Nr. 205 Erstes Matt 180. Jahrgang Mittwoch, 5. September 1950 (Erlittet lögli^, nafter Sonntag, und Frierlag» Beilagen: Vie 3Qu|trirrt» Vieh en er Familiendlättel Henn al tm Bild Die Scholle Keeati>Bt)Ufl«prels: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bet Richter- fchetnen einzelner Bummern infolge höherer Tew all. Hernfprechanfchlüße anterSammel nummer2251. Lnschnst für vrahtnach« ndjten Anzeiger tiefte*. pstzfcheckkonto: Sranffurtam Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck rmd Verlag: vrühl'sche UntverfitäUcr Oelume- nische Rat stellte sich in einem einstimmigen Beschluß grundsätzlich hinter diesen Aufrul. Die Entschließung von Avignon spricht u. a die Lieberzeugung aus, dah die Zeit kommen muh, in der die bestehenden Verträge im Interesse des Frieden- revidiert werden müssen. Der Reichskanzler gegen die Miesmacher. Brüning fordert Verstauen zur deutschen Wirtschaft als erfte Voraussetzung für eine Behebung der Arbeitslosigkeit. Aachen, 2. SepL (WIB.) 3n einer Versammlung der Zentrumsportei sprach Reichskanzler Dr. Brüning. Der Reichskanzler besprach die Arbeitslosenversicherung und sagte u. a.: Wenn die Rotverordnung des Reichspräsidenten nicht gekommen wäre, dann wären die Unterstützungen im Spätherbst gar nicht mehr auszuzahlen gewesen. Dos gleiche trifft für die Wohl- sahrtsuaterstühungen zu. Wir haben den wagen, der schon in den Abgrund hinelnzusousen drohte, im letzten Augenblick noch einmal zum Stehen gebracht, in dem wir die Mittel be- reilstellten, um überhaupt die Zahlungsoerpslich- hingen des Reich», der Länder und der Gemeinden zu erfüllen. Denn wir auch die Beamten zu einem Mitopfer im allgemeinen Opfer ausgesordert und herangezogen haben, so haben wir damit nicht gegen die Beamten gearbeitet. In Zeiten schwerster Rot, w o a l l e » u n s i ch e r ist, wo Hunderttausende und Millionen nicht wissen, was in den nächsten Wochen und Monaten aus ihnen werden kann, darf man wohl ein Opfer auch von denen fordern, die für ihre Zukunft gesichert sind. Die Reichsregierung Hot deshalb Schluß gemacht mit der Tendenz, unangenehme Dinge aufzuschieben. Denn die Aufschiebung de» Rotwendigsten kann dis Vertrauenskrise nur vergröhern. Aber e» gibt ja Leute, die ein Interesse daran haben, diese Vertrauenskrise Immer weiter zu schüren, und die deshalb von Mllliordendesizilen de» Reiche» reden. Da» ist do» Ungeheuerlichste, wo» man sich im Wahlkampf überhaupt leisten kann. Man erschüttert damit nicht nur den Glauben de» heimischen Kapitol» In die deutsche Wirtschaft, so dah grafte und kleine Ersparnisse ihre Flucht in» Au»lond nehmen, sondern man erschüttert auch do» vertrauen de» Au»lande» und de» gesamten Weltgeldmarkte» in die Stabilität der deutschen Wirtschaft. Riemand trägt mehr zur Steigerung unserer Arbeitslosigkeit bei, als wer derartige Dftan- lasien, Ueberlreibungen und berouftle Falschmeldungen in den Wahlkampf wirst. — Rach der Rede, die oft von lebhaftem Beifall unterbrochen wurde, brachte die Versammlung dem Kanzler stürmische Kundgebungen dar. 3m Lause der Rocht kehrte der Reichskanzler, der in Aachen seine westdeutschlond- reise obschloft, nach Berlin zurück. Das Reich fördert die Siedlung. Die zuständigen Stellen der Reichsregierung beschäftigen sich — wie wir bereits melden kannten —, mit den Möglichkeiten, die innerdeutsche Siedlung zu nerbeffern und auszubauen. Für die landwirtschaftliche Siedlung in den dünn bevölkerten Gebieten, also die eigentliche Ostsied - lung sind seit 1926, wa das Reich zum erstenmal größere Beträge in systematischer Arbeit zur Verfügung stellte, im Ganzen etwa 170 Millionen aufgebracht worden. Während f» 1926 nur rund 9 Millionen waren, die bas Reich für die Bauern- ficblung gezahlt Hot, stieg die Summe im folgenden Jahr mit einem großen Sprung aus 56 Millionen, hielt sich 1928 auf 40 und erreichte im vergangenen Jahr wiederum rund 5" Millionen. Roch den bis- her vorliegenden Ergebnissen ist anzunehmen, daß trotz der Flnonznot vom Reich im laufenden Jahr mindesten» 52 Millionen ausgewendet werden, so haft dann Ende 1930 für die Bauernsiedlung praktisch 213 Millionen zur Auszahlung kommen würden. Die bis Ende 1929 feit 1926 besiedelte Fläche beträgt 158 000 Hektar, mit 6165 Siedlerstellen. Zu dieser Bauernftcblung kommt dann noch die landwirtschaftliche Siedlung auf Oed-, Moor- und Neuland, wofür das Reich ebenfalls beträchtliche Summen ausgibt. Einschließlich 1930 dürften hier feit 1926 etwa 14 Millionen aufgebracht worden sein. Bis Ende des vergangenen Jahres war bei Oedlandsiedlung eine Fläche von 18 996 Hektar mit 1821 Siedlerstellen kultiviert worden. Schließlich kommt al» dritte große Aktion noch di» Förderung desBaues von Landardei- terwohn ungen hinzu, für die im laufenden Jahr vom Reich ein Betrag von 25 Millionen als Darlehen vergeben wird. Rach dem Stand vom 1. Juli d I. sind |eit dem Jahre 1921 von Reich und Ländern zusammen insgesamt 57 648 Landarbeiterwohnungen gefördert worden. Gin Wahlmanöver. Berlin, 2. Sept (WTB. Amtlich.) Rach einer Rotiz in der Rr. 9b der Deamtenk^re- spondenz vom 23. August 1930 soll hx Regierungskreisen eine Vorlage über Herabsetzung der Besoldung-dezüge der Beamten in der Form eines neuen Beamtenbefol- dungsgesetzes fertiggestellt sein mit dem Ziele, die Beamtenbesoldung-bezüge auf den ungefähren Stand vorn Jahre 1926 herabzusetzen. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, entspricht diese Behauptung in keiner Weise den Tatsachen: sie ift ein Wahl- manöver. Erste Ersetze des Reichswohnungsbauproammms Berlin, 2. Sept. (Iel.-Un.) Amtlich wird mit- geteilt: Die Länder und Gemeinden haben aus den Hauszinssteucrmitteln bisher hauptsächlich den Bau von Wohnungen von 60 bis 80 Quadratmetern Wohnfläche gefördert, also von Wohnungen, die, einschließlich Küche, drei bis vier Raume haben. Jetzt fehlt es vielfach an Wohnungen, die k l e i- n e r find und deren Miete auch für die leistungsschwacheren Schichten der Bevölkerung noch t r a g ■ b a r ist. Zudem zwingen die schwierigen Wirt- ichaftsverhältniss« zu Einschränkungen der Wohnungsbedllrfnisfe. Deswegen hat sich das Reich die Förderung solcher Kleinwohnungen zur besonderen Aufgabe gestellt. Bei der praktischen Durchführung des Wohnungsbauprogramms zeigt sich immer mehr, daß auch zahlreiche Bauherren und Gemeinden, in richtiger Erkenntnis dieser Verhältnisse, sich selbst schon a u f einen kleineren Wohnungstyp um- gestellt haben. Diese Wahrnehmung hat der zum Reichskommissar bestellte Ministerialrat Dr. Imhoff bei seinen, in rascher Folge fortgesetzten Besprechungen mit den Ländern immer wieder gemacht. Mindestens die Hälft«, teilweise sogar bis zu Zweidritteln der geplanten Wohnungsbauten werden unter 45 Qua- bratmetern Wohnfläche enthalten. Die Bauprogramm« der Länder werden im nächsten Jahre allgemein dieser Entwicklung Rechnung tragen müssen. Di« eigentlichen Bauarbeiten haben bei vielen Bauten bereits begonnen, und werden jetzt zunehmend rascher einsetzen. Roch vor dem Winter werden fast sämtliche Wohnungen im Rohbau fertiggestellt fein können, wenn da» Herbstwetter nur einigermaßen günstig ist. Für die Wintermonate wird dann der Innenbau erwünschte Arbeitsgelegenheit bieten. Raturgemäß sind ziffernmäßige Angaben über die Au-wirkung des WohnungSbaupro- ? ramme» auf dem Arbeit-markt noch nicht mög- ich, da hierbei ja auch die Tatsache zu bewerten wäre, daß infolge des Bauprogramme» viel- fach Entlassungen von Arbeitskräften vermieden worden lind und werden, die ohne diese zusätzliche Arbeitsbeschaffung tm gegentoärti* ficn Zeitpunkt he» Ablaufes der Daufoifon frag» os eingetreten wären. Die Wirkung des Bauprogrammes auf den Arbeitsmarkt äußert sich demnach nicht nur in Reueinstellungen von Arbeitskräften, sondern ebenso stark in der Beibehaltung bereits in Beschäftigung stehender Arbeitskräfte. Ziffernmäßige Angaben dieser Art find auch darum schwierig, weil die in der vielgestaltigen Baustoffindustrie beschäftigten Arbeiter selbstverständlich hinzugerechnet werden müßten. AIS weiteren Erfolg de» Wohnungsbauprogrammes konnte der Reichskommifsar fcftfteilen, daß die strengen Forderungen hinsichtlich der Daukostengestaltung fast überall nicht nur die sonst bei Erteilung großer Aufträge eintretende Prei-steigemng verhindert, sondern die bereit» im Ansatz befindliche Rergung zur Senkung der Baukosten verstärkt haben. Die erste Rate der Reich-mittel sott im September an die Länder ausgezahlt werden« Die weiteren Zahlungen erfolgen nach Maßgabe des Daufortfchritt». Die tage auf dem ArdeitSm rkt. Berlin, 2. Sept. Die AuSeinanderfehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nehmen jetzt einen Umfang an, der für die nächste Zeit unerfreuliche Entwicklungen befürchten läßt. In der Berlin er Meta 11 - i n d u st r i e unb im Ruhr» ohlenberg- b o u sind zwei Brennpunkte des ArbeitskampfeS entftanben. Die Arbeitgeber stehen auf dem Standpunkte, eine Herbseyung der allgemein en Unkosten hcrbeiführen zu wollen. weil sonst weitere Entlassungen wegen der Schrumpfung des Arbeitsprozesses unvermeidlich sind. Die Arbeitnehmer wehren sich gegen die Lohn- und Gehaltsherabsetzungen und sind nur zu Verhandlungen bereit, wenn ihnen die Gewähr dafür geboten wird, daß nicht doch noch Entlassungen größeren Umfange» stattfinden. Diele Garantie wollen die meisten Arbeitgeberverbände aber angesichts der katastrophalen Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage nicht ohne weiteres geben. Auch die sozialdemokratisch regierte Berliner Derkehrsgelellschaft droht mit Massenentlassungen. wenn die Arbeiterschaft sich nicht bereit erklärt, ihre Zustimmung zur Einführung von zwei Feierschichten im Monat zu geben. Die Schwierigkeit deS Problems beruht darin, daß die Arbeiterschaft nicht in eine Minderung ihres Reallohnes willigen will. Degen die damit verbundene rückgängige Bewegung der Kaufkraft lassen sich Tn der Tat auch gewichtig« Bedenken geltend machen. Aber der Kem der Schwierigkeiten liegt darin, daß d i e Preise nicht in dem Maße nachgeben wollen, wie es an sich der weltwirtschaftlichen Lage und dem Sinken der Rohstvfspreife entspräche. Ein ausreichende» Sinken der Prell« wird bei uns verhindertdurchdieHöhe der öffentlichen Lasten, die die Lebenshaltung immer noch viel teurer machen, als es sachlich notwendig wäre. Jeder Betrieb hat wegen der gestiegenen Mieten, wegen der Erhöhung der Steuern und Soziallasten sowie der Tarife für Licht und Kraft mit höheren Unkosten zu rechnen und kann deshalb feine ®e- stehungSprelle nicht genügend herabsetzen. Der Arbeitnehmer wird gleichfalls durch die steuerlichen und sozialen Lasten unb durch die hohen Tarife empfindlich in Mitleidenschaft gezogen. Statt der jetzt so oft versprochenen ©entung der öffentlichen Lasten haben wir in den vergangenen Monaten eine weitere Steigerung in Kauf nehmen müssen, ja die Gemeinden werden im kommenden Winter mit neuen Steuererhöhungen aufwarten, um ihre sozialen Lasten tragen zu können. Die Schwierigkeiten, die sich hier auf türmen, sind also von der Seite der Wirtschaft und des Arbeitsvertrages her nicht zu lösen. Sie werden sich ständig vermehren, so lange nicht mit der Senkung der öffentlichen Lasten wirklich ernst gemacht wird. Mit Wahlversprechungen ist es bei dieser Schicksalsfrage der Wirtschaft nicht getan. Oie „Arbeitsbank" tritt in Aktion. Tie Crgonificrung der Arbeitsbeschaffung. Wie wir von unterrichteter Seite Horen, Hal die vor wenigen Wochen gegründete .Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten" chre Tätigkeit bereits auf genommen. Die Dank, die zum großen Teil auf den bisher in der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge investierten Geldern beruht, die auf diese Weise mobilisiert werden sollen, vergibt ihre Gelder für öffentlich-rechtliche Unternehmungen, die gemeinnützigen Charakter haben. Ihre Gründung steht in engem Zusammenhang mit der Initiative des Reiches im Rahmen deS zusätzlichen Arbeitsbeschaffung» pro- g r a m m». Der Kreditauslchuh der Dank ist bereits zur praktischen Arbeit zusammengetreten und es liegen auch schon eine ganze Reche von Anträgen auf Darlchnsgcwährung zum Zweck produktiver Arbeiten vor. Sobald sich ein erster Ueberblid über die Inanspruchnahme der Dank ermöglicht, werden die zuständigen Stellen di« Öffentlichkeit über die ersten Ergebnisse unter* richten, waS wahrscheinlich schon in der nächsten Zeit geschehen wird Die praktische Organisation der Deutschen Gesellschaft für öffentlich« Arbeiten ist vollständig fertigggcftellt. Wie weiter verlautet. find auch Anleiheverhandlungen mit dem Ausland in einem günstigen Stadium und nahezu vor dem Abschluß. SS handelt sich um ein mehrmonatiges Programm für RotstandSarbeiten, da» mit etwa 50 Millionen finanziert werden soll. Di« Durchführung erfolgt in Verbindung mit den Landesregierungen und den Landesarbeitsämtern. Oie Auswanderersperre der Llebersee. Folgen der rLirtschaftskrifiö in den Rohproduslionsländern. Im Laufe des letzten Jahres bat sich immer deutlicher die Tendenz gezeigt, dag die Auswandererländer der llebersee ihre Aufnahmewilligkeit gegenüber den Zugereisten aus Europa einschränken. Amerika hat die neue Ouolenregelunq getroffen, die das deutsche .Kontingent auf die Hälfte heradsetzte. Die kann- dische Regierung teilt neuerdings mit, daß für Zuwanderer aus Europa die Einreise gesperrt werden müsse, so daß durch diese beiden Maßnahmen der riesige nordamerikanische Kontinent außerordentlich verschlechterte Auswanderungsmög- lieft feiten für die Deutschen bietet. Aber auch in anderen Ländern machen sich ähnliche Tendenzen ge(- tend, die vor allem mit dem Preissturz auf den internationalen Rohstoffmärkten Zusammenhängen, und die sich zunächst in einer Aufnahmeunfähigkeit des betreffenden überseeischen Arbeitsmarktes äußert, ohkn« daß entsprechende Regierungsmaßnoh. men parallel erlassen zu werden brauchen. So wird Z. B. aus Riederländisch-Indien berichtet, daß der dortige Preisrückgang der Hauptprodukte vie Gummi, Zucker, Tee, Zinn usw. sogar zu Ein» chränkungen der Firmen geführt habe, von denen laturgemäß in erster Linie die Nichtholländer und «arunter auch zahlreiche junge Deutsche betroffen Derben. Die Wirkungen dieser Entwicklung, die wohl nur jum Teil vorübergehenden Charakter trägt, und »ach Ansicht mancher unterrichteter Fachkreise über- iaupt zu einer weiteren Versteifung der iberseeischen Arbeitsmärkte führen oird, zeigen sich auch bereits bei den Zahlen der »eutschen Auswanderung für das erste Halbahr 1930. Nach den vorläufigen Angaben haben in üesem Zeitraum 20 500 Deutsche die Heimat mit iberseeischem Reiseziel verlassen, während es im irften Halbjahr 1929 30 844 waren und in der ent- prechenden Zeit von 1928 sogar 31 466. Die deutsche lluswanderung bleibt im ersten Halbjahr 1930 da- nit hinter dem Durchschnitt der letzten Jahre um I u t ein Drittel zurück. Dieser außerordentlich iroße Rückgang dürfte vor allem auf die Quo- cnregelung der Vereinigten Staaten lurückzuführen fein, die seit dem Juli 1929 besteht tnö neuerdings im wachsenden Umfang durch die Wirtschaftskrise der Rohproduktion s- ä n b e r. Hinzu kommt noch, daß bie Auswande- mngswilligen über immer geringere Geld- »e t r ä g e verfügen, so daß die Uebersiedelung nach ler Uebersee erschwert wird. In diesem Zu- ammenhange zeigt sich ganz deutlich die Tendenz, innerhalb Europas mit Aufwendung ge- ringerer Mittel eine Arbeitsmöglichkeit zu finden. Oie Llnruhen in Budapest. Die ungarische Hauptstadt hätte am 1. September >einahe ähnliche Ereignisse verzeichnen können, wie ie sich am 15. Juli 1927 in Wien abspielten und dort nit der Zerstörung des Justizpalastes ihren Höhe- lunkt erreichten. Dem energischen Einareifen der Polizei ist es zu verdanken, daß die von oer Sozialdemokratischen Partei inszenierten Demonstrationen m Keime erstickt werden konnten, und daß sich die n den verschiedenen Stadtteilen von Budapest ab- lespielten Ausschreitungen nicht zu gefährlichen Re- »ölten auszuwachsen vermochten. Die Urfad>en der llnruhen des 1. September, ■rte ein Todesopfer und zahllose Verwundete ge- iordert habeir, liegen weniger in den politischen Gegensätzen als in der wirtschaftlichen N o t l a g e des Landes begründet, die in Ungarn besonders schwer ins Gewicht fällt, weil durch die Arbeitslosigkeit der größte Teil der städtischen Bevölkerung getroffen ist. Zwar hat die Regierung versucht, durch Rot st andsarb eiten die Erwerbslosen von der Straße fortzubringen, !>as ist ihr aber nicht gelungen. Es war ihr auch nicht möglich, für eine ausreichende Unter» Nutzung der Arbeitslosen zu sorgen, so daß kommunistische Agitatoren ein leichtes Spiel hatten und schließlich auf dem Umweg über die erregte Arbeiterschaft die Sozialdemokratische Partei zwangen, den Schauplatz der Kämpfe mit der Regierung auf die Straße zu verlegen. Besonnene Sozialisten haben sich gegen dieses Verfahren auch verzweifelt gewehrt, sind aber von der Masse überrannt worden, die den wilden Parolen der Kommunisten folgte, was zur Folge hatte, daß die Kundgebung der Arbeiterschaft sehr bald von Ausschreitungen aller Art, Zerstörungen und Plünderungen begleitet war. Daß die Polizei sofort scharf zupackte, und auch Militär zur Unterstützung herbeiholte, war ihre Pflicht. Sie hat aber vor allem auch deswegen sofort von der Waffe Gebrauch gemacht, weil die Schrecken der Herrschaft Bela Kuns noch immer in aller Erinnerung sind und in Ungarn niemand Lust verspürt, noch einmal die rote Welle über das Land hinweggehen zu lassen. Für die Sozialdemokratische Partei bilden die Vorgänge vom 1. September na- »lürlich einen harten Schlag Sie wird jetzt erleben, Haß man ihr überall noch größere Schwierigkeiten bereitet, als das bisher schon der Fall war und daß man womöglich eines Tages auch daran gehen wird, sie wieder aus dem Parlament zu beseitigen und in die Rolle der Kommunisten zurückzudrücken, die sich offiziell als politische Gruppe nicht betätigen dürfen. Den eigentlichen Grund für die Budapester Ausschreitungen bildet aber die Zertrümmerung Ungarns, dessen Wirtschaft weder leben noch sterben kann, und das dazu verurteilt ist, gewaltige Lasten, die ihm durch den Kriegsausgang ausgebürdet worden sind, zu tragen, ohne daß es Gelegenheit erhält, sich entsprechende Einnahmen zu sichern. Solange die Siegerstaaten sich gegen eine Revision der Friedensverträge sträuben, solange wird auch das wirtschaftliche Elend in Mitteleuropa mit oll seinen unerfreulichen Begleiterscheinungen kein Ende finden. Oie Gebeine der Andrse-Expedition in Tromsö gelandet. Der Dampfer „Draatvaag" mit den Gebeinen der Mitglieder der Andröe-Expedition ist in Tromsö eingetroffen und auf der Reede vor Anker gegangen. Die ganze Bevölkerung nimmt den regsten Anteil. Die Wissenschaftler waren schon während der Einfahrt an Bord gegangen. Cs wurden die beiden provisorischen Särge mit den Gebeinen von der Mannschaft des Dampfers an Land getragen, auf einen Leichenwagen gesetzt und zu einem Krankenhause gebracht, wo Professor Ha- dren sie später untersuchen soll. Matrosen des Regierungsdampsers „Michael Sars" stellten eine Ehrenwache. 2m Leichenzuge folgten u. a. die Besatzung der Braatvaag, die wissenschaftlichen Kommissionen, die Aerzte und die Ortsbehörden. Cs bestätigt sich, daß der Kopf Andrees fehlt. Alles deutet darauf hin, daß Andree länger als feine Kameraden gelebt hat. Die Expeditionsteilnehmer scheinen durch Uebermüdung und Kälte den Tod gefunden zu haben. Das Tagebuch Andrees soll nur ändert- ha l b Seiten umfassen und die Fortsetzung eines anderen, noch nicht gefundenen, darstellen. Die Schrift des Tagebuchs soll völlig unleserlich sein. Aus dem Logbuch geht hervor, daß die Ballonfahrt nur wenige Tage gedauert hat. Dies Buch umfaßt eine Zeit von etwa zwei Monaten. Professor Hedr^n teilte mit, das in dem Telegramm an die schwedische Regierung erwähnte Tagebuch Andröes sei nicht dasjenige, welches von Dr. Horn aufgefun- den wurde. Es handele sich vielmehr um ein Tagebuch, das erst jetzt entdeckt worden sei. Der norwegische Gelehrte Hoel erklärte, das neu entdeckte Tagebuch sei viel ausführlicher als das von Dr. Horn gefundene. Die Schrift sei deutlich, und es scheine möglich zu fein, sie durch ein geeignetes Verfahren lesbar zu machen. Oer König der Nenyorker Unterwelt in deutschem Polizeigewahrsam. Diamonds Verhaftung in Aachen. - Oer Bankräuber reist unter richtigem Hamen. — Warum er Reuyork verließ. — Oer Auslieferungsantrag. V Berlin, 2. Sept. (WTB.) Der in Aachen als der berüchtigte amerikanische Bankräuber Diamond Verhaftete wurde auf feine Identität hin eingehend geprüft. Auf Veranlassung des Berliner Polizeipräsidiums wurden von der Aachener Kriminalpolizei die Fingerabdrücke des Verhafteten angefordert, um anhand der internationalen Verbrecheralben feststellen zu können, ob es sich bei dem Festgenommenen tatsächlich um den Gesuchten handelt. Der Vergleich der Fingerabdrücke mit den daktyloskopischen Auszeichnungen der Berliner Kriminalpolizei hat die Persönlichkeit des in Haft genommenen Diamond einwandfrei f e st gestellt. Es handelt sich tatsächlich um den berüchtigten Neuyorker Verbrecherkönig Jack Diamond. Der Verbrecherkönig ist offenbar das Opfer seines eigenen allzu großen Selbstvertrauens geworden. Er war noch vorsichtig genug gewesen, die Nachricht von seiner Ankunft mit einem anderen Zuge in die Welt zu setzen. Dann aber fühlte er sich so sicher, daß er auf die ihm gewiß reichlich zur Verfügung stehenden falschen Ausweise verzichtete und unter seinem wirklichen Namen in einem Abteil erster Klasse reiste. Als die Aachener Kriminalpolizei die Nachricht von seiner Ankunft erhielt, hatte der Pullmanexpreß, in dem man ihn vermutete, Aachen schon verlassen. Trotzdem kontrollierte sie auch die noch folgenden Züge und fand dabei den Gesuchten, der offenbar nicht mit seiner Verhaftung gerechnet hatte. Diamond b e ft r e i t e t übrigens, daß e i n Haftbefehl gegen ihn vorliege. Zur Flucht oder Gegenwehr sand er gar keine Gelegenheit. Die Polizei betont, daß bie Beschreibung des Verbrechers in der Presse die Festnahme sehr erleichtert habe. Angeblich wollte Diamond zu einer Kur. Man geht aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß ihm sein Rivale aus Chi- f a g o , Al Capone, der von Diamonds Anhängern in Neuyork schon eine bedenkliche Zahl aus dem Wege geräumt hat, den Boden in Neuyork zu heiß machte. Diamond wird als schlanker Mann von elegantem Aussehen geschildert, er soll 1,76 Meter groß und 34 Jahre alt sein. Was geschieht mit Diamond? Als lästiger Ausländer nach den Bereinigten Staaten abgeschobcn. CB e r I in, 2. Sept. (ERB.) Die Verhaftung des amerikanischen Bankräubers 2ad Diamond ist auf eine Anzeige der amerikan isch en Botschaft zurückzuführen. Auf die Meldung, daß Jack Diamond in Antwerpen von Bord gegangen fei und auf einem Pah mit deutschem Visum reise — als Reiseziel war Magdeburg angegeben — ließ der amerikanische Botschafter den deutschen Behörden mitteilen, daß er ein Auslief e- rungsgefuch an die deutschen Behörden vorbereite. Die Auslieferung wird wegen der ErmordungeinesReuhorkerKafsen- boten begehrt. Heber die weitere Behandlung des Falles Diamond erfahren wir, dah, da der Auslieferungsvertrag mit Amerika noch nid) t ratifiziert ist, nur die Möglichkeit gegeben ist, den Bankräuber als lästigen Ausländer auszuweifen. Er kann aber nur an ein Land ausgewiefen werden, das bereit ist, ihn aufzunehmen. Da dies von allen Ländern, bis auf fein Heimatland, ab- gelehnt werden dürfte, fo ist zu erwarten, dah der Bankräuber schließlich nach den Vereinigten Staaten ausgewiefen wird. Die Verhandlungen mit den preußischen Polizeibehörden führt das amerikanische Konsulat in Köln. Zuständig für die Ausweisung eines lästigen Ausländers ist der Regierungspräsident. Frankreich weist den amerikanischen Zeitungskönig Hearst aus Paris aus. Aus Paris kommt die sensationelle Meldung, daß der amerikanische Zeitungsmagnat H e a r st aus der französischen Hauptstadt aus gewiesen worden ist. Hearst befand sich nach einer Kur in Bad- Nauheim auf der Rückreise vorübergehend in Paris, wo ihm am Montagnachmittag ein Agent der französischen Polizei den Ausweisungsbefehl zustellte. Hearst ist daraufhin noch am Montagabend nach London abgefahren. Die Pariser Polizei gibt als Grund für oiese aufsehenerregende Maßnahme die Tatsache an, daß Hearst es seinerzeit war, der seine Hand bei dem sog. „Fall H o r a n" im Spiele hatte. Der Hearst- Korrespondent Horan hatte, offenbar durch Bestechung einiger sranzöschen Beamten der Presse seines Auftragsgebers im Jahre 1928 das englisch - französische Flottenabkommen zugänglicy gemacht, dessen Veröffentlichung seinerzeit ungeheures Aufsehen erregte, weil aus ihm her- vorging, daß England und Frankreich im Begriffe waren, sich über ihre gegenseitige Flottenstärke zu einigen, um so auf der in Aussicht genommenen internationalen Flottenkonferenz gegen Amerika ihre Trümpfe ausspielen zu können Hearst hat durch diesen Akt der Geheimdiplomatie einen dicken Strich gezogen, sich aber auch gleichzeitig der Rachsucht Frankreichs ausgesetzt, das schon 1928 den Pariser Hearstvertreter des Landes verwies. In politischen Kreisen aber nimmt man an, daß die Erinnerung an diesen peinlichen Vorfall nicht der Hauptgrund für die jetzt erfolgte Ausweisung des amerikanischen Zeitungskönigs ist, sondern daß dieser Grund mehr in der allgemeinen politischen Stellungnahme Hearsts gesucht werden muß. Hearst hat nämlich seit längerer Zeit den Standpunkt vertreten, daß die Friedensverträge im Inter- esse der Aufrechterhaltung des Friedens geändert werden müßten. Er wird jetzt in den Vereinigten Staaten einen großen gegen Frankreich gerichteten Pressefeldzug einleiten, der nicht ohne Erfolg bleiben wird, zumal längst viele namhafte Amerikaner eingesehen haben, daß sie während des Krieges auf der falschen Seite gekämpft haben. Hearst macht sich lustig. London, 2. Sept. (TU ) Hearst gab hier über feine Ausweisung folgende Erklärung ab: „Ich habe mich nicht zu beklagen. Die amtlichen Stellen waren äußerst höflich. Sie erklärten, dah ich ein Feind Frankreichs fei und eine Gefahr in ihrer Mitte. Ich kam mir dabei ganz wichtig vor. Sie erklärten, ich könne noch ein wenig bleiben, wenn ich wollte. Sie würden sich mit dem Risiko einer eventuellen Katastrophe der Republik abfinden. Aber ich sagte ihnen, daß ich nicht die Verantwortung für eine Gefährdung der großen französischen Ration tragen wolle Amerika habe sie schon einmal während des Krieges gerettet und ich würde sie noch einmal retten, indem ich ihr Land verlasse. Weiterhin befand ich mich etwa in der Lage des Mannes, dem gesagt wurde, dah er blind werde, und der daraus antwortete, es fei ihm einerlei, denn er habe sowieso schon alles gesehen. 2n ähnlicher Weise habe ich schon alles in Frankreich gesehen einschließlich einiger sehr interessanter Darbietungen der Regierung. Daraus bat ich den Abgesandten des Herrn Tardieu, ihm meine außerordentliche Bewunderung auszudrücken über feine erstaunliche Wachsamkeit beim Schuhe Frankreichs vor den Schrecken einer 2nvasion, und wir schieden mit zeremoniellster Höflichkeit. Es war e i n bißchen dumm, aber sehr französisch. Es muh gleichfalls eine leichte Verärgerung vorgelegen haben über die gelegentlichen Andeutungen unserer Zeitungen, daß Frankreich, als nunmehr eines der reichsten Länder der Welt, einen Teil des deutschen Tributes dazu verwenden könnte, um seine jährliche Schuld an Amerika abzuzahlen. Denn ohne Amerika würde Frankreich jetzt Tribute bezahlen müssen, statt solche zu erhalten. LostesmddellonlenachUebcrqiieruiigdesSzeMS Miklich in SnrWeld gelandet Neuyork, 2. Sept. (HJIB.) Das Flugzeug „Fragezeichen" der französischen Ozeanflieger (Sofies und Bellonle erschien in Begleitung einer großen Anzahl von Utilitär- und Zivilflugzeugen um 7.08 Uhr abends (Sommerzeit) über dem Flugplatz Lurtißfield, zog mehrere Schleifen und landete unter dem 3ubel der Tausenden von Zuschauern glatt um 7.12 Uhr, d. h. genau37 Stunden 8,5 Minuten nach dem Start in Paris. Aus dem Flugplatz hielt Losies vor dem Mikrophon folgende Ansprache: Wir sind sehr glücklich, daß wir diese Reise beendet haben, auf die wir uns feil langem vorbereiteten. Trotz der Schwierigkeiten, die wir antrafen, haben b 1 e g u t e n Wettermeldungen unsere Reise sehr erleichl- lert. wir hatten sehr günstigen wind, wir sind über die Aufnahme, die uns das amerikanische Volk bereitet Hal, sehr glücklich. Bellonle erklärte vor dem Mikrophon: wir hatten etwas Rebel und etwas schlechtes Welter über Reuschottland. Daher trafen wir verspätet ein. Seit Bekanntwerden der Landung werden die Flieger mit Glückwunschtelegrammen überschüttet. So haben u.a. solche gesandt der Präsident der Republik Doumcrgue, der Cuft- fahrtminisler, der amerikanische Botschafter in Paris. Unter den Glückwunschkundgebungen findet sich im „Journal" eine solche von Dr. Eckener, in der es heißt: „Dieser Flug ist eine ungeheuere Leistung, auf die die Franzosen stolz fein können, und der Beweis, dah es möglich ist, bei ruhigem Weller den Atlantischen Ozean mit einem Flugzeug zu überqueren, wenn das Material ebenso auf der höhe ist, wie die Mannschaft. Ich bewundere den Mut und die Geschicklichkeit der Piloten und teile voll und ganz die große Freude der öffentlichen Meinung in Frankreich." — Auch Lind- bergt) war bei der Landung anwesend, der die französischen Flieger zu ihrem Erfolge mit warmen Worten beglückwünschte. Losies und Bellonle haben zu dem gefahrvolleren Westflug über den Ozean knapp vier Stunden mehr gebraucht, als seinerzeit Lindbergh zu seinem Atlantikfluge nach Osten. * 3ubet in Paris. Paris, 2. Sept. (WTV.) Paris wartete fieberhaft auf die Rachrichten über den Verlauf des Fluges Paris—Reuyork. Der Flug bildet allenthalben das Hauptgesprächsthema. Die Redaktionen der großen Rachrichtenagenturen und der großen Blätter wurden förmlich belagert. Auf den offenen Plätzen der Stadt wartete eine vieltausendköpfige erregte Menge, besonders die Place de la Concorde war mit Menschen übersät. Flugzeuge kreisten über ihm und gaben durch Leuchtschrift die letzten Meldungen bekannt. Beim Bekanntwerden der Rachricht von dem Gelingen des Fluges bemächtigte sich der harrenden Menge eine unbeschreibliche Begeisterung. Der Flug wird als Gegenleistung zum Fluge Lindberghs und gleichsam als Gegenbesuch angesehen. Man betont, daß das Unternehmen von Costes und Dellonte einen Markstein in der Geschichte der Weltluftfahrt darstelle und daß dieser Erfolg die Früchte einer geduldigen langjährigen Vorbereitung darstellt. Cs ist das zwölfte Mal, daß der Rord- atlantik durch Flugzeuge bezwungen-Lürd, und das erste Mal in Richtung Ost-West auf einer so weiten Strecke ohne Zwischenlandung. 19 Versuche sind tragisch ausgegangen und hatten den Tod von 28 Personen zur Folge. 18 Versuche sind, ohne dah Menschenverluste zu beklagen waren, gescheitert. Oie französischen Ozeanflieger Dieudonnä Costes steht im Alter von 37 Fahren. Er diente während des Krieges bei der Fliegertruppe und trat nach seiner Demobilisierung zur Handelsflotte über. Sein erster größerer Flugversuch ging 1925 tragisch aus. Mit feinem Begleiter Thierry stürzte er über dem Schwarzwald ab; Thierry kam ums Leben, Costes wurde leicht verletzt und von den deutschen Behörden wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen über die ileberftiegung deutschen Gebietes einige Zeit in Gewahrsam gehalten. Bekannter ist Costes geworden durch feine gemeinsam mit Le Drix im 2ahre 1927 ausgeführte Ueberqtierung des Südatlantifchen Oze ans und seinen anschließenden Flug über den amerikanischen Äontinent nach Reuyork und die von Tokio aus vorgenom- mene Rückkehr in mehreren Etappen nach Frankreich. Gin weiterer Flug führte ihn 1928 vonLe Dourge t nach derMandschurei und zurück nach Paris. Sein Versuch, eine > direkte Flugverbindung Paris—Reuyork herzu- stellen, mußte aufgegeben werden. Bei den Azoren stieß Costes, begleitet von Dellonte, im 2ahre 1929 auf widrige Winde. Dellonte ist 34 2ahre alt; er hat bereits mehrere erfolgreiche Flüge mit Costes gemeinsam unternommen. Kunst und Wissenschaft. Ein neuer Deutscher Almanach für 1931 erscheint soeben im Verlag Reclam. Er setzt sich zur ♦ Aufgabe, einen Querschnitt durch das geistige Leben der Zeit zu bieten. Der 3 0. Todestag Nietzsches gibt ihm zu einem wesentlichen Teile seine Signatur. Eröffnet wird er durch einen grundlegenden Aufsatz von Alfred Baeumler über „Die Liebe im Leben Nietzsches". Aus aller Welt. 54 Millionen Bücher in deutschen Bibliotheken. Rach einer in diesen Tagen erschienenen Statistik der Büchereibestände deutscher Städte besitzen Berlin, München und Leipzig die meisten Bücher in Deutschland. Berlin hält mit 9,36 Millionen Bänden bei weitem den Rekord. München folgt mit 4,26 Millionen Bänden und Leipzig hat es dank des raschen Wachstums der Deutschen Bücherei, die von den deutschen Verlegern Pflichtexemplare aller Reuerscheinungen erhält, bereits auf 3,13 Millionen Bände gebracht. Hinter Dresden mit 1,89 Millionen Bänden stehen Hamburg, Stuttgart, Frankfurt a. M., und Breslau mit Beständen, die die erste Million erheblich überschreiten. 2m Verhältnis zur Bevölkerung' schne.del München mit 6,2 Bänden aus einen Einwohner am besten ab. Leipzig folgt mit 4,6, Stuttgart mit 4 und Dresden mit 3,1 Bänden 2nsgesamt wurden in Deutschland 54_ Millionen Büchereibestände ermittelt, so dah auf jeden Einwohner etwa 0,9 Bände entfallen. 40-Iahr-Feirr von Windhuk. 2m Herbst begeht die Stadt Windhuk die Feier ihres 40jährigen Bestehens als Hauptstadt des ehemaligen Deutsch-Süd- westafrika. Am 18. Oktober verlegte Hauptmann von Francois das Hauptquartier der deutschen Schuhtruppe nach Windhuk und legte damit den Grundstein zur Hauptstadt der deutschen Kolonie, die sich rasch entwickelte. Heute ist Windhuk eine moderne Stadt, deren Leben und Verkehr im Verhältnis zur Bevölkerungsziffer größer ist als in mancher europäischen Großstadt. Unter dem Protektorat der jetzigen Mandatsherren ist Windhuk allerdings nicht im gleichen Maße emporgewachsen wie unter der Führung der deutschen Verwaltung. Aus Anlaß des 40jährigen Bestehens ist von den deutschen Kolonialverbänden eine besondere Feier in der Reichshauptstadt vorgesehen. Der Gordon-Bennelt wettflug. 2m Gordon-Bennett-Wettfliegen hat nach der Revision der von den einzelnen Ballons zurückgelegten Flugstrecken der amerikanische Freiballon „Goodyear VIII" mit 550 Meilen auch diesmal den Wettflug gewonnen, es folgt an zweiter Stelle der Ballon „D e l g i c a“ mit 435 Meilen und an dritter Stelle der deutsche Ballon „Barmen" mit 425 Meilen. Die „City of Detroit" folgt dann mit 400 Meilen, „City of Cleveland" mit 350 Meilen, „Pierre Fisbach" mit 160 Meilen. — Die beiden deutschen Ballonführer Kaulen und Götze berichten über den Flug, dah sie in der Rähe von Buffalo in einen furchtbaren Gewitter sturm gerieten, der sie zwang, alles über Bord zu werfen, selbst die überflüssige Kleidung, so daß der Ballon dann 3000 Meter Höhe und später sogar 6 0 0 0 Meter erreichte, wobei sie stark unter der intensiven Kälte zu leiden hatten. Bei dem Versuch, geringere Höhen zu erreichen, muhten sie dann landen. (Eigenartiges Flugzeugunglück. 2n der Rähe von Amsterdam stürzte ein Marinewasserflugzeug auf den Sprungturm einer Dadean ft alt. Ein Flieger- Aus Üe ’S ;SS »• 3n DÜ Mncii", Es würd' vorgeno"" Cßett 1 Sic Le«-/ einet M städtisch*" dieLuswl Ausländer» Aus dem Ser 10 ist M % dem benachj Camburg-- töt-ittoon sich in de> der Abbort! hat. Deim i abgeMrzt. NieSeui Am Moe Wertet suchten De Oswaldsgn des als D ten 'Bürg Berlin) fi über die toi ferer Zeit. Tolk nur e lich unter das Mk, ' Mnte bei Wche un die Mche Schule uni Belege ai Leitung st Literatur Linken ans könne an l unseres 2 müsse bielir arbeiten ai drei wichtig schen Kirche schen Famiki ten und war vssentlichen, mühten alle bergs Fuhru schwerer, ab die Cchaltur für unsere < deutschen 1 Der dents Stubicnrat zunächst da zu den Olal von Fragei das Wort svzialisten Dativnalsvj Frage bei Me. In bie Deutsli Agtionalsc aber das feien doch seien beide an den Ao Staat „au$ fuwen Pol« sessor Hör der fonfern, "ulionaten! ff m SM JMn ’S (U no»_ zu Vern "r Ms? W. Bo Herren, : Offizier und ein Unteroffizier wurden ge t ö • t e t. Sin Knabe, der sich JHabe auf dem Sprungturm befand, wird Der'nifjt Man nir*'* an, dah er mit dem Flugzkug in * Öre gestürzt ist und getötet wurde. Telle de» Wasserflugzeug» stürzten auf ein andere», fahrbereit neben der Badeanstalt liegende» Marine- wafserslugzeug, wodurch diese» beschädigt und ein Fliegeroffizier, der sich in diesem Apparat befand, verwunde', wurde. Die Mumie de» Dr. Wancini. In Düffeldorf hatte ein Italiener. Dr. OBandnt, eine mumif izierte Leiche im Hause behalten und trotz mehrmaliger polizeilicher Aufforderung sie nicht bestatten lassen. E» wurde eine Haussuchung bei Dr Wancini vorgenommen, bei der die Leiche unter einem Bett un vierten Stockwerk aufgefunden wurde. Dte Leiche wurde daraufhin mit polizeilicher DeWalt aus dem Haufe entfernt. Der Oberbürgermeister hat auf Grund der Schwierigkeiten, die Dr. Wancini nicht nur m dieser, sondern in einer ganzen Aeihe von Angelegenheiten bei städtischen und sonstigen Behörden gemacht hat. die Ausweisung de» Dr. Mancint als lästigen Ausländers beantragt. Hu» dem D-Jug gefallen und vom Gegen jug überfahren. Der l4jährige Georg Wienczierz au» Ratibor ist bei Brieselang au» dem L) - 3 u g Hamburg-Berlin gefallen und von dem auf dem benachbarten Gleis kommenden D-3ug 12, Hamburg Berlin, durch Ueberfahren ge - t ö tet worden. Man nimmt an, dah der Knabe sich in de r Wagentür geirrt, und statt der Abborttürklinke die Wagentürklinke ergriffen hat. Beim Oeffnen der Tür ist er dann offenbar abgestürzt. Aus der Provinzialhauptstabt. ® i e 6 e n, den 3. September 1930. Oie Oeutschnationalen im Wahlkampf. Am Montagabend trat die Deutschnationale Dolkspartei in (Sieben in einer sehr gut besuchten Derfammlung in der Turnhalle am Oswaldsgart«m vor die Wählerschaft. An Stelle des al» Aedner vorgesehenen, aber verhinderten Bürgermeisters Berndt (ttyöncberg- Berlin) sprach Pfarrer Zeitler (Kaffel) über die wichtigsten kulturpolitischen Fragen unserer 3cit. Sr betonte dabei, dah es für unser Bolk nur einen Weg zur Rettung gebe, nämlich unter Hugenbergs Parole: Mit Gott, für das Bolk, in die Freiheit hinein. Sodann polemisierte bei Redner gegen kommunistische, sozialistische und freidenkerische Bestrebungen gegen die Kirche und gegen ausbauende Arbeit in der Schule und in der Familie, wobei er zahlreiche Belege au» verschiedenen, unter linksradikaler Leitung stehenden Berliner Schulen und auS der Literatur der sozialistischen und kommunistischen Linken ansührte. Der aufbauwillige Staatsbürger könne an den geistigen und sittlichen Grundlagen unsere» Volkes nicht achtlos vorübergehen, er müsse vielmehr nach der Parole HugenbergS Mitarbeiten an der Rettung und Erhaltung der drei wichtigsten Säulen unseres Volkes: der deutschen Kirche, der deutschen Schule und der deutschen Familie. Bei der Verteidigung deS bedrohten und wankenden deutschen Geistes in unserem öffentlichen, kulturellen und familiären Leben mühten alle wahrhaft Deutschen unter Hugenbergs Führung zusammenstehen. Es sei zwar ein schwerer, aber auch ein notwendiger Kamps für die Erhaltung der sittlichen Güter unseres Volke», für unsere Freiheit, für die Herrschaft Gottes im deutschen Volk. Der deutschnationale Spitzenkandidat in Hessen, Studienrat Dr. R u p p e l, Friedbera, besprach zunächst das Verhältnis der Deutschnationalen zu den Rationalsozialisten, die durch eine Reihe von Fragen getrennt seien. Der Redner lehnte das Wort „Sozialismus" bei den Rattonalsozialisten ab und hob hervor, dah von den Rationalsozialisten absolute Klarheit über die Frage des Privateigentum» gefordert werden müsse. In vielen wirtschastlichen Fragen dächten die Deutschnationalen ruhiger und klarer als die Rptionalsoziallsten. Aus der anderen Seite sei aber daS Einigende zwischen diesen beiden Parteien doch stärker al» das Trennende, vor allem seien beide bemüht. Schulter an Schulter den biS an den Rand des Abgrund- gebrachten deutschen Staat „auS dem Dreck zu ziehen". Rach einer kurzen Polemik gegen den Standpunkt von Professor Hornesfer und nach einer Erläuterung der konservativen StaatSgesinnung der Deutsch- nationalen beschäfttgte sich der Redner mit dem yngblan, ben die Deutschnationalen mit Recht ^elebrit hätten, weil sie feine schlimmen Auswirkungen für unser Volk vorauSgelehen hätten. An der Auhenpolittk der letzten zehn Jahre machte der Redner eint Reihe von Beanstandungen. Er sprac^^hadei Strefemann nicht die gute Gesinnung ab. meinte aber, dah es l>em verstorbenen Minister an der erforber- li4)cn Urteilskraft über die Auswirkungen feinet außenpolitischen Maßnahmen gefehlt pabc. Die Deutschnationalen hätten Strefemann nicht bekämpft, weil et die Verständigung mit Frankreich wollte, sondern weil er sie auf verkehrtem Wege erstrebt habe. Die Deutschnationalen seien für eine aufrichtige und für unser Volk tragbare Verständigungspolitik Aus dem Gebiete der Innenpolitik fei da- Kernproblem des Wiederaufbaues die Rückgewinnung der Rentabilität unserer Wirtschaft. Ferner muffe sich daS ganze Volk in einer großen gemeinsamen Front zum Wiederaufbau zusammenfinden unter entschiedener Ablehnung der bisher befolgten Methoden. Wenn Hugenberg daS Heft in die Hand bekomme, könne unser Volk auf Besserung seiner Lage hassen. An die beiden Vorträge schloß sich eine längere Aussprache an, in der nur nationalsozialistische Redner auftraten, zu deren Ausführungen die Referenten im Schlußwort kurz Stellung nahmen. Oer Gastwirt darf sich fein Publikum auSwäh.lcn. WSR. Da» Reichsgericht hat in feinem Urteil II 1091 29. da- vor einiger 3ett ergangen ist, eine außerordentlich bedeutsame Entscheidung herüber gefällt, dah ein Gastwirt, der ein öffentliche- Lokal betreibt, dennoch nicht verpflichtet fei, an jedermann zu verkaufen. 3m vorliegenden Falle waren drei Soldaten, die in Uniform den outritt zur Diele des Beklagten verlangten, von dem Gastwirt abgewiesen worden. DaS Berufungsgericht war der Auffassung, daß zwar die Weigerung des Angeklagten eine Kränkung der Ehre der drei Soldaten barstellen könne, daß er aber nicht rechtSwibrig handelte, weil er dabei nur sein Recht al- Inhaber der Gastwirtschaft auSübte. Das Reichsgericht tritt dem Berufungsgericht darin bei. daß es dem Inhaber einer dem allgemeinen Verkehr geöffneten Gaststätte unbenommen bleibt, ben Krei« ber in ihr verkehrenben Gäste zu bestimmen. Er kann nach dem Reichsgerichtsurteil nicht nur einzelnen bestimmten Personen, fonbern auch gewissen Kreisen der Bevölkerung den Besuch seiner Gaststätte verweigern. Die dem Gastwirt nach § 33 bet Gewerbeordnung erteilte behördliche Erlaubnis begründe nicht die Verpflichtung, schlechthin jeden Gast zuzulassen und enthalte keine Beschränkung feine» freien Ermessens hinsichtlich der Iurück- weisung. Ein Gastwirt, der Gäste zurückweist, mache damit nur von einem ihm zustehenden Recht Gebrauch. Eine schikanöse Rechtsausübung komme nicht In Frage, weil der Angeklagte bestimmte, ihm jedenfalls triftig erscheinende Gründe hatte Militärpersonen, abgesehen von Offizieren, aus seinen Saft räum en fernzuhalten. Eine Kränkung der Militärperfonen durch die ohne Angabe von Gründen erfolgende Weigerung des Angeklagten, fie als Gäste zuzulassen, sei daher nicht al» ftrafbare Beleidigung anzusehen. Danach war Freisprechung de» Wirtes geboten. Diese Reichsgerichtsentscheidung dürste gerade für Feiten eines Wahlkampfes von besonderem Interesse sein. Gießenei- GaS'Woche. 3m Rahmen der Gießener Gas -Woche fand gestern abend eine überaus zahlreich besuchte Hausfrauenveranstaltung im Lass Leib statt, in der die Themen „Vereinfachung im Haushalt" und „Neuzeitliche Ernährung in kranken und gesunden lagen eingehend von den Vortragenden, Dipl.-Ing Brandt, Gasverbrauch, Berlin, und Frau Dr. med. Rothenberger, Gießen, unter großem Beifall erörtert wurden. Heute abend wird die Gas-Woche, wie man uns schreibt mit interessanten Vorführungen von Dampf- kochtoosen, Filmvorführung, sowie anschließend mit der Preisverlosung — wie aus der gestrigen Anzeige hervorgeht — geschlossen werden. Der Besuch der Ausstellung und der heutigen Veranstaltung sei jedermann empfohlen. Besonders die Hausfrauen werden in der Gas- und Küchengerätc-Ausstellung neuzeitliche Apparate finden, die in jeder Hinsicht viel Arbeit und Zeit ersparen und helfen, den Haushalt zu vereinfachen. Daten für Donnerstag, 4 Leptember Sonnenaufgang 5.16 Uhr, Sonnenuntergang 18.41 Uhr. — Mondaufgang 0.36 Uhr, Monduntergang 17.57 Uhr 1824: ber Komponist Anton Bruckner in Änsfelben geboren; — 1853: ber Afrikaforscher H. von Diß- mann in Frankfurt a b.Ober geboren; — 1907: ber Komponist (fbmarb (Brieg auf Irolbbaugen gestorben; — 1918: ber Dichter M Dautbenbeq in Malang gestorben. ’-Bornoti.icn. — Tageskalen ber für Mittwoch Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: .Stanbal um Eva ' unb .Mickh!, hie Tons Um-Maus". •• Der Hessische Lanbesverein für Innere Mission unb LanbeSverband ber Inneren Mission in Hessen wirb seine diesjährige Iahresvcriainmlung am 26. unb 27. Oktober in Erbach unb Michelstadt abhalten. Am 26. Oktober sollen in beiben Städten Zeftgottes- bienfte sein, abends Jamilienabenbe mit ver- schicbenen Rednern, die in ber Inneren Mission tätig sind. Der Montag bringt neben geschäftlichen Verhandlungen einen Vortrag des Direktor» des Rheinischen Provinzial-Ausschusfes für Innere Mission, D. Ohl- Langenberg, über da» aktuelle Thema: „Innere Mission und Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitage- oder In der Samstagsnummer des GieOener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf Kirch e". Außerdem wird der Leiter des Evangelischen SiedlungSdiensteS in Bielefeld, Dr Schultz, einen Vortrag halten. •• Der Verband Mitteldeutscher Skioer e i n e, dem auch der Skigau Vogelsberg mit Skiklub Gießen angehört, hält am nächsten Samstag unb Sonntag seine diesjährige Dertretertagung in Friedberg und Bad-Nauheim ab Der gesellige Teil ist für alle Mitglieder bestimmt. Auf die heutige Anzeige des Skiklubs Gießen sei besonders hingewiesen. " Gin Einbrecher se st genommen. Der Polizeibericht meldet: Ende der vorigen Woche wurde in Mudersbach (Kr. Wetzlar) ein Einbruch verübt, wobei dem Täter etwa 80 Mk. Bargeld in die Hände fielen. Im Verdacht der Täterschaft standen zwei junge Leute, die sich dort bettelnd umhertrieben. Durch zwei Einwohner deS Ortes, die die beiben gesehen hatten, konnte einer anhand der bei der Gießener Kriminalabteilung geführten Lichtbildersammlung ermittelt und sestgenommen werden. Er gestand die Tat ein und wurde dem Amtsgericht zugeführt. Es handelt sich um einen Schneider au« Gießen. •• Wo stammen die Schuhe her? Bei einem Einbruch in ein Waldvestaurant bei Butzbuch ließ der Täter ein paar gut erhaltene braune Damenschnürschuhe, Große 38 39 mit Riemen- verschnürung, zurück. Wem wurden diese Schuhe entwendet, oder wer hat sie an einen Bettler verschenkt r Mitteilung erbittet die Gießener Kriminalpolizei, 3immer 24, woselbst sich die Schuhe befinden. •• Fe st genommen wurden hier auf Grund von AuSschreiben der nach Bigeuncrart umherziehende Musiker Ehristian Georg, geboren am 30 Dezember 1901 in Volkmannsdorf, und die Händlerin Magdalene Wiegand, geboren am 10. Februar 1905 in Wasenberg. „Gras Zeppelin" in Kaffel. Kassel, 3. Sept. (WTB. Funkspruch.) Da» L u f t s ch i ff ..Graf 3 e p p e l i n", daS gestern um 23.10 ilfjr in Friedrichshafen unter Führung von Kapitän Lehmann zum Fluge nach Kassel aufgeftiegen war, traf heute früh 8 Uhr über dem Flugplatz ein unb lanbete nach einigen Runden über dem Flugplatz glatt um 8.25 Uhr. Um 9.17 Uhr stieg das Luftschiff zu feiner Deutschlanbfahrt wieder auf. pädagogische £ebrfobrt nach dem Vogelsberg. Schotten, 2. Sept. Uebcr 100 Studenten dis Pädagogisch .. I » mi Darmstadt kommen während der zweiten ©eptember- wvchc mit ihren Dozenten nach Ober befftn, um einen Änblid In dcc Schulverhältniffe de» Dogelsbera» zu gewinnen. Die Kreife Schotten unb Al »felb find al» Anfchauungsobtekt In Aussicht genommen. Die Studierenden wohnen in den Vormittagsstunden dem Unterricht in den verschiedensten Schulgattungen bei (ein-, zwei- drei-, vier- und mebrflaflige Schulens. An den Rachmittagen finden Vorträge. Exkursionen, Besichtigungen. Führungen unb bergt statt. Eine KreiSlehrerkonserenz in Schotten, in ber Pros. Dr Vogel. Darmstadt, über .Die Entwicklung des prattifch-technischen Denken» des Kinde»" sprechen wird, gibt den Studenten des Pädagogischen Instttuts Gelegenheit, mit ber gesamten Lehrerschaft de» Kreises in Verbindung zu treten. berliner Sorte. Berlin, 3. Sept. • <£ z3 -6fr W SB) ©vomt-ios oerne/. ® her» »woim» • ♦ M>et< aVaupti« ■ HtKi M* etichtr* on «aisiflt- laetoewtsi q UereiMar die PitiK nitotn mn atm tfindt D« Ptiot* Mat-ontn it«n*npernfor. Nr. 4. sich au verändern. 2chr. Ang u. 05483 an ben UJieh An, Wallwey, Hases- abAuaeben. bscLBlUeb. fitelea. I _--- , Mahnverfahrenoer- Schriftl. Angebote I traut ift gesucht, mit BretSang. unter Tchr. Angeb. unter K090D a. b. «ne 106458 a. d Gst. Slni 2 gut möblierte Zimmer zu vermieten 05454 Sonncnftr. 6 I. Hlööl. dimmet m Kabinett n kleiner Suche in schöner Lage an etnAelne Perlon AU Dcrnuetcn. Angeb. unter 06437 an den Gieß. Anz. ZiZim-WohD. befchlagnahrneiret. 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Elisabeth Lysk-Berlin staatt. gepr. am berliner Univ.-KrankenhauS Thema: Frauenkrankheiten und Mädchenkrankhelten Nervenleiden, Tuberkulose, Leberkrankheiten, Gallensteine, Nieren- und Älasenleiben, Blinddarm. Warum sind so viele Frauen unterleibskrank ? Wodurch entstehen UnterleibSleiden, Aluß, Entzündungen, Senkungen, Derwachsunaen, Knickung,Dorsall, fehlende oder stark schmerz- hafte Periode, die Krankh. der Wechseljahre, gut« u. bösartige Geschwülste (Myom, Krevs). Kampf dem Krebs! Es wird in Dildem gezeigt und besprochen Brustkrebs, Dnterlelbskrebs. Maßenkrebs Dann-, Zünden- und Hautkrebs. Was man vom Krebs wissen muß. Bei rechtzeitiger Erkenntnis und Behandlung durch einen Arp sind die meisten Krebsleiden Im Anfangsstadium Heilvar. Das Werden des Menschen bis zur Geburt wird in anschaulicher, dezenter Messe vor Augen geführt und soll jede Mutter mH ihrer Tochter zu diesem belehrenden Dortrag erscheinen, um unsüchtige Aufklärung durch schlechte Kameradinnen zu vermelden. Falsche Scham vor dem Arzt Ohne Operation Snb viele Frauenkrankheiten zu heilen, wenn ieselben Im Anfangsstadium erkannt werden und schützt rechtzeitige Aufklärung vor Siechtum und frühzeitigem Tod. Um jeder Frau den Besuch zu ermöglichen, wird nur ein Eintrittspreis von 80 Pf. und 1 Mk. erhoben. Anfang 8.15 Uhr, Kaffenöffnung 7 Uhr, Ende 10.45 Uhr. 05406 ■JyRSP- Kein TteName Dortrag! -^*1 Zander, liechte, Eisschielen Lebende Schiefen Feinste Räucherfische JtJ^ettbücki^ge Herings-, Fleisch-Fischsalat Fischhaus Cuxhaven Marktstr. 23 6078A Tel. 2417 Oonnersiag, den 4. 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Man hatte säst Befürchtungen geoen- teiliger Hrt laut werden lassen, als dte beiderseitigen MannlchastSausstellungen m der Oessent- lichkeit bekannt wurden — ohne Hirschfelb, ohne Dr Peltzer, ohne Büchner sanken die Aussichten des deutschen Teams in gleichem Maß«, tote die- jenigen der Franzosen fliegen. Aber ein gewisser Ausgleich wurde dann doch im letzten Augenblick geschossen durch das Fehlen einiger bewährter französischer Kräfte, wie Sempe. Dcgland und vor allen Dingen Feger. Sv hat cs der Reichsadler auch diesmal geschosst gegen die Trikolore! Und doS rein zahlenmäßige Ergebnis in Betracht gezogen. Hasen wir überlegener gewonnen, al» allgemein erwartet werden konnte Der Dorsprung, der im Lause der letzten >vier Jahre von 38 auf 13 Punkt« gesunken war, hat sich wieder etwa- erhöht. 8 4:67 lautet das Ergebnis von Hannover, doS mit ehernen Lettern in das Goldene Buch der deutschen Sportgeschichte eingetragen werden wird. Der Komps brachte teilweise merkwürdige Re- fultate! Merkwürdig insofern, als unsere Leute in Äonfutren/tcn un Dordertresscn zu finden waren, in denen man nie damit gerechnet hotte — und anderseits muhten wir Punkte an den Gegner abtreten, die wir ganz sicher in der Tasche zu haben glaubten. Wer hatte mit ersten Plötzen in den 400 und 800 Metern, wer mit dem Doppelerfolg im Kugelstoßen zu rechnen gewagt? Und wer hatte auf der anderen Seite ernsthost an eine Diederlage unseres Stabhochsprung-Dekvrd- mannes Wegener gedacht, wer ein so eklatantes ‘Beilagen deS b000-Meter-MeisterS He 1 - ber für möglich gehalten?? D i e „unter« tainty" des Sport- feierte hier wieder einmal Triumphe — siehe auch den AuSgang der 4 400-Meter-Stasfel! Diese llebcr- raschungen gaben dem Länderkampk eigentlich erst so richtig jenen prickelnden Deiz, den der Engländer eben als die „gloriouS uncertainty" bezeichnet. Bevor wir die Ereignisse noch einmal Revue passieren lassen, etwaS S t o t i st i k! Don den 15 Wettbewerben gewannen wir nicht weniger als 10, nur ein Drittel wurde verloren. Sechsmal hatten wir Doppelsiege zu verzeichnen (in den 100 und 200 Meter, 110 Meter Harden, Weit» sprang, Kugelstoßen und Speerwerfen), denen drei Doppelniederlagen (1500 Meter, Hochfprung und Diskuswerfen) gegenüberstehen. Gegen daS Dorjahr haben wir unS um zwei Siege verbessert. WaS Zeiten und Weiten anlangt, so find die (Srgebniffc im Dergleich zum Länderkampf 1929 in Paris in neun von den fünfzehn Bewerben besser geworden. Aehnlich liegen die Verhältnisse, wenn man die Resultate der beiderseitigen diesjährigen Meisterschaften zum Dergleich heranzichi Deutschland verbesserte neun. Frankreich zehn Ergebnisse, zum Teil sogar recht beträchtlich! Und da wir einmal bei Zahlen sind, fei der Derlauf des Länderkampses an Hand des Standes nach den einzelnen Wettbewerben verfolgt. der ein deutlicheres Bild gibt von der Zähigkeit, mit der um die Punkte gerungen wurde, als alle Worte es vermögen: 1 00 Meter 8:3 für Deutschland. 800 Me- ter 14:8, 200 Meter 22:11, Stabhochsprung 26:18, 400 Meter 33:22, Speerwerfen 41: 25. 1 500 DI eter 44:33. Weit- fprung 52:36. 4X1 0 0 *21 e t e t 55: 37. Äugelst ohen 63:40. 1 10 Meter Hürden 71:43, Diskuswerfen 74:51, 5000 Meter 87:58. Hochsprung 81.66, 4x4 0 0 Meter 84 : 67. Wir hotten also zwar von Anfang bis Ende die Führung, aber hin und wieder kamen die Franzosen doch bedenklich nahe, so besonders nach ihren Siegen im Stabhochsprung und den 1500 Meter Den größten Dorsprung hotten wir noch dem Hürdenlausen mit 28 Punkten. den der Dvppelsieg von Winter und Roel aber wieder reduzierte. 5000 Meter und Hochfprung brachten weiteren Punktverlust, der durch den Stasfelsieg aber wieder ausgeglichen wurde. Die hervorstechendsten Leistungen! Deutscherseits gehören zwei Damen an die erfte Stelle: Engelhardt und Danzl Beide schienen in der Form ihres Lebens zu fein, die verbissene Energie, mit der sie sich zum Siege durchrangen. nötigte schlechthin Bewunderung ab. Der Berliner Teutone drückte dem 400-*21«terlauf von Beginn an den Stempel auf und diktierte den anderen fein Tempo Den energischen Schluh- angriff von Mouline- wies er sicher ab — alle vier Läufer blieben unter 50 Sekunden! Doch kraftvoller lief Engelhardt in der Stoffel, die er als Schlubmann für un- andern Feuer rih. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, hatte man doch gerade hier mit einer sicheren Diederloge gerechnet. Und Danz? Gegen einen Martin und einen Keller die 800 Meter au gewinnen, sagt eigentlich olle-! (Wir sahen übrigen- „S^ra" an dritter Stelle einkommen, doch doS Zielgericht entschied ander-!) Als Einzelrennen waren die 8 00 Me» t e r neben den 5000 Meter, der schönste Kampf — nur unter Aufbietung aller Kräfte gelang dem SEGer der große Schlag. 3n der Zielgeraden kämpfte er sich verbissen nach vorn und rang die beiden Franzosen zwei Meter vor dem Bande nieder. Riesiger Applau- belohnte diese Glanzleistung des ehemaligen Turner- meister-. Aber auch von der Gegenseite müssen in der Rubrik der bedeutendsten Leistungen zwei Mann in den Vordergrund treten. Ladoumegue und Boitard. Frankreich- 1500-Meter-Crack ließ sich auf seiner Domäne natürlich nicht bei kommen und gewann, wie er wollte. Seine Zeit (3:54,6 Minuten) und die gut 5 0 M e t e rD o r s p r u n g. die er auf seinen Landsmann Leduc hatte, sprechen Bände! Ladoumegue gewann damit „feine" Strecke zum dritten Male hintereinander in den Länderkömpfen Frankreich — Deutschland, wahrlich eine famose Leistung! Sein Stil ist erstklassig zu nennen, ihn mit Durrni im Kampfe zu sehen, müßte ein ästhetischer Genuß fein! Doitard bot, rein kämpferisch, vielleicht die größte Leistung deS Tages überhaupt. Bis 4000 Meter hielt er sich an dritter Stelle, um dann seinen Landsmann Cuignet vom zweiten Platz zu verdrängen und Petri das Leben noch recht schwer zu machen. Alle sahen wir den kleinen, zähen Hannoveraner schon al- sicheren Sieger — und er selbst fühlte sich wohl auch als solcher. Er setzte zu früh mit seinem Endspurt ein in der Meinung, eS fei nur noch eine halbe Runde zu laufen — es waren aber noch anderthalb Runden! So fiel er seinem Tempo zum Opfer, Boitard kam unaufhaltsam auf, erreichte den 78er eingangs der Zielgeraden und lieferte ihm einen mörderischen Brust-an-Brust- Kampf, den er in den letzten zwei Metern noch zu feinen Gunsten entscheiden konnte. D o 11 - kommen fertig, wurde er von seinen Kameraden in die Kabine geführt, glückstrahlend über seinen Lieg und den reichen Beifall, den ihm die objektiven Zuschauer für ferne heroische Leistung spendeten. Boitard fügte seinem Berliner Sieg von 1928 damit ein neues Ruhmesblatt hinzu. Unliebsame Ueberraschungen gab es auch für uns, wie wir schon erwähnten 3n erster Linie hatten wir Wegener für fähig gehalten, uns weitere 5 Punkte zu sichern — er muhte sich mit dem 2. Platze begnügen Allerdings hatte der Hallenser bei seinen drei 4-Mv- ter-Sprüngen das Pech, jedesmal nach Heber» queren der Latte diese mit dem Arme zu werfen Da Stechemesfer bereits bei 3,60 Meter die Waffen strecken muhte, ruhte auf Wegeners Schultern die ganze Derantwortung — und da versagten ihm anscheinend seine Heroen den Dienst. Die beiden Franzosen kamen bis 3,80 Meter glatt mit, Ramadier nahm auch 3,90 Meter im ersten Anlauf und ficqtc schließlich mit 3.99 Meter, einer Höhe, die einen neuen französischen Rekord bedeutet Weitere Versuche von ihm, 4.05 Meter zu zwingen scheiterten. Helders Versagen in den 5000 Me- ter ist ebenfalls bereits gestreift worden Unser Meister schien unter Seitenstechen zu leiden, er lag von Beginn an aus dem letzten Platz und fiel von 3000 Meter an ständig zurück Seine Zeit von 16:18,3 Minuten läßt aus völlige Indisposition schliehen! Uedrigens unterlief dem Sprecher am Megaphon bei Bekanntgabe der Zwischenzeiten ein kurioser Irrtum, indem er für 2000 Meter eine Zeit von 4:59,6 Minuten notierte. Dach der 1500-Meter-Zeit gerechnet, hätten die Läufer dann über 500 Dieter mit 33,3 Sekunden einen phänomenalen Weltrekord ausgestellt gehabt! ES muhte natürlich heihen 5:59,6 Minuten I Ob sich Körnig daS hatte träumen lassen, dah er auSgerechnet noch kurz vor Saisonschluh aeschlagen werden würde? Ionath lief ein herrliches Rennen und triumphierte einwandfrei über den Charlottenburger, so den Tag gleich mit einer Bombenüberraschung einleitend. Körnig- Knie schien nicht ganz in Ordnung, so dah er, um sich für die Staffel au schonen, auf die 200 Meter zugunsten von Gillmeister verzichtete. ES erwieS sich dies al- richtig, auf diese Weise wurden beide Wettbewerbe sicher gewonnen. Die Zeiten in den 200 Meter waren mäßig, Auvergne dabei unseren Leuten dicht auf den Fersen. Ein herrliches Bild boten die Hürdler, die in wunderbarer Gleichmäßigkeit über die Strecke gingen, ohne ei ne einzige Hürde z u wersenl In den letzten 30 Meter schob sich T r o ß b a ch recht dicht an den führenden Welscher heran, doch rettete sich der Meister mit doppelter Brustbreite ins Ziel. Die 5ran., endeten weit abgeschlagen schade, dah Sernp^ nicht mit von der Partie war, die Zeiten wären bestimmt besser ausgefallen! Spontanen ‘Beifall gab eS nach diesem 6. Dvppelsieg unterer Farben, der freilich der letzte bleiben sollte. Dah wir das Diskuswerfen verlieren würden, war ebenso klar wie die Tatsache, daß wir den Speerwurs gewinnen würden I W i n- t c r brachte mit seinem 47,92-Meter-Wurf eine Glanzleistung zustande, wie wir sie lange nicht mehr in Deutschland gesehen haben. D o c l, der Kapitän der sranzösischon Mannschaft, sorgte sür weitere drei Punkte. Die Revanche folgte jedoch auf dem Fuße im Speerwerfen, wo M a c f c r und Weimann ihre Gegner sicher distanzierten. Der sechste Wurf des Ostpreußen ging wesentlich über die deutsche Rekordmarke hinaus und wurde mit 68,05 Meter notiert — leider trat der Meister etwas dabei über, so daß der Wurf keine Anerkennung finden konnte. Weimann et- täuschte. da keiner feiner Würfe über 60 Meter lag. Doel sprang für den verhinderten Degland ein und kam unter den Spezialisten über den letzten Platz nicht hinaus (der Franzose ist be- Maak segelt. Don Hans Riebau. Schonncmann hatte mich im Stich gelassen. Auch Trotte konnte nicht. WaS blieb mir übrig, als mich an Maak zu wenden? ..Macky", sagte ich, „hast du Lust, morgen mit mir zu segeln?" „2fl>cr natürlich", strahlte Maak, „mit dem größten Vergnügen." «Ja, aber", fuhr ich fort, „du muht auch ein bißchen mitarbeiten. Du bist, damit du es gleich weißt, nicht mein Passagier, sondern mein Bootsmann." „Aber das ist doch selbstverständlich", sagte Maak, „glaubst du. daß ich die Hände in den Schoß lege, während du mit Wind und Wellen kämpsst?" Maak war pünktlich zur Stelle. Pünktlicher als ich. „Ich habe versucht", sagte er, „das Sackleinen vom Boot zu ziehen, aber ich bin nicht ganz damit fertig geworden." Ich sah mir Maaks Werk an. „Erstens", seufzte ich. „ist daS kein Sackleinen, was du da zulammengeknüllt hast, sondern eine Persenning, zweitens hast du das blanke Deck mit deinen Dagelschuhen verschrammt, drittens haft du deine Kraft sinnlos verschwendet, denn dieses Fahrzeug gehört nicht mir. sondern dem Direktor Weder, und viertens ist es kein Segelboot, sondern ein Motorboot." -Ach so". Jagte Maak. Ja. weißt du, die seinen Unterfchtede muß ich erst noch kennenlernen." Langsam glitt der Iollenkreuzer stromabwärts. Maak saß aus dem Deck neben dem Mast und studierte die Takelage. „Hör mal", sagte ich, „die Fock sitzt nicht richtig, würdest du dir wohl zutrauen, einen Augenblick die Pinne zu halten?" Maak sprang hoch. „Aber natürlich", sagte er und stürzte sich auf den Bootshaken. „Dein", rief ich, „dies hier ist die Pinne, der Steuerhebel, den ich in Lir Hand habe. Du muht das Doot eine Minute lang in Kurs halten, so. daß Doot und User immer hübsch parallel bleiben." .Kleinigkeit," nickte Maak unb nahm die Pinne in die rechte, die Grvß^choot in die linke Hand. Aber schon nach zehn Sekunden fingen die Segel an zu flattern. Maak war „in den Wind gekommen". .Backbord das Ruder," rief ich, „nach links!" Maak drehte die Pinne sofort nach rechts. DaS Boot ging über Stag, Maak fing an zu kreuzen. Sine Bö fegte ins Groß-Segel, das Walser schwabberte über die Wafchbord. Maak sprang entsetzt auf, ließ die Groß-Schoot loS. Dafür riß er am Klaufall Der Knoten löste sich. Rauschend kam daS Groß-Segel herunter. Das Boot drehte sich um sich selbst, jagte einen Paddler in rasende Flucht und einem Fischkutter in die Seite. „So geht eS nicht," sagte ich, alS ich Maak unter dem Segelhaufen wiedergefunden hatte. .Wie ist es mit dem Frühstück?" fragte ich. .Ich habe Hunger." „Ich auch," nickte Maak, nahm sein Taschenmesser und bohrte es in eine Konservendose. DaS Messer brach ab. Der Bootshaken hingegen brach nicht ab. aber er ging doch nur unvollkommen in das Büchsenblech hinein. „Wie wäre es mit dem Büchsenöffner?" schlug ich vor. Maak nahm den Büchsenöffner und stieß ihn gegen die Dose. So stark stieß er, daß das Instrument auf Deck und die Konservendose über Bord fiel- .Laß nur", sagte ich, .wir werden anlegen und im Restaurant essen." Das Boot schob sich langsam gegen den Anleger. „Den Bootshaken!" tief ich. Maak nahm den Bootshaken, schlug ihn auf den Anleger. Aber er hatte wohl zu fest geschlagen: „Hallo!" rief er und sprang, vom Gesetz der Beharrung getrieben, auf den Anleger. Erst von hier aus fiel er, schräg nach hinten geneigt, ins Wasser. Weiter ging die Fahrt. „Kann ich nicht irgend etwas tun?" fragte Maak. .Dein!" knurrte ich. „Aber du hast dvch ausdrücklich gesagt", fuhr Maak fort und machte ein zerknirschtes Gesicht, „daß ich dein Bootsmann sein sollte." Ich schwieg. Dann aber lieh ich daS Doot in den Wind gehen, nahm eine Leine, schor sie über einen Dlock und ließ sie vorn in die Luke laufen. „Jedesmal, wenn das Doot Schräglage bekommt", sagte ich, .mußt du fest ziehen." «Sonst kippen wir um?“ fragte Maak. „Jawohl", nickte ich. „fönst kippen wir um.“ Don nun an war Maak Feuer und Flamme. Alle zwei Minuten zog er gewaltig an seinem Strick. Und jedeSmal, wenn er loSlieh. gab es einen dumpfen Plumps unter Deck. Das war die Vier-Kilogramm-Kanne mit dem flüssigen Dootslack. an der das andere Ende der Leine befestigt war. e „Segeln ist schön", sagte Maak, als wir abends zu Hause waren, „aber doch ziemlich anstrengend." Und er besah sich die Schwielen, die sich auf der Innenseite der Handflächen gebildet hatten. Die Bahnsteigkarte. Don Victor Auburtin. Der Herr mit dem Dollbart stieg in Probstzella in den Zug ein, fand in unserem Abteil einen Eckplatz und ließ daS Fenster herunter, um sich von feiner Frau zu verabschieden. „Also vor drei Tagen hast du keine Dachricht von mir; ich schreibe erst auS Innsbruck- Grüß Emmy und vertragt euch. Auf Wiedersehen, Wiedersehen!" Der Zug fing an zu fahren, der Herr mit dem Dollbart schloß daS Fenster und setzte stch. Sein ganzes Wesen drückte das Behagen auS, daS der Mann empfindet, der fich eben von feiner Frau verabschiedet und einen Eckplatz gefunden hat. Dicht- kündete die gräßliche Katastrophe an, die gleich über ihn niedergehen sollte. Da kam der Schaffner: „Jemand zugestiegen?", und der Herr mit dem Dollbart reichte ihm zwei Fahrkarten hin. Der Schaffner betrachtete die zwei Karten aufmerksam, knipste die eine durch und gab beide dem Herrn zurück. „DaS eine ist eine Bahnsteigkarte", sagte er ruhig und ging weiter. Der Herr mit dem Dollbart sah die Bahnsteig- karte betroffen an, dachte einen Augenblick nach, dann verzerrten fich seine Züge in furchtbarstem Entsetzen. ,11m Gottes willen,' schrie er, .ich habe die Bahnsteigkarte meiner Frau mitgenommen." Sr stürzte dem Schaffner nach.. Um DotteS willen,' hörten wir ihn draußen rufen, .die Karte muh von der nächsten Station mit Eilbrief zurückgeschickt werden, sonst kann meine Frau nicht mehr von dem Dahn- steig herunter.* Der Schaffner erklärte ihm, dah daS nicht möglich sei, da eine auf dem Bahnsteig befindliche Profon keine Eilbriefe empfangen Dürfe; und es begann eine lange Verhandlung. Dr.. Th. von Dblsbaufen, der Präsident bet Direktoriums ber Rcichsoersichcrungsanftatt für Angestellte. starb in Berlin kanntlich in erster Linie Äugel flößet und Diskuswerfer II. Sehr erfreulich war auch unser Doppel- f leg im Kugelstoßen, bei dem der junge Sievert den französischen Meister um 7 Zentimeter schlagen und unS damit drei wertvolle Punkte sichern konnte. UeblerS Bärenkraft gab den Ausschlag für den rosten Platz. Und die Staffeln! In den 4x100 Meter wurde schlecht gewechselt. Io daß es, zumal bei K ö r n i g i sichtlicher Indisposition, nicht zu einer überragenden Zeit langte. Borchmeyer übergab, nachdem er den Stab noch mit 2 Meter Rückstand von Ionath übernommen hatte, last gleichzeitig mit Auvergne, Gillmeister holte einen und Körnig weitere drei Meter herau- - unser Sieg war also überlegen. Wesentlich interessanter verlies die 4x4vv-Meter- Staffel, die eine« der schönsten Rennen de» ganzen Meetings wurden! Schmidt übergab mit fünf Meter Vorsprung an Kisters, der gegen Martin trotz famosen Lausen» fast alle- wieder einbüßte. Einen erbitterten Zweikampf Danz— Galtier entschied der Berliner knapp zu leinen Dunsten, er konnte den Stab 1,50 Meter vor dem Franzosen an Engelhardt übergeben, der dann in einem fabelhaften Finish Dkduline» noch fünf Meter abnahm und, stürmisch umjubelt, damit dem Länderkampf einen Abschluß gab, wie er wundervoller nicht gedacht werden konnte! Oberbeffen. Landkreis Wietzen. £ Wieseck, 3. Sept. Gestern gegen 19.30 Uhr stieß auf der Marburger Straße an der Ecke Lichtenauer Weg ein Motorradler, der au» Wleseck kam und die Straße überqueren wollte, mit einem in voller Fahrt befindlichen Auto zusammen. Der Krastwagensührer. der die Gefahr erkannte, wich zwar weit nach link» au», konnte aber nicht verhindern, daß fein Fahrzeug von dem Motorradler angefahren wurde Letzterer wurde bei dem Anprall zur Seite geschleudert. Zum Glück kam er, wie auch der Autofahrer mit dem Schrecken davon. Der Sachschaden dürfte Wohl nicht erheblich fein. Der Unglücksfall zeigt erneut, dah diese unübersichtliche Straßenkreuzung für die Kraftfahrer kenntlich gemacht werden muh und darüber hinaus eine Fahrvorschrift anzubringen ist An dieser Stelle sind schon mehrfach Zusammenstöße vorgekommen, bi» jetzt ist aber von der zuständigen Behörde wegen Beseitigung des UebelstandeS nichts geschehen. Die Wie da- abgelaufen ist, weih ich nicht, da ich bald au»gcftiegen bin, aber ich befürchte Schlimme». Wir leben in einem Staatswesen, da« auf festen Gesetzen errichtet ist und, auf diesen Gesehen ruhend, den Stürmen der Zeit standgehalten hat. Und eins dieser Gesetze lautet, dah niemand den Bahnsteig verlaßen darf, der nicht eine von den zuständigen bürgerlichen Behörden durchlochte Äartc vorweifen kann. Wenn die Karte jetzt verloren geht, muß die Frau auf dem Bahnsteig bleiben. 3n meiner Erinnerung steigt die Geschichte eines König» von Sparta auf, der zum Tode verurteilt war, der in einen Tempel flüchtete und in diesem Tempel ausgehungert wurde. Dun ganz so schlimm wird e« der Frau des Herrn mit dem Doll bart nicht ergehen. Man wird ihr ein Vager im Bahnhof errichten und sie vom Restaurant aus ernähren; aber fort darf sie nicht. Vie wird den Rest ihres Leben» auf dem Bahnsteig verbringen, ihre Freundinnen zum Kaffee einlaben, Kinder gebären, sterben und auch dort beerdigt werden. E» mühte denn das Gesetz umgangen werden, wozu ich gerade in biefen Zeiten nicht raten möchte. Der Herr mit bem Dollbart hatte alfo allen Grund. Öen Willen GotteS anzurufen. Und wir wollen nur hoffen, dah es elwa» genutzt hat. Das Liebeswerben eines Affen. Wie ein Affe durch treues Werben die Liebe einer Äafiggenoffin erlangte, erzählt der Direktor des Pariser Jardin des Plantes, Bourdelle, in einem Pa- rifer Blatt. 3m Jahre 1928 erhielt der Zoo einen weiblichen Drang Utang mit einem Kinde- sie war-n 'n Borneo gefangen, und die Mutter war Witwe. Man beschloß daher, ihr einen neuen Gefährten zu geben, und brachte einen männlichen Drang in ihren Starig. -Lod) die Asfendame war sehr spröde und wies alle Annäherungen des neuen Mitbewohners auf das energischste zurück. Sie widmete sich ganz der Pflege ihres Kindes. Der abgewiesene Freier ließ sich aber nicht abschrecken. Da die Mutter nichts von ihm wissen wollte, wandte auch er dem Baby seine Aufmerksamkeit zu, und obgleich die Aeffin zunächst eifersüchtig ihn von dem Kinde fernzuhalten suchte, gewann er seine Liebe und wurde von dem Baby als 23ater betrachtet. Die Mutter betrachtete nun den 2Iffen, der das Kind mit den besten Leckerbissen seiner täglichen Ration fütterte und zärtlich liebkoste, mit freundlicheren Augen. Sie schien nunmehr überzeugt, daß er einen guten Ehemann abgeben würbe; erhörte ihn und beschenkte ihn mit einem eigenen Kinde. Seitdem gibt es keine glücklichere und ttoUcct aamilie iw Wegekreuzungsschilder sollen übrigens schon im Frühjahr bestellt worden sein. y. Ruttershausen, 2. Sept. 2lm Bahnübergang in der Rahe der Lahnbrücke hat die Bahnverwaltung seit einigen Wochen eine dankenswerte Neuerung machen lassen. Die Schranken werden jetzt elektrisch beleuchtet. Dadurch ist eine größere Betriebssicherheit gewährleistet, denn der Autoverkehr, besonders in Zeiten der Llmleitung, ist hier recht lebhaft. — Heute wurde gelegentlich der ersten Beerdigung der erweiterte Friedhof feierlich in Gebrauch genommen. Es wäre richtig, wenn der neue Teil im Herbste von der Gemeinde auch mit Bäumen nach sachverständiger Beratung bepflanzt würde. gr. Grüninaen, 2. Sept. Vorigen Donnerstag unternahm die Oberklasse der hiesigen Volksschule eine Wanderung zum Stoppelberg. Von dem neuen Stoppelbergturm hatte man eine herrliche Sicht in die schon herbstlich gestimmte Landschaft. Am gestrigen Montag besuchte die LInterklasse den H a u s - berg bei Butzbach. II Bellersheim, 2.Sept. Am Sonntag wurde hier seit langen Jahren wieder einmal ein Zugendfest gefeiert, zu dem sich fast die gesamte Einwohnerschaft eingefunden hatte. Llnter Dorantritt der Spielleute des Turnvereins zog die mit Blumen und Kränzen geschmückte Schuljugend dem nahen Wald zu, wo das Fest stattfand. Rach einem Vorspruch und Lied hielt Lehrer Philipp eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung dieses Tages hinwies und auch der Befreiung des Rheinlandes gedachte. Anschließend erklang das Deutschlandlied. Dann kamen abwechselnd Gedichte, Lieder und kleine dramatische Aufführungen zu Gehör, die von Schülerinnen und Schülern musterhaft dargeboten und von den Zuschauern mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. Zum Schluß erfolgte noch unter Leitung von Lehrer Schmidt ein Stafettenlauf, Eierlauf und Sackhüpfen. Zn dankenswerter Weise hatte die Gemeinde einen Geldbetrag zur Verfügung gestellt, so daß jedem Kind eine Brezel mit auf den Heimweg gegeben werden konnte. Kreis Schotten. Ober-Schmitten, 2. Sept. Ende der letzten Woche traten hier vereinzelt die Masern auf. Znnerhalb zweier Tage breiteten sie sich so stark aus, daß neben den noch nicht schulpflichtigen Kindern 50 Prozent der Schüler der Unter- klasse daran erkrankt sind. Die Krankheit nimmt normalen Verlauf. Kreis Alsfeld. H Alsfeld, 2. Sept. Eine schlichte Abschiedsfeier fand gestern im Sitzungszimmer der Gewerbeschule für den kürzlich in den Ruhestand getretenen, langjährigen Leiter der hiesigen Gewerbeschule, Rektor Schindel, statt. Zu der Feier waren das Kuratorium der Gewerbeschule, der Vorstand des Ortsgewerbevereins und das Lehrerkollegium der Gewerbeschule erschienen. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Dür- Zermeister Dr. V ö l s i n g, gedachte in warmempfundenen Worten des verdienstvollen Wirkens von Rektor Schindel, der 33 Zahre an der hiesigen Gewerbeschule tätig gewesen ist. Gewerbelehrer Rohrbach sprach ihm nameirs des Lehrerkollegiums der Schule, sowie des Bezirksverbandes der Handwerkervereinigung Alsfeld- Lauterbach Dank und Anerkennung für seine hingebende Arbeit an der Förderung der Interessen des Handwerks und der Schule aus. Glasermeister L e n t h übermittelte dem Scheidenden den Dank des Ortsgewerbevereins, dem er viele Zahre hindurch als Vorstandsmitglied und Vorsitzender an- . gehört habe. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g über- reichte ihm namens des Kuratoriums und des -.Lehrerkollegiums eine kunstvoll ausgearbeitete ' Adresse. Rektor Schindel dankte in bewegten Worten für die ihm erwiesene Ehrung und gab Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von 3- Schneider-Zoerstl. Urheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Die Schulden der gnädigen Frau betragen sechzigtausend Mark." „Wie?" „Sechzigtausend Mark!" Zuwelier Heldrich sah erst auf den Herrn, der den Zylinder in die Rechte geklemmt hatte und dann auf das aufgeschlagene Geschäftsbuch, in welchem die Summe vermerkt war. „Es sind fünf Ringe — ein Perlenkollier und eine Brillantagraffe." „Sind Sie über die Vermögensverhältnisse der gnädigen Frau orientiert, Herr Heldrich?" Es schien, als ob das glattrasierte Männergesicht einen Schatten bleicher geworden wäre. Aber daran konnte auch die grüne Tapete des Raumes schuld fein, die aparte Reflexe warf. „Für alle Fälle bin ich zu zwei Dritteln gedeckt, Herr Direktor, ich habe eine Hypothek auf Rottach-Berghof." „Zn welcher Höhe?" „Vierzigtausend Mark." „Und die anderen?" „Zch pflege mich nur um mein Soll und Haben zu kümmern, Herr Direktor." Die hohe Stirne unter dem starkmelierten, straff zurückgekämmten Haar schien nachzudenken. „Wissen Sie zufällig, wer noch Außenstände von der gnädigen Frau einzubringen hat?" „Einzelne große Kaufhäuser nur, aber die Summe reicht nicht im entferntesten an mein Guthaben heran. Zch begreife nicht, was Ma- tarne mit ihrem (Selbe macht. Man möchte glauben, bei dieser hohen Gage —" Direktor Averson gebot mit einer Handbewe- guna Schweigen, ließ sich auf dem Rand des Stuhles meber, bcn ihm Heldrich angeboten hatte und zog seine Füllfeder heraus. Seine Finger deren ausgeprägt konische Form auffiel, setzten den Ramen unter einen Scheck, den er dem Zu- Wetter zuschob. „Die Hypothek auf Rottach-Berg- hof ist bis heute abend gelöscht, Herr Heldrich!" Der Zuwelier verneigte sich. „Die Sache verbleibt ganz unter uns!" Ein abermaliges stummes Verneigen. Heldrich reichte ihm den Zylinder und öffnete ihm die Türe, welche nach dem Ausgang führte. Mit einem leisen Knall schlug sie hinter dem Manne, dessen Schultern einen Augenblick etwas von ihrer Straffheit eingebüßt hatten, zusammen. dabei einen Ueberblick über die Entwickelung der Alsfelder Gewerbeschule seit ihrer Gründung, die, aus kleinen Anfängen heraus entwickett, heute eine Schülerzahl von mehr als hundert aufweist. An die offizielle Feier schloß sich ein gemütliches Beisammensein. — Ein verdien st - volles Werk hat das Hessische LandeS-Ver- messungsamt im Zusammenhänge mit der Durchführung der Feldbereinigung und der Katastervermessung von Stadt und Gemarkung Alsfeld durch Herausgabe wertvoller Karten geschaffen. Diese enthalten Uebersichtspläne der Gemarkung Alsfeld in zwei verschiedenen Maßstäben in gewöhnlicher und farbiger Ausführung, sowie einen Plan der Stadt Alsfeld im Maßstab von 1:5000, umfassend den gesamten Grundstücksund Gebäudekomplex der Stadt und ihrer unmittelbarer Umgebung, Flur- und Gewannbezeich- nung, sowie das gesamte Straßen- und Wegennetz. Die Karten bilden neben ihrer prakttschen Verwendung zugleich ein wertvottes Anschauungsmaterial für den Heimatunterricht. Preußen. Kreis Wetzlar. X. R. Odenhausen (Lah n), 1. Sept. Gestern fand die feierliche Weihe unseres Gefallenen-Ehrenmales statt. Die gesamte Einwohnerschaft und die Vereine Oden- Hausens, sowie viele Gäste aus den Rachbar- dörfern hatten sich dazu eingefunden. Die Feier begann mit einem Vorspiel des Pvsaunenchores Fronhausen, der sich in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatte. Darauf folgte ein Prolog, gesprochen von einem Schulmädchen. Sodann hielt Pfarrer Lindenborn die Weiherede, in der er den 23 Gefallenen unsrer Gemeinde herzliche Worte des Gedenkens widmete und hinwies auf ihre Opfertat. Unter Glockengeläute fiel bann die Hülle, die Menge verweilte einige Augenblicke in stillem Gedenken, dann sang der hiesige Gesangverein unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Reinhardt, das Lied „Zch hatt' einen Kameraden". Hierauf sprach Presbyter L. Wagner über die Entstehung des Denkmals, dankte allen, die an der Errichtung mitwirkten und übergab im Auftrage des Denkmal-Ausschusses das Denkmal der Obhut der Gemeinde. Gemeindevorsteher Pfaff übernahm das Denkmal. Es folgten, gesungen vom Gesangverein Odenhausen, tar Chor „Ihr Helden", zwei Deklamationen von Schulkindern und Spiel des Posaunenchors. Zum Schluß legten Zivilgemeinde, Kirchengemeinde, Kriegerverein, der auch die Ehrensalve schoß, Gesangverein, die beiden Turnvereine, die Durschen- vereinigung und die Kriegerhinterbliebenen Kränze an dem Ehrenmal nieder. Der Gesang des Liedes „Harre meine Seele", begleitet vorn Posaunenchor Fronhausen, beschloß die würdig verlaufene Feier. (p Odenhausen, 1. Sept. Hier trafen sich die Schulen von Krofdorf, Launsbach, Wißmar, Odenhausen und Salzböden auf dem Sportplatz, um die Reichsjugendwettkämpfe auszutragen. 127 Schüler der vier obersten Iahr- gänge maßen ihre Kräfte in einem Dreikampf, bestehend aus Lauf, Weitsprung und Ballweitwurf. Die 4xl00-Meter-Pendelstafette gewann die Launsbacher Schule. Gemeinsame Frei- und Haltungsübungen unter Leitung des Obmanns bereicherten die Veranstaltung. Rach der Siegerverkündigung und Verteilung von Würstchen und Weck traten die Schüler den Heimweg an. Kreis Biedenkopf. WSR. Biedenkopf, 2. Sept. Zn einer der letzten Rächte versuchten bisher unbekannt gebliebene Täter das Gefallenendenkmal in Wallau dadurch zu zerstören, daß sie auf den in Sandstein ausgehauenen Kriegerkopf fünf Schüsse aus einer kleinkalibrigen Büchse Die Limousine, welche am Gangsteig gewartet hatte, setzte sich langsam in Bewegung. „Wohin befehlen Herr Direktor?" „Rach Rottach-Berghof! — Rein — fahren Sie mich erst nach Hause, Felix." Der Chauffeur drückte den Schlag zu und wandte fein Augenmerk auf die Straße. Ein Herr grüßte aus einem offenen Wagen und bekam keinen Dank zurück. Averson war zu sehr mit Helene Chlodwig beschäftigt. Heldrich hatte recht. Was machte sie mit ihrem Gelde. Ihre Gage ging ins Riesenhafte und Rottach- Berghof konnte doch unmöglich solch eine horrende Summe gekostet haben. Zrgendwie sonstige kostspielige Liebhabereien waren ihr wiederum nicht nachzuweisen. Er begriff nicht, sah erst auf, als seine Villa in Bogenhausen erreicht war und der Wagen mit eleganter Kurve in den Park einbog. „Post?" fragte er den Diener, der die Türe des Haupteinganges zurückhielt. „Zwei Briefe, Herr Direktor!" Er lief schon und kam gleich darauf mit ihnen zurück. Die Hülle mit der großen charakteristischen Handschrift flatterte zu Boden. „Mein Freund! Ich bin heute nicht ganz wohl, aber morgen nachmittag heiße ich Sie herzlichst willkommen. Helene." Den zweiten Brief steckte er, ohne ihn gelesen zu haben, in die Tasche seines Mantels und trat wieder ins Freie. „Rach Rottach-Berghof", befahl er. Die Räder setzten sich In Bewegung, eine schmale Falte lag über den grauen Augen eingekerbt. Wenn die geliebte Frau nicht wohl war, dann hatte er um so mehr Grund zu ihr hinauszufahren, um zu sehen, wie es um sie stand. Wenn sie ungnädig war, konnte man nachts wieder zurückfahren. Andernfalls würde er bleiben. * * * „Helene, glaub mir doch!" »Was soll ich dir denn glauben, du großes Kind?" Die Kammersängerin lag auf einem der Gartenstühle ausgestreckt und fuhr mit den Fingern der Rechten durch Frankes Haar, bis dieses ein Wirrsal darstellte. »Daß ich dich liebe, Helene!" „Zweifle ich denn daran? — Zch liebe dich ja auch, du dummer Mann. Aber damit mutzt du es genug sein lassen! — Deine Frau werden? — Hm Gottes willen nein, Zust! Das wäre die Spitze der Anvernunft I — Ditte, fahre nicht auf! Zch würde dich ruinieren! Du weiht ja gar nicht, was ich für ein anspruchsvolles Weib bin — in jeder Hinsicht." „Zch würde Tag und Rächt —" abgaben. Glücklicherweise wurde der Kopf nicht direkt getroffen, so daß kein nennenswerter Schaden entstanden ist. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Kirche und Schule. Zugendfest der Christlichen Gemeinschaften Hessens xy Leihgestern, 1. Sept. Das Jugendfest der Christlichen Gemeinschaften Hessens nahm am gestrigen Sonntag bei günftiaem Wetter unter starker Beteiligung der von auswärts erschienenen christlichen Jugendvereinigungen einen sehr schönen Verlauf. Unter Hinzuzählung der Besucher aus Leihgestern dürfte eine Gesamtbeteiligung von über 2000 Festteilnehmern nicht überschätzt sein. Die Mitglieder der Christlichen Gemeinschaft Leihgestern hatten eine große Anzahl Sitzplätze hergerichtet und eine gute Einteilung des Tages getroffen. Am Vormittag fand eine Probe des 100 Mann starken Bläserchors und des etwa dreimal so starken vereinigten gemischten Chors statt, die gegen %12 Uhr beendet war. Anschließend begaben sich die Gäste in ihre Quartiere zum Mittagessen. Um 13.30 Uhr setzte sich ein großer Fest - zug in Bewegung, in dem der Bläserchor in fünf einzelnen Gruppen aufgeteilt war und christliche Liedermärsche spielte. Auf dem Festplatz wurde die Vortragsfolge von dem B l ä s e r ch o r mit der „Sturmbescywörung" d. V. Kahl eröffnet, dem gemeinsamer Gesang und die Begrüßung durch Prediger Peters (Mücke), sowie ein Vortrag des gemischten Chors der Christlichen ^Gemeinschaft Leihgestern folgten. Der vereinigte gemischte Chor sang hierauf „Lob Gottes" von Ruh. Nachdem Prediger Scheier (Nieder- walgern) gesprochen hatte, wechselten Bläserchor, Gemischter Chor und Gemeindegesang einander ab, bis Missions-Jnfpektor Veiel - St. Chrischona zur Festansprache die Rednertribüne bestieg. Er brachte zum Ausdruck, daß es ihm eine Freude sei, an diesem Jugendfest in Hessen teilnehmen zu können. Sein besonderer Gruß galt den „Alten", die schon lange Jahre treue Brüder und Schwestern der Christlichen Gemeinschaft seien. An die Jugend richtete er ernste Mahnworte, in denen er zum Ausdruck brachte, daß gute Christen auch treue Glieder eines Staates seien. In der Hoffnung, daß die christliche Jugend in den Fußtapfen der „Alten" folgen werde, schloß der Redner seine eindrucksvolle Ansprache. Im weiteren Verlaufe der Veranstaltung sprachen noch Prediger Langenkamp (Friedberg) und Prediger M e n g (Großen-Linden). Mit einem Vor- trag des Bläserchors: „Lobet den Herrn ihr Heiden all schloß gegen 17 Uhr die Festfolge. Landkreis Gießen. S Wirberg, 1. Sept. Aus nah und fern hatten sich die Missionsfreunde gestern in stattlicher Zahl zum Mifsionsfesttag auf dem Wirberg zusammengefunden. Zm Schatten der Bäume neben dem Gotteshaus fanden Feier und Rachfeier statt: das geräumige Gotteshaus wäre zu klein gewesen. Die Festpredigt hielt Missionar H. Walther (Beuern). Der Posaunenchor Bersrod begleitete die Festgefänge und bot manchen Beitrag au8 dem Schatze der geistlichen Musik. Eine Pause zwischen den beiden Feiern gab Gelegenheit, den Kaffee einzunehmen, den die beiden Familien auf dem Wirberg in alter Gastfreiheit boten. Die Rachfeier wurde durch eine kurze Begrüßung des Wirberger Pfarrers eröffnet. Dekan Schmidt (Grünberg) brachte die Grüße des Dekanats Grünberg und sprach über die gegenwärtige Rot und großen Aufgaben der Mission in China. Missionar Walther erzählte von seiner missionarischen Tätigkeit und zeigte auch einige Gegenstände aus dem Kultus der Reger. Zn einem kurzen Schlußworte dankte der Ortspfarrer allen, die zum Gelingen des „Ratürlich, du würdest Tag und Rächt nicht zur Ruhe kommen!" „Rein, ich habe gemeint, schaffen und sorgen, damit du zufrieden bist." „Du bist ein guter Mensch! Zch glaube dir auch das! — Wieviel wirft deine Praxis allmonatlich im höchsten Falle ab?“ „Zweitausend Mark! — Zuweilen etwas mehr." „Das reicht gerade für meine Schneiderin!" „Helene!" „Siehst du, nun erschrickst du schon. Es bleibt nichts für ein Mittag- und Abendbrot! Kein Wochenendausflug! Kein Mantel für dich und keine Ferienreife! Rein nichts!" „Glaubst du, Helene, daß es dir nicht möglich ist, dich einzuschränken?" — „Zch mühte natürlich beim Theater bleiben, dann vielleicht —" . „Aur das nicht!" fuhr er auf. „Zch könnte es nicht sehen, wie heute der und morgen ein anderer —" „Spießbürger!" unterbrach sie ihn. „Zede meiner Kolleginnen bleibt beim Fach, auch wenn sie sich einen Mann als Anhängsel zugelegt hat. Die Zürgen und die Zefferson und Paula Her- terich und alte die anderen! — Aber was rede ich denn! Als ob es bereits eine ausgemachte Sache wäre, daß ich dich heirate. Es taugt nicht, glaub' mir's doch! Wenn heute deine große Liebe herabgebrannt ist —" „Sie wird nie herabbrennen, Helene!" Die Diva seufzte, fing eine der späten Apfelblüten, die ihr in den Schoß flatterten, auf und zerpflückte sie. ..Hat dieser Averson irgendwelche Rechte an dich?" Er ließ sie nicht aus den Augen, bis ihre Antwort kam: „Richt mehr als du!" „Den liebst du also auch", sagte er resigniert. „Patscheri!" Sie streifte die Blätter ab und sah nach den Wolkenfahnen, die im Himmelsblau dahinglitten, und spähte dann nach dem Weg, den ein Mann heraufgeschritten kam. Er hatte einen Expretzbrief für den Doktor abzugeben. Don Valepp hatte ihn die Försterin nachgeschickt, weil er schon zwei Tage wegge- blieben war. Mit den Augen fragte Zust um die Erlaubnis, ihn lesen zu dürfen. Helene nickte und ging nach dem Blumengarten, in welchem die Relken in kunterbunten Farben mit großen, duftschweren Köpfen in den Mittag träumten. Sie hörte feinen Schritt hinter sich und den heiseren Klang seiner sonst so klaren Stimme. „Willst du ihn lesen?" Er hielt ihr den Brief mit gefurchter Stirne entgegen. „Zch glaube dir auch so!" „Mein Vater muß sich einer Operation unterziehen und will mich unbedingt dabei wissen." Festes beigetragen hatten, die Kinder Übergaben die gewöhnte Kindergabe an den Fe st Prediger. Mit Schlußgebet und Segen des Pfarrers fand die Rachfeier ihr Ende. Die Festkollekte für Basel ergab, einschließlich der Kindergabe, 112,30 Mark, den Schriftenverkauf nicht eingerechnet. Kreis Schotten. <3 d) o 11 e n, 31. Aug. In der hiesigen Schützen- halle fand gestern die Familienkonferenz des Bezirkslehrervereins Schotten statt. Auch aus den benachbarten Lehrervereinen Gedern und Ulrichstein hatten sich Gäste eingefunden. Die offizielle Feier wurde durch einen Vorspruch (Lehrer Steinhauer- Schotten) sinnvoll eingeleitet. Obmann Blei- Schotten entbot den Willkommgruß, gedachte der Rheinlandbefreiung und würdigte die saft obligatorisch gewordene Familienkonferenz als einen Sonnentag im Alltag der Lehrerschaft. Schulrat H a s e n z a h l - Schotten zeichnete in tiefem sittlichen Ernst ein Bild der deutschen Frau, die ihre Verklärung in dem Begriff „Mutter" finde. Der unterhaltende Teil war reichhaltig ausge» stattet. Chöre des Lehrerguartetts, Kinderreigen, humoristische Darbietungen und Einakter wechselten in bunter Folge mit den feinempfunde^n musikalischen Vorträgen des „Philharmonischen ONHesters^ zu Schotten. Hauptversammlung des Hess. Geschichtsvereins. WER. Schlüchtern. 2. Sept. Dieser Tage fand in Schlüchtern die diesjährige Iah res- hauptversammlung des Hessischen Geschichtsvereins statt, die gut besucht war. Den ersten Rachmittag nahm eine Sitzung des Ge- samtvorstandes ein. Abends fand in der Turnhalle der neuen Volksschule ein Vortragsabend statt, in dem Dr. Gansauge, Kassel, über die Baudenkmäler des Kreises Schlüchtern an Hand von Lichtbildern referierte. Am Samstagfrüh wurde das Schlüchterner Kloster unter Führung des Leiters des Schlüchterner Heimatbundes, Lehrer P r a e s e n t, besichtigt. Anschließend fand die Hauptversammlung in der Turnhalle statt. Der Vorsitzende des Hessischen Geschichtsvereins, Biblio- theksdirektor Dr. Hopf. Kastel, begrüßte die Erschienenen, unter ihnen eine große Anzahl von Ehrengästen, nachdem,er in herzlichen Worten des verstorbenen Landeshauptmanns Dr. v. Gehren gedacht hatte. Zm Ramen der Stadt begrüßte Bürgermeister Gänßlen. Darauf sprach Privatdozent Dr. Möbius über den Stand der vor- und frühgeschichtlichen Forschung in Hessen. Zm ersten Teile seines Vortrages gab der Redner einen Aeberblick über die Geschichte der Forschung, während er sich im Folgenden den Aufgaben zuwandte, die die Vorgeschichte biete, deren bisherige Ergebnisse und weiteren Probleme er erörterte. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen. Die Berichte des Schriftführers, des Kastenführers und des Konservators der Sammlungen wurden einsttmmig genehmigt. Es wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen Einschränkungen des Kasseler Opern- etats wendet, sowie eine zweite, die den Ausbau der Mellnau zu einer Zugendherberge ablehnt, dagegen den Regierungspräsidenten ersucht, die Mellnau vor weiterem Verfall schützen zu wollen. Die bisherigen Vorsitzenden Dr. Hopf, und Zolldirektor i.R. Wohringer, wurden wiedergewählt. Ihm sowohl, wie Geh. Justiz- rat Heer. Marburg, wurde die Ehrenmitglieds- urkunde des Vereins für 25jährige Zugehörigkeit zum Vorstand überreicht. Als nächstjähriger Tagungsort wurde Efchwege besttmmt. Am Sonntag wurde eine Omnibusfahrt nach Stakelberg, Schwarzenfels. Salmünster, Bad Soden unternommen, wobei die historisch bedeutsamen Stätten besichtigt wurden. Damit fand die Tagung ihren Abschluß. „Dann mutzt du natürlich reisen, Zust! Väter darf man nicht warten lassen, zumal in einer solchen Lage." Der Bote ging bereits wieder den Weg entlang, bog in die Wiesen ein und überquerte die Felder an ihrer Rainseite. Franke sah ihm nach und zerknüllte den Dogen mit harten Fingern. „Es ist nicht weit von München nach Rottach- Derghof. — Wenn alles vorbei ist —" „Kommst du wieder —" „Zn acht Tagen ist mein Urlaub zu Ende." »Die Sonntage bleiben dir", beschied sie freundlich. „Zch werde mir einen Wagen kaufen", entschloß er sich. „Zn zwei Stunden ist es zu machen. Zch kann ab und zu vielleicht auch abends kommen und morgens wieder zurückfahren. Darf ich annehmen, daß ich dir jederzeit willkommen bin?" „Zederzeit!" Sie bog den Kopf etwas zurück. Seine Fingerspitzen zuckten. Er warf einen raschen Blick nach dem Hause, dann griff er mit beiden Händen nach ihr und zwang ihren Mund an den seinen. Als er sie wieder freigab, lag ihr Gesicht für Sekunden gegen seine Schulter. „Du hast mich krank gemacht", klagte sie mit ernstem Vorwurf. „Vielleicht geht es mir auch so, wie der Kalb'n, daß ich sterben muh daran." Er stand ehrlich erschrocken. „Dann mitsammen!". hastete er heraus. „Hörst du, Helene, mitsammen!" Sie nickte. „Geh jetzt! — Am besten ist es, du fährst gleich von hier weg zur Bahn, deine Sachen läßt du dir von Valepp aus nachschicken. So versäumst du am wenigsten Zeit." „Zch habe meine Rechnungen im Forsthaus noch zu begleichen." „Ich werde es besorgen." Mit einer raschen Bewegung drückte sie seine Finger, die nach der Brieftasche greifen wollten, herab. „Latz die Kleinigkeit! Es spielt wahrhaftig keine Rolle, Zust." Er faßte nach ihrer Hand und stieg mit ihr zum Hause hinauf, das mit halbgeschlossenen Läden in der Mittagssonne lag. Sie rief nach Döblinger, aber die Zungmagd gab Bescheid, der Mamert wäre nach dem Wald gegangen, Streu zu rechen. »Zch fahre dich felbft", beschied sie. „Suche einstweilen im Kursbuch, wann wir in Tegernsee fein müssen. Wenn nötig, kann ich dich auch bis München bringen. Es macht mir nichts aus." »Wer fährt dich dann zurück?" sorgte er sich. „Riemand!" „Dann nicht! — Rein!" sagte er heftig. „Zch brauche morgen eine sichere Hand und die wird mir fehlen, wenn ich mich um dich bangen muß. Also nur bis Tegernsee, Helene." (Fortsetzung folgt.) Zeitfragen des Mittelstandes. WirtfchaflSkriflS und Angestellte. Don Heinrich Äaerdach-Kronkfurt am Main, Gauvorsteber Im OHD. Boa hea Hu»roirtung«n her Vtrtschaft«knsi« wer- den brüt« all, Bro3lf,rung»rr,t|« trfahl, und r» ist verständlich, toraa )u machen? Ein führender Wirtschaftler, der frühere ReichStag»- abgeorbnete Dr. M o st, hat schlüssig burch Zahlen nachgewiesen, baß ba» Angestelltensystem teurer ist, al» ba» BerusSbeamtensyftem. .Der Beamte hat aber eine gesicherte Stellung, ein ruhige», sorgenlose» Leben!' Du lieber Gott, auch damit ist c» nicht mehr weit der. auch hier ist nicht alle» Gold, wa» glänzt. Auch der Beamte hat seine Sorgen. Hat man noch nicht» davon gehört, daß fortwährend da» Schwert de» Abbau» über seinem Haupte schwebt? Sehe dritte frei werdende Beamten stelle muh eingespart werden, und auch die ersten und zweiten Stellen sollen nur mit an anderer Stelle frei- werdenden Beamten besetzt werden. Sinstellung»- und Anstellungssperren .versüßen" da» Leben der jungen Leute, die gehasst haben, bald unterzukommen und eine Familie gründen au können. Beförderung »sperren enthalten dem älteren Beamten die Ausrückung vor. Der Urlaub soll gekürzt werden. Da» Dienstverhältnis auch der unwiderruflich angestellten weiblichen Beamten soll Die Entfettung der Handwerksarbeit. Don ßanbtpertetcimmcrbirettor Schüttler-Oarmsiabi. Rationalisierung. Typisierung, Rormung, Moderne Sachlichkeit und wie sie alle sonst heißen, sind heute bie Schlagworte, die mit mehr ober weniger Berechtigung dazu herhalten müssen, angeblich vorhandene Fehler und Mängel in der Betriebsführung der einzelnen Srwerbsgrup- pen zu beseitigen und weite Zweige unserer Wirtschaft von Grund auf umzugestalten Zweifellos haben e» die Propheten dieser Richtungen nur allzu gut verstanden, durch groß aufgezogene Reklame in Wort, Bild und Schrift für ihre Ideen zu werben, die Oefsentlichkeit einzuspannen und auch städtische, staatliche und RetchSbehörden ihren Zwecken nutzbar zu machen. Man fragte wenig danach, ob diese» Walten nicht mitunter geradezu sinnlo» wirkt, ob alte Kulturgüter zerstört, da» DolkSempsinden verletzt wurde oder gar diese Richtungen ganzen DerusSgruppen nach und nach zum Verderben werden müssen. Zugegeben, daß in einzelnen Industriegruppen, auch in zahlreichen Betrieben, eine gewisse Rationalisierung von Vorteil war und noch von Vorteil sein kann. Diese sollte aber doch nur bann geschehen, wenn tatsächlich wirtschaftliche Vorteile für den einzelnen Betrieb unb für die Gesamtwirtschaft erzielt werden, solche Rationalisierungen nicht zum Schaden für einzelne Zweige der Wirtschaft sich auSwirken. Klar liegt c» wohl aus der Hand, daß von jeher jeder verantwortungsvolle GefchäftSmann feinen ‘Betrieb den modernen Errungenschaften der Technik, der fortschreitenden Vervollkommnung der Hilfsgeräte und Materialien anpahte, stet» auf Rationalisierung im gesunden Sinne hin- ftrebte. Tie» schon, um sich selbst leistungsfähig au erhalten, den verwöhnter gewordenen Konsumenten Auftiebenftellen zu können. Eine solche gesunde Rationalisierung wird auch im Handwerk angestrebt unb von helfen offiziellen Vertretungen in weitestem Maße gefördert. E» geschieht die» immer unter dem Gesichtswinkel. die Qualitätsarbeit zu erhalten, die Eigenart handwerklicher Erzeugnisse trotz Anwendung moderner HilsSmittel zu wahren. Dagegen haben die besonder» in der Großindustrie unter dem Zeichen der .Rationalisie- nmg" vielfach vorgenommenen Umstellungen, die Typifierungen, Rormungen und die sog. moderne Sachlichkeit in ihren Auswirkungen dem Handwerk schwerste Schäden gebracht. Die Umstellungen in der Industrie legten unendlich zahlreiche menschliche Arbeitskräfte lahm, die, um dem Elend der Erwerbslosigkeit zu entgehen oder diese» wenigsten» einigermaßen zu lindem, einen selbständigen Betrieb aufmachten oder nebenher sog. Schwarzarbeit auSführten. Ungewohnt mit geschäftlichen Gepflogenheiten, nicht mehr voll vertraut mit dem einstmals vielleicht erlernten Handwerk, stellen fie für diefe» in übergroßer Zahl eine schwere Schädigung dar. Die Typisierungen und Rormungen uniformieren die sonst in Handwerk«- ober auch in Fabrikbetrieben angefertigten Gegenstände mannig- fälttgfter Art; sie nehmen diesen Gegenständen den PersönlichkeitSwert deS Produzenten, drücken alle» zur Massenware ohne Seele und Deist herab. Endlich ist die sog. moderne Sachlichkeit geeignet, in vielen Fällen jedem persönlichen Geschmacks- und Schönheit»empsinden den Todesstoß zu versetzen. Man betrachte sich nur die moderne Bauweise, wie sie in einigen Städten der Rachbarschaft — Frankfurt, Stuttgart und anderen — in den letzten Jahren unter Leitung der Fanatiker moderner Sachlichkeit Triumphe feierte, lieber die architektonischen Wirkungen, die hygienischen Begleiterscheinungen, wie auch über bie katastrophalen finanziellen Folgen für die Städte, die sich zu diesen Experimenten her» Jiahen, zu urteilen, sei berufenem Stellen überaffen. Aber die verheerenden Folgen der kaffeßen Auswüchse auf viele HandwerkSzweige, die Herabdrückung der Menschenwürde der Bewohner dieser mitunter sehr seltsamen Häuserblock», sollte doch einsichtigen Menschen zu denken geben. Mit allen Finessen her Rhetorik und noch so geistreichen unb wisfenschaftlich gehaltenen Abhandlungen läßt sich die Tatsache nicht au» der Welt schassen, daß viele solcher Behausungen keinen Fortschritt, sondern einen Rückschritt in der Wohnkultur bedeuten. Unseren Volksgenossen, in der Mehrzahl verarmt. bleibt in den meisten Fällen nur noch ba» eigene Heim al» Erholungsstätte. Diese» sinnig und dem einzelnen SchönheitSempsinden entsprechend auszustatten, war immer Eigenart de» deutschen Volke». Wa» sollen Wohnungen der mo» bemen Richtung, bie in ben angeblich ganz methodisch durchdachten Fällen wie zuchthaus- mähige Zellen auSgeftattet unb aneinandergereiht anmuten, ohne jede Schmückung, ohne jeden Haltepunkt für da» Auge zum Ausruhen, zum Erfreuen? Wahrlich e» ist bet svlchen Auswüchsen ausgesprochener Kommunismus, der hier waltet, und zu bedauern sind die Menschen, die verurteilt werden, in solchen Räumen zu Hausen. Bedauerlich ist eS aber auch, daß e» soweit kommen konnte und auch vernünftig denkende Männer nicht mächtig genug waren, diesen Experimenten entgegenzutreten. DaS Handwerk steht derartigen Erscheinungen wesensfremd gegenüber. SS denkt an die Großtaten seines Stande», an bie alten und die neueren Kunstbauten, auch im Wohnungswesen, der DorkriegSjahre. die unsere Städtebllder zieren, von dem Willen und Streben wirklicher Baukünstler erzählen und von HandwerkS- geist und Handwerkskönnen immerdar zeugen werden. Wie mit den Bauten, so verhält eS sich auch mit den Möbeln und allzuoft mit den Wohnungseinrichtungen. Alte Schlösser, Patrizierhäuser und Museen, aber auch die Einrichtungen gut bürgerlicher Familien zeigen noch den Geist alter Handwerksarbeit. An diesen Stücken kann der stille Beobachter feststellen, mit welcher Sorgfalt der Handwerksmeister seine» Amte» waltete, wie er selbst seine Freude an dem Entstehen eine» Werkstücke» hatte unb fein beste» Können hineinlegte. Da» ist e» ja gerabe, wa» im Handwerk allezeit lebte, ober von den heutigen Strömungen gefährdet ist, bie Lust unb bie Liebe, die der Handwerker auf die Herstellung eine» Stücke» verwendet, da» er unter feinen Händen erstehen sieht, in da» er fein ganze» Wissen, seine ganze Ku nfl fertig leit hinein legen will. Ich kann mir sehr gut denken, bah ein Handwerker — fei e» Meister, Geselle ober vielleicht sogar ein henkender Lehrling — von seiner Lchöpfung-kraft soweit gefaßt wird, daß er eine begonnene Arbeit au» innerem Drange heraus zu Ende führen muß. selbst auf bie Gefahr hin, sich de» Der- brechen» her Ueberschreitung deS Achtstundentage» hierbei schuldig zu machen. Unser großer Dichter Schiller sagt so schön: .Da» ist'» ja, waS ben Mengen zieret Und dazu ward ihm der Verstand, Daß er im inneren Herzen spüret. Was er erschafft mit seiner Hand/ Er trifft hiermit vollkommen, wa» ben Handwerker beseelt, wenn er mit vollem Herzen bei feiner Arbeit ist. Die modernen Strömungen wollen bie» aber nicht wahr haben, im Hasten und Eilen her Zeit mit immer neuen Ideen glaubt man solch sentimentalen Regungen entgegentreten zu können. bwbigt Massenproduktion in einheitlicher Form, Öde Gleichmacherei auf allen Gebieten, entgeiftigt unb entseelt hiermit die Handarbeit unb zerschlägt Kulturgüter sittliche Werte unsere» Volke» in ungeheuerem Au-maß. Und dock gibt e» nichts Reue» unter her Sonne, alle» ist schon einmal bagetoefen. Don her wissenschaftlichen Altertumsforschung auS längst Der» gangenen Iahrhunberten unb Jahrtausenden, au» alten Völkerkutturen an» Licht gebracht, sehen wir in den modernen Erscheinungen im wesentlichen nur Rachahmunaen, Wiederholungen, Anlehnungen. Dielsach Dinge, die In dunklen Vorzeiten vielleicht auch nur Experimente harftelllen, von hem gefunden Empfinden ehemak» leben her Geschlechter vielleicht ebenfalls abgelehnt unb zu kurzer Lebensdauer verurteilt waren. Da» Schöne, die Eigenart eine« Volke», feinen sittlichen und religiösen Lebensgewohnheiten Entsprechende rang sich empor unb wirb sich immer wieder emporrmgen, möaen die Zeiten auch noch so trübe fein, bie um Anerkennung verworrener Ibeen ringenben Geister noch so sehr sich ab» mühen. IebenfaUS wird her Handwerkers!anb mit der ihm eigenen Zähigkeit, im Bewußtsein feine» Können», sich mit ben modernen Strömungen nicht kurzerhand abfinhen. Er wirb versuchen, mit erneuter Kraft ben Boden zurückzugewinnen, bet ihm entzogen wurde. Da» Handwerk ift her Sachwalter her Qualitätsarbeit, es kann wohl vorübergehend unterdrückt, überwuchert werden, aber bie Eigenart feiner Erzeugnisse, wie auch die Einstellung de» wertvollsten Teile» der deutschen Bevölkerung werden ihm wieder -um Siege verhelfen. Kann man heute auch auf vielen Gebieten mit Jug unb Recht von einer öntleelung, einer Ent- gciftigung her Handwerksarbeit sprechen, so muß auch diese Prüfung vorübergehen und ein allgemeiner Umschwung in der Auffassung dessen wieder Platz greifen, wa» unser heutige», so arme» Leben noch einigermaßen leben-wert machen kann. Da» ist neben her Liebe zur Heimat bie Sehnsucht nach einem gemütlich auSgestatteten Heim, die Freude an schönen Erzeugnissen für ben täglichen Bedarf. Vielleicht gibt dieser Aussatz manchem der Leser *u überlegen, was verloren gehen tarnt, wenn bie heutigen modernen Anschauungen weitergreifen, sofern sie sich nicht selbst totlaufen; aber auch, was gewonnen werden tarnt, wenn diesen Richtungen, wenigsten» in ihren überspanntesten Auffassungen, einmal durch allgemeine Ablehnung begegnet wird. zum Schluß eines Monats unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von drei Monaten gekündigt werden können. Die Ruhegehälter sollen unter bestimmten Voraussetzungen gekürzt werden. Don den Beamten erhebt man als Sondersteuer ein Rotopfer, eine „Reichshilfe" und eine Ledigensteuer, in Hessen entzieht man den Beamten Kinderzuschläge — kurz: Man bröckelt von der Mole der wohlerworbenen Rechte Stück um Stück, Stein um Stein ab und scheint sich erst dann zufrieden zu geben, wenn die Wogen auch das Schiff des Berufsbeamtentums in Stücke geschlagen haben, ob damit ein anderer Stand, ein anderer Volks- teil etwas gewinnt oder nicht. Wer das Derufsbeamtentum zerstört, nimmt dem Volkskörper ein notwendiges, verbindendes, fürsorgendeS Organi Wenn der Beamte sich wehrt, so tut er daS nicht nur aus Gründen der Selbstbehauptung, sondern auch, weil er der festen ilcber^eugung ist, daß Volk und Staat das Be- rufSbcamtentum nicht entbehren können. Die De- ,amten und ihre Verbände, Vereine und Bünde haben von sich aus noch nie einen anderen Stand angegriffen, sie haben nur immer aus der Verteidigungsstellung heraus gekämpft. Darum dürfen sie wünschen, ja fordern, daß auch von der Gegenseite die Angriffe aufhören. Von einer Gegenseite sollte man eigentlich nicht zu reden brauchen, denn wir ziehen doch alle am gleichen Strang. Wir alle haben Sorgen, und jeder hat sein Päckchen zu tragen. Gemeinsame Rot aber sollte zusammenführen. Richt gegenseitige Zerfleischung, nur wechselseitiges Verstehenwollen kann helfen, damit der alte Spruch sich bewahrheite: „Friede ernähr t“. Wirtschaft. Oie hessische Landwirischastskammer zur Wirtschaftslage. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für Hessen befaßte sich in einer VorstandSsihung mit der derzeitigen Lage der Landwirtschaft. 3n großer Sorge sieht er der Entwicklung der Verhältnisse in der Landwirtschaft entgegen. Die Getreideerträge bleiben weit hinter den Erwartungen zurück, und ein Teil der Ernte ist durch daS Regenwetter qualitativ verschlechtert. Dazu kommt, daß 1930 noch niedrigere Preis e wie im Vorjahr geboten werden. Eine weitere Verschuldung ist die unausbleibliche Folge. Der Vorstand bedauert, daß deutsche Vereinigungen der Industrie und deS Handels Stellung genommen haben gegen die die Landwirtschaft begünstigenden Zollsätze. Der Vorstand ist ferner der Auffassung, daß der Bedeutung deS inneren Marktes eine größere Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. Die Stellungnahme verschiedener Vereinigungen von Industrie und Handel gegen die Forderung der Landwirtschaft auf Kündigung deS deutsch- finnischen Handelsvertrages bedauert der Vorstand, weil durch seine Aufrechterhaltung die Umstellung der deutschen Landwirte auf Milchwirtschaft gefährdet wird. Ebenso bedauert der Vorstand die mangelnde Unterstützung der übrigen deutschen Wirtschaft anläßlich deS Boykotts der Riederlande, deren Gemüseeinfuhr den Preisstand auf dem deutschen Markt unheilvoll beeinflusse. Die monopolartige Stellung der Grvßmühlen an den Getreidebörsen Südwestdeutschlands, insbesondere Frankfurts und Mannheims, wirke sich zum Rachteil der Landwirtschaft in den Getreidepreisen auS. Im Interesse der gesamten deutschen Wirtschaft sollten die Großmühlen die Herstellung und den Absatz von Weizenmehl auS inländischem Weizen unterstützen. Handel und Gewerbe im August. Rach den Berichten preußischer Industrie- und Handelskammern und deS Deutschen HandwerkS- utu) GewerbekammertagS blieb d ie Wirtschaftslage im August gedrückt. Wenn auch bisher in kaum einem Industriezweig Anzeichen auf baldige Lieberwindung deS Tiefstandes Vorlagen, so kann doch die in absehbarer Zeit notwendig werdende Auffüllung der Lager, die Herausgabe öffentlicher Aufträge und die einsetzende Ordnung der öffentlichen Finanzen zu einer Festigung deS Vertrauens führen. Die Zahl der LknterstühungSempfänger betrug in der Mitte deS Monats 1 915 000, d. h. rund 1 000 000 mehr als zur gleichen Zeit deS Vorjahres. Teilweise setzte eine Bewegung auf Reuregelung der Löhne in Anpassung der Wirtschaftslage ein. Einige Anzeichen sprechen dafür, daß die der Ausdehnung der Preissenkung bei den Agrarund Rohstoffen auf die Einzelhandelsprodukte entgegenstehenden Hemmungen abnehmen. Der Außenhandel hielt sich im Iuli auf der Höhe deS Vormonats. Doch verminderte sich der Lleberseehandel gegenüber dem Handel mit den europäischen Ländern. Die Grundstimmung an der Börse wurde zum MonatSschluh freundlicher. * * Der Saaten ft and in Preußen A n - ja n g S e p t e m b e r. Nach dem Bericht des Preußischen Statistischen Landesamts in der „Statistischen Korrespondenz" werden im preußischen Staatsgebiet — wenn 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittel (durchschnittlich), 4 = gering, 5 = sehr gering bedeuten — die Hackfrüchte und das Grünland folgendermaßen begutachtet: Spätkartoffeln 2,7 (Anfang August 2,9, Anfang September 1929 3,1), Zuckerrüben 2,5 (2,7, 3,1), Futterrüben 2,6 (2,8, 3,0), Kohlrüben 3,2 (—, 3,3) Klee 2,8 (3,2, 2,4), Luzerne 2,6 (2,9, 3,5), Riesel- miesen 2,6 (2,8, 3,3) andere Wiesen 2,9 (3,3, 3,7), Viehweiden 2,8 (—, —). * 10,008 Milliarden Reichsmark Spar, kassenein lagen im Deutschen Reiche. Ende Juli 1930 beliefen sich die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen auf 10 000,42 Millionen Reichsmark gegen 9911,81 Millionen Reichsmark Ende Juni 1930. Der Berichtsmonat weist mithin eine Zunahme von 96,61 Millionen Reichsmark auf. .Im einzelnen betrugen die Einzahlungen 631,75 Millionen Reichsmark (davon aus Aufwertung 1,83 Mil. Honen Reichsmark und aus Zinsgutschriften 3,53 Millionen Reichsmark), die Auszahlungen 535,25 Millionen Reichsmark. Die Depositen-, Giro- und Kontokorrenteinlagen stellten sich Ende Juli auf 1 522,36 Millionen Reichsmark gegen 1509,75 Millionen Reichsmark Ende Juni 1930. * Preissenkung für Linoleum. Anscheinend in Anwirkung der von der Regierung mit der Linoleumindustrie getroffenen Vereinbarung auf Preissenkung und Aufhebung der Händlerbindungen zeigt jetzt die Rheinische Linoleumwerke AG. in einer Mitteilung an die Händlerschaft eine Ermäßigung ihrer Fabrikpreise an. Rein rechnungsmäßig wird allerdings die Preissenkung vom Standpunkt der Produktion als nicht gerechtfertigt bezeichnet. Man hofft jedoch, dem Linoleumgeschäft durch diese Verbilligung eine Anregung zu geben. Gleichzeitig wird jedoch der Händlerschutz für Bauquali- täten aufgehoben. Gchweinemarki in Gießen. Der heutige Gießener Schweinemarkt war mit 168 Ferkeln und Läufern beschickt. EL kosteten Ferkel bis 6 Wochen alt 25 bis 30 Mk., 6 bis 8 Wochen alt 30 bis 36 Mk., 8 bis 13 Wochen alt 36 bis 50 Mk., Läuferschweine 50 bis 75 Mk. DaS Geschäft war anfangs langsam, später gut. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 3. Sept. Tendenz: freundlicher. — Die Börse konnte sich heute vom Drucke etwas befreien, da sich, hervorgerufen durch einige ein'refsende Orders, die Stimmung etwas bessern konnte. Auch war die LlntemehmungSlust der Spekulation wieder etwas größer, wozu festere Auslandkurse verschiedener AuSlandbörsen beigetragen haben dürften. Aber nur Spitzenwerte waren zeitweise lebhafter gehandelt, während daS GroS der Papiere nach wie vor kein Interesse auf sich lenken konnte. In den Vordergrund traten von Kaliaktien Aschersleben, die 3,5' Prozent fester eröffneten. Auch am Chemiemarkt machte sich lebhaftere Rachfrage geltend. RütgerSwerke waren 2,50 Proz. höher und bevorzugt, Deutsche Erdöl gewannen 1,75 Proz., Petroleum lagen 1,50 Prozent fester, während I.-G.-Farben bei kleinsten Erholungen anhaltend kleinstes Geschäft hatten. Elektropapiere standen im Hintergründe. Rur Siemens traten mit plus 1 Proz. etwas mehr in Erscheinung. Montanwerte hatten auch nur schleppendes Geschäft. ManSselder lagen gedrückt. , SchisfahrtSaktien uneinheitlich. Aschaffenburger Zellstoff waren nach der kleinen Erholung an der gestrigen Abendbörse erneut angeboten und etwa 2 Prozent schwächer, während Zellstoff Waldhof 1 Prozent gewannen. Dauuntcmehmungen nachgebend. Banken zumeist leicht abgeschwächt. Mehr Interesse bestand noch für Aku, nachdem von Ver- waltungSseite 6ctanntgcgebcn wurde, daß, entgegen einer Zeitungsnotiz, keine neuen Aktien auSgegeben werden sollen, do die finanzielle Lage ausdrücklich als gesund bezeichnet wird. Dieses Papier lag etwa 2,5 Prozent höher. Am Rentenmarkt bestand bei weiter anziehenden Kursen für Mexikaner weiterhin Interesse. Auch deutsche Anleihen unverändert etwaS fester. Im Verlaufe waren die anfangs schon bevorzugten Aktien weiter ettoaS gesucht, bei unverändert freundlicher Tendenz. TageSgeld war mit 3,5 Prozent wieder leichter. Am Devisenmarkt war die Marr -ettoaS schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1898, gegen Pfund 20,393, London gegen Kabel (schwächer) 4,8516, gegen Paris 123,72, gegen Mailand 92,93, gegen Madrid 45,90, gegen Holland 12,0825. Berliner Börse. Berlin, 3. Sept. Auch heute war zu Beginn der Börse trotz nicht einheitlicher Kursgestaltung eine freundlichere Grund st immung unverkennbar. Die Baissepartei war, da sie langsam merkt, daß die nun schon tagelang anhaltende Stagnation keine wesentlichen Kursrückgänge zur Folge hatte, weiter zu Deckungen geneigt, während sich daS Publikum, von kleinen KassaorderS abgesehen, immer noch zurückhielt. Die ettoaS schwächer lautenden Meldungen von der heutigen Londoner und Amsterdamer Börse, einige ungünstige Nachrichten auS der Wirtschaft (Roheisenmarkt, Arbeiterkrise im Ruhrbergbau, der Fehlschlag der Leipziger Messe, flaue internationale Getreidemärkte usw.) wirkten sich kaum auS. So konnten Salzdetfurth auf Deckungen um weitere 1,5 Prozent anziehen, Svenska sogar 5 Prozent gewinnen. Auch Tietz besserten sich um 2 Prozent. RütgerSwerke waren auf die Vorgänge und die Kursgewinne bei den Deuts chen Petroleum (man spricht sie jetzt im Freiverkehr mit 69 Prozent) beachtet und, ebenso wie Deutsche Erdöl, etwa 1,5 Prozent höher. Die Ausnahme nach unten waren Polyphon, die 2,5 Prozent einbüßten, und Felten, die 1,13 Prozent nachgaben. Wesentlich lebhafter ging eS dagegen am Anleihemarkt zu. Während die deutschen Renten bei ruhigem Geschäft freundlich lagen, setzte sich in mexikanischen Werten die stürmische AuswärtSbewegung der letzten Tage fort, zumal inzwischen Einzelheiten über die beabsichtigte Schuldenregelung bekannt geworden sind. Rachdem sie teilweise mit PluS-PluS-Zeichen erschienen waren, notierten die 5prozentigen Mexikaner 1,9 Prozent, die 4prozentigen sogar 2,1 Prozent und die 4,5prozentigen BewüsserungS- Mexikaner 1,25 Prozent höher. Auch die 5- und 4,5prozentigen Tehuantepek waren 1,4 resp. 1 Prozent höher notiert. Von den übrigen ausländischen Renten bleibt noch die Festigkeit der bosnischen Anleihen zu erwähnen, die ebenfalls je 1,5 Prozent gewannen. Der Pfandbriefmarkt tag völlig geschäftSloS. Bei geringer Unternehmungslust der Spekulation schienen die Kurse eher zur Schwäche zu neigen. Am Geldmarkt stellte sich der Sah für TageSgeld auf 4,5 bis 5,5 Prozent. Die übrigen Sähe waren unverändert. Im Verlaufe erfuhren die Kurse bei allerdings nur geringer Geschäftsbelebung kleine Besserungen, die bei einzelnen Papieren, wie bei Siemens, Reichsbank und Erdöl bis zu 1,5 Prozent betrugen. Salzdetfurth waren zeitweise bis zu 3 Prozent erhöht. Auch Kunstseideaktien konnten Erhöhungen bis zu 2,5 Prozent buchen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 3. Sept. Am Produktenmarkt war die Stimmung infolge niedrigerer Auslandnotierungen flau. In Weizen war daS Angebot ziemlich reichlich, dem kaum Nachfrage gegenüberstand, so daß sich ein Preisverlust von nahezu 4 Mk. ergab. Roggen war dagegen weiterhin gesucht und auf StühungSkäufe eher etwas fester notiert. Auch Hafer alter Ernte war vernachlässigt und niedriger, Hafer neuer Ernte war gut behauptet. Am Mehlmarkt war Weizenmehl im Einklang mit der schwachen Veranlagung deS WeizenmarkteS bis zu 0,75 Mk. niedriger. Rvggenmehl dagegen gehalten. Futtermittel fast ohne Geschäft und eher nachgebend. ES wurden notiert (Getreide je Tonne, die übrigen Waren je 100 Kilogramm): Weizen 256 bis 257,50, Roggen 170 bis 171, Hafer, inländ. 195 bis 197,50, auSländ. 170 bis 172,50, Weizenmehl, südd. Spezial 0 41,25 bis 42, Roggenmehl 27,75 bis 28,75, Weizenkleie 7,25, Roggenkleie 7 Mk. Tendenz flau, Roggen gut behauptet. Kunst unv Wissenschaft. Das Schicksal des Welfenschahes. WSN. Frankfurt o. M., 2. Sept. Wie jetzt nach den letzten Dispositionen feststeht, wird sich das Schicksal des W e l f e n s ch a tz e s endgültig in Berlin entscheiden. Die Ausstellung iin Frankfurter Städel» Institut wird nur noch bis Mitte September dauern. Hierauf kommt der Schatz nach Berlin und wird dort im Schloßmuseum öffentlich zur Ausstellung gebracht. Die Dauer dieser Berliner Ausstellung ich auf sechs Wochen vorgesehen. Es handelt sich hierbei um die definitiv letzte Ausstellung, so daß sich also das Schicksal des Schatzes in Berlin entscheiden wird. Bekanntlich sind sechs bedeutende Stücke bereits nach Cleveland an das dortige Museum verkauft. Die Berliner Ausstellung wird aber noch die sämtlichen 82 Stücke des Schatzes umfassen. Außer diesen ist es bisher noch nicht zu weiteren Verkäufen gekommen. In Berlin wird der Welfenschatz zweifellos im Mittel, punkt der großen Herbst-Kunstausstellung stehen, die die Preußische Akademie der Künste gemeinsam mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser aus Meisterwerken und künstlerischen und kunstgewerblichen Kostbarkeiten der preußischen Schlösser veranstalten wird. Gcwinnouszvg 6. Klasse 35. Preutzisch-Süddeulsche (261. Preuß.) Klassen-Lollerie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 20. Ziehungstag 1. September 1930 Ön der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn« au 25000 M. 113245 16 Gewinn« zu 3000 M. 4139 5662 31669 146306 153519 250091 300149 316517 16 Gewinn- zu 2000 M. 130521 167787 167795 171680 173631 245581 272290 347819 44 Gewinne ,n 1000 M. 460 66300 98536 118233 136785 177391 190563 211898 238945 244146 254172 275293 294472 296610 308386 309842 315237 335514 337773 369261 372139 384432 52 Gewinn, zu 500 M. 31430 36905 37888 46849 66176 58754 61835 72323 80185 114742 115385 121309 121697 128807 129045 131021 160917 167468 182959 214063 228034 244794 279790 324738 328473 391816 220 Dewmne zu 300 M. 11642 14272 19620 25368 29224 29733 35018 44818» 46688 53481 69622 61964 65047 67200 70359 71750 74535 74921 75649 78933 80535 80561 80691 81436 83080 86039 86820 91227 96129 96287 98952 103830 107239 110999 115570 120042 120714 122645 143787 144847 145186 146162 147800 164812 156432 167230 160931 161842 168536 171676 190996 193360 194203 199562 201211 202847 205006 213333 213734 214160 241232 243362 246331 248182 250513 252400 257897 263967 266733 277627 279009 286028 286644 292240 298125 300316 304332 305079 307673 313032 317183 322822 323653 326987 339571 341906 341982 342292 349046 349711 356865 360664 362814 364455 366354 369758 370093 373674 374337 379662 381124 383825 387566 388772 391385 392783 393974 394114 395052 398280 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinn« au 10000 M. 114897 322319 4 Q.-rolnne zu 5000 M. 144752 182659 2 Gewinn» zu 3000 M. 2468 10 Gewinne zu 2000 M. 199585 326905 347450 373003 897935 36 Gewinn.' zu 1000 M. 28272 30166 43557 100030 109156 130263 143049 153933 156068 170442 176835 177344 183570 217829 228185 236258 274160 323685 54 Gewinne zu 600 M. 4859 5245 20696 29154 35062 70099 74328 83234 91906 106353 119371 121569 169368 173479 193088 214643 250542 252533 261114 268161 306432 309517 316826 326759 383737 388666 389595 192 Gewinn« zu 300 M. 74 9107 10658 12367 30230 39503 48892 49353 53362 65316 65766 63366 81380 86687 86999 103333 103660 104444 114518 118002 118670 119360 126600 133821 140400 140466 143196 146316 150066 150925 187867 188631 168965 170019 170054 176997 177410 177652 185269 185309 188524 192993 196226 201816 209158 213970 214379 221363 221770 226035 226037 227934 228361 242766 243199 245162 246562 249262 252126 262563 263143 264571 264586 268766 265245 268929 271469 274678 274983 275870 278371 286100 286390 289971 290316 294644 303055 307786 308118 314461 316360 320012 324023 337192 362012 367484 368248 370700 372128 373717 378937 382065 390538 392640 392786 393483 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 50000, 6 zu je 25000, 80 zu je 10000, 48 zu je 5000, 116 zu je 8000, 246 zu je 2000, 568 zu je 1000, 1460 zu je 500, 8644 zu je 800. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o.H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Sranffuri a. DI | Berlin Schluß»! furrf | 1-UH» 1 Kurs | Schluß» furd Anfang» Kurs Datum r- 9. 3. 9 2. 9. 3. 9. 6% Deunche iHcidjuameUjc von 1927 ......... 87,75 _ 88 _ 7% Deutsche RcichSanleihe von 1929 .......... 102,1 —— 102 _ Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuLlos.-Rechten....... 61,3 61,65 61,25 61,6 DeSgi. ohne AuSws.-Rechte . . 7,9 —— 7,825 7,9 6% He«. BolkSstaat von 1929 trückzahlb. 102%)...... — 94 — Oberhesscn Provinz • Anleihe mli AuSlos.-Rechten....... 59 — — — Deutsche Komm. GammelabL Anleihe Serie 1 . ..... 60,1 — 60 — 6% Frankl. Hyp.-Bank Goldpsc XIII unkündbar bis 1934 . . . 101 — —— _ 7% Frankj. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bi» 1932 ..... 96 — — _