Dienstag, 4. März 1930 180. Jahrgang Nr. 53 Erstes Blatt (Er|d)etnt töglid),auhei Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Neichspiennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. ZernsorechanschlUsfe unterSammeInummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme oan Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Reklameanzeigen von 70 ii m Breite 35 Rerchspfennig, Platzvorschrist 20° , mehr. Ehesredakteur Dr Friedr Wilh Lange. DerantwoNlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für öett Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gieszen GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vrilck und Verlag: vrühl'fche Univerfitäls-Vuch- und SleindruÄerei R. Lange in Stehen. Schriftleitllng und Seschäftzftelle: Zchulftrahe r. Zeitungsschau. 3m ungdeutschen" beschäftigt sich Kurt ^astenaci in seiner innenpolitischen Umschau u. a. auch mit der Reformarbeit des Lutherbundes und schreibt: „Aus Anlah der Jahrestagung des Erneuerungs- Hundes hat der Reichskanzler a. D. Dr. Luther vor Gästen und Pressevertretern einen Vortrag gehalten, in dem er aus die einzelnen Reformfragen einging. Dieser Vortrag kann Anlaß zu einer Kritik sein und soll es wohl auch. Dr. Luther hat dabei einen Vergleich gewählt, der auch vom kritischen Standpunkt aus aufgegriffen und weitergeführt werden kann. Luther meint, daß ein Tuchfabrikant sich nicht allein daraus beschränken kann, gute Wolle und gute Muster zu seiner Fabrikation anzuwenden, sondern daß er auch dafür sorgen muß, daß seine Webstühle richtig konstruiert sind. Ein veralteter oder falsch konstruierter Webstuhl sei nicht imstande, die erforderliche Ware herzustellen, und die Beibehaltung eines solchen Webstuhls sei trotz verständlicher traditioneller und seelischer Beweggründe unangebracht. Luther meint nun, daß der Webstuhl, in diesem Fall das Reich, in seiner Konstruktion veraltet und falsch sei. Da hat er zweifellos recht, aber es kommt nicht nur darauf an, daß der Webstuhl, in diesem Fall das Reich, richtig konstruiert ist, sondern es kommt auch darauf an, daß zur Konstruktion das rechte M a t e r i a l b e n u tz t wird. Konstruiert man einen Webstuhl an sich richtig, aber aus Holz und Pappe, so wird dies Material die Beanspruchung nicht aushalten, und der Webftuhl wird zu Bruch gehen Man muß schon Eisen und Stahl wählen, wenn man die Maschine dauerhaft konstruieren will An diese Frage scheint der Erneuerungsbund noch nicht herangegangen zu sein, denn man hörte bei den Ausführungen des Reichskanzlers Luther nichts über die notwendige Reform des Partei- wesens und die damit zusammenhängende R e - form des Wahlrechts. Die Parteien von heute sind das Material, das zur Konstruktion der Staatsmaschine bisher verwendet worden ist. Dieses Material hat sich als ungeeignet erwiesen. Es muß also ersetzt werden, und wenn der Erneucrungsbund wirklich vorwärts kommen will, so kann er an dieser Frage nicht Vorbeigehen. Die Tatsache, daß der Grundfehler in der heutigen Staatskonstruktion und in der heutigen Regierungsführung i n d e r unorganischen materialistisch - interessenmäßigen 'Art der heutigen Parteien liegt, hat sich an den Vorgängen der letzten Tage im Reich wie in Preußen immer wieder gezeigt. Hier ist also der Hebel anzusetzen, wenn man wirklich zu Reformen kommen will. Eine wirkliche F i n a n z r e f o r m ist durch die Parteien bis her unmöglich gemacht Eine Reform des Verhältnisses zwischen Preußen und dem Reich ist in der Länderkonferenz an den Parteien und der mit ihnen verbundenen hohen Bureaukratie, gescheitert, die ihren Rückhalt nicht aufgeben wollen, den sie an den heutigen Ländern haben. Eine Neugliederung des Reiches überhaupt wird ebenso wie eine Verwaltungsreform und eine Finanzreform erst dann möglich fein, wenn eine Umordnung und Neugruppierung und eine grundsätzliche innere A e n d e r u n g i m Parteiwesen vor sich gegangen ist. Dies zu erstreben, ist also die Hauptaufgabe, vor der jeder Politiker in Deutschland steht. Wer sie erkennt, ist auf dem richtigen Wege. Wer sie nicht erkennt, kann so gute Theorien und sachlich so berechtigte Vorschläge haben, wie er will, er wird keinen entscheidenden Schritt zu einer wirklichen Reform, sei es auf welchem Gebiete auch, voran tun können" In den „Leipziger N e u e st e n Nachrichten" heißt es in einer Betrachtung zur Sage: „Die Liebe des Zentrums zur S o z i oldem okratie ist alt. Man hat nicht umsonst „Schulter an Schulter" gegen die beiden bedeutendsten Kanzler des Kaiserreiches gestanden, gegen Bismarck und Bülow. Als der Krieg feine kritische Wendung bekam, im Sommer 1917, glitt dos Zentrum im Reich wieder zur Sozialdemokratie hinüber, während es in Preußen der Konservativen, Partei wacker dabei half, die rechtzeit ge Durchführung der Wahlreform zu verhindern Auch das war ein Liebesdienst, der die kommende Herrschaft der Sozialdemokratie vorbereiten half! Wie denn auch jetzt das Doppelspiel in Preußen und im Reich gar neckisch im Gange ist. Die Sozialdemokratie verhalf dem Zentrum in Preußen zum Konkordat. Dafür bewilligte das Zentrum der Sozialdemokratie den K u l t ü s m i n i st e r Rechtzeitig ließ die Sozialdemokratie den Innenminister Grzefinfki in der Versenkung verschwinden, der binnen kurzem für das Zentrum „untragbar" geworden wäre: dafür hilft wieder das Zentrum der Sozialdemokratie, die üblen Folgen ihres Finanzbolschewismus im' Reiche zu decken. Es klappt wunderbar: ,Hand wird nur von. Hand gewaschen: wenn du nehmen willst, so gib!" Zentrum und Sozialdemokratie sind sich im Reiche längst einig darüber, die organische Finanzreform, die Moldenhauer ursprünglich anstrebte, zu sabotieren. Zentrum und Sozialdemokratie wünschen, daß die enge Verbindung, die zwischen dem Reichshaushalt und der Reichsanstalt für Arbeitslosenver sicherung besteht, unter allen Umständen erhalten bleibe, christliche Gewerkschaften und sozialistische Gewerkschaften bestehen einmütig darauf. Die große Säugpumpe muß jederzeit bereitstehen, um die allgemeinen Steuergelder ins große Faß der Danaiben hinüberzupumpen! Vorerst aber ist das Faß infolge anderthalbjähriger Bewirtschaftung der Reichsfinanzen durch einen Exponenten ber„totenHalid" w ünsche örr Städte an das Reichs- sinanzministerium. Berlin, 3. März. Die Spitzenorganisation der größeren deutschen Gemeinden, der Deutsche Städte tag, ist in der letzten Zeit wiederholt im Reichsfinanzministerium vorstellig geworden, um eine Klärung der bisher unklaren Berhältnisse hinsichtlich der G r u n d e r w c r b s st e u e r der „toten Hand" zu erzielen. Es ist ihm aber bis jetzt nicht gelungen, eine Regelung im Sinne der Städte zu erzielen, die Bemühungen sollen jedoch fortgesetzt werden, nachdem vor allem die Stadt Berlin den Reichsfinanzminster um Erfüllung ihrer Wünsche eindringlichst gebeten hat. Durch eine gesetzliche Regelung vom Dezember 1928 ist die Erhebung der Grunderwerbsstcuer von der sogenannten „toten Hand", die zum erstenmal am 1. Januar 1929 fällig war, bis zum 1. Januar 1931 ausgesetzt worden. Die Kommunen müssen also auf diese ihnen zu- stehende Steuerquelle verzichten. Dabei kommen aber relativ hohe 'Summen in Frage, und da die Finanzen der Kommunen in hohem Maße notleidend sind, werden sie zur Ausnutzung der letzten nur iraendwie verfügbaren Steuerquellen gezwungen. Auch der Reichsrat hat gegenüber den Wünschen der Kommunen ein gewisses Entgegen- lommen gezeigt, indem er die Reichsregierung geboten hat, die endgültige Regelung möglichst noch vor dem Ende des laufenden Haushaltsjahres zu bestimmen, damit die Gemeinden bei der Aufstellung des kommenden Etats einen klaren Ueberblick über ihre Steuerquellen gewinnen können. Oer $all Siefert in Weimar Weimar, 3. März. (WTB.) Der Oberstudiendirektor S i e f e r t ist durch Verfügung des thüringischen Volksbildungsministeriums in seine Rechte als Direktor des Wilhelm-Ernst- Gymnasiums in Weimar wiederern gesetzt worden. Das von ihm selbst beantragte Dis- Prinz Karneval am Rhein. Von Liesbet Dill. 'Rachdruck verboten. Winddurchfegte Straßen, in denen man schon in der Frühe des Februarsonntags kleine Rotkäppchen aus den Türen kommen sieht, verfolgt von Bauernjungens in blauen Blusen, weißer Zipfelmütze, die Schweinsblase am Stock schwingend. Kleine Rokokodamen, die in ihren ausgeschnittenen, geblümten Kleidern zu frieren scheinen, trippeln auf rosa Stöckelschuhen einher mit gepuderten Locken und Schönheitspflästerchen. Vergnügte Clowns, weißgeschminkt, mit rotem Wund und schwarzen Pompons auf den weißen, luftigen Anzügen, fahren. Lieder singend, durch die Straßen; in den Häusern duftet es nach Pfannkuchen und Kreppeln. Nachmittags um zwei Uhr ordnet sich der Fastnachtszug. Wochenlang vorher fanden die Rarrensihungen der Vereine stakt, die alle Aamen tragen, z. B. „M'r sin nit so" oder „Wir wollen's mal ris- Zieren" usw., und in denen „der Redner auf der Bütt" eine große Rolle spielt. 3m ersten Wagen sitzt die Prinzessin Karneval auf ihrem Thron, lächelnd, dick, geschminkt, mit Fächer und Federhut. Ratürlich steckt ein Herr unter der Maske. Dann folgt der Zug Musikkapellen, die plakatgeschmückten Wagen — allerlei aktuelle städtische uird politische Zustände werden karikiert, die Steuerbehörde hergenommen, die Stadtväter, nebenher trottet die Jugend, johlend, das Heer von Schornsteinfegern, Engeln, Tirolern, Elsässer- Bauernmädchen, Teufeln uird Dominos, singend, lochend, kreischend. Heute ist Fastnacht! Musik und Maskengewühl, alle Fenster sind beseht Bunte Serpentinschlangen fliegen durch die Luft, Konfetti regnet auf die Köpfe der Zuschauer.' Abends beginnen die Maskenbälle, die Redouten, und die Köchin näht sich bis Mitternacht Karten auf das rote Kleid. Sie geht als Zigeunerin oder Polln mit Schwanenpelz am Samtkleid Fastnacht am Rhein, an der Saar, der Mosel - überall das gleiche Treiben, dieselbe überschäumende Lustigkeit, dieselben Masken, dieselben Scherze, derselbe Humor, der nie versiegt bei einem, der mit Rheinwasser getauft ist. 3n dieser Luft sind die Rheinländer ausgewachsen. Mit zwei Jahren schon wird ihnen zu Fastnacht die Rarrenkappe aufgefeht: den Mädchen die Rotkäppchenhaube, den Buben die Bauernmütze oder der Mama eine Krone aus Goldpapier, und der Flachsbart für den Vater hängt das ganze Jahr im Schrank, wie sein ziplinarversahren nimmt jedoch seinen Fortgang. Amerika wird ungeduldig. Ein Appell an die Z-lottcnkonferenz. R e u y o r k. 2. März. (Reuter). Heute wurde an die amerikanische Delegation in London telegraphisch ein Aufruf gesandt, die Seerüstungen nicht nur zu begrenzen, sondern zu vermindern. Der Ausruf ist von 12 000 hervorragenden Persönlichkeiten unterzeichnet, darunter den Präsidenten von mehr als 200 der größten Universitäten und Hochschulen, den Gouverneuren von acht Staaten und einer Anzahl bekannter Geschäftsleute und Geistlicher. Der Aufruf ist ein Echo der wenig optimistisch lautenden Meldung von der Londoner Konferenz. Die Unterschriften wurden innerhalb 72 Stunden gesammelt. In einer von London durch Funkspruch nach Amerika übertragenen Rede äußerte gestern der ameritanische Marineminister Adams: Die Vereinigten Staaten wünschen eine Flotte, die nicht größer ist, als es die nationale Sicherheit erfordert. Wenn der Rüstungswettbewerb in Kreuzern, Zerstörern und Unterseebooten andauern würde, dann würde es zweifellos eine ständig zunehmende Zahl von unangenehmen Zwischenfällen geben, und unsere Flotte würde unter dem Einfluß krampfhafter Gereiztheit aufgebaut werden. Die Moskauer Gemeinde gegen den Metropoliten Sergius. Protest geizen die sowjetfreundliche Erklärung des orthodoxen stirchenfürftcn. Berlin, 4. März. (TU.) In einer Moskauer Kirche kam es zu Ausschreitungen der Gemeinde gegen den Metropoli - t en Sergius, der bekanntlich kürzlich in Erklärungen der in- und ausländischen Presse die Sowjets gegen den Vorwurf christenfeindlichen Vorgehens verteidigt hat. Als der Metropolit vor dem Altar trat, um die Messe zu lesen, fing die Menge an zu pfeifen und den Geistlichen mit Rufen wie „Verräter". „Judas". „F e i g l i n g" zu überschütten. Der Lärm war so groß, daß Sergius nicht mehr zelebrieren konnte und. um seine tobende Gemeinde zu beschwichtigen. mitten unter sie trat. Aber die erregten Gläubigen zerrten ihn an seinen Gewändern. bespülten ihn und versuchten, das Patriarchenkreuz von seiner Brust zu reißen. Sergius blieb nichts anderes übrig, als d i e K i r ch e S u verlassen. Ein Gottesdienst in einer anderen Kirche, den der Metropolit abhalten wollte, wurde von der Gemeinde boykottiert. Das neue französische Kabinett. Keine Endlösung. Herr Tardieu hat also wirklich sein Wort wahrgemacht und in verhältnismäßig kurzer Zeit ein Kabinett auf die Deine gestellt. Aber sehr viel Freude wird er an dem gelungenen Werk nicht empfinden. Was er zustande gebracht hat, ist bestenfalls ein Verlegenheitsministerium, er hat die Krise überkleistert, aber nicht gelöst. And auch dieser Rotbehelf ist nur zustande gekommen, indem er neue Ministerien schuf, nur um einzelne Aeverläufer zum Zwecke des Stimmenfangs nach links hin unterbringen zu können. So hat er ein Kabinett von 34 Mitgliedern, selbst für Frankreich, wo man an derartige Scherze gewöhnt ist, eine ungewöhnliche Zahl. Wenn er damit vor die Kammer tritt, kann er zunächst wahrscheinlich auf eine kleine Mehrheit rechnen. Aber die große Frage war doch, ob es ihm gelang, seinen Frieden mit den Radikalsozialen zu machen, und das ist ihm trotz alles Liebeswerbens mißglückt. Richt ohne eigene Schuld. Er hat patriotische Töne angeschlagen, hat den Präsidenten der Re- publik höchst persönlich mobil gemacht, um den Radikalsozialisten den Ernst der Lage innen- wie außenpolitisch klar zu machen und ihnen einen Waffenstillstand vorgeschlagen. Das Angebot sah nicht einmal schlecht aus. Er wollte ihnen vier wichtige Ministerien anvertrauen, wollte sich auch mit der Rolle eines geschäftsführenden Ministeriums begnügen, das zurück- treten sollte, sobald die brennendsten politischen Fragen gelöst seien. Chautemps und Daladier haben aber abgelehnt, mit dem Erfolge, daß Herr Tardieu öffentlich ihre nationale Verantwortungslosigkeit beklagte. Das ist doch Schauspielerei. Denn schließlich hat Herr Tardieu acht Tage vorher Chautemps gegenüber d a s g l e i ch e getan. Auch Chautemps wollte ein Konzentrationskabinett bilden, das ihm Tardieu zielbewußt kaputt geschlagen hat; nur weil er f e I b ft dec Mann sein wollte, der über den toten Punkt hinweghalf, um dann, wenn erst einmal die Tagesfragen bereinigt waren, wieder der gegebene Anwärter für ein Dauerministerium zu sein. Daß die Radikalsozialen keine Neigung verspürten, ihm zu dieser Rolle zu verhelfen, kann man ihnen eigentlich nicht übel nehmen. Sie haben zwar den Waffenstillstand bewilligen wollen, aber nicht Herrn Tardieu, sondern einem anderen Ministerpräsidenten. der dann ruhig Herrn Tardieu in sein Kabinett nehmen konnte. Aber gerade das wollte der ehrgeizige Tardieu nicht, so ist es im wesentlichen seine Schuld, wenn eine vernünftige Lösung nicht zustande kam. Er kann sich sogar bei Herrn Briand dafür bedanken, daß er überhaupt sein Kabinett bilden konnte, bei demselben Briand, den er bisher zielbewußt ausschaltete, der aus dem Haag sogar wütend abreiste, weil Tardieu ihn ganz an die Wand quetschte. Auch Frankreich kommt also aus den Krisen nicht heraus. Tardieus stärkste Stühe ist eine gewisse Krisenmüdigkeit des Parlaments und der Oesfentlichleit. Aber die erbitterte Feindschaft einer Minderheit von mindestens 250 Stimmen ist ihm sicher, und dagegen anzuregieren mit einer Mehrheit von vielleicht 30 Stimmen, die bei den lockeren französischen Fraktionsverhältnissen von Tag zu Tag umschlagen kann, dieses Kunststück wird selbst Herr Tardieu auf die Dauer nicht fertig bringen. TardMs Regierungsprogramm or dem Kampf mit der Kammer. Paris, 3. Mär;. (WTV ) Ministerpräsident Tardieu wird morgen einem Kabinettsrat die am Mittwoch zu verlesende Regierungserklärung unterbreiten, die sich im wesentlichen auf den Grundsätzen aufbauen wird, die in feinem Angebot für den Abschluß eines Burgfriedens enthalten waren. 3m übrigen gedenkt Tardieu seinem Ministerium einen im wesentlichen wirtschaftlichen und finanzielle^ Charakter zu geben. Zu diesem Zweck werde er sich bemühen, nicht nur ein Programm der Steuerermäßigung durchzu- sühren, sondern auch eine völlige Abänderung des Steuersystems in Angriff zu nehmen. Das Finanzministerium dürfe nicht mehr eine verschanzte Festung sein; es müsse ein Organismus fein, der in enger Fühlungnahme mit den übrigen Ministerien arbeitet. Die französische Abordnung für die Londoner Flottenkonferen; wird Paris voraussichtlich am Donnerstag verlassen. Tardieu selbst wird wahrscheinlich er st 48 Stunden später abreisen und nur wenige Tage in London bleiben. Tardieu scheint sich darüber klar geworden Pelz ... Einmal im Jahre Narr sein! Der Rheinländer muß es. Und wie er vergnügt ist, wie sich seine Fastnacht äußert, das macht man ihm nicht nach, weder in München, wo der Humor derber, brutaler, und Karneval äußerlicher verläuft; und erst recht nicht in Berlin, wo der Witz schärfer, beißender ist. Der Rheinländer verletzt nicht; er wird in seinem Scherz nie persönlich, er machk sich über alles gern lustig, vor allem aber auch gern über sich selbst. Der rheinische Fasching ist leichter, eleganter, selbstverständlicher als der Karneval im übrigen Deutschland; er ist ein natürliches Kind rheinische Luft, während er nach Süddeutschland nur künstlich verpflanzt ist. Der Süddeutsche ist steifer, zurückhaltender, schwerblütiger als der Rheinländer, der eigentlich nichts ganz ernst nimmt, nicht einmal sich selbst, unb der deshalb so fleißig arbeitet, um sich Mittel zu einem Leben ZU verschaffen, das ihm „Spaß macht". Ob etwas „Spaß" macht oder nicht, ist ausschlaggebend .. . 3n Süddeutschland spielt Fastnacht kaum eine Rolle. Cs gab in Städten, wie Karlsruhe, Stuttgart, wohl Maskenbälle und Maskenumzüge, Maskensitzungen, aber ihre Gründer und Leiter sind fast immer Rheinländer, der Süddeutsch: sieht lächelnd dein bunten Trubel zu ... Münchens Karneval ist künstlerischer, die Kostüm: origineller, die Ausschmückungen des Saales, das Drum und Dran, das äußere Bild, der Rahmen des Karnevals ist hier wichtiger. Fasching in München ist ein Erlebnis — aber . .. zu Hause ist Fastnacht nur am Rhein. Wann entstand Karneval, wann wurde er geboren? Genau weih man es nicht. Er ist schon uralt. Er kommt schon im Mittelalter bor. Auf alten Kupferstichen sieht man die Rarren und Rärrinnen miteinander in den engen Gassen tanzen. Vom 6. Januar, dem Fest der Heiligen Drei Könige, das durch einen Ball gefeiert wurde, beginnt die vierzigtägige Fastenzeit und dauert bis zum Aschermittwoch, wo ..zur Erweckung der Buße" den Katholiken Aschentreu;e aus die Stirn gezeichnet werden von Priesterhand. Die rheinischen Damen gehen vom Ball in bie Messe; das hängt eng zusammen: Karneval und Beichte. Es geschahen auch üble Dinge unter der Maske an Fastnacht: Morde und Totschlag im Gedränge. Ich erinnere mich einer großen Gerichtsverhandlung in meiner saarländischen Heimat, wo ein Nebenbuhler dem Mann seiner Geliebten Fastnachtdienstag um Mitternacht auf lauerte und ihn niederschlug, und eines rätselhaften Mordes an einem Offizier, geschehen zu Metz, wo der Mörder im Maskentrubel unerkannt entkam. Fastnacht lebt in den Herzen der Rheinländer wie das Weihnachtsfest. Wie jeder Deutsche feinen Lannenbaum haben muß. so will der Rheinländer sich Fastnacht maskieren und amüsieren. Fastnacht in den Garnisonen, wie Metz und Trier, war berühmt. Dort waren die Deutschen zusammengeströmt aus allen Gauen, und in die Grenzgarnisonen, die Kasernen, in jedes Kasino 3?g Fastnacht ein, wenn der Februar zu Ende ging. Durch die beschneiten, kalten Straßen rasselten die Krümperwagen mit vermummten Gestalten, die Kasinos waren erleuchtet, es regnete Konfetti, es wurde musiziert und getanzt, die Drehorgeln klangen auf der Straße, die Pferde trugen Blumen am Ohr und die Hunde kleine Narrenkappen und Hütchen. An den Höfen ist Karneval nie recht heimisch geworden; denn er verträgt keinen Zwang, keine Halseisen und keine Zeremonien, keine spanische Etikette. Die kahlen Bäume der Alleen in Mainz und Wiesbaden waren buntbestreut mit Konfetti. Straßen, Bahnen, die Regenschirme, alles war von weißem Papierregen übergossen; üon den Resten wehten grüne und rote Papierschlangen, alle Lokale waren buntbestreut, die Köpfe der Kellner waren von Papierschlangen umzingelt, das Konfetti flog wie Schnee durch die Lust überrieselte die Köpfe der Männer und die Busen der Damen, man tanzte in knöcheltiefem, papiere- nem Schnee, und in den nebligen Gassen priesen bie kleinen Jtalienerknaben ihre Ware singend an: „Konfetti, Konfetti, schön, süß und billig!“ Am grauen Morgen, wenn die Straßenkehrer eben mit ihren Besen tarnen und die weißgekleideten Däckerjungen die Brötchen austrugen, fuhren die Schlitten mit den Rkasken heim. Es gab Leute, die Karneval durchfeierten, die fünfmal am Abend ihr Kostüm wechselten; sie schliefen in ihren Dominos, lebten nur auf, um sich au schminken, zu maskieren und weiterzutanzen. Man rechnete am Rhein: Das Kind kommt nach Fastnacht zur Schule, meine Schwester heiratet noch vor Fastnacht, wir ziehen in der Fastnachtwoche um. Für Rorddeutschland hat der Fasching fast keine Bedeutung. Die Kostümbälle finden ohne Larven statt; man stellt sich vor, man ist korrekt, vernünftig, steif und zeremoniös. Der Rheinländer aber zieht mit seinem Fastnacht- Neid einen anderen Menschen an, den lustigen Narren mit der klirrenden Kappe, der losen Pritsche. Er feiert Karneval von Sonntagabend bis Mittwoch nach Fastnacht, dem Aschermitt- zu fein, daß er durch längere Abwesenheit von der Hauptstadt zum Schaden feines Kabinetts den Kontakt mit der Kammer verlieren würde. Er erklärte, daß er sich in Zukunft darauf beschränken werde, wöchentlich einen ober zwei Tage am verhckndlungstifch in London zu verbringen. Auf Grund der Lage sieht der „Watin" voraus, baß die erste Begegnung zwischen der neuen Regierung unb der Kammer z u einem heftigen Zusammenprall führen werde. Im Lager der Opposition werde man nicht verfehlen, die Ernüchterung gewisser Persönlichkeiten auszunützen, um eine große Anstrengung zu unternehmen. Der mögliche Ausgleich sei eben nicht geschaffen worben. Mehr als je sei man auf Kampf eingestellt und die Sozialisten kündigten bereits die Absicht an, gegen Briand Stellung zu nehmen, der bisher eine Persönlichkeit gewesen sei, die außerhalb der Kontroverse stand. Es sei jedoch sicher, daß das Kabinett Tardieu am Mittwoch in der Kammer eine ausreichende Mehrheit erhalten werde, um nützliche Arbeit leisten zu können. - Daladiers La Re- publique sieht Schwierigkeiten für das Kabinett Tardieu deshalb voraus, weil Briand nur zögernd unb ohne Begeisterung seine Zustimmung. in das Kabinett einzutreten, gegeben habe. Das Thermometer stehe eben auf Kampf. Die Radikalen würden einen höflichen, aber entschlossenen Kampf gegen die 34 Exzellenzen des neuen Kabinetts führen. — Kampf lautet selbstverständlich auch die Parole des Führers der Sozialisten Leon Blum, die dieser heute im „Populaire' ausgibt. Diejenigen, so schreibt er, die gestern das Kabinett Chautemps gestürzt haben, lediglich' aus dem Grunde, weil es die Unterstützung der sozialistischen Stimmen gefunden hat, haben deutlich gezeigt, was sie morgen, wenn sie an der Regierung sind, zu unternehmen gedenken. Es geht eben zum Kamps. Wir sind dazu bereit. Er macht uns keine Angst. Wir haben schon andere Kämpfe durchgefochten. Aus aller Welt. Schwere Lleherschwemmungs» katastrophe in Süd-Frankreich. Paris, 4. März. (WTB. Funkspruch.) Süd- westfrantreich, und zwar das Departement Tarn et Garonne mit der Stadt Montauban ist von einer schweren Überschwemmungskatastrophe heimgeiucht worden, die auch noch weiter nach Osten in das Flußgebiet des Aube unb der Garonne über gegriffen hat. Die Ueberschwem- mung des Tarn hat außerordentliche Ausmaße angenommen. Die Stadt Montauban ist von allen Seiten von jedem Verkehr a b - geschnitten. In mehreren Stadtvierteln sind Häuser ein gestürzt. Etwa 10 Soldaten, die bei den Rektungs- und Bergungsarbeiten init- gewirkt haben, fehlten beim Appell. Zeugen wollen gesehen haben, wie zwei von ihnen bei den Rettungsarbeiten ertranken. Die.Stadt Montauban hat zur Zeit weder Trink wasser, noch Gas, noch elektrischenStro in. Ein Rettungsboot zerschellte an einer Mauer, einer der Insassen ertrank. Infolge der krillschen Lage sollen die Behörden sogar eine vorläufige Aussetzung der Rettungsarbeiten angeordnet haben, um nicht weitere Menschenleben aufs Spiel zu sehen. Ein Automobil ist. als es eine Brücke in der Nähe von Montauban passierte, infolge des plötzlichen Einsturzes der Brücke Don den Fluten verschlungen worden. Auch die bei Toulouse gelegene Ortschaft Dillemur am Tarn ist außerordentlich schwer heimgesucht worden. Sie ist ebenfalls vollkommen vom Verkehr abgeschnitten. 600 Arbeiter sitzen in einer Fabrik, die überschwemmt ist, fest. Aus den Straßen in der Nähe von Toulouse steht das Wasser teilweise bis zu fünf Meter hoch. Zwei Hängebrücken find weggeschwemmt worden. Die Regengüsse halten an und bic Flut steigt weiter. Zahlreiche Häuser sind bereits ein- gestürzt. Um 11 Uhr nachts war die telephonische woch. Mit diesem Tage erlischt die rheinische Geselligkeit. In der Bußezeit bis Ostern tanzt man nicht mehr und feiert man keine Feste. Fastnacht ist volkstümlich in Italien und am Rhein. Das Herz des Karnevals ist Köln. Hochschulnackrichten. ' Die Ernennung des ordentlichen Professors D. Emil B a 11 a von der ünioerfität Leipzig zum ordentlichen Professor für Altes Testament an der Universität Marburg als Nachfolger von Professor G. Hölscher ist erfolgt. - Der durch den Weggang von Professor Franz Beyerle an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl des deutschen bürgerlichen Rechts ist dem außerordentlichen Professor Dr. Erich Molitor in Leipzig angeboten worden. Zur Wiederbesehung des an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf erledigten Lehrstuhls der Pharmakologie ist ein Rus an Professor Dr. Fritz Külz, Direktor des Pharmakologischen Instituts in Kiel ergangen. Der durch den Rücktritt des Geh. Rats David Hilbert an der Göttinger Universität erledigte Lehrstuhl der Mathematik ist Professor Dr. Hermann Weyl in Zürich angeboten worden. Der Göttinger Professor Lic. theoL Otto Piper hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der systematischen Theologie in der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Münster als Nachfolger von Professor K. Barth erhalten. Zwei erledigte Ordinariate der Pharmakologie sollen wieder besetzt werden. Der durch die Emeritierung von Pros. A. Gürber au der Qli a r - bürget Universität erledigte pharmakologische Lehrstuhl ist Professor Dr. Fritz Külz in Kiel angeboten worden, während zur Wiederbesehung des durch den Weggang von Prof. W. Heubner an der Medizinischen Akademie in Düsse l- b o r f sreigewordenen Lehrstuhls der Pharmakologie ein Ruf an Pros. Dr. Adolf Jarisch m Innsbruck ergangen ist. — Der durch den Weggang von Pros. R. Harder an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der klassischen Philologie ist Professor Dr. Paul Maas in Berlin angeboten worden. — Dem ordentlichen Professor Dr. Friedrich K l i n g n c r in H a m bürg ist ein Lehrstuhl für klassische Philologie in Leipzig angeboten worden. — An ber Technischen Hochschule in Dar in st a d t ist der Privatdozent für Psychotechnik Dr -Jng. Erwin Brainesfetd zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor ernannt worden. Alb' ' Perso^ sonn« Sette.1” geftut weiterb Tarngcr uins ■ „Scho/ reit» 3 dch dirc' Sie . Seilt g raun' irny0" »l/itdU 1 MlM 055 öild Sic i° unb 'Rn finger iXren fa men di bcigcfvJ; bereits Senil" unb zto bet tix erheblich bic '""ags 9,3 G a Indizienbeweis nicht angenommen werden, und abenbs 2,2 ®rab am „2!°^24 es erfolgte Freisprechung. —1,1 Grad. Maximum 10,4 Grad Minimum —2,4 I Grad — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. März abends 5,2 Grad, am 4. März morgens k^irUYlUllllllv» 12 Gr>id Celsius. — Sonnenscheindauer 8 Stunden. • Gießen, 28. Febr. Mehreren Pächtern von Grabstücken „An der Hohleich" war im vergangenen Herbst mehr als ein Zentner Meerrettich gestohlen worden. An dem folgenden Tage war einem Fcldschüh ein älterer Mann aufgefallen, der auf einem Handwagen etwa die gleiche Menge Meerrettich verdeckt mit sich führte und auf Befragen über die Herkunft des Meerrettichs ausweichende Antwort gab. Außerdem war auf einem Grabstück ein alter Hut gefunden worden, der von Rachbarn als dem betreffenden alten Mann gehörend erkannt wurde. Auch war dieser in der vorausgegangenen Rächt in der Altstadt von einer Polizeistreife mit einem Spaten angetroffen worden, den er, „weil er sich fürchte", mitgenommen haben wollte. Diese und sonstige Verdachtsmomente verschafften dem Amtsgericht Gießen die Lleberzeugung, daß er nur der Dieb fein konnte. Er wurde daher zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Auch das Berufungsgericht tarn jetzt zu dem gleichen Ergebnis und verwarf kostenfällig die von dem Angeklagten eingelegte Berufung. Mehrere junge Burschen waren der gemein» schaftlichenKörperverlehung eines anderen Burschen gleichen Alters angeklagt. Das wE jNordVSy” --------921. ~~=s Montad, 3. März. 1930,7* abflS AW~58551? Nachruf. Frau Lehrer Herber Saasen, den 4. März 1930. 1866D Die Beerdigung findet Donnerstag, 6. März, nachm. 2 Uhr, statt. Fra« Gretchen Sdileidi üeb. Wietner Mliges Tüchtige (Kienen Verkäuferin Haus 8x4 Ztmm^ flt. Gart. t.SÜdv billig iu verk. t Wohng. beziehbar. J. Baer, Ostanlage 89. & 8 im Alter von 62 Jahren. — Wir werden der Verstorbenen stets ein ehrenvolles Andenken bewahren. Am 3. März verschied sanft nach kurzem Leiden meine Hebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Die Beerdigung findet Donnerstag, den 6. März, mittags 1 Uhr, vom Sterbehaus Gießener Straße 39 aus statt. Am Montag, dem 3. März, mittags gegen 12 Uhr, verschied sanft nach langem Leiden unsere liebe, treue Vorsitzende Am 2. März, abends 7.30 Uhr, entschlief nach kurzem schweren Leiden meine Hebe Gattin und treusorgende Mutter mit Nebenraum Kreuzvlatz 1 zu vermieten. Näheres A. Becker, Kevler- strane 9 I. [18561 > wurde am Sonntag, dem 2. März, im nahezu vollendeten 75. Lebens- Jahre durch einen sanften Tod von ihrem langen Leiden erlöst. | Mietgesuche | Z - Zimmer-WWg. «auch beschlagnahme- frei) in Gienen oder in der nächsten Umgebung Gießens von Gendarmenwitwe mtt 2Kindern f. alsbald gesucht. Zahle auch Abstand. Schr. 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Eine außerordentlich stark besuchte Versammlung von Handwerkern und Gewerbetreibenden aus dem Kreise Gießen, die am Samstagnachmittag auf Einladung des Vezirksverbandes Gießen des Verbandes Hess. Handwerk und Gewerbe im Saale des Aquariums stattfand, beschäftigte sich mit der Steuer- und Wirt- s ch a s t s n o t, unter der Handwerk und Gewerbe in schlimmer Weise zu leiden haben. Die Versammlung war so stark besucht, daß der Saal nicht ausreichte und auch der Vorraum von den Besuchern in Anspruch genommen werden mußte. Vach den Begrüßungsworten des Versammlungsleiters, Schreinermeister Haubach, Vorsitzenden des Gießener Ortsgewerbevereins, hielt der Sieuersyndikus Or. Lindemann von der Hess. Handwerkskammer in Darmstadt einen etwa einstündigen Vortrag über die Steuer- und Wirtschaftsnot des Handwerks. Er wies einleitend darauf hin, daß in der letzten Zeit das Vertrauen weiter Devöl- kerungskreise zu unserer Staatsführung durch die ungliÄlichen Ereignisse auf dem Gebiete der Finanzpolitik stark erschüttert worden ist. Erleichterung der steuerlichen Lasten habe man immer versprochen, ein Erfolg nach dieser Richtung hin sei aber bisher nirgends festzustellen gewesen. Handwerk und Gewerbe hätten immer beanstandet, daß die Voranschläge zu optimistisch aufgestellt worden seien. Es sei notwendig, die öffentlichen Ausgaben auf ein Maß zurückzu- sühren, bas die Wirtschaft tragen könne, ohne zu verbluten. Handwerk und Gewerbe verlangten eine Lastenverteilung derart, daß sie nicht mehr zu tragen hätten, als ihnen gegenüber anderen Lrwerbs- ständen zukomme. Der Redncr'besprach hierauf die Vorgänge auf dem Gebiete der Finanz- und Steuerreform in den letzten Monaten und betonte hierbei besonders, daß auch aus der Minderung der Tributzahlungen nach dem Poungplan der Wirtschaft keinerlei Erleichterung erwachse, daß im Gegenteil aus der versprochenen Steuersenkung eine einseitige Steuererhöhung zu werden drohe. Er äußerte dabei u. a., daß "jetzt doch wohl ein Not- opfcr der Fe st besoldeten kommen und dieses auch im nächsten Jahre weiterbestehen werde. Der neue Reichshnushalt bringe leider für die Wirtschaft keine Erleichterung, da er die Ausgaben nicht senke. Das aber fei der Angelpunkt zur Herabsetzung der Steuern. Deshalb seien radikale Abstriche an den Ausgaben der öffentlichen Körperschaften notwendig. Forderungen an das Reich Der Redner betonte, das Handwerk müsse f e fitz a l t e n an dem vorgelegten Steuersenkungsprogramm. Hinsichtlich der E i n komme n st e u e r fordere das Handwerk und Gewerbe eine Auseinanderziehung der Einkommensgruppen bis zu 10 000 Mark, ferner Senkung des Tarifs, insbesondere des höchsten Tarifsatzes. Hiervon könne man ein Nachlassen der Kapitalflucht ins Ausland erwarten. Die Freigrenze müsse für Handwerk und Die blonde Sklavin. Vornan von Hermann Weick. 21 Fortsetzung Nachdruck verboten Wit einem Auct war der Fremde emporgefahren. Hektische Röte brannte aus seinen eingefallenen Wangen. Haß sprühte fühlbar aus ihm, als er nun schneidend hervorstieß: „Wenn Sie es denn unbedingt wissen müssen: Ich hasse Honnecker, wie man nur einen Menschen hassen kann! Am liebsten möchte ich ihn zugrunde richten: aber er ist zu mächtig! Man kommt nicht an ihn heran! Doch fchaden will ich ihm, wo ich es nur kann!" „Was hat Honnecker Ihnen getan?" fragte Schulhofs, von dem Haß, der ihm aus den Worten des Fremden entgegenwehte, seltsam gebannt. „Er hat mich zertreten, wie er schon manchen anderen Menschen zertreten und vernichtet hatl" „Und ich soll Ihnen nun zur Roche dienen? ... Wie denken Sie sich das?" Befehlend klang des anderen Stimme: „Sie müssen zu ihm gehen und chm auf den Kopf zusagen, daß Sie von seinen Machenschaften wissen! Es wird ihn aus dem Gleichgewicht bringen, wenn er sieht, daß sein klug angelegtes Retz doch nicht dicht gehalten hat! Er wird sich ärgern, toben.. Schulhofs trat einen Schritt zurück. Das Seltsame des Ansinnens, das der Fremde an ihn stellte, kam ihm jäh zum Bewußtsein. Er sollte zu Honnecker gehen, sich mit ihm herumstreiten, damit dieser geheimnisvoll tuende Mann da zur Befriedigung seiner Rache kam?... „Ich kann leider Ihrem Verlangen nicht entsprechen", sagte er kühl. „Warum nicht?" „Weil ich keine Lust habe, mich mit Herrn Honnecker auseinonderzusetzen! Es besteht im Augenblick auch keine Rotwendigkeit mehr dazu, da ich im Begriffe stehe, mich auf anderem Wege finanziell zu rangieren." In den Augen des Fremden flackerte die Wut der Enttäuschung. Er lachte schrill auf. „Sie meinen, Honnecker ließe Sie aus seinen Klauen?... Da kennen Sie ihn schlecht! Wenn er Sie kaputt machen will, helfen Ihnen alle Arrangements nichts!" Schulhofs zuckte mit den Schultern. „Dos bleibt abzuwarten!" Er sah auf die Ahr. Es war die höchste Zeit, zu Kommerzienrat' Horwitz zu fahren, wenn er ihn an diesem Morgen noch erreichen wollte. Höflich, aber bestimmt sagte er: „Ich danke Ihnen für Ihre Auskünfte, die mir sehr interessant waren. Aber mm müssen Sie Gewerbe genau so bestimmt werden wie für den Lohnempfänger. Auch dem selbständigen Handwerk und Gewerbe müsse ein Abzug für die Mitarbeit der Familienangehörigen in gleicher Weife zugestanden werden, wie jetzt schon der Landwirtschaft. Für Handwerker über 65 Jahre, die in der Arbeit nicht mehr so rasch vorwärts kommen können, müsse Einkommensteuererleichterung gewährt werden. Die Erträge der Schwarzarbeit müßten in jeder Höhe steuerlich erfaßt werden. Bei der Vermögenssteuer sei Befreiung bis zu einem Ge- famtvermögen von 20 000 Mark zu fordern. Eine Erhöhung der Umsatz st euer lehne das Handwerk und Gewerbe vollkommen ab, weil die Möglichkeit der Abwälzung dieser Steuer nicht gegeben sei und mithin Handwerk und Gewerbe hierdurch belastet würden. Die Umsatzsteuer müsse auf dem Satz von ) v. H. gehalten, auf keinen Fall dürfe sie erhöht werden. Bei der Reform der übrigen Steuern müsse das Handwerk aufpaffen, daß seine berechtigten Interessen nicht zu kurz kämen. Forderungen an das Land Hessen. Zunächst beschäftigte sich der Redner kurz mit dem Gutachten des Sparkommisfars und dem Sofortprogramm der hessischen Reyie- rung, wobei er u. a. betonte, daß eine Steuererleichterung wahrscheinlich auch bei einer Verschmelzung mit Preußen nicht zu erwarten sei. Wenn das Sofortprogramm Gesetz werde, müsse Handwerk und Gewerbe damit rechnen, daß 2 Millionen Mark weniger als Zuschüsse zu Wohnungsbauten zur Verfügung stünden. Wo bleibe die versprochene Steuersenkung, wenn man im Etat überall wieder höhere Ausgaben finde? Die Gewerbesteuer habe in einem Steuersystem, das den Gewinn besteuere, keinen Platz mehr. Die Gewerbesteuer müsse a b g e b a u t und eine andere Lastenverteilung getroffen werden. Gerechter als eine Gewerbesteuer sei eine allgemeine Berufs st euer. Nichts sei gerechter als daß die Gewerbesteuer verschwinde. Bei der G r u n d st e u e r sei eine Senkung uni 10 v. H., hälftig nach dem zu senkenden Betrag auf Haus- und Grundbesitz zu verteilen, anzustreben. Das Hauptrückgrat der Finanzen des Landes und der Gemeinden sei heute die Sonder- gebäudesteuer. Aufgabe des Handwerks und Gewerbes müsse es fein, grundsätzlich zu verlangen, daß die Sondergebäudesteuer und die Wohnungs- zwangswirtschaft aufgehoben würden. Wenn das auch nicht sofort gelinge, dann müßten wenigstens große. Erleichterungen bei dieser Steuer eingeführt und vor allem kleinere Gewerberäume bis zu einem Mietwert von 5000 Mark davon befreit werden. Die (üemeindefinanzeu. In den Stadträten müsse man den Mut zur Einfachheit, Rüchternheit und Ersparnis haben. Daraus müßten die handwerklichen Stadtratsmit- alieder scharf achten, und ihre Aufgabe sei es, das gewerbliche Interesse durchzudrücken. Wenn das geschehe, werde wohl manche Erleichterung für Handwerk und Gewerbe eintreten. Der Redner sprach sich weiter befürwortend über die Einführung eines Verwaltungskosten- beitrages in den Gemeinden aus, wodurch es möglich sein werde, alle Kreise der Einwohnerschaft zu den Lasten des kommunalen Gemeinwesens heranzuziehen und dadurch auch die Bewilligungsbereitschaft mancher Stadtrats- und Gemeinderatsmitglieder etwas einzu- dämmen. mich entschuldigen; ich werde bereits seit einer halben Stunde im Hotel Adlon erwartet." Der Fremde griff nach seinem Hut. „Sie werden noch an mich denken!" stieß er feindselig hervor. Er ging langsam zur Türe, dort wandte er sich nochmals zurück. Heimtückisch flimmerten seine Augen. „Etwas will ich Ihnen doch noch sagen... Es geht Honnecker gar nicht um Ihr Geld oder Ihr Geschäft... Sie selbst will er zur Strecke bringen .... weil er Sie wahnsinnig haßt!" ... Schulhofs fühlte sich von dem höhnischen Wesen des Mannes abgestoßen. „Ich kenne Herrn Honnecker gar nicht und wüßte nicht, inwiefern ich ihm Grund zum Haß gegeben hätte!" Die hageren Finger des Fremden zerknüllten den Hut, den er in der Hand hielt. „Erinnern Sie sich noch des Tages, als Sie mit seiner angeblichen Richte sich beim Zoologischen Garten getroffen haben und mit ihr dann im Auto weggefahren sind? Seit jenem Tage..." Er konnte nicht weitersprechen. Schulhofs war auf ihn zugestürzt. Seine Arme umklammerten die schmächtige Gestalt des Mannes. Als sei ein Blitz vor ihm niedergefahren, sah er alles klar. Honnecker, der Mann, der ihn geschäftlich zugrunde gerichtet hatte..., er war derselbe, in dessen Gewalt Eva sich befunden hatte... und jetzt wohl wieder befand... Weil er, Schulhofs, Eva seiner Macht entzogen hatte, versuchte der andere, ihn zu vernichten.. ihn, den Rivalen ... „Seine Richte?" ... stammelte er, gepeitscht von grenzenloser Erregung. Der Fremde stieß ein höhnisches Lachen aus. „Ich glaube nicht, daß es seine Richte ist! Er wäre sonst nicht so eifersüchtig!" In Schulhofs rasten die Gedanken. „Wissen Sie, wie die Dame heißt?" „Rein, ich kenne sie nur vom Sehen." Schulhofs eilte zum Schreibtisch und entnahm ihm eine Photographie, die er während der Ostsee-Tage von Eva gemacht hatte. „Ist dies die Dame?" Der Fremde warf einen Blick auf das Bild. „Ja!" Schulhofs hatte das Haupt gesenkt. Sein Atem keuchte. Seine Hände hatten sich geballt. Wut, Haß und Vergeltungswille lohten in ihm. Run kannte er den Feind, der ihm... und Eva so viel zu leid getan hatte! Run kannte er chn.. jetzt konnte er mit ihm kämpfen, der sich bisher so feige verborgen gehalten hatte! „Ich werde mit ihm abrechnen!" schrie er haßerfüllt. In dem Gesicht des Fremden zuckte jubelnder Triumph auf. Fanatisch hieb er Schulhofs die Worte entgegen: Am Schlüsse seiner Darlegungen hob der Redner mit Rachdruck hervor, wenn unsere Staatslenker Wert darauf legten, daß der Mittelstand wieder Vertrauen zu chnen haben sollte, dann müßten sie schleunigst zu einer großzügigen Ausgabensenkung zum Zwecke einer Lastenerleichterung schreiten. (Lebhafter Beifall.) Oie Aussprache. In der anschließenden Aussprache trat Schlossermeister Schmidt, Lich, nachdrücklich für ungesäumten engsten Zusammenschluß aller Handwerk- und Gewerbetreibenden ein, denn nur durch eine straffe und vollkommen geschlossene Organisation könne eine Besserung der Verhältnisse für Handwerk und Gewerbe erreicht werden. Die weiteren Diskussionsredner — Schlossermeister R a ch t i g a l l, Gießen, Feinmechanikermeister Ruhl, Klein- Linden, Syndikus Röhr, .Gießen, Schlosserober- meistcr K r a i l i n g, Gießen, Schreinermeister Lenz, Gießen u. a. — unterstrichen den Appell zur Einigkeit und zu geschlossenem Vorgehen, nur in der Frage, auf welchem Wege in der Organisationsform das erstrebte Ziel am besten zu erreichen sei, war man geteilter Meinung. Schließlich setzte sich der von Syndikus Röhr, Gießen unterbreitete Vorschlag durch, den bereits bestehenden Bezirksverband Gießen durch die Angliederung eines Ausschusses organisatorisch zu verstärken und in diesen Ausschuß Vertreter der einzelnen Ortsgewerbevereine zu entsenden. Diesem Aktionsausschuß soll dann die Führung bei dem Ringen um bessere Existenzbedingungen für Handwerk und Gewerbe obliegen. Steuersyndikus Dr. Lindemann hob in seinem Schlußwort mit Anerkennung hervor, daß die Vertretungen von Handwerk und Gewerbe bei dem hessischen Minister für Arbeit und Wirtschaft K o r c 11 stets nicht nur volles Verständnis, sondern auch weitmöglichste Anterstühung für ihre Wünsche gefunden hätten. Cs gebe wohl keinen Minister, der energischer und freudiger die Interessen des Handwerkes wahrnehme, als Minister K o r e l I. Handwerk und Gewerbe könnten sicher fein, daß er sich auch in Zukunft für sie einsehen werde. Erforderlich sei es aber, daß die Handwerk- und Gewerbetreibenden sich stärker als bisher innerhalb ihrer politischen Parteien bemerkbar machten, um auch die Kraft der Parteien für die Vertretung der Forderungen von Handwerk und Gewerbe stärker als bisher zu gewinnen. Schließlich unterbreitete der Redner die nachstehende, in unserem gestrigen Dorbericht bereits vermerkte Entschließung: „Mit Enttäuschung und Bitterkeit entnahmen Handwerk und Gewerbe den letzten Veröffentlichungen der Presse, daß die baldige Inkraftsetzung der von der Regierung versprochenen Steuersenkung in Frage gestellt ist. Indessen läßt die verzweifelte wirtschaftliche Situation in Handwerk und Gewerbe keinen weiteren Aufschub zu. Der Dezirksverband Gießen im Verbände des Hess. Handwerks und Gewerbes fordert daher mit allem Rachdruck die Verabschiedung der öffentlichen Haushalte in einer Form, die die umgehende Senkung der am meisten drückenden Gewerbe-, Einkommen - und Sonde r ft e u e r zuläßt." Die Versammlung erklärte sich einstimmig und ohne Aussprache für die Annahme dieser Entschließung. Rach einigen weiteren kurzen Meinungsäußerungen konnte der Vorsitzende bie Versammlung nach etwa IVsstündiger Dauer schließen. Stirnen, Sport und Spiel. Oeutsche Turuerschast und Schwimmverband. Im Hause der D. T. in Charlottenburg traten am Sonntag die technischen Vertreter des D. T. und des D. S. V. zusammen, um über die Angleichung der Wettkampfbestim- mungen zu beraten. Reben den bestehenden Verwaltungsausschuß wird noch ein aus je zwei Vertretern bestehender Fachausschuß treten, der alle fachlichen Angelegenheiten zu regeln hat. Es wurde vereinbart, daß die an einem Ort ansässigen Vereine beider Verbände zweimal im Jahre gemeinsame Veranstaltungen austragen dürfen. Ferner soll gemeinsam ein kreisoffenes Hallenschwimmfest veranstaltet werden. Außerdem wurde Anfrage- und Auskunftspflicht bei Verbandswechsel, gemeinsame Lehrgänge, Austausch von Lehrkräften und Kampfrichtern beschlossen. Internationale Fragen regelt der Fachausschuß. Bis zu dessen Anerkennung durch die Frna werden alle Verhandlungen durch den Schwimmverband geführt. Handball der Sp.-Vg. 1900. Oberrealschule Gießen — 1900 komb. 10:8 (5:3). ö. Das Rückspiel der Oberrealschüler gegen die 1900er am vorigen Sonntag gestaltete sich zu einem torreichen Treffen. Das 10:8-Refultat ist ein Beweis dafür, daß zwei tüchtige Stürmerreihen am Werk waren. Die Oberrealschule hatte ihre stärkste Mannschaft zur Stelle, die Spielvereinigung trat mit einer Kombination aus erster aktiven und ersten Jugend- mannschaft an, hatte aber nur neun Mann im Feld. Trotzdem hielten die Blauweißen das Spiel durchweg offen und vermochten die von den Schülern erzielten Vorsprünge immer wieder zu vermindern. Nicht zuletzt trug dazu die von den 1900ern gezeigte bessere taktische Spielweise bei, während die Aktionen der Oberrealschule sehr oft verzettelt waren. Es wurden eine Reihe schöner Tore von beiden Parteien erzielt. Bei dem Sieger erwies sich vor allem der Halblinke als Wurfkanone, von den Spiel- vereinigungsleuten wurden von deni Rechtsaußen und dem Mittelstürmer die Bälle schön verwandelt Handball in Londorf. Romrod I — Londorf I 0: 3. Romrod 1. Igd. — Londorf 1. Igd. 0:12. Das Spiel der ersten Mannschaften hatte den rechten Charakter eines Gesellschaftsspieles. Gleich zu Beginn des Spieles machte sich die größere und längere Spielerfahrenhett Londorfs bemerkbar. Londorfs Sturm drängte gleich vor das gegnerische Tor, und der Rechtsaußen schoß kurz entschlossen ein Tor. Romrods Angriffe scheiterten an der sicher spielenden Hintermannschaft und dem sehr guten Torwart. Die D. T.-Leute muhten sich noch zweimal durch schöne Schüsse des jugendlichen Ersatzmannes geschlagen bekennen. So endete das fair durchgeführte Spiel mit 3:0 für Londorf. Das Spiel Romrod II gegen Londorfs Jugend sah die Jugend immer in Front. Zwei Spieler Londorfs wurden herausgestellt. Die körperliche Aeberlegenheit Romrods glich Londorf durch seine technische Aeberlegenheit aus. 2m Verlauf des „Sie müssen mit ihm abrechnen!... Er ist ein Hund, der es nicht besser verdient, als daß man ihn zu Boden schlägt!" „Wo ist er zu treffen?" „Heute morgen kommt er nicht ins Bureau: ich bin davon unterrichtet. Suchen Sie ihn in seiner Villa in Grünewald auf!" Er nannte die Straße, in der Honneckers Haus sich befand. „Man wird Sie nicht einlassen wollen: aber Sie müssen sich den Eingang erzwingen!" Schulhofs nickte zustimmend. Alles in chm zitterte vor Gier, mit seinem Todfeind zusammen- zustoßen. Er dachte nicht mehr daran, daß Kommerzienrat Horwitz ihn erwartete. Keine Sekunde lang überlegte er, was n a ch dieser Auseinandersetzung mit Honnecker kommen würde. Er mußte den Kampf mit feinem Todfeind ausfechten! Für immer mußte er Eva feiner Gewalt entreißen! And wenn er ihn mit seinen Händen erwürgen müßte!... Ein Gedanke zuckte in ihm auf. Er holte aus seinem Schreibtisch einen Revolver und lud ihn. Als er aufsah, gewahrte er, daß der Fremde nicht mehr da war. Geräuschlos, ohne ein Wort des Abschieds, hatte er das Zimmer verlassen. XXI. Ein Diener öffnete das Tor. „Sie wünschen?" „Ich möchte Herrn Honnecker sprechen." „Wen darf ich melden?" „Ich werde meinen Ramen Herrn Honnecker selbst nennen." „Dann darf ich Sie nicht hereinlassen I" Rücksichtslos schob Schulhofs den Diener zur Seite und ging an ihm vorbei dem Hause zu. Der Diener rannte ihm nach und faßte ihn am Arme. „Was fällt Ihnen ein?“ rief er wütend. Mit einem Ruck hatte Schulhofs sich von dem Griffe frei gemacht. „Lassen Sie mich los, sonst schlage ich Sie nieder!" stieß er hervor. Er kannte sich selbst nicht mehr. Rur das eine wußte er: daß nichts ihn von seinem Ziele abhalten würde! And wenn er über Leichen gehen mühte...» er würde den Weg zu Honnecker finden! Er sprang die Treppe hinauf: nun stand er in der breiten, mächtigen Diele. Der Diener stellte sich vor ihn, um chn am Weitergehen zu hindern. Angst zitterte in seinem Gesicht. „Ich darf Sie nicht zu Herrn Honnecker lassen! Rur wenn Sie angemelbet sind!... Er ist in dem Punkt sehr streng..., ich kann meine Stellung verlieren.. Schulhofs achtete nicht auf sein Jammern. „Wo ist sein Zimmer?" rief er drohend. Verzweifelt suchte der Mann chn wieder zur Haustür zurückzudrängen: ein Dienstmädchen kam die Treppe herab und sah ratlos dem Ringen der beiden Männer zu. Run stießen fia krachend an einen Schrank... Da öffnete sich im Hintergrund des Ganges eine Tür. „Zum Donnerwetter, was ist denn das für ein Lärm!" schrie eine brutale Stimme. Dem Diener sanken die Arme nieder: Schuchoff. nicht mehr gehemmt, war mit ein paar Sähen bei Honnecker. Dieser trat bei seinem Erscheinen zurück. „Was suchen Sie hier?" fragte er zornbebend. „Ich muß Sie sprechen!" „Ich bin für Sie nicht zu sprechen!" gab Honnecker barsch zur Antwort und wollte die Tür wieder hinter sich schließen. Aber Schulhofs stieß sie auf, machte ein paar Schritte ins Zimmer hinein und blieb furchtlos stehen. „Sie irren sich, wenn Sie meinen, mich so leicht los zu werden!" Honnecker schwollen die Adern auf der Sti»"ie an. Es schien, als wolle er sich auf den Eindringling stürzen: drohend stand seine schwere, wuchtige Gestalt vor Felix Schulhofs. Aber dieser sah Honnecker gelassen entgegen. Er war auf das Aeußerste gefaßt. „Ich lasse Sie durch meine Leute hinauswer- fen, wenn Sie nicht sofort freiwillig gehen!" sagte Honnecker scharf. „Sparen Sie sich diese Mühe! Sie wäre ver- . geblich! Ich weiche nicht mehr von Ihren Fersen, bis ich mit Ihnen abgerechnet habe!" Die beiden Männer maßen sich mit den Blicken. Todfeindschaft loderte zwischen ihnen auf. Für einige Sekunden war es ganz stille. Man hörte nur das rasche, hastige Atmen der Beiden. „Run?" stieß Honnecker hervor. Schulhofs war plötzlich ganz nchig. „Sie haben versucht, mich geschäftlich zu ruinieren!" sagte er kalt. „ Aus dem Hinterhalt heraus haben Sie, wo es nur ging, gegen mich gearbeitet!" Sn Honneckers Augen zuckte etwas auf. Also dieser Sache wegen kam Schulhofs!... Er hatte gedacht, daß sein Besuch einen anderen Zweck verfolge. „Woher wollen Sie das wissen?" fragte et lauernd. »Das geht Sie nichts an! Die Hauptsache ist, daß ich seit heute Ihr Treiben kenne!" Honnecker lachte höhnisch. „Sie haben eine merkwürdige Art, geschäftliche Kämpfe zum Austrag zu bringen!" „Wenn es sich um einen anständige« Kampf handelte, würde ich nicht so vorgehen!" „Was fällt Ihnen ein!" brauste Honnecker auf. (Fortsetzung folgt) Spieles warf der Halbrechte neun, der Mittelläufer drei Tore. Die Jugend zeichnete sich durch gute Spielformen aus. Der Schiedsrichter leitete sehr gut. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau Am Sonntag spielte Beuerns zweite Mannschaft in AIbach das fällige Rückspiel. Das Spiel wurde von Anfang an von der Platzmannschaft sehr rauh durchgefichrt und stand bis Halbzeit 2:0 für Alboch. Kurz nach Halbzelt brach Beuern wegen des Verhaltens der Gegner ob. Das Spiel wurde von einem die Regeln schlecht kennenden Schiedsrichter ungenau geleitet. To. Launsbach — To. Burkhardsfelden 3:2 (1:1). Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zu einem Gesellschaftsspiel in Launsbach. Die Mannschaften nxiren gleichwertig. In der ersten Halbzeit war Launsbach leicht überlegen, während in der zweiten Halbzeit Burkhardsfelden gut aufkam und mächtig um den Sieg kämpfte. Burkhardsfelden konnte aber nicht verhindern, daß Launsbach noch zweimal einsandte. Arbeiter-Turn- und Gportbund Gießen Ib — Burkhardsfelden I 4:1. Burkhardsfelden stand am vorigen Sonntag auf dem Trieb der in neuer Aufstellung ei schienenen lb-Mannschaft Gießens im Freundschaftsspiel gegenüber. Burkhardsfelden stellte eine körperlich aut disponierte Elf, deren Spieleifer im gegebenen Moment nur noch etwas zaghaft ist. Der Spielbeginn brachte flottes, offenes Spiel, in dem Gießen durch Ber- schulden des Gästehüters bald in Führung gehen konnte. Trotz oller Anstrengung konnten die Gäste zu keinem Erfolge kommen, während Gießen bis Halbzeit das Resultat auf 3:0 stellte. Rach Seiten- wechsel kam Burkhardsfelden durch seinen Linksaußen zu seinem einzigen Tor. Nachdem Gießen das Resultat auf 4:1 stellte, wechselten die Gäste ihren Torhüter. Jetzt zeigte Burkhardsfelden eine wesentlich bessere Leistung, während Gießen sich trotz aller Anstrengung mit obigem Resultat zufrieden geben mußte. Vorher spielten die Jugendmannschaft der Gäste gegen die 2. Mannschaft der Platzbesitzer. Hier war das Kräfteverhältnis zu unterschiedlich, so daß es den jungen Gästen sehr schwer fiel, sich zu behaupten; sie mußten eine 10:0-Niederlage hinnehmen. Waldgirmes I — wieseck Ib 0:10. Waldgirmes hatte zum Rückspiel die Ib-Mann- schaft Wiesecks zu Gast. Auch in diesem Spiel bewiesen die Gäste, daß sie mit jedem Spiel ein reiferes Können entwickeln. Waldgirmes muhte sich trotz aller Anstrengungen gefallen lassen, daß der schuhfreudige Sturm der Gäste ihrem Torhüter zehnmal das Rachsehen gab. Handball Bezirksmannschast — Wieseck I 9:2. Auf dem Trieb standen sich diese Mannschaften in einem Propagandaspiel gegenüber. Wieseck, das aus feiner letzten Niederlage in Heuchelheim die Lehren gezogen hatte, entwickelte nach Spielbeginn erstaun- jichcn Spieleifer, der ihm auch bald das Führungstor brachte. Der Bezirksmannschaft gelang es erst nach geraumer Zeit, den Ausgleich AU erzielen. Kurz darauf ging Wieseck wieder in Führung, dem jedoch die Bezirksmannschaft bis Halbzeit Ausgleich und Führung entgegensetzte. Nach Seitenwechsel machte Wieseck einen abgekämpften Eindruck, während die Vereinigten immer mehr in Vorteil kamen, was durch mangelhafte Entscheidungen des Leiters wesentlich gefördert wurde. Bis Schluß hatte die Bezirksmannscyaft dann obiges Resultat hergestellt. Oberheffen. * Klein-Linden, 2. Mürz. Am Samstagabend trat der Turnverein Klein-Linden (D. T.) im Saale der Gastwirtschaft „Zur deutschen Eiche" mit einem Werbeabend in die Öffentlichkeit. Zum ersten Male seit Bestehen des Vereins wurde eine derartige Veranstaltung abgehalten, um die Bestrebungen und Ziele des Vereins den breiteren Massen unserer Bevölkerung vor Augen zu führen. Der dichtbesetzte Saal zeigte, dah bei unserer Einwohnerschaft der Turnfache großes Interesse ent» grgengebracht wird. Auch aus den benachbarten Brudervereinen waren Abordnungen mit recht stattlicher Beteiligung erschienen. Unter den Klängen des Eröffnungsmarsches „Frei weg!", von der Lollarer Feuerwehrkapelle gespielt, zog eine stattliche Schar von rund 80 Turnern, Turnerinnen, Schülern und Schülerinnen in den Saal ein, um auf der sehr geräumigen Bühne im Halbkreis Aufstellung zu nehmen. Frl. Ella Jung begrüßte mit einem gut vorgetragenen Dorspruch die Erschienenen. Sodann nahm stuck, theol. Morn eweg in sinniger Weise die Ehrung der 14 Gefallenen des Vereins vor, während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte. In feiner Begrüßungsansprache schilderte der zweite Vorsitzende Zweck und Ziele der Deutschen Turnerschaft, die namentlich darin bestehen, Gemeinschaft und deutsches Wesen zu pflegen und Körper und Geist auf vaterländischer Grundlage zu pflegen. Dann zeigten Schüler, Schülerinnen, Turner und Turnerinnen in flotter Reihenfolge in drei Stunden die ganze Vielseitigkeit des Betriebs eines modernen Turnvereins: vom Tanzreigen, Bodenturnen, Keulenschwingen, Freiübungen, Körperschulen zu den Geräteübungen. Besondere Beachtung fand die erstmalig auftretendc Altersriege mit ihren Barrenübungen. Redakteur Schneider, Butzbach, der Gauvertreter des Gaues Hessen, überbrachte Grüße und Glückwünsche des Gaues zu den vorzüglichen Leistungen des Vereins. Sein „Gut Heil!" galt dem Turnverein K'ein-Linden, dem er ein weiteres Aufstreben wünschte. Ein gut gespieltes Theaterstück mit Gesang und Tanz zeigte noch'einmal die Bestrebungen der Turnvereine. Um die Ausgestaltung und glatte Durchführung des Abends hatten sich in uneigennütziger Weise der erste Turnwart Ernst Pfaff und der Fraueniurnwark Fritz Morneweg besonders verdient gemacht. Sämtliche rhythmische Uebungen wurden von Lehrer Roth in vortrefflicher Weise am Klavier begleitet. Erwähnt seien noch die trefflichen musikalischen Darbietungen der Lollarer Feuerwehrkapelle unter Leitung ihres Kapellmeisters Deines. Der T. D. Klein-Linden kann mit Genugtuung auf seinen ersten Werbeabend zurückblicken, der der Turnsache sicher viele neue Freunde gewonnen hat. y Cid), 3. März. Heute wurde der seit Jahren eingeführte sog. Fastnachtsmarkt abgehalten. Zum Auftrieb gelangten 323 Ferkel und 26 Schafe. Im Hinblick auf die vorgeschrittene Jahreszeit hatten sich zahlreiche Käufer einge- fanden. Gleich zu Beginn des Auftriebs setzte flotter Handel ein. Innerhalb weniger Stunden war der gesamte Ferkelmarkt ausverkauft. Es wurden bezahlt für Ferkel bis zu 6 Wochen alt 35 bis 42 Mk.. 6 bis 8 Wochen alte 46 bis 48 Mk., und 8 bis 13 Wochen alte bis zu 55 Mk. je Stück. Der Umsatz im Schafauftrieb war befriedigend. 0 Holzheim, 1. März. Schreinermeister und Landwirt Wilhelm Jäger V. und seine Ehefrau Marie, geborene Jung, waren in diesen Tagen 5 0 Jahre verheiratet. Der Jubilar ist 77, seine Frau 74 Jahre alt. Beide besorgen ihre Hausund Feldarbeit noch ohne Hilfe. Wirtfchast. Oie Arbeiismarktlage in Hessen und Hessen-Nassau. Ueber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Rassau berichtet das Landesarbeitsamt Frankfurt a. M.: Die rückläufige B e w e - gung auf dem Arbeitsmarkt ist auch in der vergangenen Woche noch nicht zum Stillstand gekommen. In den Arbeitsamtsbezirken Hanau, Hersfeld, Mainz, Offenbach und Wiesbaden ist die Zahl der Arbeitsuchenden etwas gefallen, in den übrigen 13 Bezirken hat sie jedoch weiter zugenommen. Infolgedessen war ein Steigen der Arbeitsuchendenzahl um 1 300 auf rund 230 800 zu verzeichnen. Eine leichte Entspannung wiesen einzelne Teilarbeitsmärkte auf, und zwar der des Metallgewerbes (durch die Aufnahmefähigkeit der Autoindustrie), der der Lederindustrie und der des Bekleidungsgewerbes. Die Landwirtschaft nimmt nur zögernd Einstellungen vor. Den Einstellungen in der Steinindustrie stehen Stillegungen und Entlassungen gegenüber, so daß auch von dieser Seite keine Stützung des Marktes eingetreten ist. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosen- und Krisen- unterstühung stieg um 1700 auf rund 148 000. Leicht angespannter HeichSbank-Mimo. Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 28. Februar hat sich in der Ultimowoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 613,1 Mill, auf 2381,6 Mill. Mk. erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Reichsschatzwechseln um 48,1 Mill, auf 48,2 Mill. Mark, die Bestände an Handelswechseln und Schecks uni 296,4 Mill, auf 1960,8 Mill. Mk. und die Lombardbestände um 268,6 Mill, auf 323,3 Mill. Mk. zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 759,2 Mill. Mk. in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 717,8 Mill, auf 4722,4 Mill Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 41,4 Mill, auf 365,3 Mill. Mk. erhöht. Dementsprechend sind die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 18,2 Mill. Mark zurückgegangen. Die fremden Gelder zeigen mit 468,5 Mill. Mk. eine Abnahme um 147,3 Mill. Mk. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zusammen haben sich um 19,2 Mill, auf 2828,2 Mill. Mk. erhöht, und zwar haben die Goldbestände um 34,2 Mill, auf 2444,4 Mill. Mk. zugenommen, die Bestände an deckungsfähiaen Devisen um 15,0 Mill, auf 383,8 Mill. Mk. abgenommen. Die Deckung d e r Roten durch Gold allein betrug 51,8 gegen 60,2 Proz. in der Vorwoche, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen 59.9 gegen 70,1 Proz. Die günstige Verfassung der Lage des deutschen Geldmarktes hatte eigentlich nicht die Anspannung erwarten lassen, die der Ausweis der Reichsbank zum Februar-Ultimo aufzuweisen hat. Die Anspannung ist an sich nicht außergewöhnlich groß, aber wenn trotz der leichten Geldmarktlage ein nicht unerheblicher Rückgriff der Banken auf die Reichsbank erfolgt ist, so muh man von einem angespannten Reichsbankultimo sprechen. Die Zunahme des Lombardkontos um den Rekordbetrag von 268,6 Mill. Mk. geht über das zum Februar-Ultimo übliche Maß hinaus, sie beweist aber anderseits, daß die Geldmarttaussichten von den Banken günstig beurteilt werden, insofern als sie kurzfristige Dispositionen in Erwartung weiterer Zins- senkungen vorziehen. Hinzu kommt, daß die Banken auf diese Weise eine Zinsersparnis von zwei Tagen erzielen. Durch die Anspannung sind insgesamt 759 Mill. Mk. neue Zahlungsmittel in den Verkehr geflossen, und der Zahlungsmittelumlauf liegt mit etwa 27 Mill. Mk. über dem zum Ultimo Februar des Vorjahres, wobei zu berücksichtigen ist, daß er in der Vorwoche zum erstenmal in diesem Jahre unter der Vorjahrsziffer lag. Die Februaranspannung muh natürlich erst abgebaut werden, ehe die Reichsbank an eine für Anfang März erhoffte Diskont- ermähigung gehen kann. "Kündigungen i m R u h r g e b i e t. Die drohende Entlassung von 2000 Bergarbeitern auf den Zechen der Gute-Hoffnungs-Hütte in Oberhaufen ist zur Tatsache geworden. Wie die Verwaltung der Gute-Hoffnungs-Hütte laut „B. T." mitteilt, sind die Kündigungen zum 15. März ausgesprochen. Die 2000 Mann verteilen sich auf folgende Zechen: Zeche Osterfeld 600 Mann, Zeche Sterkrade 400 Mann, Zeche Hugo 300 Mann, Zeche Jacobi 400 Mann und Zeche Vou- dern 300 Mann. Wie die Gute-Hoffnungs-Hütte weiter mitteilt, ist es möglich, dah, wenn eine Absatzbesserung eintritt, ein Teil der Kündigungen rückgängig gemacht werden kann. * Süddeutsche Bodenkreditbank, München. Der Aufsichtsrat beschloß, der auf den 25. März einzuberufcnden G.-V. aus 1,141 (i. 23. 1,143) Millonen Mk. Reingewinn die Verteilung einer Dividende von wieder 10 v. H. vorzuschlagen. Der Umlauf an Goldpfandbriefen beträgt: 6-, 7- und 8proz. Gvldpfandbriefe 91,4 (Ende 1928 : 74,6) Mill. GM., 4)4proz. Liquidations-Goldpfandbriefe 85 (89) Millionen GM. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 4. März. Tendenz: zurückhaltend. — Im Dvrrnittagsverkehr mar die Tendenz im Anschluß an die freundliche Stimmung der gestrigen Abendbörse weiter zuversichtlich, zumal man heute mit weiteren Deckungen rechnen zu können glaubte. Auch wurde die innerpolitischc Situation etwas besser beurteilt, so daß im Zusammenhang mit der sich wieder am Geldmarkt bemerkbar machenden Entspannung, wodurch Hoffnungen auf Diskontermäßigung Nahrung fanden, einer regeren Geschäftstätigkeit nichts im Wege stand. Zu Beginn der osfizellen Börse trat jedoch wieder eine größere Lustlosigkeit in Erscheinung, da die Spekulation infolae des Ausbleibens jeglicher Aufträge sich sehr reserviert verhielt. Die Kulisse schritt an eingen Märkten wieder zu Positionslösungen, und die vorbörslichen höheren Kurse konnten nicht gehalten werden. Es ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse an einigen Märkten sogar Abschwächungen, die aber kein größeres Ausmaß aiinahmen. Hinsichtlich der Reichstagsdebatte, die heute nachmittag wieder aufgenommen wird, war man, je weiter die Zeit fortschritt, wieder pessimistischer, doch nahm man an, daß bald eine Einigung ohne Regierungskrise erzielt werden wird. Das Geschäft war zu den ersten Kursen sehr klein, und die Kurse waren meist, wie schon erwähnt, gehalten bzw. etwas abgeschwächt. Die uneinheitliche gestrige Neuyorker Börse konnte keine Anregung bieten. Am Elektromarkt eröffneten Siemens gehalten. Licht und Kraft büßten 1,5 v. H. ein, AEG lagen leicht gedrückt. Von Chemiewerten gaben J.-G.-Farben 0,75 v. H. nach. Sonst kamen hier Erstnotierungen nicht zustande. Gut behauptet lagen am Montan- markt Phönix, Mannesmann und Gelsenkirchen, während Buderus und Stahlverein je 0,5 v.H. ein-- büßten. Banken waren uneinheitlich veranlagt. Tietz minus 1 v. H. Kaliwerte gehalten, -schiffahrtsaktien weiter etwas anziehend. Einges Interesse bestand weiter für Bauunternehmungen. Von Lokalpavieren lagen Metallgesellschaft leicht abgeschwächt. Renten still. Deutsche Anleihen uneinheitlich. Bon Ausländern waren Bosnier gebessert. Im Verlaufe natjm infolge der Geschäftsstille und Orderlosigkeit die Verstimmung eher noch zu, die Kurse konnten sich nicht behaupten und mutzten allgemein etwas nachgeben, doch gingen die Verluste nicht über 1 v. H. hinaus Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld mit 6,5 v. H. etwas leichter. Am Devisenmarkt war Madrid weiter abgeschwächt. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1910, gegen Pfund 20,3675, London gegen Kabel 4,8595, gegen Mailand 92,77, gegen Paris 124,22, gegen Madrid 41,10, gegen Schweiz 25,1713, gegen Holland 12,1230. Berliner Börse. Berlin, 4. März. Vormittagsverkehr und Vorbörse lagen infolge der nocf> immer ungeklärten politischen Situation völlig g e • schäftslos. Die Spekulation übte stärkste Zurückhaltung, wenn man im Grunde auch ziemlich zuversichtlich gestimmt zu fein schien. Besonders erwartete man für den offiziellen Beginn das Eintreffen einiger Auslandorders und rechnete so mit behaupteten Anfcmgskursen. Aus der Wirtschaft lagen besondere Anregungen heute nicht vor. Zu den ersten Votierungen ergaben sich dann bei ganz minimalen Umsätzen vielfach Abschwächungen bis zu 1 v. H., denen aber auf der anderen Seite einige Gewinne, die sich jedoch nur zufällig ergaben, gegenüberstanden. Etwas stärker abgeschwächt eröffneten Chade- aktien, Deutsche Atlanten, Tietz, Rheinische Braunkohlen, bei denen sich die Verluste jedoch auch nicht über 2 v. H. hinaushoben. Oberbedarf verloren auf die Rachricht von der Einlegung von Feierschichten wegen der unbefriedigenden Eisengefchäfte 1,5 v. H. Freundlicher tendierten Deutsche Linoleum, Deutsche Kabel, Berger, Aku, Maschinenbauuntemehmungen, Ilse Bergbau und Konti-Gummi, die im gleichen Ausmaße ge- wcmnen. Deutsche Anleihen unverändert. Bon Ausländem Ungarn und 4 >(, prozentige Oesterreicher von 1914 fest; Anatolier nachgebend. Der Pfandbriefmarkt war uneinheitlich. Der Geld- niarft lag unverändert. Tagesgeld 7 bis 9 v. H., Monatsgeld 6,75 bis 8,50 v. H. Im Verlaufe wurde es, besonders wegen der aus London gemeldeten schwächeren Vorbörsenkurse, allgemein etwas nachgebend, die Verluste gingen jedoch in keinem Falle über 1 v. H. hinaus. Am Markte der Auslandwerte hielt sich das Interesse für Oesterreichische Staatsrente von 1914, die mit 43 v. H. nach 42 v. H. umgingen. Buntes Allerlei. Explosion einer geheimen Schnapsbrennerei. In Reading (Pennsylvanien) explodierte in einem dreistöckigen Hause eine geheime Schuaps- brennerei mit solcher Gewalt, daß das Gebäude, das einen halben Häuserblock einnimmt, völlig zerstört wurde. Zwei Personen finb getötet und sieben verletzt worden. Lin Grohherzog als Zeitungsverleger. Vor dem Amtsgericht Schwerin erfolgte die Zwangsversteigerung der 23erlagsfirma D i e t f ch & C o., Kommanditgesellschaft (Mecklenburger Nachrichten). Das Meistgebot wurde nach einer Meldung des Acht-Uhr-Abendblatts von dem früheren mecklenburg-schwerinschen Grotzherzog Friedrich Franz IV. mit 60 000 Mark abgegeben. Der Zuschlagstermin ist auf den 4. März festgesetzt. Oie hinter Frankfurt a. JJl. den Papieren Berlin Kurszettel l angeführten Ziffern geben )er Berliner die Höhe der zuletzt befchlo ftranffurt a. 201 1 Srrlln und Krankst [jenen Dividende an. — 9 irter Börse. keichsbankdiskont 6 v.H,, Lc Frankfurt a. Dl. | Berlin mibardzinsfuß 7 o. H. Banknoten._____ tedj.ug« furd l-Uhr« nurd Schluß-! fünf | Anfang» fiurd Schluß- lurd I-Uhr» ftutM Schluß^ für» I ■änfarg» Kur« «Schluß»! l'Uhr» furd | flurd Schluß» lurt Anfang» Kurs gtrlln, 3. Mär, Meld -oriei__ Ämerikanttchc Vieren..... Belgische Noten........ Dänische Noten........ Englische Noten........ 4.166 58,15 111.83 20.315 4,186 58.39 112.27 20,395 16.435 168,19 22,01 112,22 59,04 2,485 112.54 80.96 51,05 12,405 73.25 a. 2H. März e Notierung 1 Aries • ' - Datum 3.». 4. 3. 3. 3 4- 3 Saturn 3. 3. 4. 3. 3. 3. ! 4. 3 Datum 3. 3. 4. 3. 3. 3. 4. 3. 6% Xcutfdjc Rel4;kanleihe von 1927 ......... 7% Deutsche ReichSauIeihe von 1929 ......... Dcuilche Anl.-Ablöl.-Schuld mit Autlos.-Rechten ..... Dr»gt. ohne ÄuSlos^Rechte . . . 8% Hell. Dolksstaai von 1929 (rüdtablb. 102%)...... Oberbcifrn Provinz - Anleihe mit AuSIot.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 8% Frantz. Hvp.-Bank Goldpsc. XII! unkündbar bis 1934 . . . 7% ftranlf. Hyp.-Bauk Goldpse unkündbar bis 1932 .... 4'A% Rheinische HbP^Bank Liqu. Goldpse......... 8% Pr. Laudcrpsandbricfaitstall, Psandbrtese R. 17..... 8% Pr LaiideSpsandbriesanstalt, ftomm.-Dbl. R. 16...... 7% Pr. LaudespsandbriesanstaU, Psandbriese R. 10...... A.E.G. abfl. LorkriegS.Obligationen. rückzahlbar 1982 ..... 4% Ocslcrrclchllche Goldrenlc . . 4,20% Oesterreichische Silberrentc 4% Oesterreichische Einheitliche Rente ......... 4% Ungarische Goldrenlc . . . . 4% Ungarische 6taat#rcnte v. 1910 4%% deägl. von 1918 . . . . 4% Ungarische Aronenrente . . 4% Türkische Zollanlechc von 1911 4% Türkische Bagdadbabn-Anl Serie l ....... 4% deSgl. Serie N . - - - - • • 6% RumSnilche verein!,. Rente von 1903 . . - d’/s% Rumänische veretnh. Rente von 1913 .......... 4% Rumänische veretnh. Rente 87,25 97 86 49,25 48,5 .6,5 84,5 81,6 97 94,5 89 5,65 26,2 2,65 6,5 11,2 17,25 8,975 50,95 8,675 - 07.4 97,25 51 8,5 5.75 48,6 97 4 89 5,5 2,7 26.25 23.25 24,5 <.6 6.5 6,5 6,6 11,25 17,4 8,9 1 1 — r- I | i 1 | | 1 | | | 11 1 10 cö iii m cm Hamdurg-Ämerika Patel ... 7 Hamburg.Südam.Dampsschist - 8 Hansa Tampsjchiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine TcutscheCreditanst. 10 Barnier Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschglt - 12 Commerz- und Privat-Bank . 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Tcutsche Bank und TiSconto-GeseUschasl, . . . io Dresdner Bank ....... 10 Reichsbank........12 .................e Bergmann.........0 Elektr. LieferungSgesellschafi. 10 Licht und tzrasl......io gelten & Guilleaume ... 7% Gesellschaft für Elektrische Unternebmungen .... 10 Hamburger ElektrizltLtS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert L Co.......11 Siemens & HaUke.....16 Drantradio .........8 Lahmeyer LCo...... . io Buderus...... . • . . 6 Deutsche Erdöl ....... 6 Essener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener.......8 Harpcncr..........0 Hocsch Eisen. ...... 6 r Hile Bergbau.......io Söln-Neuessen......... ManneSmann-Rübrcn .... 7 Nlanisetder Bergbau.....7 Lberichlel.Sisenbcdars .... 5 Cberidilcl. «o««werke . .... 7 PbSnir Bergbau......G'/: Rheinische Braun kohlen . . 1* ................... Ricbeck Montan......7,2 105.75 107,25 121 129.5 186 156,5 236.5 149 150,25 166,25 ä 128 174,25 190.75 255,5 166 76 139 134 106,5 106,5 80,75 102,75 241 117,5 107.75 130 157 149,75 165,5 169,5 255_5 75,5 — — 106,5 102.75 105.25 147 107.25 121,13 129,5 185.5 156.5 236.4 148.9 150,25 289.25 166,25 164.75 171 128 174 143 169 190,5 256 130.25 165.5 76,5 103 139 134.75 110,25 248 106,5 108 107 106.5 79.5 101.75 103 241 117.65 105 13 168,75 107.25 121 13 130 185,5 157 236 149 149.75 288.75 165.75 169 128,5 172-5 132 168 190.75 255,9 — 76,75 203 140.5 138,25 134.6 110,5 249.5 106 108,13 106.6 106 78 101,75 103,4 | 117,5 Bereinigte Stahlwerke .... Ltavi Minen......16’/, Kaliwerke Aschersleben . . . io Kaliwerke Westeregeln ... io Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 I. G. Farben-Industrte... 12 Dynamit Nobel.......6 Scheideanstalt........0 Goldschmidt ....... 5 Rütgerswcrke ........ 6 MetailgeseNschast.......8 Philipp Holzmann......? Zementwerk Heidelberg . . 10 Eemcntwerk Karlstadt. ... 10 Wahst & Frei,tag......8 Schultheis Patzcuhoser ... 15 Ostwerkc.........12 Aku...........18 Bemberg.........H Zellstoss Waldhos .... 13’/. Zcllstoss Aschaffenburg ... 12 Ebnrlottenburgcr Wasser ... 8 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum .»•••■ Not. Automobil.......0 Crcnftein & Äoypel.....6 Leonhard Tietz......10 .................. Frankfurter Maschinen . . . . i .................® Heyligenstaedt .......o Lechwerke........ • • s Mainkrastwerke Höchst a. M.. - l’iiag ....... Aebr. Roeder.......I*1 Bcial» Haefsner...... Süddeutsche Zucker .... IC 96,5 213 216 362 166,25 146,75 70 77,5 108.5 126 141.5 84 108.5 160 210,5 39,5 246,5 158,5 36 41 40,5 106 107 130.5 118,5 218 158 | | | | | | | | | | 1 cn 1 1 1 Mu! 1 | | | | | | | | 1 tn 1 S 1 1 1 er 1 1 w 1 m 96,75 58.13 213.5 216,75 362.5 166,4 70 77.75 109,5 96,5 83,5 274 212 108 158 209.25 152 105,5 174,25 40 245,5 45,9 75,5 158.5 338 37 43 40,5 130 218 158,25 96,75 57,75 362.5 165.5 70,5 77 272 212 105,5 157,75 209,25 105,6 174 39,25 247,5 46,75 157 336,5 130 u-ranzonsche Holländische Italienische Norwegische Deutsch-Test Rumänische Schwedische Schweizer 'J Spanische 9 Tschechoslow Ungarische hevi '.voten...... Noten...... Noten...... Noten...... err ,3100 firoitcn Noten...... Noten...... ........... ........... okische Noten . . toten....... tnmartl Berlin 3. März Amtliche Notieruno Geld | Eric - q 67,51 21,93 11,78 58,80 2.465 12,10 30.64 50.85 12.345 72.95 rcmkfur 4. AmMck Geld .'ImfL-Rott. Buen.-Aires Brss.-Antm. Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helstngsors. Stallen. . . London. . . Ncuyork . . Paris.... Schweiz .. Spanten • . Japan . . . Rio de Jan. Wien in D- Ceft. abgeft Prag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon . T anzig. . . Konst litin. Athen. . . Sanaba llru uay. . Tatro . . . 167.83 1.576 58,30 111,95 112.03 112,39 10.527 21,935 20.346 4.1875 16.37 80,80 50.60 2,060 0.467 58,96 12,401 7.373 73.15 3,02 18.85 81,36 1.778 5.415 4.165 3.666 20.857 168.17 1,580 58,42 112,17 112,25 112,61 10,547 21,975 20.306 4.1955 16,41 80.96 50.70 2.064 0.469 59,08 12,421 7.387 73,29 3,03 18.89 81.52 1.782 5.425 4.173 3.674 20.897 167.81 1,578 58,315 111.94 111,99 112,33 10.528 21,93 20,344 4,187 16.37 80,82 49,10 2.065 0.470 58,96 12,40 7,373 73.16 . 3.027 18,83 81.34 1,778 5.415 4.167 3,676 20.863 168,15 1,582 58,435 112,16 111.21 112,55 10.548 21.97 20,384 4,195 16,41 80,92 49.20 2,069 0.472 59.08 12,42 7,387 73,30 3,033 18.87 81,50 1,782 5,425 4,175 3,684 20.905 o CQ Q> O) s G Ci u e n s O e o s o /a e •w 05 M O E S s s e S U /D L e Z> w ö »•* <« e 5 c o tttD O D E % CD O N«» N r» L L >Q o et e K £*-= 55« E g E Stic *»1 Ls o « e B4Z-Ä ts ES £ E g ZH^U 2 C (4) a x E er-xD E E® EA® =3 e e c S 5 ro N 2 9 e o E Bö 8 3 E.Ä XL G = = Bey ® = E E’-HE-Si E 19 E = H E 5 (915 =.(£) — «1 ®E-c g-S eto g-s Ö19 EZGZL?L «e 2 to N «to §4 =* °e 2» E -c i- o o o u, ä © 5’S cy 2 h- 5 B Q c.E 4l CK «P 0/ El V 05 Lffiä B .to .2 o 2 to e£® e a 2 B c cto 8 j E Q» o ” g to E xa C g\g m 3-2 JQ ZL E E 3 =!<% s cy = 2 o-- ® äS&StouSg c ss 2» g e o ®. 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