Donnerstag, 2. Zanuar 1950 180. Jahrgang chnung trug, das Land aber um die Krone Englands kettete. Ob die liche Gesundheit all er Staate« zur Voraussetzung. 3n der Hoffnung, daß dieses Ziel erreicht wird, spreche ich Ihnen, Herr Botschafter, und Ihnen, meine Herren, zugleich auch für Dah England Gefahr lief, die Herrschaft über Indien zu verlieren, das hat ein kluger Brite schon vor sechs Jahren eindringlich auseinaiidrr- gesctzt. Seine Wartungen sind auch in London gehört worden, denn die llntersuchungs- a u s s ch ü s s c , die die britische Regierung nach Indien sandte, hatten ja die Aufgabe, eine Lösung zu finden, die der Freiheitsbewegung Indiens Rechnung trw ' r " " "‘'~ hören sollten, die mit dem Kongrehprogramm voll und ganz einverstanden seien. Der Ausschuß wählte die von Gandhi Borgeschlagenen. Die Gruppe der 30 Ausgetretenen hielt inzwischen eine Beratung ab und beschloß, eine demokratische Partei innerhalb des Kongresses zu bilden. Die Führer der Rationalisten in der gesetzgebenden Versammlung, Ghandi. Motilal Rehru sowie Sen Guptoa, der Führer in der bengalischen Provinzialvertretung, haben bereits ihre Mitglieder in jenen Körperschaften aufgefordert, ihren Austritt zu erklären. Die Annahme der Entschließung wird als ein persönlicher Erfolg Ghandis angesehen. Der Entschließung wird in den Kreisen des Kongresses eine verschiedene Auslegung gegeben. Auf der einen Seite neigt man zu der Annahme, daß die Kongreßmitglieder hierdurch nicht verhindert werden, an einer gemeinsamen englisch- indischen Konferenz teilzunehmen und auch einem gegenseitigen Abkommen über die Einführung des Dominion-Status zuzustimmen, während die radikale Richtung auf der wörtlichen Auslegung der Entschließung besteht. in der Vorführungszelle einen anderen Film aufrollte und plötzlich ein verdächtiges Geräusch hörte. Unmittelbar darauf wurde die vor- führungszelle von dichtem Rauch erfüllt. Der Vorführer erkannte sofort die Gefahr und versuchte, den brennenden Film aus dem Gebäude heraus zu bringen. Zu dieser Zeit war jedoch der dichte Rauch in die Halle des Kinos gedrungen und die Kinder von einer Panik ergriffen worden. Mehr als hundert Feuerwehrleute und Polizisten versuchten mit aller Kraft, die Kinder aus der Todesfälle, die das Kino darstellte, zu retten. Außerhalb spielten sich herzzerreißende Szenen ab, da der größte Teil der Mütter und Väter der im Kino befindlichen Kinder inzwischen eingetrosfen waren. Die Szenen wiederholten sich später im Krankenhaus, wo lange Reihen von i n b erleiden ausgebahrt lagen. Die meisten der Opfer sind, wie später festgestellt wurde, den durch die Flammen entwickelten giftigen Gasen erlegen. Der Brandmeister VZilson bezeichnet die Brandkatastrophe atvdasschrecklichsteLrcig- nisseines Lebens. Gr betonte, daß die Feuerwehr zwei Minuten nach dem Alarm an der Brandstelle eingefroren fei. Das ganze Gebäude war in dichte Rauchwolken gehüllt. Zivilpersonen, riefen ihnen zu: „Seht Eure Rauchhelme auf, man kann in den Rauch nicht hinein". Als aber feine Leute hörten, daß Kinder in Gefahr seien, warteten sie nicht erst auf die Rauchhelme, sondern machten sich an ihr Rettungswerk. Ein Feuerwehrmann, der in das brennende Gebäude eingedrungen war, erzählt, daß er eine feste Masse von Men- icheuleibern vorfand. Die verzweifelten Kinder packten die Feuerwehrleute bei ihren Röcken, und diese griffen so viel sie nur greifen konnten, und eilten mit ihnen ins Freie. 3n der Rühe der Ausgänge lagen in dichter Menge zusammengeballt die Lebenden rnb bie Toten. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfcnnig; für Ne. Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 ReichspfenniL Platzvorfchrist 20" , mehr. Chefredakteure Dr Friede Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuillewn Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchcin und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich tn Gießen. Loudon, 31. Dez. (Icl.-Un.) Durch einen Brand, der in einem Lichtspieltheater in Paysley (Schottland) ausbrach, kamen 72 Personen, meist Kinder, ums Leben. Die Brandkatastrophe erfolgte während einer Kindervorstellung. Der Brand ging von dem Vorführungsraum aus, und die Flammen griffen auf den Zuschauerraum über. Ls entstand eine Panik, und alles stürmte zu den Ausgängen, die bald durch einen Knäuel von Kindern versperrt waren. Polizei, Feuerwehr und Zivilisten zogen in fieberhafter Anstrengung die Kinder vor den Augen der entsetzten Mütter ins Freie. Ueber den Verlauf des Unglücks und die näheren Umstände werden eine Reihe weiterer Linzelheiten berichtet. Danach wurde etwa um 42 Uhr nachmittags in der Stadt Feueralarm gegeben. Zwei ober brei ftinber kamen aus einem schmalen Tor bes Glen-Kinos heraus. Der etwa 20 Meter entfernt auf ber Straße in Dienst befinbliche Schuhmann war sofort darüber klar, baß irgend etwas L r n - ftc s öorgefallen war und hielt sämtlichen Verkehr an. Bei seiner Ankunft am Eingang des Linos war die Panik unter den Kindern jedoch in vollem Gange und fein Versuch, durch Wiederherstellung ber Orbnung den größten Teil ber Kinber zu retten, war hoffnungslos. Die Rach- richt von bem Ausbruch bes Feuers hatte sich inzwischen in ber Stabt mit größter Schnelligkeit verbreitet unb hunbarte von Angehörigen, bereu Kinber im Kino waren, waren innerhalb weniger Minuten eingetrosfen, Personen, bie bei bem Feueralarm in ber Röhe waren unb bie ersten Rettungsarbeiten mitteten, berichten, bah bie Panik so groß war, dah bie Kinber zn zehn unb zwölf nebeneinanbet in ben Ausgängen lagen. Die Rettungsarbeiten würben dabucch ungeheuer erschwert. 3m Augenblick war es noch nicht möglich, bie Ursache bes Feuers genau festzustellen, boch sagt ber Vorführer aus, daß einer feiner Kollegen der wie jeder Pfad, der aufwärts führen soll, hart und schwer sein wird. Aber ich glaube doch, daß ein Rückblick auf das vergangene Jahr, der am Reujahrstage sich unwillkürlich aufdrängt, uns mit frischem Mut und neuer Zuversicht erfüllen kann. Im Zusammenhang mit der vorgesehenen Erleichterung unserer Lasten hat die Reichsregierung eine Reichsfinanzreform in Angriff genommen und dazu die Grundzüge eines umfassenden Programms vorgelegt. Durch die bereits gesetzlich festgelegte Schuldentilgung, die in dem beschlossenen Umfang entschlossen durchgeführt werden muß, werden in Ausmaß und Tempo dieser Reform Aenderungen an dem ursprünglichen Plane eintreten müssen. Jede Finanzreform, die diesen Ramen wirklich verdien^ muß auf einem in Einnahme und Ausgabe ausgeglichenen Reichshaushalt beruhen, der auch die Kasse des Reiches von Belastungen - befreit, die aus der Vergangenheit auf sie drücken. Die Erledigung dieser Ausgaben wird nach 2(6- schluß der Haager Verhandlungen die vordring, lichste Sorge der Reichsregierung sein. Gesunde Finanzen sind eine Vorbedingung politischer Freiheit. 3hre Staatsoberhäupter, Regierungen unb Völker im Ramen bes Deutschen Reiches unb im eigenen Ramen meine aufrichtigsten unb herzlichsten Reujahrswünsche aus. Um 12.30 Uhr empfing der Herr Reichspräsident den Reichskanzler, die Reichsminister und die Staatssekretäre der Reichsregierung. Oer Reichskanzler hielt folgende Ansprache: Herr Reichspräsident'. Wiederum habe ich die Ehre, Ihnen am heu- tigen Tage die aufrichtigen und herzlichen Glückwünsche der Reichsregierung auszusprechen. Mit dem deutschen Volke, das in Ehrerbietung zu Ihnen aufblickt, hofft die Reichsregierung, daß auch im neuen Jahre Ihnen Gesundheit und Wohlergehen beschieden fein mögen. Das deutsche Volk ist glücklich, in Ihnen, Herr Reichspräsident, ein Oberhaupt zu besitzen, das in der ganzen Welt geachtet und in Deutschland verehrt wird. Sie sind uns in der unermüdlichen und treuen Pflichterfüllung, mit der Sie Ihr hohes Amt versehen, Vorbild und An» sporn. 3m vergangenen Jahre hat es uns an schweren Sorgenwahrlich nicht gefehlt. Sie werden auch in Zukunft unseren Weg begleiten, Neujahrsempfänge beim Reichspräsidenten. Hindenburg fordert Freiheit und Gleichberechtigung für Deutschland und mahnt das Vaterland über die Parteien zu stellen: „Mitarbeiten an den Aufgaben der Gegenwart und am Aufbau der Zukunft ist wahrhast national!" Berlin, 1. Jan. Aus Anlaß des Reujahrstages fanden auch in diesem Jahre bei dem Herrn Reichspräsidenten die üblichen Empfänge statt. Gegen 10 Uhr traf bie Mache mit der Kapelle des Wachtregiments am Hause des Reichspräsidenten ein. Die Kapelle brachte anschließend dem Herrn Reichspräsidenten im Park des Hauses ein Ständchen. Um 12 Uhr mittags empfing der Herr Reichspräsident die Chefs der beim Reich beglaubigten fremden diplomatischen Vertretungen, denen eine im Ehrenhof des Reichspräsidentenhauses aufgestellte Abteilung Reichswehr militärische Ehrenbezeugungen erwies. Oer französischeBotschaster deMargerie brachte als rangältester Botschafter dem Herrn Reichspräsidenten die Glückwünsche des Diplomatischen Korps in einer Ansprache zum Ausdruck: Nr. 1 (Elftes Blatt Erjchelnl i ä g lt ch, außer Sonntags unb Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte _ Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle monat$=Be$ugspret$: 2.20 Reichsmark unb 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse unterSammelnummer2251. Anfchrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Stanlfurtam Main 11686. Entsetzliche Brandkatastrophe in einem schottischen Kino. Zweiundsiebzig Kinder im R-mch umgekommen. Als Zeugen des geradezu heroischen Eifers, mit welchem der hervorragendeDertre- ter Deutschlands im Rate der Völker sich trotz drückender Krankheit so lebhaft dem dauernden Suchen nach friedlichen Vereinbarungen und Lösungen gewidmet * ~l. wünschen meine Kollegen und ich die Gefühle, mit denen das gesamte Diplomatische Korps vor kurzem an der Trauer des Deutschen Volkes teil« genommen hat, heute vor dem Staatsoberhaupt erneut zum Ausdruck zu bringen. In dem soeben abgefaufenen Jahre haben wir die schwierigsten neuen Probleme zur Beratung tommen sehen, von denen in Europa und der übrigen Welt Ruhe und Sicherheit abhängt, ohne die sich die Menschheit nicht mit Erfolg der Arbeit widmen könnte, die doch für jeden Regelung der nationalen Bewegung an und erklärt. daß der Leitgedanke des Kongresses die völlige Unabhängigkeit Indiens ist. Die Entschließung tritt weiter für Richtbeteilig un g der Engländer an der zentralen und den provinzialen gesetzgebenden Versammlungen ein und ermächtigt den Ausschuß des Kongresses, wenn er es für nötig hält, ein Programm des Wider st an des gegen die Gesetze aufzustellen, sowie die Richt Zahlung der Steuern zu empfehlen. Die Entschließung fordert die Ablehnung aller Indien durch die fremde Verwaltung aufgebüröeten finanziellen Lasten, soweit sie nicht durch einen unabhängigen Feststellungsausschuh anerkannt werden. Der Vorsitzende des Kongresses, Iawaharlal Rehru, erklärte hierzu, die Ablehnung beziehe sich auch aus solche Verpflichtungen, die aus dem Bestreben Englands, Indien zu unterjochen und seine imperialistischen Absichten durchzuführen, erwachsen seien. Zu einer Spaltung kam es unmittelbar nach Schluß des Kongresses. Es traten nämlich 30 Mitglieder aus dem Kongreßausschuß aus wegen des Vorschlages Gandhis, daß dem Kongreß-, Kabinett" nur solche Männer angc- Oie Krisis in Indien. I Vielleicht wird 1930 ein Schicksalsjahr für das englische Imperium. — vielleicht auch nicht. Die britische Staatskunst, die über so reiche Erfahrungen und Anwendungsformen verfügt, hat es noch immer verstanden, das Imperium aus der Gefahrenzone in das freie Fahrwasser zu bug- | fieren. Wenn auf dem indischen Rationalkon- | greß in Lahore Ghandi wirklich triumphiert, so wird die Labourregierung freiwillig oder un= freiwillig den Beweis erbringen müssen, daß sie imperialistischer sein kann als selbst eine Tory- Regierung. Ghandi ist im Oktober 60 Jahre alt geworden, in denen er ein Leben gelebt hat, das nur nach indischen Begriffen und Vorstellungen zu deuten ist. Ghandi ist heute der unbestrittene Träger der indischen Freiheitsbewegung, einer Bewegung, die gerade unter Ghandis Einfluß nicht nur politisch bestimmt ist, sondern vielmehr versucht, den Indern auch sozial undwirtschaftlich zu lösen und zu befreien. Ghandi hat seine ganze Arbeit bisher darauf eingestellt, jede Gewaltanwendung zu verwerfen, um allein mit der Kraft des Geistes und der Seele Herr über die Bajonette und Flugzeuge der Engländer zu werden. Allein Indien ist für England nicht nur eine Kolonie, sondern vielmehr Inhalt und Krone des Imperiums. Was Indien für England noch immer bedeutet, das zeigte sich ja bei den Verhandlungen um den Kellogg-Pakt, als die englische ^Regierung darauf bestand, die Schlüsselstellungen des Imperiums unter allen ilmftänöen und gegen alle Angriffe verteidigen zu können. Die wichtigste Schlüsselstellung war und ist Aegypten, aber auch nur in Hinsicht auf die Sicherung und Verteidigung Indiens. Wir kommen dem Sinn des großen Krieges GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und verleg: vrühl'lche Universllitr-vuch- und Llelndrnckerei H. lange In Sietzen. Schrlstleltnng und Seschäftrllelle: rchul'tratze 7. so fester an die Krone Englands kettete. Ob Die indische Freiheitsbewegung heute schon so stark ist, um die Entscheidung mit England zu suchen, ist nicht nur eine Frage der Waffen und der Politik. Englands Macht ist in Indien noch Wehrbewegung durch die Weigerung, immer stark verankert, denn es verfügt über eine Steuern z u bezahlen, sowie vor allem auserlesene Truppe von sechzigtausend Mann, durch den Versuch, die untersten Schichten des die mit Kraftwagen und Flugzeugen jede gefähr- indischen Volkes wirtschaftlich aus der Gebun- dete Stelle des Riesenreiches aufsuchen kann, denheit zu lösen. Das soll nach Ghandis Dor- Auch die indischen Truppen sind wenigstens schlag dadurch geschehen, dah die Inder ihre heute zum großen Teil den Engländern noch er» Kleidungsstücke selbst weben, um vom englischen geben, weil sie wissen, daß der Zusammenbruch Kattun unabhängig zu werden. Run hat die der englischen Herrschaft ihr Dasein vernichtet, englische Staatskunst wohl die größte Aufgabe Vor Jahr und Lag stellte der Rationalkongreß $u lösen, die ihr seit Menschenaltern gestellt in Lahore der englischen Regierung das bis worden ist. zum 31. Dezember 1929 befristete Tlltimatum, In- , „ — k . dien das Dominiumstatut zu gewähren. Die La- Dis Beschlüsse des »ndischen bourregierung hat diese Forderung abgelehnt, *, '* — was'nun dem jüngsten Rationalkongreß Deran» Jtatt0NMf0NgreffeS. lassung gegeben hat, völlige Freiheit und a Llnabhängigkeit zu fordern. Lahore, 31. Dez. (WB.) Aach einer Aus- Die Waffen, die die indische Frecheitsbewe- spräche von anderthalbstündiger Dauer hat der gung zur Verfügung hat, sind nicht geschliffen, indische Rationalkongreß mit 942 ge- auch nicht mit Giftgasen gefüllt. Aber sie sind gen 792 Stimmen die von G a n d h i befürwortete nicht minder furchtbar, weil sie in ihrer An- Entschließung angenommen, die den 'Bomben- wendung den Rerv der britischen Herrschaft anschlag auf den Sonderzug des Vizekönigs v e r- berühren und töten müssen. Dazu gehört vor urteilt und den Dizekonig und seine Beglei- allem der Verruf der englischen Wa- ter zu ihrer glücklichen Errettung beglückwünscht, ren, die Weigerung, mit englischen Behörden Die Entschließung des Kongresses erkennt die zu verkehren. Tlnd gesteigert wird diese Ab- I Bemühungen des Dizekonigs um eine friedliche Herr Reichspräsident! Im Ramen des in Berlin beglaubigten Diplomatischen Korps habe ich die Ehre, Ihnen all unsere guten Wünsche zum Ausdruck zu bringen, die wir anläßlich des Jahreswechsels für Ihre Person hegen. Ihr Wohlwollen uns gegenüber hat uns im Lause der Jahres 1929 vielfach Gelegenheit gegeben, zu sehen, mit welch weiser äÄÄÄS» | Gefahrenzone zu entrücken. Darum die Zertrum- gäbe erfüllen die das deutsche Volk Sie g mcruiig der Türkei, darum die Schaffung eines hat, auf sich zu wchmen. Bikers machtpolitisch schwachen Staatengew'rrs im nahen ' m q°”nt>n hoA Trieben Eifers. Osten, über das England unmittelbar eine unbedingte Herrschaft ausüben wollte. Der Seeweg nach Indien konnte vielleicht einmal gesperrt werden. Lunte auch an Bedeutung zurück- stehen hinter ber gewaltigen Entwicklung der Luftwaffe und des Motorverkchrs. Indien ist für England nicht nur der große Absatzmarkt, auf dem es zur Zeit noch immer für zwei Milliarden Mark Wären unterbringen kann, Indien ist für England die Quelle und der Hauptstützpunkt jener überlegenen wirtschaftlichen Macht, die ihm im Ablauf eines Jahrhunderts die Schöpfung des größten Reiches der Erde möglich machte. Bis zum großen Kriege war Indien eine von England unmittelbar verwaltete Kolonie, aus der ununterbrochen Gold- I ~~ "Lebensgesetz"und Lebensfreude ift An ströme nach England stossen. Um wahrend des tem willen hat es nirgends gefehlt und Krieges alle Tieberraschungen in den Kolonien zu teD an ber Schwelle des neuen Jahres vermeiden, wurde .Indien das Dominion» ßöfung fo vieler Fragen gesucht wird, die Statut in Aussicht gestellt. Englische Der- Wiederaufbau der Welt und ihre sprechungen, zumal wenn sie in höchster Rot ent- flIüd[iche Weiterentwicklung auf den Bahnen der stehen, find in der.Regel wohlfeil wie Brombeeren §intrad)t Gerechtigkeit und allgemeinen Wohl- . im warmen Herbste. Das haben die Aegypter cQ^rt bDn hoher Bedeutung sind, vereinigen erfahren, das ist auch eine Erfahrung, die den toir und bDr Ihrer ehrwürdigen Person in be- Indern geworden ist. Die Verwaltung, die Eng- rcÄtigten, durch keine Schwierigkeiten zu erlaub 1919 Indien verlieh, war nicht die der Do- schotternden Hoffnungen. In dieser feften Heber» minions. sondern die einer gemäßigten Aristo- -eugung bitten wir Sie, Herr Reichspräsident^ iratie, deren Zügel die englische Regierung in .ür Ihre Person und für das Deutsche Voll den. Händen behielt. Trotzdem bedeutete auch diese jmrerc aufrichtigsten Wünsche entgegenzunehmen. Verwaltung ein großes Opfer Englaillrs, dessen Staatsmänner sehr wohl erkannten, daß die sich» -OCT jiClu)vpra|tvCnt renben Schichten Inbiens vom Geiste des Selbst- erwiderte auf die Worte des Botschafters u. a.: n?‘i Ä J» begonnen, bas immer mehr wuchs, obwohl ober Arbeit des letzten Jahres mit (Erfolg im neue gerabe well bie Engländer diesen seltsamen Mann fortgesetzt werden wird. Schwere Lasten find wiederholt einkerkerten. uns auferlegt. Deutschland kann aber seine Aufgaben im fireife der Rationen nur dann erfüllen, wenn es politische Freiheit und wirtschaftliche Lntfaltungsmög- l i ch k e i 1 hat. Die Ruhe und Sicherheit der Mell, die wir alle wünschen, haben politische Gleichberechtigung und wirtschaft- Oer Reichspräsident erwiderte mit folgenden Worten: Herr Reichskanzler! Für die Glückwünsche der Reichsregierung, die Sie mir in so freundlichen Worten dargebracht haben, sage ich Ihnen meinen aufrichtigsten Dank. Ich erwidere sie mit den besten Wünschen für Ihrer Aller persönliches Wohlergehen wie für den Erfolg der Arbeit, die vor Ihnen liegt. Wir wollen hoffen, dah der auf dem Gebiete der Außenpolitik eingeschlagene Weg, den rheinischen Landen, die immer noch die Last fremder Besatzung tragen und deren Bewohner'wir daher auch in dieser Stunde in herzlicher Anteilnahme gedenken, endlich die Freiheit bringt und die Reparalionssrage einer Lösung enl- gcgenführt, die den Lebensinteressen des deutschen Volkes und dem Geiste eines wahren Friedens entspricht. Die richtige Verteilung der uns auferleglen Lasten, die Stärkungderdeutschen wirt- schäft, insbesondere die Durch- und Weilerführung der zur Wiederherstellung der Rentabilität unserer notleidenden Landwirtschaft eingeleiteten Maßnahmen, und die Beschaffung von A r b e i t s m ö g l l ch k e i - tcn für die große Zahl der Erwerbslosen sind die weiteren Aufgaben, die im neuen Jahre ihrer Regelung harren. Wenn alle diese schweren Fragen so gelöst werden sollen, wie es das Wohl unseres Vaterlandes und die Verantwortung für dessen Zukunft fordern, dann müssen Parteigei st nndInleressen- Politik hinter die großen vaterländischen Gesichtspunkte zurückgestellt werden, und die Lebensfragen unseres Volkes alle Deutschen zu einer breiten einheitlichen Front zusammenschließen. Ich spreche daher in dieser Stunde erneut die Wohnung aus, daß hoch über den Parteien das Vaterland stehen muß! Wer entschlossen Hand mit anlegt und mitarbeitet an den Aufgaben der Gegenwart und am Aufbau der Zukunft, der handelt wahrhaft national. Wir sind reich an Kräften des Geistes und der Arbeit; wenn sie sich alle im Gedanken an das Vaterland zusammenfinden, dann brauchen wir um die Zukunft Deutschlands nicht zu bangen. Daß das neue Iohr solche Erkenntnis festigen möge, ist heute mein treuer Wunsch! QDeit^re Glückwün'che ü erbr. ch en das Reichs* tagspräsidium, eine Abordnung desReichs- rats, der Reichswehrminister Dr. h. c. Groener, für den Chef der Heeresleitung General Hasse und der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Raeder, ferner General).re^tor Dr. b. c. Dorp- müller für die Deutsche Reichsbahn, und Reichsbankpräsident Dr. Schacht. Oer Wehrmacht zum Jahreswechsel! Ein Erlaß des Reichspräsidenten. Berlin, 31. Dez. (WB.) Aus Anlaß des Jahreswechsels werden folgende Erlasse an die Wehrmacht veröffentlicht: An die Wehrmacht! Der deutschen Wehrmacht, der Reichswehr und der Reichsmarine, entbiete ich zum Jahreswechsel meine herzlichsten Glückwünsche. Tut weiterhin inGehorsam und treuer Pflichterfüllung eure Schuldigkeit. Der Reichspräsident (gez.) v.Hindenburg, der Reichswehrminister (gez.) G r ö n e r. An die Reichswehr! Allen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, Beamten, Angestellten und Arbeitern wünsche ich ein gutes neues Jahr. Schwere Entscheidungen im Inneren und nach außen stehen dem deutschen Volk bevor. Ueber dem Streit des Tages, über Klassen und Ständen, über politischen Parteien und Bünden, dienen wir allein dem Staat, der deutschen Republik. Das Reich zu schützen und zu erhalten war und bleibt erste Äufgabe der Reichswehr. Diese Aufgabe fordert -Zusammenstehen im Glauben und im Wollen. Je wirrer die Zeiten, um so fester die Wehr! (gez.) Groner, Reichswehrminister. An das Reichsheer! Allen Angehörigen des Reichsheeres weinen Dank für die ArbÄt im vergangenen Jahr und ein herzliches Glückauf für 1930. In Gehorsam und Vertrauen ruht die Kraft der Armee. Auf diesem Fundament wollen wir im neuen Jahre weiterbauen. (gez.) Heye, General der Infanterie und Chef der Heeresleitung. An die Reichsmarine! Beim Jahreswechsel spreche ich allen Angehörigen der Reichsmarine meinen Dank für die treue Mitarbeit und meine besten Wünsche für das neue Jahr aus. Selbstlose Pflichterfüllung und treue Kameradschaft sollen auch im neuen Jahr unser Leitstern sein im Dienste für unsere geliebte Waffe, für unser Volk und Vaterland. (gez.) Rae der, Admiral, Dr. h. c. Chef der Marineleitung. DieGlückwünscheOesterreichs Berlin, 31. Dez. (TU.) Anläßlich des Jahreswechsels hat zwischen dem Reichspräsidenten und dem österreichischen Bundespräsi- d c n t e n ein Telegrammwechsel stattgefunden. Das Telegramm des Reichspräsidenten hatte folgenden Wortlaut: „Zum Jahreswechsel spreche ich Ihnen, Herr Bundespräsident, meine wärmsten und herzlichsten Glückwünsche für Ihr persönliches Wohlergehen aus. hiermit verbinde ich die aufrichtigsten Wünsche für die Zukunft Oesterreichs. gez. Reichspräsident v. Hindenburg." Bundespräsident Millas drahtete: „An der Schwelle des neuen Jahres bitte ich Euer Exzellenz für Ihre Person und Ihre Familie, aber auch für das Wohlergehen des ganzen deutschen Volkes meine innigsten Glückwünsche entgegenzuneh- men. Mit diesen Wünschen verbinde ich die Hoff- nung, daß es dem deutschen Bruderoolke vergönnt sein möae, auch im kommenden Jahr auf dem Wege wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung in gleicher Weise wie bisher machtvoll fortzuschreiten. gez. Bundespräsident Mikla Der Aeujahrsempfang in Darmstadt. Staatspräsident Dr. Adelung über die Aufgaben des neuen Jahres. Darmstadt, 1. Jan. Veim Reujahrsemp- fang im Hessischen Staatsministerium, zu dem eine größere Anzahl Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Bevölkerung erschienen war, hielt Staatspräsident Or. Adelung eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Zu Beginn des verflossenen Jahres stellte die Hessische Regierung an die Spitze ihrer Wünsche den, das besetzte Gebiet möchte bald frei werden von fremdem Kriegsvolk. Das abgelaufene Jahr hat diesen Wunsch zwar nicht erfüllt, aber das kommende, an dessen Schwelle wir stehen, wird aller Voraussicht nach die ersehnte Frecheit bringen. Damit wird dann endlich der schwere wirtschaftliche und see- lischeDruckbeseitigt.der fast zwölf Jahre lang auf großen Gebieten und Bevölkerungsteilen unseres Landes lastet. Aber es wird sich dann auch noch klarer und eindringlicher als bisher erkennen lassen, welch schwere Schäden und Verheerungen die jahrelange fremde Besetzung mit ihren Vergewaltigungen und Hemmungen der Wirtschaft des Landes zu- gefügt hat. Der Jahreswechsel vollzieht sich in einer Zeit der Rot. Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft liegen darnieder, das Elend der Erwerbslosigkeit drückt schwer auf weite Schichten unseres Volkes und erfüllt sie mit Sorge und Bitterkeit. Diese Zeit der Rot stellt gebieterische Anforde- rungen; sie läßt sich nur überwinden, wenn auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens strengste Sparsamkeit und Einschränkung erfolgen. Die hessische Regierung wird an ihrem Teil mit aller Energie ein Sparprogramm verfolgen, von dem sie hofft, dah es geeignet ist, die Gesunderhaltung unseres Staatswesens zu gewährleisten und uns über die Tage der Rot hinwegzuhelfen. Dazu bedarf es aber der Mitwirkung und des Verständnisses aller. Denn ich bin mir bewußt, daß jede Sparmaßnahme Opfer verlangt, Opfer von der Allgemeinheit und Opfer von der Beamtenschaft. Aber diese Opfer sind sinnvoll, ihre Absicht ist, nicht zu schädigen, sondern zu erhalten; sie sind notwendig, um die Finanzgebarung des Staates der Genesung entgegenzuführen und dienen damit dem Wirtschaftsleben und dem Beamtentum. Aus der trotz stärkster äußerer und innerer Bedrängnis in der Rachkriegszeit durchgeführten Aufbauarbeit in Reich und Ländern müssen und dürfen alle Volksgenossen den Optimismus schöpfen, dah wir auch alfe weiteren Widerstände überwinden können, wenn der Geist der Solidarität und des Selbstvertrauens im Volke lebendig bleiben wird. So erwarten wir vorn neuen Jahre, es möchte den besetzten Gebieten endlich die Freiheit bringen und uns stärken, die wirtschaftlichen Röte unseres Volkes zu überwinden. Was plant die Reichsbahn für 1930? Berlin, 31. Dez. (Tel.-Un.) Im „Berliner Lokalanzeiger" beschäftigt sich ein Artikel des Generaldirektors der Deutschen Aeichsbahngesell- schaft, Dr. Dorpmüller, mit den Plänen der Reichsbahn für 1930. Auch im Jahre 1930, so erklärt Dorpmüller, werde die Reichsbahn zur Vervollkommnung ihrer technischen Anlagen in der technischen Entwicklung weiterschreiten. Auf den wicht'.gstcn Schnellzugsstrecken werden weiter in größerem Umfange Langschienen von 30 Meter Länge verlegt werden, die ein ruhiges, sanftes Befahren derartiger Strecken sichern, außerdem aber durch die auf die Hälfte herabgesetzte Zahl der Schienenstöße die Unterhaltungskosten verringern. Auf dem Gebiete des Signalwesens wird die Einführung eines dreibe- griffigen Vorsignals geprüft werden. Außerdem soll die Entwicklung der Zug- beeinflussungs - Einrichtung en, die das Beachten der Haltesignale automatisch bewirken, in großem Maße weiterhin gefördert werden. Die Drücken der Reichsbahn werden künftig aus gekupfertem Stahl hergestellt, um die Rost- gesahr herabzumindern, Im Jahre 1930 kommt die erste ganzgeschweißte, also nicht mehr wie bishev- genietete Cisenbahnbrücke bei Münster in Westfalen in Betrieb. Ferner wird im Jahre 1930 d i e größte Hochdrucklokomotive mit einem Kesseldruck von 100 Atmosphären in Betrieb genommen. Auf dem Gebiete der Elektrifizierung der Strecken sind große Arbeiten im Jahre 1930 nicht zu erwarten. Eine solide Finanzlage zu sichern, bleibe erste Pflicht der Reichsbahn, denn ohne sie sei auch jeder technische Fortschritt undenkbar. Das Ziel deutscher Außenpolitik. Betrachtungen des Generalobersten von Leeckt Wien, 1. Jan. (Tel.-Un.) Das „Neue Wiener Journal" veröffentlicht eine Unterredung mit Generaloberst von Seeckt, der u. a. erklärte: Es ist heute nicht leicht, eine deutsche Außenpolitik zu führen. Nur über ihr Ziel sollte kein Zweifel sein, es ist die Wiederaufrichtung Deutschlands als M a ch t ft a a t. Deutschland ist auf unbestimmte Zeit nicht nur seiner militärischen Angriffskraft, sondern auch der Verteidigungsfähigkeit gegenüber Frankreich und dem Osten beraubt. Unter Frankreichs Führung wird Deutschland eine Tributzahlung auf zwei Menschenalter auferlegt. Die Grundlage für eine deutsche Politik ist der Kampf gegen den Versailler Vertrag, der Deutschland die Zukunft sperrt und sperren soll. Der Friedensvertrag ist trotz allem Raffinement Stückwerk, ein Werk politischer Psychose. Der Vertrag ist auf falschen Voraussetzungen aufgebaut. Falsch ist die Annahme, daß man ein Volk wie das deutsche auf Generationen ungestraft versklaven könne, falsch eine Grenzziehung, die Zusammengehöriges willkürlich •trennt. Die Friedensoerträge haben anstelle eines Europas, in dem einige große Gegensätze bestanden, ein neues Europa gesetzt, in dem eine Reihe von Brandherden geschaffen sind, die kaum zu bewachen sind. Diese Verträge gehen auf dem einen ober anderen Weg ihrer A u f l ös u n g entgegen, und diese Auslösung ergibt da s Kampffeld der deutschen Außenpolitik, die für diesen Kampf der Macht bedarf, die zu schaffen ihre erste Aufgabe ist. Lettow-Vorbecks Englandreise Wertvolle Eindrücke des Ostafrikasiegers. Berlin, 31. Dez. (TU.) General v.Lettow- D o r b e ck veröffentlicht in den „Münchener Reuesten Rachrichten" einen Aussatz über seine Eindrücke in England. Dabei teilt er mit, daß ihm während seines Londoner Aufenthaltes e i n Paket des englischen Krieg smini- ft e r s zugesteUt wurde, das sein Eisernes Kreuz, seine Tagebücher und andere wertvolle Papiere enthielt, die er im August 1916 in Ostuf r ik a vergraben hatte. Rach den Eindrücken des Verfassers haben sich die Deutschen in England ihre geachtete SteUung wieder erworben, aber nicht durch Rachgiebig- keit und Kriechen, sondern durch Festigkeit undWürde. Botschafter Stha - m e r gehe da mit glänzendem Beispiel voran, v. Lettow-Vorbeck hebt die großeLiebenswürdigkcit hervor, die ihm überall in ©nglanb begegnete und sagt schließlich, wir würden uns schwer verrechnen toenn wir nun etwa auch politisches Entgegenkommen erwarten würden. Der Engländer werde immer nur englische Politik treiben, aber gerade deshalb hat es vielleicht einen gewissen Wert, wenn auch einmal in England alle Schichten und die gesamte Presse gegen Deutschland freundlich eingestellt sind. Einheiisverband der landwirischastlichen Genossenschaften. Berlin, 31.Jan. (WB.) Die Einigungskommif- sion der Organisationen des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens hatte bekanntlich in Frankfurt am Main am 19. Juli die Verhandlungen über die BUdung eines Einheitsverbandes zu Ende geführt. Jnzwfichen sind von sämtlichen beteiligten Organisation.en Zustimmungserklä- r u n g e n zu den Frankfurter Beschlüssen erteilt und die zur Auflösung der Verbände notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen worden. Die Auflösung des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen G e n o s s e n s ch a f - t e n wird am 12. Februar im Rahmen der nach Berlin einberufenen außerordentlichen deutschen landwirtschaftlichenGenossenschafts- tage 3 beschlossen. Am gleichen Tage wird auch der Generalverband der deutschen Raiff- e i f e n g e n off e n f cf) a f t e n auf einem außerordentlichen Generalverbandstag seiner Auflösung die endgültige Zustimmung erteilen. Der Genas- senschaftsverbanddesReichslandbun- d e s hat bereits am 1. Oktober feine Auflösung durch- geführt. Am 13. Februar wird dann in Berlin in Form einer geschäftlichen Tagung die Errichtung des Einheitsverbandes, der den Namen „Reichs- verband der deutschen landwirschast- lichen Genossenschaften - Raiffeisen" führen wird, stattfinden. Späte Sühne. Kownv, 31.Dez. (TU.) Wie aus Moskau gemeldet wird, wurden in der letzten Zeit in der Sowjethauptstadt mehrere Verhaftungen vorgenommen, die mit der geheimen Trotzkischen Opposition zusammenhängen, die verbotene Beziehungen zu ihrem Führer Trotzki unterhalten hat. Die Gruppe soll wichtige Dokumente nach dem Auslande ausgeliefert haben. 11. a. ist der Führer der Moskauer Trotzkischen Gruppe, der Mörder des ersten deutschen Botschafters in Moskau, Grafen Mirbach, Bljumkin von der OGPU. verhaftet und zum Tode verurteilt worden. Das Urteil soll am 22. Dezember durch die Wachen der OGPU. vollstreckt worden sein. Meine politische Nachrichten. Der Reichspräsident hat wegen eines im „Angriff", dem Berliner Organ der Rationalfozialisten, erschienen Artikels „Lebt Hindenburg noch?" Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur Goetz gestellt. • General Heye, der Chef der Heeresleitung, ist mit Wirkung vorn 1. Januar 1930 zumGeneral- oberftenbeförbert worden. Beim Ausscheiden des Generalobersten von Seeckt im Oktober 1926 wurde der damalige Generalleutnant Heye zum Ches der Heeresleitung ernannt und zum General der Infanterie befördert. * Der Vorsitzende des Deutschnationalen Arbeiterbundes am Riederrhein, Gewerkschaftssekre- tär Dudey, hat wegen der letzten Vorkommnisse in der Deutschnationalen Volkspartei seinen Austritt aus dieser Partei erklärt, nachdem er elf Jahre lang aktiv in der Partei tätig gewesen ist. Der Deutschnationale Arbeiterbund hat seine satzungsgcmäße Bindung an die Deutschnationale Voltspartei g e - l ö st. Infolgedessen behält Dudey den Vorsitz im Deutsch nationalen Arbeiterbund am Riederrhein. Aus aller Welt. Die Papageienkrankheit auch in Hamburg-Altona. Altona, 31. Dez. (WB.) Die sog. Papageienkrankheit, über deren Auftreten in Berlin bereits berichtet wurde, ist jetzt auch in Altona in sechs Fällen festgestellt worden, von denen einer tödlich verlief. Die Kranken wurden zunächst auf Lungenentzündung behandelt, bis sich der Verdacht, daß es sich um die log. Papageienkrankheit handelt, bestätigte. Bei Behandlung eines krank eingeüeferten Ehepaares, von dem der Ehemann kurz nach der Einlieferung starb, sind ein Arzt und eine Krankenschwester infiziert worden. Die beiden weiteren Fälle betreffen einen Mann und eine Frau, welche sich auf dem Wege der Heilung befinden. Der Papagei des Ehepaares, der noch vor Auftreten der Krankheit starb, war ein junges, vor acht Wochen aus Südamerika eingeführtes Tier. Die beiden anderen Papageien, von denen einer ebenfalls gestorben ist, der andere in Quarantäne genommen wurde, sollen von der gleichen Herkunft sein wie das erste Tier. Auch ick den beiden größten Hamburger Krankenhäusern, im Barmbecker und im Krankenhaus St. Georg sind Fälle der Papageienkrankheit beobachtet worden. Diese Fälle reichen bis Oktober zurück, also in die Zeit, in der vermullich der Haupttransport erkrankter Papageien über Hamburg erfolgte. Der aus Argentinien zurückgekehrte Hamburg- Süddampfer „Cap A r c o n a" wurde einer eingehenden Inspektion unterzogen, um etwa krankheitsverdächtige Vögel gegebenenfalls unter Quarantäne zu stellen. In einer Aerztekonferenz wurde fest- gestellt, daß zunächst besondere Schutzmaßnahmen nicht getroffen zu werden brauchen. Im „Tempo" berichtet ein Kasseler Arzt, daß ein französischer Gelehrter vor längerer Zeit schon die Ur s a ch e der sog. Papageienkrankheit gefunden habe und schreibt: „Die Papageien haben ihre Grippe und diese Grippe ist übertragbar, erstens auf andere Vögel (worauf man zu achten haben dürfte), dann aber — eine der ganz seltenen Tierkrankheiten — auchaufdenMenschen. Der Erreger —“mürbe von dem französischen Tierarzt Nocard entdeckt — er ist ein stäbchenähnlicher Pilz, der zu der so gut studierten Gruppe der Typhusdysenterie-Bazillen gehört. Daß er beim Menschen gerade die Lungen befällt, unter hohem Fieber, wo jeder Bakteriologe auf Darmerscheinungen schwören würde, ist eine der paradoxen Erscheinungen, an denen diese typische Tropenkrankheit so reich ist." Der Slemens-Ring für Professor Iunker«. Die Siemens-Ring-Stiftung hat an Professor Dr. Junkers in Dessau in Würdigung seiner großen Verdienste auf dem Gebiete der Wärme- uno der Flugzeugforschung den Siemens-Ring verliehen. Diese von Werner v. Siemens gestiftete Auszeichnung haben bisher erhalten Karl v. Linde, Auer v. Welsbach, Robert Bosch, Oskar v. Miller. Aulobusunglück auf einem Bahnübergang. Am Silvesterabend überfuhr ein Personenzug zwischen Insterburg und Dlumental (Ostpreußen) einen Personenomnibus der Stadt Insterburg. Von fren Insassen des Kraftwagens wurden sechs Personen getötet, fünf schwer und vier leicht verletzt. Der Ueberweg ist mit Schranken versehen, die Schranken waren aber nicht geschlossen. Der diensttuende Schrankenwärter wurde in seiner Wärterbude bewußtlos aufgefunden und mußte in das Kreiskrankenhaus übergeführt werden. Rach dem ärztlichen Gutachten ist alkoholische Einwirkung auf Grund der Bewußtlosigkeit ausgeschlossen und vorläufig nur anzunehmen, daß die Bewußtlosigkeit auf einen durch Schwindel hervorgerufenen Schwächeanfall zurückzuführen ist. Ob möglicherweise Kohlenoxhd- gasvergiftung vorliegt, muß erst durch genaue Blutuntersuchung festgestellt werden. Bei dem Unfall entgleisten die Lokomotive und ein Wagen des Zuges; die Strecke war mehrere Stunden gesperrt. Oie Wetterlage. irshavn- W Frankl Klagent Coruna' l€nf Jan Mayen. Mtv/odi, d.lJarJ93CL8hr iflord V- ->^.Nordo; QwoiKtmos ontntr (jnaio DedecKte woikiq.# otdecxi «Reoet * Sehnte a Grauptln s Meöel K Grwitter.(g)WindMille.«O* sehr tithie» Osi nassiQe» Südsüdwest 'n sturmtscnei nordwesl Oie »teilt fliegen mn dem Winde Pie oeiden Stationen stehenden Zaf» ien gehen die Temperatur an. Die Linien vcrhindco Orte mit gleichen) Ml neeresnivrau umaertctmelen Lulldruck Wettervoraussage. Sehr rasch ist die Jslandstörung nach dem südlichen Skandinavien gewandert. Infolgedessen hat auch ihre Warmluft mit großer Schnelligkeit auf dem Festlande an Ausdehnung gewonnen und erneut veränderliches Wetter eingeleitet. Ueber Deutschland herrscht bereits sehr windiges und sehr stürmisches Wetter mit verbreiteten Niederschlägen. Den veränderlichen Witterungscharakter läßt die neue Störung noch fortbestehen, wenn auch die Niederschläge nicht mehr anhalten, sondern in Schauern übergehen. Mit dem Drehen der Winde über Westen setzt leichte Abkühlung ein. Voraussage für Freitag. Unbeständiges Wetter, mit Bewölkung und Aufheiterung wechselnd, etwas kühler, Regenschauer. Lufttemperaturen am 1. Januar: mittags 4,2 Grad Celsius, abends 3,7 Grad: am 2. Januar: morgens 6,4 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum 3,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. Januar: abends: 1,5 Grad Celsius; am 2. Januar: morgens 2 Grad Celsius. — Niederschlag 5 nun. Amtliche Mnlersporknachrlchlen. Schwarzwald: Feldberg: Bewölkt, — 1 Grad, 55 Zentimeter Pulverschnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Ski und Rodel gut. — 2llpen (Garmisch-Partenkirchen): Bewölkt, minus 0 Grad, 10 Zentimeter Pulverschnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, und Rodel sehr gut. — Derch tesgaden: Bewölkt. 0 Grad, 19 Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski und Rodel sehr gut. Keine Redensarten und keine leeren Versprechungen aber staunend niedere Preise kennzeichnen unseren diesjährigen INVENTUR-AUSVERKAUF der vom 4. bis einschließlich 18. Januar 1930 dauert. Wir verkaufen während dieser Zeit einen großen Teil unserer Warenvorräte weit unter Selbstkostenpreis! 1O794D trägt, versteht Tag vorher, können. — — Nun hängt auf Rettung umhertrieb. Gs ist zu erwarten, daß dieser bedeutsame Vortrag sehr starkes Interesse finden wird. (Siehe heutige Anzeige.) damit wir alles überschauen der kleine Kalender an seinem er dick und prall. Aber er wird Unsere 5 Schaufenster sagen Ihnen all das, was in den letzten Tagen hinter den Kulissen vor sich gegangen ist: Preise nennen wir hier nicht, aber wir wissen, daß unser Ausverkauf dclS Stadtgespräch G 16 ß6IIS sein wird Feuer- und Brand- Schäden in Kleidern. Wäsche und Teppichen werden in 3 bis 4 Tagen tadellos repariert Kunststopferei König Gießen, Walltorstraße 18, Tel. 736 zeichnen. Daß man schon am Jahresanfang die wichtigen Tage, wie die Geburtstage der Verwandten, die Vorladungen zum Gericht, die Ferien usw. ein» sich von selbst, aber immer einen Entwicklungsgang noch einmal „schwarz auf weih". Es wird für sie sicher eine große Freude sein, besonders die eingeklebten Bilder, vom ersten Tage bis zur Schulentlassung, werden immer wieder betrachtet werden. Sie finden in dem Buch eine Probe ihrer ersten Locken, die Bemerkung, an welchem Tage das erste Zähnchen durchkam, die ersten Geh- und Sprechversuche, der Schulanfang, die erste Schrcibübung, die Schulzeugnisse usw. All das können wir so nebenbei für unsere Kinder aufbewahren, wenn wir nur an einigen Abenden das kleine Zettelchen vom Abreißkalender nehmen und uns darauf einige Sähe auf- SCHMUCKER GIESSEN sehen sein. Das Jahr 1930 wird das dritte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts abschließen. Hoffen wir, daß es unser Vaterland, und damit auch uns, aufwärts führt und manche trübe Stunde der vergangenen Tage vergessen läßt. W. Daten für Donnerstag, 2 Januar. 1582: Eröffnung der Universität Würzburg; — 1801: der Schriftsteller Johann Caspar Lavater in Zürich gestorben; — 1858: der Schauspieler I. Kainz zu Wie^elburg in Ungarn geboren; — 1921: der Maler Franz von Defregger in München gestorben. Gietzener Wochenmarltpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 130 bis 180; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 35; Unterkohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 60 bis 90; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 4Vr bis 5; Aepfel 10 bis 15; Dirnen 10 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Gänse 110 bis 140; Rüsse 50 bis 80; das Stück: Tauben 70 bis 90; Kisteneier 17 bis 18; frische Landeier 19 bis 20; Blumenkohl 50 bis 100; Salat- 35 bis 40; Endivien 15 bis 40; Oberkohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 40 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,80 bis 4; Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 7 bis 8; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 10 bis 12; Dirnen 8 bis 10 Mark. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Indizienbeweis" und „Ich hab für Sie ein bischen Sympathie". — Astoria-Lichtspiele: „ Frauengasse von Algier" und .Der geheimnisvolle Spiegel". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 3. Januar, wird die Legende „Tobias Wunderlich" zum ersten Mal wiederholt. Dieses Volksstück hat bei feiner Erstaufführung großen Beifall gefunden. Beginn 20 Uhr. — Für Sonntag, 5. Januar, ist nachmittags, 15 Uhr, das Märchen „Das tapfere Schneiderlein" angeseht, abends 18.30 Uhr wird die ausgelassene Posse „Kyritz- Pyritz" wiederholt. — Die Intendanz hat für den 30. Januar Paul Wegener zu einem einmaligen Gastspiel verpflichtet. Als Reueinstudierungen sind Ridleys „Der Geisterzug" und Sheriffs .Die andere Seite" vorgesehen. — 1. Gießener Billard-Club. Samstag, 4. Januar, Generalversammlung im Caf6 Amend. — Siehe heutige Anzeige. _ „ — Der Goethe-Bund hat für feinen nächsten Vortragsabend am kommenden Sonntag Prof. Dr. Franz Dehounet zu einem Lichtbilde rvortrag über seine Erlebnisse auf der Nobile-Nordpolexpedition eingeladen. Sieben Wochen verbrachte Prof. Dehounek mit einem Teile der Schiffbrüchigen auf der Eisscholle, die inmitten des treibenden Eises zweihundert Kilometer in diesen bangen Wochen des Wartens Aus der Provinzialhauptstadt Gießen, den 2. Januar 1930. Oer neue Kalender. EH ist für mich immer beinahe ein feierlicher Augenblick, wenn ich am Morgen des ersten Januars den alten, leer gewordenen Abreißkalender von der Wand nehme und dafür den neuen befestige. Ehe er aber seinen Platz an der Wand bekommt, gehe ich gedankenvoll noch einmal die einzelnen Tage durch. Ist so ein Abreißkalender nicht wie ein verschlossener, mit hohen Mauern umgebener Garten? Oder birgt sich hinter der Umzäunung gar eine Wildnis? Wir wissen es nicht. Niemand kann in die Zukunft schauen. Aber als gutes Zeichen sehe ich den Spruch des ersten Tages an. (Es ist ein ganz kleiner Kalender, der für jeden Tag ein Blättchen hat, unter der Zahl steht ein Sprichwort, die Weisheit eines Dichters, oder sonst irgendein Zitat.) Auf dem ersten Blatt lese ich also: „An Gottes Segen ist alles gelegen." Ja, so war es im alten Jahr, und so wird es auch im neuen sein. Wir können uns nur dem großen Weltenlenker beugen und müssen das hinnehmen, was er uns sendet. Es folgen die einzelnen Tagesblätter, die Werktage schwarz, für die Arbeit, die Sonntage rot. Werden sie uns alle rot und rosig erscheinen? Es wird wohl auch da öfters trübe fein, und die schwarze Farbe wäre angebrachter. Aber was sollen schon jetzt die dunklen Gedanken? Wir blättern weiter: Januar, Februar und März, werden sie wieder solch grimmige Kälte bringen, oder wird der Winter milder sein? Ganz spät, erst am 20. April, erscheint diesmal das Osterfest. Werden bis dahin die Veilchen blühen, oder noch Schneeglöckchen läuten? Ein altes Sprichwort sagt: „Grüne Weihnachten, weiße Ostern." Doch wird es in diesem Jahre dazu wohl nicht kommen. Mai, Juni: Pfingsten ist da. Juli, der Ferienmonat, August, der uns die reife Frucht bringt, schon sehen wir im Geiste die rüstigen Schnitter an der Arbeit; September und Oktober, die Erntezeit ist da. Dann folgen der Nebel- rnonat und das Weihnachtsfest. Am Ende steht dann, wie auch vorgestern, auf dem letzten Blatt: Silvester, der letzte Tag! So geht ein Jahr nach dem andern dahm. Wir stehen nun am Anfang. Wir haben uns dies und das vorgenommen, wir wollen manches anders machen, als 1929. Aber was sind Entschlüsse, was Pläne von Menschen ersonnen? Wir kommen immer wieder auf das erste Blatt zurück, auf dem da geschrieben steht: „An Gottes Segen ist alles gelegen." Aber unter dem Spruch ist noch ein wenig Platz. Es steht da näml ch: Rotizen. Soll dieser Daum immer leer bleiben? Ich denke, nicht! Wenn wir am Abend ein Blättchen abreißen und dabei den Spruch für den nächsten Tag lesen, ist doch immer noch ein wenig Zeit, um die Frage zu stellen: Hast du den heutigen Tag auch recht genützt? War es ein froher oder ein trauriger, hast du Freud oder Leid erlebt? Sieh, dafür ist dann der Raum da. Ein paar Worte oder auch Sätze genügen, um irgendeine Tatsache, irgendein Erlebnis festzuhalten. Diese Zettel werfe ich nicht weg, ich lege sie sorgfältig in einen Umschlag. Am Ende des Jahres habe ich dann eine kleine, aber ganz schöne Uebersicht über das letzte Jahr. An Hand dieser Blättchen, es brauchen gar nicht viel zu sein, kann ich das Jahr, das nun vergangen ist, noch einmal überblicken, kann mir Rechenschaft geben über das Erreichte und neue Pläne schmieden. Und ihr Eltern, die ihr kleine Kinder habt, bei denen doch eigentlich jeden Tag „etwas passiert", für euch ist dieser Abreißkalender auch da. Ein paar Stichworte darauf, was heute euer Bub oder Mädel wieder „verbrochen" hat, oder wie sie sich weiter entwickeln. Bon Zeit zu Zeit kann man diese Sätzchen erweitern und in ein besonderes Büchlein — es braucht keineswegs in Leder gebunden zu sein, ein einfaches Notizbuch genügt vollkommen — eintragen. Ich habe für meine Kinder solche Hefte angelegt und will sie durchführen, bis sie dereinst selber ins Leben treten. An ihrem Hochzeitstag oder bei anderer Gelegenheit bekommen sie dann ihren eigenen * Der I ahresw echsel vollzog sich in unserer Stadt erfreulicherweise in ruhigen und geordneten Formen. Die Jahressch.ußgottes- dienste am Silvesterabend waren in sämtlichen Kirchen so stark besucht, daß man nur von einer Ueberfüllung der Gotteshäuser sprechen kann. Das Abbrennen der Feuerwerkskörper war namentlich in der Mitternachtsstunde, besonders beim Wechsel der Stunde und dem Geläute der Glocken sehr stark, erfreulicherweise ging aber die ganze Knallerei ohne Unfall vorüber. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hatte verstärkten Dienst auf der Sanitätswache eingerichtet, die Hilfe der Sanitätsmannschaften wurde aber nur zweimal in Anspruch gekommen, und zwar einmal von einem Manne, der bei einer Prügelei einige Blessuren am Kopfe erlitten hatte und nach dem Verbinden sich zum Arzt begeben konnte, das andere Mal zum Transport eines bei einer Schlägerei in Alten- Buseck sehr erheblich am Kopfe verletzten jungen Mannes nach der Chirurgischen Klinik. Die Polizei und die Feuerwache brauchten erfreulicherweise nicht in Tätigkeit zu treten. Man kann also mit dem Jahreswechsel 1929/30 zufrieden fein. "VerlegungdesOberhessischenPro- vinzialtages. Die auf den 9. Januar anbe- roumte Sitzung des neugewählten Prooinzialtages der Provinz Dberßeffen, in der das neue Provinzparlament sich konstituieren und den Provinzialausschuß wählen soll, ist auf Samstag, 25. Januar, verlegt worden. Die bisher festgesetzte Tagesordnung bleibt bestehen, es kommt aber noch als weiterer und wichtiger Punkt der Antrag des Provinzialausschusses wegen der Gasfernversorgung zur Verhandlung. *'* Reichsbahnpersonalien. Reichs - bahn-AsPirant Albert Kelp in Stockheim wurde zum außerplanmäßigen Obersekretär ernannt. Verseht wurden Dahnhofsinspektor Krause, Leiter des Bahnhoss Butzbach, von Butzbach nach Neuwied zum Detriebsamt 2, Lademeister Gustav Junker von Gießen nach Bad-Nauheim, De» triebsassistent Karl Volz und Zugschaffner Friedrich Viehmann von Wetzlar nach Gießen. ** Ehrung treuer Tierpfleger und Tierschützer. Trotz der mißlichen finanziellen Lage des Gießener Tierschutzvereins hatte der Vorstand beschlossen, auch in diesem Jahre Prämien für treue Tierpflege und wachsamen Tierschutz zu verleihen. Mit der Ermittelung wurde eine Kommission, bestehend aus drei sachverständigen Herren, betraut. Die Verteilung der Gaben wurde am zweiten Weih- nachtstage im Kaufmännischen Vereinshause vorgenommen. Ehe die Ehrengaben, fünf eingerahmte Diplome und eine Geldspende, den bewährten Tier- freunden überreicht wurden, hielt der zweite Vorsitzende, Lohnkutschereibesitzer Ludwig Haas, eine Ansprache, worin heroorgehoben wurde, daß noch andere Tierpfleger und Tierschützer der heutigen Ehrung würdig wären, aber leider hätte man sie diesmal aus finanziellen Gründen nicht berücksichtigen können. Diplome bekamen die Fuhrleute Ludwig Becker, Adolf Sa p per, Ludwig Hof- mann, Heinrich Kipper und Friedrich Maus; eine Geldspende der Flurschütz Karl Schön. Wer an der kleinen Feier teilgenommen hatte, schied mit dem festen Entschlüsse: im neuen Jahre dem Tiere die alte Treue! ** Dienstjubiläum. Am 1. Januar waren 25 Jahre verflossen, seit Frl. Marie Imhof In dem Haushalt des Rechtsanwalts Friedrich E n - gisch, hier, tätig ist. Die langjährige treue Arbeits- gemeinschaft ehrt sowohl die Jubilarin wie ihren Arbeitgeber in gleicher Weise. •• Die Stadtkaffe Gießen veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil eine Anmahnung der fälligen Steuern Auf die Dekcmnttnachung fei besonders hingewiesen. •* Vorsicht beim Verbrennen der Christbäume! Cs ist ein sinniger Drauch. den Christbaum noch längere Zeit nach Weihnachten bis in das neue Jahr stehen zu lassen. Man muß dabei aber auch bedenken, daß damit eine große Gefahr verbunden sein fanrt. Wenn der Weihnachtsduft das Zimmer füllt, der würzige, trauliche Tannenduft, dann denkt wohl kaum jemand daran, daß dieser Duft gleichbedeutend ist mit der Explosionsgefahr der trockenen Tannennadeln und Zweige. Der Duft, den die Tannennadeln ausströmen, stammt von flüchtigen, wohlriechenden Oelen, die in Form allerkleinster und nur bei mikroskopischer Vergrößerung sichtbarer Tröpfchen in den Radeln enthalten sind. Werden die Radeln erhitzt, so sprengen die Oel- tröpfchen alsbald ihre Zellenwände und verbrennen sodann unter heller Flamme und dem bekannten leisen Krachen, das uns das Anbrennen eines Christbaumzweiges dann auch gewöhnlich rasch erkennen läßt. Sind aber die Radeln recht trocken, so kann das Verbrennen der Zweige auch recht böse Explosionen nach sich ziehen, nämlich dann, wenn man, wie das oft geschieht, die trockenen Zweige des Christbaumes im Ofen verbrennt. Denn in diesem Fall verbindet sich der aus dem Nadelholz entweichende Kohlenwasserstoff mit dem im Ofeninnem befindlichen Sauerstoff, wodurch Gase entstehen, die, wenn sie sich in größerer Menge bilden, sehr leicht und heftig explodieren. Man verbrenne daher immer nur kleine Mengen der trockenen Nadeln oder Zweige auf einmal und schiebe immer erst bann neues Astwerk nach, wenn das alte bereits verbrannt ist. ** Weihnachtsfeier der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen. Man berichtet uns: Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Krieger- Hinterbliebenen, Ortsgruppe Gießen, beging am Samstag die diesjährige Weihnachtsfeier. Wie alljährlich, fo war es auch in diesem Jahre dem Vorstand gelungen, am Nachmittag wieder eine Bescherung der Kinder vorzunehmen. Es wurde insgesamt ungefähr 400 Kindern beschert; sie erhielten wertvolle Kleidungsstoffe und außerdem di- üblichen Zugaben an Konfekt usw. Dann fand noch eine Bewirtung mit Kakao und Brezeln statt, fo daß die Nachmittagsfeier einen wohlgelungenen Abschluß sand. Die Feier für die Erwachsenen sand am Abend statt. Eine ganze Anzahl Vertreter der Behörden hatte sich dazu eingefunden. Der 1. Vorsitzende Max Walldorf begrüßte mit einer kurzen, kernigen Ansprache. Er wies auf die gedeihliche Zusammenarbeit hin, die seither zwischen dem Reichsbund und den Behörden bestanden hat, und hofft, daß auch im neuen Iah» auf derselben Bahn weitergearbeitet wird. Der Vorstand hatte ein reichhaltiges Programm aufgestellt. Die theatralischen Vorführungen wechselten mit den Aufführungen von Berufsakrobaten ab. Ferner hatte sich der Gesangverein „Concordia" in den Dienst der Sache gestellt und verschönerte die Feier durch einige Gesangsoorträge. Den musikalischen Teil hatte die Kapelle des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold übernommen, deren Leistungen auf beachtenswerter Höhe standen. Die Feier war in allen Teilen wohlgelungen. Landeskirchenrat Bernbeck in der Kirche vom Tode ereilt. WSN. Darmstadt. 1. Jan. Wie soeben be» kannt wird, kam es am Sonntagmorgen in der Kirche zu Heppenheim zu einem tragischen Ereignis: Landeskirchenrat und Pfarrer i. R. Hermann Bernbeck wurde plötzlich durch einen Schlag ans all aus dem Leben gerissen. Landeskirchenrat Bernbeck stand im 68. Lebensjahr und hat sich als Seelsorger in seinen Gemeinden, wie als Landeskirchenrat und Mitglied der Landessynode um die evangelische Landeskirche bleibende Verdienste erworben. Seine Beisetzung findet in Okarben statt. Platz, noch ist von Tag zu Tag abnehmen, und eines Tages wird auch bei ihm nur noch ein Bättchen zu t Herr Joseph Stern im 57. Lebensjahre. Im Namen der tieftrauernd Hinterbliebenen: Selma Stern Erich Stern Die Beerdigung findet Freitag, den 3 Januar1930, nachmittags 1.30Uhr vom Portale des Neuen Israelitischen Friedhofes aus statt, Blumenspenden im Sinne des Verstorbenen dankend verbeten. 26D 010 Ortsgruppe Gießen Gewerkschaft deutscher lokomollvlübrer Gießen, den 2. Januar 1930. 6785D Lager. 21D ) Stundenplan Dienstag Mittwoch Freitag 7-8Uhr Anfänger Anfänger 8-9 Erste Reichskurzschriftgefellfchafl Reiskirchen, den 31. Dezember 1929. 9D (Babelsberger" und 'Damenabteilung e. V.. (Siesten. 3UDJ i u Bratheringe 1 Ltr. 85 4 BiWfimoeiooiö Bahnhofstraße 27« Neuenweg 28 Telephon 8414. [25A a K- Diktat 120-160 Fortbildung Diktat 120-160 Fortbildung h Redeschrift Praktiker u. höheres Diktat Donnerst. Diktat 60-100 Montag Diktat 60-100 Ilse Daniel geb. Stern Ludwig Daniel Heute entschlief sanft nach kurzer, schwerer Krankheit mein innigstgeliebter Mann, unser herzensguter, treubesorgter Vater unser lieber Schwiegervater, prüder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Die Beerdigung findet am Freitag, dem 3. Januar 1930, nachm. 2 Uhr in Reiskirchen statt. Anmeldungen für sämtliche Kurse werden von Herrn Alex Karnbach, Am Kugelberg 23, od.zu Beginn des Unterrichts entgegengenommen. Schmerzlich bewegt stehen wir an der Bahre unseres lieben und verehrten Senior-Chefs Gießen, den 1. Januar 1930. Die Beerdigung findet Freitag, den 3. Januar, nachmittags 2*/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Gießen, Göttingen, Stuttgart, Montabaur, Neuyork, Friedberg i. H, Marienburg (Westpreußen), Frankfurt a. M., Darmstadt, den 1. Januar 1930. MöhlZinw mit ob. ohne Pension zu vermieten 08280 Neustadt 48 v» für die am 6. Januar 1930, in der Pestalozzi- fchule (Stadtknabenschule), Nordanlage 8, beginnenden Kurse: In tiefer Trauer: Familie Philipp Spaar V, Nachruf. Wh- erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben des Kollegen Herrn Johann Schieiter Lokomotivführer geziemend in Kenntnis zu setzen. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 3. Januar, nachm. 14.30 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Der Vorstand. 0.4 nach langem und mit großer Geduld ertragenem schweren Leiden im Alter von 45 Jahren sanft entschlafen. In tiefer Trauer :■ Minna Schleifer geb. Klingelhöfer und Kinder. Herrn Joseph Stern der allzu früh nach kurzer schwerer Krankheit von uns gegangen ist. Er war uns mehr als ein Chef. Sein stets hilfsbereites Wesen, seine unermüdliche Schaffenskraft verbunden mit hohem Gerechtigkeitssinn machten ihn zu unserem väterlichen Freund und zu einem hohen Vorbild, dem wir uns gerne anvertrauten und willig folgten. Er wird bei uns unvergessen bleiben. (Oeffentliche Mahnung. Das 4. Ziel der vorläufigen Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlage einschließlich der vorläufigen Sondergebäudesteuer 1929 und die für frühere Rechnungsjahre nachträglich veranlagten und bis Ende dieses Monats zu zahlenden Steuerbeträge werden hierdurch zur Zahlung bis spätestens 9. Januar 1930 einschließlich gemahnt. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug der rückständigen Beträge auf Kosten der Schuldner. 15C Außerdem werden bei Zahlung des 4 Zieles Steuer 1929 nach dem 26. Dezember 1929 Verzugszinsen berechnet. Gießen, den 31. Dezember 1929. Stadtkasse Gießeg» Altersvereinigung 1872 —1922. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskameraden Herrn Josef Stern in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet statt, Freitag, den 3. Januar, nachm. V72 Uhr, auf dom Neuen Israel. Friedhof. Wir bitten um rege Beteiligung. Der Vorstand. __32D Am 31. Dezember 1929 verschied sanft nach schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Großmutter und Tante Frau Elisabeth Luh geb. Scholl Die trauernden Hinterbliebenen: Philipp Luh Familie Wagner Familie Emmerich. Gießen (Kaplansgasse 19), den 2. Januar 1930. Die Beerdigung findet Freitag, den 3. Januar 1930, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. HoHnö dieiiWll-WsleigeliW Dienstag, den 7. Januar 1930, vormittags 10 Ahr werden in der Gastwirtschaft von Ranthaler zu Langd aus den Staatswalddistrikten Hupp (5 Heegwald 8, Eisen- kaute 2 und 5 und Merloh versteigert: A. Ruhholz. Eiche: Kl. 2, N, 23 Stück = 8,53 km ; Kl. 3, N, 8 Stück - 5,22 km; Kl. 4, N, 4 Stück = 3,35 km; Kl. 5, N, 2 Stück - 1,19 km; Kl. 6, N, 1 Stück = 1,21 km. Esche: Kl. 1 1 Stück - 0,23 fm; Kl. 2 4 Stück = 2,47 km. Buche: Kl. 3, N, 11 Stück - 6,40 km ; Kl. 4, N, 5 Stück = 5,13 km. Fichte: Kl. la 14 Stück -- 1,83 fm; Kl. 1b 13 Stück = 3,13 km; Kl. 2a 3 Stück = 1,04 km; Kl. 2b 1 Stück - 0,42 km. Lärche: Kl. la 11 Stück = 1,76 km; Kl. 1b 9 Stück = 1,73 km; Kl. 2a 1 Stück = 0,45 fm. Fichte: Derb- stangen 1. Kl. 18 Stück; 2. Kl. 117 Stück; 3. Kl. 365 Stück; Reisstangen 4. Kl. 1250 Stück; 5. Kl. 1200 Stück; 6. Kl. 1000 Stück; Bohnenstangen (gebrauchsfertig, zugespitzt) 2290 Stück. Ruhknüppel rm: Eiche 4 (2,5 m lang). He teleigeroeg! Freitag, den 3. Januar, nachm. ab 2 Uhr, versteigere ich im ,^Löwen", Neuenweg 28: Kinderstrümpfe, Zäckchen, Kinderhöschen, ein Speisezimmer, ein Herrenzimmer, ein Schlafzimmer, eine Salon-Garnitur, bestehend aus: Sofa, 6 Sesseln und achteckig. Tisch. 1 Vertiko, einen Kleiderschranf, eine Ladentheke, sechs Wiener Stühle, 3 MH- Maschinen, einen Ofen und versch. andere. Versteigerung bestimmt. 31 d Ludwig Savtmetz Auktionator und Taxator Am 31. Dez. ist mein geliebter Mann, unser treusorgender Vater Johannes Wilhelm Schieiter Lokomotivführer Stadttheater Freitag, 3. Ian., von 20 bis 22l/«Ubt 14. Freitag-Aö.'voriL loülasöDnöetllfl Dramatische Legende von HerrL Heirr» ©ttneeu Nach kurzer, schwerer Krankheit verschied heute 5J/4 Uhr nachmittags in der Klinik zu Gießen im Alter von 19 Jahren unser lieber, herzensguter Sohn und Bruder Sebastian Joseph Philipp Spaar Me MW feinste englische.......Md. 7v -z ff. norwegische........Md. 45 Lvrotten......... .*/» Pfd. 25 frischer Berliner Rollmops 2 Stück 15 ff, Rollmops, Bismarckberiugr u. Heringe t. Gelee. 1 Vtr. 95 Vermietungen | Gut möbliertes Herren- und Schlafzimmer oder auch 1 möbl. Zimmer z. verm. « Franks. Str. 9 I. Ä Zimmer nur an solid., bess. Herrn zu verm. 0> Gr.Steiuwea 23 II IllllllllllllllllllllllllllllillllU DMUügStstlFH Gesucht wird eine 6 Zimmer-Wobng. z. 1. Avril od. früher. Gebo en wird eine schöne 4-Zimmer-Wobn. in. et. Vidji u. Gas tm Zentrum. Schr. 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Dik« tatkeree. Anmeldg. bzw. Allökunfl durch Herrn FranxBanitela Wilhelmstr. 611 ober z. Unterrichtsbeginn Kanschriitvereinv. 1861 und Damenverein „Babelsberger“ "|3. I. 7lL Uhr J Bef. Q T. II. ahL [13O B. Brennholz. Scheiter rm: 400 Buche 1. Kl., 27,5 2.Kl.; 29 Eiche (rund). Knüppel rm: 378 Buche; 4 Hainbuche; 124 Eiche; 1 Esche; 6 Kirschbrntm; 20 Lärche; 4 Fichte. Reiser- hol, 1.6L (Suüppelreisig): 42 Eiche; Rei- serholz 2. kl. (Stammreisig): 344 Buche; Reiferhol; 3. klasse (Astreisig): 368 Buche. Stöcke: 132 Buche 1. Kl., 13 2. Kl., 10 Eiche. Sämtliches Holz lagert an chauffierten Wegen. Blau unterstrichenes Holz in den genannten Schlägen kommt nicht zur Versteigerung. Besichtigung, insbesondere des Nutzholzes, wird vorausgesetzt. Nähere Auskunft durch Herrn Förster Büttner in Langd und die unterzeichnete Stelle. Hessisches Forstamt Eichelsdorf. Buch enbrennholz-Derkauf. Das unterzeichnete Forstamt verkauft freihändig zu den für den Holzverkauf aus hessischen Staatswaldungen gellenden Bedingungen: 21D 1000 rm Buchen-Brennscheiter 1. kl. in einem Lose oder auch getrennt zu je 100 rm. Näheres ist durch das Forstarnt, bei dem auch Verkaufsbedingungen angefordert werden können, zu erfahren. Interessenten wollen Ihre Angebote bis zum 11. Januar 1930 bei uns einreichen. Grebenhain (Oberh.), 31. Dezember 1929. Hessisches Forstarnt Grebenhain. Nr. \ Zweiter Blatt Gietzener Anzeiger ^General-Anzeiger für Vberheffen) Donnerstag, 2.Zanuar 1930 Chinas natürliche Ordnung. Von Dr. Paul Rohrbach. Cs war einmal ein Mann, der kam ans Europa nach China, und als er sechs Wochen dort gewesen war, sagte er: Dies ist ein ungeheuer intessantes Land, ich muh ein Buch darüber schreiben! Der Mann blieb in China, und nach einigen Sauren fragten ihn seine Freunde. Wie ist das, wolltest du nicht ein Buch über China schreiben? 3a, sagte der Mann, aber ich habe gesehen, daß manches in diesem Lande doch nicht so leicht zu verstehen ist, ich warte noch etwas. Aach zwanzig 3ahren wurde er wieder nach dem Buch gefragt, und da antwortete er: 3ch habe es aufgegeben, ein Leben reicht nicht aus, um China zu verstehen! Dies Geschichtchen bekommt jeder erzählt, der nach China kommt, und sich alsbald berufen fühlt, seine Meinungen und Eindrücke der Presse anzuvertrauen. Es ist ganz hübsch, und es ist zum Teil auch richtig, aber doch nur zum Teil. Wenn man genauer zusieht, so sind gewisse Grundzüge der natürlichen Ordnung in China gar nicht so schwer zu erkennen. So fragt sich z. B. der europäische Beobachter, woher eigentlich die endlosen Wirren und Kämpfe in China kommen, von denen die Zeitungen voll sind und die dem oberflächlichen Leser meist nur als ein undeutliches Durcheinander fremdartiger und schwer behältlicher Personen- und Ortsnamen vor dem Auge vorbeiziehen. China war bis zum Sturz des Kaisertums ein antiker Staat. Wer auf den Mauern von Peking stand, der sah die Mauern von Babylon, und wer die Berwaltungseinrichtungen des Perserreiches studieren wollte, der brauchte nur die Verwaltung Chinas kennen zu lernen. Die Gouverneure und die Dizekonige in den Pro- vtzrzen waren in ihrem Tun und Lassen so gut tote selbständig, und die Provinzen selbst hatten so wenig das Gefühl, lebendige Glieder eines einzigen Staatsorganismus zu sein, daß, wenn der Dizekönig Lihungtschang von Tschili Krieg mit den Japanern führte, die Leute schon in Schantung und vollends in Schanghai oder Kanton gar nicht das Gefühl hatten, als ob sie das auch etwas anginge. Bord- und Südchina können sich ja nicht einmal sprachlich verstehen; die Sprachen sind verschiedener, als deutsch und schwedisch. Bur die Wiedergabe der einzelnen Worte und Begriffe durch das Schriftbild ist gemeinsam. lieber diesem g rosten Reiche aber schwebte das Kaisertum als eine gemeinsame, religiös verehrte Autorität. Der Kaiser war der Sohn des Himmels, und in diesem Sinn war er auch Die Verkörperung desReichs- gedankens. Wen er als Gouverneur oder Vizekönig in eine Provinz schickte, der war es kraft kaiserlicher Ernennung, und wenn ein kaiserliches Mandat kam, das den Statthalter absetzte oder versetzte, so tauchte nicht einmal ein Gedanke an die Möglichkeit auf, Widerstand zu leisten. Mochte der Statthalter sonst tun, was er wollte — seine Ernennung kam vom Kaiser, er selbst kam irgendwo her, war in der Provinz nicht verwurzelt, niemand hätte ihm beigestanden, wenn ihn der Wahnsinn gefaßt hätte, sich als unabhängig zu erklären. Heute ist das ganz anders, denn die Generale oder Gouverneure, von denen man liest, dast sie sich gegen die Zentralregierung in Banking empören, sind Landeskinder ihrer Provinzen und mit ihnen durch einen großen, nicht nur geworbenen, sondern auch gewachsenen Anhang verbunden. Sie sind, wenn man einen westlichen Ausdruck auf China übertragen will, Vertreter eines regionalen und stammespoliti- schen Partikularismus. Gegen die zentralistische Regierung in Banking setzen sich also nicht nur persönlicher Ehrgeiz und persönliche Gewinnsucht, sondern auch natürlich verwurzelte Kräfte. Fast ganz China ist heute überschwemmt von Scharen vagabundierender Landsknechte: Soldaten, die irgend einmal von einem militärischen Machthaber angeworben waren, ihre bürgerliche Existenz vergessen haben und jedem zulaufen, der ihnen Sold zu zahlen imstande ist. Besähe die Zentralregierung die Mittel, diese Leute dem Landsknechttuin zu entreißen, sie anzusiedeln oder dafür zu sorgen, daß sie wieder in einen zivilen Beruf kommen, so wäre viel gewonnen, denn sie sind ein wahrer Krebsschaden für China. Bei der steten Finanznot aber, die auch in Banking herrscht, ist daran nicht so leicht zu denken. Zum Begriff der natürlichen Ordnung in China gehörte nicht nur der jetzt nach dem Derschwinden der Kaiseridee immer offener zutage tretende Regionalismus — wer würde hier nicht an die Zustände in Deutschland nach dem Untergang der Hohenstaufen erinnert! —, sondern auch die familienhafte Verwurzelung des chinesischen Lebens. China hat sich dar- u m aus dem höchsten Altertum bis auf die Gegenwart staatlich erhalten, wahrend die anderen alten Reiche und Volker längst untergegangen sind, weil durch den Ahnenbienst die Erhaltung der Familie und eine möglichst hohe Zahl von Kindern, zum mindesten von Söhnen, religiöse Pflicht war. Der Untergang der griechisch-römischen Welt war bedingt durch den Untergang der Familie, durch die Kinderlosigkeit der national und politisch führenden Schichten. Die 3nbuftrialifierung Chinas. der Cisenbahnbau, der Verlust der Seßhaftigkeit, die Ansammlung familienloser Massen in den modernisierten Großstädten — das alles wird, wahrscheinlich in nicht zu ferner Zeit, eine sehr tiefgreifende innere Umwandlung des Chinesentums mit sich bringen. Uebcr dies Problem ist neulich ein sehr interessantes kleines Buch erschienen: „Chinas natürliche Ordnung und die Maschine", von Maximilian Csterer, in der Buchreihe: ..Wege der Technii". Der Verfasser entwickelt überzeugend die Folgen, die mit der Einführung der Maschine in China unausbleiblich verbunden sind, und von denen sich vorläufig erst die Anfänge offenbaren. Mit der steigenden Industrialisierung wird China noch mehr an Menschenzahl zunehmen, es wird immer größere Mengen von Lebensmitteln einführen müssen, „und um sie bezahlen zu können, wird es seine Baturschähe und seine unvergleichliche Arbeitskraft zu Geld machen, indem es exportiert!" Erst wenn dies Zeitalter voll hereingebrochen ist, werden wohl auch die großen neuen Führergeister in China auftauchen, und dann mag das Wort von der „Gelben Gefahr" einmal seinen Sinn erhalten. Dies Problem unter dem Gesichtspunkt von Technik und Wirtschaft durchzudenken, ist die Arbeit von Esterer ein guter Führer. Die Jagd im Januar. Halt fest als deutscher Jäger An Vaterland und Ehr, Sei deinem Wilde Pfleger Und seinen Feinden Wehr ruft Konrad Andreas seinen Weidgesellen an der Schwelle des neuen Jahres zu. Ein Jahr ging zu Ende, das in weiten Teilen unserer deutschen Heimat den Wildbahnen durch Wintersnot Wunden schlug, wie wir sie seit langem nicht kannten. Möge das neue 3ahr unter einem besseren Stern stehen! Darm werden Hege und Pflege, geboren aus der Liebe zu Wild und Weidwerk, ihre Früchte tragen können. Bach dem arktischen Winter, der hinter uns liegt, hat in diesem Winter unser Wild noch keine Bot gelitten. Wenn nun Herr Hartung, der gestrenge Herr, seine Herrschaft antritt, so wird das Bild sich unter Umständen ändern. Pflege und Schutz des Wildes treten gegenüber dem eigentlichen 3agbbetrieb nach der herbstlichen Erntezeit wieder in den Vordergrund. Die R o t w i l d j a g d ist in den meisten Teilen Deutschlands zu Ende, vor allem dadurch, daß für den ganzen Bezirk des preußischen Staates am 1. Januar die verlängerte Schonzeit beginnt. 3n Hessen dagegen ist keine Beschränkung eingetreten. Der Abschuß erstreckt sich vor allem auf Kahlwild. Das Reh hat nun überall Hegezeit. Zum erfolgreichen Besagen des Schwarzwildes ist Schnee Bedingung. 3n Rotten steckt es im tiefen Tann. Denn die Zeit ist da, von der Joseph von Laufs in seiner köstlichen „Sauhatz" den alten Dassen schwärmen läßt: „Wo wiederum die Rauschzeit ist. Man alle Bot und Pein vergißt. Da ist Gott Amor dringlich nah — Amalia!" Die Hasentreibjagden gehen zu Ende. Es sei gegenüber falschen Auffassungen ausdrücklich betont, daß die Hasenschußzeit im Januar weder in Hessen, noch in Preußen verkürzt ist, sie also erst mit dem 15. Januar endigt. Wenn auch im allgemeinen der Abschuß mit Iahresenbe durchgeführt zu sein pflegt und man dem Hasen gern schon früher Schonung angedeihen läßt, damit er die schweren Verluste wieder ausgleichen kann, die seiner Sippe beigebracht wurden, so erscheint der Hinweis deswegen doch angebracht, weil infolge der Ungunst des Dezemberwetters manche Reviere noch nicht bejagt werden konnten. Infolge des letzten Frostes haben sich die Enten etwas zahlreicher eingestellt. Aber die geringere Zahl gegenüber dem Vorjahr ist so auffallend, daß man beim Abschuß unter allen Umständen die Enten schonen sollte. Erpel sind ja immer noch genug vorhanden. In Preußen beginnt am 1. Januar ausnahmsweise bereits die Schonzeit. So wird für den Weidmann in der Hauptsache nur noch die Jagd auf das R a u b w i l d bleiben, die ja immer ihren hohen Reiz besitzt. Jede Reue muß zum Einkreisen benutzt werden. Reinecke Rotvoß beim Drücken auf dem Wechsel gestreckt oder mit der Hasenquäcke betört, bedeutet eine Weidmannsfreude, die Masssenstrecken an Hasen weit aufwiegt. Und wenn die Roll- und Ranzzeit jetzt beginnt und Dackel und Terrier unter der Erde arbeiten, dann hat der Raubwildjäger hohe Zeit. Die W i l d p f l e g e erfordert ausreichende und zweckmäßige Fütterung, falls Frost und Schnee stärker einsetzen, Fällen von Weichhölzern und Beseitigung des Schnees an mit Heidekraut bewachsenen Stellen. Der Jagdschutz ist in der Zeit der Bot besonders wichtig. Absuchen der Gartenhecken und Zäune wird manchen Biedermann als Schlingensteller entlarven. Besonders wichtig aber sind Reviergänge auch zur Bachtzeit, wenn der Mond scheint. Leider wächst sich die Plage jagender Hunde immer mehr aus, und mancher Pächter weiß ein Lied davon zu singen. Die Rücklichts losigkeit vieler Hundebesitzer kann nur mit gleicher Rücksichtslosigkeit des Handelns im Interesse des Wildes beantwortet werden. Bur Selbsthilfe und wenn möglich Schabenscrsahsorberungen können die wachsende Gefahr abschwächen. Hubertus. Oberheffen. Verrreieriag des Sängerbundes „Mittleres Aiddatal". Am dritten Weihnachtäseiertag fand in Blofeld der Vertretertag des Sängerbundes „Mittleres Bi d da t al“ statt. Die freundlichen. sinnreichen Begrüßungsworte seitens des Vorsitzenden des Blofelder Gesangvereins, Herrn Schäfer, sowie die oorgetragenen Chöre dieses Vereins wurden mit großem Beifall aufgenommen. Der Bundesvorsitzende, Lehrer Lenh aus Geiß-Bidda, dankte in treffenden Worten dem Gesangverein Blofeld und wies in seiner Ansprache darauf hin, daß es in dem Bunde nunmehr zur Tradition geworden sei, den dritten Weihnachtsfeiertag als Dertretertag zu nehmen. Liebe zu den Menschen und Frieden auf Erden wolle der Bund durch die richtige Pflege des deutschen Liedes erreichen. Aach Verlesung der Biederschriften über die Vorstandssihungen im letzten Jahre durch den Schriftführer Herrn Karl Bickel in Ober-Widdersheim wurde in die Tagesordnung eingetreten. Puirkt 3 der Tagesordnung „Beitritt zum Hessischen und Deutschen Sängerbund" nahm die Hauprieit der Verhandlungen in Anspruch. Das „Für' und „Wider" wurde sowohl vom Bundesvorsihenden, als auch von einer Anzahl anderer Redner gründlich erörtert. Bei allen Vereinen war nur der eine Gedanke maßgebend, daß durch den Beitritt unter keinen Umständen die Selbständigkeit des sich feit vielen Jahren bewährten Bundes „Mittleres Biddatal" preisgegeben wird; denn grabe dessen kleine Bunbesfeste haben für Landvereine eine ganz besondere Anziehungskraft. Der Hauptgrund. warum Vereine gegen den Beitritt sprachen, war die finanzielle Frage. Wer die länd- lidjen Vereine einer etwas von den Industrie- Punkten abgelegenen Gegend kennt, der weiß, wie jedes Mitglied mit dem Pfennig rechnet. Seither wurden von jedem Mitglied 30 Pf. Bundesbeitrag für das Jahr erhoben; durch den Beitritt müßte dieser Betrag auf 1 Mk. erhöht werden. Einzelne Vereine erklärten, daß sie bei einer solchen Erhöhung Mitglieder verlieren würden. Es wäre deshalb zu wünschen, daß die Beiträge zum Deutschen und zum Hessischen Sängerbund mit der Zunahme der Mitglieder- zahl erniedrigt werden könnten. Die Abstimmung hatte das Ergebnis, daß 14 Vertreter dafür und 13 dagegen stimmten; Blofeld enthielt sich der Abstimmung, Steinheim konnte nicht berücksichtigt werden, da es nicht vertreten war. Der Eintritt in den Deutschen und Hessischen Sängerbund ist somit beschlossen; der Beitrag von jedem Mitglied beträgt 1 Mk. im Jahr. Hoffen wir, baß wahrer beutscher Geist unb Sinn und die alte deutsche Treue bei allen Mitgliedern feste Wurzeln fassen mögen zum Besten unseres deutschen Vaterlandes. Das Bundesfest im Jahre 1930 wird am 25. Mai in Wallernhaufen ftattfinben. Erst gegen 19 Uhr nahmen die Verhandlungen ihr Ende. Der Bundesvorsihende dankte allen für die rege Mitarbeit. Mit dem Vortrag zweier Lieder, „Das deutsche Lied" und „Der deutsche Wald", schloß die Versammlung. Der Traum vom Glück. Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. Nachdruck verboten. Die Pferde standen untätig im Stall und verzehrten munter ihr Futter; im Schlosse aber faß Doris bedrückten Herzens und schweigsam bei ihrer Mahlzeit. Es war nämlich schlechtes Wetter, jedenfalls kein Wetter zum Jagen. Und darum war Doris in so gedrückter Stimmung. Bicht etwa, daß sie selbst dem edlen Weidwerk gehuldigt hätte — niemand würde die arme, kleine Doris dessen für fähig halten, denn sie hatte noch nicht einmal einen frommen, alten Pony, viel weniger ein feuriges Iagdroß bestiegen; sie verstand überhaupt nichts van Jagd unb Sport, unb boch war alles bamit Zufammen- hängenbe der kleinen Doris Harter zur Zeit das Wichtigste in ihrem jungen Leben. Herrschte nämlich das richtige Iagdwetter, so erschien gewöhnlich Kurt von Wildhofen unter dem Dach feiner Väter, 3m anderen Falle blieb er in der nahegelegenen Residenz, wo er stets einige Wintermonate zubrachte. Unb toenn er nicht anwesend war, so war es, als wenn das Leben der armen, kleinen Daris Harter seines Inhalts entbehrte. Doris lebte nämlich in dem Irrtum, sich in hoffnungsloser Liebe zu Kurt von Wildhofen verzehren zu müssen. Dabei hatte ihr dieser niemals die geringste Aufmerlsamkeit, viel weniger einen Beweis von Interesse geschentt; auch war er, alles in allem genommen, wohl bie ungeeignetste Persönlichkeit, um der Zuneigung eines unerfahrenen Mädchens in untergeordneter Stellung als Gegenstand zu dienen. Er war der einzige Sohn seiner Eltern, daher der Erbe von Schloß Wildhofen nebst den dazugehörigen Gütern und eines namhaften Vermögens. Dazu erfreute er sich eines stattlichen Aeußeren unb spielte infolge aller dieser Vorzüge eine hervorragende Rolle in der großen Welt. Doris war die Gesellschafterin der Frau von Wildhofen, allerdings keine bezahlte Kraft. Als jüngste von sieben Geschwistern, die nach dem Tode des Vaters völlig mittellos zurück- bliebcn, hatte sie in Schloß Wildhofen Aufnahme gefunden, da ihre verstorbene Mutter eine weitläufige Verwandte des jetzigen Besitzers gewesen war. Aus diesem Grunde durfte sie ihre neuen Beschützer auch Onkel und Tante nennen und deren Sohn als ihren Vetter betrachten. Ihr Vater hatte in einer kleinen Provinzstadt als pensionierter Offizier gelebt und trotz des schmalen Einkommens es nicht über sich gewonnen, sich von einer seiner Töchter zu trennen. Bei seinem Tode gerieten diese nun in die größte Botlage, so baß der Geistliche des Ortes sich veranlaßt fühlte, an den Wohltätigkeitssinn aller Qkrtoanöten Väter- ober mütterlicherseits zu appellieren. Man entsprach seinen Bitten, unterstützte die Verwaisten mit Geldmitteln und ebnete ihnen die Wege, damit sie sich je nach Veranlagung auf eigene Füße stellen konnten. Zuletzt blieb nur noch Klein-Doris übrig, die zu jener Zeit erst fünfzehn Jahre alt war und deshalb noch größerer Sorgfalt bedurfte als ihre erwachsenen Schwestern. Sie wurde auf Wunsch des Herrn von Wilbhofen diesem zur Vollendung ihrer Erziehung überlassen. Er erklärte, für ihre weitere Existenz Sorge tragen zu wollen, und führte sie selbst seiner Gattin zu, die in dieser Angelegenheit völlig mit ihm übereinstimmte. Während der Reise suchte Herr von Wildhofen der jungen Verwandten in rücksichtsvollen, wenn auch unverblümten Worten klarzumachen, welche Art Stellung er in feinem Hause ihr zugedacht hatte. Jedenfalls, sagte er, dürfe sie sich keineswegs der Illusion hingeben, daß sie von jetzt ab eine reiche, junge Dame fei, weil sie in einem luxuriös eingerichteten Heim wohnen würde. Stets solle sie bedenken, daß sie nie Anspruch auf die Stellung einer Tochter erheben könne. Wenn sie sich aber mit der Zeit feiner Gattin nützlich und angenehm zu machen verstünde, würde er niemals etwas dagegen haben, daß sie für immer in feiner Familie bliebe, und zwar in der gesellschaftlichen Stellung einer Richte des Hauses. Klein-Doris in ihrem schlichten, schwarzen Trauerileid faß ihm in einem Kupee erster Klasse des dahinrasenden Schnellzuges gegenüber, sah ihn schweigend mit ihren sanften, dunkelbraunen Augen an unb bemühte sich offenbar, den Worten des ihr bis jetzt ganz unbekannten „Onkels" bas richtige Verstänbnis entgegenzubringen. Mit rührender Aufmerksamkeit suchte sie das Zukunftsbild zu erfassen, bas ihr Wohltäter vor ihr entrollte. Empsinblichkeit oder Stolz schien sie nicht zu kennen, denn sonst hätte sie die etwas hochfahrende Art des Herrn von Wildhofen verletzen oder nieberbrüden müssen. So nahm sie sich vor, immer zu bedenken, baß^ sie in ihrer neuen Heimat nur eine arme Verwandte fei unb als solche nie wagen dürfe, die ihr gezogenen Grenzen zu überschreiten. Es war übrigens ein Glück, daß sie nicht allein auf Onkel Georg angewiesen war, sondern daß Frau von Wildhofen, die sie Tante Hanna nennen durfte, ihr in wahrhaft mütterlicher Weise entgegenkam. Sie zeigte vom ersten Augenblick an ein warmes, gütiges Herz für bas kleine, schwächliche Mädchen-im schwarzen Kleide, das an jenem Winterabend vor nunmehr fünf Jahren hinter der breiten Gestalt ihres Gatten in der erleuchteten Vorhalle von Schloß Wildhofen aufgetaucht war. Doris gewann Tante Hanna bald von Herzen lieb; doch unterließ selbst diese es nicht, gelegentlich zu betonen, daß ihre Richte alles erhalte, was sie brauche — und weit mehr als das —, und darum ihrerseits nicht nur zu Dank, sondern auch zu kleinen Gegenleistungen verpflichtet fei. „Du kannst dich bei mir als Gesellschafterin recht nützlich machen", sagte sie. „Ich habe keine Tochter wie andere, glücklichere Mütter, und es gibt so unzählige Dinge, die in einem umfangreichen Haushalt getan werden müssen. Durch Uebernahme kleiner Pflichten kannst du dir den gewährten Unterhalt wenigstens teilweise verdienen." Somit war Doris deutlich genug gesagt, daß man sie als die Schuldnerin ihrer Verwandten betrachtete. Sie gab sich die redlichste Mühe, sich nützlich zu machen, stand zeitig auf und besorgte allerlei kleine Obliegenheiten, zum Beispiel die Pflege unb Fütterung ber Zimmervögel, von denen Frau von Wildhofen eine ganze Anzahl hielt, ebenso den täglichen Blumenschmuck ber Tafel und unzählige andere Dinge. Ihre hauptsächlichste Aufgabe aber bestand darin, ihrer Tante vorzulesen, da diese sehr schwache Augen hatte, jedoch immer über den Inhalt ber Zeitungen, vom Leitartikel bis zu den Marktberichten, orientiert sein wollte. So war das Leben der Waise ein recht eintöniges; wohl ohne Sorgen, aber auch ohne Freuden. Die Verwandten hielten sie für ein äußerst glückliches, beneidenswertes Geschöpf, dem kaum etwas zu wünschen übrig blieb. Sie konnte sich elegant kleiden, aß täglich dreimal ausgezeichnet gubereitete Mahlzeiten und fuhr in hochelegantem, stets dem Wetter angepaßten Wagen mit Chauffeur unb Diener spazieren. Was konnte das Herz eines jungen Mäbchens noch mehr verlangen? Freilich, toenn es Gäste im Hause gab, wurde Doris gewöhnlich nicht zur Tafel befohlen; es fet denn, baß einer ber Geladenen im letzten Augenblick am Erscheinen verhindert war, worauf sie den Platz der fehlenden Person einzunehmen hatte, ein Umstand, der in den beiden letzten Jahren allerdings nur zweimal vorgekommen war. Uebrigens befaß sie ihr eigenes, reizend eingerichtetes Wohnzimmer, daneben ihr hübsches, Heines Schlafzimmer, beides in einem Giebel des Schlosses gelegen, in das Anna, das höfliche Stubenmädchen, ihr die Speisen auf einem Präsentierbrett brachte, sobald sie aus dem Speisezimmer im unteren Stockwerk §erauggetragen wurden. In diesem hübschen Zimmer befanden sich auch ihre Bücher. Handarbeiten, ein Klavier unb ihr zierlicher, kleiner Schreibtisch. Im Winter wurden hie beiden Räume behaglich erwärmt, so daß sie auch in den langen Abenden einen traulichen unb angenehmen Aufenthalt boten. Was in aller Welt konnte ihr noch zu ihrem Glück fehlen? Und doch, als sie älter würbe, erschien ihr die Eintönigkeit ihres Lebens oft fast unerträglich. Sie hätte sich dagegen auflehnen unb vor ihre Beschützer hintreten mögen mit ber leidenschaftlichen Forderung, sie hinauszuschicken in bie Welt als Bonne, als Verkäuferin, als Stühe ber Hausfrau; es war ja alles einerlei, wenn sie nur in den Stand gesetzt wurde, auch ihrerseits Freunde und Altersgenossen und in freien Stunden ein wenig Abwechslung zu finden. Sicherlich wäre sie mit diesem Verlangen auch eines Tages hervorgetreten, toenn sie nicht ein ganz bestimmter Grund davon zurückgehalten hätte. Und dieser Grund knüpfte sich an die Person des Erben von Schloß Wildhofen. Vom ersten Tage an, wo sie ihn erblickte, glaubte sie ein ungewöhnliches Interesse für ihn zu empfinden. Er war groß und stattlich und im Wesen feinem imposanten Vater sehr ähnlich, nur weniger selbstbewußt und dafür zugänglicher und herzlicher im Verkehr. Sobald er in Wildhofen erschien, herrschte im Schloß und dessen Umgebung ein fröhliches Leben und Treiben. Lustige Weifen singend oder pfeifend, hörte man ihn bald hier, bald dort, unb ber Duft seiner Zigaretten zog bis in die entferntesten Winkel ber Stockwerke, sogar bis in das Heiligtum der kleinen Doris. Wenn er tagsüber mit Pferden und Hunden, von seinen Iagdgenossen umgeben, bie ausgedehnten Forstreviere durchstreift hatte, sah man ihn abends in den erleuchteten Salons inmitten schöner, eleganter Damen und hochgestellter Herren von Rang unb Glanz. Wildhofen schien aus einem Zauberschlaf zu erwachen, wenn der einzige Sohn unb Erbe dort Einzug hielt. Vor allem geschah bies zur Iagbzeit; bemi die Forstreviere seines Vaters gehörten zu den ausgedehntesten unb am sorgfältigsten gepflegten deS Lonbcs. Aber so oft auch ber junge, lebenslustige Kavalier daheim weilte: bie kleine Gesellschafterin unb häusliche Stühe feiner Mutter war ein Wesen, das für ihn kaum existierte. Anfangs hatte er sich von der Idee seines Vaters, die Waise nach Schloß Wildhofen kommen zu lassen, eine Art Unterhaltung versprochen unb vielleicht ein paar Sekunden lang darüber nachgedacht, ob sie wohl auch mit den übrigen wetteifern würde, ihm — dem verwöhnten Liebling des Hauses — das Leben bequem zu machen. Er hatte später keine Ahnung davon, daß Doris wirklich mit Freuden allerhand kleine Dienste für ihn verrichtete und gern noch viel mehr für ihn getan hätte. (Fortsetzung folgt.) Landkreis Gietzerr. X Klein-Linde n,1. Jan. Am heutigen Neu- jahrstag fand auf vielfachen Wunsch im Nachmittags- gvttesdienst von der Evang Madchenver- e i n i g u n g die Wiederholung des zu Weihnachten dargebotenen geistlichen Weihnachtskonzerts statt, Leitung Lehrer Rau, am Flügel Lehrer Roth. Auch diese Veranstaltung fand dankbare Aufnahme. — Mit dem Jahresschluß ist unser seitheriger Polizeidiener Friedrich Jung im Alter von 70 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Im Jahre 1859 geboren, hat er im Alter von 30 Jahren das Amt des Polizeidieners übernommen und es vierzig Jahre lang mit großer Gewissenhaftigkeit versehen. Der alte Herr ist körperlich und geistig noch sehr rüstig. ck. Heuchelheim, 31. Dez. Der Turnverein Heuchelheim hielt in der Turnhalle eine Weihnachtsfeier für seine Schüler und Schülerinnen ab. Die von Lehrer Dr. Veidt geleitete Feier, die auch von den Eltern der Kleinen stark besucht war, nahm einen glänzenden Verlauf. Mit Begeisterung wurden die verschiedenen Vorführungen auf der Bühne von den Kleinen ausgenommen. Den Höhepunkt erreichte die Stimmung, als der Vikolaus und das Christkind erschienen und ihre Geschenke an die über 200 Kinder verteiltem L Wieseck, 31. Dez. Am Montagabend fand die letzte Sitzung des alten Gemeinderats statt. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt die Liquidation des Gemeindeverbandes Wieseck-Alten-Duseck. Berbandsvorsteher Benner teilte mit, daß sich die Gemeiirderäte von Wieseck und Alten-Buseck in der gemeinschaftlichen Sitzung am 31. Oktober wohl über die sonstige Liquidation hätten einigen können, aber über die Liquidierung der Autohalle, die auf dem Gelände der Gemeinde Wieseck stehe, hätte keine Einigung erzielt werden können. Denner brachte den Vorschlag des Ausschusses des Gemeindeverbandes nochmals vor, wonach die Autohalle ab sofort von der Gemeinde Wieseck übernommen werden möge, und zwar zu dem Wert, der buchmäßig am 31. Dezember 1933 nach allen Abschreibungen entstehe. Dieser Wert wurde auf 10 140,20 Mk. errechnet. Von diesem Betrag erhalte Wieseck nach den Verbandssatzungen 3/t und Alten-Buseck 1/4. Zahle nun Wieseck das eine Viertel an Alten-Buseck, so könne die Liquidierung durchgesührt werden, denn dann sei die Einigung der Vertragspartner hergestellt. Dieser Vorschlag wurde von dem Gemeinderat Wieseck mit 7 Stimmen abgelehnt. Ein Gegenantrag, der besagt, der Gemeindeverband möge die Liquidation auf buchmäßiger Grundlage durchführen, die Autohalle bleibt aber so lange Eigentum der beiden Gemeinden Wieseck und Alten-Buseck, bis der Mietvertrag über die Autohalle mit der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen abg:laufen ist und die Verteilung des erzielten Wertes wird dann nach dem Verteilungsschlüssel der Verbandssatzungen vorgenommen, wurde mit 6 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen angenommen. — Der Genehmigung des Schuldscheines überein Darlehen von 35000 Mk. von der Hess. Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte Darmstadt wurde allgemein zugestimmt, da dieser Betrag unter günstigen Bedingungen ausgenommen werden konnte. — Ein Gesuch des Karl Weller IV. um Vergütung für einen von ihm erbauten Stall auf einem Gemeindeanwesen wurde der Baukommission überwiesen. — Ein Mitglied der Fürsorgekommission führte Beschwerde über die undankbare Arbeit in dieser Kommission. — Zum Schluß dankte Bürgermeister S ch 0 m b e r dem Gemeinderat für die von ihm in den vier Zähren geleistete Arbeit. Sein besonderer Dank galt denjenigen Mitgliedern der Gemeinderats, die nun ausscheiden. Zn kurzen Worten streifte er nochmals die in den letzten Zähren im Znter- esse der Gemeinde fertiggestellten Arbeiten. Mit einem Glückwunsch an alle fürs neue Zahr wurde die Sitzung geschlossen. ff] Lollar, 2. Jan. Der hiesige Geflügel- undBrieftaubenzuchtverein ve.anstal- tet am 4. und 5. Zanuar anläßlich seines 25- jährigen Bestehens eine Zubiläumsschau. Vach den Anmeldungen ist eine gute Beschickung mit nur erstklassigem Material zu erwarten. Am Samstag findet abends ein Festkommers Gießener Gtaditheater. „Kyritz-Pyritz." — „Ein Walzertraum." 1. Die Posse, eine altväterische Mischung zwischen Voltsstück und Schwank, ist, wie man mit ganz leisem Bedauern feststellen muß, eine langsam aussterbende Gattung auf dem Theater. Sie wird verdrängt vom eigentlichen Schwank, von der Zozzoperette (der es allerdings selber nicht zum Besten geht- und von der Revue mit den tausend Deinen. Vur manchmal im Zähre, bei besonderen Anlässen. im Fasching oder zu Silvester, wird eine Posse hervorgeholt, ausgekramt und auf geputzt; beliebt ist immer wieder, nächst „Charleys Tante" und „Robert und Bertram" „K y r i h - P y r i h", mit Gesang in drei Auszügen von Wilken und Z u st i n u s, Musik von Michaelis. Und man sieht mit Vergnügen, daß es sich noch allemal bezahlt macht, wenn man ein wenig Mühe und gute Laune daran wendet. Das Entzücken unserer Altvorderen oder wenigstens unserer lieben Eltern um die Zahr- hundertwende. Der Sturm im Diedermeier- Wasserglase. Revolution in Kyritz an der Knatter. Empörung der lustigen und streitbaren Weiber. Auszug der unternehmungssüchtigen Männer nach dem Sündenbabel Berlin. • Alldort Verwechslung mit denen aus Phritz im Hotel zum goldenen Löwen. Errungen, Wirrungen auf Liebeswegen mit Rendezvous, Kniefall und Dilletdoux postlagernd unter „Wolfgang Goethe". Vächtliche „Orgie“ im Orpheum und im Dall- haus Kneipe und Umzug der ©tuöenten. Gesang und Tanz. Rachrexpedition der wilden Hul- dinnen von der Knatter. Allgemeine Versöhnung im Zoologischen Garten und Heimiahrt in Frieden und Fröhlichkeit nach den heimischen Gefilden. * Das ist nur ein kleiner Auszug mit Kostproben. Man soll nichts vorwegnehmen, und außerdem erzählt man ja damit ohnehin allen nicht mehr ganz jungen Leuten olle Kamellen. Die wissen Bescheid und erinnern sich gerne vergangener Tage. Oer Sternhimmel im Januar. Vachdruck verboten! Sonnenaufgang von 8.15 bis 7.45 Uhr. Sonnenuntergang von 15.55 bis 16.40 Uhr. Lichtgestallen des Mondes: 1. Viertel am 8., um 4 lllhr; Vollmond am 14., um 23 Uhr; letztes Viertel am 21., um 17 Uhr. mfa. Der Zanuar brinat, ähnlich wie fein Vorgänger, eine mit fortschreitendem Abend noch immer zunehmende Pracht des Sternhimmels, an die Stelle des Sternhimmels zu versetzen, die sie im Hochsommer einnimmt, so geben wir die Vorschrift, wie man sie am leichtesten findet: An der dem Orion und Stier zugekehrten Seite des Sternbilds der Zwillinge, dort, wo sich die Alten die Füße der beiden Drüder dachten, findet man leicht drei, oder, wenn man einen schwächeren Stern noch hinzunimmt, vier Sterne in gerader Linie. Geht man nun von dem oberen Endpunkt dieser geraden Linie nach rechts 12 STERNBILDER: 10. 'Gl '22 D1 Vierte! (t) Vollmond d letztes VierteI ■onne 1 Mond: GROSZE BUCH-/& STABEN // Sterne Kleine Buch- < staben L, * ’x t M 'S r.£ insbesondere der Wintersternbilder. Der stern- reichste Teil des Himmels steigt im Verlaufe des Abends immer höher und höher, und sein schönstes Sternbild, der Orion, nimmt zu Beginn des Monats, etwa um 22 Uhr, gegen Ende um 20 Uhr, seine höchste Lage ein. Ungefähr eine Stunde später steht sein ^Begleiter, der große Hund, mit dem Hauptstern Sirius im Süden und demnach in der höchsten von ihm erreichten Stellung. Die Gegend über dem Orion, ganz unmittelbar über der Spitze der Keule, die er nach den alten bildlichen Darstellungen gegen den anstürmenden Stier schwingt, ist deshalb besonders wichtig, well es die höchste Stelle des Tierkreises ist, also der Punkt, wo die Sonne zur Zeit des längsten Tages steht. Da es immer einen eigenen Reiz gewährt, mitten im Winter im Geiste die Sonne Der die 24 Stundenzahlen ton Mitternacht bis Mitternacht eines Tages enthaltende Kreis und die dich punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmclsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitle sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo- nalsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in M nicht mitzudrehendeii Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ist der gerade Pfeil Stunde Merkur frühert für je 5 Tage nach der Monats- Venus mitte 'Zi Stunde später zu stellen. Man Mars vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Slellun- Jupiter g6R eiRi wenn er die angedeutete Licht• Saturn gestalt zeigt, oben weiter, so findet man zwei weitere schwache Sterne; der zweite von ihnen fällt so genau mit dem höchsten Stand der Sonne zusammen, daß sie am 21. Zuni gerade vor ihn zu stehen kommt. Er würde hinter ihrer Scheibe verschwinden, wie dies ja beim Monde öfters vorkommt, wenn nicht Sterne in der Vähe der Sonne ohnehin unseren Dlicken entzogen wären. Von den Wandelsternen fällt, wie in den vor- angegangenen Monaten, der mächtige Zupiter auf, dessen Bewegung immer langsamer wird, indem er genau gegen Ende des Monats in feiner nach rechts gerichteten Dewegung kurz vor der Linie Aldebaran—Plejaden zum Stillstand kommt. Ilm den 10. Zanuar herum ist der Merkur kurze Zeit am Abendhimmel zu sehen, und gegen Ende des Monats taucht der Saturn am Morgenhimmel auf. Küster mann. statt, bei dem Dr. Lang vom Tierzuchtinstitut Gießen einen Vortrag über die Förderung der Geflügelzucht halten wird. Auch ist für diesen Abend eine Ehrung verdienter Mitglieder vorgesehen. Für die Ausstellung steht eine größere Zahl Ehrenpreise zur Verfügung. X Dettenhausen, 2. San. Wit dem heutigen Tag schied unser langjähriger Lehrer und Organist Schiefer st ein von hier, um seine neue Stelle in Lollar anzutreten, wohin er sich vor kurzem im Znteresse seiner Familie gemeldet hatte. Mit Bedauern und ungern sieht man ihn, der beinahe elf Zahre hier vorbildlich gewirkt hat, von hier scheiden- Sein stets gleichbleibendes und ruhiges Wesen, sein Fleiß und Geschick als Lehrer und Erzieher verschafften ihm viel Freunde und Ansehen in unserem Dorf. Deshalb begleiten ihn auch die besten Wünsche nach seinem neuen Wiriungsort. Unser Gesangverein verliert in Lehrer Schieferstein feinen bewährten, langjährigen Dirigenten; der noch junge Turnverein, zu dessen Mitgründern Lehrer Sch', zählt, feinen ersten Sprecher. Auch im Wettertal-Sängerbund wird man seinen Weggang sehr bedauern, desgleichen verliert der GeflügelzuchtvereinLich und Umgegend in ihm ein eifriges Mitglied und einen Züchter Die Aufführung war reizend. Ein richtiger harmloser Silvester-Ulk im alten Kostüm, mit leichter Musik, in blendender Laune und ausgelassener Prost-Veujahr-Stimmung. Die Znszenierung, von Hub besorgt, war eine mächtig aufgekratzte Angelegenheit, mit Witz und Schwung und munterem Tempo, taktsicher begleitet von Kapellmeister Cuj 6, stimmungsvoll ein- gerahmt und angepinselt von Karl Löffler, Der ein entzückendes Stadtbild aus der Spielzeugschachtel, ein geblümtes Interieur und eine bunte Menagerie entworfen hatte. » Eine Fülle drolliger Figuren gab cS zu sehen: der dicke Bäckermeister Rux z. D., von Hub ohne lle&ertreibung mit behäbigem Humor ausgestattet: Marianne Mewes, in einer Hosenrolle, als frechverliebter Sekundaner Thülecke, mit einer sehr niedlichen Singstimme ausgestattet; auch Zlse Zahn (Susanna) sang, tanzte und spielte munter im Stil der Zeit. Von wilder Komik war das Phriher Ge- sangsterzett, mit dem die Herren D 0 m m i s ch, Zingel und L i n t m a n n sich selber übertrafen. Sehr nett (auch überraschend sicher im Dialekt) Heitzig als Hausknecht im goldenen Löwen. Arzdorf als schnoddrig berlinernder Wortführer der Phritzer Expedition. Von den übrigen machten sich Fuhrmann, Koch, Jüngling, Heß, Tannert und V0lck um die Ausführung verdient. — Es war sehr lustig. Das Haus noch einmal gut beseht. (Möge es im neuen Zahre immer so bleiben!) Man klatschte ausdauernd und ging in bester Stimmung heim oder aus zu Punsch, Sekt, Kreppeln, Bleigiehen, Fröschen und Kanonenschlägen. II. Am ersten Abend des neuen Zahres gab es den „W alzertrau m". Musik von Oscar Strauß, Text von D ö r m a n n und Jacobson. Da ihn der richtige Zeitgenosse mindestens einmal auf der Bühne, in vielen Fällen auch per Radio oder als Fllm erlebt hat, erübrigt es sich, auf die Operette ein- zugehen. Es bleibt allenfalls festzustellen, daß sowohl die Wiener Musik wie auch der Text in seiner spekulativen Zufammenfehung aus Anzüglichkeiten von Ruf. Die freigewordene Lehrerstelle wird zunächst mit einem Schulverwalter beseht. Kreis Friedberg. 4- Dad-Vauheim, 1. 3an. Der langjährige Bezirksturnwart Fritz Hartmann, der über 25 Zahre an der Spitze des 5. Bezirks im Turngau Hessen gestanden hat, wurde durch Verleihung des Ehrenbriefs der Deutschen Turnerschaft für seine Verdienste um die Turnsache geehrt. Die Ueberreichung der seltenen Auszeichnung erfolgte dieser Tage durch den zweiten Gauvertreter des Gaues Hessen, Redakteur Schneider, Butzbach. Kreis Büdingen. H Vidda, 30. Dez. Zn der jüngstenV i d d a c r Gemeinderatssihung wurden u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: Die D ü r g e r'm c i ft e r- Wahl wird auf Sonntag, 16. Februar 1930, festgesetzt. Heber die an Sozialrentner, Ortsarme usw. zu gewährende Winterbeihilfe liegt ein Beschluß der Fürsorgekommission vor, der Annahme findet. Hiernach sind insgesamt 335 Mk. aufzuwenden. Der erweiterte Teil des Friedhofs soll nach dem Vorschläge des Rektors Vitt eingefriedigt werden. Der Gemeinderat nimmt Kenntnis davon, daß die Sozialdemo- (im ersten Akt bis an die Grenze der Zndezenz) und hemmungsloser Sentimentalität noch immer chre Wirkung tun. Selbst wenn die Aufführung, wie das gestern der Fall war, erheblich zu wünschen übrig läßt. (Regie: Baars; Musik: Klier.) Das Frankfurter Ensemble steht im Ganzen und in der Solobesetzung bei weitem nicht mehr auf der Höhe der ersten Gastspiele. Die relativ beste Leistung bot Lh Ottmar (Prinzessin Helene); Marita Prach (Franzi) und Hans Schneider (Viki) waren stimmlich den Anforderungen ihrer Partien nur sehr teilweise gewachsen. Frih Beyer (Fürst) und Franz M e n a r trieben ihre Karikaturrollen vollends ins Parodistische; hier hätte die Regie, die sich ohnehin mehrere grobe Geschmacklosigkeiten (im zweiten Akt) leistete, eingreifen müssen. * Das zahlreiche Publikum zeigte sich dankbar und erzwang sogar mehrere Wiederholungen. Dr. Th. Aufruhr in der Mädchenschule. Zn einer kleinen französischen Stadt hatte sich ein Mädchen, welches das dortige Lyzeum besuchte, eines Tages die Haare abschneiden lassen. Als es aber am nächsten Tage mit einem wundervoll ondulierten Bubikopf die Klasse betrat, weigerte sich die Lehrerin, dieses Kind fortan zu unterrichten. Vach einem heftigen Kampf, der fast drei Tage dauerte, muhte Der Direktor nach- geben und das Mädchen braucht nun so lange nicht in die Schule zu kommen, bis die Haare wieder gewachsen find. Auf so einfache Weise hat sich noch niemand Dauerserien geholt. DaS Gegenstück hierzu erlebte man vor einigen Wochen in Salem im Staate Oregon (11.6.01.), wo eine neueingestellte Lehrerin ihren Dienst in einem bis auf die Erde reichenden Rock und mit einem riesigen Knoten im Haar antreten wollte. Dort weigerte sich die gesamte Klasse des Mädchenghmnafiums. sich von einer so altmodischen Dame unterrichten zu lassen, und nach einem Kampf, der drei Tage Dauerte, blieben die Mädchen Sieger. Die Lehrerin ließ sich die Haare schneiden und soll jetzt im kurzen kniefreien Rock viel jünger und hübscher aussehen. kratifche Partei, Ortsgruppe Vidda, einen Antrag auf Erlaß einer Ortssatzung betreffend Wahl und Anstellung eines Berufsbürgermei- st e r s eingebracht hat, der in Der ersten Sitzung des neuen Gemeinderats zur Beratung und Abstimmung kommt. Der Gemeinderat lehnt eine Beratung des Antrages ab, weil er lediglich von Gemeinderatsmitgliedern unterschrieben ist, die ihr Amt am 1. Zanuar 1930 erstmalig antreten. Der im Entwurf vorliegende Vertrag mit der Reichsbahnverwaltung über die Wasserversorgung des Bahnhof s Vidda, der eire Vertragsdauer von 7 Zähren vorsieht, findet die Zustimmung des Gemeinderats. Vachdem noch davon Kenntnis genommen wurde, daß das Doppelhaus in der Hopfengasse an die Herren Zecm Zunker und Karl Orbig jr. für je 8200 Wk. verkauft und dem Bürgermeister der Stadt Hungen zu seinem 25jährigen Dienstjubiläum telegraphisch Glückwünsche des Stadtvorstandes übermittelt worden sind, wird der Gemeinderat für das Zahr 1929 und zugleich für die abgelaufene Wahlperiode verabschiedet, wobei ihm von dem Beigeordneten für seine Mitarbeit im Znteresse der Förderung der Stadt Vidda herzlichst gedankt wird. Kreis Alsfeld. mr. Dieben, 1. Ian. Ein eigenartiger Auto- Unfall ereignete sich dieser Tage auf der Straße D i e den—G rebenau. Ein Viehtransportauto der Firma D u ch a r d t in Lauterbach wollte in dem benachbarten preußischen Dorfe L i n g e l - bach ein Schwein abholen. Unterwegs, kurz vor dem kleinen Merlos, löste sich eines der Hinterräder des Kraftwagens. Ein mit" fahrender Mann bemerkte das Unglück sofort, ohne jedoch etwas dagegen tun zu können. Der in voller Fahrt befindliche Wagen rannte gegen einen Daum. Durch Die Wucht des Anpralls wurden Die Insassen auf die nebenan^ liegende Wiese geschleudert. Sie tarnen zum Glück ohne schlimmere Verletzungen mit dem Schrecken davon. Vur der Führer wurde durch Die Splitter Der vollständig zertrümmerten Schuhscheibe im Gesicht leichter verletzt. Der Wagen dagegen war vollkommen zerstört. Die Trümmer wurden durch einen Lastwagen abgeschleppt. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, l.Jan. Im Kalenderjahr 19 2 9 wurden beim hiesigen Standesamt folgende Beurkundungen vollzogen: Geburten 8b (106); Eheschließungen 39 (39); Sterbefälle 73 (52). Die in Klammer angeführten Zahlen sind die Bo urtunbungen des Kalenderjahres 1928. Preußen. Kreis Wetzlar. d” Atzbach, 1. Jan. Am Silvesterabend gegen 7 Uhr wurde unsere Gemeinde durch Feueralarm aufgeschreckt. Es brannte in dem am Ausgang des Dorfes an der Kreisstraße nach Dorlar gelegenen Sägewerk des Zimmermeisters Johannes Hoffmann. Das Feuer war in dem M a - fchinenraum entstanden und hatte rasch auf das Dachwerk übergegriffen. Der Feuerwehr und der Einwohnerschaft gelang es, des Feuers soweit Herr zu werden, daß es auf das Sägewerk beschränkt blieb. Dieses brannte do II ft änöig nieder, lieber die Entstehungsursache des Feuers ist noch nichts Bestimmtes bekannt. Die Untersuchung ist ein* geleitet, am Neujahrsmittag weilten bereits ein Der^ treter Der Staatsanwallschaft in Limburg, der Bürgermeister von Krofdorf als örtlicher Polizeioer- lualter und ein Sachverständiger zur örtlichen Besichtigung an der Brandstätte. * Wißmar, 1. Ian. Die hiesige Orgel wurde durch den Orgelbauer Eichhorn aus Weilmünster einer gründlichen Reparatur unterzogen. Dabei wurden die 1917 an die Reichs- materialienverwaltung abgeliefecken Prospekt elfen durch neue erseht. Ebenso erhielt die Orgel wieder ein Prinzipalregister; das frühere war irrtümlicherweise mitabgeliefert worden. Auch die recht klapperig gewordene Klaviatur, die noch von dem Orgelbauer Bürgy aus Gießen stammte, wurde durch eine neue erseht. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. „A la tatare.“ Russische Restaurants, chinesische Speisehäuser, amerikanische Grill-rooms, italienische Osterien, — das alles besitzt Paris, wie jede einigermaßen anständige europäische Hauptstadt, die auf sich hält, natürlich schon seit Iahren. Veuerdings aber, hat es eine weitere Errungenschaft auf diesem anziehenden Gebiete erhalten; nur weiß man nicht ganz, ob man Seinebabel Darum beneiden Darf. — Dekanntlich wimmelt es in Paris von russischen Emigranten, Mitgliedern der früheren russischen Aristokratie, die seinerzeit noch mit einem immerhin ansehnlichen Prunk in die französische Haupt' stadt eingezogen sind, von der Hoffnung geschwellt, hier mit offenen Armen aufgenommen zu werden. Ach, die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten, und bald muhten sie einsehen, daß auch sie irgendeine Arbeit und einen Erwerb ergreifen mußten, um das teure Leben in Frankreich fristen zu können. Und so sehen wir heute -- genau wie in Derlin — ehemalige Grafen als Taxichauffeure, Kellner usw. Viele von ihnen hatten den letzten, anhänglichen Rest ihrer Dienerschaft mitgebracht, Darunter auch „Leibjäger", die zumeist der tatarischen Rasse angeboren. Auch diese mußten mit Der Zeit ent- und sich selbst überlassen werden, ergriffen ebenso wie ihre früheren Herren den ersten besten sich bietenden (Beruf, — und diese Tataren, ein gutes Hundert an Der Zahl, sind es, die das kullinarische Repertoire von Paris um eine neue Erscheinung bereichert haben. Einer von ihnen hat in einem Pariser Vorort ein tatarisches Gasthaus errichtet, — es heißt „Aul in Der Fremde", obwohl Der „Aul" eigentlich eine kosakische Siedelung ist — in Dem es auf Der Speiscnkarte nur tatarische Gerichte unD als Hauptgetränk den berühmten „Kumih", gegorene Pserdemilch, gibt, ein ganz besonderer Saft, von dessen berauschender Wirkung Die Vorkriegs- Reiscschriftsteller schon oft und eingehend berichtet haben. Hinter das Geheimnis, woher Der tatarische Gastwirt so viel Pferdemllch herbekommt, ist die neugierige Pariser Presse allerdings noch nicht gekommen; aber sie erhebt die unter solchen Umständen nicht ganz unberechtigte Frage: werden wir demnächst etwa im Bois de Boulogne Tataren zu Pferde sehen, Die nach ihrem alten nationalen Rezept ihr Beefsteak unter Dem Sattel mürbe reiten? \ynann. SprmflMflA* SprutgfiWrt 'Lngmann wann- fyrifigfnoM : -1'■■■<■>■' VVV. ■LV,. IVZ^vl Nicht iirefUhren lassen durch die vielen Ausverkaufs-Sonderangebote. 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Januar 1930 nochmals zur General Preiswerte Erbsen m.KarottenVlDos«0.68 Gem.6emüseKons,M,?®DÖSe0 88 Karotten inWürfeln ViDose 0.48 1MMMMM Wir laden unsere Mitglieder MlHiimiltlllt bahMHiM denen an sachgemäßer Bedienung der Kundschas' liegt, werden von erstflassig.Mankorscltfabrtkaeiurbt. Schrtsil. Angeboe unt. D. L. 352 an den Gien. Anzeiger. [8V Einladung zur Zeichnung auf GM. 3000000.— unserer 8% Goldhypothekenpfandbriefe Em. XXIV nicht kündbar vor dem Jahre 1936 Börsenkurs z. Z. 96,50 %. Zeichnungs-Vorzugskurs 96% Zwangsversteigerung Am Donnerstag, dem 6. März 1930, vormittags 81/» Uhr, wird im Amtsgerichts- gebäude, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen dem Karl Stark in Gießen, Weserstrabe 15, zugeschriebene Grundstück Flur 27, Nr. 43 = 1944 qm Acker über dem Schäferbrunnen, geschätzt auf 1160 Reichsmark, versteigert. 11D Die ortsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht aus- gehängt. Gießen, den 28. Dezember 1929. 1.2L des Hessischen Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Heringsalat.....% Pfd. 0.25 in Mayonnaise Oelsardinen ..2Posen 0.98 spanische Zuckerkranke 2,8A Wie Sie obneHunaeru zuckerfrei werden, sagt Jedem unentgeltlich Ph. Hergert, W.eabaien. RUckcrtstr.189 Bismarckheringe 1 m i-Ltr.-D. Rollmops | 0.90 Schweinskopf in 6ejeeo 33 [ Verkäufe | störte sutOsltote zuverlässig, z. Ein» u. Zweisvänntgsahr^ für jedes Fuhrwerk geeig^w.Tetlg.z.vrk. Jakob Herpel, Erda Nr. 167, Kr. Wetzlar. (Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken) Norddeutsche Grund-Credlt-Bank Gegründet 1868 Weimar Staatsaufsicht Aktienkapital und Reserven: 9,2 Millionen RM. Gesamter Darlehnsbestand: 188 Millionen RM. Weoet WWM Private höhere Lehranstalt, 3tetil» und Rea^gymnastum-Lehrplan Lestgeleit. Schülerheim / Sorgfältige üeberwachung der Arbeitsstunden Man verlange Druckschrift Inhaber und Leiter: 12D Direktor JNendelssohn-Vartholdy Gießen / Fernruf 2735 t t 1 ( < i r 1 l i 1 1 i 1 i 1 j i ) I 4. bis 18. Januar Inventu r-Aus verkauf Um unsere großen Saisonbestände restlos zu räumen, haben wir die Preise unseres gesamten Warenlagers rücksichtslos herabgesetzt. Jeder Kauf bedeutet daher für Sie eine große Ersparnis. Lassen Sie diese günstige Gelegenheit nickt unbenutzt vorübergehen — besuchen Sie uns und Sie werden feststellen, wie gut und preiswert Sie bei uns kaufen Fertigkleidung aus besten Stoffen bei vorzüglicher Ausstattung und tadelloser Paßform Herren-Anzüge Smoking- Gummi-Mäntel und Abend-Anzüge 82°° 275° n5° jetzt z. Ausverkaufspreis Mk. 55.00,42.00,35.00, jetzt z. Ausverkaufspreis Mk. 35.00,25.00,18.00, Winter-Ulster Imprägnierte Mäntel Herren-Anzüge 39°° 50°° jetzt zum Ausverkaufspreis Mk. 95.00, 75.00, Winter-Ulster Loden-Mäntel Blaue Anzüge 85°° 18°° j etzt z. 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Beleuchtung, Bekleidung und ^Sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Dezember auf 152,6 gegenüber 153,0 im Vormonat. Sie ist somit um 0,3 v. H. zurückgegan- gen. Der Rückgang ist auf eine Senkung der Er- nährungsausgaben zurückzujühren. Insbesondere haben die Preise für Milch und Butter, sowie für Fleisch nachgegeben. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 gleich 100): für Ernährung 152,2, für Wohnung 126,7, für Heizung und Beleuchtung 152,9, für Bekleidung 170,3, für den „Sonstigen Bedarf" ein- schlichlich Verkehr 192,5. * Landeskommunalbank-Girozentrale für Hessen. Gemäß Vertrag zwischen dem Hessischen Sparkassen- und Giroverband und der Kommunalen Landesbank sind die seither von der Hessischen Girozentrale und der Kommunalen Landesbank betriebenen Geschäfte vom 1. Ianuar 1930 ab auf ein Gemeinschaftsinstitut unter der Firma Landeskommunalbank - Girozentrale für Hessen mit dem Hauptsih in Darmstadt übergegangen. * Keine Verlängerung des Internationalen Zinkkartells. Trotz der Bemühungen ist das Internationale Zinkkartell nicht über den 1. Ianuar 1930 hinaus verlängert worden und somit am 31. Dezember abgelaufen. Die Anhänger des Kartells sind übereinstimmend zu der Meinung gekommen, daß das Kartell nicht das Ergebnis gebracht habe, das man erwartet hatte. • Die Deutsche Hypothekenbank in Meiningen (Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken) lädt im heutigen Anzeigenteil zur Zeichnung Lprozentigcr Gold-Pfandbriefe ein, bei der sie an Stelle der Barzahlung auch ihre 4,5prozentigen Liquidations-Gold-Pfandbriefe zu einem festen Verrechnungskurse von 85 Prozent in Zahlung nimmt, während der Börsenkurs zur Zeit etwa 77 Prozent beträgt. Besitzer von 4.5prozenligen Liquidations - Gold - Pfandbriefen, die diese Pfandbriefe nicht zu behalten wünschen, können sich also durch Zuzahlung von 11 Mk. auf 100 Goldmark einen Lprozentigen Pfandbrief verschaffen. * Norddeutsche Grund-Credit-Bank in Weimar. Das Institut legt zum Anlagetermin einen Teilbetrag von 3 Millionen Goldmark 8pro- zentiger Gold-Pfandbriefe Emission XXIV zur Zeichnung auf. Die Pfandbriefe sind bis 1936 unkündbar, bei der Reichsbank lombardsähig und genießen in Thüringen die Mündelsicherheit. Der Börsenkurs stellt sich zur Zeit auf 96,50 Prozent; der Berkaus erfolgt innerhalb einer bestimmten Zeichnungsfrist zum Vorzugskurse von 96 Prozent. Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. Ian. Tendenz lustlos. Die erste Börse im neuen Iahre zeigte kaum Veränderungen gegenüber den letzten im alten Iahre. Die Stimmung war leblos, und das Geschäft bewegte sich weiter in den denkbar engsten Grenzen. Es fehlten vor allem wieder Aufträge und auch Anregungen. Ungünstiges lag dagegen auch nicht vor. Gegenüber den Schlußkurfen vom 31. Dezember 1929 traten bei der bestehenden Geschäftslosigkeit zumeist Rück - gänge bis zu 1,5 Proz. ein. Die feste Reuyorker Börse vom letzten Dienstag konnte keine Anregung bieten. Die Geldmarktverhält- nisse wurden jedoch allgemein etwas günstiger beurteilt, was zu neuen Hoffnungen Anlaß bot, zumal zum Ultimo noch Geld über llltimo bei nur kleiner Nachfrage zu dem verhältnismäßig billigen Satz von heute morgen vorhanden war. Zur Crftnotiz kamen nur wenige Papiere zur amtlichen Notierung. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.-Farben gut behauptet. Nur für einige Papiere bestand etwas Nachfrage. Scheideanstalt büßten 1 Prozent ein. Am Clektromarkt lagen Siemens 2 Proz. schwächer, AEG. knapp behauptet. Für Ehadeaktien machte sich weiter etwas Nachfrage geltend, bei einem Gewinn von 1 Mark. Wontanwerte waren fast ohne Geschäft. Buderus konnten leicht an- Die wirWastliche Sntoidlunfl im Jahre 1929. An die Spitze einer Betrachtung über die wirtschaftliche Entwicklung des Iahre s 19 2 9 kann man den Sah des Konjunkturinstituts stellen, daß die Gütererzeugung trotz des geringeren Beschäftigungsgrades im ganzen größer gewesen sein dürfte, als im Iahre 1928. Eine Bestätigung, die auch in einem Rückblick der Berliner Handelsgesellschaft zum Ausdruck kommt, in dem folgendes ausgeführt wird: Die Steigerung der volkswirtschaftlichen Produktivität ist zunächst eine Folge des natürlichen Wachstum s der Wirtschaft, das auch darin zum Ausdruck kommt, daß durchschnittlich 400 000 neue Arbeitskräfte in den Wirtschaftsapparat eingeschaltet werden konnten. Stellt man diese Ziffer der erhöhten Arbeitslosenzahl gegenüber, so verliert die Zunahme der Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten des Iahres etwas an Bedeutung. Daß das Produktionsvolumen mehr als aufrechterhalten wurde, war in erster Linie die Folge einer recht günstigen Montankonjunktur — die im übrigen auch der Außen- Handelsbewegung zugute kam —, während auf anderen Produktionsgebieten der Wirtschaft ein Rückgang der Erzeugung festcestellt werden mußte. War das Iahr 1928 durch eine starke Senkung der Beschäftigung bei den Ver- brauchsguterindustrien gekennzeichnet, so trat im Iahre 1929 eine Verlangsamung dieser Entwicklung ein, und am Ende des Iahres ist man zu der Feststellung berechtigt, daß jener Rückgang im wesentlichen zu einem Stillstand gelangt ist. Die Produktionsgüterindustrien wiesen in der ersten Iahreshälfte noch einen recht hohen Grad der Beschäftigung auf. Erst in der zweiten Hälfte traten auch hier unabhängig von faifon» ziehen, Gelsenkirchen und Rheinstahl lagen bis 0,75 Proz. niedriger. Arn Bankenmarkt kam in Reichsbankanteilen einiges Angebot heraus. Dieses Papier verlor 2,5 Proz. Dedibank schwächten sich um 1,5 Proz. ab. Von Autoaktien lagen Daimler 1,5 Proz. schwächer. Dauunternehmun- gen gut behauptet, Schiffahrtsaktien bis 1,25 Prozent niedriger. Renten still. Deutsche Anleihen etwas nachgebend. Von Ausländern Zolltürken etwas höher. Im Verlaufe wurde das Geschäft auf Interventionen etwas lebhafter, so daß die Tendenz allgemein etwas fester werden konnte. Es traten gegenüber dem Anfang Besserungen bis zu 1,5 Proz. ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 Prozent etwas erleichtert. Arn Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1865, gegen Pfund 20.439, London gegen Kabel 4.881250, gegen Paris 123.88, gegen Mailand 93.23, gegen Madrid 36.47, gegen Schweiz 25.1250, gegen Holland 12.0950. Berliner Börse. Berlin, 2. Ian. Nach einem sehr ruhigen und kaum veränderten Dormittagsverkehr konnte man schon an der Vorbörse eine gewisse Unsicherheit feststellen, die hauptsächlich mit der beginnenden Haager Konferenz in Zusammenhang zu bringen war. Aber auch die Ungewißheit. ob die Exekutionen vom Dienstag schon ihr Ende gefunden hätten, drückte auf die Stimmung. Zu den ersten Kursen konnte man aber bann für einige Werte etwas Kaufinterefse feststellen, das sich besonders auf Auslandwerte erstreckte, da aus London festere Vorbörsenkurse gemeldet wurden. Leichtere Geldsähe im Ausland und die belgische Diskontermäßigung von 4,5 Prozent auf 3,5 Prozent machten wenig Eindruck, rückten aber eine Diskontveränderung in London in den Bereich der Möglichkeit. Die ersten Notierungen zeigten eine uneinheitliche und eher schwächere Entwicklung, da noch einiges, Provinzangebot vorhanden war. Die Rückgänge betrugen im allgemeinen 1 bis 2 Prozent und gingen nur bei wenigen Papieren, wie Rheinische Braunkohlen, Bergmann, Schubert & Salzer, Dessauer Gas und Feldmühle darüber hinaus. Bemerkenswert fest eröffneten dagegen Reichsbank, Karstadt, Buderus, Ehadeaktien, Rheinstahl, Svenska. Deutsche Anlechen ruhig. Ausländer meist gehalten. Nur öprozentige Mexikaner 1 Prozent niedriger. Pfandbriefe bei kleinem Geschäft freundlicher. Das Umschuldungsangebot der Meininger Hypothekenbank loste verstärktes Interesse bei Liquidationspfandbriefen mäßigen Schwankungen Symptome der Abschwächung in Erscheinung. An den Ziffern von 1927 gemessen, in dem sich bekanntlich die erste ausgesprochene Hochkonjunktur seit der Währungs- stabilisierung durchzusehen vermocht hatte, nahm die Produktion immer noch einen recht günstigen Stand ein. Bezüglich der günstigeren Entwicklung des Außenhandels weist der Bericht darauf hin, daß man angesichts eines offenbaren Umschwungs in der Weltkonjunktur auch die Forderung werde erheben müssen, daß die deutsche Handels- und Zollpolitik in Zukunft nichts versäumen darf, um der deutschen Wirtschaft im Kampf um die Weltmärkte das Rückgrat zu stärken. Im ganzen ergebe sich aus dem Querschnitt der industriellen Produktion ein an und für sich nicht ungünstiges Bild. Dieser Objektivbefund stehe in auffälligem Gegensatz zu dem Mißmut und zu der Verdrossenheit, die nun schon seit langen Monaten das dcmtsche Volk beunruhigen. Da von einer organisch bedingten Wirtschaftskrisis nicht die Rede fein könne, mühten die Gründe für diese Erschütterung des Vertrauens anderweitig gesucht werden. Die Verhältnisse hätten sich in einer Weise entwickelt, die dazu zwinge, das Problem der Kapital b i l d u n g äußerst ernst zu behandeln. Im Iahre 1929 habe sich endlich, die Erkenntnis durchgesetzt, daß eine Sanierung der deutschen Kapitalwirtschaft nur unter dem Gesichtspunkt der Kapitalbildung im Innern möglich erscheine, und dies könne als eine der erfreulichsten Ergebnisse des Iahres 1929 betrachtet werden. und Anteilen aus. Am Geldmarkt nannte man einen Tagesgeldsah von 8 bis 10 Prozent und einen Monatsgeldsah von 9 bis 10,5 Prozent. Im Verlaufe gaben die Kurse bet kleinem Geschäft eher nach, besonders fiel eine einprozentige Abschwächung der Danatbankaktien auf. Karstadt Ingen auf Interventionen bemerkenswert lest. Später konnte man eine Interventionstätigkeit auch auf anderen Gebieten feftftellen. Siemens gingen bis 2 Prozent über Anfang, und Schuckert 1,5 Prozent um. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 2. Ian. Auftrieb: Rinder 80 Stück, Kälber 441, Schafe 206, Schweine 235. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 86 bis 88 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 82 bis 85, geringe Kälber 72 bis 81. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 47 bis 49, mittlere Mastlämmer, altere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 45, fleischiges Schafvieh 32 bis 33. — Marktverlauf: Kälber und Schafe mäßig- rege, ausverkauft. Beste Kälber über Notiz. Schweine wegen des geringen Auftriebs nicht notiert Berliner Produktenbörse. Berlin, 30. Dez. Mit Ausnahme des Lieferungsmarktes war das Geschäft am Produktenmarkt heute sehr still. Vom Auslande lagen irgendwelche Anregungen nicht vor, die Cifofferten für überfeeif:en Weizen lauteten unverändert, ohne daß sich Geschäft zu entwickeln vermochte. Das inländische Angebot in beiden Brotgetreidearten war auch heute nur gering, für Weizen blieb lausend Nachfrage im Markt, es waren auch etwa eine Mark höhere Preise zu erzielen, dagegen wurde Roggen infolge des fehlenden Export- und schleppenden Mehlgeschäftes weiterhin vernachlässigt. Am Lieferungsmarkt zeigte sich sowohl für Weizen als auch für Roggen regerer Deckungsbegehr, der ein Anziehen der Preise um eine bis anderthalb Mark bewirkte. Mehl bei unveränderten Preisforderungen still. Hafer ausreichend angeboten, gut stetig. Gerste in sehr ruhigem Geschäft. Es wurden notiert (1000 Kilo): Weizen, märkischer, 250 bis 251, Dez. 257 (Geld), März 272 bis 273,50, Mai 282,50 bis 283 (Geld): Roggen, märkischer, 168,50 bis 170,50 (fester), März 194,50 bis 195,50, Mai 204,50 bis 206; Braugerste 187 bis 203 (ruhig); Futtergerste 165 bis 175 (ruhig); Hafer, märkischer, 150 bis 158 (ruhig), Dez. 160, März 170; (100 Kilo): Weizenmehl 29,50 bis 35,25 (ruhig): Roggenmehl 23,25 bis 26,90 (ruhig); Roggenklcie 9,50 bis 10; Diktoria- erbfen 29 bis 38; kleine Erbsen 24 bis 28; Futtererbsen 21 bis 22; Peluschken 20 bis 21; Ackerbohnen 18,50 bis 20; Wicken 23 bis 26; Lupinen, blau, 13,75 bis 14,75; Lupinen, gelb, 16,50 bis 17,50; Serradelle 26 bis 31; Rapskuchen 18,40 Ms 18,90; Leinkuchen 23,80 bis 24; Trocken- schnihel 8,20 bis 8.40; Sojaschrot 17,30 bis 17,70; (50 Kilo): Kartoffelflocken 14,50 bis 15,10. Stirnen, Sport unb Spiel. Tischtennis. Deutsche Jugendkrafl Gießen gegen Schüler-Tennis Gießen 6:14. Vergangenen Sonntag veranstalteten diese Vereine im Katholischen Vereinshaus ein Tischtennisturnier, das wohl das erste seiner Art in Gießen war. Trotz des noch ziemlich unbekannten Spiels wohnten zahlreiche Anhänger den spannenden Kämpfen bei. Als überlegener Sieger in Vor- unb Rückspiel gingen die Schüler aus dem Kampfe hervor. Die einzelnen Kämpfe verteilten sich wie folgt: Vomend — Pflicht: Vorspiel: 18:21, 21:16, 21:9; Rückspiel: 21:16, 18:21, 21:7. — Knaus — Nickel: Vorspiel: 21:15, 21:10; Rückspiel: 21:14, 21:9. — Katz — Brams: Vorspiel: 19:21, 21:6, 10:21; Rückspiel: 21:15, 21:14. — Auer — Krauskopf: Vorspiel: 21:6, 21:11; Rückspiel: 21:19, 21:23, 21:11. — Stumpf — Gantenberg: Vorspiel: 4:21, 10:21; Rückspiel 12:21, 14:21. Kußball in Güddeutschland. Das Fußballprograrnm in Süddeutschland am Neujahrstage war auffallend mager. Dies erklärt sich aus dem Schonungsbedürfnis der noch an den weiteren Derbandsspielen interessierten Spitzenvereine, während die übrigen Vereine das finanzielle Wagnis eines Gesellschaftsspieles scheuten. Nur in Frankfurt a. M. wurde ein Verbands- fpiel ausgetragen. Hier handelte es sich um das letzte Ausscheidungstreffen zur Ermittlung dies Tabellendritten der Gruppe Main. Nach der Niederlage des F. Sp. D. Frankfurt im Kampf gegen Rotweih Frankfurt um den zweiten Platz der Liste hatte der Unterlegene nunmehr mit Union Niederrad um die Teilnahmeberechtigung an der Trostrunde zu kämpfen. F. Sp. D. gewann das zähe Ringen, das seitens seines Gegners sehr unfair durchgeführt wurde, mit 4:3 Toren und wurde hierdurch Tabellendritter. Zußball'Siädiekampf Mailand-Berlin 4:2 (3:1). Vor 15 000 Zuschauern trat die Repräsentativ« Mannschaft Berlins in Mailand gegen die Mailänder Städteelf an. Der Kampf endete mit einer unverdienten Niederlage der Berliner, die 2:4 (1:3) geschlagen wurden. Man muß aber hierbei berücksichtigen, daß der Schweizer Schiedsrichter Warcet zwei von den Berlinern regulär erzielte Tore nicht anerkannte. Außerdem mußten die Deutschen durch die plötzliche Erkrankung ihres Mittelläufers Schulz in völlig veränderter Aufstellung antreten, was nicht von Vorteil war. Bei den erwähnten Fehlentscheidungen des Spielleiters demonstrierte selbst das italienische Publikum sehr lebhaft zugunsten der Deutschen. Neuer Schwimm-Weltrekord. Der seit 1922 bestehende 500-Bards-Freistil- Rekord des Amerikaners Iohnny Wci.ß- m ü l l e r ist jetzt von dem 17jährigen Raymond Ruddy unterboten worden. Weißmüller hielt den amerikanischen Rekord mit 6,24,2, den Ruddy jetzt auf 6,22,4, also um fast zwei Sekunden drückte. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemelnde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 4. Januar. Vorabend: 4.30 Uhr; morgens: 9 Uhr; abends 4.50 und 5.30 Uhr. Israelitische Religionsgesellfchaft. Sobbatfeicr den 4. Januar. Freitag abend 4.15 Uhr, Samstag vor mittag 5.30. — Wochengottesdienst: morgens 7.10; abends 4 Uhr. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7 v. H., Lombardzinsfuß 8 v. H. Frankfurt a M Berlin Darmsi. u. Nationalbaal . . 1- Deutsche Bank......1( Dleconto-Gesellschast, Aut. . 1< Dresdner Bank......1* Reichsbant........1 Bergmann . . . • Elektr. LieferungSgekellschast 1' Licht und Straft . . .1' Reiten 4 Guilleaume. . . . 7y, Gel. s. Elektr. Untern.. ... 10 Hamb. Elektr. »Werke .... 1 Rhein. Elektr......... Schlei. Elektt .......10 Siemens 4 Halske ..... 16 Transradio ......... 8 Lahmeycr 4 Co....... 10 Buderus...... .... 5 Deutsche Erdkl ....... C Essener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener ....... 8 Harpener..........0 Hoesck Eisen. ....... 6% Ilse Bergbau.......10 fflöcknerwerke........ fföln-Ncuessen ..... 7 Mannesmann »Nbbreo .... 7 Mansselder Bergbau...... Oberichlej. Enen.eoars .... CbetlAlei. Kokswerke.....7 Pbönix Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen. . . io gcheinstahl...... 6 iMebeckMouKm......7,2 96,4 95,65 116.5 115 145,25 225 141 141.5 273 154 205 159 145 112,5 142 137 172 118 162 63,5 93 128 138,75 214,5 90 91,25 101,5 69 99,75 . 232 103 102,5 95.4 95,4 116 146 140,5 270,5 155 z - - 269 64,25 127,75 103,4 95,25 171,25 141,5 95 118 115,5 171,75 146 223,25 140,5 140.5 141 270,5 155,75 205,75 157 141 113,5 141,5 128,25 139 142 170 270,75 118 163 63 91,25 134,5 128,25 138,75 108 218 90 105,75 91 102,5 71,6 91,75 100,13 232.5 102,75 95 140,25 95 117.75 115.75 172,25 146 223 140.5 141,25 272,75 156 203 139 111,9 141,75 170 269 117 160 64 91,5 138 139 219 89,5 104,5 90,5 103 70.5 91.5 100,25 230 103.4 i — Frankfurt a M Bettln <=d)iufc»| ■•Uh. Schluß An sang» Rurt | Rur ffure Rurs Datum 1. <2. 2. 1. 31- 12. 2- 1. Bereinigte Stohlw . - - 104 —— 103.65 103,25 . Olavi Minen . 6 51.5 — 50,9 50,6 ff al werke Aschersleben e e 1< 183 —- 184,5 185 Rai werke Westeregeln ■ ■ 10 193 —- 194.5 — Rahmet e SaUdetiurth • Iß 316 — 313,5 311 I. G Farben-IndUftrie 12 170 169.5 169.5 169,25 Dynamit Nobel . . . . 6 — 80,5 — Scheideanstalt.... . 9 148 148,75 — — Goldschmidt .... . b 62,5 — 63.5 62,25 Riligerswerle .... . 6 67,2 — 67.75 — MetaUgeseUschast. . . . 6 114,25 114,5 114 — PHUipp Hofmann . . 7 83.75 — 84,5 83,25 Semen werk Heidelberg e • e 10 113 113 — Cementwerk ftmlitatit • e • 10 150 —— — — Waob » zr. v.ag - • • . o 80 — 78.5 Schultheis Patzenhofer 15 — - 266,25 265 Oitwerke...... 12 — — 206,5 204,5 Ber. Glanzstofs . . . Ä M ■ 18 — — — — Bemberg...... 14 132 — 128,5 128,25 fieUdofi Waldhos . . fiellftofr Aschaffenburg 18% 181 — 178 178.5 r< 133.75 133,75 134 132 Charlottenburger Wasser . • . E — 92-75 92 Deliauer Gas .... . £ — 148 143,75 Daimler Motoren . . - M • . u 35,5 33.75 34 33,5 Deutsche Linoleum . • * • e 229 228 229 229,5 Maschinenbau A.-G. . . v — — 38,5 39,5 A ■' -cro 'ne Kl h:r . . e • • . u — — — Luow. Uoeai • ... • M • 10 —• — —— — Rat. Automobil . . . . 0 — 18 Orenktein & Koppel . M • e . 6 — — 68 — l'l-onbard Dietz . . . 1( —— — 152 151 311,5 — 311,5 314 Frantt. Maschinen . . Grttzner...... . 4 . 6 40,13 47 — 40 45,25 — Heyligenitaedt . . . IunghtmS. - - . . Leckwerks. . 0 . 6 4,5 45,13 — 46 — . 8 103 —- — — Maiutrajtwette HSchg a. M. . 8 106 — — —— Mag. . . 10 126,5 — 127 126 Gcbr. Roeder . . . . 10 105 —— — —— Suiflt 4 Haessuer . . . 2 222 — 222 —— SÜSS- Lllckn. . . . • • • Ul 161,9 i •— 161 1 —• Banknoten. Bettln, 31. Dezember Geld Bries Amerikanische Roten .... Belgische Roten ....... Dänische Sloten . ....... jxranzösische Roten ....... Holländische Noteu ....... Italienische Roten. ....... Norwegische Noten....... Deutsck»Oeüerreich, 4 100 Schilling Rumänische Skoteu....... Schwedische Noten ....... Schweizer Noten . ....... Tickechoslowakische Sloten..... Ungarische Noten ...... 4,168 58,27 111,78 20,36 16,435 168.28 21,84 111,78 53,71 2,475 112.18 81,23 55,39 12,33 72,95 4,188 58,51 112,22 20-44 16,495 168,96 21,92 112,22 58.95 2.495 112,62 81,55 55,61 12,39 73,25 Devi enmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 31- Dezembei 2. Januar Amttiche Geld Kotierung Bries Amtliche Notierung Geld Briei amfU-'Jioti. . 168,64 168,98 168,73 169,07 Buen.-AireS 1,718 1,720 1 708 1,712 Brss-'Antw 58,495 58.615 58,515 112,11 58,635 (Ebriftianta. 112,05 112,27 112,33 Kopenhagen 112.09 112.31 112,17 112,39 Stockholm ■ 112,51 112.73 112,56 112.78 Hcliingfors- 10.502 10,522 10,51 10,53 Italien - - - 21,88 21,92 21,895 21,935 London. . . 20,401 20,441 20,412 2'’,442 Reuhork . . 4,1300 4,1880 4,183 4,191 Paris. . . . Schweiz .. 16,455 16,495 16,48 16,52 81,175 81,335 81,23 81,39 Spanien. 55,64 55,76 55,91 56,03 Japan . - . ’Hto de Jan 2,055 2,059 2,055 2,059 0,461 0,463 0.459 0.461 Wien in D-- Oesi- abgest 58,86 58,98 58,88 59,00 Prag . . 12,375 7,413 12,395 12,377 12,397 Äelirad - 7.427 7,418 7,432 Budapest. 73,18 73,32 73.215 73.355 Bul arten 3,024 3,030 3.024 3.030 Lrssadon 18,81 18,85 18.81 18.85 Danzig. . .Ponftatttut. 81,58 1,975 81.74 1,979 81.60 1,988 81,70 1,992 5,445 Ri" en. . 5,435 5,445 5,435 Canada . 4.135 4,143 4,135 4,143 Urn mal) 3.926 3,934 3,926 3,9»4 Cotru .. 20,917 20,357 20,925 20,265 Das Erbe -es Herrn von Anstetten. ZRoman von 3- Schneider-Foerstl. Arheber-Rechtsfchutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa. 39 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der kleine Koffer war nicht gerade schwer, aber er wäre ihn trotzdem gerne losgeworden. Die einheimischen Träger hatten sich aber zuerst auf jene gestürzt, welche Großgcpäck zu schleppen hatten. So kam es, daß sich niemand fand, der ihm das seine abnahm. 3m Begriffe, eine der braunen Gestalten herbeizuwinken, die als unbeschäftigte Gaffer den Straßenrand besetzt hielten, fühlte er sich von hinten auf die Schulter geklopft. „Anstetten!" Sein Gesicht fuhr herum. „Tussein!" „Sie sind es also wirklich, Baron?" „Wie Sie sehenI" Anstetten strahlte. „Ich freue mich, gleich beim ersten Schritt einen alten Freund zu treffen. Ich habe schon gedacht, ich würde keinem einzigen bekannten Gesichte mehr begegnen." Der Schwede hatte seinen Arm durch den des Barons gesteckt und lancierte ihn aus dem Getümmel nach der Seite hin, wo die Wagenreihe stand. „Sie wissen demnach gar nichts, mein Lieber?" „Was soll ich denn wissen, Tussein?" „Daß Sie für tot und verschollen erklärt sind." „Ich? — Sie scherzen wohl!" „Vicht die Spur! Die englische Behörde hat sogar eine Belohnung von tausend Pfund ausgesetzt, wenn jemand über Ihren Verbleib Nachricht zu geben vermag. Den Aufruf in den Blättern haben Sie wohl auch nicht gelesen?" „Nichts", sagte Anstetten und hielt seinen kleinen Koffer krampfhaft fest. „Anglaublich", ereiferte sich der Schwede. „Wo in aller Welt haben Sie denn die letzten fünf Jahre gesteckt, Baron?" „Das ist eine lange Geschichte, Tussein, und ebenso abenteuerlich." „Das Abenteuerliche haben Sie ja immer geliebt, verehrter Anstetten." „Ja, immer!" gab dieser lachend zu. „Erst im Dschungel mit Freunden auf der Jagd, bin ich dann nach China hinüber gekommen und von dort nach Rußland. — Cs ist mir nicht gut bekommen", schloß er resigniert. „Allem Anschein nach nicht", gab Tussein zu. ..Warum aber haben Sie nie etwas von sich hören lassen?" Anstetten wandte sich suchend um. „Rußland hat seine Gefahren, mein Lieber. Ich habe Glück gehabt, überhaupt noch herauszukommen. Sprechen Sie etwas leiser", warnte er, als der Schwede ein Helles „Wie?" ausstieh. „Ich bin sozusagen incognito mit dem „Lenin" eingelaufen und möchte gerne so rasch als möglich verschwinden." „Dann kommen Sie aber", riet Tussein. „Seien Sie mein Gast und lassen Sie sich im Club den Freunden zeigen. Das wird keine kleine Aeber- raschung werden! Haben Sie im Sinne, weiterzureisen?" „Ja, morgen schon! And zwar nach Benares. Ich habe dort einen Hindu, der mein Vermögen verwaltet. Hoffentlich ist er nicht inzwischen gestorben." „Nein! — Aber in argen Nöten, mein Lieber. Man hat ihm nämlich zur Last gelegt, Sie aus dem Weg geräumt zu haben." „Meinem Akab?" Anstettens Auflachen wirkte" etwas gezwungen. Aber der Schwede merkte es nicht. „Dann ist es vielleicht am besten, wenn ich heute noch nach Benares abdampfe. Wenn ich die Nacht durchfahre, kann ich morgen früh dort sein. Ich möchte den armen Menschen keine Stunde länger in Angewitzheit lassen." „Schicken Sie ein Telegramm", forderte ihn Tussein auf. „Glauben Sie, daß es ihn erreicht?" „Lassen Sie es an den Gouverneur gehen, dann wird die Wirkung eine doppelte sein. Man wird an maßgebender Stelle wissen, daß Sie noch am Leben sind, zugleich reinigen Sie den Hindu von dem Verdacht, Sie ermordet zu haben." „Das ist richtig", pflichtete Anstetten bei. Eine Viertelstunde später war die wichtige Depesche nach Benares unterwegs. Noch am Nachmittag folgte ihr Anstetten selbst. Während der langen Fahrt fielen die Gedanken über ihn her. Nun würde Akab bereits wissen, daß er ihm zu Hilfe eilte. Ob er sich freute? Ob er bei ihm bleiben würde, nun, da er das ganze Glück seines Lebens für ihn zu opfern im Begriffe stand und zum Entsagen bis an das Ende seines Lebens bereit war. Nach fünf Jahren heimatlichen Klimas erschien ihm die Hitze hier geradezu tödlich. Sein ganzes Denken erlahmte, die Glieder hingen in steinerner Schwere an seinem Körper. Er trank mehrere Gläser Eiswasser hinunter, ließ sich ein Bad bereiten und kam noch elender als zuvor in sein Abteil zurück. Was würde Brunhilde jetzt tun? — And Klein- Peter? Ob sie ihn sehr entbehrten? Wie sie die Nachricht aufnehmen würde — die Nachricht, daß er am Fieber gestorben sei? Nun war es doch so gekommen, wie der Sterbende es gewollt hatte: Du wirst wieder nach Dardschiling zurückkehren und Dr. Alsworth wird bestätigen, daß Hans Peter von Anstetten dem Fieber erlegen ist. Ja, das würde Dr. Alsworth bestätigen. Nur, daß damit sein ganzes Leben zerschmettert und zerschellt lag. Cr lehnte den Kopf gegen die Matte und schloß die schmerzenden Augen. Wenn er damals, als er auf Capri den Rausch von Brunhildcs großer Liebe über sich ergehen ließ, zu ihr gesprochen und sich ihr anvertraut hätte, könnte es heute anders um ihn bestellt sein! Ganz, ganz anders! Aber das war nun vorbei! Aus! Zu Ende geträumt! Cr hatte gewußt, daß die Stunde einmal kommen würde! Kommen mußte! Aber nun traf es ihn dennoch furchtbar. Traf ihn mit solcher Wucht, daß er darunter zusammenzubrechen drohte. Wie sollte er die ständige Trennung von ihr ertragen können? — Wenn ihm das nur jemand sagte! And der kleine Hans Peter! Nie mehr sollte er das kleine Kerlchen im Arme halten und liebkosen dürfen! And Bernd! Den Jungen, der ihn so über alles liebte! Ihn, den Betrüger! Gatten- und Vaterrechte hatte er sich angemaßt. Ob sich Hans Peter jetzt auf diese Weise rächte? Aber die Toten kannten keine Rachsucht mehr! Cs war lediglich ausgleichende Gerechtigkeit, die ihre Hand im Spiele hatte! Irgendeine Station mochte am Wege liegen, denn der v-Zug verringerte seine Geschwindigkeit immer mehr. Zuletzt stanhen die Räder. Cr war zu müde, die Augen zu öffnen. Als jemand die Türe seines Abteils öffnete, blieb er langausgestreckt auf seinem Sitze liegen, ohne auch nur den Kopf zu wenden. Cr fühlte, wie seine herabhängende Hand emporgehoben und an ein Lippenpaar gedrückt wurde und vernahm eine Stimme, die ihn die Augen öffnen ließ. »„Sahib! — Wie konntest du das tun!“ Mit einem Ruck saß er aufgerichtet: „Akab!“ Cr preßte die braunen Finger und hielt sie krampfhaft gegen sich gedrückt. „Warum muhte ich erst durch andere erfahren, wie es um dich steht?" „Sahib!" Der Hindu sah sich um, ob kein Lauscher zu befürchten sei und fuhr dann im Flüstertöne zu sprechen weiter: „Du weißt, wie wenig mir das Leben gilt! Dir aber ist es alles!“ „Aber doch nicht in dem Maße, daß Ich e£ mir um den Preis des deinen erhalten möchte. Wer hat dir von meinem Kommen gesagt?" „Der Gouverneur!" „Man hat dich gefangen gehalten?“ „Das ist belanglos, Sahtb." „Ich will Antwort hab.n," erregte sich Anstetten. „Drei Monate nur!" Der Hindu wand sich unter dem Blicke des Gebieters. „Du hättest nicht kommen sollen, Sahib. Keiner hätte mir etwas beweisen können! Keiner! Was ist Gefangenschaft für einen Menschen, dessen Seele dennoch frei ist!" „Warum bist du nie mehr zu mir gekommen? Ein einziger Besuch, und alles wäre dir erspart geblieben." Der Hindu trug den Schatten eines Lächeln- im Gesicht: „Dein Glück stand mir über allem! Es sollte dir keine «Stunde davon verlorengehen." Statt jeder Worte zog der Baron den Hindu zu sich auf die Matte und hielt dessen Hände fest. „Wenn die Begrüßung in Benares überstanden ist, dann wollen wir nach Dardschiling fahren. In deinem Bungalow, Akab! Hast du noch Platz für mich?" „Es ist allezeit der deine, Sahib!“ „Nun lügst du! Was man einmal" verschenkt hat, wird nie mehr Eigentum. Ich kann mich aber auch anderswo einmieten, wenn du mich nicht bei dir wohnen haben willst." Aus den dunklen Augen traf ihn ein so hilfloser Blick, daß Anstetten ganz eigentümlich um- Herz wurde. „Wie lange gedenkst du zu bleiben, Sahib?" „Immer!" „Immer!" Akab wandte das Gesicht und hob es erst nach einer langen Weile zu Anstetten auf. „Es hat alles seine Zeit, Sahib. Das Glück und das Entsagen. And alles wechselt! And nichts ist, das nicht schon einmal gewesen wäre! Ich will dir jetzt die Matte beqüemer legen, damit du schlafen kannst. Eine Station vor DenareS wecke ich dich." Wie merkwürdig, dachte Anstetten, als er jetzt Akabs Blick begegnete und zugleich eine eigentümliche Schwäche empfand, welche ihm die Lider herabdrückte. Er wollte etwas fragen und vermochte die Lippen nicht mehr aufzutun, hob die Hand und fühlte sie von einer anderen sorgsam auf die Matte gedrückt, während ein Atem wie ein Hauch über ihn hinstrich. „Brunhilde!" stammelte sein Mund. And während draußen die heißen Fluren vorüberjagten, war er in seinen Träumen bei der Frau, die für ihn der Inbegriff allen Glückes gewesen war. (Fortsetzung folgt.) 15°/0 Bar-Rabatt auf alle Waren 29D Bis 3O°/0 ermäßigte Preise Auf seidene und la Makostrümpfe 20% Rabatt Unser Totalausverkauf des Ladens Kreuzpiatz 1 bietet Ihnen günstigste Gelegenheit! Hildebrandt&Qe. ■ Goethe-Bund Sonntag, 5. Januar 1930, abds. 8 Uhr, Neue Aula Lichtbilder-Vortrag von Professor Dr. Franz Behounek: Mit dem Luftschiff zum Nordpol (Meine Erlebnisse ais Teilnehmer an der Nobile-Nordpol-Expedition) Eintrittskarten zum Preise von Mk. 2.- Im Vorverkauf in der Musikalienhandlung Cr allier u. an der Abendkasse. Studentenkarten gegen Ausweis zu Mk. 1 bei Hausverwalter Ritter. io/w Mitglieder des Goethe-Bundes erhalten gegen Einlösung des Gutscheines Nr. 2 (grünes Gutschein- hett) ab Donnerstag, den 2. Januar Karten zum er- mäßigten Preise von Mk. 1.— r «EJ B S n “ WF1 Kammerjäger kovlnal er sauren.Fachmann, kommr wieder nach Gienen u. Umn. und verillli: unter fcbrift» hd). Garant. Batten, tfiäaseit.fömil.ünno- zleler. z'anffdjt.nuö aanr Deutschland. 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Januar, nachm. 3 Uhr Märchen-Vorstellung Ein Märchenspiel nach Gebrüder Grimm in 6 Akten Dornröschen ■■■ Meiningen Leipziger Straße 4 Berlin NW 7 Unter den Linden 50/zi Deutsche Hypothekenbank Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken Zeichnungseinladung auf GM 3 000 000 8 % ige Gold - Pfandbriefe Em. XXII, in der Zeit vom 2. bis 22. Januar 1930. Zeichnungskurs: 96% abzüglich 8 °/o Vorzinsen vom Tage der Zeichnung bis 31. März 1930 ohne Abzug von Kapitalertragsteuer. Rückzahlung ausschließlich im Wege der Auslosung ab 1936 mit mindestens 1 % jährlich; die Emission muß 1959 getilgt sein. Zulassung an der Frankfurter und Berliner Börse ist beantragt. Der Antrag auf Reichsbanklombardfähigkeit wird ebenfalls gestellt. Bezahlung in bar oder durch Einreichung unserer 41/2°/o Liquidations-Gold-Pfandbriefe Em. X mit geringer Zuzahlung (bei Jahressperre). Jeder Zeichner kann in Höhe des Nennbetrages des von ihm gezeichneten Betrages unsere Liquidation»- Gold-Pfandbriefe mit Kupons per I. Juli 1930 in Zahlung geben, die wir zum Kurse von 85°/0 an rechn en, während der derzeitige Börsenkurs ca. 77°/0 beträgt. Stückzinsenverrechnung für die 4*/i°o Liquidations-Gold- Pfandbriefe erfolgt bis zum Zeichnungstage. Nettopreis am 2. Januar 1930: 100 GM 8 % Pfandbriefe kosten 94 RM in bar oder bei Einlieferung von nom. 100 GM 4l/»°/o Liquidations-Pfandbriefe Em. X 9.— RM in bar. Mein Inventur-Ausverkauf vom 3. bis 18. Januar bietet besondere Vorteile auf Winterware 15-20 Prozent Rabatt auf alle Artikel 10 Prozent Rabatt Reste riesig billigl EtagengeschäftSonneborn 11 Alicenstraße 11 _ ___________________________ 33A Frische Misciie MWke leb. SAeieii empfiehlt Donnerstag und »vteitQfl frisch einueffend A.WMs. iHänsburgl5,Tel.3612 Filets werden auf Wunsch aus allen Torten irisch bet- e stellt.____________1181) 6000 Mk. als 2. Hypothek au» gutes Geschäftshaus tn bester Lage gesucht. Schrift!. Angebote unter 018 an den Gieß. An», erb. Gießen, den 2. 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