Nr. 151 Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 1. Juli <950 Erscheint täglich, anher Sonntags und Fererlag» Beilagen: Die 3IIu|trierte Ciefeener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monalsiBejugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. ßernfprechanfchlüfle anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr Buch' und Stemörnderei K Lange in Gießen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bi» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; | klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°, mehr. Thefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Longe. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Des Rheinlands Befreiungsfeiern. Um Mitternacht am freien Rhein. — Reichsminister Wirth spricht in Mainz. — Oie Reichsflagge über dem befreiten Gebiet. , Oie Trikolore fällt. Abzug der letzten Bcsatzungstruppcn nutz Mainz Mainz, 30. 3unl. (ÖIB.) heule vormittag hatten die noch hier verbliebenen französischen Truppen, ein Bataillon Infanterie und eine Abteilung Gendarmerie vor dem Schloß, dem Hauptquartier des französischen Oberbefehlshaber», Aufstellung genommen. Kur; nach 11 Uhr erschien der General und schritt die Front ab. Die Musik stimmte die Marseillaise an, und unter den Klängen sank die T - iko 1 ore nieder. Unmittelbar darauf marschierten die Truppen bei klingendem Spiel und mit aufgepflanzten Bajonetten zum Bahnhof, wo sie noch einmal Paradeaufstellung nahmen. Gegen 12 Uhr erschien General G u i l l a u m a t und schritt unter den Klängen der Marseillaise die Front ob. Dann zogen die Truppen nach dem Güterbohnhof. Kurz vor 13.30 Uhr nahm General Guillaumat im houpt- bahnhof die Mitteilung entgegen, das; alle Truppen verladen seien. Er begab sich sodann in den Sonderzug. der pünktlich 13.30 Uhr nach Frankreich abfuhr. An den Kriegerehrenmälern WSR. Mainz, 30. 3uni. Am Darnstagnach- mittag fanden sich die noch anwesenden französischen Truppen vom Infanterieregiment Rr. 8 am Krematorium ein, von wo aus in Anwesenheit des französischen Oberkommandierenden General Guillaumat, des Reichskommissars für di« besetzten Gebiete Freiherrn Langwerth vonSimrnern und einiger Herren der Rhein- landkommission ein Rundgang an die Kricger- ehrenmäler anaetreten wurde. An sämtlichen deutschen und ausländischen Kriegerdenkmälern älterer und neuerer Zeit wurden unter den Klangen der Marseillaise durch den General Guillaumat, den Reichskommissar Langwerth von Simmern, den Oberkommissar Tirard und die Vertreter Belgiens, Englands usw. nach einer kurzen stillen Andacht Kränze und Blumen mit Schleifen in den Farben der einzelnen Länder niedergelegt. Ein unvergeßlicher Tag der Freude. Sonderbericht des „Gießener Anzeigers". Mainz, den 1. Juli. Prächtigstes Sommerwetter verherrlichte die Feier des gestrigen Freudentages der Rhein- landbefreiung^ Gluthitze lastete am Rachmittag über dem Rhein- und Maingebiet. Trotzdem strömten in Eisenbahnzügen, die bis zur äußersten Belastung voligcpropft waren, in Autos und auf allen möglichen Fuhrwerken Zehntaufende von Menschen ununterbrochen in das Goldene Mainz hinein. Ein Wald von Fahnen zierte die Straßen, selbst die kleinsten Häuschen in den Seitenstraßen waren reich geschmückt mit Fahnen, Fähnchen, Girlanden und Beleuchtungskörpern. In den Straßen wurde der Verkehr, je mehr sich der Abend neigte und die festliche Rächt hereinbrach, immer beängstigender. Ein glanzvoller Auftakt war am Rachmittag der Einmarsch der Schupo. Punkt 5 Ahr kam sie über die Rhcinbrücke von Kastel her einmarschiert, jubelnd begrüßt von der nach Zehntausenden zählenden Menge. Gleichzeitig wurde auf dem Schloß die Reichsflagge aufgezogen, brausende Hurrarufe stiegen in diesem Augenblick zum strahlenden Sommerhimmel empor. Flieger umkreisten die Flagge, neigten sich zu ihrer Begrüßung und zogen bann wieder ihre Kreise über der freien deutschen Stadt. Die Feier um Mitternacht bildet für jeden, der das Glück hatte, dabei zu sein, einen unvergeßlichen Gewinn für das ganze Leben. Auf dem Halteplatz, der Stätte der Feier, dichtgedrängt eine riesige Menschenmenge, die man ohne älebertreibung wohl auf 30 000 Köpfe beziffern kann. Mitten durch die Menge herauf zum Podium und von da wieder in die Menge hinein ein langer Kranz von Fahnen und Standarten der Vereine von Mainz und aus der Hingegen?). Festliche Beleuchtung des weiten Platzes. Mit dem Glockenschlag 12 feierliches Geläute von allen Türmen der Mainzer Kirchen. Gleichzeitig erschallt von unzähligen Schiffen auf dem Rhein fünf Minuten lang ein Konzert der Dampfsirenen, das reich an Vielstimmigkeit und tönender Kraft ist. Dann feierliche Stille. Mächtig erklingt hierauf der gemeinsame Gesang der Zehntausend« „Großer Gott wir loben dich". Die Menge singt stehend in feierlicher Ergriffenheit. Dann .ein Massenchor von über dreitausend Sängern als feierliches TreugelöbniS an den deutschen Rhein. Lind nun felgen die Ansprachen. Mit gewaltigem Jubel begrüßt wird, nach den Worten des Mainzer Oberbürgermeisters; die Reichsflagge gehißt und mächtig braust in die Rächt hinein die erste Strophe des Deutschlandliedes. Dann spricht Staatspräsident Dr. Adelung, hierauf als Vertreter der Reichsregierung Minister Dr. Wirth. Als er den Ramen „Gustav Strese- m a n n“ ausspricht, braust, sich mehrfach wiederholend, ein schier unbeschreiblicher Beifallssturm aus -ehntaufenden Kehlen und von ebensovielen begeistert klatschenden Händen als dankbarer und erschütternder Gruß der Lebenden an den Toten zum Himmel empor. Hochachtung den Menschen, die in so tiefet Dankbarkeit über alle Partei- grenzen hinweg einen Mann ehren, der mit der Aufopferung feinet: Lebenskräfte nicht gezögert hat, um das Werk der Befreiung des deutschen Rheins zum Abschluß zu bringenI Gewaltige Zustimmung der riesigen Menschenmenge unterstreicht auch Wirths energische und deutliche Worte an Frankreich, England und Amerika, i Roch einmal erklingt feierlicher rheinischer Ge- I fang, dem dann die wunderbaren Töne des Largo von Händel als Abschluß der erhebenden Stunden folgen. Unö nun fluten viele Zehntausend« in festlich- froher Stimmung in die Straßen der Stadt hinein und erfüllen sie die ganze Rächt hindurch mit ihrem Jubel und mit ihrer Freude über die endlich aufgegangenc Sonne der deutschen Freiheit am Rhein! Dankbar anzuerkennen ist noch die glänzende Organisation, mit der alle Behörden und ihre Helfer diese unvergeßliche Feier der ersten Freiheitsnacht am deutschen Rhein der begeisterten Menge bereiteten. Oie Befreiungsstunde in Mainz. Mainz, l.Juli. (WSN ) Die Befrciungsfeier der Stadt Mainz vor der Stadthalle am Rheinufer hatte viele Tausende von Mainzer Bürgern mit auswärtigen Gästen vereinigt. Rach dem feierlichen Geläut der/Glocken und dem gemeinsamen Gesang „Großer Gott wir loben dich" ergriff als erster das Wort Oberbülgermeifter Or. Külb: Zu Deutschlands Grenzen wollt« man den Rhein herabdrücken! Deutschlands Strom ist er wieder ge- worden! Frankreichs Trikolore sank und des Reiches und der Länder Flaggen wehen wieder allein über unserer deutschen Stadt. Fast 12 Jahre lang stand unser urdeutsches Land, seit mehr als 1000 Jahren das heißumstrittene Sorgenkind Deutschlands, unter der Herrschaft einer fremden Mililärgewall. Mit Schaudern denken wir zurück an die furchtbaren Tage des Rhein-Ruhrkampfes, an die grauenvollen Erlebnisse der rheinischen Bevölkerung während der Schreckensherrschaft der Separatisten. Aber stärker als diese niederdrückende Empfindung ist die freudige erhebende Genugtuung und der berechtigte Stolz auf all die Söhne unserer Baterstadt, die ohne Furcht und Zagen stets mutig ihr Deutschtum bekannten. Dank und Anerkennung den Männern, die Schulter an Schulter mit den deutschen Behörden in der vordersten Front gegen den sonderbündleri- schen Frevelmut fochten, vor allem auch den Mainzer Gewerkschaften und der Mainzer Ortspolizei. Gewaltsam waren zu jener Zeit die Fäden zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet zerrissen. Tausende mußten ins Gefängnis oder in die Verbannung wandern. Aber keine noch so harte Maßregel hat die treudeutschen Herzen zur Untreue gegen ihr angestammtes Vaterland verleiten können. Für uns aber darf die feierliche Stunde nicht vorübergehen, ohne daß unser heiß empfundener Dank der Regierung unseres engeren Heimatlandes Hessen und all den führenden deutschen Staatsmännern abgestattet wird, die in zähem beharrlichen Ringen in unausgesetztem Kampfe nach außen und im Innern dem Rheinland die Freiheit zurück- eroberten. Unseres allvcrehrten Reichspräsidenten von Hindenburg heute in tiefer Ehrfurcht und inniger Dankbarkeit zu gedenken, ist uns heilige Pflicht. Hindenburg hat den Bau unserer Freiheit vollendet, Friedrich Ebert, der Mann des Volkes, hat ihn begonnen. In Deutschlands schwerster Zeit, als die Wogen am hör' sten gingen, stand er am Steuer als kerndeutscher Mann, mit allen guten Deutschen das eine große Ziel vor Augen: die Wiederaufrichtung Deutschlands von seinem tiefen Sturz. Aus dem Grabe Eberts, aus den Gräbern aller derer, die für unsere Einheit und Freiheit gewirkt, gestritten und gelitten haben, schallt der Mahnruf: „Seid einig, einig, eint g." Seid einig, wie cs die Rheinländer waren in jenen schweren, unheilschwangeren Stunden, in denen das Schicksal Deutschlands auf des Messers Schneide stand, in denen cs sich um Sein oder Nichtsein des Deutschen Reiches handelte. Oer Hessische Staatspräsident Or. Adelung: Der seit Jahren so heiß ersehnte Tag ist gekommen. Die Lande am Rhein sind befreit von schwerem Druck fremder Besatzung. Tief bewegt gedenken wir in dieser feierlichen Stunde zuerst der Toten, die da ftarben, damit Deutschland lebe. Wir neigen uns vor ihnen in Verehrung und Dankbarkeit. Dann aber gilt der Gruß all denen, die in den langen Jahren der Bedrückung und der Demütigungen unerschütterlich und treu zu ihrem Volte standen und nicht zuließen, daß sich fremde Machtbestrebungen am Rhein verwirklichten. xbufc >cc Vertrag .»on Versailles Frankreich versagt hatte, den Rhein als Grenze, das suchten imperialistische französische Kräfte während der zwölfjährigen Okkupationszeit mit allen Mitteln zu erreichen. 'Vergebens: Wunderbar hat sich die Kraft offenbart, die einem großen Volke innewohnt, dessen Wille geeint ist zur Verteidigung von Lebensinteressen des Vaterlandes: Das Volk am Rhein in allen seinen Schichten kann das unvergängliche Verdienst für sich in Anspruch nehmen, den deutschen Westen deutsch erhalten zu haben. Ich habe in Mainz in engster Gemeinschaft mit Ihnen allen Rot und Abwehr miterlebt, diese Verbundenheit mit Mainz und feiner Bevölkerung wird mich nie loslassen, wo immer auch das Schicksal mich hinstellen mag. Mainz stand im Brennpunkt des Kampfes und Leidens. Der Einwohnerschaft dieser Stadt waren besonders schwere Lasten auferlegt, lieber diese sonnige Stadt, die zum Mittelpunkt der französischen Militärpolitik ausersehen wurde, brausten die Stürme der Besetzung und des Separatismus mit ungeheurer wucht, hier aber in Main; war es auch, wo die Bevölkerung, und vor allem auch die Arbeiterschaft, am entschlossensten und mit dem größten Nachdruck allen Angriffen auf ihr Volkstum und ihre Zugehörigkeit im großen Deutschland entgegentrat. 3n Mainz fiel die eigentliche Entscheidung, hier lernten die fremden Machthaber am ersten und am deutlichsten erkennen, daß ihre Lostren- nungsversuche vergebens bleiben mußten. J2 General Guillaumat, der Oberkommandierende der französischen Besatzungstruppen, und der Ober- kommissar der Rheinlandkommission Tirard legen auf dem deutschen Kriegerfriedhof in Wiesbaden Kränze nieder. Die Land« am Rhein sind nun frei von srem- dem Kricgsvolk. Aber wir stehen noch lange nicht am Ende der Schwierigkeiten, die Krieg und Besetzung gebracht haben. Die tiefen Wunden, dio Kriegs- und Rachkriegszeit geschlagen, heilen zu Helsen, ist die heilige Ausgabe des ganzen deutschen Vaterlandes. Auch daS Hessenland wird sich seiner Verpflichtungen gegenüber dem De- satzungsgebiet bewußt bleiben und mit allen Kräften am Wiederaufbau mithelfen, so sehr es selbst durch die Desahungszcit getroffen ist. Ö8 wird uns gelingen, die Röte der Gegenwart zu überwinden, wenn wir uns das wertvollste Gut der Desahungsjahrc hüten und bewahren: die Geschlossenheit unseres Wollens, di« innere Verbundenheit der Volksgenossen über Trennendes hinweg. Eine friedliche Entwicklung in einem blühenden Staatswesen und in einem glücklichen und großen deutschen Vaterlande möge diese Stadt und ihre Bevölkerung aus schwerer Zeit emporführen zum Licht, auf daß das alte Wort vom „goldenen" Mainz wieder wahr werde für alle Zeiten. Reichsminister Or. Wirth überbrachte die Wünsck)« dcr Reichsregicruna. Er gedachte dcr Gefallenen des Weltkrieges und der Toten, die in der Nachkriegszeit durch aufopfcrungs- volle Tätigkeit den Tag der Befreiung haben vor- bereiten helfen. Tosender nicht enden wollender Beifall setzte ein, als Dr. Wirth in diesem Zusammenhang den Namen Strcscmanns nannte. Dann fuhr der Minister fort: Wir haben die Freiheit am Rhein teuer durch den Tributplan erkauft, der noch Kinder und Kindcskinder belastet. Gerade jetzt sind wir in eine Wirtschaftskrise hincingeraten, die nicht Deutschlands Sache allein ist. Da müssen wir uns fragen, ob die heutige Ordnung dcr europäischen und Weltwirtschaft noch als befriedigend angesehen werden kann. Sie ist es nicht. Aber jede mögliche neue Ordnung muß Deutschland die Mag- lichkeit bringen, das zu zahlen, was es wirklich leisten kann. Es ist zu hoffen, das; für die übrigen Staaten einschließlich der wirtschaftlichen Sieger im Weltkrieg, dcr Amerikaner, noch in diesem Jahre der Tag der Einsicht kommen wird. Der Rhein ist jetzt zwar frei, Deutschland fühlt sich aber noch nicht frei, da es den übrigen Völkern noch nicht völlig gleichberech- tigt zur Seite steht. Der Weg zur wahren Freiheit ist der Weg vom minderen Recht zum gleichen Recht, der Weg zur allgemeinen Abrüstung, den wir bereits gegangen sind und den alle gehen mässen, wenn der Friede Bestand haben soll. Das ist die beste Sicherung der französischen Ruhe. Der Minister schloß seine Ansprache mit einer eindringlichen Aufforderung an die Rheinländer, jetzt im Verein mit dem übrigen Deutschland alle ihre Kräfte ein- zusetzen, um die augenblickliche Krise überwinden zu helfen. Wiesbadens $eier. Ministerpräsident Dr Braun mahnt zum Politischen Ausgleich. Wiesbaden, l.Iuni. sWSR.) Rachdem bereits am Montagmorgen die letzten französischen Desahungstruppen und auch die Rheinlandkorn- mission Wiesbaden für Immer verlassen hatten, begann in der Stadt ein emsiges Arbeiten, um den Tag der Desreiung würdig zu begehen. Gegen Abend boten die Straßen ein Bild, wie es nur aus den Dorkriegstagen in Erinnerung ist. Alle Straßen, Plätze und Häuser waren reich geschmückt mit Fahnen und Girlanden. Gegen Mitternacht füllte eine unübersehbare Menschenmenge den Schloßplatz, den Marktplatz und die angrenzenden Straßen. Punkt 24 Lhr wurde unter dem Geläut der Glocken die schwarz- rot-goldene Fahne auf dem Schloß h ocha ezogen. Roch dem Posaunenchor „Lobe den Herrn" und einem Ehoral Wiesbadener Gesangvereine sprach derpreußischeMinisterpräsident Braun: „Zur Zeit steht uns allen nicht der Sinn nach lauten Feiern, aber in dieser denkwürdigen Stunde, da für die Kurstadt Wiesbaden und Ihr herrliches nassauisches Land eine mehr als elfjährige Besetzung äu Ende geht, hat die Begeisterung und Freude, die Ihrer aller Herzen erfüllt, ihr Recht. Die Erinnerung an die tapfere vaterländische und treue Haltung des besetzten Gebietes wird uns immer lebendig fein und wird ein Vorbild für ganz Deutschland bleiben. Dieser ihrer Treue und ihrer Vaterlandsliebe gedenkt die preußische Staatsregierung in dieser Stunde mit höchster Anerkennung und wärmstem Dank. Bisher lag auf diesen schönen Landen des Westens und seiner so tatkräftigen unö fleißigen Bevölkerung der lähmend« Druck einer fremden Truppenmacht. Jetzt kann sich auch hier Unternehmungslust und' Tatkraft wie überhaupt das ganze öffentliche Leben wieder frei regen. Wir begrüßen diesen Zuwachs an Kraft bet unserer Aufbauarbeit. Aber ich habe in dieser Stunde eine Ditte: Heute eint Sie alle die Begeisterung. Die gemeinsam ertragene Rot und die heutige gemeinsame Freude haben hier im besetzten Gebiet die bedauerlich hohen Schranken niebergelegt, die in unserem Vaterland leider Menschen verschiedener polittscher Meinung und verschiedener Weltanschauung öft zu treu* Line Kundgebung der Hessischen Regierung An das hessische Volk! Die Hessische Staatsregierung entbietet am Tage der Gesamträumung der besetzten Gebiete Gruß und Glückwunsch den deutschen Männern und Frauen am Rhein. Auf sich s e l b st gestellt, hat in vorbildlicher Einigkeit das deutsche Volk am Rhein, geführt von zielbewuhten, mutigen Männern, den Kampf bestanden: einen Kampf, bei dem es nicht allein um das Schicksal der deutschen Westgebiete, sondern letzten Endes u m die Einheit und Zukunft des deutschen Reiches ging. Das Land Hessen begrüßt die Stunde der Befreiung mit besonderer Freude und Genugtuung. Letzt, da die Hemmnisse der Ordonanzen, die Lasten der Beschlagnahmungen und Der schwere seelische Druck der Hnfreiheit von unserem Besehungsgebiet genommen wurde, kann der Wiederaufbau mit frischen und freien Kräften in Angriff genommen werden. Trotz der schweren wirtschaftlichen Rot der Gegenwart muh es gelingen, die tiefen Wunden zu heilen, die die Desahungszeit geschlagen hat. Wir bauen dabei auf die ungebrochene, im Kampf um den Rhein bewährte Kraft unseres Volkstums. Wir müssen aber auch darauf vertrauen können, dah ganz Deutschland die Röte lindern, die Schäden beseitigen hilft, die ein Teil des deutschen Volkes für die Gesamtheit auf sich nehmen muhte. Unser Dank und unser Gruh gilt allen denen, die mithalfen im Kampfe gegen fremde Machthaber und ihre Helfershelfer: den deutschen Männern am Schraubstock und Amboß, in der Werkstatt und am Schreibtisch, hinter dein Pflug, in Aemtern und Kontoren. Der Frauen zumal gedenken wir in dieser Stunde, denen ein besonderer Teil seelischer Bedrückung auferlegt war. Alle werden für ihre Standhaftigkeit und Treue den besten Lohn finden in dem Bewußtsein, Wegbereiter einer schöneren deutschen Zukunft gewesen zu sein. Darmstadt, den 30. Juni 1930. Das hessische Gesamtministerium: Dr. Adelung. Kirnberger. Leuschner. Korell. Reichspräsiden' und Reichsregierung an das befreite Rheinland. Berlin, l.Luli. (Sil.) Anläßlich der Befreiung der Rheinlands erlassen Reichspräsident, Relchskanzler und die gesamte Reichsregierung folgenden Aufruf: Rach langen Lahren der Drangsal und des Harrens ist heute die Forderung aller Deutschen erfüllt: Die fremden Desat- zungstruppen haben das Land am Rhein verlassen. Treue, Vaterlandsliebe, geduldige Ausdauer und gemeinsame Opfer haben dem feit dem unglücklichen Ausgang des großen Krieges von fremden Truppen besetzten Gebiet das höchste Gut eines jeden Volkes, die Freiheit, wiedergewonnen. Der Leidensweg, den die rheinische Bevölkerung aufrechten Hauptes um Deutschlands willen gegangen ist, ist zu Ende. Der Tag der Befreiung soll ein Tag der Dankbarkeit sein, ilnser erstes Gedenken gebührt heute denen, die im Kampf für die Freiheit Deutschlands geblieben sind, die i h r L e b e n gaben für das Vaterland. Zu ihnen gehören auch alle, die während der harten Lahre der Besetzung ein Opfer ihrer Vaterlandsliebe wurden, Hnvergessen sollen chie Leiden der Mariner und Frauen bleiben, die in der schweren Prüfungszeit seelisch und körperlich für Deutschland geduldet haben, und stets werden wir der vielen Tausenden gedenken, die wegen ihrer Treue zu Vaterland und beschworener Pflicht durch fremde Machtwillkür von Haus und Hof vertrieben wurden. Lhnen allen schulden wir unauslöschlichen Dank! Wir wollen ihn abstatten durch das Versprechen, uns aller gebrachten Opfer durch Dienst an Volk und Vaterland würdig zu erweisen. Roch harren unsere Brüder im Saargebiet der Rückkehr zum Mutterland. Wir grüßen heute deutsches Land und deutsches Volk an der Saar aus tiefstem Herzen und mit dem Gelöbnis, alles daran zu sehen daß auch ihre Wiedervereinigung mit uns bald Wirklichkeit wird. Auch ihnen gebührt heute Deutschlands Dank. Wir wissen, daß sie stolz ihr Deutschtum bewahrt haben, und daß sie ihre Rückkehr zum Mutterlands nicht mit Bindungen erkauft wissen wollen, die den deutschen Gesamtinteressen widersprächen. Heber dem politischen und wirtschaftlichen Leben unseres Volkes hängen immer noch schwere Wolken. Aber dennoch ist uns der heutige Tag Anlaß freudiger Zuversicht. Ein Volk, das, ganz auf sich allein gestellt, trotz härtester Bedrängnis sich selbst behauptet hat, ein Land, das auf den Gebieten der Wissenschaft. Kunst und Technik auch in bitterer Rotzeit Leistungen vollbracht hat, die in der ganzen Welt anerkannt und bewundert werden, hat ein Recht darauf, mit Selbstvertrauen und mit Zuversicht seiner Zukunft entgegenzugehen. Durch Lahre schwerer Leiden, durch Hebernahme drückender Lasten haben wir dem Land am Rhein die Freiheit wiedergewonnen: für unseres Vaterlandes Glück und Zukunft wollen wir sie in treuem Zusammenstehen erhalten. Das Gelöbnis in dieser feierlichen Stunde sei Einigkeit! Einig wollen wir sein in dem Streben, unser geliebtes Vaterland auf friedlichem Wege nach Lahren der Rot einem besseren und helleren Tag entgegenzuführen. Einig wollen wir sein in dem Schwur: Deutschland, Deutschland über alles! gez. von Hindenburg, Reichspräsident. Die Reichsregierung: gez. Dr. Brüning, Reichskanzler, gez. Dietrich, Stellvertreter des Reichskanzlers, Reichsminister der Finanzen, gez. Dr. Curtius. gez. Dr. Wirth, gez. Dr. Stegerwald. gez. Dr. Bredt. gez. Dr. Groener. gez. Dr. Schätze!, gez. von Gusrard. gez. Dr. Schiele. gez. Treviranus. Gruß aus Oesterreich. Wien, 30. Luni (ERB.) Der österreichische Bundespräsident Miklas hat gestern an den Reichspräsidenten anläßlich der Rheinlandbesreiung ein Glückwunschtelegramm gerichtet, in dem er der Freude aller Deutschen Oesterreichs über die erfolgte vollständige Räumung des Rheinlandes innigen Ausdruck gab. Fürst Starhemberg, der Landessührerder oberösterreichischen Heimwehren und Chef des Wiener Läger-Freikorps, hat an den Reichs- Präsidenten folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet: „Zur endlich erfolgten Befreiung wesentlicher Teile unseres gemeinsamen großen deutschen Vaterlandes von der drückenden Fremdherrschaft übermittle ich Ew. Exz. im Ramen der unter meinem Kommando zusammengefahten Selbstschuhverbände Oberösterreichs und Wiens die herzlichsten Glückwünsche." Dank den Toten. Berlin, 30.Luni. (ERB.) Der Reichs- mini st er des Lnnern hat aus Anlaß der Befreiung des Rheinlandes am Grabe des Reichspräsidenten Ebert in Heidelberg und am Grabe des Reichsaußenministers Dr. Stresemann auf dem Louisenstädtischen Friedhof in Berlin Kränze mit schwarzrotgol- nen pflegen. Rehmen Sie aus den vergangenen Lahren und aus dieser festlichen Stunde dieses Gefühl der Verbundenheit, nehmen Sie »le Achtung vor der ehrlichen Heber- zeugung anderer mit in den Alltag der mühevollen Kleinarbeit. Möge das besetzte Gebiet auch darin ein Vorbild für das ganze Volk sein. Dieses einige deutsche Volk, auf dessen bessere Zukunft ich vertraue, unser gesamtes deutsches Vaterland, die Deutsche Republik, sie leben hoch! Oie Feiern in Rheinhessen und Starkenburg. Auch tn den übrigen Städten des geräumten hessischen Gebietes rechts und links des Rheins begingen alle Kreise der Bevölkerung die Stunde der Befreiung mit einer mitternächtlichen Feier unter freiem Himmel, bei der die Mitglieder der hcssiscken Staatsregierung Worte der Begrüßung und des Dankes an die Bevölkerung des geräumten Gebietes richteten. So sprach in Oppenheim der Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell, in Bingen Finanzminister Kirnberger, in Worms Minister des Innern Leuschner. In Groh- Ger a u wo das ehemals rechtsrheinisch besetzte hessische Gebiet seine Befreiungsfeier beging, sprach Kreisdirektor Dr. Merck. Ueberall gingen au der Stelle, von der noch vor wenigen Stunden die Trikolore geweht hatte, unter dem brausenden Jubel der Bevölkerung die Fahnen des Reichs und Hessens hoch. Massenchöre und Musikdarbietungen umrahmten die nächtlichen Feiern. Das Treugelöbnis der Saar. „Heim zum angestammten Volt und Vaterland." Saarbrücken, 30. Juni. (WTB.) Aus Anlaß der Räumung des besetzten rheinischen und pfälzischen Gebietes wurden heute abend auch im Saargebiet große Kundgebungen veranstaltet, die den Willen für die Rückkehr des Gebiets zum Reich machtvoll zum Ausdruck brachten. Die Feiern begannen mit Glockengeläut sämtlicher Kirchen, an das sich Massenchöre, Platzkonzerte, Ansprachen und gemeinsamer Gesang des Niederländischen Dankgebetes schlossen. Ueberall war die Teilnahme der Bevölkerung, die sich durch die reichbeflaggten Straßen beroegte, gleich lebhaft. In Saarbrücken hielt Landesratsabgeordneter Kiefer eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Die Freiheit, die dem besetzten Gebiet geworden ist, muß auch dem deutschen Saargebiet bald für immer werden. Wir wollen heim zum angestammten Volk und Vaterlande. Ungetrennt und ungeschmälert. Das ist der Ruf, der seit Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Saargebiet erhoben wurde, von allen Parteien, Ständen und Konfessionen. Ein Volk, das um seine nationale Freiheit kämpft und leidet, hat ein Recht darauf zu fordern, daß ihm sein gutes Recht ungeschmälert wird, daß ihm keine Opfer aboerlangt werden, die sich mit seiner nationalen Ehre und Selbständigkeit nicht vereinbaren lassen und die eine untragbare Einengung feiner eigenen Lebensgrundlagen bedeuten. Vor Beginn der Kundgebung um 20 Uhr begann auf dem Rathausplatz ein Stafetten- lauf der Deutschen Turnerschaft nach Trier, an dem 450 Läufer teilnahmen. Sie überbrachten der Stadt Trier einen Glückwunsch der Stadt Saar- brücken. Oberschlesiens Glückwunsch. Ratibor, 1. Luli. (TH.) Der Landeshauptmann der Provinz Oberschle- si'en hat anläßlich der Rheinlandbefreiung a n pen Landeshauptmann der Rheinprovinz folgendes Telegramm gesandt: „Die Provinz Oberschlesien entbietet der Rheinprovinz zur endgültigen Befreiung von langjähriger fremder Besatzung herzlichste Glückwünsche. Ln Erinnerung an eigene schwere De- satzungszeit nimmt Die Bevölkerung Oberschlesiens warmen Anteil cm der Freude der Rheinländer über ihre nach schweren Opfern wiedergewonnene Freiheit." Oas Geheimnis des Tennis-Erfolgs. Von Helen Wills-Moody. Die folgenden Ausführungen der berühmten amerikanischen Tennismeisterin dürften die zahlreichen Anhänger des „weißen Sports" unter unseren Lesern interessieren. Mit vollen Händen hat mir eigentlich das Glück bisher aUcs geschenkt, was ich brauchte und wünschte. Lch konnte meinen Willen überall ohne große Schwierigkeiten durchsetzen, und im Leben wie im Tennisspiel ist mir bisher nie irgendein Hnheil zugestoßen. Wäre ich abergläubisch, so müßte ich jetzt den Reid der Götter fürchten: ich bin es aber nicht, und deshalb gebe ich auch nicht zu, dah der Ausgang von Tennis-Turnieren wesentlich vom Glück oder Hnglück der Partner abhängt. Erfolg hat immer der Spieler, der besser trainiert und besser in Form ist. Ratürlich hat es auch schon Fälle gegeben, wo ein guter Schlag den Ball gerade gegen die Rehkante schleuderte, ohne ihn noch in den anderen Court zu bringen. Aber dah ein solcher Schlag, wenn er schon vorkommt, entscheidend für ein ganzes Spiel ist — das ist doch eine zu seltene Gelegenheit für Schicksalseingriffe. Anders ist es schon mit äußeren, unkontrollierbaren Einflüssen auf den Geist der Tennisspieler. Ein wirklich erstklassiger Spieler muh allerdings auch sein Temperament so sehr zügeln, jeden Rerv und jeden Muskel so beherrschen, dah er denselben Schlag wieder und wieder mit der gleichen Regelmäßigkeit und Genauigkeit ausführen kann. Der durchtrainierte Körper muh jedem Wink der Vernunft sofort folgen, ohne sich durch selbst unerwartete Hmstände wie etwa die mehr oder minder freundlichen Gefühlsausbrüche der Zuschauer beeinflussen zu lassen. Ein ersahrener Spieler hat bald heraus, daß die Zuschauermenge in jedem Land und bei jedem internationalen Turnier patriotisch ist: man sieht die Spieler des eigenen Landes gern gewinnen und freut sich mehr über ihre guten Schläge als über die besten Leistungen ausländischer Rivalen. So ist es in Amerika, so ist es auch in Deutschland, tn England und wahrscheinlich auch bei den Dotokuden. Lm ganzen mögen die Zuschauer hier und da ein wenig höflicher oder ein wenig lauter sein als anderwo, aber nie werden sei einem Ausländer, einem Fremden soviel Applaus zollen wie einem Landsmann. Man soll sich durch solche Nebensächlichkeiten nicht irreführen lassen! Wenn schon mein Gegner den größten Beifall bekommt — ich werde dadurch nur hartnäckiger und ausdauernder. Lch will aber zugeben: Wohler fühle ich mich, wenn sich eine reichliche Handvoll Amerikaner unter den Zuschauern meiner Matches befinden. Lhre Begeisterung ist dann so groß, daß sie alle anderen Rationalitäten überschreit. Größere Beachtung erlangt aber das Privatleben des Spielers auf feine Spielstärke, auch bei ganz großen Anlässen. Die persönlichen Gefühle und Gedanken können den besten Champion ablenken, zerstreut und nervös machen. Das Gehirn und die Rervenzentren scheinen dann einfach nicht mehr ihre volle Leistung hergeben zu können. Ich denke dabei an einen Fall, wo Henri C o ch e t, gerade vor dem Endspiel in Wimbledon vor zwei Lahren, ein Telegramm erhielt: es wurde ihm mitgeteilt, daß seine Mutter ernsthaft erkrankt sei. Cochet, sonst ein ungewöhnlich zuverlässiger und sicherer Spieler, war wie umgewandelt. Der Gedanke an seine kranke Mutter beschäftigte ihn in dem Augenblick mehr als alle Tennisturniere der Welt — und er verlor. Lch glaube, daß sich kaum jemand derartigen Einflüssen entziehen kann, ich selbst jedenfalls wäre dazu nicht imstande. Ein weiterer bedeutender Rachteil für den Tennisspieler ist die fatale Reisemüdigkeit. Lch stelle meine Reisepläne immer so auf, daß ich mich noch ein paar Tage in der Stadt ausruhen kann, in welcher das Turnier stattfinden soll. Anstrengung und Müdigkeit einer langen Fahrt können alle Erfolge eines noch so eifrigen, wochenlangen Trainings fortblasen. Hnd schon gar eine Fahrt über den Atlantik ist oft mehr eine Kraftprobe als ein Vergnügen! Roch viele Tage nach der Landung habe ich das Gefühl, als ob der Tennisplatz unter meinen Füßen auf- und abwogt. Letzt weiß ich aber, daß diese wahrhaft sehr unangenehme Empfindung schneller vergeht, wenn ich Hott trainiere und mich nicht erst in einem bequemen Sessel ausruhe. Allgemeine Beschäftigungen anderer Art haben keinen abträglichen Einfluß auf die Tenniskunft selbst der besten Spieler — im Gegenteil! Wie jeder andere Sport kann auch das Tennis den Menschen nicht ganz und gar ausfüllen. Mein höchstpe^ sicher Ehrgeiz liegt auf einem anderen Ge' — der Malerei. Lch male nicht des Erfolges toeaen, sondern einfach aus Liebe zum Zeichnen und Darstellen der bunten Welt um mich her. Ratürlich bleibt mein Tennisspiel nicht ganz ohne Wirkung auf die Pinselei. Reben Porträts und Landschaften habe ich oft und mit viel Freude Skizzen von Tennisspielern gezeichnet — und auch daraus gelernt. Denn umgekehrt bleibt auch die Malerei nicht ohne Einfluß auf meinen Sport: erst durch die zeichnerische Erfassung kann man, glaube ich, eine vollständige Vorstellung von den Bewegungen bekommen, die zum guten Spiel gehören. Der wundervolle Rhythmus solcher Spieler wie der unvergessenen Suzanne 2 en g I en und eines Tilden, die prächtige Genauigkeit eines Vorhandschlages von Lacoste sind für das Malerauge eine ständige Freude. Ln meinem Tennisbuch habe ich einige vollendete Bewegungen sestzuhalten gesucht. Heberhaupt — die Geschichte dieses Buches muß ich noch erzählen. Seit Lahren erhielt ich Briefe aus allen Teilen und Winkeln der Welt, worin man mich bat, dies und jenes zu erklären, was einem Tennisjünger in Hintcrasien ober sonstwo unbegreiflich geblieben war. „Länger", im wahren Sinne des Worts: denn die Briefe kamen zum großen Teil von Kindern, und sie waren meist so entzückend nett und harmlos, daß ich ein paar einfach beantworten mußte. Dabei wollen die meisten Racker auch noch' Photographien haben. Lch schickte die Photographien und gute Ratschläge: aber die Briese strömten bald in solchen Mengen bei mir ein, daß ich es nicht mehr schaffen konnte. Lch begann meine Antworten von Tag zu Tag, von Monat zu Monat zu verschieben, und schließlich sah ich mich einem Berg von Briefen gegenüber, die ich unmöglich einzeln beantworten konnte. Aber weil ich meine kleinen und großen Korrespondenten nicht enttäuschen wollte, habe ich das Buch geschrieben, so einfach und klar es mir nur möglich war, um alle Fragen — die doch nur in wenige Gruppen zerfielen — zu beantworten. Der Sport ist kein Lebensinhalt. Er bleibt nur ein Zeitvertreib, ein Vergnügen. So sehr ich selbst Tennis liebe, ich lehne es ab, andere Menschen nach ihrer Stellung zum weißen Sport zu beurteilen: ein lebender Beweis dafür ist mein Mann, ein kalifornischer „business man“, der zwar viel Sport treibt und besonders gern segelt, aber von Tennis keine blasse Ahnung hat. Obgleich ich jetzt verheiratet bin, möchte ich doch beim Tennis bleiben. Die Heirat braucht denen Schleifen niederlegen lassen. Ln gleicher Weise wurden auch die Gräber der Reichsminister Crzberger, Dr. Rat Henau, GrafDrock- dorff-Rantzau, Dr. Heintz e, Dr. Köster. Dr. W ay er, Oeser und Dr. P r e u ß geschmückt. Die hessische Staatsregierung lieh am Grabe des verstorbenen Reichs auhenmi.üsters Dr. Stresemann anläßlich der Befreiung der besetzten Gebiete einen Kranz mit den hessischen Farben niederlegen. Eine Abordnung der Deutschen Volkspartei derPfalz hat am Grabe Stresemanns einen Kranz mit weihblauer Schleife niedergelegt. Auch der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei hat seinen ehemaligen Führer am heutigen Tage durch Riederlegung eines Kranzes am Grabe geehrt. Oie Ursache des Lübecker Kinbersterbens. Tas Ankiagematerial. — Verwechslung von Vakterienkulturen. B e r t i n, 30. Juni. (TU.) Wie die „B. Z." meldet, ist die Eröffnung der gerichtlichen Voruntersuchung in Lübeck gegen den Oberrnedizina^dt A11 - st ä d t, Professor D e y ck e r, dessen Laboratoriumsschwester und den Leiter des Kinderhospitals wegen dringenden Tatverdachts der fahrlässigen Tötung erfolgt. In den Geheimsitzungen des Bürgerausschusses ist nunmehr überraschenderweise bekanntgeworden, daß am 25. April zum letztenmal Fütterungsmaterial für die Kinder an die Hebammen und Aerzte ausgegeben wurde, das für drei Fütterungen reichte, die in Zwischenzeiten von je drei Tagen, am 25. April, 28. April und am 1. Mai ftattfanben. Bereits am 26.Apri 1 wurde durch die Obduktion eines der gestorbenen Kinder f e ft g e ft e 111, daß die Todesursache auf das Calmette-Serum zurückzuführen war. Sofort wurde die Fütterung imKrankenhaus selb ft eingestellt. Man hatte es aber unterlassen, auch außerhalb des Krankenhauses die Fütterung mit dem Calmette- Präparat zu stoppen, die am 28. April und am l.Mai stattfinden sollte. In dieser Unterlassung wird eine schwere Fahrlässigkeit der Aerzte gesehen, die jedoch zu ihrer Verteidigung geltend machen, sie hätten diese Fütterung außerhalb des Krankenhauses nicht eingestellt, um keine Unruhe in der Bevölkerung yLd) den neuesten Ermittlungen steht die Tat- fache fest, daß es sich bei dem folgenschweren Ereignis um eine Verwechslung gehandelt hat. Im Lübecker Laboratorium gab es eine ganze Reihe von Kulturen, die wissenschaftlichen Untersuchungszwecken dienen. Bei der Verwechslung, die zu dem Tod der Säuglinge führte, handelt es sich offenbar um die Vertauschung einer virulenten, todbringenden Tuberkulosenkultur mit der avirulenten, harmlosen Calmette-Kultur. Wie das Versehen an sich zu erklären ist, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben. Die einzelnen Kulturen, unter denen sich auch Pest- und Cholera-Kulturen besinden, sind selbstverständlich etikettiert. Es läßt sich aber z. B. der Fall denken, daß infolge eines Umstandes, der näher zu untersuchen wäre, das Etikett vom Brutschrank a b g e f a l l e n ist. Dadurch könnte eine Verwechslung vorgekommen sein, wenn auch nur bei sehr grober Fahrlässigkeit. Unerklärlich ist es nach Ansicht von Fachkreisen, daß eine todbringende Tuberkulosen-Kultur mit der harmlosen Calmette-Kultur zusammen gewesen sein kann. Ein für die Lübecker Aerzte sehr belastendes Moment stellt auch die Tatsache dar, daß sie die Reste der Kültur schon einige Tage nach dem Unglück vernichtet haben, so daß natürlich die Untersuchung in diesem Punkte gehemmt ist. Die Anklage- Erhebung durch die Staatsanwaltschaft soll nach unseren Informationen mit größter Beschleunigung durchgeführt werden. Große Kundgebung des Nürnberger Kirchentags. Auf dem Hauvtmarkt in Nürnberg fand aus Anlaß des Deutschen Evangelischen Kirchentages überhaupt eine Frau nicht an sportlicher Tätigkeit zu hindern. Ich weiß von vielen Frauen, daß sie gute Tennisspielerinnen geblieben sind, als sie längst Mann und Kinder und eigenen Hausstand hatten. Mrs. B u n d h, die frühere amerikanische Meisterin und zweimalige Siegerin von Wimbledon, ist jetzt glückliche Mutter von fünf Kindern, verfügt aber noch über gute, harte Schläge und ist eine der besten neri- kanischen Tennisspielerinnen. Löns-Gedenkfeier. Dem Andenken des im September V 4 in Frankreich gefallenen TiHt:rs H e r m a nn L ö n s ist eine kleine Feier gewidmet, die das Lichtspielhaus gestern veranstaltete und heute wiederholt. Zunächst betrat der als Komponist vieler verbreiteter Löns-Lieder bekannt gewordene Karl Blume die Bühne, um in einem einführenden Vortrage einen knappen, gut informierenden Abriß vom Lebensgang und Lebenskampf des verstorbenen Dichters zu geben. Lm Anschluß daran sang Blume eine Reihe von ihm selbst gesetzter Lieder zur Laute aus dem berühmten „Kleinen Rosengarten", in dem Löns seine schönsten und zum Teil wirklich noch heute lebendigen, leuchtkräftigen und sangbaren Gedichte vereinigt hat. Man hörte den „Tauber", „Heber die Heide geht mein Gedenken", „Grün ist die Heide", den „Grenadier" Irnd heiteres Lied von der Hochzeit im Walde. Die Lieder sind mit sicherem Gefühle für Ton und Stimmung der Lönsschen Lyrik komponiert und wurden mit einem weichen, klangvollen Organ vortrefflich vorgetragen. Karl Blume fand für feine sympathischen Darbietungen mit Recht lebhaften Beifall. — Lm zweiten Teil sah man dann einen Heidefilm, mit Bildern von Land und Leuten und Tieren aus des Dichters niedersächsischen Heimat und seinen liebsten Revieren: Naturaufnahmen von lebendiger und eindringlicher Schönheit, die zum großen Teil nur mit unermüdlicher Ausdauer, Geduld und Liebe zur Sache auf das Filmband gebracht werden konnten und jedenfalls eine recht sinnfällige Illustration zum vorausgegangenen Vortrage darstellten. — Die Veranstaltung war leider, vor allem wohl des schönen Wetters und des Zapfenstreiches wegen, der übrigens erst geraume Zeit nach Schluß der Vorstellung begann, nur schwach besucht. Den heutigen Veranstaltungen ist jedenfalls eine bessere Beteiligung aufrichtig zu wünschen. eine große Kundgebung statt, an der die Führer der evangelischen Kirche. Vertreter der Behörden, der Schulen usw. teilnahmen. Zehntausende hatten sich zu dieser Kundgebung eingefunden, die den großen Platz und seine Zugänge füllten. Die alten Häuser am Markt waren mit Fahnen geschmückt und boten mit ihren illuminierten Fenstern und Erkern einen prachtvollen Anblick. Festgeläute von den Kirchen St. Lorenz und St. Sebald, ein Posaunenchor und Ehorgesang leiteten die Feier ein. Der Präses, D. Wolff, Aachen, hielt eine kurze Ansprache an die Menge, die in dem Bekenntnis zur deutschen evangelischen Kirche gipfelte. Ferner entbot der Redner den deutschen Brüdern und Schwestern im Rheinland und der Pfalz den Gruh des Kirchentages und gab der Freude darüber Ausdruck, daß in den nächsten Tagen die Fesseln ter, Besetzung im Rheinland und in ter Pfalz endgültig fallen werten. Zum Schluß setzte die Musik mit dem alten Kirchenlied .Run danket alle Dottl" ein, das von den Tausenden mitgesungen wurde. Die Vereine formierten sich dann zu einem Fackelzug, ter sich durch die Straßen der Stadt bewegte. zueinander gebracht werden. Es ist durchaus berechtigt. daß die Beamten als Ausgleich für di« Sicher- heit ihrer Stellung ein N o t o p f e r für die 2k- beimehmcr leisten, die ungünstiger gestellt sind. Die Deomtenoerbände würden klug handeln, wenn sie ihren Widerstand dagegen ausgeben. Ein« grundlegende Aenderung des ganzen Systems der Ar- beitslosenoersicherung wird sich in der jetzigen Krisenzeit tqum durchführen lassen. Die Unternehmer betrachten vielfach die Arbeitslosenversicherung als eine Versicherung gegen Konjunkturschwankungen und zur Erleichterung der verschiedensten Rationalisierungsmaßnahmen. Unter diesen Umständen haben die Unternehmer kein Recht zur Beschwerde über die Beitragserhöhungen. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob nicht in Heilen guter Konjunktur von den Unternehmern eine Rücklage erhoben werden sollte für die Wiederkehr neuer Krisen für die Versicherung, wie wir sie deute haben. Um 181/, ilpr stellt Präsident Löte das Einverständnis des Hauses damit fest, daß die Beratung auf morgen vertagt wird. Während sich die Abgeordneten von den Sitzen crteben und auch die Mitglieder des Reichskabinetts erscheinen (Kommunisten und Rationalsozialisten sind nicht im Saale), erklärt Präsident Lobe: Wie die Augen teS ganzen deutschen Volkes, so sind auch unsere Gedanken am heutigen Tage auf das Rheinland gerichtet, über dessen grüne Qtergc und alte Burgen, aus dessen Türmen und Zinnen in dieser Rächt zum ersten Male die Fahne ter deutschen Republik emporsteigt, nachdem das letzte Hoheitszeichen fremder Gewalt verschwunden ist. Mit dem Gefühl ter Freude, daß das Ziel erreicht ist, an dem einst so viel gezweifelt und das zeitweise auch ernstlich gefährdet schien, verbindet sich für jeden von uns, wo auch seine Heimat sei, ter Dank für die Treue, die daS Volk am Rhein in trübsten Zeiten dem deutschen Vaterlande gehalten hat. Wir senden unseren Gruß und Glückwunsch an den Rhein für alle, die sich ter wieterge- wonnenen Freiheit freuen. Roch sind nicht alle Wunden geheilt, die dieser Krieg gerissen hat. Ich brauche nur an das Saarland zu erinnern und es bleibt bestehen unser aller Vorsatz, Deutschland die Freiheit und Gleichberechtigung auf allen Gebieten zu erringen. Wir sind bereit zur Freundschaft mit ollen früheren Gegnern, wir sind bereit, in die große friedliche Familie ter Völker Europas cinzutreten, ater in ihr kann es keine entrechteten und keine minderberechtigten Staaten geben. Wir wollen es tun als ein gleichberechtigtes Glied unter den Staaten unseres Erdteiles. Welche Ausgaben aber auch immer noch vor uns liegen, wir gehen mit Zuversicht an ihre Lösung: Anfeuern und beflügeln soll uns dabei ter Erfolg dieses Tages und die Freude, die heute am Rhein aufleuchtet, anfeuern soll uns das Bewußtsein. die deutsche Erde am Rhein ist wieder frei! Wettervoraussage. An der Südseite tes über Schweden und Dänemark liegenden Hochdruckgebietes herrscht in fast ganz Deutschland nordöstliche Luftzufuhr, so daß auch das meist heitere und trockene Wetter erhalten blieb. Jedoch ist mit dem sich durch die Zufuhr kontinentaler Luft nodj fort* fetzenden Temperaturanstieg Luftdruckfall verbunden. wodurch das über Irland liegende Tiefdruckgebiet immer mehr nach dem Festlande hingezogen wird. Bei dem weiteren Vordringen der Störung werden die Winde mit ter Zeit mehr nach Westen hin umdrehen und ozeanische Luft nach dem Festlante bringen. Beim Zusammentreffen ter kühleren ozeanischen Die Reform der Sozialversicherungen. Siegerwolds sozialpolitisches Reformprogl-amm. Berlin, 30. Juni. 3n der Montagssitzung des Reichstags wurde die zweite Beratung des Haushaltes des Reichsarbeitsministeriums fortgesetzt in Verbindung mit ter Vorlage tes internationalen Liebereinkommens über den Heuervertrag ter Schisfsleute. Reichsarbeiisminister Or Steqerwalv: Wir brauchen eine organische Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung der Sozialversicherung. Die heutige Sozialversicherung ist etwas ganz anderes geworden^ als das, was vor 40 Jahren geschaffen wurde. Die Rationalisierung findet in der Sozialversicherung ihre Grenze da, wo ihre Durchführung den sozialpolitischen Zweck ter einzelnen Dersicherungszweige gefährden würde. Ich habe schon früher den Standpunkt vertreten, daß durch die Sozialversicherung nicht die Familienbante ?errissen werten sollen und nicht die persön- iche, berufsgenossenschaftliche und gewerkschaftliche Verantwortung aufgehoben werden darf. Die Sozialversicherung ist nicht Selbstzweck, sondern sie dient der Förderung der Volksgesundheit und der Sicherung gegen die mit dem Ar- beitsshstem verbundenen Gefahren. Die Sanierung der Arbeitslosenversicherung kann nicht dauernd durch Beitragserhöhung vorgenommen werden. Schon jetzt muß der Arbeiter 1 5 Prozent seines Lohnes für Versicherungsbeiträge abgeben. Der einzig mögliche Weg ist der, daß wir alle Zweige der Sozialversicherung daraufhin überprüfen, wo Ersparnisse gemacht werden können. Aus dieser Erwägung heraus bin ich zu der Vorlage der Reform der Krankenversicherung gekommen. Ein Prozent ter Ausgaben ter Krankenversicherung kann ohne Schädigung tes Versiehe* rungszweckes eingespart werden. Kein Volk ter Welt gibt so viel für Arzt und Arznei aus als das deutsche. Das liegt daran, daß die Hälfte tes deutschen Volkes aus eigener Tasche für Arzt und Arznei nichts bezahlt, sondern daß diese Ausgaben von der Versicherung getragen werden. Das ist eine lieber» spihung des Solidaritätsgedankens. Es hat mit sozialer Reaktion nichts zu tun, wenn man einen Teil der Arzt- und Arzneikosten von dem Versicherten tragen läßt. x Der Minister beschäftigt sich dann mit der Forderung tes Wohnungswesens. Die Mittel aus ter Haushinssteuer müßten mehr als bisher den kinderreichen Familien und den Reuverheirateten zugute kommen. Besonders müsse ter Dau solcher Kleinwohnungen gefördert werten, die 21, 33, höchstens 40 Mark Monatsmiete kosten. Eine Gefahr für das ländliche Siedlungswesen kann nicht anerkannt werten. Wir hoffen, künftig jedes Jahr in Verbindung mit einer SiedlungSbank 50 bis 75 Millionen dafür verwenden zu können. Wir wollen auch den ländlichen Wohnungsbau nach Kräften fördern, um den Zuzug zur Stadt aufzuhalten und sogar ^u einer Rücksiedlung von den Großstädten aufs Land zu kommen. (Beifall.) Oie Stellung der Parteien: Abg. Hülser lEhr. Rat.): Gegen einzelne Bestimmungen ter Vorlage zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung haben wir Bedenken. Einer Ueberprüfung ter gesamten Sozialversicherung mit dem Ziel einer Derwaltungsverein- fachung sttmmen wir zu. wenn dabei der soziale Gesichtspunkt zu seinem Recht kommt. Die Deckungsvorschläge des Ministers Dietrich bedeuten eine wesentliche Verbesserung ter ersten Pläne. Wir schämen uns der Volksgenossen, die ihr eigenes Kapital von dem Schicksal des Vaterlandes trennen, wenn das Vaterland in Rot ist. Die Regierung sollte mit allen Kräften gegen diesen moralischen Landesverrat vorgehen. Abg. Litke (Soz.) führt aus. die Rovelle zur Krankenversicherung sei für die Sozialdemokraten unannehmbar. Sie nehme den Versicherten Rechte, die sie sich durch ihre Beitrags- leistung erworben hätten. Abg. Dr. Steiniger (Dnt.) begrüntet eine Entschließung, in ter die Reichs re gierung ersucht wird, durch geeignete Maßnahmen auf den Gebieten ter Wohnungsversorgung und ter sozialen Fürsorge den weiteren Zuzug Wohnungs- und Arbeitsloser nach den Großstädten zu hemmen, solange die Wohnungsnot in den Großstädten dauert. Der Redner ersucht weiter um die baldige Vorlegung eines Gesetzes zur Einführung dÄ Arbeitsdienstjahres. Abg. Dr. Brauns (Ztr.): Die Kritik am Kran- kenkassenwesen richtete sich namentlich gegen das Simulantentum und die Ausnutzung der Kasse durch asoziale Elemente. Eine Abstellung der bestehenden Mißstände ist ein dringendes Gebot der Stunde. Wir bearüßen die Initiative der Reichsregierung auf diesem Gebiet und werten sie unterstützen, soweit das mit den Interessen der Kranken vereinbar ist. Die großen Leistungen ter amtlichen Arbeitsvermittlung werden noch nicht genügend gewürdigt. Die produktive Erwerbslosenfürsorge muß weiter gefördert werten. Wir begrüßen das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung und wünschen vor allem eine Verbesserung unserer höchst mangelhaften Straßen. Ein Teil ter Erträge der Kraftfahrzeugsteuer könnte dafür verwandt werden. Die Hauszinssteuermittel sollten nur in solchen Fallen bewilligt werden, wo die Baupreise und die Baustoffpreise gesenkt werden. Bei der Arbeitslosenversicherung müssen Sei- träge und Leistung in ein gewisses Verhältnis mit der heißen kvnttnentalen Lust werben sich Gewitterstörungen auslösen, die vereinzell auch Regen mit sich bringen. Aussichten für Mittwoch: Allmählich aufkommende Bewölkung mit Gewitterstörungen oder Gewitterregen. Aussichten für Donnerstag: Teils heiter, teils wolkig, vorübergehende Gewitterstörung mit leichter Abkühlung. Lufttemperaturen am 30. Juni: mittags 26,1 Grad Celsius, abends 20,8 Grad , am 1. Juli: morgen» 19,9 Grad Celsius. Maximum 28,6 Grad, Minimum 12,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. Juni: abends 27,1 Grad: am 1. Juli: morgen» 20,2 Grad. — Sonnenscheindauer 15 Stunden. Reisewetterdienst. Garmisch-Partenkirchen. 19 Grad, gestern heißer Tag, Südostwind, heiter bis halb bedeckt, gestern meist heiter. Berchtesgaden. 18 Grad, gestern heißer Tag, Windstille, heiter bis halb bedeckt, gestern meist heiter. Westerland auf Sylt. 18 Grad, gestern heißer Tag, Südostwind, heiter bis halb bedeckt, gestern meist heiter. B o r f u ip. 18 Grad, gestern heißer Tag, Südostwind, heiter bi- halb bedeckt, gestern meist heiter. Oie Wetterlage. w- LflAsi MZ Oslo -tfr r q <° Q o .0 7 L' 21 aä=== -^btreyen— 1 V-M nere otdeett ® -rama. ®oeaecn eitcoex # Schnee & Graupeln a HeBet K GewiHer.@windstiiic-O» seh» leichter Ost massiger Suflsodvc» Q stürmische» «ordwes» Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stenende» Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichem «gf necresnirfcau umgerechneten Luftdruck Verantwortlich für Lokales: 3.93.: Dr. Thyriot. Sprechstunden der rttcdattion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bi» 17 Uhr Samstag nachmittag geschloffen. Saarwäsche ohne Wafler geht schneller: mit Ramm und Bürste und etwas Schwarzkopf-Trocken« Schaurnpon dauert's nur 3 Minuten, und Sie sehen trotzdem aus, als kämen Sie gerade vom Friseur. Die grüne Achteckdose zu 1 Mark reicht für Monate. 2 Sorten für blondes und dunkles Haar. Im ersten Jahrzehnt nur W 29/30 NIVEA KINDERSEIFE Sie ist nach Ärztlicher Vorschrift besonders für die empfindliche Haut des Kindes hergestellt. Ihr seidenweicher Schaum dringt schonend in die Hautporen ein und macht sie frei für eine gesunde Haut- atmung. Preis 20 Pf» N 519 Freilich!, Freiluft und Sonne! Und dazu NIVEA-CREME Das gibt gesunde Haut und schön gebräuntes Aussehen, —auch bei bedecktem Himmel; denn auch Wind und Luft bräunen den Körper. Aber trocken muss Ihr Körper sein bei direkter Sonnenbestrahlung. Und gut mit Nivea-Creme vorher einreiben I Sie vermindern dadurch die Gefahr schmerzhaften Sonnenbrandes. 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Am Dienstag, dem 8. 3uli 1930, nachmittags 3% Uhr, werden auf dem Amtszimmer des Hessischen Ortsgerichts in Gießen Bergstraße 20, Zimmer Nr. 16, die nachstehenden im Grundbuche von Gießen a) den Johannes Schmidt Eheleuten in Gießen zugeschriel enen Grundstücke, näm- lich: 4747D Flur 9, Nr. 41 = 1009 qm Grabgarten, Flur 9, Nr. 43 = 665 qm Hofreite, Frank- futter Straße 167, Flur 9, Nr. 44 = 58 qm Grabgarten, da- selbst, die sich zum Betriebe einer Gärtnerei, Landwirtschaft oder eines Autogeschästes eignen, sowie Flur 9, Nr. 113 = 2746 qm Acker, am Schlangenzahl auf dem Aulweg, Flur 9, Nr. 126 = 2556 qm Acker, am Schlangenzahl beim Zollstock, Flur 9, Nr. 159 = 3504 qm Acker in den Wingerten, Flur 9, Nr. 159 = 1542 qm Wiese in den Wingerten versteigert. Hieran anschließend b) die dem Peter Schmidt In Gießen zugeschriebenen Grundstücke Flur 9, Nr. 40 = 2061 qm Acker, am Schlangenzahl, auf die Chaussee, Flur 9, Nr. 42 = 241 qm Grabgarten, daselbst. Die Bedingungen können an Werktagen, vormittags von 9 bis 12 Uhr, bei uns eingesehen werden. Gießen, den 27. Juni 1930. Hessisches Ortsgericht. Leo, Vorsteher. Mittwoch, den 2. Juli 1930, nachmittag» 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, im „Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 4764D 1 Schreibtische, Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Sofas, Kleiderschränke, Pianinos, einen Vervielfältigungsapparat, einen Trumeauspiegel, ein Eß- und ein Kaffeeservice, zwei elektrische Ständerlampen, einen elektrischen Heißwasserapparat, 416 Bände wissenschaftliche Bücher, 137 Bände Romane und Klassiker, 40 Paar Holzleisten, zwei Küchenanrichten, einen Bilderschrank, acht Stühle, ein Schreibpult, eine Küchenuhr, einen Kassen- schrank, mehrere Bücherschränke, ein Fernglas, einen Photoapparat, zwei Ladentheken, drei Ladenregale, eine größere Partie Schuhmacherartikel, zwei Zimmerteppiche^ zwei Personenkraft, wagen, zwei Motorräder, ein Abfallbecken, einen Klubsessel, einen Jnstru- mentenschrank, eine Bohrmaschine, einen Operationsstuhl, drei Nähmaschinen. Auf Grund tes § 1234 BGB.: zwei Herrenüberzieher, eine Herrenweste (Seide), einen Anzug. 2 . An Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal): ein Pianino, einen Wäscheschrank, eine Waschkommode, einen Eisschrank, eine Kaffeemaschine, eine Wäschemaschine, ein Büfett, Kredenz, einen Ausziehtisch, eine Chaiselongue, sechs Stühle, zwölf Dtzd. Alpaka-Löffel, -Mester und -Gabeln. 3 Bestimmt: zehn Bände Sperlings Handelsbücher. Moll, stellv. Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon Nr. 33L3 Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen: 4742D Am 23. Mai 1930 bei der Firma Schunk & Ebe In Heuchelheim: Dem Kaufmann Friedrich Karl Krauß in Gießen ist derart Gesamtprokura erteilt, daß er in Gemein- schuft mit einem der seither schon bestellten Gesamtprokuristen zur Vertretung der Firma befugt ist. Am 5.Juni 1930 bei der Firma HL Schneider in Gießen: Die Firma ist er- loschen. Am 11. Juni 1930 bei der Firma Otto Bingel & Co. in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 19. Juni 1930 bei der Firma Otto Schaaf in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 23. Juni 1930 bei der Firma Wilhelm Grün In Gießen: Die Prokura des Heinrich Krämer ist erloschen. Am 25. Juni 1930 bei der Firma A. heh Söhne in Gießen: Der Ehefrau Frieda Heß geb. Hohenberg ist Prokura erteilt. Am 26. Juni 1930 bei der Firma Hermann kah IV. in Gießen: Die Firma ist erloschen. Gießen, den 27. Juni 1930. __________Hessisches Amtsgericht.__________ Kirschenversteigerung. Donnerstag, den 3. Juli 1930, nachmittags 4 Uhr. sollen zirka 75 sehr gut be- hangene Bäume Kirschen (Einmachkirschen) meistbietend versteigert werden. Anfang an der Straße Bettenhausen-Muschenheim. Bettenhausen, den 30. Juni 1930. Hessische Bürgermeisterei Bettenhausen. Leid ner. 4763D Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 26. Juni 1930 bei der Firma Deutsche Bank und Dlsconto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen in Gießen folgendes eingetragen: Durch Beschluß des hierzu ermächtigten Auftichtsrats vom 9. April 1930 ist der Gesellschaftsvertrag in § 19, Absatz 1 (Berufung der Generalversammlung) abgeöndert. 4743D Gießen, den 27. Juni 1930. __________Hessisches Amtsgericht.___________ Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 25. Juni 1930 bei der Firma Arnold Mueller. Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen, folgendes eingetragen: Der Geschäftsführer Kammer- zienrat Gustav Arnold Mueller ist verstorben. Gießen, den 26. Juni 1930. __________Hessisches Amtsgericht.___________ Arbeitsvergebung. Für die Gemeinten Klein-Lichen — Lardenbach sollen Quellschürfungs- und Fassungsarbeiten vergeben werden. 47460 Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischem Kutturdauamt Gießen offen, wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröftnungstermin am Dienstag, dem 15. Juli 1930, vormittags 10 Uhr. einzu- reichen sind. Zuschlagsfrist zwei Wochen. Freie Auswahl bleibt vorbehalten. Gießen, den 27. Juni 1930. Hessisches Kulturbauamt. 2.D.: Mang old, Regierungsbaurat. Arbeitsvergebung. Für die Feldbereinigung Flensungen lallen auf der Bürgermeisterei zu Flen- sungen nachstehende Chaussierungsarbeiten, Pflasterarbeiten und Fuhrleistungen in einzelnen Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischer Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstermin am Freitag, dem 11. Juli 1930, vormittags 10)4 Uhr, einzureichen find. Zuschlagsftift zwei Wochen. Freie Auswahl bleibt vorbehalten. 4745D Gießen, den 25. Juni 1930. Hessisches Kulturbauamt. I. V.: Mangold, Regierungsbaurat. Wafferleilungsarbeiten. Für die Gemeinde wieseck sollen die Arbeiten und Lieferungen für einen Anbau an den bestehenden Hochbehälter mit 200 cbm Nutzinhalt in Beton Decke in Eisenbeton, vergeben werden. Pläne und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Vordrucke nebst Skizze können für 1,50 RM. von hier bezogen werden. Eröffnung der Angebote auf unserem Amt Samstag, dem 12. Juli 1930, vormittag» 10)4 Uhr. Freie Auswahl vorbehalten. Zu- schlagsfrist drei Wochen. 4744D Gießen, den 28. Juni 1930. Hessisches Kulturbauamt. I.D.: Mangold, Regierungsbaurat. 6O8Chäft5-DniCk8aChon Rechnungen Briefblätter Briefumschläge , Postkarten bei Bruhl, Schulstraße? Geschäfts karten Ziehung bestimmt 4. und 5. Juli 1930~ Die Chlorogensäure! 04151 Alten-Buseck, Moringen, Münzenberg und Wieseck, den 30. Juni 1930. Vermietungen | 313V Geschäfts-Verlegung! preis 4762 D 4767D h olung. Marktplatz 18 Beschluß t stig bet 47520 4736V Für 4754V Gieffen. gaffe 3 (04147 A. B. 40. Der Vorstand. Wollmousseline pro Meter Mk. 1.50 Restcoupons Das Interesse an meinem Idee-Kaffee wächst von Tag zu Tag. Vor allem bezeugt dies die Intensität meiner hochverehrten Konkurrenz. Unsere Geschäftsräume befinden sich ab heute trieb wieder zugute. Mit dieser Ersparnis größere Einkäufe für oder für Weihnachten lassen sich den Herbst erledigen. 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In einem offiziellen Fachblatt heißt es wörtlich über Idee- Kaffee: „Es würde sich, träfe diese Reklamebehauptung bei der Bedeutung des Kaffees als Volksgetränk tatsächlich zu, um eine epochemachende Erfindung handeln." Ich erlaube mir, meine verehrte Kundschaft darauf aufmerksam zu machen, daß mein Unternehmen, bereits seit dem Jahre 1866 besteht, und sowohl der Erfinder, ein anerkannt ernster Forscher und Wissenschaftler, nach dessen zum Patent angemeldeten Verfahren ich den Idee - Kaffee herstelle, als auch ich kein Interesse daran haben, irgendwelche falschen Reklamebehauptungen aufzustellen. D. O. Junges, gebildetes Mädchen <17Jahre>fuchtStel lung für tagbllbei zu Kindern. Schr Ängeb. unter 0413t, an den Metz. Anz. Singer Nähmaschinen Aktiengesellschaft 4767D Möbel aller Art, sowie 1 Nähmaschine, 1 Grammophon, 1 Wringmaschine, ein Fahrrad, 1 Kertenwaage, 1 Zuschlag- Hammer, 1 Chaiselongue, 1 Flurgarderobe ufiö. H. Benn er II.. Auktionator. SOLBAD UND LUFTKURORT Wimpfena.N. 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Rarnens der Gauleitung begrüßte Gauvorsihender Seibert, Darmstadt, die aus allen Teilen Hessens zahlreich erschienenen Delegierten, die Vertreter Der Behörden, der benachbarten Gaue, sowie die Vertreterin des Bundesvorstandes Frau Harn ost, Berlin. Gr betonte, daß die ungünstigen wirt- schäftlichen Derhältnisse sich auch aus die Belange der Kriegsopfer ungünstig auSwirken müßten. Heute gelte es, das bisher Erkämpfte zu erhalten. 3um Schluß gedachte der Redner noch der im Weltkriege Gefallenen und der an den KrieaS- solgen Verstorbenen, während der Knabenchor das Lied: „Ich halt' einen Kameraden" eindrucksvoll vortrug. Rarnens der hiesigen Ortsgruppe des ReichsbundeS begrüßte M. Wall- d o r s, Gießen, während Frau H a r n o ß , Berlin, die Grüße des Bundesvorstandes, sowie der benachbarten Gaue überbrachte. Rach Wahl der Kommissionen erstattete Gauleiter Tauer, Darmstadt, den Geschäftsbericht. Der Redner zeigte zunächst, in welcher Weise sich die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse sowie die Finanznot von Reich, Ländern und Gemeinden auf die Belange der Kriegsopfer auswirken. Er erhoffte eine Besserung vor allem durch die Befreiung der besetzten Gebiete. Der Redner berichtete dann über die Entwicklung der Dersorgungsgesehgebung seit dem letzten Gautag, um sich dann eingehend mit der Rechtsschuhtätigkeit des Gaues, sowie mit der Rechtssprechung zu beschäftigen. Gr betonte in diesem Zusammenhang, daß die Dpruchpraxis in Hessen weit über derjenigen der übrigen Länder stehe. Bezüglich der Fürsorgestellen betont der Redner, daß eine schnellere Bearbeitung der Anträge wünschenswert sei. Zum Schluß beschäftigte sich der Referent noch eingehend mit Organisationsfragen. Der Bericht des Gaukassierers D e u ß e r, Langen^zeigte pro 1929 eine Einnahme von 59 683,71 Mk. sowie eine Ausgabe von 57 961,94 Mk. Das Vermögen des Gaues betrug am 31. März 1930 41 831,80 Mk., hierin sind allerdings 32 116,76 Mk. Lotterieguthaben enthalten, die nicht für Organisation-, sondern nur für Fürsorgezwecke Verwendung finden dürfen. An der anschließenden Aussprache wurde der Geschäfts- und Kassenbericht einer eingehenden Kritik unterzogen. Abends sand im Caf6 Leib zu Ehren der Delegierten und Gäste ein gutbesuchter Begrüßungsabend statt. Gausekretär Benner wies in seiner Begrüßungsansprache kurz auf die Aufgaben des Gautages hin und sprach von den Schönheiten Gießens pnd seiner Umgebung. Stadtratsmitglied Schw ieder überbrachte die Grüße der Stadt und der bei der Tagung vertretenen Behörden. Das übrige Programm enthielt musikalische Darbietungen der Kapelle Weller-Einbrodt, einen eindrucksvoll gesprochenen Prolog, Gesangsvorträge des Gesangvereins „Eintracht", einen Reigen des Radfahrervereins 1885 und humoristische Darbietungen von Balser Backes, Frankfurt a. M. Am Sonntagvormittag fand zunächst eine Gefallenenehrung auf dem Ehrenfriedhof statt, wobei Gauvorsitzender Seibert, Darmstadt, eine zu Herzen gehende Ansprache hielt. Es folgte sodann die Fortsetzung der Verhandlungen im Saale der Liebigshöhe. Roch einer kurzen Begrüßung der zahlreichen Vertreter der Behörden durch den 2. Gauvorsitzenden Kautzmann, Heppenheim, überbrachte Staatsrat Karcher, Darmstadt, die Grüße der hessischen Staatsregierung, sowie der Herren Staatsminister Adelung und Minister <ür Arbeit und Wirtschaft K o r e l l. Er wies darauf hin, daß die Kriegsopfer die unmittelbaren Folgen des Krieges tragen müßten, deshalb sei es Pflicht der Allgemeinheit, die mittelbaren Folgen des Krieges, insbesondere bezüglich der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkung zu tragen. Eine befriebigenbe Regelung dieser Frage sei nur durch eine internationale Verständigung möglich. Die Befreiung des Rheinlandes sei ein Erfolg der bisher betriebenen Erfüllungspolitik. Präsident Krug von R i d d a übermittelte die Grüße des Oberversicherungsamts und wies daraufhin, daß bei den Entscheidungen des Hess. Dersorgungsgerichts, soweit dies gesetzliche Bestimmungen, Rechtssprechung und Ueberzeugung zuließen, den Kriegsopfern weitgehendes Entgegenkommen gezeigt werde. Hierauf hielt Bundessekretärin Martha Harnoß, Berlin, einen sehr instruktiven Vortrag. Sie wies zunächst darauf hin, baß die Kriegsfolgen nie so stark empfunden worden seien, wie in der Jetztzeit. Es handele sich auch um die Frage, ob der Fürsorgegedanke getragen sei von sozialen Empfindungen und Schicksalsgemeinschaft, ober ob ber Kampf ber Wirtschastsgruppen vorherrschenb sei. Die Reb- nerin beleuchtet bann kurz bie Ursachen ber heutigen Wirtschaftskrise. Preissenkung unb Lohnabbau schienen nicht bie richtigen Mittel zur Hebung der Wirtschaft zu fein. Wirtschaftspolitik unb Sozialpolitik gehörten zusammen. Es sei bedauerlich, daß sich die seither vorgeschlagenen Sparmaßnahmen meist auf die Sozialpolitik erstreckten. Auch bezüglich der Kriegsopfer feien einschneidende Maßnahmen bezüglich Abbau der Leistungen geplant. Die Rednerin besprach bann eingeyenb bie Entwürfe zur Aenderung bes Verforgungsgesetzes unb bes Der- sahrensgesetzes unb verbanb damit eine kritische Beleuchtung der geplanten gesetzlichen Bestimmungen. Eie forderte mehr Verständnis für die Rot der Kriegsopfer. Man vergesse vielfach, daß die Kriegsopfer für die Allgemeinheit gebracht worden feien. Die Rednerin beleuchtete die zur Versorgung der Hinterbliebenen getroffenen gesetzlichen Bestimmungen und bie in Aussicht stehende Verschlechterung. Anschließend an bie mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen wies ber Versammlungsleiter im Auftrag von Staatsrat Karcher barauf hin, baß bie hessische Regierung in ber Frage des Abbaus der Leistungen der Kriegsopfer gegenüber Berlin e ine ablehnende Stellung eingenommen habe, weil sie die geplanten Bestimmungen für unsozial hält. Hierauf wurde eine von der Bundesleitung vorgeschlagene Resolution, die sich gegen bie geplanten Abbaumaßnahmen ber Kriegsversorgung wendet, einstimmig angenommen. Die neu ausgearbeiteten Satzungen wurden genehmigt, außerdem eine Reihe von Anträgen behandelt und zur Erledigung gebracht. Die sodann vorgenommene Wahl des Gau- vorstandes zeitigte folgendes Ergebnis: 1.Vorsitzender: Seibert, Darmstadt: 2. Vorsitzender: Kautzmann, Heppenheim; Kassierer: Deusser, -Langen; Schriftführer: Schirm- beck, Gießen; Gauleiter: Tauer, Darmstadt; Beisitzer: Fuchs, Offenbach, Stiller, Ilbenstadt, T re Ile, Mainz unb Weilmünster, Offenbach. — Als Ort bet nächsten (Sautagung würbe Bensheim bestimmt. Rast der O-ana. Äon Otto K Gervais. Ich sah heute toieber bie Kopie eines Meisterwerkes von Hans von Mare««, bes Reu- ibealiften Gemälbe „Rast bet Diana". Obgleich bie hier zu erzählenbe Geschichte nicht bas geringste mit bem Bilbe zu tun hat, brängt sich mir immer wieder bei seinem Anblick ein Erlebnis auf, das ich mir einmal von der Seele schreiben möchte. Ein Schlößchen im tiefen Walde aus Eichen-, Buchen- und uferlichem Bitkenbestand. Es liegt seht versteckt, feine gepflegten Wege führen zu ihm hin. Weiß schimmert seine Fassade durch bas dunkle Grün, läßt jenen gemischten Stil aus Barock und Rokoko ahnen, in welchem die Duodez-Fürsten des vergangenen Jahrhunderts vielfach ihre Wochenend-Schlösser bauen ließen. Unb wie manche anbere, bie französische Rainen erhielten, wie Monrepos, Solitude usw. hieß es ursprünglich „Repos de la Diane“, wurde bann später verdeutscht zu „Rast ber Diana", unb heute kennt es jebes Kinb in jener schönen Gegen!) unter ber Bezeichnung „Dianenschlößchen". Die fürstlichen Jäger pflegten also hier ber Ruhe nach großen Iagben, zogen sich in diese Einsamkeit zurück, um dem Getriebe ihrer Tage unb ihres Regierens fernzubleiben. Richt immer wirb es still in ben prunkvollen Gemächern unb Sälen zugegangen sein, benn ein beträchtlicher Weinkeller mit alten, eingebauten Fässern zeugt von viel feucht-fröhlicher Lustigkeit. Die unterschieblichsten Besitzer haben inzwischen gewechselt unb das Dianenschlößchen mehr ober minder verwahrlosen lassen. Was wir erst später feftftellen konnten, als Professor Ieroux, der letzte Inhaber, gestorben war und sich kein neuer Käufer meldete, so daß es zur allgemeinen Besichtigung freigegeben wurde. Man hat jetzt ein kleines Heimatmuseum aus der Dianenruhe gemacht. Ich kam damals als Schüler auf das Gut meiner Verwandten, das etwa eine gute halbe Stunde vom Schlößchen entfernt liegt, um hier meine Sommerferien zu verbringen. Ich kannte den wundervollen Wald, der sich einen Rest von natürlicher Wildheit bewahrt hatte, in allen Dimensionen kreuz und quer. Riemais aber hatte ich ein Haus darin erblickt, niemand im Dorf auch hatte jemals davon gesprochen, daß sich solch ein Wunderbau wie das Dianenschlößchen darin befand. Eine moorige Schlucht, in der viele Kreuzottern hausen sollten, verbot uns Kindern, über diese hinauszubringen. Bei einem Kriegsspiel jedoch, das wir Knaben veranstaltet hatten und bei dem ich mit einem Gefährten in die Enge getrieben ward, standen wir beide plötzlich mitten im Walde vor dem Schloß. Kein Park, fein (Sorten ringsum. Eine schwere Tür war sichtbar verriegelt. Die Fenster des einen Flügels waren durch Läden dicht verschlossen, in die übrigen wuchsen die Bäume hinein. Kein Laut drang heraus, kein Mensch war zu sehen, nicht einmal ein winziges Qualmfähnchen wehte aus dem Schornstein. Wie verzaubert unb verwunschen strömte es eine unheimliche Stille aus, bie nur hin unb wieder von herabfallenden Kastanien unterbrochen wurde. Mein Gefährte, ein strammer Dorfbub, bekam die zitternde Angst, als ich laut fragte, was dieses Märchen zu bedeuten habe. Er drängte zurück. Da es begann, dunkel zu werden, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Ich erkundigte mich bei Verwandten und Bekannten nach jenem Schloß, aber niemand wußte etwas Bestimmtes. Es war, als vermieden alle absichtlich, mir Auskunft zu geben. Selbst unser lieber alter Pfarrer, dem ich vertraute wie Gott, warnte mich nur: „Du sollst dort niemals hin- gehen!" Derartig vieldeutiges Getue war natürlich nicht dazu angetan, um mich unb meine Reu gier ober Wißbegier zu beliebigen. Ich wählte ben Sonntag aus, einen Sonnentag, wie ich ihn seither selten wieber in diesem Walde erlebte. Schlich mich von Hause fort, schlängelte mich durch Unterholz und Knüppel, durch Moor und Wildbusch unb gelangte endlich zum Schlößchen. Jetzt fiel mir auch über dem Eingang die Inschrift auf, die irgendein geschmackloser Mensch in lapidarer, gotischer Schrift, die absolut nicht zum Stil des Ganzen paßte, darüber hatte mauern lassen: „Rast der Diana". Ich Umschrift das Schloß von allen Seiten. Riemand störte mich. Die Fenster waren, soweit nicht zugezogen oder durch Jalousien verhängt, auf drei Fronten mit Brettern vernagelt. Warum nur, dachte ich verschandelt man ein so schönes, kleines Kästchen? Wenige Stufen führten zur Tür hinauf. Ich hätte es bei Todesstrafe nicht unterlassen können, änzuklopfen, um einige Blicke ins Innere zu werfen. Ich schlug lange mit dem Ring gegen das Messingschild. Erst leise, dann immer lauter. Riemand schien hier zu wohnen. Schließlich hörte ich das Schlurfen von Schritten. Ein alter, unrasierter, weißhaariger Mann öffnete. Mißtrauisch schaute er durch einen kleinen Spalt der Tür, knurrte einige Worte Französisch. Ich nahm meine Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 1. 3uli 1930. Glückwünsche der provinzialdirektion zur Befreiung Rheinhessens. Die provinzialdirektion Gießenhat an die pro- vinzialdtreklion 2TI a i n j das folgende Glückwunschtelegramm gerichtet: Die, Provinz Oberhessen übersendet der Schwesterprooinz die wärmsten Glückwünsche zur Befreiung von fremder Besatzung. Vie rheinhessische Bevölkerung hat um ihres Deutschtums willen über ein Jahrzehnt vieles erdulden müssen .Sie hat für das gesamte deutsche Volk große Opfer gebracht. Ls sei ihr Dafür herzlichst gedankt, wir wünschen der befreiten Provinz ein neues Aufblühen. (fließen, 30. Juni. Graes, provinzialdireklor. Zapfenstreich aus Anlaß der Hheinlandbesreiung. Der gestern abend vom hiesigen Bataillon veranstaltete große Zapfenstreich hatte eine große Menschenmenge auf die Beine gebracht. Die außerordentlich starke Beteiligung der Bevölkerung mag ihre Ursache teilweise darin haben, daß alle militärischen Veranstaltungen auch heute noch eine besondere Anziehungskraft ausüben, anderseits galt es doch auch vielen, durch Teilnahme an der aus Anlaß der Rheinlandbefreiung durchgeführten Veranstaltung ihrer Freude über die Befreiung unserer deutschen Brüder im Rheinland Ausdruck zu verleihen. Punkt 22 Uhr begann der große Zapfenstreich, der seinen Weg von der Reuen Kaserne durch viele Straßen unserer mit Fahnen reich geschmückten Stabt nach dem Lanbgras-Philipp- Platz nahm. Hier hatte sich neben ben Spitzen ber Behörden eine ungeheure Menschenmenge eingesunden, so daß Polizei unb Militär bie notwendigen Sperrmaßnahmen nur schwer durch- sichren konnten. Die von der Kapelle unseres hiesigen Bataillons unb ben Spielleuten gebotenen Musikvorträge, insbesonbere der „Große Zapfenstreich ber Infanterie unb Kavallerie" waren besonders geeignet, eine der Bedeutung der Stunbe entsprechende Stimmung hervorzurufen. Dies kam auch bei dem zum Schluß vorgetragenen Deutschlandlied zum Ausdruck, in das bie Anwesenben begeistert einstimmten. Rach Beendigung des Programms zog der große Zapfenstreich durch ßanögrafenftraße, Ostanlage, Moltkestraße, Licher Straße nach der Reuen Kaserne zurück. Leider ist es bei der Veranstaltung nicht ohne Unfälle abgegangen. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde in mehreren Fällen in Anspruch genommen; unter anderen war ein schwerer Ohnmachtsans all zu verzeichnen. Kundgebung gegen dieKriegSschuldlüge Die Studentenschaft der Landes- univerfität veranstaltete am Sonntagabend im Caf6 Leib eine gut besuchte Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge, an der auch Se. Magnifizenz, der Rektor Der Landesuniversität, Professor Dr. Brüggemann so- wie eine Reihe Dozenten teilnahmen. Zunächst sprach der Vorsitzende der Gießener Studentenschaft, stud. jur. Iung. der u. a. folgendes aus- führte: Seit Jahren ist es eine Ehrenpflicht der deutschen Studentenschaft, den Kampf gegen die Kriegsschuldlüge aufzunehmen und sich alljährlich einmal zu versammeln, um vor der ganzen Welt gegen dieses durch Lüge zustande gekommene Kriegsdiktat zu protestieren, oie bezweckt hiermit, auch andere Dolkskreise für diesen Kamps zu gewinnen. Der Kampf gegen die Kriegsschuldlüge ist eine selbstverständliche Voraussetzung unserer geistig-nationalen Erneuerung. Deutschland habe angeblich seit Jahrzehnten danach gestrebt. Europa zu unterjochen unb zu diesem Zweck eine kriegerische Politik getrieben. Weiter habe Deutschland ben Weltkrieg bewußt unb absichtlich entfesselt. Ein unsinniger Gedanke schon an und für sich, wenn man fich das strategilche Kräfteverhältnis in Europa zu dieser Zeit flar- macht. Im übrigen war, wie aus amtlichen Dokumenten feftgeftellt wurde, die Durchführung des Krieges bei unseren Feinden bereits be- schlossen, bevor unsere Kriegserllärung an Rußland und Frankreich erfolgte. Der Weltkrieg wurde in erster Linie entfesselt durch den Panslawismus. dem in feinen Bestrebungen französische Hegemonialgelüste und englischer Konkurrenzneid zugute kam. Im Geiste vereinigen sich die Stimmen des großdeutfchen Volkes unb der studentischen Iugeno mit den tau’enb unhörbaren, aber deutlich mahnenden derer, Deren schlichte Holzkreuze die Forderung nach Gerechtigkeit gegen Deutschland erheben. Anschließend an diese Ausführungen sprach Referendar Koffka (Berlin) über ..Pazifismus oder Aufrüstung?" Der Redner sprach zunächst von der Bedeutuna des Versailler Vertrags. Er verwahrte sich in diesem Zusammenhang gegen die Behauptung, bie Kriegsschuld liege bei Deutschland. Die Schlagworte Abrüstung und Pazifismus seien nur Wege zur Ausrüstung. Deutschland habe abgerüstet bis zur Selbstverstümmelung, während bei unseren Feinden trotz aller Abrüstungskonferenzen von einem Abbau der militärischen Rüstungen nichts festzustetten fei. Der Redner erläuterte dann in längeren Ausführungen die militärischen Einrichtungen der -einzelnen Länder unb wies in diesem Zusammenhang auf die weitgehende militärische Ausbildung ber Jugend int Ausland hin. Eine besondere Gefahr drohe unS von Polen, das mit außerordentlicher Zähigkeit sein Ziel verfolge. Wir hätten die Pflicht, die Landesverteidigung mit allen zulässigen Mitteln in die Wege zu leiten. Don Staats wegen könne nicht mehr erfolgen als bereits geschehen. Dagegen müsse jeder einzelne an diesen Ausgaben Mitarbeiten. Hierzu gehöre vor allem die körperliche Ertüchtigung ber Iugenb sowie eine entsprechende Ausbildung auf allen möglichen Gebieten, nicht zuletzt aber Erziehung zur Kameradschaft und Disziplin. Es genüge dabei aber nicht nur der gute Wille, sondern es sei bie Tat not- toenbig. Für bie beutsche Stubentenschast ergebe sich am Jahrestage des Vertrags von Versailles bie Pflicht, Emst zu machen bezüglich ber Mitarbeit an ber Lanbesverteibigung. Folgende Entschließung fand einstimmige Annahme: „Wissenschaftliche Forscher in allen Ländern sind zu der ^Überzeugung gelangt, daß die Versailler Kriegsschuldthese heutigen Tages nicht mehr zu hallen ist, da sie auf lückenhaftem, entstelltem, salichem und teilweise gefälschtem Material beruht. Die Beseitigung dieser Versailler Kriegs- schuldlüge dient Der Verständigung der Völker und dem wahren Frieden. Solange sie bestehenbleibt, werden die fremden Völker, namentlich soweit sie durch den Krieg gelitten haben, in bem falschen Glauben erhallen, baß bie Zerstörungen, die der Krieg mit sich gebracht hat, nur durch die Deutschen verursacht worden sind, während die Geschichte sie lehren müßte, baß die Zerstörungen eine Folge des Krieges waren, für den sie in erster Linie die Verantwortung tragen. Eine Beseitigung ber Versailler Kriegsschüld- lügc, an deren enger Verbundenheit mit dem Versailler Vertrag kein Zweifel besteht, ist notwendig, um moralisch eine Revision deS Friedensvertrages vorzubereiten. Gegenüber dem Wasfenstillstandsabkommen bildet das Versailler Diktat einen Rechtsbruch, den der Feindbunb aus der falschen These von der Verantwortlichkeit am Krieg zu begründen versucht hat. Don der deutschen Regierung muß erwartet werden, baß sie bas Recht des deutschen Volkes, die Versailler Kriegsschuldlüge zu befeiti* Mühe ab, machte einen Diener, bat um Entschuldigung unb fragte, ob es gestattet sei, bas Schlößchen einmal zu besichtigen. Der Alte mußte mich wohl verstanden haben, obwohl ich Deutsch sprach, benn er brummte nur kurz unb köpf- schüttelnb, Monsieur le professeur sei für keinen Menschen „dans tout le monde“ zu sprechen. Damit schlug er mir bie Türe knallig zu. — Ich fragte ben Briefträger unseres Dorfes nach bem wunderlichen Professor, ber für bie ganze Welt nicht zu sprechen sei. Er konnte mir nur mitteilen, daß öfter Wertpakete, auf viele tausende Mark versichert unb kunstvoll verpackt, von ben Anatomien fast aller europäischen Uni- versitäten für Professor Ieroux, so hieß ber Te'itzer der Dianenruhe, auf ber Post eingingen, die ber alte Diener alle Woche einmal zugleich mit anderen Sendungen abhole. Weiter wußte er nichts. Eine Kaufmannsfrau im Dorfe erzählte mir, sie fei einmal ßinbeftellt worden zur „Rast der Diana", um ‘einige Lebensmittel abzugeben. Sie habe diese vor bie Tür gestellt und sei weggelaufen, denn ber erste Stock des Schlosses sei strahlend erleuchtet gewesen unb aus dem Innern habe Gesang, Lachen, Weiber- gekreisch und ein derartiger Lärm geschallt, daß sie das Weite gesucht hätte. Wirklich Positives konnte mir niemand angeben. Meine Reugier wuchs. Ich schrieb an Herrn Ieroux. Sehr höflich, untertänig bittend, mir die Erlaubnis zur Besichtigung seines Schlosses, das sicherlich allerlei wertvolle Altertümer enthalte, zu gestatten. Rie bekam ich eine Antwort. Hätte der Tob selbst nicht eingegriffen, niemals wäre meine Wißbegier gefüllt worden. Als ich längst wieder in meine Heimat gelangt war und zur Schule ging, erhielt ich eines Tages von meinen Verwandten, jenen, bie in ber Rähe des Schlößchens wohnten, einen Brief mit einem Zeitungsausschnitt. Den Inhalt bildete der Rach- ruf vieler wissenschaftlicher Akademien für den soeben verstorbenen Krebsforscher Professor Ieroux, der leider, wie es hieß, „zum größten Bedauern ber gesamten Forscher- weit in den letzten Jahren seines Daseins durch die Loslösung von der Menschheit unb sein freiwilliges Begraben im Schlöffe „Rast der Diana" geistesgestört worben fei.4 Schicksal des Genies, hieß es weiter, Denn er war nahe Daran gewesen, hinter ben Vorhang ber Ratur zu schauen, wie bie von ihm nachgelassenen Schriften beweisen. — Unb bie Orgien ? Eine Radio- anlage mit Lautsprecher, damals noch wenig bekannt, die sein Diener, um nicht wahnsinnig vor Einsamkeit zu werben, oft ftunbenlang in Betrieb gesetzt hatte. Ideen-Assoziation: Marees Gemälbe, ber dunkle Wald, die Hellen Frauen (bas weiße Schlößchen), ber Durchblick auf lichte Gegenben (mein Dorf) unb bas geheimnisvolle Schweigen (Professor Ieroux). „Cowboy-Olympiade." Von einem wilden Reiterseft in Wildwest (Kal- gart) im Dorgelände der Rocky Mountains) berichtet Arthur RundtimIuliheft von VelhagenLKla- sings Monatsheften. Es handelt sich da um daS Reiten von Pferden, die noch nie einen Sattel, noch nie einen Reiter getragen haben, die aus der Herde gefangen beides hier zum erstenmal spüren sollen. Das Tier wird in einen viereckigen, ganz engen Derschlag gebracht, er ist kaum so groß, daß es dort stehen kann. Dann werden ihm listig mit stinken Handgriffen von der Seite und von unten Sattel und Zaumzeug angelegt, dann springt von oben her der Reiter an seinen Platz. Der Lautsprecher verkündet: „Achtung! Bob Crosby aus Kenna, Rew Mexiko, wirb auf ,Richt-leicht-zu-satteln' aus Koje 17 heraus kommen, Achtung!" Jetzt wird das Tor ber Koje 17 geöffnet. Jetzt stürmt das Tier heraus. Man steht ihm ordentlich das Staunen darüber an, daß ba etwas ganz Reues, nie Geahntes mit ihm geschieht: ein anderes Tier sitzt auf ihm, ein sehr geschicktes, das mit einem Gliedmaßenpaar ihm den Leib umfaßt und zusammenpreßt und außerdem ruckend und zerrend irgendwelche Gewalt über seinen Hals und Kops hat vermittelst einer tückischen Einrichtung, die in den Maulwinkeln wehtut. Aus das Erstaunen weniger Sekunden folgt wilde Entschlossenheit: das Tier muß von meinem Rücken herunter. Um dieses Ziel zu erreichen, macht das Pferd Bewegungen, die es wahrscheinlich noch nie gemacht hat, die es wahrscheinlich nie wieder machen wird. ES springt mit scharf gekrümmtem Rücken, die Deinpaare aneinanderziehend, hoch unb streckt sich dann wieder. Der Versuch wird zehn-, zwölfmal wiederholt, aber das Pferd ist nicht unermüdlich — wenn der Reiter lange genug oben bleibt. Diese Sprünge sind eher erstaunliche und schone Bewegungen als zweckmäßige, denn — immer vorausgesetzt, daß der Reiter durchhäll — bann gibt der Gaul das Buckelmacheri auf, streckt sich, streckt stch zum Galopp, bann ist unter rauschendem Beifall Tausender,das Tier auf dem Pferderücken — Reiter geworden. Dann ist das Pferd zum ersten Male gebrochen unb ber Boy, nun über die Dahn fliegend, schwingt zum Zeichen deS Sieges den Hut. gen. zur Geltung bringt und diese« Ziel mit allen zu Gebote stehenden Mitteln der Wissenschaft und Politik zu erreichen versucht." 25. Jubelfest des kirchlichen Verbandes der oberhesfifchen Posaunenchöre. Der kirchlich« Verband der oberhessischen Posaunenchöre hatte für den29. 3uni zu seinem 2 5. 3 ubelfest nach Gießen em- geladen. 14 Posaunenchöre aus ganz Oberhessen mit etwa 160 Mitgliedern waren der Ginladung gefolgt. Schon früh um 7 il&r erschallte von den Türmen der Iobannes- und der Stadtkirche alte schöne TurmmusU, von den beiden Chören Lang- GönS und Klein-Linden mit hohem künstlerischem Können und wundervoller Exaktheit geblasen. Den Höhepunkt des Festes bildete der F e st- GotteSdienst in der Stadtkirche, an dem etwa 1800 Besucher teilnahmen. Cs war eine große, aber auch eine lebendige Gemeinde, wie der machtvolle Gesang der Sieber spuren ließ. Die Festpredigt hielt Pfarrer Weber aus Holzheim mit Bezugnahme auf den Aposteltag »Petrus und Paulus" im Anschluß an das PetruS- bekenntnis von Cäsarea Philippi Matth. 16 B. 13 bis 20 und legte in packenden Ausführungen dar, daß auch die Sendung der Posaunenchöre im Bekenntnis zu Christus begründet sei. 3m Aamen der Kirchenbehörde begrüßte den feiernden Verband der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, indem er unter Zugrundelegung von Aöm. 10 V. 9 und 10 nachdrücklich darauf hinwies, daß solche Bekenntnis der Po- sannenchöre nur aus dem Glauben geboren werde, der die Herzen zu frohem Dank gegen Gott stimmt. So führten diese Worte hinauf zu dem Te- beum, bas die Gemeinbe dann nach der Verdeutschung Luthers im Wechsel mit verschiedenen Chören sang. Die Chorpartie wurde wiedergegeben zuerst vom Kirchengesangverein, bann in Strophe 4, wo bie ernsten Bitten ben Lobpreis unterbrechen, von dem einstimmigen von der Orgel begleiteten Männerchor bes Kirchengesang- vercins, und in der 5. Strophe, wo wieder heller Lobgesang ertönt, von dem Kirchenchor im Verein mit einem starken aus Schülern der höheren Schulen zusammengestellten außerordentlich frischen Schülerchor. Die Gemeinde antwortete stets Zelle für Zeile, begleitet von der ganzen Wucht der 160 Bläser. Liehen auch die Cinsähe hier und da noch Wünsche offen, so war doch der Zusammenklang der ganzen Masse wohltuend weich und rein. Uni) der Gesang der einunbein- halbtaufend Menschen, die zum großen Teil vorher treulich für diese Stunde geübt hatten, kam gut zur Geltung. Bedenkt man, daß es sich bei all diesen Mitgliedern der Posaunenchöre nicht um Fachmusiker handelt, so muß man ihre.Leistungen gewiß anerkennen, besonders wertvoll ist ihr erfolgreiches Streben, der Gemeinde die Schätze der alten Kirchenlieder und Kompositionen der alten Meister der Kirchenmusik bekannt zu machen. Seit langen Jahren ist Verbandschormeister Boller (Lang-Göns) in dieser Richtung tätig. Auch jetzt wieder bewährte sich seine sichere und feine Leitung. Zu der Rachmittagsversammlung, welche um 15 Uhr auf der Waldbühne stattfand, führte ein Feftzug vorn Oswaldsgarten aus, an dem insbesondere alle anwesenden Posaunenchöre teilnahmen. Auch dort wechselten Darbietungen der Chöre mit Gemeindegesängen und Ansprachen. Zuerst sprach Missionar Keller (Baseler Mission), Heidelberg, im Anschluß an Off. 3oh. 3 V. 8 aus reicher Erfahrung über die gegenwärtige Lage der Mission, der Gott eine „offene Tür" gegeben habe. Dann begrüßte Dekanftellvertreter Pfarrer Sattler, Wieseck, im Ramen des Dekanats die Festversammlung unp begründete seinen herzlichen Gruß durch persönliche Erinnerungen aus der Arbeit der Pvfaunenchöre. Die Schlußansprache hielt der Vorsitzende des oberhessischen Posaunenchorver- bcmdes, Pfarrer Lenz, Gießen, in dessen Hand die ganze mühevolle Vorbereitung und Leitung des Festes lag. Indem er allen, die zum Gelingen des Festes mitgeholfen hatten, herzlich dankte, warb er zugleich aus warmem Herzen und mit ernsten Worten für die Arbeit der Posaunen- rftore, in der eine dreifache Liebe — zu der Musik, zu den Brüdern, zum Herrn — wirke und zum rechten Leben führe, 1. 3oh. 3, 13. Das Ganze war ein schöner Festtag, dessen feiner Verlauf ben beteiligten Posaunenchören große Genugtuung für geleistete Arbeit und Freudigkeit zu weiterem Wirken gibt, und an den die mitfeiernbe Gemeinde mit herzlicher Dankbarkeit denkt. Oer Auftakt zum Schiffenberg-Zubiläum. Wie uns von dem Presfeausschuh für die Schisfenberg-Iubiläumsfeier mitgeteilt wird, ist für die Einleitung des Festes am Samstagabend auf dem Schiffenberg ein abwechslungsreiches Programm aufgestellt worden. Um 19 Mr wird die Enthüllung einer Gedenktafel für den Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl statt- sinden. Univerfitätsbibliothekar Dr. W a l - brach wird dabei die Gedenkrede halten. Von 20 Ufjr ab wird ein allgemeiner Kommers den Besuchern des Schifsenbergs einige frohe Stunden bereiten. Der Eintritt zu diesen Veranstaltungen ist für jedermann unentgeltlich. Der Abend wird u. a. Darbietungen von Gesangvereinen, Turnvereinen und ferner Reigen bringen, daneben soll bei frohem Liedersang und bei mancherlei^ anderen Vorträgen das Beisammensein in schöner Weise ausgefüllt werden. Sowohl zur Hinfahrt, wie auch insbesondere für die Heimkehr stehen Kraftomnibusse zur Verfügung. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 Pfennig das Pfund, Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 25 bis 30, Gelbe Rüben (Bund) 8 bis 10, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grüne 30 bis 35, Spargel 40 bis 70, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 40 bis 70, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 35 bis 40, Kartoffeln, alte 4i/2 bis 5, Kartoffeln, neue 10 bis 12, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 25 bis 30, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 60 bis 80, Himbeeren 50 bis 55, Aprikosen 50 bis 55, Pfirsiche 60 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 60 bis 70; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pfennig, Tauben 70 bis 80 Pfennig das Stück, Eier 10 bis 11, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 8 bis 10, Salatgurken 20 bis 50, Einmachaurken 10 bis 12, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 15, Radieschen (Bündel) 10 bis 15 Pfennig. Kartoffeln 3,80 bis 4 Mark bet Zentner. 25 jährigeLubiläumsschau des Kreisziegenzuchtvereinö Gießen inQ'ch Der Kreisziegenzuchtverein Gießen veranstaltete dieser Tage in Lich seine 2 5- jährige Iubiläumsschau, zu welcher rund 250 Tiere aufgetrieben wurden. Von diesen standen 200 zur Prämiierung in verschiedenen Klassen, während der Rest von 50 Stück verkäufliche Tiere waren. Den Preisrichtern fiel »8 manchmal nicht leicht, das Beste in den verschiedenen Klassen an den richtigen Platz zu bringen. Die Ausstellung war quantitativ und qualitativ sehr gut beschickt. Nachdem das Richten beendet war, eröffnete der Vorsitzende, Landtagsabgeordneter Fenchel, Ober-Hörgern, die Ausstellung und begrüßte besonders die Vertreter des Landwirtschaftskammer-Ausschus- ses, Oek.-Rat Breidenbach , Dorheim, Generalsekretär Dr. Wagner, Gießen, den Vor, sitzenden des Verbandes der Oberhessischen Zie- genzuchtvereine, Kulturbauoberinspektor Kunz, Lauterbach, und die Vertreter der einzelnen Kreisziegenzuchtvereine der Provinz Oberhessen. Oek.-Rat Breidenbach dankte dem Vorsitzenden für die Begrüßung und beglückwünschte den Verein zu seinem Iubelfeste. Herr Kunz schloß sich diesen Glückwünschen seitens des Verbandes der Oberhess. Ziegenzuchtvereine und des Kreisziegenzuchtvereins Lauterbach an. Anschließend hieran fand ein gemeinsames Essen statt. Hierbei dankte der Vorsitzende den Preisrichtern für die geleistete Arbeit. Für den Ortsziegenzuchtverein Lich begrüßte Landw.-Assessor Dr. Zöller die Gäste. Bei der Dockdersteigerung erzielte Heinrich Münster, Hattenrod, für einen 3ährlingsbock den höchsten Preis mit 150 Mark, während der zweithöchste Preis 100 Mk. betrug. Den höchsten Preis für Docklämmer erzielte Ludwig SchelldV., Großen-Buseck, mit 96 Mark. Der Dock wurde von der Gemeinde Rieder-Weisel erworben. Den nächsthöchsten Preis erzielte Wilhelm Wagner IX., Großen- Buseck, mit 92 Mark. Dieser Dock ging in ben Desitz bes Ortsziegenzuchtvereins Gießen über. Am Abend fand in der Turnhalle der Züchterabend statt, der recht gut besucht war. Rach einem Prolog begrüßte der Vorsitzende, Landtagsabgeordneter Fenchel, die Gäste und dankte den Ehrenpreisstiftern, der Fürstlichen Gutsverwaltung für Ueberlassung des Platzes und allen denen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Für die Landwirtschastskammer sprach Generalsekretär Dr. Wagner, Gießen, und überreichte dem Kreisziegenzuchtverein Gießen die bronzene Medaille der Lindwirtschaftskammer und eine Chren-Urkunbe für feine auf dem Gebiete der Landwirtschaft geleistete Arbeit. Auch wurden dem Vorsitzenden, Abgeordneten Fenchel, Ober-Horgern, und dem Zuchtwart des Vereins, Dalth. Philipp III., Steinberg, Ehren-Urkunden für ihre Verdienste um die Ziegenzucht überreicht. Dürgermeister ©eil, Lich, beglückwünschte den Verein namens der Stadt Lich und hieß die Gäste in den Mauern Lichs willkommen. Für ben Ortsziegenzuchtverein Lich sprach Herr F i n ö t. Zur Verschönerung bes Abends wirkten die beiden Gesangvereine Einigkeit und Rothscher Männerchor mit, deren Chöre reichen Beifall fanden. Auch der Turnverein Lich hatte es sich nicht nehmen lassen, zur Verschönerung des Abends beizutragen; die Vorführungen des Vereins fanden ebenfalls lebhaften Deifall. Auch konnten gelegentlich dieser Feier verschiedene Mitglieder des Verins für langjährige treue Mitarbeit ausgezeichnet werden. Es wurden folgenden Herren Ehren-Urkun- den überreicht: Friedr. Stauf in Utphe, Johannes 3 ä g e r in Queckborn, Ludw. ScheldV. in Großen-Duseck, Karl LuhI. in Leihgestern, Dürgermeister Fendt in Hungen, Dürgermeister Schmid t in Trohe, Heinrich 3ak ob i lll. in Dellersheim, Heinrich RauIV. in Hattenrod und Rudolf Hahn in Obbornhofen. Die Preisrichter, denen hier Gelegenheit zu einer Kritik über das Zuchtmaterial gegeben war, sprachen sich sehr lobend über die ihnen vorgestellten Tiere aus und wünschten, daß die Züchter des Kreises Gießen weiter in ihrer Arbeit fortfahren möchten. Der Festzug der sich am Sonntagmittag durch die Straßen Lichs bewegte, hatte eine große Menschenmenge nach Lich gelockt, und die im Festzuge fahrenden Festwagen und Dockgespanne fanden allgemeine Dewunderung. Die Prämiierung hatte folgendes Ergebnis: Klasse 1, Docke, vor dem 1. 3an. 1928 geboren: Ehrenpreise: Gemeinde Lich u. Gemeinde Obbornhofen; 3. Preise: Ortsziegenzuchtverein Gießen und Gemeinde Lumda. Klasse 2, zweijährige Döcke. Ehrenpreise: Gemeinde Großen-Duseck und Gemeinde Inheiden; 3. Preis Gemeinde Hattenrod. Klasse 3, einjährige Böcke. Ehrenpreise: Heinr. Münster, Hattenrod, Gemeinde Lich, Dalth. Philipp III., Steinberg, Gemeinde Grohen-Linden; 2. Preise: Ludw. Schäfer, Hattenrod, Gemeinde Utphe, Gemeinde Langsdorf; 3. Preise: Heinr. Rühl II., Utphe, Gemeinde Watzenborn-Steinberg, Gemeinde Laubach, Gemeinde Ettingshausen und Adolf Lind, Stangenrod. Klasse 4, Ziegen, vor dem 1. Ianuar 1928 geboren. Ehrenpreise: Heinr. Rau IV., Hattenrod, Heinr. Wagenbach VI., Großen-Duseck, Heinr. Wagner III., Großen-Duseck, Wilh. Gorr, Lich, Elisabeth Seipp, Hattenrod, Iak. Raumann, Karl Peter in Laubach, Herrn. Ph. Ledermann, Lich; 2. Preise: Heinr. Scheid VII., Heinr. Wagner XVIII Wilh. Scheid III., Großen-Duseck, Friedr. Löffler, Hungen, Ph. Heinr. Findt, Lich, Herm. Moll, Hungen, Heinr. Lotz, Lich, Andr. Durkart, Ettingshausen, Dalth. Philipp IN., Steinberg, Wilh. Keil II., Ettingshausen, Wilh. Wagner IX., Großen-Duseck, Kari Münster, Hattenrod, Ludw. Scheid V., Großen-Duseck; 3. Pr.: Karl Iünger, Reiskirchen, Paul Iakob, Inheiden, Aug. Schmautz, Lindenstruth, Hch. Scheid IN., Harbach, Herm. PH. Ledermann, Karl Ludw. Albach, Friedr. Lechens, Lich, Herm. Degenhardt, Gießen, Phil. Schul Wwe., Hattenrod, Aug. Rohmig, Gießen, Dalth. Philipp UL, Steinberg, Otto Fink, Hattenrod, Georg Schäfer VI., Steinberg. Klasse 5, zweijährige Ziegen. Ehrenpreise: Heinr. Münster, Hattenrod, Chr. Scheid VI., Großen-Duseck, Wilh. Kaiser II., Bellersheim, Friedr. Stauf, Utphe; 2. Preise: Heinr. Rühl II., Utphe, Heinr. Bernhardt, Grotzen-Linden, Heinr. Seipp NI., Großen-Buseck, Wilh. Münster, Heinr. Münster, Hattenrod, Gg. Troller II., Laubach; 3. Preise: Herm. Phil. Ledermann, Lich, Wilh. Keil II., Ettingshausen, Paul Kächler, Lich, Heinr. Kd. Kohler, Bettenhausen, Wilh. Konr. Dem II., Lang-Gons, Bal. Weppier, Harbach, Wilh. Oechler, Laubach. Klasse 6, einjährige Ziegen. Ehrenpreise: Peter Dietz I., Lich, Adam Zinn, Gießen, Georg Schäfer, Lich, Wilh. Wagner 1., Großen- Buseck; 1. Preis: Heinr. Holz, Steinberg; 2. Pr.: Iohs. Dörnis, Laubach, Wilh. Münster, Hattenrod, Herm. Serth, Lindenstruth, Wilh. Theis, Langsdorf, Heinr. Stengel 1., Laubach; 3. Preise: Chr. Scheid VI., Großen-Duseck, Wilh. Wagner IX.. Großen-Duseck, Wilh. Keil II., Ettingshausen, Heinr. Großer IV., Großen-Duseck, Iohs. Habermehl Wwe., Iak. Lerch, Lich, Wilh. Theiß, Langsdorf, Heinr. Decker, Gießen. Klasse 7, Zeitziegen. 1. Preise: Karl Münster, Hattenrod, Karl Weiß L, Steinberg; 2. Preis: Phil. Schul Wwe., Hattenrod; 3. Preis: Dalth. Philipp III., Steinberg. Klasse 8 Ziegenlämmer. Ehrenpreise: Chr. Scheid VI., Heinr. Frank II., Großen-Duseck, Wilh. Düringer, Dettenhausen, Wilh. Müller, Obbornhofen; 1. Preise: Andr. Durkart, Ettingshausen, Heinr. Münster, Hattenrod; 2. Preise: Karl Peter, Laubach, Heinr. Frank II., Inheiden, Heinr. Scheid IN., Harbach; 3. Preise: Heinrich Rau IV., Hattenrod zweimal, Wilh. Scheid IN., Großen-Buseck, Gg. Schäfer, Lich, Karl Rock, Hattenrod, Wilh. Keil, Ettingshausen zweimal, Rud. Sack, Bellersheim, August Petry, Hattenrod, Wilh. Müller, Obbornhofen. Klaffe 9, Familien. Ehrenpreis: Chr. Scheld VI., Großen-Buseck; 2. PreiS: Herm. Ph. Ledermann, Lich. Klasse 10, Familien. Ehrenpreis: Karl Münster, Hattenrod. Klasse 11, Ortssammlungen. 1. Preis: Ortsverein Lich; 2. Preise: Ortsvereine Watzen- born-Steinberg, Ettingshausen; 3. Preise: Ortsvereine Laubach, Obbornhofen. Klasse 12, Ortssammlungen. 1. Preise: Ortsvereine Hattenrod und Großen-Duseck. Klasse 13, Bezirkssammlungen. 1. Preis: Bezirk Lich; 2. Preis: Bezirk Alten- Buseck-Lollar; 3. Preis: Bezirk Gießen. Klasse 14, Leistungswettbewerb. 3) Ueber drei Iahre alt. 1. Preis: Heinrich Scheld VN., Großen-Buseck; 2. Preife: Wilhelm Scheld III., Proßen-Duseck, Karl Münster, Hattenrod; 3. Preise: Heinr. Wagenbach VI., Wilh. Wagner IX., Heinr. Wagner III., Großen-Duseck. b) Zweijährige Ziegen. 1. Preise: Heinr. Rau IV., Hattenrod, Ludw. Scheld V., Großen-Duseck. c) Einjährige Ziegen: 1. Preis: Chr. Scheld VI., Großen-Duseck; 2. Preis: Heinr. Münster, Hattenrod; 3. Preis: Wilh. Münster, Hattenrod. Vornotizen. — TageskalenderfürDienstag. Stadttheater: „Ich habe keine Zeit", 20 bis 22 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gedächtnisfeier für Hermann Löns und Löns-Film". — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Heute abend 20 Uhr findet die Aufführung von Carl Rößlers Lustspiel „Ich habe keine Zeit" statt, das vor einigen Tagen in Bad-Nauheim vom hiesigen Theater mit großem Erfolg uraufbeführt wurde. Spielleitung des originellen und amüsanten Werkes hat Hans Tannert. Zn den Hauptrollen sind beschäftigt die Damen Heß, Mewes, die Herren Arzdorf, Hais, Ritter, Wefener. * * * Wichtig für Auswanderer. Die große Mehrzahl der Auswanderungswilligen unseres Volkes verfügt entweder nur über ganz geringe ober über gar keine Geldmittel. Da liegt es nahe, daß häufig der Gedanke erwogen wird, gegen entsprechende Arbeitsleistungen während der Ueberfahrt eine Freipassage zu erhalten, b. h. sich herüberzuarbeiten. Daß es heute bei der Massenarbeitslosigkeit unter geschulten Seeleuten nicht möglich ist, einen derartigen Posten auf einem Ueberseedampser zu erhalten, ist immer noch nicht genügend bekannt. Ebensowenig aber ist es möglich, eine Freipassage von ileberfee aus au erhalten, um wieder in bie Heimat zurückzukehren. Mit Recht macht deshalb bie Auswanderer b e r a t u n g s ste l le des Landes- vereinSfürInnereMission, Darmstadt, Dismarckstr. 55, die kostenlos in Fragen der Aus- toanberuno Auskunft erteilt, darauf aufmerksam, daß unt nen Umständen, weder für bie Hin- noch für die Rückreise, mit einer Beihilfe, von welcher Seite es auch sei, gerechnet werden kann. Auch den deutschen Konsulaten stehen keine Reichsmittel zur Verfügung, um für die Heimschaffung von Auswanderern, die keine Arbeit finden können. Sorge zu tragen. Wer ins Ausland geht, muh sich darüber fiar sein, baß allein bei ihm und seinen eigenen Fähigkeiten bie Entscheidung für feine fernere Zukunft liegt. Die genannte Auswandererberatungsstelle ist in steigendem Maße bemüht, alle Anfragen gewissenhaft zu erledigen. Mit vielen Tausenden von Ausgewanderten hält sie ständig Fühlung und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Aus- klärende Vorträge, auch mit Lichtbildern, Blätter und Broschüren können von dort angeforbert werden. * * Die evangelischen Arbeitervereine Butzbach, Gießen und Schweinsberg sowie der evangelische Männerverein Wetzlar veranstalteten am Sonntagnachmittag auf dem Schiffen- berg einen Familientag. Rach einer in der Kapelle von Pfarrer Schmidt, Wetzlar, ab gehaltenen Andacht, bei welcher der Frauenchor des hiesigen Evang. Arbeitervereins mitwirkte, bereinigten sich bie zahlreich Erschienenen zu einem geselligen Zusammensein. Der Dorsitzenbe des Gießener Evang. Arbeitervereins wies nach einer kurzen Begrüßung auf bie Rotwendigkeit ber Zusammenarbeit in ber evangelischen Arbeitervereinsbewegung hin. Ein Vertreter aus Wetzlar gab seiner Freube über bie bevorstehenbe Befreiung bes Rheinlandes Ausdruck, worauf das Deutschlandlied angeftimmt wurde. 3m übrigen trugen musikalische Darbietungen des Wandervereins »Höhenflug" und Gesangsvorträge des Frauenchors des Evang. Arbeitervereins Gießen wesentlich zur Verschönerung ber Veranstaltung bei. * * Geschäftsjubiläum. Heute, am l.Juli, kann Herr Heinrich Becker, Steinstraße 33, auf eine 25jährige kaufmännische Tätigkeit im Hause der Firma W. und G. Schuchhard, Hut-Groß- und Kleinhandel, Gießen, zurückblicken. * * Verkehrsunfall. Heute morgen kurz nach acht Uhr ereignete sich ein Unfall am Kirchenplah. Eine Passantin wurde von einem Motorradfahrer angefahren und erlitt dabei Verletzungen am linken Knie und am Arm. Rach Anlegung eines Rotverbandes wurde die Verletzte in die elterliche Wohnung verbracht. — Der Motorradfahrer ist von Eberstadt. Wen die Schuld an dem Unfall trifft, ist noch nicht festgestellt. Ermittlungen sind im Gange. * * Oeffentliche Lesehalle. Folgende (z. T. gestiftete) Werke wurden u. a. neu ausgenommen. Romane: Cl. Brentano: Rovellen; Ch. de Coster: Vlämische Legenden; W. Engelke: Theodor Obermeyer; P. Fechter: Rückkehr zur Ratur; M. Hamsun: Die Lcmgerudkinder; Herm. Hesse: Rarziß und Goldmund; 3solde Kurz: Rächte von Fondi; H. Lilienfein: Welt ohne Seele; Thomas Mann: Der Tob in Venedig; C. Ramuz: Das große Grauen in den BeLgen; 3. Schaffner: Konrad Pilater; 3. Seidel: Dromses- hof; 3. Stockhausen: Greif. Dichtungen: Ferdinand Avenarius: Hausbuch deutscher Lyrik (Reue Ausgabe 1930); Goethe: Faust, erläutert von Robert Petsch. LänberkunbeundRei- sen: E. v. Dahder: Herden. Hirten und Herren; H. v. Chamier-GlisAinski: 3n Kamerun; A.Heye: Wanderer ohne Ziel; Ricarda Huch: 3m alten Reich (Lebensbilder deutscher Städte); H. Pfannl: Was bist Du mir, Berg; F. Sieburg: Gott in Frankreich. Lebensbeschreibung: Th. Dirt: Wie ich lernte; G. Bryan: Edison; W. Figner: Rächt über Rußland; 3. Sieck: Karen Ieppe. Volkswirtschaft und Staatswissenschaft: G. Dien stock: Einführung in die Weltwirtschaft; H. Gmelin: Einführung in das Reichsverfassungsrecht. Raturwissenschaft: W. Deebe: Das Arcturus-Abenteuer (Tiefseeexpedition ber Reuhorker Zoologischen Gesellschaft); Dengt Derg: Die letzten Adler; K. Floericke: Wisent und Elch. Technik: E. Preger: Metallbearbeitung: E. Schnehler: Der junge Maschinenbauer. Dildende Kunst: R. Dlürnmer: Der Geist des Kubismus in ber Kunst; 3. Meier- Gräfe: Vincent van Gogh; K. Quenzel: Der Maler Feuerbach; 3. Ruskin: Moderne Maler; W. Waezoldt: Die Kunst des Porträts. Stenographie: ©.Amsel: Lehrgang ber deutschen Einheitskurzschrift. Oberhessen. Landkreis Gießen. LJ Lang-Gons, 30. 3uni. Der hiesige Gesangverein „Frohsinn" errang bei dem Gesangswettstreit in Ravolzhausen bei Hanau am Sonntag, 29. Iuni, in ber ersten Lanbklasse unter starker Konkurrenz ben ersten Preis und Ehrenpreis. Der Verein, der sich schon an vielen Preissingen beteiligte, steht seit Iahren unter ber bewährten Leitung des Oberreallehrers Heinrich Blaß von Großen-Linben. s. Utphe, 30.3uni. In einer Versammlung in der Gastwirtschaft Ruhl wurde ein Fuhballverein gegründet. In den Vorstand wurden gewählt als 1. Vorsitzender Hermann Sack, als 2.Vorsitzender Derthold Wetterhahn, als Rechner Philipp Schu- bach, als Schriftführer Theod. Bildhäu- f er, als Beisitzer Polizeidiener Friedr. Dorn- mann und Rudolf Eichenauer. Zu Spielführern der beiden Mannschaften wurden Fritz Weber und Theod. Dildhäuser bestimmt. Die Gemeinde hat in anerkennenswerter Weise ein passendes Gelände auf der nahegelegenen Rachtweide als Spielplatz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Kreis Schotten. □ Laubach, 30. Iuni. In der Rächt zum Donnerstag wurde in dem hiesigen Schuhgeschäft Leidner ein Cinbruchsdieb stahl verübt. Die Diebe stiegen mittels einer Leiter durch ein Fenster in einen neben dem Laden befindlichen Raum und stahlen etwa 14 Paar Herren- und Damenschuhe. Die Suche nach den Tätern blieb bis jetzt ohne Erfolg. — In der gleichen Rächt drangen offenbar dieselben Diebe in ben Laden des Kaufmanns Ludwig Göbel ein. Beim Aufbrechen der (leeren) Ladenkasse wurden bie Hausbewohner aus dem Schlafe geweckt. Auch her gelang es jedoch den Dieben, unerkannt zu entkommen. Kreis Büdingen. CD Nidda, 30. Juni. Am 5. und 6. Juli veranstaltet der Reit - und Fahrverein Nidda und Umgebung auf der für diesen Zweck besonders geeigneten'Niddaer Festwiese sein erstes Reit- und Fahrturnier. Die Veranstaltung findet in größerem Rahmen statt, und zwar besteht das Programm in Vielseitigkeitsprüfung (Geländeritt, Reiterprüfung), Abteilungsreiten in sieben Abteilungen, Schaufahren in Kutsckwagen, Jagdspringen, Zugleistungsprüfungen für Arbeits- und Wagenschlag und Galoppreiten. Da annähernd 100 Nennungen eingelaufen find, ist mit einem spannenden und interessanten Verlauf des Turniers zu rechnen, das feine Anziehungskraft auf Freunde des Reit- und Fahrsports nicht verfehlen wird. Die Zugleistungsprüfungen werden von der Landwirtschaftskammer durchgeführt. Für eine einwandfreie Durchführung des Turniers bieten die Namen der bekanntesten Preisrichter sichere Gewähr. Am Samstagabend findet in der Turnhalle ein Kommers statte. Berliner Börse. Berlin, 1. Juli. (WTB. Funkspruch.) Mangels besonderer Anregung war der heutige Effektenfrühverkehr noch verhältnismäßig geschäftslos, wenn auch vereinzelt Orders eingegangen sein sollen. Im Anschluß an die gestrigen festeren Kurse der Frankfurter Abendbörse ist die Stimmung im allgemeinen als freundlich zu bezeichnen. Kurse waren bisher noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,73, London gegen Mailand 92,76, London gegen Madrid 43,90, London gegen Schweiz 25,0725, London gegen Brüssel 34,82, London gegen Berlin 20,39, London gegen Kabel 4,8590, Kabel gegen Berlin 4,1960. fixfürs Haar was tun: PlXPyON'Sfampfyn! Bademäntel, Badeanzüge bei Salomon Seltersweg 62 Frankfurter Sir. 94 Gießen, den 1. Juki 1930 04116 Statt Karten! Schuhhaus HERBERT 4756 A Marktplatz 2 Ganz besonders billig Alleinverkauf der orthopädischen Gewol-Schuhe für starke und empfindliche Wo Verlobte Erfurt z. Z. Gießen, Goethestr. 57 4760D 4772 A Preiswerte Weine 04142 in den Edeka-Geschälten Sinn, den 26. Ium 1930 4761D Statt Karten! 5°/o Edeka-Rabatt! 5°/o Edeka-Rabatt! 04123 010olo ’IL Lichtspielhaus Gießen • 4f* WW VII MW « »A»w’>•• Hanna ^mgenwald Paul Kleinwächler /*//• */J —<4'6 4»|~ |e#. JU {#♦£#«♦ Gießen Nordanlage 11 Unschuldig verurteilt Nach einer Filmnovelle von Irene Kraus Lina Grüger Frih Schwab Verlobte Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße Geburtsanzeigen Für das überaus herzliche Gedenken an unserem Hochzeitstage sagen wir auf diesem Wege allerherzlichsten Dank Karl Peter u. Frau Gretel geb. Neu-Krah Freudenstadt i. Schwarzwald l,/Peters Kurbad") im Zuni 1930 Unsere beiden Jungens haben heute ein Schwesterchen bekommen! Hans Nincker und Frau Erna, geb. Appel Ferner das lustige Beiprogramm Gewöhnliche Preise - Anfang 4, 6 und &30 Uhr 4758 c Linöleumreste Stückware und Lfiufer Stoffreste für Dekorationen, Tischdecken und Kissenplatten Goldfische und Zierfische Land- und Tumvfsckildkröten, Wasserpflanzen, Fischfutter, Aquarien ulw. C. G. Kleinhenn Televb. 3866 4738V Babnbofstr. 59. IBHÄUSCRgmjm AM OS WALDSGART EN verkaufe ich große Posten Tapetenreste moderne Muster, Jede Rollenzahl ♦♦♦♦♦♦♦♦MH Enteren töglldl lrW. W. 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Muster 1 Porzellan-Obstschale, 23 cm, in schönen Mustern 1 Emaille-Topf, 16 cm, weiß, aus 1 Stück gest. 1 Emaille-Nachttopf, 20 cm, weiß, gestanzt 1 Emaille-Schüssel, 28 cm, weiß, gestanzt 1 Emaille-Kaffeekanne, weiß 1 Emaille-Kehrschaufel, weiß 1 Aluminium-Wäschesprenger 1 Aluminium-Kasserolle 6 Aluminium-Eßlöffel oder -Gabeln 1 Weißblech-Springform, 24 cm 1 Weißblech-Durchschlag mit 3 Böden 1 Brotkorb, fein lackiert 1 Briefkasten, gehämmert 1 Bratpfanne, Stahlblech mit Griff, 22 cm 5 Ahorn-Kochlöffel, geschliffen 1 Kleiderleiste mit 3 Haken, weiß Alles für 50 Pf. 1 Parade-Handtuchhalter für die Küche 1 Kammkasten, weiß lackiert, mit Spiegel 1 Roßhaar-Handfeger 20 m Waschseil, hell, geklöppelt 60 Feder- oder Knopf-Wäscheklammem 4 Rollen gutes Krepp-Klosettpapier 1 große Dose feines Bohnerwachs 5 oder 4 fein bunt lackierte Kleiderbügel 10 Rasierklingen, Edelstahl, ,Das blaue Wunder* 1 Likörtablett mit Einlage und 2 Griffen 1 Tortenschaufel, fein vernickelt 1 Gelenkpuppe mit Schlafaugen 1 Segelschiff, fein lackiert 1 Zelluloid-Toilettenspiegel 1 Piassava-Straßenbesen 1 Teppichbürste 6 Eierlöffel in verschiedenen Farben 1 Ondulierschere, gut vernickelt 1 Haushalt-Beißzange, Fuchsschwanz oder Hammer 1 Posten mod. Anstecknadeln, teils 800 Silber 1 Posten moderner Ketten 1 echt Leder-Damen-Portemonnaie 3 handgemalte Kakteentöpfe m. 3 Untersetzern 1 m Landhausgardinen, bunt gestr., m. Volant 1 m breite Tüllgardinenborte 3 Stück Gläsertücher, blau od. rot, Quadrat 1 Kunstseidentrikot-Büstenhalter 1 Paar Damen-Sportstrümpfe 1 Frottier- oder 1 Gerstenkorn-Handtuch 1 Paar Kinder-Schlupfhosen, färb., b. 12 Jahre 1 Strumpfbandgürtel mit 4 Haltern 1 Paar farbig gestreifte Herren-Socken Allesf0r95 PI. 6 Likörgläser, moderne Form 3 Weinrömer mit grünem Stiel 1 Sahne-Service mit Tablett, dreiteilig 1 Glas-Tortenteller, Kristallimitation 5 Biergläser mit Weinlaubkante 1 Salatschüssel, 23 cm, schönes Muster, und 1 Salatbesteck, zusammen 3 Porzellan-Speiseteller, tief oder flach 3 Porzellan-Tassen mit Untertassen, Zwiebelmuster, Goldrand oder Blumenkante 3 Porzellan-Teller, Zwiebelmuster, Goldrand oder Blumenkante 4 Porz.-Tass. m. Unterlass., weiß, hoch od. nied. 1 Porzellan-Fleischplatte, 32 cm, Feston 1 Satz 3 St. Porz.-Gemüseschüsseln, Feston 1 Sauciere, echt Porzellan, Feston 1 große Porzellan-Kaffeekanne 1 großer Milchkocher, feuerfest 1 Emaille-Kochtopf, gestanzt, 22 cm, grau 1 Emaille-Spülschüssel, gestanzt, weiß, 38 cm 1 Emaille-Waschbecken, gest., weiß, extra groß 1 Emaille-Wassereimer, 28 cm, grau 1 Emaille-Milchtopf, 16 cm, gestanzt, weift 1 Emaille-Suppenschüssel, gest., weiß, m. 2 Gr. 1 Aluminium-Wasserkonsol mit %-Liter-Maß und 1 Bürste, zusammen 1 Springform mit 3 auswechselbaren Böden 1 Gießkanne, fein lackiert, 2 Liter 1 Sand-Seife-Soda-Garnitur, lackiert 1 Bürstengarnitur, Kleider-, Glanz-, Anschmierund Schmutzbürste, zusammen 1 Standart-Bodenbesen und 1 Handbesen, zus. 6 Limonadelöffel in verschiedenen Farben 1 Moderner Blumen-Uebertopf 1 Holztablett, Buche, gewachst Alles für 95 Pf. 1 Holz-Klosettbürstenhalter mit Bürste, weiß lackiert 1 Wellholzgarnitur, 7 Teile 1 Bratpfanne, 26 oder 24 cm, geschl., m. Holzst. 30 m Wäscheleine, geklöppelt 1 Spiegel mit weißem Rahmen, 27 x 35 cm 1 Keksdose mit Nickeldeckel 1 Nickel-Eierservice mit Tablett 1 mod. Butter- od. Geleedose m. Nickeldeckel 1 Brotkorb, gut vernickelt 1 Tischschaufel u. 1 Besen in schön. Ausführ. 5 Alpaka-Kaffeelöffel 2 Alpaka-Eßgabeln oder Löffel 1 feinfarb. Serviettenständer mit Servietten 1 Thermosa-Isolierflasche, % 1, m. Al.-Becher Großer Posten Ohrringe mit 800%-Silberhaken 1 Stadtkoffer m. 2 Schlössern, moderne Farben 1 Einkaufsbeutel, Lackledertuch, groß 1 Puppe mit Schlafaugen und Haar, gekleidet 1 Sandwagen, Buchenholz 1 Mädchen-Taghemd mit reicher Stickerei 1 Mädchen-Nachthemd m. färb. Bes. u. Stick. 1 Damen-Täghemd, haltb. Qual., mit Stickerei 1 Mädchen-Rockhöschen, färb. Trik., b. 4 Jahr. 1 Kopfkissen mit Feston-Bogen 1 Sofakissen, gefüllt, mit schönem Ueberzug 1 Etamine-Stor mit schönem Einsatz 1 Damast-Handtuch, weiß 5 Gläsertücher, blau oder rot, Quadrat 1 Posten reich verz. Tischläufer u. Mitteldecken Alles für 1.45 1 Likör-Service, 8 teilig, moderne Form 3 Kristall-Römer, farbig, mit reichem Schliff 1 Porzellan-Obstservice, 7 Teile, sphön. Muster 1 Porzellan-Fleischplatte, Schüssel oder Sauciere Feston-Goldrand 1 Kaffeeservice mit Dekor, 5 teilig 1 Aluminium-Kochtopf, 22 cm 1 Emaille-Kochtopf, 24 cm, weiß, aus 1 Stück 1 Kuchenschüssel, weiß, tief, 38 cm 1 Eimer, schwer, weiß, 28 cm, und 1 Putztuch, zusammen 6 Messer und 6 Gabeln, Solinger Fabrikat 1 Roßhaar-Bodenbesen 1 moderne Damenhandtasche 1 Rauchservice in schöner Ausführung 1 große Obstschale mit Nickelbügel Ohrringe u. Ringe in gut. Ausführg., 800 Silber gestempelt 1 Paar Damen-Strümpfe, Küttner-Kunstseide 1 Kopfkissen mit Stickerei und Hohlsaum 1 Paar Louisiana-Herren-Unterhosen 2 Paar feine Herren-Socken mit K’seide 1 Tüll-Stores, modernes Muster 1 Bettvorlage, imit. Perser Allas für 1.95 1 Emaille-Toiletteneimer, schwere Qual., weiß 1 Emaille-Topf, 28 cm, gest., z. Einkochen, weiß 1 Emaille-Löffelblech, weiß, gestanzt 1 Emaille-Eimer, 28 cm, Delft oder Blumendekor, extra schwer 1 Emaille-Milchkanne, 4 Liter, weiß, gestanzt 1 Emaille-Wasserkessel, 22 cm, gestanzt Alles für 1.95 1 Aluminium-Kochtopf, 26 cm 1 Aluminium-Milchträger, 2 Liter 1 Aluminium-Flöten-Wasserkessel 1 Gießkanne, haltbare Lackierung, 5 Liter 1 Springform mit 3 Böden, 28 cm 1 Kaffeemühle, geschmiedetes Mahlwerk 1 Bohnenschneidemaschine 1 Kakaokanne niit Nickeldeckel, mod. Dekore 1 Tortenplatte, mess, vern., 32 cm, schöne Dek. 1 Thermosa-Isolierflasche, % L, m. Al.-Becher 1 Aktentasche, gute Qualität 1 feines Herren-Portemonnaie, r. Led., a. 1 St. 1 Korbsesselkissen, gefüllt, Satinüberzug I gut verarb. Damen-Hemdhose mit Stickerei und Einsatz 1 Damen-Prinzeßrock, weiß, mit Stickerei 1 Herren-Einsatzhemd mit feinem Einsatz 1 Posten Damen-Hauskleider, Zephir 1 Waschtischgarnitur, weiß, m. Eins. u. Spitze 1 Damen-Nachtjacke mit Festonspitze 1 Kaffeedecke, Zephir, IlOx 150 cm, sehr haltb. 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Messer und Gabeln, Königsholz, Solinger Fabrikat................. 3.95 1 Hohlsaum-Bettuch, gutes Haustuch, 225 cm lang............ 3.95 1 m Flammen-Rips, wundervolle Farben, 120 breit........................ 3.95 1 eleganter Stores mit Einsatz und Seidenfranse ................ 4.95, 3.95 1 Zink-Einkochapparat mit Einsatz und Federn, ohne Thermometer.........4.45 1 Zink-Einkochapparat, komplett, mit Thermometer, prima Fabrikat.......... 4.95 1 schöne Waschgarnitur mit Goldrand .. 4.95 1 schönes Parade-Kopfkissen mit reicher Stickerei und Einsatz ............. 4.95 Korbsessel in soliden Ausführungen 7.95, 6.95 1 Emaille-Einkochapparat, komplett, mit Thermometer.................... 7.95 1 verzinkte Fruchtpresse, bestes Fabrikat, komplett, mit Rezeptbuch .....8.95 1 Speise-Service, 23 Teile, Steingut, schönes Muster.......................... 9.95 1 Speise-Service, 23 Teile, echt Porzellan, Feston-Goldrand ..........*......23.95 Beachten Sie unsere 9 Schaufenster Marktstrabe und Rittergasse Unser Personal wird sich freuen, Ihnen ohne jeden Kaufzwang die vorteilhaftesten Serien vorzulegen Mengenabgabe Vorbehalten! Nur solange Vorrat reicht! Die Waren sind in beiden Etagen auf Tischen übersichtlich aufgebaut Des groben Andranges wegen benützen Sie bitte die Vormittage! ‘Kaufhaus 0. Uso ff er ä Nr. 151 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 1. Juli 1930 Turnen, Sport und Spiel. tlniversttätsmeistei- im Zaustball für Vas ©. ©. 1930. Akademische Turnverbindung „Rheinsranken". Wie schon in der Freitagoorschau gesagt war, konnten die beiden Sieger der Dienstagrunde ,Hasso- Nassooia" und „Darmstadtia" gegen di« Sieger der Samstagrunde in den Endspielen nicht aufkommen. Sie landeten an dritter und vierter Stelle. Offen war der Ausgang in dem Spiele „Rheinfranken" gegen Freistudenten. Zu Beginn spielten die Rhein- franken sehr zerfahren und lagen zeitweise bis zu 8 Punkten zurück: bis zum Wechsel stellten sie aber das Spiel auf 19:17 für Freistudenten. In der zweiten Halbzeit wurde dann der Ausgleich erzielt und der Sieg mit 27:32 erkämpft. Damit errangen die „Rheinfranken" für das laufende Semester die Universitätsmeisterschaft im Faustball. SoufTboU. Tv. von 1846 Gießen Pokalsieger in Marburg. Die Faustballpokalspiele des T. u. Sp.-D. 1860 Marburg, die, wie in jedem Jahr, von den bestell Vereinen des Gaues beschickt waren, sahen auch diesmal die 1. Mannschaft des T v. v. 18 4 6 in der Meisterklasse siegreich. Auch die 2. Mannschaft wurde bei stärkster Konkurrenz in der ^-Klasse 1. Sieger. (Siebener Schwimmverein. Beim ersten gauoffenen Damenschwimm- f e st, das am vergangenen Sonntag im großen Woog in Darmstadt stattfand, war auch der Gießener Schwimmverein vertreten. Die Gießener Schwimmerinnen beteiligten sich unter starker Konkurrenz aus Offenbach, Darmstadt, Frankfurt a. M. usw. an der 6X5V-Meter-Bruststasfel und belegten darin den 3. Platz. (1. Schwimmverein 96, Offenbach, 4:50 Min.; 2. Jungdeutschland, Darmstadt, 4:55,6 Min.; 3. Gießener Schwimmverein 4:56,3 Min.) Bei einem Wettkampf im Kopfweitsprung wurde Frl. Emmi Schüler 1. Siegerin mit einer Weite von 14,20 Meter in 27,5 Sek.; 2. Siegerin: Weber, Darmstadt, 12 Meter. Außer den sportlichen Wettkämpfen fanden volkstümliche Vorführungen wie Kunstschwimmen, Figurenlegen, Reigenschwimmen statt, die aber nicht gewertet wurden. Das Figurenlegen der Gießener Damen fand bei den recht zahlreichen Zuschauern großen Beifall. Wasserball im (Sau Hessen O.T. Am vergangenen Sonntag hat die Vorrunde für die M e i st c r s ch a s t des Gaues Hessen im Wasserball begonnen. An den Spielen beteiligen sich T g m d e. Friedberg, TD. Wehlar, TV. 1 846 Gießen und M T V. G i e h e n. Zu dem aus Sonntagvormittag in der Müllerschen Badeanstalt in Gießen festgesetzten Spiel zwischen MTV. und TV. 1846 Gießen blieb der Schiedsrichter aus, so daß nur ein Gesellschaftsspiel ausgetragen werden konnte. Beide Mannschaften traten ersatzgeschwächt an. Der im Gau seit fünf Jahren ungeschlagene Gaumeister TV. 1846 führte von Anfang an ein überlegenes Spiel vor, in dem die Männerturner 0:4 unterlagen. Der TV. Wetzlar hatte die Tgmde. Friedberg zu Gast. In der ersten Halbzeit zeigte der Platz- verein eine leichte Ueberlegenheit, was in dem Oie Sünde der Renate Mercandin. Roman von Fred Tlelius. 8 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Vor Griebenow versank die Welt. Die Gedanken waren ausgelöst... die Gedanken an das Gestern, an das Heute und das Morgen. Er spürte nur das kühle, weiße Fleisch der nackten Frauenschultern, die Perlen ihres Mieders... er roch den eigenartig süßen Dust, der von ihr ausging, sah das Gold der Haare dicht vor seinen Lippen, und er hörte Melodie und Rhythmus eines Strauhschen Walzers. Wie ein überirdisch schöner Traum war das alles. Cs schien ihm, daß er Flügel habe und die Bindung mit der Erde sich verliere. Um ihn kreisten Wellen Tanzender und Lachender. Der Frauenkörper lag eng, locker und verschmiegt in seinem Arm, der Pulsschlag ihres Herzens strömte zu ihm über. Eine Spanne ohne Ausmaß währte dieser Tanz Die Frauenaugen waren fest geschlossen, die Wimpern tief herabgelassen, die seinen Rüstern zuckten, das Gesicht war bleich, die Schlagader am weißen Halse bebte--da versank die Walzerweise zu verschwingender Kadenz. Roch bewegten sich die Füße für Sekunden nach dem Klange, der im Ohr verhallte — dann stand alles still. Griebenow verneigte sich und kehrte langsam in die Wirklichkeit zurück. „Ich danke Ihnen für die Ehre, die Sie mir erwiesen haben", sagte er. „Ia, das war schön." Ihre Augen waren wieder groß geöffnet. „ Ach, das liebe Wien und unser lieber Strauß!" Er reichte ihr den Arm und führte sie. Dann kam Reugereuth und trat an sie heran. „Bravo! Tanzen können Sie! Aber wenn man eine solche Sylphe führen darf, nicht wahr, mein lieber Griebenow?" Der gab keine Antwort. Plötzlich stand Professor Mercandin vor Reugereuth. „Darf ich Sie wohl eben zehn Minuten lang allein sprechen, Herr Geheimrat? Ich möchte nur erst meine Frau nach ihrem Platze führen. Sie gestatten ...“ Griebenow war bleich geworden. Er trat zurück. Ehe Reugereuth ihn nochmals fassen konnte, war er in dem Strom der Tanzenden verschwunden. Er durchschritt den Vorsaal, ließ sich Hut und Mantel geben, stieg die Treppen abwärts und stand in der menschenleeren Dendlerstraße. Er marschierte ruhig und gefaßt durch stille Straßen. Er dachte an die schöne blonde Frau. Aber die Halbzeitergebnis 2:0 für Wetzlar zum Ausdruck kommt. Die zweite Halbzeit war mehr ausgeglichen: keine der beiden Parteien konnte mehr ein Tor erzielen. Handball in Bernsfeld. To. Verusfeld I — To. Rordeck I und Jugend komb. 0:3 (0:1). Auf dem Sportplatz des Tv. Bemsfeld entwickelte sich ein schönes, faires Spiel, das Rordeck fast dauernd überlegen sah. Die Rordecker Läuferreihe hielt sich ausgezeichnet. Aber auch die anderen Mannschaststeile waren sehr gut. Die Dernsselder Mannschaft zeigte verschleime gute Ansätze, spielte aber sonst ziemlich zusammenhanglos. Handball in Heuchelheim. Heuchelheims Jugend konnte am Sonntag auf eigenem Platze gegen die körperlich stärkere 1. Mann, schäft vom To. Allendorf a. d. Lahn einen schönen 4:2-Sieg (1:2) erringen. Bezirksfest des Arbeiter- Turn- und Sportbundes in Wißmar. Oie Ergebnisse: lurner-Skbenfampf. Oberstufe: 1. Karl Betin, Wieseck, 259 Punkte: 2. Otto Kreiling, Wieseck, 241 P.; 3. Adolf Kreiling, Wieseck, 229 P.; 4. Karl Wagner, Launsbach, 225 P.; 4. Ludwig Fink, Staufenberg, 225 P.: 5. Alfred Ohwald, Wieseck, 221 P.; 6. Heinrich Decker, Krofdorf, 220 P.; 7. Heinrich Koch, Wißmar, 218 P.; 8. Karl Leib, Launsbach, 214 P.: 9. Rudolf Pfaff, Launsbach, 213 P.; 9. Albert Winter, Launsbach, 213 P.; 10. Gustav Pfaff, Launsbach, 212 P. Mittelstufe: 1. Ernst Schösfmann, Wieseck, 230 Punkte: 1. Walter Kollmar, Herborn, 230 P.; 2. Fritz Decker, Treis, 225 P.: 3. Karl Schepp, Weidenhausen, 224 P.: 4. Iustus Steuernagel, Deuern, 223 P.: 5. Heinrich Ruhn, Treis, 215 P.; 6. Philipp Opper, Treis, 213 P.: 7. Karl Ochs, Diessenbach, 211 P.: 8. Hugo Diames, Dlessenbach, 209 P.: 9. Otto Klinke!, Lollar, 207 P.: 10. Ernst Sack, Heuchelheim, 206 P. 16bis l8Iahre:l. Karl Schneider, Wieseck, 244 Punkte: 2. Ernst Dähr, Lollar, 230 P.: 3. Iohann Schnabel, Fronhausen, 225 P.; 4. Wilhelm Stadtmüller, Annerod, 218 P.; 5. Hermann Viehmann, Kinzenbach, 217 P.: 6. Fritz Kollmar, Herborn, 210 P.; 7. Walter Rumpf, Gambach, 209 P.; 8. Otto Koch, Wißmar, 205 P.; 9. Ludwig Eckhard, Staufenberg, 203 P.; 10. Adolf Decker, Annerod, 201 P. 14 b is 16 Iahre: 1. Heinrich Hettge, Treis, 221 Punkte: 2. Ernst Krämer, Rodheim, 211 P.: 3. Karl Fey, Lollar, 203 P.: 4. Wilhelm Stecker, Wieseck, 202 P.; 5. Ernst Ziegler, Lollar, 201 P.; 6. Cmll Lüdge, Dlessenbach, 189 P.: 7. Hans Kreiling, Wieseck, 186 P.; 7. Emil Laudon, Wieseck, 186 P.: 8. Willi Fey, Lollar, 180 P.: 9. Heinrich Klein, Gambach, 175 P.: 10. Wilhelm Engel, Gambach, 174 P. lurnerinnen-Siebentampf. lieber 18 I a hre : 1. Hilde Dremer, Wieseck, 247 P.: 2. Therese Klein, Herborn, 229 P.; 3. Klara Reuschling, Klein-Linden, 226 P.; 4. Lina Dender, Krofdorf, 219 P.: 5. Eva Wendel, Herborn, 213 P.; 5. Helene Volk, Klein- Linden, 213 P.; 6. Gertrud Weber, Herborn, 206 P. Unter 18 Iahren: 1. Lina Döh, Wieseck, 239 Punkte: 2. Ottilie Weller, Wieseck, 226 P.; 3. Erna Seibert, Wieseck, 225 P.; 4. Anni Peppier, Wieseck, 219 P.; 5. Anni Schnabel, Wieseck, 209 P.: 6. Karoline Loh, Krofdorf, 189 P. Leichtathletik. Fünfkampf (Sportler über 18 Jahre). 1. Willi Ruhl, Raunheim, 283,65 Punkte; 2. Ernst Dechthoid, Krofdorf, 278,38 P.: 3. Heinrich Opper, Wieseck, 273,23 P.: 4. Heinrich Dill, Raunheim, 257,87 P.: 5. Otto Geriach, Rodheim, 256,18 P.; 6. Kar! Drescher, Gleiberg, 252,02 P.: 7. Ewald Deppler, Heuchelheim, 249,10 Punkte: 8. Ewald Oestreich, Kinzenbach, 246,98 Punkte; 9. Adolf Pfaff, Kinzenbach, 244,40 P.: 10. Reikhold Diehmann, Kinzenbach, 237,11 P. Vierkampf (Jahrgang 1912/13). 1. Adolf Bernhardt, Rodheim, 229,26 Punkte; 2. Hermann Schäfer, Raunheim, 226,81 P.; 3. Erhard Leib, Kinzenbach, 208,88 P.; 4. Otto Weiß, Watzenborn, 206,13 P.; 5. Richard Leib, Gleiberg, 204,13 P.; 6. Willi Gries, Gießen, 203,94 Punkte; 7. Hermann Leitner, Alten-Buseck, 203,07 Punkte; 8. Erich Fink, Staufenberg, 202,76 P.: 9. Karl Ait, Kinzenbach, 202,63 P.; 10. Hugo Bender, Krofdorf, 201,63 P. Dreikampf (Sportler Jahrgang 1914/15). 1. Ernst Bellos, Wieseck, 148,19 Punkte; 2. Emil Spaar, Lollar, 139,06 P.; 3. Wilhelm Dogel- höfer, Wieseck, 138,36 P.; 4. Karl Rinn, Rod- heim, 126 P.: 5. Adolf Schmidt, Wieseck, 124,94 Punkte; 6. Reinhard Schäfer, Kinzenbach, 117,25 Punkte: 7. Wilhelm Hof, Alten-Buseck, 116,44 P.: 8. Walter Horn, Wißmar, 114,31 P.; 9. Wilhelm Hofmann, Alten-Buseck, 114,19 P.; 10. Albert Schreiner, Alten-Buseck, 112 P. Dreikampf (Sportler Altersklasse). 1. Alex Turock, Lollar, 137,16 Punkte: 2. Wilhelm Wolf, Gießen, 135,90 P.: 3. August Kunhe- müller, Gießen, 125,95 P.; 4. Ferdinand Reeh, Krofdorf, 124,82 P.; 5. Ludwig Magel, Steinbach, 124,32 P.: 6. Wilhelm Hofmann, Krofdorf, 123,26 P.: 7. Fritz Kuhl, Gießen, 118,39 P. Vierkampf (Sportlerinnen über 18 Jahre). 1. Iohannette Pfeiffer, Launsbach, 228,65 Punkte; 2. Anna Sack, Heuchelheim, 210,34 P.; 3. Clise Diehl, Gießen, 209,30 P.: 4. Emma Resseldreher, Heuchelheim, 204,60 P.; 5. Marie Kümmel, Herborn, 195,31 P.: 6. Lina Börding, Heuchelheim, 185,55 P.: 7. Anna Diehl, Gießen, 183,24 P.: 8. Marie Wagner, Krofdorf, 163,80 Punkte: 9. Ilse Euler, Krofdorf, 156,07 P.; 10. Mariechen Balser, Gießen, 109,62 P. Dreikampf (Sportlerinnen unter 18 Jahren). 1. Fried Iung, Krofdorf, 169,09 Punkte: 2. Elise Schaum, Krofdorf, 165,27 P.; 3. Else Schwalb, Heuchelheim, 156,91 P.; 4. Paula Gedanken schwankten, sprangen aus dem Gleis, galoppierten in das Leere. Der Abendhimmel nahm sie auf. Linergründlich lächelte der Mond. Roch in der gleichen Rächt schrieb Griebenow an Reugereuth persönlich. Er dankte für die Güte und das Wohlwollen, das ihm Reugereuth erwiesen hatte. Er sagte, daß ein tragisches Geschehen eine Weiterarbeit unter ihm unmöglich mache. Er nehme an, daß Mercandin mit Reugereuth gesprochen habe. Der Anschein ... die Beweise sprächen gegen ihn. Er sei das Opfer eines Schurken, der sich eine unheilvolle Stunde in dem Leben Griebenows zunutze gemacht habe. — Er siegelte und warf den Brief noch in der frühen Morgenstunde in den Kasten. Am Abend kam die Antwort. Ein Geschäftsbrief mit Firmenaufdruck, eingeschrieben. Griebenow zerriß den Umschlag. Auf dem Bogen stand mit Schreibmaschinenschrift geschrieben: „Sie erhalten hiermit das Gehalt für einen Monat im Betrage von dreihundertfünfzig Mark. Scheck liegt bei." Firmenstempel Kleusch & Reugereuth ppa. Kannemann. Gut — der Würfel war gefallen. Es kam, alles, wie es kommen muhte. Das Leben hatte ihm gegeben, was es konnte. Unerwartet präsentierte es den Wechsel, den er einst gezogen hatte. Runmehr hieß es zahlen. Keine Zeit war zu verlieren. Er sandte hundertsechzig Mark durch Postanweisung an Professor Mercandin. Welch lächerlich geringe Summe war das, um die paar hundert Franken, die Kosten des Logis für eine Rächt sowie der Reise nach Berlin, zurückzuzahlen! Um diese Summe hatte man in jener unheilvollen Rächt in Monte Carlo seine Ehre, seine Zukunft und sein Glück verpfändet und — verloren. Gut sein oder böse sein, war Schicksal, kein Derdienst. Wer ein großes Bankguthaben hatte, konnte makellos und ehrlich vor den Menschen seine Straße ziehen und trotzdem ein Schurke sein. Hunger und Derzweiflung aber konnten einen Ehrenwerten, wenn das Schicksal es so wollte, in den Abgrund der Derdammnis stürzen. Griebenow fuhr zu Müller nach der Oderbergstraße. Er bezahlte zwanzig Mark und erhielt die neueste Liste offener Stellen. Er erwarb die Anwartschaft auf Posten vom Fabrikdirektor bis zum Fässerspüler. Fabrikdirektor werden schien ihm angenehmer als das Fässerspülen. Sein Ziel lag hoch. Er durchlief die Skala wechselnden Erlebens in den nächsten Wochen: Hoffen und Erwarten... Pessimismus und Enttäuschung. Man empfing ihn manchmal formvollendet höflich, manchmal mit brutaler Grobheit. In allen Fällen war der Mißerfolg der gleiche. Er lernte die Bedeutung der Portiers, der Pagen, überhaupt der Angestellten kennen, die ihn vorzulassen oder anzumelden hatten. Manche Trinkgeldmark floß in den abgrundtiefen Strom des Zukunftshoffens. Er durchfuhr die Stadt von Rord nach Süd, von Ost nach West. Die Stadt war groß. Er marschierte Strahenviertel auf und Straßenviertel ab. Durch solche, die sich schweigend im Bewußtsein ihrer Armut duckten, und durch solche, die sich in dem Lärm und Prohentum des Reichtums bäumten. Hunderte von Meilen hatte er wohl so zurückgekgt. Seine Stiefellohlen wurden immer dünner, seine Kasse leerer, und der Hunger wuchs im Magen. Cs kam die Zeit, in der sich Griebenow von trockenen Brötchen nährte, manchmal ein Stück billige Wurst dazu erstand und nur jeden zweiten Tag in irgend einem Keller eine Tasse Brühe trinken konnte. Cs kam die Zeit, in der die Stiefelsohlen Löcher zeigten und in der er einen schweren Kampf durchkämpfte, ob er sich die Haare schneiden lassen dürfe. Cs kam der Tag, an dem man die Bezahlung seines Zimmers in dem Pensionat der Martin- Luther-Strahe von ihm wünschte und er angesichts der unbezahlten Rechnung nur noch einen Barbestand von 5,20 Mark zu errechnen wußte. Das war das Ende. Alles war umgittert und umzäunt. Er starrte in den letzten Abgrund. Die Götter versagten ihm die Gnade. An diesem Tag verkaufte Griebenow von feiner Kleidung, was er irgentoie entbehren konnte. Er versetzte seine goldene älhr, bann bezahlte er die Rechnung in dem Pensionat der Martin-Lut- her-Strahe und oejog ein kleines Zimmer im Berliner Rorden, in der Doltastrahe. Eines Spätnachmittags kam er nach dem Kem- perplah. Er wußte, daß Professor Mercandin dort wohnte. Roch immer lag die Karte aus der un- heilvollen Rächt in Monte Carlo in der Tasche Griebenows. In der letzten Woche hatte Griebenow nur dreimal seinen Hunger stillen können. Durch ein Gabelfrühstück letzten Freitag, durch ein Mittagessen Sonntags, ein Abendbrot am Dienstag. Dazwischen hatte er sich täglich ein paar Brötchen ohne Butter einverleibt. Heute nun war wieder Freitag. Er ticb f ich seit dem frühen Morgen in der Stadt umher und war trevpauf, treppab gelaufen. Ihm war schlapp und schlecht zumute geworden. Er fühlte Ohrensausen. älnd nun stand er vor der Dilla Mercandin am Kemperplatz. Hmfjüllt von dämmerblauen Schatten lag das große Haus wie ausgestorben. Zwischen dunkeln Stämmen flimmerte das Licht der Bogenlampe an dem Eingang. Die Fenster an der Straßenseite waren tot und ohne Schimmer, die Läden nicht geschloffen. Griebenow stand regungslos und starrte diese Schmelz, Drohen-Linden, 143,91 P.; 5. Marie Kreiling, Heuchelheim, 141,55 P.; 6. Iohanna Diehl, Gießen, 135,27 P.; 7. Ida Funk, Krofdorf, 134,27 P.; 8. Ilse Bruchmann, Heuchelheim, 134,09 P.; 9. Lina Wacker, Launsbach, 128,64 P.; J0. Emmi Hofmann, Heuchelheim, 125,91 P. Fuhballer-Dreikampf. lieber 18 Iahre: 1. Franz Krämer, Heuchelheim, 249 Punkte: 2. Karl Krusch, Raunheim, 248,5 P.; 3. Walter Pfaff, Kinzenbach, 245,5 P.; 4. Albert Hofmann, Gleiberg, 244,5 P.; 4. Wilhelm Becker, Lollar, 244,5 P.; 5. Karl May, Watzenborn, 240 P; 6. Heinrich Schmidt, Leun, 236,5 P.; 7. Johann Will, Fronhausen, 235 P.. 8. Ernst Pfeffer, Klein-Linden, 228,5 P.; 8. Heinrich Wlodarek, Gießen, 228,5 P.; 9. Karl Frei, Wißmar, 227 P.; 10. Willi HenkÄmann, Wißmar, 223 P. Fußballer Dreikampf (unter 18 Jahren). 1. Iohann Erckel, Fronhausen, 259 Punkte; 2. Heinrich Wolf, Fronhausen, 253,5 P.; 3. Heinrich Walker, Leun, 229,5 P.; 4. Bernhard Döbler, Gleiberg, 221 P.: 5. Konrad WiM, Fronhau- sen, 210,5 P.; 6. Friedrich Hofmann, Leun, 207 P.; 7. Wilhelm Dudenhöfer, Rodheim, 206,5 Punkte, 8. Adolf Forbach, Wißmar, 202 P.; 9. Emst Seel, Gleiberg, 190 P.; 10. Franz Schäfer, Launsbach, 179,5 P. Cinjdfämpfe (Sportler über 18 Jahre). Weitsprung: Ewald Beppler, Heuchelheim, 5,46 Meter: Franz Krämer, Heuchelheim^ 5,46 OH.; Willi Rühl, Raunheim, 5,43 M. Kugelstoßen: Albert Horbach, Wißmar, 9,32 Meter; Franz Krämer, Heuchelheim, 9,21 Meter; Ewald Beppler, Heuchelheim, 9,16 M. Hundertmeterlauf: Emst Bechthold, Krofdorf, 12,4 Sek.; Ewald Deppler, Heuchelheim, 12,5 Sek.; Willi Schardt, Watzenborn, 12,6 Sekunden. Stabhochsprung: Reinhold Diehmann. Kinzenbach, 3,05 Meter; Wilh. Leutner, Durk- hardsfelden, 3,00 M.; Wilh. Hirschhäuser, Oden- Hausen (Lahn), 2,90 M. Linzeikämpfe (Sportler-Jugend). Kugelstoßen: Kurt Tönges, Wißmar, 10,59 OB.; Reinhold Bellos, Beuern, 10,08 0Kj; ■ Wilh. Ziegler, Lollar, 10,00 M. Speerwerfen: Willi Frey, Wißmar, 42,89 Meter; Hugo Bender, Krofdorf, 41,75 M.; Wilh. Ziegler, Lollar, 36,87 Meter. Hochsprung: Otto Schneider, Beuern, 1,50 Meter; Wilh. Stadtmüller, Annerod, 1,45 M.; Erich Fink, Staufenberg, und Hermann Ceibner, Alten-Buseck, 1,40 Meter. Linzelkämpfe (Sportlerinnen unter 18 Jahren). Kugelstoßen: Frieda Jung, Krofdorf, 9,42 Meter; Gertrud Mandler, Launsbach, 8,55 M.; Else Schwalb, Heuchelheim, 7,64 M.; Käthe Hofmann, Heuchelheim, 7,41 M. Hochsprung: Paula Schmelz, Dr.-Linden, 1,20 Meter; Elise Schaum, Krofdorf, 1,20 M.; Frieda Iung, Krofdorf, 1,15 M.; Meline Leib, Launsbach, 1,15 M. Linzelkämpfe (Sportlerinnen über 18 Jahre). Speerwerfen: Emma Resseldreher, Heuchelheim, 17,96 Meter; Elise Diehl, Gießen, 15 Meter; Iohannette Pfeiffer, Launsbach, 12,98 Meter; Ilse Euler, Krofdorf, 12,25 M. Hundertmeterlauf: Clise Diehl, Gießen, 15,3 Sek.; Iohannette Pfeiffer, Launsbach, Fenster an. Er hatte das Gefühl, als ob die Scheiben Augen wären, ein Chaos harter grüner Augen, die sich durch das Dämmerlicht in seine Seele bohrten. Griebenow ließ seine Lider sinken, um dem Blick der harten grünen Augenfenster zu entrinnen. Wieder, wie so oft, beschwor er das Erinnern an die bleiche, blonde Frau vor seine Seele. Es verfolgte ihn seit Wochen, seit dem Abend in der Bendlerstraße. Eine taumelnde Begierde hatte ihn gefaßt, ihre Rähe irgendwo zu spüren, und ob er das Gefühl bekämpfte wie Dersuchuna oder Sünde, es kam immer wieder in tief geheimer, weher, süßer Wonne. Es band die Glieder, lähmte jede Muskel, krallte in Herz und Hirn, loderte dort einen Faden nach dem andern und zerriß die Willenstränge. Eine tolle Lust, das Gittertor zu offnen, bis an das Portal zu gehen und dort zu schellen, überkam ihn. Man konnte beispielsweise den Professor sprechen wollen und den Schuldschein von ihm fordern. Oder nach Frau Mercandin verlangen, um ihr das Spitzentuch zurückzugeben. Aber alles dies war Wahnsinn, sagte er sich selbst. Fliehen ... dachte Griebenow. Sofort! Es geschieht Entsetzliches, wenn ich noch länger stehen bleibe. Er stieß die Füße ab mit dem Aufgebot der letzten Energie. Er stellte wie im Muskel krampf die Beine vorwärts. Don dem Fahrdamm tobte das Gebell der Autos an fein Ohr. Er bemühte sich, die Sinne auf den Lärm der Straße einzustellen. Die Kette, die ihn an dem Hause festhielt, löste sich, je mehr er vorwärts kam. Er bog in eine Straße ein, in der die Läden hell erleuchtet waren und in der das Grohstadtleben pulste. Endlich hielt et. Er stand vor einem großen Laden, dessen Lampenlicht den Bürgersteig erhellte. Er zog das Taschentuch und trocknete den kalten Schweiß von seiner Stirn. Iähe ilebelfeit befiel ihn. Der geschwächte Magen bäumte sich. Alles drehte sich um ihn. Er schwankte. Ich muß mich halten ... dachte er mit letzter Kraft. Ein Laternenpfahl stand vor ihm auf dem Bürgersteig. Er steuerte ihn an, breitete die Arme aus und hielt sich krampshaft daran fest. Plötzlich sah er unweit vor sich eine Frau. Eie löste sich vom Strom der Menschen und kam auf ihn zu. Sie schien sehr elegant. Sie hatte eine Iacke aus Chinchilla auf dem schlanken Körper. Es war — Frau Mercandin. Eine Scham, die keine Grenze kannte, überströmte Griebenow. Er lieh den Eisenständer los. Sein Gesicht verzerrte sich. Er wollte lächeln. Er wollte aufrecht stehen, schwankte, bemühte sich, den Hut zu ziehen. Tastete, faßte wieder den Laternenpfahl, wollte sprechen. Stöhnte. (Fortsetzung folgt) Wirtschaft 15,8 Sek.: Lina Börbing, Heuchelheim, 15,9Sek.: Emma Äesseldreher, Heuchelheim, 16 Sek. W e i t s p r u n g : Ilse Euler, Krofdorf. 4 Meter: Elise Diehl, Gießen, und Anna Sack, Heuchelheim. 3,90 M.: Emma Aesseldrehcr, Hcuchöl- heim, 3,85 M.: Iohannette Pfeiffer, Launsbach, 3,80 Meter. dem ganzen Skandal offensichtlich der treibende Teil war, besonders hervor, indem sie u. a. einem Polizeibeamten das Gesicht zerkratzte und in den Unterleib trat. Sie erhielt deshalb, obwohl sie noch nicht vorbestraft war. wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands die härtere Strafe, nämlich eine Geldstrafe von 75 M k. und der Ehemann nur eine solche von 40 Mk. Außerdem wurde die Ehefrau wegen Sachbeschädigung noch zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verurteilt. — Gin Autofahrer soll bei einer Fahrt nach dem Bahnhof die Ecks Frankfurter Strahe-Liebig- straße mit zu großer Geschwindigkeit genommen, auch kein Signal, wenigstens kein deutlich hörbares, vor der Kreuzung abgegeben haben. Die erstgenannte ^Übertretung konnte ihm nicht nachgewiesen werden, wohl aber die andere. Der Angeklagte erhielt wegen dieser eine Geldstrafe von 1 0 Mk. Daten für Mittwoch, 2. Juli. 1714: der Komponist Christoph Willibald Ritter von Gluck auf Weidenwana geboren; — 1724: der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock in Quedlinburg geboren. Amtsgericht Gießen. Gießen, 27. Juni. Vor einer hiesigen Wirtschaft entstand eines Abends ein Strahenauf- lauf, der durch ein Ehepaar, welches dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatte, veranlaßt worden war. Die Frau suchte Händel mit dem Wirt, der schließlich mit Hilfe von Gästen das Ehepaar wegen seines ungebührlichen Benehmens vor die Türe setzte, nachdem er ihm wiederholt den weiteren Aufenthalt in der Wirtschaft verboten hatte. Beide setzten aber draußen den Skandal fort. Der Wirt holte schließlich durch eine Hinterpforte die Polizei, da die Eheleute die Haustüre von außen zuhielten. Als die Polizei erschien, ließen sie diese nicht herein, indem sie jetzt die Türe von innen zuhielten. Die Ehefrau hatte inzwischen zwei Fensterscheiben im Hause zertrümmert. Die Polizei gewann schließlich die Oberhand und nahm das Ehepaar fest. Auf dem Transport zur Wache leisteten beide Widerstand. Dabei tat sich die Ehefrau, eine Polin, die bei Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hmter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reicksbankdiskant 4 n Reichswirtschaftsmini st er und Kohlensyndikat. In einer am 27. Juni in Essen abgehaltenen Versammlung der Bergwerk s be s i h e r an der Ruhr ist eine Verständigung mit der Mehrzahl der bisherigen Außenseiter erzielt. Dagegen haben zwei Verwaltungen, die bereits dem freiwilligen Syndikat beigetreten waren, ihre Unterschriften wieder zurückgezogen. Der Reichswirtschaftsminister hat nunmehr durch Verordnung vom 30. Juni die Außenseiter dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat, das durch den im notariellen Protokoll beurkundeten Beschluß gebildet worden ist, zwangsweise beigefügt * Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten. Die Reichsindex- ziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „Sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für Hoffnungen, daß in Bälde die geplante schärfere Bautätigkeit einsetzen werde. Holz mann, Wayh & Frey ta g und Hoch- und Tiefbau gewannen bis zu 2Prozent. Der Montan - sowie der Kalimarkt lagen anfangs ohne Umsätze. Beachtung fanden noch Schifffahrtsaktien, bei Erholungen bis zu 1,5 Prozent. Banken ohne Geschäft. Am Rentenmarkt war das Geschäft ebenfalls klein. Deutsche A n l e i he n zogen weiter leicht an. Im Verlaufe gaben die Kurse unter dem Druck der Geschäftsstille zumeist bis zu 1,5 Prozent nach. Kaliwerke lagen bis zu 5 Prozent fester, gaben aber später auch wieder von ihrem Gewinn etwas her. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 Prozent wieder etwas leichter. Am Devisenmarkt war die Mark etwas gebessert. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1937, gegen Pfund 20,389, London gegen Kabel 4,8595, gegen Poris 123,72, gegen Mailand 92,75 gegen Madrid 43,85, gegen Schweiz 25,0713, gegen Holland 19,09. Berliner Börse. ■Berlin, 1. Juli. Der heutige Vormittagsverkehr lag wieder sehr ruhig, doch hielt die zuversichtliche Grundstimmung an, und man rechnete schon zu dieser Zeit mit einem gut behaupteten Börsengewinn. Es lagen heute jtoar wenig c/K^nte vor, aber soweit Rachrichten aus der Industrie eingetroffen waren, lauteten sie nicht ungünstig Die Einigung im Ruhrkohlensyndikat, die festere Reuhorker Börse und die Meldungen über einen drohenden Kohlen- arbeiterftreif in Belgien regten etwas an. Die Tatsache des Verlustabschlusses Lazard- Speyer-Ellis en konnte die Börse nicht mehr überraschen, und die Meldung von der noch nicht erfolgten Belebung des Farbenmark- tes wirkte sich nicht stärker aus. Ein vorbörslicher Verkehr fand nicht statt. Unmittelbar nach ber Rheinlandbefreiungsfeier begann die Feststellung der ersten Rotierungen. Es ergaben sich überwiegend Besserungen bis zu 1,5 Prozent gegen gestern Schluß. Deutsche Linoleum gewannen 5, Kali-Aschersleben 2,5, Salzdetfurth 2, Gesfürel 2,5, Des- s a ue rG as 2,25, S chlesische 8.-G as 1,90, OSogel Telegraph 2, Körting 2,25, Demberg 3,75 Prozent und Svenska 3 Mk. Andererseits lagen Werte wie BMW., Ham- merson, Eisenbahn-Verkehrsmittel und Jung Hans 1,5 bis 2 Proz. gedrückt. Oberkvks und Daimler notierten heute exklusive Dividende. Deutsche Anleihen waren fester. Ausländer freundlich. Mexikaner fester. Der Pfandbriefmarkt war noch unentwickelt. Die G e l d s ä h e waren heute noch unverändert. Im Verlaufe wurde es, angeblich auf herrschenden Ordermangel, auf den Haupt- markten etwas schwächer. Die Kurseinbußen betrugen in der Regel nicht mehr als 1 Proz . meinjelt gingen sie bis 2 Proz. Auch die zu Beginn bevorzugten Montan- und Elektro- werte waren leicht rückgängig. Briefkasten Oer Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Student. Wir empfehlen Ihnen, sich in dieser Angelegenheit mit der Gießener Studentenhilfe, Bismarckstraße 16III, Telephon 3395, in Verbindung ZU setzen. Verschiedene Mieter. Die Erhöhung der Müllabfuhrgebühren von 92 auf 116 Pf. je 100 RM. mit Rückwirkung vom 1. April — ist, wie uns von der Stadtverwaltung mitgeteilt wird, genehmigt, aber noch nicht veröffentlicht; sie ist in vier Zielen nach Aufforderung zahlbar. Die Erhöhung der gesetz- lichen Miete von 120 v. H. auf 122 v. H. der Friedensmiete ist beantragt, aber vom hessischen Ge- famtminifterium noch nicht genehmigt. Letzte Nachrichten. Abrechnung mit rheinischen Separa isten. Kaiserslautern, 1.3uli. (1BTB. Juntfpr.) 3n der Rächt zum 1. Juli kam es hier zu A u e - chreitungen junger Leute gegen ehemalige Separatisten. Die Demonstranten zertrümmerten Scheiben, drangen in Läden und in eine Wohnung ein, zerstörten waren und Möbel und warfen aus einem Fenster der Wohnung ein Klavier auf die Straße. Die Polizei griff mit einer Motorspritze ein und zerstreute die jungen Burschen. — Auch in Main; und anderen Orten soll die empörte Bevölkerung bekannten Separatisten Denkzettel verabfolgt haben. den Durchschnitt des Monats Juni auf 147,6 gegenüber 146,7 im Vormonat. Sie ist somit um 0,6 v. H. gestiegen. An dieser Steigerung sind im wesentlichen die Dedarssgruppen „Ernährung" und „Wohnung" beteiligt. Innerhalb der Er- nährungsausgaben konnte im Monatsdurchschnitt die Erhöhung der Preise für Gemüse, Eier, Kartoffeln, sowie Brot und Mehl durch den Rückgang der Preise für Milch und Butter, die in der zweiten Monatshälfte wieder angezogen haben, sowie Fleisch und Wurstwaren nicht ausgeglichen werden. Bei den Wohnungsausgaben wirkte sich die Heraufsetzung der staatlichen Grundvermögens steuer in den preußischen Gemeinden aus. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913,14=100) für Ernährung 142,7, für Wohnung 129,8, für Heizung und Beleuchtung 149,4, für Bekleidung 166,8, für den „sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 193,6. * Festsetzung der Stick st offpreise. Die Meldungen über eine bereits erfolgte Senkung der Preise des Stickstoffsyndikats, Berlin, entbehren der Grundlage. Erst nach Abschluß der internationalen Verhandlungen in Paris, die zur Zeit noch anbauern, roirb über die neuen Preise für Stickstoff, büngemittel Beschluß gefaßt werden. * D i e Erneuerung des Superphosphatsyndikats gesichert. Bei den Verhandlungen, die in Stettin mit dem Zwecke der Erneuerung des am 31. Mai 1930 abgelaufenen Superphosphatssyndikats geführt wurden, konnten die wesentlichsten Schwierigkeiten beseitigt werden. In beteiligten Kreisen rechnet man daher bestimmt mit dem Wiederzustandekommen des Syndikats. Am Freitag werden die abschließenden Besprechungen stattfinden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 1. Juli. Tendenz: freundlich- — Das Geschäft an der heutigen Börse kam nur langsam in Gang. Durch eine vormittags abgehaltene schlichte Feier, in der der Befreiung der Rheinlande würdig gedacht wurde, verzögerte sich die Festsetzung der Kurse. Aufträge waren wiederum kaum eingegangen, doch schritt die Kulisse, angeregt durch die festen Schlußkurse an der gestrigen Veuyorker Börse, der zuversichtlicheren Beurteilung der innervolitischen Lage usw. in Spe- zialaktien zu Deckungen, so daß gegenüber der schon etwas gebesserten gestrigen Abendbörse teilweise wieder beachtenswerte Erholungen eintraten. Im Vordergründe des Interesses standen E l e k t r o w e r t e, die auf eine angebliche Ausdehnung der Interessengemeinschaft einzelner Unternehmungen stärker gesucht waren. Licht & Kraft waren mit 3,5 Prozent führend. Ges- fürel gewannen 2,5 Prozent, während AEG., Schuckert und Siemens leicht gebessert eröffneten. Außer diesen Werten war noch lebhafteres Interesse für Deutsche Linoleum, die schon an der gestrigen Abendbörse kräftig erholt waren, zu bemerken, mit einem Gewinn von 3,5 Prozent. Arn Chemiemarkt hatten I.-G.-Farben nur kleines Geschäft. Die Besserungen gingen an diesem Markte nicht über 1 Prozent hinaus. Mehr in den Vordergrund traten noch Bauunternehmungen, auf die Oie wirtschaftliche Lage des Handwerks im Zuni. Die Geschäftsstelle des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages erstattete den Bericht über die Wirtschaftslage des Handwerks im Monat Juni. Danach hat die im Derichtsmonat eingetretene geringfügige Belebung des Absatzmarktes und damit auch des Arbeitsmarktes keine nennenswerte Auswirkung gehabt. Die auf dem deutschen Wirtschaftsleben lastende Depression hält im allgemeinen unvermindert an. Die saisonmäßige Abnahme der Erwerbslosigkeit ist nicht in gleichem Maße fortgeschritten wie im Vorjahre. So machen sich denn auch in der Handwerkswirtschaft kaum Anzeichen einer Belebung bemerkbar. Der Daumarkt war nach wie vor sehr still; neue Bauvorhaben wurden nur vereinzelt in Angriff genommen. Lediglich in den Gewerbegruppen, für die das Pfingstfest von Bedeutung ist, waren die Umsätze besser. Auch die Heuernte auf dem Lande brachte den beteiligten Gewerben eine Besserung des Beschäftigungsgrades. Die Preise blieben in allen Gruppen außerordentlich gedrückt. Die Klagen über zunehmende Schwarzarbeit als Folge der großen Erwerbslosigkeit nahmen immer mehr zu. Die Preise für verschiedene Metalle, besonders Kupfer, zeigten rückgängige Tendenz. Rindermarli in Gießen. Heute fand in Gießen Rindvieh-(Vuhvieh-) Markt statt. Der Auftrieb betrug 1266 Stück Großvieh und 243 Kälber. Auswärtige Käufer waren zahlreich vertreten. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 600 bis 700 Mark, 2. Qualität 400 bis 500 Mark, 3. Qualität 200 bis 350 Mark, Schlachtkühe 150 bis 450 Mk.; Rinder i/2- bis Vjäljrig 120 bis 240 Mk., Rinder 3> bis 2jährig 200 bis 400 Mk.; Kälber, das Pfund Lebendgewicht 50 bis 55 Pfennig. Ausgesuchte Tiere über Voti^ Marktverlauf: schleppend mit etwas Ueberstand. Geringe Vachfrage nach guten Milchkühen; Schlachtvieh schwer verkäuflich. gionggemetnben Frankfurt a. M. und Bad-Vau- heim, der drei Frankfurter Logen und der hiesigen Aerztevereinigung. Vortragsabend des Alice-Franenvereins Butzbach. M. Butzbach, 30. Juni. Der Alice- Frauenverein Butzbach veranstaltete dieser Tage einen Vortragsabend, verbunden mit feiner diesjährigen Hauptversammlung. Den Vorsitz führte Frau Wiehler. Sie begrüßte die Anwesenden, sprach kurz über die Bestrebungen des Vereins und gedachte seines erst kürzlich verstorbenen Mitgliedes, des Herrn Medizinalrates Dr. Vogt. Hierauf erteilte sie Sanitätsrat Dr. Ohnacker das Wort zu seinem Vortrag: „Die Krankenpflege einst und jetzt und insbesondere in Butzbach". Die sehr interessanten Ausführungen des Redners fanden bei allen Anwesenden lebhaften Anklang. Hierauf erstattete die Schriftführerin des Vereins, Frau Heß, ihren Jahresbericht. Die Schwestern nahmen das von der Stadt neuzeitlich hergerichtete Hospital, das heutige Altersheim, in ihre Obhut. Hierdurch wurde ihr Arbeitskreis erweitert. Vom 14. Januar bis 21. März 1929 wurden in der vom Verein abgehaltenen Väh- stunde 47 Frauen und Mädchen in zwei Abteilungen unterrichtet. Weiter seien erwähnt die Anfertigung von Weihnachtsgeschenken, die Hilfeleistung bei der Verabreichung von Solbädern und die Bewirtung der Kinder. 51 einsame und alte Leute wurden unter dem Weihnachtsbaum reichlich beschenkt. Leider hat der Verein den Tod eines langjährigen Vorstandsmitgliedes, der Frau Kiefer, zu beklagen. Die Rechnungsablage erfolgte durch den Rechner des Vereins, Herrn Metzger. Die Einnahmen betrugen 6917,87 Mk., die Ausgaben 6887,05 Mk., so daß ein Ueberschuß von 30,82 Mk. verbleibt. Bei der Dorstandswahl wurden für die verstorbenen und ausgetretenen Mitglieder in den Ausschuß, der aus 10 Damen besteht, Frau K ahlbom und Frau Dr. Paul, in den Beistand die Herren Dr.Rau und Lehrer Bach gewählt. In einem Schlußwort gedachte Frau W i e ß - ler der verdienstvollen ersten Vorsteherin des Vereins, Frau Weickardt, die leider infolge ihres hohen Alters nicht an der Versammlung teilnehmen konnte, dankte ferner allen Mitarbeitern, insonderheit den Schwestern für ihre mühevolle und aufopfernde Tätigkeit und richtete die herzliche Bitte an alle Mitglieder, auch weiterhin dem Verein ein reges Interesse entgegenzubringen. LSZahre israelitisches Frauenheim in Bad-Nauheim. 2$. Bad-Vauheim, 30. Juni. Das im Jahre 1905 von dem bekannten Frankfurter Philanthropen M. M. Mainz mit Unterstützung von Angehörigen der Familie Rothschild gegründete israelitische Frauenheim zählt zu den ältesten sozialen Anstalten am Platze. Es hat seinen Verwaltungssitz in Frankfurt a. M. In 3ü>ei behaglich eingerichteten Häusern in der hiesigen Frankfurter Straße kann es monatlich etwa 55 minderbemittelten Frauen und Mädchen einen angenehmen Kuraufenthalt gewähren. An die Durchführung des sehr notwendigen weiteren Ausbaues ist bei besserer Wirtschaftslage gedacht. -Gestern fand im Heim eine schlichte, aber eindrucksvolle akademische Feier aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums statt. Der Vorsitzende des Vereins „Israelitisches Frauenheim", I. F. Ettling er (Frankfurt a. M.), konnte Freunde der Anstalt und geladene Gäste in größerer Zahl begrüßen, darunter auch Vertreter der Presse. Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld (Gießen) feierte in seiner tiefgründigen Festrede Gründung und Tätigkeit des Heims als einen Ausdruck gottgewollter Vächstenllebe, wünschte der wohltätigen Anstalt und den heilkräftigen Sprudeln eine gesegnete Zukunft und dankte herzlichst allen, die im Dienste der Vächstenllebe das Heim auch über die schweren 2ahre des Krieges, der Inflation und der Wirtschaftsnot erhalten. In herzlichen Ansprachen wurden anschließend dem Frauenheim die Glückwünsche zum Geburtstage übermittelt. Es sprachen u. a. Vertreter der israelitischen Reli- Zrantsun a. M. Schluß«! teUhr- flirt | Kurs Le Schlußkurs rlin Anfang- Kurs Frankfu Schluß- turs ri a.M. 1-llhr» Kurs Le Echluß- rlin Anfang. Kurs Sranffu Schluß- rt a. 271. l<4ihr« Le Schluß» (in Rfnfang« ,IIIUUIUOIH3|UQ U U. 5). _____Banfnc _________Berlin, 30. Juni_____________ len. Gelö Brief Datum 30. 6. 1. 7. 30. 6. 1. 7. Datum 30. 6. 1. 7. 30. b. 1. 7. Datum 30. 6. 1. 7. 30. 6. 1. 7. Amerikanische Noten...... Belgische Noten ....... Dänische Noten ........ 4,173 58,43 111,88 20,234 16,435 168,08 22,06 111,95 59,18 2,47 112,30 81,20 45,71 12,44 73,15 - $ranffurl 4,193 58,67 112,32 20,412 16,495 168,76 22,14 112,39 59,42 2,49 112,74 81,52 45,89 12,50 73,45 a. m. 6% Deuyche öieiajsaiuetfle von 1927 ......... 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 .......... Deutsche Anl^Ablös.-Schuld mit Auslos.,Rechten....... DeSgl. ohne Auslos^Rechte . . 8% Hess. Bolksstaat von 1929 (rückzahlb. 102%)...... Oberhessen Provinz ■ Anleihe mii Auslos.-Rechten ...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hyp^Bank Goldpfe unkündbar bis 1932 ..... *Vi% Rheinische Hyp^Bauk Ltqu. Goldpfe......... 8% Pr. LandeSpsandbrtefanstalt, Pfandbriefe R. 17...... 8% Pr. LandeSpsandbrtefanstalt, Komm^Lbl.R. 20...... 7% Pr. LandeSpsandbrtefanstalt, Pfandbriefe R. 10...... A E.G. abg. BorkrtegS-Obllgatio nen, rückzahlbar 1932 ..... 4% Oefterretchische Goldrente . . 4,20% Oefterretchische Stlberrente 4% Oefterretchische Einheitliche Rente........... «% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4%% desgl. von 1913..... 4% Ungarische Kronenrente . . . 4% Türkische Zollanlethe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Settel........... 88 103,5 59 9,2 94 57 57,5 101 95,5 90 101 96,75 95,5 98 26,8 2,75 22,9 1,95 5,25 59 9,35 88 103,9 59 9,2 95 57,9 101.5 94,5 26,8 23,2 22,9 1,9 5,13 5,3 5,3 9,75 7,6 59,3 9,4 23,25 21,13 Hamvurg-Ämertka Palei .... Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine DeutscheCreditanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz, und Privat-Bank. 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und Disconto-Gesellschast,. . . io Dresdner Bank ...... io Reichsbank..... 12 A.E.G............. Bergmann.........9 Elektr. Lteferungsgesellschast. io Licht und Kraft......io Selten & Guilleaume . . . ?y. Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... io Hamburger ElektrizttätS-Werko 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert L Co. ...... H Siemens & Halske ..... 16 TranSradto ........ 8 Lahme yer L Co.. ..... io Buderus..........6 Deutsche Erdöl.......6 Äsener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener . ......8 Harpener..... 0 Hocsch Eisen. ....... 6% Ilse Bergbau ....... 10 Klücknerwerke ........ 7 Köln-Neuessen........ 7 Mannesmann-Röhren .... 7 Mansselder Bergbau ..... 7 Oberschles. Eisenbedarf . . . . 6 Oberschles. KokSwerke.....7 Phöntr BeMbau......6% Rheinische Braunkohlen . . 10 Rhein stahl..... 6 Riebeck Montan ...... 7,2 105,5 105,75 113 122.5 162 143 211 134,25 134,25 154 149,5 110,5 148 173 221,5 161 77,5 129 121,75 242 99 97,25 106,5 107,25 122,5 143 210,75 134,25 261 154,75 153 150,5 173,5 222 78,5 88,5 105,5 164,5 105,75 113 122,5 162 143 210,75 134,25 134,5 261 154,25 181 143 148,5 111,5 148,5 134 144 151,5 172,5 221 117 160 77,5 88,5 129 123 99 242,5 99 96,5 97,13 106,4 106,4 112,75 122,5 162,5 143 210,75 134,25 134,25 261,4 154,5 181,25 150 151 134,75 144,5 153,4 172,75 222 77,4 89 130 123 99,75 98,5 97,6 Bereinigte Stahlwerke ..... Olavi Minen......16'/» Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 16 g. ®. Farben-Jndustrie ... 12 Dynamit Nobel.......6 Scheideanstalt....... . 9 Goldschmidt........6 RütgerSwerke..... 6 Metallgesellschaft.......8 Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Cementwerk Karlstadt. ... 10 Wayß & Frey tag......8 Schultheis Patzenhofer ... 15 Ostwer1e..... 12 Aku...........18 Beinberg.........14 Zellstoff Waldhof .... 18’/, Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer GaS ........ 9 Daimler Motoren ...... O Deutsche Linoleum ...... Rat. Automobil...... . 0 Orenstein & Koppel ..... ß Leonhard Tietz ...... 10 SvenSka........... Frankfurter Maschinen .... 4 Gritzner...... • • • 6 Heyltgenstaedt.......o 88,5 208 212 378 162,9 60 60,25 114 93 89 96 110,5 206,5 149 304 33 89 163,75 115 94,75 76,5 153 110 34.25 210 88,4 46,5 209 212 377,5 162,65 60 60,13 113,5 93 75 296 242 89 94,75 153,5 112 101 150 33,5 205 47,5 14,9 70,4 150 304 25 32 89 45 211,5 379,5 163,13 61,5 95 296 242,5 89,9 98,5 154 114 152,25 34 210 48 70 150 Englische No Französische Holländische Italienische 9 Norwegische Deutsch-Oeste Rumänische 9 Schwedische 9 Schweizer Nc Spanische No Tlchechoslowa Ungarische N veoi cn ........ Roten ....... Roten ....... oten........ Roten....... rretch, ä 1OO Schilling oten....... loten ....... ten . ....... en........ ische Noten..... oten . . ...... enmarfl Berlin - 30. 3unl l.jull Amtliche Notierung Geld | Srie Amtliche Geld Notierung I Brief Amst.- Nott. Buen.-AireS Brss.'Antw. Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helsingfors. Stellten. . . London, .. Neuhork . . Paris. . . . Schweiz . . Spanten • . Japan .. . «io de Jan. Wien in D-- Oest. abgest. Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Canada . . Uru uay. . Tatro . . . 168,42 1,483 58,475 112,19 112,17 112,57 10,547 21,95 20,367 4,1905 16,455 81,22 45,65 2,071 0,470 59,165 12,43 7,413 73,295 3,037 18,80 81,49 1,785 5,425 4,188 3,566 20,885 168,76 1,487 58,595 112,41 112,39 112,79 10,567 21,99 20,402 4,1985 16,495 81,38 45,75 2,075 0,473 59,285 12,45 7,427 73,435 3,043 18,84 81,65 1,789 5,435 4,196 3,594 20,925 168,45 1,473 58,47 112,19 112,15 112,51 10,546 21,955 20,365 4,1905 16,455 81,20 46,25 2,074 0,471 59,17 12,433 7,410 73,295 168,79 1,477 58,59 112,41 112,37 112,73 10,566 21,995 20,405 4,1985 16,495 81,36 46,35 2,078 0,473 59,29 12,453 7,424 73,435 4% desgl. Serie 11....... 5% Rumänische veretnh. Rente von 1903 ......... ty*% Rumänische veretnh. Rente von 1913 .......... t% Rumänische veretnh. Rente . 9,65 7,65 — 5,05 89 221 113 2— 113,25 69 65,5 105,65 88,9 221,5 112,5 68,25 98,6 89,6 222,75 113,25 KunghanS. ...... 6 Lechwerke........... Mainkraftwerke Höchst a. M.. .8 Miag...........io Gebr. Roeder ....... io Botgt & Haeffner ...... v Süddeutsche Zucker .... io 80 114 105 150 155,5 156 39 113,25 150 155 113,5 3,037 18,80 81,47 1,784 5,42 4,188 3,596 20,785 3,045 18,84 81,63 1,789 5,43 4,196 3,544 20,925