Nr. 2 Erstes Blatt 180. Jahrgang Freitag, 5. Januar MO Erichcint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholle monat$:Be$ugspteis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig sür Trägerlohn, auch bei Richlcr» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. üernfprechanschlüffe unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zrontfurt am Main 11686. SiehennAMger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Umversttät§-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrist 20u , mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Vorbereitungen der Haager Konferenz. Alte und neue Männer im Haag. Die schönste Stadt Hollands nennt man Den Haag, der eigentlich sGravenhage heißt. Amsterdam und Rotterdam sind größer, aber in der Politik bleibt der Haag mit seinen 416 000 Einwohnern doch der wichtigste Ort Hollands, und die großen Diplomaten aller Rationen, die sich fast alle von Angesicht zu Angesicht kennen, hoben sich im Haag mehr als einmal ein Stelldichein gegeben. Schon im 17. Jahrhundert war der Haag ein Mittelpunkt der europäischen Diplomatie: 1688 wurde dort ein Dreibund zwischen England, Schweden und den Riederlanden geschlossen, drei Jahre darauf trafen sich im Haag die deutschen Fürsten, 1710 fand in der holländischen Stadt eine Konferenz zwischen dem deutschen Kaiser, England und den Ricderlanden statt, 1717 gingen dort Frankreich, England und Holland ein Bündnis ein und wurde der Friede zwischen Spanien, Savoyen und Oesterreich besiegelt. Aus den letzten Jahrzehnten erinnert man sich der beiden Haager Friedenskonferenzen von 1895 und 1907 sowie der Einweihung des Friedenspalastes, zu dem Carnegie das Geld gegeben hatte, im Jahre 1913. 2m August 1929 trafen sich dann wieder die Diplomaten, um im Haag über den Voung-Plan zu beraten: es war eine andere Generation von Delegierten als vor dem Krieg, aber die meisten Teilnehmer kannten sich schon untereinander, sei es, daß sie im Bölkerüund in Genf, auf einer Abrüstungskonferenz oder bei anderen politischen Kongressen einander kennengelernt, sei es, daß sie als Sachverständige in Paris an gemeinsamen Beratungen teilgenommen hatten. In den wenigen Monaten, die seitdem vergangen sind, hat sich in der europäischen Diplomatie und in der Zusammensetzung der Regierungen viel geändert, und die neue Konserenz führt ganz andere Persönlichkeiten zusammen. B r i a n d , dessen geistreiche Reden von allen Zuschauern der großen internationalen Konferenz des letzten Jahrzehnts cöensrschr bewundert wurden wie seine grundsätzlich bügel- faltenlosen Hosen, ist zwar wieder erschienen. Aber sein großer Partner Stresemann kann sein Werk nicht mehr vollenden, und alle Minister, alle Journalisten empfinden, welche Persönlichkeit aus ihrer Mitte verschwunden ist. Auch sonst weist die deutsche Delegation Süden auf. Der Reichsbankpräfident Schacht ist zu Hause geblieben, weil man seine Forderungen nicht bedingungslos angenommen hat, und Dr. H i l f e r d i n g , der noch im August als Reichsfinanzminister Stresemann zur Seite stand, mußte seinem Rachfolger Moldenhauer weichen. Schacht hat Hilferding gestürzt: aber die Zusammensetzung der deutschen Delegation beweist, daß es in diesem Ressortkrieg nur Besiegte und keine Sieger gegeben hat, denn weder der Rcichs- bankpräfident noch der gestürzte Minister nehmen an den entscheidenden Verhandlungen im Haag teil. In Pariser diplomatischen Kreisen hat man in diesen Tagen weniger über die Deutschen gesprochen, die zur Konferenz gefahren sind, als über den Reichsbankpräfidenten, der zu Hause geblieben ist, weil sein Fernbleiben auf eine konziliantere Tonart der Verhandlungen schließen läßt. Delegierte, die die Konferenz nicht besuchen, obwohl sie eigentlich dorthin gehören, erregen auch in anderen Ländern größte Aufmerksamkeit. In England und in Deutschland unterhält man sich besonders viel über den englischen Außenminister Henderson, der vor ein paar Monaten im Haag eine große Rolle gespielt hat, diesmal erber ostentativ darauf verzichtet, in die Verhandlungen einzugreifen, und der lieber zu einer unwichtigen Ratsbesprechung nach Genf fährt, um der neuen Haager Konferenz jede Möglichkeit zu politischen Aussprachen zu nehmen. Die englische Reg'erung wünscht, den finanztechnischen Teil zum Abschluß zu bringen und alle anderen Angelegenheiten unerörtert zu lassen. -Dennoch kann man vom britischen Standpunkt aus nicht behaupten, daß England im Hoog schlecht vertreten sei. Der Delegations- sührer ist Philipp Snowden, der zur ersten Konferenz als „neuer Mann" erschien, dessen hartgeschnittenes Gesicht mit dem dünnen, energischen Mund aber den Diplomaten längst vertraut geworden ist. Der gebrechliche Mann, der stets an zwei Stöcken geht, hat sich den bei internationalen Verhandlungen wenig geschätzten Beinamen eines Kämpfers redlich verdient: er hat die englischen Interessen mit einer Hartnäckigkeit, fast könnte man sagen, mit einem Fanatismus vertreten, der ihm in Frankreich wenig Sympathien eingetragen hat. Zu seiner Unter» stützung wird er von dem britischen Handels- ministec Graham begleitet. Als diplomatischer Berater kommt der Gesandte Sir Eric P h i p p s aus Wien und schließlich ist es nicht weit von London tzum Haag, falls sich die unbeliebte politische Aussprache nicht vermeiden lassen sollte: dann kann dem britischen Schatzkanzler schnell ein weniger angriffslustiger Kollege zu Hilfe eilen. Don den großen Delegationen Pflegt sich die französische Abordnung am wenigsten in ihrer Zusammensetzung zu ändern. Ratürlich Briand! Aber auch Loucheur darf nicht fehlen. Loucheur ging aus dem Krieg als einer der wohlhabendsten und vielleicht sogar als der reichste Mann Frankreichs hervor. Er hat seine Laufbahn in einer Umgebung bürgerlicher Enge begonnen: sein Großvater hat noch am Webstuhl gesessen, sein Vater war Baumeister, und der junge Loucheur fing am Polytechnikum an, das er schon mit 21 Jahren mit Glanz absolvierte. Dann ging er zur elektrischen Industrie, arbeitete in Frankreich und in den Kolonien, auf dem Balkan und in Syrien, und als der Krieg aus- brach, stand er an der Spitze der „Societe Generale d'Entreprise", die die erste große Konzernbildung dieser Art gewesen ist. Im Krieg wurde er technischer Beirat von Albert Thomas, der jetzt Direktor des internationalen Arbeitsamtes ist, und bewährte sich als glänzender Organisator. Loucheur kennt Deutschland, das er oft besucht hat, und wird als politischer und wirtschaftlicher Sachverständiger im Haag eine bedeutende Rolle spielen. Zur franz'.s scheu Delegat'.oi g.hört ferner der Finanzminister Cheron, aus dessen Laufbahn es eine lustige Anekdote gibt. Als Cheron noch als Rechtsanwalt in Lisieux wirkte, hielt er eines Tages in einem Derleurndungsprozetz ein meisterhaftes Plädoyer und zeichnete den Richtern das Bild eines Verleumders, der unschuldig wie ein Lamm toärcl Kaum hatte er seine Rede beendet, so erhob sich der gegnerische Anwalt und erklärte zu Cherons begreiflicher Verblüffung: „Das Plädoyer war ausgezeichnet, und ich verzichte aus das Wort, da mein Kollege Cheron versehentlich die Mandaten verwechselt und meine Partei verteidigt hat." Tatsächlich hatte Cheron in der Eile die Akten nur flüchtig durchblättert, und da ihm andere wichtigere Prozesse im Kopf herumgingen, ergriff er aus Unachtsamkeit die Partei seines Gegners. Leider kann man nicht damit rechnen, daß dem Minister Cheron das Mißgeschick des Rechtsanwalts noch einmal widerfährt, denn er soll nun höllisch aus- p assen. Auch unter den Franzosen erscheint ein neuer Mann, Herr Tardieu, der erst Anfang Ro- Dcmber die Regierung übernommen hat und nun die Interessen seines Landes selbst vertreten will. Tardieu war im Jahre 1897 Attache der französischen Botschaft in Berlin, hielt sich aber nicht lange in Deutschland auf, dessen Freund er niemals gewesen ist. Er ist jetzt 53 Jahre alt, ein stattlicher Mann, der wie ein Generaldirektor wirkt, und dessen Rednertalent unbestritten ist. — In den Zug, der die französische Delegation von Paris nach dem Haag bringt, ist in Brüssel der Vorsitzende der Konferenz, der belgische Premierminister I a s p a r, eingestie- gen. Er ist Mitglied der klerikalen Partei und gehört zu der antiflämischen Minderheitsgruppe. Die deutsche Delegation besteht aus dem Außenminister C u r t i u s , der schon bei der ersten Konferenz als rechte Hand Stresemanns galt und dem jetzt Dr. Moldenhouer zur Seite steht. An den Verhandlungen nehmen ferner Dr. Wirth, der neue Wirtschaftsminister Robert Schmidt, der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Schubert, der Chef der Reichskanzlei Staatssekretär P ü n d e r , und der soeben ernannte neue Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Schäffer teil, der der Rachfolger des zurückgetretenen Staatssekretärs Popih ist. Als Sachverständiger ist der Delegation der bekannte Hamburger Bankier M e l - chior beigeordnet. Oesterreich entsendet seinen neuen Bundeskanzler Dr. Johann Schober, der jetzt 55 Jahre alt ist. Er hat sein Qlmt erst Ende September angetreten und erscheint daher im Haag als eine neue Größe, obwohl er in der internationalen Politik längst Weltruf genießt. Aus Ungarn kommt Graf Beth - len in Begleitung mehrerer Minister, der Chef der rumänischen Delegation ist der Außenminister Mironescu, Italien schickt seinen Finanzminister Mosconi und den Außenminister Gr an di, während Japan sich damit begnügt, seinen Pariser Botschafter A d a t s ch i mit der Wahrnehmung seiner Interessen zu betrauen. Sanktionen und Ioungplan. Puris, 2. Jan. (WB.) Das Gewerkschaftsblatt „Le Peuple" fragt, ob die französische Delegation im Haag die 'eanttionsfrage, von der doch im August nicht die Rede gewesen sei, aufwerfen werde und besonders, ob sie verlangen werde, daß im Falle der Nichtausführung des Houngplans durch Deutschland die Gläubigermächte Zwangsmaßnahmen anwenden, vor allem das Rheinland wieder besetzen könnten. Das Blatt wendet sich — wie gestern bereits der „Soir" — gegen eine derartige Möglichkeit, es schreibt: Die Sanktions- frage kann nicht aufgeworfen werden, ohne den -Grundsatz der geplanten Regelung selbst in Frage zu stellen. Das Charakteristikum des 2)oung- plans ist, irgendwelche politische Garantien durch einen finanziellen Mechanismus z u ersetzen. Der grundlegende Gedanke der Ausführung ist, daß Deutschland sich seinen Berpslichtungen nicht entziehen kann, ohne seinem Kredit Schaden zuzufügen und daß, wie die Erfahrung lehrt, die sogenannte Ausführungspolitik ein sicheres Mittel ist, Deutschland außer Stand zu setzen, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Man darf nicht sagen, daß derartige Garantien zur Sicherung der Kommerzialisierung unerläßlich sind; gerade das Gegenteil ist de'r Fall. Keine Mobilisierung der deutschen Schuld wird möglich sein, wenn die Eventualität der Wiederbesetzung irgendeines Teiles deutschen Gebietes fortbesteht. Sollte Frankreich also eine derartige Forderung stellen, dann würde es sich im Haag isolieren. Die Regelung der deutschen Schuld wird die vorzeitige Rheinlandräumung zur Folge haben. Diese Konsequenz kann man nichtwieder in Frage ft e 11 e n. Der Berliner „Vorwärts" kommt ebenfalls auf die Sanktionsfrage zu sprechen. Zwischen Deutschland und den Gläubigerstaaten — genauer gesagt zwischen Deutschland und Frankreich, das deshalb auch den Ministerpräsidenten Tardieu entsendet — gebe es nur eine Streitfrage: Die Sanktionen. Soziologisch und ökonomisch gesehen, sei der Gedanke absurd, Frankreich dürfe auf das Recht auf militärische und andere Sanktionen gegen Deutschland im Falle einer absichtlichen Zahlungsoersäumnis zurückgreifen: Nichts würde eine Stockung deutscher Zahlungen so verschärfen und seine voll ge Zahlungs- ' Unfähigkeit so sicher herbeiführen wie die Drohung und Durchführung von. Sanktionen — es brauche nur an die katastrophale Währung-Zerrüttung von 1923 erinnert zu werden. Juristisch sei die Idee auch nur den Schein eines Rechts auf Sanktionen zu bewahren, nicht weniger verdreht: Habe doch der Vertrag von Locarno für alle Zukunft Ge- waltmaßnahmen von der Art des Ruhreinbruchs ebenso gut wie den Krieg selbst zwischen den beiden Nachbarvölkern ausgeschlossen. Der Plan, das Sanktionsrecht aufrechtzuerhalten, wäre um so absurder, als die R e p t o endgültig und für immer verschwinde — also die Instanz, die einzig dazu berechtigt gewesen sei, eine deutsche Verfehlung fcstzuftellen, auf die hin die Gläubigerregierungen Sanktionen hätten unternehmen dürfen. Reparationssanktionen ohne Reparationskommission wären gerade im Sinne des Versailler Vertrages eine völlig törichte in s i ch haltlose Vorstellung. Der französische Nationalist klammere sich trotzdem an sie. Die Angst vor den Sanktionen existiere nicht sür die britische Arbeiterregierung, ebenso wenig sei von ihr die französische oder die deutsche Sozialdemokratie befangen. Aber die Angst vor den Sanktionen ist nun einmal eine Realität in den heute noch mit- oder vorherr- . sehenden Schichten des kontinentalen Europas. Deshalb habe man sich in Verhandlungen zwischen Paris und Berlin bemüht, auch hier "eine Kontor- b i e n f o r m e l zu finden, um die geängstigten Gemüter zu versöhnen. ppincare über den Noungplan. TaS besetzte Rheinland als (Garantie. Paris, 2. Jan. (WB.) „Homme Libre" gibt Stellen aus einem neuen, in der in Buenos Aires erscheinenden Zeitung „Racion" veröffentlichten Artikel Poincares wieder, der sich mit den Bedingungen und Folgen der Ausführung des Voungplanes beschäftigt. Es genügt nicht, so heißt es u. a., daß die Gläubiger Deutschlands sich über sämtliche Bestimmungen des TZoungplans und die Internationale Bank einigen; es genügt auch nicht, daß die Ausführungsgesetze in Berlin, Paris, Rom, London und Brüssel angenommen werden. Es genügt ferner nicht, daß jedes dieser Länder die Ratifizierung vollzieht. Vor allem ist es notwendig, daß Deutschland sich finanziell in die Lage seht, den Voungplan auszuführen, andernfalls würde man ein schönes Gebäude auf einemSandhausen errichtet haben. Deutschland muß wissen, daß dies die Bedingung ist und daß im Fall ihrer Richterfüllung das als GarantienochbesehteRheinland 1930, also fünf Jahre vor der im Versailler Vertrag vorgesehenen Frist, nicht geräumt werden kann. Diese Besetzung ist das eine uns für die Regelung des Problems der versprochenen Reparationen noch verbleibende Pfand. Wir können nur darauf verzichten, wenn Deutschland sich ehrlich bemüht, die herabgesetzten Poungplan- ennuitäten zu erfüllen. Im Eingang seines Artikels sucht Poincare das Verhalten' Dr. Schachts zu würdigen, dessen Memorandum zweisellos der deutschen Regierung keinen Dienst geleistet und auch der Vorbereitung des Poung- plans nicht genützt habe, der jedoch — und daraus komme es vor allem au über die F i - nanzreform in Deutschland gewacht zu haben scheine. Die Osireporationen im Haag. Haag, 2. Jan. (Tel.-Lln.) Der bisher noch völlig ungewissen Regelung der Ostreparationen wird auf französischer Seite besonderes Gewicht beigelegt. Man scheint die Absicht zu haben, die Konserenzverhandlungen mit diesem Punkt z u eröffnen. Die Schwierigkeiten mit Bulgarien werden im großen als überwunden angesehen. Der Hauptstreitpunkt mit Dlngarn liegt im wesentlichen in der Forderung der Kleinen Entente, daß Ungarn auf Artikel 230 des Vertrages von Trianon verzichten soll, der die schiedsgerichtliche Regelung von Streitfragen vorsieht. Ungarn lehnt es nach wie vor ab, auf diesen einzigen, für Ungarn günstigen Artikel zu verzichten. Auch der neue Vorschlag Ungarns, für die Zeit von 1934 bis 1965 eine Entschädigungssumme von 260 Millionen Goldkronen zu übernehmen, die bei der B. I. Z. diskontiert werden soll, wobei der Ertrag der Diskontierung den ungarischen Optanten zugutekomme, stößt auf den Widerstand der Mächte der Kleinen Entente. Die endgültige Streichung der österreichischen Reparationsschuld dürste jedoch kaum auf Schwierigkeiten stoßen und scheint bereits in diplomatischen Vorverhandlungen geregelt zu sein. Die Anwesenheit des Bundeskanzlers Schober soll in erster Linie den Vorverhandlungen für die österreichische 700 Millionen Schilling- Auslands-Anleihe gelten, über deren endgültige Aufnahme Schober sodann anschließend in London, Paris und Rom verhandeln wird. London und die Haager Konferenz. Man wünscht keine nencn Schwierigkeiten. L o n b o n, 2. Jan. (TU.) Der Auftakt zur zweiten Haager Konferenz ist auf englischer Seite wenig beachtet worden. Aus Anlaß der '2lbreife des Schatzkanzlers Snowden und des Handelsininisters Graham am Donnerstag befassen sich zwar einige Blätter, wie „Manchester Guardian" und „Evening Standard" mit den zur Verhandlung stehenden Fragen, aber im allgemeinen wiegt die Einstellung vor, daß sich auf der Konferenz wirklich bedeutsame Schwierigkeiten nicht mehr ergeben dürsten. Diese Auffassung erklärt sich zweisellos zu einem recht erheblichen Teil aus dem verständlichen Wunsch Englands, Schwierigkeiten angesichts der internationalen Lage lind der bevorstehenden Flottenkonferenz unter allen Umständen z u vermeiden und demzufolge die bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu verkleinern. Jin Vordergrund des Interesses steht die Internationale Bank und hier vertritt wenigstens der „Manchester Guardian" die Auffassung. daß es angesichts der deutschen Opposition gegen London als Sitz der Bank auf lange Sicht vielleicht auch finanziell nicht sehr lohnend war durch die Zurückhaltung einiger Millionen Pfund deutscher Llguidationsüber- schüsse einen wirklichen englisch-deutschen Ausgleich zu erschweren. Reben diesem englisch- deutschen Fragenkomplex wird auf englischer Seite vor allem der Frage der Ostreparationen, daneben aber auch den deutschen Sachlieferungen erhebliche Bedeutung beigemessen. Die Abwesenheit des Außenministers Hendersons, die sich mindestens zum Teil aus dem Beginn der Dölkerbundstagung am 13. Januar erklärt, kann als Anzeichen dafür angesehen werden, daß man in London keinerlei ernste Befürchtungen mehr hat, daß es wegen der von französischer Seite angeschnittenen Sanktionsfrage zu neuen Verwicklungen kommen könnte. Indiens Kampf um die Autonomie. Eine Unabhängigkeilskundgebung am 25. Januar. Lahore, 2. Jan. (WTB.) Der von dem eben beendeten indischen Rationalistenkongreh eingesetzte Ausschuß hat beschlossen, am 25. Januar in ganz Indien eine Demonstration für d ie neuen Ziele des Kongresses zu veranstalten, nämlich für eine Autonomie, die der völligen Llnabhängigkeit gleich- tommt. Der Präsident des Kongresses ist ermächtigt worden, sämtliche den verschiedenen gesetzgebenden Versammlungen angehörenden, nationalistischen Mitglieder zur sofortigen Riederlegung ihrer Mandate cmfzufordern. Die Organisierung einer allgemeinen Verweigerung der staatsbürgerlichen Pflichten ist, wie verlautet, vorläufig noch nicht in Aussicht genommen, und zwar beabsichtigt man, wie es heißt, abzuwarten, ob irgendwelche Zwangsmaßregeln v onRe - gicrungSfcitc vielleicht einen geeigneten Vorwand für eine derartige Aktion liefern. Moskauspropaganda in England Eine neue kommunistische Zeitung greift die Arbeiterrcgieruug an. London, 2. Jan. (WTB.) „Evening Rews" behauptet, daß „eine diplomatische Krisis ersten Ranges" drohe, weil das vom russischen Botschafter in London gegebene Versprechen, daß in England keine revolutionäre Propaganda gemacht werden würde, gebrochen worden sei. Das Blatt meint damit die heute von der neuen kommunistischen Tageszeitung „Daily Wörter" veröffentlichte Erklärung des Hauptquartiers der kommunistischen Internationale in Moskau, in der der britischen Arbciterr:g';crung ..Anäscwjct.ntrig n, koloniale Brutalitäten und Vorbereitungen für einen imperialistischen Krieg" vorg:wor,en w rden. „Eve- ning Rews" behauptet tocitir, Macdonald ziehe persönliche Erkundigungen wegen dieses neuen Ausbruches bolschewistischer Propaganda ein und habe heute deswegen aus Schottland in telephonischer Fühlung mit London gestanden. Hohe Beamte des Foreign Office hätten heute den „Daily Wörter", der die Botschaft der Kommunistischen internationale enthielt, durchgesehen, und es sei eine weitere Bummer des Blattes an Macdonald nach Lossiemouth gesandt worden. 3n den nächsten Tagen würden Konferenzen darüber stattfinden, ob eine Aktion unternommen werden solle. 3n einem „Moskau geht an die Arbeit" überschriebenen Leitartikel sagt die „Times" ironisch, die englische Regierung habe nicht lange zu warten brauchen, um zu sehen, wie die Sowjetregierung ihr Versprechen, keine Propaganda zu treiben, auffasse. Die von der neuen Zeitung veröffentlichte Botschaft der Kommunistischen Internationale, die sich hauptsächlich gegen die „sozial ° f aszi st i- sche Arbeiterregierung" richte, sei ein flagranter Fall bolschewistischer Propaganda. Henderson versichert, die Sowjetregierung habe sich verpflichtet, die Propaganda der Komintern zu zügeln: es sei jetzt seine Aufgabe, zu handeln, und zwar mit einer Entschiedenheit, die jede Mögl.chk.it eines Mißverständnisses in Moskau ausschließe. Hochzeitsamnestie in Italien. Rom, 2.Jan. (Tel.-Un.) Aus Anlaß der bevor- stehenden Hochzeit des italienischen Kronprinzen hat der König eine Amnestie erlassen, die am Donnerstag in Kruft getreten ist. Sie betrifft im wesenllichen Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder entsprechende Geldstrafen sowie Strafmandate, ferner wurden alle Diebe begnadigt, deren Beute den Wert von 500 Lire nicht überschreiten. Bon der Amnestie ausgeschlossen sind alle, die zur Zeit des Verbrechens unter besonderer polizeilicher Aufsicht standen. Die Amnestie erstreckt sich nicht auf Verbrechen gegen den Staat, Spionage, Aufruhr, Desertion usw. Für das Heer und die Marine wird eine Amnestie für Dienstvergehen gewährt, die im Jahre 1929 begangen wurden. In der Stadt werden zur Zeit die letzten Arbeiten für die Ausschmückung der Straßen und Plätze in Eile ausgeführt. Der ehemalige Kronprinz Rupprecht von Bayern hat als Onkel der Braut des italienischen Kronprinzen zur Vermählung eine Einladung erhalten. Angesichts der bei Kriegsbeginn unterbrochenen Beziehungen zu seinem Schwager, dem belgischen König, hatte er die Einladung zuerst ab- gelehnt. Unter gewissen Voraussetzungen und Zusicherungen seitens des Quirinals erfolgte inzwischen seine Zusage. Der ehemalige Kronprinz wird mit seiner Gemahlin an der Trauung im Quirinal teilnehmen. Die Mahnung des Reichspräsidenten. Berlin, 3. Ian. (Priv.-Tel.) Reichspräsident von Hindenburg hat die Gelegenheit des Empfanges der Reichsregierung benutzt, um an Parteien und Volk einige ernste Mahnungen zu richten. Hindenburg führte aus, daß eine große Airzahl von Aufgaben int neuen Jahre der Erledigung harre, insbesondere die Durch- und Weiterführung der zur Rentabel- machung der Landwirtschaft erforderlichen Maßnahmen. Hm diese schweren Fragen lösen zu können, müsse Parteigeist und Interessenpolitik hinter die großen vaterländischen Gesichtspunkte zurückgestellt werden und alle Deutschen mähten sich in den Lebensfragen des Volkes zu einer breiten einheitlichen Front zusammenschliehen. Hoch über den Parteien müsse das Vaterland stehen. Wer entschlossen die Hand mit anlegt und mitarbeitet an den Aufgaben der Gegenwart und am Aufbau der Zuörnft, handle wahrhaft national. Die Ansprache des Reichskanzlers enthielt einen Heberblik über die außen- und innenpolitischen Aufgaben, in der man indessen einen ausdrücklichen Hinweis auf die Rotwendigkeit einer alsbaldigen Lösung der Saarfrage vermißt. Dieser wäre um so notwendiger gewesen, als man auf französischer Seite offenbar bestrebt ist, die Saarfrage bis nach Erledigung der Haager Konferenz zu verzögern. Aus der Antwortrede des Reichspräsidenten an die Vertreter des Diplomatischen Korps verdient besonders hervorgehoben zu werden der Hinweis, daß Deutschland seine Aufgaben im Kreise der Rationen nur erfüllen könne, wenn es politische Freiheit und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten habe. In dieser Formulierung kann man einen Hinweis auf die wichtigen noch schwebenden Fragen sehen, die auf der Haager Konferenz eine erhebliche Rolle spielen, nämlich die Empfehlungen der Pariser Sachverständigenkonferenz auf Beseitigung der Hemmungen des internationalen Handels und auf Verzicht auf die Sanktionspolitik. Gklareksteundschasten. Disziplinarverfahren gegen einen Berliner Staaisanwaltschaftsrat. Berlin, 2. Jan. (TH.) Gegen Staatsanwaltschaftsrat Dr. Willy Wasmundt von der Berliner Staatsanwaltschaft I ist, wie jetzt erst bekannt wird, vor einiger Zeit vom Generalstaatsanwalt beim Kammergericht ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden in dem seine Beziehungen zu den Gebrüdern S k l a r e k einer Rachprüfung unterzogen werden sollen. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Wasmundt ist bis zum Abschluß dieses Verfahrens, in dem bereits einige Zeugen vernommen worden sind, beurlaubt worden. Aus diesem Grunde kann er nicht im Tscherwonzen-Fälscher» Prozeh, der am nächsten Montag seinen Anfang nimmt, die Anklage vertreten. An seine Stelle tritt Staatsanwaltschaftsrat Grünberg. Der Staatsanwalt, der sich lebhaft für Rennen interessiert, hatte Max Sklarek auf dem grünen Rasen kennengelernt und war einer Einladung des Rennstallbesihers gefolgt. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich dann eine Freundschaft. Aus Anlaß seiner bevorstehenden Heirat hatte Dr. Wasmundt ein I u n g g e s e l- lenabschiedsessen im Hotel „Adlon" gegeben, das er jedoch zeitig verlieh. Max Sklarek bezahlte die Rechnung und Dr. Wasmundt hat nach seiner Angabe diesen Betrag später mit Sklarek verrechnet. Wei- ter soll Dr. Wasmundt auch ein Darlehen von Max Sklarek erhalten haben, das er jedoch ebenfalls später zurückgegeben habe Reichslandbund und Berlin, 3. Ian. (Priv.-Tel.) Wie die „Landvolknachrichten" mitteilen, haben die Präsidenten des Reichslandbundes, Minister a. D. Schiele, Hepp und Bethke, an die geschäftsführenden Präiidenten des Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren, Hugenberg und Seldte, einen Brief gerichtet, in dem zunächst erklärt wird, dah der Reichslandbund in dem Kampf gegen die Kriegsschuldlüge und gegen den Tributplan seine ganze Kraft für das Volksbegehren und den Volksentscheid eingesetzt habe, obwohl diese Haltung nicht ohne Gefahren für den inneren Bestand des Landbundes und für seine Z u s a mm enarbeit mit anderen Parteien und W i r t s ch a f t s g r u p p e n gewesen sei. Im Gegensatz zu den Auffassungen, wie sie im Hugenberg-Lager vertreten wurden, betont der Brief, dah nach Auffassung des Reichslandbundes der Reichsausschuh eine für die besondere Aufgabe des Volksentscheids willkommene Einrichtung gewesen sei, die nach Erledigung dieser Aufgabe aufgehört habe zu bestehen. Schließlich wird in dem Brief noch hervorgehoben, der Reichslandbund vertrete die Auffassung, daß für den Kampf um die deutsche Zukunft eine breitere Front gebaut werden müsse. Der Reichslandbund sei bereit, die kommenden Aufgaben gemeinsam mit allen Hugenbergausschuß. nationalen und christlichen Kräften des Volkes in Angriff zu nehmen. Die gleiche Auffassung herrscht, wie die „Landvolknachrichten" weiter erfahren, auch innerhalb der Christlich- Rationalen Bauern - und Landvolkpartei. Wie aus einer Meldung der „Rassaui- schen Bauernzeitung" hervorgeht, sieht auch die Landvolkpartei die Tätigkeit ihrer beiden Vertreter im Reichsausschuh praktisch als beendet an. Hierzu teilt der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren mit: „Ein Teil der Presse gibt den Inhalt eines Briefes wieder, mit dem die Präsidenten des Reichslandbundes die Mitgliedschaft des Reichslandbundes im Reichsausschuß für das Volksbegehren als erloschen ansehen. Dieser Brief ist schon alt. Er ist am 23. D e z e m b e r dem Reichsausschuß zugestellt worden. Die Präsidenten des Reichslandbundes begründen ihren Schritt u. a. mit inneren organisatorischen Fragen des Landbundes. Die an diesem Schritt von der gegnerischen Presse geknüpften Schlußfolgerungen gehen um so mehr fehl, als der Kampf gegen den Poungplan, an dem der Reichslandbund stets aktiv beteiligt war, ja noch nicht abgeschlossen ist. lieber die kommenden politischen und organisatorischen Maßnahmen des Reichsausschusies wird im übrigen die auf den 7. Januar einberufene P rä f i dia ls i tz u n g entscheiden." Llnerledigie Entwürfe. Aus der Werkstatt der Gesetzesmacher. Berlin, 3. Jan. (Priv.-Tel.) Der Reichstag ist für bas kommende Jahr schon im voraus mit Arbeit überlastet. Es ist nicht nur eine Fülle von Gesetzentwürfen von Seiten der Regierung zu erwarten, sondern in den verschiedenen Ausschüßen liegen seit Beginn der diesmaligen Wahlperiode, also seit Juli 1928, etwa 36 Gesetzentwürfe, die die Regierung eingebracht hat und die aber bisher keine endgültige Erledigung im Sinne einer Ablehnung oder Annahme erfahren haben. Am wenigsten begünstigt vom Schicksal ist das Reichs in» nenministerium, das allein 7 Gesetzentwürfe unerledigt im Wallotbau liegen hat. Da ist u. a. das im Rechtsausschuß ruhende Gesetz über den Nationalfeiertag vom 4. Juli 1928, das schon zu heftigen Kämpfen Anlaß gab. Dann ein Entwurf über die Prüfuna der Verfassungsmäßigkeit von Vorschriften über das Reichs recht, ein Entwurf zur Aenderung des Vereinsgesetzes, ebenfalls politisch bedeutsam, das Republikschutzgesetz und das Reichsministergesetz, das im Haushaltsaus- schuß auf bessere Tage wartet. Auch das Auswärtige Amt muh auf die Erledigung von rund sechs Entwürfen warten, die aber nicht, wie beim Reichsinnenministerium, vor allem aus innenpolitischen sondern mehr aus Zeitgründen vertagt wurden. Hier handelt es sich meist um weniger wichtige Verträge mit dem Ausland, untit denen der Kuriosität halber ein „Freundschaftsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich des Hedjas, Medjd und anderen zugehörigen Gebieten" erwähnt sei. Sehr stark ist unter den unerledigten Entwürfen auch das I u st i z m i n i st e r i u m mit sechs und das Reichsfinanzministerium mit der gleichen Zahl vertreten. Hier spielt vor allem der Gesehesbündel um das Steuerver- einheitlichungsgeseh vorn Rovernber 1928 eine große politische Rolle. Auch das Reichs- arbeitsrninisteriurn bringt es immerhin auf vier vertagte Gesetzesvorschläge, unter denen dem Arbeitsschuhgesetz wohl die größte politische Bedeutung zukonnnt. Die übrigen Regierungsentwürfe verteilen sich auf andere Ministerien ober sind in gemeinsamer Arbeit entstanden. Damit ist die Liste der unerledigten Arbeiten des Reichstages aber noch lange nicht erfüllt, denn weitaus antragsfreudiger als die Regierung sind die H e r r e n A b g e o r d n e t e n, die sich aber um das Schicksal ihrer Anträge nicht allzu sehr zu kümmern scheinen, denn es ergibt sich, daß für jeden Monat runbSObis 70 bisherunerledigt gebliebene Anträge der Parlamentarier zu verzeichnen sind! Und schließlich werden in den Reichsministerien neue Entwürfe vorbereitet, wie eine Novelle zur Krankenversicherung, eine Seemannsordnung, eine Reform der Dersicherungsauf» sicht, ein neues Preßgesetz und schließlich HaushaltundYounggesetze, so daß es dem Reichstag an Arbeitsstoff wahrlich nicht mangeln wird. Drei Oberbürgermeister gesucht. Bevorstehender Rücktritt der Stadtoberhäupter von Leipzig, Dresden und Chemnitz. Leipzig, 2.Jan. (TU.) Wie die „Leipziger Abendpost" meldet, hat der Leipziger O b e r bürge r m e i ft e r Dr. Rothe am 2. Januar dem Vorsteher des Stadtverordnetenkollegiums sein Rück- t r i t t s g e s u ch eingereicht und gebeten, bereits am 15. April 1930 seinen Posten niederlegen zu können. Die Leipziger Presse nimmt ausführlich Stellung zu der Frage, wer der Nachfolger werden wird. Die rechtsstehende „Leipziger Abendpost" nennt an erster Stelle den Direktor des Leipziger Messeamtes, Dr. Reimund Köhler, dann den Reichsinnenminister a. D. Dr. Külz, ferner die Namen Koch- Weser und Dr. Jarres. Das Blatt meint u. a., Dr. Köhler komme aus der Verwaltung, habe im Messeamt eine hervorragende organisatorische Fähigkeit erwiesen und sei in der mitteldeutschen Frage durch seine verschiedenen Stellungnahmen schon kein unbeschriebenes Blatt mehr: In Dr. Külz sieht das Blatt einen Mann, dem die Fähigkeiten und Voraussetzungen nicht abzusprechen sind. Nach der „Neuen Leipziger Zeitung", dem Sprachrohr der bürgerlichen Linken, kommt zunächst als Kandidat in Frage der jetzige 2. Bürgermeister Hofmann, Rechtsanwalt Dr. Kubitz, dann Dr. Reimund Köhler. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" halten die Nennung von Kandidaten für verfrüht. Sie weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß auch die Oberbürgermeister von Dresden und Chemnitz, Dr. Blüher und Dr. Hübschmann, die beide der Deutschen Volkspartei angehören, mit Erreichung des 65.Lebensjahres zurückzutreten beabsichtigen. Beide sollen, wie das Blatt erfährt, beabsichtigen, mit dem Ablauf des Jahres 1930 ihr Amt niederzulegen, so daß nunmehr in den drei sächsischen Großstädten Oberbürgermeisterwahlen bevorstehen. Wer wird Berliner Oberbürgermeister? Berlin. 3. Ian. (Priv.-Tel.) Der Abschluß des Disziplinarverfahrens gegen den derzeitigen auf Hrlaub befindlichen Oberbürgermeister Dr. Böß ist noch immer nicht abzusehen, doch glaubt man In eingeweihten Kreisen, dah die notwendigen Feststellungen doch noch im Laufe die ses Monats abgeschlossen werden können, und dah dann Anfang Februar das Urteil ausgesprochen werden kann, durch das eine gütliche Auseina Übersetzung zwischen der Stadt Berlin und ihrem jetzigen Oberbürgermeister möglich ist. Wenn Dr. Döh auch noch nicht offiziell hat erllären lassen, dah er nach dem Ab- schluh des Disziplinarverfahrens nicht wieder auf seinen Posten zurückkehrt, so hält man es doch nach wie' vor für unwahrscheinlich, dah er die Geschäfte der Stadt Berlin wieder übernimmt. Die Kombinationen über die Person seines Rachfolgers treten jetzt wieder in den Vordergrund des öffentlichen Interesses, wobei erlegen, 50 Kinder liegen noch krank darnieder. Daneben waren mehrere hundert Kinder an Masern erkrankt, sind jedoch größtenteils bereits wieder gesundet. Das Lager wird streng bewacht. Das Betreten des Lagers ist verboten, ebenso dürfen sich die Flüchtlinge in den einzelnen Baracken nicht aegenseitig besuchen, damit die Krankheit nicht ver- sch.eppt wird. In Hammerstein sind zur Zeit 3200 Personen untergebracht. Die Flüchtlinge erkennen an, daß von deutscher Seite alles für sie getan wird was irgend für sie getan werden kann. Es ist jedoch in einer Anzahl von Fällen vorgekommen, daß die Mütter ihre kranken Kinder versteckt haben, weil sie sich nicht von ihnen trennen wollten. Die sehr religiösen Mennoniten versuchen, den Gewohnheiten ihrer früheren Heimat gemäß die Kinder gesund zu bgten. Bei Untersuchungen des Lagers nach erkrankten Kindern wurden von den Müttern diese Kinder mit aller erdenklichen List den untersuchenden Aerzten entzogen. Es mußten daher sämtliche Barackenausgänge bewacht und dann eine energische Untersuchung der Baracken vorgenommen werden. Sämtliche erkrankten Kinder sind in Einzelräumen isoliert worden. Kurzschluß auf der Berliner Ringbahn. Auf dem Ringbahnhof Papcstraße ereignete sich ein Hnfall, der schwere Folgen hatte. Ein Mann stürzte vom Bahnsteig auf die Schienen und geriet unter einen einfahrenden Zug. Ihm wurde eine Hand zerquetscht. Hm ihn bergen zu können, mußte die Strecke stromlos gemacht werden. In dem Augenblick, als der Strom wieder eingeschaltet tourbe, schlugen plötzlich aus dem elektrischen Schaltwerk Ebersstrahe Flammen heraus. Die Isolierung war durchgebrannt. — Gleichzeitig sprühten auf der Strecke der Stadtbahn in der Nähe des Bahnhofs EberS- strahe elektrische Funken aus den Dchie- nen. Sie setzten an der Heberführung des Bahnhofs Ebersstraße den Bodenbelag der Brücke in B r an d. Die Schienen begannen zu glühen, und als die Feuerwehr alarmiert wurde, liefen von vielen Stellen der Strecke Meldungen ein, daß die Bohlen unter den Schienen in Brand geraten waren und daß somit die ganze Strecke in Gefahr war, für den Verkehr unbrauchbar zu werden. — Der Verkehr kam erst wieder mit großen Verzögerungen in Gang. Krasiwagenexplosion ans der Landstraße. Ein Hamburger Diertonnen-Lastkraftwagen geriet zwischen Barstaedt und Grabow in der Rahe der Ortschaft Warnow (Mecklenburg) in Brand. Den beiden Insassen gelang es gerade noch, den Kraftwagen, der mit wertvollen Fellen und drei Fässern Oel beladen war, zum Halten zu bringen und auf die Felderzu flüchten, bevor das Oel explodierte, den Wagen aus- einanderriß und in einen Trümmerhaufen verwandelte. Die Wetterlage. Jtöst Seydlsfjo re NorHöv Wien Donnerstaa. d.2.Jan. 193Q7" aDas ©woixentos. ® nencr. ®nart> DcdecKtfr vonrig • oedeckt «flrgritz * Schnee & Oraupein. e Mebel K *en geben die Temperatur an Pie Linien verbmdeo Orte mit gleichet* eel -UeresniVeau umgtrMneten Luftdruck Wettervoraussage. Die Störungstätigkeit erreicht noch kein Ende. Infolge des anhaltenden Dorüberzuges der Fallgebiete im Norden werden wir fortgesetzt von den Südseiten, also den wärmeren Teilen beeinflußt. Dabei dringen Staffeln wärmerer Luft vom Ozean her vor, bringen Erwärmung und Niederschläge und verursachen veränderliches und nicht der Jahreszeit entsprechendes Wetter. Zur Zeit schiebt sich über England und dem Kanal eine neue Warmluftwelle mit einem verbreiteten Niederschlagsgebiet westwärts vor, die uns abermals überqueren wird. Die Luft- bewegung nimmt wieder zu, und unter Trübung folgen zunächst Niederschläge. Nach Vorüberzug des Regengebietes und dem Drehen der Winde auf We- sten wird die Wolkendecke erneut durchbrochen. Die Bewölkung gestaltet sich wechselhaft; unter Abküh- hing treten noch Regenschauer auf. Immer noch bleibt das Wetter unbeständig. Wettervoraussage für Sa ms tag: Wieder wärmer, bedeckt und Niederschläge, auffrischende südwestliche Winde, später wechselnd wolkig. Wltterungsaussichten fürSonntag: Weiter unbeständig, wieder Temperaturrückgang, Regenschauer. Lufttemperaturen am 2. Januar: mittags 7,4 Grad $c^h£s' abends 6,8 Grad; am 3. Januar: morgens: 5,6 Grad. Maximum 7,9 Grad, Minimum —0,2 — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2-3?PUQr; abcn*>s 3,2 Grad; am 3.Januar: morgens 3,8 Grad Celsius. — Niederschlag 3,8 mm. — Sonnenscheindauer 1% Stunden. Amtliche Dinlersportnachrichten. Vogelsberg. Hoherodskops: Nebel, 0 Grad, 3 bis 4 cm Pappschnee, Sportmöglichkeit nicht vorhanden. Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, — 1 Grad, 55 cm Pulverschnee Ski und Rodel gut Alpen. Garmisch-Partenkirchen: Be- wölkt. 3 Grad, 6 cm Schnee, gekörnt, Ski und Rodel gut. Ku« fr pro! Gestern serE aubach Gcr Dinners ?tne ®». »öictU imrdon- °r g r als Hl Stig, üo: ehret a" um Po )berlehre uf er r lachte et weisen n »o er st em Gebi Zungen unden- Oie spä^ eichen 0 Vorstand Vollst rischen Ko ; Krankheit?" sind L?'cht Den tyKnge er> 3200 r f,e Qetoh {n-ncn Qn, nn' Wonun ö 'n 'nder ' dir len trennen r*le 41 Hat geB ?.en ®e. 1 UnMudiunne Sir- ler rrLj?" ta >°gen.L" ? As Usr enmg durch. »Dahnhass Ebers. 2 out den Tchie. sannen zu glühen, mtert wurde ®e^iigen rin, S.chienrn und-ah somit <£. für den Verkehr Der Verkehr ton gerungen in Gang. 'N Landstraße. 'Lastkraftwagen ge- 'raboto in der Mhe lenbutg) in -Branl)i es gerade noch, den vollen Fellen »eladenwar, zum i Felder zu stützten, e, den Wagen aus« Trümmerhaufen der« re? irUl lue*» reicht noch a. r oft-«* , Lust oow vzean b ÄiJ über i--r Aoinstag' > en Te!Npel>u- . ..71 Grab TfiS* -y ®'£10 m 3.SflnUar*__S°n' )Mr Ab fftodel jndi “ " Aus dem Gießener Standesamtsregister. In der Zeit vom 16. bis 31. Dezember verstorben in Gießen: 18. Heinrich Delz, Schlachthofkassier i. R., 82 Jahre, Licher Straße 9. 18. Dr. Dierk Behrens, Univ.-Professor i. R., Geheimer Hofrat, 70 Jahre, Südanlage 10. 19. Elise Heil, geb. Fuchs, Witwe, 79 Jahre, Krofdorfer Straße 21. 19. Auguste Melanie Elise Mentzel, ohne Darus, 59 Jahre, Hofmann- strahe 8. 20. Maria Volkert, 6 Jahre, Ederstr. 6. 20. Elisabeths Struth, geb. Stein, Witwe, 81 Jahre, Marburger Straße 15. 21. Ma? Karl Otto Lewerenz, 2 Wochen, An der Kläranlage 76. 21. Magdalene Hofmann, geb. Hofmann, 64 Jahre, Wetzlarer Weg 53. 22. Dr. Georg Otto Ruppel, Chemiker, 30 Jahve, Steinstrahe 59. 22. Adolf Heinrich Peter Georg Johann Karl Wagner, ohne Beruf, 41 Jahve, Nordanlage 3. 22. Dorothea Stohr, geb. Decker, Witwe, 84 Jahre, Ludwigsplatz 5. 22. Konrad Schneider, Arbeiter, 67 Jahre, An der Kläranlage 8. 25. Friedrich Hugo Ernst Daumert, Verwaltungssekretär i. R., 63 Jahre, Landgraf-Philipp Platz 4. 25. Daniel Seegraber, Hausierer. 59 Jahre, Draugasse 3. 27. Philipp Horn, Weißbindermeister, 65 Jahre, Mühlstrahe 31. 28. Berta Marie Flett, Krankenpflegerin, 44 Jahre, Teufelslustgärtchen 22. 29. Jakob Weidrnhaus, Zugführer i. R., 74 Jahre, Mühlstrahe 26. 30. Margarete Haas, geb. Gerhard, Witwe, 73 Jahre, Dleichstrahe 9. 31. Johannes Wilhelm Schleifer, Lokomotivführer, 45 Jahre, Wartweg 90. 31. Karoline Elisabeth Luh, geb. Scholl, 60 Jahre, Kaplansgasse 19. ♦* Autozusammenstoß. Gestern abend gegen 5.30 Uhr ereignete sich auf der Marburger Landstraße hinter der Wellersburg, kurz vor dem Walde, ein Autounglück. Ein Lastwagen der Brauerei Jh ri ng (Lich) kam aus der Richtung Lollar. Vor diesem Wagen befand sich ein Pferdefuhrwerk der Brauerei Denninghoff. Der Führer des Last« wagens bemerkte das Fuhrwerk wegen der Dunkelheit erst auf einige Meter Entfernung. Er wollte nun noch dieses Fuhrwerk, das er etwas angefahren hatte, überholen. In diesem Augenblick kam ihm ein Dostauto mit Insassen (Personal des hiesigen Stadttheaters, das nach Marburg xur Vorstellung fahren wollte, in mäßigem Tempo entgegen. Der Führer des Postautos hielt die rechte Fahrbahn ein. Der Führer des Lastwagens wollte nun mit seinem Wagen noch schnell rechts ausweichen, was ihm aber nicht mehr gelang. Er fuhr mit seinem Fahrzeug das Postauto linksseitig an. Die Kühler beider Wagen schoben sich | Vermietungen | Frdl (Höbt Zimmer mit sep. Eingang u. el. L. iu verm. 033 Schoitttrafte 10 p. | Mietgesuche"] Wohnung 3-5 Zimmer. Küche, von alleinsteh. Dame u. hoher Miere, evtl. Abstandssumme, »u miet. ges. Schr. Ang. u. 050 a. d. 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Am 10. November 1881 bestand er an »er Universität Gießen das Staatsexamen für >as höhere Lehrfach. Don 1882 bis 1884 war t als Hilfslehrer am Realgymnasium zu Gießen ätig, von 1884 bis 1904 wirkte er als Ober- ehrer am Gymnasium zu Laubach, mittlerweile tum Professor ernannt von 1904 bis 1909 als Oberlehrer am Realgymnasium in Gießen, Worms er in den Ruhestand trat. Studienhalber nachte er von 1882 bis 1906 wiederholt größere Reisen nach Frankreich, England und Italien, do er für seine wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Gebiete der Geschichtsforschung vielfach« Anregungen fand. Don 1907 an wirkte er als Urkunden- und Denkmalpfleger, sowohl in Gießen, Die später und bis heute in Laubach und zahlreichen Orten des Dogelsberges. Er gehörte dem Vorstand des Historischen Vereins für den Volksstaat Hessen an, war Mitglied der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, ferner Hilfsarbeiter bei der Limes-Kommission. Im Zähre 1906 wurde ihm vom Großherzog das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Die Stadt Ulrichstein ernannte ihn in Anbetracht seiner Verdienste um di« Erforschung der Ulrichsteiner Nefchichte und seines regen Wirkens für den Vogelsberg im Jahre 1915 zum Ehrenbürger von Ulrichstein. Im Jahre 1925 ernannte ihn der Historisch« Verein für den Volksstaat Hessen, im Jahre 1927 der Oberhessische Geschichtsverein zum Ehrenmitglied, um dadurch seine Verdienste um die hessische Geschichtsschreibung anzuerkennen. Mit Professor Roeschen verliert die Stadt Laubach, wohin er 1912 übersiedelt war, aber auch die Provinz Oberhessen und das ganze Hessenland einen Mann, der von glühender Liebe für seine engere Heimat, ganz Hessen und darüber hinaus für das Deutsche Reich beseelt war und der diese starke Heimatliebe durch zahlreiche geschichtliche Forschungen und fesselnd geschriebene Dücher zum Ausdruck brachte. Wer das Glück hatte, mit dem Heimgegangenen in nähere Deziehungen zu treten, lernte in ihm einen Mann kennen, dem der Dienst für das Allgemeinwohl Herzensbedürfnis war und der sich dieser Aufgabe mit vorbildlichem Eifer und größter Gewissenhaftigkeit unterzog. So hat er u. a. auch für die Ideale des Vogelsberger Höhen-Clubs sehr viel getan, und für die Verbreitung der Kenntnis von den landschaftlichen Schönheiten des Vogelsbergs ist der von Professor Roeschen geschriebene Führer durch den Vogelsberg und die Wetterau von auher- >rdentlichem Wert geworden. Neben seinen chriftftellerischen Arbeiten als Geschichtsforscher hat er vielfach auch in Vorträgen, zuletzt erst noch vor etwa 14 Tagen im Oberhessischen Ge- schichtsv^rein in Gießen, die Früchte seiner Forscherarbeit der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Schwache Nerven eind«die Grundursachen der meisten Krankheiten. Bei Blutarmut, Herzklopfen, Schwä- chezuständen aller Art, Zittern Appetitlosigkeit nervösen Magenbeschwerden soll man Doppelherz, das anerkannte Nervenkröftig- ungsmittel nehmen. Probeflasche M. 2.50, große Flasche 4.50 und 5.50. Doppel h e rz- | Dragees M.1.50. Niederlage: frins Hindenburg, Hed.-Drog. H. Elges, Seiterew.68a;Löwen- DrogerieW.KUbinger Micbf., Leitersweg; Drogerie H.Noll.Lud- w.gspL n. Neustadt; Krens-Drog. A. Noll, Kunholstr. 61; Drog. C. Seibel, Frankfurter siraBe; Drogerie O. W nterhoH, Krens- Illis 9/ID. 4256V Leupin - Creme tausendfach bew. bei Flechte Krltxe, Jacken, Aus- leblag.Hämorrhoiden Beiuscbäden. : Zu haben [10110V Löwen • Drogerie W. 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Von Beileidsbesuchen bittet man Abstand zu nehmen. DV- Der heiittgen Ausgabe des Gießener Anzeigers liegt eine Beilage der Krma JrcnSdorf,('ihekcn,Aeustadt—EdeBahn- ...... [41D |Stellengesuche| saubere Srau NIMM, noch Waschstelle an. Zu erfr.i.b. Geschit.d.G.Anz. »<» $006 Nil auf l.Hyvothek sofort ans Geschciftshaus gesiicht.Schr.Ameb. iu 037) a.d. Gies;. Anz. Mdchen das etwas kochen kann u. Hausarbeit versteht, gesucht. Zu et fr. t. d. Geschft. d.Gten. Anz. 032 .tut 500 Mark können Sie (ich im neuen Iahte ein Vermögen erwerben wenn Sie iotort den Generalvertricb eines 1930er Ver° kausöschlaaersübei' nehmen. Kätner find alle Bureaus des Handels, der Jn- tmiirie undBerwal- tunn (ow. alle olienen Verkaniss'.el en.Uni. Crnnnifnior kommt zu Jbncu, daher Horcher Pavierkorb. Es werd.nurHer' en berütfücbugt, d. übet üuo Mk. Beiriebs- kavtial verfugen 0?V Postlach BJ Arnstadt. gebraucht, gut erb- für sofort zu kauten gesucht. Wo? sagt dte Geschäftsstelle des Gten. Anz 024 Danksagung. 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Diese Eigenschaft ergibt zwar zunächst einen heißen Dialog, zieht aber auf d.e Dauer das Gespräch in schier endlose Längen hinein und kann dem dramatischen Gesamtwerk die Konzentration nehmen, welche die an Ort und Zeit — nicht zu ihrem Schaden — gefesselte Dühnenkunst nun einmal verlangt. Doch Barlach kümmert sich nicht um irgendwelche Gesetze, unter die er sich bequemen mühte, wenn sie ihm nicht durchaus eingeboren sind. Trotz des Nachteils hat diese kühne Freiheit denn doch den Vorteil, dah sie Varlachs dramatisches Dichtwerk bis auf den heutigen Tag, bis in sein einundsechzigstes 2ahr hinein wirklich ausgenommen worden sind. Diese Verbindung mit der.Heimat trägt im besonderen Maße dazu bei, das Deutjchbewußtsein und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Auch dort, wo, wie in Nordamerika, das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum deutschen Volke häufig schon fast erloschen ist, pflegt stolz und freudig gerade bei Kriegsschiffbesuchen mächtig wieder aufzuflammen. Die Kriegsschiffe pflegen auch häufig deutsche Büchereien, die ihnen von reichsdeutschen Kulturpflegeorganisa- tionen, wie dem Verein für das Deutschtum im Aus- land übergeben worden sind, als Geschenk und ständige Anregung zur Fühlung mit deutsckem Geistesgut zurückzulassen. Die bisherigen Auslandreisen deutscher Kriegsschiffe haben gezeigt, daß auch die fremden Nationen durch das ausgezeichnet disziplinierte Auftreten der deutschen Kriegsschifsbesatzungen und durch den politischen und diplomatischen Takt der Kommandeure den besten Eindruck von deutscher Wesensart erhalten. Diese Kriegsschissbesuche haben schon häufig dazu beigetragen, die aus der Kriegszeit zurückgebliebenen Vorurteile zu zerstreuen. Ein Musterbeispiel für einen solchen moralischen Eroberungssieg war die Aufnahme des soeben in die Taten für Freitag, 3. Januar. 1829: der Philologe Konrad Duden auf Gut Dossigt bei Wesel geboren. Daten für Samstag, 4. Januar. 1785: der Sprachforscher Jakob Grimm in Hanau geboren; — 1786: der Philosoph Moses Mendelssohn in Berlin gestorben; — 1844: der Dichter Viktor Dlüthgen in Zörbig ber Halle geboren; — 1849: Franz Taver Gabelsberger, Begründer der deutschen Stenographie, in München gestorben; — 1880: der Maler Anselm Feuerbach in Venedig gestorben. Die amerikanische Polizei bat ermittelt, dah der Neuyorker Stadtrichter Vitale Oberhaupt einer Verbrecherbande ist, die in vielen amerikanischen Grohstädten Morde, Raubüberfälle und Erpressungen begangen hat. Linser Mitarbeiter, ein vorzüglicher Kenner der älnterwelt Chikagos und Neu- yorks, berichtet über zahlreiche ähnliche Fälle der letzten Zeit, in denen angesehene amerikanische Bürger schwer kompromittiert worden sind. Entsprungene Zuchthäusler, Bankdefraudanten, Heiratsschwindler, denen die PollM auf den Fersen war, und allerlei Taugenichtse aus gut bürgerlichen Familien — solche gescheiterten Existenzen hat die Alte Welt im 19. Jahrhundert gern auf die Reise über den Atlantischen Ozcan geschickt, um sie los zu werden. Die Desperados aller Nationen, die Draufgänger, die vor nichts zurückschreckten, waren „drüben" vorzügliche Pioniere, denen es niemals an der Energie fehlte, sich gewaltsam durchzusetzen, die aber auch nicht zögerten, den Nevolver zu gebrauchen, um einen Nebenbuhler zu beseitigen. Der kriminelle Einschlag der Vorfahren hat den Bürgern der Vereinigten Staaten nichts geschadet, und man weih heute in der ganzen Welt, dah der Pankee ein rechtschaffener, ehrlicher Mann ist, der von den amoralischen Pionieren nur die Kühnheit, die Frische der Lebensführung geerbt hat, ohne den gesellschas tsfcindlichen Charakter zu bewahren. Die Vereinigten Staaten haben sich überdies seit langer Zeit gegen die Einwanderung von Verbrechern geschützt. Doch konnte man in der Neuen Welt nicht verhindern, dah die kriminellen Eigenschaften vieler frühen Siedler gelegentlich einmal in den Nachkommen zum Durchbruch kommen, und so ist es zu erklären, dah sich das amerikanische Verbrechertum durchaus nicht wie in Europa zum überwiegenden Teil aus dem Lumpenproletariat zufammensetzt, sondern dah man von Zeit zu Zeit irgendwo in den Weststaaten eine Bande von Wegelagerern, Pferdedieben oder sogar Mördern findet, deren Wiege in den Bankierspalästen Neuyorks, Chikagos, Bostons oder Philadelvhias gestanden hat, und deren Mitglieder ein merkwürdiges Doppelleben führen. In der Neuyorker Gesellschaft, und zwar tn den Kreisen der „oberen Vierhundert", sprach man eine Zeitlang viel über unerklärliche Diebstähle, die bei festlichen Veranstaltungen in vornehmen Häusern verübt wurden. Ein ganzes Heer von Detektiven ging an die Arbeit und ermittelte, dah einige Milliardärssöhne die Schuldigen waren. Ein anderes * 1 ' Mal wurde der intime Freund eines Bankiers dent von Chikago hat selbst zugegeben, dah nach seiner Ansicht die Hälfte der sechstausend Polizisten die er Stadt am Alkoholschmuggel beteiligt ist. Der frühere Bürgermeister von Chilago, Big Bill Thompson, der bei seinem Amtsantritt versprochen hatte, die Stadt in wenigen Monaten von den Verbrechern zu reinigen, muhte zurücktreten, da ihm nachgewie en wurde, dah er m i t derChikagoerälnterwelt unter einer Decke steckte. Big Dill hat sich nicht einmal gescheut, 500 ihm unterstellte Polizisten als Schnapsschmuggler zu beschädigen. Auch Staatsanwalt Crowe, der seinerzeit die Anklage gegen die jugendlichen Knabenmörder und Millionärsöhne Loeb und Leopold vertreten hat, wurde päter beschuldigt, „nebenbei" Mitglied einer Verbrecherbande gewesen zu sein. Aehnlich erging es dem Sheriff Hoffmann, einem Geiängnis- beamten, der den eingesperrten Verbrechern ermöglichte, von der Zelle aus ihre „Geschäfte" ortzusetzen, und der schließlich selbst ins Ge- ängnis wanderte. Es gibt auch in anderen Ländern bedenkliche Beziehungen zwischen Polizei und Verbrechertum. Aber in Philadelphia lag eine Zeitlang d i e ganzeStadtverwaltung in den Händen eines Korruptivns- r i n g e s , dessen Macht nicht zu erschüttern war. Die Verbrecher hatten sich in einem bestimmten Stadtviertel angesiedelt und blieben von den Behörden völlig unbelästigt, solange sie bei den Wahlen der in der Stadt herrschenden Porter ihre älnterstühung zuteil werden liehen. Erst wenn ein Gauner zur Gegenpartei überging, wurde mit der vollen Strenge des Gesetzes gegen ihn eingeschritten. Besonderes Aufsehen erregte es vor rund einem Jahr in Neuyork, daß der beliebte Bord- kommissar der „Berengaria", Mister William Ballyn, plötzlich verhaftet wurde. Ballyn war den amerikanischen Curopareisenden unter, dem Spitznamen „Der singende Bordkommissar" gut bekannt: er war nämlich mehrere Iahre Dirigent eines Schiffsorchesters von 45 Matrosen gewesen und trat auch als Sänger hervor. Nach seiner Verhaftung muhte er gestehen, dah er auf 30 Ozeansahrten für uckgefähr eine Million Dollar Schmuck in die Vereinigten Staaten eingeschmuggelt hatte. Aber der Mihbrauch einer amtlichen Stellung ist in Amerika nichts Seltenes, und gerade der letzte Skandal, der sicherlich noch zu zahlreichen Verhaftungen führen wird, steht in der amerikanischen Kriminalgeschichte nicht beispiellos da. In den Iahren 1912 und 1913 erfuhr die Welt zum erstenmal von den merkwürdigen Beziehungen zwischen Behörden und Verbrechern in Amerika, als der SpiSlhöllenbesiher Rotenthal plötzlich ermordet wurde. Rosenthal zahlte, wie es damals üblich war, an Neuyorker Polizci- beamtc umfangreiche Bestechungssummen, um auf diese Weise vor seinen Verfolgern sicher zu sein. Es gab sogar einen Polizeioffizier, den Leutnant Becker, der am Gewinn der Spielhölle beteiligt war. Bei der Gewinnverrechnung entstand ein Streit zwischen Rosenthal und dem Leutnant Becker, so dah die „Geschäftsbeziehungen" abgebrochen wurden. Rosenthal muhte den Klub schliehen und ging rachsüchtig zum Staatsanwalt, mit der Drohung, dort „auszupacken . Am Tag vor der entscheidenden Vernehmung wurde er auf offener Straße erschossen. Polizeileutnant Decker hatte die Mörder gedungen. Spukhaftigkeit nicht in die strengen starren Formen der Bildhauerkunst hineinbekommt, das läßt er wohl in seine Dramen einströmen; nicht immer zum Vorteil der Klarheit seiner Bühnen- _ Sichtungen. — Lind drittens: Darlach ist als I zu Magdeburg aufrichten. paßk in seiner Sprödigkeit zu den Menschen, die er darstellt. Der Künstler soll für die Menschen sprechen. Er darf also nicht bloß oberflächlich und Aeuße- rcs darstellen, er muß die Menschen austun, er muß ihr Inneres zeigen. — Zunächst widerspricht das ja den Mecklenburgern; denn sie sind verschlossen, sie geben sich schwer kund. Es mag sein, daß Barlach ihnen zunächst wider ihren Willen aus den Fesseln ihres Wesens heraushilft. Da hat Barlach wesentlichen Einfluß von Rußland her empfangen. Abweichend von europäischer Konventionsangst hat der Russe die Sehnsucht und den Mut, sein Inneres zu erschließen, ja gar auszuschreien. Ein Holzschnitt Barlachs z. B. zeigt ein weites Gefilde, und da kniet ein halb verhungertes Weib über ihr sterbendes Kindlein gebeugt, und reicht ihm, schmerzverzehrt, die schlaffe Brust. Aber der Künstler muh sich vor dem Zuviel hüten: es übersättigt oder verwirrt den Betrachter. Lind er böte z. B. „zuviel", wenn er das ganze Innere des menschlichen Wesens aufrisse. Er wirkt mit dem klug ausgewählten bezeichnenden Teil mehr als mit dem Ganzen. Da ist sein Holzbildwerk „Sorgende Frau"; dieses Weib sitzt da mit breit auseinandergestellten Beinen, ihr derber Kopf ist starr etwas vorn- übergcneigt, vom wuchtigen Oberkörper herab hängen die Arbeitsarme, legen sich die breiten Hände tief auf dem Rockschoß ineinander — unbeholfener Schmerz, unerlöste Sorge! Lind das zeigt dann mit einemmal in dieser schweren, fast rohen Frau einen Seelenkeim, dec uns zu tiefem Mitleid stimmt. Ein anderes Beispiel: ein Holzbildwerk „Ruhe auf der Flucht". Was könnte der Bildner da alles ausbreiten: allen Iammer der Eltern Iesu, daß sie, auf Schritt und Tritt verfolgt, außer Landes ziehen müssen — oder alle Lieblichkeit der Gottessreunde, denen der Haß der Welt nichts anhaben kann ... alle Lieblichkeit, die ja weit wegführt von der harten Realität und die ja auch Jahrhunderte lang von den bildenden Künstlern mit jener Zartheit, die immer zum Kitsch hinüberschwankt, ausgemalt ist. Nichts von dieser Süßigkeit bei Barlach, aber auch nichts von übertreibendem Iammer! Dah in | dieser kleinen Dildgruppe aus Holz einmal alles liebliche Beiwerk weggelassen ist, schon das macht | den Betrachter aufmerksam und verständnisvoll für die Not, von der die beiden Menschen und I ihr Kind betroffen wurden. Lind Joseph hebt | seinen Mantel und bildet mit ihm ein Zelt über 1 der Gottesmutter — das ist die einzige und um so mehr tröstende Andeutung begnadeter Ruhe. So könnte man fortfahren, an den Holzbildwerken und den in der Manier ihnen nachstrebenden Holzschnitten Barlachs dreierlei zu zeigen: das Verständnis für die ganze Schwere des Lebens, und zwar in der Art, wie die Darlach-Menschen sich bewegen — nicht rund, nicht schwingend, nicht zart und vorsichtig, .sondern eher eckig, eher ruckweise oder gewaltig sausend, eher hart und barsch — und in der Art, wie sie ihr Kleid um sich wickeln, schnüren, spannen oder vom Wind blähen lassen. Aber, zweitens, diese Schwere ist nun stets ein wenig aufgehalten, ein wenig aufgehellt, so daß sie auch etwas von dem Erlösenden hat, ohne das keine Kunst bestehen kann. Lind, drittens, es ist nirgendwo zuviel gegeben: immer waltet die echt künstlerische Sparsamkeit. Darlach fühlt sich in erster Linie als BI I d- | Hauer. Da kennt er bis ins letzte die Mitte« und die Möglichkeiten. Lind d:e Gesetze der Dildhauerkunst sind auch seine Gesetze. Es ist immerhin eine seltene Erscheinung, dah ein bildender Künstler auch zugleich Dichter ist und auf beiden Gebieten wirklich Bedeutendes leistet. Barlach gehört zu diesen Erscheinungen. Barlachs Dichtkunst ist nur ein anderer Ausdruck seiner Bildhauerkunst. Barlach ist Dramatiker. Seine Theaterfiguren sind gewissermaßen belebte sprachbegabte Holzbildwerke oder Holzschnitte. Aber er belebt nicht bloß gelungene Bildwerke, sondern auch Vorwürfe und Skizzen und Fragmente, die dann als „Rollen" kaum erfüllbar sind. Weiterhin: einzelne Figuren machen noch kein Drama. Iede Kunst hat ihre eigenen Gesetze. So muh auch ein Drama nach bestimmten Gesehen, die der Dichter in sich tragen soll, komponiert sein. Lind diese Gesetze hat Barlach nicht unbedingt in sich, seine Dramen sind ost unverhältnismäßig, unharmonisch. Lind all das, was Barlach an romantischer Deutschlands Horoskop für 1930. Kosmosophischc Lchiüsalsdcutnng. Die Kosmosophen und Sterndeuter sind in den letzten Monaten nicht müßig gewesen. Sie haben das Horoskop für das neue Iahr gestellt und aus ihm das Schicksal Deutschlands herausgelc- sen. Wir wollen nicht allzu kritisch sein und nur berichten, was nach ihrer Ansicht uns das neue Jahr bringt: Zunächst ist für den Januar eine rege und erfolgreiche parlamentarische Tätigkeit und ein allgemein gutes Gedeihen geweis- sagt. Für den F e b r u a r stehen uns viele Veränderungen, schlechte Gesundheitsverhaltnisse, finanzielle Schwankungen, Skandale und geheime Verbrechen bevor. Der März meint es gu., er bringt Erfolge und gute Gesundheit gute Finanzen, Reformen und soziale Betätigung. Ebenso soll es der April halten Er soll große Einnahmen und neue Einnahmequellen, wirtschaftliches Gedeihen, wissenschaftliche Entdeckungen und neue Erfindungen bringen. »Mai und 3uni werden sich durch Llnruhen und Zusammenstöße, Reise- und Derkchrsunsäile, Betrügereien, Kurssenkungen, Wetterstörungen, Schlagwetterexplosionen usw. auszeichnen. Auch für Iuli und 21 u g u ft lautet die Prognose auf starkes Auftreten von Krankheiten. Der September soll für internationale Verträge ungünstig sein, er soll den Tod und die Erkrankung vieler führender Persönlichkeiten bringen und auch im Mittelpunkt militärischer Aktionen stehen. Das gleiche gilt für den Oktober und den Dezember, der uns mit großen Unannehmlichkeiten nicht verschonen wird. Lediglich der N 0 v e m b e r zeigt im Spiegel der Kosmosophen einiges Erfreuliche. In diesem Monat soll ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland beginnen, Fortschritte und Neuerungen in Schiffs- und Luftverkehr, Entdeckungen, politische Erfolge u. a. fteh^V un$ fuc diesen von der Natur nicht gesegneten Monat be= vor. — Die W e l t e r e i g n i s s e sehen für den Winter des neuen Iahres nicht besonders giin- stig aus. Diese Iahreszeit soll sich durch gefährliche Einflüsse für Staatsoberhäupter und Regierungspersonen, durch Streit, Kampf und Blut- vergiehen auszeichnen. Auch für den Frühling lautet das Horoskop für die Weltereignisse nicht gut. Er steht unter keinen erfreulichen Einflüssen. Der Sommer wird dann das vorhergegangene wiedergutmachen, indem er allenthalben Regierungserfolge, Fortschritte auf allen Gebieten und ein Gedeihen der Völker verspricht. Der Herbst bringt dann wieder eine Häufung fataler Konstellationen und entsprechender Ereignisse. Die Erkrankungszisser soll ansteigen, Massenerkrankungen, Llnglücksfälle in Heer und Marine werden an der Tagesordnung sein. Auch von heftigen und zerstörenden Erdbeben soll die Welt nicht verschont bleiben. Lediglich für die Finanzen steht das Horoskop günstig. Warten wir nun ab, inwieweit die Kosmosophen Recht behalten. Vielleicht trifft doch das eine oder andere von dem Gesagten zu. Heimat zurückgekchrten Schulkreuzers „Emde n" in Neuseeland. Zunächst war die Stimmung gegenüber dem deutschen Besuch geradezu feindselig. Durch das Auftreten der Besatzung schlug die Stimmung bald um und fand spontane Kundgebungen mariner Sympathie. In Auckland wie in Wellington hinterließen Mannschaften und Offiziere der „Emden" den allerbesten Eindruck. Mit besonderem Geschick verstand es der Kreuzer-Kommandant, der aus dem Kriege besonders bekannte U-Boot-Führer von Arnauld de la Periere, sich auf die jeweilige Atmosphäre einzustellen und Offizieren wie Mannschaften zu entsprechendem Verhalten zu veranlassen. Die ausländischen Presseberichte geben ein erfreuliches Spiegelbild dieser deutschen Stimmungserfolge. Die Ausnahme in den spanischen Häfen, der Empfang durch Mussolini persönlich, der Besuch in Griechenland, Konstantinopel, in Niedcrländisch-Jn- dien, auf den Fidschi-Inseln, in Honolulu, in Kalifornien, in Chile und den mittelamerikanischen Republiken, ist ein Beweis für die Notwendigkeit und die Werbewirkung derartiger Auslandreiscn deutscher Kriegsschiffe. Ein deutscher Auslandkreuzer kehrt heim. Seit der Wiederherstellung einer festen Währung in Deutschland sahren auch deutsche Kriegsschiffe und Schulschiffe wieder ins Ausland. Diese Auslandfahrten dienen nicht nur der seetechnischen und 'militärischen Ausbildung der Besatzung, sie sind auch von großem politischen und kulturpolitischen Wert. Die Behauptungen, daß diese Auslandsahrten als ein Luxus finanziell nicht zu verantworten seien, sind durch die Ergebnisse der Auslandreiscn auch in der Nachkriegszeit widerlegt worden. Als die Absicht, wieder deutsche Kriegsschiffe hinauszuschicken, erwogen wurde, da hat die Marineleitung sich vor allem bei den deutschem Auslandkolo- n i e n , die für solche Besuche in Frage kommen, eingehend über die Zweckmäßigkeit dieser Besuche erkundigt. Die Antworten lauteten durchweg zustimmend. Besonders die älteren Auslanddeutschen er- . innerten sich der Vorkriegsbesuche und der Begeisterung, mit welcher die deutschen Seeleute überall dabei ertappt, wie er in das Haus des Finanzmagnaten einbrach. Man sand in der Wohnung des Verbrechers, der seine Strastaten nicht aus Not oder Gewinnsucht, sondern aus „Sport" begangen hatte, genaue Aufzeichnungen über die von ihm verübten Einbrüche, Pläne von Häusern, Einbruchswerkzeuge und Verkleidungsgegenstände. Dieser Gentlemanverbrecher hatte übrigens ein Testament versaht, mit dem er alle Opfer seiner Einbrüche aus seiner Hinterlassenschaft entschädigte. In einer anderen amerikanischen Stadt drangen geheimnisvolle Einbrecher, denen man nicht auf die Spur kommen konnte, in vornehme Häuser ein und stahlen dort Juwelen und Wertpapiere, während sie bares Geld stets liegen ließen. Der Polizei war es unerklärlich, warum den Bestohlenen regelmäßig einige Tage nach dem Einbruch die entwendeten Papiere und Juwelen zurückgeschickt wurden. In einem liebenswürdigen Brief entschuldigten sich die Verbrecher wegen der Störung und legten einen Betrag für zerbrochene Fensterscheiben und erbrochene Schränke in Dollarnoten bei. Schließlich wurde festgestellt, daß die Verbrecher zu den Familien allgemein bekannter, steinreicher Jndu- striemagnaten gehörten. Die Poesie der Gefahr und eine gewisse kriminelle Veranlagung trieben diese Dandies auf die Bahn des Verbrechens. Von diesen Fällen und zahlreichen ähnlichen Straftaten ist wenig bekannt geworden, weil die Verbrecher fast stets vondenBehördenge- schont worden sind; nur aus den Geheimarchiven der Polizei und aus den Indiskretionen von Kriminalbeamten kann man entnehmen, daß einflußreiche Familien sehr oft ihre Beziehungen ausnuhen muhten, um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden und einen ihrer Angehörigen vor dem Zuchthaus zu retten. Die Motive, die zu solchen Straftaten führen, sind sehr verschiedenartig, und man kann keineswegs behaupten, dah die Söhne reicher Eltern niemals aus Gewinnsucht gehandelt hätten. Natürlich sind sie nie aus Not zum Verbrecher geworden; aber es ist doch sehr merkwürdig, daß z. B. Ira H. Perry, der junge Sohn eines reichen Chikagoer Ingenieurs, einen Raubmord beging, durch Bestechung nach drei Jahren Bewährungsfrist erhielt und sogleich wieder Räubereien ausführte. Zweifellos aus Gewinnsucht handelten zahlreiche Beamte, die ihre Verbrechen nicht allein ausführten, sondern sich ganz ebenso wie jetzt der Neuyorker Richter Vitale mit den großer Verbrecherttubs verbündeten. Daß auf diese Weise viel Geld zu verdienen ist, I zeigt der Llmstand, daß arme Leute sich in einem öffentlichen Amt in kurzer Zeit ein großes Vermögen erworben haben. Der Polizeipräsi- Emst Barlach. Zu seinem 60. Geburtstage. Von Or. Johannes Günther. Die Kunst Ernst Barlachs ist zu verstehen aus der mecklenburgischen Volksart. Diese Volls- art ist mit dem Begriff gemütvoller Behäbigkeit, mit dem Bräsig-Menschen lange nicht erschöpft! Schon aus manchem Sah Reuters tritt uns ein schwererer — bald tiefsinniger, bald bitterer — Wesenszug entgegen. Ja, ich glaube, gerade dieser Beigeschmack macht den mecklenburgischen Humor so reich. Es will schon etwas heißen, wenn der von Natur schwer veranlagte Mensch lachen lernt. Wer in Mecklenburg an Ort und Stelle die Menschen auf sich wirken läßt, auch gerade die kleinen Bauern, Bütncr und Kätner, die schwer um ihr Brot ringen und in einem merkwürdigen Starrsinn die Fron auch gar nie gegen die Feier tauschen möchten, der sagt sich: cs gibt hier gewiß manche behäbig-fröhliche Menschen, aber die meisten Mecklenburger haben ein hartes, herbes Wesen. Diese Feststellung überrascht. Denn schon das Wort „Mecklenburg", schon das Wort „plattdeutsch" kann unter Llm- ständen eine Versammlung in lustige Stimmung oder lustige Erwartung bringen. Wir verallgemeinern allzuleicht die drolligen Figuren der immer Cßlustigen, wenig Willenskräftigen, Langsamen. Wie genial Reuter auch seine humorvollen Menschen empfunden und geformt hat, — er hat doch den Irrweg bereitet, daß man Einzelbilder zu Allgemeinbildern macht. Ja, sogar mancher Mecklenburger mag sich bei solchem Wunschbild erholen. Aber dahinter bleibt das ■ Charakterbild verborgen, das der harten Wahrheit entspricht. Diesem wahren Charakterbild, dem wir übrigens auch in den Romanen Friedrich Grieses begegnen, wendet sich Barlach zu. Er sucht die Menschen auf in ihrer Arbeit, in Sorgen, Leid und Krankheit, in Not und Elend und — in ihrer Lust, die sich ganz selten zu einem stillen Seligsein öffnet, viel öfters zu einem rauhen Spott. Barlach selbst ist Holsteiner, aber er hat sich Mecklenburg zur Heimat gewählt, well er hier die ihm wesensverwandten Menschen findet. Barlach, der Bildhauer formt seine Eindrücke und seine Gedanken in Holz, und dieses Material llntttweiinnd obere ZehniMsend inll.SK Von Fred C. ViNinger. lebendig erhält. .Ungeregelt und doch gelungen durch gnädigen Zufall, so zu sagen, durch geniale Improvisation, sind zwei Dramen Barlachs — zwei Dramen, die den unerhörten Ausstieg gewaltiger Persönlichkeiten und ihren trag.schon Nturz darstellen. I Das eine ist „Der tote Tag", die Tragödie des zukunftsgläubigen, über das Irdische hinausbauenden Menschen, der aber dann doch von den nicht sch'.echten, aber eben irdischen Gewalien hcrabgezogen wird — und nun ist das Ganze nicht in schmerzlichen Jammer getaucht, sondern getragen von einer jungen mutigen Sprache und Komposition. Lind das zweite ist „Die Sünd- flut“: Galan, der Tyrann, kennt, im Gegensatz zu dem treugläubigen Noah, keine Macht mehr über sich, nein, mit einem Ucbermut, welcher nur der altgriechischen Hybris vergleichbar ist, baut er seine Herrschast hoch und höher, bis sie schließlich hinweggeschwemmt wird; die Kraft seiner Persönlichkeit aber wird nicht aus- gerottet, sie wird noch benutzt, um uns, durch Calans Mund, die Idee eines Gottes, welcher den Llrsprung darstellt, nicht aufzuzwingen, aber als eindringliche Möglichkeit festzuhalten. Barlach ist kein Held des großen Publikums, aber die wenigen, die, eingeweiht, mitarbeitend, nachsühlend, seine Werte ausnehmen, mögen, als Mittler, Barlachs Energien der Welt zuführen. Als ein echter Weiser sitzt er weit ab vorn Weltgetriebe in dem Städtchen Güstrow. In seinem sechzigsten Lebensjahre hat er seine Biographie „Ein selbsterzähltes Leben" geschrieben, | hat das Drama „Die gute Zeit" geschaffen und I wird sein gewaltiges Krieger-Ehrenmal im Dom Oberheffen. Landkreis Gießen. U Grotzen-Linden, 2. San. Die für den 27. Dezember angesetzte Gemeinderats- fihung war wegen ungenügender Beteiligung nicht beschlußfähig. Deshalb fand am 30. Dezember eine neue Sitzung statt. Diesmal waren außer dem Bürgermeister noch 9 Gemeinderats- mitgliedcr erschienen. Es stand wieder der Antrag der Gewerbetreibenden aus Herabsetzung der hohen Ausschlags- f ä tz e für das Anlage- und Betriebskapital und für den Gewerbeertrag für 1929, der in der letzten Sitzung vertagt worden war. zur Beratung. Mit 1 Stimme Mehrheit (5 gegen 4) wurde nach lebhafter Aussprache die Herabsetzung der Ausschlagssähe a b g c l e h n t. Lu der Frage Les Bürgermeisters, ob bei Einziehung dieser Steuern die Mahn- und Pfändungsmahnahmen nicht gemildert werden sollten, wurde ein Beschluß nicht gefaßt. Mehrere Beschwerden wegen Benachteiligung bei der Zuteilung der Winterbeihilfe wurden als begründet anerkannt und die nachträgliche Ausgleichung beschlossen. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft und die LÄtigkeit des alten Gemeinderats beendet. * Allendorf a. d. Ld a., 2. San. Dieser Tage wurde unter großer Beteiligung der Einwohnerschaft die von der Feuerwehrgerätefabrik Magirus gelieferte Kleinmotorspritze ..Liliput H“, 600 Liter Leistung in der Minute, durch den Kreis - Feuerwehrinspektor Dickore abgenommen. Die Spritze arbeitete tadellos. Nachdem die Wurfweite verschiedener Strahlstärken festgestellt war, wurde in einem zweistündigen Probelauf, bei dem sämtliche Schläuche ausgelegt und geprüft wurden, die Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit der Spritze erprobt. Die Leistungen haben teilweise die Forderung, die von einer solchen Spritze verlangt werden, übertroffen. Eine Tiefsaugprobe konnte nicht borgenommen werden, da hierfür nur ein Brunnen mit drei Meter Tiefe zur Verfügung stand. Bei der Wasserentnahme aus der Leitung konnte die Kirchturmspitze erreicht werden. Nachdem die Bedienungsmannschaften richtig mit der Motorspritze vertraut gemacht waren, wurde diese durch den Kreis-Feuerwehr- inspektvr Dickore den Mitgliedern des Gemeinderats für die Stadt Allendorf a. d. Lda. offiziell übergeben. 5 Harb ach. 2. San. Die Verpachtung des „Heiligen Gutes", des Kirchengutes der Kirche Harbach, ergab 289 Mark jährlichen Pachtertrag. Der Kirchenvorstand genehmigte alle Lose mit Ausnahme von drei, wo noch ein Anstand zu beseitigen ist bzw. eine nochmalige Verpachtung in Frage kommt. * Lauter, 2. San. Sn jedem Winter um die Weihnachtszeit werden in Lauter die Provinzstraßen neu eingedeckt. Das dazu verwandte Material besteht aus ganz grobem Schotter. Sm Gegensatz zu der Herstellungsart in unserem Orte bringt man auf allen Straßen außerhalb des Ortes über diese Steine noch eine Schicht feinen Grus, nur hier mitten im Orte fehlt den Klopfsteinen diese Deckschicht. Un- Einwohnerschaft erwartet alsbaldige Beseitigung des jetzigen Aebelstandes. Die Provinzialstratzen- Lauverwaltung wird sich den Dank unserer Bürger ertoerbcn,_ wenn sie in dieser Angelegenheit schnell und gründlich eine Wendung zum Bessern herbeiführt. wn. Weickartshain, 3. San. Heute morgen gegen 10 Uhr entlud sich hier ein mit Hagel- schlag verbundenes heftiges Gewitter. Dabei schlug der Blitz in das Tranformator- häuschen und zerstörte die Lichtleitung. Durch den furchtbaren Sturm wurden verschiedene Obstbäume umgerissen. Eine ganze Anzahl Siegeln wurden von den Dächern, und bei der Gewerkschaft „Louise" verschiedene drei bis fünf Meter hohe Känneln umgerifsen. Letztere dienten zur Schlammabführung von dem gewaschenen Eisenerz. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 2. San. Am Dienstag überfuhr in Ober-Wöllstadt ein Lieferwagen ein fünfjähriges Mädchen. Das Kind wurde mit schweren Verletzungen in das hiesige Dürgerhospital eingeliefert. Kurz darauf ist es seinen schweren Verletzungen erlegen. 3 Steinfurth, 30. Dez. In der Jahresversammlung des Obst- und Gartenbauvereins svrach Obstbauinspektor R e n t s ch, Friedberg, über Kirschbaumanlagen. Der Redner hält unsere Gemarkung, besonders die hoher gelegenen Teile des Geländes, sehr geeignet für Kirschenanlagen. Sn der Aussprache wurde neben anderen Fragen das Ampfropfen der Obstbäume eingehender erörtert und die Forderung der Sortenverminderung und Beschränkung auf einige wenige marktfähige Obstsorten erhoben. Das dazu notwendige planmäßige Ampfropfen soll, wenn sich genügend Sntereffcnten finden, auch in hiesiger Gemarkung erfolgen. Anschließend hieran fand eine Verlosung statt, bei der einige Obst- bäumchen und Nistkasten unter die Mitglieder verlost wurden. Kreis Büdingen. * Büdingen, 1. San. Die 6. Allgemeine G e flügelschau, verbunden mit einer Kaninchenschau, findet am 11. und 12. Sanuar im Saalbau Schäfer statt. Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen, daß mit einer guten Beschickung gerechnet werden kann. Eine große Anzahl Ehrenpreise stehen zur Verfügung, so daß die züchterischen Leistungen der Aussteller weitgehenüst belohnt werden können. Anter-Schmi tten, 2.San. Sn der Nacht zum Donnerstag toütfte im ganzen Nidda- tale ein heftiger Sturm, der namentlich in unserem Dorfe Verheerung anrichtete. Viele Siegeln wurden herabgeschleudert, manche Dächer, die dem Sturm günstigen Angriff boten, ganz abgedeckt. Eine größere Zahl von Anwesen weist Beschädigungen auf. — Der einzige Veteran von 187 0/71, der noch in unserer Gemeinde am Leben ist, Rau, beging vor den Feiertagen seinen 8 2. Geburtstag. Kreis Schotten. Schotten, 2. San. Die seitherigen Wanderbüchereien, die in einer großen Zahl von Kreisorten zirkulierten, sollen im neuen Satire aufgelöst und die vorhandenen Bücher örtlichen Volksbüchereien überwiegen werden. Auch Neugründungen sind ins Auge gefaßt. Die Büchereien sollen durch Lehrer, die sich dazu bereit erklären, ehrenamtlich verwaltet werden. V" Gedern, 2. San. Nach den neuesten Ermittelungen beträgt die Einwohnerzahl unserer Stadt 2370 gegenüber 2113 im Sabre 1927. Sm abgelaufenen Sah re wurden auf dem hiesigen Standesamt 55 Geburten, 20 Eheschließungen und 32 Sterbefälle eingetragen. Kreis Alsfeld. + Aus dem Ohmtal, 2.Jan. Ein W i nterst e w i 11 e r zog heute morgen um etwa 10 Uhr über unsere Gegend. Mit einigen Donnerschlägen zog es, ohne Schaden anzurichten, weiter. Schreckliches Sturmunwetter herrschte den ganzen Tag über und räumte alles Morsche aus dem Wege. Stellenweise liegen unter den Bäumen die dürren Aeste wie gesät. Die Ohm ist stark angeschwollen. ck. W e 11 s a a s e n, 2. San. Bei der Abschiedsfeier unserer Gemeinde zu Ehren des nach Offenbach a. M. übergesiedelten Lehrers Roth, über die wir am Dienstag schon kurz berichteten, brachte die Gemeinde dem nach 16jähriger Tätigkeit von hier scheidenden Lehrer einen Fackelzug, dessen Eindruck durch die Mitwirkung der Musikkapelle Bloß (Flensungen) noch verstärkt wurde. Sm Namen der ehemaligen Schüler richtete Albert Langohr herzliche Dankesworte an den scheidenden Lehrer, namens des Schulvorstandes, der Gemeindevertretung und der ganzen Gemeinde sprach ferner noch Bürgermeister Hock herzliche Dankesworte. die mit besten Wünschen für das weitere Wohlergehen der Familie Roth schlossen. Mit bewegten Worten dankte Lehrer Roth für die ihm in so reichern Matze bekundete Liebe und Wertschätzung der Gemeinde Wettsaasen, an die er und seine Familie immer gerne zurückdenken würden. Preußen. Dillkreis. v Schönbach, 1. San. Sn der Silvesternacht, die sonst sehr ruhig verlief, geschah leider unweit des Dorfausganges eine rohe Tat. Der Arbeiter B i e h aus Donsbach stellte den auf dem Heimweg befindlichen Mehgerburschen Ritte r b u s ch aus Breitscheid, zertrümmerte nach kurzem Wortwechsel dessen Fahrradlaterne un3 stach blindlings auf ihn ein. Der Verletzte, der einen tiefen Riß an Wange, Ohr und Hals davontrug, schleppte sich bis zur Bahnhofswirtschaft. Der herbeigerufene Arzt von Breitscheid ordnete die Aeberführung des Gestochenen, der sehr viel Blut verloren hatte, in eine Klinik an. Noch in der Nacht wurde er mit dem Kreis-Krankenauto nach Dillenburg gebracht. Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 245. Don Srcala. 3 6 5 4 2 8 7 1 g h 8 3 2 7 6 5 1 Schwarz, d e a b Ls 4 Weiß. Weitz zieht und seht in zwei Lügen matt. Weih: 5 Steine. Ke4; Del; Lb5; Sg8; Bh2. Schwarz: 6 Steine. KH5; Bc4, g5, gb, h3, H4. Eine leichte, aber gefällige Aufgabe. Endspiel Nr. 81. Lehrreiche Partiestellung. Das folgende lehrreiche Schlutzspiel ereignete sich im 11. Trebitschturnier zu Wien zwischen Takacs und Grünfeld. Schwarz: E. Grünfeld, a bedefgh a b c d e t g h Weiß: A. Takacs. 8 6 6 5 5 3 3 2 2 Weiß: 13 Steine. Kgl; Dc2; Tel, kl: Lb2, g2; Se4; Ba2, b3, c4, d5, g3, h2. Schwarz: 13 Steine. Kg8; Dc7; TdS, e8; Ld7, e7; Sg6: Bao, b7, c5, f6, g7, H7. Stellung der Partie nach dem 20. Luge von Schwarz. Takacs am Luge, beendete die Partie durch folgenden glänzenden Schlutz: 21. d5-d6!, Le7Xd6. 22. S«4xf6+!, g7xf6 23. Lg2-d5+, Kg8-g7. 24. Lb2xf6+, Kg7-h6 25. TelxeS, Td8xe8. 26 Dc2—d2-4-, aufgegeben nach Sf4. 27. gxf, Kg6. 28 Lb2 ist Schwarz hilflos Lösung des Problems Nr. 241. Don Dr. W. Galihkh. 1. Sd5—f6! usw. Aus der Schachwelt. Von ausländischen Spielern nehmen am Weihnachtsturnier teil: Capablanca, Maroczy und Vidmar. Das internationale Schachturnier zu Scarborough soll in der Leit vorn 23. Suni bis 8. Suli 1930 stattfinden. Sn einem gemischten Turnier zu Braunschweig siegte Ahnes (außer Wettbewerb) mit 4 Punkten. 21m 13. Leopold - Trebitsch - Turnier zu Wien nehmen teil: Lokoene, König, Schenkeln. Bentum^ Gerbec, Hönlinger, Leimer, Glatz, Spielmann« Lichtenstein, S. R. Wolf, Müller, Sgel, ©rünfelöj Dr. Gruber, Professor Kreicik und Kmoch. Die vorjährige 2Neisterschaft von Moskau get wann wiederum Verlinsky. Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom NedaktionSttsch. Jahresverdiensk. Pepke, der Landschaftsmaler, saß am Strand« b$r Insel Helgoland und malte. Da kommt sein Freund Papke, stellt sich neben ihn mit der Uhr in der Hand, sieht jenem zu, bis der andere den Pinsel aus der Hand legte. „Bist du nun fertig?" „Jawohl", sagte Pepke. Papke sah auf die Uhr: „Du hast nun eine halbe Stunde gemalt. Nun sage mal: Was bekommst du dafür?". „Zweihundert Mark", antwortete Pepke. „Zweihundert Mark", kam es gedehnt zurück. „Wenn du nun am Tage bloß sechs Stunden malst, dann sind das mal zwölf — sind zweitausendvier« hundert Mark, das macht in einer Woche — zwei- tausendoierhundert mal sechs — macht vierzehntausendvierhundert Mark, und in einem Jahre zweiundfünfzigmal soviel — das macht--; Mensch, du lügst 1" W. G. Die Sonne. »Die Sonne geht am Morgen links auf. Die Sonne geht am Abend rechts unter. Wo bleibt sie in der Nacht?" »Ganz einfach," sagt Edith zu Erich, „sie läuft während der Nacht denselben Weg zurück und ist am Morgen wieder auf der linken Seite." „Glaubst du?" meint Erich. „Aber da mühte maii sie ja sehen, wenn sie zurückläuft." „Du bist aber dumm. Nachts sieht man doch nichts." Der Bierfilz. Ein Amerikaner kommt zum erstenmal in Hamburg an. Nachdem er sich in ein Restaurant begeben hatte, bestellt er sich dort ein Glas Bier. Sofort erhält er das Gewünschte, in der üblichen Art mit einem Bierfilz. Ruhig trinkt der Amerikaner sein Bier aus und verzehrt den Bierfilz dazu. Er bestellt noch ein GlaS, abermals legt ihm der Kellner einen Bierfilz hin. 2luch diesen verzehrt er zu seinem Bier. Dann ruft der Amerikaner : „Oberrl Noch ein Glas Bier, aber fein Keks mehr!" Das Erbe desHerrn vonAnstetten. Vornan von J. Schneider-Foerstl. Arheber-Rechtsschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Begrüßung in Benares war überstanden! Auf Tausend und aber Tausend Fragen Antwort und Bescheid gegeben. Smmer wieder das gleiche. Was auch Tussein gehört hatte. Erst auf der Sagö im Dschungel, dann die Fahrt nach China — in Rußland mit Mühe der Gefahr entronnen unö zuletzt die Flucht auf dem Dampfer „Lenin", der ihn wieder nach Sndien brachte! Diners, Soupers und Einladungen, die sich über ihn ergossen, wurden mit stoischem Heldenmute absolviert. Zwischenhinein ging ein langer Brief an Brun- Hilde ab mit der großen, großen Lüge seines Lebens. Fieberkrank sei er! Seit Tagen in Dardschiling ans Bett gefesselt. Günther wäre inzwischen aus Rußland zurückgekehrt, müde und gealtert, mit dem festen Vorsatz, immer in Sn- bien zu bleiben. Zur Leit gehe er ganz in seiner, Hans Peters, Pflege auf. Wie aus einem Wasserbade kommend, stand er vom Schreibtisch auf, als diese Flut von Anwahrheit zu Papier gebracht war. Aber es mutzte sein! Er mußte die geliebte Frau vorbereiten auf das, was kommen würde. Am Samstag setzte er zum ersten Male wieder den Fuß in den Bungalow, der jetzt Akabs Eigentum war. Alsworth, dem er sein Kommen gemeldet hatte, empfing ihn mit einem stummen Druck der Hand und widmete ihm den ersten Abend. Er saß lange schweigend, als Anstetten ihm seinen Plan entwickelte und hob mißbilligend die Achsel, als er endlich fertig geredet hatte. „Man soll zu einer alten Schuld nicht eine neue häufen, Baron. Sch wiederhole den Rat, den ich Shnen schon damals auf Capri gab. Vertrauen Sie sich Shrer Gattin an. Sch glaube, wetten zu können, daß die Sache ein glückliches Ende nimmt." Anstetten saß kopfschüttelnd. „Sie vergessen, daß dieser illegitimen Ehe zwischen mir und der Witwe meines DettcrS ein Kind entsprossen ist " „Am so besser," ließ sich der Doktor hören. „Dann wird sie — wenn sie sonst nichts mehr für Sie übrig haben sollte — schon um dieses Kindes willen keinen Skandal heraufbeschwüren, sondern Sie weiter als rechtmäßigen Gatten und Vater gelten lassen." ..Wenn Sie doch Recht hätten," murmelte der Baron. Aber fein Hoffen dauerte nur Minuten. Dann ergriff ihn wieder die alte Depression. Er sah Brunhilde, wie sie von Ekel geschüttelt, ihn zwar neben sich duldete, aber bei jeder Berührung seiner Finger zusammenschauerte! Sah Bernd, der mit dem Gesichte des Verachtenden an ihm vorüberschritt und cs vermied, ihn an- zusprechen, und las in dessen dunklen Augen sein vernichtendes Urteil. Betrüger! Abenteurer! „Nun?" Alsworth hatte die Erregung in An- stettens Lügen wahrgenommen und stieß schwere Wolken aus seiner Havanna in die Luft. „Mein Entschluß ist endgültig, Doktor. Sie werden — sagen wir in zwei Tagen meinen Tod melden! Sch vereinsame lieber, als daß ich die Verachtung von Frau und Sohn ertrüge." „Gut! — Wenn Sie sich bis morgen abend nicht anders entschlossen haben sollten, werde ich die verhängnisvolle Depesche abgehen lassen. Die Folgen vermag ich nicht vorauszusehen. Sie dürfen sich aber nicht verhehlen, verehrter Herr Baron, daß diese unter allen Umständen getragen werden müssen." Anstetten nickte zustimmend. Er sah das Ganze, wie auf der Flimmerleinwand vor seinen Augen abrollen: Brunhildes maßloses Erschrecken im ersten Augenblick! Shr hilfloses Weinen, die Mitteilung an das Gesinde, dann ihre Fahrt nach Wien zu Bernd. Der Sunge würde wohl am gefaßtesten fein, da er ihn vorbereitet hatte. Lage, vielleicht auch Wochen schmerzlichster Trauer. Dann ein Abflauen der schmerzlichen Gefühle, ein Sichergeben in das Unabänderliche und die Neueinteilung des Lebens ohne ihn. Nack) Sahr und Tag lief alles wieder seinen gleichen Gang. Brunhilde würde sich wieder freuen an allem, ihre Söhne würden der beste Trost für sie sein und schließlich —. Anstetten biß die Kiefer hart aufeinander. Er durste den Gedanken, daß ein anderer, vielleicht Oerhen, sich einen Platz in ihrem Herzen zu erringen strebte, und seine Kinder ihn Vater nannten, nicht in sich aufkommen lassen. Er merkte nicht, daß der Doktor ihn dabei unverwandt beobachtete, sah auch nicht, wie dieser sich aus dem Stuhle hob und nach der Türe ging. Erst dessen „Gute Nacht!" ritz ihn aus seinem Grübeln. „Gute Nacht!" sagte er schleppend, hörte die Klinke einschnappen und lehnte den Kopf willenlos gegen die Rückwand des Stuhles. Akab fürchtete für den Verstand seines Gebieters. Bis zum Morgengrauen schritt dieser ruhelos vom Haus nach dem Garten und wieder zurück, sprach mit sich selbst und nahm ein halbes dutzendmal den Weg zum Grab des Toten, das in schweigender Einsamkeit, in Der Nähe des Bungalow, lag. Zuweilen raste Anstettens Blut, dann überschüttete er den Toten mit einer Flut von Vorwürfen. Lies von dem grünen Hügel weg, kam wieder zurück, und bat ihm die harten Worte ab, faß reglos auf dem weihen Stein, den Akab zu einer Art Bank gewandelt hatte und wiederholte die ewig gleiche Frage: „Hans Peter, was soll ich tun! — Was soll ich tun, Hans Peter?" Dessen Mund blieb stumm. Er schwieg, wie nur Tote schweigen können. Eine neue Flut von Vorwürfen ging über den Hügel hin, der längst nichts anderes mehr als vermodertes Gebein umschloß. „Du hast gewußt, wie es kommen wird, Hans Peter! — Du hast es gewußt! Nun schläfst du und hast alle Not von dir getan und ich muh die Folgen tragen! Die Folgen, die du durch deine Bitte heraufbeschworen hast!" Akabs Schatten fiel über den schmalen Weg, der milchig in der Sonne flimmerte. „Sahib! Es ist zwecklos, sich so zu quälen." „Was soll ich tun?“ „Handeln, wie ein Mann! — Den Toten aber lasse ruhen! Das Geschick liegt immer in den Händen der Lebendigen!" So wurde es Abend. Anstetten sah die Sonne westwärts gleiten und wurde still. Se weiter Die Schatten, welche die Berge warfen, über Dardschiling hinfielen, desto mehr kam Frieden und Ergebenfein über ihn. Alles ging zur Ruhe! And er? Hatte er nicht drei Sahre Glücks im Aebermah genoffen? Drei volle Sahre! Daß es nicht länger Dauerte, war nur feine Schuld. Der Tote stellte keine Ansprüche und hegte keine Wünsche mehr. — And wenn er noch so einsam werden sollte, immer würde ein Strahl, ein leiser Abglanz der Tage des Glückes sich in seine Verlassenheit beritten. „Schreiben Sie, Doktor!" Anstetten drückte Ms- worth, der in seinem Arbeitszimmer saß, die Feder in die Hand. „Baronin Brunhilde von Anstetten Schloß Anstetten, Oesterreich. Baron Hans Peter von Anstetten heute nacht dem Fieber erlegen. Bestattung übermorgen. Dardschiling, Den 16. Oktober. Dr. Alswvr th." Nun war es geschehen! Er wischte sich über die Stirne und muhte sich an der Lehne des Stuhles halten, der dem Doktor als Sitz diente. „Trinken Sie einen Schluck Kognak," mahnte der Arzt. Das Schwerste kommt erst noch." Der Baron starrte ihn wortlos an. „Als Vetter des Toten müssen Sie doch ein paar Zeilen an dessen Witwe schreiben! Shr Beileid zum Ausdruck bringen und was man eben sonst noch einem nahen Verwandten zu sagen hat, wenn ein solch schmerzliches Ereignis über das Haus hereinbricht." „Das geht über meine Kraft," stieß Anstetten hervor. „Es muh aber sein, Baron. Mit der Hälfte ist nichts getan. Die Witwe wird das als selbstverständlich erwarten. Eine Anterlassung würde zu bedenklichen Schlüffen berechtigen." „Gott, Doktor, ich habe nur noch das eine Verlangen, wirklich Hans Peter zu sein, -daß mich die Erde klafterweife deckte." Alsworth fühlte Mitleid mit Dem gequälten Menschen und erbot sich sogar, Den Brief an Die Witwe zu schreiben, Damit durch Die Gleichheit der Buchstaben kein Mißtrauen in ihr wachgerusen wurde. Der schmerzhafte Druck von Anstettens Hand sagte mehr als Worte. Die beiden nächsten Tage, an Denen das Telegramm voraussichtlich auf Anstetten eintreffen mußte, waren für Günther mit Verzweiflung erfüllt. Nun hält sie es in Händen! Nun bricht sie es auf! Nun sinkt sie weinend zusammen! Die ganze Phase der Wirklichkeit erlebte er mit. Setzt fährt sie nach Wien, Bernd vorzubereiten und läßt es dem Gesinde mitteilen, daß der Gebieter i tot ist. „Brunhilde!" Die Strafe, die er erlitt, war über alles Maß, das ein Mensch zu ertragen vermochte. Mab hatte alle Mühe, seine Gedanken abzulenken und schlich wie ein Schatten neben und hinter ihm her. (Schluß folgt.) LUDWIG fndlicft Inventur-jluSL'erfcaiif big .... ünb r ?e Arzt^' ^rung ?. N 5etIör?n k ®?e Beachten Sie bitte meine Schaufenster! 34A Gießen, Bahnhofstraße 2-4 / Das Haus der Vertrauens - Qualitäten Ortsgruppe Gießen Musikalische Darbietungen Oer Gemeindeverein. Oer Kirchenvorstand. InvenlHrliisverkaui M, G.Grode / Giefeen H. Kae« Nadif 55A Inh.: WILHELM HORN UND SOHN wo alle drauf warten! Nur einmal im Jahre bietet sich Ihnen diese günstigste aller Kauf-Gelegenheiten! Anfang 4. Januar Ende..18. 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Als sie eintrat, schritt mäßig großen Zimmer auf dabei in augenscheinlicher gelände. Sämtliche Borkriegs- und sind restlos abgelöst. Dieser zusammengedrängte von dem Gemeinderat eine möchten. 3m Aarnen des Gemeinderats zollte Rektor Erb dem Bürgermeister Dank und Anerkennung für seine unparteiische und sachverständige Geschäftsführung. Scherz, als von meiner Sklavin redest. Das Hingt abscheulich." „Run, ist sie denn nicht etwas sehr Aehnliches wie deine weiße Sklavin, Mama?" „Nichts dergleichen!" entgegnete die Mutter, die — allzeit korrekt — auch in dieser Hinsicht keinen Scherz verstand. „Sie lebt als die Richte deines Bakers bei uns und ist in keiner Weise zu beklagen. Welch angenehmes Heim hat sie hier gefunden — sie, die ohne einen Pfennig in der Welt stand. Und was ihr Aeußeres an- betrifft, nun ja, sie ist nicht häßlich, aber doch zu unbedeutend, um überhaupt beachtet zu werden. Du weiht, du ärgerst mich durch solche Bemerkungen, mein Junge!" Der junge Mann war klug genug, die Sache jetzt fallen zu lassen und zu schweigen, obgleich seine Meinung durchaus nicht erschüttert war. Am nächsten Tage reiste er ab und fand ohnehin keine Gelegenheit mehr, an die kleine Doris zu denken. Das Wetter trug also die Schuld daran, daß Doris so traurig war. Sie stand am Fenster des Speisezimmers und blickte mit trüben Augen zum Himmel empor. Richt das geringste Anzeichen eines baldigen Witterungswechsels: Sturm und Kälte schienen noch für längere Zeit das Regiment behaupten zu wollen. „Das kann noch wochenlang so fortgehen!" seufzte Doris in tiefer Niedergeschlagenheit. Es geschah nicht oft, daß sie so, wie jetzt, ganz unbeschäftigt am Fenster stand, besonders des Morgens: aber der Diener hatte soeben die Posttasche gebracht, und Frau von Wildhofen war durch die eingelaufene Korrespondenz in Anspruch genommen, so daß Doris noch eine Zeit- lang vom Borlesen dispensiert war. Run sind es schon vierzehn Tage her, feit er fort ist, dachte sie schweren Herzens. Mir ist zumute, als würde er nie, nie wiederkehren! Was sollte ihn Denn noch hierherziehen, wenn der Frost nicht bald ein Ende nahm? „Doris!" „3a, Tante Hanna!" 3hre Stimme klang ruhig wie gewöhnlich, als sie eiligst dem Rufe der Tante folgte. „Geh' und bitte den Onkel, auf einen Augenblick zu mir zu kommen. Du kannst ihm gleich mitteilen, daß ich soeben einen Brief von Kurt erhalten hätte, der eine umgehende telegraphische Antwort erfordere." „3a, Tante!" Doris schlug das Herz zum Zerspringen, als sie jetzt schnellen Fußes den Korridor entlang und durch die weite Dorhalle eilte, um die empfangene Botschaft auszurichten. Was mag er geschrieben haben? dachte sie mit klopfenden Pulsen. Schweigend begab sie sich in Begleitung des Onkels in das Speisezimmer zurück, in der stillen amt es an der alten Straße errichtet worden. Auch das Finanzamtsgebäude selbst ist von der Stadt umgebaut worden. Mehrere Straßen, Gederner Straße, Alic Straße, Schießhorst u. a. wurden geteert, bzw. neu instand gesetzt und mit erhöhten Bürgersteigen versehen. Die Ortsbaupläne und Straße nfluchtlinien sind vom Gemeinderat beraten und festgelegt worden. • Schotten, 2. 3an. Unsere 3 ug end - ...i vergangenen Sabre 415 Uebernachtungen, gegen 315 im Dorjahre. Die HauptbesNchsziffern fallen auf die Städte Frankfurt a. M.» Offenbach, Friedberg, Gießen und Marburg, aber man hatte auch Cinzelwanderer und Gruppen aus dem Rheinland, aus Friesland, Hamburg, Berlin, aus dem Riesengebirge und 21 3ungdeutsche aus Wien als Gäste. Bolks- schulklassen aus Städten und vom Lande und Klassen höherer • Schulen kehrten hier in der Schnur seines Augenglases. „Aber zum Kuckuck! So völlig Fremde!" waren die letzten Worte, die Doris ihn noch sagen hörte. „Das ist denn doch eine etwas starke Zumutung von dem 3ungen!" „Aber warum denn, Georg? Warum sollte unser 3unge seine Freunde nicht hierherbringen, wenn es ihm Freude macht?" „Aber wer sind diese Damen? Sdj weiß nichts von ihnen!" „Mein lieber Georg, glaubst du vielleicht, daß uns Kurt fragwürdige Elemente hierherbringen würde?" rief Frau von Wildhosen ganz empört. „Er schreibt: Die beiden Damen sind Mutter und Tochter — Frau und Fräulein von Rechten —, die sich seiner im vorigen 3ahre, als er auf der Rückreise von Ostende plötzlich erkrankte, so hilfreich und freundlich angenommen hatten." „Run ja. mag alles fein. 3ch sehe, daß ich ein recht altmodischer Mann bin; denn ich kann mich an diese neue Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Frauen noch immer nicht gewöhnen, am wenigsten bei den älteren Frauen, und die Mutter muh doch die 3ugend hinter sich haben. Geradezu unpassend nenne ich es, uns hier so uneingeladen zu überfallen!" „Aber Kurt hat sie doch in unserem Namen eingeladen. Wahrscheinlich werden sie die Eisbahn auf dem See, die ihnen Kurt gewiß höchst verlockend geschildert hat, noch recht ausnuhen wollen, bevor Tauwetter eintritt. Und konntest du nicht auch einige 3agden veranstalten — bei diesem Wetter natürlich nur auf Fasanen —, damit Kurt Unterhaltung fände und sich ein wenig länger hier fesseln liehe?" „Run, wir werden sehen! Schlittschuhlaufen können sie ja nach Herzenslust, wenn sie Berkan- gen danach tragen. Glaubst du denn, daß die alte Dame sich auch noch" daran beteiligen wird? Kann es mir kaum denken." „Vielleicht ist sie noch gar nicht so alt,“ schaltete Frau von Wildhofen hier ein; „Kurt schreibt gerade doch von ihr, sie sei reizend —" „QTber doch alt genug, um die Mutter einer erwachsenen Tochter zu sein." (Fortsetzung felgt.) Hoffnung, jetzt von Kurt zu hören: aber schon an der Tür erhielt sie einen neuen Auftrag von der Tante. „Liebe Doris, fei doch so gut und sage Matthias, daß er einen Reitknecht bestellt, der gleich nach dem Telegraphenamt reiten soll." S trabenbau: Die Ortsdurchfahrt, bestehend aus der Bahn- hofstrahe, der Draugaße, Ober- und Unterstadt, wurde an Stelle von überaus schlechtem Groß- Pflaster mit einer Kleinpflasterdecke versehen, im Müllereck ein Straßendurchbruch geschaffen und dieser, sowie die Hüttengasse mit Grohpslaster versehen. Die 3ahnstrahe wurde neu angelegt, mit Kanalisation, Wasserleitung, Fußsteigen und Chaussierung versehen. Der Hohlenweg habe eine neue, starke Straßendecke erhalten. Sn der Straße Am Wall wurde ein erhöhter Fußsteig und Rinnenpflasterung angelegt, die verschiedensten Feld- und Waldwege neu chaussiert. Der Groß- häuserberg als Waldvistrikt wurde durch Chaussierung des Saübrückenwegs erschlossen. Kanalisation: . Reben der Sahnstrahe wurde die Langgasse und ein Teil der Garbenteicher Straße mit Kanalisation versehen, die Kanalleitung der Braugasse, Hintergasse und einer Rebengasse der Oberstadt ausgewechselt. Schotten im Jahre 1929. * Scho11en, 30. Dez. Bürgermeister M e n g e £ hat, wie alljährlich, einen Rückblick auf das vergangene 3 ahr veröffentlicht, dem wir kurz das Wesentlichste aus der städtischen Verwaltung entnehmen: Die Bevölkerung hat um ein geringes zugenommen. Bisher sind 54 Geburten, 39 Sterbfälle, 16 Stauungen im vergangenen 3ahr zu verzeichnen. Mehrere Bauten hat die Stadt errichtet, so ein größeres Rebengebäude zum Krankenhaus, das die elektrisch betriebene Wäschereieinrichtung, Desinfektion, Plättstuben, Garage, in den Obergeschossen noch Krankensäle und Zimmer enthält. Die Röntgen- Doris auf dem Korridor oder auf der Treppe zusammentraf, im Vorübergehen ein freundliches Wort an sie zu richten. Eines Tages war er gerade im Begriff, den kleinen Salon feiner Mutter zu betreten, als ihm Doris daraus entgegenkam. Schnell trat er einen Schritt zurück, die Tür weit offen haltend, während er mit scherzhaft tiefer Verbeugung die andere Hand auf sein Herz legte, als das junge Mädchen an ihm vorüberschritt. Er schien durch diese Geste nur ihre Heiterkeit erregen zu wollen, wenigstens lag es nicht in seiner Absicht, sich über sie lustig zu machen. Doris aber schoß eine dunkle Dlutwelle in die Wangen, als sie dicht an ihm vorüber muhte, und gleich darauf traten ihr heiße Tränen in die Augen. Er verspottet mich, dachte sie mit aufsteigender Bitterkeit, und sonst beachtete er mich gar nicht. Sein Hühnerhund ist ihm weit wichtiger als ich. Ganz so gleichgültig, wie sie dachte, war ihre Person Kurt aber doch nicht: denn als er die Tür hinter sich geschlossen, sagte er zu seiner Mutter: „Dein kleiner Schützling ist ein recht hübsches Mädchen geworden." „Du meinst doch nicht etwa unsere Doris? Welche 3dee!" „3a, gewiß meine ich sie. Du weiht doch, ich verstehe mich auf Frauenschönhcit!" Frau von Wildhofen drehte sich hastig auf ihrem Schreibsessel herum. „Mein lieber Sunge, wie lächerlich! Du willst mir doch unmöglich einreden, daß das Mädchen dein Geschmack ist?" „Ra, das nun allerdings nicht. Grohe, schlanke Figuren, schöne, ebenmäßige Formen, ah--" Er hauchte einen Kuh auf die Fingerspitzen, als sehe er die Verkörperung seines Sdeals vor sich. — „Rur junonische Gestalten wären mein Geschmack: das weiht du ja, beste Mutter!" „Run also, warum denn in aller Welt ..", begann Frau von Wildhofen, schnell wieder beruhigt. „Mache ich eine so überflüssige Bemerkung, ergänzte • Kurt mit übermütigem Lachen. „Aber liebes Mütterchen, sei ehrlich und gib auch deinerseits zu, dah deine Sklavin ein paar wundervolle, sanfte, braune Augen und ein sehr niedliches, pikantes Rüschen hat; dazu kommt noch ein Mund wie ein Rosenknöspchen — zum mindesten gesagt — so appetitlich." Seht aber wurde seine Mutter ernstlich böse. „Du schwatzt da wirklich den blühendsten Unsinn, mein Lieber," erwiderte sie kühl. „Sch will nur hoffen, dah es dir niemals in den Sinn lammt, dem armen Ding mit derartigen Ungereimtheiten den Kopf zu verdrehen. Auch mag ich nicht, daß du von Doris, wenn auch im 9er Traum vom SM. Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Eines Tages hielt er hoch zu Roh vor dem großen Portal des Schlosses, in dessen Rahmen sich feine Mutter und einige als Logiergäste anwesende Damen ausgestellt hatten, um den strahlenden Kavalier in seinen Reiterkünsten zu bewundern. Doris stand einen Augenblick still und zaghaft im Hintergründe, als der Reiter, seine Handschuhe zuknöpfend, sich verabschieden wollte. Da machte das Pferd einen heftigen Sprung — der Handschuhknopf riß ab und fiel zu Boden. Wildhofen murmelte ein ungeduldiges Wort zwischen den Zähnen. Die Mutter und ihre Umgebung äußerten einen Ruf des Bedauerns', aber Doris schob sich schnell und gewandt an ihnen vorüber. Mit den schüchternen Worten: „Darf ich den Knopf annähen?" stand sie auch schon neben dem jungen Herrn. „Cs soll keine Minute dauern! Damit hob sie den Knopf auf. „Oh, willst du das tun, Kleine? Das ift hübsch von dir!" lächelte er huldvoll. Doris eilte mit dem Handschuh in das Schloß. Diese beneidenswerte Hülle, die feine Hand bedecken durfte! Wie hatte sie sich so ganz deren Form angepaßt, und jener so charakteristische Duft, halb nach Suchtenleder, halb nach Zigaretten, strömte ihr daraus entgegen. Mit einem eigenartigen Wonnegefühl besserte sie schnell den Schaden aus und beeilte sich aufs äußerste, dem gewiß ungeduldig Wartenden fein Eigentum zurückzugeben. Sie sah aber sofort, dah dem jungen Herrn die Zeit kaum lang geworden sein konnte. Er war eifrig beschäftigt, einer der Damen, einer schönen, jungen Witwe, angelegentlich den Hof zu machen. Diese war an den Reiter herangetreten, um den glänzenden Hals seines Pferdes zu streicheln und zugleich strahlende Blicke auf den Reiter zu werfen, den sie anlächelte und sich auch nicht eine Sekunde nach Doris umwandte, als sie ihm seinen Handschuh von der anderen Seite heraufreichte. „Danke!" sagte er kurz, und unverwandt hingen seine Blicke an der schönen Frau, der allein auch sein Abfchiedsgruh galt, als er sich anschickte, davonzureiten. Arme, törichte kleine Doris! Und trotzdem blieb dieser Tag als ein besonders glücklicher in ihrer Erinnerung haften lange, lange. Seitdem hatte es den Anschein, als beabsichtige Kurt von Wildhofen, -toenn er zufällig mit W asfervers orgung: Sm Qucllgebict in der Gemarkung Albach wurde eine Cntleerungslcitung gebaut und die Grundstücke entlang der Strahe dortsclbst als Schutzstreifen des Qucllgcbietes erworben. Durch Verlegung einer Wasserleitung von der Straße Am Wall durch die Ringstraße nach der Bahnhofstraße wurde die Wasserversorgung des Bahnhofsviertels ganz erheblich gebessert. Langgaise, Sahnstrahe, Egelseeweg, ein Teil der Hungener Strahe, der Mengesgasse und des Hohlenweg erhielten eine neue Wasserleitung. Neubautätigkeit: An städtischen Olcubauten entstanden die neue Kleinlinderschule, das städtische Mi.tpostgchäude und im Zusammenhang mit diesem die Uferstüh- mauern an der Wetter und dem Weidgraben. Zur Behebung der dringendsten Wohnungsnot wurden vier Eisenbahnwohnwagen aufgestellt. Auch die von der Stadt nach Möglichkeit unterstützte private Bautätigkeit war äuherst rege. 28 neue Wohnhäuser wurden errichtet und größere Umbauten darchgesührt. Sonstiges: Für die dringend notwendige Reparatur des Stadtturms ist ein Fonds von 15 030 Mk. ange- sammelt worden. Sm Rathaus und der Stadtschule ist eine Zentralheizungsanlage eingebaut worden. , Der Hebung des Marltverkehrs wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet und der Marktplatz ganz erheblich erweitert. An größeren Grundstückankäufen ist zu erwähnen der Erwerb des Brennofengeländes für Siedlungszwecke, als Schulhausplah und Tauschgeleistet worden sei. Unter _ „ Nachwirkungen des Krieges habe bic Wirtschaft ■im Reich, Staat und insbesondere auch in den Gemeinden auf das schwerste gelitten. Den Gemeinden sei im Zusammenhang damit ein bedeutend vergrößerter Aufgabenkreis erwachsen. Mit besonderer Freude könne er feststellen, dah der zum letzten Male versammelte Gemeinderat in ernster und gewissenhafter Arbeit aller Schwierigkeit Herr geworden sei und nach bestem Können an der Weiterentwicklung der Stadt gearbeitet habe. Dem Gemeinderat sprach er im Namen der Stadt hierfür den wärmsten Dank aus, dankte noch besonders den mit dem heutigen Tage ganz aus dem Gemeinderat scheidenden vier Mitgliedern und gab dem Wunsche Ausdruck, dah sie eine freundliche Erinnerung an ihre erfolgreiche öffentliche Wirksamkeit mitnehmen Nach erledigtem Gange kehrte Doris abermals in das Frühstückszimmer zurück. Nichts in der ' länger fernzuhalten X» Lich , 1. San. Am 30. Dezember trat der Gemeinderat zu seiner Schlußsitzung zusammen. Zu Beginn der Sitzung teilte der Vorsitzende mit, dah der Minister des Snnern zu den Entwürfen einer Polizeiverordnung über die Entwässerung der Grundstücke in der Stadt Lich und die Ortssahung über die Erhebung einer Kanalbenuhungsgebühr verschiedene Bemerkungen erhoben habe. Die städtische Fi- nanzkominifsion habe sich bereits mit der Angelegenheit besaht und vorgeschlagen, einigen Bemerkungen, die lediglich redaktionelle Aenderun- qcn und Zuständigkeitsfragen des Entwurfes einer Polizeiverordnung berühren, zuzustiminen; dagegen hinsichtlich des ZustandeS der hiesigen Kläranlage zu erklären, dah diese seinerzeit unter behördlicher Aussicht gebaut worden sei und wenn auch jetzt nicht inehr modern, so doch als hinreichend bezeichnet werden müffe und Mängel bisher nicht zur Kenntnis der Stadtverwaltung gekominen seien. Weiterhin soll erklärt werden, dah Qtbortc und Pissoire nur dann an die Kanalanlage angeschlossen werden dürfen, wenn die Abwässer in einer besonderen Grube genügend vorgeklärt würden. Dem Ansinnen des Ministers, die Gebührenpflicht anstelle einer Ortssahung nach einem-- Tarif in Gemäßheit der Artikel 186 ff. der Landgemeindeordnung zu regeln, habe die Finanzkommission zugestimmt, jedoch habe sie sich gegen den Vorschlag ausgesprochen, bei der Veranlagung der Kanalbenuhungsgebühr, die ursprünglich rein nach dem Wasserverbrauch berechnet werden sollte, auch andere Momente, beispielsweise den Brandkassen- wert der entwässerten Gebäulichkeiten, heranzuziehen. Sie sei bei ihrer Stellungnahme davon ausgegangen, dah bei den in unserer Stadt ganz besonders gelagerten Verhältnissen eine sonstige Veranlagungsart unbillig fei, zumal nicht sämtliche Kanalunkosten umgetegt würden und alles Oberflächenwasser daher als auf die Stadt selbst übernommen gelten könne. Nach kurzer Beratung trat der Gerne inderat der Stellungnahme der Finanzkommission bei und genehmigte den von dem Bürgermeister vorgelegten Entwurf einer Gebührenordnung, wonach vom Rj. 1929 ab bis auf weiteres eine jährliche Kanal- benu hungsgebühr von 33Vsb.H des zu zahlenden Wassergeldes zur Erhebung kommen soll. Ausgenommen sind Hofreiten, die nicht an die Kanalanlage angeschlossen sind, ferner der Wasserverbrauch für Vieh, Gärten und Eisteiche. Sm Anschluß hieran gab der Bürgermeister davon Kenntnis, daß die Bezirkssparkasse Mainz sich mit einer 16-o. ^.Aufwertung dec Borkriegsanleihe der Stadt Lich im Betrage von 188 970 Mark und der Tilgung des auf 30 235,20 Goldmark aufgetoerteten Betrags in 16 gleichen Sahresraten ab 1. Sann ar 1931 einverstanden erklärt habe. Die Verzinsung erfolgt auf Grund des Aufwertungsgesehes ab l.Sanuar 1926 zur Zeit mit 5 v. H. Der Gemeinderat stimmte der Ablösung der Schuld zu und ermächtigte Öen Bürgermeister zur Vollziehung eines entsprechenden Schuldscheines. Sodann teilte der Bürgermeister mit, daß er im Auftrage des Gemeiicherats mit der Ober- postdirektion Darmstadt Verhandlungen über den Einbau einer Wohnung im Dachgeschoß des neuen städtischen INielposlgebäudes geführt habe. Die Reichspost sei nunmehr bereit, zu den Kosten des Ausbaues, die von der städt. Bauleitung auf 4800 Mark beziffert werden, ein zweitstelliges Daudarlehen in Höhe der Baukosten, jedoch nicht über 15 000 Mark zu geben und die Verzinsung und Tilgung dieses Dar- , lehens selbst zu übernehmen. Mit dem Ausbau der Wohnung sei ein finanzielles Opfer für die Stadt nicht verbunden, da die Baukosten sich bestimmt im Rahmen des Voranschlags halten würden. Der Gemeinderat stimmte dabattelos dem Ausbau der fraglichen Wohnung, bestehend aus drei Zimmern und Küche, zu, ermächtigte den Bürgermeister zum 2lbschluß eines entsprechenden Vertrags und erklärte sich mit dem Eintrag des zweitstelligen Baudarlehens im Grundbuche einverstanden. Zum Schluß der Sitzung führte der Bürgermeister aus, d aß mit der Erledigung der Tagesordnung die Sitzungsperiode bc3 gegenwärtigen Gemeinderates zu Ende gehe. Es erscheine angezeigt, aus diesem Anlaß heraus einen Rückblick auf die Verwaltung der Stadt und die von dem Gemeinderat geleistete Arbeit zu werfen. Die Wahl des Gemeinderates sei am 15. November 1925 erfolgt. Zum ersten Male habe man am 7. Sanuar 1926 getagt. 3n feiner Zusammensetzung sei nur ein Wechsel, veranlaßt durch den Rücktritt eines Mitglieds, zu verzeichnen. Am 24. Sanuar 1928 sei Bürgermeister Völker verstorben. Die Neuwahl des Bürgermeisters habe am 22. März 1929 stattgefunden und sei auf seine Person gefallen. Gegen Ende Mai 1928 habe der am 22. Sanuar 1929 verstorbene Beigeordnete Ludwig D ö r m e r sein Amt niedergelegt. An seine Stelle sei Ludwig 3H ring am 29. Suli 1928 gewählt worden. Mit dem Ableben des langjährigen Ortsgerichtsvorstehers und Standesbeamten Karl Ludwig Vogt IV. habe die selbständige Führung des Ortsgerichts und des Standes- amts ihr Ende erreicht. Sie seien nunmehr mit der Bürgermeisterei vereinigt worden. Der Gemeinderat habe in 87 Sitzungen 844 Beratungsgegenstände erleoigt. Daneben hätten die Kommissionen und Deputationen in vielen Sitzungen getagt. Die zum letzten Male versammelten Gemeinderatsmitglieder könnten für sich in Anspruch nehmen, daß sie während ihrer Amtszeit ersprießliche Arbeit geleistet und die Entwicklung der Stadt nach Kräften gefördert hätten. Aus der laufenden Verwaltungstätigkeit wolle er nur das Hauptsächlichste herausheben. Das Snnere der altehrwürdigen Stadtkirche ist im Laufe dieses Sabres restauriert worden. Wände, Decken, Holzwerk sind künstlerisch gemalt, ein Mittelgang geschaffen, die Emporen gesenkt, alles in allem macht dieses wertvollste Bauwerk der Stadt in seinem Snnern einen tiefen, vornehmen, kunstvollen Eindruck. Auch die Synagoge wurde neu hergestellt. Auf eine Reihe weiterer Verbesserungen und in diesem 3ahr getroffenen Neuerungen weist der Rückblick hin. Der neue Gemeinderat kann erst in fein Amt eingeführt werden, wenn über den gegen die Wahl erhobenen Einspruch entschieden worden ist. Bis dahin bleibt der alte Gemeinderat in seiner Amtstätigkeit. Sparmaßnahmen auf der Strecke Mdda—Schotten. „ ?" N i d d a, 2. San. Auf der Nebenbahnstrecke Nidda —Schotten treten ab 6. Sanuar die bereits angekündigten Spar- und Verein- fachungs Maßnahmen in Kraft. Die seitherigen Bahnstationen Eichelsdorf und R a i n r o d, die bislang mit einem Bahnhofsvorsteher beseht waren, gehen als solche ein und werden in Bahnagent ureh umgewandelt. Diese werden nicht mehr mit Bahnbeamten beseht, sondern können von Privatpersonen verwaltet werden, deren Aufgabe es ist. die Fahrkarten auszugeben, Güter anzunehmen und ans- zuhändigen. Für den Außendienst tragen sie keinerlei Verantwortung, da er von dem jeweiligen Zugpersonal durchgeführt wird. Signalanlagen brauchen nicht bedient zu werden, da die Kren- , zung von Güter- und Personenzügen stets auf dem Bahnhof Ober-Schmitten erfolgt, der als einziger auf der Zwischenstrecke erhalten bleibt. Sn diesem Zusammenhang sei die Frage aufgeworfen, ob es vom Standpunkt der Reichs- bahn nicht wirtschaftlicher wäre, den größten Teil des Personenverkehrs etwa in Verbindung mit der Post durch A u t v b u s s e durchzuführen. Mit einer Rentabilität der Personenzüge auf Nebenstrecken ist kaum noch zu rechnen. Der vorgeschlagene Weg würde einmal die Betriebskosten stark Herabsehen, zum andern auch dem Wunsche des Publikums entgegenkommen, öfters Fahrgelegenheit am Tage zu haben, was bei einem Autobusverkehr sehr wohl möglich wäre. Die gelösten Fahrkarten müßten sowohl für den Zug- als auch für den Autobusverkehr Gültigkeit haben. Diese gemischte Beförderungsmöglichkeit ist bereits auf Nebenstrecken: durchgeführt und hat sich gut bewährt. Oie Schottener Jugendherberge im ^ahre 1929. Jugendherberge ein. Die Herberasleitung betrachtet es als ihre besondere Aufgabe, den Wanderern dankbare Wege vorzuschlagen, denn es ist nicht gleichgültig, mit welchem Eindruck der Wanderer unseren schönen Vogelsberg verläßt. Untere (Zugendherberge hat sich in den zwei Jahren ihres Bestehens viele Freunde erworben, die immer wieder bei ihr Einkehr halten. Der Weihnachtsverkehr fehlte wegen des Schneemangels in diesem Jahre ganz. 3m allgemeinen muh die st raffe Herbergsdisziplin hervorgehoben werden. Ab 1. Januar 1930 besteht für alle Herbergsbesucher Schlafsackzwang, was vom hygienischen Standpunkte aus sehr zu begrüßen ist. Ausschüttungen der Landeektfpochelcrterl f (fct. WSA. Darmstadt, 1. Ian. Von der Hessischen Landeshypothekenbank erfahren wir, daß mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde am 1. April 1930 aus der Teilungsmasse für die Kommunalschuldverschreibungen eine lOproz. Teilausschüttung auf den Goldmarkbetrag der noch umlaufenden Papiermark- Kommunalverschreibungen der Serien 1 bis 16 und 17 bis 24 durch Aushändigung von ab 1. Oktober 1929 mit 4,75 Proz. verzi s' chen Ko - rnunalschuldverschreibungen und Zertifikaten erfolgen wird. Die Inhaber werden daher aufgefordert, auf den von der Landes-Hypothekenbank unentgeltlich zu erhaltenden Formularen und 3nstruktionsöogen ihre Ansprüche ab l.März 1930 anzumelden. Gleichzeitig wird den Inhabern derKommunalschuldverschreibungen der Serien 26 bis 29 (100 Papiermark gleich 4,50 Goldmark) eine 16proz., den der Serien 32 bis 37 (100 Papiermark gleich 1 Goldmark) eine 20proz., den der Serien 39 bis 50 (100 Papiermark gleich 0,05 Goldmark) eine lOOproz. Darabfindung angeboten. Hinsichtlich der Pfandbriefteilungsmasse ist eine weitere Teilausschüt- tung beschlossen, die mit 5 Proz. in Liqui- dationspsandbriefen und mit 2,50 Proz. in bar erfolgen und demnächst näher angekündigt werden wird. Eine 2 0-Millionen.Mark-Erbschast? WSR. E i ch (Rhsinh.), 1. Jan. Dor etwa 150 Jahren wanderte ein Einwohner von hier namens Becker nach Amerika aus, brachte es dort zu großem Wohlstand und starb dann kinderlos. In seinem Testament bestimmte er, daß das aus dem Verkauf seiner Besitzungen erlöste Geld hundert Jahre nach seinem Tode mit Zinsen an seine deutschen Erben ausgezahlt werden solle. Die Stadt Philadelphia, die die Besitzungen übernahm, hat dieses Testament noch in einem Prozeß anerkannt, der um die Jahrhundertwende angestrengt wurde, als Bcckersche Erben die Auszahlung des Geldes erreichen wollten. Sie wurden aber abgewiesen. Nun sind die hundert Jahre um, und man hofft, daß das Geld nunmehr frei werden muß. Es handelt sich um rund vierMillonen Dollar, eingerechnet die Zinsen. Die Verwandtschaft Beckers ist hier sehr zahlreich, so daß die ganze Last der Millionen wenigstens nicht einen einzelnen Menschen treffen wird. Berliner Börse. Berlin, 3.Jan. (WTB. Funkspruch.) Auch im heutigen Frühverkehr konnte sich noch kein Geschäft entwickeln. Die heute beginnenden Haager Verhandlungen lassen die Spekulation sich abwartend ver- halten, doch hofft man, daß die gestern einsetzende Gelderleichterung Fortschritte macht. Stirnen, Sport und Spiel. II. A'ademlM Wett-Winterspiele in Davos. Dank der unermüdlichen Arbeit, die das Sportamt des Verbandes der Schweizerischen Studentenschaften unter Leitung von Donomo, Zürich, geleistet hat, weist die nunmehr abgeschlossene ofsizielle Rennungsliste 13 Stationen mit insgesamt 211 Bennungen in 11 winier- sportlichen Disziplinen auf. Durch die mit den 2. Akademischen Welt-Winierspiesen verbundenen Anlässe der 6. Akademischen Ski-Wettkämpfe der Universitäten aller Länder und der Schweizerischen Hochschulmeisterschaften wird die Zahl der offiziellen Wettkampfieilnehmer auf über 300 gesteigert. Wintersportliche Veranstaltungen mit einem derartigen Massenaufmarsch beweisen am besten, wie tiefgreifend die akademische Sportbewegung in die studentischen Rationalver- verbände aller Länder eingedrungen ist. Als reise Frucht der während sechs Jahren durch den Schweizerischen Akademischen Skillub gegen die nordische Einseitigkeit im Skirennsport ausgefochtenen Kämpfe steht heute fest, daß bei Anlaß der 2. Akademischen Welt-Winterspiele in Davos eine erfreuliche Betonung der alpinen Wettlausarten zu verzeichnen sein wird. Während am Start des Langlauses rund 80 Läufer, zum Sprunglauf an der Bolgenschanze rund 50 Springer antreten, bringt das Ab.ahrtsrennen von der Parsenn-Furka über 150 Fahrer an den Start, die zum größten Teil aüch für den Slalomlauf gemeldet sind. Immerhin werden im Slalom weniger Teilnehmer starten dürfen, weil diese Wettkampfart nur den wirklich erstklassigen Fahrern Vorbehalten bieiben soll. Besonderem Interesse wird der Stasettenlauf begegnen. Ueber ein Dutzend Stafetten-Mannschaften werden diesen, in fünf, Aufstieg, Abfahrt und Flachlauf umfassenden Etappen eingeteilten Lauf bestreiten. Davos hat reichliche Schneefälle und damit eine sichere und ausgezeichnete Före erhalten. V. f. B. Die 1. Fußballmannschaft be6 Linienschiffe« .Hessenaus dem waldsportplah. Am nächsten Sonntag findet auf dem Wald- sportplah ein Spiel statt, dem weit über den gewöhnlichen Fußball- und Sportinteressentenkreis hinaus Interesse entgegengebracht wird. Cs ist das zweitemal, seitdem in Gießen Fußball gespielt wird, daß eine Mannschaft der Reicys- marine nach hier kommt, um sich mit einer hiesigen Mannschaft zu messen. Daß es wieder die erste Cif des Linienschiffes »Hessen" ist, die sich der D. f. B. eingeladen hat, verleiht dem Ganzen eine besondere Bote. Zum erstenmal war sie vor etwas mehr als 3x/2 Jahren auf fr’m Wald- sportplah zu Gast. Seit dieser Zeit bestehen zwischen ihr und dem Verein für Bewegungsspiele freundschaftliche Beziehungen. DaS schon längere Zeit geplante Treffen konnte nun endlich für kommenden Sonntag abgeschlossen werden, da das Linienschiff zur Zeit zur Ueberholung feiner Maschinen im Kieler Hafen liegt. Das im Sommer 1926 auf dem Waldsportplatz ausgetragene erste Spiel hatte den Rekordbesuch von 2000 Zuschauern zu verzeichnen und dürfte dank der guten Leistungen beider Mannschaften und des spannenden Spielverlaufs noch in bester Erinnerung fein. Die Plahelf blieb damals mit 4:1 glücklicher Sieger, gleichwohl hinterließen die Matrosen in jeder Beziehung Sen denkbar besten Eindruck. Inzwischen hat ihre Spielstärke durch das jahrelange Zusammenspiel sicherlich noch erheblich zugenommen. Auf der Auslandfahrt der „Hessen" in diesem Frühjahr, die in spanische Gewässer führte, hatten die Gäste Gelegenheit, gegen den bekannten spanischen Fußball-Club Villa Garcia ein Gesellschaftsspiel auszutragen, das sie trotz ungewohnter, drückender Hitze überlegen mit 5:2 gewannen. In diesem Jahre kämpften sie sich in den Spielen um die Flottenmeistevschaft bis zum Finale durch, das sie nach zweimaliger Verlängerung knapp mit 2:3 verloren, bei etwas mehr Glück aber auch mit demselben Resultat hätten gewinnen und damit Flottenmeister werden können. Dank des oben erwähnten Umstandes, daß das Schiff für längere Zeit im Hafen liegt, kann die Mannschaft, die über eine Anzahl sehr guter Spieler verfügt, in stärkster Besetzung kommen. Die Elf des Gastgebers wird ebenfalls in bester Aufstellung, wahrscheinlich sogar verstärkt an treten. Die im letzten Derbandsspiel erlittene Riederlage gegen Breidenbach und die dabei gezeigten mäßi'en Leistungen müssen ihr Der- anlassung fein, durch restlose Hergabe ihres ganzen Könnens den schlechten Eindruck wieder gutzumachen: gerade das Treffen gegen die Gäste von der „Hessen" gibt ihr die beste Gelegenheit, durch ein tn jeder Weise einwandfreie- unb gutes Spiel sich zu rehabilitieren. Die zweite, dritte und vierte Mannschaft find in Anbetracht des Spiels der Ligamcmnfchaft sämtlich spielfrei. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Die Meisterschaftsspiele der 1. Bezirks klasse im Lahnkreis gehen dem Ende zu. Dabei werden sie immer spannender, und es ist bei weitem noch nicht vorauszufagen, wer die glücklichen beiden ersten Tabellenplatzbesitzer, die allein zum Aufstieg berechtigt find, fein werden. Vorläufig kämpfen noch die beiden Marburger und die beiden Gießener Teilnehmer dieser Klaffe um diese Plätze. Die Punktdifferenz ist fo gering, daß schon eine einzige Riederlage von allergrößtem Rachteil sein kann. Die Wetzlarer werden wegen ihrer lehtsonntägigen Riederlage wohl ganz aus dem Wettbewerb ausgeschieden sein, haben allerdings schon am kommen, en Sonntag die große Chance, der Spielvereinigung 190 0 Gießen in ihrem Streben nach einem dieser Plätze Einhalt zu tun, denn eS dürste den 1900cm, trotz des besseren technischen Könnens, sehr schwerfallen, ‘ur die im Vorspiel erlittene 2:3-Riederlage in Wetzlar.Revanche zu nehmen. Für die Dlauweitze.t wird es bei dieser Begegnung von allergrößter Bedeutung sein, wen man mit der Vertretung betraut, d. h., daß die stärkste Mannschaft das Treffen austrägt. Der Gastgeber Wetzlar wird sein Hauptbollwerk in der Verteidigung und im Torwart haben, wozu sich noch der gute Mittelläufer gesellen wird. Das Spiel dürfte erst nach schwerstem Kampf entschieden werden. Unter Ausnutzung des Vorteiles, Platzverein zu sein, sollte auch wohl diesmal Wetzlar als knapper Sieger aus dem Spiel hervorgehen, da sich dessen Schluhleute kaum überwinden lassen werden. 19008 Liga-Reserven tragen in Marburg ein Gesellschaftsspiel gegen die gleiche Els deS Rasensportvereins „Germania 08" aus. Die Spielstärke deS Gastgebers ist nicht zur Genüge bekannt, um einen Schluß auf den Ausgang dieses Treffens ziehen zu können. Die Gießener Elf ist durch Reueinstellungen recht spielstark aufgestellt. Die dritte Mannschaft der Spielvereinigung empfängt Garbenteichs erste Elf im Verbandsspiel und hofft dabei auf Revanche für die im Dorspiel in Garbenteich erlittene Riederlage. Handball im T. V. Großen-Buseck. Zum ersten Sonntag im neuen Jahr wurden für die beiden aktiven Mannschaften starke Gegner verpflichtet. Die erste Mannschaft empfängt die Handball^Slf der 1. Kompanie aus Gießen. Hier treffen gleichstarke Gegner aufeinander. Die zweite Mannschaft empfängt die gleiche des Mtv. Gießen. Ein knapper Sieg der Gäste ist zu erwarten. Nachstehend nur einige Beispiele: 0.22 1.65 2.05 0.35 0.68 Mädchen-Hänger, verseh. 0.85 1.75 Qualität 0.95, 0.75 0.80 0.18 2.90. 1.90, stoffen 1.45 0.95 Farben 1.95 2.75 0.35 0.85 4.90 0.58 3.90 1.45 1.95 0.95 0.95 1.65 0.48 2.95 0.95 0.58 0.85 1.25 0.38 0.52 3.90 0.58 Kinder-Größen, 30 cm.... HEILBRONNER Marktstr. 17 1.45 0.65 Beachten Sie geil, meine 4 Schaufenster Für Damen aus gestr. und moderne Künstlerdruck 0.45 0.78 Restbestände und große Warenmengen, die unbedingt geräumt werden müssen, kommen zu bedeutend herabgesetzten Preisen zum Verkauf Etamine 50 cm breit. Kunstseidene Wäsche Röcke, hchlunfhosen. bedeut. u. Preis 3.90, 2.90, Landhaus-Gardinen vorteilb. Qual. 0.95,0.65, Indanthren-Stoffe 80 cm breit, in viel. Must. 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Oie Wirtschaftslage imDezember^9L9 Rach den Berichten preußischer Industrie- und Handelskammern und des Deutschen Handvnrts- und Gewerbekammertags stellt das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe fest, daN der letzte Monat des Jahres 1929 kerne b e - sonderen Veränderungen gegenüber der bisherigen Wirtschaftslage zeigte, die durch Ka- vitalmangel und die unausgeglichene smanz.age der öffentlichen Hand ungünstig beeinflußt wurde. Die geschäftlichen Zusammenbrüche besonders im Bankwesen, blieben unverändert hoch. Einzelne Wirtschaftszweige zeigten einen befriedigenden Stand. Insbesondere hatte der Kohlenbergbau auch im Dezember genügenden Absatz Einzelhandel und Handwerk litten imter dem spat einsetzenden Winter und dem Geldmangel der Konsumenten, was sich besonders im Wechnachts- geschäst ausprägte. Der Rückgang der Einfuhr und die Zunahme der Ausfuhr haben in diesem Iahr zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz geführt die 1928 noch um 1,2 Milliarden Mark passiv war. Die Ausfuhr erfolgte allerdings zum Teil zu Rotpreisen. so daß die Wirtschaft keine oder nur geringe Gewinne aus ihr hatte. Der Arbeitsmarkt verschlechterte sich weiter, om Vergleich zum Vorjahre verringerte sich jedoch die Spanne in den ArbeitKlosenzisfern. Starkes Ansteigen der Konkurse im Jahre 1929. Ein betrübliches Bild der Statistik bzw. der Wirtschastslage gibt das starke Ansteigen der Konkursziffern im Iahre 1929. Sowohl die Zahl der Konkurse ist von 86c> nn Ao- vember auf 935 im Dezember angewachsen, als auch die der Vergleichsverfahren von 431 auf 502, so daß nach einer Zusammenstellung der ^eit- schrist „Die Vank" im ganzen ^>ahre 1929 10 303 Konkurse (im Vorjahre 8290) eröffnet und 5257 Vergleichsverfahren (im Vorjahre 3341) cingclci« tct worden sind. Der Monatsdurchschnitt 1929 liegt mit 859 erheblich über dem von 1928 nut 691 und dem von 1927 mit 484 Konkursen, erreicht aber nicht den hohen Monatsdurchsthnitt von 1926 mit 1033 Konkursen. Die entsprechende Durchschnittszahl für 1913 liegt etwa bei 800. Buderussche Eisenwerke, Wehlar. Die Verwaltung der Vuderusschen Eisenwerke in Wetzlar teilt uns mit: Den durch die Presse gegangenen Rotizen, die von einer 6-v. H. * Dividende für 1929 als einer bereits feststehenden Tatsache berichten, steht die Verwaltung fern. Wenn auch der Geschäftsgang im vergangenen Iahre, wie in der Veröffentlichung der Verwaltung vom 10. Oktober 1929 mitgeteut, sich günstiger als in 1928 gestaltete, so liegen doch die Abschlußziffern, die. für den Dividenden- Vorschlag der Verwaltung maßgebend sein /werden, noch nicht endgültig vor. Die Vilanzsihung des Aufsichtsrates wird voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März stattsinden. Auch die von einigen Zeitungen gebrachten Angaben über die Reu anlagen und Betriebe find teilweise mißverständlich. Die Verwaltung wird hierauf in ihrem Jahresbericht noch zurückkommen. * Llmschuldungs stelle für Answer- tungshypotheken. Das wachsende Interesse, das der für den 1. Januar 1932 bevorstehenden Fälligkeit der Aufwertungshypotheken entgegengebracht wird, ruft jetzt auch die Großbanken auf den Plan. So hat die Commerz- und Privat- Bank, wie WLB.-Handelsdjenst erfährt, eine „ Umschultungsstelle für Aufwertungs-Hypotheken" gegründet, deren Aufgabe hauptsächlich auf zwei Gebieten liegt. Einmal will sie den Aufwertungsschuldnern bei der Erlangung von Ersahhypo- theken behilflich sein und zum anderen will sie die Beschaffung der erforderlichen Liquidations- goldpfandbricfe finanzieren, sofern die Bewilligung der Reuhypothek sichergestellt ist. Es handelt sich also um eine Aktion der Zwischenfinanzierung, die den Hypothekenschuldner von der Sorge befreit, woher er die für die Ablösungskäufe vorübergehend gebrauchten Geldmittel nehmen soll. * Die Preußische Landespfandbrief a n st a l t in Berlin (Grundkapital und offene Rcferven über 30 Millionen Mark), die satzungsgemäß Darlehen zur Herstellung und Klein- und Mittelwohnungen gewährt, legt laut Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil in der Zeit vom 6. bis 25. Januar einen Betrag von drei Millionen Goldmark ihrer am 2. Jan. zur Ausgabe gelangenden 8proz. Goldmark- Pfandbriese. Reihe 18 zum Dorzugskurs von 96,50 Proz. zur öffentlichen Zeichnung auf. Die Pfandbriefe sind reichsmündelsicher: ihre Rotiz an den Börsen zu Berlin und Frankfurt a. M. wird Anfang Januar mit 97 Proz. erfolgen: die Lombardfähigkeit bei der Reichsbank wird demnächst beantragt werden. Die Stücke sind zu 100, 200, 500, 1000 und 5000 Goldmark lieferbar. Zahlung kann bis 25. Februar erfolgen. Alle durch den Verkauf der Papiere aufkommenden Beträge werden ausschließlich dem Wohnungsbau zugeführt. * Zunahme der Konkurse i,n Dezember 1 929. Rach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Dezember 1929 durch den Reichsanzeiger 881 neue Konkurse, ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung, und 459 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen im Rovember stellten sich auf 813 bSto. 394. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 3. Jan. Tendenz: Zurückhaltend. — Schon im heutigen Vormittagsverkehr machte sich eine starke Zurückhaltung bemerkbar, veranlaßt durch die heute beginnende Haager Konferenz. Auch drückte die weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit im Reiche auf die Stimmung, ebenfalls blieb die stiller gewordene Reuyorker Börse von gestern nicht ohne Einfluß. Das Geschäft bewegte sich in den engsten Grenzen. Rach Feststellung der ersten Kurse kam jedoch eine etwas bessere und zuversichtlichere Stimmung zum Durchbruch, da • c verhältnismäßig günstigen Geldmarktverhältnis . Ln;."Ablüi..Schutk> mit üui los.-Rechten........ 50,1 — 50,1 50,1 Te«gl. ohne AuSIos. Rechte 6,95 — 771 7 8% -ess. VolMaot von 1929 (tüdjnfjlb. 102%) .... Cbcrhclicn Provinz-Anleihe mit Aueloj..Rechten...... 88,25 — 88,5 — 45 — — — Deutsche Komm, Gammelabl. Anleihe Serie 1....... 47 — 47,5 — 8% Franks. Hvp.-Bank Goldpse. XIII uiitüiibbor bii 1934 . 96,5 — — — 7% Franks. Hnp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 ..... 82 —- — — <%% 9ificiiiijd)e Hyp.-Bank Llqu. Goldpse........ 80,5 _ — — 8% Pr. Landcöpsandbrlesanstolt. Psandbriese R. 17..... 8% Pr. Laudcspsandbriesansialt, Komm.-Obl. R. 16..... 98 _ 97,5 _ 95 _ 95 7% Pr. Laudeepsandbriesanstalt, Psandbriese R. 10..... Q.e.GJ. abg. Dorkrlcgr-Obltgatlon. ruck; ah Ivar 1932 ...... 89 69 — 86 - - 4% Oesterreichlsche Goldrte.. . 24,25 24,6 24,13 24.4 4,20% Ocsterr. Sitberrl- . 4% Oesterreichlsche Einheitliche 2,65 — 2,7 — — _ — 4% Ungarische Goldrre.... 24 — 21,2 21,4 4% Ungarische Staatsr. v. 1910 19,5 — — 19,5 4%% tcifll. von 1913 .... —— — —— — 4% Ungarische jironcnrle.. . - 1,9 - 1.95 1,95 4% Türl. Zollanlcihe v. 1911 . 6,85 7 6,75 7 4% Türlische Bagdadbahn-Anl. Serie 1.......... 6,8 — 6,75 4% be«gl. Serie II - x 6,8 — 6,75 — 5% Rumänische vereinh. Rente von 1903 • . . . . 4Rumänische vereinh. Rente von 1913 . ....... 4% Rumänische vereinh. Rente . 8,9 _ 13,9 —- 14 1 — 6,9 — Frankfurt a M Berlin Schluss -Uln Schluß-s Anfang. Äurt | Kur» Kurs | Kur Datum 2 1 3. L 2 1- 3 1. Hamburg-Amerika Palet . . —— 96,75 97.25 96,4 Hamb.-Südam. Dampssch. - . t- — — 174,5 174,5 Hansa Dampsschiss..... IN — — 143 — Norddeutscher Llovd .... . t 96.5 95.9 96 95.5 AUg. Deutsche Eredttanst. . . IC 117 — 117.75 117.75 Barmer Bankverein .... 1( 116 115 115,5 115 Berliner Handelögesellsch. . - 12 173 — 173 172,5 Commerz- und Prluat-Bank. 1 146.5 147 146,25 146 Darmst. u. Nationolbanl . 1 223.75 — 223,9 223,13 Deutsche Bank...... 11 142 — 141.9 141 Dleconto-Äesellschast, Aot. • 1' —- — 141,9 — Dresdner Baak...... 1' 142.5 141,5 142,5 141,5 Reichsbant........ 1 276,5 — 277,5 277 OLG.®........... 158 157 157,75 156,25 Bergmann ... — — 205.5 205 Elektr. Lieferung sgeiellschast. U — — — 157,25 Licht und ftraft...... 1' 144,5 — 143,5 — Felten & Guilleaume.... 7K 112 —- 112 113 Gel. s. Elektr. Untern.. . . . 10 145 144,5 145.25 143,5 Hamb. Elektr.-Werl: .... 1 — — — — Rhein. Elektr........ — — 140 Schlei. Elekn....... 10 — — 146 143 Echuckert & Go....... 11 172 — 172 171,25 Siemens & Hawks..... 16 273,75 273 272,5 271,5 TranSradio........ . b 117,5 118,75 Lahmetier & Go....... 10 161 161 160 — Buderus . ........ . 5 65 63,25 64,75 63 Deutsche Erdül...... . 6 — 93 93 92,75 Essener Steinkohle..... . > — 135 136 Gelsenkirchener...... Harpener......... . b . 0 132 141 — >31 140,5 131 141 Hoesch Eisen........ 6 V, — — 109 109,5 Ilse Bergbau....... 10 220 — 219 219,75 Kiochicriverke..... . 91 91,75 91.25 91.5 — — 106,75 106 Mannesmann.Röhren . . . 92,5 — 92,75 92 Mansselder Bergbau .... 103,75 103,5 103,25 103,13 Lberichlej. Encnaeoars . . . — - 71,5 —— Oberschles. Koiöwerle.... . 7 — — 94 93,5 Phönir Bergbau...... 6H 102,75 — 102,65 102,5 Rheinische Braunkohle«. . . 10 234 —— 234,25 238-5 Rheinstahl . ....... . 105 104,75 104 Riebeck Montau...... V,2 — — Frankfurt a 9)1 Berlin edjuib-l Kurs | -Uhr K urs Schluß Kurs 21» lang» Kur. Dalum 2 1- 3. 1. 2- 1. 3. 1 Bereinigte Stahlw - . - 105 — 105 105 Otav: Minen .... 1 I — 51,25 51,75 kai> werke Aschersleben . . . i> 186' — 186,25 184 5 Km werke Westeregeln . . . 10 194 - 194,5 — Kaltwer e SalzdetiaNH - - . 15 314 — 314,25 311,5 I. G Farben-Industrie . . . 12 169.5 171 171,25 170,5 Dynamit Nobel...... . 6 — — 80,4 — Scheideanstall ...... . *J 148,75 148 — — Goldschmidt ....... . 6 — — 63,5 63,5 Rütgerewerke..... . . 6 — —— 69.4 68.5 Metallgeiellichast..... . 8 114,5 114 114 — Philipp Hofmann . . . 85 84 — Lernen werk Heidelberg . . . 10 113 751 — Zementwerk Karlstadt . . . ro — Wayß L -35 150 pfern h28 3.- .4.- itnden 50,9.50 ,15.- 1111"'"“ ,3.- .3.- varen CD re or> 't CD -5, er <3 re o sw >X"5= 2 y- d 5 C:S Z 0*0 5 a s a •$S . -* o ’^JäO c2 5 D ’S* a - o cp-x; LS* — CT — 'S ‘I> CD ' ■ l s . re -s*— D -t "E? D E 61 3 § 5 c s Z er re ■=. A» er re" re U> c s s o ■ er ’ re CD S- ' ’ "s* — e 3 —.3 E D re ' 6) '—c, re" =p®,2. O* 3 CT ,300 " ^g, S* ~ s er re" D 5 3 GZ: 5 CP — e re 3 3 " er or S 3 re re £4 D — 3 re erS * K er "8 3 E 3 = s CM ”" E re er re re re © Xg C9 re 2 3 3" CD E: -Xie. —— er X ■—* E: X re 2. ® ="re § 8 H — * ö er Ä e3-Se S re ‘3. 3 — IX! re q CD ö y'tiScS re — 332 3 2. re ~ re" —■ ' re — § E 3 8 S A: 2. er er re re 3 3 D s 3 10 2.' = erre"s <=r e | S | ßSü 2 S-S S-- 3 Q re re S* CD _ _ _ W E re re E re —T 3 3 re y,2 Sre f# 8 »g 2 * er re 8-ZZ = ^~A to a" 7 2. "re re s. A S=| " 5 6) D E O a «t e" 3 re CD 2 3__ CD re s o 8 o » Q ög D: re»er re O; 3 re 3 — = 3 _ 'CP3 re 3 E LL o-’re’ ” L>§8 Z Iss re E — g"re__ EC % -Ö S* s" ° ex —• Z re 3 CD EDO . E E E orTT 2. Sre @5 2. — 2 3 3 ?#H: 8=®B a-"5-I‘= s- E E O er_E^ er o er E 6 re 6)"^ 3 3 E re ,, — E 252«p D X S'S'd 57 rs ' er D 2 E gxTg sm S*-— 5 A 3: A Ws S CD ro 61 re E e s: 3 6)3* Äi G)Hg «• re^ SS = 3 s5 28 ©o 3 E 2 D 2.s © SÖlo re 2 ® y? 3"^ re 5 re 3 3 A 3-^2' 2.8 3 o 6) 6)2 3* re CT^ 31 re S ZS 8 i? * w 8 g si ^SLZZ. 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