Nr. 206 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 4. September 1950 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Beilagea: Vie Illustriert, Stehen»! 3nmlltenbl4tttt tzeimal im Bild Di» Scholle Monat» Bezug,prets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei dichter- fcheinen einzelnerMummern infolge höherer Gewalt. Henisorechanfchlliff« anterSammelnummer22SI ln|d)rtf1 für vrahtnach- Lnnatz»» mb Anzeige» für di» lagesnummn bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeiqes von 27 mtu Brett» örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für 'Ne» klameanz»tg«n von 70 mm Brett» 35 Reichspfensig, platzoorfchrist 20' . mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wild. Lang«, verantwonlich für Politik Dr Fr Wilh. Can«; für Feuilleton Dr H.lhyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil SJlaj Filter, sämtlich in Giehen richten Anzetaer Siehe», p-klche-rtditto: >rantfunam Main 11686. vnick und Verlag: vrühl'sche Untverstlcklrvuch. nnö Stetnörnderei R. Lange in Siezen. 5chriftlettnng und SefchSftrftelle: SchnlNraße r. politisches Theaier Don unserer Dorliner Redaktion. Mit unserer Literatur ist es, gelinde gesagt, nicht gerade glänzend bestellt. Dir leben in einer Ueber^ng-zeit, die von dem Alten loswill und neue Formen lucht, die aber vorläufig weder seelisch noch geistig den Rhythmus ihrer Melodie gesunken hat. die sich aber leider auch beim Luchen nicht sonderlich grofteMühe gibt Mit der unvermeidlichen Folge eines allgemeinenDakuums. über das von der Seite der Betriebfamkeit her durch Schlagworte hinweggetäuschl werden soll. Sv entstand die Formel von der neuen Sachlichkeit, so ist auch daS Wort vom Zeit t Heater geboren, eine Verlegenheit »Prägung, bestenfalls eine Entschuldigung der Theaterdirektoren für ihren mangelnden Instinkt oder für die ideelle Leere deS Theaters Gewift, auch Schillers .Räu- der" waren Zeittheoter ebenso wie Hauptmanns .Weber" Aber die Handlung war doch wenigsten- von der dichterischen Seite her angepackt. Schiller hat ein Zeitthema aufgegriffen, um au- dicsen Röten der Zeit heraus ein Kunstwerk zu schassen, da» Ewigkeitswert beansprucht. Auch von Hauptmann Darf mit Einschränkungen daS gleiche gesagt werden. Ihre Epigonen von heute aber geben sich gar keine Mühe mehr, irgendwelche Derwandtschast mit der Literatur zu heucheln, sie sind rein auf daS Geschäftliche eingestellt und betreiben das Handwerk der nackten Reportage mit einer entwaffnenden Raivität Daran find wir nun allmählich so gewöhnt, dah eS schon kaum mehr auf fällt, wenn ein Anonymus eine Reihe von Bildern aas den Krieg»- tagen von 1914 zusammenstellt und daraus ein Theaterstück macht Mit solchen Stoffen muh der moderne Theaterkritiker schon lange rechnen. Aber c» häufen sich doch jetzt die Fälle, wo tatsächlich nicht» andere» übrig bleibt, al» dah der Theaterkritiker die Feder au- der Hand legt und dem Politiker da» Feld überlassen muh. E» ist mehr al» ein Zufall, dah am gleichen Abend in *toei Berliner Theatern dasselbe Thema unter fast dem gleichen 'Gesichtswinkel behandelt worden ist Die Tragödie de- Zusammenbruchs der deutschen Marine. Unter dem Titel .Feuer au» den Kesseln hat Toller daraus ein .historische»" Schauspiel gemacht, und eine Strafte weiter hat der Dramaturg de» Berliner Salon- bolschewi-mus Pi » cat 0 r ein Stück in die Hände bekommen, da» den bezeichnenden Hamen .De» Kaiser» Kuli' trägt, versaht von dem früheren Matrosen P I i v i e r in Anlehnung an fein gleichnamige» Buch Richt etwa, daft diese- Thema der Dramatisierung widerstände im Gegenteil, der Konflikt, der hier vorliegt. könnte schon einen Dichter reizen, aber e» muhte eben ein Dichter fein, der ein feine» Einfühlungsvermögen hat. nicht ein Mann wie Toller, der nur ein Revolutionsstück schreiben will, obwohl er wenigsten« hin und wieder auch echte Töne der Menschlichkeit findet Auch nicht ein Epiker wie Plivier, der den Dingen viel za nahe gestanden bat, al» dah er sich zu den elnsachsten Voraussetzungen der Objektivität durchringen konnte. Da» Problem der deutschen Kriegsschiffe war ein Stück Schicksal Hier saften Hunderte von Menschen Jahr um 3a&r unter räumlich begrenzten Verhältnissen aufeinander, abgeschlossen von der Auhenwelt, ständig auf dem Quivive und zerrieben sich daran, daft nicht« geschah Mit der notwendigen Folge, daft nun ihre Aufmerksamkeit übersteigert auf die eigenen Röte gelenkt wurde und hier Konflikte unbewuftt erzeugt wurden, die in anderen Verhältnissen überhaupt keine Konflikte gewesen wären, innerhalb der eisernen Wände deSPanzer- turm» aber Geben»beDeutung gewannen. Wer will hier Licht und Schatten gerecht verteilen. Wer will den Gtav brechen über die beiden Matrosen Köbis und Reichpietsch, die sich zu Wortführern ihrer Kameraden auftoarfen und deren Lo» um icden Preis glaubten bessern zu müssen. Wer will den Stab vrcchen über den Admiral, der eine Revolte in ihren Ansätzen glaubte ersticken au müssen und deshalb den Befehl zur Erschießung der beiden Rebellen gab Der Untersuchungsausschuss de» Reichstag» hat sich eingehend mit dem Fall beschäftigt und ist zu keinem klaren Urteil getommen. konnte auch nicht dazu kommen, weil hier zwei 3ntcreffcn- komplere aufeinander (Heften, die in der rauften Wirklichkeit wohl nur mit Gewalt zu lösen waren. Ein tragischer Konflikt also, der schon zu erschüttern vermag, der aber die Voraussetzung hat, dah Spieler und Gegenspieler auch in ihren Motiven mit der gleichen Liebe behandelt wurden. DaS hat Toller nicht einmal versucht, und Plivier nicht gekonnt, bei ihm begreiflich genug, eben weil er Miterlebender auf der Seite der Matrosen war. So sehen wir bei ihnen beiden eine Einseitigkeit der Darstellung, die gewollt ins Politische ftinctngcbi. Offiziere, die alle Laster gepachtet haben. Matrosen. die, wie ja auch der Titel PlivierS schon fugt. alS Kulis geschunden werden. Und das Ergebnis ist dabei zuletzt nicht mehr Theater. sondern politische Propaganda, Die Frage, woher PiScator auch diesmal wieder das Geld zu neuen Regieversuchcn bekam, beantwortet sich fast von selbst, dah ihm als Drahtzieher vielleicht die Kommunistische Partei zur Seite stand, die (ich aus dieser Art Theaterspie- lerci eine unbegrenzte und dazu billige Agitation versprach. Sei » drum, wenn andere Parteien sich Filme drehen lassen und ganze Jagdstaffeln engagieren, warum sollen die Kommunisten nicht schlechtes Theater für ihr gutes russisches Geld spielen lassen. Rur, man soll Da« Kind beim rechten Rainen nennen unD Dann nicht mehr von Theater, sondern von Oie Lleberreste der Andree-Expedition. Oie Untersuchung der Kunde in Tromsö. — Krankels Gebeine noch nicht geborgen. — Reue gut leserliche Tagebücher gefunden. — Oie Kommission hüllt sich in Schweigen. Stockholm, d. Sept (WTB s Die Untersuchung ber Andröe-Funde durch die Wissenschaftler hat laut Meldungen au» Tromsö ergeben, Daft die in dem Segeltuchboot der Andrce-Effpedition auf gefundenen Knochen nicht von einem Menschen, sondern von einem Eisbären herrühren. Die Gebeine Fränkels find also noch nicht geborgen. Man nimmt an. daft fein Skelett sich noch auf Vito befindet Das neue Tagebuch, das in einer der Dielen Taschen Andrees gestern noch gefunden wurde, ist gut lesbar. Bei der Untersuchung der Ueberrcfte der beiden Rordpolfahrer ist festgestellt worden, dah die organischen Teile beträchtlich zerstört sind Rlehr oder minder erhalten sind dagegen die Kl ei der Au» den in den Kleidern eingenähten Kennzeichen geht hervor, dah eS sich tatsächlich um die Ueberrefte von Andröe und Strind - berg handelt. Diele Teile der Skelette find erhalten geblieben. Andree» Kleider sind mehr oder minder zerr iss en. wahrscheinlich von B ä r e n Sein 3adett bedeckte den oberen Teil de» Körper» Unter dem Iakett wurden einige andere Bekleidung-gegenstände. Darunter eine Mütze, gefunden Aus dem Rücken de» Körpers fand man in ein Sacktuch eingewickelt ein wollene» Hemd, in dem zwei R 0 tizbü cher lagen. Do» eine von ihnen enthält nut auf den ersten Seiten Aufzeichnungen und ist im übrigen unbeschrieben Da» andere war da» Tagebuch der Wanderung über da» 2 i » Die» ist bi» jetzt und vielleicht überhaupt da» wichtigste Dokument über da» Lchicksal Der Expedition. Da» Tagebuch, da» zuerst gefunden wurde, und da» Dr. Horn an sich nahm, ist nämlich nur auf den ersten ©eiten beschrieben DaS Tagebuch, da» jeyt gefunden wurde, ist von der ersten bi» zur letzten Seite beschrieben Die Auszeichnungen, die im übrigen durchaus leserlich sind, wurden mit einem Bleistift gemacht Ueber den Inhalt deS zuletzt aufgefundenen Tagebuch Anftröe» find keine Mitteilungen zu erlangen. Die Sachverständigen haben anscheinend von der Regierung Instruktionen erbeten. Viel besprochen wurde die von einer Stockholmer Der Dampfer „Bratvoag" (rechts) mit den Leichen Vndrses und feiner Begleiter Das Bild wurde durch Flugzeug von Tromsö nach Stockholm befördert, von dort durch Bildfunk nach Berlin übertragen. Zeitung gebrachte Rachricht. derzufolge au» Dem Tagebuch hervor gehen soll, dah Fränkel während des Marsche» über Da» 2 l« u m k a m. Hierzu erklärt Professor G i t ft b e r g . er habe zwar selbst da» Tagebuch nicht gelesen, aber die anderen Kommissionsmitglieder hätten e» angesehen und würden ihn sicher aus etwa» Derartiges aufmerksam gemacht haben. Wenn das Tagebuch in den Händen der Regierung sei, werde über seine Veröffentlichung entschieden werden. Vorher werde niemand, außer der Kommission und den hier anwesenden Verwandten der ExpeditionSteilnehmer unterrichtet werden Professor Gltftberg erklärte, unter den Gebeinen in dem Rotsarg habe sich auch eines gefunden. von dem man nicht mit Bestimmtheit Jagen könne, ob es zu den anderen Gebeinen gehöre. SS sei wohl möglich, dah e i n Bär e S an die Stelle geschleppt habe, wo man die anderen Gebeine gefunden habe. Heute abend traf der Ingenieur Wallstroem. ein Verwandter deS Begleiters Andrees, Fränkel hier ein. Wallstroem erAärtc, daft die beiden Schwestern ZränkelS al» Anhaltspunkt für die Identifizierung angaben, daft Fränkel einen grauen Anzug getragen habe. Au her den Kisten mit den Gebeinen wurden da» Kajak und die anderen aufgefundenen Gegenstände in da» Hospital gebracht. Da» Tagebuch und Logbuch werden sobald wie möglich nach Stockholm geschickt werden. bolschewistischer Reportage sprechen, von einem lebendigen Tonfilm, der allerdings an den Pctemkin de» Russen Eisenstein nicht heranreicht Und man sollte e» nicht für möglich halten, daft die neu emporgekommene Schicht, die heute die Theater füllt, in Smoking und Abendtoilette diefem Bollchewismu». der sich doch unmittelbar gegen ihre ganze Existenz richtet, noch frenetischen Beifall zollt. Friedensgerüchte in Ehina. Ijd)ianfltoiid)ct verhandelt mit Mukdeu Schanghai, 3. Sept (Agentur Indo Pocisi- que.) Die politische Loge in China wird durch den Still st and der Regierungsofsensive an der gegenwärtigen Front gekennzeichnet Muk- den scheint sich auf eine Intervention vor- zubereiten um die Nanking-Partei au veranlassen, ihre Ossensioe fortzufegen Tschiangkai- schek sott mit der Mandschurei eine dahingehende Vereinbarung getroffen haben daft es notwendig sei, China in mehrere Provinz- gruppen ei n^u teilen nach dem Muster der ehemaligen kaiserlichen Statthalterschaften, unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen der verschiedenen Gebiete. Aus Grund dieses Planes würden Peiping und Tientsin zur Mandschurei kommen. Man spricht davon, dah die Annahme dieses Projekts durch die verschiedenen Parteien das Vorspiel eines baldigen Friedens fei. und man suche auch hierin die Erklärung dafür, dah drei Mandschu-Dwisionen die Grohe Mauer in Richtung Tientsin überschritten hätten Gegen dieHeligionsvenfolgungen in Rußland. Mürren, 3. Sept. (TU.) Der politische Ar- beitSauSIchuh des Weltbundes für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen hat zu den Religionsverfolgungen In Ruhland folgende Entschlieftung gefah: .Der Arbeitsausschuss des Weltbundes spricht allen Denjenigen leine Mitgefühle aus die in R u ft • lauft um ihres Glaubens willen leiden und bittet die Gänftcrpcreimgungen des Weltbundes, jede Gelegenheit in Rede, Schrift und sonstiger friedlicher Beeinflussung zu benutzen, um die öffentliche Meinung ihrer Völker dahin zu bestimmen, den ReligionSver- splgungen in Ruhland entgegenzutreten Diele» Vorgehen sott den Regierungen der verschieftenen Länder, den H a n - delSkreilen und führenden Persönlichkeiten zur besonderen Kenntnis gebrach! werden, damit sie sich an ine mahgebenden Stellen in Ruhland in geeigneter Weise wenden und so die unbehinderte Ausübung de» christlichen Glaubens und volle Glaubensfreiheit für alle Bewohner Der Union Der Sowjetrepubliken ficher- stellen." Ml «wechsel bei den österreichischen Heimwehren Sieg der gemäßigten Dichtung Starhemberg. - Annäherung an das Kabinett Schober. Die Ssterreichifchen Heimwehren haben in der Person deS Fürsten Starhemberg einen neuen Führer erhalten. Dr Steidle und Dr P f r i e m e r. die in den letzten Monaten durch ihren scharfen Kurs auffielen und für mand,-* Unstimmigkeiten innerhalb der Heimwehrbe- toeguug gesorgt Haven, sind bei Der Fuhrerwahl nicht wiedergewählt. Starhemberg steht jetzt allein an der Spitze ber Wehren. Er ist zwar nur mit einer Mehrheit von einer Stimme gewählt worden, also gegen eine starke Opposition Man darf aber Wohl annehmen, baß e» ihm gelingen wird, die Heimwehren wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen und vom politischen Tageskampf fernzuhalten. Starhemberg gefrört zu den gemäßigten Elementen. Seine Wahl wird allgemein al» e i n Erfolg des Bunde- kanzlerS Schober verbucht, der im Kampfe gegen die Sozialdemokratie auf die Unterstützung ber Heimwehren angewiesen ist. aber von diesen Bundesgenossen nur einen geringen Gebrauch machen könnte, solange Steidle den Ton angab. Die Heimwehren werden allo nunmehr wieder im Hintergrund wirken, die Absicht wird jedenfalls nicht verwirklicht werden, bei den bevorstehenden RatwnalratSwahlen eine eigene He i m we hr-Pa r t ei zu bilden und auf diese Weise Die antifoziallstifche Front zu sprengen oder zu schwächen. Arbeiten Schober und Starhemberg vernünftig zusammen und sieht Die Opposition innerhalb der Heimwehren Die Zwecklosigkeit des Sve Hie-Kurses ein. (Starte Erregung in Argentinien. Buenos B i r e s, 4. Sept (TU.) Der Führer bet Regierungspartei richtete an den Präsidenten Jrigogen die Aufforderung, zurückzu- treten. Der Präsident lehnte es ab und erklärte, dah er die weitere Entwicklung abwarten wolle. Die Meldung, dah Drigotjen zum Rücktritt aufgeforberl wurde, ihn jedoch verweigerte, hat die starke Aufregung der politischen kreise erhöht. Die fiablnetlsmitglieber beraten hinter oertchios- lenen Türen weiter. Die Führer ber Radikalen Partei hielten eine Geheimsihung ab Die Oeffent- llchkeit erwartet beinahe stündlich Ankündigungen von poiitischer Tragweite. 3rlgogen soll k r a n k sein. Innenminister Gonzales soll die laufenben Geschäfte erledigen. Etwa 50 Kongreßmitglieder sollen In einer öffentlichen Versammlung eine Entschließung angenommen haben. In ber ble Politik bts Präsidenten Jrigogen verurteilt wirb. barm wird die Dahl de» Fürsten Starhemberg zur Inneren Gesundung deS österreichischen Staate» wesentlich bei tragen können. Oer Eindruck in Wien. Wien. 3 Sept. (TU.) Der Rücktritt bet beiden bisherigen Führer der österreichifchen Heimwehren, Dr. Steidle unb Dr. Psriemer, hat grafte» Aufsehen erregt. Die Abenbblätter berichten spaltenlang über bie Vorgänge und ergehen sich ausführlich in Wutrnaftungen über Die künftige Taktik ber Heimwehr unter Führung de» erst 30jährigen Fürsten Starhemberg. Allerbing» ftanbeü e» sich dabei um btofte Vermutungen. Die Tatsache, baft auch bie beiden Mitglieder ber engeren Bundes- füftrung, Staatsleiter Rauter unb Ober- e g g e r . ihre Aemter zur Verfügung gestellt haben, läftt erkennen, baft bie neue Führung bei geteilten Teilen ber Bewegung auf Widerspruch Itoften wirb. Bei bem guten Verhältnis zwilchen bem Fürsten Starhemberg unb Bundeskanzler Dr. Schober rechnet man mit ber Unterstützung ber Regierung bei ben bevor- stehenben Wahlen burch bie Heimwehren In Der Aussprache vor Der Wahl zeigte sich, daft Die Ausweisung be» WajorS Pabst weite Kreise ber Bewegung in eine Gegnerschaft »um Bundeskanzler Dr. Schober gebracht hat, Die nur schwer überbrückt werden konnte. Das deutsche Programm für die Dölkerbundstagung. Einigun । im Reichskabmett. B e r l i n, 3. Sept (WTB.) Amtlich. Anläßlich der bevorstehenden Abreise der deutschen Delegation zur Genfer Völkerbundstagung fand heute unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning eine Aussprache über die auf der Genfer Tagung zur Erörterung kommenden Fragen sowie die damit zusammenhängenden außenpolitischen Probleme stall. Die eingehende Aussprache in dem Rlinisierkreise führte zu einer völligen lleber- e i n st i m m u n g mit dem vortrage des Reichs- Minister» des Auswärtigen Dr. L u r t i u s. Der Reichskanzler stellte abschließend die einmütige Zustimmung des Reichskabinetts zu den Ausführungen seiner Trierer Rede fest, wonach Kanzler und Außenminister verfassungsmäßig für die Führung der Außenpolitik allein verantwortlich sind und Voraussetzung für Stabilität und Konsequenz einer erfolgreichen Außenpolitik das Weiterschreiten auf der bisherigen grundsätzlichen Linie bildet. Das Reichskabmett beschäftigte sich dann mit den Problemen, die in Genf zur Erörterung stehen werden. Die diesmalige Genfer Tagesordnung ist ziemlich umfangreich, was Deutschland davon besonders interessiert, sind vor allen Dingen: Danzig, die Minderheitenfragen, der Saarschuh und die Aussprache über das Problem Europa. In der Frage der Bahnschuhkräfte im Saargebiet ist der deutsche und der französische Standpunkt dem Prinzip nach eigentlich gleich. Frankreich hat immer den Standpunkt vertreten, der auch noch in einer amtlichen französischen Mitteilung nach der Räumung zum Ausdruck gekommen ist, daß der Bahnschuh die Aufgabe hatte, die rückwärtige Verbindung zur Besahungvarmee zu sichern. Diesen Standpunkt hat sich Deutschland zu eigen gemacht, indem es verlangt, daß der Bahnschuh nun a u f g e l ö st werde. Der Einwand, daß auch ein Schuh für dieRegierungskommission nötig sei, wird oon Deutschland mit dem Hinweis darauf entkräftet, daß dafür ja die P o l i z e i t r u p p e n des Saargebietes selbst zur Verfügung stehen. Die Besprechungen über das Problem Europa werden bekanntlich zu Beginn der Ratstagung einsehen. Der deutsche Standpunkt ist aus unserer Antwortnote hinreichend bekannt. Man wird abwarten müssen, ob auch der Völkerbund sich diesmal bereits mit dem Brlandschen Europagedanken beschäftigen wird. Pon deutscher Seite würde das jedenfalls begrüßt werden. Nachdem alle diese Fragen heute im Kabinett ducchberaten und somit die Richtlinien der deutschen Delegation für die Genfer Verhandlungen ausge- orbeitet worden sind, haben die Mitglieder des Kabinetts zum Teil Berlin wieder verlassen, zum Teil werden sie, wie z. B. der Reichskanzler, morgen abrelsen, um den Wahlkampf forlzuführen. —•- Sozialdemokratie und Regierung. Eine Anfrage Brauns an den Reichskanzler Elbing, 3. Sept. (WTB.) 3n einer Wahlversammlung erörterte Ministerpräsident Dr. Braun die Möglichkeiten nach der Reichstags- p>ahl. Bestehen die Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien darauf, das Finanz-, Wirtschafts- und Arbeitslosenproblem ohne und gegen die Sozialdemokratie zu lösen, dann kommt es zweifellos zu schweren parlamentarischen Kämpfen. Herr Treviranus hat in einer Wahlversammlung hi Mainz gesagt, die Regierung lehne es ab, das große Reformwerk mit Hilfe der Sozialdemokratie zu erledigen. Ich weiß nicht, ob Herr Treviranus autorisiert ist, für die gesamte Reichs- regierung zu sprechen. Ich möchte hier auch hinsichtlich der Außenpolitik an den Herrn Reichskanzler die Frage richten, ob er derselben Auffassung ist wie Herr Treviranus und ob sich die Regierung in ihrer Gesamtheit heute schon darauf festlegen will, die Mitarbeit der Sozialdemokratie abzulehnen. Die Sozialdemokratie habe sich in entscheidenden und schweren Augenblicken der deutschen Geschichte der Rachkriegszeit niemals gescheut, Verantwortung zu übernehmen. Es gehe aber nicht so, wie es manche bürgerlichen Parteien gern haben wollten, daß sie die Verhältnisse nach ihren Grundsätzen regelten und sie der Sozialdemokratie zumuteten, lediglich die Verantwortung zu übernehmen. Rach der Wahl werde es sich darum handeln, entweder mit derSozialdemokratieodermitHerrn Hugenberg und den Rationalsozia- I ist en eine Regierung zu bilden. Aber es sei auf die Dauer nicht möglich, gegen die Sozialdemokratie zu regieren, weil sie auf einer völlig geschlossenen einheitlichen Front dastehe, was man außer dem Zentrum von keiner der anderen politischen Gruppen sagen könne. Wir wissen nicht, ob und was der Reichskanzler aus die Anfrage des preußischen Ministerpräsidenten antworten wird. Sachlich kann die Antwort aber eigentlich nur so lauten, daß die Sozialdemokratie nach ihrem Versagen in den letzten Jahren einmal den Beweis zu liefern hat, daß sie zur verantwortlichen Beteiligung an den Re ich s g eschäf t en in der Lage ist. Bisher hat sie sich stets seitwärts in die Büsche gedrückt, wenn es einen unpopulären Beschluß zu fassen galt. Das ganze Gerede über die Frage, ob die Sozialdemokratie zu den „staatsbürgerlichen" Parteien zu rechnen sei, ist daher müßig. Wir wollen ruhig die kommende Entwicklung abwarten. Hugenberg spricht wieder. M ü n st e r, 3. Sept. Der Führer der Deutsch- nationalen VolkHpartei, Geheimrat Hu gen« berg der, wie gemeldet, am Montag in Bochum infolge Erkrankung am Sprechen ge- hindert war, sprach am Dienstagabend wieder in einer Versammlung, die wegen starkem Andrang polizeilich gesperrt wurde. Geheimrat Hugenberg verbreileie sich über F a-en der deutschen Innenpolitik und wandte sich insbesondere gegen das Zentrum. Es mu||e im Reiche und in Preußen scharf und entschieden gegen d i e Mu rxisten regiert werden. D e nationalen Minderheiten tagen in Genf In Genf ist der 5. Europäische Minder h e i tenkongreß zusammengetreten. Er findet eine Fülle von Arbeit und — Beschwerden vor. Denn die Lage der Minderheiten hat sich in den letzten Jahren eher verschlechtert als verbessert. Don kleinen Lichtblicken abgesehen, sind alle „Staatsvölker" dabei, die Minderheiten zu drangsalieren und sie ihrer einfachsten kulturellen Rechte zu berauben. Es ist kein Geheimnis, daß in Polen der Wahlkampf jetzt mit den Mitteln des äußersten Terrors gegen die Minderheiten, und insbesondere gegen die Deutschen, geführt werden soll, daß man in Warschau die Parole ausgegeben hat, kein deutscher Vertreter dürfe in den neuen Sejm einziehen. Die heute maßgebenden Staatsmänner Europas stehen den Minderheitenfragen mit völligem Unverständnis gegenüber. Besonders D r i a n d hat auf Grund seiner französischen Einstellung nicht das geringste Verständnis für die Probleme, die in Wahrheit Mittelund Osteuropa bewegen und deren Bewältigung in fortschrittlichem Sinne die Voraussetzung für einen wahren europäischen Frieden ist. Dri- ands Paneuropa-Plan ist so lange hohles Geschwätz, als die Vorbedingung en für das friedliche Zusammenleben der Völker in Europa nicht hergestellt sind. Alle Versuche, im Rahmen des Völkerbundes eine Besserung zu erzielen, sind bisher kläglich mißlungen. Stresemanns Vorstoß in Madrid hat zwar zu dem Ergebnis geführt, daß künftig die Entscheidungen des Völkerbundsrates über die Minderheitenbeschwerden veröffentlicht werden, aber es hat sich inzwischen herausgestellt, daß dies für die praktische Bewältigung der Probleme nicht im geringsten Erfolg hat. Der Völkerbund in seiner heutigen Verfassung ist ein völlig ungeeignetes Instrument für die Lösung der Minderheitenfrage. Diese kann nur aus der wachsenden Erkenntnis der Staaten herausgeboren werden, daß bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Methoden eines Tages verschiedene Pulverfässer in Europa explodieren müssen. Uebrigens hat auf dem vorigen Minderheiten- kongreh die verhätschelte polnische Minderheit in Deutschland einen großen Krach provoziert, weil die Vertreter der angeblich friesischen Minderheit in Deutschland nicht zugelassen wurden. Das ist eine lächerliche Komödie. Denn es gibt in Deutschland in Wahrheit keine friesische Minderheit, sondern lediglich ein paar bezahlte Subjekte, die sich für gutes Geld dafür hergeben, eine solche zu markieren. Es ist natürlich nicht der Sinn der Minderheitenbewegung, durch fremdes Geld k ü n st l i ch Strömungen gegen Staaten hervorzurufen, die man gern schädigen möchte. Gerade die polnische Minderheit in Deutschland, der bisher ein oft unverständliches Entgegenkommen bewiesen worden ist, hätte alle Veranlassung, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben. Denn liberaler als Deutschland kann kein Staat den Minderheiten gegenübertreten, und die Deutschen in Polen wären heilsfroh, wenn sie nur einen Teil des Rechts genössen, dessen sich die Polen in Deutschland erfreuen. Es ist dringend zu hoffen, daß sich der Minderheitenkongreh durch diese Quertreibereien nicht Sand in die Augen streuen läßt. Dänische Sümmungen und Verstimmungen Von Dr. Dr. Friedrich Lange. Dänemark ist mißvergnügt. Im Zeichen von Versailles sind das allerdings heute mehr oder weniger die meisten europäischen Länder und Völker, die einen, weil aus ihrer Haut Riemen geschnitten wurden, die anderen, weil sie glauben, nicht genug bekommen zu haben oder demnächst das Bekommene wieder zu verlieren. Europa ist im Zeichen dieses „Friedens" in Gärung geraten. Vor allem das Wort vom Selbstbestimmungsrecht. hat gezündet, auch da, wo es seine Urheber am wenigsten vermuteten. Das bekommt gerade Dänemark jetzt zu spüren. Die we st indischen Besitzungen gingen für schnöden Mammon in amerikanische Hände über. Das wirtschaftlich und noch mehr seelisch wertvolle Island sagte sich los und ist mit Dänemark nur noch durch Personalunion verbunden, und zwar zunächst auch nur bis 1940, wo die Isländer vertraglich das Recht haben, über ihre künftige Staatsspihe in voller Freiheit zu entscheiden. Grönland, das erst jetzt durch den Luftverkehr wertvoll zu werden beginnt, wird von Norwegen beansprucht: die Reibungen zwischen dänischen und norwegischen Fischern hören nicht auf und immer wieder sprechen nur unvollständig „berichtigte" Rachrichten von einem Verkauf ganz Grönlands oder wenigstens seines östlichen Teiles an Norwegen. Die Dänen hatten bekanntlich in Friesland versucht, die 20 000 eigensprachigen, aber deutsch fühlenden Friesen in ihrer L^ichstreue wankend zu machen: das mißlang, aber gleichzeitig traten die seit der Jahrhundertwende langsam erwachten ebenfalls 20 000 Färöer energisch auf, um zwischen sich und dem Dänen- tum einen vollständigen und endgültigen Trennungsstrich zu ziehen. 3m Juli dieses Jahres kam es bei der Iahrtausendfeier auf Island und einer 900-Iahrfeier auf den Färöern zu bitterbösen Zwischenfällen zwischen den Vertretern der Färöer und den Dänen, die im Hauptort Thorshavn zur öffentlichen Schändung der dänischen Flagge und zur Unterbrechung der Feierlichkeiten führten. Die Unabhängigkeits- bewegung („Selvstyre") hat die Mehrheit der Landesbewohner hinter sich. Auf der Ostseite des Oeresundes hatte Dänemark in der schwedischen Provinz Schonen, wo als besondere Mundart das „Ostdänische" gesprochen wird, mancherlei Sympathien: sie sind zerronnen, selbst die üblichen Wochenendfahrten nach Kopenhagen werden seltener, seitdem die schwedischen Heimatvereine die Aufmerksamkeit der Bewohner auf die Schönheiten auch des südlichen Schwedens gelenkt haben. Roch schroffer und für die Dänen schmerzlicher ist die geistige und seelische Entfremdung Rorwe- §e n s: das bodenständige Bauerntum, das z. B. ie Umbenennung Kristianias und Trondhjems (Drontheims) in Oslo und Ridaros erzwungen hat, will alle Spuren der mehrhundertzährigen dänischen Herrschaft austilgen und hat erreicht, daß auch Gebildete sich wieder häufiger der altnordischen Sprechweise bedienen. Das selbstbewußte und bei seiner stolzen Geschichte mit Recht selbstbewußte Dänentum flam« mert sich angesichts dieser Schicksalsschläge doppelt hartnäckig an den nordschleswigschen Gewinn und hat im übrigen zunächst Vogel- straußpolitit getrieben, den Kopf in den Sand gesteckt. Aber die Mißerfolge häufen sich derart, daß diese Taktik nicht mehr durchzuhalten ist. So kam es zu einer Scheidung derGeister. Die einen, vornehmlich die Sozialdemokraten, ziehen mit fast brutaler Offenheit die Folgen: sie wollen mit der dänischen Ueber- lieferung und deren ehrgeizigen Ansprüchen brechen und sich damit begnügen, daß das klein gewordene Dänemark ein Musterland und Mustervolk für viele Rationen sein soll. Sie erklären, daß Grönland nur unproduktive Kosten verursache, daß Island und die Färöer ihre Strafe finden würden, wenn demnächst der britische Imperialismus sie verschlinge, und daß die Rorweger sozusagen „im eigenen Fette schmoren" mögen: sie vertreten die radikale Abrüstung und internationalen Wirtschaftsfrieden. Vom dänischen König sprechen und schreiben sie als von „Christian dem Letzten" ... Andere suchen neue Betätigungsfelder, neue Freunde und mit ihnen neue nationale Entfaltung. Hier setzen die Hoffnungen der Polen ein. Seit dem Besuch ihres Handelsministers Kwiatkowski in Kopenhagen bearbeiten sie die dänische Oeffentlichkeit mit unglaublicher Hartnäckigkeit. Sie schüren die Mißstimmung über, die deutsch-finnischen Butterverhandlungen. Sie versuchen die nordschleswigsche Frage als Sprengpulver gegen deutsch-dänische Annäherung und verwenden und umwerben auf ihre Art die dänische Eigenliebe: Den Dänen, die mit polnischem Staatsgeld den Hafen von Gdingen gebaut haben, wird Hoffnung gemacht, sie könnten für Polen gut bezahlte Lehrmeister in der Seeschiffahrt werden, vielleicht sogar Dauerangestellte, denen die Polen, die Verwaltung ihrer Schiffahrtsinteressen überlassen würden wie ein Kaufmann einem jungen Mann die Portokasse. Allerdings bedanken sich gerade die besten Dänen für diese Zumutung. Zu oft hat dänischer Weitblick seine Geschicklichkeit bewiesen, Heiraten und Bündnisse zu knüpfen, hoffnungslose Bundesgenossen aber rechtzeitig abzuschütteln, als daß man nicht in Kopenhagen die internationale Schwäche der polnischen Stellung erkennen würde. Wie man am Oeresund zunehmend überschaut, ist die Frage, ob Versailles abgeändert werden mutz, grundsätzlich so gut wie entschieden und die Frage ist heute mehr, wer beteiligt sich an der Abänderung, wer findet rechtzeitig den Anschluß an die kommende Reuordnung. Einer Umsetzung solcher Erkenntnisse in Entschlüsse und Taten aber stehen, das darf nicht verkannt werden, erhebliche stimmungsmätzige Bedenken entgegen. Trotz der engen Verwandtschaft und zahlreicher Wirtschaftsbeziehungen werden die deutsch-dänischen Beziehungen noch beschattet von einer Bereitschaft zu gelegentlichen kleinen Unfreundlichkeiten, um nicht zu sagen tleinen Bosheiten, die nicht gar so arg gemeint, aber auch von einer Art Scha-r denfreude nicht weit entfernt sind. Vielleicht liegt es daran, daß große Teile beider Völker sich nach wie vor innerlich fremd gegenüberstehen und einander nicht kennen. Bessere persönliche Kenntnis würde sicher manche Verstimmungen beseitigen und die Stimmung hüben und drüben freundlicher gestalten. Oer Fünfjahresplan. «talin ruft zur Zusammenfassung der Kräfte. K o w n o, 4. Sept. (TU.) Wie aus Moskau gemeldet wird, richtet der Zentralausschuß der Kommuni st ischen Partei im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Beginn des neuen Wirtschaftsjahres einen Aufruf an alla Partei- und Wirtschaftsorganisationen, in dem auf die Rotwendigkeit einer Zusammenfassung aller Kräfte zur Durchführung des Fünfjahresplanes hingewiefen wird. In dem Aufruf werden die Erfolge aufgezählt, dis der Fünfjahresplan gegenüber der Dorkriegsproduktion bereits erbracht habe sowie u. a. darauf verwiesen, daß allein der Zuwachs der Industrieerzeugung im dritten Jahr die gesamte Vorkriegsproduktion erreichen werde. Dennoch dürfe nicht übersehen werden, daß die Produktionssteigerung hinter den im Plan vorgesehenen Zahlen zurückbleibe. Der Plan fordere eine Steigerung von 32 Prozent, während bisher nur 27 Prozent erreicht worden seien. Schließlich fordert der Aufruf eine Reihe von einschneidenden Maßnahmen, um die Durchführung des Fünfjahresplanes der Wirtschaft zu gewährleisten, von der der sozialistisch- Aufbau abhänge. Verhaftung von Gegenrevolutionären. K o w n o, 2. Sept. (TU.) Nack einer amtlichen Meldung aus Moskau ist die GPU. einer großen Organisation auf die Spur gekommen, die sich den Sturz des Sowjetreaimes zum Ziel gesetzt hatte. Es wurden etwa 20Per fönen verhaftet, unter denen sich u. a. Suchanow, Gromow, Karamsin, Rymsa und Schirowsky befinden. Nach dem amtlichen Bericht haben die Verhafteten ein Geständnis abgelegt. Sie sollen geheirneBe- ztehungen zum Ausland unterhalten und auch mit führenden Persönlichkeiten des S ch a ch t y Prozesses in Verbindung gestanden haben. Die Untersuchung ist nach Mitteilung der GPU. noch nicht abgeschlossen. Alle Verhafteten sollen der russischen Intelligenz angehören und sich im Jahre 1917 bereiterklärt haben, mit den Sowjets zu arbeiten. Besondere Beachtung hat die Verhaftung Gromows gefunden, der einer der bekanntesten Fachmänner auf dem Gebiete der Landwirtschaft ist. Oer Bombenlegerprozeß. Altona, 3. Sept. Im Bombenlegerprozeß er» klärte Untersuchungsrichter Dr. Masur, für eine direkte Mitschuld des Angeklagten Hamkens ließen sich Beweise nicht erbringen. Klaus Heim habe das Vorgehen seiner Anhänger nicht nur gebilligt, sondern selber gewollt und veranlaßt. Heim habe jedoch immer nur gesagt, er wisse von nichts und habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Dolck habe sich auch an Justizrat Claas gewandt, um 100 000 Mark für die Landvolkbewegung zu erhalten. Die Verhandlungen find aber gescheitert. Auch Kapitän Ehrhardt habe seine Hilfe verweigert. In Italien seien ihm von dem Kriminalkommissar Teichmann 50 000 Mark geboten worden, wenn er die Hintergründe der Landvolkbewegung aufdecken und Ehrhardt, Claas oder Hugenberg der Strafverfolgung ausliefern würde. Zum Kapitel „Pressefreiheit" in Preußen. Breslau, 3.-Sept. (TU.) Wie die „Schief. Z tg." berichtet, hat der preußische Minister für Handel und Gewerbe an die ihm unterstellten Behörden in den Provinzen Rieder- und Oberschlesien folgenden MTah herausgegeben: „Mir ist bekannt geworden, daß die „Schlesische Zeitung" eine ausgesprochen staats- und republikfeindliche Haltung einnimmt. Im Einvernehmen mit dem Herrn Ministerpräsidenten ersuche ich deshalb, dieser Zeitung im Bereich meiner Verwaltung Inserat- und Druckaufträge nicht mehr zu erteilen." — Die „Schlesische Zeitung" hat bekanntlich die Oeffentlichkeit dieser Tage davon unterrichtet, daß die preußische Staatsregierung im Begriffe sei, mit dem tschechoslowakischen Schuhfabrikanten Bata einen Vertrag zu schließen, nach dem Bata der Ankauf von Gelände und großen Fabriken in Oberschlesien ermöglicht wird. An zuständiger preußischer Stelle in Berlin wird indessen entschieden b e st r i t t e n. daß der Erlaß des Handelsministers irgend etwas mit der Bata-Angelegenheit zu tun habe. Vielmehr sei das Verbot schon seit einiger Zeit beabsichtigt gewesen, die Veröffentlichung habe sich auf dem amtlichen Wege aber etwas verzögert. Oie französischen-Manöver in Lothringen. Paris, 4. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die großen französischen Herbstmanöver in Lothringen haben heute um Mitternacht begonnen. An den Manövern nehmen zahlreicheFlugzeug- geschwader teil. Besondere Beachtung verdient jedoch die Verwendung von Motorfahrzeugen, denn es handelt sich bei diesen Manövern nicht um einen Stellungs-, sondern um einen Bewegungskrieg, bei dem die Beweglichkeit und praktische Verwendung der neuen Kavallerie- regimenter ausprobiert werden soll. An den Manövern nehmen zahlreiche Gäste teil, u. a. die Militärattaches von Italien, Japan, Großbritannien. der Tschechoslowakei und der Vereinigten Staaten, ferner eine polnische, eine Schweizer und eine spanische Militärmission. Aus aller Welt. Diamond nach USA. abgeschoben. Nachdem die amerikanischen Behörden auf die Auslieferung Diamonds verzichtet haben, haben die deutschen Behörden beschlossen, Diamond als lästigen Ausländer auszuweisen. Diamond wurde bereits am Mittwochabend abgeschoben. Er wird in Begleitung von drei Kriminalbeamten nach einem norddeutschen Hafen gebracht werden. Um 22.16 Uhr verließ der Transport Köln in Richtung Bremen—Hamburg. Diamond wird auf einen Dampfer übergeführt, der bereits Donnerstag nach Neuyork abgehen soll. Da Diamond es immer verstanden hat dem Nachweis auf unmittelbare Beteiligung vieler ihm zur Last geleigter Verbrechen zu entgehen, beschränkt sich sein offizielles Schuldkonto auf die Ermordung des Ga st Wirts Harry Western, der sich weigerte, Bier von ihm zu beziehen, sowie auch die Anschuldigung einer Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates. Schwerer Wirbelsturm über den Antillen. Ein Wirbelsturm hat den größten Teil Santo Domingos verwüstet und sich jetzt rückwärts gegen Haiti gewandt. Kuba scheint nicht gefährdet zu sein. Meldungen aus San Juan (Portorico) drücken die größten Befürchtungen für das Schicksal von Santo Domingo aus. Der Wirbelsturm jagte mit einer Stundengeschwindigkeit bis zu 180 Meilen dahin. Der Dampfer „Coamo" vermochte nicht, seine Passagiere an Land zu sehen, und mutzte des- halt nach San Juan zurückdampfen. Die Funkverbindung mit dem Dampfer „Coamo" ist abgerissen. — Das amtliche Wetterbureau in Washington hat die Schiffahrt gewarnt. Ein einträglicher Ozeanflug. Der Flieger C o st e s erhält auf Grund seines Fluges den Rang eines Kommandeurs der Ehrenlegion. Costes hat einem Mitarbeiter des „Matin" mitgeteilt, daß derjenige Flieger, der den Flug Paris — Neuyork verwirkliche, auf Grund verschiedener Verträge die Gewißheit habe, 2 000 000 Dollar zu verdienen. Bekanntlich gewinnt Costes auch den von dem amerikanischen Obersten Easterwood ausgesetzten Preis von 25 000 Dollar, wenn er sich nach seinem Fluge Paris—Neuyork nach Dallas im Staate Texas begibt. Flugzeugunglück an der spanischen Küste. Eine Flugzeugkatastrophe, die acht Menschenleben forderte^ ereignete sich in der Nähe von K a p P r i o - rino Grande. Ein Dornier-Seeflugzeug, das an den spanischen Flottenmanövern teilnahm, fing aus nicht geklärter Ursache Feuer und stürzte ins Meer. Konteradmiral Jaime Plana, zwei Offiziere und fünf Bordmonteure kamen um. Tosccmini bleibt in Bayreuth. Toscanini will seinen ständigen Wohnst h in Bayreuth nehmen. Wahrscheinlich wird der große Dirigent, der im vergangenen Jahr seinen Vertrag mit der Mailänder Skala nicht erneuern wollte, die musikalische Leitung der Bayreuther Fe st spiele übernehmen, nicht nur für das Jahr 1931, für daS er bereits längst verpflichtet ist, sondern für die Zukunft. Aus der Provmzialhaupifiadt. ® t e « n, ben 4 September 1930. Dem Herbst entgegen. Denn nach der Ernte der Wind über die Stoppelfelder weht, tocnn in den Gärten die Sonnenblume in golbncr Pracht ihr Haupt erhebt über bie im Blütenfchmude ftehenben Gevr- ainen. Dahlien und Aftern, dann hält der Herbst feinen Einzug und bringt unS feine Hellen Tage mit der klaren Atmosphäre. die dem Auge de- Wanderer- einen falt unbegrenzten Blick in di« Weite gestattet. Die Tage haben schon bedeutend abgenommen. Dichter, feuchter Hebel lagert am frühen Morgen über Feld und Flur. Alle- Blattwerk der Pflanzen ist infolge der Hellen Rächte mit dichtem Tau bobedi. der sich mit der fortschreitenden Jahreszeit bald in Aeif verwandeln wird. Rach- dem das Grummet eingebracht ist, bildet bald die blattlose Herbstzeitlose den letzten Schmuck der Wiesen. DaS Heer der lieblichen Sänger in Wald und Feld und ®arten schickt sich an zur Abreise nach dem Süden, auf den Dächern und auf den Telcaraphendrahten versammeln sich in Scharen die Schwalben und zwitschern ihr Ab- fchiedSlied. Die Obstbäume, die Dorf und Stadt Mit einem Kranze lieblich umgeben, spenden ihre Früchte. Die Pflaume bedeckt sich mit blauem Dult, Birnen und Aepfel röten ihre Wangen, und der Weinstod läßt seine Trauben im vergoldenden Strahle der Herbslsonne erglänzen. Die Bäume und Sträucher deS Garten- erfreuen daS Auge durch ihre herrliche Farbenpracht 3m Felde Sieht der Pflug wieder feine Furchen, über die kleine Spinnen mit ihren zarten Seidenfäden feine Hetze spinnen, in die die Tautropfen deS herbstlichen Morgen- gleich glitzernden Diamanten eingewebt erscheinen. Der scharfe Wind führt dann die zarten Gespinste hoch in der Lust weithin fort, und tm Sonnenschein sliegt der .Altweibersommer" in der Luft und seht sich oft auf dem Hute deS Wanderer- fest. Jetzt ist die beste Zeit gekommen zu Fuhwanderungen. Darum hinaus, Menschenkind, in die herbstliche Hatur, hinaus in Feld und Wald und Flur, bald kommt der Winter der unS wieder in unseren Wohnend Arbeit-raumen lange genug festhält! Wenn mit dem weiter fortschreitenden Herbste die Hatur allmählich zur Ruhe geht, dann hat sie. gleich einer guten Hau-mutter, bereit- alle« für den künftigen Lenz vorbereitet, damit er sie nicht überrofche. Die Bäume haben Stärkemehl und Eiweiststosse im Innern al- Borrat für da- Frühjahr ausgespeichert: di« Stauden haben unter der Erde Magazine angelegt, wo sie die Vvr» rotSstoffe in den Wurzelsloden, Knollen und Zwiebeln angesammelt haben. Auch die Laubknospen für da- nächste Jahr find bereit- angelegt und durch die von Harz durchtränkten Schuppen sorgfältig geschützt. in den Blütenknospen sind schon Kelch. Blumenkrone. Staub- gesäste und Stempel vorhanden, selbst der Blütenstaub ist bereit- in den Staubbeuteln gebildet. So ist eS nicht die abnehmende Wärme allein, die allem Wach-tum ein Ziel setzt, sondern die Hatur hat sich erschöpft, fi« hat alle ihre Schätze, die sie hervorzubringen vermag, aus- gegeben und kann nichts Heues mehr hcrvor- bringen. Wenn einmal ein warmer, heiterer Himmel die Dauer deS Sommers ungewöhnlich verlängert, so kommt eS bisweilen vor, daß die für das nächste Jahr bestimmten Änofpcn hervorbrechen, dah die Bäume sich neu belauben und zum zweiten Male blühen, aber bald findet dieser zweite, krankhafte Frühling sein rasche« Erab in den Frösten des zur Herrschaft gelangenden Winters, der mit den vorzeitig auS- gebrochenen Blättern und Blüten zugleich auch Vie Hoffnung auf daS nächste Jahr zerstört. Wenn dann mit dem Eintritt der ersten Fröste die Blatter von Baum und Strauch dem Tode anheimfallen, so sind die Stosse, aus denen sie aufgebaut worden sind, keineswegs der völligen Vernichtung preisgegeben. Die Verwesung zerlegt daS Zellengentst und die in ihm noch vorhandenen Beste der Kristalle und Salze, die die Pflanz« nicht in sich zurückgezogen hat. in ihre Grundstosfe, in Kohlensäure, Wasser. Kali- und Ammonsalze, alle- schon sehr wichtige Rah- rungSstoffe für die Pflanzen im kommenden Jahre. Dies« ruhen dann im Boden, ober fi« schwingen sich auf in- Luftmeer, bis die Früh- ling-wärme sie wieder dem jungen, keimenden Leben auf der Erde zuführt. AuS diesen Stoffen fchöpsen die Pflanzen neue Kraft, neue- Leben. Durch Taufende von Wurzelsasern dringen sie, im Walser aufgelöst, in die Pflanzen ein. und wenn die Rescrvestosse die DIattfnofpcn zur Entfaltung gebracht haben, dann nehmen auch die jungen Blättchen die Kohlensäure au- der sie umgebenden Lust mit Begierde auf, um daraus unter der Einwirkung des Sonnenlichte- die unentbehrliche Stärke zu bereiten. Go werden alle Blattüberreste wieder verbraucht, indem sie zu notwendigen Faktoren beim Ausbau neuer Formen werten. Ss gibt daher in der Hatur keinen eigentlichen ewigen Tod. Aus den Trümmern und dein Moder des Vergangenen erhebt sich immer wieder da- Leben der kommenden Geschöpfe und Geschlechter, alle-, was schon da war, lebt wieder auf, nur in neuer Gestalt und Form. So ist in dem Kreislauf des Jahres die Ent- Wickelung und der Hiedergang der Vegetation einem großen Drama vergleichbar, dessen Verlauf wir mit Spannung verfolgen, und so oft es sich vor unseren Augen abspielt, so erscheint es uns bei jeder Wiederholung doch neu und offenbart uns neue, bisher übersehene Schönheiten Gr Nationalsozialistische Wahlfordeningen ■3n einer sehr gut besuchten Wählerverjammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die am Dienstagabend in der Turnhalle am Os- waldsgarten stattfand, vertrat Lehrer Rings- Haufen aus Offenbach die nationalsozialistischen Forderungen zur bevorstehenden Reichstagwahl. Er forderte, daß das deutsche Lolk sich selbst um feine Politik kümmere, anstatt sie „von anderen" machen zu lassen. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei allein vertrete das wahrhaft deutsche Volk aller schassenden Stande. Wer sich zu der Front der deutschen Schassenden rechne, müsse sich fragen, ob cs nicht auch für ihn richtig sei, dem Nationalsozialismus auf dem Weg in die Freiheit zu folgen. Zwar sei das deutsche Volk in seiner Gesamtheit nach dem Zusammenbruch von 1918 und den Wirkungen der nachfolgenden Jahre auch heute noch krank, aber gestützt auf seine starken seelischen und sittlichen Kräfte werde es diese Rrij überstehen können, weil die Nationalsozialisten ihm eine Hoffnung böten und es in seinem Kern noch gesund sei. Zubiläumsiagung des Hessischen Verkehrsverbandes. WSH Darmstadt 3 Sept Gestern hielt hier im RathauSsaal der Heffifch« Ber- kehrSverband feine 2 5. Hauptversammlung ab Hach der BegrüßungSan- fprachc de- DerbandSvoriltzenden Stemmer und nach einer Reihe von Glückwunschansprachen erstattet« der Borfitzend« den Jahresbericht, der eine überaus rege und erfolgreich« Tätigkeit de« Verband«- auf allen Gebieten deS Berkehr-wefen- erkennen läßt U a ha« der Verband erfolgreich gegen die Verlegung der Eifenbahndircktion Mainz nach Frankfurt Stellung genommen Er ist eingcttclen für eine SonderauSstellung der Frankfurter Meile und für die Ausstellung in Dresden, .Reifen und Wandern", die leider ohne Hessen blieb Der Bericht erwähnt ferner die HeriuSgabe deS HesfenkalenderS und der bekannten Reliefkarten, di« sich al- ausgezeichnete- Werbematerial erwiesen haben Rach debatteloser Genehmigung de- Berichts hielt OberregierungSra« Dr K r « b S einen Vortrag über 2 5 Jahre DerkehrSver- ba n d" in dem er u. a. darauf hinwieS. da st der «Hessische Derkehrsverband, in grundsätzlicher Dereitschast zur Einigung aus dem Gebiet« der deutschen Verkehr-Politik, In Uebereinftimmung mit den süddeutschen Verbänden für eine rationelle und sachliche ZremdenverkehrSwirlschaft gekämpft hat. Seine feste Haltung habe dazu beigetragen, den GesundungSprozest in dem Bund Deutscher Verkehr-Vereine zu beschleunigen, so dah nunmehr der Weg für einen allseitigen Zu- sammenschluh frei sei. Hach einem Vortrag von Regierung-rat Dr. Roesener über das Thema .Betrachtungen zur Derkehrspoli tik der Reich-- bahn" ergriff Reichsbahnoberrat Lucht da- Wort, um mitAUteilen, dah dank der Bemühungen des Mainzer Reichsbahnpräsidenten Lochte telegraphisch die Genehmigung eingetroffen ist, dah die Odenwald-Eilzüge auf der ganzen Strecke und durch den ganzen Winter erhalten bleiben. Leider werd« stets vergessen, wie teuer btt Reichsbahn diese Züge kommen. Der Odenwald-Eilzug Darmstadt - Wiebelsbach koste täglich 2700 Mk Man könne leicht bemeflen, wieviel Ne Reichsbahn einnimmt und wieviel sie dem Hessenland schenkt. Schliestlich nahm auch noch Re ich-bahn-Oberrat Pietz (3tanfiurti das Wort, um die Maßnahmen der Reichsbahn zu verteidigen. Wenn di« Reichsbahn in diesem Winter mit dem AuSsallen!assen einer Reihe von Zügen weiter gegangen sei. so habe sie daS unter dem Druck eiserner Notwendigkeiten tun müssen. Wenn ein Zug au-faN«, gescheh« die- erst nach sorgfältigster Prüfung aller Verkehrsverhältnisse Hach dem Wunsche eine- einzelnen könne die Reichsbahn sich nicht richten. DiS 1930 seien fünf Prozent mehr Züge gefahren worden al- früher, trotzdem feit 1928 der Verkehr ständig zurückgcbc. Die Versammlung nahm darauf einstimmig eine ö :na an. in der bebauert wird, dah die Reichsbahn im Entwurf des Sinter- fahrplanS auS fi-kalifchen Einsparungsabfichten gerade innerhalb Hessens wichtige Schnellverbindungen zum Wegfall bringen will, und in der es zum Schluß betfit: »Dem weiteren Ausbau de- BezirkS- «ilverkehrS im Rbein-Main-Gebiet. der im Bereich der Reichsbahndirektionen Mainz und Frankfurt Im Sommer 1930 erstmal- mit bestem Erfolg zur Einführung gelangt ist, bittet bie Hauptversammlung befonbere Sorgfalt zu widmen, da gerade eine zeitgemäße Ausstattung diese- Derbchr« mit häuf igen prei-wür- digen Zugverbindungen da- geeignetste Mittel ist. die Städte de- Rhein-Main-Gebiels, ben Anforderungen unserer Zeit entsprechend, einander verkchrlich näherzubringen." Den Schluß der Hauptversammlung bildete die Erledigung geschästSorbnungSmäßig vorgeschriebener Punkte. Der Redner wandt« sich weiter gegen „die Herrschaft des Mammons, gegen die Macht des Großkapitals" und bekämpft« die Einordnung des Menschen in die Herrschaft der Maschine, wobei der Mcnlch nur als Ware gewertet werde. Da der Nationalsozialismus dem einzelnen hilfsbedürftigen Menschen bcistehen wolle, könne sich sein« Partei mit Recht Arbeiterpartei nennen. Der Redner polemisierte weiter scharf gegen das bisherige System und die alten politischen Parteien, die mit der Demokratie am Ende ihres Lateins seien. Der Marxismus habe dem Arbeiter kein Brot, sondern nur Armut gebracht. Am 14. September werde der Nationalsozialismus einen Schützengraben stürmen, und wenn das zum Erfolg nicht reiche, so müsse man sich sagen, daß wir drei Monate spater ja doch wieder wählen würden. Entschiedenste Gegnerschaft erklärte der Redner weiter den Trusts und Syndiküten sowie den Warenhäusern, durch die her deutsche Mittelstand immer mehr auf- gelogen werde, zugleich auch in unserem Dolle das seelische und geistige Leben verloren gehe. Sodann verkündete der Redner die Forderung nach Verstaatlichung der Banken, damit da- deutsche Volk gegen die Herrschast deS Geld«- fein Lebensrecht verteidigen könne. Ferner forderte er schärfste Bekämpfung deS IudentumS, u. a. Ausweisung der Im letzten Jahrzehnt nach Deutschland zugewanderten Juden. und Ausnahmegesetze gegen die vor dem Kriege in Deutschland schon ansässig gewesenen. Gr polemisierte sodann gegen die Sozialdemokratie. deren Schul- und Kirchenseindschast eine aufbauenbe nationale Arbeit verhindere. Di« Hationalsozialisten hätten den festen Glauben, daß ihr« Gedanken am 14. September siegen würden. 3m neuen Reichstag würden sie sich als die wahre Vertretung des deutschen Volkes betrachten und ihre Arbeit in diesem Sinne tun. Rach der mit stärkstem Beifall aufgenommenen Rede wurde von der Versammlung eine Aussprache nicht gewünscht. Gicßcncr Wochcnrnarktpreisc. ES kosteten auf dem heutigen Wvchenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bi- 35, Wirsing 10 biS 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 15, gelbe und rote Hüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 8 bi- 10, grüne Bohnen 15 biS 20, gelbe Dohnen 20 bis 25, llnter-Kohlrabi 6 bi« 8, Erbsen 20 bi« 25, Tomaten 15 bi« 20, Zwiebeln 10 bi« 12. Meerrettich 50 bi« 60. Kür- bl« 8 bi« 10. Pilze 30 bi« 35. Kartoffeln 5, Falläpsel 5 bi« 6. Aepfel 20 bi« 40. Birnen 15 bis 30. Dörrobst 30 bi« 35. Zwetschen 15 bi« 20. Mirabellen 25 biS 30, Reineclauden 10 bi« 15, Pfirsich« 40 bis 70. Brombeeren 40 bi« 45, Preißelbeeren 30 bi« 35. Hüffe 60 bi« 70. Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 biS 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund' Käse (10 6t I 60 bis 140 PI.: Tauben 70 bi« 80. Sier 12 bi« 13. Blumenkohl 30 bi« 70, Salat 10 bis 15, Salat- gurken 10 bis 20, Sinmachgurken 2 bi« 4, Endivien 10 bis 20. Ober-Kohlrabi 6 bi« 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bi« 15, Sellerie 10 bis 20 Pfennig daS Stück: Radieschen 10 bi« 15 Pf das Bund: Kartoffeln 4,50 Hit der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus Bahnhosstrahe. .Skandal um Eva" und .Micky!, die Tonfilm-WauS". — Aus dem Stadttheaterbureau wird un« geschrieben: Am kommenden Dien-tag wird die diesjährige Sommerspielzeit mit dem durch da« Stadttheater in Bad Homburg urauf- gefübtten Lustspiel deS jungen österreichischen Autor« Wilhelm Lichtenberg .Seine Majestät das Publikum" beendigt werden. Für die Besucher dieser Vorstellung erfolgt Gratis- Verlosung eine« 5 r e i f Lu g c « Gießen- Frankfurt. DaS Lustspiel wird nur einmal in Gießen aufgeführt werden. — D e u t s ch n a t i ona l« Wählerversammlung. Am nächsten Dienstag spricht in der Turnhalle am OSwaldsgarten der bis- herige Reickstagsabgeordnete Dr. Q u a a h über da« Thema: „Steuerzahler, was geschieht mit deinem Geld?" (Liehe heutige Anzeige.» " Straßensperrung, mitgetcilt vom Ober» hessiichen Automobilklub E. 33. (S. v. 2.) Gießen: Die Seperrung des Landwegs Ronhausen — N e h b r ü d e ist wieder aufgehoben. e* Stadttheateraoonnement. 3m heutigen Anzeigenteil veröffentlicht di« Stadtverwaltung die Einladung zum Stadttheaterabonnement für die Spielzeit 1930 31. Auf di« Ankündigung sei besonders hingewiesen. •• Feuerwehrjubiläum. Man schreibt uns: Qm Schaufenster der Firma W. Horn, Kreuzplatz, sind Feuerwchrbilder, die aus dem Grün- dungsjahr der beiden freiwilligen Feuerwehren und aus den 60er und 70er Zähren stammen, ausgestellt. Ferner sind dort zwei große Aufnahmen der beiden Wehren, die gelegentlich der 50. Jubelfeier hergestellt wurden, zu sehen. Die Anmeldungen auswärtiger Wehren zur Jubiläumsfeier am nächsten Sonntag laufen noch täglich ein, unter anderem sind fünf Wehren mit ihren Feuerwehrkapellen an- gemeldet. An dem Fackelzug beteiligt sich auch die Wetzlarer Feuerwehr mit ihrer Feuerwehrkapellc. Der Fackelzug, der am Samstag pünktlich 20 Uhr vom Landgraf-Philipp Platz abmarschiert, passiert folgende Straßen: Landgrafenstrahe, Dftonlage, Walltorstraße, Marktplatz, Schulstrahe, Sonnenstraße, Kreuzplatz, Seltersweg, Westanlage, Bahnhofstraße, Kaplansgasse. Neuenweg, Neuen Baue, Gartenstraße, Kaiserallee nach der Liebigs- hohe, wo Kommers stattfindet. Es wird an die Mitbürger die Bitte gerichtet, die Jubiläumsfeier durch Beflaggen der Häuser zu verschönern. *• D i e Gießener Gaswoche fand gestern mit einem gut besuchten Vortragsabend im Saale deS Last Leib ihren Abschluß. Den fesselnden Vortrag deS Abends hielt Frau Dr. Koepp« von der Gießener HauSfrauenberatungSstelle. die ihre Zuhörerschaft mit allem Wissenswerten über den Dampfkochtops bekannt machte. Anschließend fand die Auslosung zahlreicher Gewinne statt, für die den Besuchern der Veranstaltungen im Verlaufe der Gaswoche Freilose auSgehändigt worden waren. 1L a. wurden zwei komplett« GaSkoch- herd«. eine Anzahl Gaskocher. Küchengerät, ge- wisse Mengen von kostenfreiem GaSbezug usw. ausgelost. Der interessanten GaSgerät-Au-stel- lung widmeten die Besucher rege Aufmerksamkeit. Herbstreifen nach dem Süden in der Form von Sonderfahrten, die am 19. September in Westfalen und im Rheinland beginnen, veranstaltet die Verkehrsgesellschast Siemer in München. Die hiesige Vertretung für diese Reisen bat das Hapagreisebureau Loeb. Man beachte die heutige Anzeige. Schöffengericht Gießen. * Gießen. 3. Sept. Zwei wegen Diebstahl« vorbestrafte junge Leute waren Ende 3uni in ein 3agdhäuschen bei Butzbach eingebrochen und hatten alle« mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Mit Rücksicht auf ihr Geständnis kamen sie mit je 1 */, 3ahren Gefängnis davon. Ein Arbeiter hatte im April bei einer Autofirma unter dem Hamen feine« Schwager« ein Auto gekauft, unrichtige Angaben über die Vermög enSverhältniffe gemacht und mit dessen Hamen den Kaufvertrag unterschrieben. Da der als Zeuge vernommene Schwager angab. er sei mit der älnterschristSleistung einverstanden gewesen, verurteilte da« Gericht den Angeklagten nur wegen Rücksallbetrugs zu sech« Monaten Gefängnis. Ein Kanzleiaffistent einer auswärtigen Behörde hatte 37 Mk unterschlagen. Das Gericht nahm an, daß er mit Rücksicht auf die Art seiner Beschäftigung und. da auf Privatdienstvertrag angestellt, kein Beamter im Sinne deS Strafgesetzbuchs sei und erkannte an Stelle von einem Monat Gesängnis auf 1 00 M k Geldstrafe. (Andernfalls wäre die Mindeststrafe 3 Monat« Gefängnis getreten.) Ein Strafgefangener hatte Zettel schwer beleidigenden 3nhalt« au« feiner Zelle in den Hof geworfen. Strafe: Drei Monate ®c- f ä n g n i «. Wegen SittlichieitSverbrechen« und widernatürlicher Llrullcht wurde ein Arbeiter zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Oie zweite Landung des ,(5raf Zeppelin" in Kassel. WSH. Kassel. 3. Sept. 3n den Hachmit- tagSstunden setzte wieder die Völkerwanderung nach dem Waldauer Flughafen ein. An die 50 000 Menschen mögen auf dem Flugfeld versammelt gewesen fein. Hm 16.35 llhr verkündeten Sirenen da« Rahen dc» Luftschiff«« .Graf Zeppelin". da« alSbald untre dem ungeheuren Jubel der Massen und dem Singen de» Deutschlandliede- glatt landet«. Di« Pasfa- aiere, unter ihnen Oberpräsident H a a S. entstiegen der Gondel, neue stiegen ein. Um 17.50 Ubr wurde wieder mit den Startvorbereitungen begonnen und Punkt 18 Uhr erfolgt« der Aufstieg DaS Luftschiff fuhr eine Schleife über der Stadt, kehrt« noch einmal zum Flugplatz zurück und verschwand dann langiam in südöstlicher Richtung zur Heimfahrt nach Friedrichshafen. (5d?»erer HoubüberfoU in Kassel. Kassel. 4. Sept. (WIB.s Heute früh um I Uhr drangen zwei maskierte Männer in Ne Geschäftsräume der Kasseler Dmnibusge- I e 111 d) a f t in der 6anbershau|er Straße ein und zwangen die Beamten mit oorgebaltenen Revolvern zur verausgabe von 5000 'Warf. Naher« Einzelheiten fehlen noch Der hohe Raflenbclianb wird sich wohl aus den großen Einnahmen infolge der Massenbeförderung anläßlich der Zeppelin-Landung erklären. Maingau WSR. Frankfurt a. M. 3. Sept Rach mehrstündiger Verhandlung verurteilte da- Groß« Schöffengericht den 40jahrigen früheren Pfarrer der evangelischen Gemeinde Heddernheim. S t « u- b l n g. wegen fortgesetzter Unterschlagung sowie Verbrechen« gegen § 351 StGB, in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu zwei Fahren Gefängnis. Der Angeklagte war seit 1921 in Heddernheim Seelsorger und wurde 1926 Leiter der damals gegründeten SiedlungSgesellschaft .Taunus". Dieser Gesellfchaft hat er 10 867 Mk. unterschlagen. Außerdem hat er Kirchengelder in Höhe von 271 Mk.. die vom Rechneiamt bzw. dem Finanzamt der Kirchengemeinde zu- flossen, unterschlagen. Um diele Verschlungen zu verdecken, hat er u. a. eine Urkunde bei Rechneiamte« gesälscht. Die Gelder hat der Angeklagte nach seinem Geständnis für sich verbraucht. Der Angeklagte ist Anfang dieses Jahre«. nachdem bei einer gesetzlichen Revision di« Unstimmigkeiten durch einen Dekan ausgedeckk worden waren, feine« Amte« enthoben worden und hat bann auch auf da« Amt verzichtet. Der Angeklagte ist, wie au« einem Gutachten de« in der Verhandlung vernommenen Arzte« Dr. Kleist hervorgeht. erblich belastet und nicht voll zurechnungsfähig. Seine Unterschlagungen wurden begünstigt durch di« recht mäßigen Revisionen! in den letzten drei 3ahren vor der Aufdeckung der Verfehlungen hatte keine Kontrolle mehr stattgefunden. Oie Wetterlage. JÜ» a/olt. 11} # \5 Uten O o’ - dO — T»afyA~fr~~ TV o vorrtmoi O ntner. O ■«!» »karr«. » voftig • Btdtctl »«rrorH ♦ lehnte atnvpttn * ntecl X0r-#'l'ir^)Wi0ditilie.-O-' X® leitbir- Os« «ilisiot» lOdioäwcsx q uornstn» noe V P Van denkinäler 6* eine Dolle 6er Zaren noch ünmei Spitze der seiner Han bar die s steht aus c selbstherrlll stürmt ein< über dein1 besungen, das in Icir sia in Wik Aathar' nchmten Dos Ami Kchlohparl verwandel man sür 5 und essen ein Som wo wir i .Silva" I Ausstattn Der Man m sernung v der nach 1 sind lein Bürge in ihren spitzelung die Ki schönsten Sie 31 nur noch । mit grüne gemälöen. erstehenden Äonostase. 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Thamsaüarls Mäusburg 3 Walltorstrabe 12 __________________________6100 A 6088 V Wahl-Versammlung! Dienstag, den 9. September 1930, abends 8% Uhr, spricht in derTurnhalle (Oswaldsgarten: der bekannte Finanzsachverständige Herr Reichstagsabg. Geh. Rat Dr. Quaatz, Berlin, über: Steuerzahler, was geschieht mit deinem Geld? Beitrag zur Deckung der Unkosten 20 Pf. 6095D Deutschnationale Volkspartei SIEMER-REISEN 1930 Das große Herbst- und Winter-Programm mit 75 Gesellschaftsreisen ist erschienen und kostenlos von uns erhältlich. Vom 19.-30. Sept, preiswerte Sonderfahrten ab Frankfurt a. M. und zurück. Ab Rheinland eine unserer schönsten Reisen Triest - Venedig- Gardasee über—München (Oktoberfest) -Tauernbahn — Triest—Schiff Venedig- Gardasee — Mailand — Schweiz-Basel zurück Mk. 243.- Ab Rheinland über München (Oktoberfest) nach Italien Brenner — Bologna — Florenz—Rom-Neapel Mailand - Gotthard — Luzern zurück Mk. 27V. 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Sin dicker Zar fiQt schwerfällig aus einem dicken Pferd mitten auf einem weiten verkehrsreichen Platz, an dem ein neues Staatshotel gebaut wird. „Wer ist daS?" „DaS ist die Scheuche." Das Wort bc- fremdet im Munde der kleinen sanften Petersburgerin, die durchaus nicht so rabiat ist wie ihre Moskauer Kolleginnen. „2 l e » a n d e r III.“, fugt sie hinzu. „DaS Denkmal hieß schon früher so." Man hat aber auch geschmackvolle Zarendenkmäler stehengelassen. Auf dem schönsten Platz der Stadt, der In der revolutionären Geschichte eine Rolle spielt, steht zwischen dem Winterpalais der Zaren und dem Torbogen der Roten Armee noch immer Die Alerandersäule Aus der Spitze der Granitsäule steht ein Sngel und in feiner Hand halt er ein Kreuz, daS weithin sichtbar die Paläste überragt Richt weit davon steht auf einem Hügel daS stolzeste Denkmal deS selbstherrlichsten Zaren: Peter der Große stürmt einen Fellen hinan, sein Rost bäumt sich über dem Abgrund. Puschkin hat dieses Denkmal besungen. Dor der Oper sieht man ein Denkmal, daS in seinem Ausbau an das der Maria Theresia in Wien erinnert. Jene sitzt aus dem Thron, Katharina II. aber steht, umgeben von berühmten Zeitgenossen, unter ihnen Potemkin. DaS AnitschkowpalaiS war sein Schloß. Der Schloßpark ist in eine Art Tivoli oder Prater verwandelt worden, daS einzige Gartenlokal, wo man für 50 Kopeken Eintritt unter Daumen sitzen und essen kann. Am Ende deS ParkeS aber ist ein Soinmcropcrcttentheater auS Holz errichtet, wo wir die „EfarbaSfürstin" unter dem Hamen „Silva" hörten. Die Stimmen waren gut, die Ausstattung primitiv, und der Deifall groß. Oer Kampf um den Glauben. Man merkt die einstige Residenz und die önt- sernung von der Sowjetzentrale, wenn man wieder nach Leningrad kommt. Die Führerinnen sind keine Fanatikerinnen. Lin Hauch von Bürgerlichkeit ist um fie. Wenn sie auch in ihren Erklärungen vorsichtig sind und Bc- spltzelung sürchen, so geben sie zu, daß sie in die Kirchen gehen, von denen einige der schönsten noch den Gläubigen geöffnet sind. Die Isaak-kathcdralc allerdings ist jetzt nur noch ein Museum von besonderer Kostbarkeit, mit grünen Malachitfäulen und herrlichen GlaS- gemälbcn. Wundervoll ist die Wirkung de- auf» erstehenden Heilande- über dem Gitterwerk der Ikonostase. Leider ist die Kathedrale vom Untergang bedroht. Da Leningrad auf Pfählen erbaut wurde und der Grundwasser- fpiegel sich senkte, so hat man die Kuppel durch Eisengerüste stützen müssen. In der Dorhalle steht zwischen den mächtigen Granitsäulen ein alter Bettler. Ich werde den Ausdruck seine» Gesichts nie vergessen An demselben Platz liegt bic frühere deutsche Botschaft, in der jetzt der deutsche Generalkonsul wohnt. Dei KriegSbeginn warf die erregte Menge die Skulpturen, die da- Dach schmückten, auf die Straße. Man hat keine wieder aufgestellt. Wie die Kolonnaden DerniniS in Rom vor der PeterSkirche schaffen Säulengänge Distanz und Ruhe zwischen dem Rewskijprospekt und der Kasankathedrale. Dort findet noch Gottesdienst statt. Ein Priester fang gerade an einem Seilenalkar. vor dem Männer und Frauen knieten. Auch die Bersöhnungskirchc. die mit ihren vielen grünen Zwiebeltürmen der Mo-kauer BasiliuSkirche gleicht, steht noch gläubigen Seelen dcrichl von unserer E. K.-eonberforre|ponhentin. aK Zuflucht offen. Wenn eS Abend ist, füllen sich die reichgefchmückten Hallen mit Menschen. Dorthin muß man allein finden, wir man über- Haupt da- Interessanteste nut durch Zufall ent- bedt Die Führerinnen begnügen sich damit, einem im Dorbeifahren zu erzählen wieviele Millionen auch bei diesem Dau unterschlagen wurden. Der Glaube großer DolkSkreise ist noch nicht tot. wenn auch da- bolschewistische System gegen ihn wütet. Da- geht daraus hervor, daß noch viele Gemeinden das Geld für die Pachten aufbringen. die die Popen für die Denuyung der Kirchen zahlen mühen. D i e Popen geben für ihre Kirchen betteln. Wie armselig sehen sie aus der Straße au- mit ihrem abgeschabten Kastan und den au-gemergelten Gesichtern! Sie sind die elendesten unter den Proletariern. Ihre Kinder bürfen keine höheren Schulen besuchen, wie überhaupt die Kinber der „früheren Leute" erst aufgenommen werden, wenn nach Aufnahme der Arbeiterkinder noch Plätze frei find Man lagt, daß sich Popen scheiden lassen, um ihren Kindern da» Fortkommen im bolschewistischen Staat zu erleichtern. Ehescheiden ist überhaupt sehr leicht getoorben. ES genügt, daß die eine Partei sich scheiden lassen will. Sine unserer jugendlichen Führerinnen war auch schon geschieden. Einsame Wanderungen. Man muß sich soviel wie möglich von den Führerinnen emanzipieren, die der Fremde zu seiner Belehrung und Beaufsichtigung mitbekommt. Ich nnlß zur Ehre der verschiedenen Führerinnen, die wir hatten, sagen, daß sie sympathische Menschen waren, die mit Feuer und Flamme sich ihrer Ausgabe widmeten und bereitwillig auf die vielen Fragen antworteten, bie an sie gestellt wurden, auch interessant auS ihrem Leben erzählten. Ramentlich die Petersburger scheuten keine Mühe, um auf untere Wünsche einzugehen. Roch zuletzt brachten sie unS nach dem entlegenen Smolny-Institut, einer früheren höheren Mädchenschule, in der Lenin wohnte und von der aus er die Revolution organisierte. Wir sahen die zwei geschmacklos eingerichteten Zimmer, in denen er lebte. Auch das Taurischc Palais, das der Sitz der Duma und später der provisorischen Regierung war, bekamen wir zu sehen. Sie machten un- auf ein Begräbnis aufmerksam. Die Leichenwagen der Kommunisten sind rot, die der anderen weiß. Aber lieber einmal aus eine der wegen bet schlechten Debienung enblofen Wahlzeiten verzichten und allein durch die breiten, an Fahrzeugen fast leeren Straßen bummeln oder früher ausstehen und an der Rewa spazieren gehen, auf den Kai-, die daS Entzücken von Auto- sayrern sein könnten, wenn es Autos gäbe, und wenn die Löcher nicht so groß wären! Moo» wächst auf den Balkon-, der Puh ist von den Säulen abgefallen, die Türen sind zerkratzt und zerbrochene Spiegelscheiben zugeklebt. Ofenrohre ragen zu manchen Fenstern heraus. Melancholisch spiegeln alte Adelspaläste und KaufmannS- bäufer ihre rotbraunen Fassaden in dem Wasser der Kanäle. Derschlasen sieht man alte Weiblein und junge Mädchen in Kopftüchern auf Türstusen und Mauervorfprüngen fitzen, um bie ersten beim Anstehen zu fein, wo es Leben-mittel, Kleidungsstücke oder sonst etwa- zu kaufen gibt. Ausklang. Als der Dampfer wieder auf der blauen Daltenflut der Heimat zufchaukelle. da war da- erste, was die Reifenden taten, daß sie ohne Unterschieb der Ratinalltät, selbst die bolschewistischen Russen, die ins Ausland fuhren, einen mächtigen Hunger zeigten, den sie sehr bürgerlich zu befriedigen suchten. Die einzigen, die sich über die Ernährung in Rußland nicht beklagten waren die heimkehrenben deutschen und amcrikanifchen Ingenieure und Werkmeister, für die allerdings eine eigene Der- forgung-gesellschast anständige Wohnungen wie Lebensmittel verschafft Wenn einmal die Der- teilung nicht klappen wollte 'uhr man mit einem deutschen Donnerwetter dazwischen, um bann auch das zu erhallen, was vertraglich ausbedungen war. Trotzdem fühlten sich die Herren dort wie in der Verbannung, über die fie nur bet gute Derbienst hinwegtröstete. Dagegen betrachtete ein zu unserer Reisegesellschaft gehörender Edelkommunift den Sowjetstaat als ein halbe- Paradies 5t sah In der Die von uns bereits gemeldete Verhaftung und beabsichtigte Au-weisung dein der ganzen Welt berüchtigten Reu- Yorker BandensührerS Jack Diamond bat in Mitteleuropa berechtigtes Aussehen erregt. Linser Mitarbeiter schildert hier anschaulich da- Milieu der Reuyorker Unterwelt bic nicht weniger unheimlich al- bie Verbrecherwelt Lhikagv- ist. Ds gibt keine Weltstadt, bie sich rühmen kann, frei von Derbrechetotganisationen zu sein. Wo Millionen sriebliche Menschen wohnen, werden sich stet- auch ein paar Dutzend Halunken finden, denen es mehr Vergnügen bereitet, ihre Mitmenschen zu berauben, al- au arbeiten. Aber der Unterschied -wischen den bedeutendsten Städten der Welt ist für die Kriminalisten doch offen- sichtlich. In Berlin kommt es gelegentlich zu ein paar blutigen Raufereien -wischen Der- brechervereinen, die sich verfeindet haben, doch zum Schluß bleibt die Staatsgewalt Herr der Hauptstadt. In den großen amerikanischen Städten haben die Derbrecherorganisationen baaegen eine viel größere Macht Ihr natürlicher Feind, bie Polizei, ist zum Teil von ihnen abhängig, da viele Polizisten bestochen werden, und andere Hüter der öffentlichen Ordnung bie Rache bet Banditen fürchten, fall- sie einem Mitglied einer Organisation etwa- zuleide tun. Und noch ein anderer großer Unterschied Ist bezeichnend. Die bekanntesten deutschen Verbrecher sind Einzelgänger: sie gehören ju keinem Verein, weil sie weder die Deute teilen noch sich der Desahr aussetzen wollen, von Bundesgenossen .ver- p s i f f c n“ zu werden Die Mitglieder ber berüchtigten Berliner Ringvereine sind gewöhnlich keine Mörder, sondern haben nur harmlosere Verbrechen auf dem Gewissen. Anders ist es in Reuyork, Chikago und den übrigen amerikanischen Großstädten. Dort ist ber .Verbrecherkönig“ wirklich ein Herrscher über andere Verbrecher, mit deren Unterstützung er feine Macht aufbaut. Und einen solchen .Monarchen ber Unterwelt" hat die deutsche Polizei soeben erwischt. Jack Diamond Ist den europäischen Behörden schon vor einigen Tagen angekündigt worden. Man wußte, daß er 1,75 Meter groß ist und Dierunbbrcifjig Jahre zählt. Sein Bild war über den Ozean gefunkt worden, und bic Polizeibehörben Irlanbs, Englands und einiger kontinentaler Staaten hatten sich schon telephonisch miteinander verstänbigt, was mit bem seltenen Gast zu geschehen habe. Einige der Missetaten, die man ihm zur Last legt, regen die europäischen Behörden nicht sehr auf. Er ist Verarmung ber Bevölkerung der überall herrschenden Lebensmittelnot. in der Mechanisierung und ber Entgcist gung des Leben-, in der Freudlosigkeit des ganzen Dafeins den dornenreichen Pfad z u m Ausstieg, mögen ihm auch Millionen von Märtyrern au- ber lebenden Generation -um Opfer fallen, die kommenden Geschlechter wurden nach der Meinung dieses Ge- bankenhelden die Segnung ber neuen Gesellschaft»- orbnung ernten. Alle anberen waren sich freilich darüber klar, daß die Trümmer der Vergangenheit und Gegenwart nicht bas Herandämmern eines neuen Frühlings für Rußland bedeutet, sondern die dumpfen Dor-eichen geistiger und seelischer Verödung barstellen. Für uns find diele an den Opferaltar deS Bolschewismus geführten Mallen nur Men- lchen bic. den Gladiatoren ber römilchen Eälaren ähnlich ihr Schicksal mit bem Ruf auf sich nehmen: „Ave, Stalin, morituri tc salutantT einer der Männer, bic mit dem Schmuggel von Vier und anderen alkoholifchen Getränken ungeheuer viel Geld verdient haben. Aber daneben sagt man ihm nach, daß er ein „gangster* fei, und da- ist ein Straßenräuber, ber seine Raubzüge im Bunde mit Helfershelfern unternimmt, gewöhnlich im Automobil und natürlich stets bis an die Zähne bewaffnet Wer dieses gesährliche Gewerbe auSübt. läßt sich leicht in noch schlimmere Verbrechen ein Jack Diamond wird beschuldigt, vor kurzer Zeit einen gewissen Harry IS c ft c r n ermordet zu haben. Der Tote war ein Hotelbesitzer, und das ist ein ehrenwerter Beruf. Aber es gibt in den Vorstädten ReuyorkS lehr finstere Hotels, in denen sich allerlei Gesindel trifft Harry Western soll früher einmal in Beziehung zu der Organisation Diamond- gestanden haben und bann zu ben Banbcn des Ehikagoer Derbrecherkönlgs A l Eaponc übergegangen fein. Laponc, mit seinem Spitznamen auch .Rarbengesicht" genannt, ist ebenfalls ein großer Alkoholschmuggler, der sein Herrschaftsgebiet ausdehnen will. Früher waren Eaponc und Diamond Geschäftsfreunde, bic sich unterstützten. Run ist Ehikagv eine große Stabt, bic viel Vier und Schnaps aus Kanaba verbrauchen kann: aber Reuyork Ist größer. Reuyork liegt an der Küste, und Al Eapone möchte offenbar da- Geschäft mit Ucbcrfec auf» nehmen Es klingt sehr merkwürdig, baß man über bie Absichten der amerikanischen Unterwelt und über ihre inneren Zwistigkeiten so genau Bescheid weih. Die Beziehungen, die von den Schmugglern in die bürgerliche Gesellschaft und auch zur Polizei führen, sind jedoch fo zahlreich, daß die Pläne ber Vcrbtedjctfönige ebensowenig verborgen bleiben wie die Projekte eines Inbustricherrfchers. Und da- Merkwürdigste ist, daß die Behörden nicht wagen können, diese Pläne zu durchkreuzen. Sicherlich wäre «» der Reuyorker Polizei am liebsten, wenn man Jack Diamond, den Reifenden erster Klaffe, in einem deutschen Gefängnis verschwinden lassen könnte, wa- natürlich auS staat-rechtlichen Gründen nicht geht, und wozu Deutschland gar keine Veranlassung hat. Im übrigen ist cs nicht so einfach, einen Verbrecher seiner Taten zu überführen, wenn alle Zeugen Angst vor der Rache müsse» und wenn sogar die Richter in der Furcht leben, für ihr Urteil von den Banden zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Reuyorker Polizei weiß ganz genau, wv die Verbrecher ihrer Stadt verkehren. S- gibt in dieser Stadt ungefähr 23 000 Geheimschenken. in denen trotz ber Prohibition A l - k o h o l verkauft wird. Darunter befinden sich prominente der Aenyorker Unterwelt. 'DcrücrbaffefeJarfDiomonö.-Sinfflcilffaber/ie^fcrbifferfer^einhheeiÖhicoflotr DerbsecherlönigS Al (Eaponc. — Wie Neuyorfs Berbrechenvelt bekämpft wirb. Don Gert Gallwih. Aus dem Redeblüien-Garten des Reichstags. ßine Sammlung lustiger Sprachentgleisungen von Zoachim Haußner. In wenigen Wochen werden wir einen neuen Reichstag haben, und sicher werden feine Mitglieder den früheren nacheifern, die an Stilblüten nicht eben arm gewesen sind. Entgleisungen sind seltener, wenn man eine Rebe ablefcn kann, als wenn man sie frei Vorfragen muß. Das Rednerpult im Reichstag ist betanntlich gefallen, und so müssen die Abgeordneten vorh t auswendig lernen, was sie vorzubringen haben. Außerdem müßen sie auf Zurufe vollkommen frei antworten. An Redensarten wie .auf den Kopf ber Bevölkerung entfallen jährlich 8 Ziegelsteine" oder.da springt unS zuerst die Milchindustrie in» Auge" hat man sich inzwischen schon gewöhnt, weil es noch viel schönere Satzgebilde gibt, die täglich geboren werden. Da vernahm man einmal unter Hvllengelächter folgende Ausführung: .Um den Fall zu klären.habe Ich mich an den Verfasser gewandt, erhielt aber bic Rachricht. daß er inzwischen gestorben sei. Das mag wohl auch der Grund gewesen fein, weshalb er mir nicht geantwortet hat." Rachdcm einmal ein Abgeordneter einem andern den Vorwurf gemacht hatte, daß sie .den Kopf in den Sand stecken und mit den Beinen Hurra schreien", erschien ein Landwin auf bem Plan unb meinte: „Früher betrieben wir noch Pferdezucht, heute sollen wir un» auf das Huhn legen?" Doch da sagte ein Minister klug und langsam, man wolle „in aller Ruhe die Dinge wieder auf den Kopf stellen." Sehr zahlreich sind die verunglückten Vergleiche. .Diese beiden Vorlagen", meinte jemand, .ähneln einander wie ein Ei des Eolumbus dem anderen." Doch da kam er schön an und wurde an- gefchrien: .Aber das sind ja Rattenschwänze, in bie« man nicht mehr hineinschauen kann." Erregte Aussprachen gibt cs immer, wenn es sich um finanzielle Singe handelt. Als der Etat im vergangenen Reichstag zum letzten Male beraten wurde, schwitzte einer den Sah auS: .Bei diesen Steuern bleibt einem ja der Der st and an der Peripherie stehen." Wor- auf ihm jemand riet, nicht immer .auf dem Pfennig herumzureiten". - .Ach fo?" rief jemand dazwischen, .wir wollen wohl aus den Taschen derer leben, die noch nicht geboren sind?" Manchmal soll auch geschimpft weiden. .Das Rhinozeros, da- mir der Herr Vorredner an den Kops geworfen hat, hätte er lieber selber herunter« schlucken sollen", hieß es mal in einer erregten Debatte. .DaS Kind", sagte einer, .hätte in einer ganz anderen Weise geboren werden müßen, aber wir wollen das den Herren nicht auf bie Hosen schreiben." Darauf stellte jemanb fest.bic Gegner verfügten .über eine Zunge, mit ber sie nach vorne .Ja" und nach hinten .Vein" sagen" könnten. Das sind solche Schnellgeburten der Gedanken. Für den einen ist .die Müll- oerbrennung eine melkende Kuh", der andere hält .bic Schwcinczufuhr für eine harte Ruh'. Da redete einer über die Wohnungsnot, wirklich ein an sich traurige- Thema und brachte vor, daß .ganze Familien in Dachluken häufen und Familien mit fo großen Köpfen nicht in so kleinen Wohnungen bleiben dürfen". .Wie soll man sich", ereiferte sich ein anderer, .schnell entscheiden, wenn einem die Pistole sozusagen telephonisch auf dieBrust gesetzt wird?"- .Ra". hieß cs dagegen, .dann müßen wir eben gemeinsam in den sauren Apfel beißen". Aber bie Radikalen waren immer noch nicht zufrieben. .Wir benlen nickt baran*. rief ihr Wortführer, .bie Händezu küßen, die unS solche FußtriUe versehen". Roch ein paar Beispiele? Bitte sehr! .Streiten wir uns nicht um den Bart der Republik."- Sine Schwalbe macht den Kohl nicht seit."-.Man hat mir berichtet, daß bie Toiletten entweber über füllt oder geschloßen sind. Da muh man sich eben auf bie Hinterbeine setzen." - .Eiserne Treppen, die hunbertmal totgeritten würben, sind wie stehende Sachen, die auf bem Kopf liegen", sagte mal jemand im Reichstag. Die Zunge eilt eben meist den Gedanken voraus, unb dadurch entstehen derartige Gebilde. Bei solchen Sätzen bleibt fein Auge trocken, und man kann nur mit dem Abgeordneten Meyer ausrufen: .Meine Herren, da liegt der springende Punkt." Theater im Tierreich. Wenn Schiller dem Menschen zuruft: .Die Kunst, o Mensch, hast du allein!" so glauben wir wohl, bah dicS in erster Linie von bem Theater gilt, besten komplizierte Organisation und die Tiere gewih nicht nachmachen können. Aber es gibt boch schon unter den vierf ühigen Brüdern deS Menschen allerlei Züge unb Der Haltung-formen, bie auf eine gewiße Schauspielerbegabung Hinweisen. Der russische Ästhetiker unb Theaterschriftsteller RicolaS Svreinoff hat in einem soeben französisch erschienenen Buch .Das Theater im Leben" auf biesc .Theatralik" hin- gewiesen. bie bureb unser ganze- Dasein geht unb sich auch auf daS Tierreich auSdehnt. Daß bie Tiere über vielfache Derstellungskünste unb Listen verfügen. hat der verstorbene Th. Zell in einem eignen Buch .Tiere al- Schauspieler" nachzuweisen gesucht. Der Anpaßung-tricb, ber Wunsch der Verwandlung, die sog. Mimikry, die feit Darwin überall in der Tierwelt nachgcwiclen ist, treibt seltsame Blüten, veranlaßt Pflanzen wie Steine au-zusehsn unb Tiere baS Außere von Pflanzen anzunehmen, wie dies z. D. bas bekannte Insekt .das lebende Blatt" zeigt. Besonder» beim Angriff auf bic Beute bewähren sich viele Tiere al- geschickte Schauspieler, bie in allen möglichen Rollen daS andere Tier vertrauensselig machen wollen. Sehr beliebt ist z. B. das .Sichtotstellen", das man beim Fuchs, aber auch bei Raubtieren beobachtet haben will. Ter schlaue Fuchs legt sich in bie Sonne, und wenn ihn eine Schar von Krähen umkreist, bann liegt er ganz still und anscheinend leblos, bi- ein allzu dreister Schwarz, rock von ihm plötzlich erschnappt wird. Man behauptet sogar, bah Meister Reinecke durch Wedeln mit dem Schwanz die Enten anlocke. Die Rolle des Toten wird überhaupt im Tierreich vielfach gespielt, von Käfern, die sich beim Herannahen eines Feinde» blitzschnell zusammenrollen, bis zu Eulen und Asten. Eine ganze ‘Pantomime führt baä Wiefel bei seinem berühmten .Totentanz" auf. durch den es die Kibitze an sich lockt. Da- Wiesel tanzt immer wilder und toller: die Kiebitze kommen immer näher, bis da» Raubtier plötzlich mit seinen seltsamen Sprüngen aufhört und mit schnellem Satz einen Vogel erwischt. Man hat auch beobachtet, dah Raubtiere, besonders Löwen, bei ihren Beutezügen mit verteilten Rollen vorgehen und sich gegenseitig da» Opfer zutreiben. Andere Formen der Schauspielerkunst im Tierreich sind etwa das Spielen der Katze mit ber MauS, wenn sich die Katze um da» Mäuschen überhaupt nicht zu kümmern scheint und mit der harmlosesten Miene von der Welt ihm zuschaut, bi» sie sich plötzlich auf das Opfer stürzt. Das Versteckspielen der Katzen M eine Generalprobe für ihre Beutezüge, und da» Spielen des HundeS mit einem Knochen ist nach dem Tierpshchologen Groo» eine .bewußte Autosuggestion", bei der da» Tier in bem Knochen sich seinen Feind vorstellt und so eine Art Phantasieschöpfung vollbringt. Roch näher an bie Form einer theatralischen Aufführung kommen wir mit den HochzeitS- unb Festtänzen ber Vögel, bie sich auf einet freien Stelle versammeln unb von denen bann jeher seine geschickten Schritte, Drehungen, Wendungen und Verbeugungen macht. Solche Balleitvorfüh- rungen gibt e» z. B. bei den Fel»hühnern von La Plata und bei den Präriehühnem. Aber die Pantomimik und Tanzkunst ist im Vogelreich überhaupt lehr ausgebildet. Am nächsten aber kommt den Theaterausführungen de» Menfchen ein merkwürdiger Vorgang unter den Menschenasten, die der Art de» Gibbon- angebören. Wie GrooS berichtet, versammeln sich diele Tiere, nachdem sie ihr Frühstück zu sich genommen haben, um einen besonder» hohen Baurn mit breiten Asten, und au' einem dieser Aste nimmt der Führer der Herde Platz. Sr floht nun sanfte und kurze Laute aus. die wie der Rus eine» Löwen Hingen; Diele werden immer lauter und bringen die Zuhörerschaft in Erregung. Wenn schließlich Der „Vorsänger" seine Stimme zu einem lang hinhallenDen Gebrüll erhebt, Dann stimmt Der Thor etwa 10 SekunDen lang ein, so dah ein gewaltiger Lärm durch den schweigenden Wald braust. Dann beginnt Der Führer wieDer Die Reihe Der kurzen leiseren Töne Rach Darwin ist Der Gibbon Das einzige unter Den Säugetieren, Da» wirklich singt; er bringt genau eine Oktave hervor unb bewegt sich auf Der Tonleiter in Halbtönen auf und ab. Zweifellos haben wir hier eine Zeremonie vor uns. bie deutlich an bie Anfänge ber antiken Bühnen- lunft, an Da» Spiel De» .Protagonisten", an Die Rolle De» Thor». Der sich um Den Altar versammelt, auf Dem altgriechischen Theater erinnert kd. Admiral Nelsons Hausapotheke. Am 21. Oktober De» Jahre» 1805 besiegte bet britische Vbmiral ViicDunt Horatio Velton bei Trafalgar Die vereinigte spanisch-französische Flotte. Der Sieger erlag seiner VertounDung, bevor ihm Dr. Beatty hätte Hellen können, unD Io blieb Die Hautapotheke De» ADmiral» fast unangetastet Rach Dem Tode Des Schistsarzte» wechselte Die .historische" Medikamenrenlammlung häufig ihren Besitzer- Der letzte Eigentümer vermachte jetzt Die Aeliauie ber Obersten Marineleitung, unb bie Trafalgar sche Hausapotheke würbe m einer Vitrine bes Armee- museum» zu London untergebracht. Sie blieb bi» zum heutigen Tage gut erhalten; in fast allen Fläschchen befinden sich immer noch Mebikamentenreste unb selbst bie Etiketten sind von ber Verwesung verschont geblieben. Daten für Freitag, 5 September Sonnenaufgang 5.17 Hör; Mondaufgang 18,17 H£r. — Sonnenuntergang 18.39 Hör; Monduntergang 1.48 Hör. , 1733: der Dichter CH. M. Wieland in Ober- Holzheim geboren; — 1902: der Pathologe und Politiker Rudolf Virchow gestorben. Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von J. Schneider-Foerfll. Hrheber-Rechtfchuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie bejahte und kam zehn Minuten später in Ledermantel und -Haube wieder aus dem Hause. Man hatte genügend Zeit, zurechtzukommen. Der Wagen rollte aus dem großen Heuschuppen, der zugleich als Garage diente. Franke knöpfte seinen Lederrock zu und drückte den Hut in die Stirne. Dann sprach er ein paar Worte mit der Iungmagd und drückte ihr einen Geldschein in die Finger. Er sah sie gleich darauf über die Wiesen dem Walde Zuläufen. Mamert Dödlin- ger würde der geliebten Frau eine Strode Weges entgegenkommen, das beruhigte ihn merklich. Als man die steilste Strecke zu überwinden hatte und die Vierradbremse das Tempo schneckenartig kriechen machte, schob sich eine blaue Limousine um die Viegung. „Verflucht!" Franke hatte sein ganzes Augenmerk auf die Ausweichstelle gerichtet, so daß ihm Helenes Farbenwechsel entging. „Bleiben Sie ruhig sitzen, Doktor", gebot sie überlaut. Sie drückte auf den Fußhebel, lieh den Wagen noch einige Meter laufen und bog dann gegen das tieferliegende Feld zu. Aber auch der Maybach hate nach der anderen Seite hin ein ähnliches Manöver vollführt, so daß das Schlimmste überwunden war. Gin Herr stieg aus dem Fond und kam mit zwei Schritten heran. „Wie können Sie, Helene, wenn Sie doch nicht wohl sind", sagte er vorwurfsvoll. „Eben darum", beschied sie kurz. „Herr Dr. Franke, Herr Direktor Aversvn", stellte sie vor. „Herr Doktor Franke war so lieb, sich meiner anzunehmen, als ihn der Weg von Valepp an meinem Hause vorbeiführte. Er muß aber die Zeitversäumnis wieder einholen, da er dringend zurückgerufen wurde. Mamert war nicht da, also blieb nichts übrig, als daß Ich ihn selbst zur Bahn bringe." Aversons Blick war nicht eben geistreich. Stimmte nun das, was sie gesagt hatte, oder stimmte es nicht. „Fürchten Sie, daß das Befinden der gnädigen Frau zu irgendwelcher Besorgnis Veranlassung gibt?" forschte er und hielt die blauen Augen Frankes mit seinen großen grauen fest. „Momentan nicht", kam die rasch überlegte Antwort. „Gin versteckter Katarrh mit leichter große Lokale; aber manche Schenke besteht nur aus einem einzigen kleinen Zimmer, und dort trinken die Gäste einen fürchterlichen, nahezu giftigen Wacholderschnaps. Das sind die Treffpunkte der - Hntertoelt. Wenn man Reuyorks Verbrecher heimatlos machen will, so müßte man dieser Lokale Herr werden, und das gelingt nicht. Um aber wenigstens der Straßenräuber und Wegelagerer habhaft zu werden, hat man vor anderthalb Jahren eine neue Abteilung im Aeuyorker Polizeipräsidium gegründet, die vertrauliches Material über die Banditen sammelt. Einige hundert Räuberbanden sind in der Tat auseinandergejagt worden - diese Ziffer ist nicht übertrieben — aber es ist ziemlich sicher, daß sich die Mitglieder bald wieder vereinigt haben. In einem Welthasen wie Reuhork gibt es viele Schlupfwinkel, und die Verfolgung ist, wie schon gesagt, sehr zaghaft. . Run darf man nicht etwa der Prohibition öte ganze Schuld am Unwesen der Straßenräuber und Schmuggler in den Vereinigten Staaten bei- messen. Es ist noch nicht lange her, daß ganz Rordamerika Kolonialland gewesen ist, ein Gebiet, in das der gesamte Abyub der europäischen Gesellschaft abgeschoben wurde. Das Verbrechertum ist dort immer größer gewesen als in den Alten Welt. Auch Schmuggel haben die Der- brvcher Immer getrieben, nur ist dieses Gewerbe durch die Prohibition besonders aufgeblüht. Aber schon zu einer Zeit, in der man noch nichts vo-H Jack Diamond und dem Chikagoer Rarbengesicht wußte, hat es in Aeuyorker einen Verbrecherkönig gegeben. Der amerikanische Schriftsteller Herbert Asbury hat in seinem Buch über die Unterwelt von Aeuyork zum Beispiel den Vagabunden Monk E a st m a n gezeichnet, der um die Jahrhundertwende die Straßen Aeuyorks unsicher machte. Er war ein großer Tierfreund und soll über hundert Katzen und fünfhundert Tauben besessen haben. Aber deshalb besaß er doch kein sanftes Gemüt. Alkohol wurde damals noch nicht geschmuggelt, und Eastman brachte statt dessen Rauschgifte über die Grenze. Mindestens ein Dutzend Messemarben verunzierten ihm Gesicht und Racken. Wie oft er verhaftet worden ist, wußte er selbst nie anzugeben. Im Jahre 1904 wurde er von einem Detektiv niedergeschossen, als er gerade einen Betrunkenen ausrauben wollte. Er erholte sich aber wieder, verlegte sich nunmehr in der Hauptsache auf das Gewerbe des Gtnbrechens und brachte es mit seiner großen Bande auch in diesem Zweig des Verbrechertums sehr weit. Gr ist übrigens oft ins Gefängnis gewandert, aber niemals für lange Zeit. Im September 1917 meldete er sich freiwillig an die Westfront. Er soll ein tollkühner Soldat gewesen fein, der freilich wegen seines Vorlebens keine Orden erhalten konnte. Aber am Ende des Krieges strich man seine Vorstrafen, nachdem er geschworen hatte, ein ehrliches Leben zu führen. Das war im Mai 1919. Am 26. Dezember 1920 fand man seine Leiche in einer Straße Reuyorks; wie sich später herausstellte, war er im Kampf gefallen, in einem Kampf, in den er wiederum als berüchtigter Schmuggler und Einbrecher verwickelt worden war. Hebrigens ist Eastman bei den amerikanischen Wahlen oft gegen hohes Honorar dazu verpflichtet worden, mißliebige Politiker zur terrorisieren, und auch dieses Gewerbe ist seit seinem Tode vor zehn Jahren noch nicht ausgestorben. In den Wahlzeiten haben die Mitglieder der amerikanischen Hntertoelt immer recht ansehnliche Rebeneinnahmen. Hesischer Haiiplverem des Evangelischen Sundes WSR. Schlitz, 2. Sept. Der Hessische Hauptverein dcsEvangelischenBun- des war vom 30. August bis 1. September in Schlitz zu seiner 4 3. Lan destagung versammelt. Unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung des Schliherlandes und unter Beteiligung von zahlreichen Abgeordneten aus allen Teilen Hessens gestaltete sich die Tagung zu einer machtvollen Kundgebung des hessischen Protestantismus zur Wahrung feiner Güter und Rechte, namentlich im öffentlichen Leben, in Erziehung und Verwaltung, Presse und Politik. Zum Begrühungsabend in der Turnhalle am Vorabend hatten sich aus dem ganzen Hessenlande Hunderte von Männern und Frauen eingefunden. Pfarrer Dr. Winkel mann (Offenbach) sprach über „Warum einen Evangelischen Bund?" Der Vortrag war umrahmt von Darbietungen des Kirchenchors (Leitung: Fortbildungsschullehrer Wege!) und des Gesangvereins „Harmonisches Kränzchen" (Leitung: Chrenchormeister M o h r). Den Austakt des Festsonntags bildete der F e ft* go11esdienst, in dem Pfarrer Berck (Roßdorf) in der überfüllten Kirche predigte. Am Vormittag fand noch eine Sitzung des Vor- st a n d e s und der Dekanatsvertrauensmänner statt, in der als Tagungsort für das nächste Jahr Mainz bestimmt wurde. In den V o r st a n d neu gewählt wurde Pfarrer Becker (Mainz). Fünf verdienten treuen Mitgliedern des Bundes wurde die silberne Luther-Medaille verliehen: Pfarrer Böchner (Treis an der Lumda), Bahnhofsvorsteher Hammel Ridda, Oberpostinspektor M a n k e l (Mainz), Pfarrer Roos (Viernheim) und Pfarrer Weber (Langen). Gleichzeitig war eine Sitzung des Evangelischen Deamtenausschusses, in der Professor Wentzel (Darmstadt) über Ziele und Zwecke des Evangelischen Deamtenbundes sprach. Die Rachmittagszüge brachten eine ganze An- zahl Festteilnehmer aus den benachbarten Orten, in denen auswärtige Geistliche in den Vormittagsstunden Festgottesdienste abgehalten hatten. Kurz nach 15 Hhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Stadt. Der Festzug endete aus dem Marktplatz mit einer großen evangelischen Vollsver s ammlung unter Mitwirkung von Kirchengesangverein, Männer- und Posaunenchören. Rach der Eröffnung durch den Vorsitzenden des Hessischen Hauptvereins, Pfarrer D e r d (Roßdorf), begrüßte für die hessische Landeskirche Prälat D. Dr. Diehl (Darmstadt). Der Vertreter des Dundespräsidiums, Dundesdircklor D. Fahrenhorst (Berlin), betonte in seiner Ansprache die Wichtigkeit evangelischer Bekennertreue und Erstarkung im lebendigen Glauben. Studienrat Dr. Simon (Offenbach) sprach über die Verbundenheit des Evangelischen Bundes mit dem Wesen und den Zielen der Kirche. Ergreifende Bilder von Lebensäußerungen protestantischer Tat in Vergangenheit und Gegenwart zeichnete Pfarrer Dr. Verger (Darmstadt). Eine von dem Vorsitzenden, Pfarrer Berd, vorgeschlagene K u n d- g e b u n g fand einstimmige Annahme. Es heißt darin u. a.: „Wir stellen mit freudiger Genugtuung fest, daß die Stimme des Evangelischen Bundes im öffentlichen Leben in steigendem Maße Gehör findet. In immer weitere Kreise bringt die Erkenntnis, daß der Evangelische Bund auf dem rechten Wege ist mit seinem Programm: Evangelischer Glaube und deutsches Volkstum unlösbar verbunden, sind die Kräfte, die allein unser Volk zur Gesundung führen und seine Zukunft retten können. Damit ist allen Evangelischen ernsteste Verantwortung auferlegt und auch für die bevorstehende Reichstagswahl der klare Weg zur rechten Entscheidung gewiesen." Beim Begrüßungsabend am Sonntag war die Turnhalle gedrängt voll. Vorzügliche unterhaltende Darbietungen, namentlich die Aufführung des Spieles „Luther und Graf Erbach" wechselten mit mancherlei Begrüßungsansprachen. Herzlichen Gruß übermittelten Bürgermeister Dr. Riepoth für die Stadt Schlitz und Kreisdirektor Dr. Michel'(Lauterbach). Glückwünsche brachten de? kurhessische und rheinische Hauptverein, der brandenburgische Hauptverein, der Gustav-Adolf- Verein, Innere Mission, evangelische Arbeitervereine, Hessenbund usw. Die Mitglieder - undAbgeordneten- Cßerf ammlung am Montag brachte den Jahresbericht des Schriftführers, Pfarrer Ver- g ä r (Darmstadt). In einer aus allen Kreisen gut besuchten öffentlichen Versammlung hielt Oberstudiendirektor D. Fahrenhorst (Berlin), Direktor des evangelischen Bundes, einen Vortrag über: „Die Erziehung zum deutsch- protestantischen Charakter". Ein gemeinsames Mittagessen schloß die Tagung. Oberheffen. Landkreis Gießen. § Saubringen, 3. Sept. Die Provinzial- strahenverwaltung hat sich bereit erklärt, noch vor Eintritt der kalten Jahreszeit auf der D e - zirksstrahe von hier nach Gießen (Einmündung in die Marburger Straße) eine grün d - liebe Oberflächenbehandlung vorzunehmen. Gleichzeitig wurde der Gemeindeverwaltung die günstige Gelegenheit geboten, die Hauptdorfstraße in der gleichen Weise erneuern zu lassen. Die Gemeinde hat dafür den vor- anschlagsmäßigen Betrag von 1500 Mart bewilligt. Insgesamt werden etwas mehr als fünf Kilometer Strahenfläche in Arbeit genommen. y Staufenberg, 2. Sept. Heute wurde der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Heinrich Schmuck, der 36 Jahre Schäfer hier gewesen war und sich großer Beliebtheit erfreute, im Alter von 86 Jahren beerdigt. Er war der letzte Altveteran von 1870/71. # Orüningen, 3. Sept. Am Sonntag hielt der Turnverein „Gut Heil" sein diesjähriges Vereinsabturnen ab. Es wurde ein Zehnkampf sowohl bei den Tümern, als auch bei den Schülern ausgetragen. Einzelne gute Leistungen seien hier besonders hervorgehoben. Der Turner E. Engel übersprang 1,55 Meter, der Student W. F a Y erreichte mit einem Kugelstoß fast die 11-Meter-Grenze. Auch die Leistungen der Schüler waren zufriedenstellend, einzelne sogar sehr gut. Der Rachmittag brachte ein Schauturnen, bei dem gute Gerätetumer der Rachbarvereine Münzenberg, Lang-Göns und Hochelheim mitwirkten und allgemeinen Beisatt fanden. Faustballspiele und akrobatische Turnspiele der hiesigen Turner füllten neben Musik und Tanz das Rachmittagsprogramm. Selbst der Abend zeigte noch den turnerischen Charakter der Veranstaltung. Die Stab» und Keulenübungen der Turnerinnen bzw. einer Gruppe der Aktiven ernteten verdienten Beifall. Kreis Friedberg. WSR. Friedberg, 3. Sept. Zu dem heutigen Schweinemarkt waren 552 Jungtiere aufgetrieben. Das Geschäft ging sehr flott; es verblieb etwas Heberstand. Es wurde bezahlt für sechs Wochen alle Tiere 25 bis 30 Mk., sechs bis acht Wochen alle 30 bis 35 Mk., acht bis zwölf Wochen alte 35 bis 45 Mk. Kreis Büdingen. * Ridda, 3. Sept. Gestern vollendete hier der Stationsvorsteher i. R. Wilhelm Ham- Fiebererscheinung, das dürfte alles sein, vorausgesetzt, daß entsprechende Schonung beachtet wird." „Daran sott es nicht fehlen, nicht wahr, liebes Kind? Sie werden nichts dagegen haben, Herr Doktor, daß mein Chauffeur Sie zur Station bringt? Der Weg von hier nach Rottach-Berg- hof zurück ist jedenfalls llirzer, als der nach Tegernsee." Cs ergab sich für Helene keine Gelegenheit mehr, dem geliebten Manne auch nur einen Blick des Einverständnisses zuzuwerfen, Aversvn durfte um keinen Preis wissen, wie sie zueinander standen. Sie legte mit einem gleichmütigen Druck ihre Hand in die Frankes, sprach ihren Danr für seine Bemühung, dann stieg sie neben Aversvn in den Maybach, den der Direktor nach Rottach- Derghos hinaufklettern ließ. Franke empfand ein Gefühl, als wäre er unter ein schweres Hagelwetter gekommen und bis auf die Haut von Regenschauern gepeitscht worden. Er sah immer wieder nach der blauen Limousine zurück, aber kein Kopf wandte sich, kein Tuch flatterte! Keine Hand winkte. Er ließ die Schullern nach vorne sinken und drückte sie dann in das braune Leder der Polsterung. Drei Wochen war er nur fort gewesen! Drei armselige Wochen — und kam als ein anderer nach Hause! — Als ein ganz — ganz anderer. * * * „Mama, eine Operation ist doch nicht zum Sterben“, tröstete Franke seine Mutter. „Von Hundert überstehen sie neunzig Prozent. Papa ist noch nie ernstlich krank gewesen, sein Körper i t unverbraucht, wenigstens was übermäßige Kraftausgabe anbetrifft- In zwei Stunden ist alles vorüber." Franke hielt die Hände an den Kopf, der wie im Trommelfeuer hämmerte. Die jammernde Stimme der Mutter zerrte an seinen Rerven, dazwischen horchte er auf das Telephon, das im Rebenzimmer schellte. Er sprang hinüber und riß den Hörer ans Ohr, gab eine gleichgültige Antwort und ging wieder in das große Wohnzimmer zurück. Er hatte gehofft, daß Helene anrufen würde, aber er wartete vergeblich. Es half eben alles zusammen, ihn aus dem Gleichgewicht zu werfen. „Was wird sein, wenn Papa die Operation nicht übersteht?" meinte die Geheimrätin. „Wie oft habe ich gewünscht, dich verheiratet zu sehen. Run ist es vielleicht das beste, daß kein Dritter zwischen uns steht, daß wir zusammenbleiben können. Ach Just, du weißt nicht, wie verzweifelt ich bin!“ Er suchte nach neuen Worten, nach neuem Tröste, war nur halb bei ihr und dachte an Helene, die zweitausend Mark im Monat für ihre Schneiderrechnung benötigte. Der telephonische Anruf, welcher ihn neuerdings an den Apparat springen lieh, rief ihn sofort nach der Klinik. Er hörte das Weinen der Mutter hinter sich her, und vernahm es noch, als er schon die Flurtüre hinter sich zugeschlagen hatte. Gott, es war herzlos, so ohne Kuh und beschwichtigendes Wort von ihr zu gehen, aber seine Rerven waren am Versagen. Was ihm noch an Kraft übrigblieb, das hatte er mehr denn je nötig. Er hatte Professor Klahn gebeten, die Operation au übernehmen. Er selbst wollte lediglich als Assistenz dabei fungieren. Niemand hatte etwas dabei gefunden. Das kam sehr häufig vor, daß Aerzte, wenn es sich um ihre nächsten Angehörigen handelte, die Ruhe tarieren und vor der Verantwortung zurückschreckten. Der Geheimrat streckte feinem Einzigen, als dieser zu ihm in das Zimmer trat, beide Hände entgegen und zog ihn zu sich herab. „Es tut mir leid, Just, daß ich dir deinen Hrlaub so jäh zerreißen mußte. Diese Bauchfellentzündung hätte auch acht Tage später kommen können — Für alle Fälle: Mein Testament liegt zu Hause in der linken Schreibtischschublade. Ich halte es für selbstverständlich, daß du dich der Mama in jeder Weise annimmst, auch wenn du dich einmal verheiraten solltest. Die Mama und ich sind übereingekommen, unsere gemachten Ersparnisse — dreiviertel davon sind ja verloren, wie die der anderen auch — dir jetzt schon als Eigentum zu übertragen. Du kannst es mehren und deinen Kindern einmal sagen, daß ihre Großeltern den Grundstein zu ihrem Wohlstand gelegt haben." „Ja, Papa! — Ich hoffe aber, daß das noch in weiter Ferne liegt. Wenn die Operation vorüber ist, wenn —" „Herr Doktor werden einen Moment ans Telephon gebeten." Frank löste seine Hand aus der des Vaters und war im nächsten Moment an der Türe. Kopfschüttelnd sah ihm der Geheimrat nach. Als er etwas später mit strahlendem Gesichte aus dem Telephonzimmer zurückkam, hatte man den Kranken bereits auf die Bahre gelegt und nach dem Operationssaal gefahren. Professor Klahn und zwei weitere Aerzte kamen ihm in weißen Kitteln entgegen. Zwei Minuten später stand Franke an deren Seite. Wenn alles gut ging, konnte er vielleicht noch heute abend — „Herr Kollege, ist es nötig, Sie um Ihre ganz besondere Aufmerksamkeit zu bitten ?" Klahn sah ärgerlich auf Franke, dessen Augen einen Ausdruck völliger Abwesenheit trugen. Ein brennendes Rot lief Frankes Wangen hinauf und setzte sich an den Schläfen fest. Der hier zwischen Leben und Tod schwebte, war fein Vater, der Mann, dem er das Dasein verdankte. m el fein 9 0. Lebensjahr. In erftaünficöe) Rüstigkeit und Gesundheit konnte er seinen Geburtstag feiern, zu dem ihm von hier unb von auswärts zahlreiche Ehrungen mündlich und schriftlich dargebracht wurden. Der Reunzig- jährige erfreut sich allgemein großer Beliebtheit. Täglich macht er noch seinen Spaziergang und dann seinen Dämmerschoppen. Hammel trat 1861 freiwillig beim Hessischen Selbartillerieregiment in Darmstadt ein und machte die Feldzüge 1866 und 1870/71 mit Auszeichnung mit. Später war er Stationsvorsteher in Zell bei Alsfeld, Ridda und Grünberg. Seit seiner Pensionierung im Jahre 1910 wohnt er hier bei seiner verheirateten Tochter. Er bringt dem Kriegervereinswesen reges Interesse entgegen. rl. Bleichend ach, 2. Sept. Gestern fand unser zweiter diesjähriger Schweinemarkt statt. Das Angebot war verhältnismäßig stark, es waren 150 bis 160 Ferkel aufgetrieben. Rach anfänglich schleppendem Geschäft wurden fast alle zu Preisen von 22 bis 34 Mk. je Stück abgeseht. — Der Markt - und Turnplatz ist nunmehr gegen den Dach hin durch Höherführung der Mauer und einen darauf gesetzten starken Rundholzzaun gesichert. Durch Planierung feiner abschüssigen Stellen und eine Hmgrenzun^mit lebendem Zaun soll er weiterhin verschönerrt-werden. — Die obersteDrücke über die Bleiche innerhalb des Dorfes, eine alte, nicht mehr tragfähige Holzbrücke, ist durch eine Steinbrücke ersetzt worden, die dieser Tage dem Verkehr übergeven wurde. — Bei den Reichsjugend wettkämpf en an unserer Schule gingen als Sieger hervor im Fünfkampf der Knaben: W. Emrich l. mit 92, Heinrich Kaiser mit 71, Otto Schmitz mit 70 und Helmut Heß mit 68 Punkten; im Dreikampf der Mädchen: Anna Grauling mit 44 und Marie Völker mit 43 Punkten. — Die seit 1927 hier bestehende Schulgruppe des VDA. holte sich am Samstag und Sonntag auf dem Landesjugendtreffen des VDA. in Büdingen ihre zweite Wimpelschleife; vor Jahresfrist war sie aus gleichem Anlaß in Ingelheim. T Babenhausen L 3. Sept. Dieser Tags fand die Gemeinde - Grummetgrasver« fteigerung statt, bei der durch rege Nachfrage fast die gleichen Preise wie im vorigen Jahre erzielt wurden. In benachbarten Orten sind die Grummetpreise bedeutend niedriger, als im Vorjahre. Die Grummeternte fällt in unserer Gegend sowohl nach der Menge, als auch nach der Güte sehr gut aus; sie ist die beste Grummcternte der letzten Jahre. — In den großen Sloatswaldungen unserer Gegend weisen die Brombeersträucher in diesem Jahre einen sehr reichen und gut entwickelten Fruchtbehang auf. Die Brombeerernte? zu der sogar Leute mehrere Stunden Wegs weit aus der Wetterau kommen, hat bereits begonnen. Zahlreiche Arbeitslose widmen sich der Brombeerernte, um dadurch eine kleine Einnahme zu erzielen. Kreis Schotten. § HIrichstein, 3. Sept. Am Freitag, 5. September, vollendet Witwe Elisabeth Vehr- mann, geb. Göbel, ihr 8 5. Leb en sj a h r. Die Greisin ist die drittälteste Frau in unserem Städtchen und erfreut sich körperlich und geistig noch einer ganz außergewöhnlichen Rüstigkeit. Kreis Alsfeld. »er. Homberg, 3. Sept. In unserer Gegend kann man jetzt die Getreideernte als beendet ansehen. In allen Dörfern ist die Dresch-« maschinenarbeit gegenwärtig in vollem Gange. Der Strohertrag ist so groß, daß vielsach die: Scheunen nicht genügend Platz bieten und das ausgedroschene Stroh zu großen Haufen im Freien aufgeschichtet werden muß. Die gegenwärtig im Gange befindliche Grummet- ernte bringt quantitativ und qualitativ vorzügliches Grummet, zu dessen Lagerung selbst der kleinste freie Raum benutzt werden muß. Die Hackfrüchte haben sich in den letzten Wochen feine ganze sorglose Kindheit, die Jahre froh- verlebten Studententums, seine Existenz und alles dessen, was das Leben Reiches gebracht hatte. Sein Blick wurde so demütig abbittend, daß Klahn Mitleid verspürte: „Wenn Sie dem Anblick nicht gewachsen find, treten Sie besser ab, lieber Kollege." Franke biß die Zähne aufeinander. Aus dem Munde des Vaters kam fein Rame. Er neigte sich über den schon in der Rarkose Liegenden und fühlte, wie ihm etwas die Backen 6 er unterlief. Er war unfähig, eine Handreichung zu machen, so sehr verspürte er das Zittern seiner Finger, fühlte sich beengt durch den Wirbel der Gedanken, die sich wie verbissene Fechte? kreuzten. „Wissen Sie, bafr Ihr Herr Vater an einem Herzklappenfehler leidet?" hörte er Klahn zu sich herübersprechen. Er bejahte stumm. „Warum haben Sie das nicht gesagt?" Er wußte nichts darauf zu erwidern. „Es tut auch weiter nichts", beschied der Professor. „Die Operation" hätte unter allen Hmständen ausgeführt werden müssen." Draußen auf dem langen Korridor stand die Geheimrätin und streckte Die Hand aus, als man den reglosen Körper ihres Gatten vorüberschob. An die Türe gelehnt, wartete sie, bis ihr Sohn herauskam und seinen Arm unter den ihrqn zwängte. „Komm jetzt, Mama, es ist alles gut vorübergegangen. Vorläufig ist er noch ohne Bewußtsein. Aber wenn er erwacht, darfst du sofort zu ihm hineingehen." Gegen Mitternacht stellte sich eine große Herzschwäche ein. die morgens um sechs Hhr den Tod des Geheimrates zur Folge hatte. Franke stand vernichtet. Dieser harmonisch ausgeglichene, fleißige, strebsame, herzensgute Mann war nicht mehr. Die Geheimrätin lag fassungslos vor dem Bett des Toten auf den Knien und hielt die Qlrme um ihn geworfen. „Mama, ich bitte dich!" — Sie hörte den Sohn nicht, den Sohn, der ihr doch immer über dem Gatten gestanden hatte. Jetzt, wo dieser von ihr gegangen war, überfiel sie Plötzlich die Erkenntnis, daß er ihr am nächsten gestanden hatte. Franke verspürte das Gefühl, als müsse man mit Fingern auf ihn zeigen, denn selbst in dieser Minute bitterster Seelennot umkreisten seine Gedanken Helene Chlodwig. Er bat eine der Schwestern, ihr die Rachricht übermitteln zu wollen. Ob sie kommen würde? — Konnte sie überhaupt anders, als in dieser Stunde bei ihm sein, in feiner Rähe, seinem Auge erreichbar, wenn er sich auch sonst bescheiden mußte. (Fortsetzung folgt.) gleichfalls gut entwickelt, so daß man allgemein mit einer guten Kartoffel- und Dickwurzernte rechnet. Ober-Ohmen, 3. Sept. Bei der diesjährigen Vrummetgrasverfteigerung wurde bei sehr regem Geschäft ein ansehnlicher Erlös erstell. Die Preise bewegten sich über denen der Heugrasverstetgerung. sehr ost bis zur dreifachen Höhe. Sine Ausnahme machten die reinen Hutungen, die ungefähr die Hälfte der Heugraspreise notierten. Preußen. Arcie BZctzlar • B i 6 m a r, 3. Sept Ym Freitag. 5. September, feiert der Gastwirt Wilhelm Sitte n borf m der giüak der Brauerei IhringMelchior, Hierselbst, lein 2 5. Seschaftsjubiläum Bei Gastwirt 8it- tenborf, der weithin bekannt und beliebt ist, Haden allein sechs Ortsoereine ihren Sitz. Wirtschaft nahmen ergreift. Die jetzt laufenden Beratungen im Rahmen des ReichSwirtschaftSrates. vor allem über die Kvhlenpreife und auch hinsichtlich des Kohlenhandels, sollen schon in der nächsten Zeit zum Abschluß gebracht werden. Ob die Reichsregterung sich noch vor den Wahlen mit wetteren wichtigen Kartellmaß- nahmen beschäftigt, muh abgewartet werden, es erscheint aber nicht ganz ausgeschlossen, dah manche Stellen schon aus politischen Gründen weitere Aktionen fordern wollen. Aufhebung und Untersagung bestimmter Preisbindungen. Bekanntlich ist der Dorlüufige Reichswirt- schaslsrat von der Reichsregierung aufgetorbert worden, nochmals die beteiligten Wirtschafts- kreise zu hören, ehe die Suscheidung über einen etwaigen gesetzlichen Eingriff gegen de Preis- binbungen bei Markenartikeln getroffen wird. Für ein anderes Gebiet der Preisbindungen hat jedoch bereits jetzt das Reichs- wirtlchaftsministerium auf Grund der Kartell- Notverordnung eine Bussührungsoerordnung veröffentlicht, wonach solche Geschäftsbedingungen, durch die der Abnehmer einer Ware für Waren anderer A r t oder Herkunst, oder aber für gewerbliche Leistungen in seiner Preisstel- lung rechtlich oder wirtschaftlich gehemmt wird, aufgehoben werden. GS handelt sich allo inS- besondere um ReverSver t rüge und Geschäftsbedingungen des Lieferanten, die für nichtig erklärt werden. Damit wird beifpielsweife dem Hersteller untersagt, Preisbindungen auf Waren, die nicht Gegenstand der Lieferung find, oder auf gewerbliche Leistungen befi Beziehers (ettoa bic Installation beS Artikels in ber Wohnung bes Kunden) vorzuschreiben. Diese neue Ausführungsverordnung hat dem wirtschaftspolitischen Ausschuß des Vorläufigen RcichswirtschaftSrats bereits vor einigen Tagen Vorgelegen und mit Mehrheit Annahme gefunden. Cor Tatbestand, der der Derordnung zugrunde liegt, ist vor allem der, bah ben Händlern Preisverpflichtungen nicht nur für gleichartige Waren, die fie von einem Konkurrenten d^s Produzenten bezogen, auferlegt wurden, sondern bah triefe Verpflichtungen ber Preisbindung auch auf Waren ausgedehnt wurden, die etwa zusammen mit ber Ware deS preiSbindenden Lieferanten verlaust werben, also auf gewisse Zubehörteile. Beispielsweise bestanden bei der Linoleumindustrie und auch beim Deutschen Ghlor- Magnesium-Synkrikat solche Bindungen, die allerdings bereits früher auf Beanstandungen deS AeichSwirtschaftSministeriumS hin aufgehoben worden find. Runmehr kann also der Lieferant vorerst nur für die von ihm unmittelbar gelieferte Ware die Einhaltung einet bestimmten WiederverkaufspreifeS verlangen, vorerst deswegen, weil der RcichSwirtfchaftsrat auch diese Preisbindungen gegenwärtig, wie eingangs erwähnt, auf Veranlassung der Regierung einer Rachprüfung unterzieht. Für die weitesten Kreise der Wirtschaft ist diese Verordnung zwar überraschend gekommen, aber da ihre praktische Wirksamkeit nicht allzu eingreifend in daS Wirtschaftsleben ist. hat man die Verordnung im allgemeinen mit Ruhe ausgenommen. Die Regierung verfolgt mit dieser Maßnahme eine alte Linie ihrer Politik, da sie schon früher auf dem Gebiet der Bauwirtschaft solche Srscheinungen, wie sie durch die neue Kar- tellocrorbnung getroffen werden, bekämpft hat. 3n unterrichteten Kreisen herrscht überhaupt die Meinung vor, daß der stellvertretende ReichS- wirtschaftsminister. Staatssekretär Trendelenburg. grundsätzlich geneigt ist, die außerordentlich vorsichtige Stellungnahme beS Reichs- wirtschaftSrateS zu ben Kartellfragen mitzu- machen. ör wird auf jeden Fall solche Mah- nahmen, die zwar äußerlich wirksam sind, aber praktisch von zweifelhaftem Effekt bleiben müssen, vermeiden und somit alle Versuche abwehren, die auS politischen Gründen radikale Eingriffe in daS Kartellwesen wünschen. Wie verlautet, hat diese sehr abwägende Haltung deS Staatssekretärs auch schon zu mancherlei Gegensätzlichkeiten innerhalb deS Kabinetts geführt. Unter diesen Umständen ist anzunehmen, daß man auch in Zukunft nicht zu allgemeinen Maßnahmen der Kartellpolitik kommen wird, sondern nur in enger Zusammenarbeit mit dem Reichswirtschafts- rat in bestimmten Fällen Sinzelmaß- Mehlpreisherabsetzung. Die Süddeutsche Mühlenvereinigung hat ben Preis für Weizenmehl (Spezial 0) um 50 Pf. auf 41,75 OHf. ermäßigt Die russischen Industriebestellungen in Deutschland Der Gesamtwert der in ber Zeit von Oktober 1929 bis Juni 1930 in Deutschlanb von ber Handelsvertretung Rußlands bestellten Waren übersteigt nach Mitteilung der Handelsvertretung 160 Millionen Rubel (in der gleichen Periode deS IahreS 1928 2» fast 127 Mill). ES ist demnach eine Steigerung von 33,4 QUilL Rubel, oder um 25.3 Prozent zu verzeichnen In der Warenzusammensetzung ist eine entschiedene Aenderung eingetreten Die Bestellungen weisen ein erhebliche- ilebertoic- gen der industriellen und Transporteinrichtun- gen auf. Der Anteil dieser Gruppe war weniger als die Hälste der Gesamtsumme aller Bestellungen im Wirtschaftsjahr 1928/29, im lausenden 3ahr erreicht er 0,67. Don der Gesamtsumme von 160,3 Mill. Rubel entfallen 105.6 auf industrielle Einrichtungen. 54.7 auf sonstige Waren (in 1928/29 von insgesamt 126,9 Mill. 61,7 auf industrielle Einrichtungen, der Rest auf sonstige Waren). Frankfurter Börse. Frankfurt a.M, 4. Sept. Tendenz: freundlich. Auch heute konnte die sich gestern bemerkbar machende Freundlichkeit an Boden gewinnen. Das Geschäft bewegte sich im allgemeinen in ziemlich bescheidenem Rahmen. Dur einige Spezial- werte machten eine Ausnahme und waren zeitweise lebhafter gehandelt. Die Kulisse schritt, veranlaßt durch einige eintreffende AuSlandorderS. verschiedentlich zu Mei- nunaSkäusen. Das Urteil über den AuSgang der Wahlen lautete jetzt etwa- günstiger, und in der Haupt fache erhielt die Börse hieraus ihre Krast und Zuversicht. DaS Publikum hielt sich dem Markte aber fast vollkommen fern, daS Geschäft wickelte sich in erster Linie in der Kulisse ab. Die schwächere gestrige Reuyorker Voile konnte der freundlichen Stimmung keinen Abbruch tun, ebensowenig die immer noch ein- treffenben ungünstigen Wirtschastsnachrichten. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich aber zumeist I leine KurSbesserungen. 3m Vordergründe standen weiterhin am Eh^nie- markt RütgerSwerke mit plus 1 Prozent Deutsche Erdöl dagegen eher etwas angeboten und bei unverändertem Kurse anfangs nur schwer unterzubringen 3m allgemeinen war auch heute die Um* satztätigkeit nicht besonders umfangreich. AEG und EiemenS-Aktien fast unverändert. Für Gesfürel und Felten bestand jedoch etwas regereS Interesse. bei Besserungen bis zu 1,5 Proz. In der Hauptsache soll hier die Schweiz als Käufer aufgetreten fein. Die feit längerer Zeit stark vernachlässigte Deutsche Linoleumaktie konnte ebenfalls etwas mehr Interesse auf sich lenken, und sie gewann 1,75 Proz. Von Kaliwerten traten Salzdetfurth mit pluS 2,5 Proz. mehr hervor. Aschersleben gewannen 1 Proz. Montanwerte lagen still und fast unverändert. Von internationalen Werten besserten sich Ghadeaktien um 4 Mark. SchissahrtSwerte bis zu 1.25 Proz. gebelfert und lebhafter. Vanfen nicht ganz einheitlich- Danatbank gaben leicht nach, während Bayrische Hypothekenbank ettoa» gewannen. Am Anleihemarkt bestand für Mexikaner bei unverändertem Kurse weiter einiges Interesse. Deutsche Anlethen konnten sich weiter bcl’cm. 3m Verlaufe war das Geschält wieder stiller, doch waren die Kurie gegen Anlang allgemein gut behauptet. Rur Deutsche Anleihen lagen leicht gedruckt Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3 Proz. leichter. Am Drvitenmarkt nannte man Vlarf gegen Dollar 4.1910, gegen Pfund 20.391, London gegen Kabel 4.865750. gegen Paris 123.80, gegen Mailand 92,82, gegen Madrid 4^.00. gegen Schwerz 25.0440, gegen Holland 12,0813. Berliner Börse. V e r l i n, 4. Sept. War in den heutigen Vor- mttlagsverkehr durch den schwachen Schluß der gestrigen Reuyorker Börse eine gewisse Unsicher- freit gebracht worden, so konnte man bereit- bis zu Beginn des offiziellen Verkehr- doch erkennen. daß bic freundliche Grundstimmung der letzten Tage wieder die Oberhand erlangt hatte. Die auf Position-techntfcher Basis beruhende Aufwärtsbewegung der Kurse ging weiter, ohne daß irgendwelche anregenden Momente aus der Wirtschaft vorlagen. Am Kalimarkt, und fpeziell in Salzdetfurth-Aktien, wurden anscheinend die Deckungen fortgesetzt, denn größere Kausorders lagen bei den Banken kaum vor. Hier betrugen die KurSbesserungen 2,5 bis 4,75 Prvz., während eine Reihe anderer Papiere, wie Harpencr. Deutsche Linoleum, Aku usw. b>S zu 2 Prvz. gewannen Etwas schwächer eröffneten Lvenska mit minus 2 Mark. Otavi Minen und Goldschmidt. Die Richtermäßigung der Londoner Diskontrate, die vielleicht verein-,eit erwartet wurde, hatte auf die Tendenzentwickelung keinen Einfluß Die Stimmung blieb auch nach Bekanntwerden diele- Be- fchluifes der Boni von England freundlich. DaS Geschäft ließ allerdings im Börfenverlaule etwa- nach, und die vorher besonder- stark gestiegenen Papiere bröckelten ctwaS ab. Feste Haltung zeigten Bahnaktien, von denen Baltimore mit PluS-PluS-Zeichen erschienen, sowie Kanadazertifikate und Schontungbahn, die je 1.75 Prozent gewannen. Auch in ReichSbahnvorzugSaktien war da- Geschält heute etwa- lebhafter. Am Anleihemarkt setzten von deutschen Anleihen Altbesitz ihre Auswärtsbewegung bi- auf 62,4 Prozent fort. Ausländer lagen ruhig 'Bosnier erneut um 0,5 Prozent gebessert. Mexikaner unverändert. Der Pfandbriefmarkt wieS nur geringe Veränderungen auf. Bei stillem Geschäft lagen einige Gebiete eher etwas freundlicher. Der Geldmarkt war leichter. TagcSgeld auf 4.5 Prozent ermäßigt. Die übrigen Sätze waren unverändert. Auch im weiteren Verlaufe überwogen kleine Kursrückgänge Salzdetfurth gingen um zirka 2 Prozent zurück. Sonst hielten sich die Abschläge etwa im Rahmen von 1 Prozent. Die verspätet festgesetzten Ghadeaktien notierten 6 Mark höher als gestern. frankfurter Lchlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 4. Vcpt. Auftrieb 122 Rinder, 906 Kälber. 147 Schafe, 667 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 79 bis 82 Mk.. mittlere Mast- und Saugkälber 73 bis 78. geringe Kälber 65 bis 72. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast« främmcl (Weidemast) 50 bis 53. mittlere Mastlämmer. ältere Masthämmel und gut genährte ßeftafe 43 bis 49 Mk. — Schweine nicht notiert. — M a r k t v e r l a u f: Bei allen Gattungen ruhig, auSverkauft. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung) Line Bitte an die Oberpostdirektion Darmstadt. Im Bezirk der Postagentur Bobenhausen II bei Mücke und in einem Teil der Dörfer des Postamts Mücke herrscht gegenwärtig starke Erregung, weil die Postbehörde die Perkras* tung der Landpost auch in diesem Bezirk durchführen will. Beamte des Postamts Grünberg sprechen gegenwärtig bei den beteiligten Bürger* meiftereien vor, um für diese Vertröstung zu werben. Die Erregung der Bevölkerung richtet sich nicht gegen die Verkraftung der Post als solche, aber man •ft beunruhigt darüber, daß mit dieser Einrichtung die Personen, und Kl e i n f r a ch t b e f ö r * dorung verloren geht und unsere Gegend damit jedes öffentliche Beförderungsmittel verliert. Wie wichtig diese Berkehrsmögljchkeit für die Gegend von Bobenhausen und Mücke ist, geht daraus hervor, daß die Gemeinden sich vor Jahresfrist entschlossen haben, einem Privatunternehmer, der die Personen-, Kleinfracht* und Postbeförderung mit Kraftomnibus täglich zweimal besorgt, monatfidx Zuschüße zu teisten. j?ie Bevölkerung de» in Betracht kommend, n Gebiete» rourbe e» schmerzlich empfinden, wenn die feitbmge bequeme Einrichtung verloren geben wurde Hoffentlich läßt d,e Oberpoftbirefhon Darmstadt bte Po st Beförderung rol e seither beheben, zumal durch d»e Vertröstung keine Er* sparmste für die Post gemacht werden dursten. Einer für Viele. Aus oder Wert. Ein österreichische» Verkehrsflugzeug vermißt. Der bekannte österreichische verkehreflieger Major Raoul Stoisatckjevic, der am Dienstag flugplon* mäßig mit dem Verkehrsslugzeug A. III von Wien in Innsbruck anfam und nach vorgeschriebenem Aufenthalt nach Zürich weiterslog. wird seitdem vermißt. Da» ttluMeug wurde zum letzten Male bei flrunn, oberhalb d.» Walchensee», gesehen. Zahlreiche Fluge südwestlich ber Zugspitze wurden durchgesuhrt, um da» Flugzeug zu suchen. Die Nach- lorichüngen waren jedoch b i • b e r ohne ErsoIg. Man nimmt an, daß da» Flugzeug durch starke Bewölkung und Nebel in einem entlegenen Hochtal der Alpen verunglückt ist. ®rtrlnnon»8Bfl 5 Rlafle 35. Preußif cd Süddenksch« (261. Preuß.) Klassen-Loiterie Ohne Gewahr Nachdruck verböte» ^ius jede gezogene Nummer nb »wei gleich höbe (Setrinne gefallen, und »war se einer aus die Lose fllticber Nummer in den beiden Bblellungen I und 11 21. Ziehungstag 2. September 1930 ön der heutigen Bormlttoaszlrbung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 2 »1 163561 170^02 194345 200193 231211 233182 261736 264028 277367 277951 289341 29 040 304034 307112 329274 341554 371418 396393 117838 122976 143470 153962 173935 180830 201455 207183 244711 250642 270361 271779 281006 285424 292065 295858 317957 320831 347604 351797 309161 ön der Heuligen Nochmltlogsziehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 2 Vffelnn« tu 10000 ®L 56920 2 O*tnlnne |u 5000 M, 7402 2 S-«6>tnne «u 3000 UL 424 10 e-tr rn« |U 2000 ®. 127809 196540 281889 288667 347602 26 •ta'innt IU 1000 VT. 81302 68108 72488 177670 190661 192787 197869 299016 301342 303576 305937 338699 386727 90 ettennf I. 500 HL 8542 15080 17824 19913 43448 48315 54162 67241 57300 79444 79483 86859 109190 119878 128046 133773 159842 175618 186524 202381 206325 210303 221882 223186 265555 269491 284170 286092 287568 294014 301796 304-,93 308513 316255 316658 323840 333368 334795 340351 368218 370689 373516 373928 382126 398488 190 ®t»innr|u 300-DL 2370 2785 4394 10358 10918 11809 14692 29192 30740 31157 31940 40095 43970 45805 54770 55516 69160 59318 63944 67244 71671 76010 82173 83404 86880 88089 91907 113898 114274 125850 126528 127179 129825 138341 139110 141019 144599 147838 148829 151435 157078 164033 166134 170352 177417 189323 196427 203080 204109 207145 212653 214581 219037 220201 220888 220991 223778 225216 228183 234713 239295 241242 263989 266602 272910 274726 275838 276432 280669 287719 295727 299796 303402 304353 300890 316308 317920 326748 328982 330596 341994 343144 352537 354503 354559 36'/.00 357349 357650 364913 372478 385693 388954 390959 392156 393984 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu |e 5O0000, 2 Gewinne zu |e 60000, 6 zu se 25(00, 26 zu je 10000, 42 zu fr 6000, 102 zu je «00, 220 zu je 2000, 496 zu se 1000, 12vS zu se 600, 8242 zu se 800. Votum 8% 4.cundx Mcwamfux von 1957 ......... 7% Deutiche SeicbMnlelbe von 1929......... frurKlf anl.-«bl»T.-S4uIb eil «U4lo> «echten....... Mdi. »Mt 6utio|.-«e<»» . . 8% teil, voltttioat von 19» (rtdtablb. 108%)...... Cberbtif.-n TreMn» • «nlribe ml' lusioi -Rechten....... M'lche Rem m. 67% 8anbMp|antociefaHft6lt BlandSUekr S io...... ■-«.** ad,. tfortr.eflt-CMIß«^ ■en. rültzadlb« IMS .... 4% cesterretchiiche »olbrrntt . . 4,eo°o CefterreidMldx Selbem ntr 4% Ceüerreidib<6e SindeiUichc Rente .......... «% Uwflariidx woldrente .... 4% Ungarfid* Staawrentt B. 1910 4HX beigl. von 1913..... 4% Unaan'ch, Rrrnenrrntr . . 4% lürftfd* ZvUanIeide reu 1911 4% lütffldx «agbaddabn-Alll Serie I........... e Roten ....... HollLnbtlche Roten....... jtaJleDtt'te Roten........ 58,34 111,92 20,343 16,435 168,26 21,99 4,18 58,58 112.36 20,423 16.495 168,94 112,37 59,34 2.488 112,72 87,75 102,1 62,1 7,9 88 102 62 7,9 — Varntmee-flinettlo «ittri ... (xnnbutp-SüMm tampfidlifl . 6 tcmpfldrtff.....10 SotbbfuhS-rr 81op6.....8 gPflemetnr Teuhcbe (Jerbhaeft. 10 Panner Bankverein .... 10 Breitner Hantetne1e0|chakl . 1t iommerv unt f rwat-Cant . 11 9M 91,9 107.75 116 144.5 128,5 91,5 91,75 160 92,5 108,25 116 145,5 128,5 180,5 124 124.25 252,5 140 131,75 142.5 110,5 143,6 135,25 133,5 141,5 156.13 198,5 74^6 110,75 100 87,9 81 Is 86.25 85.25 53,13 87 77,9 204,25 88,5 rtetniätr Luch:werte . . . Ltavt Minen......16*/, tallroerfe «icher«ebe» . . . -io 76 201 — 202 7T 37,25 201,25 4nr L! 62,35 7,95 62,4 8 116 128,5 108 116 144,5 128.5 ftolunrrte y^terrerli . . . 10 »allweetr Latzdetrueth . . . Ifi Z.w. Narden-IndutzUe . . . 12 207 330 153,75 332^5 153,75 207,75 328,25 153 210.5 333 153,6 Rorweztlche Roten......; Teuridt-Ccfirrreld). i 100 LchÄIng RumÄnlidx Roten....... Sauvebtiche Roten ....... Schweizer Roten ........ Spontiche Roten..... , . I'-beflboHcrraMite «Pte«. .... LngaeSLe Roten...... . DeoiscawarN Berlin 111,83 59,10 2,468 112,28 81,33 44,06 12,39 73,21 - Frankfurt 94,5 59 61,13 101 96 81,5 101 98 97 — 93,8 60,5 101 98 97 — tannMbtrT nnb «alicnawank 1t Teichche Bant unb tUaMittu<»rfeUh»aft, . . . 10 trHbnre 8 an! ...... 10 «eichsdank........U fl.ae............e 8rrg«ann . ......... lirtrt. Lteternn-sgeiewchafl. 10 Ltch« «nb Rrntz ....... 10 ,Teilen 1 «jülerjtne . . . 7H »drCIMi für flKeftrikhe thttneebmungen .... 10 tambursCT ®iermi(lAt».Bcrfc 10 «bemHebe Lekretz.... 9 Lunche »etatzuLl. ... 10 5(t jien ÄOe.......11 8teeeai6 tollte.....16 181 124 124.25 139,13 142 110 142 156,25 196 180,5 124,25 140 142.25 111,25 143,25 180.5 123,65 124,25 251 139.25 167.9 129.75 141,75 110 142 135 141,5 155 197.5 158,5 ,4.5 ionamtl Rvdci ....... 6 Scheide anfiaU........S dolbltbmlbi ........6 MtgerfiEerte ........ 6 KeiallflrWIldxrft........ 56,5 57,5 106 81 103,5 _ 59 84,25 91 134,75 92,5 1 | | “*! i 3 l 1 1 1 1 1 1 1 ss - 57.25 57.65 104 59.5 254,25 203 83 88.5 134,75 92 — - 56 58,25 ■ 255,75 203.5 85 09 134 81,65 44.24 12.45 73,51 a. zn. tbüU?p Potzm-sn......? .Serr-nrrrf teibelbetB . . 10 (Lemeetwerf »rr’ftabi. ... 10 Bao6 ä Feeviag......t kchulcheU fawn befer ... 15 CftaetJr.........12 «ti...........U Pesbete..... 14 fleaeolf CaRbd .... 15'/, L ch-l'enta» ... 11 abariatten bürget Bauet ... 8 Tatmlet Maiseen ...... 0 Ttüd6e fitncleu« ...... Kr±T-.rrb=j Z,^......0 3 September 4. September UmNich« Xatieruna . ff Q a 15 de stellen beftehen ,ne die i Arbeit-Ä stützt Ma !°°lt7g7? LeK!t° *ii i?v°i ^Qdjlen 'n die Ändert u bilb ^re h. 8e ihrer $ e ! ’ den m.^veit