Nr. 285 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 3. Dezember 1930 Cr|d)ttnt «ügl'ch,miste, Sonntags und Feiertag» Beilagen: Dte Illustrierte Eiesten« FamilienblLttei tzennat tm Bild Die Schalle monats-Beiugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- Beinen einzelnerNummern folge höherer Gewalt. Hernfprechanschliisse anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiestea. Postscheckkonto: gro^ffnrlam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnick und Verlag: vrühl'sche UniverfiiätL'Vuch' und Stetnöruderei R. Lange in Stehen. Zchnftleitung und Geschäftrftelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plastvorschrist 20’,, mehr. Thefredakteur: Dr. Frtedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max FiUer, sämtlich in Gießen. Die Opposition beantragt Aushebung der Notverordnung. Die Teutfchnationalen fordern Einleitung der Revisionsverhandlungen. Berlin, 2.Dez. (DDF.) 3m Reichstag ist ein Antrag der nationalsozialistischen Fraktion eingegangen, in dem d i e sofortige Auherkraf tsetzung der Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung der Wirtschaft und Finanzen vom 1. Dezember 1930 verlangt wird. Ferner haben die Rationalsozialisten folgenden Antrag ein» gebracht: Alm die verfassungsmäßige Voraussetzung für die Wirksamkeit deS Reichskabinetts (Brüning zu schaffen und ihm die rechtsmäßige Grundlage seiner Existenz endlich zu sichern, spricht der Reichstag, indem er über alle sonstigen auf die gegenwärtige Reichsregierung bezug nehmenden Anträge, Erklärungen und Formeln zur Tagesordnung übergeht, dem Reichskabinett Dr.Brüning oaS Vertrauen aus. Die deutschnationale Reichstagsfraktion, die am Dienstagnachmittag ihre erste Sitzung nach der Parlamentspause abhielt, beschloß u. a. nachstehende Anträge beim Reichstage einzubringen: Die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 ist außer 5t r af t z u sehen. Die Reichsregierung wird beauftragt, unverzüglich durch amtliche Roten dem Tributmächten mitzuteilen, daß Deutschland die Revision des Versailler Vertrages und der auf ihm beruhenden Tributlasten verlangt. Alnverzüglich durch amtliche Roten allen Mächten zu eröffnen, daß das deutsche Volk das im Versailler Vertrage ihm abgepreßte Bekenntnis zur Schuld am Weltkriege förmlich widerruft. Der Christlich-Soziale Volksdienst. Vermutlich gegen Aufhebung der Notverordnung. Berlin, 2. Dez. (VDZ.) Die Reichstags» fraktion des Christlich-Sozialen Volks» dien st es erklärt: Wenn auch in der abgeänderten Fassung der Rotverordnung des Reichspräsidenten vom 3uli d. 3. nicht alle Forderungen des Christlich-Sozialen Dolksdienstes Berücksichtigung gefunden haben, so mutz doch anerkannt werden, datz bei der Festsetzung der Steuersätze der Bürger st euer, bei der Gestaltung der Bestimmungen über die Krankenschein- gebühr, und in dnderen Fällen der ursprünglichen Rotverordnung Verbesserungen vorgenommen worden sind, welche vor allem der minderbemittelten Bevölkerung und den wirtschaftlich Schwachen zugutekommen. Die Fraktion billigt deshalb die ablehnende Haltung ihres Vertreters im Haushaltsausschuh gegenüber den Anträgen auf Aushebung der Rotverordnung. — 3n parlamentarischen Kreisen wird angenommen, datz sich die Reichstagsabgeordneten des Christlich-Sozialen Volksdienstes dazu entschliehen werden, trotz verschiedener Bedenken auch die Aushebung der neuen Rotverordnung abzulehnen. Die Verzinsung der Austvertungshypotheken. Der Ncichsrat für den Rcgierungsantrag. Berlin, 2.Dez. Der Reichsral beschäftigte sich am Dienstag mit der Verordnung zur Durch- führuna des Gesetzes über die Fälligkeit und Verzinsung der Aufwertungshypo- theken. Die Negierung schlägt-für diese Hypotheken ab 1.Januar 1932 einen Zinssatz von IVi o.H. vor. 3m Reichsrat beantragte nun Preußen, den Zins nur mit sieben v.H. festzusetzen, da die Landwirtschaft 7% v. H. nicht ertragen könne und eine zu starke Erhöhung des Zinssatzes auch die Preissenkunasattion illusorisch machen würde. Der preußische Antrag wurde mit 39 gegen 27 Stimmen abgelehnt und die Verordnung in der Fassung der Regierungsvorlage genehmigt. Es kam dann noch zu einem Zwischenfall. Staatssekretär Weißmann- Preußen wies darauf hin, daß die Regierungen von Braunschweig und Thüringen ihre Vertreter instruiert hätten, für den Zinssatz von 1 % zu Kimmen, obwohl die Nationalsozialisten im Reichstag beantragt hätten, daß alle Leute, die einen Zins über 5 v. $). nähmen, wegen Wuchers bestraft werden sollten. Der braunschweigische Vertreter erwiderte, daß man die Entwicklung der Gründe seiner Regierung selbst überlassen müsse. Der thüringische -Vertreter bemerkte, es sei eigenartig, an der Stellungnahme einer Regierung deshalb Kritik zu üben, weil eine der in dieser Regierung vertretenen Parteien einen gewissen Standpunkt eingenommen habe. Vorläufig noch kein Rücktritt Bredts. Berlin, 2. Dez. (TU.) Reichsjusiizminister Bredt ist am Dienstag aus Marburg nach Berlin zurückgekehrt und hat bald nach seinem Eintreffen mit dem Reichskanzler eine längere Rücksprache gehabt. Eine Entscheidung über den angekündigten Rücktritt des Ministers ist in dieser Aussprache nicht gefallen. Prof Bredt, der eben erst von einer längeren Krankheit genesen ist, wird noch einen kurzen Urlaub antreten Nach seiner Rückkehr, mit der man für etwa Mitte nächster Woche rechnet, wird oann die Entscheidung darüber fallen, ob der Reichsjustizminister seine Absicht, aus DerAuswärtigeAusschußprotestierlgegendieAbrüstungssabotage Ein Antrag auf Abberufung der deutschen Vertreter aus der Genfer Abrüstungskommifsion wird angenommen. — Oberschlesien-Debatte im Auswärtigen Ausschuß. Berlin, 2. Dez. (DDZ.) Der Auswärtige 1 Ausschuß des Reichstags trat am Dienstag unter Vorsitz des Abg. Dr. Frick zusammen, um jsich mit der Unterdrückunader Deutschen in Polen und den von der Reichregierung hier- gegen zu unternehmenden Schritten zu beschäftigen. R e i ch s a u ß e n m i n i st e r Dr. Eurtius gab einen Uebcrblitf über diese Dinge, und es entwickelte sich eine lebhafte Aussprache. Die übliche Vertraulichkeit der Beratungen des Auswärtigen Ausschußes wurde diesmal besonders streng gehandhabt. Es ist zu scharfen Auseinandersetzungen im Ausschuß gekommen. Der Reichsaußenminister begründete, weshalb er nicht auf der Einberufung einer Sondertagung des Völkerbundsrates zur Behandlung des deutschen Protestes bestanden habe. Sein Streben gehe nun dahin, zu erreichen, daß die polnischen Auf - ständischen . Organisationen gänzlich a u f g e l ö st werden, damit die deutsche Minderheit in Polen endlich einmal Ruhe erhalte. Nach längerer Aussprache wurde zunächst ckine Entschließung der Deutschen Volkspartei, des Zentrums und der Bayerischen Dolkspartei, ergänzt durch Zusätze der Deutschnationalen, angenommen, in der es heißt: „Der Auswärtige Ausschuß gibt einmütig seiner Empörung Ausdruck über die Gewaltakte, die in Polen, insbesondere in Polnisch-Oberschlesien, aus Anlaß der letzten polnischen Wahlen unter Bruch von Recht und vertrag gegen d i e deutsche Minderheit verübt worden sind. Die Entziehungen und die Beschränkungen des Wahlrechts der Deutschen haben diesen die politische Gleichberechtigung geraubt, auf die sie nach Öen Minderheilsverträgen Anspruch haben. Die Terrorakte, unter denen einzelne Deutsche und ganze deutsche Ansiedlungen zu leiden halten, haben die Minderheit in ein Gefühl vollkommener Rechts - und Schutzlosigkeit verseht und einen Z u st a n d unerträglicher Bedrückung erzeugt. Der Auswärtige Ausschuß sieht diese Vorgänge um so ernster an, als sie nur ein Glied in der langen Selle von Vorkommnissen sind, die klar ein auf die Bedruckung, Verdrängung und Vernichtung der Minderheit gerichtetes polnisches System erkennen lassen. Der Ausschuß hält den Beweis für erbracht, daß eine solche offene Bedrückung nur mit stillschweigender Billigung und (Ermutigung seitens der polnischen Behörden möglich war. Der Auswärtige Ausschuß erwartet von der Reichsregierung, daß sie alle ihr zu Gebote stehenden Mittel benutzt, um zu erreichen, daß Polen gezwungen wird, von diesem Kurs Ab st and zu nehmen und der deutschen Minderheit den Genuß derjenigen Rechte zu gewährleisten, die ihr nach den Verträgen zu stehen. Er erwartet ferner, daß öle schuldigen polnischen Beamten beftraft werden, den geschädigten Minderheitsangehörigen eine angemessene Entschädigung für die erlittene Unbill verschafft und vor allem die Wiederholung solcher empörenden Vorgänge für die Zukunft unmöglich gemacht roitb.“ dem Amte auszuscheiden, aufrechterhält. 3n politischen Kreisen, die der Reichsregierung nahestehen, gibt man der Auffassung 'Ausdruck, daß angesichts der dann völlig veränderten Lage — bis dahin ist die Entscheidung über das Schicksal der Notverordnung gefallen —, für Bredt kein 21 n - 1 a ß mehr bestehe, seine Demission weiter aufrechtzuerhalten. Die Sicherheit Frankreichs. Tie Nachtragskredite von der Kammer bewilligt. Paris, 2. Dez. (WTB.) Die Kammer beriet die von der Regierung angefvrderten Rach - tragskredite für die nationale Verteidigung. Kriegsminister M a g i n o t erklärte, datz gewisse für die nationale Verteidigung in Frage kommende Bestände jetzt infolge der Feldzüge in Marokko und Syrien auf- gebraucht seien. Für das Material seien 125 Millionen Goldsranks im 3ahre 1914 angesetzt gewesen, während 1930 nur 310 Millionen Franks in Papier dafür zur Verfügung ständen. Heute handele es sich darum, das ganze Rüstungswesen zu modernisieren, um so mehr, als die Grenzdeckung nicht aus- reiche. Cs wäre unverantwortlich, wenn man aus Mangel an Krediten das Land dem Bewegungskrieg aussetzen liehe, der Frankreich 1914 so teuer zu stehen gekommen sei. Man habe die gebieterische Pflicht, die französische Armee, das heißt, die mobilisierte Ration, derart auszurüsten, daß sie im Falle eines Angriffs nicht gezwungen sei, den Kampf zu ungleichen Bedingungen aufzunehmen. Die einzelnen Truppeneinheiten mühten mit Appa- Angcnoinmen wurde auch eine nationalsozialistische Entschliehung, worin die Reichsregierung ersucht wird, die Ratifikation des deutsch-polnischen Liquidationsabkommens nicht zu vollziehen und alle Verhandlungen mit Polen zum Abschluh eines Handelsvertrages oD?r sonstiger Abkommen unverzüglich abzubrechen. Der Ausschuß stimmte auch einer Entschliehung der Landvolkpartei zu, worin die Reichsregierung ersucht wird, solange die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen zu suspendieren, bis dem Deutschen Reich von Polen in allen zur Zeit bestehenden Differenzen volle Genugtuung geworden ist. Schließlich nahm der Ausschuß eine nationalsozialistische Resolution an, worin die Reichsregierung ersucht wird, aufgrund der vom Vertreter der deutschen Republik selbst festgestellten Weigerung der Mehrzahl der Teilnehmer des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses, ihren Abrüslungsoerpslichtungen nachzukommen, d i e deutsche Vertretung aus Gens sosort zurückzuberusen und nur einen Beobachter dort zu belassen. Die nationalsozialistische Resolution wurde mit 13 Stimmen der Nationalsozialisten, Kommunisten, Ehristlich-Sozialen, Deulschnationalen und Landvolkpartei gegen 12 Stimmen der Sozialdemokraten, Zentrum, Deutsche Volkspartei und Bayerische Volkspartei bei Stimmenthaltung der Wirtschaftspartei angenommen. — Line Reihe anderer Anträge wurde abgelehnt, darunter ein Antrag auf Ausstellung eines Grenzschutzes gegen Polen aus 100 000 Erwerbslosen. Deutschland w rd in Gens niedergestimml. Oie Abrüstun skommissivn lehnt das Verbot schwerer Angriffswaffen ab. Noch immer kein Termin für die Einberufung der Abrüsiungskonferenz. Genf, 2.Dez. (TU.) Der Abrüstungsausschuß des Völkerbundes lehnte am Dienstag einen deutschen Antrag, der ein Kernstück der deutschen Abrüstungsforderungen darstellt, mit großer Stimmenmehrheit ab. Nach dem deutschen Antrag sollte in Kriegszeiten die Verwendung der nachfolgenden schweren A n g r i f f s w a f f e n gänzlich verboten werden: 1. Jegliche Arten von Tanks. 2. Möser und Minenwerfer über Kaliber 150 Millimeter. 3. Innerhalb von Festungen und befestigten Plätzen Geschütze über 150 Milli- meter. 4. Außerhalb von Festungen Geschütze über 77 Millimeter. Ferner sollten sich nach dem deut- schon Antrag die vertragschließenden Staaten verpflichten, das gesamte für diese Angriffswaffen verwendbare Kriegsmaterial zu vernichten sowie die Herstellung und die Einfuhr von solchem Kriegsmaterial zu unterlagen. Graf Bernstorfs wies in einer kurzen Begrün- düng Darauf hin, daß Die Aufrechterhaltung Der chweren Angriffswaffen völlig unvereinbar fei mit )em allgemeinen AbrüstungsgeDanken unD Den Be- timmungen Des Kelloggpaktes unD Des V ö l- kerbunDspaktes. Als Sprecher Des Abrüstungsausschusses erklärte Der griechische GesanDte Politis, Den Deutschen Antrag ablehnen zu müssen. Da bei künftigen Kriegen zweifellos sämtliche getroffenen Vereinbarungen und Bcstimmun- gen Des internationalen Rechts von Den kriegführen- Den Parteien Doch nicht eingehalten wär- Den. Der deutsche Antrag sei nur eine Täuschung Der öffentlichen Meinung unD ohne jeDen praktischen Wert. Graf Bernstorfs er- roiDerte, Daß Das Abrüstungsabkommen bereits ein gänzliches Verbot Des chemischen Krieges vorsehe und es somit völlig unfaßlich wäre, warum nicht auch Die schweren Angriffswaffen verboten roerDen sollten. Der deutsche Antrag wurde sodann mit lefon Stimmen gegen d i e Stimmen Deutschlands und Sowjetrußlands bei dreizehn Stimmenthaltungen abgelehnt. Der Abrüstungsausschuß hat ferner nach stürmt- scher Aussprache Den Deutschen Antrag, Den Bölter» bunDsrat zur Einberufung Der 2lbrü» stungskonferenz zum 5. November 1931 zu ersuchen, mit 14 gegen Die Stimmen von Deutsch- lanD, Italien, Sowsetruhland und Bulgarien ab« gelehnt. Graf Bernstorfs erklärte, wenn man nicht mal in zehn Monaten Die Konferenz vor- bereiten könne, so würden auch zehn Fahre nicht genügen. Er wandte sich sodann auf Das energischste Dagegen, Daß Der Abrüstungsausschuß ro l e D e r u m, m i e seit fünf Fahren, sich mit einer Ent- schließung begnüge, in Der Die Einberufung Der Konfern; „fobalD als möglich" vorgesehen roirb. Die öffentliche Meinung könne beute Derartige Worte, wie „falls möglich" ober „sobald als möglich", nicht mehr ertragen und lehne Derartige Unklarheiten auf Das entschiedenste ab. Der Abrüstungsausschuß habe nicht mehr viel an VerstänDnis und Sympathien z » verlieren und müsse sich letzt eindeutig auf einen festen Vorschlag an Den VÄterbundsrat einigen. Lord Robert Cecil wies in scharfem Tone Darauf hin. Der Deutsche Antrag sei ohne jede Vorbereitung und ohne Fühlungnahme mit Den Regierungen und Dem Generalsekretär Des Völkerbundes und ohne Kenntnis der notwendigen! Vorbereitungsmaßnahmen erfolgt. Gr asVernst o r f f erwiderte mit großer Ruhe, wenn die öffentliche Meinung nicht die Abrüstung verlangt Hätte, so würden auch die Regierungen zweifellos von sich aus niemals die Abrüstung verlangt haben. Ter Deutsche Antrag sei wohl überlegt und gut begründet und entspreche dem ausdrücklichen Auftrag Der Völkerbundsversammlung. Er verlange. daß über Den deutschen Antrag abge- stimmt würde. Cs entspann sich sodann eine uferlose Geschäftsordnungsdebatte. Ter Ausschuß nahm zum Schluß mit 18 Stimmen bei Stimmenthaltung Teutschlands, 3taliens. der Türkei, Bulgariens und Sowjetrußlands einen Antrag von Lord Robert Cecil an, in dem der Abrüstungsausschuß den Volkerbundsrat ersucht, a u f der 3anuartagung den Zeitpunkt der Einberufung der Abrüstungskonferenz festzu- sehen. raten gegen den Gasangriff Verse h e n , d.e Dcckungsmittel motorisiert werden, die Grenze im Südosten müsse befestigt werden. Bei der gegenwärtigen Lage Europas sei das Suchen nach internationalen Losungen nicht ausreichend, um die Völker gegen den Krieg zu schützen. Frankreich müsse also für ausreichende Sicherheitsmaßnahmen sorgen, Die dazu angetan seien, Diejenigen zu entmutigen, die an einen Angriff Denken konnten. Ueberdies werde man 1935 infolge des G e b u r t e n a u s f a l 1 e s während des Krieges Das normale Heereskontingent von 240 OOO Wann nicht mehr erreichen. Man werDe Dann höchstens mit 140 000 Wann rechnen Dürfen. Das Heer habe sicherlich durch die Einführung Der einjährigen Dienstzeit an Wert etwas verloren. Die Regierung sei jeDoch bemüht, durch eine bessere Organisation Diese Scharte wieDer gut zu machen. Die Vorlage über Die Militärkredite wurde Dann mit 433 gegen 139 Stimmen angenommen. Heer und Verständigung. Ter Chef der Heeresleitung an den französischen Militär-Attache. Berlin, 2. Dez. (WTB.j Anläßlich Des Ab- schiedsfrühstücks für Den aus Berlin scheidenden französischen General Tournes hat dec C.^ef der Heeresleitung. General v. Hammerstein, am 10. Rovember d. 3. folgende Ansprache gehalten: Mein sehr verehrter Herr General Tournes! Es ist mir eine MonDere Freude, daß ich Gelegenheit habe, 3hnen einige Abschiedsworte zu sagen. 3ch bin dem französischen Generalstab sehr verbunden dafür, daß er in 3hrer Person einen so ausgezeichneten, verdienten, liebenswürdigen und ritterlichen hohen Offiz ec als Mili ärattachä nach Berlin entsandt hat. 3ch bedauere, daß Sie uns verlassen. Die Wege, auf denen Frankreich und Deutschland zu einem Ausgleich und einer Annäherung streben, um herauszukommen aus alter Feindschaft und hineivzukommen in ehrliche und aufrichtige F.eundschaft, sind schwierig und dornenvoll. 3nfolgedesen hat unser kameradschaftlicher Verkehr nicht ganz so fern können, wie Sie urD ich ihn gewünscht hätten. 3ch m chie aber zwei Dinge 3hnen gegenüber ausdrücklich brto.ren: Wir achten und schätzen nicht nur 3hre Person, mein sehr verehrter Herr General. Witachtenauchdie Armee, Die Sie hier repräsentieren. Wir bewundern ihre Vaterlandsliebe. ihre Tapferkeit und ihre Führung. Wir glauben auch, daß im französischen Offizierkorps, in Der franzo'i'chen Genera.ität unsere Schwierigkeiten, unsere Wünsch?, u fere na io- nalen Rotwendigkeiten einsich.ig beurteilt werden. Zwischen aktiven Offizieren, zwischen Berufssoldaten herrscht ja eine gewisse internationale Kameradschaft, Die Das gegenseitige Sichverstehen erleichtert. Gewiß ist der aktive Soldat Der berufenste Vertreter einer rein nationalen Einstellung bei 3hnen wie bei uns. Aber et vergißt und verwirft auch am schnellsten Den aus Dem Kriege stammenden Volks- Haß, weil er weiß, daß beide Parteien nur ehrlich ihre nationale und kriege- r ische Pflicht getan hoben. Diese Erkenntnis ist Die Grundlage eines gegenseitigen Verstehens und Damit, wie ich hoffe, auch einer Verständigung auf Der Grundlage Der Gleichheit Der Aufgaben unD Pflichten. Die deutsche Armee steht einer gerechten und ehrlichen Verständigung. auS der sich eine ehrliche Freundschaft entwickeln knnte. nicht entgegen. Allerdings muß hierbei von dem Prinzip der Gleichberechtigung auSgegan- flen werben. Ein Unterdrücker wird n i e mit seinem Unterdrückten ehrlich Kameradschaft schließen, und nur ehrliche Kameradschaft hat Wert. In diesem Sinne erhebe leb mein GlaL und trinke auf Ihr Wohl, mein sehr ver- ehrter General, und auf da- Wohl der durch Sie repräsentierten französischen Armee. Aus aller Well. Nelcholagung der Hotelbesitzer. Zur Wintertagung des Rcichsverbandcs der deut- scheu Hotels. Restaurants und verwandten Betriebe traten etwa 100 Bertretcr des Gewerbes aus allen Tellen Deutschlands in Berlin zusammen. Der Syndikus des Verbandes, Dr. Knapmann, machte der Regierung den Vorwurf, sie habe die Schank- verzehrsteuer cingosührt unter dem Druck des Reichssinanzministers und seines preußischen Kölle» gen als eine untragbare, undurchführbare, unmoralische und unsoziale S o n d e r ft c u e r, die nichts weiter sei als eine erhöhte Umsatzsteuer von unbeschränktem Ausmaße. Der Reichsverbandvpräsident Abgeordneter Nolte führte aus, er habe mit dem Reichskanzler wiederholt verhandelt, der nicht für diese Steuer sei. Aber der Rcichsfinanzminifter wolle aur diese Steuer nicht verzichten. Eine eingehende Aussprache entwickelte sich über die Frage, wie das Publikum besser als bisher auf die Schönheiten der deutschen Kurorte hinge- wiesen werden könne. Allgemein bemängelt wurde die Haltung der Neichsbahngesellschaft, deren lar if poHtit den Reiseverkehr in Deutschland geradezu erschwere. In einer weiteren Entschließung wird festaestellt, daß die deutschen Sallonbetriebe weitgehend der stark gesunkenen Kaufkraft des Pu- blikums Rechnung getragen haben. Revtfionvanlrag im Frenkel-Prozeß? Gegen da« Urteil gegen den früheren Dor- nlmct Amtsvorsteher Frenzei werden ine Verteidiger Revision beim Reichsgericht anmelden. Rechtsanwalt Dr. Drandt will vor allen Dingen darum ersuchen, den Prozeß nicht wieder nach Potsdam zurückzuverweisen, sallS der Revision stattgegeben werden sollle, sondern den Fall nach Berlin zu verlegen, um ihn der „Potsdamer Atmosphäre" zu entrücken. Wit einer Entscheidung des Reichsgerichts kann man frühestens im März rechnen. Großfeuer in einer Berliner Schuhfabrik. In einer Schuhfabrck in der Kirschenstraße im Zentrum Berlins brach ein Brand auS, der rasch so bedvvhliche Formen annahm, daß acht Löschzüge zu seiner Bekämpfung eingesetzt werden mußten. Besonder- schwierig gestaltete sich die Arbeit der Feuerwehr dadurch, daß in den Räumen über der Fabrik sich noch M e n - scheu befanden, die schleunigst in Sicherheit gebracht werden mußten. ES gelang auch, die sechs Gingeschlossenen Über zwei mechanische Leitern auS der Gefahrenzone zu bringen. Infolge des Brande- entstand in dem von Fuhrwerken dicht belebten Viertel um die Zentralmarkthalle eine beträchtliche Ve rkehr-- ft o ck u n g. Straßenbahnerstreik In Chemnitz. In einem Streit zwischen dem Rat der Stadt Ehemnih und den Straßenbahnern wegen der Einführung der 40-S t unden-Wvche hatten die Straßenbahner ein Ultimatum gestellt, die au-gesprochenen Kündigungen zurückzunehmen. Der Rat beschloß, das Ultimatum ab- zu lehnen. Um 20 Uhr wurde in einer • Belegschaft-Versammlung der Straßenbahner mit erdrückender Mehrheit beschlossen, sofort in ben Streikzu treten. Die mit arbeitswilligen Straßenbahnern besetzten Straßenbahnwagen toaren an den verschiedensten Stellen der Stadt Sabotageakten deS streikenden Personal« auSge- seht. Als Material wurden außer Holzpfählen um geworfene Lastwagen, z. T. belaßen, verwendet Teilweise wurden die Schienen mit Holz und Steinen verkeilt oder durch loSgerisseno Gitterzäune versperrt. An einer Stelle ist versucht worden, einen Straßenbahnwagen umzuwerfen. Außerdem sind Wagen an verschiedenen Stellen der Stadt mit Steinen beworfen worden. Dine Anzahl Personen wurde f e st g e n o m m e n, darunter die beiden kommunistischen Führer de« Betriebsrats Raumann und Schubert. Auch wurde teilweise vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht. Gießener Gtadttheater. (Gastspiel der Wiener Exl-Bühne: „Erde" von Karl Schünherr. Schönherr, SchullehrerSsohn auS Tirol, heut 63- jährig, kam von der Medizin zur Dichtkunst... und In seinen Schauspielen vom bodenständigen Dauerndrama zum aktuellen Zeitstück. Seine großen Dühnensiege heißen „Glaube und Heimat" (1911) und „Der WeibSteusel" (1914); wohl das reifste und innerlich geschlossenste seiner Werke ist die .Erde", eine Komödie de« Lebens vom Jahre 1907. • „Erde" hat weder die hinreißende und auswühlende, historisch beglaubigte Fabel der gegen- resormatoriscyen Volkstragödie noch die vehemente Spannung und die fabelhafte Bühnentech- nik de« bäuerlichen Totentänze-... aber ihre drei Akte sind gewachsen, auS dem Vollen geschöpft und au« blutwarmer Wirklichkeit geboren, sie werden von echten Menschen bewegt, au« einem unverwüstlich gesunden Lebensgesühl gespeist... und vor allem -- man mag c« drehen und wenden, wie man will, man mag die Achseln zucken, unt> e« mag einem da- alle« „nicht liegen* —: hier ist einmal eine der wahrhaften und echten Komödien, mit denen, wenn wir un« recht besinnen, unsere Literatur nicht gerade im Ueberfluß gesegnet ist. • ®« ist mit der sogenannten Schollenverbunden- fjelt und dem hinlänglich bekannten Erdgeruch von leher viel Unfug und Mißbrauch getrieben worden in unserer Literaturkritik. Hier, wie un« scheint, stehen diese oft bespöttelten und schon einigermaßen verbrauchten und abgeschlisfenen De- grisse einmal mit Fug und Recht und treffen In« Wesentliche und Lharakterlstisck)e de« Schauspiel« ... daS noch so tief Im Raturallsmus steckt, daß eS mehr Zustände, mehr nationale und seelische Landschaftsschilderung gibt al« dramatische Auseinandersetzung, mehr epischen BildauSschnitt al« abgeschlossene Entwicklung. • Obwohl e« ein starke« und stellenweise fast unheimlich wirksame« Theaterstück ist, und obwohl der elflenilld)e Stern dieser Fadel auch wiederum Al« gegen Mittag einDemonstrativn-zug streikender Straßenbahner und Arbeitsloser durch die Zschoppauer Straße kam, kreuzte ein Straßenbahnwagen feinen Weg. Hetzer forderten die menge auf, den Wagen umzustürzen, dieStraßen- bahner herauSzuholen und zu verprügeln. Im Moment des Angriffs der Menge kam ein Poli- zelauto dazu. Die Polizeibeamten schützten den Wagen und konnten die Massen zurückdrängen. Da« Betriebsamt der Städtischen Straßenbahn hält auch in den Rachmittagsstunden mit Hilfe de« arbeitswilligen Personal« den Ltraßenbahn- velk.hr in beschränktem Umfange aufrecht. Line antikatholische Kundgebung In Liverpool. In Liverpool kam es zu antikatholischen Kund- gedungen. Eine 200 Personen zählende Menschen- menge hinderte den Erzbischof daran, sich zum Notre-Dame-Kloster zu begeben, wo eine Preisverteilung stattflnden sollte. Die Fenster des Klosters wurden durch Steinwürfe zerstört. Einige Zeit später verhinderte eine große Menschenmenge die Beförderung von Mobiliar von Dem alten nach einem neuen Presbyterium. Sie griff Den Führer des Lastwagens tätlich an und zwang ihn schließlich, unverrichteter Sache davonzu- fahren. Der Gemeindepriester wurde mit Steinen beworfen. Als die Polizei erschien, zer- ftreutf sich die Menge. Ein Flugzeug In eine filubergruppe gestürzt. In Eh ipewyan (Kanada) stürzte ein Flugzeug, da« zu einem kurzen Uebungsslug ausge- stlegen war, au« geringer Höhe ab und fiel in eine Gruppe spielender Kinder. Bier Kinder wurden auf der Stelle getötet und vier andere lebensgefährlich verletzt. Der Führer und der Begleiter der Maschine kamen ohne Verletzungen davon. 23er(iner Börse. Berlin, 3. Dez. (WTB. Funkspruch.) Mit Rück- sicht auf bte Unsicherheit in der innerpolitischen Situation und in Erwartung der heutigen Wieder- erösfnung des Reichstages übte die Spekulation im Fruhverkehr Zurückhaltung. Kurse waren noch nicht zu hören, und eine Tendenz war nicht erkennbar. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,55 zu 123,57, London gegen Mailand 92,68, Lon- don gegen Spanien 43,20, London gegen Kabel 4,855750, London gegen Berlin 20,3625, Kabel gegen Berlin 4,1940. Oie Winterbeihilfe in Hessen. Stürmische Beratungen im Hessischen Landtag. Darmstadt, 2. Dez. (WTB.) Das Plenum des Hessischen Landtage« trat nach fünfmonatigen Ferien zusammen. Die Tribünen sind überfüllt. Vor dem Hause haben sich viele Erwerbslose angesammelt. Die Regierung ist vollzählig erschienen. Da« Haus gedenkt stehend deS verstorbenen Abg. Guß mann (Ldbd.). Präsident Delp begrüßt al« Rachsolger den Aog. Bürgermeister Arras sowie die an Stelle de« In den Reichstag abgewanderten Abg. Ritzel eingetretene Aog. Frau Steinhäuser (Soz.) und beglückwünscht den Abg. Raab (Soz.) zu seinem 2-jährigen Jubiläum al« Abgeordneter de- Landtages. Winterbeihilfe. Abg. Widmann erstattet Bericht über die Ausschußverhandlungen zu den Anträgen der Parteien auf Gewährung von Winterbei- hl l s e n und die von der Regierung geplanten Notstandsarbeiten, wofür 2 Millionen Mark vorgesehen sind. Abg. (Salm (Komm. Opposition) erklärt, Hessen lasse wie daS Reich die Erwerbslosigkeit ansteigen, ohne etwa« grundlegend Positives zu tun. Mit den unzureichenden RotstandLarbeiten ist nicht geholfen. Wir fordern die Vierzigstundenwoche in allen staatlichen Betrieben. Mit der tropfenweisen Fürsorge treibt man Dchindluder mit den Arbeitslosen. (Beifall auf der Tribüne.) Die Arbeiterschaft, die seit Jahren Disziplin bewiesen hat, wird da« Drüningpro- gramm nicht ohne Widerstand hinnehmen. Der industriefreundliche Adolf Hitler wird den Arbeitslosen nie helfen dürfen und können. Rur der Sturz de« System« tann Hilfe bringen. (Händeklatschen auf der Tribüne, was vom Präsidenten gerügt wird.) Aba. Dchäser (K.) kritisiert da« Verhalten der Sozialdemokraten. Wenn der jetzige Staat die arbeitswilligen Volksgenossen verhungern läßt, ist er reif zum Sturz. ArbeitSm nister Karell weist die Behauptungen der beiden Vorredner zurück. Es ist eine Frechheit, wenn ein Kommunist angesichts des Zusammenbruchs des Systems in Rußland und des Skandal- prozessesRamsin uns Vorlesungen halten will. Wir unterstützen grundsätzlich die Regierung Brüning, in der wir d i e letzte Hilfe erblicken legen das Chaos, das Kommunisten und Faschisten ür ihre Zwecke anstreben. Wir mußten In Hessen eftftellcn, daß 9 0 Prozent aller Betriebe n u r 4 0 S t u n b c n und wenigerarbeiten, daß also die Arbeitszeitverkürzung praktisch schon b e st e h t. Betriebsstillegungen werden von mir nur unter Einhaltung der sechs Wochen Sperrfrist genehmigt. Kein Land hat, wie bisher Hessen, Winterbeihilfen gegeben, kein Land hat wie Hessen ein 15-Millionen-Arbeitsbeschaf- sungsprogramm durchgeführt, das auf 20 Fahre hinaus das Land mit 400 000 Mark belastet. Für die Winterbeihilfe stehen jetzt noch 280 000 Mark zur Verfügung. Am 31. Oktober 1930 betrug die Zahl der Wohl- fahrtserwerbslofen in Offenbach 4261 mit einem Wochenaufwand von 72 000 Mark: in Worms 1638 mit einem Wochenaufwand von 29 500 Mark: in Neu-Isenburg 279 mit einem Wochenaufwand von 5700 Mark: in Klein-Steinheim 76 mit einem Wochenaufwand von 1400 Mark: Auf 1000 Einwohner entfielen Wohlfahrtser- werbslofe im Land 14,1, in Offenbach 53,3, in Worms 34,1, in Neu-Isenburg 22,5, in Klein-Stein- heim 23,1. Wir appellieren dringend an das Reich, Den ganz besonders schwer belasteten hessischen Gemeinden endlich zu Helsen. Bei der Preissenkung wollen wir eine Nachprüfung der bisherigen Kalkulationen und eine Verkleinerung der 23er- dienstspanne erreichen. Die Kartelle und Syndikate werden vorn Zwang nicht verschont bleiben, wenn sie nicht endlich mitgehen. Wer eine Herabsetzung Des Lebensstandards der Massen fordert, darf s e I b ft nicht mit aufreizendem Lebenswandel vor- angehen. Die hessische Regierung wird in den nach- ften Tagen die Bevölkerung aufrufen, gerade in der jetzigen Notzeit In verstärktem Maße religiöse und charltative Wohltätigkeit von Mensch zu Mensch zu üben. Die hessische Regierung sorgt mit aller Energie dafür, im Rahmen ihrer Zuständigkeit den in Not geratenen Volks- teilen zu helfen. (Ein Tribünenbesucher wird wegen des Zwischenrufes „Ihr sorgt nur für euch!" aus- gewiesen^ Aba. A l mit breiten, festen Strichen angelegt und umrissen, ^«gearbeitete Leistungen boten auch Ferdinand Ex l (Hannes) und Minü Gewerkschaftsvertreter aller Richtungen, mit denen man stets in Verbindung stehe. Abg. (Balm (Komm. Opv.) bedauert die Haltung des Ministers Korell, der fofort hätte Verhandlungen aufnehmen sollen. Aba. Dr. Werner (Rats.) schließt sich dieser Auffassung an, da die Rot der Erwerbslosen ungeheuer groß sei. (Lebhafte Zwischenrufe der Korn- muniften und Sozialdemokraten.) Abg. Böhm (Dntl.) erklärt seine Bereitwilligkeit zu Verhandlungen mit der Deputation. Minister Korell weist darauf hin, daß da» Arbeitsministerium mit den berufenen Vertretern der arbeitslosen Werktätigen tagtäglich Konferenzen abhalte und Sonderabordnungen stets empfange. Besprechungen mit wilden Deputationen lasse er s l ch nicht oufoktroieren. Abg. Sumps (Komm.) wirft dem Dizepräslden- ten Blank Schiebung in der Handhabung der Geschäfte vor, wird zweimal zur Ordnung gerufen und zieht sich beim dritten Ordnungsruf wegen der Be- Zeichnung, die Haltung des Plenums fei eine Schwei- neret, Verlust der Redeerlaubnis zu. Die Sitzung wird bann zur Weiterberatung der Anträge auf Winterbeihilfe auf Mittwoch vertagt. Oie Wetterlage. 2E irO 5'0 LOni :our$ (11 Paris X 4 Wien / F6 . ‘rankt *3 ä D Ptrlln' \ O Qwontenlos Onetter. Qhalb DcdecKL ® wolkig, #DcdccKL ekege^ # Schnee Graupeln e Hebel X Gewitter,® Windstille. -O-» Xhl leichte» Ott nissige» Südsüdwest \ stürmische- nordwest Die Piene fhcOcn mH dem winde. Ole beiden Stationen stehenden Zählen geben die lemperatui an. Ole Linien verbinden Orte ailt.gicJcnetX. tu1 neeresmueau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Durch die Stabilisierung und den weiteren Ausbau des hohen Druckes hat sich ein sehr umfangreiche« Hochdruckgebiet geblldet. dessen Bereich sich Über da« europäische Festland erstreckt. Sein Kern liegt östlich von Deutschland mit Barometerständen von 780 Millimeter. Die entstandene anttzyklonale Wetterlage hält in ten nächsten Tagen an, so daß unter dem weiteren Einfluß absinkender Luft bis auf lokal begrenzte Frühnebel und Dunstbildungen abgesehen, meist klare« und heiteres Wetter herrscht. Dabei verschärft sich der Frost und auch tagsüber dürsten die Temperaturen den Rullpunkt kaum überfteigen. Aussichten für Donnerstag: Stellenweise morgen« neblig oder dunstig, sonst klar und tagsüber heiter, Zunahme des Froste«, trocken. Ausslchtenfür Freitag: Fortdauer de« trockenen Wetters mit Frost. Lufttemperaturen am 2. Dezember: mittags 6,5 Grad Celsius, abends 2,1 Grad: am 3. Dezember: morgens — 1,5 Grad. Maximum 6,7 Grad, Minimum — 1,6 Grad. — Erdtempcraturen in 10 cm Tiefe am 2. Dezember: abends 4,3 Orat); am 3. Dezember: morgens 2 Grad Celsius. — Sonnenschein- douer 1% Stunden. Gstöttner-Auer (Trine). — Von den Chargen nennen wir ßubtotg Auer (Eishof- bauer), Han« Kratzer (Roßknecht), Anna Z ö t s ch (Totenweibele) und Franz Ludwig (Arzt). - Gute« Stück, tüchtige Ausführung: beide« fei gern bestätigt und anerkannt: die« kann jedoch die bescheidene Anmerkung zum Schluß nicht hindern, daß wir mit diesem brüten Gastspiel (innerhalb weniger Wochen) nun für« erste genug Bauerntheater gehabt haben. hth. Wie war's in Kairo? Man wird es künfttg nicht mehr nötig ßabeit, wirklich in Aegypten gewesen zu fein, um sozusagen aus Kairo kommen zu können, — einige Phantasie allerdings vorausgesetzt. Und die französischen Spießer, die in Paris ebenso wie anderswo vor ihren lieben Rachbarn mit ihren Reiseerlebnissen prahlen wollen, brauchen nur die Place de l'Opöra zu besuchen, um die sichtbarsten Anzeichen ihrer Weitgereistheit „mitzu- bringen". Denn dort steht ein Mann, Pardon, ein Herr, schick gekleidet, redegewandt, saft mondän und bietet — Hotelmarken feil. Für einige Frank kann man sich die Marken aller größeren Hotel- aller fünf Kontinente kaufen, die dann, auf die Koffer geklebt, den besten Beweis für das Globetrottertum seines Besitzers sind. Und der Mann hat einen riesenhaften Absatz. — Zunächst versuchte die Polizei einzuschreiten. Er wurde unter DetrugSanklage gestellt. Was erklärte der Mann da? E r sei nicht der Betrüger. Er spekuliere nur auf den Snobismus im Menschen und müsse im übrigen seine ehrliche '21 r- beit leisten. Denn galube man etwa, daß die zahlreichen Hotels aller Weltteile ihm die Kosferzettel umsonst liefern? Gr sei also nur Zwischenhändler, wie jeder andere. Betrügi'r seien sie. die anderen, die mehr vortäuschen, als sie sind, die den Schein allzu hoch einschätzen. Ob denn daS Geschäft ginge, wurde er gefragt. O ja, er habe sich schon ein kleines Kapitälchen -usammengespart. ilnb et finde noch immer Dumme... Die Verteidigung be« Mannes im* vonierte, und er wurde freig:sprochen. Und seitdem nimmt die Zahl der „weitgereisten" Franzosen mit jedem Tage zu. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. Dezember 1930. Weihnachten entgegen. Wir schreiten jetzt mit raschen Schritten auf Weihnachten zu. Die Datur freilich ist noch nicht weihnachtlich gestimmt. Ob eS die Menschen sind? Ganz so einfach ist es für den Gegenwartsmenschen nicht, sich in weihnachtliche Stimmung zu wenn man ihr mehr zubilligt als den Flitter des Aeuherlichen. Denn das Weihnachtsfcst ist ein Fest des Friedens. Aber von Frieden sind wir weit entfernt. Diel zu stark und zahlreich sind die Dinge, die uns abdrängen, viel zu sehr tragen wir innere Llnrast, werden bewegt von Fragen der verschiedensten Art, die alle mehr oder minder stark Unfrieden in sich bergen. Wir haben begonnen, unser Dasein bewußt zu leben, zu gestalten. Wenigstens in den äußeren Dingen. Da ist keiner mehr, der sich irgendwie abseits stellen und sagen kann: All das Getriebe geht mich nichts an. Manches, vieles sogar kann er übersehen, unbeachtet lassen, und es fehlt auch nicht an Fragen, die ihn nicht unmittelbar berühren. Aber Beziehungen zu ihnen hat auch er, selbst wenn sie nur gering sind. Änser aller-Schick- sal ist ja eng verflochten Es ist nicht möglich, daß einer seine Wege völlig für sich allein geht. Sein Dorteil ist der Dorteil anderer, sein Dachteil bringt auch anderen Dachteile. Lind wenn er auch scheinbar nur für sich Dorteile gewinnt, dieser Dorteil ist nicht für ihn allein, und oft steht seinem Gewinn ter Dachteil ter anderen gegenüber. Lind wenn nun einer Haß und Llnduldsamkeit sät? Er kann unmöglich Liebe und Frieden ernten. Allenfalls findet er Dachläufer, solche, die durch ihn gewinnen wollen, ater er pflanzt auch jene gegenwirkenden Kräfte, die ihn auf seinem Wege hemmen. Allerdings — es gibt keinen völligen Frieden, kaum eine stärkere Deigung zur Friedfertigkeit. Denn sie verlangt Selbstbeschränkung, Opfer- bcreitschaft, Hingabe für den Dorteil des andern. Lind das ist in unserer Zeit, da fast jeder nur an sich selbst denkt, für viele etwas viel verlangt. Immerhin kann man auch die Frage stellen: 3ft es wirklich so, daß jeder nur an sich selbst denkt? Man kann es aus vielen Handlungen und Werten schließen. Aber ihnen steht doch auch manchs Bereitwilligkeit gegenüber, von ter eigenen Persönlichkeit abzusehen und den Blick auf die breitere Fläche zu richten. Es sind die Ansätze nicht zu leugnen, daß man nach einer Zeit, die nur selbstsüchtigen Zwecken zu dienen bestrebt war, auch wieder ein größeres, höheres Ziel ins Auge saht. Wenn man davon spricht, daß es gilt, die Daseinsformen zu verbessern, so denkt man nicht mehr nur an sich und einige Zugehörige, sondern man hat im Auge, allen zu dienen, die in einer Schicksalsgemeinschaft vereinigt sind, llnb man ist auch schon fv weit, dabei den Blick nicht nur auf die Dolksgenossen im engeren Sinn zu richten, sondern das Bestreben. die Schaffung einer besser geformten Llm- welt Weiler auszudehnen. Der Blick und das Gefühl haben sich geweitet. Frellich ist noch vieles zu tun aus diesem Wege, und wenn sich zunächst noch manches ungebärdig ausnimmt, man darf sich darüber nicht wundern. Es wird die Ausgabe der Berufenen sein, zur rechten Zeit ihre Kräfte cinzusetzen, daß die Dcrektschaft zur Aufnahme ter Weihnachtsbotschast genutzt wird. Dann wird es auch nicht fehlen, daß aus der Wirrnis der vergangenen Zähre eine bessere Zeit wird. —r. Winterbe^ ilfe des Kreises Gießen. Dom KreiSamt Gießen wird unS mitgeteilt: Der Kreisausschuh hat in seiner Sitzung am 29. Dovember beschlossen, daß sich ter Kreis in dem gleichen Umfang und unter denselben Doraussehungen wie ter hessische Staat an ter Winterhilfe beteiligt. Doraussehung ist allerdings, daß die Gemeindevertretungen die Gewährung von Wintcrbeihilfen beschließen und die Gemeinten sich selbst an dem Kostenaufwand für Winterbeihilfen beteiligen. Oer Geschäftsverkehr an den drei nächsten Sonntagen. Das Polizeiamt teilt mit: Auf Grund teS § 105 b, Absatz 2, der Reichsgewerbcordnung ist für alle Gewertezweigs teS Hantelsgewerbes ter Gewerbebetrieb in offenen Berka u f S st e l l e n, die Beschäftigung von Gehll- fen, Lehrlingen und Arbeitern am Sonntag, 7. Dezember, am Sonntag, 14. Dezember, und am Sonntag, 2l. Dezember, in der Zeit von 12 bis 18 Llhr gestattet. Talen für Donnerstag, 4. Tezember. Sonnenaufgang 7.46 Uhr, Sonnenuntergang 1554 Uhr. — Mondaufgang 14.37 Uhr, Monduntergang 6 Uhr. 1875: der Dichter Rainer Maria Rilke in Prag geboren; — 1900: der Maler Wilhelm Leibl in Würzburg gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch Stadttteater Gießen: »Dose Bernd", 19.30 bis 22.30 Llhr. — Kaufmännischer Verein und Orts- gewerbeverein: Dortrag über „Glück und Tragik ter Vererbung", 20 Llhr, Deue Aula. — Deutsche sozial-hygienische Bühne Derl.n: Gastspul ,B'aue Zungen", 20 Llhr, in ter Turnhalle am Oswalds- garten. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Die vom Rummelplatz". — Astoria-Licht'piele: „Sensation im Diamanten Elub" und, P: L . ie-Hyänen". — Aus dem St a d t t h e a t er b u r e a u wird uns geschrieben: Heute 19.30 Llhr «Dose Bernd". Schaukpi^ von Gerhart Hauptmann, unter ter Spielleitung von Peter Fasstet. 2n ter Dolle der Dole: Hilde Schwend. Die erfolgreiche Operette „Der Tenor der Herzogin" von Ewald Künneke wird Freitag als einmaliges Gastspiel deS Frankfurter Opernhauses aufgeführt. Die Vorstellung finbet außer Abonnement statt. — Stahlhelm-Kundgebung. Zn einer Stahlhelm-Kundgebung spricht Oberstleutnant a. D. D u e st e r b e r g, ter 2. Dundesführer des Stahlhelm, am 13. Dezember in ter Turnhalle am Oswaldsgartcn. DahereS in ter gestrigen Anzeige. — Sine große Hessische LandeS-Ge- f l ü g e l s ch a u findet am Samstag und Sonntag in der Volkshalle statt. Etwa 1500 Tiere und eine Anzahl Sonderschauen dürften das erhöhte Interesse ter Landw rte und ter Geflügelhalter in Anspruch nehmen. Däheres in ter heutigen Anzeige. ee Der neue Gießener Postbirektor. Alch Dachfolger des gegenwärtigen Gießener Postdirektors Körber, ter ab 1. Zanuar 1931 als Oberpostdircktor nach Darmstadt verseht ist, wurde Postdirektor Vogt von Darmstadt zum Leiter des Gießener Postamts ernannt. *• Bersorgungsamtpersonalien. Regierungs-Medizinalrat Dr. Hechler vom Der» sorgungsamt Gießen ist vorn 1. Dezember 1930 ab zum Dersorgungsamt Trier und Regierungs-Medizi- nalrat Dr. Trautmann, bisher bei der Der- sorgungsärztlichen Untersuchungsstelle in Kassel, mit dem gleichen Zeitpunkt zum Dersorgungsamt Gießen versetzt. "Don derKraftpostlinie Gießen — Hochelheim. Dachdem die Sir aßen Pflasterungsarbeiten in Hochelheim beendet sind, verkehrt das Postauto Gießen—Hochelheim wieder fahrplanmäßig über die Orte Klein-Dechtenbach— Groh-Dechtenbach und aus der Strecke Hochelheim-Hörnsheim. "Weihnachtsverkehr bei der Post. ES empfiehll sich, mit ter Versendung ter Weihnachtspakete möglichst frühzeitig zu beginnen, damit die Pakete ohne Verzögerung in die Hänte ter Empfänger gelangen. Ferner rst es empfehlenswert, für die Pakete dauerhaft« Derpackungs- stoff« zu verwenden, die Aufschrift haltbar anzubringen und den Damen des Bestimmungsorts groß und kräftig nieterzuschreiben. Auf dem Paket ist der Absender anzugeben und in das Paket obenauf «in Doppel ter Aufschrift zu legen. Päckchen müssen haltbar verpackt und gut verschnürt werden; Hoylräume finb mit Holzwolle auszufüllen, damit die Sendungen bei der Beförderung nicht eingedrückt werden können. Sie müssen deutlich als „Briefpäckchen" oder „Päckchen" bezeichnet sein. " WeihnachtSmesse der Deutschen Frauenkultur. Zm Dillardsaal des Eafe Amend veranstaltete der Verein für Deutsch« Frauenkultur eine Ausstellung, zu deren Ausgestaltung hiesige Geschäftsleute herangezoga, wurden. Es waren die verschiedensten Dinge ausgestellt, die als praktische Weihnachtsgeschenke viel Freude zu bereiten wohl imstande sind. So sah man u. a. die Erzeugnisse einer kunstgewerblich beeinflußten Textll-Zndustrie, feine handgewebte Stoffe, Stickereien. Tischdecken, Taschentücher In sorgfältigster Ausführung; schöne Arbeiten der Glasmanufattur, modernen Christbaumschmuck, der sich besonders durch seine einfache Gestaltung auszeichnete, Epiclwaren. Bilderbücher, HauS- haltungS- und Gebrauchsgegenstände der verschiedensten Art. Ferner waren Deform-Dah- rungsmittel in appetitlicher Form gezeigt. Der Ausstellung kam auch um deswillen teferntet» Bedeutung zu, als den Besuchern Gelegenheit gegeben war. die Arbeit am Handweb rahmen len* nenzulernen und ein Witglicch ter Familie Keßler. die unter dem Damen .Dippelui" in ganz Oberhessen und weit darüber hinaus mit ihren kunstgewerblichen Handarbeiten ter Töpferei bekannt ist, bei ter Arbeit an der 'Drehscheibe zu beobachten. Eine Deihe Erzeugnisse der Firma gab zugleich einen vollständigen Einblick In das vielseitige Schaffen des einst bodenständigen Handwerks. dessen letzten Vertreter in unserer Gegend eben die Firma Kehler darstellt. Die Ausstellung war sehr gut besucht und sicherlich haben viele ter Besucher Anregungen für den Weihnachtstisch mit nach Haus« genommen. •• Hessische Krüppelfürsorge-Lotterie. Dom Hess. Fürforgeverein für Krüppel wird uns geschrieben: Die für den 3. Dezember angesetzte Ziehung mußte leider auf den 14. Februar 1931 verschoben werten, well ein Teil ter Los« noch nicht abgeseht ist. Da eS sich um eine Sache handelt, an ter daS ganze Land interessiert ist, gehört auf den Weihnachtstisch eines jeden gesunden Kindes ein Los dieser Lotterie, deren Ertrag dazu bestimmt ist. unglücklichen behinderten Menschen, besonders Kindern, zu helfen. *’ Zur Richtigstellung. Zn der Dotiz in unserer Dummer 281 über den 80. Geburtstag von Fräulein Anna Sommer mußte ter Dame der genannten Familie Prof. Dr. Benkert, nicht Deukert, hähen. Schwurgericht Gießen. • Gießen, 2. Dez. DaS Schwurgericht ter Provinz Oberhessen verhandelte heute eine Anllage wegen Totschlag- gegen den Kanzlei- gehllfen Wilhelm Kaiser von Storndorf und die Dienstmagd Emma Wolf von MeicheS. ES handelte sich nach ter Anllage um eine Kindestötung, das Gericht kam jedoch auf Grund der Beweisaufnahme und eines Sachverständigengut- achtens zu dem Ergebnis, daß die Angeklagten wohl des Glaubens hätten fein können, das Krnd, welches später Lebenszeichen von sich gab und dann starb, sei schon bei ter Geburt tot gewesen. Beite Angeklagte wurden daher freigesprochen und die Kosten ter Staatskasse auserlegt. Wett' CONTINENTAL Preis RM 260/ Auf Wunsch ZahlungierleicMeruog WANDERER.WERKE A.-G. SCHONAU-CHtMNMZ General-Vertrieb: Fritz A. Nennstiel Selteraweg 81 Fernruf 8196 8124D Der verehrl. Einwohnerschaft von Wieseck, Gießen und Umg., sowie allen Freunden und Bekannten zur gefl. Kenntnis, daß ich die 8117D Wirtschaft Kenia In Wieseck Obernommen habe. Es wird mein Bestreben sein, meinen Gästen stets das Beste zu bieten. Wieseck, Im Dezember 1930. Hochachtungsvoll Adam Döbus. Billiges Angebot in ,07459 Korbsesseln Weiden 5.80 Jt. Pcddigfeffcl v. 10 .x an tvttb. -Koblerrmann Kernrnf 3076 Neustadt 12. Meine Fischfilets ohne Haut und Gräten praktisch und bilhc für jede Küche Pfund 55—75 Pf. Fischhaus .Cuxhaven1 Marktstraße 23 K01A Telephon 2417 Holzbeleuchtungskörper Lüster, eichen und nutzbaum zu jeder Zimmereinrichtung paffend. 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Dezember 1930, vormittags 10 Uhr, versteigere ich im Ernst-Ludwig-hospiz, Wetzlarer Weg Nr. 11, zwangweise aus freier Hand gegen Barzahlung bestimmt: 14 Herrenanzüge, drei Windjacken, drei Sportanzüge, 21 Kinderanzüge, zwei Kieler Anzüge, eine Monteurjacke und -Hose, neun Hosen. 8129D Ferner nachmittags 2 Uhr im „Löwen" zwangsweise gegen Barzahlung: vier Büfetts, einen großen Lüfter, ein Wirtschaftsbüfett, drei Warenschränke, neun Nähmaschinen, fünf Chaiselongues, eine Korbmöbelgarnitur, vier Wanduhren, einen Kleiderschrank, fünf Sofas, drei Teppiche, einen Rohrsessel, eine Blumenkrippe, fünf Tische, 35 Stühle, sechs Grammophone mit 53 Platten, acht Vertikos, zwei Diwane, eine Lederwalze, eine Steppmaschine, zwei Aquarelle, zwei Bilder, eine Kredenz, eine Standuhr, einen Bücherschrank, drei Schreibtische, einen Spiegelschrank, eine Flurgarderobe, fünf Schreibmaschinen, einen Rauchtisch, zwei Ladentheken, drei Kafsen- schränke, einen Aga-Wagen, einen Horch-Wagen, einen Fnstrumenten- schrank, einen Kastenwagen, drei Spiegel, einen Arzneischrank, einen Waschtisch, ein Damenfahrrad, eine Vitrine, einen Wäscheschrank, eine Haarschneidemaschine, eine Schneider-Nähmaschine, zwei Steppdecken, 150 Flaschen Likör, 70 Dosen Obstund Gemüsekonserven, zwei Deckenbezüge, zwei Ueberschlagtücher, vier Kopfkissenbezüge, Stoff zu 7 Kopf- . kissenbezügen, zwei Ladentheken, 40 haar-, lOOKokos-, 12 Roßhaarbesen, ‘ 90 Fensterleder, Pferdchen, Kinder- - spiele, Puppenwagen, Klappstühle, Fahr- und Waschleinen, Feldstühle, Holländer. Bestimmt: einen Kleiderschrank. Anschließend bestimmt im Lager des Herrn Spediteurs Lynker, Erlengasse Nr. 7: elf Damenräder, 27 Herrenräder, fünf Halbrennräder, sechs Knabenräder, sämtlid) komplett mit Freilauf und Bereifung (neu). Filialleiter(innen)----- aef.iauch ncbcnberufl.l Einerlei mcldien Berufs. Nur Srbreibnrb. t. Haufe. Stein Mauit, fctnerl. Borkennm. erf. Monatl. Mk. 170.-. 21 na. u. F. l». 631 nn A.-Exp. Helnr. Eisler, Frankfurt a. M. [8122V IbWiaiio ivle neu. »nm halben .............. Schi.Anaeb. u. 07468 Bahnhofstr. 59 an den (Äien. 21ha. • Tel. 3866. 8i2bD Modell- Sezelschiss aii verkaufen. Geeia- nct für 3tnder- uno 'Marinevereine, aud> au anderen Zwecken und au (yefdienfen brauchbar. [07465 Ih.fiilntel,@ieBen Welslarer Wen 11 Auö Privntband wertvolle Briefmarken. Sammlung febr schön, bl Hin An verkaufen. 07463 L'ouid Katt, VabN' bofitrnfic 11 II. Teieoboit 2277. Sleaoljpislin Vinealbildima, Inmv jahnae Bürovraris, sucht Stellung. Schnlil. 2tnii. inner 07431 a. d. 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Madame Lu i Die Frau der Zelt Ab morgen Donnerstag d. bekannten ungarischen Kunstpfejfers Joe 3. Original Joe u. Lu Komischer Akt Lichtspielhaus® Gießen Heute zum letztenmal: Anny Ondra Siegfried Arno in dem entzückendenTon- lustspiel Die vom Rummelplatz | Auf der BOhne:] GaStSplCl [Verschiedenes | Vereine AuSkünfieinRechiS-, Siraf.-üaniil.-Auye- leaenveiten. Gesuche, Vertrage. Beobach- tungeit. Ueberivachg. und Eriniltlimgen vrelStv- streng dtskr. u. an all. Orten ert. n. erledigt Dolektiv- Bnreaa-n.Anskaoilel Inb.E.Gerz.Bad-Nan- helm, Kurstr. 17. 4US Zur Aufllärung! Das v. dem „Quartettverein Gießen" G. V. an hiesige Zirmen gerichtete Rundschreiben hatmllmirntchtSzuttm Emil *:otb i.Dors d.Sängergaues Gießen-Stadt u.-Lanb und der st iso Gießener Sängerschaft EISU-Betten (Stahl u-Holz) Polster, Sdilafzimrn.,Stnhlmatr. Kindcrb.Chaiscl. a.Pri- vato. Ratcnzl. 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Sie wandte sich ihm zu. .Ditte, kommen Sie mit bis an den Zug." Sie konnte sich nicht so von ihm für immer trennen. Konnte ihn nicht einfach stehen lassen wie einen Hebcrläftigen. .Dann will ich nicht länger stören", stieß Hans Felsen in wütender Eifersucht hervor, den der hübsche Mann mit dem dunklen Teint und den schwarzen Augen wie ein Feind aufregte. Schon war er gegangen. Spanier kaum an. .Verabschiede dich von dem Herrn, denn brauchst du keine andere Begleitung als meine." Der scharfe Ton empörte sie. Sie hatte fast schuldig gegen Hans Felsen gefühlt, aber erwiderte sie kühl: .So schnell geht 1. Heinrich Baum, Glasermeister, Gießen, Bleichstraße 2. Karl Reuter, Schlosser, Gießen, Doeringstraße 1. Joseph Heißler, Hausmeister, Gießen,' Damm- straße 26. Georg Bickelhaupt, Bauinspektor, Gießen, Kaiser. Martha Lange, Ehefrau des 2D)olf Lange, Lollar, hilssschöffen für da» Schöffengericht. Unterfeldwebel Wilhelm Bodynschatz, Gießen, Feuerbachstraße 12. Frau Marie Martin, Gießen, Lahnstraße 13. Heinrich Blum, Spenglermeister, Gießen, Gra- Konra°?Dewald, Werkführer, Gießen, Wetzlarer Weg 32 Gustav (Borges, Buchdrucker, Gießen^ Krofdorfer Straße 20, r n . . Karl Kolb, Jnstallationsmeister, Gießen, Ludwig, straße 40. ... m. , Karl Fourier, Lokomotioführeranwarter, Gießen, Mittelweg 14. , Frau Antonie Baehr, Gießen, Frankfurter weshalb glänzten Tränen in ihren schönen blauen Augen. Wer weiß, was ihr bei seinem Glückwunsch durch den Kopf gegangen war. Eva Hirtberg mahnte: „Cs ist Zeit, aufzubrechen!" Er zahlte und war sofort bereit. Er freute sich auf die kurze Autofahrt an ihrer Seite. Unö als er dann neben ihr sah, zuckte es ihm in den Händen, sie an sich zu reiften, zum Abschied. Aber er wagte nicht die geringste Bewegung. Stumm fuhren sie durch die von abendlichem Leben erfüllten Straften. Beiden schien es, als wäre die Fahrt viel zu kurz. Dennoch atmete Eva auf, als sie zu Ende war. Es war besser, wenn Primo Duero erst wieder aus ihrem Leben verschwunden sein würde, er nahm ihr alle Ruhe. Als sie beide aus dem Auto stiegen, schob sich plötzlich eine hohe Gestalt zwischen sie und Primo Duero, und Eva sah mit Verwirrung und Erstaunen Hans Felsen vor sich. Ich hatte Nachmittag m Berlin zu tun und wär bei dir im Geschäft, um dich abzuholen, aoer du warst eben fortgegangen. Ich eilte an Die Dahn, doch du kamst nicht. Nun wartete ich hier." Er sah zornig aus. „Cvä, das hätte ich nie von dir geglaubt." , Sie hatte sich schon wieder gesaftt. Daß sie den anderen liebte, dafür konnte sie nid)1, und Der- botenes hatte sie nicht getan. Sie sagte ruhig: „Ich hoffe, es ist dir recht, wenn ich dich mit Herrn Duero aus Barcelona bekannt mache, in des,en Geschäft ich ein Jahr lang angestellt war. Er ist hier in der traurigen Angelegenheit seines Vaters. Ich schrieb ihm, weil ich zufällig auf eine Spur traf, durch die der Mord an seinem Vater vielleicht Aufklärung findet. Ich erzählte dir von dem Mord, aber ich fühlte mich nicht befugt, dir von der Spur und Herrn Dueros damit zusammenhängendes Hierherkommen zu sprechen." HanS Felsen blickte den höflich grüßenden 2. 3. Oer Dreizehnte. Roman von Anny von panhuys. Copyright 1929 by Verlag Rechthold Braunschweig 5. Franz Schwab, Hotelier. Gießen, Bahnhosstr. 89. 6 Hans Grieb, Kaufmann, ,Gießen Keplerstrahe 5. Philipp Balser VIII., Maurer, Reiskirchen. Wilhelm Bingel, Beigeordneter, Mainzlar. Heinrich Müller 11., Weißbinder, Lang Gons. Friedrich Haas II., Maurer. Burkhardsfelden. Johannes Heß, XXIV., Bürgermeister, Lech- Ucbcr das Ergebnis der Auslosung der Jahreslisten der Schöffen und Geschworenen für 1931 ist folgendes zu berichten: Hauptschöffen für das Landgericht. 1. Heinrich Erle, Kaufmann Gießen, Weftanlage. 2. Karl Weber, KrankenkassenangesteUter, Gießen, Primo Duero erklärte, nach Amsterdam reifen zu wollen, so rasch wie möglich, um herauszubringen, auf welche Weise die Frau in den Besitz der Steine gelangt war. Eva Hirtberg stimmte ihm bei, und obwohl ihr das Herz blutete, redete sie ihm sehr lebhaft zu, seine Neise so rasch wie möglich anzutreten. Man könne nicht wissen, ob ihm nicht alles erschwert würde, wenn die Spuren nicht mehr frisch wären. Er gab das zu und Eva war zumute, als müsse sie weinen. Hinter ihren Lidern beatmten Tränen. Sie zwang sie zurück, aber sie litt unbeschreiblich. Er sollte und durfte nicht merken, mit welchen grausamen Schmerzen sie bei ihm sah und ihm zu beschleunigter Abreise zuredete. Er sagte: „Cs tut mir sehr leid, daß wir heute Abschied nehmen müssen. Aber es ist auch gut so, ich sehe es ein. Jedenfalls danke ich Ihnen recht herzlich, daß Sie mir geschrieben haben. Und nun sagen Sie mir, bitte, noch, wann Ihr Hochzelts- tag ist. Ich möchte Ihnen gern meinen Glückwunsch senden." Er neigte sich vor und blickte sie mit Zärtlichkeit an. Sie fühlte das Pochen ihres Herzens nut unheimlicher Stärke. Das Sprechen wurde ihr schwer. „ . . Nein, bitte, senden Sie mir feinen Glückwunsch, mein Verlobter würde sich wundem, woher Sie etwas von meiner Hochzeit erfahren konnten. Er weift doch nichts von Ihrem Hiersein, und es sähe so merkwürdig aus, wenn" — Sie kam ins Stottern und er fiel ihr ins llvort. „(Sie sollen meinetwegen keine Unannehmlichkeiten haben mit dem Manne, den Sie lieben. Mit dem Manne, den Sie lieben! klang es m ihr" Ohr wie ein Echo nach. Und sie zitterte heim- lief), weil sie sich ihrer selbst nicht mehr sicher fühlte. Sie fürchtete sich davor, es konnte ihr ein Wörtchen über die Lippen springen, das Primo Duero die Wahrheit verriet. O wäre sie frei, wie selig würde es sie machen, ihm zu gestehen, *<ÄX£:r.*i«. ft keine Unannehmlichkeiten haben mit dem Maime, den Sie lieben. Deshalb gebe ich Ahnen memm Glückwunsch schon heute mit. Sem verriet sein innerstes Empfinden. „Mö^ Sie recht, recht glücklich werden, Eva, mögen Sie die glücklichste Frau auf Erden werden!" Er streckte ihr die Rechte über Den Tisch ent gegen und er fühlte das Beben ihrer schmalen Finger und sah, wie grofte Tränen m ihren Augen Ein Gedanke durchzuckte ihn, ein Gedanke, der ihm wundervoll und überwältigend schien. „Torheit!" verwies er sich selbst. Er war ein Narr, wenn er glaubte, er könne dem blonden Mädchen auch nur das geringste gelten. Aber weshalb bebten Eva Hinbergs Finger, langen kann, haft er die großen (und geheimen) Zusammenhänge der europäischen Politik durchschaut, heute leichtsinnig dahinfagt: „Cs ist ganz gut, wenn die Franzosen etwas Angst gemacht bekommen und der Schreckschuß der Hitlerwahlen ihnen in den Leib gefahren ist", so muft man ihm erwidern, daft er nicht weift, was er tut. Cr zuckt den Dolch gegen sich selbst und trägt dazu bei, fern Vaterland in ein Abenteuer zu stürzen, aus dem es — diesmal endgültig — nur als Trümmerhaufen hervorgehen könnte. Cs genügt, sich die europäische Landkarte vorzunehmen, so wie sie heute aussieht, und auf ihr selbst jene sogenannte „neue Mächtegruppierung In Europa zu studieren, welche Italien gerne zustande bringen möchte. Cs genügt, von der Karte herunter die beiderseitigen Chancen abzuwägen, um zu grauenerregenden Schlüssen zu gelangen. Wenn in Frankreich selbst bei finsteren Reaktionären ein Argument dafür, daß Deutschland keinen Krieg gegen Frankreich führen kann, verfängt: so ist es diese rein kartographische Beweisführung. Denn wenn der Franzose von der Begabung des Deutschen in politischen Dingen auch eine recht geringe Meinung hat, so hält er ihn immerhin noch nicht für so verrannt, daß er sich mit offenen Augen fein eignes Grab graben solle ... und er wird nie verstehen, daß man von zwei liebeln das größere — und endgültige — wähle: sofern man doch, bei einiger Geduld und Geschicklichkeit — die Möglichkeit hat, das kleinere nicht nur zu überwinden, sondern sogar in sein Gegenteil zu verkehren. Allerdings gehört dazu die feste Hand eines genialen Staatsmannes, der sich um Popularität nicht kümmert, nicht nach billigem Lorbeer- und Tribünenbeifall lüstern ist, sondern weiß, daß er eine heilige Mission erfüllt: daft er Geschichte macht im erhöhten Sinn des Wortes. Cs gehört dazu ein Mann mit suggestiver Ausstrahlung: grundehrlich in sich selbst, unbedingt überzeugt — und von untrüglicher Intuitionskraft. Cs gibt auf die Dauer keine positive europäische Politik, die sich ohne deutsch-französische Verständigung durchführen licftc. Das gemäßigte Frankreich will die Annäherung an Deutschland. Cs hat nicht an öffentlichen Stimmen gefehlt, die dies bekundeten: aber es wird in feinem guten Willen gehemmt durch allgemeine und in gewagten Zusammen - hängenösfentlichbetriebene Annul- [ierujigSforDerungen, welche über Nacht einen Küjeg — und damit eine neue Delttragödie hcraufbeschwören können. Da Deutschland bei einem solchen Kriege nichts zu gewinnen und alles zu verlieren hätte, so ist es nicht verständlich, warum es nicht zu seinen berechtigten Reklamationen gegenVersailles intimere und ersprießlichere Wege wählt als die derTribüne. Cs gibt diese Wege Aber setzen Vertrauen voraus. Hyper- nationalistische Gesten ins Blaue hinein zerstören das Vertrauen — und verschwenden kostbare Kraft, beste deutsche Kraft, die sich bei kluger, gewandter und etwas raffinierterer Führung positiver äußern könnte. (Cin zweiter Artikel „Die Landkarte" folgt.) ..Also aus Amsterdam war die QUontiroffi nach Berlin gekommen!" durchzuckte es Primo Duero. Sicher war sie wieder dorthin zurückgekehrt. Er blickte Herrn Weigert gespannt an. Der fuhr fort: „Die Prinzessin QUontiroffi ist die dreißigjährige, sehr mondäne Tochter eines Amsterdamer Pfandleihers namens Nicolaas Sneek, der auch Iuwelen antauft und wieder abfeht, namentlich im Ausland, und schon mehrmals wegen grober Hehlerei ernste Konflikte nut der holländischen Polizei hatte, sich aber immer wieder geschickt aus der Schlinge zog. Die Prinzessin hieß vor zwei Iahren noch Io van Mühlen, aber sie ist von ihrem Manne geschieden und heiratete einen ganz alten und ganz heruntergekommenen italienischen Prinzen. Hoch in den Siebzigern war er und er schloß die Ehe, die nur eine Namensheirat gewesen, für ein paar Gulden und eine Flasche Genever, klatscht man. Vierzehn Tage nach der Hochzeit starb er." ,.. . , „ Primo Duero hatte stumm zugehort, aber es hatte ihm Mühe gekostet, jeden Laut des Erstaunens zurückzuhalten. Was er erfahren, paftte gut zu dem, was er wußte. Pieter van Mühlen war also wohl der erste Mann dieser Prinzessin^ Die sich auf etwas eigenartige Weise in den Besitz ihres hohen Titels gesetzt. Und mit ihm war sie hier in Berlin gewesen, um die blauen Brillanten zu verlausen. Ihr Vater war Pfandleiher und machte Hehlergeschäsre. Er hatte also wohl die Steine angekauft. Er würde erzählen müssen, von toenu Primo Duero zahlte für die Auskunft das hohe Honorar, das man ihm abverlangte, und er hätte auch, ohne Darüber nachzudenken, das Doppelte gezahlt, so wichtig war ihm das, was er hier verblüffend schnell erfahren. Von der Detektei aus ging er in die Leipziger Straße und erwartete Eva Hirtberg. Sie kam in einem wunderhübschen neuen dunklen Mantel und kleinrandigem Hut, und Primo Duero schien sie noch viel reizvoller, als er ihr Bild im Gedächtnis hatte. , Sie suchten wieder das Reine Restaurant auf, wo sie das letztemal gewesen, aber schon unterwegs begann Primo Duero die Neuigkeiten zu erzählen, die er inzwischen erfahren hatte. Eva Hirtberg saß ihm dann in Dem Reinen Restaurant gegenüber und beide unterhielten fich lebhaft über Die blonde Frau mit dem stolz Ringenden Namen, die anscheinend doch eine sehr fragwürdige Person war. Am Rugelbercu 3 Hugo Lucas, Postinspektor, Gießen, Frankfurter Straße 59. 4. Dr. Jakob Roßkopf, Gießen, Marburger Straße Nr. 52. 5. Albert Dörr, Maurer, Großen-Buseck. 6. Heinrich Haas II., Schuhmacher, Watzenborn- Steinberg. 7 Karl Gärth, Landwirt, Mendorf a. d. Lahn. 8. Joh. Karl Benner, Gewerkschaftssekretar, Wieseck. Hilssfchöfscn für das Landgericht. 1. Karl Beil, Schreinermeister, Gießen, Bücking- Primo Duero sah Eva traurig an. Wenn ich auch kein Wort verstand, so war mir das eben doch verständlich. Cs tut mir bitterleid, daran die Schuld zu tragen.“ Cva schüttelte den Kopf. Daran tragen Sie keine Schuld, Sennor. "(Sie werden sich wieder versöhnen", tröstete er eifrig. Eva schloß leicht die Augen. Wie unverständlich ja kindisch hatte sich Hans eben benommen. Sein ganzes Bild hatte sich durch die törichte Szene verschoben. Sie hatte seine Bemerkung, er wäre eifersüchtig, die er gelegentlich gemacht, mehr als Scherz, denn als Emst aufgefaßt. Primo Duero sagte, und in seiner Stimme verriet sich starke Nervosität: „Ich kann nicht ruhig abreifen, ehe Sie sich mit Ihrem Verlobten wieder versöhnt haben, sonst würde mich stets und ständig das Schuldbewufttsein drücken, ein Glück zerstört zu haben. Und gerade Ihr G'.ück, Eva, gerade das Ihre. Niemals fände ich dann Ruhe." Eva lächelte matt. „Cie haben wohl kaum verstanden, in welch schroffer Form mich mein Verlobter behandelte. Ich gebe zu, es kränkte ihn, daß ich ihm unsere Unterredungen verschwieg, aber seine Art und Weise war falsch gewählt, meine Liebe für ihn ist nicht stark genug, damit fertig zu werden." 'Fast unbetouftt sagte sie es. Sie konnte einfach nicht anders. Sie war sich im Augenblick, alls Hans Felsen sich so unbeherrscht eifersüchtig zeigte, schon darüber Rar, sie würde nun niema’U seine Frau werden. Es kam ihr, mit der Liebe zu einem anderen im Herzen auch plötzlich unmöglich vor. Primo Duero war stehengeblieben. „Cva, wissen Sie auch, was Sie eben gesagt haben? Ihre Liebe zu Ihrem Verlobten ist nicht stark genug —“ Er brach ab, denn mit einem Male sah er, es gab wohl doch einen Weg, der zu Eva Hirtberg führte. Evas Herz schlug seltsam schwer. Sie hastete vorwärts. „Wir erreichen den Zug nicht mehr und ich muß noch mit.“ Sie eilten sich. Primo Duero bat: „Gehen Sie nicht so von mir. Wir müssen uns noch einmal sehen und sprechen." Er hatte keine Bahnsteigkarte und es war zu spät, noch eine zu besorgen. Eva stürzte davon und er sah ihr nach. Sie wandte sich um und winkte, Dann war sie verschwunden. Mit einer großen goldenen Hoffnung im Herzen verließ Primo Duero den Stettiner Bahnhof. (Fortsetzung folgt) päischen KrästespieleS stellen könne. Kluge Franzosen sehen das ein und drängen auf eine Politik des „schwebenden Ausgleichs", welche einer gesünderen Stabilisierung des französischen Wohlstandes und einer tieferen Sicherung seiner Heutigen Gegebenheit gleichkäme. Es fommt_ in Franks.-^ darauf an, daß diese helleren Köpfe im Laufe der Iahre wieder die Oberhand und damit auch die Handlungsfreiheit bekommen. Bei dem an und für sich sehr langsamen Franzosen geht das nicht so rasch, wie es sich der (berechtigterweise) ungeduldige Deutsche denkt und wünscht. Und Rückschläge — unausbleibliche — verlangen natürlich, daft schon einmal begangene Wege immer wieder von vorne begangen werden. Die Zähigkeit entscheidet, nicht die Leidenschaft. Hier erhebt sich die Frage: sind in der letzten Zeit von Seiten Deutschlands Dinge geschehen, welche dazu beigetragen haben, das Gespenst eines neuen deutsch-französischen Krieges auch in den Köpfen freundlich gesinnter Franzosen wieder entstehen zu lassen? Die Frage kann von einem ehrlichen Menschen wohl nicht kategorisch verneint werden, sofern man der französischen Nervosität gebührend Rechnung trägt. Es handelt sich in diesen Darlegungen nicht um ein Hin- und Her- rechten: es handelt sich um einen leidenschaftslosen Versuch, eine gefährliche Situation zu analysieren und — im Interesse Deutschlands und Europas, was schon um der geographischen Lage unseres -Landes willen immer das gleiche ist — auf Mittel und Wege zu finnen, sie zu «planieren. Kein Mensch in Deutschland wird den Vertrag von Versailles als unabänderliches Faktum hinnehmen. Kein vernünftiger Franzose glaubt, daft dieser Vertrag von ewiger Gültigkeit sei. Da er ja nun aber nicht nur die Beziehungen Frankreich-Deutschland regelt, sondern — wenigstens heute noch — ein Statut von allgemein europäischer, ja tocltmäftiger Gültigkeit ist, so versteht es sich von selbst, daft das leidenschaftliche, rein gefühlsmäftigeHineinwerfen des un- umgrenzten Wortes „Revision" in die deutsch-französische Debatte für den Franzosen gleichbedeutend ist mit llmtoer- fen der gesamten europäischen Gegebenheit, so wie sie nun einmal dieser dilettantische, üble Vertrag geschaffen hat. Daft eine solche Erschütterung aller Grundlagen des augenblicklichen Europa schlieftlich einen neuen Weltkrieg bedeuten müßte, liegt auf der Hund. Frankreich bangt vor der Möglichkeit eines Krieges überhaupt: nicht etwa aus der Furcht heraus, ihn verlieren zu müssen (was wohl schwerlich der Fall sein würde): sondern weil es — angesichts seines Wohlergehens — von einem unbedingten Willen zum Frieden beseelt sein muft. Dieser für jeden genauen Kenner der Verhältnisse unbestreitbare Punkt kann gar nicht deutlich genug betont und unterstrichen werden. Cs ist — beim Abwägen der diplomatischen und politischen Gewichte — gleichgültig, auf welchen Motiven eine Friedensliebe beruht: es ist entscheidend, daß sie da sei. Angesichts der inneren und äußeren Lage Deutschlands nun versteht es sich von selbst, daß von deutscher Seite aus nichts geschehen darf, das diesen Friedenswillen Frankreichs ernsthaft erschüttern könnte. Tritt eine solche Erschütterung ein: so ist die heute noch zu bannende Gefahr eines neuen europäischen Döbales um ein ganz beträchtliches vermehrt und die deutsche Situation wesentlich verschlechtert. Denn wer da glaubt, durch Kampfrufe werde sich Frankreich cin- schüchtern lassen: dem kann man nur sagen, daß er nicht minder auf dem Holzwege ist, als unsere Annerionspolitiker während des Krieges, deren größte Sünde es war, ein verstiegenes Ziel mit völlig unzulänglichen Mitteln erreichen zu wollen. Wenn der enttäuschte und notleidende Bürger, von dem man nicht ver- allee 34. August Rochlitz, Schreiner, Gießen, Hinter den Schießgärten 28. 7. Gustav Koch, Landwirt, Hausen. 8. Louis Deibel III., Zimmermann, Staufenberg. 9. Karl Schäfer 1L Maurer, Albach. Christian Karl Leidich, Schmied, Grumngen. Ludwig Euler III., Hüttenarbeiter, Daubringen. Heinrich Becker VII., Weißbinder, Steinbach. Gedanken zur europäischen Lage. Don * * * Vorbemerkung der Redaktion: Man stellt uns von vorzüglich unterrichteter Seite die nachso'genden Darlegungen zur Verfügung. Obwohl wir uns nicht mit ihnen identifizieren, bringen wir sie dennoch deshalb zur Kenntnis unserer Leser, weil wir im Augenblick nichts für wichtiger halten als Die ehrliche Auseinandersetzung überzeugter und ihr Vaterland liebender Menschen mit den schwebenden außenpolitischen Fragen. I. Haltung und Methode. ES kann keinem Zweifel unterliegen, daß sich die europäische Lage im Laufe des Iahres 1930 verschlechtert hat. Nicht so sehr in ihrer stofflichen politischen Gegebenheit, als in der Art, wie sich allgemeines Unbehagen äußert. Die Akzente sind nicht nur schärfer, sie sind sogar drohend geworden. Das Wort „Krieg" ist mit einer Leichtsinnigkeit ausgesprochen worden, die jedem die wirkliche Lage durchschauenden Menschen einen berechtigten Schrecken in die Glieder jagen mußte. Es hilft nichts, wenn Optimisten lochen und sagen: Hirngespinste! Cs sind noch immer gerade die Hirngespinste gewesen, welche die bedenklichsten Geschehnisse gezeitigt haben. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß gerade in Frankreich am unverantwortlichsten der Teufel des Krieges an die Wand gemalt worden ist. Rechtsstehende Zeitungen, wie „Figaro", „Ami du Peuple" und „Intransigeant" haben Hetzartikel gegen Deutschland auf ihre Leser los- gelassen, wie man sie kaum noch für möglich hielt. Es ist lächerlich, von französischer „Hysterie" zu sprechen. Die genannten Blätter wissen ganz genau, was sie mit ihrem Geschreibe bezwecken: ein jedes ihrer bösen Worte ist wohlüberlegt und auf ein ganz bestimmtes Ziel hin gerichtet. Man will von dieser Seite aus das Mißtrauen gegen Deutschland unter allen Umständen aufrechterhalten, um im Schatten dieses Mißtrauens die Hegemoniepo'itik Frankreichs ungestört weiterführen zu können. Welche Zugeständnisse Deutschland immer machen könnte, die saturierte bourgeoise Reaktion (aberauch nur sie) würde durch nichts zu bewegen sein, von ihrer chauvinistischen Politik Abstand zu nehmen. Es ist falsch, zu behaupten, daft es sich in diesen üblen Artikeln um ein in erster Linie innerpolitisches Manöver handle. Die innerpolitische Lage Frankreichs ist — dank der Haltung der Radikalen und Sozialisten — durchaus nicht solcher Natur, daft eine dauernde Aufputschung des vaterländischen Gefühles gegen zersetzende Clemente nötig wäre. Auch ist — trotz einiger Privater Bankkrache — die w.rtschaft.iche Lage des Landes s o, daft das gesamte nationale Leben in normalen und gesunden Bahnen läuft. Cs ist natürlich begreiflich, daß die von Natur aus konservativen Franzosen einen solchen Zustand des Wohlergehens unter allen Umständen erhalten wollen. Aber es ist ein Irrtum $u glauben, daß dies auf die Dauer mit Den Mitteln durch- gesührt werden könne, deren sich die kurzsichtige Rechte in einer für französische Verhältnis - eigentlich reichlich plumpen, ja Dummen Wei bedient. Wenn es ganz bestimmt richtig ist, Daft Frankreich „sich selbst genügen“ kann: wenn Die Kriegs- unh Nachkriegspolitik Frankreichs auf nichts anderes hinzielte, als diesen Zustand des „sich selbst Genügenkönnens“ zu erhöhen: So zeugt es von großer Kurzsichtigkeit, wenn man annimmt, Daft sich auf die Dauer irgendein europäisches Land außerhalb des allgemeinen euro- Straße 43. ,, ... 9. Frau Berta Mues geb. Kilbmger, Arztwitwe, Gießen, Goethestraße 23. 10. Ludwig Leyerer II. Landwirt, Climbach. 11. Heinrich Werner III., Landwirt, Wiefeck. 12. Konrad Klos, Bürgermeister, Oppenrod. 13. Heinrich Jnderthal IV., Landwirt, Rodgen. 14. Ernst Ludwig Lindenstruth, Stclnhauer, Beuern. 15. Friedrich Wilhelm Schmidt, Polizeidiener, Trohe. 16. Ludwig Korber VI., Landwirt, Ruttershausen, hauplgeschworene für das Schwurgericht. 1. Georg Baum, Feldschütz, Gießen, Aimeröder Weg Nr. 14. m t _ 2 August Balzer, Kaufmann, Gießen, Braugasse 6. 3. Frau Marie Reh, Gießen, Schützenstrafte 19. 4 . Petsr Schäfer. Werkmeister, Gießen, Hillebrand« straße 14. 5 . Philipp Pfaff, Borschlosser, Gießen, Ludwig, straße 27. 6 . Georg Arnold II., Landwirt, Leihgestern. 7 Heinrich Wißmann, Schlosser, Lollar. Lumdastraße 9. 8 Philipp Keßler VIII., Landwirt, Grohen-Linden. 9 Wilhelm Zecher, Wagcnmeister, Klein-Linden. 10. Heinrich Stein, Maurer, Wieseck, Neuenweg, hllfvgcschworene für das Schwurgericht. 1. Professor Borgmann, Gießen, Nordanlage 41. 2 Johannes Philipp II., Watzenborn-Steinberg. 3. Richard Arnold, Krankenkassenangestellter, Gießen, Am Kugelberg. 4. Anton Beetz, Messerschmied, Gießen, Schulstraße. 5. Johann Horst, Gießen, Weserstraße 19. 6 Anton Wickert, Hausmeister, Gießen, Liebig- straße 20. 7. Friedrich Jung, Kaufmann, Gießen, Walltorstr. 8, Theodor Rühl, Angestellter, Gießen, 21m Kugelberg. 9. Ernst Rau, Kaufmann, Gießen, Walltorstraße 37. 10 Fritz Flimm, Gießen, Marburger Straße 10. 11. Jakob .Günderoth, Geschäftsführer in Gießen, Schanzenstraße. 12. Heinrich Haas III., Schmied, Annerod. 13. Karl Schmidt III., Landwirt, Lang-Göns. 14. Karl Kreiling IV., Schreiner, Wieseck, Gießener Straße. 15 Wilhelm Hahn II., Landwirt, Annerod. 16. Otto Kreiling L, Kronkenkassenangestellter in Heuchelheim. 17 Jakob Wallbott III., Landwirt, Garbenteich. 18. Heinrich Kehr IV Schreiner, Treis a. d. Lda. 19. Ludwig Graulich II., Landwirt, Bersrod. 20. Heinrich Becker IX., Bürgermeister, Altsn-Buseck. Aus der provinziathauptstadt. Gießen, dsn 3. Dezamber 1930. Einmaliges Gastspiel des Gießener Stadttheaters in Lich. Wem schreibt unS: Den Bewohnern vieler Orte ist infolge vcrkehrstcchnischer Schwierigkeiten ein regelmäßiger Theaterbesuch nicht möglich. Hm trotzdem in ständiger Verbindung zu bleiben und Dadurch den Konnex mit der nächstgelegenen bodenständigen Bühne zu sichern, hat die Intendanz sich entschlossen, in Lich ein einmaliges Gastspiel zu Veranstaltern Vicht um den Kreis der Gastspielorte zu vergrößern, sondern weil es zu den ideellen Aufgaben des Gießener Stadttbea- ters als der einzigen Bühne Oberhessens gehört, aus werbe technischen Gründen Gastspiele zu veranstalten. Zur Aufführung gelangt ein Lustspiel von Frank und Hirschfeld: „Geschäft mit Amerika". Es ist die neueste Schöpfung dieser beiden Autoren. Das Lustspiel dürfte für Lich mit gu den ereignisreichsten Abenden des Winters zählen. Obst- und Gartenbauverein Gießen. ,.ModernePflanzenzüchtung" lautete das Thema eines Vortrages, den Universitäts- Professor Dr. S e s s o u s am Sonntagnachmittag vor zahlreichen Mitgliedern des Obst- uno Gartcnbauvereins Gießen im Hörsaal des Landwirtschaftlichen Instituts hielt. Von dem Gedanken ausgehend, daß Landwirtschaft und Gartenbau gemeinsam die Pflicht haben, die wachsende Bevölkerung vom Ertrage des deutschen Grund und Bodens zu ernähreir. sucht man durch geeignete Zuchtmaßnahmen eine Steigerung und Veredlung der Feld- und Gartenernten zu erreichen. Der Weg des Züchters, der nach modernen Methoden arbeitet, ist zwar mühsam und bleibt auch gegenwärtig von Enttäuschungen und Fehlschlägen nicht frei, aber er ist sicherer als am Anfang, wo man sich lediglich auf Auslese beschränken muhte. Obschon die Auslese überraschende Erfolge brachte und teilweise zur Verdoppelung des Ertrages geführt hat, gelangt man bei ihr doch zu einer von der Vatur gezogenen Grenze, über die es nicht hinaus geht. Erst durch Kreuzung geeigneter Elternpflanzen ist man in die Lage versetzt, erwünschte Eigenschaften zu steigern und vollkommen Neues zu schaffen, das bei Beachtung der wissenschaftlichen Voraussetzungen in seinen: Ergebnis vor- ausberechnet werden kann. Diese Methoden, mit deren Anwendung wir erst am Anfang stehen, eröffnen erfreuliche Aussichten für den Anbau von Feldsrüchten, Obst, Gemüse, Blumen und Waldbäumen. An zahlreichen Tabellen, Lichtbildern und dem sonstigen Anschauungsmaterial eines wissenschaftlichen Instituts zeigte der Vortragende seiner gespannt lauschenden Zuhörerschaft in klarer, leichtverständlicher Weise die für Pflanzen, Tiere und Menschen gleicherweise geltenden Gesetze der Vererbung und chre Auswirkung auf die Rachkommenschaft durch Hebet- tragung von sichtbaren und unsichtbarer: Anlagen. die sich einesteils wie ein Segen, anderseits aber auch als Fluch auswirken. Daß der Züchter sie als nachteilig erkennen und vermeiden muh. darin liegt das Geschick, welches neben erkennendem Blick und Glück zum Ziele des Verfahrens führt. Von Einzelheiten und den vielen angeführten Beispielen sei nur die Mitteilung von der gelungenen Zucht bitterstoff- freier Lupinen erwähnt. Von Interesse dürfte auch sein, daß die deutschen Zuchtanstalten Weizensorten liefern, die an sog. Kleber, d. h. Back- fähigkeit, den ausländischen Weizensorten gleichkommen, sie sogar übertreffen, so daß die Einfuhr von Auslandweizen nur durch den Wassergehalt sachlich begründet ist, der in Ländern mit wärmerem Klima und höherer Trockenheit der Luft viel geringer als bei unserem Getreide sein muh. Zum Schluß machte der Vortragende noch Mitteilung über die allerneuesten Ergebnisse der Bestrahlung leimender Samen mit gewissen Strahlen, die eine tiefgehende und erbliche Veränderung der so erzielten Pflanzen hervorruft. R. ** Evangelische Pfarrpersonalien. Durch die Kirchenregierung wurde dein Pfarrer Wilhelm Reusch zu Rieder-Ohmen die evangelische Pfarrstelle zu Leihgestern, Dekanat Gießen, und dem Pfarrer Hermann Dotzert zu Engelrod die zweite evangelische Pfarrstelle zu Lauterbach, Dekanat Lauterbach, übertragen. •* Elternabend in der Oberrealschule. Der veredelnde und erzieherische Einfluß, den die Musik bekanntermaßen gerade auf die Iugend auszuüben pflegt, ließ auch dem diesjährigen Elternabeich der Oberrealschule mil- freudiger Anteilnahme entgegensehen. Zur Einleitung sprach Studienrat Dr. Hillenhrand herzliche Worte der Begrüßung. Er wies u. a. darauf hin. daß das Orchester auf eine fünfjährige Tätigkeit zurückblicken kann. Die jungen Leute wurden mit ihrer Auffassungsgabe entsprechenden klassischen Kompositionen bekannt gemacht. Gegenseisiges Vertrauen zwischen Lehrern, Schüler:: und Eltern ist gepflegt worden, und die Freude an edler Ablenkung und würdiger Hnterhaltung wird auch für die fernere Zukunft des jungen Menschen ihre wohltätige Wirkung ausüben. Auf die Ansprache folgten Violin-Soti mit Klavier und Orchesterbegleitung, die die Zuhörer mit dankbarem Beifall aufnahmen. Den Abschluß des ersten Teils, der italienische Musik zu Gehör brachte, bildeten die Gavotte von Martini und das Menuett von Doecherini. t.tn- genehn: empfunden wurde das klare und sichere Spiel, die scharfe Rhythmik und dynamische Abstufung deS Vortrags. Im zweiten Teil wurde ein Lustspiel, „Der Pastetenbäcker", nach Lope de Vega zur Aufführung gebracht. Heinz Nike! unb Karl Löw zeichneten sich durch köstlichen Humor und Frische der Darstellung aus. Warmer Dank für den gebotenen Abend gebührt dem Direktor der Oberrealschule, Prof. Dr. Roller, und nicht zuletzt dem verdienten Leiter des Orchesters, Studienrat Dr. Hillenbrand. " Konzert des Bauerschen Gesangvereins in der Rervenklinik. Auf Einladung der Direktion, die damit einem Wunsche der Patienten entsprach, fang am Sonntagvormittag der Bauersche Gesangverein im Hörsaal der Rervenklinik eine Anzahl Lieder unter der Leitung des Chormeisters Görlach. Die Darbietungen wurden von den Patienten mit großer Freude aufgenommen. Geheimrat Prof. Dr. Sommer dankte dem Verein für die den Zuhörern bereitete genußreiche Stunde. ** D H E. G i e ß e n. Seine zwölfte und letzte Ber- einswanderung in diesem Jahre unternahm am Sonntag der VHC. Gießen in der Stärke von 45 Teilnehmern. Auf der Landstraße, die infolge bet letzten Regengüsse nicht immer einwandfrei war, ging es über Heuchelheim, Atzbach, Dorlar, wo man das breite Lahntal mit vielen Spuren der jüngsten Ueberschwemmung erreichte, zur Mittagsraft nach Waldgirmes. Hinter dem Ort eröffneten sich reizvolle Blicke auf das benachbarte Wetzlar mit feinen: mächtigen Dom, den vielen Fabriklchornfteinen und die es umrahmenden Höhen wie Garbenheimer Warte, Bismarckturm, Stoppelberg und Ruine Kalsmunt. lieber Naunheim, Nieder-Girmes und Hermannftein ging es das Dilltal aufwärts zum Endziele Aßlar, wo man sich bei Klavier-, Gesangs- und Dialektvor« trägen bis zur Heimfahrt vortrefflich unterhielt. Wirtschaft. Handel und Gewerbe im November. Rach der auf Grund von Berichten preußischer Industrie- und Handelskammern und des Deutschen Handwerks- und Gewerbelammertags im preußischen Ministerium für Han', el und Gewerbe zusammengestellten Hebers.cht ist die Wirtschaftslage zur Zeit fast in allen Zweigen s ch l e ch t. In der Weltwirtschaft versteifte sich die Lage noch weiter, besonders in Amerika. Auch in Frankreich treten Anzeichen sinkender Konjunktur in stär.erem Maße hervor, in Mitteleuropa setzte sich der Koniunkturabschwung fort. Die zielbewuhte Finanzpolitik Deutschlands wird überall mit Aufmerksamkeit verfolgt, und auch seinePreissenlungspolitik findetRachahmuna. An der Börse herrsche ungewöhnlich: Zurückhaltung. Der Eingang des internationalen Heber- brückungskredites hat dem Geldmärkte keine merkbare Erleichterung bringen können. * «Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 ----- 100) stellt sich für die Woche vom 24. bis 29. Rovember auf 88,9 gegenüber 91,8 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 82,6 (83,9), Gruppe verarbeitende Industrie auf 78,4 (81,0) und Gruppe Handel und Verkehr 112,9 (115,0). Für den Durchschnitt des Monats Rovember 1930 ist d:r Index mit 92,3 gegenüber 95,8 im Durchschnitt Oktober 1930 ermittelt, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie 87,4 (92,2), Gruppe verarbeitende Industrie 81,4 (84,4) und Gruppe Handel und Verkehr 115,5 (118,7). * Tatifk ündigungen imLahn-, Dill- Sieggebiet. Der Arbeitgeberverband der Siegerländer Gruben und Hütten kündigte den beteiligten Metallarbeiterverbänden den zur Zeit gültigen Lohntarif zum 31. Dezember 1930. Von der Kündigungsmaßnahme wird die gesamte Metallindustrie betroffen. Ebenfalls gekündigt wurde,: die Lohntarife für Eisensteinbergbau und Braunkohle Jür das Erzgebiet Dill-Lahn, sowie das Tarifgebiet Westerwald-Oberhessen den beteiligten Bergarbeiterverbänden von dem Berg- und Hüttenmännischen Verein zu 'Wetzlar zum 31. Ianuar 1931. Schweinemarkt in Gedern. f Gedern, 2. Dez. Zu dem heutigen Schweinemarkt waren 394 Tiere auf getrieben. 6 Wochen alte Ferkel kosteten 30 bis 32 Mk., für 6 bis 8 Wochen alte Tiere wurden 35 bis 40 Mk. und für Springer je nach Qualität 42 bis 50 Mk. bezahlt. Der Handel war sehr flott, der Markt war bereits um 11 Hhr geräumt. Frankfurter Börse. Frank furt a. M., 3. Dez. Tendenz: zurückhaltend. — Die Börse stand im Zeichen des bevorstehenden Zusammentritts des Reichstages: obwohl man kaum besondere Schwierigkeiten erwartet, sieht man doch mit einer gewissen Besorgnis der heutigen Sitzung entgegen, da man eventuell heftige Szenen befürchtet. Die Spekulation verhielt sich stark reserviert, da auch von außen her keine Aufträge eingetroffen sein sollen. Die meift etwas festeren Auslandbörsen liehen die Tendenz recht widerstandsfähig werden. Im Vormittagsverkrhr war man eher schwächer gestimmt, doch konnte sich zu Beginn des offizielle:: Marktes eine leichte Erholung durchsetzen, da von der eventuellen Ausdehnung des englische:: Bergarbeiterstreikes eine Anregung ausging. Die ersten Rollerungen lagen jedoch nicht gary einheitlich, waren aber meist etwas höher, bzw. gut behauptet. Der Montanmarkt zog aus der vorher erwähnten Mitteilung Ratzen. Rheinstahl eröffneten 2,5 Prozent und Mannesmann 1,25 Prozent höher. Im übrigen war das Geschäft auch an den anderen Märkten sehr ruhig. Elektrowerte zogen meist bis zu 1,5 Prozent an, nur Gesfürel gaben 1 Prozent nach. Am Chemiemarkt lagen I.-G.-Farben behauptet. Scheideanstalt leicht erhöht. Niedriger eröffneten nur Aku, Zellstoff Waldhof usw., doch betrugen die Rückgänge nur Bruchteile eines Prozentes. Bankaktien und Schiffahrtsaktien waren gehalte::. Die Rebenmärkte lagen fast geschäftslos. Am Anleihemarkt setzten deutsche Anleihen etwas höher ein. Von Ausländem waren Hngam höher. Im Verlaufe stagnierte das Geschäft fast vollkommen, die Kurse lagen jedoch unverändert. Reichsbankanteile, waren stärker gesucht und tarnen mit plus 6,75 Prozent zur Erstrwtiz. Pfandbriefe ruhig, über gut behauptet, teilweise auch etwas fester. Am Geldmarkt erfuhr der Sah für Tagesgeld mit 5 Prozent eine Erleichterung. Am Devisenmarkt lagen Devisen gegen Reichsmark weiter schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1930, gegen Pfund 20,3625, gegen Paris 123,58, London gegen Kabel 4,8560, gegen Mailand 92,65, gegen Madrid 43,50 schwächer, gegen Schweiz 25,07, gegen Holland 12,0650. Berliner Börse. Berlin, 3. Dez. Rachdem vormittags im Zusammenhang mit dem Wiederzusammentritt des Reichstages und auf Grund der innerpolitischen Hngeklärtheit seitens der Spekulation stärk st eZurückhaltung geübt wurde, eröffnete die heutige Börse zwar in nicht ganz einheitlicher, aber nur zum Teil in schwächerer Haltung. Festere Auslandsbörsen boten allerdings der Tendenz eine gewisse Stütze, anderseits wirkten sich jedoch kleinere Verkäufe an einigen Märkten kurs- mäßig aus. So eröffneten u. a. Aku, Schultheis, RWE., Harpener, Aschersleben und Gesfürel bis zu 2 Prozent niedriger: Thörls Oel verloren drei Prozent, Chemische Heyden nach anfänglicher Mi- nus-Minus-Rollz 3,25 Prozent, da die 'Divi- dendeeausfichten, die vom Ausgang des amerikanischen Prozesses abhängen, noch ungeklärt seien. Anderseits konnten Schubert & Salzer 2,25 Prozent und Harpener bis 1 Prozent gewinnen: Svenska lagen 3,50 Mk. höher. Im allgemeinen war die Hmsahtätigkeit sehr gering, und erst im Verlaufe wurde sie etwas größer. Es war nämlich Grund zu Deckungen vorhanden, als sich herausstellte, daß die gestrigen Abschwächungen bei der Kundschaft keine größere Qrbgabenei- gung ausgelöst haben. Gleich nach den ersten Kursen wurde es allgemein freundlicher, und auch die innerpolitische Situation wurde im Hinblick auf eine Deichstagsmehrheit für die Rvt- vervrdnung günstiger beurteilt. Die Festigkeit besonders der Reichsbankanteile, da man mit ziemlicher Sicherheit mit der Ausschreibung des bekannten Bezugsrechtes für die nächste Woche rechnet, übertrug sich teilweise auch auf die übrigen Märkte. Spezialwerte gewannen bis zu 2,5 Prozent. Deutsche Anleihen Klagen ruhig. Ausländer zumeist behauptet, öprozentige Mexikaner verloren weiter. Pfandbriefe still. Reichsschuldbuchforde- tungen gäbe:: bis etwa 0,5 Prozent nach. Die Geldsähe waren kaum verändert. Tagesgeld 6 bis 8 Prozent, Monatsgeld 6,5 bis 8 Prozent, Wa- renwechfel zirka 5,5 Prozent. Rachdem dann spater bei höheren Kursen zu Gewinnmitnahmen geschritten wurde, setzte sich gegen 12.45 Hhr eine neue Aufwärtsbewegung durch, woraus es wieder ausgesprochen fest wurde. Reichsbankanteile gingen 7 Prozent über Anfang um, und Salzdetfurth lagen zirka 5 Prozent höher. Für Chadeaktien kam verspätet eine Rotiz zustande, die sich mit 293,50 2,50 ,Mk. unter gestrigen Schluß stellte. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 3. Dez. Am Produktenmarkt war die Stimmung fest, da die Rotver- ordnung über das Brotgesetz anregte. Rogge:: stand dabei im Vordergrund des Interesses und lag bis 5 Mk. höher. Auch der übrige Markt erfuhr hiervon ausgehend einen Ansporn, doch war das Geschäft :m allgemeinen gering. Die Händler beschränkten sich auf Bedarfskäufe. Das Angebot war nicht erheblich. Lebhafter war die Rachfrage nach Futtermitteln, und Haler konnte erheblich anziehen. Auch Weizen- und Roggenkleie konnten sich weiter kräftig erholen. Am Mehlmarkt wirkte sich der schon erwähnte Hmstand ebenfalls günstig aus. Besonders Roggenmehl war gefragt und 1 Mk. höher. Es wurden notiert (die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilogramm): Weizen (74 Kilogramm Hekto- litcrgewicht) 265, Roggen 175, Sommergerste für Brauzwecke 208 bis 215, Hafer, inlänb. 155 bis 160, Weizenmehl, südd. Spezial 0 40,75 bis 42, Roggenmehl 27 bis 28, Weizenkleie 9,25 bis 9,50, Roggenlleie 8,75 Mk. Tendenz fest: Weizen ruhig. Sricffaflen der Redaktion. (Rcchtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der . Schriftleitung.) 21. w. Wenden Sie sich an einen Arzt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v H-, Lombardzinsfuß 6 v. H. Sronffuri a. DI. »erlln Frankfurt a. Berlin Schluß-i 1-Übr« Schluß-! Slnfa.g» Schluß- 1-Ubr. | Schluß-1 Anchng- lur« | ÄuM lurx | Kure Iur4 KurS | furd | Kurs Datum 2 12. 3 12- 2 12 3 12 Datum 2 12 3 12 2. 12. * 3. 12 6% Deutsche Reich« auleihe Hamburn-Ämerlio Patei . . . 70 70 70.13 69,75 von 1927 ......... 86,5 —- 86,65 — Hambura-Südam.Dampslchiii. 8 — 158.5 158,25 7% Deutsche Reichöaulelhe Hanta Tampsschili.....10 —— — 126,75 von 1929 ........ 98 —— 98,5 —— Norddeuilcher Liovv.....8 71,75 71,75 71.5 71.6 Deutsche eütL-fflblöL-Ednilb mit Allgemeine Deutscl^Credilanst. 10 99 98,75 Auelos.-Rechten ... 52 52 52,1 5179 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Hatrdel-gelelllchaft . 12 101,25 101,25 101,25 101,25 De4gl. ofjne AuSlos.-Rechte . . . 5,9 6 5,9 5,9 — 126,5 126 6% ©cif. Bolk-staal von 1929 Commerz, und Privat-Bank. 11 112 111,75 112 111,75 (rtichobib. 102%:...... 88,25 — 88,9 — Tarmstädier und Nationaloanl 12 152,5 153 153 152,5 vberheilcn Provinz > Anleihe mi! Teutiche Bonk uno Auslos..Rechten....... 50 — •— Dtseonlo-Gelellichcht, ... 10 111 ** 111 110,25 Deutsche fiomm. GammclabL Dresdner Bank..... 10 111.5 111,5 111 110,5 Anleihe Serie 1 .... 6% ffranfl. bnv.-Bank Goldpse 49,9 — 49,8 — ReichSbani........12 226 — 226,5 226 XI» unkündbar bi? 1931 . . . 98,5 — — — •a.6.0............t 105,25 106,25 105.75 105,5 7% firanfi. Hnp.-Bauk Goldpse Bergmann.........9 — — 126 unfünubat bi« 1932 ... 92,5 — — — ölfttr. LteierungSgeselllchay. 10 —— — 111 —— 4Yi% Rhclniiche Hvv.-Bank Licht und Krall......10 121,5 —— 121,5 120,75 Stau. Goldpse......... 86,4 — — —— Felten & Guilleaume . . . iyt 92,5 — 92.5 — 8% Pr. Londesvimidbriesanstalt. Geiellichcht für Eleklrijche Pfandbrtete 9t. 19 . 100 — 100 _ Unternehmungen .... 10 114 1'3 114.75 112,5 8% Pr LanbeHxtanvbriesanNaU, 6omm^£bL8l. 20...... 7% Pr. ganbeey• an Dbriefanfialt, Hamburger ElektrYitäiS-Werke 10 —- 105 104,5 97 —— 97 Stdemilche Elektrizität . . . . V — Echlciiiche Elektrizität. ... 10 — — 110,5 109,5 ’tßfanobriefe 01. 21...... A.E.G. abg. Sonnegä-Obllgatio- 97 97 _ Schuckeri S Co.......ij 122,25 122.5 122 123 Sternen« & Halske ..... 16 164 165.5 164,5 164,25 neu. rüchablbar 1932 ..... 94 • —- Transraoio 123,25 Vabmetjer & (£o.. ..... li 127 127 — 4% Oesterretchische (Solerente . . 4,20% Oesierreichitche SUberrente 4% Ceftcneidjilttr Sinheilliche 26,25 2,4 — — — Buderus.....••...& Deukiche Erdöl ..••••• C Eilen er Steinkohle ...... ^ 51,75 63 — 51,75 62 50.75 62 Rente 4% Ungarische Soldrente . . . 4% Ungar«che Staat» rente v. 1910 1,4 22,3 _ 22,75 1,5 22,6 1,4 22,7 17,6 Geilenkirchener ....... 8 Harpener ........ 0 Hoeich Ellen........6V, 86 81 — 86,75 81 72,4 86,75 79,5 4%% vergl. von 1913 18,75 — — — 168 168 4% Ungarische Rtonentrole . 1,5 —- 1,5 — filödncrröerte ........ 7 _ 69,5 69 4% Türkische Zollanleche von 191 3 — 3,2 3,05 Kbln-Ncuellen........ 7 _ ___ 80,25 4% Türkische Bagdadbahn-Anl MonneLmunn-Röbren .... 7 68,75 69.9 69,75 69,5 Serie 1 — - — —— ManSselder Bergbau . .... 7 38 — 38,65 — 4% oeefll. Serie II - • _ ■ — 3,05 CberfrfUel tHIenbeoart .... 6 _ 38,75 — 5% Rumänische oeretnb. Rente 1 Obe richtet Kokswerke ..... 7 — — 69,65 70 von 1903 "— 8 8.1 1 Pbönir «eiftbau . . . . 8V, 61,75 _— 61,5 berg, wurd^ Lern rn -o um bei den Unterrichts zu Herter-ch heiratete « L M statte chrer arzt meöerl ' Zu den stu den ihr die - tiefstes,g st die ihr inner 2lrne Dabork hart Zauptm Hauptmanns ihrem DeiuE Qi entstand Radierungen erschüttert, bi Da steht die ger und Tod in zerreiße: Da fitzen w Hohlen Da> Menschen in Webstuhl, g durch das F Serie Kii e geht« in der kmM Öen Dedrücki peinigt an i vor der Auhk Kurze Zeit dien“, in dem zugleich die umschlingt, - Gebet in den Taiu um die um Den Tod allen Schreckei schäft geht ihn Witz. Der Toi rührer, als Jäter und 1 spielender Ki mit dem ged stürmend den M dies zei ster Schalkin, - in künstl soziale Sedan im Dor deshalb das dein. Falsch geklagten zuc lvih zeigt m geklagten. 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Den ersten Mal- und Zeichenunterricht erhielt sie in Königsberg, wurde dann 1885 Schülerin bei Stausser- Bern in Berlin, kehrte zurück nach Königsberg, um bei dem Diezschuler Reide, dessen „Lebensmüde" zur damaligen Zeit Aussehen erregten, Unterricht zu nehmen — und ging anschließend zu Hetterich nach München. 3m 3ahre 1891 verheiratete sie sich mit dem Arzt Dr. Karl Koll- Witz, der sich im Dorden Berlins, der Geburtsstätte ihrer künstlerischen Tätigkeit, als Kassenarzt niederlieh. Zu den stärksten Anregungen ihrer Kunst wurden ihr die Radierungen Max Klingers, — als tiefstes geistiges Erlebnis bezeichnet sie selbst die ihr innerlich verwandten Dichter Zola. 3bsen, Arne Gaborg, Tolstoi, Dostojewski, Gorki, Gerhart Hauptmann, Arno Holz und 3ulius Hart. Hauptmanns „Weber" gaben ihr die erste große, ihrem Denken und Wesen gemäße, Aufgabe. Es entstand zu diesem Drama eine Folge von Radierungen und Holzschnitten, vor denen wir erschüttert, bis ins Tiefste ergriffen, verstummen. Da steht die Rot, die aussichtslose Arbeit, Hunger und Tod der geknebelten, unterdrückten Weber in zerreißender Anklage vor unseren Augen. Da sitzen im Zwielicht mit krassen Lichtern auf hohlen Wangen und verhärmten Gestalten, die Menschen im ärmlichsten Raum, — da fällt über Webstuhl, gesenkte Köpfe und verarbeitete Hände durch das Fenster ein Streifen Licht auf das verhungerte Kind im schmalen Bett. Da zieht eine Herbe geknechteter Weber, Frauen und Kinder, in der knochigen Hand Sense und Hammer, gegen den Bedrücker, — rüttelt anklagend und gepeinigt an der hohen eisernen Tür, die chn vor der Außenwelt schützt. Kurze Zeit darauf folgen die Blätter „Gretchen", in denen der Tod erlösend und grauenhaft zugleich die Mutter und das uneheliche Kind umschlingt, — „Aufruhr", das erschütternde wilde Gebet in den Himmel gereckter Arme, — „Der Taru um die Guillotine", der gespenstige Tanz um Den Tod im engen Häusermeer. Der Tod in allen Schrecken, im ganzen Triumph seiner Herrschaft geht durch die Zeichnungen der Käthe Koll- wih. Der Tod als Würger, als lodernder Aufrührer, als erbarmender Erlöser steht hinter Dater und Mutter, beugt sich über die Schar spielender Kinder, — sitzt in der Dachkammer, mit dem gedrehten Strick in der Hand, zieht stürmend den Soldaten zur Seite in den Krieg. All dies zeigt uns Käthe Kollwitz in gewaltigster Gestaltungskunst, aus tiefstem Erleben heraus — in künstlerisch höchster Bollendung. Der soziale Gedanke ihrer Arbeit steht fast bei jedem Bild im Vordergrund und nur zu oft hort man deshalb das falsche Urteil einer gewollten Tendenz. Falsch — weil Tendenz Ankläger und Angeklagten zugleich zur Schau stellt. Käthe Kollwitz zeigt nur den Ankläger, — nie den Angeklagten. Sie zeigt nur den hungernden, verzweifelten, dem Schicksal ausgelieferten Unterdrückten: nie den Reichen, Prassenden, Satten. Sie zeigt nur die, denen wir helfen können, bringt das Gesicht der Armen in allen Schwächen und Stärken, allen Aengsten und Leiden unserem Herzen nahe, nicht um zu schrecken und anzuklagen. — sondern damit wir erkennen, so sind sie — Menschen wie wir, in eine andere Gefühlswelt, eine härtere Arbeit, eine dunklere Sprache gedrängt, Menschen, denen wir unbewußt helfen müssen, weil sie aus derselben Zeit geboren, unverschuldet an ihrem Elend sind. Auch unter ihnen gibt es glückhafte Freude — eine Frau, die lächelnd ihr Kind im Arme hält, eine junge Arbeiterin mit kantigem Gesicht, die gerade, klar und stark uns entgegensieht, eine Familie, die rm Biene schreibt an den Weihnachtsmann. Don Dorothea Hofer-Oerndurg. Gestern hat Biene — unser Sabinchm — den ersten Tarmenzweig angekokelt. Eigentlich soll man nicht kokeln — aber es roch so bezaubernd, es gab einen so wunderbaren Duft durch die ganze Wohnung. Dienens Augen sind ganz weit dabei geworden vor Träumerei, und ihr Gesicht stand über der Kerze, vergoldet von Licht und von Rach» denklichkeit. Biene hat auch schon einen Brief an den Weihnachtsmann fertig. Sie weih seine Adresse, sogar feine Telephonnummer weiß sie: Bärensprung 99. Eie stand beim Schreibtisch neben der Mutter, mit dem ledernen Mariechen im Arm. und hat zuge- fchaut, wie krikelkrakel eine Zeile nach der andern unter ihren kleinen Fingern entstanden ist. und war stolz. »Lies nun vor", hat sie bann verlangt und sich gewundert, wie schön sie schreiben kann. Die Mutter hat vorgelesen. So hat es geheißen: An den Weihnachtsmann. Himmel, Milchstraße (und bann das Telephon). Lieber Weihnachtsmann! Seit so gut und bringe mir also folgendes: Er- stensmal einen Puppenwagen, zweitensmal einen Kleiberschrank und da sollen brm sein: ein Kleidchen und ein Wintermantel und ein warmes, ichwarzes Lackhütchen. Lieber Weihnachtsmann, ich will Dir mal was 'agen, wenn ich jetzt meine Mutti schicke, mach mir doch Mariechen und das Küken und den Tisch , bald heil. Und schick mit doch ein Städtchen, da sollen kleine Schäfchen drin sein. Und liebet Weihnachtsmann, mach das doch so aus, daß wir das Ehristkindchrn noch sehen, aber nicht das richtige, sondern das Figurenkindl von der Krippe. Wenn Du es aber mit dem richtigen Christel machen sannst, dann mach es ruhig — mit ist es egal. Ober schick den Halllelulija. 'Aber hol mit ja nicht das Weihnachtspaket ab. das ich für Mariechen untern Wa'chtisch gestellt habe. Run viele Grüße an alle, die mir was schenken Und mach dich vergnügt, Deine liebe Biene." Aus dem Reiche der Frau. Lampenschein zufrieden am brettemen Tisch sitzt. Und immer und immer wieder taucht da zwi- schen den Blättern der wie in Stein gemeißelte Kopf der Käthe Kollwitz auf — allein oder mit iijren Söhnen, die 1914 beide in den Krieg jogen. Rur der ältere kehrte zurück, der jün- gere fiel schon im ersten 3ahr als Kriegsfreiwilliger an der flandrischen Front, — und aus dem unendlichen Schmerz heraus wuchs das größte Kunstwerk Käthe Kollwitz' „Der Krieg" (1920), das aus der Begeisterung, dem unendlichen Schmerz und Verzicht geboren wurde, und 8um Denkmal aller gefallenen Söhne, aller trauernden Mütter geworden ist. Vor drei 3ahren, zum 60. Geburtstag der Käthe Kollwitz, zeigte die Akademie der Künste in Berlin das gesammelte Lebenswerk der Künstlerin. Entsagung, Erbarmen und ttefes. erschütterndes Erleben lag über diesem Raum. Da verstummte der Mund vor der Größe und Weite des Geschauten, vor der eindringlich werbenden Sprache, getragen von dem menschlichen Mitgefühl dieser großen Künstlerin. Weihnachtsgeschenke im letzten Augenblick. Don paula Meffer-plah, Gießen. Wem ist es nicht schon passiert, daß er im letzten Augenblick vor dem Fest noch ein paar kleine Geschenke anfertigen wollte, nur liebevolle Kleinigkeiten, um jemand mit einem freundlichen Gedenken zu überraschen? 3mmer ist dafür ein guter Ausweg ein Kalender. Soll es besonders schnell gehen, so kaufe man eine feine und finnige Künstlerpostkarte, die Pfefferkuchen- Lebkuchen, Honigkuchen. Allerlei erprobte weihnachtliche Rezepte. Pfefferkuchen. Man nimmt 1 Pfund Honig oder Kunsthonig, rührt ihn an warmer Stelle mit 200 Gramm Zucker zusammen und gibt 15 Gramm gestoßenen Zimt, 10 Gramm gestoßene Retten, eine kleine Prise Pfeffer, 150 Gramm gestiftelte Mandeln, 75 Gramm gestifteltes Zitronat, 3 Eier und 2 gute Messerspitzen in etwas lauer Milch aufgelöste Pottasche hinein. Alles zusammen verrührt man eine Viertelstunde lang nach derselben Richtung mit einem flachen Holzlöffel und arbeitet bann soviel feines Mehl in die Masse, daß ein ziemlich fester, aber doch geschmeidiger Teig entsteht. Mit l1/? Pfund Mehl wird man ungefähr auskommen. Len Teig läßt man zugedeckt und kühl, aber nicht kalt stehen, rollt ihn am nächsten Tage gut messerrückendick aus, schneidet ihn in Stücke der bekannten Pfeffer- kuchengröhe, bestreicht diese mit Eigelb oder geschmolzenem Zucker und verziert sie mit halben geschälten Mandeln. Dann schiebt man sie auf einem Blech in den Ofen und läßt sie bei guter Hitze braun baden. An Stelle der Pottasche kann auch ein Päckchen Backpulver dienen. • Weißer Lebkuchen. Zunächst rühre man 8 kleinere oder 6 große Eier mit x[2 Pfund seingesiebtem Zucker etwa 20 Minuten, gebe dann 200 Gramm tags zuvor abgezogene gestiftelte und im Ofen bellgelb getrocknete Mandeln, je 50 Gramm feingeschnittene Vomeranzenschale und Zitronat, 10 Gramm gestoßenen Zimt, 5 Gramm gestoßenen Relkenpfeffer, ebensoviel Kardamom und einen Teelöffel voll in lauer Milch gut aufgelöste Pottasche ober ein Päckchen Backpulver hinzu und verrühre alles zusammen noch ungefähr 10 Minuten, ehe man soviel feinstes Mehl hineinarbeitet, daß ein Teig entsteht, der nicht fest genug ist, um ihn auszurollen. Man streicht ihn auf ein gut gefettetes Blech, bäckt ihn bei guter Mittelhihe hell, aber gar und schneide ihn noch heiß in hübsche Stücke, oder man streicht ihn auf weihe Oblaten von der Größe der Rürnberger Lebkuchen und bäckt ihn. Es sieht hübsch aus, wenn man die Hälfte von ihnen mit weißer Zucker- und Schokoladeglasur bestreicht und mit geschälten Mandel- Hälften ausschniückt. Honig-Kringel. 125 Gramm Butter und 125 Gramm Honig kocht man auf und mischt beides nach dem Abkühlen mit 3 Eidottern, 125 Gramm geriebenen Mandeln und soviel Mehl, daß ein ausrollbarer Teig entsteht. Halbfingerdick ausgerollt, sticht man mit einer großen runden Form Platten aus, nimmt mit einer kleineren Rundform die Mitte heraus, bestreicht die so entstandenen Kringelchen mit Eiweiß, bestreut sie mit grobem Zucker und läßt sie im Ofen goldgelb baden. Die Honig-Kringel halten sich in Blechbüchsen ober Porzellandosen sehr lange. Ouarkbretzeln: 500 Gramm weißer Käse oder Quark werden durch die Fleischhackmaschine getrieben. Dann werben 80 Gramm Butter, 50 Gramm Zucker, 250 Gramm Mehl und 15 Gramm Backpulver daruntergemischl. Der Teig wirb fest verknetet, nudelartig ausgedreht und Bretzeln daraus geformt. Sie werben bann, wenn möglich, noch mit Ci bestrichen, auf ein gut eingefettetes Backblech gelegt und bei guter Oberhitze gebacken. Zu beachten ist, daß der weihe Käse gut abgetrod- nct ist und nicht mehr viel Flüssigkeit enthält, sonst wird zu viel Mehl benötigt und die Bretzeln werden zu trocken. Falls der weihe Käse noch etwas feucht ist, soll er durch ein Tuch fest auögebrüdt werden. Mürbeteig: 125 Gramm kaltgestellte Margarine, 1 bis 2 Eier, 75—100 Gramm Zucker, V? Pädchen Backpulver und 300 Gramm Mehl. Ci, Zuder und zwei Drittel des mit dem Badpulver vermischten Mehles verarbeitet man leicht, gibt dann die möglichst kalte, in Stückchen zer- pslückte Margarine dazu und arbeitet mit leichter Hand das übrige Mehl noch dazu in der Weise, daß die Margarine sich nicht zu eng mit dem Mehl verbindet. Der Teig muh mehr stückig als glatt aussehen. Er wird mef(crrücfcnbi(f auSge- rollt und entweder zu kleinen Kuchen ausgestochen, die mit Eiweiß bepinselt und mit Zucker und Mandeln bestreut werden. Weihnachts-Honigkuchen. 2 Pfund Weizenmehl und 1 Pfd. Roggenmehl werden mit 2 Eßlöffel Kakao, 1 Eßlöffel feinem Zimmt, V- Teelöffel gestoßenem 3ngwer, 150 Gramm grob gehackten süßen Mandeln, 2 ganzen Eiern, Schale und Saft einer Zitrone, 150 Gramm Zitronat und 50 Gramm Orangeschale, beides fein geschnitten, vermischt. 2 Pfund Honig werden mit 750 Gramm Zucker aufgekocht, abgekühlt und das mit den Zutaten vermischte Mehl darunter gewirkt. 25 Gramm Pottasche löst man in 3 bis 4 Eßlöffeln Wasser auf und knetet die Lösung mit 15 Gramm Hirschhornsalz unter den Teig, der nun eine halbe Stunde gut ourchgearbeitet werden muh. Dann wird er aus gerollt, Figuren ausgestochen und hellbraun gebacken. • Das Aufbewahren des Pfefferkuchens und des Wcihnachtsgebäcks ist eine Kunst. Rur, wenn der Kuchen seinen richtigen Platz bekommt, schmeckt er an den Feiertagen ausgezeichnet. Alle auf Oblaten gebackenen Pfefferkuchen, sowie Makronen müssen vor Wärme geschützt und an einem trockenen und kühlen Ort aufbewahrt werden. Weder sollen sie im geheizten Zimmer stehen, noch sich an einem feuchten Ort befinden Großen Temperaturschwankungen dürfen sie nicht unterworfen werden. Braune glasierte Pfefferkuchen, Printen und Leckerli behalten ihren knusperigen Charakter, wenn man sie in einer guten Blechdose, sowohl vor Luft als auch vor Feuchtigkeit schützt. Biene fand diesen Brief sehr schön, erstaunlich schön. Dann ist sie unter den Waschtisch geschlüpft und hat nachgefehen, wie es mit dem Paket für Mariechen steht. Gott sei Dank, es ist noch da. Kern Weihnachtsmann hat es abgeholt, und es könnte doch leicht verwech'elt werden! Biene hat solch: Mühe gehabt, es zu ammenzustellen, sie hat sich die Schokolade am Munde abgespart, und das Packen war auch keine Kleinigkeit. Biene hat überhaupt so viel zu tun vor Weihnachten. Sie muß Handarbeiten machen für die Grohmutter und für allerlei Leute: denn das gehört sich so. Cs ist etwas Eigentümliches um Weihnachten, wenn man noch klein ist. Man schreibt an den Weihnachtsmann und er wohnt so weit — im Himmel irgendwo. Dabei gibt es hier unten in allen Läden so viel zu kaufen, daß man es nicht recht begreift, wozu so einWeihrachtsmann eigentlich nötig ist. Sehr merkwürdig ist das. Wenn Biene über alles nachbenkt, alles Wunderbare, dann hat sie so ein Gefühl im Kopf, als sei sie seekrank. Es schwankt ein wenig in ihr. Weihnachtsmann und „alte die mir das schenken" — sind das nun zweierlei oder nicht? Diene ist eine glühende Anhängerin des Glauöens an alle geheimen Mächte, andererseits...? Ach, es ist schwierig! Einstweilen macht sie Handarbeiten. Das ist so mühsam. Die Finger sind so klein und die 3deen so großartig: denn Diene erfindet ihre Handarbeiten selbst. Sie macht ein Radelkissen mit Blumen und Perlen und einen Aufhänger bar an; aber es gehört wirklich eine Gebrauchsanweisung dazu. Diene muß noch einen Brief dazu schreiben. „Liebe Großmama", diktiert sie, „id> hab Dir eine Karte geschickt und dabei ist ein Radelkissen. Und Du mußt darauf sehr aufpassen, daß Du die Tautröpschni siehst. Mitunter sind die Tautröpf- chen unter den Blumen: und das Radelkissen habe ich gemacht. Du mußt ach geben und die Blätter dabei hochheben und dabei eine Brille aufsetzen. Manc^nal kann man es aber auch ohne Drille sehen. Liebe Großmama, ich gratuliere Dir zu Deinem herzlichen Weihnachten! Und denke an alle Glückwünsche, die ich Dir geschenkt habe. Wenn Du sie schon lange hast, so beide, baß Du sie von mir hast, und das Radelkiksen hat einen goldenen Rand. Deine liebe Diene. Biele Grüße zu Deinem Weihnachtsglück! Dille Glückwünsche an Deine Weihnachtsfeier!" Wie die Erwachsenen setzt sie ein richtiges Postskriptum dahinter, damit das Wichttgste nicht vergessen bleibt So viele Glückwünsche! So viel Glück! So viel Wünsche! Und Dirne geht zu dem Adventsbäumchen. Sie möchte wieder diesen wunderfeinen Dust spüren und in das weiße Licht starren, aber die Stube ist dunkel und Diene darf nicht allein das Däumchen anzünden. Sie seufzt und seht sich schweigend in eine Ecke auf dem Sofa mitten im großen, dunklen Zimmer, ganz allein mit sich, mit ihren Wünschen, mit ihren Hoffnungen, und nicht einmal fingen mag sie in all der Feierlichkeit, die um sie gezaubert steht. Draußen rauscht es vor dem Fenster in den hohen Kiefern, wie der Weihnachtswald, und die Scheiben sind bedeckt von tau'end feinen Ae sichen und Dlumen und Sternen, die das Christkind in den Abendstunden aus weißem Kristall dorthin malt. Diene kann auf ihrem weichen dunllrn Plätzchen sehen, wie sie vor dem goldenen Licht der Laternen draußen zu blühen anfangen. Es ist, als atmeten sie. WarniesWollenes für denMnier 3n diesem Winter hat die Mode auf „Wollenes" c n ganz besonderes Gewicht gelegt, und neben dem wollenen Taglleid, das heißt dem traglichcm einfachen Kleid, das nicht mehr den Sportcharakter betont wie vor zwei, drei Saisons das 3umperlleid, sondern so recht für jeden Weg und jede Deschäfttgung geeignet ist, die wir am Werktag unternehmen und auch im Zimmer durchaus am Platze ist, aus geschmackvoll gemusterten Wollstoffen in unzähliger Variation, spielt Gewebtes und Gestricktes eine große Rolle. Der Pullover oder 3umper weicht in feinen Mustern vom überstarken Wiener Einfluß etwas ab. Wan hat sich an zuviel Farben etwas müde gesehen und will sich auf höchstens zwei Farbtöne, wenn nicht auf einen nur, beschränken. Ein zweiter Farbton aber gilt in den neuesten Mustern nicht als müßige Garnitur, sondern er wird ein Teil des Ganzen, tritt auf einen festeren Karton geklebt wird. Unten befestige man einen kleinen Kalend^rblock. oben ein seidenes Dändchen, und fertig ist die hübsche und praktische Uebcrraschung. AIS doppelten Dries kann man einen solchen Kalender in dis weite Well hinaus fliegen lassen. Wie mancher Deutsche, der draußen kämpft und darbt, wäre froh und dankbar über solch ein Deihnachts- getejden aus bet deutschen Heimat. Wo bie Zeit nicht gar so knapp ist zur Herstellung, und wo man mit einem kleinen aber ganz persönlichen Geschenk seine Liebe zeigen möchte, ba kleoe man ein hübsches farbiges Dill), etwa von doppelter Postkartengröße, aus einen Karton. Die farbigen Reproduktionen in den heutigen illustrierten Zeitschriften eignen sich ausgezeichnet dafür. Ein größerer Kalenderblock wird unten befestigt. 3m Dlock selbst überklebt man jedes Dlättchen, das für einen Sonn lag bestimmt ist, oder auf den etwa ein Familienfest, ein Geburtstag ober sonst ein gemeinsamer Gedenktag fällt. Auf dieses weihe Dlatt schreibt man einen passenden Spruch oder Vers, oder verziert ihn mit einem kleinen Scherenschnitt, einer Zeichnung, einem luftigen Ausschnitt aus Duntpapier. Der Phantasie sind keine Grenzen gesteckt, und nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder vermögen hier reizende Dinge hervorzuzaubern. Solch ein Kalender gibt einen Zusammenhalt zwischen Schenkendem und Deschenktem das ganze 3ahr über, und ist das nicht bie schönste Eigenschaft eines Geschenkes? — Besonders für Herren geeignet ist folgende Kleinigkeit. Man nähe einen Rest schönes Seidenband — etwa 5 Zentimeter breit und 20 Zentimeter lang — an einer Schmalseite und an der Längsseite zu und drehe es bann auf die recht« Sette. Man fülle biefe kleine Seidenwurst mit Schrotkörnern, nähe auch bie -weite Schmalseite zu und verziere bie Schmalseiten entweder mit farbigen Stichen, Perlen ober Quasten. Diese niedliche Kleinigkett ist ein recht praktischer De- schwcrer auf Ducholättern beim Lesen, oder auf offene Bücher und Akten, bie man flum Arbeiten neben sich liegen hat unb die sich bei solcher Desc^verung nicht umblätlecn können. Wer seine Gabe besonders erfreulich machen will, der hänge statt dcr Perlquaste ein Marzipanschwein daran. Auch ein Schokoladenherz soll als zarte Stzmbol- sprache recht beliebt fein. Kinder beschäftigen sich. Von Paul Eipper. Während ich den Titel niederschreibe, melden sich Bedenken. 3st der Ausdruck .Beschäftigung- richtig? 3ft er nicht zu schwer, zu gewichtig für das Tun und Treiben des Leinen Kindes, zu positiv und bewußt? Aber dann sehe ich dem kleinen 3imgen zu, der — knapp 14 Monate alt — seinen Gummielefanten mit allen zehn Fingern umkrampft und durchaus ernsthaft damit beschäftigt i.t, den Rüssel deS Spieltieres auszureißen. — Da Hube 1 wir also schon wieder den Ausdruck .beschädigt" angewandt, und er muh wohl doch richtig fein. 3a, es ist noch die Unterstreichung .ernsthaft" hinzu- gekommen, und wenn ich mir in der Erinnerung viele Beobachtungen an Kindern vor Augen halte, so eint sie in der Tat alle: der Ernst, man könnte fast sagen, die 3nnbrunst, mit der sich gerade die Kinder befdjäftigm, 3ährlinge ebenso wie bie schon fast Schulpflichtigen. 3ch verbrachte kürzlich den Sonntag auf einem englischen Landsitz. Meine Freunde waren wie fast alle Londoner am Samstag auS ihrer Stadtwohnung weggefahren, und wir spazierten, kaum daß der Rebel aufstieg, durch Wiesen und Felder, verbrachten den ganzen Sonntagvormittag in der frischen Luft. Auf dem Heimweg begegneten wir der Schwiegertochter, die an diesem Sonntag auch die Enkllin meines Gastgebers zum Lunch mit» brachte. Das vielleicht zweijährige Mädelchen sprang lebhaft durch die große Halle des Landhauses, wurde zum Mittelpunkt der Gesellschaft, von allen Anwesenden verzärtelt und bestaunt. Das haben Kinder nicht sehr gern, wenigsten« nicht auf lange Zeit. So wunderte ich mich nicht. etwa als Unterärmel auf und wiederholt sich am Saum und breiten Stoß etwa so, daß vielleicht flu einem braunen Rock ein brauner Güttel- stoh gestrickt ist ober gewebt, der vorn blusigen Ansatz in ein Beige ober einen Lindenton übergeht, dann bann glatt nach oben geführt ist bi« flut Schulter und zum kragenlosen Hals, Achseln und Arme hinunterläust^ bis kurz über den Ellenbogen, von wo aus dcr braune Farbton das Beige oder Linde wieder ablöst und im sonst ganz glatten Unterärmel weiterläuft bis zur Hand. Eine andere, ebenso aparte Wirkung kann umgekehrt erziell werden: Unten hell, oben dunkel, über der Brust beginnend. 3mmer in großer ununterbrochener Fläche, sowohl das bunfle wie das helle Teil, die nur vielleicht in wuchtigen Zacken ober Bogenmuster ineinanber über geh en. So schwarz und weiß, schwarz und grau, beige und dunkelblau, schöner jedoch jeweils dieselbe Farbe in dunklem unb hellerem Ton zum passenden dunkleren Wollrock. Auch sehr viel ganz einfarbige 3umper und Westen überraschen durch ihre außerordentlich gute Wirkung. Ganz glatt gestrickt, so daß die rechte Masche immer oben hegt, in ziemlich großen Maschen, alfb dünne Wolle mit dicken Radeln gearoeitet. Hauptsächlich in Beige unb Grau flum Winter. Sehr praktisch ist da eine Garnitur entweder aus einem Jumper mit ärmelloser Weste ober einer losen Sweaberjacke mit ärmellosem Pullover, der als Zwischending über einer Waschweibenen Hemdbluse getragen wird. Für sehr empfindliche Damen zeigt man schon seit eingen 3ahren handgestrickte W 0 llunterwüsche, entzückende Kombinationen in einem ober Hemdchen in Zartrosa ober Hellblau, auch in Lila oder ganz feiner Angorawolle. Em Dettjäckchen mtt langem Aermel und kleinem Kragen gehört zu den liebsten Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken, feit unsere Damen hauchdünne Rachtkleidchen tragen. Auch bet ärmellose^ Schlafanzug verträgt noch eine wärmen be Hülle, unb da gibt es sowohl in dünnet wie in dvchttger Wolle ganz entzückende und noch dazu sehr kleidsame Dettjäckchen in allen garten Farben bis zu einem satten Violett, mit dem sich die Großmama schmückt. Margret. bah die Kleine mit einmal verschwand, unter dem Schreibtisch hindurchkrabbelte und nicht mehr gesehen, ja nicht einmal mehr gehört wurde. Aber noch einigen Minuten berührte irgend etwas ganz leicht meinen Ann, und neben mir, dem bisher völlig Fremden, zum erstenmal in diesem Hauke sich befindenden Mann, stand das Kind: zwei große dunkle Augen sahen mich an, und über die Lippen kamen Worte, die mir Feinen Sinn vermitteln konnten (das Kinderenglisch ist für Ausländer begreiflicherweise unverständlich). Wozu bedurfte es in dieser Situation überhaupt einer Erklärung! 3n dem dicken Kinderfäustchen befand sich ein Brillenfutteral, und daß ich cs öffnen sollte, war völlig klar. Ich zeigte mich also des Vertrauens würdig, genoß beglückt den Wechsel im Mienenspiel des Kindes: Erwartung, Aeugicr, Freude und wieder gespannte Erwartung, bis endlich die geöffnete Dose im Besitz der Finger, im Blickkceis der Kinderaugen war. Hnb dann war meine Existenz für das Kind nicht mehr vorhanden; ich erschien ganz einfach ausgelöscht, obwohl das Mädchen sich gegen meine Knie lehnte. Vichts mehr war auf der Welt für dieses Kind, als das Gestänge der Brille; nichts als das Problem, die Schildpattstäbe herauszuziehen, wieder ins Futteral zurückzudrückm, her- auszuzieheir. Kein Priester kann mit mehr Andacht eine heilige Handlung zelebrieren, als solch ein Blondkopf, der sich vollkommen auf seine kleine Beschäftigung konzentriert. Ich bin oft und mit vielen Kindern spazierengegangen. Immer habe ich mich bemüht, die Aeußerungen der Triebe, die Entfaltung des Gemüts und das Lautwerden aller Regungen nicht zu stören. Solche Augenblicke gehören zu fon Kostbarkeiten des Lebens, und obwohl man sie mitten im Alltag finden kann, erheben und veglücken sie uns noch nach langer Zeit. Ich ging einst mit einem fünfjährigen Knaben zum Zahnarzt, sah, wie er auf dem Weg mit seiner eigenen Angst kämpfte und dann so interessiert die Instrumente, den Zufluß des Wassers im Spülbecken, das Räderwerk des Stuhls und die Lichtanlage am Schaltbrett betrachtete, daß fein Inneres vor lauter Beschäftigung die Angst vergaß und das Entfernen zweier anormaler Milchzähne zur Nebensächlichkeit sich verkleinerte, die mit der „Haltung eines Helden" überstanden wurde. Möchten wir Erwachsenen daraus lernen und in der „Beschäftigung" das Heilmittel für Schmerz und schwere Zeit erblicken. Oberhessen. Lanvkreis Gienen. ck. Heuchelheim, 2. Dez. Der neugegründete Schützenoerein Heuchelheim hielt am Samstagabend in der Turnhalle seine jerfte Generalversammlung ab. CJn den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: 1. Vorsitzender: Gustav H o r e y s e k, Kaßierer: Fritz Kreiling, Schriftführer: W. Lehr, Schießwart: Otto Bergen, als Beisitzer die Herren L e i b f r i e d, Ernst Christ und Ernst K r e i l i n g. Der Verein pflegt als Kleinkaliber-Schützenverein den Schießsport vorerst mit Zimmerstutzen, will aber so bald wie möglich zur Errichtung eines Schießstandes schreiten Dom Beitritt zu einem größeren Verband wurde vorläufig Abstand genommen. * Alten-Buseck, 2. Dez. Dom 5 Dezember ob erhält unsere Gemeinde wieder eine Post- telle. Damit wird einem schon seit Jahren be- tchenden Bedürfnis der gesamten Bevölkerung citens der Reichspost Rechnung getragen. Der seit- herige Zustand der einmaligen täglichen Zustellung und der umständlichen Beförderung über Grohen- Buscck wurde besonders von der Geschäftswelt als eine große Benachteiligung empfunden. Dazu kam noch, daß die vielen, teils schwer gebrechlichen Rentenempfänger darauf angewiesen waren, ihre monatliche Rente in Großen-Buseck in Empfang zu nehmen, was für viele, besonders im Winter, sehr schwierig und umständlich war. Die neue Poststelle ist dem seitherigen Posthilfsstelleninhaber Wilhelm Rühl übertragen worden; die Post wird von Gießen aus täglich zweimal mittels Auto hier- her befördert. Soweit bekannt, werden die Postsachen vormittags zugestellt, während sie im Bedarfsfälle nachmittags auf der Poststelle abgeholt werden können. Dabei sei darauf hingewiesen, daß die Gebühren für den Ortsverkehr nur für den Zu- stellbereich der Poststelle Gültigkeit haben und daß die neue Poststelle die Bezeichnung „Alten-Buseck, Gießen-Land" führt, was besonders zu beachten ist. Mit der bevorstehenden Neueinrichtung nehmen wir von der Postagentur Großen-Buseck gänzlich Abschied; wir wollen nicht versäumen, dem gesamten dort tätigen Personal öffentlich Dank für die stets zuvorkommende und freundliche Bedienung auszusprechen. Die Leitung der Agentur, die schon seit dem 30. September 1922 den Postoerkehr mit uns regelte, war stets ehrlich bestrebt, die aus der veralteten Methode sich ergebenden Härten und Schwierigkeiten in der zuvorkommendsten und loyal- ften Weise auf das Minimum zu beschränken. Aber auch die Postboten verdienen für ihr unverdrossenes und freundliches Entgegenkommen höchste Anerkennung. Trotzdem begrüßen wir die neue Poststelle als einen nicht zu unterschätzenden verkehrstechnischen Fortschritt. * Ettingsha usen, 2. Dez. Heute ereignete sich beim Holzfällen ein schwerer Hn- glückss all. Ein angeschlagener Daum fiel so unglücklich, daß er dem Julius Iox von hier das Bein zerschmetterte, so daß das Schienbein und das Wadenbein gebrochen ist. Dr R o t h von Lich legte den ersten Verband an, worauf der Verunglückte mit dem Sanitätsauto in die Gießener Klinik gebracht wurde. Slrcie Schotten. □ Laubach, 2. Dez. Bei der im gräflichen Revier Jägerhaus Dorgenommenen Treibjagd wurden zwei Stück Rotwild und ein Fuchs, im Revier Ruppertsburg ein Keiler zur Strecke gebracht. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 3. Dez. Ein ernster u n ° glück sfa l l ereignete sich am Sonntagnachmittag im nahen Angersbach. Der 9 Jahre alte Schüler Georg Koch weilte dort bei einem gleichaltrigen Schulkameraden im Nachbarhause und entdeckte auf dem Nachttisch des Daters seines Freundes eine Drowningpistole, die geladen, aber zugleich auch gesichert war und nahm sie zur Hand. Sein Freund nahm ihm indessen die Pistole sofort wieder ab, schob sie in das Lederfutteral zurück, wobei sich aber die Pistole entsicherte und ein Schuß losging. Die Kugel drang dem Georg Koch in die B r u st und streifte die Lunge, so daß der schwerverletzte Knabe dem Lauterbacher Krankenhaus zugeführt werden mußte. preuhen. Kreis Wetzlar. (D Krofdorf, 1. Dez. Am Samstagabend fand in der Gastwirtschaft Freund die Herbstversammlung der hiesigen Spar- und Kredit lasse statt. Vorstandsmitglied Lehrer Praß erstattete einen Bericht über die Rationali- fierungen im ländlichen Genossenschaftswesen des Derbandsgebietes, schilderte den neuen Einheitsverband in seiner Dreigliederung (Ländlicher Genossenschaftsverband Raiffeisen, Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft und Genossenschaftliche Zentralkasse) und die Zusammensetzung der Verwaltungs- und Aufsichtsorgane. Die Schlußausführungen gipfelten in der Aufforderung, dem Gedanken der Verschmelzung der beiden hiesigen Genossenschaftskassen, die nun dem gleichen Verband angehören, in Zukunft näherzutreten. Dann verlas Rendant W a g n e r den Revisionsbericht über die Revision der Kasse. Nach einer Aussprache über den Bericht wurde zur Ersatzwahl der satzungs- gemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder und Aufsichtsratsmitglieder geschritten, deren Wiederwahl erfolgte. Eine Aussprache über Erhöhung der Geschäftsanteile ergab die Beibehaltung der bisherigen Sätze. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 2. Dez. Bis in die späten Abendstunden dauerte die Verhandlung gegen den Stadtbaumeister Schorrer von Butzbach, der, wie wir seinerzeit berichteten, durch das hiesige Schöffengericht wegen Verbrechens lin Amt und Betrugs zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr zwei W o che n verurteilt worden war. Die von ihm gegen dieses Urteil zum Zweck der Freisprechung verfolgte Berufung hatte nur zum Teil Erfolg. Von der Anklage der Amtsunterschlagung, die die Staatsanwaltschaft darin erblickte, daß der Angeklagte absichtlich dafür gesorgt hatte, daß die von ihm als Leiter des Stadtbauamts auszustellenden Einnahmeanweisungen und Rechnung:n über die an ihn gelieferten Koksmengen nicht an die Stadtkasse zwecks Einziehung der Beträge gelangten, wurde Sch. aus rechtlichen Gründen freigesprochen. Desgleichen wurde Sch. von der Anklage des Betruges mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. Das Gericht hielt in diesem Fall nicht einwandfrei für nachgewiesen, daß Sch. in betrügerischer Absicht die von ihm zu seinen Privat- Zwecken gekauften Vorhänge auf die Rechnung der Stadt Butzbach — als für die dortige Kleinkinderschule geliefert — hatte aufschreiben lasten. Dagegen wurde Sch. wegen Fälschung einer ihm amtlich anvertrauten, bzw. zugänglichen Urkunde zu fünf Monaten Gefängnis beurteilt. Er hatte, wie erinnerlich, das von ihm eingereichte und von dem Beigeordneten in Vertretung des Bürgermeisters genehmigte Gesuch über den Ausbau einer Veranda feiner Wohnung dadurch gefälscht, daß er nachträglich den genehmigten Kostenbetrag von 2 3 0 M k. in 530 M k. abänderte. Sch. bestritt zwar auch heute die Hrkundensä.schung und behauptete, der abgeänderte Betrag habe schon vor der Genehmigung auf dem Gesuch gestanden. Das Gericht war aber auf Grund der eingehenden Beweisaufnahme von dem Gegenteil überzeugt, verneinte jedoch im Gegensatz zu der Ansicht der ersten Instanz, daß Sch. die Absicht hatte, sich durch die Urkundenfälschung einen Vermögensvorteil zu verschaffen. SJL-tfpoit Vorrundenspiel um die deutsche Hochschul-Zußballnieisterschast. Uniocrfität Heidelberg — Universität Gießen 0:1 (0:0). Trotz körperlicher Ueberlegenheit der Heidelberger Studenten gelang Gießen ein glücklicher l:0-Sieg. Größere Energie und nicht zuletzt die große Leistung des Tormanns siegten über reifere Technik. Sportverein 1921 Ettingshausen. Rieder-Ohmen, der Tabellenerste der Gau- klasse 1, dem es bei dem Vorspiel auf eigenem Platze gelungen war, Ettingshausen mit 0:1 zu schlagen, mußte bei dem am vergangenen Sonntag stattgefundenen Rückspiel die ungewöhnlich hohe Riederlage von 10:1 (Halbzeit 5:0) hin- nehmen. Riedcr-Ohmen war dem Tempo und dem Kampfgeist der Ettingshäuser nicht gewachsen. Schiri Rabe (Gießen) leitete zur beiderseitigen Zufriedenheit. Kreisoffener Staffeltag der Tumerschwimmer in Offenbach. Großer Erfolg des Alto. Gießen. Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Schwimmabteilung des Tv. Offenbach ihren zweiten kreisoffenen Staffeltag im Offenbacher Stadtbad. Wenn die Beteiligung dieses Jahr nicht so stark wie im Vorjahre war, so wurde doch wieder mit sehr guten Leistungen aufgewartet. Der Mto. Gießen, der sich als einziger Verein des Gaues Hessen an den Wettkämpfen beteiligte, konnte sich auch dieses Jahr wieder mit feiner Bruststaffel für Turner gegen starke Konkurrenz erfolgreich durchsetzen. Die Männerturner errangen in der Brust- ft a f f e l für Turner 4X6 Dahnen (4 X 84 Meter) in der Zeit 4:28,2 Minuten vor der Turngefellschaft Offenbach, dem diesjährigen Kreismeister und vierten Sieger bei den DT.-Meisterschaften im Schwimmen den ersten Sieg und erhielten hierfür einen Wanderpreis, den sie jetzt noch zweimal erfolgreich verteidigen müssen, bevor er ganz in ihren Besitz gelangt. Die Staffel der Gießener Schwimmer schwamm in der Aufstellung: Wilhelm Josten, Friedrich Baumann, Hugo Baumann, Wilh. Schwally. Mit diesem Sieg hat die Bruststasfel des Mtvs wieder einmal bewiesen, daß sie fähig ist, bei Kreis- oder DT.-Meisterschaften erfolgreich bestehen zu können. Handball im Gau Hessen sD.T.) To. Großen-Buseck I — I. u. Spo. Marburg I 4:2. Obwohl die erste Mannschaft gezwungen war, mit Ersah anzutreten, so konnte sie trotzdem erfolgreich fein. Das SpiEl wurde von beiden SKten mit großem Eifer durchgeführt.. Die zweite Mannschaft des Tv. Grvßen-Tu eck bewies gegen die ev. Iugendvereinigung Klein-Linden aufsteigende Form und siegte mit 7:3. To. Heuchelheim I — To. Krofdorf I 9:2. Die zweite Mannschaft te: Turngemei:de F.ied- berg Lat am Sonntag zu dem fälligen Ve^bands- spiel nicht an und überließ Heuchelheim kampflos die Punkte. An Stelle dieses Spieles fand ein Gesellschaftsspiel zwischen Heuchelheims erster mit derselben von Krofdorf statt, das die hiesigen 9:2 gewannen. Die Jugend siegte ebenfalls im Verbandsspiel gegen die Jugend von Butzbach mit 5:2 Toren. Tv. Großen-Llnden I — Mio. Gießen II 16:5 (8:2). ■Sie Gäste traten mit sieben Oltann an, so daß Großen-Linden kampflos zu den zwei Punkten fam. Beide Mannschaften einigten sich auf ein Freundschaftsspiel, das die Gastgeber mit hohem Ergebnis gewannen. Handball im Lahn - Oirnsberg - Gau. Wißmar — Daubringen 2:2 (2:1). Am Sonntag standen sich die Handballmannschaften der Turnve eine Daubringen und V. i" mar im Gesellschaftsspiel gegenüber. Bald nach Spielbeginn konnte Daubringen durch einen St.a^Wurf in Führung gehen. Wißmar glich aber bald aus und ging seinerseits in Führung. Fünf Minuten vor Spielschluß wurde durch einen Strafwurf abermals der Ausgleich erzielt. hausen I — wiefeck I 4:6 (0:5). Am Sonntag trafen sich beide Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel in Hausen und lieferten sich einen wechselvollen flotten Kampf. Wiefeck stellte eine sehr flinke Mannschaft ins Feld, die auch in der ersten Halbzeit den Ton angab. Hausen spielte anfangs sehr verwirrt und systemlos. In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild wesentlich. Run übernahmen die Hau euer, die der Stand von 0:5 durchaus nicht mutlos gemacht hatte, die Initiative, während Wieseck etwas nach'ieß. So gelang es den Gastgebern, vier Tore zu schießen, denen die Gaste nur noch eines entgegensetzen konnten. Der Schiedsrichter, Gauspielwart Drols- bach, leitete unparteiisch. 1. Komp. 15.I.R. II — Tv. tonborf II 7:6 (4:4). Trotz des schlechten Wetters entwickelte sich ein flottes Spiel, das anfangs die Londorfer überlegen sah und den Platzbesitzer bald mit 3:0 führen ließ. Sodann fanden sich jedoch die Soldaten gut zusammen und vermochten ein unentschiedenes Halbzeitergebnis von 4:4 zu schaffen. Nach der Pause übernahmen die Gießener die Führung, behielten sie bis zum Schluß, und man trennte sich schließlich mit einem Ergebnis von 7:6. Die Londorfer Jugend spielte nach gleichwertigem Kampfe gegen die 1. Jugend von Allertshausen unentschieden 0:0. Tv. Launsbach I — Tv. Ahbach I 8:4 (4:1). Im Verbandswiederholungsspiel konnte der Platzverein einen überraschend hohen Sieg erringen und setzte sich damit an die zweite Stelle des ersten Bezirks. Die Mannschaft des Siegers war bereits vor der Pause klar im Vorteil, während der Gast in der zweiten Hälfte zeitweilig aufkam und seinem einzigen Erfolg der ersten Halbzeit weitere drei hinzufügte. Der Platzbesitzer erhöhte jedoch auf acht Tore. Tv. Ruttershausen I — Tv. Dorlar I 6:4. Die Gästemannschaft trat mit. Ersatz in Ruttershausen an. Während der Gast vor der Pause mehr oi/rn Spiel hatte, und mit 4:2 fülftte^-brängte in der zweiten Spielhälfte der Platzbesitzer auf Ausgleich, erzielte auch den Gleichstand und errang schließlich, noch einen nicht voll verdienten Sieg. Arbeiter Turn- und Sportbund. Gießen 1. Jugend — Wiefeck 2. Jugend 1:0. Hm Die Bezirrsmeisterschaft der Jugendklasse standen sich beide Mannschaften am Sonntag auf dem Trieb gegenüber. Die Gäste zeigten eine sehr gute Leistung und waren in der ersten Spielhälfte, die torlos verlief, den Platzbesitzern gleichwertig. Erst nach Seitenwechsel gelang es Gießen, mit viel Glück das einzige Tor des Tages zu erzielen. Raunheim I — Wiefeck I 2:2. In Raunheim trugen die genannten Mannschaften ein Freundschaftsspiel aus. Trotz des schlüpfrigen Bodens wurden auf beiden Seiten schöne Leistungen geboten. Wiefeck ging zuerst in Führung und erst kurz nach Seitenwechsel fiel durch ein Selbsttor der Wiesecker der Ausgleich. Dann aber gingen die Gäste wiederum in Führung. Kurz vor Schluß stellte aber Raunheim das Ergebnis doch noch auf Unentschieden. Wiefeck Ib — Marburg I 8:4. Marburg I weilte zum Freundschaftsspiel in Wieseck. Schon vom Anstoß ab übernahmen die Einheimischen überraschend die Führung und nach lebhaftem Hin und Her wurden die Seiten mit 5:3 für Wieseck gewechselt. Rachdem Wieseck bereits in der ersten Halbzeit einen Spieler verlor, mußte die Mannschaft mit nur zehn Mann die immer stärker werdenden Angriffe der Gäste abwehren. Trotzdem gelang es den: Platzbesitzer noch dreimal erfolgreich zu fein, während die Gäste nur vch ein Tor erzielten. Hachborn I — Watzenborn I 0:4. Hm die Vezirksmeisterschaft der zweiten Bezirksklasse ftanoen sich beide Mannschaften in Hachborn gegenüber. Rach Anstoß entwickelte sich ein flottes, scharfes Spiel. Die Gäste, technisch besser, konnten bald die Führung übernehmen und bis Halbzeit das Resultat auf 2: 0 stellen. Rach Seitenwechsel geht Hachborn mächtig aus sich heraus, erreichte jedoch nichts, während Watzenborn noch zweimal erfolgreich fein konnte. hausen f — Marburg II 3:2. Rach einem ausgeglichenen Kampf stand das Resultat bei Halbzeit 0:1. Rach Seitenwechsel gingen beide Parteien sehr aus sich heraus, wobei es den Einheimischen gelang, das obige Ergebnis zu erzielen. Handball Lollar I — Gießen I 0:5. Gießen stand in Lollar einer neu zusammengestellten Handballelf gegenüber. Die in aufstrebender Entwicklung stehenden Gäste waren im ganzen Spiel tonangebend. Bereits bei Halbzeit führten sie mit 0:3 Toren. Auch nach Wechsel waren sie stets überlegen, so daß Lollar nie zu Worte kam. Wißmar I — Wieseck I 2:4. Wieseck l weilte in Wißmar, trat mit nur zehn Mann an und muhte in der ersten Halbzeit alles bergeben, um die Einheimischen in Schach zu halten. Erst in der zweiten Hälfte zeigte sich Wieseck überlegen und kann trotz energischer Abwehr der Einheimischen als Sieger den Platz verlassen. Frauenwerbeturnen in Lich. In dem Bericht über das Frauenwerbeturnen in Lich mußte es nicht „Anmut und Freude an der Leibesübung" sondern „Anmut und Freude durch Leibesübung" heißen. Die Hebungen standen unter der Leitung von Turnwart Karl D o l_z. jjfruncLbteihf Erst sehen Sie sich unser Lager in Oefen an, bevor Sie sich zum Kauf entschließen. 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