Nr. 229 Erstes Blatt 180. Zahrgang Mittwoch, 1. Gttober 1950 Erlchelnl täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Biehener FamilienblStlei Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen sipzeln«Rummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechanfchMffe anterSammelnummer225I. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätt-Vuch- und Stetnörnderei R. Lange in Sietzen. 5chriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 2011 . mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Icd Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Das Ganiemngsprogramm der Michsregierung. Ein plan auf lange Gicht zur Gesundung der öffentlichen Finanzen. - Starke Abstriche am Reichshaushali. — Gehaltskürzungen bei Fortfall des Rotopfers. — Vereinfachung des Steuersystems. — Keine Steuererhöhungen aber Lastensenkung. Berlin. 30. Sept. (WTB.) Die Reichsregie- rung veröffentlicht jetzt die angekündjgte umfassende Vorlage zur Sanierung der Reichs- ftnanzen und zur Gesundung der deutschen Wirtschaft. 3n der Einleitung weist die Vorlage auf- die gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und ihre Ursachen hin. Zunächst gilt es, so heißt es dann, einen geordneten und ausgeglichenen Etat für das kommende Jahr aufzustellen, damit das erschütterte Vertrauen in unsere Finanzwirlschaft wie-- derhergeLetlt und damit unserer Wirtschaft neuer Wille, sich zu betätigen und Arbeit zu schaffen, gegeben wird. Die Ei sparniffe im Reichsh »Halt 3m Abschnitt 1 werden sodann die Verein- f a ch u n g s o o r s ch l ä g e für den Reichs- ha us holt im einzelnen dargelegt. Für 1930 must mit einem Fehlbeträge von 7 5 0 bis 9 0 0 Millionen gerechnet werden, 300 davon für die kommenden Anforderungen der Arbeitslofenfürforge, etwa 450 bis 600 Millionen Rückgang der Einnahmen. Die Abdeckung soll in den nächsten drei Jahren aus einem besonderen Fonds erfolgen. dessen Bildung durch Gesetz sichergestellt wird, und der die Beschaffung einesUeber- brückungskredites, feine Verzinsung und Rückzahlung gewährleistet. Durch die Gesamtheit der zu treffenden Mastnah- men wird die Ausgabenfeite 1931 gegenüber 1930 um rund eine Milliarde gesenkt. Die Senkung soll erfolgen: 1. Durch Gehaltskürzung. Die Bezüge des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers, der Minister und damit der Abgeordneten werden um 2 0 pro- z e n t, diejenigen der Beamten, versorgungs-, Martegcld- und Ruhegcldeinpfänger um 6 Prozent gekürzt. Die Senkung erfolgt ab 1. A p r i l 1931 unter Wegfall der Reichshilfe auf drei Jahre. Bezüge unter 1500 Mark jährlich werden nicht gekürzt. Man rechnet aus diesen Kürzungen mit einer Ersparnis von 120 Millionen. Bei der Reichsbahn und R e i ch s b a n k kommen entsprechende Kürzungen in Betracht. 2. Durch Kürzung der Ueberweisun- g e n, die in höhe von rund 10 0 Millionen bei Senkung der veamtengehälter in Ländern und Gemeinden möglich find. Durch Rückgang der Einnahmen tritt voraussichtlich eine weitere Kürzung der ll e b e r w e i s u n g e n um rund 2 88 Milli o n e n ein. 3. Der Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben bei der A r b e i l s l o f e n o e r f i ch e r u n g soll künftig ohne Inanspruchnahme des Reichshaushalles fichergeste^t und der Anteil an der Krisen- fürforge auf 420 Millionen begrenzt werden und 4. Abstriche im Reichshaushalt find in höhe von 300 Millionen gegenüber 1930 bei den Ein; eletats vorgesehen, denen die beteiligten Ministerien bereits ihre Zustimmung gegeben haben und die schon durchgeführt werden. Der Ausgleich im haushalt 1930 fehl die Fortdauer der Ledigen ft euer und des5pro;en- tigen Einkommen ft euerzufchlages voraus. Durch stärkere Belastung des Tabaks sollen 167 Millionen gewonnen werden. Im übrigen werden neue Steuerbela st ungen vermieden. Sparmaßnahmen bei Ländern und Gemeinden Der Abschnitt 11 sieht bei Länder n und G e - meinden sowie bei den Körperschaften des öffentlichen Rechtes entspre- chende Gehaltskürzungen wie im Reiche vor. Weiter soll die Durchführung einheitlicher Spargrund sähe durch Vereinbarungen über eine Mitwirkung des Reiches bei der Haushaltsaufstellung gesichert werden und das Haushaltsrecht der Länder und Gemeinden den strengen Grundsätzen des Reiches angepaht wcrdcm. Schliehlich sind Mahnahmen zur Gestaltung einer sparsameren Rechtspflege und Verwaltung vorgesehen. Vereinfachung des Steuersystems Der Abschnitt HI beschäftigt sich mit der Verein f oedecici ® wolkig. ®oedeckL »Hegen * Schnee es (jrtupein ■ neoet K 6ewiiter.@wmdst>ue sehr leichter Ost massiger Südsüdwest Q, stürmischer «ordwest Ole Pfeile fliegen mit dem Winde Die veinen Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an Pie Linien verbinden Orte mit gleichen» auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettern ra usj agc. Mit dem Abzug der Störung hot allgemeiner Barometeranstieg über Deutschland eingesetzt. Im Bereich des hohen Druckes tritt zunächst eine Besserung der Wetterlage ein, wobei sich die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht wieder verstärken werden. Neben stellenweiser Nebelbildung und Bewölkung herrscht tagsüber aufheiterndes Wetter. Aussichten für Donnerstag: Nebligwolkig mit Aufheiterung, trocken, nachts kühl, tagsüber mild. Lufttemperaturen am 30. September: mittags 11,9 Grad Celsius, abends 11,5 Grad; am 1. Oktober: morgens 9,7 Grad. Maximum 13,4 Grad, Minimum 8,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. September: abends 14.2 Grad, am 1. Oktober: morgens 12 Grad Celsius. — Niederschlag 0,6 mm. Der ä garantiert name W QuiUtft ieiL Klirnuark " Cigaretten,, mcbcedoni4c/^ CIGARETTEN z (Jm das sorgsam behütete Jlroma erbe— Gute- uinb i, wie vor fuwerb in. < Z- ' j T M Dersil Wird billiger! Persil wird niemals lose, sondern nur in der bekannten Originalpackung verkauft. 2486 V Henkel & Cie. A.G Düsseldorf Mit dem heutigen Tage treten für Persil folgende neue Verkaufspreise in Kraft: für das Normalpaket 40 Pfg., für das Doppelpaket 75 Pfg. Diese Preisermäßigung ist vor allem möglich geworden durch die immer mehr steigende Beliebtheit, der sich dieses einzigartige Waschmittel in der gesamten deutschen Hausfrauenschaft erfreut. Die überragende Güte, die von jeher sein hervorstechendstes Merkmal war, wird es im Verein mit dem neuen verbilligten Preis noch mehr zum Liebling der Hausfrau und ihrem unentbehrlichen Helfer machen I Gießen, den 1. Oktober 1930. 6692 D Luise Thron geb. Zörb Georg und Carl Zörb Für die aufrichtige Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben, treuen Mutter sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten auf diesem Wege herzlichsten Dank. Anläßlich des Hinscheideni unserer lieben Entschlafenen sagen wir allen, die derselben während ihrem langen Krankenlager mit Liebe und Aufopferung zur Seitegestanden haben,innigen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Hans Schütz. Gießen (Bismarckstr. 17), den L Oktober 1930. _________________________________________________ 06059 . Höhere Privatsdiule, Damsladl Grüner Weg 19 Fernsprecher 1612. Unterricht nach den Lehrplänen des humanistisch. Gymnasiums, des Bealgymn. und der Oberrealschule. Gründliche Vorbereitung zu allen Schnlprütungen. Besondere Abendkurse. [6675V Sprechstunde: Werktägl. von 15—17 Uhr. Beginn des Wintersemesters: 14. Oktober 1930. H. Rupp. Fehlt Ihnen Mitfmännisdie Ausbildung? Dann verlangen Sie sofort kostenlos unsere aufklärende Druckschrift Neue Kurse: 15. Oktober 1930 Vogtsche Handelsschulen Giefaen und Herborn Direktion Gleisen. Goethestraße 32 6881A Damen-Hüte in Samt, Velour, Haar und Filz neue Modeschöpfungen, reichhaltige Auswahl, ab RM» 3,90 6674D Selters weg 50,1. Stock 01 JU (Eing. Wolkengasse.) Billige Eisschleien Solange Vorrat, Pfd. 90 Pf. Fischhaus Cuxhaven Marktstr. 23 6685a Tel. 2417 Führende VernchcrungsgeielUchast nut alltn nnnflbaren Branchen sucht per sofort tüchtigen Inspektor zwecks Unterstützung des Generalagenten. Gs kommt der Bezirk Oberhessen in Frage. Domizil möglich'» Gießen. Uithtfachleute finden ebenfalls Berücksichtigung. Direk- tionsoerlraa mit testen Bezügen. Weife- treten und Provisionen roirb zugesichert. Wtr erbft eit an- ührliche schtls-e-che Än- nebote unter 66952 an den Gieß. Anzeiger. BowHiensl - Akku - Dienst Instandsetzung sämtlicher Elektroanlagen an Kraitfahrzeugen Ruhl & Fetzer Giefeen, Schanzenftr. 3 Telephon 2534 591 ID Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen 6ebur‘- mzelgen bei B "'•hulstraBe 7 [yir.,.,Jungen Ecke Jranksurtcr L-bubertstraste große moderne 4-ZlM.Mn. zu vermtelen. 5529D HaaS,Schubertstr.2 Z-ZUM-Mn. mit Sööje schöne Lage, an rub. Leute zum 15.10. od. 1. 11. 1930 zu verm. Zu erir. i. d. Geschst. d. Gieß. Anz. 06044 Schönes, großes möbl. Zimmer mit Zentralheizung zu vermieten 06038 Babnbofstr. 52A. Weigand. Sehr gut möbl. gr. Zimmer el.L., an sol. Dauern,, z. vermieten 06053 KaiferaUee 24 II. Ml. dimmet zu vermieten 06058 Kirckstr. 13 v. Garage zu vermieten 66048 Marvurger 5fr. 110. [ Mietgesuche | Gesucht 3-öi54-3immet- Wohnung in gutem Hause, mögt, mit Bad, in Gießen Grünberg. Lich oder Alsfeld. Schr. Angeb. uni. 06045 a.d.Gv.Anz. Gut möbliertes NolMSchlalzimer mögt, mit Zentralheizung, von kinderlosem Ehepaar ges. Schr. Angeb. u.06049 an d. Gieß. Anzeiger. Madcnt ruhig, all. Semester, sucht für 3-4Sem. Wnes Zimmer i. silier Vage. iZen- tralheizung bevorz.i Schriktl. Angeb. mit aen.Preisong. unter 66951 a. d.Gieß.Anz. Akademiker sucht für sofort sehr fonü. 3immer mit allen Beauem- lichkeiten. Schriiil. Angeb. u. L. H. 739 (6696V) an den Gieß. Anzeiger erbeten. Stellenangebote Schneider werden von einer größeren Tuchhanb- lung bei Zugabe von Stoffen und Futter gesucht. Es kommen nur eritklass. Strafte, die selbständig zu- schneidon und die Stücke erstklassig verarbeiten, außer d. Hause, in Frage. Arbeitslöhne nach lleberemiunft. Schnfil. An geb. nnt. 00043 o. d. Gieß Anz. 0ausmei[teE wt dessen Frau gut kocht u. der eine 3-Zimm.- Wohng. Nachweisen kann. Schrisll. Angebote unter 06051 an den Gieß. Anz. Junger 6M6D Schuhmachergeselle auf das Land für bald durch Lcder- bandluna Slabn. Giefrcn. gesucht. Bcfs., kinderliebes Fräulein für nachmittags zu zwei Kttidern im Alter von 3 und 5 Jahren gesucht. Schr. Ang. u. 06039 an d. Gieß. Anzeiger. |Stellengesuche| Aeliere u. jüngere Ififihihen unö lagesmflöiiien uckien Stellung. Gewerbsmäßige Stellenvermiltlung Dül.cr, Neustadl 50. Tel. 3103. |lieo8D Reisender langjähriger Vanb= inaschlnenfachinann, auch sinn m ber Et'en- unb Eisen- warenbranche, sucht, gestützt aus la Zeugnisse u. Referenzen, Danerposten in la HauS. Schr. Angeb. u. 06040 n. b. Gieß. Anzeiger erb. Beumtentodiler die im Kochen und in allen vorkom- menden HauSarb. durchaus erfahr, ist, suchlSiellg. als Ltlltzs b. Familienanschluß. Lege mehr Wert aus guie Behandlg. als hob Lohn. Schr.Ang. u. 06041 a.d. Gß.Anz. Verkäufe Radio 3 Nöbrcn mit vletz- anschluß und 2Akku- mi. lat.,. üer£.[66570 Neucnbaue 15. Preis-Abbau bei S&F! 0.25 % Pfund 1.20 Oelsardinen in Tomaten, 2 große Dosen 0.89 Salatöl la Vl Liter 0.21 Spara-Margarine d gute Brotaufstr., Pfd. 0.80 5673 C T%TückvergütungT Haushalt-Margarine Eierbandnudeln Feines Tafelöl Feine Molkerei- Tafelbutter la geräucherte Blut- u. Leberwurst ptd. 0.84 SCHADE & FÜLLGRABE Teebutter allerfeinste, Vz Pfund 1.30 Kokosfett blütenweiß .... Tatei 0.64 Schinken gekocht.... % Pfund 0,70 Linsen mittelgroße......Pfund 0.55 Erbsen grün, mit Schale, Pfund 0.36 Preis vor Jahresfrist %Liter 0.31 Unsere Preis-Statistik zeigt, daß im Vergleich zum vorigen Jahre bei S «1) fttr. Schellfisch tm AuSschn... Pfb. 70 4 fstr. Nordsee (Labl. tmAnsschn.Pfd.70 4 fstr. Nordsee See lachs, im Ausschnitt Pfund......... 50 4 (ftr. Nordsee-Heil butt, im Ausschnitt Pfund .........2 — für. Salm, im Ans- schnitt Psd. 3.50 fite. Nordsee - Not Zungen- - Psd. 1.— ffte.Filcts Psd. 70^ nur beste Qualität. A. SO» Ms. Mäuöb. 15. Tel. 3612 <7? 00 3 Hühneraugen-Lebewohl und Lebewohl-Ballenicheiben, Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf., Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben: Medizinal-Drogerie Haus Hindenburg, Seltersweg 68a; Löwen-Drog. W. Kil- binger Nachf., Seltersweg 79a; H. Noll, Ludwigs- platz-Drog. und Neustadt-L rog.; Oermania-Drog. C. Seibel, Frankfurter Straße 39; O. Winterhoff, Drogerie, Kreuzplatz 9-10. 3682V Henios eine Radioballerie gebe ich leihweise bis 2 Tage, wenn Sie'Ihre Batterie bei mir ausluden lassen. Ladepreis pro Platte 8 Pf. VARTA-DIENST [6490D E. Althoff, Telephon 4335 Westanlage 31, H. d. Firm« Dera ftCo. morgen Donnerstag 06057 »WM MW W Ians ffiuflao Wltmtennet, BtanOsaffg 8. Schellfische o. K., Kabeljau o. K. Rotzungen, Fischfilet, ^ischloteletts lebende Karpfen und leb. Schleien MM ohne Kops pfd. 39 MMft 3 pfd. 80 MS 1 psd. 70 MWM Liebigstraste 66. Tel. 3685. W0D b löngekalk stets vorrätig 6533V C. Rübsamen. Fernspr. 3659. EISU-Betten (Stahl o-Holz) Polst, Stahl- matr„Klnderb.,Chaisel., an jeden, Tellzahlg. Katal.fr. Etaenmöbelfabrik SuhLTh. Leupin - Creme tausendfach bew. bei Flechte Krätze, Jucken, Aes- scblag Hämorrhoiden Beinschäden. Zu haben 5546V Löwen-Drogerie W. Kilninger Nacht.» Seltersweg 79 a. Gelegenheitskaus 4-P8-Opel-Lifnousioe general überholt, pretsm., Zahlungserleichterung. waD Opel-Auto Frankfurter Str. 52. (Kiesten. Achtung! Zirka 40000 erstklass. Zeldbrand- Mauersteine sofort zu verlausen pro Tausend 24 Mk. ab Lager, km von Gießen. Schriftliche Ansr. unter 06042 an den Gieß. Anzeiger. | Kaufgesuche | Steuerfreies Motorrad zu kaufen gesucht. Schrisll. Angebote u. MMa. d.Gieß.Anz, KMerlanlslällchen zu kaufen gesucht. Schr. Ang. unt.06037 an den G-eß. Anzeig. DiebördttcnPreiie zahle ich für getragene [6386A Herrenllelder. I RoMenzweic Hieflen, Seltersw. 58. Karle genügt. Zuckerkranke 6680V Verlangt vollständ.kostenl. Auiklarg. übet glänz, bewährte Metho e durch: Ph. Hergert, Wiesbaden, Rückertatr. 266 Nr.229 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch,!.Oktober (939 Remels Kampf um die Aulonom'e in Genf. Klare Front gegenüber Litauen! Don Richard Vriestorn, Berlin. In Genf steht zur Zeit die Memelfrage zur Debatte, deren Ausgang nicht nur für das Memelgebiet selbst, sondern auch für die künftige politische Entwicklung der deutschen Ostpolitik von ausschlaggebender Bedeutung sein kann. Das durch das Versailler Diktat von Deutschland abgetrennte Memelgebiet ist seinerzeit von litauischem Militär in Zivilkleidern nach dem berühmten Vorbild des polnischen Wilnaraubs „erobert“ worden. Die Alliierten erklärten sich nach langem Hin und Her mit diesem Ge- waltstreich einverstanden, machten aber die Lleber- tragung der litauischen Souveränität auf das Memelgebiet davon abhängig, daß dem Gebiet in Gesetzgebung, Rechtsprechung. Verwaltung und Finanzen Autonomie gewährt wurde. Rur widerwillig fügte sich Litauen. Allem Anschein nach hat es das Pariser Memelabkommen vom 28. Mai 1924 nur mit dem festen Vorsatz unterzeichnet, es zu brechen und zu umgehen, wo es nur angängig war. Die Folge davon war ein ständiger Kampf zwischen den litauischen Gewalthabern und dec deutschen Devöllerung deH Memelgebietes. die sich ihre Rechte nicht nehmen lassen wollte. Wiederholt hat sich der Völkerbundsrat mit litauischen Rechtsverletzungen im Memelgebiet beschäftigen müssen. Iedes- mal versprach Litauen feierlichst vor dem Rat, das Memelabkommen und insbesondere das Autonomiestatut zu achten, um es hinterher um so heftiger zu bekämpfen. In dem Kampf zwischen dem Memellanddeutschtum und den litauischen Gewalthabern hat Deutschland bisher eine wenig glückliche Rolle gespielt. Während das Deutschtum in Memel mit allen Raffinessen östlicher Verschlagenheit und Tücke gedrückt und geknechtet wurde, scheuten sich die jeweiligen Kownoer Regierungen nicht, Deutschland der unverbrüchlichen „Freundschaft" zu versichern und — Deutschland lieh den Dingen ihren Lauf. Heute ist es soweit, daß von einem autonomen Memelgebiet eigentlich nicht mehr die Rede sein kann. In der neuesten Beschwerde des Memelgebiets, über die gegenwärtig in Genf beraten wird, wird darauf hingewiesen, daß die dem Gebiet verliehene Autonomie überhaupt noch gar nicht wirksam geworden ist. An die Stelle der Repräsentanten der autonomen Gewalt, des memelländischen Landtags und des Landesdirektoriums, ist die Diktatur des l i t a u i - schenGouverneurs getreten. Der Kriegszustand, den die Litauer über das Memelgebiet ohne jeden Grund und im Gegensatz zum Memelstatut verhängt haben, tut ein übriges, um die Bevölkerung völlig rechtlos zu machen. Die Behandlung der Memelländer hat sich allmählich zu einem Skandal ausgewachsen, dessen sich nicht nur der angeblich so minderheiteichrrundliche Völkerbund, sondern ganz Europa schämen müßte. Trotzdem hat es erheblicher Anstrengungen der gesamten deutschen Presse bedurft, um das Berliner Auswärtige Amt davon zu überzeugen, das) es unbedingt notwendig war, die Memel- befchwerde in Genf zur Sprache zu bringen. Man wollte anscheinend auch jetzt noch nicht dem „befreundeten" Litauen zunahetreten. Roch in Genf, als die Beschwerde den Ratsmächten bereits überreicht war, versuchte man zu einem gütlichen Llebereinkommen mit Litauen zu gelangen. Der litauische Außenminister T o u n i u s aber zeigte Deutschland glatt die kalte Schulter. Ieht ist die Memelbeschwerde trotz vieler Winkelzüge der Litauer — man wollte den Memelländern das Beschwerderecht überhaupt streitig machen — auf die Tagesordnung des Rats gesetzt worden. Roch in dieser Woche soll der Rat eine Entscheidung fällen. Aber der deutschen Dölker- bundsdelegalion scheint ihr Vorgehen gegen Litauen schon wieder leid geworden zu sein, denn es soll nach den letzten Meldungen aus Gens nochmals versucht werden, in direkten Verhandlungen mit Litauen zu einem Liebereinkommen zu gelangen — das von Litauen dann wahrscheinlich ebenso glatt wie alle die anderen Zusicherungen und Vereinbarungen gebrochen werden wird. Litauen jedoch kommen diese Verhandlungen sehr zustatten, da es sich unter Llmständen dadurch die sehr peinlichen Verhandlungen vor dem Rat, die bestimmt mit der erneuten Feststellung der Dertragsbrü ch i gkeit Litauens enden werden, durch scheinbares Eingehen auf die deutschen Forderungen ersparen kann. Außerdem kann — die Litauer sind ja Meister der Verschleppung! — vielleicht erreicht werden, daß die Entscheidung des Rats in einem der Hcruptpunkte der Beschwerde, nämlich der Verfälsch ung der am 10. Oktober stattfindenden Wahlen zum memelländischen Land- t a g zugunsten Litauens, zu spät kommt. Iedenfalls sieht es heute bereits so aus, als ob die Memelfrage nun nicht vor den Rat kommen, sondern in direkten deutsch-litauischen Verhandlungen, die bisher noch nie zu einem Ergebnis geführt haben, geregelt werden soll. Die Haltung Deutschlands einem Staat gegenüber, der kaum die Einwohnerzahl von Berlin besitzt, läßt sich schwer noch mit der Würde einer Großmacht in Einklang bringen. Sie ist einfach u n ve r st ä n d l i ch Soviel Rachsicht und Duldsamkeit kann auch nicht mit dem Bestreben Deutschlands, eine litauisch-polnische Einigung zu verhindern, entschuldigt werden. Gewiß, schon seit Jahren wirbt Polen um die Freundschaft Litauens. Riemand kann es bestreiten, daß eine litauisch-polnische Verständigung' die Einkreisung O st Preußens vollständig machen und Deutschland auf dem Wege über den baltischen Staatenblock unter polnischer Führung von Sowjetrußland abrie- geln würde. Aber ist diele Gefahr wirklich so drohend? Kann Litauen cs wagen, sich in die Arme der Polen zu werfen, ohne seine Selbständigkeit nicht selbst aufs Spiel zu setzen? Zwischen Polen und Litauen steht der Streit um das Wilnagebiet. Roch jede litauische Regierung hat sich die Wiederecoberung des geraubten Gebietes mit der alten litauischen Hauptstadt Wilna zum obersten Leitsatz ihrer Politik gemacht. Auch auf der gegenwärtigen Döllerbundstagung ist wieder über das Wilnaproblem ge brochen worden. Litauen hatte sich über die ständigen polnischen Liebergriffe an der Grenze des Wilnagebietes beklagt. Der Völkerbundsrat hat den beiden Regierungen empfohlen, sich in direkten Verhandlungen darüber schlüssig zu werden, wie derartige Zwischenfälle in Zukunft vermieden werden können. Im Hinblick auf diese Verhandlungen wird nun aus durchsichtigen Gründen von der litauischen Presse das Gespenst der litauisch-polnischen Verständigung an die Wand gemalt. Deutschland soll zu neuem Rachgeben in der Memelfrage veranlaßt werden. Die Phantasie der Litauer hat hierbei die merkwürdigsten Blüten getrieben. In K o w n o wurde das Gerücht kolportiert, daß unter Vermittlung des Vatikans in unverbindlichen Besprechungen zwischen bekannten litauischen Persönlichkeiten auf der einen und dem Bruder Pilsudskis und dem Warschauer Außenministerium auf der anderen Seite bereits eine Einigung über die Wilna- streitfrage erzielt worden sei. Lind zwar soll das Wilnagebiet brüderlich geteilt werden. Mitten Spielerei. Don Anton Schnack. Dieses Haus, dessen Llmrisse ich mir in die Luft male, hat keinen Hund, der bellt, wenn ein Schritt naht. Eine weihe Aphrodite steigt, zerfallen schon, durch Verwitterung gebogen, in die Schatten der Oleanderbüsche. Ich werde eine Wand voll Wein haben. Das Tasten der Äste an die Fenster. Die kleinen huschenden Vogelschatten. Ein Pult mit lateinischen Büchern: Ovid, Horaz, die Racktheit des Casar. Wer weih, was ich da denke: viel Geringes sicherlich, Kleinigkeiten, Bedeutungsloses: hat der Schmied die Harke fertig geschmiedet: im Garten grub ein Maulwurf: morgen wird wohl Regen fallen: Kinder trugen einen jungen Star vorbei. Wer weih, was ich da höre? Die Llhr. Das Picken einer Bachstelze im Gartenkies. Den laufenden Brunnen. Das absterbende Quaken eines Frosches. Den seufzenden Wald. Einen Knabenpfiff. * Ich werde einen Baum haben, den ich liebe. Roch weih ich nicht genau, ist es ein Apfelbaum mit weihem Blütenschnee? Auch die Mandeln sind schön, ihr Rot hat etwas vom Blut. Ich werde eine Fensterscheibe lieben, da fte in ihrem Viereck den Wald hat. Den Flug der Rabenkette. Ein schwarzes Gewitter im Sommer. Verschneiten Weg im Winter. * Manchmal werde ich hinter einem Fenster stehen: großes hohes Fenster nach Osten, blaugrün im Sommer der Schein des Glases, wenn der aufgetane Mittagshimmel mit blauen Lichtwogen über die Wipfel der Bäume verflicht. Ich bin auf dieses Fenster stolz, durch es verlieren sich meine Träume und Phantasien in die Welt: zu Eisenbahnen, die tausendfach unterwegs sind; ziehen in Städte ein, die in purpurner Rächt. lüft schwimmen: fallen am Meere nieder, wo ein Fisch im Tang blitzt. An dem Fenster nach Süden stehen Blumen. Ich nenne nur eine davon: eine Levkoje, eine braune Samtblume. Das ist ein Duft, der wie Gewürzwein riecht. Sonst liebe ich den Duft des Heus und der ausgewaschenen Mostkelter. Dgs wird wieder bald sein. Dann steh? dieses Fenster offen. Rächt für Rächt, Tag für Tag. Oh ihr Rachtlichter, die ich sehe! Dann weih ich vieles. Da geht ein Kind zu Bett, das niemand zum Erzählen hat. Schweigend und voll Ernst versinkt es im Traum der Kiffen. Das kleinste Licht ist mit das liebste. Es kommt von weither, von der Kuppe eines runden Hügels, der am Morgen grün ist von vielen Bäumen. Am Abend ist er blau wie eine Wolke und als wollte er mir davonziehen. Aber er zieht mir nicht davon. Es ist nur der Wafferdunst, der aus dem Quell- gerinsel steigt, in dem sein Fuh sich badet. Aus der kühlen Abendliefe kocht sein Rebel. Einmal werde ich traurig fein. Oh, doch nicht so traurig wie beklommen. Dann sehe ich das kleine Licht nicht mehr, sei es, dah die Kraft meines Auges abnimmt, oder dah es nicht mehr notwendig ist das Licht anzuzünden. Vielleicht haben sie das ernste kleine Mädchen, mit müder, verwehter Lunge, in die hohen Berge gebracht. Oder es ist schon begraben unter einem weihen Kreuz mit Goldbuchstaben und einem emaillenen Engel. Wie schnell Geliebtes aufhört! Wie doch ganz ein Licht zur Heimat wird! Lln- begreifliches und Linerkenntliches liegen hinter den einfachsten Erscheinungen. Eine Weihdornhecke, über die niemand hinüber- sehen kann. Weihe Falter schwimmen über sie herein: gelbe hinaus. Hinaus: das ist im Frühling eine Wiese, im Sommer ein Schwaden Geruch, im Herbst das Geläut von Kühen, im Winter Schnee und ein schwarzer hungriger Rabe. Etwas Wein im Keller: wo er wuchs, stand ein steinerner Kilian, mit vogelbekleckerter Bischofsmütze, ein kleines Kreuz inbrünstig in der Hand, auf das er niedersah. Die Melodie des Brunnens: sie ist mir unbegreiflich. Tausendmal habe ich sie schon gehört. Ich kann sie immer wieder hören. Ihre Musik veraltet nie. Aus ihrem rauschenden Fall klingt Verzauberung. Tief unten muh sie wohnen: Zwerge und Gold- gestühl: grüne Tiere: eine Frau mit Schuppen. Eüh und traurig zugleich seufzt sie herauf. Unb die Türen! Eine geht auf den Weg. Ein stiller alter Weg voll Feuernelkenränder; Distelköpsen; gelben Stieglitzen. In den Sommernächten singt er und klingt er; tausend Grillen wehen ihre braunen Hornhäute. Im Winter die Fuhtapfen des Landbriefträgers. Rägelsohlen von Bauern. Kleine Kritzel- zeichen von Vogelkrallen. Eine geht in den Garten drei Stufen hinunter. Das Gras wuchert schon wieder aus dem Gestein hervor. Im Herbst ist hier immer ein Blatthaufen vom Apfelbaum. Manchmal hegt auf dem obersten Stufenstein ein weiher Vogelkot. Es ist schön, wenn die Vögel so nahekommen. Eine der Türen geht ins Gras. Diese ist mir die liebste. Ende 3uni wird das Gras gemäht. Lind dann noch einmal in den ersten Septembertagen. Ich liege auf der Wiese, ein Tuch unter mir, in der durch das Land und sogar mitten durch die Hauptstadt Wilna soll die Grenze gehen! Für seine Zugeständnisse will Polen sich angeblich mit einem Flottenstützpunkt in Memel oder dem memelländischen Tadeort Riddcn zufriedengeben. Bei diesen Plänen ist zweifcl.os der Wunsch der Vater des Gedankens. Wer die polnische Einstellung zu dem heutigen Territorium Polen kennt, weiß, dah die polnische Regierung nicht im entferntesten daran denkt, an irgendeine andere Macht freiwillig Gebietsteile abzutreten. Wenn Polen aber tat ächlich sich zu solchen Zugeständnissen bereiterklären würde, dann nur unter der Bedingung eines engen Ans chlus- ses Litauens an Polen. Das aber würde das Ende Litauens als selbständiger Staat bedeuten. Unter diesen Umständen kann man die litauischen Ausstreuungen über die nahe bevor stehende Einigung mit Polen vorläufig in das Reich der Fabel verweisen. Immerhin aber wird man damit rechnen müssen, dah Litauen und Polen sich in kurzem an den Verhandlungstisch sehen, um über die Aufnahme des Transit-VerkehrS zwischen Wilna und den Häfen von Libau, Memel und Königsberg entsprechend den Vorschlägen der Transitkommission des Völkerbunds zu beratschlagen. Die Verhandlungen können sehr wohl zu einer für Deutschland gefährlichen Annäherung zwischen Kowno und Warschau führen, falls es nicht gelingt, die zwischen Deutschland und Litauen bestehende Spannung radikal zu beseitigen. Vor allem ist es d i e Unklarheit in der Memelfrage, die bisher stets zu Reibereien geführt hat. Es ist daher unbedingt notwendig, dah sich die deutsche Außenpolitik endlich zu einem Schritt aus rafft, der völlige Klarheit schafft. Litauen hat sich zur Respektierung der Memellandautonomie durch Unterschrift und feierliche Versprechungen verpflichtet. Litauen muh daher auch seinen Verpflichtungen nachkommen. Diese kategorische Forderung muh unbedingt zur Grundlage der deutsch-litauischen Beziehungen gemacht werdem Litauen soll wählen zwischen der deutschen Freundschaft, die dem litauischen -Staat überhaupt erst die politifche und wirtschaftliche Lebcnsmöglichkeit geschaffen hat und auch heute noch schafft, oder der polnischen Begehrlichkeit, die Litauen seiner Selbständigkeit berauben und gleich dem Wilna- gebiet zu einer Provinz Polens machen will. Litauen soll wählen zwischen der bedingungslosen Anerkennung und Achtung der verbrie ten Rechte der Rkmelländer oder dem Verlust des Memelgebiets, da selbsivers.ändlich die Unterzeichner des Memelabkommens, also England, Frankreich, Italien und Iapan, von diesem Abkommen jederzeit zurücktreten tDirnen, nach« dem dieses von Litauen einseitig gebrochrn wor- ben ist. Erst dieser Tage Hai der „Manchester Guardian" eS als die beste Lösung der Memelfrage bezeichnet, die memelländische Bevölkerung in einer Volksabstimmung über ihr künftiges Schicksal entscheiden zu lassen. Daß diese Volksabstimmung zugunsten Deutschlands ausfallen wird, braucht wohl gar nicht erst gesagt zu werden. Deutschland wird bei den Genfer Verhandlungen darauf Hinweisen können, daß es in dieser Hinsicht jedenfalls alle Trümpfe in der Hand hat. Litauen so'.l sich also hüten, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Jedenfalls ist eine klare Stellungnahme der litauischen Regierung zur Memelfrage dringend geboten, da die litauische Schaukelpolitik einen Unsicherheitsfaktor in der deutschen Außenpolitik darstellt, der sich bei späteren ostpolitischen Entscheidungen zu einer großen Gefahr für Deutschland auswachsen kann. Wann wird es besser? Bis die Finanzen des Staates saniert sind. Don Geheimrat Ernst Wagemann, Direktor des Instituts für Konjunkturforschung. Die deutsche Wirtschaft kann heute nur noch im Rahmen der Weltwirtschaft betrachtet werden. In dieser Beziehung ist eine grundlegende Verschiebung in den letzten Jahren ein getreten. Bis etwa 1928 ging die deutsche Konjunktur ihre eigenen Wege: es handelt sich bis dahin um vorwiegend binnen wirtschaftliche Bewc- gungsvorgänge. Heute schwingt unsere Wirtschaft im Rhythmus einer weltweiten Konjunk- t u r. Als für Deutschland typische Besonderheit kommt aber hinzu, daß sich im Zusammenhang mit den politischen Wirren eine schwere Vertrauenskrise herausgebildet hat, die sich in Kapitalflucht und Hemmung des Unternehmerwillens äußert. Im ganzen neigen die Menschen dazu, die alte Weisheit außer acht zu lassen, dah auf Regen wieder Sonnenschein folgt. Sie neigen dazu, einen bestimmten Zustand als ewigdauernd anzusehen. So hat man auch an das Ende der Aufwärtsbewegung des 1926 beginnenden Kon- sunkturaufschwungs in Deutschland nicht glauben wollen. Presse und Bankwelt haben das Institut für Konjunkturforschung scharf angegriffen, als diese anfangs 1928 die Beendigung des Aufschwungs feststellte und im Mai 1929 den Konjunkturrückgang ankündigte. Diese Illusion, der damals die öffentliche Meinung unterlag, ist vielleicht auf eine entsprechende Einstellung in den Vereinigten Staaten zurückzuführen. Die Amerikaner befanden sich damals in dem Glauben, daß ein Ende der Prosperitätsperiode nicht abzusehen sei, daß die Hochkonjunktur verewigt werden könne. Dieser Optimismus nicht nur von der Geschäftswelt, sondern auch von der amerikanischen Wirtschastswisscn- schast geteilt, indem immer wieder auf die Reichen Kapitalreserven der Vereinigten Staaten verwiesen wurde. Man übersah aber, daß sich schon seit 1928 im stolz aufgetürmten Bau der amerikanischen Konjunktur zahlreiche Risse und Bruchstellen auftaten. Insbesondere ergaben sich Liebersteigungen von Investitionen und Produktion über die Konsumkraft hinaus. Auch bei größter Geldfülle ist es aber unmöglich, eine Lleberproduktion dauernd durchzuhalten. So führte die Entwicklung zwangsläufig auf einen Zusammenbruch hin, der sich dann auch im Herbst 1929 im Sturz der Csfekten- kurse und der Warenpreise einstellte. In Deutschland tritt zu dem eigentlichen konjunkturellen Zusammenbruch eine schwere Vertrauenskrise hinzu. Ich glaube, daß das Vertrauen wieder hergestellt würde durch eine gründliche Finanzreform. Vorübergehende Maßnahmen helfen nichts: im Gegenteil, es würde die Lage nur verschlechtern, wenn das Reich versuchen wollte, seinen Etat durch Anleihen auszubalaneieren. Es ist notwendig, eine Finanzreform herbeizuführen, die das System der Einnahmen und Ausgaben den Besonderheiten unserer Wirtschaftsverfassung an- paht. Man hört oft, das Schlichtungswesen sei schuld an der deutschen Wirtschaftskrise? Diese Frage läuft darauf hinaus, ob das System der freien oder das der gebundenen Wirtschaft besser geeignet sei, Krisen und Arbeitslosigkeit zu herSommernacht. Ich habe schon viele glitzernd gezogene Schneckenspuren entdeckt. HochbeinigeHeuhüpser und das Metall eines Goldkäfers. Auch Mauspfade. Hinter den Stämmen hervor lugen die Katzen: Peter, der Schwarze, Puh, die Junge und Fez, die Rote. Gott hat meinen Himbeerap'elbaum behütet. Ich liebe es, feine Frucht aus dem Grafe aufzulesen, glühend liegt die Kugel im Grün. Manchmal ist sie nah vom Tau des Sonnenmorgens. Beglückend ist es in der Rächt aus dem Halb- schlafe heraus den dumpfen Fall eines Apfels zu hören; morgen wirst du ihn finden. Holder Gedanke!... Am Kurzwellen -Sender 0 4 M. Don Otto Flechsig. Im Westen Berlins ist der Standort des Kurz- wellen-Senders D 4 ADS, den der Deutsche Slmateur» Sendedienst als eigenen Berfuchsfender betreibt. Monate hat es gedauert, bis er die Lizenz dafür bekam. Aeußerlich sieht man es dem Haus nicht an, daß man von ihm aus mit allen Orten der bewohnten Erde in Verbindung treten kann. Um 22 Uhr finden wir uns in dem „Senderaum" ein, der einmal das Dienstbotenzimmer der Wohnung war. Auf einem langen Tisch stehen zwei Transformatoren, die den ßeitungsftrom auf eine hohe Spannung umformen und gleichrichten und eine Anzahl mir zunächst unverständlicher Geräte. Da die Rundfunkdarbietungen erst gegen elf Uhr enden, müssen wir mit unserer Sendung warten, weil wir sonst den Rundfunk- empfang der Nachbarn stören würden. Da steht ein Gerät von der Größe einer Zigarrenschachtel, mit einer Metallspule daran und verbunden mit einer Taschenlampenbatterie: Deutschlands erster Kurzwellensender, mit dem der Inhaber der Station vor fünf Jahren feine Versuche begann, und mit der er ausgezeichnete Erfolge hotte. Er zeigt mir Bestätigungskarten aus Amerika, aus Afrika, daß man dort feine Morsezeichen klar und deutlich vernommen hätte. Wenn die Karten nicht echte Poststempel trügen, würde ich es jiidjt glauben. — Heute ist dieser erste Sender zum Museumsstück geworden, denn mit seiner geringen Sendeenergie war er doch ein wenig unzuverlässig. Endlich hat die Berliner Funkstunde ihr Pro- gramm beendet, wir können also zu senden beginnen. Das tiefe Summen der Transformatoren setzt ein, und der „Funker" klopft auf den „Unterbrecher", mit dem die Morfezeichen durchgegeben werden. Wir senden: „CQ CQ CQ D 4 ADS“. Das heißt: Wir wollen mit einem anderen Sender in Verkehr treten und geben unser Rufzeichen. Nach dreimaliger Wiederholung stellen wir die Sendung ein und „gehen auf Empfang". Bald hören wir G 5 IS, einen englischen Sender, der uns guten Abend wünscht und berichtet, daß wir gut zu hören seien, obgleich über Südengland eine Luftstörung liege. Sein Standort sei London, und er sende mit einer Energie von 50 Watt. Wir antworten: „Alles verstanden. Danke für Bericht. Unsere Energie 150 Watt. Werden Be- stätigungskarte schicken. Herzliche Grüße und große Reichweite!" Er antwortet noch einmal: „150 Watt sind zu schade für Wochentag", und verabschiedet sich dann. Wieder lassen wir unser Rufzeichen ertönen, setzen aber diesmal zu dem CQ das Zeichen dx hinzu; es bedeutet, daß wir eine Verbindung' außerhalb Europas suchen. Doch meldet sich wieder ein Engländer, die um diese Zeit (für die Amerikaner ist cs noch zu früh: sie fitzen noch in ihren Bureaus oder bestenfalls beim Abendbrot) die kurzen Wellen beherrschen. Mir fällt zunächst auf, daß die Morsezeichen dieses Senders im Kopfhörer ganz anders klingen als die des ersten. Dieser „gibt" einen tiefen Brummton, während jener ganz hell und scharf Hang. Die „Funker" erklären mir, daß es keine zwei Sender gäbe, die vollkommen den gleichen Ton hätten. Auch dieser Engländer erzählt, daß in Manchester, seinem Standort, schwere Luftstörungen zu. verspüren seien, daß wir trotzdem fabelhaft zu hären seien. Dann fragt er: „Kennen Sie D 4 ADI in Berlin-Schöneberg? Bestellen Sie ihm beste Grüße. Wir kennen uns gut." Dann verabschiedet er sich, nicht ohne uns guten Abend und gute Erfolge gewünscht zu haben. Denn die „Ohms" (die Funkamateure) halten in jeder Beziehung auf guten „Ton", und es hat sich zwilchen ihnen schon eine Art ftnigge herausgebildet. Wir bleiben nun einige Zeit „auf Empfang" und hären zu, was sich ein französisches Schiff xF8 HI G mit einem italienischen Amateur erzählt. Leider sendet der Italiener so mangelhaft (sein Sendeftrom ist nicht vollkommen gleichgerichtet), daß wir nicht folgen können, und stellen ein wenig um. Das Washingtoner Abkommen erlaubt nämlich den Amateuren nur einen schmalen Wellenbereich (10,20 und 40 Meter — die anderen Längen sind für Nachrichtenzwecke, Schiffahrt usw. belegt), so daß man meistens schon bei ganz geringer Verschiebung der Einstellung auf einen anderen Sender kommt. Wir treffen einen Finnen OH 3 NA, der aus dem kleinen Orte Lathi sendet. Ehe mir aber mit ihm in Verkehr treten können, spricht er schon mit dem Engländer, der eben mit uns gesprochen hatte. Da beginnen wir wieder unser CQ CQ CQ D 4 ADS und ein Franzose F8FT antwortet uns. Wir verständigen uns über die gegenseitige Lautstärke und Hörbarkeit, bis ein Holländer derart laut und eindringlich mit dem CQ--9tufen dazwischenfährt, daß mir die Verbindung aufgeben müssen. meiden. Die gebundene Wirtschaft ist eine Wirtschaft starrer Werte: anfangeno mit der Diskontpolitik kommt man über den Preis- und Verkehrstarif schließlich zur Politik der Lohntarife. Diese gebundene Wirtschaft ist nun gerade aus dem Vestrebcn entstanden, die Schwankungen der Konjunktur auszuschalten. Vach den bisherigen Erfahrungen ist cs aber allen Kartellen, Konventionen und aller Vcschaffungspolitik der öffentlichen Hand nicht gelungen, die Schicksalsgöttin der Konjunktur zu entthronen. Es ergeben sich also hier ähnliche Hnzuträglichkeiten wie im System der freien Wirtschaft, von deren segensreichen Wirkungen die Harmonielehre der alten Vationalökonomie (Adam Smith, Ricardo usw.) sich so viel versprochen hatten. Aber zu Pessimimus ist kein An - l a tz. Das Wissen um den Rhythmus, in dein sich das wirtschaftliche Leben vollzieht, hat die Konjunkturforschung davor bewahrt, in einer Vufwärtsbcwcgung sich der Illusion hinzugeben, daß der strahlende Himmel der Konjunktur sich niemals verdüstern könne. Die gleiche Einsicht führt auch zu der Zuversicht, daß die Depression, in der wir jetzt stehen, über kurz oder lang ihr Ende erreichen wird. Der alte Gott der Konjunktur lebt noch. Selbst der Weltkrieg hat den Konjunkturrhythmus nicht beseitigen können, der in der Vorkriegszeit mit einem sieben- bis neunjährigen Turnus auftrat. Freilich wäre es falsch, im Vertrauen auf diesen Konjunkturrhythmus die Hände in den Schoß zu legen und in orientalischen Fatalismus zu verfallen. Eine feste Wirtschafts - und Finanzpolitik der öffentlichen Hand und ein tatkräftiger B e tä t i g un g s w i l l e e r deutschen Unternehmerschaft würden zu einer beschleunigten Heberwindung der Depression beitragen. Aus der prvvinzialhauptstadt Gießen, den 1. Oktober 1930. Es wird ein Haus gebaut.... Das ist eigentlich eine Alltäglichkeit und keim Vorgang, der unser Leben wesentlich beeindruckt. Aber das Haus, von dem ich hier spreche, ist ein besonderes Haus. CHian erbaut cs gerade vor meinem Fenster. Das sing ganz geheimnisvoll an, mit wichtig drcinschauenden Männern, die weihe Stöcke mit ro!cn Leibbinden trugen. Die Stöcke wurden hier und da eingesteckt, man peilte, maß und machte Votizen, und dann wurden in dem Garten gegenüber große Gruben ausgehvben und ein Bretter- zaun errichtet. Seit diesem Tage war Leben in der stillen Straße, es kamen Männer mit auf- gekrempelten Aermeln, die sich eine Holzbude bauten, zunächst mal —, und es kamen Wagen mit Sand und Brettern, mit Eisenträgern und Zement^äcken. Es kamen Veugierige, die stundenlang zusehen konnten, wie andere arbeiteten, es kamen kleine Kinder, die die Situation sofort von der praktischsten Seite erfaßten und den Sandhaufen ihrer Phantasie entsprechend benutzten, unterminierten und zu Väckereierzeugnissen umformten. Man scheuchte sie fort, aber sie waren doch immer wieder da und gruben und füllten kleine Eimerchen, denn Kinder gehören zu einem Veubau, wie Rebengeräusche zum Tonfilm. Schließlich wurden die ersten Steine geschichtet und jetzt wurde es offenbar, wie groß das Haus tt>erben soll, wo die Türen und die Fensteröffnungen im Erdgeschoß finb. Dicke Suppen aus Sand, Zement und Wasser wurden angerührt, Sand gesiebt, Ziegelsteine geschleppt und viel Lärm dabei gemacht. Der Veubau fing an, meinen Tagestauf zu beeinflussen. Erst störte er mich, dann ignorierte ich ihn, und jetzt haben wir uns geeinigt, er lärmt weiter und ich interessiere mich für seinen Werdegang. Das heißt, ich beurteile nun alles, auch die Geräusche, mit größtem Wohlwollen. Mein erster Blick morgens gilt ihm. Ich betrachte sein Wachsen, ich kenne seine Anlage: das Baumaterial, jeden Arbeiter und jedes der Vebengeräusche — ich meine die Kinder —, ich sah ihn sozusagen in den Windeln und dann schnell zum Iüngling sich entwickeln, ich stelle Vermutungen an, wie weit er wohl morgen wieder wachsen wird, jeden neugeschichteten Stein buche ich mit Genugtuung. Mehrmals am Tage laufe ich zum Fenster, um keine Phase in der Entwickelung meines Schützlings zu versäumen. Dsr Veubau bildet einen Teil meines Tagewerks, er verfolgt mich sogar in meine Träume, und wenn ich abends Schweres gegessen habe, sehe ich ihn im Schlafe einstürzen. Ich bin in meinem Interesse an der Sache quasi äu einem geistigen Maurer geworden, und wenn ich den bauleitenden Polier nach Feierabend trcsfe, ziehe ich geziemend meinen Hut. „Meine" Maurer haben nichts mit Plastiken gemeinsam. Sie bauen, daß es eine Lust ist, und während ich dies schreibe, haben sie schon wieder ein ganzes Gerüst errichtet. Man sollte überhaupt nicht reden, ehe man nicht selbst erlebt hat. Ich habe früher auch von Architektur geredet, aber habe ich gewußt, wieviel Teile Sand zu zehn Eimern Wasser gehören? Wo njan beim Bauen von Mauern anfängt? Wie man Ziegel am praktischsten befördert? Wie dreckig sich acht Kinder an einem Sandhaufen machen können? Sehen Sie, das weiß ich alles erst jetzt, und wenn der letzte Dachziegel gelegt sein wird, melde ich mich vielleicht zum Diplomexamen für Architekten. H. v. M. Bekämpfung der Schwarzarbeit. Das Kreisamt Gießen veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt folgende Verfügung an die Bürgermeisterämter: Die Klagen über zunehmende Schwarzarbeit lassen nicht nach. Mit Recht wehrt sich das geordnete, den steuerlichen Verpflichtungen genügende Gewerbe, insbesondere das Handwerk gegen die schwere Schädigung, die ihm durch den mit ungleichen und oft gesetzwidrigen Mitteln geführten Wettbewerb der Schwarzarbeit fortdauernd bereitet wird. Diesem Mißstand muh mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegengetreten werden. Alle bekanntwerdenden Fälle von Schwarzarbeit müssen sorgfältig geprüft werden, ob nicht Merkmale anzeigepflichtiger gewerbsmäßiger Nebenarbeit vorliegen. Sofern begründeter Verdacht der Verletzung der Anzeigepflicht besteht, ist die strafrechtliche Verfolgung einzuleiten, und es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Unternehmer solcher Veben- gcwerbe ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen. Die Maßnahmen dürfen sich nicht nur auf die Verfolgung der bekanntgewordenen Fäll« der Verletzung der Anzeigepflicht beschränken, sondern es ist Pflicht der Ortsbehörden, solche Schwarzarbeiterbetriebe überhaupt ausfindig zu machen. Hierzu empfiehlt sich eine fortgesetzte enge Fühlungnahme und ein planmäßiges Zusammenarbeiten mit den beteiligten örtlichen Gewerbekreisen, denen die Schwarzarbeitsbetriebe am ehesten bekannt sind und die zweifelsohne in der Lage und bereit sind, den Behörden das Material in die Hand zu geben, aus dessen Grundlage ein Einschreiten möglich ist. Soweit von Personen, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden, der Anzeigepflicht genügt wird, müssen diese auf die wirtschaftlichen Vachteile der Schwarzarbeit für die Allgemeinheit hingewiesen werden, geht doch durch diese Schwarz- oder Vcbcnarbeit auch in ganz erheblichem .Umfange Arbeits- und Verdienstgelegenheit für zahlreiche Arbeitslose verloren. Wir beauftragen Sie, Vachforschungen über Schwarzarbeitsbetriebe anzustellen und uns die Vamen solcher Schwarzarbeitsbctriebe mitzu- teilen, damit strafrechtliche Verfolgung veranlaßt werden kann. Keinesfalls dürfen Gewerbescheine mit dem Zusatz „für den Betrieb nach Feierabend" oder „als Vebenarbeit" ausgestellt werden, damit jeder Anschein vermieden wird, Tagung zusammen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Veranstaltung sich in der kommenden Winterbildungsarbeit segensreich auswirken möge. Bornotizen. — TageskalenderfürMittwoch. Stadttheater: „Schinderhannes", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus". — Ästoria-Lichtspiele: „Zeichen des Sturms" und „Rajah" (Das Herz des Maharadscha). — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die diesjährige Winterspielzeit 1930/31 beginnt mit dem heutigen Tage. Als Eröffnungsvorstellung findet die Erstaufführung von Zuck- rnayers Volksstück: „Schinderhannes" statt. Die Regie führt Intendant Dr. P r a s ch selbst, die Rolle des Schinderhannes spielt Iocchnr Hauer. Die weibliche Hauptrolle spielt Elisabeth Wielander. In den übrigen Rollen sind beschäftigt die Damen: Doering, 3arm, Iüngling, sowie das gesamte Solopersonal der Herren. — Am Freitag Was bietet der Gießener Anzeiger seinen Lesern? ■ Werktäglich Das große Heimat- und Anzeigenblatt die führende Tageszeitung in dem Gebiet zwischen Frankfurt am Main - Kassel und Koblenz-Erfurt Wöchentlich zweimal Gießener FamillenblStter ! Wöchentlich Die Illustrierte des Gießener Anzeigers Heimat im Bild Die Scholle In ständigem Wechsel Sonderseiten de» Gießener Anzeigers: Turnen, Sport und Spiel Für den Büchertisch Aus dem Reiche der Frau Aus Natur und Technik Jugend und Hochschule Aus der Welt des Films Das Recht im täglichen Leben Zeltfragen des Mittelstandes Jährlich zweimal Taschenfahrplan in Heftform Jährlich Künstlerischer Wandkalender als ob behördlicherseits gegen diese Art Arbeit nichts ein gewendet werde. Kreisbildungstag des OHB. Der Kreis 11, Mittelhessen im Deutschnationalen Handlungsge- hilfen-Derband hielt am Sonntag in Gießen einen Kreisbildungstag ab, der zur Führerschulung für seine Mitarbeiter veranstaltet war. Kreisbildungsobmann W i ß n e r, Marburg, konnte — so berichtet man uns — etwa 60 Vertreter der zum Kreis Mittelhessen gehörigen 18 Ortsgruppen begrüßen. Der Bildungsobmann des Gaues Main- Weser, Herr Martens, Frankfurt, eröffnete mit einem kurzen Vortrag über „Bildung und Kultur" die Tagung, die dann in Form einer Arbeitsgemeinschaft fortgesetzt und durch weitere kurze Referate über „Kulturwerte in der Geselligkeit" und „Tanz und Kultur" jeweils unterbrochen wurde. Klar wurde herausgestellt, daß der D. H. V. als nationale Gesinnungsgemeinschaft, die im deutschen Volkstum wurzelt, einer Ueberfremöung unserer Kultur entgegenarbeitet, indem er in seiner Dildungsarbeit und Geselligkeit deutsche Meister in Dichtung, Musik, Kunst und Wissenschaft zu Worte kommen läßt. Er widersetzt: sich dem Begehren der Masse in dieser Hinsicht und will in Erkenntnis des Wahren, Guten und Schönen nur eine Bildungsarbeit betreiben, die dem deutschen Wesen entspricht, er will seinen Mitgliedern auch auf diesem Gebiete Führer sein. Die starke Beteiligung an der Aussprache zeigte, dah weite Mitgliederkreise diesem Sinne der Bildungsarbeit ihres Berufsverbandes erkannt haben und als Chrenamtsinhaber ihrer Ortsgruppen bereits in starkem Maße in dieser Richtung arbeiten. Heber alle grundsätzlichen Fragen in der Stellungnahme zur Dichtung, Musik, Geselligkeit und Tanz, wie sie der Verband hat, konnte eine vollkommene Hebereinstimmung festgestellt werden. Die Berichte der Bildungsobleute der einzelnen Ortsgruppen gaben ein anschauliches Bild über den Umfang der Bildungsarbeit in beruflicher und allgemeiner Hinsicht, die in dieser Gewerkschaft der männlichen Kaufmannsgehilfen geleistet wird. Vachdem Kreisgeschäfts- führer Schroeder auf den kommenden Kreistag, der am 18. und 19. Oktober in Gießen stattfindet, hingewiesen und zur regen Teilnahme eingeladen hatte, faßte Gaubildungsobmann Mar - 1 tens in feinem Schlußwort das Ergebnis der findet das erste Operettengastspiel dieser Saison statt. Die vereinigten Operettentheater Bochum- Hamborn bringen die große Schlageroperette Lehars: „Das Land des Lächelns" zur Aufführung. Die Intendanz weist ausdrücklich darauf hin, daß diese OpercttenvorsteUung die einzige im Monat Oktober ist und auch nicht mehr wiederholt wird. — 23 o m Konzertverein wird uns geschrieben: Gelegentlich des hier stattfindenden ärztlichen Fortbildungskurses wird am 7. Oktober in der Neuen Aula ein Sonderkonzert veranstaltet, in dem die heimische Pianistin Frl. Edeltraut Raao und Herr Lizentiat Laun, durch seinen klingenden und geschulten Tenor weiteren Kreisen bereits bekannt, mitwirken werden. Die Begleitung hat Herr Dr. Temesvary übernommen. Frl. Raab wird Bach, Beethoven und Chopin spielen, Herr Laun wird altenglische Lieder und Lieder von Wolf und Schubert singen. Dieses Konzert, dazu bestimmt, den hier zahlreich versammelten Aerzten in ihre schwere 2(rbeit auch Kunst und Schönheit hineinzutragen, soll allgemein zugänglich sein. Es wird als Sonderkonzert zu volkstümlichen Preisen stattfin- den. Die Abonnementskonzerte werden erst am 6. November mit einem Orchesterkonzert der Meininger ihren Anfang nehmen. Man beachte die heutige Anzeige. * **DieBauarbeitenamMarktlauben- gebäude, die wegen Geldmangels vor etwa einem Jahre stillgelegt wurden, sollen nun wieder in Gang gebracht werden. In einer Bekanntmachung des Städtischen Hochbauamts in unserem gestrigen Anzeigenteil wird die Vergebung der Installation der elektrischen Lichtanlage, der Glaserarbeiten sowie der Verputz- und Anstreicherarbeiten ausgeschrieben. Man rechnet damit, daß die Arbeiten in etwa acht bis zehn Tagen wieder beginnen können. Wenn die Witterungsoerhältnisse im Laufe des Winters günstig bleiben, hofft man den Bau bis zum Beginn des nächsten Jahres fertigstellen zu können. ** Die Ausflugrückfahrkarten der Reichsbahn an Mittwochnachmittagen mit 331/g Prozent Fahrpreisermäßigung werden vom 1. Oktober ab von Gießen nach folgenden Stationen ausgegeben: Dad-Vauheim, Braunfels oder Draunfels-Oberndorf, Katzenfurt, Lich, Marburg (Lahn) und Wetzlar. ** Oesfen11iche Bücherhalle. Im September wurden 1237 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 868, Zeitschriften 78, Iugendschriften 38, Literaturgeschichte 2. Gedichte und Dramen 10, Länder- und Völkerkunde 79, Kulturgeschichte 2. Geschichte und Biographien 87, Kunstgeschichte 12, Naturwissenschaft und Technologie 22, Heer- und Seewesen 4, Haus- und Landwirtschaft 5, Religion und Philosophie 6, Staatswissenschaft 19, Fremdsprachliches 5 Bände. Vach auswärts kamen 3 Bände. ** Drei Arbeitsveteranen. Was wohl nicht häufig vorkommt, ist bei der Firma H. S ch a f f st a e d t G. m. b. H., Fabrik für gesund- heitstechnische Anlagen, eingetreten. Drei Iubi- lare konnten in diesen Tagen auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit zurückblicken, und zwar vorgestern der Armaturenschlosser Ludwig Pieh,. gestern der Spengler Philipp Brunnen- g r über und heute der Kaufmann Paul Plage, sämtlich aus Gießen. Den Iubilaren wurden von der Direktion der Firma und von den Kollegen ehrende Geschenke überreicht. ** Mieterjubiläum. Seit dem 1. Oktober 1905 wohnt Schneidermeister Konrad Oehler im Hause des Sattlermeisters Spieß, Neustadt 8. Das 25. Jubiläum ist ein Zeichen herzlichsten Einvernehmens zwischen Mieter und Vermieter, das in einer Zeit wie heute besonders erwähnenswert erscheint. ** Gendarmerie-Personalie. Auf Grund des Polizeibeamten-Gesetzes tritt mit Wirkung ab 1. Oktober der Gendarmeriekommissar Karl Fischer zu Alsfeld in den Ruhestand. '* FrankfurterTauniden inGießen. Am vorigen Sonntag besuchte der Taunusklub Frankfurt mit etwa 80 Teilnehmern "unter Führung eines geborenen Gießeners, P. Zink, unsere Stadt, um nach einem Rundgang, bei dem leider der Nebel viel Schönes nicht recht zur Geltung kommen ließ, über den Gleiberg zum Dünsberg zu wandern. Auf dem Gleiberg, als die Sonne durchbrach, begrüßte Bürgermeister Drockmeier von Krofdorf für den Gleiberg- derein die Tauniden, wobei er über die Geschichte der Burg, sowie über Zwecke und Ziele des Gleibergvereins sprach. Nach einem Imbiß und anschließender Besichtigung der Burg ging es bei Hellem Sonnenschein über Krofdorf und Fellingshausen hinauf zum Dünsberg. Auf der Höhe wurden die Wanderer vom Vorsitzenden des Dünsbergvereins, Geh. Rat Nlittermaier, mit trefflichen Worten begrüßt, während E. F a - 6er für den V. H. C. Gießen herzlichen Willkommgruß entbot. Der Abstieg erfolgte auf dem kürzesten Weg nach Bieber, wo bei Gastwirt Scheerer der Kaffee eingenommen wurde. Der Nachmittagszug brachte die Gäste dann wieder nach Gießen, wo im Gasthof Hindenburg Schluß- rast gemacht wurde. Nach dem gemeinsamen Abendessen begrüßte Provinzialdirektor G r a e f für den ©leiberg&erein, Apotheker Schwieder namens des Verkehrsdereins i>te Gäste. Der Vorsitzende des Taunusklubs, Herr Rödding, betonte in seiner Dankrede, daß diese Wanderung ter Stadt Gießen und ihrer schönen Hmgebung viel Freunde gewonnen habe, die an diesen Tag mit dem Genuß der landschaftlichen Schönheiten und an das Zusammensein mit den vberhessischen Wanderfreunden gerne zurückdenken werden, wie umgekehrt der Taunusklub Frankfurt mit feiner vorbildlichen Organisation hier viel Sympathie erweckt hat. ** Rollschuhwerbeabend des Gießener Eisvereins. Man berichtet uns: Die Werbeveranstaltung am vergangenen Freitag hat, trotzdem sie nur in bescheidenem Rahmen aufgezogen war, ihren Zweck voll erreicht. Die zahlreich anwesenden Zuschauer konnten in der Gymnasialturnhalle an den Vorführungen sehen, daß der Rollschuhsport der beste Ersatz und die erfolgreichste Vorübung für das Schlittschuhlaufen ist. Die Vorführungen des Frankfurter Kunstläufers I 0 s e p h geigten, wie man von klein aus bis zu den schwierigsten Figuren alle Möglichkeiten des Eislaufes auch mit dem Rollschuh erschöpfen kann. Bei dem etwas zu glatten Boden der Halle war es dem Läufer nicht möglich, die schwierigsten Hebungen des Kunstlaufes zu zeigen, aber noch in den einfacheren Figuren zeigte er eine wunderbare Haltung und korrekte Ausführung. Auf Grund dieser Vorführungen ist in der anschließenden Besprechung die Einführung des Rollschuhlaufes im Eisverein festgelegt worden. In der kommenden Woche werden in der Volkshalle die Hebungsabende beginnen. (Man achte auf die Anzeige.) Der Eisvcrein hat, um die Einführung dieses Sportes zu erleichtern, die Mittel zur Beschaffung von Leihrollschuhen bewilligt, so daß es jedermann möglich sein wird, gegen eine geringe Gebühr sich diesem Sport zu widmen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde zu der Schaffung der Spritzeisbahn Stellung genommen. Gewünscht wird, dah die schon fertige Fläche für den kommenden Winter nur durch Walzen zur Spritzfläche hergerichtet wird. Wenn sich zum Frühjahr der aufgeworfene Boden gesetzt hat, soll durch eine Beton-Asphaltdecke die Fläche noch dem Freiluft- Rollschuhlauf zugänglich gemacht werden. Durch die Ausführung dieser Arbeiten unter der Leitung der Stadtverwaltung ist es dem Eisverein möglich, nach wie vor die Mitgliedsbeiträge so niedrig wie möglich zu halten und damit der Bürgerschaft die Ausübung dieses schönen Wintersportes zu ermöglichen. ** Weitere Herabsetzung der Triebst 0 f s p r e i s e. Der weitere Rückgang der amerikanischen Exportpreise für Benzin und die Schwäche des Triebstoffmarktes haben die großen Betriebsstoffgesellschaften veranlaßt, mit Wirkung vom 29. Dezember 1930 eine weitere Preisherabsetzung für Benzin um einen bis zwei Pfennig, für Gemische und Benzol um einen bis drei Pfennig eintreten zu lassen. Berliner Börse. Berlin, l.Okt. (WTB. Funkspruch.) Da man die Schwäche an der gestrigen Neuyorker Börse mit rein lokalen Vorgängen begründen zu können glaubt, blieb die Stimmung auch im heutigen Frühverkehr, angeregt durch das Finanzprogramm des Kabinetts freundlich. Man taxierte gestrige Abendkurse eher Geld. 2lm Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,83, London gegen Mailand 92,79, London gegen Spanien 46,75 zu 47, London gegen Kabel 4,8580 zu 4,8585, London gegen Berlin 20,4160 zu 20,42, Kabel gegen Berlin 4,2025. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Arntsv'erkündigurrgsblatt Nr. 7 3 vom 30. September enthält: Prüfung von Lichtspielvorführern. — Straßensperre. — Die Gebühren für die Auskunfterteilung aus den polizeilichen Melderegistern. — Mäuseplage. — Bekämpfung von Schwarzarbeit. — Kunst- pädagogische Lehrerwoche. — Prüfung für Gesanglehrer. — Dienstnachrichten. Oberhessen. Laubacher (Semeinderat. D Laubach, 30. Sept. 3n der unter Vorsitz des Bürgermeisters H ö g y stattgehabten jüngtzen Gemeindero tssitzung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Durch die allgemeine schlechte Wirtschaftslage tonnen von der Gemeinde g r ö - Here Bauarbeiten für die nächste Zeit nicht mehr vorgenommen werden. Aus diesem Anlah sah sich der Gemeinderat genötigt, den mit einem hiesigen Architekten bestehenden Vertrag auf den 1. Januar 1931 zu kündigen. 3n Zukunft soll der Architekt nur noch mit der Ausführung kleinerer Arbeiten von Fall zu Fall gegen eine entsprechende Vergütung beauftragt werden. Auf denselben Termin wurde dem Wiesenwärter und den beiden Baumwärtern gekündigt, da die Einnahmen der letzten Fahre aus den der Gemeinde gehörigen Wiesen und Obstbäumen im Vergleich zu der seither gewährten Vergütung zu gering sind. Die Wiesen sollen im nächsten Frühjahr auf 6 3ahrc verpachtet werden, während die Unterhaltung der Gemeindeobstbäume unter den hiesigen geprüften Baumwärtern alljährlich bei besonderer Angabe der auszuführenden Arbeiten an den Wenigstnehmenden vergeben werden soll. Kreis Büdingen. * Ridda, 30. Sept. Der hiesige Männer- gefangbercin „GängeTirana“ veranstaltete am Sonntag in der Turnhalle zum Besten des Kriegsblindenerholungsheims in Bad Salzhausen ein Konzert, das gut besucht war. Auster den Sänger^ wirkten nodj die blinde Konzertsängerin Marie Kujawa aus Wiesbaden und der blinde Violinkünstler Peter Diehl aus Appenheim bei Bingen mit Der Gesangverein trug unter Leitung des Lehrers Dietrich von Rodheim a. d. Horloff vorzüglich eingeübte Chöre vor und erntete großen Beifall. Ebenso zollten die Zuhörer den beiden blinden Künstlern für ihre Vorträge volle Anerkennung. Besonders waren die Gäste' des Blindenheimes von Bad Salzhausen freudig und dankbar ergriffen. Für ihre Dienste zu dem wohltätigen Zweck gebührt dem Verein und den Mitwirkenden Dank und Anerkennung. Kreis Lauterbach. 1\ Lauterbach, 30. Sept. Am Sonntagnachmittag versuchten in Dlihenrod zwei betrunkene Wanderburschen aus Trier vorbeifahrende Autos und Motorräder aufzuhalten. Sie benahmen sich darüber hinaus reichlich herausfordernd, dast sich einige beherzte Männer veranlaßt fühlten, einzugreifen. Beide wurden auf Anordnung des Bürgermeisters in das Backhaus gesteckt. Doch auch dort gaben sie keine Ruhe, schlugen Fensterscheiben ein, zerstörten, was nicht niet» und nagelfest war, rissen sich schließlich gar die eigenen Kleider vom Leibe. Mit einer kalten Dusche wurden die Betrunkenen au einiger Vernunft gebracht und dann nach dem Gefängnis in Lauterbach transportiert. reiv Marburg. ][ Marburg, 30. Sept. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer heutigen Sitzung Kommunale Garrasam-Bilanz. Daß der Besuch eines so großen Unternehmens wie des Zirkus Sarrasani eine umfangreiche finanzielle Mobilisierung in den Taschen oon oielen Tausenden von Mitbürgern zur Folge hat, ist aus einigen ziffernmäßigen Feststellungen ersichtlich, die wir an verschiedenen Stellen ermittelt haben. Der Zirkus Sarrasani zahlte an die Stadt Gießen an Vergnügungssteuer für sein viertägiges Gastspiel den Betrag von 5600 Mark, wobei der Steuerberechnung eine Billetteinnahme von 92 000 bis 93 000 Mark zugrunde gelegt ist. In diese Summe sind jedoch d i e Einnahmen der Zirkuskasse nicht einbegriffen, die aus der Besichtigung der Tierschau und aus dem Verkauf der Druckschriften des Unternehmens erzielt wurden, da derartige Erlöse bei der Berechnung der Vergnügungssteuer außer Ansatz bleiben. Der V o l k s h a 11 e o e r e i n , der für die Vermietung des Platzes' zuständig war, konnte eine Platzmiete in Höhe von 1000 Mark einnehmen. Einen besonders großen Anteil an den Einnahmen durch den Zirkusbesuch hatte die städtische Straßenbahn. Am Freitag wurden auf unserer Elektrischen auf Einzelfahrscheine 4138 Personen befördert, die der Straßenbahnkasse eine Einnahme von rund 790 Mark brachten; am Samstag fuhren auf Einzelfahrscheine 10 649 Personen mit der Straßenbahn, Einnahme rund 1979 Mark: am Sonntag benutzten mit Einzelfahrscheinen 16 638 Personen die Straßenbahn, Einnahme 3137 Mark; am Montag waren 3425 Fahrgäste der Straßenbahn zu verzeichnen, Einnahme rund 654 Mark. Zu dieser Frequenz auf Einzelfahrscheine kommen noch rund 8000 Personen hinzu, die mit Fahrscheinen aus den verbilligten Fahrscheinheftchen fuhren und der Straßenbahn eine Einnahme von rund 1050 Mark brachten. Insgesamt hat also die Straßenbahn durch das viertägiae Gastspiel Sarrasanis eine Einnahme von 7610 Mark erzielt. Don den übrigen Verkehrsbetrieben innerhalb unseres Stadtbereichs ist zu berichten, daß auf den Kraftomnibuslinien der Reichspost Wißmar, Krofdorf, Hochelheim und Gambach aus Anlaß des Zirkusbesuches rund 3760 Personen in Hin- und Rückfahrten befördert wurden. Mit den '21 u tos der Kraftverkehrsgesellschaft .Hessen" wurden rund 1500 Personen nach und von dem Zirkus gefahren, woraus sich für den Betrieb eine Sondereinnahme von rund 700 Mark ergab. Die verstärkte Inanspruchnahme der Reichsbahn konnten wir ziffernmäßig nicht seststellen, da bekanntlich für die Zirkusbesucher und Benutzer der Reichsbahn in weitgehendem Maße Rückfahrkarten an den Bahnhöfen der betreffenden Wohnorte aus- gegeben worden waren. Zieht man weiter in Betracht — was allerdings ziffernmäßig nicht festzustellen ist —, welche Summen durch die Verpflegung des außerordentlich umfangreichen Zirkuspersonais, durch die Versorgung des großen Tierparks mit Futtermitteln der verschiedensten Art in die Stadt Gießen und in die nähere Umgebung geflossen ist, nimmt man dann noch hinzu, daß für die Werbung der verschiedensten Art ansehnliche Mittel aufgcwandt fein müssen, und ferner bei dem Abtransvort des Unternehmens eine große Anzahl arbeitsloser Leute von hier zur Arbeit herangezogen wurden, so kann man sich an Hand der vorstehenden Beispiele ungefähr eine Vorstellung davon machen, welchen Umfang die finanzielle Mobilmachung durch Sarrasani sowohl auf der Ausgaben-, wie auch auf der Cin- nahmenseite vieler Mitbürger in Stadt und Land angenommen hat. Wenn natürlich auch nicht verkannt werden kann, daß das Unternehmen ein ansehnliches Stück Geld von hier mit fortgenommen hat, so ist auf der anderen Seite aber auch nicht zu übersehen, daß auch umfangreiche Geldmittel durch diesen Besuch unserer Stadt und der Umgegend zugeführt wurden. die Erhöhung der Bier st euer und die Erhebung einer Bürger st euer, gemäß den Bestimmungen der Reichsnotverordnung. Man hofft, auf diese Weise den im städtischen Wohlfahrtsetat durch die große Arbeitslosigkeit verursachten Fehlbetrag von 60 000 Mark decken zu können. Zusammenlegung von Forstämtern im Kreise Biedenkopf. Die Preußische Staatsoberförsterei Strupbach wird vom 1. Oktober ab aufgelöst und der O b e r f ö r st e r e i Gladenbach zugeteilt Aus den Staatsförstereien Königsberg (Forsthaus Haina) und Bieber (Forsthaus Dünsberg) wird mit den beiden Gemeindeförstereien Rodheim und Waldgirmes ein Revier- försterbezirk gebildet, der dem bisherigen Förster, jetzigen Revierförster im Forsthaus Bieber, unterstellt ist. Die Forstkasse in Rodheim (Bieber) bleibt bestehen. Daten für Donnerstag, 2. Lktobcr. Sonnenaufgang 6.01 Uhr, Sonnenuntergang 17.37 Uhr: Mondaufgang 16.24 Uhr, Monduntergang —. 1847: Reichspräsident Paul von Hindenburg geboren: — 1839: der Maler Hans Thoma in Dernau (Schwarzwald) geboren: — 1869: der indische Rationalist Ghandi in Porpandar geboren. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) M. L. 1. Falls sich der Mieter in 3hrem Hause der Kuppelei schuldig macht, können Sie mit Aussicht auf Erfolg auf Räumung klagen. 2. Die von dem Hausbesitzer erteilte Erlaubnis zur Untervermietung muß als dauernd erteilt gelten, falls nicht z. B. durch den allzuhäufigen Wechsel der Untermieter, oder wegen Belästigung durch diese, ein ausreichender Grund zum Widerruf der Erlaubnis gegeben wird. H. D. In G. Der Geschäftsanteil schäft muß in ihrem Statut der Höhe nach, d. h. ziffernmäßig, und für alle Genossen gleich hoch bestimmt sein. Die Erhöhung des Anteils, dir nur im Wege der Statutenänderung in der Generalversammlung erfolgen kann, bedarf einer Mehrheit von drei Vierteilen der erschienenen Genossen (§ 16 des Genossenschaftsgesetzcs), Zweckmäßigkeitsgründe entscheiden. Kunst und Wissenschaft. Willem de Haan f. WSN. D a r in st a d t, 30. Sept. Der ehemalige Darmstädter Hofkapellmeister Willem de Haan ist kurz nach Vollendung feines 81. Lebensjahres in Berlin g e ft o r b e n. Willem de Haan flammte aus Rotterdam. Er war Dirigent des Cäcilienvereins in Bingen, wurde 1876 als Dirigent des Mo- zartoereins nach Darmstadt berufen und 1878 zum Hofkapellmeistcr der Großherzoglichen Hofoper ernannt, wo er bis zum Jahre 1914 tätig war. Rach dem Kriege siedelte er nach Berlin über. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Rettgionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Donnerstag, 2. Otto, b c r : Versöhnungstag. Vorabend: 6.15 Uhr. Predigt: 6.45 Uhr. Morgens: 7.45 Uhr. Predigt mit Seelenfeier: 11.45 Uhr. Schlußpredigt: 5 Uhr. Festesausgang: 6.40 Uhr. — Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet. (Schluß des redaktionellen Teils.) Der deutsche Automobilabsatz im August 1930 ist in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage als außerordentlich gut zu bezeichnen. Die Adam Opel AG. konnte ihren Anteil an dem günstigen Gesamtabsatz wiederum steigern, und zwar sowohl im Personenwagen- als auch im Lastwagengejchäst. Der gestiegene Anteil am Personenwagenabjatz wurde durch erhebliche Absatzerfolge des bekannten Opel- 8^40-?8-Wagens erreicht, während der verbesserte Lastwagenanteil dem kleinen 4/20-PS-DpeI-ßiefer- wagen zu verdanken ist. 1344v seit Jahrzehnten die Devorzuqte Nahrung TCr Söuqiinqe. unübertroffen bei allen Verdauung» Störungen fördert die Musnei-u Knocnenbiidunq kUr^|t^n^4- <&***&v*el Trotz der jetzigen Wirtschaftlichen Verhältnisse können Sie Ihrem Stoffwechselleiden erfolgreich zu Leibe rücken: durch eine Haus« trinkkur mit dem Salzschlirfer Bonifazius- Brunnen (30 Fluschen, tagt 1 Fl.). Befragen Sie den Arzt! Grhältl. in allen Apotheken, Drogerien u. in den Mineralwassergroßhandlungen. Wilhelm Michel, Walltor-1 Jean Weisel, Sonnenfir.6, straße 74, Telephon 2479. | Telephon 3885. 6679 v GEHEIMRAT DR. W. v. OPEL dem die Opelwerke ihren Weltruf verdanken, glaubt mit Zuversicht an die großen Exportmöglichkeiten des neuen Lastwagens und eine damit zusammenhängende Verbesserung der deutschen Außenhandels-Bilanz. in Opel ist zu gewinnen! Wir suchen einen Namen, den wir in der ganzen Welt berühmt machen wollen! Um die Serie der von uns gebauten Lastwagen zu vervollständigen und um jedem Geschäft den richtigen Lastwagentyp liefern zu können, bringen wir in allernächster Zeit ein neues Modell mit größerer Tragfähigkeit auf den Markt. Dieser Lastwagen ist so hervorragend gut konstruiert und gebaut, daß er nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt eine vorherrschende und führende Stellung einnehmenwird. Wir rechnen damit, durch den Export dieses neuen Modells ein sehr ausgedehntes Auslandsgeschäft an uns zu bringen,was fürDeutschlands Ruf, DeutschlandsHandelsbilanz und die Arbeitsverhältnisse unserer und der mit uns arbeitenden Industrie von ungeheuerer Wichtigkeit sein wird. Der neue Lastwagen soll seinen Siegeszug durch Deutschland und über Deutschlands Grenzen hinaus unter einem Namen antreten, der ihn als deutsches Fabrikat kennzeichnet und gleichzeitig Ausdruck seiner überlegenen Qualität ist. Wer uns hilft, diesen Namen zu finden, kann einen der folgenden Preise gewinnen: 1. PREIS: EINE 4 ZYLINDER OPEL-LIMOUSINE 2.PREIS: EIN OPEL-MOTOC LU B-MOTORRAD 3. PREIS: EIN OPEL-MOTOCLUB -MOTORRAD 4. PREIS: EIN OPEL-MOTOCLUB-MOTORRAD 5. PREIS: EIN OPEL-MOTOCLUB-MOTORRAD DIES SIND DIE LE IC 1. Der Name darf nur fünf Buchstaben enthalten, — nicht mehr und nicht weniger! 2. Der Name muß in der ganzen Welt als deutscher Name erkannt werden. 3. Der Name muß in jeder modernen Sprache ausgesprochen werden können. 4. Jeder Teilnehmer darf verschiedene Vorschläge eimenden. 5. Jeder darf an diesem Preisausschreiben tctlnehmen; ausgeschlossen sind: Mitglieder der Adam Opel A. G.-Organisation and der Opel- Vertreter-Organisation. 6. Sämtliche mit einem Preis bedachten Vorschläge gehen mit allen Rechten in den Besitz der Adam Opel A. C. über. Vorschläge können nicht zurückgesandt werden, und wir können nut den Ein- H BENUTZEN SIE DIESEN COUPON" FÜR IHRE ANTWORT An die Adam Opel A. G., Rüsselsheim a. M. 48 Abteilung Preisausschreiben. 1. Buchstabe 2. Buchstabe 3. Buchstabe 4. Buchstabe 5. Buchstabe TEN BEDINGUNGEN: sendern keinerlei Korrespondenz führen. 7. Nur Antworten, die bis zum 6. Oktober 1930 zur Post gegeben und bis 24 Uhr abgestempelt sind, können berücksichtigt werden. (Da postalisch nicht als Drucksache geltend, mit 15 Pfg. zu frankieren.) 8. Das Preisgericht besteht aus dem Vorstand der Adam OpelA. G. und dem Rechtsanwalt und Notar Dr. W. Remmert, Frankfurt a. M. 9. Für den Fall daß mehrere gleiche Antworten eingehen, die vom Preisgericht ausgewählt werden, entscheidet das Los unter Aufsicht von Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. W. Remmert, Frankfurt a. M. Die Entscheidung über die Zuteilung der Preise erfolgt unter Ausschluß des Rechtsweges und ist endgültig. 10. Die gewählten Namen werden in diesem Blatte am 22. Oktober 1930 bekanntgegeben werden. J4AME:____ WOHNORT: STRASSE: — R U E S S E L S H E I M AM MAIN Generalvertretung: M OTO R WAG E N - VE R KAU F SGESELLSCHAFT mit beschränkter Haftung • Spezial-Reparaturwerkstätte 6 37a Reichhaltiges Ersatzteil-Lager, Groß-Tankstelle ■ GIESSEN, Frankfurter Str. 52—56, Fernsprecher 2847/48 1 Jahr Kaufhaus HANSA Neben unserer Zugehörigkeit zu dem größten Warenhaus-Konzern Europas war es uns nur durch das Vertrauen und den großen Zuspruch des kaufenden Publikums möglich, unser Unternehmen, trotz eines Zeitraumes von nur 1 Jahr, auf eine sehr beachtenswerte Höhe zu bringen. Unseren besonderen Dank an die verehrte Kundschaft glauben wir am zweckmäßigsten durch eine großzügige Sonderveranstaltung, die alles bisher Dagewesene an Qualität und Billigkeit in den Schatten stellt, zum Ausdruck zu bringen. Wir hoffen, mit dieser Veranstaltung auch in den Kreisen Beachtung zu finden, die uns bisher als Käufer fernstanden. Dieser Sonderverkauf findet in allen Abteilungen statt und beginnt am Freitag, dem 3. Oktober. Es liegt im eigensten Interesse, wenn Sie mit Ihrem Einkauf warten.Siesparen dadurch viel Geld 6652 A Gelegenheitskauf Kinder-Mäntel Größe 45 - 60........Mk. 2.95 bis 4.95 Kinder-Hütchen dazu passend.......Mk. 0.75 bis 1.95 gute Qualitäten - tadellose Ausführung Frdr.Teipel Bahnhofstraße 45 Markt 16 Hillebrandstraße 2 Geschäfts-Drucksachen JSX" Briefumschläge bei Brühl, Schulstraße 7 Geschäfts karten Und wenn Sie sich dann den richtigen Wärmespender vom Häuser zulegen, dann werden auch Sie den Eisblumen und Schneestürmen mit sorgloserer Mfene entgegensehen. Ich erwarte gerne Ihren Besuch. seinen Einzug halten. jr. B. HAUSER, GIESSEN AM OSWAL DSG AR TEN 6R82D Karioffellieferung. Die Lieferung von etwa 1000 — eintausend — Zentner Speisekartoffeln „Industrie" soll im Wege des unbeschränkten Wettbewerbs vergeben werden. Die Anlieferung muß im Oktober 1930 erfolgen. Die Bedingungen liegen während der Dienststunden auf der Kanzlei zur Einsichtnahme offen, sie können auch abschriftlich zum Preise von 60 Rpf. Schreibgebühr bezogen werden. Für das Angebot ist die Benutzung eines besonderen Formulars voraeschrie- ben, das zum Stückpreis von 10 Rpf. auf der Kanzlei erhältlich ist. 6599D Angebote mit der Aufschrift „Kartoffel- lieferuny" sind verschlossen bis spätestens zum Eröffnungstermin am Mittwoch, dem 8. Oktober 1930, vormittags 11 Uhr, hier einzureichen. Aus den Angeboten muß ersichtlich sein, ob es sich um Kartoffeln hiesiger Gegend oder um solche anderer eventuell welcher Gebiete handelt. Es.können auch Teillieferungen, jedoch nicht unter 50 Zentner, erfolgen. Zuschlagsfrist eine Woche. Marienschloß, den 22. September 1930. Die Direktion des Hess. Landeszuchthauses. Donnerstag, den 2. Off. 1930, nachmittags 2 Llhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier, zwangSweisegegenBarzahlung einen Bücherschrank, vier Schreibtische, neun Sofas, elektrische Ständerlampe, einen Herrenzimmertisch, acht Warenschränke, fünf Grammophone mit 45 Platten, ein Tafelklavier, zwei Diwans, vier Spiegel, zwei Rauchtische, vier Chaiselongues, acht Nähmaschinen, zwei Spiegelschränke, zwei Sekretäre, drei Flurgarderoben, vier Vertikos, eine Zupfmaschine, eine Waschmaschine, eine Schneidernähmaschine, zwei Herde, einen Gasherd, einen Kassenschrank, eine Pha- nola, eine Schreibmaschine, einen Horch- Personenwagen, zwei Büfetts, eine Vitrine, eine Kredenz, einen Arzneischrank, einen Teppich, zwei Kleiderschränke, Sessel, Blumenkrippen, Tische, ein Wirtschaftsbüfett, einen Kastenwagen, einen Waschtisch, einen Dauerwellenapparat, ein Damenfahrrad, 150 Flaschen Likör, eine Ladeneinrichtung, sechs Regulatoren, einen Einspännerwagen. 66910 voraussichtlich bestimmt: 15 Anzüge, drei Sportanzüge, vier Windjacken, 24 Knabenanzüge, zwei Kieler Anzüge, 13 Hosen, zwei Monteurjacken und -Hosen. An Ort und Stelle (Ort wird im versteigerungslokal bestimmt): einen kleinen gebrauchten Opelwagen. Der« Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 Seltersweg 46, Telephon 2627 Reinigung BraubachaFischer . Wir reinigen und färben Ihre Anzüge, K Kleider,Gardinen.Teppiche usw. A und Sie sparen das Geld IQr Neuanschaffungen Photographische Aufnahmen für Paßbilder, Porträte und Gruppen im eigenen Atelier oder außerhalb * Technische und industrielle Aufnahmen auch außerhalb Gießens Besonders leistungsfähig in der Herstellung von Diapositiven und Vergrößerungen Photo- Wi Winterhoff Kreuzplatz 9 6676 A Soviel Soße wie von 2 Pfund Braten Ob Sie ein halbes Pfund Rumpsteak oder Bratwürste, ob Sie nur Knorr Makkaroni, Kartoffeln und Gemüse auf den Tisch bringen wollen, immer können Sie so viel Bratensoße mitservieren, als hätten Sie einen großen Braten zubereitet. Denn 1 Würfel „Knorr-Bratensoße” zu 15 Pfg. gibt soviel Tunke wie 2 Pfund Braten. Bratensoße ^4? Nr. 229 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, 1. Oktober (930 Zeitfragen des Mittelstandes. Krediifchutz. Don Rechtsanwalt Dr. Kurt Meyer, Äerlin. Leiter der Schutzgemeinschast für Absatzfinanzierung und Kreditsicherung. Die Ankurbelung unserer Wirtschaft kann von zwei. Seiten aus erfolgen. Wir können entweder bei; Wirtschaft von der Prvduktionsseite her bei- kommen, sie durch Schaffung von neuen Produktionsmitteln anregen und so der Arbeitslosigkeit steuern. Oder wir können versuchen, die Wirtschaft von der Konsumseite her zu beleben, indem wir durch Senkung der Preise die Kaufkraft heben, oder durch entsprechende Kreditmahnahmen die Kaufkraft erweitern. Dient dem ersten Ziel die Rationalisierung, so dient dem letzteren die jetzt so modern gewordene „Absah- sinanzierung". Da Deutschland an einer Llebersehung seiner Wirtschaft mit produktionstechnischen Anlagen leidet, so wäre es wohl kaum ratsam, eine Erweiterung unserer industriellen Produktion mit dem Hinblick einer Ankurbelung der Wirtschaft von dieser Seite aus vorzunehmen. Es wäre nicht nur kaufmännisch unklug, sondern volkswirtschaftlich direkt verhängnisvoll, wollten wir um einer augenblicklichen schnellen Arbeitsbeschaffung willen die Produktionsfähigkeit unserer Wirtschaft noch weiter steigern. Wir müssen vielmehr vor allem eine Anregung des Konsums anstreben. Reben dem Bestreben, eine Senkung der Preise herbeizuführen, kommt also der oben erwähnten Absatzfinanzierung heute eine wesentlich erhöhte Bedeutung zu. Schon früher wurde diese neue Art des Verkaufes von einer ganzen Anzahl von Spezialgeschäften gepflegt. Diese verfügten über besondere Erfahrungen in der schwierigen Art ihrer Geschäftsführung, über eine besondere Organisation und natürlich auch über eine gewisse Kapitallraft, die es ihnen ermöglichte, den Eingang ihrer Guthaben auf längere Zeit hin- auszuschieben. Die Ungunst der Zeit brachte es mit sich, dah die Konsumfinanzierung heute fast im gesamten Einzelhandel üblich wurde. Dieser Handelszweig wurde, um seine Umsätze aufrechtzuerhalten, mehr und mehr gezwungen, sich dieser modernen Derkaufsform als eines Lockmittels zu bedienen. So entstanden neben den reinen Abzahlungsgeschäften eine ganze Reihe von Detailgeschäftcn, deren Vertrauensverhältnis zur Kundschaft, wie cs sich auf Grund einer langen Tradition entwickelt hatte, auf die Weise aufrechterhalten werden sollte, dah man in Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage den Kunden ein entsprechendes Entgegenkommen in den Zahlungsbedingungen zeigte. Wie jede Wirtschaftsform, so besitzt auch der Kundenkredit seine Gefahren. Es traten nicht nur bald zahlreiche Schädlinge auf, die aus diesem auf Vertrauen zum Kunden entstandenen Entgegenkommen der Kaufmannschaft unrechtmäßigen Vorteil zogen, sondern es entstand für viele nicht ganz charakterfeste Personen die Versuchung, sich über die Gebühr finanziell zu engagieren, jedenfalls bestätigte die Erfahrung bald, dah es immer wieder gewissen Käufern gelungen war, an verschiedenen Stellen Kredite zu erhalten, die insgesamt weit über ihre' finanzielle Leistungsfähigkeit hinausgingen, und daß notorische Kreditschwindler in der Lage waren, immer neue Fi rin en, selbst gleicher Branche, zu schädigen. Diese Schädigung des Handels konnte natürlich zu einer Gefahr für die Betriebe werden, sobald sie in einem großen Maßstabe auftrat. Aber selbst in mäßigen Grenzen wirkte sie nicht nur überaus schädlich auf die mit den einzelnen Branchen in Verbindung stehenden jndustri^ nnd Gewerbezweige, sondern sie bedeutete auch eine Belastung der Gerichte, viel Aerger und oft schweren Zeit- und Geldverlust. Cs ist daher erklärlich, daß die Wirtschaft auf Mittel sann, alle diese hemmenden Faktoren auszuschalten, kommt es doch in unserer heutigen Zeit des schwersten Wirtschaftskampses mehr denn je darauf an, die produktiven Kräfte anzufachen und jeden Leerlauf zu vermeiden. So entschlossen sich denn eine Reihe führender deutscher Firmen, gemeinsam eine Zentralstelle zu schaffen, über die sie sich gegenseitig — unter strengster Wahrung des Geschäftsgeheimnisses— die von ihnen gegebenen Kredite und die im Verkehr mit ihren Kunden gemachten Erfahrungen zur Verfügung stellten. Diese Zentralstelle war die Schuhgemeinschaft für Absahfinanzierung und Kreditsicherung, kurz „Schufa" genannt, eine Organisation, welche die bei den einzelnen Kreditgebern für alle andern nutzlos liegenden Unterlagen sozusagen in einem Generalarchiv sammelt und nutzbar macht. Dort werden die Unterlagen dazu benutzt, um übermäßige Kreditgewährungen zu verhindern und notorische Schwindler, die bereits eine Stelle geschädigt haben, für die Zukunft unschädlich zu machen. So wirksam die Organisation für den Kaufmann ist. so unauffällig ist ihre praktische Durchführung für das Publikum. Der Kunde merkt und erfährt gar nichts von der diskret und sicher arbeitenden Organisation. Betritt er das Geschäft, so füllt er einen Antrag mit fernem Rainen aus und unbemerkt von ihm wandert dieses Papier in die Telephonzentrale, von der aus bei der „Schufa" Auskunft über bie Kreditwürdigkeit des Kunden eingeholt wird. Hier ist sofort durch entsprechende Zeichen auf der Karte des Kunden — falls er schon einmal auf Abzahlung gekauft hat — festzustellen, inwieweit er seinen Verpflichtungen nachgekommen ist, ob er ein säumiger Zahler war. gepfändet wurde, Konkurs gemacht hat. den Offenbarungseid leistete usw. Das Geschäft besitzt also bereits nach wenigen Minuten, während der Kunde sich den Kaufgegenstand auswählt, völlige Klarheit über dessen Kreditwürdigkeit und kann demgemäß disponieren. Dem Kreditschuh, der sich übrigens leicht zu einer ständigen Kreditkontrolle für die Praxis aus bau en läßt, kommt also heute eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Er bildet eine Erweiterung und einen Ausbau unserer bisherigen betriebsorganisatorischen Maßnahmen, wie etwa der Produktions- und Lagerkontrolle. Er ist im wahrsten Sinne der Hüter des Hauptbuches. Wie es Aufgabe des modernen Fabrikanten ist, die Gütererzeugung seines Werkes möglichst im Einklang mit der Aufnahmefähigkeit des Marktes zu erhalten, so muß der moderne Detaillist seinen Rmsah auf die Kaufkraft seiner Kundschaft abzustimmen suchen. Hier wie dort — in der Produktion, wie im Handel — gibt es aber eine Reihe von Llnsicherhcitsfaktoren. deren Ausschaltung anzustreben ist. Da die Produktion dem Konsum notwendigerweise um einige Schritte vorauseilen muh, will sie ihren volkswirtschaftlichen Zweck erfüllen, so weiß der Produzent oft nicht, wie groß der Konsum ist, zumal dessen Umfang stark durch wirtschaftliche Momente aller Art beeinflußt wird. Aehnlich so weiß der mit dem Konsumenten verhandelnde Kaufmann nicht immer, wie groß dessen Bedarf — lies Kaufkraft — ist, da auch dieser gleichfalls durch wirtschaftliche Vorgänge verschiedenster Art verändert wird. So wie es nun der Produzent durch geeignete Maßnahmen zu vermeiden sucht, einen Punkt zu erreichen, an dem die Ware unverkäuflich wird, das Lager belastet und der Verkauf zu Derlustpreisen einsetzt, so muh es der Handel zu vermeiden suchen, nur um des Geschäftes willen Waren abzusehen, deren Gegenwert gefährdet ist. Diesem Ziele dient wirksam der Kreditschutz. Cs ist daher begreiflich, daß die gesunde Idee eines sicheren Kreditschuhes nicht nur schnell in allen Kreisen der deutschen Wirtschaft Eingang fand, denen an einer wirklichen Sicherung ihrer Aussenstände gelegen war, sondern dah auch der Wert-dieser Organisation auf der Seite der Konsumenten durchaus anerkannt wurde. Insbesondere haben es die Hausfrauenorganisationen begrüht, dah leichtsinnige und unvorsichtige Kreditnehmer zwangsläufig vor Eingehung wirtschaftlich nicht vertretbarer Verbindlichkeiten bewahrt und so zur Selbstachtung erzogen wurden. Gorgen -es Einzelhandels. Don Or. Moeßner, Syndikus des hessischen Einzelhandels, Darmstadt. Die Sorge um die künftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft beherrscht heute alle Kreise. Es ist bezeichnend, von allen Wirtschaftsgruppen zu hören, dah sie der geschäftlichen Lage in der näheren Zukunft absolut pessimistisch entgegensehen. Allerdings ist man in dem Nachkriegsdeutschland das Jammern aller Bevölkerungskreise so gewöhnt, daß man glaubt, vielfach derartige Klagen nicht mehr ernst nehmen zu sollen und sie mehr als Ausdruck der allgemeine Unzufriedenheit zu werten, als eine Bestätigung der wirklich vorhandenen Depression darin zu erblicken. Der Einzelhandel hat, rein umsatzmäßig gesehen, den Höhepunkt von 1928 überschritten. Das Jahr 1929 blieb schon im großen und ganzen etwa 10 Prozent hinter dem Vorjahre zurück, und das vorläufige Ergebnis für 1930 ist geradezu erschreckend. Durchschnittliche Umsatzrückgänge gegen 1929 in Höhe von 20 und 30 Prozent sind eine allgemeine Erscheinung geworden. Zum Teil hat sich hier der von der Regierung gewünschte Preisabbau schon längst in aller Stille vollzogen: besonders ausgeprägt in der Schuhbranche und im Textilhandel. So sind in der Schuhbranche teilweise Preisrückgänge bis auf die Höhe des Friedensniveaus festzustellen, und auch im Textilhandel sind Preisrückgänge von 20 und 30 Prozent keine Seltenheit, sondern fast in allen ausgesprochenen Konsumwaren nachweisbar. Das Fehlen eines wirklich gut durchgebildeten Lebenshaltungsindex, die Tatsache insbesondere, daß wir keinen eigentlichen Einzelhandelsindex kennen, ist daran schuld, daß man an den tatsächlich vollzogenen Preisumwälzungen im Einzelhandel vollkommen vorbeigegangen ist, obwohl gerade hier viel nachhaltigere Preissenkungen vorgekommen sind, als ^ispielsweise in einigen Zweigen der Industrie r Was sehr bedenklich stimmen muß, ist die Entwicklung der Unkosten. Obwohl rein preismäßig gesehen die Umsätze stark zurückgegangen sind, haben sich die Umsätze im Einzelhandel nicht gesenkt, denn Mieten Gehälter, Löhne, Steuern, Reklameunkosten usw. sind konstant geblieben, oder weisen sogar gewisse Erhöhungen auf. Der Prozentsatz der Unkosten, nm Umsatz gemessen, ist bedeutend gestiegen und damit der Unkostenprozentsntz der Geschäfte. (Rein mengenmäßig gesehen, ist sicherlich der Umsatz nicht so stark zurückgegangen, wie sich dies im Geldumsatz ausdrückt, aber mit Rücksicht auf die auch in Geld ausgedrückten Unkosten muß vom Geldumsatz ausgegangen werden.) Es ist nicht verwunderlich, wenn sich heute die Mehrzahl der deutschen Einzelhändler fragt, ob ihr Geschäft überhaupt noch existenzfähig ist, besonders wenn man erwarten muß, daß sich der Umsatz in der nächsten Zeit nicht erheblich hebt. Damit ist aber mit Bestimmtheit nicht zu rechnen. Einerseits hat die politische Unsicherheit der letzten Monate bei manchen .Käuferschichten zu einer gewissen Zurückhaltung geführt; hinzu tritt eine viel schleppendere Bezahlung der Rechnungen, als dies früher der Fall war. Anderseits trifft die katastrophale Arbeitslosigkeit gerade den auf die Kaufkraft der Bevölkerung allein angewiesenen Einzelhandel ganz besonders hart. Man muß befürchten, daß wir den Höhepunkt der Arbeitslosigkeit noch gar nicht erreicht haben, und es gibt sehr ernsthafte Wirtschaftler, die ein Anschwellen des Heeres der Arbeitslosen von zur Zeit rund 3 Millionen im kommenden Winter auf 4 Millionen und mehr voraussagen. Wenn man sich vergegenwärtigt, ein wie großer Teil der Bevölkerung durch diese Arbeitslosen und ihre Familien von dem normalen Konsum ausgeschaltet ist, so wird man sich nicht mehr wundern, daß der Umsatzrückgang des deutschen Einzelhandels so bedeutend ist. Es würde im Rahmen dieser Zeilen zu weit führen, alle die Möglichkeiten zu erörtern, die etwa bestehen könnten, um die deutsche Wirtschaft wieder erfolgbrin- gend anzukurbeln und das Arbeitslosenheer zum Verschwinden zu bringen. Es scheint jedoch nur der eine Weg gangbar zu sein: Senkung aller Lasten, der Steuern, der Löhne, der sozialen Bedürfnisse und des Lebensstandards des deutschen Volkes überhaupt, um eine bessere Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie auf den Weltmärkten zu erzielen. Eine derartige Reform an Haupt und Gliedern aber kann nicht auf einmal kommen, sondern wird bestenfalls das Ergebnis von einigen Jahren fein. Was wird jedoch in einigen Jahren noch übrig fein? Nach einer der letzten Konkursstatistiken entfallen von 16 000 Konkursen allein 4900 auf den Einzelhandel. Rund ein Drittel von diesen Konkursen stammten aus dem Lebensmitteleinzelhandel und dem Lebensmittelgroßhandel. Es ist erschreckend in wie hohem Maße gerade der Lebensmitteleinzelhandel an dieser Konkurszahl beteiligt ist, und ich stelle keine abwegige Behauptung auf, wenn ich sage, daß mehr als die Hälfte des deutschen Einzelhandels heute sofort vernichtet wäre, wenn wieder eine Kreditrestriktion eintreten würde, wie dies vor einigen Jahren der Fall war. Gewaltkuren in der heutigen Zeit würden zu einem fürchterlichen Ergebnis für die ganze deutsche Wirtschaft führen. Für den Einzelhandel heißt heute die Parole: W i c b e r a n f u r b e l u n g der Wirtschaft durch Senkung der Unkosten. Forderungen des Handwerks. Don Friedrich Berlin, Hannover, Dorsitzendem des Michsverbandes des deutschen Handwerks. Bei bcr engen wirtschaftlichen Verflochtenheit der einzelnen Berufsstände ist angesichts der großen Depression der deutschen Wirtschaft auch die Lage im Handwerk schlecht. Die gesamte Wirtschaftslage Deutschlands ist wieder stark beeinträchtigt durch die Weltkrise, die selbst das wohlhabende Amerika mit in seinen Bereich zog. Schwerer als diese Auswirkungen lastet auf dem deutschen Handwerk der völlige Zusammenbruch des Binnenmarktes, der bei dem auffallend zurückgegangenen Verbrauch dem Handwerk große Käufermassen entzog. So zeigen denn auch die vom Reichsverband des deutschen Handwerks herausgegebenen monatlichen Wirtschaftsberichte, daß wiederum im August gegenüber 3uli ein weiterer Rückgang der Geschäftslage eingetreten ist. Die deutsche Wirtschaftslage wird gekennzeichnet durch das immer mehr anwachsende Heer der Arbeitslosen. 2 983 000 hat man gezählt, die die Rot der Zeit aus den Betrieben riß. Bald werden es über 3 Millionen sein, und wer weiß, wann diese Zahl ihren Höchststand erreichen wird. Für das Handwerk bedeutet eine solche noch nie gekannte Arbeitslosigkeit AussaU an Kaufkraft, Verlust an Kunden. Der Verbrauch von Fleisch wird geringer, der sonntägliche Kuchen gerät in Wegfall, man beschränkt sich auf das Allernotwendigste. So merkt auch das Lebensmittelhandwerk den empfindlichen Einschlag der rückläufigen Bewegung. Das Institut für Konjunkturforschung berechnet den Verdienstausfall durch die Arbeitslosigkeit für das erste Vierteljahr 1930 mit 1010 Millionen Mark, für das zweite Vierteljahr 1930 mit 840 Millionen Mark. Das ergibt für das erste Halbjahr 1930 eine Summe von fast 2 Milliarden Mark. Der Verlust ist infolge der zunehmenden Arbeitslosigkeit nur noch größer geworden. Die Arbeitslosigkeit trifft das Handwerk auch noch an einer anderen Stelle. Heute wollen die Klagen über die sog. Schwarzarbeit Erwerbsloser (unangemeldete gewerbliche Rebenarbeit) nicht verstummen. Im Gegenteil, sie nehmen noch ständig zu. Menschlich verständlich bleibt schon das Bemühen der Erwerbslosen, wenigstens hier und da durch eine kleine Gelegenheitsarbeit noch etwas zu verdienen, allein der Mißstand hat schon dazu geführt, daß einzelnen Handwerkerlichen Berufen ein großer Teil der Reparaturarbeiten entrissen wurde. Arbeitslose Dachdeckergeseften haben schon ganze Häuser eingedeckt. Für das Handwerk liegt hierin eine sehr große Gefahr, denn diese Rebenarbeit wird zu den niedrigsten Preisen angeboten. Sie kann bei ungleichen Voraussetzungen auch billiger zur Ausführung gelangen, da der Schwarzarbeiter die Vorschriften über Umsatzsteuer, Gewerbesteuer usw. leicht zu umgehen weiß und auch keine sozialen Abgaben zu entrichten hat. Diese immer mehr ins Gewicht fallende Konkurrenz untergräbt für das selbständige Handwerk die Möglichkeit angemessener Preise. Die Pfuschpreise der Schwarzarbeiter werden gelegentlich den Meistern gegenüber gern ausgespielt, deren Preisbemessung die allgemeine Rotlage schon sowieso engste Grenzen setzt. Zur Eindämmung und Beseitigung dieser Rebenarbeit hat das Badische Innenministerium unlängst an die in Betracht kommenden Dienststellen die Anweisung gegeben, dir ihnen bekannt werdenden Fälle von Schwarzarbeit sorgfältig zu prüfen, ob nicht Merkmale anzeigepflichtiger gewerbsmäßiger Rebenarbeit vorliegen. Sofern begründeter Verdacht der Verletzung der Anzeigepflicht besteht, soll strafrechtliche Verfolgung eingeleitet werden. Es soll ferner dalür Sorge getragen werden, dah die Unternehmer solcher Rebengewerbe ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen. Ein solches Beispiel verdient Rachahmung. Rur strenge Vorschriften vermögen hier eine Wandlung zu bringen. Auch die Unterstützung des Publikums ist geboten. Ieder Auftraggeber wird sich auch bei der Ueber- tragung von Lieferungen und Leistungen an einen selbständigen Meister vorteilhafter stehen. Dieser führt die Arbeit fach- und sachgerecht aus. Er führt sie zweifellos besser aus als ein Arbeitsloser, den die Ängst, erwischt zu werden, zu eilfertigster Vollendung und damit zum Pfuschen antreibt Die Lage des Handwerks wird noch erschwert durch die vielen Eigenbetriebe, die sich Kommunen errichtet haben. Es gibt Städte mit eigenen Baubetrieben: andere Gemeinden haben wieder den Ehrgeiz, eigene DekleidungSwerkstätten und eigene Schuhmachereien zu errichten. Wieder andere Kommunen schlachten und backen in eigener Regie. Zur Begründung wird manchmal angegeben, man müsse die arbeitslosen Gesellen von der Straße holen, ohne zu bedenken, daß man durch diese Konkurrenz die beim Handwerk noch beschäftigten Arbeitnehmer wieder auf die Straße setzt. Mit gutem Recht ist das Handwerk noch nie ein Freund solcher kommunalen Selbstversorgung gewesen. Oefsentliche Betriebe haben, wie die Erfahrung zeigt, für die Verbraucher noch nie günstiger gearbeitet als die private Wirtschaft Dabei bauen diese auf dem allgemeinen Steueraufkommen auf und — das Schönste noch — der Meister muß durch seine steuerlichen Beiträge die eigene Konkurrenz obendrein finanzieren. Cs ist keine Ausgabe der Gemeinden, zu wirtschaften: ihre Betätigung bleibt lediglich die Verwaltung. Auch die starken steuerlichen und sozialen Lasten wirken lähmend auf das Handwerk. Diese öffentlichen Lasten betrugen 1913 8,4 Milliarden Mark, für 1930 müssen sie mit 25,6 Milliarden Mark veranschlagt werden. Der Anteil des Handwerks hieran beträgt entsprechend seiner zahlenmäßigen Stärke etwa 10 Proz. Die Reichsregierung gibt selbst zu, daß „bic steuerliche Belastung einen Grad erreicht hat, der ihre Ermäßigung im Interesse der Gesundung der Wirtschaft und der Erhaltung und Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten dringend erfordert". Das gleiche gilt für die sozialen Lasten. Auch hier kann ein Zuviel an Fürsorge leicht verhängnisvolle Folgen nach sich ziehen. Die 550 000 Handwerksbetriebe, die Arbeitnehmer beschäftigen, zahlen jährlich etwa 260 Millionen Mark an sozialen Lasten. Auf den Betrieb entfallen im Durchschnitt 470 Mark jährlich. Die Erhöhung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge um 1 Proz. bemißt sich für diese Betriebe auf etwa 30 Millionen Mark jährlich. Cs wird Aufgabe der neuen Reichsregierung bleiben, sowohl bei den steuerlichen, wie auch bei den sozialen Lasten mehr als bisher auf die Tragbarkeit der Wirtschaft Rücksicht zu nehmen. Wenn auch die allgemeine Wirtschaftslage und ebenso die des Handwerks unumwunden als schlecht bezeichnet werden muh, so liegt doch keine Veranlassung zum mutlosen Pessimismus vor. Eine Besserung der Wirtschaft ließe sich schon ermöglichen, wenn mit der Zurückhaltung von Aufträgen ein Ende gemacht würde. Diese Zurückhaltung ist zu einem wesentlichen Teil auf die Bemühungen um einen Preisabbau zurückzuführen. Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß sich eine Preissenkung von oben herunter nicht diktieren läßt. Rur Aufträge bringen Arbeit und Belebung. Oie Bernfsverhälinisse der weiblichen Angestellten. Don G. Buch. Man hört nicht selten die Meinung, daß die weiblichen Angestellten sich in beruflicher Beziehung in bester Lage befänden, und das Straßenbild mit den auffallend gut angezogenen jungen Mädchen scheint diese Auffassung zu rechtfertigen. Tatsächlich liegen die Verhältnisse aber so, dah nur diejenigen weiblichen Äugest eilten, die ihren Beruf nur als Rebenvcrdienst zu bewerten haben, sich in auskömmlicher Lage befinden, also das Heer derjenigen jungen Mädchen, die im Cltern- hause leben, von den Eltern säst ganz erhalten werden und sich nur ihr Kleidergeld und einen Aussteuerzufah erarbeiten wollen. Alle diejenigen weiblichen Ängestellten dagegen, die nicht Oiefen Rückhalt genießen, sondern wirtschaftlich für sich einzustohen, ja vielleicht noch zur Unterstützung Dritter beizutragen haben, sind nur bei äußerster Sparsamkeit in der Lage, den Lebensanforderungen gerecht zu werden. Besonders schwer ist die Lage der älteren weiblichen Angestellten, da es für eine gekündigte ältere Dureauangestellte fast unmöglich ist, einen neuen Platz zu finden. Als ältere Angestellte find schon Personen von dreißig Iahren anzusehen. Man kann also sagen, dah die Lage der weiblichen Angestellten in dem Augenblick unhaltbar zu werden beginnt, in dem die Stühe von feiten der Eltern aufhört, sei es, dah sie sterben, sei es, dah der Verdienst des Vaters aufhörte, oder sich mindert. Immer wieder muh deshalb davor gewarnt werden, die Töchter auch dann dem Angestelltenberuf zuzuführen, wenn sowohl die Mittel, als auch die geistigen Fähigkeiten da sind, um einen Beruf, der eine längere Ausbildung verlangt, zu ermöglichen. Gerade zu dem Zeitpunkt, an dem die kaufmännische Angestellte nur allzu leicht der Derdienstlosigkeit oder ungenügendem Verdienst anheimfällt, tragen die Äuswendungen anderer, erlernter Berufe — der Akademikerin, ter technischen Lehrerin, der selbständigen Gewerbetreibenden usw. — ihre Früchte. Cs sollte nicht darauf ankommen, dah die Tochter schnell und verhältnismähig gut verdient, wie dies bei der Stenotypistin der Fall ist, sondern darauf, sie einen Beruf ergreifen zu lassen, der ihr, auch wenn sie älter wird, einen dauernden und auch bann noch auskömmlichen Verdienst ermöglicht. In der heutigen Zeit kann die Berufstätige sich auch nicht darauf verlassen, durch eine Ehe in dem Augenblick auf den Arbeitsmarkt verzichten zu können, in dem die Anstellungsmöglichkeit denkbar schlecht wird und die Gehälter den Lebensanforderungen nicht mehr entsprechen. Gutes und zuverlässiges Material über die Berufsverhältnisse der weiblichen Angestellten hat eine Erhebung der „ Frauenarbeitsgemeinschaft Deutscher Frauenberufsverbände" geliefert. Das Material ist in der Zeit von Ausgang 1928 bis Anfang 1929 gesammelt worden. Danach wurde für den Berus der weiblichen Handels- und Bureaungestellten festgestellt, dah bei rund 25 000 durch die Erhebung erfaßten Personen 52 Prozent junge Mädchen unter 25 Iahren waren. Zwischen 30 und 40 Iahren waren nur noch 20 Prozent beschäftigt. Wenn auch viele Angestellte durch Eheschließung dem Arbeitsmarkt entzogen wurden, 1 so bleibt doch die Tatsache, dah die meisten bet älteren Angestellten in andere Beschäftigungen übergehen muhten, weil sie in ihrem eigentlichen Berus kein ilntcrfommcn mehr fanden. Die Schwierigkeit der Beschäftigung älterer weiblichen Angestellten ist auch daraus zu ersehen, das) Witwen und Geschiedene nur in ganz geringer Zahl beschäftigt werden. Die Erhebung stellte fest, dah die Zahl der beschäftigten Witwen nur 1,3 Prozent ausmachte, diejenige der geschiedenen Frauen 1,2 Prozent. Ebenso ergibt die geringe Zahl der Doppelverdiener unter den weiblichen Handels- und Dureauangestelltcn, daß mit einer Beschäftigung im vorgerückten Alter nicht zu rechnen ist. Unter den der Erhebung Unterzogenen machten die verheirateten Frauen nur 3,5 Prozent aus: es traten überwiegend ganz junge Frauen, die in der ersten Ehezeit zur Vervollständigung der Aussteuer noch dazu zu verdienen suchten. Wie anders liegen die Verhältnisse bei Männern. Gewiß kennt auch der männliche Arbeitsmarkt die Not der älteren Angestellten, doch fängt hier die Anstellungsschwierigkeit im allgemeinen erst mit dem 50. Lebensjahre an; und wie viele Pensionäre finden sich noch unter den Beschäftigten, wenn sie auch unter Tarif arbeiten. Hinsichtlich der Gehaltsverhältnisse ergab die Erhebung das Resultat, dah der Durchschnittsverdienst der weiblichen Angestellten auf unter 200 Mark Bruttogehalt anzusetzen ist. Ein Gehalt bis zu 300 Mark monatlich hatten 17,17 Prozent. Zu unterscheiden i.st dabei noch zwischen dem Gehalt, das in Groh- und Mittelstädten üblich ist. In der Großstadt ist mit dem Durchschnitts-Drutto» aehalt von 140 bis ISO Mark zu rechnen, in den Mittelstädten mit 100 bis 160 Mark. Diese Zahlen zeigen, daß wohl das junge Mädchen, das mit Zuschüssen durch die Eltern rechnen kann, als Dureauangestellte gut auszukommen vermag, daß aber äußerste Knappheit der Lebenshaltung eintritt, wenn mit solchen Zuschüssen nicht zu rechnen ist, oder gar noch Beiträge für eine mittellose Mutter usw. abzuführen sind. Es ist erstaunlich, welch hohe Summen für solche Abgaben von den weiblichen Handels- und Bureauangestellten aufgebracht werden. Die Grhebmig ergab, daß 7059 der Befragten insgesamt 9912 Personen mit Geldbeträgen unterstützten. Angesichts dieser Leistung darf man Wohl fragen, ob es gerechtfertigt ist, den weiblichen Beschäftigten 10 Prozent weniger an- Gehalt zu geben, als den männlichen, tote es vielfach üblich ist. Man hat diese Regelung stets damit verteidigt, daß die ledigen weiblichen Angestellten nur für sich zu sorgen und keine Familie zu erhalten hätten. Aber diese ermittelten Unterstützungssummen beweisen, daß die weiblichen Angestellten weit weniger „nur für sich zu sorgen." haben, als angenommen wird. In der Altersstufe, aus der überwiegend die Zahl der weiblichen Angestellten sich rekrutiert, hat auch der Mann noch nicht für einen Hausstand zu formen, und man darf mit Recht fragen, ob der ledige Mann die Familienunterstützung wirklich so bereitwillig und in solchem Umfang auf sich nimmt, wie die lebige Angestellte. In vielen Familien wird die Wohnung mit vom Verdienste der Tochter bezahlt und kann nur so in der alten Weise aufrechterhalten werden, während der Sohn die Freiheit der möblierten Wohnung vorUeht. Wie viele Hilfe bringt die weibliche Angestellte mit Geschenken und Ar- beitsübernahme im Hause, während der unverheiratete Sohn dafür weder Mittel, noch Zeit bereitstellt. Wieviele Töchter erhalten heute die Eltern aus ihrem Arbeitsverdienst, während der verheiratete Sohn keinerlei Zahlung leistet. Die große soziale und ethische Leistung der weiblichen Angestellten durch Unterhaltsbeiträge an Verwandte geht aus dieser Erhebung klar hervor. Wirtschaft. * Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924 26 gleich 100 > stellt sich für die Woche vom 22. bis 27. September auf 98,6 gegenüber 102,7 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 94,7 (98,9), Gruppe verarbeitende Industrie auf 87,2 (91,3) und Gruppe Handel und Verkehr auf 121,3 (125,8). * 1 0094 Mill. Mark Spareinlagen im Deutschen Reich. Ende August beliefen sich die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen auf 10 094,28 Mill. Mark gegen 10 008,45 Mill. Mark Ende Juli. Der Derichtsmonat weift mithin eine Zunahme von 85,83 Mill. Mark auf. * Deamtenkündigungen bei Krupp in Rheinhausen. Die Friedrich-Alfred- Hütte in Rheinhausen hat am Montag einer großen Anzahl von Beamten — fast 30 Prozent in den einzelnen Bureaus — Kündigungsschreiben zugestellt, in denen ihnen das Anstellungsverhältnis zum 31. Oktober bzw. 31. Dezember gekündigt wird. Zur Zeit sind etwa 1150 Beamte auf dem Werk beschäftigt. In den Kündigungsschreiben wird als Grund die augenblickliche schlechte Wirtschaftslage und der Umstand. daß eine Besserung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sei, angegeben. * .Umfangreiche Entlassungen bei den Vereinigten Stahlwerken. Die überaus schlechte Absatzlage hat die Abteilung Gelsenkirchen der Vereinigten Stahlwerke veranlaßt, zum l.Rovember umfangreiche Kündigungen vorzunehmen. Von der Kündigung werden insgesamt 2600 Bergleute betroffen, die sich auf die Zechen Nordstern, Graf Moltke, Holland, Pluto, Stahlverein. Rhein-Elbe, Alma und Bonifatius verteilen. Der Rückgang der Förderung wird, wie von der Verwaltung der Vereinigten Stahlwerke mitgeteilt wird, so erheblich fein, daß die zukünftige Förderung nach Durchführung der Kündigung voraussichtlich dem Absatz ange- paht sein wird. Weitere Kündigungen dürften deshalb nicht mehr in Frage kommen, allerdings rn der Voraussetzung, daß sich der Absatz nicht weiter verschlechtert. * Konferenz zur Behebung der Notlage auf dem Kartoffelmarkt. Angesichts des völligen Zusammenbruches der Kartoffelpreise und der dadurch entstandenen Notlage der kartoffelbauenden Landwirtschaft hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft auf Mittwoch, 1. Oktober, neben den Spitzenorganisationen der Landwirtschaft Vertreter des Kartoffelbaues, der Kartoffeln verarbeitenden Industrien, der Genossenschaf, ten und des Handels zu einer Konferenz eingeladen, um mit den beteiligten Kreisen über die bereits eingeleiteten und die noch zu ergreifenden Maßnahmen zur Behebung der dringendsten Notstände zu beraten. * Ermäßigung der Reifenpreise. Das Reichswirtschastsministerium beschäftigte sich schon längere Zeit mit her Preispolitik der Gummireifenfabrikanten, um zu einer Angleichung der Reifenpreise an die durch den Rückgang der Rohstoffpreise veränderte Lage zu kommen. Rach Mitteilung des Vereins deutscher Gummireif cnsabriken werden nunmehr zum 1. Oktober von einer großen Anzahl von Reifenfabriken die Preise der Personenwagenreifen um 5 Prozent diejenigen der Lastwagenreifen (Riesenluft- und Elastic-Reifen) um 10 Prozent gesenkt. Diese Preisermäßigung ist gewiß nicht sehr groß, und die Fabrikanten weisen selbst aus Gntschul- digungsgründen u. a. darauf hin, daß die Preisgestaltung für Gummireifen in der Welt keine einheitliche sei. Man hatte allgemein eine Ermäßigung der Gummireifenpreise um mindestens 10 Proz. erwartet. Eine solche Preisermäßigung wäre auch möglich gewesen, wenn die Rationalisierung in der Gummireifenindustrie weiter fortgeschritten, oder aber die Unkosten einer zum Teil verfehlten Rationalisierung gespart worden wären. Schweinemarkt in Gießen. Auf dem heutigen Gießener Schweinemarkt standen 173 Ferkel und 6 Läufer zum Verkauf. Es kosteten 6 Wochen alte Ferkel 22 bis 25 Mk., 6 bis 8 Wochen alte 25 bis 28 Mk., 8 bis 13 Wochen alte 30 bis 40 Mk., Läufer 50 bis 70 Mk. Cs verblieb etwas Lieberstand. Schwcinemärkte in Lanbach und Gcdcrn. □ Laubach, 30. Sept. Auf dem heutigen Ferkelmarkt waren etwas über 100 Ferkel aufgetrieben. Der Verkauf ging sehr schleppend. Für Ferkel wurden 30 bis 35 Mark pro Stück bezahlt, ältere Tiere kosteten bis zu 40 Mark. V Gedern, 30. Sept. Der heutige Schweinemarkt war mit 285 Tieren beschickt. Viele Kauflustige mußten unverrichteter Sache wieder heimkehren, da die Tiere bald abgesetzt waren. Die Preise waren fest; es wurden für 6 Wochen alte Ferkel 20 Mark, für 6 bis 8 Wochen alte 22 bis 26 Mark, für 10 bis 12 Wochen alte Springer je nach Qualität bis 35 Mark bezahlt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 1. Oft. Tendenz gut behauptet. Zu Beginn der heutigen Börse blieb die Grund st immung freundlich, bn das Sanierungsprogramm der Reichsregierung überwiegend günstig beurteilt wurde. Größere Geschäftstätigkeit konnte sich jedoch nicht entwickeln int Hinblick auf die Schwierigkeiten, die der Durchführung des Regierungsprogramms im Reichstage nach Ansicht der Börse im Wege stehen werden. Geschäftshemmend wirkten sich auch neue umfangreiche Entlassungen im Ruhrgebiet aus. Außerdem wurde die Zurückhaltung durch den bevorstehenden israelitischen Feiertag verstärkt. Die Eröffnungskurse waren meist gut behauptet. Für Eleltrowerte bestand Interesse. AEG. konnten 1 Proz., Licht und Kraft 2,25 Proz., Gesfürel 2 Proz. anziehen. Farben waren etwas niedriger und nur knapp gehalten. Rüt- gerswerke gewannen 1,25 Prozent. Am Montanmarkt traten Rheinische Braunkohlen mit plus 5 Prozent stärker hervor. Sonst war das Geschäft sehr still, bei kaum veränderten Kursen. Bankaktien waren ebenfalls nur wenig verändert. Barmer Bank und Berliner Handelsgesellschaft waren leicht gesteigert. Am Bauunternehmungsmarkt konnten sich Wayß & Freitag nach den letzttägigen Kursrückgängen 1,5 Prozent erholen. Zellstoff- werte lagen still. Waldhof 1 Prozent gedrückt. Außerdem eröffneten Norddeutscher Lloyd (plus 1,25 Prozent) und Deutsche Linoleum (plus 1 Prozent) gebessert. Von deutschen Anleihen lagen Altbesitz 5/r Prozent höher. Schutzgebiete gut gehalten. Ausländische Renten still. 2m Verlaufe ergaben sich meist nur noch geringe Kursveränderungen, doch überwogen die Besserungen um zirka 1 Prozent. Umsätze kamen nur noch vereinzelt zustande. Der Geldmarkt war unverändert. Die Nachfrage hielt an. Tagesgeld 5 Prozent. Am Devisenmarkt waren die Mark und das Pfund gegen Dollar schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2027, gegen Pfund 20,42, London gegen Kabel 4,8585, gegen Paris 123,83, gegen Schweiz 25,0390, gegen Holland 12,0413. Berliner Börse. Der l i n , 1. Oft. Der gute Gesamteindruck, den das in den gestrigen Nachmittagsstunden veröffentlichte Regierungsprogramm der Reichsregierung von Anfang an machte, hatte bereits gestern abend zu einer wesentlich beruhigteren Grundstimmung geführt. Auch die Bedenken, d.e noch wegen der parlamentarischen Durchführung dieses Sarierungspro- gramms bestehen, konnten hieran nichts ändern. Dagegen wirkten die Vorgänge an der gestrigen Neuyorker Börse etwas tendenzhemmend, nicht weil Deutschland direkt interessiert ist, sondern weil man eventuelle Auswirkungen auf andere europäische Börsen (London und Mailand) befürchten mußte. Die ersten Kurse entsprachen dann auch in der Tat nicht immer den vorbörslichen Erwartungen, da es einerseits an größeren Orders fehlte, anderseits auf einigen Märkten etwas Ware abgegeben wurde. Die Kursent- Wicklung mußte dann als unregelmäßig bezeichnet werden. Wesentlich höher eröffneten Schultheiß, Salzdetfurth. Deutsche Linoleum. Rheinische Braunkohlen, Transradio usw., bei denen die Gewinne bis zu 5,5 Proz. betrugen, während Polyphon, Svenska und Salzdetfurth bis 3,25 Vroz. nachgaben. Dah die Limsätze hierbei nicht sehr groß gewesen sein können, geht daraus hervor, daß z. B. die 5,5proz. Steigerung der Transradio-Aktie auf eine 6 Mille bestens Kauforder zurückzuführen war. Deutsche Anleihen tagen uneinheitlich. Altbesitz konnten sich um 0,40 Prozent erholen. Von Ausländern lagen Bosnier etwas freundlicher, Mexikaner eher schwächer. 4,5prozentige Rumänen und 4,5prozentige 11. Anatolier verstehen sich heute exklusive Kupons. Der Pfandbriefmarkt lag nicht ganz einheitlich und ziemlich still. Vereinzelt machten sich kleine Kauforders bemerkbar. Bei Schuldbuchforderungen konnten besonders die hinteren Fälligkeiten erneut um 2Prozent anziehen. Der Geldmarkt zeigte nur geringfügige- Veränderungen. Tagesgeld wurde immer noch mit 5,25 bis 7 Prozent genannt und stellte sich nur ganz vereinzelt auf 5 Prozent. Monatsgeld hatte mit 5 bis 6 Prozent und Warenwechsel mit 4,25 Prozent ziemlich nominellen Satz. Auch der 'Verlauf war uneinheitlich, aber überwiegen b-bj;j e sti g t. Die Börse schritt auf Grund der innerpolitifchen Beruhigung zu Deckungen, die bei den Kaliwerten, Spritaktien, Polyphon, Rheinische Braunkohlen, Reichsbank, Siemens, Deutsche Erdöl, Elektrische Lieferungen, Zellstoff Waldhof zu 1 bis l,5pro- zentigen Steigerungen führten. Auch Svenska konnten 2 Mark gewinnen. I.-G.-Farben holten ihren Anfangsverlust wieder ein. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 1. Ott. Am Produktenmarkt war die Haltung eher etwas freundlicher, aber der Markt sehr ruhig. Llmsätze kamen in Anbetracht des bevorstehenden hohen jüdischen Feiertages nur wenig zustande. Das Angebot von In- landbrotgetreide war weiterhin reichlich; die Preise konnten sich teilweise etwas befestigen. Der Preis für Weizenmehl wurde heute um 0,25 Mark ermäßigt, doch zeigte sich fast keine Nachfrage. Futtermittel ruyig. Es wurden notiert: Weizen, Hektolitergewicht von 75 Kilo, 242,50 bis 245; Roggen 162,50 bis 165; Hafer, inländischer 157 bis 162,50; Weizenmehl, südd., Spez. 0 39,75 bis 40,50; Roggenmehl 26 bis 27; Weizenkleie 6,25, Roggenkleie 6,25 bis 6,50 Mk. Letzte Nachrichten. Strafantrag im Sockverratsprozeß gegen die Almer AeichswehroWere. Leipzig, 1. Oft (IBXB. Funkspruch.) 3m Hochverratsprozeh gegen die Reichswehrofstziere beantragte der Reichsanwalt gegen alle drei Angeklagten eine Festungshaf t von je 2 Jahren 6 Monaten unter Anrechnung der vollen Untersuchungshaft. Ferner beantragte er gegen Ludin und Scheringer Dienstentlassung. Der Angeklagte Mendt gehört bekanntlich der Reichswehr nicht mehr an. Der Reichsanwalt betonte, d«h auf Zuchthaus nicht erkannt werden könne, weil die Angeklagten nicht aus ehrloser Gesinnung heraus gehandelt hätten. Sie hätten aus, wenn auch falsch verstandener, Vaterlandsliebe gehandelt. Die Strafe dürfe aber nicht milde sein. Die einzigen Milderungsgründe seien die Jugend der Angeklagten und die Tatsache, daß ihr Unternehmen im Seime erstickt werden konnte. Das Llrieil gegen den Berliner Oberbürgermeister Böß. Berlin, 1. Oft. (WTB. Funfspruch.) Amtlich. 3n der Angelegenheit des Oberbürgermeisters Böh hat das Oberverwaltungsgericht folgendes Urteil gefällt: Die Entscheidung des B e- zirfsausschu sses Berlin, Abt. I, vom 20. Mai 1930 wird dahin abgeändert, dah der An- geschuldigte mit einer Geldbuhe in höhe feines derzeitigen einmonatigen Diensteinfommens bestraft wird. Die baren Auslagen der Berufungsinstanz fallen dem An- geschuldigten zur Last, wie die „Berliner Zeitung" meldet, wird Oberbürgermeister Böh zunächst dem Magistrat ein Urlaubsgesuch einreichen. Selbstverständlich wird dieses Gesuch genehmigt werden. Dann wird sich Oberbürgermeister Böh auf eine Reise begeben und während seiner Urlaubszeit ein Pcnsionierungsgesuch einreichen. An eine Rückkehr des Oberbürgermeisters in fein Amt wird von feiner Seite mehr gedacht. Reichspräsident von Hindenburg in München. München, 1. Oft. (WTB. Funkspr.) Reichspräsident von Hindenburg traj heute vormittag mit dem fahrplanmäßigen FD-3ug i n München in Begleitung des Oberstleutnants von Hindenburg ein. Am Bahnhof hatten sich zur Begrüßung des Herrn Reichspräsidenten, der die Feldmarschallsuniform trug, der Vertreter des Reiches in München, Gesandter von Hantel, Oberbürgermeister Dr. Scharnagel, Polizeipräsident Koch und Reichsbahn-Vizepräsident Drumm eingefunden. Eine riesige Menschenmenge brachte dem Reichspräsidenten am Bahnhofsplatz stürmische Ovationen dar. Der Reichspräsident setzte sofort die Fahrt im Automobil nach Dietramszell fort. Von dort, wo er seinen 83. Geburtstag begehen wird, wird er am Freitag zur Beisetzung des Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern, seines Nachfolgers im Oberkommando Ost, nach München zurückkehren. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Sranffurt a. DI Berlin Schluß-s kur» | l»Uhr» Kur» Schluß»! für» | Anfang» ffurd Datum 30 9. 1 1. 10 30 9 1. 10 6% Deutsche Reich-anleihe von 1927 .......... 88,25 _ 88,3 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 .......... 98,8 99 Deutsche Anl.-Ablöf.-Schuld mit AuSlof.-Rechteu....... 59 59,6 58,9 59,4 DeSgl. ohne AuSlos.-Rcchte . . 6,9 6,85 6,7 8% He«. Bolksstaafvon 1929 trückzahlb. 102%)...... 90 _ 89,25 Lberhellcn Provinz - Anleihe mit Auslos.-Rechten....... 55 _ Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 56,25 _ 55,6 8% fitanff. Htip.-Banf Goldpse. XIII unlünbbar bi? 1934 . . . 99,5 _ 7% fitanff. App.-Bank Goldpse unkündbar ul» 1932 ..... 94,5 _ 4%% Rheinische Hyp.-Bank £lqu. Goldpse......... 86 _ 8% Pr. fianbeSpfnnbbriefanftalt, Pfandbriefe R. 19...... 102 _ 102 8% Pr. Landesvfanvbriesansialt, flomm.'CbL 81. 20...... 98 98 7% Pr. Landesplandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 21...... 97,5 97,5 A.E.G. abg. BonriegS-Obligatio- neu, rückzahlbar 1932 ..... 93,5 — 4% Oeslerrcichifche Golbrente . . 27,4 27,13 4,20% Oesterreichische SUberrente 3,5 — 3,25 4% Oesterreichifche Einheitliche Rente........... 1,9 _ 1,95 4% llnnarifrfie Goldrente . . . . 24 — 23,9 24,13 4% Ungarifche StaatSrentc v. 1910 — — 4Vi% deSgl. von 1913..... —— —— — - 4% Ungarische Aronenrente . . • 1,9 — 1,95 _ 4% Türkische ßollanlelbe von 1911 4,8 — _ 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie ............ — — 4,95 4% be»pl. Serie II....... 5% Rumänische vereinh. Rente von 1903 .......... 4,8 —— 4,85 _ 9,1 — 9,25 4K% Rumänische vereinh. Rente von 1913 .......... 15,65 _ 15,5 15 4% Rumänische vereinh. Mente - 7,2 1 — 7,05 i 7,25 Frankfurt a. M. Berlin (Schluß- lurd 1»Uhr» fiurtt Schluß» Iure Anfang- Kurs Datum 30 9 1. 10 30 9 1. 10 Hamvurg-Amenka Paket . . t 80 — 78.75 79 Hamburg-Südam. Dampfschiff 8 — Hansa Tampsschiss..... 10 — — — 125 Norddeutscher Lloyd .... . 8 79.5 79,75 79 79,25 Allgemeine Deutsche Creditanst. 10 102,25 102.25 102.4 Barmer Bankverein .... 10 109,5 110 109.5 110 Berliner Handelsgesellschaft . 12 — 133 132,25 133 Commerz- und Privat-Bank . 11 120,5 120,5 120,5 120,5 Tarntstädter und Rationalbank 12 164,5 —— 164,5 163,5 Deutsche Bank und DiSconto-GeseUschaft, . . . 10 118,25 —- 118,5 118 Dresdner Bank...... 10 117,5 117,5 117,4 117.4 Reichsbank........ 12 225 — 224,5 224,25 AEG........... . d 121,5 122.4 120,25 121.5 Bergmann........ . ti — —— 150.5 152 Elektr. LteferungSgefellfchasi. 10 — — 118 118 Licht unb fliaft...... 10 125,25 127,5 125,25 125,5 Felten & Guilleaume . . . iv, 100,5 100,75 101,75 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 126,5 128,5 126 117,25 Hamburger Clektrizitätr-Werfe 10 —— 129,75 130,5 Rheinische Elektrizität . . . . i) — — 124,5 Schlesische Elektrizität. . . . 10 — —— 122,5 124 Schuckert L Co....... 11 139,5 140,13 139,9 140 Siemens & Halske ..... 16 180,5 181 Tranüradio ........ . 8 — — 120 125,5 Labmeyer L Co.. ..... 10 143,5 — 140,5 146 Buderus......... . d 54 _ _ Deutsche Erdöl...... . 6 66.5 66,5 65,75 Essener Steinkohle ..... . 8 Gelsenkirchener...... . 8 100 100 100 100 Harpencr......... . 0 89 89 89.5 Hoesch Eisen..... . . 6 V, 78.75 78,75 Ilse Bergbau....... ftlödiicrtucrfe ....... 10 208 — 205,5 71 201,5 72,5 Köln-Ncuessen..... . . 7 — — 80 79,75 ManiieSmann-Röhren . . . . 7 73 _ 73,25 72,75 ManSscldcr Bergbau .... . 7 49 — 49,25 48,5 Obcrschles. Eijenvedarf . . . . 6 Oberschlcs. Koköwerfe.... . 7 — _ 76 76 Phönix Bergbau...... 6Vt 69,75 — 70 69,75 Rheinische Braunkohlen . . 10 178,5 173,5 178,5 Rhciustahl........ . 6 76,75 77 77 77 Riebeck Montan...... 7,2 —■ Frankfurt a. M. Berlin (Schluß-! kurS I 1-Uhr» (Schlußkurs Ansang» jsurS £)atum 30 9. 1 10 30 9 1 10 ! Verein täte Stahlwerke . Otavi Minen..... 71.5 — 71.5 71,5 . IG'/. — 27,75 28,25 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 197 197 198 197,5 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 200 200,5 199 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 288 — 284,5 287,5 I. G- fiarben-Jndustrie . Dnnamit Nobel .... . . 12 140,25 1 140,13 140 139,4 . . . 6 —— — 65,25 65,25 Scheideanslalt..... . , . 9 133,5 __ Goldschmidt..... . . . 6 44 — 43,75 44 Rütgerswerke..... . . . 6 51,5 52,75 51,5 21,25 Metallgelellschaft. . . . . . . k 98,5 — 99.75 Philipp Holzmann . . . . . . 7 75,5 _ 75 76 Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. . . . 10 99,75 99,75 . . 10 — _ Wayv & fireyiag . . . ... 8 45 46,5 46 — Schultheis Patzenhofer . . . 15 _ _ 196 199 Lstwerke....... . . 12 —— — 158 159 Aku......... . . 18 66,5 — 66 65,75 Bemberg....... . . 14 78,5 — 77.5 76 Zellstoff Waldhof . . . - 13'/. 123,5 123 124 122,75 Zellstoss Aschaffenburg . . . 12 86,75 87 83 Charlottenburger Wasser ... 8 84 84 Dessauer Gas..... . . . 9 —— — 118.25 120 Daimler Motoren . . . . . . 0 25,5 — 26 26 Deutsche Linoleum . . —— 159,5 158,5 161 Maschinenbau A.-G. . . . . . 0 —— 35,5 36,75 Rat. Automobil .... . . . O — — 12 Orcnsiein & Koppel . . . . . 6 — — 51,5 52 Leonhard Tietz .... . . 10 120 - 122 122 Svcnsfa....... — - 294,25 291 firankfurtcr Maschinen . ... 4 19,5 _ 19,5 Gritzner....... ... 6 30 — 29,25 —— Heyligensiaedi .... . . . 0 — — Iunghans....... . . . 6 31 30 31 —— Lcchwerke....... ... 8 94 93,5 — Mainkrastwerke Höchst a. M.. .8 76,75 — _ Mlag......... . . 10 75 — __ —. Gebr. Roeder..... . . 10 95 __ _ _ Voigt L Haesfner , . . . . . 9 150 151 _ Süddeutsche Zucker . . . . 10 123 —- 123 - Banknoten. 23erfm7 30- (September Seid Ärief Amerikanische Roten . . 4,226 4,246 Belgische Roien. ... 58,33 112,08 58,57 Dänische Roten ... 112,52 Englische Roten .... 20,395 20,475 firanzösische Roten . . . - - - 16,45 16,51 Holländische Roten . . . 169,28 169,96 Italienische Roten.... 21,96 22,04 Rvrwegiiche Roten . . . 112,05 112,49 Dentsch-Ocstrrreich, i 100 Schilling 59,155 59.395 Rumänische Roten . . . 2.475 2,495 Schwedische Roten . . . 112,93 113,37 Schweiler Roten .... 81,44 81,76 Spanische Roten .... 43,81 43,99 Tschechoslowakische Roten. 12,42 12.48 Ungarische Roten . . . 73.24 73,54 Deoiletimarfl Berlin — Frankfurt a M 30. September 1 Oktober Amtliche Jloilcrung Amtliche .Notierung Geld vric Geld Briei Amst.-Nott. 169.33 169,67 169,35 169,69 Buen.-AireS 1.480 1,482 1.485 1.487 Brss.-Aniw. 58.50 58,62 58.56 58,68 Christiania - 112,31 112,53 112,28 112,50 Kopenhagen 112,34 112,56 112,33 112,55 Stockholm . 112.73 112,95 112,72 112,94 Hclsirigsorö- 10,562 10,582 10.564 10,584 Italien. . . London. . . Rcuhork . . 21,975 20,397 22,015 21,975 22,015 20,437 20,396 20,436 4,1970 4,2050 4,1980 4,2060 Paris. . . • 16.47 16.51 16,465 16,505 Schwei; . . 81,455 81.615 81,46 81,62 Spanien. 43.96 44,04 43.81 43,69 Japan . . . 2,075 2,079 2,075 2,079 'Hin de Ian Wien in D.» 0,4395 0.4415 0,4405 0,4425 Oest- abgest 59,225 59,345 59,255 59,375 Prag . . . . 12,457 12,477 12,453 12,473 Äclirad . - 7,436 7,450 7,438 7,452 Budapest. . 73,43 73,57 73.43 73,57 Bulgarien . 3,050 3,056 3,045 3,051 Lissabon . . 18,83 18.87 18,83 18,87 Danzig. . . 81,59 81,75 81,55 81,71 Konstantin. 1.784 1,789 1,784 1,789 Athen. . 5,44 5,45 5,44 5,45 Cannda . . 4,202 4,210 4,199 4,207 Uruguay. 3,337 3,342 3,337 3,347 Cairo . . 20,91 20,95 20,91 20,95 Arbeitsvergebungen im Gießener Stadtrat. Einführung von Mietberechtigungsscheinen in Gießen. * Gießen. 30. Sept. 1930. Die heutige Sitzung des Stadtrates war in der Hauptsache mit der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen ausgefüllt. Der größte Teil dieser Vorlagen war der Errichtung des Schalthauses beim Elektrizitätswerk und den dazu gehörigen Crgänzungsarbeiten gewidmet. Daneben beschäftigten sich mehrere De- Willigungen mit der Fortführung der st ä d t i - schen Wohnungsbauten in der Schott- strahe und im verlängerten Asterweg. 3m ganzen gesehen handelte es sich bei diesen Vorlagen um rein geschäftsmäßige Angelegenheiten. Von besonderem Interesse war eigentlich nur ein Punkt, nämlich die Einführung von Mietberechtigungsscheinen in unserer Stadt. Um diese Vorlage wurde lange gekämpft, schließlich wurde mit der Mehrheit der bürgerlichen Fraktionen dem Anträge der Verwaltung stattgegeben. Ausschlaggebend war dabei für die Mehrheit des Stodtrats der Gesichtspunkt, daß man auf diesem Wege endlich einmal den Anfang mache'., kann mit einer gewissen Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft, soweit dazu vom kommunalen Standpunkt die Möglichkeit gegeben ist. Mit dem Beschluß der Stadtratsmehrheit in dieser Sache dürften jedenfalls weiteste Kreise der Wohnungsuchenden und der Vermieter einverstanden sein. Sitzungsbericht. Anwesend Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Seid, die Beigeordneten Dr. Hamm und Iusti^rat Dr. R o s e n b e r g , sowie 33 Stadtratsmitglreder. Der Zuhörerraum ist nur schwach besetzt. Eine Kraftdroschkenordnung. Auf Antrag des Dau- und des Rechtsaus- schusses wird dem vom Polizeiamt zur gutachtlichen Aeußerung vorgelegten Entwurf einer Kraftdroschkcnordnung zugestimmt, wobei aber gefordert wird, daß die Kraftdroschken als solche durch ein entsprechendes Farbband zu kennzeichnen sind und das Kennzeichen derart ausgeführt wird, daß leicht festzustellen ist, ob es sich um eine Groß- oder Kleinkraftdroschke handelt. Bürgermeister Dr. S e i b betont, es sei fraglich, ob dieser Entwurf überhaupt Gesetz werde, da neuerdings von der Regierung beabsichtigt sei, für ganz Hessen einheitliche Vorschriften über das Kraftdroschkenwesen zu erlassen. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. Kredite für das Elektrizitätswerk. Für die Bcschaifung eines 200kVA-$randfor- mators für die Stromversorgung der Firma Scheidhouer & Gietzing in Mainzlar wird ein Kredit von 3500 Mk. zur Verfügung gestellt. Die Lieferung soll der mindestsordernden Firma übertragen werden. Richtlinien für die Vergebung von kabel- und Kupfertieferungen. Auf Antrag der Betriebsdeputation beschließt der Stadtrat einstimmig für die Zeit bis zum 31. März 1932 folgende Richtlinien: Die Iah- resaufträge an Kabeln und Kupfer werden nach folgendem Schlüssel vergeben: Cs ist jeweils nur bei einer Firma anzusragen. Die Lieferungen sind zu vergeben zu 60 Proz. an die in Gießen ansässige Firma Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft und zu je 20 Proz. an die Siemens-Schuk- kert-Werke und an die Kabelwerke in Meißen unter der Voraussetzung, daß genannte Firmen zu Mindestpreisen liefern und daß die Lieferung tatsächlich durch die Firma, der der Auftrag erteilt ist, erfolgt. Der Betriebsdeputation bleibt es Vorbehalten, diese Richtlinien aufzuheben, insbesondere sobald die Kartellpreisbildung oder andere Verhältnisse dies erfordern. Zur Erläuterung der Ursachen für diese Richtlinien bemerkt Bürgermeister Dr. Seid u. a., daß diese Lieferungen bisher gemäß Vorschrift der Städteordnung ausgeschrieben und dann — mit ein oder zwei Ausnahmen — an die mindest- fordernden Firmen vergeben worden seien. Dabei habe sich ergeben, daß die Meißener Kabelwerke immer die Mindestsordernden gewesen seien, während andere Firmen auf Grund von Preisregulierungen des Kabelkartells höher im Preise standen. Der Auftrag zu den Lieferungen erfolgte nicht durch das Elektrizitätswerk, sondern durch die Detriebsdeputation. Vor einigen Wochen feien nun große Firmen der Elektrizitatsbranche dazu übergegangen, Kündigungen von Arbeitern !und Angestellten vorzunehmen. Auch in der Gießener Filiale der AEG. (Allgemeine Elektri- zitätsgescllschafts sei ein namhafter Teil des Angestelltenpersonals gekündigt worden. Um der hierdurch drohenden Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkte entgegenzuwirken, habe die Detriebsdeputation beschlossen, von dem bisherigen Modus der Vergebung dieser Lieferungen abzusehen und Kabellieserungen künftig nach den vorstehenden Richtlinien zu vergeben. Die prozentuale Einteilung beziehe sich aber nur auf den Iahrcs-Gesamtbedarf der Stadt, ferner werde von den Lieferfirmen verlangt, daß sie die Aufträge in ihren eigenen Fabriken ausführen. Es handle sich auch nur um Richtlinien, da die Stadt natürlich keine Verpflichtung eingehen könne, die einen Lieferungsrechtsanspruch der Firmen gegen die Stadt begründen könnten. Da die Meißener Kabelwerke im letzten Frühjahr einen größeren Auftrag erhalten hätten und die Siemens- Schuckert-Werke beim Bau des Schalthauses schon berücksichtigt seien, komme für die Lieferung des Restbedarfs an Kabeln und Kupfer für 1930 die AEG. in Betracht. Im nächsten Jahre werde dann nach den Richtlinien verfahren. Zum Schuhe der Interessen der hiesigen Angestellten der AEG. sei der Firma aufgegeben worden, die Kündigungen.zurückzunehmen und sich zu verpflichten, vor dem 31. März 1931 Kündigungen nicht mehr auszusprechen: sie müsse auch bemüht bleiben, zwei junge Bureaukräfte über den l.Ro- vember hinaus weiterzubeschäftigen. Von der AEG. sei bereits erklärt worden, seitens der Firma alles zu tun, daß niemand von den Angestellten der hiesigen Filiale entlassen werde, auch über den Rahmen der festgelegten Bedingungen hinaus. Lieferung von Kabeln für das Elektrizitätswerk: Einen Auftrag in Höhe von 3200 Mk. erhalten die Kabelwerke Meißen: drei Auftrage in Höhe von 6400 Mk., bzw. 5800 Mk., bzw. 4100 Mark erhält die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft. Bureau Gießen, übertragen. Den Auftrag zur Lieferung von Kabelverteilungskasten. Kostenpunkt 4850 Mk.. erhält die Firma H. Köttgen in Bergisch-Gladbach. Mit der Herstellung von etwa 1300 Meter Kabelgraben wird die Firma H. Weimer, G. m. b. H., Gießen, beauftragt. Kosten 8700 Mk. Für die Beschaffung von 1700 Meter Kupferschienen wird ein Kredit von 18 700 Mark >ur Verfügung gestellt. Die Lieferung wird je vur Hälfte der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft und den Diemens-Schuckertwerken übertragen. Ein Kredit von 4500 Mark wird zur Beschaffung von Mittelleitern zur Verstärkung desKabel- netzes bewilligt. Den Auftrag erhält die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft. Wohnungsbaukredite. Die Zimmererarbeiten für die Wohnung s- bauten in der Schott st raße werden vergeben an Karl Keßler (Steinbach) für 1009,70 Mark: L. K r ö ck (Abendstern) für 1208.20 Mark: Ioh. Weller (Leihgestern) für 1375 Mark: K. Bebling (Heuchelheim) für 1471.50 Mark: A. Rohm (Wieseck) für 2972 Mark: die Dach- schalung an W. W a tz (Grohen-Linden) für 1630,50 Mark. Es wird dabei von Stadtratsmitglied S ch w i e d e r hervorgehoben, daß bei diesen Firmen auch solche sind, die von der Stadt Holz gekauft haben, und es wird gewünscht, auch für die Zukunft darauf zu sehen, daß die Firmen für Holzarbeiten von der Stadt Holz beziehen. Die Erd-, Maurer- und Detonarbeiten für die Wohnungsbauten in derSchottstraße werden je zur Hälfte an die Firmen Georg D e ck e r und Dirken st ock & Schnei der zum Gesamtpreis von 60 717,50 Mark übertragen. Die Verpuharbeiten für die WohnungS- bauten im Asterweg werden wie folgt vergeben: Heinrich Wagner für 3440,40 Mark: 3. Schombert für 3458.30 Mark: Vereinigung für 3733,30 Mark: Gebr. Ricolaus für 4005,90 Mark: Vereinigung für 4457 Mark: G. Ehr. Schmidt für 4804,20 Mark: Ioh. Fink für 4816,10 Mark. Kredite für das Gaswerk. Da die Versorgung unserer Stadt mit Ruhrgas jedenfalls noch längere Zeit auf sich warten lassen wird, stimmt das Haus dem Einbau zweier Oefen im Gaswerk zu. Dafür wird ein Gesamtbetrag von 17 500 Mk. bewilligt: davon entfallen 13 422 Mk. auf die Lieferung der Schamottesteine und Retorten, 4078 Mk. auf Armaturen und Löhne. Für die Verstärkung der Gasleitung in der Ludwigstrahe zwischen Wilhelmstraße und Leih- gesterner Weg und in der Röntgenstrahe wird ein Betrag von 3250 Mk. bewilligt. Die Leitungsverstärkung ist notwendig geworden, da in dem neuen Studentenhause eine große GaSküche eingerichtet werden soll. Kleine Kredite. Für die Deseitigung von etwa 100 alten Holzbrückenpfählen am rechten Lahnufer wird ein weiterer Kredit von 120 Mk. zur Verfügung gestellt. Zu Unterhaltungszwecken im Dewerbehaus Kirchstrahe 16 werden 600 Mk. bewilligt. Einführung von MietberechtigungHscheincn Auf Antrag des Bauausschusses wird der Einführung von Mietberechtigungsscheinen in der Stadt Gießen zugestimmt. Als Berichterstatter erklärt Stadtrotsmitglied Fischer, daß diese Einrichtung in anderen Städten schon bestehe und dort offensichtlich befriedigt habe. Wohnungsuchende, die als dringlich beim Wohnungsamt vorgemerkt seien, erhielten diese Berechtigungsscheine und könnten sich damit eine Woh- nung suchen, wahrend anderseits der Hausbesitzer sich den ihm willkommenen Mieter aussuchen könne. Diesen Vorteilen stehe allerdings der Nachteil gegenüber, daß wirtschaftlich schwache Familien wohl schwerer als bisher eine andere passende Wohnung bekommen könnten. Deshalb werde es Pflicht der Stadt sein müssen, noch mehr als bisher für Kleinwohnungen zu sorgen. In der längeren Aussprache treten die Stodtrats- Mitglieder Horn (Arbeitsgcm. d. Mitte), Nicolaus (Wirtsch. Dgg.), Fischer (Arbeitsoem. der Mitte), Launspach (Wirtsch. Dgg.) und Loe - der (Arbeitsgem. d. Mitte) für die Vorlage ein, von der endlich eine gewisse Erleichterung auf dem OJtxfpoit Handball im Lahn Oünsberg-Gau. Tv. Burkhardsfelden I — To. hausen I 4:3 (2:0). Der Platzbesiher hatte das Spiel in der Hand. Erst kurz vor Schluß erzielte Hausen sein erstes Tor. dem es durch einen schönen Endspurt zwei weitere folgen ließ. Zum Ausgleich reichte es nicht mehr. To. Alboch I — Tv. wieseck I 2:3 (1:2). Wieseck trat mit zwei Mann Ersatz an und zeigte bei weitem nicht die Leistungen der vorhergegangenen Spiele. Dem Torwart hat es die Mannschaft in der Hauptsache zu verdanken, daß sie als Sieger vom Platz ging. Albach überraschte nach der angenehmen Seite und zeigte großen Eifer, der ein Llnentschieden verdient gemacht hätte. To. Steinbach I — Tv. Gorbenlelch I 1:7 (1:6). Während in der ersten Hälfte der Meister noch einigermaßen schöne Leistungen zeigte, fiel er im zweiten Spielabschnitt wesentlich ab. Steinbach wurde gleichzeitig durch einige Durchbrüche recht gefährlich. Handball im T. V. Heuchelheim. T. u. Spo. Buhbach II — Tv. Heuchelheim I 2:3. Heuchelheims 1. Mannschaft weilte am Sonntag in Butzbach und konnte dort nach äußerst hartem Kampf auch das zweite Punktspiel für sich entscheiden. Butzbach ging bald nach Anstoß in Führung, Heuchelheim glich aus und konnte bis zur Halbzeit noch zweimal erfolgreich sein. Nach Seitenwechsel gelang es den Butzbachern nach einem überraschenden Durchbruch ein zweites Tor zu werfen. Handball im T. D. Großen-Linden. Tgde. Friedberg II — Tv. Grohen-Linden I 4:9 (1:3). Mit einem hohen Siege kehrten die Großen-Lin- bener von Friedberg zurück. Handball in T. V. Treis. Lich I — Treis I 4:6 (3:2). Dereits in der dritten Minute ging Treis in Führung. Lich konnte wenige Minuten später ausgleichen und dds Spiel schließlich bis Halbzeit auf 3:2 stellen. Treis legte in der zweiten Hälfte flotteres Tempo vor, so daß sich Lich beugen mußte. Handball in Lühellinden. Tv. Allendorf a. d. L. I — Tv. Lühellinden I 4:1 (1:0). Die junge, ersatzgeschwächte Elf des Tv. Allendorf schlug die körperlich weit überlegene 1. des Tv. Lützellinden mit 4:1 (1:0) auf eigenem Platze. Ser Heflenlumkamps in der LandeshanpWdl. Ehrenvoller Sieg des Gaues Hessen. Wie wir schon kurz mitteilen konnten, fand am Sonntag im Landestheater erstmals der große K u n st t u r n w e 11 k a m p s der drei hessischen Turngaue Hessen, Rhein-Main und Rheinhessen vor vielen Zuschauern statt. Gauoertreter Roth eröffnete mit inhaltreichen Worten über den Zweck des Wettkampfes und die allgemeinen Ziele der DT. die Veranstaltung. Nach einem Turnerlied und der Vorstellung der Kampfrichter begannen die spannenden, hochwertigen Kämpfe. Jede Mannschaft stellte acht kampferprobte Turner. Verlangt wurde von jedem Turner eine freigewählte Hebung am Barren, Quer» pserd, Längspferd und am Reck. Außerdem war für vier Turner jeder Mannschaft eine Kürfrei- Übung vorgeschrieben. Von den insgesamt aus- geführten 108 Einzelübungen wurden nur zwei mit der Vollwertung (60 Punkte) bedacht. Unter 40 Punk, ten lagen nur zwei Leistungen. Zuerst wurde am B a r r e n geturnt. Die Führung wechselte zwischen den drei Gauen. Gegen Schluß setzte sich aber der Gau Hessen an die Spitze. (Hessen 406. Rheinhessen 401, Rhein-Main 394 Punkte.) Am Duerpferb übernahmen die Gaue ebenfalls abwechselnd die Führung. Der Kampf schien völlig ausgeglichen. Erst gegen Schluß holte Hessen die zu Beginn verlorenen Punkte wieder auf. (Hessen 800, Rheinhessen 798, Starkenburg 791.) Bei den Freiübungen turnte als Erster Götsch (Marburg). Er fand brausenden Beifall. Die Wertung, 5 5Punkte, wurde mit einer leisen Aeußerung des Mißfallens ausgenommen. Man hatte allgemein 60 Punkte erwartet. Die Oberhessen konnten in diesem Kampf mit jeder Hebung den Vorsprung vergrößern. (Hessen 1018, Rheinhessen 1003, Rhein-Main 996.) Auch am Längspferd waren die Oberhessen wieder die weitaus beste Mannschaft. Die kühnen Sprünge fanden stürmischen Beifall. A. Fink brachte es auf 59, Götsch auf 57, Ebersbächer auf 56 und der jugendliche Gießener Schick auf 55 P. (Hessen 1449, Rhein-Main 1403, Rheinhessen 1395.) Der Schlußakt am R e ck nahm dramatischen Verlauf. Die Oberhessen, die den Starkenburgern 46 und den Rheinhessen sogar 54 Punkte voranlagen, mußten schon zu Beginn der Runde den stärkeren Gegnern vom Rhein nach jedem Gang aus der Reserve einige Punkte abgeben. Nachdem Karl Reuter als Fünfter der hessentumer seine Hebung noch mit einer guten Leistung abschloß, und Rheinhessen die Starkenburger schon überholt hatte, sah der Kampf den Gau Hessen immer noch in beachtlichem Vorsprung. Aber die Lage wurde mit einmal kritisch für die hefsenturner, als der Großen-Lindener Turner Seth das Gerät vor Abschluß der Hebung mit 29 Punkten verlassen mußte. Von Sinnwell und A. Fink als letzte Hessenturner hing nun der Sieg ab. Mit 57 bzw. 58 Punkten gingen sie glücklich vom Gerät. Mit 7 Pluspunkten vor Rheinhessen blieb der Gau Hessen unter dem lebhaften Beifall des Hauses Sieger. Die Turner der siegreichen Riege wurden in feierlicher Hand- hing" mit dem schlichten Eichenkranz ausgezeichnet. Der Gauoberturnwart nahm den Wanderpreis des hessischen Staatspräsidenten Dr. A d e I u n g in treue Verwahrung. Das Gesamtergebnis. 1. GauHessen. 1841 Punkte. A. Fink, Turn- u. Spv. Marburg 224 (52). (Die in Klammer gesetzte Ziffer bedeutet die Wertung der Freiübung.) W. Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 218 (54); A. Ebersbächer, Tgm. Marburg, 210 (57); Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, 206; Karl Schick, Tv. 1846 Gießen, 198; A. Ahrens, Tgm. Marburg, 196; Paul Götsch, T. u. Spv. Marburg, 195 (57); Richard Seth, Tv. Großen»Linden, 176. 2. Gau Rheinhessen. 1834 Punkte. Peter Kretz, Tv. Mainz-Kastel, 223 (54); I. Genß, Tgs. Mainz-Kastel, 214 (49); A. Müller, Tgs. Mainz» Mombach, 209 (51); Peter Rath, Tv. Mainz- Kastel, 204 (51); Hugo Reumann, T. u. Spv. 1860 Mainz, 201; Hrch. Stadler, Tv. 1817 Mainz, 197; Karl Leipersberger, Tgs. Mainz-Kastel, 191; R. Krimmel, Tv. Mainz-Kostheim, 190. 3. Gau Rhein-Main. 1809 Punkte. Willi Benz, Tv. Rüsselsheim, 211 (53); Hrch. Fiedler, Tgm. 1846 Darmstadt, 209 (53); L. Seligmann, Tv. Groß-Gerau, 209 (51); W. Dlumenschein, Tgm. 1846 Darmstadt (früher Gau Hessen), 204; R. Dunz, Tv. Rieder-Ramstadt, 198; I. Kramer, Tv. Rüsselsheim, 197; Karl Schwinn, Tgm. 1846 Darmstadt, 194 (48); L. Brücher, Tv. Arheilgen, 182 Punkte. Die Besten im Linzelkampfe waren demnach (ohne Anrechnung der Freiübung): A. Fink, T. u. Spv. Marburg, 224 P.; P. Kretz, Tv. Mainz-Kastel, 223 Punkte; W. Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 218 Punkte. Dohnungsmarkte zu erwarten sei, an der sowohl die Hausbesitzer, wie auch die Mieter ein starkes Interesse hätten. Ferner spricht Beig. Dr. Hamm eindringlich für die Einführung dieser Berechtigungsscheine. Gegen die Vorlage nimmt namens der Sozialdemokratie Stadtralsmitgiied Hornberger Stellung, der sie als schädigend für die Allgemeinheit der kleinen Leute ablehnt. Ueberetn« stimmend wird von den vorgenannten Rednern, insbesondere auch von dem Beigeordneten Dr. Hamm bedauert, daß der bisher auf dem Wohnungsamt tätige Verwallungssekretär Appel in dem aufreibenden Dienst und Kleinkrieg mit den Wohnungsuchenden einen guten Teil seiner Gesundheit gelassen hat und deswegen jetzt vorn Wohnungsamt in eine ruhigere Dienststelle versetzt werden mußte. Herrn Appel wird bei dieser Gelegenheit von sämtlichen Rednern Dank und volle Anerkennung für seine vorbildliche Amtsführung auf dem Wohnungsamt ausgesprochen. Die Mehrheit für die Vorlage setzt sich aus den Fraktionen der Arbeitsgem. der Mitte und der Wirtschaftlichen Vereinigung zusammen, gegen die Vorlage stimmen die sozialdemokratische Fraktion, die beiden Kommunisten und das nationalsozialistische Stadtratsmitglied. Diverse Vorlagen. Der Ortsbausatzung über des Gebiet zwischen Freiligrath-, Uhland-, Friedrich- und Fransurter Straße, Am Riegelpfad und Aulweg wird zugestimmt. Mit der Gemarkungsgrcnzregulierung Gießen- Rödgen ist man unter den vom Hess Forstamt Gießen gestellten Bedingungen einverstanden. Gegen den Entwurf einer Polizeiverordnung für den Flughafen Gießen werden keine Einwendungen erhoben. Baudispensgesuchen von Karl W e i t h, Wartweg 26, und Georg Schilling, Dismarckstraße 6, wird entsprochen. Ein Schankkonzessionsgesuch von Emil K i m p e l, Licher Straße 57, wird befürwortet, ein gleiches Gesuch für das neue Studentenhaus am Leihgefterner Weg wird zurückgestellt, da sich der Sozialpolitische Ausschuß darüber noch nicht schlüssig geworden ist. Der Hebernahme der Halle von dem Zurbuchschen Anwesen und deren Ausstellung als Kohlenschuppen im Städtischen Schlachthof wird zuyeslimmt und dafür ein Kredit von 1000 Mark bewilligt. Arbeiter-Tum- und Sportbunb. Raunheim I — Lollar I 3:1. In einem sehr spannenden Spiele standen sich beide Mannschaften in Raunheim gegenüber. Die Gäste gingen zuerst in Führung. Raunheim konnte jedoch nach kurzer Zeit ausgleichen. Halbzeit für Raunheim 2:1. Rach beiderseitigen vergeblichen Angriffen konnte Raunheim durch Strafstoß auf 3:1 erhöhen. wieseck Ib — Rodheim I 4:0. Im Vorspiel konnte Rodheim mit 3:1 Sieger bleiben. Wieseck zeigte im Spiel am vergangenen Sonntag eine geschlossene Leistung und konnte zur Halbzeit mit 2:0 Toren führen. Rodheim drückte in der zweiten Hälfte merklich, jedoch ohne Erfolg. Wieseck riß schließlich die Initiative wieder an sich und konnte bis Schluß noch zweimal erfolgreich sein. Kinzenbach I — Wehlar I 6:2. Das Spiel brachte eine Lleberraschung. Dom Anstoß ab gingen die Kinzenbacher mächtig aus sich heraus und konnten nach kurzer Zeit bald mit 2:0 in Führung gehen. Die eifrigen Gäste glichen jedoch bis zur Halbzeit aus. Rach Seitenwechsel mußten sich die Wetzlarer mächtig wehren, konnten jedoch weitere Erfolge der Plahbesitzer nicht verhindern. Treis I — Fronhaufen I 3:2. In einem fesselnden Kampf standen sich beide Mannschaften in Treis gegenüber. Drei Tore muhte sich Fronhausen gefallen lassen. Trotz aller.Anstrengungen reichte die Kraft nicht zum Ausgleich. Treis verlieh als glücklicher Sieger den Platz. Marburg I — Rüddingshausen I 3:3. In einem ausgeglichenen Spiele, das in Marburg stattfand, teilten beide Parteien brüderlich die Punkte. To. Wißmar — To. Launsbach 1:3. Ein überaus spannendes Spiel wurde am Sonntag zwischen der Freien Turnerschaft Wißmar und der Freien Turnerschaft Launsbach ausgetragen. Nach ausgeglichenem Kampfe und mancher unausgenutzten Gelegenheit trennte man sich mit obigem Ergebnis, wehlar Jugend — wieseck Jugend 0:1. Wieseck gelang es mit nur 10 Mann den knappen Sieg zu erringen. Lollar Jugend — Rödgen Jugend 3:0. Lollar Jugend hatte Rödgen Jugend zu Gast. Lollar siegte verdient mit 3:0. Handball. wieseck I — Herborn I 7:5. In einem abwechslungsreichen Spiele, das den Torhütern viel Arbeit brachte, konnten die ersatzgeschwächten Wiesecker auf eigenem Platz einen knappen, aber sicheren Sieg erringen. Wißmar I — Gießen I 1:3. In Wißmar konnte Gießens 1. dem Gastgeber gegenüber Lleberlegenheit beweisen. Sprechstunden der Redaktion. 11 .30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. Anzeigenauftrage find lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Für die tägliche Pflege der Haut ist die Qualität Ihrer Waschtischseife immer entscheidend. Deshalb verwenden Sie ein Produkt, dessen auserlesene Beschaffenheit in allen Ver- <007V braucherkreisen gerühmt wird: Dr. D RALLE’ s Lavendelseife Große Runde Form, RM. 0-75 Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Roman von 3- Schneider-Foerstl. Llrheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa. 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Nein, jic wutzte nichts. „Pater Llmberto ist schon vor vierzehn wahren gestorben!" „Gestorben!" .Die Kraft, welche sie von rückwärts auf den grobgehobelten Stuhl drückte, war so gewaltig, daß das weihe Holz leise darunter ächzte. Beide Hände in die weiten Aermel seines Habits verborgen, sah der Mönch auf sie nieder. „Ob er um Pater Umbertos Vergangenheit wüßte?" rang es sich aus Helenes Mund. „Gewiß! — Er ist ein Weltkind gewesen und hat Einkehr gehalten bei Gott." „Er hatte eine Frau!" zitterte es durch die Enge des Raumes. „Rein! Rur eine Geliebte! — Die Che war nicht gültig. Rom selbst hat das Urteil gesprochen. Also bestand sie nicht." Helenes Gesicht glitt gegen die getünchte Mauer und war so schneeig kalt wie diese. — „Und fein Kind?" — Die Gestalt des Mönches streckte sich etwas. Unter den weiten Aermeln knackten die Gelenke der Finger. „Don einem Kinde wußte er nichts. Er hätte auch das bekannt, wenn es so gewesen wäre." Er wußte nichts! — Den Mund zur Hälfte geöffnet, daß die weißen Zähne von den Lippen kaum mehr bedeckt waren, lag sie schwer gegen die Lehne des Stuhles. „Ich bin gekommen, seine Verzeihung zu erbitten, ihm meine Schuld zu bekennen und Buße zu tun, um dafür meinem armen Sohne Barmherzigkeit von Gott zu erflehen." „Das erste ist unmöglich", sagte der Mönch ohne Erregung. „Er schläft in Frieden. Das zweite haben Sie jetzt getan: Ihre Schuld bekannt. Das andere bleibt Ihnen unbenommeir. — Weiß Ihr Mann um diesen Betrug?" „Rein!" Die Lider des Paters senkten sich etwas über die Augen. „Machen Sie Frieden mit sich selbst. Beten Sie zur Madonna um die Kraft, daß sie Ihnen den Mut gibt, sich Ihrem Manne anzuvertrauen." Aus schreckhaft geweiteten Augen sah sie zu ihm auf. „Rie! — Verlangen Sie, daß ich mich vor Ihren Füßen hier über die Felsen stürze! Ich will es tun! Aber meinem Manne den Sohn und meinem Sohn den Vater nehmen — das kann ich nicht!" „Was sonst?" Ein Sonnenstrahl kroch durch die Enge des vergitterten Fensters und verästelte sich in faden- artigen Linien an der getünchten Wand. Zwei Mücken tanzten an ihm entlang und haschten sich, taumelten matt gegen die Helle der Decke und flogen wieder ins Licht. „Ich will ja Buße tun", hauchte Helenes Stimme zum Ohr des^ Paters auf. „Verlangen Sie jedes Opfer von mir! Rur dieses eine nicht!" „Was dann?" — Er wartete sekundenlang auf ihre Antwort. „Buhe tun heißt: Das Schwerste aus sich nehmen, um einer Schuld willen, die man begangen hat und die man von Herzen bereut." Sein Blick war nicht hart, eher mitleidig gequält: „Haben Sie noch weitere Kinder außer diesem einen?" „Zwei Töchter und einen Sohn." „Dünkt es Sie leichter, darauf zu verzichten, wieder zu den Ihren zurückzukehren und das Los der vollkommenen Vereinsamung zu ertragen, als Ihrem Manne diesen Betrug zu beichten?" „3a!“ sagte sie ohne Zögern. „Va bene! — Dann wählen Sie diesen Weg. Ich fürchte aber, daß er weit schwerer zu gehen sein wird, als der andere und daß —" Ein Glockenzeichen unterbrach ihn. Es mochte wohl ein Befehl des Schweigens fein, denn der Pater verneigte sich leicht gegen sie. Helene sah seine Gestalt durch die Türe verschwinden. Für ihn trat eine andere in den Raum und bedeutete ihr, daß es Zeit sei, das Kloster zu verlassen. Feiner, rieselnder Spätherbstregen empfing sie, als sie den Fuß auf die nassen Steinfliesen setzte, über welchen die alten Steineichen tropften. „Es dauert nicht lange“, tröstete Peppo und sah nach der dunklen Wolke, die mit gemächlicher Langsamkeit über die Berge hinzog. „Wollen Sie jetzt hineingehen zur Madonna? — Der Schrein ist offen, ilnb die Madonna ist mächtig", fügte er altklug hinzu. Mit schleppenden Füßen folgte sie ihm nach der Kirche hinüber. Wirr, betäubt sank sie in einem der Betstühle in die Knie. Ihre Augen schmerzten von den hundert und aber hundert Kerzen, die in dem großen Ständer vor dem Heiligenbilde in das Dämmer des Gotteshauses flackerten. Umberto war tot! Aber ihre Schuld lebte und mußte getilgt werden, damit der Sohn Barmherzigkeit erfuhr. „Ich will!“ sagte sie und neigte das Haupt zu Füßen des Madonnenbildes. „Zeige dich gnädig! Dafür will ich dir das Opfer meines Glückes bringen!“ Glockengeläut, das zu Mittag rief, gab ihr das Geleite, als sie mit Peppo den steilen Weg zur Station hinabschritt. An der Biegung, die noch einmal einen Ausblick auf das Kloster gewährte, wandte sie sich zurück und umfaßte das kalte, graue Gemäuer, das von der schmeichelnden Wärme der Spätherbstsonne umkost war. Ob die Wundertäterin von della Travestare ihr Opfer annahm? — Wenn sie es umsonst brachte? — Ganz umsonst? — Wenn Bert für immer der gelähmte Knabe blieb, der eines Tages fluchte, weil sie ihm das Leben geschenkt hatte? „Soll ich ab und zu eine Kerze nach Travestare hinauftragen?" fragte Peppos Kinderstimme in ihr Schweigen. „Cs wäre mir ein großer Trost, Bambino." Sie öffnete ihr Handtäschchen und reichte ihm einen Hundertlireschein. Er betrachtete ihn ungläubig und sah sie bewundernd an. „Das gibt allwöchentlich eine", sagte er zuversichtlich. „Frau Ilfonso kauft sie und steckt sie der Reihe nach an. Im Kloster sind sie billiger als unten In Travestare." Vorsichtig barg er den Schein in der Innentasche seiner zerschlitzten Ioppe, blickte treuherzig zu ihr auf und schien ihre Gedanken zu lesen. „Ich werde keinen Lire für mich behalten, Signora, sonst könnte die Madonna eine meiner Geißen in den Arno stürzen lassen." Seine Hände zwischen die ihren nehmend, drückte sie dieselben in einer Wallung von Hochachtung und Dankbarkeit für seine Gesinnung, löste die Finger wieder und trat dicht an die Wand, welche den Pfad auf der rechten Seite begrenzte. Ihnen entgegen kamen jetzt die Maulesel, von welchen die Wirtin der Osteria gestern gesprochen hatte. Deren Schellen bimmelten , luftig in den Mittag und die beiden Treiber gingen mit schweren Schritten neben den Tieren her. Genau so schuldbeladen, dachte Helene, kommen die Menschen mit all ihrer Last und all ihrer Sorge hinauf nach della Travestare. Ilnb wenn sie abwärts gingen, nahmen sie wenigstens ein Hoffen mit: das Hoffen, daß ihre Bitte erhört würde. Ob die Madonna auch ihrer gedachte, wenn sie den anderen ihre Hilfe angedeihen lieft? Die Geheimrätin rief schon zum zweiten Male nach ihrem Sohne, der etwa vor einer Stunde nach feinem Zimmer gegangen war, um dort die eingelaufene Post zu erledigen. Als sie zum dritten Male feinen Rainen durch das Haus schickte und wiederum keine Antwort bekam, schüttelte sie verärgert den Kopf und ging die Treppe hinauf, ihn zu holen. Sabine kam über den Gang und suchte mit angstvollen Augen in den ihren. „Was ist mit Vater?" „Ich will ihn eben zu Tisch bitten.“ „Ich habe ihn vor Minuten noch stöhnen und wimmern hören und nun ist alles so unheimlich ruhig! — — Sag, Großmama, wird das denn nun nie wieder anders bei uns? Rie wieder?" „Du mußt Geduld haben, Sabine. Er ist zu schwer getroffen. Berts Befinden ist schlechter als je." Das Mädchen hatte einen leidenden Ausdruck in dem jungen Gesichte, der sie um Iahre reifer machte. „Wenn die Mama nicht bald kommt, ist es auf die Dauer nicht mehr zu ertragen.“ „Armes Kind!" Die Geheimrätin nahm die Enkeltochter in die Arme und streichelte ihr die Wange herab. „Vielleicht wird doch noch einmal alles gut. Vater muß ja zur Einsicht kommen, daß es so nicht weitergehen kann. — Sag in der Küche, daß Iette die Suppe aufträgt.“ Das Mädchen nickte und wandte sich der Treppe zu. Ihr leichter Schritt war kaum vernehmbar, als sie jetzt die Stufen hinunterging. Die Geheimrätin klopfte erst an der Türe ihres Sohnes, und als kein „Herein" erklang, drückte sie auf die Klinke. Sie gab nicht nach. „Iust!" rief sie angstvoll. Drinnen fiel ein Buch. Ein Schritt schleifte nach der Türe. Mit entsetztem Gesicht wich sie zurück, als ihr Franke jetzt im vollen Licht des Mittags gegenüberstand. „Iust!" Um den verzerrten Mund irrte ein verzweifeltes Lächeln. In dem weißen Gesichte brannten die Augen als starre, drohende Punkte, in denen der Wahnsinn flackerte. „Mein armer Iunge!" Sie taumelte über die Schwelle und" drückte die Türe hinter sich zu. „Ist Berts Befinden so hoffnungslos geworden?“ „Bert?" — — Er hob die Finger nach der Stirne und drückte sie gegen die eingefallenen Augen. Rückwärts gehend torkelte er gegen den Schreibtisch, wo Tintenfaß und Vase aneinander* klirrten. Die Geheimrätin warf einen erschrockenen Blick über die Zeitungen und Bogen hin. Die Handschrift der Schwiegertochter sah ihr groß und steil entgegen. „Hast du so schlimme Rachrichten von Helene, Iust?" Von der Leblosigkeit seines Blickes zur Todesangst aufgepeitscht, griff sie nach dem Briefe. Ihre Augen eilten über die Zeilen: „Mein Iust! Mündlich mit Dir über alles das, was gesagt werden muß, zu sprechen, hätte uns beide zusehr aufgeregt. So habe ich mich entschlossen, es schriftlich zu tun. Ich habe nach reiflicher ilefberlegung erkannt, daß es für Dich und mich kein Zusammenleben mehr gibt. Abgesehen von Huberts ilnglücksfall, der Dich ungerecht und verbittert macht, leidet auch meine Kunst unter dem Zwang der Che. Du mußt und wirst mich begreifen. Ich mache Dir deshalb den Vorschlag, unsere Verbindung auch weiterhin vor der Welt bestehen zu lassen, im übrigen aber getrennt zu leben. Willst Du aber auf einer Scheidung bestehen, so bin ich auch damit einverstanden. Ich nehme alle Schuld auf mich. Du kannst mich wegen böswilligen Verlassens tmSLjgen, wirst also das Gesetz immer auf Deiner Seite finden. Rottach-Berghof überlasse ich Dir als unbeschränktes Eigentum. Ebenso die Kinder. Mir würden sie auf meinen Reisen doch nur hinderlich sein. Sollte Bert Dir einmal lästig werden, so bringe ihn mir. Meine Arme sind immer) für ihn geöffnet — mit tausend Wonnen, Iust. Das Gesamtvermögen, welches ich, wie Du weiht, bei Schrecker & Melle deponiert habe, gehört unseren Töchtern. Zu gleichen Teilen, mein Iust. Für unseren Iüngsten schicke ich allmonatlich eine größere Summe, die Du für* ihn anlegen wirft. Meinen armen Olelteften überlasse ich ganz Deiner Liebe und Geduld. Ihm schenke ich nichts als mein Herz. Sage ihm, daß ich es bis zum letzten Tropfen für ihn zu verströmen bereit bin. Etwas Besseres habe ich nicht zu geben. Vor Dir, mein Iust, knie ich und da mein Mund Dich nicht mehr küssen darf, küsse ich Deine Hände und danke Dir für die sechzehn Iahre des Glückes, für jede Stunde der ßiebe, für alle Seligkeit, die mir an Deiner Seite geworden ist. Vergib, daß ich so viel Leid über Dich bringen muß und trage es als ein Mann, dem! immer noch so viel blieb, daß es wert ist, zu leben. Die Mutter soll mir verzeihen. Ihr übergebe ich Die Sorge für Dich, für die Kinder und zumal für meinen armen gelähmten Iungen. Sie soll ohne Haft an mich denken. Um das gleiche bittet auch Dich, mein Iust, Deine Helene.“ „NB. An meiner Treue und Liebe brauchst Du nicht zu zweifeln. Sie sind Dir sicher bis an das Ende.“ (Fortsetzung folgt.) MAGGI’Würze 9 MAGGTist nicht eine.allgemeine Bezeichnung für Suppenwürzen, sondern die gesetzlich geschützte Fabrikmarke für alle MAGGI-Produkte ! das fertige Brautkleid Alles für die oder die we i ße Brautseide im Nowack Morgens ah 10 Uhr Wellfleisch mit Kraut Modehaus 6665 A Cafe Astoria Lichtspielhaus -Gießen 1490D liefert Dartonis Photo Radio Telefunkendienst Ab 1. Oktober Neue Kapelle PS? Auch werden Brautkleider angefertigtl Damplsägewerk Lollar B. Nubn, A. G. Ein Riesenerfolg Nur noch bis Donnerstag, den 2. Oktober, einschließlich. - ________________________ 6688 C FUr die > /chem. Reinigung Waschbenzii (Sonderqualitfit) reinigt alle Stoffe k Drogerie X Winterhoff y Oilenhacher Kunslgewerhe- schule Dir.: Prof. Hugo Eberhardt 6240 V uiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiii KurzgeschntiteneS Mol i Giefeener Konzertverein Dienstag, 7. Oktober 1930,20 Uhr, Universitätsaula Sonder-Konzert anläßlich des ärztlichen Fortbildungskursus der Universität Edeltraut Raab (Klavier) / Lic. J. F. Laun (Tenor) Am Klavier: Dr. St Temesvary Klavier-Werke von Bach, Beethoven, Chopin Lieder von Schubert und altenglische Lieder Eintrittskarten: RM.2.— (numeriert) und BM. 1.— bei Ernst Challier, Neuenweg 10 (Fernruf 2071) und abends an der Kasse. Studentenkarten 0.50 RM. bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweis. Das erste Abonnements -Konzert (Orchester-Konzert der Meininger Landeskapelle) findet amß. November 1930 im Stadttheater statt. 6678D Ruhl, Plockstraße 12 Telephon 3170 __S494O Restauralion .Zum Aanariim Walltorstr. 5 6689» Morgen Donnerstag, den 2. Oktober Metzelsuppe Verlangen Sie stets ausdrücklich MAGGI5 Würze und achten Sie genau darauf, daß Jhr Fläschchen aus MAGGI5 großer Original flasche gefüllt wird, Jn dieser darf nach dem Gesetz nichts anderes feilgehalten werden als Zwiebeln gesunde, trockene Winterware, d. Ztr. Mk. 3.50, inkl.Sack, vers. ab Stat. Echzell gegen Nachn. Ludwig Erb, Echzell (Wett.) Kartoffeln stets zu billig. Tagesvr.s^rD tnilllllililililllllliliiiliiiiliii Adreßbuch x—Stadtplan und Einwohner- und Geschästsverzeichnissen von 1 Städten und 74 Ortsgemeinden mit etwa 100000 Einwohnern nebst wertvollem Wirt- schasts-und kulturgeschichtlichen Sonderabschnitt / preis 10Reichsmark Sberhesfischer Adreßbuchverlag, Gießen, Schutstr. 7 Gießen ist begeistert von dem Film DerProzeß des Hauptmann Konzert- u. Jazz-Orchester 06060 Luftkurort. Sommerfrische, Pension Jagdhaus „Hubertus" Post Ostheim—Butzbach. Tel. Butzbach 8 Idyllisch mitten im Walde gelegen 360 m Prachlaussicht, staubfreie Lage in herrlich. Laub- und Nadelholzwaldchdn. Beliebter Ausflugsort. Grone, gedeckte Halle und Beranda. Reine Weine, prima Apfelwein ff. Biere. Bolle Pension 4 u. 5 Mk. pro Tag. Ernst Sommerlad, Besitzer. [6597D | den Schleier, den Kranz ■ WW den Strumpf, die Handschuhe Oefen Germanen, Dränier, Cora Petrins Oefen Eschöten neue irische Dauerbrenner (Original Musgraves) Hirzenhainer usw. Junker&Rub, Juno, Dränier