Nr. 148 Erstes Blatt 184. Jahrgang Donnerstag, 28.)uni 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt Zernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vriihl'sche Universität; Such- und Steinörudcrei R. Lange in Gießen. 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Im Rahmen der vom Deutschen Industrie- und Handelstag veranstalteten Berliner Tagung der deutschen Auslands - Handelskammern fand am Mittwochabend in den Krollschen Festsälen ein Empfangsabend statt, an dem neben den Tagungsteilnehmern zahlreiche führende Persönlichkeiten teilnahmen, so der Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath, Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der sächsische Staatvrninister Lenk, der Führer der Gewerblichen Wirtschaft Keßler, der stellvertretende Gauleiter des Auslandsamtes der NSDAP. Alfred H e ß. Präsident Or. von Nenteln begrüßte die Gäste, sowie die Mitglieder der Gast- staaten dieser Kammern. Er betonte in seiner Ansprache, daß das nationalsozialistische Deutschland leider nur allzu oft im Auslande mißoer st anden würde und auch nicht verstanden werden konnte. Gerade dieser nationalsozialistische Staat sei jedoch der berufenste, um die Verbindung mit allen Gliedern des deutschen Dolks- körpers im Auslande und darüber hinaus mit allen Völkern der Welt auszugestalten. Der Nationalsozialismus sieht feine Aufgabe darin, die Verbindungen lebendiger zu gestalten, Mißverständnisse und Hindernisse aus dem Wege zu räumen und durch die Wahrheit zu überwinden. Es liegt dem Deutschen nicht, in raffinierter Weise Auslandspropaganda zu machen. Er strebt dahin, und fein Streben ist immer gewesen, Tatsachen für sich sprechen zu lassen. Mit geradem und ehrlichem Sinn will er fein Ziel erreichen. Selbstachtung und Freiheit des Entschlusses sind des Deutschen Richtschnur. Daher hat er auch Respekt vor der Freiheit der anderen. Ein Volk empfängt in der' Welt die Achtung, die es sich selbst zollt. Die Chance des deutschen Volkes liegt in der friedlichen Arbeit. Kein besseres Zentrum des Friedens gibt es in der Welt als Deutschland. Deutschland ist das Herz des Friedens der Welt. Neichsaußenmmister Freiherr von Neurath überbrachte die Grüße und Wünsche der Reichsregierung. Er wies auf die gewaltigen Veränderungen hin, die feit dem 30. Januar 1933 in Deutschland eingetreten seien. Die Aufteilung des Reiches in Länder, die Eifersüchteleien und Rivalitäten der Länder untereinander seien verschwunden, ferner die Zerrissenheit der inneren Politik durch eine Unzahl von Parteien, der Klassenkampf als Selbstzweck, schließlich der Unverstand dafür, daß für eine kraftvolle Außenpolitik Einheit im Innern erste Voraussetzung sei. Ein einheitliches Reich und ein Volk entstanden, das sich als ein einziges zusammengehöriges und untrennbares Ganzes fühle. Für die Ausländsdeutschen komme dies alles in der Tatsache am deutlichsten zum Ausdruck, daß sie in ihren Pässen sich jetzt endlich nur noch als Deutscher bezeichnen könnten. Die Aufgabe der Tagung der deutschen Handelskammern und wirtschaftlichen Vereinigungen im Auslande bezeichnete Freiherr von Neurath als eine doppelte. Einmal sollte den Ausländsdeutschen Gelegenheit gegeben werden, Künder ihrer Eindrücke von den tiefen Wandlungen der letzten Jahre in Deutschland zu sein, wenn sie draußen wieder an ihre Arbeit gingen. Diese Eindrücke müßten bestimmt werden von den großen Errungen- schäften des deutschen Volkstumes. In der Richtung dieser Aufgabe liege auch, so betonte der Reichsaußenminister, die engere und bessere Zusammenarbeit der Auslands.handelskam- mern mit den Organisationen in der Heimat und eine gleichmäßigere Organisierung der Außenhandelskammern selbst. Dabei sel aber vor einem allzu starken Drang nach Schematisierung zu warnen, da in dem historisch Gewordenen und Bodenständigen mancher Außenhandelskammern nicht unerhebliche Werte liegen. Die zweite Aufgabe sei eine sehr nüchterne, nämlich: Ausfuhr tut not! Als eine Hauptaufgabe der Tagung bezeichnete er die, für die deutsche Ausfuhr die Erfahrungen nutzbar zu machen, die in den deutschen Auslandshandelskammern angesammelt seien. Davon könnte die deutsche Wirtschaft wertvolle Anregungen für das tägliche Geschäft und als Ganzes Nutzen haben. 3n diesem Zusammenhang streifte der Reichs- außenminisier das Devisenproblem. Der Hauptgrund für den Rückgang der deutschen Ausfuhr fei die Währungsentwertung in den großen Industrieländern, die Deutschland den Wettbewerb fast unmöglich mache. Eigentlich sollte man von den Ländern, die ihre Währung ohne Notwendigkeit entwertet und die dadurch Deutschland am ersten in die jetzigen Transferschwierigkeiten gebracht hätten, mehr Rücksicht auf die Folgen daraus und mehr Verständnis für die Lage erwarten. Leider sei das nicht der Fall. Die Drohungen, die in diesem Zusammenhang in den letzten Tagen gegen die deutsche Wirtschaft ausgesprochen worden seien, bedauerte der Reichsauhenminister. Sie seien mehr als kurzsichtig. Ihre Verwirklichung wäre nicht nur ein Schlag für Deutschland, sondern für die ganze Weltwirtschaft und sie würden ebenso stark auf die Länder zurückfallen, die sie ausführten. In die Handelskammern im Auslande richtete er den Appell, an der Aufgabe der deutschen Ausfuhrförderung mit allen Kräften mit- zuarbeiten. Deutschland wolle sich nicht abschließen vom Auslande. Dabei wandte er sich gegen das Schlagwort „A u t a r k i e", das heute in allen maßgebenden deutschen Kreisen überwunden fei. Niemand in der Reichsregierung glaube, daß Deutschland wirtschaftlich vom Ausland isoliert werden solle und könne. Wenn auch unter dem Zwang der Verhältnisse mit allen Kräften daran gearbeitet werde, unser Volk und unsere Wirtschaft von ausländischen Lebensrnitteln und Rohstoffen unabhängiger zu machen und im Jnlande alles das zu erzeugen, was hier erzeugt werden könne, so verlange andererseits unsere zentrale Lage in Europa verständnisvolles und auf wechselseitigem Entgegenkommen aufgebaute Handelsbeziehungen mit den Nachbarländern. Ebenso verlange die Notwendigkeit, Rohstoffe zu beziehen, freundschaftliche Austauschbeziehungen mit den überseeischen Ländern. Die wichtigen und umfassenden Handelsbeziehungen, die Deutschland mit einer Reihe von Staaten in jüngster Zeit abgeschlossen habe, geben Zeugnis für diesen Willen. Mit diesen Verträgen seien anderen Ländern große Einfuhrmöglichkeiten nach Deutschland eröffnet worden. Deutschland fjabe dies tun können, weil diese Länder im Geiste aufrichtiger Gegenseitigkeit auch Deutschland seinen Anteil an ihren Märkten belassen hätten. Deutschland sei bereit, mit allen Ländern auf der Grundlage dieser gegenseitigen Rücksichtnahme in Verhandlungen einzutreten. Wan könne aber nicht erwarten, daß Deutschland die Zinsen für feine Auslandsschulden transferiere, wenn man der deutschen Ausfuhr alle möglichen Schwierigkeiten mache durch Zölle, durch Kontingente, durch Währungsentwertung und sogar noch durch die angedrohten Zwangsmaßnahmen. Der Transfer fei keine Frage des guten oder schlechten Willens, sondern der tatsächlichen Möglichkeiten. Es Jet eigentlich beschämend, daß man nach so vielen internationalen Konferenzen und nach so vielen Sachoerständigenberichten diese einfache Wahrheit immer noch in die Welt hinausrufen müsse. Schließlich wies der Reichsaußenminister auf die wirtschaftlichen Fortschritte in Deutschland in den letzten zwei Jahren hin, wobei er an die Spitze die fortschreitende Gesundung der Landwirtschaft stellte, die wieder 'zu einem standesbewußten und gesunden Bauerntum als tragendem und zuverlässigem Fundament für die ganze Wirtschaft geführt hätten. Ueberall in der Wirtschaft regten sich die Hände. Die frühere Verzagtheit fei trotz aller Schwierigkeiten und manchen Aergers überwunden. Neuer Unternehmungsgeist fei eingezogen und die Arbeitslosigkeit fei zu einem großen Teil bezwungen worden. Was noch übrig geblieben fei, werde in zäher Kleinarbeit überwunden werden. Die Transfewerhandlnngen im Gange. London, 27. Juni. (DNB.) Die deutsch- englischen Verhandlungen über das deutsche Transfermoratorium haben Mittwoch um 11 Uhr im Schatzamt begonnen. Vertreter des britischen Schatzamtes und des Foreign Office, an der Spitze der Hauptwirtschaftsberater der britischen Regierung, Sir Frederick Leith- Roß, hielten eine Sitzung mit den deutschen Vertretern ab Dr. Berger, Dr. Ullrich und Herr B l e s s i n g verbrachten eine halbe Stunde vor Beginn der Verhandlungen auf der deutschen Botschaft in Beratung mit dem deutschen Botschafter und Gesandtschaftsrat Rue ter. Hierauf begaben sie sich zum Schatzamt, wo die Verhandlungen begannen. Eine amtliche Mitteilung über die Sitzung ist nicht ausgegeben worden. Die nächste Zusammenkunft findet am Donnerstag statt. England selbst will nicht bezahlen. Die Kriegsschulden an Amerika. London, 27. Juni. (DNB.) Eine neue Kriegsschuldennote Englands wurde heute an die Vereinigten Staaten gekabelt. In dieser betont die britische Regierung, es würde für sie unmöglich sein, eine Lage ins Auge zu fassen, in der sie voll ihre Kriegsverpflichtungen anderen gegenüber einhalten müsse, während sie weiterhin alle Forderungen auf Bezahlung der ihr geschuldeten Kriegsoerpflichtungen einstelle. Dies sei eine Erklärung nicht rechtlicher, sondern tatsächlicher Art. Was die Anregung von Sachlieferungen betreffe, so wolle sie daran erinnern, daß die Erfahrung mit den deutschen Reparationen gezeigt habe, daß Transfer Schwierigkeiten nicht durch ein Sy st em von Sachlieferungen gelöst würden. Nach kurzer Begründung der wirtschaftlichen Einwendungen gegen die Sachlieferungen fährt die Note fort, wenn das Vereinigte Königreich nicht Bezahlung für Waren erhalte, die auf kommerziellem Konto ausgeführt seien, so würden seine D e v i s e n v o r r ä t e, die für den Ankauf von Baumwolle und anderen Waren aus Amerika verfügbar seien, noch weiter verringert werden. Daher sehe die britische Regierung, trotzdem sie nicht abgeneigt sei, die Möglichkeit in dieser Richtung weiter zu prüfen, augenblicklich keinen Weg, um einen derartigen Plan in d i e Praxis umzusetzen. Die Note schließt: Nach Ansicht der britischen Regierung ist die Hauptfrage, die geregelt werden muß, der Betrag, der unter Berücksichtigung aller Umstände dieser Schulden bezahlt werden soll. Sie bedauert, daß es bisher nicht möglich gewesen ist, weitere Fortschritte in dieser Frage zu machen. Sie wird jedoch jede Gelegenheit begrüßen, die Erörterung wieder aufzunehmen, sobald zu Tage tritt, daß die augenblicklichen abnormen Bedingungen so weit geschwunden sind, daß sich günstige Aussichten für eine Regelung bieten. 45 Jahre Versailles! Deutschland fordert einen Frieden der Ehre und Gleichberechtigung! Versailles ist kein Friede! Der Arbeitsausschuß deutscher Der-' bände veröffentlicht folgenden Aufruf zum 28. Juni 1934: 15 Jahre Versailles! Heute vor 15 Jahren wurde das Versailler Diktat unterzeichnet. Schon damals konnte es bei keinem Einsichtigen als ein Instrument zur Wiederherstellung eines wahren Friedens gelten. Die 15 seither vergangenen Jahre haben dem deutschen Volk die größten Opfer auferlegt, sie haben aber ebensowenig der Welt wahren Nutzen gebracht, es sei denn, man nennt Nutzen das ftarre F e st h a l t e n an Machtpositionen, die nur auf der Nieder- Haltung der europäischen Mitte beruhen. In einem Zustand der Schwäche und Zermürbung nach vierjährigem heldenhaften Ringen wurde das Diktat unterzeichnet. Die Kraft zu einem „Nein" brachte das deutsche Volk nicht auf. Es mußte daher den Weg durch die Wüste antreten, heute nach 15 Jahren kann es mit Stolz von sich sagen, daß es die innere Schwäche und Uneinigkeit überwunden hat. Damit ist der Anschlag, den das Versailler Diktat auf die Ehre und das S e l b st b e w u ß t f e i n des deutschen Volkes darstellte, zunichte geworden. Das Versailler Diktat wurde einem in ehrenvollem Kampf gegen die Uebermacht unterlegenen Volke auferlegt. Es fügte der Niederlage die äußerste Demütigung zu. Um den Widerspruch, den die Bestimmungen zu dem verheißenen Frieden des Rechts und der Gerecht! g f e i t darstellen, zu bemänteln, wurde die Lüge, daß Deutschland der Urheber des Weltkrieges sei, zur moralischen Grundlage des sogenannten Friedensvertrages gemacht. Gezwungen zur Unterschrift auch unter die Bestimmungen, die dem deutschen Volk die Ehre nehmen sollten, hat es dieses den Tatsachen nicht entsprechende Anerkenntnis niemals anerkannt, und es tut dies heute weniger als je. Durch widersinnige Grenzziehungen, durch Wegnahme des überseeischen Kolonialbesitzes, ist der Lebensraum des deutschen Volkes unerträglich verkümmert. Wo Deutsche an den Grenzen oder zerstreut in fremden Staaten wohnen, haben sie sich der schärf st en Angriffe auf ihr Volkstum zu erwehren. Nur die Achtung vor der Eigenart eines jeden Volkstums kann Beruhigung und Frieden schassen. Diesen echten Friedensgedanken stellt das neue Deutschland dem sich über die Gegebenheilen des Blutes und Stammes hinwegsehenden abstrakten Nationalstaatsgedanken entgegen. Zwar stehen fremde Heere nicht mehr auf deutschem Boden; unfrei, weil wehrlos, liegt jedoch noch das gesamte deutsche Land da, solange die Gleichberechtigung nicht praktisch verwirklicht ist. Die Abrüstungskonferenz hat versagt. Sie hat den Entschluß zu einer wirksamen Herabsetzung der Rüstungen nicht aufgebracht. Für das deutsche Volk kommt daher der in Versailles festgesetzte Rüstungs- stand nicht mehr in Betracht. Es fordert sein Recht aus das Mindestmaß nationaler Sicherheit, es fordert keine Angriffswaffen, es will nur nicht länger wehrlos und darum ehrlos bleiben. Die Weltlage erfordert, daß das alte Europa zu- sarnrnenfteht und nicht durch ein ausgeklügeltes Paktsystem, das einseitige Machtbildungen verewigen will, künstliche Schranken in sich aufrichtet. Die Zeit der Abstimmung im Saargebiet rückt heran. Die 15jährige Leidenszeit unter fremder Herrschaft wird bald überstanden sein. Es werden auch nach Rückkehr des Saargebietes noch Staatsgrenzen Volkstumsgrenzen zerschneiden. Das in sich geeinte deutsche Volk weiß sich über Statsgren - zen hinweg mit allen Volksgenossen einig. Durch den Mund seines Führes Hal die Well erfahren, daß Deutschland den Frieden will. Es versteht aber unter Frieden nur einen Frieden in Ehre und Gleichberechtigung. Der Versailler Zustand ist kein Friede. Ein großes Volk will leben und andere leben lassen. Schwer wird auch weiterhin sein Lebensweg bleiben. Im Kampf und Abwehr wächst jedoch die Kraft. Wie in Pans gelogen wird. Paris, 27. Juni. (DNB.) Die politisch-literarische Wochenzeitung „V e n ö e m i a i r e", die sich als Organ der Frontkämpfer bezeichnet, behauptet, daß man sich in Berliner amtlichen Kreisen seit anfantj Juni mit dem Plan eines Riesenluftangnffes auf Paris beschäftige, der Mitte Juli ftattfinben solle. Das Blatt gibt auch den Zeitpunkt für diesen angeblichen Luftangriff an, der auf den 1 5. Iuli als Erinnerungstag des Ausbruchs des Krieges von 1870/71 festgesetzt sei. Die Quelle, aus der es diese Nachricht geschöpft haben will, ist angeblich ganz sicher; kein Dementi werde an der Tatsache etwas ändern. General Weygand sei ausschließlich nach London gereift, um sich mit dem englischen General st ab über die französischenglische Zusammenarbeit bei der Abwehr dieses Luftangriffes zu besprechen! Die englische Regierung habe Frankreich ihre volle Unter» stützung zugesagt, und alles fei bereit, um die deutschen Flugzeuge zu empfangen. * Wir geben diese Meldung ohne weiteren Kommentar wieder: die Junihitze treibt fürwahr seltsame Blüten in Paris! NGOFBlBerboi imNegierungsbezirkArrrsberg Dortmund, 27. Juni. (DNB.) Die Staats» polizeiftelle hat folgende Anordnung erlassen: Für den Bereich der Staatspolizeistelle (R e - gierungsbez rk Arnsberg) wird dem NSDFB. (Stahlhelm) bis auf weiteres das Abhalten von Versammlungen und Aufmärschen, sowie das öffentliche Tragen von Uniformen und Abzeichen auf Grund des § 1 der Verordnung vom 28. Februar 1933 in Verbindung mit § 14 PVG. verboten. Zuwiderhandlungen gegen die Anordnung werden nach § 4 der genannten Verordnung bestraft. Gründe: Die vom NSDFB. veranstalteten Versammlungen haben eine durchaus S A. - f e i n d- liche Tendenz gezeigt. Eine Versammlung vom 21. Juni 1934 nahm einen Verlauf, der an Veranstaltungen gegen die SA. vor der Machtübernahme erinnerte und deshalb bei der SA. höchste Erregung auslöste. Die Erregung der SA. hat weiterhin dadurch eine Steigerung erfahren, daß z. B. ein aus der S A. ausgeschlossener Mann zum Ortsgruppenleiter Dortmund-West ernannt worden ist. Hierzu kommt die inzwischen bekannt gewordene Bluttat im Kreise Kolbe r g. Unter diesen Umständen ist meine Maßnahme aus vorbeugenden polizeilichen Gründen notwendig. Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Arnsberg, gez. Dr. Blume. Weitere Ermittlungen im Mordfall pieracki. Warschau, 28. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Nack) einer Meldung der halbamtlichen „Gazeta Polska" können im Augenblick keine näheren Einzelheiten über den Stand dor Nachforschungen nach dem Mörder des Innenministers Pie° r a ck i gegeben werden, da dies auf den weiteren Gang der Untersuchung störend einwirken könnte. Es kann nur gesagt werden, daß die Ermittlungen fortschreiten und daß f e st g e st e l l t werden konnte, welchen Ursprungs die vom Attentäter liegen gelassene Bombe ist und in welchen Hän- den sie sich vorher befand. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit durch die Steuerreform. Oer zweite Abschnitt aus -em Reinhardtschen Steuerreformplan. Förderung des Krastwagenverlehrs. Wir haben seit April 1933 bereits verschiedene Steuergesetze erlassen, die auf Kampf um die Verminderung der Arbeitslosigkeit abgestellt sind. Dem Kraftfahrzeug st euergesetz vom 10. April 1933 gemäß sind alle Personenkraftfahrzeuge, die nach dem 31. März 1933 erstmalig zugelassen sind, kraftfahrzeug steuerfrei. Die Folge davon ist, daß die Stückzahl der in Deutschland erzeugten Personenkraftsahrzeuge und die Zahl der in der Kraftfahrindustrie Beschäftigten sich verdoppelt haben. Die Zahl der in Deutschland erzeugten Personenkraftfahrzeuge betrug im ersten Vierteljahr 1933 12 823 und im ersten Vierteljahr 1934 23 014. Die Zahl der Arbeitslosen in der Kraftfahrzeugindustrie ist gesunken, die Umsätze in der Kraftfahrzeugindustrie und deren Nebengewerben sind gestiegen. Der Ausfall an Kraftfahrzeugsteuer wird ausgeglichen durch das Weniger des Finanzbedarfs der Arbeitslosenhilfe und das Mehr an Steuern und Abgaben infolge vermehrter Erzeugung, vermehrter Umsätze, vermehrten Einkommens und vermehrten Verbrauchs. Eine weitere Förderung des Kraftwagenverkehrs ergibt sich aus dem Gesetz über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen vom 1.Juni 1933. Diesem Gesetz gemäß dürfen die Aufwendungen für Gegenstände des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals, die nach dem 30. Juni 1933 und vor dem 1. Januar 1935 erfolgt sind, vom Gewinn des Steuerabschnitts, in dem die Anschaffung oder Herstellung erfolgt ist, voll abgesetzt werden. Das gilt für die Zwecke der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer und der Gewerbesteuer. Die Unternehmer brauchen von demjenigen Teil ihres Einkommens, den sie für Ersatzbeschaffungen aufwenden, keine Einkommensteuer (Körperschaftssteuer) und Gewerbesteuer zu zahlen. Die Ermäßigung der Einkommensteuer (Körperschaftssteuer) und Gewerbesteuer, die in Wahrnehmung des Gesetzes über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen erlangt werden kann, beträgt, je nach der Höhe des Einkommens und der danach sich ergebenden Steuersätze 12 bis 65 vom Hundert der Aufwendungen. Zu Gegenständen des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals gehören auch Personenkraftfahrzeuge und Lastkraftwagen, wenn sie dem gewerblichen oder landwirtschaftlichen Betrieb dienen. Es ist sicher, daß viele Gewerbetreibende und Landwirte von dieser großen steuerlichen Vergünstigung, die ihnen eine augenblickliche Verbilligung des Kraftwagens um 12 bis 65 vom Hundert ermöglicht, Gebrauch gemacht haben und noch Gebrauch machen werden. Dieser augenblicklichen Verbilligung steht die Unmöglichkeit, in den Jahren des Gebrauchs Abschreibungen vom Wert des Kraftwagens vorzunehmen, gegenüber. Es ist nicht nur die Stückzahl der erzeugten und abgesetzten Personenkraftfahrzeuge, sondern auch die Stückzahl der erzeugten und abgesetzten Lastkraftwagen bedeutend gestiegen. Die Zahl der in Deutschland erzeugten Liefer- und Lastkraftwagen betrug im ersten Vierteljahr 1933 2295, im ersten Vierteljahr 1934 5376. Die Stückzahl der erzeugten Liefer- und Lastkraftwagen hat sich also mehr als verdoppelt. Auch die Zahl der abgesetzten Liefer- und Lastkraftwagen hat sich mehr als verdoppelt. Sie betrug im ersten Vierteljahr 1934 4957 und im ersten Vierteljahr 1933 nur 2322. Nach dem neuen Einkommensteuergesetz, das mit Wirkung ab 1. Januar 1935 in Kraft treten wird, wird nicht nur die Ersatzbeschaffung, sondern auch die Neuanschaffung gefördert werden. Es werden demgemäß auch die Aufwendungen für neue Kraftfahrzeuge jeder Art, die zu einem gewerblichen oder landwirtschaftlicher^ Anlagekapital gehören, vom Gewinn des Jahres, in dem die Anschaffung oder Herstellung erfolgt ist, voll abgeseht werden dürfen. Das Einkommen, das im Jahr 1934 erzielt wird, wird bereits nach diesem neuen Einkommensteuergesetz veranlagt werden. Wird das gewerbliche oder landwirtschaftliche Anlagekapital im Jahr 1934 um ein Kraftfahrzeug irgendwelcher Art ergänzt, so kann der Betrag, der dafür aufgwendet wird, vom steuerpflichtigen Gewinn des Jahres 1934 voll abgesetzt werden. Der Steuerpflichtige erlangt also eine augenblickliche Verbilligung des Kraftfahrzeuges um 12 bis 65 vom Hundert. Eine weitere»Maßnahme, die bestimmt ist, der Förderung des Kraftwagenverkehrs und in Zusammenhang damit dem Gedanken der Verminderung der Arbeitslosigkeit zu dienen, wird die neue Vermögens st euer enthalten. Nach der bisherigen Derwaltungsübung und der Rechtsprechung der Steuergerichte waren wertvollere Personenkraftwagen, die im Eigentum von Privatpersonen stehen, als sogenannte Luxusgegenstände und bei der Ermittlung des Vermögens dieser Privatpersonen besonders zu behandeln. Im Rahmen der Steuerreform werden Pri - valkraftwagen bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Privatvermögens in jedem Fall außer Betracht gelassen werden. Auch Sportflugzeuge und Motorboote, die sich' im Besitz von Privatpersonen befinden, werden bei der Ermittlung des für die Vermögenssteuer maßgebenden Vermögens außer Betracht gelassen werden. Dem neuen Dermögenssteuergesetz gemäß wird auf den 1. Januar 1935 eine neue Vermögensbewertung vorgenommen werden, die die Grundlage für die Dermögensbesteuerung in den Jahren 1936, 1937 und 1938 bilden wird. Steuerfreiheit für kurzlebige Gegenstände. des Aufkommens an Steuern infolge der erhöhten Umsätze, der erhöhten Einkommen und des erhöhten Verbrauchs, die sich aus der Belebung ergeben werden. , , , Auch hinsichtlich der Abschreibung für langlebige Gegenstände des Anlagekapitals, das heißt solche, deren gewöhnliche Nutzungsdauer erfahrungsgemäß zehn Jahre übersteigt, ist im Entwurf des neuen Einkommensteuergesetzes eine Verbesserung vorgesehen. Diese besteht darin, daß ein Zuhoch von Abschreibungen dem zu ermittelnden Gewinn nicht voll, sondern nur zur Hälfte zugesetzt werden soll. Es soll infolgedessen dem Steuerpflichtigen nicht das gesamte Zuhoch der Abschreibungen, sondern nur die Hälfte davon für künftige Abschreibungen verloren gehen. Sleuerfreiheit für neue llnlernehmungen. Es gibt Volksgenossen und Unternehmen, die sich mit der Entwicklung neuer Herstellungsverfahren oder mit der Herstellung neuartiger Erzeugnisse befassen. Es kann im Einzelfall im Interesse der gesamten deutschen Volkswirtschaft gelegen sein, die Entwicklung eines solchen neuen Herstellungsverfahrens oder die Herstellung der neuartigen Erzeugnisse zu fördern. Das Interesse kann dem Gedanken der Selbstversorgung oder dem Gedanken der Förderung der deutschen Warenausfuhr entspringen, es kann devisenpolitischer oder sonstiger Natur sein. Es wird in der Regel gleichzeitig dem Gedanken der Arbeitsbeschaffung gedient werden. In dem Fall, daß für die Entwicklung eines neuen Herstellungsverfahrens oder für die Herstellung neuartiger Erzeugnisse ein überragendes Bedürfnis der gesamten deutschen Volkswirtschaft anerkannt wird, kann der Reichsminister der Finanzen für eine von ihm zu bestimmende Zeit das in Betracht kommende Unternehmen von den laufenden Steuern des Reichs und der Länder, die vom Einkommen, vom Ertrag, vom Vermögen oder vom Umsatz erhoben werden, ganz oder teilweise befreien. Diese Ermächtigung ist durch § 3 des Gesetzes über Steuererleichterungen vom 15. Juli 1933 erteilt worden. Dieses Gesetz wird infolge der Devisen- knappheit und der Rohstoffknappheit und der notwendig werdenden Verstärkung der Maßnahmen zur Förderung der Selbstversorgung in der nächsten Zeit hoffentlich in recht vielen Fällen zur Anwendung gebracht werden können. Es wird demnächst wahrscheinlich ein weiteres Gesetz erscheinen, das ebenfalls darauf abgestellt sein wird, die Gründung neuer Unternehmungen der bezeichneten Art zu begünstigen. Weitere steuerliche Maßnahmen im Kamps um die Verminderung der Arbeiistosigkeit. sind: 1. das Gesetz über Steuerfreiheit für neu errichtete Kleinwohnungen und Eigenheime vom 21. September 1933. Dadurch wird der Bau von Kleinwohnungen, die in 1934 und 1935 errichtet werden, und von Eigenheimen, die in 1934 bis 1938 errichtet werden, steuerlich gefördert und der Baumarkt belebt; 2. die Verordnung vom 20. April 1934 über die Instandsetzungen u. Ergänzungen an Gebäuden. Danach wird eine Ermäßigung der Einkommensteuerschuld oder Körperschaftssteuerschuld um 10 vom Hundert der Aufwendungen für 'Instandsetzungen oder Ergänzungen an Gebäuden, deren Beginn und Ende in die Zeit vom 1. Januar 1934 bis 31. März 1935 fällt, gewährt. Zweck: Hilfe an die Gebäudeeigentümer und weitere Belebung des Baumarktes. Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß die Ermäßigung der Steuerschuld nicht nur für Instandsetzungen, sondern auch für Erg ä n - z u n g e n gewährt wird. Als solche Ergänzungen kommen beispielsweise in Betracht: a) Aufstockungen, Einbau neuer Geschosse, Ein- ziehuna von Wänden, Anbringung von Doppelfenstern, Erweiterung der Kelleranlagen, b) Errichtung neuer Bauteile insoweit, als diese nicht einen Neubau, sondern die Ergänzung oder Vervollständigung eines vorhandenen Baues darstellen, c) Einbau von Heizungsanlagen, Lichtanlagen, Lüftungsanlagen, Personenaufzügen und sonstigen Aufzügen, soweit solche nicht als Ersatzgegenstände im Sinne des Gesetzes über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen vom 1. Juni 1933 behandelt werden; 3. Die Runderlasse des Reichsministers der Finanzen vom 10. Oktober 1933, betreffend Steuerfreiheit für Aufwendungen zu Zwecken des zivilen Luftschutzes und vom 27. Januar 1934, betreffend Steuerfreiheit für Aufwendungen zu Zwecken des zivilen Sanitätsdienstes in Industrie- und Werksbetrieben. Senkung der Umsatzsteuer für den Vinnengroßhandel aus vom Hundert. Das Gesetz über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen vom 1. Juni 1933 erstreckt sich nicht nur auf Kraftfahrzeuge, sondern auf jegliche bewegliche G e g e n st ä n d e , die zu einem gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapital gehören. Die Folge davon ist eine Belebung auch in der Maschinen-, Werkzeug-, Geräte-, Büromöbel- und bergt Industrie. Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß dem neuen Einkommensteuergesetz aemäß die gleiche steuerliche Vergünstigung auch für neue Kraftfahrzeuge gewährt wird. Diese Bestimmung im neuen Einkommensteuergesetz wird sich bei Steuerpflichtigen, die ordnungsmäßige Buchführung haben, auf jegliche bewegliche Gegenstände des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals erstrecken, deren gewöhnliche Nutzungsdauer erfahrungsgemäß zehn Jahre nicht übersteigt. Dem neuen Einkommensteuergeseh gemäß soll die Steuerbilanz der Handelsbilanz weitmöglichst angepaht werden. Demgemäß sollen Steuerpflichtige, die ordnungsmäßige Buchführung haben, bei Anlagegegenständen, deren gewöhnliche Nutzungsdauer erfahrungsgemäß zehn Jahre nicht übersteigt, die Abschreibung nach ihrem Belieben vornehmen können. Sie sollen die Abschreibungen auf einen kürzeren Zeitraum als denjenigen der gewöhnlichen Nutzungsdauer verteilen, oder den Betrag der Aufwendungen für den Anlagegegenstand im Jahr der Anschaffung oder Herstellung bereits voll vom steuerpflichtigen Gewinn absehen können. Diese Vorschrift wird die Fortsetzung des Gedankens sein, der dem Gesetz über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen vom 1. Juni 1933 zugrunde liegt. Das Gesetz über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen ist nur noch von Bedeutung für l a n g l e b i g e Gegen st ände des Anlagekapitals. Als langlebig in diesem Sinne gilt ein Gegenstand, wenn seine gewöhnliche Nutzungsdauer erfahrungsgemäß zehn Jahre übersteigt. Die Aufwendungen für einen langlebigen Gegenstand des Anlagekapitals können nur dann vom steuerpflichtigen Gewinn abgesetzt werden, wenn es sich um einen Ersatzgegenstand handelt und die Ersatzbeschaffung vor dem 1. Januar 1935 erfolgt. Für kurzlebige Gegen st ände, das heißt für solche, deren gewöhnliche Nutzungsdauer erfahrungsgemäß zehn Jahr nicht übersteigt, gilt das folgende: Steuerpflichtige, die ordnungsmäßige Buchführung haben, können die Aufwendungen für kurzlebige Gegenstände vom steuerpflichtigen Gewinn im Jahr der Anschaffung oder Herstellung voll absetzen. Dabei ist es ohne Belang, ob es sich um Ersatzgegenstände, oder um Ergänzungsgegenstände, um Ersatzbeschaffungen, oder um Neuanschaffungen, um'Erneuerungen oder um Erweiterungen des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals handelt. Diese Vorschrift des neuen Einkommensteuergesetzes wird nicht auf Anschaffun- qen ober Herstellungen beschränkt sein, bie bis zum 31 Dezember 1934 erfolgen, sonbern sie wirb für immer gelten. Diese Vorschrift bebeutet zweierlei: 1 ein bedeutungsvolles Mittel zur Anregung von Deckung vorhanbenen Bebarfs unb somit im Kampf um bie Derminberung ber Arbeitslosigkeit; 2. eine wesentliche steuerliche Vereinfachung. Diese besteht barin, baß bie Steuerpflichtigen bei ber Abschreibung für kurzlebige ©egenftänbe nicht Gefahr laufen, burch bas Finanzamt eine Be- anftanbung zu erfahren, unb baß bie Steuerbeamten bei ber Veranlagung unb bie Buch- unb Betriebsführer bei ber Buchprüfung ihr Augenmerk nicht mehr auf bie Höhe ber Abschreibung für kurzlebige ©egenftänbe zu richten brauchen. Viele Auseinandersetzungen zwischen Finanzamt einerseits unb Steuerpflichtigen anberfeits über bie Höhe ber Abschreibung bleiben erspart. Das neue Einkommensteuergesetz wird bereits auf das Einkommen Anwendung finden, das für 1934 zu veranlagen fein wird. Es liegt infolgedessen bei jedem steuerpflichtigen Gewerbetreibenden und Landwirt, wenn er ein solcher ist, der ordnungsmäßige Buchführung hat, mit seinem Gewinn, den er im Jahre 1934 erzielt, einkommensteuerfrei und geroerbeffeuerfrei zu bleiben. (Bei Kapitalgesellschaften tritt an die Stelle der Einkornmensteuerfreiheit die Körperschaftsteuerfreiheit.) Er braucht nur in Höhe des mutmaßlichen Gewinnes das gewerbliche oder landwirtschaftliche Anlagekapital zu ersetzen oder zu ergänzen. Die augenblickliche Verbilligung, die er dadurch erzielt, beträgt bei Zugrundelegung des neuen Einkommensteuertarifs und der sich anschließenden Gewerbesteueroerminderung 10 bis 45 v. H. der Aufwendungen für Ersatzbeschaffung oder Neuanschaffung. Ich rufe alle in Betracht kommenden Steuerpflichtigen hierdurch auf, durch Vergebung entsprechender Aufträge sofort zu handeln, und empfehle allen Maschinen-, Werkzeug-, Büro- möbel- und ähnlichen Fabriken, sich auf einen erhöhten Auftragseingang in den kommenden Wochen und Monaten einzustellen. Die Ersatzbeschaffung oder Neuanschaffung muß bis zum 31. Dezember 1 9 3 4 erfolgen, wenn der Betrag der Aufwendungen dafür vom Gewinn für 1934 soll abgeseht werden können. Die meisten Gegenstände des Anlagekapitals find in der Regel kurzlebig. Auf die meisten Gegenstände des Anlagekapitals wird die Vorschrift infolgedessen Anwendung finden. Die Vorschrift hinsichtlich der steuerlichen Behandlung der kurzlebigen Gegenstände gilt nicht nur für Ersatzboschaffungen und Neuanschaffungen, die bis zum 31. Dezember 1934 erfolgen, sondern für immer. Die gewaltige Belebung, die sich aus der Vorschrift ergeben wird, wird deshalb nicht nur auf die zweite Hälfte des gegenwärtigen Jahres beschränkt bleiben, sondern fortbauern. Der augenblickliche Ausfall an Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer wird mehr als ausgeglichen werden durch Verminderung des Finanzbedarfs der Arbeitslosenhilfe und Erhöhung Nach dem bestehenden Umsatzsteuergesetz ist der Binnengroßhandel mit 2 v.H. umsatzsteuerpflichtig, soweit er Ware auf Lager nimmt und ab Lager verkauft, und umsatzsteuerfrei, soweit die Ware bei ihm nur durchläuft zwecks Beförderung an den Abnehmer. Aus dieser bestehenden Rechtslage ergeben sich die beiden folgenden Mißstände: 1. Die Unterscheidung der verschiedenen Arten von Besitz bedeutet für die Verwaltung und für die beteiligten Wirtschaftskreise eine erhebliche Arbeitsbelastung. 2. Der lagerhaltende Großhändler wird bei den geringen Gewinnspannen in seiner Wettbewerbsfähigkeit gegenüber demjenigen Großhändler, der die Ware nur zwecks Beförderung an den Abnehmer bei sich durchlaufen läßt, erheblich benachteiligt. Infolgedessen wird die Lagerhaltung im Großhandel weitgehend vermieden. Die Aufträge an die Industrie werden stoßweise erteilt. Es werden kurze Lieferfristen gestellt. Es müssen Ueberstunden geleistet oder Arbeiter neu eingestellt werden. Hinterher besteht Auftragsmangel, und die Arbeitszeit muß verkürzt werden, oder es müssen Arbeitskräfte entlassen werden. Die Gleichmäßigkeit der Beschäftigung ist unmöglich gemacht. Der Entwurf des neuen Umsahsleuergesetzes sieht vor, daß der Großhandel einheitlich mit Vt vom hundert besteuert wird. Das bedeutet für den lagerhaltenden Großhändler eine Entlastung um 75 vom hundert der bisherigen llmsahsteuerlast und ermöglicht ihm eine angemessene Lagerhaltung. Er wird nicht mehr, wie bisher, seine Aufträge an die Industrie erst dann erteilen, wenn er Abnahme dafür hat, sondern er wird ohne Rücksicht auf vorfind bis jetzt erfolgt: 1. durch die Gesetze über Halbierung der landwirtschaftlichen Umsatzsteuer und über Senkung der landwirtschaftlichen Grundsteuer vom 21. September 1933. Die Folge dieser am 1. Oktober 1933 eingetretenen Senkungen ist eine Erhöhung der Kaufkraft der Landwirte. Die Landwirte können entsprechende Beträge mehr aufwenden für Instandsetzungen und Ergänzungen, für Löhne, Bekleidung und sonstige Dinge und auf die Weise den Verbrauch beleben helfen; 2. durch Artikel III des Kaufkraftgesetzes vom 26. März 1934. Danach ist eine wesentliche Senkung der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe erfolgt. Die Senkung ist dadurch möglich geworden, daß die Arbeitslosigkeit stark zurückgegantzerx und infolgedessen der Finanzbedarf der Ärbeits- losenhilfe wesentlich kleiner geworden ist. Das Aufkommen an Abgabe zur Arbeitslosenhilfe betrug im Rechnungsjahr 1933 rund 530 Millionen Reichsmark. Durch das Gesetz vom 26; März 1934 ist mit Wirkung liegende Bestellungen gleichmäßig und auf weite Sicht große Aufträge mit der Industrie abschließen. Dadurch werden die ruckweisen Beschäftigungen bei der Industrie ausgeschlos- s e n. Es wird in der Beschäftigung zu Gleichmäßigkeit kommen. Und was zu weiterer Ankurbelung der Wirtschaft im gegenwärtigen Zeitpunkt und im bevorstehenden Winter von ganz besonderer Bedeutung fein wird: der Großhandel wird sich Läger schaffen und entsprechende Aufträge erteilen. Daraus wird sich im kommenden Winter eine Arbeitsbeschaffung ergeben, die mit einigen hundert Millionen wird angenommen werden können. Heute find die Läger des Großhandels so gut wie leer. Der Großhandel wartet auf den Zeitpunkt einer umsatzsteuerlichen Erleichterung, um in Wahrnehmung dieser Erleichterung zur Lagerhaltung und zur Vereinfachung seines Geschäftsbetriebs Übergehen zu können. Der Zweck der umfahsteuerlichen Maßnahme, die den Großhandel betrifft, ist ein dreifacher: 1. wesentliche Vereinfachung der Verwaltung bei der Steuerbehörde sowohl, als auch beim Großhändler, 2. Gleichmäßigkeit im Veschäftigungsstand in der Industrie, 3. Kampf um die Verminderung der Arbeitslosigkeit. Gänzlich befreit von der Umsatzsteuer sollen dem vorliegenden Gesetzentwurf gemäß die Großhandels- lieferungen verschiedener Massengüter sein. Auch mit der Frage der Umsatzbesteuerung des Binnengroßhandels wollen wir uns im Finanz- und ©teuer» rechtsausschuß der Akademie für Deutsches Recht noch befassen. ab 1. April 1934 die Abgabe um rund 300 Millionen Reichsmark gesenkt worden. Bei dieser Senkung ist zum ersten Mal auch der bevölkerungspolitische Gedanke, und zwar in der folgenden Weise verwirklicht worden: 1. Alle steuerpflichtigen Arbeitnehmer mit drei und mehr Kindern sind mit Wirkung ab 1. April 1934 von der Abgabe vollständig befreit, und zwar ohne Rücksicht auf die Hcche ihres Einkommens; 2. alle steuerpflichtigen Arbeitnehmer mit einem Kind und zwei Kindern find mit Wirkung ab 1. April 1934 von der Abgabe vollständig befreit, wenn ihr Arbeitslohn 500 Reichsmark im Monat nicht übersteigt; 3. alle Volksgenossen mit einem Arbeitslohn von nicht mehr als 100 Reichsmark im Monat sind mit Wirkung ab 1. April 1934 von der Abgabe vollständig befreit, ohne Rücksicht darauf, ob sie verheiratet oder ledig find; 4. außerdem ist für verschiedene Einkommensgruppen, die nicht unter die vollständige Be- Vedingungslose Diener- und Abgabensenkungen freiung fallen, eine Ermäßigung der Abgabe erfolgt. Die Senkung der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe führt zwangsläufig zu einer Erhöhung der Kaufkraft der Arbeitnehmerschaft und damit zu einer Belebung des Verbrauchs um 300 Millionen Reichsmark. Diese 300 Millionen Reichsmark Senkung sind durch Verwirklichung des bevölkerungspolitischen und sozialen Gedankens so verteilt, daß die Verwendung der Summe zu Zwecken des Verbrauchs gewährleistet erscheint. Amt für Volksgesundheit bei der obersten Le.tung der PO. Berlin, 28. Juni (DRV.) Der „Völkische Beobachter" meldet: In Durchführung der Verfügung des Stellvertreters des Führers vom 15. Mai d. I., wonach für die gesundheitlichen Belange sämtlicher Parteigenossen — mit Ausnahme der SA. und SS. — allein verantwortlich der Amtsleiter des RS.-Aerztebundes, Dr. med. Wagner, ist, wurde durch Anordnung des Stabsleiters der obersten Leitung der PO., Dr. Ley, bei der obersten Leitung der PO. ein Amt für Volksgesundheit errichtet. Der Amtsleiter dieses Amtes, Pg. Dr. Wagner, ist gleichzeitig Leiter des RS.-Aerztebundes als betreuter Organisation und ter zuständigen Abteilung Volksgesundheit in Das Amt für Volksgesundheit ist die für sämtliche Parteigliederungen, einschließlich der betreuten Organisationen — mit Ausnahme der SS. und SA. — in volksgesundheitlichen Belangen allein zuständige Stelle. Der Sachverständigenbeirat für Volksgesundheit bleibt lediglich bei der Reichsleitung bestehen als beratende Stelle für Pg. Dr. Wagner, den Vertrauensmann des Stellvertreters des Führers und Amtsleiters des neuen Amtes für Volksgesundheit. Eindruck herrscht vor, daß es dem französischen Außenminister nicht gelungen ist, die Anerkennung Rußlands durch Südsla- w i e n durchzusetzen. Man nimmt an, daß in den Besprechungen die österreichische Frage einen großen Raum eingenommen und daß Bar- thou in dieser Hinsicht zumindest eine Annäherung zwischen dem französischen und dem südslawischen Standpunkt herbeizuführen vermocht habe. Barthou fährt nach London. London, 27. Juni (DNB.) Im Unterhaus teilte Simon auf eine Anfrage mit, der französische Außenminister B a r t y o u werde England vom 8. bis 10. Juli besuchen. Dieser Besuch werde „eine Gelegenheit bieten, mit ihm Fragen gegenseitigen Interesses zwischen Frankreich und Großbritannien zu erörtern". Den ^vorläufigen Vorkehrungen" zufolge seien keine Besuche britischer Minister im Auslande geplant. Oie innerpolitische Hochspannung in Frankreich. Paris, 28. Juni. (DRB.-Funkspruch.) Die nationalrepublikanische Liga, deren Vorsitzender der frühere Minister Paul R e y n a u d ist, hielt am Mittwoch im Pariser Wagram-Saal eine von 3000 Personen besuchte Versammlung ab. Die Ansprache Reynauds beschäftigte sich mit der innerpolitischen Lage und beweist, daß man selbst in Kreisen, die dem Kabinett Doumer- gue ihre Unterstützung nicht versagen wollen, die innenpolitische Lage als sehr gespannt ansieht. Der frühere Minister führte nach einem Hinweis auf die blutigen Februarunruhen u. a. aus, daß nur Neuwahlen die Zweideutigkeit hätten beseitigen können. Reynaud gibt dann indirekt zu, daß die bisherigen Bemühungen des Kabinetts Doumergue nicht die erwarteten Ergebnisse gezeitigt hätten, ohne die Schlußfolgerungen eines radikalsozialistischen Blattes, der „Republique" zu ziehen, das erklärt, von Tag zu Tag werde die Kluft zwischen der Regierung und dem Volke größer. Dieses Organ ist der Ansicht, daß der Kontakt zwischen der Regierung und dem Volk tatsächlich bereits unterbrochen sei und befürchtet, daß auch Rundfunkansprachen des Ministerpräsidenten bald nicht mehr genügen würden, um diejenigen zu beruhigen, die durch die Krise — die durch den fehlenden ‘ Aktionswillen der Regierung verschärft würde — gezwungen seien, um Arbeit zu betteln. Eines schönen Tages werde man vielleicht den Ansturm dieser Enterbten erleben. Line einige evangelische Reichs- und Volksküche. Rede des Reichsbischofs in Halle. Halle, 27. Juni. (DNB.) Reichsbischof Müller stattete Halle am Dienstag seinen ersten offiziellen Besuch ab. In der Ulrichskirche fand aus diesem Anlaß ein Festgottesdienst statt, bei dem der Reichsbischof die Predigt hielt. Nachdem am Nachmittag ein Empfang durch den Oberbürgermeister im Bürgersaal im alten Rathaus stattgefunden hatte, sprach der R e i ch s b i s ch o f am Abend in einer Kundgebung der Deutschen Christen Über die Stellung der Deutschen Christen zum Bekenntnis. Bei der Darlegung der großen Linien, die die Glaubensbewegung Deutsche Christen leiten, rückte er die Schaffung einer einigen evangelischen Reichs - und Volkskirche in den Vordergrund. Er schilderte seinen eigenen Weg zu Adolf Hitler, dem er in Treue bis zum Tode verbunden sei und seine Entwickelung zur nationalsozialistischen Bewegung, die so protestantisch, so christlich, so wahr sei, daß die Kirche auf Gedeih und Verderb verbunden sei mit diesem nationalsozialistischen Staat. Jrn gegenwärtigen Kampf der Welt gegen Deutschland offenbare sich der jüdische Christenhassergeist, der das Wesen der hinter uns liegenden Zeit ausmachte, der aber leider in den vergangenen Jahren von allzu wenigen evangelischen Pfarrern als die der christlichen Welt drohende Gefahr erkannt worden sei. Des Reichsbischofs, als des Hüters des reformatorischen Erbes, Pflicht fei es, darauf hinzuweisen, daß das, was in der Welt vor sich gehe, ein Stück sei von der Feindschaft, die gegen Christus mobil gemacht werde. Das Wort vom gefährdeten Bekenntnis sei objektive Lüge. Es solle lieber erkannt werden, daß die evangelische Kirche in Gefahr komme, wenn Leute am Werke sind, das Werk Adolf Hitlers zu unterminieren. Eingehend setzte sich der Reichsbischof mit den gegen seine Person gerichteten Angriffen auseinander. Wenn es sich herausstelle, fuhr der Reichsbischof fort, daß von jenen ausländischen Hetz- lügen Fäden nach Deutschland führen, dann habe das mit Kirchenpolitik nichts mehr zu tun, sondern es sei als Hochverrat entlarvt. Die Teile des Volkes, die solanae abseits von der Kirche standen, hätten für ein solches Pastorengezänk kein Verständnis. „Wenn jemand die Meinung vertritt, wir wollten ein germanisches Heidentum, so ist das eine objektive Unwahrheit. Die deutsche evangelische Kirche wird eine wirkliche deutsch-christliche Kirche fein, oder sie wird überhaupt nicht sein. Deutscher Christ sein aber heißt, sich ganz zur deutschen Volksbewegung bekennen und über Christus nicht nur reden, sondern ihn als den Heiland erleben." In der Frage der Gewissensfreiheit gebe es keine Trennung in Deutschland. Die Deutschen Christen achteten mannhaftes Bekennen auch bei ihren Gegnern und versuchten nur sie frei zu machen für den Aufbaudienst. Es gebe keine Bekenntnisnot, und ein Pfarrer-Notbund wäre nötiger gewesen in jener Zeit, als der Marxismus die Kirche zu überrennen drohte. Zum Schluß der Kundgebung sprach der Reichsleiter der Deutschen Christen Dr. Kinder-Berlin über den Aufbruch der Kirche. Soldaten gegen Heimwehr in Graz. Gchmährufe gegen die Heimtvehr und Starhemberg. Einsatz von Offizierspatrouillen. Wien, 27. Juni (DRV.) Aussehenerregende Szenen, wie sie sich bisher in Oesterreich noch nie abgespielt haben, ereigneten sich am Mittwochabend hi Graz. 400 dienstfreie Soldaten des Bundesheeres in Uniform zogen von ihrer Kaserne geschlossen in das Innere der Stadt und brachten Schmähruse auf die heimwehr und Rufe gegen den Vizekanzler Star- Hemberg aus. Wo sie Heimwehrleute erblickten, verprügelten sie diese. Die heim- wchrleute riefen Kameraden zu Hilfe und es kam zu großen Schlägereien. Zahlreiche Verletzte muhten ins Krankenhaus gebracht werden. Bald hatten sich im Stadtzentrum Tausende von Menschen angesammelt, die ebenfalls erregt gegen die heimwehr Stellung nahmen und Hochrufe auf die Armee ausbrachten. Die Tumulte setzten sich auch in anderen Straßen fort. Die Polizei war anfänglich machtlos. Man muhte im Dienst befindliche Truppen des Bundesheeres herbeirufen, die gegen ihre Kameraden vorgingen und schliehlich sogar mit gefälltem Bajonett die Menge auseinandertrieben. Die Ursache dieser Szenen waren Zwischenfälle, die sich tagszuvor ereignet hatten, h e i m w e h r - leute hatten in einem Lokal einen Angehörigen des Vundesheeres verprügelt. Kameraden des Gezüchtigten beschlossen, Rache zu üben. Das Truppenkommando hatte von dem Plan gehört und den A u s g a n g für Mittwoch untersagt. Die Soldaten hatten sich jedoch nicht an das Verbot gehalten. Wien, 28. Juni. (DNB.) Nach weiteren Meldungen aus Graz konnte am Spätabend des Mittwoch die Ruhe erst nach Einsatz von Offizierspatrouillen wiederhergestellt werden. Von den verwundeten Heimwehrleuten sind drei schwer verletzt. Neue Gprengstoffanschlage in Tirol. Innsbruck, 28. Juni. (DNB. Funkspruch.) In Tirol wurden in der Nacht zum Donnerstag wiederum mehrere Spr e n g st o f i a n s ch l ä g e verübt. In Innsbruck wurde auf dem Dach des Druckereigebäudes der Verlagsanstalt „Tyrolia" ein ckkehrere Kilogramm schweres Paket gefunden, das sofort in einen angrenzenden Garten geworfen wurde. Es handelte sich tatsächlich um eine Bombe, die explodierte und ein 50 Zentimeter tiefes Loch in den Erdboden riß. Auch die Einrichtung des Gastgartens und mehr als 100 Fensterscheiben des Verlagsgebäudes wurden vollständig zertrümmert. In dem Elektrizitätswerk in R u e h l a u wurden die drei Hochdruckrohre durch einen Sprengstoffanschlag zerstört, so daß das Wasserwerk vier bis fünf Wochen stilliegen muß. Ferner wurde die Soleleitung des Salzbergwerkes im Halltal gesprengt. In einem Wasserloch des Ruetz-Elektrizitätswerkes im S t u b a i t a l fand man mehrere Pakete mit Sprengstoff, ebenso in der Leopoldstraße in Innsbruck unterhalb eines Wasserdurchlasses. Varthous ZundnispoM alten Stils. Kritische Stimmen in Frankreich. Paris, 28. Ium. (DRV. Funkspruch.) Während die regierungsfreundlichen Blätter fortfahren, V a r - thou zu feiner Bündnispolitik zu beglück- w ü n f ch e n und ihn in feiner Haltung zu bestärken, find andere Blätter wegen ter Rückwirkungen der Politik Varthous bedenklich gestimmt. U.a. meint die radikale „Concorde", dah ter feste und feierliche Protest der ungarischen Regierung und die italienische Flotten kundgeb u n g vor Durazzo nicht unbeachtet bleiben könnten. Die „V i c t o i r e“ fragt: Fürchtet Bar thou nicht, dah die Sammlung fo vieler Alliierter nicht nur Deutschland, sondern auch Italien verdächtig und bedrohlich Vorkommen muh? Glaubt er nicht, dah dadurch Deutschland und Italien, das Varthou doch zu lieben vorgibt, unvermeidlich einander in die Arme getrieben werden und auherdem Frankreich auch von feinen englischen Freunden scheel angesehen werten könnte? Die Regierung Doumergue muh immerhin bedenken, dah es auch unter den französischen Rationalisten Elemente gibt, die zu dieser gefährlichen Allianzpolitik alten Stiles eine b e - herzle Politik der Versöhnung mit den Besiegten vermittels einer einsichtigen gerechten Abänderung der Verträge von Versailles und Trianon vorziehen würden. Aarthou auf der Rückreise. Wien, 27. Juni. (DNB.) Außenminister B a r - thou traf am Mittwochnachmittag auf der Durchreise nach Paris mit dem Arlbergexpreß auf dem Wiener Ostbahnhof ein. Nach halbstündigem Aufenthalt reifte er weiter. NachdenklicheBetrachtungen inBelgrad Belgrad, 27. Juni. (DNB.) Am Tage nach der Abreise Barthous beschäftigten sich die Blätter mit dem Widerhall, den der Besuch des französischen Außenministers in Bukarest und Belgrad in Ungarn gefunden hat. „Prawda" nennt die Budapester Kundgebungen gegen Frankreich und die Kleine Entente eine „burleske Komödie", die nur aus der leichtsinnigen Außenpolitik Ungarns erklärlich fei. In ernsten politischen Kreisen aber hält die sachliche Beurteilung des Barthouschen Besuches weiterhin an. Insbesondere wird auf die kühle Zurückhaltung der angelsächsischen Mächte verwiesen. Bei der Festsitzung für Barthou im Parlament hätten sämtliche diplomatischen Vertreter dieser Großmächte gefehlt. lieber die Ergebnisse der Besprechungen Barthous wurde keine Mitteilung ausgegeben. Der Englands Ausrüstung in der Lust amtlich bestätigt Eine aufschlußreiche Aussprache im Oberhaus. London, 28. Juni. (DNB.) Jrn Oberhaus fand am Mittwoch eine Aussprache über die Frage der Reichsverteidigung statt. Der Konservative Lord E l i b a n k ersuchte die Regierung, die Schaffung einer Reichsluftstreitkraft zur gemeinsamen Verteidigung des Britischen Reiches zu prüfen und eine baldige Reichsverteidigungskonfe- renz nach London einzuberufen. Der Liberale Lord M o t t i st o n e unterstützte den Antrag Lord Elibanks. Er forderte, daß die Regierung sofort dem Lande die Gefahr vor Augen führe, der es durch Bombenwurf aus der Luft ausgesetzt fei. Die Regierung müsse Maßnahmen ergreifen, um diese Gefahr zu vermindern. Mottistone erklärte, wenn der Staatssekretär für Flugwesen heute mitteilen könne, daß England feine Luftstreitkräfte verdoppele, so würden seine Worte mit einem Seufzer der Erleichterung nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland und anderen Ländern Europas, ausgenommen Rußland, ausgenommen werden. Der Führer der Arbeiteropposition im Oberhaus, Lord Ponsonby, wandte sich scharf gegen den Gedanken einer Verdoppelung der britischen Luftstreitkräfte, dessen Verwirklichung, wie er behauptete, den Sturz der Regierung herbeiführen würde. In seiner Antwort erklärte der Staatssekretär für Flugwesen, Lord L o n d o n d e r r y , bis zu den letzten Monaten habe die Regierung allen Grund zur Annahme und Hoffnung gehabt, daß etwas aus ter A b - rüstungskonferenz hervorgehe, was eine wesentliche Erhöhung der Luftstreitkräfte unnötig mache. Jetzt sei die Lage leider nur allzu klar geworten. Die Regierung könne nicht länger hoffen, dah durch eine internationale Konvention die Probleme gelüst würden, die ganz Europa beunruhigen. Die britische Regierung habe daher beschlossen, daß sie nicht länger mit den Schritten zurückha lten könne, die notwendig seien, um angemessene Vorsorge für die Luftverteidigung der englischen Küste zu treffen. Er deutete an, daß es ganz unmöglich fei, die endgültige Art ter Ausdehnung ober die Richtung anzugeben, in der sie sich hewegen werde. Das Echo in der Londoner presse. London, 28. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der Mitteilung des englischen Luftfahrtministers im Oberhaus, daß die Vorbereitungen für die Angleichung der Stärke der englischen Luftwaffe in vollem Gange sind, wird von der ganzen Presse stärkste Bedeutung beigemessen. Sie wird als endgültige Bestätigung ter englischen Aufrüstung in ter Luft angesehen. Gleichzeitig drücken die Blätter ihre Enttäuschung darüber aus, daß Lord Londonderry noch keine endgültigen Zahlen über die Verstärkung der Luftstreitkräfte mitgeteilt habe. „Daily Telegraph" schreibt, das Unvermögen des Luftfahrtministers, das Luftprogramm der englischen Regierung genau vorzulegen, wird allgemein Enttäuschung Hervorrufen. Man hatte erwartet, daß der Minister klar mitteilen werde, welche sofortigen Erhöhungen der Luftstreitkräfte beschlossen und zu welchem Zeitpunkt das Programm in Angriff genommen werde. Ohne Zweifel sind die Minister völlig einig über die zwei Hauptpunkte, nämlich 1. daß keine Hoffnung mehr vorhanden ist, die A b r ü st u n g s k o n f e r e u z zu einer Herabsetzung der ausländischen Luststreitkräfte aus den britischen Stand zu bringen und 2. daß England nur mit völliger Gleichheit feiner Luftstreitkräfte mit derjenigen irgendeiner in „schlagender Rähe" Englands liegende Macht zufrieden sein könnte. „Times" bezeichnet die Erklärung des Luftfahrt- Ministers als „enttäuschend negativ", soweit die Luftverteidigung des gesamten Weltreiches betroffen sei. Das Blatt forderte eine engere st rat e- gische Zusammenarbeit zwischen den Staaten des britischen Weltreiches in der Frage der Luftverteidigung. Wünschenswert sei u. a. ein im ganzen Weltreich verteiltes Reh von Flug- si a t i o n e n entsprechend den Kohlenstationen der Kriegsmarine. Ferner sei sehr wichtig, das englische Volk weitgehend zur fliegerichen Tüchtigkeit zu erziehen und allgemeine Anweisungen für die Luftabwehrverteidigung zu erlassen. Das Blatt wiederholt bann den Vorschlag eines „L u f t- L o c a r n o" bzw. einer Luftkonvention, die eine Zusammenarbeit der Luftstreitkräfte geaen einen Angreiferstaat vorsehen würde. Das „Luft- Locarno" würde dahin gehen, daß die Luftflotte von vier Staaten gegen den frie- denbrechenden Staat eingesetzt würde. Hierdurch würde die Notwendigkeit einer konkurrierenden Luftaufrüstung weitgehend modifiziert werden. Außerdem würde es den ersten Schritt zu einer Konvention gegen die Luftbombardierung darstellen. Die liberale „News Chronicle" nimmt die Erklärung des Luftfahrtministers als Beweis, daß die englische Regierung alle Hoffnungen auf eine Abrüstungsvereinbarung aufgegeben habe. Aus aller Wett. Glückwunsch des Reichspräsidenten für Professor Dr. Alfred von der Leyen. Der Herr Reichspräsident hat dem Wirklichen Geheimen Rat Professor Dr. phil. h. c. Alfred von der Leyen, Berlin, zu seinem 90. Geburtstag in einem herzlichen Schreiben, in dem die Verdienste Professor von der Leyens um das deutsche Eisenbahnwesen hervorgehoben werden, seinen Glückwunsch ausgesprochen. Hitlers „Mein Kampf" in bulgarischer Uebersehung. Der Führer der kürzlich zusammen mit den anderen parteipolitischen Organisationen aufgelösten Nationalsozialistischen Bulgarischen Arbeiterpartei, Christo Kuntscheff, hat das Standartwerk des Nationalsozialismus, Adolf Hitlers „Mein Kampf", in die bulgarische Sprache übertragen. Die Ueber- setzung wird in Kürze in zwei Bänden erscheinen. karoline Bjornson f. Frau Karoline Björnson, die Gattin des 1910 verstorbenen Dichters Björnstjerne Björnson, ist am Mittwochnachmittag im Alter von 99 Jahren auf dem Landsitz der Familie Aulestadt bei Lillehammer (Norwegen) gestorben. Das „Haus ter teulschen Kunst" erhält bas Geläute für ben Reubau. Durch Entschließung des bayerischen Ministerpräsidenten in seiner Eigenschaft als Finanzminister wurde das für den Neubau des „Hauses der deutschen Kunst" in Betracht kommende Gelände des Englischen Gartens in München im Ausmaß von 33 000 Quadratmeter durch notariellen Vertrag aus dem Besitz des bayerischen Staates in den der Anstalt „Haus der deutschen Kunst" (Neuer Glaspalast) überführt. Schuh ben Finblingsblöcken. lieber die Erhaltung der Findlingsblöcke hat der preußische Kultusminister einen Erlaß herausge- aeben, in dem es u. a. heißt: Wo keine Notwendigkeit vorliegt, einen Findling feiner Erhaltung wegen wegzufchaffen, sollte man ihn als echtes Naturdenkmal dort ruhen lassen, wo ihn die Natur hin- gelegt hat. Nur wenn ein Findlingsblock aus zwingenden Gründen nicht an feiner natürlichen Lagerstätte verbleiben kann, ist zu billigen, daß er an eine andere Stelle gebracht und etwa als Denkmal verwendet wird. In dem Erlaß wird zum Schluß darauf hingewiesen, daß bei der Verwendung von Findlingen zu Denkmalszwecken die vielfach beliebte Verbindung eines Findlingsblockes mit architektonischen Formen ästhetisch nicht durchweg einwandfrei ist. Der Erlaß empfiehlt daher Findlingsblöcke als Denkmal möglichst unbearbeitet zu lassen. Jauernftetfi= Puddingpulver aus deutschen Rohstoffen in bewährter Oetker ° Egalität! vanille» u. Manüel»Gcschmo mr 0 0 12 0 0 0 0 0 7 0 0 0 0 10 0 0 23,9 142,5 82,25 111,5 67,75 108,25 100 92 150,25 100 76,5 121,25 60,75 107 172 130,5 71,5 66 78,75 93,25 47,5 235 97,9 40,75 14,25 127,5 127 170,75 149,65 69 39 86 62,5 2,462 58,41 56,24 12,58 16,46 169,31 21,39 63,27 89,25 89 88 95 94,75 88,5 88,25 87,75 89,75 91 92 101,1 24 142,4 82 111,5 67,75 108,75 100 92,5 150,75 128,9 76,9 120,5 60,75 107 74,5 175 131,5 71,5 65,65 89 88,75 95 95 88,5 88,25 88 89,5 91,5 92 101 24 1,1 7,25 6,55 7 8,25 7,65 7,75 94,5 88,75 78,5 93 47,75 233,5 97,13 40,9 14 126 125,5 170,75 150,25 67,5 39,5 85,25 62 7,3 7,1 7,05 8,13 7,65 7,75 7,3 6,65 7,15 8,25 63 69,5 48 50,5 48,5 59 19,75 193,5 134,5 22,5 I 72,75 | 180 Vögel brüteten. Wenn man heute durch die Schausammlung des außerordentlich schönen Senckenberg-Museums in Frankfurt a. M. geht, findet man in einer Glassetzungen oder Ergänzungen verspricht man sich eine weitere Minderung der Arbeitslosigkeit. Aktien eröffneten zwar etwas uneinheitlich und kamen nur zögernd zustande, später wurde das Geschäft teil- । weise etwas lebhafter, wobei die Bewegung einiger Spezialwerte etwas anregte. Weiterhin überwiegend I fester lagen Elektroaktien, die von 0,50 bis 1 v. $). höher einsetzten, mehr hervor traten Gesfürel mit insgesamt plus 1,50 v.H., nur Siemens lagen um 0,65 o. H. leichter. Lebhafter und fest waren außerdem Daimler-Motoren mit plus 1,65 v. S). Am Montanmarkt gelangten Klöckner 1,25 v. 5)., die übrigen Werte von 0,25 bis 0,50 v. 5). höher zur Notiz, Rheinstahl waren 0,50 v. H. leichter. Recht fest lagen Zellstoffaktien, Waldhof plus 1,65 v. $., Aschaffenburg plus 1 v. H. Farbenindustne sehr ruhig und nur knapp behauptet, Scheideanstalt sogar 2 v.H. schwächer. Verkehrs-, Schiffahrts- und Kunstseideaktien lagen gut behauptet, ebenso Reichs- bankanteile und Zement Heidelberg. Westdeutsche Kaufhof lagen mäßig höher. Am Rentenmarkt verloren Altbesitz 0,13 v.H., späte Reichsschuldbuchforderungen 0,25 v.H., Reichsmark-Obligationen aus Dollar-Bonds 0,25 bis 0,50 v. H. und Kommunal-Umschuldungsanleihe zirka 0,75 v. H. Stahlverein-Obligationen blieben zu 79 v. H. voll behauptet. Am Pfandbriefmarkt war das Geschäft klein, das Kursniveau blieb aber gut gehalten, obwohl einiges Angebot vorlag. Einige Liquidationspfandbriefe und Kommunal-Obligatio- nen lagen etwa 0,25 bis 0,50 v. H. fester. Stadtanleihen waren ruhig und unverändert. Auslandsrenten waren bei kleinem Geschäft still. Im Verlaufe herrschte weitgehendste Geschäftsstille, doch blieben die Kurse auf fast allen Marktgebieten gut behauptet. Aschaffenburger Zellstoff zogen erneut 1 o. H. an, auch Metallgesellschaft gewannen 1,40 v.H., während Conti Gummi 1 v. H. verloren. — Tagesgeld 3,25 v. H. Frankfurter Abendbörse. , Frankfurt a. M., 27. Juni. Die Abendbörse -'lag allgem 'n sehr still und im Vergleich zum 33 I 63,65 | 89,5 54,5 i 62 । 65,25 I 154 | 111 63,75 69,75 50,25 52,25 133 49,9 59,9 66,5 20,25 186,25 194,5 134,75 21 179 91 92 101,1 24,5 7,35 7,1 7,05 8,13 61,5 I 61,51 108 108 125,5 I 125,51 113 62,5 69,5 48 50 132,5 48,4 58,9 65,25 19,9 193,5 134 21,25 I 181 I 3,8 35,13 27,75 ein Skelett, und ein Ei. Das El ist nur em Glps- abdruck; selbst wenn man fünftausend Mark bezahlen würde, könnte man kaum irgendwo ein echtes Ei bekommen, denn es gibt nur noch 72 auf der aanzen Erde. t .. Dagegen ist das Skelett echt, eines der 23, die bekannt sind. Und wenn man dem Direktor des Senckenberg-Museums für das Federkleid dieses toten Vogels zwanzigtausend Mark in bar bieten wollte, würde er ohne Besinnen „nein" sagen; denn dieser präparierte Vogelbala ist vielleicht die besterhaltene sichtbare Ueberlieseruna des vom Men- chen ausgerotteten R i e s e n a l r s. Oer letzte Jticfendlf. Tiere, die sterben mußten. Wie Seekuh, Riesenalk und Quagga von der Erde verschwanden. Don Paul Eipper. Amerikanische Noten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten Englische Noten güsUche Noten »bische Noten nische Noten — . egtsche Noten .............. Deutsch Oesterreich, 4 100 Schwing Rumänische Noten.......... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten Ungarische Note» •••• Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 21L 23,4 142 83,75 111 67,25 108,75 91,25 150,5 128 76,25 | 121,5 60,75 I 107,25 | Berliner Schluß nur wenig verändert. Von Der Kundschaft lagen nur in wenigen Spezialpapieren kleine Aufträge vor, während die Kulisse weitere Zurückhaltung übte, wobei der bevorstehende Halb- jahresultimo mitsprechen dürfte. Die Grundstimmung war nichtsdestoweniger freundlich nicht nur arn Aktienmarkt, sondern auch für Rentenpapiere zeigte sich verschiedentlich etwas Interesse. Von Aktien waren Zellstoffwerte nochmals mäßig hoher, v Schweinemarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Schweinemarkt standen 142 Ferkel und 2 Läufer zum Verkauf. Es kosteten: Ferkel, bis 6 Wochen alt, 11 bis 13 RM. 6 bis 8 Wachen alt 13 bis 18, 8 bis 13 Wochen alt 18 bis 22; Läufer 40 RM. — Tendenz: mäßig, Ueberstand. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 27. Juni. Am G e m ü s e • markt verzeichnete man starke Zufuhren in Blumenkohl, in den übrigen Gemüsearten waren sie gut. Bei nahezu gleichbleibenden Preisen nahm das Geschäft einen zufriedenstellenden Verlauf. Es erzielten: Blumenkohl (Treibhaus) 10 bis 30, Bohnen 18 bis 24, Erbsen 10 bis 12, Salat-Gurken 10 bis 30, do. holl. 13 bis 17, Karotten Bdl. 4 bis 5, Kartoffel, Erstlinge 50 Kilogramm 775, Kohlrabi 2 bis 4 Kopfsalat 3 bis 6, Rettich 4 bis 6, Römischkohl 6 bis 8, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12 bis 15, Tomaten (Treibhaus) 25 bis 28, do holl. 22 bis 24 Weißkraut 6 bis 9, Wirsing 6 bis 8, Zwiebeln nut Schlotten Bdl. 4 bis 5. . , . <- . Der Obstmarkt hatte starke Zufuhren in get- delbeeren, Johannisbeeren und Himbeeren. In Kirschen bestand Ueberangebot. Erdbeeren werden noch in geringem Umfange angeboten. Ausl. Persische waren gut vertreten. Die Preise für Kirschen und Himbeeren lagen rückläufig, im Übrigen blieben sie unverändert. Der Verkauf in allen Beeren und für Sauerkirschen war gut, im übrigen langsam. Für Kirschen verblieb Ueberstand. Es erzielten: Aepfel, Kiste ca. 35 Pfd. 800 bis 900 Austral., Aprikosen ein halb Kilo 30 ital., Erdbeeren 25 bis 45, Wald- erdbeeren 90, Heidelbeeren 20 bis 22, Himbeeren 25 bis 30, Johannisbeeren 10 bis 11, Kirschen I 14 bis 18, II 8 bis 12, Sauerkirschen 12 bis 15, Pfir- siche ein halbes Kilogramm 22 bis 25 span., do. ital. 21 bis 35, Stachelbeeren 12 bis 15, Zitronen, ' lose 50 Kilogramm 1600 span., 150 Stück 400 bis ' 450 ital. Frankfurter Getreidebörse. il.6.®......................o Betula.....................o Kette. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft 6 Sitten & Guilleaume o esellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Schuckert S Cv.............. 5 Siemen« L Halske 7 Lahmeoer L Eo 10 Frankfurt a. M., 28. Juni. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 150 Rinder (28 Ochsen 13 Bullen, 21 Kühe, 28 Färsen), 772 Kalber, 40 Schafe, 745 Schafe. Es kosteten: Kälber 21 bis 47 Mark, Hümmel 28 bis 34, Schweine 32 bis 43 Mark. — Marktverlauf: bei allen Diehgattungen ruhiger Handel. Iwndfunkprogramm Freitag, 29. Juni: 5,50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 9: Katholische Morgenfeier. 10: Nachrichten. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Nachrichten. 14.40: Stunde der Frau. Die Welt im Porzellan. 15.40: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert des Philharmonischen Orchesters. 17.30: Anonyme Briefe. Dreigespräch. Verfaßt von Wilhelm Michel, Darmstadt. 17.45: Akkordeon und Bandoneon. 18: Stunde der Jugend. Vom rechten Volksliedsingen! Eine nachdenkliche Stunde vom Frankfurter BDM. 18.25: Der Himmel im Juli. Ein Viertelstündchen Astrologie. Don Prof. Edmund Sittig. 18.50: Griff ins Heute. 19: Unterhaltungskonzert. 20: Politischer Kurzbericht. 20.15: Stunde der Nation. Seelenhandel an der Saar. 21: Tanzmusik. 22: Acht Frauenchöre von Robert Schumann. 22.20: Nachrichten. 22.35: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.45: Kleine Unterhaltung. Em Mikrophon hat sich verirrt. 23: Unbekannte Lieder aus unseren Gauen. 24 bis 1: Nachtmusik. Oatum I 26-6 ♦ Vervierfachte Erzförderung im Eisenbergwerk Dillenburg. Beim Eisenerzbergwerk Dillenburg, das der Preußischen Bergwerks- und Hütten-AG. gehört, wurden m 1933 32172 Tonnen Eisenerze gefördert gegenüber nur 8 234 Tonnen in 1932. Damit ist die Förderungsziffer von 1931 mit 27 400 Tonnen wieder überschritten, die Ziffer von 1929 mit 104 406 Tonnen allerdings bei weitem noch nicht wieder .erreicht. Das Bergwerk, das in 1932 vorübergehend stillgelegt war, konnte den Betrieb im Februar 1933 in beschränktem Maße wieder aufnehmen. Durch die Absatzsteigerung infolge der Abnahmeverpflich- tung der westdeutschen Hüttenwerke konnte der Verlust ganz erheblich verringert werden. Von Juni 1933 arbeitete der Betrieb voll, die meisten der i V entlassenen Arbeiter wurden wieder eingestellt, die Gefolgschaft erhöhte sich bis Jahresende auf 183 (40) Mann und stieg in der Folgezeit weiter an. Der Hilfsbau durch das Buderussche Grubenfeld „Stillingseisenzug" in die Felder Tretenbach und Frohsinn wurde ausgenommen. Frankfurter Börse. Schwanzfett. Das Fleisch der jungen Borkentiere vergleicht sich gänzlich dem Kalbfleisch; das der alten ist von Rindfleisch nicht zu unterscheiden. Es hat die besondere Eigenschaft, daß es auch in den heißesten Sommermonaten, ohne zu stinken, zwei oder noch mehr Wochen an der frischen Luft liegen kann. Wir merkten an der Zunahme unserer Kräfte, wie bekömmlich dieses Fleisch ist; besonders jene Matrosen, die dis dahin an der Zahnfäule (wohl Skorbut?) gelitten hatten." Dies alles veröffentlichte G. W. Steller im Jahre 1742, und alsbald strömten Walfänger und geldgierige Abenteurer nach der Bering-See. Es begann eine so furchtbare Metzelei unter jenen wehrlosen Meersäugetieren, daß wohl bereits 24 Jahre später, anno 1768, b i e letzte Seekuh erlegt worden ist, jene Borkentiere von der Erde vertilgt waren. Einige Knochen, Schädelskelette und ein paar Hautfetzen, das ist alles, was wir heute noch vom Borkentier besitzen. Ein Reisebericht ans dem Jahre 1518 Einst hockten pinguinartige Vogel von der Gröhe einer Gans überall auf den Riffen und Klippeninseln von Neufundland über Grönland bis nach Norwegen, Dänemark und England. Ein überlieferter Brief vom November 1578 berichtet von einer Insel, auf der „fast unglaubliche Massen" dieser Gewicht einer Seekuh: 480 Zentner. Die größten Exemplare sind 4 bis 5 Faden (9 bis 10 Meter) lang und an der stärksten Leibstelle etwa 7 Meter dick. Ihre Haut hat ein doppeltes Wesen: die äußerste Schale ist schwarz, einen ganzen Zoll dick und an Festigkeit so wie Holz, dabei voller Gruden, Runzeln und Löcher. Sie besteht aus lauter senkrechten Fasern (daher der wissenschaftliche Name „Borkentier"), die untere Haut ist etwas dicker als Ochsenhaut und rein weiß. Unter diesen beiden Häuten umgibt den ganzen Körper vier Finger hoher Speck. Das Gesamtgewicht eines ausgewachsenen Borkentieres muß auf 480 Zentner geschätzt werden. Das Fett ist nicht ölig; wenn es einige Tage an der Sonne lag wird es gelblich wie die beste Butter und übertrifft in gekochtem Zustand an Süßigkeit und Geschmack erstklassiges Rindsfett. Ausgesotten hat es die Farbe frischen Baumöls, den Wohlreiz von Mandelöl, so daß wir es in der Polarkälte fchalenweis getrunken haben, ohne je Ekel zu empfinden. Am besten ist das 6% Deutsche RetchSanlethe v. 1927 S°/<,ehem.7°/«»Dt.ReichSanl.v.I929 6Yt% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Aul.-Ablös.-Schuld mit Luslos.-Rechten DeSgl. ohne AuSlol.-Rechte...... 6% eöem.8% Hess. Bolksstaat 1929 irückzahlb. 102%)......... 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12.................. 5y.% Hess. LandeS-Hypotheken- bant Darmstadt Ctqul Oberhellen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank Aoldpse. 15 unkündbar bis 1935 •% ehern. 7% Franks. HhP 'Bank Goldpfe. 16 unkündbar 6U 1936 ehern. 4y,% Franks. HhP^ Bank-Liqu^Psandbriefe....... ty.% ehern. «y,% Rheinische Hvp.-Bank-Ltqu.-Goldvse. 8% ehern. 8% Pr. LandeSpsand- briefanflalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. LandeSpsand. briefanfialt, Pfandbriefe R. 10 Lleuergutsch. Verrechnung«!»»» ässsssssa.’i.’äü *y.% desgl. von 1918........- 5% abaest. Goldmexikaner von 99 *% Türkische ßonanlelbe von lSll 4% Türkische Bagdadbaha-Anlethe Ein Tier, zwischen Zebra und Pferd. Ein naturwissenschaftlicher Bericht fängt so an: „Das Quagga starb in den siebziger Jahren Des 19. Jahrhunderts so unvermutet aus, daß nur wenige Museen, gleichsam durch Zufall, sich mit brauchbaren Exemplaren versehen hatten, obwohl das Tier in unseren Zoos lange Zeit allgemein vorhanden war und die Buren Südafrikas gewohnheitsmäßig sein Fell zu Kornsäcken benützten.' Heute, 50 Jahre später, kennt der laienhafte Tier- freund kaum mehr den Namen, und ich will deshalb hier in kurzen Zügen die Stammesgeschichte 1764 wurde die letzte Seekuh erlegt. 1844 wurde der letzte Riesenalk erschlagen. 1879 wurde das letzte Quagga getötet. (Nachdruck verboten.) Ein Naturforscher entdeckt die Seekuh. Der in Mittelfranken geborene Arzt und Naturforscher G. W. Steller strandete im November 1741 auf der bislang unbekannten Bering-Insel im nördlichen Eismeer, und als er zehn Monate später aus seiner gefahrvollen Lage befreit worden war, übergab er der Wissenschaft einen sorgfältigen Bericht über das durch ihn entdeckte B o r f e n t i e r. Darin heißt es u. a. (ausführliche Angaben finden sich auch im klassischen Brehm, dessen Studium ich allen Tierfreunden immer wieder auf das nachdrücklichste empfehle): „Am ganzen Strande der Bering-Insel, sonderlich wo Bäche ins Meer fließen und alle Arten von Seekräutern am häufigsten sind, hält sich zu jeder Jahreszeit die Meerkuh in großer Menge und herdenweise auf. Gemeiniglich schwimmen Männlein und Weiblein nebeneinander; das Junge treiben sie vor sich her. Sie sind, wie das Rindvieh, mit nichts anderem als ihrer Nahrung beschäftigt. Der Rücken und die Hälfte des Leibes ist beständig oberhalb des Wassers. Die Seekühe fressen unter langsamer Bewegung vor sich hin; mit den Füßen (Stoffen!) scharren sie das Seegras von den Steinen ab und kauen es unaufhörlich, bewegen Kopf und Hals wie ein Ochse, und je nach Verlauf einiger Minuten erheben fie den Schädel aus dem Wasser, schöpfen mit Räuspern und Schnarchen nach Art der Pferde frische Luft. Wenn das Wasser fällt, kamen die Seekühe so nahe, daß wir sie vom Lande aus mit Stöcken schlagen und mit Harpunen erlegen konnten. Wir bemerkten nicht ohne Verwunderung, daß em Seekuh-Männlein zu seinem am Strande liegenden toten Weiblein zwei Taae nacheinander kam, als wenn es sich nach dessen Zustand erkundigen wollte. 1844 wurde der wahrscheinlich allerletzte Riesenalk auf Island erschlagen; zu Hunderten und Tauenden haben die Fischer und Seefahrer der vergangenen drei Jahrhunderte diesen Harm- und wehrlosen Vogel abgeschlachtet, weil er bequem zu fangen war, sehr arotze Eier hatte und wohlschmeckendes, fettes Fleisch. Der Riesenalk, obwohl fast ein Meter lang, hatte nur winzige Flügel, mit denen er unmöglich fliegen konnte. Dagegen schwamm er, wie aus allen zeitgenössischen Berichten hervorgeht, ausgezeichnet, flitzte, ja flog pfeilschnell durchs Wasser und fand In den fischreichen, nordischen Gebieten leichte und zahlreiche Beute. An Land watschelte er unbeholfen wie ein Pinguin, trug ebenso den Körper aufrecht! denn seine Schwimmfüße staken weit hinten am Rumpf. An der Bauchseite war das Gefieder schneeweiß; Rücken, Hals und Kopf glanzten fast chwarz. Vor den Augen leuchtete ein weißer Fleck, weshalb man den Vogel auch Brillen-Alk nannte. Er hatte einen kräftigen, seitlich zusammengedrückten schwarzen Schnabel; auch die Ruderflügel waren schwarz, am Rande zierlich weiß gesäumt. Es muß ein schöner Anblick gewesen sein, wenn unzählbare Scharen dieser großen Vögel in beschaulicher Ruhe auf den Klippen saßen, das heißt, sie standen auf ihren breiten Schwimmfüßen und stutzten sich auf den kleinen Schwanz, verdauten oder bebrüteten ihre grünbraun gefleckten, menschenhandgroßen Eier. . Das ist vorbei; lediglich etn paar isländische Scharen halten die Erinnerung aufrecht. Sie heißen Geirfugl-Asker, verdeutscht „Klippen, auf denen der Geirfugl, eben der Riesenalk, genistet hat." 26.6 78,25 47,5 234 97,5 40,5 13,8 125,25 125 27.6. 7,8 4,3 3,95 35,13 27,5 Schlußkurs 26-6. Frankfurt a. M., 27. Juni. Obwohl besondere Anregungen fehlten und auch die Publikumsbeteiligung kaum größer war, setzte sich die Befestigung der Aktienkurse weiter fort, wenn auch größere Kursveränderungen kaum eintraten. Der Rentenmarkt lag dagegen wiederum sehr vernachlässigt — und soweit bei Börsenbeginn zu übersehen war — auf fast allen Gebieten etwas schwächer. Es dürften weitere Tauschoperationen gegen Aktien erfolgt sein, daneben verursacht die Nähe des Halbjahresultimos kleine Glattstellungen. Da auch in der Zinsfrage noch keine positiven bzw. konkrete Mitteilungen vorliegen, bekundet man allgemein etwas Zurückhaltung und interessiert sich mehr für Aktienpap.iere. Die Ausführungen von Staatssekretär Reinhardt zu den neuen Steuerreform-Plänen hinter- . M. geht, nnoet man m einer isias- ließen einen guten Eindruck und von dem Passus ausgestopftes Exemplar dieses Vogels, | über die Ermäßigung der Steuerschuld bei Jnstand- 26.6. 7,8 4,5 3,9 35,25 28 Frankfurt a. M., 27. Juni. Der Markt blieb eft, besonders für Futtermittel, daneben lag Weizen nochmals höher, Hafer blieb unverändert, während Roggen um 1,50 RM. zurückging. Es notierten in RM. (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm): Weizen 210, Roggen 186, Hafer 210 bis 212,50, Weizenmehl Festpreisgeblet w X 28,90, do. W VII 28,60, Roggenmehl Feftpreisge- biet R VIII und R VI je 25,25, zu allen Mehlpreisen kommen 0,50 RM. Frachtausgleich hinzu, Weizenmehl IVB 16,75, Weizennachmehl 16,25, Weizen- uttermehl 12,25, Weizenkleie fein 11,40, grob 11,75, Roggenfuttermehl 13, Roggenkleie 12,25, Soya- chrot 16 ab Mannheim, Palmkuchen 15,70 ab Mannheim und Budenheim, Erdnußkuchen 17,20 ab Mannheim, Treber 17, Heu, neues, 11 bis 11,50 Brief, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 2,80 bis 3, do. gebündelt 2,90 bis 3,10. Tendenz: fest. Frankfurter SchLachtviehmarkt. ""Äls d^e noch lebenden, ursprünglichsten Wildpferde werden von der Wissenschaft die afrikanischen Zebras bezeichnet; denn man hält die Querstreisung für das charakteristische Merkmal der Steppensau- qer. Es gibt mehrere Arten von Zebras; sie unterscheiden sich zuerst durch die Intensität der Streifen- zeichnung, und bei einigen ist auch em Rückgang der Streifung festgestellt. Weiterhin liegt der Unterschied der verschiedenen Zebraarten m Kopsgrotze und Ohrenlänge; so entstand die Teilung zwischen pferdeköpfigen und eselköpfigen Zebras. Die esel- kopfigen sind am deutlichsten durchgestreift, wahrend bei jenen, die einen schmalen Kopf "no zierliche Pferdeohren haben, die Streifung sich auf Hals und Dorderrumpf beschränkt und der Grundton des Fells nicht mehr weiß, sondern gelblich-rot, fast braun, erscheint. * Die Endform des pferdeköpfigen Zebras war nun eben jenes Quagga, das — nahezu einheitlich braun getönt — nur noch an Kopf und Hals helle Sttei- fen aufwies und dunkle Schatten am übrigen Körper. Sehr wahrscheinlich würde sich im Lauf der künftigen Jahrhunderte aus bem Quagga em vollkommen einfarbiges Zebra (ähnlich dem astatischen Urwildpferd oder dem nubischen Steppenesel) entwickelt haben, wenn nicht der Mensch, — der Kulturmensch, in den Lebensbereich dieses Tieres vorgedrungen wäre. Es erschienen — bedauerlicherweise vom Standpunkt des Tierfreundes — auf der Südspitze Afrikas die kolonisierenden Buren, und sie wüteten schonungslos unter den nur scheinbar unerschöpflichen Quaggaherden des Kaplandes. Ich sagte schon, sie pflegten die Quaggafelle als Getreidesacke zu verwenden, und so hörte man in den Jahren 1850 bis 1870 unentwegt die Büchsen der Felljager knallen. Um Munition zu sparen, schnitten die Buren sofort die Flintenkugeln aus dem Leib öes eben getöteten Tieres, benützten das Blei augenblicklich Iweiter. Im Jahre 1879 ist das letzte Quagga m freier Wildbahn dem Unverstand und der Selbstsucht des Menschen zum Opfer gefallen... Philipp Hoizmann ........ ftementtofrf Heidelberg .... Xementmeri Karlstadt....... Schulthet« Patzenhof« .... Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg................. Zellstoff Waldhof Zellstoff Aschaffenburg Dessauer Ga« ............ Daimler Motoren ... Deutsche Linoleum . Oren stein L Koppel . Leonhard Tietz ........ Th ade................... Ätcu rnnl atoren-Fabrik..... Lonti-Gummt........... 27.6. 7,8 7 3,95 34,75 27,75 24,25 32,9 64,25 89 56 63 j 65,75 ! 154,5 . »amvurg-Amerika-Pakei >amburg-Südam. Dampfschiff. > -ansa-Dampfschifs........... Norddeutscher Lloyd A.G. für Verkehrswesen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz, und Prlvat-Ban! ... । Deutsche Banl und Discouto- GeseUfchasr................ Dresdner Bant Reich« bank ......... ; Datum «% desgl. Serie II ............. 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^%Rumän.vereinh.Rentev.l918 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2y*% Anatolier ............. Datum Mansfeld« Bergbau.........O Kokswerle.......... O Phönix Bergbau O Rheinische Braunkohlen 10 Rheinstahl............ O Bereinigte Stahlwerke ....... O Otavt Minen .............O Kaliwerke Aschersleben 6 Kaliwerke Westeregeln 6 Kaliwerk» Salzdetfurth 1V$ I. G Yarden-Indusme ’ Scheideanstalt...............9 Goldschmidt ........ O RülgerSwerke O Metall gesellschast 0 27 6 26.6- 27-6- $ranffurt a. m. Sch'uß-Z«' s börse Buder»« Deutsch« »rdöl Gelsenkirchener Bet................. iisen—Kölner euesseu rgbau ............. 'rgbau Genüsse rwerke...... ...... Mannesmann-Rühren ..... Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Schluck. Minag- börse 27-6. x»ic yuiiKi Franksuri a. DL Serlin Schluß» kur« Schluß». Abendbörse Schluß» für« Schlußf. mittag» börse 26-Iuni 27-Iuni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Seid | Driei Geld | 23ric Buenos Aires 0,603 0,607 0,603 0,607 Brüssel..... 58,61 58,73 58,57 58,69 Rio de Jan. . 0,189 0,191 0,179 0,181 Sofia...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 56,34 56,46 56,39 56,51 Danzig..... 81,67 81,83 81,67 81,83 London ..... 12,615 12,645 12,625 12,655 Heliingfors.. 5,579 5,591 5,584 5,596 Paris ...... 16,50 16,54 16,50 16,54 Holland .... 169,73 170,07 169,73 170,07 Italien..... 21,51 21,55 21,51 21,55 Japan ...... 0,747 0,749 0,747 0,749 Jugoslawien 5,664 5,676 5,664 5,676 Oslo.....: 63,39 63,51 63,44 63,56 n 48 55 48,45 48,55 Lissabon.... 1l'48 11,50 11,49 11,51 Stockholm... 65,03 65,17 65,08 65,22 Schweiz .... 81,52 81,68 81.44 81.60 Spanien.... 34,32 34,38 34,29 34,35 10,44 10,46 Budapest .. — Neuyork... 2,511 2,517 2,509 2,515 Bantnoten. d V b 1I 2>i Uh bu Ui 6 tu 1! fö jo 18t 0i( wi! zäh der Fri fro: wei sch Inj lieb rur wis DOI lau tisi jed Gn feil tu flc W all wk Se W ter ges schi hei sch- bui öff ges fo wi tei Ä wc in toe nel bei er; wi un H in Hl Lei l toi1 sie' ÖO in lk K8 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Donnerstag, 28.Zuni 1934 Aus Oer provmzralbtiuptstoO, Geh. Hofrat profeffor Dr. Haupt 80 Jahre alt. Geheimer Hofrat Professor Dr. Hermann Haupt, der ;,6 Jahre der Gießener Universitätsbibliothek vorgcstanden hat, begeht am morgigen 2 9. Juni bei bestem Wohlbefinden seinen 8 0. Geburtstag. Geboren in dem mittelfränkischen Städtchen Markt-Bibart als Sohn eines Rechtsanwalts, studierte er nach dem Besuch der Gymnasien in Würzburg und Schweinfurt an der Iulius-Maximilians- Univerfitat in Wurzburg klassische Philologie und Geschichte. Rach Abschluß seiner Studien war er kurze Zett im Schuldienst, trat aber dann bei der Universitätsbibliothek in Würzburg als Anwärter für den höheren Bibliotheksdienst ein Rach zehn- jahriaer Wirksamkeit an diesem Institut wurde er 1885 als Leiter an die Universitätsbibliothek in Gießen berufen. Der Ausgestaltung dieser Anstalt widmete er seine ganze Kraft. In jahrelangem, zähem Kampf erreichte er, daß durch Bewilligung der notwendigen Mittel die Bibliothek sowohl in Fragen der Bücherbeschaffung, wie in Personalfragen allen an sie gestellten Anforderungen gerecht werden konnte. Seine umfassende Sachkenntnis setzte ihn in die Lage, auch organisatorisch das Institut jederzeit auf der Höhe zu halten. Mit liebevollem Fleiß bereitete er den von der Regierung bewilligten Neubau der Bibliothek — gewissermaßen die Krönung seines Lebenswerkes — vor, der nach feinen Angaben errichtet wurde und lange Zeit das Muster eines modernen und praktischen Bibliotheksbaues blieb. So hat Haupt in jeder Weife richtunggebend und beftimmnd auf den Entwicklungsgang der Bibliothek eingewirkt, und fein Name wird für immer mit der (beschichte der Universität Gießen verbunden sein Außer seiner beruflichen Tätigkeit haben ihm auch seine Erfolge als Wissenschaftler und Schriftsteller zu einem geachteten Namen in der gelehrten Welt verhalfen. Sein Arbeitsgebiet war mittelalterliche Geschichte, besonders Geschichte des Sektenwesens. Er schrieb eine Geschichte der religiösen Sekten in Franken, verschiedene Arbeiten über die Waldenser, eine Reformationsgeschichte der Stadt Worms und zahlreiche biographische Aufsätze. Später wandte er sich der Universitäts- und Studentengeschichte zu. und da war es vor allem die Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung, die ihn, den begeisterten Burschenschafter, anzog. Eine Arbeit über die alte Würz? burger Burschenschaft leitete eine Reihe von Veröffentlichungen aus dem Gebiet der Studentengeschichte ein, durch die er die noch in den Kinderschuhen steckende studentische Historiographie auf ein wissenschaftliches Niveau brachte. Die in den Mitteilungen des Oberhessischen Gescksichtsoereins von 1907 veröffentlichte Schrift über ,„Karl Fallen und die Gießener Schwarzen" ist in Gießen auch weiteren Kreisen bekanntgeworden. 1909 begründete Haupt die Burlchenschaftliche Historische Kommission, in deren Auftrag er die „Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung" herausgab. Anläßlich des Gießener Univerfitätssubiläums 1907 beteiligte er sich an der Veröffentlichung der Ehronik der Universität Gießen 1607 bis 1907, sowie der Festschrift „Ludoviciana". Seit 1912 erscheinen unter seiner Leitung die „Hessischen Biographien", ein für den Historiker, besonders den Familienforscher, unentbehrliches Hilfsmittel. Während des Krieges gab Haupt die „Hessische Lazarettzeitung" heraus und war im Hilfsdienst tätig. Daneben wirkte er mit Rat und Tat in zahlreichen gelehrten Gesellschaften und Vereinen, die er zum Teil mitbegründet hat. Haupts Verdienste fanden Anerkennung. 1897 mit dem Professortitel ausgezeichnet, wurde er bei Einweihung des neuen Bibliotheksgebäudes 1904 Geheimer Hofrat. Die Universität verlieh ihm, als er 1921 auf eigenen Wunsch in den Ruhestand trat, die Würde eines Ehrensenators. Verschiedene gelehrte Gesellschaften und wissenschaftliche Vereine ernannten ihn zum Ehrenvorsitzenden oder Ehrenmitglied, so der Oberhessische Geschichtsverein, der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde in Kassel, die Societe d’histoire Vaudoise und die Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung. 1924 errichtete die Deutsche Burschenschaft eine.Her- mann-Haüpt-Stiftung, deren Mittel zur Förderung burschenschaftlicher Geschichtsforschung verwandt werden, und zum 75. Geburtstag Haupts wurde die Haupt-Plakette gestiftet, die für Verdienste und Leistungen auf dem Gebiete der burschenschaftlichen Geschichte verliehen wird. Don 1921 an lebte Geheimrat Haupt hier im Ruhestand und widmete sich ganz seinen wissenschaftlichen Arbeiten. Am 1 Juni d. I. siedelte er nach Betzdorf a. d. Sieg üb”r, um hier im Kreise seiner Kinder und Enkel seinen Lebensabend zu verbringen. Zum 80. Geburtstag hat einer feiner Freunde, Herr Geheimrat Olt, ein Porträt des Jubilars n^malt und her Universitätsbibliothek geschenkt. Ein weiterer Kreis von jungen und alten Gießener Freunden und Mitarbeitern Hermann Haupts gedenkt des vornehmen und gütigen Menschen, des vorbildlichen einstigen Vorgesetzten und sendet ihm nach seiner neuen Heimat herzliche Grüße und Glückwünsche. Pro^efRr Dr Stifter Gern entspreche ich der Bitte des „Gießener Anzeigers", zum Geburtstage von Professor Dr. Ernst K ü st e r, Direktor des Gießener Botanischen Instituts und des Botanischen Gartens, einige nähere Mitteilungen zu machen. Wie schon gestern von der zuständigen Stelle der Universität mitgeteilt. kann der Jubilar heute in jugendlicher Schaffensfreude und bei bester Gesundheit seinen 6 0. G e - b u r t s t a g begehen. Nicht nur ein großer Schülerkreis gedenkt an diesem Tage seines ausgezeichneten Lehrers, sondern weit über das enge Fachgebiet hinaus Freunde und Bekannte. Gesegnet mit einer hervorragenden rednerischen Begabung ist Professor Küster ein Meister des Wortes, in wissenschaftlichen Gesellschaften und Verbänden als Festrednc'r ein gern gesehener Gast, der es in glänzender Weise versteht, fein botanisches Wissensgebiet von hoher, umfassender Warte aus an seine Hörer cheranzutragen. Als eifriges Mitglied der Gießener Hochschulgesellschaft, als wiederholter Leiter der von ihm im Auftrage der Universität ins Leben gerufenen Gießener Ferienkurse, die unsere Stadt weit üb^r die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus zum Mittelpunkt regster, wissenschaftlicher Tätigkeit machten, und durch die Einrichtung von Lehrer-Kursen, die vom Ministerium unterstützt wurden, hat Professor Küster gezeigt, daß ihm über seinen engeren Ausgabenkreis hinaus an der Weitergabe seines Wissens und seiner Erfahrungen an andere viel gelegen ist. Mit ein<*r staunenswerten Vielseitigkeit, einem aründlichen W'sien in der Ar- chäoloaie. den alten Sprachen, her Kunst und Literatur steht er weit über dem Typ eines einseitigen Fachaelehrten. Jederzeit steht sein Haus Schälern und Freunden offen, um hier der Person des Lehrers näherzukommen. Der Besitz einer umfang- - i * - " I* reichen Gemäldesammlung, einer Autographensammlung aus der Zeit um Goethe und eine einzigartige Jean-Paul-Sammlung zeugen von dem staunenswerten Interesse, das Professor Küster über den Rahmen seines Fachgebietes hinaus anderen Wissensgebieten entgegenbringt. Es versteht sich von selbst, daß von diesem überreid)en Wissen Ansporn und Anregung an seine nächste Umgebung übergeht. Harmonierend zu diesem erstaunlichen Wissen und der mannigfachen Vielseitigkeit steht die äußere Schlichtheit und Einfachheit dieses Mannes, der zurückgezogen^ eifrig und emsig seinen wissenschaftlichen Aufgaben nachgeht und der als hervorragender Kenner der Pflanzenzellen und der Pflanzen- aallen an erster Stelle Weltruf genießt. Oesters suchen daher ausländische Gelehrte zur Vertiefung und Erweiterung ihres Wissens das Gießener Botanische Institut auf Ein ganz besonders freundschaftliches Verhältnis besteht zwischen ihm und seinem engsten Schülerkreis, dem er ein strenger, genauer und gewissenhafter Lehrer ist, aber jeder, der in engster Arbeitsgemeinschaft mit ihm gestanden hat, weiß, wie diese Strenge, wie diese scheinbar rauhe Schale mit wohlwollender Güte gepaart ist. Durch Anteilnahme nicht nur an den Sorgen und Mühen in wissenschaftlichen Fragen ist er seinen Schülern väterlicher Freund und Berater, der mit seiner reichen Erfahrung jederzeit hilfsbereit ist, sondern er weiß auch die materielle Not bedrängter Studierender zu lindern und ihnen Weg und Richtung zur Ueberwin- dung der Alltagsnot zu geben. Gilt es, besondere Aufgaben zu lösen, so vermag ein ausgesetzter Preis seine Schüler zu eifrigem Wettbewerb anzueifern und anzuspornen. Durch Einschaltung mancher humorvollen Erzählung oder beabsichtigter Kathederblüten versteht er es auch bann seine Schüler zu fesseln, wenn es heißt, einen besonders schwierigen Stoff zu behandeln, ober wenn seine Praktikanten aus irgendeinem Grunde der strengen Logik seines künstlerischen Vortrags nicht recht folgen wollen. Denselben wohlgeordneten und straffen Aufbau zeigen die in flüssiger Sprache geschriebenen Arbeiten und Bücher, die zum Teil eine Übersetzung in fremde Sprachen erfahren haben. Auch als Direktor des Botanischen Gartens ist es Professor Küster gelungen, stets in bestem Einpernehmen .mit seinen Arbeitern, trotz einschneidender Sparmaßnahmen, das Bestehende zu erhalten, zu pflegen und weiter auszubauen. Wenn heute Schüler, von der ältesten bis zur jüngsten Generation, Freunde und Bekannte aus aller Welt durch Ueberfenben von Glückwunschschreiben in Verehrung und Dankbarkeit ihres Lehrers und Freundes gedenken, dann aus dem Grunde, daß er ihnen nicht nur in der Wissenschaft Führer und Wegweiser getuefyt ist, sondern darüber hinaus selbstloser persönlicher Freund und Berater. So wollen wir wünschen und hoffen, baß dem Jubilar noch recht lange zum Preis und Ruhme unserer deutschen Wissenschaft diese unermüdliche Frische und freudige Tatkraft erhalten bleiben möge. K. H. Aus parteiamtlichen Bekanntmachungen Die Kreisleitung Gießen der NSDAP, gibt bekannt, daß am Freitag, 29. Juni 1934, 19 Uhr, im Hotel Hopfeld ein Schulungsabend stattfindet, bei dem Kreisschulungsleiter Pg. Michel sprechen wird. Sämtliche Schulungsleiter der PO. haben teilzunehmen, Orts gruppen- und Stützpunktleiter sowie die übrigen politischen Leiter sind eingeladen. Durch Urteil k>es Be.chsgerichts rechtskräftig geworden. Im vergangenen August spielte sich in Trais- Horloff (Kreis Gießen) ein blutiges Familiendrama ab. Die Frau des 35jährigen Rudolf Philippi unterhielt mit einem Verwandten ehebrecherische Beziehungen, die sie trotz aller Vorhaltungen ihres Mannes nicht löste. Schließlich föhnten fick) die Ehegatten aus, doch bereits am nächsten Tage mußte der Ehemann einsehen, daß er seine Frau endgültig verloren hatte. Darauf beschloß er, die zerrüttete Ehe vollends zu vernichten. Im Beisein seiner drei Kinder stach er mit einem Rasiermesser auf die Frau ein und brachte ihr 15 tiefe Schnitte bei. Darauf gab er noch zwei Schüsse auf die Schwerverletzte ab, die bald darauf starb. An der Leiche verübte er einen Selbstmordversuch, doch wirkten die auf ihn selbst gerichteten Schüsse nicht tödlich. Das Schwurgericht in Gießen verurteilte ; den Angeklagten am 22. März ds. Js. wegen Tot- schlags zu drei Jahren Gefängnis. Das Gericht nahm an, daß Philippi, dem übrigens zahlreiche Zeugen ein gutes Leumundszeugnis.ausstellten, durch die neuerliche Enttäuschung über die Untreue seiner Frau so zum Zorn gereizt worden war, daß er sich in Gegenwart der Kinder zu der furchtbaren Tat hatte hinreißen lassen. Dieses Urteil wurde, wie der Reichsgerichtsdienst des DNB. meldet, am Dienstag durch Verwerfung der unbegründeten Revision des Angeklagten vom Reichsgericht rechtskräftig bestätigt. . ■ - ■ ' n.Molfswoblfabrt NGDAp, Amt für Volköwohlfahrt. Kreisamtsleitung Gießen. An sämtliche Ortsgruppen- und Stützpunktamtsleiter der NS.-Volkswohlfahrt des Kreises Gießen. Für die am nächsten Sonntag stattfindende Sammlung „Mutter und Kind" sind die Listen, Abzeichen und Streifbänder für die Sammelbüchsen hier, Löberstraße 9, abzuholen Heil Hitler! gez. K l ö ß , Kreisamtsleiter. F. d. Richtigkeit: gez. M o h a u p t, Kreisgeschäftsführer. Ab 2Z.3uni Spendenbillette für „Mutter und Kind" bei der Reichsbahn. Wie wir vom Amt für Volkswohlfahrt der NSDAP, erfahren, werden Spenden- k a r|t e n für das Hilfswerk „Mutter und Kind" bereits ab 27. Juni und nicht wie ursprünglich beabsichtigt erst ab 1. Juli an allen Schaltern der Deutschen Reichsbahn und in sämtlichen Reisebüros erhältlich sein. In diesen Tagen des Ferienbeginns, in denen so viele Tausende die Fahrt in den Sommerurlaub antreten, will die deutsche Reichsbahn jeden einzelnen an das große Hilfswerk „M utter und Kind" erinnern und ihn, wenn er selbst zur Erholung fahren kann, veranlassen, auch der hilfsbedürftigen Mütter und Kinder zu gedenken. Wer durch die deutschen Gaue reift, wer in einem der herrlichen deutschen Bäder Gesundheit und Kräftigung für die weitere Berufsarbeit finden darf, der wird auch gern diese kleine Z u - Das Corpus delicti. Von Michael Sohlhaas. Nein, was so ein Lehrbub doch alles meistert! Manchmal schaut es sogar aufs Haar so aus, als wäre der ganze Handwerks- und Gewerbewitz, der in vergangenen Jahrhunderten Gewerbe und Handwerk zierte, für unsere sorgenvolle Tage ausgerechnet in einen Lehrjungen hineingeschlupft. Freilich, der mordslange Schlingel, von dem diese Geschichte erzählt, sieht ja auch keinem Lehrbuben mehr gleich, wird im kommenden Jahr bereits neunzehn alt und müßte eigentlich schon Geselle sein, wenn der Meister ihn nicht künstlich mit allerhand Praktiken in der Lehrlingsniederung zurückhielte. Der gestrenge Meister aber ist der Bäcker Hasrnüller und der Lehrbub der gewürfelte lauer Dickseder. Und diese beiden, bisher nur auf ein Zusammenwirken in der Nahrungsmittelbranche eingestellt, stehen nun gar mir nichts, dir nichts eines Tags vor Gericht,' der Meister als Angeklagter, weil es in seinem Betrieb angeblich nicht so reinlich hergeht, wie die gesetzlichen Vorschriften es verlangen, und der lauert — er ist ja bei dem flauen Geschäftsgang der einzige Gewerbsgehilfe in der Bäckerei — als Zeuge. Und wie die Sache ausgehen wird, vermag kein Mensch zu sagen: der Gerichtsdiener zuckt bloß die Achseln, wenn ihn jemand darnach fragt, und der Richter ist als ungemütlich streng bekannt. Ueberdies steht mitten auf dem Gerichtstisch ein angeschnittener Kaffeekuchen, und der wird schon nicht umsonst dort oben stehen, flüstert man im Zuhörerraum. Der Kuchen, ein großartiger Gugelhupf, unwiderstehlich schier in seiner die Zuckerbestreuung so diskret durchbrechenden Bräune, steht aber auf dem Gerichtstisch als Corpus delicti, das gerade mit ■feiner so appetitlich anmutenden Schnittfläche die Anklage, d. i. die Reinlichkeitsverfehlung Meister J^asmüllers, beweisen soll. An dieser Schnittfläck)e «st nämlich mit den beliebten Weinbeerln so halb Lind halb auch ein durchaus unbeliebter Käfer ans Tageslicht gekommen, der zwar das Leben bereits hinter sich hat, vor sich aber dafür den gestrengen Verichtsherrn, der jetzt vom Bäckermeister Hasmül- üer sogar erfahren möchte, wie der Käfer in den Kuchen gekommen ist „Hm", sagte der Meister, so recht ungläubig, „in den Kuchen hineingekommen — hm. Daß der Kuchen aus meinem Geschäft stammt, das hab ich ja schon gfagt; aber der Käser, Herr Richter, wenn 's überhaupt a Käser is ..." „Wie?", fährt aber da der Richter in Ungeduld dazwischen. „Dieser Käfer ist in der vorwürfigen Sache sogar bas Corpus delicti! — Gerichtsdiener, der Zeuge Sauer Dickseder soll hereinkommen!" Und „Sauer Dickseder!: ruf der Gerichtsdiener auf den Gang hinaus, und Sauer Dickseder erscheint im Sitzungssaal. Er tritt uor den Richtertisch und wird mit der Prozeßklage bekannt gemacht. „Nunmehr will", so fährt der Richter fort, „der Angeklagte es überhaupt als zweifelhaft hinstellen, ob dieser Käfer ... Sehen Sie hier!" — und der Richter weist auf einen der dunklen Punkte in der Schnittfläche des Kuchens hin — „ob dieser Käfer überhaupt ein Käfer ist ..." „Dieser Käfer da", unterbricht der Zeuge Sauer Dickseder den Richter und beugt sich über den Gerichtstisch, zupft das angebliche Insekt aus dem Gugelhupf, steckt es in den Mund, zerbeißt es wie einen seltenen Leckerbissen, schluckt es mit offensichtlichem Wohlbehagen und erklärt: „Das ist meiner Lebtag kein Käfer nicht, hoher Gerichtshof. Hoher Gerichtshof, das war das beste Weinbeerl, das mir jemals Unterkommen is." Dem Zuhörerraum entringt sich eine Stimme: „Jetzt hat er richtig 's Corpus delicti gfreffen!" Das Gericht aber, machtlos ohne diesen wichtigen Ueberführungsgegenstand, spricht den Meister Has- müller frei. Und Meister Hasrnüller läßt sich nicht lumpen: Wie schon manch ein Potentat seinen siegreichen Heerführer noch auf dem Schlachtfelde zu seinem Feldmarschall erhoben hat, so spricht da noch im Gerichtsgebäude Bäckermeister Hasrnüller zu seinem Lehrling: „Sauer!, uon heut an bist du mei Gsell!" Abenteuer am Mikrophon. Es war nicht gerade Lampenfieber, aber doch irgend ein dunkles Gefühl der Beklemmung, das mich erfüllte, als ich im „Künstlerzimmer" des Rundfunks Platz nahm und der kommenden Dinge harrte. Eilig sah ich noch einmal mein Manuskript durch, das meinen Vortrag über die Vorteile einer Rechtschreibungsreform enthielt. Aber als ich auf der dritten Seite angelangt war, holte mich der Ansager ab: Es war fünf Minuten uor niet Uhr, um vier sollte mein Portrag gesendet werden. Ich folgte dem Weißbemäntelten durch eine Tür, auf der ein Schild: „Achtung Ruhe!" stand und kam in einen großen Raum, den wir durchqueren mußten. Plötzlich blieb ich jedoch wie angewurzelt stehen. Denn eine aufgeregte Stimme schrie: „Hilfe, Sie stirbt! Einen Arzt!" Ich sah mich entsetzt um, konnte aber nur eine Gruppe non Herren und Damen entdecken, die mit Büchern in den Händen herumstanden und daraus norlafen. „Unser neues Hörspiel wird gerade geprobt!" erklärte der Ansager und wir gingen weiter. Der Vortragsraum sah aus wie eine Telephonzelle, nur daß man auf einem bequemen Sessel sitzen konnte. Vor mir stand ein weißer Block, das Mikrophon. „Sie müssen ungefähr mit dieser Schnelligkeit lesen" sagte der Ansager und las mir ein paar Sätze uor. Dann sagte er noch „Achtung! Ich schalte ein!" drückte ein paar farbige Knöpfe, trat neben mich, sagte den Vortrag an und überließ mich, den Raum uerlassend, meinem Schicksal. Zuerst ging alles gut. Ich las mein Manuskript ab, uerior bald alle Scheu uor dem seltsamen Block und betonte, immer wärmer werdend, alle beöeu» tungsuollen Stellen meines Vortrageb wie ein ausgezeichneter Redner. Ungefähr in der Mitte des Vortrages ereignete sich das erste Mißgeschick. Im Eifer des Lesens überschlug ich unerwartet eine Seite und merkte erst nach einigen Sätzen den fehlenden Zusammenhang. Mühsam gelang es mir, durch ein paar schnell eingeschaltete Flicksätze die Sache wieder gut zu machen: aber in der Aufregung des Zurückblät- terns entfiel das ganze Manuskript meinen Händen und — man weiß ja, welche Flugkunststücke herrenlose Papierbogen fertig kriegen — entschwebte in verschiedene Gegenden des Fußbodens. Angst- schwitzend rutschte ich auf den Knieen herum und begann sie aufzulesen, während ich den Kops ständig dem unheimlichen, reglosen Block auf dem Tische zuwandte und aus dem Stegreif meinen Vortrag weitersprach. Endlich hatte ich alles wieder beisammen und fand nach heftigem Blättern auch wie-1 der den Uebergang zum Manuskript. * Aber die mir bestimmten Prüfungen waren noch nicht narbet. Noch zwei engbeschriebene Seiten lagen uor mir — da erlosch plötzlich das elektrische Licht! Draußen, im Flur und in den Nebenräumen erhob sich Lärm, Schritte eilten hin und her, ich aber saß in schwarzer Finsternis, denn die Erfindung des Fensters hatte man bei der Einrichtung des Vortragsraumes offenbar nergeffen. Wieder rang ich uerzweifelt nach Worten, um meinen Vor- trag fortzusetzen. Endlich nahte der Ansager mit zwei Lichtern, die er neben mein Manuskript stellte. Im selben Augenblick ging auch das elektrische Licht wieder an und ich konnte weiterlesen. Aber uor mir lag ein Zettel: „Kürzen!!!" Ein Blick auf die Uhr: 4.26! Und um 4.30 begann die Neichssendung! Meine notgedrungen eingeschalteten Stegreifreden hatten den Vortrag bedeutend uer- längert. Und nun kürzen! In größter Eile, gleichzeitig lesend, fahndete ich schnell nach weniger bedeutsamen Stellen, die ausgelassen werden konnten, ohne den Zusammenhang zu gefährden. Und um 4.29 Uhr beendete Ich aufatmeno meinen Vortrag mit der Mahnung an meine Hörer, die Forderungen der Rechtschreibungsreform tatkräftig zu unterstützen. Sehr mitgenommen und überzeugt, mich ungeheuer blamiert zu haben, gina ich nach Hause. Aber meine Freunde uersicherten, sie wären äußerst verwundert gewesen über die Ruhe und die sichere Beherrschung des Stoffes, die in meinem Vortrag zum Ausdruck gelangt feien ... Drei Tage später erhielt ich eine Postkarte folgenden Inhalts: „Ser geerter Herr! Ihr Runtfunkfortrak hat mir fer gefallen. Ich bin auch ein Rechtfchreibunks- reformatohr, und j)as falten alle Einwoner von Deutschland auch sein. Ich habe gehört, es sitzen 8 Professohren in Berlin, in einem minifterium, die machen die gantze Rechtschreibunk und bekommen schweres Gelt dafür. Wenn wir alle einif sind, dann können die Herren ihre spizfindigkeiten unter sich schreiben. Machen Sie ihre Runtfunk» forträge ruhich weiter, vielleicht wirt dann unsere befere rechtsschreibunk siehgen und die Professohren auf die strafe gesezt. Mit reform Gruhs Gustav Lehmann, Krugwirtsangeffehlter." foe. asmeinemstWr * Nachdruck verboten! 16 Fortsetzung. i I ift Vornan von Klothilde von Stegmann. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) DieP perfau' Ltülte; teilt e Hand teilt Stab ährt k s! abe nisses Land Ihr. kette Dreizehntes Kapitel. Es war Abend geworden. Edele stand vor dem großen Ankleidespiegel und prüfte mit erstaunten und ungläubigen Augen ihr Spiegelbild, das ihr aus dem glänzenden Rahmen entgegenblickte. ,Bin ich das wirklich?" fragte sie fast erschrocken und sah an dem neuen Ballkleid herab, das Mademoiselle für sie in dem elegantesten Modesalon Baden-Badens ausgesucht hatte. Celia lachte: Ja Sie sind es wirklich, Kind, mit Haut und Haar-' schauen Sie sich nur richtig an. Habe ich zu viel gesagt, daß Sie die Schönste sein werden?' ließen. ** Das Meldeamt für den Arbeitsdienst Gießen ist für Aufnahmen am Freitag, lieft Nun rnen ^iech, Nichte : t)O[; ßebni NUlig einen geleg, Prüfu hr Merl K ;■ fcn» O.nnn, nndet 50 D von ! ften tert °Nlt viöed $rc hier an d ren i anftal btm sich ' unser Sibel i höret gen l IAndä lieb „ Na. Zug i durch Platz, neller If)eati faaue mer. Name Neihe von Volk- Den Dhem Die b ßeitur den r W (r do Mutt im (! Zum Penfei allen, Patter Mer . 2. Ä vertat schlagskarte für 10 Pfennig losen, die für seine Reiseunkosten keine fühlbare Erhöhung be- deutet, aber vielen Hunderten von Müttern und Kindern ebenfalls Ferienwochen ermöglicht. Dieses kleine Opfer zu Beginn der Sommerreise und die große Hilfe für ärmere Volksgenossen wird ein fegensreicher Anfang des eigenen Urlaubs fein. Gründung der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine. Am Montag trafen sich — wie man uns berichtet — die Saardeutschen im Saale des Bürgerhofes zur Gründung der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine. Herr A. Thum, der vom Bund der Saarvereine, Sitz Koblenz, zum Ortsgruppenleiter bestimmt wurde, führte den Vorsitz. Zum Propagandawart wurde Herr Paulus, zum Kassenwart' Herr Ermantraut ernannt. Dann umriß der Ortsgruppenleiter in kurzen Zügen die Zwecke und Ziele der Saaroereinigung. Die Hauptaufgabe soll darin bestehen, sämtliche abstimmungsberechtigten Saardeutschen, die zur Zeit in Gießen wohnhaft sind, zusammenzuschließen, um dann gemeinsam, Schulter an Schulter, für die Rückkehr ihrer Heimat zum Mutterlande zu kämpfen. Anmeldungen, auch von Nichtsaardeutschen, sind an Herrn A. Thum, Weserstraße 29, zu richten. Braune Messe in Butzbach. Die Arbeiten für die B r a u n e M e s s e in B u tz- b a ch kommen nunmehr zum Abschluß. Die Gestaltung der Ausstellung, die in den Händen des Architekten Lippert liegt, geht planmäßig vor sich. An Hand der einlaufenden Meldungen wird die Planung vorgenommen. Nach den bisherigen Entwürfen steht fest,' daß sich die Ausstellung in sehr vorteilhafter Weise, die von dem bisher üblichen Schema abweicht, präsentieren wird. Der Eingang der Ausstellung sowie die Anlagen der Plätze werden eine besonders schöne Ausgestaltung erfahren. Im Mittelpunkt steht das B a u g e w e r b e h a u s, an das sich ein kleines Ausstellungs-Restaurant mit Garten anschließt. Gretzener Wochenmarktpreise. * G i e ß e n, 28. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier Klasse S 10llt, Klasse A 10, Klasse B 9^, Klasse C 9, Klasse D 8, ungestempelte 71/;, Wirsing, das Pfund 15, Weißkraut 15, Gelbe Rüben, Bund 10, Rote Rüben, das Pfund 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 25 bis 30, (gelb) 25 bis 30, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 15, Rhabarber 8, Kartoffeln (alte), das Pfund 5 Pf., der Zentner 4,80 bis 5 Mark, neue, das Pfund 10 bis 15 Pf., Himbeeren 40, Kirschen 20 bis 25, Heidelbeeren 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 50, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 25 bis 30, Oberkohlrabi 8 bis 10, Suppengrün 5, Rettich 5 bis 10, Sellerie 25, Radieschen, Bund 8 bis 10 Pf. Bornotizen. IDie teuf fam aufenti lag' ein, Dod aus, Ui •Die N noch n jdjen 3 aufoun So i ■ geholt Kella' zM! iBer flat 9 ßini samm> das £ Erscheinung. „Edele!" flüsterte seine Stimme, als spräche sie in einem Traum, den man durch eine laute Bewegung, durch ein lautes Wort verscheuchen könnte. Da leuchteten auch Edeles Augen auf: „Malte!" rief sie jauchzend, und ehe der vor Freude noch Gelähmte eine Bewegung machen konnte, flog die Frühlingswolke aus Duft und Weih auf ihn zu, fühlte er den zarten, leichten Mädchenkörper sich mit zutraulicher Innigkeit in seine Arme schmiegen, fühlte ein weiches Lippenpaar auf seiner Wange — dann ergriff Edele die Hände des Jugendgespielen und sah ihn mit ihren goldbraunen Augen glücklich an: „Malte, mein lieber guter Malte — daß ich dich wiedersehe!" „Und daß ich dich wiedersehe, Edele, liebe, kleine Edele!" flüsterte Malte, immer noch wie im Traum. „Warum hast du nie, nie mehr an mich gedacht? Warum hast du all die Jahre geschwiegen? Ich bin umgekommen vor Sehnsucht, vor Angst — ich habe alles versucht, aber nie habe ich dich erreichen können." „Ich geschwiegen?" Mit Erstaunen sah Edele den Jugendfreund an: „Ich habe dir doch geschrieben, Malte, immerfort, wenn ich vor Herzeleid und Einsamkeit auf dieser abscheulichen Insel bei dieser bösen Miß Crab nicht mehr aus und ein wußte. Lange Briefe habe ich dir geschrieben. Malte! Hast du nicht einen einzigen bekommen?" „Nicht einen einzigen, Edele! Dabei habe ich gewartet wie ein Irrsinniger und habe dir auch über die Adresse des ausländischen Bevollmächtigten, der Swanebloe verwaltet, geschrieben. Hast du auch diese Briefe nie in die Hände bekommen?" Edele schüttelte den Kopf. „Ich habe geglaubt, du hättest mich vergessen, Malte!" Da sah er sie mit einem unbeschreiblichen Blick an: „Ich dick vergessen, kleine Edele? Ich werde dich nie vergessen, so lange ich lebe. Aber was ist aus Bezirksführer der Gruppe Hessen, die auch bte Kreise Wetzlar, Marburg, Kirchham und Ziegen- hain umfaßte, fand er reichliche Betätigung für den Schutz der deutschen Ostgrenzen, ine Sammlung der ostdeutschen Landsleute und die Vorbereitungen der Volksabstimmungen in West- und Ostpreußen und in Oberschlesien. Für seine Verdienste erhielt er qemeinfam mit Oberregierungsrat Fnedr. Welkte r und dem Apotheker Wronka in Großen- Linden den Schlesischen Adler 2. Stufe verliehen. ** Unfall bei der Arbeit. In einer der Werkstätten des Gießener Bahnhofs ereignete sich gestern ein Unfall. Der etwa 50 Jahre alte $abm schlosser Otto Gans von hier erlitt wahrend seiner Arbeit leichte innere Verletzungen, die seine Ueber uhrung in die Chirurgische Klinik notwendig erscheinen — Tageskalender für Donnerstag. Ortsgruppen Gießen-Mitte und Gießen-Süd: 20.30 Uhr, Cafe Leib, Versammlung-, Redner: Pg. Siebert (Darmstadt). — NS.-Frauenschaft Gießen-Ost: 20.30 Uhr, Geschäftsstelle Kaiserallee 52, Zusammenkunft sämtlicher Zellen- und Blockfrauen. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Lied vom Glück". — Versammlung der Deutschen Arbeitsfront. Am Samstag, 30. Juni, findet in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine Versammlung der Deutschen Arbeitsfront statt, in der Pg. Dr. Nüß (Berlin) über das Thema „Soziale Rechtsschutz- und Haftpflichtschäden-Unterstützungs- kasse „Fakulta" sprechen wird. Das Erscheinen ist allen Mitgliedern zur Pflicht gemacht. (Siehe heutige Anzeige!) ________________ Sie riß sich aus ihren Gedanken und zwang sich i ein freundliches Lächeln auf die Lippen. Edele kam zurück — ihr Partner ging, lebhaft plaudernd, neben ihr und verbeugte sich ehrerbietig, ehe er sich wieder auf seinen Platz zurück begab. „Herrlich ist das Leben, Mademoiselle!" klang Edeles junge Stimme jubelnd. „Aber Tanzen ist doch das Schönste. Ich könnte nie davon genug bekommen: mir ist, als tanzte ich mir den ganzen Kummer dieser Jahre auf der Insel Wight vom Herzen." Und sie sah mit glänzenden Augen vor sich hin, indessen ihre Schultern und Füße unwillkürlich den Takt aufnahmen, im Rhythmus eines neuen Tanzes, den die Kapelle soeben intonierte. „Aber doch werden Sie heute wohl genug bekommen, Kind!" mahnte die Begleiterin. „Es ist gleich sechs Uhr. Und wenn Sie heute abend zu der großen Tanzkonkurrenz in den ,Badener Hof' gehen wollen, müssen Sie sich unbedingt vorher ausruhen. Sie sollen doch die Schönste sein — und da muß man frisch sein." „Die Schönste?" fragte Edele träumend. „Bin ich denn wirklich schön, Mademoiselle? Ich weiß es nicht; aber ich denke oft, wenn ich die strahlenden, eleganten Frauen ringsum sehe, daß ich doch noch ein schrecklich dürftiges, junges Ding bin." „Ueberlassen Sie die Entscheidung darüber, wie Sie sind, getrost den Herren, Edele! Ihre Triumphe in diesen drei Wochen in Baden-Baden werden Ihnen ja am besten gezeigt haben, was auf die Männerwelt Eindruck macht — ich glaube, Ihre Jugend dürfte kein Hinderungsgrund sein." Sie seufzte unhörbar. Glückliches Menschenkind, das nicht ahnte, welch kostbares Gut die Jugend n?ar — daß sie alles bedeutete: Glück, Reichtum und Erfolg! Niemand wußte das besser als Celia. Aber dies Wissen brachte die Jugend nicht zurück. werden gestellt heim benö Vir belji war machtlos, Edele zu schützen. Gegen Liewen gab es keinen Schutz. Man mußte froh fein, wenn man selbst noch existieren durfte. Wie eine duftige Frühlingswolke schwebte Edele die Treppe von ihrem Hotelzimmer hinunter — und achtete nicht darauf, daß ihr entgegen ein junger Mann im Abendanzug kam, der bei ihrem Anblick stutzte, dann regungslos stehenblieb, so daß er ihr beinah den Weg versperrt hätte. Ein Lächeln auf den Lippen, gintz Edele weiter — da hörte sie plötzlich eine halblaute Stimme, die wie fragend ihren Namen rief. Erstaunt wandte sie sich um — da stand der junge Mann, ein schlanker, blonder Mensch mit einem schönen männlichen Gesicht: graue, warme Augen strahlten, als sähen sie eine überirdische einen höheren Blickpunkt gestellt wird, droht in einem solchen Uebergangszeitalter allerdings eine gewisse Gefahr, nämlich die, daß fie Modesache werden könnte. Wenn daher heimatkundliche Studien aus irgendeinem Zweig der Geschichte und Naturforschung einer streng wissenschaftlichen Kritik standhalten sollen, dann ist daraus zu achten, daß in der For- chungsrichtung selbst schon eine auf dgs Großziel gerichtete Grundnote gewahrt wird und bereits in ihr eine verführerische Vereinseitigungstendenz von vornherein ausgeschaltet wird. Im Sinne von Volkstum und Heimat, Blut und Boden, Herkunft und Lebenszuwachs hat also auch die Heimatfor- schung in erster Linie darüber zu wachen, daß allen Folgerungen aus speziellen Studien innerhalb ihres Bannbereiches mit letztmöglicher Blickweitung bei allen Formen eine gründliche Vororientierüng sowohl über die historischen, als auch zeitgleichen Verhältnisse voraufzugehen hat. Die pflanzliche und tierische Erforschung eines Landschaftsraumes, sowie die Erkenntnisvermittlung durch die Lehre hat unter dem Gesichtswinkel zu erfolgen, daß Tierwelt, Pflanzenleben und der dazu gehörige daseinsbereitende landschaftliche Lebensraum keine zufallsgegebene Tatsache ist, sondern daß diese aus drei Grundelementen bestehende Lebensgemeinschaft unter dem Einfluß mannigfaltiger von außen her wirkender Kräfte der Vor- und Jetztzeit ein außerordentlich intim ineinander übergreifendes System Der Nationalsozialistische Lehrerbund im Kreise । Gießen hielt gestern nachmittag im Saal des Cafe Leib eine Versammlung ab, zu der auch die Mit- > glieber des Reichsbundes für Volkstum und Heimat eingeladen und erschienen waren. Musik des NSLV.- Orchesters leitete die Versammlung ein. Schulrat Nebeling begrüßte die Teilnehmer. Er erinnerte zunächst an den Tag des Abschlusses des Versailler Vertrages, ■ qab aber der Hoffnung Ausdruck, daß sich die Verhältnisse ändern möchten. Der Führer habe klar gesagt, daß die Zeit der Diktate vorbei fei. Der Nationalsozialistische Lehrerbund wolle in der Verbindung mit dem Reichsbund für Volkstum und Heimat' dazu beitragen, daß die Grundlagen des Volkstums wieder erneuert werden, die bisher von volksfremden Elementen zerstört worden seien. Die Zerstörung dieser Grundlagen unseres Volkstums sei es allein gewesen, die den Versailler Vertrag überhaupt ermöglichte. Heimat und Polkstum müßten neu an die Volksgesamtheit herangetragen werden. Heimat und Volkstum seien identisch mit den Begriffen Blut und Boden. Alle Arbeit gelte dem Ziel, den deutschen Menschen zurückzuführen zur Quelle seiner Kraft. — Wenn nun, so führte der Redner weiter aus, Ruhe im deutschen Lande herrsche, so dürfe das für den Kritiker und Nörgler kein Anlaß fein, an Kleinigkeiten zu deuteln. Insbesondere der Erzieher dürfe nie auf der Seite jener mißliebigen Volksgenossen stehen. Er müsse in erster Linie erkennen, daß diese unsere gegenwärtige Zeit einzig dastehe in der deutschen Geschichte, daß in der Gegenwart der deutsche Traum der Jahrtausende Erfüllung finde. Im Anschluß daran hielt ©r. Karl Rudolf Fischer-Gießen einen Vortrag über das Thema: Neue Wege derHeimatforschung. Seinen Ausführungen sei folgendes entnommen: Im Leitgang und Nachhall der großen weltanschaulichen Grundthesen von Volkstum und Heimat, Blut und Boden ist im Dritten Reich die Heimatforschung in eine neue gehobene Stellung gekommen. Wenn sich auch bei Angelegenheiten der exakten Forschung nicht erwarten läßt, daß sie ihrem Endziel im Sinne einer unbedingten Lösungsfindung nunmehr über Nacht nahe seien, so ändern sich zum mindesten doch die Problemstellung und die Methodik, Nahziel und Endziel und der Weg zu ihnen. Von diesem richtunggebenden Hauptnenner aus werden die beiden Exponenten der wissenschaftlichen Betätigung — Forschung und Lehre — in gleicher Weise beeinflußt. Dem letzteren Faktor, der Lehre in ihrer Ausstrahlungsweite ins Volk hinein, wohin sie ausgewertet und auf Neue Wege -er Heimatforschung Eine Versammlung des NSLB. des Kreises Gießen. Geschehens auf allen Fronten tns Volk zurückzu» tragen. Die Forschungsrichtung ist — man hat je nach deren Entwicklungsgrad vier Forschungsstufen und damit Erkenntnisgrade zu unterscheiden — folgende: 1 Die niedrigste Stufe der Lebensraumforschung ist die Feststellung des einfachen Artenbestandes im einzelnen Lebensraum: 2 die nächste Stufe hat den Grad der Verbunden- heit mit dem jeweiligen Lebensraum einer Art zu untersuchen; , , x. 3. die weitere Entwicklung der Forschung hat dis Klärung der Frage zu erbringen: „Warum leben nur diese Formen hier?"; 4. kommt dann das vergleichende Lebensraumstudium, dem die Ausgabe zufällt, die Beziehungen aller Lebensräume untereinander ab» zuleiten und allgemeine Gesetzmäßigkeiten für den Naturhaushalt auszukundschaften. Ts ist nur bann möglich, so fuhr der Redner u. a. fort, die mannigfaltigen, intimen und nach bestimmten Gesetzen organisch geordneten Beziehungen und Zusammenhänge des Natur- und Heimatlebens nach außen hin sichtbar, überzeugend und beweiskräftig darzustellen, wenn man die Möglichkeit hat, sich in die der gleichen Richtung laufenden Ergebnisse der benachbarten Forschungsreihe als eine Art der Grundverbindung 3U eigen zu machen. Ein wirklich produktiver Fortschritt in der Heimatforschung kann nur durch Zusammenschluß aller der Darstellung und dem Verständnis des gegenseitigen Angepaßtseins des Menschenlebens und der Tier- und Pflanzenwelt an den bodenständigen Lebensraum und die Umwelt dienenden Er» kenntnisguellen in dem geschilderten Sinne vorbehalten bleiben. Sind wir so weit, dann werden auch die einzelnen Zweige der Heimatforschung wirklichen Nutzen voneinander haben und nicht mehr wie seither, fremd und unerkannt nebeneinander herlaufen und sich zerarbeiten, statt gemeinsam auszubauen. Hessen-Rheinsranken ist in der Lage, seit den programmatischen Richtlinien des in Sachen der Heimatforschung außerordentlich rührigen Ministerialrates Ringshausen von sich sagen zu können, baß die Belange der hessischen Heimat- schung einen neuen und mustergültigen Aufschwung zu nehmen versprechen. — Wir erforschen und schützen unsere Natur, so schloß der Redner, um unsere Heimat zu erhalten und erhalten unsere Heimat um unseres alten deutschen Vaterlandes willen. (Lebhafter, anhaltender Beifall!) Der Geschäftsführer des Reichsbundes für Volks» tum und Heimat in der Landschaft Rheinfranken, Professor Or. Spiiger-Oarmstadt sprach sodann über die Aufgaben des Reichsbundes für Volkstum und Heimat. Er wies darauf hm, daß die Kultur der vergangenen Jahre nicht unserem Wesen entsprochen habe. Der Reichsbund wolle, daß alles Schlechte hinweggefegt, und auf das Gute zurückgegriffen werde. Die Sache des Reichsbundes für Volkstum und Heimat habe einen besonderen Aufschwung durch die Zusammenarbeit mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" gefunden. Der Reichsbund habe dadurch Gelegenheit, m die Breite zu wirken. Weitere Vertiefungsmöglichkeit fei gegeben durch die Zusammenarbeit mit den Dietwarten der Deutschen Turnerschaft. Es müsse so weit kommen, daß es keine sportliche Veranstaltung mehr ohne eine volkskundliche Darbietung gebe. Enge Verbindung müsse auch mit der Deutschen Angestelltenschaft gewonnen werden. Alle Arbeit werde auf lange Sicht geleistet. Die Heimatforschung werde eine planmäßige Gestaltung erfahren. Wenn alle mithelfen würden, dann könne das Werk nicht mißlingen. (Lebhafter Beifall!) In seiner Schlußansprache wies Schulrat Tiebeling darauf hin, daß unsere Schularbeit nicht immer im Rahmen des Lehrplanmäßigen bleiben dürfe, daß die Schule nicht nur Schleußensystem sein dürfe, sondern Schule zur Gestaltung und Heranführung des jungen Menschen an das wirkliche Leben. Hei- erhalten hat. Man muß sich nach neuen Möglichkeiten umsehen, wenn es gilt, alle der neuaufblühenden Heimatsor- schuna und ihrer Lehre dienenden Kräfte dahingehend zusammenzufassen, daß eine in allen Teilen vollwertige Gesamtschau des heimatlichen Naturlebens und Volkswesens zustandekommt. Wir müssen bei der zukünftigen Forschung soweit kommen, daß es gelingt, zur Feststellung einer einwandfreien Gesamtschau auf organisatorischem Wege alle Fachspezialisten so in den Forschungsapparat einzugliedern, daß es jedem als sein Beitrag zu einer bestimmten Aufgabe zufällt, aus dem reichen Schatze seiner speziellen Kenntnis für einen bestimmten zur Diskussion gestellten Punkt das „Typische" aufzuzeigen, aus dem typischen das vermittelnde Bindeglied zum Nachbarfach zu vermitteln und so aus der gleichzeitigen Verbindung aller einzelnen Bereiche einen wohlgeordneten und gesetzmäßig in seinen gegenseitigen Äbhängigkeitsbeziehungen identifizierbaren Zusammenhang zu finden. Träger der Heimatforschung und der Heimatlehre zu sein sind jene berufen, die volksnahe genug und in der Lage sind, den lebendigen Kontakt mit der lebenden Natur wieder herzustellen, von dort aus in der Mannigfaltigkeit die Einheit zu erkennen und von hier die Eindeutigkeit und Unteilbarkeit des natürlichen ielen halb auf die zarten Mädchenschultern — das Ganze war wie aus dem Bild eines altenglischen Malers hervorgestiegen. „Nun — sind Sie zufrieden mit meiner Wahl, Edele?" fragte Mademoiselle Celia. Statt einer Antwort fiel ihr Edele stürmisch um den Hals und küßte die Ueberraschte innig: „Zufrieden? Ach, Mademoiselle, ich bin glücklich — und ich weiß gar nicht, womit ich Ihre Güte und die Güte dieses unbekannten Gönners und Vormunds verdient habe. Wenn er doch endlich einmal sein Inkognito lüften würde, damit ich weiß, wem ich diese glückliche Wendung meines Lebens zu danken habe. Das alles verdiene ich ja gar nicht." Ein Gefühl der Scham und des Mitleids wallte in dem Herzen der Französin auf: „Seien Sie froh, Edele, und denken Sie nicht weiter nach!" sagte fie leise. „Manchmal ist es gut, nichts zu wissen." Edele sah' sie erschrocken an: „Sie sagen das so merkwürdig, Mademoiselle?" Celia zwang sich zu einem Lächeln. „Merkwürdig? Das war nur so eine allgemeine Betrachtung, die aber nicht die geringste Beziehung auf Sie hat, mein Kind! Aber sehen Sie nur, Ihre Locken sind in Unordnung geraten — das kommt von der stürmischen Umarmung. Schnell, lassen Sie sich das Haar noch einmal von Fanny richten, ich gehe inzwischen schon hinunter und warte in dem Lesezimmer auf Sie!" Eilig ging fie hinaus. Da hätte sie durch ihre Unbesonnenheit beinah Edeles Mißtrauen geweckt. ' Und Edele mußte doch unbefangen bleiben, bis i Liewen sich einstellte. Für den Tag hatte Liewen feinen Besuch an» gesagt. Celia seufzte auf, diese kleine, unschuldige > Edele war ihr beinah lieb geworden — und wenn ) sie an das Schicksal dachte, dem Edele entgegenging, stieg etwas wie Haß gegen Liewen auf. Aber sie deinem Leben geworden? Wer sorgt für dich? Wieso kommst du hierher und in all dem Luxus?" Unruhig sah er sie an, die wie eine kostbare Blüte vor ihm stand. Sein Herz preßte sich zu- ammen, stockend kam es über seine Lippen: „Edele, bist du vielleicht verheiratet?" Aber seine angstvolle Spannnung löste sich unter ihrem unbefangenen Lachen: „Ich verheiratet? Dummer, lieber Malte, ich bin ja noch ein halbes Kind — wen hätte ich denn heiraten fallen? Nein, ich fange ja erst an zu leben." Ihre Augen bekamen einen durstigen Schein, den Malte mit wiedererwachender Sorge sah. Schön war Edele geworden — schön wie ein Traum — schön wie ein Märchen — aber darum auch gefahr» bet wie ein Märchen, das sich in die harte Wirklichkeit verirrt hat. „Wie lebst du aber, kleine Edele?" fragte er. Da kam ein nachdenklicher Ausdruck in Edeles Augen: „Wenn ich das wüßte, Malte? Irgend etn unbekannter Gönner sorgt für mich und hat mich plötzlich aus der Einöde dieser englischen Pension hierher in Glanz und Luxus bringen lassen, mir eine reizende Gesellschaftsdame gegeben, die über unbegrenzte Mittel zu verfügen scheint, und die mir jeden Wunsch erfüllt. Mehr weiß ich nicht." Ein unbestimmter Verdacht tauchte in Malte auf — das war eine eigentümliche Geschichte, die Edele ihm da erzählte. Wie kam es, daß sie so plötzlich heimlich von Swanebloe fortgebracht worden war, und daß niemals ein Brief aus der Heimat sie ereicht hatte, wie auch keiner ihrer Briefe angelangt war? Irgend jemand hatte ein Interesse daran, Edele zu isolieren. Daß dieser unbekannte Jemand das alles nur aus reiner Menschenfreundlichkeit tat, war beinah unglaublich. Das Leben war nicht so, wie es sich in Edeles Köpfchen und im Märchen malte. Im Leben war es meist so, daß für jede Gabe einmal eine Zahlung gefordert wurde — und was für eine Zahlung man einmal von Edele fordern würde, das mußte er herausbekommen. Vielleicht war sie in Gefahr, und der Himmel hatte ihn sie endlich finden lassen, um ihr zu helfen. „Höre, Edele — wo können wir uns ungestört sprechen?" fragte er hastig. „Ich muß wissen, wie es dir inzwischen ergangen ist. Du sollst mir alles, alles sagen — magst du, Edele?" „Und ob ich das mag, mein fieber, guter Malte! Wie oft habe ich mich danach gesehnt, einem Men- 1 schen mein Herz ausschütten ^zu können. Aber nun ist es ja gut, du bist ja da." Es durchschauerte den jungen Mann heiß, wie sie ' diese Worte „Du bist ja da" sagte. Lag in diesen , Worten eine unbewußte Liebe? Jedenfalls doch em unbeirrbares Vertrauen. Und dies Vertrauen wollte } er nicht enttäuschen. (Fortsetzung folgt.) Mit zufriedener Miene betrachtete auch sie Edele. Edele trug ein Kleid ganz aus weichstem, weißem Seidentüll gefertigt. Es hatte einen runden, tiefen Ausschnitt, der von einem kleinen Fichu in feinsten Tüllrüschen abgerundet war. Das Oberteil war sehr eng und unspannte knapp die zarte Büste, und in der Taille lag ein breites Moireband in zartestem Blau, das, rückwärts zu einer großen Schärpe gedrungen, in weichem Fall*herabalitt. Der Rock, um )ie Hüften noch eng, erweiterte sich zu den Füßen hin immer mehr und glitt in Hunderten von winzig kleinen, quer abgenähten Rüschen wie Schaum- geriesel auf die zierlichen, lichtblauen Seidenschuhe hinab. Wie um diesen Traum von Duft und Blüten noch wirklicher zu machen, waren einige lichtblaue Blumen, wie vom Winde geweht, in die Falten des Kleides gesteckt, und ein Tuff blauer Blüten hielt den tiefen Ausschnitt des Fichus zusammen. Edeles blonde Locken waren halb offen frisiert, ** Evangelische kirchliche Nachrichten. Als Landesführer der Inneren Mission für das Gebiet der evangelischen Landeskirche Nassau- Hessen wurde Direktor Pfarrer Röhricht (Darmstadt) vom Reichsführer bestätigt. ** Ernennung. Der Kanzleigehilfe an der Kasse der Landesuniversität Gießen Konrad K ö - n i g wurde mit Wirkung vom 1. Juni an zum Kanzlisten ernannt. . ** Ein Fünfundsiebzigjähriger. Seinen 75. Geburtstag feierte dieser Tage bet guter Gesundheit der Reichsbahnoberassistent i. R. Hans G r i s e e, Am Riegelpfad 26. Der aus Ostpreußen stammende verdankt seine Körperfrische neben einer stets reichen Betätigung auch der ausgezeichneten militärischen Schulung der Vorkriegszeit. Als nach dem Friedensschluß die Abwehrorganisationen der östlichen Grenzlande entstanden, beauftragte ihn der , damalige Oberregierungsrat Friedrich W elckerid lenst Gietz en i mit den Vorbereitungen dazu in unserer Stadt. Als 129. Ium, geschlossen. mat und Volkstum seien Begriffe, die zusammengehörten. Der Nationalsozialismus fei diejenige Weltanschauung, die das deutsche Volk wieder zurückführen wolle zur Heimat und zum eigenen Volkstum. Unsere Arbeit gelte unserem Deutschland, das wir lieben, um das wir kämpfen, und dem wir immer zu dienen haben. Den Weg habe der Führer klar gewiesen. Eine besondere Bereicherung erfuhr die Versammlung durch weitere musikalische Vorträge durch das Orchester des NS.-Lehrerbundes und durch einen prächtigen Vortrag unseres Heimatdichters Georg Heß (Leihgestern), der in oberhessischer Mundart die Reise eines oberhessischen Bauern im Auto durch den Odenwald schilderte. Sein Vortrag fand stürmischen Beifall. Nachdem noch einige geschäftliche Mitteilungen bekanntgegeben worden waren, schloß Schulrat N e b e l i n g mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer die anregende Versammlung. Gemeinsam wurde sodann das Horst-Wessel-Lied gesungen. Stadt und Land Hand in Hand! Die Bedeutung des Hilfswerkes „Mutter und Kind" für die Gesundung der deutschen Nation. Die .Werbeaktion für die Verschickung von deutschen Müttern und Kindern aufs Land zur Erholung hat mit aller Tatkraft eingesetzt. Mit allem Nachdruck arbeiten Presse und Rundfunk Hand in Hand zusammen, um Pflegestellen auf dem Lande zu sammeln. Bilder und Plakate rufen die deutschen Volksgenossen auf dem Lande auf, deutschen Müttern und Kindern Ferienaufenthalt zu gewähren. Täglich gehen Angebote von deutschen Bauern ein, die sich 'bereitfinden, ein Kind aufzunehmen. Doch diese Freistellen reichen bei weitem nicht aus, allen bedürftigen Müttern und Kindern Unterkunft auf dem Lande zu verschaffen. Die Notzeiten für den deutschen Bauern sind eben noch nicht spurlos vorübergegangen. Vielen deutschen Bauern ist es materiell unmöglich, ein Kind aufzunehmen, obgleich sie gern helfen möchten. So wird nun am 3 0. Juni und 1. Juli eine weitgehende Sammelaktion durchgeführt werden. Kinder, für die keine Freistellen bereitgestellt werden können, sollen in Landpflegeheimen untergebracht werden. Dazu wird Geld benötigt! Wir rufen alle deutschen Volksgenossen auf, beizutragen zu dem großen Hilfswerk der Nächstenliebe. Die Plakette, die innerhalb der Sammelaktion verkauft wird, hat etwa $ie Größe eines 5-Mark- Stückes, ist aus deutschem Eisen angefertigt und stellt einen Bauern dar, der zwei Kinder an der Hand führt. Es ist eine symbolische Darstellung der Verbundenheit zwischen Stadt und Land. Besser noch: Die Jugend fährt hauptsächlich der Erholung wegen aufs Land, ist aber gleichzeitig der Wegbereiter des Verständnisses zwischen Stadt und Land. Stadt und Land Hand in Hand! Ihr, deutsche Volksgenossen, die ihr diese Plakette erwerbt und euren Beitrag für das Hilfswerk in die Sammelbüchse werft, tragt zum Wohle des deutschen Volkes bei. Ihr helft deutschen Müttern und Kindern und gebt ihnen Erholung. Gesunde deutsche Jugend heißt gesundes deutsches Volk, gesund an Leib und Seele. Eine alte Weisheit: Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist! Das Abzeichen für die Reichssammlung zugunsten des HWswerHs „SWfct und Kind" Sonnabend den 30. Swri und Somrtag den 1. Juli. „kimder auf's Land'* Jeder Deutsche imch für DeuHchLands Jugend Opfer dvingen können. Oberhessen. Frauenschaststreffen in Alten-Buseck. F A l t e n- Du s e ck , 27. Juni. Am Sonntag sand hier ein groß^ Frauenschaftstreffen statt, □n dem ungefähr 20 Frauenschaften aus der näheren und weiteren Umgegend teilnahmen. Die Veranstaltung begann mit einem Feldgottesdienst auf dem Kirchplatz. Annähernd 1000 Personen hatten sich versammelt und lauschten der Festpredigt, der unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Naumann, die Bibelworte zugrunde legte: „Wer diese meine Rede höret und tut sie, den vergleiche ich mit einem Hu« qen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baut." Andächtig sang die Menge das Schutz- und Trutzlied „Ein feste Burg". . Nach dem Gottesdienst bewegte sich em stattlicher Zug unter Dorantritt einer Kapelle und des BdM. durch die reichgeschmückten Straßen nach dem Festplatz. Hier war im Hintergründe ein m recht origineller Weise und in ländlichem Stile gehaltenes Theater aufgebaut. Die Leiterin der hiesigen Frauenschaft, Frau Sarg, begrüßte die Teilnehmer. Bürgermeister Pg. Kahl hieß alle Gaste im Namen der Gemeinde herzlich willkommen. Das ■ Programm des Tages wickelte sich m rascher 'Reihenfolge ab. Gedichte und Liedervortrage, Chore »on Alten-Buseck und Burkhardsfelden und schone Volkslieder zur Laute wechselten miteinander ab. Den Höhepunkt bildete die Aufführung der beiden Theaterstücke „Strickware" und „Die Honigküche . Die beiden Einakter, die von der Frauenschaft unter Leitung ihrer Führerin selbst verfaßt wurden, fanden großen Beifall. Die Festrede hielt Pg. Dr. ö d e r (Gießen) In eindringlichen Worten sprach , r von den hohen Pflichten der deutschen Frau und Mutter, die dazu berufen sei, die heutige Jugend ini Geiste wahrer Volksgemeinschaft zu erziehen. Zum Schluß der Veranstaltung dankte Ortsgrup- ^enleiter Pg. Freund allen Mitwirkenden und rUen, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten, mit herzlichen Worten. Mit einem drei- lochen Sieg-Heil auf unseren Führer, und mit dem Vers des Deutschlandliedes fand die prächtig i erlaufene Feier ihren Abschluß. Stadivorstand in Alsfeld. 00 Alsfeld, 27. Juni. In der jüngsten Stadtvorstandssitzuna gelanate die R e ch ° r u n g der Stadt-, Hospital- und Arne n k a s s e , sowie der Gewerbeschule vom litechnungsjahr 1932 zur Vorlage. Das. mit der Be- mchterstattung beauftragte Ratsmitglied Sch t e r - ! olz gab einen kurzen Ueberbücf über das Erlebnis der Vorprüfung der Rechnung Die Rech- rung der Stadtkasse schließt für das Rj. 1932 mit tinem Rechnungsrest von 86 531 Mark ab. Sie-Dor« cslegten Rechnungen "wurden vorbehaltlich der Rach- rrüfung durch die Oberrechnungskammer genehmigt. Infolge der zunehmenden In anspruchnah me der F e st h a l l e für öffentliche Kundgebungen inb Veranstaltungen ist eine Neuregelung wegen 1 eberlafsung der Festhalle an die Gliederungen t>r NSDAP und an Vereine notwendig geworren. Es wurde beschlossen, daß künftig die Festhalle hi Kundgebungen der Partei und ihrer Gliederun- csn unentgeltlich überlassen werden soll, jedoch nur hnn, wenn kein Wirtschaftsbetrieb ober Tanz statt- fmbet. Bei allen anberen Veranstaltungen, auch t°r obigen Gliederungen, wenn Tanz ober Wrrt- fSjaftsbetrieb ftattfinbet, beträgt bie Miete pro Tag 53 Mark, für größere Dereinsfeste wirb bie Miete tDH Fall zu Fall festgesetzt. Der vorgelegte Mietvertrag zwischen bem hesst- shen Staat unb ber Stabt Alsfeld über bie Un- tsrbringung bes F e l b b e r e i n i g un gs - a m t e s würbe genehmigt. Die vereinbarte jährliche Miete beträgt 2700 Mark Für den genannten ^weck wurde von der Stadt Alsfeld die frühere Köstersche Zigarrenfabrik in der Hersselder Straße erworben und das Gebäude für Bureauzwecke umgebaut. Im ganzen werden 27 Büroräume für etwa 45 Beamte zur Verfügung gestellt. Das Gebäude wird mit einer Zentralheizung versehen. Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende eine Einladung des Kommandos ber Freiwilligen Feuerwehr Alsfelb zu ber am 1. Juli ftattfinbenben Feier bes 80jährigen Bestehens ber Freiwilligen Feuerwehr bekannt. icu itcii * Großen-Buseck, 27. Juni. Nach 15jähri- ger Amtstätigkeit als Bürgermeister ist unser A l t - bürgermeister Gans in ben wohlverdienten Ruhestanb getreten. Kurz nach bem Kriege würbe Bürgermeister Gans zum Bürgermeister unseres Ortes gewählt. Seine gerechte Amtsführung unb fein allezeit bereitwilliges Entgegenkommen verschafften ihm ein so hohes Maß von Wertschätzung in ber Gemeinbe, daß er nach Ablauf seiner ersten Wahlperiode von der Einwohnerschaft einstimmig wiedergewählt wurde. Trotz der außerordentlich schwierigen Verhältnisse in den Nachkriegsjahren war es Bürgermeister Gans vergönnt, unser Gemeinwesen in vorbildlicher Weise zu leiten. wg. Großen-Buseck, 27.Juni. Unsere hiesige Ortskrankenschwester i. R. Bertha feierte dieser Tage ihren 7 0. Geburtstag. Der hiesige Alice-Frauenverein bereitete ihr eine besondere Ehrung. Mit dem Gesang von Kirchenliedern und der Ueberreichung eines Blumenkorbes durch Baronesse von Rabenau brachte der Verein seinen Dank zum Ausdruck. Der Posaunenchor brachte der Schwester schon zu früher Stunde ein Ständchen. Schwester Bertha erfreut sich in Anbetracht ihrer bewiesenen Hilfsbereitschaft in unserem Dorfe aller Wertschätzung. § Großen-Linden, 27. Juni. Am Samstagabend fand auf ber „Heibe" eine Sonn- menb feier ber NSDAP, statt. Bei Anbruch der Dunkelheit bewegte sich ein stattlicher Zug ber HI., des BbM., bes Jungvolks unb ber SA. burch die Straßen und nahm Aufstellung um ben riesigen Holzstoß. Nachbem sich fast bie ganze Einwohnerschaft angesammelt hatte, würbe bie Veranstaltung burch einen Marsch ber HJ.-Kapelle unb einem Vorspruch bes Gefolgschaftsführers Fader eröffnet. Unterbannführer Textor hielt eine begeisterte Feuerrebe, worauf ber ftellvertretenbe Kreisleiter Pg. Hopfenmüller bas Wort ergriff. Er mahnte zum treuen Zusammenstehen aller, um bie großen Aufgaben ber Zukunft lösen zu können. Nach mehreren Liebern unb Sprechchören der HI. und des BdM flammte das Sonnwendfeuer auf. Ein prachtvolles Feuerwerk und der gemeinsame Gesang ber Nationallieber beschlossen bie Feier. ♦ Lang-Göns, 28. Juni. Am kommenben Sonntag findet in unserem Orte ein M i s s i o n s - f e st statt. Prebiger find Pfarrer Gerharb Schäfer von Bab-Nauheim unb Missionar Michel aus Darmstabt. * B e l t e r s h a i n , 27. Juni. Am Samstag würbe ber Lanbwirt Karl Petri von hier, als er im Pferbestall mit Arbeiten beschäftigt war, von einem ausschlagenben Pferb so heftig an ben Kopf getroffen, daß er einen Schäbeldruch erlitt unb beim Sturz auf ben Stallboben bas G e - n i ck b r a ch. Der lob bes bebauernsroerten Mannes trat auf ber Stelle ein. Kreis Frievbcrg. + Butzbach, 27. Juni. Heute morgen ereignete sich auf ber ehemaligen Brauerei ber Firma Melchior „Wilhelmshöhe" ein Unglücks fall, ber sehr schlimme Folgen hätte nach sich ziehen tonnen Ein Kommanbo Gefangene ber Zellenstrafanstalt mit einem Aufseher war damit beschäftigt, bte Decke eines Gewölbes abzutragen. Ein Teil war bereits abgetragen; die Träger unb Steine beseitigt, als plötzlich ber Rest bes G e wo lbes einstürzte und die Arbeiter mit in die Tiefe riß. Sofort wurde ein Schutzpolizeikommando herbeiaerufen. Aerzte und Sanitäter waren nach kurzer Zeit zur Stelle. Vier Gefangene und der Aufseher wurden aus den Trümmern befreit und sofort durch das Schupoauto nach Nieder-Weifel in das Johanniterkrankenhaus gebracht. Welche Verletzungen die Verunglückten erlitten haben, konnte bis jetzt noch nicht einwandfrei feftgefteUt werden. Kreis Schotten. v. Schotten, 27. Juni. Der Zweigverein Schotten des VHC. hält des öfteren Vortragsabende ab. Dieser Tage sprach in einer gut besuchten Versammlung im „Hessischen Haus" DHC.-Bru- ber Dr. Karl Rubols Fischer vorn Forstzoologi- schen Institut Gießen über bas Thema: „A u s gestorbene unb ausfterbenbe Tiere un« serer Heimat". An Hanb von schönen Licht- bilbern zeigte ber Rebner in interessanten Ausführungen wie Unvernunft, Massenmorb unb Gewinnsucht ber Menschen ganze Tiergattungen restlos vernichtet haben unb den Untergang weiterer Arten befürchten lassen. Lebhafter Beifall folgte dem Dor- trAj. Der Vorsitzenbe bes VHC., Apotheker Scriba, bankte unb schloß mit einem „Sieg Heil!" auf ben Führer. co Laubach, 26. Juni. Am Sonntagnachmit- tag fanb bie Reichs - Schwimmwoche mit ben Darbietungen ber Schwimmabteilung unserer Turngemeinbe einen schönen Abschluß. Don ben Turnerinnen unb Turnern mürben treffliche Schwimmvorführungen gezeigt, wie Lagenstaffeln, Kunstspringen, Rettungsschwimmen usw. Reichen Beifall fpenbeten bie aufmerksamen Zuschauer ben guten Leistungen ber Schwimmer. Das herrliche Wetter hatte eine große Zuschauermenge in bas Stäbtische Schwimmbab gelockt. 4= Groß-Eichen, 27. Juni. Am Montag fand im Faustschen Saale eine Vortrags-Veran- staltung statt. Die Ortsgruppenamtsleitung ber NS.-Volkswohlfahrt hatte bie gesamte Ortsgruppe zu einem Filmvortrag „Kampf bem Derkehrsunfall" eingelaben. Der Sachbearbeiter für Schabenverhütung, Lehrer Appenheimer, gab zu ben Silbern bie nötigen Erläuterungen. Bauernkundgebung in Hungen. I Hungen, 27. Juni. Gestern abenb fanb hier auf bem Neuen Marktplatz eine große öffentliche Kunbgebung statt, zu ber Staatsrat Peukert, Thüringen, unb Lanbesbauernführer Dr. Wagner, Darmstabt, erschienen waren. Die Kunbgebung erfreute sich eines guten Besuches, insbefonbere von ben Nachbarorten waren bie Bauern zahlreich erschienen. Nachbem bie Sänger bes Sängerkreises Chattia- Hungen unb Umgebung mit bem Sängergruß unb dem Chor „Wo gen Himmel Eichen ragen" die Kundgebung eröffnet hatten, übergab Ortsgruppenleiter Kirchhofer mit herzlichen Begrüßungsworten dem Landesbauernführer Or. Wagner das Wort. Der Redner ging davon aus, baß er sich nicht mit ben Fragen beschäftigen wolle, bie ihn vor etwa einem halben Jahre hierhergeführt hätten, fonbern daß in der Zwischenzeit, wie man so zu sagen pflegt, sich etwas anderes aufgemacht hätte, mit dem man sich beschäftigen müsse: nämlich die Besserwisser. Leider wären es die, die sich im Hintergrund herumdrückten: 1. bie Pesjimisten, 2. jene, bie alles urteilslos herumtragen, was sie hären. Diese bienten benjenigen Elementen nur als Mittel zum Zweck, bie ihre höchste Aufgabe nur barin sehen, Haß unb Zwietracht in bie Reihen ber Volksgenossen zu säen. Zu ber brüten Kategorie zähle er jeboch biejenigen, bie kritisieren sollten unb kritisieren müßten, unb bas wären jene, bie auf Grunb ihres Wissens unb Könnens allein berufen wären, Kritik zu üben. Diese Kritik setze voraus, baß sie im Geiste bes Nationalsozialismus gehalten sei. Dr. Wagner schloß seine Ausführungen mit ben Worten, baß nun ber thüringische Lanbesbauernführer Staatsrat P e u k e r t zu Worte kommen solle, bamit ben Volksgenossen gezeigt werbe, baß überall im beutschen Lanbe berselbe Geist, ein einheitlicher Geist, herrsche. Landesbauernführer von Thüringen Staatsrat peukert sagte u. a.: Die nationalsozialistische Bewegung befinbe sich heute in einem Felbzug gegen bie Nörgler unb Miesmacher. Eigentlich wäre es überflüssig, sich in biesem Maße mit jenen Elementen zu beschäftigen. Leiber sei es jedoch eine der gefährlichsten Eigenschaften bes beutschen Volkes, daß es nur allzu schnell vergesse, was hinter ihm liege. Er betrachte es nicht als seine Aufgabe, bem all bas gegenüberzustellen, was seit ber Machtübernahme ber NSDAP, von biefer an Leistungen vollbracht worben sei. Aber wäre sonst nichts weiter geleistet worben, als bie Zerschlagung bes Marxismus unb ber übrigen Parteien, so würbe allein dies schon genügen, alles anbere in ben Schatten zu stellen. Auf allen Gebieten sei in ben letzten Monaten ber Anfang zum Neuaufbau bes Reiches gemacht worben. Er wolle es sich jeboch ersparen, auf alle Dinge ber großen Politik einzugehen, er wolle nur bavon sprechen, was ben Bauer in feinem ureigensten Interesse angehe. Schon 1930, als bie Bewegung gewaltig an Stimmen zunahm, habe ber geniale Blick bes Führers klar erkannt, baß es nötig war, bestimmte Männer seiner näheren Umgebung an bie jeweiligen Posten zu stellen, um bas oorzube- reiten, was als Voraussetzung ber positiven Arbeit und der Verwirklichung des Ideengutes des nationalsozialistischen Programms diene. Damals schon sei Darrs in die Reichsleitung der nationalsozialistischen Bewegung berufen worden. Unb so sei nach ber Machtübernahme bereits ein agrarpolitischer Apparat unb bamit bie Vorbebingung geschaffen gewesen, um auf biefer Grunblage weiter aufzubauen. Wir bürfen jeboch niemals vergessen, baß alle Formationen, wie sie auch heißen mögen, aus ber großen nationalsozialistischen Bewegung hervorgegan- gen seien. Es bürfe niemals Vorkommen, baß sich diese gegeneinander stellen. Alle seien von bem Führer mit bestimmten Aufgaben betraut worden, unb so sei es ihre Aufgabe, im Reichsnährstand die Grundlage für ein gesundes Bauerntum und die Grundlage für die Lebensexistenz eines ganzen Volkes zu schaffen. Mit gutem Gewissen könne man nach einem Jahre auf bie geleistete Arbeit zurück- blicken. Gewiß sei bie Bauernpolitik eine anbere als früher, aber der Weg, der zu begehen wäre, liege klar und zielbewußt vor uns: die Schaffung eines fest in sich gefügten gesunden Bauerntums. Nur in diesem Sinne sei auch das Wort des Führers zu verstehen: „Das Dritte Reich wird ein Bauernreich fein!" Zwei besondere Aufgaben seien es, zu denen sich ber Führer zur grunbsätzlichen Losung in seinem Vierjahresprogramm verpflichtet habe: 1. Die Beseitigung ber Arbeitslosigkeit, 2. Dte Gesunbung bes Vauernstanbes. In seinen weiteren Ausführungen behanbelte ber Rebner eingehenb bas Reichserbhofgesetz unb bas Reichsnährstandsgesetz, sowie in großen Zügen eines ber schwierigsten Probleme, bie Regelung ber Viehwirtschaft auf gesetzlichem Wege. Hauptdebingung sei es hierbei, Vertrauen unb Gebulb zu haben, benn bie Lösung dieser Aufgabe bebürfe genauen unb gewissenhaften Durchbenkens unb Durchbringens ber Materie. All bies fetze voraus, baß ber beutfche Bauer auf bie Agrargesetzgebung reagiere, benn bie Stetigkeit ber Preisbilbung habe als Grunblage, baß auf ber anberen Seite bie Stetigkeit ber Probuktion gewährleistet fei. Wie bas Ausland die Schaffung dieser Gesetze bewerte, zeige uns am besten, welcher Maßstab an diese angelegt werde, und gebe uns anderseits die Ueberzeugung, daß sie dem Wohle der Gesamtheit des deutschen Volkes nach dem Fundamentalgrundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" dienen. An jedem von uns liege es nun, sich im Geiste des Führers zu schulen und zu erziehen und sich im täglichen Leben immer wieder für diesen Geist einzusetzen. Nach Dantesroorten bes Ortsgruppenleiters Kirchhöfer unb bem von ben Sängern vorgetragenen Chor „Sonnenaufgang" fanb bie Kunbgebung mit bem Horst-Wesjel-Lieb ihren roürbigen Abschluß. lubenfreicr Viehmarkt und Vauemkundgebung in Lang-Göns. * Lang-Göns, 27. Juni. In biesem Jahre gelang es ber hiesigen Ortsbauernschaft in Anknüpfung an vergangene Zeiten einen jubenfreien Markt ins Leben zu rufen, ber einen glänzenden Verlauf nahm. Der Markt war sehr stark besucht. Besonders anerkannt wurde von allen Besuchern der geräumige Platz, auf dem sich ber Markt abspielte. Fast alle Wiesen, bie rings um bie Turnhalle liegen, waren mit Ausstellungstieren besetzt. In vorbildlicher Arbeit hatte die Marktkommission alles geregelt. Oer Markt - die Prämiierung. Der Markt begann schon in den frühen Morgenstunden mit der Prämiierung ber oorgeführten Tiere. Die Zahl ber Pferde, des Rindviehes unb ber Schweine war auffaUenb groß. Die Preisrichter hatten bis in bie Mittagsstunben hinein ihre Arbeit. Pf erbe würben etwa 90 vorgeführt, zur Hälfte Belgier, zur Hälfte Dlbenburger. Befonbers stark vertreten waren Kühe unb Rinber. Vom Fleckvieh allein stellten bie Besitzer über 120 Tiere aus, vom Nieberungsvieh etwa 15. Eine schone Auswahl würbe vom Rotvieh (Vogelsberger Rasse) mit über 70 Nummern unb ausgesucht guten Tieren vorgeführt. Die Schweine (etwa 70 Tiere) waren im Schatten ber Linbenbäume in ber Nieber- hofenstraße untergebracht. Fast ohne Ausnahme waren bie Aussteller Lang-Gänser Züchter. Auch bas Geflügel war vertreten: Tauben, Zwerghühner, Enten unb einige Nutzrassen. Das Treiben auf ben Marktstraßen unb bem Festplatz setzte halb ein. Links unb rechts waren zahlreiche Verkaufsbuben aufgestellt. Auch für Volksbelustigungen war gesorgt. Der Viehoerkauf war zunächst schleppenb, besserte sich aber um bie Mittagsstunben. In ber Hauptsache wurden gute Zuchttiere zu recht ansehnlichen Preisen abgesetzt. Auf bem Ferkelmarkt ging bas Geschäft flott. Die Ferkel (6 bis 8 Wochen) kosteten im Durchschnitt 10 Mark bas Stück. Am Nachmittag ging ein Festzug unter Dorantritt des verstärkten Musikzuges bes hiesigen Motor-Sturms burch bie Straßen des Dorfes. Die Häuser waren festlich geschmückt. Nachdem sich die Menschenmenge auf bem Festplatz roieber gesammelt hatte, es waren schätzungsweise über 3000 Personen anwesenb, eröffnete ber Drtsgruppenleitcr Wenzel bie große Bauernkundgebung. Ortsgruppenleiter Wenzel erinnerte daran, baß wir in Lang-Lons auf historischem Boben ftänben, benn vor runb 40 Jahren feien hier die ersten judenreinen Märkte abgehalten worben. Er hoffe, baß nun im neuen Reich biese Märkte auch weiterhin blühen unb gebeihen mögen. Darauf ergriff £anbe$bauernfüf)rer Dr. Ißaqner bas Wort. In seiner temperamentvollen Art überbrachte er bie Grüße ber Leitung ber Bauernschaft unb gab seiner Freube barüber Ausbruck, baß ber erste jubenfreie Markt in Lang-Gons so großen Erfolg aufzuweisen habe. In feinen weiteren Ausführungen roanbte er sich bann gegen bie Nörgler unb Kritiker. Daß es biese auch in ber Bauernschaft gebe, wisse er. Denn gar viele sähen nur bas Zunächstliegenbe. Manche, denen es seither vielleicht in ber Nähe ber Stabt gut gegangen sei (Milchoerwertung), hätten nun einen kleinen Nachteil durch die eingeschlagenen Maßnahmen der Regierung. Diese Volksgenossen würden aber nicht auf die große Linie schauen, sondern nur an ihren eigenen Vorteil denken. Sie hätten noch nicht das Wort begriffen: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz!" Es gelte doch allen Bauern zu helfen und nicht nur einigen wenigen. W" ”un// «NIVEA NIVC.A-V- £L4QpfiÄRMl. ■f **r ' gegenüber. Die Platzbesitzer bestätigten erneut ihre konstante Form durch einen eindeutigen Sieg über die gewiß nicht schlechte Mannschaft der Gäste. Das Spiel brachte in der ersten Hälfte abwechslungsreiche Momente und verlief in dieser Phase vollkommen ausgeglichen. Die Gäste gingen bald mit 2 Treffern in Führung. Jedoch kamen die Platzbesitzer immer mehr auf und erzielten schließlich bis zum Wechsel den Ausgleich. Nach der Pause spielte nur noch die Platzelf maßgebend, während die Gäste stark nachließen und scheinbar dem schnellen Tempo der ersten Halbzeit zum Opfer gefallen wären. Die Platzmannschaft erzielte bis zum Schluß in regelmäßigen Abständen noch 6 Tore und hat sich durch diesen Sieg den A u f st i e g z u r B e z i r k s k l a s s e e n d g ü l - t i g erkämpft. Gießener Schwerathleten bei den Gaumeisterschasten in Hererfeld. Am vergangenen Sonntag beteiligte sich eine Anzahl Gießener Kraftsportler an den Meisterschaften des Gaues 12, Nord-Hessen, die von der Athletiksportoereinigung 1894 Hersfeld durchgeführt wurden. Die Beteiligung war sehr stark. Insbesondere waren die Kasseler Vereine mit einem großen Aufgebot von Kämpfern erschienen. Trotz des heißen Wetters wurden vorzügliche Leistungen gezeigt. Im G e w i ch t h e b e n der Mittelgewichtsklasse kam der vielversprechende Valentin bet 12 Bewerber mit 700 Pfund Gesamtleistung auf den vierte Platz. Im beidarmigen Stoßen bewältigte er 21 Pfund. Belloff startete im Halbschwergewicht un erreichte im Fünfkampf 725 Pfund. Mit diest guten Leistung wurde er ebenfalls vierter bei e Konkurrenten Bei den Ringern gab es einige Ueberraschur gen. Im Federgewicht konnte der junge Al- selber Schott, obwohl er von Funk (Gießen) not Punkten besiegt wurde, Erster werden. Funk rourt mit 3 Siegen Dritter. In dieser Klasse startete aur noch Götz. Nachdem er erst einen Punktsieg gege Wilke (Kassel) erzielte, wurde er im weitere Verlauf der Kämpfe von Schott (Alsfeld) un Häutel (Kassel) besiegt und schied aus. Di Leichtgewichtsklasse war mit 14 Man am stärksten besetzt. Der Gießener Klotz hatte ke nen leichten Stand. Er konnte zwei Schultersieg erringen. Dann wurde er von K i st e r (Alsfe^k und Wessely (Hersfeld) besiegt und kam ar den 6. Platz. Im W e l t e r ge w i ch t hielten sich T u z e l an Wagenpfeil sehr gut. Sie kamen mit je einer Sieg auf den 4. bzw. 5. Platz. Der Jugendlich D e m p e r wurde im Jugendleichtgewi?) Zweiter. Der Schüler B e r t y wurde in der Sät lerklasse Erster mit vier Siegen. Landesbauernführer Dr. Wagner (links) bei der Bauernkundgebung in Lang Deshalb müßten auch einmal Opfer gebracht werden. Er teile die Kritiker in drei Gruppen ein. Zunächst nenne er einmal diejenigen, die von Geburt an immer geschimpft und kritisiert hätten. Diesen Menschen sei nicht zu helfen. Die zweite Gruppe stelle die hämischen Kritiker, die heimlich und hinterlistig alle Maßnahmen der Regierung ins Lächerliche zögen und die Mitmenschen aufhetzten. Gegen diese Miesmacher müßten wir uns ganz entschieden wenden. Die dritte Gruppe setze sich zum Teil aus alten Nationalsozialisten zusammen, und von diesen könnten wir eine offene Kritik vertragen. Aber auch sie sähen oft nicht aufs Ganze, sondern blieben in Einzelheiten stecken. Sie hätten aber durch ihre Vergangenheit gezeigt, daß sie alte Kämpfer seien und sie wären am ersten zu Überzeugen. Die andern sollten aber nicht glauben, daß sich die Nationalsozialisten von dem Butterbrot, das sie sich ge- schmiert hätten, die Butter nehmen ließen. Die Ausführungen des Landesbauernführers fanden reichen Beifall. Daraus hielt Siaatsrai peukert (Thüringen) eine Rede, in der er vor allem darauf hinwies, was die nationalsozialistische Regierung bis jetzt geleistet hat. Wenn sie weiter nichts getan hätte, als den Bolschewismus.von Deutschland abzuhalten, dann wäre das schon eine große geschichtliche Tat. Aber darüber hinaus, so führte Staatsrat Peukert aus, habe sie durch Maßnahmen und Gesetze dafür gesorgt, daß die Parteien verschwanden, daß die Haushalte in Deutschland wieder in Ordnung gekommen seien, daß wir nach außen und nach innen gefestigt dastünden Das deutsche Volk hoffe wieder und schaue vertrauensvoll in die Zukunft. Im einzelnen besprach der Redner sodann die Gesetze für und Staatsrat Peukert, Thüringen (rechts), Göns. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.) den Bauernstand und wies besonders auf die Wichtigkeit des Erbhofgesetzes hin. Tlad) den Maßnahmen, die man getroffen habe über die Getreidepreise, über die Milch- und Eierbewirtschaftung werde man nun bald an die Viehverwertung und die Preisgestaltung gehen. Auch da würden Zustände geschaffen, die für die Dauer wären. Man dürfe nie übersehen, daß alle Gesetze für die lange Zukunft gedacht seien. Wenn sich die Kaufkraft der großen Verbraucherschichten wieder hebe, dann gehe es auch dem Bauer wieder gut. Die Zukunft würde das dem Bauernstand zeigen. In der hiesigen Gegend, das erwähnte der Redner noch, stehe die Frucht glänzend. In Thüringen und in anderen Teilen Deutschlands sei es durch die Trockenheit viel schlimmer damit bestellt. Oer Ausklang In einem Gelöbnis der Treue für Vaterland und den Führer klang die zündende Rede aus. Anschließend wurden die Nationallieder von der Versammlung gesungen. Auf dem Festplatz fanden dann noch alte Volkstänze, vorgeführt von hiesigen Mädchen, die die alten bunten Trachten ihrer Eltern und Großeltern angelegt hatten, statt. Besonders den fremden Besuchern war es eine Freude, zu sehen, wie die farbenprächtigen Kleider im Hellen Sonnenschein glänzten und funkelten. Auch die Vorführungen der Reiter-SA. unter Leitung von Albert B r ü ck e l fanden reichen Beifall. Auf dem Festplatz entwickelte sich ein munteres Treiben, das alt und jung noch bis in die späte Nacht zusammenhielt. SJlxfport Die Aufstiegspiele zurBezirkskiaffe tm Fußball. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Naunheim 6 4 2 0 10:2 Biss'enberg 5 2 2 1 6:4 Heuchelheim 5 2 1 2 5:5 Schotten 6 0 1 5 1:11 Die Mannschaft von Naunheim hat das Ziel er- reicht und ist Kreismeister geworden. Obwohl es nad) dem Spiel gegen Heuchelheim nidjt so aussah, hat sich Naunheim wiedergefunden und gab in drei Spielen nur einen Punkt ab. Es kann erwartet werden, daß sich Naunheim auch in der Bezirksklasse durchsetzen wird. Das noch ausstehende Spiel Heuchelheim — Bissenberg hat keinerlei Bedeutung mehr, jedoch ist Heuchelheim auf eignem Platz kaum zu schlagen. Bissenberg hat seine Hoffnung auf die Meisterschaft in Schotten zu Grabe getragen. Es gelang Schotten, dem Anwärter Bissenberg einen wichtigen Punkt abzunehmen. Heuchelheim wird sich an die zweite Stelle der Tabelle setzen. Aufsteigen kann jedoch nur ein Verein. Alle Spiele wurden sehr fair ausgetragen. VfB. Krofdork-Gleibera. Allendorf (Lahn) I — VfB. Krofdorf-Gleiberg I 3:4 (3:1). Der VfB Krofdorf-Gleiberg weilte am letzten Sonntag in Allendorf, um dort zwei Rückspiele auszutragen. Da Krofdorf-Gleibergs Erste ersatzgeschwächt antrat und Allendorf seine komplette Mannschaft stellte, wurde mit einem bestimmten Siege der Gastgeber gerechnet Als nun bis zur Halbzeit das Ergebnis bereits 3:1 für Allendorf stand, zweifelte wohl niemand mehr an einen Sieg, aber Krofdorf-Gleiberg zeigte nach dem Wiederanstoß ein ganz erstklassiges Spiel. Hauptsächlich der Mittelläufer Göbler leistete Hervorragendes, so daß die Gästeelf das Spiel noch 4:3 verdient gewinnen konnte. Die 2. Mannschaft siegte mit dem gleichen Ergebnis gegen die 2. von Allendorf. Handball im Gau XII der OT. Tv. Lützellinden — Tv. Krofdorf 9:3 (3:3). Im entscheidenden und letzten Spiel um den Aufstieg zur Bezirksklasse standen sich beide Mannschaften am vergangenen Sonntag in Lützellinden I . /K. ■1'4 7 i .V;< Turmspringen in der Müllerschen Badeanstalt während der Wettkämpfe der Gießener SA. Me29.GießenerRuder-Regattaam7.und8.Zul! 29 Vereine, 106 Boote, 562 Ruderer. Den Höhepunkt der diesjährigen Rennsaison für unsere Stadt wird die 29. Gießener große Sommerregatta darstellen, die am 7. und 8. Juli zur Durchführung gelangen wird. Gestern abend wurde die Startverlosung vorgenommen. An der Regatta beteiligen sich insgesamt 29 Vereine mit 106 Booten und 562 Ruderern. Das Programm sieht 27 Rennen vor. Gemeldet haben folgende Vereine: Wassersportverein Beuel: Marburger Ruderverein von 1911; Renngemeinschaft: Rudergesellschaft Wiking, Ruderverein Sturmvogel Leipzig; Ruderclub Bamberg von 1884; Rudergesellschaft Wiesbaden-Biebrich 1888/1900; Ruderclub „Saar" Saarbrücken; Ruderclub „Germania" Köln; Rudergesellschaft „Undine" 1919 Rüsselsheim a. M.; Fechenheimer Rudergesellschaft 1910 Frankfurt a. M.; Kölner Ruderclub von 1931; Frankfurter Ruderverein von 1865; Cochemer Rudergesellschaft; Ruderverein „Hellas", Offenbach a. M.; Frankfurter .Rudergesellschaft „Germania" von 1869, Saarbrückener Rudergesellschaft „Undine"; Rudergemeinschaft der Universität Bonn; Mainzer Ruderverein; Limburger Ruderclub von 1907; Wetzlarer Ruderclub von 1880; Offenbacher Ruder- und Schwimmverein 1906; Frauen-Ruderoerein „Frei- Weg" Frankfurt a. M.; Turnlehrerinnen-Seminar der Alice-Schule Gießen; Weilburger Ruderverein 1905; Limburger Rudergesellschaft 1920; Gießener Ruderclub „Hassia" von 1906; Universität Frankfurt (Institut für Leibesübungen); Akademische Ruderverbindung „Rheno-Frankonia" Frankfurt a. M.; Gießener Rudergesellschaft 1877; Renngemeinschaft Gießen (GRG. 1877, Verein Rudersport 1913). 27 Rennen im Programm. Vorgesehen sind folgende Rennen (die Zahl i Klammer bedeutet die Anzahl teilnehmende Boote): Zweiter Einer (4), Lahn-Vchter (2), Erst» Vierer ohne Steuermann (3), Erster Jungmanr Vierer (2), Erster JungMann-Einer (5), (Anfänge/ Vierer, Zweiter Vierer und Jugend-Gig-Vierer fd len aus, da keine Meldungen eingegangen sind Trost-Achter (4), Damen-Anfänger-Vierer (2), El ster Doppel-Zweier (2), Vierter Senior-Vierer (5; Zweiter Jungmann-Vierer (8), (Gedächtnis-Viere fällt aus), 1. Junior-Achter (2), Erster Achter (2 (Zweiter Achter fällt aus), Erster Junior-Einer (5 Erster Junior-Vierer (3), Adols-Fischer-Gedächtnii Vierer (3), Erster Vierer (Wanderpreis der Stal Gießen (6), Damen-Vierer (2), Dritter-Dierer (5s Erster Jungmann-Achter (6), Erster Einer (2), Leichs gewichts-Vierer (2), Zweiter Junior-Vierer (4), Akti demischer Vierer (3), Trost-Vierer (3), Dritter Ach ter (6), Ermunterungs-Vierer (6), Großer Achter (3) Das Meldeergebnis ist als recht gut zu bezeichnet Man wird recht guten Sport erwarten dürfen. Wi kommen auf die Veranstaltung noch zurück. Spenden für die werden eingezahlt auf Konto Ar. 4513 bei der Bezirkssparkaffe Gießen s Mietgesuche | 3R20D Sie Sonntag I Vermietungen ] vor? 4-Zim.-Wn. Wir beklagen den Heimgang unserer Kameraden denen wir ein ehrendes Andenken bewahren werden. 5Zimni.-Wohn. evtl. Eiuzelhäns- chen v.Cebrcr zu mieten gesucht. 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