m. 176 Erstes Blatt 184. Jahrgang Dienstag, 3|.)uli 1954 Erfchemi täglid), autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: fcranifurt am Main 11086 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. 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Es wird sie auf die Dauer nur mit Deutschland im Glauben an die gemeinsame Zukunft finden, und nicht in irgendwelchen papiernen oder handgreiflichen Garantien der „Schutzmächte" von 1919. Wien, 31. Juli. (DNB.) Vor dem Militär- g e r i ch t s h o f fand am gestrigen Montag die erste Verhandlung statt, und zwar gegen den Mörder des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß, den 34jährigen Otto P l a ne t t a , und gegen den Anführer des Ueberfalls gegen das Bundeskanzleramt, den 29jäh- rigen Franz Holzweber. Beide sind des Hochverrats, Planetta überdies des Mordes an- zur Anklagerede, in der er etwa ausführte: Am 25. Juli fuhren vor dem Ballhausplatz ein Per- Nach Meldungen aus Udine sind die italienischen Alpenstraßen mit Truppen überfüllt, die in Richtung auf die österreichische Grenze marschieren. Die Hauptziele scheinen der Kreuzberg im Westen und Tarvis im Osten der italienisch-österreichischen Grenze zu sein. Die in Marsch gesetzten Streitkräfte werden auf vier Divisionen mit zusammen 32 000 Mann geschätzt. Der italienische Kriegsminister soll in Bozen eingetroffen sein. teidigte, ist Montagabend mit seinen Leuten a u f südslawisches Gebiet übergetreten. Die Aufgabe des Widerstandes war durch die von der südslawischen Regierung angeordnete st r e n g e Grenzkontrolle notwendig geworden, durch die die Lebensmittelzufuhr an die Aufständischen von südslawischem Gebiet her unterbunden worden war. Im ganzen sind nach den bisher vorliegenden Meldungen 2 0 0 0 Flüchtlinge über d i e südslawische Grenze gegangen. Sie wurden nach U e s k ü b im Innern Serbiens in ein Internierungslager gebracht. Oie italienischen Truppenbewegungen. Berlin, 30. Juli. (DNB.) Die s ü d s l a w i s ch e Gesandtschaft in Berlin teilt mit: Gegenüber den Ereignissen in Oesterreich ist der Standpunkt der südslawischen Behörden voll- st ä n d i g k o r r e k t. Es wird eine st r e n g e K o n- trolle an der Grenze vorgenommen, und von irgendwelchen Zwischenfällen oder Provokationen kann keine Rede fein. Bisher sind 7 00 öfter- reichische Flüchtlinge auf der Linie Maribar—Dravograd (Marburg—Drauburg) mit 200 Gewehren, einem Maschinengewehr und einigen Revolvern festgenommen, sofort entwaffnet und interniert worden. Es handelt sich durchweg um Leute jüngeren Alters. Die Bewegungen an der Grenze werden mit offenen Augen beobachtet, und es wird allen Stellen zur Pflicht gemacht, die Ruhe zu bewahren. Es wurde alles Notwendige veranlaßt, um die Sicherheit der Grenze zu gewährleisten und die korrekten Beziehungen zu Oesterreich aufrechtzuerhalten. Obwohl der Standpunkt eingenommen wird, daß die Vorgänge in Oesterreich streng innerpolitischen Charakters sind, und während alles getan wird, um die guten nachbarlichen Beziehungen zu Oesterreich nicht zu verletzen, ist die südslawische Regierung der Ansicht, daß im Falle besonderer Verwicklungen einzig und allein der Völkerbund zuständig ist, um über die österreichische Frage als internationales Problem zu entscheiden. Jede andere einseitige Maß - nähme bzw. eine Intervention wäre eine Verletzung der Friedensverträge und könnte weitere Folgen Hervorrufen. Etwaige Unterstellungen bzw. Entstellungen hinsichtlich des Verhaltens Südslawiens Oesterreich gegenüber würden auf das entschiedenste zurückgewiesen. Weitere Llebertritte nach Südslawien. Wien, 31. Juli (DNB.) Nach Meldungen aus Kärnten ist dort der Widerstand der Aufständischen so gut wie g e b r o ch e n. Der Führer der 300 Aufständischen, der Förster W ö l z, der den R a b e n st e i n an der südslawischen Grenze drei Tage hindurch gegen Regierungstruppen ver- 15.45 Uhr ist der Bundeskanzler seinen Verletzungen erlegen. An seiner Leiche wurden zwei Schußverletzungen festgestellt. Nach den Angaben des Gerichtsarztes, Unwerst- tätsprofessor Werk gärtner, ist'ein Schuß links am Hals eingedrungen, hat das Rückenmark durchbohrt und ist durch den Körper bis zur rechten Achselhöhle gegangen. Der zweite Schuß drang in der linken Halsseite ein und ist ein Steckschuß. Keiner der beiden Schüsse war unmittelbar tödlich, vielmehr ist der Tod des Bundeskanzlers durch Verbluten e i n g e t r e t e n; Mehrere Angeklagten Holzweber eine Aufsehen erregende Wendung. Es kam zunächst das Abkommen zwischen den Pu t s ch i st e n und den eingeschlossenen Regierungsmitgliedern auf freien Abzug zur Sprache. Der Der- handlungsleiter fragte den Angeklagten Holzweber: „Hat bei der Uebergabeverhandlung Minister Fey schon von der schweren Verletzung des Bundeskanzler gewußt?" — Angeklagter: „Der Mini st er hat davon gewußt und auch den Bundeskanzler in seinem Blute liegen sehen. Auch Minister Reusiädter-Stür- m e r hat durch Fey von der schweren Verletzung des Kanzlers Kenntnis erhalten. Minister Fey hat auch an das heeresministerium um 14.30 Uhr telephoniert, daß der Kanzler im Sterben liege. Minister Fey hat erklärt, daß diese Sache gütlich beigelegt werden solle: „dies sei auch der Wunsch des Kanzlers". Minister Fey habe auch sein Soldatenehrenwort für die Einhaltung des freien Abzuges, an den keine Bedingung geknüpft war, gegeben. Der Angeklagte Holzweber erklärte noch, daß er angenommen habe, die ganze Aktion fei legal. Minister!?ey erfärte bei feiner darauf folgenden Vernehmung, daß die Angabe des Angeklagten Holzweber rich- tig fei; er habe das freie Geleit unter Soldat e n e h r e n w o r t zugefichert, wenn die Putschisten die Waffen streckten. Zu dieser Zeit habe er von dem Tode des Bundeskanzlers bereits gewußt. Die Verteidiger beantragten die Vernehmung des Gesandten Dr. Rieth. Minister Fey schilderte die schon bekannten Ereignisse von der Besetzung des Bundeskanzleramtes und die verschiedenen Gespräche mit dem sterbenden Bundeskanzler, dessen letzte Worte gelautet hätten: „K e >i n Blutvergießen, es s o l l F r i e - den gemacht werden! Der Minister fuhr fort: Am späten Nachmittag ist dann Minister Neustädter-Stürmer vor dem Gebäude des Bundeskanzleramts erschienen und hat im Namen der Regierung ein Ultimatum gestellt, fcaß das Haus zu räumen und die Gefangenen freizulassen seien, widrigenfalls gestürmt werde. Andernfalls werde freier Abzug gewährt., Vorsitzender: „Sind an diesen anderen Fall .Bedingungen geknüpft worden?" Minister Fey: „Nein. Ich wurde dann neuer- I dings auf den Balkon geholt, um mit Minister Neu- schen drüben immer wieder aufrichten, ist ja nichts anderes als die Idee der deutschen O st mark und der deutschen Kultursendung im Donauraum. Es glaubt niemand in Wirklichkeit daran, daß man in Versailles den Schlagbaum zwischen Berlin und Wien deswegen habe niedersausen lassen, damit nicht die bösen Preußen die guten Oesterreicher verderben. Die Angst der Franzosen und ihrer Freunde war es vielmehr, daß jene große und ehrwürdige Tradition, die mit dem Zerfall der Doppelmonarchie ihr gewaltsames Ende gefunden hatte, sich vielleicht doch wieder in das neue Deutschland hinüberretten könnte. Unsere Feinde aus dem Weltkrieg haben es 1919 Oer Standpunkt Südslawiens Deutlicher Wink nach Rom. Das Drama im Wiener Bundeskanzleramt vor dem Mtärgericht Oie Anklagerede des Staatsanwalts. - Vernehmung der Hauptangeklagten. Oesterreich klagt an. I Von Dr Max Clauß Die tollen Vorgänge im Wiener Bundeskanzleramt, die Ermordung des Dr. Dollfuß und die blutigen Wirren in den Alpenprovinzen haben unmittelbar vor der zwanzigsten Wiederkehr des Kriegsanfangs aller Welt erschreckend deutlich gemacht, wo heute die Gefahrengrenze für Ordnung und Sicherheit in Europa verläuft. Die westliche Presse steht nicht an, das Ereignis von Serajewo 1914 mit dem schwarzen Tag in Wien auf eine Stufe zu stellen. Das Pulvermagazin des allgemeinen Kriegsbrandes sei nur vom Balkan herauf in das Herz des deutsch n Mitteleuropa gerückt und die Zündschnur seit jenen hilflosenVersuchen der Lokalisierung des serbischen Konflikts nur um so kürzer geworden! Kein Deutscher wird die grauenvolle Wahrheit dieser Feststellung bestreiten, kein Deutscher wird leugnen, daß die inneren Z u st ä n d e Oesterreichs v ö l - lig unhaltbar sind, allerdings nicht erst seit gestern und auch schon vor der antimarxistischen Kanonade vom Februür dieses Jahres. Oester- fehl!" Er gab jedoch nicht an, auf wessen Befehl. Der Angeklagte erklärte sodann, daß er dem Bundesheer bis zu seiner Entlassung wegen verbotener Betätigung für die Nationalsozialistische Partei bis zum Jahre 1932 angehört habe. Zuletzt sei er Stabswachtmeister gewesen. Planetta gab nun eine genaue Darstellung seiner Anordnungen. Am Vormittag des 25. Juli um 5 Uhr früh verstand er geklagt. die ihm als Truppführer unterstehenden Leute zu Knapp nach 17 Uhr erschien der Gerichtshof im verständigen, daß sie zwecks einer Aktion in einer Saal. Den Vorsitz führt Oberst K u b i n. Der Saal Turnhalle im 7. Bezirk sich einzufmden hatten. Um steht unter militärischer Bewachung. Zunächst wur- 11.30 Uhr kam er selbst in die Turnhalle. Um 12.45 den die beiden Angeklagten nach ihren Personalien Uhr fuhren sie dann mit Kraftwagen vor das -Bun= befragt. Aus diesen geht hervor, daß beide unbe- deskanzleramt. Sein Kraftwagen war der letzte, und schölten sind. Hierauf erhob sich ! als er dort ankam, war die Wache bereits uberwal- tigt. Planetta schilderte dann hingehend, wie er die öer OtOOtdaniDOlt ^Schüsse auf Öen Bundeskanzler abgegeben habe. Als er den Kanzler niedersinken sah, sei er sofort aus dem Zimmer gelaufen, um Verbandswatte zu holen. Am Schluß feiner Vernehmung erklärte Planetta, es tue ihm sehr leid, daß er den Bundeskanzler erschossen haben. Der Prozeß nahm nun bei der Vernehmung des reich ist der kranke Mann der Gegen-, - , , , . ~ wart, und sein Fall wird keineswegs leichter, sonenauto und elf Lastkraftwagen vor, auf denen, weil es sich um ein kleines Land und nicht um eine sich 150 bis 200 a l s Militärpersonen ver- Großmacht handelt. Erstens ist das Schicksal von kleidete Männer befanden. Das Personensieben Millionen Menschen — die benachbarte auto und vier Lastautos fuhren in den Hof des Schweiz hat nur zwei Millionen Einwohner — Bundeskanzleramtes ein. Die Insassen aller Autos unter keinen Umständen eine Nebenfrage, und sprangen von den Wagen, überwältigten die Milizweitens liegt dieses Oesterreich unmittelbar im tärwache und die Kriminalbeamten und stürmten Brennpunkt der großen europäischen Politik. die Stiegen hinauf, wo sie mit vorgehaltenen Pisto- Vizekanzler Fürst St ar Hemberg hat in len in die verschiedenen Zimmer eindrangen. Der starken Worten die traurigen Ereignisse dieser Tage Türhüter H e d v i c e k sah vom Fenster das Ein- dahin kommentiert, daß „Oesterreichs restlose und fahren der Kraftwagen und horte den Lärm. Er uneingeschränkte Freiheit und Unabhängigkeit er- trachtete danach, zunächst den B u n d e s k a n z l e r halten bleiben müsse". Indem er selbst sofort hinzu- in Sicherheit zu bringen. Er traf den Bundeskanzler fügte, „die Regierung werde in Oesterreich deutsche im Säulenfaal an und bat ihn, ihm doch so schnell Politik betreiben, aber diese werde sie a 11 e i n mie möglich zu folgen. Er hatte die Absicht, ihn machen und sich nicht von außen her b e - durch einen rückwärtigen Ausgang ms Freie zu raten und beeinflussen lassen", hat er führen. erfreulicherweise den größten Zweifel von vorn- Während hedvicek den Bundeskanzler auffor- herein beseitigt. Es ist in der Tat völlig bette, ihm zu folgen, wurde die zum Säulen- unrnaßgeblich, was sich gewisseitzose Zeitungs- jaa( führende Tür von außen gewaltsam einge- schreiber in Paris, London und Rom, ,a selbst in brü(ff unb 10 bis 12 Aufrührer drangen in wohlmeinenden neutralen Landern unter der be- Raum {in Eine Fluchl war nun nicht k-Ä vorstellen, solange wir nicht wissen, was die mehr möglich, da die Aufruhrer ihre Pislalen verantwortlichen Männer in Wien anschlup"n. Einet der Terroristen, so schilderte selber sich darunter denken. Hält Fürst Starhemberg hedvicek den Anschlag auf den Bundeskanz- für die Zukunst eine deutsche Politik in (er, ljaf vor dem Bundeskanzler stehend in dem Oesterreich nicht für notwendig, sondern für felbst- Augenblick, als der kanzlet wie zur Abwehr verständlich, dann verschwinden gewisse legi- bk $änbc über dem Kopf zusammenschlug, timisiische Gespenster der sllngsten Vergangenheit hintereinander zwei Schüsse an! ihn ab- -?n'ln gegeben. Sic weiteren Dargänge konnte hei, ganz bestimmten, bisher internutio» vicek Nicht mehr verfolgen, weil er von den nal keineswegs zugestandenen Cha -1 Leuten gezwungen wurde, die Hände hochzu- rakter beanspruchen müssen. Die Ber- halten und sich mit dem Gesicht zur Zimmer- liner Reichspolitik und ihr Sondergesandter Herr wand zu stellen. von P a p e n werden erfreut und erleichtert sein, .. hi,hpriQ(>n Erbebunaen ergeben haben, wenn sie feststellen, daß die österreichische Regierung $r Dollfuß trotz seiner schweren Ver- T das soeben Vorgefallene fetter ( - n nod) einige Stunden am Leben und teil- denn fe entschlossen ist, das Staatsschiff m Wien . Bewußtsein, obwohl er erst nach gegen Wind und Wetter einen geraden deut- 1 «ni« t »n n orb u n b e n wurde Gegen scheu Kurs zu steuern, Fürst Starhemberg kann I20 ®lnut,n verbunden wuroe, wegen überzeugt sein, dgß sich ihm aus Berlin kein ungebotener R a t und kein störender Einfluß aufdrängen wird. Allerdings wird er selbst schwerlich glauben, daß diese korrekte Enthaltsamkeit auch in anderen maßgebenden Hauptstädten ohne weiteres gegeben ist. Denn was sich bisher im europäischen Sprachgebrauch Oesterreichs Freiheit und Unabhängigkeit nannte, was alles andere als eine Freiheit zu deutscher Politik und eine Unabhängigkeit von deutsch- feindlichem Zwange. Jeder Tag österreichischen Schicksals seit jener Un-1 ~ ‘ ~ ‘ ‘ firh nuf Planetta, Heilsstunde, wo man dem deutschen Restteil ber ^rfiüffe abgegeben hat Dieser t.u.l Habsburger Monarchie in VersaMes und daß e^d.e^tödlichen Schusst^abge^eb-n^ab Dies St. Germain das natürliche Selbstbestim- 9 Schüsse abgegeben hat. Er erklärt jedoch, daß mungsrecht abschnitt, das man anderen Nach- nicht d?e Absicht gehab habe, den Bundeskanzler folgestaaten des Donaureiches so freigebig schenkte, er cy e Avftcyr :gM ; um |0 roe= hat den Fehlspruch der Sieger laut anged 3“ ireJJen* ^icyweige uerm ö klagt. Und schließlich war auch die Politik des jetzt 9 _ . _u,n(,nPhpn moröen fei auf seinem Posten gefallenen Bundeskanzler Dr. ausdrücklich d.e Paro e ausgegeben worden fei, Dollfuß alles andere' als unabhängig, sondern sie daß keinerlei Gewalllalen dieser Art, insbe- stand vollkommen im Schatten des Lausan - sondere Erschießungen, vorgenommen roeroen ner Protokolls vom Sommer 1932. dürften, ausgenommen in den dringendsten Damals haben Frankreich, England und Notfällen. Italien sich nicht gescheut, den wirtschaftlich bis Verteidigung unterbrach nach zum Weißbluten erschöpften Staat noch einmal durch ^ntra9 mnr{ihpnbe die Verhandlung, bas >)ach der (5 e l b ft a u f g ab e, u ch9 Ö ____3 I . moriothi ^nn'^di^Möalichkeit einer Rück- lassen. Unb obwohl bamals ber Nationalsozialismus um ber Verteidig g . . im Reich noch keineswegs an der Macht war, bedeu- spräche mit den Angeagten ZU ten die inzwischen wieder erfolgten Garantie-- Nach der Wederaufnähme der -lleryano g erklärungen der drei genannten Mächte ohne wurde vom Militargench Y i jeden Zweifel die gerade Fortsetzung des Hauptangettagte planetta Lausanner Protokolls, d. h. die unter w . K etrnn(, be5 Vorsitzenden, Zwang erreichte Sicherheit, daß Oesterreich Zuerst oernommen Bunbeskanzleramt einge- alles treiben darf nur eben keine deut - warum Planetta in‘ Öaö m„aeklagte: „Auf B e> sche Politik. Damit soll die tragische Verwir- drungen fei, erwiderte 9 rung in den inneren Beziehungen zwischen Reichs- deutschen und Oesterreichern keineswegs verkannt . , . , fein. Sie ist umso gefährlicher und für die Wiener des Nationalsozialismus in l^ner R r 4 . s" Politik unheilvoller gewesen, als der unnatürliche 30. Juni über /'National_ >9 . jnnen Trennungsstrich Zwischen Deutsch und Deutsch ja gesagt hat. Adolf Hitlers L l*>Bt n^d) niiien keineswegs mit der deutfch-osterreichifchen Grenze und nach außen an Einde g^em zusammenfiel, sondern mitten burch bas kleine Land a n t w o r t u n g s b e w u ß f in. selber ging. Wenn schließlich ein völliger Stillstanb schen übrig, unb es hat ! - weg des normalen Lebens unb eine krasse Ueberspitzung göbie m Wien beburft, um der zum Selbstzweck gewordenen Staatsgewalt kommen klar zu tun baran qel)t feine daraus entstanden ist, st> stehen wir alle erfchüi- Wenn O -st - r :t! i Ü Z^^nst ^u 'sichern, tert nor einem solchen Verhängnis, Und wenn der d e u i, 6rinner (id) bie Men- Tage zuvor ber deutsche Reichskanzler und Führer i Oesterreich , an MMMM städter-Stürmer zu sprechen. Es ist bann noch mehrfach verhandelt worben." Vorsitzender: „Ist nicht die Vereinbarung sofort zurückgezogen worden, als bekannt wurde, daß der Herr Bundeskanzler t o t sei?" Minister Fey (lebhaft): „Nein!" Der Minister schilderte bann den bekannten Hergang der H e r b e i r u f u n g des damaligen deutschen Gesandten Dr. Rieth, worauf der Vorsitzende fragte: „Haben Sie sich dafür eingesetzt, daß das Uebereinkommen eingehalten wird?" Minister Fey: ,Hch habe mich dafür eingesetzt und darauf hingewiosen, daß diese Vereinbarung getroffen wurde." Lin Verteidiger: „haben Sie nicht Ihr Wort gegeben, daß die Aufrührer freigelassen werden?" Vorsitzender: „Diese Frage lasse ich nicht zu." Minister Fey: „Ich habe keinen Grund, diese Frage nicht zu beantworten. Bezüglich dieser Vereinbarung habe ich weder mein Wort, noch mein Soldalenwort gegeben, weil ich keine Vereinbarung treffen konnte. Diese Vereinbarung wurde zwischen Minister Veustädter- Stürmer und den Aufständischen getroffen. Ich habe lediglich als Dolmetsch fungiert. Richtig ist nur, daß der Angeklagte bzw. andere Aufrührer mich gefragt haben, ob sie sicher sein können, daß die Vereinbarungen eingehalten werden, worauf ich erklärte: Ich glaube, daß Sie sicher sein können. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie sich Fey das erkläre, daß die Gefangenen nicht freien Abzug bekommen haben, erwiderte der Minister: „Später ist von Seiten der Regierungsmitglieder von dieser Bedingung gesprochen worden." Minister Neustädtei-Stüi-mer wurde hierauf vernommen. Dieser gab zunächst eine Darstellung des mit den Aufrührern zustande- gekommenen Abkommens und sagte weiter: „Als der Hergang des Todes des Kanzlers bekannt wurde, hat der mittlerweile vor dem Bundeskanzleramt erschienene Bundesminister Schuschnigg gesagt: „Da ergibt sich ja eine ganz neue Situation, hier ist ja ein Mord geschehen. Infolgedessen wird die Regierung vorläufig bis zur Klarstellung des Falles die gesamten Aufständischen in Gewahrsam nehmen." Ein Verteidiger: „Unbekümmert um das Schicksal des Bundeskanzlers war das Schicksal des freien Geleites gegeben, wenn von ba an nichts geschieh^. Das steht einwandfrei fest." Bundesminister Neustädter - Stürmer: „Ich möchte Darauf Hinweisen, daß ich mein S o l - datenehrenwort gegeben habe. Ein Sol- datenwort gibt man Soldaten. Ich überlasse es dem Gericht, zu beurteilen, ob sich Soldaten so benommen hätten, daß sie ärztliche Hilfe und geistlichen Beistand einem Todoerwundeten verweigern." Nachdem sodann noch Staatssekretär K a r w i n - s k y , der Polizeivizepräsident S k u b l sowie der Diener, der bei der Erschießung des Bundeskanzlers dabei war, vernommen waren, beantragten die Verteidiger die Vernehmung des ehemaligen Gesandten Dr. Rieth und des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg. Nach zehn Minuten Beratung teilte der Vorsitzende mit, dieser Antrag sei a b g e l e h n t. Die Verteidiger erklären darauf, außerstande zu sein, aus Gründen der Ueberanstrengung weiterzuver- handeln. Sie bäten um Unterbrechung des Prozesses. Als der Vorsitzende trotzdem weiterverhandeln zu wollen erklärte, kam es zu einer sehr erregten Szene. Die Verteidiger legten ihr Amt nieder. Der Vorsitzende beantwortete diesen Schritt damit, daß er erklärte, er wolle Anzeige an die Rechtsanwaltskammer erstatten. Die Verteidiger erwiderten, sie würden das selbst tun. mangels einer Verteidigung für die Angeklagten mußte der Prozeß unterbrochen werden. Es sind augenblicklich Verhandlungen im Gange, damit die Verteidiger ihr Amt Dienstag früh wieder übernehmen. Die Verhandlung wird am heutigen Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt werden. Was waren Dollfuß' letzte Worte? Wien, 31. Juli. (DNB.-Funkspruch.) Nach dem Prozeßbericht der Amtlichen Nachrichtenstelle hat Minister Fey in der Militärgerichtsverhandlung gegen die Dollfuß-Mörder die letzten Worte D r. Dollfuß' folgendermaßen widergegeben: „Es soll Frieden und kein Blutvergießen mehr sei n". Ohrenzeugen in dem Prozeß erzählen aber nunmehr übereinstimmend, daß Fey gesagt habe, Dr. Dollfuß' letzte Worte seien gewesen: „Dr. Rintelen soll Frieden machen und es soll kein Blutvergießen mehr sein". Vernehmung Rintelens. Wien, 30. Juli (DNB.) Der Gesandte Dr. Rintelen ist am Montag zum ersten Male im Krankenhaus polizeilich vernommen worden. Der Zustand Dr. Rintelens soll sich im Laufe der letzten Nacht so weit gebessert haben, daß seine Vernehmung möglich war. Man hofft, durch die Aussagen Dr. Rintelens, die stenographisch ausgezeichnet werden, weitgehend die Zusamrnmen- hänge des Aufstandes zu klären. Dr. Rintelen befindet sich weiter unter strengster Bewachung. Ein mißlungener Entführungsversuch. Wien, 31. Juli. (DNB.) Am Montag waren in ganz Wien Gerüchte von einem Versuch, Dr. Rintelen aus dem Krankenhaus zu entführen, verbreitet. Tatsächlich hat sich in der Nacht zum Montag folgender Vorfall abgespielt: Vor dem Allgemeinen Krankenhaus, in dem Dr. Rintelen liegt, fuhr ein Krankenkraftwagen vor, der mit Männern besetzt war, die die Uniform von Wachleuten trugen. Die Leute gaben vor, beauftragt zu sein, Dr. Rintelen in das landesgerichtliche Jnqui- fitenspital zu überführen. Den Dienst habenden Aerzten kam die Sache verdächtig vor. Außerdem war der Gesundheitszustand Dr. Rintelens derart, daß eine Ueberführung nicht ratsam erschien. Darauf wurden die Leute wieder weggeschickt. Eine spätere Ansage ergab, daß ein Auftrag zur Ueberführung Dr. Rintelens ins Landesgericht nicht erteilt worden war. Es liegt also zweifellos ein mißlungener Entführungsoerfuch vor. in ; «Berlin nehmen au üienische •bas „Bertil töerungümi Jager o" Tier zu denkt an Rache." U i den Deut die wilde । > erwacht, tausender sozial i nur das rauf", sc dieses N st a n d e Perm i teil des 1 Der „! daraus, । daß bie Ianb w bürfien. 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Ob diese Auffassung der genannten Kreise richtig ist, wird die Entwicklung der nächsten Tage erst lehren können. Weiler wird versichert, daß von verschiedenen Großmächten bei der österreichischen Regierung Schritte in der Richtung einer baldigen Gewährung des Agreements für Herrn von Papen erfolgt feien, um damit den von Reichskanzler Adolf Hitler in seinem Schreiben an von Papen zum Ausdruck gebrachten Wunsch nach Wiederherstellung normaler freundschaftlicher Beziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland in die Wege zu leiten. Eine Bestätigung biejer Nachricht liegt allerdings auch noch nicht vor. Die Ernennung des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg, dem man Verständnis für den Ernst der internationalen Lage nachsagt, wird in diplomatischen Kreisen nicht ungünstig beurteilt. Ob es ihm allerdings gelingen werde, einen inneren Ausgleich durch Heranziehung insbesondere der breiteren nationalen Schichten durchzusetzen, ist fraglich. Wit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt man in Wien naturgemäß die Haltung der italienischen Regierung, die zweifellos von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwicklung der internationalen Lage sein werde. Von der Londoner Regierung erwartet man, daß sie auch weiterhin die gleiche Zurückhaltung übe und ihrerseits die notwendigen Schritte tun werde, um keine Verschärfung der Lage zuzulassen. Auch die Rückkehr des früheren Staatssekretärs für Aeußeres, des Gesandten Tauschitz, nach Berlin, wird in nicht ungünstigem Sinne ausgelegt. Niemand zweifelt aber daran, daß das Werk der friedlichen Regelung noch auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen werde. aufhören müßten, erwiderte Simon: „Die Ansicht der britischen Regierung ist wohl bekannt, und was ich gesagt habe, zeugt davon." Aus die weitere Anfrage, ob er unmittelbare Vorstellungen bei der deutschen Regierung über diesen Ausdruck der Mißbilligung erhoben habe, antwortete Simon: „In Anbetracht des ernsten Gefühles der Verantwortung, die jeder empfinden muß, der Fragen über dieses Thema stellt oder beantwortet, ziehe ich vor, daß diese Anfrage schriftlich gestellt wivd." Auf weitere Anfragen teilte Simon mit, daß Montag früh eine neue österreichische Regierung gebildet worden sei. Die letzten Berichte deuteten an, daß vereinzelte Kämpfe weiterhin in entfernteren Bezirken im Gange sind. Aus die Frage eines Wilgliedes des Parlaments, welche Schritte die britische Regierung unternehme und zu unternehmen beabsichtige, um die Unabhängigkeit Oesterreichs zu wahren, erklärte Simon: „Die Regierung verfolgt weiterhin sorgfältig die Lage. Ls Ist aber von feilen der Regierung keine Aktion erforderlich oder in Erwägung." Lord Eecil drückte in einer Rede die Hoffnung aus, der Völkerbund möge eine Lösung der österreichischen Frage anstreben. Eine Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland komme jedoch nicht in Frage. Auch könne die Unabhängigkeit Oesterreichs nicht auf italienische Gewaltanwendung aufgebaut sein. und jede österreichische Regierung lediglich als Befehlsempfänger und gehorsamen Rekruten der römischen und französischen Politik ansieht. Das ist eine barbarische Methode, die in schroffem Gegensah zu jenen Phrasen von Kultur und Demokratie steht, mit denen man die Unabhängigkeit Oesterreichs solange aufrechterhalten will, als eine österreichische Regierung willenloses Objekt bleibt. Würde sie sich widersetzen, dann würde die Tonart gegenüber Der österreichischen Regierung so sein, wie sie jetzt dem an allen diesen Ereignissen uninteressierten Deutschland gegenüber angewandt wird. Daß wir Oesterreichs Volk bemitleiden und nur das Volk schauen, ist diesen Priestern des Hasses unverständlich, weil Oesterreichs Volk ihnen gleichgültig ist. Vereidigung der neuen Regierung. Weiter im Sinne und Geiste Dollfuß. Wien, 30. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: Der neu ernannte Bundeskanzler Dr. Schuschnigg erschien in den Nachtstunden mit den Mitgliedern des Kabinetts beim Bundespräsidenten. Bundespräsident Miklas begrüßte die Herren in einer längeren Ansprache, in der er u. a. ausführte: Sie übernehmen ein großes Erbe, das politische Erbe des verewigten Bundeskanzlers Dr. Dollfuß. Führen Sie es in Ehren weiter, i n seinem Sinne, in seinem Gei st e. Mit anerkennenden Worten gedachte der Bundespräsident der bisherigen Leistungen des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg, die eine volle Garantie dafür bieten, daß der neubestellte Regierungschef die in ihn gesetzten Erwartungen voll und ganz erfüllen werde. Desgleichen dankte der Bundespräsident dem Vizekanzler S t a r t) e m b e r g für die zielbewußte und energische Führung der Regierungsgeschäfte seit dem Tode des verewigten Bundeskanzlers. Hierauf legten der Bundeskanzler und die neuernannten Bundesminister und Staatssekretäre den Eid auf die Verfassung ab. Nach der Vereidigung dankte Bundeskanzler Dr. Schuschnigg dem Bundespräsidenten für das durch die Berufung bekundete Vertrauen und gelobte die Führung der Regierungsgeschäfte im Sinne des unvergeßlichen Bundeskanzlers Dr. Dollfuß zum Wohle des Vaterlandes. Starhemberg Führer der Vaterländischen Front. Wien, 31. Juli. (DNB.) Nach einer Mitteilung des Bundeskommisfors für Heimatdienst, Adam, wird Vizekanzler Fürst Starhemberg die Leitung der Vaterländischen Front übernehmen. Damit ist das Erbe von Dr. Dollfuß zwischen Dr. Schuschnigg und Vizekanzler Starhemberg geteilt worden. Die lieber» nähme der Leitung der Vaterländischen Front durch Vizekanzler Fürst Starhemberg bedeutet eine w e i- tcre erhebliche Verstärkung der Heimwehrposition in Oesterreich. Der neue österreichische Außenminister ist Boron Berger-Waldenegg, der bisherige Justiz- minister. Oer neue Bundesminister für Landwirtschast. Wien, 30. Juli. (DNB.) Zum Bundes» mini st er für Landwirtschaft wurde Jos. R e i t h e r, der bisherige Landeshauptmann von Niederösterreich, ernannt. Ferner wurde zum Staatssekretär für Sicherheitswesen der bisherige Sicherheitsdirektor für Oberösterreich, Baron Ham- merstein-Equord, ernannt. Tauschitz wieder Gesandter in Berlin. Wien, 30. Juli. (DNB.) Bundesamtlich wird mitgeteilt: Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat gestern den Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Ingenieur Tauschitz empfangen und teilte ihm mit, es erscheine ihm mit Rücksicht auf die allgemeine Situation wünschenswert, daß Staatssekretär Tauschitz wieder die Führung der Gesandtschaft in Berlin übernehme. Staatssekretär Tauschitz erklärte, er werde sich dem neuen Bundeskanzler ebenso loyal zur Verfügung stellen, wie dem verewigten Bundeskanzler Dr. Dollfuß. Staatssekretär Tauschitz wird schon nach Uebergabe des Amtes an den neu ernannten Außenminister Berger-Waldenegg in den nächsten Tagen nach Berlin zurückkehren und die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernehmen. „Oie alten Schwierigkeiten im Wiener Kabinett unverändert." London, 31. Juli. (DNB.-Funkspruch.) -In einem Bericht über bas neue österreichische Kabinett beurteilt der Wiener Vertreter des „Daily Telegraph" die Aussichten wie folgt: Das Kabinett weist in feiner Zusammensetzung keine besondere Neuerung auf. Es fehlt ihm nur die magische Persönlichkeit des kleinen Bundeskanzlers. Die alten verborgenen inneren Eifersüchteleien bleiben bestehen. Die alten Schwierigkeiten, die sich für einige Wini- ster aus ihrer doppelten Treue zum deutsch« Staat und zur deutschen Rasse immer ergeben haben, sind unverändert. Die Mitglieder des Kabinetts, die früher abgeneigt gegen Feindseligkeiten gegenüber den Nationalsozialisten waren in dem Gedanken, daß eines Tages ein Umschwung eintreten könne, werden heute dieselbe Neigung haben, es sei denn, sie stellen fest, daß der Nationalsozialismus dem Untergang geweiht fei. Oer Eindruck in Paris. Paris, 30. Juli. (DNB.) Die Ernennung Schuschniggs zum österreichischen Bundeskanzler wird in Paris angeblich mit Genugtuung ausgenommen, obwohl in der Presse die Besorgnis zum Ausdruck kommt, daß die Lösung der Regierungsfrage noch keineswegs die innerpolitischen Schwierigkeiten zu beheben scheine. Diese Besorgnis vermag auch der zur Schau getragene Optimismus der amtlichen Stellen nicht ganz zu verdecken. In französischen Reaie- rungskreisen wird die Betrauung Schuschniggs als Bürgschaft dafür ausgelegt, daß der Kampf für die Unabhängigkeit Oesterreichs, den Dollfuß so mutig geführt habe, von seinem Nachfolger mit der gleichen Kraft fortgesetzt werden würde. Im übrigen weist man darauf hin, daß der neue Leiter der Regierung bei den österreichischen Sozialdemokraten wahrscheinlich nicht auf dieselbe Feindseligkeit stoßen werde, wie sein Vorgänger. Das Kabinett Schuschnigg wird in der französischen Presse im großen und ganzen mit Sympathie ausgenommen. Man findet allerdings hier und da die Frage berührt, ob vom innerpolitischen österreichischen Standpunkt aus die Zusammensetzung des Kabinetts das Ministerium eine lange Lebensdauer verspreche. llebrigens greifen die Presseauslassungen sehr schnell auf die internationale Entwicklung Der österreichischen Frage über. Ministerrat stellt völlige Ruhe fest. Wien, 31.Juli. Der außerordentliche Minister r a t hat am Montag festgestellt, daß in Oesterreich wieder völlige Ruhe herrsche. Der Ministerrat beschloß, den Generalprokurator Winterstein mit der Leitung der besonderen Untersuchungen über die Vorfälle des 25. Juli zu beauftragen. Das Standrecht für Wien bleibt vorläufig. W i e n, 30.-Juli. (DNB.) Das Standrecht für Wien bleibt bis auf weiteres a u f r echter h a 11 e n. Die Haustore müssen auch weiterhin um 20 Uhr, die Gaststätten um 22 Uhr gesperrt werden. Krankheitsurlaub des Wiener Polizeipräsidenten Seydel. Wien, 31. Juli. (DNB.-Funkspruch.) Polizeiprä. sident Dr. S e y d e l ist, wie amtlich mitgeteilt wird, erkrankt und wird einen Urlaub antreten. Die Leitung der Bundespolizeidirektion in Wien wurde dem Bundespolizeivizepräsidenten Dr. S k u b l übertragen, auf den gleichzeitig die Amtsbefugnisse des Sicherheitsdirektors in Wien übergehen. Kein Anlaß zu einer Aktion wegen Oesterreich. Erklärungen des englischen Außenministers im Unterhaus. London, 30. Juli. (DNB.) Jrn Unterhaus wurde am Montag eine Anfrage über O e st e r - reich an die - Regierung gestellt. Außenminister Simon teilte mit, er wisse nichts von irgend einer Absicht, eine Sondersitzung des Völker- bunfosrotes zur Erwägung der Lage in Oesterreich einzuberufen. Auf weitere Anfragen über Oesterreich erklärte er: Letzten Februar und wieder vor kurzem erhielt ich von der österreichischen Regierung eine Sammlung von Material, das die Mitwirkung deutschen Einflusses in der Propaganda gegen die österreichische Regierung und einer Reihe von auf österreichischem Gebiet begangenen Verbrechen andeutet. Dieses Material wurde von der österreichischen Regierung auch der italienischen und 'der französischen Regierung übermittelt. Bei der Bestätigung des Empfanges dieser Mitteilungen unterrichtete ich den österreichischen Gesandten dahingehend, daß die britische Regierung nicht die Absicht habe, in die Angelegenheiten irgend eines anderen Landes einzugreifen und daß sie voll das Recht Oesterreichs anerkenne, zu fordern, daß keine Einmischung in seine inneren Angelegenheiten von irgend einer anderen Seite erfolgt. Ich verlas den Wortlaut dieser Antwort am 13. Februar. Die Ansicht der britischen Regierung in dieser Frage bleibt unverändert bestehen. In Beantwortung der besonderen Frage, ob er im Verein mit anderen Regierungen Schritte unternehmen werde, um die deutsche Regierung zu warnen, daß diese Verbrechen Das neue Wiener Kabinett. In der Nacht zum Montag hat der österreichische Bundespräsident den ausgesprochen Cyristlich-So- zialen und Anhänger der Habsburger Dr. Kurt Schuschnigg zum ö st erreicht schen Bundeskanzler ernannt. Dr. Schuschnigg hat etwa alle die Machtvollkommenheiten, die Dr. Dollfuß in heftigem Kabinettskrieg gegen Starhemberg und Fey an sich gebracht hatte. Es muß auffallen, daß die Christlich-Sozialen ins neue Kabinett nur Drei, die Heimwehren aber vier Minister entsenden, die Heimwehrminister aber nicht ihr Ressort selbst verwalten, sondern nur provisorisch damit betraut wurden. Will man damit andeuten, daß dieses Kabinett nur eine provisorische Kombination ist? Dr. Schuschnigg, der Führer der sehr klerikalen und habsburgischen Ost märkischen Sturmscharen, glaubt wie Dr. Dollsuß an den Typ des besonderen österreichischen Menschen, im Gegensatz zum gesamtdeutschen Menschen; er hat die gesamtdeutsche Volkheit bisher verneint und an eine besondere Mission des kleinen Trupps der österreichischen Menschen für Europa geglaubt, der außerhalb der kleinen Gruppe der Ostmärkischen Sturmscharen nirgends zu entdecken ist. Die Heimwehr stand ihnen in mehr oder minder offener Feindschaft gegenüber. Bezeichnend für die Strömungen im Lager der Machthaber bleibt folgender Vorfall: Nach übereinstimmenden Berichten, vornehmlich der englischen Presse, ist vor der Ernennung Schuschniggs die Prätorianergarde der Heimwehren am Sonntagnachmittag mobilisiert worden. Während die Bundeskanzlei von Polizei und Bundestruppen gesichert wurde, glichen die Prätorianerkasernen einem Heerlager. Die Heimwehren haben also direkt einen Druck auf die Zusammensetzung der Regierung ausgeübt. Es ist ein Kompromiß herausdestilliert worden, das bezeichnend für die Irrungen und Wirrungen in Oesterreich und für die taktischen Streitigkeiten um den Kurs im Regierungslager ist. Die Wahl Schuschniggs an Stelle Starhembergs wird in Heimwehrkreisen mehr als enttäuscht haben. Die Machtkämpfe im Regierungslager selbst sind voraussichtlich mit diesem Kabinett nicht beendet. Alles das zeigt, wie verlogen jene Darstellung war, reichsdeutsche Einflüsse hätten das österreichische Choas erzeugt. Immer deutlicher wird, daß die österreichischen Zustände nur aus österreichischen Verhältnissen und vielleicht noch zu erklären sind durch gewisse politische Einwirkungen romanisch - französischer Politik. Dadurch ist in Oesterreich ein Gegensatz zwischen dem Volk und der Regierungs- weise entstanden, die schon im Februar zu einem furchtbaren Bürgerkrieg führte. Man konnte damals uns wirklich nicht für den marxistischen Aufruhr verantwortlich machen, aber damals schwieg jene verbrecherische ausländische Pressern e u t e, die heute „für die Kultur und Zivilisation" einzutreten vorgibt und seit Monaten alle Barbareien, Folterungen, die ständigen Kämpfe zwischen der Wiener Regierung und dem Volke ruhig hinnahm, oder als Mittel zum Zweck ausnutzte, um eine Politik zu treiben, die das österreichische Volk um das primitivste Selbstbestimmungsrecht bringen will Gir Simon über Deutschland Er fügte hinzu, er habe es für richtig ge- mfrter ,auf werde. n n e reo en. Dlt ge Mini er ergeben pruch.) 'N irgend -m-m System kollektiver Sicherheit unter dem tötia lein Es fei eine bedauerliche Tatsache, o°ll die Nktiönen, die an Abrüstungseror erung-n^ t-£ nahmen „ober bie versuchen, dies einem SÄ&WFA Länder folgen muffe, fuhr er fort. -«weil er sehe, bestehe feine Gefahr, dah der Trieben in der unmittelbaren Zukunft gebro- ch-n wird. Die Regierung ha e keme neuen Bindungen übernommen. Pollllk fel, neue Llndungen 3u vermeiden. S.e mü s- aber bie Luftwaffe vermehren, wenn sie in der tage sein ,°ll im Notfall die bestehenden Bindungen u erfüllen. Ohne die fetzt vorge chlagene Er- Höhung der britischen custverle.d.gung wurde England in einigen -ähren unfähig sein, d.e I Locarnoverpslichlung durchzusühren. (=:- e,nhn MON erwähnte, daß im Verlaufe mit einer anoeren luiaaji gellen, |v»uu.l ber Aussprache Ziffern über ben Umfang bes gebnis eingeljenber Erörterungen ber zuständigen Flugzeugbaues in Deutschland genannt Minister. „Daily Mail" ist unzufrieden mit bem Ausmaß ber englischen Aufrüstung. Man müsse weit- aus stärker rüsten. Bestürzt zeigt sich „Daily Expreß . Seit langem ist bas Blatt, wie bekannt, leibenschaftlich bafur eingetreten, baß Großbritannien sich ganz auf sich s e l b ft zurückziehe unb sich jeder Beteiligung an ber Kontinentalpolitik enthalte. Balbwin aber, so behauptet es, habe es ge- rabezu befürwortet, baß man sich in alle europäischen Verwicklungen hineinziehen lasse. „Wir wollen unsere Grenze bis zum Rhein vorschieben", so heißl es in dem Artikel, „aber die Schnelligkeit der Flugzeuge wirb immer größer. Bald wirb auch schon ber Rhein nicht mehr in Frage kommen. Sollen wir bann womöglich bie Elbe, bie Weichsel ober bie Wolga garantieren? Oie Gewaltherrschaft im Memellanb. K o w n o , 30. Juli. (DNB.) Die Auslösung bes Memelländischen Landtags wirb amtlich b e ft ä t i g t. Begründet wird die Maß- nähme damit, daß der Landtag durch Sabotage ber Abgeordneten während der Sitzung am oergange- nen Freitag seins Arbeitsunfähigkeit erwiesen habe. Nach dem Statut werden Neuwahlen späte- stens in sechs Wochen stattfinden. Es steht jedoch noch nicht fest, ob der Gouverneur diese Bestimmung des Statuts e i n h a l t e n wird. Wie verlautet, würde dieser, gestützt auf den Staatsnot» stand, die Wahl wahrscheinlich verschieben. Dieses Vorgehen ist ein weiterer Schritt auf dem Wege der Entrechtungder metnel- ländischen Bevölkerung. Der Landtag ist bekanntlich d o rr dem Gouverneur beschlußunfähig gemacht worden durch zahlreiche Mandatsentziehungen ber memellänbischen Parteien, u. a. finb 22 Vertretern ber Lanbwirt- schaftspartei eine halbe Stunbe vor Beginn ber Sitzung bie Manbate entzogen worben, ferner sind auf Weisung bes Gouverneurs bie fünf litauischen Abgeorbneten von der Sitzung ferngeblieben. Die Maßnahmen des Gouverneurs sind erfolgt, um bem sicheren M i ß t r a u e n s v o t u m bes Land- tags gegenüber bem litauischen Direktorium zu ent- gehen Da bie Bevölkerung bei einer Neuwahl sich bestimmt nicht zu Gunsten bes litauischen Direkto- riums aussprechen würbe, scheint Herr Novakas die Bestimmung des Statuts über ben verfassungsmäßigen Zusammentritt eines neuen Landtag» m i ß a chten zu wollen. Eine nicht fristgemäße Abhaltung würde die litauischen Rechtsbrüche um ein neues Glied vermehren. Oie Brunnenvergifter in der italienischen presse. Berlin, 30. Juli. (DNB.) Die Berliner Blätter liehmen ausführlich gegen bie Hetze ber italienischen Presse Stellung. So greift u. a. bas „Berliner Tageblatt" zwei Beispiele unerhörter Verunglimpfung ber Deutschen heraus. Der „M e V a g e r o" schreibt: „Siehe ba, wie bas wilbe Vier zu seiner wahren Natur zurückkehrt! Es denkt an neue Bluttaten, an Verfolgungen unb Äache." Unb ber „P o p o l o b ' Italia" sagt von den Deutschen: „In ihren trüben Seelen finb die roilben Instinkte unb ber Blutburst roieber rwacht, ben bie römische Kultur in zwei Jahr- ! causenben bes Christentums in ihren Nomabeneelen abgebämpft hatte. Die National- i o z i a l i st e n finb Mörber unb P ä b e r a st e n, - raut bas unb nichts anberes." „Wer verzichten bar« rauf", fo schreibt bas „Berliner Tageblatt", „auf ltiefes Niveau eines journalistischen Tief- ■ tta nb e 5 zurückzusteigen unb übergeben biefe Verwilderung der italienischen Presse bem Urai! bes beutschen Volkes unb ber Welt. Der „Deutsch e" schreibt: „Es spricht em Haß d araus, eine Gesinnung, bie so tiefstehenb ist, ! daß bie It al i e n e r f r e u n b e in Deutsch- anb wohl für lange Zeit geheilt fern Balbwin mies schließlich den Gedanken zurück, daß die Handlungsweise ber britischen Regierung auch nur um ein Jota bie Aussichten ber Ab - r ü ft u n g gefährbe. Er bemerkte, bas Haupthm- bernis für ben Abschluß einer Abrüstungsverein- barung sei heute Deutschlanbs Wunsch auf ein sofortiges Maß ber Wieberaufrüstung unb Frankreichs Weigerung, bem zuzustim- men. Diese Kluft sei nicht leicht zu überbrücken, werbe aber wohl kaum vergößert, wenn England die Mängel in seiner nationalen Verteidigung behebe. Baldwin befaßte sich hierauf mit dem Schutz der Zivilbevölkerung gegen Luftangriffe und teilte mit, daß bald Schritte unternommen würden, um der allgemeinen Öffentlichkeit die notwendigen Anweisungen zu übermitteln. Landeshauptmann a. O. Kernmeier verhaftet. Wi-n, 30. Juli. D-r frühere Lan- »--hauplmann von Karnt-n d-r Land- “ fternmeier. wurde im Laufe der null- 'irM-n^Säuberungsaktion im ®ebict non St. ,?c"'h an der Glan verhaftet und nach Klagen- ^art gebracht. Kernmeier war noch bis vor kurzem Landeshauptmann von Kärnten. Zwaugsarbeitölager für „Minderbeteiligte-. Wien, 30.Juli. «DNB.f Der Minist-rrat telchlotz heute ein Bundesverfassungsgefetz, das ur |3g. „ffi inderb-teil iate" an den Er-igniffen am 25 bis 28. Juli di- Möglichkeit der U-berwei- jung in ein Z w a n g s ° r b-i t s l a g e r und den Sntzug de- Vermögens vorsteht. Trauerfeier für Oottfuß in 2Rom. Rom, 30. Juli. (DNB.) Von ber öfter- -eichischen (3 e f a n b t f d) a f t am Quirinal rUröe am Montag in ber Kirche St. Jgnazio eine Erauerfeier für Dollfuß abgehalten, an ter Mussolini mit ber italienischen R e - per ung, bas gesamte biplomatische Korps unb bie österreichische Kolonie mit ben mgenblirflid) in Rom roeilenben 200 Kinbern bes Iungvaterlanbs" teilnahmen. Anschließenb würbe ion der österreichischen Gesandtschaft beim Heiligen Ztuhl eine Trauermesse in der Kirche Santa Maria tel Anima abgehalten. Die ilalienische Presse hetzt weiter samtlij uschnitzi oartige An. empfang« nt Rücksich swert, bat 5 ü 1) r u n c übernehmt werde fid I zur Der ndeskanzlei wird Idjor i ernannter gg in bei ickkehrei lieber übet' i a U n.An Berlin, 31. Juli. (DNB.) Der Stellvertreter bes Führers veröffentlicht im „Völkischen Beobachter" eine Bekanntmachung, in ber bie Abolf-Hitler-Spenbe ber beutschen Wirtschaft roieber angefünbigt wirb. Darin nennun: Bundestag i lugtuun; ie Besorgt , der Reff e r p o 11 ti* eben scheint, r Schau » Stellen nch en M'1’ n Schul-' at, d°ß d-' t Oelti.' rt habe, °« oft s°rW i daraus ui den al»; Mich. » rbe, wie Wir» I"*( SS tt5 dos aUer * au** ttuidlunfl «he lest- riAe Vin« Mailanb, 30. Juli. (DNB.) Die italieni- che Presse setzt ihre antibeutsche Kampagne mit unverminberter Heftigkeit ort unb überschlägt sich vor Zorn über bie kräftige Zurechtweisung ihres Tones durch beutsche Zeitungen. In allen Zeitungen erscheint überbies ber Artikel des „Giornale b'Jtalia", ber bie Verant- nortung Deutschlanbs am Tobe Dollfuß' Brunb von Beweismaterial" bartun soll. rr eien. Er fügte hinzu, er habe es für richtig gehalten, biefen Dingen gegenüber offen zu sprechen. Er glaube baburch gute Beziehungen nach außen hin nicht im mtnbeften gefährbet zu haben. Am Schluß seiner Rede kam Simon, nachdem er versichert hatte, daß das Interesse der Regierung an der Abrüstungskonferenz unvermindert tark sei, auf den Luf tausf chuß der Ab- rüstungskonferenz zu sprechen. Der Ausschuß habe zwar seine Sitzungen noch nicht wieder aufgenommen, die britische Regierung behalte aber die Frage im Auge. Es sei richtig, daraus hinzuweisen, dah die Abwesen- heit Deutschlands von der Konferenz für viele ihrer Aufgaben das Haupthindernis bilde. Diese Abwesenheit sei besonders ernst, wenn die Möglichkeit der wirksamen Verhinderung des Mißbrauches von Zivilflugzeugen erörtert werden sollte. Deutschland müsse selbstverständlich an solchen Verhandlungen teilnehmen. Diese Erwägung hätten die Leute im Auge behalten, deren Aufgabe es fei, den Ausschuß einzube» rufen. Inzwischen habe die britische Reaierung mit anderen über diesen Gegenstand verschiedentlich Meinungen ausgetauscht. Mehrere Regierunas- ämter hätten die Frage sehr sorgfältig geprüft. Die Regierung stehe mit anderen Regierungen, em- schließlich der französischen Regierung, in Serbin- bung, um bie Lage zu klären, soweit bies bet dem Fehlen ber beutschen Mitarbeit in Genf möglich sei. Das Unterhaus lehnte ben Tabelsantrag ber oppositionellen Arbeiterpartei, ber bie Regierungspolitik als Politik ber Wiederaufrüstung bezeichnete, mit 404 zu 60 Stimmen Gauleiter Schwede Oberpräsident von Pommern. Berlin, 30. Juli (DNB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Ministerpräsident Göring den Gauleiter Schwede zum O b e r p r ä s i d e n t e n der Provinz Pommern zu Stettin ernannt. Zum Reichsparteitag 1934. Nürnberg, 30. Juli. (DNB.) Am Dienstag, 31. Juli, um 22.20 Uhr, spricht im Reichssender München der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Liebel über die Vorbereitungen Nürnbergs zum R e i ch s p a r t e i t a g 1934. Kunst und Wissenschaft. Ernst von Wolzogen Der bekannte Gründer des Ueberbrettls, Ernst Freiherr von W o l z o g e n, der auch als Novellist und Ronwnschriftsteller heroorgetreten ist, ist in München im Alter von 79 Jahren den Folgen einer Operation erlegen. Wolzogen, ein gebürtiger Breslauer, hätte den 80. Geburtstag feiern können. Schon in seiner Jugend erfüllte ihn größte Liebe zum Theater. Er studierte Literaturwissenschaft und wandte sich der Schriftstellerei zu. Um 1900 machte er den gewagten Versuch, das französische, aus der Pariser Boheme herausgewachsene Kabarett nach Deutschland zu verpflanzen. Das von ihm gegründete „Ueberbrettl" hatte zunächst einen großen Erfolg, zu dem seine Frau Else Laura, geborene Seemann, viel beitrug. Wolzogens Idee wurde aber von geschäftstüchtigen Leuten ins Unkünstlerische gezogen und verkümmerte bald. Den Weltkrieg hat der 60jährige noch als Landsturmmann im Schützengraben mitgemacht. Damals wurden seine Bücher viel gelesen-, sein Buch „Landsturm im Feuer" erreichte 100 Auflagen. Der Zusammenbruch 1918 zerrüttete Wolzogen im Innersten. 1921 begegnete Wolzogen gemeinsam mit Dietrich Eckart Adolf Hitler und schloß sich diesem an. 1923 erschienen seine „Lebenserinnerungen". Wolzogen hat viele Jahre bittere Not leiden müssen, bis auch ihm durch den Nationalsozialismus Unterstützung zuteil wurde. Verfassungsänderung an der Technischen Hochschule in Darmstadt. Nach einer Bekanntmachung des Hessischen Staatsministers erhält der § 2 der Verfassung der Technischen Hochschule D a r m st a d t folgende Fassung: „Der Rektor wird auf Vorschlag des Staatsministers von dem Reichs st atthalter in Hessen ernannt und verpflichtet. Der Rektor bestimmt seinen Stellvertreter aus dem Kreis der Professoren." Aus aller Wett. Euringers „Deutsche Passion" bei den Reichsfestspielen. In Heidelberg fanden die Reichsfestspiele ihre Krönung mit dem Thingspiel „Deutsche Passion 1 9 3 3" von Richard Euringer, das vor einigen Monaten mit dem Stefan-George-Preis ausgezeichnet worden ist. Das Werk schildert den Leidensweg der Deutschen durch Krieg, Verrat und Schmach, durch Hungerblockade und Schiebertum, Jnflationsverarmung und undeutsches Wesen. Der Geist der Verneinung führt das deutsche Volk in Verwirrung, bis aus dem Stacheldraht im Niemandsland der namenlose Soldat hervorkommt, der das Gute im deutschen Menschen erkennt und ihm den Glauben an bessere Zeiten beibringt, denen das Licht des Führers voranstrahlt. Die Aufführung war außerordentlich eindrucksvoll und so ergreifend, daß die große Zuschauermenge, unter denen man auch die badischen Minister Köhler, P f l a u n e r und Dr. Schmitthenner sah, davon absah, mit dem üblichen Theaterbeifall den Spielern und dem anwesenden Dichter zu danken. „Graf Zeppelin" von der vierten diesjährigen Amerikafahrt zurück. „Graf Zeppelin" ist heute (Dienstag) von seiner vierten diesjährigen Amerikafahrt zurück- gekehrt und um 7.58 Uhr in Friedrichshafen glatt gelandet. Die Führung hatte Kapitän Lehmann. Das Luftschiff hatte 16 Fahrgäste, 149 Kilo Post und 45 Kilo Fracht an Bord. Weniger als drei Stunden Flugzeit von London nach Berlin. Die Deutsche Lufthansa teilt mit' daß ihr auf der Strecke London—Amsterdam—Berlin eingesetztes Junkers Ju 52 - Flugzeug am letzten Sonntag für die Reise von London nach Berlin eine reine Flugzeit von 2 Stunden 57 Minuten benötigte. Es ist das erste Mal, daß auf dieser 1000 Kilometer langen Strecke die Flugzeit unter 3 Stunden blieb. An Bord der Maschine, die von Flugkapitän Gut schm i d t, einem der 15 Luftmillionäre der Deutschen Lufthansa, geflogen wurde, befanden sich neben der dreiköpfigen Besatzung 17 Fluggäste. Die Donaubrücke bei Straubing abgebrannt. Wie die „Bayerische Ostwacht" aus Straubing meldet, ist die alte hölzerne Donaubrücke, die sog. Schiffsbrücke, die bei Hornsdorf über das Altwasser der Donau führt, in Brand geraten. Als die Feuerwehr am Brandplatz erschien, stand bereits die Hälfte der Brücke in hellen Flammen. An der riesigen, durch den langen trockenen Sommer ausgedörrten Balkenüberdachung fanden die Flammen reiche Nahrung. Der Wind fachte das Feuer noch mehr an. Eine Stunde nach dem Ausbruch des Brandes stürzte ein Teil der Brücke auf der Hornsdorfer Seite ins Wasser, bald darauf folgte der mittlere Teil der Brücke Durch die Z e r- störung der Brücke ist der gesamte Straßenverkehr über Straubing in den Bayerischen Wald, der sich über diese Brücke abwickelte, ins Stocken geraten Durch das Straßen- und Flußbauamt Deggendorf wurden sofort Maßnahmen zur Errichtung einer Notbrücke getroffen Die Brandursache ist noch nicht geklärt INehrtägige Schiffahrtssperre aus der Elbe. Nachdem die große Schiffahrtsstockung bei Unbesandten gerade eben durch Bagger der Elbstrom- bauverwaltung behoben werden konnte, hat sich oberhalb dieser Stelle ein neues Hindernis gebildet. Die Schiffahrt mußte daher erneut für mehrere Tage vollständig gesperrt werden. Das neue Hindernis besteht aus Sandbänken sowie aus großen, uralten Eichenstämmen, die im Flußbett liegen und für die Schiffahrt eine außerordentliche Gefahr darstellen. Reue Schiffsbrücke über die Rogat An der Danzig-ostpreußischen Grenze bei Einlage wurde anstelle der bisherigen umständlichen Fährverbindung über die Nogat eine Schiffsbrücke eingeweiht und dem Verkehr übergeben. Durch die 164 Meter lange und 25 Meter breite Brücke, die im Rahmen des Arbeitsprogramms der nationalsozialistischen Danziger Regierung errichtet wurde. wird die Verbindung zwischen Danzig und Elbing erheblich abgekürzt. Fünf Schwerverletzte bei einem Kraftwagenunfall. In Altenbruch bei Cuxhaven ereignete sich ein folgenschwerer Kraftwagenunfall. Ein Lieferwagen der Cuxhavener Meierei stieß in der Kurve mit einem Personenkraftwagen zusammen, in dem sich ein Arzt aus Greifswald befand, der sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Cuxhaven begeben wollte. Der mit fünf Personen besetzte Kraftwagen wurde völlig zertrümmert und die Insassen erlitten sämtlich schwere Verletzungen. Sie mußten dem Krankenhaus zugeführt werden, wo sie zum Teil in Todesgefahr schweben. Vier Bergarbeiter tödlich verschüttet. Im Stollen eines Erzbergwerks bei Angerville in der Gegend von Metz wurden von den dort arbeitenden 27 Bergleuten vier durch einen Stolleneinbruch verschüttet. Bisher konnte nur die Leiche eines Arbeiters geborgen werden. Die Leichen der drei anderen Arbeiter, die polnischer Staatsangehörigkeit waren, liegen noch unter dem Geröll. Sechs Tote beim Dreschen. Aus einem französischen Gut in der Nähe von Niort, westlich von La Rochelle, kamen infolge einer Explosion einer Dampfmaschine beim Dreschen sechs Personen ums Leben. Die Explosion entzündete das für den Drusch bestimmte (Betreibe. Die Flammen dehnten sich mit ungeheurer Schnelligkeit auf die Stallungen und das Wohnhaus aus. Viele Personen wurden schwer verletzt und mußten ins Krankenhaus gebracht werden Acht Personen im Tessin ertrunken. Ein schweres Unglück ereignete sich, wie aus Mailand gemeldet wird, auf dem Tessin in der Nähe von Ponte Ticino bei Galliate. Eines der Außenbordmotorboote, die den starken Ausflüglerverkehr am Sonntag zu bewältigen haben, hatte anstelle der 10 zugelassenen Fahrgäste über 20 an Bord genommen. Bei Bewegung der Bootsinsassen floß Wasser über den infolge der Belastung unmittelbar über der Wasserfläche liegenden Bootsrand. Als in der Aufregung einige Insassen im Boot aufsprangen, schlug das Boot um, und sämtliche Personen fielen in den reißenden Fluß. 10 Personen konnten lebend ans Ufer gebracht werden. Nur zwei hatten die Kraft, sich selbst zu retten. Acht Personen wurden von den Fluten mitgerissen und ertranken. Man weiß nicht, ob nicht noch weitere Opfer zu beklagen sind. Bisher wurden fünf Leichen geborgen. Drei Tote bei einem Flugzeugabsturz in Rumänien. Ein schweres Flugzeugunglück ereignete sich, wie aus Bukarest gemeldet wird, im Hafen von Conftanza. Ein Wasserflugzeug stürzte aus einer Höhe von 250 Meter ab. Zwei Offiziere und der Bordmechaniker wurden getötet. Fliegende Ameisen Überfallen Pariser Vergnügungsstätten. An einem der letzten Abende gingen über Paris Schwärme von geflügelten Ameisen nieder, die sich besonders die Cafehausterrassen der bekannten Vergnügungsstätten auserkoren zu haben schienen. Wirte, Kellner und Gäste führten einen erbitterten Kampf gegen die Eindringlinge, die aus den Wäldern der Umgegend kamen und auf ihrem Hochzeitsflug waren. 30000 Lehrer kommen nach 'trän urf LPD. Frankfurt a. M., 30. Juli Vorn 3 bis 5 August findet in Frankfurt a M. die erste Reichstagung des NS.-Lehrerbundes statt, zu der 30 000 Lehrer und Erzieher aus allen Gauen des Reiches erwartet werden. Diese gewaltige Kundgebung des NSLB. wird die gesamte Erzieherschaft in geschlossener Front zeigen und einen neuerlichen Beweis erbringen, mit unerschütterlicher im Sinne nationalsozialistischer Erziehung unsere Jugend zu führen. Der Verlauf der Tagung ist folgender: Am Freitag, 3. August, wird um' 16 Uhr durch den Reiechsführer des NSLB., Minister Schern m, die Lehrmittel- und Buchausst llung im Bachsaal eröffnet. Am Abend findet die Begrüßung der Ta, gungsteilnehmer in der Fefthalle statt. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung steht eine Saar kund, g e b u n g unter Beteiligung der Saarlehrerschaft. Der Samstag, 4. August, sieht am Vormittag in der Festyalle eine Reihe von Vorträgen vor, die doi führenden Persönlichkeiten der NSDAP, gehalten werden. Die Zusammenkunft der Reichsfachschaftsleiter mit Vertretern der einzelnen Fachschaften ist für den Nachmittag vorgesehen. Höhepunkt und Abschluß des Reichstreffens bildet die große Kundgebung am Sonntag von io bis 12 Uhr. im Stadion. Der Festzug marschiert um 9.30 Uhr vom Innern der Stadt ab. Außer Reichs, statthalter Gauleiter Sprenger und Reichsführer Minister Schemm werden Rerchsminifter Rust und Reichsjugendführer Baldur von Schirach sprechen. Die Organisationsleitung der R^ch..:agung des NSLB. hat einen ausgezeichneten bebilderieii Festführer herausgegeben, in welchem Gaul jter Sprenger, Bürgermeister Linder und Mini, sterialrat Ringshausen der Tagung Gruß, worte entbieten. Kurze Sportnotüen Eine Abnahme der Prüfung für b g s Turn- und Sportabzeichen im Rabfah. ren findet am morgigen Mittwoch, 18 Uhr, am Schützenhaus statt. Die Strecke die zu fahren ish führt' über 20 Kilometer. ♦ Bester Tour-de-Erance-Fahrer in der Klasse der Touristen war der Belgier F. Ver- waecke, der die 23 Etappen in einer Gesamtfahr- zeit von 148:11:38 Stunden zurücklegte. Der Jta. Heuer Morelli (148:26:00) und S. Maes (Belgien! (148:35:14) belegten die nächsten Plätze. Von den 60 gestarteten Fahrern schieden 21 vorzeitig aus, Sieger der Tour de France, die nach fast vier, wöchiger Dauer am Sonntag in Paris ihr Endr fand, wurde der Franzose Antonin M a g n e. Wettervoraussage. Durch das Umdrehen der Winde an der Vorderseite des neuen Tiefs hat sich vielfach aufheiternbes Wetter eingestellt. Da aber die Störung unter Barometer ostwärts vorschreitet, wird mit der Zei! wieder ozeanische Luft heranbefördert, die zunächst schwüles Wetter veranlaßt und dann auch' lokale Gewitterstörungen bewirken wird. Aussichten für Mittwoch: Teils aufhei- ternd, teils Bewölkungsaufzug, warm, Neigung zui lokalen Gewitterbildungen. Lufttemperaturen am 30. Juli: 24,1 Grad Celsius, abends 17,9 Grad; am 31 "uli: morgens 16,3 Grad. Maximum 25,8 Grad, M: u mum 10,3 Grad. Erdtenzperaturen in 10 cm T > fe am 30. Juli: abends 22,4 Grad, am 31. Juli mor- ! gens 17,8 Grad Celsius. Sonnenscheindaue- 511 Stunden Hauptschriftleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein Verantwortlich für Politik: I. V. Ernst Blumjchein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenl'eiter: Hans Bech verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 34: 10 100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei ________R Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Frankfurt a. M. Restaurant Seeber-Falstaff neben Kaffee Rumpelmayer, gegenüber dem Schauspielhaus ab 1. August 1934 geöffnet! Mittag- und Abendessen von 1.-, 1.25 und 1.50 mit Dessert — Reichhaltige Tageskarte Siechen - Bier, I. G. Reif, Nürnberg Henninger-Bi er, Frankfurt am Main Bestgepflegte Weine [4418D Zum Besuch ladet freundlichst ein Inh. Georg Seeber Zurrt Feldzug gegen Verschandelung der Heimatnatur! Naturschutz im Dritten Reich Einführung in Wesen und Grundlagen zeitgemäßer Naturschutzarbeit von Prof. Dr. Walther Gchoenichen Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen und weiter der Fachstelle Naturschutz im Neichsbund Volkstum und Heimat Mit 24 Bildtafeln Preis: Gebunden Reichsmark 3.60 Aakvrschuh ist Dolkssache geworden! Wegweisend gingen die führenden Männer des neuen Reiches voran, sicheren dem deutschen Waid und Wild wirksamen geschlichen Schuh und zeigten planvoller Dolkstumsarbcit große, edle Ziele auf. - Dieses grundlegende Auch über den Naturschuh aus der Zeder des Leiters der deutschen Naturschuhbewegung geht jeden einzelnen Volksgenosten an. Es gilt, die natürliche Schönheit unserer Heimat in liebevoller Sorge und naturverbundener Gemeinschaftsarbeit zu erhalten für uns und für die, die nach uns sein werden. Zu beziehen durch jede Äuchhandlung! Hugo Bermühler Verlag • Berlin-Lichterfelde halle*'1 Kattee vorrätig_____ KAFFEE GESCHÄFT .... und zum Bauen Abermann. illlllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll VornehmI Geschmackvoll! 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Darmstadt, Schulstr.15.Post- sch.2450OFrankf. n. alle Verkaufest. m. 176 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Dienstag,Zl.ZuliMH Vor 20 Jahren. Oie Tragödie der 13Tage. — Ein Zeitkalender der Tage des Kriegsausbruchs vom 23. 2. - 4. 8.1914. Oer neunte Tag: 31. Juli. 11.40 Uhr vorm.: Die russische Gesaml- mobilmachung wird in Berlin amtlich bekannt. 12.23 Uhr nachm.: Allgemeine Mobilmachung in Oesterreich-Ungarn; telephonische Meldung durch Wiener Botschafter nach Berlin. 12.55 Uhr: Telegramm Wilhelms II. an Georg V.: Hinweis auf russische Generalmobilmachung; Dank für Telegramm vom 30. an Prinz Heinrich. 1 Uhr: Kaiser Wilhelm verfügt den „Zu st and drohender Kriegsgefahr". 2 Uhr: Viertes > »legramm Wilhelms II. an Nikolaus II.: Russische Mobilmachung gegen Oesterreich macht Vermittlung fast illusorisch; trotzdem nochmaliger Appell und Ankündigung vorbeugender Verteidigungsmahnahmen an deutschrussischer Grenze. 2.52 Uhr: Eingang des vierten Telegramms des Zaren an den Kaiser: Einstellung der durch Oesterreichs Mobilmachung bewirkten militärischen Maßnahmen ist technisch unmöglich. „Wir wünschen keinen Krieg. Solange Oesterreich mit Serbien verhandelt, werden meine Truppen keinerlei herausfordernde Handlung unternehmen. Ich gebe Dir mein feierliches Wort darauf". Handschreiben poincaces an Georg V.: Bitte um Bundeshilfe Englands. 2.45 Uhr: Eingang der Antwort Franz Josephs an Wilhelm II.: Russische Mobilmachung hat österreichische Generalmobilmachung erzeugt; Aktion gegen Serbien kann nicht eingestellt werden; russische Intervention unannehmbar; Erwartung der deutschen Bundestreue. Der Kaiser findet Franz Josephs Haltung „begreiflich". England lehnt deutsches Angebot eines Reutrali- täksabkommens ab. — Grey fragt Berlin und Paris, ob Belgiens Neutralität geachtet werden würde. Berlin antwortet ausweichend. — Grey gibt durch Brüsseler Gesandten der Erwartung Ausdruck, daß Belgien seine Neutralität „mit äußerster Kraft" aufrechterhalten werde. 3.30 Uhr: Auftrag an Graf pourtales betreffend zwölf st ündiges Ultimatum an Rußland. — Frankreich mobilisiert die fünf Grenzkorps. 7 Uhr abends: Vertin ersucht Paris um Erklärung innerhalb 18 Stunden, „ob Frankreich in deutsch-russischem Kriege neutral bleiben will" (Ultimatum). 9 Uhr: Ermordung des französischen Sozialistenführers 3 a u r e 5. 9 Uhr: Beschluß des französischen Minislerrats, in den Krieg einzutreten. 12 Uhr nachts: Graf pourtales übergibt Safonow das Ultimatum: Deutschland wird mobilisieren, wenn Rußland seine Maßnahmen gegen Deutschland und Oesterreich nicht binnen 12 Stunden einstellt. Nachts: Beratung in Berlin über die Kriegserklärungen an Rußland und Frankreich. Rom teilt Paris mit, daß Italien neutral bleiben wird. macht wird. Früher kann ich feinen Mobilmachungsbefehl erwirken." „Exzellenz können versichert sein, daß der Russe mobil macht!" „Wollen Sie die Verantwortung für diese Behauptung übernehmen?" „Das kann ich aus innerster Ueberzeugung!" — Knapp, sachlich, militärisch wird dieses entscheidende Telephongespräch geführt. Jeder weiß von den beiden Offizieren, daß diese Stunden die Entscheidung bringen. — „An der Grenze, gegen Osten, steht ein Grenadier auf Posten ..." Am gleichen Tage,nachmittags 6 Uhr.. Die Meldungen des Generals hell werden in aller Frühe dem Kaiser unterbreitet: Entscheidendes Alarmsignal aus dem Osten, letzte Warnung in letzter Minute! Wird heute nicht mobil gemacht, so steht der Russe morgen mordend, sengend und plündernd auf deutschem Boden. Abermals verlangt der Korpskommandeur Verbindung mit dem Großen Generalstab in Berlin — gibt seine letzten Meldungen durch, die weiteren Zweifel nicht mehr aufkommen lassen. Am gleichen Tage, 18 Uhr, hallt Trommelwirbel durch die Straßen der Reichshauptstadt. Ein Oberleutnant vom Regiment Alexander marschiert seiner Truppe voran. Am Denkmal Friedrichs des Großen hält die Formation. Der Oberleutnant steigt auf den Sockel des Monuments und verkündet unter ständigem Trommelwirbel mit lauter Stimme, daß der Kaiser den Zu- ftano drohender Kriegsgefahr in Deutsch-, land erklärt habe. Da schwellen die Menschenmassen vor dem Schloß an. Vaterlandslieder klingen auf. Auf ein Zeichen hin bricht der Jubel, der eben zum Orkan zu schwellen schien, jäh ab. Der Kaiser erscheint... Schicksalsschwere Worte fallen nieder. Und als der Kaiser ernst am Ende seiner Rede spricht: „Und nun empfehle ich euch Gott. Geht in die Kirchen und betet!" — da zieht ein wehes Beben durch die Herzen aller. „Deutschland, Deutschland über alles!" erschallt es. Reben mir hebt ein Vater seinen Jungen zu sich empor: „Vergiß das bis an dein Lebensende nicht!" Mobilmachungsbefehl. Einen Tag später. Plakate werden angeklebt: „Ich erkläre hiermit: das deutsche Heer und die Kaiserliche Marine sind nach den Maßgaben des Mobilmachungsplanes für das deutsche Heer und die Kaiserliche Marine aufzustellen. — Der 2. August wird als erster Mobilmachungstag festgesetzt..." Man liest das. In dichten Scharen stehen sie da, blicken gespannt. Heber allen liegt das feierliche Schweigen dieser ernsten Stunde. Und dann befreit sich die Spannung in Vaterlandsliedern und Jubel. Sie eilen heim, Väter und Söhne, Jünglinge und Greise. Sie eilen nach Hause, sie eilen, sich zu rüsten für den heiligen Dienst am Vaterland. 3u den Fahnen! Morgen erst ist Mobilmachungstag. Doch schon heute drängt sich hier ein Heer von Menschen: Pennäler, Studenten, die bunte Mütze auf dem Ohr, alte Soldaten, geschmückt mit Orden aus den Kriegen 1866 und 1870/71. Vor den Kasernen, in denen die Eingezogenen sich stellen, warten die Tausende. Frauen und Kinder stehen bei ihnen. Abschiedsschmerz prägt sich in manchem Frauenantlitz. Ernst und schweigend blicken sie auf die Männer, werfen ihnen Grüße und Blumen zu. Und die Männer erwidern mit Blicken, die strahlen vor kraftvoller Freude. In ihren Herzen pocht jener edle Schillersche Geist, sie alle fühlen die Worte, die er den auszishenden Krieger zu seiner abschiedsbangen Gattin sprechen läßt: „Diese Arme schützen Pergamus..." „Gürte mir das Schwert um, laß das Trauern ...!" Deutschlands Söhne ziehen in den Krieg. Knut Hamsun 75 Jahre alt. Der größte lebende Dichter Norwegens, Knut Hamsun, feiert am 4. August seinen 75. Geburtstag. Seine Kunst wurde 1920 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Oer Weg zu den Rohstoffen. Die Belebung der deutschen Binnenwirtschaft hat einen vermehrten Bedarf an Rohstoffen hervorgebracht, der teilweise nur durch Einfuhr ausländischer Rohstoffe befriedigt werden kann. Auf der anderen Seite hat der Rückgang der deutschen Ausfuhr eine Verknappung der Devisen verursacht, mit denen die Rohstoffimporte normalerweise bezahlt werden. Die Ursachen dieses Ausfuhrrückgangs sind oft erörtert worden. Der in einer Reihe von Ländern noch immer wirksame Boykott deutscher Waren, die Umlegung eines Teils der Russenkäufe aus Deutschland nach anderen Ländern, die wachsenden Schutzzölle und Einfuhrkontingentierungen der Ausfuhrländer, vor allem aber die Unterbietungskonkurrenz der Länder mit abgewerteter Währung, alle diese Faktoren haben zusammengewirkt, um in der gleichen Zeit, in der der deutsche Einfuhrbedarf infolge des vermehrten Rohstoffbedarfs der deutschen Wirtschaft anstieg, eine Verminderung der deutschen Ausfuhr und damit des Zugangs ausländischer Devisen hervorzubringen. Dieses Mißverhältnis kann die Reichsbank, nachdem ihre Bestände an Gold und Devisen bis auf einen geringen Rest verbraucht sind, nicht mehr aus ihren Reserven decken. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als die Zuteilung der Devisen für die Bezahlung des Imports von dem Eingang der Devisen aus dem Export deutscher Waren abhängig zu machen. Die Ausnutzung der Devisenkontingente hat auf 5 Prozent der Ausgangsbeträge herabgesetzt werden müssen. Trotzdem führt freilich Deutschland infolge der starken Belebung feiner Jnlandkonjunk- tur gegenwärtig noch immer mehr Rohstoffe ein als im Durchschnitt des vorigen Jahres. Aber die Rohstoffzufuhr deckt anderseits nicht den steigenden Bedarf der deutschen Wirtschaft. Der wichtigste Weg zur Steigerung der Rohstoffeinfuhr ist natürlich eine Erhöhung des deutschen Exports und damit des Deviseneingangs. Es gibt in Deutschland noch immer Leute, die der Meinung sind, daß man der Konkurrenz des Auslands, das „Vergiß das bis an deinLebensende nicht!" Momentbilder aus den großen Tagen um den 1. August 1914. Von Peter Engelmann. (Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Allenstein - Generalstab des XX Armeekorps . . . Der Morgen des 31. Juli 1914 dämmert herauf. Noch schlafen die Städter.Jm großen Gebäude des Generalstabs des XX. Armeekorps in Allenstein herrscht schon Leben. Der Chef sitzt an seinem Arbeitstisch, Pläne und Skizzen, letzte Meldungen breiten sich vor ihm aus... । General Hell findet keine Ruhe in diesen Tagen —: Alarmmeldung aiff Alarmmeldung aus Rußland Drängt sich. Der General weiß: jenseits der Grenze rüsten sie bis zum letzten Gamaschenknopf. Und der Kaiser will sich t^otz allem nicht entschließen, den Zustand der drohenden Kriegsgefahr zu verkünden und die deutsche Mobilmachung oorzubereiten — noch immer hofft Berlin, der Welt den Frieden erhalten zu können... Eine nahe Turmuhr schlägt sieben. Kaum, daß der letzte Schlag verklungen, rasselt das Telephon. Es meldet sich Berlin, der Große Generalstab, der Chef — Graf Mo 11ke. Das schicksalsschwere Telefongespräch. „Haben Sie an der Grenze den Eindruck, daß Rußland mobil macht?" „Jawohl. Exzellenz", kommt es fest und entschlossen über die Lippen des Generals. „Jawohl, ich habe den Eindruck. Schon seit mehreren Tagen!" „Woraus schließen Sie das?" fragt Moltke zurück. „Die Grenze ist hermetisch abgesperrt. Kein Mensch kommt mehr herüber und zurück. Seit gestern brennen die Grenzwachthäuser! In Mlawa sollen die Russen schon rote Mobilmachungsbefehle angeklebt haben!" Moltke: „Warum haben Sie sich solche Befehle noch nicht verschafft?" Hell: „Es geschieht alles, um sie zu bekommen. Aber die Absperrung der Grenze hat es bisher nicht gelingen lassen." „Solch einen roten Zettel müssen Sie mir verschaffen!" ruft Moltke erregt. „Ich muß die Gewißheit haben, ob tatsächlich gegen uns mobil geJT M. Mik MM. Vornan von Gert Nothberg. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Fritz wohnte vier Treppen hoch bei einem alten Postbeamten. Der bewohnte mit seiner Frau die kleine, dürftige Wohnung, und er war froh, endlich mal einen ordentlichen Mieter gefunden zu haben, der nun schon so lange bei ihm wohnte und immer pünktlich die kleine Miete bezahlte. Sonst kümmerten sich die guten alten Leute um nichts. Das Staatsexamen war bestanden! Nun noch den Doktor! Und dann? Ja, was dann? Dann wahrscheinlich das jetzige Leben weiterführen, denn nur ein Wunder würde eine Stellung schaffen können. Man hatte zu viel Vordermänner! Eine fast aussichtslose Sache, jemals eine Stellung zu erhalten! Onkel Wachlenburg in Langenwärde! Der hatte ihn wirklich damals zu dem ersten Weihnachtsfest eingeladen! Und er, Fritz, war auch hingereist, da man extra das Fahrgeld für ihn geschickt hatte. Das war dan gemütlich gewesen. Aber die ausdruckslosen Augen von Ilse Wachlenburg stießen ihn ab. Lia Wachlenburg war verlobt. Also handelte es sich in seinem Falle doch nur um Ilse. Und Pate Wachlenburg versuchte noch einen Vorstoß: „Ilse ist 'n nettes Mädel. Sei gescheit, mein Junge! Sie hat mehrere Verehrer. Da kann's eines Tages ans sein mit deinen Aussichten. Vorläufig gefällst du der Ilse sehr, und ich kann dir nur raten: Halte dich 'ran! Ilse kriegt hier das alles. Lia wird abgefunden. Die heiratet ja doch den Re- gierungsrat Michel. Also muß hier ein junger Chef her. So in vier bis sechs Jahren könnte das schon fein, trotzdem du noch sehr jung bist. Ich bin ja dann auch noch mit da. Aber fein einarbeiten könntest du dich unter meiner Leitung. Na? Schließlich war deine Mutter meine Jugendfreundin. Und ich hab' immer viel auf sie gehalten, auf die hübsche, weichherzige Lisa. Nach ihr biste mit deinem Dickschädel also nicht geraten. Den haste von deinem Vater, dem Herrn Farnhorst. Last gut sein! Du gefällst mir. Geh nicht mehr zurück, Junge! Bleib gleich hier!" „Ich kann nicht!" Da wurde das rote, freundliche Gesicht des Paten Wachlenburg sehr ernst. „Dann muß ich meine Schlüsse also gleich heute ziehen. Ich sehe nicht ein, warum ich dann noch Zuschüsse geben soll..." „Das sollen Sie ja nicht, Pate Wachlenburg. Ich helfe mir schon allein." Fritz reiste am folgenden Tage ab. Und Ilse ging mit verweinten Augen umher. Das war vor drei Jahren gewesen. Vor reichlich drei Jahren. Dazwischen lag viel! Fort mit den Erinnerungen! Eine harte Schule, ja! Dennoch war er stolz, durch diese Schule durchgekommen zu fein. Er scheute nun auch den weiteren Kampf nicht. Die Kommilitonen, die gleich ihm so ziemlich mit dem Studium fertig waren, die hingen die Köpfe. Zum Teil kamen sie aus guten Verhältnissen. Wenigstens hatten sie bisher Sorge und Not nicht kennengelernt. Die sorgten sich um die Zukunft halbtot. Aber er lächelte dazu. Weil es schlimmer nicht kommen konnte für ihn. Bestimmt nicht! Er kannte kein Vergnügen, keine Zerstreuung. Er kannte nur Arbeit und Darben! Andere hatten ihre Mädchen! Gingen an den meisten Abenden mit ihren Mädchen spazieren oder in ein Kino. Vielleicht langte es sogar einmal für ein Theater oder ein Konzert. Er aber stand abseits von all dem. Er kannte keines der Mädchen näher. Studentinnen waren mit im Kolleg. Er empfand das nicht als gut.^Blaß und schmal saßen sie da in den vollgestopften ealen. Wenn diese Mädchen doch lieber irgendeine Hausarbeit machen würden! Oder draußen an der frischen Luft sein könnten! Wie gut das wäre! So warteten sie nun darauf, ihre Studium zu vollenden und mit den jungen Männern zusammen auf eine Stellung zu lauern! Er gefiel einigen von ihnen, das merkte er. Aber er dachte nicht daran, irgend etwas anzufangen. Da machten sie ihm böse Augen, uni) er lachte darüber. . . , .. ®ro8, breitschultrig war er geworden durch hie harte Arbeit und den Sport, den er nebenher nach trieb ... Der Doktor wurde gemacht! Das Geld dazu wurde erhungert! Aber das wußte niemand, und es brauchte auch niemand zu wissen. Das war ganz allein seine Sache. Der alte Briefträger Winkler war der Meinung, daß sein M^t-r nicht allzu schlecht gestellt sei. Der nÄr Är 'Das wa/ -lln Frage- und" Antwortspiel, das sich immer einmal wiederholte, und eben daraus ersah ZS daß sein Mieter Geld hatte. Aber er hatte keine Ahnung, daß sein Mieter dann zwei Stunden lang durch die Straßen der Großstadt lief, sich die noch erleuchteten Fenster der Delikateßläden anlah vor einem Kmo oder Theater stehenblieb, Bi der und Namen der Künstler ansah und dann wieder nach Hause ging und sich schlafen legte. „Lange bleibt er nie , sagte dann Vater Winkler kauend zu seiner, Frau. Sie aßen am Abend meist Pellkartoffeln mit Hering, und hinterher gab’s noch einen starken guten Bohnenkaffee. Und sie hatten keine Ahnung, wie sehnsüchtig ihr Mieter, wenn er heimkehrte, diesen Duft des Kaffees, der den ganzen Flur durchzog, in sich aufnahm. Fritz Farnhorst kleidete sich aus, wusch sich und trank ein Glas Wasser. Dann legte er sich schlafen. Und er blieb bei dieser spartanischen Lebensweise gesünder als die anderen jungen Menschen, die immer reichlich zu essen hatten und am Abend ihre Kräfte sinnlos vergeudeten. Oder in Lokalen saßen, die mit schlechter Luft angefüllt waren. Das Abendessen sparte er seit langem. Aber, mittags aß er ordentlich. Es hatte aber auch Tage gegeben, wo er gar nichts essen durste. Das war das Leben Fritz Farnhorsts. Und je härter es ihn packte, dieses Leben, desto stolzer, unbeugsamer wurde er. „Ich weiche nicht! Nun gerade nicht! Ich muß es schaffen!" Nun hatte er es geschafft. Doktor der Volkswirtschaft Fritz Farnhorst! Nun konnte ein neuer Lebensabschnitt beginnen! An einem Morgen kam ein Sportkamerad auf ihn zu. „Farnhorst! Wir sind heute abend dreizehn zum Geburtstag bei meiner Tante Olga. Willst du mitkommen?" „Ich weiß nicht, man hat da doch immer die Rolle des ungebetenen Gastes zu spielen!" sagte Farnhorst unschlüssig. Er wunderte sich selber über diese Antwort. Klang es nicht, als habe er tatsächlich Lust, mit= zugehen? „Keine Ahnung! Meine Tante hat mir aus- getragen, einen Kommilitonen mitzubringen. Also bist du doch herzlich willkommen." „Gut! Ich komme mit!" „Ich hole dich ab, Farnhorst." „Bist ein guter Kerl. Auf Wiedersehn, Legler!" „Auf Wiedersehn, Farnhorst!" Fritz Farnhorst bummelte feiner Wohnung zu. Und jetzt war er sogar schon so weit, daß er sich ein bißchen auf diese Geselligkeit freute. Er kaufte im Blumengeschäft noch einige gelbe, langstielige Rosen; denn schließlich mußte er der alten Dame, die ihn da mit als Gast aufnahm, ein paar Blumen mitbringen. Herr Winkler schnüffelte nun durch den Korridor, ging wieder zu seiner Frau in die Küche, die das Mittagessen überwachte, und dort sagte er: „Er hat Rosen gekauft. Merkst du was?" Frau Winkler rührte aus Leibeskräften ihren Kartoffelbrei. Sie sagte: „Das geht dich gar nichts an, alter Schnüffler. Wenn es so ist, freut es mich. Er hat wie ein Einsiedler gelebt." So! Die Sache war abgetan! Am Abend kam Hans Legler und holte Fritz ab. Er machte große Augen, als er das kleine einfache Zimmer sah, riß sich sofort zusammen und meinte: „Recht hübsch wohnst du hier oben. Der Blick auf die Stadt ist einfach großartig!" „Strapazier dich nicht, Legler. Ich wohne höchst einfach. Meine Mittel erlauben es nicht anders. Und ich bin wirklich ganz zufrieden. Manchmal denke ich, wenn ich plötzlich einen gutbezahlten Posten irgendwo bekäme, dann würde ich wahrscheinlich auch noch hier wohnen bleiben." „Nein, es ist wirklich hübsch hier. Sag mal, sind diese wunderschönen Rosen etwa für Tante Olga?" „Ja! Ich fand sie für eine alte Dame passend." „Sind sie auch. Aber nobel bist du. Da wirst du gleich einen gewaltigen Stein im Brett haben bei der alten Dame. Auf solche Sachen hält sie nun mal." Farnhorst hatte sich inzwischen vollends fertig gemacht. Nun stand er vor dem Freunde. Im dunklen Anzug, dunklem Binder, schneeweißem Hemd. „Smoking hab ich auch, aber — leider..." Er machte eine Bewegung mit der Schulter. Legler lachte. „Der Abiturientensmoking paßt natürlich einem solchen Prachtkerl nicht mehr. Kann ich mir ja lebhaft denken. Ich hab auch den Anzug an, also klappt es." Legler hatte schon so etwas geahnt, und deswegen hatte er sich dementsprechend gekleidet. Er trug auch Blumen. Aber es waren rosa Nelken. Die beiden jungen Männer gingen nebeneinander die Treppe hinunter. Es wurde sehr gemütlich. Fritz Farnhorst hatte das nicht für möglich gehalten, daß er sich so wohl- fühlen könne inmitten fremder Menschen. Aber Frau Olga Feller verstand, es ihren Gästen gemütlich zu machen. Und ihr gemütlicher (Batte machte da tapfer mit. Ein paar junge Mädchen waren auch mit da. Sie wurden ganz rot vor Freude, als sie Doktor Farnhorst sahen und er ihnen vorgestellt wurde. Hans Segler war sehr fidel. Und er freute sich, daß er den famosen Kerl, den Farnhorst, mit hierher gebracht hatte. Der konnte wirklich ein bißchen Frohsinn gebrauchen! Aber weiter aus sich heraus ging der nicht. Doch es genügte ja so auch schon. Tante Olga war jedenfalls ganz entzückt von ihm. Und der alte Herr Feller nahm ihn dann beiseite. „Lieber junger Freund — wie sieht die Zukunft aus?" „Schlecht, Herr Kommerzienrat." „Ja, ja! Hätten Sie nicht Lust, als mein Der- freier nach Salheim zu gehen? Ich besitze dort die großen Steinbrüche. Änsangsgehalt dreihundert Mark monatlich. Wohnen könnten Sie im Beamtenhause ober auch im Gasthof, wenn Sie den Weg nicht scheuen vom Dorfe bis zu den Brüchen." (Fortsetzung folgt.) seine Wahrung abgewertet hak, nur durch eine starke Devalvation wirksam begegnen könne. Demgegenüber ist oft nachgewiesen worden, daß Wäh - rungsmanipulationen der deutschen Wirtschaft nicht die erhofften Vorteile bringen würden. Reichsregierung und Reichsbank haben unzweideutig und mit größter Entschiedenheit eine Devalvation abgelehnt. Es gibt andere Maßnahmen, durch die der Vorsprung, den sich die ausländische Konkurrenz durch die Währungsabwertung verschafft hat, ausgeglichen werden kann. Sie werden sich in den nächsten Monaten zweifellos zugunsten der deutsch en Ausfuhr auswirken. Außerdem werden natürlich auch Maßnahmen ergriffen werden, die zur Einschränkung des deutschen Bedarfs an ausländischen Rohstoffen bieneh. Kurz, von beiden Seiten her wird alles getan werden, um das Mißverhältnis zwischen dem Devisenaufkommen aus der deutschen Ausfuhr und dem gestiegenen Einfuhrbedarf der deutschen Wirtschaft auszugleichen. Reben den bereits beschrittenen Wegen gibt es zweifellos noch andere, die zu einer Zunahme des deutschen Exports führen können. Die deutsche Industrie betreibt bekanntlich in großem Umfange V e r e d e l u ng s w i r t s cy a f t, d. h. sie bezieht aus dem Ausland Rohstoffe, verarbeitet diese zu Fertigerzeugnissen, die sie dann wieder ins Ausland ausführt. Die Veredlungswirtschaft kann aber ohne Inanspruchnahme von Devisen durchgeführt werden, wenn die ausländischen Rohstoffbesitzer die R o h - stoffe leihweise an die deutsche I n - d u st r i e vergeben, die dann die erzeugten Fertigwaren, wie bisher, exportiert und erst mit den hieraus erlösten Devisen die Rohstoffe bezahlt. Es gibt eine ganze Reihe deutscher Industrien, die sich auf diese Weise von der Devisenzuteilung der Reichsbank unabhängig machen könnten. Die überseeischen Rohstoffländer Deutschlands, die heute vielfach nur geringe Mengen deutscher Fertigwaren beziehen, könnten dadurch, daß sie ihre Rohstoffe leihweise hergeben, ihren Rohstoffabsatz beträchtlich erhöhen, ohne daß ihnen hieraus irgendein Risiko erwächst, da ja die aus den Rohstoffen in Deutschland gefertigten Erzeugnisse reichliche Sicherheit für die Bezahlung der Rohstoffe bieten. Ein anderer Weg zur Umgehung der Devisen- schwierigkeiten ist der Abschluß von Kompensationsgeschäften. Er wird insbesondere im Verkehr mit solchen Ländern beschritten werden können, die Deutschland Rohstoffe liefern, zugleich aber einen beträchtlichen Bedarf an deutschen Fertigwaren haben, der bisher in anderen Ländern gedeckt wurde. Das Kompensationsgeschäft gibt ihnen die Möglichkeit, sich die deutsche Kundschaft zu erhalten, die auf andere Weise wegen Devisenmangels ihren Bedarf nicht befriedigen kann. Auch hier kommt es also darauf an, daß der Rohstofflieferant seinen deutschen Abnehmern durch eine Gegenleistung Erleichterungen gewährt. Endlich ist es natürlich wichtig, daß jede Möglichkeit eines Exports re st los ausgeschöpft wird. Das kaufmännische Interesse allein wird hier nicht immer ausreichen, um den erforderlichen Anreiz zur Forcierung des Exports zu bieten. Oft wird es bequemer und vielleicht sogar einträglicher sein, die Waren im Inland abzu- fehen, das dank der allgemeinen Wirtschaftsbelebung in" wachsendem Maße aufnahmefähig ist. Die Reichsregierung appelliert demgegenüber an dos gemeinwirtschaftliche Gefühl und fordert von den deutschen Unternehmern, daß sie die denkbar größten Anstrengungen machen, um im Interesse der deutschen Gesamtwirtschaft ihren Export zu st e i g e r n. Sie hat ausdrücklich erklärt, daß sie öffentliche Aufträge nur noch an solche Unternehmer vergeben wird, die auf dem Gebiete des Exports voll ihre Pflicht tun und sich, wenn nötig auch unter finanziellen Opfern, in den Dienst der nationalwirtschaftlichen Exportbestrebungen stellen. Es gibt also eine Reihe von Wegen, by ber beutschen Wirtschaft ben Zugang zu ben auslän- bischen Rohstoffen erleichtern unb frei machen können. Wenn sie alle beschritten sind unb wenn sich alle Beteiligten mit Eifer unb vaterlänbi - scher Pflichterfüllung in ben Dienst ber großen Aufgabe ber Exportförberung stellen werben, wirb man sehen, baß bie deutsche Wirtschaft bie Schwierigkeiten, bie zur Zeit ihrer Rohstoffversorgung entgegenstehen, aus eigener Kraft zu über« winben vermag. Wirtschaft. VII.Internationaler Straßenkongreß in München. Wie ber Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen mitteilt, wird sich das Ausland an dem Anfang September stattfindenben Kongreß rege beteiligen. Die Industrie- unb Handelskammer Gießen bittet daher alle Wirtschaftskreise, bie mit dem Straßenbauwesen zu tun haben, sich wegen einer Beteiligung an diesem Kongreß mit ihr in Verbindung zu setzen. Die Siegerländer Industrie im Juli. Im Juli hat der Selbstheilungsprozeß ber Wirtschaft auch im Siegerland Fortschritte gemacht. Ein besonders bemerkenswertes Zeichen bes Aufstiegs ist bie stetig fortschreitend Entwicklung bes Erzbergbaues. Auf bem Blechmarkt zeigt die allgemeine Lage des Inlandsmarktes gegen ben Vormonat keine wesentliche Aenderung, bas Auslanbsgeschäft könnte etwas lebhafter fein. Bei ben Malzengießereien ist das Geschäft ganz uneinheitlich. Die Metallgießereien konnten neue Aufträge hereinnehmen unb sinb für einige Zeit genügend beschäftigt, was auch bei ben Kupfer- schmieben zutrifft. Der Auftragseingang bei Eisen- u n b Handelsguß hat sich infolge ber besseren Beschäftigungslage ber Maschinenfabriken entspre- chenb gebessert. Bei ben Eisenkonstruktions- werken und der Herstellung schwerer Blecharbeiten hat ber günstige Auftragseingang angehalten. In ber Maschineninbustrie ist eine fortschreitend Besserung zu verzeichnen. Im Wellblechbau ist bas Garagengeschäft infolge ber beginnenben Reisezeit etwas ruhiger geworben. Auch bei ben Hammerwerken ist eine Verbesserung ber Geschäftslage unverkennbar; Auslanbsgeschäfte sinb nur in ganz geringem Umfang zuftanbegekornrnen. Der Auftragseingang in Rohrleitungen hat sich weiter gehoben. In verzinkten Geschirren setzt sich bie Belebung unverkennbar fort, zumal auch erstmalig nach langer Zeit Großhänbler roieber als Käufer auftreten. In ber Milchkannenindustrie ist bas Auslanbsgeschäft bei allerdings stark gedrückten Preisen immer noch ziemlich lebhaft, dagegen ist das Inlandsgeschäft jahreszeitlich bedingt stärker abgeschwächt. OieIrühkartoffelpreiseinHeffen-Tiastau Die im Rahmen ber Absatzregeluna für Frühkartoffeln festgesetzten Preise lauten für bie Zeit vom 30. Juli 1934 bis auf weiteres für das Gebiet Heffen-Rafsau wie folgt: Für geschlossene Anbaugebiete bei Abgabe durch die Bezirksvertriebsstelle an die Verteiler 4,20 Mark für 50 Kilogramm, ausschließlich Sack; für nicht geschlossene Gebiete bei Abgabe des Erzeugers an den zugelassenen Verteiler 3,84 Mark pro 50 Kilogramm, ausschließlich Sack. Diese Preise dürfen nicht unterschritten werden. ♦ * Geschäftsbelebung bei ben Klöckner - W e r t e n. Auch bei ber Klöckner-Werke AG., Castrop-Rauxel, hat sich im Rahmen ber allgemeinen Wirtschaftsbelebung in bem am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahr eine Besserung bemerkbar gemacht, wodurch die Erlöse eine nicht unbeträchtliche Steigerung erfuhren. Ob aber für bas abgelaufene Geschäftsjahr die Dividendenzahlung wieder ausgenommen wird, ist, wie der DHD. erfährt, im Augenblick nicht zu übersehen. Es muß unberücksichtigt werden, daß die Abschlußarbeiten noch in ihrem Anfangsstadium stehen. Außerdem will man die Entwicklung ber ersten Monate bes neuen Jahres abwarten, deren Gestaltung die Beschlüsse des Aufsichtsrats zweifellos beeinflussen wird. frankfurter Börse. IHiffagsbörfe nachgebenb. Frankfurt a. M., 30. Juli. Mangels größerer Anregungen eröffnete die Wochenanfangsbörse in sehr stiller Haltung. Sowohl Kundschaft, als auch Kulisse üben weiterhin Zurückhaltung, und teilweise erfolgten von diesen Seiten noch Glattstellungen zum Ultimo, bie bei ber herrschenden Geschäftsstille und Unternehmungsunlust überwiegend zur Abschwächung führten. Indessen erreichten die Rückgänge kein größeres Ausmaß, da der Abschluß der deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen und die gebesserte Finanzlage des Reiches etwas Widerstandskraft verliehen. Auch günstige Wirtschaftsnachrichten, insbesondere die gute Beschäftigung in der westdeutschen eisenverarbeitenden Industrie, trugen hierzu bei. Der Montanmarkt lag daher auch verhältnismäßig gehalten, Klöckner und Mannesmann gewannen bis 0,65 v. H., nur Rheinstahl (—1,13 v. H.), Phönix (—0,50 v. H.), Harpener (—1,13 o. H.) unb Rhein. Braunkohlen (—4,50 v. H.) tagen schwächer. Chemiewerte, darunter auch Farben- industrie. verloren bis 0,75 v. H., Rütgerswerke 1,40 v. H. Auch am Elektromarkt gingen die Kurse zumeist bis zu 0,75 v. H., Siemens in Anpassung an Berlin um 3 v. H. zurück. Fest waren hingegen 6.40: 8.35: Rat- Xunbfunfprogramm Mittwoch, 1. August. Donnerstag, 2. August. 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst; Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Nachrichten. 14.40: Kinderstunde. 15.35: Wirtschaftsbericht. 15.50: Kunstbericht ber Woche. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunk- orchesters. 17.30: Deutsche Gespräche! Arbeiterkunst. Ein Zwiegespräch von Dr. Heinrich Schwarz. 17.50: Aus Zeit und Leben. 18.15: Familie und Rasse. 18.25: Spanischer Sprachunterricht. 18.50: Das Leben spricht! 19: Militärkonzert aus unseren Gauen X. 19.30: Saar-Umschau. 19.40: Militärkonzert. 20: Nachrichten. 20.15: Konto: Unvorhergesehene Ausgaben = RM. 1.12. Eine heitere Angelegenheit. 20.45: Stunde des Soldaten. Mit we- henben Fahnen und Trommelklang. Eine militärische Revue. 22: Von Kassel: Wir schneiden unser neues Korn. Vom Werk ber Ernte in hessischer Dichtung. 22.20: Nachrichten. 22.35: Nachrichten aus bem Sendebezirk. 22.50: Tanzmusik. 24 bis 1: Nachtmusik. Baubeginn der Wetzlarer Markthalle. 0 Wetzlar, 31. Juli. Dank ber Bemühungen von Lanbrat Grillo sinb in einer gemeinsamen Besprechung bie bestehenben Schwierigkeiten unb Meinungsverschiedenheiten zwischen ber Stadtver- waltung unb ber Bauernschaft bes Kreises Wetzlar bereinigt worben. Die Vertreter ber Bauernschaft hatten sich entschlossen, bie Halle nach bem aufstre- benben Ehringshausen zu verlegen. In letzter Stunbe jeboch konnte noch eine Einigung erzielt werben. Die Halle soll nunmehr in Wetzlar gebaut werben. Mit bem Bau ber Funbamente ber Markthalle würbe durch ben Bauunternehmer Geyer- Atzbach bereits begonnen. Die Halle erhält ihren Stanbort auf bem Haarplatz und zwar so, baß sie von ber kommenben Umgehungsstraße unbehelligt bleibt. Der Haarplatz, trationeller Marktplatz, ist für die Halle ber geeignetste Platz, zumal auch Stallanlagen in ber Umgebung bei ben größeren Märkten zur Verfügung stehen. Die Halle wirb in kurzer Zeit fertiggestellt fein. Die erste Veranstaltung, bie in ber Markthalle ftattfinbet, ist bie erste Herbst-Bullen- unb Nutzviehversteigerung des Mittelbeutschen Rot- viehzüchterverbanbes. Bei dieser Gelegenheit soll die Halle ihrer Bestimmung übergeben werden. Geplant ist für diesen Tag auch eine Bauernkunb- g e b u n g in Wetzlar, bei ber voraussichtlich ber Landesbauernführer Dr. Wagner sprechen wird. ausverkauft. Kälber schleppend. Hämmel, Schafe unb Schweine lebhaft, geräumt. Fleischgroßmarkt: Beschickung: 615 Viertel Rindfleisch, 67 ganze Kälber, 5 aanze Hämmel, 375 Schweinehälften. Preis für ein Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch I 48 bis 52, II 40 bis 45. Bullenfleisch 44 bis 48. Kuhfleisch II 36 bis 42, III 25 bis 32. Kalbfleisch II 65 bis 70, III 55 bis 64. Hammelfleisch 70 bis 75. Schweinefleisch I 60 bis 70. Geschäftsgang bes Fleischgroßmarktes: lebhaft. — 205 Schweine ber Klasse al) wurden zum festen Preis von 50 Mark aus dem Markte genommen. neuerlich Chade Lit. A bis C mit etwa T 3 RM. Schiffahrts- und Transportwerte blieben gut behauptet, während Zellstoffwerte, Reichsbankanteile, Gement Heidelberg, Südd. Zucker und Kunftfeiden- papiere bis zu 1 v. H. leichter einfetzten. Am Rentenmarkt war die Unternehmungslust bei weichenden Kursen gleichfalls minimal. Altbesitzanleihe, späte Reichsschuldbuchforderungen, Reichs- mark-Anleihen und Stahlverein-Obligattonen eröffneten bis 0,50 o.H. schwächer. Im Freiverkehr Gulden-Russen 1,45 nach zuletzt 1,30 v. H. In der zweiten Börsenstunde hielt der kleine Geschäftsumfang an, da die Zurückhaltuna fortbeftanb. Das Kursniveau hielt sich auf bem Anfangsstanb ziemlich behauptet, Montanwerte zogen meist geringfügig an, während Daimler, AKU. und Goldschmidt weiter abbröckelten. Farbenindustrie lagen ruhig, aber gut gehalten. Der Rentenmarkt blieb auch späterhin sehr still. Goldpfandbriefe bröckelten vielfach etwas ab, auch Kommunal-Obligationen gingen bis 0,50 v. H. zurück, während Liquidationspfandbriefe meist etwas höher gesucht waren. Stadtanleihen lagen sehr still. Von fremden Werten zogen Anatolier 0,75 v. H. an. — Tagesgeld war zu 3,50 v. H. etwas gesucht. Abenbbörse: knapp behauptet. Auch im Abendbörsenverkehr war die Unternehmungslust sehr klein, zumal die Zurückhaltung aller am Börsengeschäft interessierten Kreise weitgehendst anhält. Die Stimmung war ausgesprochen lustlos. Unter dem Einfluß der herrschenden Geschastsstille blieben die Berliner Schlußkurse überwiegend nur knapp behauptet, die Rückgänge bewegten sich zwischen 0,25 bis 0,50 v. H. Fester lagen Conti Gummi mit plus 1 v. H. Im Verlaufe blieb das Geschäft an allen Märkten minimal, und Kursveränderungen von Bedeutung traten nicht ein. Etwas Beachtung fanden Auslandwerte, so u. a. Kunstseide Aku (plus 0,75 v. H.), Anatolier Eisenbahn (plus 0,65 v.H.) und 4,5-v. H. Oesterreichische Schatzrente von 1914 mit 37 (plus 2 v.H.). Schweizer Bundesbahn-Anleihen lagen voll behauptet; 4-v. H. von 1912 194, 3,5-v. H. 180,50. Deutsche Renten tagen bei behaupteten Kursen vollkommen geschäftslos. 5,5-v. H. Frankfurter Hyp. Bank Liquid, konnten sich um 0,25 v.H. auf 90 v. H. befestigen. U. a. notierten: Attbesitzanleihe 93,65, 6-v. H.-Stahlverein-Bonds 76,50, 2,5-v. H. Anatolier Eisenbahn I und II 37,65 bis 37,50, Reichsbank 151, Gelsenkirchen 61,25, Harpener 106,50, Klöckner 77, Mannesmann 68,90 bis 69 Brief, Phönix 48,25, Rheinstahl 90,25, Stahlverein 41,50, Aku 57,75, AEG. 24,40, Bekula 142, Zement Heidelberg 108, Daimler 46,50, Conti Gummi 133, Scheide anstatt 207,50, JG.-Farden 148,75, Gesfürel 108,50, Goldschmidt 80, Holzmann 65, Schuckert 90,25, Reichsbahn-VA. 111,50, Norddeutscher Lloyd 30,40. Frankfurter (Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. Juli. Das Geschäft in Neugetreide war allgemein klein, das Angebot in Roggen nimmt stärker zu. Atter Weizen und Hafer wird nur noch knapp offeriert, ist aber auch wenig gefragt, für letzteren ging der Preis weiter zurück. Neue Futtergerste hatte nur wenig Geschäft. Altes Weizenmehl war lebhafter gefragt, wogegen altes Roggenmehl kaum mehr angeboten wird. Das Neu- mehlgefchäft ist weiter spärlich. Von schweren Fut- termitteln waren besonders Soyaschrot gefragt, ohne daß entsprechendes Angebot vorlag. Von Mühlenabfällen gingen Kleie etwas zurück. Es notierten in RM.: Weizen 207 bis 209, Roggen R 11 157, Roggen R 13 161, R 15 165, Futter- gerfte G 9 156, G 11 162, G 12 164, Hafer (alt) 180 bis 182,50, Weizenmehl 28,90 plus 0,50 Frachtausgleich, W VII 28,60 plus 0,50, Roggenmehl Type 997 (75prozentige Ausmahlung) R 9 23 plus 0,50, R 13 23,35 plus 0,50, R 15 23,75 plus 0,50, Weizenmehl IV B 17 bis 17,25, Weizennachmehl 16,50 bis 16,75, Weizenfuttermehl 12,75, Wei- zenkleie fein 11,25, grob 11,75, Roggenfuttermehl 13,25, Roggenkleie 12,25, Soyaschrot 15,80, Palm- kuchen 15,70, Erdnußkuchen 17,20, Treber 17 bis 17,10, Heu (alt) 11, Weizen- und Roggenstroh draht- gepreßt oder gebündelt (alt) 2,80 bis 2,90. Kartoffeln: runde gelbfleischige hiesiger Gegend 4,50 RM., ab 31. Juli 1934 4,20 RM. pro 50 Kilogramm ohne Sack ab Station. Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 30. Juli. Auftrieb: Rinder insgesamt 1209 (gegen 1300 am letzten Montagsmarkt), davon 415 Ochsen, 102 Bullen, 312 Kühe und 380 Färsen. Kälber 576 (595), Hämmel 33 (16), Schafe 9 (16), Schweine 3865 (3745). Notiert wurden pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al 33 bis 34, b) 31 bis 32, c) 28 bis 30, d) 22 bis 27. Bullen a) 30, b) 28 bis 29, c) 18 bis 24, d) 12 bis 17. Färsen a) 34, b) 32 bis 33, c) 28 bis 31, d) 23 bis 27. Kälber a)40 bis 42, b) 35 bis 39, c) 29 bis 34, d) 20 bis 28. Lämmer und Hämmel b2) 32 bis 34. Schafe nicht notiert. Schweine al) 51 bis 52, a2) 48 bis 50, b) 49 bis 52, c) 47 bis 51, d) 45 bis 50, gl) 43 bis 45, g2) 40 bis 42. Marktverlauf: Rinder mittelmäßig, Daten für Dienstag, 31. Juli. 1818: der Geograph Heinrich Kiepert in Berlin geboren (gestorben 1899); — 1843: der Schriftsteller Peter Rosegger in Alpl bei Krieglach geboren (geworben 1918); — 1883: der Maler und Graphiker Erich Heckel in Döbeln (Sa.) geboren; — 1886: der Komponist Franz Liszt in Bayreuth gestorben (geboren 1811); — 1914: der französische Politiker Jean Saures in Paris ermordet (geboren 1859). 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.15 bis Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische sch läge für Küche und Haus. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Dreimal 15 Minuten aus dem Sendebezirk. 15.35: Wirtschaftsbericht: 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Die sechs Bücher deutscher Dichtung. 17.45: Heldengedenkstunde der Jugend. Eine Hörfolge. 18.20: Helgoland! Eine Reisebetrachtung. 18.35: Junge deutsche Dichtung: Herbert Böhme. 18.50: Griff ins Heute. 19: „Sonne im Glas". Die Mosel singt Gedichte und Lieder. 19.30: Kammermusik von Robert Schumann. 20.10: Unsere Saar. Den Weg frei zur Verständigung! 20.35: Reichssendung: Stunde der jungen Nation. 21: Konzert des Berliner Funkorchesters. 22.20: Nachrichten. 22.35: Du mußt wissen ... Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Retchsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Frankiun a. 2)1 Berlin Schluß- furd Schluß». Abend- Wrfe Schluß- hu4 Schluß». Mittag- bSrse Datum 27-7. 30.7. 27.7. 30.7. •% Deutsche Reichsanlethe v. 192? 92,65 1 92,75 93 93 6% ehem.7% Dl. Retchsanl. v. 1929 - —— — — 6Vt% Doung-Anleihe von 1930 .. 90,4 ! 90,6 90,75 90,13 Deutsche Anl.-Ablüs.-Schuld mit Aullos.-Rechten ........ 94 93,65 94 93,65 DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte...... •— — •— — 6% ehem.8% Hess. DolkSstaat 1929 (rückzahlb. 102%) .......... 91,75 91,5 91,75 91,5 6% Heft. Landesbant Darmstadt 89,75 Gold R. 12............... 89,5 — — 6%% Hess. LandeS-Hypotheken- bank Darmstadt Liqui....... 89 89 _ Oberheften Provinz-Anleth» mit Auslos.-Rechten .. . . 95,5 95,5 — Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 96 95 96 95 6% ebem. 6% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1935 89 89 89,75 88,5 1% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 89 89 —— •yL% ehem. 4%% Franks. Hyp^ Bank-Ltq »^Pfandbriefe...... 89,25 89,75 _ — •K% ehem. 4K% Rheinische Hyp.-Ban k-Ltqu.^Soldpfe. 90,25 90 — ___ 6% ehem. 8% Pr. Landes Pfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 92 92 92 92 4% ehem. 7% Pr. Landespfand- briesanstalt. Pfandbriefe R. 10 93 93 93 93 Steuergutsch. Verrechnungskurs 101,4 101,4 101,4 101,4 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrentr 26,75 29 27,5 29,25 1,13 4% Ungarische Goldrente ....... 7.25 7,1 7.35 7,3 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 7 7 7 7 *y,% deSgl. von ISIS.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 7 7 7 7 9,1 9,13 8,8 8,8 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethr Serif 1................... 8 8 8,1 7,7 7,7 8 Frankfurt a. M. Serlin Schluß« furd Schluß». Abendbörse Schluß» fort Schluß». Mittag, börse Datum 27-7. | 30- 27-7. 30.7. 4% deSgl. Serie 11 ..... 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4Vr%Rumün.vereinh.Rcntev.lS13 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2%% Anatolier ..... vamvurg-Amerika-Pake» 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 Hansa-Dampfschifs ....... 0 Norddeutscher Lloyd ......... 0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz, und Privat-Bank .. 0 Deutsche Bank und Diskonto- Gesellschaft................ 0 Dresdner Bank....... 0 Reichsbank ...............ir A.G.G......................o Bekula................... o Dektr. LieferungSgesellschast ... 6 Lickt und Kraf! ... 6 Felten & Guilleaume....... 0 Gesellsch.s.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Schuckert L Co............... 5 Siemens L Halske.«.......... 7 Lahmeher » Co.............10 Deutsche Srdvl ..............4 Gelsenkirchen«..............< Harpener...................< Hoesch Eisen—KSln-Neuessen .. 0 Alse Bergbau ...............< Ilse Bergbau Genüsse........ 4 Klockn erwecke ............ < MauneSmaoa-SUibre» ........C 7,7 4.4 4,15 6.25 26 10,13 64,5 90,5 57,25 61,5 65,5 152,5 24,4 142,5 96,75 113 66,9 108,25 19,75 90,5 146,5 119 114,5 60,5 105,75 — 169,5 128 73,75 65,5 7,7 4,45 4 37,5 26 30,4 63,75 90,75 57,25 62,25 65,5 151 24,4 142 97,75 68,75 108,5 101 90,25 119 77,5 115 61,25 106,5 169,75 129,13 77 68,9 7,25 4,15 35,8 26 30 64,25 91 57,25 62,4 65,5 152 24,5 142 96,25 113 66,5 108,25 101.75 90 146,5 118,75 75,75 115,65 60,5 105,5 74 >69,5 128 73,5 65,75 8,1 4,4 7,05 4 37 26,25 30,5 65,9 91,25 57,25 62,5 65,5 150,75 24,5 142 97,75 114,5 68,5 108,5 101,5 90,5 145 118,25 77,5 115,25 61,75 106,5 75,75 170 129,75 77 69,25 $ranfhin a. M. Berlin Schluß- kurs Schluß». Abend- Schluß- fürs Schluß». Minag- börse Datum 27-7. 30.7 27.7. 30.7. Mansfelder Bergbau .. .......0 74,5 75 75 75 Kokswerke ...... .......0 —— — 92 92 Phönix Bergbau...... .......0 47,5 48,25 47,25 48,75 Rheinische Braunkohlen .....10 244 243,5 244 243 Rheinstahl......... .......0 91 90,25 90,5 90,13 Bereinigte Stahlwerke. ....... 0 40,25 41.5 40,65 41,75 Otavi Minen ....... c 13,75 14.4 13,4 14 Kaliwerke Aschersleben. ....... 6 120,75 118 119,75 118 Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke Salzdetfurth .......5 120 117,5 120,5 117 .....IVt 162 161 162 162 3. ®. Farden-Judustrie.......1 Scheide anstatt............ 9 Goldschmidt ..... 0 Rütgerswerke .......... 0 Metallgesellschaft.............0 Philipp Holzmann........... 01 fiementroen Heidelberg ...... 0 Xemmtmer! Karlstadt......O| 146,5 148,75 146,13 148,9 206 207,5 — —— 76 80 76,9 80 38,5 39 38,4 39,13 84 83 83,5 83 64 108,5 65 108 125,5 Schultheis Payenhoser .......0 Aku »Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg .................0 e Waldhof ............0 Aschaffenburg .......0 t GaS ......... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum ...........0 Orenstetn S Koppel ..........0 Leonhard Tietz ..............0 Thode......................io Serumulatoren-Fabrü........o XonMhraml...............0 — — 113 115,75 59,75 57,75 59,75 57 — 67,25 65,25 67 47,25 46,75 47 47,4 59,25 59,13 59 59 ** 124,25 123,75 45,25 46,5 45,4 46,75 56,5 59,25 56,9 59 — — 73,25 75,75 21 22,25 20,75 22 219,5 222,5 218,5 222,25 172 170,75 172,5 171,5 134,5 133 134 132 Gritzner.................. o| Mainkrastwerke Höchst .. 4 Süddeutsch« Zucker es 25,75 185 24,5 74 185 Devi enmarki Berlin — 1 jranffurf a. zu. 27-Iull 30.3ull Amtliche Notierung Selb | Sriet Amtliche Notierung Geld | Srie Buenos Aires Brüssel..... Rio de Jan. . Sofia...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... Helsingfors.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan...... Jugoslawien. Oslo..... ; Wien....... 0,628 58,69 0,184 3,047 56,51 81,72 12,655 5,594 16,50 169,73 21,58 0,751 5,664 63,61 48,95 11,49 65,26 81,66 34,32 10,44 2,512 0,632 58,81 0,186 3,053 56,63 81,88 12,685 5,606 16,54 170,07 21,62 0,753 5,676 63,73 49,05 11,51 65,40 81,82 34,38 10,46 2,518 Sanknolen 0,645 58,84 0,184 3,047 56,46 81,72 12,645 5,584 16,50 169,73 21,58 0,751 7,664 63,56 48,95 11,48 65,21 81,68 34,32 10,44 2,512 0,649 58,96 1,186 3,053 56,58 81,88 12,675 5,596 16,54 170,07 21,62 0,753 5,676 63,68 49,05 11,50 65,35 81,84 34,38 10,46 2,518 Lissabon .... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Neuyork... Serlin, 30.Juli Geld Srie, Amerikanische Belgische Not Dänische Not Englische Not Französische Holländische Italienische 9 Norwegische Deutsch Oest Rumänische Schwedische Schweizer N Spanische Nr Lug arische N 2,465 58,68 56,41 12,60 16,46 169,31 21,46 63,39 65,05 81,50 34,18 2,485 58,92 56,63 12,66 16,52 169,99 21,54 63,65 65,31 81,82 34,32 en.................. en ................. en ................ Roten............... Roten............... .................... Roten .............. erreich, i 100 Schilling Roten............... Roten............... .................... ................ Br. 176 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefien) Dienstag, Zl.Zuli 1954 L- * X Der Abschied. Unser Bild zeigt eindrucksvoll die gegenseitige herzliche Verbundenheit. (Aufnahme: Photo-Pfaff.) BdM. wurde wieder zum Zug marschiert, die Kinder nahmen Platz, und während das Jungvolk noch einige Male am Zuge singend auf- und abmarschierte, drängten sich die Kinder an die Fenster, um den rasch gewonnenen Kameraden „Lebewohl!" zu winken. Als der Zug aus der Halle fuhr, standen alle, die mithalfen, den Kindern gastlichen Empfang und Bewirtung zu bereiten, geschlossen auf dem Bahnsteig, und während die kleinen Reisenden wieder mit erhobener Hand grüßten und winkten, während das Jungvolk noch ein letztes Lied sang, verließ der Zug den Bahnhof. Lange noch winkten die Luxemburger Kinder, die sicherlich den Aufenthalt in unserer Stadt so schnell nicht vergessen werden. Die RS.-Volkswohlfahrt Gießen unter Leitung des Kreisamtsleiters der JIS73. pg. Klös und des Geschäftsführers pg. Mohaupt hatten mit Hilfe von zahlreichen Mitgliedern der Gießener Frauenschaft sowie mit Unterstützung des Bahnhofswirts den Empfang und die Bewirtung der Kinder bestens vorbereitet, so daß alles völlig reibungslos vonstatien ging. Besonderer Dank gebührt den Helferinnen aus dem Kreise der Frauenschaft, die sich rnitz großer Hingebung der schönen Aufgabe widmeten, die ihnen hier erwachsen war. Man wird nicht fehlgehen in der Meinung, daß die Kinder unserer deutschen Volksgenossen in Luxemburg sehr wohl gespürt haben, daß ihnen hier viel Liebe entgegengebracht wurde. Die Begleiter und Begleiterinnen des Zuges äußerten sich denn auch im besten Sinne über die freundliche Aufnahme in Gießen. Aus der Provinzialhauptstadt. Der „schwarze Mann". Alle Vierteljahr kommt er zu uns auf das Land, um den Leuten aufs Dach zu steigen und den Schornstein auszufegen. Die Kinder freuen und begrüßen ihn schon meistens aus der Ferne mit irgendeinem Reim, oder gar einem Lied. Oft find es Spottverfe, die die Buben singen. Es ist dann ergötzlich, zu beobachten, wie sie schon zum Sprung bereitstehen, falls es dem Schornsteinfeger einfallen sollte, einem Jungen nachzulaufen. Meistens ist es aber anders. Freundlich lächelnd geht der „schwarze Mann" von Haus zu Haus. Rur noch die ganz kleinen Kinder fürchten sich vor ihm, weil ihnen die älteren Geschwister — wie nun einmal die Kinder sind — Angst gemacht haben. So ein bißchen fürchten kann man sich ja vor dem schwarzen Mann mit der Leiter und dem kleinen Besen, wenn er gar verlangt, wir sollten ihm die Hand reichen. Ich weiß noch ganz gut, wie ich mich als Kind geweigert habe, dem Schornsteinfeger das Geld für seine Arbeit zu geben. Aber mein Vater bestand darauf, und so wurden wir bald Freunde. Freilich die kleinen Gassenbuben können es nie lassen, dem Schornsteinfeger ein Berschen oder einen Neckreim zuzurufen. Am sichersten fühlen sie sich, wenn der ,/schwarze Mann" hoch oben auf dem Dache steht und seinen Besen mit der schweren Kugel daran in den Schornstein versenkt. Sobald er aber heruntersteigt, verschwinden sie meistens, denn so ganz geheuer ist es ihnen dabei nie. Hierzulande singen die Kinder: Schornsteinfeger, kreideweiß, mach mir auch mein Stübchen weiß Es gibt natürlich noch andere, etwas derbere Verse, die aber hier nicht angeführt werden sollen. Sehr reizvoll ist es, einmal die Reime aus andern Gegenden Deutschlands mit den unfrigen zu vergleichen. In Thüringen singen die Kinder: Feierriebel, Zuckerdiebel, kehre deine Esse aus! Mach sie nicht so reene, sonst kriegste krumme Beene. In Nordschleswig: Schornsteenfeger, Ohrringträger, sitt op 'n Dack und flickt sin Jack. In Bayern: Schlautfucher, gäk, gäk, gäk, haust dös Rabl fula Tret, wast niat in Schlaut gschieng, wa da Rabl sauwa bliem. In S ch l e s i e n : Schornsteinfeger, alter Bär, gib mir deine Latschen her. Deine Latschen will ich nicht, Schornsteinfeger bin ich nicht. 250 Luxemburger deutsche Kinder zu deutschen Bauern. Etappe Gießen. - Eine Stunde Verpflegung. Dje Transporte von Kindern aufs Land sind uns heute nichts Ungewöhnliches mehr. Täglich sind in unserem Vaterlande Tausende von Kindern unterwegs, um aus den Großstädten heraus auf das Land zu fahren oder wieder in die Stadt zurückzukehren. Diese Transporte vollziehen sich, dank der sorgfältigen Organisationsarbeit der N S. - Volks Wohlfahrt, reibungslos. Vas der Landaufenthalt für Kinder aus den großen und mittleren Städten seelisch bedeutet, das ist in seinem ganzen Ausmaß heute gar nicht zu erfassen. Ein ganzes Leben lang werden die Kinder von diesen Erlebnissen in einer natürlichen Umgebung zehren. Unsere Bauern erwerben sich hier ein großes verdienst um die volksgemeinschast, und der RS.-Volkswohl- fahrt gebührt der Dank aller Volksgenossen dafür, daß sie die Initiative ergriff, das Werk mit allen Kräften förderte und auch weiterhin zu fördern bestrebt ist. Die Kinder-Landverschickung gewinnt aber noch an Bedeutung, wenn man hört, daß nicht nur die Kinder aus den großen und den Mittelstädten Deutschlands die Segnungen des Landaufenthaltes erfahren, sondern ebenso die Stadtkinder des Auslanddeutschtums, ganz abgesehen von den Kindern von der Saar, deren Aufnahme im Mutterlande von ganz besonderer Bedeutung ist. Gestern mittag um 14 Uhr trafen etwa 2 5 0 Kinder auf dem Gießener Bahnhof mit einem Sonderzug ein, die mit großen Augen hier zu Gast waren- wenn es auch nur eine Stunde des Aufenthaltes war, die ihnen hier gegönnt werden konnte. Ls handelte sich um Kinder, Jungens und Mädels, von deutschen Volksgenossen in Luxemburg, die, mit irdischen Gütern nicht gesegnet, der 7lSV. ihre Kinder anvertraut haben. Die Kinder befanden sich auf der Reise nach Sachsen, wo sie bei Bauern untergebracht werden sollen. 18 Begleiter bzw. Begleiterinnen betreuten die Kinder auf der langen Fahrt bis Dresden. In Trier hatte der Sonderzug seinen ersten Aufenthalt Gießen war die zweite Station. Zur Stunde, da der Zug erwartet wurde, standen eine Gruppe des BdM. und ein Zug Jungvolk auf dem Bahnsteig, um die kleinen Gäste aus Luxemburg zu begrüßen. Das geschah, als der Zug einlief, in recht temperamentvoller Weife. Mädels und Jungens schmetterten ein Lied, das selbst das Fauchen der einfahrenden Lokomotive und das Rattern der Räder übertönte. Die Kinder aus der Ferne grüßten mit erhobener Hand und mit „Heil Hitler!" Etwas schüchtern, mit etwas zweifelndem Gesichtsausdruck, gewissermaßen fragend, was hier wohl mit ihnen geschehen werde, verließen sie die Abteile. Das Jungvolk und der BdM. setzten sich rasch an die Spitze der formierten Gruppen, und mit Gesang ging's hinüber zum Oberhessischen Bahnhof, von dem aus die Kinder in den Wartesaal geführt wurden. hier war alles für den Empfang der kleinen Gäste bereit. Rasch sahen sie an den Tischen, und ebenso schnell wurden die Teller mit einer ganz ausgezeichneten Reissuppe gebracht, die gleichzeitig Fleisch und Kartoffeln enthielt und mit denkbar bestem Appetit! gegessen wurde. Mancher Teller ging leer an die freundlichen Helferinnen zurück und mußte neu gefüllt wieder gebracht werden. Inzwischen waren die Kinder auch richtig „warm geworden", und über manches von der Fahrt etwas müde Gesicht huschte ein freundliches Lachen. Allzu rasch verging die Zeit. Die vielen Kinder mußten in zwei Gruppen gespeist werden, und als die eine Gruppe gesättigt den Saal verließ, nahm die andere Platz. Allen Kindern wurde, als die Zeit zum Aufbruch gekommen war, von liebreichen Händen noch ein Tüte mit Wurst und Brötchen überreicht, so daß sie auch für den weiteren Teil der Reise mit genügender Wegzehrung versehen waren. Gemeinsam mit dem Jungvolk und mit dem Die kräftige gute Reissuppe war für die lange Reise eine willkommene Stärkung. (Aufnahme: Photo-Pfaff.) A Jagd auf Schwertfische. Äon Waldemar Keller. Während die Wale den nordatlantischen Ozean längst verlassen und sich in die arktischen oder antarktischen Regionen zurückgezogen haben, ist der Schwertfisch seinen dortigen Tummelplätzen treu geblieben. Drei Monate in jedem Jahr zeigt er sich an der amerikanisch-kanadischen Küste, unterhalb von Neu-Schottland, und flugs machen sich die Fänger in Boston und anderen Häfen auf die Fahrt, denn es ist keine Zeit zu verlieren. Wenn der September sich seinem Ende zuneigt, verschwinden dre Schwertfische wie auf Kommando, niemand weiß: wohin. Wahrscheinlich verkriechen sie sich ins Sargassomeer, wo ihnen keine Harpune gefährlich wird. Den Fängern aber winkt hoher Verdienst, und deshalb sind sie mit ihren kleinen Schonern eifrig hinter den begehrten Fischen her. Seit einem Jahrhundert wird diese Schwertfischjagd auf dieselbe Art und Weise ausgeführt. Kleine Segelschiffe, kaum 50 Tons groß, denen man jetzt allerdings meist einen Motor eingebaut hat, begeben sich in Geschwadern auf den Ozean, durchfahren den Fischgrund in Zickzacks und Schleifen, bis ein Tier gesichtet wird. Der Mann im Mast gibt dem Steurer die Richtung an. Dorn aber, auf der sogenannten „Kanzel", einem primitiven Sitz an der Spitze des Bugspriets, hockt der Harpunenwerfer, der eine ganz einfache Waffe benutzt, ähnlich dem Robbenspeer der Eskimos. Ist der Fisch in Wurfweite gekommen, so paßt der Harpunier den Moment ab, wenn das Schiff mit dem Vordersteven in ein Wellental taucht, und wirft zielsicher das todbringende Eisen, indem er die abwärtsschwingende Bewegung des Schiffes geschickt ausnützt. Selten nur verfehlt er den Fisch. Diese Leute sind so erprobt, daß sie auch mehrere Meter unter der Meeresoberfläche ihre Beute unbedingt mit der Harpune erwischen. Der angespießte Fisch geht mit der Geschwindigkeit eines D-Zuges in zwei-, dreihundert Meter Tiefe, rasend rollt die an dem Wurfeisen befestigte Leine ab, die um eine sich drehende Tonne läuft. Jetzt ruht der Fisch aus, ruckweise nur gibt die Leine nach. In diesem Augenblick wirft gewohnheitsgemäß der Koch, der bereit steht, die Tonne samt dem Rest der Leine ins Meer- da schwimmt sie nun, ein Zeichen, wo der Fisch'zu suchen ist. Es beginnt der aufregendste Teil der Jagd. Während sich der Schoner bereits dem nächsten Opfer zuwendet, springt ein Mann der Besatzung in das nachschleppende Boot, rudert zu der Tonne, I nimmt sie in das kleine Fahrzeug und holt die Leine ein. Der Schwertfisch hat seine Fahrt nun gänzlich gestoppt, wird aber wieder lebendig, sobald ( der Mann im Boot die Leine straffzieht. Jetzt heißt I es aufpassen! Denn wenn der vierhundert Pfund schwere Fisch mit seinem anderthalb Meter langen Schwert in heftiger Aufwärtsbewegung das Boot trifft, ist die Situation alles andere als gemütlich. Oft schon sind bei dieser Gelegenheit Fischer getötet, worden, die, auf der Ducht des Bootes sitzend, der j furchtbaren natürlichen Waffe des todwunden Tie- i res nicht ausweichen konnten. Gelingt es aber dem Bootsmann, den Angriff zu parieren, und das ist meist der Fall, so ist das Drama bald beendet: ein, zwei Lanzen durch die Kiemen geben dem Fisch unweigerlich den Rest. Das tote Tier wird dann am Boot vertäut, bis der Schonerherbei- kommt und es an Bord nimmt. Dort wird der Schwertfisch ausgenommen, zerlegt und in Els ver- | packt. r , , ,. I Herrlich ist die Farbe des Fisches, solange er lebt Er ist pflaumenblau und hat Langsstreifen auf dem Rücken, die wie Bronze glänzen Seme Augen, wohl die größten Augen, die überhaupt ein Tier hat, find tief blaugrün, und es soll ein schaurig- schöner Anblick sein, wenn der eben harpunierte Fisch, mit Macht aus dem Wasser emporschnellend, diese riesigen tellerförmigen Augen wecket. Manchmal kommt es vor, daß der Schwertfisch n ch: nur | das Boot, sondern auch den Schoner attackiert. Diese Schiffe sind fast alle aus Holz, daher kann das gewaltige Schwert des Tieres auch dem größten Fahrzeug durchaus gefährlich werden. Der Schoner „Mildred", in Edgartown beheimatet tragt al? Andenken an solch eine Attacke noch jetzt em Stück des Schwertes in seinem Rumpf. Der Fisch durchbohrte die vierzehn Zoll starken Holzplanken und drang mit feinem Schwert überdies durch einen metallenen Wa fertank im Vorschiff. Danach kann man sich wohl ein Bild non der Gewalt des Stotze- machen. v. .... . . Eine andere Gefahr für die Fischer bildet der Nebel, der in jenen Gegenden sehr hausig und sehr d cht ft. Da die Fanggrunde gerade inmitten der „"v ' H-nnsnieanifdien Linie liegen, und da die Schnelldampfer auch bei Nebel ihre Geschwindigkeit kaum zu verringern pflegen sind d,e Schaluppen und kleinen Schoner natürlich aus- autzerste bedroht Manche- Fischersahrzeug das nicht in den Aasen zurückkehrte, ist >m Nebel fang- und klanglos zerschmettert unterm Anprall eines grotzen Passa- qierdampfers, dessen Fahrgäste die Lunchzeit m Neuyork nicht verpassen wollten . . . Aber so gefährlich das Geschäft dieser Fischer ist: es lohnt. In den ostamerikanischen Städten wird Schwertfisch mit Vorliebe gegessen. Ein Steak kostet einen Dollar, ist also keineswegs billig, dafür aber köstlich. Das Fleisch, weiß wie vom Huhn, hat keinerlei Fischgeschmack, ist auch sonst nicht fischähnlich und wird gerade deshalb sehr begehrt. Es gibt Fangmonate, m denen mehr als eine Million Pfund Schwertfisch an Land gebracht werden. Zuweilen fangen die Fischer auch einen Hai und packen ihn ebenfalls in Eis, denn den Chinesen in Neuyork und Boston gilt ein Haisteak als größte Delikatesse. So sind die Geschmäcker verschieden... „Kleiner Mann-was nun?" Dies ist die von der „Europa" herausgebrachte Verfilmung von F a l l a d a s berühmtem Roman. Natürlich konnte aus verschiedenen Gründen nicht der ganze große Roman auf die Leinwand projiziert werden — das ging hier nicht und geht überhaupt nicht — das Drehbuch von Herbert S e l p i n und Hans Wendhausen gibt allenfalls einen Ausschnitt, der das Buch natürlich um so weniger erschöpfen konnte, als eine Reihe z. T. sehr einschneidender Veränderungen und Akzentverschiebungen vor- nommen wurde. Daran ist der Spielleiter Dr. Fritz W e n d h a u s e n wesentlich beteiligt, und das äußert sich auch in der Besetzung. Hier hat man den immerhin ziemlich seltenen Fall, daß die größeren Nebenrollen durchweg besser besetzt sind als die beiden Hauptrollen. Ausgezeichnet ist z. B. d e K o w a, der als Heilbutt genau den Typ trifft, der Fallada vorgeschwebt hat; Kämpers haben wir noch nie so gut und so ohne „Drücker" spielen sehen, wie hier als Jachmann: und Ida Wüst, die ohnehin nie etwas verdirbt, gibt als Frau Pinneberg genau die halb ordinäre, halb hysterische, jedenfalls durchaus verdächtige Dame, die der Roman schildert. Auch Tiedtke, Henckels und Lingen stehen am rechten Platz. Die schönste und rührendste Gestalt des Buches ist „Lämmchen"; im Film: Hertha Thiele; sie spielt gut und auch, im Gegensatz zu mancher ihrer anderen Rallen, mit einer Wärme, die von dieser tapferen jungen Frau bei jedem Wort und jeder Geste ausstrahlen muß. Dennoch wirkt sie nicht ganz als die Gestalt, die hier gemeint war. (Wir hätten Toni van Eyck an ihrer Stelle eingesetzt.) Schwieriger ist es, den richtigen Darsteller für Pinneberg zu finden. Man hat T h i m i g geradezu eine Fehlbesetzung genannt; das geht vielleicht etwas zu weit, aber bestimmt war er von Haus aus und nach feiner durch die Filmarbeit bedingten Gesamtentwicklung in den letzten Jahren nicht der gegebene Mann: er ist vor allen Dingen zu weich, zu wenig aktiv und energisch, auch um einen halben Ton zu fein. Das alles ist mitbeftimmenb für den von der Vorlage beträchtlich abweichenden Eindruck des Films, der überdies beispielsweise ohne Not das kriminelle Motiv weiter ausspinnt, als es im Sinne der Fabel lag, und mit einem ziemlich kühnen happy end abschließt. Dagegen hat man leider von den so lebenswarmen und gewinnenden Szenen mit dem kleinen Murkel so gut wie gar nicht Gebrauch gemacht. Der Gewinn des Films liegt demnach in Einzelheiten und Teilszenen, die vorwiegend von Lämmchen und den bereits erwähnten Nebenfiguren bestritten werden. Und schließlich bleibt auch im Film trotz seinen schwerwiegenden Eingriffen ein Hauch davon spürbar, was den ungewöhnlich starken und in die Breite gehenden Erfolg des Buches bestimmte, etwas von dem Eindruck, daß hier einmal verhandelt und geschildert wurde, was i heute Tausende und Abertausende in Deutschland erleben oder erlebt haben: den harten Kampf um ! die Existenz und um ein bißchen Glück; die Tapferkeit, mit der dieser Kampf geführt wird, die Kameradschaft zu zweien und die Lebenszuversicht, die sich nicht unterkriegen läßt — trotz allen Schicksalsschlägen und allen Gemeinheiten. — Glörcke hinter dem Pflug Aus der Uckermark wird gemeldet, daß dis Störche in einigen Ortschaften ihre Lebensweise gänzlich geänbert haben. Ein ganzer Schwarm von Altstörchen hat die Nester im Stich gelassen und die Jungen ihrem Schicksal preisgegeben. Manche Elternpaare haben sich gegen die Jungen selbst gewandt und sie aus den Nestern geworfen, so daß sie zum Teil umgekommen sind. Die Altstörche verlieren jede Scheu vor den Menschen und versammeln sich, wie in vielen Dörfern beobachtet wird, auf den Feldern bei den pflügenden Bauern. Sie schließen sich dem Pfluge an und suchen in der aufgeworfenen Erde nach Würmern. Auf den Feldern des Gutes Golzow sind es täglich 18 Störche, auf einem Gut bei Greiffenberg sogar 22, die hinter dem Pfluge herschreiten. Pünktlich wie die Uhr erscheint der Schwarm morgens auf dem Felde und verläßt es abends geschlossen. Sogar Schwarzstörche, die zu unseren scheuesten Tieren gehören, sind schon beobachtet worden. Den Vögeln fehlt es, wie Sachverständige erklären, an Nah« rung, da die Tümpel und Weiher, die ihre gesuchtesten Futterplätze waren, fast alle ausgedörrt find. In Hannover! Schornsteinfeger, Lumpenträger, heef die Kiepen oull Tabak füget den Schornstein, stopp sin Piep und häf den swarten Dreck op'm Lies. 2n Ostfriesland: Schösteenfeeger, swatter Neger, sitt up't Dack, flickt sien Jack mit Rulltaüak. Im Schwabenland: Kannefeger, kreidaweiß, hascht a Säckle voller Leis, kasch nemme traga, Schmeisch auf da Waga. Kommt e Bäuerlei hentadrei, haut d'r ois ens Gnickle nei! । In Mecklenburg: Schosteinfeger, swarter Neger, sitt up'n Dack, flickt sien Jack, Hütt keen Nadel, Hütt feen Twirn, Hütt ne lütte faule Dirn. Äm Elsaß: Kaminfäjer, Stäckeleträger, Rohrbutzer Zwieweleschlutzer, Maideleoerschmutzer. In Baden: Kaminfeger! — Kaminfeger I Hasch ja keine Hosenträger! Hasch e Sack voll Häsläus! Verdienst bei Geld bloß kreuzerweis! Gib fei acht, bei Hos verreißt! Die Kinder find verschieben wie ihre Verse. Aber für bie Dorfjugend bleibt ber schwarze Mann eben doch etwas Ungewöhnliches. Da lassen hie Kleinen ihr Spiel, ihre Arbeit im Stiche, laufen hin und schauen. Daß dabei einige Verse gesungen werden, ist echt kindlich und' wohl zu verstehen. Böse gemeint sind sie ja nie, wenn es auch oft so aussieht. Das wissen die Schornsteinfeger am besten und lachen darüber. Ich glaube sogar, daß es ihnen gar nicht recht ist, wenn die Dorfkinder keine Notiz von ihrer Anwesenheit nehmen. Die ihnen zugerufenen Berschen sind die Begleitmusik, die ihnen ihre Arbeit erleichtert und sie immer so freundlich erscheinen läßt. Jst's nicht so? Kl. Das Landestreffen der NGBO. und der DAF. findet am 11. und 12. August nicht in Frankfurt, sondern in Wiesbaden statt. Verbindung zwischen Landhelfern und SA. NbZ. Nachdem kürzlich pon ben zustänbigen Stellen festgestellt worben war, baß bie Lanbhel- fer unter 18 Jahren burch bie Hitlerjugenb betreut werben, wirb nunmehr, wie bas NbZ.-Büro mel- bet, burch ben Präsibenten ber Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung unb Arbeitslosenversicherung hervorgehoben, daß bie über 18 Jahre alten Lanb- helfer in bie Obhut ber SA. genommen werben. Der Präsident bezieht sich babei auf eine Anordnung bes Obersten SA.-Führers unb weist bie Arbeitsämter an, ber zuständigen SA.-Einheit jeweils bie in bem Bezirk vermittelten Landhelfer namentlich mitzuteilen. Die Landhelfer über 18 Jahre werden vom Arbeitsamt angehalten, sich bei ber zuständigen SA.-Einheit zu melden. Während an sich eine Aufnahme in die SA. zur Zeit nicht erfolgt, sollen bie Führer ber zustänbigen örtlichen SA.- Einheiten prüfen, wie weit die ihnen gemeldeten Landhelser überhaupt für die Aufnahme in die SA. in Betracht kommen könnten. Damit ist also klargestellt, daß bie erziehliche Betreuung der jungen Menschen, die als Landhelser arbeiten, auch in ben Fällen sichergestellt ist, in benen wegen ber Überschreitung ber Altersgrenze von 18 Jahren bie Hitler-Jugenb nicht mehr wirksam werden kann. Polizeibericht. Jugendlicher Strahenräuber. Am Samstag, 28. Juli, gegen 19 Uhr, entriß ber 15jährige Wilhelm Rausch von hier, Neuenweg 10 wohnhaft, einem Fräulein im Leihgesterner Weg zwischen Aulweg unb Bergschenke ein Einkaufsnetz, das süßer einigen eingefauften (Begenftänben noch 2,72 Mark Bargeld in einer Gelbbörse enthielt. Der jugenbliche Räuber fuhr mit feinem Fahrrad einigemal an ber Geschädigten vorbei, um einen günstigen Moment für bie Tat abzuwarten. Als er biefen für gekommen sah, fuhr er das Fräulein ZweiMnner und Ma Vornan von Hermann W. Walber. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) (Schluß.) Sie war es denn auch, bie bie schwere Aufgabe übernahm, ihrem Kinb ben tragischen Abschluß ihres Brautglücks beizubringen. Sie teilte ihm nur des Bräutigams Tob mit, unb biefe Nachricht, so vorsichtig sie angebracht würbe, genügte, um bie köstliche Mäbchenblume zu knicken. Der Schlag war für bie blühenbe Liebesseligkeit Hilbas zu hart. Sie brach ohnmächtig zusammen, unb es kam ein heftiges Fieber zum Ausbruch. So geschah es, baß Hilba ber Beerbigung bes Verlobten fernblieb. Unter ber sorgsamen Pflege der Mutter und Liesgretas kam sie, nach Wochen allerdings erst, wieder zu Kraft und neuem Lebensmut. Die Geheimrätin zog mit der Tochter unb ber Nichte nach bem Süben, um bort Erholung unb Frieben zu suchen. Aus Sommer unb Winter erwuchs ein neues Jahr. Doktor Walter Becker, Chefarzt eines Sanatoriums in ber Umgebung Berlins, hatte sich im Herbst Liesgreta als Lebensgefährtin geholt. Heinz Wolterstorff schaltete unb waltete als um« sichtiger Leiter ber Geyerling-Werke wie früher, verehrt von ben Angehörigen bes Werkes, qefdiäht als Wirtschaftsautorität. Er kannte nur eins: Arbeit, bie getragen war von ber Treue gegenüber bem Vermächtnis, das einst Geheimrat Geyerling ihm zugewiesen, unb von der Verantwortung für feine Leute unb Mitarbeiter. Die Epifobe, bie mit bem Namen Kirchhofen verknüpft gewesen, war aus seiner (Erinnerung ausgelöscht. Im Herzen trug er bie Hoffnung, baß auch für Hilba Geyerling einmal ber Zeitpunkt kommen würbe, an bem sie jene Epifobe ebenfalls, unb zwar für ewig, vergaß. Bei ber im engsten Kreise abgehaltenen Hochzeits- feier Beckers, mit bem ihn innige Freunbfchaft ver« banb, traf er zum ersten Male roieber mit Hilda zusammen. Welch eine tiefe Wandlung war mit dem Mäd- Die HI. grüßt das Braunhemd. Parole ber Hitler-Jugend ab 1. August 1934: „Die HI. grüßt bas Braunhemd!" Die HI. als die treue Gefolgschaft des Führers will Garant fein für die Einheit ber gesamten nationalsozialisti schen Bewegung. Nicht engherzige Beschränkung auf ihren eigenen Kreis, fonbern großzügiges Bekenntnis zu all benen, bie zu Abolf Hitler gehören, erfüllt sie. So wie uns das innerlich bewegt, bringen wir es auch nach außen zum Ausbruck. Wir fragen nicht danach, wer unter ben Gefolgsmannen Adolf Hitlers zuerst grüßen soll und muß. Wir grüßen sie alle, die durch das Braunhemd, das Ehrenkleid, das uns der Führer schenkte, als seine große Gefolgschaft zu erkennen sind! Wir verpflichten uns, ob Führer oder Gefolgsmann, zum Gruße nicht nur innerhalb unserer engeren Gemeinschaft, sondern verpflichten uns zum Gruß allen denen gegenüber, die als Amtswalter der PO., als SS.- oder SA.-Männer oder als Angehörige einer anderen Gliederung der Partei zu erkennen sind. Der Gruß soll nicht abhängig sein von der Zugehörigkeit zu der oder jener Gliederung ober von bem Besitz dieses ober jenes Dienstgrades. Der Gruß, den wir entbieten, gilt der Gesamtheit der Bewegung! Dir grüßen das Braunhemd, wir grüßen die Symbole, die uns der Führer geschenkt hat! Ab 1. August 1934, dem Gedenktage des großen Ringens, das vor 20 Jahren deutsche Menschen zur Volksgemeinschaft in blutigem Kampfe zusammen- schweißte, heben wir als Bekenntnis zur großen Kameradschaft des Führers jedem Angehörigen dieser Gemeinschaft gegenüber bie Hand zum Gruß. Ein vieltausendfältiges Heil Hitler! soll Tay für Tag aus bem Herzen der jungen Nation jedem entgegenbringen, ber uns als Gefolgsmann Adolf Hitlers im Ehrenkleid des Braunhemdes begegnet. Ich verpflichte euch, Kameraden der HI. und des Jungvolkes, im ganzen Gebiet Hessen-Nassau hierauf unb weiß, daß biefe Parole „Die H I. grüßt bas Braunhemb" begeisterten Widerhall findet, und baß ber Gruß exakt unb stramm entboten wirb. Grüßt vor allem auch bie heiligen Fahnen des Nationalsozialismus, die euch auf eurem Wege begegnen. Heil Hitler! Der Führer des Gebietes Hessen-Nassau: gez. Kramer, Gebietsbührer. von rückwärts mit feinem Fahrrad an unb entriß ihm bas Einkaufsnetz. Darauf machte er sofort Kehrt und fuhr in raschem Tempo nach ber Stabt zu. Der Zufall wollte es, baß sich die beiben, Geschädigte unb Täter, am Sonntag, kurz nach 21 Uhr, in ber Bahnhofstraße begegneten unb sich wieber- erfannten. Noch ehe bie Geschädigte etwas unternommen hatte, flüchtete ber Täter. Er kdnnte aber von Passanten eingeholt, festgehalten unb ber Polizei übergeben werben. Der Täter, ber bereits im strafunmündigen Alter Fahrradbiebstähle ausgeführt hat, ist geständig. Die für ihn nicht verwendbaren Gegenstände hat er nach der Tat weggeworfen, sie konnten aber wieder herbeigeschafft werden. Geld und Genuhmittel hat er verbraucht. Eigentümer gesucht. Im Schiffenbergerwald (Nizza) wurde vor einiger Zeit eine umgearbeitete goldene Damenuhr gefunden. Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, wollen sich bei der Kriminalpolizeistelle melden. Führerwechsel im Jungvolk. Der bisherige Führer ber Gießener- Jungvolk- jungen Hannsmuth Grether wurde von Gießen abberufen, um feine reichen Lagererfahrungen an anberer Stelle einsetzen zu können. Er führt jetzt ben Sommer über im Erholungslager ber Obergebietsführung West in Pellworm (Schleswig-Holstein) bie Kameraben aus Hessen-Nassau. Mit ber Führung bes Jungbanns 1/116 würbe der bisherige Führer bes Stammes III/1/118, Pfettenheim bei Worms, Jakob Schuster beauftragt. Der Gießener Stammführer Walter Schreiber würbe vom Gebietsjungvolkführer in Anerkennung feiner befonberen Leistungen in die Gebietsführung berufen. Er arbeitet dort in ber Abteilung Schulung. Der frühere Stammführer bes Stammes II, Gießen, Karl Thron war bisher in ber Gebietsführung als persönlicher Abjutant bes Gebietsjungvolk- führers Rupprecht Hainer tätig. Er würbe jetzt mit ber Führung des Jungbanns Schlüchtern betraut. P. Ehrung von Zubilaren der Freiwilligen Feuerwehr durch den hessischen Staatsminister. Gestern abend hielt die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr Gießen ihre fünfte Hauptübung im Sommerhalbjahr 1934 ab. Die Hebung bekam durch die Anwesenheit des städtischen Branddirektors Braubach und des Chefs der Wehr, Generaldirektor Dr. jur. Gail ihre besondere Note. Vor ber versammelten Mannschaft im Spritzenhof überreichte Branbbirektor Braubach im Auftrage bes Herrn Staatsministers einigen oerbienten Feuerwehrleuten hohe staatliche Auszeichnungen. Es waren bies für 40jährige aktive Dienstzeit, Kamerab Gustav T r i n k a u s, für 25jährige aktive Dienst- chen, bas natürlich inzwischen bie Wahrheit über alles erfahren hatte, vor sich gegangen! Das Unruhige, Quecksilbrige, Lustig-Harmlose war von ihr gewichen. Sie schien reifer, fraulicher und — begehrenswerter benn je. Unb fortab begann er roieber mit unauffälliger, stiller Werbung, wobei er insgeheim unb offen von ihrer Mutter wirksam unterstützt würbe. Die Frau Geheimrat erfüllte je länger je mehr bie innige Hoffnung, baß bas Glück, biesmal aber bas wahre, sich noch einmal ihrem Kinbe zuwenben möchte. Unb nun war es Mai! Ein Tag voller Sonne unb Wonne! Ein ©amstagnachmittag. Der Jahrestag Des Abschlusses bes Rumänengeschäfts. Die Belegschaft ber Geyerling-Werke hatte aus diesem Anlaß doppelte Löhne erhalten. Zugleich aber konnten zahlreiche Jubilare geehrt werden, die fünfundzwanzig Jahre und länger im Werk tätig waren. Mit ihnen und ihren Angehörigen waren die leitenden Persönlichkeiten des Werkes zu einem fröhlichen Fest versammelt, das besondere Bedeutung noch durch den Umstand erhielt, daß sich auch die Frau Geheimrat Geyerling und ihre Tochter ein« fanden. Es war das erste Mal, daß sich Hilda damit wieder in der Öffentlichkeit zeigte. Es ging auf den Abend zu. Die Feststimmung stieg auf den Höhepunkt. Im Saal wurde fleißig gelangt, und auch draußen auf ber Terrasse bes wunberoollen Gartens des Restaurants herrschte ungezwungenes fröhliches Leben und Treiben. Es war, als fei eine einzige große Familie hier versammelt. Am Tisch ber Frau Geheimrat saß auf einem Ehrenplatz ein Mann, bem man es ansah, daß er schwere Leiben hinter sich hatte. Walter Knauer war Krüppel geworben. Trotz sorgfältigster Pflege war es damals nicht gelungen, fein zerschmettertes Bein zu retten. Langwierig dehnte sich nach der Amputation ber Heilprozeß. Erst vor wenigen Wochen war er aus bem Krankenhaus entlassen worben. Die Werksleitung schickte ihn für längere Zeit zur Erholuna fort. Dor ein paar Tagen hatte es ihn nach Hause gezogen, unb nun war er hier Gast, umhegt unb gepflegt von allen Seiten. zeit bie Kameraben Karl Enders, Heinrich D e e g und Heinrich G e r b i g. Branddirektor Braubach übermittelte gleichzeitig bie Glückwünsche bes Staatsministers unb schloß feine eigenen an. Es würbe ben ausgezeichneten Kameraben für ihre treue Dienstzeit ber Dank ausgesprochen. Der Chef ber Wehr Dr. Gail beglückwünschte bie Jubilare unb brückte ihnen herzhaft bie Hanb. Anschließend) würbe auf bie Treue zur Feuerwehrsache, zu Volk unb Vaterlanb, auf Reichspräsibent von Hinbenburg unb unseren Führer Abolf Hitler von allen Kameraden ein breifaches „Sieg Heil!" ausgebracht. Die hierauf von ber Gail'fcken Wehr vorgeführte Hebung fiel zur vollsten Zufriedenheit des anwesenden Branddirektors und des Chefs der Wehr aus. Großer Variet6-Abend in der Dolkshalle. Gastspiel der drei Fratellinls. Im glücklichen Zusammenwirken berufener Kräfte, ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube" unb ber NS.-Kulturgemeinbe (Deutsche Bühne unb Kampfbunb für beutsche Kultur) war es gelungen, für ben gestrigen Abenb eine Veranstaltung zu inszenieren, bie weit über ben Rahmen besten hin- ausragt, was sonst an berartigen Darbietungen in unserer Stabt zu sehen ist. Der Abend brachte ein Darietö-Programm, wie es in Gießen bisher wohl kaum geboten werden konnte. Etwa 2500 erwartungsvolle Besucher hatten sich eingefunden. Musik des Stadttheaterorchesters leitete den Abend ein. Dann stellte sich der Ansager und Schlagerkomponist Rolf Röder vor, der die Aufgabe übernommen hatte, schon gleich für die erste Nummer des Programms die richtige Stimmung vorzubereiten. Es fiel ihm nicht schwer. Durch seine scheinbar unabsichtlich erzählten kleinen humorvollen Begebenheiten, durch kurze witzige Bemerkungen, durch feinen lebendigen Vortrag schuf er schnell bie notroenbige Verbinbung zwischen Publikum unb Bühne. Schon die erste Nummer bes eigentlichen Variete-Programms gab ben Besuchern ausreichend Grund zu frohem Lachen. Ria T ä n z e r, die zur Partnerin des Ansagers wurde, bestritt einen Teil der Hnterhaltuna bereits durch ihr originelles Lachen, das niemanden ernst bleiben lasten konnte. Daß sie außerdem „unters Theater" will, dazu noch als .Kohlrabiatursängerin" unterstrich die starke komische Note dieses heiteren Präludiums der Vortragsfolge. Die drei Beltors zeigten sich in einem verwegenen Perch-Bälance-Akt als Artisten von der alten Schule gediegenen Könnens. Ihre Darbietungen waren von großer Kühnheit und einer ebenso großen Sicherheit. Es gab verdiente.» starken Beifall. Unter den drei Artisten befand sich auch der bekannte Gießener Jörg. Eine der stärksten Nummern des abwechslungsreichen Programms war das Auftreten des jugendlichen Meisterjongleurs Andree. Es fällt schwer, Neben ihm saß seine junge Frau, die ihn nun mehr denn je liebte, und an der er, bas wußte er, eine starke Stütze auf feinem ferneren Lebensweg haben würbe. Jetzt war es ihm vor allem barum zu tun, Arbeit zu erhalten. Faulenzen wollte er nicht länger, unb m erster Linie paßte ihm biefes Leben auf anberer Leute Kosten nicht mehr. Er hatte Direktor Wolterstorff hierüber geklagt. Der lächelte nur. „Wirb gemacht!, lieber Knauer! Wirb gemacht!" Er hatte bereits schon einen ganz bestimmten Plan. Heber kurz ober lang würbe er ja boch wohl einen Menschen nötig haben, bamit sein Heim betreut war. Sein Blick streifte bei biefem (Bebanfen zu Hilba Geyerling hinüber... Die Abenbschatten neigten sich über ben (Barten. Die milbe Lust hielt viele Festteilnehmer braußen. Fleißig spielte bas kleine Orchester, bas feinen Platz zwischen Tür unb Angel aufgeschlagen hatte unb so ben Tanzenben im Saal unb ben Feiernben im Garten zugleich bienen konnte. Wolterstorff unb Hilba tanzten. Des Mannes Augen streiften bas Antlitz ber (Beliebten, unb es lag in ihnen bie stumme Frage: Wann wirst bu endlich mir gehören? Hilba tanzte mit Hingebung unb Freube. Es war ihr nun roieber orbentlich froh ums Herz. In ben Armen Wolterstorffs fühlte sie sich wie geborgen. Hnwillkürlich fchmieate sie sich fester an ben großen, stattlichen Menschen, den darob ein warmes Glücksgefühl erfaßte. „Mir ist warm geworden, Herr Wolterstorff. Bitte, holen Sie mir den Schal; ich möchte für einen Augenblick in den (Barten." Er ging wie im Glückstaumel neben ihr her. Als wäre es selbstverständlich, suchten sie die einsamen Wege des großen Gartens auf. „Wissen Sie, wer eigentlich heute hier hätte sein müssen? — Der Rumäne Prachianu. Wir haben lange nichts mehr von ihm unb seiner Frau gehört!" sagte Hilba Geyerling, als bas Gespräch einmal stockte. „Sa! Allerbings! Aber ich kann Ihnen verraten, baß tatsächlich eine (Einlabung abgegangen ist, jeboch kam eine Absage." „Eine Absage?" „Nun ja! Sie erwarten, schreibt Prachianu, Familienzuwachs, unb einer solch gewaltigen Reiseanstrengung von Bukarest nach Berlin sei Frau ihn nicht mit Rastelli zu vergleichen, in dessen Fußtapfen er tritt unb sicherlich auch in nicht allu ferner Zeit besten Meisterschaft erreichen wirb. Die vielen Gummibälle, mit benen er agierte, scheinen in seiner Hanb wesentlich von bem ihnen eigenen Charakter verloren zu haben. Sie rollen nicht, wenn er es nicht wollte und sie fielen nicht, wenn er sie nicht mit Absicht fallen ließ. Dabei war das Auftreten des jungen sympathischen Künstlers bestimmt von einer spielerischen Eleganz, die dem Beschauer nicht im entferntesten ahnen ließ, was hinter diesen Geschicklichkeiten für eine ernste Arbeit verborgen sein muß. Der Beifall wollte während des ganzen Auftritts bei offener Bühne kaum enden. Elly und Frank Gregory zeigten Antipoden- spiele, in denen eine erstaunliche Geschicklichkeit der Beine unb Füße zum Ausdruck kam, eine Geschicklichkeit, die man diesen Teilen unseres menschlichen Körpers niemals zutrauen möchte. Nach einer Pause warteten schließlich noch die zwei Volbertis mit 40 akrobatischen Tricks auf, bie sie in der Zeit von sechs Minuten hinter sich brachten unb bamit ben Zuschauern eine Univer- jalität ber Körperbeherrschung unb ber Kraft vor Augen führten, wie sie vollendeter kaum gedacht werben kann. Ein Kraftakt, etwa zehnmal Hand-auf-Hand gedrückter Hanbstanb, beschloß diesen Auftritt, an bem sich ebenfalls ber Gießener Artist Jörg beteiligte. Die restliche Stunde bes Abends war ben brei Fratellinis gemibmet. Es ist kaum möglich, all das an urkomischen Szenen zu umreißen, was diese drei Menschen, bie beiben Brüber Gustavo unb Max und ber Schwager Gino Fratellini in einer knappen Stunbe vollführen. Sie erschienen in ber verschie- benften Kostümierung, traten als Musikanten auf unb musizierten mit allen möglichen Hindernissen, sie zeigten sich als Bobenakrobaten unb spielten habet recht gut ihre Violinen, führten ein Glockenspiel vor, spielten Musikstunde mit bramatischen (Einlagen, fochten mimische Kämpfe aus, neideten sich humorvoll ben Beifall, belehrten, bespöttelten, verlachten sich gegenseitig, und waren bei aller Komik unb Groteske boch ernste Künstler. Gustavo Fratellini, ber sich als ein ausgezeichneter Musiker erwies, überraschte mit einer musikalischen Darbietung auf einem Instrument aus Besenstiel, Schweinsblase unb Stahlsaite, bem er mit Hilfe einer Zündholzschachtel unb eines Violinbogens bie reinsten Klänge entlockte. Die Kubelik-Serenade vor Drbla spielte er auf der Violine mit größter technischer Vollendung. Die Volkshalle war während der Stunde des Auftretens der Fratellinis erfüllt von einem einzigen herzlichen Lachen, bas so lange anhielt, bis sich der Vorhang zum letzten Male schloß. Angeregt ging man nach Hause. Steuerliche Behandlung von Brandentschädigungen. In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will* zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 13) lesen wir: Nach ber Rechtsprechung bes Reichssinanzhofs (vgl. u. a. Urteil vom 22. November 1933 — VIA 682/33 —) tritt bei einem Unternehmen burch ben Anspruch auf Brandentschäbigung ein Realisierung der in ben abgebrannten Gegenständen steckenden Reserven grundsätzlich nicht ein, soweit solche durch bie Branbentschäbigung aufgebedt werben unb soweit für bie Gegenstände Ersatz beschafft wirb. Die in ben abgebrannten (Bebäuben enthaltenen stillen Reserven sollen also in ben wirtschaftlich an ihre Stelle getretenen Ersatzgebäuben insoweit weitergeführt werben, als bie buchmäßige Auf- beckung der Reserven durch bie Brandentschäbigung einen Buchgewinn herbeiführen würbe. Die Ersatz- gebäube sind demnach mit ihrem Herstellungspreis abzüglich besjenigen Teils der Branbentschäbigung, ber über ben Buchwert ber abgebrannten (Bebäube hinausgeht und höchstens bis zum gemeinen Wert dieser Gebäude reicht, zu aktivieren. Die nach- stehenden Beispiele werben zum besseren Derständ- nis beitragen: Buchwert 7000 Mark, gemeiner Wert 17 000 Mark. Die stillen Reserven betragen also 10 000 Mark unb bie Wieberaufbaukosten 20 000 Mark. 1. Brandentschädigung beträgt 17 000 Mark. Durch biefe Entschädigung werben bie gesamten stillen Reserven aufgebedt. Zu aktivieren sinb 20 000 Mark (17 000 — 7000) = 10 000 Mark. 2. Branbentschäbigung beträgt 6000 Mark. Da inbiefem Falle stille Reserven nicht aufgebedt roer- Mya nicht gewachsen. Mich freut’s, baß bie rumänische Regierung Prachianu auf mein Drängen hin amnestierte. So konnte er sich mit seinen Eltern versöhnen, was ihm an seinem Glück bis vor kurzem gefehlt hat." „Was? Bei Prachianus basfelbe wie bei Beckers? Das ist aber herrlich!" „Bei Beckers?" „O ja, lieber Wolterstorff, ich habe mir sagen lassen, baß ber Storch auch bort halb seine Visitenkarte abzugeben gebächte." Wolterstorff lachte. „Aha! Deswegen bie lapidare Antwort, als ich ben Doktor anrief unb aufforberfe, heute hierher zu kommen: »Nichts zu machen! Meine Frau will nid)t!<" Stille ringsumher. Starker Flieberduft erfüllte die Luft. Die beiben Menschen waren mit einem Male stumm geworben. Jeber hing feinen Gebauten nach. Wolterstorff hatte nachher gar nicht mehr gewußt, wie alles eigentlich gekommen war... Er sah im Dämmerschein bes Abenbs bie schlanke, ranke Mäbchengestalt neben sich, bas Wesen, um bas sich all seine Sinne brehten. Seine Rechte griff, wie von geheimen Fäden gezogen, zag nach ihrer Hanb. Sie ließ sie ihm... Behutsam zog er bas Mäbchen näher, innerlich erschreckt über ein Beginnen, aber getrieben von einer unwiberstehlichen Gewalt. Dann aber jubelte er: „Hilba, wo alles glücklich ist, da wollen auch wir zwei es sein!" Schlicht unb herzlich war bie Antwort: „Ja, Heinz, bas wollen wir!" Unb bann küßten sie sich, und immer wieder küßten sie sich. In einer kurzen Pause fragte einmal Wolters- torff bie (Beliebte: „Hörst bu, was sie jetzt spielen und fingen da hinten?" „Ich weiß nicht..." „Das ist, scheint's, ein neuer Schlager: Denn im Frühling, ba blüht bie Liebe..." Das Mäbchen schmiegte sich eng an den Mann unb erroiberte, von neuem ihre Lippen bietend: „Sie soll immer und ewig blühen, unsere Liebe, mein Heinz!" Oberheffen ÖTT Wer kontrolliert die Lebensmittel? Preußen rer Stadt hat er sich' große Verdienste erworben. Am 2. April 1933 wurde er anläßlich des 25jähri- aen Bestehens des DHC. als Mitoearünder für feine treuen Dienste im Verein -um Ehrenmitglied ernannt unt) ihm gleichzeitig Urkunde und Ehren- unser Mitbürger 1,— , „ - _ . seinen 60. Geburtstag. Er entstammt einer Spatgruben sollen wieder in Gang gebracht werden. LVD. Herbornseelbach lDillkreis), 30. Juli. Eine auswärtige Schwerspatgesellschaft tragt sich mit dem Gedanken, die in der Gemarkung Herbornseel bad) gelegene „Schaarnwiese" zu kaufen, um hier eine größere Ausnutzung der Spatgrube n, die schon früher einmal in Betrieb gesetzt mären, durchzuführen. Eine d°r°rtige Mnbnahm würde für den Ort Herbornseelbach und das ganze Artal eine außerordentliche wirtschafte gliche Belebung mit sich bringen, da in frühe ren Jahren etwa 200 Bergleute m derlei Betrieben beschäftigt waren. Ätreie Wetzlar O Kinzenbach, 30. Juli. Am gestrigen Sonntag feierte die hiesige evangelische Gemein- schäft ihr Iahresfest in der Kirche. Das Fest wurde mit Schriftverlesung und Gebet sowie nut einem kurzen Grußwort von Prediger I u n g - Großen-Linden der die Veranstaltung leitete, eröffnet. Die Festansprache hielt Prediger Eisen- berg-Beuern. Der Redner wies daraufhin, datz es sinnlos sei, ohne ein festes Ziel durch dieses Leben zu gehen. Das wahre ewige Lebensziel müsse Christus werden. Prediger Jung hielt Die zweite Festansprache. Wer das ewige Leben er- erben wolle, müsse Verbindung mit Gott haben. Der Posaunenchor von Allendorf, der Gemischte Chor Allendorf und der Iungfrauenchor Kinzenbach ”ÄeebbeQrfF:f‘n, 20. M. Die W .Gemeind- feierte am gestrigen Smintag ihr d'«s,ah. riges M i s s i o n s f e st, das sich ernes guten Be Kreis Büdingen. X Bad Salzhausen, 30.Juli. Wie alljährlich zur Zeit der Sommerferien, so sind auch jetzt wieder alle Häuser für Kurgäste bis zum letzten Platz besetzt. Die Räume des Bim- denheims reichen zur Aufnahme der KriegÄlllnden nicht aus, häufig müssen noch Privathauser aus längere Zeit in Anspruch genommen werden. — Gestern herrschte hier großer Betrieb durch em gro- ßes Männerchorkonzert, ausgeführt vom Sängerkranz 1839 Nidda und Liederkranz Ruppertenrod, beide unter Leitung von W. Daupe r t - Ulrichstein. Gut ausgearbeitete Gesänge wechselten mit kunstgerechten Jnstrumentalvortragen des stan- Die Lebensmittelgesetzgebung wird zum Teil in der Oeffentlichkeit und besonders auch m den betroffenen gewerblichen Kreisen mcht genügend gewürdigt. Häufig werden entsprechende Bestimmungen der Lebensmittelgesetzgebung auch als Schikane empfunden, obwohl die Durchführung dieser Bestimmungen im Interesse der Volksgesundheit notwendig ist. Die hohe Bedeutung der Lebensmillelgesetz- gebung für die Volksgesundheit ist vor allem auch daran zu erkennen, daß sich in den letzten 30 Jahren, seitdem diese Gesetzgebung eine wesentliche Ausarbeitung erfahren hat, das Lebensalter in der Bevölkerung außerordentlich i erhöht hat. Das Lebensmittelgesetz ist nach und nach durch Reichsverordnung und Verordnungen der Landesregierungen in die Praxis umgesetzt worden. Da das vereinheitlichte Lebensmittelrahmengesetz, das bereits im Jahre 1927 verabschiedet wurde, noch immer nicht in Kraft gesetzt werden konnte, hat der Reichsrnimster von sich aus Vorschriften. für die eigentliche Durchführung erlassen. Es wird dann gesagt, daß es im Hinblick auf die m Durchführung begriffene Verwaltungsreform mcht zweckmäßig ist, alle Vorschriften schon jetzt in vollem Umfange m Wirksamkeit treten zu lassen, da sse staatsrechtliche Verhältnisse voraussetzen, die zum Teil überholt oder in der Umbildung begriffen sind. Es wird deshalb eine spätere Neuorganisation Vorbehalten und vorerst eine Reihe von Anordnungen erlassen, die sich u. a. befassen mit der Organisation der Lebens- mittelpolizei, der Ueberwachung durch Chemiker, der Ueberwachung durch Tierärzte, der Ueberwachung durch Aerzte und der Zusammenarbeit der an der Ueberwachung beteiligten Untersuchungsanstalten und wissenschaftlichen Sachverständigen, der Hinzuziehung gewerblicher Sachverständiger und mit allgemeinen Vorschriften für die Ueberwachung der Betriebe und Verkaufsstellen. Schließlich wird noch die Durchführung der Ueberwachung des Verkehrs mit Lebensrnitteln und Bedarfsgegenständen, die Entnahme von Proben, die Untersuchung der Proben und die strafrechtliche Verfolgung geregelt. Die Ueberwachung des Verkehrs mit Lebensmitteln ist grundsätzlich Aufgabe der Polizeibehörden. Eine Ausnahme bilden hierfür nur die besonderen Bestimmungen für das Reichsheer und die Relchs- marine. Hinzuzuziehen sind für die Überwachung als Sachverständige die Leiter und die mit amt- lichen Aufgaben betreuten, geprüften Lebensmlttel-. Clemiker der chemischen Untersuchungsanstalt. Für den Verkehr mit frischem und zubereitetem Fleisch usw. sind als Sachverständige beamtete Tierärzte zu bestellen. Die chemischen. Sachverständigen sind auch auf diesem Gebiet ermächtigt, Proben zu entnehmen. Für die Ueberwachung des Verkehrs mit Milch sind außer den beamteten Tierärzten, soweit es sich um Untersuchung von Milchtieren handelt, auch die Veterinäruntersuchungsanstalten hinzuzu- , ziehen. Wenn durch die Beschaffenheit eines Lebensmittels eine Gesundheitsschädigung eingetreten ift, oder wenn eine solche Gefahr besteht, sind als Sachverständige die Amtsärzte hinzuzuziehen. Sie können vorläufige Anordnungen treffen, wenn dringende Gefahr vorliegt, und Proben verdächtiger Lebensrnittel und Bedarfsgegenstände entnehmen. Hmzu- zuziehen sind die Amtsärzte auch bei lebensmittel- polizeilicher Besichtigung von Brunnen, Wafferlei- tUn0Umb?e reibungslose Zusammenarbeit aller an der Ueberwachung beteiligten Sachverständigen und Anstalten zu gewährleisten, sind entsprechende Maß nahmen vorgesehen, die eing gemeinsame Betätigung aller dieser Kreise ermöglichen. Ober-Ohmen, 30. Juli. Die im Not- ftanbsprogramm vorgesehenen Arbeiten sind mit i>em vorgestrigen Tuge eingestellt worden. In den letzten Wochen waren die Arbeiter mit Urbarmachungen beschäftigt, nachdem der größte Teil des Projektes „Wegebau am Galgenberg" vollen- bet war und weitere Arbeiten an Feldwegen im Sommer wegen des landwirtschaftlichen Verkehrs nicht zweckmäßig erscheinen. Durch den Wegebau am Galgenberg sind sämtliche Steinhalden m der Umgegend verschwunden, da das Material restlos benötigt wurde. Die Beseitigung der Steinhalden ist für die Besitzer der Grundstücke von Vorteil, da diese jetzt nicht mehr bei der Arbeit auf den Aeckern und Wiesen hindern. — Durch die anhaltende Trockenheit sind an der Ed elNrsch en - a n l a g e der Gemeinde an der „Eibache" eine Anzahl junger Bäumchen eingegangen. # Aus dem oberen Ohmtal, 30. Juli. Das jetzt vorherrschende Hochsommerwetter hat die Erntearbeiten ungemein beschleunigt, so daß nur noch ein kleiner Prozentsatz Getreide auf den Feldern steht. Die seit ungefähr vierzehn Tagen rm Betrieb be- findlichen Dreschmaschinen haben die Frucht der kleineren Bauern ausgedroschen. Demnächst kann mit dem Scheunendrusch begonnen werden. Auf ben leeren Stoppeläckern beginnen die Dauern allenthalben mit der Aussaat von Grünfuttermitteln als Ersatz für den Ausfall an Klee. ♦ Groß-Felda, 30. Juli. Am Sonntag ver- anftaftete die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude im Saal Figge einen Abend des urwüchsigsten Humors. Hans Sachs mit feinem unverwüstlichen Humor beherrschte die Bühne. Kreisvolkstumswart Kraus erzählte in gemütlichem Plauderton em Viertelstündchen aus dem Leben und Wirken des unsterblichen Nürnberger Schusterdichters Hans 'Sachs. Diele kennen ihn nur als Verfasser von kurzen, kräftigen Fastnachtsspielen. Er hat aber eine große Anzahl Gedichte und Meistersingerlieder geschrieben, sowie 80 geistliche und weltliche Storno« bien, 52 geistliche und weltliche Tragödien und dazu 64 Fastnachtsspiele. Don diesen letzten gelangten an diesem Abend „Der Krämerskorb , „Der eingebildete Kranke", „Der tote Mann und „Das Kälberbrüten" zur Aufführung. Es war 23 Uhr geworden, als diese vier Begebenheiten sich zu Ende begeben hatten. Dargestellt wurden sie von der Laienspielschar Ruhlkirchen unter Lei- tung und Mtwirkung von Kreisvolkstumswart Lehrer Kraus. Die Spieler verdienen alles Lob. Es gelang ihnen, die 400 Jahre alten Dexte so lebendig darzustellen, daß sich an ihnen wieder Leben entzünden konnte. Eine Musikkapelle aus Groß-Felda trug ihr Teil zur wetteren Unterhaltung bei. Die Teilnehmer des Abends geizten nicht mit dem Beifall. ^tn.IÖßang-Göns, 30. Juli. Von dem Ende Juni in Lang-Göns abgehaltenen judenfreien Viehmarkt war von der Werbestelle der Lan- desbauernschaft Hessen-Nassau ein, F i l m gedreht worden, der am gestrigen Sonntag tn der Turnhalle vorgeführt wurde. Der überaus starke Besuch bewies das Interesse, das die Einwohnerschaft diesem Film entgegenbrachte. Die Zuschauer tarnen auch auf ihre Rechnung. Neben einzelnen schonen landschaftlichen Aufnahmen, die unser Dorf und seine Umgebung zeigen, wurden in der Hauptsache Szenen von der Prämiierung, vom Festzug und vom Leben und Treiben auf dem Festplatz vorgefichrt. Schon die Tatsache, daß sehr viele der aufgenvmme- nen Personen aus unserer Gegend selbst sind, gab bem Film den heimatlichen Ton. Die geschmückten Straßen, die Turnhalle, einzelne Straßenbilder, daneben die Menge der Zuschauer und bann besonders die Trachtengruppen, ihre Tanze usw. weckten noch einmal angenehme Erinnerungen und gaben auch bei einzelnen Gesichtern, die unbewußt mit aufs Bild gekommen sind, Anlaß zu größter Heiterkeit. Wir sahen noch einmal .die beiden Hauptredner des Tages, Landesbauernführer Dr. Wagner und Staatsrat Peuckert (Thüringen), auf der Tribüne und lasen noch einmal die Kernspruche ihrer Ausführungen. Der Film, der nun auch in anderen Gemeinden Deutschlands gezeigt werden soll, wird sicher allgemeinen Beifall finden; denn er gibt in seiner geschickten Zusammenstellung em übersichtliches und doch erschöpfendes Bild vom ersten jugendfreien Markt (seit 1890) m Lang-Gons. Kreisfeuerwehrtag in Nidda. X Nidda, 30.Juli. Gestern vormittag fand hier im Oambrinusfaal der Kreisfe u e r wehr- t a g unter verhältnismäßig starker Beteiligung von Feuerwehrleuten und Ortsvertretern aus den einzelnen Gemeinden des Kreises statt. Nach der üblichen Begrüßung und dem Berichte des Kreisfeuerwehr inspektors Gockel interessierte ein gut ausgearbeiteter Vortrag des Brandmeisters Klein von Büdingen über Luftschutzfraaen, der naturgemäß bei allen Zuhörern großes Interesse erregte. Am Nachmittag marschierte vom Marktplatz ab die I hiesige Feuerwehr unter Mitnahme sämtlicher Löschgerätschaften und unter Borantritt der Feuerwehrkapelle zur Gänsweide, wo durch die verschiedenen Exerzierübungen und 'die Vorführung der Geräte die unumgänglich notwendige Ausbildung bargetan wurde. Zum Schlüsse wurde ein angenommener Brand im Gasthaus .Hanauer Hof" aus etlichen Schlauchleitungen in kurzer Zeit bekämpft. Hierbei mußte man, weil ein Versagen der Wasier- leitung angenommen wurde, das notwendige Wasi er durch lange Schlauchleitungen aus der ziemlich entfernten Nidda verwenden, was rasch und tadellos durch die Motorspritze bewerkstelligt wurde. Landkreis (dienen bigen Streichquartetts des Bades. Am Abend konzertierten beide Gesangvereine in der geräumigen Turnhalle zu Nidda, wo vaterländische Chöre von Erdlen, Daußner, Heinrichs, sowie Volkslieder von Rein, Jochurn, Moldenhauer, Othegraven u. a. zum Vortrag kamen. Kreis Schotten. □ Laubach, 31. Juli. Die Bezirksspar- kasse Laubach hielt am Samstag unter dem Vorsitz von Direktor Zimmermann in dem Gasthaus „Zur Traube" ihre diesjährige Mitgliederversammlung ab. Als Vertreter der Aufsichtsbehörde war Kreisdirektvr Zürtz vom Kreisamt Schotten, Oberbürgermeister a. D. Rahn als Vorsitzender des Hessischen Sparkassen- uno Giroverbandes sowie Direktor- Henkel von der Landeskommunalbank-Girozentrale Hessen erschienen. Es wurde der Geschäftsbericht für 1933 (101. Geschäftsjahr), die Jahresrechnung sowie die Aufwertungsbilanz für 1933 vorgetragen. Aus dem Geschäftsbericht ergab sich einegünstige Entwicklung der Kalle. Die Bilanzsumme beträgt 1673 000 Mark, die Höhe der Spar- . einlagen 1366 000 Mart (im Vorjahre 1325000 Mark). Die Anzahl der Sparkassenbücher ist von 1672 auf 1725 angestiegen. Die Aufwertungsbiläiu beträgt 266 000 Mark. Die Rücklage beträgt nach Zurechnung des Reingewinns von 9600 Mark insgesamt 99 800 Mark. Eichelsdorf, 30.Juli. Im Frühjahr dieses Jahres wurde unserem seitherigen Pfarrer Müller eine Pfarrstelle in Neu-Isenburg übertragen. Bei der Ausschreibung der frei- werdenden Stelle fand sich kein Bewerber, so daß das Pfarramt seit l.Mai durch Pfarrverwalter Lic. Flechsenhaar zu Ulfa mitversehen »erben muhte. Zum 15. August wird nun «Pfarramts- kandidat Albert Voth aus Frankfurt-Rödelheim als Pfarrverwalter im hiesigen Pfarrhaus einziehen. Damit wexden die Gottesdienste, die seither abwechselnd vor- und nachmittags gehalten werden mußten, wieder regelmäßig stattfinden. Kreis Alsielv. Von besonderer Bedeutung für das Gewerbe ist die Hinzuziehung von gewerblichen Sachverständigen auf Grund des § 7 des Lebens- mittelgefehes. insbesondere aus den Kreisen der von den Verussvertretungen und Berufsverbänden der Landwirtschaft, der Industrie, des Handwerks und des Handels zur Ueberwachung der Betriebe bestellten technischen Berater, die dann in Kraft tritt, wenn es sich um die Beurteilung von Fragen technischer oder wirtschaftlicher Art handelt. Die Hinzuziehung solcher Sachverständiger erfolgt zur Unterstützung der hauptberuflichen Sachverständigen besonders auch dann, wenn der Inhaber des der Ueberwachung unterzogenen Betriebes dies. beantragt. Solche Sachverständigen haben aber keme polizeiliche Befugnis und dürfen keme Betnebskon- trolle vornehmen. Die Lebensmittelpolizei hat die in Frage kommenden Betriebe planmäßia zu besichtigen. Die wissenschaftlichen Sachverständigen sind nach Bedarf heranmiehen. Die Vorschriften regeln im einzelnen ob Proben zu entnehmen sind und m welcher Weise die einzelnen Betriebe ber Ueberwachung und Besichtigung zu unterwerfen sind. So ist ve sonders der0 Verkehr mit Lebensmitteln zu überwachen durch Besichtigung der Herstellungs-, Lager-, Vervackunas- und Verkaufsräume und durch Besichtigung der Lebensmittel einschließlich der Roh- steffe und Zwischenerzeugnisse Wbft. Sehr wichtig ' ° °uch di° Untersuchung der D°d°r sg-genst°nd auf Markten, Plätzen, Straßen und beim Gewerbe im Umherztehen. Die Probenentnahme richtet sich nach der Bedeutung, die die einzelnen Lebensrnittel für die menschliche Ernährung besitzen. Die Anzahl der planmäßig zu entnehmenden Proben ist lm allgemeinen so zu bemessen, daß jährlich auf 1000 Einwohner mindestens fünf Proben von Lebensmitteln und auf je 2000 Einwohner minde- * Lolilar, 31. Juli. An den vergangenen Sonntagen fand, vorn herrlichsten Sommerwetter begünstigt, unter reger Beteiligung der Kameraden und Freunde des Schießsportes das Uebungsfchie- ßen des „Veteranen - und Kriegerver- eins L o l l a r" statt. Gefchollen wurde mit Wehr- rnannbüchse (175 Meter) auf die Zwölfer-Ringscheibe. Die erzielten Resultate sind als recht gut zu bezeichnen. Die besten Schützen waren: Karl Müller 35 Ringe; Hch. Struck, Hch. Riehrn jun., Friedr. Heufer, Konr. «Pfeffer, Borischel, je 34; Hch. Brück, Karl Petrasch, Dr. Limberger, je 33; Gg. Lennarz, Karl Moos, Bürgermeister Ludwig Wagner, Jo die zuständige stattzufinden, nach deren 0 Verfolgung beauf- ,!poli3e!behörbe mit .^XS^nis ist bem Betragt wird. Das U s $ $ner angemessenen 23er- tnebsinbaber 9®^. 3 LWenn sich bei der Le- maltungsgebubr mi 3 e“ erba^t eines Verbrechens bensmittelfontroUc erß Sache, unbeschadet ergibt, tatet bie Jo 8 *9Staatsanwaltschaft zu. der Strafprozeßo werdet die Polizeibehörde Bei jtebertret g refa[j*en Vorschriften. Sie ent* J!S^w Äbo?eine Senxwrnung angezeigt ist oder Leidet auch ob eme Abgabe Of hon ganzen Durchführungsbestimmungen n^-nsmtttelgesetzgebung ist zu erkennen, zu der Lebe Fassung die wirtschaftlichen und Gewerbes gewahrt sind. naibel überreicht. Als großer Naturfreund hat er sich stets lebhaft für den DHC. eingesetzt. Auch der Technische Verein ließ es sich nicht nehmen, ihm an- j läßlich des 35. Sttftungsfestes als Mitbegründer \ und in Anerkennung seiner Verdienste um den Der- ' ein eine Ehrenurkunde zu überbringen. Der @e- i sellschaftsverein „Frohsinn" ernannte ihn unter 1 gleichzeitiger Ueberreichung einer Urkunde zu seinem Ehrenvorsitzenden. i *♦ Feuersgefahr im Erfrischungs- Haus. Gestern gegen 20.30 Uhr fuhr die Feuerwehr nach der Frankfurter Straße. Dort war in dem Er- frifchungshaus an der Ecke Klinik- und Frankfurter Straße ein elektrischer Kocher nicht ausgeschaltet worden. Der Inhaber des Geschäftes hatte aber den Raum verlassen, so daß der Kocher unbeaufsichtigt stand. In der Nähe des Kochers lag viel Papier. Passanten, die auf die starke Rauchentwicklung aufmerksam wurden, benachrichtigten die Feuerwehr, bie rasch zur Stelle war und sich nach Lage der Dinge durch das Einschlagen eines Fen- fters gewaltsam Zutritt verschaffen mußte. Die Gefahr wurde bann schnell beseitigt. *♦ H erumltzeg endes Fallobst schadet im nächsten Jahr! Das Fallobst sollte von einem gewissenhaften Besitzer immer gleich aufge- sarnmelt und verwertet werden, indem man es verkocht und verfüttert. Denn das UmherliegenLassen des Fallobstes fügt dem Obstbaum in jedem Jahr ■rohen Schaden zu: Der größte Teil des abgefalle- Men Obstes ist mit Maden behaftet, die ja auch mel- Mens die Schuld am Fallen tragen. Diese Maden Miechen aus dem zerfressenen Obst und überwintern Ui den Baumritzen. Im nächsten Jahr setzt bann bie Dusgekrochene Raupe 40 bis 60 Eier an den Fruch- H?n ab, aus denen die Obstmaden schlüpfen und ihr Kerftörungsmert erneut beginnen. Es ist also von ■ röhter Wichtigkeit, das gefallene Obst auszusam- ■ieln. Am schlimmsten haben unter den Obstmaden Mepfel, Birnen, Zwetschgen und «Pflaumen zu lei- Men. Und gerade diese sind als Fallobst oft zu geling geachtet, daß man sie Nicht verwertet, obgleich l e vorzügliche Marmeladen und Gelees geben. ■ ** Bunter Abend des Presse-Kame- ladschaftslagers. Zu unserem geftngen Be- M icht über den Bunten Abennd des Presse-Kamerad- Ichaftslagers wird uns berichtigend mitgeteilt: In ■ er Besprechung der Darbietungen des Stedtchea- B’rs muß es heißen: die von Paul Buchwald ■ omponierten Lieder und nicht die von Pttipps. ■ Mipps hat den „Gruß an die Saar gedichtet. -s muß also heißen: ,^err Tank sang mit ftor- SSÄ **. des besten Anschens. Um das Dereinsleben in unse-j wald. »sag •W M-Ä DD MM -M U 'M bj MG ■ VfB.-Reichsbahn-Leichtathletik. hervorragendes Abschneiden beim Kreissportfest der NSG. „Kraft durch Freude" Alsfeld. Einer Einladung der NSG. „Kraft durch Freude" Kreis Alsfeld Folge leistend, startete der VfB- Reichsbahn am vergangenen Sonntag beim Kreissportfest dieser Gemeinschaft in Hopfgarten. Unter Leitung des stellvertretenden Kreissportwartes Boß (Altenburg) wickelten sich die Kämpfe flott ab. Die Gießener warteten mit ganz vorzüglichen Leistungen aus und erreichten wieder viermal Vereinsbestleistung. Im ganzen errangen die VfB.- Reichsbahner sechs „Erste", fünf „Zweite" und drei „Dritte". Nachstehend die Ergebnisse der Konkurrenzen: 100 Meter: 1. Rodriguez, DfB.-Reichsbahn, 12,4 Sekunden; 2. Ruhl, Romrod, 12,8; 3. Siegmund, VfB.-Reichsbahn, 12,9; die weiche Grasbahn ließ keine bessere Zeit zu. Rodriguez siegte sicher. 4X100-Meter-Staffel: 1. Alsfeld, 50 Sekunden; 2. VfB.-Reichsbahn 50,2 Sekunden. Diese Staffel wurde als Pendelstaffel ausgetragen. Das lag den Gießenern nicht. Rodriguez und Fischer liefen beim Wechsel aneinander vorbei; Alsfeld läuft 30 Meter, die nur noch auf etwa zwei Meter aufgeholt werden können. lOOOMeter: 1. Meier, Sickendorf, 2.42 Min., 2. Sobezak, VfB.-Reichsbahn, 2.42,3; 3. Pirr, Altenburg, 2.44,1 Minuten. 3000Meter: 1. Meier, Sickendorf, 9.38 Min.; 2 Sobezak, VfB. - Reichsbahn, 9.58,1; 3. Minzel, Sickendorf, 10.05 Minuten. In beiden Rennen stellt Sobezak Vereinsbestleistung auf. Hochsprung: 1. Pi eh, VfB.-R., 1,75 Meter; 2. Fischer, Alsfeld, 1,65 Meter; 3. Schott, Alsfeld, 1,60 Meter. Pieh ist in großer Form und stellt hier mit seiner Leistung Vereinsrekord auf. Weitsprung: 1. Fischer, Alsfeld, 6,32 Meter; 2. gut); VsB.-R. 6,19; 3. Richter, Sickendorf, 5,82 Meter. Kugelstoßen: 1. Luh, DfB.-R., 14,15 Meter; 2. Gebauer, Alsfeld, 10,94; 3. Fischer, Alsfeld, 10,93 Meter. Luh siegt mit guter Leistung. Diskus: 1. Luh, VfB.-R., 38,73; 2. Binder, Alsfeld, 32,01 Meter; 3. Pieh, VfB.-R. 29,65 Meter. Keulenweitwurf: 1. Luh, VfB.R. 63,45 Meter; 2. Gebauer, Msfsld, 62,12; 3. Roch, Maar, 61,88 Meter. Luh stellt seine Vielseitigkeit unter Beweis. Speerwerfen: 1. Pieh, VfB.-R., 50,33 Meter; 2. Jakob, VfB.-R., 48,75; 3. Luh, DfB.-R., 43,08 Meter. Hier konnten die übrigen Konkurrenten nicht mit. Pieh stellt Vereinsbestleistung auf. Letzte Kampfspiel-Entscheidungen. $6»,. brachte Schmitz Damen durch die junge Stuttgarterin Paula Renner entthront wurde. Im Paarlaufen hatten Haas-Pfiste- rer keine Konkurrenten zu fürchten. Die Meisterschaft im Rollschuh-Hockey sicherte sich der Stuttgarter Schlittschuh- und Roll-Sportverein durch einen 7:5-Sieg über den Nürnberger Roll-Sport- und Eislauf-Club. Die Entscheidung im Kanupolo gestaltete sich zu einem Erfolg für Wanderfalke Essen, der vor einer riesigen Zuschauermenge auf dem Nürnberger Dutzendteich im Endspiel gegen den Alster HC. Hamburg mit 6:2 siegreich bleiben konnte. In den Vorspielen hatten Wanderfalke wicht: Schäfer-Schifferstadt, Mittelgewicht: Neuhaus-Essen, Halbschwergewicht: Sievert-Darmstadt, Schwergewicht: Hornfischer-Nürnberg. Im Freistilringen setzten sich vom Bantamgewicht aufwärts folgende Ringer durch: Fischer-Zweibrücken, Wittwer-Dresden, Sperling-Dortmund, Lehner-Nürnberg, Földeak-Hamburg, Audasch-Köln und Hüller- Köln. Der beste deutsche Sportler, Hans Heinrich Sievert, Kampfspielmeister im Zehnkampf und im Diskuswerfen, muß Autogramme geben. 3m Rollschuhlaufen im Herren-Kunstlauf der Nürnberger die Meisterschaft an sich, während bei den die Titelverteidigerin Leni Haas-Nürnberg Die Tennisspieler ermittelten im Münchener Tennisstadion am Au- meister am Sonntag im Beisein von etwa 2000 Zuschauern ihre Meister im Herreneinzel, Gemischten Doppel und Damendoppel. Im Herreneinzel holte sich erwartungsgemäß Gottfried v. Cramm den Titel durch einen 6:0, 6:4, 5:7, 6:3-Sieg über den Nachwuchsspieler Henkel II. Cilly Außem- Henkel II. waren anschließend im Gemischten Doppel über das Ehepaar Schomburgk in zwei Sätzen glatt mit 7:5, 6:0 erfolgreich. Da im Damendoppel das Favoritenpaar Frl. Außem-Frl. Horn wegen Verletzung von Frl. Horn zurückziehen mußte, standen sich im Endspiel Frau Ledig-Frau Schomburgk und Frau Kobe-Frl. Morczeck gegenüber. Frau Ledig-Frau Schomburgk erwiesen sich einwandfrei als die besseren und siegten sehr sicher mit 6:0, 6:2. Die neuen Meister im Gingen konnten trotz der gewaltigen Fülle von Vorkämpfen noch am Samstagabend ermittelt werden. Die Meister im griechisch-römischen Stil heißen: Bantamgewicht: Möchel-Köln, Federgewicht: Hering- München, Leichtgewicht: Ehrl-München, Welterge- Einmarsch der Fahnenabordnungen i auf her hatte Oehm einen von Grämlich verschuldeten Elfmeter vergeben. Müller im Südwesttor hielt den placierten Schuß in hervorragender Manier. Nach der Pause verbesserten die Bayern durch Eiberger zunächst auf 4:2. Fath stellte aber bald die alte Differenz mit einem fünften Tor plieder her. In der restlichen Spielzeit war Bayern überlegen, V Südwest meist nur neun Mann im Felde hatte. Es reichte aber nur zu einem dritten Tor, das Friedel Durch das Nachlassen der Windstärke herrschte am 9. Wettbewerbstag des 15. Rhön-Segelflug Wettbewerbs verhältnismäßig schwacher Betrieb Immerhin nutzten einige Teilnehmer an diesem Wettbewerb eine vorübergehende Thermikentwicklung zu Streckenflügen aus, darunter Ludwig Hofmann (Mannheim), der einen 135-Kilometer-Flug nach Bayreuth ausführen konnte. Der für den 9. Tag ausgesetzte Tages-Zielflugpreis, der eine Umfliegung des Kreuzberges mit Rückkehr und Landung auf der Wasserkuppe erforderte, konnte von keinem Teilnehmer erreicht werden. Den gestern ausgesetzten Tagespreis für die Umfliegung des Heidensteins gewann Perntaler. Großen Jubel löste die Ankunft des aus der Tschechoslowakei heute wieder eingetroffenen Rekordpiloten Heini D i t t m a r aus. Im Anschluß an den Fußballkampf wurden restlichen Reitwettbewerbe ausgetragen. Die D r sein Konto brachte. Schwacher Flugbeirieb auf der Wafferkuvpe. Essen gegen den Verein Märkischer Kanufah Berlin mit 13:0 und Alster HC. Hamburg gex den Kanu-Club Saarbrücken mit 4:0 gewonnen Oie Meister der Schützen. In Erlen st egen ermittelten die Schützen Sonntag ihre neuen Meister. Es sind dies: Kle kaliberschießen, Einzelkampf mit offenem Vis (17 bis 21 Jahre): Lessig-Freiberg, Sachsen; bis 35 Jahre: Lorenz.-Wolfenbüttel; über 35 Iah Martin-Bonn. Mit beliebigem Visier (17 bis Jahre): Steigelmann-Nürnoerg; 22 bis 35 Iah Zimmermann-Berlin; über 35 Jahre: Olszok-Lei Berlin. Mit Diopter (Olympiabedingung): Spoer Zella-Mehlis. Scheiben-Pistolen-Schießen: Krem; Hannover. Deutsche Schützenmeiste schäft im Dreikampf: Spoerer-Zella-Meh! Oer Abschlutz des Reitturniere. Der große Fußballendkampf um den Kampfspiel- Pokal zwischen den ($guen Südwest und Bayern hatte in Nürnberg das erwartete Interesse gefunden. 50 000 Zuschauer umsäumten den Platz des Nürnberger Stadions, als der Berliner Schiedsrichter Birlem das Zeichen zum Anstoß gab. Die btziden Mannschaften waren fast mit den gleichen Aufstellungen wie bei der Vorschlußrunde angetreten, nur Bayern hatte statt Muntert in der Verteidigung den Münchener Wendl eingestellt. Bayern brauchte bei Halbzeit durchaus nicht mit 1:4 Toren im Rückstand zu liegen. Die Chancen waren bis dahin gleichverteilt und nur das, schlechte Schießen der Bayernstürmer und das glatte Versagen Köhls ließen den Gau Südwest den 4:1= Vorschrung erringen. Südwest hat aber den Kampf vollkommen verdient gewonnen. Die Mannschaft zeigte das weitaus bessere Spiel und gab auch den Kampf in der zweiten Halbzeit nicht verloren, als Tiefe! und Konrad verletzt ausgeschieden waren. Wie die Tore fielen. In der 11. Minute ging Fath allein durch und schoß unhaltbar zum Führungstreffer für Südwest ein. (Tonen erhöhte in der 15. und 17. Minute unter gütiger Mitwirkung von Köhl auf 3:0 und ließ in der 25. Minute auch den vierten Südwest- Treffer folgen. Erst in der 35. Minute kam Bayern «zu seinem ersten Erfolg. Lehner gab eine schöne I Flanke, die Eiberger unhaltbar verwandelte. VorSüdwest Kampsspiel-Fußball-Sieger Bayern verliert mit 3:5 (1:4). surprüfung der Klasse 8 war dem Trakeh-1 Unterwachtmeister Pörschke mit -um- ü^/xein W,2 ner Fels unter Rittmeister Gerhardt nicht zu neh-1 Sekunden und Thora*' unter Oberleutnant Brandt * men. Die silberne Schleife holte sich Hidalgo unter | mit vier Fehlern 101 Sekunden. Besondeisbillig! Sämtliche Erzeugnisse ans der GEG-Fleischwaren-Fahrik! 4435 A 4441 A 0.15 0.48 0.38 0.48 Grobe Poften ^Frankfurter Blutwurst. 1 Dose Leberwurst....... 1 Dose Ochsenmaulsalat 1 Dose Sülze (500 g)..... Nur diese Woche: 1 Pfund schönes Ochsenfleisch 0.65 %Pfund w. Zervelatwurst t^ehl.c: 0.31 Ferner: ■■ ■ ...... ■ ■ % Pfund Oldbg. Leberwurst i.Rg. 0.13 Verreist vom 4. bis 19. August Dr.med.Scheerbarlh homöopathischer Arzt Gießen, Bahnhofstr. 50 _______________________4439D YerbnbenienoüwMMeD e. G. m. b. H. KleideM-Relte Sdnirzen-Rette M. G. Gröde Gießen, Frankf. 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