M. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Ht. HZ (Elftes Blatt M Zahlgang Mittwoch, 2Z.Z»ni |93| NSLLL" miAHAMAM 1I444AA .*■«<*♦ b'-'-u'"--«-»'--- Heimat im Bild - Die Scholle M UW H 4 W M T 1 w B W gg ▼ ® gää HF M yl wi M ST Js ®.': ▼ Grundpreise für l mm höhe MonatZ-Vezugspreir: H ■ ■ H R/ B B B^r B W MBB fl ” B fl B ä 7 W für Anzeigen von 22 mm Mit 4 Beilagen RM. 1.95 ■■ B B BL I1K B 9 9 / ■ II UA Br 9 9 9 Bf M Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte „ 1.80 M B B W Hk. x B B wk . B A JM B B ■ W - B B W B anzeigen von 70 rnrn Breite Zustellgebühr.. „ -.25 W ^9^ ■ B 9 W W 9 W 9 V 60Rpf.,Platzvorschriftoder Auch bei Nichterscheinen W HB ™ ® schwieriger Satz 25°/» mehr °n7°tg7^7-r-^"E-w°lt V (Ermäßigte Giundpi-i,-: -ZM General-Anzeiger für Bberhessen WW grantfurt am Main llSse druck und Verlag: Srühl'sche Univerfitätt-Vuch- nnö Steinöruderei «.Lange in Stehen. Schristleitnng und SeschästLftelle: Schulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel B Der Reinhardtsche Steuerreform-Plan. Dre Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, Pg. Fritz Reinhardt, verkündete in der Vollsitzung der Akademie für Deutsches Recht am 26. Juni 1934 in der Aula der Universität München den folgenden Plan der großen national- s o z i a l i st i s ch e n Steuerreform, die sich in Vorbereitung befindet und zum größten Teil bereits im kommenden Herbst Gesetz werden wird: I. Niemand von uns kann leben und gedeihen ohne die Anderen. Wohl ohne den einzelnen Anderen, nicht aber, ohne Glied einer organisierten Vielheit von Personen zu sein. Die natürlichste Grundlage für eine solche Vielheit ist gegeben, wenn die Angehörigen der Vielheit gleicher Abstammung, gleicher Sprache, gleicher Sitte und gleicher Kultur sind. Eine solche aus der Natur heraus erwachsene Vielheit ist das, was wir Volk nennen. Soll ein Volk nicht nur von Natur aus, sondern auch rechtlich als solches gelten, und sollen die Beziehungen der Volksgenossen zueinander geregelt sein, so muß das Volk in eine bestimmte Rechtsform gekleidet werden, es muß zu einer selbständigen Rechtsperson gestaltet werden. Eine solche Rechtsform, in die das Volk als Ganzes gekleidet wird, ist ba£, was wir Staat nennen. Der Staat ist die Gesamtheit aller Volksgenossen und Volksgenossinnen, gekleidet in eine einzige, auf bestimmten Gesetzen beruhende Person. Er ist das Volk in einer Person. Er stellt die Form dar, in der sich das Leben der Volksgemeinschaft und aller ihrer Glieder vollzieht. Zur Regelung der Beziehungen des Volkes und des Staates zu anderen Völkern und Staaten und der Beziehungen der Volksgenossen zueinander bedarf der Staat einer bestimmten Führung und eines bestimmten Apparates. Die Staatsführung besteht aus der Regierung, an deren Spitze der Führer steht, der Staatsapparat besteht aus allen öffentlichen Einrichtungen, die bestimmt sind, das Leben des Volkes und aller seiner Glieder zu regeln und zu gewährleisten. Der Staat bedarf zur Erfüllung seiner Aufgaben Geld. Die Ausgaben des Staates erfolgen um des feiner Führung anvertrauten Volkes willen. Die zur Bestreitung der Ausgaben erforderlichen Mittel müssen, soweit nicht dem Staat Einnahmen aus eigenem Vermögen zufließen, in Form von Steuern und sonstigen Abgaben auf die Glieder der Volksgemeinschaft umgelegt werden. Aus der Notwendigkeit, die zur Erfüllung der staatlichen Aufgaben erforderlichen Mittel auf die Glieder der Volksgemeinschaft umzulegen, ergibt sich eine riesengroße Verantwortung der S t aatssührung gegenüber der Volksgemeinschaft. Die Mittel müssen groß genug sein, um die Aufgaben, die die Interessen des Volksganzen bedingen, zu erfüllen. Der Volksgenosse muß bereit sein, die entsprechenden Mittel in Form von Steuern aufzubringen. Er muß sich bewußt sein, daß die Aufbringung dieser Mittel die Voraussetzung für das Sein der Volksgemeinschaft und damit für das Sein seines Berufsstandes und für sein persönliches Sein ist. Die Steuern müssen jedoch wirtschaftlich und sozial tragbar sein; sie dürfen in ihrer hyhe und in ihrer Gestaltung einer gesunden wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung nicht zuwiderlaufen. Der Ausgabenwirtschaft des Staates sind durch das Leistungsvermögen der Volksgemeinschaft bestimmte Grenzen gezogen. Werden diese Grenzen überschritten, so werden Lähmung der Wirtschaft und Verschlechterung der sozialen Lage der Volksgemeinschaft in allen ihren Gliedern in der Regel die Folge sein. Werden die Aufgaben, die der Staat im Interesse des Volksganzen zu erfüllen hat, größer, ohne daß bei Aufrechterhaltung der vorhandenen Steuern und Steuersätze gleichzeitig das Aufkommen an Steuern größer wird, so darf nicht an eine Erhöhung der Steuersätze oder an die Einführung neuer Steuern gedacht werden, sondern es muß versucht werden, die Mittel zur Bewältigung der neuen Aufgaben durch entsprechende Neugestaltung der gesamten Ausgabenwirtschaft im Rahmen des vorhandenen Steueraufkommens freizumachen. Dabei wird an die Einschränkung weniger wichtiger Aufgaben und, soweit möglich, an die Vereinfachung der Verwaltung und an die Verminderung der Verwaltungskosten gedacht werden müssen. Erst wenn alle "Möglichkeiten, die Mittel zur Erfüllung neuer Aufgaben im Rahmen des vorhandenen Aufkommens freizumachen, erschöpft sind, wird an die Erhöhung eines Steuersatzes oder an die Einführung einer neuen Steuer gedacht werden dürfen, es fei denn, daß die Erfüllung der neuen Aufgabe geeignet ist, mittels Anleihe finanziert zu werden. Vor der Erhöhung eines Steuersatzes oder der Einführung einer neuen Steuer wird sehr sorgfältig geprüft werden müssen, ob die Erhöhung des Steuersatzes oder die Einführung der neuen Steuer wirtschaftlich und sozial tragbar ist. Es wird sehr sorgfältig erwogen werden müssen, ob der Wert, der in der Erfüllung der neuen Aufgabe beruht, vom Standpunkt der V o l k s g a n z - h e i t gesehen, größer ist, als die wirtschaftliche und soziale Verschlechterung, die sich aus der Mehrbelastung in Form von Steuern ergeben kann. Die Belastung, die sich aus den Steuern und Steuersätzen ergibt, die heute in Deutschland vorhanden sind, ist so groß, daß jede Erhöhung dieser Belastung dem Gedanken der wirtschaftlichen und sozialen Gesundung und jeder volkswirtschaftlichen Vernunft zuwiderlaufen würde. Es ist in den letzten Wochen da und dort wiederholt das Gerücht aufgetaucht, es werde eine neue Steuer zur Föderung der deutschen Warenausfuhr eingeführt werden. Ich erkläre hierdurch, daß im Reichsfinanzministerium an die Einführung einer neuen Steuer, oder an die Erhöhung der Sätze einer bestehenden Steuer niemand denkt. Jede Förderung der Warenausfuhr aus dem Aufkommen einer neuen Steuer würde eine Förderung auf Kosten der Allgemeinheit sein. Der Schaden, der sich, gesamtoolkswirtschaftlich gesehen, daraus ergeben würde, würde bestimmt wesentlich größer sein, als der Nutzen aus einer vermehrten Warenausfuhr. Wir müssen selbstverständlich alles nur Denkbare zur Förderung unserer Warenausfuhr tun. Unter den zu ergreifenden Maßnahmen wird jedoch keine sein, die zur Belastung der deutschen Binnenwirtschaft führt und damit der Belebung unserer deutschen Binnenwirtschaft zuwiderlaufen würde. Wir werden versuchen, die deutsche Warenausfuhr durch Maßnahmen zu fördern, die außerhalb des Gedankens einer neuen Belastung der deutschen Wirtschaft liegen. Eine entscheidende Hebung unserer Warenausfuhr, durch die die Einfuhr genügender Mengen lebenswichtiger Rohstoffe und dergleichen und London» 27. 3uni (DRV. Funkspruch). „ M 0 r - n i n g Post" erklärt, daß das britische Kabinett jetzt endgültig beschlossen habe, eine Politik der Aufrüstungzu betreiben und daß in naher Zukunft eine wichtige Mitteilung hierüber zu erwarten sei. Der politische Korrespondent des Blattes sagt in einem Aufsatz: Das Lufifahrtministerium bereitet gegenwärtig einen Plan vor, der die britische Luftstreitmacht auf die Stärke der größten Luftstreltmacht innerhalb der „Schlagweite" Großbritanniens bringt. Es ist bekannt, daß die britischen Vertreter bei den englisch-amerikanischen Besprechungen zur Vorbereitung der Flottenkonferenz von 19 3 5 den amerikanischen Vertretern angekündigt haben. Berlin, 26. 3unL (DRV.) Auf die britische Transfernote vom 21. 3uni 1934 hat die deutsche Regierung durch den deutschen Botschafter in London folgende Antwort erteilt: Die deutsche Regierung beehrt sich, den Empfang der Antwort der königl. britischen Regierung auf die deutsche Role vom 20. d. 21L zu bestätigen. Sie bedauert, den darin enthaltenen Argumenten nicht folgen zu können, die z. T. auf m i ß v e r - stündlicher oder unvoll st ändiger Beurteilung des Verlaufes der Berliner Transferkonferenz zu beruhen scheinen, und behält sich weitere Darlegungen hierzu vor. Sie bedauert ferner, daß die königlich britische Regierung glaubt, ihren Standpunkt durch Androhung von Zwangsmaßnahmen durchsetzen zu müssen und dadurch ihrerseits genötigt zu sein, entsprechende Maßnahmen zur Abwehr der schlimm st en Schäden, die sich daraus für die deutsche Wirtschaft ergeben würden, zu ergreifen. 3n der Annahme, daß es trotzdem der königlich britischen Regierung ernstlich an einer für beide Länder fairen Regelung einer Frage liegt, deren Lösung anerkanntermaßen nicht von Deutschlands Bemühungen allein abhängt, nimmt die deutsche Regierung die Einladung der königlich britischen Regierung zu Besprechungen deutscher Vertreter mit Vertretern der königlich britischen Regierung in London an. Die deutschen Vertreter werden heute nach London abreisen. Das Elearmggeseh auf zwei Jahre beschrankt. London, 26. Juni. (DNB.) Das Gesetz über das -Schuldenclearing und die Vergel- tunasmaßnahmen für Einfuhrbe - schränkungen wurde am Dienstag vom Unterhaus erneut besprochen. Die Vorschläge mehrerer Abgeordneten, die zweite Klausel des Gesetzes auf- zuschieben, die der Regierung Vollmachten zur Auferlegung von E i n s u h r k o n t i n g e n t e n erteilt, wurden vom Sprecher als unzulässig erklärt. Der Liberale Mason beantragte, daß die Gültigkeitsdauer des Gesetzes auf ein Jahr beschränkt wer- schließlich auch die Bezahlung unserer Zinsen an die ausländischen Gläubiger gesichert werden könnte, wird nur durch erhöhte Bereitwilligkeit des Auslandes zur Aufnahme deutscher Erzeugnisse zu erlangen sein. Tritt eine erhöhte Bereitwilligkeit des Auslandes zur Aufnahme deutscher Erzeugnisse nicht ein, so werden wir, der Rot gehorchend, uns in immer stärkeren Ausmaßen auf den Gedanken der Selbstversorgung einstellen und die Einfuhr entsprechend einschränken müssen. Es ist nicht daran gedacht, irgendwelche neue Steuer einzuführen, und es ist auch nicht daran gedacht, die Sähe bestehender Steuern zu erhöhen. Jede Erhöhung der bestehenden Gesamtsteuerlast der deutschen Volkswirtschaft würde nichts anderes als volkswirtschaftlichen Unsinn bedeuten. Daß der Gedanke einer Erhöhung der bestehenden Gesamtsteuerlast von jedem, der im nationalsozialistischen Staat für die Dinge verantwortlich ist, in aller Entschiedenheit ab gelernt wird, versteht sich von selbst. Ausgenommen sind einzelne Maßnahmen, die nicht durch fiskalische Gesichtspunkte bedingt sind, sondern durch die Notwendigkeit, lenkend in die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft einzugreifen. Ich denke z. B. daran, für Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. H. eine Mindestkörperschaftssteuer vorbei Zusammentritt der Konferenz werbe eine beträchtliche Verstärkung der britischen Seemacht vorgeschlagen werden. 2L a. wird eine Erhöhung der britischen Kreuzerftärke von 50 au 70 Fahrzeuge verlangt werden. 3n gut unterrichteten Kreisen gewinnt indessen die Ansicht immer mehr an Boden, daß es infolge der großen Meinungs- verfchiedenheilen zwischen den Teilnehmern sich als unmöglich erweisen wird, die Konferenz im nächsten 3ahre abzuhalten. Falls die Flotlenkonferenz tatsächlich aufgegeben oder für unbestimmte Zelt verschoben werden mühte, dürfte die Regierung eine noch größere Vermehrung der Seestreitkräfte verlangen, als sie gegenwärtig erwägt. den solle, da hierdurch eine ehrenvolle und freundschaftliche Regelung erleichtert würde. Der Liberale Evans und der Arbeiterabgeordnete Sir Stassord Cripps unterstützten diesen Antrag. Schatzkanzler Chamberlain erklärte, daß er es nicht für günstig halte, bei jeder sich ergebenden Notwendigkeit eine neue gesetzgeberische Maßnahme dieses- Charakters zu verfügen. Indem die englische Regierung die in dem Gesetz enthaltenen Vollmachten übernehme, zeige sie der ganzen Welt, daß sie mit solchen Vollmachten ausge- rüstei sei, und dies mache es weniger wahrscheinlich, daß eine ähnliche Lage in Zukunft entstehe. Der Führer der Oppositionsliberalen, Sir Herbert Samuel, schlug ebenfalls eine Begrenzung des Gesetzes auf ein Jahr vor. Die englische Handelswelt habe keine Gelegenheit gehabt, das Gesetz zu prüfen. Der Schahkanzler erklärte sich dann unter großem Beifall bereit, die Wirkungsdauer des Gesetzes auf zwei 3ahre zu beschränken. Es treffe zu, daß das Gesetz gewisse Maßnahmen enthalte, die nicht unmittelbar auf die geaenroärti- gen Umstände anwendbar seien. Er müsse jedoch sagen, daß die zweite Klausel unter gewissen Umständen außerordentlich notwendig werden könnte, ob nun Deutschland oder irgendein anderes Land in Frage komme. Im weiteren Verlauf der Aussprache wiederholte der Schatzkanzler, daß finanzielle Geldsendungen, Bankguthaben, Versicherungszahlungen ufro. von dem Clearing ausgeschlossen seien. Er wolle jedoch diese Feststellung nicht dem Wortlaut des Gesetzes beifügen, denn man wisse nicht, welche Lage sich später ergeben könne. Endgültig angenommen. Das Unterhaus nahm das Clearinggesetz i n dritter Lesung ohne Abstimmung an. Gleichfalls ohne Abstimmung angenommen wurde der Zusatzantrag des Schatzkanzlers Neville Chamberlain, wonach das Gesetz bis zum 3 0. Juni 19 36 in Kraft bleiben soll. Diplomaten -Empfang beim Führer. Berlin, 26. Juni. (DNB.) Der Reichskanz- l e r empfing am Dienstag den deutschen Botschafter in Madrid, Graf Welczek, und den deutschen Gesandten in Riga, Dr. Martius, zum Vortrag. zusehen, die sich nach der Höhe des Aktienkapitals oder G. m. b. H.-Kapitals bemißt. Durch diese Maßnahme soll dem Drang, kleine Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. H. zu gründen, entgegengewirkt werden. Diejenigen, die eine Gesellschaft gründen wollen, sollen durch die Vorschrift über die Mindestbesteuerung angeregt werden, an Stelle der Aktiengesellschaft oder G. m. b. H. die Form der offenen Handelsgesellschaft oder Kommanditgesellschaft zu wählen. Es kann im Rahmen der grundlegenden Steuerreform im Einzelfall da und dort auch zu kleinen Belastungsverschiebungen kommen. Solche sind durch bestimmte technische Umstellungen des Gesetzes und des Tarifs oft nicht zu vermeiden. Es wird auch die Frage geprüft werden müssen, ob es richtig ist, die Verschachtelungen der Wirtschaft weiterhin durch das sogenannte Schachtelprivileg zu begünstigen. Und andererseits wird die Frage gestellt werden müssen, ob es richtig ist, die Verschmelzungen (Fusionen) durch allgemeine Ermäßigung der Gesellschaftssteuer von 2 auf 1 vom Hundert weiterhin zu begünstigen. Es ist durchaus denkbar, daß volkswirtschaftliche oder sonstige Erwägungen, etwa Fragen der steuerlichen Gerechtigkeit im nationalsozialistischen Deutschland, dazu führen, daß die eine und andere Vergünstigung, die bisher bestand, beseitigt wird. Die Einführung beslimmler Mindestbesleuerun- gen und die Beseitigung von Vergünstigungen der bezeichneten Art kann nicht als neue Steuer oder Erhöhung einer bestehenden Steuer, sondern nur als im Interesse der Allgemeinheit gelegene Steuergesialtung bezeichnet werden. Es ist nicht daran gedacht, irgendwelche neue Steuer einzusiihren, und es ist auch nicht daran gedacht, die Sähe bestehender Steuern zu erhöhen, es ist jedoch beabsichtigt, die Zahl der Steuern wesentlich abzubauen und die Steuersätze zu vermindern. Der Abbau der Steuern kann entweder in der Beseitigung einer Steuer, oder in der Verschmelzung von Steuern bestehen. Die Beseitigung einer Steuer darf nur erfolgen, wenn entweder anzu- nehrnen ist, daß durch die volkswirtschaftliche und fiskalische Wirkung der Beseitigung der Ausfall ausgeglichen wird (ich denke hier an die Beseitigung der Kraftfahrzeugsteuer für neue Personenkraftfahr- Zeuge, an die Beseitigung der Schaumweinsteuer und an die Beseitigung der Mineralwassersteuer), oder wenn die allgemeine Haushaltslage eine Ver- minderuna der Steuereinnahmen zuläßt. Die allgemeine Haushaltslage läßt eine Verminderung der Steuereinnahmen bis auf weiteres nicht zu. Steuern, deren Befeitiaung in ihrer Auswirkung zwangsläufig zum Ausgleich des Ausfalls führen würde, sind, mit Ausnahme vielleicht der Gemeindegetränke- st e uer, nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge nicht mehr vorhanden. Infolgedessen kann eine Verminderung der Zahl der Steuern nur durch Verschmelzung verschiedener Steuern erreicht werden. 3d) denke hier insbesondere daran, die Bürgersteuer, die Ehestandshilfe, die krifensteuer der Veranlagten und den Einkommensleuerzufchlag der Einkommensempfänger mit mehr als 8000 Reichsmark 3ahreseinkommen in die Einkommenssteuer hineinzuarbeiten, so daß dann an Stelle von bisher fünf Steuern und Zuschlägen nur noch eine Steuer vorhanden sein wird. Es ist auch beabsichtigt, die Gemeindebiersteuer mit der Reichsbiersleuer zu vereinigen. Im Zuge der Reichsreform wird es noch manche andere Vereinigung oorzunehmen geben, die unmittelbar oder mittelbar zu einer Verminderung der Zahl von Steuern führen wird. Was hinsichtlich der Beseitigung von Steuern gilt, wenn die Beseitigung nicht durch Verschmelzung, sondern durch Verzicht auf die Einnahme erfolgt, das gilt von Steuersenkungen und Steuervergünstigungen. Auch solche dürfen, solange die allgemeine Haushaltslage eine Verminderung der Steuereinnahmen nicht zuläßt, nur insoweit erfolgen, als bei sorgfältiger Prüfung angenommen werden kann, daß durch die volkswirtschaftliche und fiskalische Wirkung der Steuervergünstigung ober Steuersenkung der Ausfall möglichst ausgeglichen wird. Ich denke hier an die vielen Steuemergünftiaungen, die wir seit einem Jahr unter den verschiedensten Bedingungen gewähren: Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen, Steuerbefreiung für neuerrichtete Kleinwohnungen und Eigenheime, Steuerfreiheit für Aufwendungen zu Zwecken des zivilen Luftschutzes ufro., Ermäßigung der Steuerschuld für Instandsetzungen und Ergänzungen an Gebäuden ufro., schließlich an die Halbierung der Umsatzsteuer für die Landwirtschaft, an die Senkung der Grundsteuer für die Landwirtschaft usw. und auch an die Senkung der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe. Die Senkung der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe ist zum Teil auch durch den Zweck dieser Abgabe und infolgedessen durch den Rückgang der Arbeitslosenziffer und des Finanzbedarfs der Arbeitslosenhilfe begründet gewesen. 3m Rahmen der Steuerreform sind weitere sehr erhebliche Steuererleichterungen vorgesehen. Diese bestehen teilweise in der Möglichkeit, fütk Teile des Einkommens unter bestimmten Bedingungen Steuerfreiheit zu erlangen, keUweise in Englische Aufrüstung endgülüg beschlossen Gewaltige Verstärkung der Lust- und Geestreitkräste. Die deuischeAniwortaus die briiischeTranssernoie 1. Kampf um die Verminderung der Arbeitslosigkeit und damit um die Gesundung der sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Dinge unseres Volkes, in Zusammenhang damit Lösung dringender volkswirtschaftlicher Fragen; steuer und in zwangsläufiger Folge davon vielleicht vom Ende einer ordentlichen Steuerwirtschaft und Haushaltswirtschaft überhaupt sein und Gefahren für die gesamte öffentliche Verwaltung und für das Sein der Volksgemeinschaft nach sich ziehen. Wenn jemand als Spender von 20 000 Reichsmark irgendwie erscheinen will, so muß er auch tatsächlich bereit sein, auf 20 000 Reichsmark zugunsten der bestimmten Sache zu verzichten, und nicht den Nehmer veranlassen, beim Reichsfinanzministerium zu beantragen, ihm 2000 bis 13 000 Reichsmark zu erstatten. Die Steuerpolitik im Adolf-Hitler-Staat ist im wesentlichen auf drei große Gedanken abgestellt: Den außerordentlich umfangreichen Wortlaut des Steuerreform-Planes werden wir im Laufe der nächsten Tage abschnittweise veröffentlichen. 2. Förderung der Familie, in Zusammenhang damit Verwirklichung des volkspolitischen Gedankens; 3. Betonung des Wertes der Persönlichkeit und der persönlichen Verantwortung in der Wirtschaft. Ministerpräsident Göring spricht in Hamburg. „Wir können vor der Geschichte und vor der Zukunst unseres Volkes bestehen." Reichstagung der HF.-Gozialreferenten. Rheinsberg, 26. Juni. (DRV.) Am Dienstag trafen in Rheinsberg die Sozialreferenten der HI. zu einer Arbeitstagung zusammen, in deren Mittelpunkt die Forderung nach Freizeit der Jungarbeiter schäft steht. Ober- Oie Wahrheit über Thälmann Eine Unterredung mit dem Oberreichsanwalt. Nur dann kannst du das höchste für dein ganzes Volk erringen, wenn du Nationalist bist bis auf auf die Knochen und gleichzeitig als Diener deines ganzen Volkes Sozialist bist. Wenn s o beide Begriffe zu eins geworden sind, dann müssen auch die Träger beider Begriffe verschmolzen werden. Und so, wie aus Nationalismus und Sozialismus die Synthese des Nationalsozialismus entstand, so entstand aus dem Bürgertum und dem Proletariat die Synthese: deutsches Volk! Ministerpräsident Göring wandte sich dann mit aller Schärfe gegen die Ewiggestrigen und die Spaltpilze, die mit dem deutschen Volke neuerdings wieder versuchen ihr Unwesen zu treiben. „Wir werden mit ihnen fertig zu werden wissen", so erklärte der Redner unter stürmischem Beifall. Er ging dann auf die in bestimmten Kreisen wieder aufgeworfene Frage der Wiederherstellung der Monarchie ein. „In einem Augenblick, wo das deutsche Volk zusammengeschweißt ist zur Einheit, muß diese Frage st u m m sein, darf sie nicht als Sonderinteresse irgendwo vorangestellt werden. (Brausende Zustimmungskundgebungen.) Das Interesse eines Hauses und einer Familie darf nicht über den Interessen der Nation stehen. (Abermaliger langanhaltender Beifall.) Das deutsche Volk denkt jetzt an nichts anderes als daran, das kostbare Gut seiner Geschlossenheit fest zusammenzuschweißen. Wir wollen es unseren Kindern oder unseren Enkeln überlassen, sich einstmals die Staatsform zu wählen, die sie für richtig halten. Dir Lebenden, wir haben Adolf Hitler!" (Bei diesen Worten Görings steigerte sich der Beifall der Zehntausende zu einem orkanartigen Tosen.) Der Ministerpräsident ging dann ins Gericht mit jenen, die glauben, durch Schaffung von I n - teressenklüngeln die Einheit des deutschen Volkes sabotieren und so wieder persönliche Interessen in den Vordergrund schieben zu können. „Wir kennen diese Leute", so erklärte Göring. „W i r wollen die Zeiten der Parteien nicht wieder haben! Der furchtbarste Gedanke, der je ein Volk plagen kann, ist der des Klassen- Der Satz von 12 bis 65 v. H. stellt die Steuer- ermähigung dar, die sich aus einer Zulassung zur Absetzung vom steuerpflichtigen Einkommen ergibt. Die Einkommensteuer und die Gewerbesteuer betragen zusammen rund 12 bis 65 vom Hundert des Einkommens, je nach der Höhe des Einkommens. Wenn heute jemand 20 000 Reichsmark spendet und ihm dieser Betrag zum Abzug vom steuerpflichtigen Einkommen zugelassen würde, so wurde das im Ergebnis bedeuten, daß -das Reich dem Spender 2000 bis 13 000 Reichsmark erstattet. Würde das Reichsfinanzministerium solche Anträge wohlwollend behandeln und sich herbeilassen, im einen und anderen Fall dem Antrag stattzugeben, so wurde das der Anfang vom Ende der Einkommensteuer, de? Körperschaftssteuer und der Gewerbe- Hasses. Denken wir an die „Stände" — nicht die wirtschaftlichen Stände. Es ist der Dünkel jener anderen Stände, den wir nicht groß werden lassen wollen. Wir sehen da vor uns jene Schilder „Nur für Herrschaften!". Diese Zeit muß ein für alle- mal vorbei sein. Gewiß, es gibt Vorrechte, aber nur eins und das ist das D o r r e ch t d e r L e i st u n g. Es glaube keiner, daß er einem Kreis von Volksgenossen eine besondere Richtung geben könnte. Es gibt nur einen Kompaß und den richtet Adolf Hitler. (Stürmischer Beifall). Göring ging dann auf die „Sorgen gewisser kirchlicher Kreise" ein und sagte: Wenn man dort glaube, noch länger das deutsche Volk mit konfessionellen Streitigkeiten langweilen zu können, dann müßte vielleicht eines Tages dem Kirchenregiment gesagt werden, daß doch einmal der Staat eingreifen müsse, wenn man selbst nicht imstande sei, Ruhe und Ordnung zu halten. Der Ministerpräsident verwies in diesem Zusammenhang eindringlich auf die Tatsache, daß der Nationalsozialismus in Deutschland alle Kirchen gleich schütze, sobald sie auf dem Boden des positiven Christen- tum es stünden. Niemand werde eine Konfession mehr schützen, als der nationalsozialistische Staat. Das Volk würde es den Kirchen zu danken wissen, wenn sie sich auf dieser Linie hielten. Auch in bezug auf die katholische Kirche sei es dem Staat nicht eingefallen, irgendein Dogma anzugreifen. Aber da, wo das Volk sehe, daß die Kirche in seine politische Gedankenwelt eingreife, werde es sagen: Vis hierher und nicht weiter! (Lebhafte Zustimmungskundgebungen.) Die Zeit, wo geistliche Kreise durch das Zentrum Deutschland zu regieren versuchten, sei endgültig vorbei. Und u n - s e r e Jugend ist unser kostbarstes Gut; es ist Gott und uns allein anvertraut und wir lassen es uns nicht aus den Händen nehmen. Nirgends kann die Glaubenskraft des Menschen besser verwurzelt sein, als im Nationalsozialismus. Unseren Glauben lassen wir uns nicht vorschreiben, den bestimmt feder so, wie es ihm ums Herz ist. Wer hetzt denn heute überhaupt gegen das nationalsozialistische Deutschland? Wer ist es, der das deutsche Volk als ein Volk schlimmster Verbrecher hinstellt? Es ist immer der Jude, der schon einmal unsere Kultur zerstören und vernichten wollte. Der Minister wandte sich dann mit aller Schärfe regen die unfruchtbaren Kritiker. Er warnte die böswilligen Kritiker mit den Worten: „Sollte eines Tages das Maß übervoll -sein, dann schlage ich zu!" (Tosender Beifall.) Es sei not- wendig, so fuhr Göring fort, bei der negativen Einstellung der Kritiker immer wieder die gewaltigen Leistungen zu betrachten, die Adolf Hitler in den eineinhalb Jahren feiner Regierung bereits vollbracht habe. „Ich glaube, wir können vor der Geschichte und, was wichtiger ist, vor der Zukunft unseres Volkes bestehen." (Stürmischer Beifall.) „Wir haben gearbeitet, wie noch nie gearbeitet worden ist. Heber allem steht das gewaltige Interesse des Volkes. Ein Volk aus dem Schlamm zur Sonne emporzuführen ist eine gewaltige Aufgabe. Wenn wir zuversichtlich weiterarbei- t e n, so liegt das einmal daran, weil wir in unterer Brust etwas tragen, was uns immer wieder vorwärts treibt, und zum anderen, weil hinter uns ein Volk steht, dasaufunsvertraut. Dieses Vertrauen ist die Basis, auf der wir alles aufbauen müssen. Es ist die Basis, auf der das Reich steht. Wer an diesem Vertrauen nagt, begeht ein Verbrechen am Volk, er begeht Landes- und Hochverrat. Wer dieses Vertrauen zerstören will, zerstört Deutschland. (Beifall.) Wer gegen dieses Vertrauen sündigt, Hal sich um seinen Kopf gebracht. (Stürmischer Beifall.) Was dann komme, wenn dieses letzte große Wunder zerstört sei, das könne man sich nicht ausmalen. Gott habe Deutschland geholfen, et habe uns den Führer geschenkt, der uns emporgeführt habe aus der Nacht, die über Deutschland lag. Er habe die Fackel des Glaubens ent- zündet, die zur Sonne geworden fei. „Das ist die Arbeit des Führers", so schloß der Redner, „und deshalb müßt ihr dem Führer restlos euer Vertrauen geben, dem Führer, dem Retter Deutschlands!" Riesiger Beifall und stürmische Heilrufe ertönten, als der Ministerpräsident seine Rede beendet hatte. Reichsstatthalter Gauleiter K a u f f m a n n dankte ihm und gab ihm das Versprechen der Hamburger Volksgenossen mit auf den Weg: „Ein Führer; Hitler; ein Ziel: Deutsch lan d." Hamburg, 26. Juni (DNB.) In einer vom I Gau Hamburg der NSDAP, veranstalteten und i von vielen Tausenden von Volksgenossen besuchten । Versammlung sprach am Montagabend der preu- i zische Ministerpräsident und Reichsluftfahrtminister Göring. Er leitete seine Rede mit einer grundlegenden Abrechnung mit dem überwundenen parlamentarischen System ein. „Man darf nicht nur dann vor das Volk treten", hob er hervor, „wenn man eine Stimme braucht, um es später wieder zu umgarnen und zu betrügen. Wahre Führer des Volkes werden vielmehr immer wieder in das Volk zurückkehren, werden immer wieder vor dem Volke Rechenschaft ablegen für-ihr Tun und Handeln. In den Jahren des verflossenen Systems habe niemals das Volk im Mittelpunkt des Geschehens gestanden. Es war nur Objekt einer luchwürdigen Politik, statt Subjekt des staatlichen Denkens, Fühlens und Handelns zu sein. Es ist notwendig, daß die Führer des Volkes immer erneut vor das Volk treten und mit ihm Auge in Auge die Aussprache halten, die notwendig ist für die Verbundenheit von Führung und Volk. Darum gehen die Führer des Nationalsozialismus hinein in das Volk, denn es ist die Quelle, aus der sie gekommen sind, und es darf nicht geschehen, daß das Volk seine Führer nicht mehr unter sich ieht. Das Volk muß stets und ständig wissen, )aß seine Führer nach wie vor Kämpfer geblieben sind, daß sie alles für»das Volk tun. Dor allem muß das deutsche Volk wissen, daß die von ihm gebrachten Opfer nicht umsonst sind. Es gibt kein Volk auf der Erde, das so einsatzbereit war und ist, wie das deutsche Volk. Mit dem 30. Januar 1933 ift ein neues Kapitel biefer deutschen Geschichte begonnen worden, das man wieder mit den Worten „Ehre und Freiheit" überschreiben kann. Das ist Hitlers schönste Tal, daß er aus einer Summe von Menschen, von Interessenten, von gegeneinander wirkenden Kräften die Geschlossenheit eines Volkes geschaffen hat. Erst mit dieser Geschlossenheit haben wir die Kraftquelle erlangt, aus der allein der Aufbau möglich ist. Der Ministerpräsident gab sodann einen lieber® blick über die entsetzlichen Zustände völkischer Zerrissenheit, die mit dem Durchbruch der nationalsozialistischen Revolution endlich überwunden wurden. Der Redner zeichnete ein scharfes Bild der Zustände, wie sie infolge der Verfälschung der beiden Begriffe Nationalismus und Sozialismus in den Jahren vor der nationalen Erhebung eingerissen waren. Erst Adolf Hitler stellte klar heraus, daß man nicht National!st sein kann, ohne gleichzeitig Sozialist zu sein, und nicht S v - zialist, ohne gleichzeitig National!st zu sein. Adolf Hitler warf beide Begriffe in den Schmelztiegel der nationalsozialistifchen Weltanschauung und schuf die kristallklare Synthese: B e r l i n, 26. Juni. (DNB.) Die aufsehenerregenden Verhandlungen gegen die Mörder der Polizeihauptleute Anlauf und Lenk und gegen die Mörder Horst Wessels haben der Oeffentlich- keit erneut den Beweis geliefert, mit welchen Methoden die Kommunistische Partei zur Erreichung ihrer dunklen Ziele arbeitete. Kommunistische Kreise im Ausland versuchen vergebens, die Aufmerksamkeit der Welt von dieser Schande abzulenken, indem sie in einer groß aufgezogenen Propaganda den früheren Führer der KPD., Ernst Thälmann, als unschuldiges. Opfer eines in Deutschland gegen ihn geführten Strafverfahrens hinstellen. Um die Oeffent- lichkeit über den wahren Sachverhalt unterrichten zu können, hat sich die Schriftleitung der „Berliner Börsenzeitung" an den Oberreichsanwalt mit der Bitte gewandt, einem ihrer Mitarbeiter eine Unterredung zu gewähren. Der Herr Oberreichsanwalt hat dieser Bitte entsprochen. Wir geben im Folgenden den Inhalt der Unterredung wieder: Auf die Frage des Mitarbeiters der Zeitung, was Thälmann vorgeworfen werde und wie das Verfahren gegen ihn stehe, erwiderte der Oberreichsanwalt, daß bei ihm gegen Thälmann schon seit Jahren umfangreiches Material vorliege, aus dem sich der Verdacht der Vorbereitung eines hochverräterischen Unt er nehmens ergebe. Neben Reden und Zeilungsaufsähen, die dem Zweck dienten, die Massen für den Gedanken des gewaltsamen Versassungssturzes und der Errichtung eines Sowjetstaates nach russischem Muster reif zu machen, kämen noch weitere hochverräterische Betätigungen Thälmanns, der ja bekanntlich Leiter des Zentralkomitees der kommunistischen Partei und erster Bundesführer des Roten Frontkämpferbundes gewesen sei, in Frage. Die Einleitung und Durchführung eines Strafverfahrens fei in früheren Jahren um deswillen unmöglich gewesen, weil Thälmann als Reichstagsabgeordneter und Mitglied der Hamburger Bürgerschaft durch Immunität geschützt gewesen sei. Erst der Wegfall der Abgeordneteneigenschaft habe den Weg für eine Strafverfolgung freigemacht. Die Voruntersuchung liege zur Zeit in der Hand des Untersuchungsrichters in Berlin und werde geführt wegen der Beschuldigung der Vorbereitung des Hochverrates, insbesondere auch der öffentlichen Aufforderung zur Ausführung eines hochverräterischen Unternehmens. Die Voruntersuchung sei noch nicht abgeschlossen, es dürfe indessen mit einem baldigen Abschluß gerechnet werden.' Die Frage des Mitarbeiters der Zeüung, welche Strafe Thälmann zu erwarten habe und ob insbesondere die Meldungey eines Teiles der in- und ausländischen Presse zutreffen, daß mit einem Todesurteil zu rechnen sei, beantwortete der Oberreichsanwalt dahin, daß die Straftaten, die der Antrag auf gerichtliche Voruntersuchung Thälmann zur Last lege, nach den gesetzlichen Bestimmungen mit Freiheits st rasen dis zu lOJahren bedroht würden. Der Oberreichsanwalt äußerte sich auf Befragen auch über Zeit und Ort der Verhandlung, sowie über das zur Anwendung gelangende Verfahren dahin, daß die Hauptverhandlung vor dem Volksgerichtshof stattfinden werde, der im Juli d. I. in Berlin errichtet würde, lieber den Zeitpunkt der Hauptverhandlung könne noch nichts gesagt werden, da die Voruntersuchung noch nicht abgeschlossen fei. Das Verfahren vor dem Volksgerichtshof entspreche dem Verfahren, das in der Strafprozeßordnung und !m Gerichtsverfasfungsgefeh für die Verfahren vor dem Reichsgericht in erster Instanz geregelt fei. Die Hauptverhandlung werde deshalb grundsätzlich in voller Oeffent- lichkeit stattfinden, wobei vielleicht, was sich zur Zeit noch nicht übersehen lasse, für einzelne Teile wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung, insbesondere der Staatssicherheit, durch Beschluß des Gerichts die Oeffentlichkeit ausgeschlossen würde. Nach dem Gesetz vom 24. April 1934 bedürfe die Wahl des Verteidigers der Genehmigung durch den Vorsitzenden des Gerichts. Es müsse indessen gegenüber hetzerischen Aeußerungen eines Teiles der Auslandspresse mit allem Nachdruck darauf hin- gewiesen werden, daß nach dem in der ganzen Welt bekannten Auftreten der Verteidiger irn Reichstagsbrandprozeß nur noch böswillige Verleumder die Behauptung aufstellen könnten, daß Mitglieder der deutschen Rechtsanwaltschaft in politischen Prozessen gehindert seien, die ihnen anvertrauten Verteidigungen völlig frei und unabhängig zu führen und dabei ausschließlich ihrer rechtlichen Ueberzeugung und ihrem Gewissen zu folgen. Was von der etwa erforderlichen Unterlassung weniger wichtiger Ausgaben auf der einen Seite gilt. Das gilt von der Unterlassung gewisser erlangter Steuervergünstigun- g e n auf der anderen Seite. Es kommt immer und immer wieder vor, daß Organisationen und Verbände an uns herantreten mit dem Antrag, bestimmte Aufwendungen zum Abzug von steuerpflichtigen Einkommen zuzulasfen oder dergl. Es handelt sich in der Regel um Spenden oder dergl. für bestimmte Zwecke. Die Gewährung der steuerlichen Erleichterung wird von uns in der Regel verlangt, um durch die steuerliche Erleichterung bestimmte Kreise anzuregen, zu spenden, oder sonstwie zu geben. Alle diese Anträge müssen wir unter allen Umständen a b l e h n e n. Ich bitte deshalb diese Verbände und Organisationen dringend, derartige Anträge nicht mehr an das Reichsfinanzministerium zu richten. Jede solche Steuererleichterung, die hier gewünscht wird, würde im Ergebnis nichts anderes bedeuten, als daß das Reich sich an der Spende oder sonstigen Gabe in höhe der gewährten Steuererleichterung beteiligen würde. Es liegt, das muh ich mit allem Nachdruck aussprechen, nicht im Aufgabenbereich des Reichs, sich an Spenden und sonstigen Gaben in höhe von 12 bis 65 v. h. zu beteiligen. der Vorsehung höherer Steuerfreibeträge für Kinder, teilweise in der unmittelbaren Senkung der Steuersätze. Der Ausfall, der sich aus allen diesen Erleichterungen ergibt, wird, gesamtsteuerlich gesehen, ausgeglichen teilweise im Rahmen eines bestimmten t e ch - Nischen Umbaues der Steuer und teilweise durch die volkswirtschaftlichen und fiskalischen Wirkungen, die sich aus der Er- 1 leichterung zwangsläufig ergeben. Es wird beifpiels- ' weife auch Die Gewährung und die Erhöhung jedes Freibetrages für Kinder in ihrer volkswirtschaftlichen Wirkung zum großen Teil ausgeglichen, ins- ' besondere, wenn es sich um kleine und mittlere Ein- I fommensempfänger handelt, von denen gewähr- i leistet erscheint, daß sie den Betrag der Erleichterung i dem Verbrauch und in dessen Folge, zumindest teilweise, durch die verschiedensten Kanäle dem all- ■ gemeinen Haushalt zuführen. Der Vorgang besteht in der Regel darin, daß der Betrag der Steuerverminderung, die sich aus der erhöhten Kinderermäßigung ergibt, durch den Steuerpflichtigen dem Fiskus nicht unmittelbar, sondern mittelbar, ' das heißt auf dem Weg über den Verbrauch des Betrages der Steuerverminderung teilweife ober ganz zugeführt wird. Die Höhe des Gegenpostens der Steueroerminderung bestimmt sich danach, w i e oft sich der Betrag der Steuerverminderung durch Verbrauch in der deutschen Volkswirtschaft umsetzt. Durch die gegenwärtige Lage unseres allgemeinen Haushalts sind uns bei unserem Bestreben nach Entlastung leider Grenzen gezogen. Wir werden jedoch innerhalb dieser Grenzen einen Umbau in der Weise durchführen, daß wir bei verminderter Steuerlast, die auf der einzelnen Person oder Sache in der Regel ruht, den bisherigen Aufkommensstand nicht nur halten, sondern übersteigen werden. Eine Erhöhung des Auskommens ist un® bedingt erforderlich, wenn es haushaltsmäßig möglich fein foll, die ftaatspolitifch bedingten Mehrausgaben, die auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens anfallen, zu decken und insbesondere die sehr erheblichen Vorbelastun- g e n, die in den Haushaltsjahren 1934 bis 1939 in Erscheinung treten, auszugleichen. Ich bitte alle Volksgenossen, sich zu vergegenwärtigen, daß unsere Ausgaben sich zwangsläufig erhöhen, und daß die Vorbelastungen nicht aus der Welt zu schaffen sind, und daß wir anderseits Steuererleichterungen gewähren und trotzdem eine Erhöhung des Steueraufkommens erreichen, von der wir wünschen, daß sie genügt, um den Mehrbedarf auf der Ausgadenseite und im Kapitel Vorbelastungen zu decken. Die allgemeine Finanz- und Steuerpolitik darf in keinem Fall zu erheblichen Fehlbeträgen im Haushalt führen, wenn nicht die öffentlichen Finanzen in Unordnung und dadurch zwangsläufig auch Gefahren für die Entwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Dinge sich ergeben sollen. Es ist daher, wenn das Aufkommen zur Deckung der Mehrausgaben nicht hinreicht, dringend erforderlich, daß weniger wichtige Ausgaben unterbleiben, bis das Mehraufkommen die genügende Höhe erreicht hat. Es ist uns, vom Gesichtspunkt der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts des allgemeinen Haushalts gesehen, eine schwere Verantwortung auferlegt, für die alle Stellen und alle Volksgenossen im Interesse des Volksganzen, im Interesse einer Gewährleistung des Fortgangs der wirtschaftlichen und sozialen Gesundung unbedingt Verständnis haben sostten. Das Steueraufkommen entwickelt sich glänzend. Diese Entwicklung ift der Erfolg unserer Steuerpolitik in den letzten fünfzehn Monaten. Das Aufkommen an Steuern im Reich ist in den Monaten April und Mai 1934 120 Millionen Reichsmark höher gewesen, als im April und Mai 1933. Auch im Juni hält die über alle Erwartung günstige Entwicklung an. Es ist sicher, daß wir den Voranschlag für 19 3 4 infolge der günstigen Entwicklung um einige hundert Millionen Reichsmark übersteigen werden. Wir müssen jedoch heilfroh fein, daß es so sein wird, weil es anderswie unmöglich sein würde, die eine und andere staatspolitisch dringend notwendige Mehrausgabe zu leisten und die gewaltigen Vorbelastungen auszugleichen, ohne gleichzeitig die Ausgaben auf weniger wichtigen Gebieten in unerträglicher Weife drosseln zu müssen. gebietssührer Arthur A x m a n n , der Leiter Ses Sozialen Amtes der Reichsjugendführung, erklärte u. a.: Der Nationalsozialismus wird nicht in den Fehler verfallen, nur in Versammlungen und Zeitungsartikeln das Erlebnis der Gemeinschaft und des Vaterlandes den schaffenden Deutschen vermitteln zu wollen. Die Jugendbewegung, unsere Hitler-Jugend, ist die Grundlage für das Werden eines politischen Soldaten. Wenn wir die Charakterbildung und die politische Erziehung des Jungarbeiters in die Hand nehmen wollen, so wird uns das nur gelingen, wenn der Jungarbeiter die notwendige Freizeit und den Urlaub hat, in dem er durch Erlebnis und Erziehung wieder ein neues Arbeitsethos findet. Das angekündigte B e r u f s a u s b i l d u n g s g e s e tz wird die Voraussetzung schaffen, die der Hitler-Jugend die Möglichkeit gibt, den Sinn des Staatsjugendtages zu erzielen und als Volksjugend der ihr vom Führer zugewiesenen Ausgabe gerecht zu werden. Kabinettsumbildung in Polen. Warschau, 27. Juni. (DNB. Funkspruch.) Wie der regierungsfreundliche „Expreß Poranny" versichert, soll noch im Laufe dieser Woche eine K a - binettsumbildung erfolgen. Es wird vor allen Dingen die Ernennung eines Innenministers und eine Aenderung auf dem Posten des Landwirtschaftsministers erwartet. Man rechnet nach Meinung des Blattes bestimmt mit dem Rücktritt des bisherigen Landwirtschaftsministers K l u k o w s k i und mit der Uebernahme dieses Postens durch den Kurator der Landwirtschaftlichen Schule in Krzemienieo, P o - n i a t o w s k i, der bereits im Zusammenhang mit der vorherigen Umbildung des Kabinetts als Kandidat für den vorgenommenen Posten erwähnt wurde. Seine Ernennung kam damals nicht zustande, weil Ponjatowski sich Bedenkzeit erbeten hatte. Gleichzeitig sollen noch eine Reihe von Aenderungen bei dem Posten der Unterstaatssekretäre erfolgen. Oer Ministerpräsident beim Staatspräsidenten. Warschau, 27. Juni. (DNB. - Funkspruch.) Staatspräsident M o c z i ck i hat Dienstag den Ministerpräsidenten Kozlowski zur Berichterstattung empfangen. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, wird der jetzige Woyjewode von Lemberg, B e l i n a - P r a z m o w s k i, als Kandidat für den Posten des Innenministers ernstlich genannt. Maßregelungen in Warschau. Warschau, 26. Juni. (DNB.) Einer Meldung der halbamtlichen „Gazeta Polska" zufolge wurden die drei höchsten Beamten der Sicherheitsbehörden in Warschau ihres Amtes enthoben, und zur Disposition gestellt. Es handelt sich um den Chef des Sicherheitswesens im Innenministerium K u ch a r s k i, den Chef der Sicherheitsabteilung im Warschauer Regierungskommissariat L e p k o w s k i und den Poizeikomman- danten von Warschau Czyniowski. Wie das Blatt hierzu bemerkt, werden die genannten Beamten auf ihre Posten nicht mehr zurückkehren. Gleichzei- tig verlautet, daß noch weitere Entlassungen bevorstehen sollen. Die zuständigen Stellen legen gegenüber den Berliner Meldungen über die Festnahme des vermeintlichen Mörders des Innenministers und General P i e r a ck i größte Zurückhaltung an den Tag. Es ist jetzt noch nicht möglich gewesen, irgendwelche genauen Einzelheiten über die Festnahme und über den Stand der polizeilichen Ermittlungen in Erfahrung zu bringen. Oie Spannung in Frankreich. Paris, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Vorsitzende der nationalen Frontkämpferoereinigung, Munizipalrat L e - b e c q, weist im „Journal" die Regierung nachdrücklich auf ihre Pflicht hin, für die Säuberung des Staates zu sorgen. Am 8.Juli würden die Frontkämpfer Rechenschaft fordern. Die gewiß anerkennenswerten Bemühungen des Ministerpräsidenten Doumergue würden vergeblich fein, wenn nicht viel mehr für die Hebung der Moral des Landes und die Bestrafung der Schuldigen getan würde. Man kenne diejenigen, die die französischen Sparer ausgeplündert hätten, aber man verfolge sie nicht. Seien sie etwa )u hoch gestellt oder zwängen gewisse Mächte, die bie Republik in Beschlag hätten, dem Lande die Diktatur der Lüge auf? Warum werde mit zweierlei Maß gemessen? Mit einem für die armen Teufel, die sich während des Krieges im Felde etwas hätten zu Schulden kommen lassen und in den Strafkolonien Zwangsarbeit leisteten, und mit einem anderen für frühere Minister, Politiker und Beamte, die „tabu" zu sein schienen. Die Regierung müsse Mut zeigen, jtonst werde der 6. Februar schlimme Folgen gaben. Vertrauensfrage in der Kammer. Paris, 26. Juni. (DNB.) In der Kammer wurde am Montag ein Entschließungsentwurf über die wirtschaftliche und soziale Aufrüstung des Landes in der von der Regierung gebilligten Form verabschiedet. Ein Zusatz an - t r a g der Sozialisten, der die Regierung zwingen sollte, das Programm noch vor den Ferien einzubringen, wurde mit 405 gegen 150 Stimmen abgelehnt, nachdem die Regierung die Vertrauensfrage gestellt hatte. Neue Zusammenstöße. Paris, 26.Juni. (DNB.-Funkspruch.) In einem der größten Pariser Säle hatte unter dem Vorsitz des früheren radikalsozialistischen Abgeordneten Bergöry und des Professors Langevin die sog. Front Commun, in der die verschiedensten Linkselemente zusammengeschlossen sind, eine Tagung abgehalten. Mehrere Gruppen gerieten nach der Versammlung im Etoile-Viertel mit Vertretern rechtsstehender Jugendverbände aneinander. Polizei mußte eiizgreifen, um die Kämpfer zu trennen. Einige Verhaftungen wurden vorgenom- men. Bei den Zusammenstößen sind vier Personen verletzt worden. « In Sorten! kam es am Montag zu neuen Zusammenstößen zwischen linksgerichteten Gruppen und Polizei. Die Kundgeber hatten sich vor dem Redaktionsgebäude der Zeitung „Nouve- liste de Morbihan" versammelt, deren Direktor als Faschist gilt. Sie stimmten die Internationale an und erhielten nach und nach Zuzug aus einigen Vororten. Als die Lage bedrohlich zu werden begann und die Kundgeber gegen das Zeitungsgebäude anrücken wollten, ging ein starkes Polizeiaufgebot gegen sie vor und nahm viele Verhaftungen vor. Wie der „Excelsior" meldet, sind bei diesen Zusammenstößen eine Reihe von Personen verletzt worden. Auch soll das Gerücht verbeitet sein, daß zwei Kundgeber ihren Verletzungen erlegen sind. „Oie Politik Barihous macht Frankreich zur Verabscheutesten Nation." Paris, 26. Juni. (DNB.) „T e m p s" beschäftigt sich im Leitartikel mit dem Besuch Barthous in Belgrad und verwahrt sich gegen die Annahme, daß der französische Außenmimster eine Isolierung s- oder Einkreis ungspoli- t i k gegen irgendeine andere Macht betreibe. In dem System der regionalen Abkommen könnten alle Völker guten Willens ihren Platz finden, und sie würden die Gewißheit haben, auf dem Fuße vollkommener Gleichheit ein und dieselbe Garantie ür ihre Sicherheit zu finden. Das gelte besonders für Deutschland für ein Ostlocarno, ür Oesterreich und Ungarn für einen Mitteleuropapakt und für Bulgarien für den Balta n p a k t. Ganz anders urteilt die Oppositionspresse. Sie sagt voraus, daß die Politik Barthous, die i n den Spuren eines Elemenceau wandele, Frankreich zur verabscheutest en Nation machen werde. Die Regierung Doumergue versuche, den Block der Sieger von 1918 gegen die Besiegten von 1918 wieder zustande zu bringen. In Oppositionskreisen verzeichnet man ausdrücklich die Tatsache, daß Berlin, Rom, Budapest, Wien und Sofia aus dem Reiseprogramm des französischen Außenministers a u s g e l a s - f e n worden sind. Südslawien gegen jede Revision. Belgrad, 26. Juni. (DNB.) Die Skupschtina und der Senat veranstalteten Dienstag eine gemeinsame Festsitzung zu Ehren des französischen Außenministers Barthou. Ministerpräsident U s u n o w i t s ch unterstrich in seiner Rede neuerlich die unbedingte Ablehnung aller revisionistischen Bestrebungen durch Südslawien. Der heutige Stand der Dinge in Europa sei zu teuer erkauft worden, als daß man ihn ändern dürfe. Barthou betonte die Zus a m - m e n a r b e i t zwischen Frankreich und Süd- f 1 a ro i e n und erinnerte an die Verdienste, die Paris bei der Errichtung des südslawischen Staates hatte. So wie die Vorredner sprach auch er von der Liebe, die Franzosen und Südslawen verbinde. Seine Ausführungen schloß er mit einer Huldigung für König Alexander. Barthou von Belgrad abgereist. Belgrad, 27. Juni. (DNB.) Der französische Außenminister Barthou ist am Dienstag um 22 Uhr von Belgrad a b g e r e i ft. Zur Verabschiedung hatten sich auf dem Bahnhof u. a. eingefunden der Ministerpräsident und die Mitglieder der Regierung, sowie zahlreiche Senatoren und Abgeordnete und Vertreter des diplomatischen Korps. Große französische Rüstungskredite für Rumänien. London, 27. Juni. (DNB.-Funkspruch.) „Mor- ning Post" meldet aus B u f a r e ft, infolge des Besuches Barthous habe Rumänien eine französische Anleihe von annähernd acht Millionen Pfund Sterling in Form langfristiger Kredite von französischen R ü - stungssirmen erhalten. Die rumänische Armee werde mit modernem Material ausgestattet werden. Es verlaute, daß ein Teil der Ausrüstung der Luftstreitmacht in Großbritannien gekauft werden solle. Aus diesem Grunde werde der rumänische Luftfahrtminister Jrimesca am Mitt- woch nach London abreifen. Frankreich rutscht ab. Rom, 26. Juni. (DNB.) Die Art und Weife, wie Barthou auf seiner Balkanreise gefeiert und geehrt wird, bilden den Gegenstand zum Teil recht sarkastischer Bemerkungen der italienischen Presse. Der Direktor der „Tribuna", Senator For- ges D a v a n z a t i, schreibt u. a. im Leitartikel, die Stellung Frankreichs habe durch die Reise nicht gewonnen. Die Bindungen höherer Art, wie sie der Vertrag von Locarno mit sich gebracht habe, seien durch die Reden Barthous und die kriegerischen Antworten seiner Bal- kankollegen zugunsten Bindungen niedrigerer Art abgeschwächt. Frankreich rutsche ab in Richtung auf eine überwiegend balkanische Ebene. Englische Unterhausmitglieder gegen Barthou. London, 27. Juni. (DNB.-Funkspruch.) In einem von 18 Unterhausmitgliedern unterzeichneten Brief an die „Time s" werden die Bukarester Aeußerungen Barthous über die Fragen der Grenzrevision bedauert. Die Einsender erklären, sie hielten eine Berichtigung der durch den Vertrag von Trianon geschaffenen Grenzen für unvermeidlich und glaubten, daß eine gerechte Regelung der Streitfrage zwischen Ungarn und seinen Nachbarn die Stim- mung beruhigen und einen wirklichen Frieden herbeiführen würde. An der Spitze der Unterzeichner steht der Konservative Sir Roger G o w e r. Oer Friedens-Standpunkt Ungarns. Budapest, 26. Juni. (DNB.) Ministerpräsident G ö m b ö s gab einem Vertreter des Ungarischen Telegraphen- und Korrespondenzbüros folgende Erklärungen: Die Aeußerungen Barthous haben verständlicher Weife große Ueberrafchung, teilweise sogar Bestürzung hervorgerusen. Jene ungarischen Kreise sind besonders enttäuscht, die bisher der Ueberzeugung waren, die auswärtige Politik Frankreichs sei nicht aus Bajonette, sondern auf Gerechtigkeit gegründet. Sie waren stets der Meinung, daß die Außenpolitik Frankreichs das Ziel verfolge, die leider auch heute noch bestehenden scharfen Gegensätze zwischen den europäischen Völkern zu lindern, diese Völker einander näher zu bringen und damit die gerade von den französischen Staatsmännern so sehr betonte europäische Zusammenarbeit langsam und stufenweise vorzubereiten. Die jüngsten Aeußerungen Barthous haben diese Hoffnungen zunichte g e.m a ch t. Der französische Außenminister bekannte sich voll Stolz als offenherziger Mann, der nicht verhülle, was er meine und fühle. Herr Barthou wird also volles Verständnis dafür haben, wenn auch wirruhigundbe- sonnen, aber ebenfalls mit voller Aufrichtigkeit unseren Standpunkt festlegen. Die ungarische Regierung verfolgt, wie dies allgemein bekannt ist, eine friedliche Politik und will ihre Ziele ausschließlich mit friedlichen Mitteln erreichen. Diese Politik wurzelt nicht nur in der Seele der Nation, sondern auch im Fnedensvertrag selbst. Die ungarische Regierung will diese auf gesetzlicher Grundlage beruhende Politik wie bisher so auch in der Zukunft ausschließlich mit friedlichen Mitteln fortsetzen. Dabei wird sie es an derselben Entschlossenheit wie in der Vergangenheit nicht fehlen lassen. Italienischer Floitenbesuch in Albanien. Tirana, 26.Juni. (DNB.) Das erste Geschwader der italienisch en Adriaflotte, bestehend aus 20 Einheiten, ist im Hafen von D u - razzo vor Anker gegangen. Nach der Ankunft begab sich der Vertreter des Geschwaderkommandanten sofort an Land und stattete den albanischen Behörden einen offiziellen Besuch ab. Erinnerungen an Agadir und Korfu. Paris, 26. Juni. (DNB.) Journal des De> bats" bringt die Ankunft eines italienischen Geschwaders vor der albanischen Küste mit der Balkanreise des französischen Außen- m i n i st e r s in Zusammenhang. „Unwillkürlich", so schreibt das Blatt, „stiegen Erinnerungen an Agadir und Korfu auf. Es wäre zu wünschen, daß dieser unvermutete Besuch, der den erstaunten Albanern als Freundschaftskundgebung hingestellt worden sei, keine Folgen habe." Gärt es in Nordafrika? Paris, 27.Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Generalresidenten von Algier und Tunis sind in Frankreich eingetroffen. Die kommunistische „Humanits" behauptet, daß sie mit der französischen Regierung über die starke revolutionäre Strömung in der Eingeborenenbevölkerung Fühlung nehmen werden. In den meisten nordasrikanischen Städten mache sich eine Gärung gegen den französischen Imperialismus bemerkbar. In letzter Zeit hätten 60 000 Personen an Protestkundgebungen teilgenommen. Aus aller Welt. Oer Oelsnitzer Mörder festgenommen. Ein zweiter Ausbrecher erschossen. Plauen, 27. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der Mörder Ottmar, der am Montagabend im Amtsgerichtsgefängnis O e l s n i tz den Hauptwachtmeister Becker erwürgt hatte und dann mit zwei Mitgefangenen ausgebrochen war, konnte noch am Dienstag durch den Oberscharführer der SA. Kurt R e g e n f u ß in der Nähe von Harkneukirchen in einem Getreidefeld fe ft genommen werden. In Otmars Begleitung befand sich der mit ihm geflüchtete Gebhardt. Gebhardt entwich, während Regenfuß den Ottmar festhielt. Ottmar wurde schwer gefesselt nach Plauen eingeliefert. Nach dem Ausbruch aus dem Gefängnis hatten die drei Verbrecher sich kurz hinter Oelsnitz getrennt. Schröter ist in Richtung Bösenbrunn davongewandert. Die «Streifen wurden die ganze Nacht hindurch fortgesetzt. Mittwochmorgen gegen 4 Uhr wurde Geb- yardt bei Erlbach aufgespürt. Der Gastwirt Teubner erkannte Gebhardt, der keine Schuhe und keine Kopfbedeckung trug und rief ihn an. Da der Verbrecher nicht stehen blieb, gab Teubner zwei Schüsse auf ihn ab. Der zweite Schuß traf den Flüchtigen in den linken Oberschenkel. Gebhardt verblutete infolge der Verwundung. Die Leiche wurde nach Erlbach überführt. Schröter ist noch nicht gefaßt worden. Der Stapellauf des Panzerkreuzers „C“ im Rundfunk. Die Reichssendeleitung teilt mit: Am Samstag, 30. Juni, läuft der Panzerkreuzer „C" in Wilhelmshaven vom Stapel. Der Reichssender Hamburg überträgt im Deutschlandsender ab 12.45 Uhr diese Veranstaltung. Nach dery Zusammenschalten der Sender beginnt der Funkbericht ab 12.56 Uhr. Er schildert das Eintreffen des Flottenchefs, das Abschreiten der Front,.die Taufrede des Flottenchefs. Man hört den Taufspruch, anschließend erleben wir den Stapellauf des Panzerkreuzers. Das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied beschließen die Feier. Die für die vorgesehene Zeit angesetzten Wettermeldungen, Konzerte und Nachrichten fallen für alle Sender aus. Delttunstflugmeister Gerhard Fieseier zum Fliegerkapitän ernannt Weltkunstflugmeister Gerhard Fieseler wurde in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um den deutschen Flugsport zum Fliegerkapitän im Deutschen Luftsportoerband ernannt. „Graf Zeppelin" in Pernambuco gelandet. Wie die Deutsche Seewarte mitteilt, ist bas Luftschiff „Graf Zeppelin" gestern um 20 Uhr MEZ. in Pernambuco gelandet. Es wird heute um 11 Uhr MEZ. zu seiner Fahrt nach Argentinien starten. Ehrung eines Fischdampferkapitäns. Dem Kapitän S e i d a ch vom Fischdampfer „Robert de Neufville" wurde die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Kapitän Seidach hatte am 29. November 1933 nm Weißen Meer bei schwerstem Wetter und 9 Grad Kälte den Matrosen Karl Doege, der durch eine überkommende See über Bord gespült wurde, unter Aufbietung aller Kräfte und unter eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet. Bei einem Einbruch den Wächter erschossen. — 12% Iahre Zuchthaus. Das Schwurgericht in Mannheim verurteilte den 22jährigen Friedrich Mayer aus Walldorf wegen versuchten schweren Diebstahls in Tateinheit mit einem Vergehen gegen das Schußwaffengesetz und wegen eines Verbrechens des Totschlags zu einer Zuchthausstrafe von zwölf Jahren sechs Monaten. Der wegen Einbruchsdiebstahls bereits vorbestrafte Angeklagte hatte am 1. Juni v. I. bei einem Einbruch in das Kohlenlager Meteor in Rheinau den 28jährigen Wächter Pfalzgraf, der ihn dabei ertappte, durch zwei Schüsse getötet. Zwei Bergsteiger abgeffürjL — Eine Leiche geborgen. Aus Markt-Oberdorf (Allgäu) wird gemeldet: Der Mühlenbesitzerssohn Hugo Singer aus Rieder bei Markt-Oberdorf und der Schneider Franz Bock aus Markt-Oberdorf begaben sich am Samstag an den Geiselstein, um diesen erstmals an der gefährlichen Nordwand zu ersteigen. Bis Sonntag mittag wollten die beiden zurück fein. Als sie aber in der Nacht zum Montag noch nicht heimgekommen waren, wurde am Montag eine Rettungsexpedition aus Markt-Oberdorfer und Füssener Bergsteigern abgesandt, der es nach langem Suchen aelang, am Montag Hugo Singer vollständig zer- schmettert zu bergen. Sein Freund konnte bisher noch nicht gefunden werden. Der Absturz ist auf einen Riß des Seiles zurückzuführen. Schweres Schadenfeuer im Schloß Batocki. Im Schloß Bledau bei Cranz (Ostpreußen), das dem früheren Ernährungsminister Dberpräfibent a. D. von Batocki gehört und von diesem an das Königsberger „Krankenhaus der Barmherzigkeit" als Erholungsheim für Diakonissen verpachtet ist, kam am Dienstagmittag, durch einen schadhaften Schornstein verursacht, Feuer aus. Der Brand wurde erst entdeckt, als hohe Flammen aus dem nördlichen Flügel des prachtvollen riesigen Barockschlosses schlugen. In wenigen Minuten hatte das Feuer den gesamten Dachstuhl des Schlaffes in ein Flammenmeer verwandelt. Sämtliche freiwillige Feuerwehren der Umgebung, auch die Königsberger Wehren, waren angerückt. Trotzdem brannte das Obergeschoß völlig aus. Schloß Batocki brannte bereits vor etwa 10 Jahren einmal bis auf die Grundmauern nieder und wurde von feinem Besitzer, Herrn von Batocki, seinerzeit wieder völlig neu aufgebaut. Internationale Fälscheraffäre aufgedeckt. Die Wiener Polizei ist einer großangelegten internationalen Fälscheraffäre auf die Spur gekommen. Durch einen Zufall wurde feftgeftellt, daß in den letzten Tagen gefälschte Schuldverschreibungen der internationalen österreichischen Bundesanleihe von 1930 (nicht zu verwechseln mit der österreichischen Völkerbundsanleihe) in Umlauf gesetzt worden sind. Es handelt sich um die internationale Anleihe,über die die österreichische Regierung seit 1924 verhandelt hatte und deren Schuldverschreibungen an sämtlichen großen Börsen notiert werden. Die Polizei hat bisher eine Person verhaftet. Nach den Ermittlungen scheinen die Fälschungen von einem weitverzweigten internationalen Fälscherkonsortium auszugehen, das seinen Sitz im Auslande hat. Die Wiener Polizei hat sich daher unverzüglich an die zuständigen Behörden der benachbarten Länder mit dem Ersuchen gewandt, ihrerseits die Nachforschun- gen in Hand zu nehmen. Eine Spur führt nach Brünn. Zahlreiche Opfer der Ueberschwemmungen in Indien. Nach Meldungen aus der Indo-Britischen Präsidentschaft Assam werden in den überschwemmten Gebieten Hunderte von Personen vermißt. Ein Dampfer mit zahlreichen Reisenden an Bord ist in der Gegend von Gauhatti gestrandet. Alle Passagiere ertranken. Dampferkollision im Hafen von Lorienl. Sechs Tote. Im Hasen von Lorie nt hat am Dienstag- abend der auslaufende kleine Dampfer „Profpöritö" mit 200 Passagieren an Bord, alles Arbeiter der Hafenverwaltung und des- Arsenals, den heimkeh- renden kleinen Dampfer „Marie-Ange" gerammt. Der Schiffszusammenstoß hat sechs Tote und sechs Verletzte als Opfer gefordert. Von den Dampfern blieb einer bei dem Zusammenstoß unversehrt, während der andere leck geworden mar und anfing, Wasser zu fangen, so daß der Kapitän ihn auf Strand setzte. Bei den Toten und Verletzten handelt es sich um Arbeiter, die auf dem Heimweg begriffen waren. Urlaub für alle Reichs- und Gauredner Berlin, 27. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Reichspropagandaleiter der NSDAP, gibt laut NSK. bekannt: Der Kampf gegen die Nörgler und Miesmacher nimmt mit dem 3 0. Juni fein Ende. Er hat in feiner zweimonatigen Dauer eine unerhörte, weit über das normale Maß hinaus- gehende Beanspruchung unserer Reichs- und Gauredner notwendig gemacht. Um ihnen die für die Herbst- und Winteranforderungen notwendige Ausspannung zu geben, ordne ich hiermit für den getarnten Monat Juli, entsprechend dem SA.- Urlaub und der Anweisung des Stabsleiters der PO. betreffenb Urlaub für die politischen Leiter, sowie Amtswalter der angeschlossenen Verbände und der Gemeinschaft „Kraft durch Freude" für alle Reichs- und Gauredner Urlaub an. gez. Dr. Goebbels, Reichspropagandaleiter. Wettervoraussage. Ein Hochdruckgebiet hat sich über Südwesteuropa aufgebaut und wirkt zunächst etwas beruhigend auf bie Wetterlage ein. Da aber das Jslandtief sich weiter ostwärts bewegt, wird an feiner Südseite wieder ozeanische Lust nach dem Kontinent vorgeschoben, was stellenweise Anlaß zu gewitterhaften Niederschlägen geben dürfte. Im großen ganzen wird sich aber das Wetter ziemlich freundlich und warm gestalten. Aussichten für Donnerstag: Teils mol- tig, teils aufheiternd, schmül, stellenmeise noch Neigung zu geroittrigen Niederschlägen. Aussichten für Freitaa: Im ganzen freundliches, aber noch kein beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 26. Juni: mittags 18.9 Grad Celsius, abends 16,1 Grad, am 27. Juni: morgens 16,6 Grad. Maximum 20,7 Grad, Minimum 13,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 26. Juni: abends 19,5 Grad; am 27. Juni: morgens 18,0 Grad Celsius. — Nieder- schlage 1,3 Millimeter. — Sonnenscheindauer 1,3 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lang«. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verant» mvrtlich für Politik und Feuilleton: I. V.: Ernst Blumschein, für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämttich in Gießen. Deutsche Kolonial-Gedenkmarken. Die neuen Marken, die anläßlich der Kolonial-Gedenkfeiern von der Reichspost heraus- gegeben werden. Sie zeigen die Köpfe von Männern, die sich um den Erwerb der früheren deutschen Kolonien besonders verdient gemacht haben. So trägt die 3-Pfennig-Marke das Bildnis von Franz Lüde ritz, die 6-Pfennig-Marke das von Gustav Nachtigal, die 12-Pfennig-Marke das von Karl Peters und die 25-Pfennig-Marke das von Hermann von Wißmann. Oberheffen. Kreis Schotten. # Ulrichstein, 26. Juni. Gestern abend schlug hier der Blitz in eine der hohen Fichten, welche unterhalb der Stadt die Ohmstraße säumen. Der Baum wurde so stark beschädigt, daß er beseitigt werden mußte. Kreis Lauterbach. LPD. Lauterbach, 26. Juni. In der Nähe des Schlosses Eisenbach bei Lauterbach ereignete sich beute mittag ein tödlicher Motorradunfall. Der 20jährige Angehörige des Arbeitsdienst- laaers Alsfeld Geora Salz mann aus Bad-Nau- heim verlor aus unyekannten Gründen die Gewalt über seine Maschine; er stürzte und blieb tot liegen. Daten für Donnerstag, 28. Juni. 1813: der preußische General Gerhard v. Scharnhorst in Prag an einer bei Großgörschen erlittenen Wunde gestorben (geboren 1755); — 1865: der Dichter Otto Julius Bierbaum zu Grünberg (Schlesien) geboren (gestorben 1910); — 1914: Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand von Oesterreich-Este (geboren 1863) und seine Gemahlin in Serajewo ermordet; — 1919: Unterzeichnung des Diktates von Versailles. Kunst und Wissenschaft. Kreis Friedberg. LPD. Friedberg, 26. Juni. In. einem dichten Waldstück bei B u r g - G r ä f e n r o d e in der Nähe von Ilbenstadt wurde gestern eine männliche Leiche aufgefunden, die nach der bereits eingetretenen Verwesung schon seit längerer Zeit dort gelegen haben muß. Wie die Ermittlungen ergeben haben, handelt es sich um die Leiche des 26jährigen Schlossers Max P re scher aus der Gegend von Neiße (Schlesien), der auf Wanderschaft war. Nach dem vorliegenden Beweismaterial hat der Mann, der krank und in den Kliniken von Gießen und Marburg in Behandlung war, s i ch mit Veronal vergift et. Kreis Büdingen. * Nidda, 26. Juni. Bürgermeister Heinrich Rullmann, der bereits seit einigen Monaten beurlaubt ist, hat dieser Tage ein Gesuch an das Kreisamt eingereicht und um Versetzung in den Ruhe st and gebeten. Bürgermeister R u l l - mann wird am 1. Januar des kommenden Jahres 60 Jahre alt. Er hat in etwa vierjähriger Arbeit in der Leitung unserer Gemeinde mit großer Tatkraft gewirkt. Die Errichtung der Realschule, die Fertigstellung des Ortsbauplanes, die Anlegung vieler Wege, die Herstellung des Straßenzuges Bahnhofstraße—Ludwigstraße, die Niddaregulierung, die Umwandlung des alten Friedhofs in einen Park, der Ausbau der Kraftschen Brauerei zum Arbeitsdienstlager und nicht zuletzt die Schaffung des Schwimmbades find seiner Initiative zu danken. Bürgermeister R u l l m a n n stellte stets seine ganze Arbeitskraft in eifrigem, selbstlosem Streben dem Wohl der Gesamtheit zur Verfügung. Kreis Alsfeld. N. M e r l a u , 26. Juni. Am vergangenen Sonntag fand im Stützpunktbezirk Merlau bei Gastwirt Hörle eine öffentliche Versammlung statt, die im Zeichen des Kampfes gegen die Miesmacher stand. Stützpunktleiter Pg. Münch eröffnete die Versammlung. Der Redner Pg. Scheiber (Vadenrod) schilderte in klarer Weise das Werk der Miesmacher, Nörgler und Kritiker, die in allen Ständen heute noch vertreten seien. Mit einem Siea-Heil auf den Führer und mit dem gemeinsam gesungenen Deutschlandlied fand die Versammlung ihren Abschluß. # Ober-Ohmen, 25. Juni. Don der Wirtschaft „Zur Krone" aus bewegte sich am Samstagabend unter dem Vorantritt des Spielmannszuges des Jungvolkes die Jugend und ein Teil der Einwohnerschaft in geschlossenem Zug nach dem hochgelegenen Punkt an der „Eidache", um dort an einem riesigen Feuer Sommersonnenwende zu feiern. Ortsbauernführer Jäger bewillkommnete die Erschienenen und unter dem Gesang „Flamme empor" loderte alsbald der mächtige Holzstoß in hellen Flammen auf. Sodann ergriff Lehrer Jung das Wort zu einer Ansprache, in der er auf die Bedeutung und den Sinn des Sonnenwendfeuers hinwies: Wenn heute auf allen Bergen in Deutschland Freudenfeuer brennen, so sollten wir angesichts der Flammen immer daran erinnert werden, daß uns ein Mann vor dem Unsinn des Kommunismus bewahrt habe. Ihm und allen denen, die im braunen Ehrenkleid ihr Leben gelassen hätten, gebühre unser Dank. Aber gleichzeitig wollten wir auch in dieser Stunde der Toten des Weltkrieges gedenken durch gemeinsamen Gesang des Liedes „Ich hatt einen Kameraden". Nachdem das Lied verklungen war, erinnerte Lehrer Jung an den großen Brand vom vergangenen Montag, wobei sich wahre Volksgemeinschaft gezeigt habe. Mit erhobener Hand leisteten hierauf alle Anwesenden unter Vorspruch des Redners den Schwur „Laßt uns sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen noch Gefahr ..." Gemeinsam sangen dann alle Teilnehmer das Deutschlandlied und den ersten Vers des Horst- Wessel-Liedes. Die Goethe-Medaille für Professor Dr. John Meier (Freiburg). Reichspräsident von Hindenburg hat dem Vorkämpfer für die deutsche Volkskunde, dem Universitätsprofessor Dr. John Meier in Freiburg, zu dessen 70. Geburtstag die große goldene Goethe- Medaille verliehen. Die Verleihung bedeutet eine ehrenvolle Anerkennung der großen Verdienste John Meiers um die wissenschaftliche Erforschung und die Pflege deutschen Volkstumes, vor allem des Volksliedes. Berliner Frühbörse. B e r l i n, 27. Juni (DNB. Funkspruch). Im vorbörslichen Frühverkehr bildete die neue Steuerreform das Hauptgesprächsthema. Man b e • grüßte d i e großen Grundlinien des Steuerplanes, die schon jetzt eine wesentliche Verbesserung erkennen lassen und zweifellos auch zu einer vollen Wiederherstellung der Steuerehrlich, feit führen werden. Der Passus über die Ermäßigungen der Steuerschuld bei Instandsetzungen oder Ergänzungen dürfte nicht nur im weiteren Kampf gegen die Verminderung der Arbeitslosigkeit einen Erfolg versprechen, sondern auch für die Unternehmungen selbst Froße Erleichterungen bringen. Die Möglichkeit einer Erhöhung der Börsenumsatzsteuer zwecks Unterbindung wilder Aktienspekulationen fand Beachtung, dürfte aber im Augenblick weniger stören, da die F e st i g k e i t der Aktien in den letzten Wochen zu einem großen Teil auf Auslandskäufe zurückzuführen ist. Interesse zeigte sich für Brauereiwerte auf die zu erwartende Senkung der Biersteuer. Farben wurden mit etwa 150 taxiert. Renten lagen ruhig. Man wartet ab, ob in der nächsten Zeit eine Entscheidung in der Zinsfrage fällt. Der Dollar war mit 2,502, das Pfund mit 12,60 und London-Kabel mit 5,03 zu hören. Ins Reichsernähnmgsnnnisterium berufen. Werner W i l l i k e n s, der Präsident des Reichs- landbundes, wurde — unabhängig von seinem Posten als Staatssekretär im Preußischen Landwirtschaftsministerium — im Zuge der Reichsreform ins Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft berufen und mit der Leitung zweier Abteilungen betraut. Max Pattenberg f. Auf dem Karlsbader Flugplatz ereignete sich Diens- tag mittag eine folgenschwere Flugzeugkatastrophe. Ein Flugzeug der tschechoslowakischen Aero-Linie verlor kurz vor der Landung als sich die Maschine schon über dem Flugplatz befand, ein Steuer. Das Flugzeug stürzte aus etwa 100 Meter Höhe herab und bohrte sich tief in die Erde. Der Flugzeug- führer und die beiden Fahrgäste wurden getötet Einer der Fahrgäste war der Schauspieler Max Pallenberg. Jakob Müller, Gastwirt im Alter von 68 Jahren. Heuchelheim, den 27. Juni 1934. In tiefer Trauer: 3801 D Gießen (Rodheimer Str. 81), den 26. Juni 1934. Die Beerdigung findet Freitag, den 29. Juni, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 3814 D Gießen, den 26. Juni 1934. 03248 03253 Großes Tuner-u. Schilzeofesl ii Friedberg Elise Schmidt und Kinder. 03247 vom 30. Juni bis 2. Juli. aeioD lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Unterfertigter bedauert das Ableben ihres 1b. A. H. Mietgesuche [ Gießen, den 27. Juni 1934. 3812 D iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiy Wegzngshalber billig zu verkauf. 1 hochfein.Schlaf- zimm..sehr wenig gehr., 1 Bücher- sehr. n. Schreibtisch,Sessel.eich. Kticheneinrichtg. 1 Gasherd n. v. a. Wo? sagt die Geschäftsstelle des Gieß.Anz. oazeo 2-Zim.Wohn. oder 2-3 leere Zimmer auch Gartenhaus Mansarde, von alleinsteb. Dame (Dauerm.) ges. Preisoffert. unt. 03254 a.d.G.A. Dr. Ploch Dr. W. Klein Geld leibt Ibn. d. Wirschaftshilfe. Staatl. beanfs. Unverbdl. 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Josef Gentner. Kt. IV Drittes Blatt Siebener Anzeiger (Semral-Anzrlg« für Sberhesien)Mittwoch, rr. Mi Die Ermordung des Erzherzog-Thronfolgers Kan; Ferdinand. Gerajews, 28. Juni 1914,10 Llhr vormittags. — Europas blutige Zeit hebt an. — Die Augenzeugen berichten. PUG. „Siehst du, so fängt es an: zuerst heißgelaufene Waggons, dann ein Attentat in S e r a j e w o , und wenn das olles nichts hilft, eine Explosion auf dem Dampfer Viribus unitis." Diese Worte spricht fünf Tage vor ihrem Tode in Sera- jewo die Herzogin von Hohenberg, die Gemahlin des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand, als man bei der Abreise von Chlumetz in Böhmen nach Serajewo die Mitteilung erhält, daß der Salonwagen des Erzherzogs infolge Heißlaufens der Lager nicht benutzbar ist. Beim Verlassen von Schloß Chlumetz nehmen Eltern und Kinder, ohne daß sie es wissen, Abschied fürs Leben. Als die Kinder acht Tage später nach Wien kommen, stehen sie in ter Burgkapelle vor Zwei festverschlossenen Särgen... Am 23. Juni spät abends fährt der Erzherzog von Wien über Triest nach Serajewo ab. Am 24. folgt ihm die Erzherzogin über Budapest. Sie trifft am 25. Juni 9 Uhr in Jlidze ein, um 15 Uhr treffen beide in Jlidze wieder zusammen. Am 26. und 27. ist der Erzherzog im Manöver, die Herzogin macht Besuche in Serajewo; die Reise ist „offiziell", der Erzherzog vertritt den Kaiser und teilt sich mit seiner Gattin in die repräsentativen Aufgaben. Am 27. abends ist große Hoftafel in.Jlidze. Nach dem Diner bleibt ein intimer Kreis um den Erzherzog, dessen besonders gute Stimmung auffällt. Als man zur Ruhe geht, hat bereits der 28. Juni begonnen. Die strahlende Sommersonne dieses Tages, als sie bald danach aufgeht, weiß nicht, daß ihr Untergang Alt-Oesterreichs Abendrot werden soll; sie weiß nicht, daß von diesem Tage ab der Untergang einer in Jahrhunderten gewordenen Menschenwelt datiert werden wird. Frühmorgens am 28. läßt der Erzherzog seinen Dienstkämmerer Freiherrn vo n Morsey rufen und diktiert ihm zwei Telegramme, eins davon an seine Tochter Sophie. Dann geht er zur Messe, die Herzogin empfängt die Kommunion, darauf gehen beide mit ihrer Begleitung zum Bahnhof Jlidze. Um 9.30 Uhr bringt der Hofsonderzug das Herzogspaar mit seiner Suite nach Serajewo. Dort erwartet der Gouverneur von Bosnien, General von Poti o re k, den Erzherzog. Man besichtigt zuerst das Philipovic-Lager, dann werden die Automobile bestiegen; im ersten fahren die Hoheiten mit General Potiorek, auf dem Vorderplatz sitzt neben seinem Chauffeur der Eigentümer des Wagens, Graf Franz Harr ach. Fünf weitere Wagen folgen. Als die Postdirektion erreicht ist, ertönt eine schwache Detonation. Man sieht einen Mann ins Wasser springen, und halb links vorn beim zweiten Auto erfolgt mit großer Gewalt eine Explosion. Eine Bombe ist geworfen worden. Der Erzherzog hat sie, die der Attentäter — Cabrinovic — von unten herauf, um ganz sicher zu treffen, langsam in das vorbeifahrende Auto geworfen hat, auf sich zufliegen sehen, beherscht sich aber vollkommen, um die ahnungslose Herzogin nicht zu erschrecken, und streift die Bombe mit dem Handrücken ab. Sie fällt auf das offene, weiche, federnde Wagendach, rollt von da auf den Boden und explodiert halb unter dem Vorderteil des zweiten Wagens. Die Herzogin ist von einem Splitter im Gesicht getroffen, Oberstleutnant von Merizzi im zweiten Wagen blutet heftig aus einer Wunde am Hinterkopf. Gräfin Can jus, selbst von einem Eisensplitter im Gesicht getroffen, gerät trotz der ungeheuren kritischen Situation nicht in Verwirrung, sondern stillt mit ihrem Taschentuch dem Verletzten das in Strömen herabfließende Blut. Graf Boos, der Besitzer des zweiten Wagens (der zerstört ist), ist von mehreren Bombensplittern getroffen, viele Passanten tragen mehr ober minder schwere Verletzungen davon. Der Erzherzog läßt sofort halten und erkundigt sich, ob seiner Suite nichts geschehen fei. Der Attentäter, der, auf feine Hände gestützt, im seichten Flußwasser liegt, wird sofort festgenommen und am anderen Ufer ans Land gebracht. Vor dem Rathaus soll der offizielle Empfang ftattfinöen. Dort steht der Bürgermeister und will seine Begrüßungsrede halten. Der Erzherzog, der zuerst den Wagen verlassen hat, ist maßlos erregt, aber er beherrscht sich meisterhaft. Doch ganz kann *x nicht schweigen. Ehe der Bürgermeister den Mund öffnet, sagt der Erzherzog zu ihm: „Was ist das, Herr Bürgermeister? Man kommt in Ihre Stadt, um Sie zu besuchen, und da wird man mit Bomben empfangen!" Dann faßt er sich schnell und fügt hinzu: „So, jetzt können Sie Ihre Rede halten!" Während der langen Ansprache, die von herzlichem Willkommen und unwandelbarer Treue handelt, steht der Erzherzog mit grimmigem Gesichte da, dann lieft er von einem Blatte mit kalter Stimme seine Erwiderung herunter und begibt sich, am Arm die Herzogin, in das Vestibül des Rathauses. Die Herzogin wird in den ersten Stock geführt, wo türkische Damen zu ihrer Begrüßung erschienen sind. Eine kleine Türkin überreicht ihr einen Blumenstrauß. Der Erzherzog sendet Baron von Morsey zu ihr mit dem Auftrag, sie zu holen und in das Schloß zu fahren. Die Herzogin weigert sich mit den Worten: „Solange der Erzherzog sich heute in der Oeffentlicy- keit zeigt, verlasse ich ihn nich t." Inzwischen bespricht das Gefolge, was zu tun ist. Der Erzherzog fragt: „Was tun wir jetzt? Wird das mit dem Bombenwerfen so weitergehen? Oder werden wir totgeschofsen werden?" Der Landeshauptmann erwidert: „Ich garantiere, daß kein Attentat mehr geschieht. Die Täter sind sämtlich verhafte t." — „Na", sagt Franz Ferdinand, „man wird sie wohl eher mit dem Verdienstkreuz aus- zeichncn." Es wird beschlossen, nicht mehr durck) die innere Stadt, sondern direkt zum Schloß zu fahren. Herr von Bardolff, aus dem Gefolge des Erzherzogs, resümiert noch einmal die von General Potiorek angegebene neue Fahrstrecke und ersucht den Polizeikommissar, sie genau zu wiederholen. Der aber ist erregt und eilig, überhört das Ersuchen und springt mit einem kurzen: „Ja, ja, gewiß!" zur Tür hinaus und zu seinem Auto hinunter. Dies ist das ausschlaggebende Moment, das den äußeren Um st and der Attentatsmöglichkeit auslöst! Die Autos werden wieder bestiegen. Voraus fährt ein Führerauto mit dem Bürgermeister und dem Polizeikommissar; dieser, der vorher schlecht zugehört hat, vermeidet nicht die vorher genau erwähnten, zu vermeidenden Gassen, sondern bi e g t im G e - genteil in diese ein. Auf dem Wagen des Erzherzogs, seitlich auf dem Trittbrett, steht Graf Harrach, um den Erzherzog zu decken. General Potiorek sieht den verhängnisvollen Fahrtirrtum und ruft: „Halt! Was ist denn los? Was mein einst war... Vornan von Klothilde von Stegmann. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) 15 Fortsetzung Nachdruck verboten! Das Auto, das Edele gehört, war Siemens Wagen gewesen. Bald saß er in dem kleinen Wohnzimmer Miß Crab gegenüber. „Ich habe mich ganz plötzlich entschlossen, hierher zu kommen, weil ich mit Ihnen, Miß Crab, über Edele reden möchte. Ich habe die Absicht, sofern Edeles Erziehung zu einer Dame von Welt vollendet ist, sie hier fortzunehmen. Selbstverständlich würde ich Sie für den vorzeitigen Verlust Ihrer Pensionärin entschädigen", fuhr er verbindlich fort, denn er sah einen enttäuschten Ausdruck in Miß Crabs knochigen Zügen. Da lächelte Miß Crab und beteuerte, daß Edele wirklich eine Lady comme il taut geworden — und was ihr an gesellschaftlicher Sicherheit fehlen mochte, das würde sie sehr schnell lernen. „Ich habe kaum eine junge Dame gehabt, Herr von Siemen", beteuerte Miß Crab, „ die so viel natürliche Anmut und geistige Fähigkeiten gehabt hat. Auch im Charakter ist sie sehr sanft und fügsam gemorden, mährend mir zuerst mit ihrem heftigen Temperament doch zu schaffen hatten. Aber sie hat sich bald in unsere Erziehungsmethoden gefügt." Es gab noch Verschiedenes zu besprechen, bis alles klar mar. Herr von Liemen mollte also, so sagte er zum Schluß, in den nächsten Tagen Edele von einer oertrauensroürbigen Gesellschafterin, die er hierfenden mürbe, abholen lassen und zunächst nach einem eleganten Kurort schicken, damit sie sich langsam an das große Leben draußen gemöhnte. Aber immer noch mollte er selbst im Hintergründe bleiben und auch aus diesem Grunde diese Nacht noch abreisen. „Allerdings", so fügte Liemen hinzu, „eins be- ba'ure ich, daß ich meine kleine Schutzbefohlene nicht sehen kann. Ich müßte doch gern, mie sie in Wirklichkeit gemorden ist. Bilder können schmeicheln und geben nie den richtigen Eindruck." Miß Crab sah Liemen mit einem eigentümlichen Blick in die Augen, bann erhob sie sich schmeigend unb rointte, ihm zu folgen. Sie entnahm einer Schublabe eine kleine, ab- geblenbete Lampe unb ging vorsichtig vor ihm her durch die nächtlich stillen Gänge. Vor einer Tür machte sie Halt unb öffnete sie unhörbar. Liemen folgte mit leisem Schritt. Beim Schein der abgeblenbeten Lampe sah er ein schlafenbes, junges Mäbchen von überirbischer Schönheit, mit einem Gesicht, mie man es auf Bilbern alter Meister finbet. Ebele lag, die zarte Wange in den schlanken Arm geschmiegt, in ihrem Bett, ihre langen Wimpern zitterten in leisem Atem. Der Mund mar zmischen Kindlichkeit und Ermachtsein mie eine kostbare Frühlingsblüte. Das ganze atmete einen unbeschreiblichen Hauch von Reinheit und Schönheit. Fühlte die junge Schläferin den Blick des Mannes? Sie mürbe unruhig; ein Seufzer brang über bie leicht geöffneten Lippen. Leise trat Liemen zur Tür zurück. Miß Crab folgte ihm, ihr Licht vorsichtig mit ben Hänben schirmenb. „Habe ich zu viel gesagt, Mister Liemen, menn ich Ihnen von ber ungemohnlichen Schönheit Ebeles schrieb?" „Sie roirb eine munbervolle Frau roerben unb mirb ganz bas Zeug bazu haben, bie Rolle zu spielen, bie ich ihr an meiner Seite zugebacht habe!" gab Liemen zur Antmort. Ein grausames Lächeln entblößte seine sehr großen, sehr meißen, tabellosen Zähne. In bem Augenblick, in bem er biefe junge Mäbchenknospe gesehen, mar auch Lous Geschick entschieben * Wenige Tage barauf mürbe Ebele in bas Sprechzimmer von Miß Crab gerufen. Sie erschrak heftig. Was hatte sie begangen? Denn ein solcher Ruf zu Miß Crab verhieß nichts Gutes. Als sie aber angsterfüllt unb zaghaft nach kurzem Anklopfen ins Zimmer trat, roanbte sich Miß Crab mit einem ganz ungemohnt freunblichen Ausbruck im Gesicht nach ihr um. „Setzen Sie sich hierher, Ebele!" gebot sie. „Ich habe Ihnen eine Eröffnung zu machen, bie Ihnen sicherlich nicht unangenehm sein roirb. Ich Ijabe Ihrem ungenannt sein rooüenben Gönner berichtet, baß Ihre Erziehung hier bei uns abgeschlossen ist, unb baß ich es für angezeigt halten würbe, wenn Sie nun einmal in bas wirkliche Leben hinauskämen. Ihr Gönner hat baraufhin beschlossen, Sie unter Begleitung einer von ihm ausgewählten Gesellschaftsbame von hier fortzunehmen unb zunächst auf Reisen zu schicken. Halten Sie sich bereit, schon morgen mit ber Dame, bie ankommen roirb, zu fahren, zunächst nach Deutschland, nach Baben- Baben, roo Sie bas Leben ber großen Welt kennenlernen sollen." Mit ungläubigen Augen hatte Ebele ber Rebe von Miß Crab zugehört. Nun begann sie zu zittern: „Ich soll fort von hier, fort...?" fragte sie leise unb stockenb. Als Miß Crab nickte, stürzten Tränen aus Ebeles Augen: „Enblich! Enblich!" flüsterte sie, unb nun zog über ihr liebliches Gesicht ein Ausbruck seliger Hoffnung. Mit eigentümlicher Miene, in bie sich beinah etwas Schabenfreube mischte, sah Miß Crab ben fassungslosen Jubel bes jungen Mäbchens. „Sie scheinen ja sehr glücklich, von hier fortzukommen", sprach sie schneibenb. „Nun, hoffentlich sehnen Sie sich nicht noch einmal nach Crab-Cottage zurück!" Da richtet- sich Edele. hoch auf. Das Gedrückte, Wir fahren ja falsch!" Man ist an der Ecke angekommen, wo bie Franz-Joseph-Straße vom Quai abbiegt, unb ber Führerwagen biegt oom Quai in die Franz-Joseph-Straße ein. Der zweite Wagen ist dicht hinter ihm. Er stoppt einen kleinen Augenblick ganz nahe am Bürgersteig ab. Wie der Fahrer zum Hebel greift, um zu wenden, kracht in die lauten Rufe des Volkes hinein ein Schuß, ein zweiter, ein dritter. Der Laut der Schüsse ist nur schwach. Es scheint, als hätten sie ihr Ziel verfehlt. Sie kamen von rechts vorn, von der Seite der Herzogin her. Graf Harrach steht auf der linken Seite. Der Landeschef ruft: „Schnell zum Schloß!" Während das Auto anfährt, fällt die Herzogin ihrem Gatten an die Brust und dann auf den Schoß. Der Erzherzog sinkt im Wagen zurück und bleibt in dieser Stellung bis zur Ankunft im Schloß. Die Herzogin scheint ganz unverletzt, dem Erzherzog schießt ein Blutstrom aus dem Munde in das Gesicht des Grafen Harrach. General Potiorek versucht, die beiden Getroffenen aufrecht zu halten. Der Wagen rast in der Richtung zum Schloß. Die Herzogin ist bewußtlos. Franz Ferdinand will noch sprechen: „Sopherl, Sopherl, stirb mir nicht, bleib für unsere Kinder!" hort Graf Harrach ihn lallen. Sie hort ihn nicht mehr, sie droht vornüber zu fallen, aus dem Unterleib rinnt in Stomen das Blut. Man fährt am Schlosse vor. Die Offiziere des Gefolges tragen den Erzherzog hinein; er lebt noch, aber er ist bewußtlos. Der Chauffeur trägt die Herzogin ins erste Stockwerk. Sie ist schon tot, aber man weiß es noch nicht. Man bemüht sich um sie, entkleidet sie und holt Aether aus der Apotheke. Der Thronfolger atmet noch, doch nur ganz leise. Sein Puls ist kaum noch zu spüren. Die rechte Schlagader dicht am Hals ist zerrissen. Die Aerzte und die Offiziere trennen mit fieberhafter Hast die Kleider des Erzherzogs auf. Mit einer Schere wird das Hemd aufgeschnitten, man setzt den Erzherzog auf, ein Blutstrahl schießt aus seinem Munde, der nachlassende Druck des Blutes verschafft ihm Erleichterung. Die Atmung wird wieder sichtbarer. So gibt man die Hoffnung nicht auf. Die Aerzte wollen den Erzherzog ins Garnison- Hospital bringen, um ihn zu operieren. Man spricht zu dem Blutenden und fragt ihn, ob er Aufträge an seine Kinder habe. Von feinen erstarrenden Lippen kommt keine Antwort. Es ist kurz vor 11 Uhr, als der Regimentsarzt Dr. Peyer sagt: „Hier ist jede menschliche Hilfe ausgeschlossen. Seine Kaiserliche Hoheit hat ausgelitte n." Ihn hat die erste Kugel getroffen. Die zweite, die General Potiorek treffen sollte, ist. durch bie Autowand schlagenb, ber Herzogin in ben Leib gebrungen, hat bie Bauchschlagaber burchschossen unb ihren sofortigen Tob herbeigeführt. Ein Geistlicher erscheint unb spenbet bem Erzherzog bie letzte Oelung. Von Priestern begleitet erscheint ber Erzbischof Stäbler im Schloß und verrichtet bie üblichen Gebete für die Toten. Spät abends erfolgt die Obduktion, danach die Einbalsamierung durch den Leibfriseur des Thronfolgers. „Das Antlitz des Erzherzogs ist finster, wie es kurz vor seinem Verscheiden gewesen war; das Gesicht der Herzogin trägt das starre Lächeln, das dem Publikum gegolten hatte." Der Mörder, Gavrilo Princip, hat, als er seine Tat gelungen sieht, den Revolver an den Kopf gehoben, um sich mit dem nächsten Schuß selbst zu töten. Baron Greyn und Baron von Morsey stürzen sich auf ihn und versetzen ihm mehrere Säbelhiebe. Von allen Seiten regnet es Schläge auf ihn, Polizisten, Offiziere und Zivilisten schlagen auf ihn ein. Es entsteht ein Handgemenge, an dem sich auch die Komplizen des Mörders beteiligen. Dabei benimmt sich die Polizei teils provokant, teils ungeschickt unb hinbert selbst bie Männer aus ber Umgebung bes Erzherzogs an ber Verhaftung bes Mör» bers. Dann überwältigt man ben Attentäter und schleppt ihn blutüberströmt zur Polizeistation. In ben nächsten Stunben jagen bie Telegramme mit ber grauenvollen Nachricht aus bem Konak von Serajewo in alle Welt. Als ber Tag zu Enbe geht, wissen nur wenige, baß man von ihm aus ben Beginn einer Weltwenbe rechnen roirb ... Was heißt: Arab fera stop? Briefe, die sie doch erreichten. — Oie Detektei der Reichspost. In einem kleinen schlesischen Dorf gab vor einiger Zeit ein Einwohner einen Brief auf, auf besten Umschlag als Empfangsangabe zu lesen war: Herrn Schulze, ber im Jahre 1912 an ber Ecke Frieb- rich- unb Karlstraße in Berlin gewohnt hat. Es vergingen noch keine brei Tage, ba hänbigte ber zuftanbige Berliner Briefträger bem besagten Herrn Schulze bas für ihn bestimmte Schreiben aus. Wie ist es möglich, fragt man, baß bie Post in ber Lage ist, in einer 4-Millivnen-Stabt einen Menschen ausfindig zu machen, besten Abresse ihr noch nicht einmal annähernb bekannt ist. In ben Räumen bes Berliner Hauptpostamtes in ber Königstraße befinbet sich bie Postaus - Funftsftelie, bie größte Deutschlanbs. Sie bient nicht nur ber Erforschung mangelhaft adressierter Sendungen, sondern steht bem Publikum zu jeber Art von postalischen Auskünften kostenlos zur Verfügung. Drei Beamte haben vom frühen Morgen bis in bie späten Nachmittaasstunben hinein all ben Fragestellern gewissenhaft Rebe unb Antwort zu stehen. Telephonisch, brieflich unb münblich müssen bie seltsamsten Dinge für bie wißbegierigen Kunben ermittelt roerben. Das Entgegenkommen ber Beamten geht sogar so weit, baß sie die oft sehr törichten Fragen bes Publikums, bie mit biefer Stelle eigentlich gar nichts mehr zu tun haben, nach Möglichkeit zu beantworten versuchen. Da mochte zum Beispiel einer wissen, ob es in Berlin einen Verein ber „Dickleibigen" gäbe. Er wirb an bas Reichsgesunbheitsamt verwiesen, roo er vielleicht inzwischen erfahren hat, ob es in ber Reichshauptftabt einen berartigen Klub gibt. Eine junge Dame interessiert sich bagegen für ben augenblicklichen Stanbort bes Liliputanerpostamtes. Der ausfunfterteilenbe Beamte hält biefe Frage Der» stänblicherroeise im ersten Augenblick für einen reichlich verspäteten Aprilscherz, erfährt bann aber von seinem Vorgesetzten, baß es tatsächlich ein Postbüro für Liliputaner gäbe, bas als befonbere Sehenswürdigkeit auf Rummelplätzen und Jahrmärkten gezeigt wird. „Sagen Sie, können Sie mir nicht einen guten Rechtsanwalt empfehlen", fragt eine tiefe Männerstimme, während am Nebenapparat jemand wissen möchte, ob „Lucien" ein männlicher ober weiblicher Vorname ist. Kaum hat ber Beamte ben Hörer aufgelegt, ba ertunbigt sich ein Berliner Hotel, was ein Telegramm mit ben geheimnisvollen Worrten Arab fera st o p zu bebeuten habe. Es wird die Auskunft erteilt, daß dieser Satz aus dem Hoteltelegrammschlüssel stammt «mb in der Übersetzung bedeutet: Zimmer mit zwei Betten, Ankunft 7 Uhr abends. 5 5 0 bis 6 0 0 Auskünfte werden am Tag von dieser Stelle aus erteilt. Die Hauptarbeit stellen jedoch die unzähligen Briefe dar, deren Empfänger meist infolge von Nachlässigkeit des Adressanten nicht sofort ermittelt werden können. Allein beim Postamt C 2 in Berlin treffen täg- Aengstliche fiel von ihr ab wie eine zu lange getragene Maske. Haß unb Verachtung sprühten aus ihren blauen Augen: „Hierher zurücksehnen, Miß Crab? Jetzt, wo Sie nicht mehr über mich zu bestimmen haben? Wo Ihre Macht zu Enbe geht? Nun kann ich es Ihnen ja sagen: ich werbe mich ebensowenig hierher zurücksehnen, wie ich mich nach ber Hölle sehnen werbe!" Ehe Miß Crab, außer sich über ben plötzlichen Ausbruch Ebeles, etwas zu sagen vermochte, hatte bas junge Mäbchen bie Tür hinter sich zugeschlagen. Mit grausamem Gesicht sah Miß Crab ihr nach. Also hatte man Ebele boch noch nicht genügenb unterbrückt, wenn sie solcher Ausbrüche fähig war. Nun, biefer Mister Siemen sah gerabe so aus, als ob er noch stärkere Hänbe für ben hätte, ber sich ihm wibersetzte. Das würbe Ebele sehr balb spüren. In bem „Schwäbischen Hof" in Baben-Baben saß unter bem Sonnenbeck eines großen Hotelgartens eine junge Dame in einem weißen Spitzenkleib, mit weißem Schäferhut, unb sah mit heiterem Entzücken auf bas Bilb sommerlicher Eleganz, bas sich ihren Augen barbot. An bunten Kärntischen saßen fröhliche, licht gefleibete Menschen unb tranken bei ben Klängen ber Hotelkapelle, bie in bem kleinen Pavillon spielte, ihren Mittagstee. Kellner balancierten Bretter mit Kuchen unb Eis, Blumenverkäuferinnen flanierten burch bie Menge, unb hier unb bort mürben buftenbe Sträuße von galanten Kavalieren schönen Frauen überreicht. Eben bahnte sich ein kleiner Boy, in einer lichtblauen Uniform, bas blaue Käppi schief auf bem Kopfe, einen Weg burch bie Tanzenben, bie auf bem Tanzparkett, bas in ben Rasen eingelassen mar, hin unb her glitten. Mit einer tiefen Verneigung übergab er ber jungen Dame in bem weißen Spitzenkleid einen Strauß taufrischer Maiglöckchen, die mit einer lichtgrünen, schweren Seidenschleife zusammengebunden waren. Eine Karte hing daran. „O sehen Sie nur, Mademoiselle Celia, schon wieder ein Strauß! Von wem mag er sein?" Die nicht mehr ganz junge, aber fesche Dame, die mit Mademoiselle Celia angeredet wurde, lächelte: „Nun — sehen Sie doch nach! Oder soll ich raten? Sicherlich von dem jungen Ungarn, der Sie gestern zum ersten Tango aufforderte." Edele öffnete den schmalen Umschlag und schaute auf die Karte. „Recht geraten, Mademoiselle! Ein treuer Verehrer!" „Nun, er darf ruhig treu fein, wenn er nur Ihr Herzchen nicht beunruhigt, Edele", warf die gut zurechtgemachte Französin, der nur Kenner ihre Äahre ansahen, leicht hin, aber dabei traf Edele ein forschender Blick. „Sie kennen die Abrede, die ich mit Ihrem unbekannten Gönner hatte. Sie dürfen sich amüsieren so viel Sie wollen, aber verlieben dürfen Sie sich nicht.* 1 Edele lachte klingend: „Verlieben, Mademoiselle? Verliebt bin ich höchstens in das Leben — aber in einen Mann? Was ist denn das: Verlieben?" Und sie sah mit unschuldigen Augen, in denen noch das Nichtbegreifen des Kindes lag, die Französin an. Celia unterdrückte ein spöttisches Lächeln — das war hier wirklich noch ein Kind, das Liemen ihr zu hüten gegeben hatte. Und als jetzt ein eleganter junger Herr auf die beiden zukam, sich erst fragend vor der Gesellschafterin, bann bittenb vor Edele verbeugend, lächelte Celia Gemährung. Mit strahlendem Gesicht schritt Edele an der Seite ihres Tänzers zu der kleinen Tanzfläche, die parkettiert zmischen dem samtenen Grün des Parkrasens lag. Wie sie so ging in ihrer zarten, mädchenhaften Gestalt, in dem meißen, duftigen Spitzenkleid, dem großen Schäferinnenhut, unter dem das Goldgespinst des Haares sich hervorstahl, unter dem goldfarbene Augen mie zmei Sonnen strahlten, mar sic die Verkörperung des Frühlings, des eben ermachten, rührenden und berauschenden Frühlings. Kein Wunder, daß alle Blicke ihr folgten, als sie nun zum englischen Walzer mit ihrem Partner antrat. Celia sah ihr sinnend nach. Meisterhaft hatte Liemen das gemacht mit dieser kleinen Norroegerin. Meisterhaft mie alles, mas er anfaßte: Geschäfte, Leben und Frauen. Nach dieser gefängnisartigen Pension auf der Insel Wight ließ er die Zügel locker, roeefte in dem Kinde ben Dürft nach Glück, Leben, Luxus — unb mürbe sie bamit gefügig machen für alles, mas er vor hatte. Ein harter Zug grub sich in Celias Gesicht. Jetzt, roo sie allein unb unbeobachtet war, konnte sie bie Maske abroerfen. Unter biefer Maske war ein sehr mübes, sehr unglückliches Frauengesicht, besten Linien von einem bewegten Leben erzählten. Wie schnell ein paar Jahre vergingen! Es mar noch gar nicht so lange her, zehn Jahre vielleicht, baß auch sie so in Luxus unb Glanz gelebt hatte — bamals, als sie ben Beteuerungen Siemens geglaubt unb mit ihm geflüchtet mar aus bem Elternhause. — Ein jähes Erroachen mar einem kurzen Liebesrausch gefolgt. Dann mar sie immer tiefer abgeglitten unter bem bämonischeck Willen bes Mannes — unb jetzt mußte sie froh fein, baß er sich ihrer entsann unb sie aus ber Armut ihrer kleinen Provinzstabt in Sübfrankreich herausgeholt hatte als Garbebame für bieses neue Opfer. Fast mollte sie Mitleib überkommen mit bem Schicksal, bem Ebele entgegenging. Aber für solche Sentimentalitäten mar man nicht reich genug. Man durfte sich Siemens Wohlmollen nicht verscherzen. Hatte das Schicksal denn mit ihr selbst Mitleid gehabt? Edele mar nicht bie erste unb mürbe nicht bie letzte sein, bie an Männern mie Siemen zu- grunbe gingen. * ' (Sortierung folgt.) llchüberöOOOOmangelhaftadressierte Sendungen ein! Weit über tausend Nachschlaawerke und Tabellen dienen den Beamten der Postauskunftsstelle $ur Ermittlung des Empfängers. Straßenoerzeichnlsse aller größeren deutschen Städte und dickleibige Adreßbücher stehen den Postdetektiven air Verfügung. Ohne daß dem Absender oder Empfänger auch nur ein Pfennig Mehrkosten entstehen, bemüht sich die Post, den mit der Briesmarke bezahlten Auftrag zur Zufriedenheit auszuführen. Ein ausführlicher Schriftwechsel, der sich nicht selten über Wochen und Monate ausdehnt, ist manchmal nötig, den Adressaten ausfindig zu machen. Auch das Vorkommen mehrerer gleichnamiger Straßen- züge innerhalb ein und derselben Stadt erschwert den Beamten die Suche nach dem großen Unbekannten. In der Reichshauptstadt gibt es allein einige 20 Bahnhof- und 18 Friedrichstrahen. „Vor einiger Zeit sandte eine silmbegeisterte junge Dame ein Schreiben an Hans Albers", erzählt einer der Amtsvorsteher. „Da sie die Adresse ihres Filmlieblings nicht kannte, klebte sie seine Photographie auf den Briefumschlag. Dieser Brief erreichte ebenso pünktlich seinen Empfänger, wie die Karte, auf der nur der Stadtteil angegeben war und an Stelle der Straße und Hausnummer sich die photographierte Außenfront des betreffenden Hauses befand." Ist es nicht möglich, den Empfänger des Briefes ausfindig zu machen, so wandert er noch einmal zur Rückbrief stelle. Hier wird er ein Vierteljahr aufbewahrt und dann endgültig begraben oder richtiger gesagt verbrannt ... Mit recht seltsamen Bitten wendet sich häufig das Publikum an die Auskunfsstelle. Da fordert ein junger Mann den Beamten auf, einen Brief, der an Fräulein Müller in der Schönhauser Allee gerichtet ist, doch nicht austragen zu lassen, da dieses Fräulein Müller seine Herzallerliebste sei, und er sich energisch verbäte, daß ihr der Brief seines Freundes ausgehändigt wird. Solche Bitten werden selbstverständlich nicht berücksichtigt, wie die Anfragen gewisser Personen, die „unbedingt" in den Briefwechsel zweier Geschäftsfirmen eingeweiht werden wollen. Es erscheint fast nicht glaublich, wenn man hört, was alles in den Berliner Briefkästen gefunden wird. Besonders kurz vor den Weihnachtsfeiertagen kommt es häufig vor, daß die Frauen an Stelle eines Briefes in der Aufregung ihr Portemonnaie oder ihre Handschuhe in den Kasten werfen. Auch Handtaschen und Schlüsselbunde feierten nach diesem ungewöhnlichen Wege schon mehrfach Wiedersehen mit ihren Besitzern. Ein Bürobote kam eines Tages totunglücklich zur Auskunftsstelle und erzählte, daß er versehentlich das Einlieferungsbuch für die Einschreibebriefe seiner Firma an Stelle mehrerer Drucksachen in den Kasten geworfen hätte. Glückstrahlend verließ er nach Wieoererhalt des Buches die Detektei der Deutschen Reichspost, ging in sein Geschäft und erledigte, ohne daß sein hoher Chef die kleine Irrfahrt des Buches bemerkte, feine Aufträge. Die Fälle, in denen betrügerische Boten mit schon abgestempelten radierten Marken ihre Postsendungen frankieren, sind glücklicherweise wesentlich seltener geworden. Die Post leitet sofort ein Strafverfahren gegen diese Marken falscher ein. die Postauskunftsstelle in der Königstraße ist in ihrer Gründlichkeit ein vorbildlicher Betrieb. Nur ganz wenige Fälle bleiben ungelöst. Aus diesem Gebiet sind die Leistungen der Deutschen Reichspost mit ihrer Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit Vorbild für den gesamten internationalen Postverkehr. Wirtschaft. * Devisenzuteilung im Juli. Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung hat angeordnet, daß für den Monat Juli der Grundbetrag wieder nur bis zur Höhe von 10 v. H. als gekürzter Höchstbetrag in Anspruch genommen werden darf. Auch die Rembourskredite dürfen im Monat Juli wieder nur bis zur Höhe von 20 v. H. ausgenutzt werden. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 26. Juni. Die Umsätze an der Börse waren etwas größer, ohne aber bei der vorwiegend festen Grundstimmung ein lebhafteres Ausmaß anzunehmen. Bevorzugt war wiederum der Aktienmarkt, während die Käufe am Rentenmarkt sich nur langsam entwickeln. Für Aktien lagen wieder eine Reihe von günstigen Nachrichten aus der Wirtschaft vor, sei es in Verwaltungsäußerungen auf General-Versammlungen oder in Geschäftsabschlüssen oder auch in den neuen Stickstoffverhandlungen. Mit großer Hoffnung wird die an- gekündigte Steuerreform-Rede des Staatssekretärs Reinhardt erwartet. Montanwerte waren teilweise stärker befestigt, so Harpener 2 v. H., Mansfeld 1,25 v. H., Ilse Genuß 1,50 v. H., Klöckner und Phönix je 0,75 v. H.: behauptet waren Stahlverein und Rheinstahl. Am Elektromarkt lagen Lahmeyer auf angeblich günstige Dividendenaussichten erneut 1,50 v. H. höher, auch Siemens 1,25 v. H. und Schuckert 0,65 o. H. freundlicher, dagegen Licht & Kraft um 1 v. H. und Bekula um 0,50 v. H. leichter. Fartzen- industrie im Verlaufe 0,75 v. H., Deutsche Erdöl und Metallgesellschaft je 0,40 v. H. höher. Scheideanstalt lagen erneut bis 1,25 o. H. fester. Schifffahrtswerte bröckelten eine Kleinigkeit ab. Kunstseideaktien tonnten sich weiter erholen, und zwar Bemberg um 1,13 v. H. und AKU. um 1 v. H. Im einzelnen eröffneten Zellstoff Aschaffenburg und dement Heidelberg je 0,50 o. H. höher, dagegen Deutsche Linoleum 0,75 v. H. niedriger. Stüdd. Zucker, Reichsbankanteile und Daimler eröffneten gut behauptet. Der Rentenmarkt war wieder ziemlich vernachlässigt und bei stillem Geschäft teilweise schwächer. Altbesitz gaben 0,40 v. H., späte Reichsschuldbuchforderungen 0,25 v. H. und Reichsmark-Obligationen meist von 0,25 bis 0,50 v. H. nach. Stahl- . verein-Bonds lagen behauptet. Am Pfandbriefmarkt hat das Angebot so gut wie aufgehört und die Kurse lagen ziemlich unverändert, einzelne Liquidationspfandbriefe zogen etwa 0,25 v. H. an. Stadt- und Staatsanleihen hatten sehr kleines Geschäft bei meist behaupteten Kursen. Deutsche Anleihen, Altbesitz und Schuldbuchforderungen blieben ruhig und gehalten. Von fremden Werten lagen Schweizer Bundesbahn'Anleihen etwa 3 v. H. fester. Sonst notierten: Anatolier 35,25 (35,50), 5 v. H. Goldmexikaner 8,25 (8,50), 4 v. H. Rumänen 3,90 (uno.), Ungar. Goldanleihe 7,25 (uno.). Am Aktienmarkt blieb die Umsatztätigkeit auch in der zweiten Börftn- stunde klein, doch erzielten einige Spezialwerte, so Harpener, Bemberg und Zellstoff Aschaffenburg, nochmalige Besserungen bis zu 1 v. H. Später bröckelten die Kurse auf Grund der Geschäftsstille hier und da leicht ab. Farben 150,25 nach 150,75. Recht fest kamen noch Rhein. Braunkohlen und Kali Aschersleben mit je + 3 v.H., ferner Felten mit +1,75 v. H. zur Notiz. Der Geldmarkt blieb leicht und Tagesgeld zu 3,25 v. H. unverändert. Frankfurter 'Abendbörse. F r a n k fu r t a. M., 26. Juni. An der Adend- borse erhielt sich die feste Meinung für den Aktienmarkt, wenngleich keine größere Publikumsbeteiligung festzustellen war und auch das Kulissen- aeschäft kein nennenswertes Ausmaß annahm. Mit Interesse erwartet man die Ausführungen des Staatssekretärs Reinhardt über die Steuerreform. Im großen und ganzen lagen die Berliner Schlußnotierungen, die meist etwas höher waren als der hiesige Mittagsschluß, gut behauptet, vielfach ergaben sich auch Befestigungen um 0,25 bis 0,50 v. H. Nachfrage erhielt sich besonders nach einigen Elektropapieren. Lahmeyer gewannen 2 v H., ferner waren AG. für Verkehrswesen und Schiffahrtsaktien beachtet, während Farbenindustrie nach gut behauptetem Beginn im Verlaufe der Abendbörse leicht abbröckelten. Auch Lahmeyer gingen um 0,50 v. H. zurück, lagen aber gegen Berlin immer noch 1,50 v. H. fester. Die Börse schloß in freundlicher Haltung. Stark vernachlässigt war wiederum der gesamte Rentenmarkt, wo allerdings auch die Kurse kaum verändert waren. U. a. notierten: Altbesitzanleihe 94,90, 6proz. Stahlverein-Bonds 78,75, Reichsbank 153,50, DD-Bank 62, Comerzbank 54,75, Gelsenkirchen 60,75, Harpener 107,25, Ilse Genuß 130, Kali Salzdetfurth 170, Mannesmann 65.25, Phönix 47,50, Rhein. Braunkohlen 234, Rheinstühl 97^50, Aku 63, Bekula 142, Zement Heidelberg 108, Deutsche Erdöl 121,50, Scheideanstalt 208,50, Hinbermarft in (Sieben. Auf dem gestrigen Rindermarkt in Gießen standen 450 Stück Großvieh, 62 Fresser und 151 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe ober hochtragende Kühe 1. Qualität 300 dis 400 RM., 2. Qualität 180 bis 250, 3. Qualität 110 bis 160; Schlachtkühe a) 130 bis 250, b) 40 bis 90; Rinder, Vi-- bis Xjäljrig, 40 bis 75, %- bis 2jährig 60 bis 135, tragend 160 bis 270 RM.; Kälber, das Pfund Lebendgewicht 22 bis 32 Pf. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverlauf: schleppend, wenig Kauflust, Ueberftanb. Mainzer Schlachtviehmarkt. Mainz, 26. Ium. Auftrieb: 20 Ochsen, 14 Bullen, 517 Kühe ober Färsen, 300 Kälber unb 769 Schweine. Notiert würben für den Zentner Lebenbgewicht in Mark: Ochsen al) 27 bis 33, c) 22 bis 26. Bullen c) 23 bis 26. Kühe a) 24 bis 29, b) 17 bis 23, c) 11 bis 16. Färsen a) 28 bis 34, b) 22 bis 27. Kälber b) 32 bis 43, c) 25 bis 31, d) 18 bis 24. Schweine b) 38 bis 42, c) 37 bis 42, d) 35 bis 42. Marktverlauf: Großvieh mäßig belebt, langsam geräumt. Kälber ruhig, langsam geräumt. Sä)weine ruhig, geringer Ueberftanb. Preußen. Genoffenschastsarbeit in Dutenhofen. 0 Dutenhofen, 26. Juni. Der hiesige S p a r- und Darlehnskassenverein hielt seine biesjührige Generalversammlung ab. Der Vereins- vorsitzenbe S ch n e i b e r eröffnete bie Versammlung unb begrüßte bie Teilnehmer. An Hanb von Geschäftsbericht unb Bilanz legte ber Vereinsvor- sitzende in längeren Ausführungen ben gegenwärtigen Stanb ber Genossenschaft bar. Er führte aus, baß bie Genossenschaft, aus ber Not geboren, bie Krisenjahre gut überftanben habe. Die 1921 ge- grünbete An- unb Verkaufsgenossenschaft würbe 1924 in eine Spar- unb Darlehnskasse mit Warenverkehr umgemanbelt, um bas Warengeschäft billiger funbieren zu können unb ben Mitgliebern billiges Gelb zu verschaffen. Im Laufe ber Jahre wurde es durch regen Sparverkehr möglich, die Bankkredite durch eigene Mittel zu ersetzen. Die Darlehen wurden in niedrigen Grenzen gehalten und große Kredite überhaupt nicht gegeben. Die Summe der gegebenen Kredite am Jahresschluß betrug 48 674,88 Mark und verteilte sich auf etwa 70 Konten. Während die Darlehnssumme etwa 10 Prozent zurückging, wurden etwa 40 Prozent der gesamten Spareinlagen abgehoben, unb zwar überroiegenb zu Bauzwecken. Es würbe trotz ber starken Beanspruchung oermieben, bie Darlehen prozentual zu verkürzen unb Rückzahlung zu verlangen. Ein weiteres Mittel zur Stärkung ber Genossenschaft liege im Warenverkehr. Jebes Mitglied sei im eigenen Interesse verpflichtet, sich nach Mög- lichkeit am Warenverkehr zu beteiligen. Daß bie Genossenschaft in ber Lage sei, ohne Reichsgenossenschaftshilfe auszukommen, fei nur ben treuen Mitgliebern zu banken. Der burch bie Verhältnisse be- bingte Rückgang im Futtermittelgeschäft sei ausgeglichen worben burch Ausbau im Kleinverkauf. Es müsse erreicht werben, baß jebes Mitglieb Saatgut, Düngemittel unb Brennstoff bestelle. Bei richtiger Einstellung ber Mitglieber sei es möglich, Preise festzusetzen, bie für bie Bezieher günstig sinb unb auch ben notroenbigen Verbienst für bie Genossenschaft sichern. Die Umroanblung ber unbeschränkten in beschränkte Haftung sei vollzogen unb gerichtlich geänbert. Anschließenb würbe bie Bilanz von 1933 vom Vereinsrechner vorgelesen unb im einzelnen erläutert Die Bilanz würbe einstimmig genehmigt unb ber ausgewiesene Reingewinn bem Reservefonbs zugeführt. Dorstanb, Aufsichtsrat unb Rechner würben entlastet. Für ausscheibenbe Vorstanbsmitglieber würben gewählt: Karl Hahn, August Mehl, Friebrich Gilbert. Friebrich Loh würbe auf Grunb seiner Verbienste als Mitbegrünber ber Genossenschaft unb feiner steten Bereitschaft, ber Genossenschaft zu bienen, als nichtstimmberechtigtes Vorftanbsmitglieb bem Vorftanb zugeteilt (Ehrenmitglieb). Friebrich Müller, Rangiermeister, würbe einstimmig als Aufsichtsratsmitglieb gewählt. Hinsichtlich ber Zinssenkung würbe beschlossen, baß für Einlagen 4 Prozent gegeben werben. Bei Darlehen mußte ber gewogene' Zinssatz mit 6^ Prozent genommen werben. Für 1934 ist eine Senkung auf 6 Prozent vorgesehen. Schließlich würbe noch bas Einheits- ftatut einstimmig genehmigt. Die Aenberungen gegenüber bem alten Statut würben eingehenb be« hanbelt. Anschließenb würbe vom Vereinsvorsteher mitgeteilt, baß auch in biesem Jahre eine Rückvergütung gewährt werben könne. Kreis Wetzlar. w. Krofdorf, 26. Juni. Unterzahlreicher Beteiligung der umliegenden Orte feierte die Ortsgruppe Krofdorf der NSDAP, auf ber Burg Gleiberg bas Fest ber Sonnenwenbe. Unter Vorantritt ber Feuerwehrkapelle Krofborf bewegte sich ein langer Zug nach Burg Gleiberg, wo in ben alten Mauern ein riesiger Holzstapel angezünbet würbe. Ortsgruppenleiter Schmibt begrüßte bie Teilnehmer. Eine Totenehrung burch bie Hitler- jugenb schloß sich an. Pg. Reuter (Dornholzhausen) hielt sobann bie Feuerrebe. Er ging bavon aus, baß in ben Mauern biefer alten Burg wohl bie Romantik auf ihre Kosten komme. Wenn man aber geschichtliche Wahrheiten suche, bann müsse man jene Stätten aufsuchen, wo man nicht schlechthin Geschichte, fonbern Vorgeschichte ftubieren könne. Die Mauern aller Burgen sprächen von freien Rittern, aber auch ber tausendfache Schrei ber Leibeigenschaft halle in den Verließen der Burg wider. Dagegen sprächen die Ringwälle anderer Berge, die vielen Spuren unserer Urväter, eine andere Sprache. Die Priesterinnen und Priester in heiligen Wäldern, die Streiter der Berge in ihrer Reine und Natürlichkeit seien ewiges Vorbild. Diese Reine symbolisiere die Art ihrer Feste, unter denen das Fest der Sommersonnenwende den höchsten Platz einnehme. Die Flammen der Sonnen- roenbfeier seien reinigende Flammen, aber auch leuchtende Fanale 'einer eisernen Konsequenz für Volk und Vaterland. Mit einem begeistert aufgenommenen Sieg-Heil auf Führer unb Vaterland schloß Pg. Reuter seine Rebe. Die Feier würbe verschont burch Sprechchöre ber HI. unb Tänze bes BbM. 0 Hochelheim, 26. Juni. Dieser Tage fand in der Gastwirtschaft Friebrich Jung in Hochelheim bes Jahresversammlung bes Kreis-Schwein e- zuchtoereins Wetzlar zur Zucht bes verebbten Lanbschweines statt. Die Versammlung würbe von Anton Engel (Hörnsheim) eröffnet. Sobann folgte bie Rechnungsprüfung vom vergangenen Jahr; bem Geschäftsführer, Lanbwirtschaftsleh'rer Schwarz, würbe Dank unb Entlastung zuteil, lieber ben Ankauf von neuem Zuchtmaterial und üher die Neuorganisation der Züchteroereinigungen referierte Tierzuchtinspektor Dr. Torhede (Biedenkopf). Von der Neuorganisation in der Schweinezucht wurde besonders erwähnt, daß die kleineren Ortszuchtvereine in Zukunft nicht mehr weiter bestehen sollen. Es ist vorgesehen, im Bereich ber Lanbesbauernschaft Hessen-Nassau sieben Schweinezuchtvereinigungen bestehen zu lassen, für bie Bezirke Oberhessen, Starkenburg, Rheinhessen, Westerwalb, Biebenkopf, Lahn - Dillgebiet unb Rhein-Taunus-Gebiet. Für biefe Bezirke kommen als Geschäftsführer nur bie betreffenden Tierzuchtämter in Frage. Die neu zu bilbenben Züchtervereinigungen ber Lanbesbauernschaft Hessen-Nassau sollen nur einen Vorftanb besitzen, ber sich aus Vertretern ber verschiedenen Züchterbezirke zusammensetzt. Sodan folgte noch ein lehrreicher Filmvortrag, in welchem über Typ und Haltung des früh- und spätreifen Fleisch- und Speckschweines in Wort und Bild Aufklärung gegeben wurde. An dem mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Amtsgericht Gießen. Zwei Viehhändler erhielten Strafbefehle über js 30 Mark, da sie außerhalb des Viehmarktgeländes handelten. Gegen diese Strafbefehle legten die Angeklagten Einspruch ein. Die gestrige Hauptverhandlung wurde zwecks Einholung weiterer Informationen abgesetzt. Große Strafkammer Gießen. Die Kammer hatte sich gestern mit dem Karl Mickel aus Nieder-Mockstadt unb bem Wilhelm Sell heim aus Ober-Mockstabt zu befassen, benen bie Anklage gemeinschaftliche Urkundenfälschung in Tateinheit mit Untreue zum Vorwurf mochte. Mickel gab zu, als Rechner ber Markgenossenschaft Nieber-Mockstabt bei Holzversteigerungen in 2 9 0 0 Fällen bie Dersteigerungsprotokolle ab» aeänbert, b. h. bie Steigpreise herabgesetzt unb über erhebliche Beträge zum Nachteil ber Mark verfügt zu haben. Die dadurch sich ergebenden Mindereinnahmen beliefen sich auf rund 17 000 Mark. Der Angeklagte S e 11 h e i m , der als Markmeister tätig war, bestritt jede Schuld an ben Unregelmäßigkeiten. Die umfangreiche Beweisaufnahme — es würben allein 14 Zeugen gehört — ergab bie Schulb bes Angeklagten Mickel. Sell- Heim würbe freigesprochen, währenb Mickel wegen fortgesetzter Urkunbenfälschung in Jbealkonkurrenz mit Untreue unter Annahme mildernder Umstände zu einer Gefängnis st rase von einem Jahr unb a ch t Monaten verurteilt würbe. Die Untersuchungshaft seit 1. Novern- ber vorigen Jahres wirb bem Angeklagten angerechnet. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 28. Juni. 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmelbungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.15: Werbekonzert. 10.30: Eigene Senbung. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche unb Haus. 11.50: Sozialbienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, Saarbienft. 13.10: Nachrichten aus dem Senbebezirk. 13.20: Mittagskonzert. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert. 14.30: Nachrichten. 14.40: Kinberstunbe. „Kalif Storch". Ein Märchenspiel für Kinber. 15.40: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert bes Leipziger Sinfonieorchesters. 17.30: Abolf Ehrt, Hans Roben: „Terror". Hermann Fehft: „Bolschewismus und Judentum". 17.451 Aus Zeit und Leben. 18.15: Familie und Rasse. 18.25: Spanischer Sprachunterricht. 18.50: Das Leben spricht! 19: Grenzstädte I. Konstanz — Lörrach — Breisgau — Kehl. 20: Nachrichten und Mitteilungen aus dem kulturellen Leben. 20.15: Reichssendung: Stunde der Nation. „Schönes Samland". 20.45: Orchesterkonzert. 22: Volksmusik. 22.20: Nachrichten. 22.35: Saarlauf des Jungvolks. Ein Hörbericht vom Römerberg, Frankfurt a. M. 22.45: Nachrichten aus bem Senbebezirk. 23: Nachtkonzert bes Magbeburger Kulturorchefters. 24 bis 1: Nachtmusik. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.21L ^ranffuri a.Ul 25.6. 26.6. 25-6. 26.6- 7,6 27,75 o 24,5 24 0 7,75 7,4 o 0 0 o 0 12 0 0 0 0 0 ©llBtntf .... TinitW «rbN •elfcnfadxeei 62 65,25 154 23,65 142 82,5 110,9 66,75 108,4 99,65 91 150,5 126,5 7,25 6,55 7 8,25 7,65 77 121,5 60,75 107,4 74,5 168 130,5 71,25 65,25 1,15 7,25 6,6 6,9 8,5 7,5 pamlmte.»mert!a.*Batet .... Hamburg-Südam. Dampfschiff . Hansa-Dampfschifs Norddeutscher Lloyd W.®. für Verkehrswesen QÜt .. Berliner Handelsgesellschaft ... Lommer». und Prtoat-Bank ... Deutsch« Bank und DiScontr» Desellschast.............. Dresdner Bant Reichs baut *1 7,2 6,75 7,05 8,1 3,8 35,13 Buenos Aires Brüssel..... Rio de Jan. . Sofia...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... HelsingforS.. Parts ...... Holland .... Italien Japan ...... Jugoslawien. Oslo..... : Men....... Lissabon.... Stockholm... Schweiz .... Spanien..i. Prag....... Budapest ... Neuyort... 7,3 6,65 7,15 8,25 33 63,65 89,5 54,5 4% Oesterretchtfche (Dolbtente... 4,20% Oesterreichtsche Silberrentr 4% Ungarische Goldrente 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4V,% deSgl. von 1918.......... fc% abgest. Soldmexikaner von 99 4% Dürkilchr Zollanleihe von 1911 *.».»....................... Bekula Q Dektr. Lieferungsgesellschaft« Licht unb »Taft Selten & Guilleaume q Gesellsch.s.Elektr. Unternehmung. 6 Rheinische (Hettdiltäl ? Schuclert S Co..............5 Siemens L Halüke 7 Lahm« per » Co. 10 Berlin b-ne Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter ben Papieren angeführten Ziffern geben bie Hohe ber zuletzt beschlossenen Divibenbe an. — Reichsbankbiskont 4 o. H., Lornbarbzinsfuß 5 v. H. dörse Datum 4% desgl. Serie II ........... 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4%%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. t%% Anatolier ....... gner .............. I Bien—Köln-Reuesse» lergbau ............. lergbau Genüsse erwerke ............. vianneSmonn-LLunn»...... Franktun a. JJl Berlin Schluß» turt Schlußk. Abend- Wrft Schluß tert Schlußk Mittag» bSlle Datum 256 26.6 25.6 26-6- •% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 95 93,75 95,5 94,25 S%ehem.7%Dt.RetchSanl.v.l939 99,7 99,5 99,75 99,6 6Yi% Doung-Anleih« von 1980 .. 91 90,8 91 — Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 94,9 Aullos.-Rechten ....... 96 96 95 DeSgl. ohne AuSlol.-Rechte...... — — — 4% ehem.8% Hess. BolkSstaal 1929 90,5 90 (rückzahlb. 102%) .......... ■— 89,25 •% Hess. Landesbank Darmstadt Sold R. 12 90 89 89,5 89,5 6y?% Hess. LandeS^ypotheken» bank Darmstadt Ltaut..... _ 88,75 89 _ vberhessen Provinz-Anleih« mit 95 96 Auslos.-Rechten •— •— Deutsche Komm. Sammelabl. An- 95,5 95,13 94,75 leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 95 6% edem. 8% Franks. Hyp.-Bank 88,5 89 88,75 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 90 4% ehern. 1% Franks. Hyp.-Bank Soldpse. 16 unkündbar bis 1986 _ 88,25 89,25 — 454% ehem. 4%% Franks. Hyp^ Bank-Ltqu.-Pfandoriese.. .. _ 88 89 — %Yi% ehem. 4 /,% Rheinische 89,5 89,5 Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpfe. — 6% ehem. 8% Pr. LandeSpfan^ brtesanstalt, Psandbriese R. 19 <% ebem. 7% Pr. Lande-Pfand- brtesanstalt, Pfandbriese R. 10 91 91,5 91,5 91 91,5 92 92 _ Steuergutsch. Verrechnungskurs — 101 — 101 Frankfurt a. M. 3erlin Gchluß» kurS Schlußk. Abend» börse Schluß» fürs Schlußk. Minag» Mrfe Datum 25-6 26-6 25-6- 26-6. Mansselder Bergbau .. .......0 76 78,25 75,5 78,5 Kokswerke ....... ....... 0 92,9 — — 93 Phönix Bergbau...... 47,75 47,5 47,75 47,75 Rheinische Braunkohlen .....10 233 234 233,5 233,5 Rhetnstahl .......0 97 97,5 97 97,13 Bereinigte Stahlwerke. .......0 40,65 40,5 41 40,9 Otavi Minen ... .......0 14,5 13,8 14,5 14 Kaliwerke Aschersleben. .......5 121,5 125,25 120,75 126 Kaliwerke Westeregeln . .......6 120 125 120 125,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....7V, 163 — 162 170,75 I. G. Farden-Jnoustrie .......7 150 150 150 150,25 Scheideanstalt........ .......9 —— 208,5 207,75 — Goldschmidt ......... .......0 66,75 67,5 67 67,5 RütgerSwerke....... .......0 39 39,25 38,25 39,5 Metall gesell Ich ast...... .......0 — 84,13 83,75 85,25 Philipp Holz mann .... Zementwerk Heidelberg Zementwerk Karlstadt. - .......0 60,5 61,5 61,5 62 ...... o 107,5 108 .......0 125,5 125,5 Schultheis Panenhoser ...... 0 — — 108 113 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 60,5 66 63 60,25 62,5 Bemberg.......... .......c 69,5 65,5 69,5 Zellstoff Waldhof ..... .......0 48,5 48 47,5 48 Zellstoff Aschaffenburg .......0 49,5 50,5 49,25 50 Dessauer Gaö ..... .......7 — — 133 132,5 Daimler Motoren..... .......C 48,5 48,5 48,75 48,4 Deutsche Linoleum .... Oren stein & Koppel ... .......0 60 59 59 58,9 .......c — — 64,25 65,25 Leonhard Lieh ..... .......0 19,5 19,75 19,5 19,9 khade ............... L«u muIatoven-FabrS .......1C 184 — 184 .......0 192,5 193,5 191 193,5 lonti-Ohnnmt........ .......0 137 134,5 — 1 134 Grttzner............. Mainkraftwerke Höchst ..... 0 | 22,4 1 22,5 1 22,75 I 21,25 0.UU.. 4 72,9 72,75 Süddeutscher Zucker .. ....... 6 1 180 1 180 180 181 25-Iuni 26.3unl Amtliche Notierung (Seih | 3riei Amtliche Notierung (Selb | Drie 0,608 0,612 0,603 0,607 58,58 58,70 58,61 58,73 0,189 0,191 0,189 0,191 3,047 3,053 3,047 3,053 56,39 56,51 56,34 56,46 81,67 81,83 81,67 81,83 12,625 12,655 12,615 12,645 5,584 5,596 5,579 5,591 16,50 16,54 16,50 16,54 169,73 170,07 169,73 170,07 21,48 21,52 21,51 21,55 0,749 0,751 0,747 0,749 5,664 5,676 5,664 5.676 63,44 63,56 63,39 63,51 48,45 48,55 48,45 48,55 11,49 11,51 11,48 11,50 65,08 65,22 65,03 65,17 81,47 81,63 81,52 81.68 34,32 34,38 34,32 34,38 10,44 10,46 10,44 10,46 . ■ — — ■ ■ 1 — 2,510 2,516 2,511 2,517 Bantnoten. — 7,8 7,8 4,5 4,5 4,25 6,65 — 6,5 4 3,9 3,9 — 35,25 35,25 28,13 28 28 — — — — — _ 33 33 33,13 62,4 64 62,5 89,5 89 89 53,75 54,25 53,75 63 62 63 65,75 65,25 65,75 155,25 153,5 156 23,4 23,4 23,5 141.65 142 141,5 85 83,75 85,25 109 111 110 64,75 67,25 61 104,65 108,75 105,5 91 91,25 91,25 147 150,5 147,25 125,75 128 125,25 77,5 76,25 76,5 119,65 121,5 119,75 60,9 60,75 61 105 107,25 104,5 73,9 — 167 — 166 126,5 130 126 70,5 70,75 70,75 65,75 65,25 65,25 LerUn, 26. Juni Geld Brief Amerikanische Noten.............. 2,464 2,484 Belgische Noten.................. 58,45 58,69 Dänische Noten ................. 56,19 56,4! Englische Noten ................. 12,57 12,63 Französische Noten............... 16,46 16,52 Holländische Noten............... 169,31 169,99 Italienische Noten................ 21,39 21,47 Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling 63,22 63,48 Rumänische Noten............. — — Schwedische Noten............... 64,87 65,13 81,34 81,66 Spanische Noten................. Ungarische Noir» 34,18 34,32 ttr.147 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 27.ZuniM4 Aus Oer Provinzialhauptstadt. Professor Or. Küster 60 Lahre alt. Am morgigen 28. Juni feiert der ordentliche Pro- fessor der Botanik an der Universität Gießen, Dr. E r n st K ü st e r, seinen 60. Geburtstag. Der ausgezeichnete Lehrer und unermüdlich tätige Forscher wurde 1874 in Breslau geboren, studierte in Leip- zig, promovierte 1896 in München, habilitierte sich 1900 bei Klebs in Halle, der ihn zu Experimentaluntersuchungen auf dem Gebiete der Mikroorganis- men und der Zellenlehre anregte. 1909 wurde Küster als ao. Professor und Abteilüngsvorsteher an das Botanische Institut nach Kiel, 1911 nach Bonn berufen, wo er später zum Ordinarius befördert wurde. Bon hier kam er 1920 aU Direktor des Botanischen Instituts nach Gießen als Nachfolger von Hansen. Bon den ungewöhnlich zahlreichen und glänzend geschriebenen Veröffentlichungen Küsters seien nur einige Einzelwerke erwähnt, die z. T. mehrere Auflagen erlebten: Pathologische Pflanzenanatomie, Anleitung zur Kultur von Mikroorganismen, Lehrbuch der Botanik für Mediziner, Zonenbildung in kolloiden Medien, Pathologie der Pflan- zenzelle, Gallen der Pflanzen. Küster ist seit mehr als einem Dierteljahrhundert Herausgeber der Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie. Die Deutsche Akademie der Naturforscher in Halle wählte ihn zum Mitglied und die Royal Microscopical Society in London zum Ehrenmitglied. Nie Geschäftsräume der Kreis- leitunq verlegt. Die Geschäftsräume der Kreisleitung der NS DAP. befinden sich nicht mehr im Hause Löberstraße Nr. 9, sondern nunmehr Ludwig- st r a ß e 12. NSOAp. - Amt für Bolkswohlfahrt. kreisamlsleilung Gießen. Achtung! Achtung! Unsere Geschäftsräume befinden sich ab 27.3uni in den früheren Räumen der Kreisleitung der NSDAP. Gießen, Löberstraße 9. Aus parteiamtlichen Bekanntmachungen Die Ortsgruppe Gießen-Ost gibt bekannt, daß am Montag, 2. Juli, 20.30 Uhr, im Cafe Leib ein Schulungsabend für alle Parteigenossen, für die Mitglieder der NSV. und Gäste stattfindet. Redner des Abends ist Pg. Hummel. Die N S. - F r a u e n s ch a f t G i e ß e n - O st fordert sämtliche Zellen- und Blocksrauen für Donnerstag, 28. Juni, 20.30 Uhr, in der Geschäftsstelle Kaiser-Allee 52, zu einer Zusammenkunft auf. Der nächste Ortsgruppen - Abend der N S. - Frauenschaft Gießen-Süd findet am kommenden Freitag, 29. Juni, 20.15 Uhr, im „Haus der Deutschen Arbeit" statt. NS-Hago Kreisamtsleitung und kreisbelriebsgemeinschaft handel und Handwerk in der Deutschen Arbeitsfront. Ich habe Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß sämtliche Mitglieder der NS.-HAGO. sowie alle diejenigen Personen, welche durch die NS.-HAGO. in den GHG. (jetzt Krsisbetriebsgemeinschaft Handel und Handwerk) ausgenommen worden sind, der Deutschen Arbeitsfront angehören. Das Kassieren der Mitgliedsbeiträge aller dieser Mitglieder geschieht nach wie vor durch die Kassenwarte der NS.-HAGO. NS.-HAGO-Kreisamtsleitung. Freigabe der Waldweide zur Linderung der großen Futternot. Auf Vorstellungen der Landesbauernschaft Hessen- Nassau, Hauptabteilung II, hin hat die Obere Forstverwaltung im Volksstaat Hessen und im Regierungsbezirk Wiesbaden die Waldweide zur Linderung der Futternot in den Gemeinden grundsätzlich freigegeben. Den Bauern wird empfohlen, sich umgehend mit den zuständigen Forstämtern in Verbindung zu setzen. Entwürfe für Landschulen gesucht. Das Hessische Staatsmini st erium, Ministerialabteilung für Bildungswesen, schreibt unter den in Hessen seit dem 1. April-1934 ansässigen oder in Hessen geborenen Architekten einen Jdeen- wettbewerb aus zur Erlangung von Entwürfen von Landschulen, die als Grundlage für künftig zu errichtende Schulgebäude dienen sollen. Zugelassen sind nur Architekten, die Mitglieder der Reichskammer der bildenden Künste sind. Ablieferungstermin ist der 15. August 1934. Es sind drei Preise von insgesamt 1550 RM. vorgesehen. Wettbewerbsbedingungen sind gegen Rückporto kostenlos durch die Direktion der Adolf- Hitler - Bauschule, Darmstadt, Neckarstraße 3, zu beziehen. NG-Frauenschast imBotanischenSarten Wie bereits berichtet worden war, hatte der Assistent des Botanischen Instituts, Pg. Dr. Heidt, bei seinem vor der NS.-Frauenschaft Gießen-Mitte gehaltenen Vortrag sich bereiterklärt, ergänzend zu diesem Vortrag auf einem Rundgang durch den Botanischen Garten erläuternde Aufklärungen zu geben. Es war überaus erfreulich, daß nicht nur Frauen- schaftsmitglieder, sondern auch eine stattliche Zahl von anderen Gartenbesuchern sich am vergangenen Sonntagvormittag zu dieser Besichtigung eingefunden hatten. Pg. Dr. Heidt dankte zunächst für das bekundete rege Interesse und machte sodann die Anwesenden kurz mit der Geschichte des Botanischen Gartens, der der viertälteste Deutschlands ist, bekannt. Von ihm erfuhren die Anwesenden, daß der Garten seinem Werden nach in drei Teile zerfällt. Der älteste Teil, unmittelbar hinter dem Botanischen Institut und bis an das alte Schloß reichend, ist ein aus dem Jahre 1609 herrührendes Geschenk des Landgrafen Ludwig V. von Hessen, dem Begründer unserer Ludoviciana. Die schönen, schattenspendenden, wuchtigen alten Bäume, die uns heute beim Eintritt in den Botanischen Garten vom Brandplatz aus besonders erfreuen und unsere Aufmerksamkeit erwecken, gehören in den zweiten Teil. Um 1800 überließ der damalige Landesherr das an dem alten Botanischen Garten liegende Gelände der Universität zur Anlegung eines f o r st b o t a n i - scheu Gartens. Ewähnt seien hier besonders die wundervollen in- und ausländischen Ahornbäume, Pappeln und die krasistotzende Blutbuche, deren dem Sonnenlicht zugewandte Blattseiten in Verbindung mit dem Blattgrün die schöne rote Farbe annehmen, die dem Baum seinen Namen gab, während die dem Sonnenlicht nicht ausgesetzten Blätter mehr oder weniger grün bleiben. Dieser Teil enthält auch innerhalb der Mauer nach der Senckenbergstraße zu die „historischen Gärten", deren Beete Suppenkräuter und Getreidearten der Karolinger-, Stein- und Bronzezeit zeigen. Wie man hier feststellen konnte, waren die meisten Suppenkräuter, wie sie heute noch in jedem Haushalt Verwendung finden, schon damals vertreten. Man kannte und gebrauchte damals schon: Kümmel, Lauch, Sellerie, Bohnenkraut, Erbsen, Karotten usw. Der dritte Teil des Botanischen Gartens ist eine Anlage aus den ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts. Er erstreckte sich nach Schleifung der alten Stadtbefestigungsmauern bis zum alten Festungsgraben und umfaßt heute mit seinem reichen und vielseitigen Pflanzenwuchs, seinen Gewächs- und Palmenhäusern das eigentliche Arbeits- und Anschauungsfeld des Naturwissenschaftlers und des Naturfreundes. Besonders ausführlich besprach Dr. Heidt die Giftpflanzenbeete. Auf einen Giftstrauch wies Dr. Heidt besonders hin und warnte vor seiner Gift- Jungvolk trägt Botschaft aussonderung durch Drüsen, die schon durch bloßes Berühren der Blätter dem Menschen Schaden zu- Halbmast am Tage von Versailles. Vom Reichsminislerium für Volksaufklärung und Propaganda wird milgeteilt: Am Donnerstag, 28. 3 u n i, werden sämtliche öffentlichen Gebäude wegen der Wiederkehr der vor 15 Jahren erfolgten Unterzeichnung des Versailler Vertrages h a l b m a ft flaggen. Die Bevölkerung wird aufgefordert, sich dem Vorgehen der Regierung a n z u s ch l i e h e n. satzes, ein Fanal des Wehrwillens und der Treue jein. Achtung! Ein Staffellauf passiert Gießen! Am Donnerstag, 28. Juni, dem Tage der Unterzeichnung des Versailler Schanddiktats, eilen fünf Staffeln durch die Oberbanne des Gebietes Hessen-Nassau. Sie starten Mittwoch abend an der deutsch-saarländischen Grenze und werden von Jungoolkjungen auf verschiedenen Wegen nach Frankfurt auf den Römerberg getragen. Hier wird eine große Kundgebung, bei der die Rollen dem Gebietsführer übergeben werden, den Lauf beschließen. Eine dieser Staffeln kommt am Donnerstag zwischen 13 und 14 Uhr durch unsere Stadt. Sie wird von den Jungen der Gießener Welfen von Klein-Linden nach der Volkshalle getragen werden, wo sie der Stamm II Geusen in Empfang nimmt. Die Staffel durchläuft folgende Straßen: Frankfurter Straße, Hin- denburgwall, Gartenstraße und Kaiserallee. Wir bitten die Gießener Bevölkerung, der VeranstaUung das Interesse zu schenken, das sie verdient. Ibn. 1/116. Pflanzenbeckens, zweier Exemplare der Sinnpflanze (Mimose), die bei der leisesten Erschütterung so- aleich ihre Fiederblättchen zusammenfalten und ihre Aestchen hängen lassen, sein Ende. Alle anwesenden Frauenschaftsmitglieder stimmten darin überein, daß es für sie alle ein besonderer Genuß war, diese lebendigen, allgemein oerständ- lichen Ausführungen gehört zu haben und dankten dem Redner überaus herzlich. Man hörte vielfach den Wunsch, daß Pg. Dr. Heidt sein reiches Wissen und seine feine Vermittlungsart noch öfter in den Dienst der Kulturarbeit der Frauenschaft stellen möge. Jeder Besucher der sehr belehrenden Führung ging bereichert nach Hause. Jugend sieht die Not deutscher Grenzlande. Jugend erfühlt das Schicksal bedrohter Grenzmarken. Jugend fühlt sich verbunden mit den Menschen an der Grenze. Vor 15 Jahren trat der Versailler Vertrag in Kraft, vor 15 Jahren entrissen „Siegerstaaten" ureigenstes deutsches Gebiet dem deutschen Volkskörper, wollten deutsche Volksgenossen ihr Vaterland mit Zuckerbrot und Peitsche vergessen lassen. 15 Jahre ballten die Saarländer die Fäuste in der Tasche, ertrugen schweigend, den Blick auf Deutschland gerichtet, allen Druck und alle Entbehrungen. Ein halbes Jahr noch und „la Sarre" gehört der Vergangenheit an, das Saarland ist wiedergeboren. Das 3ungvolk des Gebiekes Hessen-Nassau, benachbart den Kameraden der Saar, tritt zu einem gewaltigen Treuebekenntnis für das Saarland an. Eine Saarstaffel wird am 27. und 28. Juni West- deutschland durchlaufen. Von Zweibrücken, an der Grenze ausgehend, führt sie auf fünf verschiedenen Straßen durch die fünf Oberbanne des Gebiets Hessen-Nassau, Frankfurt, Limburg, Starkenburg, O b e r h e s s e n und Rheinpfalz, und findet ihr Ende in Frankfurt a. M. 30 000 Jungvolkpfimfe tragen die Staffeln mit den Urkunden, ein Treue- gelöbnis zur Saar, in ihren Händen über Taufende von Kilometer hinweg, im Lauf, fahrend, reitend, Bäche und Ströme durchschwimmend, so, wie es Zeit und Ort erfordert. Im Lauf hämmert sich all den Jungens, sei es zu nächtlicher Stunde, wenn der blasse Mond am Himmel steht, sei es im ersten Morgengrauen ober in der Gluthitze der Mittagsstunde, hämmert sich ihnen das Bewußtsein ein, für eine große Sache hier zu streiten, ein kleines und doch verantwortliches Glied einer langen Kette zu fein und jede Staffelübergabe wird zu einem neuen Treuefchwur für das Grenzland. Eine Nacht und einen Tag durcheilen die flin- fügen können. Besondere Beachtung fand auch das Beet mit den geschützten Pflanzen. Der Rundgang flinken Läufer Westdeutschland. Am Abend des führte dann zu dem sogenannten Alpinum, den 28. Juni, am. Tage der Unterzeichnung des Ver- Steinpflanzen, die eine kleine Welt für sich bilden sailler Diktats, treffen um 23 Uhr die Endläufer in und deren ursprüngliche Heimat die kargen und Frankfurt a. M. auf dem Börsenplatz ein. In allen erbarmen Gebirgshänge sind, wo sie jeglichen größeren Orten sind bann, umrahmt von Kund-, Witterungseinflüssen ausgesetzt, nur durch engste gedungen, die Urkunden feierlichst verlesen worden. Lebensgemeinschaft im sogenannten Polsterwuchs In Frankfurt a. M. werden die Urkunden nun dem kurzstengelig und äußerst genügsam ihr Dasein Gebietsführer Walter Kramer im Rahmen einer , fristen. Die verschiedenen Einflüsse, denen sie ausgroßen Saarkundgebung überbracht. \ gesetzt sind, bedingen ihren eigentümlichen kleinen Volksgenossen! Zeigt eure Verbundenheit mit den Wuchs. In ihrer Farbenmannigfaltigkeit erfreuten deutschen Brüdern an der Saar, zeigt eure Anteil- besonders. nähme an den Werken eurer Jugend! Der Staffel- Rachdem noch das Beet mit den einheimischen lauf soll ein Fanal der Geschlossenheit und des Ein- . Pflanzen besprochen war, fand der Rundgang mit r ' ~ ' ' — ■ - , einer Besichtigung des Kakteenbeetes, des Wasser- Reichsbund Volkstum und Heimat. Wie alljährlich, veranstaltete die „Stiftung für V o l k s v o r tr ä g e aus der deutschen Geschichte" am vergangenen Sonntag einen Vortrag an der „Deutschen Wacht" in Obersteinberg. Bürgermeister Schäfer (Watzenborn-Steinberg) begrüßte die zahlreich erschienenen Zuhörer aus Stadt und Land in herzlicher Weise. Dann sprach Dr. Michel (Gießen) in Vertretung des verhinderten Kreisringführers im RVH., Gg. Heß. Er betonte die Verdienste des Vortragenden, Geh. Med.- Rat Sommer, um die Erforschung unserer Heimatgeschichte und um die Verbreitung heimat- geschichtlichen Wissens in der ländlichen Bevölkerung, und gab die Eingliederung der Sommerschen Stiftung in den Reichsbund Volkstum und Heimat bekannt. Nach einem wirkungsvoll oorgetraaenen Chor der Watzenbörner Schulkinder unter Leitung von Rektor Bender sprach Geh. Med.-Rat Sommer auf Grund eigener Forschungen in leicht faßlicher und volkstümlicher Weife über den „Hessischen R e n n w e g ", der von Thüringen kommend nördlich Alsfeld über den Höhenzug südlich Marburg führte, bei Friedeihausen an der engsten Stelle des Lahntales die Lahn überschritt und dann durch den Krofdorfer Forst in Richtung Herborn nach dem Rhein weiterzog. Die Höhen des Rennwegs waren von der „Deutschen Wacht" aus Deutlich am Horizont erkennbar. Im Zusammenhang mit den Funden am Rennweg forderte der Redner die Einrichtung von Ortsmufeen zur Weckung heimatgefchicht- lichen Verständnisses in der Bevölkerung. Ein Plan vom Hohensolmsschen Bergwerk am Altenberg ließ Spiel am Meer. 23on Grete Masse. Drei Wochen sind sie auf dieser herrlichen Insel, die in diesen Sommertagen mit ihren guten Gaben nicht geizt, sondern alles hergibt, was die Menschen, die zu ihr gekommen, erfreuen kann. Auch die Menschen sind unter diesem Himmel, an diesen Küsten gelöster, bewegter, höher gestimmt als in ihrer gewohnten Umgebung. Was Bettina betrifft, so findet Bob die Bettina am Meer noch weit schöner als die Bettina in der Stadt. Die Sonne holt Kupfer aus ihrem Haar und zaubert aus den Augen ein Kornblumenblau hervor, wie es ihnen in Berlin so strahlend nicht zu eigen gewesen. Außerdem tönt sich ihre Haut allmählich wunderbar braun. Bob ist nicht allein berauscht von dieser Bronze, diesem Kupfer und dem tiefblauen Schimmer zwischen den Wimpern, alle Männer am Strand find in gleicher Weise bezaubert. Doch Bob lächelt überlegen. Und dieses Lächeln scheint allen, die es angeht, sagen zu sollen: „Wettkampf zwecklos! Diese Bettina ist Eigentum von Bob!" Zwar hat er das nicht verbrieft und besiegelt. Aber Bob, der Filmstar, kennt keinen Zweifel an Ruhm und Erfolg, keinen Zweifel an der Liebe der Frauen zu ihm. lieber seine Sekretärin ergießt sich an jedem Morgen wie Lawinensturz die Flut der Liebesbriefe für den Filmliebling. Und da sollte einzig das Mädchen Bettina eine Ausnahme machen? Dem Professor Frank Forst ist am Strande ein Glas aus der Brille gefallen. Da steht er nun, schwer und unbeholfen, in feiner ganzen Hilflosigkeit, die bei ihm besonders komisch wirkt, weil er öen wuchtigen, breitgebauten Körper eines Hünen besitzt. Jetzt, da er die Brille abgenommen hat, wird der harmlos kindliche Blick seiner Augen erst völlig offenbar Sie scheinen das einzig Ruhige in diesem häßlichen, faltendurchpflügten Gesicht, in dem die Muskeln der Wangen und der Schläfen |o oft in leise zitternder nervöser Bewegung sind. Das Wasser nahe dem Strande teilt sich mit Rauschen vor den starken, pfeilschnellen Stoßen einer Schwimmerin. Zu Füßen des Professors vergraben sich lange, schongegliederte Finger suchend in den Dünensand. (Eine Hand hebt sich empor und hält — ganz nahe vor die kurzsichtigen Augen des Professors — auf ihrer braungetönten Innenfläche ein Brillenglas, das jetzt im Licht der Sonne, die in Scheitelhöhe steht, — glitzert und in bunten Farben brennt. „O vielen Dank, Fräulein Bettina! Sehr vielen Dank!", sagt der Professor. Nun, da ihre Hilfe nicht mehr nötig ist, kommen auch Thefie und Trixie angestürmt, daß der aufgewirbelte Sand um ihre mageren Waden spritzt. Bob kann diese siebenjährigen Zwillinge mit den eidottergelben Haaren und den hellroten, plappernden Mündchen, die die Sätze wie kleine Trompetenstöße vor sich herstoßen, nicht leiden. Ewig drängen und hängen sie sich an Bettina, fahren mit ihr im Segelbot, flitzen bei Spaziergängen in den Dünen wie kleine Kobolde um sie herum, buddeln sich neben sie in den Sand, wenn Bob gerade Gelegenheit hätte, durch geistreiche Gespräche Bettina zu beweisen, daß er nicht nur ein schöner, sondern auch ein belesener Mann ist, der die moderne inländische und ausländische Literatur gründlich kennt. Bettina sagt zwar nachsichtig, daß Thesie und Trixie ja Waisen seien, denn ihre Mutter ist gestorben und ihr Vater, der Professor — ach, er muß selbst beinahe noch gegängelt werden, damit er in den Fährnissen des Lebens nicht zu Schaden kommt, er kann kein Halt für die Kinder fein. Aber ist Bettina eine Samariterin? Bob findet, daß sie keine Samariterin zu fein hat, besonders nicht hier am Meer, wo sie sich, indessen die gias- grünen Wogen rollen, donnern und überstürzen, daraus abzustimmen hat, daß die Stunde kommen wird, in der Bob ihr seine Liebe erklärt. Aber Bettina scheint sich nicht nur zur Samariterin berufen zu fühlen, sondern auch zur Gouvernante. Seit jenem Augenblick, da sie wie eine Nixe aus dem Wasser emporgetaucht ist und dem Professor sein Brillenglas aus dem Sand herausgesucht hat, greift sie mit den bräunlichen, lebenswarmen Händen in seinen Tag und in sein Dasein. Sie dirigiert ihn hierhin und dorthin. Sie macht ihm einen Stundenplan, auf dem verzeichnet steht, zu welchen Stunden er zu baden habe, zu welchen zu essen, wann zu promenieren, wann die Post zu beantworten und wann zu ruhen. Steht der Gelehrte scheu, verlassen und unglücklich umher, so eilt sie hinzu, sucht ihm einen Platz, eine Beschäftigung oder ein Gespräch mit einem Kurgast. Bob beschließt mit Ingrimm, sowohl Bettinas Samaritertum sowie Bettinas Gouvernantentum ein schnelles Ende zu bereiten. Er fragt sie mit seinem sieghaftesten Lächeln, ob sie seine Frau werden wolle. Und Bettina sagt: „Ja!" Nun heißt es für Bettina Abschied nehmen vom Meer, von den Muscheln, den Seesternen, den Dünen, dem Strandkorb, von Thesie und Trixie, von dem Professor und von Leuten, die sonst unangenehm sein mochten, die aber hier, bei Sonne, See und Strand, angenehme Begleiter und Kameraden gewesen. Bob will die Braut nun zurückbringen nach Berlin. Die besonnte, gebräunte, vom Meerwind umhauchte, in beseligender Schönheit schimmernde Bettina will er den Blicken der Bewunderer und Anbeter entziehen. Thesie und Trixie und ihr Vater sind am Landungssteg, als das Schiff Bob und Bettina davon trägt. Sie winken alle drei. Die Kinder mit ihren kleinen Tüchern, der Professor mit seinem größeren. Im Eifer des heftigen Windes eilen thesie und Trixie der Spitze des Landungssteges zu und eilen blindlings weiter, bis sie plötzlich keine Bretter mehr unter den Füßen haben, sondern die Luft ... Das grüne Meer schlägt zusammen über den gelben Schöpfen von Thesie und Trixie. Bettina sieht vom Schiff aus, wie der Professor in voller Kleidung den Beiden nachspringt, und schreit auf: „Er kann ja gar nicht schwimmen! Er kann ja gar nicht schwimmen!" Nun, sie werden alle drei von Schiffern rascher aus dem Meere herausgeholt, als sie hineingekommen sind. Der Professor steht noch auf der Brücke und wringt das Wasser aus seinem Leinenjackett, als er sieht, daß das Schiff sich dreht und Bettina zurückbringt. „Nie verlasse ich dich! Nie verlasse ich dich!" stammelt sie zwischen Lachen und Weinen, als sie ihn mit beiden Armen umschlingt. Sie wird gar nicht gewahr, daß das Schiff sich schon wieder entfernt hat und mit ihm Bob, der Bettina niemals wieder sehen will. Neues über die Schlacht bei Belke-Alliance. Ein merkwürdiges Urteil des Herzogs von Wellington über Napoleon und neue Einzelheiten über die Schlacht bei Belle-Alliance werden aus dem unveröffentlichten Tagebuch des Privat- fefretärs des englischen Feldherrn, General Allan, in der Times mitgeteilt. Unter dem 15. Juli 1815 schreibt er: „Ich hatte mit dem Padrone (Wellington) ein Gespräch über die Schlacht und die folgenden militärischen Operationen. Ich fragte ihn, was er jetzt über Bonaparte als Feldherrn dächte und ob die letzten Ereignisse ihm eine bessere oder schiech- tere Meinung von seinen militärischen Fähigkeiten beigebracht hätten. Er sagte, sein Urteil über Bona- parte bleibe unverändert; dieser habe nichts Besonderes oder Außerordentliches als Feldherr geleistet; er t)abe ihn stets für einen großen Draufgänger gehalten, der erbittert um ein bestimmtes Ziel kämpfte, aber keinen Ausweg wußte, wenn fein Hauptangriff mißlang; bei der Schlacht von Waterloo habe er die beiden Dörfer und das Gelände zwischen ihnen so lange angegriffen, wie er feine Truppen Vorwärtstreiben konnte; aber in all dem sei wenig Manövrierkunst und nichts von dem gewesen, was man früher großes Feldherrnturn nannte, weder im Entwerfen des Planes noch in feiner Ausführung. Ich fragte ihn, ob er glaube, daß Napo- leon den besten feiner Marschälle überlegen sei. Er antwortete: „Nein; es sei seiner Meinung nach kein Unterschied." Allan schreibt weiter, daß Wellington von der Schlacht mit Ausdrücken des Entsetzens gesprochen habe; er wiederholte, daß ihm niemals ein Kampf so viel Aufregung, Angst und Pein bereitet habe. Von den englischen Truppen hätten sich nur die alten Regimenter, die unter ihm schon im spanischen Feldzug gedient hatten, gut bewährt; die übrigen hätten vielfach nicht stan'dgehal- ten. Bei den Franzosen lobte er die Kühnheit der Reiterei; die Infanterie sei jedoch ziemlich feige gewesen und bei jeder Gelegenheit vor dem Feuer der Artillerie zurückgewichen. „Ich fragte den Padrone," fährt der General fort, „was zu dem plötzlichen und vollständigen Zusammenbruch der französischen Armee geführt habe. Er sagte, der Feind sei, nach, dem ein Generalangriff auf seine linke Flanke miß. hingen war, mit großer Hast und in völliger Unordnung zurückgegangen. Bald danach habe er beobachtet, wie das Feuer der Kolonnen des Generals von Bülow in der Flanke und der Nachhut des Feindes rasche Fortschritte erzielte. Er sah, daß et den Feind mit einem gewissen Erfolge angreifen konnte, und befahl sofort den Vormarsch auf der ganzen Linie. Obwohl die Truppen feit dem Morgen gefochten hatten und infolgedessen sehr ermüdet waren, wurde der Angriffsbefehl doch mit allgemeinem Beifall ausgenommen und das Vorrücken erfolgte mit bewundernswerter Schnelligkeit." Aus geschichtlichen Darstellungen wissen wir, daß auch der große Korse in entscheidenden Situationen manch- mal versagt hat. Diese Aeußerung Wellingtons aber dürfte ihn doch in einem zu ungünstigen Licht erscheinen lassen. Sonnwendseuer Der SZ.brennen in Oberheffen Oberhessen ...in Alten-Buseck. In festem Marschtritt der Hitlerjugend zogen auch wir auf die Höhe unseres Dorfes, die sogenannte Windluck. Im Halbkreis formierten sich HI. und BdM. um den dort aufgeschichteten Holzstoß, der bald mit seinen Flammen künden sollte: auch unsere Jugend Bürgermeister-Jubiläen. Am gestrigen Dienstag, 26. Juni, konnte Bürgermeister Hoppe in Nonnenroth (Kreis Gießen) auf eine 25jährige Amtstätigkeit als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde, in der er am 23. Januar 1873 geboren wurde, zurückblicken. Er ist der an Dienstjahren zweitälteste Bürgermeister und einer der letzten fünf noch im Amte befindlichen Bürgermeister des Kreises Gießen aus der Vorkriegszeit. In seiner Gemeinde sowohl als Bürgermeister wie als Mensch beliebt und geschätzt, erfreut er sich auch sonst in weiten Kreisen größten Ansehens und allgemeiner Wertschätzung. Unter seiner Leitung hat sich die Gemeinde Nonnenroth trotz der schwierigen Zeitverhältnisse der Kriegsund der Nachkriegszeit außerordentlich gut entwickelt, und stellt ein blühendes Gemeinwesen dar. Bürgermeister Georg Krauß in Wetterfeld (Kreis Schotten), kann am 1. Juli sein 30jähnges Dienstjubiläum feiern. Mathildenstist Butzbach (Bezirksspartasse). ... in Lich. Wir marschieren in einen schönen Sommerabend. Ueberall herrscht feierliche Stille. Schweigend marschieren wir auf unser Ziel los. Wir ziehen zum Sonnwendfeuer, dem Feuer der deutschen Jugend. Wir sind auf der Kuppe des Berges angekommen. Dor uns ist der gewaltige Holzstoß aufgerichtet. „Weit laßt die Fahnen wehen ..singen wir. Der Scharführer spricht einige Worte zu uns über den Sinn der Sonnenwende. Nach Sprechchoren und Feuersprüchen wird die Botschaft des Reichsjugendführers oorgelesen. Dann steht der vorher in der Dämmerung dunkel erschienene Holzstoß in hellen Flammen. Ein Sprecher lenkt unsere Gedanken hin zu unseren Toten. „Vorwärts, vorwärts" klingt in die Nacht ... Die Feier in Heuchelheim. Die Hitlerjugend des Standortes Heuchelheim beging das Fest bep Sommersonnwende gemeinsam mit der dortigen BDM.-Gruppe. Nachdem die Nacht über das Land gesunken war, marschierte die Heuchelheimer Jugend hinauf zu einer kurz vor dem Dorf gelegenen Höhe. Der Ring um den Holzstoß wurde geschlossen. Dann stiegen die Flammen zum Himmel. Man sah am Horizont Feuer aufleuchten. Feuer der Jugend, die genau wie wir um den Holzstoß versammelt war, um das gleiche Bekenntnis abzulegen. Sprechchöre und ein Lied der'BDM.- Gruppe leiteten über zum Gedächtnis an die Toten des Weltkrieges und der Bewegung. Der Kamerad- A Volksschulen: Grünberg (G), Göbelnrod (Göb), Lauter (L), Stockhausen (St) und Weickartshain (W). I. Knaben der Altersklasse 19 22/23 (59 Teilnehmer, 23 Sieger): 1. G. Schlüter (G) 26 P.; 2. H. Lein (G) 61; 3. H. Bücher (G), H. Schmidt (Göb) 60; 4. K. Weber (Göb) 56; 5. E. Schäfer (L) 55; 6. E. Becker (Göb) 54; 7. K. Thom (G) 52; 8. W. Keil (G) 50; 9. K. Becker (Göb), R. Muth (G), Fr. Rebensberger (G), O. Wolf (G) 49; 10. P. Kalk (W) 48; 11. W. Grutsch (G), E. Konradi (L) 46; 12. W. Grüning (G), E. Herber (W) 45; 13. Fr. Appelfelder (G), Fr. Gehringer (G), W. Herdt (G) 44; 14. Kl. Rühl (G) 41; O. Schmidt (Göb) 40 Punkte. — II. Mädchen der Altersklasse 1922/23 (41 Teilnehmerinnen, 12 Siegerinnen): 1. H. Christ (G) 56 P.; 2. I. Rieb (L) 48; 3. E. Richter (G) 46; 4. M. Knapp (G) 45; 5. L. Wenzlau (G) 43; 6. H. Gehringer (G) 42; 7. M. Groß (L), G. Ritter (G), M. Schenk (G), M. Stühler (G), M. Wiegand (G) 40 Punkte. — III. Knaben der Altersklasse 1920/21 (57 Teilnehmer, 19 Sieger): 1. H. Thom (G) 56 Punkte; 2. O. Bingmann (St), G. Hense (L) 48; 3. E. Junker (L) 47; 4. Fr. Krumm (G) 46; 5. A. Krauß (St), E. Repp (G)< R. Suhr (G) 44; 6. E. Friedrich (G), E. Römer (W, K. Schmidt (L) 43; 7. H. Kühn (G), H- Ruhl (G), E. Stock (G) 42; 8. H. Bender (G), W. Schombex (Göb) 41; 9. H. Schulz (Gob), O. Unger (W), R. Wiehner (G) 40 Punkte. — IV. Mädchen der Altersklasse 1920/21 (48 Teilnehmerinnen, 6 Siegerinnen): 1. E. Schlüter (G) 53 Punkte; 2. R Hilmer (G) 44; 3. E. Sauer (G) 42; 4. E. Kroll (L), M. Schmidt (L) 41; 5. H. Graulich (St) 40 P. 8 Oberrealschule (römische Ziffern geben die Klasse an): I. K n a b e n d e r A l t e r s k l a s s e 1922/23 (29 Teilnehmer, 10 Sieger): L K. Theiß IV 63 Punkte; 2. K. Ide IV 59; 3. W. Menges VI 58; 4. H. Reichert IV 54; 5. H. Sußner V 53'; 6. H. Hagen IV 50; 7. H. Krämer V, W. Junker IV 47; 8. O. Hölzer V, G. Weisel VI 46 P. — II. Mädchen der Altersklasse 1922/23 (12 Teilnehmerinnen, 6 Siegerinnen): l.H. Allmendinger V, R. Bitsch IV 56; 2. H. Müller V 51; 3. E. Kreuder V 46; 4. H. Lehr V 45; 6. G. Klein V 43 P. — III. Knaben d e r Altersklasse 1920/21 (24 Teilnehmer, 14 Sieger): 1. H. G. Röhm Ilb 77 P.; 2. R. Roth Illa 63; 3. C. Bäh Illa, W. Fischer Illa 59; 4. H. Keller Illa 57; 5. E. Feichtenbeiner Illb 56; 6. A. Kreutzer Illb 51; 7. D Jüngst Illb 48 P.; 8. K. Hofmann Illb 47; 9. W. Schmidt IV 43; 10. M. Keil IV, R. Rinker Illb, H. Stein IV 42; 11. L. Reichert Illb 40 Punkte. — Mädchen der Altersklasse 1920/21 (12 Teilnehmerinnen, 3 Siegerinnen): 1. H. G. Probst Illa 52 P.; 2. R. Görg Illa 44 P.; 3. N. Sehrt Illa 40 Punkte. — Knaben der Altersklasse 1918/19 (19 Teilnehmer, 7 Sieger): 1. W. Kerl Illa 72 P.; 2. H. Keller Ilb 64; 3. R. Manz Ila 59; 4. L. Dönges Ilb 54; 5. Fr. Ritter Illa 51; 6. H. Listmann Ila 43; 7. K. Horst Illa 41 Punkte. In dieser Stufe errang bei den Kämpfen der Hitlerjugend H. Melchior (Weickartshain) 50 Punkte. — Mädchen der Altersklasse 1918/19 (5 Teilnehmerinnen, 2 Siegerinnen): 1. G. Kappes Ilb 58 P.; 2. H. Kohlbach Ila 43 P. — S ch ü l e r d e r Altersklasse 1916/17 (19 Teilnehmer, 4 Sieger): 1. O. Melchior Ib 52 P.; 2. H. Bopp Ib 50; 3. W. Hahn Ila 46; 4. W. Meckbach la 41 P. — Schüler der Altersklasse 1915 unb früher (15 Teilnehmer, 3 Sieger): 1. K. Schmitt la 58 P.; 2. W. Bornscheuer la 42 P.; 3. E. Stein ist am Feuer. SA., politische Leitung unb zahlreiche Dorfbewohner hatten sich eingefunben, um gemeinsam mit ber Jugend Sommersonnenwende zu feiern. Das Lied „O, Deutschland hoch in Ehren" und von HI. und BdM. gemeinsam gesprochener Sprechchor eröffneten die nächtliche Feier. Der Holzstoß brannte und mächtige Feuergarben stiegen zum Himmel empor. Bürgermeister Kahl hielt eine Ansprache, in der er den Willen unseres Volkes zur Freiheit zum Ausdruck brachte. Dann sprach die BdM.-Gruppen- führerin Mathilde Naumann in begeisterten Worten zur Jugend über den Sinn der Sommersonnenwende und über den alten Brauch unserer Vorfahren für diesen Tag. Nun soll das Feuer das Symbol der Einigkeit sein, in dessen Flammen Zwietracht und Klassenhaß verbrennen und aufleuchten soll die Liebe zu Volk und Vaterland. Zum Schluß bat sie den Herrn des Himmels und ber* Erbe, baß er bie Herzen rein unb stark machen möge für bie hohen Ideale, vor bie uns unser vielgeliebter Führer Abolf Hitler gestellt hat, auf ben sie ein dreifaches „Sieg-Heil!" ausbrachte. In die nächtliche Stille erklang sodann das Lied ber Hitlerjugenb „Vorwärts, vorwärts schmettern bie hellen Fanfaren". Anschließenb sprach Orts- gruppenleiter F r e u n b mahnenbe Worte zum Einsatz unseres ganzen Lebens für ein einiges, freies Deutschlanb. Mit bem Horst-Wessel- unb bem Deutschlanblieb fanb bie feierliche Sommersonnen- wenbfeier ihren Abschluß. 0 Butzbach, 25. Juni. Im „Hess. Hof" hier- selbst fanb bie biesjährige orbentliche Mitglie- berversammlung bes Mathilbenftifts Butzbach (Bezirkssparkasse) statt. Sämtliche 20 Garantiegemeinben waren vertreten. Außer- bcm waren erschienen als Vertreter ber Aufsichts- behörbe Dr. Bolz vom Kreisamt Friebberg, ber Dorsitzenbe bes Heß. Sparkassen- unb Giroverban- bes, Oberbürgermeister a. D. Rahn, Darmstabt, Direktor Seipp von ber Lanbeskommunalbank- Girozentrale für Hessen in Darmstabt, bie Mitglie- ber bes Derwaltungsrates unb ber Dorstanb. Der Dorsitzenbe, Direktor Falter, erstattete nach einleitenben Begrüßungsworten ben G e - jchäftsbericht und die Jahresrechnung für 19 3 3, ebenso wurde die Aufwertungsbilanz für 1933 vorgetragen. Sämtliche Punkte der Tagesordnung wurden einstimmig genehmigt. Aus dem Geschäftsbericht ging hervor, daß auch im Jahre 1933 die Sparkasse eine günstige Entwicklung zu verzeichnen hatte. Die Bilanzsumme beträgt 7 660 000 Mark, gegen 7 513 000 im Vorjahr. Die Spareinlagen haben sich von 6 278 000 Mark auf 6 416 000 Mark erhöht. Die Anzahl der Sparkonten ist von 7794 auf 8128 gestiegen, gleich 197,5 v. H. des Vorkriegsbestandes. Daß ein gesunder Sparwille vorhanden ist, beweist ferner, daß auf jeden zweiten Einwohner des Sparkassenbezirks ein Sparbuch des „Mathildenstifts" entfällt. Die Depositen-, Scheck-, Giro- und Kontokorrenteinlagen betrugen Ende 1933 475 660 Mark, die Aufwertungsbilanzsumme 1116 760 Mark. Die Sicherheit der Einlagen ist nach wie vor in gleichem Maße unbedingt vorhanden. Die hereingenommenen Gelder sind satzungsgemäß wie folgt angelegt: Hypotheken 3 204 019,08 Mark; Kaufgelder 719 491,35 Mark; Schuldscheine an Gemeinden, Kirchen usw. 859 137,12 Mark; Schuldscheine an Private mit Bürgschaft 275 353 Mark; gegen Verpfändung von Wertpapieren 14 829,78 Mark; Kontokorrentkredite 817 027,75 Mark; Wechsel 9385,17 Mark; eigene schaftssührer im Bannstab 116 Alwin Rüffer hielt dann die Feuerrede: Die Flammen, die heute abend auf allen deutschen Höhen aufleuchten, sollen sein das Bekenntnis der neuen Jugend zum Staat Adolf Hitlers, sollen der Welt sagen, daß diese neue deutsche Generation alle Hemmnisse überwinden wird, die sich ihr in den Weg legen, und daß ihr Kampf erst dann sem Enbe gefunden hat, wenn das Reich der Große, Macht und der Herrlichkeit Wirklichkeit geworden ist. Unseren Brüdern aber an der Grenze sollen diese Feuer neue Kraft geben, im Glauben an Deutschland weiter auszuharren bis zu dem Tag ihrer Er- lö ung. Mögen diese Flammen aber auch all das verbrennen, was sich heute noch am deutschen Volkskörper als Ueberbleibsel einer Weltanschauung breit macht, mögen sie verbrennen ben Geist ber Zwietracht unb bes Stanbesbünkels. Das Sonnen- rab, einst von unseren Vorfahren bie Berge hinuntergerollt, eilte burch bie Jahrhunberte bis jener deutsche Mann aus ber genauen Front es anhielt unb bas Symbol bes Lichtes zum Kampfeszeichen einer stolzen Bewegung erhob. Dieses Zeichen würbe bann Stunbe für Stunbe Tag für Tag mit bem Blute beutscher Helben begossen. Wir müssen bafur Sorge tragen, baß bieses Sonnenzeichen, bieses Hakenkreuz immer unb für alle Zukunft über Deutschlanb leuchten wirb. Das Feuer war niebergebrannt. Auch auf ben anberen Höhen war ber Feuerschein blasser geworben. Die Jugenb aber marschierte heimwärts, neu gestärkt im Glauben unb im Willen zum Hanbeln. Bannführung ber HI. 116. ... in Watzenborn-Steinberg. Die gesamte Jugenb von Watzenborn-Steinberg tritt an. Im Gleichschritt, voran ber Spielmanns- 3Ufl, geht es zum Pfahlgraben, wo schon vor 2000 Jahren unsere Vorfahren lobernbe Feuer angezun- bet haben. Sommerfonnwenbe an bem Ort, wo bas Auge weit über bas beutsche Lanb streift unb auf allen Höhen ringsum Feuer ber HI. schaut. Nach bem Lieb „Wir ziehn auf stillen Wegen ... ent- zünbet U. B.-Führer W. Buß mit einem Weche- spruch bas Feuer. In seiner Rebe führt er etwa folgenbes aus: Wir entzünben nicht lobernbe Feuer zum Abschluß ber Reichsjugenbwettkämpfe; ganz anberen Sinn hat unsere nächtliche Zusammenkunft. Wir wollen an ber heißen Glut bes (5onnroeno= feuers symbolisch unsere Herzen entfachen, nach alter Väter Brauch bem Führer Treue geloben, der uns seinen Namen ab, unb seine Person unb fein Werk bamit unlösbar mit uns zusammenfügte. Unter Trommelwirbel gebenten wir unserer Toten. Die Flamme sinkt zusammen; unser Lieb als unser Bekenntnis steigt zum Himmel. ... in Alsfeld. Sonnwenbfeuer 1934! Ueberall um unsere Stabt waren bie Holzstöße sternförmig aufgeschichtet Sie warteten auf bie Flammen, bie sie verzehren sollten. Um 9 Uhr heißt es: Stillgestanben! Der Führer gebietet Schweigen. Die Schar marschiert im ©leid)1 schritt ohne zu sprechen. Zivilisten suchen ben Weg zu unserem Holzstoß. Wir treten um ben Holzstoß, ein Sprecher tritt vor: „Der Holzstoß wartet auf bie Flammen, ich gebiete Schweigen. Die Flamme braust auf, unser Lieb „Flamme empor mit sich traqenb." Der Sprecher formt in Worten unsere Ge- banken. Die Botschaft bes Reichsjugenbführers wirb verlesen. Wir harren schweigenb, als bie Namen unserer Toten verlesen werben. Die Flammen schlagen auf, werben kleiner, sinken zusammen. Schweigenb marschieren wir ftabtroarts. um Frankfurt tiegenben Bahnhöfen Sonntagsfahrkarten nach ben Frankfurter Bahnhöfen aus- gegeben werben. Die Karten werben an allen Tagen vom 1. Juli bis 31. August 1934 ausgegeben unb gelten von 0 Uhr bes Spieltages vis 24 Uhr (spätester Antritt ber Rückreise) bes folgenben Tages. Zur Rückfahrt finb bie Karten nur bann gültig, wenn sie auf ber Rückseite ben Stempel ber Kasse ber Festspielleitung tragen. ** Mitglieberversammlung unb Sonnwenbfeier bes VfB. -Reichsbahn. Das Vereinsheim bes VfB.-Reichsbahn war gut besucht als ber Dereinsführer Baurat Nieberst r a ß e r bie Zusammenkunft eröffnete. Zum Nachfolger bes zweiten Führers, Herrn Overbeck, würbe Herr Rinn berufen. Herr Bellvff würbe zum ersten Schriftführer ernannt. Nachbem bie ** Ein Achtzigjähriger. In geistiger unb körperlicher Frische kann am morgigen Donnerstag, 28. Juni, ber Tapezier- unb Polftermeister Wilhelm Kutzschrab, Weibengasse 1, seinen 80. Geburtstag feiern. Der Jubilar geht noch heute seinem Berufe nach. Er biente einst beim 2. Garbe-Drago- ner-Regiment in Berlin unb ist einer ber Mit- begrünber bes im Jahre 1907 ins Leben gerufenen Kavallerievereins Gießen. Vor einigen Jahren würbe Herr Kutzschrab wegen seiner Verbienste um biesen Verein zum Ehrenmitglieb ernannt. Noch heute besucht er fast regelmäßig bie Versammlungen unb Feierlichkeiten bes Kavallerie- unb bes Garbevereins. Als alter Svlbat freut er sich befonbers, baß unter ber Führung Abolf Hitlers ber Solbat toieber zu Ehren gekommen ist. Der Jubilar wohnt seit 37 Jahren im Hause Weibengasse 1; seit bem 1. April 1884 ist er treuer Leser bes Gießener Anzeigers. ** Bilberschau eines pommer sch en Künstlers. Die Kunsthanblung Leib in ber Kirchstraße hat gegenwärtig einige sehenswerte Bil- ber aus ber Provinz Pommern ausgestellt, bie ber Hanb bes pommerschen Meisters R. Tarno- a r o ck i, entstammen, bes Neffen bes vor Jahren hier im Schorgraben verunglückten Leutnants Otto Tarnogrocki. Die Bilber zeichnen sich burch außerorbentlich feine malerische Auffassung unb sichere Beherrschung ber Farbe aus. ** Sonntagsrückfahrkarten z u ben Römerberg-Fe ft spielen in Frankfurt. Zum Besuch ber Römerberg-Festspiele in Frankfurt können von allen in einem Umkreis von 75 km auf ausgebehnte Eisenindustrie in jener Gegend in früheren Jahrhunderten schließen. Mit einem Appell | an die Zuhörer zur Mithilfe bei der heimatgefchicht- lichen Forschung schloß der Redner seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen, die m ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf unseren Reichs- Präsidenten, unseren Führer unb unsere schone Heimat ausklangen. Bürgermeister Schäfer sprach bem Rebner ben Dank ber Versammlung aus. Nach einem . munbartlichen Vortrag von Frl. B e n b e r würbe die Schuljugenb mit Brezeln bebacht. Dann folgte ber übliche Gang zum nahen Pfahlgraben, wo Geh.-Rat Sommer noch kurz ben Verlauf bes Pfahlgrabens unb ben Sinn bes Barbarensteins erläuterte. Nachbem Lehrer Immel (Gießen) noch einige Flurnamen in ber Näbe bes Pfahlgrabens gebeutet hatte, fanb bie erfolgreiche Veranstaltung mit bem gemeinsam gesungenen Deutschlanblieb ihr Enbe. Die Gonnenwendfeier der Gießener Weifen. Am vergangenen ©amstagabenb zogen bie Fähnlein des Stammes Welfen hinaus, um sich zur Sonnenwendfeier bei Kinzenbach zu vereinigen. Eine Jungenschaft hatte schon am Nachmittag den mächtigen Holzstoß auf den für diesen Zweck geradezu geschaffenen Platz aufgebaut. Der Stamm bildete ein weites Viereck um den Feuerstoß, besten Flammen bald prasselnd gen Himmel schlugen Fast gleichzeitig flammten auch die vielen anderen Feuer in der Ferne auf und leuchteten zu uns herüber. Der Leitgedanke der Feier war „Jugend von Neunzehnhundertvierzehn, Jugend von heute". Sie bildete ein Bekenntnis zu dem Wort des Reichsjugendführers Baldur von Schirach. Deutschlands Jugend sehe in der Wendenacht auf das Vermächtnis ber Solbaten bes Weltkrieges. Hitlerjugenb bekenne sich beswegen zur Front, weil sie sich als Trägerin bieser sozialistischen Trabition empfinbe, die bas „Wir" ber Gemeinschaft hoher stelle als bas „Ich" bes einzelnen. Lieber unb Sprechchöre, begleitet von bem bumpfen Wirbel ber Trommeln, folgten in raschem Wechsel. Die Feier schloß mit dem Horst-Wessel-Lieb unb bem Lieb ber beutschen Jugenb. Sobann zogen bie Iungenschaften in die Nacht hinaus auf Fahrt. 3bn. 1/116. BornoNzen. — Tageskalender fürMi11woch. NSLB. und Reichsbund für Volkstum und Heimat: 15.30 Uhr, Caf6 Leib, Kreiskonferenz mit Vorträgen von Dr. K. R. Fischer und Dr. ©pilger. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Meisterboxer"; 22.45 Uhr: „Die Insel der Dämonen". — Bergschenke: 20.15 Uhr, 4. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle. la 40 Punkte. Landkreis Gietzcn. I Garbenteich, 26. Juni. Am vergangenen Sonntag machte die evangelische Frauen- Hilfe einen Ausflug nach Bad-Nauheim. In zwei Postautos, die die 80 Teilnehmer faßten, ging die Fahrt durch die Wetterau nach dem Zielort. Zunächst wurden nach der Ankunft die technischen Anlagen des Bades unter sachkundiger Führung besichtigt. Die unterirdischen Anlagen erregten große Bewunderung. Ebenso bot die Besichtigung des William G. Kerckhoff-Jnstituts viel Sehenswertes. Nach einer Mittagspause wurde der Wetterauer Reformations - Jubiläumsgottesdienst in der Dan- keskirche besucht, der in seiner Ausgestaltung einen Gottesdienst aus Luthers Zeit erleben ließ. Ein Gang durch den Kurpark unb auf ben Johannesberg zeigte Bab-Nauheim in feiner lanbschaftlichen Schönheit. Der Ausflug war ein Tag reichen Erlebens. ? Lich, 26. Juni. Die L i ch e r B a n k e. G. m. b H., L i ch hielt am vergangenen Samstagnachmittag ihre biesjährige Generalverfammlung in Steins Saalbau ab. Nach ber Eröffnung burch ben Auffichtsratsvorfitzenben Lubwig Häuser erstattete bieser im Anschluß baran ben Bericht über bas verflossene Geschäftsjahr unb bie in bemfelben statt- gefunbene gesetzliche Revision. Aus bem Geschäftsbericht war zu entnehmen, baß bie Aufwärtsbewegung auch im verflossenen Jahr festzustellen war. Am Enbe bes Geschäftsjahres betrug bie Mitglie- ber zahl 364 mit 432 Geschäftsanteilen, bie eine Haftsumme von 266 000 Mark vertreten. Im Geschäftsjahr 1933 war bei 15 065 Buchungsposten ein Umsatz von 5 858 243,50 Mark zu verzeichnen. Die Zahlungsbereitschaft hatte sich um runb 82 000 Mark erhöht, so baß bie Bank am 31. Dezember 1933 über 237 759,36 Mark flüssige Mittel verfügen kannte. Die Spareinlagen vermehrten sich im Geschäftsjahr um 24 145,09 Mark unb bie Einlagen in laufenber Rechnung um 34 037,24 Mark. An Darlehen unb Hypotheken würben 17 000 Mark neu ausgeliehen, bagegen würben von Schulbnern 11114 Mark zurückgezahlt. Diese beiben Zahlen finb ber beste Beweis bes wirtschaftlichen Aufstiegs. Die Darlehen gegen Hypotheken unb Schulbschein betragen 282 393 Mark, in laufenber Rechnung 176 483,85 Mark, ber Wechselbestanb 3 310,48 Mark, Wertpapierkonto 8164,80 Mark, Bankguthaben und Kassenbestanb 252 278,35 Mark. Die Geschäftsgut- haben ber Mitglieber betragen 21 160,20 Mark, bie Reserven 18 520 Mark, Betriebsrücklagen 15 388,45 Mark, bie Spareinlagen 597 676,55 Mark, Einlagen in laufenber Rechnung 67 344,85 Mark. Der Reingewinn ist mit 6540,31 Mark ausgewiesen. Auf bie eingezahlten Geschäftsanteile werben 5 v. H. Divi- benbe vergütet. Jahresrechnung unb Bilanz würben einstimmig genehmigt unb bem Dorstanb und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Durch Aenderung im Re- visionsoerband und Eingang der Zeitschrift des Hesfen- landes wurde eine Statutenänderung notwendig, die ebenfalls widerspruchslos genehmigt wurde. Bei den Ersatzwahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat wurde der Vorstand und Aufsichtsrat um je ein Mann erweitert. Dem Vorstand gehören an: F i - scher, Heinrich Müller, H. Schmidt VIII., Wilhelm Seite, H. Märle, Ludwig W a l f f II. Der Aufsichtsrat besteht aus: Ludwig Häuser (Vorsitzender), Christian Fischer, Heinrich B a r z, Heinrich Karl Schäfer, Gg. Schnabel, Heinrich Bäcker VI. (Muschenheim), Heinr. Schmidt (Dorf-Gill), Wilhelm Bauer (Albach). (D Grüningen, 26. Juni. An der sogenannten Warte wurde am Samstagabend die Sonnenwendfeier für die Ortsgruppe Grüningen der NSDAP, veranstaltet. Ortsgruppenleiter Mar- steller begrüßte die Teilnehmer und sprach über ben Sinn ber Sommersonnenwenbfeuer. Anschließenb folgten Lieberchöre unb Feuersprüche ber Hitlerjugenb, bes BbM. unb bes Jungvolks. Bei dem Gesang des Liedes „Flamme empor" wurde der mächtige Holzstoß angezündet. Pg. Betz- Wie- feck hielt alsdann die Feuerrede, bei der er u. a. sagte: Die Feuer seien das Symbol für die Glut, die in unserem Herzen brennen solle für unseren Führer, für unser deutsches Vaterland. Wir wollen erneut unserem Führer die Treue geloben unb versprechen, baß wir das heilige Feuer der Begeisterung in unseren Herzen weiterhin tragen werden. Unsere Jugend sei der Garant der nationalsozialistischen Idee. Die Jugend solle den revolutionären Geist weiterhin in iyren Herzen tragen unb ihn bis in seine letzten Konsequenzen burchführen. Nach einer kürzeren Ansprache eines Kamerad- schaftsführers ber Hitler-Jugenb hielt ber Ortsgruppenleiter bie Schlußansprache. Mit bem Deutschlanblieb unb dem Horst-Wessel-Lied fand die erhebende nächtliche Feierstunde ihren Mschluß« geschäftlichen Angelegenheiten erledigt waren, wurde von Herrn Overbeck die Siegerehrung der dritten Mannschaft oorgenommen, die ohne Punktverluste ihre Pflichtspiele 1933/34 erledigt hat. Fuß- ballfachwart Z i tz e r überreichte der dritten Elf ein Diplom und führte besonders an, daß diese Mannschaft ohne eine Herausstellung ihre Spiele erledigen konnte. Mitglied Belloff berichtete bann noch von einem Kursus in Ettlingen, an bem er teilgenommen hatte unb trug baburch mit zur Haltung bei. Dann versammelten sich bie Mitglieber auf bem Sportplatz um bie Sommer-Sonnwenbe feierlich zu begehen. Der zweite Führer hielt eine Ansprache: Sonnwenbfeier! Diesem altüberlieferten beutschen Brauch sei vom Nationalsozialismus wie- ber bit ihm von altersher zukommenbe Bebeutung beigemessen worben. An bicsem Tage habe seit altersher unser Volk baß Fest bes Sieges allen Lebens über ben Tob gefeiert unb barum feiern mir auch heute ben Sieg über bas Dunkel ber letzten Jahre zum Licht, zu bem uns bie nationalsozia- Mische Bewegung im Zeichen bes Hakenkreuzes führe Um biese Aufgabe erfüllen au können, brauchten wir gefunbe unb sportgeftahlte Männer und Frauen. Dies nach besten Kräften zu forbern fei unsere vornehmste Ausgabe. Es beburfe hierzu ber rührigen Mitarbeit aller Mitalieber. Mit bem Deutschlanb- unb bem Horst-Wessel-Lleb unb mit einem breifachen „Sieg Heil!" auf unser deutsches Volk, auf unseren ehrwürdigen Reichspräsidenten von Hindenburg und unseren Dolkskanz er Adolf Hitler fand die würdige Feier ihren Ah- fchluß. __ Wertpapiere 65 000 Mark; Kasse, Guthaben bei Banken einschl. Postscheckkonto usw. 764 131,75 Mk. Die Neuausleihungen mußten im Geschäftsjahre durch die Liquiditätsoorschriften unterbleiben. Erst durch die Verordnung des Hess. Staatsministeriums vom 13. Oktober 1933 wurde die Gewährung von neuen Darlehen und Krediten in gewissen Grenzen wieder gestattet. Durch die weitere günstige Entwicklung des Einlagegeschäfts konnte die Sparkasse seitdem ansehnliche Beträge für produktive Zwecke zur Verfügung stellen. Der Reservefonds beträgt 253 950,77 Mark, nach Zuschreibung des Reingewinns von 15 233,86 Mark. Die Mobilien stehen mit 1 Mark, die Immobilien mit 15 001 Mark zu Buch, das 'Geschäftsgebäude ist hierbei nur mit 1 Mark bewertet. Auch im Jahre 1933 brauchte bas Mathilbenstift keine fremben Mittel aufzunehmen. Die liquiben Mittel betragen zur Zeit über 800 000 Mark Nach Erlebigung ber Tagesorbnung schloß ber Dorsitzenbe mit breifachem Sieg-Heil bie Versammlung. Reichsjugendwetttämpfe in Grünberg. 4- ©rünbera, 25. Juni. Am Jugenbfeste würben hier bie sportlichen Wettkämpfe von ben beiben hiesigen Schulen (Volks- unb Oberrealschule), sowie ben Schulen von Göbelnrob, Lauter, Stockhausen unb Weickartshain gemeinsam burchgeführt. Im Zuge ging’s burch bie Stabt zur Turnhalle. Rektor Weisel sprach über bie Bebeutung bes Jugenbfestes. Freiübungen ber Mäbchen ber Volksschule unb gemeinsame Freiübungen von etwa 100 Knaben (Volks- unb Oberrealschule) unter Leitung von Lehrer Wenzel gingen ben Wettkämpfen voraus. Es beteUgten sich am Wettkampfe insgesamt 340 Schüler, 222 Knaben unb 118 Mäbchen, bavon konnten 110 bie zum Siege nötige Punktzahl erreichen. Die Siegerliste. Wehr und Waffen. Das Gol-atenpfer-. Don Oberstleutnant a. D. Benary. Seit Jahrtausenden ist es unser t r e u e st e r Kampfkamerad! In unaufhaltsamem Reiter- Qngrifs trug es uns, unsere Lanze, unser Schwert in die dichtesten Feindeshaufen. Vor dem Sichelwagen mähte es vor Jahrhunderten das Fußvolk dahin, wie die Schnitter die reifen Aehren. lieber Berge und Täler, durch Wüstensand und Trichterschlamm schleppte es Geschütze und Troßwagen, Munition und Verpflegung. Hitze und Kälte, hunger und Durst, Not und Tod teilte es mit uns. Die stumme Kreatur, sie hat für die kämpfende Menschheit, für uns Soldaten geduldig und willig Unendliches gelitten. Mit Recht war das Pferd unseren Vorfahren, den kampfbegeisterten Germanen, heilig. Mit Recht haben die Engländer, als verständnisvolle Pferdefreunde, dem Soldatenpferde, das wie der Mensch im Weltkriege seine höchste Probe zu bestehen hatte, ein Denkmal errichtet. Die Forderungen, die man an ein Soldatenpferd zu stellen hat, haben im Laufe der Zeiten mit den Kampfformen gewechselt, werden auch in Zukunft nach dem Kampfzweck, zu dem man es einsetzen will, verschieden sein. Der Ritter brauchte ein stämmiges, schweres Pferd, das Rüstung und Waffen zu tragen, dem Stoß seiner Lanze die nötige Wucht zu geben vermochte. Dem neuzeitlichen Patrouillenreiter ist ein flinkes, gewandtes Pferd lieber, das ihn rasch und sicher über das Gelände trägt und sein plötzliches Auftauchen und Verschwinden ermöglicht. Der Artilleri st des W e st e n s sah nach einem Zugtier aus, das die nötige Masse ins Geschirr brachte, um sein schweres Geschütz durch den zähen Lehm des Artois und der Pikardie in Stellung zu bringen. Der Kolonnenfahrer des Ostens zog das leichte Panjepferd und den leichten Panjewagen vor, denen auch der mahlende Sand Polens nichts anhaben konnte. Darum ist auch dem Soldaten der Wettstreit der Zuchten und Rassen letzten Endes gleichgültig. Ihm ist jede gleich lieb, vorausgesetzt, daß sie den Grundforderungen genügt, die er an seinen künftigen Kampfkameraden stellen muß. Gesundheit, Zähigkeit, Genügsamkeit, Willigkeit stehen voran. Ebenmäßigkeit, Schönheit des Körperbaues treten in zweite Linie. Ganz allgemein kann man sagen, daß sich kurzbeinige, vollrippige, leicht zu fütternde, warmblütige Pferde im Felde besser bewährt haben als hochbeinige, aufgeschürzte Warmblüter und überschwere Kaltblüter, die allzuviel Pflege und allzuviel Futter beanspruchen. Man muß es leider zugeben, daß das Pferd manchem Tiere, z. B. dem Hund, an Klugheit nachsteht. Es läßt sich nur im beschränkten Umfange für ganz begrenzte Kampfzwecke, wie z. B. die Pferde der Ritterzeit zum Turnierspiel, die Pferde der Steppenreiter (Spahis, Kosaken) zum Schießen vom Pferde, abrichten. Es kennt wohl seinen Reiter und Pfleger und folgt ihm handfromm auf Schritt und Tritt, harrt vielleicht auch bei dem Gestürzten, Verwundeten aus, wird aber nie zu einer selbständigen Handlung zu seinen Gunsten befähigt fein. Es ist von Natur mutig und kampffroh, war es doch in der Urzeit der Freiheit darauf angewiesen, sich der Raubtiere durch die Kraft seiner Hufe zu erwehren, ist aber in den Jahrtausenden der Knechtschaft geduldig und schwachmütig geworden, geht zwar in der Hand des Menschen oft scheinbar unberührt durch das Krachen der Granaten, das Surren der Flintenkugeln, erliegt aber, von ihr befreit, leicht kopfloser Panik. Als Sproß der Ebene und Weite besitzt es ausgeprägten Ortssinn, verläßt sich als ausgesprochenes Nachttier mehr auf die Augen als auf Nase und Ohren und wird besonders des Nachts feinen Reiter oft sicherer ans Ziel bringen als Karte und Kompaß. Seit wann das Pferd im Dienst des Menschen steht, läßt sich urkundlich nicht mit Sicherheit feststellen. Die Völker Mittelasiens, aber auch Mitteleuropas gelten als seine ersten Herren. Noch heute schweifen Wildpferde auf den hochgelegenen Step- pen Mittelasiens umher. In Amerika, wo das Pferd zur Zeit der Centdeckung durch die europäischen Völker ausgestorben war, treffen wir heute auf verwilderte Artgenossen. In Deutschland werden vom Fürsten Croy in Westfalen noch Wildpferde gehegt. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind mehrere Pferderassen vom Menschen ungefähr gleichzeitig gezähmt warden. Boden und Klima, menschlicher Züchtungswille haben diese Rassen vervielfacht. Zwei große Gruppen sind zu unterscheiden: Warmblut und Kaltblut. Beim Warmblut sondert sich wieder Vollblut vom Halbblut. Das Vollblut hat das arabische Vollblut mit seinen Abzweigungen in der Türkei und Nordafrika als Grundlage. Das arabische Pferd, durch Adel, Nerv, Schnelligkeit, Ausdauer und Härte ausgezeichnet, in Lied und Dichtung tausendfach als der Schöpfung Krone gefeiert, wird in Europa nur im beschränkten Umfange gezüchtet und wird reinblütig selbst in seinen Stammlanden immer seltener. Durch Kreuzung arabischer Hengste mit englischen Landstuten ist das englische Vollblut entstanden. Durch Jahrhunderte als Rennpferd auf Leistung gezüchtet, zeigt es heute die besten Eigenschaften des arabischen Vollbluts in gesteigertem Maße, steht ihm allerhöchstens an Schönheit und Adel ein wenig nach. Als Soldatenpferd kommt das englische Vollblut— schon um seines hohen Preises willen — weniger in Betracht. Wo man es aber in Krieg und Frieden im Heere verwandte, hat es sich trotz der Verzärtelung des Rennstalles durchaus bewährt. In Südfrankreich und in den französischen Kolonien sind Rückkreuzungen zwischen arabischem und englischem Vollblut beliebt. Sie liefern im Angloaraber der französischen Kavallerie sehr brauchbare Pferde, die wir als Beutepferde im Felde schätzen gelernt haben. In Deutschland sind derartige Versuche gescheitert. Dagegen ist die deutsche Halbblutzucht ohne einen regelmäßigen Zuschuß von Vollblut, der allein ihr den nötigen Stahl und Nerv verleiht, kaum denkbar. Ostpreußen verdankt ihm fein edles Kavalleriepferd, um das uns andere Heere beneiden. Auch die hannoversche und holsteinsche Zucht schuldet ihren Aufschwung nicht zuletzt der Zufuhr von Vollblut. Es sind hier unter planmäßiger Zusammenfassung der vorhandenen Zuchtstämme Zuchtgebiete entstanden, die dem Heere neben recht brauchbaren Reitpferden vorbildliche Zugpferde liefern. Oldenburg und Ostfriesland verfügen ebenfalls über einen Pferdeschlag, der mit Vorteil im Heere zu verwenden ist. Auch die übrigen deutschen, warmblütigen Pferdeschläge und die Zuchtgebiete, die auf ostpreußischer, hannoverscher oder Oldenburger Basis züchten (Grenzmark, Pommern, Brandenburg, Mecklenburg, Schlesien) können für den Ankauf von Remonten in größerem oder kleinerem Umfange herangezogen werden. Umstritten sind die Verwendungsmöglichkeiten des Kaltblutes (belgisches, rheinisches, fchles- wigsches). Im Weltkrieg hat es als Bespannung der schweren Artillerie des Feldheeres und schwerer Fahrzeuge aller Art bei genügend Futter und Pflege unter leidlichen Witterungs- und Wegeverhältnissen hervorragendes geleistet, unter ungünstigeren Voraussetzungen aber oft rasch versagt. In einem Zukunftskrieg werden seine Aufgaben wahrscheinlich besser vom Motor gelöst werden. Solange die Parole nicht heißt: „Pferd oder Motor", sondern „Pferd und Motor" bleibt die Pferdezucht eine der Säulen der Landesverteidigung, bleibt Liebe zum Pferde, Verständnis für seine Zucht und seine sachgemäße Verwendung Pflicht jedes wehrbewußten deutschen Landbewohners. Das Grundgesetz jeder Pferdezucht: „Ziehe das reinblütige Pferd, das deiner Scholle angemessen ist!" erscheint so klar und einfach und wird doch so oft mißachtet oder gar leichtfertig beiseite geschoben. Um so mehr begrüßen wir es, daß der neue Staat die Landespferdezucht fest in die Hand genommen und in der Person des preußischen Oberlandstallmeisters, des bisherigen Leiters des Reichsverbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmblutes, Gustav Rau, den Mann gefunden hat, dessen Herkunft, Kenntnisse und Willenskraft die Sicherheit gewährleisten, daß unter seiner Leitung die Zucht des deutschen Soldatenpferdes ihre führende Stellung in der Welt behaupten wird. Medensaufgaben unserer Kriegsmarine. von Kapiiänleuinant Meyer-Oöhner. Die erste und wichtigste Aufgabe einer Kriegsflotte ist selbstverständlich der Schutz der Heimat gegen feindliche Angriffe und die Sicherung der Zufahr st raßen über See. Deswegen braucht jeder an die See angrenzende und von ihr abhängige Staat eine angemessene Seemacht, deren Größe und Zusammensetzung sich ausschließlich nach den Aufgaben zu richten hat, die ihr in einem Kriege zufallen könnten. Wie für jeden anderen Staat gilt diese Grundregel auch für Deutschland. Wir beanspruchen für unsere Verteidigung auch zur See das gleiche Recht, wie es anderen Völkern zusteht. Neben der Vorbereitung auf ihre eigentliche Aufgabe, neben der militärischen Ausbildungstätigkeit, leistet unsere Marine aber schon im Frieden eine Menge Dienste, die in erster Linie der Allgemeinheit zugute kommen. Da ist vor allem das Vermessungswesen mit seinem weitverzweigten Aufgabenkreis zu nennen. Die deutschen Seekarten, die in der Nautischen Abteilung der Marineleitung entstehen, werden wegen ihrer Genauigkeit außer in Deutschland noch bei zahlreichen anderen Nationen geschätzt und benutzt. Auch die dort ausgearbeiteten Seehandbücher, Leuchtfeuer- Verzeichnisse, Funkdienstangaben und andere Spezialwerke haben dazu beigetragen, dem hydrographischen Dienst der Reichsmarine weithin Beachtung und Anerkennung zu verschaffen. Diese Ausarbeitungen beschränken sich nicht auf die deutschen Küstengewässer, sie umfassen alle befahrenen M e e r e s t e i I e und sind daher auch für die internationale Zusammenarbeit von ausschlaggebender Wichtigkeit. Die zweijährige südatlantische Expedition des Vermessungsschiffes „M e t e o r" hat über die G e - ftaltung d e s Meeresbodens zwischen Afrika und Südamerika Aufschluß gegeben und die geologische Forschungsarbeit einen großen Schritt weitergebracht. Daneben wurden Strommessungen durchgeführt, meteorologische Beobachtungen gemacht und die biologische Wissenschaft um wertvolle Feststellungen bereichert. Alle Forschungen wurden unter der Mitarbeit bedeutender deutscher Wissenschaftler durchgeführt. Auch an den späteren Fahrten des „Meteor", die ihn bis Grönland und Jan Mayen führten, haben namhafte Gelehrte teilgenommen. Eine andere wichtige Friedensaufgabe der Reichsmarine ist die Durchführung des Fischerei- s ch u tz e s. Die beiden Fischereischutzboote „E l b e" und „W e f e r" dienen ausschließlich diesem Zweck. Auch das obenerwähnte Vermessungsschiff „Meteor" wird auf seinen Fahrten in den Fischereischutzdienst mit eingespannt. Bis nach Island und Grönland, bis hinauf ins Weiße Meer erstreckt sich das Arbeitsgebiet. Ueberall, wo deutsche Fischdampfer ihr schwieriges Handwerk betreiben, werden sie in regelmäßigen Abständen auf ihren Fanaplätzen von den Fischereischutzbooten aufgesucht. Jeder einzelne Dampfer oder Logger wird durch Anruf gefragt, ob er irgendeine Unterstützuna braucht. Da gibt es eine Menge Arbeit: Der Schiffsarzt hat auf solcher Reise alle Hände voll zu tun. Leichtere Krankheiten behandelt er gleich an Bord des Fischerfahrzeuges. Dazu muß er nebenbei ein guter Seemann sein, denn das Uebersetzen mit dem kleinen Beiboot erfordert bei Wind und Wetter schon allerhand seemännische Geschicklichkeit. Ernstere Fälle werden in das Bordlazarett des Fischereischutzbootes übernommen und notfalls in das nächste Hafenhospital eingeliefert. Häufig muß auch ein Funkmaat oder ein Maschinistenmaat einspringen, wenn es einen schadhaften Funkempfänger oder einen bockigen Motor zu reparieren gibt. Meist läßt sich der Fischdampferkäpten noch eine genaue Ortsbestimmung und Nachrichten über die günstigsten Fanggebiete geben. So wird ein Fahrzeug nach dem anderen unterstützt, wobei diejenigen bevorzugt werden, die durch zwei unter* einandergesetzte Flaggen zu erkennen geben, daß sie am eiligsten Hilfe brauchen. Nach einer solchen vierwöchigen Reise weiß die Besatzung des Fischereischutzbootes, was sie getan hat, aber die deutschen Hochseefischer wissen auch, was sie ihren braven Helfern alles verdanken. Im Rahmen der Friedensleistungen sei auch an die Fortschritte gedacht, die die Technik zahlreichen Versuchen und Anregungen der Marine zu verdanken hat. Schiffbau, Maschinenbau, Elektrotechnik, Motorenbau, Funktelegraphie, es gibt kaum einen Zweig, der nicht an Bord Verwendung fände und durch praktische Weiterentwicklung gefördert würde. H i l f e I e i ft u n g in Seenotfällen ist der Reichsmarine selbstverständliche Pflicht. Häufig genug hat sie Gelegenheit gehabt, in Not geratenen Fahrzeugen wirksame Hilfe zu bringen. In besonderem Maße war dies in den strengen Wintern der Fall, in denen die Ostsee von Kiel bis zum Finnischen Meerbusen zugefroren war. Hunderte von Dampfern und Seglern sind durch die Eisbrecher tätigfeit unserer Linienschiffe und Kreuzer aus großer Gefahr gerettet worden. Wo die Dicke des Eises ein Losbrechen der Fahrzeuge nicht mehr gestattete, haben die Kriegsschiffsbesatzungen in oft tagelangen Märschen über das Eis die eingefrorenen Dampfer mit Lebensmitteln und Brennmaterial versorgt. Die Auslandsreisen unserer Schulkreuzer führen sie alljährlich in das fernere Ausland, zum Teil auch um den ganzen Erdball. Wenn diese Fahrten auch in erster Linie der Ausbildung der Besatzung, vor allem der an Bord befindlichen Offizieranwärter, dienen, so geben sie außerdem doch noch Gelegenheit zur Erfüllung einer wohl ebenso wichtigen Aufgabe. Diese Kriegsschiffe bilden in ihrer friedlichen Mission die Brücke zu den im Auslande lebenden deutschen Volks - und Stammesgenossen. Sie bringen ihnen die Grüße der Heimat und stärken sie in ihrem Volkstum, wie es durch kein anderes Mittel besser geschehen könnte. Deutsche Landsleute, die sich vorher kaum gesehen hatten, finden sich bei solch einem Kriegsschiffbesuch zusammen, und mit dem Zusammenhalt innerhalb der deutschen Kolonie steigt das Ansehen und damit die wirtschaftliche Kampfkraft des Einzelnen. Schließlich sind die deutschen Kriegsschiffe im Ausland offizielle Vertreter des Deutschen Reiches. Ihr Auftreten und das Verhalten ihrer Besatzung sind der Maßstab, nach dem man das deutsche Volk draußen mißt. In der ersten Zeit nach dem Kriege, vor allem aber auch in der Zeit nach der nationalen Revolution hat das tadellose Auftreten unserer Kriegsschiffsbesatzungen viel dazu beigetragen, die Lügen der antideutschen Haß- und Hetzpropaganda zu widerlegen. Unsere Schiffe selbst, die bei jedem Besuch von Tausenden von Ausländern mit kritischen Augen besichtigt werden, sind ein gutes Werbemittel für die Leistungsfähigkeit der deutschen Technik. Fast stets schwillt nach einem solchen Kreuzerbesuch die Zahl der aus dem betreffenden Lande nach Deutschland vergebenen Aufträge an, so daß auch die Wirtschaft direkten Nutzen aus den Auslandsreisen unserer Kriegsschiffe zieht. Durch die Durchführung dieser ihrer Friedensaufgaben, die über den Rahmen des rein Militärischen hinausgehend weiten Kreisen Nutzen bringen, fühlt sich die Reichsmarine dem deutschen Volke eng verbunden. Ihr schönster Lohn ist, daß sich die Erkenntnis von der Notwendigkeit deutscher See- und Weltgeltung unter der Führung Adolf Hitlers in weitesten Kreisen unseres Volkes wieder Bahn gebrochen hat. Der Lustschutz von Paris. Ganz im Gegensatz zu den Engländern haben die Franzosen im festen Vertrauen auf ihre Luft- macht bis zum Februar 1931 nur einen geringen Wert auf den zivilen Luftschutz gelegt. Da wurde die „Generalinspektion des Heimatluftschutzes" dem altbewährten, jetzigen Kriegsminister, General P e - t a i n, übertragen, dem es auch gelang, die Zivil- behörden überzeugend für den passiven Luftschutz zu gewinnen. Jedoch hatte der alte Soldat naturgemäß bei dem parlamentarischen System große Schwierigkeiten zu überwinden. Als Grundlage für die Arbeit der Behörden, Industrie usw. brachte er eine beachtliche Vorschrift für den zivilen Luftschutz heraus. Der Selbstschutz der Bevölkerung aber kam nur ganz allmählich weiter; während der militärische Luftschutz auf Grund des Führerprinzips vor allem in der Hauptstadt in einer Weife durchgeführt wurde, wie in keiner Stadt der Welt sonst. Der F1 a k s ch u tz von Paris verfügte bereits 1933 über 100 Flakbatterien von zum Teil modernster Konstruktion (durchschnittlich 8-Zentimeter-Ge- schütze), ausgerüstet mit den neuesten Kommandoapparaten; hierzu kommt das moderne ScheinDie Schlacht bei Hohensriedeberg 4. Juni 1745. Vor 190 Jahren begann der zweite schlesische Krieg, es ging um das Grenzland Schlesien. Und Schlesien hat, das sollte man nie in Deutschland vergessen, deutsch gedacht und deutsch gefühlt, obwohl es von jeher ein Land des Duldens und des Leidens war. Erinnern wir uns nur an die Mongolenschwärme, die im 13. Jahrhundert, an die Hussitenzüge, die im 15. Jahrhundert das herrliche Land verwüstend durchzogen,, an die schweren Bedrückungen, die es als protestantisches Land in der Zeit der Gegenreformation unter Rudolf und Ferdinand II. und unter dessen jesuitischer Regierung hat über sich ergehen lassen müssen. Und nur so ist es zu verstehen, daß das Land auf atmete, als der Preußenkönig Friedrich II. bei feinem Einrücken im Jahre 1740 nicht als Eroberer, sondern als Befreier begrüßt wurde. Und mit diesem Ein- rücken am 16. Dezember 1740 hat Friedrich II. einen europäischen Krieg entzündet, nicht aus Machtdünkel, sondern aus Lebensnotwendigkeit für Preußen —'und damit für Deutschland. Kaiser Karl VI. war ohne männliche Erben geblieben Es war deshalb sein Streben, feiner Tochter Maria Theresia alle seine Gebiete zuzuwenden Er brachte es, wenn auch mit Opfern zu Wege, daß alle europäischen Mächte die Pragmatische Sanktion, das österreichische Staatsgrundgesetz, in dem diese Erbfolge geregelt wurde, anerkannten. Auf Grund dieses Gesetzes sollten seine Erblonde im Falle seines Todes auf Maria Theresia, als Königin von Ungarn übergehen. Dieses Gesetz sollte „auf ewige Zeiten" in Kraft bleiben, ein Beispiel dafür, daß das alte Soldatenlied, in dem der tiefgründige Satz vorkommt „Ewigkeiten gibts nicht viel" noch immer seine Berechtigung hat. Wie das bei Erbschaften hie und da Vorkommen soll, meldete sich nach dem Tode Kaiser Karl VI. (20. Oktober 1740) Karl Albert, Kurfürst von Bayern und behauptete, daß er von einer Tochter Kaiser Ferdinands I. abstamme und berief sich auf ein Testament desselben, welches nach dem Aussterben der männlichen Nachkommenschaft dem Hause Bayern das Erbfolgerecht zusagte. Der bayerische Kurfürst hoffte in dieser Erbauseinandersetzung auf die H'lfe Frankreichs. Bayern soll ja schon manchmal in der deutschen Geschichte auf diese Hilfe gerechnet haben. Wenn sich aber Frankreich in deutsche Angelegen- heiten mischte, dann handelte es stets nach dem Grundsatz divide et imperia. Man kann aus dcr Geschichte immer seine Lehren ziehen, und man sollte auch aus der heutigen Stellung Frankreichs zu Deutschland und Oesterreich und — Bayern (vgl. die Jahre kurz nach dem Kriege) erkennen, daß es Frankreich stets auf die Schwächung Deutschlands ankommt, um seinen Machthunger zu befriedigen. Die Unterstützung Frankreichs wurde Karl Albert zugesagt und so kam gleichzeitig mit dem ersten schlesischen Krieg (1740 bis 42) der österreichische Erbfolgekrieg (1741 bis 48) zustande. Maria Theresia schloß, um freie Hand nach Bayern und Frankreich zu bekommen, mit ihrem gefährlichsten Gegner, Friedrich II. von Preußen am 28. Juli 1742 zu Breslau Frieden und überließ ihm Ober- und Niederschlesien mit der Grafschaft Glatz. In der Zwischenzeit führte Maria Theresia einen glücklichen Krieg gegen Bayern und Frankreich. Als Ersatz für Schlesien hoffte sie Bayern erringen zu können. Sachsen, das m seinen Hoffnungen auf Schlesien durch den ersten .'chlesischen Krieg enttäuscht war, schloß sich der Kaiserin an. Friedrich II. erblickte in dieser Entwicklung mit Recht eine Gefahr für sich. Er merkte, ,daß man ihm Schlesien wieder entreißen wollte, und so kam es zum zweiten schlesischen Krieg (1744—45), weil er nicht warten wollte, bis Frankreich und Bayern durch die Truppen Maria Theresias mebergeroorfen waren. Er rückte in Böhmen ein, das kaum besetzt war, nahm Prag und drang ots zum Süden des Landes vor. Aber die Feindseligkeit der katholischen Bevölkerung, die Zerstörung ferner Magazine, die mangelnde Hilfe der Franzosen im Westen und das Eindringen der Oesterreicher und der .-^t fanen verbündeten Sachsen über den Böhmerwald nach Böhmen zwangen ihn sich nach Schlesien zurückzu- ziehen. Die Oesterreicher und Sachsen unter Earl von Lothringen waren allen Versuchen des Königs, sie zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen, ans* gewichen. Die Lage des Königs war *m höchsten Grade gefährlich, zumal auch ieme Kaffen fo erschöpft waren, daß er nicht wußte, wie er den Krieg weiterführen sollte. In diesem Augenblick höchster Gefahr kam es am 4. Juni 1745 zur Schlacht bei Hohefriedeberg. Friedrich war es gelungen, die österreichisch-sächsische Armee durch die absichtlich nicht besetzten Pässe und durch falsche Kundschaftermeldungen nach M'l- telschlesien hereinzulocken. Die Feinde vermuteten ihn auf dem Rückzug nach Breslau und glaubten, daß die preußische Armee durch den demoralisierenden Rückzug und die mangelnde Verpflegung wider- stanosunfähig sei. Friedrich hatte seine etwa 65 000 Mann bei Fram kenstein vereinigt, marschierte rrit seiner Hauptmacht auf Reichenbach und mit der Avantgarde nach Strie- gau. Wie er erwartet hatte, marschierte die österreichisch-sächsische Armee sorglos durch die Gmirgs- pässe in die Ebene Richtung Landshut. Westlich Striegau machten die Verbündeten (ine Rechtsschwenkung mit dem Drehpunkt Hohenfnedeberg und marschierten auf Schweidnitz zu, wo sie den König vermuteten. Die Sachsen bilbclen die Anant- garbe unb übernahmen bei bcr Rechtsschwenkung ben linken Flügel bei Pllgramshain. Unbemerkt zog Friebrich seine Armee nach Striegau, überschritt ben Striegaubach unb marschierte in Schlachtorb- nung auf. Selten lagen bie Dinge für bie österreichisch-sächsische Armee, eine Vernichtungsschlacht zu schlagen, so günstig, wie hier bei Striegau. Aber der König wartete nicht erst bis die feindliche Armee zum Angriff schritt. Um 4 Uhr vormittag griff er mit Infanterie, Kavallerie unb Artillerie mit größtem Ungestüm ben sächsischen linken Flügel an unb warf ihn unter größten Verlusten auf Pilgramshain zurück, so baß bie Gefahr ber Umzingelung für bie Derbünbeten beftanb. Erst um 7 Uhr, als bie Sachsen schon geworfen waren, griffen bie Oesterreicher in bie Schlacht ein. Währenb bie Front ber Oesterreicher bei Thomaswalbau sich noch hielt, würbe bereu rechter Flügel berartig heftig von ber preußischen Kavallerie angegriffen, baß biefer nach Hohen- friebeberg zurückgeworfen würbe unb nur noch ben Rückzug ber Derbünbeten becken konnte. Die österreichisch-sächsische Armee in Stärke von etwa 70 000 Mann hatte 15 230 Mann, 54 Fahnen, 7 Stanbar- ten unb 45 Geschütze verloren, währenb ber Verlust ber Preußen nur etwa 4700 Mann betrug. In fünf Stunben war biefer gewaltiger Sieg errungen, ber so leicht zu einer völligen Vernichtung bcr preußischen Armee hätte führen können. Der König schrieb selbst vom Schlachtfelb bie Worte: „Diese Sache ist bie beste, bie ich gesehen habe unb bie Armee sich sürpassiert hat". Leiber hat ber König, in ber Annahme, baß biefe Schlacht bas Enbe bcs Feldzugs bedeute, von einer energischen Verfolgung des geschlagenen Gegners Abstano genommen,'wodurch zweifellos die Gegner vollkommen vernichtet worden wären. L. G. werfer- und Horchgerät, welche für eine erfolgreiche Bekämpfung von Fliegern vor allem bei Nacht unerläßlich ist. Der Jagdschutz von Paris, der sich aus stets startbereiten Staffeln von erstklassigen schnell steigungsfähigen Maschinen zusammensetzt, scheint technisch nicht so vorzüglich zu sein als der englische von London. Von den vier Luftbezirken, in die Frankreich eingeteilt ist, liegt naturgemäß das Zentrum eines Bezirks in Paris, wie sich auch dort das „Hirn" der Luftarmee befindet, so daß aktive Luftstreitkräfte im Bedarfsfalls zuge- wicsen werden können. Zur Herabminderung der Luftempfindlichkeit der Hauptstadt ist man schon seit langem dabei, alle wichtigen Industrien herauszuverlegen-, militärische Magazine usw befinden sich schon längst außerhalb, zum mindesten an der weiteren Peripherie. Durch Petains „Instruktion für die praktische Durchführung des passiven Luftschutzes" waren bereits die einzelnen Kommunalverwaltungen angehalten worden, genaue Luftschutzpläne aufzustellen, die den Mobilmachungsplänen entsprechen sollten; ihre Prüfung erfolgte durch die Generalinspektion. Wie sich heute aber mehr und mehr herausstellt, haben die Maßnahmen erhebliche Verzögerungen durch finanzielle Schwierigkeiten gefunden; das meiste blieb nur aus dem Papier stehen. Kürzlich fand z. B. im Rathaus von Paris eine wichtige Besprechung statt über die Verteilung der Luftschutzlasten aus Staat, Departement und Stadt; bei dieser Gelegenheit erst wurde der Entschluß gefaßt, dafür zu sorgen, daß im Luftschutz genügend ausgebildetes Personal in Paris vorhanden ist und eine Kontroll st el le für Gasmasken eingerichtet wird. Hinsichtlich des zivilen Luft- und Gasschutzes gab es zwar eine ganze Reihe von Schulen in Paris und der Provinz, aber die meisten waren privater Natur. Durch die Gründung der „Nationalen Vereinigung für Luftschutz" (Union nationale pour la defense aerienne) hat die Luftschutzbewegung neuen Auftrieb bekommen; sie ist das Sammelbecken für alle Luftschutz treibenden Verbände und umfaßt u. a. sämtliche Reserveoffiziersvereini- gungen, die nationalen Rettungsgesellschaften, die nationale aeronautische Gesellschaft, die drei Gesellschaften des Roten Kreuzes sowie eine Reihe von Sport- und Kriegerverbänden usw. Ein Vergleich aber mit der großen deutschen Organisation des „Reichsluftschutzbundes" kann hier nicht gezogen werden. Wieweit es nun dem neuen Generalinspekteur des Heimatluftschutzes, General D u - d) e n e , gelingen wird, den zivilen Luftschutz Frankreichs, vor allem den von Paris, in feiner Totalität wirklich, und nicht nur auf Papier, durchzuführen, steht noch dahin. SJ.4porl Gpielvereinigung 1900 Giehen Klafeld-Geisweid I — 1900 Gießen I 2:3 (0:2). Die Blauweißen konnten die zweite Reife nach dem Siegerland erfolgreich gestalten. Leider konnte 1900 nicht in der vorgesehenen Aufstellung fahren, Heilmann, Roth, Zeiler und Schlarb fehlten. Die Gießener standen in folgender Aufstellung: Balser; K. Schneider, Lippert; Gath, Langsdorf, Heinbach; Wilhelmi, Günther, Koch, Schmelz, Kraft. Die junge und kleine Gießener Els war den körperlich kräftigen Gestalten der Gastgeber im Nahkampf nicht gewachsen. Die Gießener hatten aber ein Plus in der Technik und waren außerordentlich eifrig. Mit zäher Energie kämpften sie, den errungenen Vorsprung zu halten, Die Siegerländer haben in letzter Zeit gegen namhafte westdeutsche Mannschaften hervorragend abgeschnitten und haben dementsprechend ein großes anhängliches Publikum, das am Endkampf lebhaften Anteil nahm. Die Gießener ließen sich dadurch etwas aus dem Konzept bringen. Das faire Spiel hatte in einem Schiedsrichter aus Ferndorf (Kreis Siegen) einen regelsicheren Leiter. Aus dem Spielverlauf. 1900 spielt zunächst bergab. Es setzte sofort ein recht schönes wechselvolles Spiel ein. Zunächst wurde ein Strafstoß von Schmelz vom Hüter zur Ecke gelenkt. Bei einem überraschenden 25-Meter-Schuß > von Langsdorf gelang ihm dasselbe nochmals, aber nur mit außerordentlichem Glück. Eine tadellose Hereingabe von Wilhelmi schießt Kraft am linken Flügel zwischen Torwart und Verteidiger vom Platzverein, die beide in ihrer Abwehrmaßnahme etwas zögern, ein. Ein Effetball von Wilhelmi aus über 20 Meter Entfernung ergab dann den 2:0 Halbzeitstand für 1900. Kürz darauf war Pause und Seitenwechsel. Zunächst änderte sich nach Wiederbeginn nichts an den Geschehnissen auf dem Spielfelde, denn Balser, 1900s Hüter, befand sich in glänzender Verfassung und brauchte sich auch schon in der eilten Halbzeit nicht über Beschäftigung zu beklagen. Er wehrte mit ganz besonderem Geschick ab.' Die Gießener setzten die Flügelstürmer ein, die immer wieder durchkamen und heikle Situationen schufen. Einmal vergab Kraft eine prächtige Flanke von Wilhelmi freistehend einige Schritte vor dem Tor des Platzvereins. Bei einer flachen Hereingabe von Wilhelmi bedrängte Günther den Torwart bei der Ballaufnahme, der dadurch den Ball verfehlte. Koch lenkte über die Linie. Das Spiel stand 3:0 für 1900 und war damit entschieden. Klafeld-Geis- weid nahm eine Umstellung vor und wurde aggresiver, während bei den Gießenern langsam die Kräfte nachließen Zunächst schoß der Linksaußen überhastet weit neben bas Gießener Tor. Auf einen Deckungsfehler hin fiel aber Mitte der zweiten Halbzeit doch das erste Gegentor, und zwar verdient. In der Folge hatte 1900 kaum noch etwas zu bestellen, sondern mußte sich nur noch auf die Abwehr der unermüdlichen Angriffe konzentrieren, denn in der 77. Minute war den Gastgebern ein weiterer Treffer geglückt und damit die Chance zum Ausgleich näher gerückt. Die Blauweißen zogen die Halbstürmer zurück und hielten damit das Endergebnis. Mit 3:2 konnte 1900 das Feld als Sieger verlassen. Klafeld-Geisweid 1. Jgd. — 1900 Gießen 1. 3gb. 1:0 (0:0). Den Gießenern steckte das Spiel vom Samstag anläßlich des Reichsjugendfestes, das sie gegen den VfB -Reichsbahn Gießen mit 3:0 siegreich sah, in den Knochen. Dazu hatten auch noch einige Spieler in ihren Schulen im Handball mitgewirkt, so daß die Form diesesmal zu wünschen übrig ließ. Die Gesamtleistung war schwach. Vor dem Wechsel war der Gastgeber überlegen, später 1900. Erst in der letzten Minute fiel die Entscheidung aus einem unhaltbaren Handelfmeter. 1900 Schüler — Tv. Treis (Lumda) Schüler 4:0. Die Kleinsten errangen in einem eifrigen Spiel einen schönen und verdienten Sieg. Hußballabieilurio des Tv. Wieseck. Aßlar I — wieseck I 6:1. Die Fußballabteilung des Turnvereins Wieseck war am vergangenen Sonntag mit drei Mannschaften zur Rückspielerledigung in Aßlar zu Gast. Die erste Mannschaft mußte mit drei Mann Ersatz antreten, während die zweite Elf nicht vollzählig zur Stelle war. Nur die Jugendmannschaft war auf der Höhe Die Spiele litten unter den sehr kleinen Platzverhältnissen. Alle Spiele wurden von Mitgliedern des Platzvereins geleitet. Das Spiel der ersten Mannschaften begann sehr flott und war in der ersten Hälfte ausgeglichen. Aßlar kam nach 20 Minuten zum Führungstor und erhöhte auf 2:0. Dann kam Wieseck zu einem Gegentreffer. Bei Halbzeit stand das Resultat 3:1. Nach Seitenwechsel kämpften die Gastgeber sehr massiv, ohne daß der Unparteiische eingriff. Wieseck ließ merklich nach und Aßlar konnte dann bis Schluß noch drei Tore erzielen. Aßlar II — Wieseck II 3:4 Das Spiel der zweiten Mannschaften wurde sehr hart durchgeführt. Die Platzbesitzer führten bei Halbzeit mit 3:0 Toren. Nach Seitenwechsel war Wieseck merklich besser und konnte nach geraumer Zeit zum ersten Erfolg und in gleichmäßigen Abständen mm Ausgleich und zum Schluß, trotz sehr harter Abwehr, zum Siegestor kommen. Die Jugendmannschaft war ihrem Gastgeber technisch überlegen und zeigte ein sehr schönes Spiel. Nach kurzer Zeit schon führte sie mit 2:0 Toren. Aßlar ging dann mächtig aus sich heraus und erzielte auch ein Gegentor. Bei Halbzeit stand das Ergebnis jedoch bereits 6:2 für die Gäste. In der zweiten Spielhälfte spielte Wieseck verhalten und verließ mit 8:2 Toren als verdienter Sieger das Feld. Reichsjugendwettkämpfe... & v-w V Links: Jungens im Wettbewerb: Kugelstoßen. — Rechts oben: Mädchen beim Weitspruna. — Rechts unten: Die Siegerehrung auf dem Universitäts- Sportplatz. »i Oie Sieger im Langstreckenschwimmen Bei dem aus Anlaß der Reichsschwimmwoche durchgeführten Langstreckenschwimmen über 1000 Meter gingen folgende Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Sieger hervor: In der Klasse A schwammen jeweils Damen und Herren, die schwimmsporttreibenden Vereinen angehören. In der B-Klasse waren Damen und Herren vereinigt, die keinem schwimmsporttreibenden Verein angehörten. Die Buchstabenbezeichnungen (a, b, c, d) hinter der Klassenbezeichnung A bzw. B dienten der Unterscheidung in den einzelnen Jahrgängen der teilnehmenden Schwimmerinnen und und Schwimmer. Damen: Klasse Aa: 1. Sieg: Eita Müller 19,32 Min.; Klasse Ab: 1. Emmy Schüler 20,10 Min., 2. Elisabeth Sieck 21,30 Min.; Klasse Ac.feine Meldung; Klasse Ad: 1. Helga v. Düring 18,15 Min. (beste Zeit der Damen), 2. Margot Köh- linger 19,30 Min.; 3. Rösli v. Deschwanden 20,45 Min.; Klasse Ba: keine Meldung; Klasse Bb: 1. Wilma Schleenbecker 20,36 Min., 2. Gertrud Lapp 20,42 Min., 3. Ilse Mangold 21,40 Min.; Klasse Bc: 1. Herta Schmitz 19,35 Min. (beste Zeit der Damen-B-Klasse), 2. Elsbeth Möser 21,05 Min., 3. Jngeborg Weil 21,55 Min.; Klasse Bd: 1. Marta Fehn, 20,26 Min., 2. Liebmuth Viegener 22,01 Min., 3. Lieselotte Hofmann 22,06 Min., 4. Marie Kranse 22,25 Min., 5. Irene Gail 24 Min., 6. Emmi Arnold 24,05 Min. Herren: Klasse Aa: 1. Sieg: Fritz Pascoe 17,05 Min.; Klasse Ab: 1. Fritz Werner und Georg Herbert 16,15 Min. (beste Zeit der Herren und des Tages), 2. Wemhard Meyer und Arthur Braun 16,20 Min., 3. Walter Brüning 17 Min.; Klasse Ac: 1. Walter Schraub 17,35 Min., 2. H. Lautensach 17,36 Min.; Klasse Ad: 1. Ernst-Günther Krenzien 17,55 Min., 2. Franzi Habrich 18,45 Min., 3. Erwin Engelbach 21,30 Min.; Klasse Ba: 1. Paul Nebeling 20,20 Min., 2. Joh. Nebeling 20,25 Min., 3. Wilhelm Haus 22,45 Min., 4. Willi Schlesier 24,50 Min., 5. Heinrich Schäfer 24,55 Min., 6. Peter Enzinger 26,50 Min., Klasse Bb: 1. Helmut Reuning 17,43 Min. (beste Zeit der Herren-B- Klasse), 2. Heinz Möser 18,20 Min., 3. Karl Klein 19,55 Min., 4. Wilhelm Brüning 20,30 Min., 5. Helmut Köhler 21,20 Min.; Klasse Bc: 1. Alfred Rohrbach 20,30 Min., 2. Heinz Wischern 21 Min., 3 Franz Wilhelm 23 Min.; Klasse Bd: 1 Heinz Lutze und Albert Müller 21,45 Min. Bemerkenswert ist die Leistung eines einbeinigen Schwimmers, Paul Jacob, der die Strecke in 27 Minuten als 16. der Klasse Bb durchschwamm. Die längste Zeit, von einer Schwimmerin der Klasse Bd benötigt, war 35,30 Minuten. Die Sieger erhalten eine Urkunde der Reichs-Schwimm- Woche. Deutscher Sieg im Schwimm- Länderkampf gegen Frankreich. Bei herrlichem Sommerwetter wurde im neu errichteten Plauener Städtischen Freibad vor 10 000 Zuschauern der achte Schwimmländerkampf Deutschland—Frankreich ausgetagen, bei dem Deutschland durch Gewinn beider Konkurrenzen zu einem schönen Gesamtsieg kam. Die 4 X 2 0 0 - M e t e r - S t a f f e l sah unsere Vertreter ständig in Vorteil. Schon Deiters holte gegen Cavalero bereits einen Vorsprung von 10 Meter heraus, Gaucke verdoppelte gegen Navarre den Abstand. Der französische Rekordschwimmer Diener konnte gegen Schrader nur 5 Meter gut machen und auch Taris erreichte gegen Lenkitsch nicht viel mehr. Deutschland hatte mit einer Ge- samtzeit von 9:47,4 ganz überlegen vor Frankreich gewonnen, dessen Schlußmann nach 9:57 Minuten anschlug. Ungeheurer Jubel begleitete diesen ersten deutschen Sieg; mit Begeisterung sang die Masse das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. Das Wasserballspiel brachte überragende Leistungen beider Mannschaften. Dank einem 3:1 Pausenvorsprung konnten die Deutschen den Kamps 5:4 gewinnen. Den ersten Treffer buchte Vande- plancke für Frankreich. Das solide deutsche Zusammenspiel führte aber nicht nur bald zum Ausgleich, sondern durch Heiko Schwartz (zwei) und Schultz zu einer 3:!-Führung. Nach der Pause wurde es kritisch, die Deutschen waren zu sieges- gewiß und im Handumdrehen hatte Vandeplancke sein Land auf 3:3 herangebracht. Schwartz und Lemp nahmen den bangenden Zuschauern durch zwei weitere Tore aber wieder alle Sorgen ab. Als Lambert das Score auf 5:4 vermindert hatte, genügte eine geschickt aufgebaute Verteidigung, um das Resultat zu halten. Kurze Gportnotizen. Die Tagesbestzeit beim Riesengebirgsrennen fuhr der Schwarzwälder Paul Pietsch auf Alsa Romeo in der großen Rennwagenklasse heraus. Pietsch benötigte für die 4 Kilometer lange Rennstrecke 2:48,3 Minuten (85,4 Stundenkilometer). Mercedes-Benz und Auto-Union waren mit ihren neuen Wagen nicht am Start. 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Wir machen nochmals darauf aufmerksam, dab auf Anordnung des Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Bezirkssparkasse Gießen zwecks Durchführung der durchgehenden Arbeitszeit, die Kassenstunden der Sparkasse ab 16 Mai 1934 wie folgt festgesetzt worden sind: werktäglich von 8 bis 1 Uhr vormittags und von 2V2 bis 3^2 Uhr nachmittags Samstags nur von 8 bis 1 Uhr vormittags Bezirkssparkasse Gießen 3736 D werden, wenn alles versagte, durch Gegen Pickel. Mitesser Stärke A Ärztlich empfohlen. Laufen Sie nicht Unger so bä81 leb herum. Drogerie Winterhoff. Kreuzpl. 9/10 Wied, lieferbar! Der vortreffliche Wörishofer Herztee empfohl. b. Herzmuskelschwäche, Herzerw., Wassers., Schlaflosigk., verm.Blutdr.usw. Erfr. Hausgetr. ElKrduterhaus'JUNG in d. Schulstraße. —Vers. n. ausw. Statt Karten Für die zahlreichen Glückwünsche und Geschenke anläßlich meines SO.Geburtstages danke ich herzlich 03237 G. Nauheimer. Gießen, den 22. Zuni 1934. 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