Nr. 172 Erster Blatt 184. Jahrgang Donnerstag, 26. Juli 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen poftschecttonto: Zrantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. 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Er ist nach Mitteilungen, die der österreichische Minister Gchuschnigg am Radio gab, den Verletzungen erlegen, die er am Nachmittag im Bundeskanzleramt erlitten hatte. «Soweit sich die Ereignisse bisher übersehen lassen, wurde das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz in Wien gegen 13 W von bewaffneten Formationen besetzt. Hierbei wurde Or. Oollfuß verwundet. Nach dem Tode Or. Oollfuß' trat die Besatzung des Bundeskanzleramtes mit den Mitgliedern des früheren Kabinetts Oollfuß in Llnterhandlungen, wobei es zu der Abmachung kam, das Bundeskanzleramt wieder freizugeben, wofür der Besatzung freies Geleit an die Grenze zugesichert wurde. Mysteriöse Vorgänge im Bundeskanzleramt. Wien, 25. Juli. (DNB.) Aus dem Balkon des Bundeskanzleramts erschien im Laufe des Nachmittags mehrmals Minister Fey, bewacht von einem Mann in kaiserjägeruniform und anderen Soldaten. Er forderte den h ö ch st kommandierenden der auf dem Platz stehenden Sicherheitsformationen auf, hinaufzukommen. Dann zog er diesen Auftrag wieder zurück und erteilte später wieder denselben Befehl, in das Bundeskanzleramt zu kommen. Darauf begaben sich der Stabschef der heimwehr, Boden st edt, Sicherheitsinspektor Eibl und ein Heimwehrmann namens Priner in das Bundeskanzleramt. Nach Meldungen von Personen, die ein Telephongespräch des Sicherheitsinspektors Eibl mitangehört haben wollen, soll Minister Fey mitgeteilt habe?«, Bundeskanzler Dr. D o l l f u ß sei sehr schwer verletzt. Er sei zurückgetreten. Gleichzeitig bat der bisherige Minister Fey um einen Priester, der Dr. Dollfuß die Sterbesakramente geben soll. Die Haltung der um das Regierungsviertel zusammengeballten V o l k s m a s s e n wird immer drohender gegen die heim wehr: man befürchtet bei anbrechender Dunkelheit schwere Zusammenstöße. Der militärische Leiter der Wiener h e i m w e h r, Major Baar, teilt mit, daß die umliegenden Häuser des Bundeskanzleramts von Heimwehrleuten beseht und in Verteidigungszustand gebracht worden sind. 3m Hof des Bundeskanzleramts sind etwa 15 0 vom Volk verhaftete Beamte versammelt und befinden sich in strengem Gewahrsam. Wie soeben bekannt wird, sind im Bundeskanzleramt neben dem schwerverletzten Dr. Dollfuß, dem Sicherheitsminisler Fey, Staatssekretär karwinsky auch eine ganze Anzahl höherer Heimwehrfunktionäre feftge- halten, die beim Volk im Rufe besonderer Brutalität stehen. Krach im Ministerrat Verhaftung gegenseitig angcdroht. Ersotg- reicher Handstreich auf den Wiener Sender. Wien, 25. Juli. (DNB.) Nach Mitteilung von verläßlich anzusehender Seite werden Bundeskanzler Dr. Do l l f u ß , der Generalstaatskommissar für Sicherheit Fey und der Sicherheitskommissar K a r w i n s k'y im Gebäude des Bundeskanzleramtes f e st g e h a l t e n. Bei diesen Vorgängen soll geschossen worden sein. Darüber, von welcher Seite die Aktion unternommen worden ist, herrscht noch Ungewißheit. Man spricht davon, daß Angehörige des Bundesheeres dabei eine führende Rolle spielen. Wie man andererseits hört, soll es im M i n i st e r r a t, der gegen 11 Uhr begann, zu schweren Zusammen flößen zwischen Dollfuß und F e y gekommen sein, die sich gegenseitig mit Verhaftung bedroht hätten. Zu dieser Zeit hätte eine Heimwehrkompanie das Gebäude besetzt und die Tore geschlossen, so daß man näheres aus dem Bundeskanzleramt nicht erfahren könne, zumal auch die telephonischen Verbindungen dorthin gänzlich unterbrochen sind. Die R a o a g (W i e n e r S e n d e r) hat am Mittwoch gegen 13 Uhr plötzlich das Schallplattenkonzert unterbrochen, nachdem kurz vorher Stimmengewirr und Unruhe zu vernehmen waren. Dann erfolgte durch Radio die kurze Mitteilung, die Bundesregierunghabe demissioniert. Dr. R i n t e l e n übernehme die Geschäfte des Bundeskanzlers. Seitdem wurde von der Ravag nichts weiter gesendet. Die Hörer vernahmen jedoch laute Geräusche, die wie ein Krachen klangen; das schien darauf hinzudeuten, als ob sich im Sende raum etwas Ungewöhnliches ereigne. Man vermutet, daß eine gewalttätige Störung des Sendebetriebs eingetreten fei. Bei der amtlichen Nachrichtenstelle wird erklärt, daß von einer Demission des Bundeskanzlers nichts bekannt sei. Es scheine sich bei der Verlautbarung durch die Ravag um eine Mystifikation zu handeln. Andere amtliche Stellen, so besonders das Bundeskanzleramt, aber auch die Ravag, waren bisher telephonisch trotz aller Bemühungen nicht zu erreichen. Von anderer Seite wird berichtet, daß sich die Ravag in Händen von H e i m w e h r ! e u t e n befinde. Oie Besetzung des Genders. Hinweise aufdieHintergründederAktionen. Berlin, 25. Juli. (DNB.) Ein neueste Zusammenstellung der bisher aus Oesterreich gekommenen amtlichen und privaten Meldungen ergibt folgendes Bild der Lage: ra . . Kurz nach 13 Uhr fuhr vor dem Gebäude der Ravag, der österreichischen S e n d e g e > e lisch a f t in der Johannisgasse in Wien, ein Trupp B e - waffneter in Bundesheeruniform vor und besetzte das Gebäude. Einer der Teilnehmer an dieser Unternehmung gab eine Rundfunkmeldung des Inhalts durch, daß die Regierung Dollfuß zurückgetreten sei. Unmittelbar darnach wurden die Sendungen unterbrochen. Etwa zur gleichen Zeit besetzte eine mit Bundesheer stark u n t e r m i s ch t e D o l k s m e n g e d a s B u n d e s- kanzleramt, schloß die Tore und sicherte das Gebäude durch Aufstellen von Maschinengewehren. In dem Gebäude selbst befanden sich zurZeit des Ueberfalls nach sicheren Meldungen Bundeskanzler Dr. Dollfuß, Bundesminister F e y, der Staatssekretär für das Sicherheitswesen Hofrat Karwinsky, die von den Aufständischen gefangengenommen wurden. Um das Gebäude der R a r> v g entspann s.ch ein K a m p s, der nach dreistündiger Dauer mit der Kapitulation und Gesangennahme der Aufständischen endigte. In den D o r o r t e n W i e n s, ebenso wie m verschiedenen Teilen der Provinz sollen sich starke Ansammlungen regierungsfeindlicher ^UeberAusstandes oerlaute. Erregung m Bundesheer und dessen Be- teiliauna an den Ausstand soll in letzter Lime aus- qelöst worden sein durch die am Montag m Niederosterreich stattqesundene r j d) i e 6 u n g ein e s Offiziersanwärters durch -men Schutz- korpsoerteidiger. Oer Kampf um die Ravag. Wien 26. Juli. (DNB,) Vor dem Gebäude der Navaa ist ununterbrochenes Rattern der Maschinengewehre zu Horen. Bon dem Ge- bände des Finanzministeriums das der Ravag gegenüberliegt, wird mit Maschinengewehren und Gewehren auf die Ravag ge- lck offen Zwischendurch hort man das dumpfe Aufschlagen der Handgranaten. Noch immer weiß man nicht, welche politische Gruppe eigentlich in die Ravag eingebrungen ist. Die Sendungen der Raoag sind wieder ausgenommen worden und scheinen über eine Reserve- station am Rosenhügel geleitet zu werden. Der Kampf um die Ravag ist nach einer Dauer von drei Stunden beendet worden. Ein Polizeibeamter ist tot, mehrere wurden verletzt. Ebenso sind unter dem Personal der Ravag-Ange- stellten Verletzte zu verzeichn-en. Einige junge Leute sind blutüberströmt aus dem Gebäude der Ravag herausgebracht und in Autos verladen worden. Oer österreichische Großsender durch Dynamit zerstört. Wien, 25. Juli. (DNB.) Im Lause des Nach- mittags wurde der W i'e n e r Großsender Bisamberg besetzt und mit Dynamit gesprengt. Radio Wien sendet zur Zeit über den kleineren, bisher stillgelegten Rosenhügel-Sender. OasBundesheerunddasVolk Wien, 25. Juli (DNB.) Vor dem Bundeskanzleramt ist Polizei und Heimwehr in großer Stärke aufmarschiert. Sie verhält sich jedoch untätig. Man erklärt diese merkwürdige Die deutsche Grenze n< Berlin, 25. Juli. (DNB.) Amtlich wird milgeteilt: Die deutsche Reichsregierung hat nach Bekanntwerden der Unruhen in Oe st erreich die deutsche Grenze nach dorthin gesperrt, um zu verhindern, daß Reichsdeutsche oder in Deutschland weilende österreichische Flüchtlinge die Grenze überschreiten, um während der Unruhen dorthin zurückzukehren. Die deutsche Negierung kündigt Verhaftung derAufstänvischen an Berlin, 26.3uli. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: Aus Darstellungen des Wiener Rundfunks bzw. amtlicher österreichischer Nachrichten- stellen geht hervor, daß zwischen den ö st e r r e i ch i- s ch e n A u f st ä n d i s ch e n und den ö st e r r e i ch i- schen Regierungsstellen Abmachungen getroffen worden find für einen freien Abzug Lage damit, daß Teile des Bundesheeres bereits zum Volk übergegangen sind und die Besatzung des Bundeskanzleramts verstärkt haben. Auch sonst hat das Bundesheer allen Anforderungen seitens einiger noch nicht gefangener Minister nirgends Folge geleistet. Rrntelen verhandelt über die Neubildung des Kabinetts. Wien, 25. Juli. (DNB.) Der in der ersten Sendung des Radio Wien um 13 Uhr als neuer Bundeskanzler genannte österreichische Gesandte in Rom, Dr. R i n t e l e n , ist bereits in Wien eingetroffen. Er hat sich sofort in das Heere s m i ni st e r i u m begeben, wo er mit dem bisherigen Unterrichtsminister Schuschnigg und den Vertretern des Bundesheeres sowie Abgesandten des Volkes über die Neubildung d e r österreichischen Regierung verhandelt. Mobilisierung der Heimwehr. - London, 25. Juli. (DNB.) Wie Reuter aus Wien meldet, hat die Führung der Heimwehr die MobilisierungderHeimwehr angeordnet. ich Oesterreich gesperrt. der Aufständischen nach Deutschland. Diese Abmachungen sind für das Deutsche Reich belanglos und enthalten für die deut- sche Reichsregierung keinerlei Rechtsverbindlichkeit. Die deutsche Reichsregierung hat daher den Befehl gegeben, die Aufständischen im Falle einer lleberschrei- tung der deutschen Grenze sofort zu verhaf- t e n. Der Führer bricht den Besuch der Bayreuther Festspiele ab. Berlin, 26. 3uli. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichskanzler Adolf Hitler wird mit Rücksicht auf die traurigen Vorgänge in Oesterreich von einem weiteren Besuch der noch aus- Istehenden drei Aufführungen der Bayreuther F e st spiele absehen. Oie letzten Meldungen. Dollfuß ioi. Wien, 25. Juli. (DNB.) Der Wiener Nundsunk gibt amtlich bekannt, datz der österreichische Bundeskanzler Dollfuß seinen Verletzungen erlegen ist. Gesandter Mielen vechaflet Wien, 26. Juli. (DNB.) Es verlautet mit völligerGewitzheit,datz der österreichische Gesandte in Nom, Dr.Anton Nintelen, der augenblicklich in Wien weilt, v erh aftet wurde. Die Meldung wurde von offiziösen Stellen bestätigt, ist aber noch nicht offiziell verlautbart. Bundespräsident Miklas wieder in Wien. Wien, 26.3uli. (DNB. Funkspruch.) Bundespräsident Miklas hat seinen Sommeraufenthalt in Velden am Wörther See abgebrochen und ist heute früh in einem Extrazug in Wien ein- getroffen. Rückkehr Gtarhembergs nach Wien verzögert. Wien, 26.3uli. (DNB. Funkspruch.) 3n einer amtlichen Meldung heißt es u. a.: Bundesführer Starhemberg hat sofort nach dem Eintreffen der ersten Meldungen über die Vorgänge in Wien in einem Eaproni-Flugzeug die Rückreise von Venedig nach Oesterreich angetreten. Infolge des Die Hauptpersonen des Dramas Bundeskanzler Dollfuß f* Wie es zu Dollfuß'Tod kam Minister Fey. Der deutsche Gesandte in Wien abberufen e Entwicklung der Gesamtsituation in Oesterreich ri lassen die vorliegenden Meldungen keine Vorhersage ,lzu. Das Echo in England und Amerika smV Ti ... 1,1 öu oeacyren, oatz oer ^uyrer des Nationalsozialismus überall dort schon eingriff. doh so sei er hierzu bereit. Diese Erklärung hat er darauf von den Ministern Neustädter-Stürmer und Fey erhalten und dann noch auf Wunsch des Staatssekretärs Karwinsky, der zu diesem Zweck aus dem immer noch besetzt gehaltenen Bundeskanzleramt herausgelassen wurde, auch von diesem die Bestätigung des getroffenen Abkommens entgegengenommen. Kaiserslautern, 25. Juli. (DNB.) Auf einer großen Saarkundgebung führte Landesleiter Pirro in einer Auseinandersetzung in erster Linie mit den Emigranten u. a. aus: Das erste Bataillon der Fremdenlegion in unserem Saarlande stellen die Emigranten, die dabei ihr eigenes Geschäft im Auge haben. Nach dem Konkurs, nach der Flucht vor dem Gläubigeranspruch und dem Staatsanwalt wollen sie sich hier ein neues Geschäft gründen. Aus der Erkenntnis heraus, daß sie sich in Deutschland nicht mehr mästen können, klammern sie sich an das Saargebiet. Deshalb sagt der Emigrant: „Stimme für den Status quo, dann werde ich aus Dankbarkeit durch meine Anwesenheit deine Zukunft segnen." Klosterstürmer und Priestermörder zum Kirchenerbauer werden? Sie werden die Katholiken so be- handeln, wie man Verräter nach vollbrachter Tat immer behandelt. Als Katholik möchte ich sagen: Seien wir doch aufrichtig genug gegenüber der geschichtlichen Großtat des Führer! Der Führer hat durch sein Eintreten vielleicht Hunderttausend Menschen das Leben gerettet. Unter diesen hunderttausend konnten sogar Priester fein und zwar schließlich die Kameraden derjenigen, die heute dem Führer den Vorwurf machen, daß es richtiger gewesen wäre, am 30. Juni lieber nichts zu tun, als vielleicht einen Unschuldigen mikbüßen zu lassen. Ganz Deutschland sieht in öcr Tat des 30. Juni das große Geschehen, das unsere Nation gerettet hat. Höchste Erregung in England. L 0 nd 0 n , 26. Juli (DNB. Funkspruch). Die aufregenden Ereignisse in O e st e r r e i ch und der jähe Tod des Bundeskanzlers Dollfuß haben die englische Oeffentlichkeit aufs Höch st e erregt. Sie bildeten Mittwochnachmittag und abends den ausschließlichen Gesprächsstoff aller an politischen und internationalen Vorgängen interessierten Personen. Die meisten heutigen Morgenblätter widmen den Wiener Meldungen mehr als eine volle Seite ihrer Ausgabe, d. h. über sieben Druckspalten. In parlamentarischen Kreisen wird erklärt, die Arbeiteropposition im Unterhaus werde sich bestimmt der für Dienstag vorgesehenen Vertagung des Parlamentes widersetzen, falls die Lage besorgniserregend bleibe. Bei Beginn der Sitzung werden am Donnerstag die Minister gelegentlich der kleinen Neuerdings wird die Rekrutierung zur Legion der Erfahfranzofen auch aus den Kreisen des Katholizismus versucht, hier bringen einige Träger des Katholizismus es fertig, ihren Separatismus mit einer angeblichen Kirchenfeindlichkeit im neuen Deutschland zu begründen. Als in Deutschland Gottlosigkeit und Un- Ntte ungehemmt verbreitet werden konnten, als . ,e Zaristischen Gottesleugner die K i r ch e und ihre Priester verlästerten, da erhob sich im Saargebiet nicht eine einzige Stimme mtt der Forderung: „Weil im Reich der Bolsche- wismus wütet und die Gottlosigkeit groß wird, wollen wir nicht mehr zurückkehren." Inzwischen wurde die bolschewistische Gefahr und damit des G 0 t t e s l e u g n e r t u m in Deutschland 0 us gerottet. Seine Träger sind zum großen Teu fluchtig, und nicht wenige haben das Saarge- gemacht. Während sie drüben in ^Eutfchland früher von Waffen redeten, heucheln Die deutsche Not im Saarland Landesleiier pirro spricht in der Pfalz. - Llebertragung der Rede im Saargebiet verboten. Anfragen um Auskunft über die österreichische Lage ersucht werden. Ernst und Besorgnis. N e u y 0 r k, 26. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die gestrigen Vorgänge in Wien werden von sämtlichen Neuyorker Morgenblättern groß aufgemacht. Re- daktwnell äußert sich bisher lediglich die „Neu- york Herold Tribun e", die u. a. ausführt: Was auch immer die nächste Folge des Todes von Bundeskanzler Dollfuß fein möge, das Prestige seiner Partei, der C h r i st l i ch s 0 z i a l e n, sei jedenfalls ernstlich erschüttert. Die Auf- gäbe des neuen Bundeskanzlers werde doppelt schwierig sein, da wahrscheinlich Zweidrittel der österreichischen Bevölkerung zum Nationalsozialismus hinneige. Nach Meldungen aus Washington betrachten die politischen amerikanischen Kreise die weitere Entwicklung in Oesterreich mit Ern st und Besorgnis. tonÄrer-?rLe^er 1 G^ubt denn wirklich ein einziger schewismus in der rufiifrhpn Dob«#™. Ratboht daß die Bundesgenossen für den Sta?us tausend" Jon"VriefÄnJ SÄfJte quo etwa am Tage nach dessen Erklärung vom Chvisten hinschlachten ließ. die das Bundeskanzleramt besetzten. Schon die ersten Meldungen über die Besetzung des Bundeskanzleramtes besagten, daß Dr. Dollfuß verwundet worden war. der Hingerichteten aufnehmen? Wird ihre Erbitterung, durch die Hinrichtungen aufgestachelt, sich nicht in furchtbaren Explosionen entladen? Dazu kommen die Spannungen innerhalb der Regierung s e l b st. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Heimwehrbewegung in ganz Oesterreich in scharfem Rückgang begriffen ist. In Niederösterreich z. B. gibt es in den einzelnen Ortschaften überhaupt keine Heimwehrleute mehr, sondern nur mehr H e i m ätsch u tz k 0 m m a n d a n t e n, die sich bei Aufmärschen die Mannschaften gegen gutes Tagesgeld aus Wien kommen lassen müssen. Maßgebliche Heimwehrkreise machen für diesen Mitgliederschwund den Fürsten Starhemberg verantwortlich, dessen Abmachungen mit Bundeskanzler Dr. D 0 l lfuß zur Folge gehabt haben, daß die Konjunkturritter, die bis jetzt bei der Heimwehr waren, aus Gründen der Opportunität zu den aussichtsreicher erscheinenden „O st m ä r k i s ch e n Sturmscharen" übergelaufen sind. Es ist weiter ein offenes Geheimnis, daß es deshalb zwischen Starhemberg und Fey zu schweren Konflik- t e n gekommen ist, der aber, da begreiflicherweise Dr. Dollfuß auf Seite Starhembergs zu finden ist, mit einer Niederlage des einstigen Vizekanzlers, späteren Sicberheitsministers und jetzigen Ministers ohne Portefeuille enden wird. Man kann Fey zwar aus der Regierung drängen, den Anhang der Heimwehrunterführer aber kann man ihm nicht wegnehmen. So bilden sich Wolken drohender Gefahren nicht nur im Lager der großen Opposition. und eines brennenden Herzens als Liebe.) Alles Schreien und Jammern der Frau aber nützte nichts, die Bilder wurden beschlagnahmt. Gegenüber allen ungezählten, eine so deutliche Sprache sprechenden Beweis der leidenschaftlichen Hingabe an eine Idee hatte man in den offiziellen Kreisen Wiens immer nur diese läppische E r - klärung zur „Hand": „Es handle sich bei den Nationalsozialisten in Oesterreich um wenige, meist bezahlte, subversive Elemente". Man wollte £le Wahrheit nicht sehen, man verschloß sich Tatsachen, die jeder Fremde, wenn er nur 14 Tage in Oesterreich mit offenen Augen lebt, feststellen muß. Man trieb eine Vogel-Strauß- Politik des Nicht-Verstehen-Wollens. Freilich, in dieser törichten Verblendung der Regierungskreise lag S y st e m. Das Selbsteingeständnis der wahren Stimmung in der Bevölkerung müßte den regierenden Männern dieses Staates jede moralische Grundlage entziehen. So hat sich die Regierung verleiten lassen, immer und immer wieder härtere Strafen anzudrohen und anzusetzen, die Verfolgungswelle zu steigern, alle Mittel des Staates gegen einen Gegner einzusetzen, von dem sie annimmt, daß er durch abschreckende Mittel niedergeworfen werden kann. Man erwartete schließlich von der Einführung der obligatorischen T 0 d e s st r a f e eine volle Niederlage der politischen Widersacher. Die Bestürzung in Regierungskreisen, als nichts dergleichen geschah, sondern im Gegenteil die politischen Kundgebungen aller Art, wie Anschläge, Widersetzlichkeiten gegen die Wache und Demonstrationen verstärkt ihren Fortgang naymen, ist, wie man aus eingeweihten Kreisen hört' U 4 Jetzt erst begann die Einsicht aufzudammern, daß man es nicht mit smer Handvoll „bezahlter Desparados", nicht „mit einer verschwindenden Minderheit von Terroristen" — so lautete die übliche offizille These bis jetzt — U tun hat, sondern daß eine bis zur letzten Leiden- schäft aufgestachelte Mehrheit des Volkes Ein Streiflicht auf die Hintergründe. Oie Schrecken der Oollfuß-Oittatur.-Oie Lage unmittelbar vor dem Aufstand. Don unserem ständigen Or. A.-Äerichterstattei-. Wenn dieser oder jener einmal seinen Gegensatz zum Chr.stentum zum Ausdruck bringt, so ist damit nach christlicher Auffassung nicht gesagt, daß das Christentum als solches dadurch vernichtet würde. Viel- mehr trifft nach christlicher Auffassung der Schaden immer lenen der gegen Gottes Lehre ist. Würden m der Tat Aeußerungen genügen, das Christentum $U*4f-f£Oren' 1? hatten die Bundesgenossen der sepa- ratistischen „Neuen Saarpost" den Katholizismus schon lange restlos ausgerottet, noch ehe Hitler an die Macht kam; denn diese dem Christentum angeblich ergebenen deutschen Emigranten ha- ben den K a t h 0 lizismusimReichan einem Tag mehr S ch m ach und Schande zugefügt als vereinzelte Leute des nationalsozialistischen Regimes es in nahezu zweijähriger Regierungszeit vermochten. Dabei ist zu beachten, daß der Führer Nach dem Tode des Bundeskanzlers Dollfuß trat die Besatzung des Bundeskanzleramtes mit den Mitgliedern des früheren Kabinetts Dollfuß in Unterhandlungen. Beide Parteien wandten sich an den deutschen Gesandten in Wien mit der Bitte um Vermittlung. Es kam zu der Abmachung, daß das Bundeskanzleramt wieder freigegeben, die gefangen Gesetzten freigelassen und dafür der Besatzung freies Geleit an die Grenze zugesichert wurde. Am späten Abend trafen dann der wieder freigelassene Minister Fey, der Staatssekretär Kar- winsky und Minister Schuschnigg im Wiener Sender ein, von wo aus sie den Tod des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß b e st ä t i g t e n. Weder über die Frage der Neubildung des österreichischen Kabinetts, noch über die Situation in der österreichischen Provinz liegen bis Mitternacht Nachrichten vor. Durch die Entsetzung des Bundeskanzleramtes scheint die Aktion, soweit sie im Wiener R e - g i e r u n g s v i e r t e l vor sich gegangen ist, zum Abschluß gekommen zu sein, lieber die weitere Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Wien, 24. Juli. Wie immer der Kampf in Oesterreich ausgehen mag — bleiben wird das Gedenken an die in diesen schwersten Tagen des deutschen Volkes in Oesterreich offenbar gewordene rührende Hin- gabe an eine Idee, die uns wieder gelehrt hat welch tiefer sittlicher Kern in der Seele unseres Volkes schlummert, lieber das Ausmaß d e r Verfolgungen in Oesterreich kann man 11$, roenn man nicht selbst hier lebt, kaum eine Vorstellung machen. Man bedenke, daß die Zahl der Gemaßregelten, - sei es durch die Serbängung meist sehr schwerer Kerkerstrafen, sei es durch Entzug des Ruhegehaltes, den Verlust des Postens (auch in der Privatindustrie wird jetzt auf Druck der Regierung vielfach „gesäubert"), Entzug von Gewerbeberechtigungen, Geldstrafen von sol- chem Ausmaß daß sie die Sparpfennige von Jahren wegnehmen usw. —, in die Hunderte u nb ?ber Hunderttausende geht, schätzt man doch die Zahl der bisher Verhafteten allem auf zwei - bis dreimalhundert- taufend! Und nichts, gar nichts hat diese opferbereite Menge ungezählter Kämpfer für die na- tlona sozialistische Idee zu erschüttern vermocht. Leise von Ohr zu Ohr wird eine kleine ^."ekdote erzählt, die, besser als viele Worte es konnten, die Hingabe charakterisiert, von der die Anhänger der nationalsozialistischen Idee beseelt sind: Bei einem alten Weiblein wurde eine Haus- juchung veranstaltet. Dabei wurden auch drei Bilder, von Adolf Hitler, Goebbels und Goring, gefunden. Sie sollten weggenommen werden Doch die Frau stürzte sich wie verzweifelt über die Bilder und schrie: „Alles könnt ihr mir wegnehmen, nur das nicht; denn das ist meine Siebe, mein Glaube und meine Hoffnung!" (Eine Anspielung auf die in vielen österreichischen Fami- lren zu findende bildlich-symbolische Darstellung des Kreuzes als Glaube, des Ankers als Hoffnung herrschenden stürmischen Wellers und dichlen Re- bels verlor der Pilot die Orientierung und erklärte, den Flug nicht foctfehen zu können. Der Pilot kehrte in der höhe von Völkermarkt um und wandte sich über Graz wieder Venedig zu, wo abends die Landung erfolgte Bundesführer Vizekanzler Starhemberg trifft Donnerstagvormittag in Wien ein. Das Kommunique läßt darauf schließen, daß es auch in der Provinz zu Aufstandshandtun- gen gekommen ist, doch sind Einzelheiten nicht bekannte. Sie mutmaßlichen Mörder des Bundeskanzlers in Sonderhasi. Wien, 26. Juli. (DRV. Funkspruch.) Die an der Besetzung des Bundeskanzleramtes beteiligten Personen sind zunächst in der Polizeikaserne in der Warokkanergasse untergebracht worden. Die drei mutmaßlichen Wörder des Bundeskanzlers bestnden sich dagegen in So n d e r h a f t. Standrecht in Wien. Wien, 26. Juli. (DNB.) Der Polizeipräsldenk hat für Wien das außerordentliche S t a n d r e ch t verhängt. Ab 20 Uhr abends müssen alle Haustore und Ga st Häuser geschlossen sein. Ansammlungen und Gruppenbildungen sind verboten. Standrecht in Steiermark. Wien, 26. Juli. (DNB. Funkspruch.) In Steiermark wurde bas außerordentliche Standrecht verhängt. Die Haustore müssen um 19 Uhr, die Gasthäuser um 21 Uhr geschlossen werden. Ansammlungen und Gruppen in den Straßen sind verboten. Beileid der Reichsregierung. Berlin, 26. Juni. (DRB.) Reichsauhenminister Frhr. v. Neurath Hal der österreichischen Bundesregierung zum Tode des Bundeskanzlers Dollfuß telegraphisch das Beileid der Reichsregierung übermittelt. Berlin, 26. Juli. (DNB.) Soweit sich bisher aus den vorliegenden Meldungen ersehen läßt, haben sich die Ereignisse, die zum Tode des Bundeskanzlers Dollfuß führten, in folgender Form abgespielt: Gestern nachmittag wurde in der österreichischen Bevölkerung bekannt, daß das erste Todesurteil des neuen österreichischen Standgerichtes durch den Strang vollzogen ist, und daß in den Untersuchungsgefängnissen die Gefangenen mittelalterlichen Folterungen unterworfen werden. Der österreichischen Bevölkerung bemächtigte sich eine außerordentliche Empörung und Erregung, die zu derartigen Ansammlungen in den Straßen Wiens führte, daß der seit elf Uhr tagende M i n i st e r - rat unterbrochen werden mußte. Gegen 13 Uhr tauchten an mehreren Stellen bewaffnete Formationen auf, die in die Uniform des österreichischen Bundesheeres gekleidet waren. Von diesen Formationen wurde das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz in Wien besetzt, wobei es zu den ersten blutigen Zusammenstößen kam. Die im Bundeskanzleramt befindlichen Regierungsmitglieder, vor allem Bundeskanzler Dr. Dollfuß, der frühere Vizekanzler Minister Fey und der Staatssekretär für Sicherheit Dr. Karwinsky sowie eine Reihe anderer österreichischer Politiker waren ganz in der Gewalt der Bewaffneten sich einem System gegenübergestellt hat, dessen Anhänger aus wenigen Ideologen einer papternen katholischen Reichsidee und Mitläufern aus Konjunkturgrünben besteht! Zum ersten Male seit einem Jahr konnte man in ber christlichsozialen „Reichspost" die Feststellung lesen, daß die Nationalsozialisten Oesterreichs von ber blinden Hingabe an eine Idee erfüllt seien. Mit diesem Eingeständnis ist gleichzeitig die Schwäche des offiziellen Regierungskurs enthüllt. In der Tat: die Fortsetzung der Opposition gegen die Regierung auch nach ber Verkündung der obligatorischen Todesstrafe hat für die Regierung lehrreich gewirkt. Sie scheint eingesehen zu haben, daß sie allein mit innerpolitischen Mitteln nicht zu Rande kommen kann. Es dürfte nicht ohneihr Zutun geschehen sein, daß plötzlich wieder die große Auslandpresse gegen Len Nationalsozialismus i n O e st e r r e i ch zu Felde zieht, daß man mit einemmal wieder von einer „Intervention der Mächte in Berlin" spricht. Wobei allerdings nicht einzusehen ist, wie die deutsche Reichsregierung verhindern soll, daß die Idee Adolf Hitlers über alle Grenzpfähle hinweg die Herzen der deutschen Menschen nicht nur in Oesterreich erfaßt. Waren die letzten Wochen in Oesterreich von Ereignissen angefüllt bis zum Rande, — die kommenden Wochen werden es nicht minder fein. Mit fiebernder Spannung erwartet die ganze Bevölkerung die er st en Stanbgerichtspro- z e f f e , die unter dem Stern der neuen verschärften Strafandrohungen vor sich gehen sollen. Wenn man sich zu Todesurteilen entschließt: wie werden das die Gesinnungsfreunde Berlin, 26. Juli. (DNB.) Amtlich wird mil- geteilt: Der deutsche Gesandte in Wien, Rieth, hat auf Anforderung österreichischer Regierungsstellen bzw. der österreichischen Aufständischen sich bereit finden lassen, zu der zwischen diesen beiden getroffenen Abmachungen bezüglich freien Geleites und Abzug der Aufständischen nach Deutschland ohne Rücksprache bei der deutschen Reichsregierung seine Zustimmung gegeben. Er wurde daraufhin sofort von seinem Posten abberufen. Die Verhandlungen in Wien. Wien, 26. Juli. (DNB.) Der deutsche Gesandte Dr. Rieth wurde am Mittwoch gegen abend vom Bundesminister Fey, der noch im Bundeskanzleramt eingeschlossen mar, telephonisch angerufen. Es wurde ihm mit geteilt, baß zwischen Vertretern der Regierung und der in bas Bundeskanzleramt ein- gedrungenen Gruppe ein Abkommen getroffen roor- ben Jei, wonach letztere mit zugesichertem freien Geleit unter militärischer Bedeckung auf ihren Wunsch an die deutsche Grenze gebracht werden solle. Diese Truppe verlange, um die Gewißheit zu haben, tatsächlich nach Deutschland einreifen zu können, daß der deutsche Gesandte von den Vertretern der Regierung entsprechend in Kenntnis gesetzt werde. Infolgedessen bat Minister Fey, der Gesandte solle eine solche Erklärung von dem Minister Neustädter - Stürmer entgegennehmen. Der Gesandte Dr. Rieth erklärte, wenn er durch die persönliche Entgegennahme einer derartigen Erklärung des Ministers Neustädter-Stürmer die Durchführung des Abtransportes ermöglichen und so vielleicht Blutvergießen verhindern könne, Der Leiter der staatlichen Polizei in Innsbruck erschossen. Innsbruck, 25. Juli. (DNB.) Der Leiter ber staatlichen Polizei in Innsbruck, Polizeistabshauptmann H i ck l, ber gegen verhaftete Nati 0 - nalsozialisten mittelalterliche Folter in Anwenbung brachte, würbe heute kurz vor 3 Uhr von einer erbitterten Volksmenge aus bem Statthaltereigebäube gezerrt unb erschossen. Aus privaten Quellen kommen aus anberen Stäbten ähnliche Melbungen, bie barauf schließen lassen, baß bie Volksbewegung gegen Dollfuß sich auf bas ganze ßa nb Oe ft e r - reich ausbehnt. Anschlag ans österreichische Legitimistenführer. Linz, 25. Juli (DNB.) In Linz würbe auf ben Führer bes Öberösterreichischen Heimatschußes, ben bekannten Legitimistenführer Graf Coreth, ein Revolveranschlag ausgeführt. Wie bas „Linzer Volksblatt" melbet, fall Graf Coreth bei bem Attentat mit bem Leben bcwongekommen fein. ■ < s n, n le s W age An der Texasküste tobte ein Sturm mit etwa ;ei München veranstaltete am CREME: 15 Pf.-RM 1.00 / ÖL; 40 Pf.-RM 120 NIYEA III n n die es menschlichen Versuche blieben vergeblich. es die bt ne Die )en Re- u» irt: an dt el m ach iti- ng ft, 's, 9 n« an o» en Die außerordentliche Hitze in den Vereinigten Staaten hat bisher in den mittleren und westlichen Staaten über 1900 Opfer gefordert. Stellenweise ist Regen gefallen der allerdings nur wenig Erleichterung gebracht hat. In Missouri allein starben 291 Personen, in Illinois 254 und in Ohio 114 Personen. In Vineta (Oklahoma) wurde eine Höchsttemperatur von 37 Grad, in Roblesville (Indiana) eine solche von 4 5 Grad gemessen. Während der Wittelwesten bei der Gluthitze verschmachtet, herrscht im Lolodarokeil Winterwetter. Auf dem IHounf Evans fielen rund vier Zentimeter Schnee. Die Dürreschäden werden auf mehrere Milliarden Dollar geschäht. lieber 1900 Todesopfer der Sitze in WA Schneefall in Colorado, schweres Unwetter in Texas, Dakota „eine Wüste m ch i* -tz nit id> nil lb. Das erste Kabel schließt mit dem Satz: Die Ka- meraden setzen alles daran, Willi Merkl und seinen treuen Gefährten Gaylay zu retten, bleiben aber in schwerster Sorge, da Merkl seit acht Tagen ohne Nahrung. Beim Nachrichtendienst des Deutschen Rundfunks traf am Mittwochmittag ein zweites ganz kurzes Kabel ein. Danach ist Willi Merkl am 16. Juli im Lager 6 gestorben. Alle über- zur Rettung des Gefährten Kronrat in London. Der Berliner britische Botschafter beim König. London, 25.Juli. (DNB.) Der König hielt am Mittwoch im Buckingham-Palast einen Kron- rat ab, bei dem u. a. Baldwin und der Unterstaatssekretär des Aeußeren, Lord Stanhope, anwesend waren. Anschließend empfing der König den britischen Botschafter in Berlin, Sir P h i p p s, in Audienz. IN' )e« at 1: üch ige en s ia< r« leier des osteuropäischen Friedens zusammenarbeiteten. Minister Beck kam im Laufe seiner Ausführungen auch auf das Nordost paktproblem zu sprechen. In letzter Zeit, führte Beck aus, ist in der Presse und in diplomatischen Kreisen viel von sogenannten Beistandspakten gesprochen worden. Minister S e l j a m a a und ich waren uns darüber einig, daß dies eine interessante Frage sei, die aber noch eines näheren Studiums bedürfe. Wenn derartige Fragen an unsere Regierungen herantreten, dürfen sie ihnen gegenüber nicht gleichgültig bleiben, heute jedoch ist es au früh, bei einer so schwierigen Fragestellung, die einer genaueren Prüfung bedarf, in Einzelheiten gehen zu wollen. In dieser Auffassung, betonte Minister Beck, bestand zwischen den Außenministern beider Länder volle Einigkeit. heute Nacht verließ Minister Beck mit seiner Gattin Reval, um sich nach Warschau zurückzubegeben. Außenminister Beck heute in Riga. Riga, 26. Juli (DNB. Funkspruch). Heber den bisherigen Verlauf der baltischen Reise des polnischen Außenministers Beck äußert sich die lettische Presse einstweilen zurückhaltend. Aber man weiß in Riga sehr wohl, daß die Ergebnisse der Besprechungen Becks mit den maßgeblichen Persönlichkeiten E st l a n d s geeignet sind, die unmittelbar bevorstehenden Rigaer Erörterungen wesentlich zu beeinflussen. Der polnische Außenminister trifft am Donnerstagnachmittag in der l e t t l ä n - dischen Haupt st a d t ein, wo umfassende Vorbereitungen für den Empfang getroffen worden sind. fünfer dem Wunsche, zue verkrekung der 3n- leressen der deutschen Katholiken im Saargebiet eine neue Partei zu gründen, verbirgt sich nur die Fratze des Separatismus. Jede katholische Partei, sie mag so oder so maskiert fein, stellt eine Schande für den gesamten deutschen Katholizismus dar. Im Rarnen aller anständigen deutschen Katholiken warnen wir in letzter Stunde, und als Katholik rufe ich alle Katholiken des Saargebietes auf gegen diesen Verrat an uns und unserem Vaterlande. Der gläubige Katholik ist fest davon überzeugt, daß die großen Werte des Christentumes dem Dritten Reich jene Stühe fein müssen, für die jeder Staat, der nicht materialistisch unterbaut sein will, ihm dankbar fein wird. Jede gegen Deutschland abgegebene Stimme ist sogleich auch eine Stimme gegen den deutschen Katholiken, der sich im Reiche zu beweisen bemüht, daß der deutsche Katholizismus nur staalserhal- tend und zuverlässig ist. Der Redner befaßte sich bann mit den Ereignissen der letzten Tage irn Saargebiet und stellte die Frage: Was trägt der Völkerbund, was trägt Frankreich zur friedlichen Lösung der Saarfrage bei? und fuhr fort: Die Antwort lautet: Daß Angriffe auf unsere Ehre an der Tagesordnung sind. Wenn die Regierung gar behauptet, kein Saarländer sei wegen seiner deutschen Haltung einer Ehrverletzung ausgesetzt, so ist diese Behauptung an sich schon eine Ehrverletzung, denn täglich wird unser Führer in der deutschfeindlichen Presse des Saarlandes so maßlos besudelt, wie dies keinem Staatsmann der Welt geschieht. Im Namen der gesamten Deutschen Front erkläre ich feierlich: Wer den Führer unseres Deutschlands beleidigt und besudelt, der beleidigt und besudelt uns alle. Willi MerNs Tod bestätigt. Oer heroische Kampf der deutschen Himalaja-Expedition am Nanga parbat am 14. Juli werden wiederum alle Versuche zur Rettung im Schnee erstickt. Am 15. Juli ist das Hauptlager in 3600 Meter höhe ohne jede Nachricht aus den hochlagern. Auch die Sicht vom Hauptlager ist ständig durch Wolken verdeckt. Am 16. Juli versuchen Schneider, Aschenbrenner und der letzte gesunde Kuli erneut das Lager 5 zu erreichen. Sie müssen des Wetters wegen die Arbeit abbrechen und umkehren. In der nächsten Nacht brechen dann Bechtholt und Müllritter, die den allerersten Teil der Rettungsexepedi- tion bestritten hatten, mit 11 durchweg kranken Trägern vom Hauptlager nach Lager 4 auf, um weitere Rettungsaktionen einzuleiten. Die Proviantbeförderung gestaltet sich immer schwieriger, weil alle Träger krank oder erschöpft sind. Das Lager 4 in 6200 Meter höhe ist ohne Feuerung. Die Lebensrnittel sind knapp. Die Kräfte der Sahibs sind durch die ungeheuren Anstrengungen nahezu erschöpft. Dennoch beobachtet man vom Hauptlager aus, daß am 17. erneut Schneider und Aschenbrenner nach Lager 5 spurten. Mittags ist das Wetter wiederum ganz schlecht. polen gehört zu den baltischen Staaten Erklärung des polnischen Außenministers Beck. DRV. Berlin, 25. Juli. Die in schwerer Bergnot kämpfende deutsche Himalaja-Expedition hat nunmehr die traurige Bestätigung gegeben, daß auch ihr Führer Willi Merkl nicht mehr am Leben ist. Dem drahtlosen Dienst gingen zwei durch Voten von dem Berg des Unglücks zur Kabelstation in Astor gebrachte Telegramme zu. Sie sind ein hohes Lied der Kameradschaft. Sie schildern die geradezu übermenschlichen Krastanstrengungen, die zur Rettung der Spitzengruppe der deutschen Himalaja-Expedition, zur Rettung von Rlerkl, Wieland und Welzen- bach unternommen wurden. Das erste Kabel, das am 17. Juli am Nanga Parbat aufgegeben wurde, lautet folgendermaßen: „Der Träger Angtfering, der die Spitzengruppe Merkl, Wieland und Welzenbach begleitete, schlug sich am 14. Juli nach Lager 4 am Nanga Parbat zu 6200 Meter herab durch. Er berichtete: Am 9. Juli sind die drei deutschen Bergsteiger mit sieben Trägern bei andauerndem Schnecsturm von Lager 8 am Silbersattel, also aus 7600 Meter höhe, in das Gratlager 7 in 7500 Meter höhe abgestiegen, also einen Tag später als Schneider und Aschenbrenner, die vorher oben weilten. In diesem Lager 7 st a r b e n Wieland und Welzenbach. Vier Tage später, also am 13. Juli, wurde Merkl von den eingeborenen Trägern Angtsering und Gaylay in die Nähe des ehemaligen Lagers 6 auf 7000 Meter gebracht, wo er seitdem in einer Schneehöhle liegt. Am folgenden Tage, am 14. Juli, schlug sich dann der Träger Angtsering mit übermenschlicher Anstrengung nach Lager 4 in 6200 Meter höhe durch. Dort kam er mit erfrorenen Händen und Füßen an. Inzwischen wurden von diesem Lager 4 aus verzweifelte Rettungsversuche unternommen. Am 12. Juli spurten in meterhohem Neuschnee Schneider, Müllritter und fünf eingeborene Träger fünf Stunden lang den Weg nach Lager 5. Sie fanoen fünf Meter vor einem Zelt den erfrorenen Träger Pinzonubu. Gleichzeitig sehen sie am Ra- kiot-Peak zwei weitere tote Träger am Seil. Es sind insgesamt fünf Darjeeling-Leute tot. Ein wieder einsetzender Sch nee sturm verhindert den Bergungsversuch und erzwingt die Rückkehr nach Lager 4. Schon am nächsten Tage, am 13. Juli, bringt Müllritter sieben kranke T r ä g e r herab ins Hauptlager in 3600 Meter höhe. Weitere Rettungsversuche von Lager 4 aus in der Richtung zur höhe des Berges werden immer wiederholt, aber stets vom Schneesturm zurückgeschlagen. Auch Wir beschwören die Abstimmungskommission hier einzugreifen. Das ganze Saarvolk wird für diese selbstverständliche Handlung dankbar sein. Es würde auch zur Beruhigung beitraaen, wenn die nie bere Hetze bes Straßburger Senber unterbliebe. Es mehren sich gerabe in Elsaß-Loth- ringen bis Stimmen, bie eine Verständigung zwischen Deutschlanb unb Frankreich herbeisehnen unb bie schamlose Hetze derjenigen Kreise ablehnen, die nur im Interesse einer prositgierigen Rüst ungsindu st rie aus der Verhetzung der Völker Kapital schlagen wollen. Wenn ich bie Frage an bie Regierungskommission richtete, was sie zur frieb- lichen Lösung ber Saarfrage beiträgt, so muß ich zur Illustration bas Beispiel ber letzten Woche heranziehen. Ein Emigrant wirb mit ber Durchführung verschiebener Haussuchungen beauftragt, unb es kommt zu einem Verbot von 26 Zeitungen, weil bie Haussuchungen burch einen Emigranten als herausforberung bezeichnet würbe. O'Connor betroffen. In Freeport überflutete bas Wasser bie Schutzbämme unb fefjte im Augenblick bie ganze Umgegenb unter Wasser. Zahlreiche Einwohner haben Freeport bereits verlassen. Der Uferwall von Galoeston würbe von Riesenwellen zerschlagen. Die Wasser werben vom Winb burch bie Straßen gepeitscht. Der Kommissar für bie ßanbfieblung erklärte bei seiner Rückkehr von einer Besichtigungsreise burch die Dürre-Gebiete, daß sich niemand einen Begriff von der Katastrophe machen könne. Die westliche Hälfte von Nord- unb Süb-Dakota sowie der östliche Teil Montanas unb Wyomings hätten von Zehntausenben geräumt werben müssen, weil bie Gebiete eine vollkommene Wüste ohne ein einziges grünes Blatt barstellten. Das Gebiet könne vielleicht später einmal mit Büffelgras besät unb als Weibelanb benutzt werben, bürste aber 70 bis 80 Meilen Stunbengeschwinbigkeit. Die Der- wegen bes Regenmangels niemals wieber als Acker- binbungen finb unterbrochen, so baß nähere Einzel- lanb benutzt werben, wenn man eine Wieberholung heiten über bie Schäben noch nicht bekannt sinb. Am ber biesjährigen Dürre-Katastrophe vermeiben wolle, schwersten würben bie Ort Freeport unb Port -------- Warschau, 26. Iuli. (DNB. Funkspruch.) Rach einer amtlichen Mitteilung erklärte Außenminister Beck in Reval, bäh Polen zu den baltischen Staaten gehöre, unb baß es sich auch für alle Fragen interessiere, bie bie baltischen Staaten beträfen. Wie weit bie Zusammenarbeit zu gehen habe, sei schwer zu sagen. Unzweifelhaft müsse bie Solibarität ber Interessen aller baltischen Staaten ihren Ausdruck unb ihren besonderen Weg finden. 3m Geiste der Freundschaft und der Herzlichkeit. Reval, 25. Juli. (DNB.) Die Estländische Telegraphen-Agentur veröffentlicht über bie am Mittwoch abgeschlossenen Besprechungen zwischen bem polnischen Außenminister Beck unb bem estlänbischen Außenminister Seljamaa folgenben Bericht: „Die beiben Minister hatten Gelegenheit, sämtliche bie Beziehungen zwischen beiben Länbern be- rührenbe Fragen burchzuprüfen. Sie konnten ein völliges Üebereinftimmen ber Gesichtspunkte auf beiben Seiten feststellen. Es würbe klargestellt, baß bie Zusammenarbeit beiber Regierungen mit bem Ziel einer politischen Stabilisierung im Osten Europas, bie bereits so glänzenbe Ergebnisse zur Festigung bes Friebens gehabt hat, im selben Geiste ber Freunbschaft unb ber Herzlichkeit fortgesetzt werben wirb. Die beiben Minister haben bie Gelegenheit benutzt, um sich gegenseitig au unterrichten über bie verschobenen Fragen oer allgemeinen Politik, an benen bie beiben ßänber mitinteressiert finb. Dazu gehörte auch ber Plan eines gegenseitigen Beistandspaktes, der gegenwärtig im Mittelpunkt der internationalen Auseinandersetzungen steht. Oer Rordoftpakt-Plan. Reval, 25. Juli (DNB.) Der polnische Außenminister Beck empfing am Mittwoch Vertreter der estnischen Presse, denen gegenüber er zunächst das volle Einvernehmen zwischen Polen und Estland hervorhob, die beide zur Festigung Der Reichsfender s------- Mittwoch um 22.20 Uhr eine Gedenkstunde für die im Kampfe um den Nanga Parbat gefallenen deutschen Bergsteiger. Die Sendung dauert bis 22.45 Uhr. Sie wird von allen deutschen Reichs- fenbern übernommen. Der deutsche Rundfunk hält anschließend eine Funkstille von fünf Minuten. Der Führer erhebt die SS. zur selbständigen Organisation. München, 25. Juli. Die Reichspressestelle ber RSDAP. gibt durch die RSK. folgende Verfügung des Führers bekannt: „3m Hinblick auf die großen Verdien sie der SS., besonders im Zusammenhang mit den Ereignissen des 30. Juni 1934, erhebe ich dieselbe zu einer selbständigen Organisation im Rahmen der RSDAP. Der Reichsführer- S $. untersteht daher gleich dem Lhef des Stabes dem Obersten SA.-Führer direkt. • Der Lhef des Stabes und der Reichsführer-SS. bekleiden beide den parteimäßigen Rang eines Reichsleiters. München, den 20. Juli 1934. Gez.: Adolf Hitler.- Obergruppenführer v. Jagow an die Berliner GA. Berlin, 25. Juli. (DNB.) Der Führer der S A. - Gruppe Berlin-Brandenburg hat—-wie die NSK. meldet — folgenden Gruppenfonderbefehl erlassen: „An die SA.-Führer und -Männer der Gruppe Berlin-Brandenburg! Ich habe mit dem heutigen Tage den Befehl über die SA.-Gruppe Berlin-Brandenburg übernommen. Ich erwarte von jedem SA.-Mann, der in den alten Tugenden der Nationalsozialistischen Partei mitzumarschieren gewillt ist, daß er alles daran setzt, das Ansehen der SA. zu fördern und bedingungslos seine Pflicht zu erfüllen. Diese Tugenden sind: Treue zum Führer, Opferwilligkeit und Bescheidenheit! Im Geiste eines horst Wessel geht mein Ruf an Euch: „Die Reihen fest geschlossen! Vorwärts für Führer und Volk!" heil Hitler! Der Führer ber Gruppe Berlin-Dranbenburg: gez. von Jagow, Obergruppenführer. SS-Gruppenführer General der Landespolizei Kurl Oaluege hat an bi# SA.-Gruppe B e r l i n - B r a n b e n- burg folgenben Aufruf gerichtet: „An bie SA.-Gruppe Berlin-Branbenburg! Der Führer hat ben SA.-Obergruppenführer von Jagow zum Führer ber SA.-Gruppe Berlin- Branbenburg ernannt. Damit ist ber mir vom Führer erteilte Befehl zur vorübergehenben Führung ber Geschäfte ber SA.-Gruppe Berlin-Branbenburg erfüllt unb mein Auftrag an ben Pg. General ber ßanbespolizei Wecke erlebigt. Ich banke bem Pg. Wecke für feine vorbilbliche Arbeit unb grüße bie Kameraben ber SA.-Gruppe Berlin-Branbenburg! heil Hitler! Gez.: Kurt Daluege.- Zeder zum Vorsitzenden des Zührerrats des Heimstättenamtes berufen. DNB. München, 26. Juli. Die NSK. meldet: Um bie Einheitlichkeit im beutschen Sieblungswesen weiter zu förbern, ist ber Reichsfieblungskommifsar Pg. Staatssekretär Dipl.-Jng. Gottfried Feder zum Vorsitzenden des bereits bestehenden Führerrates des Heimstättenamtes der NSDAP, berufen worden. Zum stellvertretenden ßeiter des Amtes wurde Ministerpräsident a. D. G r a n z o w , der Beauftragte des Reichsbauernführers für Siedlungsfragen, ernannt. Das „Amt für Volksgesundheit" für alle volksgesundheitlichen Belange allein zuständig. München, 26. Juli. (DNB.) Der Stabsleiter des Stellvertreters des Führers gibt folgende Anordnung bekannt: „Unter Bezugnahme auf die diesbezügliche Verfügung vom 14. Juni 1934 mache ich noch einmal darauf aufmerksam, daß für sämtliche volks- gesundheitlichen Belange innerhalb der Partei und ihrer Gliederungen allein bas „Amt für Volksgesundheit^ zustänbig ist. Sämtlichen anberen Parteibienststellen ist es verboten, felbftänbig in volksgesundheitliche Belange einzugreisen, ober Entscheidungen zu treffen. Dies gilt insdesonbere für ärztliche unb kassenärztliche Angelegenheiten. Für letztere ist allem zustänbig bie als öffentlich-rechtliche Körperschaft bem Reichs- arbeitsminifterium als Aufsichtsbehörde unter« stehenbe kassenärztliche Vereinigung Deutschlands. gez. Bohrmann. Ausnahme von Mitgliedern des Arbeitsdienstes in die OAZ. Berlin, 26. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Schatzmeister der Deutschen Arbeitsfront hat wie der „Völkische Beobachter" meldet, folgende Anord- nung erlassen: , , - „Trotz der bestehenden Aufnahmesperre zur Deutschen Arbeitsfront können Volksgenossen, bie aus bem Freiwilligen 21rt> e it 5b i en ft entlassen werben, in bie D e u t s ch e A r b e 11 s f r o n t a u f g e n o mm e n werden. 5)611 HitlerBrokmann, Schatzmeister." Loty gestorben. Paris, 25. Juli. 25. Juli. Der Herausgeber des „Ami du Peuple“ und französische Industrielle C o t y ist am Mittwochabend g e stör b e n. Coty weilte auf seinem ßandsitz in der Nahe von Versailles: er litt seit etwa 14 Tagen an einer schweren Lungenentzündung. Wettervoraussage. Von ber Biskaya her ragt hoher Druck keilförmig über Frankreich bis nach Deutschland vor und laßt im wesentlichen das sommerliche warme Wetter fortbestehen. Da aber im Norden fortgesetzt Storungen vorüberziehen, die an ihrer Südseite ozeanische ßuft mit sich bringen, durfte zeitweise gemüter« drohende Bewölkung auf treten. 2? u sfichten für Freitag: teils heiter teils wolkia warm, zeitweise schwul, im wesentlichen trocfen d^ch vorübergehend Neigung zu Gewitter- chten für Samstag: Fortdauer der ^Lufttemperaturen am 25. Juli: mittags 20,2 Grad Eelfius abends 15,5 Grad; am 26. Juli: morgens 14 ®rab Maximum 22 Grad, Minimum 10,9 Grad. __ Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Juli: abends 20,9 Grad, am 26. Juli morgens 17,3 Grad. Zu den Belangen der Bevölkerung, bie von bet Regierungskommission zu sichern finb, gehört in erster Linie ber Schuh ber Ehre ber Bevölkerung. Würbe man bie Zumutung, bie in diesem Falle an bas Saarvolk gestellt würbe, an bie Franzosen stellen, so würbe sie als kul- turschanbe unb eine Herabwürdigung aufgefahl werben. Richt weniger Ehrgefühl haben wir Deutsche auch. Die Herausforberung wirb uns offenbar zugemutet, um uns zu Unbesonnenheiten zu verleiten. Diesen Gefallen werben wir niemanb tun. Es ist ganz selbstverstänblich unb entspricht der bisherigen Haltung ber Deutschen Front an ber Saar, bah wir nach wie vor jeben Gewaltakt ablehnen. Das Bruberbanb, bas mir gemeinsam geschlossen haben unb bas wir erst recht in ben tommenben Monaten besiegeln werben, wirb durch kein Dekret ober Verbot Nicht gesprengt werben. Ls ist ehrenvoller, bei einem Stück Schwarzbrot beim deutschen Bruder zu bleiben, als für Zuckerbrot und Frack ein auch von Franzosen verachteter Ersahsranzose zu sein. Es kommt ber 13. Januar, ber Tag unserer Ehre, ber Tag unserer Freiheit, ber Tag des Daterlanbes unb seines Führers! Heil Deutschlanb! Die vielen geschlossenen Pfui-, Bravo- unb Heilrufe zeigten, baß ber Rebner allen aus bem Herzen sprach. Stürmischer Beifall unb enblofe Heilrufe dankten bem Landesführer, bis bas Deutschland- unb bas Horst-Weffel-Lieb aus allen Kehlen erklangen. Lanbesleiter Pirro brachte bann auf ben 13. Januar 1935 unb auf ben Führer ein dreifaches Sieg-Heil aus. Dann schloß bas Saar- lieb bie machtvolle Kunbgebung. Lleberiragung der pirro-Rede im Saarland verboten. Saarbrücken, 25. Juli (DNB.) Mit Interesse unb Spannung sah man überall im Saargebiet ber heutigen großen Rebe bes Lanbesleiters Pirro entgegen. Dieses offensichtlich „staatsgefährliche" Interesse würbe roieberum mit bem üblichen Verbot bedacht. An alle Restaurants unb Cafes ist strikteste Anweisung ergangen, bie Rundfunküber- tragung ber Rebe Pirros unterbleiben zu lassen, wibrigenfalls würbe mit ber Schließung ber Lokale gebroht. Sämtliche Lokale würben heute abenb polizeilich überwacht, ob sie bieser Anweisung Folge leisten. Richterliche Entscheidung beantragt. Saarbrücken, 25. Juli (DNB.) Die Versiegelung ber Bürohäuser der „Deutschen Front" unb bie Beschlagnahme bes bortigen Aktenmaterials haben ben Lanbesleiter Pirro veranlaßt, burch seinen Rechtsberater beim zustänbigen Amtsgericht um eine richterliche Entscheidung über bie Zulässigkeit eines berartigen Vorgehens ber hiesigen Polizeibehörbe nachzusuchen. Die „Deutsche Front" kann ben ungeheuren Verbacht ber Beteiligung an einem Morbversuch nicht unwibersprochen unb un= wiberlegt auf sich beruhen lassen, unb sie verlangt besroegen sofortige Aufhebung ber vor genommenen Beschlagnahmung. In gleicher Weis« haben sich bie Leitung bes DNB. unb ber Saarkorresponbenz beschwerbeführend an das Amtsgericht mit der Forderung gewandt, auch ihre beschlagnahmten Akten unverzüglich frei zugeben. Vor 20 Jahren. Oie Tragödie der 13 Tage. — Ein Zeitkalender der Tage des Kriegsausbruchs vom 23. 7. - 4. 8.1914. Oer vierte Tag: 26. Füll. Beginn der „kriegsvorbereilungsperiode" für das ganze europäische Ruhland. Rückberufung der deutschen Flotte aus den norwegischen Gewässern. Die seit 15. Juli zu einer Probemobilmachung versammelten englischen drei Heimatflolten stellen die Demobilmachung ein. Der österreichisch-ungarische Generalstabschef Freiherr Conrad von Höhendorf erklärt dem Grafen Berchthold, die Armee fei „erst ungefähr am 12. August" marschbereit. Unterredung des Prinzen Heinrich von preuhen mit König Georg V. im Buckingham-Palast über die Haltung Englands. Der französische Botschafter in Rom Bartete gewinnt in einer Unterredung mit Ministerpräsident S a l a n d r a den Eindruck, dah Italien neutral bleiben wird. Der deutsche Generalstabschef von M o l t k e kehrt aus Karlsbad nach Berlin zurück und versaht die (am 2. August überreichte) Rote an die belgische Regierung, worin die mögliche Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland angekündigt und begründet wird. Der deutsche Reichskanzler von Bethmann- h o l l w e g beauftragt Graf pourtales, Sasonow darauf hinzuweisen, dah „vorbereitende militärische Mahnahmen Ruhlands Deutschland zu Gegenmaßnahmen zwingen würden, die in der Mobilisierung der Armee bestünden". Abends: Der russische Kriegsminister Suchom- l i n o w gibt dem deutschen Militärattache Oberst von Eggeling fein Ehrenwort, dah noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei; nur Vorbereilungs- mahnahmen würden getroffen. es die Reichsbahn als vordringliche Aufgabe, durch die Kraftwagenlinien gerade solche Gebiete für den Verkehr zu erschließen, die bisher öffentlicher Verkehrslinien für den Güterumschlag entbehrten. Die Eröffnung weiterer Güterkraftfahrlinien steht in der nächsten Zeit bevor. Von den rund 54 000 Kilometer Streckennetz der Deutschen Reichsbahn verwaltet die Reichsbahndirektion Frankfurt rund 2061 Kilometer. Damit steht sie an 13. Stelle unter den 28 Reichsbahn- direktionen. Im Jahre 1933 wurden zur Beförderung von rund 30 Millionen Menschen von den rund 32 Millionen Wagen der Reichsbahn etwa 1 Million Wagen von der Direktion Frankfurt gestellt. Insgesamt wurden von den 10 Millionen Tonnen Lokomotivkohle der Reichsbahn etwa 400 000 Tonnen im Frankfurter Bezirk verbraucht. Zur Bewältigung ihrer Aufgaben beschäftigte Vxe Direktion Frankfurt rund 21 000 Mann, die rund 50 Millionen Reichsmark an Lohn und Gehalt erhielten. Von den 2,9 Milliarden Reichsmark Gesamteinnahmen der Reichsbahn werden vom Frankfurter Bezirk etwa 100 Millionen aufgebracht. Die Anlagen stellen einen Wert von nahezu 700 Millionen Reichsmark, wenn man Werkstätten und Fahrzeuge mitrechnet, sogar einen solchen von einer Milliarde dar. Ser Eisenbahnverkehr im Mein-Maingebiei. LPD. F r a n k f u r t a. M., 24. Juli. In der „Rhein-Mainischen Wirtschaftszeitung" veröffentlicht der Präsident der Reichsbahndirektion Frankfurt, Dr.-Jng. Steuernagel, einen Aufsatz „Der Eisenbahnverkehr im Rhein- Main-Gebiet", dem wir folgendes entnehmen: Der Verkehrsrückgang des Jahres 1933 konnte im Jahre 1934 nicht nur eingeholt werden, er hat sogar zu einem leichten Zuwachs — besonders im Berufsverkehr geführt. Der Verkehrsrückgang in den Jahren 1931 und 1932 ist die Folge des wirtschaftlichen Niederganges und der unsicheren politischen Verhältnisse. Schon im Sommer 1933 zeigte eine durch die Maßnahmen der neuen Regierung bedingte Verkehrsbelebung die Besserung der Gesamtlage an. Der Aufschwung ist keineswegs eine vorübergehende Erscheinung, denn die aufsteigende Verkehrsentwicklung hat im Jahre 1934 gegenüber der gleichen Zeit bisher weiter angehalten. Trotz der vielen in letzter Zeit geschaffenen Fahrgeldoergünstigungen haben erfreulicherweise auch die Fahrgeldeinnahmen im Jahre 1934 einen höheren Stand erreicht, als die der jeweils gleichen Zeit des Vorjahres. Die durch die Arbeitsschlacht herbeigeführte Besserung auf dem Arbeitsmarkt hat schon seit Mai eine anhaltende Belebung im Berufsverkehr mit sich gebracht. Jedoch ist infolge der Besserung der Wirtschaftslage auch eine allgemeine Belebung des Einzelreiseverkehrs eingetreten. In den Großstadtgebieten gestaltet sich der Ausflugsverkehr durch die Erweiterung der mit Sonntagsrückfahrkarten erreichbaren Orte fortlaufend günstiger. In dem geplanten Netz von Triebwagen, die auf Fernstrecken eingestellt werden sollen (z. B. Fliegender Hamburger), sind die Städte des Rhein-Maingebietes besonders berücksichtigt. Sie sollen damit näher an die Reichshauptstadt und an die großen Wirtschaftszentren herangebracht werden. Auch in dem Nahverkehr der rhein-mainischen Städte untereinander sollen Triebwagen eingesetzt werden. Infolge seiner hochwertigen Wirtschaftserzeugnisse nimmt das Rhein-Maingebiet eine sich immer mehr entwickelnde Stellung im Güterverkehr ein. Besonders zu erwähnen ist dabei der Frankfurter Expeditionsverkehr. Zu berichten ist, daß sich der Güterverkehr im Jahre 1934 als Folge der Wirtschafksbelebung um etwa 25 v. h. gegenüber den gleichen Monaten 1933 erweitert hat. Besonders angelegen ließ sich die Reichsbahndirektion Frankfurt den Ausbau des Güterkraftwagenverkehrs sein. Dabei betrachtete preutzen. Riesensprengung in einem Hinterländer Steinbruch. Biedenkopf, 25. Juli. (LPD.) Die Hinterländische Steinindustrie, die in den Jahren vor der nationalsozialistischen Revolution wegen Auftragsmangels zum größten Teil stillgelegt werden mußte, hat durch den intensiven Straßenbau der Regierung Adolf Hitlers eine erfreuliche Belebung erfahren. Dos Grundsteinmaterial erfreut sich in bezug auf Festigkeit besonderer Beliebtheit. Die viele Zentner schweren Blöcke werden entweder zu Denkmälern, Grabsteinen und Pflastersteinen behauen oder in Steinbrechern zu Schotter und Split zerkleinert. Ein großer, den Eiserfelder Steinwerken gehöriger Steinbruch befindet sich unmittelbar bei dem Häuschen Mornshausen-Dautphe. Große Auftragserteilungen haben die Unternehmer jetzt veranlaßt, dort eine Riesensprengung vorzunehmen. In wochenlanger Arbeit wurde in den Fuß der etwa 40 Meter hohen Felswand ein 14 Meter lan.ger Stollen mit zwei Seitengängen von je 8 Meter gebohrt und mit 37 Zentnern Spreng st off geladen. Um die Sprengwirkung nicht nach außen gelangen zu lassen, hatte man den Stolleneingang vermauert. Zu der gestern nachmittag durchgeführten Sprengung wurde das Gelände in weitem Umkreis abgesperrt. In großer Zahl hatten sich die Bewohner von Mornshausen und der umliegenden Orte eingefunden, um das imposante Schauspiel der Riesensprengung mitzuerleben, soweit es die Absperrungsmaßnahmen zuließen. Nach mehrmaligen Warnungssignalen wurde die gewaltige Sprengladung pünktlich zur angesetzten Zeit durch elektrische Zündung zur Entladung gebracht. Mit einem dumpfen Knall hob sich die hohe Felswand, um dann mit mächtigem Gepolter in sich zusammenzustürzen. Als sich die Explosionswolke verzogen hatte, bildete die vorher steile Felswand eine mächtige Steinhalde mit kleineren und viele Zentner schweren Steinblöcken. Noch minutenlang dauerte das Poltern der von oben nachstürzenden Blöcke an. 10 0 0 0 Kubikmeter G e - steinsmassen harren nunmehr der Verarb.ü- tung, die viele Monate erfordern wird. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Eine Bille an die Stadtverwaltung. Die Stadtverwaltung hat in liebenswürdiger Weise dem Musikpodium am Stadttheater gegenüber ein paar Bänke für ältere Leute aufgestellt, damit diese in den vollen Genuß der schönen Musik der Stadttheaterkapelle kommen sollen. Aber bei der jetzigen Aufstellung der Bänke wird leider gerade das Gegenteil erreicht. Ein Teil des nicht sitzenden Publikums stellt sich an der anderen Seite des Weges auf, so daß jeder Blick nach der Kapelle versperrt ist. Der andere Teil, insbesondere unsere liebe Jugend, patrouilliert fortwährend in lebhaftester Unterhaltung und lautem Lachen dicht an den Bänken vorbei, so daß man mit angezogenen Knien dasitzen muß. Es leuchtet wohl ein, daß man durch diese Störung, die noch durch das dauernde Knirschen des Kieses auf dem Wege verschärft wird, um die schönsten Stellen der Streichmusik gebracht wird, da zeitweise absolut nichts zu hören ist. Also bitte, liebe Stadtverwaltung, lasse die Bänke wieder dahinstellen, wo sie die ersten Tage standen, nämlich mit dem Rücken nach dem Weg, damit der Blick nach der Kapelle frei ist, man seine Beine ausstrecken kann und, was die Hauptsache ist, auch etwas von der schönen Musik hört. Der Schaden, den die Grasnarbe durch die Aufstellung der Bänke erleidet, steht in keinem Verhältnis zu dem Aerger, den die Benutzer der Bänke zur Zeit haben. H. S. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Heute nachmittag 5V< Uhr verschied nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenen Leiden meine liebe Fraus unsere treusorgende Mutter, Tochter, Schwester und Schwägerin Frau Katharine Bartmann, geb. Winter im Alter von 40 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Heinrich Hartmann und Kinder. Gießen (Leihgestemer Weg 16), den 25. Juli 1934. Die Beerdigung findet am Samstag, dem 28. Juli, vormittags 11 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. oaeco MDM-Mlirn von hochtrag, und frischmelkenden z.T.gefahrenenKüben ».Rindern der Simmentaler Fleckviehrasse in Gießen NodHeimer Str. 50, mittags 12 Uhr Veranstaltet von der nuaoieijöeiflioffnng e.G.ni.d.s. Franlsim o. HL Freitag, den 3. August 1934. Reiche Auswahl 4344 v an ausgesuchten Tieren! Vorbesichtigung ab 2. Aug. erbeten. Und von den schönsten Ferien - Aufnahmen lassen Sie sich dann ein paar hübsche, effektvoll. Vergrößerungen machen.Die kosten wenig und machen Ihnen großeFreude Das, was ich Ihnen liefere, ist Facharbeit! Bekanntmachung. In der General - Versammlung des Landwirtschaftlichen Consum- verein I e. G.m.b.H. zu Beuern vom 14. Lenzing 1934 wurde die Verschmelzung mit dem Landwirt- schanlichen Consum-Verein II e. Gnn.b.H. zu Beuern beschlossen. Die Gläubiger können sich innerhalb des gesetzlichen Sperrjahres melden. 433od Beuern, den 16. 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Aus der Landrichter Dr. Müllerfchen Stiftung ist ein Unterstützungslegat von zur Zeit jährlich 300 Reichsmark an einen bedürftigen, elternlosen Studierenden der Rechtswissenschaft aus den Provinzen Starkenburg oder Oberhessen zu vergeben. Bewerbungen sind binnen vier Wochen bei uns einzureichen. 4343D Darmstadt, den 19. Juli 1934. Abteilung Id (Finanzen) des Hessischen Staatsministeriums. ___________________I. V.: Krap p.___________________ Lw. E. 29 (ä) 134. Beschluß. Ueber den landwirtschaftlichen Betrieb (Eigentümer - Pächter - Verpächter - Betrieb) des Balthasar Jakob Haas und dessen Ehefrau Lina, geb. Steller, in Steinbach wird das Entschuldungsverfahren gemäß dem Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldoerhältnisse vom l.Juni 1933 heute um 9 Uhr vormittags eröffnet. 4333D Die hessische Landesbank in Darmstadt, Paulus- plah 1. wird zur Entschuldungsstelle ernannt. Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Ansprüche bis zum 1. September 1934 bet dem unterzeichneten Amtsgericht anzumelden und die in ihren Händen befindlichen Urkunden dem Gericht einzureichen bei Me-idung der in § 11 Abf. 2 des Entschuldungsgesetzes angedrohten Rechtsnachteile. Gießen, den 21. Juli 1934. _______________Hessisches Amtsgericht.___________' Bekanntmachung. Das Nachstreichen der Beschriftung auf den 285 Denksteinen des Deutschen Ehrenfriedhofes und die Neuanfertigung von 170 Denksteinen auf dem Russischen Ehrenfriedhof sollen öffentlich vergeben werden. Angebote auf Vordruck, die auf der unterzeichneten Dienststelle erhältlich sind, müssen mit Preisen versehen bis zum 4335D Mittwoch, dem 1. August 1934, vormittags 10 Uhr, eingereicht werden. Gießen, den 25. Juli 1935. ♦ Städtisches Hoch- und Tiefbauamt: G r a v e r t. llr.172 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberheffen) Donnerstag, 26.M 1954 Aus der Provinzialhauptstadt. Neue Zünfreichsmarkstücke. Selb. Wir alle wissen, was das heißt: Geld. Unnötig, seine Nichtigkeit, unnötig seine Allmacht zu beschreiben. Wir alle wissen, daß Geld nichts ist gegenüber dem wirklich Großen, gegenüber den reinen Ideen. Und wir wissen, daß nichts Großes, daß keine reine Idee Wirklichkeit werden kann ohne Geld. Das Sprichwort sagt, daß Geld die Freundschaft verdirbt. Ist das nicht eine erniedrigende Vorstellung, daß Geld als ebenbürtiger Feind auftreten kann gegen ihm so unendlich wesensferne Dinge wie Liebe und Freundschaft? Wie ist dies trübe Sprichwort in die Welt gekommen? Das Geld ist ausgebrochen aus den Grenzen seiner ökonomischen Befugnis und Daseinsberechtigung und hat sich wie eine Barriere aufgerichtet zwischen den Menschen. Der eine besitzt soviel und der andere soviel, und schon aus dieser Tatsache heraus entstehen unzählige Mißverständisse und Feindseligkeiten. Anstatt ein schlichtes Austauschobjekt für alle möglichen materiellen Dinge zu bleiben, wurde das Geld zu einer Eigenschaft, um die herum tausend Heimlichkeiten gewoben werden und nach der zu fragen für unfein gilt. Unmerklich wurde das Geld mit dem Seelischen vermischt, und allmählich verloren die Menschen ihm gegenüber alle Naivität. Nehmen und Geben, Schenken und Verschenken sind ganz einfache Dinge. Im Moment aber, wo es sich dabei nicht mehr um Gegenstände, sondern um Geld handelt, wird alles schwierig und kompliziert bis an die Grenze der Peinlichkeit. Warum? Warum der „Stolz" des Armen, die „Verlegenheit" des Wohlhabenden, wenn es sich um Geld handelt? Der eine hat mehr als der andere von dieser lebenswichtigen Substanz. Doch warum vermengt man die Regelung dieses Mißverhältnisses mit Ehrendingen? — Was für eine Freude macht es, zu schenken! Aber ist es ebenso beim Verleihen? Wie schön ist es, etwas geschenkt zu bekommen! Aber geliehen? Alle Freude wird von vornherein durch das Bewußtsein verdorben, daß man es ja früher oder später wiedergeben muß. Im Moment, da dieser faule Handel zwischen Freunden möglich wird, in diesem Moment ist in ihre reine Beziehung der erste Riß gekommen Man hat soviel „Sachlichkeit" geredet und geschrieben. Fast ein bißchen zu viel. Hier aber, hier ist sie brennend angebracht. Zn jede Familie ein §amilienstammbuch Die Maßnahmen der Reichsreqierung auf bevölkerungspolitischem und erbgesunoheitlichem Gebiet lassen es als angezeigt erscheinen, daß jede Familie ein Familienstammbuch besitzt. Der Verein für Standesamtswesen in Berlin gibt deshalb ein „Deutsches Einheitsfamilien st amm- b u ch" heraus, das von allen deutschen Ministerien zur Anschaffung empfohlen wird. Dieses Einheitsfamilienstammbuch enthält ein Geleitwort über Sippenforschung von Dr. Achim G e r ck e, dem Sachverständigen für Rassenforschung beim Reichsministerium des Innern und anschließend daran Abhandlungen von Männern der Wissenschaft übA die „Familie im Dienste der Rassenhygiene" und über die „Rechtsgrundlage der Familie". Eine dem Buch einverleibte Sippen- und Ahnentafel ermöglicht Eintragung der Voreltern bis zu den Ururgroßeltern zurück und am Schluffe ist ein Verzeichnis der gebräuchlichen Vornamen angehängt. Das Buch dient der Eintragung und geschlossenen Aufbewahrung der wichtigsten Urkunden in rechtsgültiger Form über die Geburt, die Heirat und den Tod der' Familienmitglieder, Über Staatsangehörigkeit, Unterschriftsbeglaubigung ufw. Ein besonderer Wert des Familienstammbuches liegt darin, daß es den Amtsstellen, insbesondere den Standesbeamten gegenüber bei Amtshandlungen als Ausweis zu dienen vermag. Seit einigen Tagen ist mit der Ausgabe der ! neuen Fünfreichsmarkstücke begonnen worden. Sie unterscheiden sich von den zur Erinnerung an den Tag von Potsdam geprägten Fünfreichsmarkstücken dadurch, daß das bei diesen Münzen auf beiden Seiten des Turmes der Garnisonkirche angebrachte Datum 21. März 1933 und das als Einrahmung dienende Hakenkreuz fehlen. Neben den beiden Fünfreichsmarkftücken mit der Garnisonkirche bleiben die großen Fünfreichsmarkstücke mit dem Eichbaum und die zur Erinnerung an besondere Begebenheiten geprägten Fünfreichsmarkstücke weiter kursfähig. NGSAp - Amt für Volkswohlfahrt. Kreisamlsleilung Gießen. j Velr.: INitgliederstandsmeldung und Veilragsab- rechnung. Nachstehende Ortsgruppen haben bis heute die Meldung noch nicht abgegeben. Wir ersuchen letztmalig um sofortige Erledigung: Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bellersheim, Beltershain, Bettenhausen, Ettingshausen, Gießen- Mitte, Gießen-Nord, Gießen-Ost, Großen-Buseck, Grünberg, Harbach, Lang-Göns, Lich, Mainzlar, Ober-Bessingen, Saasen, Watzenborn-Steinberg, Weitershain. Ferner wollen die anderen Ortsgruppen, die mit den anderen Meldungen noch im Rückstand sind, diese ebenfalls sofort einsenden. Heil Hitler! gez. M o h a u p t, Kreisgeschäftsführer. Gchadenverhütung und Wmterhilfswerk. Die NS. - Volkswohlfahrt führt gegen- । wärtig mit ihrer Abteilung Schadenverhütung einen großzügigen Aufklärungskampf durch, der sich auf | das gesamte Reichsgebiet erstreckt. Die NSV. hat sich damit zur Aufgabe gesetzt, den Millionen werktätiger Volksgenossen, die täglich von Gefahren des Betriebes, der Straße und sogar des eigenen Hei- । mes bedroht werden, diese Gefahren klar und verständlich vor Augen zu führen und sie zur Vorsicht zu mahnen. Ist es notwendig, daß alljährlich 24 000 Menschen ihr Leben durch Unfälle verlieren? Das find täglich 60 Deutsche, die ihr Leben durch Unachtsamkeit, Unkenntnis von Vorschriften oder Leichtsinn verlieren. Es sind Menschen, die in der Vollkraft ihrer Leistungsfähigkeit stehen, gute, deutsche Arbeitsmenschen. Durch Feuersbrünste wird dem Volke ein Schaden von jährlich 500 Millionen Mark zugefügt, während Ratten, Mäuse, Käfer, Raupen und andere Schädlinge dem deutschen Volke einen Schaden von 400 Millionen Mark zufügen. Ungeheuer sind die Schäden, die in den gewerblichen und landwirtschaftlichen Betrieben vorkommen. Alles zusammen kommen wir auf eine Gesamtschadenssumme von ungefähr fünf Milliarden Mark. Wenn es möglich ist, nur 10 v. H. dieser Summe durch Aufklärungsarbeit zu gewinnen, so erhalten wir dem deutschen Volke 500 Millionen Mark jährlich, womit wir fast zwei Winterhilfswerke durchführen könnten. Da 75 v. H. aller Unfälle vermieden werden könnten, müßten wir bei der richtigen Durchführung des Aufklärungsfeldzuges mindestens 35 v. H. der Unfälle verhindern können. Wir vermeiden dadurch nicht nur einen großen Teil wirtschaftlicher Schäden, sondern wir bewahren unser Volk vor Leid, Trauer und Sorgen. Die Schadenverhütung ist keine Aktion, die zeitlich begrenzt ist Unvorsichtige, Eilige und Leichtsinnige wird es immer geben. Darum müssen wir immer auf dem Bosten sein und dürfen in der Aufklärung nicht ermüden. Unser Leben gehört nicht uns allein, sondern dem ganzen Volk. _____________ „weisende Jugend " Lichtspielhaus Dieser Film von Robert Adolf S t e m m l e und Walter Supper, den die „Europa" .nach Max Dreyers Schauspiel „Reifeprüfung" gedreht hat, ist aus mehreren Gründen eine erfreuliche und begrüßenswerte Erscheinung der deutschen Produktion. Zunächst läßt der Film als solcher, äußerlich, technisch, in Aufnahme und Bildwirkung die sehr sichere, ruhige Hand und den klaren Blick 'eines erfahrenen und begabten Regisseurs erkennen. Carl Froelich wird sich zwar darüber klar gewesen sein, daß er mit seinen Mitteln die inneren Vorgänge der Fabel auch nicht eindringlicher und überzeugender zu gestalten vermochte, als es dem Dramatiker und jeder guten Bühnenaufführung möglich war. Daß er hinter diesen Möglichkeiten nirgends zurückblieb, bedeutet eine hohe Anerkennung für die Spielführung selbst und für ein ausgezeichnet zusammengestelltes, ungewöhnlich geschlossenes und dabei individuell gestuftes Ensemble. Doch ist auch alles geschickt ausgenutzt worden, was die filmische Fassung naturgemäß über die Bühnenform hinausgelangen läßt: räumliche Weite, großzügige, unbeengte und un'gesAllte Landschaft und die ganz eigentümliche Atmosphäre des architektonisch prachtvollen alten Klostergymnasiums einer norddeutschen Stadt an der Wasserkante. Dazu ein interessanter und überraschend geglückter Versuch, die natürlichen optischen Wirkungen der Kamera mit klanglichen Elementen zur Verdeutlichung eines seelischen Vorganges zu verschmelzen (in einer kleinen, aber starken Szene des jungen Knud, der beim Unterricht durch einen Sinneseindruck gefühlsmäßig getroffen und sofort abgelenkt wird.) Die Regie arbeitet übrigens mit großer Ruhe, beginnt in einem durchaus epischen, stellenweise fast idyllischen Tempo zu schildern und zu erzählen, steigert sich aber zum Schluß in scharf zusammengerafften Szenen zu unmittelbar dramatischer Wirkung. Dies alles mögen mehr oder minder äußere Vorzüge des Films sein, obwohl dergleichen auch heute nicht so häufig und unbestreitbar angetroffen wird, wie man vielleicht vermuten könnte; der erfreulichste Eindruck des Stückes beruht für unser Gefühl auf der schönen, gesunden, offenen Menschlichkeit, mit der die Probleme angefaßt, beurteilt und dargestellt werden. Das Leben und Zusammenleben einer jungen Generation vor den Toren der Welt und im Kampf um ihre wissenschaftliche und menschliche Reise. Das Verhältnis der Geschlechter innerhalb dieser Generation zueinander und das Verhältnis zwischen Jungen und Alten. Die Liebesgeschichten auch, die verwirrend, gefährlich und kaum lösbar in die vor dem Examen begreiflicherweise näherliegenden Sorgen und Nöte der Abiturienten hineinspielen —: das alles wird so unverkrampft, lebendig, menschlich einfach und mit Sinn für Humor wie für die Anforderungen und Lebensgesetze eines innerlich gesunden Geschlechtes junger deutscher Menschen an den Beschauer und Hörer herangetragen, daß er sich dem unmittelbaren Eindruck schwer wird entziehen können und bestimmt an die Zeit erinnert wird, mag sie nun weit zurück- liegen oder nicht, wo er sich selber iu der gleichen oder ähnlichen Lage befand, seine Prüfung als Schüler oder als Efrarafter zu bestehen hatte und seinen ersten Zusammenstoß mit dem wirklichen Leben und mit einem großen Gesuhl erlebte und in sich austragen mußte. - Wir hoben bereits angedeutet, wie sehr die schauspielerischen Leistungen in diesem Film zu einem solchen Eindruck beitragen. Da ist an erster Stelle Heinrich ® - ° rge zu nennen der zwar manchmal wie ein oller ehrlicher Segelschiffskapitän daherkommt, obwohl er doch der Gymnasialdirektor Broder,en 'ft- ®eorge macht das prachtvolli er gibt einen vorbildlichen Pädagogen, einen Mann mit Herz mit warmem und liebevollem Verständnis sur die ihm anvertrauten jungen Leute, einen °°lerl,ch besorgten Lehrer dem nichts Menschliches fremd isti alles in allem eine Gestalt von wirklicher Reife einer er- wärmenden Güte und inneren Gesundheit — Sehr hübsch gesehen und persönlich abgestuft d,e höchst verschiedenen Typen des Kollegiums i vor allem Peter Voß mit einer scharf profilierten Charakter- ftuhie (Br Sterner) und Paul Henckels meiner beängstigend witzigen Charge. Aus dem Schuler- kreise heben sich der von Albert Lieven mit le>- s ^nfHirhpm ^rnvuls und wachem Intellekt vor- r?sM N'e Knud »ad die von Hertha T h i e l e ehr zart und anmutig gegebene Elfriede hervor eine Rolle übrigens, die stark an lhre Aufgabe als Mädchen in Uniform" erinnert. Auch Maneluise Claudius die Enkelin des Dichters, Sabine Peters und die begabte kleine Carfta Lock verdienen lobende Erwähnung. Es ist 3U wünschen, daß der Film die Beachtung findet die er verdient. Im Beiprogramm sieht man u a eine photographisch wohlgelungene Bilderreihe Deutscher Frühling" und einen Vorspann zu dem Üfa-Film „Einmal eine große Dame sein." Die Verbuchung der Beitragseinnahmen zur Sozialversicherung im Falle des Verzuges. Von der Allgemeinen Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen wird uns geschrieben: Der Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen gibt unserem Landesverband Hessen und Hessen- Nassau des Reichsoerbandes der Ortskrankenkassen e. 23., Frankfurt a. M., unterm 21. Juni 1934 folgende Mitteilung: „Die Schwierigkeiten des Beitragseinzugs führen vielfach dazu, Beitragsrückstände unter der Voraussetzung zu stunden, daß die laufend aufkommenden Beiträge pünktlich am Fälligkeitstage entrichtet werden. Für die Rückstände werden in solchen Fällen entweder Ratenzahlungen vereinbart, die über die laufend anfallenden Beiträge hinaus zu entrichten sind, oder die gesamte rückständige Summe bleibt als vorläufig uneinbringlich in der Schwebe. Nach den von mir gemachten Beobachtungen erfolgt die Verrechnung der eingehenden Zahlungen in den weitaus meisten Fällen nach Maßgabe der getroffenen Vereinbarungen. Dieses Verfahren ist unzweckmäßig, weil es die Gefahr in sich birgt, daß im Falle eines Konkurses die bevorrechtigte Forderung als bezahlt gilt, während die nicht bevorrechtigte Forderung noch offen steht. Zur Wahrung des Vorrechts nach § 61 der Konkursordnung sollten deshalb unbeschadet anderslautender Vereinbarungen alle eingehenden Zahlungen grundsätzlich nur auf die ältesten Rückstände verrechnet werden. Diese Verrechnungsweise wird von mir seit Jahren in allen Fällen, in denen die Reichsanstalt Stundung gewährt, ausdrücklich vgr- geschrieben und zum Bestandteil des Stundungsabkommens gemacht. In gleicher Weise müßten aber m. E. die Einzugsstellen allgemein vorgehen. Allerdings ist es zur Vermeidung von etwaigen späteren Auseinandersetzungen notwendig, den Beitragsschuldner über die Verrechnung von vorneherein zu verständigen, d.h. die Verrechnungsweise ausdrücklich zu vereinbaren. Da der Beitragsschuldner Entgegenkommen verlangt, muß er sich es auch gefallen lassen, daß ihm der Gläubiger die Bedingungen diktiert." Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen wird in Verfolg dieser Stellungnahme schon mit Rücksicht auf die pünktlich zahlenden Arbeitgeber gemäß § 61 der Konkursordnung die eingehenden Gelder an den Rückständen bis zur restlosen Tilgung derselben verbuchen. Anmeldepflicht der Milchhändler zum Reichsnährstand. Auf Grund der öffentlichen Aufforderung des Reichsbauernführers vorn 25. Juni 1934 und der Bekanntmachung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft vom 6. Juli d. I. müssen sich alle Milchhändler bei ihrer zuständigen Kreisbauernschaft für den Reichsnährstand, Reichshauptabteilung IV, anmelden. Diese Anmeldung ist auch dann erforderlich, wenn der Anmeldepflichtige schon zu einem anderen Verband, wie z. B. einer milchwirtschaftlichen Vereinigung bzw. zu einem Milchwirtschaftsverband, gehört. Erst auf Grund dieser Anmeldung zum Reichsnährstand, Reichshauptabteilung IV, erfolgt automatisch die Eingliederung in die entsprechende Fachschaft. Anderslautende Mitteilungen haben keine Gültigkeit. Bis zur endgültigen Regelung der Beitragszahlung zum Reichsnährstand haben die Beitragszahlungen der Milchhändler, die Mitglied von Milchhändlervereinen oder -verbänden sind, wie bisher zu erfolgen. 25 Zahre Bauunternehmung Ernst Wagner. * Die Firma Ernst Wagner, Bauunternehmusig, Bergstraße, konnte am Samstag den Tag begehen, an dem vor 25 Jahren das Geschäft gegründet wurde. Aus diesem Anlaß war die gesamte Gefolgschaft eingeladen, diesen Tag in einfacher und wür- Anordnung. Es ist in letzter Zeit wiederholt festgestellt worden, daß unberufene Instanzen und Gliederungen der Partei zur freiwilligen Mithilfe bei Erntearbeiten und auch sonst zur Arbeitsleistung aufrufen. Diese Anweisungen liegen nicht im Interesse der Arbeitsbeschaffung, sondern stellen vielmehr eine Aufforderung zur Umgehung der Arbeitsämter zur Vermittlung solcher Kräfte, die dann auch der Kontrolle des Gaues entzogen werden, dar. Solche Aufrufe bedürfen jeweils der Genehmigung des Gau-Kontrollamts, soweit sie von ParteidienststeUen erfolgen. Gez.: Sprenger. Tag der Hunderttausend! Der große Gebietsaufmarsch der Hitlerjugend auf den 1. und 2.ScPtember verlegt. Um allen Volksgenossen Gelegenheit zu geben, den Führer, der am 26. August auf Ehrenbreitstein bei Koblenz auf einer großen Saarkundgebung sprechen wird, zu sehen oder zu hören, wird der „Tag der hunderttausend", der große Gebietsaufmarsch der Hitlerjugend am 25-/26. August in Frankfurt a. 2H. auf den 1./2. September verlegt. Die Hitlerjugend-Ausstellung auf dem Frankfurter Messegelände „Kampf und Sieg der HI." bleibt vom 19. August bis 5. September unverändert bestehen. biger Weise mit dem Gründer und dessen Familie sowie den geladenen Gästen zu feiern. Der Betriebsführer ging in seiner Ansprache auf die Gründung des Geschäftes ein und gab einen Ueberblirf über die vergangenen Jahre. Herr Wagner schilderte die Verhältnisse vor dem Kriege, seine Wiederaufbauarbeit nach Rückkehr aus dem Felde, die Sturm- und Drangjahre während und nach der Inflation bis zur Gegenwart. In einfachen Worten schilderte der Betriebsinhaber Kampf und Erfolg. Der Sprecher der Gefolgschaft übermittelte dem Betriebsführer die herzlichsten Glückwünsche der Gefolgschaft und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm gelingen möge, immer den Anteil an Arbeit zu erhalten, der es ihm» ermögliche, sie alle im Arbeitsprozeß zu erhalten und den Betrieb darüber hinaus noch zu vergrößern. Als äußeres Zeichen der Verbundenheit überreichte der Sprecher inj Namen der Gefolgschaft dem Betriebsführer ein Ehrendiplom. Als Vertreter des Handwerks übermittelte der Vorsitzende der Handwerkskammer-Nebenstelle Pg. S t ü h l e r die herzlichsten Glückwünsche des gesamten Handwerks und betonte, daß Betriebsführer und Gefolgschaft eins fein müßten in ihrem Handeln zum Wohle des Handwerks und zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes. Stadtbaurat G r a -- v e r t überbrachte Glückwünsche im Namen des Städtischen Hochbauamtes und schilderte in kurzen Umrissen die Arbeitsmöglichkeiten der Zukunft für das Handwerk und dessen Auswirkungen für die Gefamtwirtfchaft in unserem Gebiet. Kreisamtsleiter Pg. Himmelseher dankte für die Einladung, übermittelte die Grüße der Arbeitsfront und gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß Gefolgschaft und Familie gemeinsam diesen Tag feierten — ein Zeichen der Zusammengehörigkeit. — Der Betriebsführer dankte für die herzlichen Worte und gelobte, weiterzuarbeiten im Sinne unseres Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler. Ein dreifaches „Sieg-Heil" auf Volk und Vaterland beschloß den offiziellen Teil der Feier. In aefelliger Unterhaltung und bei dem Gesang froher Lieder faßen Betriebsführer und Gefolgschaft noch geraume Zeit beisammen. Das verzauberte Dors. Von German M. Donau. Das haben wir uns als Jungens fo geträumt: Wir waren durch einen dichten, verwachsenen Wald bergauf gestiegen, dann war da eine Lichtung, Wiese mit Blumen übersät, und die Wiese stieß an ein altes Gemäuer. Vorsichtig waren wir durch das hohe Gras gewatet, und vor der Mauer horchten wir, was dahinter lebte. Aber alles blieb still. Dann kletterten wir über die Mauer, wo sie schon halb zerfallen war, kamen in einen verwilderten Garten, hinter dem sich ein altes Haus versteckte. Das Haus war leer. Alle Häuser des seltsamen Dorfes, das wir entdeckt hatten, waren leer. Wir stapften durch enge Gaffen, wagten uns in dunkle Gänge, in denen es muffig nach Staub und Fledermäusen roch. Als es dämmerte, verließen wir das verwunschene Dorf, wie wir es betraten. Wir kletterten über die Mauer, gingen auf unseren eigenen Spuren durch die Wiese in den Wald und liefen mit unserer Erregung über das Erlebnis schnell zu Tal. Wenn wir erwachten und mit hellen Augen in die Wälder fliegen, waren sie voller gerader Wege, die zur Höhe führten. Oben aber lag ein Dorf mit sauberen Gehöften. Hinter den Mauern bellten Hunde, und über die Wiesen zogen Mähmaschinen. Da war nichts zu entdecken als eine Gelegenheit, wie wir billig Obst ernten könnten, von den Aesten, die tief über die Mauer hingen. An meine Knabenträume dachte ich, als ich von dem südlichen See bergwärts stieg, auf steinge- pflaftertem Weg, in dessen Fugen üppig Gras und Unkraut wucherten. Es war so heiß, daß die Luft flimmerte und die Felseninsel im See zu schweben schien. Der Weg flieg im Zickzack bergan und endete wie jener Traumpfad vor einer maüUrbegrenzten Blumenwiese. Riesige alte Kastanien schatteten über das Farbenmeer der Blumen und Gräser. Ich ging die lange Mauer entlang, hinter der eine romantisch verbaute Villa in einsamer Parkwildnis schlief. Das Dorf, in das ich nun behutsam auf schmalen dunklen Gassen hinaufstieg, schien völlig von Menschen verlassen. Bis ich den Laut von hellen Knabenstimmen hörte und auf dem Pflaster eine Gruppe von Jungens fand, die Karten spielten. Ich fragte sie nach einer Wirtschaft. Sie wiesen nur mit lachenden Gesichtern auf das Haus gegenüber. Das trug die kühne Aufschrift: Osteria delle Alpi con Alloggio. Aber dieser kümmerliche „Alpengasthvf"" war verschlossen, wo ich auch an verwitterten Türen tlmtte. Lange noch horte ich das Gelächter der Jungens, die mich angeführt hatten. Auch die nächsten Gaffen waren ausgestorben. Mir war zumute wie in einem Dorf, das die Bewohner, vor einer Katastrophe flüchtend, verlassen hatten. Nur die Kinder waren ahnungslos zurückgeblieben. Ihr Lachen klang lange in meinen Ohren nach, bis ein neues Geräusch die Stimmen verdrängte: Das Plätschern eines Brunnens. Auf einem winzigen Platz riefelte klares Wasser aus schmalem Rohr in ein Steinbecken. An dem „Platz" gab es eine zweite Osteria, die nach dem Brunnen „Fontana“ benannt war. Der Wirt, der in der offenen Tür stand, führte mich durch den kleinen Gastraum in ein zweites Zimmer, das wie die „gute Stube" unserer Großeltern aussah: Da gab es, als das Auge das Halbdunkel durchdrungen hatte, uralte Sessel, blumige Tischdecken, prächtig gerahmte Bilder von Schlössern und Kirchen, deren Mauern von aufgeklebtem Glimmer farbig glitzerten. Ich saß an dem runden großen Tisch, auf dem ein riesiger Rosenstrauß moderig alten Duft verströmte. Draußen rauschte der Brunnen, und an der Wand verbot ein Schild, von Politik zu sprechen: „E proibito parlare di politica“. In diesem verwunschenen Dorf war das Verbot sicher überflüssig. Hier gab es keine Zeitprobleme, denn es gab kaum Menschen. Hier hatte die Zeit ihre Grenzen verloren. Durch Jahre und Jahrhunderte floß der Brunnen. Generationen nach Generationen tranken von ihm und werden von ihm trinken, und das gestern ist so gleichförmig wie das heute und morgen. Nur das Schild mit dem Wort Politik verrät die Unruhe, in dem die heutige Welt lebt, die Unruhe, die vielleicht schon bis in dieses verlassene Dorf gestiegen ist, bis auf die steinigen Aecker, auf denen die Erwachsenen des Ortes zu dieser Stunde wohl schaffen. Ich schlürfe den roten Wein, der draußen am Berg gewachsen ist, sehe, wie ein Kind neugierig durch die Tür zu mir hereinspäht und verschwindet. Seltsam erregt, von den Gestalten meiner Knabenträume erfüllt, verlasse ich das stille Dorf. Von der Höhe fassen meine Augen den Glanz des Sees und der Wolken: Meine Füße gehen wie von selbst zu Tal. Wenn ich morgen erwache, will ich wieder zu meinem Dorf hinaufpilgern. Oder soll ich meine Entdeckung für immer in das wohltätige Dunkel der Knabenträume versenken? Vortrag von Kreisschulungsleiter Michel. Bornotizen. •— Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Reifende Jugend". — .„Waldeslust", am Flughafen: ab 17 Uhr: Konzert. — Märchen st adt Liliput auf Os- waldsgarten. Schaefers Original-Märchenstadt Liliput wird auf Oswaldsgarten ein Gastspiel geben. (Siehe heutige Anzeige.) ♦ ** Würdige Ausgestaltung der Ehrenfriedhöfe. Der Deutsche Ehrenfriedhof auf dem Neuen Friedhof am Rodberg soll eine Ver- besserung erfahren, und zwar insofern, als sämtliche ^0rei Zratellinis" in Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Durch Gemeinschaftsarbeit des Stadttheaters mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und der NS.- Kulturgemeinde (Deutsche Bühne und Kampfbund für deutsche Kultur) hat sich ein zweitägiges Gastspiel der drei weltberühmten italienischen Clowns (Gino, Mar und Gustavo Fratinelli) in der Volkshalle Gießen am 30. und 31. Juli ermöglichen lassen. Das Gastspiel verspricht ein großes Fest der Fröhlichkeit, heiterster Lust und sorgloser Ausgelassenheit zu werden. Der eigentliche Programmteil der drei Clowns, der fast eine Stunde dauert, wird eingeleitet durch ein glänzendes Varieteprogramm, das einige unserer besten deutschen Artisten vereinigt. (Man beachte die heutige Anzeige.) OerNachrichten-Sonderdienst desGA. Unser Nachrichten - Sonderdienst unterrichtete gestern abend die Bevölkerung von Gießen und der unmittelbaren Vororte über die bedeutsamen Ereignisse in Oesterreich durch die Weitergabe der Meldungen an die Verkehrslokale. Die Mitteilungen wurden allenthalben mit sehr starkem Interesse ausgenommen. (^icftener Wochenmarktpreise Gießen, 26. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 10^, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing (grün), das Pfund 15, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15, Gelbe Ruben 10 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 25, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 12, Rhabarber 8 bis 9, Kartoffeln (neue) 7 bis 8, der Zentner 6,50 bis 7 Mark, Frühäpfel, das Pfund 20 bis 25 Pf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 25 und 30, Himbeeren 25, Brombeeren 30, Birnen 20 bis 30, Kirschen 20 bis 25, Stachelbeeren 12 bis 15, Johannisbeeren 15, Pflaumen 15 bis 20, Zwetschen 25 bis 30, Mirabellen 20 bis 25, Reineklauden 18 bis 20 junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 8 bis 10, Salatgurken 8 bis 25, Einmachgurken 2 bis 3, Endivien 25 bis 30, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch (Suppengrünes) 5, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 8 Pf. Inschriften auf den 285 Denksteinen überholt werden sollen. Für den Russischen Ehrenfriedhof ist an Stelle der kleinen Holzkreuze die Aufstellung von 170 Denksteinen vorgesehen. Die notwendiaen Arbeiten sind in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil ausgeschrieben. ** E i n Nachwort zum 116er°Tag. Dom Musik- und Vergnügungsausschuß des 116er-Tages werden wir um die Aufnahme folgender Zeilen gebeten: „Seitens der Festbesucher wurde wiederholt darüber Klage geführt, daß die Volkshalle am Sonntagabend kurz nach 20 Uhr geschlossen wurde, anstatt diese weiter für die Besucher offenzulassen. Der Festausschuß war infolge Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Festzelte gezwungen, die am Trieb gelegenen Wirtschastslokale wie Dolkshalle, Liebigshöhe und Schützenhaus für den 116er-Tag zu verpflichten, und der Festausschuß mußte die Bedingung eingehen, sämtliche Standquartiere der Formationen in diese Lokale zu legen. Da sich durch diese Maßnahmen aber das ganze Festtreiben außerhalb der Stadt abspielte, mußte daran gedacht werden, auch die in der Stadt gelegenen Wirtschaften an dem Massenbesuch teilnehmen zu lassen. Nur aus diesem Grunde war bestimmt, die Volkshalle um 20 Uhr zu schließen, und es ist auch trotz des einsetzenden leichten Regens daran festgehalten worden. Der Zweck dieser Maßnahme, daß nicht nur einige, sondern möglichst alle Gießener Wirtschaftslokale Nutzen an dem Massenbesuch der ehemaligen alten Soldaten haben sollten, ist voll und ganz erreicht worden, denn es hatten durchweg alle Wirtschaftslokale in der Stadt am Sonntagabend erheblichen, zum Teil sehr starken Besuch aufzuweisen." ** Fahrgeldermäßigung b ei der Kraftpost für Lehrgänge des Reichs- Rauschen des deutschen Blutes. Das deutsche Volt habe sich auch aus der Stimme des Herzens heraus finden müssen und gefunden. Adolf Hitler der Führer und Kanzler sei uns allen ein Vorbild. Er verzichte auf alles, weil ee wisse, daß in Deutschland noch viele Menschen irt Not und Elend befangen seien. Wir alle müßten seinen Weg gehen. Er habe die NS.-Volkswohlfahrt nicht geschaffen, um einer Notverordnung aus dem Wege zu gehen, sondern einzig und allein in dem Wunsche, dem ärmsten Volksgenossen helfen zu können. Wir brauchten immer nur den Worten des Führers zu glauben, dann sei uns der Weg klar vorgezeichnet. Der Weg fei manchmal hart und der Schweiß könne uns aus allen Poren brechen, wir dürften uns dessen aber bewußt sein, daß der Führer immer mit uns sei. Das Volk vertraue dem Führer und habe sich gefunden. Wer heute glaube, immer nur Ansprüche zu haben, wer 50 v. H. seines Gehaltes opfere und es nicht als ein Opfer zu empfinden brauche, weil er auch dann noch gut leben könne, der habe noch lange nicht so viel geopfert wie jene, die vor dem äußeren und inneren Feinde ihr Blut gaben. Uns allen müsse klar sein, daß wir als Einzelne nichts seien, das Vaterland und das Volk in feiner Gesamtheit aber alles. Und wenn der stellvertretende Führer sage, daß jeder Baum und Strauch unserer deutschen Heimat verteidigt werde, dann fön ne er es sagen im Vertrauen auf das ganze Die Pflichten, die wir zu erfüllen hätten, seien chwerer als je. Die NSV. kämpfe einen harten Kampf ifür das Volk. Millionen seien Mitglieder. Wollte Gott, daß sie Mitglieder seien mit ganzem Herzen, bereit, alles zu opfern für Deutschland. Den Kindern, die heute auf das Land kämen, dürfe der Lebensraum nicht verweigert werden. Sie müßten alle spüren, daß der Führer hinter ihnen tehe, daß er bemüht fei, allen zu helfen. Der die Kinder aber nicht völlig uneigennützig zu sich nehme, habe nie die Liebe zur deutschen Jugend gefühlt, die die Zukunft des deutschen Volkes darstelle. Oberschlesien sei Grenzland, Land des Kampfes um die Erhaltung des Deutschtums, des Kampfes um die Existenz und um Brot, um die Arbeitsstätte, ein Land, das viel Großes erleben lasse, und diese einmal empfangenen Eindrücke niemals wieder vergessen werden könnten. Alle jene, denen der Idealismus fremd sei, müßten dorthin geführt werden, müßten erleben, wie jene Menschen in Oberschlesien niemals ihr Deutschtum um irgend eines materiellen Vorteiles opfern würden, die nicht )on ihrem Lande ließen, auch wenn es in der Car- ten-Zentrum-Grube jährlich 60 bis 70 Tote gebe. Taufende fahren täglich in die Gruben, nicht wis- end, ob sie das Tageslicht wieder erblickten, doch liege ein Lächeln auf diesen Gesichtern und freudig klinge das „Heil Hitler!", wenn Deutsche aus anderen Gauen diese Menschen an ihren Arbeitsstätten besuchten. Gelrost gingen sie immer an ihre Arbeitsstätte unter Tag, weil sie auch wühlen, daß für ihre Familie, wenn sie das Schicksal einmal aus dem Leben reihen sollte, das ganze deutsche Volk sorge. Und wenn sie dann die Schicht hinter sich haben, dann seien sie immer noch für ihr Volk da, seien noch bereit, zu Helsen und zu opfern. So lange Menschen, wie jene, lebten, könne Deutschland nicht untergehen. Und jene Menschen in Oberschlesien seien nicht verbittert, seien nicht böse über ihr Geschick. Sie wollten auch gar nicht fort aus jenem Lande des Leides, sondern ausharren an der. Stelle, an der schon der Großvater stand und die Kinder stehen sollen. Der oberschlesische Arbeiter, der, einstmals verfuhrt, Marxist gewesen sei, sei heute der treuesten einer in der Volksgemeinschaft und arbeite um geringen Lohn um des Vaterlandes und um feines Volkes willen. Dem Deutschen in Oberschlesien aber müsse sein Leben erleichtert werden und wenn es gelte, zu opfern für diesen Teil unserer Volksgenossen, dann dürfe keiner sagen, daß er nicht opfern könne. Aus dem Herzen gegebene brüderliche Liebe müsse es aber sein, die jenen entgegen» «werde und nicht betonte Barmherzigkeit. ’fer dürfe nicht als eine Gelegenheit betrachtet werden, um sich selbst in den Vordergrund stellen zu lassen. Wenn von Oberfchlefien, von der Saar und aus dem Ruhrgebiet Kinder kämen, um bei uns Aufnahme zu finden, dann dürfe diese Aufnahme nicht aus irgendeinem fadenscheinigen Grunde abgelehnt werden. Wer hier die Hilfe ablehne, habe die Volksgemeinschaft falsch verstanden, anstatt sie zu beweisen. Volksgemeinschaft könne nur vom Herzen kommen und werde nur bestimmt von dem empfundenen »<5eif des — oder seis des nett?" ' Stehe ich da beim 116er-Treffen abends in der Volkshalle und suche nach einem Platz. Da kommen zwei Bauern aneinander vorbei, dem Dialekt nach ein Wetterauer und ein Vogelsberger. Zwei Meter voneinander bleiben sie instinktiv stehen und bohren ihre Blicke ineinander. Sie haben sich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Ihre Züge klären sich auf, sie lachen sich an. Sagt der Wetterauer zu dem Vogelsberger: „Ich waß nett, seis des ober seis des nett?" Darauf der Vogelsberger: „Woas meich ogitt (angeht), eich seis, oroer ob dau dos birst, das waaß eich nett!" Lachen beiderseits und darauf der Wetterauer: „Alleweil waaß ich, deß des feist, Dau hast fchut bei de Gombenie e dies Maul!" — Anschließend fand ein Marathonlauf nach dem Bierausschank statt. Fi. Die Ortsgruppe Gießen-Nord der NS.- Volkswohlfahrt hatte ihre Amtsleiter und Mitglieder sowie auch die Amtsleiter und Mitglieder der übrigen Ortsgruppen zu einer Versammlung in das Caf6 Leib eingeladen. Die Veranstaltung war gut besucht und nahm einen sehr anregenden Verlauf. Der stellvertretende Ortsgruppenamtsleiter Pg. I ö ck e l hieß die Teilnehmer, insbesondere aber den Redner des Abends herzlich willkommen und führte in weniaen Worten aus, daß die Mitglieder, die sich der NSV. angeschlossen haben, sehr wohl ein Anrecht darauf hätten, zu wissen, in welcher Weise die aufgebrachten Gelder dem notleidenden Teil unseres Volkes nutzbar gemacht würden. Kreisschulungsleiter pg. Michel schilderte sodann seine Eindrücke van einer Fahrt in das oberschlesische Land. Er wolle, so betonte er, mit seinen Ausführungen, den Weg zeigen, den die Regierung beschritten habe, als sie die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt schuf und mit ihr ein Werk, das seinesgleichen auf der ganzen Welt suche. nährstandes. Auf Antrag des Reichsnährstandes hat der Reichspostminister genehmigt, daß den Teilnehmern an Schulungs- und Führer-Lehrgängen des Reichsnährstandes ober seiner Lanbesbau- ernschaften bis auf weiteres gegen jederzeitigen Widerruf eine Fahrgeldermäßigung von 50 v. H. bei Benutzung von Kraftposten zwischen dem Wohn-« ort und bem Lehrgangsort gewährt wird, soweit es sich hierbei um Kraftpostfahrten auf Strecken ohne Eisenbahnverbindung handelt. Als Ausweis für die Inanspruchnahme dieser Fahrgeldermäßigung dient nur das vom Reichsnährstand ausgestellte Einberufungsschreiben zum Lehrgang. ** Die Auszahlung der Militärver- sorgungsaebührnisse (Heeresrenten) für den Monat August erfolgt bereits am Samstag, 28. Juli. ** Einzigartige Leistung einer Brieftaube. Am gestrigen Mittwoch kehrte eine Brieftaube zu ihrem Besitzer, Herrn Willi M ö h l - Wieseck, zurück, bie zusammen mit anberen deutschen Brieftauben in Burgas in Spanien am Samstag aufgelassen worben war. Die Strecke, bie bie Taube zurücklegte, betrug etwa 1500 km Luftlinie. Die Auflassung in Burgas war die erste Auflassung eines zwischen sechs ßänbern vereinbarten Brief- tauben-Preis-Flugwettbewerbs. ** Kinber reifen an bie Nordsee. Zu ber von uns gestern gebrachten Notiz über „Kinber an bie Ostsee" teilt uns bas Kreisjugenbamt Gießen bericfjtigenb mit, baß es sich nicht um Kinber aus Gießen, fonbern aus bem Kreise Gießen hanbelt, bie nicht von zwei Herren bes Kreisjugend- ömtcs, fonbern von zwei Kreisfürsorgerinnen begleitet werben. Die Kur wirb nicht an ber Ostsee, fonbern in Orbing an ber Norbsee burchgeführt. So wie bie NSV. für bie Kinber sorge, bie jetzt leben, so wolle sie auch sorgen für jene, bie noch geboren werben sollen. Bei biesem Werk für bie Zukunft abfeits geftanben zu haben, biefen Vorwurf bürsten wir niemals auf uns nehmen. Nationalsozialist sei man nicht von heute auf morgen, fei es nicht burch eine noch so große Geld- fpenbe, fonbern nur burch bas Herz auf bem rechten Fleck, nur burch bie rechte Tat. Die NSV. habe große Taten gezeigt im vergangenen Winter, zeige sie jetzt im Sommer, unb werbe sie roieber zeigen, wenn roieber ber Winter in bas Lanb ziehe. Alles Werk erwachse aber aus nationalsozialistischem Jde- alismus, ber uns niemals verloren gehen bürfe. Aus biesem Idealismus heraus müsse stets gekämpft unb gearbeitet werben. Gemeinsam müsse unser Weg gegangen werben; ber Akabemiker müsse neben bem Bauer, ber Arbeiter neben bem Geschäftsmann flehen im gleichen Geiste, im Geiste bes Führers. Der Geist Abolf Hitlers in unserem Volke bürfe nie verfälscht werben. Wer es versuche, werde seine gerechte Strafe finden müssen. Wer sich gar an Geldern bes Volkes vergreife, werbe einer unerbittlichen Härte begegnen müssen. Das Werk der NS.-Volkswohlfahrt habe die große Aufgabe, allen zu helfen, die in Rot feien. Der Führer stehe unb halte bie Fahne, so, wie er es in 14 schweren Jahren getan habe. Er tue seine Pflicht bem Volke gegenüber zu jeber Zeit. Wir aber müßten, wo wir auch stehen, auch unsere Pflicht tun in unwanbelbarer Treue. Nicht um irgenb einer Anerkennung willen solle geholfen werben, fonbern um bes ganzen beutschen Volkes 5>,Uf?nr-fliegenben Fahnen unb bem Horst- Weffel-Lied auf ben Lippen müßten wir bei bem sich um er- Santikoff wußte, daß ber Flüchtling nicht weit gekommen fein konnte. In dieser Wald- und Berg- wirrnis ohne Weg unb Steg fand sich nur ein Kundiger zurecht. Wer nicht genau Bescheid wußte, war von steten Gefahren umgeben. Er machte sich ernstlich Sorge um Walterstorff unb traf sofort Anstalten, um den Entflohenen zu finden. * Wolterstorff hatte eine strapaziöse Nacht hinter sich. Gewiß bot sich ihm ein Panorama von einzigartiger, wildromantischer Pracht. Aber der Runb- blick war boch verhältnismäßig eng. An allen Seiten türmten sich Berge hoch, bie in ihrer Einförmigkeit keine Möglichkeit zu einwandfreier Orientierung boten. Er war müde und abgespannt und legte sich beshalb unter einem Felsvorsprung zum Schlaf nieber. Die Anstrengungen während der Nacht zwangen naturnotmenbig zur Ruhe. Ein paar Stunben später weckte ihn ber Schrei eines großen Raubvogels. Es mußte schon über Mittag sein, benn bie Sonne, bie zeitweise Gewölk durchdrang, stanb steil über ihm. Er fühlte sich kräftig unb beschloß deshalb, weiter- zumarschieren, um möglichst vor Abend, vor Sonnenuntergang, den Gebirgsrand zu erreichen. Es schien ihm nämlich, als erstrecke sich im Sübosten eine Hochebene. Möglich, daß er bort auf menschliche eiebfungen stieß unb Hilfe erhielt. 3um erftdn Male griff er jetzt auch seinen kärglichen Lebensmittelvorrat an. Gestärkt machte er sich dann auf den Weg. — Santikoff hatte alles moboil gemacht, was er erreichen konnte. Sn verhältnismäßig kurzer Frist waren zahlreiche Manner zu Füßen des Burgberges versammelt, die von ihm Anweisung erhielten, nach welcher Rich- tung hin sie ihre Nachforschungen anzustellen hatten. Jeder Trupp führte einen oder mehrere Hunde bei sich. Santikosf selbst machte sich mit auf die Suche. Es war ihm unb feinen Leuten ein Leichtes, ?urch den Busch zu dringen. Das Gelände hier war ihre Heimat, bie sie durch unb burch kannten. Schwierigkeiten waren ben wetterharten, kernigen Gebirglern fremb. Außerdem wurden sie durch ihren Gehorsam und ihre Treue zu Santikoff, der ihr Herr unb Führer war, zu impulsiver Leistunqs- kraft angestachelt. Sie sahen, baß ihm viel daran Der Berg, den er aus Orientierungsgründen zu besteigen für notwendig erachtet hatte, erwies "' als unzugänglicher als er geglaubt. Nur mühsam kam er hoch. Stunde um Stunde verrann. Bei Morgengrauen erreichte er die Spitze, aber eine niederschmetternde Enttäuschung zu leben. ZweiMmm and Hilda Roman von Hermann W. Walber. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 13 Fortfetzung Nachdruck oerboten! Ein schöner Sonnensonntagmorgen! In den Anlagen des Tennisklubs herrschte trotz der frühen Stunde schon reger Betrieb. Alle Felder waren besetzt. Hilda und ßiesgreta saßen auf einer Bank, und oor_ ihnen standen ihre Bräutigame. Sie scherzten und lachten und vertrieben sich so die Zeit, bis sie zu spielen an der Reihe sein wurden. „ßiesgreta", fragte nun neckisch Hilda die Freundin, „findest du nicht auch, daß unsere zwei beiden «ad)9tergctot?"aU5,e6Cn- 015 * *’ä“en fie öie 0an3e „Ja, ja, Hilda, ich glaube auch, mit denen wird heute beim Spiel nicht viel Staat zu machen sein!" gab ßiesgreta lachend als Antwort zurück. v't'rSu tütte sehr um Verzeihung, wenn ich mir Höflichst zu widersprechen erlaube!" meinte Doktor Zecker. „Ich bin ein paarmal diese Nacht in die 4WS gerufen worden. Das dürfte mich wohl entschuldigen." ’ itnsrR?£!te \n Ziemlich gereiztem Tone gesprochen und bedauerte dies sofort. Die Mädels waren unschuldig. Sie hatten doch keine Ahnung, was ihn nachts geplagt und ihm keine Ruhe gelassen. 9 "Richt gleich so böse sein, ßieber!" sah ihn ßies» greta schelmisch an. ßachend und versöhnt griff er nach ber sich ihm entgegenstreckenden Hanb ber ■cieöjten. fS(Är W 9tir nichts!" brohte Hilda lächelnd> mit bem Finger. „Er sieht so schuldbewußt drein. Komm mal her, Schlingel — beichte'" ^Wn! Ich bin ein schlimmer ©nüber! fugte er sich mit zerknirschter Komik in l°n-e"6lef) "al, , bald hört mein Junggesellentum auf, meine Freiheit wirb bahin sein __ mufcUifh Äs^obe doch Freunde, und von denen muh ich Abschied nehmen. „Ach du! Da ist wohl der gestrige Tag etwas langer geworden? Na, warte nur, daß mir das nicht noch einmal vorkommt!" . ÖQbeJ „Zu sich heran, drückte zärtlich seine Hand, und es hatte wahrlich nicht viel gefehlt geküßt^ot e ihren Verlobten vor allen Leuten ßiesgreta fragte: „Sollen wir denn das ganze Tennis für heute ma4en?b"M eitC ° Unb Iieber einen Spaziergang Die Herren protestierten. Sie wollten den Damen die Freude nicht verderben. gelegen war, des Fremdlings wieder habhaft zu werden, und dieser Wunsch ihres Gebieters spornte sie mächtig an und ließ sie keine Mühe verdrießen. Prachianu war inzwischen wieder entlassen wor- x n- Er zog sich an den Grenzort zurück, wo er oas Vorliegen von Nachrichten Myas vermutete. Er fand ein Telegramm vor. Es lautete: „Abreifet fofort, Anwesenheit dringend erforderlich!" Prachianu wußte, daß Wolterstorff gemeint war. hatte mit Mya vereinbart, daß Wolterstorffs Name nicht genannt werden sollte, um Weiterungen oie für ihn, Prachianu, gefährlich werden konnten' zu vermeiden. Er drahtete in unverfänglicher Ausmachung die neue Situation und sicherte laufende Nachrichten ZU. E? blieb ihm selbst nichts weiter übrig als zu roarten. Daß ihm tn dieser erzwungenen Ruhepause zumute war als säße er auf heißen Kohlen, ergab sich von selber. a ♦ Doktor Becker traf sich am Montag zweimal mit Mya Korber, und zwar war als Treffpunkt das elterliche Haus in Potsdam bestimmt. Man mußte ia damit rechnen, in Berlin selbst unter Beobachtung durch Kirchhofen zu stehen. ' 9 bebeutete für bie beiben einen schweren Schlag als bie Nachricht aus Rumänien eintrat Wolters- torff fei gefluchtet unb vorläufig noch nicht ae- funben. Hatten sie boch mit seinem Eintreffen am Dienstag gerechnet. 11 nenau fest" weitere,Vorgehen lag an sich „Fch weiß nicht — ich bin heute so besonbers froh und glücklich. Eigentlich schon seit gestern. Ob das bie Nachricht über Knauer getan hat? Wie geht es bem armen Menschen denn heute? Schon bei ihm gewesen, Doktor?" sagte Hilda nach einiger Zeit. „Ja, das würde mich auch interessieren!" fiel Hans von Kirchhofen ein. Doktor Becker beschäftigte sich mit seinem Anzuge, als läge Staub auf ihm, ben es zu beseitigen galt, unbe rroiberte: ',Er hat eine gute Nacht hinter sich. Seit heute früh liegt er wieder in einem bleiernen Schlaf. Kaum, daß er etwas gegessen unb seine Medizin eingenommen hatte, schloß er roieber bie Augen." Kirchhofen atmete sichtlich auf. Myas Pulver schien also bereits gewirkt zu haben. Offen ge- ftanben, er hatte ber schwarzen Hexe nicht so recht getraut, aber nach bem, was er eben gehört hatte, schien sie bie Wahrheit gesprochen zu haben und tatsächlich im Krankenhaus gewesen zu fein. __Nun hieß es für ihn nur noch ein bißchen Theaterspielen, bie Zeit bis Dienstag totschlagen. Er sorgte sich nicht mehr, daß sein großer Schlag etwa noch mißglücken könnte. Doktor Becker hatte unauffällig den Bräutigam Hildas beobachtet und sehr wohl dessen angstvolle Miene bemerkt und bas stille Aufleuchten in feinen Augen, als er von bem bleiernen Schlaf Knauers hörte. Könnte er bem Menschen boch die Maske vom Gesicht reißen! Aber vorläufig mußte er ja noch gute Miene zum bösen Spiel machen. Wieviel Unglück konnte entstehen, wenn er vorzeitig ben Verbrecher entlarvte. -Jetzt aber ran!" rief Hilba. „Dort wirb ein Felb frei! Nun wollen wir zwei also, ßiesgreta, ben Mannsleuten die Beine etwas gelenkig machen." — Der Sonntag verlief ohne weiteren Zwischenfall. ♦ Prachianu war noch am Samstag abgereift. In der Nacht zum Montag erreichte er den kleinen Grenzort, wo er von dem benachrichtigten Santikoff an geheimer Stelle empfangen wurde. In kurzen Zügen fetzte Prachianu den Freund, ber übrigens bem Alter nach fein Vater fein konnte, in Kenntnis, unb bann machten sich beide im Kraftwagen auf bie Fahrt nach ben Bergen, um Wolterstorff bie Freiheit wiederzugeben. Den letzten Teil mußten sie zu Fuß zurücklegen, ba es keine befahrbaren Straßen gab. Der Wagen blieb unterbeffen in einem Dorfe bei Freunben. Das war eine große Ueberrafchung, als sie nach mehreren Stunden ihr Ziel erreichten und feststellen mußten, baß ihr Gefangener entwichen war. Santikoff schimpfte und fluchte, und die Peitsche sauste schwer auf den Rücken des pflichtvergessenen Wächters nieder. Seit vierunbzwanzig Stunden war das Nest leer. I 21m Dienstag sollte Notar Althaus ins Vertrauen gezogen werden. Man wollte den von diesem an" gesetzten Termin, an dem Kirchhofen zum Werksdirektor ernannt werben sollte, so lanae hinaus- W°!.ttrstorff zurück war. Ihm sollte die Entscheidung überlassen werden, inwieweit Maß- u°hmen gegen Kirchhofen zu ergreifen waren. rnm!h-iC^te ^wadalvermeidung war die Grund- Wolterstor^s -Es mar anzunehmen, daß mi? Kaltstellung Kirchhofens m!.t Rücksicht auf Hilda Geyerling bewenden lassen Är^inbÄ ?Dd) Knauer. Aber sicherlich würde Ä Lr fe£en Aabcn ' • - Wenn nicht - nun, bann war es auch nicht zu ändern... ^^ra?nrfrfJe6t^?*' ■ W" ■" " ••< ■ \ " " l '. ' ? ' . •' ■<>? .... ■■•■. ■< '). • .-'V ', r -> '-x K;J '"K, ’de . M -'..'1 »LM«SMj 4". \v c / / \ V. X : •# &........ : : D Gl Freilich: Der bis Deutsche, Riegle Seid Lire auf U aber auch ! sich selb erzählte M habe, er \t da und do er zur Prc Ausläufer Brot zu : vier Lire, Sachen. , Tage, un Mit diesk ten des S Theaterleit, bens entge "lcht geahr nen haben freiem hin tet, augleid -l-heaterfpi^ kreise übe, nur die ur end die r xunft neu , Bestrebu, lang aus bi Don jeher, Amlicher a'lnismäßi °onnrten uni ?en schon dc ,eres klafsjs^ n'5mdfei,ld »W L°m.mt es d grobem &; SÄ! 5°d>e der Jrnedjg" j ZE° Und Sn9en °r •iäf» . ^U)Q j Nit" n S'40t d^E'^nt LleUien Ws Mr las, g°b' in-nd A we*£ li«*Ä p* für d>-,- u mach'".. i)W M m* $it lang« Siebe jjaterlanbs Sontobüdjet So viel o( Kammer m Schlußfolge herabsehen! den, daß r was er tu folgendes Ergebnis: Fahnen im Festzuge, mit dem die Kampfspiele eingeleitet wurden. "7—^^,..... Die Deutschen Kampfspiele Oberheffen f Punkte 12:0 8:4 4:8 0:12 verl. 0 2 4 6 Die Tabelle zeigt 1. Holzheim I 2. Hausen I 3. Garbenteich I 4. Grüningen I gew. 6 4 2 0 Rugby: Norddeutfchland schlägt Süd 19:11. Im Endkampf um den Rugby-Kampfspielpokal standen sich Norddeutschland und Süddeutschland gegenüber. Vor 15 000 Zuschauern entwickelte sich hier em recht schönes Spiel, das den Norden als verdienten Sieger sah. Bei den Norddeutschen ruhe tankte ich zum letzten Male. Am Ziel in Baden-Baden traf ich eine Stunde 10 Minuten vor meiner Sollzeit ein. Am Montag kehrte ich von Baden-Baden wieder nach Gießen zurück und stehe nun wieder an meinem Arbeitsplatz." Joseph Schweinsberg- Gießen vor dem Start in Leipzig zur 2000-I beiden Neukonstruktionen „Hellas" und Nieder- dennoch in 37 Mumien gefahren. Kurz vor Karls-1 fach,en" der Ortsgruppen Berlin und Göttingen Ohne Punktverlust steht Holzheims 1. Mannschaft an der Spitze dieser Gruppe. Als früherer Bezirks- und Gaumeister hat diese Mannschaft auch in diesem Jahre ihren Verein würdig vertreten und kann an den Endspielen um die Kreismeisterschaft teilnehmen. Auch die 2. Mannschaft des Tv. Holzheim, steht in der 8-Klasse mit 11 Punkten ungeschlagen an der Spitze. Oer vierte Tag der XV.Ahön. Peter Riedel fliegt 171 Kilometer. Bei ziemlicher Windstärke und schwacher Thermik herrschte am 4. Wettbewerbstag der „XV. Rhön" außerordentlich großer Flugbetrieb auf der Wasser- i kuppe und die Rekord-Startzahl vom Vortage I tonnte noch übertroffen werden. Späterhin startete man sogar von zwei Plätzen aus und während • mehrerer Stunden flogen 21 Maschinen über den Hängen der Wasserkuppe. Auch wurde der erste Versuch unternommen, in einer Segelflugzeug-Kette nach dem Heidelstein zu fliegen und die Bedingungen des Fernziel-Flugpreises für Segelflugzeug-Ketten zu erfüllen. Aber eine plötzlich eintretende Flaute verhinderte dieses Beginnen. Die ersten Starts erfolgten gegen 12 Uhr und Peter Riedel-Darmstadt sowie der junge Mannheimer Pilot Ludwig Hofmann fanden sehr schnell Wolken-Anschluß, der es ihnen ermöglichte, nach Bayern zu fliegen. Während es Hofmann auf eine Flugstrecke von 65 Kilometer in die Nähe Schweinfurts brachte, landete Peter Riedel in der Umgebung Nürnbergs nach einer Flugstrecke von 171 Kilometer. Eine ganze Reihe von Maschinen ging noch in den Nachmittags-Stunden zu Streckenflügen über und konnten Flüge von 40 bis 50 Kilometer durchführen. Heini D i t t m a r - Schweinfurt traf mit fielen in der Schwimmbahn vier Entscheidungen. Jnteressanterweise konnten sich in Wettbewerben wiedc? die Meister des Vorjahres durchsetzen. Die 4X100- tfrhnh roulstafsel her Vereine ohne Win- L'S». Stoffen in 4:49,5 Entscheidungen bei den Keglern. Im Luitpoldsaal fielen am Vormittag bei den Keglern einige Entscheidungen im Mannschaftskegeln. In der Bundesmeisterschaft auf Asphalt gewann Fortuna Frankfurt mit 1697 Holz vor KSC. Bernburg. Die Dreier-Klubmeisterschaft für Frauen gewann auf der Asphaltbahn der Klub „Deutsche Frauen" Chemnitz mit 1481 Holz vor „Treu dem Sport" Pirna und auf der Bohlenbahn Helios Hamburg mit 2-182 Holz vor „Deutsche Frauen" Hannover. Im Kampf der Alteherren-Städtemann- । schäften siegte auf der Bohlenbahn Bremen mit I 3174 Holz vor Berlin mit 2704 Holz und Kiel. klappte es in allen Reihen besser, obwohl der Schlußmann Taster schon nach einer halben Stunde Spielzeit verletzt ausschied und die Hannoveraner nur 14 Mann im Felde hatten. Die Süddeutschen gingen zuerst durch einen nicht erhöhten Versuch in Führung. Bis zur Pause stellten dann die Norddeutschen das Spiel auf 13:3. Nach der Pause fielen noch zwei unerhöhte Versuche für Nord und je ein erhöhter und nicht erhöhter Versuch des Südens, so daß es zum Endergebnis von 19:11 kam. Die süddeutschen Versuche wurden von Ehalt (Heidelberg), Derleth (Frankfurt) und Flinsch (Frankfurt) gelegt, der Versuch Derleths wurde von Pfisterer, (Heidelberg) erhöht. fen Tempo starken Steinschlag verursachten. Man mußte schon reichlich Abstand wahren, wenn man nicht von feinem Vordermann buchstäblich von der Maschine „geschossen" werden wollte. Ich hatte mir soviel Zeitvorsprung verschafft, daß ich in Küpper- fteg bei Leverkusen — direkt auf der Rennstrecke — eine halbe Stunde lang meine Verwandten besuchen und ausgiebig frühstücken konnte. Hinter Altenkirchen wartete ich dann nochmals eine halbe Stunde lang einen starken Gewitterregen in einem Bauernhause ab. Die größte Freude bereiteten mir in Limburg meine Kameraden Schütte und S ch ö l ch aus Gießen, die mir an der Ortseinfahrt durch ein großes Schild die Ueberbringung von Geld, das durch unvorhergesehene Ausgaben in hat. Der von Oberturnwart Volk vorqetragene Turnbericht bestätigte die Aktivität der Turner. Dem Rechner des Vereins konnte für feine mustergültige Tätigkeit Dank und Entlastung zuteil werden. Der neuernannte zweite Vereinsführer übernahm fein amt mit einer temperamentvollen Ansprache und einem Bekenntnis zur Turnerei. + ©rünberg, 25.Juli. Gegenwärtig ist die Straße Grünberg—Gießen für den Durchgangsverkehr gesperrt, da die Strecke von Reiskirchen bis etwa 4 Kilometer vor Grunberg mit einer neuen Asphaltdecke her- gertd)tet wird. Aus diesem Grunde ist am Bahnhof Grunberg eine maschinelle Anlage ausgestellt, in roelrfjer der Aspaltdeckbelag zubereitet wird. In mächtigen Kesseln wird der Teer erhitzt, um bann mit Zement, Kalk, Sand und Basaltsplitt gemischt zu werden. Diese Mischung wird in heißem Zu- ftanbe mit Lastkraftwagen an bie Baustelle betör- c.um ?ort- auf den fertiggestellten Unterbau ber Straße als ziemlich starke Asphaltbecke aufqetraäen Zu werben. Bei bieser Aspalt-Bereitungsanlage am A.uh.of fV? außer bem technischen Personal burch- schmttlich hiesige Arbeitslose beschäftigt. Gearbeitet wirb in zwei Schichten. Schöffengericht Gießen. Der W. S. aus Stauberg fuhr mit bem Lästigen einer Brauerei einen in ber gleichen Rick- be?artman ^renben Straßenmeister Unah- hn L -rben folgen verstarb. Das Unglück, bas sich bei Bübingen ereignete, ist barauf ber ^geklagte burch bie hohe Geschwinbigkeit, bie er mit feinem Wagen fuhr, nid)t in ber Lage war, ben Wagen auf kürzeste ffirünhnUn9 3um Stehen zu bringen. Aus biesen ®“. Derurteitte das Gericht den Angeklagten ZU einer Gefängnisstrafe von drei M o - na ten unb ben Kosten bes Verfahrens. Der Ver- bVantragY ®ntla9e batte vier Monate Gefängnis n h QUS .Grünberg erhielt sechs Mo- Angeklagte zog neben LnDerfHiPrHfett f,a£..®ranfentaffenbeamter Jnvali- x fl5bteifra9e ^n, bie er jeboch nicht ab- wandte « feJnt persönlichen Zweck? ver- ■ ^er Angeklagte deckte immer mit neu ein» D?r°Anäett Fehlbeträge älteren Datums, foften 9 f 9tC ^gt außerdem die Verfahrens- baq . Öffentlichkeit befaßte sich ^chlleßlich mit ber M. I. aus Jlbenstabt TVie i Sinne bes § 218 RStGB. ffrn^9nf 9te würbe zu einer Gefängnis, tränt ?♦ 3®ei SWonaten verurteilt und tragt bie Kosten bes Verfahrens. Hochbetrieb auf allen Sportanlagen. Am Mittwoch herrschte in Nürnberg wieder Hoch- detrieb. In der Stadionschwimmbahn tummelten l'ch die Schwimmer, hier fielen die ersten Entscheidungen. In der Kampfbahn wickelte sich am Rach- wutag ein großes Programm ab, in dessen Mittelpunkt die Spiele standen, am Vormittag nahm das Hockeyturnier seinen Anfang, im Tiergartensaal tampften 90 Fechter um die Einzelmeisterschaft im Degenfechten und im Luitpoldsaal rollten unab- Us!9 weiter bie Kugeln der Kegler. Dazu kam am M'iiwoch noch als erste Prüfung zum modernen Fünfkampf bas Gelänbereiten, eine bei einem all- gememen Sportfest neuartige Prüfung, bie viel Jn- leresse sand. hermannia Frankfurt a. 2H. entthront. In den Abendstunben des Dienstag wurde noch 9 u - M a n n s ch a f t s f e ch t e n abae- wukelt. Der Kampf gestaltete sich zu einem erbitten ten Duell zwischen dem Verteidiger Hermannia rbruukfurt und der Reichswehr-Mann- glelchmaßig bie übrigen Mannschaften ^wkfurt 1860, Fecht-SV. Hamburg, Tbd. Stutt- 9QM4,U-’ib F^burger Turnerschaft —'schlugen. Im entscheibenden Kampf erlitten bann bie Frankfurter flegcn die Offiziere ihre erste Niederlage so daß die Reichswehr-Mannschaft den Meistertitel errang Entscheidungen der Schw-.mmer. biC zwischen wesentlich verstärkte Ma?n? rÄfts DOn Magdeburg 96 mit Schlüter Scbwarll Schulze unb Deiters in 10:03,2 Minuten vor S Masburg II unb Glclwiß 1900, die im totenVen- ta ^aTam^n Stichen Rekord schwumm Gharl°tt°nburg7r ^Ruch' Z u"b 6:02,8 Minuten. Die Berlinerin war auch Ve^rte'tt Me'stertitels Klar geschlagen kamen Aüde Sa l b e r t und L. Ha n i ck e auf den nächsten Platzen em. Eine 3X50-Meter - Brust- ftuffel für -Schwimmer über 32 Jahre gewann Hellas Magdeburg durch den Schlußmann Ete ^6,9 knapp vor Bayern 07 Nürnberg. In der Damen - Lagenstaffel verteidigten bie Charlottenburger „Nixen" ebenfalls erfolgreich ihren Meistertitel. Die Berlinerinnen erreichten eine Zeit von 5:44 Minuten. Zweiter wurde der SW 98 Düsseldof mit 6:00 Minuten vor der 2. Mannschaft der „Nixen". Das Kunstspringen wurde eine Beute des Berliner M a h - * L e i h g e st e r n , 25. Juli. Der Turnver - ein „Frisch Auf" Leihgestern 1893 hielt dieser Tage im Vereinslokal „Zum Löwen" bei gutem Besuch seine Jahreshauptversamm- lung ab. Der erste Vereinsführer W. Will eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in )er er 3um Ausdruck brachte, daß Jahnsches Schaf- '-w um Deutschlands innere Einheit durch unseren Dolkskanzler feine Erfüllung gefunden habe. Der Geschäftsbericht ließ erkennen, daß der Berein ein arbeits* und erfolgreiches Jahr hinter sich gebracht ............. uci Dionen m 4-4^5 c ^"M ersten Male wurde vor einer breiteren Oef- M>nuten vor Poseidon Worms und Möwe Allen- i fentIl4teit ein Wettbewerb des Modernen Fünf- Im Turmspringen der Damen fehle' durchgeführt. Die 38 Teilnehmer hatten am s'ch die Titelhalterin Hertha Schieche lSvandaiD Mittwoch beim Geländeritt einen sehr schweren, mit wst 31,30 Punkten erneut siegreich durch Die H^dernissen gespickten Kurs zu bewältigen, bei dem 4 X 200.-3)16 ter - Kraulstasfel hotte sich Gnen offensichtlich zu viel zugemutet wurde. Um 'n .....r-v •• — ’ ’ übersichtliches und unwegsames Gelände mit schwe- ren Hindernissen zwang die Teilnehmer zu (Bemalt» leistungen, unter der vorgeschriebenen Sollzeit von 11:07 Minuten blieb aber nicht einer der Reiter. Die Pferde für diesen Wettbewerb waren von ver- schledenen Reiter-Formationen der Reichswehr zur -Verfügung gestellt und wurden vor dem Start unter die Teilnehmer verlost. Am besten hielt sich Oblt Einwach ter vom A.-R. 6 mit 11:33,2 Minuten. H'uter ihm kamen Lt Wicker (Stuttgart) mit 12:18,8; Oblt. R ed t k e (Spandau) und Obwm. ..o®er mit je 12:25,1 auf die nächsten Plätze. Als nächsten Wettbewerb haben die Teilnehmer, am' Donnerstagvormittag das Degenfechten zu beftrei- Neuer Reichsführer -er Deutschen Kachschulschast. UM Der bisherige Stellvertretende Reichsführer dex Deutschen Fachschulschaft, Sturmführer Hermann • Ziegler, wurde, wie bereits gemeldet, zum Reichsführer der Fachschulschaft ernannt. UM?2 Drittes Blatt Tietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberheffen) Donnerstag, 26.Zulil93H Einkommen und Lebenshaltung inAalien. Mussolini kaust ein.-Hohe Mietender steuerfreieHäuser.- Teure Monopolpreise Spaghetti, des Rätsels Lösung. Don unserem römischen E-Korrespondenten. Rom, Juli 1934. Als Mussolini kürzlich ganz unerwartet sein Haushaltsbuch aufschlug und dem Volk daraus vorlas, gab es viele lange Gesichter. Es solle nur niemand sich einbilden, daß die gute alte Zeit bald zurückkehren werde. Wir haben Schulden gehabt, liebe Leute, wir haben Schulden dazu gemacht, die Staatsschulden sind infolgedessen nicht weniger geworden. Wie viel auf der unangenehmen Nichthabenseite steht? Nun, es sind über 100 Milliarden, hundert Milliarden, jawohl. Da heißt es sparen. Aber wo und wie? In den letzten Jahren ist das Defizit immer größer geworden, heuer kommen wieder vier Milliarden dazu, und die Zinsen für diese vier Milliarden. Ausfuhr? Devisen? Nichts zu machen. Am Ende des Jahres werden wir wahrscheinlich eine Unterbilanz von drei Milliarden buchen müssen ... Die langen Gesichter brauchten über der langen Rede Sinn nicht lange zu grübeln. Der Vater des Vaterlands hatte einen unheimlichen Haufen von Kontobüchern neben sich und griff wacker hinein. So viel Zahlen und so viel unerfreuliche hat die Kammer noch nie auf einmal vorgesetzt bekommen. Schlußfolgerung.- noch einmal sparen! Ansprüche herabsetzen! Auch den Arbeitern müsse gesagt werden, daß Opfer zu bringen seien. Der Staat tue, was er tun könne. Die Lebensmittelpreise seien herabgesetzt worden. Der Vrotpreis wurde von 2,48 Lire auf 1,50 Lire für das Kilo gesenkt. Man könne aber auch schon ein Kilo für 1,30 haben, er habe sich selb st davon überzeugt. Und dann erzählte Mussolini, wie er in der Zeitung gelesen habe, er sei ja eifriger Zeitungsleser — daß man da und dort billig einkaufe. Daraufhin habe er zur Probe dem unbekanntesten und harmlosesten Ausläufer den Auftrag gegeben, für ihn solches Brot zu kaufen, ein Kilo Suppenfleisch dazu für vier Lire, und — tatsächlich, der Mann brachte die Sachen. „Das war mein Mittagessen an diesem Tage, und ich muß sagen, das Brot war ausgezeichnet und aus dem Fleisch konnte man eine anständige Suppe machen!" Soweit die Kammerrede. Tags darauf geht beim Duce ein Brieflein eines sorgenvollen Familienvaters ein, der ihm schreibt, er möge doch die Freundlichkeit haben und ihm diese Perle von einem Bäcker verraten. Der Duce, nicht faul, erkundigt sich nach der genauen Adresse und teilt sie dem Zweifler mit. Für den Bäcker eine unbezahlbare Reklame, denn die Zeitungen veröffentlichen natürlich den eigenartigen Briefwechsel, und heute soll es in Rom schon Dutzende von 1,30= Bäckern geben, obwohl der amtliche Preis auf 1,50 steht. Freilich, Mussolini hat mit seinem populären Einkauf nur gezeigt, daß sich die Tugend seiner Jugend, die Mäßigkeit, noch nicht verflüchtigt hat; die Römer haben im übrigen über ihr Brot ihre besondere Meinung, und daß für einen Nordländer das Brot in ganz Italien, vor allem das ungesalzene Weißgebäck, die Brötchen und Semmeln, wenn es solche gibt, ungenießbar ist, es sei denn, man kriege es ganz frisch, weiß jeder Reijende. Ebenso kann das Suppenfleisch für vier Lire wirklich nur zum Auskochen benützt werden, gutes Rindfleisch kostet mindestens 10 Lire, Kalbfleisch 13 bis 15 Lire. Schauen wir uns nun einmal um, was im allgemeinen das Leben in einem Lande kostet, das von der Krisis zwar erfaßt, aber noch nicht zu Boden gedrückt wurde, und wie sich der Haushalt zum — Einkommen verhält. Teuer sind immer noch die Wohnungen, obwohl die Mietpreise nun zum drittenmal innerhalb weniger Jahre befehlsgemäß herabgesetzt wurden. Für eine leidlich moderne Dreizimmerwohnung mit Bad muß man in Rom 6000 Lire ansetzen, wenn man sie mietet. Kauft man sie, so sieht die Rechnung, auf die Dauer gesehen, weit besser aus, denn der Raum wird durchschnittlich mit 7000 Lire bewertet, eine Vierzimmerwohnung mit Zubehör ist also schon für 50 000 Lire erhältlich, und diese Summe kann in 25 Jahren abbezahlt werden. Außerdem sind Neubauten, ganze Häuser wie Einzelwohnungen, auf 25 Jahre steuerfrei. Kein Wunder, daß die Bautätigkeit nicht zum Erliegen kommt, die kleinen wie die großen Kapitalisten legen ihr Geld in Häusern an, die ganz kleinen vermieten noch Zimmer und — leben nicht selten einzig und allein von dieser Einnahmequelle. Das ist eine der vielen Möglichkeiten, die man kennen muß, wen man die italienische Statistik der Einkommen verstehen will. Teuer ist ferner das Wasser, rund 2000 Lire bei offenem Hahn in Rom, das Dreifache in der Umgebung; teuer ist de r elektrische Strom, denn auf ihm lastet eine Verbrauchssteuer von rund 60 Prozent, so daß sich die Kilowattstunde auf über 2 Lire stellt; teuer kommen Arzt und Apotheke, denn die Krankenversicherung steckt noch in den Kinderschuhen. Auf der höchsten, nicht mehr überbietbaren Höhe sind, nach Mussolini, d i e Steuern angelangt, vermutlich auch die Monopolsachen: Zucker 6,40 Lire das Kilo, Tafelsalz durchschnittlich 3,50, Zigaretten mittlerer Qualität 25 Centesimi. Zigarren gibt es eigentlich nur zwei rauchbare Sorten, zu IV2 und 2V2 Lire das Stück. Benzin 2 Lire, das Kleinauto 10 000 Lire. Alles, was mit Dokumenten irgendwelcher Art, seien es auch nur Rechnungen oder Quittungen, zusammenhängt, verteuert sich durch die Stern- p e l st e u e r. Wie Tische, Stühle, Räume und Kellner, sind die Speisekarten im ganzen Regno einander so ähnlich wie Zwillinge, unter 15 Lire für ein normales Mittagessen kommt man nicht weg. Aber Wandervögel haben auch schon für ganze 7 Lire einen ganzen Tag gelebt. Man muß sich eben auskennen. Machen wir nun die Rechnung auf: Ein kleinerer Beamter bezieht ein Gehalt von 800 Lire. Er nimmt eine ganz billige Wohnung, sagen wir für 400 Lire im Monat, bleiben ihm für den gesamten Lebensunterhalt der Familie ebensoviel! Wieso geht er nicht unter? Wieso kommen seine Töchter so elegant daher? Das Geheimnis lautet: Spaghetti! Und sehr zu Unrecht wird von den Futuristen dieses wahrhaft geniale Nahrungsmittel verspottet. Außerdem haben wir bereits den Ausweg der Zimmervermietung kennengelernt. Und noch etwas kommt hinzu, was zu schildern in diesem knappen Rahmen nicht möglich ist: der unbedingte Zusammenhalt der Familie und Sippe. Professoren, Richter und ähnliche Berufe beziehen monatlich durchschnittlich 2000 Lire, ein Oberst hat 2500, der Unterstaatssekretär dagegen nur 8448 im Jahr! Der Minister erhält 19 289, der Duce — nichts. Er hat auf alle Bezüge verzichtet. Wie lassen sich nun diese Rätsel lösen? Nun, je höher der Posten, desto größer die Nebeneinkünfte durch Nebenämter, die bei den Offizieren durch eine entsprechende Mitgift ersetzt werden. Die Statistik kann also dem wenig Eingeweihten nicht viel sagen. Fast alle Abgeordneten bekleiden einen Regierungsposten; umgekehrt gibt es aber auch viele Amtsstellen, die nicht besoldet werden. Da muß eben dann Prioatvermögen vorhanden sein und daran herrscht in Italien, auch das eine Folge des Familienzusammenhalts, kein Mangel. Für alle Angestellten segensreich ist die Sitte des 13. Monats, zumal ihr die Arbeitsverfassung noch durch Abfindungssummen eine kräftige Stütze verleiht. Bei einer Kündigung stehen dem Arbeitnehmer nämlich in der Regel außer der Kündigungsfrist noch so viele Monatsbezüge zu, als er Dienstjahre aufzuweisen hat, und für jedes Dienstjahr wieder die Weihnachtsgratifikation oder der „13. Monat". Im günstigen Falle stellt sich also die Abrechung bei beispielsweise zehn Dienstjahren folgendermaßen: 9 Monate Kündigungsfrist + 10 Monatsbezüge + 10 Weihnachtsmonate = 29 Monate. Da kommen Summen heraus, die schon über die kritische Zeit hinweghelfen können. So hat kürzlich der Hauptschriftleiter einer bekannten Zeitung oder, genauer gesagt, der verantwortliche Leiter (direttore responsabile), dank seiner Mitarbeit an einem zweiten Blatte nach einer Dienstzeit von nur wenigen Jahren, eine Abfindungssumme von fast einer halben Million Lire erhalten müssen. Wie denn überhaupt die Journalisten in Italien finanziell in dieser Beziehung sehr gut gestellt sind. Die niederen Einkommensziffern, die Mussolini nannte, müssen also cum grano salis verstanden werden, und die beste Einkommensquelle des kleineren italienischen Angestellten ober Arbei« ters ist seine Mäßigkeit und Bescheidene h e i t. Admiral Ayrd. Der amevikanische Admiral Richard Byrd, der zur Zeit mit einer Expedition in der Antarktis weilt, befindet sich, wie gemeldet, seit einiger Zeit allein in einer Schneehütte, die etwa 200 Kilometer von dem Hauptlager der Expedition entfernt ist. Da er von dort funkentelegraphisch seine Erkrankung mit- geteilt und seine Ablösung gefordert hat, wurde sofort ein Hilfstrupp in Marsch gesetzt. Dieser mußte jedoch wegen starker Schneestürme umkehren, so daß der kranke Forscher für absehbare Zeit auf sich allein angewiesen bleiben wird. Man ist daher um sein Schicksal sehr besorgt. WM a Wie der Bauer stir-i. Nach Erzählungen und geschichtlichen Quellen. Von Joseph Weigert. Der badische Volksschriftsteller Heinrich Hans- j a k 0 b (gestorben 23. Juni 1916) schildert in seinen Volkrerzählungen das Sterben des Bauern vom Hermeshof wie folgt: Auf einer kleinen Anhöhe liegt der Hermeshof und schaut ins stille Tal hinab bis gen Zell zur Wallfahrtskirche. In diese war manchen Sonntag der alte Bur gewandelt, der „Mutter Gottes zulieb", und als er krank und kränker ward, hatte er seine Kinder hinabgesandt in die Kapelle, damit sie beteten um eine glückselige Sterbestunde. Der Kaplan von Zell aber brachte ihm öfters die heilige Wegzehrung; darum fürchtete der Hermesbur das Sterben nicht. Es war ein heißer Sommertag, als der Sensenmann auf dem Hermeshof anklopfte, um den Bur zu seinem Weibe abzuholen. Die Kinder, alle erwachsen, umstanden das Sterbelager des Vaters. Drunten im Tal arbeiteten Knecht und Mägde, um die Weizenernte heimzubringen. Drüben von der Kinzig her zog ein Gewitter dem Tale zu. Schon rollte der Donner in der Ferne. Der alte Hermesbur hörte im Sterben die Stimme des kommenden Wetters und wußte, daß die Ernte drunten lag am Fuß des Hügels. „I kann allei sterbe", Hub der Alte zu feinen Kindern zu reden an, „helft ihr drunte dene Völker (dem Gesinde) Garbe binde und sorgt für euer Brot zur Winterszeit. I brauch keins meh, i wart uf de Winter drunte im Gottesacker." Hinter dem uralten Kasten in der Sterbekammer stand eine alte lange Flinte, im Hause von jeher nur der „Brummler" genannt. Schon der Urahn des Sterbenden hatte mit dem Brummler das Neujahr und die Kirchweih ins Tal hinunter geschossen. Mit ihm wollte auch der sterbende Hermesbur seinen Tod ansagen. „Legt mir den Brummler", so sprach er weiter, „geladen unters Kammerfensterle und bindet ans Schloß eine Schnur. Die gebt mir in die Hand." So geschah es, und alsdann redete der Alte roeiter:' „So, jetzt geht ihr hinab und helft Garben binden, und euer Vater wartet auf den Tod. Wenn der Etwa in der Mitt- dieser Linie steht ..Wa- Ihr hatte eine g«. Heine wollt", romantische-- Lustspiel, märchenhaft und die, van Kapet meister K -r 3^ s&n^t »mfliert alle schwerelos fabulierend mit unendlichen Möglich- Szenen umspielte, begleitete uno miteinander band. Die Inszenierung des Intendanten König unterstützt von den bewährten Mitarbeitern Loss- l e r (Bühnenbild) und Keim (Beleuchtung) betonte mit Geschick den lockeren impromfatoritoen Stil, der sich schon im Titel andeutet und auf die commedia dell* arte hmweisft sie legte besonderen Nachdruck auf die Rüpelszenen die sich hier in aller Unaebundenheit entfalten konnten und von unmittelbarer Wirkung waren: vor allem bas besoffene Kanonsingen, die großangelegte und beinah qraufame Verulkung des Malvolw und das komische Duell der unfreiwilligen und zitternden Kontrahenten Viola und Bleichenwang. — Albert Krämer Was die bereits gestreifte Raumfrage angeht, so hatte man im Äadthausgarten die einfachste und natürlichste Szenerie gefunden, die man sich denken kann, einen von hohen Bäumen eingefaßten Rasenplatz mit gewachsenen Kulissen, Zugängen und Abgängen; eine Bank in die Mitte neben das Blumenbeet gerückt, und das Spielfeld ist fertig, und das Stück kann beginnen. __z_______ , , 1 Möglichkeiten, bunt und zuerst fast verwirrend gemischt in den Elementen seiner Handlung, die dennoch von I einer Meisterhand ineinander verschlungen, vermischt, gesteigert und am Ende beglückend gelöst werden. Die heiter quellende Phantasie Shakespeares ersinnt sich die erstaunlichsten und anmutigsten Gestalten und Situationen: da ist an der Küste Illyriens ein Herzog in eine reiche Gräfin verliebt, die seine Werbung hartnäckig in den Wind schlägt und sich dafür in den Boten verguckt, den ihr der Fürst mit Erklärungen. Beschwörungen und Geschenken ins Haus schickt. Doch ahnen weder die Gräfin noch der Herzog, daß der Liebesbote ein als Junker verkleidetes Mädchen sei, das sich seinerseits in solcher Maske in die Nähe des Herzogs geschlichen hat, dem seine Neigung gehört. Dieses reine Lustspielmotiv wird dadurch überhöht und gesteigert, daß die also für einen Mann gehaltene, Caesario genannte, liebende und geliebte Viola ihrem Bruder Sebastian zum Verwechseln ähnlich sieht, und daß beide Geschwister einander für tot halten, bei einem Schiffbruch ums Leben gekommen. Das zarte Liebesspiel übers Kreuz erhält seine derbe Begleitmelodie und kontrastierende Spiegelung im ausgelassenen Rüpelspiel des Narren und der närrischen Junker und wird zuletzt doch aufs glücklichste entwirrt und geschlichtet, indem sowohl die Geschwister als auch die richtigen Paare einander in die Arme fliegen. Gießener Stadttheater. Freilicht-Auffiihruna: „Was Ihr wollt" von Shakespeare. Mit dieser hochsommerlichen Aufführung im Garten des Stadthauses an der Bergstraße kam die Theaterleitung Bestrebungen unseres kulturellen Lebens entgegen, die in der jüngsten Zeit eine zuvor nicht geahnte Ausbreitung und Bedeutung gewonnen haben. Mit der Rückkehr zum Theater unter freiem Himmel, die, entwicklungsgeschichtlich betrachtet, zugleich eine Hinwendung zu den Anfängen des Theaterspieles und Dramas in unserem Kulturkreise überhaupt bedeutet, will man bewußt nicht nur die ursprüngliche Form sondern auch den Geist und die volkhasten Grundlagen der dramatischen Kunst neu beleben. Bestrebungen dieser Art mußten über kurz oder lang auf die Probleme stoßen, die das Freilichtspiel von jeher begleitet haben, Probleme vor allem räumlicher und stofflicher Art. Während jene verhältnismäßig leicht und zweckdienlich gelöst werden konnten und können, bereiteten diese ernstere Sor- aen schon deswegen, weil das große Repertoire unseres klastischen und modernen Schauspiels verhältnismäßig arm ist an Stücken, die sich ihrem Stil und ihrem inneren Wesen nach zwanglos (darauf kommt es doch wohl an) für eine Aufführung im Freien eignen oder sogar anbieten. Man hat deshalb in jüngster Zeit folgerichtig die entscheidende Lösung dieses Generalproblems in der Schaffung eigener, neuer, ausdrücklich für das Freilicht-Theater geschriebener Stücke gefunden oder doch in Angriff genommen. In dem kleinen Vorrat von Haus aus geeigneter Werke der vorhandenen dramatischen Literatur haben die shakespeareschen Lustspiele, allen voran der „Sommernachtstraum", seit jeher eine bevorzugte Stellung eingenommen. Die Reihe der Stücke, die bei Shakespeare unter der Bezeichnung „comedy“ zusammengefaßt werden, umgreift von der „Komödie der Irrungen" bis zum „Kaufmann von Venedig" in bezaubernder Spannweite, dichterischer Fülle und Vielfalt alle Stufengrade und Schattierungen einer heiteren Schauspielkunst — vom schwankhaften Scherzo der Verwechslungen bis zur fast tragisch beschatteten, ernsten Komödie im höchsten und reinsten Sinne. Als Herzog Orsino traf Herr Sieten mit Geschmack den rechten Stil für einen milden und verliebten Märchenfürsten im Lande Illyrien. Fräulein Flemming war als Olivia elegant und anmutig zugleich, mit Laune hingegeben an den Wechsel der Stimmungen und Gefühle, welche diese Gestalt bewegen. Als Viola führte sich in Fräulein Lorie Pflug eine neue Darstellerin recht vorteilhaft ein: schlankes Figürchen, dem man die Verwandlung und Verwechslung glauben mochte; sie fand sich in der nicht ganz einfachen Rolle schnell zurecht und behielt bis zuletzt die vielfach verschlungenen Fäden in der Hand. * Herr Kühne holte sich als steif und geckenhaft, „mit gekreuzten Kniegürteln" wild verliebt daherstolzierender, halb eitler, halb grilliger Malvolio einen Sonderapplaus. — Von stürmischer Ausgelassenheit war das närrische Terzett: insbesondere Herr Hub als Tobias wirtschaftete mit tollem Redefluß und drastischen Gebärden aus dem Vollen und bereicherte den seligen Shakespeare mit ungeahnten Improvisationen; Herr Michel machte sehr hübsch den Narren mit Witz, Beweglichkeit und allerlei Gesang; Herr Lüpke als Bleichenwang war ein Ritter nicht ohne Furcht, aber von betörender Einfalt des Gemütes. Fräulein W i e l a n d e r war das muntere und zu vielen Scherzen aufgelegte Kammerzöfchen Maria. Auch alle übrigen machten sich mit Lust und Liebe um die Aufführung verdient. — Das Publikum kam bald in Stimmung und spendete angeregt und erheitert Beifall. hth. Zeitschriften. — „D a s Innere Reich." Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgeber: Paul A l v e r d e s und K. B. von Mechow. Preis pro Heft 1,80 Mark. Verlag Albert Sangern Georg Müller, München. — Im Juliheft lesen wir u. a. Proben aus den Gedichten von Ernst Bertram. Selten ist nordisches Wesen im dunklen Wort so Klang geworden wie in diesen Versen. Georg Brittings Erzählung „Das Fliederbäumchen" hat wieder die intensive Nähe zu Mensch und Landschaft, die alle seine Arbeiten auszeichnet. Den bedeutendsten Beitrag dieses Heftes darf man wohl in Wilhelm Schäfers „Christophorus-Rede" sehen, die — kommend aus dem Herzen eines aufrechten deutschen Menschen und geformt mit der Sprachkraft eines echten Dichters — uns alle angeht. Schäfer spricht darin von der Erschütterung des religiösen Lebens, die zu neuer Gläubigkeit führen muß. Außer diesem herrlichen Bekenntnis zu deutscher Gläubigkeit und deutscher Aufgabe bringt das Heft noch die Fortsetzung von Emil Straußens großem Roman „Das Riesenspielzeug", den Schluß von Curt Langenbecks Tragödie „Alexander" und das Weihespiel „Das kaiserliche Liebesgespräch" von Konrad Weiß, das zu Ostern dieses Jahres durch den Reichssender München uraufgeführt wurde. — Das „I n f e l f ch i f f", Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages, eröffnet fein neues Heft (Sommer 1934) mit einer ausgreifenden Würdigung der Dichterin Ricarda Huch von Reinhard Buchwald zu ihxem 70. Geburtstage. Nach dem Empfang des kürzlich an dieser Stelle empfohlenen kleinen Schmetterlingsbuches sandte Hermann Hesse dem Insel-Verlag als Gruß und Dank ein schönes Gedicht „Schmetterlinge im August", das im vorliegenden Heft zu lesen ist. Zwei Proben aus dem Werk eines jungen deutschböhmischen Dichters, Josef Mühlbergers aus Trautenau: eine Szene aus einem preisgekrönten Wallenstein-Drama, die zu naheliegenden, interessanten Vergleichen anregt, und ein Prosastück „Erlebnis im Krieg"; auf seine im Insel- Verlag soeben erschienene Erzählung „Die Knaben und der Fluß" werden wir noch zurückkommen. Ein neues farbiges Insel-Bändchen, „Das kleine Buch der Vögel und Nester", wird mit einer Bildprobe und einem Auszug aus dem Geleitwort von Heinz Graupner anqefünbigt. Vom ferneren Inhalt seien genannt die Beiträge zum Gedächtnis von Rudolf Koch, „Möglichkeiten deutscher Klassik" von Ernst Bertram und eine reizende kleine Plauderei von Otto Nebelthau über das aktuelle, auch für weibliche Leser beachtliche Thema „Vom Garten im Sommer und von der Aalsuppe". — Aus den Mitteilungen des Verlages dürfte die Feststellung interessieren, daß das allererste Insel-Bändchen, Rilkes „Weise von Liebe und Tod", nunmehr eine halbe Million Auslage erreicht hat. — Die „Deutsche Ze.itschrist" (Verlag Georg D. W. Callwey, München) hat ihr Juli-Heft dem Generalthema „Das (9efid)t Frankreichs" gewidmet und eine Reihe französischer Schriftsteller eingeladen, sich über einige der brennendsten Probleme der europäischen Gegenwart zu äußern; sehr aufschlußreich und zum Nachdenken anregend, was hier von jenseits der Westgrenze u. a. über die französische Außenpolitik, über die Zerrbilder und Vorurteile, die drüben im Hinblick auf Deutschland verbreitet sind, und über den Gesinnungswandel in der französischen Jugend gesagt wird. Aus dem onftigen Inhalt des Heftes sind die Gedenkartikel für Ricarda Huch, Professor Rudolf Kocb. den Offenbacher Schriftkünstler, und Richard Strauß hervorzuheben, ferner die Film- und Buchberichte. Aus dem Bilderteil: Reproduktionen nach Arbeiten des süddeutschen Malers Max Unold, der im Text von Ulrich Christoffel charakterisiert wird. kommt, zieh i an der Schnur am Brummler. Wenn ihr den im Tal drunten hört, dann kniet nieder und betet ein Vaterunser und »Herr, gib ihm die ewige Ruh', denn euer Vater ist tot. Und jetzt behüt euch Gott! Bleibt brav, wie euer Vater und Mutter es gewesen sind." Nun gab er jedem seiner Kinder die Hand zum Abschied und mahnte sie zur Eile mit den Worten: „Aber jetzt geht schnell, es donnert schon wieder." Der Alte hatte allzeit seinen Willen, fest wie Eisen. Sein letzter Wille aber war heute wie Diamant. Die Kinder, immer gewohnt, ihm zu folgen, gehorchten auch hier. Weinend gingen sie den y)üge( hinunter, und unter Tranen banden sie ihre Garben. Tränenden Auges schauten sie von Zeit zu Zeit von der Arbeit hinauf zum Hermeshof, ob sie nicht vor dem Donnern des Himmels den Brummler überhört hätten. — Eben war die letzte Garbe gebunden und geladen, da fuhren Blitz und Schlag übers Tal hin. Eine plötzliche Stille folgte dem Zucken und Rollen vom Himmel her — da fällt ein Schuß vom Hofe herab, der Brummler gibt das Todessignal des Vaters. Neben dem Erntewagen knien die Kinder und beten ein Vaterunser und „Herr, gib ihm die ewige Ruhe". Dann führen sie ihre Garben den Berg hinauf ins Vaterhaus. Der Vater ist tot, da sie seine Stube betreten. Die Ernte ist daheim, und der Vater auch. ♦ Aus allem geht hervor: feige im Sterben ist der Bauer nicht. Wenn die Arbeit von ihm geht, sindet er sich mit dem Tode ab. Mancher Bauer schaut dem Tode so fest ins Auge wie Andreas Hofer, der wenige Stunden vor seinem Tode folgenden Brief an die ©einigen schrieb: „In der Welt lebet alle wohl, biß daß wir im Himmel zamkomen und dortten Gott loben an (ohne) ent; alle Passairer und Bekhante sollen mir eingedenkht sein in heilligem Gebeth, und die Wirtin (gemeint ist seine Frau, die Sandwirtin) solle sich nicht so bekhimmern. Ich werde biden bei Gott für sie alle. Ade meine schnede Oie Weltwirtschaft an der Krisenwende. Die Berichte über die weltwirtschaftliche Entwicklung stimmen in der Feststellung überein, daß die industrielle Weltproduktion seit dem Mai dieses Jahres kaum mehr wesentliche Veränderungen erfahren hat. Das beweist, datz nach dem großen Krisenabschwung nun endlich ein Stillstand und eine Befestigung eingetre- ten ist, die an sich schon eine neue.Situation darstellt. Allerdings muß man zwischen der Entwicklung der mengenmäßigen Konjunktur und der der Warenpreise einen Unterschied machen. Es scheint nämlich, als ob das Absinken des Preisniveaus noch keineswegs ganz zum Stillstand gekommen ist. Dieser Unterschied zwischen Mengen- und Preiskonjunktur ist auch für die deutsche Entwicklung bedeutungsvoll. Deutschland hat gegenüber dem Tiefstand im Jahre 1932 seine industrielle Produktion um etwa 40 v. H. gesteigert. Die Preise dagegen sind teils nur ganz wenig, teils überhaupt nicht gestiegen. Die Weltpreise sind, wie erwähnt, noch immer im Sinken, wenn sich auch das Tempo des Preisabsturzes wesentlich verlangsamt hat. Eine auf sehr umfangreiches Material gestützte Untersuchung der Wirtschaftsabteilung des Völkerbundes stellt fest, daß her Welthandel mengenmäßig eine kleine Zunahme erfahren habe. Diese beschränkt sich aber auf die überseeischen Rohstoffländer. In Europa hat der zwischenstaatliche Warenaustausch noch keine Zunahme erreicht. Er hält sich im günstigsten Falle auf dem gleichen Niveau. Wertmäßig aber ist sowohl der Welthandel, wie der europäische Handel noch immer in rückläufiger Entwicklung. Daraus muß gefolgert werden, daß ein weiterer Abfall der Welt-! m a r k t p r e i s e stattgefunden hat. Die Dinge liegen also jetzt so, daß bei noch immer langsam sinkenden Preisen eine Mengenkonjunktur in den Agrar- und Rohstoffländern deutlich nachweisbar ist. Mit einiger Wahrscheinlichkeit darf angenommen werden, daß die steigende Mengenproduktion nach und nach auch auf die industrielle Erzeugung übergreifen wird. Ein Stagnieren der Preise wäre dann sogar als ein günstiges Zeichen anzusehen, denn dann wäre ein schnelles Bremsen der Mengenkonjunktur durch Preissteigerungen nicht zu ' befürchten. Dagegen droht der industriellen Weltproduktion eine andere Gefahr, nämlich die, daß die schweren Störungen des internationalen Güteraustausches eine Ueberwindung der Krise verhindern oder stark verzögern. In diesem Falle wäre zu befürchten, daß die Weltwirtschaft' noch längere Zeit an der Krisen wende verharren muß, ohne daß sie den entscheidenden Schritt zum Wiederaufstieg zu tun vermag, den Deutschland in seiner Binnenwirtschaft dank der erfolgreichen Arbeitsbeschaffungspolitik der Reichsregierung bereits hinter sich hat. Welt, so leicht khombt mir das sterben for, das mir nit die Augen naß werden. Geschrieben um 5 urr in der frue und um 9 urr reiß ich mit der Hilfe aller heilig zu Gott. Mandua, den 20. Februar 1810." Geduldig erträgt der Bauer die letzten Schmerzen, weiß er doch des Sterbens ernste und tröstliche Bedeutung. Ein Bauer in Schlesien lag auf dem Sterbebette und ließ alle seine Kinder zu sich kommen, um ihnen noch seine Mahnungen und den letzten väterlichen Segen zu geben. Nur mit großer Anstrengung all seiner Kräfte brachte er das noch zustande. Da konnte sich eine feiner Töchter nicht enthalten zu sagen: „Vater, wie Ihr doch schwitzet und schnaufet." — Er aber antwortete kurz und bedeutungsvoll: „O, mein Kind, man hat immer geschwitzt und geschnauft, wenn es bergauf gegangen ist." Bald darauf verschied er. Nimmt der Bauer selber das Sterben nicht allzuschwer, so erfährt er auch oft nicht allzuviel Mitgefühl in seinen Leiden. Ein Ehemann liegt krank. Nach Aussage des Arztes, der eben dagewesen, wird er bald sterben müssen. Die Frau bricht in Klagen aus. Dann faßt sie sich und sagt zum Todkranken: „Un nu gah und treck (zieh) bin best Tüg (Kleidung) an und lat di ok noch fixing halbieren, denn hew ik nahsten nich so veel Umftänn mit di." („Das Land", XVI. 1907/08 — 141). Äst der Bauer aeftorben, so läßt man die Uhr im Sterbezimmer stehen, bis der Tote aus dem Hause ist; seine Lebensuhr ist abgelaufen. Seinen Tod sagt man den Bienen, dem Vieh im Stalle, den Bäumen an. Bei männlichen 23er[torbenen läutet man in der nördlichen Oberpfalz (W. Bauernfeind: „Aus dem Volksleben" 1910) zwei „Gefätze", d. h. es wird während des Läutens kurz abgesetzt, bei weiblichen Verstorbenen macht man gewohnheitsmäßig zwei solcher Pausen, wodurch das Läuten in dxei „Gesäße" geteilt wird. Der Volkswitz weiß auch diesen Unterschied zu erklären: „Die Weibsleute haben immer noch ein letztes Wort" oder „sie haben immer etwas extra." * Ei n Jndustrief ührer 65 Jahre alt. Gestern beging Carl Miele, der Gründer und Mitinhaber der Miele-We.rke-AG. in Gütersloh (Westfalen), seinen 65. Geburtstag. Aus kleinen Anfängen hat er das im Jahre 1899 mit seinem Teilhaber Reinhard Zinkann (Darmstadt) — mit dem er gemeinsam auch heute noch die Leitung des Unternehmens in Händen hat — gegründete Unternehmen zu seiner heutigen Bedeutung entwickelt. Die Mielewerke gehören zu den bedeutendsten.Industrieunternehmen Nordwestsalens. Carl Miele ist ebenso wie sein Teilhaber ein Kind der Roten Erde. Frankfurter Börse. Mtlagsbörse sehr ruhig. Frankfurt a. M., 25. Juli. An der heutigen Börse fehlten Publikumsaufträge fast vollkommen, so daß das Geschäft allgemein schleppend war. Daher I blieben einige günstige Nachrichten aus der Wirtschaft ohne nennenswerte Wirkung auf die Kursgestaltung. Diese war vielmehr infolge einiger Glattstellungen sowohl der Banken, als auch der Kulisse zum Ultimo hin etwas schwächer. Die Rückgänge, erreichten aber kein größeres Ausmaß, da anderseits noch einiges Interesse für Spezialwerte der Gesamtbörse eine gewisse Widerstandskraft verlieh. Die in den letzten Tagen stärker forcierten Montanpapiere lagen größtenteils niedriger und vor allem sehr ruhig. Phönix verloren 1 v. H., Buderus, Harpener, Mannesmann, Mansfeld und Stahlverein bis 0,65 v. H. Klöcknerwerke und Rheinstahl konnten dagegen bis zu 0,75 v. H. anziehen. Am Elektromarkt lagen Siemens 1,65 v. H. fester, auch Licht & Kraft zogen weiter an (plus 0,50 v. H.), dagegen gingen Schuckert um 1,50 v. H., Bekula um 1 v. H. und Gesfürel um 0,50 v. H. zurück. Farbenindustrie hielten sich bei kleinem Umsatz mit 149,90 v. H. gut behauptet, Rütgerswerke- konnten sich auf den günsti- en Geschäftsgang hin um 0,40 v. H. erhöhen, Schift- ahrts- und Tranportwerte lagen bei minimalen Abweichungen uneinheitlich. Schwach waren Conti Gummi, die etwa 2 v. H. einbüßten. Sonst eröffneten u. a. Reichsbankanteile und Zellstoff Waldhof je 0,75 v. H. niedriger. Auch am Rentenmarkt herrschte weitgehendste Geschäftsstille, die Kurse eröffneten jedoch behauptet. Altbesitz 94,75, späte Reichsschuldbuchforderungen 92,40, b v. H. Stahlverein-Bonds 77,75. Im Freiverkehr gingen Gulden-Russen und 1902er Russen um je 15 Pfg. auf 1,40 v. H. zurück. Im Verlaufe stagnierte das Geschäft nahezu vollkommen und die Kurse bröckelten überwiegend weiter leicht ab. So gaben u. a. Klöcknerwerke 0,75 v. H. Phönix 0,40 v. H., Gesfürel 0,50 v. H. Mannesmann 0,50 v. H., Daimler 0,65 v. H., Junghans 1 v. H. und AKu. 0,75 v. H. nach. Farbenindustrie konnten sich mit 149,75 v. H. behaupten. Am Rentenmarkt traten später keine Veränderungen von Bedeutung ein. Auch Pfandbriefe wiesen bei sehr kleinen Umsätzen keine größeren Abweichungen auf, meist lagen die Kurse behauptet. Stadtanleihen zogen vereinzelt um 0,25 bis 0,50 vH. an. Staatsrenten und fremde Werte lagen ruhig. Tagesgeld blieb zu 3,25 v. H. unterändert. Bei einer heute vorgenommenen freihändigen öffentlichen Versteigerung erzielten 7800 RM. neue Frankfurter Handelsbank-Aktien (Jnterimsfcheine) 25 v. H. Abendbörse: geschaflslos. Die Abendbörse hatte auf allen Marktgebieten nur minimale Umsatztätigkeit zu verzeichnen, da Aufträge der Kundschaft fehlten. Bei freundlicher Grundstimmung wiesen die Kurse gegen den Berliner Schluß nur unbedeutende Veränderungen auf. Hier und da erfolgten noch Realisationen, so in einigen Montanwerten. Die Mitteilung von einem Gewinn-Abschluß beim Stahlverein blieb infolge der Geschäftsstille selbst für Stahlverein ohne Wirkung. Am Rentenmarkt lagen die Kurse bei ebenfalls geringem Geschäft aehalten. Von fremden Werten waren Schweiz. Baynanleihen weiter fest. 4prozen- tige Schweiz. Bundesbahn von 1912 zogen um 2,50 v. H. auf 187,50, 3Vrprozentige um 2,25 auf 176 v. H. an. 3prozentige Schweiz. Eifenbahnrente kamen mangels Angebots nicht zur Notiz, die Taxe erhöhte sich auf 147 nach gestern amtlich 141 v. H. U. a. notierten: Altbesitzanleihe 94,90, 6 v. H. Stahlverein 77,25, DD.-Bank 63, Gelsenkirchen 62,50, Harpener 107,25, Klöckner 77,65, Mannesmann 68,40, Phönix 49 bis 49,25, Stahlverein 42, AKU. 60,65, AEG. 25,50, Bekula 145,25, Bemberg 66,25, Conti Gummi 135, Scheideanstalt 207,50 Licht und Kraft 115, IG. Farben 149,75, Gesfürel 11,25, Goldschmidt 79,25, Holzmann 66,50, Schuckert 91, Westdeutsche Kaufhof 22,40, Thür. Elektr. Lieferung 93. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 25. Juli. Am Getreidegroßmarkt waren die Umsätze allgemein klein. Alter Weizen war etwas knapper angeboten, während neuer Roggen und Futtergerste in größeren Mengen zur Anlieferung kamen. Am Hafermarkt war das Angebot nicht mehr so drängend und der Preis für alten Hafer blieb ziemlich behauptet. Das Mehl- gefchäft liegt weiter ruhig, 60prozentiges Roggenmehl ist weiter gesucht, wogegen neues Roggenmehl bisher kaum gefragt ist. Am Futtermittelmarkt lag Weizenkleie etwas ruhiger, für ölhaltige hielt die Nachfrage bei fnap^km Angebot an. Daneben waren Kartoffelflocken gesucht. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 kg in RM.): Weizen 207 bis 209, Roggen R 9 157, R 13 161, R 15 165, Futtergerste G 9 159, G 11 162, G 12 164, Hafer alter Ernte 180 bis 185, Weizenmehl Festpreisgebiet W X 28,90 plus 0,50 RM. Frachtausgleich, Weizenmehl Festpreisgebiet W VII 28,65 plus 0,50, Roggenmehl Type 997 Festpreisgebiet R 9 23,00 plus 0,50, R 13 23,35 plus 0,50, R 15 23,75 plus 0,50, Weizenmehl IVB 17 bis 17,25, Weizennachmehl 16,50 bis 16,75, Weizenfuttermehl 12,75, Weizenkleie fein 11,40, grob 11,75, Roggenfuttermehl 11,75, Roggenkleie 12,50, Soya- schrot 15,80, Palmkuchen 15,70, Erdnußkuchen 17,20, alle drei Notierungen sind Fabrikpreise ab südd. Fabrikstation, Treber 17,00 bis 17,25, Heu 11,00, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt ober gebündelt 2,80 bis 2,90. Tendenz: stetig. Gchweinemarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Schweinemarkt in Gießen standen 138 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten: Ferkel bis sechs Wochen alt 10 bis 13 Mark, sechs bis acht Wochen alte 13 bis 17 Mark, acht bis dreizehn Wochen alte 17 bis 22 Mark. Tendenz: gut, geringer Ueberftanb. Schweinemarkt in Griinberg. + Grünberg, 25. Juli. Aufgetrieben waren 389 Ferkel. Folgende Preise wurden erzielt: Ferkel bis sechs Wochen alt 8 bis 10 Mark, sechs bis acht Wochen alt 10 bis 14 Mark, acht bis dreizehn Wochen alt 14 bis 19 Mark. Marktverkauf lebhaft; geringer Ueberftanb. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 26. Juli. Vorbericht. Um 10 Uhr war folgenbe Marktlage: Vorauftrieb: 52 Rinber, 1008 Kälber, 62 Schafe, 643 Schweine. Es kosteten: Kälber 18 bis 44 Mark, Härnrnel 22 bis 33, Schafe 20 bis 28, Schweine 42 bis 50 Mark. — Marktverlauf: Kälber, Härnrnel und Schafe schleppend, Schweine mittelmäßig. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels. Der Reichswirtschaftsmini st er hat folgende Verordnung vom 23. 7. 34 erlassen: 1. Ausnahmen von dem im Artikel 1 § 2 Abs. 1 des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels enthaltenen Verbot der Errichtung von Verkaufsstellen sollen nur zugelassen werden, wenn für den Unternehmer oder die für die Leitung des Unternehmens in Aussicht genommene Person die für den Betrieb der Verkaufsstelle erforderliche Sachkunde n-chge- wiesen wird und keine Tatsachen vorliegen, aus denen sich der Mangel der erforderlichen persönlichen Zuverlässigkeit ergibt. 2. Die Zulassung einer Ausnahme von dem im Art. 1 § 2 Abs. 1 des Gesetzes enthaltenen Verbot kann auch bei Vorliegen der in Ziffer 1 geforderten Voraussetzungen versagt werden, wenn die Errichtung der beabsichtigten Verkaufsstelle in der in Aussicht genommenen Gegend zu einer außergewöhnlichen Ueberbefetzung innerhalb des gleiches Handelszweiges führen würde. 3. Für die Errichtung eines Warenhauses, Kleinpreisgeschäftes, Serienpreisgeschäftes ober eines anberen burch bie besondere Art der Preisstellung gekennzeichneten Geschäftes ober einer Verkaufsstelle eines mehrere Verkaufsstellen betreibenben Unternehmens barf eine Ausnahme von bem im Art. 1 § 2 Abf. 1c des Gesetzes enthaltenen Verbot nur bann zugelassen werben, wenn außer den in Ziffer 1 geforderten Voraussetzungen ein Bedürfnis für die Errichtung einer solchen Verkaufsstelle nachgewiesen wird. 4. Aus die Zulassung von Ausnahmen von bem im Artikel 1 § 2 Abs. 2 bes Gesetzes enthaltenen Verbot solcher Verlegungen, bei benen die Verkaufsstelle in den bisherigen Räumen von dem Inhaber nicht mindestens ein Jahr lang betrieben worden ist oder die neuen Verkaufsräume mehr als ein Zehntel größer als die bisherigen sind, finden nur die Bestimmungen der Ziffern 2 und 3 Anwendung. 5. a) Auf die Zulassung von Ausnahmen von dem im Artikel 1 § 3 9tr. 1 des Gesetzes enthaltenen Verbot finden die Bestimmungen der Ziffern 1 bis 3 keine Anwendung, sofern die räumliche Erweiterung nicht mehr als ein Viertel des beifh Inkrafttreten des Gesetzes vorhandenen Verkaufsraumes beträgt und der neue Verkaufsraum im unmittelbaren Zusammenhang mit den bisherigen Verkaufsräumen steht. Erstreckt sich bie räumliche Erweiterung auf mehr als ein Viertel dieses Verkaufsraumes ober steht ber neue Verkaufsraum nicht mit ben bisherigen Verkaufsräumen in unmittelbaren Zusammenhang, so finben nur bie Ziffern 2 unb 3 Anwenbung; b) Ausnahmen, von bem im § 3 unter ben Nummern 2, 3 unb 4 enthaltenen Verbot sollen für bie Errichtung einer Verkaufsstelle in einer Gemeinbe mit weniger als 30 000 Einwohnern nur bann zugelassen werben, wenn sich aus ber Lage ber Verkaufsstelle, ber Art, Lage unb (Entfernung ber vorhanbenen Verkaufsstellen, ber sozialen Schichtung unb Dichtigkeit der Bevölkerung ein Bedürfnis für die beabsichtigte Aenderung ergibt; c) Handelt es sich in den Fallen des § 3 Nr. 4 pm eine Aenderung in der Bezeichnung, die durch die Mitgliedschaft bei einer excl. dem gewerblichen Mittelstand dienenden Einkaufs- oder Warenbezugsgenoffenschaft begründet wirb, dann ist die Ausnahme in der Regel zuzu- lassen; d) Von dem Verbot des § 3 Nr. 5 soll nur dann eine Ausnahme zugelassen werden, wenn durch bie befonbere Lage ber Verkaufsstelle ein Bebürfnis für ben Verkauf von Lebensrnitteln, nachgewiesen wirb. 6. Solange auf Grund bes Gesetzes über bie Errichtung von Zwangskartellen vom 15. 7. 33 für bie Errichtung unb Erweiterung von Tankstellen befonbere Anordnungen bestehen, finden die Vorschriften zum Schutze des Einzelhandels auf Tankstellen keine Anwendung. 7. Vor der Entscheidung über die Zulassung einer Ausnahme hat die gemäß § 5 des Gesetzes zur Entscheidung in erster Instanz von der obersten Landesbehörde bestimmte Verwaltungsbehörde die Stellungnahme der zuständigen gesetzlichen Berufs- oertretung einzuholen. 8. Die Bestimmungen der Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels vom 28. November 1933 werden hiermit aufgehoben. Wirtschaft Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt bejch lofjenen Dividende an. — Reichsbankdiskvnt 4 o. H, Frantiur u Dl Berlin tVranffun a. M Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß« hirt Echlußkl Abend« dürfe | Schluß« fort Schluß! Mittag« Ä Gchluß- furd Schlußi. Abend- börsc Schluß hire Schlußk. Mittag« dürfe Schluß- furd Schlußk. Bbend- börse Schlußkurs Schlußk. Mi nag- . dürfe Datum 24-Z | 25.7 24.7 1 25-7. Datum 24.7 25-Z 24.7. 25-7. Datum 24-7. 25.7 24-7 25-7 •% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 «% et)em.7% Dt. ReichSant. v. 1929 6%% Doung-Anleihe von 1930 Deutsche Anl..Ablöi.-SchuId mit «u-lo,.-Rechten Desgl. ohne Auslol.-Rechte 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 srückzahlb. 102%) ®% Hess. Landesbank Darmstadt Bold R. 12 6Vi% Hess. LandeS-Hypotheken« bank Darmstadt Liqui vberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten Deutsche Komm. Eammelabl. An. leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% efjem. 8% Franks. Hyp.-Vank ®olbpfe. 15 unkündbar bis 1935 • % ebem. 7% Franks Hyp.-Bank Goldpse. IS unkündbar bis 1938 Wi% ehem.