Nr. 256 Erstes Blatt 180. Jahrgang Samstag, 1. November 1930 Lrlcheini «ügl'ch,anher Sonntags und Feiertag» Bcllaaen Die Illustrierte Siebener Familienblättet Heimat >m Bild Die Scholle Monatr-Sezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen «mzelnerRummern infolge höherer Gewalt. ZernfprechanschlSfse •nterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Hnietger Siehrn. Postscheckkonto: gtanffurtam Main 11686. Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: vrühl'fche Univerfilülr-Vuch' und Slelndruckerel L Lange in Gletzen. schrifilettung und Geschäftsstelle: Zchnlfiratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Rachmitlag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Moratorium und Revision. Don Arthur Zmarzly-Defrei. Di« folgenden Ausführungen ergänzen unseren ßeitartitel vom 25. Oktober nacb der reparations technischen Seite hin. Die Weltwirtschaftskrisis, die zu einem nicht unerheblichen Teil auf die grotesken politischen Schuldverpflichtungen der ehemaligen europäischen Kriegsalliierten gegenüber Nordamerika und die auf diese Schuldverpflichtungen aufgebauten deutschen Reparationsleistungen zurückzuführen ist, hat die Aussprache über eine Neuregelung der Tributfrage erneut in Fluh gebracht. Es ist ganz natürlich, baß die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes ein Moratorium, also den Zahlungsaufschub und die Abänderung der untragbaren Tributverpflichtungen verlangt. Aber auch im Auslände mehren sich die Stimmen, die sich diesen Forderungen anschliehen. Der im Bericht des Voung-Ausschusses mehrfach wiederholte Sah, daß er »Vorschläge für eine vollständige und endgültige Regelung des Repa- rattonsproblerns' überreiche, gehört sicherlich zu den größten Irrtümern der Kommission. Die Tatsache, daß man sich in einem Teil der internationalen Oefsentlichkeit auf eine Revision des neuen Zahlungsplanes vorbereitet, darf aber nicht ^u der Annahme verleiten, die Revision könne nun m kurzer Zeit vorgenommen werden. Wir haben nach dem Wortlaut des Voung-Plans das juristische, und wir haben auch nach der ganzen Art feines Zustandekommens unvermindert das politisch-moralische Recht, die Frage der Neuregelung von neuem aufzurollen, sobald die deutsche Politik den günstigsten Zeitpunkt dafür als gekommen erachtet. Kleber diesen Zeitpunkt gehen die Meinungen in Deutschland auseinander. Das gegenwärtige Reichskabinett hält die Finanzlage Deutschlands und die augenblickliche politische Lage Europas als ungeeignet und wenig erfolgversprechend. Die taktische Bewertung des gegenwärtigen Zeitpunktes kann sich leicht verändern, und zwar kann der Anstoß dazu aus zwei Richtungen erfolgen; einmal durch die Verschärfung der wirtschaftlichen und finanziellen Krisis, zum andern durch die Stärke des politischen Willens, der hinter der Forderung auf Zahlungsaufschub und Revision ohne größere Zeitverluste steht. lieber den Mechanismus, der zur Erreichung dieses Zieles in Bewegung gesetzt werden muh, herrscht allgemein wenig Klarheit, so daß an dieser Stelle etwas näher darauf eingegangen werden soll. Nach den Schutzklauseln beä Planes kann Deutschland mit wenigstens 90tägiger Ankündigung für höchstens zwei Jahre den Transfer des ungeschützten Teils der Annuität (660 Millionen der Annuität sind, von der Gläubigerseite aus gesehen, geschützt, d. h. sie fallen nicht unter das Aufschubrecht) ganz oder teilweise auf heben. Die nicht transferierten Beträge müssen aber auf das Konto der Internationalen Bank bei der Reichsbank in Reichsmark eingezahlt werden. Erst nach einjährigem Transferaufschub kann Deutschland auch die Zahlungen in Reichsmark für die Hälfte der Summe für ein Iahr auf» schieben. Der Transferausschub wie der Zahlungsaufschub kann also aus eigener Entschließung der deutschen Regierung ausgesprochen werden. Besondere Bedingungen brauchen nicht erfüllt zu fein. Handelt es sich bei dem Aufschub um die Heberwindung vorübergehender Schwierigkeiten, so kann die Internationale Dank von ihrer Befugnis, K r e d i t e zu gewähren, Gebrauch machen, um die Transferierung, d. h. die Ilmwandlung der Reichsmarkzahlungen in ausländische Valuta zeitweilig zu erleichtern. Solche Maßnahmen sind ausdrücklich auch für den Fall vorgesehen, daß Deutschland den Transferaufschub noch nicht erklärt hat. Bei dem Transferaufschub wie bei dem Zahlungsaufschub handelt es sich nach dem Wortlaut des Planes in der Tat nur um einen Aufschub; die Leistungen müssen später verzinst n a ch g e h o l t toerben. Mit einem derartigen Moratorium wäre aber der deutschen Wirtschaft nicht viel geholfen. Wenn Deutschland einen Transserauf- schub und im weiteren einen Zahlungsaufschub erklärt, dann nicht allein zu dem Zweck, die finanzielle Lage vorübergehend zu erleichtern, sondern mit der Zielsetzung einer neuen erheblichen Herabsetzung der Reparativ ns ver- p f l i ch t u n g e n. Nach dem neuen Zahlungsplan tritt nun nach der Auffchuberklärung Deutschlands die Revisionsinstanz, der beratende Sonderausschuß der Internationalen Bank, in Tätigkeit. Der Ausschuß besteht aus den sieben Bankgouverneuren der beteiligten Länder und vier von ihnen hinzuzuwählenden Persönlichkeiten. Dieser Ausschuß soll aber auch dann einberufen werden, wenn Deutschland seine Aufschubrechte nicht erklärt, sondern zu irgendwelcher Zett den Regierungen der ©läubtgcrlait- der und der Bank für Internationale Zahlungen erklärt sie fei in gutem Glauben zu dem Schluß gekommen, daß die Währung iunb das Wirtschaftsleben Deutschlands durch den teilweisen oder vollständigen Transfer des aufschiebbaren Teils der Annuitäten ernstlich in Gefahr gebracht werden könnten. Der Sonderausschuß kann sich also nur mit einem Teil der Annuitäten befassen; er ubt auch nur beratende Funktionen aus. Die Reichsregierung und der Reichsbantpräsident hat das Recht, die Gründe für diesen Schritt vor dem Ausschuß darzulegen. . . .. Hier sehen die ersten Schwiengketten, Die einer Neuregelung entgegenstehen, ein. Der Ausschuß hat nämlich zu prüfen, ob die zuständigen deut- schen Stellen alles in ihrer Macht Die Länder und das Sanierungsprogramm Brünings. Oie Verhandlungen mit den Landern. Günstige Aussichten im Rcichsrat. Berlin, 31.Ott. (TU.) Der Reichskanzler und der Reichsfinanzmini st er empfingen am Freitagvormittag die Vertreter der nord- und mitteldeutschen Länder zu einer eingehen» den Besprechung des Finanz, und Wirtschastspro- ararnms der Reichsregierung. Die Vertreter der drei Hansestädte wurden am Nachmittag empfangen. Der Zweck des Empfangs war eine grundsätzliche Aussprache über den Inhalt der großen Gesetzesvorlagen, die die Reichsregierung am späten Donners- tagabend verabschiedet hat. Es handelt sich hierbei bekanntlich u. a. um das Gehaltskürzungsgesetz, das Gesetz über die Einschränkung der Personalaufwendungen in Ländern und Gemeinden, eine Novelle zum Tabak st euergesetz, die Vorlage über Vereinfachung und Vereinheitlichung des Steuerwesens, die Vorlage über die Senkung der Realsteuern, lieber- gangsbeftimmungen für den Finanzausgleich, eine Vorlage zur Sicherung des Haushalts in Ländern und Gemeinden und endlich den Entwurf eines Gesetzes über die Zuschläge zur Einkommen st euer im Haushaltsjahr 1931. Für das Gesetz über die Einschränkung der Personalaufwendungen von Ländern und Gemeinden und die Vorlage über die Senkung der Realsteuern ist eine qualifizierte Mehrheit im Reichsrat und Reichstag erforderlich. Die Besprechungen haben in Regierungskreisen durchaus den Eindruck hinterlassen, daß bei aller Kritik der Länder dennoch die Beratungen des Reichsrates im wesentlichen ohne Schwierig» feiten vor sich gehen können. Der Grund liegt in der Hauptsache darin, daß das Wirtschafts- und Finanzprvgramm der Reichsregierung eine Fülle von aufeinander angewiesenen Bestimmungen enthält, die nicht einzeln abgeändert werden können, ohne das gesamte Gesetzeswerk zu gefährden. Endgültiges über das Schicksal der Regierungsvorlage im Reichsrat kann natürlich noch keineswegs gesagt werden, man rechnet aber durchaus mit einer glatten Erledigung im Reichsrat. Kanzler und Finanzministcr können f oft ft eilen, daß die Zeit der Vorarbeiten für ihr Finanz- Programm nun endgültig vorüber ist. Das Reichskabinett hat die Gesamtheit Der Vorlagen, mit Denen Die Reform eingeleitet werden soll, in der Stärke von rund zwei Dutzend Gesetzentwürfen verabschiedet. ilnD da die entsprechenden Verhandlungen mit dem Reichs- t a t parallel geführt worden sind, ist die Annahme vielleicht nicht unberechtigt, daß Dort große Schwierigkeiten nicht mehr zu erwarten sind. Bei normalem Ablauf Der Dinge würde Der Reichsrat Mitte November die Einzelberatung beendet haben, so daß die Vorlagen an Den Reichste g Weilergehen können, Der ja erst Anfang Dezember wieder zufammentritt. Das wäre rein rechnerisch eine tote Frist von etwa zwei Wochen, die unnütz verloren ginge. Der Gedanke, unter diesen Umständen die Parlamentsferien abzukürzen und de n Reichstag schon um Den 15. November toicDer einzuberufen, hat allerlei Einleuchtendes Stehende zur Erfüllung der Verpflichtungen getan haben. Nach dieser Prüfung hat er Den Gläubigerregierungen und der Internationalen Bank Die Maßnahmen zu unterbreiten, Die nach feiner Ansicht hinsichtlich Der AnwenDung Des Voung-Plans ergriffen toerDen sollen Die Meinung, Daß Die Welt an Der Entschließung Des Ausschusses nicht so ohne weiteres Vorbeigehen kann, ist gewiß zum Teil berechtigt; um besten Falle kann er aber nur empfehlen, eine neue Reparationskonferenz einzuberufen, unD es hängt Dann alles von Den Gläu- bigerlänDcrn ab, Dieser Empfehlung nachzukommen. Es ist also nach Dem an verschieDenen Stellen wiDerspruchsvollen Bericht des Poung-Aus- schusses Durchaus nicht unbeDingt notwendig, daß Der Transler- und Der Zahlungsaufschub sofort eine Revision nach sich zieht. Auch für Den Fall, Daß die Reichsregierung nicht erst von ihrem Aufschubrecht Gebrauch macht, sondern gleich Den Ausschuß vor Die Revisionssrage stellt, kann Der Ausschuß Die Reichsregierung erst auf Die Auf- fchubrechte und ihre Ausnutzung verweisen und Die weitere wirtschaftliche Entwicklung abwarten, ehe er Den Gläubigerregierungen eine Revision des Vertrages empfiehlt. Die Ingangsetzung Des Revisionsmechanismus nimmt nach Dem Voungplan viel Zeit in Anspruch. wenn es nicht gelingt. Den Sonderaus- schuß zu überzeugen, daß DeutschlanD Das Recht besitzt, Die Beschleunigung der Revision auf GrunD Der oeränberten weltwirtschaftlichen Verhältnisse zu verlangen. In Dem Bericht Der Experten Des neuen Zahlungsplanes ist Die Meinung ausgesprochen, Daß DeutschlanD Den Gesamtbetrag Der Annuität sowohl aufbringen wie transferieren könne. Diese Ansicht toirD aber sofort toieber abgeschwächt, inbem erklärt wirb, Daß bem Bericht nicht ausschließlich wirtschaftliche ilcberlegungen zugrundegelegt werden konnten. Auf Diese weltwirtschaftliche Ueberlegungen wird Der Sonder- für sich. Für Die Praxis bleibt er aber doch trotzdem wohl abwegig. Denn der Kanzler ist ein viel zu guter Parlamentarier, um nicht zu wissen, daß er mit der Mehrheitsbildung im Kabinett und mit der Zustimmung des Reichsrats erst den ersten Akt zu einem guten Ende gebracht hat, daß dagegen die eigentlichen Schwierigkeiten ihm noch bevorstehen. In diesem Reichstage mit feinen starken Partei- jerflüftungen für ein so umfassendes Programm eineMehrheit zusammenzubekommen, ist ungeheuer schwierig, und wird noch schwieriger Dadurch. daß ein Teil Der Gesetze, soweit sie in wohlerworbene Rechte eingreifen, ober die Finanzhoheit der Länder begrenzen wollen, nach der Verfassung ein er qualifizierten Mehrheit bedürfen. Die Stärke dieses Reichstags aber liegt eigentlich nur in negativen Mehrheiten. Mit Hilfe der Sozialdemokraten ist es gelungen, die Mißtrauensvoten zur Ablehnung zu bringen, und im Auswärtigen Ausschuß haben wir das Schauspiel erlebt, daß Kommunisten wie Nationalsozialisten Angst vor der eigenen Courage be tarnen; weshalb sie gegeneinander stimmten, um zu erreichen, daß ihre Anträge mit ihrem radikalen Eingreifen in Die Bahnen unserer Außenpolitik wechselseitig abgelehnt würben. GeraDe Diese negative Mehrheit aber kann sich verhängnisvoll auswirken, wenn nun bei Der Beratung Des Finanzprogramms Klarheit über Die Gesundung des Reiches geschaffen werden soll. Es wird schon einige Mühe machen, die Regierungsparteien Dabei unter einen Hut zu bringen. Es wäre immerhin Denkbar, nach ihrer bisherigen Haltung auch Die Sozialdemokraten zu gewinnen. Obwohl dazu von ihrer Seite sehr viel Selbstverleugnung gehört. Darüber hinaus aber noch Zuzug von Den Nationalsozialisten auch nur in einer einzelnen Frage zu bekommen unD so Die BilDung einer Sperrminderheit gegen Die Ver- fassungsänDerung zu verhindern, Das grenzt schon an die Quadratur des Zirkels. Wir nehmen an, daß auch Herr Dr. Brüning darüber sich keinen Illusionen hingibt und daß er deshalb Die Pause von Mitte November bis Anfang Dezember aus- nutzen will, um mit Den Parteien des Reichstags Fühlung zu nehmen und mit Dem Artikel 48 zu operieren, wenn er sich enDgültig davon überzeugt, daß auf Dem parlamentarischen Wege für ihn nicht weiterzukommen ist. Schwere Zuchthausstrafen im Altonaer Bombenleger - Prozeß. A l k o n a , 31. Oft. (2DI23.) 3m Rombenleger- ptojefj wurde heule um 18 Uhr das Urteil verkündet: Hofbesitzer Claus heim erhielt sieben 3ahre Zuchthaus, Schriftsteller Herbert Rolck sieben 3ahre Zuchthaus, Kaufmann Hans Nickels zwei 3ahre sechs Monate Gefängnis, Kunstmaler Schmidt fünf 3ahre sechs Monate Zuchthaus, Hofbesitzer Rathjen ein 3ahr Zuchthaus, Juwelier Rehling wird freigesprochen, Kraftwagenslihrer Tß i - borg erhält ein 3ahr drei Monate Gefängnis, Kaufmann Johnsen fünf 3ahre drei Monate Zuchthaus, Geschäftsführer Weschke 50 Mark Geldstrafe oder fünf Tage haft, außerdem sechs Monate Gefängnis, Gastwirt Matthes 50 Mark Geldstrafe, Landwirt Hennings fünf 3ahre drei Monate Zuchthaus, Landwirt v i ck sechs 3ahre Zuchthaus, Landwirt L u h m a n n fünf 3ahre Zuchthaus, Landwirt Recker fünf 3ahre drei Monate Zuchthaus, Weichensteller M a h n e ck e ein 3ahr Zuchthaus, Kaufmann Kieper ein 3ahr drei Monate Zuchthaus, Landwirt Holländer vier Monate Gefängnis, Frau Holländer wird frei- gesprochen, Landwirt Rossen erhält vier Monate 14 Tage Gefängnis, Hofbesitzer Wilhelm h a m - kens statt zwei Monate Gefängnis 500 Mark Geldstrafe, Schriftleiter Bruno von Salomon wird freigesprochen. * In Der Mrteil8begrünDung heißt es u. a.: Die Angeklagten haben im wesentlichen geschwiegen. Das war ihr gutes Recht, Das ihnen keinen Nachteil bringen Durfte; aber nach Dem Ergebnis Der Beweisaufnahme und Den früheren GestänDnissen, Die Die Angeklagten mit Ausnahme von Heim unD Rehling in Der Voruntersuchung abgelegt haben, hält Das Schwurgericht sie für überführt. Die GestänDnisse Decken sich bis ins einzelne hinein unD ergänzen sich gegenseitig, wo Lücken vorhanDen finD. Die Verhandlung hat nichts ergeben, was Zweifel an der Richtigkeit Der Geständnisse auskommen lassen könnte. Die Frage, ob das Spreng st off- gesetz in Anwendung zu Bringen sei, hat Das Schwurgericht bejaht. Bezüglich der Beteiligung Der einzelnen Angeklagten hat Das Gericht keine Feststellungen machen können, Die vom Eröffnungsbeschluß abweichen. Für Die Behauptung, Frau v. Oerzen fei a l s Agent Provokateur aufgetreten, ist auch nicht Der Schatten eines Beweises erbracht. Ein übekgefehlicher Notstand, wie er weiter von Der Verteidigung behauptet wurde, kann nicht als vorliegend erachtet werden. Die Angeklagten hängen mit ganzem Herzen an ihrer Scholle. Heim hat sein ganzes Vermögen seiner Idee geopfert, aber so dringend war Die Not nicht, daß eben gar kein anderer Weg übrig blieb, sie abzuwenden und auch eine unmittelbare und anders nicht abwendbare Gefahr für den Staat, für Die Volkswirtschaft beftanD nicht. Deshalb mußten die Angeklagten verurteilt werden. Hinsichtlich der Beteiligung Rehlings an dem Sprengstoffdiebstahl in Mülheim mußte daS Gericht trotz seiner Bedenken auf Freispruch erkennen, weil einige Zweifel an seiner Schuld nicht aufgeräumt werden konnten. Dem Angeklagten von Salomon ist nicht nachzuweifen, daß er von den Attentaten Kenntnis hatte. Er mußte deshalb freigesprochen werden. Hamkens hat sicherlich davon gewußt. Er hat somit Die gesetzliche Anzeigepflicht verletzt und mußte deshalb verurteilt werden. Der Angeklagte V o l ck konnte nicht geringer bestraft werden als Heim, denn er ist Derjenige, Der Diesen unglückseligen Gedan- ken Der Aktivierung Der Lanovolkbewegung gefaßt hat, und er hat auch Den noch jugendlichen ausschuh bei Der 2ZB. größeres Gewicht legen können unD müssen. Seit der Fertigstellung des Voungplanes ist Das wirtschaftliche Bild der Welt durch Die internationale Krise und Den internationalen Preissturz stark veränDert worden. Der Dawesplan sah Schwankungen im Goldwert ausdrücklich als Revisionsgrund vor. Die Goldklausel ist zwar im Voungplan weggefallen, auf Der Pariser Sachverständigenkonferenz soll man sich aber einig gewesen sein, daß der Fall einer Goldwert st eigerung durchaus zu Den Fällen gehört, Die Deutschland in Die Lage versetzen würden, Die allgemeine Revisionsklausel des Poungplanes in Anwendung zu bringen, also Den Sonderausschuß in Bewegung zu setzen. Der Preissturz ist überraschend schnell unD überraschend tief eingetreten; eine Stabilisierung wird vermutlich noch lange auf sich warten lassen. Die Goldwert- steigerung bedeutet aber eine Erhöhung der an und für sich schon untragbaren Reparations- lasten. Da Die Preisdeklation auf Dem Weltmarkt schon auf Die Fertigwaren übergegriffen hat, also Die Hauptquelle, aus Der DeutschlanD seine Devisen zur Bezahlung Der SchulDen schöpft, toirD mit jeder Monatszahlung an Die IZB. ein weit höherer Betrag abgeführt, als Der Voungplan nach Den Damaligen Wert- verhältnisfenn vorsah. Bei Abschluß Des neuen Zahlungsplanes waren Drei Revisionshebel vorhanden; Die Aufschub- rechte, Das Direkte Revisionsverlangen unD Die Ermäßigung Der politischen SchulDenforderungen Nordamerikas an feine europäischen Schuldner. Als vierter und augenblicklich stärkster ist Die ©olDtoertfteigerung hinzugetreten. Nord ame- r i I a hat es von jeher abgelehnt, einer Verknüpfung Der deutschen Reparationszahlungen mit Den interalliierten Schulden zuzuftimmen; auch Deutschland hat ehre unmittelbare Verbindung abgelehnt und ist nur insofern Dem Standpunkt Der Gläubigermächte beigetreten, Daß es sich im Voung-Plan versprechen ließ, an Den Erleichterungen teilzunehmen, Die Amerika vielleicht einmal feinen Schuldnern gewähren sollte. Diese Erleichterungen bilden also keine zwingenden Voraussetzungen für ein Revisionsverlangen Deutschlands, Da es ja automatisch, also ohne Verhandlungen, an Den Ermäßigungen partizipiert. Die Goldwertsteigerung und Die schwere VerminDerung Der Deutschen Leistungs- Iraft Durch Die Wirtschaftskrisis geben aber Dem Deutschen Volke Das Recht, und im Interesse seiner Selbsterhaltung die Pflicht, Das Repara- ttonsproblem erneut aufgurollen. Die gegenwärtige Reichsregierung läßt sich in ihrer Reparationspolitik von zwei Gesichtspunkten leiten: sie will zunächst Die öffentlichen Finanzen orDnen, um in Die fommenDen VerhanDlungen unter anDeren Voraussetzungen hineinzugehen, als es bei Den Pa-i riser Beratungen Der Fall war. Ob Die Sanierung gelingen toirD, ist eine Frage, Die hier nicht beantwortet toerDen soll. Weniger schwer wiegt Die Rücksicht auf Die Deutsche KreDitsähigkeit. Die Inanspruchnahme Der Aufschubrechte toirD Durchaus nicht als eine Art Bankrotterklärung gewertet werden können, Da Die privaten Schuldverpflichtungen Davon nicht betroffen finD und der Transferaufschub nichts anderes Darftellt als eine vorläufige Abwehr Der infolge Der Goldwertsteigerung überhöhten P s l i ch tz a h l un g en. Mehrleistungen finD Deutschland noch nie angerechnet worden. Die Anwendung Der Aufschubrechte läßt sich viel eher auffassen als ein Anspruch auf Zielgewährung, als fakultative Zählungsmodali- tät, Deren Wahl Durch Deutschland feinem Kredit nicht zu schaden braucht, sondern sogar nützen kann. Die Unterdrückung der Minderheiten in Polen. Angeklagten Schmidt sowie die völlig hannlosen Eheleute Holländer überredet. Sämtlichen Angeklagten wird die Untersuchungshaft voll angerechnet. In Anbetracht der Höhe der erkannten Strafen werden die Angeklagten Volck, Dick, Luhmann und Decker sofort In Haft genommen. Erstes presse-Echo. Berlin, 1. Nov. ($U.) Zu dem Urteil im Altonaer Dombenlegerprozeß stellt die agrarische „Deutsche Tageszeitung" fest, daß das Urteil von dem schaffenden Landvolk nie und nimmer als verständlich und gerechtfertigt empfunden werden könne. — Die „D o s s i s ch e Z e i t u n g' (dem.) vertritt die Auffassung, dass das Urteil mit seiner nüchternen Abwägung aller Umstände am besten geeignet sei, eine Epoche des Unverstandes und der Verwirrung abzuschließen, die unverantwortliche Führer angerichtet hätten. — Der „Börsen-Cou- rier" (dem.) meint, daß die Verurteilung wegen „Verbrechens gegen das Sprengstosfgeseh" erfolgte, könnte allein genügen, den Verurteilten die ganze Gröhe des tragischen Irrtums verständlich zu machen, den sie jetzt schwer zu büßen hätten. — Der „Tag" (deutschnatl.) sagt: „Wir können die Männer und ihr Tun nicht verteidigen, aber auch das Gericht nicht in Schuh nehmen gegen die Meinung im Volke, daß dieses Urteil einpolitisch bedingtes, ausgesucht schweres, ohne Berücksichtigung psychologischer und mildernder Umstände verfaßtes ist. — Der „Lokalanzeiger" (deutschnatl.) schreibt, man könne das Urteil nur mit menschlichem Bedauern vernehmen. Die Verurteilten seien Opfer einesSy st ems geworden, das sie zur Verzweiflung getrieben habe, ehe sie sich am Recht und Gesetz vergingen. — Die „Deutsche Zeitung" (deutschnatl.) sagt, das Urteil vertiefe öie Kluft, die mitten durch das deutsch« Volk gehe, aufs neue. Eine neue Welle der Empörung werde durch das schwer um sein Dasein ringende Landvolk gehen. Meineidsanzeige gegen Frau von Oertzen. Hamburg, 1. Nov. (WTB. Funkspruch.) Wie die Blätter melden, ist in der vergangenen Nacht gegen die im Altonaer Bombenlegerprozetz viel genannte Zeugin Frau von Oerhen, von der behauptet worden war, daß sie sich als „agent provocateur“ betätigt habe, Meineidsanzeige erstattet worden. Man nimmt an, daß durch die Anzeige eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen die verurteilten Bombenleger erreicht werden soll. Oie Polizeizuschüsse an Braunschweig. Auch Vorbehalt der Neichsregierung, aber vorläufig keine Unterbrechung. Berlin, 31.Oft (TU. Amtlich.) In der Frage der Weiterzahlung der Polizei- ?elder an Braunschweig hat derReichs- a n z l e r folgendes Telegramm an das Staatsministerium in Braunschweig gerichtet: „Der Herr Reichsminister des Innern hat mir von dem Inhalt des Schreibens Kenntnis gegeben, das er am 27. d. M. an die braunschweigische ^Regierung gerichtet hat und in dem er zum Ausdruck bringt, daß er sich die Entscheidung über die weitere Auszahlung der auf das Land Braunschweig entfallenden Zuschüsse zu den Polizei k o st e n zunächst Vorbehalten müsse. Nachdem die Angelegenheit zum Gegenstand einer Aussprache innerhalb der Reichsregierung gemacht ist, beehre ich mich mitzuteilen, daß auch das Reichskabinett sich die endgültige Entscheidung vorbehält. Für die Regelung des Zwischenzustandes ist der Herr Reichsminister des Innern zuständig, der hierüber gleichzeitig besondere Mitteilung macht." Wie vom Reichsministerium des Innern mitgeteilt wird, tritt in der Zwischenzeit in der Auszahlung der Polizeigelder eine Unterbrechung nicht ein, vielmehr ist die Aus- zahlung für Rovember inzwischen bereits erfolgt. Oie Ookiorpromotion des Ministers Krick. Eine Erklärung der Heidelberger Juristenfakultät. Seibel berg, 31. Oft. (WTB.) Vom Dekan der Iuristischen Fakultät der Universität Heidelberg geht dem Wolfsbureau folgende Erklärung zu: „Die Doktorpromotion dcs thüringischen Ministers Frick ist in der letzten Zeit mehrsach in der Presse erörtert worden. Da eine gedruckte Dissertationsschrift nicht vorliegt, wurde die Vermutung ausgesprochen, daß Minister Frick den Doktortitel zu Unrecht führe, eine Unterstellung, die sich schließlich zu Angriffen gegen die Iuristische Fakultät Heidelberg verdichtete. Demgegenüber stelle ist fest, daß Minister Dr. Frick am 19. Rovember 1901 in Heidelberg die juristis ch e Doktorprüfung bestanden hat. Ein Dissertationszwang, der erst im Iahre 1904 an der Heidelberger Iuristischen Fakultät eingeführt wurde, bestand damals noch n i ch L Der Kandidat hatte vielmehr die Wahl, ob er zwei vom Dekan zu bestimmende Textstellen bearbeiten oder eine — später zu druckende — Dissertation einreichen wollte. Von jener ersten Möglichkeit hat, wie es damals durchaus der Regel entsprach, Dr. Frick Gebrauch g«. macht. Solche Bearbeitungen von Textstellen wurden nicht veröffentlicht, sondern blieben in Ver» Wahrung der Fakultät. (Gez.): Professor Dr. G r o h, Dekan." Einzug des Führers der Revolution in Jtio de Janeiro. Neuyork, I.Nov. (TU.) Wie aus Rio de Janeiro berichtet wird, ist der Führer der Aufstandsbewegung, Vargas, am Freitagnachmittaa an der Spitze seiner Truppen in Rio de Janeiro einmarschiert. Hunderttausende umsäumten die Straßen und Plätze, durch die der Marsch ging. Die Menge jubelte Vargas lebhaft zu. Schon auf der Fahrt von Sao Paulo zur Bundeshauptstadt wurden ihm in allen Orten von selten der Bevölkerung Stunbgebungen dargebracht. In Rio de Janeiro wurde Bargas von sämtlichen Mitgliedern der Militärjunta feierlichempsangen. Die begeisterte, nach Hm'.dcrttausenden zählende Menge streute Blumen aus den Weg. Zahlreiche Flugzeuge beglei- Wahlterror in Ostoberschlesien. Kattowih, 31. Oft. (ERB.) In einer Besprechung des Hauptausschusses der Deutschen Wahlgemeinschaft vermittelten die Berichte der Vertrauensleute aus den Wahl f reis en ein erschütterndes Bild des Terrors, dem die deutsche Minderheit in der letzten Zeit ausgesetzt ist. An die Abhaltung von Wahlversammlungen wagt man diesmal gar nicht zu benfen. Einzelne Vertrauensleute erklärten, daß ber Terror auf dem Lande noch schlimmer sei als während des letzten Aufstandes. Die Führer der Deutschen Wahlgemeinschaft wurden beauftragt, nochmals beim Wojwoden vorstellig zu werden und um Schuh zu bitten. Beim Verlassen ber Stabtverordnetensitzung in Sohrau würbe der Herausgeber des borkigen Stabtblattes, Paul H u n o I b, von einem auswärtigen Aufständischen terart geschlagen, bah er besinnungslos zusammenbrach. Drei weitere deutsche Stadtverordnete wurden gleichfalls mißhandelt. Durch Verfügung des Posener Magistrats als erste Instanz ist die Druckerei Concordia in Posen, das größte deutsche Unternehmen in der Provinz, in dem auch die bekannte Zeitung der deutschen Minderheit, bas „Posener Tageblatt", gebrückt wirb, geschlossen worben. Der ganze Betrieb wurde stillgelegt, so bah auch das „Posener Tageblatt" nicht erscheinen kann. Die Maschinen wurden versiegelt und die Betriebsräume mit Polizeiposten besetzt. Durch diese Mahnahrne werden über 200 Arbeiter und Angestellte brotlos. Die Schliehung ist auf unbestimmte Zeit erfolgt, so daß noch nicht abzusehen ist, wie lange diese Anordnung des Magistrats in Wirkung bleibt. Verhaftungen in der Maine. Warschau, 31. Oft. (TU.) Am Donnerstag wurden in Lemberg der bekannte Führer ber größten ukrainischen Partei, ber sogenannten Undo-Partei, Abgeorbneter Dr. L e w i tz k i unb ber Generalsekcelär Dr. Makaruszka verhaftet. Den Verhaftungen gingen Haussuchungen in den Wohnungen ber beiden Politiker voraus. Die Verhafteten stehen in dem Verdacht, an ber „Aktion zum Schaden des polnischen Staates" beteiligt zu fein. Was jedoch unter dieser schädlichen Aktion zu verstehen ist, Sofia, 31. Oft. (TU.) In dem für den übrigen Zugverkehr gesperrten Bahnhof von Sofia traf heute um 10 Uhr vormittags der königliche Hofzug mit dem Königspaar ein. Bei der Ein- fahrt des Zuges gab eine Batterie 101 Salutschüsse ab. Dem ersten Wagen entstieg das Königspaar. Der König der Generalsuniform trug, schritt nach der Begrüßung durch den Ministerpräsidenten und die übrigen Minister sowie des Präsidiums der Sobranje die Ehrenkompanie der Militärschüler ab. Hierauf hielt das Königspaar in einem offenen Viererzug feinen Einzug in Sofia. Den Zug eröffnete der Polizeikommandant an der Spitze einer Galaschwadron berittener Polizei, der eine Schwadron von Leibgardisten in roten Husarenröcken mit weißer Lammfellmütze folgten. Zu beiden Seiten des Königspaares schritten der Garnisonkommandant und der Kommandant der Leibgarde. Dem ersten Wagen folgte eine Abteilung Leibgarde mit der Standarte. Jrn zweiten Wagen hatte Prinz Cyrill unb die Prinzessin Eudoxia und im dritten Wagen das königliche Gefolge Platz genommen. Die Minister fuhren inzwischen zur Kathedrale. Unter brausenden Hurrarufen der dicht gedrängten Menge durchfuhr der Hochzeitszug langsam den Boulevard Maria Luisa. Die Polizei konnte die Menge nur mit Mühe zurückhalten. Zum ersten Male hielt der Hochzeitszug bei dem 16 Meter hohen Triumphbogen, der in altbulgarischem Stil erbaut und von einer drei Meter hohen Königskrone ge- ziert wurde. Hier wurde der Hochzeitszug vom Oberbürgermeister, den Bürgermeistern und den Stadträten von Sofia begrüßt. Am Platz vor der Kathedrale hatten die Studenten, die vaterländischen Verbände unb die Sportvereine Aufstellung genommen. Durch ein Spalier von Hunderten blumenstreuender Schulmädchen schritt dos Königspaar teten den Einzug. In den Reihen der Truppen marschierten die Revolutionsführer aus sämtlichen Staaten. Die Gauchos, „die wilden Reiter des Südens", die Kerntruppe der Streitkräfte des Präsidenten Vargas, machten ihr Ge- lübbde wahr, daß sie ihre Pferde am Gitter des Präfidentenpalaftes festbinden würden. Roch in der kommenden Nacht beginnen die Verhandlungen der Reoolutionsführer über die Neubildung der Regierung. Kommende Einsicht in Amerika? Man erwartet einen deutschen Moratoriumsantrag. R euh o r k, 31. Oft (TU.) Das „Journal of Cornmerce" erklärt in einem Leitartikel über bas Reparationsproblem, es bestünde fein Zweifel mehr, bah die Reichsregierung bie interessierten Stellen inoffiziell von ber Unwahrscheinlichfeit in Kenntnis gesetzt habe, ben Transfer ber aufschiebbaren Reparationszahlungen über die nächsten brei Monate hinaus fortzuführen. Die Europareise Owen Voungs stehe hiermit in Zusammenhang. Auch in Washington werbe ber ganze Fragenkomplex ernsthaft erörtert. Deutschland fei am Enbe feiner Kraft. Die Halsstarrigkeit Amerikas unb ber ehemals alliierten Mächte könne sehr leicht in Mitteleuropa ein Chaos herbeiführen. Natürlich sei eine Umorientierung ber Washingtoner Regierung in ber Frage ber interalliierten Schulden bie Voraussetzung für eine Lösung bieses brennenden Problems. Die Ausführungen des „Ioumal of Cornmerce" sind rein stimmungsmähig außerordentlich bezeichnend für bie Haltung weitester Kreise ber amerikanischen Finanzwirtfchaft zur Tribut- unb Schuldenfrage, wenn auch der obenerwähnte Schritt ber Reichsregierung, wie die geht aus dem Gesagten nicht hervor. Die Verhaftungen haben in politischen Kreisen bas größte Aufsehen erregt. Bekanntlich war Dr. Ltewitzki Mitglied des Vorstandes des Dölkerbundskon- gresses ber europäischen Minderheiten und Mitglied der Interparlamentarischen Union. Gr tbar Listenführer des ukrainisch-weißrussischen Blocks auf der Staatsliste wie auch auf verschiedenen Bezirkslisten. Er wird als der hervorragendste Politiker unter den ostslawischen Minderheiten des gegenwärtigen Polens angesehen. Die polnischen Zeitungen melden nichts darüber, wie die Verhaftung Lcwitzkis von ber ukrainischen Presse und der ukrainischen Bevölkerung ausgenommen wird. Im ostgalizischen Städtchen Zaleßczycki, das dicht an der rumänischen Grenze liegt, ist der ehemalige ukrainische Senator Baranek verhaftet worden. Oer Korridor. Hervö und Cot für Rückgabe an Deutschland. Paris, I.Nov. (WTB. Funkspruch.) Herve setzt feine Kampagne für ein« Revision des Friedensvertrages in seiner Zeitung „La Dictoire" fort. Gestern trat er für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland ein unb heute sucht er seine Leser von ber Notwendigkeit einer Rückgabe des polnischen Korridors an Deutschland zu überzeugen. Er schreibt u. a„ alle französischen Staatsmänner dächten im Grunde genommen wie er, daß nämlich dieser Teil des Friedensvertrages von Versailles revidiert werden müsse. Er, Herve, sei ein Freund Polens, unb er habe das Bewußtsein, Polen nicht zu verraten, sondern er dienePolen, wenn er sage, daß ein freundschaftliches Eingreifen Frankreichs in Warschau zwecks Rückgabe des Korridors an Deutschland notwendig sei. Auch der radikale Abgeordnete Pierre C o t behandelt heute in der „Re- publique", dem Organ seiner Partei, die Frage der Abänderung der Verträge und tritt für eine Regelung der Korridorfrage ein. Er behauptet, im Kriegsfälle habe der Korridor nicht einmal Interesse für Polen. Gr würde ohne Schwertstreich von Deutschland besetzt werden. Wirtschaftlich dagegen könne er nur den Deutschen Vorteil bringen. Dies« Frage fei, wenn man sie kaltblütig prüfe, nicht unlösbar. unter dem Glockengeläute aller Kirchenglocken der Stadt, geleitet von dem ganzen orthodoxen Klerus in die Kirche. Der hier folgenden orthodoxen Hochzeitsfeier wohnten die Minister, die Generalität, das Diplomatische Korps, die hohen Beamten, die Vertreter von Vereinen und Verbänden bei. Die kirchliche Feier, die von 26 hohen Geistlichen vollzogen wurde, hatte den Charakter einer orthodoxen Trauung, wobei aber einige Gesänge sowie die Zeremonie des Aufsetzens der Brautkrone und des Ringewechselns in Fortfall kamen. Dagegen wurde dem Königspaar geweihter Wein gereicht. Metropolit Neofit hob in seiner Rede hervor, daß der heutitze Tag die endgültige Grundlage für den Aufbau einer nationalen orthodoxen bulgarischen D y n a st i e bilde. Nach ber kirchlichen Zeremonie würben erneut 101 Salutschüsse abgegeben. Zu gleicher Zeit fan- ben in ben Kirchen aller Städte und Dörfer Bittgottesdienste für das Königspaar statt. Unter Glockengeläut traten ber König unb die Königin b ie Fahrt zum Schloß an, wo der König bie Parade über 7000 Mann aller Waffengattungen abnahm. Während der ganzen Feier kreiste ein Flugzeuggeschwader über der ©tabt, bas mit seiner Staffelung bie Initialien ber Namen bes Königs unb der Königin bilbete. Tausenbe bulgarische unb italienische Fahnen wehen von den öffentlichen Gebäuden, 20 000 Meter Tannenguirlanden, 150 000 Glühbirnen, 150 Pylonen mit Staatswappen unb der Königs- kröne, tausenbe Fahnenmasten mit den bulgarischen unb italienischen Flaggen, zahllose kostbare Teppiche an ben Häusern unb in ben Straßen, burch bie sich ber Hochzeitszug bewegte, gaben in ber strahlenben Herbstsonne ber Stabt ein festliches Aussehen. „Telegraphen-Union" von zuständiger Stelle erfährt, noch nicht getan worben ist. Die Abstimmung im Auswärtigen Ausschuß über bie Vounganträge ist jeboch, tote ausdrücklich betont wird, keineswegs a l s ein Verzicht auf bie mögliche, Stellung von Moratoriumsanträgen aufzufassen. Ein solches beutsches Vorgehen hänge einzig unb allein von ber Durchführung bes Finanzprogrammes unb vor allen Dingen von der wirtschaftlichenEntwicklung inTentsch- lanb ab. Vielleicht wird sich schon im Frühjahr übersehen lassen, welche Schritte zu tun sind. Der Stahlhelm antwortet Herds Ohne Beseitigung der Kriegsschuldlüge keine Verhandlungen. Berlin, 31. Oft. (121.) Zu den wiederholten Anfragen des Herausgebers der Zeitung „La Vic- toice“, Gustave hervö, an den Stahlhelm, hat jetzt der Bundeskanzler des Stahlhelms, Wagner, in einem Schreiben rote folgt Stellung genommen: ..Der Stahlhelm hat bereits vor einigen Tagen auf Anregungen von feiner Seite, die er als Vermittler nicht für berufen hält, öffentlich Stellung genommen. Die Welt weiß, daß der Stahlhelm die Streichung der Tributtaften, die Rückgabe des Saargebiets, dessen Deutschtum jede Abstimmung klar erroeifen würde, die Herstellung eines Groh- deutschland, die Schaffung von Cebensraum durch Rückgabe gesicherten Kolonialbesitzes, die Rüstung»- freiheit, den Wiedergewinn voller hoheitsrechte für Deutschland und die Lösung der Korridor- wie der übrigen Offfragen als vornehmste Aufgaben außenpolitischer Befreiungsarbeit unablässig betrieben. Solange indes die französische Ration an dem Glauben an Deutschlands Schuld am Kriege festhält, ist für uns im Stahlhelm keine geeignete Aerhandlungsgrund- lage gegeben. Für das nationale Deutschland ist die Beseitigung der Kriegsschuldlügt der ausschlaggebende Ehrenpunkt. Der wahre Friede der Welt kann nur aufgrund des Selb st bestimmungsrechtes aller Rationen geschaffen werden." Amerika vermiiieli zwischen Rom und Paris. Wenig Aussicht aus ein Seeabrüstungskompromitz. Paris, 31. Oft. (WTB.) Präsident Hoover soll den amerikanischen Botschafter in Brüssel und ersten amerikanischen Delegierten bei der Vorbereitenden Abrüstungskommission, G i b s o n, volle Handlungs- reiheit für eine Vermittlungsaktion zwi° chen der französischen und italieni- ch e n Regierung in der Frage der Abrüstung gegeben haben. Ministerpräsident Tardieu hat ich mit Gibson bereits über das Abrüstungsproblem ausgesprochen. Man behauptet, daß die französische Regierung geneigt fei, sich dem im. April von England, den Vereinigten Staaten unb Japan abgeschlossenen Flottenabkommen anzuschliehen unter der Bedingung, daß 1 .die Frankreich zu bewilligende Tonnageziffer ohne die „Spezialfchiffe" auf 560 000 Tonnen angeseht werde: 2 . daß Frankreich eine Sicherheitsklausel zugebilligt erhalte, rote sie auch zugunsten Eng- * lands im vertrag enthalten sei, eine Klausel, die Frankreich berechtige, seine Flottenbauten über das vorgesehene Maß zu erhöhen, falls es sich als notwendig erweisen sollte, gegenüber Italien die für unerläßlich anerkannte Heberlegentjeit zu bewahren. Der Botschafter Gibson soll nach seiner Besprechung mit Tardieu nach Rom abgereift! sein, um dort mit dem neuen Leiter der Abrüstungsabteilung des Völkerbundssekretariats A g u i d e s zusammenzukommen. In Paris ist man über diese Reise Gibsons nach Rom beunruhigt. Man hegt wenig Hoffnung, daß die Sondierungen Gibsons in Rom zu einem Kompromiß zwischen Italien und Frankreich führen werden. Nach dem letzten Beschluß des faschistischen Großen Rates über die Aufrechterhaltung der italienischen Forderung nach Flotten Parität mit Frankreich und nach der letzten Rede Mussolinis könne man kaum erwarten, daß die Intervention des amerikanischen Botschafters zu einem günstigen Ergebnis führen werde. Keine Gefahr für Tardieu. Bor dem Wiederzusammentritt des französischen Parlaments. Paris, 31. Ott. (CNB.) Am kommenden Dienstag treten beide Kammern des Parlaments wieder zusammen. Die erste Aufgabe der Kammer wird fein, die vielen inzwischen eingegangenen Interpellationen über bie Außenpolitik des Kabinetts zur Diskussion zu stellen. Aber auch in innerpolitischen Fragen erwartet man heftige Auseinandersetzungen, und es ist wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob durch diese innen- oder außenpolitischen Fragen das Kabinett Tardieu nicht in Gefahr gebracht sei. Das nationalistische „Echo de Paris" verneint beide Möglichkeiten. Das Blatt schreibt: Tardieu wird in der Kammer seine Mehrheit von 320 Stimmen leicht toieberf irtfcen. Die Abgeordneten, die sich seit zweieinhalb Iahren um Poincare und seine Nachfolger geschart haben und die den „Antllinks - Kactell- Oie Wetterlage. ,8°! 5nc das gan^e Kabinett zu stützen. Kein kluger und nachdenklicher national gesinnter Abgeordneter kann die Verantwortung für den Sturz der Regierung übernehmen. Einen kleinen Vorgeschmack von dem, was er bei Wiederzusammentritt des Parlaments zur Begründung seiner Interpellation über die Außenpolitik vorbringen wird, liefert der hypernationalistische Abgeordnete Franklin-Bouillon, der immer noch unter der Flagge eines „Links"-Politikers segelt und dessen einzige Beschäftigung darin besteht, daß er Material gegen Deutschland sammelt, in einer Rede vor Anhängern seiner Partei in Bordeaux. Franklin-Bouillon erklärte, Millionen von Deutschen hätten dadurch, daß sie für Hitler stimmten, die Versicherung gegeben, daß die Zukunst Deutschlands auf seinem y> e e r e beruhe. Man bringe schon der deutschen Schuljugend den Haß gegen Frankreich bei. Deutschland glaube, den Weg des Heils beschritten zu haben dadurch, daß es sich nicht als Besiegter bekenne. Man müsse also jetzt gegenüber Deutschland das Gegenteil von dem tun, was man bisher getan habe. Man dürfe die Grenzen Polens eoensowenig antasten lassen, wie die Frankreichs. Frankreich müsse einig sein. Frankreich habe den Deutschen 1914 die Stirn geboten. Frankreich habe sich stets gerettet, wenn es einig war. Aus aller Welt. Das Erdbeben In Italien. Diejenigen Einwohner der Stadt Ancona, deren Häuser durch das Erdbeben größeren Schaden davongetragen haben, haben die Rächt in den Baracken zugebracht, die die Gemeinde zur Verfügung gestellt hat. Die Stadt hat ihr normales Aussehen wieder eingenommen. Ueberall wird die Arbeit fortgesetzt, die Bureaus und Geschäfte sind geöffnet. Die öffentlichen Betriebe funktionieren wieder regelmäßig. Ein neuer leichter Erdstoß hat keinen Schaden angerichtet. Das Rettungswerk ist überall mit großer Schnelligkeit organisiert worden. Rund 60 Prozent der Häuser weisen Beschädigungen auf. Die Zahl der vollkommen eingestürzten Häuser in Ancona und Umgebung beträgt 12, die Zahl der Toten in Ancona 5. Unter die Armen werden Decken und Lebensmittel verteilt. Sonntag Start des „Do XM. Das für den Start des „Do X“ nach Amsterdam genannte Datum des 2. Rovember wird von den Dornierwerken bestätigt, so dah also mit dem Abflug des Flugschiffes „Do X" von Altenrhein nach Amsterdam am kommenden Sonntag gerechnet werden kann. Voraussetzung allerdings ist, dah die Witterungs- Verhältnisse. die zur Zeit recht ungünstig sind, sich bessern. Sollte dkse Voraussetzung nicht eintreten, so wird mit einer Verschiebung des Abfluges auf den 3. Rovember gerechnet werden müssen. Das Flugschiff ist inzwischen in der großen Montagehalle über» ho l t worden und hat nochmals einen fast einstündigen Flug über dem Bodensee ausgeführt, an dem auch der Direktor der Bayerischen Luftverkehrsgesellschaft l.jot Hailer und der bekannte Afrikas: ieger Mittelholzer teil» nahmen. Die mit fünf bis sechs Stunden angegebene Flugzeit von Altenrhein nach Amsterdam wird als zutreffend bezeichnet. „G 38“ in Marseille gelandet. Das Junkers-Großflugzeug „G 38" ist auf seinem Rundflug durch die europäischen Hauptstädte am Freitag um 14.35 Uhr in Marignane bei Marseille gelandet. Es war um 10 Uhr in R o m auf- gestiegen und hatte um 14.20 Uhr die Stadt Marseille überflogen. Die Untersuchung der Katastrophe des „R 101“. Bei den Verhandlungen über die Katastrophe des „R 101“ am Freitag wurden die vier Ueberlebenden der Besatzung vernommen. Der Mechaniker Cook sagt aus, etwa fünf Minuten, nachdem er die Wache in einer Motorgondel übernommen hatte, senkte sich das Vorschiff und die Maschinisten erhielten den Befehl zur Verlangsamung der Fahrt. Als er noch mit der Ausführung dieses Befehles beschäftigt war, senkte sich das Schiff ein zwei- t e s Mal. diesmal stärker. Unmittelbar darauf stieß es auch schon auf denDoden. Er stoppte seine Maschine. In diesem Augenblick ereignete sich der zweite Ausstoß, an dem sich die Explosion anschloß. Zwischen der ersten und der zweiten Bodenberührung lagen nur wenige Sekunden. Er eilte sofort in den Gang, der bereits von Flammen erfüllt war und hatte schon alle Hoffnung auf Rettung des Lebens aufgegeben, als es ihm im letzten Augenblick gelang, durch ein Loch in der Wand ins Freie zu kommen. Beim Passieren des Kanals, so bekundet der Zeuge weiter, hat das Schiff bereits nicht sehr hoch gestanden. Es sank mehrmals tiefer und hat dann wieder zu steigen versucht. Etwas Außergewöhnliches hat er dabei jedoch nicht bemerkt. — Der Mechaniker Leech berichtet, daß der Start des Luftschiffes gut war. .Der Kapitän klagte ihm gegenüber, daß das Schiff ungewöhnlich stark rolle und stampfe. Leech faß im Rauchsalon, als das Luftschiff sich plötzlich 30 bis 35 Grad senkte, wobei Flaschen und Gläser von den Tischen fielen und er selbst vom Sofa her- unterrutschte. Drei bis vier Minuten später lag das Schiff wieder horizontal. Hierauf senkte sich der „R 101" ein zweites Mal und stieß auf den Boden auf. Alle Lichter erloschen und es erfolgte die Explosion. Die Untersuchung des Bergwerksunglücks in Alsdorf. Rach einer Mitteilung des hiesigen Oberbergamts haben die Sachverständigen die Ursache der Explosion auf Grube Anna 11 noch nicht einwandfrei fest st eilen können. Cs besteht nach wie vor die Möglichkeit der Erpkosionsursache übertage wie auch untertage, und zwar hier im« Bereich der östlichen Richt st recke der 360-Meter-Sohle. wo große Brüche gefallen find, unter denen a«.tch noch eine Benzollokomotive verschüttet ist. Eine Schlagwetter - und Kohlenstaubexplosion in dem Abbaubetrieb der einzelnen Flöze, die inzwischen befahren worden sind, kann als ausgeschlossen angesehen werden. Unter den Brüchen liegen auch noch mehrere Tote. Der Unglücksschacht (Eduard-Schacht) ist mit zwei Fördereinrichtungen ausgerüstet, von denen eine Förderung zur 360- Meter-Sohle, die andere zur 460-Meter-Sohle geht. Zur Zeit der Explosion ruhten beide Förderungen. Von den beiden Förderkörben sind die unteren Tragböden abgerissen und in den Schacht gestürzt. Nachspiel zum Lohnkonflikt in der Berliner Metallindustrie. Der Arbeitgeberverband von Kassel und Umgegend hat dem Regierungspräsidenten und dem Oberbürgermeister eine Entschließung überreicht, in der gegen den Beschluß dcr Stadtverordnetenversammlung, für die st reitenden Berliner Metallarbeiter 5000 Mark zur Verfügung zustellen, namens der Kasseler Unternehmerschaft protestiert wird. Der Beschluß lasse jegliches Gefühl der Verantwortung für die angespannta städtische Finanzlage vermissen und bedeute eine Einmischung der Stadtverordneten in eine sie nicht das geringste angehende Angelegenheit unter völlig einseitiger Stellungnahme zugunsten einer Partei. Die Verbände erwarten, daß der Magistrat diesem Beschluß nicht beitritt und fordern von den Aufsichtsbehörden ein sofortiges Eingreifen. Kündigung der Lohntarife in der Metallindustrie Hagen-Schwelm. Der Märkische Arbeitgeberverband hat das zwischen ihm und den M et a 11 a r b e i t e r d e r b ä n . den des Bezirkes Hagen-Schwelm abgeschlossene Lohnabkommen zum 31. Dezember 1930 gekündigt. Don der Kündigung werden 20—25 000 Metallarbeiter betroffen. Auch die Arbeitgebervereine des Bezirkes Mendel-Fröndenberg des Kreises Olpe haben die Lohntarife gekündigt. Der Zweck der Kündigung besteht darin, die Löhne zu senken. Kündigung der Arbeitszeitbestimmungen bei der Reichsbahn. Die Tariforganisationen der Eisenbahner verhandeln mit der Hauptverwaltung der Reichsbahn über eine andere Gestaltung der Arbeitszeit verschiedener Ar bei ter gruppen. D.a noch nicht ersichtlich ist, ob cs in freien Verhandlungen zu einer Einigung kommt, da die Organisationen übereinstimmend eine Herabsetzung der Arbeitszeit verlangen, kündigten sie zum 30. Rovember die Bestimmungen über Arbeitszeit und Ueberarbeitszcit im Tarifvertrag mit besonderem Schreiben an die Reichsbahnhauptverwaltung. Zwei Zuchthäusler ausgebrochen. In der vergangenen Rächt find aus der Irrenabteilung des Halleschen Strafgefängnisses zwei gefährliche Zuchthäusler namens Paul Kolanos und Willi Lucia, die sich dort zur Beobachtung ihres Geisteszustandes befanden, ausgebrochen. Sie hatten sich Zivilkleidung zu verschaffen gewußt, haben die innere Tür mittels Dietrichs geöffnet und sind dann über die Mauer ins Freie gelangt. Beim Absprung von der Mauer erlitt Lucia schwere innere Verletzungen, so dah sein Komplice ihn zurücklassen mußte. Lucia wurde im Krankenhaus operiert, ist aber dann gestorben. Kolanos, der noch bis 1933 Strafe zu verbüßen hat, konnte bisher nicht gefaßt werden. Oie städtischen Kleinwohnungsbauien in der Schottstraße. Das städtische Kleinwohnungsbau-Untemehmen in der verlängerten Schottstrahe ist jetzt im Rohbau fertiggestellt. In der gleichen Dausorm wie im verlängerten Asterweg erhebt sich an der westlichen Seite der verlängerten Schottstrahe ein 71 Meter langer und 9,40 Meter tiefer Bau block, in dem 36 Kleinwohnungen vorgesehen find. Die Raumauftellung ist derart geregelt, daß 2 4 Zweizimmerwohnungen und Wohnküche und 12 Einzimmerwohnungen und Wohnküche bei 2,80 Meter Geschoßhöhe geschaffen werden. In jeder Wohnung wird an Stelle einer Badeanlage ein Waschraum geschaffen, es werden Speiseschränke eingebaut und im übrigen jede Wohnung so eingeteilt, wie es bei den Kleinwohnungen im verlängerten Asterweg geschah. Im Kellergeschoh des Hauses befindet sich eine gemeinsame Wasch-ftiche mit Trockenraum, wodurch den Hausfrauen in diesem neuen städtischen Dau die gleiche Erleichterung bei der Wascharbeit geboten wird, wie den Bewohnerinnen der städtischen Häuser im verlängerten Asterweg. Mit den Arbeiten an dem Projekt in der Schott- straße wurde am 3. September begonnen, so daß also der bisherige Verlauf der Arbeit außerordentlich rasch oonftatten gegangen ist. Die gesamten Baukosten für dieses Wohnungsbauunternehmen find auf rund 220 000 Mark veranschlagt, wozu aus den Mitteln des Arbeitsbeschaffungsprogramms des Reiches 98 000 Mark beigesteuert werden. Die Erd- unb Maurerarbeiten wurden von den Firmen Birken ft ock & Schneider und Georg Becker ausgeführt, an den Zimmerarbeiten waren die Firmen K r ö ck - Abendstern, Watz- Großen- Linden, Weller- Leihgestern, Keßler- Steinbach, Rohm- Wieseck und B e p p l i n g • Heuchelheim beteiligt. Bei weiteren günstigen Wilterungs- Verhältnissen soll tatkräftig an dem Innenausbau gearbeitet werden, damit der Bau zum Frühjahr bezogen werden kann. Um den an dem Bau beschäftigten Männern ein äußeres Zeichen der Anerkennung für ihre flotte und gute Bauarbeit zu geben, veranstaltete die Stadtverwaltung gestern abend im Aquarium ein kleines Richtfest, bei dem die Arbeiterschaft mit ihren Leitern und Vertretern der Stadtverwaltung, sowie des Stadtrates in etwa zweistündiger Geselligkeit frohgestimmt verweilte. Bei Wurst und Brot, einigen Glas Bier und ein paar Zigarren konnte jeder der Mitschaffenden an diesem Bau eine schöne Ruhepause nach dem Alltagswerk begehen. Sladtbaurat G r a v e r t sprach den Leuten vom Bau die Anerkennung dcr Stadtverwaltung und des Bauamtes für ihre vortreffliche Arbeit aus, Stadtratsmitglied- Mann betonte, daß die städtischen Körperschaften auch künftighin alles tun würden, um die Bauwirtschaft wieder richtig in Gang zu bringen und zu erhalten, Stadtratsmitglied Schmieder würdigte die vorsichtige Beobachtung und Einhaltung der Baukostenvoranschläge durch das Hochbauamt und die umsichtige Tätigkeit der obersten städtischen Bauleitung. Oberpolier Balser und Polier Eckert sprachen den Dank der Arbeiterschaft für die Bereitung der Feierstunde aus. Im übrigen ließ man das deutsche Volkslied in ge- meinfamen Gesängen bei dieser Gelegenheit in rech- ter Weise mit zur Geltung kommen. Vilderverkäufe aus der Petersburger Eremitage. Die Sorojetregicrung hat mit dem Verkauf der Bildergalerie der Eremitage begonnen. 5 Meisterwerke von einzigartiger Bedeutung sind vor kurzem an eine bekannte amerikanische Kunst- Händlerfirma verkauft worden: van Eyks „Verkündigung", Rembrandts „Bildnis Sobiefkis", Franz Hals „Admiral", ein Dan-Dyck und ein Rubens. Der van Eyk ist, wie verlautet, an den amerikanischen Finanzminister Mellon übergegangen. Der Deutsch-Evangelische Volksbund übernimmt Heiligendamm. Das älteste deutsche Ostseebad Heiligendamm ist vom Deutsch-Evangelischen Volksbund übernommen worden, und zwar hat der Volksbund das Seebad mit seinen Gebäuden und Anlagen vorläufig a u f zwei Jahre gepachtet und eine Option zum Kaufe erhalten. kein profeffortitel für Krankenhausleiter. Der Verbandder Krankenhausärzte Deutschlands ist beim preußischen Minister für Vvlkswohlsahrt vorstellig geworden, um die De r- leihungdcsProsefsortitelsfür hervorragende Krankenhausleiter, auch wenn sie nicht aus der Universiiätslaufbahn hervorgegangen sind, zu fordern. Cs wird dabei geltend gemacht, daß der Professortitel für das Volksempfinden, namentlich auch für das Ausland, eine höhere wissenschaftliche Qualifikation betautet, während viele nichthabilitierte Krankenhausleiter diesen Sitel nicht erlangen könnten. Das Ministerium hat darauf erwidert, daß es sich selbst für die Verleihung der Dezeichnung „Professor" an leitende Krankenhausärzte eingesetzt habe, daß aber durch das bekannte Urteil des Staatsgerichtshofes. wonach der „Professor" kein Titel, sondern eine Amtsbezeichnung sei und eine Titelverleihung der Verfassung widersprech.', keine Möglichkeit bestehe, dieses Ziel zu erreichen. Aus der provinzialbauptstadt. Gießen, den 1. Rovember 1930. Oie Sache mit den zwei Seiten. Du machst deinem Freunde einen Vorschlag, nach deiner Meinung einen glänzenden Vorschlag. Er überlegt einen Augenblick und setzt dann das bekannte Gesicht auf. Er schließt die Augen halb, zieht die Stirne in Falten und sagt: „Das ist ja ganz schön. Wenn wir aber die Sache von der andern Seite betrachten, dann wäre folgendes... usw." Er zerpflückt deinen Plan, zeigt die Wunden Stellen und beweist dir, daß du ihm etwas Linsinniges vorgeschlagen hast. Siehst du, da hast du die Sache mit den zwei Seiten! — Aus meiner Schulzeit kann ich mich auf einen Lehrer besinnen, der immer die Fragen so scharf stellte, daß wir entweder nur ja oder nein zu sagen hatten. Erst später hörte ich den Fachausdruck für diese eiligen Fragen. Man nennt sie Entscheidungsfragen. In den meisten Fällen haben wir natürlich einfach drauflos geraten. Sagten wir einmal das Verkehrte, dann lachte der alte Herr schadenfroh und erwiderte: „Siehst du, da ist dir das ^Butterbrot wieder einmal auf die geschmierte Seite gefallen!“ — Deine zwei Düben, sonst ganz verträglich, haben sich gezankt und gehörig verhauen. Heulend kommen sie zu dir. Der eine erzählt den „Fall" und schiebt dem andern die Schuld zu. Dieser aber unterbricht und erklärt, daß e r ganz unschuldig sei, sein Druder habe angefangen. Run sollst du richten. Sicher kommt dir das Sprichwort in den Sinn: „Eines Mannes Rede ist leine Rede, man muh sie hören alle beebe.“ Mit einem Stoßseufzer denkst du vielleicht auch an die Richter, an die Lehrer, die tagtäglich vor solchen „Fällen" stehen und manchmal auch nicht wissen, wie sie ein gerechtes Urteil sprechen sollen. Oder willst du es machen, wie der Dürgermei- ster, bei dem sich einst zwei Gegner meldeten und ihre Sache vortrugen ? Als der erste geendet hatte, sagte der Ortsgewaltige: „Du hast recht!" Als aber der zweite die Sache von seinem Standpunkt aus erklärt hatte, sagte et auch zu diesem: „Du hast ebenfalls recht!" Ein zufällig anwesender Zuhörer meinte: „Das kann doch nicht stimmen, daß alle beide recht haben!" Darauf drehte sich der Herr Dürgermeister herum und erwiderte: .Jetzt hast du recht I" — „Einseitig" wollen wir nicht fein, und „vielseitig" hat oft einen bedenklichen Beigeschmack. Spricht der Dolksmund nicht auch von einem „zweischneidigen" Schwert? Run aber nach allen Seiten seine Verbeugungen machen und jedem recht geben, daß ist gewiß nicht einseitig, aber auch nicht gerecht. Es ist wohl die bequemste Art, sich eine Sache vom Halse zu schaffen, hilft aber praktisch nicht viel weiter. Wir müssen uns irgendwie mit den vertrackten Sachen, die nun einmal zwei Seiten haben, abfinden. Wie macht es der Optimist? Gr sieht zunächst die helle freundliche Seite und packt zu. Und siehe! Er hat Erfolg! Der Pessimist, der von vornherein die Schattenseite betrachtet und überhaupt nichts tut, sagt bann wohl: „Gr hat wieder einmal Glück gehabt!“ Oder auch: „Das war Zufall!" O nein! Das war weder Zufall noch Glück, daß der Optimist zum Ziel kommt. Das liegt baran, daß er auf die Waagschale der hellen Seite, die wohl der dunklen das Gleichgewicht hält, seine Tatkraft und seinen Zukunste-giauben legt und dadurch Herr über die Schattenseite wird. Wohl sollen wir erst abwägen und dann handeln, aber nicht immer gleich lagen, wenn noch nicht alles im hellen Sonnenlicht steht: „Die Sache geht schief." — Anderseits gibt es auch Fälle, da hilft daS Abwägen nichts, da muh schon einmal einseitig gehandelt werden. Rehmen wir nur folgenden ungewöhnlichen Fall: Du wirst im Walde von einem Räuber angehalten. ..Geld oder Leben!" Willst du da noch lange abwägen, welches die gute, und welches die schlechte Seite ist? Ich glaube, bis du überlegt hast, für welche Seite du dich entscheiden sollst, bist du dein Geld los und hast vielleicht noch einige Iagdhiebe auf deinem erstaunten Gesicht. Wir dürfen auch nicht nach dem Rezept des Fuhrmannes handeln, dessen Pferd und Wagen in den Straßengraben gestürzt waren, der aber sagte: „Erst die Pfeife stopfen und anstecken, dann den Gaul aus dem Graben!" Diese Augenblicke erfordern nicht lange Besinnung, sondern entsprechende Taten. Menschen, die immer und immer überlegen, werden nie Herr über das Leben, das Leben aber bald über sie. Lassen wir die verslixte Sache mit den zwei Seiten doch einmal weg und denken einfach: „Man muß auch einmal links herum leben!“ Ueberall stehen die bekannten Schilder: Rechts gehen! Versuchen wir's also bei starkem Verkehr auf der linken Seite! Wir dürfen unS nicht wundern, wenn wir einige Püffe erhalten. Es hat nun einmal alles im Leben feine zwei Seiten, wohin du auch schauen magst. Rur etwas ist einseitig: Das ist die Ohrfeige! Und wenn wir sie von einer Seite kennengelernt haben, haben wir gar keine Lust mehr, Bekanntschaft mit der andern Seite zu machen. Aber wir sollten es mit dem Optimisten halten und bei Schicksalsschlägen immer zuerst nach der hellen Seite Umschau halten. Jeder Wanderer weiß, daß auch nach dem dunkelsten Tal einmal wieder eine Waldwiese kommt, auf der helle Sonne liegt. Daran wollen wir denken, wenn unS daS Leben einmal ordentlich feine Schattenseite zeigt. Ag. Korpulenz ist unschön, auch ungesund daher nehmen Sie früh, mittags und abends 2—3 Toluba-Kerne, die Sie in Avoiheken erhalten.14”* ** Von der Landesuniversität. Ernannt wurde dSr Professor an der Physikalischen Reichsanstalt Berlin Dr. Walther D o t h e zum ordentlichen Professor für Physik an der Landesuniversität Gießen, vom 1. Rovember 1930 an. ** Das ReformationSfest wurde gestern zum ersten Male auch in unserer Stadt als kirchlicher Feiertag begangen. Wie wir hören, waren die Gottesdienste in beiden Kirchen gut besucht. Der Schulunterricht fiel anläßlich dieses evangelischen Kirchenfeiertages aus. '* Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobilclub E. V. (QI. v. D.), Gießen: Die Ortsdurchfahrt Klein-Linden im Zuge der Straße Gießen—Wetzlar wird ab 3. Rovember wegen Kanalisations- und Wasser- leitungsarbeiten für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Garbenheim—Dorlar—Ahbach— Heuchelheim—Gießen und umgekehrt. — Die Sperrung der Ortsdurchfahrt Fauerbach bei Friedberg ist aufgehoben. " Anlagenkonzert findet morgen, Sonntag, 11 Uhr, durch das Musikkorps des l.Batl. 15. Inf-Regts. bei günstiger Witterung in der Südanlage statt. Leitung: Obermusikmeister Löb er. Die Mufikfolge ist: 1. Ehoral: „Ein' feste Burg, ist unser Gott". 2. Ouvertüre zur romantischen Oper: „Der Freischütz" von E. M. v. Weber. 3. „Königsmarsch" von R. Strauß. 4. Fantasie aus der Oper: „Die Meistersinger von Rürnberg" von R. Wagner. 5. Zwei Märsche: a) „Marsch über altniederländische Volkslieder" von Th. Oratoert; b) „Frei weg" von E. Catan. Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr zu kleinen Preisen geöffnet. ** Sie städtische Kunstsammlung im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist morgen, Sonntag, von 11 bis 13 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. *• Akademische Kurse. Unserem gestrigen Bericht über die Eröffnung der Akademischen Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende ist nachzutragen, dah zur Einleitung nicht Provinzial- direktor Graes, sondern Kommerzienrat Schirmer sprach. Es handelte sich in dem Bericht um eine Ramensverwech'lung. "Der Kohlenoxydgasvergiftung erlegen. Der Landwirt Rabenau von Alten- Duseck, der vorgestern, wie berichtet, mit einer schweren Kohlenoxydgasvergiftung in die Medizinische Klinik eingeliefert wurde, ist gestern vormittag verstorben. Um den Bedauernswerten trauern eine Frau und zwei unmündige Kinder. Weitere Lokalnachrichten im 2. Statt Erhältlich I Upothehen u-ßrogerien Vertrieb fU$j\ G/ogaulO? Chicacp j Strickwaren-Werbetage gut kaufen Kaufgesuche, Herrn Lehrer Jäger Ben Wilhelm Kaspar Rabenau im 39. Lebensjahre. in sein ewiges Reich. In tiefem Schmerz: Frau Anna Jäger, geb. Volk Aliendorf a. d. Lahn, Holzheim, den 1. November 1930. Vereine 7473D 74870 Gott nahm beute nacht unser Sonnenschelnchen Marialies wieder zu sich. Lehrmädchen Verkaufe eine er fr 74710 klassige 174850 Danksagung. H. Krieger, Staatsförster. Gießen, den 1. November IfijjJO. 06806 Hof Haina, den 28. Oktober 1930. 74110 Suche eine schöne kaufen. 06746 (Stellengesuche) 71800 | Vermietungen Eiserne [Mietgesuche (Wohnungstausch) Weiber 06733 Konfektionär u. Ma- nufakturift, mit allen Büroarbeit. nextr^ sucht bald. SleUuni. Schrifil. An geb. unt. 06794 an den G.Anz. Friedr. Sark Heuchelheim Wilbelmnraste 14. Wir hab. noch einige gebr. Überz. Chauffeur sucht Siell.a. 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Der Ullstein-Verlag glaubt, wegen der scharfen Stellungnahme des Reichskanzlers zur Revolution von 1918 und der Republik samt ihren Staats- männern für sich einen Vorbehalt machen zu müssen, indem er auf spätere angeblich weniger lieblose Urteile des Fürsten über die gleichen Männer hinweist. Aber diese geroifo einseitige und gelegentlich auch ungerechte Einstellung des wilhelminischen Staatsmannes wird man einem 80jährigen wohl verzeihen dürfen, der nach dem Zusammenbruch unserer äußeren und inneren Politik, an dem er sich kaum so ganz unbeteiligt fühlen mochte, wie es nach seinen Denkwürdigkeiten scheinen könnte, nicht mehr elastisch genug war, sich in neuen Verhältnissen zurechtzufinden. Schwerer schon wiegt sein oft erstaunlich schiefes, einseitiges, oberflächliches und ungerechtes Urteil über Personen und Dinge seiner eigenen Zeitepoche. Dank seines geradezu phänomenalen Gedächtnisses hat der Fürst einen Berg von Klatsch zusammengetragen, um den jede Hofschranze ihn beneiden könnte. Anekdoten und Zitate aus intimsten Gesprächen und vertraulichen Briefen werden heran- geschleppt und in der überaus gewandten, stilistisch nieisterhaften Form, die den berühmten Causeur ja von jeher ausgezeichnet hat, zusammengestellt, um diese oder jene Persönlichkeit in behaglicher Breite zu glossieren. Und derer sind es viele, die dem Fürsten in seiner steil zur Höhe aufsteigenden und mit einem ebenso jähen Sturz endenden Berufslaufbahn mißfallen haben und an denen er jetzt späte Rache übt. Man hat die beiden hervorstechendsten Kanzler des Kaiserreichs gerne durch die beiden Hunde symbolisiert, die sie zu ihrer Begleitung gewählt hatten: den Eisernen Kanzler durch die Reichsdogge Tyras und den Fürsten Bülow durch den Pudel Mohrchen. So unterschiedlich wie ihre Symbole sind die beiden Kanzler auch in ihrem Haß und ihrer Rache. Auch Fürst Bismarck war ein gewaltiger Hasser und in seinen „Gedanken und Erinnerungen" nimmt er kein Blatt vor den Mund, um die Leute zu charakterisieren, die ihm einst Schwierigkeiten machten oder ihm seiner Ansicht nach ein Bein gestellt hatten. Aber Bismarck ist groß auch in feinem Haß. Bülow dagegen sucht seine Gegner und ungetreuen Freunde mit kleinlich anmutender, hämisch-versteckter Malice zu diskreditieren. Ohne das sichere Gefühl für das richtige Maß in her Beurteilung von Menschen und Dingen, verleitet den Fürsten sein erstaunliches Gedächtnis zu einer Breite der Darstellung, die auch bei aller Pikanterie des Stoffes uns heute ungerechtfertigt erscheint. Ader trotz der vielen Kleinlichkeiten und Nebensächlichkeiten, trotz mancher Wiederholungen, werden die Denkwürdigkeiten des Fürsten Bülow für die Beurteilung namentlich der Außenpolitik während der wilhelminischen Aera unentbehrlich sein. Der erste Band beschäftigt sich immer wieder IN. den verschiedensten Kapiteln mit dem Verhältnis z u England. Man hat dem Fürsten vorgeworfen, daß es seine Politik gewesen sei, die uns in die unglückliche Mächtekonstellation von 1914 letzten Endes hineinführte: man hat gemeint, Bülow hätte den Zusammenschluß von England, Rußland und Frankreich durch eine rechtzeitige Option zwischen England und Rußland verhindern können. Man macht dem Fürsten insbesondere zum Oie Geburt der Sprache. 13on Dorothea Hofer-Oernburg. „Olein!“ Es ist Baby, das dies Wort gesagt hat. Niemand anderes: Baby allein und höchstselbst. Es sitzt auf dem Wickeltisch, rosig, rund und gut gewachsen, und schwillt vor Selbstbewußtsein wie ein aufgeblasenes Jahrmarktsserkelchen. Sein ein rundes Dein hat es nachdenksam in der Hand. Es hat mein' gesagt, es hat zum ersten Male in seinem Leben unzweideutig eine Meinung geäußert, es braucht nicht mehr die gestopften Wurstärmchen in Abwehrstellung vor den Suppenlöffel zu halten, wenn es pappsatt ist, braucht sich nie mehr auf der Nase herumtanzen zu lassen. Schluß mit dieser ewigen Devormunderei, entscheidendes Bekenntnis zur Selbständigkeit, 01b- schluß frühester Vergangenheit. .Nein', sagt es, und das heißt nicht weniger als dies: 3d), Baby, werde nunmehr den dornenvollen Lebenspfad unter meine sanft gerundeten Deine nehmen und in eigener Verantwortlichkeit handeln. Hnb damit beginnt es. »2lch>, Baby, Rosenbär, Rosenpudding, süße Wurst, süße..., tritt mich nicht tot; was tust du. . !" Es strampelt. Es trampÄt nur ein bißchen auf der Mutter herum. Es macht seine Vorstudien für die Lauf- bank, für die Laufbahn. Hoppla, wie Fahnen im Wind, wie das Hampeln großer Wäsche an der Seine, oben hübsch befestigt, so unter den Achseln selig gestützt, unten frei und munter. Fest, fest...! Olur nicht nachlassen... Hä, es ist eine Freude zu leben! „Ach, Daby, schönstes, blankstes Kugelbaby, tritt mich nicht tot, ich bitte dich ...!" Dum ..., in die Brust, in den Bauch... „O Gott... a—ach Gott. “ Zuerst hat es sie beinahe aufgefressen und jetzt stampft es die Reste ein! ,O Gott ... a-ach ©ott, a-a°ach Gott ...!“ Unö „A Gottagottagah...!" schreit Daby hingerissen und verziert den großen Seufzer der MensHHeit mit einem schwunghaften Schnörkel in A-5)ur. Eine Streichholzschachtel wandert, wandert hin und her. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 1. November 1950 3m überschwemmten Schlesien. —1——2- *■ Ein gebrochener Damm wird von der alarmierten Einwohnerschaft wiederhergestellt. Vorwurf, daß er die wiederholten englischen Bündnisangebote um die Jahrhundertwende nicht auf ihre letzten Möglichkeiten hin geprüft habe und schließlich zu einer Ablehnung gekommen sei, die das Britische Reich an t)ie Seite Frankreichs und Rußlands geführt habe. Bülow sucht sich nun in seinen Denkwürdigkeiten gegen diesen Vorwurf zu verteidigen, er weist auf die englandfeindliche Stimmung in der öffentlichen Meinung Deutschlands während des Burenkrieges hin. Ein deutsch-englischer Vertrag, der sich auf alle Gebiete des Briti- chen Reichs erstreckt hätte, würde kaum die Zu- timmung des Reichstags gefunden haben. Anderer- eits fei England nicht bereit gewesen, auch Oesterreich und Italien in den Vertrag einzubeziehen. Es sei dahingestellt, ob die deutschen Staatsmänner bei einer etwas weniger mißtrauischen Einstellung, die namentlich den Baron Holstein belastete, nicht doch in einer für das isolierte England besonders kritischen Phase dieser Jahre einen aünftigen Vertrag ohne die von Bülow gewiß mit Recht beanstandeten Fußangeln hätten bekommen können. Wenn dies aber nicht der Fall war, dann mußte mit Entschlossenheit versucht werden, den von Caprivi leichtfertig gekündigten Rückversicherungsvertrag zu erneuern. Bülow hat es gewiß verstanden, mit einer Politik der kleinen Mittel und Aushilfen, trotz der großen Schwierigkeiten, die in der Person des Kaisers zweifellos lagen, über ein Jahrzehnt zwischen allen Mächten mit Erfolg zu lavieren. Ihm war noch seinen eigenen Worten die große Ausgabe gestellt, den Ausbau der deutschen Kriegsflotte zu sichern, indem er die deutsche Politik durch die gefährliche Zone steuerte, in der die Flotte noch nicht stark genug war, um einem englischen UeberfaU standzuhalten. Diese Ausgabe hat Bülow gelöst, und vielleicht wäre es seiner überlegenen diplomatischen Geschicklichkeit auch in den kritischen Juli- und Augusttagen des Jahres 1914 gelungen, noch einen Ausweg aus der Verwickelung der europäischen Mächte zu finden. Man wird annehmen dürfen, daß er sich nicht in dem Maße in das Wiener Schlepptau hätte nehmen lassen, wie sein Nachfolger Bethmann-Hollweg, der übrigens schon in diesem ersten Bande auf Konto seiner späteren Mißerfolge ausnehmend schlecht behandelt wird. Aber bei alledem bleibt doch die Frage offen, ob Bülow nicht die unglückliche Politik des „neuen Kurses" des „von der Hand in den Mund leben* fortgesetzt und vertieft hat, die in den ungeschickteren Händen seiner Nachfolger 1914 so furchtbar Schiffbruch erleiden sollte. Entscheidend ist doch wohl, daß es gerade seine Politik war, die den von Holstein und anderen für unmöglich gehaltenen Ausgleich zwischen England und Rußland in Asien, die englisch-französische Entente und die französisch-russische Allianz nicht hatte verhindern können. Der Cauchemar des coalitions, der dem greifen Reichsgründer schon schlaflose Nächte bereitet hatte und der kaum ein Jahrzehnt später den durch unzuverlässige Verbündete geschwächten Dreibund erdrücken sollte, wurde schon in der Aera Bülow eine politische Tatsache und eine schwere Erbschaft für den unglücklichen Bethmann, auf dessen Unzulänglichkeit Bülow schon in diesem ersten Band seiner Denkwürdigkeiten alle Schuld für den Zusammenbruch der Politik der freien Hand abwälzen möchte.' Aus der provinzialhaupistadi. Gießen, ben 1. November 1930. Hilfe für die erwerbslose Jugend! Der Leiter der staatlichen Jugendpfege in Hessen, Schulrat H a s s i n g e r (Darmstadt) richtet einen Ausruf an alle mittelbar, oder unmittelbar der Jugendpflege und Volksbildung dienenden Bünde. Verbände. Vereine und Einzelpersonen, in dem er dazu auffordert, die seelische Not, in die die Jugendlichen ohne eigenes Okr- schulden geraten sind, lindern zu helfen. Er erinnert an die vielen Hunderttausende von Jugendlichen, die. von ernstem Willen zur Arbeit beseelt, zwangsweise zur Hntätigteit verdammt sind, ben Willen zum Leben und ben Glauben an einen Sinn der Gesellschaft verlieren. Die Behörden, so heißt es in jenem Aufruf, seien nicht imstande, allein der großen Not zu steuern und den Jugendlichen jene Hilfe angedeihen zu lassen, die ihnen zuteil werden müßte im Interesse unseres zukünftigen Volkstums. Die Qkreine, die Leibes- Übung Pflegen, müßten ihre Hallen, ihre Spiel- unb Sportplätze öffnen für diejenigen, die ohne jede Beschäftigung und ohne Freude vielfach in I dumpfen Stuben sitzen müs en. Unter der Aufsicht | von erfahrenen unb vielleicht auch erwerbslosen Mitgliedern sollte den Arbeitslosen Gelegenheit gegeben werben, sich an Sportspielen unb an sonstigen Leibesübungen zu beteiligen. Der Aufruf wenbet sich weiter an bie Derufs- verbanbe, bie Stenographenvereine, an Volkshochschulen unb anbere Institutionen, bie ber geistigen Fortbilbung dienen. Die Mitglieder solcher Vereinigung sollten erwerbslose junge Menschen. Freunde und Nachbarn, persönlich dazu auffor- dern, teilzunehmen an Hebungen und Kursen. Das gleiche könnte für Mädchenbünde gelten, die sich in ihren Heimen mit Vorlesungen, mit Handarbeiten, bei Unterhaltung und Gesang die Zeit vertreiben, an denen die Altersgenossinnen wohl teilnehmen könnten. Viele Bünde unb Derbänbe könnten banfbarc Arbeit leisten, wenn sie die vom Schicksal Benachteiligten mit in bie hellen, freundlichen Stuben nehmen würben unb sie teilhaben ließen an irgendwelcher positiver Arbeit. Die Mit- glicber von Wandervereinen sollten erwerbslose Kameraden und Bekannte mit auf bie Wanberung unb in bie Jugenbherbergen nehmen unb so bic lastende Dumpfheit von jenen heben, die nicht bic Befriedigung einer wertvollen Beschäftigung erleben. Der Aufruf schließt mit ber Mahnung, nicht bie Augen zu verschließen vor ber Not bes Nächsten, sondern bemüht zu sein, Wege zu finden und zu helfen nach allen Kräften. Einzelheiten über diese Art der Hilfe für jugendliche Erwerbslose sollen in einer am 8. November in Offenbach stattfindenden Sitzung aller in Betracht kommenden Bünde unb Verbände erörtert werden. Dr. Neundörfer, ber Leiter ber Volkshochschule in Offenbach, wirb babei ein einleitendes Referat über das Thema „Wie kann ber seelischen Not ber Erwerbslosen gesteuert werden?", halten. Dem Vortrag soll sich eine eingehende Aussprache anschließen. Ein Mahnwort an unsere Landwirte. Man schreibt uns: Der Beruf des Landwirts erfordert mehr als jeder andere eine gründliche Fachausbildung, denn in ihm vereinigen sich fast alle Einzelberufe. Der Landwirt muß nicht nur Ackerbauer und Viehzüchter sein, sondern er muß in seinem Betriebe die Errungenschaften der Chemie in der Düngung und Schädlingsbekämpfung praktisch verwerten, er muß Kaufmann sein, volkswirtschaftliche Zusammenhänge erkennen, seine Maschinen bedienen und kleine Reparaturen selbst durchführen können: kurz er muß in allem eine gewisse Erfahrung und Kenntnis besitzen. Wie steht es aber mit seiner Ausbildung zu diesem schweren Berufe, der sowohl in körperlicher. als auch in geistiger Beziehung dis größten Anforderungen an den einzelnen stellt? Während in jedem anderen Berufe ber junge Mann eine Lehrzeit durchmachen unb am Ende derselben in einer Prüfung sich ben 'Befähigungsnachweis erwerben muh, kann Landwirt heute eigentlich jeder werden, wenn er sich nur die, nötigen äußeren Grundlagen verschafft, ganz abgesehen davon, ob er sich für diesen Stand eignet oder nicht. Vielleicht ist in dieser Tatsache mit ein Grund dafür zu suchen, daß ber Landwirt in ber heutigen Zeit nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Wenn nun die Notwendigkeit einer Fachausbildung eingesehen wird, so soll zunächst nicht erstrebt werden, für diese einen Zwang herbeizuführen, wie dies bei anderen Berufen der Fall ist. Die Freiheit, bie diesem 'Berufsstande einmal eigen ist, soll möglichst gewahrt bleiben. Alles, was zum Erringen der Arbeitsgrundlageni notwendig ist, soll sich der junge Landwirt freiwillig erwerben. Er kann dies aber nur durch den Besuch einer landwirtschaftlichen Schule (der Unterricht beginnt in diesem Jahre am 3. November), in Der ihm in planmäßigem Unterricht während zweier Winterhalbjahre das Wichtigste für seinen Beruf vorgetragen wird. Hier kann ber junge Landwirt in freiwilliger Arbeit für fein späteres Leben die theoretische Grundlage schassen, auf ber er dann die wirtschaftlichen und technischen Zusammenhänge erkennen unb zum Baby gibt sie aus. Sie wandert von einer großen Hand in eine kleine, aus einer kleinen in eine, große Hand. Es ist Nacht und eine Kerze brennt am Bett, in dem die Mutter liegt unb auf bem Baby sitzt, obenauf, mit Augen hell wie Laternen, klar und aus irgendeinem Grunde wach geworben und tagessüchtig, wie eine Quelle. Fallen diese Augen heute nicht mehr zu? Wird diese Freundlichkeit nicht einmal wieder bereit sein, im eigenen Dettchen zu liegen, ohne das Dunkel zu fürchten? Kann man diesen Winz nie mehr in seinen eigenen Weiher werfen, anstatt ihn hiev sitzen zu haben, einen reizenden, rosigdurchglüh- ten, störenden Schlafgast, einen Geist der Finsternis mit Berillaugen? Mit nichten. Er ist so bezaubernd, so friedlich, so wach, so freundlich und die Streichholzschachtel wandert unb bas Licht spinnt golbcne gäben in rötliches Haargeringei. Die Streichholzschachtel wandert zwischen zwei Händen... geschenkt... genommen ... zurückgefordert... geschenkt. ge- nom-men... „Danke sehr," sagt bic Mutter mit klappernden Olugenbedcln unb reicht sie zurück..., „banke sehr, Scheusal...“ Baby antwortet arglos, mit tiefer Verneigung die Streichholzschachtel in Empfang nehmend, hell wie eine Glocke im Dunkel: „Dakesi ...? Dankest...?" • Am Fenster sitzt es im Rosapelz aus Krisel- wolle, nach bem man es Rosenbär nennt, auf seinem hohen Stühlchen, wie ein Stofftierchen auf einem Zweig im Spielzeugschaufenster. Heber- all quillt es aus zart abgegrenzten Speckfalten: seine sorglosen 'Deine geradeaus gespießt mitten in die Zimmerlandschaft, steif, als hätten sie keine Knie irgendwo darunter, mollig unb gedrechselt. Rosa fein Fell unb fein Jäckchen, rosa über unb über, unb seine Augen blau unb blank. „Himmelblau unb Rosa..... Stoffhase, dicker...!" Stoffhase schaut zum Fenster hinaus. Was gibt es da zu sehen, so angestrengt, so abgelenkt? Auf dem Rondell unten treibt ein Schäfer seine Schafe hin. Der Hund bellt. Der Schäfer hat einen großen Hut: unb mäh unb möh unb meeh ... geht bas zitternbe Geblök von Schaf um Schäfchen. Himmelblau unb Rosa ist begeistert. Wie sie ba alle fyeranftrömen, ein wogendes, graues möhendes Meer von Mähs, wie sie schreien unb wunberlich blöken! Himmelblau rupft, zupft, pflückt, aus der Luft mit runden Fingern, wie man Blumen sorgsam aneinanderreiht, zärtlich unb bedächtig: „Al-le... sind's da... die lie-ba ... Mäh... ä... ä ... ääh .,." Steckt die Zunge lang heraus, vor Anstrengung: fertig. Zst etwas geschehen? — Etwas Besonderes? — Jawohl. Dieses Himmelblau, das immer sparsam unb eilig bis heute ganze Sähe in ein einziges Wort zusammenfatzte, „abafiefatoatou" — ,ach was für ein reizenber kleiner 3)unb!*, ober „bagomoati“ — .horch, ba kommt der liebe Vati*, — „sitz" — .möchtest bu mich nicht freundlichst auf diesen Stuhl heben?* — „schau" — »könnte ich nicht vielleicht auch ein bissel was zu sehen kriegen?' — Dieses Rosenbär hat auf ber Höhe seiner Pum- meligfeit, seiner Wende zur schlanken Linie, denn von nun an wird es schlank, das Mittel zu aller Gliederung entdeckt: es hat, angeregt auf magische Weise durch das freundliche und zitternde Möhen der Schäfchen, das es pedantisch zerlegend, Laut für Laut aufteilt, ben Mut gefunden zur Hnter- scheidung von Haupt unb Gliedern feiner Sprache: den Mut zum wohlgeordneten Sah. Kleines Jubiläum. Fünfundzwanzig Jahre Znsel-Almanach. Bon Felix Paulen. Es ist wirklich ein Viertelsahrhundert vergangen, seitdem im Jahre 1906 ber erste Insel-Almanach erschien, unb wollte man bei ben beut- schen Verlegern eine Hmfrage halten, würbe sich wahrscheinlich ergeben, bah er einer ber ersten des neuen deutschen Buchgewerbes überhaupt gewesen ist. Im Jahre 1899 erschienen im Verlag von Schuster & ßoefflcr die ersten Hefte einer Monatsschrift „Die Insel", die von „Vierteljahrsmappen von Originalplattendrucken" begleitet wurden: Otto Julius Bier mann gab sie mit Alfred Walter H e y m e 1 und Rudolf Alexander Schroder heraus — bald verschwand diese Gründung, doch nicht, ohne erhebliches Aufsehen hinterlassen unb bie Grünbung bes Insel-Verlags bewirkt zu haben. Als bamals E. R. W e i tz bas Plakat für bie Zeitschrift zeichnete, hielt er sich, vom „Jugendstil" nicht unbeeinflußt, noch an bie Vorstellung einer Insel unb entwarf ein grünendes bebuschtes Eiland mit hellen Zinnen und weheirden Fahnen. Dieses Symbol verschwand in ben nächsten Jahren unb wich bem Schiff, das mit geschwellten Segeln übers Meer fährt, auf bie Insel ber Einsamen zu. Unter bem Zeichen des Jnselschiffs erschienen bie Almanache von 1906 an, unb ihnen ging bic Zeitschrift „Das Jnselschiff" nebenher: beide 'Veröffentlichungen ausgesprochene 'Werbewerke für bie Erscheinungen des Verlags. Es war damals eine glückliche Zeit für das deutsche Buchwesen, die Künstler begannen sich ber Buchausstattung anzunehmen, ber Begriff einer „Buchkunst" wurde Wirklichkeit, Männer wie E. R. Weitz, Peter Behrens, Marcus Behm er, F. H. Chmcke, Emil Preetorius, Karl Walser unb anbere schufen an seiner Vollenbung. Auch sonst eine glücklichere unb ruhigere Zeit als in diesem Jahre 1930; es gab ein wohlhabendes und teilnahms- fähiges Bürgertum, und in diesem wieder ausgesprochen literarische Kreise, die um bie einzelnen Verlage getreue Gemeinden bildeten unb auf ihre Erscheinungen toarteten. Bücher waren bauernder Besitz und Hnentdehrlichkeit: sie brauchten keine Leibbinden mit krassen Aufschriften unb sensationellen Titeln zu tragen — ber Dichter wurde erworben, nicht die „letzte Neuheit": nicht bie grelle Dinbe wirkte, fonbem bie Ausstattung, bie Form, bie ben Inhalt umschloß, ihn bestätigte unb ausbrückte. Diese glücklichen unb guten Zustände haben sich nicht ohne Schuld der Okrleger selbst entscheidend gewandelt, das „amerikanische Tempo", aus das die Zeitgenossen unbegreiflich stolz zu sein pflegen, hat auch im Verlagswesen verheerend und verwirrend gewirkt — aber in allen diesen Hmwälzungen und Entwickelungen hat der Insel-Verlag sein Gesicht zu wahren gewußt. Davon legen die fünfundzwanzig Bändchen seines Almanachs Zeugnis ab, denn sie repräsentieren ein Vierteljahrhändert Verlagsentwickelung, indem sie Beispiele von allen Büchern und Dichtem geben, bie bie Insel herausgebracht hat. OH an rann ihre Bestrebungen erst nach einigem zeitlichen Abstand recht werten, unb es scheint, fünf- unbzwanzig Jahre genügten zu ber Erkenntnis, daß auch bie ersten Jahrgänge bes Almanachs auch heute in ihrer überraschenben Frische nodj nicht veralteten, baß sich von ihrem Beginn bis zum letzten fünfunbzwanzigsten Bande eine gleich- dleibende gelassene Linie des Aufbaus offenbart, daß ber Insel-Verlag eine der immer seltener werdenden Unternehmungen ist, die nicht für den augenblicklichen Erfolg, sondern für bie Dauer arbeiten: heutigentags eine so erstaunliche Tatsache, bah man dieses kleine Jubiläum vor aller Oeffentlichkeit nachbrücklich begehen muh. Dohle feinet Person und Familie, aber auch zum Besten seines Vaterlandes arbeiten kann. Senkung der Losholziaxe in Hessen. In Verfolg der mm der Reichsregierung ein- geleiteten Preissenkungsaktion hat man sich auch im hessischen Finanzministerium mit den etwaigen Möglichkeiten zur Einleitung von Preis- senkungen beschäftigt. Als ein erfreuliches Er- gebnis dieser Beratungen ist es anzusehen, das) die Forstabteilung des Finanzministeriums die diesjährige Loshvlztaxe durchgängig um mehr als ein Viertel gesenkt hat. Daten für Tonntag, 2. November. Sonnenaufgang: 6.53 LIHr, Sonnenuntergang: 16.33 Uhr. — Mondaufgang: 15.24 Llhr, Monduntergang: 2.07 Ufjr. 1766: der österreichische Feldmarschall Franz Karl Graf Radetzky in Trzebnitz geboren. — 1827: der Orientalist Paul de Lagarde in Berlin geboren. Daten für Montag, 3. November. Sonnenaufgang: 6.55 ülhr, Sonnenuntergang: 16.32 Hfjr. — Mondaufgang: 15.34 Uhr, Monduntergang: 3.18 Uhr. 1500: der italienische Goldschmied und Bildhauer Benvenuto Cellini in Florenz geboren. — 1801: der Buchhändler Karl Baedecker in Essen geboren. — 1871: der Schriftsteller Hanns Heinz Ewers in Düsseldorf geboren. — 1918: Beginn der Revolution in Deutschland mit dem Matrosenaufstand in Kiel. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund 1,20; Butter 1,50 bis 1,60; Matte 30 bis 35; Wirsing 8 bis 10; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 15 bis 20; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Rosenkohl 30 bis 35; Feldsalat 80 bis 1,00; Tomaten 25 bis 50; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 40 bis 60; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kürbis 8 bis 10; Kartoffeln 31/» bis 4; Aepfel 25 bis 50; Dirnen 15 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hahne 1,00 bis 1,10; Suvpenhühner 1,00 bis 1,10; Gänse 1.00 bis 1,10; Rüsse 40 bis 60; Tauben Stück 50 bis 70; Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Eier 15 bis 16; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurken 20 bis 30; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 6 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 2,20 bis 2,50; Weihkraut 3,00; Wirsing 4,00; Rotkraut 5,00. Bornotize«. — Tageskalender für Samstag. Gie- hener Radfahrer-Verein 1885: Winterfest, 20 Uhr, in der Turnhalle am OswaldSgarten. — Kavallerie-Verein e. V.: Winterfest, 20 Uhr, Koth. Der- einshaus. — Erste Reichskurzschriftgesellschaft „Gabelsberger" und Damenabteüung e. D.: Der- einsabend in der „Stadt Lich". — Kurzschriftverein von 1861: Vereinsabend, Kaufm. Dereinshaus. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Hai-Tang". — Astoria-Lichtspiele: „Das grüne Monokel" und „Die falsche Zarentochter". — Lageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Das Land des Lächelns", 18 bis 21 Uhr. — Gesangverein „Heiterkeit" Gießen: Konzert, 16 Uhr, in der Reuen Aula. — Militär- Streichkonzert, Liebigshöhe, 16.30 Uhr. — Reformationsfeier in der Stadtkirche, 20 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Hai-Tang'. — Astoria- .Lichtspiele: „Das grüne Monokel" und „Die falsche Zarentochter". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Sonntag, findet eine einmalige Wiederholung der Operette „Das Land des Lächelns" von Lehär statt. Auf Wunsch vieler Theaterbesucher und um dem auswärtigen Publikum den Besuch einer gediegenen Operette zu ermöglichen, hat die Intendanz die vereinigten Operettenbühnen Bochum-Hamborn zu diesem einmaligen Gastspiel verpflichtet. Die Vorstellung findet als Fremdenvorstellung statt und beginnt bereits um 18 Uhr. — Für Dienstag, 4. Rovem- ber, wurde Harry Liedtke mit seinem Ensemble zu einem Gastspiel verpflichtet. Zur Aufführung gelangt „Ein idealer Gatte" von Oskar Wilde. Die Vorstellung ist außer Abonnement, den Abonnenten werden jedoch ermäßigte Operettenpreise angerechnet. — Am Mittwoch geht als Erstaufführung das Lustspiel von Frank und Hirschfeld „Geschäft mit Amerika" unter der Regie von Karl Volk über die Bühne. -- Am Freitag wird das Schauspiel von Wolfgang Goek „Reid- hardt von Gneisenau" in der Besetzung der Erstausführung gegeben. — Der Mandolinen- und Gitarren» D e r e i n „N e a p o I i t a" veranstaltet am Sonntag, 9. November, in der Aula der Universität ein Herbstkonzert. Zur Mitwirkung verpflichtete der Verein die Gitarresolistin Frl. Luise Walker (Wien), die sich durch ihre Darbietungen im Rundfunk und vielen großen Städten einen Namen gemacht hat. Das Programm des Konzerts bringt Werke von Strauß („Dorfschwalben"); Wölki (Ouvertüre Nr. 1 in A=Dur); Diens (Sinfonie); A. Thomas („Mignon") u a. m. Die Künstlerin wird als Solistin verschiedene Werke von Brahms, Mozart usw. zu Gehör bringen. ~~ ® t>n ne über P i z Palü. Ein erfahrener Skiläufer schreibt uns zu diesem alpinen Ski- Nlm, der am Mittwoch, 5. Rovember, 20 Tlhr, in der Reuen Aula vorgeführt wird: Wer den kernigen Steiermärker W. Dobiasch mit seinem urwüchsigen, würzigen Humor kennt, wird sich diesen Frlmvortraa nicht entgehen lassen. Der Vortragende versteht eS meisterhaft, mittels der aus- gezelchneten Rother-Filme, die bar jedes Kitsches sind, den Zuhörern einen Abend echtester Bergwelt hervorzuzaubern. Davon hat Dobiasch, der selbst Darsteller, wie auch in früheren Filmen dieser Art ist, bereits bestes Zeugnis abgelegt. Ein Meister seines Faches tritt uns als Mensch gegenüber. Richt nur Sportsleuten, sondern auch Raturfreunden kann der Besuch dieses Abends besonders empfohlen werden. Man beachte die heutige An- zeige. ** Handwerkerhilfe für Bergarbei. t e r ° H t n t e r b l i e b e n e. Die Hessische Hand- Werkskammer Darmstadt hat für die Hinterbliebenen der bei den Grubenkatastrophen von Alsdorf und Maybach tödlich verunglückten Bergleute eine Bei- Hilfe von 300 Mark gespendet. Eine80jährige. Am 3. Rovember feiert Frau Dekan E. Wahl Witwe, Dleichstraße 28 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag. Ihr Gatte war lange Iahre Geistlicher in Wieseck und Hausen und längere Zeit Dekan des Dekanats Gießen. ** Das (£ a f 6 Ebel wiedererstanden. Nachdem die Gießener Studentenhilfe das Haus Durgqraben 9, in dem vor einer Reihe von Jahren das weithin beliebte Gafd Ebel betrieben wurde, lange Zeit für Zwecke der Studentenspeisung benutzt hatte, ist nunmehr nach der Uebcrsiedlung dieses Betriebes in das neue Studentenhaus das Cafd Ebel im Burggrabcn 9 wiedererstanden. Die Eigentümerin des Hauses, die Studentenverbindung Hasso-Rhenania, hat an dem Gebäude umfangreiche Erneuerungsarbeiten vornehmen lassen, wodurch es sowohl in seinem Aeußeren, wie auch im Inneren neuzeitlich und in gefälliger Art gestaltet wurde. Das Haus bietet mit seinem neuen Anstrich und der klaren Beschriftung dem Strahenpassanten ein wohlgefälliges Bild, in seiner inneren Neugestaltung verheißt es den Gästen eine Stätte angenehmsten Aufenthaltes. Namentlich der Fcstsaal mit seiner vortrefflichen dekorativen Ausgestaltung macht einen günstigen Eindruck, daneben bieten aber auch die kleineren Säle für Versammlungszwecke wohl- begründeten Anlaß zu einem günstigen Urteil. Um- fangreiche Erneuerungen wurden auch hinsichtlich des Mobiliars, wie der Toilettenanlagen vorgenom- men, ebenso hat man die Beleuchtung zeitgemäß gestaltet. Der Gesamteindruck, den man von dieser wiedererstandenen Gaststätte erhält, ist, daß man in ** Eine Ford-La st Wagenkarawane berührt am Sonntag und Montag auf ihrer Fahrt durch Deutschland auch unsere Stadt. Die Karawane ist am Sonntag in der Frankfurter Straße 82 und am Montag von 10 bis 15 Uhr am Parkplatz West- anlaae, gegenüber Hotel Köhler, zu besichtigen. Es sei, so schreibt man uns, darauf hingewiesen, daß die Ford-Lastwagen zu 65 v. H. aus deutschem Material hergcstellt werden. (Siehe heutige Anzeige.) Oberheffen. Landkreis Gietzen. 7. Lollar, 31. Ott. Der hiesige Turn- und Gesangverein veranstaltete einen Unter« Haltungsabend und verband damit sein Winterkonzert. Der Vorsitzende Herr Harbusch betonte in seiner einleitenden Ansprache, daß dec Verein auch weiterhin in der Pflege des deutschen Liedes sein Ziel sehen werde. Der Chor brachte unter Leitung von Fortbildungsschullehrer Eberle eine Reihe schöner Volkslieder zum Vortrag, die herzlichen Beifall fanden. Die Kapelle Lynker erfreute mit musikalischen Darbietungen, die ebenfalls starken Beifall auslösten. Einige humoristische Gesänge und Beigaben, die das Publikum erzwang, unterhielten gleichfalls aufs beste. Was bietet der Gießener Anzeiger seinen Lesern? Werktäglich Das große Heimat- und Anzeigenblatt die führende Tageszeitung in dem Gebiet zwischen Frankfurt am Main - Kassel und Koblenz-Erfurt Wöchentlich zweimal Gießener Familienblatter Wöchentlich Die Illustrierte des Gießener Anzeigers Heimat Im Bild Die Scholle In ständigem Wechsel Sonderselten des Gießener Anzeigers: Turnen, Sport und Spiel Für den Büchertisch Aus dem Reiche der Frau Aus Natur und Technik Jugend und Hochschule Aus der Welt des Films Das Recht Im täglichen Leben Zeltfragen des Mittelstandes Jährlich zweimal Taschenfahrplan in Heftform Jährlich * Künstlerischer Wandkalender diesem Hause gute Vorbedingungen für behagliches Derweilen der Gäste als gegeben ansehen kann. ** Gewerkschaftsbund der An ge- st e l l t e n. Man berichtet uns: Im Rahmen des Winterbildungsprogramms des GdA. hielt im Kaufmännischen Vereinshaus Bücherrevisor B o ck (Dad-Rauheim) einen Vortrag über „Zeitgemäße Steuerfragen". Der Redner behandelte eingehend die verschiedensten Steuerarten und gab im Zusammenhang damit der Meinung Ausdruck, daß d'.e Steuergesetzgebung so undurchsichtig und kompliziert geworden sei, und gab den Rat, steuerliche Angelegenheiten stets durch einen Fachmann bearbeiten zu lassen. Für den Buchhalter allerdings sei es wesentlich, die Handhabung der Steuererklärungen zu kennen. Der Vortragende behandelte in seinen Ausführungen die Auswirkungen einer übersteigerten Steuergesetzgebung in wirtschaftlicher Hinsicht und fesselte damit die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer in hohem Maße. Geschäftsführer Mack dankte dem Redner und beschloß den Abend. "Hessische Missionskonferenz in Marburg. Man schreibt uns: Kürzlich fand in Herrenhut die zehnte Mifsionswoche der vereinigten deutschen Missionskonferenzen statt, der besondere Bedeutung deshalb zukam, weil hier führende Männer des Geisteslebens sich zu offenen Aussprachen über brennende Fragen der Gegenwart zusammenfanden. In der jüngsten Missions- Woche wurden die Themen „Der Synkretismus und die Gefahr der Religionsvermengung", „Die Bibelfrage in den Seminarien" und schließlich „Das Verhältnis der Mission zum angestammten Volksleben" behandelt. Im Zusammenhang mit der Missionswoche der vereinigten deutschen Missionskonferenzen sei darauf hingewiesen, daß die Hessische Missionskonferenz (Bezirk Kassel) am Montag, 3. Rovember in Marburg Gelegenheit haben wird, einen Vortrag des bekannten Leipziger Missionars Dr. Bruno Gutmann über das Thema „Umgegliedertes Volkstum in Afrika und Deutschland" zu Horen. Im Rahmen der Konferenz wird auch Missionsinspektor Schomerus (Herrmannsbürg) über „Südafrika und Abessinien" sprechen. Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen. Ein Einakter, der mit viel Geschick zur Aufführung gelangte, bildete den Abschluß des offiziellen Programms. * Klein-Linden, 31. Oft. Auf Einladung des hiesigen evangelischenFrauen- Vereins hielt in unserer Kirche Pfarrer ©raubt (Lich) einen Vortrag über das Thema: „Recht und Pflicht der Mutter." Einleitend schilderte er die Rot unserer Zeit und warf die Frage auf: „Ist uns Gott noch Wirklichkeit?" Er erzählte aus eigener Kenntnis als ehemaliger Seelsorger an dem Mädchenheim in Glauburg in Rieder-Erlenbach von der Rot in den Familien und forderte die Pflege des Familiensinns als Grundlage eines gefunden Volkslebens. Anschließend an seinen Vortrag zeigte !der Redner eine «Serie Lichtbilder von wunderbarem Reiz, „Aus dem Leben der Mutter", von Rudolf Schäfer. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Bremmer, sprach dem Redner den Dank der Gemeinde aus. Die Kollekte des Abends kommt dem Kreiswohlfahrtsdienst „Giehen-Land", in dessen Dienst Pfarrer Draudt arbeitet, zugute. g. Klein-Linden, 31. Oft. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde die Lieferung der Eisenteile zur K a n a I i f a t i o n , wie Kanaldeckel, Steigeisen usw. der hiesigen Firma Ludwig Hildebrand zum Angebotspreis von 8349,50 Mark übertragen. * Leihgestern, 31. Oft. Durch ein äleber- cinfommen zwischen dem hessischen Ministerium des Innern und dem Landeskirchenamt wurde es in diesem Iahre zum ersten Male ermöglicht, daß das R e f o r m a t i o n s f e st am 31. Oktober, dem Reformationstage, in den Gemeinden und Schulen Hessens begangen werden konnte. Auch in unserer Gemeinde wurde von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Die Feier gestaltete sich dadurch zu einem erhebenden Ereignis für alle Teilnehmer, daß damit die Pflanzung einer „Lu ther linde" verbunden wurde. Ein Festzug, an dessen Spitze die junge Linde von den Konfirmanden getragen wurde und in dem neben dem Gemeindevorstarwe, dem Kirchenvorstande und dem Schulvorstande, die ervangelischen Schüler und Gemeindemitglieder schritten, bewegte sich von der Kirche zum Hof der „AltenSchule". Hier fand die Feier statt. Rach dem Reformationslied „Erhalt uns Herr" hielt der Spezialvikar unserer verwaisten Kirchen- gemeinde Pfarrer S t a u b a ch aus Watzenborn-Steinberg die Weiheredc, in der die Bedeutung des Reformationssestes der Gemeinde klargelegt und die Forderung erhoben wurde, daß dieses Fest, wie in Sachsen, so von allen Evangelischen am 31. Oktober gefeiert werden sollte. Anschließend an Gedanken der Weiherede, sprach der Vorsitzende des Schulvorstandes, Rektor Loh, über das Verhältnis von Kirche und Schule unter dem alten und neuen Recht. Er betonte, daß unter dem neuen Recht dieses Verhältnis gestaltet werden müsse zu gegenseitigem Vertrauen in evangelischer Freiheit. Rach Verlesung der LIrkunde wurde die Pflanzungsurne, eine Gabe des Elektromeisters Wilhelm Volk, in die Erde gebettet, und der Baum, gestiftet von dem älniversitätsforst- gärtner Heinrich Binz, darüber gepflanzt. Hierauf übernahm der Bürgermeister unserer Gemeinde, Iohannes Heß XXIV., den Baum in den Schuh der Gemeinde. Während der Pflanzung, die durch die Gärtner Gemeinderatsmitglied Laux und Kirchenvorstandsmitglied Heß vollzogen wurde, erklang von der Kirche feierliches Geläute der Glocken. Mit dem Lutherliede ^Ei^feste Burg ist unser Gott" schloß die eindrucksvolle Feier. Leihgestern, 31.Oft. Aus der jüngsten Gemeind eratssitzung ist u. a. zu berichten: Als Schätzer für das bei einer Viehseuche fallende Vieh wurden die Landwirte Karl Damm und Georg Arnold II. gewählt. Ein Antrag des San» deskirchenamts auf I n st a n d s e tz u n g des zur Zeit durch Pensionierung unseres Pfarrers leerstehenden und verwohnten Pfarrhauses wurde genehmigt. Die Kosten belaufen sich nach dem Voranschlag des Staatlichen Hochbauamts Gießen auf 200 RM. Weiter wurde für unsere Gemeinde die Einführung der B i e r st e u e r beschlossen. df. Langsdorf, 31. Oft. Am Mittwoch konnte Bauinspektor i.R. Daniel Roth mit seiner Ehefrau Veronika, geb. Fay, das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Beide sind Langs- dorfer Kinder und schlossen einst am 29. Oktober 1880 hier ihre Ehe. Rach der Jnruhestandver- sehung des Ehegatten, der zuletzt in Offenbach tätig war, kehrten sie wieder in die Heimat zurück. Beide sind noch sehr rüstig. Dem Jubelpaare wurden von feiten der Gemeinde, des Kreises und Staates die üblichen Ehrungen zu teil, auch der Reichspräsident v. Hindenburg übersandte eine llrfunbe. Am Rachmittag fand im geschmückten Gotteshaus eine nochmalige Trauung des Paares statt, nach der der Ortsgeistliche das Ge- denkblatt des Landesrirchenamtes überreichte. — Im Laufe der nächsten Monate isteszweiwei- terenPaaren vergönnt, auf den gemeinsamen Lebensweg von fünfzig Iahren zurückzublicken. |_| R o dh e i m a. d. H., 30. Oft. Der Männer- g e s a n g v e r e i n ,.S ä n g e r k r a n z" hielt jetzt seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Gg. K l i p p e r t, erstattete den Iahresbericht, der ■ eine rege Vereins tätigfeit zu erkennen gab. Die von dem Rechner H. R a g e l erstattete Rechnung zeigte, daß der Verein tm vergangenen Geschäftsjahr einen ansehnlichen wirtschaftlichen Aufschwung genommen hat. Die Mitgliederzahl blieb auf der alten Höhe. Die Vorstandswahl brachte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Ludwig Decker, 2. Vorsitzender Gg. Klippert; Rechner Hermann R a g e l; Schriftführer Adolf Hofmann; Beisitzer Ludwig Metzger, Otto Kröll IV., Konrad Lamp IV. Kreis Friedberg. b. Butzbach, 29. Oft. Gegenwärtig ist die Deutsche > Straßenbau-Gesellschaft hier tätig, um die Griedeler, Hochweiseler und Taunus-Straße mit einer Topekadecke zu versehen. Die Weiseler und die Wetzlarer Straße, erstere bis Riederweisel, letztere bis zur Gemarkung Pohl-Göns, wurden schon vor Iahren mit dieser Decke ausgestattet. Kreis Büdingen. § Hirzenhain, 31. Oft. Hier wurde einem Arbeiter aus Gelnhaar, der in der hiesigen Filiale des Konsumvereins Einkäufe machte und während dieser Zeit fein Rad vor dem Laden stehen lieh, das Fahrrad gestohlen. Der Dieb entwendete außerdem von anderen dort stehenden Rädern noch eine Luftpumpe und eine Lampe. i. Bobenh ausen I, 31. Oft. Die Gemeindeverwaltung hat beschlossen, vom Schulhaufe eine Kanalisation nach dem etwa 30 Meter entfernten Laisbach anlegen zu lassen, um auf diesem Wege die Keller des Schulhauses, die bei anhaltendem Regenwetter meistens unter Wasser stehen, von der Feuchtigteit zu befreien. Es ist wahrscheinlich, daß verschiedene Hausbesitzer, die unter dem gleichen liebelst and zu leiden haben, ihre Häuser an diese Kanalisation anschließen lassen werden. Kreis Alsfeld. idz Mücke, 31. Oft. Gestern wurde hier wieder ein Waggon mit Erntegaben, hauptsächlich Kartoffeln, für das Diakonisfen- haus Elisabethen st ist In Darmstadt geladen. An der außerordentlich reichlichen Sammlung beteiligten sich die Gemeinden Stumpertenrod, Groß-Eichen, Ober-Ohmen, Ruppertenrod, ilnterfeibertenrob und ällrichstein. *!* Ruppertenrod, 31. Oft. Der diesjährige Herb st markt litt etwas unter dem Regenwetter. Für geringe Ferkel wurden 18 Mf., für mittlere 20 bis 25, für bessere 32 Mf. geboten und bezahlt. Der Krämermarkt war von den Händlern im üblichen Ausmaß besucht und hielt sich auf der gewohnten Höhe. + Ober-Sorg, 27. Oft Die Schule in Ober-Sorg wurde vor etwa drei Jahren wegen zu geringer Schülerzahl geschlossen. Seitdem müssen die Kinder aus Ober-Sorg den weiten Schulweg nach Hopfgarten zurück- legen. Da die Schülerzahl in Ober-Sorg sich inzwischen auf 13 erhöht hat und im kommenden Frühjahr auf 16 steigt, wird wegen UeberfüHung der Schulklasse in Hopfgarten in absehbarer Zeit an die Einstellung eines zweiten Lehrers gedacht werden müssen. Als eine günstige Lösung wäre es zu betrachten, wenn die Schuke in Ober-Sorg wieder geöffnet würde und die Schüler der benachbarten Orte Ober- und Llnter-Sorg hier gemeinsam älnterricht erhielten. Dieser Regelung steht nur das Hindernis entgegen, daß die Gemeinde älnter-Sorg Miteigentümerin an dem Schulgebäude und dem Schulgut in Hopfgarten ist und daß sie nicht gewillt scheint, die bestehenden Rechtsverhältnisse ohne Gegenleistung aufzugeben. •" /■' I-W Das Augsburgische Vekennlnis einst und jetzt. Von Pfarrer Kornmann, Laubach. Das Reformation-fest diese- IahreS steht nod) im Leichen der Erinnerungen an da- Augsburgische Bekenntnis. Es dürste deshalb vielleicht interessieren, wie diese- Bekenntnis früher gefeiert worden ist, $umal die Laubacher örtlichen Feiern wahrscheinlich sehr viele Parallelen anderswo finden, die sich dem in die Archive cin- dringenden Blick flat zeigen würden. Es ergibt sich, baß die Feier im 3ahre 1730 die bedeutendste toar; sie war fest gelegt aus die Tage vom 23. bi- 25. Juni. Freitag- ward nicht weniger al- dreimal geläutet, und zwar um zwei, um halb drei und um drei Uf)t. Samstag war dann, als am Johannistag, ein allgemeiner Bub-, Fast- und Bettag! für den Dor- und RochmittagsgotteS- dienst waren die Predigt-Texte von der Dor- munbschaftSregierung, die damals im SolmS-Lau- bachiscken Land waltete, vorgeschrieben. Sie sind bemerkenswert und seien desyalv genannt: Luka- Kap. 1, Der- 76 bi- 80; Hosea Kap. 14, Vers 2 und 3; Hebräer Kap. 10, D. 23 bis 25; Psalm 93, Der- 5. Auch die Schriftlesungen waren einheitlich, z B. am SamStagrnorgen das sehr gut passende Kapitel 34 aus dem 2. Thronikabuch bestimmt. — Ebenso waren die Predigt- usw. Texte für den Festsonntag, der zum 3ubel- und Danksest, besonders durch Einfügung von Kantaten, gestaltet war, au-gewählt und vorgeschrieben. Auch waren besondere Dekrete geschaffen worden, die nach dem Llrteil eine- maßgeblichen Pfarrer- der damallgen Zeit .über die Masten lang, aber höchst fal- bungsvoll, kräftig und innig" waren. Die Entwürfe der Predigten hatten die Pfarrer „ad con- sistonum“ (der vorgesetzten Behörde) einzureichen; au- diesen, noch erhaltenen Entwürfen spüren wir die gekünstelte Predigtweise der damaligen Leit. Bezeichnend ist jedenfalls, dast die Feier des Aug-burgischen Bekenntnisse- vor 200 Jahren gc- raN in unseren Breiten so großzügig gestaltet war. Die ganz ander« ist eS dann 1S30I Da erläßt der Kirchen- und Schulrat in Gießen ein Schreiben an die Geistlichen, da- überraschend knapp und durch seinen Unterton bemerkenswert ist: die Mahl eine- passenden Textes bleibe den Geistlichen überlassen, zugleich aber seien sie in höchstem Auftrag« ernstlich ermahnt, sich aller polemischen Erörterungen zu enthalten. - Der 25. Juni wurde Lu einem Dormittag-gotte-dienst „mit Unterlassung aller äußerlichen Feierlichkeiten" bestimmt, und zwar wurde für die Predigt in diesem Gottesdienst besonder- eingeschLrtt, sie svlbr sich .im Sinne christlicher Liebe und Duldsamkeit bewegen". — Da- spiegelt so recht die 3cit vor 100 Jahren wieder, mit ihrer „Aufklärung", die meinte, alle Unterschiede verwischen zu können. Die friedfertigen Beweggründe, die hier vielleicht im Hintergrund standen, wird man voll billigen können; immerhin darf doch gesagt werden, daß auch der Wahrhaftigkeit Genüge geschehen must. Luther schreibt im Jahre 1534 einmal an den Landgrafen Philipp den Großmütigen von Hessen: „Fürwahr, mir ist auch leid solcher Spalt; hab auch den Schaden wohl gefühlt, daß ich mit Leib und Leben gar gern wollt die Einigkeit wieder erwecken, wo e- sein könnte. Denn ausgeschlossen mein Gewissen soll nicht- sein, da- ich nicht gerne leiden und tun will. Aber das Gewissen kann ich nicht also verstecken, und der Reuel (die Aeuef ist «in schwerer Wurm im Herzen." — Wenn wir wir von da her, also von der Wahrhaftigkeit aus GewissenSgründen her, an den Kernartikel des Aug-burgischen Bekenntnisses denken, an den „von Sünde und Rechtfertigung", dann erkennen wir, daß hier der Rist zwischen zwei Konfelsionen klafft und klassen must. „Leise treten", wie Luther e« einmal genannt hat, oder Derschweigen kann hier nicht- bessern. 3m Gegenteil: der Laue und Gleichgültige. der diesen Dingen: Sünde und Rechtfertigung, oder der Frage Luthers: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?", nicht auf den Grund geht, wird leicht in vorläufigen Unterschieden beider Konfessionen stecken bleiben und nur da- Trennende sehen; wer aber diese Fragen ganz ernst nimmt, dem winkt die Möglichkeit, ganz persönlich Gott zu finden, au« Sündennot erlöst, — ein Thrift zu werden, — und dann wohl auch über die Grenzzäune beider Konfessionen hin- wegzusehen, im Wissen: auch „drüben" gibt eS GotteSkinder. — Menschen, die vom Evangelium her sich Weisung holen für die Gestaltung täglichen Leben-, für den Weg dem Himmel entgegen. Dielleicht ist unserem Dolk und unserer Kirche der gröstte Dienst getan, wenn wir in diesem Sinn eines ties-schürsenden Ernstes von 1930 zurück- schauen auf 1830 und 1730, und schließlich 1530. und wenn wir nicht zu laut von einem Bekenntnis sprechen, das allzuwenig bekannt ist, sondern in die Stille gehen und ernstliche Verbindung suchen mit dem lebendigen Gott. Konsum-Verein Gießen und Umgegend. Da« Ergebnis im Geschäftsjahr 1929/30. Die Verwaltung des Konsumvereins Gießen und Umgegend hat nach dem Geschäftsbericht für 1929 30 trotz der ungünstigen Wirtschaftslage und der gro- sten Arbeitslosigkeit eine Steigerung des Um- tatzcs von 51680 Mark erzielt. Der Umsatz 1929/30 betrug 3157 118 Mk., gegen 3 105 438 Mk. im Vorjahre. Die Bäckerei ist an dem Gesamt. Umsatz mit 383 767 Mark beteiligt (12,1 o. H. gegen 13,5 d. $). im Vorjahr). An Mehl wurde verbacken: 121 800 Pfund Weizenmehl, 1 122 582 Pfund Brot- mehl, 3511 Pfund Hefe. Diese Mehlmengen ergaben 118 900 Stück Brote 1. Sorte (je 4 Pfund), Misch, brotc 113 298 Stück, Roggenbrote 111 653 Stück, Schrotbrote 17196 Stück, Weißbrote 5275 Stück, Brötchen und Feingebäck 1415158 Stück, Kuchen usw. 7287 Stück. Die Kaffeerösterei hat einen Rückgang aufzuweisen (48 575 Pfund gegen 51 897 Psund im Vorjahr); dagegen erfuhren die Kaffee- Ersatzmittel eine dementsprechende Umsatzsteigerung. Der Grundbesitz erfuhr durch den Ankauf von 400 Quadratmeter Gartengelände eine Erweite- rung. Auf dem Gelände wurden Wagenhallen und Lagerschuppen errichtet. Die Sparkasse verzeichnete an Einlagen 734 896 Mark (im Vorjahre 660 658 Mark), davon beträgt die Zinsengutschrift 41 485 Mark. 2(n Sterbe unter st ützung wurde an 32 Familien 851,50 Mark ausgezahlt. Die im Berichts- fohre gezahlte S t e u e r s u m in e betrug 54 092,09 Mark. 3n der Dersicherungsabteilung waren 842 Verträge abgeschlossen. Die Zahl der beschäftigten Personen betrug 65 männliche und 67 weibliche, die ein Ge- falt von 331 399 Mark bezogen. An Sozial- lasten wurden 35 147 Mark gezahlt. Derwaltung schlagt vor eine Rückvergütung von 5 v. H. an die Mitglieder zur Ser- teuung *u bringen und hat dafür 152 984 Mark bcreitgcftcnt. Der Kassenbericht. Die Bilanz enthält folgende Posten: Der- mogen. Betriebsmittel: a) Dorräte 293 052,45 | Marl, b- Einrichtungen 210 042 Mk., zusammen 500 094.45 Mk.; Grundbesitz 595 165 Mk.; angelegte und flüssige Mittel 424 926,04 Mk.. Forderungen 3234,19 Mk. Summe deS Vermögens 1 523 419,66 Mk. — Schulden: Eigene Mittel: a) Geschästsguthaben 222 131,48 Mk.; b) Reserven: Reservefonds 236 767,91 Mk., SpezialrcservcfondS 14 709,31 Mk., Baulands 12 000 Mk., zusammen 263 477,22 Mk.; Grundschulden 13 042,80 Mk.; laufende Verpflichtungen: Spareinlagen 734 896,84 Mark, Sparmarlcn 2 395,50 Mk., zusammen 737 292,34 Mk.;'Licferantenschulden 71 907,65 Mk., Umsatzsteuer 7799,60 Mk.. Pensionsfonds 20 496,68 Mark, Anteil ausgeschiedener Genossen 10 594,06 Mark, Kohlen 14 789,55 Mk., Rabattguthaben 152 984,08 Mk., noch zu zahlende Unkosten 2949,86 Mark, zusammen 1517 465,32 Mk.; Erübrigung 5954,36 Mk. Summe der Schulden 1 523 419,68 Mk. Die Gewinn- und Derlustrechnung seht sich zusammen: Soll: Allgemeine Unkosten 94 515.51 Mk., Steuern 32 532,73 Mk., Zinsen 23 312.58 Mk., Lohn und Gehalt 250 208 72 Mk Fuhrwerksunkosten 1511,70 Mk., Kraftwagenunkosten 24 516,38 Mk., Sterbeunterstützung 851,50 Mark, Abschreibungen 37 778,78 Mk.. zusammen 465 227,30 Mk.; Erübrigung 5954,36 Mk.; insgesamt 471 181,66 Mk. — Haben: Warenrohertrag 455 193,86 Mk., Leergut 7642,15 Mk., Diskont 8345,65 Mk.; insgesamt 471 181,66 Mk. Die Zahl der Mitglieder betrug am 1.3uli 1929 10 347, Zugang 623, zusammen 10 970; Abgang 958, Bestand am 30.3uni 1930: 10 012. Das Geschäftsguthaben der Mitglieder betrug am 1. Juli 1929: 217 447,23 OHL ; am 30. Juni 1930 : 222 131,48 Mk.; mithin mehr 4684,25 Mk. — Die Haftsumme der Mitglieder betrug am 1. Juli 1929: 310 410 Mk. sie verringerte sich um 335 ausgeschiedene Mitglieder gleich 10 050 Mk, Haftsumme am 30. Juni 1930- 300 360 Mk. Gchupo-Verlegung von Butzbach nach Mainz. pd. Butzbach, 31. Ott. Eine endgültige Ent- schewung über die etwaige Verlegung der Schutzpolizei von hier nach Friedberg ist dis heute noch nicht getroffen worden. Es ist bis letzt verfügt, dast die siebente Bereitschaft von hier nach Mainz verlegt wird. Mit dieser kommt noch eine Hundertschaft von Friedberg nach Mainz. 3n Butzbach verbleiben vorerst noch zwei Hundertschaften. Zusammenlegung der Amtsgerichte Bad-Nauheim und Friedberg? 2' Dad-Rauheim, 31. Oft. Wie die .Bad-Rauheimer Zeitung" in einer Zuschrift von »gut unterrichteter Seite" mitteilt, erwägt man im hessischen Finanz- und Wirtschaftsministerium zur Zeit ernstlich, dieAmtsgerichteDad-Rau- heim und Friedberg zusammenzulegen und zwar denkt man hauptsächlich an eine Verlegung des Amtsgerichts Bad-Rauheim nach grieöberg und Belassung einer kleinen Geschäftsstelle in Bad-Rauheim. Zugentgleisung auf der Strecke Giegen-Gießen. WTB W u P p e r t a l, 31. Ott. Wie die Reichs- bahndirektivn Wuppertal mitteilt, sind in der vergangenen Rächt aegen 3 Uhr auf der Strecke -n o d e n b ach — D i l l b r e ch t (Kreis Siegen, F e l s m a s s e n die Lokomotive, der Packwagen und drei weitere Wagen des Güterzuges 5831 entgleist. Hierdurch wurden beide Gleise gesperrt. Der gesamte Zugverkehr erlitt Verspätungen. Der Personenverkehr wird durch Umfteigen aufrechterhalten, der Güterverkehr wird umgeleitet. Personen sind bei dem Unfall nicht zu Schaden gekommen. Der Sachschaden ist gering. 3r- genbeinc Gefahr in Bezug auf Rachrutschen weiterer FelSmajsen besteht nicht. L'nnDrrcie oHcfteii. Lützellinden, 31. Oft. In seiner jüngsten Sitzung beschloß der Gemeinderat die Einführung der Bürgersteuer für das laufende Rech- nungsjahr. <> Dornholzhausen, 31. 0». Der Gemeinderat faßte in seiner gestrigen Sitzung den Be- schluß, die 'Bürger ft euer einzuführen. Die Biersteuer wurde abgeldhnt. y.sj cs Der Doktor unter den Schuhen! Literatur C133 ketten lot Statt Karten! Marie Leun Georg Dietz Verlobte Leihgestern, den 1. November 1930 7466 D Statt Karten! | Karl Schimmel Luise Schimmel, geb. Wagner Vermählte Großen-Äuseck, den 2. November 1930 7481 Dl Liebigshöhe Am Sonntag dem 2. November Großes Militär Streichkonzert ausgeführt vom Musikkorps I./15 06723 Leitung: Obermusikmeister Löber Anfang 41/« Uhr! Anfang 4'/« Uhr! Gießener Konzertverein Erstes Orchester - Konzert Donnerstag, 6. Nov. 1930, 19.30 Uhr, im Stadttheater Erstes Symphonie-Konzert Ausführende: Das Meininger Landestheater-Orchester Leitung; Dr. Steian Temesvary Solistin: Eva Bruhn (Sopran) aus Berlin. Brahms Haydn -Variationen — Mahler Drei Lieder — Tschaikowskij Fünfte Symphonie in E-Moll. Eintrittskarten: 5. — , 4 — und 2 50 RM. bei Ernst Challier jetzt Neuenweg 10, Fernruf 2671, und abends an der Kasse. Studentenkarten 150 RM. bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweis. Abonnements für die 10 Winterkonzerte I. Platz RM. 35.II. Platz RM. 25.—. Die Ausgabe erfolgt in 4 Raten, ausführliche Prospekte und Auskunft bei Ernst Challier, Neuenweg 10. 7375D KONZERT unter gütiger Mitwirkung der jugendlichen Gitarre-Virtuosin Luise Walker aus Wien am 9. November, nachmittags 4* , Uhr, in der Neuen Aula der Universität Mandolinen- und Gitarrenverein „Neapolita“ Gießen Preise der Plätze: Mk. 1.20 und 0.80. Vorverkauf: Musikhaus E. Challier, Neuenweg 733DD Sonne über Piz Palü Alpiner Ski Film 06651 beginnend mit Faltboot- und Kletterakt. Daun große alnine Ski-Akte. Winterbesteigung des Piz Palü. — Winterliche Bernina. — Ski- und Gletscherfahrten. Vortragender: Der bekannte Alpin, u. Sportlehr. Willy Dobiasch, München (Mitwirkender bei der Aufnahme des Films). Mittwoch, 5. Nov. 1930, 20 Uhr, in der Neuen Aula. Die Vorführung ist für ieden Naturliebhaber bestimmt. Eintrittskarten 1.50 RM., Studenten, Schüler 75 Pf. v orverkauf bei den Firmen Kühne, Seltersweg 26, Schwan, Mäusburg 16, Univ.-Buchhandlung I Legler) Süd an läge 5. für Studenten auch bei Herrn Verw.-Sekretär Kitter. An der Abendkasse ab 19.30 Uhr. Institut für I-elbesübongen der Universität Gießen ___________*ki-Klub Gießen im I>. 8. V. Tanz! Theater GasthauszurDeutschenEiche Klein-Linden Sonntag, den 2. November 1930- 20. STIFTUNGSFEST Anfang 4 Uhr. Es ladet ein: Gesellschaftsverein Fidelio 7437D Verlosung! WWWWWWWWM Jazzmusik! Bahnhof-Gaststätten Sonntag, den 2. November 1930: )EIRÖIF)FNUN Studenten, Militär 0.50 RM. Kartenvorverkauf bei Dr.Töpelmann, Südanlage 4 und Abendkasse. 74J2D Hessische Missionskonferenz (Bezirk Heesen-Kassel) zn Harburg L. Sonntag, 2. n. Montag, 3. Not. Sonntag. 2. Nov, 20 Uhr, im Philippshaus (Universitätsstr.) Gemeinde-Abend. Montag, 3. Nov., 11 Uhr, in der Aula der Universität Vorträge: (7446D D.Bruno Gutmann: ,,Um gegliedertes Volkstum in Afrika und Deutschland.“ Dir. Cbr.Schomerns: „Ansbanarbeit in Süd- Afrika und Pionierdienst in Abessinien“. Der Zutritt zu allen Veranstaltungen ist kostenlos und steht jedermann offen. Der Vorstand. I. A.: Prof. D. Dr. Hch. Frick. Alice - Frauenverein Zweigverein Gießen Abteilung 7439 D „Bienenkorb“ vom 4. bis 10. November täglich von 10 bis 1, und 3 bis 6 Uhr Wei h n achtsverkauf von Handarbeiten aller 'Art Mäusburg 5, im Laden des Tapeten- und Teppichhauses Hochstätten Eine Amerikareise 4322v ist mehr als ein Vergnügen . . . 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Im Beiprogramm: Die neue tönende Wochenschau U a.: Reichspräsident Hindenburg 83 Jahre — Die Unglücksfahrt des englischen Luftschiffes R 101 — Grabmal-Einweihung Stresemanns — Dirt-Track-Rennen für Autos 7459 c Nicky-Maus Ab Montag, den 3. November 1930, der beste Film der Welt: Unter den Dächern von Paris Die Ford - Lastwagen - Karawane in Gießen: Sonntag, 2. November 1930 unverbindliche Vorführung und Besichtigung In unserem Ausstellungsraum. Montag, 3. November: Fahrt durch Gießen und Aufstellung von 10 bis 5 Uhr, am Parkplatz, Westanlage (gegenüber Hotel Köhler). %-to-Lieferwagenchassis 2600 Mk., 1U-to- Lastwagenchassis 3400 Mk., 1 y2-to- mit Führerhaus und Pritsche Mk. 4310 Mk. Autorisierte Fordvertretung: Peter Jäger, (r.m.b.H., Gießen Frankfurter Straße 82 06787 Rheinische Hypothekenbank ln Mannheim. Bekanntmachung. Betrifft Aufwertung der Pfandbriefe alter Währung und der jlommunalobligationen alter Währung. Nachdem durch das Badische Ministerium des Innern fest- gestellt worden «st, daff unser Abffndungsnngebol als von allen Gläubigern angenommen gilt, werden tue Gläubiger hiermit aufgeforoert, ihre Anteilscheine ibelreffend die Pfandbrief- teilungSmasse) nebst den anbängenden Natenschemen Nr. 3 und 'Nr. 4, sowie ihre Zlommunalobligatioucn aller Währung zur Gmviaugnahme der Abfindungsbeträge ein,ureichen. Die Einreichung hm unter Benützung unserer Vordrude au erfolgen, welche kostenlos von uns direkt sowie durch Vermittelung aller Banken zu beziehen sind. Mannheim, im Oktober 1930. Rheinische Hypothekenbank. Winterkur für «42 v M Nervenkranke und Nervös-Erschöpfte Spezialkuranstalt Hofhelm im Taunus bei Frankfurt a. M. — Prospekte durch MW San.-Ral Dr. M, Sdiolze-Kalileyss, W Geschäftseröffnung! 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Don Dr. Gustav ttrukenberg. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Stärker als irgendwo sonst steht der einzelne unter dem Eindruck dessen, was in den Jahren 1914—1918 zwischen Somme und Cambrai geschah, wenn er an einen jener riesigen Friedhöfe kommt, in denen man aus weiter Umgebung die Toten aller verstreuten Grabstellen zusammengetra- gen hat. Mörderischer ist kaum je ein Boden für die Menschheit gewesen. Nach Nationen georbnet, so weit sich solche überhaupt erkennen ließen, sind, Reihe neben Reihe, Friedhof neben Friedhof, wohl an hunderttausend Soldaten unweit Arras zur letzten Ruhe gebettet worden. Der Deutsche besucht juerft jene Anlagen bei Maison Blanche, auf denen über 35 000 Einzelgräber unserer Kameraden sich befinden. Zweimal habe ich im letzten Jahre dort oben gestanden. Seitwärts der Landstraße von Arras nach der Lorettohöhe dehnt sich der deutsche Friedhof aus. Hochsommer war es das erste Mal. Vom Straßen- staub bedeckt, sah man kaum noch das Grün der Eingangshecken. Vergeblich suchten die auf jeder Grabstelle gepflanzten Nelken den trockenen Erdboden ein wenig zu decken. Schlacken und Kies bilden die Wege, die eine der langen Gräberreihen von der anderen trennen. Kein Denkmal, kein Kreuz steht im Mittelpunkt. Ohne sich sammeln zu können, müssen die Augen über Zehntausende schwarzer Holzkreuze schweifen, deren jedes in weißer Farbe einen Namen, oft auch nur eine Nummer trägt. Ganz vereinzelt haben Angehörige aus der Heimat auf ein Grab jene in der Form des Eisernen Kreuzes gestalteten Steine legen lassen, die einst alle Ruhestätten unserer Kämpfer bezeichnen sollen. Hier wirken durch sie die Tausende noch nicht damit geschmückten Hügel besonders leer--. An unsere Gefallenen in der Somme-Schlacht must ich denken. Wer weiß, wen von ihnen man hierher gebracht hat? Sind jene Nummern dort vielleicht Garde-Füsiliere gewesen, die die Kämpfe um Arras uns geraubt haben? Stehe ich hier an Grabstcllen von Kolberger Grenadieren oder neben alten Kameraden der Feldartillerie-Schieß-Schule? Wo liegen heute die Tapferen aus der Tankschlacht im Dourlonwalbc? Unübersehbar dehnt sich das Feld unserer deutschen Toten. Die Frage nach dem einzelnen verstumnü und man sinnt, um welcher Hoffnungen willen sie alle dahinsanken ... Richt weit davon liegt ein britischer Friedhof. „Cabaret Rouge" haben die alliierten Berichte im Kriege diese Mulde genannt. Nie ist ein Name schauerlicher gewesen. Nach einheitlichem Plaue bat England bald noch Friedcnsschluß ganz Frankreich mit mustergültigen Friedhofsanlagen durchzogen. Vor jeder wölbt sich, schon von weitem sichtbar, in leuchtendem Sandstein das Eingangstor. Bronzene Kästen bergen die Register der Grab- stellen. Jede einzelne schmückt ein freundlicher Stein, den man außer mit dem Namen noch mit dem Rcgimentswappcn geschmückt hat. Vorbildliche Inschriften weisen im Mittelpunkt jeder Friedhofs- anlage auf das hin, wofür die Soldaten eines Weltreiches ihr Leben gelassen haben. Die Gestal- tung und Pflege der Anlagen sucht ihresgleichen. Wie Staudengarten nehmen sie sich aus. Statt der Wege gehen wir unhörbar auf englischem Rasen, für den man die Grassorten je nach der Bodenart der betreffenden Stelle erst sorgfältig in London ausgeprobt hat. Keiner verläßt solchen Friedhof, ohne zu erkennen, daß man jenseits des Kanals mehr als die bloße Pflichterfüllung gegenüber den Toten im Auge hatte. Webigc Kilometer bergan, und wir sind oben auf der Lorettohöhe. Heftiger als andere Punkte wurde sie im Kriege umkämpft. Wer von ihr aus herabsieht, kann das heute verstehen. Ungeahnt weit schweift der Blick in die Ebene hinaus. Kein Wunder, daß die Stellungen oft täglich zwischen Feind und Freund wechselten. Nun hat man dort die Gräber von über zwanzigtausend Franzosen zusammengetragen. Aus einem der Brennpunkte an der Westfront wurde Frankreichs größter Nationalfriedhof. Wieder aufgebaut hat man jene Kirche, die den 'Jlaincn „Notre Dame de Lorelte" trägt, und in der seit kurzem auch der letzte Bischof von Arras ruht. Aber den Mittel- pl'mkt für alle Besucher bildet der hochragende Leuchtturm, dessen Licht allabendlich in das weile französische Industriegebiet hinausblinkt. Täglich aufs neue ruft es der dort arbeitenden Bevölkerung zu, mich in Zeiten wie der heutigen jene nickst zu vergessen, die int Dienste für die Gesamtheit das Letzte dahingabcn. Unter dem Turm haben in großen Gewölben Tausende von Gebeinen "lufnahme gefunden, die man, ohne zu wißen, ob sie von Freund ober Feind kamen, bei den Auf- räumungsarbeiten der ganzen Gegend fand. Heb er ihnen ist eine Kapelle errichtet, in der man in feierlicher Form acht unbekannte französische Soldaten aufgebahrt hat. Bald nach dein Kriege wurden bei Verdun, an der Somme und in Flandern je drei nicht mit Namen bezeichnete französische Grabstellen geöffnet. Die in ihnen Ruhenden wurden in äußerlich völlig gleiche Särge gelegt. Ein Kind mit verbundenen Augen mußte aus ihnen jenen bestimmen, der seitdem als der ,.unbekannte Soldat" unter dem Pariser Triumphbogen ruht. Frankreich wollte durch solches Vorgehen die Toten aller Waffen und aller Schlachtfronten gleichmäßig ehren. Die verbliebenen acht Särge wurden auf die Lorettohöhe gebracht, wo sie im Mittelpunkt der ganzen Anlage ihren Platz fanden. Auch der deutsche Soldat ehrt das Schweigen der Stätte, wo die Kämpfer der Gegenseite ihren letzten Schlaf tun. Auf dem Rückwege nach Arras noch einmal auf unseren eigenen Friedhof tretend, wird man sich nun allerdings noch deutlicher darüber klar, daß die Gräber unserer deutschen Soldaten noch keineswegs die ihnen gebührende Pflege gefunden hoben. Das ist mir besonders zum Bewußtsein gekommen, als ich im November des vergangenen Jahres bei „Maison Blanche" stand. Allerseelen war e e, jener Tag, an dem man auch bei uns in allen katholischen Gegenden die Friedhöfe schmückt, Blumen auf jedes Grab legt und wenn die Dämmerung hereinbricht, Kerzen auf den einzelnen Hügeln entzündet, die dann von weitem her wie ein Flammenmeer ausschauen. In Frankreich ist es an jedem zweiten November nicht anders. Auch zu mir blinkten die Lichter Tausender von Grabstellen der Lorettohöhe herüber, während ich bei sinkendem Tag allein auf dem sonst verlassenen deutschen Fried- Hofe stand. Unaussprechlich traurig nahm er sich aus. Ernst ragten feine dunklen Kreuze in die beginnende Nacht. Keine Möglichkeit war da, so wie anderswo an mit Liebe geschmückter Stelle allen Gölten Arbeitslose auswandern? Reichsdeutsche Siedler in Kärnten und Steiermark. — Einwanderung in die früheren deutschen Kolonien. — Weltwirtschaftskrise kein Anreiz, sondern ein Hemmschuh der Auswanderung. - Neues Deutschtum in Südwestafrika. Oie Verhältnisse in Südamerika. Don Otto Lenker. Unter brei Millionen Arbeitslosen gibt es zweifellos zahlreiche Menschen, die sich die Frage vorlegen, ob sie nicht ihre alte Heimat derlasfen sollen, um-sich irgendwo im Ausland eine neue Existenz zu verschaffen. Man sollte annehmen, daß die Zahl der Auswanderer in Zeiten wirtschaftlicher Rot wachst. Aber das Gegenteil ist richtig. Roch im Jahre 1928 zählte man an den deutschen Grenzen 56 000 Auswanderer, aber im folgenden Jahr ging ihre Zahl auf 43000 zurück. Das hat vor allem zwei Gründe. Erstens gehört auch zur Auswanderung ein gewisses Kapital, über das die meisten Auswanderungslustigen nicht verfügen, und zweitens sind die Aussichten in den meisten ausländischen Staaten heute ebenfalls nicht rosig, da die Wirtschaftskrisis eine Welterscheinung ist. Die Zeiten sind vorüber, in denen man es wagen konnte, mit einigen Mark in der »Tasche als Schiffsheizer die Reife über den „großen Teich" anzutreten, um drüben sein Glück zu versuchen. Der Wandertrieb wird schon dadurch eingeschränkt, daß die meisten Einwande- rungsländer an derGrenzedenAachweis einer Geldsumme verlangen, die den Einwanderer möglichst für ein ganzes Jahr sicher stellen soll. Dazu kommen andere Er- Lärungen. So ist die Einwanderung in die Ve r - einigten Staaten dadurch zurückgegangen, daß im Jahre 1929 das deutsche Kontingent von 51000 aus 26 000 Personen herabgesetzt wurde. Wer heule in die Vereinigten Staaten auswandert, tut es meist auf Einladung von Verwandten oder ‘Setanntcn, die ihn auch mit den nötigen Mitteln versehen und ihm eine Stellung in Aussicht stellen. Sollen Arbeitslose auswanbem? Zweifellos ist es unmöglich, daß die Massen von Erwerbslosen durch Auswanderung wieder Arbeit finden. Aber tocmi auch nicht für mehrere Millionen Menschen Arbeit beschafft werden kann, so wäre es doch vielleicht möglich, daß wenigstens manches Einzelschicksal befser gestaltet werden könnte. Doch selbst das ist sehr zweifelhast. Manche Auswanderertragödie sollte abenteuerliche Aaturen schrecken. Zumindest sollte niemand den Schritt inS Ungewisse über die Grenzen tun, ohne vorher die amtlichen Stellen b e f r a g t zu haben. Außer dem Reichswanderungsamt, das die gesamte Auswanderungsfrage bearbeitet, besteht noch eine Reihe behördlich anerkannter Organisationen, die den Wanderlustigen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Zusammengefaßt sind diese Organisationen in der „Vereinigung fürdeutscheSied- lung undWanderung", die auf überparteilicher G.rundlage arbeiten, auch in religiöser Beziehung' da ihr z. D. folgende Verbände angeschlossen sind: Der „Evangelische Hauptverein für deutfche Ansiedler und Auswanderer", der „Cari- taS-Verband für das katholische Deutschland", und die „Hauptstelle der jüdischen Wandererfürsorge". Der Aufgabenkreis dieser Spitzenorganisation erweitert sich von Jahr zu Jahr. Rian bemüht sich, den Unterhalt der im Heimatland verbliebeium Familienmitglieder von Ausgewanderten sichrr- zustellen. Die Ausländer sollen möglichst ebenso wie die einheimische Bevölkerung in die soziale Versicherung der verschiedenen Länder eingegliedert werden, mittellosen Auswanderern will man die Rückkehr ermöglichen: es gibt Institutionen, die sich für die geistige Fortbildung der Auswanderer einsetzen, es gibt Stellen, die vertriebene oder sonst unschuldig in Rot geratene Auswanderer schützen wollen. Die „Vereinigung für Siedlung und Wanderung" hat im vergangenen Jahr 2640 Auskünfte erteilt, die meist auf schriftlichem Weg eingeholt tourben. Sicherlich wurde durch diese Tätigkeit viel Llnheil verhütet: aber man kann doch nicht sagen, daß damit für die Auswanderungs» luftigen schon genug geschehen sei. Im Allgemeinen befinden sich unter den Ratsuchenden in zunehmendem Maße Landwirte, die über das für den Ankauf erforderliche Kapital verfügten und sachliche Auskünfte wünschten. Soweit die Ansiedlung dieser Landwirte in Deutschland selbst nicht in Frage kam. wurde in erster Linie auf die Ansiedlungsnröglichkeiten inÄärn- t c n und in Steiermark verwiesen. Mancher, der schon fest entschlossen war, nach kleber- fee zu gehen, ließ sich zu einer Besichtigungsreise in die österreichischen Grenzländer bestimmen, und hat sich dort später angekauft. Wohlhabende Landwirte wurden außerdem mit 'Erfolg auf die Riederlassungsmöglichkeiten in den alten deutschen Kolonien hingewiesen. War weder die Auswanderung nach Oesterreich oder in die trüberen Schutzgebiete Südwestafrika und Ostafrita möglich, so wurde der Anschluß an eine der überwiegend deutsch stämmigen Siedlungen in Ueberfcc empfohlen. Wenn vielen Landwirten zugeredet wurde, sich in österreichischen Grenzlanden anzusiedeln, so geschah dies nicht nur zur Stärkung des deutschen Volkstums, sondern auch aus rein praktischen Erwägungen, im materiellen Interesse der Auswanderer. Steiermark umfaßt heute ein Gebiet von 1637 Quadratkilometern, das noch nicht einmal von einer Million Menschen bewohnt wird. Da sowohl Güter von 400 bis 500 preußischen Morgen als auch kleine Bauernhöfe und Alpenwirtschaften von 40 bis 100 preußischen Morgen und Landhäuser, die sich als Ruhesitze eignen, zu verhältnismäßig billigen Preisen verkäuflich sind, wird Landwirten, Bauern oder Pensionären nahegelegt, sich dort niederzulassen. Der Hauptreichtum Steiermarks liegt in der Viehzucht und in den Wäldern. Auch Milchwirtschaft ist sehr lohnend, denn noch im vergangenen Jahr mußte Milch aus der Tschechoslowakei nach Steiermark eingesührl werden. In Steiermark wurde von Reichsdeutschen Grundbesitz für 631000 Schilling erworben, und in Kämten kauften Reichsdeutsche Grundbesitz für mehr als 3,5 Millionen Schilling. Andere europäische Länder fommen für deutsche Siedlungen in größerem Maßstab zur Zeit nicht in Frage. Rach lieber fee wollen immer noch zahlreiche Menschen auswandem, doch nur ein geringer Teil von ihnen wagt die teure Reise„ Unter den mittellosen Auswanderungswilligen befinden sich vor allem viele stellenlose Kaufleute, insbesondere Bankbeamte, aber auch zahlreiche Techniker und Ingenieure. Sie wollen sich in überseeische Gebiete begeben, doch diese Reise ist stets, wenn nicht ganz erhebliche Barmittel vorhanden sind, mit einem großen Risiko verbunden. Uebcrblidt man nun die Auswanderungsmöglichkeiten in fremde Erdteile, so ergibt sich für deutsche Auswanderer folgendes Bild: verhältnismäßig günstig sind die Aussichten in S ü d w e st a s r i k a. Durch 'Den Aufschwung der Karakul-Schafzucht und durch den Ausoau der Molkereibetriebe konnten sich kapitalkräftige Interessenten vorteilhafte Farmen sichern. Ferner gelang es gut vorgebildeten jungen Landwirten in Südwestasrika, dort als Farmvolontäre unterzukommen. Auch eine Anzahl deutscher Handwerker konnte 1929 die Reise nach Südwestafrika antreten. Wenn deutsche Auswanderer in diefer früheren Kolonie eine neue Existenz gefunden haben, so ist das zum großen Teil den Bemühungen des Präsidenten! der Farmwirtschafts-Gesellschast in Windhuk, A. Voigts, zu danken, der eine der größten Kara- kul-Schafzüchtereien besitzt und allen Reichsdeut- chen hilfreich zur Seite steht. Zu erwähnen ist noch, daß Südwestafrika eines der wenigen überseeischen Siedlungsländer ist, wo deutsche Kinder eine reindeutsche Schulbildung erhalten. An der deutschen Oberrealschule in Windhuk bestanden im Dezember 1929 die ersten Abiturienten in Gegenwart eines dorthin entsandten» deutschen Reichsl'oinmissars ihr Examen. In dem früheren deutschen Schutzgebiet O st a f r i l a haben sich im vergangenen Jahr zahlreiche deutschei Pflanzer niedergelassen: ihre Wirtschaften entwickeln sich im allgemeinen zufriedenstellend, besonders nachdem die Zuteilung der Erbpacht- -ansprüche günstig geregelt wurde. Von anderen afrikanischen Gebieten gewähren Südafrika, Portugiefich- Angola und Portugiesisch- O st a f r i k a für kapitalkräftige Auswanderer gewisse Siedlungsmöglichkeiten. Günstiger sind die Aussichten aber wohl in Südamerika. wo besonders in Süd-Brasilien kinderreiche Bauernfamilien angc- fiedelt werden können. In den meisten südamerikanischen Staaten können landwirtschaftliche Auswanderer Anschluß an deutsche Landsleute finden, und es bietet sich ihnen Gelegenheit, deutsche Schulen und Kirchen zu benutzen. Aber überall muß man Kapital mit" bringen, für die fchwelmsche Kolonie in Argentinien z. D. mindestens 10 000 Mark. Erwerbslose ohne Vermögen sind augenblicklich nirgends in der Welt gesucht. In Kanada konnten noch vor kurzem auch unbemittelte Landwirte bei harter Arbeit vorwärtskoinrnen. Das ist heute nicht mehr der Fall, und Australien und Asien fallen für die Auswanderung aus Deutschland ebenfalls fort. So kann man nur zusarnrnenfasfend sagen, daß den Arbeitslosen nur geringe Hoffnung bleibt, durch Auswanderung ihre Lage zu verbessern. Rur denjenigen Schichten, die sich ein gewisses Vermögen bewahrt haben, bleibt die Möglichkeit, auch auf fremder Erde und unter Anschluß an deutsche Kulturgemeinschaften eine neue Existenz aufzubauen, die aber genau wie in Mitteleuropa in harter Arbeit errungen werden muh. gemeinsam an diesem Gedenktage einen Gruß von der Heimat niederzulegen. Wer von uns Uebriggebüebenen derjenigen gedenkt, die den Weg in die Heimat nicht mehr finden durften, sollte sich mit der Erinneung an sie allein nicht mehr begnügen. Die Kameraden draußen rufen uns zu, ihre Gräber im Auslande nicht länger zu vergessen. Sie fordern uns auf, wo es nur geht, die Verantwortung in Deutschland dafür zu wecken, daß, bevor man an die Errichtung neuer Ehrenmale im Innern geht, für eine würdige Instandsetzung der Friedhöfe gesorgt wird, auf denen fern unseren Grenzen in Ost und West Millionen deutscher Kämpfer im Glauben an die Treue ihrer Heimat ruhen. Derbandsiag der mittelrheinischen evangelischen Arbeitervereine. WSR. D a r m ft a b t, 30. Okt. Unter starker Beteiligung fand hier der 4 0. Verbandstag des Mittelrheinischen Verbandes evangelischer Arbeitervereine statt. Mit der Tagung war das 40. Jahressest des Ortsvereins Darmstadt verbunden. Rach einem Festgottesdienst, bei dem der Vorsitzende des Gesamtverbandes, Pfarrer Werbeck (Berlin), die Predigt übernommen hatte, fand die öffentliche Hauptversammlung statt. Rachdern der Vorsitzende der schweren Opfer der beiden letzten Grubenkatastrophen gedacht hatte, referierte Pfarrer Werbeck über „Welche Ausgaben stellt die Zeit den C. A. V. als evangelische Standes- organifation?“ Anschließend berichtete Verbandssekretär Läufer über die geschichtliche Entwicklung des Mittelrheinischen Verbandes evangelischer Arbeitervereine. Der Derbandstag faßte einstimmig eine Entschließung, in der es nach einer Syrnpathieerklärung für die von den Grubenkatastrophen hart betroffenen Bergarbeiter heißt: „Die Tagung sieht in dem Vorgehen freidenkerischer Kreise die Gefahr einer weiteren Zersetzung unseres Volkslebens, und zwar in einem Augenblick, wo dasselbe unter den Folgen außenpolitischer Momente — Poungplan — und dem von Osten hereindringenden Kulturbolsche- wismus Gefahren ausgesetzt ist, deren äußerste Konseguenzen für unser Volk unausdenkbar sind. Der Verband verpflichtet seine Vereine und alle seine Mitglieder, nach wie vor dafür einzu- treten, dah evangelisch-christlicher Geist in Wirt- fchast und Kulturleben unseres Volkes wieder bestimmend wird. Ehristliche Rächstenli^e und evan-- K""es Standesbewuhtsein sind allein im* . die Grundlage für einen Wiederaufbau unseres Volks- und Wirtschaftslebens zu geben." Die Reuwahl der Derbarck>sleitung brachte die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder. Reu hinzugewählt wurde Kirchner (Gießen). Am Abend des Verbandstages veranstaltete der Ortsverein Darmstadt eine Jubiläumsfeier anläßlich seines 40jährigen Bestehens. Industrie- und Handelskammer Friedberg. WSR. Friedberg, 30. Okt. Unter dem Vorsitz des Handelskammerpräsidenten Kommerzienrat Langsdorf fand eine Sitzung der Industrie- und Handelskammer Friedberg statt. Syndikus Dr. Göbel hielt ein Referat über das Wirtschafts - und Finanzprogramm der Reichsregierung und die aktuellen Fragen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise. Die Kammer erblickt in dem Sanierungsprogramm eine Maßnahme, die geeignet ist, die ösfentliche Finanzwirttchaft zu ordnen. Die Wirtschaft müsse verlangen, daß ernstlich daran gegangen wird, die seit Jahren in Aussicht gestellte Senkung der Steuern und sozialen Abgaben unverzüglich durchzuführen. Die Vorbereitungen für die Ergänzungswahlen in Dad-Rauheim, Vilbel und Schotten sind so weit gediehen, daß die Wahl Mitte Rovember stattfinden wird. Außerdem wird für das zurückgetretene Mitglied Schwörer in Laubach eine Ersatzwahl vorgenommen werden. Dann wurde beschlossen, die gleichen Handelsrichter wie in der vergangenen Dienstperiode für die Jahre 1931 33 vorzuschlagen. Zu der Frage des Zugabewesens faßte die Kammer den Beschluß, sich für ein striktes Verbot der Zugaben einzusetzen. Allerdings sollen hiervon nicht diejenigen Geschenke ohne Derkaufswert betroffen toerben, die eine dauerhafte und deutlich sichtbare Reklame bzw. Geschäftsbezeichnung auf der Schauseite tragen. Die Kammer beschäftigte sich weiter mit den mit der Wanderlagersteuer zusammenhängenden Fragen. So wurde gefordert, daß auch die sog. Wanderinusterlager der Wanderlagersteuer unterworfen, die Strafbestimmungen verschärft werden, und den Gemeinden ähnlich wie in Preußen das Recht gegeben wird, Zuschläge zur Wanderlagersteuer zu erheben. Die Frage der Einbeziehung von Friedberg und Bad- Rauheim in das Fernsprechschnellver- kehrs-Reh wird im Hinblick auf das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichspost erneut in Angriff genommen werden. Tierschuhverein für Hessen. WSR. Heppenheim. 30. Okt. Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung sand heute die 4 9. Hauptversammlung des Tierschutzvereins für Hessen unter dem Vorfitz von Ministerialrat Jung statt. Als Vertreter der staatlichen Behörden waren Kreisdirektor Dr. Pfeiffer und Bürgermeister Schiffers erschienen. Der Vorsitzende dankte insbesondere den Verwaltungsbehörden, den Kreis- und Stadtschulräten, den Lehrern und Geistlichen und allen Tierfreunden für ihre segensreiche Mitwirkung. Kreisdirektor Dr. Pfeiffer hieß die Versammelten willkommen und versicherte, daß die Verwaltungsbehörden selbstverständlich den Tierschutz in jeder Art unterstützen würden. Aus dem von dem Geschäftsführer Oberrechnungsrat Kratz (Darmstadt) erstatteten Geschäftsbericht ging hervor, daß der Verein einen Dermögensbestand von 20 850 Mart zu verzeichnen hat. Der Mitgliederstand beträgt jetzt 7517. Die Tierschutz-Zeitschrift erscheint monatlich in einer Auflage von 11 000 Stück. Im vergangenen Jahre wurden 257 Anzeigen wegen Tierquälerei an die Strafbehörde weitergeleitet, die Strafen von 5 bis 195 Mark, und in drei Fällen Haftstrafen aussprach. Der Redner gedachte dann der Verhandlungen im Gesetzgebung s- ausschuß des Hessischen Landtags über die Förderung der Bestrebungen zur Schaffung moderner und hygienischer Schlachthäuser und humanster Schlachtmethoden. Rach einer Rundfrage sind in Hessen zur Zeit in 75 Orten 78 Storchennester a l s bewohnt fest gestellt worden. Professor Dr. Spilger (Darmstadt) ergänzte den Jahresbericht in verschiedenen Einzelheiten und hob besonders die ethischen Werte des Tierschuhgedankens hervor. Tätigkeits- und Jahresbericht, sowie Entlastung und Voranschlag 1931 wurden einstimmig genehmigt. An Stelle des verstorbenen Schriftleiters der ..Allgemeinen Tierschutz-Zeitung", Professor D ö l- fing, wurde Professor Dr. Spilger bestellt. Der Vorstand setzt sich nunmehr aus Ministerialrat Jung, Ministerialrat Dr. Mt« stadt, Oberregierungsrat Dr. Lauteschlä - g e r , Oberrechnungsrat Kratz, Professor Dr. Spilger, Ministerialrat Dr. Gadow, Polizeidirektor Dr. ilfingcr und Veterinärrat Dr. Bausch zusammen. Die Versammlung stimmte dem Vorschlag des Ausschusses zu. an verdiente Tierpfleger und nn Polizeiaufsichtspersonen 104 Diplome und 1345 Marl An er len- nungsvrämien zu verteilen. Den Abschluß der Tagung bildete ein Vortrag von Rektor Pfeiffer (Birkenau) über den Raturschah. Kleine Strafkammer Gießen. Gießen. 31. Olt. Ein Arbeiter aus Bad- Rauheim hatte, nach feiner Angabe auf Veranlassung dunkler Hintermänner, die ihm in der Hauptverhandlung als Zeugen zur Seite stehen wollten, wie gewöhnlich aber im entscheidenden Augenblick von nichts wußten, in einem Eingesandt an die „Bad-Nauheimer Zeitung" die Behauptung ausgestellt, um bei der Verteilung ber Patienten berücksichtigt zu werden, müsse man an die Beamten des Konitzkistifts Schmiergelder bezahlen. Wegen dieser ehrenrührigen Behauptung, für die er nicht den geringsten Beweis erbringen konnte, war er vom Amtsgericht Dad-Rauheim wegen übler Rachrede zu einer Geldstrafe von 2 0 0 Mark verurteilt worden. Inzwischen hat er sein Unredjt eingesehen. die Beleidigungen zurückgenommen und öffentliche Ehrenerklärungen abgegeben. Mit Rücksicht darauf wurde die für feine Verhältnisse sehr hohe ©träfe heute ermäßigt. Eine Verhandlung wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Lenker eines Kraftwagens (Zusammenstoß bei Okarben in eines Kurve) wurde vertagt: es soll Lokalaugenschein stattfinden. Kirche und Schule. Jahresversammlung der Inneren Mission. Olm Sonntag und Montag hielt der Hessische Landesverein für Innere Mission und LandesverbandderInnerenMis- sion in Hessen in Michelstadt und Erbach seine diesjährige Hauptversammlung ab. In den stark besuchten Gottesdiensten am Sonntag predigten in Michelstadt Dekan ‘Bern« deck von Darmstadt, in Erbach Ober-Kirchenrat Dr. Müller. In den Kindergvttesdiensten erzählten Berufsarbeiter der Inneren Mission der Jugend aus ihrer Arbeit. Die Aachmittagsver- sammlung fand in Stockheim statt: der Geschäftsführer des Evangelischen Siedlungsdienstes in Bielefeld, Dr. Schulz, hielt einen Vortrag über „Die Deutsche Ostsiedlung als nationale und wirtschaftliche Aufgabe des deutschen Bauerntums". Die Abendversammlungen in den beiden Städten boten Vorträge von Direktor l). O h l, Langenberg, und Psarrer Waldeck, Darmstadt, in Michelstadt, und von Direktor Röhricht, Darmstadt, und Direktor Schneider. Rieder- Ramstadt in Erbach. Am Montagmorgen fand eine öffentliche Versammlung in Michelstadt statt, in der Direktor O. O h l einen Vortrag hielt über das Thema: „Innere Mission und Kirche." An der Besprechung beteiligten sich vor allem die Ober- Kirchenräte 0. Wagner. Zentgraf und Dr. Müller. Anschließend gab der Direktor des Hess. Landesvereins den Jahresbericht, der unter das Thema gestellt war: „Die Innere Mission im Dienst der Kirche." Der Bericht zeigte, daß die Innere Mission in Hessen große Aufgaben hat und das; an deren Erfüllung eifrig gearbeitet wird. In der Rachmittagsversammlung wurden im Anschluß an einen weiteren Vortrag von Dr. Schulz praktische Fragen des Ev. Siedlungsdienstes erörtert. Im Anschluß daran faßte die Versammlung den Beschluß, in Verbindung mit dem Hessischen Landesvercin für Innere Mission in Darmstadt eine Beratungsstelle für Siedlungswillige einzurichten. Dorfkirchentagung in Nidda. Der Dorfkirchenverband für das südliche Oberhessen hielt feine 12. Tagung am Dienstag in R i d d a ab. Eine stattliche Anzahl Lehrer und Pfarrer war dazu erschienen. Die Tagung wurde, wie üblich, mit einer kurzen Andacht eröffnet. Rach Begrüßung durch den Vorsitzenden, Dekan Scriba (Ridda) sprach Prof. D. Cordier (Gießen) in zweistündigem Vortrag über „Die Krisis des Bauerntums als Erziehungsaufgabe". Mit erfreulicher, freilich oft auch erschütternder Offenheit stellte er im ersten Teile seines Vortrags die Lage des gegenwärtigen Bauerntums dar. Er kennzeichnete sie von verschiedenen Seiten als eine ungeheure wirtschaftliche, gesellschaftliche, geistige und religiös-kirchliche Erschütterung, die freilich alle im engsten Zusammenhang miteinander stehen. Er wies insbesondere nach, wie das Bauerntum in dieser Krisis durchaus nicht allein- steht. sondern mit der Erschütterung aller Stände, ja des ganzen Menschentums, aufs engste verflochten ist. Wie schon in früheren Liebergangszeiten, so wird auch in der gegenwärtigen Zeitwende das Bauerntum von der allgemeinen Krisis besonders stark berührt. Der zweite Teil des Vortrags suchte die Er^iehungsaufgabe in dieser Loge zu umschreiben. Richt eine wahllose Stützung des erschütterten Alten kann die Aufgabe des Erziehers in Schule und Kirche sein. Sie könnte '■ja auch die schicksalhaft sich vollziehende Welt- -bcwegung nicht aufhalten: sondern mit dem gegenwärtigen Landmenschen gilt es, sich in seine , gegenwärtige Lage hineinzustellen, ja ihm immer mehr die Augen für seine wirkliche Lage zu öffnen, besonders auch für seine enge Verflochtenheit mit allen andern Ständen. Zugleich aber gilt es, auch die furchtbare gegenwärtige Lage von Gott her zu sehen und nach den seelischen Kräften zu suchen, sie ertragbar zu machen. Was an gesunden alten Kräften noch vorhanden ist, gilt es umzuformen und so für die neue Lage fruchtbar zu machen. Aber es gilt ebenso auch nach Ansatzpunkten zu suchen für eine Reugestaltung des geistigen, sittlichen und religiösen Lebens. Schule und Kirche haben hier gleicherweise ihre großen Aufgaben. Spielplan der Frankfurter Theater. O X ernhaus. Sonntag, 2. Rov., von 15 bis nach 17.39 Ahr: Der Freischütz: von 19.30 bis nach 22 Ahr: Der Barbier von Sevilla. Montag, 3., 19.30 bis 22.30: Der Tenor der -Herzogin. Dienstag, 4., 19.30 bis nach 22: Ausstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Mittwoch, 5., 19.30 bis nach 22: Der Barbier von Sevilla. Donnerstag, 6., 19.30 bis gegen 22.30: Don Juan. Freitag, 7., geschlossen. Samstag, 8., 19.30 bis 22.15 Fidelio. Sonntag, 9., 17.30 bis gegen 22.45: Die Meistersinger von Nürnberg. Montag, 10., 19.30 bis 22.30: Der Tenor der Herzogin. Schauspielhaus. Sonntag 2. Rov., von 14.30 bis gegen 17 Ahr: Anna Christie; 19.30 bis gegen 23: Geschichte Gottfriedens von Derlichin- gen mit der eisernen Hand. Montag, 3., 20 bis gegen 22.30: Charleys Tante. Dienstag, 4., 20 bis gegen 22: Hufnägel. Mittwoch, 5., 20 bis 22.15: Ein idealer Gatte. Donnerstag, 6., 20 bis 22.15: Ein idealer Gatte. Freitag, 7., 20 bis gegen 22: Hufnägel. Samstag, 8., 20 bis 22.30: Wie werde ich reich und glücklich. Sonntag, 9., 15.30 bis gegen 17.30: Charleys Tgnte. 20 bis 22.30: Wie werde ich reich und glücklich. Montag, 10., 20 bis gegen 21.30: Tartüff. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) L. C. in G. Der Verfasser des Buches „Sperrfeuer um Deutschland", Werner Beumelb urg, ist am 19. Februar 1899 als Sohn eines Superintendenten in Traben-Trarbach (Mosel) geboren; er machte den Krieg als aktiver Pionierleutnant im Westen mit, studierte in Köln, war von 1921 bis 1927 Journalist in Berlin und Düsseldorf und lebt seit 1927 als freier Schriftsteller in Traben-Trarbach Beumel- bürg schrieb: „Douaumont" (1923), „Ypern (1924), „Der Strom" (1925), „Loretto" (1926), „Flandern" (1927), „Sperrfeuer um Deutschland" (1929) und den Roman „Gruppe Bosemüller" (1930). Tisch-Tennis. Man schreibt uns: Auch im Verein für Bewegungsspiele spielt man Tisch-Tennis. Die Uebungsavende sind Montags und Mittwochs im Vereinsheim auf dem Waldsportplatz. Canella oder Bruneri? Wer ist der geheimnisvolle Mann, Ein eben ergangener Spruch des italienischen Kasfationshofes focht den Streit um einen Anbekannten, der italienische Gerichte und die ganze Oeffentlichkeit Italiens seit vier Iahren beschäftigt, von neuem an. Ein Turiner Berufungsgericht hat entschieden: Der Anbekannte ist Mario D r u n e r i. Der Kassationshof sagt nein und weist die Angelegenheit zu neuerlicher Verhandlung an das Florentiner Berufungsgericht. Aber in einer Strafsache hat die Turiner Staatsanwaltschaft gefunden: Der Anbekannte ist als Mario Bruneri nicht genügend gekennzeichnet — also ein Gericht sagt: Er ist es, ein anderes sagt. Rein, er ist es nicht. Wer ist es aber? Anwahrscheinliche Schicksale hat der Krieg zur Folge gehabt. Das Schicksal des Anbekannten von Turm ist eines der unwahrscheinlichsten. Am 10. März 1926 griff die Polizei auf bem Turiner Friedhof einen Zerlumpten auf, der über sich feine Angaben machen konnte und dessen Gehaben so war, daß ihn die Behörden in ein Irrenhaus brachten. Dort blieb er als Patient 44170 und in seiner Krankengeschichte stand: Hat offenbar das Gedächtnis verloren: weiß sich an nichts zu erinnern. Eines Tages erschien die Familie C a n e l l a und sagte: Der Kranke ist der Gymnasiallehrer Giulio Canella, der im Krieg als Hauptmann diente und in Albanien verschollen ist. Sie übernahm den Kranken, dessen Zustand sich in ihrer Pflege soweit besserte, daß er seine Kusine heiratete. Der Ehe entsprossen zwei Kinder. Aber da kam die Familie Bruneri und behauptete, der Kranke ist gar kein Kranker, sondern ein Simulant und er heißt Mario Bruneri, ist Buchdrucker und stellt sich geistesgestört, weil ihn die Gerichte suchen. Ter Kampf beginnt. Daß die Canellas um den Anbekannten kämpfen, begreift man. Sie haben ihn als tot beweint, er wurde ihnen lebend wiedergegeben — aber welchen Wert legen die Druneris darauf, Mario ein- sperren zu lassen? Seis drum: die Gerichte wurden angerufen. And jetzt begab sich das Erstaunliche und manchmal Anfaßliche, daß objektive Kennzeichen auf beide stimmen. Zeugen können sich irren, Lichtbilder müssen nicht einwandfrei fein. Aber was soll man fagen, wenn die Bruneris angaben: Mario hat eine Operationsnarbe an der Brust, so und so sieht sie aus? And wenn gleich darauf die Canellas anführen, Giulio hat eine Operationsnarbe an der Brust, so und so sieht sie aus? Der Anbekannte hat eine Rarbe, die Bruneris sagen: „Ra also, das ist ja die Rarbe Marios!" And schon rufen die Canellas: „Nie! Das ist haargenau die Narbe Giuliosl" Daß die beiden einander wie Doppelgä ger ähnlich sein müßen, ist klar, weil ja sonst der ganze Streit unmöglich wäre. „Der Haaransatz ist tiefer als bei Canella", sagen die Bruneris, „es ist Mario. Hier die Lichtbilder." Die Canellas bringen eine ärztliche Autorität, welche nachweist, daß bei geistigen Störungen oft die Haare tiefer in die Stirn hineinwachsen. Zeugen. Beide Parteien bringen Zeugen. Gewesene Soldaten kommen und sagen: „Es ist Canella, unser Hauptmann." „Was heißt das?" sagen die Bruneris, „hier sind Zeugen, die Mario kennen. Die Opfer seiner Streiche geworden sind. Bei denen dieser Vagabund gewohnt hat!" And der Anwalt der Bruneris gibt zu bedenken, daß die Zeugen der Canellas einen Menschen wiedererkennen wollen, den sie zuletzt 1916, im Toben des Weltkrieges gesehen haben wollen. Mario ist aber erst 1926 verschwunden, vor kurzer Zeit — wo ist er? Die Canellas haben doch eine große Belohnung ausgeschrieben, wenn er sich den man auf dem Tunner Friedhof fand? melde, wo ist er? Gr läßt es sich als Canella Wohlergehen und denkt nicht daran, seinen Schwindel zu enthüllen. Und die Fingerabdrücke? Mario ist kein unbeschriebenes Blatt. Die Polizei hat seine Fingerabdrücke in ihren Archiven. Sie werden beschafft, der Anbekannte muß sich die seinen abnehmen lassen — sie stimmen mit denen Marios überein! Die Bruneris sagen: „Ieht gibt es keinen Zweifel mehr. Es ist Mario!" And die Canellas antworten: „Ist menschliche Wissenschaft so unfehlbar? Können die Ottten, die Karten mit den Abdrücken im Archiv der Polizei nicht vertauscht worden sein? And wie viele Zufälle gibt es noch, die wir nicht anführen und die unheilvoll gewaltet haben können! Was soll uns der Papierbeweis, hier ist das Qeben: Der Anbekannte weiß Dinge aus der Familie, die nur Giulio Canella wissen kann. Er weih Dinge, die sich auf dem Gymnasium abgespielt haben, auf dem er unterrichtet fjat. Woher könnte Bruneri sie wissen?" And die Familie Canella stellte neue Anträge! Sie verlangte die Blutprobe, obwohl auch die täuschen könnte. Sie verlangte die Antersuchung durch einen Sprachforscher. Die Kinder sprechen in Italien selbstverständlich wie auch anderswo den Dialekt ihrer Gegend, erst die Schule bringt ihnen die Schriftsprache bei. Bruneri ist Piemontese, Canella Venezianer. Ein Sprachforscher mühte also aus seinem Wortschaft, aus gewissen Wendungen die notwendigen Feststellungen machen können. Beide Beweisanttäge hat das Gericht seinerzeit abgelehnt. Darum ist das Urteil aufgehoben und das Florentiner Berufungsgericht angewiesen worden, die Dache neuerlich zu untersuchen. Neue Beweise. Die Canellas haben bereits neue Beweise bereitgestellt. Die werden dem Gericht ein Lichtbild vorlegen, das Hauptmann Canella in einem türkischen Gefangenenlager zeigt; er hat also nach der Zeit, zu welcher er als vermißt gemeldet wurde, noch gelebt. Ein Mitgefangener wurde ermittelt, der den Anbekannten als den Mann wiedererkennt, der wohl für andere Briefe schrieb, selbst aber keine Nachricht nachhause sandte und sich immer still abseits hielt. Dieser Gefangene, so sagt der neue Zeuge aus, ist dann nach Konstantinopel gebracht worden, und der Anbekannte hatte, als er in Turin aufgegriffen wurde, einen aus Konstantinopel datierten Brief bei sich. 1923 und 1924 zog ein geheimnisvoller zerlumpter Wanderer durch Venezien. Leute, die ihn damals gesehen, gesprochen, beherbergt haben, wurden ermittelt. Sie sagen, es wäre Canella. Bruneri verschwand erst 1926. And in Paris fand man einen Soldaten, der beweisen kann, daß er mit dem Heimkehrenden, der später in Turin aufgegriffen wurde, bei Tarvis über die Grenze gegangen ist, wobei der Soldat festgenommen wurde. Wieder werden Richter zu entscheiden haben: ist es Canella, Gymnasiallehrer, Hauptmann, Gegenstand liebevollster Sorgfalt und Betreuung einer Familie, der er doppelt teuer ist, weil sie ihn verstümmelt oder tot glaubte? Ist es Bruneri, Buchdrucker, Vagabund, der verschwand, weil er den Behörden ein Schnippchen schlagen wollte und den seine Familie um jeden Preis hinter Kerkergitter bringen will? Wer ist der Anbekannte, den man irr und wirr auf dem Friedhof von Turin auf griff? Kann da ein Gericht entscheiden? Liegt da nicht die oberste Entscheidung im Mitgefühl und der Menschlichkeit? A. Rundfunkprogramm. Sonntag, 2. November. 7: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.30: Orgelkonzert. Das evangelische Choralvorspiel vor und zu Bachs Zeit. 10: Im Kinderkrankenhaus. 10.30: Don Kassel: Stunde des Chorgesangs. 11.30: Norbert Iacques liest aus seinen Erzählungen. 12: Reformationsfeier, veranstaltet von der Evangelischen Landeskirche Frankfurt a. M. 13.10: Mittagsständchen. 14: Stunde der Iugend. Aus dem Schahkästlein der rheinischen Hausfrau. 15: Don Worms: Die Wormser Herbstmesse. 15.15: Stunde des Landes: „Was lernt die Landwirtschaft aus der letzten Schweinezählung?", „Was geht in der Welt vor, und was geht es mich an?“ 16: Von Wiesbaden: Konzert. 18: Theaterwoche des Südwestdeutschen Rundfunks. 19.30: Aus der Liebfrauenkirche Cannstatt: Atterseelenfeier. 20: Das Herzwunder. Mirakelspiel in einem Aufzuge von W. von Scholz. 21.15: Die arme Mutter und der Tod. Ein Wintermärchenspiel nach Andersen. 23 bis 24: Unterhaltungskonzert auf Schattplatten. Montag, 3. November. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert, 12.20: Schallplattenkonzert: Operetten-Konzert. 15: Ein rheinischer Weberjunge erzählt. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Der psychische Faktor in der Krankenpflege", Vortrag von Professor Dr. Dr. Erich Stern, Mainz. 18.35: Richard Huelsenbeck lieft aus seinem Buch „China frißt Menschen". 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Aus dem Großen Saal des Saalbaues Frankfurt a. M.: 3. Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins. 21.15: Das göttliche Abenteuer. Hörspiel von Falke-Leonhardt. 22.30: Tanzunterricht. 23: Tanzmusik. 0.30 bis 1.30: Nachtkonzert. Stille Stunde. Dienstag, 4. November. 7.30 bis 8.30 Ahr: Frühkonzert des Rundfunkquintetts. 12.20: Schallplattenkonzert: Ioh. Seb. Bach. 15: Hausfrauen-Nachmittag. 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Rassau und Südwestdeutschland", Vortrag von Landeshauptmann Lutsch (Wiesbaden). 18.35: „Eindrücke aus Neuseeland", Vortrag von Kapitän L. von Arnauld de la Periöre (Berlin). 19.05: (Mannheim): «Die neuzeitliche Ausbildung des praktischen Landwirts", Vortrag von Londes- ökonomierat Sack. 19.30: Zeitbericht: Sowjet-Parteikongreß in Moskau. 20. Operetten-Konzert des Rundfunkorchesters. 21.30: Vortragsstunde von Hermine Körner. 23: (Don Budapest): Zigeunermusik. Mittwoch, 5. November. 7.30 bis 8.30 Ahr: (Von Gießen): Militärkonzert des Musikkorps des I. Hess. Grenadier-Bataillons 15. Inf.-Regts. Gießen. 10.20 bis 10.50: Schulfunk — Gegenwartsstunde: „Wie ein Gesetz zustande kommt", Vortrag von Stadtrat a. D. A. Iaspert, M d. L. 12.20: Schallplattenkonzert: Opern-Kon- zert. 15: Stunde der Iugend. 16: Nachmittagskonzert. 18.05: „Der Eestaltwandel des Orients", Vortrag von Dr. Hans Kohn. 18.35: Esperanto-An- terricht. 19.05: „Die rheinische Dichtertagung", Vortrag von Eduard Ernst. 19.30: Duette. 20: Gastspiel Ludwig Wüttner. 21.15: Die Stimme und ihre Deutung; ein Experiment von Alfred Auerbach. 21.45: Die Instrumente des Orchesters; 10. Vortrag von Hans Rosbaud. Donnerstag, 6. November. 7.30 bis 8.30 Ahr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Stunde der Iugend. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Zeitfragen. 18.30: Eine Viertelstunde Deutsche Reichspost. „Die Vorteile des Paketversandes", Vortrag von Oberpostinspektor Noll. 18.45: Eine Viertelstunde Deutsch. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Konzert des Rundfunkorchesters. Iosef Lanner (1801—1843). 21.00: Robert-Koppel- Abend. 22: I. Studienkonzert. Zeitgenössische Musik. 23.15 bis 0.30: Saarbrücken: Tanzmusik. Freitag, 7. November. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert des Aundfunkquin- tetts. 12.20: Schallplattenkonzert: Für jeden etwas. 15: „Musik und Turnen im Kindergarten", Vortrag von Mathilde Rathmacher. 15.25: „Erziehung zur Gesundheit in Schule und Elternhaus" Vortrag von Stadtmedizinalrat $>r. Hagen. 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Buch und Film. 18.35: „Briese, die ihn erreichten." Etwas über Rechtsverhältnisse bei Postsendungen. — Vortrag von Amtsgerichtsrat Dr. Wolff-Williger. 19.05: „Aufgaben der Berufsschule", Pädagogischer Vortrag. 19.30: Gitarrenkonzert von Luise Walker, Wien. 20: Anekdoten, vorgelesen von Martin Lang. 20.15: Io- lanthe. Lyrische Oper in einem Aufzuge. 21.30: Lottchen besucht einen tragischen Film. Szene nach einer Kurzgeschichte, von Kurt Tucholsky. 22.30 bis 24: Anterhaltungsmusik. Samstag, 8. November. 7.30 bis 8.30: 'Frühkonzert auf Dchallplatten. 10.20 bis 10.50: Schulfunk: Englisch. 12.20: Schallplattenkonzert: Wunschkonzert. 14.30: Stunde der Iugend. 16: Militär-Konzert des Musikkorps des 1. Gren.-Btl. des 13. (Württ.) Infanterie- Regiments. 17: Tanz-Tee. 18.05: „Der Himmel im Rovember und Dezember. — Das erweiterte Milchstraßensystem und die Weltinsel", Vortrag von Professor Edmund Sittig. 18.35: Stunde der Arbeit: „Die neuen Bestimmungen der Krisen- fürsorge", Dorttag von Hugo Dornheim. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30 (aus Mannheim): Kammermusik. 20.15: Wie bleibe ich arm und glücklich? Hörspiel von Ossip Dymow. 21.30: Bunte Stunde. 22.45 bis 24: Tanzmusik auf Schallplatten. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Provinzialstrahe oder besserer Feldweg? Diese öffentliche Anfrage an die Prooinualstraßen- bauverwaltung und an das Städtische Tiefbauamt Gießen erscheint mir dringend notwendig. Wer bei der Dunkelheit den Leihgesterner Weg verläßt, merkt am Aulweg sofort, daß er sich jetzt auf einer Provinzialstraße befindet — aber, wohlgemerkt — einer sogenannten O-Straße. Ach- tung! „Hosen hochkrempeln!" Man patscht von einer Wasserpfütze in die andere. „Schlaglöcher" werden diese unliebsamen Erscheinungen von den Kraftfahrern genannt. Daß nicht schon Unglücksfälle bei Radlern ober Motorradfahrern infolge dieses Straßenzustandes vorgekommen find, muß eigentlich verwundern. „Rechts fahren!" ist Vorschrift für Fahr- zeuge. Für Kraftfahrzeuge ist das auf dieser „Straße" beim besten Willen nicht möglich. Das können alle bezeugen, die diese Strecke bis zur Bergfchenke fahren. Soweit mir bekannt ist, hat die Stadt Gießen die Unterhaltung dieser gerade sehr schlechten Straßenstrecke. Richt viel rosiger sieht die Straße aber weiter nach Leihgestern zu aus. Wenn ich recht unterrichtet bin, wurde diese Straße 1906 zum letztenmal gewalzt. In der Nähe der Berg- schenke lugen die Grundbausteine teilweise 5 cm aus dem Untergrund hervor. Die im Bergwerkswald vor Jahren tief gegangenen, Senkungen bedürften doch nun endlich auch einer gründlichen Befestigung. Warum wird eigentlich gerade diese Straße in der Umgebung Gießens so stiefmütterlich behandelt, während alle anderen nach den Vororten Gießens führenden Straßen in gutem Zustande sind? Ich rate den maßgebenden Stellen, bei dem jetzigen schlechten Wetter die angegebene Straße einmal zu besichtigen, und sie werden die als Ueberschrift gewählte Anfrage begreifen können. Hoffentlich findet diese Anfrage ihre Beantwortung durch baldige Verbesserung dieser Zustände. Einer, der i m Sinne vieler schreibt. (Ein Stoßseufzer aus Großen-Linden. Großen-Linden, 31. Oktober. Die hiesige Frohnhofstraße, ihrem Aussehen nach der schlechteste Weg in der Gemarkung, gleicht zur Zeit wirklich einem Jammerbild. Wer vom Stein- weg ober von der Frankfurter Straße kommend in dieses Gäßchen gerät, muß sich im Augenblick nach Polen versetzt fühlen. Jetzt hat man auch einen Fußsteig errichtet; wer allerdings zu diesem Plane den Entwurf gemacht hat, muß erst vormachen, wie er, ohne verdreckt zu werden, auf diese Schlackenmijchung kommen kann. Hier befinden sich Anlieger, die noch keine Rinne haben diese können ohne einen nassen Fuß nicht auf die Hauptstraße gelangen. Diesem Zustand will man jetzt abhelfen, indem man die Gosse um zirka 20 Meter verlängert; damit ist aber nur einem Anlieger gedient, und die anderen zahlen scheinbar keine Steuern. Daß die Gemeinde wenig Geld hat. wissen wir zu gut, aber daß die Straße in diesem Zustand bleiben kann, ist ein Unding. Wenn uns die Gemeinde von unseren Steuerverpflichtungen befreien will, braucht sie sich um nichts mehr zu kümmern. Mehrere Anwohner. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufträge find lediglich an Geschäftsstelle zu richten. $fir unverlangt eingesandle Manuskripte ohne belgefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. L?ie Lmahmng^ wissmschasi-lehrt: -ZwelKOn Milchkathreiner'1' find nahrhafter als Ihn Eier / ZDaher sagt mau mit i&M: tvct Milchkathreiner trinkt,der-ißt? tjW AMmus: halb DAär. halb recht starker Kathreiner «md jcfct von unseren Ärzten tnd empfohlen/ WWW-MWW Vornan von Hans Friedrich. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag OSkar Meister. Werdau L 6a. 20. gortfehung. Nachdruck verboten. .Bienenschwarm!" sagte der junge Iagdhcrr verächtlich und stelzte barm kurz entschlossen die Treppe hinan. .Ich must mir daS Glück von der Seele reden. Mute soll als Erste wissen, dast ich den Hirsch zur Strecke gebracht hab!" dachte er, ganz angefüllt mit seiner Iagdangelcgenheit. Diese Weid- marrnsfreude liest nicht einmal ein Gefühl der Besorgnis um die Malerin aufkommen. Dem Fraulein war's .net gut“. *Ha ja, das kam von der verrückten Kletterei. Würde wohl nicht gleich anS Sterben gehen. Und dann fand er Mute bis an die Nase xu- gedeckt im Bett. 3n ihren Äugen war ein trüber Glanz. .Aber Schlankl, was machst denn für G'schich- tcn?“ Schwaihofer trat zu ihr ans Bett. Ein Blick sagte ihm genug. „ Ä Bergsieber hat dich gepackt!" Sie sah stumm zu ihm auf, versuchte ein mih- glücktes Lächeln und liest ihm aus purer Interesselosigkeit die Freude am brüderlichen.Du", das er gewist aus der Kustserie beim Abstieg au« der Jagdhütte ableitete. Und als sie nicht antwortete, teilte er ihr die Wichtigkeit, die ihn herunter ins Tal gejagt hatte, ohne Umschweife mit. .Denk dir nur, Mutl: Ich hab den Sechzehn- ender aus die Decke gelegt! Und mit einem so blitzsauberen Schuh, dast der ©meiner Sepp ganz narrisch q worden ist! Wie abgezirkelt hat die Kugel g'sessen." .Ich gratuliere!" kam eS teilnahmslos aus Mutes Mund. Aber ihre Augen flehten: Last mich nun allein! Verwünscht, wenn die anderen erfuhren, dast Schwaihofer sie in ihrem Zimmer aufgesucht hatte, konnte der schönst« Klatsch entstehen. Ein hübsche- Mädel wird ohnedies dauernd von hundert Augen belauert. Doch der Jäger reagierte nicht auf telepathische Wünsche. 2m Gegenteil, sich über die Fiebernde beugend, raunte er: .Du muht wieder g'sund werden, Mutl! In ein paar Tagen kommt mein alter Herr aus München, dann gehört mir die Jagdhütte nicht mehr allein. Und bis dahin wolltest du mich doch malen." Sie verzog den Mund zu einem schmerzlichen Lächeln. .Da kann nichts draus werden. Meine Farben liegen oben in der Felsschrunde am Grieskofel." Für einen Moment huschte ein Schatten über das gebräunte Gesicht des jungen Nimrods. Er muhte an den leidigen Kuh denken, den Gutenberg erhielt, und den et ihm doch gar nicht gönnte! Dann brach eS plötzlich aus ihm heraus: .Du. Mutl. ich fahre heut nach 2nir8- druck. Tätst dich freuen, wenn ich dir einen neuen Malkasten mitbring'?" 2etzt wurde sie warm. Der Glanz ihrer Augen verstärkte sich. Und ganz leis« sagte sie nur: »Bist ein guter Kerl. Ludwig." Sie überwand sogar die schlaffe Müdigkeit und Zerschlagenheit der Glieder, diktterte ihm ihre Wünsche. .Gib acht: Künftlerölfarben, möglichst Düsseldorfer oder Dresdener, wenn du kriegen kannst. Und außer den Grundfarben muh ich noch lichten Ocker, Umbra hell, Zinnobergrün und Krapplack rosa haben." Sie lieh ihn die Pinselgröhen und Malmittel aufschreiben. Dann Palette und Staffelei. Zuletzt trug sie ihm noch auf: .Und preiswert must alles sein! Ich kann nicht viel dafür anlegen." Malpappen hatte sie noch in den meist gebrauchten Größen. Wenn Schwaihofer morgen aus Innsbruck zurückkam, konnte sie wieder an die Arbeit gehen. .Bleib heut liegen, Mutl. Morgen bist wieder frisch und munter wie a Fischerl im Wasser. Und ich bring dir auch was aus der Apotheken mit fürs Fieber." Er verzichtete auf daS Bussel, strich dem .Schlankl" nur mit seiner großen Hand behutsam und zärtlich über die Stirn, bevor et ging. Erdmute sah ihm mit gewecktem Interesse nach, bis sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte. .Er ist heute ganz anders — gar nicht so toll auf das Weibliche in mir...“ sagte sie versonnen und sank dann in die Kissen zurück. Und Tuxf> tur> vor dem Einschlafen schlich ein Gedanke durch ihr Dewusttsein: Heinz Gutenberg hatte ich erwartet und Ludwig Schwaihofer ist gekommen. Dann träumte sie von dem Jäger, wie er in der Tiroler Hauptstadt für sie Farben handelte, wie er dabei immer an sie dachte. .Für die kranke Mutl...“ sagte er dem Verkäufer, als ob es den Marrn interessierte und als ob es sich um eine weltberühmte Künstlerin handelte. Ja. der Schwaihofer war doch ein guter Kerl! Und nachdem er noch in der Apotheke Aspirin und Muskelsalbe gekauft hatte, trieb ihn die Sehnsucht nach seiner Mutl wieder zum Bahnhof. Der Arlbergzug stand schon unter Dampf. Die Träumende sah den Münchner aus dem Abteilfenster schauen. Und in Statton Oetztal brauchte er nicht umzusteigen in ein Touristen-Auto, sondern die schwer keuchende Lokomotive bog einfach auf die Landstraste ab. Der lange Zug schleppte sich wie eine Riesenraupe durch die Schluchten, über die wackligen Brücken, unter den Felswänden entlang. Der Schwaihofer Ludwig aber sah immerfort aus dem Fenster und winkte mit seinem Taschentuch der wartenden Mutl entgegen. Das arme .Schlankl" ahnte nicht, dast es ein böses Erwachen geben würde, daß di« Wirklichkeit nichts, aber auch gar nichts mit diesem Traum gemein hatte. 18. Schon in München war es der Blondine auf- gefallen, daß ihr auf dem Bahnsteig dauernd ein Herr folgte. Eie hatte ihn ein paarmal flüchtig mit den Augen gestreift. Er war groß und elegant, sah aus wie ein Diplomat oder Finanz- aristo krat. Er trug eine Aktentasche und schien in wichtiger Mission unterwegs zu sein. So toenigftend schätzte Frau Irma Hansew Sie bildete sich nicht wenig auf ihren abwägenden Blick und ihre untrügliche Menschenkenntnis ein. Während des (8infteigen5 verlor he den Unbekannten wieder aus den Augen. ES gab das unangenehme Durcheinander der Reisezeit: Fensterplätze wurden mit viel Ellenbogenfreiheit erobert, Unmengen von Gepäck auf kleinstem Raum verstaut, Dialekte schwirrten durcheinander. Irma Hansen fand nach längerem Suchen ein Raucherabteil erster Klass« noch unbesetzt, bis auf den linken Fensterplatz, der mit einer Aktentasche und einem Hut belegt war. Di« Blondine machte es sich auf dem gegenüberliegenden Polstersitz bequem, ordnete ihr Wuschelhaar, gab einen Hauch Puder auf ihre Wangen und wollte eben ein wenig Rot auf die schön geschwungenen Lippen legen, als ihr Reisegefährte einstieg. Es war der schöne Fremde. lieber sein Gesicht ging ein Leuchten, als er sich verneigte und seinen Namen nannte. Damit war das Eis gebrochen. Mit weltmännischer Liebenswürdigkeit bemühte er sich um Irma, trat ihr sofort seinen Platz ab, als er merkte, daß die Blonde lieber vorwärts fuhr. .Sie wollen nach Innsbruck? O, da haben wir bis Mittenwald gemeinsame Fahrt, gnäbige Frau." Und nun wußte er so anziehend von Tirol zu plaudern, daß die Reiselusttge jetzt erst richttgen Appetit auf die Fahrt bekam. .Gewiß erwartet Sie Ihr Herr Gemahl in Innsbruck?", fragte der Unbekannte, dessen Namen Irma nicht verstanden hatte. Sie wurde ein wenig verlegen. Ihr »Herr Gemahl" war weit vom Schuh. Sie mußte daran denken, daß sie ohne Abschied von Peter gegangen war. Und fast ärgerte sie sich in ganz schwach aufkeimender Abenteuerlust, daß dieser Fremde den Ring an ihrer Hand gesehen hatte. „O nein, wir treffen uns später", log sie keck. Der andere bat um die Erlaubnis, sich eine Zigarette anxünben zu dürfen. Als Irma Hansen gewährend Den Kopf neigte, hielt er eilfertig auch ihr den Keinen goldenen Behälter zum Bedienen hin. Bei den blauen Rauch kringeln einer erlesenen PapyrvS plauderte es sich so * angenehm, daß draußen die Stationen fast ungesehen vorüber- huschten. .Ich habe in Mittenwald mein Standquartier, von wo aus ich Abstecher inS Wetterstein- und ins Karwendelgebirge unternehme. Heute hatte ich eine kleine geschäftliche Sitzung in München, aber nun liegt das auch hinter mir“, berichtete der Reisende redselig. Richt ohne Pathos schilderte er vor allem di« Oehtaler Alpen, die er gut zu kennen schien. .Die Berge um Längenfeld. Sölden und Zwiesel stein müssen Sie gesehen haben, gnädige Frau! So etwas vergißt man fein Leben lang nicht. Und dabei sind viele der Riesen ohne besondere Schwierigkeiten auch von den Damen zu bedingen." Irmas Augen bekamen Glanz. .Man muh sagen: Sie verstehen mit Worten zu malen!“ Der Mann lächelte verbindlich .Ich übertreibe keinesfalls, meine Gnädig«. Im Gegenteil. Ra. Sie werden selbst sehen." Und plötzlich den Ton abfallen lassend: .Nur einen Nachteil hat diese Gegend: Sie ist in der £wxt>- saison stark besucht und der Aufenthalt daselbst nicht ganz billig." Er sagte gleich darauf leise wie entschuldigend: .Aber das kommt für Sie sicher nicht in Betracht. Nur einen Rat darf ich Ihnen wohl geben: Decken Eie sich rechtzeitig mit Schillingen ein, ehe sie über die Grenze gehen." Es fiel der Blondine nicht weiter auf, dah der Fremde jetzt den Blick voll, wie prüfend, auf ihr ruhen lieh. Es schien, als wollte er die Wirkung seiner Worte ergründen. Irma Hansen reagierte sofort. .Oh, das habe ich versäumt! Daran habe ich in München nicht gedacht!" Ihr Reisegefährte schien auf dieses Bekenntnis gewartet zu haben. Sofort zog er die Brieftasche, wandte sich verbindlich lächelnd an die Dame. »Ich bin glücklich. Ihnen mit Schillingen dienen -u können. Genügen Ihnen fürs erst« eintausend?" Und weil Irma Hansen unentschlossen zögerte, fuhr er gleich Überredend fort: „Das sind sechshundert Mark. Nicht zuviel für einen kleinen Aufenthalt." »Aber dann haben Sie doch--“ wandte di« Frau schüchtern ein. Er winkte ab. „Ob, davon kann gar keine Rede fein. 3n Mittenwald bekomme ich so viel österreichisch« Noten, wie ich haben will." Er neigte sich vor, hielt Irma das schmale Bündel Banknoten hin. Fortsetzung folgt.) PERTRIX PERTRIX-BATTERI EN sind von längster Lebensdauer daher im Gebrauch am billigsten? Am Montag, dem 3. 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Kaufmann, Klein-Lin- den; Wilhelm Ruhl, Kaufmann, Klein- Linden, und Ludwig Fetzer, Kaufmann, Gießen. Die offene Handelsgesellschaft hat am 15. August 1930 begonnen. Am 7. Oktober 1930: a) bei der Firma Johannes Reitfchmldt in Watzenborn: Das Geschäft nebst Firma ist auf Johannes Reltschmidt V. Wwe., Anna Margarete geborene Schäfer, in Watzenborn übergegangen. b) Bei der Firma Ludwig Sommer in Klein-Linden: Die Firma ist erloschen. Am 10. Oktober 1930: bei der Firma Gewerkschaftshaus Fritz & Co. zu Giehen: Former Friedrich Fritz ist aus der offenen Handelsgesellschaft ausgeschieden: Angestellter Willi Dolle zu Gießen ist als wei- terer persönlich haftender Gesellschafter eingetreten, beide mit Wirkung vom 1. Oktober 1930. Am 17. Oktober 1930: Die Firma Heinrich Sann in Gießen. Inhaber ist der Kaufmann Heinrich Sann in Gießen. Am 24. Oktober 1930: Die Firma 2Hün- nich & Launspach in Gießen. Gesellschafter sind: Oswald Münnich, Elektromeister, Gießen, und Heinrich Launspach III., Elek- tromonteur, Gießen. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Juli 1930 begonnen. Giehen, den 29. Oktober 1930. _________Hessisches Amtsgericht._________ Beteiligung Dollkaufmann sucht sich mit einer Einlage von NM. 2S000, - an gesundem Unternehmen zu beteiligen. Einlage muß hypothekarisch sicher- gestellt werben. Schrifil. Angebote unter 2482D an den Gieß. Anzeiger. uckerkranke BMV Verlangt vollstand. kosten!. Aulklarg. über glanz.bewährte Melhoie durch: Pb. Hergert, Wieibalee, RUckertttr. 266 Ein Blickgenügt! Hier fehlt nur Hühneraugen- „LEBEWOHL“. Hühneraugen-Lebewohl und Lebewohl-Ballenecheiben, Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf., Lebewohl-Fulbed gegen empfindliche Füße and Faßschweiß, Schichtei (2 Blder) 50 Pf., erhlltlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben: Medizinal-Drogerie Hans Hindenburg, Selters weg 68a; Löwen-Drog. W. Kil- hinger hiachf., Selferswev 79a; H. 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Angebote auf einzelne Lose oder die Gesamtmenge sind bis zu dem am Freitag, dem 14. November 1930, nachmittags 2 Uhr, im Dienstzimmer des Gemeinde- Vorstehers stattfinoenden Eröffnungstermin bei dem Unterzeichneten einzureichen. Salzböden (Kr. Wetzlar), 30. DEL 1930. Der Gemeindevorsteher. _______Bodenbender. bet mfneralftoff armem Futter! Di« vhystolog. vollkommene gero. £ntterkolfc . Nährst- . Mischung Jn,:Bf,°cl(fn8Bn8 Zwerg-marte l 1®ugt sicher vor Äuochenerkrau klingen! ErstauuUche Erfolg« bei Mast tmb Ans. »uchi l «irrige bester! Mehr Milch, Fleisch, Fett, ein! Nur echt in Original. Packung mit Schutzmarke, nie loset — Dnfet „Äatgebet*'(4. Busg.) »eial, 1 wie man richtig füttert! Gratia erhältlich in unseren Verkauft Hellen oder durch Gute solide Waren %u zeitgemäß günstigen Preisen Für den Herrn: Buckskin-Anzüge Mk. 48.- 42.- 38." Kammgarn-Anzüge Mk. 68.- 58.- 48.- Moderne Ulster Mk. 58.- 48.- 38." Schwarze Paletots Mk. 68.- 58.- 48." Gummi-Mäntel Mk. 28.- 18.- 42." 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Von der Direktion der B u d e r u s j ch e n Eisenwerke Wetzlar wird uns mitgeteilt: Der gestrigen Aussichtsratssitzung der Gesellschaft lag der Abschluß für das erste Halbjahr 19 30 vor. Infolge Darniederliegens des Baumarktes find die Umsätze rückläufig. Trotzdem kann, soweit sich das Geschäftsjahr 1930 jetzt bereits übersehen läßt, mit einem bei den heutigen Wirtschaftsoerhältnissen nicht unbefriedigenden Ergebnis gerechnet werden. Arbeiterentlaffungen bei Himmelsbach. Nidda, 31. Oft. 3n den beiden letzten Wochen wurden von der Himmelsbachfchen Holzindustrie etwa 40 Arbeiter entlassen. Weitere Entlassungen sollen bevorstehen. Die Zweigstelle Nidda, mit einer Beleg- schäft von etwa 300 Arbeitern der größte der 3. Himmelsbochschen Teilbetriebe, war während des ganzen Jahres gut beschäftigt. Die jetzt vor- genommenen Entlassungen sind einmal auf den nach beendigter Bauzeit saisonmäßig eintretenden Auftragsmangel, zum andern auf Rationalisier rungsmaßnahmen zurückzuführen. Auch die Reichsbahn soll ihr Kontingent an Schwellen verringert haben. Da sich die Arbeiterschaft des Werkes in der Hauptsache aus den Dörfern Les Riddatales (Cichelsdorf. Rainrod, Anter- und Ober-Schmitten) zusammensetzt, muß nun auch hier mit verstärkter Arbeitslosigkeit gerechnet werden. ♦ 1 Senkung der Kleinverkaufspreise für Hausbrandbriketts in Mitteldeutschland. 3m Rahmen des Programms der Reichsregierung hat auch Las Mitteldeutsche Braunkohlensyndikat Preissenkungen vor» genommen. 3n Verbindung mit den Kohlenhänd- lervcrbänden hat das Syndikat dafür Sorge getragen, daß die Senkung der Kleinverkaufs- prcise nicht auf die von der Produktion gewährten Preisnachlässe beschränkt bleibt. Durch diese Maßnahme ist erreicht worden, daß im gesamten Absatzgebiet des mitteldeutschen Braun- kohlenshndikates die Kleinverkaufspreise für Briketts um mindestens 5 Pfennig je Zentner gesenkt werden. * H e s s e n - N a s s a u i s ch e G a s A G., F r a n k- s u r t a. M. Die der Thüringer Gasgesellschaft und der Stadt Frankfurt a. M. nahestehende Gesellschaft beabsichtigt eine Erweiterung ihrer Interessen durch Erwerb der Aktienmajorität der Limburger Gasbeleuchtungsgesellschaft in Limburg (AK. 210 000 RM.) aus Privatbesitz. Dieser Kauf bedarf noch der Genehmigung des Aufsichtsrats der Hesfen-Nassaui- schen Gas AG. * Rheinisch-Westfälisches Elektrizi- t ä t s ro e r f A G., Essen. In der Aufsichtsratssitzung wurde beschlossen, der GV. am 28. November aus dem nach 24,62 (21,62) Millionen Mark Abschreibungen sich ergebenden Reingewinn von 25,98 (20,33) Millionen Mark wieder 10 v. f>. Dividende auf das volle Aktienkapital von 243 Millionen Mark zu verteilen. Der Stromabsatz erreichte 1929'30 eine Höhe von 2782 (t. 93. 2067) Millionen kWh, stieg also um rund 34 v. H. Urankfurtcr Börse. Frankfurt o. M., 1. Rov. Tendenz:gedrückt. — Die Wochenschlußbörse zeigte in ihrer Kursgestaltung eine weiter absteigende Kurve. Die Kulisse war infolge der ungünstigen Lage stark reserviert und schritt zum Teil zu weiteren Abgaben. Günstige Momente waren nicht vorhanden. Verstimmend ivirkten die zumeist schwächeren Auslandbörsen und die unzulänglichen Erklärungen von Siemens und AEG. Das Geschäft bewegte sich in denkbar engsten Grenzen. Material wurde wohl an den Markt gegeben, doch nahm dies keinen größeren Umfang an, genügte aber, um erneute A b - schwächungen von 1 bis 2 v. H. gegenüber der gestrigen Abendbörse herbeizuführen. Es war jedoch eine gewisse Wider st andssähigkeit im Grundton der Börse zu erkennem die sich auch in der Kursgestaltung einzelner Werte auswirken konnte. Die möglichen Dividendereduzierungen einiger Unternehmen konnten nicht mehr so erschreckend wirken, da sie bei der herrschenden Wirtschaftslage als unvermeidlich hingenommen werden müssen. Nur in Süddeutsche Zucker kam Material in größerem Umfange heraus, und die 1-v. H.-Dividende- reduktion wirkte sich hier sehr ungünstig aus. Sie verloren 4 v. H. Am Elektromarkt waren Siemens und Gessürel mit je minus 1,5 v. H. etwas gedrückt, während Schlickert, Licht & Kraft und AEG. gut behauptet waren. Arn Chemiemarkt bestand für Metallgesellschaft etwas Interesse, bei einem Gewinn von 1 d. H. Farben lagen knapp gehalten. Der Man- tanmarkt hatte ebenfalls nur geringe Umsatztätig feit. Mannesmann besserten sich etwas. Rheinstahl lagen dagegen etwas niedriger. Am variablen Markt machte sich Nachsragc nach Iunghans mit plus 1,75 v. H. geltend. Kunstseideaktien blieben behauptet. Schiffaartswerte waren nur wenig verändert Am Bankenmarkt machte sich etwas verstärkte Abgabeneigung geltend. Die Verluste gingen erneut bis zu 1,5 v. H Rur Barmer Bank lagen leicht erhöht. Renten still. Schutzgebiete waren weiter angeboten und erneut abbröckelnd. Der Pfandbriefmarkt rotes bei kleinsten Umsätzen kaum Veränderungen auf. Im Verlaufe konnte sich die Stimmung etwas bessern, und die Kulisse schritt zu einigen Deckungen. Es stellten sich Kursbesserungen um bis zu 1 vH. ein. Siemens blieben gedrückt. Metallgesellschaft traten stärker in Erscheinung und gewannen noch 1 v. H. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6 vH. weiter versteift. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen' DoUar 4,1966, gegen Pfund 20,38, London gegen Kabel 4,8583, gegen Paris 123,69, gegen Mailand 92,81, gegen Madrid 43,80, gegen Schweiz 25,0340, gegen Holland 12,0628. Berliner Börse. Berlin, l.Nov. Auch zum heutigen Wochenschluß waren Orders von außenstehender Seite nicht eingetroffen, so daß zur Eröffnung schon kleines Angebot genügte, um m e h r p r o z e n t i ge A b - sch l ä g e herbeizuführen. Die vorliegenden Momente waren im großen und ganzen eher ungünstiger Natur. So verstimmten der schwache Schluß bet Neuyorker Börse, die anhaltenden Erörterungen der Dividendeaussichten bei den Elektropapieren, für die allerdings die unveränderte RWE.-Dividende als freundliches Symptom bewertet wird, ferner die weiter ungünstige Lage am Röhrenmarkt und die 1-v. H.-Dividendereduktion bei Klöckner. Schon vorbörslich wollte man am Kalimarkt einen Baisseangriff beobachten, der dazu führte, daß die Salzdetfurth-Aktie zirka 6 vH. unter gestern Schluß gesprochen wurde. In diesem Zusammenhang wurde die Zeitungsmeldung über Entlassungen im Wintershallkonzern, die durch die Ueberfüllung der Lager und den augenblicklichen Rückgang des Kaliabsatzes nötig geworden sind, viel besprochen. Die ersten Kurse lagen dann nicht ganz so schwach, wie vorbörslich taxiert: durchweg gingen die Abschwächungen bis 2,5 v. H. Gedrückt waren Westeregeln und Bergmann: anderseits fielen Berger durch einen 4-v. H.-Gewinn und Deutsche Kabel, Stöhr, Elektrische Lieferungen mit je 1-v. H -Befestigungen auf. Elektrische Werke Schlesien eröffneten auch heute zunächst mit Minus Minus-Zeichen und wurden später mit 62 v. H. festgesetzt, roas einem Rückgang von 12,5 v. H. gegen die vorgestrige Notiz entspricht. Deutsche Anleihen knapp gehalten. Ausländer fast völlig geschäftslos. Bosnier 0,25 v. H. schwächer. Für Pfandbriefe ließ sich infolge der Drberlofigfeit eine Tendenz nicht fcststellen, wahrscheinlich werden sich im allgemeinen feine größeren Kursverluste ergeben. Reichsschuldbuchforderungen leicht anziehend. Der Geldmarkt war noch nicht erleichtert. Tagesgeld und Monatsgeld stellte sich auf 6 bis 8 v. H., Warenwechsel auf zirka 5,5 vH. Im Verlaufe machte sich kleines Deckungsbedürfnis geltend, das bei der Enge des Marktes zu Kursavancen um 1 bis 1,5 v H. führte. Später konnten sich die Besserungen nicht immer behaupten. Das Niveau bröckelte bis auf ben Anfangsstanb ab. Chabeaktien verloren 3 Mark. Elektrische Werke Schlesien waren weiterhin an- geboten. Durch feste Haltung fielen Karstabt auf, bie auf anhaltende Käufe von guter Seite um 2,25 v H. anzogen, nachbem bie Notiz bieses Papiers schon seit einigen Tagen eine beachtliche Wiber- stanbsfähigkeit zeigte. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Zu Beginn der neuen Woche war die Stimmung beruhigter und eher etwas freundlicher, da sich die Gegenstandslosigkeit der Gerüchte über Dankinsoldenzcn in Amerika erwiesen hatte. Da ober Aufträge kaum eingetroffen waren und der Markt ohne Anregungen lag, konnte das Geschäft nur schwer in Gang kommen. Die Folge davon war, daß, auch unter dem Druck einiger ungünstiger Nachrichten und herauskommenden Materials, zumeist Kursabschwächungen cintratcn. Die Kulisse verhielt sich, stark reserviert. Als nachteilige Momente wurden der ungünstige Beschäftigungsgrad im Reiche, die schwächeren Auslandbörsen und die verminderten Reichseinnahmen im September angesehen. Da das Material aber fast nie drückende Formen annahm, blieben die Kursverluste meist ziemlich bescheiden und tragbar. Sonderbewegungen waren nicht zu verzeichnen. Nachdem jedoch die glatte Aeberwindung der Liquidation gesichert war — Prämienware kam kaum an den Markt — wurde die Stimmung wieder freundlicher. Es trafen auch Orders, sogar von Aus- landseite, ein. Das Geschäft nahm im Zusammenhang mit Deckungen der Spekulation in Spezialwerten lebhaftere Formen an. Es ergaben sich teilweise beträchtliche Kursbesserungen. Auch zeigten die Auslandbörsen ein zuversichtlicheres Bild. Bald trat jedoch ein erneuter Tendenzumschlag ein. Ausgehend vom Linoleum markt griff eine starke Der - ftimmung um sich. Deutsche Linoleum waren stark angeboten und wurden erheblich im Kurse gedrückt. Anlaß hierzu boten Gerüchte, die von einer Dividendenreduzierung wissen wollten. Die Berwaltung gab ein Dementi heraus, aber eine Beruhigung trat nicht ein, da in dieser Veröffentlichung gerade der Kernpunkt umgangen wurde. Lediglich wurde von einer günstigen Beschäftigung gesprochen. Man hielt also an der ersten Meinung fest, und das Angebot wurde noch größer, so daß sich im Laufe der Woche ein Gesamtverlust von nahezu 26 Proz. einstellte. Zwischendurch wurde ein Kommuniquö angekündigt, wodurch sich an der Börse eine Beruhigung einzustellen schien, aber nur scheinbar. Denn auch in dieser Veröfsentlichung war die Verwaltung sehr zurückhaltend und schwieg sich in bezug auf die Dividende vollkommen aus. Die Börse konnte sich jedoch, nachdem sich der Sturm gelegt batte, wieder etwas bessern Einige günstige Nachrichten waren selbstv:rüändlich mit- bestiinmend. Dor allem wurde der Abbruch des Streiks der Berliner Metallarbeiter begrüßt. Man hofft, daß bald eine Einigung erzielt werden wird. Auch lagen aus dem Auslande höhere Kursmeldungen vor. Das Geschäft war wieder zufrieden st el le nder. Anregend wirkte noch großes Kaufürteresse für Kunstseidewerte, die angeblich von holländischer Seite stark gesucht gewesen sein sollen. Man sprach von einem besseren Geschäftsgang bei diesen Unternehmungen. Gegen Wochenschluß wurde die Börse unter Beeinflussung von erneuten Abgaben in Dt. Linoleum und Zellstoff Waldhof, bei denen auch eine Dividendenreduktion vorgenommen werden soll, erneut schwächer. Die Kursgewinne gingen größtenteils wieder verloren. Nur Reichsbank (plus 4), Aku (plus 7) und Bemberg (plus 6 Proz.) lagen noch fester. Waldhof hatten 6 Proz. verloren. Sonst lagen die Kurse unter Berücksichtigung des Reports gut behauptet. Schisfahrtswerte etwas schwächer. Anleihen und Pfandbriefe hatten kaum Geschäft, waren aber auch behauptet. Tagesgeld 4 Proz. Am De- Neues für den Büchertisch. — Arthur Kahane: Theater. Aus dem Tagebuch des Theatermannes. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. (393.) — Der Verfasser ist der Dramaturg des Deutschen Theaters in Verlin. der Freund und literarische Berater Max Reinhardts: Arthur Kahane. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen ist ein Buch entstanden, das an Lebendigkeit der Darstellung, an stofflicher Vielseitigkeit, an persönlich Erlebtem von keinem anderen Buche gleichen Charakters übertroffen wird. Neben den modern gesehenen Problemen des Dramaturgischen bilden die Menschen des Theaters den Mittelpunkt. Hier erzählt, enthüllt, kritisiert einer der berufensten Praktiker aus seiner jahrzehntelangen Theaterzeil. Wie ausgedehnt der Verfasser den Begriff Theater faßt, erkennt man bereits aus dem Inhaltsverzeichnis. Kapitel wie: Das Menschliche auf der Bühne: Vom dramatischen Handwerk: Politik im Theater; Wer geht, und warum geht man zum Theater; Das Vorsprechen; Die Rolle; Woran erkennt man ein Talent; Liebe am Theater — um nur einiges aus der Fülle des Behandelten herauszugreifen — fesseln und überzeugen in ihrer meisterhaft-impulsiv geschriebenen und ungeschminkten Darstellung. Der geringe Preis von 2,90 Mk. (272 Seiten in Halbleder gebunden) ist ein besonderer Vorzug dieses Buches. — Beruh ard Fehr: Die englische Literatur der Gegenwart und die Kulturfragen unserer Zeit. (Hefte zur Englandkunde, horausgege'en von Herbert Schäffler, o. ö. Professor an der Universität Köln. Heft 3) 84 Seiten 8°. Kart. 2,50. Verlag Bernhard Tauchnih, Leipzig 1930 (425). — Diese Schrift des bekannten Züricher Anglisten gibt in vorbildlicher Kürze, klarer Gliederung und Ue- bersichllichkeit einen Querschnitt durch die mannigfaltigen Strömungen der zeitgenössischen Literatur in England. Der Verfasser erkennt die wesentlichen Grundlagen, die wichtigen Problemstellungen, die entscheidenden Generationsunterschiede, stellt sie dar und grenzt sie gegeneinander ab. Er läßt aus dem Gesamtbilde die Individualitäten herauswach'en und analysiert die Einzelerscheinungen, ohne dabei auf eine Rest- losigkeit bedacht zu fein, die den Rahmen der Broschüre sprengen würde. Das Charakteristische wird herausgestellt; dabei ergeben sich zwanglos die inneren Beziehungen auch zur deutschen Literatur unserer Zeit. Besonders aufschlußreich erscheinen uns in diesem Sinne etwa die Ausführungen über Joyce, Sheriff und Wallace. Das Ganze: eine gut informierende, zu eignen Entdeckungen anregende Einführung. — Die Handelshochschule, Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften, herausgegeben von Univ.-Prof. Dr. F. Schmidt. — Industrieverlag Spaeth & Linde, Berlin W 10, Wien I. Während die Fachschule, die Fortbildungsschule und die für sie bestimmte Literatur den jungen Kaufleuten die ersten Grundlagen der Wirtschaftswissenschaft vermitteln, haben die Handelshochschulen die Aufgabe, durch streng wissenschaftliche Ausbildung reiferer Menschen Handel und Gewerbe hochqualifizierte Kräfte und Wirtschaftsführer zur Verfügung zu stellen. Das gleiche Ziel stellt sich das große Sammelwerk „Die Handelshochschule", das wie im Namen so auch im Aufbau und der Darbietung des Wissensstoffes sich bewußt an Lehrplan und Lehrmethoden der genannten akademischen Lehranstalten anlehnt. Wie im Lehrplan der Handelshochschule ist auch der Stofs des vorliegenden Werkes in die großen Hauptgruppen Betriebswirtschaftslehre, Volks- wirtschastslehre, Rechtswissenschaft und Crgän- zungssächer, umfassend Genossenschaftswesen, Nachrichten- und Güterverkehr. Wirtschaftsgeographie und Wirtschaftsgeschichte, Bücher- und Bilanzrevision, Steuerwesen, Reklame- und Versicherungswesen, geteilt. Erste Fachwissenschaftler an deutschen Hochschulen geben für ihre Arbeitsgebiete eine eingehende Darstellung des Stoffes, wie er dem Inhalt der grundlegenden Vorlesungen der Handelshochschule entspricht. Besonderen Wert hat das Werk durch seine zahlreichen Beispiele und Uebungen, die das Verständnis erleichtern und den Studierenden zur eigenen Mitarbeit zwingen. Sehr eingehend sind auch die kalkulatorischen Probleme behand.lt und in der Abteilung Buchführung die verschiedenen Buchführungsmethoden unter besonderer Berücksichtigung der modernen maschinellen Buchungsweisen. Wenn man die einzelnen Abteilungen durchsieht, kann man wohl sagen, daß hier dem Studierenden bestes Material in möglichst konzentrierter Form in die Hand gegeben ist, um sich in seinem Beruf über das Durchschnittsniveau hinaufzuarbeiten und zugleich der Wirtschaft ein fachkundiger Mitarbeiter zu fein. Die einzelnen Abteilungen bilden ein in sich geschlossenes Ganze. Das abwechselnde Erscheinen von Teilen der vier Ab- teilungen bringt stets neue Anregung. Das Werk erscheint in 14tägigen Lieferungen zu je 1,50 Mk. Im ganzen werden es rund 80 Lieferungen in einem Gesamtumfang von etwa 5000 Seiten. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Frankfurt a. 2): Berlin Schluß-, tu re | t-Uhr. Kurs Schluß- hird Anfana» Kurs Datum 31 10 1 11 31 10- 1.11 6% Deuklche Reichsanleihe von 1927 ......... 87 _ 87,25 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 ........ 98 _ 98,1 Deutsche Ant.-AblSs.-SchuId mit Auolos.Rechten ..... 54,13 _ 54,25 54,3 DeSgl. ohne AuSlos.-Rcchte . . 6,45 — 6,475 6,4 8% Hell. Bolksslaat von 1929 (rüdtablb. 102%)...... 88,5 89 _ dberhessen Provinz - Anleihe mit Auslos.-Rechten..... 50,5 _ _ _ Deutsche Komm. Cammelabi. Anleihe Serie 1 .... 51 _ 51,5 _ 6% Rrantl. Hnv.-Bank Goldpse XIII unkündbar bie 1934 . . . 98,25 _ _ 7% firanff. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 ..... 93,25 _ _ _ <%% Rheinische Hyp.-Bank £iqu. Goldpse........ 85,1 _ 8% Pr. Landespiandbttesanftalt, Blandbriese R. > 9 . - 100 _ 100 8% Pr LanderpsanrbttesanstaU, Komm.-Lbl. N. 20...... '% Br. Landespiandbriesanstalt, Psandbriese R. 21...... 97 _ 97 97 97 — i E.G. abg. BonnegS-Obligatio- nen, rürfiablbar 1932 94 — - <% cenerretchllche Goiorente . . <20% Oesterrcichische Silberrente <% Oekterreichilche Einheitliche 26,5 3 — 26,8 2,95 — Rente . . . 1,75 _ 1,85 _ •*% Ungarische Goldrente .... 23,7 —— 23,8 _ <% Ungarische Staatsrente v. 1910 — 19 — 4^r% besgl. von 1913 19,5 — — 4% Ungarische Kronenrente . . • 4% Türkische Zotlanleihe von 1911 1,85 — 1,85 — 4,4 — _ 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie 1..... 4% desgl. Serie II....... 4,25 -— — 6% Rumänische vereint). Rente von 1903 8,25 8,5 _ •tt% Rumänische veretnh. Rente von 1913 .......... 14,13 14,13 1% Rumänische vereinh. Rotte . 6,85 — 6,85 — Frankfurt a. M Lettin tu re । 1-Uyr- fi re Schlußkurs Äniang- Kurs Datum 31 16 1 11 31 10 1 11 Hamburg.Amerika Paket . . . < 77 — 76.9 75,5 Hamburg-Südam. Tampsschiss . 8 — _ — Hansa Tampsschiss .... 10 — — Norddeutscher Lloyd .... . 8 76,75 76 76,9 75,25 Allgemeine Deutsche Credltanst. 10 98,5 78.13 Barmer Bankverein . . . 10 103,25 103,5 103 103,5 Berliner Handelsgesellschast . 12 130 — 130,25 130 Commerz, und Privat-Bank . 11 115.75 110,5 115,5 114,5 Darmstädter und Nationalbank 12 149,5 — 150,25 149 Deutsche Bank und Disconto.Gesellschaft, . . . 10 111,5 110 111,5 110,5 Dresdner Bank...... 10 112 111,25 112 111 Reichsban!........ 12 — — 228 227 AEG........... . 6 117 117 116,75 115.75 Bergmann........ . 9 — — — 134 Eleklr. LieserungSgelellschafk. 10 — —— 112,5 113,6 Licht und Kraft...... 10 123 123 123,25 122,75 gelten ä Guilleaume . . . ’S 96 — 96 — GelelÜchaft sür Elektrische Unlernebmungen .... 10 — 122 123,25 122,13 Hamburger ElektrizitütS-Wette 10 —— — 115 _ Rheinische Elektrizität . . . . 9 — — — Schlciiiche Elektrizität. . . . 10 — — 117 115,5 ediudett & Co....... 11 132,25 132.75 134,5 132.25 Siemens & Halske ..... 16 177 175.5 177 174.25 Tranoravio . ....... . d — — Labmeyer & Co....... 1( 146,5 — 146,5 — Buderur...... • • . 6 54 — 54 — Deutsche Erdöl ...... . 6 — 67 66 Eilener Steinkohle ..... . 8 — - — — Gelsenkirchener ...... . 8 89,5 89 — . 0 89 — 88,25 — Hocsch Eisen..... • . 6% — —— 78,25 Itie Bergbau....... 10 220,5 — — Klöchiermcrke . ...... . 7 69 —— 69,25 69.25 Köln-Rcuessen....... . 7 — —— 81 — Mannesmann-Röbren ... . 7 72 72,5 73,25 73 Man-sclüer Bergbau .... e < 39 — 39 Lberichles. Eisenbedars ... . d —— — — — . 7 — 76.75 75,75 Phönix Bergbau...... cy, 66,75 — 67,5 67,13 Rheinische Braunkohlen . . 10 — — 174,5 172,75 Rheinstahl . ....... . 6 — 78,25 79.5 78,4 Riehes Mont« ...... V — — — Datum Frankfurt a. 071. Lettin (Schluß« kurs 31 10 t-ilhr- Kur' 1 11 Schluß- für. 31 10 Anfang- Kurs 1 11 Bereinigte Stahlwette . . . Ltavi Minen......16'/, Kaliwette Aschersleben . . . lu Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwette Salzdetfurth ... 15 $. ®. Farben-Invufttte ... 12 Dynamit Nobel.......6 Scheideanstalt........ 9 Goldschmidt ........ 6 Rütgerswette ...<••••. 6 Metallgesellschafk. ...... t Philipp Holzmann......7 Zementwett Heidelberg . . 10 Cementwett Karlstadt. .' . . 10 Wavß & Freytag......8 SSulthetr Patzenhoser ... 15 Cftroerfe.........12 Aku...........18 Bemberg.........14 Zellstoff Waldboi .... IS'/, Zellsloss Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer Gar..... 9 Daimler Motoren . ..... 0 Deutsche Linoleum ...... Not. Automobil ....... 0 £ renitent & koppel . .... 6 Svenska ....... Frankfurter Maichmeo .... 4 G eigner....... 6 Heyligenstaedl ....... 0 Iungdans.........6 Lechwette........ . 8 Mainkraftwette Höchst a. M.. . 8 Miag...........10 Gebr. Roeder...... io Leigt & Haesfner ...... 9 Süddeutsche Zucker . . . . io 68,75 192 193.5 262 140,5 135 43,25 49,13 85.5 79,5 89 52 66,5 69 08.5 81 126,5 118 281 17,5 29,5 25,25 87 71 93 150 139 S 1 1 1 1 1 tS 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 £ 1 1 - 1 T2 ^IIIIS 1 1 1 1 1 68,75 33,4 195 265 140.5 65 43.25 49,5 85,9 52 176,75 141 68,65 69.25 10t) 81.9 83.5 111,75 24 127 35,25 49,13 118 282,5 18 29,5 25,65 72,5 149,75 135,5 68,25 33,25 190 192 260,75 139,25 43 48,75 86 80 175 66,5 67 107,4 80,75 83,25 109,5 24 125,5 34,5 48,5 117,5 280,5 — 25,75 — Banknoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 7N. Serlin, 31. Oktober weid »riet " Amen'ani'che Noten..... 4,186 4,206 Belgische Noten ....... 58,27 58,51 Dänische Noten ....... 111.88 112,32 Englische Noten ....... 20,354 20,434 iZranzousche Noten....... 16,43 16,49 Holländische Noten....... 168,52 169,20 Italienische Noten........ 21,90 21,98 Norwegische Noten....... 111.88 112,32 Deutsch-Oesterreich, 1 1OO Schilling 58,95 59,19 Rumänische Noten ....... 2.47 2,49 Schw-'dnche Noten....... 112,23 112,67 Schweizer Noten ........ 81,19 81,51 Spanische Noten ........ 46.41 46,59 T'chechoilowokische Noten..... 12,395 12,455 Ungarische Roten ..... 73,20 73,50 31 Oktober 1 November Amtlich, Gelb ho teruiiy i'rir ÄmtUch. Geld )'o ierunM »nt Amst.-Nott. 168,83 169,17 168.83 169,17 Buen -AireS 1,437 1,441 1,448 1,452 Brff.Ankw 58,43 58,55 58,435 58,555 tihrittiania. 112,13 112,35 112,14 112,36 Kopenhagen 112,14 112,36 1'2,16 112,38 Stockholm . 112,49 112,71 112,49 112,71 Hei'tngiors. 10,548 10,568 10,548 10,568 Italien. . 21,95 21,99 21,945 21,985 London. . . 20.368 20,408 20,368 20,408 ■'('ennort . . 4,1925 4,2005 4.193 4,201 Poris.... 16,448 16.488 16,45 16,49 Schweiz .. 81,36 81,52 81,355 81,515 Spanien. 46.65 46.75 46.40 46,50 Japan . . . 2,082 2,086 2.082 2,086 Rio de Jan 0,419 0,428 0,426 0,428 Wien in T-- Ceft- abfleft 59,085 59,205 59,09 59,21 Prag . . . . 12,434 12,454 12,434 12,454 Beilrad . . 7,431 7,445 7,431 7.445 Budapest. . 73,37 73.51 73,37 73,51 Bui arien 3,037 3,043 3,037 3.043 Lissabon 18,81 18,85 18,81 17,85 Danzig. . . 81,48 81.64 81,48 81.64 Konst ntin. 1,784 1,789 1.784 1.789 Athen. . 5,43 5,44 5,435 5,445 Canada . . 4,197 4.205 4,197 4,205 Nrn uatj. 3,257 3,263 3,257 3,263 tiatro .. 20,885 20,925 20,885 20,925 Visenmarkt lag Spanien weiter fest. Devisen waren meist angeboten: die Mark hatte wieder normalen Stand. Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachtviehmarkt. Am Frankfurter Schlachtviehmarkt hielt sich das Geschäft in dieser Woche in engen Grenzen. Die Preisgestaltung war uneinheitlich. Lediglich am Schweinemarkt scheint sich jetzt doch eine Besserung durchsetzen zu wollen. Das Geschäft war trotz des gröberen Auftriebes lebhaft, was jedoch in den amtlichen Notierungen nicht zum Ausdruck kam. Namentlich gegen Ende der Woche war der Handel sehr lebhaft bei Preissteigerungen bis zu 5 Mk. — Der Rindermarkt litt naturgemäß mehr unter diesen Umständen. Namentlich waren Kühe seither stark vernachlässigt, doch rechnet man sch»n balv wieder mit einer Belebung des Rindermarktes. Der Auftrieb war in dieser Woche nicht stärker, als In der Borwoche, doch wird er allgemein noch als zu hoch erachtet, da die wirtschaftlichen Verhältnisse immer noch nicht einen größeren Fleischkonsum zulassen. Die Preise waren für Ochsen und Färsen wieder je 1 Mk. niedriger, während Dullen im gleichen Ausmaße anziehen konnten. Kühe hatten unveränderte Preise. Nach ruhigem Handel verblieb wieder größerer Lieberstand. — Am Kälbermarkt war der Handel in der ganzen Woche ruhig, doch war ein weiterer, wenn auch nur kleiner Preisgewinn zu verzeichnen. Geringere Sorten gaben dagegen bis zu 3 Mk. nach, und waren ziemlich stark vernachlässigt. — Am S ch a f m a r k t setzten sich die Preisrückgänge trotz des geringeren Auftriebs weiter leicht fort. Der Gesamtouftrieb bestand aus 1469 Rindern, darunter befanden sich 310 Ochsen, 92 Bullen, 522 Kühe und 446 Färsen, ferner aus 1079 Kälbern, 506 Schafen und 5768 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 23 Rinder und 151 Schweine mehr an- getrieben, während 208 Kälber und 100 Schafe weniger zum Verkauf standen. Bezahl wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen: al) 56—59, a2) 50—55, bl) 46—49; Bullen: a) 33—56, b) 48—52; Kühe: a) 46—48, b) 40—45, c) 35—39, d) 30—34; Färsen: a) 56-59, b) 50—55, c) 46—49. — Kälber: b) 76-80, c) 70—75, d) 62—69. — Schafe: al) 45-48, b) 40—44, c) 35—39. — Schweine: a) 57—59, b) 58—60, c) 59—61. d) 59—61, e) 56—59; Sauen: 48—54. Handball im Gau Hessen (O. T.) Mtv. Gießen — Turngem. Friedberg I. Das zweite Verbandsspiel der Rückrunde führt am nächsten Sonntag auf dem Mtv.-Platze am Schiffenberger Weg die erste Mannschaft der Turngemeinde Friedberg mit der gleichen des hiesigen Männerturnvereins zusammen. Da die Friedberger Mannschaft zur Zeit in Hochform ist und am vergangenen Sonntag sogar den Tabellenersten mit 4:1 überlegen schlagen konnte, werden sich die Männerturner schon sehr an- strengen und in stärkster Aufstellung antreten müssen, wenn sie ein einigermaßen günstiges Ergebnis erzielen wollen. Die zweite Mannschaft des Mtv. empfängt die erste des Turnvereins Heuchelheim. Die erste Iugendmannschaft fährt nach Lich; die Gießener Jungens werden dort einen schweren Stand haben und sehr aus sich herausgehen müssen, wenn sie ehrenvoll abschneiden wollen. Wilhelm-Will-Gaustaffel der OT. Sternlauf nach Gießen. -o- Am morgigen Sonnte g versammeln sich zu Gießen die Vorsitzenden der Turnvereine des SJixfport Amtliche Gpiettermine für Sonntag, den 2. November. Bezirksliga. Süd: FC. Ockershausen gegen Hermannia Kassel; Sport Kassel gegen VfB. Gießen; Spielv. Kassel — Hessen Hersfeld; Germania Fulda — Borussia Fulda. — Nord: 05 Einbeck — SV. Göttingen; SC. 05 Göttingen - Hessen Kassel. 1. Bezlrksklasse. Gruppe Lahn. Frohnhausen — 1900 Gießen. Spielvereimgung 1900 Gießen. Die Ligamannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen steht am Sonntag dem SP. u. Sp. Oranien, Frohnhausen (Dillkreis) im Verbandsspiel gegenüber. Auf Grund eines Vergehens gegen den Schiedsrichter wurde über Oranien (Frohnhausen) eine dreimonatige Plahsperre verhängt. Aus diesem Grunde findet das Spiel nicht in Frohnhausen sondern auf dem Platz an der Liebigshöhe statt. Die Gästemannschaft, die zur Zeit vor 1900 in der Spieltabelle rangiert, verfügt über ganz beachtliches Können unb wird alles aus sich herausgeben, um in Gießen ehrenvoll zu bestehen. Wan erwartet von den Gästen ganz bestimmt, daß sie dem Gießener Publikum ein schönes und faires Spiel liefern und damit dazu beitragen, das Geschehene vergessen zu machen. Die Aussichten für den Spielausgang sind nicht zu beurteilen, da durch den Rücktritt von Kirchhain und Herborn aus der Konkurrenz eigentlich der richtige Kräfte - vergleich fehlt. Wenn auch 1900 am kommenden Sonntag erstmals wieder auf die seither gesperrten Spieler Langsdorf und Zeiler zurückgreifen kann, so ist dies jedoch noch keinesfalls ein Beweis, daß die Mannschaft auch tatsächlich Besseres leistet, wie seither. Den Gießenep mangelt es leider bei aller technischen Fertigkeit allzusehr an Ausdauer und Schnelligkeit. 3n Anbetracht des Platzvorteils rechnet man trotzdem mit einem knappen Sieg der Einheimischen. 'Die Liga..serve-Mannschaft spielt auf dem Trieb gegen die erste Mannschaft vom Sportv. Niederweisel. Auch hier rechnet man mit einem günstigen Abschneiden der Gießener. Hervorgegangen aus dem Turnv. Wieseck, der dem Allgemeinen Deutschen Turnerbund angehört, hat sich seit geraumer Zeit in Wieseck eine Fuß - ballabteilung gebildet, die am Sonntag erstmals mit ihren Aktiven vor die Öffentlichkeit treten wird. Die Genehmigung der zuständigen Behörde vorausgesetzt, findet das erste Spiel vor dem Ligaspiel auf dem Trieb statt. Gegner ist die zufällig spielfreie dritte Mannschaft der Spielvereinigung 1990. 1900s vierte Elf empfängt die zweite Mannschaft des Sportv. Dutenhofen. Es follte der Mannschaft des Platzvereins nicht schwerfallen, zu siegen. DfB. Gießen. Die Ligamannschaft fährt am Sonntag zum zweitenmal in diesem Spielabschnitt nach Kassel, um gegen „Sport" im Derbandsspiel anzutreten. Dor Beginn der Serie glaubte man allgemein „Sport" eine führende Stellung in der Tabelle Der Südgruppe Voraussagen zu können. Eine Reihe von Niederlagen hat die Aussichten jedoch zunichte gemacht. Am vergangenen Sonntag überfuhr sie allerdings den Tabellenletzten, Spielverein Kassel, glatt mit 5:1. In der Elf ist zwar kein überragender Könner, dafür bildet sie aber ein homogencs Ganzes, und stellt, zumal auf eigenem Platz, einen nicht zu unterschätzenden Gegner dar. In welcher Aufstellung die BfD.-Vertretung das Treffen bestreitet, steht noch nicht fest. Man muß von ihr erwarten, daß sie mit mehr Energie kämpft, als am vergangenen Sonntag, wenn sie nicht wertvolle Punkte in Kassel lassen will. Der Ausgang des Kampfes ist ungewiß. Die Ligareserve hat im Verbandsspiel auf eigenem Platz die erste Mannschaft Steinbergs zum Gegner und muß sich sehr anstrengen, wenn sie gewinnen will. In Anbetracht dec Spiel, ä le wi:d sie gut tun, von vornherein auf Sieg zu spielen. Ebenfalls auf eigenem Platz steht die dritte Mannschaft der zweiten Garbenteichs gegenüber. Hier ist ein Sieg der VfBer wahrscheinlich. Handball der Sp.-Vg. 1900. Der Sonntag steht für die 1900er Handballer im Zeichen der Verbandsspiele. Der Kampf um die Punkte sieht die 1. und 2. aktive Mannfchast als Gegner der gleichen Mannschaften des VfL. Wetzlar auf dessen Platz. Es ist bei der Spielstärke der Wetzlarer ein schwerer Gang für die 1900er, und die Erwartungen dürfen nicht hoch gesetzt werden. Der VfL. — das gilt insbesondere von der ersten Mannschaft — wird alles daransetzen, um sich wichtige Punkte zu sichern. Neben den Aktiven kreuzen in einem Freundschaftsspiel die ersten Iugendmannschaften die Klingen. Das Abschneiden der 1900er interessiert in der Hauptsache deswegen, weil die Elf vollkommen neu zusammengestellt ist. Gaues Hessen zu ihrer jährlichen Tagung, die der Klärung und Vertiefung der Verwal- tungsarbeit im Verein und im Verkehr mit den übergeordneten Leitungsstellen im Gau, Kreis und der TT. gewidmet ist. Mit dieser Tagung im Saale des „Aquariums" verbinden die Hessenturner einen großen Staffellauf, den sie nunmehr zum drittenmal zu Ehren ihres langjährigen und verdienstvollen Führers, Gau- oberturnwart Wilhelm Will, Gießen, durchführen. Der Lauf steht unter der Oberleitung des Gauwartes für das Volks turnen, Klimmer, Kloster Haina, und wird unter Mitwirkung der Bezirksturnwarte viele Läufer an der Ehrung teilnehmen lassen. Aus der Wetterau und von der Eder, von der, Dill und aus dem Niddertal reihen sich die Laufstrecken in ununterbrochener Folge aneinander, bis sie allmählich sternförmig zusammenlaufen und die letzten Läufer gegen 15 Ähr in den Strasten der Stadt sichtbar werden, um ihrem Lehrmeister inmitten der Tagung die Grußurkunden der dankbaren Gauturnerschaft zu überbringen. Sportverein 1928 Garbenteich. Sportverein Garbenleich — Sportverein Bieber. Die beiden Mannschaften treffen sich ani Sonntag im fälligen Verbandsspiel in Garbenteich. Obwohl die erste Elf des Platzbesitzers ersatzgeschwächt antreten muß, dürften ihr doch einige Siegesaussichten einzuräumen sein. Die zweite Mannschaft des Sportvereins Garbenteich kämpft gegen die dritte des VfB. Gießen und wird wohl eine Niederlage hin- nchmen müssen. Deutsche Reiter in USA. unplacieri. Die deutschen Reiteroffiziere endeten am dritten Tage des internationalen Reitturniers in Boston in einer Teilprüfung der amerikanischen Armee-Meisterschaft unplaciert. Sieger blieb der Amerikaner Major Chamberlin auf Dickwaring. Hier wird der Jußballkampf Deutschland—Norwegen ausgetragen. >J Das Stadion von Breslau, der Schauplatz des Länderkampfes zwischen der deutschen und der norwegischen Fußballmannschaft am 2. November. - Links oben: Albrecht, der Rechtsaußenstürmer der deutschen Mannschaft. — Links unten: Hofmann (Dresden), der Halblinke deutsche Stürmer. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 2. November. 20. Sonntag nach Trinitatis. R e f o r m a t i o n s f e st. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pft. Becker; Beichte unb hl. Abendmahl für Matthäus, und Markusgemeinde; 11.15: Kindertirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker; 17: Pfr. Mahr. — Dohannesticche. 9.30: Pfr. Ausfeld; zugleich Militärgottesdienst: 11: Kinderkirche für die Fohannesgemeinde; Pft. Ausfeld; 17: Pfr. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde; 20: Dibelbefprechung im Johannessaal; Pfr. Müller. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Llisabeth-Kielnkinder- fchule. 9.45: Pfr. luc. Waas; 18: Pfr. üic. Waas. — filein-Cinötn. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Wieseck. 10: Kollekte für den Gustav- Adolf-Verein; 18 und 20. — Atten Buseck. 9.30: Beichte; 10; 11: hl. Abendmahl; 2. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Reformationsfest; Kollekte für den Gustav- Adolf-Verein; 11: hl. Abendmahl für die Fugend von Staufenberg, 13.30: Lollar; Kollekte.—Hgpftn-Gar- benteich. 10: Garbenteich; 13: Hausen. — wahen- born-Steinberg. Reformationsfest. 13: Hauptgottes- dienft (Kirchenchor Opfer für den Guftav-Adolf-Ver- ein); 20: Missionsstunde (Missionsschwester Stichter). — Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Pfarrvikar Draudt; hl. Abendmahl; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Missionar Blümer. katholische Gemeinden. Samstag, den 1. November. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 2. November. 21. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer: 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 16.30: Beichte; 17: Rosenkranzandacht; 17.30: Predigt unb Andacht für die Abgestorbenen; 19: Beichte. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 17.30: Predigt unb Andacht, dann Beichte. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Predigt unb Andacht, bann Beichte. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 3. November. Allerseelentag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 6 bis 8 Uhr sind hl. Messen. Die hl. Kommunion wird in allen Messen ausgeteilt. 8 Uhr ist ein Seelenamt für alle Verstorbenen der Pfarrei. 20 Uhr: Andacht für die Ab- gestorbenen. — Hungen. 8: Messe nach Meinung. — Laubach. 10: Seelenamt für Verstorbene. — Lich. 7: Seelenamt für alle Verstorbenen. — Nidda. 8.30: Seelenamt. Mittwoch, den 5. November. Hungen. 7 Uhr: hl. Messe. Donnerstag den 6. November. Gießen. 17.30 Uhr: Beichte. Freitag, den 7. November. Gießen. 7 Uhr: Segensamt. Lonntansdicntt d.2lerzte u.'Avotbekeu nm 2.11 30 Ur. Schäffer. Dr. Wolf. Htrfchapotheke. Zahnarzt: in Gonter. *D Frank J.Fahey Frank J. Fahey ist Vizepräsident und General managet der weltberühmten Gilette Safety Razor Compagny. Gilette bringt dieses Jahr ein neues Modell heraus. Welche Bedeutung Fahey der Insertion zulegt, geht daraus hervor, daß er für das neue Modell im Jahre 1930 zehn Millionen Dollar = 42 Millionen Mark für Inserate ausgibt! Das war die __ e Vertrauens: Seisil ist jetzt so billig! 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