Nr. 180 Erster Blatt 180. Jahrgang Montag, 4. August 1930 Erschein! tflglid), aufcer Sonntags and feiertags. Beilagen: Vie Illustriert« Viehener Familienblätter Heimat im Dill» Die Scholle Monat,-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zentfprechanfchlüfie »nterSammelnummer225l. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Oiehe«. poftichelttonto: granffurtam Main 11686. GieheuerAuzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfitülr-Vuch» hhö Stelnöruderei L Lange tn Gießen. Schriflleltung und Seschäflrslelle: §chul»ttaße 7. Annahme von Anzeiae» für die Tagesnummer vis zum '.Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» kiamean,eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrifl 20' , mehr. Chefredakteure Dr. Friede. Wilh. Lang«, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wild. Lana«: für Feuilleton Dr H.TKgriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Oie Aussprache zwischen Staatspartei und Volkspariei geht weiter. Koch-Weser bietet seinen Rücktritt von der Leitung der Staatspartei an. - Oie Volkspartei zu Verhandlungen bereit. Oie Jungen Volksparteiler fordern eine Verständigung. Koch-Weser an Or. Scholz. Der Füstrcrwcch el. Berlin, 2. Qlug. (WTB.) Erich Koch - Weser hat an Dr. Scholz am Freitag nachstehenden Brief gerichtete „Sehr geehrter Herr Scholz! 3n den Ausführungen auS volksparteilichen Kreisen zur Gründung der Deutschen Staats- Partei wird nach wie vor die Auffassung ver- treten, als hätte dabei die Absicht bestanden, aesinnungsverwandte Kräfte der Deutschen DolkSpartei auSzuschlic- b e n. Diese Meinung wird auf den Umstand gc- stützt, daß vor der Gründung der Partei kein eDerhandlungen mit führenden Mitgliedern der Deutschen BolkS- Partei stattgefundcn haben. Ich darf dazu erinnern, daß ich mich nicht an Sie wenden konnte, weil Sie mehrfach zum Ausdruck gebracht haben, daß Sie eine Verbindung nach links nur unter der Voraussetzung des gleichzeitigen Gelingens einer Verbindung nach rechts eingehen wollten, und weil Sie bei Ihren eigenen Destrebungen die Volksnationale R e i ch s v e r e i n i - aung auSgeschaltet hatten. Bei diesem Stand der Dinge erschien cs mir unpassend, an einzelne Persönlichkeiten Ihrer Partei heranzu- treten, weil ich mir sagen muhte, dah die Dor* herige Auseinandersetzung mit Ihrer Parteiorganisation solche Entscheidungen nicht zulassen wurde. Ich konnte aber auch mit der Durchsührung meines Entschlusses zur Einigung der dafür bereiteten Kräfte nicht warten, denn die Zeit drängte, und eS bestand nach den mannigfachen Erfahrungen der letzten Jahre die Gefahr, dah der Gedanke einer großen StaatSpartet erneut in denselben langwierigen Verhandlungen der alten Parteien ersticken würde. Darum habe ich m't den dazu bereiten Kräften gehandelt, — ein Vorgehen, bei dem ich, wie ich vorauSsehen muhte, auch im eigenen Lager manche Verstimmung erregt habe. Die Deutsche Staatspariei und Ich persönlich haben aber alsbald nach der Gründung in mehrfachen (Erflärungen bckannlgcgeben, dah die Türen der neuen Partei weit offen sichen und Miigiieder aus allen geslnnungsvenvandten Kreisen glcichberechiigt an der Bestimmung der Führerschaft und der parlamentarischen Arbeit beteiligt sein werden, wenn sie sich ;um Anschluß entschlichen. Ich wiederhole dieses Angebot. Damit komme ich zu dem sachlichen Grund meines Schreibens. Dos deutsche Volk will angesichts der Schwere der bevorstehenden Entscheidungen die Verbindung gesinnungsverwandter Kreise zu einer grohen Staatspartei. Das zeigt das starke und ermutigende Echo, das unsere Gründung überall gesunden hat, übrigens auch in Kreisen rechts von der Deutschen Volks- Partei und in Kreisen, die in der parteioffiziellen Presse bis jetzt nicht zu Wort kamen. Der Kamps um eine handlungsfähige Mehrheit im neuen Reichstag verlangt geschlossenes vorgehen grohcr Gruppen. Ich würde es für ein nationalpolitisches Unglück halten, wenn in diesem Wahlkampf unsere Parteien sich In einem kleinlichen Zank gegenüber stehen und vielleicht sogar erörtern würden, wer am Scheitern der (Einigung schuld ist. Weite Kreise der Wählerschaft wollen keine (Erörterung der Schuld- f rage, sondern eine (Einigung. Ich mochte auf das eindringlichste darauf Hinweisen, dah die deutsche Zukunft schwer gefährdet ist, wenn die heute bestehende Gelegenheit zu einer (Einigung verpaht wird. Angesichts dieser grohen Verantwortung dürfen persönliche Fragen und taktische Meinungsverschiedenheiten keine Rolle spielen. Wenn meine Person im Wege steht, weil ich die Art der Gründung der neuen Partei zu verantworten habe, so bin ich bereit, den Weg sreizumachen. Ich schlage Ihnen vor, dah zur Ausschaltung aller hemmenden (Empfinbungcn und Empfindlichkeiten hüben und drüben w i r beide uns von der Führung der neuen Partei zurückhalten und sie anderen Kräften überlassen. Ich mache diesen Vorschlag in der Gewißheit, dah beim Nebeneinander der beiden Parteien weder Dump- fungsoersuche des Wahlkampfes noch gemeinsame Aufrufe und ähnliche kleine Mittel fruchtlosen politischen Zank verhindern werden, sondern nur ein entschlossener Wille zu völliger Neugestaltung unter weitgehender Heranziehung neuer und junger Kräfte. In der Hoffnung, dah Sie angesichts dessen, was auf dem Spiele steht, die parteipolitische Lage noch, malz prüfen werden, bin ich in alter Verehrung Ihr K o ch - W e s e r." Wie wir hören, hat im Verfolg dieses seines Schreibens Koch sein- Tätigkeit im Aktionsausschuß b c - reite nicbergelegt, und an seine Stelle ist der preußische Iinanzminister Dr. Höpker- Aschoff getreten. Oie Antwort der Voltspartei. Nncrfrcnlichcr Ton dcö partciamtlichcn LraanS. Berlin, 2. Aug. (CNB.) Die Nalionol- liberale Korrespondenz, der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Volkspartei, schreibt zu dem Briefe Herrn Koch-Wesers an Dr. Scholz: Der Brief von Koch-Weser an Herrn Dr. Scholz bedeutet den völligen geistigen Zusammenbruch einer politischen Sammlungsaktion in der besonderen Form, wie sie von Herrn Koch-Weser ausgesaht und burd)geführt worben ist. Der staatsparteiliche Führer Koch-Weser weiß sich nicht mehr onbers zu helfen, als daß er feinen Vorsitz zur Verfügung stellt, nachdem sein Rücktritt bereits sehr deutlich von den verschiedensten demokratischen und staatsparteilichen Stellen und Persönlichkeiten in aller Deffentlichfcit gefordert worden ist. Es ist aber, gelinde gesagt, naiv, wenn Herr Koch-Weser, weil er gescheitert ist, nun auch den Rücktritt des Herrn Dr. Scholz fordert, obwohl diesem die gesamte Deutsche Volks- Partei und vor wenigen Tagen noch der Neichsous- jchuß der Deutschen Volkspartei einstimmig das uneingeschränkte Vertrauen ausgesprochen haben. Es liegt hier aber nicht nur ein persönlicher, sondern auch ein grundfötzlichcr Irrtum von Koch-Wcser vor. Ein Führerproblem kann überhaupt nicht dadurch gelöst werden, daß gewisse Schichten die Führung für sich in Anspruch nehmen, andern nur, wenn die dazu geeignete Per- önIichkeit d a i st. Persönliche Rücksichten sind ür Herrn Dr. Scholz überhaupt niemals in Frage gekommen. Wir verweisen nur auf seine diesbezüglichen Erklärungen, die er bereits auf dem Mannheimer Parteitag der Deutschen Dolkspartei abgegeben hat. Aber w o ist heute die ganz überragende Persönlichkeit, die einen solchen Einfluß und eine solche politische Bedeutung hat, bah hinter ihr die bewährten Führer der politischen Parteien ohne weiteres zurücktreten mühten? Sollte etwa Herr M a h r a u n diese Persönlichkeit sein? Die Deutsche Volkspartei hat jedenfalls keine Veranlassung, sich mit dem Führerproblem zu beschäftigen, weil Herr Koch-Weser gescheitert ist. Darüber hinaus wird die Deutsche Volkspartei, wenn jetzt die Staatspartei unter anderer Führung zu der Frage der Sammlung und der Zusammenfassung eine andere Haltung einnimmt, sicher ohne weiteres bereit sein, mit ihr und den anderen Parteien hierüber zu verhandeln. Im übrigen ist auch die Behauptung von Herrn Koch- Weser falsch, baß die Deutsche Dolkspartei jemals an eine Ausscheidung der VoIksnattonal e n gedacht habe: vor allem hat die Deutsche Dolkspartei, insbesondere Herr Minister Dr. Scholz, sich unverzüglich damit einverstanden erklärt, daß auch Herr Mahraun an den Samm- lungsverhandlungen teilnimmt, falls Herr Koch- Weser einen solchen Antrag stellt. Als weiteres Charakteristikum für das eigenartige Vorgehen des Herrn Koch-Wefer fei abschließend noch sestgestellt, dah er seinen Brief an Minister Scholz bereits per- öfsentlicht hat, noch ehe der Bries den Adressaten erreicht hatte und erreichen konnte. Was will die Voltspariei? Vertagung bis nach den Wahlen. Berlin, 2. Aug. (TAD.) Der Brief, den Abgeordneter Koch-Weser an den Führer der Deutschen Volkspartei geschrieben hat, findet in politischen Kreisen außerordentliches Interesse, weil durch den Rücktritt Koch-Wesers von der Staatspartei eine neue Situation für das Problem des Zusammenschlusses der bürgerlichen Mitte geschaffen worden ist. Bei der Deutschen Dolkspartei stößt aber der Vorschlag, dah auch Dr. Scholz zurücktreten soll, auf entschiedene Ablehnung. Dr. Scholz habe noch vor einigen Tagen vom Reichsausschuh seiner Partei ein einheitliches und starkes Vertrauensvotum erhallen. Er habe also gar keine Veranlassung, in diesem kritischen Augenblick seinen Posten au verlassen. Rach der sachlichen Seite hin hält man es in Kreisen der Deutschen Dolkspartei durchaus für möglich, dah auf Grund des Brieses von Koch- Weser nun zwischen beiden Parteien D e r Handlungen beginnen können, die aber vor den Wahlen kaum noch zur Gründung einer neuen Einheitspartei führen dürsten. Für eine solche Lösung sei der Wahl- kampfbereitSzuweitvorgeschritten. Es bleibe deshalb nur übrig, dah die LlaatS- partei sich nun doch an dem Bemühen der viev anderen Parteien beteiligt, und dah man nach den Wahlen überden Weg der F ra k- tionsgemeinschaft den weiteren Zusam- menschluh vorbereitet. Es ist möglich, dah zwischen dem Rachfolger Koch-WeserS. StaatSmini- ster Dr. Höpker-Aschoff, und der Führung der Deutschen Dolkspartei in den nächsten Tagen Besprechungen beginnen, die die wettere Entwicklung klären. Oer demotraiische Zeitungsdienst repliziert. Berlin, 2. Aug. (ERD.) 'Der Demokratische Zeitungsdienst veröffentlicht eine Entgegnung zu der Auslassung der Rationalliberalen Korrespondenz zu dem Bries von Dr. Koch-Weser an Dr. Scholz. Gr bezeichnet diese Auslassung als gehässig und verblendet und erflärt, die Deutsche Staatspartei könne trotzdem damit zufrieden sein, was sie mit ihrem letzten weitherzigen Appell festgestellt habe: Wie unmöglich eS ist, mit Politikern, die die Zeichen der Zeitntchterkennen, zu einer Derständigung zu gelangen. Weiter bezeichnet der Demokratische Zeitungsdienst die Behauptung, dah der Brief Dr. Scholz erst zugegangen sei, nachdem er der Ocsfcntlichkeit übergeben wurde, als unrichtig. Diese Behauptung wäre am SamStag bereits in einem Telephongespräch zwischen Herrn Koch- Weser und Herrn Scholz richtiggestellt worden. Der am Freitagabend durch Eilboten abgegangene Dries sei am SamStagvormittag in der Hand von Dr. Scholz gewesen und erst die Abendblätter hätten die Derbssentlichung vorgenommen. Der Demokratische ZeitungSdienst schließt mit der Feststellung, daß die Deutsche Dolkspartei die auS- ge st reckte Hand zurückschlage. Die Deuische VolkSpartei in Lübeck für Zusammenschluß. Lübeck, 3. Aug. (CNB.) (Eine starkbesuchte Mit- glieberversammlung des Lonbesverbanbes Lübeck der Deuts ch c n Volkspartei nahm nach einer lebhaften Aussprache über die parteipolitischen Ereignisse der letzten Tage folgende (Ent- fchliehung an: „Der Landesverband Lübeck ber Deutschen Volkspartci bedauert, daß die Ber- liner Parteileitung bas Gebot ber Stunde verkennt. Das Gebot ber Stunde heißt nicht Sammlungsbemühung en, sondern Zusammenschluß zu neuer Einheit. Dies« ist durch Verhandlungen von Parteileitung zu Parteileitung nicht erreichbar, sondern nur durch mannhafte, verantwortungsbewußte F ü h r e r t a t. Solche Taten erwartet der Landesverband Lübeck ber Deutschen Bolkspartei von ber Berliner Führung." Oie badischen Demokraten für die Staatspartei. Karlsruhe, 3. Aua. (ERB.) In der Lan- desauSschuhsitzung der badischen Demokraten gab ReichSsinanzminister Dr. Dietrich einen Rückblick über die weltwirtschaftliche Lage. Die bürgerlichen Elemente Deutschlands mühten begreifen, dah für sic jetzt die letzte Möglichkeit gegeben sei, für und um ihre Macht zu kämpfen, und dah beim Derpassen dieser Gelegenheit die Stunde dafür endgültig vorbei fei. Eine Wahlreform fei dringend notwendig. ES handele sich darum, dah eS gelinge, alle staatS treuen und fortschrittlich gesinnten Elemente der Mitte zu sammeln und so stark au machen, dah ohne sie in Deutschland weder rechts noch links regiert werden könne. Folgende G n t s ch I i e - hung wurde einstimmig angenoimnen: ..Der LandcSausschuß der Deutschen Demokratischen Partei in Baden begrüßt die Gründung der Deutschen Staatspartei und ftelü für den Wahlkampf der StaatSpartet seine Parteiorganisation zur Verfügung. Er sicht in der Gründung der StaatSpartet den Beginn der durch die Staatspartei weiter sortzusetzenden Sammlung gesinnungsverwandter Kräste zur Erreichung politischer Macht auf dem Boden des deutschen republikanischen Staate-." Partei und der große Zusammenschluß g c s worden wäre. Die NsV. lehne jedes Ansi prengt die in gleichem Sinne den Weg ber Reform und Verjüngung In ber Deutschen volkspartci reeller. Zhr Kamps und Ringen dient der (Erneuerung des Reichs." Zu dieser Entschließung machte In einer Presse- besprechung der Führer der RjV- Frank Glatze! einige (Erläuterungen. Die RjV. erstrebt seit ihrem Bestehen die Sammlung der nationalen Mitte, in der die Gruppen rechts und links von der Volkspartei zusammengefaßt sind. Der Schritt des Führers Dr. Scholz in dieser Richtung wurde daher voll von ihnen gebilligt. Der Aussorde- rung zum Anschluß an die Staatspartei, zu der die jungen Volksparteiler aufgefordert wurden, konnten sie nicht Folge l e i ft e n , weil damit die VolksDie Meier Tagung der Zungen Volksparteiler $üf die Scholzsche Sammlungsaktion, aber auch für eine Verständigung mit der Staatspartei. Wir stehen vor Wochen und Monaten ernsten Kampfes und schwerer Entscheidungen. Im Dolke schwindet die Hoffnung, dah eine DolkSgemcinfchaft aufgebaut und selbstsüchtigen Interessen eingedämmt werden können. Zweifel werden laut, vb die für den Fortbestand des Staate- not- wolle. Die RjV. werde jeden Versuch einer Verständigung zwischen der Staatspartei und der Volkspartei unterstützen. Die Voraussetzung sei jetzt aber, daß die Staatspartei sich wieder In die große Front einfüge. SineKun gebung der katholischen Arauenorganisationen. 'Berlin, 2. Aug. (Xcl.-Un.) Die katholischen Frauenorgonisationen erlassen eine Kundgebung, in der es heißt: wendige, dem gemeinsamen Volk dienende Arbeit vom Parlament überhaupt noch geleistet werden kann. Eine trübe Stimmung, der Gedanke des nicht auszuhaltenden, ja notwendigen, sogar gewollten Staatsbankerott S verbreitet sich. In dieser Stunde bekennen wir katholischen Frauen gemeinsam, dah wir dennoch an die Kraft und Besonnenheit unsere- Volkes glauben. Wir glauben, dah es die Vertreter wählen wird, di« für das Volk in freier Selbstbestimmung des Parlamente- den Weg zur Ileberwindung seiner großen Rot finden. Wir glauben an den gesunden Sinn tn unserem Volk, der den Hetzreden, der HofsnungSlosicfteit und dem Unglauben nicht verfallen wird. Wir glauben, dah sich noch genug Gutgesinnte und Besonnene im Land« finten, um Willkür und Diktatur abzuwehren 'und die zu stützen, die fest und unbeirrt auf dem K assel, 3. Aug. (TU.) Unter großer Anteilnahme von Delegierten aus allen 'Teilen teS Reiches sand am SamStag und Sonntag in Kassel die Re ichs tagung des Reichsverbandes de r ju ng e n V o I kS pa r te i- ler statt. Es waren über 100 Delegierte anwesend. In einem Referat von etwa zwei Stunden betonte Glatze! die Schwierigkeiten ter Entscheidung. Das Ziel sei gewesen, die StaatS- autorität zu festigen und nach Erledigung ter Finanzreform eine neue politische Macht- aruppierung zu erreichen. Keine Austeilung des BürgertumS nach rechts und links sei wünschenswert. Die Tagung bedeute einen 2y)pell an die Jugend zur Erreichung einer politischen Kampfgemeinschaft. Die Reg-ierung Brüning sei daS einzig mögliche Kabinett des BürgertumS. Eine sehr lebhafte Diskussion schloß sich an das Referat. Ueberall wurde stärkere Berücksichtigung der jüngeren Generation gefordert. Dann wurde einstimmig folgende Entschlie - hung angenommen: „Breiteste Schichten des teulschen Volkes sind des Partei st reitcs müde und fordern die Sammlung aller Deutschen, die In nationaler Disziplin und Verantwortung gegen Phrase und Slaatsocrnel- n u n g stehen. Die Erfüllung dieser votkssehn- fucht ist als besondere Ausgabe in dieser geschichtlichen Stunde der jungen Generation zugesallen. Als ihre Dorfämpfcrln hat die RjV. dafür zu sorgen, dah die zur großen Sammlung drängende Partelbe reegung der Witte nicht vorzeitig erstarrt, dah nicht Teillösungen die geforderte Gfcfamltöfung unmöglich machen. Diese Sammlung darf nicht an Regiefehlern und THifogriffen scheitern, wenn die neugegründete Deutsche Staatspartei und die in ihr vorhandenen jungen Kräfte ernsthaft gewillt sind, nach den verschiedenen Erklärungen ihrer Gründer zu einer wahrhaften Sammlung beljulragen, so wird sie auch neue Wege ju Verhandlungen mH der Deutschen Volkspartei finden. Die Bjv. wird jeden versuch einer Der- ftänbigung fördern. Sie erwartet dabei, daß die Staatspartei sich der Notwendigkeit, sich In die beabsichtigte große Parteien- front einzureihen, nicht entzieht. Die RjV. bejaht den von der Deutschen Dolkspartei in dieser Richtung unternommenen versuch. Sie wendet sich entschieden gegen jede Bestrebung, die Deutsche Volkspartei zu spalten und die RjV. in einen Gegensatz zu ihr zu drängen. Daß sich eine neue Front der Parteien mit dem Ziel des großen Zusammenschlusses anbahnt, ist das Verdienst bet jungen Generation. Die RjV. geht ... sinnen ab, ich von ber Volkspartei abbrängen zu lassen. An- icrseits aber verlange sie, baß die Sammlung tat- achüch gefördert werbe. Die Initiative müsse ober jetzt bei ber Staatspartei liegen. Der Rücktritt von Koch-Weser von der Führung ber Staatspartei lasse erkennen, daß diese weiter verhandeln Boden von Recht, Gesetz und Ordnung, Einheit und Freiheit des deutschen Volkes erlangen wollen. Der Aufruf trägt die Unterschriften folgender Organisationen: Katholischer Deuttcher Frauenbund, Katholischer Verband der weibl. foufm. Angestellten und Beamtinnen Deutschlands. Retchsverband katholischer kaufmännischer Gehilfinnen und Beamtinnen, Verband der katholischen Studentinnenvereine, Verband katholischer Vereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen Deutschlands, Verein katholischer deutscher Lehrerinnen, Verein katholischer So^ialbeamtin- nen Deutschlands, Zentralverband der katholischen Oungfrauenvereine Deutschlands. Zentralverband katholischer Müttervereine. Aus dem Wahlkampf. Linser langjähriger außenpolitischer Mitarbeiter, der ehemalige deutschnationale Abgeordnete Professor Dr. Hoehsch wird als Spitzenkandidat Der Konservativen Volkspartei in Hessen und Hessen-Aassau die Liste bei den Reichs- tagswahlen sichren. Die Dezirksbauernschaft für Aassau und den Kreis Wetzlar und der Kurhessische Landbund haben einen einheitlichen Wahlvorschlag aufgestellt, der das Kennwort trägt: ,Landvolkpartei für Hessen-Aassau" (Christlich- nationale Dauern- und Landvolkspartei). Als Spitzenkandidat wurde der bisherige Reichstags- abgeordnete Hepp aufgestellt. An zweiter Stelle steht der bisherige Reichstagsabgeordnete Lind. * Nach einer bei der Frankfurter Zentrumspartei eingetroffenen telegraphischen Zusage spricht Reichs- kanzler Dr. Brüning am Samstag, 30. August, in einer öffentlichen Versammlung in F r a n k f u r t. * In einer stark besuchten Mitgliederversammlung hat der Demokratische Verein Frankfurt a. M. mit allen gegen vier Stimmen den Beitritt zur Deutschen Staatspartei beschlossen. e Di« Demokratische Partei in Kurhessen nahm eine Entschließung an, in der der mit der Gründung der Siaatspartei begonnene Kampf gegen die Entartungserscheinungen des politischen Lebens gebilligt wird. Es wird begrüßt, dah die neue Partei in erster Linie einen planvollen und energischen Kampf für die Einheit des Deutschen Deiches einleiten will. Sn. der Schaffung des deutschen Einheitsstaates müsse die Siaatspartei ihre geschichtliche Mission erblicken. * In Nürnberg wurde die „Vereinigung unabhängiger Demokraten" gegründet. Veranlassung zu ihrem Entstehen gab die Gründung der Deutschen Staatspartei. Die Vereinigung vertrete di« Ziele der alten Vorkriegsdemokraten und der Jungdemokraten: entschiedenen Kampf für Schwarzrotgold als Symbol der unerfüllten Forderungen der Weimarer Verfassung, Schutz dieser Verfassung gegen den Mißbrauch des Artikels 48, Kampf gegen offenen und versteckten Antisemitismus, gegen die Bürgerblockbestrebungen, für entschiedenen Pazifismus. Der Gründungsaufruf ist u.a. unterzeichnet von Ludwig Quidde als 1. Vorsitzenden, Helmut von Gerlach, Berlin, Rechtsanwalt Albert Payer, Stuttgart. Weiterhin rege Auswanderung nach Ltebersee. Die deutsche überseeische Auswanderung ist nach - den Feststellungen der Reichsstelle für das Aus-' wanderungswesen auch im Juni ziemlich stark ge- "wesen, lieber deutsche Häfen belief sie sich auf 2011 Personen. Gegen April bedeutet das allerdings einen sehr erheblichen Rückgang, da in diesem Zeitabschnitt annähernd 4400 deutsche Auswanderer die Heimat verließen. Das Hauptauswande- Bayreuther Festspiele. Von Dr. Hans Echnoor. Bayreuth. August 1930. Man rechne sich aus, wieviel Stunden Wagner auf den Tag kommen und man wird zugeben müssen, dah Festspielgenuh in Bayreuth keine Sach« des anspruchslosen Vergnügens ist — nicht einmal für den Zuhörer. Fünfunddreihig Stunden: das ist der erste Festspielabschnitt, das sind: je ein Abend Tannhäuser, Tristan, Parsifal, und dazu der ganze Ding. Die ersten Aufführungen haben wir hinter uns. Ganze Schwärme von Festspielbesuchern sind vom Parsifal aus in die Aachtzüge gestiegen — merkwürdiger Gedanke: mit den letzten Klangen des Weihefestspiels einzuschlafen und am nächsten Morgen im Schlafwagen in Berlin oder München aufzuwachen —, viele auch kommen erst mit dem neuen „Schub", denn das Aekordjahv 1930 hat Bayreuth zum erstenmal seit langem auch wieder ausverkaufte Aingaufsührungen gesichert. So ist es ein Kommen und Gehen, ein Trubel ohnegleichen in der kleinen, sauberen, markgräflichen Darockstadt. Schon tagelang vor der ersten Aufführung des Tannhäuser waren die Erwartungen nervös gespannt. Während einer Probe zur Götterdämmerung war Siegfried Wagner, wie offiziell verlautete, an Erschöpfung zusammengebrochen — in Wahrheit lagen die Dinge viel, viel ernster. Schwere Sorge um dos Leben des Hausherrn von Wahnfried drohte alle Demühungen um das Gelingen der Festspiele zunichte zu machen. Aiemand traute den Beschwichtigungsversuchen. Diese Spannung, auch heute noch nicht gelöst, hat selbstverständlich die letzten vorbereitenden Arbeiten gelähmt, zum Teil unmöglich gemacht. Aber wir haben es erlebt: der Bayreuther Organisationsgedanke, die innere Beteiligung jedes einzelnen, das genial zusammenfassende künstlerische Genie so großer Dirigenten wie T o s c a n i n i und Muck hat doch vermocht, daß die alte Festspielidee von Triumph zu Triumph schritt: am lautesten im Tannhäuser, am ergriffensten im Tristan — Toscaninis Tristan! — und Parsifal — Karl Mucks Parsifal! Von diesen beiden Dirigenten werden alte und neue Wunderdinge erzählt. Don Toscanini natürlich am meisten, denn seine Art war den 'deutschen Orchesterkünstlern nur wenig oder gar nicht vertraut. Aun — in wenigen Wochen hat sich der große italienische Maestro unter den Deutschen begeisterte Anhänger gemacht. Sein Wirken in Bayreuth ist von einer unglaublich schönen, völlig selbstlosen, dienenden Pietät gerungs gebiet in dem letzten Berichtsmonat waren die Rheinlande, aus dem 212 Personen nach Uebersee auswanderten, Preußen steht von den deutschen Ländern überhaupt an erster Stelle hinsichtlich der Auswanderungsziffern. Im Juni wanderten von dort allein 961 Personen nach Uebersee aus. An zweiter Stelle folgt Boyern mit 324 Personen, dann Hamburg mit 141 Personen und Baden mit der gleichen Personenzahl. Aus Württemberg roanoerien 128 Personen noch Uebersee aus, und aus Sachsen 92. Im Rahmen der kleinen Länder rangiert Thüringen mit 57 Auswanderungslustigen und Oldenburg mit 22 Auswanderern an der Spitze. Das Arbeiisprogramm des Reichskabmeiis. Wahlreform. Pensionskürzuirg und Etatsstreichungcn. Berlin, 4. Aug. (Priv.°Tel.) Wie wir von zuverlässig unterrichteter Seite hören, wird sich das Reichskabinett mit der Aufstellung eines Arbeitsprogramms für den Herbst beschäftigen. Es geht dabei um eine Reihe wichtiger Reformvorschläge, unter denen in erster Linie di» Wahlreform steht. Der Reichsinnenminister wird aller Wahrscheinlichkeit nach beauftragt werden, bis zum Herbst eine Wahlresormvorlage auszuarbeiten, für die schon eingehende Vorbereitungen seit einer Reihe von Jahren im ReichSinnenministertum getroffen worden sind. Unter den akuten Plänen der Regierung befindet sich weiter u. a. die Frage der P e n s i o n s kürzung. Das Kabinett hat bereits vor ungefähr zwei Wochen diese Frage gestreift, wobei aber gegensätzliche Auffassungen zutage traten, da einige Minister neuerdings eine generelle Herabsetzung der Pensionen von bisher 80 Prozent auf den Vorkriegsstand von 75 Prozent befürworten, während der Reichsfinanzminister augenscheinlich ähnlich dem sozialdemokratischen Vorschlag eine Höchstg renze von 1000 Mark festsetzen will, die aber gewisse mildernde Abwandlungen erfahren soll. So schlägt er vor, bei solchen Beamten, die erst mit dem 65. Lebensjahr ausschei- Den, die Höchstgrenze zu überschreiten, in Fällen einer früheren Pensionierung aber die Höchstgrenze wirksam zu machen, auch wenn ein höherer Anspruch besteht. Ueber diesen ganzen Fragenkomplex. zu dem auch das Probten, der D o p - velverdiener gehört, wird das Kabinett erst die Spezialberatungen beginnen. Für die Programmsitzung des Kabinetts stehen weiter verschiedene Vorschläge des Reichssinanzministers zur Debatte, die sich auf die Aufstellung des kommenden Etats beziehen. Wie wir hören, toill Dietrich am Etat 1931/32 mindestens weitere 50 Millionen einsparen. Darüber hinaus beschäfttgt sich der Finanzminister mit einer Fülle weitgehender Pläne, die auch die E i n n a h rn e s e i t e des Etats betreffen, aber vorläufig noch streng vertraulich behandelt werden. Sparmaßnahmen im preußischen Schulwesen. Ein Sparerlatz des Fiiranzministcrs. Berlin, 2. Aug. (CNB.) In einem Sparerlaß des preußischen Finanzministers vom l.Juli, der Sparmaßnahmen auf dem Schulgebiete Vorsicht, heißt es: In einem dreijährigen Programm sollen 10 0 0 0 Lehrerstellen durch Zusammenlegung von Klassen und Schulen eingespart werden. Maßgebend ist dabei folgendes: Wir haben gegenwärtig in Preußen rund 10 200 Junglehrer, davon 7100 katholische und rund 3100 evangelische. Der Bestand an evangelischen Junglehrern wird im Jahre 1931, der an katholischen im Jahre 1936 aufg ebraucht sein. Lehrernachwuchs wird in den nächsten Jahren in geringerem Umfange zur tragen. Die legere Beliebtheit der Kleidung, die Siegfried Wagner eingeführt hat, läßt — um das äußerliche Beispiel zu geben — Toscanini für seine Person nicht gelten. Stets erscheint er im priesterlich hochgeschlossenen Rock. Und ebenso ist sein ganzes Wesen von einer ernsten Haltung bestimmt. Die Probearbeit muß für Orchestermusiker und Sänger ein unvergeßliches Erlebnis bedeutet haben. „Cantare, cantare“, war das Zauberwort, das zur vollkommenen Verständigung zwischen dem Dirigenten und dem Orchester führte. Ich fragte einen Musiker, wie er sich das Geheimnis dieser Willensübertragung erkläre. Unerklärlich! wurde mir geantwortet. Dieser Mann steht da, singt den ganzen Text des Tristan mit, kennt jede Rote aus dem Kopfe, zeigt nur aufs Herz, ruft nur einmal dazwischen: „oh Bayreuth" (um anzudeuten, wann ihm eine Stelle mißfällt) — das ist alles. Aber wir Musiker fühlen uns in einem Dann, jeder weiß sich kontrolliert, beobachtet, jeder fühlt ihn neben sich am Pulte stehen... Und bei den Aufführungen kommt es vor, dah Toscanini, mit ekstatischem Dlick gleichsam ins Leere visierend, die Chöre, sogar gewisse solistische Stellen mitsingt. So bezaubert er fort- reißend alle — und freundlicher Dank für gelungene Leistungen versöhnt manchen, den vorher vielleicht sein tobender Tadel traf. Anders, aber ähnlich doch, der deutsche Altmeister der Dirigenten, Dr. Karl Muck. Ein abgeklärter Geist, ein künstlerisches Ohr von äußerster Reinheit und Schärfe bestimmt die Klanggestalt im Parsifal. Unerhört die Vitalität dieses Siebzigers. Ein Dann, der den musizierenden Apparat erfaßt, geht von Muck aus. Es ist wahrhaft der deutsche Toscanini — wenn man nicht gar sagen will: Toscanini — der italienische Muck. So versteht sich artverwandtes Genie, wenn es noch so verschiedener Volkskraft entwuchs, im gemeinschaftlichen Dienft-an einer übernationalen Kunstsachs... * Am Festspielhügel herrscht in den Pausen der Aufführungen ein ungeheures Treiben. Babylonisches Sprachengewirr kennzeichnet die Situation. Bayreuth, immer schon eine Sammelstätte des gesellschaftlichen und künstlerischen Internationalismus, hat durch Toscaninis Ramen «ine neue Attraktion bekommen. Italien schickte nicht nur seine Kronprinzessin — die nun neben dem ältesten königlichen Festspielbesucher, dem Zaren Ferdinand von Bulgarien, thront —, sondern eine Schar von Journalisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Ebenso ist — man ersieht es aus dem Kennzeichen der Tausend Autos — das angelsächsische Ausland, Frankreich, die Schweiz, Skandinavien sehr stark vertreten. Unter den deutschen Festspielbesuchern bemerkt Verfügung stehen: die Zahl der Schulkinder geht weiter zurück. Heute sind insgesamt in preußischen Volksschulen 4,3 Millionen Schulkinder gegenüber 6,5 Millionen in der Vorkriegszeit, aller- oings unter Einschluß der abgetretenen Gebiete. Demgegenüber ist d i e Zahl der Lehrer von 117 000 in der Vorkriegszeit, wieder unter Einschluß der abgetretenen Gebiete, auf 111000 gesunken, verhältnismäßig im geringeren Umfange als die Zahl der Schulkinder. Die Klassens re- quenz betrug in der Vorkriegszeit im Durchschnitt 63 gegenüber 38,7 heute. Alle diese Momente können nur zu dem Schluß führen, daß eine allmähliche Einsparung von Lehrer st eilen ohne Anwendung irgendwelcher Härten durchaus möglich ist. Das Einsparprogramm soll sich auf drei Jahre erstrecken. Der Erlaß enthält übrigens nur Vorschläge, zu denen die Ressorts noch Stellung nehmen sollen, ohne daß damit bereits eine Entscheidung getroffen ist. Kleine politische Nachrichten. Wegen verbotswidrigen Waffentragens wurden auf Grund der Rotverordnung zwei Personen, die bei der kommunistischen Kundgebung in Berlin festgenommen worden waren, vom Schnellrichter zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Beide Verurteilte wurden in Haft behalten. Das Arbeitsgericht in Düsseldorf hat alle vom Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband wegen Verletzung der Friedenspflicht durch die Gruppe Eisenindustrie Rordwest angestrengten Klagen abgewiesen. Die Verletzung der Friedenspflicht war in dem Abbau der übertariflichen Angestelltenbezüge auf Grund des Oeynhausener Schiedsspruches erblickt worden. Sn der Begründung des Arbeitsgerichtes wird gesagt, daß die Friedenspflicht durch den konjunkturell bedingten Gehaltsabbau nicht verletzt sei. Die Bewertung der Leistung in der Übertariflichen Bezahlung sei dem Ermessen der einzelnen Werke überlassen und auch abhängig von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage. • Der Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas ist nach längerer Krankheit gestorben. Haas, eine der führenden Persönlichkeiten der Demokratischen Partei, stammte aus Freiburg i. Dr. Seit 1901 Rechtsanwalt in Karlsruhe, gehörte er dem alten Reichstag von 1912 bis 1918, der Rationalversammlung und sodann seit 1920 wieder dem Reichstag an. Außerdem war er in der badischen vorläufigen Dolksregierung Minister des Innern und bis Iuli 1920 badischer Staatsrat. Er hat ein Alter von 55 Iahren erreicht. * Landesältester Graf v. Seidlitz-Sand- reczkh auf Oldesdorf ist im Alter von 66 Iahren gestorben. Er gehörte seit 19/8 der Deutsch- nationalen Volkspartet an und hatte sich in einer öffentlichen Erklärung entschieden gegen den aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetretenen Grafen Westarp gewandt. • Sm Palast der Via Denti Settembve wurde vom italienischen Finanzminister Mosconi und dem Gouverneur der Vatikanstadt Commendatore Serafini eine Münzkonvention zwischen der Stadt des Vatikans und Stallen abgeschlossen. Auf Grund dieses Abkommens übernimmt das römische Münzamt die Prägung der vallkanischen Münzen, die zum regulären Kurs in ganz Stallen zugelassen werden. • Durch die am 14. September d. S. stattfindenden Reichstagswahlen sieht sich der Gewerkschafts- bund der Angestellten (GDA) veranlaßt, seine nach München einberufene Reichstagung, den 5. GDA-Bundestag und 5. deutschen Angestelltentag, auf den 18. bis 21. September 1930 zu man mehr bekannte, feine, interessante Köpfe als sonst. Viele Dirigenten ferner, die sich dank mangelnder Sitzgelegenheiten im Zuhorerraum, Glücklich schätzen, den freigebliebenen Platz des Zahtrompeters oder eines überzähligen Hornisten im versenkten Orchester einzunehmen. Aehn- llches erlebte man nur noch damals beim Berliner Gastspiel der Mailänder Scala. Paneuropa der Musik — in Bayreuth ist es zur Tatsache geworden. Ein Blick auf die Dühnenstatistik dieses Fest- spielsommers beweist, daß Bayreuther Kunst im wesentlichen ein Spiegel deutscher Theaterkultur geblieben ist. Das Orchester wird durch einen Stamm aus der Hamburger Philharmonie gebildet, die ja unter Mucks ständiger Leitung steht, dazu kommen prominente Snstrumentalisten der Staatskapellen Dresden und Wien. Fast alle großen und mittleren Theater Deutschlands haben Mitglieder entsandt, nur Berlin und München treten ganz zurück. Bei den Kräften auf der Bühne macht sich das skandinavische Element sehr vorteilhaft bemerkbar. Hier führt im übrigen Berlin, während wieder Dresden und München zahlenmäßig schwach vertreten sind. Aber das erlesenste Wagnersängertum darf Bayreuth für sich beanspruchen: Melchior, Schorr, Graarud, Fritz Wolff, Habich, Zimmermann, Kipnis, Andresen, Braun, Scheid!: unter den Damen: Rannh Larsen-Todsen, Maria Müller, Maria Rösler-Keuschnigg, Karin Branzell, Ruth Sost-Arden, Erna Berger. Der Meister der Chöre und des Blumenmädchen-Ensembles im Parsifal, Hugo Rüdel, bekanntlich einer der ältesten Bayreuther, hat selber gestanden, noch nie so viele schöne (Stimmen beieinander gehabt zu haben. Und an diesem Urteil hat amH die großartige Ring-Aufführung unter Leitung des jungen Elmendorfs von den Münchener Staatstheatern nichts mehr geändert. _ Hochschulnachrichien. Die Ernennung des ord. Professors Dr. Hans E p • ping er von der Universität Freiburg i. Br. zum ordentlichen Professor der inneren Medizin an der Universität Köln als Nachfolger des ernerit. Geh. Medizinalrats Friedrich Moritz wird bestätigt. Eppinger war Schüler unk Assistent bei Nothnagel, Noorden und Wenckebach in Wien, wo er sich auch 1909 habilitierte. Seit vier Jahren wirkt Eppinger als Ordinarius in Freiburg i. Br. — Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung des Professors Ph. A. Becker an der Universität Leip- z i g erledigten Lehrstuhls für romanische Philologie ist ein Ruf an den ord. Professor Dr. Ernst Robert Curtius in Bonn ergangen. Professor Curtius» verschieben. U. a. werden Rossiger. M. *b. RWR^ über „Der deutsche Angestelltenstand in der Gegenwart": Dr. S. Schepp über „Die Arbeitslosigkeit der Angestellten" und Gustav Schneider über „Die geistigen Grundlagen der GDA-Ar- beit" sprechen. Aus aller Welt. Lin Poskflugzeug stürzt in den Genfer See. Das Postflugzeug, das den Dienst zwischen Lausanne—Ouchy und Svian (Savoyen) versieht, stürzte in der Rähe von Lausanne in ten Genfer See. Die aus zwei Mann bestehende Besatzung erlitt schwere Verletzungen. Don den drei Passagieren sind zwei ertrunken, der dritte, eine Dame, wurde schwer verletzt und ist im Krankenhaus gestorben. Drei Kinder verbrannt. Ein schweres Brandunglück ereignete sich in der Pariser Vorstadt Vitry. Eine Frau hatte ihre vier Kinder in dem von ihr bewohnten Holzhaus einen Augenblick allein gelassen, um Einkäufe zu machen. Während ihrer Abwesenheit brach ein Brand aus, und von den vier KtnRNm tarnen ein Junge im Atter von sieben Monaten und zwei Mädchen von zwei und vier Jahren ums Leben. Das vierte Kind konnte von Nachbarn gerettet werden. Lin Kaufhaus eingeäfcheri. — Zwei Kinder verbrannt. In dem Kaufhaus Becker & Salinger in Saalfeld brach in den späten Abendstunden in einem der Schaufen st er ein Brand aus, der sich mit großer Geschwindigkeit über das gesamte Verkaufslokal ausbreitete und in dem vierstöckigen, zumeist aus Holzfachwerk bestehenden Hause so reiche Nahrung fand, daß innerhalb kurzer Zeit das ganze Gebäude ein Raub der Flammen wurde. Zwei Kinder, die sich in dem Hause befanden, kamen in den Flammen ums Leben. Außenpolitische Umschau. Don Or.OttoHoehsch, o. ö. Prof, der Geschichie an der Universität Berlin. Der Flottenpakt von London ist von Präsident Hoover unterzeichnet. Der Streit, der schon im Hinblick auf die kommenden Neuwahlen die Innenpolitik sehr zu belasten drohte, ist beseitigt. Mit großer Mehrheit, 58 gegen 9 Stimmen, hat der Senat den Pakt genehmigt, und zwar ohne Vorbehalte, nur mit der Voraussetzung, daß keine geheimen Abreden bestünden. Dieser Ausgang ist ein persönlicher Erfolg von Hoover, den er allerdings auch sehr brauchen kann. In Amerika selbst erkennt man an, daß der Vertrag die Sicherheit Amerikas durchaus nicht gefährdet, sondern gewährleistet, daß er ein erster, wirklicher Vertrag, wenn nicht über die Abrüstung, so doch über die B e - grenzung von Abrüstungen ist. Für die drei Vertragschließenden, Amerika, England und Japan, bindet er ja nach oben nunmehr sämtliche Klassen von Kriegsschiffen. Hoover hat mit Recht betont, daß darauf eine weitere Abrüstungspolitik aufgebaut werden könne. Er hat nicht gesagt — obwohl ihm das sicher klar ist — daß das nur möglich ist, wenn Amerika den gleichen Druck wie in London auch in Genf und in bezug auf die ßanbrüftungen ausübt. Und er hat gleichfalls nicht gesagt — was er natürlich ebenfalls weiß — daß dieser Flottenpakt vor allem eine englisch - amerikanische Verständigung ist und Amerika einen ungeheuren Einfluß auf drohende Seekonflikte gibt. Schließlich hat Hoover auch nicht angedeutet, was sich aus Teil 4 dieses Paktes, der das U-Vootsrecht regeU, von selbst ergibt: daß der Weg nun weiter zum Kampf um d i e Freiheit der Meere führen muß. Für derartige weiterweisende Forderungen ist ja die öffentliche Meinung Amerikas, die heute vor dessen Sondergebiet die neuere französische Literatur ist, ist 1886 zu Thann im Essaß geboren. In Straßburg bestand Curtius das Staats- und Doktorexamen und wurde 1913 Privatdozent in Bonn. 1919 kam Curtius nach Marburg, fünf Jahre später nach Heidelberg und 1929 nach Bonn. — Professor Dr. Walther Vogt in München hat den Rus auf den Lehrstuhl der Anatomie an der Universität Zürich als Nachfolger des verstorbenen Professors Walter Felix angenommen. Vogt ist 1888 zu Kiel geboren, studierte in Marburg und München, war Assistent in Marburg, später Prosektor in Rostock und Marburg und habilitierte sich dort 1917. 1919 kam Vogt als Prosektor nach Würzburg 1923 nach München, wo er zum planmäßigen a. o. Professor der Anatomie ernannt wurde. — Universitätsprofessor D.Dr. Wilh. S t ä h l i n in M ü n st e r hat den Ruf auf den Lehrstuhl der praktischen Theologie an der Universität Heidelberg als Nachfolger des ernerit. Geh. Kirchenrats Professor D. Johannes Bauer angenommen. Professor Stählin, der aus Gunzenhausen gebürtig ist, promovierte 1913 in Würzburg zum Dr. pnil. Seit 1906 als Hilfsgeistlicher tätig, wurde er später Pfarrer in Egloffstein (Oberfranken) und 1916 Pfarrer an St. Lorenz in Nürnberg. 1926 erfolgte seine Berufung zum Ordinarius der praktischen Theologie in Münster als Nachfolger von Smend. — Dem früheren Privatdozenten an der Straßburger Universität Professor Dr. theol., med. etphil. Albert Schweitzer ist ein Lehrstuhl für neuteftamentüche Wissenschaft in Leipzig angeboten worden. Der bekannte Theologe, Kultur- Philosoph, Arzt, Organist- und Bachforscher ist 1875 zu Kaysersberg (Öberelsaß) geboren, studierte in Straßburg Theologie und Philosophie. Nach Absol- vierunq des theologischen Examens in Straßburg studierte er Philosophie und Musik in Paris und Berlin und erwarb 1899 die philosophische Doktorwürde in Straßburg. 1901 wurde er Lizentiat der Theologie in Straßburg und habilitierte sich dort. 1905 begann er neben "feiner Lehrtätigkeit in der theologischen Fakultät Medizin zu studieren, um sich später im philanthropischen Dienste in Aequatorial- afrifa zu betätigen. Mit Hilfe von Freunden wurde es ihm möglich, die Mittel zur Gründung eines bescheidenen Spitals in Lambarene (Aequatorialafrika) zusammenzubringen. Im Frühjahr 1913 begann er dort mit feiner Frau, der Tochter des Straßburger Historikers Harry Breßlau, seine Tätigkeit. Schweitzer ist einer der Mitbegründer der Pariser Bach-Gesell- schäft. Er hat die Begleitung Bachscher Kantaten an der Orgel zu feinem besonderen Studium gemacht. Professor Schweitzer ist Dr. theol. h. c. von Zürich und Dr. phil. h. c. der Deutschen Universität in Prag und Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1928 wurde Schweitzer der von der Stadt Frankfurt a. M. gestiftete Goethe-Preis oer- liehen. 1930 . » älnbet Jan naytn 5° reiche Nah. bor ganze r m e n wurde, sonden, käme, r(5rof Zeppelin^ unterwegs nach Darmstadt. Friedrichshafen, 4. Aug. (WTB. Funkspruch.) Das Luftschiff ^Graf Zeppelin", das gestern wegen schlechten Wetters nicht aussteiaen konnte, ist heute früh um 7.30 Uhr mit 26 Passagieren an Lord unter Führung von Kapitän Lehmann zu seiner Landungssahrt nach Darm- ftadt gestartet. An der Fahrt nehmen auch die hessischen Minister Staatspräsident Dr. Adelung, Lcuschner und Kirnberger sowie als Vertreter der Stadt Darmstadt Oberbürgermeister Dr. Müller und Bürgermeister Delp teil. ösische fiiteralur iren. In Girafr d Doktorexamen sonn. 1919 kam 'pater ftrDr.W- i Xuf auf ien Zürich st sors Walter Kiel geboten, war AUent toi unb Mar. [919 tarn W nach Machen, r der Anatomie |or D.Dr.M 4 auf t>«n Stjfl b« U«"T >s emet'l. vch. Sauer angenom- unicnhauien ge ,er tätig, wur°e erfranken)^ studierte 7 ' Mch Absol' „StrabburS " Pans unb OS Er t&s -,u°>L-« 19l3Xre«t 'm®'1'“: KC« acmach°- luJfifl’1 9 «Atz oerstt^i- der linder ,egen 9 Stirn- igt, und Wut tchtzung, dah leset Ausgang r. den et aller- Amerika selbst die Sicherheit mdern gewähr- . Vertrag, wenn über bie Se- Für die drei nb unb Jovan, mtliche Aas- Preußen. Kreis Limburg. WSR. Limburg, 2. Aug. Der Landwirt! Ehristian Philipp Gerhard in Nauheim befand sich mit seinen beiden Söhnen im Alter von vier und sechs Iahren bei Feldarbeiten, als sich plötzlich ein großer Bienenschwarm über die Ahnungslosen hermachte und den drei Personen und dem Pferd heftig zufehte. Der Landwirt und die Kinder, besonders das jüngste, wurden namentlich am Kopf so schlimm zu- gerichtet, daß sich ihre Acberführung ins Ämburger Krankenhaus als notwendig erwies. Die Weiterlage. sterium für Kultus und Bildung-Wesen erließ an sämtliche unterstellten Behörden die nachstehende Dersügung: . Zur Beseitigung von Zweifeln wird folgendes bemerkt: Am DerfassungS- tagc sind in allen Schulen für Lehrer und Schüler verbindliche, der Bedeutung des Tages entsprechende Feiern zu veranstalten. Bei der Festlegung dieser Schulfeiern ist Rücksicht auf die anderen Deranstaltungen des Tages, soweit sie der Derfassungsfeier gewidmet sind, zu nehmen; gegebenenfalls kann die Schulfeier in den Rahmen einer allgemeinen Feier des TageS eingegliedert werden. Fällt der BerfassungStag in die Schulferien, so finden die Gedenkfeiern frühestens acht Tage vor Schluß oder spätestens vierzehn Tage nach Wiederbeginn des Anterrichts statt. Auch in diesem Falle fällt der Unterricht aus. Wegen der Fortbildungsschule ergeht besondere Verfügung. — Auf das Ausschreibcn des Gesamt- ministeriumS vom 14. Iuli 1930 zur Rr. 6t. M. I 7132, den BerfassungStag 1930 betreffend, und die hierzu durch die Presse erfolgte Veröffentlichung „Die Feier des DerfassungstageS in Hessen" mache ich besonders aufmerksam." Aufgehobene Straßensperren. Mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Elub (A. v. D.), Dießen: Die Sperrung der Ortsdurchfahrt Lollar und die Sperrung der Ortsdurchfahrt Rieder-Florstadt werden ab 4. August aufgehoben. ’• Strahenherstellungen. Die Straße »Am R i e g e l p f a d" wird zur Zeit in dem von der Ludwigstratze zur Liebigstraße führenden Teil neu hergcrichtet. Die Fahrbayn wird zunächst mit groben Steinen besetzt, bann mit Klernschlag und Asphaltteerdecke versehen. Die Strahensink- kasten werden ebenfalls erneuert. Aus der linken Straßenseite wird, den Wohnhäusern entlang, ein schmaler Bürgersteig mit Randsteinen ausgeführt; auf der rechten Seite wird zur Desefti- gung der Böschung der Eisenbahnstrecke Gießen— Gelnhausen eine ‘Betonmauer errichtet. — Von der Moltkestrahe links abbiegend wird in Verlängerung der Roon st raße eine neue Straße in Angriff genommen. Diese führt rechts an der Eisbahn vorbei und läuft parallel mit dem Eichgärtcnwcg. Der Ausbau desKanal- neheS und die Errichtung der bedeutend höher gelegten Straßensinkkasten erfolgte bereits in diesem Frühjahr bis etwa zur Höhe des Schulhausneubaues östlich der Wolsstraße. Gegenwärtig wird diese Strecke aufgefüllt. ** Ein kräftiges Gewitter mit starken Riederschlägen ging am Samstag zwischen 17 und 18 Ahr über unserer Stadt nieder. Das Anwetter zog aus der bekannten Wetzlarer Ecke herauf, wo es — wie an anderer Stelle unseres heutigen Blattes in einer Meldung aus dem Hüttenberg näher berichtet wird — ansehnlichen Schaden verursachte. In unserer Stadt hat es, soweit uns bis jetzt bekannt wurde, weiter kein Anheil angerichtet, abgesehen von einigen Stauungen der Regenmassen an Abfluß- ftellen, wo die Feuerwache rasch Hilfe brachte. Oberheffen. Landkreis Gickcn. t £ r e i 3 a. d. Lumda, 3. Aug. Der hiesige Raiffeisenverein hielt feine diesjährige Hauptversammlung bei Gastwirt Amend ab. Revisionsbeamter I o l k (Gießen) trug die Bilanz vor, die von einem guten Stand des Vereins zeugte. Es wurde beschlossen, vom 1. August ab Sparmarken auszugeben, statt der seitherigen fünfprozentigen Dividende. Der Verein ist der RaifseiseneintaufSgenoisenschaft beigetreten. Zum Vorsitzenden wurde Philipp Klein 11.. zu seinem Stellvertreter Karl Heyer I., zum Beisitzer Kaspar Euler gewählt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates Friedrich Rabenau und Balthasar I u n g wurden einstimmig wiedergewählt. ♦ Londorf, 3. Aug. Heute mittag vergnügte sich das 10 Iahre alte Tächte rche n des hiesigen Einwohners Göbel damit, auf der Straße mit dem Roller zu laufen. Dabei kam das Kind zu Fall und stürzte so unglücklich, daß es einen Oberschenkelbruch davontrug. Die bedauernswerte Kleine muhte nach erster ärztlicher Hilfeleistung von der Freiwilligen Sani- tälskolonne vom Roten Kreuz in Gießen der Chirurgischen Klinik in Gießen zugesührt werden. Kreis Büdingen. △ Ridda, 3. Aug. Der seit seiner Schulentlassung nunmehr 36 Iahre in Amerika wohnende Kaufmann Iulius Daub im Bronxh Staat Reuyork, Sohn dcs hier verstorberer Händlers Meyer Daub, hat für die hiesige Kleinkinderschule 1000 Dollar und für die Synagoge hier ebenfalls 1000 Dollar überwiesen. Für die Feier der Fünfzigjährigen unserer Stadt sandte er im Mai d. I. 100 Dollar. Diese Beweise der Liebe zu seiner Vaterstadt verdienen Dank und Anerkennung. Kreis Schotten. * Michelbach, 1. Aug. Am Sonntag. 10. August, findet hier die Einweihung des Denkmals für die Gefallenen des Weltkrieges aus unserem Orte statt. Preußen. Schwere Llnwetterschäden im Hüttenberg. Drahtbericht des „G.eß. Anz.") mittag ging über die Gemeinden des Hüttenberges ein schweres G e Witter mit roölten- aHen sich mit der Wirtschaftskrise beschäftigt, nicht zu haben. England ist gefolgt. Auch Macdonald hat, gegen eine nutzt besonders große Opposition, die Ratifikation des Beitrages durchgedrückt. Es gab hier nur noch eine Auseinandersetzung eben über die neuen Bestimmungen des U-DooUrreges, indem ein Konservativer die Wiederherstellung des Washington-Vertrages von 1921 forderte. Aber das war unmöglich und hat vom englischen Standpunkte aus auch keinen Sinn, da ja England in U-Boot« fragen nach seiner ganzen Lage der schwächste Teil ist, daher eine solche Fesselung des U-Loolkrieges, wie sie der Artikel 22 Vorsicht, nur begrüßen kann. Fehlt noch Japan. Ader auch da ist die Ratl- sikation sicher, indem man sich mit der Opposition geeinigt hat. Japan erklärt sich zur Ratislkation bereit, null aber die Beschränkungen seiner Verteidigung, die der Vertrag enthalle, durch andere Maßnahmen ausgleichen und bei der nächsten Flottenkonserenz 1936 auf dem Verhältnis von 70 o. H. in allen Schisfsklassen bestehen. Das kann Japan einseitig erklären, die anderen Mächte nehmen das einfach zur Kenntnis. Mehr kann Japan nicht tun. Denn wenn England und Amerika sich verständigen, bleibt es gefesselt und gezwungen, sich zu fügen. Allein ist es zu schwach aegen diese beiden anderen — eine unangenehme Situation, in der Japan seit dem Zusammenbruch Rußlands hoffnungslos steckt und die auf seine ganze Haltung in allen großen Fragen zurückwirkt. Das haben wir in Paris und im Haaa beim Doungplan ebenso gemerkt,'wie man es in Genf immer spürt. In Moskau ist der langerwartete Wechsel im Außenministerium endgültig eingetreten. Der schwerkranke Tschitscherin ist ausgeschieden, und ist auch nicht wieder in das Zentralkomitee der Partei gewählt worden. Formeller Nachfolger wurde Litwinow, der schon lange das Amt geleitet hat. Unter seinen Vertretern — wir würden sagen Staatssekretären — tritt danach ein Wechsel ein, indem zwar Karachan, der Ostspezialist, dieses Gebiet (China usw.) behält, aber zweiter wird und als erster Vertreter für den Westen, also (Europa, der dafür besonders zuständige bisherige Botschafter in Berlin, Krestinski, berufen wird. Litwinow hat sich der Presse gegenüber über die Außenpolitik Rüglands geäußert, die sich nicht ändere. Stalin hat diese ja auch in der großen Rede vor dem Parteitag festgelegt unb das Außenkom- miffariat kann eine eigene Politik gar nicht machen. Also friedliche Politik und Wirtschaftsbeziehungen mit den anderen Staaten, wobei Litwinow ganz interessant differenzierte, daß Rußlands Sympa- thien bei den Völkern lägen, die ungerechtfertigterweise die Kriegslasten zu tragen hätten, man aber natürlich auch mit den anderen Staaten gute Beziehungen anstrebe. Damit schließt sich Litwinow gewissermaßen dem Lager der Revisionisten an, was völlig in der Linie der russischen Außenpolitik liegt, und wiederum auch hinweist auf die Parallelität der Interessen Deutschlands und Rußlands etwa in Fragen des Briandschen Paneuropaplans oder der Abrüstung. Litwinow Hat gleich zwei recht schwierige Aufgaben. Die Schuldenverhandlungen mit England haben begonnen, eine russische Delegation ist schon in London. Das werden sehr schwierige Auseinandersetzungen. Belaufen sich doch die russischen Vorkriegsichulden an England auf nicht weniger als 925 Millionen Pfund. Die russische Seite rechnet diese Verpflichtung allerdings nur auf 400 bie 500 Millionen Pfund. Aber auch das ist eine ungeheure Summe — 10 Milliarden Mark —, die Rußland im ganzen gar nicht auf sich nehmen, geschweige denn aufbringen kann. Mit der Anerlen- nung dieser Schulden, zu der sich Stalin bereit erklärt hat, verbindet Rußland aber die Forderung auf Kredite, was die Gespräche er ft recht nicht erleichtern wird. Auch wird Frankreich das seine tun, schon zur Wahrung seiner Interessen, um die Verhandlungen nicht zu leicht werden zu lassen. Gleichzeitig kam ein sonderbarer Dorstoß aus Amerika, wo die Einfahrt von Handelsschiffen mit russischen Rohstoffen verboten wurde unter der Begründung, daß deren nur durch Sträflings- arbeit möglich aeroorbenen niedrigen Preise „D u m- pingpreife* seien. Das wirb mit allgemeinen Angriffen auf bie kommunistische Agitation im Lande verbunden, dahinter aber steht die Krise im Land, der Wunsch, den eigenen Markt in diesen kritischen Verhältnissen möglichst von fremder Konkurrenz freizuhalten. Darüber aber können die Handelsbeziehungen zwischen Amerika und Rußland zunächst einmal vollständig in Bruch gehen. Aus der Wirtschaftskrise heraus ist ein sehr in- teressanicr Vorgang in Südosteüropa entstanden. Unmittelbar nach der Konferenz der Kleinen Entente hat in Bukarest vom 21. bis 25. Juli eine Agrarkonferenz zwischen Rumänien, Jugo- slawien und Ungarn stattgefunden. Interessant schon darum, weil es die erste gemeinsame Konferenz Ungarns, Rumäniens und Jugoslawiens war, also quer durch bie Kleine Entente, zwischen ben beiben Lagern ber Sieger und ber Besiegten in Sübofteuropa. Ocgenftonb ber Beratung war ber Fragebogen, den die Genfer Zollkonserenz im Februar an alle Staaten zu versenden beschlossen hat. Aber eigentlich handelte es sich um bie Beratung, ob ein Zusammenschlug zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der G e • treideproduktions- und Oetreibeauü- fuhrländer möglich sei. Also ein Agrarblock der Produzenten, der sich mit ben großen Fragen ber Handelspolitik zu gemeinsamer Stellungnahme beschäftigte: gegen bie Mcistbegünstigungsklausel unb für bie Ibee etwa eines Getreibekartells, vielleicht auch eines Ausfuhrmonopols in Getreide, auch in einer gemeinsamen Tarifpolitik, um so bie Gegenseitige Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu be- feitigen unb die Getreidepreise gemeinsam hochhalten zu können. Das führt bann selbstverständlich zu hohen Zöllen gegen fremdes Getreide unb zu ber Idee, mit ben Jnbustriestaafen über feste Kontingente zu verhandeln. Es war eine erste Besprechung, aus ber praktisch noch nichts herauskam. Ader auf jugoslawische Ini- tiatioe geht es weiter, neue Konferenzen folgen, an denen sowohl bie Tschechoslowakei wie Bulgarien beteiligt werden sollen und von denen man bann aber Polen fernhalten will. Denn das hat sich gleich eingemischt unb versucht, eine Art Führung in einem Agrarblock bes Süd- ostens unb Ostens in die Hand zu bekommen. Dies aber i[t natürlich politisch ber Tschechoslowakei wenig erwünscht, wirb auch zu keinem Erfolge ühren. Der Vorgang selber im ganzen ist, wie ae- agt, sehr wichtig: die Idee eines Zusammenschlusses )iefer Agrarländer unb bie neuen Jbeen unb Formen einer Handelspolitik nach ihren Interessen. Es ist gewissermaßen die Uebernahme ber Forberungen der sog. „grünen Internationale" burch eine Anzahl von Regierungen, deren Volkswirtschaft ganz besonders baran interessiert ist. Oie ersten Wafferskier auf dem Rhein. WSN. B i n g c n , 3. Aua. Samstag hatte Bingen eine kleine Sensation: Zwei Männer gingen über ben Rhein, so wie anbere über eine Promenade gehen, und zwar von Bingen nach Rübesheim. Es waren Professor M i 11 e r vom Gymnasium in Wien unb sein Begleiter F. H i r s ch, die den Rhein mit Wa s s e r s k i e r n überschritten. Prosessor Milter will demnächst auch den Aermel- konal mit seinen Skiern überschreiten. Außerdem wollen die beiden in diesem Sommer noch eine Wasserskitour von Bingen aus durch da» Binger Loch nach Köln und zurück machen. In Rübesheim stiegen bie beiben Wasserläufer ans Lanb, verstauten ihre „Entenfüße" im Rucksack unb legten anschließenb am Nationaldenkmal einen Kranz nieder, dessen Schleise die Aufschrift trua: „Erstdefahrung des Rheins mit Masse r s k i — Die österreichischen Wasserskiläufer dem freien Rhein". Die Bevölkerung von Bingen und Aßmannshausen nahm die beiden kühnen Vorkämpfer eines neuen Sports mit großer Begeisterung auf. eigenen Werken. Die greife Schriftstellerin, an dec sieben Iahrzehnte spurlos Darüber gegangen sind, fesselte ihre Hörer durch eine kluge, knappe Auswahl vom ersten bis zum letzten Wort. Sie begann mit einer älteren Novelle »Das Rätsel* (1895), die das alte und ewig neue Problem des Persönlichkeitsverlustes in die geheimsten Falten der menschlichen Psyche verfolgt. Der namenlose Unbekannte, der nicht weiß, wer er ist, und der schließlich in italienischen Steinbrüchen seinen Tod findet, ist „durchgebrochen durch den Boden deS Ichs, durch das Gesetz der Individuation, in- Deich deS reinen Sein-". Eine Deriörperung alter indischer Weisheit, die die Persönlichkeit in einem glücklichen Rirwana auslöschke, zerschellt er an den harten Forderungen der Außenwelt, die ihm zur Scheinwelt wird, und der Konflikt ber beiden Existenzen treibt ihn in den Wahnsinn. Prächtige Schilde- rungen der von der Verfasserin so innig geliebten norditalienischen Landschaft tauchen Die Geschehnisse in eine Glut südlicher Farben und schaffen einen packenden Gegensatz zu den seelischen Zermarterungen des unglücklichen Helden. Es folgte eine Erzählung aus dem Manuskript, „Wie die Florentiner Pisa behütc- t c n", — eine spannende Geschichte von Bundcs- treue, junger Liebe, Verrat und hartem Llrteils- spruch. Frohe Lebenslust spricht aus dieser auf einen geschichtlichen Vorfall gegründeten Zabel, der selbst ihr tragischer Ausgang nichts von ihrer heißblütigen Ledenbejahung rauben kann. In der Zeit, da die Pisanen auf Kriegsfahrt gegen Mallorka gezogen waren, lagerte das florentinische Heer vor den Mauern Pisas, die befreundete Stadt vor räuberischem lieberfall zu schützen. Strenger Befehl für die Florentiner, das Innere der Stadt nicht zu betreten. Aber der junge Florentiner Zanobbi, der auS der Ferne Orsola, die Tochter des Pisanischen Stadtkommandanten gesehen und in Liebe zu ihr entstammt ist, weiß sich trotz deS Verbots Eingang in die Stadt zu verschaffen und die Geliebte zu erringen. Unter einer lllme besiegelt das Paar seinen Bund, im uralten Ritus der Baumehe, deren Rechtmäßigkeit niemand im Volke bezweifelt. Aber durch bösen Verrat kommt die heimliche Ehe vor der Zeit an den Tag. Zanobbi büßt seinen Ungehorsam am Galgen, Orsola stürzt sich von den Zinnen Pisas in den Tod; an dem Verräter wird die Ulme, die den Bund gesegnet, zum Rächer. Auch in diesem späten Werke entzückt die lebendige Frische, mit der die Fülle der handelnden Personen gezeichnet ist, die reine Lebensweisheit, die auch tragisches Geschick mit freundlichem Schimmer zu verklären weiß und die das Leben in seiner ganzen Buntheit einfängt. Den Schluß des Abends bildete die düstere Ballade „Der M ar meni11", eine Erneuerung jener alten Sage von dem weisen Rordlandfische, der neugierigen Fragern zu ihrem eigenen Unheil Rede steht. Die stattliche Zuhörerschaft huldigte der Resto- rin der deutschen Schriftstellerinnen, deren Leseabend einen Höhepunkt des Ferienkurses bedeutete, durch herzlichen, dankbaren Beifall. W. F. Neue städtische Wohnhausbauten. Nachdem die städtischen Wohnhausbauten am verlängerten Asterweg zur Hälfte bezogen sind unb bie andere Hälfte bis zum 1. Dezember bezugsfertig hergerichtet fein soll, wird nunmehr in der Schwarzlach ein weiteres städtisches Wohnhausprojekt in Angriff genommen. An der v e r l ä n g e r t e n S ch o t t st r a ß e soll ein Wohnhausblock mit 30 Wohnungen erstehen, der in der gleichen baulichen Weise wie am verlängerten Asterweg gehalten sein soll. Die in dem Neubau zu schassenden Wohnungen sollen je zwei Zimmer mit Wohnküche und entsprechendem Zubehör enthalten und je 50 Quadratmeter Nutzfläche haben. Die Ausschreibung der Arbeiten wird morgen erfolgen. Der Beginn der Arbeiten ist für Ende August vorgesehen. Der neue Wohnhausblock soll bis 1. November im Rohbau fertiggestellt sein, die Wohnungen sollen vorausicht- lich am 1. März nächsten Jahres bezogen werden können. Die Baukosten belaufen sich auf rund 200 000 Mark. Die Stadt erhält zu diesem Wohn- Hausbau Geldmittel aus dem Reickskredit zur Ar- beitsbeschaffung, die als zweite Hypothek einzu- tragen sind. Die gesamte Ausführung des Baues steht unter ber Leitung des städtischen Hochbau- amtes, das auch den Bauentwurf angefertigt hat. Erfreulicherweise wird hierdurch wiederum dem Kleinwohnungsbedürfnis in ansehnlichem Maße Rechnung getragen und zugleich dringend erwünschte Arbeitsgelegenheit geschaffen. Was ist paradox? Wenn in der Sonnen st raße Finsternis herrscht; in der Lowengasse fleischlos gegossen wird; in der Schütz en st raße Schießen verboten ist; im Teufelslustgärtchen ein Engel traurig wartet; in der Hundsgasse Kühe gehalten werden; in der Grleng ässe ßinben stehen; in der Bergstraße niedrige Gesinnung herrscht; Am Mittelweg keiner diesen fiirdet: ngefjeuren Gin- Schließlich hat sich aus Teil 4 chl regelt, von ter zum Kampf e führen muß. lerungen ist ja die heute vor ©woixen!os.ö nenrr Gnam oeoeart. ewom» »vcoec'r ♦ Schnee <► Qraupem a xeoei K Gf-Mter (g)windstille. -O $eh» leichter Ost y -nissige' Suosoowes» q stürmische« «to'dwesi Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie »ooen Stationen stenenden /eitle n geoen die Temperatur an. Die einen rerpiodeo Ort« mit flleichcl tut Heeronireau umgcrechnete« LulUruca Wettervoraussage. Die Witterung Deutschlands bleibt weiterhin im Banne der ausgedehnten britischen Störung. Ein Tcilwirbel lag heute morgen über dem Kanal und hat bis in unseren Bezirk hin schon Niederschläge verursacht. An der Südseite des Störungsbereichcs und später mehr an der Rückseite schließen jetzt kühle ozeanische Luftmassen nach dem Festlande hin an und gestalten das Wetter fernerhin unfreundlich. Bei wechselnd bewölktem Himmel, wobei vorübergehend auch Aufheiterung eintreten kann, werden des öfteren noch meist schauerartig« Niederschläge austreten. Die Temperaturen bewegen sich dabei in mäßigen Grenzen. Aussich ten sür Dienstag: Unfreundliches Wetter mit vereinzelten Riederschlügen, mäßig warm. Lufttemperaturen am 3. August: mittags 20,6 Grad Celsius, abends 16,5 Grad; am 4. August: morgens 14,7 Grad. Marimum 21,6 Grad, Minimum 13,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. August: morgens 16,6 Grad. — Niederschläge 0,2 Millimeter. — Sonnenscheindauer 7 Stunden. Reifewetterdienst. Garmisch-Partenkirchen. 12 Grad, heute morgen heiter bis halb bedeckt. Westerland auf Sylt. 16 Grad, gestern der Iahreszeit angemesssene Temperatur, ©üb» wind, heute morgen halb bis ganz bedeckt._______ Verantwortlich für bas Feuilleton L V.: l)r. Fr. W. Lange. ^Venn Sie ffÜMige Uaarseife Verziehen: Schwarzkopf Flüssig jetzt audi mit Haarglanz SA 9Morui£ VCasruJJk 3ZJc IXinkJLe: AÄ Flasche 50jf4r mehrmaligen. Gebrauch o >10 ’v-fQ tfl zxy-ei S— Emma Christ, Seh. Wilhelm, und Kinder Gießen, den 4. August 1930. 5475D UewkMeh Sonder-Angebot 10 Lot Mk. 0.65 - 100 Lot (1 kg) Mk. 6 00 nVV«ilraH*nMIK 5458 A S472O Stellenangebote! I Rest-und Einzelpaare | weit unter ihrem Wert und der iun< Ludwig Kattrein 5461 D 04669 5468D Nähere Auskunft erteilt Slial-mSLeihNeSllihMM 04863 Küchenschränke usw. 5473D 04868 erzielen. | Vereine"" [Verschiedenes! noch einige intelligente [04872 Witwe 54620 sitzer). 3NH.GEORGFALKEN£TEIN/GIE. genügen jur (Ünltifung v. Anstellungsvechand- GUTE STRICKWOLLE schwarz und braun / bewährtes Fabrikat Konkurrenzlose Neubett! D. R. G. M. 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Llrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau, 6.-QL 12 Fortsetzung Nachdruck verboten. Reginald sah schaudernd vom Rand der Straße aus hinab. „Das ist ja entsetzlich", sagte er leise vor sich hin. Man konnte zunächst den abgestürzten Wagen noch nicht sehen. „Wir werden jetzt hinabklettern", sagte der alte Richter. „Grundmann, du kannst vorangehen. Die Herren nehmen wir in die Mitte. Ich komme zuletzt, und die jungen Burschen mögen uns leuchten I" Langsam und behutsam kletterte der kleine Zug bergab. Der Boden war reichlich feucht und aus- gcwcicht, aber trotzdem kamen sie ganz gut hinunter. Rach einer geraumen Zeit, die Reginald wie eine ganze Ewigkeit vorkam. rief Grundmann: „Wir sind sofort dal" Man konnte jetzt schon die Umrisse des Autos erkennen. Sie kamen nahe heran. 3a, das war Frau Barbaras Wagen! Er war verhältnismäßig glimpflich weggekommen. Er lag zu dreiviertel umgekippt, die Scheiben waren zertrümmert, und einiges war verbogen. Sonst ging es. Die Sträucher schienen den Anprall des Wagen sehr stark hcrabgemindert zu haben. Er hätte ja sonst ganz auseinander sein müssen. Eie versuchten nun erst einmal, den Wagen etwas aufzurichten, und das gelang auch, wenigstens soweit, daß man in das 3nnere der 2i- mousine steigen konnte. Contius und der junge Landjäger fingen nun nun an, den Wagen auf das Sorgfältigste nach irgendeinem Gebrauchsgegenstand von Barbara abzusuchen. Wo war Barbara? Was war mit ihr geschehen? Wenn sie irgendwie schwer oder gar tödlich verunglückt wäre, so hätte man sie doch in oder neben dem Wagen finden müssen. Hatte sic jemand gefunden und von der Un- glücksstclle fortgetragen? Hatte man sie beraubt? War ihr irgend etwas Fürchterliches zugestoßen? Diese Fragen jagten durch Reginalds Hirn, während er mit zitternden Händen jedes Polster des Wagens umdrehte. Der Chauffeur beteiligte sich ebenfalls mit Eifer. Aber alles schien vergebens. Der Wagen war vollkommen leer. 3n den Seitentaschen, unter den Polstern, nirgends war aber auch nur das geringste zu finden, was von Barbara hergerührt hätte. Plötzlich pfiff Grundmann leise auf. Alle hielten inne und schauten nach ihm hin. „Was gibt's?" fragte Reginald eifrig. „Da schauen Sie einmal her!" erwiderte Grundmann und hielt ihm behutsam etwas zwischen den Fingerspitzen hin. Contius griff danach. Es war ein feines seidenes Taschentüchlein, reichlich schmutzig und verdrückt. Aber es hatte noch den zarten, zugleich ein wenig herben Duft des Parfüms, das Barbara immer gebrauchte. „So", sagte er. „jetzt haben wir wenigstens etwas, was man dem Hund zeigen kann." „Rex!" rief der alte Richter, „komm mal hierher!" Der Hund, der sich bislang ruhig verhalten hatte und nur aufmerksam den Männern zuge- schaut hatte, sprang auf ustd ging auf seinen Herrn zu. „Da!" sagte dieser und nahm das Tüchlein aus Reginalds Hand, hielt es dem Tier unter die Rase und fuhr eindringlich fort: ..Such, such schön, mein gutes Hundel!" Rex hatte sosort begriffen, worauf es ankam. Er schnupperte lange und eindringlich an dem Tuche herum, bellte kurz auf und fing dann an, mit der Rase den Boden abzuschnüffeln. „Jetzt tut er die Fährte suchen", sagte der Alte und fügte mit gerührtem Stolz hinzu: „Oh, der Rex ist ein sehr kluger Kerl, hat schon manchen Verbrecher gefunden und manche Schlechtigkeit aufgedeckt!" Reginald seufzte tief auf. Hoffentlich war Barbara nicht gar zu Schlimmes zugcstohen. 3hm fiel die Vision ein, die er während der Fahrt gehabt hatte. Aber er konnte keine Verbindung zwischen chr und dem Llnglücksfall finden. Der Hund schnupperte immer noch rund um das Auto herum. Plötzlich stutzte er, roch noch intensiver und fing dann an, mit der Rase am Boden langsam weiter und wegzulaufen. „So", sagte Grundmann, „da scheint er eine Führte gefunden zu haben. Das beste ist nun. meine Herren, ein paar von uns gehen hinterher." Contius wollte auf jeden Fall mitkommen, der Chauffeur ebenfalls. „Das genügt aber", Mittelrheinisches Kreisturnfest in Hanau. Neue Kreisbestleistungen am Samstag. - Winter-Eintracht Frankfurt Zwölfkampfmeister. Dom Samstagvormittag. Das 34. Mittelrheinische Kreisturnfest in Hanau brachte auch am Samstag wieder ausgezeichnete Leistungen in den verschiedensten Disziplinen. Es war unverkennbar, daß sich das Leistungsnioeau in der mittelrheinischen Turnerschaft stark gehoben hat, denn jeder Sieg und jeder Platz war heiß umstritten. Besonders spannend verlies die Zwölfkampf-Meisterschaft. Hier standen sich in Winter (Eintracht Frankfurt) und Leichum (To. Neu-Isenburg) zwei gleichwertige Könner ge- Scnüber. Hatte L e i ch u m sich in den volkstümlichen ebungen einen Vorsprung von 71 Punkten gesichert, so war ihm Winter erst in den letzten Konkurrenzen überlegen und konnte sich mit 3, Punkten vor die Kreismeisterschaft holen. Eine Kreis- Bestleistung gab es am Vormittag im beidarmigen Kugelstoßen der Turnerinnen, wo Frl Bormann (Stadtsportverein Frankfutt) die respektable Weite von 17^98 Meter erreichte. Die Ergebnisse des Vormittags waren: Zwölfkampf der Turner: 1. Winter, Eintracht Frankfurt, 218 P.: 2. Leichum, To Neu-Isenburg, 215 P.; 3. Sinn- well, To. 60 Bad-Nauheim, 213 P. tterätevierkampf der Turnerinnen: 1. Albrecht St. Johann Saarbrücken, 77 P.; 2. Müller, Tv. Offenbach, 75 P.; 3. Hieronymus, Tg. Friedberg, 74 P. Leichtathletische Wettkämpfe: 400- Meter- Lauf: 1. Blittersdorf, Tv. Saarbrücken, 51,2 Set; 2. Braun, Homburger Tv., 51,5 Sek.; 3. Weber, Polizei-Spv. Frankfutt, 52,8 Sek. 800-Meter-Lauf: 1. Thyriot, Tv. Völklingen, 2,04 Min.; 2. Schneider, Tv. Mainz 1817, 2:04,8 Min.; 3. Blößer, Homburger Tv., 2:05,1 Minuten. Weitsprung: 1. Schank, To. Tiefenstein, 6,59 Meter; 2. Triesch, Tv. Kreuznach, 6,43 Meter; 3 Kirsch, Stadtsportverein Frankfurt, 6,43 Meter. Stein st oßen: 1. Dietzel, Tv. 60 Frankfurt, 8,83 Meter, 2. Schmitt, Tv. Schwanheim, 8,79 Meter; 3. Groh, Tv. Bestheim, 8,56 Meter. Turnerinnen. Diskus: 1. Maisch, Tg. Bornheim, 30,64 Meter; 2. Oerlicke, Tv. Vorwärts Bockenheim, 29,39 Meter; 3. Bormann, Stadtsportverein 28,59 Meter. Weitsprung: 1. Pfusch, Tbd. Wiesbaden, 4,85 Meter; 2. Brandt, Tv. Mainz 1817, 4,77 Meter; 3. Buschner, To. Mainz 1817, 4,72 Meter. Kugelstoßen (beidarmig): 1. Bormann, Stadtsportverein Frankfurt 17,98 Meter (neue Kreis Bestleistung); 2. Maisch, Tg. Bornheim, 17,97 Meter; 3. Ritzel, Tbd. Wiesbaden, 16,49 Meter. Schlagball - Weitwurf: 1. Maisch, Tg. Bornheim, 52,04 Meter; 2. Roth, To. 60 Nauheim, 51,06 Meter; 3. Ritzel, Tbd. Wiesbaden, 49,46 Meter. Vom Samstagnachmittag. Waren die Kämpfe schon am Vormittag sehr gut besucht, so war am Nachmittag das weite Rund des Platzes des To. Hanau dicht gefüllt. Befon- ders erfreulich sind die zahlreichen Krcis-Bestleistun- gen, die an diesem Tage erzielt wurden. So durch- lief Irieft, Tv. Bad Kreuznach die 110-Metcr- Hürden in 16 Set, Tv. Völklingen erzielte in der Olympischen Staffel mit 3:41,9 Min., und Wiener, Tv. 60 Bad-Nauheim stellte im beidarmigen Speer- werfen mit 80,22 Meter eine neue Kreis-Be st- l e i st u n g auf. Bei den Turnerinnen war dieser Erfolg dem Mio. Gießen mit 52,1 Set für die 4XlOO-ni-Staffel und im Speerwerfen mit 33,92 Frl. Oerlecke, To. Vorwärts Bockenheim, beschicden. Ergebnisse: Lcichtalhletifchc Wettkämpfe: 100-Meter-Lauf: 1. Mährlein, Tv. Mainz 1817, 10,7 Eck. 2. Rehrn. Et. Johann-Saarbrücken, 10,8 Sek. 3. Wagner, Tv. 60 Frankfurt, 11 Set 200-Meter-Lauf: 1. Mährlein, Tv. Mainz 1817, 21,9 Sek. 2. Feistel. Eintracht Wiesbaden, 22 Sek. 3. Dabucke, St. 3ohann-Saarbrücken, 22,4 Sek. 400-Meter-Laus: 1. Blittersdorf, Tv. 48 Saarbrücken, 51,2 Sek. 2. Braun, Tv. 51 Homburg, 51,5 Set 3. Weber, Polizei ED. Frankfurt, 52,8 Set I 800-Mcter-Lauf: 1. Thyriot, Völklingen, 2:02 Min. 2. Schneider, Tv. Mainz 1817, 2:04,8 Min. 3. Blöser, Tv. Homburg, 2:05,1 Min. 110-Meter-Hürden: 1. Trieft, Tv. Bad Kreuznach, 16 Sek. (neue Kreis-Bestleistung). 2. Duhrne, Tg. Rödelheim, 17,1 Sek. 4x1 00-Meter-Staffel: 1. St. 3ohanner Tschst. Saarbrücken, 43,1 Set 2. Tv. Mainz 1817, 43,9 Sek. 3. Tv. 1860 Frankfurt, 44.4 Sek. 3X1 000-Meter-S taffel: 1. Tg. Koblenz, 8:08,6 Min. 2. Tv. 60 Frankfurt, 8:18 Min. 3. Tv. Völklingen, 8:30,2 Min. 4x4 00-Meter-Staffel: 1. Tv. Saarbrücken, 3:33,8 Min. 2. Tv. Vorwärts Bockenheim, 3:33,8 Min. (Druftbreite zurück). 3. Tg. Koblenz, 3: 34,3 Min. Olympis che Staffel: 1. Tv. Völklingen, 3: 41,9 Min. (neue Kreis-Bestleistung). 2. Polizei Frankfurt, 3: 45 Min. 3. Tg. Koblenz, 3: 47,4 Min. Hochsprung: 1. Elfeld, Rackenheim, 1,75 Meter. 2. Schnell, Tv. Felzen, 1,70 Meter. Weitsprung: 1. Schank, Tv. Tiefenstein, 6,59 Meter. 2. Tttesch, Tv. Bad Kreuznach, 6,43 Meter. Stabhochsprung: 1. Spieler, Tv. Damm, 3,40 Meter. 2. EteineS, M t v. Gießen, 3,30 Meter. Kugelstoßen (bestarmig): 1. Wengenroth, Tv. 60, Frankfurt, 12,36 Meter. 2. Heinz, Tv. Deitsroth, 12,26 Meter. Stein st oßen (bestarmig): 1. Dietzel, Tv. 60 Frankfurt, 8,83 Meter. 2. Schmitt, Tv. Schwanheim, 8,79 Meter. Speerwerfen: 1. Kern, Tv. Mainz 1817, 52,80 Meter. 2. Kretschmar, Tv. Mainz 1817, 50,60 Meter. Echleuderball: 1. Wengenroth, Tv. 60 Frankfurt, 54,52 Meter. 2. Langsdorf, Tv. 6 0 Bad-Rauheim„ 53,80 Meter. Diskus: 1. Wagner, Tg. Sprendlingen, 38,58 Meter. 2. Reuther, Tv. Meerholz, 36,55 Meter. Wettkämpfe der Turnerinnen. 100-Meter-Lauf: 1. Brückner, Tv. Mainz 1817, 12,09 Sek.; 2. Brand, Tv. Mainz 1817, 13,03. 4xl00-Meterstaffel: 1. Mtv. Gießen 5 2,01 Sek.; 2. Tv. Mainz 17 52,06; Hochsprung; 1. Else Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 1,48 Meter; 2. Erna Althaus, Mtv. Gießen, 1,43 Meter. Weitsprung: 1. Pfusch, Tbd. Wiesbaden, 4,85 Meter; 2. Brand, Tv. Mainz 17, 4,77. Kugelstoßen: 1. Maisch, Tg. Bornheim, 10,74 Meter. 2. Bochnik, Tv. Reu-Isenburg, 10,64. Speerwerfen: 1. Oerleck, Tv. Vorwärts Frankfurt, 33,92 Meter (neue Kreisbestleistung); 2. Bormann, Stadtspottverein Frankfutt, 32,58. Diskus: 1. Maisch, Tg. Bornheim, 30,64 Meter; 2. Oerlecke, Tv. Vorwärts Bockenheim, 29,39. Siebenkampf (ohne Schwimmen). 1. Schmitt, Tg. Koblenz, 127 P.; 2. Scheller, Eintracht Frankfutt, und Gemind, Tv. Oberstein, 123; 3. Fuchs, Tg. Sachsenhausen, und Remy, TG. Reunkirchen, 122. Siebenkampf (mit Schwimmen). 1. Schröder, Tv. Dietz, 114 P.; 2. Kunkel, Tv. Völklingen, und Wömer, TFC. Hanau, 112; 3. Funk, Tg. Rödelheim, 111. Spiclkrciömcisterschaftcn: Faustball der Männer: 1. Licht- und Luftbad Frankfurt. Faustball der Aelteren: 1. Licht- und Luftbad Frankfutt. Faustball der Frauen: 1. Tv. 1848 Saarbrücken. Schlagball der Männer: l.Tv. 48 Saarbrücken. Schlcuderball der Männer: 1. Mtv. Saarbrücken. Schwimmen: 200 Meter Brust: 1. Hagedorn, Tg. Offenbach. 3:142. 400 Meter beliebig: 1. Witthauer, Tv. Reu-Isenburg, 5:522. Turmspringen: 1. Koller, Vorwärts Bockenheim, 94,50 P. Drettspringen: 1. Brunn, Tv. 60 Aschaffenburg, 113,85 P. 50-Meter-Streckentauchen: 1. Schäfer, Tg. Friedberg, 42,2. 4x100-Meter-Lagen staffel: 1. TG. Darmstadt 5:37,4. Schwimmen der Turnerinnen: 100 Meter Rücken: 1. Kasten, TD. Darmstadt, 1:45,8. 10 0 Meter Brust: 1. Riebner, Tv. Offenbach, 1:39,8. 4X100 Meter Brust: 1. Tv. Offenbach 769. 4xl00-Meter-Lagen staffel: 1. Tv. Offenbach 6:59. 4x 100-Meter-Freistil st affel: l.TG. Darmstadt 6:42. Fechten: Degenfechten: 1. Herrmann, Tv. Offenbach, 2. Bauer, Eintracht Frankfurt; 3. Glück, Eintracht Frankfurt. Säbelfechten: 1. Wahl, Tv. 60 Frankfutt; 2. Glück, Eintracht Frankfurt; 3. Dauer, Eintracht Frankfurt. Florettfechten der Turnerinnen: 1. Haß, Tv. Offenbach; 2. Leonhard, Tv. Offenbach; 3. Iüngst, Tv. Offenbach. (Die drei ersten Plätze mußten durch Stichkämpfe entschieden werden.) Oer Ausklang am Sonntag. Das 34. Mittelrhein-Kreisfest fand am gestrigen Sonntag einen glänzenden Abschluß. Nur ein heftiger Regen konnte anfangs etwas die ausgezeichnete Stimmung der Massen beeinträchtigen. 'Doch bald hörte auch der Regen auf, und unter Sonnen- schein fetzte sich Der zweite Tag der in Darmstadt abgehaltenen Internationalen Meisterschaftender Studenten brachte am Samstag mit dem Einmarsch der Rationen und dabei geleisteten Schwur der Teilnehmer nach olympischem Vorbild einen ersten Höhepunkt. Leider wurde diese Zeremonie durch plötzlich einsetzendeS Gewitter beeinträchtigt. Um 4.20 Uhr begann der Einmarsch der Rationen. Unter Dorantritt ihrer Fahnen marschierten die Vertreter von 25 Rationen in die Arena und nahmen nach dem Rundgang im Mittelfelde Aufstellung. Rach einer Ehrung der Gefallenen aller Rationen, die in einer Kranzniederlegung an dem Gefallenendenkmal der Technischen Hochschule her Festzug in Bewegung. Neber 15 000 Turner und Turnerinnen aus dem ganzen Gebiet des Mittelrheinkrei- fes waren daran beteiligt. Es war ein prächtige» Bild, das sich in den Straften von Hanau, die die Menschenmajfcn kaum aufnehmen konnten, bot. ?urd) zahlreiche Festwagen der Hanauer Vereine und Korporationen erhielt dieser Festzug ein färben- buntes Gepräge. Uebcraus herzlich wurden die Teilnehmer begrüßt, besonders die zahlreichen Turner und Turnerinnen aus dem Saargebiet wurden förmlich mit Blumen überschüttet. Aus großen Transparenten bekundeten diese Vertreter der Saar ihre unwandelbare Treue zum Deutschen Reich. Oie Massenvorfühfungen am Nachmittag. Am Nachmittag stand dann der Festvlatz wieder im Mittelpunkt des Kreisfestes. Zehntausende füllten das weite Oval, als die M a f f e n v o r f ü hrun - gen begannen, die in dieser Größe und Geschlossen- beit einzigartig waren. Den Reigen eröffnete zu- nächst ein Handball-Werbespiel der Gau« Main Offenbach-Hanau gegen Frankfurt, wobei bi« Frankfurter Vertreter sich mit 4:3 geschlagen geben mußten. Dann gab es Sondervorführun- gen bcrlurncrinncn, ein MassenSchleuber- ballrocrfcn, Vorführungen in den verschiebensten Disziplinen. Spanncnb verlief vor allem ber Gau- Staffellauf über lOXi Runbe, in bem bie Frankfurter Turner Sieger blieben. Der Saar- Bliesgau würbe auf bie 2. und ber Gau Main- Offenbach-Hanau auf bie 3. Stelle verwiesen. Den Höhepunkt bes Festes bilbeten bie Massenf r e i - Übungen, nachdem vorher bie Fechter bes Kreises mit oerschiebenen Ftthtvvrführungen zur Be- reicheruna bes Programms beigetragen hatten. Bet ben Massenfreiübungen waren über 3000 Turner unb Turnerinnen beteiligt, bie bie versammelten 60 000 Zuschauer mit ihren exakten Hebungen in Bann hielten unb begeisterten Beifall erhielten. Eine Fahnensäule von 170 Fahnen verschönerte wirkungsvoll bas imposante Bilb, das der Fcftplatz in diesen Stunden bot. Die Siegerehrung bildete das Ende des 34. Mittelrheinkreisturnfestes. Zum Schlüsse ergriff der Protektor des Festes, Oberbürgermeister Or. Btaum noch einmal das Wort, um seiner Anerkennung der vorzüglichen Leistungen, die der Mittelrheinkreis in Hanau geboten hat, Ausdruck zu geben. Seine Hoffnung ging dahin, daß der Erfolg auch weiterhin ber Deutschen Turnerschaft beschiebcn sei. Als Vertreter ber preußischen Staatsregierung überreichte , hieraus Oberregierungsrat Fletsch bem Kreis- oberturnwart Frey (Mainz), sowie dem Zwölfkampfsieger Winter (Frankfurt) unb ber Siebenkampfsiegerin Frl. Schmitt (Koblenz) bie Staats Plakette. Nach einem Dankwort bes Kreisoberturnwarts erfolgte der Abmarsch ber Turner unb Turnerinnen. durch den Dorsihenden deS Internationalen Studenten ko miteeS bestand, und nach Hebergabe den Spiele durch den Leiter deS deutschen Tum- und Sportamtes erklärte der Komitee-Dorsihende die Spiele sür eröffnet. 2000 Dtteftauben flogen auf, um diese Kunde in alle Welt zu tragen. Dann folgte der feierliche Abschluft durch Ablegung des für diese Spiele verfaßten Schwüre-, den der Darmstädter Student Schi l gen sprach. Rach Erledigung diese- Aktes erfolgte der Abmarsch der Teilnehmer. Am Samstagnachmittag legte die gesamte i t a * lienische Mannschaft vor dem Gefalle- nen-Gedenkstein am ehemaligen Residenz» schloß einen Kranz mit Schleife in den italiem- Me Studenten-Wellmeislerschaslen. Oer zweite Tag. — Einmarsch der Nationen. — Handball-Propagandaspiet. meinte der junge Landjäger, „die anderen können vielleicht zum Auto von Herrn Contius zurückkehren und dott auf uns Wärtern" „Gewiß", stimmte man allgemein dem Dorschlag bei, nur der Alte schien nicht einverstanden. „Ich will auch mit“, erklärte er, und nur mit Mühe konnten ihn Grundmann und Reginald von seinem Dorhaben abbringen. Brummend kletterte er mit den beiden Burschen wieder den Hang hinauf, während der dritte sich den anderen anschloß. „Er ist schon zu alt für eine solche Kraxelei", fiOflte der junge Kollege. „Die Gicht plagt ihn schon oft genug, aber er will noch immer mittun wie ein Iunger, und der Weg wird böse werden." Der Hund lief kreuz und quer durchs Gestrüpp. Meistens ging es bergab. Oft lagen große Felsbrocken im Wege, und die Männer konnten zuweilen kaum folgen. Endlich hätten sie, wie der Hund stehenblieb und zu winseln anfing. Contius stand als erster neben dem Tier und leuchtete den Fleck ab. Richts war zu sehen. Er verstand nicht, warum der Hund nicht weiterlief. ' Er leuchtete ein Stück geradeaus: Da ging es mehrere Meter steil in die Tiefe hinunter. Sie anderen waren indessen auch hinzugekommen. „Großer Gott", sagte Grundmann, „die Dame wird doch nicht etwa da hinuntergestürzt sein! Don hier aus kommen wir nicht weiter. Wir müssen wieder zurück und versuchen, auf einem anderen Weg hinunter ins Tal zu gelangen.“ „Also los!" befahl Contius. „Wir müssen unbedingt hinunter." Schweigend fletterten sie wieder zurück. „Mir ist es gänzlich rätselhaft, wie die gnädige Frau hierhergekommen ist", unterbrach der Chauffeur die Stille. „3a“, meinte der Landjäger, „sie wird eben versucht haben, wieder auf Die Straße zu kommen. In der Dunkelheit tarnt sich ja jeder, der sich hier nicht auskennt, nerirren.“ Rach etwa zwei Stunden hatten sie das Tal erreicht, das eigentlich nichts weiter war, als das steinige Bett eines Gebirgsbaches. „Hier ist die Stelle, wo der Felsen so steil abfällt“, sagte Grundmann. „Sind Sie dessen sicher?" fragte Contius. „Ich kenne diese Gegend hier ganz genau“, gab der andere zurück und fuhr fort: „Wir wollen einmal sehen, was der Hund jetzt an- gibt.“ Alle verfolgten mit gespannter Aufmerksamkeit da- Gebaren des Hundes. Der fing wieder eifrig an zu suchen. Aber er fand die Fährte offenbart nicht recht wieder. Die anderen untersuchten den Platz. Es deutete nichts, aber auch gar nichts darauf hin, daß hier jemand abgestürzt war. Das Gras war nicht zertreten. Die Sträucher waren nicht geknickt, alles machte einen vollkommen unberührten Gin^ druck. „Euch, Rex, so such doch!" feuerten sie das Tier an. Das Tier gab sich augenscheinlich die größte Mühe und endlich drehte es sich ein paarmal um sich selbst, stieft ein klägliches Geheul aus und duckte sich dann auf die Erde nieder. Cs drückte den Kopf auf die beiden Dorderpfoten, winselte leise, wedelte leicht mit dem Schwänze unb sah Grundmann und die anderen abwechselnd so flehentlich an, als wollte es um Verzeihung bitten, daß es nichts gesunden habe. „Ra, das ist aber eine schlimme Sache", brummte der Landjäger. „Ieht versagt sogar unser guter Rex. Was fangen wir nyn an?" Die anderen standen mit bedrückten Mienen daneben. „Haltet ihm nochmal das Tuch unter die Rase", rief der Chauffeur. Grundmann tat's. Der Hund erhob sich und beschnupperte eingehend das Taschentuch. Daraufhin hob er den Kopf zum Himmel, witterte etwas und begann dann anhaltend und klagend zu heulen. Schauerlich klang es durch die stille Rächt. Contius ging es kalt über den Rücken. Ieht erst merkte er, wie erschöpft und fertig er war. Er lieft sich, wo er stand, ins Gras gleiten und sah dann zu Grundmann hin. Der schüttelte für sich den Kopf und zuckte die Schultern. „Der Hund findet nichts, Herr", sagte er bedauernd. „Es ist das erstemal, daft er versagt. Im Augenblick können wir gar nichts machen. Der Hund ist müde, und wir alle sind es. Da- beste wird fein, wir gehen zum Wagen zurück, und fahren heim. Morgen früh kann man einmal sehen, was man anfängt. Ietzl hat's wirklich keinen Einn mehr." Reginald nickte refigniert mit dem Kopfe. Riedergedrückt und bekümmert folgte er den andern, die den Rückweg antraten. Rach geraumer Zeit hatten sie die Landstrafte mit Muchs Wagen erreicht. Der alte Richter wanderte vor dem Wagen auf und ab und hielt Llmschau. (Fvttsetzung folgt) schm Farben nieder und ehrte damit das Andenken der deutschen Gefallenen, wofür die Deutsche Studentenschaft ein Danktelegramm an die Italiener richtete. Eine weitere eindrucksvolle Geste war die Absendung eines telegraphischen Grußes an den deutschen Reichspräsidenten, der namens der 33 in Darmstadt vertretenen Rationen von der Eröffnung der Meisterschaften in Kenntnis gesetzt wurde. Am Abend veranstaltete die Darmstädter Studentenschaft zu Ehren der Gäste einen § a ck e l z u g. Nachdem die Italiener in Darmstadt vor dem Gefallenen-Ehrenmal einen Kranz niedergelegt hatten, liehen es sich die in Auerbach a. d. B. untergebrachten Spanier am Sonntag ebenfalls nicht nehmen, zu Ehren der deutschen Gefallenen am dortigen Kriegerdenkmal einen Kranz niederzulegen und dabei ein Hoch auf Deutschland und seinen Reichspräsidenten auszubringen. Ein Handball-Werbespiel sah am Samstag die Mannschaften der Technischen Hochschule Darmstadt und der Universität Berlin im Kampfe.Beide Mannschaften sollten eigentlich an diesem Tage das Endspiel um die deutsche Hochschulmeister- schaft austragen, das jedoch wegen Unabkömmlichkeit mehrerer Spieler in der Berliner Mannschaft um acht Tage verschoben wurde. Das als Ersah ausgetragene Werbespiel endete mit einem Siege von 13:9 (6:3) für Darmstadt, kann aber angesichts der ersatzgeschwächten Berliner Aufstellung nicht als Gradmesser für das bevorstehende Hochschul-Finale gelten. Darmstadt gewann auf Grund größerer Durchschlagskraft verdient. Italien gewinnt das Florettfechten. Die am Freitag begonnenen Mannschaftskämpfe im Florett wurden am Samstag beendet. Am Freitag erlitt Deutschland nach der 14:2- Riederlage gegen Italien eine weitere mit 12: 4. Ferner gab es noch einen ll:5-Sieg Belgiens über Dänemark und einen von 14: 2 I taliens gegen Dänemark. Am Samstag gewannen die Deutschen 13: 3 gegen Dänemark, Frankreich siegte gegen Belgien 12:4. 3m entscheidenden Treffen traten sich dann Italien und Frankreich gegenüber, wobei Italien 12:4 gewann und damit den Endsieg errang. Im Gesamtklassement siegte Italien mit acht Punkten, 4 Mannschaftssiegen und 52 Einzelsiegen vor Frankreich, Belgien, Deutschland (zwei Punkte, 1 Mannschaftssieg, 26 Einzelsieg«) und den ohne Punkte und Mannschaftssiege an letzter Stelle liegenden Dänen. Ausklang der Tennisspiele. Deutscher Sieg im Doppel von Kuhlmann-Uthmöller. Italiens Sieg im Linzel. Die Endkämpfe im Tennis brachten am gestrigen Sonntag den deutschen Farben den ersten großen Erfolg, ^leberraschenderweise kam im Doppel das deutsche Paar Kuhlmann-Uth- möller über die beiden starken Italiener d e Stefani-del Bono zu einem schönen Erfolge. Deutschland gewann mit 4:6, 3:6, 6:3, 9:7, 6:4. Im Einzel standen sich de S t e f an i (Italien) und Kuhlmann (Deutschland) gegenüber. Hier siegte der bewährte Italiener ziemlich sicher mit 6:1, 7:5, 6:4. Das zweite Fußballspiel. Italien schlägt Deutschland mit 2:1. Das zweite fuhballsportliche Ereignis war das Treffen zwischen Deutschland und Italien. Beide Mannschaften lieferten sich einen fesselnden und packenden, stellenweise aber auch sehr harten Kampf, den die „Azzuris" mit 2:1 für sich ent- schieden. Im Spielverlauf waren die Italiener 'meist im Angriff. Dennoch ging Deutschland durch Engel in Führung. Rach der Pause schossen ‘ die Italiener durch Mazzani und Sallustro zwei Tore und stellten damit einen verdienten Sieg sicher Nochmals Deutschland gegen Italien, vier deutsche, drei italienische Siege bei der Regatta. Die auf der 2000 Meter langen Strecke des Frankfurter Regattavereins ausgetragene Stu- denten-Weltrneisterschaft im Rudern wurde durch zahlreiche Absagen ihres erwarteten Glanzes entkleidet. Zu den zahlreichen Absagen kamen noch die von Jugoslawien und Holland hinzu, so daß mit Ausnahme des amerikanischen Skullers S ch ö n f e l d und des belgischen Achters die übrigen Rennen nur einen Zweikampf Deutschland-Italien bildeten. In diesem Kampfe schnitt Deutschland sehr gut ab, da es von Len sieben ausgetragenen Rennen vier gewinnen konnte: die übrigen drei waren eine Deute der Italiener. Deutschland gewann mit Weimar (Düsseldorf) in 8:43,6 den Einer vor Mariani (Italien) und dem Amerikaner Schönfeld: den Vierer ohne durch Universität Frankfurt in 8: 07,8 vor Italien: den Vierer mit durch Akademischer RC. Berlin in 7:38,2 vor Italien und den Doppelzweier durch die Magdeburger Düsterloh-Duhts in 8:03,8 vor Italien. — Die Italiener siegten im Zweier ohne in 8: 44,6 vor Deutschland (Frisch und Wildt, Heidelberg), den Zweier mit in 9:19 im Alleingang und den Achter in 7:02,4 vor Deutschland (Rhenus Bonn) und den hier keine Rolle spielenden Belgiern. Italien siegt im Florettfechten. Unter Teilnahme von 24 Fechtern wurde am Sonntag das Einzelfechten im Florett ausgetragen. Es wurden vier Vorrunden, zwei Zwischenrunden und eine Endrunde ausgetragen. Wie erwartet, kamen die Italiener, trie ihre drei Teilnehmer auch in die Endrunde brachten, hier klar und überlegen als Sieger hervor. Erfreulich, daß sich von der deutschen Mannschaft die Fechter K o l p i n g e r und G y e n i s in die Endrunde schaffen konnten, wo sie allerdings mit Dem sechsten und achten Platz vorlieb nehmen muhten. Mäher war in der Vorrunde ausgeschieden. Einen schönen Erfolg erzielte Kolpinger, der den später als Dritter placierten Franzosen B u g n o l in der Vorrunde schlagen konnte. Der Endsieg wurde zwischen den Italienern R a st e l l i und V e r a t t i entschieden, wobei Rastelli mit 5:2 gewann. Das Endergebnis sieht Rastelli (Italien) mit sechs Siegen und 18 erhaltenen Treffern vor seinem Landsmann Ve- ratti mit fünf Siegen und 19 Treffern an der Spitze. Die weiteren Plätze: 3. Duanol, Frankreich (vier S. 26 T.): 4. Roca, Italien (vier S. 27 T.): 5. Osterrieth, Belgien (drei S. 27 L.): 6. Gyenis, Deutschland (zwei S. 29 L.): 7. Green, Dänemark (zwei S. 30 T.): 8. Kolpinger, Deutschland (zwei S. 33 T.). Drei Siege derGießenerRudergesellfchast Bei der gestrigen Jubiläums-Regatta des Wetzlarer Ruderklubs konnte die Gießener Ruder - Gesellschaft 1877 mit ihren Mannschaften drei Siege erringen. Der Verlauf der Rennen war folgender: Rennen 1: Lahn - Jungmann-Dierer: Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 (Knobeloch, Möhl, Schneider, Hartmann: Steuer: Loh) 6,38 Min.: Wetzlarer Ruderklub 6,511 Min. — Das Rennen wurde überlegen gewonnen. Rennen 3: Gast-Vierer: In diesem Rennen konnte sich die Mannschaft der Gießener Ruder- Gesellschaft, nachdem sie am Vormittag gegen Offenbacher Ruderoerein ein außerordentlich scharfes Nennen gefahren hatte, das als totes Rennen endete, im Hauptrennen gegen Ruderverein Kassel nicht durchsetzen. Rennen 8: Lahn-Vierer: Gießener Ruder- Gesellschafr (Heulet, Hochstätter, Flimm, Köhler: Steuer: Loh) 6,53% Min.; Wetzlarer Ruderklub 7,05 Minuten. Rennen 9: Iugend-Gig-Dierer: Gießener Ruder-Gesellschaft (Schlüter, Rübsamen, Stein, Blumjchein, St.: Breidenbach) 3,41% Min.) Limburger Rudergesellschaft 1920 3,48 Min. — Nachdem die jugendliche Mannschaft am Tage zuvor im Dorrennen gegen Wetzlarer Ruderklub überlegen gewonnen hatte, fuhr sie auch dieses Rennen in vorzüglicher Form nach Hause. Erfolge des Vereins Rudersport 1913 Gießen. Den jungen Mannschaften des Vereins Rudersport 1913 Gießen gelang es auf der gestrigen Wetzlarer Jubiläums-Regatta, zwei Siege zu erringen und damit die ersten in dieser Saison. Die Ergebnisse: Rennen 11. Zweiter Jungmann-Viere r: Rach Ausscheiden des Weilburger Ruderoereins durch Alleingang (Haas, Franz, Heinz, Hopfner, St.: H. Mählich). Rennen 15. Ermunterungs-Vierer: Vorrennen: 1. Verein Rudersport 1913 Gießen 6.35 (Loeb, K. Krug, H. Korell, Hch. Seipp, St.: H. Mählich): 2. Rudergesellschaft Wiesbaden-Biebrich 6,47. Rach längerem Bord-an-Bord-Kampf von Ru- dcrsport mit drei Längen sicher gewonnen. — Hauptrennen: 1. Verein Rudersport 1913 Gießen 7.05; 2. Wetzlarer Ruderklub 1880 7,25. Der starke Gegenwind behindert die Boote. Von Verein Rudersport mit zirka fünf Längen sicher gewonnen. Wirtschaft. * D i e Indexziffer der Großhandelspreis«. Die auf den Stichtag des 30. Juli berech- nete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 125,4 gegenüber der Vorwoche (125,5) nahezu unverändert. Von den Hauptgruppen stellt sich die Indexziffer für Agrarstoffe auf 116,7 (116,8), für industrielle Rohstoffe und Halbwaren unverändert auf 119 und für industrielle Fertigwaren auf 150 (150,1). * 5 0 - Millionen - Auftrag für die rheinisch-westfälische Eisenindustrie. Wie die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" meldet, hat ein Konsortium, das in der Hauptsache aus den Firmen Fried. Krupp AG., Essen, Vereinigte Stahlwerke AG., Düsseldorf, Gutehoffnungshütte Oberhausen AG., Oberhausen, Henschel & Sohn AG., Kassel, Otto Wolff, Köln, besteht, mit der türkischen Regierung ein Geschäft auf Lieferung von Eisenbahn-Oberbaumaterial nebst Zubehör, Brückenkonstruktionen sowie rollendem Material, Lokomotiven und Waggons im Werte von insgesamt 50 Millionen Mark abgeschlossen. * Bergarbeiterentlassungen in Gel- senkirchen-Buer. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, sollen bei den zur Deutschen Erdöl AG. gehörenden vier Bismarck-Schächten in Buer zum 15. August 500 Bergarbeiter und Angestellte zur Entlassung kommen. Diese Anzeige ist vorsorglich getroffen, da die Werke trotz Einlegung von Feierschichten bereits 40 000 t Kohle und 60 000 t Koks gestapelt haben, wodurch die Lagermöglichkeiten nahezu erschöpft sind. Sofern eine Besserung der Absatzlage eintritt, sollen die Entlassungen nicht in voller Höh« durchgeführt werden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 4. Aug. Tendenz ruhig. Zum Wochenbeginn erfuhr die Börse keine Belebung. Anregungen fehlten vollkommen. Die ungünstigen Momente beherrschten die Börse weiter, so daß das Geschäft auf ein Minimum zusammenschrumvfte. Die Stimmung war aber, nachdem der Juli-Ultimo reibungslos überwunden worden war, weiter wesentlich beruhigter. Material kam kaum mehr an den Markt. Vereinzelt schritt die Kulisse zu Deckungen, doch konnte auch in den Spihen- papieren keine regere Rachfrage erzielt werden. Gegenüber den Kursen der Abendbörse vom letzten Freitag traten keine nennenswerten Veränderungen ein. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.-Farben und Deutsche Erdöl bis 0,5 Proz. schwächer. Gut gehalten eröffneten am Elektromarkt Siemens, während AEG., Gesfürel, Schuckert um Bruchteile eines Prozents niedriger lagen. Etwas stärker gesucht waren am Montanmarkt Harpener minus 1,5 Proz., doch war auch hier das Angebot nicht dringend. Gut gehalten waren Buderus. Für AG. für Verkehrswesen machte sich mit plus 2,5 Proz. nach der stark rückläufigen Bewegung in den letzten Tagen etwas mehr Interesse bemerkbar. Danken waren unverändert. Renten waren zumeist nur wenig verändert. Rur in Schutzgebieten kam wieder Material bei nachgebenden Kursen heraus. Von Ausländem waren Mexikaner bevorzugt. Auch im Verlaufe trat keine Belebung ein. Die Kurse waren gegen Anfang ganz unverändert. Am Kunstseidemarkt tarn jedoch bei Abschwächungen bis zu 2 Proz. etwas Material heraus. Am Geldmarkt für Tagesgeld mit 5 Proz. unverändert. Am Devisenmarkt lag der Dollar schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1829, gegen Pfund 20,3770, gegen Paris 123,8050, London gegen Kabel 4,8760, gegen Mailand 93,00. gegen Madrid 43,65, gegen Schweiz 25,0650, gegen Holland 12,0920. Berliner Börse. Berlin, 4. Aug. Rachdem man im heutigen Vornnttagsverkehr trotz der herrschenden Geschäftslosigkeit und geringen Unternehmungslust der Spekulation glaubte, daß die heutige Börse im Anschluß an die beruhigenden letzten Meldungen des Auslandes etwas freundlichere Tendenz zeigen werde, sah man sich zu Beginn der Börse in Liesen Hoffnungen wieder einmal enttäuscht. Es fehlte an besonderen Anregungen. Auch das vorhandene kleine Kaufinteresse des Rheinlandes genügte nicht, um nennenswerte Kursveränderungen hervorzurufen. Die Umsatz- tätigkeit schrumpfte auf ein Minimum zusammen, und selbst für die sonst bevorzugten Werte kam nur ganz vereinzelt eine Erstnotiz zustande. Kleine Steigerungen bis zu 2 Prozent hatten u. a. Karstadt, Polyphon, Schlesische Zement, AG. für Verkehrswesen und Chemische Heyden. Anderseits waren Allgemeine Lokal und Kraft, Reichsbank, Harpener und Mansfeld, sowie Dynamit Robel ungefähr in demselben Ausmaße gedrückt. Darüber hinaus waren Deutsche Linoleum um 3,5 Prozent rückgängig. Ausländer lagen eher freundlicher. In Reubesitzanleihe war bas Geschäft etwa lebhafter. Von Ausländern zeigten Mexikaner uneinheitliche Kurse. Die übrigen Papiere dieses Marktes lagen etwa behauptet. Der Pfandbriefmarkt lag ruhig und nicht ganz einheitlich. Der Geldmarkt war nach dem Ultimo weiter etwas leichter. Tagesgeld 4,5 bis 6,5 Prozent: Monatsgeld 4,25 bis 5,5 Prozent, Warenwechsel -3,75 Prozent. Auch nach den ersten Kursen lag dte Börse fast g e s ch a f t s l o s. Einzelne Papiere^ Mußten sich, hauptsächlich auf Grund der geringen Umsatztätigkeit, weitere Abschläge gefallen lassen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.M., 4. Aug. Am Produktenmarkt trat auch heute wegen des sehr geringen Angebotes und der sehr schlechten Witterungsverhältnisse, wovon anscheinend die Ernte weiteren Rachteil erleiden dürfte, keine Belebung ein. Die Händler übten weiter Zurückhaltung: gegenüber den letzten Rotierungen waren die Preise im allgemeinen gut gehalten. Rur Futtermittel waren etwas angeboten und Roggenkleie gab bis zu 0,50 Mark nach. Das Mehlgeschäft war nach wie vor schleppend; auch hier waren die Preise unverändert. Es wurden notiert (die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilogramm): Weizen 270 bis 272,50, Roggen, neue Ernte, 172,50, Hafer, neue Ernte 185, alte Ernte 175, Weizenmehl, südd. Spezial 0 43,50 bis 44,25, Roggenmehl 27 bis 28. Weizenkleie 8, Roggenkleie 8, Erbsen 28 bis 40, Linsen 36 bis 75, Heu 6, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 3,50, gebündelt 3 bis 3,20, Treber, getrocknet 10 bis 11 Mk. Tendenz ruhig. Frankfurter Schlckchtviehmarkt. Frankfurt a. M., 4. Aug. Auftrieb: 1406 Rinder darunter 382 Ochsen, 131 Bullen, 497 Kühe, 355 Färsen, ferner 411 Kälber, 50 Schafe und 4883 Schweine. Es wurden notiert: Rind er: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 58 bis 61 Mk., (ältere) 54 bis 57, sonstige vollfleischige (jüngere) 50 bis 53; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 54 bis 58, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 49 bis 53; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 47 bis 50, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 43 bis 43, fleischige 39 bis 42, gering genährte 32 bis 38; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): voll- fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 60 bis 62, vollfleischige 56 bis 59, fleischige 50 bis 55. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 75 bis 79, mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 74, geringe Kälber 63 bis 69. — Schweine: voll- fleischige Schweine von etwa 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 69 bis 71, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 68 bis 70 Mk. — Marktverlauf: Rinder rege, zum Schluß abflauend, nahezu ausverkauft. Schweine schleppend, Ueberstand. Kälber und Schafe ruhig, geräumt. Frankfurter Eiermarkt. Marktlage: Die Tendenz war weiterhin sehr fest, und die Preise erfuhren erneut zum Teil eine Steigerung. Das Geschäft war aber im allgemeinen nicht umfangreich, da die Kaufkraft durch die verschlechterte Arbeitsmarktlage weiter zurückgegangen ist. Aber auch die Ferienzeit trug zur Verminderung des Absatzes Bei. Das Angebot in Auslandeiern war ziemlich reichlich, aber die hohen Offerten von dieser Seite wurden nur schwer bewilligt. Vor allem waren die hohen Forderungen des Auslandes an der Verteuerung der deutschen Eier schuld. Es notierten in Pf. das Stück: Bulgaren 8,50 bis 8,75; Jugoslawen 8,50 bis 8,75; Rumänen 8 bis 8,25; Polen 6,50 bis 7; Holländer 9 bis 12; Dänen 9,50 bis 12; Belgier 10,20 bis 10,40; Schlesier 8,50 bis 9; Bayern 8,25 bis 8,75; Rvrddeutsche 9 bis 10. Auslandeier unverzollt ab Grenzstation, Inland- eier ab Station. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Sranffun a. 2B. Lerltn Schluß- furü 1-Uhr« flurd Schluß« furd Anfang- flurd Datum 1. 8 4- 8. 1. 8. 4. 8. 6% fceuuate vuiajüameiqe von 1927 ......... 7% Deutsche Reichrcmleihe von 1929 .......... Deutsche Anl..W!ös,-Schuld mii Auslos.-Rechten....... Deigl. ohne AuSlol.-Rechte . . 8% Hell. VolMaat von 1929 lrüchahlb. 102%)...... Oberhellen Provinz • Anleihe mb Allslol.-Rechten...... Deutlche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 8% Franks. Hyv.-Bank Goldpse XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hqp.-Bank Goldpse unkündbar bi; 1932 ..... 8=2 W-F z=- Ä-tz. M s- s -8^ Z c "Z 1 g*-E N -s Zs £■§"2 E o cu S t£> z rrsrs’LL L -EL G B <=o-K.6'co^:e, ° — _.* 2 c:§ c w c c'S?"'€' «; 5 H *—._*£ iL 5- — — I— t- ,r. u q ■& «o *> S.L-8 ta“”“ E.2 9 = E to E E - 8H 2 © ^5 «A rez So e G'e’sip c? E - p cv K 5 E a£ 6 s cy- N L © C o> .«8 c. 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Mi; !»-- E—Z E ® E 53 E - M: 5 8-t p=. rpL Up 5 t?.i gC ~Gjd sz -Lzz G^—o K t«7 »= 3 = zz .?5v9^4 Co? v£«t7 G e*° go-C E«§u Z7K gal^SE s -4< Zs1^ Z u 3 o Än?nQr enj. "Di«?: w e fei» Mi 1 V 8yj "*.SU Ä“> iSL .rt* ’nc^ar!t (aa WtaiaSI Ä mWten sich gen Umsatz. 1 lassen, örse. .Produkten. LiSx ?k Eiteren bun9 rin. Die LfMAr W m all. 'Wittel toaren c gab bis biar nach ^j» Preise un- « Preise der« für die übti« VeiM 2Z0 bis 0, Hafer, neue Senniehl, südd. rehl 27 bis 28, fen 28 bis 40, und Roggen« t 3 bis 3,20, Tendenz ruhig. martt. Auftrieb:' . 131 Men, .1 Äälbtx, 50 mrben notiert: , ausgemastete. .8 bis 61 M, fchige (jüngere) , vollsleischige, , sonstige doll« is 53; Kühe: chlachtwcrts 47 t ousgmäslcte lering genährte ngrinderf; voll« ichlachtwerts 60 ischige 50 biS 55. Saugkälber 75 älber 70 bis 74, meine: bot!' >is 300 Pfund Schweine von 18 70 M. - 3=5>ss xlxt '§e®p§ G^s; L-u? g .u =Je Zt uZ = t“? jg m 3 •" GS 7 iiP F«G Z'ZZI F C «>± S^u® LZsL *&e« 3 * ßn" " e eg v £:Z 5 E 25 “|Ö5G §L :g = o w — 4r? IBI - H ÜP5 vO® Etou"§ 2 ZZLe§ 3 o -»7 u 3-2 1'2 § V — <3.. > 3 L-UZ 11 tiS'= «1 -*■® ss'S»«■ = “e SS^LeZ.-U^-x Z^SZ°SZsSIZ 2 G-IöZ kO c=a * * 3 -E -“ U Ä * AG-Ä oc M G3 cs E -8 ’S S 8 w C B w o y* ” r" ~ *- m jQ » m c 1p P skPZGps°z sp §«P P^e| -L ® 3^ -ö-iö G -<, e ÄCuEu o v * m siBsQQc» «-Z. L. : PpE-E e t Z Z u~epE,iiBo.E v 4,£ ° ®u s= x e 2? ßZiyjaSäSro zz Z ZZ ® ec C jj 5 'S B ** 3 e . 2-DlsU »at _Z«-Z E 3§e S Z 3Z_~ °t = p2®S^Z®ä! s.5ksI^S=de| Siffig ^LLLs^r-» c j E - s g«»<^g|iy s Z. = Z fi L S c - £ v-y*- - D Z cep E. 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