist bis zum 1. Oktober 1935 ausgeschlossen. Räheres in der Airzeige. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 4. Okt. Tendenz: fester. — Eine etwas günstigere Beurteilung der Aussichten des Sanierungsprogramms der Reichsregierung im Zusammenhang mit dem gestrigen Beschluß der SPD.-Fraktion gab den Anlaß zu Deckungskäufen, und die Tendenz konnte sich zum Wochcnschluß etwas befestigen. Die freundlichere Stimmung wurde sichtbar in den überwiegend festeren Kur« f e n. Die meist festere Haltung der gestrigen Neu- yorker Börse konnte jedoch keinen Einflug auf die Umsatztätigkeit ausüben. Diese blieb auf ein Minimum beschränkt. Es kamen zunächst nur wenig Werte zur Notierung. Die Kursbesserungen betrugen meist bis etwa 2 v. H. Fester eröffneten auch Farben (plus 1,5 o. H.), während Metallgesellschaft behauptet blieben. Der Montanmarkt lag fast vollkommen geschäftslos. Ebenso bestand für Bankaktien kaum Interesse, und die Kurse veränderten sich nur wenig. Am Markte der Bauunternehmungen zogen Holzmann etwas an. Leicht befestigt eröffneten noch Daimler und Conti Gummi. An den Anleihemärkten herrschte Geschäftslosigkeit. Im Verlaufe erhielt sich die freundliche Stimmung, und die neuen Kurse, die noch genannt wurden, wiesen neueleichteBes- f e r u n g e n auf. Umsätze kamen nur noch ganz vereinzelt zustande. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 v H/stärker erleichtert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2010, gegen Pfund 20,4175, gegen Paris 123,8250, London gegen Kabel 4,86, gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 47, gegen Schweiz 25,0350, gegen Holland 12,05. Berliner Börse. Berlin, 4. Okt. Die heutige Wochenschlußbörse zeigte zu Beginn ihres Verkehrs festere Haltung. Die politische Lage war durch die Erklärung der SPD., daß sie zur 'Mitarbeit in der Regierung bereit sei, etwas entspannt. Die Vertagung der Entscheidung im Metallarbeiterstreik bis zum 9. d. M. ließ die Hoffnung auf eine Verständigung offen. Die Verhandlungen über den Ueberbrückungskredit wirkten anregend, zumal dieser nach den neuesten Meldungen im Höchstfälle 6 v. H. Zinsen kosten dürfte. Das im großen und ganzen freundliche Neuyork fand Beachtung, und aus den gestrigen Erklärungen Dr. Schachts über die Hitlerbewegung wurde nur die Warnung an das Ausland herausgehoben, die schwierige Situation Deutschlands nicht noch weiter zu verkenn en. Ohne daß das Geschäft eine nennenswerte Belebung erfuhr und ohne daß größere Orders eingetroffen waren, notierten die ersten Kurse meist noch etwas fester, als vormittags erwartet wurde. Die Gewinne betrugen durchschnittlich 1 bis 3 v. H. Nur Salzdetfurth lagen 7 v. H. höher, Svenfka plus 6 Mark. Don diesen beiden Papieren abgesehen handelte es sich zumeist in der Hauptsache um Deckungen der Börse, so daß die Umsatztätigkeit auf ein Minimum beschränkt blieb. Stärker beachtet waren nur noch Bergmann minus 2,5 v. H. und Orenstein & Koppel minus 1,25 v. H. Am Anleihemarkt fielen Altbesitz zur Notiz aus, Neubesitz lagen eine Kleinigkeit freundlicher. Ausländer wenig verändert. Am Pfandbriefmarkt war das Geschäft sehr still, die Tendenz uneinheitlich. Reichsschuldbuchsorderungen waren etwa bis 0,5 v. H. gebessert. Der Geldmarkt war wenig verändert. Tagesgeld stellte sich auf 5 bis 7 v. H., vereinzelt auf 4,75 v. H., Monatsgeld auf 5 bis 6 o. H., Warenwechsel auf zirka 4,25 v. H. Auch nach den ersten Kursen änderte sich an der Geschäftslosigkeit nichts. Die Kurse erfuhren jedoch meist weitere kleine Besserungen, die aber nur selten über 1 v. H. hinausgingen. Etwas lebhafter war das Geschäft am Schiffahrts- und Kalimarkt. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die allgemeine Beruhigung der Stimmung machte in der vergangenen Woche Fortschritte, eine weitere Erholung der Kurse konnte sich jedoch zunächst nicht durchsetzen. Zwar bereitete die Ultimoliquidation, im Gegensatz zu den meist gehegten Desürchtungen, keine besonders großen Schwierigkeiten, da die börsentechnische Situation infolge des Bestehens eines großen Decouverts günstig war und Exekutionen nur vereinzelt vorgenommen worden sein dürften. Die anhaltend schwache Tendenz an der Neuyorker Börse, die schließlich zu einer vollkommenen Baisse führte, stand aber einer Aufwärtsbewegung der Kurse an den deutschen Börsen hemmend im Wege. Ungünstige Auswirkungen auf den Efsektenrnarkt hatte auch der neue Kurseinbruch am Metallmarkt. Daneben ging von dem Zusammenbruch der Hamburger Assekuranz-Union und den Schwierigkeiten einer Berliner Genossenschaftsbank Verstimmung aus. Die Entwicklung einer ^was größeren Unternehmungslust wurde jedoch vor allem durch die zunächst bestehende Ungewißheit über das Aussehen des Finanzprogramms der Reichsregierung gehemmt, dessen Veröffentlichung man abwartete. Wenn auch das Angebot, namentlich aus dem Auslande, stark zurückging, so ergaben sich auf den meisten Märkten anfangs doch neue Kursrückgänge, die bei Kaliaktien und Rheinische Braunkohle wieder größeres Ausmaß annahmen. An den Rentenmärkten hat sich die Situation dagegen weiter erheblich gebessert. Die Rachfrage überwog, und besonders die so stark gedrückten Reichsschuldbuchforderangen konnten sich nachhaltig erholen. Als das Sanierungsprogramm der Reichs- rcgicrang veröffentlicht war, griff eine allgemeine Befestigung de r Tendenz Platz. Die in dem Programm gemachten Vorschläge und Richtlinien wurden überwiegend g ü n st i g ausgenommen, und auch das freundliche Echo, das sie im Auslande sanden, wurde mit Befriedigung registriert. Erwägungen, daß die parlamentarische Durchführung der Sanie- rungspläne auf große Schwierigkeiten stoßen werde und auch die Ausnahme des Reichs- zwischenkrediis von 400 Mill. Mk. den Geld- und Kapitalmarkt ungünstig beeinflussen könne, traten in den Hintergrund. Anregend wirkte die Erholung, die sich schließlich an der Reuyorker Börse durchsetzen konnte. Die Geschäststätig- keit war allerdings nicht groß und beschränkte sich in der Hauptsache auf Deckungen der Kulisse. Rur vereinzelt sollen auch kleine Kauforders aus dem Ausland« vorgelegen haben. Die Kurse waren meist 3 bis 5 Prozent erholt, die anfänglich stärker gedrückten Werte waren über das durchschnittliche Ausmaß hinaus gebessert. Am Devisenmarkt lieh die Rachfrage nach Devisen, die zu Beginn der Woche wieder stark gewesen war, beträchlljK nach, im Zusammenhang mit der günstigen Aufnahme, die das Regierangsprogramm fand. Tie Devisenabgaben der Reichsbant gingen stark zurück. Von verschiedenen Auslandseiten sollen neue Geldofferten gemacht worden sein. Am Geldmarkt begann die Entspannung nach der starken Ultimoversteifung jedoch nur zögernd. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Arn Frankfurter Markt hielt sich die Umsatz- tätigkeit in dieser Woche in engsten Grenzen. Rach der sehr irregulären Marktlage der Vorwochen, die durch die Stützungsaktion geschaffen worden war, machte die Besserung der Verhältnisse nur langsame Fortschritte. Bei der gegenwärtigen Enge des Marktes blieb die flaue Veranlagung der Auslandbörsen naturgemäß nicht ohne Einfluß, und namentlich im Terminhandel waren die Preise sowohl für Roggen, als auch für Weizen nicht unerheblichen Preiseinbußen unterworfen. Geschäftshemmend wirkte auch der hohe jüdische Feiertag, da die Händler sich größere Reserve auferlegten. Am Inlandweizenmarkt machte die Zollerhöhung für Weizen etwas Eindruck. Weizen konnte sich leicht befestigen, während die Erhöhung des Vermahlungszwanges für In- landweizen auf 80 Prozent, der bereits Ende der Woche amtlich bekanntgegeben wurde, eher nachteilig wirkte, da die Mühlen erklärten, daß durch eine weitere Erhöhung der Dermahlungs- quote für Inlandweizen eine Ueberspihung geschaffen würde, da Auslandmehl in stärkerem Maße importiert werden würde. Am Roggenmarkt wurde durch vereinzelte Stützungskäufe wieder eine gewisse Beunruhigung hervorgerafen, so daß die Preise sich gegen die Vorwoche nicht ganz behaupten konnten. Das Geschäft war aber auch hier äußerst klein. Am Mehlmarkt hielt sich die Umsahtätig- feit in engsten Grenzen, verschiedentlich wurden kleine Käufe getätigt. Die Preise wurden anfangs der Woche infolge der Weizenzollerhöhung stärker heraufgeseht, um gegen Wochenende wieder etwas ermäßigt zu werden, da die Kauflust durch die starke Erhöhung naturgemäß fast gänzlich aufgehört hatte. Roggenmehl neigte in dieser Woche erstmals seit längerer Zeit wieder zur Schwäche, wobei die Umsahtätigkeit ebenfalls sehr gering gewesen sein soll. Der Hafermarkt konnte sich der allgemeinen Lage nicht anpassen und muhte einen größeren Verlust hinnehmen. Futtermittel begegneten nach wie vor kaum irgendwelchem Interesse, doch waren die Preise gegen die Vorwoche gut behauptet. Hülsen früchte und Rauh futter- un-, verändert ruhig. Am K a r t o f f c I m a r 11 machte die Abwärtsbewegung der Preise weiter« Fortschritte, die damit begründet wurde, daß die Landwirtschaft zum Zwecke der Geldbeschaffung sehr viel Ware an den Markt bringe, was naturgemäß preisdrückend wirke. Der Zentner wurde mit 2,15 Mark gehandelt. Die Woche schloß zu folgenden Rotierungen: Weizen 242,50 bis 245; Roggen 162,50 bis 165: Hafer 157,50 bis 162,50; Weizenkleie 6,25; Weizenmehl lsüdd.) 39,75 bis 40,50; Weizenmehl (Niederrhein.) 39,50 bis 40,25; Roggenmehl 26 bis 27; Roggenkleie 6,25 bis 6,50 Mark. Wochenbericht vom Frankfurter Gchtachtviebmarkt. Auch in dieser Wockxe hatte der Frankfurter Viehmarkt trotz des überwiegend stärkeren Auftriebes relativ sehr gutes Geschäft zu verzeichnen, doch muß man dabei berücksichtigen, daß die Preise teilweise nicht unerheblich gedrückt wurden. Arn Rinder markt war der Auftrieb erheblich stärker als in der Vorwoche. Bei mäßig regem Handel wurde nahezu ausverkauft. Die Preise gaben teiltbcife etwas nach, hielten sich aber im übrigen auf der Höhe der Vorwoche. Tas angetriebene Vieh war größtenteils von mittlerer Qualität, während besonders gute Ware auch Preise über Rotiz erzielen konnte. Die Exportbeteiligung betrug etwa 49 Proz. des Auftriebes. Auch auf dem Schweinemarkt war die Beschickung nicht unerheblich größer, als in der Vorwoche, was naturgemäß einen weiteren Rückgang der Schweinepreise bis zu 4 Mark zur Folge hatte. Ueber das Ergebnis einer Schweinezwischenzählung vom 1. September wird mitgc- teilt, daß die Zahlen 3A des Bestandes umfassen. Daraus ergibt sich gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung der Schweinehaltung um 18 Proz., die sich ziemlich gleichmäßig auf alle Altersklassen verteilt. Am größten ist die Zunahme bei den über ein Iahr alten Schweinen. Kälber wurden bei anfangs regqm, zum Schluß abflauendem Geschäft geräumt, doch war auch hier ein Preisverlust von 4 bis 6 Mark festzustellen. Schafe wurden nach regem Handel und etwas anziehenden Preisen ausverkauft. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1636 (1322) Rindern, darunter 384 Ochsen, 156 Bullen, 490 Kühen und 403 Färsen, ferner aus 1481 (1058) Kälbern, 469 (496- Schafen und 6128 (5885) Schweinen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark. Ochsen al) 58 bis 61, a2) 53 bis 57, bl) 48 bis 52. Bullen a) 54 bis 57, b) 49 bis 53. Kühe: a) 48 bis 50, b) 43 bis 47, c) 38 bis 42, d) 32 bis 37. Färsen, a) 59 bis 62, b) 55 bis 58, d) 50 bis 54. Kälber: b) 78 bis 81, c) 73 bis 77. d) 66 bis 72. Schafe al) 49 bis 53, b) 43 bis 48. Schweine: a) 58 bis 60, b) 59 bis 61, c) 60 bis 62, d) 60 bis 62, e) 58 bis 60, Sauen 50 bis 54. Daten für Sonntag, 5. Oktober. 1857: der Schriftsteller Fedor von Zobeltitz in Spiegelberg geboren; — 1830: der Komponist Jaques Offenbach in Paris geftorbsü. Taten für Montag, 6. Oktober. 1803: der Physiker H. W. Dove in Liegnitz geboren; — 1905: der Geograph E. Frhr. v. Richthofen in Berlin gestorben. Aus aller Well. Umorganisation der Heilsarmee. General Higgins, der General der Heilsarmee, teilte auf einer Versammlung in East- London (Südafrika) mit, daß sich die für den Rovember angesehte Konferenz der Heilsarmee in London mit folgenden Hauptfragen befassen werde: 1. Der General der Heilsarmee soll nicht mehr von seinem Vorgänger ernannt, sondern von einem Ausschuß der Führer gewählt werden. 2. Die Wahl erfolgt nicht für Lebenszeit, sondern dis zu einer gewissen Altersgrenze. 3. Das Vermögen der Heilsarmee soll in der ganzen Welt fortan, wie das bereits in Südafrika der Fall ist, durch die Vereinigung als Gesellschaft und nicht durch den General allein verwaltet werden. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt bejchlosjenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Frankfurt a. Ul. Berlin Schluß-j furd | l-Uhr» Kurs Schluß« । kurS | Anfang- Kurs Datum 3 10. 1 4 10 3 10 4 10 6% Deutlche ReichSanleihe von 1927 .......... 87,25 _ 88,1 _ 7% Deutlche Reichsanlelhe von 1929 .......... 99 _ 99,6 _ Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.Rechten....... _ — _ DeSgl. ohne DuSlos.-Rechte . . 6,55 — 6,65 6,7 8% Heft. SolUftaat von 1929 (iCdiafjlb. 102%)...... 89,25 — _ — Oberheften Provinz - Anleihe mit Ausios.Rechten....... — _ — $eutldK Komm. Sammciabl. 57 100,25 56,25 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. XIII unkündbar bis 1934 . . . __ _ 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bi« 1932 ..... 94,5 _ _ _ 4K% Rheinische Hyp.-Bank fiiqu. Goldpse......... 86,5 _ _ 8% Pr. ßanbtipfonbbrie,anflalt, Pfandbriefe R. 19 ..... 101 _ 101 8% Pr LandespianvbriesanklaU, «omm.-Lbi.N.20...... 98 _ 98 7% Pr. Landecpianvbriefanfialt, Pfandbriefe R LI...... 81.6.®. abg. Bonriegs-Obligatio- nen, rückzahlbar 1932 ..... 4% Oesterretchifche Goldrente . . 97 94,5 27,4 I 1 1 97 27,5 1 1 1 4,20% Ocstcrreichtlche Silbenente — 3,3 _ 4% OeNerreichftche Einheitliche Rente........... — _ 4% Ungarische Goldrente - 24,2 — 24,25 24,25 4% Ungarische Staatsrente b. 1910 19,1 — 19,5 4N°/° desgl.von 1913..... 20,7 — 20,3 — 4% Ungarische Kronenrente . . 1,95 — 1,95 — 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4,75 — 4,8 —— 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie >........... 4,75 -- _ 4% desgl. Serie II....... 4,8 —- — — 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 . . . . , ..... — — 9,4 4K% Rumänische vereinh. Rente von 1913 . . . .,...... _ —- 14,9 _ 4% Rumänische vereinh. Reute 7,13 — 7,13 — Frankfurt a. Ul. Serlin Schluß«! lurS | l«ilhr« Kurs Schluß-! kurS | Anfang- KurS Datum 3 10 । 4 10 3 10 4. 10. Hamdurg-Amerita Batet . . 79 79,5 78.5 79 Hamburg-Südam. Dampfschiff 8 — —— — — Hanta Dampfschiff..... 10 — — — — Norddeuttcher Lloyd .... 8 79,4 80,5 79,25 80 Allgemeine DeutscheEreditanft. 10 102,25 — 102,25 102 Barmer Bankverein .... 10 108,5 108 108 108 Berliner HanbelSgeselftchaft . 12 131,5 —— 133 Commerz- und Privat-Bank . 11 119 119,25 119 119,25 Darmstädter und Nationalbank 12 162 —- 161,5 162,25 Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, . . . 10 118 — 117,65 117,5 Dresdner Bank...... 10 116,5 116,5 116,5 Reichsbank........ 12 — - 223,25 226 A.E.G........... . d 122,65 123,25 122 123 Bergmann........ . 9 — —— 152,5 150 Elektr. LieferungsgeseUschaft. 10 —- — 118.5 119 Licht und Kraft...... 10 126 — 125,25 125,75 Felten & Guilleaume . . . iVi 98 — 98,75 98,4 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 125,5 126 124,5 125 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 — — 129,5 121 Rheinische Elektrizität . . . . 9 — — — — Schlesische Elektrizität. . . . 10 — —— 122 123 Sckiuckert & Go....... 11 137 139 137,25 138.5 Siemens & Halske..... 16 180 — 180 182.5 TranLradio........ . 8 — - — 124 Labmeyer LCo....... 10 146 145,75 — Buderus......... . 6 52 52 — — Deutsche Erdöl...... . 6 — 66,25 66.75 Essener Steinkohle..... . 8 — — — — Gelsenkirchener...... . 8 100 — 99,75 99.9 Harpener......... . O — — 87,25 — Hoesch Eilen........ bVt — — 78,9 — Ilse Bergbau....... 10 — — 201 202 Klöcknermcrke....... . 7 72 71,75 73.5 Köln-Ncuessen....... . 1 — — 80,5 80,5 ManneSmunn-Röbren . . . . 7 73,25 — 73,4 73,5 ManSsclder Bergbau .... . 7 — — 47,5 47 Oberlchles. Eisenbedars . . . . 5 — — 48,5 — Oberschlci. KokSwerke.... 7 — — 75 75,13 Phönix Bergbau...... ey. 69,25 —— 69,5 70 Rheinische Braunkohlen . . 10 181 — 181 180 . 6 76 — 75,75 76,5 Riebeck Montan 7,2 — — — •rw Frankfurt a. 271. Berlin Schluß-j kurS | l-Uhr- Kurs Schluß« > fürs | Anfang- Kurs Datum 3 10 4 10 3 10 4 10 Bereinigte Stahlwerke . 16'/, 71.5 — 71,25 71.25 Otavi Minen..... — — 29.25 29 5 Kaliwerke Aschersleben . . 10 194,5 — 195.5 198 Kaliwerke Westeregeln . . 10 197 — 197.5 200.6 Kaliwerke Salzdetfurth . . 15 279 — 279 286 I. G. Farben-Industrie . - . 12 138,25 139,75 137,5 139,75 —— — 64.25 Scheideanftalt..... . . 9 — — — Goldschmidt ..... • . . 6 43,5 —— 43.5 43.25 Rütgerswerke..... . . 6 51 — 50.75 51.4 Metallgelellschaft. . . . . . 8 98,5 98,5 98 Philipp Holzmann . . . - 75 75.6 76 — Zementwerk Heidelberg . 10 — 99,5 — Cementwerk Karlstadt. . . 10 — —— — Wayb & Frey tag . . . . . 8 — — 52.5 — Schultheis Patzenhoser . . 16 _ — 193.75 196.75 Lftwerke....... . 12 — — 154 157 Aku......... . 18 62,5 — 62,25 63 Bemberg....... . 14 73 — 73,5 73.6 Zellstoff Waldbos . . . • 13'/. — - 120.4 122.9 Zellstoff Aschaffenburg . • . 12 — — 86.5 — Charlottenburger Wasser . . 8 — - 83,75 84.25 Dessauer GaS..... . . 9 — 118,25 118 Daimler Motoren . . . . . 0 —» 26,25 26 26 Deutsche Linoleum . . • « e 158 —— 157 158.25 Maschinenbau A.-B^ . . • . . 0 — - 35 — Rat. AutomobU . . . . e . . 0 —— 12,13 12,13 Lrenftein & Koppel . . . . 6 — 49.25 48 Leonhard Tietz .... . 10 — 120,5 121 Svenska....... — 294 300 Frankfurter Maschinen . . . 4 20 20 - Griyner....... . . 6 28,5 29,5 Herftigenstaedt . . . . . . 0 — — — — Iunghans....... • . . 6 29,5 —— 30 — Lechwerke....... . . 8 93 — Mainkraftwerke Höchst a. M.. .8 77.5 — — — Miag......... . 10 — — — — Gebr. Roeder..... . 1( 95 — _ - Boigt & Haeffner . . . . . 9 150 — 151,5 i - Süddeutsche Zucker . « • . 10 131 —- 132 - Banknoten. Aerlin, 3. Oktober Geltz Sdef Amerikaniiche Noten...... 4.202 4.222 Belgische Noten ....... 58.34 58,58 Dänische Noten ....... 112.05 112,49 Englische Noten........ 20,377 20,457 Französische Noten....... 16.447 16.507 Holländische Noten....... 169,16 169,84 Italienische Noten........ 21.95 22,03 Norwegische Noten....... 111.98 112,42 Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling 59,08 59.32 Rumänische Noten....... 2,479 2,499 Schwedische Noten....... 112,58 113.02 Schweltet Noten........ 81,52 81,84 Spanische Noten........ 43,26 43,44 Tlchechoftowalische Noten..... 12,415 12,475 Ungarische Noten ....... 73,22 73,52 Deolfinmarfl Berlin — jranffurl a M 3 Oktober 4 Oktober Amtliche Geld Kodierung Arie’ -amtliche Geld Notierung Arie Amst-Äott. 169,17 169,71 169.26 169.60 Buen.-AireS 1,479 1,481 1,479 1,481 Brss.-Antw- 58.525 58,641 58,55 58.67 Christiania. 112.29 112,55 112,30 112,52 .Kopenhagen 112,31 112,53 112,35 112,57 Stockholm - 112.72 112,94 112,73 112.95 HelftngforS- Italien. . . 10.56 21,975 10,58 22,015 10,56 21.98 10,58 22,02 London. . . 20.395 20,435 20,397 20,437 Neuyork . . 4.1970 4.2050 4,197 4,205 Paris. . . . 16.465 16.505 16.465 16,505 Schweiz . . 81.46 81,62 81.465 81 625 Spanien. 43.41 43.49 43.46 43,54 Japan . . . 2,078 2.082 2,076 2,080 -»io be Ian Wien in D-» 0,443 0.445 0.448 0.450 £eft. abflcit 59,235 59.355 59.21 59.33 Prag . . . . 12.457 12,477 12.457 12,477 Belgrad . 7.436 7.450 7.439 7.453 Dudapesi. 73.43 73,57 73.415 73,555 Bulgarien 3.042 3,048 3,042 3,048 Lissabon . 18.84 18,88 18,84 18,88 Tanzig. . 81.54 81.70 81,54 81,70 Konstantin. 1.784 1,789 1,784 1,789 Athen. . 5.44 5,45 5,435 5,445 Canaba . 4,199 4,207 4,200 4.208 Uni uat). 3,357 3,363 3,357 3.363 Cairo .. 20,905 20,925 20,91 20,95 Sie Varls. 5.1 ,k 101". das zomrlagabend geslie-en w xeavoais, drei am Sonnte unfllüdt D einen hngd Jonen, die P4 kamen 501 Jonen der M nächste «ranke befinden sich Thomson, d mesear 51t 5i mondanl des L> Dm cuslschisser D Gesten Htn ’S bart IW pari». 5. schiss „R.101" darbingtot schon sei! langet bien aut 3r Krdstanlreich letverhäli bet Aahrl fei Aus diesem 0i häikaismäs ent\d)te etil $ Bemale, nördlich oo Wellers jroan niedrig zu von Beauvais wurde die „R plötzlich gk Die unmillelt der Brenn in Jlamme folgte bann fui Segen 2 Uhr von Beauu loten aus d Leute die $en| englische Lufts 3lotdlveslen hi Ttoh des Reg 605 Luflschisj, '"hlern öeullid ’^roer geg impfen. J «IPlolloit yporflelgen, u ^wohnet von Monne, das eti 'leset J ',eiu.Ion- ye, die de ?"N "äbern. ] $d)0| ? ff Ceufe Leben reifer An d $ie«ergUt 5onnt leilefl öDle 54 K'S'b L,«-" N»'"pÄ ztanf-rl--^ •3'lonne ^erbeticht^ fei -O.L W SÄ OeryjJ^Ue auf p-j des q ES SJL-ifpoit in der lich Rundfunkprogramm gleichwertig. . Tischtennis im VfB. Ein Sport für Winterabende. Westdeutschland zahlt keine Spesen. Der Vorstand de» westdeutschen Spielverbandes erklärt amtlich: „Die auf dem Bundestag in Dresden vom DJB. beschlossenen Spcscnjähc kommen für den Bereich des westdeutschen Spieloerbandes nicht zur Anwendung. Der WSV. macht von seinem Recht der Abänderung dieser Sähe, das der Bundestag ausdrücklich Jeftgelegt hat, Gebrauch. Bis zur endgültigen Regelung bestimmt der Verbandsvorstand fol- gendcv: Bei Spielen auswärts und bei Spielen am Ort ist den Vereinen gestattet, für ihre Spieler Verpflegung bereitzustellen und ihnen die tatsächlichen Reisekosten zu ersehen. Irgendeine Ablösung der bercitzustellenden Verpflegung durch bare Geld- Zahlung ist verboten. Deutschland—Norwegen. Länderkampf am 2. November. Turnvereins Vas fällige VerbandSspiel auszutragen. Niedergirmes I zählt zu den spielstärksten Mannschaften des GaueS Hessen und die Männerturner werden sich sehr anstrengen müssen, wenn sie ein würdiges Ergebnis herausholen wollen. Die zweite Mannschaft fährt nach Butzbach, um gegen des Turn- und Sportvereins II. ein Verbandsspiel auszutragcn. Die starken Schwankungen unterworfenen Leistungen beider Mannschaften lassen einen sicheren Schluß über das Ergebnis nicht zu. Zaustball im T. ».1846. Die 1. Faustballmannschaft folgt einer Einladung des Tv. Herborn. Sie wird dort außer dem Platzbefitzer, den deutschen Meister „Licht Luft" Frankfurt zum Gegner haben. Allzu hoch dürfte bet der augenblicklichen guten Form der 1846er der Sieg des Meisters nicht ausfallen. Radsport im Gau Lahn d. B. O. K Gaumeisterschaft im Rasenradballspiel. Der Gau „Lahn" im BDR. trägt am kommenden Sonntagvormittag auf dem Waldsport- plah des „VfB." seine diesjährige „Gaumeisterschaft im 6er-Rasenradballspiel" aus. Die Mannschaften, die zu den Kämpfen antreten, sind ziem- Dcutschlands erstes Fußball-Länderspiel neuen Spielzeit steigt am 2. November in Breslau gegen Norwegen. Aus den bisher vier Begegnungen mit den Nordländern ging jedesmal Deutschland als Seit einiger Zeit treibt ein ständig wachsender Kreis von Mitgliedern im Dereinsheim Tisch- Tennis als Unterhaltungssport. Mit zunehmender Fertigkeit der Spieler ist man nun dazu übergegangen, das für Kenner wie auch für Laien gleich interessante „Ping-Pong" als Sport zu betreiben. Am vergangenen Samstag veranstaltete man ein kleines Eröffnungs- Turnier, das einen lebhaften Zuspruch aufwies und folgende Ergebnisse zeitigte: Herren- Einzel, Klasse A: R. Knauß. Klasse 6: Georg Müller. Klasse C: W. Paulus. Damen-Ein- ze l: Frl. Schmidt. ES ist beabsichtigt, in nächster Zeit einen Klubkampf gegen Df.L Weh - l a r auszutragen. Svielpkan der frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 5. Oft., von 15 bis 17.30 Uhr: Das Land des Lächelns: von 19 bis gegen 22.30 Uhr: Carmen. Rlontag, 6., von 19.30 bis nach 22 Uhr. Madame Butterfly. Dienstag. 7., von 19.30 bis gegen 22.30 Uhr. Die verkaufte Braut. Mittwoch, 8., von 19.30 bis 22.30 Uhr: Der Tenor der Herzogin. Donnerstag, 9., von 19.30 bis 22.30 Uhr: Der Zigeunerbaron. Freitaa, 10., von 19.30 bis nach 22.15 Uhr: Festwoche 1: 1. Opernhauskonzert. Samstag, 11., von 19 bis gegen 22 Uhr: Festwoche II: Don Juan. Schauspielhaus. Sonntag, 5. Oft., von 20 bis gegen 22.30 Uhr: Charleys Tante. Montag, 6., von 20 bis gegen 21.30 Uhr: Tartüsf. Dienstag, 7., von 20 bis gegen 22.30 Uhr: Charleys Tante. Mittwoch, 8., von 19 bis 23 Uhr: Zum erstenmal: Geschichte Gottfriedens von Der- lichingen mit der eisernen Hand. Donnerstag, 9.. von 19 bis 23 Uhr: Geschichte Gottfrtedens von Terlichin^en mit der eisernen Hand. Freitag, 10.. von 20 bis gegen 21.30 Uhr: Tartüff. Samstag, 11., von 20 bis gegen 21.30 Uhr: Tartüff. m-ÄÄ F pastilleh d rinne* ■ CACQiDiNiuMOiarvAT) angelegen sein lassen, mit vollem Ernst bei der Sache zu sein. Sie sollte sich hüten, sich vom Gegner die Geschehnisse auf dem Spielfelde, wenn auch nur zeitweise, diktieren zu lassen. Auf dem Sportplatz der Spielvereinigung findet ein Lokaltreffen der Liaareserven 1900 — VfB. statt. 1900 wird große Mühe haben, eine durchschlagskräftige Mannschaft zu stellen. Der Verlust von Spielern und die Abgabe zweier Ersatzleute an die erste Glf hat das Mannschaftsgefüge etwas erschüttert. Da in Kämpfen zwischen Lokalgegnern das Maß an Ehrgeiz eine wesentliche Rolle spielt, ist der Ausgang des Treffens kaum zuverlässig vorauszusagen. Die dritte Mannschaft dürste über die zweite Elf Daubringens sicherer Sieger bleiben. Auch dieses Spiel findet in Gießen statt. Die vierte Elf empfängt die erste Garbenteichs und wird sich wohl dem besseren Können der Gäste beugen müssen. Freigabe von Spielern der Spieloereinigung. Wie wir hören, hat der Verbandsvorstand deS Westdeutschen Spielverbandes mit sofortiger Wirkung die Spieler Henrich, Erb, Arnold, Schleenbecker und Menget frei gegeben. 1900 gewinnt mit diesen Spielern eine Verstärkung, die sich bereits im Kampf der Ligareserve gegen VfB. auswirken wird. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Das nächste VerbandSspiel trägt die 1. Elf morgen in Duseck aus. Buseck war schon immer ein heißer Boden für die Gießener. Auch diesmal sind die Aussichten zu gewinnen nicht allzu groß für die Gießener, da die Mannschaft ersatzgeschwächt antritt. Rur unter Einsatz aller Kräfte dürfte ein knapper Sieg möglich fein. Handball im Männerturnverein (D.T). Am Sonntag hat die erste Mannschaft deS hiesigen Männerturnvereins in Wehlar-Rieder- girmes gegen die erste Mannschaft deS dortigen Mittwoch, 8. Oktober. 7.30 bis 8.30 illjr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Stuirde der Jugend. 16: Rachmittagsfonzert. 18.05: „Arno Holz und der deutsche Raturalismus", Vortrag von Prof. Dr. F. Schultz. 19.05: „Versailles , Vortrag von Hans Lamberh, Dresden. 19.30: E Firobe i' me Sündgauer Wirtshüs. Elsässische Volksszene. 20.45: Jacques Offenbach. Zum 50. Todestage. Donnerstag, 9. Oktober. 7.30 bis 8.30 Uhr: Frühkonzert. 12.20: Schall- Plattenkonzert: Marsche und Tänze. 15: Stunde der Äugend. 16: Rachmittagsfonzert. 18.05: Zeitfragen. 18.35: „Berlins Theatersorgen und Theaterfreuden", Vortrag von Dr. Marcuse. 19.30: Heitere literarische Veranstaltung. 19.50: Von München: Lincoln Trebitsch. 20.25: Zeitbericht. 21.05: Ernste und heitere volkstümliche Liederund Balladen. 22.30: Unterhaltungsmujik. Freitag, 10. Oktober. 7.30 bis 8.30 vom Rory-Palast: Frühkonzert. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Erziehung und Dilduna: „Die Gesundheit der Äugend und der Alkohol", vorgetragen von Medizinalrat Dr. Fischer-Defoy. 16: Rachmittagsfonzert. 18.05: Buch und Film. 18.35: „Der Gefälligkeitswechsel und das Recht des Schecks", Vortrag von Land- gerichtsdirektor Leibfried. 19.05: Franz Theodor Csokor lieft aus eigenen Schriften. 19.30: Cäsar Flaischlen zum Gedächtnis. 20: Sinfoniekonzert. 22: Musik auf Höfen, Straßen und Gassen. Samstag, 11. Oktober. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert. 12.20: Schallplattenkonzert: Heiteres Mittagsständchen. 14.30: Stunde der Äugend. 16: Konzert. 18.35: Stunde der Arbeit: „Was man als Arbeiter erlebt", Zwiegespräch zwischen Dr. Paul Laven und Herrn Mevc. 19.30: Streichquartett in b-Moll op. 95. 20: Dreiunddreißig Minuten in Grüneberg oder Der halbe Weg (Possenspiel). 21: Der Regimentszauberer (komische Operette). 22.30: AeltereTänze. 23.30 bis 0.30: Tanzmusik. Sieger hervor. Oie westdeutsche Pokalelf aufgestellt. Der Westdeutsche Spielverband hat zum Spiel der Bundespokal-Dorrunde am 12. Oktober im Dortmunder Stadion Rote Erde mit Berlin nachstehende starke Mannschaft ausgestellt: Buch- loh (VfB. Speldorf): Trautwein (Fortuna Düsseldorf): Bünger (VfL. Benrath): Schröder (VfR. Köln): Münzenberg (Alemannia Aachen): Hoffmann (VfL. Benrath): Albrecht, Hochgcsang (Fortuna Düsseldorf): Hohmann, Stosfels (VfL. Denrath): Straßburger (Duisburger SV.). Spiele des VfB. Gießen. Am Sonntag tritt die Ligamannschaft zum vierten Male zum Punktkampf gegen die Liga der „Germania' Fulda an. Die Germanen gehörten in ver vergangenen Saison noch der zweiten Ligaklasse an, erkämpften sich al er den Aufstieg zur ersten Klasse. Sie haben in dieser Serie bis jetzt zwei Spiele ausgetragen. Hefter die HerSfelder „Hessen" konnten die (Sermonen mit 2:1 Sieger bleiben, mußten aber gegen „Sport" Kassel mit 1:3 kapitulieren. Vor l*/2 Äahren waren die Germanen im Gesellschaftsspiel auf dem Waldsportplatz zu Gast und mußten seinerzeit eine 0:4-Riederlage hinnehmen. Änzwischen hat sich die Spielstärke der Gäste wesentlich gehoben. Die Mannschaft spielt heute, wenn auch nicht technisch vollendet, so doch recht gefällig und rationell Fußball. Die DfB.-Els hat leider in den letzten Spielen schwankende Form gezeigt, eine Folge ständig wechselnder Aufstellungen. Auch die Besetzung für diesen Kampf steht noch nicht enbgültig fest. Es ist allerdings zu erwarten, daß die stärkste Vertretung geftelit werden kann. Rach den Leistungen am Vorsonntag gegen Ocker-Hausen zu urteilen, sollte man der DsB.- Els auch einen knappen Sieg wohl zusprechen dürfen. Wenn eifrig gekämpft und die Angriffstaktik fruchtbringender gestaltet wird, wäre ein günstiges Ergebnis für die Hiesigen sogar als ziemlich sicher anzusehen. Während die Ligareserve zum VerbandSspiel gegen die Reserve des Lokalgegners auf dessen Platz antritt, empfängt die dritte Mannschaft die erste des Sportvereins Bieber zum Verbandsspiel. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Die Ligamannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen fährt am Sonntag nach Wallau im Kreis Biedenkopf. Die Hiesigen stoßen im Fußballverein Wallau auf einen Gegner, der sich bis jetzt in allen Spielen vorzüglich geschlagen hat und sich bis heute sehr gut behaupten konnte. Der Gastgeber konnte bisher aus drei Meisterschaftsspielen fünf Punkte erringen und sich damit an die Spitze der Tabelle der Gruppe Lahn in der ersten Dczirksklasse sehen. Die Gießener stehen vor keiner leichten Aufgabe. Da der Plahverein über gutes technisches Können verfügt, so rechnet man mit einem fairen Spielverlauf, der der besseren Mannschaft den Sieg bringen sollte. 1900 dürste in der Lage sein, die am vergangenen Son. tag durch Platzverweis verlorenen Spieler ebenbürtig zu ersetzen. Die Elf muß es sich aber Oer TentüS'Latiderkanrpf Italien—Oeuischland in Florenz konnte am Freitag noch nicht beendet werden. Die Begegnung ist für Deutschland noch nicht verloren, aber bestenfalls kann das Resultat unentschieden lauten. Rach dem dritten Spieltage lagen die Ätaliener 6:5 in Führung, nachdem Dr. Buß und Roumey zwei Punkte auf- geholt hatten. Das wegen Dunkelheit abgebrochene Spiel Frenz-Sertorio muß nun die Entscheidung bringen. Leider versagten auch die-mal wieder die Schiedsrichter, die wiederholt ausgewechselt werden muhten. Abreise der Italiener. — Deutschland — Italien unentschieden 6:6. Im Tennis-Länderkampf Deutschland — Italien, der ursprünglich erst am Samstag beendet werden sollte, ist nun doch bereits am Freitag die Entscheidung gefallen. Wie Freitagnacht aus Florenz ge- meldet wird, sind die Italiener am Freitagabend aus Florenz abgereist. Sie haben dadurch auf den letzten Punkt verzichtet, und der Tennis-Länderkampf ist damit beendet. Durch die unerwartete Abreise der Italiener ist der Kampf zwischen Deutschland und Italien unentschieden 6:6 ausgegangen. Oktoberrennen in Frankfurt. Ein Rennpferd ist zu gewinnen! Roch einmal in diesem Äahre hält der Frankfurter Renn-Club am kommenden Sonntag einen Renntag ab, mit dem zugleich die süddeutsche Rennsaison ihr Ende erreicht. Trotz aller wirtschaftlichen Röte hat es der Veranstalter verstanden, ein zugkräftiges Programm zu bieten, das sich aus sieben Rennen zusammenseht. Die Hauptereignisse: „Der Oktoberpreis für Zweijährige" und das „Wäldchens-Rennen" verzeichnen hochinteressante Prüfungen. 3m ersteren wurde für 17 Zweijährige der besseren Klasse die Startberechtigung gewahrt. Agathon und Helmut aus dem erfolgreichen Stall Dutzke haben schon besonderes Können verraten. Die Mydlinghofer Brissago und Hegemeister sind beide bestens geprüft. Stall Opel hat Frivole und Masaniello im Rennen. Stall Oppenheimer hat Rero, Deutsche und Torin stehen gelassen. Zum Oktoberpreis: Rull Ouvert, die dritte aus dem Zukunftsrennen hinter Tourbelon, dann die vier Weinberger Ostade, Makrele, Perillo und Groll. Die beiden ersteren sind bessere Klasse, doch stellt der Stall Groll weit über beide. Eine sportliche Delikatesse dürfte das Wäldchens- Rennen werden. Silberstreif, Gaukelei, Äagd- könig, Gutenberg, Liberator, Orion, die drei Weinberger Faro, Maseona und Majordomus können sich hier an dem Start des 3000-Meter- Flachrennens einfinden. Der Präsidenten-- preis sowohl wie der Abschiedsausgleich werden große Felder bringen. Das Feist-Cabinet- Äagdrennen und ein Verlosungs-Rennen über 1800 Meter beschließt den Tag. Der Sieger dieses Rennens wird verlost. Der Gewinner erhält entweder das Pferd oder auf feinen Wunsch den Wert desselben von 1000 Wk. in bar. Sonntag, 5. Oktober. 7 bis 8.15 von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15 von Trier: Katholische Morgenfeier. 10 von Kassel: Stunde des Chorgesangs. 11: Vom griechischen Festmahl bis zur Rokokozeit (eine Schall- plattenführung durch 2000 Äahre Musikgeschichte). 11.45 von Kassel: „Heimat in Rot", Vortrag von Karl Hasselbach, Kassel. 12 von Aschaffenburg: Standmusik der Aschaffenburger Stadtkapelle. 13.10 bis 14 von Königsberg: Konzert. 14: Stunde der Äugend. 15: Stunde des Landes. 16: Konzert des Frankfurter Harmonieorchesters. 16.35 bi- 17.15 von Mailand: Großer Kunstflugwettbewerb. 18.25: Stunde des Rhein-Mainischen Verbände- für Volksbildung: „Rheinische Arbeiterdichtung", Vortrag von Leo Sternberg, Rüdesheim. 19.30: Das jugoslawische Volkslied. 20 aus dem Landestheater Stuttgart: Angelina. 22.45 bis 24: Unter« haltung-musik. Montag, 6. Oktober. 7.30 bis 8.30 vom Rory-Palast: Frübkvnzert. 12.20: Schallpla tenkonzert: Tirolerisch / Schnei e- risch. 16: Rachmiltagskonzert. 18: „Allgemeines über die Haftpflicht der Deutschen Reichspost für Verluste und Beschädigungen von Postsendungen", Vortrag von Oberpostinspektor Schneider. 18.35: Dr. Gottfried Benn, Vorlesung aus eigenen Werken. 19.30 vom Saalbau Frankfurt a. M.: 1. Montags-Konzert des Frankfurter Orchester- Vereins. 21.15: E-J-U-S, ein Hörspiel. Dienstag, 7. Oktober. 7.30 bis 8.30 Uhr: Frühkonzert. 12.20: Schall- Plattenkonzert: Sinfoniekonzert. 13: Sinfoniekon- zert. 15: Hausfrauen-Rachmittag. 16: Rachmit- tag-konzert. 18.05: „Kann die Medizin die Gefahren deS Kraftwagenverkehrs verringern?", Vortrag von Dr. Springer, Heidelberg. 18.35: „Was ist uns Steuben?", Vortrag von Dr. K. O. Bertling, Berlin. 19.30: Die Instrumente deS Orchesters. 20: Der Affenprozeh von Tennessee. 21.15: Klavierabend. 22: Harry Kahn liest aus eigenen Werken. Deutsche Sinclair Petroleum 6. m. b. H, Verkaufsbezirk Gießen An der Margarethenhütte 25 ■ Fernsprecher Nr. 4220 SinclairOPALINE Motor Oel Reparaturersparnis durch stets richtige u. sorgfältige Schmierung Größte Motorleistung durch restlose Treibkraftausnutzung 6802 D für hochkomprimierende Mofore Unwiderstehliche Kraft, sparsam, weil höhere Kilometerleistung, klopffest Benzin/Benzol Kraftvoll, nie versagend, immer wirtschaftlich, klopft nicht.