Nr. 152 Erster Blatt Mittwoch, 2. Juli ^950 180. Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drntf und Verlag: vrühl'sche Untverfilätr-Vuch- und Stcinörnderei H. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. anterSammemummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen, poftfcheckkonto: Snmffurtom Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20* a mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter^ sämtlich in Gießen. Crschetni täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Eteßener Familienblätter tzeimat im Bild Die Scholle Monat» Bezugspreis. 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Der Alltag. Die Festreden am Rhein waren im allgemeinen das, was Festreden zu sein Pflegen: eine An- Häufung von mehr oder weniger verbindlichen Allgemeinplähen, eine Zusammenfassung alles dessen, was bereits in tausend Leitartikeln gestanden hat, ein Rühren an die sentimentalen Seiten des Volkscharakters. Es wäre gut, wenn wirklich bleibende Impulse von diesen Defreiun'gsfeiern ausgingen. Manchmal sind auch gute Worte gesprochen, wie 3. B. vom preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun, der in Wiesbaden von der Achtung gegenüber der Meinung Andersdenkender sprach. Wirklich politische Töne hat eigentlich nur der Reichsinnenminister Dr. Wirth in seiner Rede in Mainz gefunden. Er sprach davon, daß die Freiheit am Rhein teuer durch den Tributplan erkauft sei, der noch Kinder und Kindeskinder belaste. Er warf die Frage auf, ob angesichts der Weltwirtschaftskrise die heutigeOrdnung derWeltwirtschaft als befriedigend angesehen werden könne und verneinte sie im gleichen Augenblick. Dr. Wirth stellte dann die Forderung, daß jede mögliche neue Ordnung Deutschland die Möglichkeit geben müsse, das zu zahlen, was es wirklich l e i st e n kann. Cs sei zu hoffen, daß die übrigen Staaten einschließlich der Amerikaner noch in diesem Iahre zur Einsicht kommen werden. Der Rhein sei zwar jetzt frei, so erklärte Dr. Wirth, aber Deutschland fühle sich noch nicht frei, da es den übrigen Völkern noch nicht gleichberechtigt zur Seite stehe. Dabei verwies der Innenminister auf die fehlende Abrüstung, die allein den Bestand des Friedens und die französische Sicherheit gewährleisten könne. Im allgemeinen Pflegen die Staatsmänner auf solchen großen patriotischen Kundgebungen sich nicht mit den ernsten Fragen der Politik zu befassen. Was man sonst hörte, war zwar nicht frei von Ernst, bewegte sich aber doch mehr in den landläufigen Bahnen der unverbindlichen Festreden. Dr. Wirth hat der Rheinlandfeier in Mainz eine politische Rote gegeben und diese Worte werden auch in denjenigen politischen Kreisen einen Widerhall erwecken, die dem Reichsinnenminister aus innerpolitischen Gründen kritisch gegenüberstehen. Denn deutlicher ist wohl von einem aktiven Staatsmann noch niemals der Gedanke ausgesprochen worden, daß eine Revision in dem unmöglichen Verhältnis zwischen Deutschland und den Siegermächten eintreten müsse, daß endlich einmal Rücksicht genommen werden müsse auf Deutschlands Lei- stungsfähigkeit und daß ohne Abrüstung kein wirklicher Friede in Euro- p a hergestellt werden kann. Es war gut, daß auch einmal so ernste Töne in dem Befreiungstrubel zu ihrem Rechte kamen, denn es wäre für Deutschland nicht nützlich, wenn im Auslande der Eindruck entstehen würde, als seien wir jetzt, abgesehen von der Saarfrage, politisch gewissermaßen saturiert. Die deutsche Außenpolitik wird in den kommenden Monaten wabrscheinlich vor sehr schwerwiegende Entscheidungen gestellt werden. Es wird keinen Tag Pause in dem Ringen um die Gleichberechtigung Deutschlands geben. Mit der Rheinlandräumung ist eine Voraussetzung dafür geschaffen worden, daß sich Deutschlands Stellung in Europa allmählich wieder etwas freier gestaltet. Aber wir sollten feinen Tag die Hemmungen und Fesseln vergessen, die der Versailler Vertrag auch heute noch dem Rheinland auferlegt. Die entmilitarisierte Zone ist eine der Sonderbestimmungen, die von den Franzosen dazu ersonnen worden ist, daß sich ein etwaiger künftiger Konflikt zwischen den beiden Ländern in jedem Fall auf deutschem Boden abspielen soll. In den Festartikeln anläßlich der Rheinlandräumung ist der Etappencharakter dieses politischen Ereignisses oft zu wenig zum Ausdruck gekommen. Das liegt vielleicht in der Ratur solcher Kundgebungen, in denen man ein freudiges Ereignis nur von seiner besten Seite zu betrachten sucht. Aber darin besteht auch eine gewisse Gefahr. Denn gerade wir Deutsche neigen dazu, uns allzu leicht über unsere Stellung in der Welt Illusionen zu machen. Wer wollte leugnen, daß das schon der Fehler des Vorkriegsdeutschland gewesen ist. Aber auch heute findet der Deutsche nur allzu schwer die realpolitische Mittellinie, die gleichermaßen _ das Pochen auf die nicht vorhandene militärische Kraft vermeidet, wie auch das würdelose Rachlaufen gegenüber dem Auslande und das kritiklose Hinnehmen aller pazifistischen Elaborate. Die Rhemlandräumung trifft in eine Zeit, in der dos deutsche Volk feine ganze Kraft zusammcnnehmen mutz, um eine schwere innere Krisis, die schwerste seit der Inflationszeit. zu überwinden. Gewitz ist der Optimismus berechtigt, daß sich die Dinge schließlich zum Guten wenden werden, aber ohne stärkste Kraftanstrengung wird dieses Ziel nicht erreicht.^Wenn das Erlebnis des Iubels im befreiten Rheinland dazu beiträgt, die guten Energien im deutschen Volke und allen seinen Ständen zu stärken, dann ist damit die Berechtigung einer solchen Feier in der jetzigen Zelt erwiesen. Wir sollten uns aber hüten, uns jetzt allzu sehr sentimentalen Stimmungen hinzugeben. Die Zeit ist hart und fordert harte Entschlüsse. Ie eher sie gefatzt werden, desto schneller wird es gelingen, den Tiefpunkt der inneren Krisis zu überwinden, älm aber dazu bereit zu sein, ist weniger die Hochstimmung der Festtage, als die nüchterne Alltagsstimmung der zielbewuhten Arbeit erforderlich. Um die Mehrheit für Dietrichs Oeckungsprogramm. Berlin, I.Iuli. (Priv.-Tel.f Der Kampf um die Mehrheit, die die Reichsregierung für die Deckungsvorlage benötigt, wird um jede Stimme geführt. Größtes Interesse konzentriert sich dabei auf den sogenannten Schiele-Flügel der Deutschnationalen, der seine Selbständigkeit im Prinzip durch eine gestern stattgefundene Sondertagung dokumentiert hat. Ihre Stimmen können, wie es schon früher der Fall war, bei einzelnen Abstimmungen über die Deckungsvorlage entscheidend werden. Es scheint, daß die Regierung gewisse Hoffnungen auf eine Unter- tühung von feiten der Schiele-Westarp-Gruppe etjen kann. Man hat zwar keine ausdrückliche Verbindung zwischen der Deckungsvorlage und anderen Gesehen vorgenommen, aber, da der Reichsfinanzminister ausdrücklich erklärt hat, daß die Durchführung des Osthilfgesehes unbedingt von einer Sanierung der Gesamtfinanzen abhängig sei und da dieses Gesetz erst n a ch der Deckungsvorlage vom Reichstag verabschiedet vkird, glaubt man, mit dieser Kombination der Schiele-Gruppe zum mindesten nahegelegt zu haben, das Zustandekommen der Deckungsgesehe nicht zu gefährden. Auch mit der Volksparte i dürfte sich die Situation für die Regierung gebessert haben, da sich die Bereitschaft, über die Deckungsvorlage mit Brüning zu verhandeln, durchgesetzt hat. Reuerdings tauchen in parlamentarischen Kreisen im übrigen Kombinationen auf, die von einer gewissen Fühlungnahme zwischen Zentrum und Sozialdemokraten wissen wollen und die Vorschläge auS Zentrumskreisen, am Wehretat zu sparen, als eine freundliche Geste zur Sozialdemokratie betrachten. Es scheint, daß die allgemeine Ferienstimmung des Parlamentes schließlich auch noch ihren Teil zur Unterstützung Brünings leistet. Oie Haltung Der Volkspariei. Minister Curtius verteidigt seine Zustimmung. Berlin, 2. Iuli. (ERB.) Die Reichstags- sraktion der Deutschen Volksparte' hielt Dienstagabend eine Fraktionssihung ab, die sich bis in die späten Nachtstunden erstreckte. In ausführlicher Aussprache wurde die neue Deckungsvorlage der Reichsregierung behandelt. Reichs- autzenrninister Dr. Curtius verteidigte seine Zustimmung zu dem Regierungsprogramm. — Die Mehrzahl der Redner vertrat _ die Auffassung, daß zunächst die Beschlüsse des Reichsrats abgctoarlet werden müßten. Dann soll in Verhandlungen geklärt werden, wie weit die Reichsregierung etwa den Forderungen der Volkspartei entgegenkommen werde. Von dem Verlauf dieser Verhandlungen werde die endgültige Entscheidung abhängig gemacht werden. Oie Oeutschnationalen und das Oeckungsprogramm. Berlin, 1. Iuli. (TA.) Heber die Haltung der deutschnationalen Reichstagsfraktion, die für die parlamentarische Durchführung des neuen Deckungsprogramms der Reichsregierung von ausschlaggebender Bedeutung ist, schreibt der ..Schnelldienst": Es ist etwas ganz anderes, ob unter einem brutalen Iunktim-Druck über unbedingt notwendige Agrargesetze abgestimmt werden muß oder ob widersinnige neue Steuergesetze zur parlamentarischen Entscheidung stehen. Auch der Flügel der Deutsch- nationalen Partei, der unter schweren Gewissenskämpfen glaubte, um der Rot der Landwirtschaft willen dem Kabinett Brüning eine Galgenfrist geben zu müssen, ist keinesfalls gesonnen für sich und für die gesamte Deutschnationale Partei parlamentarischen Selbstmord zu begehen und um einer unter marxistischem Einfluß stehenden Teillösung willen die große bürgerliche Rechte von der schon im frühen Herbst notwendig werdenden grundsätzlichen Auseinandersetzung auszuschalten. Alle Hoffnung auf eine neue Spaltung der deutfchnationalen Fraktion, die eine Annahme der Voungsteuem ermöglichen solle, mutz begraben werden. Oie Beamtenschaft auch gegen das neue Rotopfer. Bcrwaltungsreform und Beschränkung der fachlichen Ausgaben gefordert. B e r l i n, 30. 3uni. (Tel.-Hn.) Angesichts der neuen Deckungsvorlage der Regierung hat der Geschäftsführende Vorstand des Reichsbundes der höheren Beamten eine Eingabe an die Reichsregierung gerichtet, in der er etwa folgendes ausführt: Trotz mancher noch bestehender Unklarheiten läßt sich so viel erkennen, daß die anfänglich als Rotopfer, später als Reichshilfe bezeichnete Abgabe als S 0 n - der st euer der Beamten einen Hauptbestandteil auch des neuen Deckungsprogramms bildet. Eine solche Sondersteuer mutz nach wie vor von der Beamtenschaft als ungerecht und verfassungswidrig abgelehnt werden. Die höhere Beamtenschaft hält in vollem Bewußtsein ihrer Verantwortung an dem Standpunkt fest, daß die Sanierung der Reichsfinanzen nicht durch eine Sonderb el a ft u n g oder mehrfache Belastung eines einzelnen Berufs st andes erfolgen darf, für die die Rücksichtnahme auf Stimmungen, nicht aber sachliche Erwägungen maßgebend sind. Vielmehr muh das Ziel der Sanierung der Reichsfinanzen erreicht werden durch gleichmäßige Heranziehung aller leistungsfähigen D 0 lksschich - ten und vor allem durch weitgehend« Einschränkung der sachlichen Ausgaben. Die öffentliche Verwaltung muh vereinfacht und verbilligt werden. Dieser Weg ist nach Ansicht der höheren Beamtenschaft auch zur Deckung des gegenwärtigen Etatsdefizits mit Erfolg gangbar. Berlin, 1. Juli. (WTB.) Nach den gestrigen großen Kundgebungen aus Anlaß der Befreiung des Rheinlandes, die im Deutschen Stadion, im Lustgarten, bei Kroll und an anderen Plätzen stattfanden, wurde der heutige Tag mit Schulfeiern' eingeleitet. In Scharen zogen die festtäglich gekleideten Kinder dann durch die Stadt zum Lu st garten hin. Alle öffentlichen Gebäude der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden und auch die Kirchen hatten geflaggt, ebenso viele Privathäuser. Ferner hatten sämtliche öffentliche Verkehrsmittel — Straßenbahnen und Autobusse — sowie die Untergrundbahnstationen sich mit Fähnchen geschmückt. Für die Reichswehr wurden in der evangelischen alten Garnisonskirche und der katholischen Heereskirche in der Hasenheide Gottes- Die Vesreiimgsfeier der Reichshauptstadl Reicher Naggenschmuck. - Saluffchießen -er Reichswehr im Lustgarten. bienfte abgehalten. Den Höhepunkt der Veran- ftaltungen bildeten das Salutschießen im Lustgarten. Heller Sonnenschein lag über dem Lustgarten, als in der Mittagsstunde die Wacht- batterie des Artillerieregiments 1 Berlin dem befreiten Rheinland den Gruß der Reichshauptstadt entbot. Mit klingendem Spiel zog die Truppe, von einer vieltausendköpfigen Menge jubelnd begrüßt, durch das Brandenburger Tor und die Linden zum Lustgarten. Hier erwartete der Chef der Heeresleitung, Generaloberst Heye, und der Stadtkom- Mandant von Berlin die Truppe. Vier leichte Feld« Haubitzen kündeten mit 21 Salutschüssen der schweigend verharrenden Zuschauermenge die endliche Stunde der Befreiung der Rheinlands. Einholung der Trikolore vom Schloß in Mainz. — Im Kreis: General Guilleaumat und Oberkommissar Tirard beim Abschied auf dem Mainzer Hauptbahnhof. Tirard über die Räumung. Paris, I.Iuli. (WTB.) Der bisherige französische Delegierte bei der Rheinlandkommission Tirard, der heute früh zusammen mit General Guillaumat und den restlichen Desahungstruppen in Paris eingetrofren ist, erklärte bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof: Die deutsche Bevölkerung des besetzten Gebietes hat sich bei unserer Abreise vollkommen korrekt ver- halten. Wir haben unser Vertrauen zur bona fides Deutschlands bewiesen. Möge diese Geste von der deutschen Regierung und der deutschen Bevölkerung verstanden werden. Man mutz der Zukunft ohne Pessimismus, aber auch ohne übertriebenen Optimismus ent gegen sehen. Ich habe mich in zwölf Iähren mit zahlreichen Deutschen unterhalten können. Alle haben mir erklärt, daß die Besetzung den Rational st olz verletze und das einzige Hindernis für die Annäherung Der Völker sei. Run Wohl, wir haben d i e Schranken entfernt. Wir werben erleben, was eintreten wird. Wir haben wenigstens die Gewißheit, unsere volle Pflicht getan zu haben, damit die deutsch-französische Annäherung in die Acra der Verwirklichung ein tritt. Trauerkundgebungen in Paris Paris, l.Iuli. Die nationale Liga für öffentliches Wohl und das Nationale Komitee des Generals M o r d a c teilen mit, daß gestern von den Delegierten dieses Verbände die Straßburg- Statue auf b e u Concordia-Platz mit Trauerflor bekleidet worden ist. Straßburg sei beute der Vorposten einer offenen Grenze und werde morgen das erste O p f er der deutschen Revanche (ein. Die Mitglieder haben sich im Anschluß hieran auch zum Denkmal des Kriegsdichters Paul Dero u lebe begeben, der, wie sie erklären, die Verkörperung der Wachsamkeit in Frankreich gewesen sei. Dank den Toten Der Reichskanzler auf demGarnisonfried- Hof und am Grabe Ltrefemanns. Berlin. l.Suli. (WTB.) Aus Anlaß der Befreiung der rheinischen Lande begab sich Reichskanzler Dr. B r ü n i n g . begleitet vom Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Pün - ver, von den Chefs der Heeres- und Marineleitung auf den Garnison- friedhof in der Hasenheide. Er legte dort einen Kranz von Eichenlaub im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten und einen Lorbeerkranz namens der Reichsregierung nieder, um an diesem Tage dem unauslöschlichen Dank Deutschlands für seine Gefallenen im Weltkriege Ausdruck zu geben. Die preußische Staatsregierung hatte zu gleicher Zeit Staatsminister Dr. H i r t s i e f e r aus den ®ar- sonfriedhof entsandt, um gemeinsam mit der Reichsregierung die Toten des Weltkrieges durch einen Kranz zu ehren. Von hier aus begab sich der Reichskanzler zum Grabe des verstorbenen Reichsministers Stresemann und legte in treuem Gedenken an seine großen Verdienste um die Befreiung der Rheinlande auch dort einen Kranz der Reichsregierung nieder. Am Grade Stresemanns erschien ferner für den Deutschen Reichstag Präsident L ö b e in Begleitung der Schriftführerin Frau Bohm- Schuch (Soz.). Vizepräsident von Kardorff war zugleich mit seinen Parteifreunden am Grabe Stresemanns erschienen. Außerdem sah man u. a. Kränze der preußischen, der hessischen und der pfälzischen Regierung. Zahlreiche Städte hatten ebenfalls Kränze geschickt. 3m Auswärtigen A m t wurde eine von der Hand Professor Seegers geschaffene Büste Dr. Stresemanns enthüllt. Das durch Spenden der Ausländsdeutschen ermöglichte Bildwerk hat in unmittelbarer Rähe des Arbeitszimmers des verstorbenen Staatsmannes Aufstellung gefunden. Bei dem feierlichen Akt sprach Reichsminister Dr. Curtius Worte ehrenden Gedenkens. Die Reichshauptstadt wird zwangsetatisiert. Berlin, 2. Juli. (CNB. Eigene Meldung.) In der gestrigen Sitzung des Berliner Stadtparlaments wurde die Deckung des Etatsdefizits abgelehnt. Keine einzige Partei hat sich entschließen können, den neuen Steueroorschlägen des Magistrats ihre Zustimmung zu geben. Die Folge dieser Abstim- mung ist die Zwangsetatisierung der Reichshauptstadt durch den Oberpräsidenten der Mark Brandenburg. — Bei den Beratungen kam I es zu wüsten Tumultszenen Schon während der Debatte im Saal war es zu lebhaften - Auseinandersetzungen zwischen den K o m m u n i ° st e n und Nationalsozialisten gekommen. Als der nationalsozialistische Etatsredner Dr. Lippert den Saal verließ, folgten ihm 8 bis 10 kommunistische Stadtverordnete. Diese fielen im Vor- raum des Beratungssaales über ihn her, warfen i h n z u B o d e n u n d f ch l u g e n a u f i h n ein. Stadtverordnete anderer Fraktionen und ein herbeigeeiltes Polizeiaufgebot machten der Schlägerei ein Ende. Oer Einzug der Schutzpolizei in Mainz. ' $ !>■-> A- S*C- • WA - K t NW Jubelnder Empfang der Schutzpolizei auf der Brücke zwischen Mainz und Kastel. Abrechnung mit den Separatisten. Kaiserslau tern. 1. Juli. (WSR.) Zu den gestern schon kurz gemeldeten Ausschreitungen gegen mehrere hiesige Einwohner, die früher der separatistischen Bewegung angehört hatten, erfahren wir noch: Unter Absingung von Liedern zogen ungefähr 300 Personen durch die Bahnhofstraße zum Geschäftslokal der Bürstenfabrik Snob l o ch, wo sie sich vorerst damit begnügten, die Schaufenster zu zertrümmern. 3v der Rähe befindet sich die Firma R i n s ch e, deren Inhaber ebenfalls als Separatist bekannt war. Auch hier wurden die Fenster eingeschlagen. die Ladeneinrichtung zertrümmert und hie Waren auf die Straße geworfen. In geschlossenem Zuge marschierte die Menge weiter zu dem Instrumentenhaus Wallach, wo Musikinstrumente aller Art auf die Straße geworfen und die Rolläden abgerissen wurden. Dann zog die Menge wieder zu der Firma Knobloch zurück, wo sie in das Ladeninnere eindrang und auch hier Verwüstungen anrichtete, um schließlich in die Wohnung des Inhabers im 3. Stock einzu- dringen. Alles, was hier irgendwie zu entfernen war, wurde auf die Straße geworfen und d i e Wohnung dann in Brand gesteckt. Die Feuerwehr mußte ausrücken und konnte den noch im Entstehen begriffenen Brand bald löschen. Die rheinischen Separatisten haben es sich gewiß nicht träumen lassen, daß es einem Teil von ihnen schließlich doch noch an den Kragen gehen würde. Sie hatten zu stark darauf vertraut, daß die deutschen Behörden ifmen nach dem Abzug ihrer Beschützer Hundertschaften vor die Türe stellen würden, um sie vor der Empörung der rheinischen Bevölkerung, die das Treiben der separatistischen Horden nicht vergessen hatte und auch nicht vergessen konnte, zu schützen. Was von feiten der Polizei geschehen ist, um in den geräumten Städten des Rheinlandes die Ordnung aufrechtzuerhalten, bewegte sich im Rahmen des Möglichen, ileberall konnten sie natürlich nicht sein. Infolgedessen konnte sie auch nicht verhindern, daß hier und dort für manche der Volks- und Landesverräter das dicke Ende nachkam. Verurteilt und gerichtet waren sie schon lange, auch als die Franzosen noch auf deutschem Boden standen. Alles ging ihnen aus dem Wege, niemand wollte etwas mit ihnen zu tun haben. Soweit sie nicht seßhaft waren, aber böse Ücber- raschungen zu fürchten hatten, sind sie entweder über die Grenze gegangen, vielfach in der Fremdenlegion geendet oder aber im Laufe der Zeit spurlos verschwunden. Die seßhaften Separatisten aber haben jetzt einen tüchtigen Denkzettel erhalten und werden auch weiterhin, sobald der Rachedurst der Bevölkerung einigermaßen gelöscht ist, das Dasein von Ausgestoßenen führen, um die jeder einen weiten Bogen schlägt. Reichsreform in Mitteldeutschland. Nationalsozialistische Zusammen- schlutzpläne. Berlin, l.Iuli. (Priv.°Tel.) Durch den Eintritt der Rationalsozialisten in die thüringische Regierung und durch den Wahlerfolg, den die Rationalsozialisten kürzlich in Sachsen erzielt haben, sind neuerdings, vor allem in Thüringen, Gedanken über einen Zusammenschluß von Thüringen und Sachsen aufgetaucht. Bei den Rationalsozialisten erfährt der Plan eines solchen mitteldeutschen Staatenblocks noch einen gewissen Antrieb durch die beschleunigte Entwicklung, die die Frage der Reichsreform in der letzten Zeit genommen hat. Man denkt sich nämlich, daß ein Staat, der sich aus Thüringen und Sachsen zusammenseht, und einen gewissen Zusammenschluß Mitteldeutschlands bebeuten würde, kaum, wie es jetzt möglich erscheint, nach der Reichsreform zu einem Land zweiter Ordnung gemacht werden kann. Die Rationalsozialisten wollen alsc> zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, d. h. sie wollen einmal verhindern, daß Thüringen ein Land zweiter Ordnung wird, und sie wollen weiter sich eine starke und geschlossene Stellung in Mitteldeutschland schaffen. Der Gedanke des sächsisch-thürin- gischen Zusammenschlusses ist im übrigen nicht neu, mau hat verschiedentlich in politischen Kreisen derartige Tendenzen beobachten können. Wie weit die Rationalsozialisten in Thüringen Bet der etwaigen Durchführung solcher Zusammenschlußpläne eine Llnterstnhung aus anderen Kreisen und Parteien erwarten können, ist noch nicht zu übersehen. Nationalsozialistische Kundgebungen. Proteste gegen das Unisormverbot. Berlin, 1. Juli. (WTB.) Die Nationalsozia- listischc Deutsche Arbeiterpartei Gau Berlin veranstaltete am Dienstagabend im Svortpalast eine .Kundgebung gegen die neuesten Unterdrückungsmethoden der nationalen Opposition", an der etwa 15 000 Personen teilnahmen. Es sprachen das Mit- glied des sächsischen Landtages Studentkowski, sowie die Reichstagsabgeordneten Wagner (Bochum), Göring und Dr. Goebbels über das Thema „Verbot statt Brot". Die Nationalsozialisten waren infolge des Unisormverbotes in weißen Hemden erschienen. Vor und während der Kundgebung wurden bis 11 Uhr nachts insgesamt 31 männliche und acht weibliche Personen wegen Tragens verbotener Uniformstücke und Abzeichen festgenom - men und dem nächsten Polizeirevier zugeführt. Von den Sistierten wurden elf männliche, und sieben weibliche der Abteilung IA des Polizeipräsidiums übergeben. In Kassel, hatten die Nationalsozialisten eine Versammlung in der Stadthalle einberufen, in der der thüringische Innenminister sowie die nationalsozialistischen Abgeordneten des thüringischen Landtags sprechen sollten. Da der Polizeipräsident diese Kundgebung und auch die geplante kommunistische Gegendemonstration verboten hatte, waren die Nationalsozialisten nicht erschienen. Vor der Stadt- Halle kam es zu Ansammlungen, so daß die Polizei zur Räumung des Platzes schreiten mußte. Der Führer der Kasseler Nationalsozialisten, Rechtsanwalt Dr. Freister, wurde wegen Landfriedensbruch und ein Regierungssekretär wegen Aufreizung fe st genommen. Gegen 11 Uhr wurde von der Polizei eine nationalsozialistische Versammlung in der Rathausschenke aufgelöst. Die anwesenden Nationalsozialisten wurden in Polizeigewahrsam genommen. Insgesamt wurden 75 Personen von der Polizei zwangsgestellt. Die Lage in -er Eisenindustrie Nordwest. Essen, 1. Juli. Der ^Aufruf zur Rieder- I e g u n g der Arbeit in den gesamten Betrieben der Eisenindustrie Nordwest aus Anlaß der Verbindlichkeitserklärung des Oeynhauser Schiedsspruchs zum Abbau der Akkord- löhne bei vorheriger Senkung der Eisenpreise ist nach Mitteilung der Werke nur in wenigen Orten in stärkerem Maße befolgt worden. Die Friedrich Krupp AG. in Essen teilt mit, daß sich der Schichtwechsel heute morgen im allgemeinen normal vollzogen habe. Lediglich in zwei Betrieben habe sich die Arbeitsaufnahme verzögert. Im Duisburg-Hamborner Bezirk ist die Arbeiterschaft restlos in den Betrieben erschienen. Von der rund 9000 Mann zählenden Belegschaft der August-Thyssen-Hütte in Hamborn fehlt kein einziger Mann. Dagegen sind von der etwa 500 Mann betragenden Belegschaft der Rhein-Werft Walsum der Outen- Hoffnungshütte etwa zwei Drittel nicht zur Arbeit erschienen. Die Arbeiter des Hasper Eisenwerkes in Hagen haben heute morgen die Arbeit nicht wieder ausgenommen. 2800 Personen sind den Betrieben ferngeblieben. Es wird über die Wiederaufnahme der Arbeit verhandelt. Im Düsseldorfer Bezirk ist es zu keinen Betriebsstörungen gekommen. Gefährliche Wendung in Indien. Der Präsident des Allindischen Kongresses zu Gefängnis verurteilt. Allahabad, 1. Juli. Motilal Rehm, der Präsident des Vollzugsausschusses des All- indischen Kongresses, und Syed Mahmut, der Schriftführer des Vollzugsausschusses, tourDie Freuden des Gebirges. Don Sling. Das Gebirge ist in erster Linie ein großes Verkehrshindernis. In einigen leichter zugänglichen Teilen hat man es ja sogar O-Zügen ermöglicht, das Gebirge zu durchqueren. Wer selbst auf diesen Strecken ist kein rechtes Vor- wärtskommen. Die Dahn schlängelt sich durch Täler, klimmt an Bergwänden entlang, dreht sich durch Tunnels in die Höhe. Die Kilvmeter- geschtoindigkeit ist eine ungleich geringere als in der Ebene, und von der Luftlinie ist keine Rede mehr. In schwierigen Gegenden hilft man sich mit Zahnrad- und Drahtseilbahnen; andere Orte sind durch Post oder Autobus zu erreichen, und vielfach sind auch diese Einrichtungen nicht vorhanden. Dann müh man zu Fuß gehen. Gelehrte haben zwar ausgerechnet, in wieviel Hunderttausenden oder Millionen von Jahren die Alpen bis zum letzten Krümel von Wind und Wetter abgetragen sein Werdern Dann ist freie Bahn dem Tüchtigen. Aber so lange kann man doch nicht warten. • Es gibt Leute, die behaupten, noch vor hundert Jahren habe man von den Schrecknissen des Gebirges mehr gesprochen als von seinen Reizen - im Gegensatz zu unserer Zeit, wo man sich zwischen Felswänden, an jähen Whängen, auf den Gletschern und im Donner stürzende: Bäche restlos amüsiere. Ich weiß, daß es heute noch Leute gibt, die sich fürchten. Lieberhaupt: die Leute, die sich nicht fürchten, sind doch meistens solche, die von der Gefahr keine rechte Vorstellung haben. So werden zum Beispiel gesetzte Männer von toagemutigen Frauen oder tollkühnen Kindern zu Landpartien ermutigt, die sie, wenn es nach ihnen ginge, niemals unternehmen würden. Es ist zumeist die Eitelkeit, die den Menschen zwingt, über sich hinauszugehen. • Die Bewohner des Gebirges sind von Hause aus arme Leute von guten und schlichten Sitten. Ihre Mahlzeiten zeichnen sich durch Einfachheit aus. Merkwürdigerweise bringen sie denjenigen Menschen, die auch in der Ebene der Bescheidenheit huldigen und auf ihren Wanderfahrten mit einem Büchsel Wurst und Käse fürliebneh- men, wenig Achtung entgegen. Dagegen erweisen sie sich sehr zuvorkommend jener Gattung von Kulturmenschen, die einer ihnen völlig fremden Weltanschauung anhängen, jenen Leuten, die es mit dem Zauber ihrer Persönlichkeit erwirkten, daß Bauernwirtsstuben zu Bars, daß der Schuhplattler sich in den Plattfüßler < deutsch: Jimmy) verwandelte. Leuten, die nicht das Taschentuch ziehen können, ohne daß einige zerknüllte Tausendmarkscheine heraussallen, und die auch in moralischer Beziehung nicht über jene einfache Selbstverständlichkeit verfügen, die den Gebirgler kennzeichnet. Gerade solchen Leuten also wird in den stillen Tälern von den Eingeborenen das liebevollste Entgegenkommen gezeigt und über sie erst geschimpft, wenn sie weg sind. • Für einen völlig Unbefangenen ist es oft sehr schwer, den ortsfremden Sommerfrischler vom Eingeborenen zu unterscheiden. Zumeist kennt man sie dadurch auseinander, daß der Gebirgler sich einer einfachen städtischen Tracht bedient. Die Sommerfrischler haben eine Art Rationalkostüm angelegt, das bei den Männern das Knie nackt läßt. Die Frauen trugen buntgeblümte Stoffe, die sehr prall anliegen und vielfach Aussichten eröffnen, die man nicht für möglich gehalten hätte. ♦ , Sehr schwer ist es mit dem Wetter im Gebirge. Regnet es, so muß man notgedrungen zu Hause bleiben, was sehr langweilig ift Scheint die Sonne, so tritt ein moralischer Zwang ein, der mit Anstrengungen, Schweißverlust und Geldausgaben verbunden ist. Am bedenklichsten ist die Tatsache, daß Bergführer und andere Sachverständige immer raten, eine Partie zu einer Tageszeit anzutreten, in der man sonst erst nach Hause zu kommen gewöhnt ist. Ein Aufbruch um sieben, ja um sechs LIhr früh ist nichts Erstaunliches. In diesen Fällen findet zuweilen schon um halb sechs ein allgemeines Gucken nach dem Himmel statt, um zu sehen, ob es nicht vielleicht doch ein bißchen regne. 2ln heißen und trockenen Tagen empfiehlt es sich, keine Ausflüge zu xnachen. Doch ist es gut, gerade wenn man im Dorfe bleibt, die schwersten der mit Nägeln beschlagenen Berg» schuhe anzuziehen. Auch für d>e Automobilfahrten lege man sie stets an. Man frage auch mcht nach den Gründen; es ist so. ' - x.2 V V « In der Gebirgswelt kommt man auch den Tieren wieder näher, ja es ereignet sich, daß sie sich einem feindlich entgegenstellen; infolgedessen sind einige belehrende Worte angebracht. Größeren Herden von Rindvieh geht man am besten aus dem Wege. Man kann nie wissen, was so einem Ochsen oder einer Kuh einfällt. Richtet so ein Tier, was vorkommt, auf uns im Dor- übergehen einen fragenden Blick und dreht sich womöglich nach uns um — so läßt man es sich am besten nicht merken; man erwidert auch nicht den Blick, was mißverstanden werden könnte. Sollten sich zum Beispiel beim Autofahren Hunde oder Hühner in den Weg steUen, so fährt man tunlichst über sie hinweg. Namentlich, wenn man selbst lenkt; jedes Ausweichen gefährdet das Leben der Insassen. e Bären trifft man in den mitteleuropäischen Gebirgen nicht mehr. Wohl aber kann es geschehen, daß bei Aufsuchen höherer Regionen ein Gemsbock vorüberkommt. In einem solchen Fall verhält man sich ruhig und abwartend. Der Gemsbock greift nur selten ungereizt den Menschen an. Was die weibliche Gemse betrifft, so lohnt es sich hier nicht, die etwa vorübergehende zu melken. Ihre Milch ist für den menschlichen Genuß kaum geeignet Man hüte sich, Forellen, die man selbst gefangen hat, zu essen. Man weiß nie, toek^e Absichten so ein Tier damit verfolgt. Schneebrillen kauft man am besten vor Antritt der Reise. Die in den Gebirgsorten feilgehaltenen sind meist zu dunkel. Es schneit ja relativ selten, und nur zu Hause bekommt man die leichtgefärb- ten Gläser, die man bei Regen aufsehen kann. Dagegen kauft man Bergstöcke und Schneepickel am besten im Gebirge am Tage vor der Heimkehr. Man wechselt doch zuweilen den Aufenthaltsort, und es ist lästig, die schweren Stöcke immer mit sich herumschleppen zu müssen. Boshaftes Schriftsteller-Turnier. In Dänemark will man zugunsten der Schriftsteller die Einrichtung treffen, daß die Bibliotheken für jedes ausgeliehene Buch 5 Oere für den Verfasser einziehen. Das ist nicht viel, aber der Lesehunger bringt doch ziemliche Beträge zusammen. Bisher hat man geglaubt, daß die dänische Verfasserin Thü Jensen, eine Ar au, die jich schon bei verschiedenen Gelegenheiten als streitbar erwiesen hat, die Urheberin des 5-Oere°Obolus sei. Bis auf einmal der Schriftsteller Harald Tandrup auftrat und behauptete, die Idee stamme ursprünglich von ifjm. Nicht faul, veröffentlicht nun Thit Jensen eine Kriegserklärung an Tandrup, in der es u. a. bissig heißt, wenn Tandrup so sehr die Vaterschaft der 5-Oere°Idee wünsche, so müsse er auch für die Zukunft alle damit verbundenen Karikaturen übernehmen. Es sei nicht genug, zu prahlen von einem Ding, sondern man müsse auch einen Kampf dafür aufnehmen können. Als sie seinerzeit einen Vorstoß für die Idee gemacht und es ausgesehen habe, daß ein Gewinn zu erzielen sei, habe Tandrup laut gerufen: »Das ist von mir, das ist von mir!“ Aber als die Idee tzu Boden gesunken sei in dem »dänischen Grinsen", in dem jedes Ding versenkt werde, bevor es angenommen würde, da sei Tandrup kleinlaut geworden und habe sich salviert. Lind jetzt, da ein Dritter (Peter Freuchen) wieder dafür eintrete, rufe Tandrup von neuem, das sei von ihm. »Ich schloß einmal,“ erklärt die scharfe Zunge, „einen Offenen Bries an Sie mit einem freundlichen Gruß. Doch das mache ich nicht mehr, weil mir nicht scheint, daß Sie soviel wert sind. QHfo ohne freundlichen Gruß: Thit Ienfen.* Der blotzgestellte Kollege in Apoll, der verspottete Tandrup, antwortete öffentlich daraus, es sei möglich, daß er nicht ein Held in dem Sinne von Frau Thit Jensen sei. Er sei reichlich unerfahren, da er nicht das reklamemähige Glück gehabt habe, das Lächeln in demselben Grade tote Thit Jensen herauszufordern. Aber die Frau müsse nicht versuchen, ihn zu kujonieren, indem sie verschweige, daß er als erster den vernünftigen Vorschlag eines Entgelts beim Buchausleihen gemacht habe und daß sie den Gedanken annektiert und ihn in den 5°Oere°Dorschlag umgeformt habe. Diese Idee sei dann auf Eis gelegt worden, und Peter Freuchen habe sie neuerdings wieder hervorgeholt. „Das bemerke ich ganz mutlos," schließt Tandrup feine Epistel, „denn es gibt kaum jemanden, der erwartet, daß ich einen wirklichen Strauß mit der Frau aufnehme. Lim das fertig zu bringen, muß man nicht allein ein Held fein, fonbern ein Sankt Georg." Sankt Georg ist bekanntlich der Drachentöter und man ist nun im Zweifel, wer die meisten Lacher auf seiner Seite hat: Frau Thtt Jensen oder Herr Harald Tandrup. '»'sche gen. ««ft"5' ""^iWIkn m"1"1 1 Weik--?""" xB? M ■•Wft '°?°lsozialisten ein. **, in™ 'S? die national, ^'"glichen Land. HeiWbeni biete [;n,,e tommunijtifdje ."M ** «e nn?°r ?er S1< h 59 0 d°b die B® Weiten mußte. alsoziMen, Rech^ °egen ßanb|riebens. Aufreizung Uf)r mürbe non der 3. Aersommlung m / ?>e anmelenben W,geiM|)r|Qin /d verlonen von der senin-ustne st. Nlf zur Aieber- den gesamten 3t« vrdwest aus Anlah I des Oeynhaufer u der Akkord« lg der Eisenpreise ist tut in wenigen Maße befolgt 'upp AG. inEffen vechfel heute morgen ogen Hobe. Lediglich, ch die Arbeilsauf« urg'Zamborner De« itlvs in den Detrie« id 9000 Mann zäh« ist-Thyssen-Me in r Mann. Dagegen betragenden Deleg« )alsum der Guten« Mittel nicht zur Ar« des Hasper Eifen« : morgen die Arbeit 2800 Personen find Es wird über die eit verhandelt. 3m i keinen Detriebsflö« öen-ung en. lifchen Kongress erurteilt. MotilalAehru. ausschusses des All« ©neb Mahmut, ugsausschMM« 1 »itlltkiednM lu ltnl un» b-h»up' 'O“- M Thit2-»''' “ÄÄ üSMe '°"n^ Als sie seiner- *Jb'Mc ftrljjÄ neuem- fc6ac|c erÜart . e!°nS^^'icht das wert , daß 8 Jensen. Sruß E '".Lttch daraus- te°Vind- it em Ä reich t i sel- iN rekl^Än Srade in demKe MU dern. jnöein Ire ku'L ^rnünstig^ SK? , b-K # *• sondern > ben au je einem halben Jahre Gefängnis verurteilt. Zur Verhaftung von Pandit Motilal Dehrn und zu der amtlichen Erklärung, daß das Hauptquartier des Allindischen Kongresses in Ällahabad eine ungesetzliche Vereinigung darstelle, sagt der Korrespondent der „Times" in Sirnla u. a.: Diese Rachricht bedeutet eine entscheidende und höchst ernste Wendung in der jetzigen Lage. Eie kommt auf eine Kriegserklärung an den Nationalistischen Kongreß und aus die Gefangennahme seines stellvertretenden Oberbefehlshabers hinaus. Welche Wirkung der Schritt der Behörden in nächster Zukunft haben wird, bleibt abzuwarten. Cs ist eine beunruhigende Tatsache, daß in Pundschab und sonstwo in Indien unterdrückte Vereinigungen unter einem anderen Namen wieder in Wirksamkeit treten. Die zügellosen Reden, die Motilal Aehru in den letzten Wochen gehalten hat, ließen den Behörden keine andere Wahl, als ihn zu verhaften, aber er war der letzte noch in Freiheit befindliche Führer, dem man die Fähigkeit zutrauen konnte, als Vermittler auszutreten und den Kongreß w'eder zur Vernunft zu bringen. Mit seiner Verhaftung ist diese Hoffnung geschwunden. — Der Korrespondent des „Daily Herald" in Bombay sagt: Der Beschluß der Regierung, Motilal Rehru zu verhaften wird als ein Zeichen dafür aufgefaht, daß die Behörden die Bewegung unterdrücken wollen, bevor sie mit den Führern des Kongresses über eine Regelung verhandeln. Aber bei der in Indien herrschenden Stimmung ist zu befürchten, daß dieser Schritt die entgegengesetzte Wirkung hat und die Gemäßigten insgesamt ins Lager des Kongresses treiben wird. England gibt das Irak frei. Verzicht auf dasBölkerbundsmandat. London, 1. Juli. (TU.) Die Regierung des Irak hat mit England einen Vertrag abgeschlossen, der die Anerkennung der vollen Unabhängigkeit des Irak, die eigene Verantwortlichkeit für die innere Sicherheit und die Verteidigung gegen äußere Angriffe enthält, ferner die Zustimmung Englands zur Aufnahme des Irak in den Völkerbund. Hiermit wird Englands Stellung als Mandatsmacht beendet werden. Der Vertrag ist auf 25 Jahre abgeschlossen worden und tritt in Krast, sobald der Irak in den Völkerbund ausgenommen ist. Großbritannien wird die Kandidatur des Irak im Völkerbund im Jahre 1932 unterstützen. Die britischen Streitkräfte, insbesondere die Luftstreitkräste, sollen im Laufe von längstens fünf Jahren nach dem Inkrafttreten des Vertrages zurückgezogen werden. Dagegen werden Großbritannien durch den Irak weitere drei Flugplätze westlich vom Euphrat und Schat el Arab gewährt, die aus britische Kosten von Iraktruppen geschützt werden. Oer Kanaltunnel wieder abgelehnt. Berlin, l.Iuli. (Priv.-Tel.) Eine Reihe von Mitgliedern des englischen Unterhauses aller Parteien hat einen Antrag eingebracht, den Tunnel unter dem Aermelkanal zwischen Frankreich und England, der seit Jahrzehnten geplant ist, jetzt endlich zu bauen. Vor kurzem hatte Macdonald mit Gründen der Landesverteidigung den Tunnelbau a b gelehnt. Auch am Montag wandte sich der Ministerpräsident entschieden gegen den Bau. Er wies darauf hin, daß die Verbindung von Dover bis zur Küste nicht nur eine außerordentliche Aende- rung in politischer und wirtschaftlicher, sondern auch in militärischer Hinsicht mit sich bringen würde. Außerdem würde die Regierung für alle Gefahren, die sich daraus ergäben, verantwortlich bleiben. Rach Ansicht der Sachverständigen sei ferner die Ausführbarkeit nicht gewiß. Die Beschäftigung von Arbeitslosen in dem Kanal tunnelbau wäre nur gering. Zunächst müßten 5 Millionen Pfund für den Eingangstunncl angelegt werden, wobei noch nicht sicher sei. ob der Haupttunnel, dessen Kosten 25 Millionen Pfund betragen würden, ausgeführt werden könnte. In Eisenbahnkreisen sei man gegen den Plan. Das Vorhandensein eines Kanaltunnels würde die diplomatischen Arbeiten nach außen hin keineswegs erleichtern. Trotz der entschiedenen Stellungnahme des Ministerpräsidenten lehnte das Unterhaus den Kanaltunnel nur mit einer Zufallsmehrheit von 17 9 gegen 172 Stimmen ab. In England ist für die Gegnerschaft gegen den Tunnelbau immer noch die Erwägung maßgebend, daß der Tunnel im Kriegsfälle vom militärischen Standpunkte für d ie Verteidigung des Inselreiches sehr nachtei- l i g werden kann. Tie Botschaft des Nürnberger Kirchentages Der Deutsche Evangelische Kirchentag hat unter dem Eindruck der Feier der Augsburger Konfession eine Botschaft erlassen. Die Kundgebung führt u. a. aus: Heute erwachsen der evangelischen Kirche im Zusammenbruch unserer x3eit und in einer für sie völlig veränderten Lage höchste Verpflichtung und heilige Verantwortung. Sic hat einer gärenden Welt den Willen Gottes als die Wahrheit zu verkünden, in der die Kraft der Erlösung und Erneuerung liegt. Eie hat einem zerrissenen Volke Gemeinschaft zu bieten, die stärker ist als alle Standes- und Bc- rukssondcrungen, stärker als der Kampf der Machtgruppen, stärker als aller wirtschaftlicher Zwang. Die Schluhberatungen des Kirchentages waren ausgcsüllt von den Berichten der Ausschüsse. Zur sozialen Frage wurde eine Entschließung angenommen, die auf das Problem der Arbeitslosigkeit und die mit ihr verknüpfte seelische -mb sittliche Rot hinwcist. Im Hinblick auf die Massenarbeitslosigkeit forderte der Kirchentag mit allem Ernst von den verantwortlichen Stellen in Reich und Ländern, daß zur Behebung dieser Rot, insbesondere zur Beschaffung von Arbeit, das Aeußcrste getan werde. In einer Entschließung zur S ch u l f r a g e gibt der Kirchentag seiner schmerzlichen Enttäuschung darüber Ausdruck, daß eine reichsgesetzliche Regelung der schulrechtlichen Lage bisher nicht gelungen fei, und fordert angesichts der immer unerträglicher werdenden Echulverhältnisse Fortsetzung der Bemühungen um eine solche Regelung. Ebenso trat der Kirchentag für bic Einführung bes Religionsunterrichts als orbent- liches Lechrfach in den Berufsschulen ein. Berliner Börse. Berlin, 2. Juli. (WTB. Funkspruch.) Auch der heutige Esfeltensrühverkehr stand im Zeichen vollständiger Gcschästsstille. Die gestrigen Börsen Frankfurt und Reuyork bermochten der Stimmung keine Anregung zu geben und auch sonstige vorliegende Rachrichten blieben zunächst noch einflußlos. Der Markt war noch vollständig unentwickelt. Kurse wurden nicht genannt. Am Devisenmarkt hörte man London gegen Paris 123,60, London gegen Spanien 43,00, London gegen Mailand 92,78, London gegen Berlin 20,39, London gegen Kabel 4,8607, Kabel gegen Berlin 4,1950. Aus Oer prvvinzialbouptstadt. Gießen, den 2. Juli 1930. Ein neuer Führer durch Gießen. Der Derkehrs-Verein e. SB. Gießen hat soeben einen neuen illustrierten Führer durch die Universitätsstadt Gießen herausgebracht, der infolge seiner geschickten Zusammenstellung und seiner sag- und reproduktionstechnisch vorzüglichen Aufmachung ein besonders wirksames Werbemittel darstellen durfte. Der Text, knapp zusammengefaßt und übersichtlich angeordnet, beschreibt zunächst einen Rundgang durch die Stadt mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten und widmet ein sorgfältig zu- fammengeftelites Material ferner dem Verkehrswesen, der hessischen Landesuniversität mit ihren Kliniken und Instituten, dem Theater, der Volks- Halle, der Garnison, den historischen Gebäuden und Museen unserer Stadt, dem Sport in Gießen, den Anlagen und der schönen Umgebung. Besonders hervorzuheben ist das in werbetechnischer Hinsicht hoch zu schätzende ausgezeichnete Bildmaterial, das dem Führer in reicher Auswahl und einwandfreier Anordnung beigegeben ist. So ist zu hoffen, daß der neue Führer seinen Werbezweck für die Stadt Gießen und ihre Umgebung in wünschenswertem Umfang erfüllt. Personalwechsel im Ensemble des Gießener GiaditheaterS. Dom Stadtthcatcrbureau wird uns geschrieben: Ende Juli scheiben aus dem Verband des Gießener Stadttheaters aus: Franz Arzdorf, Liselotte Fuhrmann, Hans Hais, Trude Heß. Im Lause des August verlassen unsere Bühne: Kurt D o m m i s ch , Hans H a e s e r , Hanns Tannert. Mit Schluß der Sommerspielzeit verabschiedet sich Marianne Mewes. Folgende Kräfte sind von der Intendanz neu verpflichtet worden: die Damen: Lonh Leut- Hol f vom Stadttheater Reichcnbcrg in Böhmen als 1. Soubrette und 1. jugendliche Salondame, Hilde Schwend vom Stadttheater Plauen im Vogtland als 1. schwere Sentimentale und jugendliche Heldin, Elisabeth Wiel ander vom Landesthcater Meiningen als naive und muntere Liebhaberin; die Herren: Walter Bäuerle vom Deutschen Theater in Riga als Spielleiter und erster Charakterspieler, Karl Bruck vom Stadttheater Trier als jugendlicher Komiker und Charäkterliebhaber, Reinhold Häuer vom Stadttheater Oberhausen als erster Held und erster Bonvivant, Reinhold Schelcher von der Schauspielschule Köln als jugendlicher Held und Liebhaber. Die Herren Bäuerle und Hauer find dem Gießener Publikum bereits durch ihre Gastspiele auf Anstellung bekannt. Das Schiffenberg-Zestspiel. Vom Presscausschuh für das Schiffenberg-Iubi- läum wird uns berichtet: Das Schi ff en- bergfe st spiel, das am nächsten Sonntagnachmittag pünktlich um 15 Uhr ausgeführt wird, ist in zwei Abteilungen gegliedert. Die erste Abteilung (Historischer Teil» ist von Obcrfpiellsiter Hans T o n n e r t vom Gießener Stadttheater versaht. Der zweite Teil (Reue Zeit) hat unseren bekannten Heimatdichter Georg Heß, Leihgestern zum Verfasser. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Hermann Weller, die Männerchöre werden von dem Vauerschen Gesangverein gesungen. Im ersten Teil wird in Bildgruppen die Entwicklung der Kultur rings um den Schiffenbcrg gezeigt. Man wird hier in fesselnder Gestalt lebende Dilder sehen, die einen weitgehenden Einblick in die alte Geschichte des Schifsenbcrgs ermöglichen. Die Vildgruppen des zweiten Teils werden organisch an den ersten Teil anknüpfen und dabei bis in die neueste Zeit in interessanter Weise bildhaft gestaltet berichten. Man wird dabei Gelegenheit haben, fesselnde Trach- tcngruppcn in Augenschein zu nehmen und Spinnstubenlieder und -tänzc zu erleben. Rach dem Festspiel wird ein allgemeines Volksfest mit Konzert und Tanz reichlich Gelegenheit zu weiterem frohen Festverlauf bieten. Taten für Tonnerdlag, 3. Juli. Sonnenaufgang 3.48 Uhr, Sonnununtergang 20.19 Ufjr. — Mondaufgang 12.41 Ufjr, Monduntergang 23.56 116 t. 1866: Schlacht bei Königgrätz; — 1890: der Schriftsteller Hanns Iohst in Seerhausen (Sachsen) geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: Oeffentliche Versammlung, 20.15 Uhr, in der Turnhalle. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Erlebnis einer Rächt". — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die Vorstellung am Freitag, 4. Juli, bringt zum letztenmal zu bedeutend ermäßigten Preisen Angermayers Volksstück „Flieg, roter Adler von Tirol". Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß zu dieser Vorstellung die Mitglieder des D. D. A. und der Gießener Militärvereine, die zu den beiden Vorstellungen keine Karten erhalten haben, nach Möglichkeit bei der Kartenbestellung einen gewissen Vortritt haben. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr. • ' D i e Gießener Hochschulgefell- schäft hält ihre diesjährige Hauptversammlung und Festsitzung am kommenden Samstag, 5. Juli, in altgewohnter Weise ab. .Die Festsitzung beginnt um 17.15 pünktlich im großen Hörsaal der Universität. Den Vortrag hält diesmal Professor Dr. Kalbfleisch „Heber Papyrus- sunde". Lichtbilder und eine Ausstellung von Stücken der Gießener Papyrussammlunaen veranschaulichen den Vortrag, der von zwei Darbietungen des Collegium musicum der Universität umrahmt wird. Zu dem Vortrag sind auch Richtmitglieder der Hochschulgesellschaft herzlich willkommen. •* Feiern aus Anlaß der Rheinlandräumung fanden nach den uns vorliegenden Berichten in zahlreichen Orten unserer Umgebung unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung statt. In den Veranstaltungen würde allenthalben auf die Bedeutung des B^sreiungs- tages in eindringlicher Weise hingewiesen; Ansprachen, Musikvorträge und gemeinsamer Gesang gaben der freudigen Stimmung der am Schicksal des besetzt gewesenen Gebietes teilnehmenden De- völkerung überzeugenden Ausdruck. Die Feiern sind, wie wir hören, überall in würdiger und harmonischer Form verlaufen. ** Straßensperrung, mitgeteilt vom Obcrhessischen Automobilcluo E. V. (A. v. D.) Gießen. Die Ortsdurchfahrt Bruchenbrücken wird vom 3. bis 12. Juli für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Rieder-Wöllstadt oder Assenheim. ** Berkehrsunfall. Gestern vormittag ereignete sich ein Unfall an der Ecke Westanlage und Mühlstraße. Ein Motorradfahrer und ein Radfahrer stießen zusammen, wobei der Radfahrer, ein achtjähriger Junge, eine schwere Fleischwunde am Oberschenkel erlitt. Rach erster Hilfeleistung der Sanitäts- kolonne wurde der Junge in die Chirurgische Klinik übergeführt. • * Gleisumbauten bei der Reichsbahn. Auf der Main-Weser-Bahn zwischen den Stationen Butzbach und Bad-Rauheim ist seit einigen Tagen eine größere Anzahl Arbeiter mit GleiSumbauarbcitcn beschäftigt. Zur Verwendung gelangen dabei statt der bisherigen Eilen- schwellen Hörschwellen, die ein bessere-, vor allem auch ruhigeres Fahren gewährleisten sollen. Wie wir hören, sollen alle ReichSbahnhaupt- strccken, die von internationalen Zügen mit großer Geschwindigkeit befahren werden, Holz- schwellenbau erhalten. • • Zur Richtigstellung. Dr TemcS - varv vom Musikalischen Institut der Universität bemerkt zu unserem 'Bericht über daS Volkskonzert des Konzertvereins (.Die Kunst der Fuge") am 26. Juni, daß hierbei der Gießener Orche st erverein in allen Gruppen daS Hauptkontingent der Ausführenden gestellt hat. dem dann das Collegiun musicum ergänzend bei gesellt wurde. • * Rachscndung der Postsendungen. Vom Postamt wird mitgeteilt: Zu Anträgen auf Rachscndung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Vordrucke zu benutzen, die an den Postschaltern und von den Postzustellern zur Abgabe bercitgchalten werden. Die Verwendung dieser amtlichen Vordrucke gewährleistet die pünktliche Rachsendung der Post und liegt daher im Interesse der Empfänger. Die Detierlaae ifl.tsi Oslo -tfr 01. en— 7 W 22 1 ’n L ‘W- rnyshavn W (7. Ui? Wien ' ° a P .o eew • —r. u» ©worxenios.® neirtf 3 narp dcocckl e wenig. • oedecKL «lieget * Sehnte a Graupein e Neoei K Gewitter (g)windstiiie.O> seh# Wehtet Osi y massiger Sudsuowesi Q stürmischer -ordwesl Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeigen Stationen stenenden za» len geben die Temperatur an. Die Linien eerömden Orte mit gleichet® nug. t und Io Lage t wünsch: zu entb len dei wünscht Aussah 1930, i dortige führ^ zu ert Gedair seither sind u böser Z cher C fehlbar Ancr Lehrer medizir müssen auf Pi das il vermit des m ches ai Aber an ei der die M ner die le lonB im 1 1866 Seit W 1930 I gen " 9 $oi Er j den id chcn 0 ,®u Doktor Er i lang j beuge, Nicht Sie Sie si ter, a bri m So. Sei Dir 1 diese- es n der Äer die I u2f er na, vchwc allen ,.D. bürste, Sie.® l'ch? C Sic Tür g allen Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L, Bernard Betten, Schlafzimmer und Küchen Betten-Bär• Gießen • Seltersweg 20 4623 A__ __ Besichtigen Sie bitte ohne jegliche Verpflichtung unsere sehenswerte Ausstellung. Höingen, den 30. 3uni 1930 4788D Oeutschgesinnte Männer und Frauen sind herzlich eingeladen. 04141 MM Marburger Festspiele Mehrere nute [°“44 Herrenfahrrad Fnllergerslc «Bor- und Nach- 4791D zu verk. Am Nahrungsberg 16 I. 50 Millionen RM 4798 A | Kaufgesuche | BARMENIA Willy Weber. 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Seit 1918 hat sodann Mainz für das ganze Reich die Hauptlast der Besatzung ge- getragen. Cs wurde Sitz des französischen Hauptquartiers, 14 000 Mann standen hier, über 3000 Besatzungsangehörige kamen hinzu. Am 30. Juni 1930 sind diese ungebetenen Gäste abgezogen — dafür haben neue Sorgen Einzug gehalten. Diele der bisher beschlagnahmten Wohnungen können nicht vermietet werden, den Geschäften fehlen plötzlich die Kunden, den Gaststätten die Gäste, auf die man sich hatte einrichten müssen. Der Gedanke liegt nahe, daß die Gesamtheit die betroffene Stadt für die Opfer entschädigt, die sie für uns alle brachte, die in dem Wort Besatzung umschlossen liegt. Dabei richten sich die Gedanken von selbst auf die 1797 stillgelegte Hochschule, zumal diese'Nicht ganz ruht. Eine katholisch-theologische Fakultät ist im bischöflichen Priesterseminar vorhanden. Das Pädagogische 2 n st i t u t wäre gewiß bereit, sich durch Einrichtung neuer Lehrstühle und durch dos Recht, den Doktortitel zu verleihen, zur Philosophischen Fakultät ausbauen zu lassen. Aus Mainzer Kreisen tritt der verführerische Gedanke hinzu, die hochentwickelten Kran- kenan st alten der Großstadt, verbunden mit den Bädern des benachbarten Wiesbaden, zur medizinischen Fakultät auszugestalten. Es scheint möglich, mit leichter Mühe zunächst zur Rumpfuniversität zu gelangen, die sich in den besseren Zeiten, auf die wir alle hoffen, zur vollständigen Hochschule entwickeln ließe. Man tut jedoch gut, die Dinge nicht so zu betrachten, als läge Mainz im luftleeren Raum, in dem die Gedanken leicht beieinander wohnen. Die Stadt liegt auf hessischem Boden, und hier stoßen sich die Dinge hart genug. Hessens Landes-Universität ist Gießen, und so neidlos und unbefangen man hier die Lage würdigt — kein billig Denkender kann wünschen, Gießen zu zerstören, um Mainz zu entschädigen. Wie selbstlos man in den Kreisen der Landes-Universität Mainz zu helfen wünscht, zeigt einer ihrer Angehörigen in einem Aufsatz des Mainzer Anzeigers vom 24. Mai 1930, in dem er die Frage erörtert, wie die dortige Hochschule für Pädagogik durch Einführung medizinischen Unterrichts zu erweitern wäre. Genaue Erwägung dieser Gedanken in den dazu berufenen Fachkreisen hat seither gelehrt, daß sie undurchführbar sind und daß dem Pädagogischen Institut ein böser Dienst geleistet würde, wollte man in solcher Richtung einen Versuch wagen, der unfehlbar scheitern müßte. Anerkannt ist der Gedanke, daß die künftigen Lehrer in die Grundlagen einiger Gebiete der medizinischen Wissenschaft eingeführt werden müssen. Schon jetzt wird den Lehrer-Studenten aus Pädagogischen Instituten wie dem Leipziger, dos ihnen eine volle akademische Ausbildung vermittelt, die Lehre von Dau und Verrichtung des menschlichen Körpers, Hygiene und manches angrenzende medizinische Fach vorgetragen. Aber solche Fächer können befriedigend nur an einer Ho chschule gelehrt werden, an der die entsprechenden Lehrkanzeln bestehen. Mit 1 dem hier möglichen Unterricht kann sich der Ersah niemals messen, den ein von der Universität^ abgelöstes Institut zu bieten vermag. Ein Pädagogisches Institut als solches kann bei der heutigen Finanzlage unmöglich die Kräfte gewinnen, die in Anatomie, Physiologie und Hygiene vollwertigen Unterricht erteilen könnten. An der Universität stehen außer den Ordinarien dieser Fächer auch für die Lehrerbildung Extraordinarien, Privatdozenten und Assistenten zu Gebote. Sozialhygiene, die in Gießen regelmäßig vorgetragen wird, hat mit einem pädagogischen Institut an sich nichts zu tun. Die Forderung des Unterrichts in Gesundheitspflege an die Lehrer-Studenten kann die Gründung einer sozial-hygienischen Akademie nicht rechtfertigen. Der Besuch der medizinischen Fakultät in Gichen entspricht bisher durchaus noch nicht der Gröhe und Bedeutung der dortigen Institute und Kliniken. In keiner Weise wäre zu rechtfertigen, daß für eine überflüssige Akademiegründung Mittel ausgegeben würden, die, auf den Ausbau der Landes-Universität verwendet, Gutes zur Vollkommenheit zu haben erlaubten. Eine Sozial-Hygienische Akademie, die Lehr- und Forschungsstätte sein will, erfordert viel Geld. Lehrstoff muh bereitgestellt werden, Hörsäle wollen angelegt, Arbeitsräume gebaut, Bücher gekauft, Lehrer und Hilfskräfte befolget sein. Cs wäre unverantwortlich, in den bösen Zeiten, in denen wir leben, die Mittel zu verzetteln. Cher noch wäre daran zu denken, die Landes-Universität von Giehen nach Mainz zu verlegen. Aber ganz abgesehen davon, daß niemand, der es mit Hessen und seiner Finanzkraft — man denke nur an Gießen als Steuerquelle — gut meint, so abenteuerliche Pläne gutheißen wird: eine Hochschule a l s Ganzes ist heute nicht verlegbar. So lange unsere Universitäten nur nach der geisteswissenschaftlichen Seite ausgebaut waren, sind solche Umzüge gelegentlich unternommen worben— wohlfeil waren sie auch damals nicht. Aber jeder, der die Gießener Universität von heute mit ihren Seminarhäusern, ihren zahlreichen und großen Instituten, ihren Kliniken für Mensch und Tier, mit Forstgarten und Versuchsgut auch nur oberflächlich kennt, wird gelassen aus den Gedanken verzichten, sie nach Mainz zu verfrachten. Die tiefsten Kenner der Verhältnisse verneinen den Berus unserer Zeit zur Gründung neuer Universitäten. Auch dem Laien sollte einleuchten. daß wir keine neue Universität brauchen, die 27 oder 35 Kilometer von der nächsten entfernt liegt. Vollends über die Aufhebung bestehender Hochschulen und ihrer Fakultäten sollte es nur eine Meinung geben. Mediziner können nicht ausgebildet werden ohne naturwissenschaftliche Fakultät: deren Hörer bedürfen der mathematischen und philosophischen Grundlegung. Philosophie ist untrennbar von Jurisprudenz, Volkswirtschaft und Theologie, und gerade die theologischen Fakultäten sind durch die Reichsverfassung vor der Aufhebung geschützt. Unsere mittleren Universitäten aber verdienen besondere Schonung. Hier sind die Bildungsmittel wirklich für jeden Hörer vorhanden. Die Mißstände, über die an überfüllten Großstadt-Universitäten immer dringender geklagt wird, kennt man hier nicht. 3m Seminar kann der Professor jeden seiner Hörer kennen und fördern. Dadurch ist vor allem auch eine Allseitigkeit der Bildung heute noch möglich, auf die die Riesen-Universitäten in den tausend Ablenkungen der Großstadt schon im 19. Jahrhundert haben verzichten müssen. Es ist der Großstadt Mainz nicht zu wünschen, daß sie jetzt eine Universität, die zudem Rumpfuniversität bleiben müßte, erhielte. Im Reich wird man auf andere Wege sinnen müßen, die Stadt und ihre Bürger nach schweren Opfern vor neuem Schaden zu bewahren. Der Möglichkeiten sind viele. Das Land und alle Rachbarn werden freudig rnitgehen, toenn ein gangbarer Weg gewiesen wird. Jahresfeier der Landesuniversiiäi. Die hessische Landesuniversität beging gestern mittag in althergebrachter Weise die Feier ihres 2 a h r e s f e st e s. 2n der stark besetzten Aula bemerkte man u. a. als Vertreter der Hessischen Staatsregierung Ministerialrat Dr. h.c. Löhlein, ferner Se. Magnifizenz den Rektor der Universität Marburg, Professor Dr. Helm, eine Reihe von Ehrensenatoren der Alma mater Ludoviciana, außerdem zahlreiche Vertreter der Behörden und eine Reihe namhafter Persönlichkeiten aus der Bürgerschaft. Die Feier wurde mit einem Cinzugsmarsch eröffnet, während gleichzeitig der akademische Lehrkörper feierlich in die Aula einzog. Rachdem der Akademische Gesangverein unter Leitung von Universitätsmusikdireklor Dr. Temesvary einen Chorgesang zum Vortrag gebracht hatte, hielt Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Or. Brüggeniann, nachdem er die Festversammlung, insbesondere den Vertreter der hessischen Regierung und den Rektor der Rachbaruniversität Marburg willkommen geheißen hatte, seine Festrede über das Thema „D i e Grundlagen der ärztlichen Tätigkeit", wobei er u. a. folgendes ausführte: Wer die Geschichte der Heilkunde verfolgt, kann die Beobachtung machen, daß von Zeit zu Zeit das Bedürfnis besteht, sich über die Grundlagen der Heilkunst ausein- anderzusehen. 2mmer besteht eine gewisse Rivalität zwischen alten, und neuen Anschauungen. Zeitweise wird der Streit heftiger: er erfaßt nicht nur Aerzte, sondern auch Laien. Man spricht von einer Krisis in der Medizin. 2n einer solchen kritischen Zeit befinden wir uns auch heute. Der Kampf dreht sich vornehmlich um zwei Grundfragen: 1. Wie weit die Heilkunde neben der Raturwissenschaft noch anderen Wissenschaften zugehört, und 2. inwieweit in der Heilkunde außerwissenschaftliche Faktoren eine Rolle spielen. 2m Zeitalter des Materialismus war die Meinung verbreitet, daß die Heilkunde eine reine Raturwissenschaft sei. Heute wissen wir, daß sich die Heiltunft nicht restlos in der Raturwissenschaft auslösen kann. Diese Erkenntnis ist von größter Bedeutung: aber auch heute noch ist die Raturwissenschaft dos Fundament, auf dem unsere Heilkunst ruht. Bei der Kompliziertheit der Lebensvorgänge und bei dem Bestreben, ein möglichst getreues Bild der Vorgänge im kranken Körper zu gewinnen, entwickelte sich unter den Aerzten ein Spezialistentum. Von vielen Seiten wird diese Entwicklung beklagt, und doch ist sie nach meiner Ueberzeugung unbedingt notwendig. Der heute neu entfachte Kampf über die Einheit der Medizin wird nach meiner Meinung niemals zu einer Abschaffung des Spezialistentums führen; aber der Spezialist muß sich darüber klar fein, daß auch er den Patienten als ganzen Die Sünde der Senate Mereandin. Vornan von Fred NeliuS. 9 Fortsetzung Nachdruck verboten. Er fühlte linde seinen Arm gefaßt. Empfand den schweren Duft von süßen Rosen, den weichen Wohllaut einer Frauenstimme. „©uten Abend. Was ist denn geschehen, Herr Doktor ©riebexoto?“ Er versuchte nochmals sich zu straffen. Cs gelang ihm, feinen Hut zu ziehen und sich zu verbeugen. „Verzeihung, gnädige Frau. 2ch fühle mich nicht wohl." Sie reichte ihm den Arm. „Bitte ... Wollen Sie sich stützen. 2ch wohne ein paar Häuser weiter, an dem Kemperplatz. Sie können sich zunächst bei mir erholen und nachher ein Taxi nehmen. So ... geht es?" Seine Finger umflammcrten den weichen Pelz. Die Rerven reagierten zitternd auf die Rühe dieser schönen, eleganten Frau. Rein ... so geht es nicht, empfand er. Er löste seine Finger wieder aus dem Pelz und von dem Arm Frau Mercandins, schritt um sie herum und nahm die linke Seite. „Alles dies ist so entsetzlich peinlich", sagte er nach wenigen Schritten. „Und so seltsam, dieser Schwächeanfall ... auf der Straße, hier vor allen Menschen. Und nun kommen Sie---“ „Warum ist das seltsam, Herr Doktor? Einmal durften Sie mir Hilfe leisten. Diesmal ich für Sie. Einer hilft dem andern. 2st das nicht natürlich? Wir sind da." Sie drückte auf den Knopf am Parktor. Die Tür ging auf. Er trat zur Seite, um sie vorzulassen. Vor ihm ging sie auf dem schmalen, fliesenausgelegten Parkweg bis zum Haus. Ein Diener mit ergrauten Schläfen, dessen Stirn von tausend Ränken wußte, öffnete die Tür. Ein paar breite, plüschbelegte Marmorstufen führten aufwärts. Wieder eine Tür, die ganz still aufging. Dann — ein Märchen. Eine Anzahl Türen' mündeten auf eine kup- Peliiberdeckte Halle. Von dem Kuppelhimmel blitzten Edelsteine, die wie Sterne wundersames Licht verstrahlten. Aut der seidenen Wandbekleidung waren reichbewegte Liebesszenen eingestickt. Schäfer jagten Schäferinnen durch Gefilde goldener Lotosblumen. Blüten, deren Kelche bunte Perlen waren, blitzten auf. Pan, der Hirtengott, blies die Syrinx. Ein Page hatte ©ricbenoro Hut und Mantel abgenommen. Der andere Diener ging an eine Tür, verbeugte sich und öffnete. Frau Mereandin trat ein ... von ©riebenoto gefolgt. Die Tür schloß sich wieder. Wie in einem Rebel stand er jetzt. So sah er auch Frau Mereandin vor seinen Augen. Orangefarbenes Licht umschimmerte wie eine Aureole ihren schmalen Kopf mit golddurch- wirktem Haarschmuck. Um die Weißen, schlanken Glieder schwarzer Crepe de Chine. Die großen, mandelförmigen Augen leuchtend blau. Herbe Anmut in den schönen Zügen ... so viel Liebreiz ... ein verirrtes Lächeln. Er war verwirrt. „Alles ist so ungewöhnlich", sagte er. Sie reichte ihm die Hand. „Bitte, nehmen Sie doch Platz, Herr Doktor ©riebenoto." Und als beide dann saßen, mit der sicheren Anmut einer großen Dame: „2a, ein wenig ungewöhnlich ist es wohl. Aber auch das Ungewöhnliche hat manchmal seinen Reiz. Sehen Sie, 2hr Mißgeschick beschert mir heute das Vergnügen einer Plauderstunde. Dor allem aber ... fühlen Sie sich wieder Wohler?" „Danke, ja ... Die dumme Schwäche geht gewiß vorüber. 2ch bin im Kriege schwer verwundet und verschüttet worden. Das sind Dinge, die sich immer noch von Zeit zu Zeit bemerkbar machen. Und ich habe in den letzten Wochen manches Schwere durchgemacht. Aber das —" Cr schwieg. Sollte er erzählen, daß er am Verhungern und die Schwäche eine Folge dieses Hungers war? Die Erregung in ihm trieb immer noch das Dlut zum Halse. Die Nerven zitterten. Es war, als ob ein enges, schweres Band um seinen Kopf lag und das Gehirn zusammenpreßte. Er fühlte sich zu Tode elend. Er bemühte sich, der Schwäche dadurch Herr zu werden, daß cr sprach. Da erschien der Häubchenkopf des Mädchens zwischen den Portieren, und Frau Mereandin erhob sich. „Alsdann bitt' schön, Herr Doktor ©riebenoto, der See", erklärte sie mit leichtem Wiener Tonfall. Wie durch einen Zauberschlag geöffnet, flogen die Portieren an der Tür auseinander. Und dann wiederum ein Raum, wie aus dem Zaubergarten Aladins hierher gezaubert. Man sah keine Fenster. Die stoffbespannten Wände waren hier und da von ©itiertoert durchbrochen, dieses ©itiertoert verzierten feine Steine und Perlmutter. Lichter aller Farben strahlten aus den Rischen. Rur durch diese Rischen wurde das Gemach erhellt. Hoch wölbte sich die Decke. Sie war der Kuppel eines Dschainatemvels nachgebildet. Darunter, in der Zimmermitte, stand ein ‘Brunnen. Marmorstufen führten zu ihm hinunter, und ein goldener Reiher ließ in diesen einen Strahl von parfümiertem Master riefeln. Unaufhörlich tönte dieses feine Rieseln. Die Augenlider wurden schwer von seinem feinen Klingen, und das Hirn schlief ein in seliger Ermattung. 2n der einen Ecke dieses Zimmers hing ein großer seidener Baldachin. Ein weißer Teppich aus Brokat lag auf dem Boden. Darauf stand der Teetisch. Die Hausfrau goß den Tee in dünne Schalen. Sie reichte ©riebenoto die Platten. Er atz langsam, jeden Bissen mit ©enutz kostend. Der Hunger knurrte wie ein Tier im Magen, das mit aufgesperrtem Rachen gierig jeden Bissen auffing. Welche Anmut ...! dachte ©riebenoto und starrte auf die schlanken, feinen Hände, die sich ihm entgegenstreckten, um die Tasse neu zu füllen. Unter grenzenlosem Unbehagen fuhr er glättend an den Knoten der Krawatte. Er hatte das Empfinden, datz er so nicht hergehöre. Seit dem frühen Morgen war er unterwegs ... verstaubt, verschmutzt, verhungert. Er bemühte sich vergebens, das Gefühl der Schüchternheit hinabzukämpfen. Cr schalt sich töricht. Welche Rolle spielte er vor dieser Frau? Cs schien ihm, datz sie mit dem feinen Takt des Frauenherzens sein Bedrücktsein spüre. Daß sie fühlte, tote ihr Wesen und der ganze Rahmen dieses Hauses einen Cinfluh auf ihn ausübe, dem er mehr und mehr erlag. Sie sprach von Dingen, die beiden nahelagen. Von dem Abend bei Geheimrat Reugereuth, vom Tanzen und dem Wiener Walzer ... vom Berliner Leben ... daß sie bald reifen wolle. Und sonderbar ... ein dünner Schmerz durchzuckte ©riebenoto bei diesen Worten. „Reisen ...?" fragte er. „Wohin?" „Erst nach Baden-aaaden. Dann nach Brücken- berg. Wissen Sie, too das liegt?" „Ich bin in Schmiedeberg geboren. Schmiedeberg liegt unterhalb der Schneekoppe." „Ah, da schaun's. Rit wahr, das ist was Feines um den Berggeist Rübezahl und seine Koppe?" Plötzlich fiel sie wieder in den Dialekt der Heimat. Lachte selbst darüber und erklärte: „Ich kann s halt immer noch nicht lassen. Zum Aerger meines Mannes, der den Armeejargon der lieben Bundesbrüder nicht recht leiden mag. Und nun erzählen Sie von Ihrer Heimat. Aber — ach, Verzeihung ..." Plötzlich kam ihr zum Bewußtsein, daß sie ihrem Gast noch nichts zu rauchen angeboten habe. Ein Handgriff, und das Tischchen mit den Zigaretten und Likören rollte näher, ©riebenoto nahm eine Zigarette aus der goldenen Dose. Cs waren dünne Röllchen. Mit einer Hülle, die wie Seide schimmerte, und mit einem Mundstück aus Brokat. Das Feuerzeug erglühte. Zwei Zigaretten flammten. Blaue Rebel wölkten sich und fliegen zum Plafond. Es war still. Eine eigenartig sütze Traum- und Menschen behandeln muß, nicht nur das einzelne Organ seines Spezialfaches. Für jeden Spezialisten ist darum eine gute medizinische Allgemeinbildung von größter Bedeutung. Man redet heute bei der ärztlichen Kunst viel von Intuition. Die einen sehen in ihr eine durch die menschliche Entwicklung verbesserte Form des Instinktes, für andere ist Intuition die Fähigkeit des genialen Menschen, schnell das Wichtige zu erfassen, richtig zu kombinieren, sofort in einen Gedanken zusammenzufassen und entsprechend zu handeln. Die Intuition als übernatürliche Gabe Einzelner ist nach meiner Ueberzeugung jedem ärztlichen Denken so widersprechend, daß ich und, wie ,ch glaube, die meisten Aerzte die Erklärung als verbesserte Form des Instinktes ablehnen. Das soll picht heißen, daß wir eine Intuition nicht anerkennen; jede schöpferische Leistung setzt Intuition voraus; aber diese beruht immer auf Wissen, Erfahrung und Können. Zur Hcilkunst gehört mehr als Raturwissenschaft. Der Mensch bat eine Seele, deren Verfassung von größter Bedeutung für den Körper ist. 'Beim kranken Menschen reagiert die Seele anders als beim Gesunden. Heute ist die Meinung weit verbreitet, daß die sog. Schulmedizin die Seele des Kranken vernachlässige; der bekannte Danziger Arzt Lieck unterscheidet sogenannte Mediziner und wahre Aerzte und glaubt, daß die Mediziner in den Laboratorien unserer Hochschülen grqtzgezogen würden, während es an wahren Aerzten fehle. Ater wahre Aerzte, die Verständnis und Mitgefühl für das Leiden ihrer Patienten haben, hat es schon früher gegeben und gibt es Gott sei Dank auch heute noch in großer»Zahl. Der Arzt muß die Gesetze des Körperlichen und des Seelischen studieren und daraus eine Einheit bilden, die anders gestaltet ist, als die des reinen Raturwissenschaftlers, aber auch anders als die des reinen Psychologen. Die Erfassung dieser Einheit, dieser beim Kranken gestörten Einheit körperlicher und seelischer Vorgänge und ihre zweckmäßige Behandlung nennen wir ärztliche Kunst. Im Anschluß an die Rede verlas Se. Magnifizenz einen Auszug aus der I a h resch r o n i k der Universität und gab dann die Ergebnisse der Bearbeitung der Preisaufgaben bekannt. Preisträger wurden: 1. stud. theol. Gerhard Bernbeck mit einer Arbeit über das Thema „Schrifttum und Wirkung des protestantischen Mystikers Valentin Weigel"; 2. stud theol. et phil. Hermann Haaß mit einer Arbeit über „Die Entstehungsgeschichte der ältesten Anstalten der Inneren Mission in Hessen"; 3. stud. jur. Wilhelm ‘Bergt mit einer Arbeit über das Thema „Steht dem Reiche oder deutschen Ländern das Eigentum an Festungsgelände der infolge des Friedensvertrages von Versailles aufgelasfenen deutschen Festungen zu?"; 4. stud. phil. Carl Bettermann mit einer Arbeit über das Thema „Die helltonige, scharf profilierte, vielfach mit blutroter Farbe bemalte Tonware der frühen römischen Kaiserzeit im römischen Germanien ist zu sammeln, ihr Formenschah ist festzustellen und ihre besonderen Formen gegenüber der gleichzeitigen Terra sigillata und anderen verwandten Gattungen sind hervorzuheben. Diese Formen sind in ihrem Abhängigkeitsverhältnis zu Metallund Glaswaren zu untersuchen. Es muß ferner versucht werden, den Fabrikationsort und die genaue zeitliche Stellung der Gattung zu finden"; 5. stud. rer. nat. Franz Kirchheimer mit einer Arbeit über das Thema „Geologische Untersuchungen über Entstehung und Umwandlung von Braunkohlen"; 6. stud. phil. Rudolf Seiler mit einer Arbeit über das Thema „Die Zeit und Entstehung von Athanasius' Schrift gegen die Arianer Zauberstimmung lag in diesem Raum. Dann erzählte ©riebenoto. Wieder sprach er frei und unbefangen. Das Empfinden körperlichen Unbehagens, seelischer Gedrücktheit wich allmählich, um dem Zustand wohligen Behagens Platz zu machen. Köstliche Beruhigung aller Rerven ging von diesen Zigaretten aus. Etwas wie ein linder süßer Rausch ... seliges Zerfließen in das blaue Richts. Das Gespräch war bald von Brückenberg und Schlesien abgeglitten. Erst kam Kairo, Luksor, Heluan, dann die Azurküste, Rizza und Monte Carlo. Karneval in Rizza. Blaue Duft- und Farbenseligkeit in La Tourbie. Verträumte Segelfahrten nach dem Cap d'Antibes. Rauschdurch- wühlte Abendstunden in hem Himmelreich der Spieler: Monte Carlo. Da geschah es. Plötzlich sagte ©riebenoto unter einem Zwange, der die Gründe der Vernunft in ihm erstickte: „Ich wollte Sie schon immer etwas fragen, meine gnädige Frau. Damals -- eines Abends, als Sie in dem Restaurant Paris soupierten — sah ich neben Ihnen. Wissen Sie das eigentlich?" Sie sah ihm unbeweglich ins Gesicht. „Rein." Aber mit dem gleichen Atemzuge wußte er: sie lügt. Sie lügt, um mich zu schonen. Sie weiß alles. Mereandin hat ihr das Märchen mit dem Raubversuch und der Erpressung aufgebunden. Und trotzdem bin ich hier. Trotzdem sitze ich mit dieser Frau allein beim See. Srohdem tanzte sie mit mir, und ich durfte sie dabei in meinen Armen halten. Das ist unbegreiflich. Das ist--- ©riebenoto war blaß. Leise wiegte er den Kopf, und fast schien es, datz er selbst nicht wisse, was er tue. „Warum fragten Sie danach, Herr Doktor Griebenow?" ©riebenoto sah auf. Beider Augen trafen sich. Die seinen glitten ab und starrten auf den Boden. „Weil von jenem Abend etwas Schicksalhaftes für mich ausgeht. Ein rätselhafter Faden läuft von jener Stunde an, wo ich Sie und Ihren Mann im Restaurant Paris zum erstenmal gesehen habe, bis heute. Ich kann und darf das nicht in Worte fassen. Aber — cr ist da ... der Schicksalsfaden. Zwilchen heut und damals. Zwischen mir und Ihnen." Sie hob kühl die Schultern. „Ich verstehe daS nicht." „Rein, Sie verstehen das nicht", sagte er. „Sie können das auch nicht verstehen." Eine Weile war es still. Griebenow nahm eine neue Zigarette. Die Frau ihm gegenüber stützte beide Arme aus die Lehne ihres Sessels. Ihr Kopf lag seitwärts in den ausgeltreckten Händen. Sie blickte Griebenow mit rätselhaftem Ausdruck in die Augen. (Fortsetzung folgt) fort festgesteNt werden. Erwünscht ist, daß die für diese Feststellung wichtige Ueberlicferungs- gcschichtc der Schrift aufgeklärt werde." Zwei Preisträgern ist von den Fakultäten der halbe, den übrigen der volle Preis zuerkannt worden. Den Diez-Preis erhielt stud. phil. rec et theou Friedrich Cramer aus Frankfurt a. M. aus Grund einer QIrbeit „Die Bedeutungsentwicklung von „Jean" im Französischen". Se. Magnifizenz sprach den Preisträgern seine herzlichen Glückwünsche aus und wies in einer Schluhansprache auf die besondere Bedeutung des heutigen Tages hin, an dem das Rheinland von der Besetzung frei geworden ist. Hierauf sang die Fcstversammlung stehend das Deutschlandlied. Unter den Klängen eines Schluhmarsches verließ der Lehrkörper die Aula. Damit hatte die Feier ihren Abschluß gefunden. Am Rachmittag und Abend fanden gesellige und sportliche Beranstaltungen der Llniversitäts- angehörigen auf dem Universitätssportplah, der Liebigshöhe und in der Bolkshalle statt. 40jähriges Stiftungsfest des Männer- gesangvereins Arlon Klein-Linden. 00 Klein-Linden, 30. Juni. Der übliche Fackelzug am Samstagabend eröffnete das 40jährige Stistungssest, das der hiesige Männergesangverein Arion am Samstag, Sonntag und Montag feierte. Festpräsident, Berwaltungssekretär Ludwig Weinandt (Gießen), einer der ehemaligen Vorsitzenden des festgebenden Vereins, begrüßte beim F e st k o m m e r s in der Festhalle in herzlichen Worten alle Festteilnehmcr und wünschte dem Fest einen frohen Verlauf. Der Jubelverein sang alsdaiw unter Begleitung eines Teils der Kapelle des 1. Datls. Jnf.-Rgt. 15 in Gießen den Festgesang von Ziegler, geleitet von seinem Dirigenten, Ehrenchormeister Konrad R i c o l a i (Großen-Bufeck), der nun bald 20 Jahre den Verein leitet. Brausender Beifall lohnte die vortreffliche Darbietung. Den Kommers verschönerten durch ihre Mitwirkung der hiesige Rad- klub „Germania", der Turnverein Klein-Linden, der Radfahrcrverein Klein-Linden 1904 und die örtlichen Brudervereine „Harmonie" unter Leitung von Lehrer Knoche (Groh-Rechtenbach) und „Eintracht" unter Leitung von Musiker Köhler (Großen-Linden). Auch der befreundete „Quartettvercin Gießen" erntete mit einigen Chorvorträgen den Beifall der Festteilnehmer. Die Glückwünsche des Gesangvereins „Eintracht" überbrachte dessen erster Vorsitzender, Werkmeister August B ö ck i n g unter Lieberreichung des Bildes „Die Meister der Töne". Ferner überreichten noch Fahnennägel der Gesangverein „Heiterkeit" (Gießen) durch seinen Schriftführer Rudolf S ch i ck e d a n z, der Radfahrerverein 1904 Klein-Linden durch seinen Vorsitzenden, Lokomotivführer Johannes Gärtner, und der hiesige Kriegerverein durch seinen Vorsitzenden Kaufmann Friedrich Schimmel. Der RadNub „Germania" hatte seinen Glückwünschen ein Geldgeschenk beigefügt. Den Sonntagvormittag füllten Konzerte vor den Häusern verdienter Ver- einsmitglieöer und auf freien Plätzen des Dorfes aus. Am Rachmittag bewegte sich ein F e st z u g von etwa 30 Vereinen durch die geschmückten Straßen unseres Dorfes zum Fest- Platz auf der Pfingstweide. Während des Festzuges verstummten für einige Minuten die Musikkapellen, die Kirchenglocken läuteten, und man gedachte der im Weltkrieg Gefallenen. Auf dem Festplatz begrüßte der Festpräsident die vielen Gäste aus nah und fern und dankte den unermüdlichen Mitarbeitern, die monatelang Vor- 'bereitungen zum guten Gelingen des Festes getroffen hatten Der Vorsitzende des Gaues 1 Gießen des Hessischen Sängerbundes, Emil Koch - (Gießen), beglückwünschte den Verein zu seinem Jubiläum und wies auf die Bedeutung des Festtages hin, der in ganz Deutschland als Tag des deutschen Liedes eine besondere Bedeutung hat. Er schilderte Zweck und Ziele der deutschen Männergesangvereine, deren Hauptaufgabe fei, Volksgemeinschaft zu pflegen. Sein Hoch galt dem Vaterland und dem deutschen Lied. Im Auftrag des Hessischen Sängerbundes überreichte er an Schuhmachermeister Anton Mohr, der seit Gründung des Vereins im Jahre 1890 ununterbrochen aktiver Sänger ist, die Sängernadel. Herr Mohr dankte gerührt für die Ehrung und gelobte, auch ferner seinem Verein die Treue zu halten. Es überbrachten dem Verein noch Glückwünsche der Männergesangverein „Konkordia" (Rödgen) durch sein Mitglied Etzel- müller, unter Ueberreichung eines Fahnennagels und die Ortsgruppe Gießen der Gewerkschaft der deutschen Lokomotivführer durch Lokomotivführer Wilhelm Erle (Klein-Linden), ebenfalls unter ileberreidjung eines Fahnen- nagels. Die anschließenden Gesangvorträge der Gastvereine erregten allgemeines Interesse. Ein Volksfest am Sonntagabend und am Montag schloß das in allen Teilen wohlgelungene Jubiläum, auf das der Verein und sein rühriger Vorsitzender, Gemeinderechner Karl Jung, mit Befriedigung zurückschauen können. 90jähriges Bestehen des Gesang- Vereins „Liederlust" Ober-Seemen. V Gedern, 1. Juli. Bei herrlichstem Wetter konnte dieser Tage unser Gesangverein „Liederlust" sein 90jährige Bestehen feiern. Mit dem Jubiläum war das diesjährige Bundesfest, sowie eine Rheinlandbefreiungsfeier verbunden. Das Fest wurde durch einen Kommers eröffnet. In der Kirche fand ein Festgottesdienst statt. Rach dem Empfang der aus der ilmgegenö herbeigeeilten 28 Vereine bewegte sich mittags ein stattlicher Festzug durch die Straßen unseres reich beflaggten Ortes nach dem herrlich gelegenen Festplatz. Der Verein unter Leitung von Lehrer Müller begrüßte hier die Gäste mit dem Liede „Wir sind ein festgeschlossener Bund." Rach einem von Frl. Herröder gut vorgetragenen Prolog hielt der 1. Vorsitzende, Heinrich Peppel I., die Begrüßungsansprache. Besonders willkommen hieß er den Bundespräsidenten Lehrer Riedel, Gedern, Kreisdirektor Dr. I a n n , Schotten, und den Vorsitzenden des Hess. Sängerbundes, Ministerialrat Dr. Siege r t, Darmstadt. Er gedachte in ehrenden Worten der Gründer und hob besonders das jahrzehntelange Wirken des Ehrendirigenten Phil. Sittel hervor. Im Hamen der Ober-Seerner Frauen überreichte Frl. Emilie Ries eine wertvolle Fahnenschleife. Als Vertreter der Gemeinde überbrachte Bürgermeister Kipper die Glückwünsche des Ortsvorstandes. Sein Hoch galt vor allem den nun befreiten Brüdern am Rhein, dem Liede und der deutschen Republik. Die Festrede hielt Bundespräsident Riedel, Gedern. Er wünschte, daß auch in Zukunft in den Sängerherzen echte Sangeslust herrschen möchte. Der erste Teil der Rede wurde abgeschlossen mit dem mustergültig porgetragenen Massenchor „Wo gen Himmel Eichen ragen". Das Gedenken an die Befreiung des Rheinlandes stand im Mittelpunkt des zweiten Teils. Die Anwesenden fangen das Deutschlandlied, dem der zweite Massenchor „Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein" als Abschluß folgte. Kreisdirektor Dr. Iann überbrachte die Glückwünsche des Kreisamtes Schotten. Er wünschte, daß das Einigende der Sängerbundessache sich zum Wohle des deutschen Vaterlandes auswirken möchte. Der 1. Vorsitzende des Hessischen Sängerbundes, Dr. Sie- g e r t, Darmstadt, wurde mit dem deutschen Sängergruß „Grüß Gott mit hellem Klang" empfangen. Er überbrachte die Glückwünsche des Hess. Sängerbundes. Mit dem Mahnruf: „Deu- sche, seid stark im Willen zur Einheit!" schloß er seine mit großem Beifall aufgenommene Ansprache. Rach dem Dank des 1. Vorsitzenden begann das Singen der Bundes- und Gastvereine. Brandunglück in der Franks urter Altstadt. Frankfurt a. M., l.Juli. (WTD. Funkspruch.) In der vergangenen Rächt brach im Dachgeschoß eines Hauses in der Altstadt ein Brand aus. Eine ältere Frau konnte sich dabei nicht mehr über die Treppe in Sicherheit bringen und sprang aus dem Fenster des vierten Stockes in das unten ausgehaltene Sprungtuch. Sie mutzte mit Brandwunden und anderen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Bei den Aufräumungsarbeiten entdeckte die Feuerwehr später im Dachgeschoh die vollkommen verkohlte Leiche eines Mannes. Die Kriminalpolizei untersucht, ob der Tote dem Brande zum Opfer gefallen ist. Heber die Entstehungsurfache ist noch nichts bekannt. Wirtschaft. Stillegung der Bamag-Meguin-Werke in Butzbach. O Butzbach, 1. Juli. Infolge der ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse, von der die gesamte Industrie betroffen ist, haben die Bamag-Meguin-Werke beim Hessischen Kreisamt in Friedberg die Stillegung ihres hiesigen Betriebes angemeldet und dem größten Teile der Beamten und Angestellten das Arbeitsverhältnis gekündigt. Auch die Entlassung der Arbeiterschaft wird voraussichtlich im Laufe der nächsten Zeit erfolgen. * Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 23. bis 28. Juni 1930 auf 113,6 gegenüber 115,2 in der Vorwoche, und zwar in der ©ruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 111,4 (113,3), in der Gruppe verarbeitende In. buftrie auf 102,9 (104,4) und in der Gruppe Handel und Verkehr auf 134,0 (135,5). * Umfangreiche Kündigungen im (Elfen ft einbergbou. Von der etwa 400 Ar» beiter betragenden Belegschaft der Eisensteingrube Bindeweide im Kreis Siegen ist 250 Arbeitern ge» kündigt worden. Mit dem Rest der Belegschaft soll der Betrieb weitergeführt werden. * Lazard Speyer-Ellissen K. G. a. A., Berlin und Frankfurt a. M. Das Bankhaus legt seine Bilanz für 1929 erst jetzt vor, da mit Rücksicht auf die Verluste, die es erlitten hat, eine genaue Revision durch die Revisionsgesellschaft Price, Waterhouse & Co. vorgenommen wurde. Von dem Bruttogewinn von 2,08 (7,97) Millionen Reichsmark erforderten Handlungsunkosten 2,98 (5,20) Millionen Reichsmark, so daß sich ein Verlust von 905 578 Reichsmark ergibt. (I. V. wurden aus 2,77 Millionen Reichsmark Reingewinn 10 v. H. Dividende verteilt.) Die Bilanz ist infolge der von der Revisionsfirma angewandten neuen Form mit den Dorjahrsziffern nur schwer zu vergleichen. Immerhin ist ein starker Rückgang der Bilanz- zissem festzustellen. * Bankfirma Paul Schlesinger — Trier & C o., Frankfurt a. M. Das Gericht hat das Vergleichsverfahren über das Vermögen der Firma eröffnet. Es wurde ein ISföpfiger Gläubiger» ausschutz gebildet. Dergleichstermin ist auf den 26. Juli festgesetzt worden. * Henschel & Sohn AG., Kassel. In der außerordentlichen Generalversammlung, in der ein Aktionär 41,8 Millionen RM. Aktien vertrat, wurden u. a. Frau Hildegard Henschel (Kassel) und Generaldirektor Dr. Albert Vogler (Dortmund) neu in den Aufsichtsrat gewählt. • Metallgesellschaft und Berg« Heckmann-Selve AG. Wie wir zu den Rachrichten, daß die Metallgesellschaft AG., Frankfurt a. M. ihre Metallwalzwerke mit denen der Berg-Heckmann-Selve A. G. vereinigen und die Aktienmehrheit dieser Gesellschaft erwerben werde, erfahren, ist beabsichtigt, die Walzwerksbetriebe der Metallgesellschaft in die Berg-Heck- mann-Selve A G. einzubringen. Dafür erhält die Metallgesellschaft eine Beteiligung an dieser Gesellschaft. Zusammen mit ihrem bisherigen Besitz an Berg-Heckmann-Selve-Aktien wird sie dann voraussichtlich die Mehrheit des Unternehmens besitzen. Die Aufsichisratssitzungen, die über diese Pläne Beschluß fassen werden, finden am 3. Juli statt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. Juli. Tendenz schwächer. — Die Börse eröffnete in schwächerer Haltung. Unter dem Drucke der Orderlosjgkcit übte die Spekulation große Zurückhaltung und schritt vereinzelt zu Abgaben, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse zumeist Kursabschwächung e n bis zu 2 Proz. eintraten. Anregungen waren nicht vorhanden. Die Reuhorker Börse von gestern schloß matt. Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wurden am Elektromarkt Siemens mit minus 3 Proz. und Sch ucker t mit minus 2,75 Proz. Licht und Kraft verloren 2 und AEG. 1,5 Proz. Am Chemie- markt gaben J.-G.-F a r b e n 2 Proz. nach. Der Montanmarkt hatte kaum Geschäft. Erstnotierungen kamen hier anfangs kaüm zustande. Die Verluste gingen bis zu 1 Proz. Am Dankenmarkt ergaben sich Abschwächungen bis zu 1,25 Proz. Auch Deutsche Linoleum büßten 2,5 Proz. ein. Einen größeren Kursverlust hatten noch Kali A-schersleben mit ,minus'4 Proz. und Westeregeln mit minus 3 Proz. hinzunehmen. Reichsbankanteile, in denen erst später eine Notiz zustande kam, lagen um 2,75Proz. niedriger. Der Dauunter- nehmungs markt lag uneinheitlich. H o ch - und Tiefbau konnten sich um weitere 1 Proz. bessern, wahrend Wahß & Freytag bis zu 1 Proz. nachgeben muhten. Zell st off Wald- h o f wurden zirka 4 Proz. niedriger taxiert. Renten hatten ebenfalls kaum Geschäft. Deutsche Anleihen waren leicht nachgebend. Im Derlaufe schrumpfte das Geschäft weiter zusammen, doch blieben gegen Anfang die Kurse allgemein gut behauptet: teilweise traten auch Besserungen um Bruchteile eines Prozentes gegen Anfang ein. Stärkeres Interesse machte sich später für Chadeaktien auf die Stabilisierungsbestrebungen, woraufhin schon die s Pa - nische Daluta eine kleine Erhöhung zu verzeichnen hatte, mit plus zirka 13 Mark bemerkbar. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 Proz. weiter etwas leichter. Am Devisenmarkt lagen Madrid und Paris fest, das Pfund schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1937, gegen Pfund 20,3890, London gegen Kabel 4.8615, gegen Paris 123,63, gegen Mailand 92,79, gegen Madrid 41,60, gegen Schweiz 25,07, gegen Holland 12v09. Berliner Börse^ Berlin, 2. Juli. Rachdem an b"eT gestrigen Abendbörse keine Erholung eingetreten war. konnte man im heutigen Vormittagsverkehr eine gewisse Unsicherheit seststellen. Der schwach« Schluß der Reuyorker Börse war nicht dazu angetan, anregend zu wirken, und Momente wie der T e i 1 st r e i k bei der nordwestdeutschen Eisenindustrie, der Monatsbericht der Preußischen Industrie- und Handelskammer, der besagt, daß eine Besserung der Wirtschaftslage noch nicht eingetreten sei, mahnte zur Zurückhaltung. Cs ergaben sich zu Beginn des offiziellen Verkehrs Abschläge von 1 bis 2,5 Prozent. Aktiengesellschaft für Verkeh rswes en, Conti - Gummi, Elektrische Lieferungen, Siemens, Schief. Gas, Bem- be r g und Spritwerte verloren bis zu 3,5 Prozent. Darüber hinaus verloren Schubert L S a 1 z e r 4,5, ferner Polyphon und Salzdetfurth je 5,5 Prozent. Auf der anderen Seite waren Hansa, Svenska, Sarotti, Hirsch Kupfer und Eisenbahnverkehr s m i 11 e l 1,5 bis 2,5 Prozent gebessert. Chadeaktien erhöhten sich im Einklang mit der Befestigung der Devise Spaniens, die man auf Stabilisierungsbestrebangen zurückführt, um 13,5 Prozent etwa. Dividendenabschläge find heute bei B M W. und Hotelbetrieb zu berücksichtigen. Deutsche Anleihen waren nicht ein» heitlich. A11besitz fester, R e u b e s i h schwächer. Ausländer uneinheitlich Bosnier und Anotolier, Mexikaner und Türken fester. Der Pfandbrief markt war unentwickelt. Der Geldmarkt war, bei unveränderten Sätzen, eher etwas leichter. Im Verlaufe war es zunächst weiter abbröckelnd. Der Reichsbank- a u s w e i s zum Halbjahresultimo brachte eine' Gesamtanspannung von 566 Millionen. Im einzelnen haben die Wechsel und Schecks um 429 Millionen, Lombards um 130,5 Millionen und die umlaufenden Roten um 647,5 Millionen zu- genommen, während die Giroguthaben eine Abnahme um 157 Millionen erfahren haben. Die Deckung der Roten hat sich um 9 bzw. 10,5 Proz. auf 55,9 bzw. 65,7 Proz. verschlechtert. Später konnte sich eine leichte Erholung durchsetzen. Stärkeres Angebot lag jetzt nicht mehr vor. Das Niveau lag, bei kleinen Abweichungen nach beiden Seiten, etwa auf der Basis her ersten Kurse. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Juli. Trotz der höheren Auslandnvtiecungen war die Tendenz am Produktenmarkt ruhig. Das Angebot von Jn- larfbtoare war nicht groß, doch lauteten die Forderungen etwas höher, die aber niAt überall durchgesetzt werden konnten. Gegenüber den gestrigen Berliner Notierungen lauteten die Preise jedoch durchweg etwas höher. Am Futtermittelmarkt war das Geschäft aber nicht so still. Rogenkleie konnte erneut anziehen. Auch für inländischen Hafer machte sich, bei steigendem Preis, weiteres Interesse geltend. Das Mehlgeschäft war schleppend, doch traten auch hier kleine Preiserhöhungen ein. Es wurden notiert: Weizen, Hektolitergewicht von 78 Kilogramm 305,00—307,50; Roggen, Hektolitergewicht von 72 Kilogramm, 164—166; Hafer, inländischer, 167,5—170; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 34,50—44,50; Roggenmehl 24,50 bis 25,50; Weizenkleie 7,50—7,75; Roggenkleie 7,50. Tendenz: ruhig, Futtermittel fester. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende art. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. UI Senin Frankfurt a. Dl. Berlin Schluß» für« Kur« Schluß» kur« •Unfang» flur« Schluß» für« l»ilhr» Kur« Schluß« 1 Anfang» für« Kur« Datum 1. 7- 2. 7. 1. 7. 2. 7. Datum 1. 7. 2. 7. 1. 7. 2. 7. 6% Seutiaje tlteid)»ameU)e von 1927 ......... 7% Deutsche ReichSanlethe von 1929 .......... Deutsche AnI.-Ablö^Schuld mit AuSios.-Rechfen....... De»gl. ohne Autlos.-Rechte . . 8% Hess. BolkSstaat von 1929 irückzahlb. 102%)...... Oberhessen Provinz - Anleihe mit AuSIos.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 8% Franks. Hyp.»Bank Goldpfe XIII unkündbar 618 1934 . . . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe unkündbar bis 1932 ..... 4’/:% Rheinische Hyp.-Bank 87,4 103,5 59,2 9,2 95,1 57 57,9 101 95,5 90,1 101 96 95,5 99 2,75 23,13 20 1,95 5,1 5 5 9,7 7,65 | 1 «otr> | | | | | | | | | | || |||||*° |2 | || 1 «o 87,75 104 59,2 9,3 95,25 58 101 97 95,5 26,8 2,85 1,9 23,4 21.2 1,95 5 5,2 5,2 10,5 7,65 £ I | || 1 1 851 l£ 1 1 1 I I । । । 1 I «»* 1 । Hamvurg-tümerika Palet .... Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Tredltanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz- und Privat-Bank . 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und Disconto-GescUschaft, ... 10 Dresdner Bank ...... 10 RetchSbank........12 AEG............8 Bergmann.........9 Elektr. LieferungSgelellschaft. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume . . . 7 y, Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert & do.......11 Siemen« & HalSke ..... 16 Tranüradio ........ 8 Lahmeyer & Co.......10 Buderu«....... 6 Deutsche Erdöl.......6 Essener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener.......8 Harpener...... . . . 0 Hoesch Eisen. ....... 6% yi|e Bergbau.......10 105 112,5 122,5 161.5 143,25 209 133,5 134 258 153 150 110 149 144,5 218 161 129,5 121,5 104,25 122,5 142 207,5 255,75 151,5 148 167,25 215 76,5 85,5 um 104,75 105,65 112,75 122,5 161,25 142,5 208,75 133,25 133,5 257,5 152,25 181.25 149 148,75 134,5 144 152 170 218,75 116,75 160,5 77,25 88 129,25 122,5 100,25 98,5 97,25 96,66 67,75 64 97,9 89 220,5 112,75 103,9 138,75 104,25 112,75 122,5 161 142 208 133 133,5 255,25 151,4 180 139,5 148 148 134 143 148,5 148 216 75,5 86 128 131 97,25 96,25 95,5 66,4 98,75 88,25 218,13 8% Pr. Landespsandbriesanslalt, Pfandbriefe R. 17...... 8% Pr. L«nde«psandbriesanstalt, Komm.»Obi. 8t. 20...... 7% Pr. LandeSpfcmdbrtesanstalt, V.E.G. abg. BorkriegS-Obllgatio- nen, rückzahlbar 1932 ..... 4% Oesterreichische Goldrente . . 4,20% Oesterreichische SUberrenie 4% Oesterreichische Einheitliche Rente........... «% Ungarische Goldrente . . . 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4/,% detgl.von 1913..... 4% Ungarische Kroncnrente . . - 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie I........... 4% deSgl. Serie II . . . . . . - 6% Rumänische vereioh. Rente von 1903 .......... 4y,% Rumänische veretnh. Rente von 1913 .......... 4% Rumänische veretnh. Rente Köln-Neuessen........7 Mannesmann-Röhren .... 7 ManSselder Bergbau . .... 7 • Oberschles. Eiseitbedars .... 8 1 Oberschlei. ftoliroerle.....7 I Phönix Bergbau......6V-. Rheinische Braunkohlen . . 10 1 Rheinstahl......... 1 Riebeck Montan......7,2 96,5 88,5 220.5 112,75 Frankfurt a. 2)1. Berlin Banknoten. Schluß» l»Uhr» Schluß» Ansang» Berlin, 1. Juli Geld Brief für« Knr« für« Kur« Amerikanische Noten . . 4.175 4,195 Belgische Noten . . . 58,60 58,84 Datum 1. 7. 2. 7. 1. 7. 2. 7- Dänische Noten . . . . 11.98 112,42 Englische Noten..... 20,34 20,42 Bereinigte Stahlwerke ... 88,75 — 88.4 88.25 Französische Noten . . . . 16,44 16.50 Olavi Minen......16*/» — — 47 46.5 Holländische Noten . . . 68,11 168.79 Kaliwerke Aschersleben ... 10 209,5 205,25 210,5 —— Italienische Noten..... 22,01 22,09 Kaliwerke Westeregeln ... 10 211,75 209,25 213 211 Norwegisch« Noten . . . « . « 111,95 112,39 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 374 — 375,13 369,75 Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling 59,23 59,47 Rumänische Note» . . . 2.465 2.485 n. G. Farben-Industrie ... 12 Dynamit Nobel.......6 Goldschmidt........6 RlitgerSwerke........6 161,75 59,5 60 159,9 161,75 59 60,5 160.25 59,5 58.5 Schwedische Noten . . . . Schweizer Noten ...» Spanische Noten..... Tschechoslowakische Noten. Ungarische Noten .... - • • 112,38 81,24 45,81 12,433 73,10 112,82 81,56 45.99 12,493 73,40 Metallgelrlllchaft.......8 114 — 113,5 — Devisenmarkt Berlin — Aranksur a. M. Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Eementwerk Karlstadt. ... 10 95 — 95,5 — 1.3uti 2. 3u1l — _ _ — Amtliche Notierung Amtliche Notierung Wayß & Frey tag......8 76,5 75,75 76 — Geld Brle> 21 mit. »'Ji ott. 168,45 168,79 168,45 168,79 Schultheis Patzenhosgr ... 16 — — 290 291 Buen--AireS Brff.«Antw. 1,473 58.47 1,477 58,59 1,482 58,47 1.486 58,59 Ostwerke.........12 Aku...........18 88 — 239,5 88,5 236 86,5 Christianta - Koperibogcn 112,19 112,15 112,41 112,37 112,19 112,15 112,41 112,37 Bemberg.........!•> — — 95 92 Stockholm . HeMngforS- 112,51 112,73 112,51 112,73 Zellstoff Waldhof .... 13'/, 150,5 — 153 148,75 10,546 10,566 10,544 10.564 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 — — 110 111 21,955 21,995 21,95 21,99 Charlottenburger Wasser ... 8 — — 100,25 99,25 London. . . 20.365 20,405 20,333 20,406 Dessauer Ka«........9 — 151,5 149,75 4.1905 4,1985 4,189 4,197 Daimler Motoren ...... 0 33.5 — 33,25 32,75 Paris.... Schweiz . - 16,455 16,495 16,465 16.505 Deutsche Linoleum...... 206,5 204 206 204,25 81,20 81,36 81,215 81.375 — — 48,75 47 Spanien . 46,25 46,35 2,078 49,20 49.30 Rat. Automobil.......0 —— — •5 — Japan . . . 2,074 2,072 2.076 Ctcnficin & Koppel.....6 — — 70 67,5 iftio be Jan. 0,471 0,473 0,471 0,473 Leonhard Tietz......10 148 149 149 Wien tu D-- SvenSka....... . . . — — 306,5 309 Oe st. tibfleft 59,17 59,29 58,165 58,285 Prag . . . . 12,433 12,453 12,43 12,45 Frankfurter Maschinen .... 4 25 — 25 — Pelzrad - • 7,410 7,424 7,409 7,423 Gritzner..........6 32 — 31,75 —- Budapest. . 73,295 73,435 73,29 73,43 Heyltgenstaedt ....... o IunghanS. .........6 — — — Bulgarien 3,037 3,045 3,037 3,043 37 — 37,25 — Lissabon . . 18,80 18,84 18,80 18,84 Lechwerke..........8 Mainkraftwerko Höchst a.M.. .8 96 — —- —— Danzig. . . Konstantin. 81,47 81,63 81.44 81,60 — — —— 1,784 1,789 1,785 1,789 Miag...........10 —— — 112,75 112,75 Athen. . 5,42 5,43 5,42 5,43 Gebr. Roeder.......1( — — — I — Canada . . 4,188 4,196 4.187 4,195 Voigt & Haesfner......S — — 150 — Urnauat). 3,596 3.544 3.496 3,504 Süddeutsche Zucker .... 10 —- 1 - 155,25 I — Cairo . - 20,785 I 20,925 20,855 20,925 Aus Natur und Technik. Rückblick auf die Weltkrafikonferenz. Don Max Ascher. Die Zweite Weltkraftkonferenz ist zu Ende. 3900 Teilnehmer aus 50 Staaten haben an der Weltkraftkonferenz teilgenommen und in den neun Arbeitstagen 380 in 34 Generalberichten zufam- mengefahte Arbeiten besprochen Zählt man die Zuhörer an den 34 Sitzungen zusammen, so waren es mehr als 10 000, überstieg doch allein in einer Fachsihung die Zahl der Hörer 1200. An der Erörterung nahmen in jeder Sitzung im Durchschnitt 12 Redner teil. Diese ungeheure Leistung war nur durch die Sprachübertragungsanlage möglich, die die Zeit für die Übersetzung der 430 Erörterungsreden sparte. Rur wenn ein Vortragender seine Rede vorlos. die Dolmetscher aber unvorbereitet waren, war ihr Rutzen gering. Ganz besondere Beachtung haben die siebest allgemeinen Hauptvorträge gefunden, die von Trägern der ersten Romen aus der ganzen Welt gehalten wurden. Sie haben zum Teil, wie z. D. die Dorträge von E i n st e i n und E d d i n g t o n. über die Energiequellen unserer Erde hinausgegriffen. Man kann darin ein Zeichen dafür erblicken, daß uns nach Erschöpfung unserer irdischen Energiequellen andere, wahrscheinlich viel großartigere, zur Verfügung stehen werden. Der Konferenzbericht wird in 21 nach Fächern eingeteilten Bänden veröffentlicht werden, die auch einzeln abgegeben werden. Der letzte Band, der die sieben allgemeinen Hauptvorträge in den Sprachen enthält, in denen sie gehalten wurden, liegt bereits vor. Sie sind aber auch alle sieben deutsch zu haben. Es sind auf der Zweiten Weltkraftkonferenz wichtige Beschlüsse gefaßt worden, die aber hauptsächlich für den Fachmann von Interesse sind, und deren Aufzählung hier zu weit führen würde. Die Ergebnisse der Verhandlungen werden in den nächsten Wochen zusammengestellt und veröffentlicht werden, da es natürlich nicht möglich ist. sie schon heute zu übersehen. Die große Wichtigkeit der Anknüpfung von persönlichen Beziehungen zwischen so vielen erfahrenen Fachleuten der Erde ist aber schon heute erkennbar. Die Fachpresse der ganzen Welt hat während der Dauer der Konferenz die Fachleute über die Arbeiten auf dem Laufenden gehalten. Staatsmänner der ganzen Welt haben an die Weltkraftkonferenz Fragen gestellt, die sie beantwortet hot: Die Energie soll durch Verminderung der Kosten der Energieerzeugungs- und -Verteilungsanlagen und durch Erhöhung der Benuhungsdauer dieser Anlogen verbilligt werden. Diese beiden Punkte wurden in fast allen Vorträgen und Ansprachen erörtert. Aus der Zunahme der Bevölkerungen unserer Kulturstaaten im Zeitalter der Maschine, also in den letzten 150 Jahren, hat die Zweite Weltkraftkonferenz den Schluß gezogen, daß die dauernd fortschreitende Versorgung der Welt mit Maschinenkraft, Licht und Wärme zur Verminderung der Arbeitslosigkeit führen muß, weil die Verfahren zur Umwandlung der Rohstoffe in Gebrauchswaren dauernd zunehmcn und dadurch trotz der Verminderung der Rachfrage nach menschlicher Muskelkraft neue Arbeitsmöglichkeiten bringen. So hat die Weltkraftkonferenz zur Klärung vieler Fragen auf der ganzen Welt wesentlich beigetragen, und,gerade der Austausch dec Erfahrungen aller ^Länder wird in jedem dieser Länder die Wohlfahrt seiner Bürger fördern, indem er ihnen mehr Energie und mehr von den damit erzeugbaren Gütern zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung stellt und damit nicht nur ihre leibliche Wohlfahrt fördert, sondern sie durch immer fortschreitend« Befreiung von schwerer körperlicher Sklavenarbeit einem höheren Leben entgegenführt. Wer so arbeitet, wie die Teilnehmer der Weltkraftkonferenz gearbeitet haben, darf auch einmal feiern, und so war das Weltkraftseft ein Höhepunkt in der Tagung, obwohl cs die unseren Verhältnissen angemessene Bescheidenheit nicht vermissen ließ. Reben dem Dank für die glänzende Vorbereitung der Zweiten Weltkraftkonferenz und die deutsche Gastfreundschaft, klang immer wieder der Gedanke durch, der in der dritten Entschließung in die Worte gefaßt ist. „dah dieses Fest den Konferenzmitgliedern die Möglichkeit gegeben hat, einem unvergeßlichen Schauspiel beizuwohnen, das ollen Anwesenden ein wundervolles Bild Deutschlands, seiner alten Kultur und seiner heutigen Lebenskraft vor Augen geführt hat". Das Hohelied -er Krast. Ein $ilm über die Entwicklung -er Elekirizitäi. Rachdruck verbotenl Vor einigen Tagen wurde in Berlin zum ersten Male ein Film gezeigt, mit dem eine ganz neue Gattung von Filmen eröffnet wird. Er ist lehrreich und ist doch nicht eigentlich ein Lehrfilm, denn es ist unterhaltsam, wenn auch zugleich belehrend, ihn anzusehen. 3m ersten Abschnitt wird das Wesen der Elektrizität, die um den Atomkern kreisenden Elektronen, mit den Sonnen- und Spiralnebenwelten des Alls verglichen, wobei namentlich die sich drehenden sehung der ersten Dynamomaschine ist den Erinnerungen von Siemens so getreu nachgebildet, daß sie sich tatsächlich kaum viel anders abgespielt haben kann. Dann sieht man, wie sich Siemens und Rathenau, und später, wie sich Rathen au und Oskar v. Miller kcnnen- lernen. Wenn die geschichtlich wahre Szene vorgeführt wird, in der Rathenau und Oskar von Miller gemeinschaftlich die Lager eines Stromerzeugers im Keller eines Cafes mit in Eiswasser getauchten Servietten kühlen — dann 2 3 V i V.'l ||!ä Rathenau und Oskar von Miller kühlen im Keller eines Cofss die Lager eines Stromerzeugers. Spiralnebel manchem Beschauer Belehrung bringen werden. Der wichtigste und schönste Teil behandelt das Werden der Elektrizität und ihre Entwicklung von der Sage zur Wissenschaft, von der Wissenschaft zur Technik und von der Technik zur Wirtschaft. Dieses Werden beginnt mit der Einfuhr des geheimnisvollen Bernsteins nach Griechenland durch phönizische Kaufleute. Man sieht, wie Galvani durch das Zucken der Froschschenkel auf die elektrischen Kräfte aufmerksam gemacht wird, und den Aufbau der D o l t a- schen Säule, der ersten wirklichen Stromquelle, durch ihren Erfinder. Man erlebt es mit, wie Benjamin Franklin das Gewitter als elektrische Entladung erkennt und folgt dann der ganzen weiteren Entwicklung hauptsächlich an der Hand der Lcbenserinnerungen Werner von S i e m e n s'. Insbesondere auch die Inbetrieb- wird es einem klar, in wie ungeheuer kurzer Zeit sich die Elektrizität zu einem heute gar nicht mehr wegdenkbaren Diener der Menschen entwickelt hat. Auch die erste Kraftübertragung von Miesbach nach München und die von Lauffen nach Frankfurt entsteht vor unseren Augen, und wir sehen dann die ganze Entwicklung bis zum heutigen Großkraftwerk und die Verwendung der Elektrizität als treibende Kraft unserer Dahnen, als Lichtspender und als Dienerin in der Industrie, im Haushalt und in der Landwirtschaft. Die Bilder zeichnen sich durch geschichtliche Treue aus, und durch die Gesichter der Pioniere der Elektrotechnik, di« wir ja aus unzähligen Bildern kennen, sind gut getroffen. Oskar von Miller aber erscheint auch selbst auf der ßein- wand, was ungeheuren Beifall auslöste, denn er ist als Ehrenvorsitzender der Weltkraftkonferenz augenblicklich eine der volkstümlichsten Persönlichkeiten in Berlin. • Seine Beliebtheit beruht nicht nur auf feinen großen Leistungen, sie wird erst begreiflich, wenn man ihn einmal hat sprechen hören, denn dann muß man ihn licbhaben. Es ist selbstverständlich, daß ein solcher erster Versuch auch die Kritik herausfordert. und da möchte ich sagen: Ich würde den ersten Teil, der von den Elektronen handelt, ausscheiden und ihn, da er an sich wertvoll ist. erweitert für sich oder in anderem Zusammenhang bringen. w Siemens seht die erste Dynamomaschine in Betrieb. Das hätte schon den Dorteil, daß der Film kürzer wird, denn jetzt ist er zu lang, obwohl der letzte Teil sichtlich hetzt, so daß auch für den Laien notwendige Erklärungen weggeblieben sind. Ganz ausgezeichnet und über jedes Lob erhaben ist dagegen der -weite, der geschichtliche Teil. Dielleicht wär« «s das Beste, man brächte ihn allein oder man arbeitete den dritten Teil fo um, daß er der Propaganda für gewisse Institut« nicht mehr verdächtig erscheint. Sehr schön sind z. B. darin die Bilder der Kraftwerke — nur sollt« stets eine Inschrift ihren Ramcn künden. Die Bilder der elektrischen Bahnen und Schnellbahnen dagegen sind nicht durchweg so gut gelungen : das elektrische Kochen eilt unserer Wirtschaftslage und insbesondere auch den Strompreisen voraus. Mit dieser Kritik möchte ich das "große Ver* dienst nicht schmälern, das ganz zweifellos darin rQ IIH »Mr. Franklin — es kommt ein Gewitter!" besteht, daß überhaupt ein solcher Film einmal gefchasfen wurde. Er bietet außerordentlich viel Wissenswertes, namentlich für den, dem dieses Gebiet ferner liegt. Es darf auch jeden Deutschen mit Stolz erfüllen, wenn er sieht, daß ein Deutscher. Heinrich Göbel — nicht Edison — der erste Erfinder der Glühlampe war, und einen wie großen Anteil überhaupt deutsche Männer wie Ohm. Siemens, Rathenau, Oskar v. Miller und Klingenberg, um nur einige zu nennen, an der Entwicklung der Energieform haben, die wie keine andere geeignet ist, dem Menschen zu dienen, ihm das Leben au erleichtern und es lebenswerter zu machen. M. F. Künstliches Aegypten. Transport durch Gebläse. Don Dr. Franz Rittler. „Aegypten ist ein Geschenk des Nils", hieß es bereits im Altertum. Damit ist in richtiger und zutreffender Weise ausgedrückt, welche Rolle dieser Fluß für das Land spielt. Alle Jahre überschwemmt er es. Dabei lagert er eine dünne Schicht von Modder, von „Schlick" ab, die den fruchtbaren Ackerboden bildet. Hier gedeiht alles, was man zur Ernährung braucht, und noch viel mehr. Rur soweit reicht die Fruchtbarkeit, wie sich die ausgetretenen Wasser erstrecken, nur soweit, wie dieser Schlick vorhanden 'ft. Dort, wo er aufhört, beginnt die Wüste. Die Erfahrungen, die man in Aegypten mit dem Schlick machte, wiederholten sich in anderen Ländern. Freilich in anderer Form. Insbesondere an der Meeresküste gewinnt man dadurch Land, daß man das Wasser abdämmt und den Meeresboden trocken legt. In dieser Weise wird gegenwärtig ein großer Teil der Zuidersee in Land umgewandelt. Eigenartig muß es berühren, daß man sich dabei fast ausschließlich auf die Küste und auf das Trockenlegen beschränkt. Das Beispiel Aegyptens hätte eigentlich schon früher der Technik neue Anregungen geben können. Unfruchtbares Land, vor allem weite Sandflächen, gibt es vielfach. Zahlreich sind auch die Seen, deren Boden mit dicken Schichten von Schlick bedeckt ist. Würde man den Schlick über dem Sand ausbreiten, fo würde man eine Art von künstlichem Aegypten erhalten. Fruchtbares Gelände würde entstehen. Daß dieser Gedanke technisch durchführbar ist, ist kürzlich im Staate Washington in glänzender Weise gezeigt worden. Hier befinden sich große unfruchtbare Sandflächen sowie eine Anzahl von Seen. Wollte man den Schlick dieser Seen über die Sandflächen verteilen, so wäre es verfehlt gewesen, ihn etwa auszubaggem und dort abzu- laden. Das wäre zu teuer geworden. Es wäre auch unmöglich gewesen, die nötige feine Verteilung herbeizuführen. Das ägyptische Beispiel lehrt ja, daß eine ganz dünne Schicht von Schlick genügt, um Anpflanzungsmöglichkeiten zu schaffen. Deshalb wurde von einem dieser Seen eine Rohrleitung nach der Sandfläche gelegt, eine Art von künstlichem Nil. Die Rohrleitung verzweigte sich in andere Leitungen Mit diesen wurden Sprinkler verbunden, das heißt Dorrich- tungen, die eine feine Verteilung des Wassers bewirkten. Kräftige Säugpumpen saugten von hier den Schlick empor und gleichzeitig eine bestimmte Menge Wasser, in dem er fein verteilt wurde. Die Verteilung war so fein, daß die schmalen Ausflußdüsen der Sprinkler nicht verstopft werden konnten. Das Wasser mit dem darin verteilten Schlick wurde durch das Hauptrohr in die Verteilungsanlage gepumpt und durch die Sprinkler über die Sandschicht versprüht. Zum Betrieb der ganzen Anlage genügt ein Motor von zwölf Pferdestärken. Die Der- öünnung des Schlicks war eine derartige, daß das Wasser etwa einer dünnen Erbsensuppe glich. Allerdings hatte es nicht deren Farbe. Der Schlick war ebenso wie der berühmte ägyptische blaugrau gefärbt. Rach einem Jahre ständigen Besprengens hatte die gleichmäßig über die Sandfläche verteilte Schlickschicht eine Dicke von zehn Zentimetern erreicht. Damit war genügend Boden für die Anpflanzung gewonnen. Die Aussaat von Luzerne begann, die vorzüglich gedieh. Später folgten andere Pflanzen, darunter Gemüse, wie Kohl und Sellerie. Die Bewässerungsanlage bleibt stehen. Das ägyptische Beispiel wird weiterhin seine Nach- ahmung finden. Wie der Ril alle Jahre einmal über feine Ufer tritt und eine neue dünne Schicht von Schlick ablagert, so soll alle Jahre einmal eine kurze Besprengung mit Schlickwasser stattfinden. Der See wird dadurch nicht aus- getrocknet, da er durch Zuleitung und unterirdische Quellen ständig gespeist wird. Dieses Vorgehen zeigt einen neuen Weg, wie man mit Hilfe der Technik unfruchtbare Flächen in fruchtbares Land umwandeln kann. Das zu bewässernde Gelände braucht durchaus nicht in der Nähe der Seen zu liegen. Die Technik ist imstande, Wasser auf sehr weite Strecken fortzupumpen, und auf diese Weise auch an entfernt liegenden Stellen ein „künstliches Aegypten" zu schaffen. Sie versagt auch nicht, wenn es sich um dickere und beträchtlich schwerere Massen handelt als um eine Art von dünner Erbsensuppe. Für einen Straßenbau wurden gewaltige Mengen von Zement gebraucht, deren Anfuhr große Schwierigkeiten machte. Insbesondere an einer Stelle erwies sich die Schleife eines ziemlich breiten Fluiies als hinderlich. Eine Brücke oder eine hinreichend leistungsfähige Fährverbindung einzurichten, hätte zu viele Kosten verursacht. Deshalb verfiel man auf einen eigenartigen Ausweg. Hebet den Fluh wurde eine Rohrleitung von fast 300 Meter Länge gelegt. Der Zement wurde auf der einen Seite angefahren und durch geeignete Vorrichtungen in das Rohr hinein- geschüttet. In diesem wirkte ein Gebläse. Das Zementpulver wurde von dem erzeugten starken Gebläsewind ergriffen und durch das Rohr hindurch auf die andere Seite des Flusses geblasen, wo die Mischmaschinen standen, die den Zement auf Beton verarbeiteten. (Sonnenfierfen. Don Professor Dr. Rüstermann. Nachdruck verboten! Der beste Apfelwein schmeckt nach der Tonne, Und schwarze Flecken sieht man in der Sonne. Man kann es dem großen Spötter Heine vielleicht nicht verdenken, wenn er die Sonnenflecken als Zeugen der Unvollkommenheit alles Irdischen und hier sogar des Himmlischen auf* ruft. Aber wenn wir sie bei Licht besehen, so ist es mit ihrer Unvollkommenheit nicht so schlimm; denn das Licht, in dem sie strahlen, ist noch reichlich hell genug, und von „schwarzen" Flecken kann man eigentlich gar nicht sprechen. Sie erscheinen uns nur dunkler, weil ihre Umgebung noch heller leuchtet. Aber wenn, was ja gelegentlich vorkommt, die Venus oder der Merkur vor der Sonne vorüberzieh en, so läßt der Vergleich mit ihrer dunklen Scheibe erkennen, wieviel Licht die Flecken noch immer ausstrahlen. Und wenn auch von den Flecken Wirkungen ausgehen, die wir auf der Erde deutlich spüren, die vielleicht am allerersten zu vermutende Wirkung haben sie nicht, nämlich daß sie in irgendeiner meßbaren Weise die Sonne minder hell erscheinen lassen; denn selbst wenn sie nach Zahl und Gröhe ihren Höchstwert erreichen, ist es selbst mit wissenschaftlichen Meßgeräten unmöglich, ein Nachlassen der Sonnenstrahlung festzustellen. Wenn wir auch noch keineswegs all« Fragen über die Natur der Sonnenflecken beantworten können, so steht doch das fest, daß wir sie nicht als Schlackenbildungen auffassen dürfen, also als Ergebnisse einer starken örtlichen Abkühlung der Sonne und dcn dadurch bedingten Beginn eines Ueberganges des feuerflüssigen in den festen Zustand. Dies ist ja eigentlich auch ziemlich klar, denn die Sonne ist an ihrer Oberfläche etwa 5000 bis 6000 Grad heiß; das ist bedeutend heißer als der Schmelzpunkt selbst der am allerschwersten schmelzbaren Stoffe. Vielmehr ist anzunehmen, daß die Fleckenwirkung dadurch zustande kommt, daß dort die am stärksten leuchtenden Teile, die sogenannte „Photosphäre", von dickeren Schichten umgeben sind, sei es nun, dah sich diese wolkenartig über die Sonnenoberfläche erheben oder auf ihrer unteren Seite tiefer in sie eingraben. Ganz sicher ist auch, daß in den Flecken sehr heftige Bewegungen stattfinden, und da die bewegten Teile elektrisch geladen find, so entstehen dabei sehr starke Magnetfelder. Dies ist nämlich erstens durch Untersuchung des von den Flecken ausgehenden Lichtes ganz unmittelbar nachgewiesen, außerdem aber macht sich die Wirkung dieser magnetischen Kräfte bis auf die Erde hin bemerkbar. Bei starker Fleckentätigkeit der Sonne zeigt die Magnetnadel, durch die wir ja die feinsten magnetischen Kräfte wahrnehmen können, sehr starke Unregelmäßigkeiten, und ferner sind dann die Nordlichter, die auch mit magnetischen Kräften zusammenhängen, besonders häufig. Sehr merkwürdig und dem Wesen nach noch gar nicht aufgeklärt ist die Tatsache, daß die Flecken eine etwa elfjährige Wiederkehr zeigen. Freilich ist diese Erscheinung weder Üjrer Störte noch der Zeitfolge nach ganz regelmäßig. Es können also auch etwas mehr oder etwas weniger als 11 Jahre sein, und bei einem solchen Höchstwert ist die Zahl und die Größe der Flecken im allgemeinen nicht genau dieselbe wie bei den vorangegangenen. Unter Umständen bilden sich die Flecken sehr schnell; von einem Tag zum anderen können Flecken entstehen, deren Gebiet größer ist als die ganze Erde. Dies war z. B. am 19. August 1917 der Fall. Aber meist sind die Flecken leidlich beständig, und das ist eine sehr löbliche Eigenschaft von ihnen; durch sie können wir nämlich feststellen, daß sich die Sonne ähnlich wie die Erde um ihre eigene Achse dreht, und es zeigt sich, dah sie zu einer Umdrehung etwa 25 Tage braucht. Dabei muh freilich das „ettoa* unterstrichen werden, denn da die Sonne kein starrer Körper ist, so ist nicht gesagt, daß fit sich überall gleich schnell dreht, und tatsächlich bewegt sie sich auch am Aequator schneller als an den Polen. Oberhessen. GemeinderaLssihung in Grünberg. + Grünberg. 1.3uü. In der jüngsten Gemein dcratssihung waren 11 Gc° meinderäte anwesend. — Zu dem ersten Punkt der Tagesordnung, „I n st a n d s e h u n g der Londorfer Straße", waren Daurat Grünewald und Ober-Dausekretär Schmier als Sachverständige anwesend. Ersterer erläuterte den Voranschlag für Oberflächenbehandlung der Straße, der bei zweimaliger Teerung nebst Ausbesserungsarbeiten bis zum Bahnübergang, das sind 361 Meter Länge mit einer Fläche von 1970 Quadratmeter, etwa 4500 Mk. Kosten erfordern würde, davon 2100 Mk. zu Lasten der Provinz gehen und 2400 Mk. auf die Stadt entfallen. Gleichzeitig erklärte er auch den Vor» anschlag für die Herstellung eines beiderseitigen, erhöhten Fußsteiges und Herrichtung der Gosse. Bei Verwendung von Kunstbasalt als Rand- stein und Herrichtung des Fußsteiges in Asphaltbeton würde sich dafür ein Betrag von rund 9000 Mk. ergeben. Diese Summe ist von der Gemeinde zu tragen, die aber hier laut Ortssahung von den Anliegern die Kosten des Fußsteiges — cs ist dies etwa ein Drittel des Betrages — wieder einfordern könne. Auch sei es wahrscheinlich, daß bei Anlage eines Fußsteiges die Provinz dann die Straße neu walzen lasse. Gsgen eine Stimme beschließt der Gemeinderat nach längerer Aussprache die Herstellung des Fußsteiges auf beiden Seiten und die Llebcrnahme des auf die Stadt entfallenden Anteils der Oberflächenbehandlung. Bei der Abhaltung des Vieh Marktes anläßlich des vorjährigen Gal'lusmarktes stellte es sich als Mißstand heraus, daß besonders die Ferkolhändler mit ihren Lastautos den durch das nasse Herbstwetter ungünstigen Platz nicht befahren konnten und daher abseits Aufstellung nehmen mußten, was zu Klagen führte und auch die veterinärpvlizeilichc Tleberwachung erschwerte. Das Deterinäramt schlägt daher vor, den gesamten Viehmarkt am Gallusmarkt auf den bei den anderen Märkten benutzten Viehmarlt- platz an der Lehmkaute, der ein Stück weiter liegt, zu verlegen. Der Gemeinderat beschließt in diesem Sinne. Die Butzbach — Licher Eisenbahngesellschaft ist mit der Zahlung ihrer Grundsteuer seit 1928 im Rückstände, da sie gegen ihre als zu hoch angesehene Veranlagung Berufung eingelegt hat. Der Gemeinderat beschließt, das erste Ziel für das Rechnungsjahr 1928 anzufordern und die übrigen Ziele bis zur Entscheidung zu stunden. Aehnlich liegt der Fall bei der Gewerbesteuer: auch hier wird beschlossen, einen Teil anzufvrdern und den Rest zu stunden. Bezüglich „Ortssahung über dieWahl eines Bcrufsbürgermeisters" wird die Aufhebung des von dem Minister beanstandeten Beschlusses vom 17. März 1930, der die Vornahme der Wahl eines Berussbürgermeisters erst nach Erledigung des schwebenden Disziplinarverfahrens gegen den derzeitigen Wahlbürgermeister vorsah, beschlossen. Ebenso wird den gewünschten redaktionellen Aenderungen zugestimmt und als Gehalt Gruppe 3b bis Stufe 5 vorgesehen. Die Annahme dieses Beschlusses erfolgte mit 7 gegen 5 Stimmen. Gemeinderaissihung in Nidda. lp Ridda, 30. Juni. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde zunächst der neu gewählte Beigeordnete, Bauunternehmer Adolf L u p p, in den Dienst eingewiesen und verpflichtet. Im Anschluß an die Verpflichtung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Das Kuratorium der Gewerbeschule Ridda seht sich aus den Herren Bürgermeister R u l l m a n n, Vorsitzender, Beigeordneter L u p p, stellv. Vorsitzender, Rektor Vitt, einem Vertreter des Lehrerkollegiums, Gemeinderatsmitgliedern G a h e r t, Seum, Pfannkoch, Roth und Orth, Spenglermeister Heinrich Wolf, Fabrikant F. R e u n i n g, Geschäftsführer Meyer, Bauunternehmer H. D r o t t und Schreiner Paul Wermuth zusammen. — Das Gesuch des Robert Goebel aus Siegen i. W. um Erlaubnis zur Ausübung des Gastwirtsgewerbes im Hotel „Stern" wird befürwortet und die Dedürfnis- frage im Hinblick darauf, daß in diesem Hause seit Jahrzehnten ununterbrochen Gastwirtschaft betrieben wird, bejaht. — Für das Sechsfamilienwohnhaus in der oberen Schiller- strahe werden die restlichen Arbeiten, wie Dade- einrichtung, Auffüllen des Hofes, Ableitung der Abwässer usw. vergeben. — Zu der Herstellung der Provinzialstraßen-Ortsdurch- f a h r t e n in Ridda leistet die Stadt einen Zuschuß bis zu 2500 Mk. zur Beschaffung des über die ursprünglich geplante Herstellung eines drei Meter breiten Streifens hinaus erforderlichen Materials. Man hofft durch diese Straßenherstellung der geradezu unerträglich gewordenen Staubplage einigermaßen begegnen und anderseits das Strahensprengcn wesentlich cinschränken zu können. — Der Riddaer Herb st markt am 8. September soll mit der üblichen Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten und Gebrauchsgegenständen verbunden werden, und zwar sollen diesmal 8000 Lose zu je 1 Mk. zum Vertrieb kommen. — Die Verhandlungen mit der Gemeinde Michelnau über den beabsichtigten G e- l ä n d e t a u s ch zwischen den Gemeinden Ridda und Michelnau sollen xum Abschluß gebracht werden. Durch den Geländetausch kommt die Stadt Ridda in den Besitz der Wiesen oberhalb Michelnau, in denen sich mehrere Quellen befinden. Die Quellen müssen von der Stadt Ridda innerhalb einer bestimmten Frist gefaßt und dem Reservoir zugeleitet werden. Wenn auch die Stadt Ridda das Wasser vorerst nicht ousnuhen kann, weil das vorhandene Reservoir in der Regel von den bereits gefaßten Quellen vollkommen gespeist wird, sollen die Quellen doch dem Reservoir zugeführt werden, um das Wasser bei der geplanten, aber vorerst zurückgcstellten Erweiterung der Wasserleitung nutzbar machen zu können. Die Fassung und Zuführung der Quellen erfordert einen Kostenaufwand von etwa 10 000 Mk. — Gegen die Errichtung einer Benzintankanlage vor dem Anwesen des Schmiedemeisters Hermann Schneider in der Raun bestehen keine Bedenken. Für die Benutzung von städtischem Gelände zum Einbetten der Tanks ist eine jährliche Anerkennungsgebühr von 100 Mk. zu zahlen. — Dem Vorgehen des Hessischen Staates, Wohnungsneubauten, die im Jahre 1930 errichtet werden, für das laufende und die folgenden fünf Jahre von der Grundsteuer freizustellen bzw. sie bei der Grundsteuerveranlagung lediglich als unbebaute Grundstücke zu behandeln, schließt sich der Gemeinderat an. — Für das Turnier des Reit - undFahr- Vereins Ridda am 5. und 6. Juli l. I. stiftet die Stadt zum Ankauf von Ehrenpreisen 60 Mk. Für das Turnier wird die Gänsweid links der Allee unentgeltlich zur Verfügung gestellt. — Bei dem Markttempel auf der Gänsweid soll zu Bleichzwecken eine Z a p f st e l l e der Wasserleitung errichtet werden. Landkreis Gießen. tl Lollar, 2. Juli. Auf dem Wege von seiner Arbeitsstätte, den Buderusschen Eisenwerken in Lollar, nach seinem Wohnorte Wißmar wollte gestern zwischen 18 und 19 Tlhr der Hüttenarbeiter Wilhelm Klar aus Wißmar in der Lahn ein Bad nehmen. Kaum hatte er die Füße im Wasser, als er zusammenbrach und von Badenden ans Land gebracht werden mußte. Der Tod trat alsbald ein und wurde von Dr. Schlapp aus Lollar als Folge eines Herzschlages festgestellt. Der Verunglückte ist verheiratet und 42 Jahre alt. -f Treis a. d. L d a., l.Juli. Bei der Versteigerung der hiesigen Gemeindekirschen wurden 379 Mark erlöst. Die Kirschenernte ist reichlich. — Hier herrschen nun unter den Kindern die Masern sehr stark, besonders die jüngeren Jahrgänge sind davon befallen. Grünberg, 1. Juli. Ein üblerStreich wurde in der hiesigen Gegend in der Rächt vom Sonntag auf Montag begangen. In der Rähe des Steinbruches am Hellküppel bei der Reumühle wurde gegen 22.30 älhr eine Kette über die Hochspannung geworfen. Dadurch versagte die Lichtleitung und dos im benachbarten Queckborn abgehaltene Sängersest war die ganze Rächt ohne Licht. Man nimmt an, daß das die Absicht des Täters war. Hoffentlich gelingt es, den Täter ausfindig zu machen und ihn seiner verdienten Strafe zuzuführen. * Cid), 30. Juni. Am Freitag, 4. Juli, feiert Weißbindermeister Friedrich Schäfer mit seiner Gemahlin das Fest der g o l d e n e n H o ch z e i t. Die Eheleute erfreuen sich noch guter Gesundheit. Der Jubilar vollendet demnächst sein 76. Lebensjahr. Er geht noch täglich seinem Gewerbe nach. Seine Gemahlin, die einige Jahre jünger ist, versieht noch sämtliche Hausarbeiten. Q Grünberg, 1. Juli. Aus dem ersten Schlafe geweckt wurden gestern zwischen 23 und 24 Uhr die Anwohner des Kirchplatzes, Marktplatzes und der nächsten Straßen. Der Grün- Pfund Pfund Freitag vormittag eintreffend: Pfund 4783 C % Rückvergütung Straff Im Text ™ur so können Sie Ihre Zeitungsanzeigen durch Einprägsam In der Form zeitgemäße, gepflegte Werbe- wirksam in der Färb, drucksachen gut unterstützen. 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Dem Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 Laslwagen-Fahrten mit einem 5-Tonnen-Wagen werden ausgesllhrt [04097 Telephon 3559 Berget Gesangverein „L i e d e r?r a n z" hatte sich an das Denkmal für die im Weltkriege gefallenen Grünberger begeben und feierte die Befreiung des Rheinlandes durch Absingung einiger Vaterlands- und Rheinlieder. Mächtig hallten die sehr schön vorgetragenen Chöre über den nächtlich stillen Marktplatz. s. Trais-Horloff. 30. Juni. Dieser Tgae feierte der älteste Einwohner unserer Gemeinde, der Landwirt Heinrich Karl Hublitz, seinen 8 7. Geburtstag. Durch die Aemter, die er bekleidete, ist er weit und breit in der ümgegenö bekannt. Von 1873 bis 1919 war er Gemeinderechner, ein Amt, das schon fein Vater seit 1854 innehatte, und das auch jetzt wieder von seinem Sohne übernommen worden ist. 46 Jahre lang war er auch Kirchenrechner des Kirchspiels Trais-Horloff. Die 1900 hier errichtete Tlntererhebestelle übernahm er ebenfalls. Im Jahre 1905 erhielt er das „Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste" und 1916 dos Kriegsehrenzeichen. Bevor er Gemeinderechner wurde, war er auch während einer Wahlperiode Mitglied des Gemeinderats. Er ist noch einer der wenigen, die die drei großen Kriege miterlebt haben. Selbst gedient hat er jedoch nicht, obwohl er das Los zum Militärdienst gezogen hatte. Da er daheim nicht abkömmlich war, konnte ihn sein Vater für 175 Gulden in Darmstadt loskaufen. Der Greis erfreut sich einer ganz ungewöhnlichen geistigen und körperlichen Rüstigkeit und nimmt noch an den auswärtigen Zahlungsterminen teil. df. Langsdorf, l.Juli. Am vergangenen Sonntag waren es 25 Jahre, daß unser Kirchendiener Heinrich Roth II. fein Amt versieht. Aus diesem Anlaß überreichte der Kirchenvor» stand dem Jubilar in Anerkennung seiner treuen und gewissenhaften Dienstführung einen Sessel. Der Bürgermeister überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde. — Am gleichen Sonntag veranstaltete der Gesangverein den Volkslied e r t a g auf dem sog. Juxplah. Der Verein brachte Volkslieder zu Gehör. Der Dirigent hielt die Ansprache und wies auf die Bedeutung des Volksliedes hin. Die Veranstaltung erfreute sich eines für hiesige Verhältnisse guten Besuchs. — Seit einigen Wochen treibt hier ein Blumendieb sein Wesen. Er stiehlt meist in der Rächt von Samstag auf Sonntag die schönsten Stöcke. Wie verlautet, hat er sein Revier auch auf die Rachbarorte ausgedehnt. Rach den an- gestellten Ermittlungen kommt ein hiesiger Einwohner als Täter nicht in Frage. O Holzheim, 1. Juli. Am 9. Juli feiert unser Kirchspiel dahier das alljährlich wiederkehrende große M i s s i o n s f e st, das von jeher aus der näheren und weiteren Umgebung sehr zahlreich besucht wird. Zählt man doch regelmäßig weit über 1000 Teilnehmer. Es wirken mit der Gemischte Chor und der Posaunenchor. Festprediger sind: Pfarrer Christ lieb von Heid- Berg, Pfarrer Veiler (Mainz-Bretzenheim), Missionsinspektor Hoffmann und Missionar S a r t o r, beide von Barmen. Bei der bekannten Gastfreundschaft Holzheims darf mit einer großen Zahl Festgäste gerechnet werden. Kreis Friedberg. WSR. Bad-Rauheim,29.Juni. Frau Louise E. Kerckhoff aus Los Angeles, die im vorigen Jahr für eine Million Dollar für die Errichtung eines Forschungsinstituts für Herzkranke in Bad-Nauheim stiftete, wurde vor einigen Tagen durch den deutschen Generalkonsul in San Franzisko und den deutschen Konsul in Los Angeles im Auftrage des Deutschen Reiches die Rote-Kreuz- Medaille überreicht. ch Bad-Nauheim, l.Juli. In dem benachbarten ausgedehnten Wintersteingebiet mit seinen großen Wäldern ist gegenwärtig die Heidelbeer- ernte in vollem Gange. In diesem Jahre bringen die Heidelbeeren recht gute Erträge. ch Ober-Mörlen, 1. Juli. Auf der Straße nach Ziegenberg ereignete sich ein Motorrad- Unglück. Ein aus Bad-Nauheim stammender Fahrer rannte mit seinem Motorrad mit einem Fuhrwerk zusammen. Der Motorradfahrer wurde vom Rad geschleudert und erlitt schwere Verletzungen. Im Auto verbrachte man ihn in das Städtische Krankenhaus nach Bad-Nauheim. Das Motorrad wurde stark beschädigt. ch Fauerbach, l.Juli. Bei dem letzten über unsere Gegend niedergegangenen Gewitter schlug der Blitz in einen Nußbaum und tötete den darunter stehenden Schäfer Eugen S ch e n e k. Außerdem wurden zwei Schafe vom Blitz erschlagen. Der Schäfer erfreute sich in unserem Dorfe allgemeiner Beliebtheit. ^Wölfersheim, 1. Juli. Am 4. Juli feier! Fräulein Luise Hainer ihren 80. Geburt6- t a g. Die Jubilarin entstammt einer alten hessi« schen Pfarrerssomilie und ist im Jahre 1850 zu Ober-Breidenbach im Kreise Alsfeld geboren. Sie ist eine Tochter des zu Dorheim verstor- denen Pfarrers Eduard Hainer und eine Schlve» fter des in Hessen weithin bekannten, im Jahrs 1919 verstorbenen Kirchenrats und Dekans Eduard Hainer zu Hungen. Seit etwa drei Jayrmi wohnt die Jubilarin in unserer Gemeinde. Fräulein Hainer erfreut sich noch einer großen geistigen und körperlichen Frische und ist noch unermüdlich im Haushalt tätig. Kreis Büdingen. bd. Büdingen, 1. Juli. Dem für den 12. und 13. Juli 1930 angekündigten Sängerwett- st.r e i t des GesangvereinsLiederkranz ging am gestrigen Abend anläßlich des 90jährigeni Jubiläums des Vereins die Fahnenweihs voraus. Viele Sangessreunde hatten der Einladung Folge geleistet, und die Säle des Hotels Fürstenhof waren bis zum letzten Platz gefüllt. Die Orchestervereinigung Büdingen eröffnete die Weihefeier durch ein Musikstück, der Jubiläumsverein fang den Chor „O bone Jesu“. Es folgte nun unter Harmoniumklängen der^Lcierliche Einzug der Festdamen mit der neuen Fahne, die mit dem Sängergruß empfangen wurden. Die Fahne wurde durch die Festdamen dem Verein überreicht. Der Weiheredner, Kreisdirektor Dr. G a ß - n e r, würdigte in seiner Ansprache die Zwecke, die der Verein statutenmäßig erfüllen solle, nämlich: Pflege mehrstimmigen deutschen Männergesangs und Pflege der Freundschaft unter d.rn Mitgliedern. Er feierte den guten Geist, der im Verein herrsche. Gerade die Männergesangverein« seien es, die zur großen Masse des Volkes sprächen. Dies verpflichte sie aber auch, sich nur an wertvolle Musik zu halten. An dieser sei das deutsche Volk ja besonders reich. Der Redner gedachte auch der Persönlichkeiten, denen dev Verein feine geachtete Stellung besonders zu Hanken habe. Er sprach die Hoffnung aus, daß der Verein auch unter der neuen Fahne feinen alten Idealen treu bleiben werde. Ministerialrat Dr. S i c g e r t (Darmstadt) überbrachte dem Verein die Glückwünsche und Grüße des Hessischen Sängerbundes. Mit einem wuchtigen Schlußlied des Gesangvereins Liederkranz sand die erhebends Feier ihr Ende. / Gelnhaar, l.Juli. Dieser Tage trug di« hiesige Handballmannschaft in Gedern ein Wettspiel aus. Auf dem Rachhausewege stürzte Leo 18jährige Heinrich Röder von hier auf deo sehr abschüssigen Straße zwischen Hof Luisenlust und Gelnhaar so unglücklich von seinem Fahrrad, daß er einen Schädelbruch davontrug. Bei seines Einlieferung ins Gederner Krankenhaus konnte nur noch der inzwischen eingetretene Tod fefb- gestellt werden. Kreis Lauterbach. * Ilbeshausen, 29.Juni. An dem unbewachten Bahnübergang der Straße Ilbeshausen—Hochwaldhausen st i e ß heute nachmittag das Personenauto eines Lauterbacher Geschäfts» mannes, der sich mit seiner Familie auf einer Vergnügungsfahrt befand, mit dem 3.45 Uhr von Frankfurt kommenden Zutze zusammen. Der Lenker des Autos fuhr in mäßigem Tempo aus dem Orte, sah jedoch an der unübersichtlichen Stelle den Zug zu spät herannahen. Das Auto wurde wider einen Prellbock geworfen, wodurch Kühler, Motor und Vordergestell demoliert wurden. Die Insassen kamen, abgesehen von kleinen Verletzungen, mit dem Schrecken davon. (Schluß des redaktionellen Teils.) Mit 200-üilomeler-Gcschwindigkeil Worte schreiben! In fabelhaftem Tempo, in schwindelnder Höhe von 4000 Meter saust der Himmelschreiber, den unsere Leser gestern wieder einmal bei feiner Arbeit beobachten konnten, durch den Aether, um sauber und sicher das Wort „IMI" zu schreiben, den Flamen des neuen Geschirrabwasch- und Reinigungsmittels der Persilwerke, das im Reich der Haufrau eine umwälzende Arbeitserleichterung bringt. In einem Unw kreis von weit über 100 Quadratkilometer ist diese Rauchschrift bei klarem Wetter lesbar. Sie wird von, einem kleinen Apparat erzeugt, der in der Sekunds 8000 Kubikmeter Rauch ausstößt. Durch die finn< reiche Erfindung des Raucherzeugers ist es also möglich, mit wenigen Kosten Riesenplakate in dcn( Aether zu zaubern und so Millionen von Hausfrauen besonders große Arbeitserleichterungen, wis sie Persil und IMI bereiten, zu verkünden. 2684^ Ich suche: Herren auch Damen zum Besuch von Privaten. 4773V Ich biete: Guten Haushaltsartikel mit RM. 20—30.— Tagesverdienst. Festen Bezirk. Sofort Barverdienst. Frih Rühl, Siegen, Sprutswende 2. Mittwoch, öen 3. Juli, ab 2 Uhr nachmittags versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28: ein Schlafzimmer mit Marmor und Spiegel, eine Küche, zwei Büfetts, drei Küchenschränke, eine Chaiselongue, einen Diwan, einen Ausziehtisch, einen Gewehrschrank, einen runden Tisch, mehrere Betten, ein Klavier, eine Flurgarderobe, eine Nähmaschine (Dürkopp), ein Apfelgerüst, einen Leuchter mit Alabasterschalen, drei Schreibmaschinen, Federzeug, ein Motorrad (DKW, Luxus, 200 ccm, Baujahr 1929, mit Licht und Sozius, fahrbereit), einen Kleiderschrank, einen Sekretär, einen Waschtisch, Spielwaren, Zigarren, Pfeifen, Tabak, Schreibmaterial, Geschäftsbücher u. v. a. 4793D Versteigerung bestimmt. Ludwig Hartmetz Auktionator und Taxator Neuenweg 28 — Telephon 3414 Ab 10 Uhr: Verkauf von Herren- und Damenrädern (Marke Pfeil). KAFFEE HAG SCHONT W IHR HE! -AL IW stets frisch bei Jakob Maternus, Gießen Ecke Frankfurter- und Klinikstraße _________________________________ 4799D Refom-AmWorinin Seltersweg 87. Sprechstunden: Von 9—12 Uhr, außer Sonntags. Spezialbehandlung von Lupus / Flechten / Beinleiden / Krampfadern Entfernung von Tätowierungen, Muttermalen, Blutschwamm Auskunft kostenlos. 04134 KurzgeschnltteneS toixhtt liefert 1490 V Dampisägewerk Lollar B. Nubn, A.-G. EISU-Betten (Stahl u. Holz) Polster, Sdilafzi mm.,Stahlmat r. Kinderb.Chaiscl. a.Pri- vate. Ratcnzl. Katal. fr. Eucmnöbelfebrik Sohl Lohholzversteigerung. Nächsten Mittwoch, den 9. Juli 1930, vormittags 9 Uhr anfangend, werden im „Deutschen Haus", dahier, folgende Mengen Holz öffentlich verkauft: Distrikt 29, 36, 45, 50, 52: 4784V, 220 rm Eichcnlohholzknüppel 50 rm Eichenknüppel 59 rm Eichenreiferknüppel 44 rm Eichennutzknüppel (2,40 m l.)i ca. 20000 Stück Durchforstungswellen. Brandoberndorf, den 2. Juli 1930. Der Bürgermeister, / xj