Nr. 179 Erstes Blatt 180. Jahrgang Samstag, 2. August 1930 Erscheint täglich, aufoer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte (Siebener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle Monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummem infolge höherer Gewalt. §ernfprechanfchlüsse anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: jtrrn'furt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid und Verlag: vrühl'sche UniversilLlr-vuch. «nd Steinörnderci R. Lange tn Gießen. Zchristleitung und Gefchäftrftelle: Zchulftraße 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm crelte örtlich 8, auswärt» 10 Reichspsennig; für Re» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvarschrist 20“ , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lang«. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Idyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für ben Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Der Aufmarsch -er Mitte im Wahlkampf. Oie Fortführung der volksparteilichen Gammlungsaktion. Die Verhandlungen stehen günstig. ' Tic Bedeutung der späteren Fraltiontzgemcinichaft. Berlin, 1. Aug. (VVZ.) 3tn Reichstag wurden die gestern abgebrochenen Verhandlungen über das Zusammengehen der Deutschen Volk»- partel, der Wirtschaftsportel, der Christlich-Rationalen Bauernpartei und der Konservativen Volkspartei fortgesetzt. In der Aussprache kam zum Ausdruck, dah durch die ablehnende Haltung der neugegründeten Staatspartei eine Einigung auf breitester Grundlage vereitelt sei. Bezüglich des weiteren vorgehen» der beteiligten Parteien ergab sich eine weitgehende Ueberein st immun g. Die günstig verlaufenen Verhandlungen führten noch nicht zu einem endgültigen Abschluß. Sie werden in der nächsten Woche fortgesetzt. INan hat bereit» Dispositionen für den gemeinsamen Wahlaufruf beraten und sich im Prinzip so weit geeinigt, dah ein Redaktionsausschuh eingesetzt werden konnte, der wahrscheinlich bi» Blontag den Entwurf de» Aufrufes oorlcgcn wird. Allerdings werden die Verhandlungen erst etwa am 8. ober 9. August abgeschlossen werden, da eine Reihe von Persönlichkeiten, denen der Aufruf noch vorgelegt werden muh, kurz vor dem verhandlungs- tag in Berlin jurütferroartd werden. Das Kernstück des Ausrufe» wird der Hinweis auf das spatere fraktionelle Zusammengehen der beteiligten Parteien sein. Wan verspricht sich davon auch eine starke Wirkung aus die Wähler, für die es bei der allgemeinen Parteizersplitternng im bürgerlichen Lager schwer ist, sich für die eine oder die andere Parket zu entscheiden. Die optimistische Beurteilung hört man nicht nur au« den Kreisen der Deutschen Volkspartei, sondern auch allgemein bei den übrigen Parteien, die an den Verhandlungen beteiligt sind. Wie Gtresemann sich die Sammlung der Mitte dachte. Wolfgang Strcscmann zur Gründung ocr StaatSpartci. Köln, 1. Aug. (CNB.) In der „Köln. Zig." öuhert sich Wolfgang S t r e s e m a n n , der Sohn Dr. Gustav Strescmanns, in einem Aussatz unter der Ucberschrist „Volkspartei und Staats- fartei" über den mutmaßlichen Standpunkt, den ein Vater, wenn er noch lebte, dem Gedanken einer neuen großen Mittelpartei gegenüber einnehmen würde. Meinen Vater hat, |o schreibt Wolfgang Strese- mann u. a., die Schaffung einer deutschen Mittelpartei seit langen Jahren bewegt. Er hat die 23er- tustpositionen, in die das deutsche liberale Bürgertum immer mehr geriet, schon frühzeitig bemerkt. Aber Gebote der Taktik ließen es ihm geraten erscheinen, mit der Egreifung einer Initiative b i s nach der Annahme des Neuen Planes zu warten. Koch, Mahraun, Stresemann, drei von Interessentenkreisen unabhängige Männer, sollten die Gründer sein einer Partei, die an das „S t a a t s o o 11" a p p e l i e r t e. Mein Vater äußerte lebhafte Zweifel, ob es ihm gelingen würde, die ganze Deutsche Volkspartei für die neue Partei zu gewinnen, aber es stand für ihn außer Zweifel, daß diemaßgebendenKräfte der Deutschen Dolkspartei mit Kahl, Scholz und Curtius sich bei der neuen Partei zusammen f i n d e n würden. Mit Recht ist betont worden, dah die Staatspartei, so wie sie heute ist, nicht dem Plane meines Vaters entspricht. Mit Recht ist aber auch gesagt worden, daß ihr Programm das meines 23 a- ters ist. Nicht nur deswegen, sondern um der Idee willen, sollte sich die Deutsche Volkspartei und die Staatspartei nähern und sich zu gemeinsamem Kampf im Rahmen einer Organisation zu- sammenschließen. Das Landvolk und die große Rechte. Minister Schiele fordert Sammlung aller staatspolitischen Strafte. Berlin, 1. Aug. Reichscrnährungsminister Schiele, der jetzt eine führende Stellung in der Landvolk-Tewegung einnimmt, hat sich über die Aottoendigkeit eines Zusammenschlusses auf der Rechten geäußert und erklärt, dah dieser Zusammenschluß die Voraus- setzung für eine feste und zielbe- lvuhte politische Führung sei. Der Wiederaufbau des deutschen Bolks- und Wirtschaftslebens auf der Grundlage einer lebens- starken Landwirtschaft könne nicht durch destruktive Regation. sondern nur durch stärkste Einwirkung der politischen Kräfte der Rechten auf die Staatsführung erreicht werden. Schiele sprach sich dann auch fugunsten der bekanntlich beschlossenen gemein- amen Reichsliste zwischen der Landvolk-Partei und de r K o nse rv ativ e n Dolkspartei aus und betonte, dah er dieses Bündnis für eine sachliche und staatspolitische Rotwendigkeit halte. Erst durch diese Wendung der berussständischen Landvolk-Dewegung zum staatspolitischen sei ihm die Möglichkeit gegeben worden, aktiv für den Landvolkgedanken einzutrelen. Schiele bezeichnete das bewußte Bekenntnis zur Sammlung der staatspolitischen Kräfte auf der Hindenburg linie als die wesentliche Aufgabe des Tages. Reichsernährungsminister Schiele wird in mehreren Wahlkreisen, beispielsweise in Magdeburg und in Franken als Spitzenkandidat der Landvolkliste sich um ein Mandat für den kommenden Reichstag bewerben. Oie Deutsche Staatspartei fordert Wahlreform und Reichsrefonn. Berlin, 2. Aug. (CNB.) Die Staatsoartei wird zur Vorbereitung der Wahlreform und der Reichsreform Ausschüsse einsetzen, die dem Reichstag formulierte Gesetzentwürfe vorlegcn sollen. Sollte auf parlamentarischem Wege eine Einigung über beide Fragen nicht zustandekommen, so wird die Staatspartei sofort die notwendigen Schritte zur Vorbereitung des Volksbegehrens und des Volksentscheids über Wahlreform und Reichs- reform unternehmen. Keine Beamtenpariei. Ablehnender Standpunkt der großen Organisationen. Berlin. 1. Aug. Das Hinüberschwenken des Reichslandbundes von der reinen Berussvertre- tung in den politisch-parlamentarischen Kampfplatz hat neuerdings auch in Beamten- kreisen den Gedanken aufkommen lassen, für die kommenden Reichstagswahlen eine Liste des Berufsbeamtentums auszustellen. Man fordert eine solche einheitliche Beamtenfraktion, die von Parteierwägungen unabhängig ist, und geschlossen dem Willen derjenigen folgt, die ihnen das Reichstagsmandat gegeben haben. Optimistische Schätzungen sprechen sogar von der Möglichkeit, mehr als 10 Abgeordnete in das Parlament zu bringen, wenn sich eine einheitliche Front von den Reichsbeamten über die Länderbeamten bis zu den Kommunalbeamten her- steilen läßt. Wie wir aus unterrichteten Kreisen dazu weiter erfahren, dürften aber die drei großen Beamtenorganisationen Deutschlands wenig Reigung haben, das Wagnis einer eigenen Beamtenpartei auf sich zu nehmen. Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund mit etwa 150 00? Mitgliedern, ist von vornherein schon durch seine gewerkschaftliche Stellung an die Sozialdemokratie gebunden. Die größte Organisation, der Deutsche Beamtenbund, will aber nach offiziellen Aeußerungen seine bisherige Taktik weiter verfolgen, nach der er in möglichst allen Parteien ihm nahestehende Deamtenvertreter sitzen hat, wobei er neuerdings sogar die Parole ausgibt, daß spezielle Dearntenkandidaturen nicht wünschenswert erscheinen. Er will damit den zahlreichen Angriffen auf die Stellung der Beamten und ihre Zahl im Parlament ausweichen und eine stärkere Eingliederung der Deamtenvertreter in die Parteien erwirken. Der Reichsbund der höheren Beamten ist rein zahlenmäßig nicht in der Lage, ein wesentliches Wahl kontingent zu stellen. Unter diesen älmständen wird Deutschland aller DorauSsicht nach von einer neuen Parteigründung, der Beamtenpartei, verschont bleiben, wenn auch die Kreise, die diesen Plan befürworten, übet einen gewissen Widerhall verfügen. Ein Wahlaufruf her Volksrechtpartei. Leipzig, l.Aug. ($1L) Die Dolksrecht- partei veröffentlicht einen Wahlaufruf, in dem es u. a. heißt: Der Kampf der Bürgerlichen gegen die Dolksrechtpartei hat ausgehört, denn viele Bürger von heule fühlen, daß sie morgen in den Reihen der besitzlos gemachten Sparer und Rentner stehen können. Die Dolksrechtpartei ist frei und unabhängig von der Geschäftspolitik des internationalen Finanz- und Trustkapitals. Sie ruft auf zum Freiheitskampf gegen die Unterjochung durch d i e goldene internationale, insbesondere zum Kampf gegen den Voungplan. Sie bekämpft den roten Internationalismus, der den Ausstieg des Dolkes hemmt, um das rote Parteiziel zu erreichen. Der Kampf um die Volksrechte umschließt die Herausgabe des weggenommenen Eigentums an die Geschädigten, ein soziales Mietsrecht, die Gewährleistung existenzsicherer Löhne und Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmerschaft. Der Kamps gegen die Par- la mentsmißwirtschaft muß wieder zu einer Volksvertretung führen, die ehrenamtlich tätig ist und in ernster zielbewußter und energi- scher Arbeit der Rot der Zeit steuert. Die Vekämpsmg der Arbeitslosigkeit. Eine Gesellschaft für öffentliche Arbeiten. Berlin, l.Aug. 3n Berlin ist die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG. mit einem Aktienkapital von 150 Millionen Mark und ausgewiesenen Reserven im Betrage von 105 Millionen Mk. gegründet worden. Zweck der Gesellschaft ist, die Errichtung und den Ausbau wertschaffender Anlagen durch Ausnahme von Anleihen und Darlehen im 3n- und Auslande und die Gewährung von Darlehen im 3nlanbe an öffentlich-rechtliche oder gemischt-wirtschaftliche Unternehmungen zu fördern. Die Gesellschaft untersteht der Ausiicht des Deutschen Reiches. die durch einen Reichskommissar auSgeübt wird. Zum Aufsichtsratsvorsihenden wurde Reichsminister a.D.Dr. Bernhard Dernburg gewählt. Zum Vorstandsmitglied wurde Dr. Wil- helmi, Direktor in der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bestellt. Die ,Germania" nennt die Gründung einen weiteren tatkräftigen Schritt der Regierung zur Linderung der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit. Verhandlungen zur Beschaffung einer ersten Auslandanleihe dieses Instituts im Umfang von etwa 20 bis 25 Millionen Dollar sind bereits mit einem englischen und einem amerikanischen Bankenkonsortium ausgenommen worden, deren Mittel restlos zum Ausbau wertschaffender Anlagen verwendet werden sollen. Die Verteilung dieser Mittel wird in enger Zusammenarbeit mit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung durchgeführt werden, und xtoar in Form von Kredit e n, nicht von Subventionen, die von den Kreditnehmern zu verzinsen und zu amortisieren sind. Durch diese Regelung wird ein heilsamer Zwang auf bie Auswahl der zu bevorschussenden Projekte ausgcübt, da nur solchen Kreditnehmern Vorschüsse gewährt werden können, die in der Lage sind, die Rentabilität der vorgesehenen Anlagen nachzuweisen. Gleichzeitig erhält die Regierung durch diese Gesellschaft ein neues wirksames Mittel, um ein unsoziales Verhalten solcher Firmen zu verhindern, die bei dieser Gesellschaft um Kredite nach kommen. Denn sie wird selbstverständlich nur solchen Unternehmungen ihre Hilfe gewähren, die ihren Wünschen in bezug auf die Preis- und Sozialpolitik entgegenkommen und ihre Maßnahmen zur Behebung der gegenwärtigen Wirtschastsnot nicht durchkreuzen. Es besteht wohl kein Zweifel darüber, daß die Tätigkeit der neuen Gesellschaft allein nicht in der Lage ist, die gegenwärtige Krise zu überwinden, sondern daß sie erst im Zusammenhang mit den von der Regierung vorgesehenen großen Reformen, die erst nach der Reichstaaswahl zur Durchführung gelangen können, entscheidend und wirksam bekämpft werden kann. Trotzdem aber wird sie auch schon jetzt ein fühlbares Mittel zur Entlastung des Arbeitsmarktes und damit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung sowie zur Stützung der Konjunktur bilden. Oer Reichelarbeitsministef zur Vergebung öffentlicher Aufträge. Berlin, 1. August. (DTB.) Borfommniffe der letzten Zeil haben den Reichsarbeitsminister veranlaßt, die Befchaffungsressorts daraus hinzuweisen, dah e» nicht angängig Ist, öffentliche Aufträge an solche Firmen zu vergeben, die in den Beziehungen zu ihren Arbeitnehmern ein offenbar unsoziales Verhalten an den Tag legen oder durch ungerechtfertigte Heber- st u n d e n oder Wassenentlassungen, die nicht in der wirtschaftlichen Loge des einzelnen Betriebes begründet sind, den Zwecken zuwiderhandeln, die die Reichsregierung mit dem Ar- beitsbeschafsungsprogramm verfolgt. Wie wir erfahren, hak Reichskanzler Dr. Brüning auf Anregung des Reichsoerbandes der Deutschen Industrie die Führer der deutschen wirtschaft zu einer Besprechung in die Reichskanzlei geladen, um mit den Wirt- schastsführern über die aktuellen Dirkschaftssragen zu beraten. Wchlgemeinschast der Ritte. Die Äräflcgruppicrungcn im Aufmarsch zum Wahlkampf werden nun auch in der Mitte deutlicher. Die vergangene Woche hat mit der Gründung der Deutschen Staatspartei durch Demokraten und Iungdeutsche und der zu einem gewissen Abschluß gekommenen Sammlungsaktion des volksparteilichen Parteiführers Dr. Scholz wcfenlliche Klärung gebracht. Die Dinge sind keineswegs so verlaufen, wie wir uns eine Zusammenfassung der Mitte gedacht halten. Partei- bureaukratische Hemmungen, ideologische Voreingenommenheiten, eine superklug fein wollende, aber dabei arg danebengreisende Derhandlungstaktit, überraschender Mangel an Verständnis für osycho- logische Unwägbarkeiten haben schwere Fehler begehen lassen, für die den Beteiligten, wie wir furch« len, insgesamt im Wahlkampf eine gesalzene Rechnung präsentiert werden wird. Sollten sie nicht doch noch — wahrlich in letzter Stunde — sich dazu aufraffen, statt sich gegenseitig kurz vor der Schlacht, die sie in gleicher Front sehen müßte, zu ocr- stänkern und auseinanderzumanövrieren, sich aus das Gemeinsame zu besinnen und auf die fern oller hochsliegenden, die Abgrenzungen nach recht» und links programmatisch scharf betonenden Partei- ideale liegenden, sehr greifbaren und sehr prat- tischen Aufgaben der Stunde? Es geht doch nicht im entferntesten mehr darum, ob die eine ober die andere Partei die alleinseligmachende liberal» Gesinnung am unverfäschten vertritt, ober ob di» eine ober bie andere Gruppe den konservativen Staatsgedanken in seiner absoluten Reinheit gepachtet hat, ob Bindungen mit dieser ober jener Partei ober Gruppe zur Rechten ober zur Linken sich mit den Parteigrundsätzen vertragen ober nicht. Die Stunde fordert von der Mitte eine ganz an- bere, weit großzügigere Entscheibung, frei von allen bisherigen Parteischablonen. Heute kann es sich nur noch barum handeln, ob es der großen Mitte — wir verstehen darunter die Parteien von den Kon- seroativen über das Zentrum bis zu den Liberalen — gelingen wird, die staatsbejahenden Kräfte de» deutschen Bürgertums in Stadl und Land, soweit es sich zur individualistischen Wirtschaftsaufsassung be- kennt, Unternehmer, Angestellte und Arbeiter, freie Berufe und Beamte am 14. September lückenlos an die Wahlurne zu bringen. Das ist von Wahl zu Wohl schwerer geworden. Gerade im breiten Bürgertum haben allzu viele, des müßigen Parteienstreits überdrüssig, durch bie politische Zersplitterung entmutigt unb verzweifeln!) an einer Gesundung des Staates, sich vom politischen Leben zurückge.wgen und auf die Mitwirkung bei der politischen Willensbildung durch Ausüben ihres Wahlrechts verzichtet. Nur so konnte, unterstützt von der wachsenden wirtschaftlichen Not, eine politische Machtoerschiebung Platz greifen, die weder der tatsächlichen Loge entspricht, noch für unsere inner- wie außenpolitische Entwicklung in dem vergangenen Jahrzehnt von Segen war. Wenn die bürgerliche Mitte zur Sammlung ruft, so muh immer und immer wieder der Auffassung entgegengetreten werden, als ob es sich dabei um das Ziel handle,, die Sozialdemokratie von der Leitung des Staates auszuschließen, sie wieder in ihre grundsätzliche Oppositionsstellung zum Staate zurückzudrän- gen. Nein, die Sünden der Bismarckschen und Wilhelminischen Aera reizen keineswegs zur Nach, ahmung. Aber dieser Staat, die deutsche Republik des Nachkriegsjahrzehnts, ist ja ganz ausgesproche- normalen unter sozialdemokratischer Mitwirkung aufgebaut unb ausgebaut worden. Die Sozialdemokratie hat dank ihrer eigenen Geschlossenheit wie dank der Indolenz des Bürgertums und der Zer- fplitterung der politischen Kräfte im bürgerlichen Lager auf die Gestaltung der Reichsoerfassung, auf die Handhabung des parlamentarischen Systems, auf die soziale Gesetzgebung, auf die Führung der Außenpolitik, um nur einiges herauszugreifen, in fast ununterbrochener Folge maßgebenden Einfluß ausgeübt. Es ist verlogene Demagogie, wenn man im Angesicht dieser tatsächlichen Enwicklung von „Ausschaltung" der Sozialdemokratie spricht, sobald ein bürgerliches Kabinett, meist sogar in der Minderheit und von sozialdemokratischer Duldung weitgehend abhängig, in der Regierung sitzt. Darum wird es sich allerdings in diesem Wahlkampf über das allernächste innerpolitische Ziel einer Mehrheit für das Brüning-Dietrich.Schielesche Reformwerk hinaus handeln, daß das Bürgertum — Bürgertum in dem oben umschriebenen Sinne der Gemeinschaft aller auf dem Boden einer privatwirtschaftlichen Staatsauffassung Stehenden — sich den Anteil am Staate zurückerobert, der ihm schon seiner zahlenmäßigen Stärke nach, mehr noch aber feiner wirtschaftspolitischen unb kulturellen Bedeutung für da» Volksganze entsprechend zukommt. Nur dann kommen wir zu einem gesunden Ausgleich aller polt- tischen Strafte, der Staat und Wirtschaft vor den unabsehbaren Folgen einseitiger sozialistischer Experimente bewahrt und eine gewiß mühsame, aber gesunde und stete Aufwärtsentwicklung zu Nutz und Frommen aller Dolksteile gewährleistet. Wahloerdrosienheit und politische Gleichgültigkeit des sich zur konservativen ober liberalen Staatsauffassung befennenben Bürgertums — bas Zentrum als klerikale Partei mit annähernd gleichbleibendem Wählerstamm kann hier außer Betracht bleiben — gründen sich vor allem in der Verkalkung unteres Parteiensystems, in der Entfremdung zwischen Parteien und Urwähler, die neben dem, dem deutschen Dolkscharakter nun einmal eigenen, aber gefährlichen Hang zur Eigenbrötelei zum Entstehen zahl- loser, kleiner unb kleinster Parteien und Gruppen geführt haben. Das brauchte nicht unbedingt ein» Schwächung bedeuten, wenn wie z. B. in Frankreich die Persönlichkeit des Kandidaten bei den Wahlen die überwiegende Rolle spiette, nicht aber das Parteiprogramm und eine nach taktische» Interessen unter Berufsschichten und wirtschaftlichen Machtgruppen sorgfältig aufgeteilte Liste vor, der breiten Oeffentlichkeit meist unbekannten Namen. Erst im Parlament schließen sich in Frankreich die gewählten Deputierten zu Fraktionen zusammen, die dann, an sich nicht minder zersplittert wie bei uns, sich häufig erst ad hoc für das eine oder andere Gesetzgebungswerk zu einer Mehrheit zusammenfinden. Leicht ist also das Regieren auch in Paris nicht. Aber dcrftärkere persönliche Kontakt des einzelnen Deputierten oder Senators mit seinem Wahlkreis hält das Interesse der Wählerschaft weit reger wach und fördert einen steten Gedankenaustausch, von dem bei uns kaum noch ernsthaft die Rede sein kann. Es ist zweifellos ein Verdienst des Reichspräsidenten und des Kabinetts Brüning, einer Auflockerung des deutschen Parteiensystcms Bahn gebrochen zu haben. Die Bildung einer neuen Konservativen V o l k s p a r t e i, die mit den Ehristlich-Sozia len und der Christlich- Nationalen Bauern- und Landvolk- Partei zusammen in den Wahlkampf marschieren wird, ist das erste Ergebnis dieser Auflockerung und Neuorientierung. Damit stellt sich endlich wieder eine starke konservative Gruppe zur ver- antwortungsbewußten freudigen Mitarbeit am Staate von heute zur Verfügung, die zum Ausgleich der politischen Kräfte allzulange schon entbehrt werden mußte. Die Liberalen aller Schattierungen haben leider weniger glücklich vperiert. Schon in der zweiten Wahlwochc hatte der Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz, an frühere, damals vergebliche Sammlungsbcstrebungen anknüpfend, die Konservative Dolkspartei, Landoolkpartci, Wirtschaftspartei und Demokraten zu Verhandlungen über eine Sammlung der Mitte cingeladcn. Dazwischen platzte, offenbar nicht allein für die breitere Oeffentlichkeit üverraschend, die Gründung der Deutschen Staatspartei durch führende demokratische Politiker mit dem Parteivor- sitzenden K o ch - W e s e r an der Spitze und durch die Volksnationale Reichsvereinigung des Jung- deutschen Ordens unter Führung Arthur Mahrauns. Wir haben diese Gründung, so überraschend sie auch uns kam, begrüßt als eine mutige, befreiende und klärende Tat, die geeignet sein konnte, mit frischer Energie aus den sumpfigen Niederungen varteibürokratischer Enge hinauszuführen in die freie Atmosphäre, die zwischen verantwortungsbewußten, entschlußfreudigen Persönlichkeiten herrschen muß, soll etwas Hieb- und Stichfestes zustande kommen, ohne vorher an den Hemmungen und Reibungen der Nichtsalsparteibonzcn — um) die gibt es überall — zu scheitern. Wir waren auch nicht begriffsstutzig genug, nicht einzusehen, warum Herr Koch-Weser darauf verzichtet hatte, den parteiamtlichen Apparat der an der Gründung einer Sammelpartei interessierten Nachbarn zur Rechten von seinem Vorhaben in Kenntnis zu setzen, er hatte ja auch die eigene Parteibürokratie aus naheliegenden Gründen nicht bemüht. Wenn wir also für diesen Schritt Sympathie zeigten und wenig Verständnis übrig hatten für das verärgerte und kleinliche Gemäkel, mit dem das parteiamtliche Organ der Volkspartei die Neugründung begleitete, so allerdings unter der uns selbstverständlich dünkenden Voraussetzung, daß die Gründer, wenn auch nicht mit der Parteibürokratie, so doch um so enger m i t führenden Persönlichkeiten derVolks- partei und der Wirtschaftspartei Fühlung genommen und sich ihrer Zustimmung versichert hatten. Aber nicht nur das sollte sich als Trug- schluß Herausstellen, es fehlte in Wahrheit auch an der Unterstützung der „jungen Dolksparteiler" mit der man offenbar recht voreilig vor der Oeffentlich- keit.operiert hatte. Die Deutsche Staatspartei kommt also auf eine demokratisch-jungdeutsche Gründung heraus, die, wie sich bald Herausstellen sollte, überängstlich darauf bedacht ist, ihre Grenzen nach rechts Hill nicht zu weit zu stecken, obwohl der außerparlamentarische Führer der neuen Partei, Arthur Mahraun, im wohlverstandenen Interesse seiner jungdeutschen Gefolgschaft, die Notwendigkeit einer Frontverlängerung nach rechts besonders betonte und einen scharfen Trennungsstrich zu dem pazifistischen Flügel der ehemaligen demokratischen Partei zog. Unter diesen Umständen wird man es nachträglich immerhin begreiflich finden, daß der Führer der Volkspartei, Dr. Scholz, nicht ohne weiteres auf seine eigene, erheblich weiter gesteckte Sammlungsaktion verzichtete, zumal ihm bei einem Zusammenschluß mit der neuen Deutschen Staatspartei sehr daran liegen mußte, auch d i e Wirtschaftspartei mit einzubeziehen. Wenn er noch' wei - ter ausgreifend an eine gemeinsame Front von Westarp bis Koch-Weser gedacht hat, so wäre eine Zusammenarbeit auf breitester Basis durchaus zu begrüßen gewesen, wenn es sich darum gehandelt hätte unter selbstverständlicher Wahrung des Burgfriedens miteinander gemeinsam Grundsätze für die Vertretung des Reformwerks der Reichsregierung festzulegen und eine Fraktionsgemeinschaft im neuen Reichstag vorzubereiten. Auch eine Listenverbindung hätte sogar erwogen werden können, aber eine feste Parteiorganisation, die alle Gruppen von den Konservativen des Grafen Westarp über Christlich-Soziale, Landvolk, Wirtschaftspartei, Dolkspartei bis zu der neuen Staatspartei Kochs und Mahrauns umfaßt hätte, wie sie Herrn Dr. Scholz auch über diesen Wahlkampf hinaus offenbar oorschwebte, halten wir für eine Utopie. Wir können nicht an die Nützlichkeit einer solchen festen Vereinigung von Konservativen und Liberalen glauben. So abgeschliffen auch beide Staatsauffassunaen für die große Masse der Wähler fein mögen, instinktmäßig sind sie auch hier noch deutlich spürbar, und mögen sich die politischen Träger beider Maximen aud) für die Bewältigung bestimmter Aufgaben zusammenfinden, so gibt es doch Probleme — man denke nur an die Kulturpolitik — die früher ober später eine Scheidung der Geister bedingen. Wir mödjten aber auch die Zweckmäßigkeit einer solch weit umspannenden Parteioraani- [oiion für den gegenwärtigen Wahlkampf bezweifeln. Wir glauben, bah es mit einem gemeinsamen Wahl- aufruf und der Bindung auf eine Fraktions. oder Arbeitsgemeinschaft im künftigen Parlament bei dem nun einmal in Rechnung zu stellenden Hang des deutschen Wählers nach kleinen Parteien feines eigenen persönlichen Geschmacks eher gelingen wird, durch intensive Arbeit jeder einzelnen zur Wahl- gemeinschaft der großen Mitte gehörigen Partei in den ihr nahestehenden Volksschichten unter strenger Wahrung des Burgfriedens und ausdrücklicher Betonung der gemeinsamen Front das Bürgertum lückenlos an die Wahlurne zu bringen. Daß die Deutsche Staatspartei sich dieser, nach dem Scheitern engerer Zusammenschlußbestrebungen von Dr. Scholz vorgeschlaaenen Wahl- und späteren Arbeitsgemeinschaft versagt hat, ist unerfreulich für das Ganze und ein schlechter Auftakt für die junge Partei selber. Die Begründung für Oie Gchinkelwache als Berliner Gedächlnismal für die Gefallenen. Wie schon am Donnerstag mitgeteilt wurde, hat die preußische Regierung im Einverständnis mit ber Reichsregierung beschlossen, bic berühmte Sch Intel s ch e Wache Unter ben ßinben gegenüber dem Opernhaus nach ben der breiten Oeffentlichkeit bislang unbekannt gebliebenen Plänen von Professor Tessenow zu einer Gedächtnis st ätte für bie Gefallenen auszubauen. Wir hatten für den Gebauten an sich volle Sympathie. Auch der Reichspräsident stand der Idee sympathisch gegenüber. Der Plan Tessenows sowohl, wie auch die bureaukratische Eigenmächtigkeit, mit ber bie preußische Regierung ohne Fühlungnahme mit ber Bevölkerung nach burchaus absolutistischem Muster bie Einrichtung einer Gedächtnisstätte „verfüg t", hat in allen Kreisen, bis weit in bie sozialistische Presse hinein, Befremben und Widerspruch erregt. Der bekannte Architekt Prof. Bodo Ebhardt stellt ber Telegraphen-Union auf ihre Anfrage folgende Stellungnahme zur Verfügung: Der Reichsausschuß für bas Reichsehrenmal ist an ben Verhandlungen und Entschlüssen über die Umbildung der Alten Wache zu einem Ehrenmal für Berlin in keiner Welse beteiligt. Allgemein bekannt dürfte aber sein, daß der Gedanke einer solchen Verwertung der Alten Wache vom Reichspräsidenten bereits vor längerer Zeit befürwortet ist. Der betrübende Zustand, daß in der Reichshaupt st adt ein Ehren m a l überhaupt nicht bestand, an dem Ausländer, die solche Wünsche immer wieder vorgetragen haben, einen Kranz niederlegen konnten ober eine Ehrung ber deutschen Gefallenen hätten vornehmen können, kann unter Umständen als Entschuldigung für den überhasteten und ohne Fühlung mit bem deutschen Volke gefaßten Entschließung dienen. Damit ist freilich eine großeGelegenheit ver- säumt, auch in Berlin ein Denkmal zu schaffen, das mit dem Herzen des Volkes zusammenhängt. Auch die Beschränkung der künstlerischen Ent- rourfsfinbung auf einen einseitig flujamme n g e ft eilten engen Kreis von Künstlern entspricht in keiner Weise der Gröhe ber Aufgabe ober ber in einer Demokratie (elbftoer- stänblichen Beteiligung aller vorhanbenen künstlerischen Kräfte an einer großen vaterländischen Auf- gäbe. Zu der Umwandlung ber Schinkelschen Wache nimmt auch das sozialdemokratische Blatt ber „A b e n b" kritisch Stellung. Das Blatt schreibt unter anberem: Zu der ministeriellen Verlautbarung ist zweierlei zu bemerken und man möchte hoffen, daß diese Proteste nicht auf bem Papier ber öffentlichen Meinung bleiben, üderbieunserhoher Bureaukratismus s l ch mit souveräner Mißachtung hinwegsetzt, sondern daß sie von tulturberoufoter Stelle im Preußischen Landtag aufgegriffen und zur Sprache gebracht werden. Zunächst gibt es im Entwurf von Tessenow einige schwache Stellen, die nicht unverändert ausgeführt werden können. Zweifellos muß aber immer wieder gegen bie Eigenmächtigkeit Einspruch erhoben werben, mit der unsere Behörden sich in künstlerischen Fragen über bie öffentliche Meinung, jaüoereinfacheStaats- bürgerrechte Hinwegsetzen. Das Prinzip biefes Bauabsolutisrnus, das im preußischen Finanzministerium sein stärkstes Bollwerk besitzt, ist unmöglich. ihre Weigerung war dazu noch so fadenscheinig wie nur möglich: Zentrum und Bayrische Volk s partei sollten den geplanten Wahlaufruf mitunterzeichnen, für ben neuen Reichstag aber wolle man sich jedeFreiheitdes Hanbe 1 ns vorbehalten. Es ist bie alte Taktik ber Demokraten, bie auf bie Tuchfühlung nach links nicht glaubt verzichten zu können. Man darf gespannt sein, wie sich in Zukunft Mahraun und ber Iungdeutsche Or- ben hierzu stellen werden. Das Zentrum ist bie Antwort an Herrn Koch nicht schuldig geblieben. Die „Germania" schreibt mit betonter Schroffheit, die Staatspartei wolle sich dem Rufe des Herrn Dr. Scholz entziehen und suche einen Vorwand, um aus der ihr unangenehmen Situation herauszukommen, dafür scheine ihr das Zentrum gut genug zu fein. Die spitzfindige Taktik des Herrn Koch- Weser ist allerdings wenig geeignet, den Vorwurf volksparteilicher Kreise zu derftreuen, als ob es sich bei ber Gründung der Deutschen Staatspartei aus- schließlich um ein demokratisches Unternehmen handele, das durch Hinzuziehung des Iungdoutschen Ordens bei der jüngeren Generation um Sympathien werben wolle, dem aber an einer wahren Sammlung ber Mitte wenig ober gar nichts gelegen sei. Wir möchten jeboch vorläufig die Hoffnung nicht aufgeben, daß trotz der schweren taktischen und psychologischen Fehler der letzten Woche, die ernsthaften und ehrlichen Anstrengungen um die Einbeziehung ber Staatspartei in bie große bürgerliche Wahl- und Arbeitsgemeinschaft sowohl, wie auch die ebenso ehrlichen Bemühungen um einen engeren organisatorischen Zusammenschluß des liberalen Bürgertums von beiden Seiten nicht vorzeitig auf- gegeben werden. Das große Ziel würde die Mühe lohnen! Keine Strafaussetzung bei Verurteilung wegen Waffentragens. Strenge Verfügung in Preutzen. Berlin, 1. Aug. (WTD. Amtlich.) Der preußische Iustizminister Dr. Schmidt hat eine Verfügung erlassen, in der auf die Verordnung des Reichspräsidenten über den Waf f enmih- brau ch auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung hingewiesen wird und eine Umwandlung der Gefängnis- in eine Geldstrafe nicht für zulässig erklärt wird (§ 27 StGD.). Soll der Zweck der Der- ordnung, so heißt es weiter, erreicht werden, so wird die verhängte Gefängnisstrafe in der Regel unnachs ichtlich vollstreckt werden müssen. Ohre bedingte Aussetzung mit Bewährungsfrist wird nur ganz ausnahmsweise beim Vorliegen besonderer Umstände gewährt werden dürfen. Auch die bedingte Aussetzung eines Telles der Strafe wird grundsätzlich nur in Frage kommen, wenn mindestens drei Monate der Strafe voll- streckt find. — Man darf wohl annehmen, daß diese erfreulich rigorose Verfügung des preußischen Oustizministers auch in den anderen Ländern bald Nachahmung finden wird, namentlich auch In Hessen, wo angesichts deS erstaunlichen älrteils der Berufungsinstanz im Wormser Aufruhrprozeß eine rücksichtslose Durchführung der Notverordnung über den Waffen- nnßbrauch besonders am Platze ist. Aniikriegskundgebungen in Berlin. Berlin, l.Aug. (WTD.) Die Sozialdemokratische Partei hatte anläßlich des 1. August zu einer Kundgebung gegen den Krieg aufgefordert. Ort der Kundgebung war der Lustgarten vor dem Schloß. Die Kommunistische Partei hatte ebenfalls ihre Anhänger zu einer Antikriegsdemonstration versammelt, die auf dem Winterfeldt-Platz im Westen stattfand. Die Polizei, die auf höchster Alarmstufe stand, leitete die Demonstrationszüge durch die Auf- marschstrahen, so daß jeder Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten vermieden werden konnte. Die Dezirksgruppen der Sozialdemokraten erschienen unter Führung von 20 Kapellen im Lustgarten. Mehrere hundert große rote Fahnen und Transparente mit Inschriften gegen den Krieg und gegen den Faschismus wurden von den Zügen mitgeführt. DaS Reichsbanner hatte den Schutz- und Ordnungsdienst gestellt. Crispien hielt eine Ansprache. Der Straßenaufmarsch der kommunistischen Züge zur Antikriegsdemonstration, die auf dem Winterfeldt-Platz ftattfanb, zeigte ebenfalls zahlreiche rote Fahnen und Transparente mit der Aufschrift .Nie wieder Krieg!", ferner Gruppen von Kriegsbeschädigten in Fahrstühlen und Blinde mit ihren Hunden. Besonders fiel die erhebliche Zahl von Motorrädern der kommunistischen Kraftfahrabteilungen auf. Die Polizei muhte an verschiedenen Stellen einschreiten. 3n einzelnen Zügen verfrühten Anhänger des Rotfrontkämpferbundes in verbotener Uniform mitzumarschieren. Sie wurden aus dem Zuge heraus verhaftet. Der Kommunistenaufstand in China. Tschangtscha von Nankingtrnppen zurückerobert. Nanking, l.Aug. (WTD.) Wie das Ma- rlnemlniftertum amtlich bekannt gilbt, hat es einen Funkspruch des chinesischen Kanonenbootes „Vungtscheng" erhalten, wonach dieses nach einer Beschießung der Stellungen der roten Truppen Tscha ngtscha heute wiedererobert habe. Das Kanonenboot landete Marinesoldaten, die bis zur Ankunft von Truppen aus Hankau den Patrouillendienft in der Stadt versehen. Nach einer in Schanghai eingetroffenen Meldung sollen die roten Truppen, die Tschangtscha geräumt haben, in nordöstlicher Richtung auf Hankau marschieren. Tschi- angkaischek hat Truppen von Tschungking nach Hankau zur Verstärkung entsandt. Tschiangkai- scheks Plan soll ein groß angelegtes strategisches Flankenmanöver sein. Er wirft zur Zeit fünf Divisionen auf dem Seewege nach Tsingtau, von wo sie mit der Eisenbahn nach Tsinan befördert werden sollen, um die in Schantung stehenden Truppen der Nordarmee von der Seite her aufzurollen. Vom kommunistischen Hauptquartier in Schanghai ist eine Proklamation für einen allgemeinen Aufstand der Kommunisten in den Provinzen Hupei, Hunan und Kiangsi erlassen worden mit der Absicht, Hankau wenn irgend- möglich morgen zu erobern. Die Kommunisten verfügen im Gebiet von Mittelchina über etwa 60 000 Mann, die mit 45 000 Gewehren, einer großen Anzahl von Feldgeschützen, Flugzeugen und Funkstationen ausgerüstet sind. In Hankau befinden sich nur noch einige ausländische Konsuln und Angestellte führender Gefellschaften, die jedoch vorläufig auf einem britischen Kanonenboot untergebracht sind. Das Kanonenboot „Aphis" ist gestern mit 49 Flüchtlingen aus Tschangtscha, darunter zwei Amerikanern, neun Franzosen, zwölf Engländern und vierzehn Deutschen in Hankau eingetroffen. Aus aller Wett. Der hessische Staatspräsident dankt Dr. Usinger. Staatspräsident Dr. Adelung hat an den Landeskommissar für die besetzten Gebiete Geheimrat Dr. Ufinger ein Schreiben gerichtet^ in dem es u. a. heißt: Es drängt mich, Ihnen den Dank und die Anerkennung der Hessischen Staatsregierung auszusprechen für die wertvollsten Dienste, die Sie unserem Lande in langer schwerer Not- und Besatzungszeit geleistet haben. Sie hatten bis zur Räumung als Bevollmächtigter der Hessischen Staatsregierung beim Oberkommando der Rheinarmee die Interessen des Landes und insbesondere der Bevölkerung des besetzten Gebietes wahrzunehmen. Sie sind diesen überaus schwierigen Aufgaben mit Takt, Besonnenheit und großem Geschick gerecht geworden und dürfen aus dem Amte scheiden in dem stolzen Bewußtsein, mit dem vollen Einsatz Ihrer Person das erreicht zu haben, was in dieser schweren Zeit zu erreichen möglich war. Das Ihnen heute zu bezeugen, ist mir Herzensbedürfnis. R 100 in Kanada gelandet. Das Luftschiff R 100 ist nach Beendigung seiner tranSatlantifdxm Fahrt am Freitag um 4.20 llbr Ortszeit (10.20 MEZ.) auf dem Flugplatz St. Hubert bei Montreal glatt gelandet. R 100 befand sich über dem St. Lovenzstrom längere Zeit i nein er sehr kritischen Lage. Das Luftschiff geriet in einen Hefti gen ©ctoitter* sturm, der die Geschwindigkeit zeitweilig auf etwa 25 Kilometer in der Stunde herabminderte. Das Luftschiffi dessen eine Stabilisierungsfläche einen sieben Meter langen R i h aufwies, kämpfte mühselig gegen den starken Gegenwind und die sintflutartigen Regengüsse an. Der Schaden konnte nur notdürftig ausgebessert werden. Flieger, die R 100 entgegengeflogen waren, berichten, daß die Bespannung größtenteils in Fetzen gerissen war. 3n Montreal gingen wilde Gericht« über daS Schicksal des Luftschiffes um. Es hieß, daß es bei Quebec eine Notlandung in schwer havariertem Zustande horgenommen habe. Die Gerüchte erwiesen sich jedoch als unbegründet. hlrlh und Deller auf Island gelandek. Die deutschen Flieger Hirth und Weller, die am Freitag um 16.10 Uhr Im Horna-Fjord gesichtet wurden, sind um 19.30 Uhr bei Kaladarnäs an der Südküste von Island gelandet. Es ist dies der Ort, wohin die Reykjawiker Flugerpeditton gegangen war, um die Landung oorzubereiten. Das Wetter ist auf der Ueberfahrt einigermaßen gut gewesen. Nördlich von den Farör-Jnseln haben sie Nebel angetroffen. Während des Fluges wurde der Höhenmesser unbrauchbar, was das Fliegen sehr erschwerte. Die Flieger werden im Laufe der Nacht in Neykjawik anKommen, wo sie ohne Zweifel mehrere Tage verbleiben werden. Bau eines englischen Riesendampfers. Aus Liverpool wird gemeldet, die britifdje Regierung habe sich bereiterklärt zur Heber* nähme eines Telles der Versicherungssumme, um der Cunard-Linle die Gelegenheit zu geben, einen Riesen- darnpfer von über 70 000 Tonnen zu bauen. Das Schiff ist dazu bestimmt, den deutschen Schnelldampfern „Bremen" und „Europa" den Atlantikrekord womöglich wieder zu entreißen. Die Baukosten werden auf ungefähr sechs Millionen Pfund Sterling bezifferte Die Versicherungssumme wird zur Hälfte von frrr Regierung übernommen werden. Darlene Dietrich bleibt bei Paramount. Die Berliner Vertretung der Paramount-Fllm- gesellschaft erklärt zu den in der Presse veröffentlichten Gerüchten über den Boykott amerikanischer Frauenorganlsationen gegen die in Hollywood arbeitende Marlene Dietrich, daß daran kein wahres Wort fei. Der Berliner Vertreter der Paramount hat auf Anfrage aus Hollywood folgendes Telegramm erhalten: „Absolut nichts Wahres an Dietrich-Affäre. Ihre Mitwirkung im Film „Marokko" bedeutet eine Sensation, wir werden unmittelbar anschließend den zweiten Film in Angriff nehmen," Schwere Gasexplosion. In der Nacht zum Mittwoch waren einige Arbeiter der Aktiengesellschaft für Stickstoffdünger in Knapsack bei Köln damit beschäftigt, in dem dafür eingerichteten Raum ihre vom Werk an alle Arbeiter ausgegebenen Gasmasken auf ihre Dichtigkeit zu erproben. Die Arbeiter waren unter Führung eines Feuerwehrmannes in den Raum hinein- gegangen, hatten die Gasmasken angelegt und warteten auf das Anstecken der Patrone, die ein Reizgas, das auf die Augenschleimhäute wirkt, enthält. Kaum hatte der Feuerwehrmann die Gaspatrone entzündet, als eine furchtbare Explosion entstand, die den ganzen Raum in Flammen hüllte. Der Feuerwehrmann riß die Tür auf und gab ein Zeichen, daß man sich draußen hinlegen und auf der Erde wälzen sollte, um den Brand der Kleider zu löschen. Die Arbeiter folgten aber dem Beispiel des Feuerwehrmannes nicht und rannten mit brennenden Kleidern ins Freie. Mit schweren Brandwunden wurden fünf Arbeiter in Kölner Krankenhäuser geschafft. Inzwischen sind zwei von ihnen gestorben. Auch die übrigen drei schweben noch in ßebensge- fahr. Man vermutet, daß in dem neben dem Prüf- raum gelegenen Abort vor der Prüfung geraucht worden ist. Demnach könnten die Reizgafe durch die Türritzen in den Abort eingedrungen fein und sich dort an einer glimmenden Zigarette entzündet haben. Oie Weiterlage. .Jan Mayen. 15 5Se: Vai. ri',sow. dcschlag- nabmefreie tchöne 3-ZimmerWobng. mit allem Zubehör «ganzes Hausi ab 1. 10. 30, eotl. früher Löberstr. 19 H. Schristl. Anlrag. an C. Lobfink, Rtttiif- mrt a.M^Wendets- weg 105. 5330D Garage frei BiSmarckttr. 7. kilgmmm Löwcnaaffe 11 zu Denn. 9inb. 45891) A. Becker, Kepler- strafte 91. Tel. 3804. Garage zu vermieten KaiicraUci 45. Dortselbst ein 6 20PS- Brennavor Wagen offen, durchrepariert, neu bereift, in ein- wandsrelemZustand elektr. preiswert abzugeben. 54171) Meine Schlosserei ist ab l.Sevt. ander- weit. zu verp. 04842 Herm. Lctzerzapf. Atterweg 23 Htb. .11 ietgesnehe. Atze belßöfiUDfl demjenigen, der mir eine schöne 5-6-Zimm.-Wohn. sofort oder per 1. 9. beztehb.'fo nachweiit, darr diese bezogen werden kann. Schr. Angeb. unt. 04836 an den Giefr. 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Alljährlich bei Wiederkehr des ersten August feiert die schweizerische Eidgenossenschaft ihren Nationalfeiertag, den Tag, an dem im Jahre 1291 die drei Männer von Uri, Schwyz und Unterwalden aus dem tannenumrauschten Rütli am idyllischen Vierwaldstättersee zuiammenkamen, um endgültig und für ewige Zeiten die Schweiz zu gründen. Das war siebzehn Tage nach Kaiser Rudolphs Tod. Was diese biederen Talleute bewegte, legten sie feierlich im lateinisch abgefahren Bun- desbries nieder, der heute im Archiv von Schwyz aufbewahrt ist und also anhebt: „3m Namen Gottes des Allmächtigen! 3n einer gefähr- lichen und schlimmen Zeit, wo man vor Beschwerden und Beleidigungen, vor Gewalt und Angriff nicht sicher ist, wollen wir uns und das Unfrige schirmen. Darum geloben wir uns in guten Treuen, uns mit Rat und Tat, mit Leib und Gut, nach bestem Vermögen beizustehen und Hilfe zu leisten innerhalb der Täler und außerhalb, gegen alle und ede, die uns Gewalt, Beschwerde und Unrecht zu- ügen. einen Einzelnen oder einem ganzen Teil, lnd darauf leisten wir ohne Gesährde einen guten eierlichen Eid, durch den wir die alte Vertrags- urkunde erneuern " Dieser denkwürdige Ahnenschwur trug keinen Revolutionscharakter, vielmehr war er eine Auflehnung gegen die Gewalt, ein flammender Appell an das Recht. Das Recht wollten sie bewahrt wissen, aus immerdar. Darum schlossen sie die Eidsurkunde mit den Worten: „Alles, was hier oben geschrieben, beschlossen und für die gemeine Wohlsahrt heilsam verordnet worden, soll, so der Herr will, ewig dauern " So ist der erste August der Ge- burtstag der schweizerischen Eidgenossenschaft. Die- es Jahr konnte die Schweiz das 639jährige Ge- lenken an jene historische Tat begehen, und sie eiert ihre Gründung auf besondere Weise. 3m ScgensaN zu anderen Ländern ist der schweizerische Nationaltaa kein gesetzlicher Festtag, er ist e i n g e - wohnlicher Werktag, aber durchweht und durchwebt von ernster Feierlichkeit, die allüberall ihre Strahlen ausbreitet. Die mühevolle Arbeit in den Fabriken, den Werkstätten, den Bureaus und auf Feld und Flur, bestärkt an diesem Tag in be- sonderer Weise das Dolksbewußtsein und ist beredte Bestätigung des segenspendenden Wahlspruchs der Männer von 1291: „Einer für alle, alle für einen". Nach zwei Stunden des Werkens aber gehört der Feierabend ganz dem Vaterland und überall schart man sich zur Bundesfcier zusammen, dem Vaterland gebührt die Weihe, ihm die Huld. Wenn die Dämmcrschatten sich ausbreiten, schwingen im ganzen Lande die Glocken aller Kirchen, und ein Läuten und 3ubeln isl's vom Lac Lcman bis zum Bodensee, vom 3urakalk bis zum Berninaschnce, und hoher und begeisternder schlägt eines jeden Schweizers Herz. Auch der August 1930 war erfüllt von geheimnisvoller Feierstimmung, besonders an den Usern des unvergleichlichen Dierländersccs, der seit uralter Zeit die Wiege der Schweiz betreut. Auf dein großen Kurplatz von Luzern, der internationalen Fremdcnstadt drängte sich in stiller Erwartung eine gewaltige Menschenmenge: Schweizer und Ausländer. Punkt mit dem schweren Acht- uhrstundenschlag erklangen in voller Harmonie die Silbcrstimmen (ämtlidjcr Kirchen, und plötzlich mischte sich in ihren majestätischen Sang das gewaltige T)onnerrollen der zwciundzwanzig Kanonen- chüsse. Der jubelnde Glockenchor und das Dröhnen )er Schüsse eilten über den smaragdgrünen Wasser- piegel dahin, an den dunklen Felswänden des ge- chlofsenen Alpenkranzes ein wundersames Echo weckend, sie kühlen die Wiege im waldumsäumten Rütli, und vom Mutterboden eilte der Geburtstags- gruh zu jedem der zweiundzwanzig Söhne. Denn sie alle weilten in diesem Augenblick im Mutterhaus, am stillen Gebäude am See. Nachdem tiefes Schweigen in der Stadt und überm See wiederge- kchrt, intonierten Musikkapelle und Sängerschar das Das Vermächtnis. bon Melchior Vischer. 3n der albanischen Stadt Berati lebte Vari Bobba, mohammedanischen Glaubens, gleichwohl ober ein echter Nachkomme des großen albanischen Ahnen Alsksandros. Vari Bobba hatte viele 3ahre im Auslands gelebt: dort hatte er auch seine Reichtümer erworben, getreu dem alten albanischen Gesetz, das jedes Stehlen im eigenen Lande bestraft, das Stehlen im Auslande aber als Heldentat feiert, weil cs den nationalen Besitzstand des albanischen Volkes vermehrt. Vari Bobba hatte dennoch viele Feinde, weil es auch in Albanien kleinliche Menschen gibt, die reiche Menschen nicht leiden mögen. Der reiche Vari Bobba halte viele Pferde. Er war ein großer Tierfreund: Pferde aber liebte er besonders. Er ließ sie u großen Hürden frei umherlaufen, Gras fressen und Wasser trinken. Vari Bobba wußte um ihr Geheimnis: dies war es: Sind die Pferde heiter, reiben sie ihre Hälfe an- einander und wiehern. Sind sie traurig, laffemjic ihre Köpfe hängen. Sind sie böse, schlagen sie aus. Vari Bobba wußte, daß ein freies Leben den Pferden gefällt. Nie ließ er es zu, daß man feine Pferde vor den Pflug spannte: denn das gefällt den Pferden nicht. Ihre Augen werden scheu und sind auf der Lauer. Sie denken nach, wie sie ihr derbes 3och abschütteln könnten. So lernen die Pferde das Denken. Unter allen Pferden war eines, das hatte sich Vari Bobba aus Persien mitgebracht. Es war sein Lieblingspferd und hieß Mirza. Eines Morgens war Mirza tot. Ein Feind Dari Bobbas hatte das Tier in der Nacht vergiftet. Vari Bobba war untröstlich. Er trauerte einen ganzen Tag um sein Lieblingspferd, aß und trank nichts. Auch die Pferdewärter bekamen nichts zu elfen. Dafür wurden sie aber zu Mittag und am Abend ausgepeitscht. Am nächsten Morgen ließ Dari Bobba Mirza in seinem Garten begraben. Er weinte dabei. Nur er und zwei Diener waren zugegen, als die letzte Erde über das tote Pferd geworfen wurde. Dann tarnen seine Freunde. Denn Dari Bobba hatte ein festliches Totenmahl Herrichten lassen. weihevolle Schweizer Nationallied: „Rufst du, mein Vaterland, siehst uns mit Herz und Hand all dir geweiht", und wie plötzliches Sturmesrauschen braust und hallte des Vaterlandes Gesang aus tausenden und aber tausenden Kehlen und woyte urgewaltig in der sanft ruhenden Seebucht hin. Deutsche, Franzosen, Engländer, Italiener, Hol- länder: Vertreter aller nahen und fernen Nationen fühlten sich mit den Schweizern eins, entblößten Hauptes und in tiefer Ergriffenheit, ehrten auch sie das Land mit dem weißen Kreuz im roten Feld. So feiert mit den Schweizern die internationale Welt das Geburtstagfest der schweizerischen Friedensinsel. 3nternationales und Nationales vereinigte sie in dieser seltenen Völker- bundsoersammlung in schönster Weise. Und als zum Schlußakt der Schwcizerpsalm „Trittst im Morgenrot daher, bete freier Schweizer bete" in seltsame Stille drang, jubelten nochmals der Glocken Stimmen — und die riesige Festgemeinde lauschte gibannt dem abendlichen Geläut. 3n majestätischer Ruhe lag der See, in schweigender Einsamkeit erhoben sich die ewigen Firne in die lautlose feierliche Nacht. Indessen tauchten an den Bergstirnen die ersten Lichter auf und gar bald loderten und glühten auf allen Bergeshohen flammende Freudenfeuer als Wahrzeichen der Schweizerfreiheit und zur neuerlichen Bestätigung des ehrwürdigen Rütlischwurs von 1291. Ringsum ward alles in erhabene traumhafte Stille getaucht, nur vom Wasserspiegel, auf dem sich mit bunten Lampions überstrahlte Boote wiegten, scholl weiches, venetianisches Flöten. Wo ist das Land, das den Gedenktag seiner Gründung so schlicht und doch so feierlich eindrucksvoll begeht, wie das der Eidgenossen? Den ganzen Hochsommermonat er- strahlen in den Abendstunden die feurigen Bundes- feierlichter auf ragender Höh! Nur ein Textschreiber...! Oie Magie des Inseratenteils der Tageszeitung. — Wie der Verkauf vervielfacht wird.—Wirkungsvolle Anzeigentexte. — Oie Werkstatt des Inseratenfachmannes. von Walter Gersky Der auf dem (Europaflug tödlich verunglückte Wolf Dietrich von Rebern war Tert- ichreiber einer großen Reklamesirma. Unser Mitarbeiter erzählt hier Unbekanntes über diesen bisher wenig beachteten, aber sehr aussichtsreichen Beruf. Wenn der junge, überall beliebte Herr von Redern in Gesellschaft erschien, mag man sich wohl ost hinter seinem Rücken erkundigt haben: „Was ist er? Textschreiber? Verfaßt er Texte für Lieder, Opern oder wofür eigentlich?" Dann erfuhr man, er schreibe kaufmännische Texte und stelle sein großes schriftstellerisches Talent in den Dien st des Warenverkaufes. Manche Leute mögen darüber die Nase gerümpft haben. Sie verstanden unsere Zeit nicht, sie hatten keine Ahnung, welche Ungeheure Macht im modernen Wirtschaftsleben das treffend angewandte Wort bar- stellt, der wirkungsvolle Satz, der dem Gehirn eines Textschreibers entspringt und auf dem Wege über den 3nferatentei( der Zeitung viele tausend Menschen in die Läden lockt. Ein solcher Satz zaubert Waren, die schwer wie Blei in den Regalen liegen, in die Heime der Kunden, und er kann unter Umständen die Lebensgewohnheiten ganzer Völker ändern. Eine wunderbare Macht übt der Schreiber von Anzeigentexten aus, eine Gewalt, wie sie in früheren Zeiten nur großen Führern der Menge gegeben war. Einst gab es zur Propagierung von Gedanken nur einen einzigen Weg: das gesprochene Wort. Es dauerte 3ahrzehnte und Iahrhunberte, bis sich eine neue 3dee ober die Möglichkeit, das Leben anders einzurichten, über das Land, über die Welt verbreitete. Heute erreicht man durch die Zeitung bequem und billig selbst den abgelegensten Ort. Aber erst in den letzten Jahren hat man eingesehen, daß es nicht genügt, dem Leser durch das gedruckte Wort mitzuteilen, diese oder jene Ware fei die beste und billigste der Welt. Um dem Inserat die größte Wir- kung zu geben, zieht man fähige Werbeschriftsteller heran, die hoch bezahlt werden. Ein einziger guter Text, in vielen Anzeigen wiederholt, ist imstande, große Warenmengen ins Rollen zu bringen, ohne baß ber Warenpreis dabei wirklich wesentlich durch die Reklamespesen erhöht wird. Und so kommt es, daß der Beruf eines Textschreibers recht lohnend geworden ist. Dieser Beruf ist noch nicht überfüllt; um ihn auszuüben, braucht man freilich nicht nur schriftstellerisches Talent, sondern auch eine umfassende Bildung, psychologischen Scharfblick und volkswirtschaftliche Kenntnisse. Wie sieht es nun in der Werksta11 des Textschreibers aus? Sein Handwerkszeug besteht nur aus Papier und Tinte ober aus einer Schreibmaschine; aber bevor er bie erste Zeile des zugkräftigen Textes niederschreibt, muh er eine lange Vorarbeit leisten, muß er sich selbst ein genaues Bild von der Ware machen. Er darf sich nicht auf die begeisterten Schilderungen des Fabrikanten verlaßen. Er muß hören, was die Kunden denken, welche Vorteile und welche Nachteile die Seife oder die Zigarette, der Rundfunkapparat oder die Rasierklinge in ihren Augen besitzen und was bas jeweilige Erzeugnis vor dem Konkurrenzpro- dukt voraus hat. Erst wenn die Ware und ihre Verwendungszwecke genau erforscht sind, zieht sich der Textschreiber in die Einsamkeit des Arbeitszimmers zurück und entwirft die Anzeige. 3mmer wieder stößt er sie um, feilt er sie zurecht, ändert er die Stellung der Worte und der Sätze, streicht er Ueberftüssiaes bis endlich noch schwerer geistiger Arbeit jener Text geboren ist, der „sitzt". An dem Erfolg des Inserates kann man fast auf den Pfennig genau überprüfen, ob der Textschreiber gute Arbeit geleistet hat. Hebt sich der Verkauf nicht entsprechend, so ist dies nicht die Schuld der Zeitung, deren Verbreitungsgebiet man ja genau kennt, und die in anderen Fällen größte Erfolge herbeigeführt hat. Die Schuld liegt daran, daß das wichtige Instrument des Inserates unge- schickt gehandhabt worden ist. Wenn an Werbetexte nicht derselbe Maßstab wie an dichterische Leistungen gelegt werden darf, so liegt das daran, daß sie ja nicht ergötzen, sondern den Verkauf heben sollen. Daß ihnen schriftstelle- rischer Schwung deshalb nicht zu fehlen braucht, beweisen viele sozusagen klassisch gewordene Werbetexte. Als im Jahre 1911 für den Druck der in Neuyork erscheinenden Zeitschrift „Munseys Maga- Sine" eine neue Maschine aufgestellt wurde, ver- aßte der Herausgeber ein später in zahlreichen Ibarten nachgeahmtes Inserat, eine Hymne zum Preis der neuen Maschine, in der es heißt: „Ich bin die Rotationspresse, geboren von der Mutter Erde. Mein Herz ist von Stahl, meine Glieder sind von Eisen, meine Finger von Erz. Ich finge die Gesänge der Welt, die Oratorien der Geschichte, die Symphonien aller Zeiten. Ich mache die Menschen- herzen schlagen mit Leidenschaft oder mit Zärtlich- feit. Ich bewege die Pulse der Nationen. Wenn ich spreche, horchen Millionen auf meine Stimme. Ich bin die Verkünderin aller Dinge, die das Men- schengeschlecht vollbrachte. Mein Erzeugnis kommt zu dir beim Licht der Kerze, beim Sonnenaufgang, am Mittag und am Abend. Ich bin das Lachen und Weinen der Welt, ich bin die Rotations- presse." Viele nüchterne Dinge, viele unangenehme Erscheinungen des menschlichen Lebens wurden vom Textschreiber mit Poesie umkleidet und über den Während des Mahles pries er die Vorzüge seines Lieblingspferdes laut. Immer und immer wieder. Das Totenfest dauerte bis nach Mitternacht. Am frühen Morgen wurde Vari Bobba von Bütteln des Stadtrichters verhaftet. Seine Feinde hatten anaezeigt, daß er ein Pferd mit allen mohammedanischen Totengebräuchen bestattet hatte. Als wäre das Pferd kein Tier, sondern ein wirklicher, albanischer Muselmann gewesen. Dadurch habe Vari Bobba den Großen Propheten gelästert und verhöhnt. Vari Bobba stand gefesselt vor dem Richter, der ein strenges und gerechtes Gesicht hatte. Zwei Büttel rechts und zwei Büttel links. Er in ihrer Mille. Der Stadtrichter konnte vor Zorn kaum ruhig sprechen; er fuhr den Gefangenen böfe an: „Du räudiger Floh, hast dich vermessen, den Großen Propheten zu lästern. Verteidige dich, komm mir aber mit dem Hauch deines lästerlichen Mundes nicht zu nahe! — Sprich! Bist du nicht einer von der verruchten Sekte, welche die Pferde anbetet ...?" Vari Bobba verneigte sich tief, trotz der Stricke, die bei jeder Bewegung hart ins Fleisch schnitten. Denn er hatte Ehrfurcht vor den Richtern. Dann sprach er: „Gerechter und weiser Richter! Ich gehöre keiner verbotenen Sekte an und nie in meinem Leben habe ich Mohammed gelästert. Es ist wahr, ich habe mein Pferd begraben, ich habe laut geklagt und noch lange werde ich das gute Tier beweinen, denn es war ...", hier konnte Vari Bobba die richtigen Worte nicht finden, er stotterte, „... gerechter Richter ... wenn du wüßtest .. „Elender, ich weiß alles!" Die Stimme des Richters überschlug sich. „Alles ...??" Vari Bobba lächelte. — „So weißt du auch, erhabene Leuchte des Gesetzes, daß das gute Pferd Mirza ein Testament gemacht und dir darin ein Legat von fünfzig Goldstücken ausgesetzt hat, die ich dir noch heute in seinem Namen überreichen soll „Löst ihm die Stricke!!" befahl der strenge Richter den Bütteln. Dann schaute er Vari Bobba freundlich an und sagte: „Eile, Vari Bobba, eile nach Hause. Dein Pferd war groß und edel. Auch ich traure über seinen Tod. Nun gehe im Namen des Großen Propheten, denn ich sehe wohl, daß man dich schändlich verleumdet hat!" Wie sie Millionär wurden. Es dürfte nicht unbekannt sein, daß sehr viele amerikanische Millionäre, die heute in Luxus- automobilen den Golfplätzen zustreben, in der Jugend Zeitungen verkauft haben. 3n Detroit, der Stadt Foros haben dre reichgewordenen früheren Zeitungsverkäufer sogar einen eigenen Klub gegründet, der die moralische und materielle Unter jtiüjung der heutigen Zeitungsverkäufer zum Ziele hat. Die Mitglieder dieses originellen Klubs kommen nur zweimal im 3ahre zusammen, einmal zu Weihnachten und ein anderesmal im Monat 3unt Dann werden sozusagen die alten römischen Saturnalien wiederholt, an denen die Sklaven die Rolle des Herrn übernehmen und umgekehrt. Bei den Mügliedern des Millionärklubs vollzieht sich dieser Rollentausch in sol- gender Weise. Die früheren Zeitungsverkäufer übernehmen noch einmal auf einen Tag ihren Deruf. Sie durcheilen die Straßen und verkaufen „ hre" früheren Zeitungen, wobei sie natürlich gute Geschäfte machen. Denn welcher gewöhnliche Sterbliche wollte es sich entgehen lassen, in die Hand eines Millionärs ein 10-Cents-Stück zu legen oder vielleicht sogar noch ein kleineres Trinkgeld? So geschah es auch im letzten 3uni. Die Millionäre standen mit ihren Zeitungs- Paketen an den Straßenecken, während in den eleganten Klubräumen die wirklichen Zeitungsverkäufer köstlich bewirtet wurden. Einem findigen 3ournalisten kam eine glänzende 3dee. Er steckte sich 25 Dollarscheine in die Tasche und nahm sich vor, 25 Millionäre nach ihrem Werdegang zu fragen und einen glänzenden Artikel darüber zu schreiben. Der erste also Befragte war der bekamlle 3n- dustrielle Thomas F. Ryan, der alljährlich die hübsche Summe von 792 OOO Dollar als Einkommensteuer an den Staat abgeführt hat. Ryan ist vor kurzem unter Hinterlassung eines Der- mögens von 125 Millionen Dollar gestorben. Als der 3ournalist eine Zeitung kaufte und dafür einen Dollar bezahlte, schickte Ryan sich an, den restlichen Betrag zurückzugeben. Doch der 3ournalist forderte ihn auf, das Geld zu behalten. Ryan lächelte und land offenbar Gefallen an dem Spiel. Aus die Frage, wie es früher mit dem Trinkgeld gehandhabt wurde, erwiderte Ryan, daß nicht jeder einen Dollar für eine Zeitung hergab. Er habe von morgens bis abends lausen müssen, um seine Zeitungen an den Mann zu bringen. Eines Tages hätte er aber Glück gehabt. An der Straßenecke hielt eine grauen Alltag hinwcggchoben. Berühmt geworden ist z. B. die Reltame, bie man in Amerika für ein Mittel gegen häßlichen Mundgeruch gemacht bat Die Kunst des Texlfchreibers wußte selbst dieses heikle Thema in eine romantilchc Form zu gießen, indem die Schicksale von Mensmcn geschildert wurden, die durch übelriechenden Atem zu den Ausge- stoßcnen der Gesellschaft gehörten. „Sie wußte es nie", oder „Oft verlobt und nie verheiratet' waren die lleberfdjriflen der Inserate, in denen die bitteren Erfahrungen junger Mädchen geschildert mürben, die aus dem genannten Grund Männer nicht dauernd fesseln konnten. In ähnlicher Weise wurde spater in Deutschland für ein Mundwasser Reklame gemacht, z. B. mit der Ucberfdjrift: „Wer es ihr doch sagen dürste!" Gerade bei diesen heiklen Themen muß der Textschreiber sehr viel Takt besitzen, um die Anzeige nicht zu einem schlechten Witz werden zu lasten, um nicht peinlich zu wirken. Dis- tret und vornehm gleitet er etwa über den kritischen Augenblick hinweg, wenn er von einem Abführmittel nur sagt: „Und nachher ist man wie neugeboren". Nichts weiter! 3n erfundenen Geschichten wird auch sonst gern das Lob bestimmter Waren gesungen. Eine dicke Ueberschrift verkündet etwa: „Ich war kahl unb „vor einem Monat sah ich zehn Jahre älter aus". Zuweilen wirkt man durch rührende dramatische Erzählungen. Sehr schlagkrastig war ein anderes Inserat: „Sic zahlt 600 Mark für schöne Hände, ich fast nichts", berichtet eine Hausfrau, die dank einer Hautsalbe trotz schwerer Hausarbeit so schöne, glatte Hände hat wie ihre Freundin, die ihrem Stubenmädchen jährlich 600 Mark zahlt. Diese packenden Ueberschriften verursachen dem Textschreiber das größte Kopfzerbrechen. Sie sollen bas Auge des flüchtig blätternben Lesers in den Text des Inserates hineinzwingen, das dann studiert wird, selbst wenn der übrige Text sehr lang, dafür aber spannend geschrieben ist. Mit Vorliebe spricht man weniger von den Vorzügen der Ware als von den Annehmlichkeiten, die sie dem Käufer gewährt. Man bietet also nicht Möbel an, sondern behagliche Heime, nicht Staubsauger, sondern Zeitersparnis für die Hausfrau; man verkauft nicht Bücher, sondern Bildung und Kulturwerte. Welcher Leser wäre nicht neugierig zu erfahren, worum es sich handelt, wenn er die raffinierte Ueberschrift lieft: „Sie lachen über Geldverlegenheiten, wenn Sie unseren Plan befolgen." Eine Bank? Ein Abzahlungsgeschäft? Was für ein Plan mag das (ein! Selbst ganz abgedroschene Themen können interessant gestaltet wer- den. Eine Benzinvertriebsgesellschaft erzählt in In- seratcn bie Lebensgeschichten der Tankstellenwärter und schildert die Erfahrungen, die diese Leute in ihrem Berufsleben gesammelt haben. Eine Zigarettenfabrik empfiehlt, peinliche Situationen des täglichen Lebens dadurch zu überwinden unb zu ver- decken, daß man in Verlegenheit geraten ist, indem man sich in solchen Augenblicken nonchalant eine bestimmte Zigarette anzünbet, wie eine humo- ristische Anzeigenserie barlegt. Welche Gegenstände werben von reichen Leuten bevorzugt? Ein Inserat enthüllt cs: „Man befragte bie Fahrgäste eines Luxuszuges nach ihren Füllfebern, unb 75,6 Prozent bevorzugten bie Marke X". Weitsichtige Kaufleute wissen gerabe in kritischen Zeiten bie Wirkung so kunstvoller Werbung zu schätzen. Taten für Sonntag, 3 August. 1492: Kolumbus tritt seine erste Entdeckungsreise an: — 1770: Friedrich Wilhelm III. von Preußen in Potsdam geboren: — 1811: Gründung der Universität Breslau: — 1914: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich. Taten für Montag 4 August. 1792: der Dichter Peroy Shelley in Field» place geboren: — 1860: der Schriftsteller Knut Hamsun in Gudbrandsdalgeboren; — 1875: der Märchendichter Hans Christian Andersen in Kopenhagen gestorben; — 1914: England erklärt Deutschland den Krieg. schöne Equipage und ein Herr winkte ihm zu, um eine Zeitung zu kaufen. Schnell sei er hinzu- gesprungen. Dabei sei er gestrauchelt, und im nächsten Augenblick hätten alle Zeitungen, im Etraßenschmutz gelegen. Als ihm die Tränen in den Augen standen, habe der freundliche Herr ihn getröstet, und von diesem Tage an habe sein Aufstieg begonnen. Der freundliche Herr war ein Mitglied der Familie A st o r, in dessen HauS er am nächsten Tag eintrat. So habe er seinen Erfolg einem Sturz zu verdanken. Auch der Dertrauensmann Pierpont Morgan-, Sumington, wurde durch einen seltsamen Zufall aus seiner Zeitungsverkäuserlausbahn herausgerissen. Sumington mußte jeden Mittag seine Zeitung in eine große Bank bringen. Sein Kunde wohnte im ersten Stock des Hause-. Um den Rückweg abzukürzen, rutschte Sumington gewöhnlich am Treppengeländer herunter. AIS er eine- Tages wieder einmal diesen schnelleren Weg ein» geschlagen hatte, merkte er unterwegs zu seinem großen Schrecken, daß unten, ausgerechnet am Ende des Geländers, ein Herr stand. Unmöglid) zu bremsen. Unb was geschehen mußte, geschah. Die Füße des Zeitungsjungen stießen unsanft gegen die Brust des Herrn. Mit finsterem Blick musterte dieser den ungestümen Knaben. Doch der entschuldigte sich lächelnd: Was wollen Sie. Sie sahen, daß ich am Geländer herunterrutschte und Sie wissen, daß man dabei nicht nach Belieben bremsen kann. Oder sind Sie in Ihrer 3ugend niemals am Treppengeländer heruntergerutscht? Der Herr begann gutmütig zu lachen. Die Antwort muß ihm gefallen haben. Cs war Pierpont Morgan. Die Karriere des Zeitungsjungen war gemacht. . . Lochschulnocknchten. — Der ordentliche Professor der Kinderheilkunde an der Universität Köln Geh. Medi^inal- rat Dr. Ferdinand Siegert ist auf feinen Antrag zum 1. April 1931 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Prof. Siegert begann 1896 als Privatdvzent in Straßburg. Später wurde er Extraordinarius und Direktor der Kinderklinik in Halle, von wo er 1904 als Professor an die Akademie für praktische Medizin nach Köln berufen wurde. — Am Tage der Ber- fassungsfeier unb der Feier der Befreiung der besetzten Gebiete hat die Universität Frankfurt das Ehrenbürgerrecht verliehen dem Stadtrat Dr. Wilhelm O st c r h e 1 d in Wiesbaden und dem Regierungspräsidenten a. D. Geheimrat Dr. v. Stemmet ft et. Das KräflespSel im Semen Osten. T«ie öffentliche Meinung Europas vergißt über den verwirrenden Einzelheiten in den Meldungen über den Verlauf des chinesischen Bürgerkrieges allzuleicht, daß es sich bei den „Generälen", die sich die Macht über die einzelnen Provinzen des fernöstlichen Riesenreiches streitig machen, in der Hauptsache nur um Schachfiguren handelt, die unsichtbar von fremden Mächten geschoben werden. Die modernen Chinesen haben zwar einen gewissen freien Spielraum für eine unabhängige Entwicklung ihres Landes erlangt, aber die fremden Mächte, die sie aus gegenseitiger Eifersucht dabei gewähren lassen, machen ihren Einfluß zum Teil für, zum Teil gegen eine einheitliche Entwicklung modernen Staatswesens in China geltend. Japan. England und Hankou Lagekarte von Hankou. Der Pfeil zeigt den Vormarsch der chinesischen Kommunisten auf Hankou. Die chinesischen Kommunisten haben nach der Brand, fchatzung Tschangschas, der Hauptstadt der Provinz Honan, den Marsch auf Hankou angctreten. Hankou ist die größte Binnenhafenstadt Chinas und von einer großen Zahl Europäer bewohnt zu deren Schuß amerikanische und japanische Kriegsschiffe den Jangtsekiang bis Hankou befahren. Frankreich begünstigen die partikular i- stischen Bestrebungen örtlicher Machthaber in ihren besonderen Interessensphären, während nur die Vereinigten Staaten und Rußland freilich in polar gegensählichem Sinne, eine das gesamte Reich zusammenfassende Zentralgewalt organisieren zu helfen suchen. Den jeweiligen Feinden der Reichseinhcit in den Küstcnprovinzen kommt es zustatten, daß sich die Hauptpunkte moderner Entwicklung dort immer noch unter fremder Herrschaft befinden. Für die Südprovinzen: Kwantung (Kanton), Kwangsi, Fukien, Kiangsi, den unteren Teil von Hunan und benachbarte Gegenden, ein Gebiet mit einer Bevölkerung von im ganzen 80 Millionen, bildet Hongkong, eine britische Kolonie, das gemeinsame Ausfalltor des Außenhandels. Weite Kreise der Bevölkerung, besonders des Handelsstances, sind daher an der Fortdauer des britischen Einflusses, der jeder Ablenkung südlichen Außenhandels von Hongkong entgegenwirkt, unmittelbar interessiert. Sie wollen sich daher auch einer von Ranking ausgeübten Diktatur um so weniger fügen, als sie mit dem Iangtsebecken nicht einmal eine Eisenbahn verbindet. Gegen die Neigung von Kompromissen mit England in den bessergestcllten Kreisen lehnt sich im Süden freilich um so un- V gestümer eine revolutionäre Massenbewegung auf, . die heute den besten Nährboden für den Bol- ' schewismus, wie einst für den ursprünglichen, radikalen Sunjatsenismus, abgibt. Eine besondere Bewandtnis hat es mit den regionalen Interessen Bunnans, weil diese Provinz geopolitisch ein Anhängsel von I n d o ch i n a , das Frankreich gehört, bildet. Das Heerwesen ist daher in Bunnan nach französischem Vorbilde organisiert und mit französischen Waffen ausgerüstet. Opium ist dec Hauptausfuhrartikel der Provinz: es nimmt seinen Weg zu fremden Märkten über Indochina. Die nationale Einheitsbewegung findet in Bunnan wenig Anklang. Seine Armut läßt es den reicheren benachbarten südlichen Provinzen teils Landsknechte, teils Arbeiter und Angestellte liefern. Der äußerste Norden Groß-Chinas, die Mandschurei und Teile der Mongolei bilden teils russische teils japanische Einflußsphäre. Der chinesische Machthaber in Mukden muß zwischen beiden fremden Mächten lavieren. Japan läßt ihm am meisten freien Spielraum, je weniger er sich um die Vorgänge im eigentlichen China überhaupt kümmert, während man ihn von Moskau aus zu wohlwollender Neutralität gegenüber einer revolutionären, mehr oder weniger bolschewistischen, chinesischen Einheitsbewegung zu bestimmen sucht. In Mittel-China kommen in den gegenwärtigen Kämpfen im bcsondern die gegensätzlichen Interessen der Bevölkerung zweier Stromgebiete zum Aus- druck, des Jantsekiang und des Hoangho oder gelben Flusses. Die K u o M i n - T a n g -Partei unter der Militärdiktatur Tschiangkaischeks konnte, nachdem sie sich für Nanking statt Peking als Regierungssitz entschieden hatte, eine lockere Autorität nicht lange über mehr als fünf Provinzen behaupten: Steuern vermochte sie überhaupt nur in zwei Provinzen, Tschekiang und Anwhei, regelmäßig einzuziehen. Das Kraftzentrum, von dem Tschiangkaischek abhängt, ist Schanghai, das unter vorwiegend englischem Einfluß steht. Wenn Tschiangkaischek versucht, seinen Machtbereich am Pangtse aufwärts vorzustrecken, so läuft er Gefahr, die schon recht lockere Kontrolle über Kanton zu verlieren. Stößt er in der Richtung auf Peiping (Peking) vor, so beunruhigen ihn japanische Einmischungsmöglichkeiten in Schantung, während er zugleich darauf gefaßt sein muß, von chinesischen Rivalen in der Flanke oder im Rücken bedroht zu werden. Seine Hauptrivalen, I e n h s i s ch a n und Fcngyuhsiang, gebieten vor allem über die vom mittleren und oberen Hoangho durchströmenden Provinzen, und dort hat sich in den größeren Städten mit der Zeit ein fortschrittliches Bürgertum entwickelt, das sich durch eigene Ausfalltore an der Küste von Schanghai als Hauptverteilungs- Zentrum für den chinesischen Außenhandel unab- hängig machen möchte. Das ist der Sinn des gegenwärtigen Bürgerkrieges, der nach unentschiedenen Kämpfen an der Lunghaibahn in der Besitzergreifung des Scezollamtes in Tientsin durch die „Nordmilitaristen" gipfelte. Offenbar ist der nachhaltige Widerstand, den die Heere Ienhsischans und Fengyuhsangs den auf das modernste bewaffneten Truppen Tschiang- koischeks entgegenzusehen vermochten, einer heimlichen Begünstigung sowohl durch japanische wie sowjetrussische Einflüsse zu danken. Japan wie Rußland haben ein Interesse daran, daß sich der Schwerpunkt der Machtverhältnisse in China wieder nach Norden verschiebt, da sich diese dann leichter sowohl von Tokio wie von Moskau aus kontrollieren lassen. In Schanghai traut man Fengyushiang xu, daß er den Sowjetrussen sein Wort für zwei gewaltige Bahnkonzessionen verpfändet habe, mit denen er sie, wenn seine Macht ausreiche, für ihre verschiedenen Dienste belohnen werde. Die eine dieser Linien würden die transsibirische Dahn mit iltga, der Hauptstadt der äußeren Mongolei, verbinden, von dort aus südwärts die Wüste Gobi durchqueren und Anschluß an die chinesische Bahn finden, die nordwestlich von Peking nach Peitoschen führt. Deren Verlängerung bis Tientsin würde dann den Russen den lange ersehnten Zugang zu einem „warmen Hafen" am Stillen Ozean verschaffen. Bei dem zweiten Projekt, das dasselbe Ziel verfolgt, würde es sich um eine Fortführung der neuen türke st anisch-sibirischen Bahn handeln, die, über Chinesisch-Turkestan oder Sin- kiang, Kansu und Schensi bis zur Grenze von Honan verlängert, Anschluß an die Lunghai- Bahn gewinnen würde, die bei dem neuen Hafen Haitschow das Gelbe Meer erreicht. Mit wachsender Beunruhigung beobachtet man von Washington aus das seit Monaten vor sich gehende Zusammenspiel zwischen russischen und japanischen Einflüssen und den Bestrebungen nord- und mittelchinesischer Machthaber, die auf den Sturz der MilitärdiktaturTschiang- k a i s ch e k s hinarbeiten. Im Sinne der Washingtoner Diplomatie sollte der Dreimächtepakt eine angelsächsisch-japanische Einheitsfront im Fernen Osten vorbereiten, aber es peigt sich immer deutlicher, daß man in Tokio nicht im Traum daran denkt, dem Vankee-Kapital zuliebe auf eine gewisse Rückversicherung durch ein bedingt freundschaftliches Verhältnis mit den Sowjetrussen zu verzichten. Japan kann vermöge seiner Tlebcrlegen- heit zur See aus jedem Zusammenprall zwischen einer bolschewistischen und einer angelsächsischimperialistischen Front in China Ruhen ziehen, und die Entwicklung eines russisch-chinesischen Bahnnehes in Innerasien kann den Absahbedürf- nissen der japanischen industriellen Massenerzeugung die besten Dienste leisten. Andererseits bildet die Vorherrschaft auf dem chinesischen Markte eines der Hauptziele der Handelspolitik der Union, die daher nach wie. vor alles daransehen muß, die politische Einheitsbewegung in China unter seine Kontrolle zu bringen. China entwickelt sich auf diese Weise immer mehr zu einem Riesen-Balkan, von wo aus die ganze Kulturmenschheit in einen zweiten „Weltkrieg" verwickelt werden kam^. Wirtschaft. Handel und Gewerbe im Zuli. Nach der auf Grund von Berichten preußischer Industrie- und Handelskammern und des Deutschen Handwerk- und Gewerbekammertages im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe zusammengestellten Plebersicht über Handel und Gewerbe im Juli war die wirtschaftliche Lage sehr gedrückt. Sowohl in den Schlüsselindustrien, wie in denDerbrauchs- gütcrindustrien, aber auch im Großhandel, im Handwerk und im Einzelhandel wirkte sich die allgemeine Depression aus. Die geringe Belebung in der Textilindustrie wie in der Draunkohlen- industrie ließ nach; nur in der Margarineindustrie zeigte sich eine Besserung der Lage. Das Kursniveau ging noch weiter zurück. Am Kapitalmarkt trat keine wesentliche Erleichterung ein. Die Arbeitslosigkeit betrug Ende Juni 2,6 Millionen Mann. In der Weltdepression zeigten sich keine Veränderungen. Von ihr blieben in Europa Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, sowie Irland bisher im wesentlichen verschont. In Aebersee zeigten nur Chile und Neuseeland eine verhältnismäßig günstige Wirtschaftslage. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Auch in dieser Woche wurde die Börse von den schon lange Zeit bestehenden ungünstigen Faktoren beherrscht. Die Lustlosigkeit verstärkte sich noch mehr, da der Ordereingang immer mehr zusammengeschrumpft war. Aber auch die wirtschaftliche Lage hatte sich weiter verschlechtert, so daß das Geschäft an Umfang weiter stark zurückging. Die an der Börse interessierten Kreise zeigten nicht den geringsten Mut, zu Neuanschaffungen zu schreiten. Man war abwartend gestimmt, und zwar richtete sich das Hauptaugenmerk auf die bevorstehenden Reichstagswahlen. Obwohl die damiederlieaende Wirtschaft, der weiter fortschreitende Produktionsrückgang in fast allen Branchen, die zumeist schwächeren Auslandbörsen und vor allem die wieder zunehmende Arbeitslosigkeit im Reiche einen sehr nachteiligen Eindruck machten, erhofft man doch nach Beseitigung der innerpolitischen Reibereien und von den durchgreifenden Wirt- schaftsankurbelungsversuchen eine Belebung der deutschen Wirtschaft. Viel beachtet wurde das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsbahn, wovon schon etwa 180 000 Arbeiter beschäftigt werden sollen. Das Geschäft blieb an der Börse troh aller guten Voraussagen ziemlich gering. Ein Teil der Schuld war jedoch noch auf den dazwischentretenden Ultimo zu schieben. Anfangs befürchtete man in dieser Beziehung Schwierigkeiten. Es kam aus diesem Grunde, teilweise zu Geldbeschaffungszwecken, erheblich Material an den Markt und stieß auf gerade kein aufnahmefreudiges Publikum. Doch haben diese Abgaben bald wieder aufgehört, und im Grundton der Börse war von diesem Moment an eine kräftige Widerstandsfähigkeit zu erkennen, was man schon aus einem Kursvergleich mit der vergangenen Woche ersehen konnte. Teilweise ergaben sich noch Kursbesserungen. Man muh aber den Reportgeldaufschlag berücksichtigen. Etwas mehr Interesse bestand für Draubank, die 7 Prozent fester lagen. Dis 3 Prozent gewannen Schiffahrtswerte, Daimler, Reichsbank, Deutsche Linoleum, Licht & Kraft, Salzdetfurth und ZeMoff Waldhof. Etwas mehr Interesse bestand für Montanaktien, die bis zu vierprozentige Gewinne erzielen konnten, aber Die Umsatztätigkeit war auch hier bescheiden Stärker gedrückt lagen von Elektroaktien Siemens mit minus 5 Prozent und Schuckert mit minus 3 Prozent. Bei diesen Werten gab das Ausland verschiedentlich noch Material an den Markt. Kunstseidewerte tagen anfangs der Woche fester, gaben jedoch später im Kurse nach. Renten waren teilweise etwas höher. Mexikaner und Türken waren zeitweise gesucht. Am Geldmarkt machte sich im Zusammenhang mit dem Ultimo mit 4,5 Prozent eine Versteifung bemerkbar. Am Devisenmarkt lag das Pfund international fest. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarki. Bei im allgemeinen nur wenig veränderten Preisen war das Geschäft am Frankfurter Schlacht- viehmärkt weiterhin recht klein. Auf dem Rindermarkt war der Auftrieb geringer als in der Vorwoche, jedoch für die Jahreszeit und mit Rücksicht auf die Ferien normal. Bei durchweg ruhigem Handel konnte der Markt geräumt werden. Die Preise zogen bei Kühen und Färsen etwas an, erfuhren aber im übrigen keine Veränderung. Das angetriebene Vieh war von mittlerer Qualität. Etwa 45 Prozent des Auftriebs wurden wieder ausgeführt, hauptsächlich nach Hessen, Hessen-Nassau und der Rheinprovinz. — Auch auf dem Schweinemarkt war die Beschickung geringer als in der Vorwoche. Das Geschäft war anfangs rege, flaute aber später stark ab. Bei stark anziehenden Preisen wurde nahezu ausverkauft. — Kälber hatten anfangs reges Geschäft, flauten jedoch zum Schluß ebenfalls stark ab. Die Preise konnten leicht anziehen. — Schafe ruhig bei unveränderten Preisen. — Der Gesamtauftrieb bestand aus 1435 Rindern, darunter 362 Ochsen, 132 Bullen, 445 Kühen, 321 Färsen, ferner aus 1217 Kälbern, 293 Schafen und 5414 Schweinen. Verglichen mit dem Austrieb der letzten Woche waren 648 Schweine, 189 Rinder, 184 Kälber und 8 Schafe weniger am Markt. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 58 bis 61, a2) 54 bis 57; bl) 50 bis 53: Bullen a) 53 bis 57, b) 48 bis 52; Kühe a) 48 bis 51, b) 43 bis 47, c) 39 bis 42. d) 32 bis 38: Färsen a) 60 bis 63, b) 56 bis 59. c) 50 bis 55; Kälber b) 74 bis 78, c) 68 bis 73, d) 62 bis 67; Schafe al) 49 bis 53, b) 42 bis 48," Schweine b) 71 bis 73, c) 73 bis 75, d) 73 bis 75. e) 71 bis 73. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche notierten Schweine unt 5 Mk., Kühe um 2 Mk., Färsen und Kälber um je 1 Mk. höher, Ochsen, Bullen und Schafe unverändert. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Der Frankfurter Prvduktenrnarkt stand weiter Im Zeichen der Wetterlage und damit der Ernte- ausfichten für dieses Jahr. Während in anderen Ländern, namentlich in älSA. und Kanada, bisher meist günstiges Wetter für die Gedeihung der Sommergetreidearten war, gestalteten sich die Witterungsverhältnifse in Deutschland für die Ernten insofern ungünstiger, als allgemein zu diel Niederschläge erfolgten, die zumindest eine Verzögerung der Ernte und verschiedentlich auch schon Schäden nach sich zogen. Ein größerer äln- sicherheitsfaktor ist jedoch in diesem Jahr wiederum Rußland, da die Meldungen von dort sehr zuversichtlich lauten, auch wurden verschiedentlich schon Exportabschlüsse nach Deutschland getätigt. Der Frankfurter Markt eröffnete die Woche stetig bis fest, wobei in der Hauptsache die enttäuschenden Aussichten der neuen Ernte mitsprachen. Die von neuem Weizen und Roggen gezeigten Muster zeigten fast durchweg ein leichtes und zum Teil qualitativ nicht ganz einwandfreies Korn. Neuer Weizen und Roggen wurde erstmals notiert. Zu Geldbeschaffungszwecken kam von feiten der Landwirtschaft ziemlich Material an den Markt, was auch meist glatt ausgenommen wurde. Preisveränderungen von Belang traten nicht ein. Etwas schwächer waren Futtermittel. Am Weizen markt kam nur neuer Weizen zur Notiz, der sich gegen Ende der Woche leicht befestigen konnte. 2m Terminhandel waren die späteren Sichten ziemlich schwächer. — Am Roggenmarkt war die' Lage nur wenig verändert. Während in alter Ware noch ziemlich viel Material an den Markt kam, war Neu- roggen nur vorsichtig angeboten. Da aber auch Aufnahmeneigung bestand, blieben die Preise gut behauptet. Am Terminmarkt war Roggen gut gehalten. — Hafer hatte bei stetigen Preisen ruhiges Geschäft. Vereinzelt gaben die Preise leicht nach. Feine Qualitäten waren gesucht. — Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Sranffun a. Dl. Berlin Schluß« kur« Schluß!. Abend« bflrff Schluß« furd Schluß!. Millag« bflrfc Dalum 31. / 1 8 J1 - 1 8 U% vteuy»aiueUji' von 1027 ......... 7% Seutfdje ReichSanlcihe 88 88 88,25 88 von 1020 ......... 101,75 102 102,1 102,1 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mH Auelos.Rechten....... 59,8 —- 59,7 59,5 Deögl. ohne Au-los.«Rechte . . 8% He», Bolk-staal von 1029 trückzahlv. 102%)...... 7,9 — 7,9 8,25 96 96,25 96,76 — CbctlKlIm Provinz» Anleihe ml: Au-Ios.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammclabl. 58,75 58,75 — — Anleihe Serie 1...... 8% stsranks. Hyp.-Bank Aoldpse 59,1 58,75 59 59,2 XIII unkündbar bl« 1931 . . 7% ffranks. Hyp.-Bank Boldpse 101,5 101,5 — — unkündbar ble 1032 ..... 1K*% Rheinische Hyp.-Bank 96 96 — — Llqu. Äoldpse........ 8% Pr. Landespfandbriesanstatt, 87,9 87,65 — — Psandbriese R. 17...... 8% Pr. eanbrOflnnibdcfanfiall, 101,25 101,25 101,25 101,25 Romm.-Cbl. SL 20...... 7% Pr. Danbctivlanbbrlcfanflall, 98 98 98 98 Psandbriese R. 10...... 97 97 97 97 A.E.Ä. abfi. BorMeg«.Obllgatio nen, rückzahlbar 1932 .... 92 4% Oesterretchtsche Golvrrntc . . 26,4 26,5 26,5 3,13 4,20% Oesterrelchlsche Gllbcrrcnlc 4% Ocslerreichliche Einheitliche 3,25 3,25 3,25 Rente.......... 2,05 2,05 2,| 2,13 ■i% Ungarische Soldrente .... '3,65 23,65 23,75 73,7 4% Ungarische Staal-rente V. 1010 —— 70,25 4Ki% desgl. von 101» . . 20,5 20,5 20,8 20,65 4% Ungarische Kroncnrente . . ,175 2,175 2,15 2,15 4% Dürlische Zollanlcihe von 1911 4% Dürkischc Bagdadbahn-Anl 4,9 3,25 4,95 5,2 Serie 1........... 4% bfffll. Serie II . • • • ■ • ■ 6% Rumänische verelnh. Mente 4,9 4,9 5,25 5,25 4,95 5,2 4,95 5,2 von 1008 .......... AK% Rumänische veretnh. Rente 9,45 9,7 9,3 9,7 von 1918 .......... 15,2 15,6 15,5 15,R 1% «rumänische vereinh. Rente 7,45 7,4 7,4 7,4 Frankfurt a. 371. Berlin Schluß« furd Schluß!. Abend« bSrse Schluß« furd Schlugt. Mittag« dürfe Dalum 31 / 1 8 31 / 1 8 vamburg-Amertta Patei ...» Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampsschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Ercditanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Eommerz« und Prtvat-Bank . 11 Darmstädter und Naiionalbank 12 Deutsche Bank und DiSconto-Gesellschaft,... 10 Dresdner Bant ...... 10 Nctchobank........12 91,25 107,25 115,5 146,5 132 185,5 126,75 126,75 90,5 90 114,5 146,5 132 185 126,5 126,25 245 91,4 151,25 126 91,25 107,75 115 146,5 132 185 126,5 126,25 244 90,4 90,4 107,75 114,5 146,5 132 184,5 126,5 126,25 245 Bergmann........ Elcktr. Licferung-gesellschast. Licht und Kraft...... Felten & Guilleaume . . . Äesellschasl für Elektrische Untcmehmungrn .... Hamburger ElektrizlliltS-Werke Rheinische Elektrizität . . . Schlesische Elektrizität. . . . Lchuckert & (Io....... Siemens & Halske ..... Transradio . ....... Lahmeycr s Co.. ..... . 9 10 10 IVi 10 10 . 0 10 11 16 . 8 10 140 128 137 99,5 137 190,5 155 140,5 186,5 99,5 137 191 155 139,13 172,5 128 137 99 137,5 130,5 131 152,75 190,5 154,9 140,75 173,5 128,5 136,25 137,25 131 132 152,25 191 154 k' a v 3 1 S1 i 1 v 9 uderus ......... )eulsche ErdSI...... sscnrr Steinkohle ..... eiienkirchener ...... arpeucr......... oesch Eisen........ ise Bergbau ....... Ibckuerwerke ....... öln-Neucssen..... • staune-mann-RSHrea . • • lansselder Bergbau .... )berschles. Eisenbcdarf ... Berichtes. KokSwerke . . . . ihönlr Bergbau...... thelnische Braunkohlen . . ihelnslahl........ ilebeck Montan ...... . b . 6 . 8 . 8 . 0 6V. 10 . 7 . 7 . 7 . 6 . 7 6K 10 . 6 7,2 61,75 108,5 100 '14 4,75 78 215 91 109 99 85,75 77,75 218,5 91,75 62,5 73 108,4 100 85 223 83 82 84,5 59,5 51 86,9 78 215 11,5 15,75 73,25 108 98 86 223 82,75 82,5 86 54,4 51 88,13 78,13 219 90,25 96,13 Frankfurt a. Dl. Berlin Schluß« furd Schlußf. Abend« bürse Schluß« furd Schlußf. Mittag« bürse Datum 31 7 1 8 31 / 1 8 Bereungie Stahlwerke..... 78 77,5 78 77,4 Olavi Minen......16'/, 40,25 39,65 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 187 188 186,75 187 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 195 194 195 193 Kaliwerke Salzdetfurth ... Iß 319 318 319,5 318,5 3. ®. Farben-Indusirie ... 12 150,13 150,5 150,13 150,5 Dynamit Nobel.......6 — — 72,25 Schetdcanstalt........ 9 138,25 138,5 — —- Goldschmidt ........6 57 57 56,9 56,75 RÜtgerswcrke........6 50,75 51 50,4 50,5 Metallgesellschaft. ...... 8 105,25 105 105,75 — Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 76,5 76,5 76 75 102 102 Cemcntwerk Karlstadt. ... 10 125 125 — — Waytz & streytag......8 70 70 70 70 Schultheis Pahenyofer ... 16 — 263 261 Ost werke.........12 — —— 212 210,5 Vlku...........18 90,5 90 90,5 90,25 89,5 Bemberg.........14 91 91,25 130 91,25 Bcllftolf Waldbof .... 18'/, —— —— 128,75 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 97,5 97,25 100 97,13 Eharlollenbtrrger Wasser ... 8 — — 94,13 94 Dessauer Gas..... 9 — — 130 130,13 Daimler Motoren ...... 0 28 28 27,75 27,75 Deutsche Linoleum ...... 185 — 184 184,5 — — 10,65 41,65 Not. Automobil ....... 0 — — 11 11 Orenslcin & Koppel.....6 —— —— 60,5 60,25 Leonhard Dich ...... 10 130 130 131,5 131,4 SvcnSka........... — — 302,5 303 .frankfurter Mafchtneu . . . . 4 21,5 21,5 22 21,5 Grlßncr....... 6 31 33 32 32. Hcyttgenstaedt ....... o Iunghantt..........6 32 32 32,5 32 Lcchwerke..........8 93,5 93,5 — —— Mainkrastwerke Höchst a. M.. . 8 81,25 82 — —- Miag...........10 88 —- 87 85,5 Gebr. Roeder ....... 10 100 100 — — Boigt S Hacssner ...... fi Süddeutsche Zucker .... 10 156 150,25 150,25 156 150,25 156 152,25 Banknoten? Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Berlin, 1. August Selb Bries Amerikanische Noten...... 4,164 4,184 Belgische Noten. ....... 58,435 58,675 Dänische Noten ........ 111,88 112,32 Englische Noten........ 20,317 20,397 Französische Noten ....... 16,442 16,502 Holländische Noten ....>.. 168,06 168,74 Italienische Noten........ 21,96 22,04 Norwegische Noten....... 111,(3- 112,27 Deutsch-Oesterreich, A 1OO Schilling 59,045 59,285 Rumänische Noten....... 2,465 2,485 Schwedische Noten ....... 112,25 112,69 Schweizer Noten ........ 81,34 81,66 Spanische Noten ........ 46,71 46,89 Tschechoslowakische Noten..... 12,40 12,46 Ungarische Noten . ....... 73,15 73,45 31-Iutt 1. August Amtliche Geld Neuerung Brie, Amtliche Geld Notierung Brief Amst.« St ott. 168,32 168,66 168,32 168,66 Bueii.-AireS 1,505 1,509 1,503 58,495 1,507 Brss.-Antw 58,495 58,615 58,615 Christiania. 112,05 112,27 112,05 112,27 .Kopenhagen 112,10 112,46 112,32 112,11 112,33 Stockholm - 112,68 112,44 112,66 HclsingforS- 10,52 10,54 10,516 10,536 (Vlatten . . . 21,905 20,355 21,945 21,895 21,935 London. . . 20,394 20,357 20,397 Weunort . . 4,180 4,188 4,179 4,i 87 Pari».... Schweiz . . 16,45 16,49 16,44 16,48 81,235 81,395 81,225 81,305 Spanten • . 47,05 47,15 47,10 47,20 Japan . - . 2,063 2,067 2,064 2,068 0,436 Rio de $nn- 0,435 0,437 0,434 Wien in D.« Ceft. abgcst 59,105 59,225 59,105 59,225 Prag . - - - 12,393 12,413 12,39 12,41 Bclirad . . 7,418 7,432 7,418 7,432 Budapest. . 73,30 73,44 73,29 73,43 Bulgarien. 2,032 3,038 3,032 3,038 Lissabon . . 18,79 18,83 18,79 18,83 Danzig. . . 81,42 81,58 81,39 81,55 .Koustantin. 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. . . 5,135 5,445 5,43 5,44 Canada . . 4,185 4,193 4,185 4,193 llrn uat). . 3,418 3,425 3,417 3,423 Cairo . . . '0,865 20,905 20,865 20,905 & mit ?>« r-L Sr g *•* $ ?■ J^1 but*, arttflttäumf "ySätfen "feineC ar jyn mitt. r,?"f,ncb4 schlich noch ^N-rvvinz. ctl dar bie ^°che. Daj °ber später reisen würbe uen anfangs Auh eben- it, 293eSg lN Ntn» "ne, 189 R-n. B« am Markt. Lebenbgetvicht >2) 54 bis 57, ' b) 43 bis 52- c) 39 bis 42, b) 53 bis 59, . c> 68 bis 73, • d 42 bis 48; i. d) 73 bis 75, 1 tat Preisen bchiveine um nö Kälber um iö Schafe un< inmartt, i stand Wetter mit der State* end in anberen Kanada, bisher Gedcihung bet •teten sich bie hlaab für. bie allgemein zu zumindest eine hiedentiich auch i größerer iln« cm Jahr w> igen non dort wurden vor* nach Deullch, k Re DvL>r Hauptsache die uen Ernte mit« n und Qlogf.cn weg ein leichtes z eintvandkc cs ,en wurde erst- ng^toerfen fen mlich Material tt ausgenommen Belang traten m Futtermittel, c neuer Mizen er Woche leicht nbel waren bie >ächcr. - nur wenig t>cr« ■e noch z-cmt'ch am, war 2feu' Ai aber auch en die Preise ■ trat Mgen stetigen Preisen en die Preise ren gesucht. - 4 5 18 12 J6 3f «• 45 65 25 34 n w ffurljJJL I.SujuB 168,« 1,507 58,615 112-5 112,Z 112,« 10,$ 21$ 53,675 112L 20,27 16,5« 168, kg t» m-g 11,66 46,63 12,48 73.45 1,32 ,503 ,495 2,05 2,11 2,44 >,516 695 3,357 4,1 16 44 1,22 47,1 9,064 0> 3$ 1,5 q 13,9 '& Ä Iß $ 5»*'S tio ' — 9ä 4,1* M 2,168 0,436 59,225 12,41 7-432 73,43 «s S .193 3,423 20,905 Winter- und Sommergerste wurde ausreichend offeriert, doch wurde bisher keine amtliche Rotiz festgesetzt. — Am Mehlmarkt wurden die Preise für Weizenmehl von den Vroßrnühlen um 0,25 QEt pro Doppelzentner er- Mähigt. DaS Geschäft beschränkte sich nur aus den laufenden Bedarf. Roggenmehl gab wieder etwa- nach: auch war daS Geschäft äußerst gering. — Für Kleie war die Rachfrage fehr zurückhaltend und die Preise abbröckelnd. — — Don Hülsenfrüchten gaben Linsen etwas pach, sonst unverändert. — Aauhfutter- mittel wurden in neuer Ware gehandelt und stellten sich zumeist wesentlich billiger als alte Ware. Rur Heu war geringfügig teurer. — Kartoffeln hatten bei ruhigem Geschäft rückläufige Preise. 3m Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche lag Getreide unverändert, Weizenmehl imd Roggenmehl bis zu 0,50 Mk. und Kleie bis zu 0,75 Mk. niedriger. Die Woche schloß zu folgenden Votierungen: Weizen (neue (Bmte) 275 bis 276,50 Mk., Qboggen (neue Ernte) 175, Roggen (alte Ernte) 185. Hafer (inländ.) 182,50 bis 185; Weizenmehl (südd.) 43,50 bis 44,25, Weizenmehl (niederrhein.) 43,25 biS 44, Roggen- Sehl 26,50 bis 27,50, Roggenkleie 8,25 biS 8,50, Zeizenkleie 8, Kartoffeln (gelbe, pro Zentner) 4,40, Erbsen (je nach Qualität, für Speisezwecke) je bis 36, Linsen (je nach Qualität, für Speise- Serie) 36 bis 75, Heu (neue Ernte) 5,50 bis 6, eizcn- und Roggenstroh (drahtgepreht, neue Ernte) 3,80 biS 4, Weizen- und Roggenstroh (gebündelt, neue Ernte) 3 biS 3,50, Treber (go- trocknet) 10,25 bis 11 Mk. • Die Finanzierung des Arbeits- heschafsungsprogramms der Reichsbahn. Die mit einem Vankenkonsortium unter : Führung der Reichsbank gepslogenen Verhandlungen über die Finanzierung des Arbeits- [ beschaffungsprogramms der Deutschen Reichsbahn tib erfolgreich abgeschlossen. Don dem Gesamt- trag von 150 Mill. Mk. Schatzanweisungen sind bereits 75 Mill. Mk. begeben, während der Rest am Kapitalmarkt untergebracht werden soll. Die Schatzanweisungcn sind mit fünfjähriger Lauffrist und einem Zinsfuß von 6 v. H. ausgestattet. Die Zeichnung findet während der Zeit vorn 7. bis 12. August statt. Der Zeichnungspreis beträgt 95 Proz. abzüglich Stückzinsen von dem f Tage der Einzahlung bis Ende August d. 3. Der Zinslaus der Schahanweisungen beginnt am 1. September 1930. Sie sind zur Lombardierung ' bei der Reichsbank und der Preußischen Staats» I bank zugelassen; die Verleihung der Mündel- 1 sicherheit ist beantragt, die (Befreiung der Zinsscheine vom Steuerabzug vom Kapitalertrag I sichergestellt. • Konkurse im 3uli. Rach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Monat 3uli | durch den »Reichsanzeiger" 977 neue Konkurse, I ohne die wegen Massemangels abgelehnten Qln- | träge auf Konkurseröffnung, und 685 eröffnete I Vergleichsverfahren bekannt gegeben. Die enlspre- I chenden Zahlen für den Vormonat stellen sich I auf 853 bzw. 647. • D i e Hessische Landesbank — l Staatsbank - in Darmstadt empfiehlt | im heutigen Anzeigenteil ihre 7prozentigen Gold- I Hypothetenpfandbriefe zur Kapitalanlage. Die Pfandbriefe sind reichsmündelsicher und können vor 1.3anuar 1936 nicht zur Rückzahlung gc- 1 kündigt werden. ' Die Beschäftigung bei den Opel- I werken. Zur Zeit beschäftigen die Opel-Werke 1 6430 Arbeiter und Angestellte. Die älmstellung ■ des gesamten Fabrikationsbetriebes ist in vollem I Gange. 3n einzelne Abteilungen werden zur Zeit s sogar mit Rücksicht auf die vorzunehmenden Umbauten Arbeiter neu eingestellt; anderseits ist damit zu rechnen, daß in gewissen Abteilungen I im Laufe der nächsten drei Monate Arbeiterentlassungen, jedoch in sehr beschränktem Um- | fange, vorzunehmen sein werden. Eine Still- I legung der Fabrik kommt nicht in Frage. * Detriebseinschränkungen bei den I Frankfurter Mühlen. Wie WTB.-Han- 1 delsdienst erfährt, werden die beiden Frank- ■ hirtcr Großmühlen, die Frankfurter Mühlen- ■ werke Gebrüder Wolfs, Handels-AG. und die U Hafenmühle AG., versuchen, ihre Betriebe unter ■ ben bekannten Schwierigkeiten aufrechtzuerhalten. ■ Troy starker Einschränkungen wird weiter ge- ■ arbeitet, jedoch sind die Zukunftsaussichten un- I sicher. • Eisenbahnbau-Dertrag der per - Usischen Regierung mit dcutschenDau- | firmen. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, hach btn die von dem unter Führung der 3 u l i u s ßBerger Tiefbau AG., Berlin, stehenden! 1 deutschen Konsortium für Bauausführungen in ■ Persien, an dem noch die Firma Philipp »Holzmann AG., Frankfurt a. M., und die >'Signal-Bau-Union G.m.b.H., Berlin, | beteiligt sind, mit der persischen Regierung seit [I längerer Zeit geführten Verhandlungen über die I Fortführung der Bahnbauten in Persien nach !| den in Berlin eingegangenen Mitteilungen gestern il Mi einem Vertragsabschluß geführt. Es handelt :l sich um die Arbeiten, die dem deutschen Konsor- 1 Hum bereits in dem deutsch-amerikanischen Syn- I dikat auf dem nördlichen Teil der Strecke Kaspi- I sches Meer—Persischer Golf übertragen waren, 1 das bekanntlich infolge verschiedener Differenzen zwischen der persischen Regierung und der amerikanischen Gruppe die ihm übertragenen Arbeiten j nicht fortgesetzt hat. Bezüglich des südlichen Teils der Strecke, der von der amerikanischen Gruppe , SaSgelührt wurde, hat die persische Regierung noch keine Entschließungen gefaßt. Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M.. l.Aug. Tendenz: gc- Häftslos. — An der Abendbörse war die Etim- I mung zum Wochenschluß auf festere Reuyorker J RnfangSkucse nicht unfreundlich. Umsätze kamen 1 bei der anhaltenden Orderlosigkeit kaum zustande, i 2m Kunstseidemarkt war wieder eine Beruhigung ringe treten, und Aku besserten sich gegenüber dem Berliner Schluß um ein weiteres Prozent, lembcrg lagen dagegen aber leicht gedrückt. Gelsenkirchen plus 0,5 Prozent. 3m übrigen taten die Kurse gehalten. Renten still. Reubesitzanleihe 8,25. Barmer Bankverein 114,50, berliner Handelsgesellschaft 146,50, Commerzbank 132. Dresdner Bank 126,25. Reichsbank 245, Gelsenkirchen 109, Salzdetfurth 318. Mannesmann 65,75, Rheinische Braunkohlen 218,50, Rheinstahl 61,75. Stahlverein 77.50, Aku 90.50. AEG. 140,50. : Aemberg 91, Scheideanstalt 138,50. Licht und ' Jraft 136,50. I.-G.-Farben 150,50, Gessürel 137. Holzmann 76.50. Metallgesellschaft 105, Siemens 181. Zellstoff Aschaffenburg 97,25, Hapag 90,50, Dordd. Lloyd 90. Oie Studenten «Olympiade. Oer Festakt. WSN. Darmstadt, l.Aug. Die 4. internationalen Studenten . Meifterschaf- t e n wurden heute vormittag eröffnet. Die mit den Spielen verbundene A u s st e l l u n g des Arbeitsausschusses der Studentenschaft und des Museums für Leibesübungen wurde am Freitagoorrnillag durch Ministerialrat Dr. M a l l w i tz (Berlin) ihrer Bestimmung übergeben. Nach ihm begrüßte Staatspräsident Dr. Adelung die Ehrengäste. Für die Kommission der Internationalen Studentenschaft dankte Dr. B e t e i l l e (Frankreich). Ein Gang durch die Ausstellung bewies die ausgezeichnete Qualität der Sonderschau ,Hbee im Sport". Punkt 12 Uhr sand in der Otto Berndt-Halle der F e st a k t statt. Der Saal zeigte die Farben aller vertretenen 33 Nationen. Die Studentenkorporationen hatten ihre Chargierten in Wichs entsandt. Den Reigen der Festreden eröffnete Prorektor Prof. Rau (Technische Hochschule Darmstadt). Die Gruße und Glückwünsche der Reichs- und Preußenregie- rung für die 4. Olympiade der Akademiker über- brachte Geh. Rat Dr. H o r n i n k vom Reichsministe- rium des Innern. Für die hessische Regierung sprach darauf Staatspräsident Dr. Adelung. Oberbürgermeister Mueller brachte in herzlichen Worten die Grüße und Glückwünsche von Stadtverwaltung, Stadtrat und Bevölkerung für das Gelingen und den inneren Erfolg der Weltmeisterschaften zum Ausdruck. Der Präsident der CIE., Saurin (Paris) begrüßte es, daß die junge Intelligenz der Länder einen Blick über die Grenzen zum Nachbar werfe, was für die internationale Annäherung nur hoffnungsvoll stimmen könne. Als Vertreter des Sportamtes der deutschen Studenten dankte Ministerialrat Dr. Mallwitz, auch im Namen des verhinderten Reichsaußenministers Dr. Curtius, allen Beteiligten, Staatspräsident Dr. Adelung, dem Reich, Preußen, Hessen, der Stadt Darmstadt, der Presse, und Prof. Dr. Heybe - brock und Dipl.-Sportlehrer S o l l i n g e r , die in vorbildlicher Weise die umfangreichen Vorarbeiten für die Olympiade geleistet haben. Der Abmarsch der Korporationen beschloß den Festakt. Auftakt zum Tennisturnier. Zu früher Morgenstunde nahmen die K ä m p s e im Tennis ihren Anfang. Da sehr flott gespielt wurde, kam man auch fast überall zur dritten Runde. ES gab teilweise große llebcr- raschungen. 3m ersten Viertel kam der Favorit de S te f a n i nach zwei kampflosen Siegen und einem Sieg über den Berliner Tübven rn die Vorschlußrunde. 3m zweiten Viertel wurden sowohl M a l s r o h (Neuseeland) als auch Mac- 0 r a ne (Cambridge) von dem jungen Franzosen Merlin ausgeschaltet. 3m dritten Viertel spielt« sich der französische Hochschulmeister Eombemarle zum Viertelfinale durch und im letzten Viertel qualifizierte sich der Estländer L a s n durch einen Sieg über Ritchie für die dritte Runde, in welcher er gegen Kuhlmann verlor Ter erste Zutzballwettkampf. Das erste Fuhballwettspiel der Meisterschaften ging im festlich geschmückten Hochschulstadion vor 3000 Zuschauern zwischen Deutschland und Luxemburg vor sich Die Luxemburger legten eine ziemlich primitive Spielweise an den Tag und waren der deutschen Mannschaft in jeder Phase unterlegen. Die deutsche Mannschaft machte einen ausgezeichneten Eindruck und war aus jedem Posten glänzend beseht. Die erfolgreichsten Stürmer waren Heckmaier (DSV. München). KlaaS (Tennisborussia Berlin) und Schäfer (1860 München). 3n jeder Halbzeit sielen für die deutsche Mannschaft vier Tore, die ein Endergebnis von 8:0 sicherstellten. Heckmaier erzielte vier, Schäfer und KlaaS je zwei Tore. Das Treffen wurde von dem italienischen Schiedsrichter Saini geleitet. Beginn her Fechtwettkämpse. Die Fechimeisterschaslen wurden am Freitagmittag mit den Mannschaftskämpfen im Florett begonnen. Rach Absage von England und der Schweiz und dem Dazukommen von Dänemark standen sich noch fünf Rationen, und zwar Belgien, Frankreich, (halten, Deutschland und Dänemark gegenüber. 3n der ersten Runde gab eS überlegene Siege von Italien und Frankreich. Italien siegt« gegen Belgien mit 14:2 Siegen, Frankreich gegen Dänemark mit 13:3. In der zweiten Rund« griff die deutsche Mannschaft ein und traf auf die Italiener, die von Anfang an klar in Führung gingen und auch diesen Kamps sicher gewannen. Das Programm für SamStag. Der Samstag bringt zunächst die Fortsetzung der Wettkämpfe im Fechten und TenniS. Den Höhepunkt bildet am Rachmittag der Einmarsch der Rationen, dem bie Entscheidung um die deutsche Hochschulineisterschast im Handball zwischen Technische Hochschule Darmstadt und Universität Berlin folgt. In Frankfurt a. M werden die Vorrennen zur Ruder-Weltmeisterschaft auSgefahren, in Darmstadt findet am Abend ein Facklzug der Darmstädter Studentenschaft statt. 34. Mitielrheinisches Kreisturnfest. Oie Eröffnung. WSR. Hanau, l.Aug. In dem festlich geschmückten Hanau findet in diesen Tagen das 3 4. Mittelrheinische Kreisturnfest statt. Die Festtage begannen gestern mit dem Empfang der Saarturner, auf die ein wahrer Blumenregen niederprasselte. Auf dem von dichten Menschenmassen umlagerten Marktplatz sand die offizielle Begrüßung der Saarländer durch den Protektor des Festes, Oberbürgermeister Dr. Bla um, statt, der eingangs seiner Ausführungen betonte, welch' besonderes Herzensbedürfnis es gerade ihm als geborenen Straßburger sei, den Turnern und Turnerinnen von der Saar den ersten Gruß zu entbieten. Darauf begrüßte der Festvorsitzende und 1. Vorsitzende der Hanauer Turnerschaft, L i n n, die Turnbrüder von der Saar und verlieh seiner außerordentlichen Freude über ihr Erscheinen in so stattlicher Zahl Ausdruck. Für die Saarländer fand (Sauoertreter Burk, Saarbrücken, warme Worte des Dankes für den erhebenden und begeisterten Empfang in Hanau. An der ganzen Saar lehne man jedes Verhandeln und Verschachern mit Entrüstung ab. Deutsch sei man geboren und deutsch wolle man dort bleiben für alle Ewigkeit, und wenn die schwere Zeit des fremben Joches erfüllt ist, ungeteilt und ungebrochen zuriickkehren, ohne einen Quadratzentimeter Lanbes, ohne einen einzigen Mann geopfert au haben. — Am Spätnachmittag fand bann bie feierliche Jeffübergabe auf bem Marktplatz statt. 3n feierlicher Weise erfolgte unter ben Klängen ber Musik unb Mit- sührung ber Vereinsfaynen bie Einholung bes kunstvollen Kreisbanners burch die Hanauer Tumerschast. Als erster Festrebner betrat der erste Dorsihenbe ber Darmstädter Tumerschast Kalbhenn den Rathausbalkon, um mit einer kurzen Ansprache das Kreisbanner im Auftrage der letzten Feststadt Darmstadt zu übergeben. Der Gauvertreter des Rhein-Maingaues Roth übermittelte anschließend die Grüße der Stadt Darmstadt, worauf der 1. Vorsitzende der Hanauer Turnerschaft L i n n das Banner namens der Hanauer Turnerschaft bis zum nächsten Kreis- tumfeft in getreue Obhut übernahm. Es folgte die Begrüßungsansprache des Festprotektors Oberbürgermeister Dr. B l a u m, der sich selbst als alter Turner bekannte und treffende, ber Bedeutung des Festes und ber brutschen Tum- sache gerecht werdende Worte sand. Der Fest- vorsihende L i n n übergab das Fest hierauf mit Worten der Begrüßung dem KreisauSschuh. Der 1. Kreisvertreter Arthur Pfeiffer (Wetzlar) übernahm das Fest mit warmen Dankesworten an den Festausschuß, die Hanauer Turner, Bürger und Behörden. Das von ihm ausgebrachte „Out Heil" auf das deutsch« Vaterland und die Deutsche Turnerschaft brauste mächtig über den Platz, während feierliches Glockengeläut ertönte. Damit war daS Kreistumfest eröffnet — Am Abend fand in ber Festhalte ber Vegrüßungsabend statt. Die Halle war bis zum letzten Platz gefüllt. Die Begrüßungsrede hielt der erste Vorsitzende der Hanauer Turnerschaft Linn, worauf Kommerzienrat Schill (Osthofen), Kassenwart der Deutschen Turnerschaft. seine Freude über den Empfang in Hanau zum Ausdruck brachte. Er überreichte alsdann dem Cchwimmwart der Deutschen Turnerschaft Robert Braun bie Ehrenurkunde der D. T. An den offiziellen Teil schlossen sich eine Reihe von Darbietungen musikalischer und turnerischer Art, bie reichen Beifall fanden. Auch im Freien gab es bei Echeinwerferbeleuch- tung turnerische Darbietungen. Oie ersten Weiikampfergebniffe: (Eigene Meldung be8 .Gießener Anzeiger»".) = Hanau, 1. August Heut« früh begannen die verschiedensten Wettkämpfe des Kreisturnfestes. Um die Mittagsstunde war bereits der Fünfkamps der Turner beendet, der aus l(X)-Meter-Laus. Weitsprung, Kugelstoßen, Speerwurf und Freiübung bestand. Rachstehend ein Ueberblid über die Ergebnisse des Fünfkampfe» der Männer (374 Bewerber, 106 Sieger). 1. Sieg: Toni Spieler, Tv. Damm, 103 Punkte; 2. R. Schank, Tv. Tiefenstein. 96; 3. P. Biegel, Tv. Algenrodt 91 Punkte; wir nennen weiter die folgenden heimischen Sieger: 18. Wilhelm Wenzel, T.- u. Spielvg. Aufbauschule Friedberg, 72; 21. Willi Krick, Tv. 1860 Dad-Rauheim, Emst Stengel, Tv. Grvhen-Linden, 69 Punkte. Tic Hchrkämpse. Bei herrlichstem Wetter wurden heute nachmittag die Mehrkämpfe, die Krone der turnerischen Wettbewerbe, vor Tausenden von Zuschauern ausgetragen. Der Zwölfkampf (Geräte- und Bolksturnen) fand in Ober- und Unterstufe statt, der Zehnkampf A (Geräte) und der Zehnkampfv (gemischter Kampf mit Schwimmen) nur in der Oberstufe. Die Leistungen werden allgemein als hervorragend bezeichnet. 3m Zehnkampf A setzte sich Kipp (Klein-Auheim) mit nur einem Punkt Dorsprung vor dem Zehnkampfsieger beim Darmstädter Kreistumfest an die Spitze der Liste. 3m Zwölfkampf entstand ein scharfer Kampf zwischen 53eich u m (Reu-Bfenburg) und Winter (Frankfurt a. M). Der Kampf ist bei Weitergabe dieses Berichtes noch nicht zu Ende. Rachfolgend die Ergebnisse der Zehnkämpfe im Auszug: Zehnkampf A (56 Bewerber, 49 Sieger): 1. 3ohann Kipp, T. u. Spv. Klein-Auheim, 186 P.; 2. Rob. Haßler, Tgm. Bornheim. 185 P.; 3. Lorenz Schneider, Tv. Hönningen, 183 P.; 5. Adolf Fink, T. u. Spv. Marburg, 178 P. Zehnkampf B (58 Bewerber, 33 Sieger): 1. Hans Unkelbach, Tv. Bad Ems, 172,5 P.; 2. Hans Bergeeft, Tv. Sachsenhausen, 166,5 P.; 3. Jakob Steih, Tv. Offenbach a. M., 166 P.; 5. Hrch. Keil, T. u. Spv. Marburg, Ludw. Malkomesius, Mtv. Gie- hen, 156,5 P.; 8. Hch. Schmidt, Tgs. Büdingen, 152 P.; 10. Wilh. Reinhard, Tgm. Friedberg, 148,5 P.; 18. Wilh. Straub, Tv. 1846 Gießen, 143 P. Die Bolksturnmeistcrichaften. Heute nachmittag begannen auch die KreiS- m e i st e r s ch a f t s kä m p f e der BolkStur- n e r, die zugleich Ausscheidungskämpse für die am 17. August in Leipzig stattfindenden Volks- turnmeisterfchaften der DT. barftellen. Wir nennen in den zum Austrag gekommenen gut be* 1 setzten Konkurrenzen jeweils nur den ersten Sieger (Kreismeister) und im übrigen nur noch die Erfolge heimischer Vereine. 1 500-Meter-Lauf: 1. Rittet, Tgs. Koblenz, 4:12,4 Min. (neue Kreisbestleistung). 5000-Meter-Lauf: 1. Fornoff, Tgs. Darmstadt, 16:15,9 Min. Kugelstoßen (beidarmig): 1. Wengenroth, Tv. 1860 Frankfurt am Main, 23,44 Meter; 2. Langsdorf, Tv. 1860 Bad-Rauheim 21,44 Meter. Speerwerfen (beidarmig): 1. Wiener, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 76,35 Meter. Diskus (beidarmig): 1. Reuther^ Tv.Meer- hvlz, 68,68 Meter. Steinstoßen (beidarmig): 1. Reuther, Tb. Meerholz. 16,15 Meter. Dierkampf-Turnerinnen (100-Meter- Lauf, Weitsprung. Hochsprung, Kugelstoßen): 1. Luis« Schäfer, Tgs. Sachsenhausen, 340 Punkte; 2. »lse Bickelhaupt, Mw.Gießen, 334 P-; 3. Emmi Mensch Tgm. Bornheim, 325 P.; 9. Erna Al t ha u S, Mw. Gießen, 291 P^; 10. Tilli S spach Mtv. Gießen. 288 P. hlitßcner Lchwimrncrsolge. Bei den heutigen Schwimmwettbewer- den de« Krei-turnfesdes errang Emmi Mün» n i ch vom Tv. 1846 Gießen im 102-Meter- Seitenschwirnmen der Mittelstufe den 1. Sieg mit 1:39,1 Min. 3m 100-Mete»Höh-Schwimmen der Tumer-Mittelstuse wurde Fritz Werner vom Tv. 1846 Gießen der 7. Sieg mit 1:20,1 Min. Mehrkampf - Turnerinnen - Mittelstufe: 1. 3 bei Hauck, Tv. 1846 Gießen, 82,80 Punkt«; 4. Hanneli Weeg. Tv 1846 Gießen, 70.15 P; 6. Elfriede MünnichTv. 1846 Gießen, 64.40 P. S t reckentauchen - Turnerinnen- Mittelstufe: 1. 3del Hauck, Td. 1846 Gießen, 33,50 Meter. Brettspringen. Tumerinnen-Mittelftufe: 1. M. Strauß. Tgm. Hanau. 46,60 P ; 4. Hanneli Weeg, Tv. 1846 Gießen, 40.15 P.; 5. 3del Hauck, Tv. 1846 Gießen. 39,30 P. Brettspringen für Tumerinnen-Obcr- stufe: 1. Luise Sauer, Tv. Bad Homburg. 72.60 Punkte; 2. Leni Wagner. Tgm. Friedberg, 65,75 P.; 3. Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen, 63,75 P. Streckentauchen für AlterStumer: 1. Franz Sauer, Tv. 1846 Gießen, 40 Meter in 38-/- Sek. Streckentauchen für Turnerinnen-Ober- stufe: 1. Leni Wagner, Tgm. Friedberg, 20 Meter in 21,1 Sek. Jauffbalt-Iurnier der Turnerinnen. Die Kreismeisterschaft errang der Id. 48 Saarbrücken, der sich damit für die Teilnahme an den Endspielen um die Meisterschaft der DT. erwarb. Die einzelnen Ergebnisse sind: Mtv. Gießen — T g. Darmstadt 53:24, Tg. Worms — Tg. Koblenz 49 :25, Ta. Worms — Tg. Darmstadt 54:25, Tg. Koblenz — To. Saarbrücken 19:47, ‘Dl t o. Gießen — T g. Koblenz 36:31, To. Saarbrücken — Tg. Worms 31:20, T v. Saarbrücken — Mtv. Gießen 43:24, Tv. Saarbrücken — Tg. Darmstadt 46: 12. Oberhessen. Landkreis Gießen. X 2111 e n b o r f (Lab n), l.Aug. In ber Nähe unseres Dorses hat sich m den letzten 3ahren ein Freibad im K1 eeb ach in der Rähe der Untersorgemühle entwickelt, daS von der 3ugcnb unseres Dorfes und von jungen Leuten guS einem Rachbardorfe immer stärker besucht wurde. 3n der letzten Zeit haben sich aber insofern unliebsame Folgen ergeben, daß von jungen Leuten sowohl in der G e m e i n ö c - O b ft a n l a g c. wie auch an den Aeckern der Landwirte allerlei Unfug verübt und dabei Obstbäume und Feldgewächse mutwillig beschädigt bzw. vernichtet wurden. 3nfolgedesscn sah sich die Bürgermeisterei gezwungen, das Betreten der Gemeindeobstanlage durch Unbefugte zu verbieten und damit auch den Zugang zu dem Badeplatz zu sperren, d. h. Zuwiderhandlungen mit Straf« zu bedrohen. Ärcis Friedberg. • Butzbach. 1. Aug. Die Ortsgruppe Butzbach deS Landesverbandes der Polizeibeamten Hessens hat den Hinterbliebenen der Opfer im Reuroder Kohlenrevier die Spende von 100 Mk. überwiesen. Gewiß ein schönes Beispiel menschlichen Mittgefühls von einer Beamtenkategorie, die selbst unter steter Gefahr für Leib und Leben ihren Dienst versehen muß. Möge diese schöne Tat weiteren Kreisen ein Ansporn zur Nachahmung sein! Kreis Büdingen. # Büdingen, 1.Aug. Die DDA.-Iugend des Landesverbandes Hessen-Darm- ft a b t hat sich für das diesjährige Jugendtreffen unser Städtchen ausgewählt. Bereits am Samstag, 30. August, wird mit der schon jetzt in großer Zahl gemeldeten Jugend ein Rundgang durch Büdingen sein, dem am Abend ein Fackelzug und Abbrennen eines Holzstoßes folgt. Ein Auslands- deutscher wird die Feuerrede halten. Das eigentliche Fest ist am Sonntagnachmittag auf dem Fest platz der Schützengesellschaft und wird verschönt durch Spiele und Tänze einet Kärntnertruppe. Kreis Schotten. Y Gedern, 1. Aug. Dieser Tage fand im hiesigen Rathaus die diesjährige ordentliche Sitzung des Kuratoriums der städtischen höheren Schule unter dem Vorsitz von Bürgermeister Müller statt. Der Voranschlag für 1930/31 wurde nach eingehender Beratung genehmigt; er weist in Einnahme 14 388 Wk., in Ausgabe 16 888 Mk. auf, so daß ein Fehlbetrag von 2500 Mk. verbleibt. Die Schülerzahl der Anstalt hat sich gegen früher erhöht und beziffert sich zur Zeit auf 64. Bürgermeister Müller teilte im Verlause der Beratungen u. a. mit, daß die schriftlichen Arbeiten beim Abschlußexamen künftig nicht mehr nach Darmstadt zu schicken sind, sondern in der Schule selbst bewertet Werden- Weiter dankte er namens der Gemeindevertretung und deS Kuratoriums den Eisenwerken Hirzenhain für die entgegenkommende Forderung, die sie der Schule bisher immer angedcihen liehen. 3m übrigen beschäftigte man sich mit internen Angelegenheiten. Preußen. Kreis Marburg. WSR. Marburg, 1. Aug. Der hier im Ruhestand lebende Oberstleutnant OskarGeh- n e r begebt am 2. August den Tag, an dem er vor 60 Jahren ins Heer eintrat. Sein Etammtruppenteil war das 88. Rassauische Infanterieregiment in Mainz. Im Weltkriege, der ihn wieder zu den Fahnen rief, war er Kommandeur des Erfatz-Datalllons Infanterieregiment 32. Oberleutnant Geh ner macht sich besonders um die Verschönerung der Umgebung Marburgs verdient. Deshalb trägt auch eine neue Schutzhütte auf Bergeshöhe im Stadtwalde den Rainen „©efjnerblicf4. führt ab, es wirkt sehr milde, versuch es, und mn Du bist im Bilde HANOMAG- Der behaglich-bequeme Viersitzer Ein Wagen ganz nach Ihren Wünschen Hanomag bringt jetzt zwei Typen heraus und zwar mit le-PS-Molor (800 ccm) und mit 20-PS-Motor (1100 cm). 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Wer mit dem Volk eines Landes vertraut werden- will, der fahre ruhig dritter Klasse, selbst wenn er dadurch auf manchen Schnellzug verzichten muh. Die einfachen Italiener find zutraulich wie liebenswürdige Kinder und stets hilfsbereit: findet man ihr Land schön, so sind sie entzückt und preisen ihrerseits („ 3ug um Zug") Deutschland. Ein ehemaliger Kriegsgefangener erzählte, wie gut er cs während feiner Kriegsgefangenschaft bei einer deutschen Bäuerin gehabt hätte! er fügte hinzu, wie sie dessen eingedenk war, dah sich ihr Mann gleichzeitig kriegsgefangen in Rußland befand. So wirkt sich Menschlichkeit nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft auSI Natürlich erleichtert es den Verkehr, wenn man etwas Italienisch spricht. In den großen Städten kann man leichter nach dem Weg fragen, die richtigen Straßenbahnen und Autobusse benutzen, aber eine unbedingte Rotwendigkeit ist solche Sprachkenntnis nicht. Ueberall gibt es deutsche Frcmdcnhäuser. Doch will ich nicht undankbar sein und das italienische Hotel in Florenz nicht vergessen, mit dem hübschen Frühlingsnamen „Primavcra", wo ein Zimmer, mit fließendem Wasser bei voller Verpflegung 35 Lire kostete. Viele Deutsche aus dem gebildeten Mittelstände tarnen überall in Italien mit einem durchschnittlichen Pensionspreis von täglich 35 Lire (7,50 Mark) aus. Ist das Zimmer einfach. Zimmer im Hotel irgendwo frühzeitiger oder am anderen Ort daS Hotel früher so wäre auch daraus kein Rachteil für Ausflugsort Bingmühle •/»Std-von Grünberg,1 ,Std. von Laubach gelegen, an den herrlich. Waldungen um Grünberg iu Laubach u. den Parkanlag. des staatL Wasserwerks L Bad-Nauheim, Spez.: Handkäs, Apfelwein,frische Milch, Kaflee, Kuchen. — Fernspr. Grün berg 4. Reise pauschal! Von einem, derS versucht hat. Offen gesagt. Ich war skeptisch, um nicht zu sagen, daß ich mißtrauisch war. Die ganze Reise von drei Wochen bei dem Retse- burcau einkausen, ohne die Ware gesehen zu haben, gleich den GesamtpreiS pauschal vorher bezahlen, wer weiß, ob ich dabei gut und vor allem nicht zu teuer .fahren" werde? Run, die drei Wochen sind vorüber. Lob und Dank der Pauschalreisei RirgendS das zermürbende Herum- fud)cn nach einem Hotelzimmer, immer mit dem dunklen Empfinden, daß cs im Rachbarhvtcl wahrscheinlich billiger ist. Richt der Streit mit dem Droschkenchauffeur über seine viel zu hohe Forderung sür Gepäckzuschlag und Rachttaris und Trinkgeld. Richt mehr daS KurSbuchwäizcn und Portierausfragen, wann der beste Zug geht. Lind, ja, vor allem: Keine verschwenderische Lebensführung in den ersten beiden Wochen, bis in der dritten das Geld so knapp geworden ist, daß erst der RachmittagSkassee ausfällt und dann das Abendessen zusammenschrumpft. Es i st alles vorher bezahlt. Drei Wochen kann dir nichts passierens — „Omnia tua tecum portas“. Du trägst deine Reise in einem halb Dutzend Gutscheinen in der Drusttasche. 'Dieses Ressegeld wird keiner stehlen: waS hätte er auch davon, er wäre rasch durch eine Postkarte um die Früdite seines Besitzes gebracht. DaS alles ging höchst einfach vor sich: Em Weg zum Rcisebureau. Man entwarf seine Reisewünsche, sprach über Ziel und Dauer, gestand freimütig, wieviel Geld die Reise ungefähr kosten dürfe, welche Art von Hotels gewünscht würde, und der verständige und reisekundige Fachmann sagte freundlich: .Morgen schicke ich Ihnen einen genauen Reiscplan mit Fahrplan, Hotels. Ausflügen, Gepäcktransport ufw. für die ganze Reise." Am nächsten Tage lag die Dreiländerreise fit und fertig auf dem Schreibtisch, jeder Tag sauber eingeteilt mit seinem Pensum, da kann dir nix gescheh'n. Bequemste Art, in die Welt zu fahren, sagt daS Reiseburcau: »Wir denken — und Sie brauchen nur zu reisen." Als ich zurückkam, fielen meine lieben Freunde mit Fragen über mich her. .Pauschalreise? — Da hast du doch sicher viel mehr bezahlen müssen: denn daS Reisebureau hat doch tüchtig an dir verdient." Ich wurde wieder skeptisch und fing an zu rechnen. Alle mitgebrachten Hotelprospekte und Reiseführer wurden auf ihre Preise geprüft — und es ergab sich, daß das Reisebureau in der Tat verdient haben mußte, nämlich etwa 10 v. H vom Zimmerprcis. Aber ich hätte das gleiche Zimmer als Einzelreisender sehr wahrscheinlich auch nicht billiger bekommen als in meiner Eigenschaft als Pauschalreisender. Ein anderer fragte mich, ernsthaft interessiert, ob ich nicht als »Massenkunde" ein wenig schlechter, lässiger behandelt worden sei. Diesem Freunde muß ich sagen, daß ich ganz ausgesucht höflich überall bedient worden bin. Ich war seit Tagen in dem Hotel angemeldet, es konnte mit mir als einem stabilen Faktor für so und so viele Tage, Frühstücke und Diners rechnen (angenehme Kalkulation). Der Hotelier mußte schon im eigensten Interesse mich, den Pauschalreisenden, gut behandeln. Täte cr's nicht, und gigantische Ausgabe. Die Eindrücke überstürzen sich. Die PeterSkirche: die Erhabenheit selbst. Dia Sammlungen dcS Vatikans: Offenbarung höchster Kunst DaS Serum Romanum, der Palatin, daS Kolosseum, daS Kapitol: geschichtliche Ehrfurcht stellt sich ein. Der Spaziergang von der Villa Borghese zum Pincio bringt unS dem lebenden Italien nahe. Die berühmte Aussicht von des Terrasse: daS große, das ewige Rom. eine unsterbliche Macht. Eine Enttäuschung: die Dia Appiai DaS Pantheon — RaffaclS Grab don Feierlichkeit erfüllt. Drei Tage Rom. sie schreien geradezu nach Wiederkehr: gern opscrt der bescheidene Fremde einen Reifepfennig in dem berühmten Brunnen RomS. um sich das sagenhafte Recht auf diese« Wiedersehen zu erkaufen. And die Kosten? Mit Verpflegung und Olebcn- auSgaben wie Rundfahrt. Wagen- und anders Fahrten, etwa 45 Mark. (Gesegnete 45 Mark» Und nun Olea bei, la bella Rapoli: den überwältigendsten Eindruck von Stadt und Vesuv hat man vom Posilipp. dem Dcrg. der mit der Straßenbahn bezwungen werden kann. Die Hauptsehenswürdigkeit: daS Rationalmuseum und darin wieder die bedeutsamen Funde auS Pompeji und Herculaneum. Für uns Deutsche ist mit dem Begriff Neapel der AuSflug nach E a p r i untrennbar verbunden: auf dem Wege von Capri nach Anacapri zeigt sich die Welt von ihrer schönsten Seite, ilnö die Blaue Grotte? Beileibe kein .Kitsch" vielmehr ein Wunder, da- himmlisches Wohlbehagen auSlöst. Andersartige Eindrücke gewährt der Abstecher nach Pompeji, der im Iahre 79 n. Ehr. durch den AuSbruch dcS DcsuvS verschütteten und in der Reuzeit wieder auflgegrabenen römischen Stadt mit hellenischem Gepräge. Am stärksten empfindet man wohl in dem berühmten Haus der Vcttier, wie hoch das Kulturniveau der Alten war. Der dreitägige Aufenthalt In Reapel -- wesentlicher Teil dcS Reiseprogramm- — hat einschließlich der Ausflüge. Verpflegung und Rcben- ausgabcn gegen 40 Mark gekostet. Vs ist für den Reisenden sehr vorteilhaft, daß er in italienifd)en Gasthäusern, auch Privatpenftonen, bei sogar nur eintägigem Ausenthalt Penfion erhält. Und nun zum Endziel: Taormina. Für die nächtliche Bahnfahrt wird man vor Messina mit einem herrlichen Sonnenaufgang belohnt. Sizilien bewillkommnet die Fremden. Im Autoomnibus, der uns für 65 Pfennig von der Station nach dem Ort bringt, bleiben die müdesten Augen offen. Meer, Aetna. Himmel, Blumen, sie wirken zusammen, um den unbeschreiblichen Reiz von Taormina hervorzuzaubern, ilngeftraft wandelt man hier unter Palmen, Kakteen wachsen wild an allen Abhängen neben Mimosenbäumen: Zitronen- und Orangenbäume felbertoei«. aber selbst die uns gut bekannten, so gar nicht exotischen Blumen, die Rosen, Tulpen, Relken, Anemonen. Levkojen, Goldlack. Margareten überraschen un«. wenn sie in verschwenderischer Fülle und in sattesten Farben im Giardino publico wachsen. Immer stärker wird der Eindruck: es wächst in dieser herrlichen Ratur alles mühelos. Es lebt sich auch im Frühlingssonnenschcin über dem blaugrünschimmcrnden Meer mührioS. Aber wohl sehr kostspielig, fragen Sie? O, bitte, in der Hotel- Luftkurort Rodheim a. d. Bieber bei Gießen. Antn. Gebirgslandschaft, herrliche, weltausgedehnte Laub- und Nadelwälder, mit Naturachön- h eiten reich gesegn. Wald- und Wies entliehen, reizvolle Spazierwege, gute Unterkunft in Oast- und Privathäusern, pro Tag 4.50bis 5.50Mark. Auskunft durch den Verkeursverein. 3534D Selbst ein größeres Opfer lohnt Florenz. Wer die Meister der Frührenaissance in sein Herz geschlossen hat, erlebt beglückende Momente vor den Bildern von Botticelli. Fra Angelico. Filip- pino Lippi in den Assizien. In der kleineren Galerie Pitti bedarf es nicht lange Suchen-, um Raffaels „Madonna della Sedia" und Gior- giones „Konzert" zu finden. Schon von fern winken sie unS gleichsam zu wie vertraute Freunde. Hinter dem. Palazzo Pitti lädt zur Erholung der Giardino BobolL An diesem fürstlichsten aller Gärten haben wir ein charakteristische- Beispiel italienischer Gartenkunst, alles ist auf das Dekorative gestellt, die düstere Zypresscn- allee ebenso wie das Amphitheater, die Grotten, die steinernen Figuren. Das Verständnis für italienische Kunst überhaupt erfordert, daß wir uns in ihre Welt der Formen hineinverfehen. Darum sollte eine erste Reise nach Italien nicht ganz unvorbereitet angetreten werden: Bücher von Lichtwark, Volkmann, vollends von Wölfs» lin geben eine treffliche Anleitung zum künstlerischen Sehen. Wer vor Raffaelschen Madonnen kalt bleibt, dem hat sich der Sinn für die Schönheit der italienischen Form noch nicht erschlossen. Erst dann wird er die Raumschönhcit so mancher Kirche, auch der PeterSkirche, mit vollem Bewußtsein erfassen. Dem natürlich emp- sindcnden Menschen geht schon in Florenz, erst recht in Rom die ganze Größe Michelangelos auf. Aber auch der Raturgenuß darf nicht zu kurz kommen! Die Florentiner Straßenbahn fährt nach Fiesole, nach SanMtniato, nach der Pia- zale Michelangiolo, von allen Aussichtspunkten erschaut man die Stadt Florenz, in Gärten eingebettet, in all ihrer Lieblichkeit. Vier Tage solcher Herrlichkeit erforderten mit Versiegung, Wagcnsahrten. Ansichtskarten, Rachmittagskaffee rund 45 Mark: diese Ausgabe lohnt wahrlich die Fülle der Eindrücke, die Florenz verschwenderisch bietet. Erfreulicherweise sind die Eintrittsgelder fast ganz ausgehoben. Die Fahrt nach Rom durch blühende Obstgärten legt man erwartungsvoll zurück: man nähert sich altklassischem Boden. Rach der An- funft ist die Frage der Unter fünf t die dringlichste: bei den warm empfohlenen Grauen Schwestern ist nichts frei, sie nennen eine Schweizer Kloster Arrnsbuvgk Schönst gelegener Ausflugsort Sehenswerte Klosterruine Veste Verpflegung in der Kiofiennühle Sommerfrische 3152D «utobusoerb. Sonn- und Feiertags ab Gießen 13.30 Uhr, zurück 18.15 Uhr. Dienstag,Donnerstag, Samstag abl3.30 Uhr. WaTöfesianrant u. Sommerfrische ..Hubertus" Beuern (Kr. Gießen) idyllisch gelegener Ausflugsort Inmitten berrlicher Laub- und Nadelwaldungen. Angenehm. Familienaufenthalt,Wochenend. Solide Preise. Von der Bahnstation Gr.-Buseck in DOM in. erreich bar. Autolinie in 10 Minuten. Inh.: Heinrich Baier. AldO fl 5000Einw.(Strecke Gleßen- HluIUlli Fulda), die Heimstätte hervorragend schöner altertüml. Bauten (darunter das einzigartige Rathaus, eine Perle gotischer Baukunst) u. eines hochinteressanten Heimat- Museums. — Anmutige Umgebung, gute Verpflegungsgelegenheiten. Prospekte durch den Ver- kehrs- und Verschönerungsverein. 4671D Herbstein Vogelsberg. 455 Meter. Wald und Wasser in nächster Nähe. Angenehmer Ferienaufenthalt Pensionspreis bei 4 Mahlzeiten Mk. 4.50. fiuthaas und metzgerel HcL Both, Tel. 29. Prospekt auf Wunsch, 4676D Münzenberg! Gasthaus zur Burg Schöntt.AuSslugöort wunderb. Fernsicht. Angen.Ansentb^gute BerofL für «efellfd). u. Vereine gr. Saal, sch.Gartenanl.M61O Empfehlungen von Bädern und Sommerfrischen finden durch den GießenerAnzeiger beste Verbreitung. 3m Dorspruch von Stendh als berühmter I so stellt sich der Preis etwa- niedriger. Aber .Reise in Italien" heißt es: .Wer zufällig ein auch dort leuchtet die Sonne ItaliensI __ Herz besitzt und ein Hemd, verkaufe dieses, um die Umgebung des Lago Maggiore, Santa Eroce in Florenz, den Vatikan in Rom und den Vesuv bei Reapel zu sehen." Run — selbst der Verkauf von einem Dutzend Hemden ermöglicht noch keine italienische Reise, und doch ist sie auch für Leute, die mit ihren Mitteln haushalten müssen, erschwinglich. Läßt jemand gar von seinem Vorhaben verlauten, feine Reise bis nach Sizilien auszudehnen, so hebt dies feinen Kredit und läßt ihn in manchen Kreisen als »kleinen Krösus" erscheinen. Die Irrigen Vorstellungen über die Kosten einer Italien-Reise zu berichtigen. soll zum Ruhen vieler Deutscher geschehen, denen Stauen bisher ein unerfüllter Traum geblie- Oos Woe Modi Herrliche neuzeitliche Äadean« läge / Große Waldungen miiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiD Pension Fichera sind Sie für 85 Lire in einem Zimmer mit Aussicht aufs Meer (für 30 Lire ohne Aussicht), gut untergebracht und verpflegt. Sie erhalten abends fünf Gänge vorgesetzt, mittags fehlt die Suppe. Aber sehen Sie nicht im Dädeker nach: das Haus ist wie andere Pensionen grundsätzlich nicht darin vermerkt. Die Rechnung für die erste Woche betrug 293 Lire, ist Ihr Bedarf an Postkarten, Zeitungen, Kaffee ein großer, so kommen noch 70 Lire hinzu, so daß Sic für diese Woche Sizilien rund 75 Mark auf- dringen müssen. Italien: Wunsch, Traum, Sehnsucht der Deutschen! Möge es vielen, wie einst unserem größten Dichter, vergönnt sein (und ich denke besonders an die, denen der Beruf nur ein freudearmes Leben gewährt), diese köstliche Bereicherung ihres Daseins au erfahren. — Glückauf zur Italiensahrt, ihr bescheidenen Leute! Wanderfahrten. Bieber — Hohensolms — Allenberg — Hermannstein — Wetzlar. Wir verfolgen von Bieber die Landstraße über Königsberg nach Hohensolms (Wirtschaft Führer). Don hier leiten uns rote Striche hinüber zum be- waldeten, von eirtcm Aussichtsturm bekrönten Altenberg der von altgermanischen Riimwällen umgeben ist. Leider ist die Besteigung des Turmes, von dem man einen entzückenden Rundblick hat, nicht ganz ungefährlich. Am Fuße des Berges treffen wir gelbe, liegende Kreuze, denen wir nach rechts folgen. Wir kommen vorerst durch Wald, später über die große Heide und darauf wieder durch schönen Buchenhochwald bis zum Schnittpunkt mit gelben Dreiecken. Dielen folgen wir nach links und wandern auf einem zwischei zwei lieblichen Tälchen hinziehenden Waldrücken weiter. Beim Austritt aus dem Walde herrliche Aussicht in das Lahn- und Dilltal. Auf Feldwegen gelangen wir nach Hermannstein, dessen Burg, ruine mit ihren zwei hochragenden Schornsteinen uns schon von weitem entgegenwinkt. Auf guter Land- straße kommen wir alsbald nach unserem Endziel W'tzla Dauer der Wanderung 4% Stunden. Stockheim — Glauburg — Lindheim — Büdingen. Don unserem Ausgangspunkt Stockheim gehen wir in einer halben Stunde nach der 270 Meter hoch liegenden Glauburg. Auf dem Gipfel erhebt sich ein überaus hoher und steiler Ringwall aus altgermanischer Zeit, dem noch ein niedriger Wall vorgelagert ist. Im Innern der Wälle hat im frühen Mittelalter urkundlich die gewaltige Reichsburg Glauburg gestanden, von der allerdings nichts mehr zu erkennen ist. Wir verlassen die Glauburg auf der Südwestseite und gelangen auf einem Feldweg zur Staatsstraße dicht vor Enzheim (% Stunde). Don hier kommen wir in einer Viertelstunde nach Lindheim (Gasthaus „Zur Post"). Der Ort, der eine reizende Lage hat, ist in weiten Kreisen bekannt geworden durch die treffliche Erzählung „Die Schreckensjahre von Lindheim" von O. Glaubrecht, der hier 24 Jahre als Pfarrer wirkte und auch in Lindheim begraben ist. Der Schauplatz der Erzählung, der Hexenturm, steht, noch. Wir gehen jetzt durch dos schöne Seemenbächtal in weiteren 2% Stunden über Düdelsheim und Büches, zu unserer Rechten die bewaldete hardeck und die stattliche Ronneburg, nach unserem Endziel Büdingen, dem hessischen Rothenburg. Reisewinke. Ferien an der Bnnsteinküste der Ostsee. Besuch der masurischen Seen, Tannenbergdenkmal, Urwälder mit Riesen-Elchhirschen der Nehrung, Vogelwarte Rossitten, Danzig, die historischen Städte und Stätten von Marienburg bis Memel, das malerische, farbenprächtige Hügelland mit seinen Herr- lichen Seebädern an der Bernsteinküste bringen ge- sundheitlich größten Gewinn mit geringen Kosten, denn in Ostpreußen lebt man billlger wie ander- rckärts. Besonders für Schulkinder und junge Mädchen, nervöse, bleichsüchtige, skrofulöse und drüsen- kkanke, deshalb zurückgebliebene, nicht versetzte Sorgenkinder tut ein Ostseeaufenthalt an der Bernsteinküste Wunder. Sie holen dort in Schulen aller Art, mit ihren Schülerheimen und Pensionen oft alles nach und verlieren kein Schuljahr, finden unter ärztlicher Aufsicht, liebevoller Betreuung und bester Verpflegung ^ür ein Sommerhalbjahr oder ganzjährig in den Bade- und Kurorten idealen Aufenthalt. Darum geht selbst und schickt auch eure Kinder nach dem wirtschaftlich und national hartbedrängten Ostpreußen. Im Ostseebad Rauschen finden auch Feriengruppen hessischer Schulen mit Begleitung billig Aufnahme im Schulheim zu mäßigen Preisen, junge Mädchen, weibliche Angestellte, Beamte usw. im Ferienheim Baldur bei guter Verpflegung während ihres Erhdlungsaufenthalts. Spielplan ver Frankfurter Theater. Opernhaus. Dom 1. bis einschließlich 14. August geschlossen. Am 15. August Wiedereröffnung: Das Land des Lächelns. Schauspielhaus. Dienstag, 5., und Mittwoch, 6. August, von 20 bis gegen 22.30 Uhr: Gastspiel der Berliner Rotterbühnen: Meine Schwester und ich. Oie Jagd im August. Der Rothirsch fegt, und die hohe Zeit der hirschgerechten Jägerei steht vor der Tür, die Jagd auf den Feisthirsch, von dem es heißt: „Der Feisthirsch ist ein Rachtgespenst, das du nur ahnst und niemals kennst." Heimlich und mißtrauisch steckt der starke Hirsch allein, oder mit einem oder zwei Beihirschen in verschwiegener Dickung, um sie meist erst nach Schwinden des Düchsenlichtes zu verlassen und auch vor Tau und Tag wieder aus Haferschlag und Wicsengrnnd dorthin zurückzutrollen. Ihn zu jagen, gilt heute noch als die Krone des Weidwerks, während die Jagd auf den Drunfthirsch früher verpönt war. Rur der galt als „hirsch- gerecht", der die Birschzeichen kannte und den edlen Schweißhund zu führen verstand, mit dem man das „Rachtgespenst" „bestätigen" und vor die Schützen „lanzieren" konnte. Wenn die Augustsonne recht heiß brennt, dann übt die Suhle auf den Hirsch eine große Anziehungskraft, und häufig wird der Ansitz an ihr zum jagdlichen Erfolg führen. Das Schwarzwild findet in Haferäckern und Kartoffelfeldern reich gedeckten Tisch. In der ersten Hälfte des Monats erreicht die Brunft des Rehwildes ihren Höhepunkt. In der Nachahmung der verschiedenen Lautäuhe- rungen des Rehes bieten sich nun dem Jäger Möglichkeiten, noch diesen oder jenen braven Bock auf die rote Decke zu legen. Die Blattjagd gibt ihm die Gelegenheit, einen großen Teil seines Wildstandcs kennenzulernen und mit Auswahl abzuschießen, was reif oder abkömmlich ist. Gegen Monatsende Pflegen dann die Böcke nach den Anstrengungen der Brunstzeit meist recht heimlich zu sein. Der F u ch s ist auch wieder in den Wald übergesiedelt, während sich die alte Fähe vorher im Getreidefeld, wo sich beim M4hen mancher Rotbau findet, mit ihrem Geheck am sichersten fühlte. Dort haben auch die Jungfüchse es gelernt, sich selbst durchs Leben zu schlagen. Der Dachs unternimmt weite nächtliche Wanderungen und findet am Fallobst besonderen Geschmack. In Kartoffel- und Rübenäckern hat der Hase seine Kinderstube aufgeschlagen. Vielfach sind es schon Häsinnen vom ersten Sah, die dort jetzt setzen. Rebhühner wird man jetzt, wo die Deckung draußen immer weniger wird, häufiger beobachten können. Leider sind nicht wenige Gelege vermäht worden. Man beobachtet auffallend viel Paarhühner ohne Junge. Daneben sind aber andere Ketten schon so wohl entwickelt, daß man mit gut schußreifen Hühnern zu Jagdbeginn rechnen kann. Wer sich später manche ermüdende und verdrießliche Sucherei ersparen will, benutzt nach dem Abschluß der Getreideernte die Gelegenheit, sich über seine Ketten zu orientieren. Diese Tätigkeit stellt auch eine ausgezeichnete Vorübung für den Hund dar, zumal wenn Herr und Hund noch nicht durch das Schießen beeinflußt werden. Wie mancher heitzersehnte erste Hühnerjagdtag ist doch schon zu einem Tag größten Aergers geworden, weil Herrn und Hund die Rerven durchgingen! Auch die Jungfasanen sind schon gut entwickelt. Ihnen dürfte, wie allem Riederwild, das trockene Wetter des Juni zugute gekommen sein. Enten beobachtet man in diesem Jahre wieder mehr, als im letzten. Rach dem riesigen Verlust im Winter 1928/29 scheint eine Erholung eingetreten zu sein, woran die Verkürzung der Schuhzeiten nicht unbeteiligt sein dürfte. An Flüssen. Bächen, Seen und Tümpeln, aber auch auf Stoppeläckern bieten sich mancherlei Möglichkeiten zu ihrer Jagd. Schuh seines Wildes vor zwei- und vierbeinigem Raubzeug aller Art muh immer wieder erstes Gebot des Hegers bleiben. Hubertus. Rundfunkprogramm. Sonnte August. 7 Uhr: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15 bis 9.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Landeskirche Frankfurt a. M. 10: Von Biebrich: „Die Frontkämpfer- und Kriegsgefangenenverbände der ehemaligen Feindstaaten und ihre Beziehungen zu den deutschen Verbänden", Vortrag von Dr. Joachim Givens, Berlin. 10.30: Von Biblis: Stunde des Chorgesangs. 11.30: „Ein musikalischer Streifzug durch China", Vortrag mit Schallplattenbeispielen von Dr. W. Hei- nitz, Hamburg. 12.30: Von Breslau: Mittagskonzert der Schles. Philharmonie/ 14 bis 15: Stunde der Jugend. 15: Stunde des Landes. 16: Konzert des Berliner Mozartchors. 17: Von Darmstadt: Akademische Weltmeisterschast. Fuß- ballauftakt. Anschließend: Zeppelinlandung. 17.50: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „I. M. Sailer als religiöser Erzieher", Vortrag von Dr. I. M. Rielen, Frankfurt a. Olt. 18.50: „Der Welfenschah in Frankfurt", Vortrag von Prof. Dr. Georg Swar- zenski. 19.30: Heitere Wahrheiten aus dem Alltag. 20.15: Rach Stuttgart: Der Detter aus Dingsda. 23.15 bis 0.30: Unterhaltungsmusik. Montag, 4. August. 7.30 bis 8.30 Uhr: Von Bad Kreuznach: Konzert des Kurorchesters. 12.20: Schallplattenkonzert: Unterhaltungskonzert. 15.15 bis 15.45: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Rassau und Waldeck: „Frauen und Politik", Vortrag von Dr. Rosa Kempf. 16: Aus dem Kurhaus Bad Kreuznach: Konzert des Kurorchesters. 17.55: „Musik im Lande der weißen Elefanten (6iam)", Vortrag mit Schallplattenbeispielen von Dr. W. Heinitz, Hamburg. 18.35: „Selbstanzeige", zu seinem 50. Geburtstag vorgetragen von Hermann Kesser. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Von Bad Kreuznach: Unterhaltungskonzert. 21: Spiritistische Sitzung im Senderaum. Dienstag, 5. August. 7.30 bis 8.30 Uhr: Von Bad Kreuznach: Konzert des Kurorchesters. 12.20; Von Schlangenbad: Konzert. 13: Schallplattenkonzert: Unterhaltungskonzert. 15: Hausfrauennachmittag. 16: Von Stuttgart: Rachmittags-Konzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Was verstehen wir unter Asthma?" Vortrag von Dr. med. Isserlin, Bad Soden i. Ts. 18.35: Von Stuttgart: „Die Landler", Vortrag von Mathias Muh. 19.05: Von Stuttgart: „Was nennen wir Zeitgeist?", Vortrag von Oskar von Wertheimer, Berlin. 19.30: Von Stuttgart: Sinfonie Rr. 7 in E-Dur von Franz Schubert. 20.15: Von Stuttgart: Bunter Abend. 21.30: Von Stuttgart: Kammermusik. Mittwoch, 6. August. 7.30 bis 8.30 Uhr: Von Bad Orb: Konzert des Kurorchesters. 12.20: Don Stuttgart: Promenadenkonzert. 13: Schallplattenkonzert: Kirchenszenen. 15: Don Stuttgart: Stunde der Jugend. 15.50: Don Darmstadt: Akademische Weltmelster- schaft. Entscheidung im Schwimmen. 16.20: Von Stuttgart: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Der neue Westen", Bericht vom Wiederaufbau auf den Kriegsschauplätzen von Paul Edmund Hahn. 18.35: Von Freiburg: „Zur Stellung der Musik in der heutigen Gesellschaft", Vortrag von Dr. Edelstein. 19.05: „Auf unbetretenen Pfaden durch Borneo II", Vortrag von Dr. Hans Erath, Ravensburg. 19.30: Ehe. Dialoge für Rundfunk. 20: Von Bad Homburg: Wagner- Abend. 21.15: Von Stuttgart: Große Kleinkunst. Vortragsfolge in Prosa, Gedichten und Platten. Donnerstag, 7. August. 8 bis 9 Uhr: Von Bad Münster am Stein: Konzert des Kurorchesters. 12.20: Schallplattenkonzert: Lieder zur Laute. 15: Rach Stuttgart: Stunde der Jugend. 16: Don Bad Kreuznach: Konzert des Kurorchesters. 18.05: Zeitfragen. 18.35: „Der Student der Gegenwart", Vortrag von Dr. I. M. Rielen, Frankfurt a. Ölt. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Don Stuttgart: Wiener Musik. 20.30: Don Stuttgart: „Das Deutschtum in Amerika", Vortrag von George Seibel, Pittsburgh (Pennsylvania), Präsident des Amerikanischen Turnerbundes. 21: Von Salzburg: Serenade. 22: Von Koblenz: Großes Mili- tärkonzert. Jreifag, 8. August. 8 bis 9 Uhr: Von Bad Münster am Stein: Konzert des Kurorchesters. 12.20: Schallplattenkonzert: Franz Schubert. 15.15: Don Kassel: Erziehung und Bildung: „Arbeitsschulmähige Methode im physikalischen Unterricht", Vortrag von Oberstudienrat Gaß, Kassel. 16.10: Don Darmstadt: Akademische Weltmeisterschaften. Leicht- athltztikentscheidung. 16.40: Don Bad Münster am Stein. Konzert des Kurorchesters. 18.05: Buch und Film. 18.35: Don Freiburg: Aerzie- vortrag: „Sportschäden". 19.05: Don Stuttgart: ,. Das neuzeitliche Kunfträtsel", Vortrag von Geh. Archivrat Dr. R. Krauß. 19.30: Von Stuttgart: Populäres Konzert des Philharmonischen Orchesters. 20.30: Don Stuttgart: Die deutschen Kleinstädter. Lustspiel in vier Akten von August v. Kotzebue. 21.30: Don Stuttgart: Streifzug durch den Aether. 23 bis 24: Von Stuttgart: Tanzmusik. 0.30 bis 1.30: Rur für Frankfurt und den Deutschlandsender: Rachtkonzext. Samstag, 9. August. 7.30 bis 8.30 Uhr: Don Bad Homburg: zert des Kurorchesters. 12.20: Schallplattenkvn- zeit: Spanien. 14: Hundebörse. 14.30: Von Stuttgart: Stunde der Jugend. 15.40: Von Darmstadt: Akademische Weltmeisterschaften: Leichtathletik- entscheidung. 16: Von Stuttgart: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: StundG des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Gertrud Hermes und ihr Werk über die Psychologie des Proletariers . 18.35: Stunde der Arbeit: „Fabrikgeschichten", Vortrag von H. de Kort. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Blasmusik. 20.30: 20 Jahre Conference. 22.30 bis 0.30: Tanzmusik. Starkenburg. (p Darmstadt, l.Aug. Der von dem Diakonissenhaus Elisabethen st ist errichtete R e u b a u eines mit allen modernen Einrichtungen versehenen chirurgischen Krankenhauses ist jetzt soweit fertiggestellt, datz die Einweihung am 10. August erfolgen kann. Der kirchliche Weiheakt wird durch hetf Prälaten der Hessischen Evangelischen Landeskirche D. Dr. Diehl vorgenommen werden. An der Aufbringung der erheblichen Mittel für jben Bau und die Einrichtung haben sich die loeiteften Kreise des Landes beteiligt; auch das Landeskirchenamt hatte eine allgemeine Landeskirchenkollekte angeordnet, die im ersten Halbjahr 1930 zur Erhebung kam und schöne Beträge ergab. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der ’ Schriftleitung.) L. D. Wenn Sie als Witwe ein Stück Land auf eine bestimmte Reihe von Jahren verpachtet haben, so müssen Sie nach ihrer Wiederoerheiratung doch die Pachtzeit aushalten, es sei denn, daß sich der Pächter mit einer Abkürzung der Pachtdauer einverstanden erklärt. Versuchen Sic eine gütliche Rege- lung; eine Kündigung ist unzulässig, wenn seinerzeit nichts anderes ausbedungen worden ist. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 3. August. 7. Sonntag nach Trinitatis. Sladtkirche. 8 Uhr: Pfr. Mahr; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde; 9.30: Pfarrer Becker. — Iohanueskirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgölneinde; 9.30: Pfr. Schlaudraff; 20: Bibelbesprechung im Jobannessaal; Pfr. Lic. Waas. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Luthergemeinde. — Llisabelhklein- kinderschule. 8.15: Christenlehre für die Neukonfirmierten der Petrusgemeinde; 9.45: Pfr. Lic. Waas.—- Klein-Linden. 8: Hauptgottesdienst; anschließend Christenlehre für die weibliche Jugend; 10: Kindergottesdienst. — wiefeck. 9.30: Pfr. Hartmann, Alten- Duseck. — Allen-Buseck. 10: Alten-Buseck; 14: Trohe. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Jugend; 13.30: Lollar. — hausen-Garbenleich. 10: Hausen; Pfr. Staubach, Watzenborn; 13.15: Garbenteich; Pfr. Krämer, Stein- bach. — Watzenborn-Steinberg. 13: Hauptgottesdienst mit Christenlehre. — Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Pfr. Wunsch, Zöpen; hl. Abendmahl; 12.45: Kinder- gottesdienst; 14: Stiftsdechant Kahn. Katholische Gemeinden. Samstag, den 2. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 3. August. 8. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte;^?: Messe; Kommunion der Männer; 8: Stommunlon; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Grün- berg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 12.30: Christenlehre und Andacht. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrcm und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schollen. 10.30: Hochamt mit Predigt.______________ Sonntagsdienstd.Aerrtcu. Avotbeken am3. 8. 30 S.-R. Dr. Schltephake. Dr. Schäffer. Engelapotbeke .iabnarzt: Dr. Fischer.____________D Hanomag jetzt vlersihig. Der neue Hanomag, ein 4°Zylinder-Automobil mit vier sehr breiten und bequemen Sitzen, hat viele Verbesserungen auhuroei« sen. U. a. wird der neue Wagen mit einem 16-PS- Motor in der niedrigsten Steuerklasse (800 can) bzw. mit einem 20-?8-Motor in der nächst höheren Steuerklasse (1100 ccm) herausgebracht. Je nach Geldbeutel und Ansprüchen kann also jetzt jeder den viersitzigen Honomag-Wagen wählen, der ihm paßt. 5427V Korpulenz im Gommer Uebermäßige Körperfülle ist besonders in der warmen Jahreszeit lästig. Korpulente oder zum Ansatz veranlagte nehmen dreimal täglich 2 bis 3 Toluba- Kerne, die in Apotheken erhältlich sind. 3488v Kennen 0ie schon das jüngste Erzeugnis -er persitwerte: ® Hentel's Aufwasch-, Spül- und Reinigungsmittel? Aber das ist natürlich, sie ist klug und nimmt Persil! Beachten Sie stets einen wichtigen Punkt: die richttge Menge! . . — Auf je 3 Eimer Wasser kommt 3 Paket Perfil. J Für jeden Kessel wird die Lauge neu in kalte« f V ? Wasser bereitet. STANDARD MOTOR OIL : wtonflt« Mh-Wn- ! Rrulanfir. Licffiaas- anldjlie^tnb ; 10: Äinber- ;mann, Sillen« d; 14: Trohe, nlehre für blt ): Lollar. - 1fr. Lioubach, rämer, Stein- j)auptflottes' Vcichtc: 9.30: 2,45: Jtinber« h Irinifofij. >ch Thristen' Matthaus« annerklrchc. ehre für bie 9.30: $fr, 1(1* M «4 * babtiv, intung bot) M sich bit hwauer tln« ütlidje Regt. !nn flinerzeit frnomMM inoeiapoiit« mr > m her war- >t zum Önfai s3lolub» [mb. w® ; Kommunion amt mit Pre« id)L - (Brün- lungtn. 17.30: • fiothami mH bad)!. - tlch. N)N. Mittag«, •ÄJ 0 ut errich. ern$n gin, S rrtfln* M. bah [e kann, dem Prz. -ndeskirche ' .2ln der -W 2au , poften Lande«. Kirchen, ’laot 1930 W ergab. bt! ’ Hanomag, t'n reiten unb bi' SOOcan) &)»• id)[t --Heren hl. 3e na-h esit jeder den tt*S> Unser ideal kombiniertes System schützt Sie bei günstigen Prämien gegen die materiellen Folgen von Krankheit • Unfall • Tod und sichert Ihnen bei schadensfreiem Verlauf der Versicherung bedingungsgemäß eine GEWINNBETEILIGUNG zu. Es gelangten zur Verteilung: •1928-rm 560000- und wurden zur Verfügung gestellt für •1929=rm 1100000.- DEUTSCHE KRANKEN VERSICHERUNGS-A.G. BERLIN - SCHÖNEBERG Filial-Direktion Frankfurt am Main Mainzer Landstraße 42 Telephon Maingau 73439 Zuverlässige, einwandfreie Vertreter stets gesuchtl NUR FÜR NICHTVERSICHERUNGSPFLICHTIGEI Bitte ausschneiden! / Als Drucksache In Umschlag stecken Erbitte kostenlose Zusendung von Prospekten Nam e:.................- .................. Beruf:— Lebensalter:---------- Deutliche Adresse:-----------------------------------------— 5410V geschmeidiger Riesenkraft . . . treibt ESSO jeden Motor. 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Ss war alles wie vorher: der leise zitternde Wagen, der Führer vor ihm, er selbst im Rücksitz de- Wagen-, Vorsorge zu rechter Zeit nen und... , .Sagten Sie etwa-, Herr 6onitu6r fragte — toeit&cr klang die — da- tut gut!“ Sie bestellten einen starken Kaffee und ließen sich eine Kleinigkeit zu elfen geben. GS mochte noch keine halbe Stunde vergangen Bieber tata-Merei am Lutherbergweg Es blühen jetzt sehr schöne Stauden 1 Daher lade ich alle Blumenfreunde zur kostenlosen Besichtigung am Sonntag, dem 3. August freundlich ein. 04801 Geöffnet von 9 bis 7 Uhr. Eberhard Schwarz Gartenarchitekt. Der Gedanke an Barbara schmerzte ihn beinahe körperlich. Mas war mit ihr geschehen? Weshalb diese fürchlerliche Vision? Gr wollte sich darüber lustig machen wollte daS Bild verscheuchen, wollte eS als einen albernen Traum verlachen. Aber er kam nicht loS davon. .Wir werden gleich 'da fein“, bedeutete ihck der Ghaufseur. Reginald atmete auf. .Wenn nur diese Fahrt einmal au Snde ging!“ Gr muhte an die nächtliche Fahrt denken. Die er mit Barbara zusammen gemacht hatte, nachdem er auf solch seltsam« Art und Weise mit ihr zusammengetroffen war. Unb er gelobte sich, nach ihr zu suchen, bi- er sie fände Der Wagen hielt mit einem leichten Ruck. Reginald hörte Stimmen und sah hinaus. .Jawohl. daS ist R". faate ein Mann, der gerade auS dem kleinen DorfwirtShauS kam, zu dem Ghaufseur. Sie warxn scheinbar angelangt. Auch GontiuS schaute nun zum Wagenfenster hinaus. „CCBo ist di« Landjägerei?" fragte er. „21m Gnde deS Orte-", kam der Bescheid. Sie fuhren hin. Alle» war in tiefste Dunkelheit «hüllt. „Der Landjäger wird wohl tm oberen Gasthof fitzen bei feinem Rachtfchoppen", liest sich eine grämliche Weiberstlmrn« von oben vernehmen. _Wo brennt - denn, dah Ihr mir die Tür ein- haut?“ Wirble ins Leben! Roman von Anna Fink. LIrheber-RechtSschutz durch 23«tlag Oskar Weister. Werdau. S.-A ging steifbeinig zur Tür b Reginald GonttuS liest ft< auf einen der Holzstühle nieder. „Kommen Sie", sagte er zu dem Ghaufseur. „nehmen Sie etwa- heisten Kaffee oder Tee „Ja". Tagte Reginald gottergeben. „da hilft da- dann nicht-, da müssen wir un- eben den Mann selber heranholcn." .Ich fürchte. Herr", meinte der Chauffeur nachdenklich. .da- wird in diesem gottverlassenen Rest wohl feine Schwierigkeit haben, die richtigen Leute zum Suchen zu bekommen." „Ersuchen wir unter Glück", sagte GontiuS. und sie stiegen wieder ein. Sie fanden auch bald den Gasthof und traten in bie Gaststube. Da «8 schon spät war. sasten nur wenige Gäste in dem großen Raum. Ganz hinten in der Öde thronte der Landjäger, au seinen Süßen, den Kopf auf die beiden Doroerpfoten gedrückt, lag ein riesiger deutscher Schäferhund, der eher einem richtigen Wolf als einem Hunde ähnlich fah. Sin wahres Prachtstück feiner Gattung. Alle Anwesenden hoben die Köpfe, al- die beiden Fremden eintraten. Diese gingen sofort auf den Landjäger zu. der sich etwas schwerfällig vom Sitz erhob. .Ich vermute, die Herren kommen de» abgestürzten Wagen- halber", sagte er und stellte sich dann vor. indem er stramm stand: „Landjäger Richter!" GontiuS und der Ghaufseur nannten gleichfalls ihre Ramen. und ersterer tagte zu dem biederen Alten: „Herr Landjäger, ich bin von meinem Bekannten beauftragt, die Angelegenheit in die Hand au nehmen. Hier meine Dollmacht." Sr Acigtc Ihm ein Papier, das in dem Sinne von Bernhard Much unterzeichnet war. dah er. da er selber krank. Herrn Reginald GontiuS beauftrage usw. Der Alte la- da- Papier dreimal andächtig durch und gab es Reginald bann zurück. „Führen Sie uns hin", drängte Reginald. „3a. lieber Gott, jetzt in der Rächt?" fragte der Landjäger so entsetzt, dast Reginald sich eine- Lächelns nicht erwehren konnte. „Ia, natürlich!" gab er zur Antwort. ,Lieber Herr", meinte der andere, „der Wagen ist in ein kleines Tal hineingestürzt. wo kein Weg hinabführt. Oben am Berge ist die Landstraste. Don dort können Sie morgen bei Tag besser umschauen." „Run, hören Sie mal", sagte GontiuS zu dem Landjäger, der offenbar wenig Lust zeigte, sich von seinem Schlummerschvppen weg in die Rächt holen zu lassen, „es handelt sich doch viel weniger um den Wagen — den können wir drei doch nicht hinauffchleppen — als um die Insassin." „Ah so!" Der Alte machte große erstaunte. Augen. „Sine Frau bat drin gesessen? Ia. Ist sie denn ganz allein gefahren?" „So ist cS leider", nickte Reginald, „sie ist nämlich die Gattin von diefem Herrn Much, der mich beauftragt hat. weil er krank liegt." ,3a. was hat die denn so in der Rachl allein berumzufahrcn? Gin Frauenzimmer gehört doch in» HauS und nicht einsam in der Rächt mit dem Auto auf die Landstraße", entsetzte sich der Biedere. Um die drei hatte sich ein KreiS von Zu- f(bauern und -Hörem gebildet, die mit offenen Mäulern bestanden. Sowa» war hier gewist noch nie passiert. Reginald überhörte die derbe, sonst gutgemeinte Bemerkung geflissentlich und fragte Dagegen: ..Haben Sie schon die Umgebung nach der verunglückten Frau abgesucht?" „Freilich, freilich. Dir wuhten ja nicht, wer unb wieviel Leute in dem Wagen gefesfen hatten. Aber wir konnten niemanden finden", war bie eifrige Antwort. „Haben Sie im Wagen irgendein Kleidungsstück von der Dame gefunden?" fragte Reginald. Der Gefragte dachte nach. „Mir ist nichts ausgefallen." „Lafsen Sie unS sofort nach der Unglücksstelle fahren!" rief Reginald. .Ich kenne den Wagen ganz genau. Rehmen Sie Laterne ober Fackeln mit und noch zwei ober drei junge Burschen. Und vor allem — Ihren Hund. Wir lassen den Hund dann Judben!" Ich! war auch Leben In den alten Knacker gekommen. „Sie sind einmal ein umsichtiger Herr". Tagte er voll Bewunderung unb fuhr bann fort: „Franz, lauf geschwind zu meinem Kollegen. Gr soll gleich kommen. GS ist ganz waS Wichtig«-." Der halbwüchsige Dengel setzte sich in Bewegung und war im Umsehen verschwunden. „Setzen Sie sich, meine Herren", sagte der Landjäger, „mein Kollege wird sofort kommen. Gr ist noch ein junger Kerl. Ich werde. mich derweil um ein paar Fackeln bekümmern." Gr Hypothekengeld an I. Stelle, nur gute Wohn- und Geschäftshäuser, zu kulantesten Bedingungen in kürzester Zelt Bankhaus Herz & CO. Telephon 2741 und 2742 bioiü fein, al- der Kollege deS allen Landjäger- sich einiand. „Gr war fchon tm Bett", erklärte der Bursch«, der ihn geholt hatte, .er ist halt noch jung verheiratet!" fügte er i'erschmitzt hinzu. Die Anwesenden lachten behäbig und verständnisinnig. während der junge Mann auf Gonttu» zuging und sich al# Georg Grundmann vorstellte tfr war ein hübscher, forscher Mensch mit einem offenen Gericht. und Reginald fühlt« sofort Swnpathie für ihn Gr schüttelte ihm die Hand und sagte: Gs tut mir leib, dast ich Sie so stören lafsen muhte, aber die Sache eilt." „Weist fchon. der hat'- mir bereit- gefast." Drundmann wie- auf den jungen Kerl, der ihn geholt hatte. Draußen vor der Gasttür« wurde Hundegebell hörbar Die Tür ging auf, und der alte Richter erschien. „Ra, da bist du ja", nickt« er Grundmann xu. „So kann » lo-gehen Gin paar Fackeln habe ich auch aufg