Nr. 128 Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 3. Juni 1930 Erscheint tögltH,außer Sonntag» und Ferertag» Beilagen: Vie Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Dill» Die Scholle monats«Bt3ug$preis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen elnzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse anterSainmeInummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten- Anzeiaer Liehen. poftfd)tdfonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAn;eiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmtf und Verlag: VrLHNche Univerfi1Sl5'vuch> und §1e'.ndruckerei H. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 7. Annahme von Snjelgen für die Tage,nummer bi« zum Rachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts IO Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20e<0 mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lang«, Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filte^ fämtlich in Gießen. Fünfzig Jahre V.D.A. An der Wiege des größten deutschen Kulturvereinü. Don Dr. Walther Hötting. An Pfingsten begeht Deutschlands größter Kulturverband. derDereinfürdaS Deutschtum im Ausland, in Salzburg das Fest seines fünfzigjährigen Bestehens. Wenn ein Anlaß feiernswert ist. dann ist es der Tag, an dem sich deutsche Männer auf die Pflicht besonnen, zur Erhaltung deut- schenBvlkstums jenseits derRcichs- grenzenund in den bedrohtenGrenz- gebieten etwas Durchgreifendes zu tun. Damals, fo um daS Jahr 1880 sah es vor allem in der Donaumonarchie für das deutsche Element recht trübe aus. Tschechen, Polen, Ungarn, Rumänen und Italiener gewonnen ständig an Boden. gewannen immer mehr Einfluß auf die Regierung in Wien. In Erkenntnis der ständig wachsenden Gefahr gründeten Deutschösterreicher aller Richtungen und Parteien den Wiener Deutschen Schulvcrein. Ihn hoben aus der Taufe Männer wie Dr. Engelbert P e r n et- storfer. der Begründer der österreichischen Sozialdemokratie, Dr. Diktor A d l e r . der im Jahre 1918 die Republik Deutschösterreich ausrief, der Historiker Heinrich F r i e d j u n g und andere. Gin Jahr spater entstand in Berlin der All - gemeineDeutscheSchulverein. der sich seit 1918 Verein für das Deutschtum im Ausland nennt. 2m Zeichen der Anschlußbewegung sind beide Vereine feit kurzem zu einer mächtigen Organisation zufammengeichlossen, die nicht weniger als zwei Millionen Ulitalieber zählt und damit als her größte deutsche Kulturverein angesprochen werden darf. Aus ganz kleinen Anfängen wurde hier auf dem Gebiet der Fürsorge für das geistige Wohl unserer 30 Millionen im Ausland lebenden Volksgenossen Großes geschaffen. Den Anstoß zu einer organisierten praktischen Arbeit für das Deutschtum hat ein schlichter Priester gegeben, her, abseits des lauten Weltgetriebes, in Südtirol an der damals schon hart umstrittenen Sprachengrenze amtierte und darunter litt, baß sich die Tiroler Landesregierung um feine ringsum von italienischen Gemeinden umklammerten Deutschen im Ronsberggebiet südöstlich von Meran wenig kümmerte. FraNz Taver Mitterer, so hieß dieser Seelsorger, hatte alle Mühe, seinen Psarrkindern überhaupt ein richtiges Deutsch beizubringen. Alle seine Amtsvorgänger waren Italiener gewesen, die den deutschen Alpenbauern keine Predigt in der Muttersprache halten konnten. Am Sonntagnachmittag hatte immer ein Bauer den Rosenkranz vorbeten müssen, damit die Leute wenigstens ein paar Mutterlaute in der Kirche zu hören bekamen. Mitterer lenkte in Wort und Schrift die Aufmerksamkeit der österreichischen Oesfentlichkcit auf das langsame, aber unaufhaltsame Versinken deutscher Volkssplitter im fremdsprachigen Grenzgebiet. Auch einem deutschen Arzt, dem Frankfurter Dr. August Lotz, her eines Tages als begeisterter Alpinist in Mitterers stilles Dorf gekommen war, hatte der Kurat seine Rot geklagt. Lotz hatte schon als Student durch den Umgang mit deutschstämmigen Studienfreunden aus Ungarn vorn nationale^)aseinskampf der Siebenbürger Sachsen gehört. ^Das diese, die mit vollem Stolz erzählen konnten, wie sich ihr kleines Volkstum an den Westabhängen der Karpathen selbst tapfer behaupte, mitgeteilt hatten, hatte aber bei weitem nicht an die seelische und nationale Rot hcrangercicht, die Dr. Lotz von Mitterer über Südtiro zu hören bekam. Rach Frankfurt zurückgekehrt, schrieb Dr. Loh ein Büchlein, in hem er berichtete, was er auf feiner letzten Bergfahrt jenseits des Brenners erlebt hatte. In dem Vorwort zu diesem Buch bat er die Leser, mit ihm zu überlegen, wie man weiteren Beraubun- gen deutschen Volksgebietes entgegentreten könne. Ein Südtiroler Priester und ein Frankfurter Arzt also waren cs, die eigentlich den Grundstein zu dem heute so machtvollen Verein für das Deutschtum im Ausland gelegt haben. Diesem kommt es, heute noch wie vor 50 Jahren, im wesentlichen daraus an, durch großzügige Forderung auslandsdeutscher Schulen,Vereine und Wohlfahrtseinrichtungen zu verhindern, daß Millionen Deutsche ihrem Volkstum und, als mora lische Stützen ihrer Heimat, damit auch dem Reich verloren gehen. Das traurige Beispiel von Millionen Deutsch-Amerikanern, deren Ramen, sofern auch diese nicht schon amerikanisiert sind, nur noch die deutsche Herkunft verraten, die aber längst in der angloamerikanischen Rasse und Kultur aufgegangen sind, beweist deutlich genug, öaß von der alten Heimat her alles getan werden muß, um die Beziehungen zwischen Mutterland und Auswanderern am Leben zu erhalten. So bitter die Zeitenwende des Jahres 1918 gewesen sein mag. für die Arbeit am Deutschtum hatte sie einen tiefen Sinn; er st jetzt erkannte man in dem zerstückelten Deutschland so recht, was es heißt, in einem fremden Staat zu leben. In den losgetrennten Gebieten wurde mancher plötzlich zu einem Ausländer, der mit deutschem Wesen nichts mehr zu tun haben durfte. Das Schicksal unserer Grenzlanddeutschen erst vermittelte der großen Masse des deutschen Volkes das Denken, Fühlen und Sorgen aller jener Millionen Volksgenossen, die schon immer draußen in der Fremde, in geschlossener Siedlung oder vereinzelt, gelebt hatten. Die wegen ihres Fest- haltens an der alten Staatsangehörigkeit durch Das Eisenbahnunglück bei Moniereau. Die Irümmerftätie bei SRowterea« südlich von Paris, wo der Schnellzug noch Marseille entgleiste. Das Reichskabinett berät das Ausgabenfenkungsgeseh. Die Wahrscheinlichkeit eines Attentats. Paris, 2. Juni. (WTD.) Die polizeiliche Untersuchung über hie Arfache des Zugunfalles von Montercau und über die int Zusammenhang damit umlaufenden Gerüchte über einen Akten- tatsversuch haben nach den bisherigen Feststellungen ergeben, baß eine Pinasse, hie am ilfer vertäut war, abgetrieben unb gegen b i e Pfeiler her Eeinebrücke von Montereau gestoßen ist. Die Drücke liegt oberhalb des Viadukts, über den die Eisenbahngleise führen. Es wurde festgestellt, daß drei Taue ge- l ö st worben sind. Es scheint sich auch hier um ein Attentat zu handeln, jedoch nehmen die mit der Untersuchung betrauten Personen nicht an, baß es irgendwie mit die Ursache der Entgleisung des Zuges gewesen ist. Die Untersuchung der Ursache des Eisenbahnunglücks hat noch keine weitere Aufklärung gebracht. Während die meisten Blätter die Möglichkeit eines von kommunistischer Seite vorbereiteten Anschlags erörtern, bezweifelt „Popu- laire" einen Sabotageakt, da ein in voller Fahrt befindlicher Zug nicht einmal durch einen schweren Lastkraftwagen zur Entgleisung gebracht werden könne, geschweige denn von einem kleinen Trans- portwagen Bedenklicher sei die Tatsache, daß ferade am 31.Mai eine Weis ung er- assen worden fei, an dieser Kurve, die früher wegen schlechten Zustands der Gleise nur mit 30 Kilometer Geschwindigkeit befahren werden durfte, bis 90 Kilometer Geschwindigkeit einzuschlagen. Habe man etwa durch diese plötzliche Vorschrift für ein beschleunigtes Tempo des Zuges des Ministerpräsidenten Tardieu sorgen wollen? Berlin, 2.3unl. (OB.) Da« Reichskabinett hielt heute abenb eine Sitzung ab, bie sich mit lau- senden Angelegenheiten beschäftigte. Die Finanzfragen, vor allem das in ihrem IHittelpunfl stehende Ausgabenfenkungsgeseh, werden erst in der morgigen Kabinettssitzung beraten werden. Das Kabinett will das Ausgabenfenkungsgeseh f o schnell w i e möglich verabschieden. Dagegen glaubt man in politischen Kreisen nicht, daß die parlamentarische Erledigung noch vor der großen Ferienpause erfolgen wird. Die über den Inhalt des Entwurfs in der Presse veröffentlichten Einzelheiten beruhen, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, zu einem Teil auf bedauerlichen Indiskretionen, deren Urfprung mit aller Schärfe nachgegangen wird, zum anderen Teil auf phantasievollen Kombinationen. Der Entwurf sieht nicht einen Abbau des zur Zeit in Dienst befindlichen, sondern eine allmähliche entsprechend dem Abgang von Beamten durchzuführende Zurück- schraubung des Bea m t enförpers der Blinifterien um 10 v. h. vor Auch an an- deren Stellen wird, soweit es fachlich möglich ist, in diesem Sinne oorgegangen werden können. Pen- fionskürzungen sind nur für die Doppelverdiener in einem beschränkten Umfange vorgesehen. 3m übrigen war das Ausgabensenkungs- gefetj schon von der letzten Regierung in Aussicht genommen. Ls versucht, die Forderungen zu er- füllen, die feit langem vom Parlament und der Oef- fentlichkeit jum Zwecke einer wirklichen Ausgabensenkung nachdrücklichst gefordert wurde. Man glaubt, daß die Rloldenhauerschen Vorschläge zur Deckung de» Defizits noch manche Abänderung erfahren werden, da vor allem sein Jl o t o p f e t, da» im Grunde genommen auf eine Gehaltskürzung hinauvläust, von der Dolfepartei bekämpft wird. L» würde bei einem Satz von 3 bis 4 Pro;, rund 400 Millionen Mark Einnahmen bringen, wenn man es nur auf die verficherungsfreien Gehaltsklaffen befchränkt, affo bei Gehältern über 500 Mark in Ansatz brächte. Um eine parlamentarische Erledigung dieser Pläne zu ermöglichen, spielt man in Regierungefreifen mit dem Gedanken, Ausgaben- senkungsgeseh und Sanierung der Arbeitslosenversicherung miteinander zu verbinden. Die (Ernennungen im auswärtigen Dienst. Berlin, 2. Juni. (WTD.) Der Herr Reichspräsident hat die in Aussicht genommenen Ernennungen für bie Dotschafterpo- ften in London und Rom fowie für den Posten des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes nunmehr vollzogen. Botschafter Sthamer in London wird am 1. Oktober d. I. in den Ruhestand treten. Zu seinem Rachfolger ist der Botschafter in Rom Freiherr von Reurath, zum Dotfchafter in Rom der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Schubert und zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes den Krteg in die Heimat zurückge tri ebenen Ausländsdeutschen sowie die andern Hunderttausend die in den Ostgebieten, in Schleswig, in Elsaß- Lothringen der fremden Staatsgewalt wichen, haben dafür gesorgt, daß man heute in bet Zeit her Rot mehr vom Schicksal des Auslands- beutschtums weiß als in ben Tagen bes Glückes, wo nur der bei privaten wie bei amtlichen Stellen als Deutscher galt, her einen deutschen Reisepaß vorweiscn konnte. Damals war es doch leider, fo daß ein guter Deutscher aus Rumänien Rumäne war. ein Pole oder Franzose aber, wofern er nur die deutsche Staatsangehörigkeit aus dem Papier (wenn auch nicht im Herzen- befaß, zum deutschen Volk zählte. Schon der Weltkrieg hatte der Arbeit des Vereins für das Deutschtum im Ausland einen neuen unerwarteten Ausschwung gegeben. Hunderttausend« von Deutschen, bie auf bic verschiedenen Kriegsschauplätze verschlagen wurden, lernten draußen, mitten in russischer, rumänischer, serbischer oder polnischer Umgebung, deutsche Städte, deutsche Dörfer und einsame deutsche Gehöfte kennen, in denen es in Sprache, Religion und Lebensart so zuging, wie „bei Muttern". Man muß Ausländsdeutsche selbst erzählen hören, wie deutscye Soldaten erstaunt ausriefen: „Hier sind ja Deutsche!?" Dieses Erlebnis haben viele gehabt. Kein Wunder drum, wenn her Verein für daS Deutschtum im Ausland heute zwei Millionen Mitglieder zählt, während es vor dem Kriege nur 160 00? waren. Wenn her Verein jährlich an zwei Millionen Mark für die Erhaltung deutschen Wesens in der Welt ausgeben kann, so ist das der Tatsache zu verdanken, daß et nach dem Kriege eine Massenbewegung geworden ist, die alle Kreise des deutschen Volkes erfaßt. Die Gewerkschaften wenden heute ihr Interesse dem VDA. zu, der früher „nicht ihre Sympathie besaß, weil er einst ein „Verein der besseren Leute" gewesen war. Sie wissen, daß der deutsche Arbeiter unb Angestellte, bet im Auslanb um seine Existenz kämpft, sich auch in bet Fremde als Deutscher fühlen unb betätigen muß, weil ihm bas hohe Riveau her deutschen Kultur günstigere Daseinsberechtigungen sichert. Daher soll er vor allem seine Kinder in deutsche Schulen schicken. Die Errichtung deutscher Schulen überall dort, wo es Deutsche in nennenswerter Zahl gibt, ist darum bie Hauptaufgabe des DDL Staaten, bie für ihre Minderheiten nichts übrig haben, werden niemals Freunde des VDA. sein. So wat es schon zur Zeit seiner Gründung, als ihn die Verfolgung der deutschen Sprache in Allgarn auf den Plan rief. In Angarn fanden damals lärmende Protestversammlungen gegen ben beutschen Verein statt. Aber auch im eigenen 2anb gab cs febr viele Gegner, bie es für ftaata* gefährlich ansahen, baß sich ein beutscher Schulverein in bic inneren Verhältnisse eines fremben Lanbes einmischte. Selbst Bismarck rückte von hem gegen Angarns Schulpolitik protestkerenden Verein sowie von ben beutschen Abgeorbneten, die im Budapester Parlament für die Rechte der Siebenbürger Sachsen unb bet Schwaben in Banat eintraten, ganz entschieden ab. Der Kanzlet, bet bie ®ermanifierung der Ostmarken betrieb, konnte allerbings auch nicht gut den Ungarn Entnationalisicrungspolitik vorwerfen. Bismarck erklärte damals: „In einem Verein kann ein Professor mehr reden, als zehn Minister verantworten können, und auch die ungarische Regierung hat mit Abgeordneten zu tun, die sich nicht durch das Staatsinteresse biszipli- meren lassen." Später freilich ist das Verhältnis zwischen dem Auswärtigen Amt und dem VDA. entschieden besser geworben. 2m letzten 2ahrzehnt haben allein drei Diplomaten den Verein geleitet, der ehemalige Gesandte v. Reichenau, der frühere Staatssekretär des Auswärtigen, v. Hintze und der Gesandte von dem Dusche-Haddenhausen, der noch heute den Vorsitz inneßat bet Dirigent Bernhard v. Dülvw ernannt worden. Herr v. Schubert wird die Geschäfte des Staatssekretärs seinem Rachsolgcr In der zweiten Hälfte des 3unl übergeben. Wie sieht die Volkspartei zur Lage? Minister Scholz über die notwendigen Reformen. Münster, 2. Juni. Auf der Parteitagung des Wahlkreisverbandes Westfalen-Aord der Deutschen Dolkspartet hielt der Parteiführer Reichsminister a. D. Dr. Scholz eine Rede, in der er zunächst betonte, das; die Austenpolitik zu einem Abschluß der Haager Vereinbarungen gelangt sei. Die Befreiung des deutschen Gebiets von den Besatznngstruppen werde in diesem Monat noch erreicht. Damit sei wieder der freie« deutsche Staat geschaffen, der Voraussetzung für die innerpolitischen Aufgaben sei. Dr. Scholz wandte sich sodann den aktuellen Fragen der Innenpolitik zu. Zur Finanzpolitik erklärte er, cs gelte, heute endgültig einen Strich unter die Mißwirtschaft der letzten Jahre zu ziehen. Immer mehr versiegten die Steuerquellen. Der Staat sei bis andenRanddesDankerotts gekommen. Um neue Ordnung in die Finanzen -u bringen und wieder den Steuerertrag ausreichend zu machen, bedürfe es einer Entlastung der Wirtschaft und des gewerblichen M i t t e l st a n d e s. Die Arbeitslosigkeit, die dem Reich starke finanzielle Verpflichtungen auferlcge, habe den Etat über den Haufen geworfen. Eine Reformder Arbeitslosenversicherung sei daher die Voraussetzung für die Ausgleichung des R e i ch s e t a t s. Gemeinsam müßte das ganze deutsche Volk helfen, die Krise zu überwinden. Aus diefer Erkenntnis sei der Plan eines Rot - o p f e r s aller Festbesoldeten entstanden. Die Agrarhilfe, mit deren Durchführung das Kabinett jetzt beginnen werde, sei die wichtigste Aufgabe. Richt allein die wirtschaftlichen, sondern auch die nationalen Interessen verpflichteten, mit allen OTittctn dem deutfchen O ste n zu helfen. Die Durchführung der Agrarhilfe sei ein praktisches Beispiel für die Rotwendigkeit einer Reichs res orm. Die Personalunion zwischen Reich und Preußen sei der erste Schritt auf diesem Wege. Die Vorschläge deS Bundes für Erneuerung deS Reiches würden die Grundlage abgeben. Das Kabinett aber werde mit radikalen Vorschlägen vor die deutsche Oeffent- lichkeit treten müssen, um nach dem Vorbild der Industrie auch eine Rationalisierung der Verwaltung zu erreichen. Der dezentralisierte Einheitsstaat sei das Ziel dieser Bestrebungen. Im Vordergrund deS politischen Interesses hätten in den letzten Tagen die Bemühungen um die Schaffung einer staatspolitischen Kette gestanden. Der Versuch sei gescheitert an dem Widerstand der Demokraten und der Dolkskonservativen, während die Wirtschaftspartei zu einer Vereinigung bereit gewesen sei. Der Reichskanzler wisse um diese Destre- buqgen und billige sie, da sie keine Spitze gegen das Zentrum enthielten. Der günstige Augenblick, einen Block gegen die Sozialdemokratie zu bilden, dürfe nicht ungenutzt vor- übergehen. Die Volkspartei sei nach wie vor bereit, der neuen Entwicklung im bürgerlichen Lager die Selbständigkeit der eigenen Partei zu opfern in der Erwartung, daß auch die anderen Gruppen nicht vor diesem entscheidenden Schritt zurückschrecken würden. Das Danziger Ehepaar freigelaffen. Weiterer Nebergrisf an der danzig- polnischen Grenze. Berlin, 3. Juni. (Eigene Mildung.) Das Danziger Ehepaar Schneider, das am Donnerstag auf einem Ausflug in die Olivaer Wälder a u f polnischem Gebiet verhaftet wurde, ist, wie die „Germania" meldet, auS der Haft entlassen worden und nach Danzig $ u - rückgekchrt. Das Ehepaar wurde am Frertag früh nach Karthaus übergeführt und in das dortige Gefängnis eingeliefert. Am Samstag wurde das Ehepaar dem Gericht vorgeführt, wo die Danziger Pässe geprüft wurden. Der Richter sprach das Ehepaar frei und legte die Kosten der polnischen Staatskasse auf. Die „D. A. Z." meldet einen weiteren polnischen Llebergrifs an der danzig-polnischen Grenze. Er ereignete sich gestern nachmittag in dem gleichen Grenzabschnitt Oliva, in dem das Ehepaar Schneider verhaftet wurde, und betrifft erneut harmlose Danziger Spaziergänger. Die beiden in Danzig beschäftigten Hausangestellten Gerda Stein und Marianne Gorczinski wurden von der polnischen Grenzpolizei beschuldigt, sie hätten auf einem verbotenen Waldweg die polnische Grenze überschritten. Die beiden Mädchen wurden wie im Falle Schneider auf die polnische Grenzwache in Mattern gebracht und in das polnische Gerichtsgcfängnis nach Karthaus übergeführt, obwohl beide noch gestern abend durch Ausweise bei der polnischen Grenzpolizei legi tim tert worden waren, die ihre Arbeitgeber vorlegten. Beide sind heute nachmittag vom Karthauser Gericht freigelassen worden. Konflikt um ör. Günther. Die Jeiiner Studentenschaft gegen Rektor und Senat. Jena, 2. Juni. (TU.) Der Vorstand der Jenaer Studentenschaft teilt mit: Der Einspruch von Rektor und Senat der Universität Jena gegen d i e Berufung Dr. Günthers auf den Lehrstuhl für Sozialanthropologie an die Universität Jena beruht aus einem Beschluß des kleinen und nicht des großen Senats. Der Vorstand der Jenaer Studentenschaft stellt fest, daß das thüringische Volksbil- dungsministcrium bei der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät ein Gutachten über Dr. Günther angefordert hat. Die Fakultät hat In ihrem Gutachten über Dr. Günther betont, daß eine VorlesungSberech- tigung für Dr. Günther zu befürworten sei. Weiterhin hat Professor Dr. Plate, Direktor des Phhlitischen MusemnS In Jena, der berufen st s Fachmann aus dem Gebiet der Ver- Urteil im Zeileisprozeß. Professor Lazarus freigefprocheu. - Oie Klage des Gatljpacher Wunderdoktors abgewiesen. Berlin, 2. Juni. (WTD.) Im Zeileis-Pro- zeß "wurde heute das Urteil gefällt. Die Klage Zeileis gegen Professor Lazarus wurde kostenpflichtig abgewiesen. In der Urteilsbegründung heißt es u. a.: In der Sache war davon aus^ugehen, daß die von den Klägern angestrengte Unterlassungsklage nur noch einen doppelten Inhalt hatte, und zwar lediglich, die Behauptungen zu unterlassen, daß Professor Lazarus daS Verfahren der Kläger in (9 all- spach ft u bi er t und sich in den Zeileis-Insti- tuten in München der Behandlung nach dem Zeilers-Verf ähren ausgesetzt habe und in dem einen an ihm, dem bisher Gesunden, ein Lungenspitzenkatarrh und eine Colangitis, in dem anderen eine Rücken marklrankheit festge- stellt worden sei. Die Klage stützte sich insbesondere auf zwei Vorträge von Professor Lazarus in der Berliner Medizinischen Gesellschaft und außerdem auf einen Rundfunkvortrag. Die Kläger fühlten sich durch diese Vorträge in ihrer Ehre gekränkt und beruflich geschädigt. Die angebliche Behauptung von Professor Lazarus, das Verfahren von Zeileis in Gallspach studiert au haben, ergebe zwar keine Ehrverletzung, fte sei aber geeignet, Rachteile für den Erwerb und das Fortkommen der Kläger herbeizuführen. Das Gericht kommt zu dem Ergebnis, daß Professor Lazarus die hier zu unterlassende Behauptung garnicht aufgestellt, sondern sich darauf beschränkt habe, unter A n - aabe der Quellen, aus denen er fein Wissen geschöpft habe, die Behandlungsmethoden als ihm bekannt zu bezeichnen. Dabet habe er ausdrücklich betont, daß ihm der l Z u t r i t t zu dem Behandlungsraum in Gallspach । teils verwehrt worden sei. Es must daher zum Ausdruck gebracht werden, daß seine Kenntnis nicht auf eigenen Wahrnehmungen im Behandlungsraum beruhen. Letzten Endes sei die Entscheidung von der Frage abhängig, was unter „Studium des Verfahrens zu verstehen sei. Verwendung des Begriffes in diesem Sinne wird um so weniger zu beanstanden fein, als Professor Lazarus die erforderlichen Fachkenntnisse besitze und aus Mitteilungen anderer sofort auf das Verfahren selbst schließen könne. Wenn weiterhin beachtet werde, daß er an Ort und Stelle die äußere Gestaltung des Betriebes beobachtet habe, so lasse sich die so gewonnene Erfahrung eines Facharztes gleichfalls dem Begriff des Studiums unterordnen. Was die Behauptung des Professors Lazarus angehe, daß er in den Zeileisinstituten München nach dem Zeileis-Verfahrcn falsch diagnostiziert worden sei, so erweise sich auch hier ein Unterlassungsanspruch der Kläger als unberechtigt. Professor Lazarus habe keinem Menschen gesagt, daß beide Institute Zweigstellen des Hauptinstituts in Gallspach seien, sondern er habe ausdrücklich darauf hin- gewiesen, daß diese Institute von Schülern von Zeileis geleitet würden. Damit entfalle der Klageanspruch der Kläger; denn Professor Lazarus habe Zeileis mit diesen Instituten wirtschaftlich nicht identifiziert. Die Kläger müßten sich die aus einer falschen Diagnose ihrer Schüler gezogenen Schlußfolgerungen über ihr ganzes Behandlungsverfahren gefallen lassen. Die Klage sei hiernach abzuweisen gewesen, ohne daß in eine Erörterung des Wertes ober Unwertes des Zeileisschen Verfahrens einzutreten war. Oie Kölner Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafisgesellschast. Selbsthilfe und Staatshilfe. Es ist gut, daß die regelmäßigen Wanderausstellungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft bei ihrem nun zum dritten Male beendeten Rundgang durch die deutschen Gaue Gelegenheit geben, sich über den Stand der landwirtschaftlichen Selbsthilfe und ihr Verhältnis zur Staatshilfe zu unterrichten. Man hört doch auch heute immer noch einmal die Behauptung, daß die Landwirtschaft in der Selbsthilfe versage. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft ist seit 45 Jahren als die Organisation der Selbsthilfe des landwirtschaftlichen Berufsstandes tätig. So muß man eigentlich auf ihren Veranstaltungen den Erfolg und die Möglichkeiten der Selbsthilfe feststellen können. Und man kann es besonders auf den Wanderausstellungen. Gerade die eindrucksvolle Schau dieses Jahres in K ö l n führt sogar zu dem Optimismus, daß die Landwirtschaft in allen wesentlichen Punkten bie Selbsthilfe b l s zur äußersten Grenze ausge nutzt hat. Diese Grenze ist aber burch bie Rentabilität gezogen; und wir wissen, baß bie künstlich hochgezüchtete Überproduktion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Ausland die Rentabilität gerade auch so intensiver Produktionszweige wie der Milchwirtschaft, des Gartenbaues und der Geflügelzucht beeinträchtigt. Immerhin haben die eindrucksvollen Erzeugnisab- teilungen der Ausstellung bewiesen, daß in der Erzeugung nach Menge und Qualität der in der Kriegs- und Inflationszeit gewonnene Vorspruna des Auslandes voll e i n g e'h o l t ist, daß vielfach unsere Landwirtschaft sogar wieder vorbildlich ge- worden ist, wie es gerade die Urteile ausländischer Besucher aus agrarischen Musterstaaten bezeugen. Auch in der Verpackung und Aufmachung gibt es keinen Unterschied mehr zuungunsten der deutschen Landwirtschaft. Zum Teil hapert es aller- dings noch in der Absatzorganisation; und das ist wichtig, weil nur die modern st en Absatzmethoden eine ausreichende Verwertung der Er- Aeugung sicherstellen. Doch hier ist eben einer der Grenzfälle, wo die Selbsthilfe allem unter den heutigen schwierigen Verhältnissen nach zehn Jahren einer wenig weitsichtigen Agrarpolitik nicht aus- reicht. Daher sind ja auch jetzt im Reichsernährungs- Ministerium die weiteren markttechnischen Gesetz- entwürfe ausgearbeitet worden, die in einem all- §emcincn Standardisierungsgesetz als iahmenaesetz gipfeln, in dessen Schutz bann die landwirtschaftliche Selbstverwaltung die Standardbewegung und die Marktorganisationen zu einem gewissen Abschluß bringen kann. Immerhin auch heute schon bleibt für bie Verbrauchcrschaft bie Mahnung, sich von bem Vorurteil ber angeblich besseren Austandware frei 'zu machen, wie bie Landwirtschaft ja in einer Art Selbsthilfe auch bafür Sorge getragen hat, baß sie nicht mehr auf auslänbische Maschinen angewiesen ist, wenn sie etwas Brauchbares im Betrieb haben will. Die D. L. G. hat mit ihren Prüfungen unb Ausstellungswettbewerben bie Landmaschine ninbu st rie von ihrer Zersplitterung abgebracht unb soweit zur Rormung unb Typung auch ber Ersatzteile veranlaßt, baß jetzt nur selten noch eine Spezialmaschine des Auslanbes besser ist als ein beutsches Gerät. Wenn ber überaus zahlreiche Besuch aus fast allen europäischen Staaten und aus ben meisten amerikanischen unb asiatischen ßänbem auch ber deutschen Industrie zugute kommt, so kann sie sich für bie Exportwerbung bei ber Lanbwirtschaft bebauten. Die D. L. G.-Ausstellungen, bie für bie nächsten Jahre in H a n n v v e r unb M a n n- heim vorgesehen sinb, während bie üblichen Herbstversammlungen biesmal in Stettin unb In Darmstabt ftattfinben, find landwirtschaft- llche Standardausstellungen für bie ganze Welt geworben, gerabe weil es sich nicht um reine Verkaufsmessen handelt, sondern weil durch bie Art ber Prüfungen unb Kontrollen bie Reklame» tüchtigkeit ber einzelnen Firmen in die zweite ßinle gerückt ist. Günstiger Abschluß. Reger Besuch aus allen Teilen der Welt. Köln, 1. Juni. (Tel.-Un.) Die Große Landwirt- schastliche Wanderausstellung der Deutschen Land- Wirtschaftsgesellschaft hat am Sonntagabend ihre Pforten geschlossen. Noch am letzten Tage war der Besuch der Ausstellung außerordentlich gut und die Besucherzahl dürste wohl die des Samstag mit rund 59 000 übertroffen haben. Trotz der überaus schwierigen wirtschaftlichen Lage waren während der Ausstellungstage die Bauern aus der Rheinprovinz vom Niederrhein bis zur Eifel und darüber hinaus auch aus den westfälischen Gebieten und den übrigen Teilen des deutschen Vaterlandes in sehr stattlicher Zahl erschienen. Außerdem haben sich alle vom Reiche abgetrennten deutschen Stämme in Köln ein Stelldichein gegeben. Besonders fiel wahrend sämt- lieber Ausstellungstage die große Anzahl der El- saß-Lothringer auf. Ebenfalls sehr stark traten als Einzelbesucher und in Gruppen die Saarländer in Erscheinung. Aus Eupen- M a l - m e d y waren neben vielen Einzelbesuchern über 500 Frauen und Männer In geschlossenem Zuge eingetroffen. Aus Oesterreich weilten auf dem Ausstellungsgelände außer vielen Landwirten Ver- treter des Bundesministeriums und der Agrarbehör- den und Landesämter verschiedener Länder. Aus dem deutschen Gebiet Polens nxiren die Westpol. nische Landwirtschafts-Gesellschaft und der Landwirtschaftliche Zentralverband eingetroffen, aus ber Tschechoslowakei Vertreter der Gesck)äfts- ftellcn ber Deutschen Lanb> unb Forstwirtschaft unb ber Deutschen Landwirtschaftlichen Akademie unb bcS Kulturrates für Böhmen. Aber barüber hinaus besuchten aus bem ganzen europäischen Auslande, aus Rorb- unb Sübamerika unb sogar aus Japan unb Siam teils größere Reisegesellschaften, teils kleinere Stublenkomitees bie Ausstellung. Das geschäftliche Ergebnis ber Ausstellung war für bie Deutsche Landwirt- schafts-Gesellschaft wie für bie Aussteller zu- friebenftelicnb. Sehr gut war allgemein bie Rach frage nach beutschen Mol kerei- maschinenunb -Anlagen, bie einen starken Absatz auch nach bem Auslande verbuchen können. Für bie beutschen Großbestel- lungs - und Erntemaschinen und in ben Dichzuchtabteilungen haben eine Reihe ausländischer Regierungen unb öffentlicher Körperschaften beträchtliche Bestellungen gemacht. Auch bie Düngerkonzerne sind mit ihrem Werbungserfolg zufrieden. erbungslehre unb Rassenforschung, ein Gutachten abgegeben, bas bei ber Beurteilung ber hervorragenben wissenschaftlichen Eigenschaften Dr. Günthers Bezug nimmt auf andere führende Fachgelehrte auf bem Gebiete ber Rassenforschung. Die Berufung Dr. Günthers ist nicht erfolgt, ohne bie mathematisch-naturwisfen- schastliche Fakultät zu befragen. Der Vorstand der Jenaer Stubentenschaft hat von sich auö bas thüringische Staatsministerium zur Berufung Dr. Günthers beglückwünscht. Die Errichtung eines Lehrstuhls für Sozialanthropologie an ber Universität Jena bcbcutct für bie Jenaer Stubentenschaft eine kulturelle Tat, ber In ber Nachkriegszeit kaum etwas Gleichwertiges an bie Seite zu stellen ist. Durch Anschlag am schwarzen Brett gibt ber Rektor, Professor Dr. Heuhi, folgendes bekannt: Der Vorstand ber Jenaer Stubentenschaft hat sich in bie zwischen dem thüringischen Volks» bllbungsministerlum unb ber Universität schwe- benben Differenzen eingemengt, inbem er anläßlich ber Berufung bes Herrn Dr. Günther zum ordentlichen Professor der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten an bas Staatsministerium unb Herrn Dr. Güntber Glückwunschschreiben geschickt unb in der Presse veröffentlicht hat. Damit hat er öffentlich gegen Rektor und Senat Stellung genommen. Gegen bie Urheber dieses überaus ungewöhnlichen Schrittes werben bie nach bem Gesetz für die Studierenden gebotenen Mittel angetoenbet werden. Oie deutschen Minderheiten in Europa Im Zusammenhang mit der letzten Rede des Reichsaußenministers Dr. Curttus in Stuttgart, in der er sich mit dem Minderheitenproblem befaßte, dürfte eine tabellarische Ueberucht von Interesse sein, ' bie einen Ucberblick über die deutschen Minderheiten in Europa gibt. Danach zahlt man seht in der Tschechoslowakei 3 217 885 Deutsche, in U n . garn 551211, in Südslawien 513 472, in Rumänien 715 902, in Polen 1053824, in Italien, also vornehmlich Südtirol, 195 650, in Frankreich, hauptsächlich Elsaß - Lothringen, 1 634,230, in Belgien 98 45ch wovon auf Eupen» Malmedi), 49 494 entfallen, in Dänemark 40 172, in Litauen, ohne Memelgebiet, 29 132, im M e - melgeblet 71781, in Lettland 70964, in Estland 18 319 und im europäischen Rußland 910 594 Deutsche. „Graf Zeppelin" zum Rückflug gestartet. Eckener will in üsijStnndcn in Sevilla sein* £ a f e 0 u t ff, 2. Juni. (MTB. ’3w(fpriid).) „Graf Zeppelin- ist um 21.12 Ahr Oftnormaljeif g e ff a r l e L Er überflog 7leuyork um 21.58 Osfnormalzeif. Er beschrieb bei seiner Fahrt über der Stadt, von Sirenen begrüßt und Scheinwerfern umspielt, eine lange Schleife über Manhattan und bog dann zur unteren Stadt und weiter nach Brooklyn ab, rasch in der nicht sehr klaren Mondnacht verschwindend, hunderttausende verfolgten auf den Straften und von den Fenstern den weg des Luftschiffes, das, niedrig und langsam fliegend, sich zwischen Wolkenkratzern durchzuwinden schien. Am 1.15 Ahr Oftnormaljeit überflog es Nantucket-Feuerschiff, den fetzten Auftenposten Amerikas im Atlantik, der etwa 344 Kilometer von Neuyork entfernt ist. wie von Bord gefunkt wird, schlägt das Luftschiff östlichen Kurs ein. Kurz vor dem Abflug des „Graf Zeppelin- erklärte Dr. Eckener Pressevertretern, er hoffe, daß im herbst 1931 ein fünftägiger Dienst von beiden Seifen des Atlantischen Ozeans mit drei Zeppelinluftschisfen für je 24 Passagiere und 20 Tonnen Fracht und Post eröffnet werden könne. Drei Luftschiffe seien für einen solchen Dienst unerläßlich. Aus dem jetzigen Rückflug des „Graf Zeppelin" rechnete Dr. Eckener damit, bei Verfolgung des mittleren Kurses und möglichster Ausnutzung des Windes in 50 Stunden Sevilla zu erreichen. Zu der von der hiesigen Presse als wichtig betrachteten Frage der Ergänzung des Alkoholvorrats des Luftschiffes bemerkte Dr. Eckener, mit Hilfe der Bundesregierung fei eine kleine Ergänzung des Alkoholvorrats f ü r medizinische Zwecke vorgenommen worden. Aus aller Welt. Ein Ehrenmal für die Ostafrikanischen Kolonialkrieger. In Eisenach fand das Treffen der Deutsch-Ostasri- faner statt. Ungefähr 800 ehemalige Deutsch-Ostafri- kaner hatten sich zur Wiedersehensfeier eingefunden. Der Festredner, Major R u ck t e s ch e 11, der ehemalige Adjutant Lettow-Vorbecks, richtete die Forderung an die Welt, den ehemaligen deutschen Kolonialbesitz Deutschland zurückzugeben, da das deutsche Volk diesen Besitz zum Leben brauche. Auf dem Kommers sprachen u. a. General von L e t t o iv - Vordeck und Exzellenz Schnee. Beide erläuterten die Notwendigkeit kolonialen Besitzes für Deutschlands Zukunft. Bei der Gefallencn-Gedenk- feier am Sonntag hielt Pfarrer Delius, früher Tanga, die Gedenkrede. Vierzehn Kränze wurden niedergelegt. In der Nähe der Wartburg soll ein Ehrenmal errichtet werden. vom deutschen verbände der Sozialbeamtinnen. In Köln yielt der Deutsche Verband der Sozialbeamtinnen seine zehnte Hauptversammlung ab, in deren Mittelpunkt ein Vortrag von Frau Regierungsrat Dr. Marta Hehnacher (Dresden) über „Beruf und Menschentum" stand. Im Vordergrund der Beratungen stand der Vortrag von Frau Dr. Else Ulich-Deil (Dresden). Die Rednerin führte u. a. aus, fünf Millionen! von den 15 Millionen verheirateten Frauen seien berufstätig. Alle diese Frauen, von denen ber größte Teil Mutter sind, arbeiteten für zwei Drittel bes Männerlohnes. Dagegen müßte die Frau ankämpfen, zumal zu befürchten sei, daß bei der fortschreitenden Rationalisierung der Mann von der Frau aus dem Erwerbsleben verdrängt werde. Die Berufstätigkeit der Mutter fördere nicht den Zerfall der FanHlie, sondern gestalte sie nur um und steigere die mütterlichen Kräfte in der Frau. Gegen diese Auffassung sprach sich Frau Dr. Gudula Kall-Düsseldorf aus. Der Zerfall der Familie sei durch die Berufstätigkeit der Mutter bereits eingetreten und müßte weiter fortschreiten. Die Rednerin verlangte weitgehende Umstellung der Familienfürsorge und die Einrichtung von Sexual- und Eheberatungsstellen sowie die Steigerung der Erholungsfürsorge für die Mütter. Internationale kochkunstausstellung in Zürich. Die internationale Ausstellung für Kochkunst wurde durch Bundespräsident Musi eröffnet. An dem Cröffnungsbankett nahm u. a. teil: der deutsche Generalkonsul in Zürich, Heilbron. Dem Ehrenausschuß gehört auch der deutsche Gesandte in Bern, Dr. Müller, an. Die Ausstellung umfaßt u. a. ein deutsches, ein französisches, ein italienisches, ein österreichisches, ein Schweizer und ein chinesisches Spezialrestau- rant. Sie wird vier Wochen dauern. Während dieser Zeit finden zahlreiche Wettbewerbe auf bem Gebiete der Kochkunst statt. Präsident des Organisationskomittees ist der Züricher Hotelier Kracht. Ehrenmitglieder sind u. a. P a fixer , Direktor des Internationalen VerbandeS der Köche in Frankfurt a. QIL, Charles Fuchs, Baden - Baden, der erste Vorsitzende des Internationalen Verbandes der Köche, Generaldirektor Gottlob, Frankfurt a. M., Reichstagsabgeordneter Hamp e, Berlin, Alexander Intra, Duisburg, Dr. Knapmann Generalsekretär des Reichsverbandes der Deutschen Hotels und Restaurants in Düsseldorf, Kommerzienrat Georg Koschenhaschen, Erfurt. Rotte, Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Hotels in Hannover. vom Blitz getötet In Blatnitz bei Pilsen schlug bei einem heftigen Gewitter ber Blitz in einen Baurn, unter dem mehrere Personen Schutz vor bem Unwetter gesucht hatten. Vier von diesen Personen, zwei SOläbdjen unb ein junger Mann, wurden aus ber Stelle getötet, drei weitere verletzt. Boa ben Verletzten ist inzwischen noch ein öjöhriges Mädchen gestoro-n, zwei der Lrrletzten ringen mit dem Tode, _ Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. Juni 1930. Nächtliche Stille. '2U[o, nochmals herzliche Glückwünsche und viele Grüße von..." Und da schlug es vom Kirchturm zehn Helle Schläge. Wie ärgerlich! Nun war der Kasten an der nach- sten Ecke geleert, ehe ich zu ihm hinunterkam, also hieß es, den Gcburtstagsbries bis zur Hauptpost tragen: zehn Minuten Wegs. Wirklich ärgerlich. Aber nicht lange. Wie interessant war der Gang durch die „nachtsiille" Straße. Rechts und lmks d,e erleuchteten Fenster. Die meisten waren geossnet, und wieder aus den meisten tönte Musik heraus. Das Grammophon herrschte vor. Hier Jazz, hier ein Walzer, hier schmetterte ein gequetschter italienischer Tenor seine Leidenschaft in die frühlings- nacht. Er ging über in den Ländler der Ziehharmonika, deren gefühlvolle Töne, vermischt mit Zigarrenrauch und Bierseidelgeklapper, aus der kleinen Kneipe an der Ecke herausglitten. Noch hatte ich das Rumtata im Ohr, als schon ein« Geig« sich mit einem SHidante hineinmischte, das wunderbar vom „armen Gigolo", der im Nachbarhause „tanzen mußte", weiiergesponnen wurde. Mir entgegen kamen zwei junge Burschen. Der eine hatte den Arm um die Schultern des andern gelegt, und beide pfiffen, taktmäßig ausschreitend und Gigolos Resignation übertönend, den Fridcricus- mar ch. Und dazwischen ein beharrlicher langer Pfif in melodischer Kadenz, dreimal, fünfmal. Ein Fen ter öffnet fich. „Na endlich! Mensch, komm runter." „Ich will noch arbeiten." „Quatsch, komm runter!" Der „Mensch" oben zögert. Und dann macht er die Tugend zum leeren Wahn. „Na, also, dann gleich." Und der „Mensch" unten vertreibt sich die Wartezeit mit „Donna Klara". Dor der Hauptpost hat das kleinstädtische Idyll der musikalischen Straße sein Ende. Autos, Elek- Irische, Räder, Menschen, mehr Licht. Mein Brief gleitet in den Kasten. Die Schcinwer- fer eines haltenden Autos blenden grell in mein Auge. Elektrische begegnen sich und klingeln, em lautlos im Leerlauf kommender Motorfahrcr hupt warnend vor mir. Und dann biege ich wieder in meine „fülle Straße ein Die Ziehharmonika dudelt noch immer gemütlich zum Biertrinken und Gelächter gedankenlosen Vergnügtseins. Der „Gigolo" macht Tanz- pause, dafür tanzen andere, wie die aleitenden Schalten verraten. Der Geiger ist inzwischen ins Allegro übergegangen, das ein heftig bewegter Klavierspieler unterstützt, und aus dem Parterrefenstcr, aus dem vorhin der Tenor quetschte, singt jetzt eine — von mir — unverstandene Frau. „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist"... Dann ist die Liebe, in dieser Straße wenigstens, in Gefahr, überfüttert zu werden. Aber das geht mich nichts an. Höchstens den wachhabenden Schupo, insofern als dies bei geöffnetem Fenster geschieht — doch ich denke, solange kein „gestörter" Nachbar sich beschwert, wird er nachsichtig ein Ohr zudrücken. E. v. M a s s o w. Don der Invalidenversicherung. In einer ebenso wichtigen, wie interessanten Entscheidung hat das Reichsversicherungsamt, Abt. für Kranken, und Invalidenversicherung, am 13. März 1930 — II 2178/29 — einen neuen Grundsatz aus- gesprochen, der eine längere Zeit bestehende Streitfrage endlich gelöst hat. Er lautet: Nach dem Erlöschen der Anwartschaft ist gemäß § 1244 RDO. eine freiwillige Erneuerung der Invalidenversicherung auch dann zulässig, wenn das 40. Lebensjahr vollendet ist und vor dem Erlöschen der Anwartschaft nicht, wie es die Voraussetzung des § 1283 Abs 3 a. a. O. ist, mindestens 500 Beitragswochen verwendet sind. Durch die freiwillige Erneuerung der Versicherung kann nicht nur die Dreivierteldeckung des § 1280 Abs. 2 RDO. erreicht, sondern auch nach § 1278 RDO. eine neue Wartezeit von 500 Beitragsmarken erfüllt — und damit ein neuer Rentenonspruch erworben — werden. Dagegen lebt die erloschene Anwartschaft nicht wieder auf. Daten für Mittwoch, 4 Juni. 1745: Sieg Friedrichs des Drohen bei Hohen- ftiedberg: — 1841: der Rechtslehrer Karl Din» ding in Frankfurt a.M. geboren; — 1875: der D,ich ter Eduard Möricke in Stuttgart gestorben. Gictzcner ÄZochcnmarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 150 Pfennig, Matte 30 bis 35. Käse (10 Stuck) 60 bis 140, Wirsing 15 bis 20. Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 15 bis 20. rote Rüben 10 bis 12. Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10 bis 15. Dohnen (grüne) 50 bis 60. Spargel 40 bis 80. Erbsen 30 bis 35. Mischgemüse 10 bis 15. Tomaten 60 bis 80. Zwiebeln 8 bis 12. Meerrettich 50 bis 70. Schwarzwurzeln 40 bis 60. Kartoffeln (neue) 15 bis 20, (alte) 4,5 bis 5 (pro Zentner 3.80 bis 4 - Mk.). Rhabarber 10 bi« 15. Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 80 bis 100. Erdbeeren 220 bis 240. Rüsse 50 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 per Pfund; Tauben 70 bis 80, Eier 10, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 50 bis 80. Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 20 bis 25, Sellerie 10 bis 40 pro Stück; Radieschen 10 bis 15, gelbe Rüben 15 bis 25 Pfennig pro Bund. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Sprech-, Gesangs- und Tonfilm .Wien, du Stadt der Lieder". ■— Stadttheater Gießen. Man schreibt un«: Am Dienstag, 10.3uni, gibt das Stadttheater nach längerer Pause seit Schluß der Winterspielzeit wieder in Dießen eine Dorstel- lung; Die Sommerspielzeit wird mit der Erstaufführung des erfolgreichen Dolksstückes von Fred QL Angermayers „Flieg, roter Qldler von Tirol" eröffnet werden. Es empfiehlt sich, von den erheblichen Vergünstigungen des Sommer- abonnements Gebrauch zu machen. — Kasperletheater. Man schreibt uns: Am Mittwoch, 4. Juni. 16,30 Llhr. wird Kasperl, der Freund aller großen und kleinen Kinder, im Saale des Katholischen Dereinshauses seine tollen Streiche ausführen. Kommt und lacht euch für zwei Stunden das Herz froh. Siehe heutige Anzeige. •* Eingestelltes Ermittelungsverfahren. Der Kreistag des Kreises Gießen beschäftigte sich in feiner gestrigen Sitzung bei der Aussprache zum neuen Etat, über die wir noch berichten werden, u. a. auch mit dem Fall K a u h. Bekanntlich handelt es sich dabei um den Fehlbetrag von 70 000 Mark, der nach dem Tode deS früheren Kreiskassenrechner« Kautz in der Gießener Kreiskasse fcftgcftellt wurde und der dem oerftorbenen Kreiskassenrechner als Veruntreuung zur Last gelegt wird. OberregierungS- rat Ritzel teilte im Verlaufe der Aussprache mit, daß die KreiSverwaltung am 23. Mai von der Staatsanwaltschaft die Mitteilung erhalten habe. daS auf Antrag der Kreisverwaltung feinerzeit eingeleitete Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft zur Aufklärung der Veruntreuung und zur FeststeUung des Verbleibs deS Geldes werde eingestellt, da die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu keinem Ergebnis geführt hätten. Diese Mitteilung wurde vom Kreistag mit Bedauern ausgenommen und gab der Fraktion des Landbundes Anlaß, einen Antrag anzukündigen, nach dem die jetzige Kreisverwaltung prüfen soll, inwieweit frühere Aufsichts- organe der KreiSverwaltung zur Haftung für den dem Kreise entstandenen Schaden herangezogen werden könnten. Da im gestrigen Kreistag ein solcher Antrag schriftlich nicht eingereicht wurde, ist wohl anzunehmen, daß er in der nächsten Sitzung des KreisausschufseS vorgelegt werden wird. •• AuSdem Gießener Standesamt s- rc gift er. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 31. Mai: 16. Gustav Schuchardt, Dienstmann, 74 Jahre, Katharinengasfe 8. 18. Daniel Linker, Tapeziermeister. 61 Jahre, Lud- Wigstraße 33. 19. Auguste Menz, geb. Ruppert, Witwe, 74 Jahre, Sbelstraße 3. 20. Franziska Emrich, geb. Tewaag. Witwe, 86 3abre, Glei- berger Weg 125. 21. 3acob Andreas Emil Karl Hohmeier. Rentner, 78 3ahre, Lindenplatz 4. 22. Christine Schmitz, geb. Schrancr, 66 3ahre, Krosdorser Straße 44. 23. Christine Herbert, geb. Brenner, 64 3ahre, Westanlage 27. 24. Albert Junker. Zahntechniker, 23 3ahre. Roonstrahe 31. 26. Elise Dürr, geb. Geist, Witwe, 81 3ahre. Schottstraße 10. 26. Marie Fink, Arbeiterin, 27 3ahre, Krosdorser Straße 39. 27. Marie Hampel, geb. Stütze!, 71 3ahre, Dammstrahe 47. 27. Katharine Wilhelmine Elisabethe Schweiger, geb. Bellof, 62 3ahre, Liebigstraße 72. 29. Auguste Steih, geb. Deckmann, 50 3ohre, Wiesecker Weg Rr. 13. 30. Elisabeth« Kreuder, Rentnerin, 87 3ahre, Kaiserallee 14a. 30. August Peter 3acob FreeS, Kaufmann, 63 3ahre, Alicenstraße 17. 30. Margarete Dramm, berufslos, 28 3ahre, Henfelstraße 6. " Oeffentliche Dücherhalle. 3m Mai wurden 1293 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 925, Zeitschriften 56, 3ugendschriften 75, Gedichte und Dramen 14, Länder- und Völkerkunde 72, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 95, Kunstgeschichte 1, (Naturwissenschaft und Technologie 29, Heer- und Seewesen 4, Gesundheitslehre 4, Religion und Philosophie 4, Staatswissenschaft 10, Fremdsprachliches 2 Bände. Rach auswärts tarnen 3 Bände. ** D i e Ziehung der Eisenacher Geldlotterie muhte wegen ungenügendem Absatz der Lose auf 4. und 5. Juli verschoben werden, an welchem Tage die Ziehung unwiderruflich ftattfinbet. Berliner Börse. Berlin, 3. 3unl (WTD. Funkfpruch.) Auch im heutigen Frühverkehr konnte man infolge der anhaltenden Geschäftslosigkeit eine ausgesprochene Tendenz noch nicht erkennen. Da anregende Qlto» mente aus der Wirtschaft nicht Dorlagen, war eine gewisse Unsicherheit zu beobachten, die auch mit dem wenig optimistischen Bericht der preuß. Handelskammer für Mai und den schwebenden Verhandlungen über das Rotopfer im Zusammenhang stand. Kurse wurden noch nicht genormt. Die Wetterlage. v 1930, 5 ost OSJI --------uai. * rtötnofl. 'VlGtrtx ©Wonenlos.© neuer. 3 naro Mdcoa »vonrig. OvcdkchL «Reget # Schnee a Graupo» ■ KcDei K Gee/dter.@Wind$tiiic.-O-> sehr leichter Ost massiger Soosudwen Q stur«,»eher «ordwesl Oie Mene fliegen mit dem »rinde Oie ooaen Stationen jtenenaen zahlen geven die Temperatur an Pie Linien vtromdeo Ort» «hl gleichem, tut nceruniveau utr,gerechneten Lultflrucl Wettervoraussage. Durch den Wciterzug der flachen Störungen hat sich eine Rinne tiefen Druckes mit verschiedenen flachen Kernen herausgebildet, die sich von Spanien über Frankreich, Süd- und Mittel- deutschlarrd bis nach Polen hin erstreckt. 3m Bereich tiefen Druckes hat bei uns bereits die Wetterlage eine Llmgestaltung erfahren und Riederschläge haben eingesetzt. Da von Süd» westen her noch weitere Störungswellen nachfolgen, bleibt das Wetter etwas unruhig und vereinzelt werden auch noch Riederschläge auftreten. Wettervorhersage für Mittwoch: Bewölkt, vorübergehend auch aufheiternd, mäßig warm, noch vereinzelte Riederschläge. Lufttemperaturen am 2. Juni: mittags 21,9 Grad Celsius, abends 18,4 Grad, am 3. Juni: morgens 16,2 Grad. Maximum 24,2 Grad, Minimum 14,7 Grad. Niederschlag 1,3 mm. Sonnenscheindauer 12 Stunden. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Juni: abends 22,6 Grad, am 3. Juni: morgens 18 Grad Celsius. Volkstümlicher ettkampf im 2. Bezirk des Gaues Hessen (D.T.) -o- Don örtlichem Gemeinschaftsgeist gut vorbereitet und getragen kam daS planmäßige De- zirksturnen deS 2. Bezirks (Gießen— Wetzlar-Grünberg) am Sonntag zu Treis an der Lumda zu wohlgelungener Durchführung. Alle Ortsvereine waren mit dabei, die Gesangvereine .Liederkranz", Arbeiter-Gesangverein .Hoffnung" und der Kirchenchor vertieften die Veranstaltung durch Lieder, die Gäste und ihr Festzug wurden überall freundlich ausgenommen und "Bürgermeister Michel gab der Freude und dem Dank der Gemeinde Ausdruck. Am Dorabend feierte der Bruderverein Treis sein 25. Jubiläum, in dessen Verlauf Gau- ober turn wart Will (Gießen) die allezeit freudige Mitarbeit der Treiser Turner und Turnerinnen im Gau und Bezirk mit anerkennenden Worten würdigte und der Derein seine Gründer und verdienten Turner ehrte. Der langjährige, rührige Dorsihende, Lehrer Heinrich Walter, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt und ist kürzlich mit dem Chrenbrief des Mittelrheinkreises ausgezeichnet worden. Der Derstor- benen und Gefallenen hatte Pfarrer Büchner in einer kurzen Feierstunde bei der Kirche gedacht. Unter der Leitung des DezirkStumwartes Paul Schüler (Wetzlar) brachten rund 350 Turner und Turnerinnen in sechs Stufen einen Fünf-, bzw. Dierkampf zum Austrag, über deren Ergebnis wir unten im Auszug berichteten. Be- zirksvertreter Wilh. Erle (Gießen) stellte die innige Verbindung des Jubelvereins zum Bezirk in treffenden Worten heraus und leitete damit über zu dem Schauturnen. Unter Leitung des Gaufachwartes R.Paul (Gießen) zeigten die Frauenabteilungen vom Tv. 1846 Gießen neuzeitliche Keulenübungen in tadelloser Darbietung, Die Grünberger tänzerische Freiübungen in gefälligen Formen die Krosdorser ansprechende Dolkstänze, die Heuchelheimer Freiübungen mit gegenseitiger Unterstützung, und die 1846er Gießen stilgebundenes Darren turnen. Mannschaftskämpfe im Freihochsprung, Steinstoßen und einige Faustballspiele brachten die Schaufolge zum Abschluß. Auszug aus der Siegerliste: Turner (über 18 3ahre alt), Fünfkampf in Kugelstoßen, Hoch- und Weitsprung, 100-Meter- Lauf und eine ausgeloste Freiübung; Höchstleistung 100 Punkte, evtl, noch mit Ueberpunkten, Mindestleistung 50 P. 72 Teilnehmer, 57 Sieger. 1. Sieg Heinz Rothermel, Mtv. Gießen, und Karl Gerlach, Tv. Wetzlar, 83 P. 2. Ludwig Mallomefius, Mtv. Gießen, 81 P. 3. Ernst Stengel, Tv. Grohen-Linden, 79 P. 4. Hans Steine«, Mtv. Gießen, 78 P. 5. Albert Leun, Tv. Großen- Linden, 76 P. 6. Willi Loh, Tv. 1846 Gießen, 74 P. 7. Willi Arzbächer, Tv. 1846 Gießen, und Karl Leinweber, Tv. Treis a. d. Lda., 72 P. 8. Rudolf Spuck, Mtv. Gießen, Ernst Rinn, Tv. Krofdorf, und Karl Gehringer, Tv. Grünberg, 71 P. 9. Emst Stern, Tv. Grohen-Linden. 70 P. 10. Hermann Link und Karl Pfeffer, Ak. Tv. Rheinsranken Gießen, und Wilh. Bopf, Tv. Lützellinden, 69 P. 11. Heinrich Zammert, Mtv. Gießen, und Franz Müller, Tv. Heuchelheim, 68 P. 12. Heinrich Dolz, Tv. 1860 Lich, und. Karl Würtz, Tv. Krofdorf, 67 P. 13. Wilh. Reinhard, Ak. Tv. Rheinsranken Gießen, und Otto Hagen, Tv. 1846 Gießen, 66 P. 14. Phil. Weller, Tv. Heuchelheim, 65 P. 15. Emst Pausch, Tv. Krofdorf, 64 P. 16. Otto Bepler, Tv. Heuchelheim, Hch. Marten, Tv. Klein-Linden, und Karl Drescher, Tv. Krofdorf, 63 P. 17. Karl Schrna- del, Tv. Grünberg, und August Decker, Tv. Grohen-Linden, 62 P. 18. Wilhelm Röhrs- heim, Tv. Krofdorf, 61 P. 19. Kröber, Tv. 1846 Gießen, und Artur Kreiling, Mtv. Gießen, 60 P. 20. Karl Dolz. Tv. 1860 Lich, 59 P. 21. Alois Burkart und Gottrnann, Tv. 1846 Gießen, 58 P. 22. Hermann Walter, Tv. 1860 Lich, 57 P. 23. Walter Loh und Ernst Belten, Ak. Tv. Rhein- franken Gießen, Wilhelm Kehr, Tv. Treis an der Lumda, Wilhelm Weller, Tv. Heuchelheim, Rich. Steinmüller, Tv. Klein-Linden, und Heinrich 3ung, Tv. Lützellinden, 55 P. 24. Heinr. Hettche, Tv. Treis a. d. Lda., 54 P. 25. Rudolf Weidner. Ak. Tv. Rheinfranken Gießen, Stahl, Tv. 1846 Gießen, Willi Strauch, Mtv. Gießen, und Heinr. Schaaf, Tv. Treis a. d. Lda., 53 P. 26. Walter Schimmel, Tv. Heuchelheim, und August Schäfer, Tv. Dutenhofen, 52 P. 27. Hans Gathmann, Ak. Tv. Rheinfranken Gießen. Hermann Dinges, Tv. 1846 Gießen, und Wilh. Hofmann. Tv. Krof- dorf. 51 P 28. Willi Junker, Tv. 1860 Lich. Alb. Luh, Tv. Allendorf a. d. Lahn, und August Knorz. Tv. Dutenhofen, 50 P. 3ugend-0ber stufe (17 und 18 3ahre alt), Fünfkampf, wie oben, in entsprechenden Maßen und gleichen Leistungsgrenzzahlen. 51 Teilnehmer, 42 Sieger. 1. Sieg Werner Langenohl, Tv. Heuchelheim, 107 P. (7 Lieberpunkte). 2. Otto Lindenstruth, Mtv. Gießen, 98 P. 3. Erich Reinhardt, Tv. Wehlar-Riedergirmes, 96 P. 4. Adolf Leib, Tv. Krofdorf, 90 P. 5. Kern, Tv. 1846 Gießen, 86 P. 6. E. Ploch, Mtv. Gießen, 83 P. 7. K. Kley, Mtv. Gießen. 82P. 8. W. Fey, Tv. Kl.-Linden, 79P. 9. Rudolf 3ung II. und Wilh. Müller I.» Tv. Klein-Linden. 78 P. 11. Karl Hahn, Tv. Großen- Buseck. 75 P. 12. Alfred illm, Tv. Allendvrf a. d. L„ 72 P 14. Schöndorf. Tv. 1846 Gießen. 70 P. 15. Karl Weber. Tv. Heuchelheim, und Wilh. Dalentin. Tv. Kroldorf, 68 P. 16. Heinrich Amend, Tv. Treis a. d. Lda.. 67 P. 18. Ludwig Lotz, Tv. 1846 Gießen, 65 P. 19. Kurt Drescher, Tv. Klein-Linden. 64 P. 21. Ludwig Will und Heinrich Oest. Tv. Treis a. d. Lda., und Friedr. Weber, Tv. Dutenhofen, 62 P. 22. Heinrich Agel, Tv. Dutenhofen, 61 P. 24. Friedr. Drück, Tv. 1846 Gießen, und Wilh. Weber L, Tv. Dutenhofen, 59 P. 26. Heinrich Dapper, Tv. Grünberg, und Rudolf 3ung I., Tv. Klein-Linden, 57 P. 27. Willi Hanke. Tv. 1846 Gießen, 56 P. 28. Emst Ploch, Mtv. Gießen, 55 P. 29. Wilhelm Schäfer. Tv. Treis a. d. Lda.. und Willi Sommer, Mw. Gießen, 53 P. 31. öcbäfer, Tv. 1846 Gießen, und Hans Helbich, Tv. 1860 Lich, 50 P. 3ugenb-Unter ftuf e (15 und 16 3ahre alt): Fünfkampf wie oben. 64 Teilnehmer, 56 Sieger. 1. Sieg Karl Schuster, Tv. Wetzlar, 115 P. (15 Lleberpunkte). 2. Kurt Strack, Mw. Gießen, 108 P. (8 Lieberpunkte). 3. Oskar Hed- rich, Tv. Wetzlar-Riedergirmes. 101 P. (1 Lieber- punkt). 4. Heinrich Seipp, Tv. Großen-Duseck, 99 P. 5. Karl Diehmann, Tv. Heuchelheim, 98 P. 6. Arthur Kehr, Tv. Heuchelheim, 96 P. 8. Erwin Reuschling. Tv. Heuchelheim, 92 P. 9. Walter Ritter, Tv. Grünberg, 91 P. 10. H. Rinn, Tv. Heuchelheim, 90 P. 11. Kurt Faber. Tv, Großen-Linden, 88 P. 12. Wilh. 3ung, Tv, Klein-Linden, 87 P. 13. Heinz Barth. Mw. Gießen, und Ludwig Illm, Tv. Allendorf a. d. SL, 85 P. 14. Karl Rinn. Tv. Heuchelheim, 84 P. 17. Hch. Rickel, Tv. TreiS a. d. Lda., und Otto Reidel, Tv. Heuchelheim, 80 P. 19. Erich Luh, Tv. Allendorf a. d. L.. 76 P. 20. Otto Löber, Tv. Heuchelheim, 75 P. 21. Otto Balser, Tv. Groften- Buseck. und Hch. Weigel, Tv. Lich. 74 P. 22. Walter Mehl, Tv. Großen-Linden, 73 P. 23. Fritz Hammerschlag, Tv. TreiS a. d. Lda., und Arthur Schlenbecker, Tv. Krofdorf, 71 P. 24. Karl Dolz und Karl Erb, Tv. Lich, HanS Textor, Tv. Grohen-Linden, und Willi Schmidt, Tv. Krofdorf. 70 P. 25. Otto Kröck, Tv. Heuchelheim, 69 P. 26. Walter Winn, Tv. Großen-Linden, und Walter Fink, Tv. Klein-Linden, 68 P. 27. Ernst Resseldreher, Tv. Heuchelheim. 67 P. 29. Willi Engelhardt, Tv. Heuchelheim. 64 P. 30. Ernst Kreiling. Tv. Heuchelheim, und Hch. Mootz, Tv. Großen-Duseck. 63 P. 33. Ernst Hettche, Tv. Treis a. d. Lda, 62 P. 33. Ernst Hettche, Tv. Treis a. d. Lda.. und Hch. Kambeitz, Tv. Lich, 60 P. 34. Wilh. Müller II.. Tv. Klein-Linden, und Wilhelm Hosmann. Tv. Großen-Linden. 59 P. 35. Erwin Spengler. Tv. Lützellinden. 54 P. 36. Hch. Pfeil, Tv. Treis a. d. Lda., 53 P. 38. Hoffmann, Tv. 1846 Gießen, und Walter Müller, Tv. Dutenhofen, 50 P. Schüler (12 bis 14 Jahre alt): Fünfkampf wie oben, jedoch Lauf nur über 75 Meter. 92 Teilnehmer, 90 Sieger. 1. Sieg Ellermeier, Tv. 1846 Gießen, und Reinhold Blaß. Tv. Großen- Linden, 116 P. (16 Lieberpunkte). 2. Karl Klaum, Tv. Großen-Linden. 102 P. (2 Lieberpunkte). 3. Ernst Schimmel, Tv. Klein-Linden, 101 P. (1 Lieberpunkt). 4. Werner (Sifentraut, Tv. Grünberg. und Karl Leib. Tv. Krofdorf, 99 P. 5. Karl Weber, Tv. Grünberg, 98 P. 6. Reinhold Menges, Tv. Großen-Linden, 96 P. 7. Friedr. Loh, Tv. Dutenhofen, 95 P. 8. Willi Hutzle, Mtv. Gießen, 93 P. Turnerinnen (17 Jahre und älter),Dierkampf im 75-Meter-Lauf, Weitsprung, Handballweitwurf und einer ausgelosten Freiübung, Höchstleistung 80 Punkte, evcnt. noch mit Lieberpunkten, Mindestleistung 40 Punkte. — 33 Teilnehmer, 33 Sieger. — 1. Sieg Charlotte Amend, Mtv. Gießen, 78 Punkte. 2. 3bei Hauk, Tv. 1846 Gießen, 77 P. 3. Helmi Stork, Tv. 1846 Gießen, 75 P. 4. Erna Luh, Tv. 1846 Gießen, 72 P. 5. Marta Decker, Tv. 1846 Gießen, 71 P. 6. Hilde Sühkind, Tv. Krofdorf, 69 P. 7. Ottilie Hahn, Tv. Klein-Linden, Emilie Reuschling, Tv. Heuchelheim, und Käthe Stauf, Tv. Grünberg, 68 P. 8. Emilie Rinn. Tv. Heuchelheim, und Anneliese Heß, Mw. Gießen, 67 P. 9. Pauline Knapp und Marie Sack, Tv. Heuchelheim, 66 P. 10. Elfriede Münnich, Tv. 1846 Gießen, 65 P. 11. Els- Fink und Emmi Malinowski. Tv. Klein-Linden, 64 P. 12. Emma Lein, Tv. Grünberg, und Marie Löber, Tv. Heuchellxim, 63 P. 13. Käthe Bath, Tv. Heuchelheim. 62 P. 14. Gertrud Dock. Tv. Grünberg, 61 P. 15. Hilda Schmidt. Tv. Krofdorf. 59 P. 16. Elisabeth Menges, Tv. 1860 Lich, und Elfriede Weller, Tv. Klein-Linden, 58 P. 17. Lina Löber, Tv. Heuchelheim, 55 P. 18. Helene Zimmer. Tv. 1860 Lich, 53 P. 19. Gretel Spengler. Tv. Klein-Linden, und Helmine Walz, Tv. 1860 Lich, 52 P. 20. Marie Menges, Tv. 1860 Lich. 49 P. 21. Marie Schäfer, Tv. 1860 Lich, 48 P. 22. Else (Sermer und Johanna Pusch, Tv. Heuchelheim, 47 P. 23. Frieda Volk, Tv. Klein-Linden, 46 P. 24. Dora Läufer, Tv. Krofdorf, 43 P. Jugendturnerinnen (15 und 16 Jahre alt): Dierkampf wie oben mit entsprechenden Maßen und den gleichen Leistungsgrenzzahlen. 45 Teilnehmer, 28 Sieger. 1. Sieg Mathilde Koch, Tv. 1846 Gießen, 95 P. (15 Lieberpunkte). 2. Ria Philipp, Tv. 1846 Gießen, 93 P. (13 Lieberpunkte). 3. Erika Röhmia, Mw. Gießen, 92 P. (12 Lleberpunkte). 4. Christine Schmidt. Mtv. Gießen. 77 P. 5. Hedwig Böcher. Tv. 1846 Gießen, 76 P. 6. Ida Fett, Tv. Großen-Linden, und Gertmd Gombert, Tv. Krofdorf, 74 P. 7. Else Leinweber, Tv. 1846 Gießen, 72 P. 8. Helma Schmieder und Agne« Schneider, Tv. 1846 Gießen. Elisabeth Dender, Tv. Krofdorf, 71 P. 9. Klara Amend, Tv. Krofdorf, 70 P. 10. Margot Ruth Kay. Mtv. Gießen, und Luise Weiß, Tv. Grohen-Linden, 67 P. 11. Dina Michel, Tv. Grünberg, 66 P. 12. Emmi Schupp, Tv. 1846 Gießen, 63 P. 13. Kath. Harbach, Tv. Treis a. d. Lda., und Hilde (Batentin, Tv. Krofdorf, 62 P. 14. Anni Medenbach. Tv. Großen-Linden, 61 P. 15. Else Deinborn, Tv. Großen-Linden, 60 P. 16. E. Schäfer, Tv. 1846 Gießen, und Käthe Körner, Mtv. Gießen, 59 P. 17. Kath. Meyer, Tv. Treis a. d. Lda., und Frieda Römer, Tv. Krofdorf, 58 P. 18. Hedwig Döll, Mw. Gießen, 57 P. 19. Marie Schmidt. Tv. 1860 Lich, Gretchen Kehr. Tv. Heuchelheim, und Lilli Dem, Tv. Großen-Linden, 56 P. 20. Anni Schmidt, Tv. 1846 Gießen, und Jette Pusch, Tv. Heuchelheim, 55 P. 21. Emmi Wolf. Tv. Grünberg, 54 P. 22. Anna Will, Tv. Treis a. d. Lda., 51 P. 23. Lina Klos, Tv. Klein-Linden, 49 P. 24. Klara Eidmann, Tv. 1846 Gießen, Irmgard Lein- berger, Tv. Heuchelheim, und Lina Michel, Tv. Treis a. d. Lda.. 48 P. 25. Derta Böcher, Tv. 1846 Gießen, 46 P. 26. Gertrud Petri. Äv. 1846 Gießen, und Ella Kissel. Tv. Klein-Linden, 45 P. 27. Hedwig Leinberger, Tv. Heuchelheim, und Marie Bodenbender. Tv. Treis a. d. Lda., 44 P. 28. Else Sack, Tv. Heuchelheim. 43 P. Mannschaftskampf im Steinst oßen und Freihochsprung: Don 5 Mannschaften zu je 4 Mann wurde 1. Sieger Tv. Großen-Lin- den mit 653 P. 2. Mw. Gießen mit 624 P. 3. Tv. 1846 Gießen mit 608 P. Sauft 5a II: Allendorf a. d. L. I. gegen Krofdorf Jugend 64:46; Ak. Tv. Rheinfranken Gießen gegen Tv. Lützellinden I. und Jugend kombiniert 62:46; Mw. Gießen gegen Krofdorf I. 59:43. Z SHELL AUTOOELE 'fcuuerlÖMigc CLuxxUUUätu: CU& ßlqenejn deuUclwvffraffMieriett Zu SJfin&sten! = J. J. Sarßoren ♦ Hamburg 15 = 4170» Das ßr. 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Die Rechnung für 1928 schließt wie folgt ab- Detricbsrcchnung 719 606,25 Mk. Einnahme, 709 987,27 Mk. Ausgabe, mithin 9618,98 Mk. Rest. Vermögensrechnung 246 893,56 Mk. Einnahme, 38 258,19 Mk. Ausgabe, mithin 208 635,37 Mark barer Rest. Rach dem Derwaltungsbericht hat der Kreis- ausschuß im Kalenderjahr 1928 in 24 Sitzungen im ganzen 212 Gegenstände erledigt. Die Rechnungsablage und der Verwaltungsbericht wurden genehmigt. Oer Voranschlag für 1930 3m Mittelpunkt der Beratungen stand die Feststellung des Voranschlags des Kreises Gießen für dasRj. 1 9 30; in Verbindung damit: a) Anstellung eines Kreisrechnungsrevisors, b) Ausnahme eines Kapitals zur Gewährung von Daudarlehen, c) Festsetzung der vorläufigen Ausschlagssähe für die Kreisumlagen und die Kreis - Sondergebäudesteuer für 1930. Oberregierungsrat Rihel leitete die Voranschlagsberatung mit einer Rede ein, in der er sagte: Der Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1930 schließt in der Abteilung für den Betrieb in Einnahme und Ausgabe mit 813 779,— RM„ in der Abteilung für dos Vermögen mit 227 258,— RM., im ganzen mit 1 041 037,— RM. ab. Der Abschluß des vorjährigen Etats wies eine Endsumme von 1003 260,— RM. auf. Die Verschiebung in den einzelnen Kapiteln gegenüber dem Vorjahr ist aus den >inzelansätzen ersichtlich. Rach dem Wegfall des Kreisstrahenwescns und seit der Errichtung von Dezirksfürsorge- stellen bei den Kreisämt.-rn ist auch im Kreise Gießen das Schwergewicht auf der Ausgabeseite in dem wohlsahrtsetal zu erblicken. Die Gesamtausgabe in Kapitel VII des Voranschlags: „Wohllahrtswesen und Gesundheitswesen einschließlich Erwerbslosen» und Wohnungsfürsorge" beträgt 536 095,— RM., das sind 65,88 Prozent des Betriebsvor- a n s ch l a o s. Don diesen 536 095,— RM. entfallen allem 524 382. - RM. auf den Sondervor- onschlag, der die Leistungen des Kreiswohlfahrtsamts, der Fürsorge im Rahmen der Rcichsfürsorgcvcrordnuna des Jugendamtes, der Jugendfürsorge, des Gesundheitstresens und die Beiträge für gemeinnützige Zwecke umfaßt. Damit nimmt der Sondervoranschlag 97,82 Prozent der Gesamtsumme des Kap. VI1 für fich in Anspruch. Der Etat für 1930 enthält einen Ansatz von 84 817 Mark für Gehalte, das sind 10,42 o. H. der Endsumme des Bctriebsvoranfchlags. Für Ruhe- geholte sind in dem Voranschlag 15 048 Mk. = 1,84 v. ch. vorgesehen. Von den nach Absetzung des Kap. VII verbleibenden Ausgaben entfallen auf a) allgemeine Kreisangelegenheiten o. ch. 26 845 Mk. = 9,67 b) Polizeiwesen 27 380 Mk. =9M c) Schulwesen 5675 Mk. = 2,05 d) Kunst und Wissenschost 7400 Mk. - 2,67 e) Bau Verwaltung 16 478 Mk. = 5,93 ch Allgemeine Förderung der Wirtschaft 5325 Mk. - 1,92 g) Anstalten und Einrichtungen gemein- nütziger Art 17 730 Mk. -- 5,30 . Von den Einnahmen entfallen a) auf Rcichssteueranteil« 91 310 Mk. - 11,22 b) aus Kreissteuern 220 840 Mk. = 27,10 c) auf Entnahme aus dem Restestock 1. für Betriebsmittel 70 000 Mk. 2. zum Ausgleich des.Elats 74 000 Mk. 144 000 Mk. -- 17,69 d) auf Ersatzleistungen insbesondere aus Kap. VII (Wohlfahrtspflege. D. Red.) 328 122 Mk. = 40,32 Das Vermögen des Kreises beträgt 233 183 Mk. Die Schulden des Kreises betragen 101 508 Mk. Mithin ist das Vermögen des Kreises mit 43,53 v. ch. belastet. Von dem Vermögen entfallen o. ch. auf Immobilien und Mobilien 71 224 Mk. = 30,55 auf Fonds, Wertpapiere, Geschäftsanteile und Aktien 161959 Mk. - 69,45 Die Wirtschaftslage im Kreis Gießen ist ungünstig. Wenn auch zugegeben werden muß, daß die Wirtschaftkrife in dem hiesigen Bezirk den Umfang noch nicht erreicht hat, der in anderen Bezirken des Landes Helfen festzustellen ist, so sind doch Anzeichen dafür vorhan- tum, daß eine erhebliche Meilerverschlechlerung der derzeitigen Wirtschaftslage unabwendbar erscheint, wenn es nicht gelingt, auf den verschiedensten Wegen eine Belebung des Wirtschaftslebens herbeizuführen. Die Zahl der Erwerbslosen im Baugewerbe ist nach wie vor sehr groß, die Loge in der Zigarrenindustrie hat sich in den letzten Monaten weiterhin verschlechtert, auch in den übrigen Berufen, insbesondere im Bergbau, ist eine starke Arbeitslosigkeit zu beobachten. Die heutige Zahl der E r w e r b s l o s e n ist im Kreise Gießen auf etwa 2000 zu schätzen, ohne die zahlreichen sog. Wohlfahrtserwerbslosen, die ausschließlich von den Gemeinden zu betreuen sind. Die Lasten, die einzelnen Gemeinden hieraus erwachsen, sind derart bedeutend, daß sie ohne die Erschütterung der Kreditfähigkeit der Gemeinden und ohne eine unerträgliche Anziehung der Steuerschraube auf die Dauer nicht fortgesetzt werden können. Der Fürsorgeetat des Kreises, der in hohem Umfang infolge der Ausübung gesetzlicher Verpflichtungen zwangsläufiger Ratur ist, spiegelt in seinen einzelnen Ansätzen gleichfalls die soziale Rot unserer Tage wider. Die Fürsorge- maßnahmen sind in keiner Weise übertrieben. Eine Senkung des Fürsorgeetats kann erst dann erreicht werden, wenn eine allgemeine Besserung der Wirtschafts- und Soziallage unseres Volkes eingetreten sein wird. Auf die Möglichkeit, die (Einnahmeseile des Sozialetats und damit des Kreishaushallsplans durch eine stärkere Belastung der Gemeinden zu verbessern, ist in dem vorliegenden Voranschlag im Interesse der Gemeinden nicht zurückgegriffen worden. Trotzdem sind die dem Bezirksfürsorgeverband auferlegten Mehrkosten infolge Erhöhung des Pflegegcldsahes in den staatlichen Heil- und Pflegeanstalten in dem Etat enthalten. Der Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1930 ist nach den Grundsätzen der Vorsicht und größtmöglicher Sparsamkeit auf» gestellt. Die Kreisverwaltung ließ sich allerdings Einsamer Fuchsbau. Von Edmund Scharein. Wo der lockere Waldboden steinig wird iinb der Hochwald allerlei Jungwuchs duldet, steigt das Gelände jählings empor. 3n vielen Windungen zieht sich ein schmaler Pfad bergan. Höher und höher führt er, bis er sich schließlich im Buschwerk verliert. Hier tritt keines Menschen Fuß das Gras nieder, hier stört keines Menschen Stimme die Waldeinsamkeit. Denn wer es bis zur halben Höhe des Berges gebracht hat, dem hat das sperrige Geäst schon Mühe genug bereitet. Und wer sich dennoch weiter vorwagt, den strafen Dornen und spitziges Gestein, und allerlei Gerank legt ihm lästige Fußangeln. So wird denn der Kegel von jedermann gemieden. Keine Pilz- und Beerensammler suchen ihn auf. und für die Holzfäller gibt es hier nichts zu tim. Aber einer hat hier oben feine Felsenburg, Reineke, der rote Buschläufer. Auf halber Höhe. Lückkger wird der Wald und lichter, spärlicher der Pflanzenwuchs, je weiter es bergan geht. Der Farn verabschiedet sich, letzter Hasenklee lacht mir zu, letzte Anemonen grüßen. Allerlei Aufschlag kämpft zwischen steinigem Geröll mit den Dornen. Auch die Vögel bleiben zurück. Rur den Steinschmätzer rührt die Oede nicht an. Bald flattert er vor mir, dicht über dem Gewirr von matten und glitzerndem Gestein; bald singt er von verdecktem Standort. 3mmer ist er mein Begleiter, bis der Gipfel erreicht ist. Der Gipfel im Sonnenlicht. Vielleicht liegt es an der hellen Sonne, daß hier alles ein wenig freundlicher anmutet. Da ist sogar ein grüner Fleck an hellem Sandplatz. Einige Birken, winzige Abbilder derer, die da von unten herauf- schimmern, umsäumen ihn. Und ganz ohne Leben ist der Kegel auch nicht. Ueber verwitterte Steinblöcke huscht eine flinke Eidechse, und über den heißen Sand eilen blitzende Käferchen. Eine alte Wetterfichte reckt ihre breite Krone über der Felsenburg Malepartus. Da ist nun nicht viel zu sehen. Zunächst. Aber wenn die Sonne hinter Wolken verschwindet, da treten sie hervor, die Spuren auf losem Sande, diese zierlichen Abdrücke, die die Anwesenheit der 3ung- füchse verraten. Aber eine ist da — die ist größer als alle andern, die der alten Fähe, der Mutter. Aus dem Bau führt sie heraus, führt mitten ins Dickicht hinein. Das ist günstig: die Alte ist also nicht zu Hause. Die ist jetzt fast ständig unterwegs. Galt ihr Besuch gestern dem Bauernhof, wo die Henne so stattliche Kücken führt, so beschleicht sie heute vielleicht das Fo fanengelege und bricht morgen wohl in Mümmelmanns Kinderstube ein. Immer, immer ist sie unterwegs, um Fraß zu beschaffen für das allzeit hungrige Geheck. Die Sonne ist noch immer verdeckt. Der Blick geht vorbei an dem Durcheinander der kleinen Spuren über den Kegel hinweg. Düsterer ist jetzt alles. Aus dem rissigen Stamm der alten Wet- tersichte treten die Stacheläste drohend heraus. Dürftiger noch erscheinen die Dirken in ihrem schiefen Wuchs; Zerrgebilde der Pflanzenwelt. Das Gekräut zwischen all dem Geröll sieht so kraus und verdrossen aus. Und des 6tein- schmätzers Lied ist eine schalkhafte Weise, kraus wie die Umgebung dieses Vogels. Auf einmal wird es wieder hell. Unten im Hochwald leuchtet es auf. Ein Streifen nach dem andern tritt ins Licht der Sonne. Ein Dompfaff lockt, ein Goldhähnchen zirpt mit dünnem Ton. Don fernher ruft ein Kuckuck. Aus einem Findling hocke ich im dichten Buschwerk. Kühl ist es hier oben, obsthon die Sonne auf Sand und Gestein brennt. Der Wind, der nur schwach über den Berg zieht, ist günstig. Da kann es glüden, die Fähe in ihrem heimlichen Treiben zu belauschen. So vergeht eine Viertelstunde mit Warten und noch eine. Hin und her gehen die Blicke. Aber nichts zeigt sich. Rur einmal strich ein Hühnerhabicht über den Gipfel. Im letzten Augenblick bekam mich der Freibeuter zu Gesicht, warf sich hastig herum und stob mit Entsetzen ab. Ab und zu schallt von unten herauf das Klopfen des Spechts, der in den Taimen jenseits der Schlucht feinem Tagwerk mit gewohnter Emsigkeit nachgeht. Das ist alles. Plötzlich bleibt der Blick an den 3ung6irien hängen, deren zartgrüne Blätter in pendelnd« Bewegung geraten sind, ilnb dabei stehen die von dem Gedanken leiten, daß angesichts der derzeitigen Verhältnisse gewisse Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftslebens und zur Erhaltung des Kulturstandes in dem hiesigen Bezirk nicht unterbleiben dürften. Da der Etat ohne Steuererhöhung ab» fchließt, darf erwartet werden, daß er auch in denjenigen Ansätzen die Zustimmung des Kreistages finden wird, die nicht unbedingt in dem Etat enthalten fein müssen, die aber wesentlich dazu beitragen sollen, die derzeitige Krise im 3ntcreffc der Gesundung der deutschen Volkswirtschaft zu überwinden und den Kulturstand in unserem Volke mindestens auf der jetzigen Höhe zu erhalten. Oie Anträge zum Voranschlag. 25 kommunistische Anträge abgelchnt. 3m Anschluß an seine insormatorischen Darlegungen gab Oberregierungsrat Ritzel die Anträge zum Doranschlag aus den Parteien bekannt. (Heber den Verlaus der Aussprache werden wir noch näher berichten. D. Red.) Das kommunistische Kreistagsmitglied Lepper (Gießen) hatte 25 Anträge und eine Deklamation eingereicht. Oberregierungsrat Ritzel bemerkte, die Kosten für die Verwirklichung der 25 kommunistischen Anträge würden nach einer vorläufigen Berechnung mindestens einen Mehraufwand von 1517500 Mark bedingen; der Antragsteller habe nur einen Antrag nicht vorgelegt, nämlich den, woher das Geld für seine Anträge genommen werden solle. Oberregierungsrat Ritzel empfahl, diese Anträge wegen ihrer Hndurchführbarkeit abzulehnen, was denn auch im Verlaufe der Beratung stets mit allen Stimmen gegen die des Kommunisten Lepper geschah. Der Posten des Kreisrechnungsrevisor» abgelehnt. Weiter lag ein Antrag der Landbund- Fraktion vor, den angeforderten Posten des Kreisrechnungsrevisors nicht zu bewilligen und die dafür in den Voranschlag eingestellten Mittel zu ftreidjen. Dieser Antrag fand die Unterstützung der gesamten bürgerlichen Abgeordneten, während die sozialdemokratische Fraktion sich für die Bewilligung der Stelle einsetzte. Der Landbund-Antrag auf Ablehnung des Postens wurde nach langer Debatte mit 18 gegen 13 Stimmen angenommen und damit auch die Mittel gestrichen. kein Abstrich an den Postgebühren. Ein deutsch - v o l k s p a r te i l i che r Antrag, die Aufwendungen für Porto, Telegramm» und Fernsprechgebühren beim Kapitel „ Allgemeine Verwaltung" von der veranschlagten Höhe von 800 Mark wieder auf den vorjährigen Betrag von 500 Mark herabzusetzen, wurde mit 14 gegen 13 Stimmen ab- ge le hn t. Die Daukontrolleurstelle wieder gestrichen. Ein Antrag des Landbundes, die im Voranschlag vorgesehenen Mittel in Höhe von 2000 Mark, für den Posten eines Daukvn- trolleurs, die bereits in den Voranschlägen der letzten 3ahre enthalten waren, aber stets abgelehnt wurden, auch jetzt wieder zu streichen, wurde mit den 17 Stimmen der bürgerlichen Parteien angenommen. Oberregierungsrat Ritzel teilte hierzu mit, der Minister für Arbeit und Wirtschaft bestehe darauf, daß diese auf gesetzlicher Vorschrift beruhende Position geschaffen werde, so daß wohl mit Zwangsetatisierung des Postens zu rechnen fei. Gleiche Beihilfen für die Freiwillige Sanfäte- kolonne und den Arbeiier-Samariler-Bund. Ein deutsch-volksparteilicher Antrag schlägt vor, die Zuschüsse an die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und an den Arbeiter-Samariter b u n d insgesamt von 150 Mark auf 500 Mark zu erhöhen und davon der Freiwilligen Sanitätskolonne 400 Mark und dem Arbeiter- Samariter-Bund 100 Mark zu gewähren; dieser Stämmchen doch ganz im Windschutz. Und durch die Tännchen, die munter bergan klettern, unbekümmert um Dorn und Gestein, geht auch eine leichte Erschütterung. — Was ist's? Das Auge sucht vergeblich, will gerade weg von der Stelle, als es etwas Lebendes erkennt, einen Kopf... Reinekes Kopf. Emporgerichtet sind die graubraunen Gehöre. In grünlichem Glanz leuchten die Seher, die den Dau suchen, die Stätte des Mutterglücks. Alles ist Wachsamkeit an diesem Waldtier, diesem Bergbewohner. Aber dann legt sich sein Argwohn. Vertraut schnürt der Fuchs dem Felsenbau zu, im Fang ein Rebhuhn, verschwindet einen Augenblick in einer Senke. Als er wieder zum Vorschein kommt, sind fünf muntere Iungsüchse um ihn. Aber da kommt noch einer mit hocherhobener Lunte, und dann noch einer, den das lockere Erdreich des engen Daus stark gepudert hat. Mit ein paar ungestümen Sätzen sind die beiden RwHzügler bei den andern, die sich, zu einem Knäuel geballt, um die Deute balgen. Aber bald kommt Ordnung in den wirren Haufen. Jeder der Kleinen hat sein Teil an der Mahlzeit, ist mit sich beschäftigt. Einstweilen. Federn wirbeln, Knochen knacken. Aber allgemach kommt Unruhe über die Gesellschaft, Futterneid, giftiges Keckern, scheele Dlicke. Zwei zerren an den spärlichen Resten eines Flügels, bis die Sehnen nachgeben und jeder ein Stück behält. Zwei andere versuchen, sich einen Knochen streitig zu machen. Da kommt der dritte und spielt den Schiedsrichter. Und die beiden Streiter haben das Nachsehen. Die Mahlzeit ist beendet, die geschwisterliche Einigkeit wieder hergestellt. Hm die Mutter liegen die Iungsüchse im heißen Sande. Einer hat sich den Rücken der Alten zum Tummelplatz erwählt, verliert bei einer Dewegung das Gleichgewicht und fällt kopfüber in den Weichen Sand, rafft sich empor, und das Spiel beginnt aufs neue. Zwei raufen miteinander am Boden. Bald ist der eine oben, bald der andere. Ein kecker Dorsche macht in drolligen Sprüngen Jagd auf einen Schmetterling. Rur einer kann sich von seinem Dissen nicht trennen. Abseits am Gestein liegt er nach Hundeart und beschäftigt sich mit einem Knochen. Hnd habet ist der längst frei von allen .Fletschteilen. ein Rebhuhn — das ist gar zu wenig für eine siebenköpfige Familie. Vom halben Berg her tönt Gekreisch: der Häher meldet. Sofort ist die Fähe auf den Läufen. Windend geht der Kopf hin und her. Reglos verharren die Kleinen. Das anmutige Familienbild ist hin. Ich verwünsche den bunten Schreihals da unten und seine Wachsamkeit, wie im vorigen Sommer, als er mir den roten Dock vergrämte. Mißtrauisch äugt die Fähe nach meinem Versteck hinüber. Wenn jetzt der Wind kriselt, ist das ©fciel verloren... Da fällt ein Schatten auf den Sand: ein Dussard streicht schwerfällig über den Derg. Die Fähe ist beruhigt. Lang wirft sie sich in den Sand, räkelt sich wohlig. Hm sie herum tummelt sich die kleine Gesellschaft. Ein munterer Iungrüde probt feine Kräfte an den freiliegenden Wurzeln der alten Wetterfichte. Da kommt einer hinzu und packt ihn an der Lunte. Hnd es gibt eine kleine Auseinandersetzung. Eine ganze Weile noch geht das muntere Spiel. Dis ihm die Mutter ein Ende macht und die lustige Gesellschaft zu Bau gefahren ist, in das Dunkel ihres Höhlenversteckes. Der Tummelplatz ist verödet. Federn, einige Röhrenknochen — das ist alles, was noch an das lustige Leben erinnert. Durch baS schwarze Geäst her alten Wetterfichte geht leise der Wind. Ihr ist dies Spiel nichts neues. Manches Jahr hat sie es gesehen. Schon damals, als der Wald am Fuße des Berges noch wilder war, als hier oben noch der Kuder sein Schreckensregiment ausübte. 2Iber der Findling, auf dem ich fitze, den hier einst ein Gletscher absehte, in grauer Vorzeit, — der hat noch mehr gesehen im Lauf her Jahrtausende. Hochschulnachn'chien. Zur Wiederbesetzuna eines Lehrstuhles der Mathematik an der Unioerfttät Leipzig ist ein Ruf an den Professor Dr. B. L. van der Waerden an der Universität Groningen (Holland) ergangen. Amtlich wird die Ernennung des ordentlichen Professors Dr. Erich Caspar von der Hniversi- tät Freiburg i.Dr. zum ordentlichen Professor der mittelalterlichen Geschichte an der Hniperfitäi Berlin bestätigt. Antrag wurde im Verlaufe her Aussprache dahin abgeändert, 350 Mark bzw. 150 Mark zu geben. Ein sozialdemokratischer Antrag empfahl Halbierung der Summe, also jeder Kolonne 250 Mark zu geben, nachdem ein demokratischer Antrag auf 300 Mark bzw. 200 Mark zurück- aezogen worden war. Bei der Abstimmung über Den volksparteilichen Antrag 350 bzw. 150 Mk. standen sich die Stimmen 13:13 gegenüber, ebenso beim sozialdemokratischen Antrag 250 bzw. 250 Mark. Bei dieser Stimmengleichheit gab die Stimme deS Vorsitzenden den Ausschlag, der sich sür den sozialdemokratischen Antrag auf 250 Mark an die Freiw. Sanitats- kolonne und 250 Mark an den Arbeiter-Sam-?- riter-Bund entschied. (Eine Baudarlehen Kommission. Der Aufnahme eines Kapitals von 100 CvD Mark zur G e w.ä hr ung von Daudarlehen wurde zugestimmt mit der Maßgabe, daß über die Verteilung der Gelder die Kreisverwaltung entscheidet nach Anhörung einer Kommission, die aus den Kreistagsabgeordneten Klein - Klein-Linden (Landbund), Schelm- Lollar (D. Volksp.) und Schmidt - Gießen (Wirtsch. Dgg.) besteht. Die sozialdemokratische Fraktion hatte ihre Mitwirkung in dieser Kommission ab gelehnt, die sie sür ungesetzlich hält, während Oberregierungsrat Ritzel keine Bedenken gegen die Anhörung einer solchen Kommission hat. Die Kommission soll ohne Tagegelder und Reisekosten-Vergütung arbeiten. (Ein Protest an die Regierung. Zu der Frage der staatlichen Baudarlehen wurde die nachstehende sozialdemokratische Entschließung mit allen Stimmen gegen die Stimmen des kommunistischen Mitglieds angenommen; Laut Mitteilung der Kreisverwaltung Gießen werden dem hiesigen Kreis aus Staatsmitteln nur 160 000 Mark für Gewährung von Bauzuschüssen zur Verfügung gestellt. Demgegenüber erhalten andere Kreise gleicher Struktur weit höhere Mittel. Der heute versammelte Kreistag deS Kreises Gießen nimmt mit Befremden von der knappen Zuteilung an den Kreis Gießen Kenntnis und ist der Auffassung, daß sich diese Zuteilung gegenüber anderen Kreisen in keiner Weise rechtfertigt. Rach den gemachten Feststellungen werden die Mittel im Kreise Gießen in gleichem Maße und ebenso nottoenhlg gebraucht, wie in anderen Kreisen. Durch die knappe Zuteilung kann nur ein ganz geringer Prozentsatz der Daulustigen befriedigt werden. Begreiflicherweise hat diese Maßnahme eine tiefe Mißstimmung hervorgerufen. Der Kreistag des Kreises Gießen protestiert daher gegen diese geringe Zuteilung seitens des Staatsministeriums. Er beauftragt die Kreisverwaltung, sofort Schritte zu unternehmen, damit eine entsprechend höhere Zuteilung erfolgt. 500 Mark Beihilfe für die Volkshochschule Gießen. Ein Antrag deS Landbundes, die Erhöhung des Zuschusses an die Volkshochschule Gießen von 100 Mark auf 500 Mark abzulehnen, wurde mit Mehrheit a b gelehnt und damit der Zuschuß von 500 Mark bewilligt. 3000 Mark Zuschuß an da» Sladtthealer Gießen. Mit Mehrheit abgelehnt wurde auch ein Antrag deS LandbundeS, den Zuschuß -um Gießener Stadttheater in Höhe von 3000 Mark zu streichen. Der Antrag der Kreis- verwaltung auf Gewährung dieses Zuschusses wurde mit 19 Stimmen gegen die Stimmen der Landbundfraktion und des Kommunisten angenommen. Gleichzeitig wurde auf deutsch- volksparteilichen Antrag beschlossen, von einer Einmaligkeit dieser Zuschuhleistung abzusehen und alljährlich über einen gleichen Zuschuß des Kreises zu entscheiden. Die kosten her landwirtschaftlichen Schulen. Ein Landbund - Antrag auf Heranziehung der Stadt Gießen zu den Kosten der landwirtschaftlichen Schulen wurde auf Empfehlung der KreiSverwaltung mit Mehrheit abgelehnt. Annahme des Voranschlags. In der Gefamtabstimmung wurde der Doranschlag für 1930 nach Maßgabe der erforderlichen kleinen Aenderung der Abschluß z i f f e r gemäß den Kreistagsbefchlüssen mit allen Stimmen gegen die Stimme des Kommunisten angenommen. Oie weiteren Beschlüsse. Die vorläufigen Ausschlagssähe für die Kreisumlagen und Kreis-Sondergebäudesteuer für 1929 wurden als endgültige bestimmt. Der vorübergehenden Bestellung eines z w e i - tenKreisvollziehungsbeamten wurde mit 16 gegen 12 Stimmen zugestimmt. Die Tagegelder und Reisekosten der Kreistagsmitglicder, des Kreisausschusses und der Krciskommissionen wurden entsprechend den Sähen für den Provinzialtag angenommen. Aus demokratischen Antrag wurde jedoch aus Ersparnisgründen beschlossen, den in Gießen wohnenden Kreistagsmitgliedern nur 5 Mark Tagegeld zu gewähren. Eine Anregung, nachträglich von dem jetzigen KreiSkassedlrektor die Gestellung einer Kaution zu verlangen, nachdem der frühere Krcisausfchuß darauf verzichtet hatte, sand keine Mehrheit. Der Vorschlagsliste für die Wahl de r Kör- k o m m i s s i o ne n wurde ohne Aussprache zugestimmt. Ein Antrag des Herrn Alex Walldorf in Gießen, der internationalen Arbeiter Hilfe 150 VN. Zuschuß für einen Kinderaufenthalt im Vogelsberg zu bewilligen, wurde dergestalt erledigt, daß die Bereitwilligkeit der Bezirksfürsorgestelle des Kreises Gießen zu derartigen Kuren für stärkungsbedürftige Kinder betont wurde. Eine ereignisreiche Nacht in Gießen. Das war ein Betrieb und ein Trubel am Sonntagabend, oder richtiger gesagt in der Vacht vom Sonntag zum Diontag in der Volks- Halle. Dort konnte man „Rund um die Welt in einer Sommernacht" ziehen und dabei allerlei erleben. Verantwortlich für diese „Weltreise" auf heimischem Grund und Boden zeichneten die GiehenerDtudentenschast und die Gießener Studentenhilfe, die ihr diesjähriges Sommerfest unter das Motto dieser fröhlichen Weltfahrt gestellt hatten. Lind ihre Arbeit wurde — um es vorweg zu sagen — in reichem Maße belohnt. Eine große Menge Besucher sand sich in dem weiten Raume der Dolkshalle zusammen, um dort unter allerlei Kurzweil in der linden Sommernacht „rund um die Welt" zu ziehen und sich dabei — unter weitgehender Bereitschaft xum Opfern für die Gießener Studentenhilfe — bestmöglichst zu amüsieren. Dazu war in den verschiedenartigsten Formen reichlich Gelegenheit geboten. Der Ches des festlichen Abends, der Geschäftsführer der Gießener Studentcnhilfe Dr. Kiel mann, hatte unter Assistenz von cand. med. Kreie ein Fest aufgezogen, das recht schmissig war und sich in allen Teilen sehen lassen konnte. Die Volkshalle, mit Fahnen reich geschmückt, war zu einer Art „Lunapark in der Westentasche" umgcmobelt worden. Zwar fehlten die großen Rutschbahnen, die man im echten Lunapark in Berlin vorfindet, aber dafür war Gelegenheit genug geboten, im Weindorf, in der Dar, in der Wildwest-Dar usw. vergnüglich zu rutschen, wobei man natürlich immer daran zu denken hatte, daß die Studenten«- Hilfe dabei auch auf ihre Rechnung kommen sollte. Zu den Klängen einer schneidigen Kapelle, für die Kapellmeister Seitz und cand. med. Rusch verantwortlich zeichneten und dieser Verantwortlichkeit durch famose Leistungen vollkommen gerecht wurden, wurde auf zwei großen Tanzflächen eifrig und unermüdlich bis in den frühen Morgen hinein — wir selbst erlebten diesen frühen Morgen in der Volkshalle allerdings nicht — getanzt. Wer sich von diesen Anstren- ungen zwischendurch erholen wollte, fand im Wein- dorf unter der umsichtigen Herrschaft von Frau Professor Dr. Eger genügend Gelegenheit zum Derweilen und zum Flaschenstudium. Wen es nach einer Tasse Mokka verlangte, wurde in der türkischen Mokkastube unter der sachkundigen Leitung der Frau Oberschwester Dohnen slott und glänzend be» bient. Eine gute Tasse Tee wurde in der Teestube unter der verantwortlichen Leitung von Frau Professor Dr. Kuhn beveitgehalten, wer aber etwas Handfeste- in das Gehege seiner Zähne bringen wollte, wandte sich am besten an die Drotestube, in der man ganz ausgezeichnete Sachen vorfand, die den verantwortlichen Leiterinnen dieses Proviantamts, Frau Professor Dr. Brüggcmann und Frau Prof. Hep- ding, ein sehr gutes Zeugnis für hervorragende Direktorinnentätigkeit ausstellte. (Bin Mordsbetrieb herrschte vor allem in der Dar, in der cand. phil. Dorell der alänzende Manager war, sowie in der Wildwest-Dar, die die studentische Reformverbindung A d e l P h i a ausgemacht hatte: beide Fest- und Reisestationen hatten ständig starken Publikumsverkehr, der zum Teil recht seßhaft schien, zum Teil auch nur kurzen Aufenthalt nahm, allgemein aber von einer schier unerschöpfbaren Erfrischungsbedürf- tigkcit war. Lim das Maß des Vergnügens und der Reisegenüsse voll zu machen, war die Bühne der Volkshalle in eine richtiggehende Bayrische Kirchweih' verwandelt work^n, auf der man Karussell fahren konnte, beim Wurzensepp die Möglichkeit fand, allerlei nette Sachen zu erstehen, daneben beim lustigen Bonzo Reiseandenken erlangen konnte, anschließend im Heih- wurstglöckle gute Frankfurter Würstchen aus Gießen zu probieren vermochte und schließlich beim Sepp auf einer richtiggehenden Bierbank ein gutes Glas Bier vorfand. Aber nicht allein auf dem Lande, sondern auch auf dem Wasser sollte die sidele Reisegesellschaft ihr Vergnügen finden, und zu diesem Zwecke machte der neueste Gießener Lokaldampfer „FridolinI." unermüdlich seine Rundfahrten in der Halle, um dabei die Annehmlichkeiten einer Seefahrt den mehr oder minder phantasievollen Reisenden darzu- bieten: daß dieses Schiff „Fridolin I." nichts anderes war als der geschickt verkleidete Flaschen- transportkarren der Weinfirma Inderthal, verschlug nichts und tat der Fröhlichkeit keinen Abbruch. Zur Abkühlung von all den bunt durch- einanderwirbelnden Geschehnissen des Abends stand der von Diplom-Volkswirt K a l i s ch e r geleitete Eisstand zur Verfügung, und schließlich fand man auch noch den ägyptischen Rauchbazar von Frau Prof. Dr. Vanselow als angenehme Erholungsstätte. Als Conferencier wirkten Herr Tannert und Herr Vieren in glänzender Weise, außerdem hatte sich Herr Tannert bei der künstlerischen Vorbereitung des Festes in fruchtbarster Weise für das Gelingen der Sache eingesetzt. Reizende Tanzdarbietungen boten Tanzlehrer Däulke und Frau, ferner Fräulein Guir- lit t und Herr Michel. Als Sängerin bereicherte Fräulein Würzburger den Abend in angenehmster Weise. Alle diese Damen und Herren, aber auch die anderen uns unbekannten Mitwirkenden konnten verdientermaßen herzlichen Beifall als Lohn für ihre geschätzten Darbietungen ernten. LIeberall in dem festlich-fröhlichen Getriebe standen den hier verzeichneten verantwortlichen Leiterinnen und Leitern eine große Anzahl junger Damen und Herren, meist Studentinnen und Studenten, im freiwilligen Dienste für die Studentenhilfe eifrig und aufopferungsvoll zur Seite, und dem gemeinsamen Bemühen aller gelang es denn auch, diese Sommernacht in einer so schönen Weise auszugestalten und durchzuführen, daß die Besucher sicherlich in vollem Maße befriedigt die festliche Statt verließen. Wenn dabei auch das Loch im Portemonnaie hier und da etwas fühlbarer geworden sein mag, so stand demgegenüber doch das Bewußtsein, in den fröhlichen Stunden auch seinen Obolus mit beigetragen zu haben zum Besten unserer Gießener Studentenhilse, die derartige Finanzverbesserungen nur allzugut gebrauchen kann. Der Studentenvater, Professor Dr. Eger, seine rechte Hand, der Geschäftsführer Dr. Kiel- mann und alle die vielen Damen und Herren dieser Festarbeit können jedenfalls mit voller Befriedigung auf da- in allen Teilen wohlgelungene Werk zurückblicken, zumal der Ertrag dieser vergnüglichen Rächt für die Kasse der Studentenhilfe ebenso zufriedenstellend ausgefallen ist, wie im vorigen Jahre. And damit ist ja der eigentliche Zweck des Abends in schönster Weise erreicht worden. Wirtschaft. Handel und Gewerbe im Mai. Der Tiefstand der Wirtschaftslage in Deutschland findet nach den Berichten preußischer Industrie- und Handelskammern und des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages in dem geringen Rückgang der Arbeitslosenziffcr und dem erneuten Fehlbetrag im Reichshaushalt seinen Ausdruck. Wenn auch die Lage auf fast allen Weltmärkten zu wünschen übrig läßt, wird Deutschland von der Depression doch besonders schwer betroffen. Insbesondere sind seine Produktionsmittelindustrien zu erneu- ten Einschränkungen gezwungen. Die La^e auf dem Kapitalmärkte erfuhr nur eine geringe Entlastung. Auf dem Dorsenmarkt zogen nur die festverzinslichen Werte an. Die Ausfuhr blieb im April mit 88,5 Mill. Mark aktiv. Der Dau- markt erfuhr nur eine ganz geringe Belebung, die hinter den Vorjahren weit zurückbleibt. Auch die Belebung in der Woll- und Scidenindustrie blieb gering. Die Preise sanken weiter. * Konkurse und Vergleichsverfahren Im Mai. Rach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Mai 1930 durch den Reichsarueiger 1062 neue Konkurse — ohne die wegen Massenmangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 702 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für April 1930 stellten sich auf 1006 bzw. 703. • Stillegung des Mansfeldschen Kupferbergbaues. Von der Mansfeld AG. für Bergbau und Hüttenbetrieb wird mitgeteilt, daß die gestern früh bei sämtlichen Gruben und Hütten erschienenen Arbeitswilligen an der Aufnahme der Arbeit gehindert worden seien. Da unter diesen Umständen ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Schächte unmöglich sei, habe sich die Werkleitung im Sinne ihrer Bekanntmachung vom 23. Mai 1930 entschlossen, sämtliche mit dem Kupferbergbou zusammenhängende Betriebe mit sofortiger Wirkung stillzulegen. * Bing-Werke vormals Gebrüder Ding AG., Nürnberg. In der gestrigen AR.-Sihung wurde die Bilanz für 1929 besprochen, die nach Abschreibungen von 502 849 Mark (im Vorjahre 568 688 Mk.) und unter Verwendung des Vortrages von 215 398 Mk. einen Verlust von 278 657 Mk. aufweist, der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 3. Juni. Tendenz: lustlos. — Auch heute stagnierte das Geschäft an der Börse fast vollkommen, wozu nicht gerade günstige Wirtschaftsnachrichten und die anhaltende Orderlosigkeit beitrugen und eine wei te re Verschlechterung der Stimmung herbeisührten. Die Kulisse zeigte keine Unternehmungslust. schritt aber an verschiedenen Märkten zu Abgaben, so daß bei schwächerer Tendenz eine Abschwächung der Kurse herbeigeführt wurde. Dor allem drückte die Aussprache über das Sanierungsprogramm der Regierung auf die Tendenz. Alan befürchtet neue Steuern und eine Verzögerung der in Aussicht stehenden Dörsenreform. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich Abschwächungen bis zu 3 Prozent. Erstnotizen kamen nur wenig zustande. Am Elektromarkt eröffneten AEG. knapp gehalten: Licht & Kraft verloren 2 Prozent, Gesfürel und Diemens je 1,5 Prozent. Starker angeboten waren Deutsche Linoleum mit minus 3,5 Prozent. Gut gehalten waren Süddeutsche Zucker. Am Farben- martt war die Ämsatztätigkeit ebenfalls bescheiden. I.-G.-Farben waren wenig verändert. Von lokalen Aktien gaben Holzmann 1,5 Prozent nach, während Metallgesellschaft auf dem Ni- veau der gestrigen Abendbörse behauptet waren. Stark gedrückt eröffneten noch A.-G. für Verkehrswesen mit minus 5,5 Prozent, auf eine Meldung, wonach diesem Unternehmen durch eine Fehlexpansion Verluste erwachsen sein sollen. Von Schiffahrtswerten lagen Hapag 2 Prozent und Norddeutscher Lloyd 1 Prozent abgeschwächt. Dankwerte gaben bis zu 1,25 Prozent nach. Montanwerte tagen vollkommen geschäftslos. Am Rentenmarkt waren Umsätze kaum zu verzeichnen. Deutsche Anleihen lagen etwas niedriger, während von Ausländern Mexikaner gebessert waren und leicht anziehen konnten. Auch im Verlaufe trat keine Geschäftsbelebung ein. Die Stimmung blieb lustlos. Nur in einigen Spitzenwerten konnte sich zeitweise etwas regeres Geschäft entwickeln. Aber dessenungeachtet gaben die Kurse gegen den Anfang erneut um Druchteile eines Prozentes nach. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Prozent wieder leichter. Am Devisenmarkt lagen das Pfund und der Peseta etwas schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,191750, gegen Pfund 20,36, London gegen Kabel 4,8575, gegen Paris 123,90, gegen Mailand 92,72, gegen Madrid 40,07, gegen Schweiz 25,1075, gegen Holland 12,08. Berliner Börse. Berlin, 3. Juni. Schon im Dormittagsverkehr muhte die Stimmung trotz der herrschenden Geschäftslosigkeit, und obwohl noch keine Kurse genannt wurden, als unsicher bezeichnet werden. Ungünstige Meldungen^aus der Wirtschaft, schwache und unregelmäßige Aus- landbörsen, verbunden mit dem Streit um das Votopfer, ließen eine etwas schwächereEr- Öffnung erwarten. Zu Beginn des offiziellen Derkehrs zeigte es sich dann, daß auf einigen Spezialgebieten doch stärkere Abgabeneigung bestand: das herauskommende Material stammte in erster Linie aus Dörsenkreisen, in denen der Reichsbankausweis per Ultimo Mai mit einer als normal zu bezeichnenden Anspannung um 572,9 Millionen etwas Verkaufsneigung ausloste. Maßgebend hierfür war Wohl weniger die Gesamtanspannung, als der vielmehr relativ erhebliche Notenumlauf von 766,7 Millionen, und, damit zusammenhängend, die Verringerung der Deckung um 10,1 bzw. 11,3 v. H. Auch der Handelskammerbericht für Mai, der die anhaltende Wirtschaftsdepression feststellt, wurde lebhaft diskutiert. Demgegenüber mußten anregende Momente, wie z. D. der deutsche Goldkauf in England, in den Hintergrund treten. Die Abschläge betrugen im allgemeinen 1 bis 2 v. H. Spezial- werte. insbesondere Kaliwerte, verloren 3,5 bis 4,5 v. H. Auch Schultheis lagen 3,88 v. H. gedrückt. Auf die Meldung von größeren Verlusten muhten A.-G. für Verkehrswesen mit Minus- Minuszeichen notiert werden: der Kurs wurde später 5,90 v. H. unter Vortagsschluh angesetzt. Die größte Einbuße hatten I. Berger (minus 8 v. H.) zu verzeichnen. Bemerkenswert war ferner die Schwäche der Schiffahrtswerte und die DMW-Aktien, wenn auch die Abschwächungen nicht über das übliche Maß hinausgingen. Son- derbewegungen nach oben hatten Thüringer Gavins 1,5 v. H. und Augsburg-Nüricherger Maschinen Plus 3 v. H. Deutsche Anleihen waren leicht nachgebend. Don Ausländern waren Mexikaner schwächer. Der Geldmarkt war nach deni Ultimo etwas erleichtert. Tagesgeld 5,25 bis 7,5 v. H., teilweise schon zu 5 v. H.: sonst waren die Sähe unverändert. Rach den ersten Kursen setzten auf einzelnen Marktgebieten kleine Deckungen ein, so daß sich die anfangs stärker ab- geschwächten Werte etwas erholen konnten. Die Kursentwicklung blieb jedoch unregelmäßig. Landesverband-Versammlung der Hessischen Fleisch- und Trichinenbeschauer. WSN. Friedberg, 2. Juni. Samstag und Sonntag hielt hier der über 400 Mitglieder zählende Landesverband derhessischen Fleisch- und Trichinenbeschauer seine diesjährige Verbandsversammlung ab. Nach einer Dorstandssitzung, die sich mit internen Derbands- sragen beschäftigte, eröffnete Samstagabend im Hotel Trapp der Dorsitzende des Landesverbandes, Dahmer (Offenbach), die Derhandlungen des Derbandstages. Im Geschäftsbericht erklärte der Dorsitzende u. a., dah an eine Erhöhung der Fleischbeschaugebühren in der gegenwärtigen Sparperiode Hessens nicht zu denken sei, obwohl in den meisten anderen Ländern die Gebühren beträchtlich höher lägen. Ferner wurde der Kassenbericht erstattet und die Beratung einige t Kreisvereinsanträge vorgenommen. — Sonntag- Vormittag wurde mit der Beratung sortgesahren. Zunächst sprach Oberveterinärrat Dr. Stein vom Kreisveterinäramt Friedberg über: „Nachprüfung oder Fortbildungskursus?", wobei er sich nachdrücklich gegen die veraltete Methode der Nachprüfungen wandte und sich für deren Ersatz durch Fortbildungskurse einsetzte. In Friedberg habe man im vergangenen Winter damit eine Probe gemacht, die glänzend ausgefallen sei. Nach einem Dortrag des Schriftführers Horst (Goddelau) wurde der seitherige Dorstand einstimmig wiedergewählt. Anläßlich des im nächsten Jahre stattsindenden 25. Derbandsjubiläums wurde als Tagungsort für die Landesversammlung 1931 Darmstadt bestimmt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die ftöije der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4,5 o. H., Lombardzinsfuß 5,5 v. H. Frankfurt a. M. Äerlin Frankfurt a. Dl. 3tr1ln Schluß«! l«ilhr« hird | flurt Schluß- Iure Anfang« Schluß« Iure l.ilhr^ fluni Schluß« furd Anfang. Kurs Dalum 2- 6 | 3. 6. 2 6 3. 6 Datum 2. 6 3 6 2 6 3. 6 6% Deunche Reichsamelye von 1927 ......... 7% Deutsche RetchSanlethe Von 1929 .......... 88 104,25 58,5 10,6 96,13 57 58,75 99,5 94,75 89 101 97 95,8 1 96,5 26,75 24.25 2,3 5,65 5,75 10,13 8,2 || | II | | | | | 1 II 1 1 | | | 1 1 1 1 1 8^. 1 1 88,5 104,75 58,5 IC,7 96,25 58,5 101 97 95,5 27,13 3,8 2,4 24,25 22 2,3 6,13 6 10,2 17,3 8,2 | | 5". 1 l 1 1 1 1 1 1 1 1 ES 1 1 1 1 S 1 II 1^1 Hamburg-Amerika Paket . . . '< Hamburg-Eüdam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine DeutscheEreditanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz- und Privat-Bank . 11 Darmstädter und Nattonalbank 12 Deutsche Bank und DiSconto-GeseUschaft, ... 10 Dresdner Bank......10 ReichSbanl........18 A.S.G............8 Bergmann.........v Elektr. Lieserungtgesellschast. io Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume . . . IVi Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Homburger ElekirtzttätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elcktrijität. ... 10 Schlickert L Co. ...... 11 Siemens & Halt!«.....16 Transrabto.....«... 8 Lahmeyer LCo.......10 Buderus........ . 6 Deutsche Erdöl ....... 6 Essener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener . ..... 8 Harpener....... . . 0 Hoesch Eisen........6H nilc Bergbau ....... IC Klvcknerwerko........'« Köln-Neucssen........ 7 ManneSmann-Rbhren .... 7 ManSselder Bergbau.....7 Oberichles. Sisenvedars .... 6 Oberschles. Kaliwerke.....7 Bhäntr Bergbau . ..... 6% Rheinische Braunkohlen . . 10 Rheinstahl...... 6 Riebeck Montan......7,2 nr 115 126,5 151,75 231 141,25 142,25 294 166,25 164 117,5 165 149 170,5 137 126 100 108 98,5 231 118 IÖ5- 109,75 126 150,75 14? 165,75 172 163,5 179 244,75 107 1 — 110.75 175 110,75 115,5 126 25 175,75 151.75 230,5 141,25 142 294,5 166,75 153 164 119 165 139 166,25 179,75 246,75 169,9 77 99 137,5 125,25 106 5 217,5 100,13 103,5 108,4 72,25 108,13 98,4 231,5 118 108.75 109,4 115,5 126 175 150.75 229,5 140,75 141 168 151,5 164,4 139 165 179 245 76.4 98,75 136,75 125 217,5 100 103,25 107.5 71 108,13 230,25 118 Deutsche Anl.-Wlös.-Schuld mit ffliUlof.-IRechtcn....... De»gl. ohne Auilos.-Rechte . . 8% He». Bolttstaat von 1920 /rflrfinhlh 1O2°Z.)...... Obcrhessen Provinz - Anleihe mli Deutlche ftr-rnm. SammelaßL Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank (Solbpfc XIII unkündbar bis 1934 . . ■ 7% fitaulf. Hyp.-Banl Goldpse unkündbar 6U 1932 ..... 4y,% Rheinische Hhp.-Bank Ltqu. Goldpse......... 8%^ Pr. Landedpfandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 17...... 8% Pr. Landeilpsandbriesanstalt, Komm.-Obl. R. 20...... 7% Pr. Landedplandbriesan statt, Pfandbriefe R. 10...... O.Ö.®. abg. Borkrieg«-Obligatio- neu, rückzahlbar 1982 ..... 4% Oesterreichische Goldrente . . 4,20% Ocsterrctchtsche Silbcrrente 4% Oesterrctchtschc Einheitliche Rente........... «% Ungarische Soldrente . . . . 4% Ungarische Staat«rente v. 1010 4V4% Mfll. von 1918..... 4% Ungarische fttonenrente . . . 4% Türkische Zollanlethe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie ............ 4% Mol. Serie II....... 8% Rumänische veretnh. Rente von 1903 .......... 4%% Rumänische vereinh. Rente von 1018 .......... 4% Rumänische vereinh. Mente Frankfurt o. 071 1 Berlin Banknoten. Schluß» fürs l»lchr» 1 flurt 1 Schluß« hird Anfangflurs Merlin, 2. ZunI Geld Brief Amerikanische Roten...... 37168 4.188 Belgische Rolon. • • • • 9ö,dU 58,54 '.Dalum 2. 6 3. 6 2. 6 3. 6 Dänische Roten ..... • • • 111,75 112,19 Englische Roten . . • • • ssranzbststhe Roten . . . . 20,31 20,39 Vereinigte Stahlwerke..... 96,25 — 96,4 95.75 16.40 16.46 Olavi Minen......16'/, —• — 54 53 Holländische Roten . • . • 168,06 168,74 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 227,5 — 227,5 223,75 Italienische Roten..... 21,98 22,06 229 — 228,75 225 Norwegische Roten . . . . 111,68 112,12 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 416 — 416 411,5 Deutsch-Oesterreich, a 100 Schilling 58,98 59,22 Rumänische Violen . . . . 2,455 2,475 I. G. Farben-Industrie . . . 18 185,7 185 185,13 184 75 Schwedische Noten . . . . Schmetter Noten..... 12,03 80,97 112,47 81,29 Dynamit Robü.......6 — —- — — Spanische Noten..... 50 86 51.06 Schetdeanstalt........9 152 — — — Tschechoslowakische Noten. e • . 12,405 12.465 Goldschmidt........6 69 — 68,25 Un«arische Noten . . . . 73,02 73,32 RüigerSwerke........6 68 66,25 67,25 Metallgesellschaft. ...... 8 121,5 121,5 122 120,5 Deoi enmarfl Berlin — Jranffur a. M. Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Eementwcrk Karlstadt. « . . 10 Wovb & Freytag......8 102 100,5 102,25 100,75 2. 3unl 3. Juni 87,5 1 1 I 85,75 L, Amtliche Rviicrung Geld | »fiel Amtliche Geld Notierung Sries Amst.-Rott- 168,34 168.68 168.32 168.bG Schultheis Patzenhofer ... 15 320 316,13 Buen-«AireS 1.587 1,591 1.585 1,589 — — Brff.-Antw. 58,41 58,53 58,405 58,525 Ostwerke.........18 — — 267,65 266 Christianta. 111.99 112.21 112,01 112,23 Aku...........18 102.5 —- 102.5 101,4 Kopenhagen 111,99 112.21 112,02 112,24 Bembcrg.........14 112 — 110,5 109 Stockholm - HelnngforS. 112.31 112,53 112.44 112,56 Zellstoff Waldbos .... 13'/, 161 — 160 158 10,538 10,558 10,537 10 557 Zellstofs Aschaffenburg ... 18 — — —- — Italien. - - 21,93 21,97 21.925 21 965 Charlottenburger Wasser ... 8 —— —- 103 103 London. . . 20,34 20,38 20,338 20,378 Dessauer Gas........9 — — 163,75 163 Vlcuhort . - 4.1865 4,1945 4,1875 4,1955 Daimler Motoren......0 — — 38,25 38 Paris.... Schweiz .. 16,41 16,45 16,41 16,45 Deutsche Linoleum...... 236,5 —— 235,75 51,75 19,5 233,25 80,98 81,14 81,00 81,16 51,75 Spanten. . Japan .. . «io de Jan. 50,97 2,071 51,07 2.075 51,54 2,070 51,64 2,074 Rat. Automobil.......0 — — Orenstein & Koppel.....6 — — 84.5 84 0,4945 0,4965 0,494 0,495 Leonhard Tietz ...... 10 160 —— 160,5 159,5 Wien in D-« — — 324,5 325 Lest, adgcst. 59,065 59,185 59.05 59,17 Prag . . . . 12.415 12,435 12,416 12,436 Frankfurter Maschinen .... 4 Gritzner...... 6 30 36 _ 30 35 — Belgrad . Budapest. . Bulgarien. 7,393 73,15 7,407 73.28 7,390 73,15 7-404 73,29 Hehliaenstaedt.......o — —— — 3,035 3,041 3.035 3,041 ZunghanS..........6 40,5 — 41 — Lissabon . 18.80 18,84 18.81 18,87 öechwerke..........8 98 — •• — Panztg. 81,36 81,52 81,35 81.51 Matnkraftwerko Höchst a. M.. . 8 88,6 — — | Konstantin. 1,784 1,789 1,785 5,42 1,789 Rttag...........10 ■■ ■■ 117,5 117,5 | Athen- . 5,42 5,43 5,43 107 — — -- I Canada . | Uruguay. 4.183 4,191 4,182 4,190 Botgt & Haessner......9 150 — 150 — 7,776 7.784 3 767 3,784 Süddeutsche Zucker .... 10 162 — 161,25 1 — 1 Latro . . 1 20,865 20,905 20.865 20,905 Aus der Darmstädter Kommunalpolitik. WS2. Darmstadt. 2. 3uni. 3n der vergangenen Woche wurde der Etat der Stadt Darmstadt mit DeckungSvorfchlägen de- Oberbürgermeisters abgelehnt. der eine erneute starke Steigeruna der Re al steuern und der Gebühren verlangt hatte, während die Mehrheit des StadtrateS nur bei gleichzeitiger Erhebung einer Dürgerabgaoe sich mit einer DteuererhShung einverstanden erklären wollte. Gewissermaßen al- Antwort darauf Hal Oberbürgermeister M ue Her seinen Erholungsurlaub angetreten und vorher noch eine Verfügung an die Stadtverwaltung herauSgeaeben, in der bestimmt wird: ersten-, es sind sämtliche städtische Unter- haltungsarbeiten sofort einzu stellen . -weitens, daß an Handwerker keine Rechnungsbeträge oder Vorschüsse gezahlt werden dürfen, dritten-, das) die freiwilligen Lei st ungen in der Wohlfahrtspflege sofort ernzustellen find und vierten-, daß Baukostenzuschüsse (genehmigte oder vorgesehene) nicht -ur Aus - zahlüng kommen dürfen. Wie gleichzeitig von dem städtischen Presseamt mitgeleilt wird, ist die sür den 14. und 15. Juni vorgesehene offizielle Jubiläumsfeier anläßlich deS 6v0jährigen StadtjubiläumS abgesagt worden. Tagung der hessischen Zustizamtmänner WGR. Frankfurt a. Main, l.Iuni. 3m Volksbildungsheim zu Frankfurt a. M. hielt am Sonntag der Verein der hessischer 3u- stizamtmänner seine diesjährige HauptVersammlung ab. 3ustizinspek^or Schrö- d e r-Darmstadt begrüßte als Vorsitzender die ersckienenen Mitglieder sowie die Vertreter der Behörden von Darmstadt und deS Reichsbundes der 3ustizmanner. 3n einer kurzen Ansprache kennzeichnete Schröder die gegenwärtige Lage der Veamtenschast, gegen die heute von allen Seiten Sturm gelaufen werde. Weitgehende Ersparungen in der Verwaltung, besonder- in der 3ustiz, über die gerade jetzt wieder so viel gesprochen werde, könnten nur, wie da» ja in Hessen vorgesehen sei und auch von den 3ustizamt- männern gewünscht werde, durch die Ucbertra- gung der DerwaltungSarbeit der Richter auf Die mittleren 3ustizbeamten erzielt werden. — Ministerialrat Dr. M a tz-Darmstadt überbrachte die Grütze de- 3ustizministerS und teilte mit, dah da- 3ustizministerium beabsichtige, die Funk- tion-bezeichnung deS Rechtpflegers auch in Hessen offiziell einzuführen. — Rach weiteren Begrüßungsansprachen hielt Oberamt-anwalt S a r t a m-Berlin einen Vortrag über »Die Ausdehnung der EntlastungS- befttmmungen in Preußen". Der Zusammenbruch de- Staate- und der Rechtspflege nach dem Kriege und die spätere starke Anhäufung der Rechtsgeschäfte hatten eine Reform der Rechtspflege notwendig gemacht. Zur Entlastung der Richter wurden zuerst in Preußen Entlastungsbestimmungen erlassen, die die ^Übertragung gewisser richterlicher Geschäfte aaf die »Recht-Pfleger" vorsahen. Die ersten günstigen Auswirkungen der Reform machten sich bei der Gesetzgebung über die Aufwertung geltend. Hervorragende 3uristen urteilten heute anerkennend über die Tätigkeit der Recht-Pfleger und machten weitere Vorschläge zur Au-dehnung der Geschäfte deS RechtSpfle- aerS. Die Reform, die al» Vorarbeit zur großen 3ustizrevrmf angesprochen werden könne, habe sich bewährt. 3n Preußen seien im StatSjahr 1929 30 insgesamt 927 Richter erspart und durch mittlere Beamte ersetzt worden. Durch diese Umschichtung seien erhebliche Ersparnisse erzielt worden. — Uebcr »Die Auswirkungen der Gnilastung-be- stimmungen in Hessen" sprach 3ustizinspektor Schröder. Dah man in Hessen noch keine Erfahrungen mit den Sntlastungsbest immungen gemacht habe, sei darauf -urück-uführen, daß die Bestimmungen noch nicht in Kraft gefetzt worden seien. Eine Rundfrage habe aber ergeben, dah eine Ucbertragung der Rechtsgeschäfte auch in Hessen gewünscht werde. Schröder führte die einzelnen Rechtsgeschäfte auf, die in Hessen übertragen werden könnten und sagte zum Schluh: Es ist ein Gebot der Stunde, DereinfachungS- und VerbilligungSMethoden in der 3ustiz, die sich in anberen Staaten bereit- seit 3ahren bewahrt haben, auch in Hessen zur Durchführung zu bringen. Gerade infolge seiner derzeitigen Lage darf Hessen in Zukunst hinter anderen Ländern nicht mehr zurückstehen. Am Rachmittag wurden in einer nichtöffentlichen Sitzung neben den Reuwahlen geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Deutsche Bau« und Siedlungö» genoffenschast. WSR. Bad Homburg, 2.3unL 3m Kur» hausfaal fand die Generalversammlung der Deutschen Dau- und Siedlung-- genvssenschas t eG mbH. Darmstadt sta'l. Die Leitung hatte der Vorsitzende de» AufsichtS- rat» RegicrungSrat a.D. Bartmann. Anwesend waren sämtliche 103 Delegierte, ferner zahlreiche Mitglieder al» Zuhörer und eine Anzahl geladener Gaste. U. a. war die Stadt Bad Hom- bürg durch ihren Bürgermeister und den Stabt» baurat vertreten, die nassauische Landwirtschaft durch LandeSoekonomierat Bartmann-Lüdicke. Eine besondere Freude wurde der Versammlung durch die Anwesenheit deS Vorsitzenden deS RaiffeisenrevisionSverbande» Frankfurt a. Mai:* und Ludwigshafen, Dr. Holten zuteil, der übrigen- in einer späteren Ansprache die außerordentliche Liquidität der Genossenschaft anerkannte. Die Versammlung verlief in großer Harmonie. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig aesaht. Die ausscheidenden AuffichtSratSmitglie- Der wurden sämtlich wiedergewählt. Die D. B. S, deren Ausgabe die Gewährung zinsenloser Dau- darlehen an ihre Mitglieder ist, weist zum 3ah- reSschluß einen Mitgliederstand von 32 072 auf. Degen Anfang deS 3ahreS war ein leichter Rückgang eingetreten, der sich aber Infolge Veränderungen in Der Geschäft-leitung wieder gehoben hat. Die Genofsenfchast bilanziert mit 18,6 Millionen Mark Als Aktiva stehen an erster Stelle Hypothekendarlehen mit 16,7 Millionen Mark, Guthaben mit 1,3 Millionen Mark. Grundbesitz mit 242 000 Mark und Rückstände mit 177 000 Mark. Passiva: Geschäftsanteile 725 000 Mark, Forderungen der Bausparer für Dauspar- einlagen 13,8 Millionen Mark. Htzpothekentilgung 2,3 Millionen Mark, noch nicht in Anspruch genommene Hypotheken 872 000 Mark. Bade'Anzüge für Damen 1 Q<- moderne Muster............. 450, 2.75, -LsjpO reine Wolle neueste Modelle.............10.50, 9.75, Bade-Anzüge für Kinder In allen Größen..............1.25, 0.95. 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Bestimmt: ein großes Regal mit Zigarettenschrank, 43 Romanbücher, zwei Aushängekasten, zwei Betten mH Sprungrahmen und Matratze, ein Sofa, eine Waschkommode mit Marmorvlatte und Spicael, jrod Nachtschränkchen, einen ftonfol- ichrank, einen zweitürigen kleider- scyrank, zwei SchaufenstergesteUe mit Glasplatten, eine Ladcnlheke, ein Küchenbüfett (dreiteilig, fast neu), drei Meter Kleiderstoff (Gabardine), zehn Bande Sperlings handelvbücher (neu). Auf Grund des § 1234 BGB. einen Koffergrammophon mit sechs Vlatten, eine Steppdecke, zwei herren- uberziehcr, eine Felloorlage, eine Herrenweste (Seide), einen Ledermantel, einen Anzug. Freiwillig. Line größere Partie Zigarren. An Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal): einen Küchenschrank, ein Pianino, einen Eisschrank, einen Weißzeugschrank, zwölf Dutzend Alpaka-Löffel, -Messer und -Gabel, einen Wäscheschrank, ein Büfett, eine Kredenz, sechs Stühle, eine Chaiselongue und eine Waschkommode. Junker, zu verrvechseLn: MARGARINE Und zweitens hat jedes Paket „Rama im Blauband“ ein Garantiedatum. Daran kannst du sofort Sehen, wie frisch die Ware ist, die du im Augenblick kaufst Ich habe die verschiedensten Sorten ausprobiert, ich spreche aus Erfahrung! Erstens siehst du auf jeder Packung den charakteristischen Schriftzug in der blauen Schleife. IPtiSOPfg müßorcfifteZexhen fnsdie Quofifil Nimm keine andere, verlange klipp und klar: „Rama im Blaubandu. £ Rama im BlaubantL doppelt sogut Gerichtsvollzieher in Gießen, Diesecker Weg 16, Telephon Nr. 3383. Oeechlftskarten liefert Brtlhl, OieBen fausfaund V in IhteC k Küche WM sollte auch ein Roederherd sein. Ein Hausfreund, der es gut mit Ihnen meint,anspruchslos, praktisch, bequem, sauber und sparsam. Das sind seine Vorzüge, durch die anderen Hausfreunden unterscheidet. — er sich von allen Fast eine Million Hausfrauen haben ihn gewählt und sind von Ihm begeistert. — Wenn Sie Ihn noch nicht kennen sollten, so kommen Sie zu uns. 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Sie war aus kostbaren exotischen Hölzern hergestellt. „Nun wollen wir also den Park besichtigen!" Goldiger Sonnenglanz lag auf den gepflegten Wegen des Gartens. Die Zeit der ersten Rosen war vorbei, aber trotzdem blühte es überall. Eine Wolke von Dust hing über den Beeten. — Hier war nun ein langer Weg, besäumt von uralten Laubbäumen. Ihre Kronen vereinigten sich und bildeten ein natürliches Blättcrdach, das die Sonne verdunkelte, ©in Laubcngang war dieser Weg, ein grüner rauschender Dom. Kostbare Marmorfiguren waren auf runden Rasenflächen aufgebaut oder spielten Versteck unter blühenden Sträuchern. „Da ist ja ein Teich!" rief Iulia und strebte tänzelnd dem Wasser zu. „Dieses Schilf ist künstlich angepflanzt worden , erklärte er. „Sieht dieser stille Weiher nicht geheimnisvoll aus? — Man kann hier Kahn fahren und an heißen Mittagen auf dem Teiche schlafen. Oh, das ist noch -längst nicht alles. Dieser See kann vom Grunde aus durch Scheinwerfer erhellt werden", und er erzählte ihr, wie diese Beleuchtungsanlage anfänglich Schwierigkeiten verursacht hätte. Man habe druckfeste Lampen bauen müssen und diese Lampen seien durch Taucher — richtige Taucher mit Taucheranzügen auf dem Grunde des Teiches verankert worden. Der Anblick des erleuchteten, mit Fischen besetzten Sees sei unbeschreiblich und märchenhaft schön. „Ich bekomme langsam Angst vor tnr“, scherzte sie und sah ihn dankbar an. „In vierzehn Tagen also wirst du das Haus beziehen können. Dann wollen wir ein Fest geben, Iulia. Don diesem Fest wird man in ganz Berlin reden. Man soll wissen, was man meiner Freundin schuldig ist."-- * An einem Tage, der voll Licht und Wärme war, hielt Iulia Einzug in ihrer kleinen Residenz. Sie war glücklich und hatte glänzende Augen. Lothar wich nicht von ihrer Seite. Er freute sich ihrer Dankbarkeit. An diesem Tage festigte sich sein Entschluß, diese Frau zum Weibe zu nehmen. _______ Mitte des Parkes kam ein geHeirnnisvoNeH, fhit* kes Leuchten her, und erst als man näher kam, erkannte man, daß es ein vom Grunde erleuchteter Teich war. Tausende hurtiger Fische spiele ten in dem glitzernden Wasser. Es waren Wunder über Wunder. Kähne standen zur Verfügung. Einzelne Paare fuhren auf dem Lichterteich dahin. Man zerstreute sich über die duftenden Wege. — Ohne jede Verwunderung lächelte der große Mond am Himmel. Da flatterte ein Frauenlachen durch die Sträucher, blieb an den duftenden Büschen hängen, zerstieb, Heberredende Männerworte klangen flüsternd durch den Park, sanden Widerhall an den Stämmen der Bäume, verwehten. In einer Höhle aus Tropfstein im hintersten Teile des Parks hatte sich ein Paar verirrt. Bald klang aus der Höhle Gläserklingen. Hier standen ein paar Flaschen Sekt in Kühlern. Man hatte an alles gedacht. „Dieser Emmerstorff ist der fabelhafteste Mann Berlins", lachte der junge Mann in der Tropfsteinhöhle und stieß mit dem Mädchen an. Immer noch wunderte sich der Mond nicht. Man tanzte auf einem grünüberdachten Plan bei Fackelbeleuchtung im Freien, in der Nähe des Teiches. Immer noch lächelte der Mond. Erst als der frühe Morgen sich durch eine durchdringende Kühle mit leichtem Wind anzeigte, gingen die letzten Gäste. „Nun sind wir allein", flüsterte Lothar Emmerstorff der festberauschten Iulia zu. Er hatte sie im Park beim Teich gesunden. Die Scheinwerfer am Grunde des Teiches leuchteten noch immer. Lothar stellte sie ab. „Wir wollen die Natur reden lassen", sagte er und blinzelte nach dem stillen Mond, der nun fginen Schein in dem Wasser des Teichs wiegte. Emrnerstorff löste den ersten Nachen und sprang in das wippende Fahrzeug. „Reich mir die Hand, Iulia!" Sie hatte sich in ihren Mantel gewickelt unÄ fröstelte. Ein kleines Lächeln lag um ihren Mund. Sie sah betörend schön aus. Sie setzte sich in den Kahn und Lothar bewegte langsam die Ruder. Das dunkle Wassev gluckste und raunte - eine märchenhafte Weise. So lagen sie schweigsam auf dem kleinen Teich. Die Lichtbänder des Mondes zitterten in den bescheidenen Wellen, die das Ruder hervorrief, und nun summte Iulia eine kleine entrückte Melodie. Der kühle Morgenwind raunte in den Blättern der Laubbäume. Ziehende Wolken verdeckten jetzt zuweilen die Mondscheibe. Es gab Sekunden, da Lothar nur die schattenhaften Hm* " risse Iulias gewahrte. Der Wind fing sich in dem raschelnden Schilfwerk am Ufer. (Fortsetzung folgt.) Lothar hatte für aNeS gesorgt. In sämtlichen Räumen standen große Vasen mit Blumen und blühenden Stauden. Im Wintergarten grünte es und roch nach feuchter Erde. Ein Heer von Dienstpersonal huschte lautlos durch die Räume. Heber dem ganzen Hause lag majestätischer Frohsinn. „Nun müssen wir an die Vorbereitungen zu dem Fest gehen", sagte Lothar mehr in Erinnerung seines Versprechens, als, weil ihm besonders viel an diesem Feste lag. Iulia stürzte sich in die Vorbereitungen. Sie kommandierte und befahl, engagierte Dienstpersonal, Musiker und Köche und legte eine Liste der einzuladenden Gäste an. Der Tag des Festes kam. An diesem Tage hatte Lothar starke Verluste an der Börse erlitten. Er legte mit mißmutigem Gesicht den Frack an und kam gerade zurecht, als die ersten Gäste vorfuhren. Iulia spielte die Rolle der Gastgeberin mit bewunderungswürdigem Geschick. Sie glänzte in einer tief ausgeschnittenen großen Gesellschaftstoilette. Die silberhaarige Perücke bildete eine prächtige Ergänzung zu ihrer gertenschlanken Erscheinung. Lothar war ein liebenswürdiger Gastgeber. Iulia merkte zwar, daß irgend etwas sich hinter diesen freundlichen Mienen verbarg. Sie ahnte, daß es mit seinen Geschäften zusammenhing, aber sie lieh sich die Lebenskraft dieser rauschenden Stunden nicht trüben. Immer neue Gäste kamen. Lothar hörte Namen und Namen. Er schüttelte immerfort Hände, lächelte verbindlich und stellte belanglose Fragen. Ie weiter die Stunden vorrückten, desto bunter wurde das Bild. Die Gesellschaft Berlins gab sich tin Stelldichein. Hnd wie Lothar zwischen den Fracks und Roben stand, sich verbeugte und lächelte, mußte er sich fragen, wozu er eigentlich dieses ganze glänzende Bild hervorgezaubert hatte. — Hatte es einen Sinn? — Hatte es einen bestimmten Endzweck? — Er hörte Iulias helles Lachen aus dem Stimmengewirr herausschlagen. Es flatterte über die bunte Gesellschaft wie eine Fanfare. Er stand neben einem älteren Herrn mit gebranntem Assyrerbart und spiegelnder Glatze und unterhielt sich über Rennaussichten im diesjährigen Derby. Es war ein Herr der Presse und Lothar wußte ganz genau, daß dieses Gespräch mit dem Kahlköpfigen auf nichts anderes hinauslief, als auf ein Interview. Er wendete sich bald ab und suchte Iulia mit den Blicken. Sie stand dort umgeben von einem Kreis gut aussehender junger Herren. Das Essen dauerte ein paar Stunden. Die Stimmung wurde gehoben. Später wurde im Konzertsaal der neueste Film Iulias vorgeführt. Diese Vorführung gestaltete sich zu einer Ovation für die Schauspielerin. Man tanzte, trank, spielte und rauchte. Die Wogen deS Festes brandeten. Von überall her, so schien es, quoll Musik: Negerrhythmus, Blues und Charleston. Iulia tanzte unaufhörlich an diesem Abend. AlS Lothar sie engagierte, war sie außer Atem und hatte glänzende Augen. Unter ihrer weihen Perücke schoben sich ein paar rotglänzende Härchen ihres natürlichen Haares hervor. Dies verwirrte Lothar derart, dah er den Tanz abbrach, noch ehe die Iazzband schwieg. Er stieg langsam die Wendeltreppe zu den, Turmgemächern empor. Hier oben war es still. Nur von unten herauf tönte gedämpfte Musik. Er öffnete das kleine runde Fenster. Die frische Luft tat ihm wohl. Er hatte von hier aus einen herrlichen Blick über den weiten Pavk, über den sich ganz langsam die ersten Schleier des heranbrechenden Abends legten. Er stand lange an diefem runden Fenster und schaute in die Wipfel der alten Bäume: „Ich werde sie heute fragen, ob sie die Meine werden will", sagte er sich und stieg endlich wieder die Treppe hinab. Unten nahmen ihn die Wellen der Lustbarkeit in ihre Arme. — Sein Gesichtsausdruck war gesammelt. Er sprach da und dort mit Künstlern und Gelehrten, lieh sich von den Damen Scherze sagen und trank Sekt und die tausend Parfüms dieser modernen Frauen in sich hinein. Einmal stutzte er. Er sah einen Mann, und es würgte ihn im Halse. Dort stand Ludwig Warburg. Auf seinem Puppengesicht war ein spöttisches Lächeln. Er war im Gespräch mit einer Same. Lilly von dem Hofe, entsinnst du dich nicht? — Sie kam nicht auf und spielte immer noch Zofenrollen. Lothar zürnte Iulia, daß sie ihm auch heute nicht die Gegenwart dieses Warburg erspart hatte. Es war ihm unbegreiflich, dah Iulia ihn immer noch um sich duldete. Plötzlich überfiel ihn eine törichte Eifersucht. Cs schien ihm, als höre Ludwig Warburg gar nicht auf das Geplauder Lillys, als schiele er vielmehr immer zu Iuliai hinüber. Er ertrug den Anblick Warburgs nicht mehr und ging in den Nebensaal. Dort war ein Spiel im Gange. Er schlich um den Spieltisch und sah teilnahmslos zu. Er hatte jetzt nur den einen Wunsch, allein zu fein mit Iulia. Die Menschen alle störten ihn. — Gr hätte dieses Fest nie veranstalten sollen! Als sich die Nacht vor die Fenster des kleinen Schlosses gelagert hatte, sprangen wie auf geheimnisvollen Befehl die Flügeltüren des nach dem Park zu gelegenen Saales auf. Trompetensignale schmetterten und gleichzeitig flammten im Parke geheimnisvolle Lichter auf. Diese Ueberrafchung hatte sich Iulia ausgedacht und sie freute sich ihrer Wirkung. Man begab sich in den Park. Ein voller Mond stand am Himmel. Von der Sie! 6ln W.I2’ Dte J Die 5 Mona»;® 2,20 NE -ieichspstnr lohn, °uch scheinen emZ infolge ho zernfpn anterSamm Anschrif^ MM"" Berlin- die gestrige 1 1 W morgi Mdjitabind Beralungen i Haushall eir die belast! atbeilunt dicabschl Donnerst Die Nochis kurz nach 1 den. lieber sichere 3nfor Im Kabinett heilen \V wahren. De yi suchen V Beröffenllic über das L teil Betroh f/aben. Das Inbistre W29/30 Im ersten Jahrzehnt nur NIVEA KINDERSEIFE Sie Ist nach ärztlicher Vorschrift besonders für die empfindliche Haut des Kindes hergestellt. Ihr seidenweicher Schaum dringt schonend in die Hautporen ein und macht sie frei für eine gesunde Haut- otmung. Preis 70 Pfa. Freilich!, Freiluft und Sonne! Und dazu NIYEA'CREME Das gibt gesunde Haut und schön gebräuntes Aussehen, —auch bei bedecktem Himmel; denn auch Wind und Luft bräunen den Körper. 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Auf schriftliches Angebot soll ein abgängiger fetter Bulle verkauft werden. Angebote sind bis zum 6. b. M. nachmittags 1 Uhr bei der unterzeichneten Stelle auf pro Zentner Lebendgewicht einzuretchen. 4161D Leihgestern, den 2. Juni 1930. _____________Bürgermeisterei. Verlobungs - Anzeigen nofortdioBrUhl’sche Druckerei Verlangen Sie bitte Ruhr-Eiformbriketts den günstigsten Brennstoff für Ofenheizung. Vorteilhafte Wintereindeckung. 342ov Jagd-Verpachtung. Samstag, den 7. Juni, nachmittags 2 Uhr, wird auf dem Nathause zu Cleeberg die Jaadnutzung in dem Eigenjagdbezirk der Gemeinde im Markwald, bestehend aus 150 Hektar Wald auf 9 Jahre öffentlich verpachtet. Bedingungen werden im Termin bekanntgegeben. 4150v Cleeberg, den 27. Mai 1930. Der Bürgermeister: Höhn. BILLIGE NORDLANDFAHRTEN VE RGNUGUNGSR El SEN-DAMPFER -OCEANA« VOM 15. JUNI BIS 26. JUNI, FAHRPREIS RM. 340.- UND AUFWÄRTS VOM 29. JUNI BIS 10. JULI, FAHRPREIS RM. 340.- UND AUFWÄRTS VOM 12. JULI BIS 23. 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