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Samstag, 31. MrzM4
184. Jahrgang
!tr 76 Erstes Blatt
Das Ostern des deutschen Volkes
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Kberheffen
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Auferstehung.
Von Hans Friedrich Blunck, President der Neichsschrifttumskammer.
Copyright by Nordische Gesellschaft, Lübeck.
Verlag Albert Lanaen-Georg Müller, München. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.
Viel, meine Freunde, haben wir in diefem Jahre über Völker und Landschaften, über Erbe und Ueberlieferung, über Einheit und ständische Ordnung, über Pflicht vor Eigenem, vor Gott und vor der Gemeinschaft miteinander geredet, und wir haben geglaubt, manches Verkehrte und lieber» alterte zu überwinden und vieles anders zu fetzen und zu begründen, nachdem ein älteres Geschlecht blind vorübergegangen ist.
Unfruchtbar wäre alles, wenn nicht von Zeit zu Zeit die großen Märzbrände über die Völker wehten, geistige Bewegungen aus Kampf und Wider- tveit, die von der ottonischen Zeit hinüber zur Re- ormation, zum Sturm und Drang, und.von dort jäh bis in die noch unvollendete Gegenwart, über uns aufleuchten. Die Zeiten der großen Wandlungen sind die f r u ch t b a r e n, die der religiö- en wie der sozialen Wandlungen. Sie schaffen die Neuerungen und die Erneuerung, nach der ein Volk wieder für Jahrhunderte an das stillere Schaffen geht, sie bilden die großen Abschnitte der Kultursteigerung. Wir stehen in einer solchen Umwälzung und, wie wir glauben, im Anfang einer der großen schöpfenden Spannen.
Wir standen, so sehe ich es an, vor der Entscheidung, ob wir die Zivilisation der Aufklärung fortführen wollten, von Wolf und Leibniz gedacht, von der französischen Revolution verwirklicht, oder ob wir eine neue jüngere Lebensform gewinnen werden, wie sie unter Herder und dem jungen Goethe einsetzte, die einen göttlichen Auftrag an die großen Völker und die Freiheit ihrer volkhaften Kräfte verkündeten. Wir haben uns in diesem Jahr für den neuen Glauben entschieden.
lieber die geistigen Grundlagen der Märzerhebung des Jahres 1933 brauche ich mich nicht zu verbreiten: ich will nur jenes Gedankengut streifen, das für die kommende Arbeit wichtig ist. Wir gehen dabei davon aus: wie die liberalistifche Periode Abklang der Aufklärungszeit des 18. Jahrhunderts war, so beruht die Umwälzung, in der wir heute stehen, auf dem geistigen Gut des Sturm und Drangs, auf der frühen deutschen Romantik und ihrer Erneuerung durch die Jugendbewegung, die um die Jahrhundertwende begann, sich im Weltkrieg erhöhte und in der Gegenwart vollenden will.
Fast zögere ich jetzt. Wir leben und erleben diese Tage so sehr, daß wir kaum noch zu erkennen vermögen, wie tief sich die deutsche Welt in einer kurzen Zeitspanne gewandelt hat, weil wir selbst als Gläubige mitten in dieser Wandlung stehen. Können wir uns noch vorftellen, daß es eine Zeit gab, in der Begriffe von Allmacht, Volk und Mutterschaft als etwas lächerlich Gestriges abgetan wurden, wo man den Mann, der die Großstadt verließ, um draußen fein Brot zu bauen, als Narren ansprach, wo ganze Verbände von Schriftstellern gegen die Verurteilung eines Landesverräters protestierten, wo ein Arzt, der tausend Leben im Mutterleib getötet hatte, einige Monate Gefängnis mit Bewährungsfrist bekam.
In einem Jahre kaum ist eine Welt verbrannt und verjüngt. Ein Geist neuer Feierlichkeit, Opfermut und Achtung vor Leistung und Werten erfüllen ein ganzes Volk — Volk, das sind du und ich. Mitten in einem Wunder leben wir, in einem guten Wunder und wunderhaft ist die Zeit, die sich oft geiftfeindlich zu gebärden schien, aber nur Feindschaft • gegen Vernünftelet und gegen den Dünkel wollte und demütig vorm Göttlichen und voll neuer Frömmigkeit ist. Keine Frömmigkeit, wohl verstanden, die aus Sehnen und Süchten zum Jenseits bestünde. Diesseitig ist sie und ist zugleich harter Wille und Glaube an eine Aufgabe, — an eine göttliche Aufgabe zur Steigerung unserer selbst. Welträtsel wollen nicht mehr gelöst, sondern erlebt werden; eine ältere politische Kultur bricht durch, die der altdeutschen Gemeinfreiheit, die der germanischen Demokratie, wie Moeller van den Bruck sie nennt. Sie verlangt, daß ein Volk geführt wird und will die Sicherung aller Politik auf lange Sicht, weil sie die Schwächen des Volkes kennt, bald zu trauen und zu mißtrauen; aber sie gibt in großen grundsätzlichen Fragen dem Volksganzen den Entscheid.
Nationalsozialismus heißt politisch Gemeinschaft des Volkslebens und Erlebens unter einer im Volke ruhenden Führerschicht. Wenn der Vergangenheit solche priesterlichen Führer fehlten, so brauchen die heutigen deshalb keine Pfarrer zu sein. Wenn sie nur Held und Geist sind, die vom Auftrag der All- macht wissen? Der aufrührerische junge Goethe in Straßburg, Beethoven, Bach und der Träumer Novalis bereiteten die Gegenwart vor; aus ihnen leiten wir unsere Aufgaben her, aus ihrem Erbe auch die Ablehnung des technokratischen Fortschrittgedankens und wiederum die Lust über das, was unsere Gedankenwelt aufreißt; die Sehnsucht zum Flug, die Erforschung des Himmels und der Erde und ihrer Vörzeit, die Erkenntnis, daß wir nicht in eine Stille, sondern in eine Sturmzeit geboren sind.
Wir stehen ja nicht nur an der Wende eines deutschen Jahrhunderts, sondern in einem Neu- beginn oder Erlischen unseres Erdteils. Das ungeheure Angstgefühl, das aus dem
Widerstand der Welt überwinden und können uns
— mir Luniien uns | ui uci uimenucn, ujvx -ajcumcu - , .. , ,, m m r, ,,
und Revolution gezeigt haben Man tadele nicht des- •btl das Werk der höchsten Meister Gestalt werden
ließ.
letzte
o aßen Leiden um eines höchsten Heiles willen. I^enn wir die Kunst der schmerzlich blickenden Ge-
Vom hüpfenden Lämmlein der zweite nun singt, Ihr Engel, ach daß ich ein Hänfling doch wär.
Ich sänge mit euch Ihm zur ewigen Ehr,
Das blutig gebunden zum Tode man bringt.
Nur weher als ihr und doch süßer zugleich.
Der dritte beginnt und vollendet es nicht
Und hebt beide Hände erfchreckt vors Gesicht. Gott hals mir ja hin in sein österlich Reich.
Es singen drei Engel, ich höre den Sang: Gott war um uns schmähliche Sünder gar bang
allen Dingen strömen fühlt. .
Wir Deutschen sind das österliche Volk der Erde,
Oer erste singt sacht wie zum Wiegen ein Lied, Gott kam auf die Erde zur steigenden Not, Als wenn eine Mutter am Slrohbettchen kniet. Gott litt für uns alle den bittersten Tod.
Es singen drei Engel so süß und so weh, wie knospende Dornen ob blühendem Klee.
hüten der deutschen Romanik (Naumburger I0m), der deutschen Gotik (Bamberger Retter), dr ganz innerlichen Malerei Grünewalds und l ü re r s, der Musik Bachs und der Dichtung Hölderlins als Beispiele nehmen,, so erhebt iSi aus der deutschen Geschichte das ö ft er I l ch e Tiefen der Deutschheit mit voller Deutlich-
Das ist der tiefste Sinn unserer österlichen Sendung, den wir nur ahnend verehren können, wo
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wieder einmal ganz einsetzen, um eine Idee willen, — wir können uns für sie verschwenden, wie Weltkrieg
wie folgt # g# V0N 8
Oie drei Engel am Ostermorgen
Bon Ruth Schaumann
Die Auferstehung des Herrn
Aus Albrecht Dürers „Großer Passion^.
halb: auch wenn man uns nicht versteht. Das ist der Grund des Nichtoerstehens draußen: daß wir
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Es gibt einen unsterblichen Zug der anbredyen- toin, frühlingshaften Genien unseres Volkes, der f^ühvollendeten auch; die uns immer wieder zu befer Erschütterung rühren, wenn -wir dem Zeugnis ifaes Erdenwandels begegnen. Denn oft sind auch dx Lebensschicksale dieser auf Erden wandelnden Genien der Deutschheit von rührender „Weltfremd- h it", ihnen erschließt sich das harte Leben mit fei» n r chaotischen tollen Macht und Pracht nicht, sie luen in einem schwebenden Zustande reinster ein- Master Gläubigkeit. Und Gr Glaube richtet sich aif ein Jenseits, das zugleich höchste Diesfettsver- förung ist. So schuf sich Hölderlin sein „Deutsch- lliid", das ewiges Ideal bleiben mußte, weil er ms einem Griechentum abstrahierte, das wiederum nir die idealen Züge jenes lebensvollen genuß- D [len, erdhaften und daher dionysischen Hellas ab- u.g Aber hier waltete eine deutsche Kraft der Er- J bung, eine Kraft, der wir die reinste Gestalt unse- ra rts unb Schuberts Hinweisen müssen, die eine Lautung alles Verhärteten sehr wohl vollbringen kon- ii n. Hier ist die Ueberwmdung alles Nur-Morali- jt.en. das das bürgerliche İ'talter zu seiner Selbst. Haltung brauchte, das uns fieutigm aber °me It*re Form dünkt. Hier in der höchsten Kunst der Rutschen ist eine Heiterkeit, die es mit der des steiften Hellas wohl aufnehmen kann. Und auf diese il ue Heiterkeit, diese erlöste Heiterkeit gläubiger ^"rzückuna und Heilsgewißheit kommt es an. Jaan bi? abgeschmackte catonische Strenge des Moralisten hnn uns erlösen zu wirkender Macht und schenken- btr >VüUe der Seele, sondern jene über Fausts Un- t mügen an dieser Welt hinausweisende Heiterkeit i r lautersten Form unb seligsten Klangerfüllung. Goethe hat sie auch gefunden und zwar merkwürd'- zlrweise in feinen SnätmerFen, die ihm fo häufig is ,^mdeutsch" angefreibet werden.., Da klingt
Die edelsten Kräfte unseres Volkes, unserer Rasse h ben sich in den Jahrhunderten unserer Geschichte, i ben Jahrtausenben unseres Wachstums in kost- hre Formen gesammelt, die nach bem Wegfall, bem jifinfen alles Nurzeitlichen übrig blieben unb auf ms gekommen sind Dieses „Deutsche" ist mehr als $DlitiE, mehr als Staatlichkeit, mehr als Konfession, r«hr als „Stil" der Kunst, mehr als Wissenschaft mt) Philosophie: es ist das alles einschließend — r«hr als die Summe... Aber es spiegelt sich am v.llkommensten in einer Reihe größter Erschemun- c n Und darin erkennen wir immer wieder das österlich anbrechende, jugendliche Erlebnis die Er- liiung nach langer Sehnsucht und die Sehnsucht si'ber, ben schmerzlichen Verzicht unb die innerste ^Hebung, bie Selbüberwindung, bas Ja zu einem
orscher und Technik ft f. das gesamte ischaften u. ihre hutz, Unterricht t. Herausgeber ichnow t die allgemt/ igenaturwisr/ chritt für gei i hervorrag»" uf oberflsi- sonder: w
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S? a3ol(r.,?er S°hnlucht unb bes heiligen Werbens, ^^rblichen KunsLrken Meb7rfchl°gt, bann kom. Wir erfüllen oft unser Bestes auf der Stufe des men yX(? ,u tiefer Kunst dankbar und beglückt. Wir Jünglings und verschwenden uns mit dessen heiliger müff^ jgnen s'^en, daß dieses Glück nicht möglich Glut der Hingabe an das ^>^01. In uns erwacht ro^re 0^ne ^n5 Opfer der Hingabe auch im irdischen immer wieder Ausbruch und stürm, immer Liebe Ba|ein 'Qn einen Glauben. Immer wieder wird diese ^br°Pjer- Und heute sind mir wieder in einer Iä'ubi Deutschheit gekreuzigt, um in einer Un- Phase des Aufbruchs. Wir wollen den dumpfen sterblickkeit auhuerftehen Wihorftnnh hör WUIt iihorminhon imh Pnnnon IIN-; llerviicyreu au[zuer,lei)eil.
Oer österliche Genius. I
Bon Euri Hotzel, GOS.
Erweckung der deutschen Seele: in unserer harten und geschästigten Zeit eine Ausgabe von höchster ! erantwortung! Kann sie mit der Macht des Wil- I ns und der Anstrengung des Verstandes vollbracht ! t erben? — Zum Licht der Freiheit l)ingeführt, imter eine straffe und sinnesändernde Führung ge- jLllt, muß das beusiche Volk nun sich in allen feinen lebensregungen wiederfinden, muß in feine eigene Snefe steigen und dort das wahre Dftermunber der Imferftehung erleben. Das ist die Vollendung der mtionalfozialistifchen Revolution.
Wir erleben heute das ungeheure innere Ringen i> r Deutschen um ihr Selbst als eine weltgefchicht- lche Tatsache von größter Bedeutung. Es ist dabei V n Erkennenden deutlich, daß dieses Osterwunder r nerer Erneuerung nicht ohne schmerzlichen Bruch litt allem Alten, Verhärteten, Oberflächlichen sich n-llzieht. Dieser Wandlungswille stoßt auf diese verortete Oberfläche mancher unserer Brüder, aber er tiirb nicht fR'dhe geben können, ehe er diese Starre i brachen ober überwunden hat. Kann das von cußen allein geschehen? — Niemals! Das hat der fiihrer bewiesen, als er jenseits aller Gewalt die fernen der Millionen Deutschen bewegte und ihr Gefühl aus der Erstarrung erweckte. Nun gilt es i langer zäher Arbeit das am Ganzen zu voll- fr ingen.
Wo haben wir nun bie Mittel, um ben „stumpfen T.iberstand ber Welt" in unseren Volksgenossen zu inerminben, der sich mit Schicksalsnotwendigkeit mich einer Zeit des Materialismus dem edlen fBe- nüühen um Läuterung und völliger Sinneswand- l.mg entgegensetzen muß? — Nochmals: können hser Wille und Verstand allein das Letzte voll- ir: ingen?
auch die selige Erfüllung einer überirdischen Schau, in den entscheidenden Phasen unserer Werbenszett bie sich am Sein beglückt erhält und Lebenslust aus immer aus einem unverstänblichen Glauben heraus ......... handeln, der einen Traum in der irdischen Wirklichkeit beschworen will. Das können andere Völker nicht begreifen. Erst wenn sich dieser Glaube in
rrttagreichstü Wien u faßte ilt billigst
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3. April 193?
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Rationalismus und dem ihm nachfolgenden Nihilismus die Menschheit gepackt hatte, glauben wir überwunden zu haben. Mögen England und Frankreich noch die zerfallende Zeit verteidigen, mögen sie im Glauben an Spengler die Zeit „heroisch zu Ende führen wollen", — wir beginnen neu.
Eiy junger Volkstumsbegriff, in den unteren Gründen der Seele erlebt, wandelte uns, er wandelte auch die Aufgaben der Kulturpolitik von Grund auf. Nach einem neuen Glauben hat das Volk den Auftrag, sich zu bewähren, sich dem Schicksal au stellen, sich zu breiten und durch seine schöpferischen Leistungen zu rechtfertigen. Daher ift ihm der Staat nur notwendiger äußerer Rahmen der Einheit, daher fordern wir die Möglichkeit des Aufstiegs aller Glieder durch den gleichmäßigen, volkhaften Aufbau der Kultur, der nicht etwa einer humanistisch gebildeten Schicht Vorrechte zuweist. Des Menschen Wirken über sein Ich hinaus gehört seiner Nation, und eine Zeit wie die vergangene, oie Leben und hohes Erleben, etwa das der Kunst, nur als Steigerung der persönlichen Glückseligkeit begriff, erscheint uns arm. Kunst ist uns Bericht, Verherrlichung und Erschütterung über Bild, Wort und Schicksal des Menschentums, in dem wir leben: sie ist zugleich Mahnung zur Gottesgläubigkeit, ist Bericht eines ewigen Volkstums vor der Allmacht über Liebe, Reue, Mut über die heldenhafte Erfüllung seines Lebens und über die Vorahnung dessen, was über das Irdische hinausführt. Ja, wenn noch vor wenigen Jahren Männer wie Jasper -aus der Gemessenheit ihrer griechisch gefühlten Philosophie vermeinten, der Grund unserer Bildung sei das Altertum, „ohne autonome Bildungskraft käme die Vergangenheit des eigenen Volkes hinzu", so lächeln wir und lehnen es ab, eine „Nation der Epigonen" zu bleiben. Wir bekennen uns zur Wirklichkeit unserer Vergangen- heil, statt sie zu leugnen oder schamhaft fremde Schilde darüber zu halten. Wir sehen in jenen Worten nichts, als die letzte Folgerung älterer Wissenschaft und des Glaubens einer Bildungs- Schicht, die unsere Geistigkeit spaltete, well sie unser Werden nicht aus den Jahrtausenden unserer Sprache, unserer Wirklichkeit herleitete, sondern sich «ls ein Websel aus vielerlei Fäden und Farben erklärte.
Wir wollen mutiger sein und bekennen, daß der Ruf von Blut und Landschaft aus Zeit und Vorzeit älter ist und daß ein Volk, auch wenn es wie wir viele Gäste zu sich bat und auch bitten wird, doch alle fremde Form unaufhörlich neugegestaltet and nach seinem Erbe rückbildet. Ja, wenn wir ernst beurteilen, erkennen wir, daß in dieser Wende ältere Jahrtausende sich in uns regten. Ein Erbgut ward wach; in ihm Überwinden wir jene Teile der gelehrten wie der religiösen Konfessionen, die unfern Völkern fremd waren und noch die Romantik von einst verwirrten. Naturfrömmigkeit, der Wille zur Tar, der Glaube an die irdischen Aufgaben, die wir anpacken sollen, sind deutsch und germanisch wie auch dos ewige Wissen vom wie- oerkehrenden Heliand, von der unsterblichen Seele und von Liebe und Hingabe, zu der wir von unserem Schöpfer gerufen sind. Wir sind nicht für uns da, wir sind gerufen, der Erde ein Neues vorzuleben, wir sollen noch einmal verschenken, wie wir tausendfach geschenkt haben.
Um den großen deutschen Zusammenhang, um unsereVerbundenheit mit der Allmacht, um wirkliche Volkheit geht es, die sich aus sich selbst erneuert mit der Waffe des Glaubens und mit dem Wissen:
Stehn wir doch mitten
Im Sturmhof des Lebens Nimmer vergebens Ist unser Geschick.
Roosevelts Kampf mit -em Kongreß.
In der Frage der Kriegsveteranen- zahlungen überstimmt.
Washington, 29. März. (DNB.) Sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat haben den Einspruch Roosevelts yegen das von beiden Häusern angenommene Knegsveteranengesetz mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit überstimmt.
Die Auflehnung des Kongresses stellt zwar die erste größere Niederlage des Weißen Hauses dar, bedeutet jedoch nicht, daß der Kongreß oder gar das amerikanische Volk von dem Weg abzuschwenken gedenkt, auf dem Roosevelt die Vereinigten Staaten zu führen entschlossen ist. Die Abstimmung betraf eine sogenannte „Omnibus- Bill", in der zahllose Haushaltsposten enthalten waren, und zwar außer den erhöhten Bezügen für die Veteranen die Erstattung von zwei Dritteln der seinerzeit den Bundesbeamten auferlegten ISprozentigen Gehaltskürzung. Von dieser Gehaltskürzung waren auch die Beamten der Sonderbüros betroffen, die in allen Teilen des Landes bundesamtliche Angelegenheiten besorgen. Diele dieser Büros sind naturgemäß mit politischen Günstlingen von Senatoren und Abgeordneten besetzt, und der Druck dieser Leute gemeinsam mit den kleineren Bundesbeamten und den Veteranen veranlaßte zahlreiche Demokraten, gegen den Einspruch ihres Parteiführers zu stimmen. Dazu kommt, daß das ganze Repräsentantenhaus und ein Drittel des Bundessenats jetzt vor Prtmärwahlen stehen zur Vorbereitung der Neuwahlen im November. Die Abstimmung rechtfertigt also nicht den Jubel der Republikaner, die wieder Morgenluft wittern. Es zeigen sich ledig- lich erneut die schweren Nachteile des parlamentarischen Systems, in dem fast jeder Abgeordnete sich von egoistischen Erwägungen leiten läßt, ohne Rücksicht auf den Haushalt und ohne Interesse am Gesamtwohl. Es ist daher nicht verwunderlich, daß Roosevelt Washington mitten in der Sitzungsperiode den Rücken kehrte.
Amerika bemüht sich um eine Entspannung im Stillen Ozean
Washington, 30. März (DNB.) Anläßlich des 80. Jahrestages des ersten Freundschaftvertrags mit Japan, den am 31. März 1854 Commodore Perry für Amerika mit der damaligen japanischen Regierung abschloß und dadurch die über 200 Jahre währende Isolierung des Jnselreicks von der Außenwelt beendete, plante die amerikanische Handelskammer die Veranstaltung einer besonderen Feier. Das Staatsdepartement veröffentlicht einen Brief des Außenministers Hüll an die Handelskammer, in dem diese Absicht der Kammer warm begrüßt wird und der bezeichnend ist für die amerikanischen Bemühungen, die gespannte Stimmung zwischen den Bereinigten Staaten und Japan zu bessern. Hüll führt aus, Perry habe das Fundament für d i e dauernde Freundschaft zwischen beiden Völkern gelegt, die sich auch zu gegenseitig vorteilhaften Handelsbeziehungen entwickel habe.
Wie damals so sei Amerika auch heute bereit, mit Japan zusammenzuarbeiten zum Nutzen der beiden Nationen und zum Wohle der übrigen Welt.
Die politische Erneuerung in der Schweiz.
Basel, 29. März. (DNB.) Der neugewählte Bundesrat Otter äußerte in einem Interview u. a.: Ich bin absolut überzeugt davon, daß eine soziale und wirtschaftspolitische Gesundung nur kommen kann auf dem Wege einer berufsständischen Ordnung, wobei das Schwergewicht sich auf die organische Eingliederung der Arbeit in das Gesellschaftsund Wirtschaftsleben verlege. Berufsständische Ordnung wird den Berufsständen ihre natürlichen Aufgaben wieder zurückgeben und den Staat entlasten. Die Berufsstände sollen nicht durch den Staat geschaffen, sondern nur ermöglicht werden. Die Ueber- führung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung in die berufsständische Gliederung wird das Werk einer Generation darstellen.
Zwei Monate Arrest mit Vewährungssrist für die LrschießungdesReichswehrsoldatenSchuhmacher Berufung des Staatsanwalts gegen das milde Urteil
Innsbruck, 30. März. (DNB.) Am Freitag fand vor dem Schöffensenat des Landesgerichtes der Prozeß wegen des Grenzzwischenfalls am 23. November vorigen Jahres, bei dem der Reicbs- wehrfoldat Schuhmacher aus Nürnberg erschossen wurde, statt. Angeklagt ist der Heimatwehrmann Anton Strele, der als Gendarmerieassistenzmann die österreichische Grenzpatrouille, die die tödlichen Schüsse gbgab, führte. In der Anklageschrift heißt es, der Beschuldigte habe gesehen, daß eine Gruppe deutscher Skiläufer entlang der Grenze abzusteigen begann. Es wird dann behauptet, daß einzelne Mitglieder „Heil Hitler!" gerufen hätten, und daß der Angeklagte vermeint habe SA. - oder S S. - M ä n n e r vor sich zu haben. Es handelte sich bekanntlich um zwei Unteroffiziere und 21 Mann des bayerischen Infanterieregiments 21, die eine Laufübung abhielten und ohne militärische Ausrüstung und Waffen waren. Strele hat seinen beiden Untergebenen, den Hilfspolizisten Schallhart und Pritzner, Anweisung gegeben, das Feuer auf das Latschenfeld unterhalb des Grenz st eines 6 z u e r - öffnen. Während jeder der Begleiter Streles einen Schuß abgab, feuerte Anton Strele dreimal. Durch einen dieser Schüsse wurde der Reichswehrsoldat in den Kopf getroffen und sofort getötet. Die Leiche lag bekanntlich auf deutschem Gebiet. In der Anklageschrift wird schließlich festgestellt, daß der W a f f e n g e b r a u ch weder nach dem Gendarmeriegesetz, noch nach der Dienstinstruktion gerechtfertigt war. Die Erteilung des Feuerbefehls und die Abgabe der Schüsse seien fahrlässig gewesen, da Strele s i ch vorher hätte vergewissern müssen, wen er in Wirklichkeit vor sich hatte.
Der Angeklagte Strele, der in Uniform eines Hilfspolizisten erschienen war, erwiderte die Frage des Vorsitzenden, ob er d i e Vorschriften überden Waffengebrauch gekannt habe, mit Ja. Sie seien von der Gendarmerie vor dem Eintritt in das Schutzkorps ausgebildet worden, es habe aber sehr schnell gehen müssen, so daß nur das Wichtigste gesagt worden sei.
Darauf wurden die Hilfspolizisten vernommen, die damals der Patrouille angehörten. Pritzner gab an, es sei nur geschossen worden, um die Leute zu vertreiben. Aehnlich äußerte sich auch Schallhart. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie der Befehl Streles gelautet habe, antwortete der Zeuge: „Einfach: Schießen!" Der Vorsitzende fragt dann, weshalb der Zeuge nach dem ersten Schuß nicht weitergefeuert habe. Der Zeuge erwiderte, er ha be sich gedacht, es sei schon genug.
Der Staatsanwalt wies auf die Bedenkenlosigkeit hin, mit der der Angeklagte den Befehl zum Schießen gegeben habe. Wenn es Strele tatsächlich nur darum zu tun gewesen sei, die reichsdeutsche Patrouille zu vertreiben, dann hätte er Warnungsschüsse.abgeben können. Ms Milderungsgrund könne bei der Beurteilung der Tat höchstens die Aufregung und die mangelhafte Kenntnis der militärischen Dienstanweisung in Frage kommen. Als erschwerend sei der Umstand anzusehen, daß mehrere Personen gefährdet waren.
Der Verteidiger erklärte, er spreche nicht nur im Namen des Angeklagten, sondern auch im Änne der obersten Heimwehrführer, wenn er über den unglücklichen Ausgang des Vorfalles das tiefste Bedauern ausspreche. Er beantragte Freisprechung unter Hinweis auf die außerordentlichen Verhältnisse an der Grenze Hinweisen zu können.
Das Gericht sprach den Angeklagten im Sinne der Anklage eines Vergehens der fahrlässigen Tötung für schuldig und verurteilte den Angeklagten unter Anwendung des außerordentlichen Milüe- rungsrechtes zu zwei Monaten strengen A r r e st, bedingt mit zweijähriger Bewährungsfrist. In der Urteilsbegründung heißt es u. a., daß es in der Lage, in der sich Strele befand, nicht gerechtfertigt gewesen sei, die drei Schüsse abzugeben. Bei der Urteilsfindung habe jedoch die überspannte Aufregung Streles zur Zest der Tat berücksichtigt werden müssen. Daher sei das Milderungsrecht zur Anwendung gekommen. Der Staatsanwalt meldete Berufung gegen das Strafausmaß und die bedingte Verurteilung an.
Italien und Frankreich.
Mussolini betont die Friedenspolitik des faschistischen Regimes.
Paris, 30. März. (DNB.) Mussolini hat dem Berichterstatter des Pariser Soir, Perreux, eine Unterredung gewährt. Mussolini will den in Frankreich oft gebrauchten Satz von den „beiden lateinischen S ch w e st e r n, die eigentlich zusammengehörten", nicht ohne weiteres gelten lassen, da beispielsweise die in Frankreich herrschende Spott- sucht und Aufschneiderei (blague) dem italienischen Volkscharakter fernliege. Der Duce wiederholt seine Erklärung, daß zwischen Frankreich und Italien die moralische Atmosphäre sich gebessert habe, da beide Länder gewisse Fragen in gleicher Weise beurteilten. Hoffentlich werde man bald die Aussprache und die Lösung der seit fünfzehn Jahren schwebenden französisch- italienischen Fragen in Angriff nehmen können.
Die allgemeine Weltlage hält Mussolini für keineswegs katastrophal. Er glaubt nicht an einen bevorstehenden Krieg. Jedenfalls werde nicht die faschistische Regierung den Brand entfachen, da das faschistische Regime noch zu viele moralische und materielle Aufgaben zu erfüllen habe, die nur in einer langen Friedens- zeit durchgeführt werden könnten. Die in Rom unterzeichneten Protokolle seien gegen niemand gerichtet. Sie stellten vielmehr den An- fang einer Zusammenarbeit in Mitteleuropa dar, an der jeder, der es wünsche, teilnehmen könne.
Seine letzte Rede sei entstellt worden. Er denke keineswegs daran, wie behauptet werde, seinen bisherigen Standpunkt in der Rüstungsfrage fallen zu lassen. Beispielsweise habe er nicht von der Definitiven" deutschen Aufrüstung gesprochen, sondern von der ,ch e f e n s i v e n", das sei doch etwas anderes. Der italienische Plan scheine dem französischen Standvunkt am weitesten entgegenzukommen. Er verstehe nicht, warum Frankreich ihn nicht annehmen wolle. Der Duce hält die Abrüstung für ein unerreichbares Ziel und würde es lieber sehen, wenn die Genfer Konferenz sich bescheidener „Konferenz zur Beschränkung und Proportionierung der Rüstungen" nennen würde.
Auf die Frage, ob er die R e o i s i o n d e r Verträge für ein unüberwindliches Hindernis halte, erklärte Mussolini, die Revision sei stets aktuell, vor allem für die Länder, die unter der jetzigen Grenz- ziehund in Europa zu leiden hätten. Es gebe Ungerechtigkeiten, die durch die Verträge geschaffen worden seien. Uebrigens habe man diese Verträge bei der Unterzeichnung keineswegs für ewig gehalten, nicht einmal Frankreich. Auch Dr. Benesch und Masaryk hätten erklärt, daß man unter gewissen Bedingungen und der Voraussetzung politischer und wirtschaftlicher Ausgleichung die Frage der Revision in Erwägung ziehen könnte.
Welche Bedingungen knüpft Frankreich an eine deutsche Röstungsverstärkung?
Oie britische Anfrage in Paris.
London, 31. März. (DNB.-Funkfpruch.) Nach Ansicht des Pariser Korrespondenten der „Times" hat sich der Standpunkt der französischen Regierung in der Abrüstungsfrage feit dem Brüsseler Besuch Barthous in verschiedener Hinsicht geändert. Während die Denkschrift an die englische Regierung vom 17. März noch die Auffassung vertrat, daß es keine wesentliche Aufrüstuna Deutschlands geben dürfe, scheine Frankreich jetzt bereit zu sein, Deutschland eine gewisse Auf- rüstung zuzugestehen, vorausgesetzt, daß damit keine Verminderung des jetzigen Standes der französischen Wehrmacht verbunden sei, und daß befriedigende Garantien gegeben würden. Man glaube, daß die englische Regierung besonders angefragt habe, welchem Maß an Aufrüstung die französische Regierung bei Gewährung von Ausführungsgarantien zustimmen würde und welche Garantien die französische Regierung für ein derartiges Zugeständnis an Deutschland verlange. Die Tatsache, daß solche Fragen gestellt werden, bezeichnet nach Auffassung des Korrespondenten eine A e n d e - r un g in der französischen Haltung.
Der französische Korrespondent des „Daily Telegraph" glaubt, Außenminister B a r t h o u beabsichtige, die im Januar d. I. von dem damaligen Außenminister Paul-Boncour an Henderson übersandte Denkschrift zur Grundlage der neuen französischen Note an die britische Regierung zu machen. Diese Denkschrift vertrat die Auffassung, daß wirtschaftlicher Druck gegen einen Staat, der das Abkommen verletzt hat, im Notfälle durch Anwendung militärischer Gewalt er- ganzt werden sollten. Abgesehen davon könnte
nach Ansicht der französischen Regierung unter den jetzigen Umständen ein Abkommen nur auf der Grundlage der Aufrechterhaltung der französischen Rüstungen auf ihrer jetzigen Höhe abgeschlossen werden. Frankreichs Antwort istnichtvorEnde nächst er Woche zu erwarten, bevor sie geprüft ist, wird die britische Regierung keine wichtigen Beschlüsse fassen. Die Sitzung des Abrüstung sbüros am 10. April wird also rein formal sein und dürfte zu dem Beschluß führen den Wiederzusammentritt der Abrüstungskonferenz um mindestens mehrere Wochen zu vertagen London hält sowohl Berlin als auch Rom ständig auf dem laufenden. Die Darstellung, daß die britische Regierung sich bereits auf den Grundsatz von Durchsuhrungsbürgschaften" f e ft g e l e g t habe, ift völlig unzutreffend. Die britische Regierung ist zu nichts weiter verpflichtet, als zu einer sorgfältigen und vorurteilslosen Prüfung der in dieser Beziehung gemachten Vorschläge.
Frankreich
will sich alles Vorbehalten.
s daris 31. März. (DNB. Funkipruch.» Nach dem Excelsior soll die französische Antwort auf die englische Rückfrage von der Voraussetzung'' aus- m>„ r!L e.!n. Abrüstungsabkommen Frankreich bie Möglichkeit lassen müsse, jederzeit seine Effektlvbe stände und seine Materia- liendenEffektivbeständen und Materialien Deutschlands anzupassen, und zwar unter Berücksichtigung eines Sicherheitsspielraumes, da Deutschland 20 Millionen mehr Einwohner zähle und fitier mächtige Kriegsfallriken verfüge. Bei der Durchführung der Bürgschaf, ten müsse man sich von der Überzeugung leiten lassen, daß,Sanktionen besser seien als Strafen. Je wirksamer und entschiedener die Sanktionen des Vertrages gefaßt seien, um so eher würden sie einen Angreifer zur Vorsicht zwingen. Etwaige Einwände würden am besten hinfällig, wenn ein vollgültiges französisch-eng. (isches Bündnis vorhanden wäre, das wirk, sam werden würde, sobald die Kontrolle eine schwer- wiegende Verletzung des Abkommens und der Ver- träge feststellen würde. Aber es scheine nicht, daß die grausame Lehre von 1914 die Regierung und die öffentliche Meinung in England von dieser Not- wendigkeit ausreichend überzeugt habe.
General Nissel weint im „Figaro" noch heute der „vorzeitigen" Rheinlandräumung und dem Verzicht auf die Faustpfänder Tränen nach und be- dauert, daß Frankreich es hat dazu komme» lassen, daß Deutschland die Frage der Gleich- berechtigung vorbrachte. Die Abrüstungskontrolle sei ein Komplott gegen Frankreich. Der einzige Trost sei die Tatsache, daß die jetzige Regierung bei den militärischen Fragen wenigstens den obersten Rat der nationalen Verteidigung zu Rate zieht. „Frankreich rafft s i ch auf und erwacht, hoffentlich schläft es nicht wieder ein", schließt der Artikel.
Suvich kommt nach London.
London, 31. März (DNB. Funkspruch) Der italienische Unterstaatssekretär S u v i ch wird am 23. April in London eintreffen, um den römische» Besuch Macdonalds und Simons zu erwidern. „Daily Telegraph" schreibt dazu, man glaube, daß Suvich der britischen Regierung auseinandersetzen werde, die letzte französische Not erlaube nach Ansicht der italienischen Regierung keinen weiteren Fortschritt auf dem durch den britischen Abrüstungsplan gekennzeichneten Weg: irgendwelche Aussichten biete nur noch der italienische Plan.
Die zweite Obduktion Staviskys.
Paris, 29. März. (DNB.) Bei den Justizbehörden, die sich mit dem Stavisky-Skcmdal und der Ermordung des Gerichtsrats Prince zu beschäftigen haben, wurde fieberhaft gearbeitet. Den drei unter dem dringenden Verdacht der Mittäterschaft an der Ermordung Princes verhafteten Personen hat man keine Ruhe gegönnt. Vorläufig protestieren alle drei aber noch heftig gegen die sie erhobenen Beschuldi- gungen. Die Haussuchungen sollen angeblich zu keinem Erfolg geführt haben. Man hat bisher le- diglich festgestellt, haft alle drei den größten Teil ihres Lebensunterhalts durch Mädchenhan- d e I und Schmuggel bestritten.
Im Leichenschauhaus fand die zweite Ob« duktion der Leiche Staviskys statt. 3n der im Anschluß daran herausgegebenen Verlautbarung heißt es, daß die Leiche nur eine einzige Schußwunde aufweise und der Befund der Einschußöffnung jede andereAuslegung als Selbstmord ausschließe.
Kommunistische Spionage« und Llmsturzorganisation in der Tschechoslowakei.
Prag, 30. März. (DNB.) Die Polizei behänden beobachteten bereits feit längerer Zeit, daß im ganzen Staatsgebiet eine erhöhte umstürzlerische Tätigkeit betrieben wurde, die besonders eine Zersetzung der Wehrmacht und die Verbreitung von Unruhe in ihren Reihen an« strebte. Es wurde festgestellt, daß es sich um ein ausgedehntes Netz von Spionage - und antimilitaristischer Propaganda handelt. Als einer der Hauptorganisatoren der Aktion wurde der ehemalige Bäcker Franz Hampl, der zuletzt als Redakteur der kommunisti- sch en Zeitung „Roonost" tätig war, sicher- §estellt. Er unterhielt mit einer ganzen Reihe von iivil- und Militärpersonen Beziehungen, verfügte über erhebliche Geldbeträge, unternahm oft längere Reisen im ganzen Staatsgebiet, war Soldat in der Reserve und Absolvent des Lenin-Kurses in Moskau. Bei den Haussuchungen in den Wohnungen der Vertrauensmänner Hampls wurde die Benutzung einer Geheimschrift, deren Schlüssel entdeckt wurde, festgestellt, eine geheime Handdruckerei für die Herstellung einer zur Verbreitung im Heer bestimmten illegalen kommunistischen Zeitschrift und Vervielfältigungsapparate zur Herstellung einer illegalen Zeitungskorrespondenz gefunden. Eine unter dem aufgefun- denen Schriftenmaterial befindliche Abschrift eines wichtigen militärischen Schriftstückes der Olmützer Garnison führte zur Verhaftung zweier Funktionär e'desOlmützerMagi st rat s,
Reue Dienstgrade der Sanitätsoffiziere.
Berlin, 29. März. (DNB.) Die Dienstgradbezeichnungen der Sanitätsoffiziere werden zum 1. April derart geändert, daß nur noch im militärischen Generalsrang der Titel „Genera 1" der Artbezeichnung hinzugefügt wird. Die im Oberstleutnantsrang stehenden Sanitätsoffiziere erhalten die Bezeichnung „Oberfeldarzt". Damit lebt ein alter Titel wieder auf, der schon im Dreißigjährigen Krieg von den Militärärzten größerer Truppeneinheiten geführt wurde. Die Dienstgradbezeichnung gibt auch ausgezeichnet die wesentliche Verwendung dieser Sanitätsoffiziere wieder, denn sie sind die Leiter der im Kampf- gebiet eingesetzten Sanitätseinheiten. Die Rangstufe des Obersten wird in Zukunft „Oberstarzt' heißen. Die Dienstgradbezeichnungen im Sanitätoffizierskorps werden also in Zukunft lauten: i« der Rangklasse der Leutnante und Oberleutnante' Assistenzarzt und Oberarzt: in der Rangklasse bet Hauptleute: Stabsarzt (wie bisher): in der Ranft' klasse der Stabsoffiziere: Major: Major-Oberstabsarzt, Oberstleutnant: Oberstfeldarzt, Oberst: Oberst' arzt: in der Rangklasse der Generäle: Generalmajor: Generalarzt, Generalleutnant: Generalstabsarzt, General: Generaloberstabsarzt.
Bei der Marine tritt gleichzeitig eine Umbenennung der oberen Dienstgrade ein. Es wird außerdem durch die Aenderung der Marinefanitäts- ordnung die Dienststellung eines Sanitätschefs der Marine geschaffen. Nach dieser Neuordnung sind die Dienstgradsbezeichnungen in der Marine folgende: Marine-Assistenzarzt, Marine-Oberassistenzarzt, Marine-Stabsarzt, Marine-Oberstabsarzt, Ge« schwaderarzt, Flottenarzt, Admiralsarzt, Admiral- stabsarzt.
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Erlaß
Kultur- und Msschastshilse sürMön und Spessart
bura eine W e r b e st e l l e gegründet worden, die. schließung d bei der innerdeutschen Bedarfsdeckung die Interessen I bau zeigen.
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Ein Reichskommiffar für das Siedlungswesen. Berlin, 30. März (DNB.) Folgender
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Erdbeben in Rumänien.
Ein heftiges Erdbeben wurde in ganz Rumänien wahrgenommen. Die Erregung der Hauptstadt machte sich besonders in den Theatern und Gaststätten bemerkbar,wo es zu panikartigen Szenen kam. Der Materialschaden ist nicht erheblich. Verschiedentlich kam es zu unbedeutenden Bränden, ein Haus stürzte ein, andere weisen Risse auf. In Galatz wurden zahlreiche Häuser beschädigt; in mehreren Gaststätten stürzten die Stuckdekorationen von der Decke herab und verletzten einige Gäste. Zahlreiche Fensterscheiben zersplitterten, auch wurden mehrere Personen durch einen herabstürzenden Balkon und herunterfallende Ziegel verwundet. Der Reisenden des gerade in Galatz einlaufenden Abendschnellzuges bemächtigte sich eine Panik. Sie flüchteten Hals über Kopf durch die Fenster, wobei mehrere Arm- und Beinbrüche erlitten. In Jassy sind etwa zehn kleine Vorstadthäuser einge- stürzt, wobei mehrere Leute leichte Verletzungen davontrugen.
Eine ganze Familie verbrannt.
In Großhammer bei Eisenbrod (Nordostböhmen) brach im Anwesen eines Bauern ein Feuer aus. Die Bäuerin, die 15jährige Tochter und der 12jährige Sohn wurden ein Opfer der Flammen, wäyrend der neunjährige Sohn mit schweren Brandverletzungen gerettet werden konnte. Lediglich der Bauer blieb unverletzt, lieber die Ursache des Unglücks konnte nichts ermittelt werden.
Zwei Sinder erstickt.
In Wuppertal-Elberfeld brach in einem Mansardenschlafzimmer in der Ehrenstraße, in dem sich zwei Kinder im Alter von 3V2 und 5 Jahren ohne Aufsicht befanden, Feuer aus. Die Feuerwehr konnte die Kinder, die sich in ein Bett in der Nähe der Tür verkrochen hatten, nur als Leichen bergen. Die Kinder sind wahrscheinlich in dem Rauch erstickt. Man ver-
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Berlin, 29. März. (DRV.) Die Deutsche Reichs- vahn führt ab 1. Mai 1934 im sozialen Interesse folgende Fahrpreisvergünstigungen ein: Ermäßigung für kinderreiche Familien, Ausgabe von An gestellten-Wochen- karten und von verbilligten Zehnerkarten für den Nahverkehr von großen Städten iinb von Ostpreußen - Rückfahrkarten. Ferner tritt seine Ermäßigung der Gepäck tarife und eine Herabsetzung der Mindestfahr- preise und des Preises für Bahnsteig- lk arten ein. Schließlich werden die zur Zeit in »Geltung befindlichen Winterurlaubskar- len unter der Bezeichnung „Urtaubstaden“ auf ldas ganze Jahr ausgedehnt.
Den Genuß der Ermäßigung für kinderreiche Fa- imilien erhalten Familien mit wenigstens »vier unverheirateten Kindern, die das 18. Lebensjahr noch nicht überschritten haben und idem elterlichen Haushalt angehören. Die Ermäßigung wird für alle Slaffen bei gemein- ffchaftlichen Reifen von mindestens Iwei Angehörigen der Familie gewährt. Die »Ermäßigung erreicht folgendes Ausmaß: Ls zahlt kden vollen Fahrpreis die erste Person, den halben Hahrpreis jede weitere Person über zehn Jahre «oder zwei Personen vom vollendeten vierten bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr. Eia einzelnes lSind bis zum vollendeten zehnten Lebensjahre wird ffrei befördert.
Die Angestellten-Wochenkarten erhalten Angestellte und Beamte mit einem Roheln- tommen von höchstens 2400 Mark jährlich. Die Preise find dieselben wie für Arbeiterwochenkarten guzüglich 11 o. £). Besörderungssteuer.
Die Zehnerkarten verbilligen die Reisen Zwischen Großstädten von mehr als 100 000 Einwohnern und naheliegenden anderen Orten, mit Lenen ein besonders starker Berkehr besteht, um rtwa 20 v. h. Die Zehnerkarten werden an jeder- murnn ausgegeben.
Die Tarifbestimmungen für Ostpreußen- Mückfahrkarten lehnen sich an die für Ur- laubskarten an, jedoch fällt die Sperrfrist von sieben Tagen für die Rückfahrt fort.
Die Sähe des Gepäcktarifes werden um Hdurchfchnittlich 30o.h. ermäßigt. Der Lxpreßgut- Marif bleibt unverändert, ebenso die Mindestfracht- fsähe.
Der Preis der Bahnsteigkarte wird au HO Pfennig heruntergeseht.
von Rhön und Spessart und derjenigen Gebiete, in denen die Bewohner aus Rhön und Spessart bisher Arbeit und Brot gefunden haben, vertreten soll. Eine der ersten Arbeiten der Werbestelle ist der Zusammenschluß der Nordbayerischen Basaltwerke, in denen ein großer Teil der Rhön-Spessart- bewohner in früheren Jahren Beschäftigung gefunden hat. Die Werbestelle bereitet ferner eine umfassende Rhönausstellung vor, die zuerst in Berlin gezeigt werden soll und dann als Wanderausstellung in allen deutschen Gauen für Rhön und Spessart werben wird. Dem Vorgeschichtsforscher, wie dem Volkskundler geben diese Gebiete, die einst Durchzugsland germanischer Stämme waren, und in denen Bonifatius seine ersten Kirchen baute, wertvolle Aufschlüsse. Die tüchtigen, seit Jahrhunderten bekannten Holzschnitzer werden ihre Arbeiten ausstellen und ihr Kunsthandwerk auf der Ausstellung selbst vorführen. Auch der S e g e l f l u a, der die Rhön in der ganzen Welt berühmt gemacht hat, und das Rhönrad werden nicht fehlen. Den Erholungsuchenden wird die Ausstellung auf die heilkräftigen Rhön- b ä d e r Hinweisen und die geplante Verkehrserschließung des Gebietes durch Autobahn- und Wege-
Die Reichsbahn hat mit ihren Tarifsenkungen --war nicht alle Wünsche erfüllt, sie hat aber zum Ausdruck gebracht, daß sie bestrebt ist, die "Fahr- lpreisgestaltung immer sozialer zu gestalten. »Sie hat vor allem auch zum Ausdruck gebracht, Daß sie von sich aus einen bevölkerungspolitischen ^Beitrag in der Form einer besonderen B e - nückslchtigung der kinderreichen Fann i l i e n leisten will. Auch die Reichsbahngesellscha nnuß natürlich in erster Linie dafür sorgen, da nhre Finanzen in Ordnung bleiben. Aber der wirt- sfchaftliche Aufbau bringt auch ihr finanziell eine größere Bewegungsfreiheit, so daß sie Schritt für SSchritt den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen nmb ihr Tarifsystem so umbauen kann, wie das vor »allem im Interesse einer zielbewußten Bevölkerungs- ,Politik erforderlich ist.
Weiter günstige Entwicklung der Reichsbahnfinanzen.
Der V e rwa l t u n g s ra t der Reichsbahn konnte »die befriedigende Feststellung machen, daß die seit ! Dezember v. I. einsetzende Besserung der «Einnahmen sich bis heute fortgesetzt hat. !Die Einnahmen steigerten sich in den Monaten -Januar und Februar 1934 gegenüber den gleichen 'Monaten des Jahres 1933 im Personenverkehr :um 5,6 v. H. und im Güterverkehr um 21,4 io. H., sie liegen aber noch wesentlich niedriger als iin den gleichen Monaten selbst des Jahres 1931. -Die Märzeinnahmen haben sich bisher m dem- ! selben Sinne entwickelt.
Der Derwaltungsrat stimmte den von der Haupt- > Verwaltung gemachten Vorschlägen zur Verem- ifachung der Verwaltung und besseren Abgrenzung loort Verkehrsgebieten zu, nach denen die Reichs- Id ahndire 1t i on Oldenburg aufgeho - Iben werden und das Eisenbahnnetz im !Raum Leipzig einheitlich unter der Vermal- itung der Reichsbahndirektion Halle zusammengefaßt werden soll. Der Verwaltungsrat nahm davon Kenntnis, daß die Reichsbahn auf dem । Gebiete des Gütertarifs zur Gewährung von die Transporte k e s und zur Fracht-
Eisbrecher „Krassin“ Anfang Mai in der Beringstrahe?
Der russische Eisbrecher „Krassin", der zur Hilfeleistung für die Tscheljuskin-Besatzung nach der Beringstraße unterwegs ist, traf in Vla ar dingen (Holland) ein, wo 20 000 Tonnen Kohlen übernommen wurden. Der Eisbrecher begibt sich zunächst nach dem Panama-Kanal. Wie der Führer der Rettungsexpedition, Smirnoff, mittellt, hofft man, Anfang Mai die Bergungsarbeiten m der Beringstr^ße aufnehmen zu können.
Infull im Bosporus.
Der griechische Frachtdampfer „Maiotis" mit dem amerikanischen Millionenbetrüaer Samuel Insult an Bord, näherte sich der bulgarischen K ü st e. Sämtliche bulgarischen Polizeistationen längs der Schwarzen-Meer-Küste haben den Befehl erhalten, Insult im Falle des Betretens bulgarischen Bodens zu v e r h a f t e n. Der amerikanische Geschäftsträger hat die bulgarische Regierung ersucht, Insult aufgrund des zwischen beiden Landern bestehenden Abkommens im Falle der Landung auszuliefern. Infull hat es daraufhin vorgezogen, bulgarischen Boden nicht zu betreten. Der Dampfer ist vorläufig im Bosporus vor Anker gegangen, da an den Schiffsmaschi- nen einige Reparaturen auszuführen sind. Jeglicher Verkehr mit dem Schiff ist verboten. Das Ziel der Fahrt ist noch immer unbekannt. Neuerdings spricht man davon, daß Infull beabsichtige, sich nach Ba- tum zu begeben und von dort aus die Weiterreise nach Persien oder Afghanistan anzutteten. Amerika hat ein Ersuchen an die türkische Regierung gerichtet Samuel Insult in Istanbul zu v e r - haften und ihn zwecks Auslieferung nach Amerika festzuhalten. Von der türkischen Regierung wurde mitgeteilt, daß sie dieser Forderung entsprechen, Infull verhaften und das Auslieferungs- Verfahren einleiten werde.
erleichterung zugunsten der öffentlichen Arbeitsbeschaffung rund 30 Millionen Mark aufgewendet hat. Wenn trotz der gegenüber dem Zustand des Vorjahres günstigeren Entwickelung der Reichsbahneinnahmen einer allgemeinen Senkung der Personentarife n'och nicht nähergetreten werden konnte, so soll doch aus sozialen Rücksichten eine Reihe von fühlbaren Fahrpreisvergünstigungen (über die oben berichtet wurde) schon jetzt durchgesührt werden. Auf dem Gebiet des Personalwesens unterbreitete die Reichsbahnhauptverwaltung dem Verwaltungsrat die Grundgedanken für eine N e u g e ft a l - tung der Dienstverhältnisse der Reichsbahnarbeiter, die sich dem Gesetze zur Ordnung der nationalen Arbeit anpassen sollen.
LPD. Im Rahmen des Dr. Otto Hellmuth-Planes zur Sanierung von Rhön und Spessart hat die Reichsleitung des Freiwilligen Arbeitsdienstes begonnen, Arbeitslag>er in d e r Röhn zu errichten. Es sind bisher 10 Lager in Betrieb, deren Aufgabe es ist, mit den ersten Bodenverbesserungsarbeiten und der Vorbereitung der Wegebauten zu beginnen. Es werden zunächst die zum Teil völlig v erst einten Felder von Steinen befreit, die dann gleich wieder im Wegebau Verwendung finden. Auch mit der Aufforstung des für landwirtschaftliche Zwecke unbrauchbaren Bodens soll begonnen werden. Fünf Millionen Arbeitsdienst-Tagewerke sind bisher vor- aesehen. Mit Unterstützung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft sollen Rassebiologen, Bevolke- rungsstatistiker, Vorgeschichtsforscher und Volkskundler den einzelnen Arbeitslagern zugeteilt werden, die Erhebungen über den Gefundheits- und Erbzu- stand der Bevölkerung, Untersuchung der wenig be- kannten Vorgeschichte und des Brauchtums des Rhön- und Spefsartgebietes vornehmen sollen.
Zur wirtschaftlichen und kulturellen Gesundung von Rhön und Spessart ist mit dem Sitz in Wurz-
mutet, daß die Kinder mit Streichhölzern in einen Kleidersckrank geleuchtet haben, um sich dort ihren neuen Anzug anzusehen.
Schweres Linslurzunglück in einem belgischen Steinbruch.
In Seilles in der Nähe von Huy in der belgi- scheu Provinz Lüttich ereignete sich in einem dortigen Steinbruch durch einen vorzeitig losgehenden Sprengschuß ein schweres Einsturzunglück. 4000 Tonnen Gestein gingen zu Bruch und verschütteten eine Anzahl von Arbeitern. Eine sofort eingesetzte Rettungskolonne konnte fünf Arbeiter nur noch a l s Leichen bergen, ein sechster wurde in schwer verletztem Zustande ins Krankenhaus überfuhrt. Man befürchtet, daß unter den Gesteinsmassen sich noch weitere Verschüttete befinden.
Eine lebende Giftschlange auf dem Main.
Zwei Herren, die mit einigen Kindern in Würzburg am Main entlang spazieren gingen, sahen etwa 100 bis 150 Meter unterhalb des Staatshafens eine mit einem Strick verschnürte Kiste auf dem Main schwimmen, zogen sie heraus, öffneten sie und sanden darin, was sie am allerwenigsten vermutet hätten: auf einigen Bananenstrünken lag friedlich zusammengerollt eine etwa 1,20 Meter lange und 3 bis 4 Zentimeter dicke Schlange, die anscheinend durch die Wasserfahrt etwas betäubt war, bald aber Lebenszeichen von sich gab. Die „Entdecker" verwahrten das Reptil wieder in der Kiste und lieferten es im Zoologischen I n st i t u t der Universität ab, wo die Schlange als giftig festgestellt wurde. Man nimmt an, daß sich irgend eine Obsthandelsfirma der Schlange auf so wenig vorsichtige und gewissenhafte Weise entledigt hatte.
Auf einem Skiausflug tödlich verunglückt.
Ingenieur Lütt g en s aus Freiburg, der sich mit seiner Frau und seinem Kind in Sulden im Ortler-Gebiet aufhielt, hatte sich einer unter Führung eines Bergführers -stehenden Skigesellschaft angeschlossen. In Der Nähe der Schutzhütte Stadt Mailand verlor er an einer sehr gefährlichen Stelle die Herrschaft über seine Skier und stürzte in die Tiefe. Die Rettungsmannschaft fand den Verunglückten nach langen Nachforschungen. Er gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich und starb nach kurzer Zeit.
Brennendes Schiff auf offenem Meer.
Auf dem griechischen Frachtdampfer „Kostala", der eine Schwefelladung an Bord hatte, brach im Hasen von P i r a e u s Feuer aus. Durch den starken Funkenregen wurden die an Land liegenden Holzvorräte gefährdet, so daß das Schiff aufs offene Meer geschleppt werden mutzte.
Kunst und Wissenschaft.
Auszeichnung des Dichters Karl Benno v. Mechow.
Der preußische Kultusminister Rust hat dem Dichter Karl Benno v. Mechow „in Anerken- nung seiner schriftstellerischen Leistungen und zur Förderung seiner Arbeiten" den Preis der Harry- Kreismann-Stiftung verliehen. Damit wird einem Dichter der Kriegsgeneration, der sich durch sein bisheriges Schaffen — die Romane „Das ländliche Jahr", „Das Abenteuer", „Vorsommer" und die Novelle „Der unwillkommene Franz" — als eine der stärksten Hoffnungen im deutschen Schrifttum erwiesen hat, eine Ehrung von außergewöhnlicher Bedeutung zuteil.
Wettervoraussage.
Das Hochdruckgebiet, das sich bei gleichbleibenden maximalen Barometerständen mit seinem Kern nach Finnland verlagert hat, bewirkte über ganz Europa Luftdruckanstieg und hat somit einen durchgreifenden Einfluß der südlichen Störung unterbunden. Da sich aber neben und über kälteren Luftmassen wärmere befinden, entstehen zwar noch verbreitete Dunst- und Wolkenbildungen, jedoch dürfte durch den hohen Druck zeitweise Aufheiterung einsetzen, wobei tagsüber durch die Sonnenstrahlung die Temperatur weiter ansteigt.
Aussichten für 1. Osterfeiertag. Anfangs dunstig und bewölkt, später aufheiternd, tagsüber mild, trocken.
Aussichten für 2. Osterfeiertag. Wei- terhin teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, trocken.
Lufttemperaturen am 30. März: mittags 12,9 Grad Celsius, abends 5,8 Grad; am 31. März: morgens 5,3 Grad. Maximum 13,7 Grad, Minimum 1,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. März: abends 6,1 Grad; am 31. März: morgens 4,3 Grad. — Sonnenscheindauer 6% Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 34: 11 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange. K. K., sämtlich in Gießen.
kommisiar für das Siedlungswesen untersteht dem Reichswirtschafts mini st er. Er trifft feine Maßnahmen in Zusammenarbeit und im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsmini st er.
Kleine politische Nachrichten.
Das Stargarder Bezirksgericht hat in der Berufungsinstanz fünf Mädchen freigesprochen, die von der Starostei zu 30 Zloty Geldstrafe verurteilt worden waren, weil sie Ostlandtreuefahrer im vergangenen Herbst mit dem deutschen Gruß begrüßten. Das Urteil stellt eindeutig fest, daß der deutsche Gruß in Polen nicht strafbar ist.
♦
Die tschechoslowakische Regierung hat der Reichsregierung mitgeteilt, daß den deutschen Flaggen und Hoheitszeichen in der Tsche^ sch o s l o w a k e i die gleiche Behandlung zuteil werden wird, wie den Flaggen und Hoheitszeichen dritter Staaten. Die Reichsregierung hat darauf das Verbot des Zeigens tschechoslowakischer Flaggen, Wimpel und Abzeichen im Reichsgebiet aufgehoben.
*
Der Gesandte von Haiti in Berlin, Eduard Pouget, ist an den Folgen einer Lungen- entzündung g e ft o r b e n. Das auswärtige Amt hat die Flaggen auf Halbmast gefetzt. Der stellvertretende Chef des Protokolls stattete auf der Gesa ndfchaft einen Beileidsbesuch ab. Reichsprä- sident von Hindenburg richtete an den Präsidenten der Republik Haiti ein in herzlichen Worten gehaltenes Beileidstelegramm.
wird bekanntgeaeben:
Für die Förderung des Siedlungswerkes wird ein Reichskommifsar für Das Siedlungswesen bestellt, der vom Reichskanzler ernannt wird. Sein Geschäftsbereich um- aßt alle Aufgaben der Siedlung mit Ausnahme der Aufgaben, die dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hinsichtlich der Neubildung des deutschen Bauerntums zustehen. Der Reichs-
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und mehr noch mit ihren Bilderbeilagen. Aufnahmen und Ausschnitte mit der Darstellung von Einzelmitgliedern der Familie weisen eindringlich die innere Anteilnahme und Hingabe beim Lesen auf. Engste Verbundenheit der Eltern und Großeltem mit »ihrem Gießener Anzeiger'' erkennt man aus Gruppen« und Einzelbildern, rührende Fürsorge um die Behaglichkeit und Liebhaberei des Haus« Herrn aus besonders geschickt erfaßtenZusammenstellungen.
Die ausgesetzten Vergütungen sind den zuständigen Einsendem der bevorzugt gewerteten Lichtbildaufnahmen noch vor Ostern zugestellt worden, und zwar im Ausmaße von zweimal 25 Reichsmark, zehnmal 10 Reichsmark und zehnmal 5 Reichsmark, insgesamt von 200 Reichsmark. Oie ausgezahlten Vergütungen berechtigen zur Wiedergabe einzelner oder sämtlicher Bildaufnahmen im Gießener Anzeiger. Für die lebhafte Beteiligung der Familien am Ausschreiben sei hiermit bestens gedankt.
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Krühlings-Kermate.
Von Dorothea Hofer-Oernburg.
Schnee auf dem Graugrün des verschlafene» Rasens, im Schatten der Büsche. Auf den Wegen dünn hingetuscht, schüchtern und verwegen zugleich, Sonne. Am Strauch, neben dem Terrakottafräulein ohne Arme, zwei Röschen, an einem lächerlich kahlen, völlig kahlen Strauch mit dünnen Kinder- ärmchen von Zweigen, kleine, lächerliche Röschen, die aussehen, als seien sie aus zerzaustem, verwaschenem Seidenpapier, ein rotes, ein rosa. Sie hocken da ängstlich, als schämten sie sich ihrer Ver- irrtheit, als könnten sie auf keine Weise herab vorn Strauch und fänden auch nicht das kleinste Versteck inmitten dieser leeren Landschaft. Wie man träumt, man käme im Nachthemd in den Ballsaal, so ist ihnen zumute, tagelang. Alle Schatten sind lang und bleichsüchtig, dre Luft ist schütter wie ein Netz, vom unausgesetzten Amselwetzen und dem schlagenden Puls des Spatzengezirps.
Unten am See steht das halbfertige Haus. Das Wasser wagt sich in keine Bläue unter dem zerbrechlichen Glashimmel, und die Schwäne sind fremde, unternehmende Wundervögel mit mageren Hälsen. Neben dem Haus in den kahlen Beeten steht auf nicht endenden Beinen — das Kind mit einem Spaten in der Hand. Es schaut ein wenig trostlos in die Ferne, mit einem kleinen Zug von Trotz und Trauer um sein Gesicht. Ab und zu stößt es mit dem Spaten in das Erdreich, das den Stoß nicht zurückgibt und nicht auffängt, in geduldigem Ausweichen. In den Wegen harkt der Gärtner in einer guten, dunkelleuchtenden, blauen Leinjacke. „Js man schlecht anfangen", sagt der Gärtner, „allens noch hart gefroren." Aber oben am Haus, rund um das Haus, blühen noch Krokus, kleine bunte Zuckertüten und Schneeglöckchen.
Das Kind bewegt sich nicht. Seine Haare wehen, sein Schatten liegt geduldig schmal über dem See. Im leeren Haus, das das Kind gebaut hat im vergangenen Jahr, stehen zwei schlecht gestrichene Gartenstühle, eine grüne Gießkanne ohne Henkel, ein kleiner, leerer Blumentopf und ein halbfertiges Gitter für die Pforte. Das Kind steht still und wartet, daß etwas geschehe. Vielleicht, daß dies kahle Haus erröte von festlicher Farbe und Wein daran ranken werde; daß diese kranke grüne Gießkanne, geheilt entlassen, die leeren Beete tränke, damit sie aufbrechen und in einem Glanz von Blumen stehen, als rote Nelken und lila Petuinen, Feuerbohnen und Akelei; daß diese Erde sanft werde und den freundlichen Stoß der Schaufel mit blankem, feuchtem Schwung beantworte; daß auf den schlecht- gestrichenen Stühlen weiße Farbe glänzend trockne und die blaubunten Kissen mit den Clowns und den Elefanten mit den Scharnieren, an jedem Fuß eines, lägen ....
Das Kind steht da und wartet, ein wenig ungeduldig und ein wenig traurig, auf die endliche Erfüllung des Frühlings ...
Kunst und Sachverstand
Eine Grenzziehung von Professor Dr Wilhelm Pinder, München.
gen gesehen, es war so traurig, so traurig — und nun sehn wir ihn wieder auf deinem Bild, so trau- i rig, ach Meister Matthias, es ist, als wollte nie wie- l der Ostern werden, wo der Herr aus dem Grabe er- s steht. Und ein kleiner Engel redete weinend: O Mei- i fter Matthias, denke doch auch an die Kinder, die i kleinen, so klein, wie der Heiland am Kreuz selbst c einmal war. Wenn die Kinder das Bild sehen, wer- j den sie Furcht haben und nie wieder froh sein und i sie werden vergessen, daß ja der Herr hernach in i sein Grab gelegt wurde und daraus hervorging, j wie ein süßes, schwebendes Licht ..
Was soll ich denn tun?, fragte Meister Matthias. Später werden die Kinder groß werden und unfern : Herrn und Gott doch betrüben — ist es da nicht gut, wenn sie jetzt schon sehn, wie sie ihm wehe tun, wenn sie ihm Kummer bereiten?
Aber die Engel sagten: ach liebster Meister Matthias, um der Kinder willen male noch etwas Liebes auf das traurige, traurige Bild.
Was soll ich denn malen? Die kleinen Vögel fliegen ja fort, Blumen blühen nicht um das Kreuz soll ich Euch weinenden Engel malen? Ja, was soll ich, sagte es mir doch.
Und der jüngste der Engel neigte sein Haupt gegen den Meister und sagte: male das Lamm.
Denn für die Kinder und die Toren ist Gottes Sohn ein ßämmlein gewesen, ist ein ßämmlein tm Krippenstroh, dann ein ßämmlein, das all den anderen Schafen vorangeht, dann ein armes geschlachtetes Osterlamm und dann ein ßamm aus dem Grabe springend mit einer seidenen Fahne ... ad) herzliebster Meister Matthias, male dies ßamm!
Und Meister Matthias setzte den Pinsel an und malte ein schneeweißes ßämmlein unter das Kreuz o welch ein liebes, zärtliches ßämmlein, aber die arge Welt hat ihm sein weißes Fellchen durchstochen und sein klares Blut springt hervor.
Und die Engel schwebten hin gegen das Bild und streichelten das kleine gemalte ßamm mit ihren Schwingen, sie fangen dazu wie Bienen, wenn pe um eine schöne Rose ziehen und das kleine blutende ßämmlein beugte demütig die Kme.
Also war der Herr unser Gott zweimal auf dem Bilde, als der traurige, traurige Mann mit Der Krone aus spitzem Gedörn und als ein kleines schneeweißes ßämmlein. Da waren die Engel zufrieden.
Und der Meister Matthias kniete sich hin vor das schöne fertige Bild und sagte: O du Lammlem Gottes, erbarme dich meiner. O du $err am Holz m deine Hände befehle ich mich.... und die Engel an-
. gen: Meister Matthias ist heimgegangen 'Meister Matthias ist tot. Und sie öffneten »hm das helle Paradies. Dort ging er ein.
. Das schön- traurige Bild aber kam in -'ne atte । dunkle Kirche Dort stand es hundert Jahre und : abermals chnndert Jahre ... und nochmal hundert - aanze Jahre dazu-
riet, begann man sich unsere, wie alle europäische I Kunst, eine kurze Zeit lang griechisch zu wünschen.
Gerade eine nationalsozialistische Wissenschaft, wie | ich sie zu vertreten hoffe, hat die Pflicht, im Auftrage des Volkes für Sachlichkeit zu sorgen und das Aufkommen irreführender, zuletzt Deutschland selbst herabsetzender Sagen zu verhindern. Hinter jenen Sagen stehe, so sagte ich, falsch verstanden, falsch angewandte Wissenschaft. Das ist leicht zu beweisen. Nicht die Wege unserer Kunst nämlich waren so falsch, wohl aber früher einmal die Wege der Kunstgeschichte. Früher hat man wirklich geglaubt, erst mit der „Renaissance" sei die wahre Kunst wiedergeboren, davor liege das finstere Mittelalter. Das war falsch. Aber dieses falsche Geschichtsbild wird bei Zurückgebliebenen noch weiter geglaubt — nur die Vorzeichen werden umgekehrt: das früher Gute heißt jetzt böse. Aber das ganze Bild ist falsch. Der „Verrat an den Süden" ist ein Hirngespinst, wie der „Segen der Renaissance" es war.
1 nnn Jahrzehnten hat sich ein völlig
Die seit langem vermuteten, aber experimentell noch nicht nachgewaesenen e ektrflchen Ausstrahlungen des Menschen konnten jetzt durch photographische Ausnahmen roissenschaftlich fest- gestellt werden. Dabei ergab sich, daß die Menschen entsprechend ihrer verschiedenen Tätigkeit und ihrem verschiedenen Charakter ganz verschiedene „Wellenbilder aufweisen. — Unser Bild zeigt einige der interessantesten Aufnahmen aus der Photoserie, die setzt dem isländischen Professor Kohlmann gelangen: 1. Die Ausstrahlung eines Künstlers. Die Wellen weisen eme überaus harmonische Spiralform auf. 2. Die Wellen eines Jähzornigen, die sehr Ähnlich den Blitzstrahlen sind. 3. Die Ausstrahlungen eines sympathisierenden Paares. Die beider,eittgen Wellen haben das Bestreben, sich entgegenzukommen und sich zu umfangen. 4 Ausstrahlungen eines ganz in seinem Beruf ausgehenden Srifeurs Die elekrtischen Wellen haben hier eme große Ähnlichkeit mit den Dauerwellen. 5. Die Wellen eines begeisterten Radiohorers. Deutlich ist die Annäherung an die Radiowellen bemerkbar. 6. Die Wellen eines Alkoholikers, welche Tropfenform haben. ______________________ •
Renaissance ist ein Gespenst, die Renaissance ist niemals bei uns heimisch gewesen. Der Zusammenbruch der altdeutschen (nicht der deutschen) Kunst hatte durchaus innerliche, wesentlich religiöse Ursachen. Verblüffend ist in Wahrheit, wie ungemein deutsch unsere Kunst auch nach den Erschütterungen der Religionskriege immer wieder hervorgebrochen, wie nebensächlich für ihre gestalterische Eigenleistung gelegentliche Herkunft von Einzelheiten aus fremden Ländern gewesen ist. Den Griechen waren wir nur einmal nähe, unbewußt, im 13. Jahrhundert. Bis zur Goethezeit haben wir uns künstlerisch niemals um sie gekümmert. Erst in dieser, als die bildende Kunst ihre letzte Selbstverständlichkeit verloren hatte ,, , . und (nun erst) in die Schlingen der „Bildung" ge- Seit einer Reihe von
anderes Geschichtsbild gestaltet, durch Wissenschaft, die aus leidenschaftlicher ßiebe zu Deutschland ihrs! Frage nach unserem guten Herkommen stellte. DiesE ßiebe mußte sich des Verstandes bedienen. Weil si« dies tat und sich ihm nicht verkaufte, fand sie etwas völlig anderes — was sie nun nicht hindert, sondern gerade ermächtigt, noch ein ungeheures Arbeit^ seid vor sich zu sehen. Sie fand, daß das Mitted- alter eine vorbildlich große Zeit gewesen ist, weil irt ihm die Kunst noch diente, weil sie Verehrung wa« und darum ohne weiteres Stil hatte, und daß bis Kunst Stil hatte, weil die Menschen ihn besaßen. Sie fand, daß Deutschland — nicht durch die angeb® liche Schöpfung der Gotik, die ja wirklich norbfran* zösisch ist, andern u. a. durch einen grofjarti* gen schöpferischenWiderstand gegen biesS — einen erstaunlich hohen Anteil an der ßeistung des Mittelalters hat. Sie fand aber auch, daß irt allen europäischen ßänbern schon etwa um Die Mitte des 14. Jahrhunderts eine erste Möglichkeit späterer Spaltung zwischen Kunst und Religion, also zwischen Kunst und Volk sich selbständig anbeutet; baß biefe gegen 1400 überall eine Anerkennung bes Betrachters neben bem Verehrenben hervorbringt, bie auf bie Dauer von ber Kathebrals zur Ausstellung führen mußte — bis in ber Goethezeit bas Sprachbenken sich zum Kunstrichter auf- warf unb überall bas Trauerspiel völliger Ent» frembung zwischen Kunst unb Volk offenbares Schicksal würbe — Gesamtschicksal, nicht Einzel« schulb. Sie fanb, baß in biesem Kampfe keineswegs bie fremben Einflüsse unsere eingeborene Kraft oerbrängen konnten, baß keineswegs ein Verrat bes Deutschen an ben ©üben ftattfanb, baß vielmehr ein nur immer mehr auf einzelne sich nertei- lenbes großartiges Kämpfen gegen ben europäischen unb also auch ben beutschen Stil-Untergang, ein immer neuer, immer wieder in Einzelfällen siegreicher Wiberstanb gegen ben Stilverfall geleistet würbe unb baß bie beutsche Kunst eine herrliche Probe auf bie unüberwinbliche ßebenskraft unseres Volkes gewesen ist. Heute sieht bie Wissenschaft mit Trauer ben allgemeinen Zerfall, in Deutschland» unb für Deutschlanb aber mit großer Hoffnung bie Sicherheit eines späteren Sieges auch ber Kunst, sobalb ber von unserem Führer begonnene siegreiche Kampf um ben Stil bes beutschen Menschen gewonnen sein wirb. Denn erst ber neue, ganzheitliche Stil ber Menschen wirb uns ben neuen Stil ber Kunst bringen können.
Wer geschichtlich sieht unb also auch liebevoll, ber hat nicht mehr ben Mut, ausgerechnet biejenigen zu beschimpfen, bie sich wenigstens als verlorene Einzelne gegen ben Verlust aller künstlerischen Ganzheit stemmten. Das käme ihm so vor, als würbe man von ben letzten Kämpfern in vereinzelten Maschinengewehrnestern, bie wenigstens noch schießen, agen, gerabe sie seien ausgerissen — wo boch bas Ganze 'sie im Stich gelassen hat. Ein solcher meint wohl auch: eine Zeit ber Zucht, bie uns enblich aus bitterer Not ben Führer zur Zucht gebracht hat, müsse auch einen gut bienenben Verstaub züchten, einen männlichen Verstaub, ber von selber ber Gerechtigkeit bient, ber nie Selbstzweck ist, ber zuletzt vielmehr zur Ritterlichkeit führen soll.
Lassen wir die überhitzten Kämpfer einmal aus- ruhen. Sie werden es sich nicht gefallen lassen, aber sie würde ihnen gut tun — und uns allen. Sie meinen es ja alle so gut. Nur halten die meisten zu wenig vom Wissen und haben zu wenig Stolz. Je mehr sie wüßten, desto stolzer würden sie sein. So aber leiden sie unter Hirngespinsten und kämpfen gegen nichtige Wahngebilde, statt aus dem tröstlichen Bilde unserer großen deutschen Kunst gesunde Kraft zu schöpfen.
Und es war ein kleines Mädchen, so klein wie ihr, das führte sein Vater einmal in diese alte düstere Kirche. Der Vater ging herum und besah sich, was da alles in ber Kirche war, bie Fenster unb bie Bänke unb ben geschnitzten Altar. Unb er vergaß ganz seine kleine Tochter, bie kam vor bas große Bilb bes alten Meisters Matthias. Da sah sie ben traurigen Mann mit ben vielen Dornen, ben Nägeln unb Wunben ... unb erschreckte sich so baoor, wie einst bie kleinen Vögel getan, unb es sagte meinenb: Sieh mich nicht so an .., ich hab' bir gewiß nicht bie Krone ausgesetzt, ich hab' bich nicht an bas Kreuz gehangen, ich bin ja so klein. Lieber Gott, sieh mich nicht so an ... ich bin so traurig vor bir unb fürchte mich so.
Da aber sah es bas kleine Lämmchen unter bem Kreuz. Oh, was für ein liebes ßämmlein, schneeweiß unb oerrounbet. O bu kleines, armes ßamm, wer hat bir bas getan? ... War ich bas? ... Gestern habe ich genascht ... vorgestern gelogen, unb heute früh hab? ich gesagt: ich will nicht ... als bie Mutter sprach: Tue bas, kleine Marie! Oh, bu herz- liebes ßämmlein, verzeih, ach, verzeih mir.
Das kleine Mäbchen stellte sich auf seine Zehen, es langte mit seinen kleinen Armen gegen bas Bilb, es legte feine roten warmen ßippen bem gemalten ßämmlein auf bas oerrounbete. Fellchen: Ach, ßämmlein, ich liebe bich so ... ach, so sehr.
Unb bie Engel, bie einst um Meister Matthias gestanden, standen jetzt um bas Kinb, es sah sie nicht, es hörte nur ein Rauschen von Flügeln, vielen unb großen, unb bie Engel nahmen ben Kuß von bem gemalten ßamm unb brachten ihn bem lebendigen Osterlamm auf bem Schoß Gottes, bes Vaters.
Vor ber alten Kirche aber liegt eine Wiese, bort blühn schon bie Veilchen, viele Kinber sitzen im Gras, flechten Veilchenkränze unb fingen, was bie kleine Marie, als sie aus ber Kirche kam, fang:
Es liegt ein kleines ßamm wie Schnee In Thymian unb grünem Klee, ßämmlein klein, ßämmlein rein, Tun bir bie schmalen Beinchen weh? Nicht tun mir meine Füßlein weh, . In Thymian unb frischem Klee. Ich trage Schmerz, Weil ich bein Herz
Nicht voll ber süßen Liebe seh.
Unb alle Kinder singen zusammen:
Oh, kehre mir im Herzen ein, So wirb es voll ber Liebe fein, ßämmlein komm, Mach mich fromm, So bin ich bein, unb bu bist mein.
Ist das nun nicht eine schöne Geschichte?
Professor Dr. Wilhelm P i n b e r, ber be ’ rühmte Kunsthistoriker ber Münchener Uni- ' versität, einer ber besten Vertreter national j sozialistischer Geisteshaltung, gibt in biesem i Aussatz eine mutige unb scharfsinnige Ana- i lyse bes gegenwärtigen Kunstproblems.
Ein kluger Mann ber tätigen Kunstwissenschaft, !• er höchst entscheibenbes Vertrauen genießt, sagte kürzlich zu mir: Mein Vierjahresplan für bilbenbe Lunst würbe sein, alles Schreiben über augenblick- iche Kunstfragen vier Jahre lang zu verbieten. Das ist ein guter Rat! Er ist keineswegs „libera- jstisch". Es ist ein Rat, ber sich auf besonnenes jjanbeln bezieht, ber nicht aus Furcht vor Entschließung kommt, sonbern aus Entschiebenheit unb aus Hiner klaren Erkenntnis: bie Kampflinien finb verwirrt, man schießt bie eigenen ßeute tot, man muß ? ie Reihen erst roieber bilben. Dann erst, bann aber slbstverstänblich kann man hanbeln. Es gibt bafür nizwischen genug zu tun: Das beutsche Volk mit «iner wundervollen alten Kunst bekannt zu machen, v baß es an ihr einen Maßstab gewinnt; bie Ent- iellung bes in Wahrheit höchst tröstlichen Geschichts- iilbes unserer Kunst zu verhüten; unserem Volke !ie Angst vor seiner eigenen Wissenschaft zu nehmen; -s zu schützen vor ber Anzüchtung gänzlich üder- lüssiger Minberwertigkeitsgefühle — kurz, die vie- »n Schöben, bie schon angerichtet finb, roieber aus» ^bessern.
Denn bas meiste, was jetzt über deutsche Kunst geschrieben wird — und sei es auch aus noch so intern und ehrlichem Herzen, und gerade dann — t trostlos. Das wendet sich besonders gerne gegen !6e Wissenschaft, die „den Verstand zum alleinigen Lichter erhoben habe" (das tat seit langem alle flechte Wissenschaft, das tut auch heute noch alle mte nicht), und das ist dennoch nichts anderes als nlfch verstandene, falsch angewendete Wissenschaft. Bor allem: für ein Volk, das feinen Stolz roieber» nben will, ist es beschämenb als Ausfluß nament» ch zweier Minberwertigkeitsgesühle, bie sich zu «st geglaubten Sagen auszuwachsen brohen. Das Mne bezieht sich auf bie Seele: man habe bie Seele verraten unb an ben „Verstaub" verkauft. Die Kahrheit ist: nicht ber Verstaub selbst ist schlecht, onbern bie Gefühle, bie sich feiner bebienten, waren JUerbings längere Zeit recht faul geworben. Eine arte Seele aber .braucht ben Verstaub nicht zu Orchteu, benn sie vermag ihn zu beherrschen. Ein chwacher Verstaub leistet noch keine Gewähr für i ine starke Seele.
Das anbere Minberwertigkeitsgefühl hat heraus- («efunben: Vor langen Zeiten habe es eine deutsche Luust gegeben, bas sei bie Gotik gewesen. 400 L.ahre lang sei bie beutsche Kunst seitbem gänzlich verirrt gewefen, Dürer ber Schulbige, Grünewalb, lleichsam ein vorzeitiger, verlassener Kampfbünbler, «i vom eigenen Volke verstoßen worben. Die „Renaissance" 'habe bas „griechische Kunstschaffen Herren" wollen. Erst heute sei bie Rückkehr zum Deutschen ba. Die Wahrheit ist: Die Gotik ist eine orbfranzösische Kunst, gegen bie sich bas starke Rutsche Mittelalter sehr lange gewehrt hat. Auch «ach ber späten „Ueberucchme" hat es baraus etwas mberes gemacht. Goethe hat in Straßburg uuwis- mtlich gerabe bas auch bort vorhaubene franzö- issche als beutsch berounbert, bas Deutsche, also Un= jotiiehe bes großartigen Ostteiles am Münster nicht empfuubeu. Weiter: ein Volk, besten Kunst wirklich 400 Jahre lang verirrt gewesen wäre, be- lünbe längst nicht mehr. Der Ueberfall burch bie
Das Lämmchen.
1
Von Ruth Schaumann. i
Es war einmal ein kleines Mäbchen ... nein, j Dir müssen boch anbers anfangen, baß es eine , Achte Geschichte wirb. Es war einst em alter Ma- ( l>?r, es war schon lange, sehr lange her. Matthias ; loat ber fromme Meister geheißen, viele Jahrhuu- 1 teerte ist er schon tot, aber keiner hat ihn vergessen. Was er auch malte, alles war schon und in herrlich, baß die Vögel vor seinen Bilbern zu ringen aufingeu, benn sie meinten, seine gemalten Blumen unb Früchte wären richtige Blumen, Rosen, Aelkeu, ßilien, richtige Aepfel unb Erbdeereu, rich- ti.qe Weibeudäume, ßinben unb Tannen, unb die ,(;inber, bie er malte, unb bie frommen Mütter ber kinber wären lebenbig, unb so saugen bie erfreuten 58öqel, sie zu erfreun. Aber am liebsten malte ber dilte Matthias bie Jungfrau mit ihrem Söhnchen, unserem Herrn, auf ben Knien. Und wenn er solche Silber malte, kamen selbst bie Engel, ihm zuzu- i-ben Unb wie wir alle bie Engel wohl spuren, -wer' nicht sehen, Meister Matthias, ber sah sie, coenn sie seine Kammer erfüllten, unb rote er sie inh, hat er sie auch gemalt: große Engel unb l'eine Engel, mit zwei Flügeln, mit vier Flügeln unb solche, bie ganz gefiebert {mb, ftatt einem Neide, mit Haaren wie schöne klare Flammen unb iie ßippen geöffnet zum englischen Gruß.
Unb so stauben bie Engel um ihn, roenn er malte, fee saugen unb nickten ihm zu unb er malte einem Lefusfinbe eine blüheube Rose in bie kleine Haub unb ber heiligen Jungfrau eine korallene Kette um Men schneeroeisen Hals.
Aber bann begann er ein neues Bilb unb rote (5 immer reicher unb herrlicher warb, mürben bte Emgel um ihn gar traurig.
Denn er malte nicht bas Kinblein Gottes er malte es wie es groß geworben war, unb von ben Xen Äten Menschen an’s Kreuz ge chlageu terabbängt, ein trauriger, trauriger ^nn n ieber ioanb einen Nagel, einen Nagel l^em Fuß, und «ine Wunde im Herzen. Auf fein H?upt ^ber matte ar ihm bie Krone, bie er einst wirklich getragen, -iroße scharfe Dornen, schreckliche Spitzen baran, Hie kleinen Vögel flogen erschreckt aus bem Fenster nnb klagten: wehe, wehe, welch bitterlicher K z. rJnb sie kamen nicht mehr.
Meister Matthias aber arbeitete fort unb fort an feinem traurigen Bilb, benn er dachte, die JJ£ Itfjen sollen sehen, wie sehr sie dem liebsten Herrn vehe getan haben, wie sehr er sie lieb gehabt Y , Hatz er am Kreuz für sie hing, er, ber niemals iitaros Böses getan.
Wie aber bas Bilb fertig war, ba meinten alle Engel unb schlugen bie Flügel vor ihre Augen. Uno her schönste unb größte sagte: O Meister Matthias, vir haben den Rorm ptnfi tnirfftrh am Kreils hon-
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Der Glaube, -er Berge verseht
Geschichten aus aller Welt
Schreck in ihrer Empfindsamkeit einen Schwäch-- um sauer erspartes @eQ>, das zwischen Welhmchten onfall erlitten hat- Man labt sie mit einen, Schluck > und Ostern angehäuft werden mu&ht Im ^un£
Da tönt ein Aufschrei aus dem Publikum: Um Gottes willen, nein? Nicht ausziehen!" Die Um- sitzenden bemühen sich um die junge Dame, die vor
Das grüne Zauber-Ei
(Line heitere Ostergeschichte von Zosef Friedrich perkonig.
Alljährlich am Karsamstag begann es: da kamen aus den Taschen einiger Knaben die bunten Eier zum Vorschein, es waren immer dieselben Eierbringer, die Würde schien erbeingesessen, ein stummes, doch sehr bewachtes Gesetz forderte es so, daß immer dieselben das Recht ausübten, allen übrigen das farbige Ei in das Erdreich hinzulegen, irgendwo an einer eben trocken gewordenen Stelle, an der Südwand der Kirche, vor der Türe des Kaufmanns, an dem Wirtshaus, wo der Boden schon früh trocken getreten war, und mit Vorliebe vor der Kirche, wenn Ostern in den späten April fiel, denn der Schnee war dann auch im Schatten geschmolzen.
Was wir Kinder nun an allen diesen Orten vollbrachten, war nicht etwa nur ein Osterspiel, ein früher Gruß an den nahen Frühling, es war vielmehr ein Geschäft. Wir warfen mit Kupfermünzen nach den schön gefärbten Eiern, und sobald der bronzene Kreuzer in dem Ei stecken blieb, war es der Besitz des glücklichen Schützen.
Es war ein herrliches Spiel, und es gab auch hier wie überall Künstler und Stümper, manche brachten es zu staunenswerter Fertigkeit, als säße sie gleichsam schon in ihrem Blute und sei vererbt von Vater und Großvater her, andere erlernten sie nie. Ihr Teil war dann ein größeres oder geringeres Opfer an Kupferstücken, doch sie trauerten nicht, auch ihr Verlust war geweiht von dem heiligen Geiste dieser Osterzeit, und er berührte sie nicht wie
Lacken. Die Dame aber geht nach Hause wie personifizierte Triumph der Empfindsamkeit...
dann ihre Hinterlassenschaft aufräumt, findet man riesige Werte, in Geld, Juwelen, in Aktien. Aber die Geschichte des alten Sutcliffe ist auch unter der erwähnten Zunahme ähnlicher Fälle erstaunlich.
Mit 83 Jahren hat man ihn tot aufgefunden. Er war ein Kind reicher Eltern aus Liverpool. Dreißig Jahre lang war er Lehrer für Griechisch. Dann zog er sich zurück in sein großes, geerbtes Haus. Nebenan in einem ebensolchen Haus wohnte seine Schwester. So allein wie er. Er arbeitete an griechischen Nebersetzungen und schrieb seine Erinnerungen. Sie hatte den Putzwahn und war Tag und Nacht mit Eimer und Besen unterwegs. Niemand durfte die Häuser betreten. Als die Schwester eines Tages starb, hinterließ sie ihm 30 000 Pfund. Sie kamen zu seinem Reichtum hinzu.
Man hörte und sah nichts von dem alten Sutcliffe, bis eines Tages ein Nachbar lautes Stöhnen aus dem Hause kommen hörte. Er läutete. Niemand öffnete ihm. Er drang schließlich mit Gewalt ein. Der arme, reiche Sutcliffe lag auf den Tod krank darnieder. Unter einem Bündel Lumpen. Seit 30 Jahren hatte er in keinem Bett geschlafen. Nun brauchte er kein Bett mehr, denn er starb, ehe der Nachbar ein Streichholz angezündet hatte.
Eine halbe Million Mark, wenn man es umrechnet, fand man in Schränken und Schubladen verborgen. Er hatte ein Leben lang gespart, der arme, reiche Sutcliffe. Und nun suchte man jemanden, der ihn beerdigen könnte. Irgend jemanden, der von Sutcliffe nichts wußte und um dessentwillen Sutcliffe gewiß nicht gespart hat ...
Triumph der Empfindsamkeit.
(v) Budapest.
Die Sache hat sich kürzlich in einem Budapester Gerichtssaal abgespielt. Da war ein junger Bursche, dem die Zeit lang und das Geld knapp geworden war. Darum stieg er eines Nachts in das Schaufenster eines Konfektionsgeschäftes ein und „verpaßte" sich dort nach flüchtiger Wahl einen Anzug. Doch schon am nächsten Tage wurde der Dieb er- wischt, als er gerade den so überaus billig erstandenen Anzug zum ersten Male spazieren führte.
Dann kam der Tag der Gerichtsverhandlung. Das übliche Bild. Im Zuschauerraum ein Haufen gelangweilter Menschen, die ihre Zeit mit Zusehen und Zuhören totschlagen. Männer und Frauen. Eben hat das Verhör begonnen und der angeklagte Jüngling leugnet mit der Hartnäckigkeit eines Gewohnheitsdiebes. Da öffnet sich die Tür und ein älterer Herr tritt ein, um die ihn offenbar interessierende Verhandlung mitanzuhören. Es ist der Inhaber jenes Konfektionsgeschäftes. Er mustert den Angeklagten, und ist auch schon mit einem Satz an der Barre.
„Herr Richter, das ist mein Auszug? Das ist der in meinem Geschäft gestohlene Anzug! Der da, den der Bursche an hat?"
Ein neues Verhör beginnt. Unterstützt durch die aufgeregten Zwischenrufe des bestohlenen Kaufmannes. Schließlich gelingt es, der Angeklagte gesteht: „Na ja, ich hab' ihn halt genommen!"
Und um vieles weicher und versöhnnngsbereiter zum Richter gewendet: „Herr Richter, bitt schön, ich chill ja den Anzug gern wieder zurückgeben, wenn ich dafür meine Strafe erlassen bekomme. Bitt schön? hier ist der Anzug!"
Und schon beginnt der Jüngling sich zu entklei- den. Rock aus! Weste aus? Nun kommen die Unaussprechlichen dran'
Geldstück hätte sich tief in jedes andere Ei gewühlt, hier enttäuschte es mich wie seine Vorgänger, das zehnte warf ich zornig ins Leere hin, es rollte, ein winziges goldenes Rad, von der Kirchenmauer zum grünen Ei herab und berührte es, als verhöhne es mich auf seine Art. Ich war zum Bettler geworden, nicht durch Unvermögen oder Pech, darüber waren wir uns alle bald einig, sondern durch ein Zauder- Ei. Nur einen einzigen natürlichen Umstand liehen wir gelten: die größere Entfernung von dem Ei vermindere die Kraft des Wurfes zu sehr.
Anstatt sich nun mit meiner Niederlage zu begnügen und ihren eigenen Schatz zu schonen, versuchten auch die andern Knaben ihr Glück. Es wird wohl ewig so sein, daß der Mensch, mag er nun alt oder jung heißen, glauben muß, das seinem Nachbar Vorenthaltene sei ihm selber bestimmt. So warfen sie alle der Reihe nach ihr österliches Opfer zu dem grünen Moloch hin, die Geübteren sahen das bronzene Scheibchen von dem Ei abgleiten, die schwachen Schützen aber waren von dem Mißerfolg der Berühmten derart verwirrt, daß sie bei dem Wurfe ihre Geldstücke im weiten Umkreis des Zieles verstreuten. In keinem Jahr noch haUe der Weizen eines Eibesitzers so üppig geblüht. Melchior war reich geworden, wir alle wären arm, versengt wie Brandstätten.
Die Botschaft von dem Zauber-Ei kam noch am selben Tage in die nächste Ortschaft, es war gut für Melchior, denn unser Dorf war ausgebrannt. Es erschienen am Nachmittag die fremden „Eier- tschecker" auch in Scharen, dach das Glück brachten sie aus ihrem Orte nicht mit. Wir umstanden die Stätte eines Triumphes, der jetzt halb und halb auch der unsere war, und erlebten mit einiger Schadenfreude die Niederlage derer, die gekommen waren, das grüne Zauber-Ei zu entführen.
Es war schon spät, da trat noch ein Letzter an, er war ein schmächtiger blasser Knabe mit einer schnei' weißen Haut voll Sommersprossen und rötliches Haar. Seine Holzschuhe waren ihm viel zu groß, und auch in seinen graulodenen Rock sollte er erst hineinwachsen. Die langen Aermel hatte er an den Gelenken zurückgeschlagen. Ein Hagel von Spott ging über ihn nieder, er war der Sohn einer armen Wäscherin, man wußte von ihm, daß er auch nicht einen einzigen Kreuzer besäße, doch er schien die johlenden Kameraden nicht zu hören, mit gewissenhaftem Ernst maß er die Entfernung bis zu dem grünen Zauber hin, schwang seinen Arm, obwohl die Nächsten sahen, daß seine Hand leer war.
Dann aber, als die Münze von ihm fortfliegen sollte, sprang er plötzlich an ihrer Statt selber, er sprang auf das Ei hin, und sein großer Holzschuh bedeckte es völlig. Allen war mit diesem gewaltigen Ende des Zaubereis eine Wohltat erwiesen, zwei Seufzer gingen durch die zwei Haufen, doch unter dem Schuh kam das grüne Ei wieder zum Vorschein, unversehrt, nur tief in den weichen Bode« gedrückt. Und der sommersprvssige Wäscherinnensohn sagte, indem er es aus der Erde schälte: „Ich habe es mir gedacht, es ist aus Stein".
Es war wirklich ein steinernes Ei, ein Zufall hatte es schon im Winter in die Hände Melchiors gespielt, er hatte es regelrecht gefärbt und dann unbeküM' mert verwendet, doch jetzt zahlte er ebenso selbstverständlich jedem seine goldenen und stumpfbraunen Kreuzer zurück, schon hatte er sie in einem Lein- wandsäcklein gesammelt gehabt; er tat es nicht etwa wie ein ertappter Schwindler, sondern wie ein großmütiger Herr, und wir ließen es, zum anderen Male besiegt von seiner frechen Ueberlegenheit, ge- schehen. Ja, wir bewunderten ihn sogar, die gelungene und mißlungene Fälschung hat seine Stellung '.m Dorfe nicht erschüttert.
Seitdem hat mir mancher irgend so ein Zauber- El hingelegt. Daß ich es immer zuerst in die Hand nehme, ehe ich danach zu werfen beginne, das verdanke ich dem Spitzbuben Melchior. Wie könnte ich ihm da zürnen?
Oer Anfang.
Don Martin Weise.
Die Stille des Oftersamstag breitete sich über das ßanb, jene seltsame, tiefe Stille zwischen der Traurigkeit des Karfreitag und des frohen, verheißungsvollen Ostertages, die zwischen Bangigkeit und kommendem Glück schwebt. Andreas Becker stand auf der kahlen Anhöhe jenseits des Dorfes und blickte düsteren Auges in das dämmernde Land. Neben ihm hatte die Jugend des Dorfes schon den Holzstoß für das Osterfeuer gerichtet, das in der kommenden Nacht pls freudiges Signal der Auferstehung von Erde und Mensch in das weite, flache Land leuchten wird.
Vom Dorf herüber tönte die Feierabendglocke, Osterfeuer, Freudenfeuer! Lied und Tanz, Jauchzen froher Jugend! Das ganze Dorf nahm daran Anteil. Aber man kann nicht mittun, man kann nicht froh sein, wenn Traurigkeit und Sorge das Herz umfangen haben, lieber die kleine Bauernwirtschaft des Andreas Becker, die er von den Vätern ererbt, war das Unglück hereingebrochen. An einem regenfeuchten Nooemberabend hat des Feuers wilde Gier die Scheune vernichtet und mit ihr den Segen der Felder. Im Winter war ihm auf eisglatter Landstraße fein einziges Pferd gestürzt und nicht mehr aufgestanden.
Dort drüben am Waldrand waren die braunen Aecker, seine Aecker! Der Frühling kommt ins Land. Sie wollen gepflügt und bestellt werden. Sie wollen blühen und Früchte tragen. Wie sollte er das schaffen ohne Gerät, ohne Pferd. Warum schlug ihn das Schicksal, strafte ihn Gott? Doch die sechs hung- rügen Mäuler, die daheim um den blank gescheuerten Tisch sitzen, wollen gestopft werden. Wie sollte er zu einem Anfang kommen ohne Geld. Die zwei starken gesunden Arme, die jetzt schlaff an seinem Körper herunterhängen, ja, die konnten schaffen. Aber er sah keinen Weg, ihnen Betätigung zu geben, sah keinen Anfang. Er wollte sich ja mühen von früh bis spät, alle Mühe würde aber vergeblich sein, wenn er nicht die Mittel hatte, ein Pferd zu kaufen und den Samen für die Erde.
Die reichen Bauern im Dorf mit ihren breiten Höfen und Sattsein, ja die, die hätten ihm helfen können. Sie hatten reichlich, aber sie saßen bei Tag und Nacht auf ihren Geldtruhen und meinten, daß er, Andreas Becker, ihnen seine Aecker verkaufen sollte, weil er ja doch nicht mehr anfangen könne. Er könnte ja bei ihnen als Taglöhner antreten, da hätte er ein sorgenfreies Leben für sich, die Frau und die Kinder. Sie spekulierten auf seine Fewer, weil er mit seiner kleinen Wirtschaft nicht mehr in den Kreis der großen Bauern paßte. Die Bauernwirtschaften des Core 11,3 Frieder und des Michel Berthold hatten sie auf ähnliche Weise schon eingesteckt. Der Frieder war kurze Zeit darauf in den Wald gegangen und hatte seinem Leben an einer Fichte ein Ende gemacht, weil er dieses Leben nickt mehr ertragen konnte. Der Michel Bert war tiefsinnig geworden und sprach mit keinem Menschen
zu anderen Zeiten des Jahres.
Dieses Spiel nun, das mit Gewinn oder Verlust von Geld enden konnte, hatte natürlich feine gewissen Regeln, seine Ordnung, die, niemals auf- gezeichnet, sich dennoch in unveränderter Strenge erhielten von Jahr zu Jahr. Ostern brachte jedesmal auch ihre Auferstehung.
Eines Jahres nun legte Melchior, der uns anderen längst über den Kopf gewachsen war, ein seltsam grünes Ei auf die Erde Hin. Es war geformt wie alle andern Eier und auch gefärbt wie jene der grünen Sorte mit einem giftigen Grün, doch es war deutlich größer als ein Hühnerei, und es machte uns, die wir das landläufige Maß sozusagen in Auge und Gefühl hatten, schon durch seine Gestalt unruhig. Die Erklärung Melchiors, daß es eben von einer größeren Henne gelegt worden fei, verminderte unser Unbehagen auch nicht.
Doch es war ein Ei, es war ordnungsgemäß gefärbt, und die Osterzeit erfüllte uns mit eigentümlichem Verlangen. So fügten wir uns denn, daß wir diesem Ei um einen Schritt ferner stehen müßten, denn um feiner Größe willen war es ja leichter zu treffen. Ich fing an, mit meinen Kreuzern nach ihm zu werfen, es waren goldglänzende, neue Münzen, die ersten zwei staken in der Erde, so sorgfältig ich auch gezielt hatte, doch mit den ersten Würfen im Jahre hatte man selten Glück, das dritte Stück würde sicher im Ei stecken bleiben, dann war nach dem herrschenden Gesetz das Ei wohl nicht zu teuer erkauft, aber auch nicht zu billig hin- geaeben, und wer das Ei gewonnen hatte, durfte es andern wieder hinftellen und nährte die Aussicht auf Ausgleich, vielleicht gar Gewinn.
Doch die dritte Münze prallte seitlich von dem Ei ab, die vierte und fünfte nicht anders, die harte Schale nahm sie nicht auf, daß sie zum Zeichen des Sieges darin staken. Nun wußten wir ja aus Er- fahrung, daß Ei nicht Ei wäre, es gab solche, die dem Geldsttick nachgaben wie Butter und andere, die eine spröde, abwehrende Schale besaßen, doch niemals hatten mir es erlebt, daß ein Kreuzer, der senkrecht die grüne Insel im kaffeebraunen Erdreich traf und jedes alltägliche Ei wohl gespalten hätte, kraftlos von ihm abfiel. So verlor ich von einer heftigen Begier angeeifert, nacheinander meinen sechsten, siebenten und achten Kreuzer, jeder von ihnen traf das Ei vergeblich, ich enträtselte mein Mißgeschick auch nicht mit den klugen Lehren dieser Kunst, die durchaus nickt brotlos war, denn es ging
Wegen versuchten Versicherungsbetrugs verurteilt.
Darmstadt, 28.März. (Lpd.) Nach zwettagb ger Verhandlung wurde heute vor der Strafkammer ein Verfahren wegen versuchten Versicherungsbetrugs gegen den Offenbacher Fs- britanten Gustav Werner und den Treuhänder Johann Wilhelm Matthes aus Darmstadt beendet. Im Zusammenhang mit einem Brand in der Fabrik des ersten Angeklagten hatte dieser an die Versicherungsgesellschaft eine Schadenersatzforderung von 35 000 Mark, die von dem zweiten Angeklagten aufgestellt worden war, gestellt. Später stellte sich dann heraus, daß der Schaden kaum ein Viertel der geforderten Summe ausmachte. Nach eingehender Zugenvemehmung wurde W. zu acht Monaten, M. zu sechs Monaten (Seif ä n g n i s verurteilt.
mehr ein Wort. Nein, diese Wege durfte er nicht gehen, sie führten in den Tod oder in den Abgrund. Was sollte aus den Kindern werden, wenn er das ererbte Gut wegwarf wie eine schlechte Kartoffel. Er mußte leben, mußte einen Anfang finden, das war er seinen Vätern und Kindern schuldig.
Heber das Dorf, die Felder und Wälder hing die frühe Nacht ihre dunklen Schleier. Langsamen Schrittes stieg Andreas Becker von der Höhe dem Dorfe zu. Um Mitternacht brannte das Osterfeuer und leuchtete weit ins heimatliche Land. Die Fröhlichkeit der Menschen drang bis ins Dorf.
Andreas Becker saß indessen am Tisch der Väter beim kargen Lampenlicht und suchte Trost in dem alten, abgegriffenen Bibelbuch. Doch Gottes Wort sprach ihm nicht Trost. Da schlug er das Bibelbuch zu, stützte den Kopf in die ^erarbeiteten Hände und grübelte. Dann nahm er das Buch wieder zur Hand, schlug es auf und blätterte in der Chronik des Hauses, die vor das Wort Gottes geheftet war. Und als er las in den alten Schriftzügen:
„Am zwanzigsten Fe-bruar im Jahre des Herrn 1792 brannte der Hof vollständig darnieder. Geringe Habe nur vermochten wir den Flammen zu entreißen, darunter dich, mein treues Bibelbuch. Du lehrtest mich, den Bauern Daniel Johannes Becker, nicht zu verzweifeln. Dein Wort gab mir Kraft und Stärke, den Hof wieder aufzubauen. Herr, du schlugst mich und die Meinen, aber du segnetest mich auch. Am vierundzwanzigsten Februar desselbigen Jahres starb Hanna Maria, mein treues Weib am Fieber. Am ersten März ging ich daran mit meinen zween Söhnen Traugott Benjamin und Gotthels August den Hof wieder aufzubauen und die Felder mit eigener Kraft wieder zu bestellen. Der Glaube, der Berge versetzen kann, wie in diesem Buche geschrieben steht, hat uns geholfen am frühen Morgen, wenn wir unser schweres und hartes Tagewerk begannen und zur Mitternacht, wenn wir cküde das Werkzeug beifeiie legten. Zu Johannis stand der Hof, stattlicher als früher---"
Das hat der Ahn gekonnt? Andreas, Andreas, und du willst verzweifeln und hast vier Söhne, die schon mitschaffen können? Schamröte stieg ihm ins Gesicht. Der Glaube hat uns geholfen! Der Glaube! schreibt der Ahn! Er stand auf, reckte sich und sprach laut: „Er soll auch mir helfen! Aus eigener Kraft! Ich werde es schaffen, ich muß es schaffen. Herr, du schlugst, aber du wirst auch segnen. Segne auch mein Beginnen!"
Das Osterfeuer auf der Höhe war verlöscht. Im dämmernden Frühlicht noch vor Sonnenaufgang, sah man einen Mann aufrecht, rüstigen Schrittes, leuchtenden Auges um die schlafenden Felder schreiten. Vom Dorf herüber jubelten die Osterglocken: Christ ist erstanden. Als die Sonne über den Wald stieg und die weite Landschaft in flutendes Licht tauchte, war es, als fei alles neu geworden.
Am Dienstag nach dem Osterfeste setzte Andreas Becker, ein ganz anderer geworden, mit einem Lied auf tzen Lippen auf feinem kleinen Hof den ersten Stein auf den anderen.
Dosier. Und nun stürzt sie auch zur Barre vor: „Herr Richter, ich will den Anzug bezahlen! Ich will den Anzug kaufen! Bloß der Herr da soll sich hier nicht ausziehen! Bitt schön, Herr Kaufmann, was soll der Anzug kosten?"
Und nun beginnt mitten im Gerichtssaal ein wildes Handeln und Feilschen. 90 Pengö! — Nein 50! — 80! — 55 höchstens! — Also sagen wir 70! — Nein, mehr als 56 Pengö habe ich nicht! — Na gut, tagen wir 60! ... Für 56 Pengö ersteht die empfind- tarne Dame den gestohlenen Anzug. — Der Kaufmann bekommt sein Geld, der Angeklagte bekommt Bewährungsfrist und der Gerichtshof bekommt das ~ ~ ~ " Ä— f- der
schwarz, den Kopf bedeckt mit der arabischen Keffije, einen langen Seidenschal um die Schultern, ein alter Sudanese, wohl 80 Jahre alt. In der eineu Hand hielt er einen Stock, auf den er sich stützte, mit der anderen hatte er einen großen Briefumschlag, dick mit Papieren gefüllt, umkrampft. Auf die Frage eines Gerichtsbeamten, was er denn wünsche, antwortete er mit hoher, kaum vernehm- kicher Stimme: „Ich muß den Staatsanwalt sprechen".
Vergeblich suchte man ihm klarzumachen, daß es nicht anginge, ohne ausreichende Gründe den Staatsanwalt zu behelligen. Der Alte ließ sich nicht abweisen, gab sich schließlich aber doch damit zufrieden, seine Sorgen einem Staatsanwaltsoertreter vorzutragen. „Ich bin", begann er, „der Fürst Mohamed Machmud, Enkel des Königs von Darfur, Erbe des verstorbenen sudanesischen Sultans Al, Dinar, des Sohnes des Fürsten Sakaria, der der Sohn des Sultans Mohamed Abul Fadel war. Ich verlange, daß die Staatsanwaltschaft mir meinen Thron roicbergibt und mir auch meine Besitzungen wieder verschafft, die das Ministerium für Vermal- tung des Kirchenbesitzes unrechtmäßigerweise an sich gerissen hat." — Der Alte erklärte ferner, daß er im Hedschas gewohnt habe, zur Zeit des Sultans Hüssein aber nach Aegypten gekommen sei und mit dem Sultan bezüglich seiner Klage in Unterhandlungen getreten sei. Sultan Hüssein habe ihm zu- nächst eine monatliche Rente ausgesetzt, die aber später vom Ministerium für die Verwaltung des Kirchenbesitzes wieder gestrichen worden sei.
Der Staatsanwaltsvertreter versuchte, den Alten zu trösten, konnte ihm aber schließlich nicht ver. heimlichen, daß wohl in dieser Sache nichts getan werden könne. Der Alte gab sich nicht damit zufrieden und kündigte an, er werde jetzt Klage erheben, um den Thron seiner Väter wiederzuerobern.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Ter Gäbel auf dem Kirchturm.
(a) Arnsterdarn.
„Augenschein überzeugt", dachte wohl jene Frak- tion der Gemeindevertretung im Dorfe Oosterbierum in Holländisch-Friesland, die kürzlich im Dorfparlamente die Absetzung des Dorfpolizisten wegen Unzuverlässigkeit im Dienste verlangte. Der Dorfpolizist versieht, wie das in allen kleinen holländischen Dörfern der Fall ist, auch den Dienst als Nachtwächter, mid die Interpellanten in der Gemeindevertretung begründeten ihre Forderung eben damit, der Herr „veldwachter" benutze wie alle anderen Mitmenschen die Nacht dazu, zu schlafen, statt über die Sicherheit des Dorfes zu wachen. Der Antrag wurde von der Versammlung übrigens mit großer Mehrheit abgelehnt
Daraufhin erlebten die guten Dofteerbierumer am nächsten Morgen ein höchst seltsames Schauspiel: als sie sich am frühen Morgen zu ihrem Tagewerk anschicken wollten, entdeckten sie hoch oben am Turm ihrer Dorfkirche, an einem Fahnenhalter befestigt, weithin und allen Augen sichtbar, den Säbel ihres Herrn Dorfpolizisten.
Seine Gegner hatten, da ihr Antrag nicht durch- gedrungen war, ihm kurzerhand den bündigsten und überzeugendsten Beweis folgen lassen. Dem auch in der Nackt nach der Abstimmung in einem Dor« Eingang selig entschlummerten Nachtwächter hatten sie heimlich das Sckwert abgeschnallt und als „Beweis mangelnden Diensteifers" auf der Kirchtums- spitze ausgehängt.
Danach allerdings blieb dem Gemeindevorstand nicht anderes übrig, als sich nach einem anderen ^veldwachter" umzusehen.
Familie Smith erobert England.
(—) London.
Mas die Schmidts in Deutschland, das sind die Smiths m England. Sie sind die Familie, die die Welk eines Tages erobern muß, wenn nicht alles täuscht. Und das ist der Traum des ältesten Smith.
Noch ist es nicht so weit, wenn auch der Generaldirektor des statistischen Amtes in London, ein Mr. Vivian. bedenklich das Haupt scküttelt. Heute gibt es in England schon über eine halbe Million Smiths. Und die Zahl ist in dauerndem Anwachsen begriffen. Dabei ist die Familie außerdem eine der ältesten der englischen Genealogie, denn ihre Herkunft kann bis in die Tage wehrhafter Ritter zu- rückverfolgt werden.
Wer im 12. oder 13. Jahrhundert irgend etwas mit Metall zu hin hatte, mochte er nun Eilen ober Kupfer zu Nägeln oder Rüstungen verarbeiten — den nannte man Silnerschmith ober Golbsmith ober so. Später fiel das Silber fort unb der Smith blieb übrig.
Mer der Erforscher der Smiths in England hat noch etwas ermittelt: Sie vermehren sich offenbar hi größerem Maße als andere Familien. Denn so wett er umfragte, gab es immer in der Verwandt- frfxift rund 30 bis 40 Neffen unb Enkel, bie alle bereit waren, dem Namen Smith zu einer noch weiteren Verbreitung zu verhelfen. Es fehlte nur noch, daß bie Smiths in England eine Partei gründeten. Dann wäre alles in Ordnung. Die Eroberung Der Welt könnte unverzüglich beginnen ...
Arm gelebt und reich gestorben.
t _ (—) Liverpool.
Gerade in England scheint die Zahl derer, die sich für arm ausgeben unb reich sterben, von Tag zu Tag zu waschen. Man findet Frauen und Männer in traurigften Verhältnissen tot aus. Unb wenn man
Geheimnis im Morgengrauen.
(bi) Rom.
Als Antonio Cvsidetto, ein Arbeiter aus Faenza, in diesen Tagen am frühen Morgen, als noch die Dämmerung über der Stadt lag, zur Arbeit ging, erblickte er vor den Stadttoren auf einem Gartenstück zwei Frauen, schwarz gekleidet, deren geheim- volles Gebahren Argwohn in ihm erregte: Die beiden schaufelten schweigend eine Grube, richteten sie sorgfältig aus, nahmen dann eine hölzerne Kiste, die fast die Form eines Sarges hatte, un6 senkten diese in die Grube hinab. Darauf schaufelten sie die Erde wieder in die Grube, glätteten mit aller Vorsicht die Oberfläche und gingen ernsten Blickes der Stadt zu.
Antonio Cosidetto hatte dem schweigend zugesehen, bis es ihm plötzlich wie eine Erleuchtung kam: Hier war etwas Entsetzliches geschehen, ein Verbrechen — ein Kindsmord gar!! Und er raste zur Stadt und alarmierte die Polizei. Die begab sich sofort in seiner Begleitung zu dem Ort des vermuteten Delikts, grub dort die hölzerne Kiste aus — ja, zweifellos, es war ein Kindersarg — und transportierten ihn in das Leichenhaus der Stadt, wo schon die Kunde von dem furchtbaren Verbrechen einer entmenschten Mutter von Nachbarip zu Nachbarin lief.
Das Gericht erschien, der Kreisarzt kam, der Protokollschreiber war zugegen, und so schritt man zur Oeffnung des Sarges. — Unter dem Holzdeckel erschien ein Zinksarg. Man öffnete auch ihn, sah, daß er ringsherum mit feinster Seide behutsam ausgeschlagen war, entfernte auch diese sorgfältig, und fand, feierlich aufgebahrt, — eine tote Katze.
Das Geheimnis löste sich schnell: eine alte Jungfer hatte ihren Lieblingskater verloren und ihn in ihrem Garten bestattet, um recht oft in seiner Nähe weilen zu können.
„Gib mir meinen Thwn zurück!"
(h.) Kairo.
In den Vorsaal der Staatsanwaltschaft von Kairo trat ein Mann, groß, mit langem Bart, hager unb
Weisse und gesunde Zähne
60 Jahre Reichsbahndireküon Frankfurt a. K
Kirchliche Nachrichten
Oberheffen
Evangelische Gemeinden.
1. Osterfeiertag, den 1. April.
— Virklar. 13.30: Pfr. Draudt. — Langsdorf. 11: Festgottesdienst; Mädchenchor; Kollekte; 14: Vorstellung der Konfirmanden. — Veilenhausen. 9: Festgottesdienst; anschließend Abendmahlsfeier; Kol-
verfügt.
Der Volkstag der Inneren Mission gibt der
Hanau eröffnet.
rnil Abschluß der Treuordnung der preußischen
Staats- und Privatbahnen am 1. April 1895 . vollen Mitaroeir auer erreichte die Lisenbahndirektlon Frankfurt ihre I Bezirkes zu verdanken.
Draudt. — Langsdorf. 10.30: Konfirmationsfeier;
Kollekte. — Bettenhausen. 9: Konfirmationsfeier; Kollekte.
größte Ausdehnung: sie war mit rund 1670 Kilometer Streckenlänge die größte der sieben Eisenbahndirektionen der Preußischen Staats-
bis 13 Uhr.
Sanitätskolonne: Telefon 2500.
ständnisvollen Mitarbeit des zuständigen Gießener Forstamts und der Bürgermeisterei Rödgen die Schutzeinrichtungen bedeutend verstärkt worden. Es wird eine ständige Beaufsichtigung durch beamtete und freiwillige Helfer eingerichtet und rücksichtslos gegen jeden Schädling und Frevler vorgegangen werden.
Wird Gießen bzw. Wiese ck Zurückbleiben wollen und nicht an einen besseren Schutz des Hangelst eins denken? Möchte Lollar den LoÜarer Kopf verlieren? H. S.
Arbeitsbeschaffung einer oberhessischen
Brauerei.
Lich, 29. März. Die Brauerei Ihring- Melchior in Butzbach-Lich hat sich entschlossen in diesem Jahr unter Bereitstellung von 100 000 RM. einen Mälzereianbau auszufuhren, dessen Vorarbeiten bereits begonnen worden sind. Die Firma will in erstere Linie Gerste der hessischen Bauern zu Malz verarbeiten. Weiterhin hat die Firma, um ihre soziale Gesinnung zu bekunden, der Pensionskasse ihrer Arbeiter und Angestellten einen Betrag von 20 000 Mk. überwiesen.
Laudtreis Gietzen.
Der Wiederaufbau des Eisenbahnwesens aus dem Zusammenbruch der Kriegs- und Nachkriegsjahre stellte auch an das Personal der Reichsbahnmrek- tion Frankfurt hohe Ansprüche. Daß es gelungen ist, den Frankfurter Bezirk in verhältnismäßig kur- zer Zeit wieder zu einem gesunden und gleichwertigen Glied der Deutschen Reichsbahn zu machen, ist in erster Linie der opferwilligen und entsagungs- - vollen Mitarbeit aller Beamten und Arbeiter des H.
Lenz. — Petruskapelle. 9.30: Pfr. Trapp. — Saal der Neuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Jo- hannesgemeinde; Pfr. Ausfeld. — Wiefeck. 9.30: Hauptgottesdienst; Gemischter Chor; Kollekte; 10.45: Kinderkirche; 13.30: Beichte zum Konfirmationsabendmahl; Kollekte. — Allen-Vuseck. 10: Festgottesdienst: Kollekte; 13: Beichte.— Grohen-Vufeck. 10.30: Gottesdienst; Gesangverein Heiterkeit-Sängerkranz; Kollekte: anschließend Beichte und hl. Abendmahl.— Oppenrod. 8.30: Gottesdienst; Kollekte. — Steinbach 10: Gottesdienst; Kirchenchor; Kollekte; 2: Beichtgottesdienst. — Albach. 12.30: Gottesdienst; Kollekte; anschließend Beichte. — heuchelhrim. 10: Hauptgottesdienst unter Mitwirkung des Kirchen- chors; Kollekte für das Krüppelheim in Nieder- Ramstadt und die Wiederherstellung der Kirche zu Güttersbach; anschließend Beichte und Abendmahl für die 50- bis 60jährigen; 13: Kindergottesdienst für die vier obersten Jahrgänge. — Kirchberg. 10; 11: hl. Abendmahl für die alten Gemeindeglieder von Staufenberg; Kollekte. — Mainzlar. 13.30: hl. Abendmahl für die alten Gemeindeglieder von Mainzlar. — Treis a.d. Lda. 10: Hauptgottesdienst mit hl. Abendmahl; Beichte vorher; 13.30: Beichte für das Konfirmationsabendmahl. — Klein-Linden. 9- Gottesdienst; 13.30: Mittagsgottesdienst. — Watzenborn-Steinberg. 10: Hauptgottesdienst: Posaunenchor, Kirchenchor; 11: Kinderkirche; 14: Beichte zum Konfirmationsabendmahl. — Garbenteich. 13: Gottesdienst; Mitwirkung des Gesangvereins Viktoria. — Haufen. 10.30: Gottesdienst; Mitwirkung des Frauenchors. — Lich. 6: Stiftspfarrer Draudt; Posaunenchor; Kollekte; 9.30: Stiftsdechant
bahnen.
Anfangs der 70er Jahre entschloß man sich, einen großzügigen Entwurf für die Umgestaltung der Frankfurter Bahnanlagen aufzustellen, der für alle einmündenden Linien einen gemeinichaftlichen Per- onen- und Güterbahnhof vorsehen sollte. Mit dem Bau wurde im Jahre 1880 begonnen. Die Eroft- nung der neuen Bahnanlagen des F r a n k s u r - ter Hauptbahnhofes fand am 18. August 1888 statt. Die gesamten Baukosten beliefen sich aus rund 35 Millionen Mark.
Die starke Derkehrsentwicklung der Jahre lovu bis 1910 hatte sich auf dem Frankfurter Hauptbahnhof besonders nachteilig fühlbar gemacht.
Die Zahl der im Tagesdurchschnitt ein- und ausgehenden Züge, die bei der Eröffnung des Vahnhofs im Jahre 1888 etwa 190 betrug, erhöhte sich bis zum Jahre 1905 auf 440, bis zum
Jahre 1912 auf rund 600.
Während im Jahre 1888 sämtliche Züge in Frankfurt endeten oder begannen, war die Zahl der unmittelbar aus andere Strecken übergehenden Zuge immer größer geworden. Die durchgehenden Zuge waren so lang, daß sie mit ihren Enden in den Weichenstraßen hielten und nur unter großen Schwierigkeiten abqefertigt werden konnten. UJtoit sah sich daher im Jahre 1905 genötigt, an eine Erweiterung des Bahnhofs heranzugehen, die in den Jahren 1912 bis 1924 ausgeführt wurde. Durch diese Erweiterung steht
der Hauptbahnhof Frankfurt a. 7N. mit seinen 24 Vahnsteiggleisen heute an dritter Stelle hinter den Vahnhöfen Leipzig mit 26 und München mit 36 Vahnsteiggleisen.
Veränderungen in den oberhessischen Kreisämtern.
Nach einer Bekanntmachung des Personalamts der Hessischen Staatsregierung wurden versetzt: der Regierungsrat bei dem Kreisamt in Alsfeld, Waller Strack, in die Stelle eines Regierungs- rats bei dem Kreisamt Bingen; der Oberassistent bei dem Kreisamt Schotten, Karl Wilhelm P f e i l, in die Stelle eines Oberassistenten bei dem Kreis- amt Alsfeld; der Verwaltungsoberfekretar bei dem Kreisamt Bingen, Wilhelm S ch e l d , in die Stelle eines Verwaltungsobersekretärs bei dem Kreisamt Gießen; die Derwaltungsfekretärin bei dem Kreisamt Gießen, Paula Horn, in die Stelle einer Verwaltungssekretärin bei dem Kreisamt Friedberg.
Landespropagandaleiter Müller-Scheid in Bad-Nauheim.
LPD. Bad-Nauheim, 29. März. Am Mittwoch weilte der Leiter der Landesstelle Hessen- Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklarung und Propaganda Müller-Scheid in unserer Stadt. Er besichtigte unter Teilnahme des Kreis- leiters Seipel (M. d. R.), des hiesigen Ortsgruppenleiters, sowie von Vertretern der Stadt bie Baustellen des neuen Krankenhauses und des Sport- und Festplatzes. Demnächst dürfte eine Besichtigung durch Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger folgen. ,
Ködgeri, eine vorbildliche Gemeinde.
Von berufener Seite wird uns geschrieben: Die Rödgener Wiesen sind berühmt Die Rod- E°r sind audh stolz auf ihre Wiesen. Memel §ßäd)ter dieser Wiesen muß es in Rodgen gegeben haben die nun in ihrer heimatlichen Erde ausruhen'? Sonst wären diese Schatze nicht mehr da. Die Nachkommen biefer Leute, die beute ßebcnben, sind sich durchaus bewußt, daß sie ein Kleinod zu betreuen haben. Mit der »ngabe, die dem Erd gebundenen eignet, unterziehen sie sich der Aus aabe erhalten zu helfen, was Di e -ö o r Fahr en gepflegt haben. Man muß nur einmal mit diesen prächtigen Menschen ihre Feldmar
Die nationale Revolution hat durch ihre Taten binnen Jahresfrist ein neues Deutschland geschaffen. Sie hat als größtes Werk unter der starken Hand des Führers dem deutschen Volke die so notwendige Einigkeit gegeben. Neue Gesetze beseitigten alte Hemmungen. In die erstarrte Wirtschaft brachten die Maßnahmen der Reichsregierung neues Leben. Auch den Berufsständen wurden neue Aufgaben zu-
Lpd. F r a n k f u r t a. M., 29. März. Obwohl Me Stadt Frankfurt durch ihre günstige geographische Lage und durch ihre Bedeutung als wichtige Handelsstadt seit den Anfängen des Eisenbahnwesens ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt war, kann die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. am 1. April d. I. erst auf ein 60jährig e s Bestehen zurückblicken. Die frühere politische Zerrissenheit des rhein-mainischen Gebietes hatte auch eine völlige Zersplitterung des Eisenbahnwesens im Gefolge. Jeder Staat baute seine Limen nach den eigenen Bedürfnissen, ohne die großen Gesichtspunkte des allgemeinen Verkehrs zu beachten.
Erst bie Einverleibung von kurhesfen, Tlaffau, und Frankfurt gab Preußen die Möglichkeit, bie Derkehrsprobleme im rheinmainifchen Wirtschaftsgebiet nach einheitlichen Gesichtspunkten zu lösen.
So entsprach die Einrichtung der Eisenbahn- Direktion Frankfurt, die am 1. April 1874 entstand, einem dringenden Bedürfnis. Die älteste Bahn des bei der Gründung der Eisenbahndirektion vorhandenen Netzes war die sog. Taunusbahn zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Neben der Taunusbahn endete in Frankfurt von Süden her die Main —Neckar-Bahn. Die dritte Bahnlinie war die M a i n — W e s e r - B a h n, die über Friedberg — Nauheim—Gießen—Marburg — Gun- tershausen nach Kassel führte. Zu erwähnen sind dann noch die Homburger Bahn und bie Cronber- ger Bahn.
Die Main—Weser-Bahn, die Taunus-Bahn und die Main—Neckar-Bahn endeten in drei Einzelbahnhöfen, den sog. Westbahnhöfen. Ohne Zusammenhang mit den Weftbahnhöfen lag im Osten der Stadt der Ostbahnhof, der die in den 40er Jahren gebaute Bahnlinie über Hanau nach Aschaffenburg aufnahm. Soweit war der Ausbau des Bahnnetzes gediehen, als die Eisenbahndirektion Frankfurt ihre Tätigkeit begann. Bereits in den ersten Jahren ihres Bestehens erfuhren die Bahnanlagen südlich des Mains eine wesentliche Umgestaltung. 1875 wurde die neue Linie Frankfurt—Offenbach—
EPH. Durch Verordnung vom 26. Februar haben die Herren Reichsarbeitsminister und Reichsminister des Innern für das Reichsgebiet und dementsprechend das Hessische Staatsministerium unter dem 14. März für das ganze hessische Staatsgebiet die Genehmigung erteilt, daß der hessische Landesverein der Inneren Mission und alle ihm anaeschlossenen hessischen Vereine, Anstalten und Einrichtungen zu- gunften ihrer Ausgaben eine Haus- und Straßensammlung veranstalten. Die Straßensammlungen dürfen am 14. und 15. April und die Haussamm- lungen in der Zeit vom 14. bis einschließlich > 20. April stattfinden.
> Der Herr Reichsbrschof hat ungeordnet, baß die
Kahn; Kirchenchor; Kollekte; 11: Kindergottesdienst. Kirchenbehärben und Gemeinden, insbesondere die — TUeber-Beffingen. 10: Pfr. Draudt; Abendmahl, kirchlichen Gemeindekörperschaften die Sammlung — — ~ " ---------- "des Volkstages der Inneren Mission durch rege
Mitarbeit (Stellung freiwilliger Helfer u. a.) unterstützen. Ein gleiches hat der Herr Landesbischof
gewiesen. 1
Das Handwerk hat sich schon immer du einer i berufsständisch geordneten Wirt- ; schäft bekannt die dem einzelnen die notwendige I Freiheit läßt, der nur dort Grenzen gezogen wer- s den, wo es des Volkes Wohl erfordert. In diesem : Sinne hat das Handwerk auch festgehalten an seinen . überlieferten organisatorischen Einrichtungen, bie zum Teil in lückenloser Reihenfolge auf Jahrhunderte zurückschauen. Das beweist u. a. ber Umftanb, daß bie Zahl ber Innungen mit 10802 im Jahre 1907 auf 17 720 im Jahre 1932 gestiegen ist. Diese Zunahme hat auch in ben Folgejahren angehallen, so baß zur Zeit ber Bestand ber Innungen mit etwa 19 000 angegeben werben kann.
Den Dank bes Hanbwerks hat sich die Reichs- regierung durch das Gesetz über ben vorläufigen Aufbau bes deutschen Hand- Werks vom 29. November 1933 erworben, bas, einen alten Wunsch bes Berufsstandes erfüllend, nunmehr die Einführung allgemeiner Pflichtinnungen festlegt, Mit deren Errichtung in Kürze zu rechnen ist. Im nationalsozialistischen Sinne kann es nur liegen, wenn ganz allgemein dieses Gesetz für bie Organisation des Handwerks das Führerprinzip bestimmt. Allerdings kann das Gesetz allein dem Handwerk wenig helfen, wenn nicht das Handwerk selbst in eigener Opferbereitschaft und selbstloser Mitarbeit dem gesetzlichen Rahmen den lebendigen Inhalt gibt. Und so scheint mir die wichtigste und primärste Aufgabe für die Innungen die zu fein, ihre Mitglieder im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen. Eine solche Erziehung die das Handwerk mit nationalem und sozialem Geist erfüllt, schließt eigentlich von selbst alle weitere Folgerungen in sich.
Stand im Mittelpunkt der liberalistischen Wirtschaftsführung das herrschende Kapital und in feiner Gefolgschaft die s chrankenlofe Konkurrenz bzw. die Ausbeutung der Mitarbeiter, so stellt die nationalsozialistische Wirtschaftsauffassung bewußt den Menschen und sein Können in ben Vordergrund. Gewiß sollen sich in ben hanbwerklichen Betriebsstätten alle Hände regen im munteren Bund, aber die Einstellung des Betriebsführers zur Gefolgschaft muß von einer tiefgründigen sozialen Gesinnung getragen werden. Eine neue Sozialmoral muß im Handwerk ihren Einzug halten. Von ihr muß ergriffen werden die Regelung aller Lohn- und Arbeitsverhältnisse ber Gesellen und Lehrlinge. Es muß eben jener Geist herrschen, den auch das Gesetz zur Ordnung ber nationalen Arbeit kennt. Von derselben Gesinnung muß auch die Zusammenarbeit mit den Fachschaften der Deutschen Arbeitsfront und mit den einzelnen Gesellen und Lehrlingen getragen werden wenn es gilt, mit etwa noch vorhandenen Mißständen im Kost- und Logiswesen aufzuräumen. Vor den neu zu bildenden Schiedsgerichten der Innungen haben Meister und Gesellen sowie Lehrlinge ihr Recht zu finden, wenn einmal Streitigkeiten, die das tägliche Leben immer mit sich bringt, ihrer Bereinigung und Erledigung zuzuführen sind. Grundsätzlich muß es die ganze handwerkliche Familie fein — Meister, Gesellen und Lehrlinge —, die der Geist des Nationalsozialismus als einigen-
buS»M
w-nLig. Erst mit d°r B°rstM«rung undCnwur- zelung der Menschen wurde er notlg. Der Stadter weiß ja nicht, daß man nur ernten kann, wenn man gesät hat. Er nimmt, was er findet. D e Ichsucht wird eine hervorstechende EigensSMe Id wie sie der Bauer trotz allen Wirk ichketts- uri) Erwerbssinns traditionsgemäß pflegt ^winden bei der Masse. Ein trauriges Ergebnis svö^ldemokrati scher Erziehung. Nur der Eigennutz triumphiert
Daher mußten einschneidende Maßnahmen er griffen werden, um das Erbgut d er 25 a ter zu retten. Das Vorjahr hat gezeigt, daß der Schutz unzureichend war. Deshalb sind dank der ver
Heue Aufgaben für das deutsche Handwerk
Don Reichchandwerksführer Präsident W. G. Schmidt, MdR, Wiesbaden.
Montag, den 2. April. Ostermontag.
Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt; 11: Messe; 14.30: Festandacht. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt; Erstkommunion und Entlassungsfeier; 14: Festandacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt.
Dienstag, den 3. April.
Lich. 8 Uhr: Dankamt ber Erstkommunikanten.
Der Volkstag der Inneren Mission.
Ostersonntag: Aerzte: Frau Dr.Marx, Dr. W. Klein. Zahnarzt: Dr. Kockerbeck. Apotheke: Pelikanapotheke.
Ostermontag: Aerzte: Frl. D. Gürtler, Dr. Malech. Zahnarzt: Dr. Wertheim. Apotheke: Hirschapotheke.
bes Bond und als zusammengehörende unb durch . nichts zu trennende Glieder umschließt. Eine solche ; Sozialmoral verbindet zugleich bie Pflege bes Ge- , meingeiftes unb ber Stcmbesehre mit ber Fürsorge für Gesellen unb Lehrlinge. .
Aus fachlich-beruflichem Gebiet möchte ich in erster Linie auf die Regelung bes Lehr- lingswesens eingehen. Wer als Lehrmeister einen Lehrling einstellt, übernimmt in erster Linie mit bie große Pflicht, junge Menschen in allgemeiner Hinsicht zu brauchbaren Mitgliebern ber menschlichen Gesellschaft zu erziehen und sie in ben Handfertigkeiten und Fachkenntnissen bes Berufszweiges richtig zu unterweisen. So sicher Lehrjahre keine Herrenjahre sind, so hat doch die notwendige Ausbildung seitens des Meisters mit liebevoller Sorgfalt zu erfolgen. Die Mühewaltung, die ein Lehrling seine Lehrzeit hindurch erfordert, darf keinen Meister verdrießen, Lehrlinge einzustellen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind. Gerade jetzt, wo die Reichsregierung mit allen Mitteln einen neuen Generalangriff gegen die Arbeitslosigkeit unternommen hat, gilt es auch in dieser Hinsicht, die Maßnahmen ber Reichsregieruna zu unterstützen. Besonbere Lehrlingspfleger haben in ben Innungen bie Ausbilbung ber Lehrlinge zu überwachen. Die Erziehung ber Lehrlinge im nationalsozialistischen Sinne kann sich im übrigen nur im Zusammenwirken mit ber Hitlerjugend vollziehen.
Die Normativbestimmungen für Sehr- vertrüge über Fragen des Kostgeldes, des Urlaubs usw. sind in einem Geiste zu regeln der nicht mehr bie früher vielfach anzutreffende kurzsichtige Auffassung kennt, die glaubte, mit dem Hinweis darauf, daß es früher auch nicht anders gewesen, jeglichen sozialen Fortschritt ablehnen zu sollen. Die Abhaltung von Zwischenprüfungen kann nur empfohlen werden, ebenso die Ausstellung von Lehrlingsarbeiten.
Auch für die Weiterbildung der Gesellen ist in ausreichender Weise zu sorgen. Ich denke hier in erster Linie an die Errichtung und Unterstützung von Fachschulen und an die Forderung durch besondere Fortbild u n g s -- : kurse. Zur Vertiefung des allgemeinen Wissens i unb ber besonderen Fachkenntnisse bleibt ber A u s- : tausch von Gesellen nach bem Ausland, t Erfreulicherweise ist es bem Reichsstand des Deut- . schen Handwerks gelungen, in Zusammenarbeit mit i dem italienischen Handwerk bie Voraussetzungen für einen regelmäßigen Austausch zu schaffen.
Die Lossprechung ber Lehrlinge aus Anlaß der Gesellenprüfung und bie L o s s p r e ° chung der Gese 11en aus Anlaß der Meisterprüfung hat in feierlicher Form vor sich 3" gehen, bedeutet doch die Ablegung ber Gesellen- und Meisterprüfung Im Leben eines jeben Handwerkers einen besonderen Lebensabschnitt, sind sie doch auch die Vorstufen Dafür, um, getragen von ehrlichem Wollen, die notwendigen Voraussetzungen für das spätere Selbständigwerden abzugeben. Die Wiedereinführung einer feierlich gehaltenen Lossprechung scheint mir auch deshalb geboten zu fein, weil sich in keinem Stand die soziale Verbundenheit so erhalten hat wie gerade im Handwerk
Ich habe mich im vorstehenden Aufsatz auf Die wichtigsten Aufgaben für das Handwerk he chrankt. Sie alle ergeben sich aus der nationalsozialistischen Haltung und Gesinnung. Unser Führer Adolf Hitler hat ben Aufbruch eines neuen Reiches vollzogen. In getreuer Gefolgschaft wollen wir alle Dafür sorgen, Daß ein neuer Frühling Im Deutschen Hanbw erk einzieht.
(effC Der Volkstag Der inneren ’JJtqpon gioi oer
2. Dfterfeiertag, den 2. April. Kirche Die bisher nicht bekannte und noch nicht er-
S,°dMrch°. 9.3° Uhr: Pf°rraM-nt B°lz: «EÄÄbSw Pfr. Becker; Vorstellung unb Prüfung der Kovftr- L g Bolksqanzen zu zeigen. Alle, Die sich für sie mit- ™30n:^f^Ä'USoÄo7 bÄÄ fÜiM mÜ,,en b“6 ,k
°«ch°r Sonntag*
und Prüfung der Konfirmanden der Lukasgemeinde, Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden 18- Pfarrassistent Balz. — Kapelle des Allen Fried- Notfällen Telefon 01.
hass 9 30- Pfarrassistent Sucker; 14: Pfr. Lenz; Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Tele- Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden der fon 02. „
Luthergemeinde. — Petruskapelle. 9.30: Pfr. Mül- Hauptpostamt: Beschrankter Schalterdienst [er. — Wiefeck. 9.30: Feier der Konfirmation (erste 8 bis 21 Uhr. , -
Abteilung); im Anschluß Feier des hl. Abendmahls, S t a d t p o st a m t: Für Schließfachabholer T Kollekte. — Alten-Vufeck. 9.30: Konfirmation; Kollekte. — Großen-Vufeck. 10: Konfirmation; Posaunenchor; Kollekte; anschließend Beichte und hl. Abendmahl. — Oppenrod. 8.30: Gottesdienst; Kollekte. — Albach. 8: Konfirmation; Kollekte. —' Steinbach. 10: Konfirmation; Kollekte. — Heuchelheim. 10: Konfirmation; Kollekte für die ausländische Diaspora; anschließend Beichte unb Abendmahl; 13: Kindergottesdienst für die vier untersten Jahrgänge. — Kirchberg. 9.30: Konfirmation; hl. Abendmahl; Kollekte. — Treis a. d. Lda. 10: Konfirmationsfeier mit hl. Abendmahl. (In allen Oster- gottesdiensten Kollekte für Die Mission.) — Klein-Linden. 9: Konfirmation und hl. Abendmahl. — Watzenborn-Steinberg. 9.15: Konfirmation und Feier des hl. Abendmahls; Kollekte. — Garbenteich. 8: Konfirmation. — hausen. 10.30: Konfirmation.
Lich. 9.30: StiftsDechant Kahn; Kollekte; 14: Vorstellung und Prüfung Der KonfirmanDen; Kollekte. — Tlieder-Vefsingen. 8: Pfr. Draudt. — Birklar. 9.30: Konfirmation mit hl. Abendmahl; Pfr.
Stadttirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker; 11: Kinder- katholische Gemeinden,
kirche für irie Markusgemeinde; Pfr. Becker; 18: Samstag ben 3^9J^r3-
Pfarrassistent Balz. — Jo Hannes kirche. 9.30: Pfr. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: 8A Becktolsheimer- 11: Kinberkirche für Die Lukas-1 Sonntag, Den 1. April. Ostersonntag, gemeinde Pfr.Bechtolsheimer; 18: Pfr. Ausfeld; im Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommumon Anschluß Beichte für bie Konfirmanben ber Jo- der Männer und Junglinge, 8:
Hannes- und Militärgemeinde und Deren Angehö- Hochamt mit Predigt; 11: Meße mit Predigt, Ir rigen. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Feierliche Vesper; 16.30 und 19: Beichte. — (0run- ßenr 11* Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Iberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8.. $9^ S.’ - SÄ 9.30: Pfr?T?app. - Saat | amt mit Wt- M «: mit Predigt; 14: Festandacht. — Lich. 7: Kommunion; 10: Hochamt mit Predigt; 14: Vesper. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt.
00 Klein-Linden, 30. März. Im verflossenen Winter wurde an der hiesigen Volks- chule eine Schülerspeisung durchgefuhrt.
Sie begann am 4. Dezember 1933 und endete am 24. März 1934. Gespeist wurden auf allgemeine Kosten 35 Kinder an 84 Taaen. Jedes Kind erhielt 3um Frühstück einen viertel Liter Milch ober Kakao. Im ganzen würben 756 Liter verabreicht. Die Ge- samtkosten belaufen sich auf 153,06 RM., wozu ber hessische Lanbesausschuß für Kinberspelsung vorläufig 56 RM. beigesteuert hat. Die übrigen Kosten würben vorerst von ber Gemeinbe vorgelegt.
® Lich, 30. März. Die Eiersammlung, bie vom Bund deutscher Mädchen h^r vorgenommen wurde, ergab in unserer Stadt 1887 Gier.
-Burkhardsfelden, 30. Marz. Unser Mitbürger Albrecht Schuhmacher wurde zum kommissarischen Beigeordneten unserer Gemeinde bestellt.
Kreis Friedberg.
Iw. Butzbach, 29. März. Vergangene Nacht brach hier in einer schon seit etwa 3ehn Jahren stilliegenden Gerberei Feuer aus. Der Brand konnte glücklicherweise noch rechtzeitig bemerkt werden so daß die zahlreichen dort eng aneinander- grenzenden Häuser vor der Einäscherung bewahrt werden konnten. Die Ursache des Brandes konnte noch nicht geklärt werden.
Sprecbttunvcn der Redaktion.
11.30 bis 1230 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geWoRen.
echte und die falsche ^ovalies Roman von Anny von Panhuys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
5. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Ein Gläschen Tokaier trank sie zuletzt, und der ungewohnte Genuß umnebelte ein bißchen ihre Sinne. Das Bad, das gute Nachtmahl und der Wein hatten ihre Angst beinah verscheucht.
So gut wie hier hatte sie es noch nie gehabt.
Sie gähnte herzhaft und schaltete das Licht aus, ging hinüber in das Schlafzimmer. Sie ließ das Nachttischlämpchen aufleuchten und den Lüster verlöschen, dann legte sie sich ins Bett und zog die dicke Steppdecke über sich. Jetzt mußte auch das kleine Nachttischlämpchen verlöschen, und nun schlief Regina ein, schlief bald schwer und tief.
Keinen einzigen Gedanken an das Abenteuer, in das sie sich gewagt hatte, nahm sie mit hinüber in ihren Schlaf, und der Traumgott kam auf leisen Sohlen und warf ihr einen der unzähligen Träume zu, die er bei seiner allnächtlichen Wanderung mit sich führte. *
Unten, in einem sehr behaglichen Zimmer, hatte sich Edda von Stübnitz zu ihrem Man^e und Doktor Peter Konstantin gesellt. Die drei hatten ein Fläschchen leichten Mosel vor sich stehen und rauchten.
Frau Edda sagte: „Ein größeres Rätsel als Dora- lies Wolfram ist mir noch nicht vorgekommen. So wie ich sie sehe, paßt sie aber auch nicht im entferntesten zu dem Bild, das mir ihr Vater von ihr entworfen hat. Ihr Benehmen ist sehr höflich, ihre klassischen Züge zuweilen fast streng, die Augen haben seelische Tiefe. Es liegt etwas — wie soll ich mich ausdrücken — Verinnerlichtes über ihrem Aussehen und Wesen; ich kann sie mir beim besten Willen nicht auf den höchsten Aesten eines Baumes vorstellen oder das Treppengeländer hinunterrutschend."
Peter Konstantin strich leicht über sein braunes, zurückgebürstetes Haar.
„Die Vorstellung ist einfach unmöglich."
Otto von Stübnitz meinte langsam: „Aber dein Jugendfreund muß seine Tochter doch am besten kennen, und wir, lieber Konstantin, haben wohl mehr als viele andere Gelegenheit, zu beobachten, wie sehr das Aeußere eines Menschen täuschen kann. Ich will Sie nur an einen ganz krassen Fall erinnern: Die dreifache Mörderin, die aussah wie eine hübsche höhere Tochter, die eben erst aus dem Lyzeum entlassen war."
Peter Konstantin neigte zustirümend den Kopf, lächelte: „Jedenfalls bin ich gespannt, was sie hier zuerst anstellt; sowas kann ja ganz amüsant sein."
Frau von Stäbnitz lächelte auch.
„Heute war sie von der Reise und der neuen Umgebung etwas verdattert; dazu gesellte sich Heimweh. Sie scheint sehr an ihrem Zuhause zu hängen. Ihre Augen waren feucht, und ihre Hände zitterten, als ich oben mit ihr sprach, und sie gab zu, Heimweh zu haben. Wenn sie sich erst hier heimisch fühlt, kommt wahrscheinlich ihre wahre Natur wieder zum Durchbruch. Aber sie gefällt mir gut, sie ist mir sympathisch."
Ihr Mann nickte: „Ich sah sie nur flüchtig, aber glaube das unterstreichen zu können."
Man trennte sich. Peter Konstantin wohnte ganz in der Nähe.
Die Nacht verging und der Tag zog herauf. Die alte hohe Standuhr unten in der Halle holte siebenmal zum Schlag aus, da zuckten Reginas Lider, und sie blinzelte, noch etwas schlaftrunken, in das mattgraue Tageslicht, das sich herbstlich-unfreundlich durch die nicht ganz geschlossenen Vorhänge stahl.
Im nächsten Augenblick war sie sich darüber klar, wo sie sich befand, und zugleich legte es sich wie ein Alpdruck auf ihre Brust. Sie schloß wieder die Augen und dachte nach. Was sollte sie tun? Das einfachste wäre es wohl: die volle Wahrheit in einem Briefe zu gestehen und sich auf und davon zu machen. Es würde wohl keiner danach fragen, wo sie geblieben wäre, und Doralies, die Zungengewandte, und nie Verlegene, würde schon alles wieder einrenken. Sie aber befand sich wenigstens in Berlin und konnte ihr Heil versuchen, Arbeit zu finden. Ganz gleich als was. Sie mußte sich doch durchringen. Sie besaß ja außer den dreihundert Mark, die ihr Doralies gegeben hatte und die sie nicht angreifen durfte, wenn sie hier fortging, noch fünfzig Mark. Aber Doralies hatte ihren Koffer mitgenommen; sie konnte sich doch nicht in das große Berlin hineinwagen ohne Sachen. Keine Wirtin würde sie ohne Gepäck aufnehmen.
Die Koffer von Doraljes wollte sie sich nicht aneignen, das wäre ihr wie Diebstahl vorgekommen. Und wie sollte sie auch mit irgendwelchem Gepäck aus dem Hause kommen?
Sie sann und grübelte, sprang schließlich aus dem Bett — das Bad lockte. Erfrischt schlüpfte sie in ihr Kleid, das sie auf der Reise getragen hatte. Ihr bestes Kleid. Blaues Tuch mit blauem Samtschal. Es stand ihr sehr gut. Und als sie sich im Spiegel besah, glitt ein ganz leichtes Lächeln über ihr Gesicht. Sie gefiel sich.
Doch das Lächeln zerrann rasch vor den Selbst- vorwürfen, mit denen sie sich belastete.
„Schämen muß ich mich?" sagte sie laut, gegen das Glas gewandt. Sie überlegte wieder, was sie tun sollte. Eigentlich war sie jetzt machtlos. Das einzige, was ihr zu tun möglich blieb, wäre das, Frau von Stäbnitz die volle Wahrheit zu gestehen.
Sie wollte Mut dazu fassen, nahm sie sich vor. Sie empfand leichten Hunger.
Sie kUngelte. Das Mädchen von tags zuvor erschien bald. Nahm den Wunsch entgegen, erwiderte dann freundlich: „Frau von Stäbnitz bittet, falls das gnädige Fräulein schon fertig und Lust dazu hätte,' zum Frühstück hinunterzukommen."
Regina dachte, da sie fix und fertig angekleidet war, das Mädchen würde das unten wohl sagen. Also mußte sie hinuntergehen. Sie nahm sich vor, nach dem Frühstück Frau von Stäbnitz um eine Unterredung zu bitten, ihr die Wahrheit zu gestehen.
Sie folgte dem Mädchen in das Eßzimmer, rechts von dem hallenartigen Eingang, und fand das Ehepaar schon am Frühstückstische. Doch mußten sich beide eben erst niedergesetzt haben; es war noch kein Kaffee eingeschenkt.
Regina wünschte „Guten Morgen!" Ihre ein wenig tiefe Stimme bebte leicht, kaum wahrnehmbar. Der Gruß wurde freundlich erwidert.
Frau von Stäbnitz bot ihr den Platz zu ihrer Linken an. Ihnen beiden gegenüber saß der berühmte Verteidiger, dessen markante Persönlichkeit eine große Rolle spielte in den meisten Sensationsprozessen, die Interesse erregten weit über die Grenzen Berlins hinaus.
Frau von Stäbnitz goß erst ihrem Manne, dann Regina Kaffee ein, fragte: „Wie hast du geschlafen, Kind! Und vor allem — hast du etwas Nettes geträumt?"
Regina errötete ein wenig, denn eben fiel ihr erst ihr sonderbarer Traum ein.
Sie antwortete: „Ich schlief sehr gut, mein Traum aber war sehr töricht. Ich träumte, ich stand neben einem Herrn, dessen Gesicht sich hinter einer Maske verbarg; er kam mir bekannt vor, und doch wußte ich nicht, wer er war. Er hängte mir ein talar- äynliches Kleidungsstück um, es konnte eine Anwaltsrobe (ein; bann nahm er meine Hand und sagte etwas, was ich nicht verstand, und damit war der Traum auch schon zu Ende."
Sie verschwieg, daß sie der Maskierte geküßt hatte, sie brachte es nicht über ihre Lippen.
Herr von Stäbnitz lächelte ein wenig.
„Ein etwas dunkler Traum, Doralies — nicht wahr?"
Reginas schlechtes Gewissen fand: Es war ein Etwas in den leicht verschleierten Augen des Berühmten, das ihr bedrückend schien.
Herr von Stäbnitz mußte bald fort. Seine Frau aber blieb mit ihr noch am Kaffeetisch zurück, fragte nach Mooshausen; das Interesse für die alte Heimat war wieder da. Es schmeckte Regina trotz allem, und der Kaffee yiachte ihr Denken ganz frisch.
Frau von Stäbnitz war schwarzhaarig und hatte frische Farben, ihre hellbraunen Augen blitzten zuweilen jung und froh. Sie sah auch noch nicht alt aus, war vor allem sehr gepflegt und tadellos gekleidet, schon am frühen Morgen. Regina sagte tapfer „Du" zu ihr, nannte sie mehrmals „Tante Edda". Sie dachte, es würde ja rasch genug zu
Ende fein mit der Vertraulichkeit. Noch aber was es nicht so weit; das Frühstücksstündchen, das anfing, ihr zu gefallen, dehnte sich so angenehm längs aus.
Frau von Stäbnitz meinte: „Heute abend kannst du mich zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung begleiten. Verschiedene bekannte Künstler werden bei der Vorstellung mitwirken. Sie nannte Namen, dir Reginas Augen aufleuchten ließen. Wie hatte sie sich schon immer danach gesehnt, diese Künstler zu sehen und zu hören, deren Namen man in ganz Deutschland kannte und oft auch in anderen Ländern, bis weit drüben über dem Ozean. Erschreckt grübelte sie: am Abend würde sie ja schon hier weg sein, mit Schimpf und Schande fortgejagt; besten» falls hieß man sie, sich rasch und still zu entfernen.
Frau von Stäbnitz sprach eifrig weiter: „Hast du was Hübsches anzuziehen für den Abend? Das Kleid, das du trägst, ist nett, aber es müßte für den Zweck doch eigentlich etwas anderes fein." Sie blickte fragend: „Was hast du mitgebracht, Doralies? Dein Vater bat mich, nötigenfalls hier Anschaffungen für dich zu machen."
„Was ich mitgebracht habe? Ich weiß es nicht genau!" Regina war blaß geworden. Sie hatte keine Ahnung, was für Kleider Doralies in den großen Koffer gepackt hatte. Sie atmete schwer und kämpfte mit sich. Sie wollte nun lieber sofort ihr Bekenntnis ablegen. Schon wollte sie das erste Wort über ihre Lippen zwingen, als es anklopfte. Doktor Peter Konstantin trat ein, küßte der Frau des Hauses die Hand, streckte.Regina die Rechte hin.
„Nun, gut geschlafen, Fräulein Wolfram?"
Sie lächelte höflich. „Jawohl, Herr Doktor, ausgezeichnet."
Sie faß ganz beengt da; sie wußte jetzt, an wen sie der maskierte Herr, der sie in dem seltsamen Traum geküßt, erinnert hatte. An Peter Konstantin, den sie am Abend zuvor zum ersten Male in ihrem Leben gesehen.
Frau von Stäbnitz erhob sich.
„Sie wollen natürlich zu meinem Mann, lieber Doktor. Er ist in seinem Arbeitszimmer. Aber vorher noch eine Frage: Mein Mann hat heute abend keine Zeit; wollen Sie uns Damen nicht in die Wohltätigkeitsveranstaltung begleiten? Ich habe drei Plätze."
Sein Blick hing ein paar Herzschläge lang auf Reginas Gesicht, Dann verneigte er sich.
„Mit dem allergrößten Vergnügen, gnädige Frau."
Frau von Stäbnitz nickte Regina zu: „Komm, Doralies, wir wollen nach oben gehen. Ich werde mir deine Kleider ansehen und schauen, ob etwas Geeignetes für den Abend dabei ist. Will doch Staat machen mit meinem Pflegetöchterchen!"
Regina dachte, das paßt jetzt gut. Oben war man wohl allein und ungestört, oben mußte sie sich die Lüge vom Herzen heruntersprechen.
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Nr. 76 Drittes Blatt
Schutz gestellt wurden, riefen den bischer Kreise hervor. 1883 wurde
Die Führer des AaüonalsoziaWschen deutschen Frontlämpserbundes (Stahlhelm).
das nicht mit Schadenfreude, denn uns kann heute nichts an einem fchwachen mel ta- gegen an einem starken England liegen. I. starker England ist, desto unabhängiger kann es seine Politik von Frankreich machen, und jede von Frankreich unabhängige Macht ist em Gewinn für Deutschland. Für England ist es aber so wenig, wie für Deutschland von Nutzen, sich vor den Tatsachen zu verschließen. Es ist jetzt 36 Jahre her, daß der französische Hauptmann Marchand die -Lijyo- lore, die er in Faschoda, am oberen Nil, gehitzl hatte, niederholen mußte, well England mit Krieg drohte, wenn Frankreich seinen Besitz quer durch Afrika ausdehnen und die Engländer von den
Das Jahr 1934 ist das große koloniale Gedenkjahr, die 50jährige Erinnerung an die Erwerbung unserer afrikanischen Kolonien K a - merun und Togo. Im November 1884 schloß auch Karl Peters seine ersten Verträge mit den Häuptlingen in Ostafrika. Der 119. Geburtstag des Altreichskanzlers, unter dessen Aegide diese gro- zen Schritte in die Welt hinaus getan wurden, läßt die Frage auftauchen: wie stand Bismarck der Kolonialpolitik gegenüber? Die einen haben behauptet, Bismarck habe nicht rechtzeitig zu- qeariffen, die anderen haben sich auf ihn berufen, um eine ablehnende Haltung zum kolonialen Problem überhaupt zu begründen. Das eine ist so falsch, wie das andere. Der Fürst-Reichskanzler war 'ein solcher Politiker, der den zweiten Schritt tun wollte, bevor der erste getan war. Er legte im ganzen Jahrzehnt nach der Reichsgrundung das Hauptgewicht auf die Festigung des neuen Reichsgebäudes. Er brachte es auch fertig, die Oeffentlichkeit lange Zeit in den Glauben zu versetzen, 'als sei ihm die Kolonialfrage gleichgültig, denn er wartete Zeit und Gele 9 en5 heit ab. So hat er einmal am 9. Februar 1871 bei Tisch deutsche Kolonialwerbung mit „seidenen Zobelpelzen in polnischen Adelsfamilien, die kerne Hemden haben" verglichen. Und noch im Frühjahr 1881 wies Bismarck den Grafen Frankenberg darauf hin, daß eine Kolonialpolitik ohne den Rückhalt an einer l e i st u n g s f a h l gen Fla11e ein gefährliches Unternehmen sei: „Wir haben eine Flotte, die nicht fahren kann (es war in der Blütezeit der Aera Stofch) und wir dürfen keine verwundbaren Punkte in fernen Weltteilen haben, die den Franzosen als Beute zufallen, sobald es losgeht." ,
Anfang der 80er Jahre setzte die Rutsche Kolomal- politik ein 1880 brachte es der Reichstag noch fer- tig die Samoa-Vorlage abzulehnen. Die Erwerbungen deutscher Kaufleute, die in ben nächsten Jahren unter deutschen Schutz gestellt wurden riefen den Widerspruch englischer Kreise hervor. 1883 wurde das Gebiet um die jetzige Lüde ritz bucht in Deutsch-Süd-West deutsch. Die englischen Minister Gladstone und Granville protestierten heftig, aber Bismarck trat ihnen geschickt gegenüber und errang einen glänzenden diplomatischen Sieg. Vor nun fünf üa Jahren erhielt Generalkonsul N a ch t i g a l den Auftrag, an der Westküste Afrikas weitere Gebiete unter die Flagge zu stellen. Aber auch jetzt ließ Bismarck alle Vorsicht walten, um die Welt nicht gegen seine Politik aufzubringen. Er sagte em-
Erholungsbedürftige GA-Männer aufs Land.
Ein Aufruf des Reichsnährstandes zur Hitler-Spende 1934-1
Der Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft R. Walther Darre hat folgenden Aufruf erlassen:
100000 SA. - und SS. - Männer konnten im Vorjahre durch die Hitler-Spende der deutschen Bauern für einige Wochen Erholung auf dem Lande finden. Wenn sich hierin schon die starke Verbundenheit der deutschen Bauern mit Adolf Hitlers treuesten Kämpfern gezeigt hat, so dürfen wir erwarten, daß heute die deutschen Bauern und Landwirte dem Führer, der ihnen in dieser kurzen Zeit Hof und Existenz ge- sichert hat, ihre Dankesschuld dadurch beweisen, daß sie auch in diesem Jahre eine noch größere Zahl von kampferprobten SA.- und SS.-Männern für eine oder einige Wochen m ihrem Hause aufnehmen. Geld hat der Bauer nicht, aber wir wollen unseren treuesten Blutsbrüdern und Mitkämpfern aus den Städten Erholung spenden von ihrer schweren Arbeit innerhalb dumpfer, rauchiger Stadtmauern. ,
Bauern und Landwirte! Beweist unserem Führer eure Hilfsbereitschaft. Meldet dem Ortsbauern- / sichrer, wie viele Männer und für welche Zeit ihr in eurem Hause aufnehmen könnt. Die Meldungen werden von den Kreisbauernführern gesammelt und an die Landesbauernführer weitergegeben. Die Verteilung der SA.- und SS.-Männer auf die einzelnen Freistellen wird durch die SA.-Führung geregelt.
^omerunsjReife.
IV.
Oie „Schwarze Macht" in Afrika.
Von Dr. Paul Rohrbach.
Buea, den 4. März 1934.
Zum erstenmal nach über zwanzig Jahren sitze ich wieder hier oben auf der ersten Terrasse des Kamerunberges, wo sich Jesko v. Puttkamer als Gouverneur feinen Regierungssitz baute. Eigentlich hätte die Hauptverwaltung des Schutzgebietes nicht auf den Berg gehört, sondern an die Eingangspforte Duala, und es wurde oft darüber geklagt, daß „aus den Wolken" mit Telephon und Telegraph regiert wurde! Wenn man aber einmal die tausend Meter Höhenunterschied von der Mangrovenküste am Kamerunbecken nach Buea hinter sich hat, so merkt man: es ist tatsächlich ein Unterschied von der Erschlaffung zur Erfrischung. Der Kamerunberg gehört zu den schmalen Landstreifen, den sich die Engländer als ihren Mandatsteil abgetrennt haben. Das ganze übrige Kamerun ist französisches Mandat geworden. Um den Fuß des Berges liegen alle alten deutschen Pflanzungen, die jetzt wieder in den Händen ihrer früheren Eigentümer sind, für gutes deutsches Geld 1924 zurückgekauft. . .. . t
Die Engländer haben in Buea wenig verändert. In Jeskos Palais, um das soviel Aufregung im alten Reichstag war, wohnt der englische Resident, und in den alten deutschen Beamtenhäusern wohnt sein Stab. Die Zedern, die vor 25 Jahren gepflanzt wurden, sind zu großen Bäumen heran- gewachsen, die Mango-Allee wirft wundervollen Schatten, die Rosen und Bougainvillien die „Sterne von Bethlehem" und die „Flammenbäume" (flamboyants) leuchten in ihrer Pracht und fragen nichts danach, ob deutsch oder englisch regiert wird; und statt wie früher' einen kleinen Tagemarsch, braucht man jetzt mit dem Auto eine kleine Stunde, um von Tiko, dem Haupthafen des Pflanzungs-
Zusammenschluß der Milchwirtschaft.
Berlin, 29, März. (DNB.) In einer Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft werden alle bisher auf Grund des § 38 des Reichsmilchgesetzes und des Neichsnährstand- gesetzes erlassenen Verordnungen und Anordnungen aufeineeinheitlichegesetzlicheGrund- l a g e gestellt. In Zukunft werden die Milchner- sorgungsverbände untereinander zu M i l ch- wirtschaftsverbänden zusammengeschlossen, die Milchwirtschaftsverbände wiederum werden zur Deutschen M i l ch w i r t schaftlichen Vereinigung (Hauptvereinigung) zusammengeschlossen. Innerhalb jedes Milchwirtschaftsoerbandes werden die Betriebe, in denen Butter oder Käse, die nicht im Betrieb selbst erzeugt sind, an Wieder- verkäufer abgesetzt werden, zur Wirt- chaftlichen Vereinigung der Butterind Käsegroßverteiler (Großverteileroereinigung) vereinigt. Hierzu gehören auch die genossenschaftlichen Absatzorganis.atio- nen für Butter und Käse. Außerdem sieht die Verordnung noch die Errichtung von F a ch v e r - einigungen vor, die der Hauptvereinigung * unmittelbar unterstellt sind. Alle Zusammenschlüsse stehen unter der Aussicht des R ei ch s f o m m i f ■ jars für die Vieh-, Milch- und Fettwirtschaft.
Die Vereinheitlichung
-er Gchlachtsteuer.
Berlin, 29. März. (DNB.) Das vom Reichskabinett beschlossene Schlachtsteuergesetz bezweckt, die stark voneinander abweichenden Schlachtsteuern der Länder durch eine einheitliche Steuer des Reichs zu ersetzen. Das Aufkommen an Schlachtsteuer wird den Ländern zufließen. Der jährliche Gesamtrohertrag der Länderschlachtsteuer beträgt rund 200 Millionen RM. Das neue Gesetz bringt für Rindvieh (mit Ausnahme der Kühe) Steuersätze gestaffelt nach Lebendgewicht von 4 bis 22 RM., für eine Kuh von 7 RM., für ein Schwein ab 40 kg Lebendgewicht 9 RM. (Schweine bis zu 40 kg Lebendgewicht sind steuerfrei), für ein 6 d) a f ab 20 kg 2 RM. (bis 20 kg steuerfrei). Kälber mit Lebendgewicht von weniger als 40 kg sind steuerfrei. Die Steuersätze des Rindviehtarifs liegen erheblich unter dem Durchschnitt her Länder st euersätze. Diese Senkung soll dem Rindviehmarkt, der gegenwärtig besonders notleidend ist, eine Erleichterung bringen. Weitere Vergünstigungen für die Landwirtschaft sollen in den Durchführungsbestimmungen ihre Regelung finden. Um den llebergang zur Reichsschlachtsteuer zu erleichtern, soll das Schlachtsteuergesetz, das am 1. Mai 1934 in Kraft tritt, bis auf weiteres nach den in jcben? Lande bisher geltenden Verfahren bei der Erhebung der Steuer durchgeführt werden
Von links nach rechts: Theodor Gruß (Bundeskämmerer), Wilhelm Kleina" (Bundespress chef), Johannes Bock (Bundeskanzler), am Tisch Reichsminister Seldte, der Führer des neuen Bundes.
großen Seen abschneiden würde. Das war auch eine Episode aus Dawsons „dreißig „fahren vor dem Abschluß der Zweier-Entente Wie sehr sich in dem Menschenalter seit Faschoda das Machtverhältnis zwischen England und Frankreich geändert hat, das wird einem klar, sobald man sich die Frage stellt: Konnte das heutige England wohl wagen, Frankreich nut .Krieg zu drohen? Was wäre da wohl die französische Ant-
Gin paar Tage zurück passierte unser „Pionier" im Morgengrauen die Einfahrt ins Kamerunbecken zwischen Kap Kamerun und der Spitze von Suel- laba. Frankreich hat sich beide P u n k t e genommen, die den Zugang nach Kamerun beherr- chen, das Süd- wie das Nordufer, an der Em- ganqsstelle, weil ihm das so gut schien. Man mutz durch französische Gewässer um zu den Pflanzungen am Fuß des mandatsweise englisch gewordenen Berges zu kommen. Das sieht aus, wie eine Kleinigkeit, aber es charakterisiert die Lage. Mit der „schwarzen Macht" könnte England von der Karte Westafrikas gestrichen werden.
Bereite weit über 1 Million KM aus der „Stiftung für Opfer der Arbeit" verteilt.
Dem Ehrenausschuß der „Stiftung für Opfer der Arbeit", der aus den Staatsraten Walter Schuh- mann, MdR., Dr. Fritz Thyssen MdR, und Dr v. Stauß, MdR., besteht, erstattete der ehrenamtliche Geschäftsführer Oberreglerungsrch Dr. Ziegler Bericht. Während der Stiftung nach Ablauf des ersten Vierteljahres tm September 1933 insgesamt etwa 1000 tödliche Arbeitsunfalle gerne!-
mal, wie Penz berichtet: „Für koloniale Eroberungspolitik nach französischem Muster hat mir schon als Minister jede Neigung gefehlt, und mir scheint, daß jetzt die Zeit dafür besonders ungünstig ist. Unser Handel muß überall ausreichenden Schutz tnben, aber die Flagge soll dem Handel o l a e n , nicht ihm vor angeh en." Und weiter schrieb der Reichskanzler am 30. August 1884 an Moritz Busch: „Die Instruktionen des Herrn Nachtigal konnten bei der Unbekanntschaft der neuesten Besitzverhältnisse an jenen Küsten nur allgemeiner Natur sein, und es liegt keineswegs in unserer Absicht, mit den Rechten und Interessen befreundeter Nationen in Rivalität zu treten." „Wenn die Expedition des Generalkonsuls Nachtigal in irgendwelchen Punkten jener Küsten den Besitz und die Politik Frankreichs berühren sollte, so wurde die Verständigung hierüber und die Zurückziehung aller mit dem Besitzstände Frankreichs unverträglichen Maßregeln unsere nächste Aufgabe bilden."
Noch manches andere Gebiet jenseits des Ozeans konnte während der Amtszeit des ersten Reichskanzlers unter deutschen Schutz gestellt werden,'so 1885 in der Südsee eine Inselgruppe, tue den Namen „Bismarck-Archipel" erhielt. So umsichtig und vorsichtig Bismarck seine koloniale Politik betrieb, so leidenschaftlich wandte er sich dagegen, wenn die Linksparteien des alten Reichstages die Kolonien ablehnen wollten. Einst antwortete er dem Abgeordneten Windhorst, baß wir boch nicht auf ben Thüringer Bergen zusammenkriechen unb bas Weltmeer mit bem Rücken ansehen könnten. Mit einer Erwerbung — sie fiel längst nicht mehr in seine Amtszeit — hat sich ber Reichsgründer aber nicht befreunden können: Kiautschou. Darüber berichtet Hermann Hofmann: „Als ich (dem Fürsten) seinerzeit die erste Karte der ostasiatischen Küste vorlegte, worin die deutsche Pachtung in Kiautschou eingezelchnet war, betrachtete er sie lange und sagte dann: Groß genug, um allerlei Dummheiten zu machen."
Im kolonialen Erinnerungsjahr 1934 haben wir also alle Ursache, die Verdienste des Altreichskanzlers um unsere Kolonien ebenso zu feiern, wie seinen staatsmännischen Weitblick. Er hat Deutschland die er st en Schritte tun lassen vom Binnenlande in die große Weltpolitik. Er, der das kleine, meist agrarische Preußen von 1860, zur > Größe und zur Führung in der Reichseinheit berief, : war es, der an feinem Lebensabend angesichts des : belebten Hamburger Hafens in die Worte ausbrach: : „das ist eine ganz andere Welt...!"
bet wurden, sind bis Weihnachten 1933 über 2000 und bis Ostern 1934 gar 4100 weitere Gesuche hinzugetreten. Von diesen wurden etwa 2000 mit einer Zuwendung im Gesamtbetrag von ca. 550 000 Mark bedacht, während in ca. 300 Fällen mit Rücksicht auf ausreichende Renteneinnahmen oder sonstige Einkünfte der Antragsteller eine Hilfsbedürftigkeit nicht vorlag. Die Unterstützungen bewegen sich zwischen 50 und 700 Mark, ihre Durchschnittshöhe beträgt 275 Mark. Unter Einrechnung der bereits erfolgten Bewilligungen ist bisher ein Betrag von weit über eine Million Mark an die Hinterbliebenen tödlich verunglückter Arbeiter verteilt worden.
Oer deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt.
Berlin, 29. März. (DNB.) Nachdem am 23. August 1933 33 deutschen Staatsangehörigen wegen landesoerräterischer Betätigung die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden war, hat der Reichsinnenminister neuerdings wieder 37 Reichsangehörige der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig'erklärt, weil sie durch ein Verhalten, das gegen die Pflicht zur Treue gegen Reich und Volk verstößt, die deutschen Belange geschädigt haben. Es handelt sich u. a. um folgende Personen: Johannes Robert Becher, Professor Dr. Albert Einstein, Dr. Otto Friedländer, Oskar Maria Graf, Dr. Paul Hertz, Dr. Helmut Klotz, Otto Remmele, Dr. Kurt Rosenfeld, Heinrich Schmitt genannt Frank Arnau, Johann Schmalbach und seine Ehefrau, Toni Sender, Max Seydewitz, Ludwig Stautz genannt Vigo, Dr. Edward Stil- gebauer, Hugo Urbahns, Johann Vogel, Waltraut > Hölz, Ehefrau von Max Hölz.
Bismarck und die Kolonien.
Eine Geburtetagserinnerung an den Altreichskanzler im Kolonialgedenkjabr.
„Gebt uns einen Hitler!"
EnqlischerFrontkämPferbesuch in München.
München, 31. März. (DNB.-Funkspruch.) Der Führer der nationalen Arbeiterbewegung Englands, Kolonel Graham Seton H u t ch i s o n, ber am Mittwoch mit mehreren Herren aus London kommend, in München e i n t r a f, und hier dle Gefallenen des Krieges und der Bewegung ehrte, erklärte einem Redaktionsmitglied des „Völkischen Beobachters", der Besuch solle zeigen, daß die vereinigten Kriegerverbände von England die gleichen Gefühle der Brüderlichkeit für die deutschen Frontkämpfer roic für die Frontsoldaten aller anderen Nationen hätten.
„Wir wollen", so sagte er, „unseren Aufenthalt in Deutschland dazu benutzen, dem deutschen Volk, wie auch der ganzen Welt zu zeigen, daß mir wahre Gefühle der Brüderlichkeit gegenüber Deutschland hegen. Was wir auf unserer Reise durch das deutsche Land vor allem bemerkten, war eine große industrielle Geschäftigkeit. Die alten Offiziere von Rang billigten voll und ganz die Haltung des politischen Soldaten, den die nationalsozialistische Revolution m Deutschland geschaffen hat. In England ist die Stimmung heute durchaus deutschfreundlich unb es passiert einem nicht selten, daß ein einfacher Mann ein politisches Glaubensbekenntnis in die Worte zusammenfaßt: „Gebt uns einen H i 11 er .
Der persönliche Eindruck Hutchisons und [einer Begleiter war bisher, daß die jungen SA.-Männer nicht Soldaten, sondern disziplinierte Träger einer politischen $511- lensrichtung seien. Was Hutchison aber besonders ausfiel, war die soziale Bedeutung der SA.
gebiets, heraufzukommen.
Es waren aber andere Gedanken, die mich bewegten, als bei Sonnenuntergang der Union Jack vom Haus des Residenten herabsank. Auf meinem Arbeitstisch im Erholungs- und Gästehaus der Afrikanischen Fruchtkompagnie liegen zwei englische Bu- ( eher Das eine ist das „Nigeria-Handbook von 1933", denn ich hoffe, auf dieser neuen Studienreise auch noch ein Stück ins benachbarte Ni- ( geria hineinzukommen; das andere ist die englische । Ausgabe von Gouverneur S ch n e e' s Kolonialbuch, , German Colonization Past and Future", mit der , Einleitung von W. H. Dawson, 1926 erschienen. Das < Handbuch für Nigeria enthält eine Karte von Afrika, auf der die verschiedenen Kolonialbesitzungen eingetragen sind, und in der Einleitung des Engländers für das Schnee'fche Werk stehen auf Seite . 35 ein paar nachdenkliche Sätze, die so klingen, als ob ihr Verfasser, als er sie schrieb, auch eine Karte von Afrika vor sich liegen gehabt hätte.
Der Abschnitt handelt von Frankreichs „dunkler afrikanischer Militä r m acht, und daran schließt Dawson die Frage: „Wer wird wenn er die Haltung Frankreichs gegen unser eignes Land in den dreißig Jahren vor dem Abschluß der Zweier-Entente kennt, und wenn er sich Daran erinnert, wie zerbrechlich französische Freundschaft ist, sobald sie gegen materielle Interessen in per Waagschale liegt, wohl zu sagen wagen, daß diese schwarzen Armeen nicht auch eines Ta ges gegen Frankreichs heutige Alliierte gebraucht werden könnten?
Dawson meint, er sei kein Pessimist, er schätze den Wert freundschaftlicher Beziehungen zu Frankreich hoch, aber ein wirklicher Herzens.- bunb werde doch n i e daraus werden, und gegenüber Frankreich sei die Geschichte doch eine ernste Warnerin. Daß einmal Heerscharen schwarzer Franzosen nach England einrüden könnten, wird ihm kaum vorgeschwebt haben Aber die Karte von Afrika zeigt etwas anderes: daß alle westafrikanischen Kolonien Englands, — Gambia, Sierra Leone, die Goldküste und Nigeria, also auch die „Perle von Guinea" und das „afrikanische Indien , bis auf die Küstenlinien völlig v o n f r a n z o - sischem Gebiet umschlossen sind. Das bedeutete früher keine Gefahr für Englands Besitz, denn solange Frankreich in Afrika nur seine, im Vergleich zur jetzigen „Force Noire" wenig zahlreichen Kolonialtruppen hielt, hätten die Engländer sich eines Angriffes leicht erwehren können. Heute, wo in Afrika H u n d e r t t a u s e n d e m o dem eingeübter und bewaffneter „s chwar - zer Franzosen" stehen — so hat sie ja der General Mangin, der Vater der Force Noire genannt — wäre an Widerstand nicht zu denken, sobald die Franzosen eines Tages Streit mit England bekämen. Sie könnten alle vorhin genannten englischen Kolonien einstecken, wie Nüsse in einen Sack, und das wäre einmal eine Revanche für die verlorenen Kolonialkriege des 18 Jahrhunderts, in denen England die Franzosen aus Indien und Nordamerika hinauswarf.
Die Engländer haben die politisch sehr nützliche Eigenschaft, daß sie von unangenehmen Dingen nicht viel sprechen, und um so weniger, je unangenehmer die Dinge sind. Sollte sich aber wirklich jemand vorstellen können, daß man in England an die veränderte Lage der westafrikanischen Besitzungen nicht doch d e n k t ? Als ich vor zwei Wochen auf der Ausreise nach Afrika an den Kreide- flippen von Dover vorbeifuhr, überfiel mich derselbe Gedanke, wie an dem Julltage am Sudende der Alten Welt, am Kap der Guten Hoffnung, wo die Ozeane ineinanderfließen: England ist keine Insel mehr! Seine Meeresherrschaft ist nicht mehr imstande, seine Weltmacht gegen Frankreichs weit überlegene Flugwaffen zu decken. Wenn aber die Flugzeuge die 'usulare Unangreifbarkeit Englands zunichte gemacht haben so macht Frankreichs "schwarze Macht in Afrika Englands koloniale Sicherheit vom Grünen Vorgebirge bis zum Großen Kamerunberge
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Wehr und Waffen.
Strategie unb Schachspiel.
Von K. v. Schoch, Generalleutnant a. O.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß jedes Kampfspiel, sei es körperlicher Art, wie etwa ein Ringkampf oder Wettlauf, sei es geistiger Natur, durchaus geeignet ist, nach verschiedener Richtung erzieherisch zu wirken. Unter den rein geistigen Kampfspielen nimmt das Schach, nicht mit Unrecht das königliche Spiel genannt, auch als Mittel zur Erziehung weitaus die erste Stelle ein. Das ergibt sich daraus, daß kein anderes Kampfspiel auch nur annähernd dem Ernstfall so nahe kommt, wie das Schach. Natürlich kann von einer völligen Aehn- lichkeit keine Rede sein, fehlt doch das Entscheidende: die unermeßlich schwere Verantwortung, die der Feldherr nicht nur für das Leben der Hunderttausende, ja Millionen Soldaten trägt, die ihm unterstellt sind, die mindestens eben so schwer wiegt, wie das Bewußtsein, daß das Sein oder Nichtsein seines ganzen Volkes letzten Endes von richtigem oder falschem Entschluß abhänaen. Davon abgesehen ergeben sich für das Schach Ähnlichkeiten sowohl mit der Kriegsführung im Großen (Strategie), wie auch mit der Einzelschlacht, die geradezu verblüffend genannt werden dürfen. Es seien nur einige herausgegriffen:
Der ältere Moltke hat in seinen Kriegslehren das schwerwiegende Wort geprägt: „Fehler im ersten Aufmarsch lassen sich in der Regel während des ganzen Feldzuges nicht wieder gut machen". Ersetzen wir die Bezeichnung „erster Aufmarsch" durch die Worte „erste Entwicklung", so ergibt sich die Parallele von selbst, denn jeder Schachspieler weiß, daß die bessere Anfangsentwicklung wenn nicht immer, so doch in sehr vielen Fällen ein entscheidendes Uebergewicht verleiht: das geht so weit, daß bei verschiedenen Eröffnungen das freiwillige Opfern eines Bauern oder sogar einer Figur in Kauf genommen wird, um den Preis einer besseren Angriffsstellung.
Mit diesem Wort Angriff sind wir von selbst zu einer weiteren Ähnlichkeit gekommen: Nur der Angriff verbürgt den Endsieg, denn beim Schach wie im Felde gilt es, dem Gegner unfern Willen aufzuzwingen, und das kann niemals durch starre Abwehr, sondern nur durch Angriff gelingen. Natürlich schließt das nicht aus, daß man im Kriege wie im Schach sich zunächst einmal auf die Verteidigung beschränkt, den Gegner anrennen läßt und erst, wenn man eine Blöße entdeckt, zum Gegenangriff ausholt. Immerhin ist diese Kampf- weise die schwierigere schon deshalb, weil man dabei von den Maßnahmen des Gegners abhängig bleibt, diesem also die Initiative überläßt, die Wahl der Angriffsrichtung, die Gruppierung der Kräfte, die Ueberraschung, den inneren Schwung, den eben nur der Angriff verleiht. Ich darf dabei erinnern, wie im Frühjahr 1918 die Truppen unserer Westfront es geradezu als Erlösung betrachteten, endlich nicht mehr Amboß, sondern Hammer zu sein. Und wie stark auch beim Schachspiel die lieber» legenheit des Angriffs ist, scheint mir daraus her- vörzugehen, daß unter 75 Meisterpartien 45mal der anziehende Weiße gewonnen hat, der Schwarze hingegen nur 30maL Eingeschaltet sei hier noch, daß weitaus die spannendsten Kämpfe sich entwickeln, wenn beide Gegner im Angriff die Entscheidung suchen (Tannenberg, wo bekanntlich noch am letzten Kampftag neue russische Truppen im Rücken der Deutschen auftraten), so auch beim Schach, wenn sowohl Schwarz wie Weiß auf Matt stehen und alles nur davon abhängt, wer zuerst den Entscheidungszug erzielt.
Der ältere Moltke hat eine weitere bedeutsame Lehre geprägt, die wir ohne Zwang auch auf das Schach anwenden können: „Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus". (Nur der Laie glaubt im Verlauf eines Feldzuges die konsequente Durchführung eines vorausgeplanten, in allen Einzelheiten überlegten unb bis ans Ende feftgehaltenen ursprünglichen Gedankens zu erblicken.) „Bei den Operationen begegnet unferm Willen sehr bald der unabhängige Wille des Gegners. Die Operationen hängen also nicht nur von den eigenen Absichten, sondern auch von denen des Gegners ab, diese vermögen wir nicht anders zu brechen, als durch das Mittel der Taktik, durch das Gefecht." Beim Schach begegnet in ähnlicher Weife dem Willen des Angreifers jener von Schwarz, der es in der Hand hat, in welche der vielartigen Verteidigungen er einlenken will: und in der Regel wird auch erst nach dem ersten Gefecht, dem Mittelspiel, der Entschluß gefaßt werden können, wie der Endkampf zum Matt aufzubauen und durchzuführen ist.
Wie in Strategie und Taktik bieten sich auf dem Brett zwei Hauptkampfarten dar: der Angriff gegen einen Flügel oder der Durchbruch im Zentrum. Eine große Umfassung, insbesondere eine solche der beiden Flanken ist schon aus dem Grund kaum möglich, weil die räumliche Begrenzung des Schachbrettes ein weites Ausholen verbietet, etwa ähnlich wie im Weltkrieg die neutrale Schweiz und die Nordsee zu einem rein frontalen Abringen nötigten. Gerade aus dieser räumlichen Begrenzung ergibt sich aber auch die Folgerung, daß im Stellungskrieg der reine Frontalangriff sowie der Durchbruch eine Bedeutung erlangten die sie aus dem gleichen Grund im Schach stets schon besaßen: hier bringt die mehr ober minber freiwillige Preisgabe der Mitte durch Abtauschen von Bauern häufig die Gefahr, durchbrochen zu werden.
Ein wichtiger Grundsatz ist Schach unb Krieg weiter gemeinsam, daß man zur Hauptentscheidung möglichst alle verfügbaren Kräfte heranziehen soll unb baß man niemals bie Kräfte gleichmäßig verzetteln barf, vielmehr immer einen Schwerpunkt für ben Angriff wählen muß, für ben man niemals zu stark fein kann. Das Moment der Ueberraschung, bie rechtzeitige Berechnung aller denkbaren Gegenmaßregeln des Feindes, das Erkennen und Ausnützen jeder feindlichen Schwäche, das weite Vorausfehen und kühle Abwägen der verschiedensten Möglichkeiten, bann aber wieder das oft blitzartige Zugreifen sind durchweg Eigenschaften, dem Schachspieler ebenso unentbehrlich wie dem Feldherrn. Unendlich wichtig (man denke an die unselige Marne-Schlacht) bleibt der Mut, im entscheidenden Augenblick bie Nerven nicht zu verlieren und der unumstößliche Wille zum Sieg.
Freilich gibt es im Schach unendlich öfter als in der rauhen Wirklichkeit ben Ausgang ohne Sieger und Besiegten: das remis gehört in der
Schlacht zu den allergrößten SeUenheiten: entweder kommt es zum völligen Matt (Entscheidungsschlacht) oder einer der beiden Führer bekennt.sich als geschlagen, indem er das Schlachtfeld räumt, er gibt auf. Diesen Charakter des Aufgebens tragen fast alle Schlachten und Gefechte aller Zeiten, ein völliges Mattsetzen, ein Cannä, Sedan und Tannenberg blieben selbst einem Napoleon versagt. Als Beispiel für ein remis im Großen, d.h.
im ganzen Feldzug, kann derSiebenjährige Krieg herangezogen werden, der in der Frage der Grenzen einen Status quo ante bestimmte. Für das rechtzeitige Aufgeben eines Krieges aber mag 1866 dienen, wo Oesterreich nach der schweren Niederlage von Königgrätz die Hoffnung auf Sieg aufgab, während die französische Republik nach Sedan noch fast ein halbes Jahr sich nicht als mattgesetzt bekennen wollte.
polnische Militärautarkie.
Das erstarkende Polen setzt alles daran, sich eine eigene Rüstungsindustrie zu schaffen, sich von der Versorgung seines Heeres mit Bekleidung, Waffen und Gerät vom Auslande nach und nach völlig unabhängig zu machen. Für die Heeres- bekleidung dürfen fortan nur inländische Rohstoffe verwandt werden. Polnische Wolle, polnische Leinwand soll an die Stelle ausländischer Baumwolle treten. Die Fertigung von Handfeuerwaffen und Infanteriemunition ist schon so weit vorgeschritten, daß nicht nur der Friedens- und Kriegsbedarf des Heeres sichergestellt ist, sondern darüber hinaus schon erhebliche Mengen zur Ausführung gelangen. Der Bau von Geschützen, die Herstellung von Artillerie munition ist so gefördert, daß die Selbständigkeit in Kürze erreicht werden wird.
Für den Bau von Kraftfahrzeugen, Kraftwagen und Flugzeugen laufen zur Zeit noch Verträge mit ausländischen Werken. Doch macht sich die polnische Rüstungsindustrie bereit, nach ihrem Erlöschen sofort in die Bresche zu springen. Bereits vor einem Jahre wurde dem Sjem ein 2Vs Tonner, dem englischen Vikkers-Tank nachgebauter Kampfwagen, als „Polens Stolz" vorge- sührt. Der Bau einer stäa11ichen Kraftwagenfabrik geht feiner Vollendung entgegen. Sie soll die Ausrüstung des polnischen Heeres mit Kraftwagen und Krafträdern jeder Größe sicherstellen. Mit der polnischen staatlichen Flugzeug-
Fadrik in Biala-Podaska wetteifern Privatwerke in Lublin, Warschau, Bromberg und Krakau im Bau und in der Instandsetzung von Heeresflugzeu- gen. Besonders stolz ist man auf die Motore „Jupiter" und „Merkur", die der Kriegsminister vor dem Sejm als bie besten Flugmotore der Welt lobte, auf ein Maschinengewehr für Flugzeuge, das in der Minute 1300 Schuß abzugeben vermag.
Großen Wert legte man auf die Herstellung von G a s s ch u tz m i 11 e! n. Die in Einführung begriffene neue Gasschutzmaske soll Augengläser aus einem Glas, das nicht schwitzt, besitzen. Auch die Marine greift wenigstens durch Bestellung kleiner Hilfsschiffe (Flußkanonenboote, Kutter, Motorboote) auf heimische Werften zurück, muß aber für den Bau größerer Fahrzeuge (Minen-, Torpedo-, Unterseeboote) noch ausländische Wersten bevorzugen. Die Rüstungsindustrie ist im Laufe der letzten Jahre aus den militärisch gefährdeten Grenzgebieten fast restlos in das Innere des Landes, etwa in ben Raum Warschau—Petrikau—Radom, verlegt worden. Die Umstellung der gesamten Friedensindustrie auf Kriegsfertigung ist mobilmachungsmäßig vorbereitet. Der Heereshaushalt für 1933/34 wirft 35,02 Prozent für Rüftungszwecke aus, ohne Zweifel eine Summe, die mehr als genügen sollte, die polnische Rüstungsindustrie mit lohnenden Aufträgen zu versehen. By.
Frankreichs schwerste Stunde.
Oie Jlivelle-Offensive im Frühjahr 1912.
In dem großen Kriegsrat der Führer der Entente vom 6. bis 8. Dezember 1915 in Chantilly wurde beschlossen, daß möglichst an allen Frontteilen und zu gleicher Zeit großangelegte Angriffe mit beschränkter Zielsetzung ftattfinben sollten. Man wollte die Deutschen beunruhigen, ihre Kräfte langsam abnutzen und sie über die eigentlichen Absichten der Entente im unklaren lasten.
Da platzte am 21. Februar 1916 der Falken» haynsche Stoß auf Verdun in diese Ententepläne hinein und gab dem Kriegsjahr 1916 ein ganz anderes Gepräge. Joffre mußte auf feine großange- legten Offenfivpläne verzichten. Nicht die Somme- offensive, sondern Verdun wurde das bestimmende Moment. Ja, im Verlaufe der Kämpfe um Verdun tauchte im französischen Generalstab die Frage auf, ob man nicht Verdun ganz fallen lasten sollte, um an den anderen Frontteilen freie Hand zu bekommen. Eine Frage von schwerwiegender Bedeutung, wenn man bedenkt, daß von den 96 französischen Divisionen 53 durch Verdun gebunden waren. Die wütenden Anstürme der Deutschen ließen diesen großzügigen Plan nicht zur Tat werden, unb so konnte der Franzose statt mit 39 nur mit 15 Divisionen an der Somme eingreifen. Auch die Engländer konnten ihr Wort nicht halten. Sie traten statt mit 25 nur mit 15 Divisionen an der Somme an. Das Saloniki-Unternehmen und Aegypten, die ihren Gedankengängen näher lagen, hatten sie gezwungen, sich auf dem französischen Kriegsschauplatz Beschränkungen aufzuerlegen. So schrumpfte das großangelegte Durchbruchsunternehmen zu einer Operation verhältnismäßigen geringen Umfangs zusammen, und der Verlust von etwa 750 000 Franzosen und Engländer stand nicht im Verhältnis zu dem erreichten Geländegewinn.
Aber nicht nur bie Zahl der Menschen, sondern auch ihre moralische und seelischeKraft waren stark zurückgegangen. Dieses vergebliche Ringen, das überall in Qualm, Trommelfeuer und Gas erstickte, war für den französischen Elan auf die Dauer unerträglich. Es kam noch hinzu, daß die Vernichtuna des rumänischen Heeres durch Falken- hayn und Mackensen, auf das man so große Hoffnungen gesetzt hatte, einen geradezu niederschmetternden Eindruck auf Heer und Volk machte. Wie war es nur möglich, daß die Deutschen, die doch auch ungeheure Verluste zu verzeichnen hatten, nun auch noch Rumänien niebermerfen konnten? Wie immer suchte man in Frankreich nach einem Sün- benbock und machte General Joffre für alle Mißerfolge verantwortlich. Er mußte im Dezember 1916 weichen unb wurde durch General N i v e l l e ersetzt, den man den „Sieger" von Douaumont unb Vaur nannte, die die Deutschen am 24. Oktober unb 1 November aufgegeben hatten Neue Hoffnungen keimten in Frankreich auf, bie aestärkt wurden durch bas Friedensangebot der Mittelmächte vom 12. Dezember 1916 „Deutschland streckt die bettelnde Hand zum Gegner und macht ein Friedensangebot, weil es sich besiegt fühlt", so urteilten die Franzosen, um Volk und Heer zu einer letzten ge- wattigen Krastanstrengung dnzusvomen
Nivelke wollte sich durch einen Nernichtungsschlag Bewegungsfreiheit schaffen, er hoffte die festungsartige Verteidigungslinie der Deutschen überrennen und zum Bewegungskrieg übergeben zu können, durch den dann die ganze Front der Deutschen aufgerollt werde Er. „der Emvorkömmling", wie man bpn hinnen Artilleriegeneral nannte, setzte sich trotz aller Widerstände, bie ihm aus den eigenen Reiben und den Reihen der Parlamentarier erwachsen waren, durch, und es kam zu der Doppelschlacht an der Aisne und in der Chamvaane, durch deren Zanaenangriss man die deutsche Linie auseinander- zureißen hoffte. Von Arras bis Bapaume standen bie Engländer zum Angriff bereit.
Der französische Generalstab hatte aber die Rechnung ohne die Deutschen gemacht. Er nahm an, daß di" Verhältnisse noch die nleirhen seien, wie im Juli 1916, zu welcher Zeit Falkenbayn noch die Leitung hatte. Inzwischen waren Hindenburg und Ludendorff an seine Stelle getreten. Beide gingen durch das sogenannte .^Hinden- buranrogramm" mit eiserner Energie daran, die deutsche Front mit all' den technischen Kampfmitteln zu versehen, deren Beschaffung in der Aera
Falkenhayn vernachlässigt worden war. Ferner aber machten sich beide Führer frei von dem starren Verteidigungssystem der Vergangenheit und führten die tiefgegliederte, schachbrettartige Verteidigungslinie ein, die Menschen ersparte und durch ihre Elastizität einen Durchbruch verhinderte. Die Hauptsache aber, die den Franzosen entging, und an die man im französischen Generalstab nicht glauben wollte, war die Tatsache — Hindenburg zog sich zurück! Er führte ein Rückzugsmanöver allergrößten Stils mit wunderbarer Präzision und ungestört vorn Feind auf die wohlvorbereitete Sieg- friedstellung aus und brachte dadurch, zumal der verlassene Geländestreifen vollkommen unwegsam gemacht wurde, die von den Franzosen beabsichtigte Zangentaktik zum Zweck eines Durchbruchs zum Scheitern.
Langsam und zögernd folgten die -Franzosen. Nach einem unerhörten Trommelfeuer unb in wochenlangen erbitterten und nervenzerrüttenden Kämpfen drangen die Franzosen in die tiefgegliederte deutsche Verteidigungsfront ein, aber alle Blutopfer waren vergeblich, der Durchbruch gelang nicht. Die kleinsten Erfolge wurden zu großen Siegen aufgebauscht, aber die Kämpfer an der Front erkannten immer mehr die Nutzlosigkeit ihrer Angriffe.
Am 18. April 1917 — die französische Bevölkerung war noch ahnungslos und hoffte immer noch auf den Sieg — fuhr ein langer Lazarettzug in den Pariser Nordbahnhof ein. Ein diensteifriger Zeitungsreporter warf Zeitungen in die Wagen, auf deren Titelbild ein zigarettenrauchender Poilu mit dem Gewehr im Arm über eroberte deutsche Schützengräben hinwegschreitet. Das war zuviel für die armen Verwundeten, die soeben aus der Hölle des Chemin des Dames und der Somme gekommen. Der Zeitungsberichterstatter wurde verprügelt und mußte fliehen, die Wut aller Beteiligten steigerte sich so, daß der Zug aus dem Bahnhof gezogen werden mußte, um größeres Unheil zu vermeiden. Da beginnt es in den Köpfen der Bevölkerung zu dämmern. Aus den Lazaretten hinter der Front sickern erschütternde Nachrichten durch. So hatte man z B. an einer Stelle nur für 15 000 Verwundete Sorge getragen, aber allein in den Tagen vom 16. bis 25. April strömten über 100 000 aus der Kampffront zurück. Es spielten sich Szenen ab, die an Grauen alles bisher Erlebte in den Schatten stellte. Es fehlte an Aerzten, Personal, Instrumenten, Medikamenten und Verbandstoffen, und so fanden Tausende und aber Tausende, die hätten gerettet werden können, einen elenden Tod. Und da vorne an der Front tobte der Kampf immer weiter. Zu Schlacken verbrannt kamen die Regimenter und Divisionen aus dem Schmelzofen der Front zurück. Aber auch die Deutschen hatten schwerste Verluste. Einzelne Regimenter hatten 80 v. H. ihrer Kampfstärke verloren, aber bie Linie hielt. Was unsere Truppen hier erlitten und geleistet haben, kann mit Worten nicht geschildert werden.
General N i v e l l e hatte aber, wie der englische Marschall H a i g in seiner burschikosen Weise im französischen Hauptquartier erklärte, „einen schweren Kinnhaken einstecken müssen". Die Stimmung in der französischen Armee wurde von Tag zu Tag gereizter, und am 3. Mai schlägt die Flamme der Rebellion hoch. Die 2. Kolonialdivision verweigert das Antreten, beim Infanterie-Regiment 370 in Soissons finden Versammlungen statt, Haßreden sprühen hoch:
„Nieder mit dem Krieg", „Aus nach Paris, „Zum Bahnhof gellen Rufe. Gendarmen, die sich den Meuterern entgegenstellen, werden aufqehänqt, Bahnhof und Zug werden gestürmt, und unter dem Gesang revolutionärer Lieder fährt der Zug in Richtung Paris ab. Bei Villers-Cotteret hat man die Strecke gesperrt, der Zug wird von frischen Truppen umzingelt und mit Zusammenschießen bedroht. Der Rausch ist verflogen, der Hauptmeuterer wird auf der Stelle erschossen. 5000 Russen, die sich hinter der Kampffront befinden, erlassen ein revolutionäres Manifest, ihr Lager wird umstellt und durch Artillerie unter Feuer genommen. Die Desertionen nehmen ständig zu. Vom Januar bis Mai 1917 wurden 21 000 Flüchtlinge gezählt. General P e • tain muß zugestehen, daß in 45 Divisionen der
Aufruhr ausgebrochen sei, selbst die 22 Jägerbatail- lone, die Elitetruppe der Franzosen, machen keine Ausnahme. In Paris und in der Provinz flackert es auf, aber die französische Heeresleitung greift, als sie die furchtbare Gefahr erkennt, mit rücksichis- loser Energie durch: jede Ausschreitung wird "im Keime erstickt, Todesurteile und Zwangsdeporta- tionen werden verhängt, Nivelle muß zurücktreten, und P e t a i n übernimmt die Führung. Ihm gelingt es, das zusammengebrochene Heer langsam wieder aufzurichten. Die ersten amerikanischen Truppentransporte treffen auf dem Kontinent ein — die Gefahr ist überstanden.
Und warum nutzten die Deutschen den Zusammenbruch des französischen Heeres nicht aus? Es hätte doch bei dieser Lage, die in diesem engen Rahmen nur angebeutet werden kann, gelingen müssen, eine Kriegsentscheidung herbeizuführen. Rolf Bathe hat in feinem vor kurzem erschienenen Buch: „Frankreichs s ch w e r ft e S t u n be" eingehend und klar und mit dramatischer Wucht, gestützt auf französische und englische Quellen, diesen Kriegsabschnitt geschildert, und er kommt zu folgendem Ergebnis:
„Hat der deutsche Nachrichtendienst in diesen Monaten so kläglich versagt, daß ihm die revoluttonäre Situation in Frankreich verborgen blieb? Zwei Aeußerungen von berufener Seite liegen uns vor, Ludendorff geht in feinen Kriegserinnerungen über diesen wichtigen Punkt mit wenigen Sätzen hinweg. Der General sagt: „Die Verluste der Franzosen waren so groß gewesen, daß die Moral der Armee zu leiden begann unb Meutereien vorkamen, von benen allerbings nur spärliche Nachrichten nach unb nach zu unserer Kenntnis gelangten. Erst später sahen wir klar."
Bathe berichtet weiter, baß bie Aeußerungen bes Kronprinzen Wilhelm im Gegensatz zu ßubenborffs Aeußerungen ftänben. Der Kronprinz behauptet, daß seine Heeresgruppe in Kenntnis der Zustände in der französischen Armee unserer Obersten Heeresleitung den Vorschlag eines Durchbruchs in Richtung Paris gemacht habe, daß dieser Plan aber verworfen worden sei. „Wo liegt des Rätsels Lösung? Ueberschätzte die deutsche Oberste Heeresleitung die Kraft der revolutioären russischen Armee? Fürchtete sie eine zweite Brussilow-Offensive, bie bem roanfenben österreichischen Bunbesgenossen ben Rest geben würbe? Unterschätzte sie bie Agentenmelbun- gen unb Gefangenenaussagen? Hielt sie einen Angriff im Westen so lange für aussichtslos, bis in Rußlanb reiner Tisch gemacht unb bie Masse ber Ostbivisionen in Frankreich eingetroffen war? S o viele Fragen, so viele Rätsel! Jenseits bes Ozeans aber füllten sich bie Trcmsportbampfer mit ben ersten amerikanischen Divisionen.. Frisch? Säfte begannen in ben blutleeren Körper Frankreichs zu fließen. Das Schickfalnahm feinen Lauf." L. G.
Motorisierte ORcitcrpatrouÜten
Es besteht kein Zweifel, ber Motor ist auf bem besten Wege, bas Pferb aus bem Heere, vom Kampffelbe, immer mehr zu verbrängen. Schon find in ben in ihrer Rüstung nicht beschränkten Länbern bie gesamten Nachschubkolonnen, die schwere, bie Flugabwehr-Artillerie, zum größten Teil auch schon der Gefechtsttoß ber Truppe motorisiert. Schon schreitet man zur Aufftellung völlig motorifierter Divisionen. Aber ber Motorisierung sinb auch Grenzen gesetzt. Auf weiten Strecken des Erb- balles ist bas Straßennetz einschließlich feiner Brücken noch nicht so bicht unb tragfähig ausgebaut, baß es eine motorisierte Kriegführung, ein lang- bauernbes Befahren mit schweren Kampffahrzeugen zuläßt. Die Gelänbigkeit, die Brennstoffversor- gung, der Luftschutz der Hunderttausenden von Kraftfahrzeugen, die eine Vollmotorisierung selbst eines kleines Heeres bedeuten würde, macht Kopfzerbrechen. So wird man vor ber Hanb auf die Dienste unseres altbewährten Waffenkameraden, des Pferdes, nicht verzichten können, und auf bie Frage: „Pferb ober Motor?" bie ausweichenbe Antwort geben: „Nein: Pferb unb Motor!"
Selbst bie bereits völlig motorisierten „schnellen" Regimenter, Brigaben unb Divisionen, wie wir sie in Englanb, Frankreich unb Amerika vorfinden, und die an Stelle von Kavallerie-Divisionen zu weitausholenden Bewegungen, zu Umfassungen, Umgehungen, zum Besetzen weitabgelegener, taktisch roid)tiger Engen und Höhen angesetzt werden sollen, rufen, wenn sie an Ort und Stelle sind und mit dem Feind in Berührung treten, für die Aufklärung, für den Meldedienst nach Reitern, klagen über bas Fehlen berittener Truppen, bie natürlich b'.e Marschgeschwindigkeit der Motoren nicht würden halten können. Man ist daher in Amerika darauf verfallen, solchen motorisierten Verbänden a u f Kraftwagen verladene Eskadronen mitzugeben. Von ben zweiteiligen Fahrzeugen ist bie Zugmaschine zur Aufnahme ber Mannschaften unb bes Gepäcks, ber Anhänger zur Aufnahme von acht Pferben bestimmt, bie quer zur Fahrtrichtung gestellt werben. Der Anhänger läßt sich mit wenigen Hanbgriffen in einen roinb* unb regengeschützten Stall umroanbeln. Man Der- roenbet nach Möglichkeit kleine, eble unb schnelle Pferbe, bie wenig Platz einnehmen. Man packt ihnen nur bas Allernotwendigste (Munition?) auf ben Sattel unb läßt ben Hauptteil bes Reitergepäcks auf bem Lastkraftwagen, zu benen bie Eskabrvn ia immer wieber zurückkehrt. So hofft man, Pferbe unb Reiter frisch unb leistungsfähig an ben Feinb zu bringen unb ba- burch eine ibeale Vereinigung von Pferb unb Motor im Dienst der Aufklärung unb Sicheruna geschaffen zu haben. By.
Büchertisch.
— Frontsolbaten marschieren — von ber Somme ins Dritte Reich. Von Karl E y s e n h u t. In festem Kunstbruckumschlag 20 Pf. Stahlhelm-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 11. — (569) — Wie ber fünfzehnjährige Weg bes Stahlhelms aus ber heroischen Lanbschaft bes Krieges ins Dritte Reich führt, in bem sich bas Wollen aller beutfchen Frontsolbaten vollenbet, bas wird in dieser reich illustrierten Schrift knapp aber überzeugend dargestellt. Fünfzehn Jahre, das sind fünfzehn Abschnitte eines Kampfes, der unter wechselnden Formen stets gegen den gleichen Gegner, stets für das gleiche Ziel geführt wurde unter dem Wahlspruch: „Nichts für uns, alles für Deutschland". Die gut ausgewählten Bilder veranschaulichen geschickt die einzelnen Phasen dieses Kampfes unb das ständige Wachstum des Stahlhelms zu der machtvollen Organisation ftontsoldatischen Wollens, die sich im Jahre der nationalen Revolution dem Führer Adolf Hitler zur Verfügung stellen konnte.
Nr. 76 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, 51. März M4
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gewaltigen Gassen sind
keller mit riesigen Holzfässern und Emaille-Tanks. Zu beiden Seiten enger
diese Ungetüme von Fässern und Tanks, letztere zum Teil sogar in zwei Etagen Höhe, aufgestellt, mit Merktafeln für den Verlauf der Lagerung ausgestattet und mit winzig kleinen Probierhähnchen
In , der deutschen Gesamtwirtschaft, wie auch im Wirtschaftsleben unserer Stadt steht die Brcmin- dustrie an einem der wichtigsten Abschnitte der Produktionsfront Dieser Industrie kommt denn auch im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit eine besondere Bedeutung zu. Mit den Brauereien sind die Existenzen vieler Arbeiter der Faust und der Stirn, aber auch die Unternehmungen der Gastftättenbe- sitzer bzw -Pächter mit ihren Mitarbeitern eng verknüpft. Bei dieser Bedeutung der Brauindustrie ist es natürlich, daß sich derartigen Betrieben im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Wiederbelebung unserer Wirtschaft das allgemeine Interesse besonders zuwendet.
Die einzige Produktionsstätte der Brauindustrie ist in unserem Gemeinwesen das Gießener Brauhaus A. und W. Denninghoff. Die Firma ist sowohl als Arbeitgeber, wie als wirtschaftliche Stütze zahlreicher Gaststätten und vor allem auch als Steuerzahler ein Faktor von großer Bedeutung in unserer heimischen Wirtschaft. Im Rahmen unserer Gießener Industrie kann sie gleichangrenzenden Maschinenhalle untergebrachten Dampfmaschinen von 100 PS mit 2 Eiskompressoren , von je 100 000 Kalorien und von 250 PS mit einem gekuppelten Eiskompressor von 200 000 Kalorien mit der nötigen Antriebskraft. In der Maschinenhalle arbeitet ferner eine Dynamomaschine, die den elektrischen Strom für den Gesamtbetrieb liefert und zugleich für den Antrieb der im ganzen Betrieb verteilten Elektromotore sorgt, welche die kraftver- brauchenden Transmissionen zum großen Teil entbehrlich machen. Die Eiskompressoren des Betriebes ermöglichen es, täglich etwa 300 Zentner Eis zu produzieren und zugleich die Kühlung der großen Kellerräume vorzunehmen.
In einem eigenen Gebäude neben der Maschinenhalle ist die eigentliche Braustätte, das sag. Sudhaus, eingerichtet. Dieser Teil des Betriebs ist nach den vorerwähnten Erweiterungsbauten kürzlich in Betrieb genommen worden. Der große Raum mit vier gewaltigen Braukesseln macht durch die gediegene bauliche und handwerkliche Ausstattung, an der Spezialarchitekten und in besonders starkem Umfange Gießener Unternehmer und Handwerker ihr berufliches Können zur Geltung brachten, einen ausgezeichneten Eindruck auf den Besucher Das Sudhaus ist nach den modernsten Gesichtspunkten geschaffen worden. Die vier großen Braukessel, sämt- i lich in blankem Kupfer gehalten, sind ein Meister-
Bild links: Teilansicht des neu geschaffenen Sudhauses; rechts oben: in tiefen und breiten Bottichen gärt das Bier; rechts unten: Blick in das Maschinenhaus.
3m Reiche des Gambrinus zu Besuch
6in Rundgang durch das Gießener Brauhaus von Denninghoff.
stück deutscher Kupferschmiedearbeit. In dem in ganzer Raumhöhe mit lichtgrünen Kacheln ausgestaltetem Raume wirken sie auf den Beschauer außerordentlich reizvoll. Mit Antikglas und Ornamenten versehene Fenster geben dem Sudhaus tagsüber eine angenehme Beleuchtung, am Abend erhellen mattweiße Beleuchtungskörper ah der Decke den großen Raum. Von den vier kupfernen Braukesseln stellt der 17 000 Liter fassende „Weigel-Hochdruck- Würzekessel" eine ganz neuartige Einrichtung dar, die es ermöglicht, das Bier unter Druck zu kochen. In diesem Betriebe sind ferner automatische Schaltanlagen für die in einem tiefergelegenen Raume untergebrachten Motore nach modernsten Gesichtspunkten zur Anwendung gekommen. Maschinenlärm oder sonstige Geräusche des Arbeitsprozesses sind von dem Sudhausbetrieb bewußt ferngehalten worden, um den Betrieb des Bierkochens freizuhalten von allen störenden Geräuschen. In dem Motorenraum unter dem Sudhaus sieht der Besucher eine umfangreiche technische Anlage, bei der wiederum die reichliche Verwendung von blitzenden Kupferrohren besonders auffällt. Die Räume über dem Sudkessel-Saale sind mit betrieblichen Nebeneinrichtungen der Brauereiarbeit, wie Schrotmühle u. dgl., ausgestattet.
' Gegenüber dem Sudhaus, am Wernerwall gelegen, steht der mächtige Bau der Mälzerei, der Gärkeller-
: anlage und der darunter eingerichteten großen Lagerkeller, der Faßwäscherei und der Expeditions-
: anlage. Im Mälzerei-Betrieb sieht man riesige Lager von feinster Braugerste aufgestapelt,
: ferner mächtige Bottiche, in denen die Gerste durch Wasserbehandlung in verschiedenen Stufen für die Mälzerei vorbereitet wird, nachdem sie vorher durch Rcinigungsmaschinen. Siebe usw. ihren Weg vom Lager genommen hat. Weiterhin be/nerkt man riesige Getreidesilos, in denen die verschiedenen Gerstensorten, je nach ihrem Verwendungszweck, getrennt aufgestapelt liegen, man lernt außerdem große Silos mit lagerndem Braumalz kennen, sieht mit Stau-
i nen eine gewaltige Malztrommel, in der die Gerste im Gegensatz zur Tennenmälzerei durch ein Trommelverfahren für den letzten Verwendungszweck vorbereitet wird. In einem auf gleicher Temperatur um etwa 0 Grad gehaltenen Lagerräume sieht man riesige Ballen Hopfen aus den verschiedensten Produktionsstätten aufgestapelt liegen und kann sich dabei auch an dem würzigen Geruch des Hopfens erfreuen. Mit großem Interesse kann man in diesem Teile des umfangreichen Betriebes weiterhin ein gewaltiges Kühlschiff sehen, auf das vom Sudhaus her das gekochte Bier geleitet wird, um dort in kurzer Ruhepause die beim Kochen ausgeschiedenen Bestandteile abzusetzen. Don diesem Kühlschiff aus wird das Bier über einen von innen gekühlten kupfernen Kühlapparat in die großen G ä r k e l - l e r geleitet, in denen Bottiche der verschiedensten Größe, — mehrere davon fassen rund 20 000 Liter Bier und jeder stellt für sich allein so ungefähr ein kleines Schwimmbad dar — innen mit Glasemaille ausgekleidet, den kostbaren Stoff aufnehmen und ihn dem Gärungsprozeß überlassen. Auch in diesem Gärkeller sind die Räume mit Kacheln ausgelegt, so daß die größte Sauberkeit gewährleistet ist. Nachdem das Bier in den Gärbottichen etwa 12 Tage lang der Gärung unterworfen blieb, wird es in Riesenfässer in den Lagerkeller geleitet, wo es je nach der Qualität eine mehrmonatige Lagerzeit durchzumachen hat, bis es die Reife zum Ausstoß und zum Versand besitzt.
Unter den Gärkellern befinden sich die Lager-
falls den Anspruch erheben, zu den bedeutendsten Betrieben gerechnet zu werden. In den letzten Monaten hat das Unternehmen durch eine bedeutsame Betriebserweiterung mit umfangreichen Bauarbeiten noch über seinen üblichen Wirkungsbereich hinaus etwa 10 Wochen lang rund einem halben hundert Volksgenossen Arbeit und Brot gegeben, und dadurch im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit erhebliche Hilfe geleistet.
Nachdem kürzlich das große Bauunternehmen im Gießener Brauhaus zum Abschluß gekommen ist, haben wir unter Führung eines Mitinhabers der Firma einen Rundgang durch die umfangreiche Brauerei unternommen, um unseren Mitbürgern einen Bericht über diesen weithin bekannten Betrieb geben zu können. Wir betraten zuerst das Kesselhaus, in dem zwei riesige Dampfkessel mit 170 bzw. 150 qm Heizfläche und automatischer Kohlenzuführung als Kraftquelle für den großen Betrieb in Benutzung sind. Hier ist auch ein automatischer Wasserreiniger in Betrieb, der für kesselsteinfreies Wasser sorgt. Die Dampfkessel versorgen die in der
Ins heilige Land.
Von Walter von Molo.
Seit Wochen waren Lärm und Rossetraben im stillen Donautal. Glühend stand die Frühlingssonne darüber, vom Hahnenschrei bis zum Avelauten. Schweres Reiten war's im Eisenkleid, und der Weg zum heiligen Grab ist weit. Schon wieder riefen vereinzelte Hörner zur Mittagsrast.
„Wir wollen noch ein Stück traben", sagte der Mildenburg und nahm den schweren Eisentopf von der weißen Stirn, auf der der Druck des Helmes eine rote Schramme ließ, „und erst halten, wenn sich das Tal breitet und Schatten zeigt; hier kann man nichts sehen vor Staub, den die Troßbuben aufwirbeln." — ,^Laßt gut sein", lachte der Wolfen, „es wird heißer, drüben in Antiochia, und statt der Troßbuben werden uns die Sarazenen ärgern."
Sie ritten jetzt ohne Worte, zur Rechten Felsen und Fichten, zur Linken den langsam ziehenden Strom. „Kämen jetzt die Sarazenen, wären wir übel beraten, hülfe nicht Herr Christus!" sagte nach eines Weile Klaus Zehren. Er zeigte mit scheuem Blick die Felsen hinan. „Da droben gab's fröhliches Nisten für die Hunde und die Kobolde ihres heidnischen Dienstes?" — „Sie haben höhere Berge und reißendere Ströme, wo Roß und Mann, ohne Kobold, im Strudel sinken!" sprach der Wolfen. „Wenn man im Lande gewesen, dunkt's sicher daheim. Vertrauet! Vertrauet!" Er brach ab und horchte dem Liede, das die Mönche neuerlich an- stimmten, die unentwegt an der Spitze zogen: er hängte den Kopf. Klaus Zehren fragte schnell und riß an den Zügeln: „Warum nahmt Ihr eigentlich, Mildenburger, das Kreuz?" — „Ich gelobte, der Kirche zu dienen und die Schwachen zu schirmen, da gab es kein Zögern, als der große Bernhard das Kreuz predigte fürs heilige Grab ... — „Uni) Eure Bauern zogen davon und ließen Eure Dörfer und Weiden leer?" lachte der Wolftn. „Die Felder liegen brach und können keine Frucht bringen? Ihr mußtet, mit wolltet Ihr nicht hungern, solltenl nicht die Hörigen gezogen fern, wider Euren Willen« Aufgejagte Höflingsröte lief über das wohlge- pfleqte Antlitz des Mildenburgers; er griff haltsuchend nach der goldenen Schaumunze, die ihm auf der Brust klingelte, unb sch über ben Strom. Die mächtigen Umrisse einer Burg zelchneten sch über bem Üferberg. „Der Gunbagg reitet nicht im Zug?" sagte ber Templer nachdenklich. „Sem Haus ist wie Schloß Krak auf der Straße nach Tripoli; man sieht an ber hoppelten Mauer und bem zwiefachen Graben, baß fein Vater mit Gottfried von Bouillon war." — „Er muß daheim Minne treiben", lachte ber Zehren höhnisch: „grauen- liebe! ..." — Herr Heinrich sah zu bem zerstampften Straßengrund nieber. „Ich will nicht rühren an Cure Rebe", sagte ber Milbenburger vorsichtig, „doch der Gunbagg hängt stark an feinem jungen Weibe __ Er soll kommen!" grollte der Zehren. „Ich bin bereit!" Er bekreuzigte sich. — „Ein Edler schweigt
über ber Liebe Dinge", verwies ber Templer; Klaus Zehren sah in drohend mit funfelnben Augen an. — „Laßt ber anberen Weiber, ihr Herren; benkt ans Rasten!" rief ber Milbenburg unb bog rechts ein, wo bas Teil zur Breite sank, „hier ist gut lagern!" — „Wir wollen zu Pfern bleiben", sprach ber Templer, „bis bie anbern vorüber sinb, bamit sie uns ben Lagerplatz nicht schmälern."
Unabsehbar zogen bie Scharen, wirr durcheinan- ber, staubbebeckt, Ritter unb Knappen, Bauern mit Weib unb Kinb, Mönche unb Troßgesindel, in dich- ten Haufen; schreienb psalmierenb, baß ber Huf- schlag ber Pferbe unb bas Poltern ber Vollräberkarren im Lärm unterging. — Der Wolfen sah sehnlich zum blauen Frühlingshimmel empor unb schnob ben zarten Duft ber weißen Blüten em, ben bie triebtollen Bäume in ber Mittagsschwüle ausatmeten:
„Heimat?"
„Da ist er wieber!"
Im wogenben Braun unb Grau bes niebrigen Volkes ragte ein Ritter; ber Schaum lag seinem massigen Rappen auf ber gewölbten Breitbrust. Kein Zeichen trug ber Schwergepanzerte, auch nicht bas Kreuz. Das Visier war herabgeschlagen; auf bem Bügelfuß staub bie Lanze. Starr zog ber Ritter vorbei.
„Niemanb weiß um ihn!" — „Laßt's Euch nicht kümmern; es reitet im Zug mancher, ber nut geschlossenem Gitter ziehen muß." Der Templer wenbete ben Braunen unb griff mit ber Elsenfaust in aufgerichtete Fischernetze, bie in ber Sonne trockneten. „Hurtig!" Er riß bie Stecken, an benen bie Schnüre hingen, aus bem Wiesengrunb unb warf sie zur Seite. „Hier wollen wir rasten, bis ber Troß vorüber ist." Mit schwerem Schwung lanbete ber Templer auf ber Erbe; langsam, bie Hilfe seiner Knappen gewöhnt, kletterte ber Milbenburg aus bem Sattel. Der Templer warf seinen Helm ins grüne Gras unb sich baneben. „Ich will noch ein Stück reiten unb erst rasten, wenn meine Leute kommen", sagte Klaus Zehren, „Gott befohlen!
Herr Milbenburg lag ber Länge nach im fchwel- lenben Gras unb sah ben Schwalben zu, wie sie in ber Höhe schlanke Bogen fuhren; ihm war behaglich zumute.
Der Wolfen kreuzte bie Arme unter bem narbich- ten Kopf, auf ben geschwungene Sarazenenklingen krumme Wege gezeichnet hatten. — Mit einem Ruck war er aufrecht: Stahl scholl gegen Stahl. Der Milbenburg hob sich schmerzlich aus seinen sehnsüchtigen Phantasien zu halber Höhe: „Strel- tenbe Männer?" Der Wolfen fing Helm unb grafenben Gaul: schon saß er unb gab seinem Braunen, bem noch bie Halme vom Maule hingen, ben eisernen Zinken. Schwer angaloppierenb bog ber Wolfen in bie Flußstraße em; halb horte er hinter sich bes Milbenburgers Gaul schnaufen. Er hob sich im Sattel unb sah zwei Reiter bie roiber cinanber anrannten. Herr Veit Visier,
ba schrie der Milbenburger: „Er fallt! Nur em
Reiter ragte noch aus bem Kopfgewimmel bes Troßgefinbes, bas ben Streitplatz umftanb, das jetzt ber Unbekannte mit blutiger Lanze burchbrach, bas freie Felb zu gewinnen. Der Wolfen sperrte ben Weg. Breit unb brohenb stanb sein Gaul, bie schweren Beine tief in ben fetten Ackergrund gepflanzt, bie rot-silber gewimpelte Schärpe flog im Frühlingswinb. „Zeigt bie Farben!"
Der anbere bot sein.Antlitz bar: blaue, funkelnbe Augen über flatterndem Blonbbart. „Gunbagg?" — Der Gunbagg trieb seinen Rappen näher. „Ich hatte eine Rechnung mit Zehren. Ein ehrlicher Handel! Gott geb' ihm Verzeihen unb mir ben fröhlichen Erben. Mein Weib hat jetzt Ruh!" Zu ben Knappen, bie sich um ben Toten scharten, rief ber Gunbagg: „Wer mir übel will, ich halte zum Kampf!" — „Es kommt keiner", brummte ber Wolfen. Der Gunbagg fanbte einen Blick über bes Zehren steife Hülle im Gras unb rief mit starker Stimme: „Es wirb euch ein Reiter einholen, vom König Konrad; er künbet ßanbfrieben unb Ruhen ber Privathändel für bie Dauer ber Fahrt! Wenn ihr ben Recker nicht seht, nehmt an, er sei in bie Irre geritten; bie Kunde wißt ihr!" — „Der Reiter seib Ihr", sprach ber Wolfen; ein Zucken lief über fein faltiges Antlitz, bas bie Sonne bes Morgenlanbes zum Pergament gebräunt hatte. „Lebt wohl, bleibt Hohenstaufen treu, es werben nicht viele rückkehren vom gelobten Laub." Der Wolfen trabte bie Straße zu unb sah sich nimmer um.
Der Gunbagg ließ seinem Gaul bie Zügel. Er zog burch bie öffnenden Menschenreihen, über ben gärenben Ackergrunb, heimwärts; bie Lanze vor sich auf bem Sattel, ein verträumtes Lächeln in ben Frühling lächelnd.
Noch lange klang ihm bas Pfalmieren der Mönche in ben Ohren. Als er bie Donaufähre erreichte, verklang ber letzte Laut.
6od)fd)ulnochrid)fea
Professor Dr. Wilhelm Stepp, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik in Breslau, hat den Ruf an die erste Medizinische Klinik der Universität München als Nachfolger von Geh. Rat Professor Dr. von Romberg angenommen.
Professor Dr. Karl Zipf von der Universität Münster hat einen Ruf als Ordinarius und Direktor des Pharmakologischen Instituts an der Universität Königsberg angenommen.
Professor Dr. R. Schröder, Ordinarius für Frauenheilkunde an ber Universität Kiel, hat einen Ruf an bie Universität Freiburg i. B. abgelehnt.
Dr. W. Meißner, Privatbozent für Physik an ber Universität Berlin, hat einen Rus an bie Technische Hochschule in München angenommen.
Osterblümchen.
Von Hans jRiebou.
Wann ist Ostern?
Zwei Herren stehen auf ber Straßenbahn. Die beiden Herren kommen ins Gespräch.
„Es ist boch eigentlich merkwürdig und umständlich mit dem Osterfest", sagt der eine. „3n jedem Jahr liegt es anders, unb in jedem Jahr muß man den ersten Vollmond nach dem 21. März ausrechnen, und der folgende Sonntag ist dann der erste Dftertag."
„Wieso?" zuckt der zweite Herr die Achsel, „was mich betrifft, so mache ich mir die Sache viel leichter: Ich sehe im Kalender nach."
Marzipaneier.
„Ostern am 1. April, das ist ein seltenes Zusammentreffen", sagt Herr Niander, „und man muß sich alle Mühe geben, bem Sinn bes einen wie bes anderen Tages genügend Rechnung zu tragen."
„Rechnung zu tragen, wieso?" fragt Herr Kohlrausch.
„Nun", fährt Herr Niander fort, „in diesem Jahr genügt es nicht, Ostereier zu verstecken unb sie suchen und finden zu lassen. Nein, es entsteht vielmehr die gebieterische Notwendigkeit, mit dieser guten, alten Sitte einen Aprilscherz zu verbinden."
„Aha", lächelt Herr Kohlrausch. „Und Sie haben es getan?"
„Allerdings", fährt Herr Niander fort. „Ich habe Ostereier versteckt, im Garten, in ben Hecken und in ben Buchsbaumbeeten. Meine Frau unb meine beiben Töchter haben sie gesucht unb gefunben, und als sie die Körbchen gefüllt hatten, haben sie gefragt: „Alles Marzipan?"
„Natürlich", habe ich gesagt, „alles Marzipan."
Und dann haben sie in die schokoladefarbenen Eier gebissen — gebissen und gebissen, und die Tränen sind ihnen nur so die Backen hinuntergekullert."
„Die Tränen?" fragt Herr Kohlrausch.
„Die Tränen!" nickt Herr Niander. „Die Eier waren — haben Sie es sich nicht schon denken können? — aus Seif e."
,^>aha", lacht Herr Kohlrausch, „unb ihre Frau unb ihre Töchter, was haben sie bazu gejagt?"
„Was sollen sie dazu gesagt haben", seufzt Herr Niander. „Sie haben geschäumt!"
Vegetation.
Die Familie hat Ostereier gesucht, unb nun geht sie im Garten spazieren. „Merkwürbig", sagt Herr Lengemann, „es ist boch noch gar nicht so recht warm gewesen. Trotzdem ist bie Vegetation schon sehr weit fortgeschritten. Ich kann mich zum Beispiel" — unb Herr Lengemann zeigt auf bie leuchtend-gelben Blüten auf ben Beeten — „nicht erinnern, baß bie Osterblumen schon einmal am ersten April geblüht hätten."
„Aber bas ist boch nicht merkwürdig", schüttelt Frau Lengemann den Kopf. „Ostern ist doch in diesem Jahr auch außergewöhnlich früh!"
versehen, bk es dem Braumeister als fachlich hoch- wertigen Feinschmecker des Bieres ermöglichen, von Zeit zu Zeit nach dem Wort „Trinken wir noch ein Tröpfchen" den Zeitpunkt für die Reife des Vieres festzustellen.
Sobald diese Zeit gekommen ist, tritt der große Adfülldetrieb in Funktion, der sich über dem Lagerkeller befindet und durch eine sinnreiche Apparatur einen flotten Verlauf des Arbeitsganges ermöglicht. Nebenan befindet sich die F a ß w ä s ch e - rei mit einer sinnreichen maschinellen Einrichtung, die es ermöglicht, innerhalb einer Stunde rund 180 Fässer von normaler Größe außen und innen gründlich M waschen. Wenn dann die Faßkontrolle ein Faß als nicht ganz einwandfrei feststellt, wandert dieses Faß zur Picherei, wo es gründlich behandelt und für die Wiederverwendung bereit gemacht wird. Hierauf kann es wieder m den Der- sandbetrieb eingestellt werden.
Große Lastautos und Pferdefuhrwerke sorgen dann für den Abtransport zu den Ausschankstellen, in denen sich der frohgemute Zecher den Tropfen wohlschmecken läßt.
Aus Ser Provinzialhauptstadt.
Ostern.
Wir haben ein Recht darauf, Ostern ein deutsches Fest zu nennen; denn das deutsche Volk hat ihm eine besondere Ausprägung gegeben. Deutsch'ist der Brauch der Herrnhuter Brüdergemeinde, am ersten Ostertag, bevor der Tag graut, auf den Gottesacker zu gehen, zu warten, bis der erste Strahl der Sonne im Osten aufblitzt, und dann über den Gräbern einen ergreifenden Gottesdienst zu halten. Der Name „Ostern" stammt aus der Frühzeit der Geschichte der Germanen. Goethes Schilderung des Osterspaziergangs hat zum Hintergründe eine deutsche Stadt aus dem 18. Jahrhundert. Paul Gerhardt, der in seinen geistlichen Liedern — man denke an das berühmte Sommerlied — deutsche Natur und deutsches Volkstum so innig geschildert hat, beschreibt altes deutsches Soldatenleben, wie es sich zur Zeit Luthers und zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges Mpiette, wenn er in einem Öfter» liebe singt: „Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei; eh er's uermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft. Viktoria! schwingt fröhlich hie und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält." Sodann ist der deutsche Frühling bei uns untrennbar mit dem Osterfeste verbunden. Dem Frühling gehen seine Vorboten voraus. Die Vögel fingen, wenn der Winter zu Ende ist, früh vor Tag auf den kahlen Bäumen ihr Lied. Schneeglöckchen, Priemeln und Veilchen wagen sich schüchtern aus dem Erdboden hervor. Leuchtend scheint die Sonne herab auf das deutsche Land. Eine alte Volkssage berichtet, am ersten Ostertag tanze die Sonne beim Ausgehen vor Freude. Das sichere Zeichen, daß der Frühling da ist, ist, wenn um die Osterzeit die alten Menschen, die im Winter mißgestimmt und verzagt waren, auf den Stock gestutzt in das Freie gehen und wenn die deutschen Kinder auf den Straßen Ringelrosenkranz und andere Spiele spielen.
Aber wie Jesu Reich sich über alle Grenzen erstreckt, so ist Ostern ein Fest, das von der Christenheit der ganzen Erde gefeiert wird. Christ ist erstanden von der Marter alle, so erklinat es in mannigfachen Variationen über die ganze Welt, und die Christen gründen ihre Hoffnung auf das Fortleben in einer besseren Welt und eine Wiedervereinigung mit denen, die ihnen im Leben nahestän- den, auf die Auferstehung Jesu von den Toten. Auf dem Grabe eines Deutschschweizers, der auf dem evangelischen Friedhöfe an der Pyramide des Cestius zu Rom bestattet ist, steht die kurze Inschrift: „Und dennoch!" Sie mag aus dem 73. Psalm abgeleitet sein, wo ein frommer Menfch der Vorzeit zu Gott spricht: „Dennoch bleibe ich stets an dir", sie bringt dasselbe zum Ausdruck, was Paul Gerhardt meint, wenn er Jesus einen Helden nennt, der Feld und Mut behält.
Gegen Jesus sind zu allen Zeiten Gegner angestürmt, von dem griechischen Arzte Celsus an, der das Christentum schon ipi zweiten Jahrhundert seines Bestehens bekämpft hat, über Voltaire hinaus, der der christlichen Weltanschauung mit scharfem Spott und bitterer Ironie entgegengetreten ist, bis zum Pancheismus der neueren Zeit, dessen Anhänger die Lehre aufstellen: „Gott ist nicht in Jesus, seinem Sohne, wie ihn die Christen nennen, in die Welt getreten, sondern er ist in dem Weltall zu finden, im Blühen des Frühlings, im rieselnden Schnee, im Fische, der aus dem Wasser emvor- schnellt, im Dvgelflug, auch im Menschengefft, Gott ist also dem All gleichzusetzen." Unzählig viele Widersacher, und dennoch gewinnt Jesus von Jahr zu Jahr einen größeren Geltungsbereich.
Ostern bedeutet den Sieg des Lebens über den Tod, den Sieg der Idee über die Unvernunft. Auch in diesem Sinne ist das Fest, das wir in diesen Frühlingstagen feiern, ein deutsches Fest. Wir glauben an die deutsche Treue, an den Adel des pflichttreuen und gewissenhaften deutschen Menschen. Sonst könnten wir nicht verstehen, wie Hunderttausende im Krieg ihr Leben für ideale Güter lassen konnten, wie ein Mann wie Richthofen setzt vor sechzehn Jahren als Flieger für das Vaterland gestorben ist. Auch in dem Sinne soll diesmal Ostern ein deutsches Frühlingsfest fein, daß wir an eine neue, schönere Zukunft unseres Vaterlandes und Volkstums glauben und in den Kreis derer ein- treten, die diese Zukunft herauszuführen bestrebt sind. H. B.
Konfirmation.
Von probst und SuperiniendentOc.Borrmann
Eine der schönsten Familienfeiern — die Einsegnung — ist in vielen Gemeinden untrennbar mit dem Palmsonntag verbunden. Aber wenn diese Feier eine wirklich christliche sein soll, muß in ihrem Mittelpunkt eben die kirchliche Feier — die Konfirmation selber — stechen. Daß des Hauses Kind an diesem Tage eingesegnet wird in die Gemeinschaft der Gläubigen, daß es sich bekennt zu dem lebendigen Gott, daß es fein Gelübde ablegt, in der Nachfolge Jesu den Lebensweg zu führen — das ist der tiefste Sinn und der heiligste Inhalt des Festes der Konfirmation.
Freilich, wenn die Konfirmanden am Altar ihr Gelübde ablegen, muß dies recht verftanden werden. Den oft noch so kindlichen Seelen kann eine bewußte Glaubensentscheidung in des Wortes tiefster Bedeutung in vielen Fällen einfach noch nicht zugemutet werden. Wie sie geistig noch nicht mündig find, so sind sie es oft auch noch nicht in seelischer Hinsicht. Und wir wollen gerade von diesen jungen, noch in der Glaubensentwicklung stehenden Seelen nichts Uebersteigertes und damit Unmög- liches verlangen. Man würde damit das Gegenteil dessen erreichen, was man doch erreichen will und was Konfirmation ja schon dem Namen nach bedeutet: die Festigung des Glaubens. Wir wollen
Gaarkundgebung in Gießen.
An den Osterfeiertagen haben wir etwa dreißig Volksgenossen aus dem Soargebiel zu Gast in unserer Stabt Zum Zeichen der Verbundenheit mit ihnen in ihrem Kampfe um ihre deutsche Heimat grüßen von allen deutschen Häusern die Fahnen des Dritten Reiches. Die Fahnen werden gehißt am ersten Osterfeiertag, um 16 Uhr. Keine deutsche Familie wird eine Ausnahme machen.
Am ersten Osterfeiertag um 18 Uhr am Bahnhof feierliche Begrüßung der Saardeutschen durch die Stabt Es spricht ber Beigeorbnete der Stabt Gießen, pg. Bartholomaus Es wirkt mit ber Spielmannszug bes Gießener Jungvolkes. Anschtießenb bringen wir die Gäste an ihr Quartier. Es ist eine selbstverständliche pflicht, daß jeder erscheint, der erscheinen kann, vor allen Dingen die deutsche Jugend.
Am zweiten Osterfeiertag um 15 Uhr auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900 auf dem Trieb große Saarkundgebung unter Mitwirkung der SAR. Kapelle, der SA., der HI., des Jungvolks.
Für sämtliche Gießener Vereine ist es pflicht, an dieser Kundgebung teilzunehmen. Jeder Vereinsführer ist persönlich dafür verantwortlich, daß sein Verein geschlossen leilnimml Geschlossen teilnehmende Vereine und Formationen erhalten Karten zum verbilligten preise (30 pf ). Die Vorverkaufssielle für sämtliche Vereine ist bei pg. Kart Keiner, Bahnhofstraße 8 (Laden), da die Kreisleitung vor den Feiertagen geschlossen ist. Anzugeben ist der Rame des Vereins, des Vereins- fsihrers und die Anzahl der Teilnehmer. Uniformierte haben auch verbilligten Eintritt.
An der Kundgebung nimmt die S A. - R e s e r v e teil Abmarsch um 14 Uhr vom Lokal des pg. $ o 1- dan mit der Kapelle nach dem Sportplatz.
Im Anschluß an die Kundgebung findet ein Fußballspiel gegen den Saarverein 07 Saarbrücken statt, heil Hiller!
Die Kreisleitung Gießen.
gez.: Schmelz, Kreispropagandaleiter.
An alle Vereinsführer Gießens
Jeder Vereinssührer ist persönlich dafür verantwortlich, daß sein verein geschlossen an ber Saarfunbgebung teitnimmt.
Die Eintrittskarten müssen bis zum Samstag (31. März) um 18 Uhr bei ber Vorverkaufsstelle pg. Karl Keiner, Bahnhofstraße 8 (Laben), abgeholt fein. Anzugeben ist Jlame bes Vereins, bes Vereinsführers unb bie Zahl ber Teilnehmer.
Vereinsfahnen werben zur Kundgebung nicht mitgenommen.
An alle Beamten.
Wir erwarten, daß sich alle Beamten an der Saarkundgebung am 2. Osterfeiertag um 15 Uhr auf dem Trieb beteiligen.
Oie Kreisleitung Gießen.
3.21.: Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Zahnen heraus!
Die Einwohnerschaft Gießens fordern wir auf, anläßlich der Saarkundgebung am 2. Ofter- feierfag ab 1.Feiertag, 16 Uhr, ihre Hauser reichzu beflaggen. Kein Haus in Gießen darf ohne Flaggenschmuck sein! Ls ist unsere pflicht, hierdurch unsere Verbundenheit mit unseren schwer kämpfenden Volksgenossen an der Saar zum Ausdruck zu bringen.
Bürgermeisterei Gießen.
I.v.. Bartholomäus.
Die „Woche des Veruses" vom 9. bis 15. April.
Achtung!
Zur Eröffnung der „Woche des Berufes" vom 9. bis 15. April findet am Sonntag, 8. April, 16 Uhr, in ber Volkshalle eine
Großkundgebung
zum Reichsberufswettkampf ber beut- fche n Jugend statt. Ls sprechen
pg. Beigeordneter Heinrich Bartholomäus, Gießen
und
Oberbannführer ber Hitler-Jugenb
Walter Blumenröber, Friedberg
Ls spielt die Muslkschar Alsfeld der Hitler - Jugend.
Deutsche Arbeiter! Deutsche Bauern! Führer der Betriebe! Handwerksmeister!
Ls ist eure nationale pflicht, bei dieser Kundgebung deutscher Aufbauarbeit anwesend zu sein!
Ls ist der Wille des Führers, daß ihr dem jungen Rachwuchs eurer Berufe Vorbild seid und helft, daß der Weltruf des deutschen Arbeiters und seiner Arbeit für alle Zukunft unserem Vaterlande erhalten bleibt. — Darum zeigt euren Aufbauwillen und
erscheint kn Massen!
(Eintritt frei!
heil Hitler!
Der Führer des Bannes 116: Gez.: Alfred Häuser.
gerade im Blick auf die jungen Konfirmanden Martin Luthers tiefsinniges Wort zu uns reden lassen: „Ein Christ steht nie im Gewordenfein, sondern steht immer im Werden.
Aber so viel muß und kann von jedem Konfirmanden an seinem Einfegnungstage und bei seinem Konfirmationsgelübde verlangt werden, daß es ihm ernst ist, heiliger Ernst um seine Seele. Er soll in Ehrfurcht vor Gott treten an diesem bedeutsamen Lebenstage und es in tiefster Seele spüren: Gott ist gegenwärtig, alles in mir schweige und sich innigft vor ihm neige! Was das Ziel des ganzen Konfirmandenunterrichts, wenn er ein rechter Unterricht gewesen war: die Erziehung des Konfirmanden zur Ehrfurcht vor Gott und zum festen Vertrauen auf Gott, das soll nun als Bekenntnis im Konfirmationsgelübde feinen tiefsten Ausdruck finden. Und der weitere Lebensweg muß das Ja sein auf dieses Gelübde, muß beweisen, daß der junge Mensch in Ehrfurcht vor und im Vertrauen auf Gott nach Gottes Geboten lebt und auf Gottes Wegen wandelt.
Wem fiele bei solchen Gedanken nicht der eigene Konfirmationstag und das eigene Konfirmations- gelübbe ein! Es ist in manchen Gemeinden Sitte geworden, den Tag der silbernen ober der goldenen Konfirmation zu feiern, und wahrlich, das ist eine Sitte, die wert ist, allgemein ein geführt zu werden. Aber auch wenn wir solch ein Konfirmationsjubiläum an diesem Palmsonntag nicht feiern, io ist doch die Besinnung auf unser Konfirmationsgelübbe uns dringend not. Gerade an solchem Tage, an dem wir vielleicht das eigene Kind zur Konfirmation geleiten, wacht des Dichters Wort in unfern Herzen auf: „Ich ließ die Leere und ließ den Schaum, ich ließ die Zeiten und ließ den Raum, ich ließ des Daseins schillernden Saum — da fand ich mein Herz, ich erkannte es kaum." Und in der Erkennt- nis all dessen, was wir versäumt haben gegenüber unferm Gott, in der Erkenntnis dessen, worin wir unserem Konfirmationsgelübde untreu wurden wacht die Sehnsucht, nein mehr: Wacht der Entschluß auf, von nun an treuer dies alte Gelübde zu halten und dadurch nicht nur dem eigenen Kinde das beste Vorbild für feine Treue zu diesem Gelübde zu sein, sondern dadurch GoU wieder näherzukom« men Und so wird der Konfirmationssonntag auch den langst Konfirmierten zu einer Art nochmaliger Konfirmation, bie vielleicht noch gesegneter ist als unsere erste in ferner Jugendzeit.
Hebt mehr Jlofurfd)u^f
Die unablässigen Mahnungen in Wort und Schrift, das deutsche Volk möge sich für bie Er- boltuny seiner heimatlichen Land- schäft und ihrer Tier- unb Pflanzen- weit, losgelöst von dem G"dankengang bes ner- sonl'chen Nutzens ober Schabens, burch bie Tat Einsetzen, scheinen viele Volksgenossen noch nicht er- reicht zu haben. Sonst wäre es nicht denkbar, daß auch in diesem Frühjahr wi-der ganze Bündel Seidelbast aus ben Wälbern um Gie- Jen heimgeschlevvt unb die Sträucher selbst dabei in ber schänblichlten Weise mißhanbelt werden. Dabei steht ber Seidelbast auf der Lille der- senigen Pllanzen, deren Ausgraben ober Reschäbi- gen mit hoher Gelbstrafe bebrobf ist. Das Schnei- den und Roden von Hecken und bas Sengen von Rainen ist im Interesse des Vogelschutzes schon seit 1. März verboten. Trotzdem raucht es brgußen, wo vielerorts noch bie Robhacke
tätig ist, allenthalben, und das Beispiel der Alten scheint die Jugend anzueifern, gleiches zu tun. So ist auch zweifellos ein Brand entstanden, dem am Mittwoch, 28. März, die alte Linde am „Hölzernen Born" fast zum Opfer gefallen wäre. Nur dem Eingreifen zufällig vorüberkommen- der Jäger ist es zu verdanken, wenn die Löschversuche ber Feuerwehr von Alten-Buseck noch so rasch einsetzten, baß hoffentlich ber alte Wahrbaum gerettet worben ist. Ob es wirklich gelang, wirb ber Sommer zeigen müssen. Es ist allerhöchste Zeit, baß sich ber Kreis berjenigen erm<>itert, bie bereit sinb, wirklichen Naturschutz ber T a t zu betreiben unb bie Schänber ber heimatlichen Natur rücksichtslos ber Bestrafung zuzu füh- r e n. Gute Gesetze für Naturschutz sinb da, aber wirklicher Naturschutz kann daraus nur werden, wenn ihr Wollen von jedem Natur- und Heimatfreund in die Tat umgesetzt wird.
H ö lzel, Staatlicher Vertrauensmann für Naturschutz.
0er neue Gießener Oberbürgermeister
Wie das Personalamt der Hessischen Staatsregierung bekanntgibt, ist Kreisbirektor Heinrich Ritter in Bingen mit Wirkung vom 1. April 1934 ab zum kommissarischen Oberbürgermeister ber Stabt Gießen bestellt worben.
Fraktionsführer Hahn Beigeordneter von Worms.
Der Führer ber nationalsozialistischen Gießener Stabtratsfraktion Gerichtsassessor Wilhelm Hahn ist nach einer Bekanntmachung bes Personalamts ber hessischen Staatsregierung zum kommissarischen Beigeorbneten ber Stabt Worms bestellt worben. Beigeorbneter Hahn hat sich in seinem Wirken als Führer unserer nationalsozialistischen Stabtrats- sraktion, ber seit ber nationalsozialistischen Revolution vor einem Jahre bie kommunalpolitischen Geschicke unseres Gemeinwesens anvertraut sinb, stets in eifriger Weise um bas Wohl unserer Stabt bemüht. In Anerkennung seiner Verbienste in Gießen bars man ihn zu seiner Berufung zu größeren Aufgaben in Worms beglückwünschen.
Der Beigeorbnete Dr. Gustav Abvlf Körbel in Worms würbe zum kommissarischen Oberbürgermeister ber Stabt Worms bestellt.
Beförderung
des Gießener SA -Führers.
Der mit ber Führung der Standarte 116 in Gießen beauftragte Sturmbannführer Regierungsrat Lutter ist mit Wirkung vom 1. März 1934 ab zum Obersturmbannführer befördert worden.
Geh. Hat Olt tritt in den Ruhestand.
Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Der ordentliche Professor für pathologische Anato- mie und animalische Nahrungsmittelkunde an unserer Universität, Geh. Medizinalrat Dr. med. vet. et phil. Adam Olt, wurde auf fein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten langjährigen ausgezeichneten Dienste mit Wirkung vom 1. April 1934 an in ben Ruhestanb versetzt.
Geh. Rat Olt wirb auch ferner noch ehrenamtlich im Staatsdienst tätig fein und die Direktion eines an der ßanbesunioerfität neu geschaffenen Institutes für animalische Nahrungsmittelkunde
übernehmen und den einschlägigen Unterricht für die Studierenden der Veterinärmedizin erteilen.
Steueramtmann Metz.
Von bem Vorsteher des Finanzamts Gießen wird uns mitgeteilt:
Mit dem 1. April 1934 scheidet der bisherige Ober- steuerinspektor Karl Metz aus bem Beamtenver- banb des Finanzamts Gießen aus, da er unter Beförberung zum Steueramtmann an bas Finanzamt Mainz versetzt würbe. Aus diesem Anlaß fand eine schlichte Feier statt, in der das allseitige Bebauern über das Ausscheiden eines bewährten Amtsgenossen zum Ausdruck kam.
Amtmann Metz hat im Frühjahr_ 1899 bas Finanzamts-Examen erster Kategorie für ben hessischen Staatsdienst bestanden. In der Folgezeit wurde er, wie es bamals üblich war, überall herumgeworfen unb kann aus biefer Zeit allein 31 Verwendungen bei verschiebenen Behörben aufweisen. Zum 19. Dezember 1907 würbe er als Hauptsteueramtsassistent bei dem Hauptsteueramt Bingen etatmäßig angestellt. 1915 kam er an das Finanzamt Mainz I und ist seit biefer Zeit in bem Dienst ber Sleueroerroaltung geblieben. Im selben Jahre würbe er im Alter von 37 Jahren als nichtausgebilbeter ßanbfturmmann zum Jnf.-Rgt. 117 eingezogen unb hat sich bas Eiserne Kreuz oerbient. Die Zeit von 1918 bis 1923 in Bingen war für ihn wohl bie schwerste, benn er hatte hier bie ganzen Leiben der Besatzungszeit von Anfang an mitzumachen. In dieser Zeit wandte er sich, um ber deutschen Sache zu bienen, bem Junggeutschen Drben zu. Jederzeit hat er sich aktiv für bie beutsche Sache eingesetzt. Als ber Ruhrkampf unb ber passive Widerstand einsetzten, hat auch Amtmann Metz alles getan, um der deutschen Sache zu dienen, oft mit Lebensgefahr Nachrichten vermittelt unb sich an ber Abwehr beteiligt. Wie es leiber so oft vorgekommen ist, hat auch hier ein Deutscher bie deutsche Sache verraten unb ben Beamten wegen seiner Abwehrtätigkeit bei den Franzosen benunziert. Die Feier des französischen Nationalfeiertags vom 14. Juli 1923 gab noch feinen Freunben Gelegenheit, ihn zu warnen, und so unternahm er mit seiner Frau unb seinen beiden Jungen bie anstrengenbe und gefahrvolle Wanderung von Bingen über Biebrich-Wiesbaden durch ben Taunus. Er hoffte, in der Nähe des Feld- berges bie Grenze bes besetzten Gebietes überschreiten zu können. Durch Nebel kamen bie Wanderer aber in die unmittelbare Nähe einer französischen Grenzwache unb konnten nur mit Mühe im Wald verschwinden. Es gelang ihnen bann boch, bie Grenze zu überschreiten. Am gleichen Tage fand bie Haussuchung statt, bie zweiffellos zur Verhaftung von Metz geführt hätte. Im Jahre 1920 würbe er zum Steuerinspektor beim Finanzamt Bingen ernannt unb von bort aus hat er einige Zeit bie damalige Bezirkssparkaffe in Grünberg verwaltet. Mit bem 12. September 1923 zum Obersteuerinspektor befördert, war Metz bann bis jetzt am Finanzamt Gießen beschäftigt. Nachbem ber Jungbeutsche Or- ben, seiner ursprünglichen Bestimmung untreu geworden, nach links abgeschwenkt war. hat ihm Metz auch den Rücken gekehrt und sich ber nationalsozialistischen Bewegung angeschlossen. Hier in Gießen war er Kreisbeamtenabteilungsleiter unb in biefer Stellung führenb in der Bewegung tätig. Seine dienstlichen Leistungen sind durch die weitere Beförderung zum Amtmann anerkannt worden. Sein Weggehen wird allgemein bedauert; das Finanzamt Gießen und bie Bevölkerung werben ihn in gutem Anbeuten behalten.
Dank des WinterbistSwerks.
Vom Gaupreffeaml wird mitgeteilt: Für diejenigen Angestellten und Beamten, die während der Dauer des Dinierhilfswerks sechs Monate lang ihre Spenden abgeführt haben, wird anfangs April eine besondere Metallplakette herausgegeben werden. Diese Metallplakette soll ein sichtbares Zeichen des Dankes fein. Aber auch allen andern, die durch ihre Spenden die Volksgemeinschaft gestärkt haben, dankt das Winterhilfswerk von ganzem Herzen.
Die Gauführung des Dinterhilfswerks.
Wirtschastsbelebuug durch die Firma Bänninger.
Die Firma Bänninger GmbH, in Gießen erhöhte — wie uns mitgeteilt wirb — schon im Sommer vorigen Jahres ihre Belegschaft um 50 vH. unb bis zum Enbe 1933 um weitere 25 v. H., mithin also insgesamt um 75 v. H. Die Firma ist auch in biesem Jahre bem Rufe bes Führers gefolgt unb mit verstärkter Kraft barum besorgt, für bie noch auf Beschäftigung roartenben Volksgenossen Arbeit zu beschaffen. Zu biesem Zwecke werben bie Betriebsanlagen vergrößert, ferner ist eine ganze Reihe veralteter Maschinen aller Art burch neue ersetzt worben, woburch ebenfalls zahlreichen Volksgenossen Beschäftigung gegeben würbe. Die jetzt durchgeführte Vergrößerung ber Fabrikanlagen nimmt eine Fläche von etwa 1000 qm ein. Diese Erweiterung ist notroenbig, um Platz zu schaffen für bie Fabrikation neuer Artikel, bie Ersatz im Jnlanb bieten sollen für ben burch zollpolitische und Kontingentierungsmaßnahmen verschiebener Länber ausgefallenen Export.
Polizeibericht.
Einbrecher festgenommen.
Am 25. März würbe in Röthges (Kreis Gießen) ber 27jährige Arbeiter Georg Walthes aus Frankfurt a. M. burch bie SA. von Röthges wegen Diebstahls festgenommen unb ber Gendarmerie übergeben. Er gab sofort zu, vier Einbruchsbieb- stähle in Röthges unb brei Fahrrabbiebstähle in Rieder- unb Ober-Bessingen ausgeführt zu haben. Das Diebesgut konnte zur Stelle gebracht werben. Walthes wurde dem Amtsgericht in Laubach zugeführt unb in Untersuchungshaft genommen. Die Kriminalpolizeistelle Gießen, bie von ber Staatsanwaltschaft mit ber weiteren Aufklärung beauftragt mürbe, konnte Walthes noch als Täter bes Einbruchs bei bem Kirchenrechner inDorf - Güll, woselbst ihm 70 Mark in bie Hänbe fielen, unb bes Einbruchsversuchs in bas Pfarrhaus zu L i ch und in ein Kolonialwarengeschäft in Nieber-Bessingen ermitteln. Außerdem gab Walthes noch eine Anzahl Fahrraddiebstähle unb kleine Einbrüche zu, bie er in ber Nähe von Kassel verübt hat.
Jugendlicher Dieb festgenommen.
In der letzten Zeit wurden fortgesetzt Lichtmaschinen (Dynamos) von Fahrrädern, die in den Fahrrad-Abstellhallen des Dolksbades und der Gewerbeschule abgestellt waren, entwendet. Am 27. März gelang es ber Kriminalpolizeistelle, ben Täter zu fassen. Es hanbelt sich um einen 15jähri- gen Jungen, ber an ben Tatorten sein eigenes Fahrrad abstellte, Reparaturen vortäufchte, unb bei bitt sen Gelegenheiten an dem Nachbarrab bie Lichtmaschine abschraubte. Bei ber Festnahme gab der Junge zuerst einen falschen Namen an. Die entwendeten Lichtmaschinen hat ber Täter an Liebhaber zum
Lin Musikpavillon in den Anlagen
Stenographen-Weltfchreiben in Gießen
2 2 0 Silben:
Richtigschreiben:
wurden
übergeben.
(8)*
19
19
136
23
2
11
2
20
5
14
(4) (0) (4) (1) (9) (2) (1)
3. Preis: Fritz
2. Preis: Otto
1. Preis: Willi Redeschrift:
(7)
(4)
(17)
In Haus und Hof, in Sladl und Land mutz feiern noch so manche Hand, hilf, daß auch sie den Hammer schwingt, datz hell das Lied der Arbeit klingt!
2 4 0 Silben: Koch.
2 60 Silben:
Abteilung Red.
Abteilung Wilhelm, Franz Abteilung .Brückmcmn.
Schon- und
1. Preise: Friedrich von Lammers, Emil Jost, Luise Reinhardt.
* Die Zahl der Beanstandungen ist in Klammern genannt.
amt Gietzen zur Nachprüfung
Es waren folgende:
Mehl-, Back- und Teigwaren
Konditoreiwaren, Fruchtsäfte, Obst
Obstkonserven
Wurst- und Fleischwaren Milch und Milchkonserven
Als Abschluß der im verflossenen Winterhalbjahr geleisteten Arbeit und als Auftakt zu den diesjährigen Wettschreiben hielt die Ortsgruppe Gießen derDeutschenStenographen- s ck a f t in der Pestalozzischule ein Probe-Wett- s ch re i be n ab.
Daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit, die Kurzschrift nicht nur zu erlernen, sondern sie zu beherrschen, immer weitere Kreise durchdringt, beweist die Tatsache, daß
143 Arbeiten dem Wettschreibausschuß zur Bewertung vorgelegt wurden.
Dem Schreiben waren die in der Denkschrift über die Stellungnahme der NSDAP, zur Kurzschrift enthaltenen Destinnnungen zugrunde gelegt. Jeder Schnellschrerber mußte an einem Schön- und Richtigschreiben in Verkehrsschrift teilnehmen, um seine Systemsicherheit nachzuwersen. Die beiden Arbeiten wurden dann zusammen gewertet, d. h. das Ergebnis des Schön- und Richtigschreibens wurde bei der Bewertung der schnellschriftlichen Arbeit mit berücksichtigt.
Wenn von den bewerteten Arbeiten nur etwa 8 v. H. ausfielen, dagegen 85 v. h. derübrigen mit er st en Preisen ausgezeichnet werden konnten, so muß von einem hervorragenden, über Erwarten gutem Eraebnis gesprochen werden, das dem durch unermüdlichen Fleiß erworbenen Können der Beteiligten das beste Zeugnis ausstellt.
Liste der Preisträger:
Abteilung 60 Silben: 1. Preis: Hildegard Siebert, Reinhard Klotz: 2. Preis: W. Arnold.
Abteilung 80 Silben: 1. Preis: Grete
Die Anregung zur Errichtung dieses Pavillons ist schon vor einiger Zeit von dem verdienstvollen Schöpfer unserer SA.-Reserve-Kapelle, Sturmbannführer S o l d a n, gegeben worden, der auch' in der Besprechung am Donnerstagabend sich erneut warm für diesen Plan einsetzte. Er betonte dabei, datz es dann vielleicht möglich sein werde, durch die SA.-Reserve-Kapelle und die Reichswehr-Kapelle abwechselnd an jedem Sonntag unserer Bürgerschaft ein gutes Prome- nadenkonzert zu bieten. Der Plan wurde von dem Führerrat des Verkehrs- und Verschone- rungsvereins einstimmig begrüßt, und es soll nun mit Nachdruck alles geschehen, um diesen Pavillon baldigst zu errichten. Dazu ist aber die finanzielle Mithilfe unserer Bürgerschaft in gewissem Umfange erforderlich, die hoffentlich diesem gemeinnützigen Werk nicht versagt wird, so daß in der Nähe des Stadttheaters, dem einen „Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns" ein zweites dieser Art in Gestalt des Musikpavillons möglichst bald zur Seite gestellt werden kann.
Die Nahrungsmittelkontrolle wird im allgemeinen in der Oeffentlichkeit wenig beachtet, hin und wieder verschafft ein auffallendes Gerichtsurteil einen Einblick in diese wichtige Aufgabe der Polizei. In welchem weit größerem Umfang aber sich diese polizeiliche Tätigkeit im Laufe eines Jahres auswirkt, möge zur Beruhigung der Bevölkerung und zur Warnung für gewissenlose Händler nachstehende Schilderung zeigen:
Es wurden im Jahre 1933 von der Polizeidirektion Gietzen 267 Proben von Nahrungs- und Genutzmitteln dem Chemischen Untersuchungs-
Schmidt, Walter Zulauf, Georg Bingel, Erika Wigandt, Anneliese hucke, Erich Pfeil, Gretel Ockel, Hans Zück, Hanni Euler, Walter hällmayer; 2. Preis: Anneliese Lösch.
Abteilung 100 Silben: 1. Preis: Meta Löffler, K. h. Kuhl, Gretel Kreiling, Adolf Dörfner, Wilhelm Klöppel, Ernst Mest, Willi Jakob, Anneliese Ohr, August Müller, Else Stroh, Helmut Müller, Georg Schaaf, Hildegard Eisenacher; 2. Preis: Gustel Prang, Paula Bürck; 3. Preis: Emmi Wahl, Rudolf Feddeler.
Abteilung 120 Silben: 1. Preis: Emma Reitz. Hermann Blum, Gerda Hüter, Gertrud Möller, Annemarie Seibert, Anneliese Fuhrig, Wilhelm Bauer, Otto Keßler, Katharina Grill, Albert Klinke!; 2. Preis: Ferd. Dörfner, Frieda Diehl.
Abteilung 140 Silben:!. Preis: Wilhelm Hofmann, Walter Bende, Anna Damm, Wilma Leipold, Irma Krämer, Erika Röhmig, R. L. Hoog.
Abteilung 16 0 Silben: 1. Preis: Heinrich Volk. Emil Jost, Johanna Graf, Elfriede Tenniger, Anni Schmittdiel, Friedrich von Lammers.
Abteilung 200 Silben: 1. Preis: Gertrud Müller, Dora Kern, Otti Muhl.
beanstandet: 57 Proben = 21,4 v. h. gegen im Vorjahre 15,3 v. h.
Wie die Aufstellung ersehen läßt, erstreckt sich ein sehr großer Teil der Untersuchungen auf Milch und Ptilchpräparate. Weiter wurden 1416 Milchproben durch die Nahrungsmittelkontrollbeamten vorgeprüft. In 9 Fällen, bei welchen die Milch verdächtig erschien, muhten bei Landwirten in verschiedenen Ortschaften von den Kontrollbeamten der Polizeidirektion in den Früh- und Abendstunden Stallproben erhoben werden. Wegen Nahrungsmittelfälschungen usw. wurden 3 0 Anzeigen erhoben und erhebliche Strafen verhängt.
Außerdem wurden 2084 Revisionen in allen Gewerbebetrieben und Handlungen, in welchen
16 und
Nahrungs- und Genuhmiltel zum Verkauf flehen, gelagert und hergestellt werden, z. V. auch in Backstuben, Wehlkammern, Wurst- küchen und Speiseeisherstellungsräumen auf Reinlichkeit, sachgemäße und vorschriftsmähige
Behandlung der Ware vorgenommen.
hier wurden einige Mängel festgestellt. Brotgewichtsrevisionen wurden 231 vorgenommen, wobei auch das von auswärts zugefahrene Brot der Gewichtskontrolle unterzogen worden ist. 46 Brote, die Mindergewicht bis zu 180 Gramm hatten, wurden weggenommen und die betreffenden Bäcker zur Anzeige gebracht. Auch auf die Kohlen, die in Säcken den Verbrauchern zugefahren werden, wurde ein besonderes Augenmerk gerichtet. Bei 124 Stichproben konnten strafbare Fälle von Mindergewichten in den Säcken nicht festgestellt werden. Ferner sei hier noch erwähnt, daß der Wochen- markt, der Straßenhandel, der Fleischtransport, das Vorrätighalten von hack«
l e i f ch in der Sommerzeit und die F l e i s ch e i n ° u h r unter dauernder polizeilicherKontrolle stehen.
Um die Bevölkerung vor gesundheitlichen Schäden zu schützen, ist reichsgesetzlich geregelt, daß alle Tiere, deren Fleisch zum menschlichen Genuß bestimmt ist und nicht restlos im eigenen haushalt verwendet wird, vor und nach der Schlachtung von einem amtlich verpflichteten Fl^fchbeschauer, oder Tierarzt untersucht werden.
In Gietzen ist durch eine besondere Polizeiverordnung geregelt, datz alles frisches Fleisch von Rindvieh, Schweinen (auch Wildschweinen), Schafen, Ziegen und Pferden, das von Wehgern, Händlern, Hotels und Wirten von außerhalb eingeführt wird, auf dem kürzesten Wege zur Rachschau in den städtischen Schlachthof zu verbringen ist.
hier sei zur Unterrichtung der Einwohnerschaft noch erwähnt, daß die Einfuhr von frischem Fleisch in Gießen in den Monaten April bis September nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr und von Oktober bis März nur von 7 bis 19 Uhr stattfinden darf. Auf die Einfuhr von frischem Fleisch zur Nachtzeit mit der Eisenbahn wurde ein besonderes Augenmerk gerichtet.
Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung mußten in 9 Fällen erhoben werden.
Seit Inkrafttreten der Verordnung über Einführung der S ch l a,ch t st e u e r in Gießen am 1. Dezember 1932 ist wegen Erhebung der Schlachtsteuer und der Ausgleichsabgabe die Einfuhr von Fleisch und Wurstwaren aus nichthessischen Gebieten ebenfalls der polizeilichen Kontrolle unterstellt. Anstände haben sich auf diesem Gebiet noch nicht ergeben.
Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß auch auswärtige Wehger, Bäcker und Händler Fleisch- und Wurstwaren usw. nach der Laden- schlutzzeit ihren Kunden in der Stadt Gießer nicht mehr zubringen dürfen.
Bei aller Strenge, welche -die Polizei auf diesem lebenswichtigen Gebiete übt, ist die Beanstandungsziffer in diesem Jahre eine etwas prozentual höhere, wie im Vorjahre.
Dies ist eine im Interesse des Vo-lksganzen bedauerliche Erscheinung, die die Polizei veranlaßt, ihr ganz besonderes Augenmerk auf diesen Punkt zu richten.
Es wird deshalb an die Verbraucher die Bitte gerichtet, alle ihnen bekannt werdenden Wän- gel auf diesem Gebiete zur Kenntnis der Polizei zu bringen.
Die Polizeibeamten haben Weisung, diesem wichtigen Gebiet ihrer Tätigkeit unausgesetzt die schärfste Aufmerksamkeit zu widmen.
Der Führer und der Führerrat des Verkehrs- und Verfchönerungsvere ins Gießen anden sich am Donnerstagabend zu einer Beratung wichtiger Fragen der Gießener Verkehrswerbung zusammen. Dabei wurde u. a. auch eine Anregung besprochen, die dahin ging, in den tädtischen Anlagen am hindenburg- wall in der Nähe der Johanneskirche, direkt gegenüber der Plockstraße, einen M u s i k p a v i l - l o n zu errichten. Bisher kamen die Anlagenkonzerte, die in der Geländemulde der Promenaden beim Stadttheater abgehalten wurden, dadurch nicht recht zur Geltung, daß die Musik infolge der hohen Bäume einerseits und der Tiefe des Standorts der Kapelle anderseits nur den dicht an der Kapelle tehenden Besuchern gut vernehmlich war, während alle übrigen nur wenig von dem künstlerischen Genuß hatten. Diesem Mangel soll durch die Errichtung eines Musikpavillons mit erhöhtem Platz ür das Orchester abgeholfen werden. Ferner soll der Pavillon in angemessener baulicher Gestaltung und mit einem Dache versehen erstehen, um dadurch einen Schmuck für die Anlagen zu schaffen.
Stadtjugend aufs Land?
Ein Problem, das jetzt in der Stadt viele Mütterherzen bewegt, ist die Frage: „Was tun wir mit unserem Mädel, wenn sich jetzt zu Ostern die Schultür hinter ihm schließt?"
Die Volksschulen entlassen in diesem Jahre eine erheblich größere Anzahl an Kindern als in den letzten fünf Jahren, und man wird sich klar darüber sein müssen, daß die Frage, wie diesen Kindern der Weg ins Leben der Erwachsenen geebnet werden soll, tatsächlich eine ernste Sorge für viele Eltern ist.
Auch hinsichtlich der Mädchen: denn wir können uns nicht, wie man es so oft hört, leichten Herzens damit zufriedengeben: „Das Mädchen findet immer einen Platz, ein Betätigungsfeld, wenn nicht im fremden Haushalt, dann bei der Mutter". Gewiß, wir möchten wünschen, daß jedes Mädchen zunächst von der Mutter eine ausreichende erste Anleitung im elterlichen Haushalt erfahren könnte. Aber ist dazu überhaupt in jedem Falle Gelegenheit gegeben? Sind nicht die städtischen Verhältnisse vielfach zu klein und beschränkt, um neben einer noch rüstigen Mutter einem frischen, gesunden Mädel ein ausreichendes Betätigungsfeld zu geben? Vielfach wird man diese Frage bejahen müssen.
Ganz anders auf dem Lande. Da könnte eigentlich jede Bäuerin noch eine kleine Hilfe gebrauchen, die ihr im Haus, im Garten, im Geflüaelhof etwas zur Hand geht, die Wege besorgt, Vesper aufs Feld trägt, sich der Kinder annimmt, wenn die Mutter gar keine Zeit für sie erübrigen kann.
Welch schönes Betätigungsfeld könnte das alles für solch ein 14jähriqes Stadtkind sein. Eine ganz neue Welt würde ihm aufgehen, und es würde langsam in hausmütterliche Pflichten hineinwachsen können. Wieviel Entdeckerfreuden könnten aber auch die Landmenschen mit solchem Stadtkinde neu miterleben. Jeder Vogel im Baum, iede Plume am Feldrain, Kuh und Kälbchen im Stall, Glucke und Kükchen auf dem Hof, alles ist ihm neu und bewundernswert. Und das Tagewerk einer Bauernfamilie bietet dem Kinde aus der Stadt eine Fülle neuer Eindrücke. Man hat sich das Bauersein so ganz anders vorgestellt. Man glaubte bisher nicht, daß die Früchte des Gartens und Feldes so vieler Pflege und saurer Arbeit bedürfen, bis sie in der Stadt im Laden liegen. Man hat früher nie haran gedacht, daß Sonne und Regen, Sturm und Gewitter, Hagel und Frost so eng mit dem Gebet: „Unser täglich Brot gib uns heute" im Zusammenhang stünden. Man kommt plötzlich zu einem ganz neuen größeren Gotterleben als bisher.
Und dann käme noch hinzu, daß sich ein solches Kind aus der Stadt körperlich günstig entwickeln würde. Wir wollen daran denken. dast wir es In diesen Vierzehnjährigen mit den Müttern der kam- menden Generation zu tun haben. Die Jahre von 14 bis 20 sind vielfach für gesundheitliche Kräfti- gung entscheidend. Darum sollte es unsere Sorge sein, diesen jetzt die Schule verlassenden Mädeln den Weg in ein gesundes Leben zu bahnen.
Kampf um die Wiedererstarkung unseres Volkes müssen wir alle Kräfte einsetzen, jedes Mittel muß zur Leistungssteigerung herangezogen werden. Dazu gehört auch die Kurzschrift. Jeder schreibende Volksgenosse hat daher seinem Volke gegenüber die Verpflichtung, seine Leistungsfähigkeit zu steigern durch gründliche Beherrschung und allseitige Anwendung der Kurzschrift.
Die Regierung ist sich des hohen Wertes der Kurzschrift für unser Volk wohl bewußt. Deshalb fördert sie ihre Erlernung und die Anwendung. Die Deutsche Kurzschrift wird pflichtmäßiger Lehrgegenstand an allen Höheren, Handels- und Berufsschulen. Die Kurzschrift wird in Kürze in allen Verwaltungen eingeführt werden. Kein Beamter wird zu seiner Fachprüfung zugelassen werden, ohne daß er vorher in einer Sonderprüfung seine Kurzschriftkenntnisse nachgewiesen hätte. Jetzt ist allerhöchste Zeit, daß die Kreise, die bisher noch abwartend abseits standen, die Kurzschrift erlernen, um das bisher Versäumte zu ihrem eigenen Besten, zum Nutzen des Volkes nachzuholen.
Gietzener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 31. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 Mark, Kochbutter 1,10 bis 1,15, Matte 20 bis 25 Pfennig, Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 9, Weißkraut, das Pfund 15, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 12, Spinat 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 30, Feldsalat 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 40, Schwarzwurzeln 20, Kartoffeln, das Pfund 3V2 Pf., der Zentner 3 Mark, Aepfel, das Pfund 15 bis 25 Pf., Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 40 bis 60, Salat 25 bis 30, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 25, Radieschen, Bündel 15 bis 20.
Bornotizen.
— Tageskalender für Samstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Stoßtrupp 1917". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Heute kommt's drauf an". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr, Ausstellung.
— Tageskalender für ersten Oster- feiertag: Stadttheater, 19 bis 21,30 Uhr „Der Evangelimann". — 18 Uhr Bahnhof, Brüßung der Saardeutschen durch die Stadt. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Stoßtrupp 1917". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Heute kommt's drauf an". — Spielvereinigung 1900, 20,30 Uhr „Postkeller", Begrüßungsabend der Saardeutschen. — Oberhessischer Kunstoerein, Turmhaus am Brand, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung.
— Tageskalender für zweiten Oster- f e i e r t a g : Stadttheater, 19 bis 22 Uhr „Der verlorene Walzer". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Skandal in Budapest". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Heute kommt's drauf an". — Spielvereinigung 1900: 13 Uhr, Fußball 1900 Jugend — 1. FE. Nürnberg; 15 Uhr, Sportplatz der Spielvereinigung 1900, große Saarkundgebunq; im Anschluß an die Saarkundgebung Fußballspiel 07 Saarbrücken — 1900; 20,30 Uhr, Familienabend im Bürgerhof.
— Stadttheater Gießen: Sonntag, 1. April (1. Osterfeiertag), Opern-Abend, „Der Evangelimann" von Wilhelm Kienzl. — Montag, 2. April (2. Osterfeiertag), Operette: „Der verlorene Walzer" nach dem Tonfilm: Zwei Herzen im Dreivierteltakt. Musik von Robert Stolz. — Dienstag, 3. April, das vaterländische Schauspiel: „Katte" von Hermann Bürte. (Siehe heutige Anzeige.) *
** Personalie aus der hessischen Medizinalverwaltung. Ernannt wurde der Amtsarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Büdingen in Bad Salzhausen Medizinalrat Dr. Karl Otto Ferdinand Meyer durch Urkunde des Herrn Reichsstatthalters in Hessen auf Vorschlag der Hessischen Regierung unter Belassung seiner Amtsbezeichnung „Medizinalrat" zum Anstaltsarzt an der Zellenstrafanstalt und dem Landeszuchthaus mit Wirkung vom 1. März 1934.
** Jubiläumsfeier in der Psychiatrischen und Nervenklinik. Am Donnerstag beging der Heizer und Reparaturschlosser Karl R e p p der in dieser Klinik tätig ist, sein 25iahri- ges Dienstjubiläum. Zu der Feier hatten sich alle Beamten und Angestellten der Klmik im Horsaal versammelt, ferner waren die Vertreter der Verwaltung der Universitäts-Kliniken und der Deutschen Arbeitsfront anwesend. Herr R e p P erfreut sich tn Berufs- und Bekanntenkreisen allgemeiner Beliebtheit, ebenfalls genießt er seitens seiner Vorgesetzten Wertschätzung und Hochachtung. Die Feier wurde mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und mit dem ersten Vers des Horst-Wesiel-Liedes geschlossen.
** Arbeitsjubiläum. Am 1. April sind es 50 Jahre, daß Herr W i l h e l m S ch m i d t aus Krofdorf bei der Firma Ludwig Georgi, Zigarrenfabrik in Gießen, tätig ist. Bereits am Donnerstag gedachte der Firmeninhaber in einer schlichten Feier vor versammelter Gefolgschaft dieses seltenen Arbeitsjubiläums und überreichte dem öubilar in Anerkennung seiner treuen Dienste ein passendes Geschenk nebst einer Geldgabe. Außer- oem wird der Jubilar an seinem Ehrentage die
einzelnen hier in Betracht kommenden Berufszweige. Der Prüfung unterzogen sich im ganzen 50 Schüler, und zwar 12 Schüler aus der Abteilung Baugewerbe, 7 Schreiner, 6 Maler, 19 Schuhmacher und 6 Schüler der Maschinenbauschule, die das Zeugnis der mittleren Reife erwarben. Sämtliche Schüler bestanden die Prüfung, wobei die Leistungen der Schüler als besonders gut den Bedürfnissen der heutigen Zeit angepaht bezeichnet wurden. Dies ist — so schreibt man uns — um so wesentlicher, als diese Fachschulen nach einem Erlaß des Reichswirtschaftsministers in engster Fühlung mit den verantwortlichen Stellen der Wirtschaft, der Deutschen Arbeitsfront und dem sich entwickelnden ständischen Aufbau berufen sind, bei der Ausbildung der Facharbeiter und vor allem bei der zusätzlichen Berufsausbildung mitzuwirken.
** Der Hessische E h o r d i r i g e n t e n v e r- band tritt mit sofortiger Wirkung in Liquidation. Mit dem gleichen Tage sind die Mitglieder des Verbandes als zur Reichsmusikkammer überführt zu betrachten. Die für die einzelnen Chorleiter zuständigen Ortsmusikerschaften sind bei der Landes- musikerschaft Hessen-Nassau, Darmstadt, Mackensenstraße 21, Telephon 3491, in Zweifelsfällen zu er- ftagen.
Neue Freimarkenheftchen. Die Deutsche Reichspost gibt in nächster Zeit neue Freimarkenheftchen zum Preise von 2 Mk. heraus, die drei Marken zu 1 Pf., drei Marken zu 3 Pf., sechs Marken zu 5 Pf., neun Marken zu 6 Pf., vier Marken zu 8 und sechs Marken zu 12 Pf. enthalten. Mit dem Verkauf der neuen Heftchen wird nach Aufbrauch der alten Heftchen begonnen. Die Versandstellen für Sammlermarken vertreiben wieder Markenbogen, die zur Herstellung der neuen Heftchen gedruckt worden sind. Es enthält der erste Bogen dreißig Marken zu 1 Pf., dreißig Marken zu 3 und zwanzig Marken zu 5 Pf., der zweite je vierzig Marken zu 5 und 8 Pf., der dritte Bogen achtzig Marken zu 6 Pf. und der vierte Bogen zehn Marken zu 6 und sechzig Marken zu 12JSf. Die Preise der Bogen betragen 2,20 Mk., 5,20 Mk., 4,80 Mk. und 7,80 Mk.
Anerkennungsurkunde des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg für 50jährige ununterbrochene treue Dienstzeit erhallen; er ist damit unter den Angestellten der Firma der dritte, dem diese hohe Ehrung des Herrn Reichspräsidenten zuteil wird.
** Mieterjubiläum. Am 1. April sind es 25 Jahre, daß der. Reichsbahnlokomotivführer Ludwig Hartmann im Haufe Frankfurter Straße 95 wohnt. Am gleichen Tage ist er im Dienste der Reichsbahn 25 Jahre als Lokomotivführer beschäftigt. Ferner ist der Jubilar feit 30 Jahren Bezieher des Gießener Anzeigers.
** Bezieherjubiläum. Der Reichsbahnlademeister Heinrich Keiner, Bleichstrahe 48, der am 1. April vor 25 Jahren von Wetzlar nach ^Gießen versetzt wurde, lieft feit diesem Zeitpunkt den Gießener Anzeiger.
** Das Museum im alten Schloß ist am ersten und zweiten Osterfeiertag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet. ,
** Die Besichtigung des Universitäts- Tierzucht-Jnstitutes Gießen, Oberer Hardthof, ist, wie man uns mitteilt, nur bei vorheriger schriftlicher Anmeldung möglich. Die Anmeldungen müssen so zeitig erfolgen, daß den Besuchern noch Mitteilung gemacht werden kann, ob die Besichtigung und Führung zur gewünschten Zeit möglich sein wird.
** Rindermorkt in Gießen. Am kommenden Mittwoch, 4. April, findet hier Rindvieh- (Nutz- vieh-)Markt statt. Es fei besonders darauf hin- gewiesen, daß infolge der Dfterfeiertage der Rind- viehmarkt ausnahmsweise am Mittwoch stattfindet. (Siehe heutige Bekanntmachung.)
*♦ Gewerbe- und Maschinenbauschule Gießen. An der Anstalt fand am Mittwoch die staatliche 2Ibgangsprüfun(j unter dem Vorsitz der Prüfungskommissare Regierungs - Baurat Kuhlmann und Regierungs-Baurat Nieder st rasser statt, nachdem in der Woche vorher die schriftlichen Prüfungsarbeiten erledigt worden waren. Zugegen waren bei her Prüfung als Mitglieder der Prüfungskommission die Vertreter des Kuratoriums, der Industrie, der Handwerkskammer, des Jnnungs- ausfchusies, der Meisterprüfungskommisfion und der
Butter und Käse
Margarine und sonstige Fette und Oele Bier und Branntwein
Zucker, Sirup und Honig
Kaffee, Tee, Kakao und Schokolade
Essig, Gewürze und Spezereiwaren
Sonstiges (Gebrauchsgegenstände)
Von sämtlichen untersuchten proben
Preise von 4 bis 6 Mark pro Stück ab gesetzt. Es konnten bis jetzt sieben Dynamos, und zwar vier Bosch, zwei Bauer und eine Radsonne herbeigeschafft werden. Die Eigentümer werden ersucht, bei der Kriminalpolizeistelle, Zimmer 64, während den Dienststunden vorzusprechen.
Fahrraddiebstahl.
Entwendet wurde hier ein Herrenfahrrad, Marke „Perfekt", Fabriknummer 403 484, mit schwarzem Rahmen, gelben Felgen, roter Bereifung, englischer Lenkstange und Komet-Freilauf. Am Hinterrad Gepäckträger und Aktentasche.
Regierung und Kurzschrift.
Ohne Kurzschrift ist unser heutiges Leben undenkbar. Es gibt kein Büro, in dem sie sich nicht täglich als treue Dienerin erweist. Trotzdem glaubten bisher noch viele, auch ohne Kurzschrift durchs Leben zu kommen. Heute fehen wir die verheerenden Fol- gen: Eine große Zahl offener Stellen kann nicht oder nur sehr schwer besetzt werden, weil es an richtigen Stenographen mangelt. In dem großen
Die MrnngSnMelkonlrolle in Gießen
Oie Arbeit der Gießener Nahrungsmittelpolizei im Lahre 1933. Bericht der Polizeidirektion Gießen.
FRÜHER BRÜCK
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Gießen, den 31. März 1934.
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Bekanntmachung.
L*Ueber den landwirtschaftlichen und forstwirtschaft- lichen Betrieb der Landwirte Wilhelm Neumeyer aus hofgut Winnerod, Bürgermeisterei Bersrod, und Kammerrat Ludwig Clemm in Frankfurt a. Rt^ M-elemstraße 19, wird das Entschuldungsversahren gemäß dem Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldenverhältnisse vom 1. Juni 1933 heute um 11.45 Uhr vormittags eröffnet 19910
Die hessische Landesbank — Staatsbank — in Darmstadt wird zur Entschuldungsstelle ernannt.
, Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre 2ln- ■ spräche bis zum 30. April 1934 bei dem unterzeichneten Amtsgericht anzumelden und die i" ihren Händen befindlichen Schuldurkunden dem Gericht | einzureichen bei Meidung der in § 11 2Ibj. 2 bes Entschuldungsgesetzes angedrohten Rechtsnachteile.
Gießen, den 29. März 1934.
> Hessisches Amtsgericht. e
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Gießen, April 1934
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Heber die nachstehenden landwirtschaftlichen Betriebe wurde das Entschuldungsverfahren eröffnet:
1. am 10. März 1934, 12.45 Uhr, bezüglich der
Weigel Wilhelm IV., in Allendorf a. d. Lahn, Mühlgasse 13 (Lw. E. 27 sas / 33);
2. am 15. März 1934, 8.30 Uhr, bezüglich des Vellen, Otto, und Elise Katharine, geb. Weber, in Lang-Göns (Lw. E. 7 (aj /34);
am 22. März 1934, 9.20 Uhr, bezüglich der Rüster, Ludwig, und Henriette, geb. Hofmann, in Oppenrod (Lw. E. 11 |a] / 34);
am 22. März 1934, 16.15 Uhr, bezüglich der Backhaus, Johannes, und Luise, geb. Römer m Climbach (Lw. E. 3 [a] / 33);
am 23. März 1934, 17.30 Uhr, bezüglich Ran, Jakob II., Rau, Wilhelm, Rau, Margarete, und Rau, August, sämtlich in Alten-Buseck (Lw. E. 33 |a] / 33). 1990V
Entschuldungsstelle zu 1: die hessische Landesbank — Staatsbank — in Darmstadt, zu 2 bis 5: die Landesbauernkasse Rhein-Main-Neckar e.G.m.b.h., Frankfurt o. 2TL, Bockenheimer Landstraße 25.
Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Aw spräche bis zum 20. April 1934 bei dem unterzeich- neten Amtsgericht anzumelden und die in ihren Händen befindlichen Schuldurkunden dem Gericht einzureichen bei Meidung der in § 11 Abf. 2 des Entschuldungsgesetzes angedrohten Rechtsnachteile.
Gießen, den 23. März 1934.
Hessisches Amtsgericht.
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