Nr. 257 Erstes Blatt
180. Zahrgang
Montag, 3. November 1930
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Dr. Euriius und die Tschechen
— Starkes Befremden in Be lin.
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Viscount Cecil, in Genf, schreibt im dem Zusammentritt
gegenkommen zu zeigen, da es stets nach Erreichung eines Zieles sich nicht zufrieden gebe, sondern mit immer neuen Forderungen hervortrete. 3n der Tat steht die deutsche Außen- politik ebenso wie die auch anderer Staaten noch vor vielen unerreichten Zielen.
Deutschland ist noch weit entfernt von der vollen Souveränität seiner Grohmachtstellung. viele Fragen, deren Lösung vertraglich vorgesehen ist, find heule noch nicht bereinigt, ja, zum Teil noch nicht einmal ernstlich in Au -
In diesem Falle müsse die Regierung sich bewußt sein, daß eine solch: Entwicklung zugleich di e G e - s durch die Mehrheit der
Berlin, 2. Nov. (CNB.) Englands erster Wortführer „Berliner Börsen-Courier" zu
griff genommen. Solange dieser unnatürliche Zustand andauert, der vor mehr als einem Jahrzehnt in Ausnutzung der durch diesen Krieg geschaffenen TNachtvcrhältnisse festgelegt wurde, wird Deutschland mit allen ihm zu Gebote stehenden friedlichen Mitteln auf eine 21 en- derung hinzuwirken versuchen und nach wie vor mit seinen berechtigten Ansprüchen hervortreten, deren Ausgleich, weit entfernt, Beunruhigung hervorzurufen, zur Förderung des Friedens dienen wird.
Kührerknse in der Wirtschastspartei. (Soloffcr legt sein Amt als zweiter Borfitzender nieder.
Berlin, 1. Rov. (Bdz.) Der zweite Dor- sitzende der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschastspartei), Reichstagsabgeord- neter Architekt Colosser hat sein Amt niedergelegt. Er begründet diesen Schritt damit, daß der Parteiführer Reichstagsabgeord- neter Drewitz die übrigen Vorstandsmitglieder durch selbstherrliche Handlungsweise dauernd brüskiert. Gleichzeitig mit Colosser soll auch der Führer der preußischen Landtagsfraktion der Wirtschaftspartei, Abg. Ladendorfs, sein Amt niedergelegt haben. Colosser hat die Absicht, aus der Wirtschaftspartei ganz auszuscheiden. Der Abg. Ladendorff selbst erklärt dem Rachrichtenbureou des Vereins Deutscher Zei- tungsvcrleger, daß zwar auch in der Wirt- schastsparlei Meinungsverschiedenheiten über große politische Fragen vorhanden seien, daß man insbesondere verschiedener Meinung darüber sein könne, ob dem Llebcrbrückungskredit zugestimmt werden mußte, und ob man sich mit der Verschiebung der Aufhebung der Zwangswirtschaft um einige Jahre einverstanden erklären konnte. Cr, Ladendorff, aber habe vorläufig nicht die Absicht, wegen dieser Meinungsverschiedenheiten seine Aemter in der Partei niederzulegen. Der Führer der Wirtschaftspartei, D r e - witz, erklärte, daß der Rücktritt Colossers vor allem auf Differenzen über die Haltung der Partei gegenüber dem Berufsbeamtentum zurückgehe. In der „Deutschen Mittelstandszeitung", dem Parteiblatt der Wirtschaftspartei, war das „Madenlied" erschienen, das die Beamtenschaft stark angriff, und von dem Drewitz und der Reichsausschuh der Wirtschaftspartei ab rückt en. Colosser, der Vertreter der Partei in diesem Verlage, habe die vom Reichsausschuh nun beschlossene Zensur über die Veröffentlichungen in der Partei- zeitung nicht dulden wollen.
fahr ihres Sturze bürgerlichen Parteien bedeuten könne. Dingeldrh trat für eine verfassungscech.liehe Reform zur Gesundung des Parlamentarismus, insbesondere für eine Stärkung der Reichspräsialge- walt, für eine Erste Kammer und für eine Re ichsreform ein. Auf dem Gebiete der Sozial- und Wirtschaftspolitik verlangte er eine auf dem Boden der Privatwirtschaft au:gebaute großzügige Zusammensauung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch eine Reubelebung des Gedankens der Arbeitsgemeinschaft.
Die Politik der Deutschen Volkspartei.
Eine Programmatische »lebe Tingcldctzö.
Berlin, 2.Rov. ($U.) Der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei, der aus den Mitgliedern des Parteivorstandes und des Gefchäftssühren?en Ausschußes, den Vo.sitzenden und Geschäftsführern der Wahlkreise sowie den Vorständen sämtlicher parlamentarischer Körperschaften der Partei besteht, trat am Sonntag in Berlin unter dem Vorsitz des Reichstags- abgcordncten D i n g e l d e y zusammen. Dingcldey erklärte, daß für die parlamentarische Haltung der Reichstagssraktion der DDP. die Tatsache entscheidend bleibe, daß eine durchgreifende und großzügige Reform aus steuer-, sozial- und wirt- chas Apolitischem Gebiet zur Rettung des Vaterlandes erforderlich fei. Qlur weil die Regierung durch ihr Programm die gleiche gründ ätzliche Einstellung bekundet habe, habe die Fraktion die Verantwortung dafür übernehmen können, der Regierung die Arbeit zu ermöglichen. Sie stehe der Regierung in fraktioneller ilngebun- denheit mit eigener Verantwortung gegenüber und habe die Aufgabe, darüber zu wachen, daß die klare Linie des Reformwillens nicht durch irgendwelche sozialistischen Einflüsse abgebogen werde. Schon im Lause dieses Monats, spätestens beim Zusammentritt des Reichstages, müsse die Regierung, wenn sie den durch die Rotverordnung beschrittenen Weg in seiner Grundrichtung nicht preisgeben wolle, auf den Widerstand der Sozialdemokratie stoßen. Jede Rachgiebigkeit gegenüber den sozialistischen Verwässerungswünschen müsse eine völlige Schwenkung der Reichstagsfraktion der DDP. zur Folge haben.
Anpöbelungen der Prager presse.
Das Prager Echo.
Der öffentliche Protest, den der Reichsauhen- Minister Dr. Curtius im Reichsrat gegen die deutschfeindlichen Demonstrationen der Tschechen zu Protokoll gegeben hat, muh in Prag wie eine Bombe gewirkt haben. Man sicht das daraus, daß die tschechische nationalistische Presse sich vorCntrüstunggcradezuüberschlägt und dabei die einfachsten Forderungen nicht nur der Höflichkeit, sondern auch der Vernunft außer acht läßt. Daß man Herrn Dr. Curtius den „Minister des Staates der Fememörder" nennt, daß die „Hinrichtungen von Frauen und Kindern in Serbien und in Galizien" wieder eine Rolle spielen, überrascht uns nicht. Es Überrascht uns höchstens, daß die abgeschnittenen Hände der belgischen Kinder nicht auch noch hervorgeholt werden, obwohl längst festgestellt ist, daß es sich dabei um eine schamlose Lüge gehandelt hat. Aber auch Herr Dr. Bene sch hat fein seelisches Gleichgewicht stark verloren. In seinem offiziösen Blatt wirft er Dr. Curtius vor, daß durch solche Reden die Atmosphäre eines unkulturellen Chauvinismus geschaffen werde. Heißt das nicht, Ursache und Wirkung verwechseln? Wir glauben zu wissen, daß Herrn Dr. Benesch die Demonstrationen höchst peinlich gewesen sind, er hat ja auch versucht, davon abzurücken. Aber er hat doch noch nicht den Mut aufgebracht, in aller Qesfentlichkeit von dem Prager Dberbürgcr- meister abzurücken, der die Verantwortung für den ganzen Skandal trägt. Schließlich sind doch zerschlagene Fensterscheiben nicht gerade ein Beweis besonderen kulturellen Hochstandes. Die Tschechen wie auch die Polen werden sich eben
Der Reichskanzler über die Ziele der deutschen Außenpolitik.
Rationale Freiheit, moralische und materielle Gleichberechtigung. — Revision der Zahlungsverpflichtungen. — Erfüllung des Abrüflungsverfprechens. — Gleiches Recht auf Sicherheit für alle Staaten. — Volle Souveränität für Deutschland.
daran gewöhnen müssen, daß Deutschland RandederGeduldist, daß wir uns Provo
Ein Abrüstungsappell Lord Eecils
England wartet immer noch auf die loyale Erfüllung des Abrüstungsversprechens.
D i r warten immer noch auf die loyale Erfüllung dieser Versprechungen.
Ich lehne cs ab, eine Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, diese Hoffnung aufgeben zu müssen. Man vergegenwärtige sich, daß im Falle eines derartigen Bankerotts von Treu und Glauben auf internationalem Boden einevölligneueSi- t u a t i o n entstehen würde, die eine ganz neue Politik zur Folge haben müßte. Eines ist klar: Keine englische Regierung, welche Partei sie auch steilen mag, wird jemals den Vorschlag machen oder könnte jemals irgendeinen weiteren Schritt unternehmen, die internationale Sicherheit zu befestigen, es sei denn im Rahmen eines allgemeinen internationalen Abkommens zur Begrenzung und Reduzierung der Rüstungen. Abrüstung ist der Beginn und nicht das Ende der Entwicklung einer gesitteten Gesellschaflsordnung. Werden die Engländer ein für allemal die „Arroganz der Isolierung" ablegen? Werden die lateinischen Völker die Tatsache erkennen, daß Friede aus Grund von Rüstungen kein Friede ist? Werden die Zentralmächte ex animo auf die Hoffnung, ihre Position durch Gewalt wieder zu erlangen, verzichten? Die Staatsmänner und die Völker müssen mit Ja antworten, denn sonst muß diese Generation die Schuld auf sich nehmen, iher eigenen Kinder zum Tode verurteilt zu haben.
Graf Bernstorff Führer der deutschen Abrüst^ngsdelegation.
Berlin, 2. Rov. (CRB.) Wie der „Montag" meldet, wird die deutsche Delegation für die Verhandlung der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz am Dienstag nach ® e n f obre i f e n. Die deutsche Delegation wird wieder von Graf Bernstorfs geführt, der Deutschland seit Jahren in der Abrüstungskommission vertritt. Dem Außenminister und dem Kabinett sei diesmal der Vorschlag unterbreitet worden, einen Wechsel in der Leitung der Delegation vorzunehmen und mit deren Führung den Generaloberst von Eeeckt zu betrauen. Das Kabinett habe diesen Vorschlag jedoch abgelehnt.
In der Außenpolitik forderte er eine starke, dem Empfinden des Volkes entsprechende Akti- v i t ä t. — In der Aus prache wurden die außen- politischen Forderungen von Reichsaußenminister Dr. Curtius bejaht. — Die Tagung des Zentralvorstandes findet am 32. Rovember und 1. Dezember in Berlin sta t. An den aus gesundheitlichen Gründen in .Urlaub weilenden Parteiführer Dr. Scholz wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt.
Paris, 3. Rov. (WTB. Funkspruch.s „Petit Parisien" veröffentlicht eine längere Erklärung, die Reichskanzler Dr. Brüning dem diplomatischen Redakteur dieser Zeitung bei feiner kürzlichen Anwesenheit in Berlin «gegeben hat. Diese ©rflärung hat folgenden Wortlaut:
Ich habe wiederholt und auch in meiner letzten Regierungserklärung nach den Wahlen erneut betont, daß die bisherige Außenpolitik, die sich als höchstes Ziel die Erringung der nationalen Freiheit, sowie der m o r a l i - schen und materiellen Gleichberechtigung gesetzt hat, wie bisher unter Ablehnung aller Abenteuer in organischer Weiterentwicklung auf dem Wege des Friedens weitergeführt werden soll. Diese Politikist in ihren Grundsätzen, in der loyalen Durchführung der internationalen Verträge und in dem friedlichen Zusammenwirken der Völker festgelegt. Sie ist nicht die These einer Person, einer Partei oder einer Parteikoalition, sondern Gemeingut des weitaus größten Teiles des deutschen Volkes. Darin liegt auch die Stärke der deutschen Friedenspolitik, die sich in ihrer beharrlichen Kontinuität allen Bestrebungen zur Erörterung und Sicherung des Friedens niemals versagt hat. Die Rheinlandräumung war eine große Etappe auf dem Wege dieser deutschen Befreiungspolitik. Mit Bezug auf die bekannte Genfer Rede VriandS erklärte der Reichskanzler:
Richt etwa eine Kriegsdrohung ist aus den Wahlurnen des 14. September hervorgegaugen, sondern der Ausdruck eines tiefbedrückten und doch starken Volkes, das um seine nationale Zukunft ringt. Die Stimmen, die wir aus Frankreich hören, bringen fast übereinstimmend eine Enttäuschung ;um Ausdruck, daß die Konzessionen, die Frankreich durch Erleichterung der Reparationen und durch vorzeitige Räumung gemacht zu haben glaubte, in Deutschland nicht genügend gewürdigt würden. Darin liegt eine Verkennung der möglichen Auswirkung dieser vereinbarten Maßnahmen. Ein halbes Jahr nach dem Inkrafttreten des Zoungplanes find bereits allerorts Diskussionen über die Möglichkeit seiner Durchführung enistanden. Frankreich als Hauptgläubiger muh einsehen, daß keine deutsche Regierung ihrem Volke eine Milliardenschuld, die in ihrer Gesamtheit immer wieder als drückend empfunden wird, durch die an sich begrüßenswerte Ermäßigung um einige hundert Millionen tragbarer erscheinen lassen kann. Wenn gleichzeitig die schwerste wirtschasts- und Finanzkrise dazu zwingt, mehrere Milliarden neue Steuern und Lasten aufzuerlegen, ist cs selbstverständlich, daß jede deutsche Regierung sich alle vertragsmäßig zur Abwehr einer Gefahr für Wirtschaft und Währung zur Verfügung stehenden Maßnah- men offenhalten muß, für den Fall, daß sich die Voraussetzungen für die Erfüllung dieser Zahlungen nicht einstcllen sollten. Andererseits scheint uns die Enttäuschung Frankreichs über die angeblich nicht genügende Anerkennung der vorzeitigen Rheinlandräumung nicht gerechtfertigt. Die immer wieder hinausgeschobene Entscheidung hat die Wirkung und den Eindruck dieser langerroartctcn Maßnahme, die zudem nicht ohne neue Härten und Belüftungen vor sich ging, fehr abgeschwächt.
Die endgültige Aufgabe dieser militärischen Sicherheitsmaßnahme hat indes keineswegs die Diskussion über die S i ch e r h e i t s s r a g e ein für allemal aus der Welt geschafft. Immer wieder wird das Sicherheitsproblem gleichsam als Ausdruck eines anhaltenden M i ß t r a ue n s in den Vordergrund gestellt. Frankreich dürste hierbei vielleicht verkennen, daß man angesichts eines entwaffneten Volles, dessen Grenzennach allen Richtungen offen sind und das von waffenstarrenden Rachbarn umgeben_ift, nicht immer von neuem die Forderung nach Sicherheit dem rechtmäßigen Verlangen nach Abrüstung entgegenstellen kann, ohne die Unantastbarkeit seierlichst eingegangener Verträge anzuzweifeln, deren Urheber zu fein gerade Frankreich sich zu rühmen weiß. Rack unserer Auffassung haben alle Staaten gleiches Recht auf Sicherheit, und wir verstehen nicht, warum hier mit zweierlei Matz gemessen werden soll.
Die letzten außenpolitischen Vereinbarungen, die zweifellos als ein wesentlicher Schritt auf dem Wege der Liquidation des Krieges angesehen werden können, werden erst dann zur vollen Auswirkung gelangen, wenn die beiden Hauptkontrahenten, Deutschland und Frankreich, in friedlicher Zusammenarbeit mit den großen Rachbarstaaten den Boden für eine aufrichtige Verständigung weiterhin pflegen und entschloßen auf dem gemei jam beschritte er Wege weitergehen. Eine Politik des kühlen Abwartens ist hier nicht am Platze.
In Frankreich herrscht vielfach die Meinung, daß es falsch fei, Deutschland immer neues Ent6er Vorbereitenden Abrüstungskommission: Ich glaube nicht, daß „Gewehre schöner sind als Worte". Ich ziehe den anderen Spruch vor: „Es ist rühmlicher, den Krieg zu töten durch das Wort, als Männer durch das Schwert".
Die Verpflichtung, abzurüsteu, ist im internationalen Recht oorgefchrieben, und sie ist eine absolute Verpflichtung. In der Erklärung, die die Alliierten den Deutschen in Versailles gegeben haben, steht nicht, daß die allgemeine Rüstungsbeschränkung außer von der Abrüstung Deutschlands noch von der Sicherheit oder von irgend etwas anderem abhängig gemacht wird.
Der Friede, neig d i e Sicherheit selbst muß aufgebaut werden auf der Innehaltung der Verträge, die gleichmäßig allen zivilisierten Mächten auferlegt sind. Aber abgesehen von den Verträgen ist nichts getan worden, um die Sicherheit zu befestigen. Der Briand-Kellogg-Pakt hat in der Tat keine Sanktionen vorausbestirnrnt. Die Garantie, die England in Loco r n o gegeben Hot, mag einen lokalen Charakter haben, aber sie umfaßt die gesamte britische Streitmacht und ist viel förmlicher als die entente cor- diale, die uns im Jahre 1914 an Frankreichs Seite geführt hat. Und vor allem ist da der Völkerbundspakt, der deutlich genug die territoriale Integrität der Mitgliedsstaaten schützt und sie ver- pflichtet, sich im Widerstand gegen den eventuellen Angriff durch eines der Mitglieder zusammenzu- schließen. Wir werden unsere Verpflichtungen halten. Aber wir erwarten von den anderen dasselbe.
Als wir unsere Verpflichtungen übernahmen im Rahmen des Paktes und der Locarno-Verträge, Angriffe abzuwehren, wurden wir durch die Versprechungen — durchdiebedingungs- lafen Versprechungen — dazu veranlaßt, daß, wenn Deutschland abgerüstet hat, wir ihm alle darin folgen werden.
tationen nicht mehr gefallen lassen und Mittel genug in der Hand haben, um uns zu wehren, wenn der böse Rachbar ernstlich den Willen an den Tag legt, nicht mit uns in Frieden zu leben.
Tschechische Verdrehungen.
Berlin, 1. Rov. (TLI.) Der Widerhall, den die Ausführungen des Reichsaußenministers Curtius über die deutsch-feindlichen Kundgebungen in der Tschechoslowakei gefunden haben, erregt in Berliner amtlichen Kreisen starkesBe- fremden. Wenn die tschechische Presse unterstelle, Dr. Curtius habe von einem Kulturboykott »gesprochen, so könne man das nur als eine Verdrehung der Tatsachen bezeichnen, denn der Boykott sei von den Tschechen selbst aus- gcgangen. Zu der Behauptung, Außenminister Curtius sei offenbar nicht gut unterrichtet gewesen, wird festgestellt, daß der Minister lediglich auf Grund der Verhandlungen in der Prager Abgeordnetenkammer und der Prager Stadtverordnetenversammlung seine ' Schlußfolgerungen gezogen hat. Wenn die Tschechen jetzt sogar mit einer Tlebertragung des Boykotts auf das Wirtschaftsgebiet drohen, so kann dazu nur festgeftellt werden, daß die Tschechen zu gute Kenner der beiderseitigen wirtschaftlichen Beziehungen sind, um nicht zu wissen, daß es sich hierbei um e i n z wei s ch n e i - diges Schwert handelt, das die tschechische Wirtschaft erheblich empfindlicher treffen würde als die deutsche Wirtschaft.
Kaiserkrönung in Abessinien.
Große Krönungsfeier in Addis Abeba. — Oie Abessinier feiern sieben Tage lang auf Kosten ihres neuen Kaisers.
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Ras Tafari, der Regent Abessiniens, bei einem Besuch der deutschen Gesandtschaft in Addis Abeba.
A ddis Abeba, 2. Noo. (WTB.) Mit der Ent- hülluna des Denkmals für Kaiser Menelik II. auf dem Platze vor der St. Georgs-Kathedrale begannen am Samstag in der abessinischen Hauptstadt die Festlichkeiten ^ur Kaiserkrönung Ras Tasaris. lieber 250 OCX) Angehörige der verschiedensten Stämme Abessiniens sind in der Hauptstadt zu- samme^geströmt. Das am Samstag enthüllte Denkmal Meneliks ist eine vergoldete Statue des Kaisers auf einem sich bäumenden abessinischen Schlachtrotz. In einem Rahmen, der an Farbeilpracht kaum zu überbieten war, wurde dann am Sonntagvormittag Ras Tafari zum König der Könige und Kaiser von Aethiopien in der eigens boftir erbauten Kirche neben der Kathedrale des Heiligen Georg gekrönt. Noch vor Morgengrauen hatte sich die große zwei Kilometer lange Staatsprozession vor dem vom Kaiser Menelik erbauten Palast versammelt. Abessinische Gardetruppen, strahlend im Glanze nagelneuer europäischer Uniformen, eröffneten den Zug. Hinter den Truppen folgten die Vertreter der fremden Mächte, darunter der Sohn des Königs von England, der Herzog von Gloucester und der Gesandte des deutschen Reiches, Freiherr von Waldhausen. Ras Tafari saß in einem Krönungswagen, der aus den Beständen des ehemaligen kaiserlichen Marstalls in Berlin stammte und von sechs österreichischen Falben gezogen wurde.
Vor der im Innern reich mit Teppichen behängten Kirche erwartete der Erzbischof Cyrill mit den Würdenträgern der koptischen Kirche die Prozession. Die Priester trugen prächtige Sammetgewänder und darüber Umhänge, die mit Goldstickereien geschmückt waren. Mächtige Chöre setzten ein, als der Erzbischof und die Geistlichkeit dem kaiserlichen Zuge in die Kirche voranschritten. Ras Tafari betrat die Kirche in einem prächtigen karminroten Gewände, das ebenfalls mit Goldstickereien reich verziert war.
Die Krönung selbst war kurz. Nach dorn Sprechen der Gebete setzte der Erzoischof die mit 3u» welen beselcke Krone auf das Haupt des Kaisers. Aus die offizielle Krönungszeremonie folgte um 9 Uhr eine religiöse Zeremonie in der Kathedrale. Danach fuhr der Kaiser im Krönungswagen durch die geschmückten Straßen und die Triumphbögen. die unter seiner persönlichen Aufsicht für die Krönungsfeier errichtet worden waren, zurück zum Palast. Er wurde von seinen zu Tausenden aus allen Teilen des Landes herbeiströmten Untertanen begeistert begrüßt. 2km Palast nahm er dann die Glückwünsche der Führer der auswärtigen Missionen entgegen. Sieben Tage und Nächte werden das Volk aus Addis Abeba und die Besucher von nah und fern Gäste des Kaisers sein.
Vorbereitung für die europäischen Gäste: Verschönerungsarbeiten am Vorplatz des Bahnhofs in Addis Abeba.
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Kapitän Ehrhardt antwortet Herve.
Berlin, l.Nov. (TU.) Arnold Rech berg hat an Kapitän Ehrhardt folgendes Telegramm gerichtet:
„Gustave H e r v 6 depeschiert mir soeben wie folgt: Nachdem ich von Herrn Hitler und von dem Stahlhelm keine präzise Antwort erhalten habe, bitte ich Sie, den Kapitän Ehrhardt über meine Vorschläge zu befragen. Ich weiß, daß sich der Kapitän Ehrhardt, einer der ausgeprägtesten Führer des deutschen Nationalis- mus, bereits früher für eine deutsch-französische Einigung unter der Voraussetzung ausgesprochen hat, datz sie'der nationalen Ehre Deutschlands und seinen Lebensinteressen im weitesten Maße gerecht werde. Ich wäre 2khnen sehr verbunden, wenn Sie den Kapitän Ehrhardt, von dem ich annehmen muß. daß er seine prinzipielle Einstel- lung trotz der Schwankungen der Tagespolitik Nicht geändert hat, zu einer Aeußerung an mich veranlassen könnten. Unterschrift: Gustave Herve. — 2kch bitte um Ihre Aeußerung zwecks Weitergabe an Hervel gez. Arnold Rechberg."
Kapitän Ehrhardt hat Arnold Rechberg folgendermaßen geantwortet, bitte Hervä zu antworten:
Ich bin mir der Tragweite einer öffentlichen Erörterung, die zur deutsch-französischen Einigung beitragen kann, voll bewußt. Ich scheue mich auch keineswegs, klipp und klar zu den Vorschlägen Hervös Stellung zu nehmen, ganz gleich, welche tPeTle Aern-5 in Frankreich sp::'i Wefenll '. ip, daß die Fra
bleibt. Da ich mit meiner persönlichen zustimmenden Meinung zur deutsch-französischen Einigung bereits hervorgetreten bin, so halte ich es nunmehr für erforderlich, eine breitere Basis zu schaffen. Ich werde daher meine poli- tischen Freunde, von denen viele ihre Arbeitskraft den größeren nationalen Verbänden und Parteien gewidmet haben, befragen, wie der einfache deutsche Frontsoldat über die endgültige Beilegung des Jahrhunderte alten Streites zwischen Deutschland und Frankreich, für den beide Nationen ihr wertvollstes Blut vergossen haben, denkt. gez. Kapitän Ehrhardt.
General von der Lippe zur Gtahihelmaniwort.
Berlin, 1. Nov. (TU.) Arnold Rechberg übergibt der Oesfentlichleit folgende Erklärung des Generalleutnants a. D. von der Lippe:
„Die vock dem Stahlhelm-Bundcs an-ler, Herrn Major a. D. Wagner, unterzeichnete Antwort aus die Vorschläge Gustave Heroes, in der jede Diskussion des Stahlhelin mit Franzosen über die Revision des Versailler Vertrages zugunsten Deutschlands und über eine deutsch-französische Einigung grundsätzlich von der vorherigen Bereinigung der Kriegsschuldfrage abhängig gemacht wird, hat mich tief bestürzt. Damit wird die für die Zukunft unseres Vaterlandes vielleicht entscheidende Erörterung a u f ein totes Gleis geschoben. Ebensowenig wie irgendein patriotischer Deutscher jemals eine -negsschuld Deutschlands zugeben wird, ebenso- 1 ‘’rtifl Wird eine patriotischer Franzose die Kriegs- ' ' '' > auf Frankreich übernehmen Einigen sich
dagegen Deutschland und Frankreich auf der Grundlage von Bedingungen, welche der nationalen Ehre und den Lebensinteressen auch Deutschlands gerecht werden, dann wird damit zugleich die Kriegsschuldfrage bereinigt werden.
Ich kann mich der schweren Befürchtung nicht verschließen, daß von verkappten Parteigängern des Bolschewismus versucht wird, auf die Stahlhelm-Bundesleitung zugunsten eines Zusammengehens des nationalen Deutschland mit Sowjetrußland gegen Frankreich und gegen die Westmächte einzuwirken. Jeder Versuch, derartige Pläne zu verwirklichen, wäre gleichbedeutend mit dem Ende Deutschlands. Moskau will Deutschland durch die Hoffnung auf die Waffenhilfe der Roten Armee die in Wirklichkeit jeder Kampfkraft ermangelt, zum Krieg provozieren, damit unser Vaterland von überlegen bewaffneten Gegnern nochmals vernichtend geschlagen, zur leichten Deute des Bolschewismus werde. Darum fürchtet Moskau die Einigung zwischen Deutschland und Frankreich und versucht sie zu vereiteln. Ich halte mich vor Gott und vor meinem Gewissen für verpflichtet, nicht länger zu schweigen."
Eine Erklärung deutscher Freimaurer.
Berlin, 2. Nov. (TU.) Pfarrer Habicht, der National Großmeister der Großen National- Mu11erloge zu den drei Weltkugeln gibt im Auftrage von acht deutschen Großmeistern folgende Erklärung ab:
Wie Ende August bekannt wurde, haben Mitglieder des Ober st en Rats des alten und angenommenen schottischen Ritus der 91 i e ö e r ( a n b e u n b berSchweiz am 18. April bieses Jahres einen Obersten Rat gleicher Art für Deutfchlanb eingesetzt. Dieser neue Oberste Rat hat sich bann im Sommer angemaßt, a ch t neue be u t s ch e Logen zu grünben, bereu Regularität er anerkannt wissen will. Die Mitglieber biefer Logen stammen fast ausnahmslos aus ben Winkellogen des Freimaurerbunbes „Zur aufgehenden Sonne". Um anerkannt zu werben, haben sie sich nicht gescheut, sich vor ber Grünbung ber genannten Logen burch auslanbische Logen aufnehmen zu lassen. Die acht Logen haben sich inzwischen, wie es von Anfang an geplant gewesen zu sein scheint, zur „symbolischen Großloge" zusammengeschlossen. Weber bestaub- in Deutfchlanb bisher ein Oberster Rat, noch hatten bie beutschen Großlogen und Logen irgendwelche Beziehungen zu ben Obersten Räten bes Auslanbes. Die deutschen Großlogen erheben feierlich Einspruch gegen diese undeutschen Gründungen, die sie auf das entschiedenste ablehueu. Ihre freimaurerische Anerkennung ist wie für die Gegenwart, so auch für die Zukunft ausgeschlossen. Da aber die deutschen Großlogen und Logen gesetzlich nicht in der Lage sind, diesen Organisationen und ihren Mitgliedern die Bezeichnung als Oberster Rat, Großloge, Loge und Freimaurer zu verbieten, so legen sie Wert darauf, die Oesfeutlichkeit davon zu unterrichten, daß weder der Ober st e 9i a t in Deutschland, noch d i e neuesymbolifche G r o ß l o g e, wie die von ihr gegründeten bestehenden oder späteren Logen mit ben alten b e u t = schenLoaen verwechselt werben bürfen, und baß beren Mitglieber als beutsche Freimaurer nicht angesehen werden können. Ihre Aeußerungen, ihre Handlungen, ihr Wesen hat mit der alten deutschen Freimaurerei nichts zu tun. Nach dem freimaurerischen Recht und der freimaurerischen Gepflogenheit steht die Gründung oder Billigung neuer Logen in Deutschland neben der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland nur den unterzeichneten acht Grohlogen zu.
Große National-Mutkerloge zu ben 3 Weltkugeln, Berlin. Große Loge von Hamburg, Hamburg.
Große Freimaurerloge Zur Eintracht, D a r m st a b t. Große Lanbesloge von Sachsen,
Dresben. Große Loge von Preußen, genannt „Zur Jreunbschask", Berlin. Großloge „Zur Sonne", Bayreuth. Große Mutterloge bes Eklektischen Freimaurerbunbes, Frankfurt a.M. Großloge Deutsche Bruberkette, Leipzig.
OeutscheVerwahrunginWarschau
Mit einem Stvßseuszer der Befriedigung wird die deutsche Oeffentlichkeit davon Kenntnis nehmen, daß jetzt sogar dem Auswärtigen Amt der schier unendliche Faden der Geduld gerissen ist und der deutsche Gesandte den Auftrag erhalten hat, bei der polnischen Regierung wegen der fortgesetzten Angriffe in der polnischen Presse gegen alles, was deutsch ist, energisch Verwahrung ei nz ulegen. Das hätte schon längst geschehen müssen. Ein Teil der polnischen Presse betreibt ja das Verleumder- Handwerk seit Jahr und Tag geradezu gewerbsmäßig, und seit dem Beginn des Wahlkampfes sind eigentlich auch die letzten Hemmungen noch gefallen, die bisher gelegentlich beobachtet wurden. Man soll gewiß nicht jedes Wort, das im politischen Kampfe fällt, auf die Goldwaage legen. Aber gewisse Grenzen müssen nun doch einmal gewahrt werden.
Bismarck hat einmal das Wort geprägt von den Fensterscheiben, die außenpolitisch sehr leicht durch die Presse eingeworfen werden können. Was auf diesem Gebiet möglich ist, hat die polnische Presse längst fertiggebracht, zu verderben ist gewiß nichts mehr. Aber gerade weil Deutschland sich scheinbar alles gefallen lieh, weil unsere Diplomatie nie über vertrauliche Winke hinausging, glaubte die polnische Presse, nachgerade einen Freibrief für Beleidigungen gegen Deutschland zu besitzen. Es kann nut nützlich wirken, wenn ihr jetzt einmal nachdrücklich zu Gemüte geführt wird, daß sie unter Umständen die Kosten dieser Fensterscheiben nachträglich selbst bezahlen muh, denn auch in Warschau kann es nicht verborgen geblieben sein, daß das europäische Gleichgewicht sich doch in den letzten Jahren etwas verschoben hat; nicht positiv zum Vorteil Deutschlands, jedoch mindestens negativ zum Nachteil Volens.
In Versailles war den Polen die Rolle eineS französischen Schutzmannes an der deutschen Ostgrenze zugedacht, und auf dieses Mandat hin haben sie gesündigt. Sie haben die Deutschen im eigenen Lande alsSkaatsbürgerzweiter Klasse behandelt, haben ihre finanzielle Sanierung und ihre Agrarreform im wesentlichen auf Kosten Deutschlands auf gezogen; immer unter französischem Beifall. Und auch außenpolitisch war die Taktik der Presse darauf gerichtet, durch einen Feldzug gegen Deutschland die nationale Leidenschaft wachzuhalten. P i 1 s u d s k i hat in seinen Anfängen freilich begriffen, daß Polen im Augenblick, wo ihm die westliche Unterstützung fehlt, unter Umständen sch r ec in e ne de u t s ch - r u s s i- s ch e Zange geraten kann. Er war deshalb Anhänger des Versuchs einer Verständigung mit Deutschland. Aber davon ist er längst a b g e - k o m m e n. Heute braucht er die antideutsche Hetze, um seinen Wahlkampf auch gegen die polnische Opposition durchführen zu können. Ec spekuliert darauf, daß die deutsch-russische Zange ja doch nicht mehr zupacken kann, was vermutlich ja auch richtig ist.
Aber wir haben auch noch andere Mittel, uns zu wehren. Bei den letzten Verhandlungen im Völkerbundsrat hat Polen gerade keine glückliche Rolle gespielt, und daß Frankreich sich in den letzten Jahren geweigert hat, neue Anleihen nach Warschau zu legen, konnte die polnischen Machthaber doch auch immerhin nachdenklich stimmen. Ganz abgesehen von den Möglichkeiten, die uns unmittelbar gegeben sind, um uns vor Beleidigungen zu schuhen. Wir können daher einstweilen annehmen, daß eine solche kalte Dusche genygt, um den Größenwahnsinn der polnischen Nationalisten abzukühlen. Sollten wir uns darin täuschen, dann wird hoffentlich die erfreuliche Aktivität, die aus der Demarche spricht, nicht sofort wieder einschlafen, dann werden wir eben zu schärferen Mitteln greifen müssen, um uns Genugtuung zu verschaffen.
Der oberschlesische Woiwode verweigert eine Audienz.
Neue Terrorakte.
Kattowitz, 1. Nov. (TU.) Am Freitagvormittag wollte der Führer der deutschen Wahlgemeinschaft, dem sich die Vertreter der deutschen und polnischen Sozialisten angeschlossen hatten, beim Woiwoden vorsprechen, um ihn auf die blutigen Terrorakte der Aufständischen gegen harmlose und wehrlose deutsche Bürger aufmerksam zu machen und um entsprechenden Schuh durch die Polizei zu bitten. Nach einstündigem Warten wurde der Llbordnung mitgeteilt, daß der Woiwode einen Empfang der Abordnung in dieser Angelegenheit ab 1 ehne. Dem Führer der Abordnung, den früheren Abgeordneten Franz, wurde empfohlen, die Beschwerde schriftlich einzureichen. Die Herren mußten darauf ergebnislos das Woiwodschaftsgebäude verlassfen. Bemerkenswert ist, daß kurze Zeit vorher deck Woiwode den Vertreter des Aufständischenverbandes und einige führende Abgeordnete der Regierungspartei empfangen hatte.
Inzwischen werden neue Ueberfälle aus verschiedenen Ortschaften der Woiwodschaft Schlesien gemeldet. In Siemianowih wurden am Hellen Tage Austrägerinnen deutscher Zeitungen von sechs Aufständischen belästigt, so daß sie flüchten mußten. Aus der Dorfstraße wurde ein deutschsprechender junger Mann gcofjrfeigt Einer Zeitungsträgerin, die ihren von Ausstän-« dischen übersällenen Mann verteidigen wollte, wurde die linke Hand gebrochen. Der Zeitungsstand wurde zerstört und die Zeitungen vernichtet. Am Freitag sind die deutschen Zeitungen „Oberschlesischer Kurier" und „Kattowiher Zeitung", die sich mit den Vorfällen und Terrorakten beschäftigten, wieder von der Polizei beschlagnahmt worden.
Die Wünsche Gochsens.
Tie Besprechung des Reichskanzlers in Dresden.
Dresden. l.Nov. (CNB.) Die Besprechung zwischen der Reichsregierung und der sächsischen Regierung wurde dadurch eingeleitet, daß Ministerpräsident S ch i e ck eingehend die sächsischen Schwierigkeiten und Nöte Darlegte. Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsfinanzminister Dietrich führten aus, daß es nach der Gesamtlage darauf ankomme, das Vertrauen zur deutschen Wirtschaft und Finanzpolitik zu befestigen. In diesem Sinne sei der Wirtschafts- und Finanzplan der Reichsregierung als einheitliches Ganzes zu würdigen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, vielmehr diente die Aussprache einem vertraulichen Gedankenaustausch über die wichtigsten Probleme dieses Reformplanes, dessen Einzelberatung im Reichsrat bekanntlich bevorsteht. Selbstverständlich wurde hierbei auch das Reparationsproblem besprochen. Dabei trug Ministerpräsident Schieck unter Bezugnahme aus den unlängst ergangenen Beschluß des Sächsischen Landtages den Wunsch vor, lobülb wie möglich zu einer Revision der deutschen Reparationbvcrpslichtungcn zu gelangen.
Kleine politische Nachrichten.
Die Staatsanwaltschaft batgegenbasUrtefl im Bombenlegerprozeß R e v,i s i o n eingelegt. Ein Revisionsantrag ber Verteibigung ist bis Samstag nicht eingegangen. Rechtsanwalt Dr. tiuetgebrune soll auf Befragen erroibert haben, es sei noch unentschieben, ob Revision eingelegt werbe. Die Verurteilten lehnten bieses Rechtsmittel grunb- sätzlich ab, aber bie Verteibigung trete bafiir ein; bie Frist zur Anmeldung laufe noch bis zum 7. November.
Generalmajor Freiherr von Hammerstein Equord, Chef ber Heeresleitung, ist mit Wirkung vorn 1. November z u m General der Infanterie befördert worden.
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Das Reichsinnenministerium hat in feinem Haushaltsplan für 1931 100 000 Mark zur „Vorbereitung der Wahl desReichsprä- s i d e n t e n" angefordert. Die Amtsdauer des Reichspräsidenten läuft im Mai 1932 ab. Ein Teil der Wahlvorbereitungen und auch der Ausgaben fällt daher in das Rechnungsjahr, dessen Haushalt jetzt fertigaestellt werden muß. Bei der letzten Wahl des Reichspräsidenten betrugen die auf das Icich entfallenden Kosten insgesamt 2,4 Mill. Mk.
Das am 8.September von der Hamburger Polizeibehörde erlassene allgemeine Verbot der nationalisoziali stischen Par- teiunisorm ist jetzt vom Hamburger Senat nachgeprüft worden. Der Senat kam zu der älcber- zeugung. daß auch heute noch die Gefahr von Störungen der öffentlichen Ordnung besteht, wenn den Angehörigen radikaler Parteien das Tragen von Uniformen wieder gestattet wird. Er hat deshalb das Uniformverbot bestätigt.
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Der Oberpräsident hat den Antrag der NSDAP., gegen den Berliner Oberbürgermeister Boß wegen erst später bekanntgewordener Dienstwidrigkellen ein neues Disziplinarverfahren einzuleiten, ab gelehnt. Die Ermittlungen über die Lorwürfe, die gegen Böß im Untersuchungsausschuß erhoben worden seien, hätten ihn nicht zur Einleitung eines neuen Verfahrens bestimmen können. Da mit dem 1. November die Pensionierung von Böß vollzogen ist, liegt jetzt ein Disziplinaroer- fahren nicht m»hr im Bereich der Möglichkeit.
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Vei den M u n i z i P a l w a h l e n in England und Wales zeigt sich aus dem Ergebnis aus rund 80 großen Städten, daß dje Arbeiterpartei beträchtlich verloren hat. Die Konservativen haben 79 Sitze gewonnen und 10 Sitze verloren, dieLiberalen gewannen 9 und verloren 17 Sitze, die Arbeiterpartei gewann 27 und verlor 92 Sitze, die Unabhängigen gewannen 24 und verloren 20 Sitze.
Aus aller Welt.
Aus der Reichslagsbibliokhek gestohlen.
Der Direktor der Reichstagsbibliothek, Dr. Fischer, erklärte über einen sensationellen Einbruch in die Reichstagsbibliothek: Bereits am 24. Oktober, als man das Bildmaterial für ein Werk über den Reichstag zusammenstellen wollte, entdeckten die Bibliothekbeamten, daß aus einem einfachen eisernen Schrank, der durch ein einfaches Schloß gesichert war. das wertvollste Stück der Reichstagsbibliothek, die Berfassungs- urkunde vom 2 8. März 1 8 4 8, entwen - d e t worden war. Wann der Diebstahl ausgeführt ist, läßt sich nicht mehr ermitteln, weil man seit dem November 1929 die Urkunde nicht mehr kontrolliert hatte. Das Dokument stellt ein Unikum aus der deutschen Geschichte dar. Unter dem gedruckten Text der 48er Reichsverfassung befinden sich die Originalunterschriften sämtlicher Abgeordneter der Nationalversammlung der Paulskirche. Die Urkunde ist auf Pergament gedruckt, der Einband besteht aus rotem Leder; auf der Vorderseite befindet sich ein Adler in Silber. Ihr literarischer Sammlerwert läßt sich nur schwer angeben, dürfte ober nicht unter 100000 Mark liegen. Zugleich mit der Berfassungsurkunde hat der Dieb aus dem eisernen Schrank Karikaturen von 1 8 4 8 entwendet, ferner die einzige Reproduktion des wertvollen Verfassungsdokumentes, außerdem ein Exemplar der Sittengeschichte des Weltkrieges von Magnus Hirschfeld und drei Bände „Bilderlexikon der Erotik", herausgegeben vom Institut für Sexualforschung in Wien. Der Schrank ist offenbar mit einem einfachen Dietrich geöffnet und nach vollbrachter Tat säuberlich wieder verschlossen worden.
Eine Tolenstadl
aus der Bronzezeit in Apulien aufgefunden.
Sn der Umgebung von Tarent in Apulien, wo seit einiger Zeit archäologische Ausgrabungen vorgenommen werden, ist in der Gemeinde Chiazzoda eine Totenstatt aus der Bronzezeit gesunden worden. Diese Relropolis, die auf das 7. Sahrhundert v. Ehr. zurückgeführt wird, soll noch dem Urteil Sachverständiger mehrere Sahrhunderte hindurch als Begräbnisstätte gedient haben. Eine große Anzahl keramischer Gefäße sind bei den Arbeiten ans Tageslicht gefördert worden. Man hofft durch die Funde neue Aufschlüsse über die bisher ungeklärte Vorgeschichte von Apulien zu erlangen.
August Tragens
zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt.
Der vom Schwurgericht Neustrelitz zum Tode verurteilte Landarbeiter August Nogens ist auf Beschluß des Staatsministeriums zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. — Nogens ift bekanntlich als Mörder des kleinen Ewald Nogens verurteilt worden.
Oer neue Kdtot der Darmstädter Technischen Hochschule.
wsn.^ D a r m st a d t, 1. Rov. Sn Anwesenheit des Staatspräsidenten Dr. Adelung, des Snnenministers L e u s ch n e r und des Oberbürgermeisters Müller fand heute in der Otto- Berndt-Halle die feierliche Rektoratstiber- g a b e an den neuen Vektor der Technischen Hochschule, Prof. Dr. Wöhler, statt.
Die Amtsgerichtsfrage
in Bad-Nauheim und Zriedberg.
WSR. Bad-Rauheim, 1. Rov. Wie zuverlässig mitgeteilt werden kann, wird von der hessischen Regierung an eine Zusammenlegung der Amtsgerichte Bad-Rauheim und Friedberg nicht mehr gedacht. Der Weiterbestand beider Gerichte kann als durchaus gesichert bezeichnet werden.
Bürger- und Biersteuer in Wetzlar und Zulda.
WSR. Wetzlar, 1. Rov. Die hiesige Stadtverordnetenversammlung be'chästigte sich unter dem Vorsitz des 1. Beigeordneten B a n- g e r t mit der Einführung neuer Steuern auf Grund der Rotverordnung. Beigeordneter Dr. Bangert gab dazu eine eingehende Begründung. Die Stadt Wetzlar hat aus dem Sahre 1929 einen Fehlbetrag von 2 5 2 0 0 0 M r., der durch Anleihe gedeckt werden soll. Auch im laufenden Rechnungsjahr wird mit einem Fehlbetrag von 2 5 0 0 0 0 Ri k. gerechnet. Das voraussichtliche Ergebnis der ‘Stieger ft euer in Wetzlar dürfte 45 000 Mk. betragen. Aus der B i erst e u e r werden rund 7000 Ml. erwartet. Die Abstimmung ergab die Annahme der Bürgersteuer, sowie der Diersteuer unter der Voraussetzung. daß es gelingt, mit der Brauereivereinigung einen höheren Pauschalsah zu vereinbaren, der das aus der Biersteuer erwartete Aufkommen ohne einen Bierpreisaufschlag gewährleistet.
WER. Fulda, 1. Rov. Die Stadtoer - vrduetenverjammlung bat die Einführung der Bürger st euer und die Erhöhung der Biersteuer beschlossen. Die Einführung dieser neuen Steuern war notwendig geworden, um die im Wohlfahrtswesen entstehenden Mehrausgaben $u decken. Die Höhe der Dürger- fteuer soll sich nach den Sätzen der Ausführungsbestimmungen richten, die Preußen zu der Rotverordnung des Reichspräsidenten geben wird. Man erwartet aus der Bürgersteuer ein Aufkommen von 70 000 Mk.,' aus der erhöhten Gemeindebiersteuer ein solches von 20 000 Mk.
Ein Giaaiskommissar für Frankfurt?
WSR. Frankfurt a. M.. 2. Rov. Rach einet Pressemitteilung hat sich Stadtkämmerer A s ch dahin ausgesprochen, daß bei einer Verweigerung der Deckung des vom Magistrat vorgelegten Rachtragsetats durch die Stadtverordnetenversammlung die Ernennung eines Staatskommissars vom Magistrat beim Regierungspräsidenten beantragt werde. Durch diesen werde dann die entsprechende Deckung angeordnet.
Sparverfügung
des Kasseler Oberbürgermeisters.
WSR. Kassel, 1. Rov. Sm Anschluß an seine früheren Sparverfügungen hat der Oberbürgermeister neuerdings angeordnet, daß die städtischen D i e n st st e l l e n im dritten Vierteljahr nur 2 0 Prozent der in den Haushaltsplan für 1 9 30 eingestellten Mittel verwenden dürfen. Eine Hebcr- schreitung der freigegebenen Teilbeträge darf unter keinen Umständen erfolgen. Für das vierte Vierteljahr hat sich der Oberbürgermeister die Verfügung über den freizugebenden Betrag Vorbehalten.
(Starfenburg.
WSR. D a nm st a d t, 2. Rov. Heute abend wurde im Hauptbahnhof in Darmstadt der Oberpostschaffner Ritter aus Groh-Zimmern, der Ende der 40er Sahre steht, beim Passieren eines Gleises von einem Zuge erfaßt und überfahren. Ritter, der anscheinend infolge des Sturmes den herankommenden Zug nicht bemerkt hatte, wurde auf der Stelle getötet.
Kunst und Wissenschaft.
Professor Felix Berber f.
Im Alter oon 59 Jahren ft a r b am Sonntag in München an den Folgen einer schweren Angino- erfranfung Akademieprofessor Felix Berber, der als Geiger einen Weltruf genoß. Bereits mit neun Jahren trat er zum ersten Male öffentlich auf und erregte schon damals die Aufmerksamkeit der Musikwelt. Berber war insbesondere ein überragender Beethooen-Spieler. Zahlreiche moderne Komponisten haben ihm ihre Werke gewidmet, so Psitzner Sil- cher und Schillings. Er brachte auch zahlreiche Uraufführungen mit großem Erfolg heraus. Er war der erste Geiger, der u. a. für Reger eingetreten ist. Professor Berber galt unbestritten für einen der bedeutendsten Geiger seiner Zeit überhaupt. Noch vor 14 Tagen hatte er ein Beethooen-Konzert gegeben und ungeheuren Erfolg geerntet. Er starb nach neuntägigem Krankenlager.
Die Wetterlage.
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Wettervoraussage
Die gestern westlich der britischen Inseln gelegene Störung Hat sich infolge stärkerer Temperaturgegensätze zu einem Sturmwirbel mit starkem Barometergefälle entwickelt, dessen Kern übet der Nordsee Luftdruck oon unter 730 mm zeigt. Die Witterung ganz Deutschlands wird von ihm beherrscht, d. h. windiges, zum Teil stürmisches Wetter mit Niederschlägen herrscht vor. Sehr rasch werden die Winde von r-üdwesten über Westen nach Nordwesten um- drehen und entsprechend der Luftzufuhr aus höheren Breiten Temperaturrückgang bringen. Dabei führt der Kaltlufteinbruch vorerst zu unbeständigem, jedoch schon aufklarendem Wetter. Mit den vorüberziehenden Böenwolken treten Schauer auf. Ebenso rasch wie der Luftdruckfall eingesetzt hat, wird das Barometer wieder steigend Tendenz zeigen und mit dem höheren Druck eine Beruhigung bringen, wenn auch kein beständiges Wetter vorauszusehen ift.
Aussichten für Dienstag. Bei anfänglich lebhafter, später abflauender nordwestlicher Luftbewegung, wechselnde Bewölkung mit Aufklaren, kühler, zunächst noch Regenschauer.
Aussichtenftir Mittwoch. Regnerisches, aber noch kein beständiges Wetter wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 2. November: mittags 10,5 Grad Celsius, abends 10,6 ®raö; am 3. November: morgens 9,5 Grad. Maximum 12,4 Grad, Minimum 9,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. November, abends 9,6 Grad: am 3. November: morgens 8,4 Grad Celsius. — Niederschläge: 4,4 mm.
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Wir zeigen Ihnen heute kein Bild aus unseren deutschen Fabriken. Diese Anlage steht vielmehr fern im Orient; denn unser Kampf gegen den Tabakstaub beginnt schon im Heimatland der Haus Neuerburg - Zigaretten. — In den Ausfuhrhäfen des kostbaren Macedonentabaks : Cavalla, Saloniki und Piräus, haben wir unseren Manipulationshäusern neuerdings ganz moderne Entstaubungs-Anlagen gegeben, die den Tabakstaub entfernen, bevor die Fermentation der Blätter beginnt. Gerade von dieser Vorsorge— bei dem wichtigen Gärungs- Prozeß des Tabaks—erhoffen wir eine noch nie dagewesene Steigerung der Qualität unserer Zigaretten. Jetzt sind erstmalig die so behandelten Ballen in unseren Fabriken verarbeitet worden. Handelt es sich zunächst auch nur um Teilmengen, so wird Ihnen eine Rauchprobe doch schon bestätigen, was die gründliche Entstaubung desTabaks für Ihre Zigarette bedeutet.
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(Sous les toits de Paris)
Ein Ton-, Sprech- und Gesangs-Film von Ren£ Clair, mit Pola liierte und Albert Prejean
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Dieser Abend ist der zauberhafteste Dank für unseren alten, unverletz baren Glauben an die Kunst des tönenden Bildes, der Abend, den wir seit l13 Jahren erwarten, der Abend, der endlich, endlich kommen mußte, um uns die alten, fast wunderbaren Hoffnungen zu erfüllen und den Weg zu bestätigen — den Weg in die Zukunft eines lebendigsten Bildtheaters. ......Die Aufführung dieses Filmes, der für die weitere Entwicklung des sprechenden Bildes beispielhaft werden muß. ist eine ausgezeichnete
Gießen (Älsmarckstraße 38), den 31. Oktober 1930
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......Da kann Kritik nichts Kritisches sagen, außer: Sie spielen so einfach und natürlich, wie das bisher im stummen Film ganz selten, im europäischen Tonfilm noch niemals glückte.
.....Alle rasten vor Begeisterung, als der Vorhang über den abblendenden Dächern von Paris zusammeuschlug. (K. Pinthus,„8-Uhr-Abendblatt“) ......Man möchte Plakattexte aufsetzen, Flugblätter dichten, um zu bitten: Seht diesen Film, es ist zu eurer Freude. (E. Jäger im „Filmkurier")
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2. Bericht und Entlastung des Rechners
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Redner: Oberstleutnant Ahlemann, Berlin
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Montag, 3. November 1930
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Nr. 257 Zweiter Blatt
Seutsch-spamsche Mmbeziehungen.
Don unserem v. Oss.-Derichterstatter.
Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, Oktober 1930.
Sevilla zu gründen, wobei besonders in der katalanischen Hauptstadt dadurch ein bedeutender Erfolg verzeichnet werden konnte, daß es gelang, die führenden spanischen und katalanischen Kreise unter dem Vorsitz des Marques Caldas de Montbuy zusammenzubringen. Außerdem konnte man den Direktor des mit Simancas wichtigsten
Es ist freudig zu begrüßen, daß in den festen Jahren auf dem Gebiete der deutschen K u l - turpropaganda in Spanien ein erpebnajer Aufschwung stattgefunden hat. Kunst und Wissenschaft bilden das hauptsächlichste Gegengewicht zu den oft naturnotwendigen politischen und wirtschaftlichen Interessengegensätzen der Rationen, und es fällt ihnen daher eine außerordentlich wichtige völkerverbindende Aufgabe zu. Wieweit nun und mit welchen Mikceln diese Aufgabe in Spanien gelöst wurde, wo die wechselseitigen kulturellen Beziehungen von besonderer Bedeutung auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen nach Iberoamerika sind, soll im folgenden in großen Zügen dargelegt werden.
Don den Organisationen, die sich hier der wichtigen Ausgabe der zielbewuhten Annäherung der beiden Dölker auf wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet widmen, muß an erster Stelle das im Jahre 1925 gegründete und unter der Leitung von Dr. Adams stehende „Centro de Intercambio Intelectual Germano Espanol“ in Madrid genannt werden. Dieser Arbeitsstelle für deutsch- spanische Wisienschaftsbeziehungen ist es in unermüdlicher Arbeit und in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, eine Bibliothek von etwa viertausend Bänden zu schaffen, die besonders gut auf philologischem, juristischem und kulturhistorischem Gebiet sortiert ist und sich reger Inanspruchnahme durch die Spanier erfreut. Besonders hervorzuheben sind die Der- öffentlichungen der Arbeitsstelle, das „Boletin Bibliografico“, welches im dritten Jahrgang erscheint, sowie die Zeitschrift „Investigacion y Progreso“ im vierten Jahrgang, beide in einer Auflage von je viertausend Exemplaren. Don der letztgenannten Zeitschrift, die von dem bekannten und um die deutsch-spanischen Beziehungen überaus verdienten spanischen Universitätsprofessor Hugo Obermaier redigiert wird, gehen allein nach Südamerika fünfzehnhundert Exemplare. Sie ist heute schon eine der führenden wissenschaftlichen Zeitschriften in spanischer Sprach« mit zahlreichen hervorragenden spanischen Mitarbeitern. Dos „Centro“ veranstaltet jährlich eine Reihe von Dorträgen in deutscher und spanischer Sprache, die im allgemeinen weit über den Durchschnitt hinausragen und hier große Beachtung finden. Eine weitere wichtige Aufgabe dieses Organs sür praktische Kulturpolitik besteht in der Veranstaltung von spanischen Sprachkursen, die viermal jährlich stattfinden und eine durchschnittliche Besucherzahl von fünfundzwanzig Personen aufweisen. Die Arbeitsstelle gibt außerdem Informationen wissenschaftlicher Art an deutsch« und spanische Gelehrte, stellt sich den Studierenden beider Länder hilfsbereit zur Verfügung" und bildet so den Sammelpunkt der beiderseitigen kulturellen Interessen.
Eine Ergänzung nach der spanischen Seite hin bildet das im April 1929 in Madrid ins Leben gerufene „deutsch-spanische Komitee", das unter dem Dorsih des Herzogs del In- fantado steht und dessen Dizepräsident der deutsche Botschafter Graf W e l c z e ck ist. Das Komitee zählt heute schon mehrere hundert Mitglieder und sieht in seinem Vorstand eine Reihe führender spanischer Gelehrter, darunter den Präsidenten der spanischen Akademie, Menen- dez Pi dal, die Universitätsprofessoren Casares Gil, Obermaier, den berühmten spanischen Rationalökonomen und Deutschenfreund Flores de Lemus, sowie den als Spezialist auf elektrotechnischem Gebiet bekannten Jesuiten Perez del P u l g a r. Vor kurzem gelang es auch, Schwesterkomitees in Barcelona und
historischen Archivs, des „El Archive de la Corona de Aragon“, eines Schülers des bekannten Hispanisten Geheimrats Dr. Finke, Freiburg, gewinnen. Daneben ist, spanischen Wünschen entsprechend, eine mit dem deutsch- spanischen Komitee Hand in Hand arbeitende deutsche Gruppe der „Union Intelectual Espa- nola“, die dem deutschen Kulturbund entspricht, unter der Präsidentschaft des deutschen Botschafters gegründet worden. Die Gründungsfeier, welche in der festlich geschmückten Aula der Madrider Zentraluniversität stattfand, wurde zum Anlaß für eine imposante Kundgebung engster deutsch- spanischer Zusammenarbeit und brachte bemerkenswerte Reden des als Vertreter des Königs fungierenden Kultusministers sowie des Präsidenten. der Akademie und anderer bekannter Persönlichkeiten.
Eine ganz besondere Bedeutung für die Vertiefung der beiderseitigen Beziehungen kommt den deutschen Schulen in Spanien zu, welche, elf an der Zahl, in schnellem Aufstieg heute bereits eintausend, echshundert Schüler zählen, von denen allein di« beiden großen Ober- realschulen in Barcelona und Madrid etwa zwölfhundert Schüler umfassen, von denen die Hälfte Spanier sind Der Zudrang zu den deutschen Schulen ist so groß, daß Erweiterungsbauten notwendig geworden sind, so besonders in Barcelona. Aber auch in Madrid spielt die Plahfrage eine große Rolle und es ist zu hoffen, daß sie in kürzester Zeit durch Reichs-
unterstühung gelöst werden kann. In diesem Zusammenhang ist noch die Gast Professur an der Madrider Universität für deut- scheLiteraturzu erwähnen, die jährlich etwa dreißig Vorlesungen in spanischer Sprache umfaßt und bisher zweimal durch den Frankfurter Privatdozenten P e t r i c o n i und einmal durch Geheimrat Boßler, München, beseht war.
Als Krönung der fulturcllen Gemeinschaftsarbeit scheint sich nun auch noch die vom König von Spanien gewünschte deutsche Beteiligung an der in riesenhaftem Ausmaß entstehenden Madrider Universitätsstadt zu bestätigen. Durch namhafte Spenden aus Süddeutschland und durch die in entgegenkommendster Weise vom König zur Verfügung gestellten Grundstücke in bester Lage ist nunmehr die Möglichkeit gegeben, dieses Projekt ernsthaft in Angriff zu nehmen und ein würdiges deutsches Studenten- haus innerhalb der spanischen Ciudad Universi- taria zu errichten. Das aus diesem Gebiete durch Spanien gezeigte Interesse ist um so erfreulicher, als damit auch der Beweis erbracht ist, daß die bisher fast ausschließlich frankophilen liberalen Kreise Spaniens, die nach dem Sturz der Diktatur wieder bedeutend Oberwasser gewonnen haben, nunmehr auch ernstlich für Deutschland sich zu interessieren beginnen. Zu erwähnen ist noch die in letzter Zeit eingesetzte rege Heber- seyertätigkeit deutscher W er k e z. B. von Garcia Morente lUnterstaatssckretär im Kultusministerium), der Verlagssirma Editorial Labor, sowie der Kreise um die Revista de Occidente, welche über hundertzwanzig führende deutsche Werke ins Spanische überseht haben, darunter Bücher von Spanger, Scheler, Simmel, Brentano. Sombart, Spengler u. a.
Zum Schluß ist noch der Dank hervorzuheben, den die deutsche Kolonie der Regierung dafür zollt, daß sie es ermöglicht hat, im Verein mit namhaften Stiftungen zahlreicher Privatleute das deutsche Krankenhaus in Madrid ouszubauen, eine Aufgabe, für die sich noch Stresemann, gerade vor einem Jahre anläßlich seines Hierseins, besonders interessiert hat. Bei
aN dem muh hervorgehoben werden, daß dev Ersolg nicht zuletzt dem seltenen Geschick und dem großen Verständnis des deutschen Botschafters in Madrid. Grasen Welczeck, zu verdanken ist. der in dieser delikaten Arbeit in hervorragender Weise unterstützt wird von dem Kulturreferenten der Botschaft, Gesandtschaftsrat Dr. H u e f f e r.
Aus Oer provmzialhauptstadt.
Gießen, den 3. Rovember 1930.
Kreisausschuß Gießen.
Der Kreisausschuß des Kreises Gießen beschäftigte sich in einer Sitzung am Samstag- vormittag unter dem Vorsitz von Dberregicrungvrot Ritzel mit zwei Streitfällen im V e r w a l t u n g s° streitoerfahren.
In erster Sache handelte es sich um die Entsct-ci- dung über die Gehaltsfrage des Bürger- Meisters Jung von Klein-Linden, der in der von ihm verwalteten Gemeinde den Antrag um Gehaltserhöhung gestellt hatte. Der Gemeinderat hatte es abgelehnt, eine Heraufsetzung des Gehaltes durchzufuhren und im Etat zu berücksichtigen. Der Bürgermeister beanstandete deshalb den Etat, und so wurde die Entscheidung der Angelegenheit im Berwaltungsstreitoerfahren notwendig, In der Verhandlung stutzte der Bürgermeister Jung seinen Antrag auf verschiedene gesetzliche Bestimmungen und Verordnungen, betonte, daß sein Gehalt, das insgesamt 4550 Mark beträgt, dem Gehalt eines Bürgermeisters einer Gemeinde von 500 Einwohnern entspräche. Da aber die Gemeinde Klein-Linden über 2000 Einwohner habe, sei sein Anspruch auf Einreihung in Gehciltsklafse,4 durch die Arbeit, die in einer so großen Gemeinde anfalle, gerechtfertigt. Weiter wies er im Verlauf der Verhandlung darauf hin, daß es feinen Bemühungen gelungen fei, einen Fabrikanten nach Klein-Linden zu bringen, dessen steuerliches Aufkommen die Auf- Wendungen für fein Gehakt bereits decke. Als Vertreter der Gemeinde nahm daraufhin Beigeordneter Germer Stellung und wies darauf hin, daß die Gemeinde Klein-Linden als finanziell leistungsschwach zu bezeichnen sei und unmöglich eine noch höhere steuerliche Belastung tragen könne, sie sei jedoch bereit, falls eine allgemeine Herabsetzung der Beamtengehälter in Reich, Ländern und Gemeinden beschlossen würde, das Gehalt des Bür- | germeifters Jung nicht ßu kürzen. Gemeinde- ratsmitglied Schmidt schloß sich den Ausführtin- gen des Beigeordneten Germer an. Gemeinderatsmitglied Klein machte darauf aufmerksam, daß dem Bürgermeister . zur Erledigung der Schreibarbeiten eine Schreibkraft beigegeben sei, mit einer monatlichen Entschädigung von 150 Mark. Wenn er auf die Beschäftigung der Schreibkraft verzichten würde, wäre es eher möglich, einer Erhöhung des Bürgermeistergehalts zuzustimmen. — Nachdem noch die finanzielle Lage der Gemeinde in Hinsicht auf anderweitige Verpflichtungen geklärt war, zog sich der Ausschuß zur Beratung zurück und gab nach einiger Zeit folgenden Entscheid bekannt: „Die Bezüge des Bürgermeisters bleiben in der bisherigen Höhe bestehen. Der Kreisausschuß erwartet jedoch, daß der Gc- meinderal im Falle einer generell durchgesührten Herabsetzung der Gehälter der Staats- und Kommunalbeamten, das Gehalt des Bürgermeisters nicht kürzt."
Dem Kraftwagenführer K. D. aus Lollar wurde auf Veranlassung des Kreisamtes der Führerschein auf die Dauer eines Jahres entzogen, da er vor einiger Zeit im Wiesecker Weg zu Gießen gegen die Kraftfahrordnung verstoßen hat. Er legte dagegen Berufung ein. Der Kreisausschuß beschloß, Dem Beschuldigten den Führerschein mir auf die Dauer eines halben Jahres zu entziehen.
Ein dritter Punkt der Tagesordnung wurde auf * einen späteren Termin verlegt.
DasN mne Ehrenmal beiMIHelmsftoven enthüllt
Eine Pyramide von Steinen, von einem Eisernen Kreuz gekrönt dieses Ehrenmal der deutschen Marine wurde an der Stelle, von der aus einst die deutsche Flotte die Fahrt zur Skagerrakschlacht antrat, feierlich enthüllt.
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Ferdinand Bruckner: „Elisabeth von England".
Uraufführung am Hessischen Landestheater in Darmstadt.
Grundsätzlich: Ferdinand Bruckner, dessen Schauspiel „Elisabeth von England" am Samstag gleichzeitig mit Berlin (Deutsches Theater), Leipzig, Hamburg und Bremen, in Darmstadt aufgeführt wurde, hat bereits mit feinen früheren Stücken „Krankheit der Jugend" und „Die Verbrecher" Erfolge gehabt und Aufsehen erregt — nicht sowohl wegen seiner Themen als vielmehr und vor allem des Pseudonyms wegen, hinter dem sich ein bislang unbekannter Autor verbirgt.
Wildes Rätselraten setzte ein; schließlich glaubte man in Theodor Tagger, vormaligen Direktor des Berliner Renaissance-Theaters, den Dichter gefunden zu haben. Uns scheint: ob Bruckner Tagger ober wirklich Bruckner ober sonstwer fei, ist unbeträchtlich. Die Diskussion Darüber: Literaturklatsch und Sensationsmacherei. Wichtig ist allein die Leistung.
Die Bewertung der Leistung — nach Lektüre und Ausführung — 'fällt hier im wesentlichen positiv aus ... nicht so sehr der eigentlichen Gestaltung als der Konzeption wegen, um des Vorwurfes willen, der, an sich nicht neu, dennoch originell und mit einer gewissen Großartigkeit angefaßt wurde.
Elisabeth und Essex wurden schon oft dramatische Helden; Schiller, Laube, Litton Strachey, Lenor- mand und Bruckner heißen die wichtigsten Bearbeiter. Bruckner unterscheidet sich grundsätzlich von seinen Vorgängern.
Da Das Stück auch für Den Gießener Winter- spielplan vorgesehen ist, wollen wir heute nur ganz knapp unD andeutungsweise daraus eingehen.
In Stichworten: Die Affäre Elisabeth-Essex ist bei Bruckner weniger eine politische als eine erotische Angelegenheit. Elisabeth ist nicht nur Die Königin, Die ihrer Zeit ihren Namen gab unD eine neue Pe- rioDe englischer Geschichte heraufführte, — sonDern sie ist vor allem eine Frau. UnD zwar eine Frau in Den kritischen Jahren, an Der Schwelle Des Alters. Sic treibt mit Essex ihr töDIidjes Spiel.
*
Außerdem ist Elisabeth ein politischer Mensch: und als solcher überhöht unD herausgestellt als Repräsentantin einer großen europäischen Bewegung, Des Protestantismus.
Ihr beDeutenDfter Gegenspieler: Philipp von Spanien, Der leidenschaftliche Vorkämpfer Des alten Glaubens und der Beherrscher der Welt — mit Ausnahme Englands; Träger einer Idee ... gegen Die uniDealistifche, merkantilistische EnglänDerin unD ihre kleine Insel.
Die Essex-Affäre gipfelt in Der Szene, wo Elisabeth vom Tower-Turm Der Enthauptung ihres früheren Günstlings zuschaut, mit Dem sie spielte, unD Der gegen sie rebellierte.
Der weltanschauliche Gegensatz zwischen Elisabeth unD Philipp konzentriert sich in dem Parallelszenen, wo der englische und der spanische Kronrat in London und Madrid gleichzeitig den Krieg wider einander beschließen, und wo sie später in ihren Kirchen gleichzeitig zu Gott um den Sieg flehen, jeder für seine Sache.
Das ist eine großartige Vision, die silmhaft sichtbar gemacht wird. Die alten Gesetze des Raums versinken. Die Schauplätze fließen ineinander und überschneiden sich. D- Dialog — hüben und drüben — ist kontrapunkkisch gestuft. Der Film leiht dem Drama seine Form.
Die raffende Gleichzeitigkeit der Vorgänge charakterisierte schon Bruckners frühere Stücke; synoptische Dramaturgie. Er reißt die Fassade des Londoner Schlosses auf und spielt auf drei Stockwerken zugleich. Oben, Mitte, unten. Sehenswert, aber doch mehr Theater als Dichtung; mehr Technik als Gestaltung.
Im übrigen ist Bruckner ein moderner Mensch. Ihn interessiert das Psychologische (und Pathologische) mehr als das Geschichtliche. Seine Menschen reden selten im klassischen Stil, meist nüchtern, trocken, wie wir.
Die Attentatsszene, wo Elisabeth im Nachthemd von Essex und seinen Leuten durch den ganzen Park gehetzt wird, wäre bei Schiller — aus mehreren Gründen — nicht möglich gewesen. — Soviel für heute vom Stück.
Wir konnten'die Ausführung leider nicht bis zum Schluß sehen, nur bis in die Kirchenszene des 4. Aktes hinein. Sie war ein Höhepunkt. Ueber-- haupt: was wir sahen, war gut; einiges hervorragend. Generalintendant Ebert inszenierte selbst; man begreift, was ihn an diesem Schauspiel gereizt hat. Die Meisterung technischer Probleme war von je die Stärke der Darmstädter. Und die enormen Schwierigkeiten waren glatt bewältigt; die Raumgestaltung glücklich gelöst. Die Doppelszenen von großer Wirkung.
Außerdem hat Ebert eine Elisabeth, wie man sie in Deutschland kaum zum zweitenmal findet: Hermine Körne?. Das ist eine Paraderolle für sie;
sie zieht alle Register ihres blendenden Könnens, gibt die Queen Elisabeth kalt und pompös, — Die Frau Elisabeth spielerisch, zärtlich, mit ihrem leisen, gutturalen Lachen, ... in Der BouDoirszene fast erschüttern!). *
Werner Hinz: ein blonDer, leiDenschaftlicher Essex. Josef Keim: finster unD inbrünstig, Der unheimliche Spanier. Sonst: Nürnberger (Bacon); Richter (Plantagenet); PfauDler; Gallin- g e r; We st ermann. Bühnenbild von Rein- king; schöne Begleitmusik von Karl Maria Z w i ß- l e r.
*
Die Körner wurDe schon nach Dem zweiten Akt sehr gefeiert. hth.
Fasanenjagd.
Bon Otto Ehrhart, Dachau.
Jeder Morgen trägt kostbare Schleier und jeder Tag ist ein Fest aus Gold und Blau und vielen Farben. Aber die Abende kommen immer leiser daher. und Die Sonne hat ihr heißes Herz verloren.
Wir sind voller Stimmungen. Morgens froh und abends traurig; Tags von wilder Unraft erfüllt, Die wir später bei Der Lampe nimmer begreifen. Bald ist uns Das Ferne nah, das götklich-schwingende, das unser Herz so sanft bewegt, und bald Das unruhvolle, rastlos Treibende, das uns zu heißen Taten drängt. Unser Wesen ist gespalten, geheimnisvoll und wandelbar...
Heute srüh, als ich von der Hütte in Den weich schmelzenden Morgen hinaustrat, war das Glonn- tal ein einziges weites Rebelmeer. Die Welt lag tief verborgen. Rur ein fromm weifendes Zeichen, Die Spitze des Hohenkammerer Kirchturms, ragte golden aus der glatten Fläche empor.
Kein Klang störte die Welt. Uber mir, über den starren, wie gegossenen Bäumen, schlief der Mond, und zu meinen Füßen ästen vertraute, schlanke Rehe...
Ich stand und wartete, bis die rote Sonne aus den Dünsten stieg. Bis Die Rebel sanken, der stumme Wold sich rührte, und bis das Dorf erwachte. — Als Der junge Tag blitzend und leuchtend über dem lieben Lande lag, wanderte ich weiter. Froh.
*
Am langen Hang, unter Den roten Hagebutten, unter dem Gewirr der Brombeerranken, zwischen den Stachelhecken Der Disteln, halten sich jetzt Fasanen verborgen. 3m Sommer war eine Fuchsfähe mit ihren Jungen hier unD in Den Dämmerungen hörte ich ost Den alten Dachsbären bei seinem Bau stechen unD schnauben. Abends wehen Die Eulen aus Den Schatten unD jagen lautlos auf Mäuse.
Hier gibt es viele Erinnerungen: Drunten am Jungholz, im grünen Klee, hat er gelegen, Der erste, gute Bock meiner Frau. Das war an einem gewittrigen Sommerabend. Ich hörte Den Schuh im Eichet Droben unD lief hinunter, so schnell ich konnte. UnD freute mich wie ein Kind, als ich ihr den grünen Bruch auf dem alten Filzhut reichte. Sie war so stolz und froh, knallrot vor Erregung. Denn es war ein Meisterschuß, ich konnte es selbst kaum glauben; Einschuß halbspiß von vorne und Ausschuß am Blatt. Bei guter Entkernung...
Jetzt prunken die Blatter und rascheln und reden. Der Sommer ist dahin. Betaute Spinnennetze glitzern. Vom Tal herauf zieht der Dust welken Rattoffel» krankes und der Himmel ist kalt, aber tief und klar wie Glas- Fiebernd hängt der Hund in Der Halfung. Doch meine Freude am Sehen ist noch nicht gar.
Da muß man kosten können, wie edlen Wein! Den Blick, die Wonne vor dem Schuh, das Sehen, Schießen, Fallen, die treue Arbeit des Hundes, das ganze „Iägersein." Fühlen will ich, was ich jage: Schillernde Fasanen 1 Tiere, die ein Gefieder, leuchtender als eine Sammlung edelster Steine tragen. Hähne, mit stolzem, langem Spiel und mit roten Rosen an den Augen.
Genug. Das Halsband ab. .Vorwärts, Hella,such brav!" Als ob es dessen bedürfte! Ihr, Der schönäugigen, braunleiDenen HünDin, brauche ich nichts zu sagen. Federnd gängelt sie durch die Büsche und da!-hat sie schon die Witterung in der Rase ES hat sie tormlid) zusammengerissen, aber ehe sie anzieht, wirst sie doch noch einen Blick zu mir her, ein, kurze Vergewisserung, als wolle sie fragen: „Bist Du auch klar?"
„Geh' nur, such nur brav!" - Die Rute steif von sich gestreckt, Den rechten VorDerlauf erhoben, verkörperte Beherrschung, bilDgewordene Spannung- so sieht sie vor. UnD rührt sich nicht, bis mir beim Räherkommen Die Vögel kreischend aus Dem Dickicht fahren. Hoch Den Lauf! Die Schüße bellen und hallen wider im Wald, daß die Ringeltauben, Die dort Eicheln kröpften,erfchrocken aus den Zweigen fahren. So lieb ich's. Feuer und Fall! Zwei Hähne an den Galgen!
Feuer im Laub, in Der Faust unD im Blut. Und em Herz, Das vor Freude Dabei schreit-ewig möcht' ich's so haben!
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Wenn Dann Die Rächt kommt, sinD wir toieDer still. UnD sinnen unD Denken. UnD horchen auf Das Wunderbare. Der Tag hak wie ein lautes LieD ge- gellungen; nun müssen wir behutsam sein. Bis Morgen ... Denn unser Wesen ist gespalten, geheimnisvoll und wandelbar.
Konsumverein Gießen und Ltmgegend.
Unter der Leitung des Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Fr. Vetters, fand gestern im ®c- werkfchaftshaus die ordentliche Vertreterversammlung des Konsum Vereins Gießen und Umgegend statt.
Sekretär Huber trug zunächst den Ve Visionsbericht für das Geschäf tsjahr 192 8/2 9 vor. Aach diesem hat der Derbandsrevi- for in mehrtägiger Dauer eine Prüfung der Bücher, der Kasse und sonstigen Einrichtungen des Vereins vorgenommen. Die Prüfung gab zu Beanstandungen keinerlei Anlas), die Revisions- bemcrkungen über die Führung des Vereins lauten günstig.
Geschäftsführer Diener erstattete darauf den Geschäftsbericht für 1 92 9 30 und führte an Hanv von Zisfernmaterial aus, das) es trol) der ungünstigen Wirtschaftslage und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit und Einnahmemin-- derung vieler Mitglieder möglich sei, den Gesamt- umsah von 3 157 118 Mark zu steigern, wodurch die zur Zeit hohen Unkosten gesenkt würden. Ueber den Geschäftsbericht haben wir am Samstag auszugsweise schon berichtet.
Den Kassenbericht erstattete der Kassierer 3. Günderoth. Vach Bekanntgabe der einzelnen Posten der Bilanz, die in Aktiva und Passiva je mit 1 523 419,68 Mark abschließt, und der Gewinn- und Verlustrechnung (Doll und Haben je 471 181.66 Markj bezeichnete der Kassierer das finanzielle Ergebnis als nicht befriedigend. Er unterbreitete der Vertretorver- sammlung folgende Vorschlägen 1. die Verteilung der Erübrigung von 5954,36 Mark wie folgt vorzunehmen: Veservefbnds 3000 Mart, Pen- sionsfonds 2000 Mark, zur Verfügung der Verwaltung sind 954,36 Mark zu stellen: 2. die Verteilung der V ü ck v e r g ü tu n g von 152 984,08 Mark (5 v. H.) an die Mitglieder: 3. die Höhe der aufzunehmenden Spareinlagen auf eine Million Mark festzusehen.
Der Vorsitzende deö Aufsichtsrats, Fr. Vetters, gab den Bericht des Aufsichtsrats und machte die Vertreterversammlung mit dem Re« sultat der Rechnungsprüfung für 1929 30. die Bücher, Kasse und Belege in bester Ordnung befunden habe, bekannt.
Die Aussprache war sehr ausgiebig. Geschäftsführer Diener ging in seinem Schlußwort auf die vorgebrachten Wünsche und Anregungen ein und sagte deren Erfüllung nach Möglichkeit zu.
Die Abstimmung ergab die einmütige Entlastung der Gesamtverwaltung. Die Verteilung der Erübrigung, der Rückvergütung, und die Höhe der aufzunehmenden Spareinlagen wurden nach den Vorschlägen der Verwaltung genehmigt.
Die Wahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat ergaben die einstimmige Wiederwahl der ousscheidenden Mitglieder Gg. Deck mann (Vorstand), Ernst Laudenbach, Hans Horst und Frau Meier (Aufsichtsrat).
Konzert in der Zohanneskirche.
Zn der Zohanneskirche fand am Freitagabend ein Wohltätigkeitskonzert statt, dessen matc rüller Ertrag zum Vesten der hiesigen neuerbauten Krippe bestimmt war. Zur Mitwirkung hatten sich Frau Gertrud Weyl, Organist 5) a b i ch t und die Kapelle unseres Bataillons unter der bewährten Leitung von Obermusikmetster W. L ö b e r für die gute Sache zur Verfügung gestellt.
Die Orgel unter der verständnisvoll nachschaffen den Hand des verdienstvollen Organisten Habicht leitete den Abend ein und führte die Zuhörer in das Reich der kirchlichen Musik. Eine überaus eindrucks, volle Ouvertüre „Ein feste Burg ist unser Gott" (O^Ricolei) in der wuchtigen Wiedergabe durch das Blasorchester, liest die ganze Schönheit jener Melodie und zugleich die gläubige Kraft, die ihr innewohnt, offenbar werden. Frau Gertrud Weyl sang das Arioso aus einer Kantate von G. F. Händel und erfreute die Zuhörer nicht nur durch die vollkommene MWMNM
ZRoman von Hans Friedrich.
Urheber-Rechts! ih durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa.
21 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Run blieb ihr nichts anderes übrig, als zuzugreifen. Sie überzählte das Geld flüchtig und tauschte sechs Hundertmarkscheine dagegen ein. mehr als die Hälfte ihrer Reisekasse.
„Uebervorteilen Sie mich auch nicht?" fragte sie beifällig, gewollt streng.
Er legte beteuernd die Hand auf die Stelle, wo er sein Herz vermutete.
„Ich bitte Sie, GnädigsteI Vichts würde mir ferner liegen, als um eines kleinen Vorteils willen eine schöne Frau zu betrügen."
Damit hatte er Irma Hansens Sympathie völlig erobert.
„Liebenswerter Mensch, wie man ihn selten trifft!" anerkannte sie bei sich. Eigentlich schade, bast er an der Grenze schon ausstieg. Sie stellte es sich so schön vor, ihn für einige Tage als Reisebegleiter zu haben. Jedenfalls konnte man sich mit ihm sehen lassen.
3m weiteren Verlauf des Gesprächs gab er ihr Auskunft, wo sie in Innsbruck wohnen könne. Die ersten Hotels waren für sie gerade flut genug.
„Ursprünglich wollte ich an die See", gestand Irma wahrheitsgetreu. „Da kenne ich mich aus. Vur auf die Veranlassung meines Mannes habe ich mich noch in letzter Stunde für das Hochgebirge entschieden." Das war Lüge, die leichtfertig von dem Munde der Schönen ging.
,Die werden Ihren Entschluß nicht bereuen. Tirol wird Sie gefangen nehmen, damit verspreche ich nicht zuviell" Er sagte das mit einem eigentümlichen Lächeln, das Irma nicht vergessen würde.
Und bei sich dachte sie abenteuerlustig: „Du schöner Eicerone, bevor ich noch über die Grenze flehe, hast du mich bereits gesangen genommenI"
Da waren sie schon, nach vorangegangenem kurzen Aufenthalt in Garmisch-Partenkirchen, in Mittenwald angelangt.
„Ich bebaute unendlich, mich jetzt schon verabschieden zu müssen." Ueber sein hübsches Film- gesicht breitete sich etwas von echter Kümmernis.
Auch der Frau ging der Abschied nahe. In Garmisch war ein junge« Paar zngestiegen, das mehr Augen für sich, als für die Landschaft hatte. Verliebtheit steckt an. Das fühlte die Blondine.
Für Sekunden lag ihre Hand in der de« Mannes. Da wurde ein Entschluß geboren, der einer kühnen Aufsorderung verzweifelt ähnlich sah.
Huberius-Tag!
Von Or. Ludwig Roth.
„Am dritten Vovember Trotz Wintersturm und Gis Soll jeder ziehn zu Holze, Der um das Weidwerk weiß."
Jeder Weidmann sucht sich für diesen „höchsten Feiertag" der Jägerei frei zu machen. Wie herrlich ist eine genau vorbereitete, weidmännisch durchgesührte „Hubertus-Jagd" vom erstenHorn- gruß am frühen Morgen bis zum Verblasen der Strecke, bis zum Halali und Horrido am späten Abend! Der Tag steht im Zeichen Sankt Hube r t i, so soll des Schutzpatrons der Jagd und der Jägerei an seinem Ehrentage gedacht werden!
Hubertus, eigentlich Hugu-Bert, der durch Verstand (Hug) Glänzende (Bert), war in der Zeit von 700 bis 727 Bischof von Lüttich. Er war der Sohn des Herzogs Bertrand von Guienne und lebte zuerst am Hofe des fränkischen Königs Theodorich, später beiPipin vonHeristal. Vach dem Verlust seiner schönen Gemahlin Floritana hatte sich der von Lebenslust überschäumende Herzogssohn, der ein leidenschaftlicher Jäger war, von der Welt zurückgezogen, war nach Rom gepilgert und vom Papst Sergius I. zum Bischof von Tongern geweiht worden. Zu Ehren seines Vorgängers Lamprecht erbaute Hubertus eine Kathedrale in Lüttich, wohin er auch seinen Bischofssitz verlegte. Er starb am 30. Mai 727, und sein Körper, der 743 noch fast ganz unversehrt war, wurde 825 nach der Abtei Andain gcbracht, welche davon den Vamen Saint Hubert erhielt.
Vach der Sage hat Hubertus vor seiner Bekehrung gejagt am heiligen Karfreitag, um den der Ernst des Kreuzestodes des Heilands webt, ein Tag besonderer Weihe, tote uns bffc Gralssage und Parzival lehrt. Ist bes Heilands Todestag — der ..allerheiligste" Karfreitag doch der Tag der großen Ruhe!
„So jammervoll klagt fein Wild
Lind gewiß gar nicht am heiligsten Morgen heut" hören wir im Parzival Gurnemanz sprechen! Am höchsten „Schmerzenstage" soll der Mensch die Kreatur und „Halm und Blumen auf den Auen" schonen, sagt Parzival, denn
„Karsreitagszauber umschwebt den düstren Tag der Trauer".
Lind an diesem „Llnschuldstage der Vatur" jagt Hubertus. Dem wilden Jäger stellt sich im Ar- dennerwald nach scharser Jagd ein weißer Edelhirsch, zwischen dessen mächtigem Geweih ein Kruzifix im Strahlenkranz ihm erscheint. Die Armbrust entsinkt der sicheren Hand, die wehrhaften Rüden flüchten ^u ihrem Herrn, der in jäher Ergriffenheit erschüttert niedersinkt und in andächtigem Gebet verharrt. In dieser Stunde gelobt Hubertus, bem Weibwerk zu entsagen und sich dem Dienst des Herrn zu weihen. Er wurde Einsiedler und baute eine Kapelle an der Stelle, da ihm der Hirsch mit dem Bilde des Gekreuzigten erschienen war. Weit drang der Ruf seiner Heiligkeit und seiner Wunderkraft. Er hatte der Legende nach die Kraft, Besessene und von Tollwut Befallene zu heilen: als Pilger wallte er zur Ewigen Stabt, wo ihn Papst Sergius zum Bischof weihte. Die Stola brachten Engel vom Himmel und Petrus selbst übergab ihm einen goldenen
Schlüssel. Beiden, sowohl der Stola, wie dem Schlüssel, wurde besondere Heilkraft zugeschrieben. Hubertus, der bekehrte Jägersmann, wurde so auf ewig gerettet.
Die Stätte der Bekehrung des heiligen Hubertus ist der Ardenner-Wald, wo er in einer kleinen „Cella" (Zelle) bei Audagium, bem späteren „Andain" sich religiösen Hebungen bis zu seiner Pilgerfahrt nach Rom hinggb. Eigenartig ist, daß wir in dem Grenzgebiet auch die ältesten Spuren einer Iagdgöttin finden, deren Vamen wir leider nicht mehr wissen: der Bischof Gregor von Tours erzählt in seinen zehn Büchern fränkischer Geschichte, daß ein Diakonus Vulfelaich bei Trier ein Bild der „Diana" gesunden habe, welche das abergläubische Volk abgöttisch verehrte. Hierüber ergrimmte Vulfelaich und er predigte gegen das Dianenbild mit dem Erfolge, daß er seine Zuhörer dazu begeisterte, das Bild der „Diana" mit Stricken umzustürzen und zu zermalmen. Diese Zerstörung der deutschen Diana muß etwa im Jahre 585 erfolgt sein. Der römische Schriftsteller Arrian, der bald nach Ta- citus — in der Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christi Geburt — starb, berichtet uns von einer „Artemis" (Iagdgöttin) der Kelten und von den ®ebräud)cn ihrer Verehrung. Es scheint sich, da in diesen Jagdgebieten sich keltische und germanische Sitten verwischen, um dieselbe Göttin gehandelt zu haben. An Ihrem Iahresfeste wurde ein Festschmaus von den Jagdgenossen gehalten, der Göttin das zum Schmaus bestimmte Wild feierlich geopfert. Auch der Hunde wurde gedacht: sie wurden am Festtage bekränzt und besonders gut verpflegt. Leider ist uns weiteres nicht erhalten geblieben: wir.kennen weder den Vamen der keltischen, noch der germanischen Vaturgottheit, der die Jagd heilig war.
Die Feier des Hubertustages ist trotz aller historischen Kritik geblieben! Im Jahre 1724 berichtet uns Fleming im „Vollkommenen teutschen Jäger": „HubertuS'Tag ist das Fest des allgemeinen Jagd- Patrons Huberti. Da soll ein jeder rechtschaffene Jäger sich auf die Jagd begeben, es wäre beim, daß er durch Eis, Kälte ober einen starken Platzregen bavon abgehalten würbe... boch sollen die Freunde von der Jägerei an diesem besonders feierlichen Tage keinen um sich leiden, welcher wider die Iagdregeln das Wild mutwillig verderbt ... Wenn man den größten Teil des Tages mit Jagen zugebracht, so sollen die Jäger wieder auf einem dazu bestellten Platze zusammenkommen und jeder berichten, was er ausgerichtet, auch sowohl seine glücklichen wie unglücklichen Zufälle erzählen und sich sodann in dem nächsten, dem besten Iagdhause lustig machen."
Im Anklange an die keltischen und germanischen Feiern zu Ehren der „Diana Arduenna" wird heutigentags der Abend dem Gedächtnis des Schutzheiligen der Jagd gewidmet:
„Laßt uns die Dccher leeren Vach guter alter Weis', Zu Sanct Huberti Ehren Änd zu des Weidwerks Preis!"
Allen Jüngern Sanct Huberti und allen Freunden der Jagd und Jägerei zum Hubertustage: „We idmannshei l!"
Art ihres Vortrags, durch die einfache, klare und unmanierierte Wiedergabe, sondern bejonders auch durch ihre schmiegsame, modulationsfähige, in den oberen und unteren Lagen gleich gut beherrschte Stimme. Nicht weniger eindrucksvoll gab die Sängerin Schuberts „Dem Unendlichen . Das O r - ch e st e r untermalte in sorgfältiger Begleitung die gesanglichen Darbietungen. Eine Sarabande von Joh. Seb. Bach, erfüllt von der zutiefst veranserten
„Ich werde die nächsten acht Tage im Hotel „Tirol" wohnen", sagte Irma leise.
Der Mann erfaßte die Situation augenblicklich.
„Wenn es Ihnen angenehm ist, komme ich mal rüber." Seine Augen tparen dabei beredter als seine Zunge.
Die Blonde nickte unmerklich. Dann stieg der Fremde aus, und die Paß- und Zollkontrolle betrat bas Abteil
* . *
Am selben Abenb in Innsbruck.
Inna Hansen aus Dresben hatte in einem Speiselokal an ber Maria-Theresia-Straße vorzüglich gegessen, bazu ein Viertel „Spezial" getrunken. Der lebhafte Betrieb gefiel ihr außerordentlich. Sie war kein Freund ber Einsamkeit. Lind nicht einmal dachte sie an Peter, wie er ihre plötzliche Abreise ausgenommen habe. Dafür kreisten ihre ruhelosen Gedanken um den bewußten Herrn aus Mittenwald.
Die schöne, ein wenig üppige Blondine lächelte versonnen in ihr Glas. Endlich mal ein kleines, erregendes Abenteuer. Sie gehörte nun einmal au den Frauen, die sich ohne männliche Führung steuerlos fühlen. Dagegen war nichts zu machen.
Ob er kommen würbe, wie er in Aussicht gestellt hatte? Lind wann?
Irma fühlte sich von einer prickelnden Lln- gebulb ergriffen. Plötzlich gefiel es ihr nicht mehr unter der Schar ber Speisenden. Sie winkte ben Zählkellner heran, gab ihm eine Hundertschillingnote zum Wechseln.
Wie umständlich der Mann war! Lind mit welcher Linverschämtheit er |ie anstarrteI
Es dauerte geraume Zeit, bis er wieder auf- tauchte. Er hatte angeblich nicht so viel Kleingeld bei sich, um sofort abzurechnen.
„Bevor ich mich schlafen lege, gehe ich erst noch in ein Konzertcafe und trinke einen Mokka", hatte sich Inna Hansen so schön ausgedacht.
Es sollte anders kommen.
Der Kellner flüsterte ihr etwas ins Ohr: Ein Herr erwarte sie draußen, sie möchte sich dringend hinausverfügen.
Freude machte das Frauenherz höher schlagen. Wäre es möglich, daß ber nette Llnbekannte so rasch schon —
2n der Eile vergaß sie, sich das Geld auf die Hundertschillingnote herausgeben zu lassen. Sie hätte es auch nicht bekommen, wie sich gleich herausstellte.
Was sich nun ereignete, würde Irma Hansen, ihr Lebtag nicht vergessen. Sie stürzte aus allen Himmeln.
Draußen stand ein Polizist, der sagte sehr höflich, sehr bestimmt, daß sie ihn leider auf das nächste Polizeirevier begleiten müsse.
Entsetztes: „Warum?"
„Weil Sie im Besitze falschen Gelbes sind." „Ich? -- Lim Gottes willen — wieso?"
Religiosität des genialen Meisters, wiedergegeben von einem Violincello (Grenadier Schubert) und dem Orchester, hielt die Zuhörer in andächtigem Lauschen gebannt. „Festesjubel" nach Worten eines Psalms ließ die Kirche zu klein erscheinen für die Fülle und Wucht der Töne, die jene Darbietung brachte. Ein Largo für Streichorchester und Orgel, ein Religioso für eine Violine (Feldwebel W a ° nitze k) und Orchester vermittelte durch die hervor-
Das würde sich Herausstellen. Der Mann hatte ein Herz aus Stein. Da half kein Bitten, fein Flehen, kein Drohen. Irma Hansen, die Gattin des angesehenen Dresdener Motorenindustriellen, mußte wegen dringenden Falschmünzerverbachtes mit zur Wache und von da zum Polizeipräsidium. Sie konnte dabei noch von Glück reden, daß es ohne Aufsehen abging.
Lind nun stellte sich unter dem Drucke eines hochnotpeinlichen Verhörs alles heraus: Die gutgläubige Blondine war einem gewiegten Hochstapler und Falschmünzer, nach dem bereits gefahndet wurde, in die Hände gefallen. Sämtliche zehn Hunbertschillingnoten erwiesen sich als gefälscht.
„Es handelt sich nicht einmal um besonders gute Falsifikate. Der Schwindler bleibt seinem einträglichen Prinzip getreu, sich nur an Frauen und Mädchen heranzumachen, bei denen er vor- aussetzt, daß sie das österreichische Geld nicht genau kennen", sagte ber Kommissar.
Die Festgenommene war bleich geworden. Die gemalten Lippen standen wie eine fremde Blüte in bem weißen Frauengesicht.
„Der Herr aus Mittenwald — ein Schwindler und gemeiner Betrüger?" Vur diese Worte vermochte sie zu wiederholen in .Unglauben und Ziveifel.
2a, sechshundert Mark hatte sie heute verloren. Das war schlimm. Lind doch wog das nichts gegen die riesenhafte Enttäuschung: Sich in bem hübschen, liebenswerten Kavalier gründlich geirrt zu haben, von ihm als Ausbeutungsobjekt mißbraucht worden zu feinI
„Wir glauben den Angaben Ihres Reisepasses vollständig, gnädige Frau. Ihr Signalement, das Sie von bem Verbrecher geben, deckt sich übereinstimmend mit ben Berichten anderer Betrogener, die dem Schwindler an der Salzburger Grenze ins Garn gingen. Trotzdem müssen wir Sie bitten, bis zum Eintreffen der telegraphisch erbetenen Personalauskunft Ihr Hotel nicht zu verlassen."
Irmas Augen rundeten sich, wurden starr und weit.
„Wie lange soll das dauern?" '
„Dis morgen früh nur. 3m übrigen dürfen Sie versichert sein, daß die Angelegenheit so diskret wie nur möglich behandelt wird."
Die Blonde atmete erleichtert auf. Oh, da stand wenigstens zu hoffen, daß ihr Mann nichts von bem peinlichen Zwischenfall erfuhr. Insgeheim schämte sie sich jetzt vor Peter. Vielleicht fürchtete sie auch seinen Spott ...
Plötzli-ch entdeckte sie ihren Scharfsinn.
„Dec Fremde hat mir in Aussicht gestellt, mich in meinem Hotel zu besuchen. Wenn er kommt, können Die ihn sofort verhaften. Bitte, stellen Sie Ihre Beamten am Bahnhof auf."
Der Kommissar lächelte belustigt.
ragende Interpretation, besonders des Religiosos, einen bleibenden Eindruck. Ein „Gesang aus dem 16 Jahrhundert" beschloß das reichhaltige und von sorgfältiger Hand ausgewählte Programm. Erfüllt von den Klängen der weltweiten und den Menschen dem Alltag entrückenden Musik, machten sich wohl die meisten der Zuhörer auf den Heimweg.
Taten für Dienstag, 4. November.
Sonnenaufgang 6.57 LIhr: Sonnenuntergang 16.30 LIhr. — Mondaufgang 15.45 Llhr; Monduntergang 4.29 LIhr.
1847: der Komponist Mendelssohn-Bartholdy geboren; — 1891: der Dichter Klabund (Alfreo Henschke) geboren.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Licht- spielhaus Bahnhofstraße: „Unter ben Dächern von Paris". — Astoria-Lichtspiele: „Achtung, Falsch- münzer!" und „Der Geisterzug".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, einmaliges Gastspiel Harry Liedtkes mit seinem Berliner Ensemble. Zur Aufführung gelangt ein-TÄauspiel von Oskar Wilde: „Ein idealer Gatte". In diesem Werk wird Harry Liedtke die Rolle spielen, die sein eigentliches Fachgebiet ist. Dem Gießener Publikum dürfte mit diesem Gastspiel Gelegenheit geboten fein, einen beliebten Helden der Leinwand auch einmal auf der Sprechbühne zu sehen. Die Vorstellung ist außer Abonnement. — Am Mittwoch unter Spielleitung Karl Volcks Erstaufführung des Lustspiels „Geschäft mit Amerika" von Frank und Hirschfeld.
— Von der Volkshochschule wird uns geschrieben: Aus vielfachen Wunsch haben wir uns entschlossen, den Kurs „Kameradschaftsehe?", der mit anderen stark interessierenden Kursen <>u- sammenfällt, von Mittwoch auf Dienstag <,u verlegen. Der erste Abend findet demnach Dienstag, 4. Vovember, 20 LIhr, in der Llniversität, Hörsaal 45, statt. (Siehe heutige Anzeige.)
*
•* Militärpersonalie. Oberstleutnant Schellmann beim Stabe des Inf.-Regt. 15 in Kassel wurde mit Wirkung vorn 1. Vovember ab zum Oberst befördert.
** Justizpersonalie. Ernannt wurde der Amtsgerichtsdirektor bei dem Amtsgericht Bad-Nau- heim, Georg H a u s m a n n , zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provipz Rheinhessen und gleichzeitig zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht in Mainz.
** Reformationsfeiern in Oberhessen. Ebenso wie in Gießen, fanden auch in vielen Orten Oberhessens Desormationsfeiern statt. Der Freitag wurde erstmalig als kirchlicher Fei- ertag begangen und vereinigte die Gemeindemit- glieder in den Kirchen zu Gottesdiensten. Diese waren durchweg sehr gut besucht und erhielten durch Predigten und Vorträge Über das Werk der Reformation und über den Sinn des evangelischen Bekenntnisses ihre besondere Note. Musikalische Darbietungen, Vorträge der Kirchenchöre, zum Teil Festspiele historischen Charakters, das alles trug dazu bei, dem Tag die festliche Stimmung zu geben und zugleich die Erinnerung an das große Werk des Relormators Martin Luther im Geiste lebendig werden zu lassen. In verschiedenen Gemeinden wurden auch auf den Charakter des Tages abgestimmte Abendunterhaltungen abgehalten, die ebenfalls außerordentlichen Anklang fanden. Bei der großen Menge der bei uns eingegangenen Berichte über die Feiern in den einzelnen Orten müssen wir uns darauf beschränken, in dieser Form der überall naturgemäß gleichartigen Feiern zu gedenken.
" D e r M i lch p r e i s ka m p f, der seit kurzem zwischen einem Teil der Landwirte und ber Milchhändlerschaft im Gange ist, hat im Verlaufe der letzten Tage zu einem starken Preiswettbewerb nach unten geführt. Während man noch vor 8 Tagen in der Stadt beim Milchhändler -28 Pfennige je Liter Milch bezahlen mutzte, sank dieser Preis, unter der Einwirkung der Konkur-
„Der Mensch wird sich hüten, sein Versprechen wahrzumachen. Trotzdem wird natürlich noch in dieser Stunde alles geschehen, um ihn dingfest $u machen. Vielleicht haben unsere Kollegen lenseits der Grenze Glück, ihn diesmal zu fassen."
Irma Hänfen bedauerte: „Wenn ich mir nur wenigstens seinen Vamen gemerkt hätte!"
Der Beamte schüttelte resigniert den Kopf.
„Würde nicht viel helfen. Der Kerl hat Ihnen bestimmt ein Pseudonym genannt. Noch jedesmal trat er mit dem Wechsel des Schauplatzes unter einem anderen Vamen auf.
Vorläufig hatte sich dieser peinliche Fall erledigt. Irma durfte in ihr Hotel gehen. Die wußte, daß sie diese Nacht unter dem „Schuh" der Kriminalpolizei schlafen würde... Sicherlich wurde sie bis wm Eintreffen der Dresdner De- stätigung unauffällig bewacht. So viel konnte sie sich denken.
Aber Schlaf fand sie nicht in dieser ersten Nacht, die sie in Tirols Landeshauptstadt verbrachte. Die Tränen traten ihr in die Augen, wenn sie an die Schlechtigkeit ber Menschen dachte.
Pfui, dieser Apoll von Mittenwald ein Verbrecher ! Wie man sich in den Menschen irren kann! Wie hatte er gesagt?
„Tirol wird Sie gefangen nehmen!"
Jetzt wußte sie, wie er das meinte, dieser ge- .rissene Betrüger. Seine Worte hatten einen zweideutigen Sinn.
Die schöne Frau verkrampfte die Hände in die Kissen und sehnte ben Morgen herbei.
19.
Mitten in Schuberts Rosarnunden-Ouvertüre hätte Franz Strobl, der verrückte Kerl, beinahe den Dogen beiseitegelegt und wäre auf den suchend durch die Tischreihen schlendernden Ludwig Schwaihofer zugeeilt.
Verwünscht! Die Ouvertüre zog sich noch seitenlang hin!
Schwaihofer war Strobls Freund, noch von München her, wo der Herrgottsgeiger ein halbes Jahr lang von einem Lokal ins andere zog und nirgends länger aushielt als acht Tage. Als es keine Kneipe mehr gab, in der er nicht schon gespielt hatte, war er in die Provinz gegangen. Solch ein launenhafter Mensch war der Strobl.
Es ist nicht sehr angenehm, einen Freund zu feben, dem man ein ganzes Herz voll zu erzählen hat, und doch nicht los zu können von der 'Beschäftigung. Aber auch ber Schubert Franzi bat seine Ouvertüren mit einem Ende versehen, ilnb kaum war der letzte Akkord verklungen, als Strobl die Geige auch schon weglegte und auf das Opfer feiner Mitteilsamkeit zu stürzte.
Drude Gutenberg ließ die Hände von den Tasten gleiten und sah sich nach Weißkual um.
„Was ist denn mit dem Franzi los? Er hat ja die Tempi ganz schauderhaft überhastet."
(Fortsetzung folgt.)
renz der Landwirte mit ihrer direkten Belieferung T an die Verbraucher -um Preise von 20 Pfennigen pro Liter, auf 24 Pfennige beim Händler, und seit gestern werden nun auch von den Händlern allgemein pro Liter 20 Pfennige gefordert. Die Herbeiführung dieses Gleichstandes der Preise wird von den Milchhändlern damit begründet, dah lie sich durch den 20-Pfennig-Preis ihre Kundschaft erhalten möchten, damit diese nicht zu den direkt liesernden Landwirten abspringe.
" Aufgehobene Straßensperre. Mitgeteilt vom Obcrhessifchen Automobil-Club E.V. (A. o. D.), Gießen: Die Sperrung der Straße Kirchhain — Hersfeld ab Chausseehaus bis zur Kreisgrenze Marburg—Kirchhain ist ab 1. November aufgehoben.
** Neurcgulierung des Ufers der Wieseck. Seit mehreren Wochen ist man damit beschäftigt, das Ufer ber Wieseck in der Gemarkung Gießen von der Brücke an dem vom Philosophenwald zum Wiesecker Weg führenden Feldweg neu zu fassen. Auf eine Strecke von etwa 6'JO Meter in der Rich tung nach der Stadt zu wurde das Erdreich des Ufers abgehoben, noch den Seiten abgeschrägt und wieder mit den abgehobenen Rasenstücken besetzt. Die Entfernung von einem Böschungsrand zum andern beträgt etwa sieben bis acht Meter. Die Ausführung dieser Arbeiten hat u. a. im Gefolge, daß die Wieseck bei starken Regenfällen nicht gleich über die Ufer tritt und den Wiesengrund überschwemmt.
"Don derKraftPostlinie Gießen- Hoch c l h e i m. Wegen Straßenpflasterungsarbeiten in der Gemeinde Hochelheim kann das Postauto der Linie Gießen—Hochelheim die Strecke zwischen Hochelheim und Hörnsheim bis auf weiteres nicht befahren. Das Auto verkehrt deshalb vorübergehend wie folgt: a) auf der Frühsahrt von Hochelheim nach Gießen über die Orte Klein- und Groß-Rechtenbach (nicht über Hörnsheim): b) auf der Vormittagsrückfahrt von Gießen nur noch bis Hörnsheim und von dort Ziach dem Dahnhose Großen-Linden und zurück: c) auf der Rachmit- tagsfahrt nach Gießen von Hörnsheim über die Wegeabzweigung Groß-Rechtenbach—LüheUinden usw. (nicht über Klein-Rechtenbach und Groß- Rechtenbach): d) auf der Llbendrückfahrt von Gießen über Groß-Rechtenbach und Klein-Rechtenbach nur bis Hochelheim (nicht bis Hörnsheim). Die Fahrzeiten sind unverändert geblieben.
Wirtschaft.
Frankfurter Börse.
F r a n k f u r t a. M., 3. Rov. Tendenz: leicht gebessert. — £ii Beginn der neuen Woche wurde die Lage von der Börse wieder ruhiger beurteilt. Die Verkäufe. die im Zusammenhang mit den Dividenderückgangsvermutungen rorgenommen wurden, haben wieder ganz nachgelassen. Anregende Momente waren nicht vorhanden. Lediglich die festeren Auslandbörsen vom Samstag gaben der Börse eine gewisse Widerstandskraft». Es konnte eine etwas sreundlichere Stimmung auskommen. Das Geschäft erfuhr aber, hiervon ausgehend, kaum eine Belebung, donn der geringe Ordereingang veranlaßte die K u l i s s e z u r Z u - rückhaltung. Rur in einigen Spezialaktien wurden Rückdeckungen vorgenommen. Gegenüber dem Schluß vom Samstag war das K u r s - Niveau fast allgemein etwas gebessert: die Gewinne gingen in keinem Falle über 1,5 Prozent. Am Chemiemarrt gewannen I.-G- Farben, nachdem schon im Vormittagsverkehr ein etwas höherer Kurs genannt wurde, über 1,5 Prozent: Goldschmidt lagen gut behauptet. Auch der Clektromarkt hatte nur geringes Eechäft. AEG., Schlickert und Siemens waren bis 1 Proz. erhöht. Don Kunstseideaktien büßten Aku 1,-25 Proz. ein. Am Montanmarkt kam eine Erstnotiz in Mannesmann zustande, die leicht erhöht festgesetzt werde. Stärker gedrückt eröffneten Zement Heidelberg minus 3,5 Proz. Banken waren uneinheitlich. Commerzbank und Danatbank lagen leicht befestigt, während Reichsbank 1.5 Proz. verloren. Am Rcntcnmarki waren bei kleiner älmsahtätio- keit Schutzgebiete gehalten. Reubesih zogen leicht an, Altbesitz etwas gedrückt. Von Anleihen waren Ausländer stärker gedrückt. Pfandbriefe lagen ebenfalls freundlicher, doch war auch hier die Llmsatztätigkcit klein. Im Verlaufe konnten sich die Kurse auf dem etwas erhöhten Niveau nicht voll behaupten. Der angespanntere Rcichsbank- ausweis wurde als verstimmender Faktor gewertet. Die Kurse lagen im allgemeinen nur ganz minimal gedrückt. Am Geldmarkt nannte man Togesgeld mit 5,5 Proz. etwas leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1976,
Der Stand bei Heyligenflaedi & So.
Ein neuer Bericht des Konkursverwalters.
In der Konkurssache der Firma Heh- ligenstaedt & C o., Werkzeugmaschinenfabrik und Eisengießerei AG. zu Gießen, erstattet der Konkursverwalter, Bücherrevisor Hermann Will zu Gießen, soeben einen weiteren Bericht über den Stand des Versah re ns und über die Vermögenslage des Mnter- nehmens am 1. Oktober 1930.
Der-Konkursvcrwalter schließt an seinen Bericht vom 3. Iuni an. in dem er darauf hingewiesen habe, daß bei ruhiger Abwickelung des Konkurses annähernd 100 000 Mt. über den aktivierten Wert hinaus zu lösen seien, älnter ruhiger Abwickelung war in erster Linie zu verstehen, daß die Ergänzung der vorhandenen wertvollen Halbfabrikate zu fertigen Maschinen möglich und daß ein 2lb- sah dieser Maschinen besonderen Schwierigkeiten nicht begegnen würde. Diese Annahme hat sich trotz der hinlänglich bekannten Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage als richtig erwiesen. Die Verschlechterung der Konjunktur wirkte sich naturgemäß in einer Vergrößerung! der Absatzschwierigkeiten aus, die wiederum einen verstärkten Abbau des noch vorhandenen Personals zur Folge haben mußte.
Während am 3. April d. I. noch 180 Arbeiter und 57 Lehrlinge, sowie 35 Angestellte und 5 Lehrlinge beschäftigt waren, hat sich diese Zahl bis zum 1. Oktober 1930 auf 38 Arbeiter und 38 Lehrlinge, sowie 18 Angestellte und 4 Lehrlinge vermindert. Dementsprechend ist die wöchentliche Lohnsumme, die am 3. April 1930 noch 7925 Mk. betrug, aus 1295 Mk., und die monatliche Ge- Haltssumme von 8965 Mk. auf 5228 Mk. zurückgegangen.
Der überaus starke Rückgang der Lohnsumme hat seine Ursache mit darin, daß, abgesehen von: der stark verminderten Arbeiterzahl, die Arbeitszeit schon seit Monaten auf 3 Tage in der Woche eingeschränkt war.
Troß der stark rückläufigen Konjunktur konnten während des Halbjahres vom 3. April bis 1. Oktober 1930 insgesamt für 303 953 RIN. Maschinen zum Versand gelangen, und zwar sind von dieser Summe 235 153 RM. zugunsten der Konkursverwaltung verbucht worden, hiervon sind 31 750 RM. in Abzug zu bringen, weil dieser Betrag für bei Ausbruch des Konkurses in Arbeit befindliche Maschinen, die später zum vollen Betrage berechnet wurden, bereits aufgewendel war. Es verbleiben somit zugunsten der Kon- kursoerwaltung 203 403 RM.
In dem Bericht wird dann u. a. weiter gesagt: Von den angemeldeten bevorrechtigten Gehaltsforderungen konnten infolge der Weiterbeschäftigung 4 310 0 Mark abgetragen werden. Wenn seit Erstattung meines ersten Berichts vom 3. Juni 1930 nicht die bereits erwähnte Verschlechterung der Konjunktur eingetreten wäre, dann hätte heute natürlich ein noch weit günstigeres Ergebnis Vorgelegen, und zwar besonders auch deswegen, weil mit einer wesentlich größeren Arbeiterzahl die Halbfabrikate schneller aufgearbeitet werden konnten und der prozentuale Unkostensatz dadurch niedriger gewesen wäre.
Der Konkursverwalter teilt über die Vermögenslage des Unternehmens eine bilanzmäßige Aufstellung mit, deren Schlußziffern wie folgt sind: Stand am 3. April 1930: Aktiva 963 495,88 Mark, Passiva 1 287 525,64 Mark, Fehl- betrag 324029,76 Mark: Stand am 1. Okto- ber 1 9 3 0: Aktiva 830730,85 Mark, Passiva 1 104 758,66 Mark, Fehlbetrag 274 027,81 Mark.
Mithin hat sich ber ungedeckte Fehlbetrag im verlaufe dieses Halbjahres von 324 029,76 Mk.
gegen Pfund 20.3913, London gegen Kabel 4,8579, gegen Paris 123,78, gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 43,70, gegen Schweiz 25,03, gegen Holland 12,0660.
Berliner Börse.
Berlin, 3. Rov. Die neue Woche eröffnete ziemlich unerwartet in freundlicherer Haltung. Mit Ausnahme des festen Schlusses der Reuyorker Samstagbörse tagen aber wohl Gründe hierfür kaum vor. Allerdings machte die gestrige Rede Brünings einen guten Eindruck. Auch die Wochenberichte verschiedener Privatbanken und der Sonntagspresse lauteten günstiger, wozu die Besserung an den Rohstoffmärkten beigetragen
auf 274 027,81 Mark verringert, so daß sich der Status um 50 001,95 Mark gebessert hat. Am Schlüsse des Berichts wird u. a. gesagt: Mit der gleichen Vorsicht und Sorgfalt, wie die vorhandenen Dorräte, sind auch die Inventarien gewertet worden. Es liegt ein Angebot einer bekannten Firma vor, die den Schrottwert der vorhandenen Betriebsmaschinen auf 80 000 Mar! errechnet und diesen Betrag jederzeit zahlen will. Kommt das Unternehmen zum Erliegen, dann wird im Cinzelabsah für die dem Unter- nehmen gehörenden Betriebsmaschinen zum aller- mindesten das Doppelte des Angebotes zu erzielen sein, so daß unter Zugrundelegung der Reserven in den Dorräten und den Inventarien immerhin eine
Quote von 30 bis 40 v. h. für die nichtgesicherkcn Gläubiger ausgeschüttet werden könnte.
Bei Konkursausbruch waren fast ausnahmslos alle fertigen und auch ein Teil nichtfertiger Maschinen den Banken bzw. der Firma Heinrich Sonnenberg A.-G. in Düsseldorf übereignet. Heute verfügt die Konkursmasse bei niedrigster Wert- einstellung über freie fertige Maschinen im Gesamtbeträge von rund 30 000 Mark. Hinzu kommen für Maschinen, die nahezu fertiggestellt sind, weitere 12 000 Mark. Der Arbeitsgrad zur Fer- tigstellung dieser Maschinell äst ein ganz minimaler; er ist lediglich von der Ausführungsart der Bestellung abhängig.
Bei den Außenständen zeigt sich das gleiche Bild. Fast restlos waren die Außenstände der Firma Heinrich Sonnenberg A.-G. zediert. Rur ein kleinerer Betrag war den Banken verpfändet. Unter solchen Umständen war die Weiterführung des Betriebes stark erschwert. Barmittel waren nicht vorhanden, fast alle Eingänge muhten den Pfandgläubigern überliefert werden. Aus der anderen Seite muhten aber Löhne und Gehälter, Materialien usw. stets sofort gezahlt werden. Rur unter Ausnutzung aller Hilfsquellen war es möglich, den Betrieb weiterzuführen. Dankbar muh anerkannt werden, dah die Dresdner Dank, Filiale Kassel, sofort einen Ueberbrückungskredit der Konkursverwaltung zur Derfügung gestellt hat. Auch die Stadt Giehen und das Wohlfahrtsamt des Kreises Gießen eröffneten einen kurzfristigen Kredit für Lohnzahlungen, der zuzüglich Zinsen bereits wieder abgedeckt ist. Heute sind freie Auhenstände vorhanden von rund 45 000 Mark.
Das Darlehen-Konto Heinrich Sonnenberg-AG., daß durch Außenstände und Maschinenübereignungen übersichert ist, konnte von 125 000 Mk. auf 48 000 Mk. abgetragen werden. Ebenso wurde auch die Bankschuld von 262 000 Mk. auf 247 900 Mk. zurückgezahlt.
Am Schlüsse meines ersten Berichtes gab ich der damals begründeten Hoffnung Ausdruck,
bas Konkursverfahren burch einen Zwangs- verglcich zu beenben unb bas Werk zu erhalten. Diese Erwartung scheint sich nicht zu erfüllen.
Wohl sind nach verschiedenen Seiten Derhandlun- gen geführt, die eine Weiterführung des Unternehmens bezwecken, ein Llbschluß tonnte jedoch nicht erreicht werden. Richt ohne Einfluß hierbei war die neuerliche Gestaltung der politischen Verhältnisse, und zwar ist es besonders die Unsicherheit bezüglich Der Entwicklung der inneren Politik, die kapitalkrästige Interessenten vorläufig von weiteren Investitionen für industrielle Unternehmungen zurückhält. Selbstverständlich werden die Bemühungen, den Weiterbestand der Fabrik zu sichern, fortgesetzt.
haben dürfte. Im allgemeinen hatte sich aber an der Allgemeinsituation kaum etwas geändert. Schwächere Schweizer Rentenkurse und Insolvenzgerüchte über eine Pariser Bank wurden nicht beachtet. Die Börse schritt zu Deckungen. Angeblich wurden auch Tauschoperationen vorgenommen, wobei Farben und Reichsbank bevorzugt wurden. Bei ersteren regte die Aufsichtsratssitzung am kommenden Donnerstag an, in der man günstige Auslassungen über den Geschäftsgang erwarten zu können glaubt; Reichsbank profitierten davon, daß wahrscheinlich am Mittwoch im Reichsrat die Goldbiskontbank- Rovelle behandelt wird. Die ersten Kurse zogen
im allgemeinen um 1 biS 2 Prozent an. Reichs- bank, Schultheis, Polyphon. Gesfürel, Siemens, Schuckert und Dessauer Gas, sowie Salzdetfurth waren darüber hinaus bis zu 4.5 Prozent gebessert. Wiking Zement eröffneten, ebenso wie Selten, 1.5 Prozent niedriger. Deutsche Anleihen leicht anziehend. Don Ausländem waren Bosnier etwas erholt, Anatolier bis 0,75 Prozent schwächer. Türkenlose minus-minus. Der Pfandbriefmarkt war still und überwiegend gut behauptet. Liquidationspfandbriefe lagen eher bis 0,5 Prozent freundlicher, dagegen Reichsschuldbuchforderungen unverändert und auf mittlere Fälligkeiten etwas schwächer. Der Geldmarkt war wenig verändert. Lagesgeld 6 bis 8 Prozent, Monatsgeld 6 bis 7,5 Prozent, Warenwechsel 5.5 Prozent etwa. Rach den ersten Kursen wurde die Tendenz überwiegend schwächer. Deutsche Linoleum setzten ihre Erholung um 1,5 Prozent fort, sonst waren aber Rückgänge bis zu 2 Prozent die Regel. In Aschersleben (minus 4 Prozent) und Salzdetfurth (minus 5 Prozent) betätigte fich die Baissespekulation stärker, wobei der bestehende Ordermangel mit ins Gewicht fiel und ihr Beistand leistete.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 3. Rov. Der heutige Produktenmarkt war stark besucht, doch konnte sich dies im Geschäftsgang nicht auswirten, da das Angebot von Inlandware ziemlich reichlich war. Lediglich Weizen hatte eine widerstandsfähige Haltung und etwas vermehrte Rachfrage aufzuweisen. Die übrigen Getreidesorten lagen nach wie vor vernachlässigt. Am Futtermittelmarkt war das Angebot ziemlich reichlich, doch konnte Weizenkleie später eine Kleinigkeit an- ziehen, im Einklang mit dem festeren Weizenpreise. Es wurden notiert (für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilogramm): Weizen (Hektolitergewicht von 75 Kilo) 2q0 bis 261, Roggen 165, Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 215, Hafer, ausländ. 152,50 bis 157,50, Weizenmehl, füdd. Spezial 0 41 bis 41,75, Roggenmehl 26 bis 27. Weizenkleie 6,25, Roggen- lleie 6,50, Erbsen 28 bis 35, Linsen 32 bis 60, Heu, südd., gut, gesund, trocken 5,50 bis 6, Weizen- und Roggcnstroh, drahtgepreßt 2,50 bis 3, gebündelt 2 bis 2,50, Treber, getrocknet 9,75 bis 10,25. Tendenz ruhig.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 3. Nov. Auftrieb: 1440 Rinder, 293 Ochsen, 98 Bullen, 562 Kühe, 459 Färsen, 539 Kälber, 164 Schafe, 4821 Schweine. — Es notierten: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ansgcmä- stete, höchsten Schlachtiverts, jüngere 56 bis 58 Mk., ältere 50 bis 55, sonstige vollfleischige, jüngere 46 bis 49; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 54 bis 57, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 49 bis 53: Kühe: jüngere, poUflcischigc, höchsten Schlachtwerts 44 bis 47, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 39 bis 43, fleischige 35 bis 38, gering genährte 30 bis 34; Färsen (Kalbinnen, Iungrindcr): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 56 bis 58, vollfleischige 50 bis 55, fleischige 46 bis 49; Kälber: beste Mast- und Saugkälber 75 bis 79, mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 74, geringe Kälber 64 bis 69; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 47 bis 50, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 46, Schweine: Fettschweine über 300 Psd. Lebendgewicht 64 bis 66, vollfleischige Schweine von zirka 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 64 bis 66, vollfleischige Schweine von zirka 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 65 bis 67, vollfleischige Schweine von zirka 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 65 bis 67, fleischige Schweine von zirka 120 bis 160 Pfd. Lebendgewicht 62 bis 65 Mk. — Marktverkauf: Rinder: ruhig, Ucberftanb. Kälber und Schafe: ruhig, geräumt. Schweine: anfangs rege, später abflauend, geringer Ueberstand.
Frankfurter Eiermarkt.
F r a n k f u r t a. M., 1. Rov. Der hiesige Markt ist aus den bekannten Gründen andauernd fest. Wie bereits angekündigt, haben sich weitere recht beträchtliche Preissteigerungen ergeben, wobei jedoch zu beachten ist, daß ab heute die Preise loto Frankfurt a. M. notiert werden. Die Umfatjtätig- keit konnte allerdings nur in Kühlhauseiem lebhaftere Formen annehmen, während frische Ware sehr schleppendes Geschäft hatte. Die Zufuhren waren zum Teil so gering, dah Dotierungen nicht festgestellt werden konnten. Es notierten in Pf. per Stück: Bulgaren 13,50 bis 14,50; Jugoslawen 13,50 bis 14,50; Rumänen 13,25 bis 14; Polen 12.50 bis 13; Chinesen 10 bis 12; Holländer 16 bis 19; Dänen 15,50 bis 18,50; Belgier 18 bis 19; Rorddeutsche 14 bis 16.
Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse.
Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe ber zuletzt beschlossenen Divibende an. — Reichsbankbiskont 5 o. H., Lombarbzinsfuß 6 v. H.
Frankfurt a. Hl.
Serlin
«Schluß-s turü |
1-Uhr» Kurs
(Schluß-! furS |
Anfang- KurS
Oatum
111
3 11.
1 11.
3. 11
6% Deutsche Reichsanleihe
von 1927 ..........
7% Deutsche Rcichranleihe
87
—
87,25
—
von 1929 ..........
98
-----.
98,6
—
Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit
AuSlos.-Rechten.......
54,15
54,1
54,25
• 54,4
Desgl. ohne Auslos.-Rechte - - 6% Helt. LolkSslaat von 1929
6,45
6,6
6,5
6,6
(rückzahlb. 102%)......
Lberhessen Provinz • Anleihe mit
£9
—
89,25
—
Auitos.-Rechten.......
Deutsche Komm. Sammelabl.
0,5
—
—
—
Anleihe Serie 1.......
8% Franks. Hyp.-Bonk Goldpse
51
—
51,5
—
XIll unlündbar bis 1834 . . . 7% Franks. Hyp -Bank Doldpse
98,25
—
—
—
93,25
___
4K% Rheinische Hyp.-Bank
85,1
6% Pr. LandeSpsandbriesanktalt,
'llfnnhbrit-fe tR 1 9 .....
100
100
8% Pr. LandeSpsanvbriesan stall.
Kontm.-Lbl. 81. 20......
7% Pr. LandeSvlandbriesanlialt,
97
—
£7
—
Psandbriese R. 21.....-
AEG- abg. BorinegS-Obligatio-
97
—
97
—
nen. rückzahlbar 1933 .....
93,75
—
—
—
4% Oefterretd)l|d)e Goldrente . . 4,20% Oesterreichische Glltiencnte 4% Oesterreichische Einheitliche Rente...........
4% Ungariiche Goldrente . . . • 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4V,% deitgl. von 1913 ....
4% Ungarische Kronenrente . . ■ 4% Türkische Zollanleibe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn>Anl
Serie l..........
4% besgl. Serie II.......
6% Rumänische verein». Rente von 1903 ........
4H% Rumänische vereint,. Rente von 1913 ..........
4% Rumänische veretnh. Rente -
1,85
4,25
4,25
4,25
8,4
14
' ,85
— 3
— 23,75
— 20
— 1,8
6,8 8,5
Frankfurt o. 2J1
Serlln
Schluß-l kurü |
1-Uhr« Koro
Schluß-1
kurs 1
Anfang- Kurs
Oatum
1 11 i
3 11
1. 11 |
3 11
^ambura-'.’lmertlii Palet
—
75
75,5
75,13
4-iamburn-Sübam. Tampfschlsi
8
—
—
——
160
Hama Dampfschiff . . .
10
——
——
—
123,25
Norddeutscher Sic 1)6 . -
b
75,75
—
75,65
75,75
Ailaemeine TeutscheCredilanst.
10
97,5
——
98
98
Barmer Bankverein . .
10
103
103
103,5
103
Berliner Handelsgesellschaft .
12
130
—
13 J
129
Commerz- und Pnoal-Bank .
11
i 14,5
115
114,5
115
Darmstädter und Nanonalbank
12
149,5
148,25
148,25
148,5
Deutsche Bank und
110,75
111
Tisconto-GeseUschast, .
e .
10
HO
—
Dresdner Bank ....
10
111,25
111,25
111
111
Neichsbanl ......
12
227,5
—
227,5
229,75
-21.C.®.........
c
H3,5
114,25
114,25
116
Beramann......
9
133
135,5
——
(Sieht. Sieserungögeiellschaft.
10
113,65
114,5
Sicht und Krast ....
10
123
—'
122
124
Reiten & Guilleaume . Gesellschaft für Elektrische
-
'«V,
96
—
95,5
121
94
123,15
Unternehmungen . .
e
10
122
—
Hamburger Elellrigtätil-Werke
10
—
—
114,5
—
Rheinische Elektrizität .
. 9
124
—-
—
—
Lchlesiiche Elektrizität. .
10
—
—
115
116,75
Schuclen & C».....
11
132,25
133
131,25
133.75
Siemens & Hälske . . .
16
175,5
176,5
175
178,5
Transradio ...... Sabmeyer & (So.. . . .
. t-
——
—
—
—
!<-
145
—
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Frankfurt a. 371.
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Datum
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Kaliwerke Westeregeln ... 10
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261,5
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—
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71,25
—
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—-
—
Boigl & Haeffner ...... 9
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—
149,75
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Süddeutsche Zucker .... 10
135
1 —
134
I —
Banknoten.
Scrlin, 1. November
Geld
»rief
Slmenkanllche Roten......
belgische Noten. .......
Dänische Noten ....... kuglische Noten........
zronzöslsche Noten ....... Holländische Noten.......
ilallenllche Noten........
Norwegische Noten.......
Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling JlumänildK Noten.......
Schwedische Noten ....... Schweizer Noten........
Spanische Noten........
Tschechoslowakische Noten.....
Ungarische Noten .......
Devisenmarkt Berlin
4,187
58,25
111,88
20.34
16,43
168,48
21,88
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— Jranffur
4,207
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73,51
a.2TL
1 November
3 November
Amilichi -Kotierung
Geld | 8rici
iUmihdit Kotierung
Geld | »nei
«nift.»'Rott. Bunt-Aires Brsi.-Antw Cbristrania. Kopendagen Stockholm . Helnngfors. Italien. . . Vonbon. . . ‘.'ieunort .. Paris.... Schwei, . . Spanien.
Japan . . . 'Kto be Stern Wien in D-« £ eft. adgest Prag . . . . Bel trab . Dubavrst. Bulgarien Siffabon . Tating. . fionfLintta.
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168,83 1,448
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7,431 73,37 3,037 18,81 81,48
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58,555
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3,043 17,85
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5,445
4,205
3,263 20,925
168,82 1,447
58,435 112,17 112,17 112,48
10,55 21,945
20,37 4,1935 16,435
81,36 46,80 2,082 0,428
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3,039 18,82 81,48 1,734 5,435
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20.885
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58,555 112,39 112,39 112,70
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20.41
4,2015 16,457
81,52 46,90 2,086 0,430
59,115 12,455
7,444 73,505
3,045 18,86
81,64 1,789 5,445 4,205 3.343
20.925
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
T Allendorf a. d. Lahn. 1. Rov. Heute vevschied an einem Schlaganfalt unser langjähriger Lehrer Heinrich Säger. Fast 37 Safjre war der Entschlafene an unserer Volksschule tätig, und er war bei alt und jung beliebt. Seine dienstliche Verwendung fand er in Allendorf und vorübergehend im Buseckertal, um von dort wieder nach Allendorf zurückzukommen. Der weitaus größte Teil der Einwohnerschaft unseres Dorfes Hat dem Entschlafenen seine Schulbildung zu verdanken.
8 Alten-Busock, 2. Rov. Sn seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Kirchenvorstand mit der Raumfrage der hiesigen Kleinkinderschule. Schon seit langem hat sich der Saal der Kleinkinderschule als zu klein erwiesen. Es wurde daher vom Kirchenvorstand beschlossen, den Hebel- stand durch einen Erweiterungsbau des Saales abzustellen. Die Bauarbeiten sollen nächstes Frühjahr in Angriff genommen werden. Die Kosten werden sich auf etwa 4000 Mk. belaufen. Die bürgerliche Gemeinde will man wegen ihrer eigenen angespannten finanziellen Lage zur Beschaffung des Geldes nicht heranziehen. Das aufzubringende Kapital will man durch eine kleine Erhöhung des monatlichen Schulgeldes von 0,80 auf 1,20 Mk. ab 1. November verzinsen und amortisieren.
t Treis a. Lda., 2. Rov. Bei der in der hiesigen Gemarkung, Försterei Treis, abgehaltenen Regiejagd wurden 11 Hasen, 2 Füchse und ein Reh zur Strecke gebracht.
Z A l l e n d o r f a. d. Lda., 2. Noo. Für den am nächsten Mittwoch hier stattfindenden sog. R i k e l s m a r k t sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Die hiesige Geschäftswelt ist eifrig bestrebt, ihr Möglichstes zu bieten, um die Marktbesucher zufriedenzustellen. Dazu kommt noch eine Anzahl auswärtiger Geschäftsleute. Für reichlichen musikalischen Genuß, wie Platzkonzert usw. hat die hiesige rührige Arbeitsgemeinschaft Sorge getragen. Der Sahrhundert alte, allgemein beliebte Markt dürfte einen starken Besuch zu erwarten haben.
Kreis Büdingen.
△ 21uß dem vberenSeemenbachtal, 2. Rov. Verschiedene Basaltwerke. die seither außer Betrieb waren, haben die Arbeiten jetzt wieder ausgenommen, da zum Eindecken der Straßen Basaltschotter benötigt wird.
Kreis Tllsfcld.
< Deckenbach, 2. Rov. Hier wurde ein sechswöchiger Kurs us für Hauswirtschaft und Kochen eröffnet. Die zwanzig Teilnehmerinnen verteilen sich auf die Orte Deckenbach, Schadenbach und Haarhausen. Die Mao-^rn erhalten Unterricht ^n Kochen, Hauswirtschaft, Handfertigkeit und Säuglingspflege. Der Kurs wird im Auftrage des Kreisschulamtes Alsfeld abgehalten.
Kreis Lauterbach.
4k Lauterbach, 2.Nov. Der Gemeinderat beschloß vor einiger Zeit/ in dem städtischen Gebäude (früher Skinnersches Anwesen) am Eichberg eine Jugendherberge einzurichten. Dieser Tage weilte nun ein Vertreter des Deutschen Jugenherbergsverbandes in Lauterbach und besichtigte, zusammen mit den zuständigen Herren der Stadtverwaltung und zwei Vertretern der Lauterbacher Ortsgruppe des Deutschen Jugendherbergsverbandes, die Räumlichkeiten, in denen die Herberge eingerichtet werden soll. Da die vorgesehenen Mume für den Zweck als geeignet befunden wurden. so llin der nächsten Zeit mit den Herstellungsarbeiten begonnen werden. Die Fertigstellung der Jugendherberge dürfte zum Frühjahr 1931 zu erwarten sein.
Kreis Wetzlar.
< Wißmar, 1. Nov. In der jüngsten G e - meinderatssitzung wurde beschlossen, von
dem Anschluß an die Arbeitsgemeinschaft zur Heberwach ung der elektrischen Anlagen auf dem Lande Abstand zu nehmen, weck damit für Gemeinde und Stromabnehmer nicht unerhebliche Kosten verbunden sind. Für die diesjährige Holzfällung lagen der Vertretung folgende Forderungen derHolzhauer vor: Für 1 Festmeter Stammholz 3,20, Stangen 1. bis 3. Kl. 4 Ml., für 100 Stangen 4. Kl. 6, für 1 Raummeter Derbholz 3,30, Buchenreiser 0,90, Eichenreiser 0,80, Radelreiser 0,50, Stockholz 4,50 Mark. Die Forderungen stellen sich insgesamt 5 Proz. billiger als im Vorjahre. Sm Oberlahnkreis sind als Tariflöhne für 1 Festmeter
Fußball der Gießener Mannschaften.
Die Ligamannschaft des VfB. weilte am Sonntag in Kassel und trug gegen „Sport" das fällige Verbandsspiel aus. Mit 3: 1 mußten sich die Hiesigen geschlagen bekennen. Die 11. gewann gegen Steinbergs I. 3:1. Die III. Mannschaft des VfB. kam kampflos zu Punkten, da Garbenteich nicht antrat. Die I. Sugend spielte gegen Heuchelheims I. Sugend 0:0 und die ll.Sugend- mannschaft verlor gegen Lich hoch mit 0:7.
Auf dem Trieb hatte die I. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Frohnhausen zum Gegner. Rach einer teilweise matten Spielhandlung gewann 1900 lediglich 2:1 und bereitete damit seinen Anhängern eine gelinde Enttäuschung. Die II. verlor gegen die I. von Riederweisel 1: 3; die III. spielte gegen die Sportabteilung des Turnvereins Wieseck und gewann 5:1; die IV. siegte gegen Dutenhofen 6:0.
Handball.
Am Sonntag weilten drei Handballmanrrschaf- ten der Spielveveinigung 1900 in Wetzlar. Die I. verlor gegen die I. des DfL. 3:2, die II. verlor ebenfalls, und zwar 4:2; die I. Sugend spielte unentschieden 3:3.
Aus dem Arbeiler-Turn- und Sporlbund.
Gießen I — Lollar I 0:2; Gießen II — Hachborn 1 0:5; Gießen Sugend — Wetzlar Sugend 8:0.
Fußball in Hessen-Hannover.
Ueberraschung in Fulda.
Der heutige Sonntag brachte in Hessen-Hannover wieder einige Ueberraschungen. Vor allem gilt dies von dem Fuldaer Lokalkampfe, den Germania Fulda, die noch am Sonntag vorher in Marburg gegen die dortigen Kurhessen mit 8:0 Toren eine haushohe Niederlage bezog, mit 1:0 (1:0) gegen die Fuldaer Borussen gewann. Allerdings war dabei zu berücksichtigen, daß die Borussia den größten Teil des Treffens mit nur 9 Mann durchführen mußte. Da Sport Kassel den VfB. Gießen sicher mit 3:1 (2:1) niederrang und Spielverein Kassel sich mit Hessen Hersfeld unentschieden 1:1 trennte, gab es in der Tabelle der Südgruppe einige nicht unbedeutsame Veränderungen. Kurhessen Marburg führt zwar weiter unangefochten die Tabelle an, aber Sport Kassel und Hessen Hersfeld sind doch bedenklich zu der den zweiten Plaß haltenden Borussia Fulda auf gelaufen; bei gleicher Spielzahl trennt sie nur noch ein Verlustpunkt von den Fuldaer Borussen. Der bisher auf eigenem Platze ungeschlagene SC. Ockershausen konnte diesmal gegen Hermania Kassel nur ein glückliches Unentschieden von 2:2 Toren herausholen.
In der Nordgruppe fand nur ein Spiel statt. Göttingen 05 schlug die ersatzgeschwächte Mannschaft von Hessen 09 sicher mit 5:1. Dadurch behauptet Groß-Almerode weiterhin den zweiten Tabellenplatz, während Kurhessen Kassel an die dritte Stelle vor- rückt.
Stammholz 2,20, 1 Raummeter Derbholz 2,90, Stockholz 3,05 Mk. Es wurde eine Kommission gewählt, die die Forderungen nachprüfen soll, bevor der Zuschlag erteilt wird. Ab 1. Rovbr. wird die Post für die Orte Wißmar und Launsbach anstatt von Lollar von Gießen aus mit den Personenautos zugestellt. Damit fällt auch die Postzustellung von Wißmar nach Launsbach weg, und Launsbach erhält eine eigene Poststelle. Es wäre nun auch an der Zeit, wenn die hiesigen Fernsprechteilnehmer an das Postamt Gießen angeschlossen würden. Der Anschluß an Lollar ist kostspieliger und zeitraubender.
Punktekämpfe in der Gruppe Main.
Die Heberraschung des Tages war in der Gruppe Main das Unentschieden von 3:3 im Kampf zwischen Offenbacher Kickers und Hanau 93. Man hatte hier mit einem sicheren Siege der Kickers, die bei der Pause auch 3:0 in Führung lagen, gerechnet. Die Eintracht schlug den Tabellenletzten, Fechenheim, 6:1 (4:1) und vergrößerte damit wieder ihren Dorsprung vor den Kickers. Einen sehr fesselnden Kampf gab es zwischen Rot-Weih und FSV. Frankfurt. Das zeitweilig geradezu dramatische Spiel blieb tor- los. Sm 4:0-(0:0)-Spiel von Union Riederrad gegen Germania Bieber fielen die Treffer erst während der letzten 20 Minuten.
Erster Sieg der deutschen weiter.
Die deutschen Reiteroffiziere konnten am Schluß - tage des internationalen Reitturniers in Boston ihren ersten Sieg verbuchen.
Rorwegen gehört noch zu den Fußballnationen, die in ihrem Länderspielverkehr mit Deutschland noch keinen Sieg aufzuweisen haben. Auch bei diesem Fuhballkampf am Sonntag in Breslau ging die allgemeine Meinung dahin, daß es den Rordländern Wohl kaum zu einem Sieg reichen würde, nachdem sie in den vorhergehenden vier Begegnungen vier Riederlagen einstecken muhten. Es kam jedoch anders. Rorwegen holte gegen eine etwas unglücklich ausgestellte deutsche Mannschaft ein verdientes l:l°Ergebnis heraus, ohne daß man auf beiden Seiten irgendwelche Leistungen gesehen hätte, die dem internationalen Riveau entsprochen hätten. Alles in allem war das Treffen in Breslau eine Enttäuschung, vor allem für die 40 000 Zuschauer, öye einen deutschen Sieg miterleben wollten und die dafür ein mageres Remis serviert bekamen.
Aus dem Spielverlauf.
Die erste Halbzeit brachte auf beiden Seiten ein recht mäßiges Spiel. Zwar fand sich die deutsche Mannschaft besser zusammen als die Rorweger, doch tarn die Stürmerreihe nicht in Schwung. Der einzige Erfolg, den sie zu verbuchen hatte, bestand in fünf Ecken, die jedoch alle nichts einbrachten. Dazu kamen noch verschiedene Fehlschüsse von Richard Hosmann und Münzenberg. Eine große Chance vergab Lachner, der freistehend vor dem Tor den Ball vorbeischoh. Verschiedentlich kamen auch die Rorweger vor das deutsche Tor, ohne aber hier irgendwelchen Schaden anrichten zu können. Erst als der kurz vor der Pause verletzte Hofmann durch den Breslauer Hanke erseht wurde, kam endlich etwas Schwung in den Sturm.
Wie 1928 in Reuhork brachten sie hier die toerl* volle Militärtrophäe auf ihr Konto. Unsere drei Vertreter, Clan (Oberlt. Momm), Derby (Oberlt. Hasse) und Dedo (Frhr. v. Ragel) überwanden sämtlich den schweren Kurs fehlerlos und siegten im Gesamtergebnis vor Amerika mit nur IVz Fehlern, Srlanb (13), Schweden (14) und Kanada (19 Fehlern). Oberlt. Hasse konnte auf Derby dann noch aus einem Jagdspringen als Sieger hervorgehen. Bereits am Donnerstag hatte Oberlt. Hasse auf Derby die Military Stakes gewonnen, doch war irrtümlicherweise den Amerikanern der Sieg zugesprochen worden. Die Turnierleitung entschuldigte sich Wohl bei den Deutschen, doch wurde das Resultat nicht korrigiert, so daß Oberlt. Hasse um die Früchte seiner Arbeit kam.
Die Vorrunde um den Handball- Pokal der OSB.
Die Vorrunde um den Handballpokal der DSB. brachte mit einer Ausnahme die erwarteten Ergebnisse. Süddeutschland unterlag in Berlin gegen Brandenburg höchst ehrenvoll 9:11 (5:8), Mitteldeutschland schlug Südostdeutschland—7:5 (4:3), während Westdeutschland in Mülheim-Ruhr von Norddeutschland eine unerwartete 5:8 (3'^-Niederlage bezog.
Um die Deutsche Handball-Meisterschaft
Sn Hamburg traf sich der von der Arbeitsgemeinschaft DT.-DSB.-DFB. eingesetzte Handball-Ausschuß und beschloß, die im nächsten Sahr erstmals auszutragende Deutsche Handballmeisterschaft so zu ermitteln, daß jeder der beiden Der-« bände seine beiden besten Mannschaften feststellt, also je zwei Männer- und Frauenmannschaften. Dies« vier Mannschaften ermitteln dann im Pokalsystem den deutschen Meister.
Hnter der neuen Führung spielte die deutsche Elf wesentlich besser als vordem. Bald war eine deutliche Heberlegenheit der Deutschen unverkennbar. Vor allem war es Hanke, der einige recht gefährliche Angriffe unternahm und dabeT auch in der 10. Minute den Führungstreffer erzielte. Die deutsche Heberlegenheit hielt weiter an und kam in mehreren ergebnislos verlaufenen Cckeit zum Ausdruck. Hnd in diesem Spielabschnitt fiel der Ausgleich für die Rorweger. Der Rechtsaußen machte einen unvermuteten Durchbruch, seine Vorlage kam zum Linksaußen, Sakob konnte dessen wuchtigen Schuh zwar halten, doch von drei Rorwegern bedrängt, ließ er das Leder; Rielsen vor die Füße fallen, der es dann einschob. Damit war «das Spiel entschieden. Es gab noch verschiedene deutsche Angriffe, die jedoch an dem 1:l°Ergebnis nichts mehr änderten.
Wie sie spielten.
Die deutsche Mannschaft litt stark unter dem Ausfall von Hohmann und Straßburger. Hohmanns Ersatzmann, Hanke, wußte viel besser zu gefallen. Sehr gut hielten sich die beiden Verteidiger Stubb und Weber (Kurhessen Kassel), denen sich gleichzeitig der Regensburger Torhüter Sa tob anschloß.Sm Sturm war Richard Hofmann nicht auf gewohnter Höhe.
Rorwegen kam mit einer ausgezeichneten Verteidigung nach Breslau, der in erster Linie das unentschiedene Ergebnis zuzuschreiben ist. Gut war auch die Läuferreihe. Dagegen war auch bei Rorwegen der Sturm ausgesprochen schwach. Der holländische Schiedsrichter Boekmann war vor keine großen Aufgaben gestellt. Er genügte den Ansprüchen.
SJL-tfpoti
Jeuischland-Aorwegen unentschieden.
Vor 40000 Zuschauern endet der Fußball-Länderkampf 1:4 (0:0).
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Heil-
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Die Beerdigung findet im Sinne der Verstorbenen in der Stille
statt. — Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen.
Heute entschlief sanft nach längerem Leiden unsere liebe Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante
Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 5. November, nachmittags 2'/, Ohr, auf
dem Neuen Friedhof zu Gießen statt.
In tiefer Trauer;
Margarete Betzold, geb. Friedel
Sophie Neumann, geb. Betzold
Paul Neumann.
Todes-Anzeige.
Heute früh 4 Uhr entschlief sanft, infolge Schlaganfalls, mein lieber Mann, mein
herzensguter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, unser Heber Bruder,
Schwager und Onkel
Herr Michael Betzold
Gastwirt
Frau Minna Adam, gen. Sohngen
im Alter von 76 Jahren.
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Wieseck, den 3. November 1930.
750 iD
In tiefer Trauer: Lina Lotz, geb. Muhl Emma Lotz.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 4. November, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause Rabenauer Straße 15 aus statt.
Aus dem Leben voller Arbeit verschied gestern abend 11 Uhr, nach kurzer Krankheit, mein lieber treusorgender Gatte, mein guter Vater, unser Heber Bruder, Schwager und Onkel Herr Heinrich Lotz IX. im Alter von 51. Jahren.
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