Nr. 204 Lrfter Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 2. September 1950 Erich« >Ki loglich.autzer 5oentags und 5tiertags Beilagen; Die Illustriert« Gießener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholle Olenats Bejugiprels: 2.20 Reichsmark und 30 Beichsptennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. zemfprechanfchlüße ■nterSammelnuinmer‘2251. Änfdjrift für Drahtnachrichten Mnjelger Gieße». poßfche«»»!»: Srenffurtam Main 11886. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrLhl'fche Universitülr-Vuch. und SletudruSerei R. Lange in Sieben. Zchristleitung und Seschäftrstelle: Zchtlffttaße 7. Snnabme nr Snjetge» für die lagrsnumtner Di» zum Nachmittag vorher. Dreis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breit« örtlich 8, au»wärt» 10 Neich»pfennig, für Ne« Klamean,eigen von 70mra Breil« 35 Reichspfennig, Plotzvorfchrift 20’ mehr. Chefredakteur Di Jnebr. Wilh. Lange. Berantwonlich für Dolmh Dr. Fr. Wilh. Canq«; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für >«n Anzeigenteil Mas Rillet, färnthd) in ®iefien. Die Voraussetzungen der Außenpolitik. Reichsminister Trevira nus hat in Äonig*- berg Erläuterungen zu feiner außenpolitischen Gattung gegeben, die der ernsten Beachtung wert find Er hat dabei bekannt, daß er ein innerlicher Gegner zahlreicher Bindungen fei. die unsere Außenpolitik in den lebten Jahren auf sich genommen habe, dah er aber im übrigen mit dem Kabinett völlig darüber einig fei, im jetzigen Augenblick vor einem internationalen Forum, also etwa in Gens, eine Revision der Verträge nicht zur Sprache zu bringen Denn, so fuhr Treviranus fort, man soll den Polen in Genf nicht schon jetzt die Gelegenheit geben. daS Problem der Ostqrenze aufzurollen und abzudrehen. Der Zeitpunkt einer Aktion zugunsten der Revision der unhaltbaren Friedensverträge könne erst dann bestimmt werden, wenn die innere Stärke unseresDol- kes uns di« Gewißheit gibt, daß wir Atem- kräfte genug haben, um einen solchen Anspruch auch durchzuhalten Dieser Zusammenhang zwilchen Innenpolitik und Außenpolitik wird leider bei unS in Deutschland allzu häufig verkannt. GS gibt viele Kreise, die deS Glaubens sind, man könne grob« politische Erfolge erzielen, auch wenn der Staat im Inneren schwach sei Dieser Irrglaube hat sich schon wiederholt bitter gerächt. Ein« wirkliche Einheitsfront in außenpolitischen Fragen konnte bisher niemals zustande gebracht werden, weil in Deutschland di« Auslassungen über di« Möglichkeiten und die Notwendigkeiten der Außenpolitik gar zu verschieden sind WaS unS jetzt not tut. ist die einmütige Haltung deS ganzen Volkes gegenüber den nächsten politischen Schicksalsfragen im O ft e n. Immer weitere Kreife deS Volkes haben inzwischen begriffen, daß innenpolitisch und außenpolitisch die großen Ausgaben jetzt im Osten liegen. Sinnfälliger kann der Zusammenhang zwischen Innenpolitik und Außenpolitik eigentlich nicht mehr werden. Wenn eS unS gelingt, die Äräfte deS Volkes auf diese große Probleme zu konzentrieren, ihm in Innenpolitik und Außenpolitik wieder Ziele zu weisen, für die daS ganze Volk zu kämpfen bereit ist, dann erst werden wir den tiefsten Punkt nach dem Zusammenbruch deS IahreS 1918 überwunden haben. Bevor aber di« Forderung einer starken Führung im Inneren nicht durchgeseyt ist, so lange der Staat noch durch seine eigenen politischen Unzulänglichkeiten in der Entlastung seiner besten Kralle gehemmt wird, kann kein« Ostpolitik wirkliche Ersolge Heimbringen. Treviranus contra poincare. Ter Meinungsaustausch int Urteil der „volonte". Paris, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die radikale Zeitung .Dolontö" beschäftigt sich mit dem Artikelduell Poincare-Treviranus. DaS Blatt schreibt, daS Dokument TreviranuS' sei ausgezeichnet und sehr vernünftig. Der junge deutsche Staatsmann scheine die derzeitigen Realitäten des internationalen LebenS bei weitem besser begriffen zu haben als der alte lothringisch« Staatsmann. Trevi- ranus wisse mit einem Taktgefühl zu sprechen, das- die Ausrichtigkeit nicht auSschlteße. Poin- car« habe einen Artikel geschrieben, dessen juristische Haarspalterei doch nicht die Unrichtigkeit der ausgesührten Tatsachen verdecken könne. Frankreich habe Deutschland keine Konzessionen gemacht, denn jede französische Geste zugunsten Deutschlands sei nurim Austausch gegen deutsche Gesten oder Garantien erfolgt, deren Bedeutung für Frankreich groß gewesen sei. Treviranus habe leichtes Spiel gehabt, als er Poincar« hieran erinnerte. TreviranuS weis« auch daraus hin, daß d i e Vertrage für Europa geschaffen seien, nicht Europa für die Verträge TreviranuS. der dank seiner Jugend die Zukunft begreife, gebe hier eine elementare Wahrheit wieder Möge man doch in Frankreich so ehrlich, mutig und weitblickend sein, daS anzu- crfcnnen. Oer konservative Wahlvorschlag für Hessen-Nassau. Frankfurt a. M., 1. Sept. (WSR. | Die Konservative Dolkspartei hat für den Wahlkreis 19 (Hesscn-Rassau) folgenden Wahlvor'chlag auf- gestellt: Universitätsprvsessor Dr. Otto Hoetzsch (Berlin), Syndikus Dr. Lanz (Wiesbaden), kaufmännischer Angestellter Krohn (Frankfurt Main-Ricderrad). Landrat Schwebe! (Marburg!, Regierungsassessor Hüter- Leer (Oft- friesland), Regierungsrat Dr. Heinrichs (Kassel). Frau Kalber la (Hohemark bei Oberursel). Eisenbahner Kirchner (Langenselbold), Prokurist Henhschel (Großalmerode). Direktor Dr. v. Gündell (Kassel), "Rechtsanwalt und Rotar Grämlich (Frankfurt a. UL). Geheimrat Hugenberg erkrankt. Bochum, 1. Sept. (WTB.) Etwa 3200 Personen wollten in Bochum den Führer der Dcutfchnatio- nalcn Dolkspartei, Geheimrat Hugenberg, in einer Wahlrede hören. Es kam jedoch nicht zu der erwarteten Rede. Rach einer längeren Verzögerung erklärte der Vorsitzende des Kreisvereins Bochum, Geheimrat Hugenberg sei zwar in Bochum eingetroffen, fei aber wegen einer Erkrankung am Reden verhindert. Oie Reichsregierung im Wahlkampf. Deutschland und die Wirtschaftslage. .Reichskanzler Tr. Brüning in vülheim. Mülheim a. d. R., 1. Sept. Reichskanzler Dr, Brüning erklärte in einer Kundgebung des Zentrums, jetzt komme eS darauf an, daß das deutsche Volk, die deutsche Demokratie in der Lage sei, die sinanzpolitische Freiheit auch zum Wohle des deutschen Volkes, der deutschen Wirtschaft und deS deutschen Vaterlandes auSzunuyen. Die deutsche Wirtschaftslage sei durchaus nicht so ungünstig, wie sie von Zweckpefsimisten bärgeftcllt werde. Deutschland könne durch die Senkung der Rohstosfpreife nur gewinnen, da eS ein Land hochentwickelter industrieller 3er- edelungswirtschaft fei. Die deutsch« Aan- delSbilanz weis« die Konsequenzen dieser Snt- wicOuna bereits auf. Deutschland habe in den letzten Monaten einen Ausfuhrüberschuß gehabt, wie er noch nicht zu beobachten gewesen fei. Deutschland gäbe die Reparationen in den letzten Monaten nicht mehr allein aus den neuen Anleihen bezahlt, sondern zu60 Prozent aus dem reinen Auss uhrüber s chuh bezahlen tonnen. Mit den Worten .nicht Katastrophen und Experimente, sondern Ordnung. nicht Phrasen und Versprechungen, sondern Wahrheit, da- ist die Parole des 14. September", schloß der Reichskanzler. Die Rettung der Landwittschast- Reichtzernährungsintnister Lchiele in Äid. Kiel. 1. Sept. (TU.) Aus einer Kundgebung deS SchleSwig-Holsteinischen Land- und Bauernbundes machte Retchsemährungminister Schiele grundsätzliche Ausführungen zur Landwirtschaftspolitik. Auf dem Wege zur Rettung der Landwirtschaft. so führte er u. a. auS, türmen sich drei Hindernisse auf, die nur in gemeinsamer Arbeit vom Staat und Berufsstand überwunden werden können. Die Erschütterung unserer heimischen Märkte durch das Anbringen der internationalen landwirtschaftL lieber- erzeugung. zweiten- die Festlegung toirt» schallsicher LandwirtschastSzölle von unzureichender Höhe in langfristigen Handelsverträgen und die Desorganisation der Erzeugung und Absatzverhä11n i s se im eigenen Lande. Die internationale ileber- erzeugung erstreckt sich keineswegs nur auf (Betreibe und Zucker; wir stehen vielmehr mitten in einer internationalen KrisiS der Diehwirtfchaft und deS Gartenbaues. Die oft überraschend kommenden Preisstürze am Geldmarkt lassen sich nur mit Erfolg abwehren, wenn wir zu einer autonomen Festsetzung unserer Landwirtsch af ts- z ö 11 c durch die Regierung ohne Einschaltung des langwierigen parlamentarischen GesetzgcbungS- wegeS gelangen. Deshalb muß es die Ausgabe der Landwirtschaftspolitik sein, di« Zollbindungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu beseitigen, die gerade noch auf dem Gebiete der Diehwirtfchaft sowie des Wein- und Gartenbaues in besonders großem Umfange vorhanden sind. Den immer zahlreicher werdenden Wünschen, die auf Systemänderung unserer Handelspolitik gerichtet sind, stimme ich im Grundsatz zu. Ich habe von jeher die Auffassung vertreten, daß das Prinzip der Meistbegünstigung in Verbindung mit festen Tarifabreden für unS höchst bedenklich ist. da wir uns für Landwirtschaft und Industrie in einer Zeit der internationalen Überproduktion, des internationalen Protektionismus und des internationalen Dumpings bereits befinden und ihr noch mehr entgegengehen. Wir müssen die bestehenden Mängel konsequent und mit aller Energie auSzumerzen suchen. Der Minister wies darauf hin, daß aber Zölle allein nicht helfen könnten, diese vielmehr ergänzt werden müßten durch organisatorische Maßnahmen zur Ordnung unserer Produktion und Abfatzverhältnisse im Innern. Allerdings könne man Absatzorganisationen nicht aus dem Boden stampfen, sondern eS bedürfe einer ruhigen, aber stetigen Entwicklung. Das Landvolk müsse die politische Macht ergreifen, wo sie sich ihm biete. Die Voraussetzungen her Sozialpolitik. Rcichsarbeitsminister Tr. Ltegerwald in Tuisburg Duisburg, 1. Sept. (WTB.) Auf einer Wahl- hmbgebung der Zentrumspartei sprach nach mit stürmischem Beifall aufgenommenen Begrüßung»- Worten des Reichskanzlers Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwaid über wirtschafts. und sozialpolitische Fragen. Wir betreiben seit mehr als 50 Jahren Sozialpolitik und streiten uns gegenseitig darüber, was Sozialpolitik ist. Das Kernstück der Sozial- Politik in den nächsten Jahren ist nicht etwa die Kranken- und Invalidenversicherung, sondern d i e Arbeitslosenfrage. In der Mittelbeschaffung für die Arbeitslosen ist in den letzten Monaten so viel geschehen, wie noch zu keiner Zeit vorher. An die eigentliche Arbeitslosenfrage kommen wir fundamental nur heran durch eine nüchterne, planmäßige und organische innere und äußere Wirt- schastspolitik, durch größte Sparsamkeit in allen öffentlichen Körperschaften, durch Vereinfachung und Verbilligung der Lebensführung, durch Preisabbau, durch Verminderung der produktionshemmenden Steuern, durch das Inord nungbringen der Finanzen im Reich. Ländern und Gemeinden. Diese Ziele find fo klar, daß nur der Mut zur Entschlossenheit aufgebracht werden muh, sie zu verwirklichen. Und bas ist die Hauptfrage Wie gliedern wir die große Armee der Arbeitslosen wieder ein in den Pro duktionsprozeß, und wie unterstützen wir jene denen Arbeit nicht beschafft werden kann, ohne dah dabei Das deuliche Volk im ganzen und mit ihm die gc (amte Arbeiterschaft immer mehr verarmt und verelendet? Das ist für mich wenigstens die Kernfrage der deutschen inneren Politik und somit auch der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Das konservative Programm. Reichdminister TreviranuS in Mainz WSR. Mainz, l.Vept. Auf einer Kundgebung der Konservativen Dolkspartei erläuterte Reichsrninistcr für die geräumten Gebiete TreviranuS den Begriff konservativ, wie die neue Partei ihn versteh« und betonte, daß nach den Zeiten der Rot die Dölker nur dann wieder gesund werden, wenn sie sich der Bewahrung unverlierbarer Werte besleißi- gen, wenn sie konservativ sind. Er wieS vor allem auf die Rotwendigkeit hin, sich von den Scheuklappen enger Parteidoktrin zu befreien und vor der harten Wirklichkeit nicht di« Augen zu verfchließen. Als Ziel stellte der Minister auf; Bereinigung der Vertrage und Bereinigung der öffentlichen Haushalte, da ohne daS zwei'.« das erst« nicht erreicht werden könne. Die Kon- I fcrvative Dolkspartei wolle mit dem Prinzip ein Ende machen, daß die Ausgaben von Leuten beschlossen werden, die für die Deckung nicht aufzukommen brauchten. Sie wolle das alte Märchen von dem Unterschied der direkten und indirekten Steuer auS der Welt schassen, und sie werde Mittel suchen, der Kapitalflucht durch Wiederherstellung deS Vertrauens in die deutsche Wirtschast Einhalt zu tun. Wir werden mit dem System der unbe- schränkten Zuschüsse auS dem Haushalt an die Arbeitslosenversicherung Schluß machen müssen. Dabei werden wir ohne di« Errichtung von Gesahrcnklaslen nicht auSkommen. Auch die K r a n k e n k a s s« n r e - form toerbc sich als zwingend« Rotwendigkeit ergeben. Eine Herabsetzung der Baustoffkosten und der Baupreise müsse erreicht werden. Das Reformwerk könne nur gedeihen, wenn man d i e alten Parteidoktrinen clnmotte und sich einmal auf den gesunden Instinkt verlasse. ES sei immer gefährlich, wenn man mit dem Parteiverstand gegen den gesunden Menschenverstand operiere. 3n diesem Sinne rief er zu einigem Zusammen stehen im Geist« der Frontkameradschaft auf. 24 Wahlvorschläge zugelaffen. Wiederum starke Zersplitterung des bürgerlichen Mittelstandes. Berlin, 1. Sept. (211.) Rach Ablauf der Frist für di« Einreichung der ReichSwahlvor- fchläge hat der ReichSwahlausschuß. der am Montag unter dem Vorsitz deS stellvertretenden Reichswahlleiters tagt«, die Reichs- wahloorschläg« folgender 24 Parteien für zugelassen erklärt 1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands- 2. Deutschnationale Dolkspartei: 3. Deutsche Zentrums Partei: 4 Kommunistische Partei Deutschlands: 5. Deutsch« Dolkspartei: 6. Deutschs SttatSpartei (Deutsche Demokratische Partei, Dolksnationaie Reichsvereinigung und verwandle Gruppen): 7. Reichsparlei des DeutschenMittel stände S (Wirtschaftspartei): 8. Bayrische Dolkspartei: 9. Rationalsozialistisch« Deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbewegung): 10. Deutsches Landvolk (Christlich-Rationale Bauemund Landvolkpartei): 11. DoIksrecht spartet (Reichspartei für Dolksrecht und Aufwertung und Christlich-Soziale Reichspartei): 12. Deutsche Bauern Partei: 13. Landbund: 17. Christlich-Sozialer Dv 1 ksdienst t Evangelische Bewegung): 18. Freibund des Handwer ks. Kleinhandels und Gewerbes (Reichsbund des Deutschen Mittelstand«-): 19. Rationale Minde rhett en Deutschlands: 20 Deutsch« Einheitspartei für wahre Volkswirtschaft: 21. Partei gegen den Alkohol: 22. Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen, Partei der Deutschen Mannschaften einschließlich der Abgesundenen: 23. Unabhängige Sozialdemokra tische Partei Deutschlands: 24. HauS - u. Grundbesitzer: 25. Arbeiterpartei für daS arbeitende und schaffende Dolk: 26. Mieter- und DoikS- recht Partei: 27. Handel. Handwerk, Hausbef itz. Die vom Reich-innenminister unter den Hummern 14, 15 und 16 vorgesehenen Reichswahlvorschläge fallen auS. da die betreffenden Parteien (Deutsch-Haniwversche Partei, Sächsisches Landvolk und Konservative Dolkspartei) anderen ReichSwahlvorschlägen angeschlossen sind. Sechs Reichswahlvorschläge mußten vom Reichswahlausschuß Aurüdge toiefen werden. Die Parteien „Recht werde Macht", »Kleinbesitzer, Handwerker. Mittelbesitzer'. .Zurück gedrängter Mittelstand und Invaliden" und »DolkSdund deutscher Arbeit" hatten nurReichswahlvorschläge. aber keinen KreiSwahlvorschlag eingereicht. Sine sogenannte.Menschheitspartei", die ebenfalls einen Reichswahlvorschlag eingereicht batte, muhte zurückgewiesen werden, daMängel tn de r List« der Unterschriften für einen Kreiswahlvorschlag festgestellt worden waren. Die »Radikale Deutsche Staatspartei", die einen KreiSwahlvorschlag im Wahlkreis Köln- Aachen eingereicht hatte, konnte für den Reichswahlvorschlag gleichfalls nicht zugelassen werden, da der KreiSwahlvorschlag zum Teil ungültige Unterschriften aufwieS. Zum Mlktrill des Chefs der Heeresleitung. Generaloberst Heye gegen die wilden Gerüchte um die Berlin, 1. Sept. (WIB.) Generaloberst Heye übermittelt der Oesscntlichkeit folgende Erklärung: Ilm den Gerüchten, die sich um meinen bevorstehenden Rücktritt gebildet haben und die sich allmählich zum Schaden des Reichs- Heeres auswirken, ein Ende zu machen, sehe ich mich zu folgender Erklärung veranlaßt: 1. Anfang Juni des Jahres habe ich aus eigenem Entschluß heraus den Herrn Reichspräsidenten und den Herrn Reichswehrminister um Zustimmung gebeten, nach Abschluß der größten Rahmenübung 1930 mein Abschiedsgesuch einreichen zu dürfen. Diese Zustimmung habe ich erhalten. 2. Den Zeitpunkt meines Ausscheidens aus dem Dienst habe ich daraufhin, den Belangen des Reichs- Heeres entsprechend, llebergabe der Geschäfte usw, auf den 30. November 1930 festgesetzt. 3. Wer, wie ich, über 4 2 Iahre der Armee gedient hat, davon 20 Jahre in schweren und verantwortungsvollen Stellungen in Krieg und Frieden, wird meinen Wunsch verstehen, die Führung des Reichsheeres einer jüngeren Kraft zu überlassen. Mit politischen Fragen hat mein Rücktritt nicht bas geringste zu tun. 4. Ich habe mich über den Rahmen meines Amtes hinaus nie mit Parteipolitik beschäf. tigt und beabsichtige auch zukünftig nicht, dies zu tun. Ich habe stets versucht, lediglich als Soldat, dem das Vaterland weit über allen Parteien steht, meiner Lebensaufgabe, dem Heere zu dienen 5. Für bas, was während meiner Amtszeit als Chef der Heeresleitung von mir unterstellten Offizieren gejagt ober getan wurde, trage ich allein die Verantwortung. Die Seifungsangriffe gegen solche Offiziere sind deshalb fachlich unrichtig und wirken für das Heer schädlich. 6. Ebenso stehe ich dafür ein, daß die Führung des Reichsheeres nach den Richtlinien des Reichswehr- minlfters als dem verantwortlichen Mitglied der Reichsregierung erfolgt ist. Don einer Sonderpolitik des Heeres oder einzelner Offiziere zu sprechen, kommt deshalb bewußt oder unbewußt einer Irreführung der öffentlichen Meinung gleich. 7. Ich darf erwarten, daß durch diese Erklärung der Zeitungskampf gegen das Reichsheer und einzelne Offiziere abgeschlossen ist, zum mindesten sich nur gegen die Person richten wirb, bic bte Verantwortung trägt, also gegen mich 8. Hierzu darf ich noch folgenbes allgemeines bemerken: Bei meinem Ausscheiben nehme ich als feste Ueberzeugung mit, baß bas Reichsheer in allen seinen Gliedern selbstlos und treu seinen Dien st an Land und Volk ausübt. Wenn diese Tatsache bei öffentlicher sachlicher Kritik mehr alsbishergewürbigt würbe, wäre nicht nur der Armee, sondern auch Den Interessen Des Ganzen besser gebient (gej.:) Heye, Generaloberst. Es war höchst« Zeit daß dem unsinnigen Gerede über die Reichswehr ein Ende gemacht wird. Ein Berliner Boulevardblatt hatte am Samstag die Behauptung fertig gebracht daß Generaloberst Heye gar nicht von seinem Posten als Chef der Heeresleitung zurücktreten wolle, sondern daß ihm dieser Schritt von anderer Seite nahegelegt worden set Heye hat diesem intriganten Gerede jetzt durch die oben wiedergegebene Erklärung ein Ziel gesetzt Die politischen Intriganten, die seit Wochen jetzt wieder gegen die Reichswehr wühlen, können sich diese Vornehmheit der Gesinnung offenbar nur sehr schwer vorsteilem Denn ihr Grundsatz bestand darin, immer einzelne Offiziere gegen den Ehef der Heeresleitung auszuspielen und au behaupten, daß hinter seinem Rücken ein politisches Ränkespiel getrieben werde. Man wird abwarten müssen ob jetzt endlich mit diesen die Interessen der Landesverteidigung schädigenden Anwürfen gegen einzelne Offiziere des Reichsheeres Schluß gemacht wird, oder ob der Maulwurfsbetrieb gegen die Reichswehr weitergehen soll. Was in dieser Beziehung schon gesündigt worden ist. geht allein daraus hervor, daß das führende Blatt der englischen Arbeiterpartei. der D a i l h H e r a l d", einen Artikel mit der sensationellen Lieberschrift bringt: »Ein finsteres Geheimnis bedroht Europa'. Hier handelt es sich offenbar um die berühmten Spitzelberichte über die angeblichen Auslandbeziehungen des Reichsheeres, deren Herkunft man ja zur Genüge kennt. Zumeist ist es Material, das von radikal-pazifistischen Kreisen gekauft worden ist. Es war höchste Zeit, daß dieser Intrige gegen die Reichswehr ein Ende bereitet wurde. Sensation im Bombenlegerprozeß. Eine Frau der Sätifltcit als Polizeispitzel beschuldigt. Altona, I.-Sept. (WTB.) Am fünften Tag des Bombenlegerprozesses kam das Gericht zu den früheren Aussagen des Angeklagten H a m k e n s. Er ist Geschäftsführer und Teilhaber der Zeitung „Das Landvolk" G. m. b. H. Er befand sich angeblich dauernd auf Agitationsreisen und wollte nichts von der Sache wissen. Hamkens will mehrfach versucht haben, Heim von Gewaltakten zurück- zuhalten. Sein persönlicher Eindruck ist der: Heim und Volck haben mindestens die ersten Bombenanschläge aufgezogen. Der Angeklagte Heim, Hofbesitzer in Annen-Oesterfeld und Führer der Landvolkbewegung, hat jede Mitwisser- und Mtt- täterschaft strikt in Abrede gestellt. Er behauptete, für terroristische Unternehmungen absolut nichts übrig zu haben, bestritt. Geldgeber in der Dombensache gewesen zu sein, und sagte, es wäre ihm völlig rätselhaft, wie seine Freunde dazu kämen, ihn in solcher Weise zu belasten. Rechtsanwalt Graf von der Goltz beantragte, Frau Ilse von Oertzen gebor.Neumann zu laden. Sie soll im Dienste der Polizei stehen, den Angeklagten Bolck bespitzelt, an den Ermittlungen teilgenommen, aber auch sonst vorher von den Anschlägen gewußt haben. Sie soll sich ferner an den verschiedenen Besprechungen beteiligt haben, also gewissermaßen a l s st a a t l i ch e r Agent provokatorisch gewirkt haben. Sie gehöre zu den ersten Kräften der politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums und habe zu dem Angeklagten Bolck freundschaftliche Beziehungen unterhalten, die sie geschickt ausnuhte, um die Landvolkorganisation wie auch die Bombenlegerarbeit bis in die letzten Einzelheiten kennenzulernen. Frau von Oertzen soll bereits mehrfach in ähnlichen Angelegenheiten eine ähnlich Rolle gespielt haben. Oberstaatsanwalt Dr. Gollnick erklärte, die Behauptung, Frau von Oertzen sei als agent provocateur tätig gewesen, für abwegig. Frau von Oertzen soll als Zeugin geladen werden. Gefängnisstrafe für Or. Goebbels. • Berlin, 1. Sept. (ERD.) Das Schöffengericht Charlottenburg hatte sich mit dem Strafverfahren gegen den nationalsozialistischen Führer Dr. Goebbels wegen öffentlicher Beleidigung des Berliner Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und übler Rachrede, begangen durch mehrere Artikel in der Zeitung „Der Angriff", zu beschäftigen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu sechs Wochen Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe. Die schwerste Beleidigung erblickte das Gericht darin, daß dem Polizeivizepräsidenten in einem Artikel des „Angriffs' vorgeworsen worden war, er habe in einem Strafverfahren als Leiter der Berliner Polizei die Strafverfolgung nicht objektiv geführt. Darin sei die Behauptung zu erblicken, daß Dr. Weiß seine Stellung in parteilicher Weise mißbraucht- habe. Der Staatsanwalt hatte eine Gesamtstrafe von neunMonaten beantragt, doch konnte das Gericht nicht den Entschluß fassen, ein so hohes Strafmaß zur Anwendung w bringen, da es dem Angeklagten mildernde Umstände zubilligen mußte. Aus aller Welt. Die Neste der AudrLc-Expcdüion Bon Hasvik, westlich von Hammersest, wo die „Dratvaag" am Sonntag eintraf, setzte das Schiff die Reise nach S k ä r v ö im Alten Fjord fort, wo es vor Anker ging. In Tromsö kann die „Bratvaag" erst heute gegen Mittag eintreffen. Die ersten von Kapitän Iensen übermittelten Rachricyten haben sich nicht in allen Stücken als richtig erwiesen. Die Leichen der drei schwedischen Forscher sind nicht so gut erhalten, daß eine Einbalsamierung möglich ist. Bon Strindbergh und Fränkel ist wenig mehr als die Skelette erhalten. Es besteht jedoch keinerlei Zweifel, daß es sich um Andree und seine Begleiter handelt, da das Tagebuch, das man bei Andröe fand, und die übrigen Gegenstände deutlich den Beweis dafür erbringen. Die Ueberreste der drei Forscher befinden sich wohlverwahrt in Eis an Bord der „Bratvaag", die während des Aufenthalts in Dkärvö polizeilich bewacht wurde. Die wissenschaftliche Kommission wird ihre Arbeit nicht an Bord der „Dratvaag" ausneymen, sondern man wird die Leichen und alles übrige in Tromsö an Land bringen. Der österreichische Professor Stern, der sich zu Untersuchungen über das Rordlicht in Tromsö befindet, hat sich erboten, photographische Aufnahmen von dem Fund in natürlichen Farben zu machen. Man nimmt an, daß die Expedition Andröes infolge Ermattung untergegangen ist. Unter den gefundenen Gegenständen befindet sich sehr viel Munition, woraus man schließt, daß die Expedition Möglichkeiten zum Berpro- viantieren gehabt habe, aber wegen der Ermattung diese Möglichkeiten nicht ausnutzen konnte. Die Instrumentenkästen sind noch nicht aufgetaut und konnten bisher nicht geöffnet werden. Das Tagebuch ist ein einziger Ei-kl um- p e n; aber man glaubt, daß die meisten Aufzeichnungen entziffert werden können Ser MseMani» auf demMerbakmhosHaimover * EH... .■ iUt< Die durch den Brand in der Güterabfertigung Hannover-Rord angerichteten Schäden lassen sich erst jetzt ganz übersehen. Es brannte in zwei Schuppen von etwa 300 Meter Länge und je 40 Meter Breite. In diesen Schuppen landen, zum Teil schon beladen, s i e b e n Güte r z ü g e. Das Feuer verbreitete sich mit so rasender Geschwindigkeit, daß in weniger als fünf Minuten die Schuppen in Flammen standen. Einige der flüchtenden Arbeiter muhten, sogar ihre Elektrokarren stehen lassen. Die Schuppen, von denen nur noch die geborstenen Seitenmauern stehen, bilden e i n schauriges Chaos, über dem ein dichter Rauchnebel lagert. Riesige Eisenträger haben sich in der Höllenglut gebogen. Durch die herab- stürzenden Deckenkonstruktionen wurden die Eisen- vfeiler von 30 Zentimeter Durchmesser, denen das Feuer nichts anhaben konnte, aus dem Boden gerissen und umgestürzt. Die Hitze war so stark, daß das Glas der Decken- senster schmolz und wie Eiszapfen herunterhängt. Die Güterwagen, deren Holzteile völlig verbrannt sind, stehen noch auf Den verbogenen Schienen und werden wahrscheinlich dort verschrottet werden müssen, da sie sich nicht bewegen lassen. Die Eisenstreben der Decken und die großen Säulen sind zum Teil auf die Wagen gestürzt. Alles, was nicht aus Stahl oder Eisen war, ist re st los verbrannt. Der Schaden, der an den Dächern der benachbarten Wohnhäuser angerichtet wurde, ist ebenfalls ganz erheblich. Der Dachstuhl eines Hauses ist zur Hälfte verbrannt. Daß die Kontinental- Gummifabrik verschont blieb, ist außer den übermenschlichen Anstrengungen der Feuerwehr und vieler beherzter Einwohner nur dem Umstand zu verdanken, daß der ziemlich starke, Wind, der öfter seine Richtung wechselte, das Feuer nicht dorthin trieb. Es ist noch nicht abzusehen, wie die Reichsbahn den Güterverkehr aufrecht erhalten wird. Der während des Brandes vermißte Arbeiter Hamel hat sich inzwischen wieder eingefunden, so daß Menschenleben nicht zu beklagen sind. Arbeiterunruhen in Budapest. Budapest, 1. Sept. (1BIB.) Bei sozialdemokratischen Demonstrationen ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Am Stadtwäldchen muhte eine Gruppe von jungen Arbeitern mit Waffengewalt zerstreut werden. 3n dieser Gruppe befanden sich Verteiler von kommuni st ischen Flugzetteln. Eine Gruppe der von der Andrassystrahe zurückgedrängten Demonstranten st ü r m t e in elnerRebengafsedie Villen und versuchte, sie zu plündern, wurde jedoch von herbeigeeilten Polizeiverstärkungen zerstreut. 3m Stadtwäldchen wurde ein Kaffeehaus von den Demonstranten demoliert. 3n der Vembinskygasfe in der Röhe der Andrassystrahe sind die Demonstranten nicht nur in einige Villen eingedrungen, sondern begannen auch, die Geschäfte zu plündern. Die Demonstranten stürzten in der Rähe des Rlilleniums- Venkmals, dem Hauptherd der Ruhestörungen, ein Automobil um und steckten cs in Brand. Vie Polizei wurde mit Steinen und Eisenstücken beworfen, hierauf wurden Panzerwagen mitMaschlnen- gewehren ausgestellt. Die Demonstranten warfen mit Steinen und aus den Fabriken mitgebrochlen Bleistücken Fenster ein und verwundeten Passanten. Zur Fortschaffung der verwundeten muhten Privatautomobile in Anspruch genommen werden, aus denen die Rote-Kreuz-Flagge gehihl wurde. 3m Stadtwäldchen wurde ein Automobil der Freiwilligen Retter umgestürzt, ebenso zwei Autobusse und zwei elektrische Strahenbahnwagen, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Bei dem vorgehen gegen die Masse sielen auch Schüsse. Der demokratische Stadtrepräsentant Dr. 6 l a a r wollte in der Rähe des Stadtwäldchens die Menge von feinem Automobil aus beruhigen. Die Demonstranten stürzten aber sein Auto um und steckten es in Brand, klaar wurde durch einen Stockhieb so schwer verletzt, dah er bewußtlos in ein Sanatorium gebracht werden muhte. Rachmittags um 2.30 Uhr herrschte auf den grohen Verkehrsstrahen wieder Ruhe und Ordnung. Rach dem amtlichen Lommu- niquö, der Polizei wird die Zahl der Demonstranten auf 15 000 bis 20 000 geschäht. 3m Lause der Zusammenstöhe ist ein Arbeiter ums Leben gekommen. 3n den Stadtteilen, die als Herd der Unruhen gelten, nimmt die Polizei Durchstreifungen vor, doch ist es zu keinerlei Einschreiten der Polizei gekommen. Ein wertvolles Wrack. Bei Brest ist das Wrack des vor sieben Iah- ren an der sranzösischen Westküste gesunkenen englischen Dampfers „E g h p t", der eine G o l d- barrenladung i m Werte von 200 Millionen Frank an Bord hatte, von italienischen Tauchern nunmehr festgestellt worden. Die Taucher haben bereits mit der Abmontierung des Wracks begonnen und hoffen, sehr bald zu den Räumen mit der Goldladung zu gelangen. Der amerikanische Vandenführer Diamond in Aachen verhaftet. Der König der Reuyorker llntertoelt Iack Diamond, der sich auf einer Guropareise befindet, ist an Bord des belgischen Dampfers „Delgenland" in Antwerpen eingetroffen. Sein Paß und seine sonstigen Dokumente waren jedoch völlig in Ordnung, so daß er an Land ue- lassen wurde. Gr erklärte, daß er nur drei Tage iß Belgien bleiben wolle, und sich später in den französischen Badeort B i ch y begeben werde, um sein Magenleiden zu Furieren. Er werde sich nach Beendigung seiner Kur toieöer nach Reuyork zurückbegeben. Gr habe sich sehr gewundert über das Interesse, das man seiner Person entgegenbringe, da man i h rn nichts vorwerfen könne. Auch auf der Reise habe er sich keineswegs verleugnet. Mit den Reuyorker Alkoholschmugg- lem habe er nichts zu tun und sei keineswegs ihr Führer, wie behauptet werde. Äachdern Diamond einem eingehenden verhör im Fremden amt der Antwerpener Polizei unterzogen wurde, wurde ihm der Aufenthalt in Belgien unterlagt, und er, da sein Pah ein Visum f ü r Deutschland trug, unter polizeilicher Bedeckung in den 18,50 Ahr nach Deutschland abgehenden Zug gebracht. Bei seinem Eintreffen i n A a che n ist Diamond von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Tagung des Oekumeniichen Rotes für Praktisches Lhristentum. Die diesjährige Tagung des Oekumenifchen Rates für praktisches Christentum, in dem die evange- lischen, anglikanischen und griechisch-orthodoxen Kirchen der Welt vertreten sind, ist in C h e b e r s bei Lausanne eröffnet worden. Den Vorsitz führte der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenaus- schusses. D Kapler (Berlin) Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungstages stand der Todeskampf des Christentums in Sowjetrußland. In der Aussprache über Frieden und Schiedsgerichtsbarkeit, wurde die Verantwortung der Kirche zur Beeinflussung her öffentlichen Meinung im Sinne des Friedensgedankens zum Ausdruck gebracht. Transätlantikflug Loftes' und Bellontes. Costes und Bellonte haben Montag um 11.40 Uhr bei Le Crotoy ihren Flug über den Aermelkanal begonnen. Sie wollen von dort über Die Scilly-Infeln an der Südspitze Englands nach S ü d i r l a n d fließen und Dann längs Des 42. Brei- tengraDes Den Schiffsweg bis Halifax verfolgen. vor einer Hungersnot in Rußland. Der amerikanische Oberst Walter Bell, Der Mitarbeiter Des Präsidenten Hoover bei Der Hilfsaktion für RußlanD, hat eine Aufforderung Der russif ch e nRegierung angenommen, währenD einer Hungersnot, Die man in RußlanD voraussehe, Die Versorgung Des russischen Volkes mit Le- bensmitteln mit Hilfe von Flugzeugen zu übernehmen. Das Schicksal eines Fremdenlegionärs. Seit Iahren werden von elsaß-lothringischer und deutscher Seite unablässig Schritte unternommen, um eine Wendung des Schicksals von Alfons Paul Schwarz herbeizuführen. Dieser Schwarz ist ein Fremdenlegionär mit ursprünglich deutscher Staatsangehörigkeit, der sich auf der Teufelsinsel befindet und der dort z u I e - benslänglicher Deportation verurteilt ist. Schwarz wurde 1886 a l s Sohn elsaß-lothringischer Eltern auf Korsika geboren und wohnte mit ihnen seit 1895 im Elsaß. Er machte auf deutscher Seite den Krieg mit und blieb nach Kriegsschluß in Kehl ansässig. Am 18. Februar 1919 wurde er aber von den Franzosen verhaftet und erst jetzt erfuhr Schwarz, dah er in Frankreich feit 1911 wegen Fahnenflucht verfolgt wurde. Am 14. Iuni 1921 erfolgte seine kriegsgerichtliche Verurteilung zu lebenslänglicher Zwangsarbeit wegen ..W affentragens gegen sein Vaterland . Kurze Zeit daraus befand sich Schwarz auf dem. Wege zur Teufelsinsel, die ihn bis heute beherbergt. Gr war ein Opfer des Gegensatzes zwischen den deutschen und französische Staatsangehörigkeitsbestimmungen geworden: ein Grenz- landschicksal von besonderer Tragik. Rach den neuesten Mitteilungen will das französische Kriegsministerium jetzt endlich die restlose Begnadigung von Schwarz 'unter der Bedingung in die Wege leiten, dah die deutsche Regierung eine erneute Anerkennung der deutschen Staatsangehörigkeit von Schwarz zum Ausdruck bringt. Es haben auch Besprechungen stattgefunden, so dah es jetzt allmählich den Anschein gewinnt, als ob das Schicksal des Deportierten sich zu seinen Gunsten wendet. Einen hervorragenden Anteil an der Wiederaufrollung des Falles Schwarz, der die Oeffentlichkeit in den letzten Iahren wiederholt beschäftigte, hat sein Essener Verteidiger, Professor Dr. Grimm, der seit Iahren in ununterbrochener Verbindung mit Schwarz steht und sowohl bei den deutschen als auch bei den französischen Behörden für seine Befreiung eingetreten ist. Das 20. Opfer des wilden Kaisers. Im Gebiet des Wilden Kaisers wurden der Münchener Werkmeister Rottner und seine Braut tot, bzw. schwer verwundet, aufgefunden. Die beiden gerieten beim Aufstieg oberhalb der Grut- ten in einen Steinhagel, der durch eine vorangegangene Touristenpartie ausgelöst worden war. Fräulein Brunner würd^-durch einen Felsblock der rechte Arm abgeschlagen: sie verlor das Gleichgewicht, stürzte ab und blieb mit zerschmetterten Gliedern liegen. Rottner erlitt schwere Verletzungen. Es ist dies der 20. tödlich verlaufene Bergsteigerunfall im Wilden Kaiser in diesem Iahre. Zwei Berliner in den Dolomiten abgestürzt. Am Fuße Der Bordwand des Rosengarten s in den Dolomiten sind Die Leichen Der Berliner Alpinisten Ritter unD Streicher gefunDen roorDen. Die jungen Touristen wollten eine Besteigung Der RosengartennorDwanD unternehmen. Beim Aufstieg glitt jeDoch Der oorangehenDe Tourist aus unD stürzte Die 400 Meter hohe WanD ab unD r i ß im Sturz seinen KameraDen mit. Ein Schnellzug überfährt ein Auto. Bei Laufen (Oberbayern) wurde abends ein Automobil von dem Schnellzug Berlin—Berchtesgaden überfahren. Die beiden Insassen des Wagens wurden getötet. Die ordnungsmäßig geschloffene Schranke soll wieder geöffnet worden fein. Radiosteuer endgültig abgelehnt. Das Bestreben einzelner Kommunen, sich durch die Besteuerung ,von Radioempfangsgerät neue Einnahmequellen zu verschaffen, das schon vor längerer Zeit auf den energischsten Widerstand der Reichsrundfunkgesellschaft gefloßen ist, dürfte nunmehr c n d - gültig fallen gelassen worden sein. Die Reichsrundfunkgesellfchaft, die zunächst vor einet Erhebung derartiger Steuern gewarnt hatte, hatte sich schließlich veranlaßt gesehen, eine Reihe von Prozessen anhängig zu machen, die bisher in allen Fällen zu ihren Gunsten ausgegangen sind. Dabei haben es die Gerichte auch abgelehnt, daß eine Lautsprechersteuer, wie dies z. B. in Dresden vorgesehen war, erhoben wird. Augenblicklich schweben Auseinandersetzungen zwischen der Reichsrundfunkgesellschaft und den Kommunalverwaltungen nut noch in Frankenhausen in Thüringen und einigen kleinen Ortschaften in Sachsen, es ist aber anzunehmen, daß auch diese Kommunen in aller Kürze ihre ursprüngliche Absicht in Verfolg der inzwischen getroffenen Entscheidungen zurück- zleh en und auf die Erhebung einer besonderen Radiosteuer verzichten. Oie Deiierlaae 14. Ml m * 7 Wien m3 O o llaoerrf. X OrLoni r Aberd s>ren Sunsien haben tf ine Lautsprecher. eiben vorgesehen ch schweben 2uk LeichSrundsunk. lvnvaltungennur iringen und eint, hsen; es ist aber mmunen in a!!n f in Verfolg ber ungen zurück, einer besonderen ae - wM *5 t a^' ’fftt Nf «na Ä-3' J»*' jSffS? «Ls stOkuhlE »•ATm®* > tt»d"t „0 >'L W- Aos der Prvviaziashauptfiadt. Diehen, den 2. September 1930. Gupenniendent D. Wagner 60 Jahre alt. Am Mittwoch. 3. September, begeht der Superintendent von Oberhessen, Oderkirchenrat OKarl Wagner in Dieben, seinen 60. ®e- burtstag. D. Wagner ist ein geborener Oberhesse. Er wurde zu Grebenau (Streit Alsfeld) al» Sohn de» Psarrer» Heinrich Wagner, der zuletzt in Wetterfeld bei Lauboch amtierte, geboren. Don dort au» besuchte Start Wagner von 1883 bl» 1888 da» früher gräfliche, dann staatliche Gymnasium, um hieraus in Sieben und (Erlangen Theologie zu ftuöieren. Nach bestandener Fakultatsprüfung und nach dem Besuche de» Predigcrseminars In Friedberg verwaltete der Jubilar die Pfarrstellen zu Ober-Gleen (Strei» Al», seid) und Gelnhaar (Strei» Büdingen). Seine erste definitioe Stelle wurde ihm 1896 in Ettingshausen übertragen, da» er 1902, nachdem er zum Dekan de» Dekanat» Grünberg gewählt worden war, mit der ersten Psarrstelle in (Brünberg vertauschte. 2m Sommer 1912 folgte Wagner einem Ruse an die Pelru»gemeinde In Darmstadt-Bessungen. Nachdem die neue Stirchenoersassung eingesuhrt worden Ivar, wurde D. Karl Wagner im Februar 1925 noch der Pensionierung de» oberhessischen Superintendenten Geheimen Oberkonsistorialrat» D. Petersen Superintendent von Oberhessen, so daß jetzt wieder ein Oberhesse >an der Spitze unsere» heimatlichen Rir- chcnsprengcl» steht. Anläßlich der Augustana- Jubelfeier am 29.2uni d. 2. ernannte ihn die Theologische Fakultät der Landesunioersität Siehen ehrenhalber zum Doktor der Theologie. Alle, die in amtlicher oder persönlicher Beziehung — und bei vielen ist beide» eng miteinander per- Hunden — zu dem Jubilar stehen, wird der 3. Sep- Umber ein Tag freundlichen Gedenken» sein. Hat e» doch D. Karl Wagner In hohem Grade verstan- den, sich die Liebe und da» vertrauen seine» gan- xen Bezirke» und vor allem der ihm unterstellten Pfarrerschast zu erwerben. Dielen ist er ein treuer Berater und wohlwollender Vorgesetzter geworden, der an Freud und Leid in den ihm anoertrauten Hausern teilnimmt. Al» erster Superintendent, der wieder in der Provinz seinen Wohnsitz hat, ist er eng mit dem kirchlichen Leben aller Gemeinden, in de neck er häufig ein- und ausgeht, verbunden. Als langjähriger Landessynodal. und später Landeskirchentagsabgeordneter hat sich D. Wagner her- vorragende Verdienste um unsere Landeskirche erworben. Ausgezeichnet verdient gemacht hat er sich weiter durch die jahrelange Leitung des Hessischen Landesvereins für 2nnere Mission. Die ihm aus Anlaß de» Augustanajubiläums verliehene Doktor- würde der Gießener Theologischen Fakultät ist die jüngste öffentliche Anerkennung der segensreichen Tätigkeit des Jubilar», dem seine zahlreichen Freunde in ollen oberhessischen Gemeinden zu seinem 60. Geburtstage herzliche und ehrerbietige Glückwünsche sagen in der Hoffnung, daß Gott auch weiterhin da» Wirken des Superintendenten an unserer Heimatkirche unb an unferem evangelischen Oberhessenvolk segnen möge. Wicfjcncr Wochcnmarktprcise. <34 kosteten auf dem heutigen Wochemnarkt'. «äse (10 Stück) 60 bl« 1,40; Butter Psd. 1.60 bi« 1,80; Matte 30 bi« 35; Wirsing 10 bi« 12; Weißkraut 6 bi« 8; Rotkraut 10 bi« 15; gelbe Rüden 10 bl« 12: rote Rüben 10 bi« 12; Spinat 20 bt« 30; Römischkohl 8 bi« 10; Dohnen (grüne) 15 bi« 20; Dohnen (gelbe) 20 bi« 25; Untcr- «ohlrabi 6 bl« 8; Griffen 20 bi« 25; Tomaten 15 bi« 20; Zwiebeln 10 bi« 12; Meerrettich 50 bi« 60; «ürbi« 8 bi« 10; Pilze 30 bi« 35; «ar- foffcln 5; Falläpfel 5 bi« 6: Aepfel 20 bi« 40; Dirnen 20 bl« 30; Dörrobst 30 bi« 35: Zwetschen 15 bl« 20; Mirabellen 25 bi« 30; Reineclauden 15 bi« 20; Honig 40 bi« 50; junge Hähne 1.20 bi« 1.30; Suppenhühner 1,00 bl« 120; Rulle 60 bi« 70; Pfirlrche 40 bi« 70; Brombeeren 40 bi« 45; Prccheldeeren 30 bi« 40; Lauben Stück 70 bi« 80; Sier 12 bi« 15; Blumenkohl 30 bi« 70; Salat 10 bi« 15: Lalatgurken 10 bi« 20; Ginmachgurken 2 bi« 4. Sndtvien 10 bi« 20; Ober-Kohlrabi 6 bi« 8; Lauch 5 bi« 10; Rettich 10 bi« 15; Sellerie 10 bi« 20; Radieschen Bund 10 bi« 15; Kartoffeln Zentner 4,50 Wk. Laien für Mittwoch, 3 September Sonnenaufgang: 5.14 Uhr. Sonnenuntergang: 18.44 Llhr. — Mondaufgang 1729 Uhr. Monduntergang : —. 1S83: der russische Dichter Iwan Turgenjew in Bougival gestorben. Bornotizen. — Tage«kalender sürDlen«tag. Ra- tionalsoziallfttsche Deutsche Arbeiterpartei; Oes- sentliche Versammlung. 20.15 Llhr. in der Turnballe am Oswald «garten. — Gießener Gas- Woche: Hau-frauenabend. 20.30 ilbr, im Lafö Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße. ..Skandal um <3xxx“ und M2Hufn. da« Tonfilmwunder". •• Svangellfche Psarrpersonalie. Durch die Kirchenvegierung wurde dem Pfarrer Ferdinand Eckhardt zu Wahlen di« zweite evangelische Psarrstelle zu Bingen. Dekanat Mainz, übertragen, •• Ä e in« Volkszählung 1931. Der Präsident de« Statistischen Reick^amt« hat die statistischen Remter der Städte benachrichtigt, daß die für den Sommer 1931 in Au«sicht genommen« BolkSzählung um ein weiteres Iahr verschoben wird. Mit Rücksicht auf die schwierig« Finanzlage de« Reich«, der Länder und Gemeinden wird also in Abweichung von dem seitherigen fünfjährigen Tumu« bi« 1935 voraussichtlich nur ein« Volkszählung ftattflnben. •• Au« dem Gießener StandeS- amtSregister. SS verstarben in Gießen vom 16. bi« 31. August: 16. Karl Wilhelm Lieber. Forstmeister L R., 71 Iah re. Ludwigstraße 45. 17. Thristine Schneider, geb. Heinz, Witwe, 63 Jahre, Dleichstrahe 2. 18. Slise Annl Pitz, 11 Monate, Dammstraße 6. 18. Hildegard Elisabeth Julie Luise Volk, 7 Iahre, Oftanlage 31. 20. Georg Adam Spie«, llbrmacbermeifter, 71 Iahre. Ludwigstraße 27. David Löffert. Küfer, 68 Iahre, Sderslraße 2. 21. Bertchard Herr- manni, Fabrikdirektor i. R., 74 Iahre, Frankfurter Straße 46. Dorothea Fuch«. geb. Äom- maim, 44 Iahre, Wetzlarer Weg 69. 21. Luise Meyer, geb. Lenz, 80 Iahr«. Wilhelrnstr. 46. 26. Konrad Mau«, Taglöhner, 67 Iahre. Kleine Mühlgasse 7. 27. Wilhelmine Slise Luise Smilie Schmidt, geb. Zlnßer, Witwe. 80 Iahre. Stephan- straße 29. 29. Martha Kleber, geb. Schmoll, Witwe, 85 Iahre, Am Riegelpsad 26. 31. Wilhelm CBaumann, Buchhalter, 56 Iahre, Liebig- straße 70. ee Inventur und Steuerschätzung. In den von Bücherrevisor Hermann Will zu Gießen herausgegebenen .Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Rr. 17) lesen wir: Zur ordnungsmäßigen kaufmännischen Buchführung gehört, wie der ReichSfincmzhof in einem Urteil vom 2. April 1930 (VI A 1309 29 St. W. Rr. 689) auSführt. die Aufstellung «irre« Inventar« für den Schluß eine« jeden Geschäftsjahre«. Die Waren find mit ihren Werten anzufetzen und die Inventare 10 Iahre lang aufzuwahren. Dies« Pflichten liegen dem Steuerpflichtigen auch nach der ReichsabgabeTwrdnung ob. Ihre Richterfüllung berechtigt da« Finanzamt zur Schätzung de« Gewerbegewlrm«. — Für den entschiedenen Fall heißt e« in dem Urteil: .S« ist nicht erfennbar, daß da« Finanzamt bei seiner Schätzung gegen Recht oder billige« Gemessen verstoßen Hütte, da e« alle erreichbaren Unterlagen bei seiner Schätzung benutzt und nur da« fehlende Inventar anderweit ermittelt hat." Oberheffcn. Landkreis Micfccn. • Leihgestern, 2. Sept. Am heutigen Tage kann der Kutscher und Futtermeister Heinrich Winter auf eine 60jährige Tätigkeit auf dem Hosgut Neuhof bei Leihgestern zurück- bilden. Der hochbetagte Ardeit»jubilar wurde am 4. September lb56 in fieibgeftern geboren und trat am 2 September 1870 auf dem Hofgut Neuhof in Dienst, wo er seitdem unter mehreren Herrschaften in pflichttreuer Weise tätig ist. Da» seltene Arbeit»- jubiläum ist sowohl für den Jubilar al» auch für feine Arbeitgeber ein ehrende» Zeugnis »Ci d>, 1. Sept. Kestern gegen Mitternacht ereignete sich hier in der Braugaste dadurch ein Ur. fall, daß ein Motorrad, auf dem mehrere junge Burschen von hier saßen, In eine durch- ziehende Schafherde yinelnsuhr. Dabei stürzten die jungen Leute vom Motorrad, wobei einer so erheblichen Schaden erlitt, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte, während die beiden anderen mit leichteren Verletzungen davon- kamen. Drei Schafe wurden bei dem Zusammen- stoß so fchwer verletzt, daß sie notgeschlachtet werden mußten. Ärcii Alsfeld. -Ober-Ohmen, 1. Sept. Heute wurde die hiesig« F i s ch e r e l auf weitere zwölf Jahre verpachtet. Bel mehrfacher Konkurrenz wurde Dr. med. Nern au» Groß-Felda zum Höchstgebot von 337 Mark der Zuschlag erteilt. Allerdings ist an diesen Betrag neuerdings noch die Bedingung geknüpft, daß die Gemeinde auf Kosten de» Pachter» jährlich 2000 Stück Forellenbrut einsetzt L Rieder-Ohmen, 1. Sept. In der Zelt vom 13. bi« 15. Dezember findet hier die 4. Bezirksschau de« 2. Bezirk« de« Verbandes der O b e r h e s s i s ch e n De- slügelzuchtvereine unter Mitwirkung der Landwirtschaftskammer für Oberhesfen statt. Die Herrichtung dieser Veranstaltung wurde dem Geflügel- und Vogelzuchtverein für Rieder-Ohmen und Umgegend übertragen. Die einzelnen Au«- fchüsfe haben ihre Tätigkeit bereit« aufgenommen. Zahlreiche Ehren- und Geldpreif« sind In Aussicht gestellt. Ramhasie Geflügelzüchter au« Oberhessen sind als Preisrichter getoonnen. Man rechnet trotz der schlechten Zett mit einer starken Beschickung der Schau. Schweres Autounglück. 3rod lote. WGR. Frankfurt a. M, 31. Äug. Heute nachmittag ereignete sich an der Kreuzung der Mörfelder Landstraße und der Isenburger Schneise ein folgenschwere« Autounglück. Sin mit drei Personen besetzte« Automobil stieß in rascher Fahrt mit einem Motorrad zusammen; während da- Motorrad zur Seit« geschleudert wurde, überschlug sich da« Auto zweimal. Seine Insassen wurden schwer verletzt. Auch der Motorradfahrer und fein Begleiter erlitten erhebliche Verletzungen. Alle fünf Personen wurden auf dem schnellsten Wege In» Krankenhaus geschasst. Von den drei Insassen de» Kraftwagens sind der Marktauffeher Guido Schmitz und die Witwe Friederike G a l f e r, beide Kaulbachftraße 65 wohn, haft, ihren Verletzungen erlegen. Ein weiterer Verletzter befindet sich noch in Lebensgefahr. Nach den bisherigen Ermittlungen trifft den Führer des Kraftwagens, Joseph H a a s, die Schuld an dem Unfall. Es wird ihm oorgeworfen, den Bogen nach links mit kurzer Wendung genommen zu haben und überdies angetrunken gewesen zu sein. Srieffoften her 'Reboffwn. Daten beim. In Gießen besteht eine Ortsgruppe des Verbandes Deutscher Kriegrgrabersürsorge Vor« sitzender der Gießener Ortsgruppe ist Landgericht«- rat Trümpert, Gartenstraße. — Eine Verctni« fiung ehemaliger 168er hat hier Ihren Sitz Vor- igender ist Inftallateurmeister Georg Eidmann, Steinst raßc____________________________________________ ®f std« stjeacne Xummet sind zwei gleich heb« Verrinnt gefallen, und »war je einer «1 Mt Lose aleicher Nummer in den AdtelluNgen I und 11 beiden On der heutigen Bonnsttagszlebung wurden Dewin« über 150 M. gezogen 2 I« 1OOOO <ÜL 155684 2 Mnt I» 5000 M. 288806 8 e-ww |> 3000 den im Anfangsstadium heilbar. 6060D 6065D 05416 =5ßas-Woche Ausstellung neuzeitlicher Gasgeräte Nur noch bis morgen Mittwoch geöffnet I Jeder Besucher ein Freilos • Kostproben PREIS -VERLOSUNG! 6044D Zur Entgegennahme von flüssigen Kostproben bitte einen Eier-od. Likörbecher mitzubringen Morgen Mittwochabend 8% Uhr Vorführung moderner Dampf-Apparate (Wundertöpfe) Film -Vorführung Heute abend 8-/, Uhr Hausfrauen-Abend Vereinfachung im Haushalt Neuzeitliche Ernährung in gesunden und krankenTagen Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen _ _ Vermählungsanzolgen bei Bruhl, Schulstraße Geburtsanzeigen Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgänge unseres innigstgeliebten Gatten und Vaters sowie für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir allen auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Im Namen der tieftrauernd Hinterbliebenen: Elisab. Schadeck, geb. Sauer, Lollar, den 2. September 1930. Füf die vielen Beweise liebevollen Mitgefühls bei unserem schweren Verluste sagen wir auf diesem Wege innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Fran Berta Bolsmalh und Kinder. Wieseck, den 2. September 1930. Nach schwerer Krankheit verschied unser lieber A. H. Ludwig Bauder (et Spandoviae) Studienrat in Büdingen. In tiefer Trauer: Die Landsmannschaft Darmstadtia I. A. d. C.: Werkmann, F. V. .fettfedern reinigen C. Röhr L Co. 6054A I6058D weitere Umgebung einen Lebenslauf an [6067D laus unb GehaltSanfvruch bald, erbet, an LViv wavnen Sie IZHrenSewcrbungen auf Anzeigen ohne Äamen Zum Vertrieb einer bekannten Sckreib- maichine suchen mir für (Sieben unb läge Ihsemieur-Schule I u?,. MtschinenoanElettrt- nlX— technltJiocR-u. Tieft jo. | Tomndusirit. Werlmelet»r-Abtil»eef«h\ "J’BJiII s tut-Karrt. Lehrpitne freL\ Genetalvettretet Arbeitsamt Gieften, AngestBllienvermittlutiß. IddHlflct. nüdiietnet stüötteilenöet welcher Erfahrung im Verkehr mit Privatpubltkum bat, gesucht. Zunächst schristl. Oss. mit Altersang, unb kurzem Wirksame erbe-Drucksachen bei Brühl, SchulstraOe 7 genügen zur Einleitung v. Bnsteilungsoerchant» unaen. Oft ist uns der Auftraggeber unbekannt und in dlesenFSIIen kön» ncn wir nichts tun für d. Wiedererlangung der Bewerbungsunterlagen Gietzettev Sluzersev Schr. 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Diese Kakteen-Samen gehen sofort auf: es bereitet unbeschreibliche Freude, alle die Kugeln und Säulen in Erscheinung treten zu sehen, diese seltsamen Wüstenkinder in ihren fremdartigen Bestachelungen und Behaarungen. wertvolle Kakteen-Sorten, Raritäten, wie man sie nicht oft zu sehen bekommt. Erdbeerpflanzen, verbesserte „Königin Luise", verbesserte „Madame Moutot“. verbesserte „Sieger“, verbesserte „Roter Elefant“. Massenträger, Tafelerdbeeren ersten Ranges 100 Pflanzen M. 2.50, 1000 Pflanzen M. 23. Von der berühmten, in der ganzen Welt so großes Aufsehen erregenden „Schwarzen Ananas-Erdbeere aus Vierlanden“ kosten 20 Pflanzen M. 1.75. 40 Pflanzen M. 2.85. 100 Pflanzen M. 4.50. W Jetzt müssen gelegt werden; Schneeglöckchenzwiebeln 4 Pf, Tulpenzwiebeln 4 Pf., Iriszwiebeln 4 Pf., Narzissenzwiebeln 4 Pf., CrocusZwiebeln 4 Pf., 100Stück jedesmal M.3.85, alles in Pracht- farben. Hyazinthenzwiebeln. Prachtfarben, 15 Pf., 100 Stück M. 12. Millionen von Hatten brachte zur Strecke das auch durch die Behörden immer wieder von un« bezogene Meerzwiebel - Ratten vor« ilgunge- mittel, das beste der Welt, Kilo M. 1.75. 2 Kilo M. 2.85, 4 Kilo M. 5. Verbindlich bis 14. September. Blumengärtnereien Peterseim, Erfurt, behördliche Lieferanten. 6051V MM« Liebigstraße 5 Nähe Volt u.Bahnbos Schr. Angeb. u. 05417 an d. Gieh.Anz. erb. Mietgesuche"] Kinderloses Ehepaar sucht l SimmerÄ auch Altwohnung. Schristl. Angeb. unl. 05412 a. d. Gieß. An t. [Stellenangebote] Weg. Berbetralung meines Mädchens lüctit., gut empfahl. Mädchen für Küche und Hauö z. 1.10. ges. 05419 Fran Provinzialrat Wolf, Molikeltr. 16. Pflegerin von 35—45 Jahren für gelähmte Dame sucht 6069D Jräul. Tbörner, Arnsburg. Elternloses, ohne Anhang, auS der Schule entlassenes Mädchen kann auf demL'Nbe (Nähe Gießens» ständige Ausnahme finden. Famlllenanschl. Singer Nähmaschinen AktiengescUich. Gießen_______Marktplatz 18. Nach Darmstadt tn seinen Beamten- hauSH. zu älter. 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September 1930, nachmittags ab 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28: 6062D zwei Schlafzimmer mit Marmor und Spiegelschrank, zwei Büfetts, drei Küchenschränke (fast neu), einen Bücherschrank, einen Diwan, eine Klubgarnitur, ein Sofa, einen Schreibtisch (Diplomat, Eiche), eine Ladentheke, ein Schrank- grammophom Büchergestelle, einen Näh- tisch, einen Küchenherd (Dauerbrenner), eine Nähmaschine, Paneelbretter, vier Schreibmaschinen, einen Gasbackofen e emailliert), Stühle, Bilder, einen adeofen mit Wanne, einen Ausziehtisch, Gasherde, eine Schneidermaschine (Singer), ein Knaben- und ein Mädchenrad, einen Nachtschrank, zwei Kronleuchter, einen Spiegel, Regenmäntel, elektrische Zuglampen, zwei Angelgeräte, einen Autoheber, Autowerk- zeuge, eine Patent-Schneidkluppe (14—1 Zoll, mit sämtlichen Bohrern), einen Schneidkluppenkasten (komplett) fünf kombinierte Schneidzangen, zehn Stemmeisen verschiedener Breite, zwei Schraubstöcke u. v. a. Versteigerung bestimmt. Ludwig Hartmetz Auktionator und Taxator Neuenweg 28 — Telephon 3414 Nr. 204 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (Seneral-Anzrtger für Gder Hessen) Dienstag, 2. September 1950 Die „Drei? Erh-Lügner". Don Or. Alexander Stern. „E- war einmal ein Mann. Der war tot Sie trugen ihn auf einer Bahre und fangen: „Sanctc!“ Er aber verstand: ..Fangt ihn!", fprang auf und rannte davon. Cr kam ans Meer. Da Waren drei Boote. DaS eine hatte keinen Boden. Vas zweite keine Wand, bad dritte war nicht da. 3n dieses letjte er sich und fuhr in die Wüste. Dort gürtete cr seine Husten mit wildern Hontg und nährte sich von einem härenen Gewand. Als cr den Tod herannahen fühlte, versammelte er seinen einzigen Sohn im Halbkreis um sich —“ So beginnt ein ehrwürdiger Bicrfchwesel, so alt, daß cr schon Moos und Kalk ansetzt: aber er lebt noch immer und ist wieder und wieder bei Kneipen der Studenten zu hören. Lust an Luftigen Lügen ist uralt. Die einzelnen Stücke dieses Bicrschwcscls stammen aus dem „Finkenritter". das ist Herr Polykarp von Äir- lariffa. der dritthalbhundcrt Jahre, ehe er geboren ward, viel Land durchwandert und seltsame Dinge gesehen und zuletzt von seiner Mutter für tot liegen gefunden, aufgehoben und erst von neuem geboren wurde, heißt es in einem elsässischen Lügenroman auS dem 16. Jahrhundert. Der Bitter übernachtet in einem Baum. Dienen stechen ihn so. dah er ganz geschwollen ist und nicht mehr aus dem Baum heraus kann. Da geht cr rasch entschlossen nach Haus, holt cm Detl. fällt den Baum und kriecht nun am Wurzelcnde an« Tageslicht. Ader das Beil fällt ihm tn eine Domenhecke. Da läuft cr beim, holt einen Feuerbrand und steckt die Hecke an. Das Beil verbrennt mit. der Stiel bleibt ihm. Den verkauft cr einem ^Vorübergehenden. Der gibt ibm fieben Cllcn warmes Wasser dafür, daraus läßt cr sich einen Wintermantel machen, hübsch mit gebratenen Eiszapfen verbrämt. Solcher Abenteuer erlebt der Finkenritter zahllose und wird unsterblich. Immer wieder neu geboren feierte er in der deutschen Form des Eulenspiegcl. des Eapitain Daradiridatum- tarides Wmdbrecher von Tausend Mord und des Don Horribiliscribifax bei Andreas Dry» p h i u s. im Münchhausen stets von neuem Auferstehung bis auf den heutigen Tag. Lügen ist hier Flucht, ist Ausflug ins Debict des Schrankenlosen. Ungehemmten. Freien, jedermann erreichbar, ist Witz. Fabulieren. Lachen, und deshalb kehrt der Lügner und die Freude über ihn immer wieder. Am beliebtesten find die Lügner, die einander überlügen. Da gibt es ein altes Anekdoten- büchlein, „Der verreist gewesene und nun wieder angekommene Kilian Brustslcck". Selbiger erzählt auch ein Gefchichtchen „Dreh Ertz- Lügner": „Sin reicher Edelmann liehe sich gegen seine Diener vernehmen, welcher unter ihnen die größte Lüge würde zu sagen wissen, der sollte ein schöne« Pferd zum Geschenke bekommen." Darauf fienge der erste an: „Ich habe Zeit LcbenS nicht gelogen." Der andere sagte: „Herr, ich kann gar nicht lügen.“ Der dritte aber über tröffe alle beyde und sprach ..Herr, diese beyde sagen beyterseit« die Wahrheit." Auch diese drei leben bi« zum heutigen Tag Jetzt sehen sie so aus: ' Auf einem Kongreß treffen die Generaldirektoren der drei größten amerikanischen Hotels zusammen. Sic fachsimpeln, schildern einander die Macht und Pracht, die Gröhe ihrer Hotels. ..Unser Haus", sagt der erste. ..ist fo groß. daß wir eigene Such Patrouillen der Polizei beschäftigen. die Tag und Dacht daS Gebäude abstreifen, um Leuten, die sich darin verirrt haben, den rechten Weg zu weisen. Beulich brachten sie einen verstört auSlehenten Gast. Der wollt« abends in die Metropolitanoper, hatte sich in seinem Zimmer rasiert und angezogen und al« sie ihn fanden, hatte cr schon wieder einen Bart. Wir haben deshalb jetzt einen eigenen Friseur beim Hauptausgang für solche Gäste." ..Interessant', sagte der zweite. „Wir haben jetzt unterem Hauptbuchhalter ein Auto laufen müssen." _ ./Ha. und? Da« ist auch schon etwas? In Amerika hat jeder fünfte Mensch ein Auto." „Ja, wir muhten ihm aber eines für einen ganz bestimmten Zweck kaufen. Den Wagen braucht der Mann, wenn er bei feiner Buchhaltung mal von „Soll" nach „Haben" hinübermuh." „Hübsch- Wir", tagte der dritte, „brauchen jährlich 365 000 Liter rote Anilinfarbe. 1000 Liier im Tag " „So. wozu?" ..Mit der machen wir die roten Punkte auf die Weißfische, die wir als Forellen servieren." papa Ricots 400. Tabakjubiläum. Di« französische Nationalliga zur Verteidigung der Raucher — das gibt es in Frankrecch — trifft Vorbereitungen, um ein großes Jubiläum zu begehen. Papa Nicot bat vor 400 Jahren begonnen, die Kunst des Rauchens in Europa »in zu führen. Momentbilder aus dem Sowjetparadies. Bericht von unserer E. K.-Sonterkorrespontentin. V. 3m Revolutionsmuseum. In einem früheren AdelSpalaft an der Twer- skaja Ist das RevolutionSmuseum untergebracht, in das wir mit belon&crer Liebe geführt werten Wir sitzen auf den Mauervorsprüngen te« ShrenhofeS und warten bi« unsere Führung kommt In Gemälden. Skulpturen. In Photographien, in Erinnerung «gegenständen, in Tabellen, Plakaten und Motellen wird die Geschichte aller russischen revolutionären Bewegungen und die Entwicklung ter russ schm kommunistischen Partei dargestellt. Wir leben lämtliche Kosaken-, Dauern-, Arbeit er aus stände vom 17. Jahrhundert an krassen Bildern von Hinrichtungen und Der- folgungen. Besonder« reichhaltig war da« Material Der Revolutionen von 1905 an, vom Weltkrieg und ter Februarrevolution 1917, von den ersten Sowjets, von ter Oktoberrevolution 1917; von dem Wachsen des Bolschewismus und immer wieder von Lenin. Bilder au« Gefängnis, Zwangsarbeit, Verbannung. Ein Museum, das an« Herz greift und aufpeitscht. AIlcS ist so erschöpfend dargestellt. daß man erschöpft hinter einer Skulptur weg durch eine offene Tür in« Freie tritt und froh ist. von einer Serraffe auf da« Daumgrün eine« verlassenen ParkeS sehen zu können. Aber wir sind noch nicht fertig. Wir werten weiter zermürbt. Mit einem dumpfen Druck auf dem Kopf verließen wir da« Museum und streikten, al« wir nun noch ein bc’onbcrc« Senlnmufeum sehen und Lenin« Stimme auf dem Grammophon hören sollten. Wir verzichteten darauf, noch mehr PhotoS, Dricse. Schachbretter, Tische und Stühle zu sehen, die im Leben LeninS eine Rolle gespielt hatten. Dem FünfjahreSplan aber konnten wir nirgente entgehen. Unter dem Hammer des Fünfjahresplans. Wie den Russen, wird auch den Fremden dieser Plan von früh bi« spät eingehämmert, dieser gigantische Plan, ter den organisatorischen Ausbau fronen soll Wenn man im Parke, auf Straßen und Plätzen fragt: .Was bedeuten die Plakate, die Gerüste, die Losungen aus den roten Stoffstreisen?" so ist die Antwort: „Fünf- jabrcsplan". Wa« schreien die Lautsprecher: „Fünsjahrcsplan". Auch im Kino konnten wir ihm nicht entgehen. Wir wurden so über diesen Plan belehrt, der auf fünf Jahre vorauSte- stimmt, was werten soll, als sollten wir ein Examen darin ablegen. Statt ins Theater schleiften un« die beiden anatischen Führerinnen, die un« ter „Intourist" zur Belehrung und Bearbeitung mitgegeben hatte, n« Kino Wir hätten gern Meyerhold ge- ehen, aber sie behaupteten, er spiele nicht. Dr pieltc zwar doch, wie wir im Hotel hörten, aber man besorgte für un« keine Karten. Wa« wollten wir machen, mir mußten in« Kino und den Fünf- jahrcsplan sehen und hören. .Gin Tonfilm, sehr interessant I" Wir kamen in eine große Wandelhalle voller Menschen. In einem langen schmalen Gang spielte eine Musikkapelle. Jeter Musiker war angezogen wie ihm beliebte, Sporthemd, Russenbluse oder Jacke, Auflösung aller Form, jeder Tradition, wie überall in Sowjctruhland. Wir hatte Logenplätze, das gibt es noch. Der Film begann mit einer Apotheose Centn«. Wio bic Svbim starrte uns fein halb mongolisches Gesicht mit ter hohen Stirn, den schräg- gestellten Augen entgegen Ein moderner Dfchcn- aiSkan! Bei seinem Tote wird die Ratur in Aus rühr dargestellt, Schnccstürme, Sturmgeheul. Dann Geheul ter Sirenen. Aufbarung und Trauerfeier und MaNen, de dem ilmbilbner ter russischen Welt das letzte Geleit geben. Im zweiten Teil crgoNcn aufgeriflcne Mäuler Worte über un«. die wir nicht verstanden. Dann begann ter Lobgefang auf d i e Maschine »n wirkungsvoll aulgcmadbten Diltem von Rätern, betrieben, Kränen. Fabriken, die schon gebaut sind. Fabriken und Elektrizitätswerke, die noch gebaut werten sollen. Die große Mote. Traktoren, die in Kolonnen weite Grdslächcn aufreißen, sind symbolisch für die Kollektivierung der La nd wirtschaft. Die neuen Losungen. .FünfjahreSplan in vier Jahren! In dreieinhalb Jahren!" hämmert ter Film täglich Tausenden von Kinobesuchern auf« neue ein. Eine ununterbrochene Anseuerung bi« zur Erschöpfung. Der Film ist die Erklärung ter Bilder, die wir auf ter Straße sehen. Für ihn muß daS Dolk hungern und darben, für ihn gilt e« die Rubel zu zeichnen, die ter Arbeiter wegen Warenmangel« übrig hat. AIS ‘Bitter von anderen ßäntem gezeigt wurden, tarn Deutschland besonder« schlecht weg. Gin« betrunkene Tifchgesellschast, die hin und herschunkelte, Schupo« mit Gummiknüppeln, so spiegelt sich .Germania" im offiziellen russischen Film. Teim Rachhause fahren zeigt un« die Führerin eine hellcrleuchtete Fensterreihe. Da« ist die .GP Al". Sie arbeitet Tag und Rächt, die Zentralbehörde ter Bespitzelung, das Erbe de« Zarismus. Zn der Bildergalerie. lieber aufgcriffenc« Straßenpslaster, über'Berge von Steinen kraxeln wir zur berühmtesten modernen Bildergalerie Rußlands, zur Tretja- kow-Galerte, die zwei tunftlicbenbe Brüder Ende de« vorigen Jahrhunderts der Stadt Moskau schenkten. Eine Amerikanerin, die auf ihren hohen Stöckelschuhen schon die Sehenswürdigkeiten Deutschlands, der Schweiz und Italiens bezwungen hatte, wurde durch die Pflaster- fteinberge der Straßen Moskau- zur Strecke gebracht. Sie verstauchte sich den Fuß. Aber mit der erstaunlichen Energie ihrer Rasse in „sight-sceing“ schleppte sie sich mit geschwollenem Dein zu allen im Dacdecker besternten Meisterwerken der Galerie, die die Entwicklung der russischen Malerei von den Ikonen bis zur Gegenwart darstellt. Sie hätte es nicht verwinden können, trenn sie da« Reiterbild Kataharinas 11., die Bildnisse großer Russen, wie Tolstoi, Dostojewski, Puschkin oder Gogol nicht gesehen hätte, die berühmte Apothese des Krieges von Weret- schagin: ein Schätelhaufcn, auf dem Raben sitzen. Mit nachtwandlerischer Sicherheit steuerten unsere Führerinnen wieder auf d i e neueste revolutionäre Abteilung mit den Plakaten zu. Da ich mich aber beizeiten selbständig gemacht und mir einen llcberblid über die Repin, Perofs, Surikoff, Kramskej und wie die bedeutenden russischen Maler alle heißen, verschafft hatte, lotste ich fic au« der Schreckenskammer weg in hellere Gefilde. Immerhin fanden unsere Führerinnen noch genug Gelegenheit, bei Historie schcn Bildern Grausamkeiten von Zaren besonder« ausführlich zu erklären. Das staatliche Reisebureau scheint sich in ter Ausbildung feiner Fremdenführerinnen da- Ziel gesetzt zu haben, jeden der von ihm betreuten Fremden, wenn nicht als Kommunist, fo doch als gründlichen Kenner ter dunklen Punkte in ter russischen Geschichte. ter Segnungen des Bolschewismus und teS unerhörten Dollen« de« FünfiahreSplanS zu entlasten. Auf den Gperlingsbergen. 3cnfcü« ter Moskwa blaut in ter Scrne ein bewaldeter Höhenzug. Da« finb die Spcrlings- berge die jetzt ihren ordinären Hamen zugunsten bee Revolutionshero« aufgeben mußten unb nun ßeninberge heißen. Unser klappriger Autobus kracht in allen Fugen, als cr un« den Hügel hinauf unb bie schattige Kaftanicnallee entlang fuhr unb an grauen HolzhäuSchcn vorüber zur schönsten Aussicht brachte, die man auf Moskau haben kann. Zwischen Birken ficht man die Schlangenlinie tes Moskwaslussc« in der Rahe und die goldenen Türme und Kuppeln des Kreml« und der Klöster unb Kirchen in der Feme, am Rande der Ebene in ter Sonne gleißen. Ein Anblick, den schon Rapoleon hatte, al« cr nach dem Siege von Borodino nach MoSkau zog. Während ter Oktoberrevolution beschoß die Sowjetartilleric von hier die Stadt von dieser Höhe, auf ter dann da« Rote Stadion errichtet wurde. Im park der Werktätigen und Kinder. Auf einem weiten Gelände ter MoSkwa am Rande ter Stadt ist ein Park der Werktätigen geschaffen worden, der typiich ist für die Einrichtung von sozialen Musterschöpfungen zugunsten der Arbeiter ohne Angst vor ten Kosten. Sin riesiger ArbeitSmann am Eingang ist daS Wahrzeichen Man durchschreitet eine große Halle mit Sitzgelegenheiten, die mich mit ihrer Rüch- ternheit an ein großes Dolkshau« in Whitechapel in London erinnerte. Dann kommt man in einen großen Park, in dem selbst bie 'Blumenbeete im Zeichen irgenbeiner Propa- g a n b a stehen. Expressionistische Holzgerüste mit Symbolen des Sowjetstaate« unb seiner Ziele ersetzen die Bäume. Darüber schreien Lautsprecher hin. E« ist kein Park zum Aus- ruhen. zum Erholen. Für eine Bevölkerung von über zwei Millionen Menschen ist ter Moskauer BolkSpark ziemlich leer. Wahrscheinlich lassen die Sorgen um daS tägliche Brot unb daS ewige Anstehen den Moskauern keine Zeit. Besuchter sind die Sportplätze, die sich zu beiden Seiten einer Allee hinziehen. Besonders beliebt scheint ein Ballspiel zu fein, bei dem junge Burschen und Mädchen einen großen stoffbezogenen Medizinball über ein hochgespanntes Retz treiben. Dieses Spiel wird auch in dem Kinderpark gespielt, der das Beste zu werten verspricht, was das neue Moskau geschaffen hat. Botläufig trägt er auch noch den Charakter des Unfertigen und auch cr war sehr leer. Auf dem großen Platz spielte eine Musikkapelle, aber nur eine einzige Kindertruppe turnte dort unter Aussicht. An einer Seite schippten und karrten Kleinkinder im Sande. In Holzhallen waren Tische gedeckt, wo die Kinder eine Mahlzeit bekommen können. Die Mütter geben hier ihre Kinder ab. während sie sich im Park der Werktätigen aushaltcn. Sie lösen eine Karte, bie das Kind mitbekommt. Auf ter Karte wird nun eingeknipst, wie sich das Kind beschäftigt hat' ob es spielte oder turnte oder Musik hörte oder im ßefefaal las. Dieser Kinterpark ist das Hübscheste, waS ich in Moskau gesehen habe, wenn er auch im ganzen Sean 'Jlicot von Dillemain mar damals Gesandter in Lissabon. In dieser Eigenschaft tat er eines Tages einem Kaufmann, der im lleberseegeschäft arbeitete, einen Gefallen und erhielt einige Zeit später ein Paket übersandt, dem solgendes intcrcffante Schreiben beigefugt mar: „Lieder Jean Nicot! Ich hab« Sie nicht vergessen. Und zum Dank für Ihre damalige Gefälligkeit übersende ich Ihnen heute ein Paket mit einem seltsamen Stofs, den hier die Menschen inhalieren. Sie werden einen Rausch empfinden, wenn Sie ebenso tun .. Da aber Nicot ein guter unb braver Höfling war, ging er nun nicht etwa selbst an das Paket heran, sondern schickte es, in eine goldene Hülle gepackt, der Katharina von Medici. Und er vermeldete dabei, daß der inliegende Stoff inhaliert alles königliche Kopfweh beseitige. Aber Katharina war genau so — vorsichtig wie Nicot auch. Sie wollte erst einmal jemand anders sehen, der Tabak rauchte. Deshalb rief sie den Kardinal von Lorraine zu sich unb trug ihm auf, von dem Stoff zu rauchen. Man behauptet freilich, daß sie damals gerade ein Hühnchen mit ihm zu rupfen gehabt hat. Der Kardinal ging mit einiger Sorge, aber doch immerhin mit Gottvertrauen an den Tabak heran und zog den Rauch tes brennenden Tabaks durch die Nase hoch. Durch die königliche Kemenate taumelnd, versicherte er, daß er sich ausgezeichnet befinde. Nachher aber legte er sich für acht Tage zu Bett. Als Katharina von Medici sah, dah man nicht daran starb, ging sie mit wahrem Eifer an die Raucherei und soll cs bald zu einer gewissen Meisterschaft gebracht haben. So war durch die freundliche Sendung tes Jean Nicot ter Tabak eingesührt. So tolerant wie diese Katharina waren freilich nicht alle Höfe unb Könige. Man berichtet, daß James I. den Sir Walter Ra- leigh 3um Tote verurteilt habe, weil er eine Pfeife rauchte. Der türkische Sultan Amurah IV. ließ die Raucher feines Hofes in einem Faß ertränken. Papst Urban VIII. schwor sogar, dah er jeden Raucher exkommunizieren w:-rte. (Wie die Zeiten sich ändern! Heute hat Datikan-Stadt eine eigene Tabakmanufaktur.) Nachdem Nicot nach Paris zurückgekehrt war und seinen Landsleuten alle Rauchertricks einfchliehlich tes Ringblasens beigebracht hatte, glaubte er genug tes Guten für fein Land getan zu haben und zog sich zurück von der Welt und schrieb ein dickes Buch — über den „Schatz in ter französischen Sprache". Aber em grohes Verdienst Nicols dürfen mir nicht vergessen. Er war ter Vater auch der Schweizer Bonbonindustrie, die da- mals aus ter Milchwirtschaft entstand. Die Schweizer muhten d,e Bonbons liefern, damit die Franzosen rauchen konnten, ohne immer geplagt zu werte« von dem schrecklichen Husten, den ter eben noch nicht voll endet ist unb die Farbgebung der Hallen eiwa« Unruhiges. Bcrtoirrcnte« hat. wie alle« im neuen Rußland. Das Urteil im Opel-Prozeß. WSR Darmstadt. 1. Sept Heute mittag wurde do« Urteil im Rüsselsheim er U n - ruheprvtzeß verkündet. Junge wird wegen Hausfriedensbruch« zu drei Wochen 0'c- f ä n g n i « verurteilt, die durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt gelten. Der h.l- si'che Landtagsabgeordnete Sumpf erhält wegen Land- und Hausfriedensbruchs drei Monate zehn Tage Gefängnis. Maurer wegen Rötigungsversuchs zwei Ml^rate Gefängnis abzüglich vier Wochen Unlcrlucbungebaft. Weidenau er wegen Aufforderung zum Land- fnetensbruch drei Monate Gefängnis, abzüglich fünf Wochen Untersuchungshaft. 21 - bus und Trcufch wegen schweren Land- sriedensbruchS je sech« Monate Gesäng- n i«. Greiss wegen Hausfriedensbruch« eine Woche Gefängnis und ter preußische Land- tagSabgeordnetc Oskar Müller ebenfalls wegen Hausfriedensbruch« zwei Wochen Gefängnis. Die Angeklagten Bickelhaupt. Hahn und Henrich wurden freigefprochen In feiner Urteil«-Begründung führte ter Borfi hende u a. au«, man hätte dielen Prozeß in einer solchen Länge und Ausführlichkeit führen müssen, um die ganzen Umstände, die die Angeklagten al« ausschlaggebend sür ihr Verhalten vom 12. Februar angeben, klären zu können. schlechten Löhne, daS Lohnsystcm und die Zur- dispositionSstcllung der Betriebsräte hätten die Angeklagten angeführt. SS ließe sich natürlich sehr schwer feststellen. ob die Löhne tatsächlich zu niedrig seien. Da« scheine nicht ter Fall zu sein nach den Auslagen te« Zeuaen Bcmaucr und nach dem vorliegenden Taris. Die ganze Sache sei überhaupt al« reine WirtschaftSsrage zu kennzeichnen, über die sich da« Gericht kein Urteil erlauben könne. Da« Gericht sei aber auf jeden Fall zu ter Ansicht gekommen, daß von Rotstandshandlungen, wie von den Angeklagten behauptet werte, hier feine Rete sein könne. Der Vorsitzende verbreitete sich dann über den Land- friedenSbruch, ter hier in Frage komme. Die Biclfältiglcit te« Betriebe«, die Größe ter Belegschaft, sowie ter stetige Wechsel in ter Belegschaft hätten da» Gericht zu ter Ansicht kommen lassen, daß tn diesem Falle ter Begriff ter Oefsenllichkcit gegeben fei G« fei außerdem zu Gewalttätigkeiten gegen Personen ackommen. und damit sei ter Tatbestand te« LandsrietenS- bruchs gegeben. Jeden einzelnen könne man allerdings für alles Geschehene nickt mit verantwortlich machen. Auch daS Abstcllen ter Mo- torc könne nicht als Gewalttätigkeit im Sinne te« 8 125 gewertet werten. Somit mußte bei allen Angeklagten, außer bei Sumpf, Albu« und Treusch wegen LandsrietenSbruch« auf Freispruch erkannt werten. Oer Haubüberfall auf den Marburger Seldbnefträger. WSR. Marburg, 1. Lcpt. Trotz eifriger Bemühungen ist cs noch nicht gelungen, die beiten Männer, die am Freitag mittag auf dem um diese Zeit unbelebten Breiten Weg, bet vorn Schlosse au« in westlicher Richtung an den Anlagen entlang führt, den ©elöbriefträger Büttner überfielen unb beraubten, zu ermitteln. Der Borfall spielte sich fo ab, daß ber eine Räuber mit vorgehaltenem Revolver plötzlich vor ben ahnungSlo« te« Weges kommenden Beamten hintrat und ihm die Tasche aufriß. Er entnahm dieser da« darin befindliche Papiergeld in Höhe von 7 4 0 W k. und eilte sofort mit einem zweiten Mann, ter, wie cr, im Gebüsch gestanden hatte, in den angrenzenden Stadtpark. modern gewordene Tabak verursachte, wenn man ihn in Gestalt von Rauch inhallsrte So war das mit Jean Nicot. Hätte er damals das Päckchen nicht an Katharina von Medici geschickt, sondern in einem Winkel vergessen, würde man vielleicht heute überhaupt nicht rauchen in (Europa... Man sollte Jean Nicot ein sehr großes Denkmal setzen in Frankreich! ,Skandal um Eva^ — ein $i(m. Rach langer Zeit wieder einmal: Hennh Porten: diesmal in ihrem ersten Sprechfllm, „Skandal um Eva", dessen Manuskript nach 3Igcnftein« Bühnenlustspiel .Skandal um Olly" von Friedrich Raff und 3uliu« U r g i 6 geschrieben wurde. Das ist nun unter ter einfallsreichen Regie von G. W. P a b st einmal ein wirklich ttetteS, witzige« und amüsante« Filmlustspiel geworden, das leibst da noch, wo eS ganz ungeniert als Schwank auftritt, soviel Grazie und Laune aufbringt, daß man lachen muß und die menschliche Beziehung zu den Vorgängen nicht verliert. 3m ganzen aber sieht man weit mehr echtes Lustspiel als man heutzutage leider unter dieser Flagge zu sehen gewohnt ist. Die Handlung — mitunter ein Bein wenig unwahrscheinlich, aber allenthalben npt einem frischen und unverfälschten Humor verletzt und vielfach von einer bestrickenden WirklichkeitSnähe — schildert den Skandal, welchen eine junge, akademisch gebildete Lehrerin an einer modernen Mädchenschule herausbeschwört. Diese-, von ihren Unter pri manerinnen angeschwärmte Fräulein Doktor spielt, spricht und singt Henny Porten mit soviel frischer Ratürlichkeit, jugenKichem Temperament und Humor, daß die Wiederbegegnung mit ihr nach so langer Zeit ein wahres Vergnügen ist, zumal die Porten, wie sich herausstellt. über eine sehr sympathische Stimme verfügt, und die Klangübertragung diesmal bemerkenswert gut ist. — Dte schwache Stelle in der Regie von Pabst ist die Szene mit Steinlechner, welche in Wirklichkeit kaum in dieser Form möglich gewesen wäre. — Die übrigen Rollen find sehr gut unter- gebracht: aus dem Lehrkörper vor allem: Henkels und die S a n b r o d; ferner OSkar Sima (Minister), Glau« ©laufen, Frigga Braut, Käte Haack und Fritz O d e m a r. — Man follt$ sich diesen Film (ter gestern bei gutem Besuch zum erstenmal im Lichtspielhaus lief) nicht entgehen lassen: e« ist eine amüsante Abendunterhaltung. und man bekommt außerdem im Beiprogramm noch die berühmte, ebenfalls tönenbe Mickey-Maus vorgesetzt, die jeder mal gesehen und gehört haben sollte. —r— Mr e Ror älrhcber-R 2- Fortsetzu fein Aacht fein dachten ein mit verzehnf utj4fe ein' ständiges Kx ein Generall rt ®rfl gegen S und fo! .Der de- Taststub . Er besonn o? et im ( ** WW • z'«-' ■ Zugend-Klubkamps B. f. V. gegen I. T. V. 123:101 Punkte für M. T. V. Am Sonntag kam auf dem Platz des VfD. der Jugendklub-Rückkampf zwischen dem Verein für Bewegungsspiele und dem Männerturnverein zum Austrag. Der Männerturnverein konnte wider Erwarten mit 22 Punkten Vorsprung das Rennen für sich entscheiden. Eine Zusammenstellung der einzelnen Klassenleistungen zeigt, daß die -Klasse beider Vereine gleiche Stärke besitzt (27:29 Punkte) und die o-Klasse des VfB. derjenigen des Mtv. um 10 Punkte überlegen war (23:33 Punkte); die OJugend des Mtv. zeigte sich der VfD.-Jugend mit 16 Punkten überlegen (36:20 Punkte), außerdem konnte die v-Klasse des Mtv. außer zwei dritten Siegen sämtliche ersten und zweiten Plätze belegen und so mit 18 Punkten vor VfD. landen. Rachstehend die Ergebnisse: Jugendklasse A (Jahrgang 1912 und 1913). 10 0 Meter: 1. Kirchheimer, VfB., 11,9 ©cf.; 2. Lindenstruth, Mtv., 12 Sek.: 3. Luh, VfB., 12,2 Sek.: 4. Schütz, Mtv. Kirchheimer kann infolge besseren Starts trotz der weichen Bahnverhältnisse in guter Zeit mit Drustbreite vor Lindenstruth siegen. 4 0 0 Meter: 1. Lindenstruth, Mtv., 58,5 Sdk.: 2. Simon, VfB., 59,1 Sek.; 3. Ernst Ploch, Mtv.: 4. Möller, VfB. Lindenstruth stellt durch 'taktisch richtiges Laufen seinen Sieg sicher. - Hochsprung: 1. Lindenstruth, Mtv., 1,55 Meter: 2. Strack, Mtv., 1,50 Meter; 3. Radon, VfB., 1,45 Meter; 4. Luh. VfB. Die beiden Mtv.er können ohne viel Mühe die beiden ersten Plätze belegen. Diskuswurf: 1. Luh, VfB., 35,85 Meter; 2. Lindenstruth, Mtv., 32,65 Meter; 3. Mattern, VfB., 29,24 Meter; 4. Schütz, Mtv. Luh zeigt sich seinen Gegnern glatt überlegen. Kugelstoßen: 1. Luh, VfB., 13,16 Meter; 2. Lindenstruth, Mtv., 12,71 Meter; 3. Schäfer, VfB., 11,53 Meter: 4. Eckhardt, Mtv. Erst mit dem letzten Wurf kann sich Luh vor Lindenstruth setzen. 4X100-Meter-Staffel: 1. VfB., 49,9 Sek.: 2. Mtv., 50 Sek. Durch einen verunglückten Wechsel muh sich der Mtv. mit Drustbreite geschlagen bekennen. Jugendklasse B (Jahrgang 1914 und 1915). 100 Meter: 1. Schäfer II., VfB., 12,8 Sek.; 2. Paulus, VfB., 12,9 Sek.; 3. Barth, Mtv., 13,1 Sek.; 4. Wagner, Mtv. 8 0 0 Meter: 1. Simon, VfB., 2:26,1 Min.; 2. Strack, Mtv., 2:28,1 Min.: 3. Wallbott, VfB.; 4. Schmidt, Mtv. Strock läuft zunächst ein schönes Rennen, verausgabt sich durch zu frühen Endspurt jedoch sehr und muh dem routinierteren Simon den Sieg überlassen. Weitsprung aus dem Stand: 1. Schäfer I., VfB., 2,49 Meter: 2. Strack, Mtv., 2,49 Meter: 3. Mattern, VfB, 2,49 Meter: 4. Wagner, Mtv. Die drei ersten Plätze werden erst durch nochmaligen Stichkampf festgelegt. Speerwurf: 1. Strack, Mtv., 41,50 Meter; 2. Mattern. VfB., 36,20 Meter: 3. Barth, Mtv., 35,30 Meter; 4. Schäfer I., VfB. Strack kann überlegen gewinnen. Kugelstoßen: 1. Schäfer I., VfB., 10,83 Me- ter; 2. Strack, Mtv., 10,71 Meter; 3. Mattern, VfB., 9,63 Meter; 4. Schmidt, Mtv. Strack zeigt eine beständige Leistung, muß sich jedoch durch den letzten Stoß mit nur wenigen Zentimetern geschlagen bekennen. 4x1 00-Met. - Staffel : 1. VfB., 50,9 Sek. 2. Mtv. Die DfB.-Mannschaft ist dem Gegner eine Klasse überlegen und gewinnt den Lauf unangefochten. Jugendklasse C (Jahrgang 1916 und 1917). 50 Meter: 1. Schäfer, Mtv., 7,5 Sek.; 2. Hörder, VfB., 7,6 Sek.: 3. Lehrmund. Mtv.. 7,8 Sek.; 4. Meilinger, VfB. 7 5 Meter: 1. Lehrmund, Mtv., 10,2 Sek.; 2. Schäfer, Mtv., 10,3 Sek.; 3. Laudon, VfB.; 4. Goldschmidt, VfB. Hochsprung: 1. Huhke, Mtv., 1,20 Meter; 2. Petsch, Mtv., 1,20 Meter; 3. Meilinger, VfB., 1,15 Meter: 4. Goldschmidt, VfB., 1,05 Meter. Schlagballweitwurf: 1. Huhke, Mtv., 56,50 Meter: 2. Petsch. Mtv., 51,20 Meter; 3. Laudon, VfB., 48,90 Meter. 4. Schreiner, VfB. Kugelstoßen: 1. Laudon, VfB., 9,02 Meter; 2. Petsch, Mtv., 8,54 Meter; 3. Huhke, Mtv., 8,09 Meter; 4. Schreiner, VfB. Der VfB.er kann erst nach zweimaligem Hebertreten mit dem dritten Wurf die gute Leistung erzielen und erster werden. 4x5O-Meter-Staffel: 1. Mtv., 30 Sek. 2. VfB., 30,4 Sek. Die Mtv.er können durch bessere Hebergabe das Rennen für sich entscheiden. Jugendklasse D (Jahrgang 1918 und jünger). 5 0 Meter: 1. Kley, MTV., 7,5 Sek. 2. Fischer, VfB, 7,6 Sek. 3. Zück, MTV., 7,7 S. 4. Daum, VfD. Ein Brust an Brust-Rennen, daS erst in den letzten Metern entschieden wird: die Zeiten der drei ersten sind genau so gut wie in der OKlasse. 75 Meter: 1. Kleb, MTV., 10,7 Sek. 2. Möckel, ' MTV., 11,1 Sek. 3. Fischer, VfB, 11,2 Sek. 4. Baum, VfB. Eine sichere Sache für Kley, doch verdient die Leistung des noch nicht ganz 10 Jahre alten Möckel besondere Beachtung. Weitsprung aus dem Stand: 1. Kley. MTV., 2,14 Meter. 2. Thomas, MTV., 2,01 M. 3. Baum, VfB., 1,91 Met. 4. Fischer, VfB. Schlagballweitwurf: 1. Zück, MTV., 55,20 Meter. 2. Kley, MTV.. 53,10 Meter. 3. Baum, VfB., 43,40 Met. 4. Wedel, VfB. Die Leistungen der beiden ersten sind sehr gut und kommen den Leistungen der O-Klasse gleich. Kugelstoßen: 1. Zück, MTV., 7,43 Meter. 2. Daum. VfB., 6,56 Met. 3. Kley, MTV., 6,11 Meter. 4. Wedel, VfB. 4X5O-Meter-Staffel: 1. MTV., 30,2 Sekunden. 2. VfB., 33,3 Sek. Die kleinsten MTVler gewinnen überlegen und hinterlassen durch die schönen Hebergaben einen guten Eindruck. 10. Gau-Zrauenweüumen D.T. in Lanierbach. —v— Die Turnerinnen des Hessengaues hielten am Sonntag ihr 10. Jubiläumswettturnen in Lauterbach ab. Bei der Begrüßungsfeier am Vorabend in der Spießturnhalle betonte Regierungsrat Ranz die lebhafte Anteilnahme der Behörden an der Pflege der Leibesübungen, Beigeordneter Möller sprach im Ramen der Stadtverwaltung, der 2. Vorsitzende des örtlichen Turnvereins, Fabrikant Franz K a u s, wünschte der Veranstaltung erfolgreiche Durchführung, der 2. Gauvertreter K. Schneider (Butzbach) übernahm die Leitung mit Worten dankbaren Gedenkens an den bekannten Lauterbacher Turnerführer Karl Theodor Helfenbein, an dessen Grab der Gauwart für das Frauenturnen Rudolf Paul (Gießen) einen Blumengruß niedergelegt hatte. Dann gaben 14 Abteilungen unter der technischen Leitung des Gauwartes in abwechselungsreichen Sondervorführungen ein Bild ihrer Arbeitsweise. Rach einer Morgenandacht durch Dekan Schlösser begonnen am Sonntag früh die Einzelwetikämpfe. Rach einem Werbeumzug folgten auf dem Turnplatz Volkstänze in mehreren Tanzkreisen, weitere Sondervorführungen von 10 Abteilungen, Faustballspiele, Staffe l l a u f und allgemeine Freiübungen als eindrucksvoller Abschluß. Vor der Siegerverkündigung sprach der Gauwart der Stadt, dem Dru- derverein und den Kampfrichtern Dank aus, dem sich Gau-Oberturnwart Will (Gießen) für den Gauvorstand anschloß. — Rachstehend geben wir einen • . Auszug aus der Siegerliste. Turnerinnen-Oberstufe. Zehnkampf aus drei Pflichtübungen an Reck, Barren und Pferd, je einer Kürübung an Barren und Pferd, je einer Pflichtfreiübung und einer Pslichtkeulenübung, und aus den drei volkstümlichen Hebungen 75-Meter-Lauf, Weitsprung und Ballweitwurf. Leistungsgrenzen 134 bis 200 Punkte. 37 Teilnehmerinnen, 36 Siegerinnen. Ehrensieg: Elli Langbein, T. u. Spv. Butzbach, 194 P. 1. Sieg Jdel Hauck, Tv. 1846 Gießen, 190 P. 2. Ria Schwan, Mtv. Gießen, 186 P. 3. Erna Graf, T. u. Spv. Butzbach, 184 P. 5. Emilie Reuschling. Tv. Heuchelheim, 179 P. 8. Gertrud Bock, Tv. Grünberg, 176 P. 9. Martha Decker, Tv. 1846 Gießen, 175 P. 15. Käthe Dath, Tv. Heuchelheim, 165 P. 16. Emilie Rinn. Tv. Heuchelheim, 164 P. 17. Tilli Hahn, Tv. Klein-Linden, 162 P. 18. Gertrud Zimmer, Tv. Lich>, 160 P. 19. Hanni Hirdes, Tv. Wetzlar-Riedergirmes, 158 P. 21. Helene Zimmer. Tv. Lich, und Else Germer. Tv. Heuchelheim, 156 P. 23. Irmgard Werke, Tv. Ridda, 147 P. 24. Else Eckardt, Tv. Ridda, 146 P. 25. Luise Zoll, Tv. Ridda, 145 P. 26. Elfriede Weller, Tv. Klein-Linden, 144 Punkte. Turnerinnen-Oberstufe. Siebenkampf: d. i. die Hebungen des Zehn- kampfs ohne die drei volkstümlichen Hebungen — Leistungsgrenze 94 bis 140 Punkte — 45 Teilnehmerinnen, 45 Siegerinnen. 1. Sieg: Ria Schwan, Mtv. Gießen, 130 P.; 2. Else Faatz. Tv. 1860 Dad-Rauheim, 124 P.; 3. Else Klemmrath, Mtv. Gießen, 123 P.; 19. Gretel Spengler, Tv. Klein-Linden, 104 P.; 22. Emilie Gilbert. Tv. Heuchelheim, 101 P. Turnerlnnen-Unlerstufe. (1914 und früher geboren) Zehnkampf, Z>. t Turnerinnen-Oberstufe mit entsprechender Abstufung. — Leistungsgrenze 134 bis 200 P. — 78 Teilnehmerinnen, 73 Siegerinnen. 1. Sieg: Ria Philipp, Tv. 1846 Gießen. 199 P.; 2. Ria Herrenbrodt, T. u. SpD. Dutzbach, 198 P.; 3. Mariechen Weller, Tv. Lauterbach, 193 P.; 4. Mathilde Koch, Tv. 1846 Gießen, 191 P.; 5. Klara Amend und HÜde Sühkind, Tv. Krofdorf, 186 P.; 6. Erna Petermann, Tv. Ridda, 185 P.; 8. Helmi Stork, Tv. 1846 Gießen, 182 P.; 13. Sofie Dolk- heimer, Tv. Ridda, 173 P.; 16. Anna Lehmann, Tv. Ridda, Marie Löber. Tv. Heuchelheim. Hilda Schmidt, Tv. Krofdorf, und Else Davidson, Tv. 1846 Gießen. 168 P.; 17. Emma Lein. Tv. Grünberg, 167 P.; 18. Emmi Malinowski. Tv. Klein- Linoen. 166 P.; 20. Herta Wilhelm, Mtv. Gießen, und Aenne Süß, Tv. Ridda, 164 P.; 22. Lina Löber, Tv. Heuchelheim, 162 P.; 25. Johanna Wolf, Tv. Ridda. 156 P.; 28. Dora Läufer, Tv. Krofdorf. 153 P.; 29. Käthe Preiß. Tv. 1846 Gießen, und Kunigunde Dellof, Tv. Lich, 151 P.; 30. Gusti Repp, Tv. Grünberg, 150 P.; 31. Käthe Stauf, Tv. Grünberg, und Hermine Walz. Tv. Lich, 149 P.; 36. Marie Herr. Tv. Heuchelheim, 141 P.; 38. Marie Schäfer, Tv. Lich, 136 P. Turnerinnen-Unlerstufe. Siebenkampf wie oben. 102 Teilnehmerinnen, 89 Siegerinnen. 1. Sieg: Ria Philipp, Tv. 1846 Gießen, 122 P.; 2. Lisel Holzknecht. T. u. SpD. 1860 Marburg. 120 P.; 3. Ria Herrenbrodt, T. u. SpD. Dutzbach, 119 P.; 9. Frieda OerGroßeBasar in Giambul. Von Friedrich Wattisch. Die Stelle, an der sich die Wunderlichkeiten des orientalischen Lebens in engem Raume treffen, an der die Schlauheit und Habgier, die Beharrlichkeit und der Witz des mohammedanischen Händlers so üppig in die Halme schießen wie nirgends sonst — das ist der Große Basar inj Stombul. Wer ihn nicht besucht hat, kennt Konstantinopel nicht. Wer ihn besucht, der lernt ein gut Teil Orient kennen. Geht man in Stambul hinter dem stillen Prunk der Bajesidmoschee durch die engen Winkelgassen, so gelangt man ganz allmählich ins Getriebe des Großen Basars. In den Gäßchen drängen sich die kleinen Kaufläden aneinander, und man muß ?;ut aufmerken, will man den Augenblick er» ennen, in dem man aus dem Schatten der Häuser in die verdeckten Hallen gelangt ist. Ein Gewirr von Straßenzeilen durchzieht den Basar, aus matten HaÜenfenstern fällt ebensoviel und ebensowenig Licht herein wie in die Gassen vor den Toren. Gs ist weiß Gott nicht leicht, in Ruhe ein Bild des Basars, seiner Anordnung und Ausdehnung zu gewinnen. Ein Schwarm von Verkäufern um» drängt uns. Junge Männer, zumeist Türken, auch Griechen und Spaniolen, nicht anders ge» kleidet als Verkäufer in irgendeinem europäischen Warenhaus, aber ihr Benehmen, ihre Art, Kunden zu gewinnen —, da lieber Himmel, wieviel Geduld und Energie gehört baxu, sich diese Leute halbwegs vom Halse zu halten! Sie streiten, wie es angeblich — ich hab's Gott sei Dank nie erlebt! — hungrige Wölfe tun, die ein Opfer Sefunöen haben. Versteht man auch nicht die Borte, die sie einander zuschreien, so ist doch das Spiel der Mienen und der Hände deutlich genug, um den Sinn ihrer erregten Auseinandersetzungen begreifen zu machen: „Er gehört mir!" brüllt der eine. „Ich hab' den Fremden zuerst gesehen." „3a, jeden willst du zuerst haben!" höhnt ein zweiter. „Gestern waren die Amerikaner zuerst bei dir, und bei mir wollten sie dann nichts mehr kaufen." „Dein Kram hat ihnen eben nicht gefallen." „Rein, nein, ich lasse mir nicht die Kunden vor der Rase wegfischen!" „Während ihr euch streitet", ruft ein dritter, .hat Hassan den Fremden schon eingefangen. Ich werd euch lehren, Dummheiten zu machen. Marsch fort, Hassan, dein Laden ist nicht hier! Hier hab ich zu reden!" Hnd schon stürzt er sich, mit Ellbogen kämpfend, auf den Fremden. Die Sprachkenntnis funkelt: „Lome in, Sir! Entrez Monsieur!" Hnd deutsch: „Bitte, eintreten, mein Herr!" Er bemerkt, daß wir miteinander Deutsch sprechen. Der höchste Trumpf wird ausgespielt: „Anhaun kostet niks!" Ja, aber da ist beileibe nicht nur einer, der so viel Deutsch kann. Dieser' und jener, jeder zweite fast, ruft mit höflichem Grinsen: „Anhaun kostet niks!" Weiter geht's mit der deutschen Sprache nur selten. Aber Französisch können hier manche radebrechen. Hnd sie drängen sich an uns heran, so nahe, daß man instinktiv die Brieftasche (die im teueren Konstantinopel leider immer voll sein muß) fest an die Brust drückt. Sie verrichten ungebeten Fremdenführerdienste. „Hier, in dieser Zeile, bekommt man nur Teppiche, hier finden Sie Haushaltungsgegenstände, hier wieder sehen Sie, wie die Goldstickerei verfertigt wird, alles mit der Hand, eine sehr mühsame Arbeit, echtes Gold, hier sind alte Waffen zu verkaufen und hier, hier ist mein Laden. Entrez s’il vous plait, Monsieur! Anhaun kostet niks." Wir betreten seinen Laden. Taburetts werden herangerückt, eine dicke Dame zaubert einige Schälchen mit dampfendem Kaffee ä la Turca herbei. Man trifft alle Vorbereitungen, uns stundenlang festzuhalten. Hnd nun werden die Herrlichkeiten ousgekramt. Eine ganze Familie ist emsig beschäftigt, das Warenlager vorzuführen, Deckchen und Kissen, alttürkische, gestickte Kleider, kleine rote Saffianschuhe, silbereingelegte Zigarettenspitzen, hunderterlei Krimskram, Schönes und Geschmackloses, Echtes und Falsches, Brauchbares und Hnbrauchbares. Schließlich und endlich bleibt nichts anderes übrig, als etwas zu kaufen. Wir sind bereits durch die Schule des orientalischen Geschäftsbetriebes gegangen und wissen, wie wir uns zu verhalten haben. Rur keine Begehrlichkeit zeigen, kein Interesse! Hnd ich frage gleichgültig: „Was kostet das?" „Rur zehn Pfund. In Galata bekommen Die es nicht um dreißig Pfund." „Was fällt Ihnen ein", sage ich von oben herab. „Ich gebe ein Pfund." Lächeln der Verzweiflung in den Mienen der Handlerfamilie, Fünf Minuten später habe ich das Stück um ztvei Pfund erstanden. Die Verkäufer verhehlen nicht ihre Befriedigung über das abgeschlossene Geschäft und bedanken sich höflich mit dem gezirpten „Merci", das jeder Händler und Kutscher Konstantinopels in seinem Sprachschatz hat. Man soll noch hunderterlei andere Dachen ansehen, nur „anhaun"! Aber man kehrt unerbittlich unter die Schar der übrigen Händler zurück, die vor dem Laden bereits ungeduldig warten. Das wilde Treiben geht weiter. Die Verkäufer überbieten sich in Lockungen, und nur Energie und schließlich auch ein tüchtiges Maß an Grobheit hält sie uns vom Leib, wenn sie in ihrem Eifer uns am Arm fassen und ihre Einladungen durch Handgreiflichkeiten unterstützen wollen. Was gibt es da nicht alles für Tricks, die Fremden in den Laden zu locken! „Verzeihen Sie, Monsieur", sagt ein Jüngling in auffallend bescheidenem Ton. „Wieviel haben Sie für die Kette da gezahlt?" Ich habe eineinhalb Pfund gezahlt, sage aber in Erwartung der Dinge, die da kommen werden, nur: „Sechzig Piaster!" „Die bekommen Die bei mir um — zwanzig Piaster." Da kann man nicht widerstehen. Wir folgen ihm willig in seinen Verschlag. Hnd er beginnt, uns goldgewirkte Tischdecken zu zeigen, Karamanien, Gebetteppiche, und allerlei anderes. Ich aber wiederhole immer nur: „Wo ist die Kette um zwanzig Piaster?" Dis er schließlich mit dein Lächeln eines unschuldigen Kindes erklärt: „Die gibt es nicht. Ich hob Ihnen das nur gesagt, damit Sie in meinen Laden kommen." Andere gehen in ihren Anstrengungen, den Fremden in ihren Laden zu locken, noch weiter. Sie verkaufen ihm eine Kleinigkeit wirklich sehr billig, um ihm bei dieser Gelegenheit andere Dinge anhangen zu können. Dieser Große Dasar ist wahrhaftig ein Labyrinth. Es ist für den Fremden ganz unmöglich, sich hier zurechkufinden. Man geht und geht, denkt, Gott weih wie weit gekommen zu fein, und steht plötzlich wieder vor demselben Laden, vor demselben grinsenden Händler, dem man glücklich und auf Rimmerwiedersehen entronnen zu fein meint. An die hohen Mauern der Hallen sind die kleinen Geschäftsläden angebaut, davor türmt sich die Schaustellung der „Auslagestücke". An einer Stelle gibt es nur Teppiche zu kaufen, an einer anderen nur Stickereien oder nur Seidenwaren, dann wieder Kleider und Schuhe, Bettzeug usw. Die Abwechslung ist nicht so groß wie man im ersten Augenblick vermuten möchte. Manche Läden sind mit einer Werkstatt verbunden. Der Käufer soll sehen, dah er hier nicht billige Fabrikware bekommt, sondern Handarbeit, „echte Ware". Es gibt da auch Sonderlinge unter den Handelsleuten, solche, die den brutalen Kundenfang verschmähen und mit jener stoischen Ruhe, die ebenso wie die lärmend übersprudelnde Geschäftigkeit in der Seele des Orientalen wohnt, still und gottergeben darauf warten, bis die Schönheit der ausgestellten Ware einen Kunden anlockt. 3n einer windigen Koje haust da ein solcher Stoiker, ein bollbärtiger, stiller Greis, der alte Türkenwaffen und kleine byzantinische Ausgrabungsstücke verkauft. Selten verirrt sich ein Fremder in diesen fast verborgenen Miniaturladen. Hnd man muß den' Alten erst durch Fragen ermutigen, seine Ware anzupreisen. Leise, wie beschämt, erklärt er Bedeutung und Wert der wunderlichen Dinge. Dann aber holt er ein Paar kleine Oelgemälde hervor, Veduten aus der Stadt und ihrer Umgebung, und sagt schüchtern und ängstlich in gebrochenem Französisch: „Von mir gemalt, bitte.“ Ein Künstler, der sich enttäuscht in einen dunklen Winkel des lärmenden Basars zurückgezogen hat, um von dem Getriebe, das diesen großen Warenmarkt erfüllt, für feinen Lebensunterhalt ein bescheidenes Restchen zu erhaschen. Sochschulnachrichten. Für das Amtsjahr — 15. Oktober 1930 bis 15. Df- löber 1931 — ist der Professor der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie und Direktor des Pathologischen Instituts Dr. med. Max Berss zum Nektar der Universität Marburg gewählt worden. Die Wahl ist vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bestätigt. D. Dr.Wilhelm Stählin in Münster hat die Annahme der Berufung nach Heidelberg zurückgezogen und bleibt in Münster. Professor Stählin sollte in Heidelberg den Lehrstuhl der praktischen Theologie als Rachfolger des cmerit. Geheimen Kirchenrates Joh. Dauer übernehme». Ä io! P- 3u “Xe 134 Sm SüW. , Gombert, weder, mbi r fff ÄselotteA Schäfer. Tv. Urhahn, Tv- Tv. Großen^ 2h. 1846 ®w 134 Achtka/ Oberstufe in Keulenübung 1917 und 19 53 Teilnehv Frieda He 2. Käthi Ko liefe 2W1 Helma Schm Christine Sch Tv. Grünberc Arvsdors, un 7. Marie e Tv. Drohen-! 26.1846 ©i berg, 136 P Linden, 132 berg, 131 P und Marge 15. Thea D pold, Tv. 1& Tv.Grvßen- Grohen-Lin! W Gießen IW, 24. der, Tv.w Linden, 113 und Gretel Marie Sch Lina Alos, Offen füi Hebungen t stohen (5 a der Turner 54 bis SO ; rinnen. 1. i Tießen, 98 P T.U.SVA.A Erna Älthou punkte); 4. C (10 Ueberpur 83 P. (3 Hol ©iefoen, 81 ' Tv. 1846 Die Tv. 1846 Tic 1846 Gießen, heim, 6Z P. Anna Lehm Gießen, Kä Doll, Xb. Älrtn»£*mt>rn, 112 P; 14 EmiltePfann- kuch und Lina Schaumburg. Tv. Aidda, 107 P; 17. Elisabeth 'Ulengt«, Tv Lich. 104 P.; 20 Lina Dender. Tv Ätnf^’f'r* .mb (31 Dugenb-Unledlufe. Achtkamps. b. L der Zehnkampf der Jugend- Oberstufe in entfprechcmder Abstufung, aber ohne Keulenübung und Ballweitwurs. Jahrgänge 1917 und 1918 — Leistungsgrenze 107 bis 160 P. 53 Teilnehmerinnen. 45 Siegerinnen. 1. Sieg. Frieda Henkel, Tv. 1860 Marburg. 147 P.; 2. Äätbt Körner. Mtv Giehen. 146 P: 3. Anneliese Ruppel T. u. SpB. Buhbach 145 P: 4. Helma Schmieder, Tv. 1846 Giehen. 143 P; 5. Christine Schmidt. Mtv. Giehen. und Emmi Wolf, Tv. Grünberg, 141 P; 6. Hilde Valentin. Tv. Krofdorf. und Gertrud Kesses Tv. Aidda, 140 P; 7. Marie Schmidt, Tv. Lich. und Doris Speck, Tv. Vrohen-Lmden, 137 P : 8 Liselotte Heroen. Tv. 1846 Giehen, und Mna Michel. Tv. Grün» berg. 136 P 12. Martha Menge S, Tv Grohen- Linden. 132 P: 13. Hedwig Pfeffer. Tv. Grünberg, 131 P; 14. MaNha Lang. Tv. Grünberg, und Maraa Depler, Tv. 1846 Giehen, 128 P.. 15. Thea Walz. Tv Lich. 127 P; 18. Wilma Lei- pold, Tv. 1846 Giehen. 124 P; 20. Slli Stamm. Tv. Grohen-Linden, 120 P : 22 (31,e Becker. Tv. Grohen-Linden, 116 P; 23 Gustel Balzer, Tv. 1846 Giehen, und Marie Funke. Tv. Klein-Linden, 115 P; 24 Erika Wiegandt und Hedwig Schneider. Tv. 1846 Giehen, Hilde Weigel. Tv. Klein- Linden, 113 P; 25. Elfe Kompf, Tv. 1846 Giehen, und Gretel Otto, Tv. Grohen-Linden, 111 P; 26. Marte Schäfer, Tv. Grohen-Linden, 110 P.; 27. Lina KloS, Tv. Klein-Linden. 109 P vslkotümlicher Vierkamps. Offen für alle Stufen, die drei volkstümlichen Hebungen des Mehrkampfe-, ergänzt durchKugel- stohen (5 auf 9 Meter), im übrigen die Mähe der Turnerinnen-Oberstufe — Leistungsgrenze 54 bis 80 P. — 99 Teilnehmerinnen, 70 Siegerinnen. 1. Sieg: Else Dickelhoupt, Mw. Giehen. 98 P. (18 Ueberpunkte); 2. (Illi Langbein, T. u. SpD Buhbach 96 P. (16 Ueberpunkte)- 3. Srna Althaus, Mtv. Giehen, 92 P. (12 Ueberpunkte): 4. Erika Röhmig, Mtv. Giehen. 90 P. (10 Ueberpunkte): 8. Erna Petermann, Tv. Aidda, 83 P. (3 Ueberpunkte): 9. Ria Philipp. Tv. 1846 Giehen, 81 P. (1 Ueberpunkt >: 10. 3bei Hauck, Tv. 1846 Giehen, 80 P (voll): 13. Mathilde Koch Tv. 1846 Giehen, 74 P. 16. Martha Becker. Tv. 1846 Giehen, 71 P: 18. Käthe Bath. Tv. Heuchelheim, 67 P.. 19. Martha Seiferth. Mtv. Giehen. Anna Lehmann, Tv. Aidda, Ria Schwan, Mtv. Giehen, Käthi Körner. Mtv. Giehen, und Tilli Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von 3 Schneider-Zoerstl. Urhcber-Rechtfchuv durch Verlag OSkar Meister. Werdau i. Sa. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Trotz feiner Müdigkeit tat er fast die ganze Aacht kein Auge zu. Die Läden klapperten und machten einen Höllenlärm, der Giehbach schoh mit verzehnfachter Wasserkraft zu Tal und verursachte ein dunkle- Brausen und Dröhnen. Ein ständige- Krachen kam von den Höhen, al- übe ein Generalbah für den Weltuntergang. Erst gegen Morgen döste er etwa- em, schrak auf und sah die Försterin an seinem Bette stehen: .Der Mamert Döblinger sitzt unten in der Gaststube.“ Er besann sich gerade noch und zog die Fühe. die er im Schwünge herau-setzen wollte, unter die Decke zurück. .Frau Gumpert!" .3a! - Ziehen Sie sich jetzt ganz geruhlich an, Herr Doktor, ich halt' ihn schon auf derzeit Sr trinkt jetzt seine erste Halbe." Mamert Bödlinger war für 3ust Franke wie eine Heiligenerscheinung. trotzdem et nicht im geringsten mit einer solchen Aehnlichkeit hatte. DaS tiefgebräunte Gesicht war gesund gerötet, die Augen blau und von einer einnehmenden Offenheit. (Heben sich auf der Dank hatte er seinen grünen Hut liegen, auf dem ein mächtiger GamSbart spielte. Die Försterin tat. als wäre e» daS Aatür- lichste von der Welt, dah der Doktor seinen Kaffee auf demselben Tisch serviert befam, auf dem der Dödlinger fein Dier stehen hatte Sie fragte nach dem .Woher und Wohin", ob er von Tegernsee heraufkäme ober in- Tirolische hinüber wolle. Der Mamert Dödlinger fand wiederum nicht» bei ihrem Fragen. Er wäre von Rottach-Derg- hof und wollte Umschau halten nach einer Kalb'n. Die seine wäre ihm gestern krepiert. Da muhte er nun Ersatz suchen. 3n Franke schlug der Ueberrnut in Hellen Flammen auf. .Sell'm schon", sagte der Dödlinger, .fünfzehn Stück hab'n wir noch, die anderen haben der D'such von der Frau Äammedängcrin fchon verspeist — „abg'ficf'U“. — Aber da» versteht der Herr nicht." .Kammersängerin?" Franke behielt den Mund zur Hälfte offen. .3a! 3n der Stadt drin, da spielt S dem Lohen- grin feine Frau und die Ouvertüre." .Walküre?" Jündesmeistnschasten des AST. in Remscheid. Der S. T. D. konnte am Sonntag in Rernlcheid einige sehr schön« Erfolge erringen; 3m Stab- Hochsprung konnte bet Verbanb durch Hardt- Kelsterbach und Stahl- Langen, die beide 3,40 Meter übersprangen, die beiden ersten Plätze belegen. 3m Weitsprung war Sch ieserft «in - LaunSbach nicht aus gewohnter Höhe, konnte trotzdem mit 6.15 Meter den zweiten Platz belegen. Erster wurde hier mit einem Sprung von 6,55 Meter L e m p k e- Barmen G r ö l z - Staufenberg placierte sich mit der guten Zeit von 4,26 Minuten an dritter Stell« im 1500- Meter-Laus. 3m Kugelstohen kam Verband»- meister K o ch - Aieder-Florstadt mit 11,27 Meter an zweiter Stelle. Während tn den Würfen unb Sprüngen bi« Schwaben dominierten, waren saft sämtliche Läuse eine sichere Deute der Rheinländer unb Destsalen. Bei den Turnerinnen konnte Marie Koch- Rieder-Florstadt btei DundeSMeisterschaften erringen. Sie wurde Meisterin im Hochsprung mit der guten Leistung von 1,45 Meter, im Kugelstohen (4 Kg ) 8 92 Meter unb im Weitsprung mit 4,43 Meter. 3m Geräte-Zehnkampf konnte vorn S. T. B. nur Hardt- Kelsterbach mit 161 Punkcen den vierten Platz erringen, während sämtliche ersten Plätze und Einzelmeisterschasten an die Rheinländer gingen. Handball im Lahn'Oünsberg»Sau Io. Dorlar I — Io. Caunebad) I 3:2 (0:1). In der ersten Halbzeit ausgeglichenes Spiel, das vorerst beide Tore abwechselnd in Gefahr brachte, bl» es Launsbach gelang, das erste Tor zu erzielen. Nach Halbzeit ging Dorlar mächtig aus sich heraus und erzielte bald den Ausgleich, dem durch ein weiteres Tor die 2:1-Führuna folgte. Launsbach konnte durch schnelle liorftöße durch ein vom Schiedsrichter Übersehenes Abseitstor den Ausgleich bedlellen. Kurz vor Schluß gelang es Dorlar, durch einen schaden Schuh den verdienten Sieg sicherzustellen. Io. Beuern I — Io. wies eck 1 2:7 (1:4). Nach anfänglich ausgeglichenem Spiel gelang es Dieses in der 15. Minute in Führung zu gehen, die Beuern aber sofort wieder ausalich. Im weiteren verlaufe des Spiele» machte sich Dann eine lieber- legenheit Diefccks bemerkbar, bi« noch vor her Pause zu drei weiteren Toren führte. Nach der Pause konnte Wieseck noch dreimal, Beuern einmal erfolgreich fein. Io. Steinbach I — Io. «Ibach 1 3:6 (2:2). Bereit» in den ersten Minuten ging Llbach in Führung, der kurze Zeit darauf ein zweite» Tor folgte. Steinbad) konnte bis zur Pause gletcdziehen. Nach Halbzeit ntad)ien sich bei beiden Mannschaften Lrmudung»erschcinungen bemerkbar, die — von Albach am besten durchstanden — der Mannschaft vier weitere Tore, Steinbach nur noch einen Erfolg bracht« Io. Staufenberg I — Io. Londorf II 15:2 (9:0). Ein Spiel, welches von Staufenberg nach Belieben gewonnen wurde Kondors konnte nur durch einige Durchbrüche gefährlich werden und erzielte aus diese Weise auch seine zwei Erfolge. Io. Atzbach 1 — Io. Waldgirmes 1 4:3 (2:0). Trotz ausgeglichenem Spiel In der edlen Hälfte konnte Ätzbach zu zwei (Erfolgen kommen, denen Waldgirmes nichts entgegenzufegen vermochte. Nach der Pause machte sich eine Ueberlegenl)tit Atzbachs bemerkbar, die durch zwei Straswürse zu zwei weiteren Toren kommen Starke» Nachlassen Atzbach» nützte Woldgirme» geschickt au» und erzielte in kurzer Zeit drei schöne (Erfolge; zum Ausgleich reichte es nicht tnehr. Weitere Ergebnisse: To Erda I — To Garben- heim I 1:7. Jugend: To. Dorlar I — Tv Wieleck I 13:1; To. Kinzenbach 1 — Io. Garbenteich I 2:2. Hahn, Tv. Klein-Lindcn. 65 P; 20. Margot Katz, Mtv. Giehen. 64 P: 21. Helmi Stock, Tv. 1846 Giehen, 63 P.; 22 Gertrud Dock, Tv. Grünberg. 62 P; 23. Lhristtne Schmidt. Mtv. Giehen. und Anna Süh. Tv. Aidda. 61 P; 24. Gertrud Zimmer. Tv. Lich und Luis« Zoll, Tv. Aidda, 60 P: 25. Hedwig Fleischer. Tv Aidda, 59 P.; 26. Helene Zimmer Tv Lich. 58 P; 27. Slsriede Weller, Tv. Klein-Linden, und ®ma Diehler, Tv. Aidda. 56 P; 28. Smmi Malinowski, Tv Klein-Linden, und Emma Lein, Tv. Cbrünberg, 54 P. Sondervorführungen. 1. Rang: Tv. 1846 Giehen, Kürturrren am Darren, gut; Tv. 1846 Giehen. Kürturnen am Leitpserd. gut; Tv. Grünberg, Keulen- und Freiübungen, gut; Tv. Krosdod. Leitpserd, gut; Tv. Klein-Linden. Tanzreigen, gut; Tv. Lich, Sprung- fei (Übungen, gut, bt- sehr gut; Tv. Aidda, Turnen an zwei Darren, gut. 2. 21 an g: Tv. Grvhen- Lindcnr Reigen, genügend bi- gut; Tv. Heuchelheim, Keulenübungen, gut bi- genügend Staffellauf. (4x75-Meter-Pendelstaffel): 1. Sieg: Tgde. Friedberg 44.9; 2. Mtv. Giehen 45.4; 3. Tv. 2ll»feld46,l. OT.-Jechtmeisterschasten. heim (Offenbach) Jlordfmelfter. Die Sndkärnpfe um die Florettmeister*- schast der DT.. die am SamStag abgebrochen werden muhten, konnten am Sonntagvormittag beendet werden. Der Titelverteidiger Jakov (Tv. 60 Frankfurt) konnte sich nur al- Fünfter placieren. Aeuer DT.-Meister wurde der Offenbacher Heim mit 10 Siegen vor Schubert (Leipzig 67) mit 8 Siegen 31 erhaltenen Treffern. Da- Sracbni-: Zlorett-Einzelfechten: 1. Heim (Offenbach» 10 S; 2. Schubert (Leipzig 67) 8.31; 3. Thompson (Offenbach) 8.34; 4 Dcrt- hold (Tv. Lhemnitz) 7.35; 5. 3akob (60 Frankfurt) 7.37; 6. H. Schöndube (FE. Aümberg) 6 S.; 7. Dr. Schöndube (Tgd. Eintracht Frankfurt) 5.37; 8. Dr. Hoops (Tib) 5.42, 9. Postel (Lhemnitz) 5.44; 10. Gcilich (Ulm) 3 S.; 11. Dauer (Frankfurt) 2 S.; 12. Müller (Köln) adgereist. Frau Geifer# (Offenbad)) Alorettmeisterin. Del den Florett -Meifterfchaftender Damen konnte die Titelverteidigerin Frau Olga OelkerS (Offenbach) mit 6 Siegen 1 Aicderlagc die Meisterschaft erneut an sich bringen. Wit fünf Siegen folgt an zweiter Stell« Henny Wolf (Dre-den). Die weiteren Pla- ctcrungen waren: 3. Trude 3akob (Offenbach) 4,24 Tr.; 4. Hanni 3üngst (Offenbach) 4 27; 5. Hedwig Hah (Offenbach- 3 24; 6. Liefe! Hof» mann (Tib) 3/26; 7. Minna Freudenberger (Dürgel) 2 S.; 8. Lott« Leonhardt (Offenbach) 1 S. Handball im Turnverein 1860 Lich. Io. Lich I — Io. Grohen-Linden I 2:4 (1:4). Iv. Lich Jugend — Io. Grohen-Linden Jugend 1:0. Am vorigen Sonntag trafen sich die Ersten und di« Iugendmannschaften der Turnvereine Grohen- Linden unb Lich zu fälligen Rückspielen auf dem Licher Platz. Die Ersten Grohen-Lindens konnten In gleichen Abständen nacheinander 3 Tore erzielen. Bis zum Ende der ersten Halbzeit war beiderseits noch je ein Sieg zu verzeichnen. Durch Umstellung der Licher zugunsten ihrer Hintermannschaft war es dieser in der zweiten Halbzeit möglich, alle An- griffe de» gegnerischen Sturme» abzuschlagen, während e» dem Licher Mittelstürmer gelang, noch einen Sieg zu erzielen. Da» Spiel zeigte, im vergleich mit der 4:ll-9tiebedoge Im 33odpleL eine welent- liche Besserung der Ltcher Mannschaft in technischer Beziehung. Die Licher Jugend konnte einen wohlverdienten l:0-Sieg erringen. Auch sie ist im Ausstieg begriffen, wenn man die 1:5-Riederlage im Vorspiel betrachtet. Handball im T. V Hronbaulen (VT.) Fronhausen- erste Mannschaft trat mit acht Mann an. Aach wenigen Minuten führt« Aieder- walgern mit 2 0. Aach und nach vervollständigt« sich Fronhauscn; bi- zur Pause stand da- Spiel 2 2. Wenige Minuten nach Halbheit fübrtt Frvn- hausen 4 2, bi- für* vor vchluh Aiederwalgern noch zu einem unerpofften Tore kam. Die Jugend ^ronbaulen konnte gegen die verstärkte 3ugenb Aiederwalgern- nicht auftommen und verlor mit 2 0 Toren. Leichtathletik der Sp.'Dg. 1900. Schöne Erfolge In Dortmund und Jdebbcrg. ö. Die Kampfspiele de» Dortmunder Sportflub# 1895 hatten mit 250 Teilnehmern, darunter zahlreichen westdeutschen Spitzenkönnern, «ine alänzende Besetzung gesunden Die 1900er hatten daher einen Sicherst schweren Stand, schlugen sich aber ausgezeichnet 3m 8U0-Tlet«r-Cauf, der ein au»geglichenes Feld aufrote», belegte Peter», 1900, in 2:03,3 Minuten den zweiten Platz. Mit einer sehr deachten»werten Leistung wartet» 1900s Stabhochspringer Jung auf. Wenn «r auch an den bekannten Dortmunder Balte», der sich mit 3.60 Meter den Sieg sicherte, nicht heranreichte, so übersprang er doch mit Zwiza (TuS Bochum) zusammen die Hohe von 3,30 Meter Beim Losen um die Plätze hatte der Spieloereinigung»mann kein Glück; er muhte mit dem dritten oortteb nehmen. Mit besonderem Interesse sah man dem Abschnei- den der Jugend, insbesondere der 4X100« Meter-Staffel, entgegen. E» stellte sich heraus. dah die 1900er Jugendlichen der besten westdeutschen Klasse gleichwertig sind. Den Stasselvorlaus gewannen sie spielend leicht. Am Stad waren zwölf Mannschaften. darunter Preuhen Kreseld, Schalk« 96, Schalke 04, „Borussia" München-Gladoach, Düsseldors 99, Dortmund 95 usw. Durch ihren Startmann Hey mann lagen die 1900er zunächst an zweiter Stelle. Felsing aus Nr. 2 buhle jedoch eine Kleinigkeit ein. Guthardt hielt sich wieder sehr tapfer. Durch zu frühe» Abgehen de» Schluß- manne» Schickedanz wurde jedoch erst an vierter Stelle gewechselt. Der Letztgenannt« ging aber dann an seinen (Regnern vorbei, und im Ziel trennte ihn nur noch Brustbreite von den im vorigen unb auch diesem Jahre noch ungeschlagenen streseldcr Preuhen. Gezeltet wurden: 1. Preuhen Krefeld 46,5 Sek.; 2. SpDg. 1900 Giehen 46,6 Sek; 3. Dortmund 95 46,7 Sekunden. Bei den Einzelkonkurrenzen lieh sich Schickedanz beim 100 Meter-Dorlauf nach zahlreichen Fehlstart, seiner Kontrahenten zu allzu groher Vorsicht verleiten und blieb am Stad sitzen. Heymann hatte den Weitsprung belegt. Knapp hinter dem Dritten kam er mit 6,01 Meter auf den vierten Platz. Der Start der 1900er beim Polizeisportfesh in Friedberg war vom Pech DtdolgL Geist und Hopsen rnüller muhten ablagen. Die 100 Meter wurden daher von Völker. Guhot und Schwab bestritten, die sich auch für den Zwischenlauf qualifizierten; Schwab trat aber hier schon nicht an, da sich eine Zerrung bemerkbar machte. Deim Zwischenlauf ereilte auch Völker da- Schicksal. Er kam beim Au-laus — et hatte al- Erster da- Ziel passiert — zu Fall und trug eine erhebliche Knieverletzung davon. Aun war Guhot Favorit für den Gndlauf. Der 1900er hatte scheinbar nicht die nötige Härte .So kann- auch heihen", gab Dödlinger au, 3etzt hat- ein bisserl einen Katarrh. Und Die Kalb'n war auch krank, da i- ein paar Wochen rau- kommen. 3- ein ganz manierliche- Sraucn- Aimmer. Die MannSleut sind närrisch hinter ihr her. Aber sie halt sie sich hübsch vom Leib. — Ich möcht zahl'n, Frau Försterin." .Dad ich für Sie begleichen?" sagte Franke. Der Mamert Dödlinger lachte über da» garrze Gesicht. .Wann» woll'n! Da sag ich not nein.“ .3st eS angängig der Frau Kammersängerin einen kurzen Desuch zu machen?" .Warum nicht, Herr? Kommen so alle Tage etliche zehn oder zwanzig. Da geht'- auf einen nimmer zarn." »Kann ich vielleicht gleich mit 3hnen kommen, Herr Dödlinger?“ ,3st mir auch recht. — Aber das .Herr" lastens weg. 3ch bin's nicht g'wöhnt. Sag'ns .Mamert“ zu mir oder .Dödlinger"." .Also dann aehen wir, lieber Dödlinger.“ Franke war starr, al- er, vor die HauStüre tretend. einen Mercedes stehen sah. .Er hat eine Reparatur braucht", erklärte der junge Mensch, .da hab ich ihn gleich rüber- fl'fahr'n. Sonst steuert ihn die Frau Kammer- ängerin selber." Er öffnete die Türe zum Fond und wostte Franke einsteigen lasten, aber dieser wehrte ganz entschieden. .Wenn schon, dann setze ich mich zu Ihnen. — 3ch möchte nicht —" .Ah wo!“ unterbrach ihn Dödlinger und lachte über da- ganze Gesicht. .Schimpfen, da- gibt’» bei der Gnädigen nicht, außer e- schütt ihr einer da» Kraut au» mit lauter dumm' Daherreden. Müssens halt sparsam sein mit die Wort', dann brauchen'» keine Angst hab'n.“ Franke stieg trotzdem mit gemischten Gefühlen neben den jungen Menschen. Er empfand e» plötzlich als großen Mangel, weder Smoking noch Eutaway bei sich zu haben. Mit einer Kammersängerin hatte er nicht gerechnet. Deinahe war er in Deduchung, wieder auszusteigen, nach München zurückzufahren und feine Toilette zu ergänzen. Aber der Mamert Dödlinger hatte schon den Motor in Gang gesetzt und die Försterin nickte ihm ermunternd zu. 2m Grunde genommen, hatte er ^ich» redlich verdient. Mehr als die Hälfte feine» Urlaubs hatte er auf der Luche nach ihr vertragen. Da war es nicht mehr al» bistig, dah er auch in kurzem Wich» und Lodenjoppe Gnad« vor ihren Augen fand. Der Wagen flitzte gegen Tegernsee, rannte da» glänzende Dasterband entlang und bog dann seitwädS ein. .Aoch weit?“ sagte Franke und lieh den Dlick auf den verstreut liegenden Hofen ruhen. Dödlinger nahm die eine Hand vom Steuer und zeigte nach der Höhe, wo, einem Schwalbennest ähnlich rotes Ziegeldach durch Wald- und Obstbestände leuchtete. Der Mercede» überwand die Steigung mit Leichtigkeit und schraubte sich mit selbstverständlicher Eleganz den Berg hinauf. .Da gehen jetzt unsere Felder an", sagte Mamert stolz, .der Wald dort drüben gehört auch noch dazu, die Wiesen auch." .So groß?" verwunderte sich Franke. .Achtzig Tagwerk!“ Am Waldrand wehte ein helle» Tuch. Ein glockenreiner Jodler stieg in die blaue Luft de» Iunivvrmittag». .Die Gnädige", sagte Mamert. .Jetzt muh ich halt'n. Am End' gehn» ihr ein Stückerl entgegen. S» ist schlecht zu gehen über die Schollen. Und in den Dach brühen, da i»‘ schon einmal neinpurzelt, weil» den Anlauf zu kurz g nomm n hat.“ Sonst hörte Franke nicht- mehr. Sr war vom Trittbrett gesprungen und liest seine Schwer- genagelten über den braunen Acker stapfen Trotz de» schlechten Terrains vermochte er noch zu laufen, sah nicht», al» das wehende Dirndlkleid mit dem luftigen Rosenmuster darin und da- Helle Tuch, da- noch immer in der erhobenen Linken flatterte. Al» er vor ihr stand, keuchte er. .Gnädige grau!“ .Ah! — Herr Franke!“ Ihre Hand streckte sich ihm impulsiv entgegen. »3ch suche feit zwölf Tagen nach Ihnen“, brachte er hervor. »Wirklich? — Die Kalb'n ist kaput gegangen, Herr Franke.“ .Der Mamert hat mir» gesagt. Es wird Sdah dafür geben. Dad ich Sie zum Auto binüberlragenr1 .Tragen/ — Der Dödlinger würde andere Augen machen. Derlei Galanterie ist hier nicht üblich, mein Herr. Sie al» eingesessener Landwirt sollten da» schon wissen." Er erglühte bi» unter das Stirnhaar. Der Herrgott mochte wisien. wie er sich da au» der Schlinge, pje cr sich selbst gelegt hatte, helfen konnte. Dodäufig wollte er sich die Freude des Wiededehen» nicht vergällen lassen. Deim Sprung über den Dach fing er sie mit beiden Armen auf und hielt sie für Sekundenlänge gegen sich gedrückt. .Ich weih nicht einmal Ihren Rainen.“ .Helene Ehlodwig.“ Es kam ihm gar nicht zum Dewuhtsein. wie abwesend er sie anstarrte. Da er sehr selten in die Oper ging, kannte cr sie nur au» der Flut der Kritiken und der Degeisterung feine» Bekanntenkreise». Al» er sah, wie Dödlinger irgend etwa» am Auto au»zubessern schien, beugte er sich rasch über ihre Hand. Sie lächelte und gab seinem Dlicke die Ruhe und die Desonnenheit wieder, dah er sogar sein vernünftige» Denken wiederfand. .Wo haben Sie sich häuslich niedergelassen, Herr Franke?"' .Auf Valepp, gnäNgc grau.“ .Schon lange?" »Seit zwölf Tagen.“ .Ich dachte -“ .Ich habe Sie belogen“ kam er ibr zuvor. .Din praktischer Arzt und Etzirurg —“ .München, Land»huter Allee 143", sie lachte verschmitzt zu ihm auf. »Gnädige Frau!" — .Ss war nicht schwer herau-zufinden. Da» An- Hängeschild an Ihrem Rucksack war sehr gut leserlich geschrieben.^ .Ich möchte mich verkriechen", dachte er und beneidete eine Mau», die fluchtartig tn eine» der aufgeworfenen Löcher schlüpfte. Dödlinger wartete, auf dem Trittbrett de» Wagen» fitzend, und zog mit einem Lachen den Hut. .Jetzt lauft er wieder, wie g'schmiert, Frau Äammedängcrin. Zwei Schrauben find halbwcg» abg'wes'n, und am Getriebe hat S g fehlt, ich hab mir alle» zeigen lassen in Tegernsee unten; jetzt kann ich alle» selber mach'n, wann wieder wa» au» dem Vchanier geht. Is gar net viel dabei und kost gleich einen solchen Haufen Geld." „Da» ist wirklich brav von Ihnen“. lobte Helene Ehlodwig, „dah Sie fo auf mein Geld I(foauen. — Steigen Sie ein, Doktor — Ich fahre felbst, Mamert.“ Franke sah mit zufammengeschobenen Dräuen. 2r glaubte sich in feinem ganzen Leben noch nicht fo lehr geschämt zu haben wie eben jetzt. Di« wuhte von seiner Lüge und dann — er hatte sie nicht einmal gefragt, ob e» ihr auch angenehm war. wenn er ihr so ohne jegliche Anmeldung in» Hau» fiel. Er benahm sich wie einer, der ein halbe» Jahrhundert von jeglicher Zivilisation fern gewesen war. Wenn er nach Valepp hinunterkam, würde er packen und das Weite suchen. Er hatte sich selbst jegliche Ehanee verpaht, eine 3rau. rote Helene Ehlodwig wartete nicht erst, bi- so ein Bauerndoktor die Hand nach ihr streckte. — Und hätte doch alle» gariz ander» sein können! Ganz ander»! — „Helene!“ — „Sie denken zu laut, lieber Dvkwr!“ Da» Frauengesicht wandte sich halb nach ihm zurück, blickte wieder geradeaus und wandte kein Auge mehr von der Straße, bi» die letzte Steigung genommen und Roitach-Derghof in einem Kranz von Obstbäumen vor ihren Augen lag. (Fortsetzurrg folgt.) und muhte sich mit knapper Drustbreite von Schäfer (Echzell) geschlagen bekennen. Die 4xl(X)°Meter°Staffel war durch das Fehlen Völkers stark aehvndicapt. Ein verunglückter Wechsel tat das übrige, um sie trotz aufopfernden Laufens von Vogt, Richtberg, Schwab und Guhot als knappester Zweiter (Vrustbreite) hinter Polizei Butzbach, jedoch klar vor Tv. Dad-Rauheim und Polizei Friedberg, einkommen zu lassen. Beim Speerwerfen kam Vogt zwar an die 46-Meter--Grenze, seine Leistung reichte jedoch in der Entscheidung, in der der Dritte über 48 Meter warf, nicht zur Placierung hin. OT.-Rekorde im Kugelstoßen. 2m Rahmen des Volkstum-Wettkampfes zwischen den Turnkreisen Westfalen und Rheinland, der am Sonntag in Mühlheim mit 73: 69 Punkten von den Rheinländern gewonnen wurde, stellte der DT.-Meister Lingnau mit 14,96 Meter im einarmigen und $6,96 Meter im beidarmigen Kugelstoßen neue DT.°Rekorde auf. D. f. B. Die Ligamannschaft schlug am Sonntag im ersten Verbandspiel der Saison „H e r - mania" Kassel mit 3:1 und sicherte sich damit die beiden ersten Punkte. Man hatte ihr zu diesem Treffen kaum eine Chance eingeräumt, da sie mit vier Mann Ersatz antreten muhte, während „Herrnania" als sehr spielstark eingeschäht wurde. Die VfB.°Elf enttäuschte nach der angenehmen Seite. Sie kämpfte mit bewundernswerter Energie und legte grohe Ausdauer an den Tag. Wenn es auch spieltechnisch noch an manchem mangelte, so kann man angesichts der besonderen Llmslände im allgemeinen mit ihr doch zufrieden sein. Ihr Sieg war vollauf verdient. Von den Gästen hatte man sich etwas mehr versprochen. Im Feldspiel waren sie recht gut, vor dem Tor versagten sie jedoch. Ihr Tormann, der als der beste des Bezirks gilt, konnte die drei Tore nicht verhindern. Das Spiel wurde anfänglich von beiden Seiten weich durchgeführt und hatte gar nichts von dem typischen Charakter eines Punktkampfes: erst als auf beiden Seiten ein Tor gefallen war, spielten beide Mannschaften härter, jedoch nicht unfair. Schiedsrichter E n g e l t e r (Marburg) zeigte sich wieder als ein vorzüglicher Spielleiter. — Der Spielverlauf: Die Plahelf hat gegen die Sonne zu spielen. Ihr Spiel ist nervös und dadurch zusammenhanglos. Die Gäste finden sich schnell zusammen, ohne aber überlegen zu werden. Rach sechs Minuten schon können sie zum Führungstor einschiehen. Das Spiel wird jetzt flüssiger. Die beiderseits wuchtig vorgetragenen Angriffe folgen rasch aufeinander und lassen vor den Toren spannende Momente entstehen. Der Kampf nimmt an Tempo zu. In der 20. Minute kann Giehen seinen ersten Treffer buchen und damit den Ausgleich erzielen. Es hat weiterhin etwas mehr vom Spiel und vermag eine Viertelstunde später auf 2:1 zu erhöhen. Die Spielweise der Kasseler wird härter, sie bieten alles auf, das Resultat zu verbessern, jedoch ohne Erfolg. Halbzeitergebnis: 2:1 für die Plahelf. Rach dem Wechsel drängen die „Hermanen" auf den Ausgleich: sie komme nauch etwas in Vorteil, sind aber nicht in der Lage, die einheimische Hintermannschaft zu schlagen. VfB. führt energische Gegenangriffe und kann in deren Verlauf durch ein weiteres Tor das Resultat auf 3:1 und damit seinen Sieg sicherstellen. Wegen eines Regelverstoßes eines Kasseler Verteidigers erhält Gießen einen Elfmeter zugesprochen, der präzis geschossen, vom Tormann gerade noch gehalten wird. VfB. ist noch einige Zeit überlegen, kann aber nur noch zwei Ecken • erzielen. Kassel kommt dann noch einigemale nach vorne, kann aber keine zählbaren Erfolge mehr erringen. Es bleibt beim 3:1 für VfB. Die Ligareserve stand im ersten Verbandsspiel der ersten Mannschaft Dau- bringens auf dortigem Platz gegenüber. Durch den aus ihr entnommenen Ersatz für die Liga mußte auch sie stark ersatzgeschwächt antreten und verlor nach scharfem Kampf mit 2:0 Sieg und Punkte. Dis zur Halbzeit konnte sie dem spielstarken Gegner noch eine gleichwertige Partie liefern, vermochte aber nachher dem Tempo nicht mehr ganz zu folgen. r Dagen gelang es der dritten Mannschaft, ihren ersten Kampf um die Punkte gegen die zweite Daubringens mit 5:1 überlegen zu gewinnen. Dank der Mitwirkung einiger älterer Spieler war sie dem Gegner an Spielaufbau um einiges voraus und gewann verdient. Das Resultat entspricht dem Spielverlauf. Die erste Iugendmannschaft hatte im Gesellschaftsspiel die gleiche des V f R. L i ch zu Gast. Rach flottem Spiel, in dem beiderseits gute Leistungen gezeigt wurden, gewann sie verdient mit 3:0. Sportverein 1928 Garbenteich. Garbenteich I — Leihgestern I 2:2 (2:1). Garbenteich II — Spvg. 1900 Giehen IV. 3:6 (1:3). Zum ersten Berbandsspiel standen sich am Sonntag aus dem Garbenteicher Sportplatz die 1. Mannschaft des Sportvereins 1928 und die der Spog. 1926 Leihgestern gegenüber. Garbenteich ging schon nach 10 Minuten mit 1:0 in Führung. Einige Minuten später mußte sich die Spielvereinigung ein zweites Tor gefallen lassen. Kurz vor Halbzeit errangen die Gäste ein Gegentor. Halbzeit 2:1 für Garbenteich. Nach Seitenwechsel erzielte Leihgestern das Ausgleichtor. Im weiteren Verlauf sah man beiderseits große Torgelegenheiten, die jedoch ohne Erfolg blieben. Schiri Kreiling VfB. Gießen war ein gerechter Leiter. Die zweite Mannschaft des Sportvereins, die erstmalig aus den Plan trat, mußte sich im Punktespiel gegen eine stark verstärkte vierte Mannschaft von 1900 Gießen eine 6:3-Niederlage gefalle nlassen. $. C Teutonia Steinberg. Steinbach I — Steinberg I 1:11 (1:4). Am Sonntag trug die 1. Mannschaft des Fußballklubs „Teutonia" Steinberg ihr erstes Verbandsspiel der -V-KIasse in Steinbach aus. Die Teutonen haben sich zu einer Mannschaft heran» gebild^t, die zu den besten Hoffnungen Anlaß gibt. Die Gäste waren dem Platzbesiher in allen Punkten überlegen. In den ersten zehn Minuten konnte sich Steinberg infolge der unzulänglichen Platzverhältnisse nicht recht finden. Die Steinbacher gingen in der achten Minute in Führung. Dann übernahm Steinberg das Kommando, und in der 14. Minute fiel durch Elfmeter der Ausgleich. Dis zur Halbzeit folgten dann noch drei weitere Tore. In der zweiten Halbzeit gelang es dem Gastgeber kaum noch, die Mittellinie zu überschreiten. In regelmäßigen Abständen folgten noch sieben Tore für Steinberg. Schiri Kömpel (Gießen) konnte gefallen. Turn- und Sport-Abzeichen. Eine Abnahme für das Turn- und Sportabzeichen im Schwimmen findet am nächsten Donnerstagnachmittag in der Müllerschen Dade- anstalt statt. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Bockenheim I — Giehen I 1:1. Gießens 1. Mannschaft, die ursprünglich Wetzlar I am Sonntag im Serienspiel zu Gast haben sollte, hatte eine Spieloerpflichtung mit Bockenheim abgeschlossen und trat daher in Bockenheim gegen die dortige 1. Mannschaft an. Gießen lieferte den Frankfurtern ein völlig gleichwertiges, zeitweise sogar besseres Spiel. Heuchelheim I — Kinzenbach I 7:0. Während die Gäste in Heuchelheim komplett antraten, stellten sich die Einheimischen mit reichlichem Ersatz. Heuchelheim war seinem Gegner technisch und taktisch überlegen und kam bald zum Führungstor. Obwohl die Gäste alles hergaben, kamen sie nicht an der guten Hintermannschaft der Einheimischen vorbei: diese jedoch erhöhte in gleichmäßigen Abständen die Torzahl. Daubringen I — Wiefeck I 3:6. Wieseck war am Sonntag in Daubringen zu Gast. Bereits in der ersten Minute konnte Daubringen in Führung gehen. Erst allmählich fanden sich die Gäste und konnten den Ausgleich herstellen. Dann blieb Wieseck weiter überlegen, kurz vor Halbzeit gelang es aber Daubringen, erneut die Führung zu übernehmen. Halbzeit 2:1. Nach Seitenwechsel stellten die Gäste in wenigen Minuten den Ausgleich her und übernahmen die Führung. Wieseck erhöhte auf 6:2, dann konnten die Einheimischen das Resultat auf 6:3 stellen. Gießen II — Marburg I 1:3. Auf dem Trieb standen sich diese Gegner im Serienspiel gegenüber. Die Gaste lieferten den Einheimischen ein schönes Spiel. hachhorn — Frohnhausen 3:3. Ein flottes, schönes Spiel in Hachborn brachte die Einheimischen mit 2:0 Toren in Führung. Bis zur Pause konnten die Gäste ein Tor aufholen. Nach Seitenwechsel waren die Einheimischen noch einmal erfolgreich, jedoch stellte Fronhausen den Ausgleich her. Rüddingshausen I — Wißmar I 4:1. In Rüddingshausen lieferten sich diese Mannschaften ein scharfes Spiel. Die Einheimischen waren an Technik und Schnelligkeit den Gästen voraus. Leun Jugend — Wieseck 1. Jugend 2:9. Wiesecks Jugend gelang es, mit nur neun Mann die Einheimischen mit obigem Resultat abzufertigen. Wieseck 3. Jugend mußte sich im Spiel gegen die körperlich weit überlegene Jugend Gießens auf eigenem Platze eine 6:0-Niederlage gefallen lassen. Handball. Am Sonntagvormittag standen sich auf dem Trieb die Handballelf Gießens und die Elf Wiesecks in einem Freundschaftsspiel gegenüber. Wieseck, das mit nur zehn Mann antrat, konnte infolge feiner größeren Spielerfahrung das Spiel mit 3:1 Toren für sich entscheiden. Wirtschaft. Oie Leipziger Herbstmesse. Der Besuch der Leipziger Herbstmesse, die am Sonntag begonnen hat, übertrifft vielfach die Erwartungen. Die Beschickung entspricht durchschnittlich der der vorjährigen Herbstmesse, weist aber auf der Möbelmesse, der Sportartikel- und der Süßwarenmesse sogar eine Steigerung auf. Sehr lebhaft war von Anfang an der Besuch der Textil- messe. Gegen Mittag begann sich der Geschäftsverkehr besonders da zu entwickeln, wo zugkräftige Neuheiten das Interesse der Kundschaft erwecken. Weniger stark erwies sich die Nachfrage nach Normalwaren. In Porzellan und Glaswaren konzentriert sich das Interesse auf billige Gebrauchsware. In preiswerter Qualitätsware liegt in allen Branchen ein sehr reichhaltiges Angebot vor, und eine überraschende Menge guter Neuheiten beweist, daß sich die deutsche Industrie grundsätzlich nach dieser Richtung umgestellt hat. Ob bei der geringen Kaufkraft der deutschen und der ausländischen Kundschaft der Umsatz den Erwartungen entsprechen wird, können erst die nächsten Tage erweisen. Da die Kleinarbeit bei der Kundenwerbung immer entscheidender wird, vollzieht sich eine Abkehr von der schematischen Reklame nach Methoden, die durch Die stete Wiederholung an Zugkraft verlieren, und eine Hinwendung zur speziellen Werbung. Die Sonderabteilung der Reklamemesse „Jedermann werben", die hier wertvolle Anleitungen vermittelt, erfreut sich diesmal eines sehr guten Besuches. Die Technische Messe hatte bei schönem Sommerwetter einen außerordentlich guten Besuch. Das Bauprogramm des Reiches und vieler Gemeinden führt der Baumeffe und den dem Bauwesen zu- arbeitenden Industrien einen erfreulich starken Besuch von Fachleuten und allen bautechnisch interessierten Messebesuchern zu. * Von der Frankfurter Dürfe. Dom September ab findet die Wertpapierbörse an Samstagen wieder wie üblich statt. Dörsenzeit von 11 bis 13 Alljr. * Schlechte Wirtschaftslage im Dillgebiet. Aus dem Dillgebiet häufen sich die Rachrichten über Stillegungen, Kurzarbeit und Detriebseinschränkungen. Reuerdings berichten die Frankschen Eisenwerke aus Riederscheld, daß sie wegen Lagerüberfüllung und Absatzstockungen genötigt seien, Stillegungsantrag zu stellen. Durch diese Maßnahme werden einige hundert Arbeiter erwerbslos. Ferner sieht sich die Verwaltung der Burger Eisenwerke (Oefen und Herde) gezwungen, einem Drittel der De- legschaft, d. h. etwa 250 Mann, zu kündigen. Hinbermarff in Gießen. Der heutige Gießener Rindermarkt war mit 772 Stück Großvieh und 127 Stück Kälbern beschickt. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe: 1. Qualität 600 bis 700 Mk., 2. Qualität 350 bis 550 Mk., 3. Qualität 200 bis 350 Mk.: Schlachtkühe: 150 bis 500 Mk.: Rinder (halb- bis dreivierteljährig) 100 bis 250 Mk., (dreiviertel- bis zweijährig) 200 bis 400 Mk., (tragend) 380 bis 600 Mk.: Kälber (das Pfund Lebendgewicht): 0.50 bis 0,65 Mk. Ausgesuchte Tiere über Rotz. Martverlauf: schleppend. Frankfurter Börse. „ . Frankfurt a. M., 2. Sept. Tendenz: geschäftslos. — Auch heute kam zu Beginn der Börse nur schleppend Geschäft zustande, da sich der Auftragseingang weiter verringert hat. Auch das Ausland blieb dem Geschäft fast vollkommen fern. Die Zunahme der Spareinlagen im Reiche blieben ganz ohne Einfluß, wozu auf der anderen Seite nicht gerade günstige Wirtschaftsnachrichten beitrugen. Die Grundstimmung der Börse war aber nicht unfreundlich. Das Geschäft war anfangs so gering, daß Erstnotierungen nur in ganz geringem .Umfange zustande kamen. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Kursgestaltung im allgemeinen nicht ganz einheitlich. Der veröffentlichte Tlltirno-Aeichsbankausweis war mit seiner normalen Anspannung nicht tendenzbeeinflussend. Rur Clektroaktien eröffneten zumeist mit etwas niedrigeren Kursen. So waren Siemens 0,5 Prozent, Gesfürel 1,5 Prozent, und Licht •••• 6Vi — — 87 86,9 10 — _ — 229 Klöcknerwerke ...... • « — — 79,5 79 Köln-Neuesten....... . 7 — — 85 85 Manneimann-Röhren ... . 1 83,25 _ 83,25 83,13 ManSselder Bergbau .... . 7 53 — 53,5 53 Oberschles. Eilenbedarf . , . . k> — Oberschles. Kokswerke.... . 7 — — 85,25 85,6 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen . . ey, 76,5 76,4 76,65 76,75 201 10 201 — — Rh ein stahl........ . 6 — —— 86 86,25 Riebeck Montan ...... 7,2 — — Frankfurt a. 371. Berlin Schluß«! kurs l«Uhr« Kurs Schluß« lurs Anfang- Kurs Datum 1. 9 2- 9 1. 9 2. 9 Bereungle Stahlwerke Olavi Minen .... — — 77,65 77,6 6'/, — _ 36,65 36,9 Kaliwerke Aschersleben ■ ■ 10 192 192,5 Kaliwerke Westeregeln e ■ 10 198 — 198,5 — Kaliwerke Salzdetfurth • • 15 314 — 314,5 313,5 I. G. Forben-Industrte 12 150,9 150,5 151 151,5 Dynamit Nobel ... . 6 — — 70,75 Scheidcanstalt.... . r> — — — — Goldschmidt .... . 6 56,5 — 57 57,5 Rütgerswerke .... . 6 54 53,5 54,75 53,75 Metällgesellschafk. . . . 8 103 — 103,25 — Philipp Holzmann . . . 7 81,5 81,9 80,75 Zementwerk Heidelberg • 10 103 — Cementwerk Karlstadt. e e 10 — — — — Wavß & Frcytag . . . 8 61 59,5 59,5 — Schultheis Patzenhofer 15 — 252 250 Ostwerke...... e • 12 — — 202 200 Aku ....... . 18 78,25 — 78,25 77 Bemberg...... 14 85 — — 82,5 Zellstoss Waldhos . . • • 13'/, — — 133 132,75 Zellstoff Aschaffenburg • e 12 — — 95 91,5 Charlottenburger Wasser e . 8 — — 94,75 Dessauer Aas .... . 9 — 134,25 133,75 27,75 Daimler Motoren . . Q Q . 0 27,25 27,5 27,75 Deutsche Linoleum . 176 — 174,9 173 Maschinenbau A.-G. . . 0 — — 38,75 Nat. Automobll . . . . 0 — —— — — Orenstetn & Koppel . e a . 6 — —— 59 59,25 Leonhard Tietz . . • 10 132 — 134 — SvenSIa...... — — 296,5 296,5 Frankfurter Maschinen Ä . 4 22 21,13 22 — Gritzner ...... M «X . 6 30,5 — — Heyligenstaedt . . . Iunghan»...... * . 0 — — — — . 6 32 — 32 — Lechwecke...... - • . 8 95,75 —— — — Mainkrastwerkc Höchst a. M . 8 — — — Miag........ • 10 86 — — — Gebr. Roeder .... 10 98,5 — — •— Botgt & Haesfner . . Süddeutsche Zucker . • 4 • . 9 10 151,75 146 —- . 150 145,5 —■ Banknoten. Deoifcnmarkl Berlin — Frankfurt a. M. Berlin, 1. September Geld Bries Amerikanische No len...... 4,172 4,192 Belgische Noten. ....... 58,38 58,62 Dänische Noten ........ 111,90 112,34 Englische Noten . ....... 20,34 20,42 Französische Noten ....... 16,44 16,50 Holländische Noten ....... 168,31 168,99 Italienische Noten........ 21,99 22,07 Norwegische Noten....... 111,83 112,27 Deutsch-Oesterreich, 4 100 Schilling 59,10 59,34 Rumänische Noten..... . 2,47 2,49 Schwedische Noten ....... 112,23 112,67 Schweizer Noten ........ 81,39 81,71 Spanische Noten ........ 44,01 44,19 Tschechoslowakische Noten..... 12,37 12,43 Ungarische Noten ........ 73.20 73,50 1. September 2. September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld ! Briet Geld Briet Amst.-Nott. 168,59 168,93 168,56 168,90 Bucn--Aires 1,487 1,489 1,464 1,466 Brss.-Antw. 58,47 58,59 58,455 58,575 Christiania. 112,13 112,35 112,09 112,32 Kopenhagen 112,18 112,40 112,16 112,38 Stockholm . 112,50 112,72 112,49 10,531 112,71 Helsingfors. 10,53 10,55 10,551 Italien. . . 21,91 21,95 21,91 21,95 London. . . 20,371 - 20,411 20,37 20,41 Neuyork . . 4,185 4,193 4,184 4,192 Poris.... Schwei; .. 16,46 16,50 16,485 16,495 81,355 81,515 81,34 81,50 Spanien . 44,41 44,49 44,26 44,34 Japan . - . 2,066 0,398 2,070 2,066 2,070 • >Hio de Jan. Wien in D.« 0,400 0,409 0,411 Oest. abgest. 59,16 59,28 59,15 59,27 Prag Belgrad . . 12,422 7,427 12,442 12,431 12,441 7,441 7,527 7,441 Budapest. . Bulgarien. 73,395 3,032 73,535 3,038 73,385 3,032 73,525 3,038 Lissabon . . 18,82 18,86 18,82 18,86 Danzig. . . KonftanklL 81,48 81,64 81,47 81,63 1,784 1,789 1,784 1,789 5,455 Athen. . . 5,445 5,455 5,445 Kanada . . 4,188 4,196 4,188 3,377 4,196 UrnauaU. . 3,397 3,403 3,383 Cairo . . - 20,88 20,92 20,88 20,92