Nr. 146 Erstes Blatt 184. Jahrgang Dienstag, 26. Juni 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monat» Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Di)ne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitats-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 81 /,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen oonTOmm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25"/^ mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins«, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.,Familienanzei- gen, Bäder«, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Zerstörung undWieder- herstellung des Kredits. Von Dr. Carl Wellthor. Transferverhandlungen in London. Der englische Gchahkanzler spricht im Llnterhaus. Die britische Note vom 21. Juni atmet eine S e l b st g e r e ch t i g k e i t, als habe Großbritannien seinen eigenen Gläubigern gegenüber stets nach Inhalt und Form untadelig gehandelt, icibei waren genau sechs Tage vergangenen, seit Großbritannien die 91,4 Millionen Dollars schuldig blieb, die es im Geddes-Mellon-Vertrag vom 19. Juni 1923 zu Hahlen feierlich zugesagt hatte, per will man in London behaupten, Deutschland f'lle in der zweiten Hälfte 1934 die Zahlung von 15 Millionen Mark in Gold und Devi« se n leichter, als dem englischen Staat am 15, Juni 1934 die Zahlung von etwa 9 0 Millionen Papierdollars? Die Regierung Macdonald verleugnet den Grund der Gleichberech- t! g u n g, wenn sie bei Deutschland ernste Bell nken für die Fortsetzung der Schuldenüberwei- slngen nicht gelten läßt, aber sich nicht einmal P-ühe gibt, seine eigene Zahlungsunwilligkeit zu lk gründen. In diesen Tagen wird der Versuch unternommen «erden, eine Entwicklung aufzuhalten, die mit einem Varenclearing Großbritanniens gegen Deutschland unfehlbar ihren Lauf nehmen llürde. Aber abgesehen davon, wie die Verhand- lrngen ausgehen werden, daß die britische Regie« rung behauptet, Deutschland habe durch die Der« hi ngung des sechsmonatlichen Transfermoratoriums sich selbst seinen Kredit z e r st ö'r t, ist so u n- a? heuerlich, baß wir uns dagegen mit allen Kitteln zur Wehr setzen müssen. Wenn es sich hierbei nur um ein im Unmut gesprochenes Wort eines Staatsmannes handelt, könnte man darüber mit ehern kurzen Protest zur Tagesordnung übergehen. In aber die britische Note eingangs ausdrücklich h rvorhebt, „Seiner Majestät Regierung habe die diutsche Note vom 15. Juni sorgfältig gelesen", ist e!i falscher Zungenschlag nicht anzunehmen. Es kann gar nicht eindringlich genug darauf hin- gcwiesen werden, daß der Entschluß der Reichs- rezierung und der Reichsbank vom 15. Juni das letzte Glied einer langen Kette ist, die sich bis in M allererste Nachkriegszeit zurück verfolgen läßt. ll»er beginnen wir mit dem Jahre 1924, als Deutschland die Wiederherstellung seiner Währung durchlebte und mit seinen früheren Gegnern das erste R parationsabkommen schloß. Lag es etwa auf der Londoner Konferenz vom Juli/August 1924 in Belieben der Reichsregierung, die zur Mobili« fitrung von Reparationskapital vorgeschlagene 2 wes-Anleihe deswegen abzulehnen, weil die A Wicklung dieser Verpflichtung zweifelhaft erschien? 9 r die Schuld an Amerika, die England sich ein Ihr zuvor zu verzinsen und zu tilgen verpflichtet hckte, waren dem Schuldnerlande die entsprechenden W.»rte zuaeflossen, während die Dawes« und später olich die Poung-Anleihe — wie überhaupt die gestillten Reparationsverpflichtungen — gegen» wertlose Tribute gewesen sind! Seit Beendigung des Weltkrieges hat man sich ib>r den Grad der deutschen Zahlungs- und Ueber- w Isungsfähigkeit, sowie über die Höhe des deutschen L-dits Illusionen gemacht. Hiervon bilden euch die meisten britischen Staatsmänner keine Aus- rarjme. Sie haben sich zusammen mit ihren fran- zilischen Kollegen an Zahlenorgien berauscht, denen nüchterne Rechner nie hätten erliefen dürfen. Sie haben das erste Mal in der zu- iM wenden deutschen Inflation ihre Felle davon- flhivimmen sehen. Aber sie haben aus den Erfah- lungen nicht gelernt! Als Deutschland zu stabilen D^hrungsverhältnissen zurückaefunden hatte, haben sie es mit angesehen und sogar unterstützt, daß Leutschland Jahre lang mit geliehenem Geld feilt Zahlungsprogramm abwickelte und die fälliger Devisen transferierte. Sie haben mitgewirkt, vertrauensvolle Sparer sich in Werten engagierten, die aus dem Bruch eines feierlichen Tum. ^nen 0 Regiert Urtej 'Bel Mr 7'.en, ö( «Uch H^' Lön ■Wiener luch B Dem s ‘ÜJdfe Haren । Weit Hauens er Bundes jedoch als Einheit oder gar orte „Kampfgemeinschaft- erscheint nach dem Dolch- stich von Quehin, der alle Deutschen traf, nicht mehr tragbar. Einstweiliges Verbot des RGOKB. im Kösliner und Stettiner Bezirk. Köslin, 25. Juni. (DNB.) Die Staatspolizei- stelle Köslin teilt mit: In der letzten Zeit ist festgestellt worden, daß zwischen dem NSDFB. und der SA. sich scharfe Gegensätze herausgebildet haben. Die Ursachen sind begründet in einem übelwollenden Verhalten der Mitglieder des NSDFB. gegenüber der SA. Da es die Führer der ersteren an dem erforderlichen disziplinarischen Durchgreifen haben fehlen lassen, ist es zu sehr ernsten Zusam- men stoßen gekommen. Um Weiterungen durch das nicht zu billigende Verhalten des NSDFB. vor- zubeugen, ist von den Staatspolizeistellen in Köslin und Stettin ein einweiliges Verbot des NSDFB. für deren Bereich am 25.Juni 1934 erlassen worden. Das Verbot erstreckt sich auf jede politische Betätigung, das Auftreten in Versammlungen und Aufmärschen, sowie das Tragen der Uniform und Abzeichen. Der Ausbau des neuen deutschen Rechts. Oer Heichsjustizkommiffar spricht vor nationalsozialistischen Juristen. Dessau, 25. Juni. (DNB.) Auf einer großen Abendkundgebung im Tiergarten sprach am Sonntag auf der Gautagung des Nationalsozialistischen Juristenbundes zu den versammelten tausend Juristen der Reichsstatthalter in Braunschweig und Anhalt Loeper der u. a. ausführte, eine Krise der Justiz habe es niemals gegeben, denn, was man in der Vergangenheit eine Krise der Justiz genannt habe, sei eine Krise des Staates gewesen. „War nicht die Machtergreifung Adolf Hitlers eine E r- l ö s u n g? Haben wir nicht den Juristen ihre eigentliche Aufgabe wiedergegeben und sie hineingestellt in den Blutkreis des Volkes; haben wir nicht auch den deutschen Juristen die Möglichkeit gegeben, auf Grund vernünftiger Gesetze wahres Recht zu sprechen? Welch' ein Wahnsinn der Vergangenheit war es, daß jüdische Richter über Deutsche richten konnten." Der Reichsstatthalter schloß mit einem begeisterten Sieg-Heil auf unser deutsches Volk und Vaterland, woraus gemeinsam das Deutschlandlied gesungen wurde. Darauf ergriff, von lebhaftem Bei- fall begrüßt, Reichsjustizkommiffar 0r. Frank das Wort und führte u. a. aus: Die deutsche Juristenbewegung ist eine klare nationalsozialistische Angelegenheit. Wer sich als deutscher Jurist 14 Jahre lang nicht um diese Bewegung des deutschen Volkes gekümmert hat, der hat heute nichts mehr in der nationalsozialistischen juristischen Bewegung zu suchen. Ich erkläre hier: Das nationalsozialistische Recht kann nur von nationalsozialistischen Kämpfern gestaltet werden. Dr. Frank würdigte dann eingehend die in dem letzten Jahre von der Regierung Adolf Hitler durchgeführten gesetzgeberischen Maßnahmen, die bereits vorbildlich die Einheit des nationalen Lebens für alle Stände und Schichten des Volkes sichergestellt haben, und fuhr dann fort: I Das deutsche Recht wird das Recht einer ehrenhaften, stolzen und vor allem einer jeden! Skaverei völlig abhold gewordenen freien Nation sein. Deshalb erheben wir auch vor der ganzen well den Anspruch darauf, unsere Rassengesehgebung so durchzuführen, wie wir es für Deutschland notwendig halten. (Lebhafte Zustimmung.) wir verbitten es uns, daß irgendwelche ausländischen Kreise sich in die Entwicklung der deutschen Verfassungsgesehgebung einmengen, wir mengen uns nicht ein in die Verfassungsrechtslage anderer Länder und verlangen deshalb, daß man uns unsere deutsche Verfassung so aufbauen läßt, wie wir es für gut und nötig finden. Der zukünftige Volksrichter muß ein R i ch- t e r k ö n i g sein, denn er hat die Entscheidung über Leben und Tod, und es geht nicht an, daß eine solche Entscheidungsmacht in die Hände von Fremd- rassigen gelegt wird. Darum werden wir auch unsere Rassengesetzgebung ohne Konzessionen durchhalten. Man soll uns hier nicht weich finden. Denn wenn wir in diesem Punkte nachgeben würden, dann hätten wir unsere Revolution umsonst gemacht. Große gesetzgeberische Pläne stehen bevor. Die Reichsreform wird durchgeführt werden, und die Reformen auf allen Gebieten des Rechts nehmen unausgesetzt ihren Fortgang. Bei allem revolutionären wollen denken wir daran, daß wir die Verantwortung haben, Ge- seheswerke zu schaffen, die für kommende Generationen die Lebensordnung aufstellen sollen. Das deutsche Volk lehnt Unrecht ab. So wie wir im Inneren das Recht zu schaffen haben, so verlangen wir auch das Lebensrecht unseres Volkes aller Welt gegenüber. Wir wollen den Frieden. Aber die Knechtschaft unseres Volkes hat ein Ende. Ein Beifallssturm folgte den Worten des Reichskommissars, der sich erst legte, als der Musikzug der 2. Brigade das Horst-Wessel-Lied anstimmte. Frankreichs Werben in Belgrad. Belgrad, 25. Juni (DNB.) Der französische Außenminister B a r t h o u legte am Montagvormittag am Grabe des unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. Auf der Rückfahrt äußerte er den Wunsch, im Radio eine Rede zu halten. Der Rundfunk veranstaltete demzufolge eine sogenannte „Stunde der Gerechtigkeit". Barthou erklärte, er sei schon immer für die Freiheit der Südslawen eingetreten. Von der Sendestation begab sich Barthou ins Außenministerium, wo er mit dem südslawischen Außenminister Jef- ritsch eine Besprechung hatte. Sodann stattete er dem Ministerpräsidenten U s u n o w i t s ch einen Besuch ab. Als der Besuch beendet war, wurden llsunowitsch und Barthou von Zeitungsphotographen gestellt, die einige Aufnahmen machen wollten. Barthou zog den Ministerpräsidenten, der in einiger Entfernung von ihm Aufstellung genommen hatte, gana nahe an sich heran und sagte: „Kommen Sie näher an das französische Herz, damit man uns so photographiert." Sodann begab sich Barthou zum König Alexander, wo er in Audienz empfangen wurde. Der König behielt den französischen Außenminister bei sich zu Tisch. Nachmittags hatte Barthou eine Besprechung im Kriegsmini st e- rium. Um 5 Uhr nahm er an einem Tee in der französischen Gesandtschaft teil, zu dem 700 Personen geladen waren. Am Abend veranstaltete die Regierung zu Ehren Barthous ein Bankett. „Belgrad ist zu realistisch gestimmt." Ein Kommentar der „Times". London, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Wiener Vertreter der „Time s" bemerkt zum Beuch Barthous in Belgrad, Barthou bemühe sich, em südslawischen König die franzö- ische Politik der östlichen Pakte zu er- [ären und auf die Notwendigkeit der Zusammen- crbeit mit der Sowjetregierung hinzuweisen. (Er sei in Belgrad zwar mit der großzügigen Herzlichkeit ausgenommen worden, die alten und vertrauenswürdigen Alliierten vorbehalten bleibe; aber er werde zweifellos gefunden haben, daß der jetzige Grundton der südslawischen Lußenpolitik mehr in unabhängigem Urteil, als in begeistertem Einvernehmen bestehe. Belgrad sei zu realistisch gestimmt, um für Pakte oder Serien von Pakten besondere Verwendung zu haben, wenn sie nicht so abgefaßt seien, daß sie den Beitritt Bulgariens erreichen. Die südslawischen Staatsmänner wünschten auch im Interesse ihres Außenhandels und als Gegengewicht gegen die italienische Betätigung -m Tonaugebiet mit Deutschland auf freund- schriftlichem Fuß zu bleiben. Auch bestehe Neigung zu glauben, daß das Bündnis mit Frankreich auf finanziellem Gebiete nicht alles gezeitigt habe, was von ihm hätte erwartet werden können. Südslawischer Königsbesuch in Paris. Keine Sympathie für Sowjetrutzland in Belgrad. Paris, 26. Juni (DNB. Funkspruch). König Alexander von Südslawien hat Außenminister Barthou zugesagt, im H e r b st offiziell Paris zu besuchen. Dieser Entschluß des Königs wird in Paris mit großer Genugtuung aufgenommen. Die Unterredung Barthous mit dem König steht im Mittelpunkt der Berichte aus Belgrad. In der Unterredung sollen alle aktuellen Fragen erörtert worden sein. Der Sonderberichterstatter des „Journal" will berichten können, daß Barthou den französischen Standpunkt in der Adrü st ungs frage nochmals umriffen habe: „Kein Abrüstungsabkommen vor der praktischen Organisation der Sicherheit". Diese Organisation sehe eine Reihe von regionalen Bei- standsverträgen vor. Deutschland werde beitreten können, wenn es Bürgschaften für sein „vernünftiges Verhalten" (!) geben. Barthou habe in diesem Zusammenhang auch über die Verträge gesprochen, die Frankreich mit Sowjetrußland oorbereite. Es sei allerdings kein Geheimnis, daß der Gedanke an Verhandlungen mit den Bolschewisten in Belgrad nicht gerade gefalle. Die Serben blieben dem alten Rußland treu, das nach ihrer Ansicht sich für sie geopfert habe. Sie zögerten mit der Anerkennung der Sowjets. Dagegen seien sie durchaus geneigt, die Beziehungen zur Türkei enger zu gestalten. Das sei auch ein indirektes Mittel, um zu einer Verbindung zur Politik Moskaus zu kommen. Man spreche bereits von einer bevorstehenden Reise Mustasa Kemals, nach Belgrad. Dem „Petit Parisien" zufolge hat Barthou auch den König über die französisch- italienischen Verhandlungen unterrichtet. Die französische Regierung habe den seinerzeit fallenaelassenen Gedanken, Bildung eines Dreibundes Jtalien-Frankreich-Süd- f l a w i e n wieder aufgegriffen. Auch über Deutschland und über den Besuch von Ribbentrops in Paris soll in der Unterredung Barthous mit dem König gesprochen worden sein. Aeichslusifahrlminlsser Göring dankt den Deutschlandfliegern. Der alte deutsche Fliegergeist ist lebendig geblieben. Berlin, 25. Juni. (DNB.) Im Kreis der Teil- nehmer am Deutschlandflug, die gestern zur Feier der Preisverteilung im Marmorsaal im Zoo versammelt . waren, erschien gegen 0.30 Uhr Reichs- luf*fa^rtminifter General Göring. Reichsminister Göring, der von der Frankentagung auf dem Hesselberg im Nachtflug von Nürnberg nach Berlin zurückgekehrt war, bat die siegreiche Mann- schaft der F l i e g e r g r u p p e Hannover an feinen Tisch und hielt dann eine Ansprache, in der er die Leistungen der Deutschlandflieger mit großer Anerkennung würdigte. Der Schneid und der hohe Kameradschaftssinn, die die Teilnehmer des Deutschlandfluges beseelt haben, ließen erkennen, daß der alte deutsche fliegerische Geist lebendig geblieben ist. Die vollbrachten Leistungen erfüllten ihn mit stolzer Freude. Der jungen Generation, die sich begeistert dem Flugsport widmet, möge der sportliche Ehrgeiz und das Draufgängertum, den die Deutschlandflieger gezeigt haben, Anreiz und Vorbild sein. Nach einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer, dem die Deutschlandflieger auf ihrem Fluge ihre Huldigung barbringen konnten, überreichte der General der siegreichen Mannschaft den von ihm gestifteten Wanderpreis mit der Erwartung, daß der Mannschaft Hannover, nachdem sie zweimal den Preis errungen hat, auch im dritten Jahr der Erfolg deschieden fein möge. Oer Hirtsiefer-Prozeß. Berlin, 25. Juni. (DNB.) Im H i r t s i e f e r - Prozeß begann am Montag die Zeugenvernehmung über den Anklagekomplex „Reichszentrale". Als erster Zeuge wird der Ministerialrat Freiherr von Gemmingen vernommen, der als Beamter des Reichsarbeitsministeriums als Reichskommissar für die Organisation Reichszentrale beordert war. Die Frage des Vorsitzenden, ob die Kinderverschickung auch nationalpolitischen Zielen Mente, bejahte dieser Zeuge. Dann richtete der Vorsitzende an den Zeugen die Frage, ob ihm bekannt sei, daß anläßlich der Verleihung des Ehrendoktortitels der Universität Graz an Hirtsiefer im Wohlfahrtsmini- fterium ein Essen veranstaltet wurde, bei dem das trockene Gedeck 11 Mark und die Flasche Wein bis zu 25 Mark kostete. Der Zeuge er« klärte, daß in diesem Rahmen von allen Mi» nisterien Veranstaltungen durchgeführt worden seien. Dann wurde Dr. Hans Steinacher, der Führer des VDA., vernommen. Er bestätigte ebenso wie der Leiter der Hauptoertretung des Deutschen Charitas-Verbandes, Prälat W i e n k e, und der ehemalige hessische Staatspräsident Adelung, daß bei dem Kinderaustausch der nationalpolitiscys Gedanke eine besondere Rolle gespielt hätte. Adelung wurde auch über den Anklagekomplex „Wein s p enden" befragt. Der Magistrat der Stadt Düsseldorf hatte dem Angeklagten Hirtsiefer bekanntlich eine Weinspende gemacht, in der von der Anklage eine Bestechung erblickt wird. Der Zeuge Adelung erklärt, solche Weinspenden könne man nicht mit anderen Zuwendungen auf die gleiche Stufe stellen. Sie hätten damals als eine Ehrengabe gegolten, die man nicht zurückweisen durfte. Es komme natürlich darauf an, unter welchen Umständen solche Spenden gegeben wurden. Hierzu bemerkte der Vorsitzende: Gewiß, wenn ich von einem guten Freunde eine Kiste Wein erhalte, so nehme ich sie mit Vergnügen an. Aber ich würde sie zurückweisen, wenn sie mir jemand schicken würde, mit dem ich dienstlich in Moabit zu tun habe. Dollfuß'Besuch bei Mussolini. Wien, 26. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Das halb- amtliche Organ der österreichischen Regierung, die christlichsoziale „Reichspost", teilt jetzt mit, daß Mussolini Dr. Dollfuß eingeladen habe, ihn Ende Juli in seiner Villa Riccione mit feiner Familie zu besuchen. Dollfuß habe diese Einladung angenommen. Aus aller Wett. Schweres Verbrechen im Gefängnis. Drei Schwerverbrecher nach Ermordung eines Gefangenenaufsehers entsprungen. Eine schwere Bluttat wurde am Montagabend im Amtsgerichtsgefängnis in Oelsnitz verübt. Als der Gefangenen-Hauswachtmeister Otto Becker die Zelle des wegen politischer Vergehen seit einem Jahr in Untersuchungshaft befindlichen 34 Jahre alten Wenzel Ottmar betreten hatte, wurde der Beamte von diesem überfallen und mit einem Handtuch erwürgt. Ottmar nahm dem Beamten die Zellenschlüssel ab und befreite den 35- jährigen Mitgefangenen Bruno Gebhardt, sowie den 30 Jahre alten Karl Schröter aus ihren Zellen. Durch Hilferufe lockten dann die drei Verbrecher die im Garten arbeitende Frau des Hauswachtmeisters in ihre Wohnung und zwangen sie unter Todesdrohungen, die Hintertür zu öffnen, durch die die Verbrecher ins Freie gelangten. Sie überfliegen die das Gelände umgebende Mauer und flüchteten. Auf die Alarmierung durch die Frau wurden sofort alle Maßnahmen getroffen, um die nahe Grenze abzusperren. Polizei, Gendarmerie und SA. sind aufgeboten, um nach den geflüchteten Verbrechern zu fahnden. furchtbare Bluttat in Kassel. Längere Familienstreitigkeiten sanden am Sonntag in Kassel ein blutiges Ende. Der 57jährige Wunderle geriet, wie so oft, mit feiner Frau in Streit. Auf das Geschrei der Mißhandelten eilten die Nachbarn herbei. Der Nachbar Johannes Simon versuchte, die Streitenden zu trennen und die Mißhandelte zu schützen. In seiner Wut stach W u n d e r l e mit einem feststehenden Dolchmesser auf Simon ein und brachte ihm eine Herzwunde bei. Der Verletzte lief noch etwa acht bis zehn Schritte und brach dann tot zusammen. Ein weiterer junger Mann, der zu Hilfe herbeigeeilt war, wurde ebenfalls mit dem Messer von Wunderle angegriffen, jedoch zerriß ihm der Dolchstoß nur die Hose. Erst ein dritter herbeigeeilter Nachbar konnte den Wütenden durch einen Schlag mit einer Latte auf den Kopf unschädlich machen. Durch das herbei- gerufene Überfallkommando und die Beamten der Kriminalpolizei wurde eine Lynchjustiz der sehr erregten Menge verhindert. Schwerer Verkehrsunfall im Rheinland. In der Nacht zum Sonntag kurz nach 3 Uhr ereignete sich auf der Chaussee Wuelfrath—Mettmann im Rheinland ein schweres Verkehrsunglück. Nach den bisherigen Ermittlungen rannte ein Motorrad mit Beiwagen mit solcher Wucht gegen einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Personenkraftwagen, daß der Kraftwagen ein Stück zurück- geschlagen wurde, sich überschlug und mit den Rädern nach oben liegen blieb. Das Motorrad wurde vollständig zertrümmert. Von den Insassen des Personenkraftwagens wurden zwei Frauen schwer verletzt, ein Mann kam mit leichteren Verletzungen davon. Der Motorradfahrer und der Beifahrer trugen sehr schwere Verletzungen davon und fanden Aufnahme im Mettmanner Krankenhaus, wo der Motorradfahrer nach einigen Stunden starb. Umwandlung von Todesstrafen in lebenslängliche Zuchthausstrafen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident die von dem Schwurgericht in Berlin am 24. Juli 1933 gegen Paul Foelz und Ewald Szezodry wegen gemeinschaftlichen Mordes verhängten Todesstrafen in lebenslängliche Zuchthausstrafen umgewandelt. Der preußische Ministerpräsident hat von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch gemacht, weil die Verurteilten sich an dem am 12. Mai 1932 auf die Gastwirtschaft „Zur Linde" in Berlin- Lichtenberg verübten Ueberfall nicht führend beteiligt, vielmehr auf Anordnung der flüchtigen Haupttäter gehandelt Haben, und weil durch ihre Schüsse auch nachweislich niemand getötet oder verletzt worden ist. 40 Grad Hitze in Oesterreich. Eine neue Hitzewelle breitete sich am Sonntag über ganz Oesterreich aus. Die Temperatur stieg bereits in den frühen Morgenstunden von 20 Grad auf über 40 Grad Celsius. Die meteorologischen Stationen melden, daß mit einem Andauern der Hitzewellen zu rechnen ist. Infolge der außerordent- lich hohen Temperatur verließ die Bevölkerung Wiens am Sonntag fluchtartig die Stadt. In den umliegenden Bädern find über 250 000 Badegäste gezählt worden. Trotz des Großbetriebes find jedoch nur zwei tödliche Unfälle und 30 Fälle von Hitz- schlag zu verzeichnen. Jüdischer Filmdireklor verbietet Venedig-Film in England. Der Bildstreifen von dem Zusammentreffen Hitlers mit Mussolini in Venedig wird, wie der „Star" aus London meldet, wegen der „hitlerfeindlichen Gefühle der Juden" nicht der englischen Oeffentlichkeit gezeigt. Es fei bedauerlich, so schreibt das Blatt, daß solche „Gefühle" die Vorführung verhindern. Im Irischen Freistaat wird der Film vorgeführt. Hierzu ist zu bemerken, daß der Verband der eng- lischen Lichtbildtheater der Kontrolle des jüdischen Filmdirektors Isidor Öftrer untersteht. 43 Verletzte bei einem Zugzusammenstoß bei Paris. Ein Zugzusammenstoß, bei dem insgesamt 43 Personen mehr oder weniger schwer verletzt wur- den, ereignete sich am Sonntag kurz vor Mitternacht in der westlichen Bannmeile von Paris. Kurz vor dem Bahnhof Houilles fuhr ein vollbesetzter Personenzug auf einen leeren Güterzug auf, der infolge ungenügenden Dampfdruckes auf der Strecke lag. Bei dem Zusammenstoß schoben sich einige Wagen ineinander, andere sprangen aus den Schienen. Mehrere Reisende, darunter drei mit schweren Schädel- und Beckenbrüchen, sind in das Krankenhaus von Nanterre eingeliefert worden. Andere konnten nach Anlegung von Notoerbänden weiter befördert werden. Der Heizer des Personenzuges und dessen Maschinist befinden sich unter den Schwerverletzten. Erst nach langen Bemühungen gelang es, den Maschinisten, der zwischen zwei Eisenklappen eingeklemmt war, aus seiner gefährlichen Lage zu befreien; er ist später seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Zugzusammenstoß hätte leicht zu einer größeren Katastrophe führen können, weil im gleichen Augenblick auf einem Nebengleis der Schnellzug Cherbourg—Paris heranbrauste. Glücklicherweise waren keine Trümmer, die den Schnellzug hätten zum Entgleisen bringen können, auf dieses Gleis gefallen. Flugzeug stürzt in die Zuschauermenge. — Acht Tote. Bei einer Flugveranstaltung in Esseg stürzte am Sonntag eine Maschine ab und fiel in die Zu- schauermenge. Fünf Personen wurden auf oer Stelle getötet, 12 wurden verletzt. Im Laufe der Nacht sind drei Verletzte im Krankenhaus gestorben. Englisches Flugzeugunglück. — Drei Tote. Auf dem englischen Flugplatz Gloucestershire stießen am Montagnachmittag zwei Flugzeuge in der Luft zusammen und stürzten ab. Drei Personen wurden getötet. Brandstifterbande in Ehikago festgenommen. Die Polizei in Chikago hat eine aus elf Männern und einer Frau bestehende Brandstifterbande festgenommen, der man den größten Teil der gro- ßen Brandkatastrophen, die sich in den letzten drei Jahren in Chikago ereigneten, zur Last legt. Man schätzt den Anteil der Bande an den Brandschäden des letzten Jahres, die sich in Chikago auf fünf Millionen Dollar bezifferten, auf 60 v. H. Die Sieger des Deutschlandfluges Die Mannschaft der Flieger-Ortsgruppe Hannover, die unter 21 Gruppen den Sieg im Deutschlandflug errang. - ■■ ■ C MH. WH Evangelische Sonntagsblätter nur mit Genehmigung des Landesbischofs. LPD. Darm stadt, 25. Juni. Mit sofortiger Wirkung hat der Landesbischof Lic. Dr. Dietrich eine Verfügung dahin erlassen, daß die innerhalb der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen erscheinenden Sonntagsblät- ter nur mit Genehmigung des Landesbischofs durch Geistliche herausgegeben werden dürfen. Auch der Vertrieb, die Werbung für solche Blätter und die Einziehung der Bezugsgelder durch Geistliche, die das meistens unentgeltlich bisher taten, bedarf künftig der Erlaubnis des Landesbischofs. Gedenkstein für den Segelflieger Johann Nehring. LPD. Erfelden, 25. Juni. Dem Gedächtnis des im April 1930 bei einem Wettererkundungsflug über dem Altrhein tödlich abgestürzten Fliegers Johann N e h r i n g weihte die Akademische Fliegergruppe Darmstadt einen schlichten Granit-Gedenkstein. In der Weiherede führte Ministerialrat Ringshausen aus, daß wir stolz sein müßten auf die Opfer, die gerade in unserer Zeit so zahlreich gebracht würden. Aus diesen Opfern wachse immer wieder neues Leben und neue Entschlossenheit. Das Leben sei ein ewiger Kampf, bei dem man selbstverständlich auch unter Einsatz des Lebens Opfer bringen müsse. Der Gedenkstein für den Flieger N e h r i n g solle ein Mahnmal sein für alle, Alles einzusetzen für Kampf und Pflicht, dann werde aus dem Grabe des Toten heraus neues Leben erblühen. Bei der Kranzniederlegung gedachte besonders der Leiter des Forschungsinstitutes für Flugwesen, Professor Dr. G e o r g i i, der Pioniertätigkeit des Gefallenen für den deutschen Segelflug, der ihm außerordentlich viel zu danken habe. Der Rektor der Technischen Hochschule Darmstadt, Professor Dr. Thum, bezeichnete Nehring als den Bahnbrecher des modernen Segelfluges. Mit dem Sportflugzeug in den Mein LPD. Wiesbaden, 25. Juni. Der Biebricher Pilot Fritz S ch a n d u a, der mit seinem Sportflugzeug aufgestiegen war, mußte, da der Motor plötzlich aussetzte, eine Notlandung vornehmen. Als der Pilot auf das Wasser des Rheins niedergehen wollte, überschlug sich das Flugzeug und der Pilot wurde unter das Wasser gedrückt. Geistesgegenwärtig befreite er sich unter Wasser von seinen Bindungen und tauchte unter dem Flugzeug durch. Das Flugzeug wurde von der Feuerwehr geborgen. Von der Loreley in die Tiefe gestürzt LPD. Mainz, 25. Juni. Die 23jährige Tochter eines hiesigen Regierungsbaumeisters hatte sich am Samstagabend mit Bekannten nach dem Loreleifelsen begeben, um dort an der Sonnenwendfeier teilzunehmen. Als sie gegen 20.30 Uhr von dem Felsplateau die Aussicht genießen wollte, stürzte sie plötzlich über das Geländer in die Tiefe. Man fand das junge Mädchen etwa 200 Meter unterhalb der Absturzstelle t o t auf. Preußen. Kreis Wetzlar. < Rodheim a. d. Bieber, 23. Juni. Zur Abhaltung der diesjährigen Reichsjugendkämpfe hatten sich heute die Schulen von Rodheim, Bieber und Vetzberg auf dem hiesigen Waldsportplatze vereinigt. 249 Knaben und Mädchen der vier oberen Jahrgänge kämpften, in 13 Riegen eingeteilt, um die Siegespalme. Zur Austragung kam in allen Altersklassen ein Dreikampf, und zwar für die Knaben des 7. und 8. Schuljahres 100- Meter-Lauf, für die Mädchen derselben Jahresklasse und die Knaben und Mädchen der Mittelstufe 75- Meter-Laus, dann für sämtliche Klassen Weitsprung nud Ballweitwurf. Die Ergebnisse der Kämpfe müssen im ganzen als recht befriedigend bewertet werden. Als Sieger gingen aus den Wettkämpfen hervor: 1. in der Klasse Knaben des 7. und 8. Schuljahres: 1. Sieg mit 59 P. Reinhard Weber- Dieber: 2. Sieg mit 58 P. Karl Ruppert-Rodheim: 3. Sieg mit 54 P. Walter Becker-Rodheim: 4. Sieg mit 52 P. Fritz Opfermann-Vetzberg: 5. Sieg mit 51 P. Paul Becker-Rodheim und Willi Willers- häuser-Rodheim, usw. 2. Klasse Mädchen des 7. und 8. Schuljahres: 1. Sieg mit 55 Punkten Lina Piatt-Rodheim: 2. Sieg mit 52 P. Elfriede Geller- Bieber: 3. Sieg mit 50 P. Lisa Mandler-Bieber: 4. Sieg mit 49 P. Elfriede Wagner-Rodheim: 5 Sieg mit 47 P. Elfriede Schäfer-Rodheim, usw. 3. Klasse Knaben des 5. und 6. Schuljahres: 1. Sieg mit 58 Punkten Herb. Bender-Rodheim; 2. Sieg mit 56 P. Otto Gerlach-Rodheim: 3. Sieg mit 55 P. Erwin Mandler-Rodheim: 4. Sieg mit 50 P. Erwin Rüspeler-Rodheim: 5. Sieg Martin Platt- Rodheim, Willi Dönges-Rodheim und Helmut Haus- Bieber. 4. Klasse Mädchen 5. und 6. Schuljahr: 1. Sieg Leni Koth-Rodheim mit 55 P.; 2. Sieg Hedwig Desch-Rodheim mit 50 P.; 3. Sieg Erna Wagner-Rodheim mit 45 P.; 4. Sieg Mariechen Schuchmann-Bieber mit 44 P. und 5. Sieg mit 42 P. Elli Becker-Vetzberg. — Im Anschluß an diese vorgeschriebenen fanden noch einige Mannschaftskämpfe statt, und zwar eine 8X100-Meter-Pendel- stafette zwischen den Schülern der Oberstufen von Rodheim, Vetzberg und Bieber, die von Rodheim in der beachtlichen Zeit von 2:4,2 Min. gewonnen wurde. Bei einer 8X75-Meter-Stafette für die Knaben der Mittelstufe siegten ebenfalls Rodheim überlegen mit 1:39,5 Min. Ein zwischen den Fußballmannschaften Rodheim und Vetzberg ausgetragenes Fußballspiel (2X20 Mn.) gewann Rodheim mit 3:1. Ein Dreiballspiel zwischen den Mädchen der Oberstufen von Rodheim und Bieber gewann Bieber. Als Abschluß der Kampfübunaen folgten Massenfreiübungen, die bei dem inzwischen ange- sammelten Publikum gut gefielen. Lehrer Meyer- Rodheim, der die Kämpfe mit einem Aufblick zu Gott und einem Gruß an den Führer eröffnet hatte, schloß die ohne Zwischenfall verlaufenen Kämpfe mit Sieg-Heil auf Führer, Volk und Vater- land, worauf die Nationalhymne gesungen wurde. Die für die Jugendlichen vorgesehenen Kämpfe mußten sich auf die Schulen beschränken, da die Hitlerjugend ihre Sportkämpfe hier gesondert abhalten wird und hier fast alle Jugendlichen von der HI. erfaßt sind. * Krofdorf, 25. Juni. Die Ortsgruppe Krofdorf der NSKOD. (Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung) hatte ihre Mitglieder durch den Ortsgruppen-Obmann Schmidt zu einer Kundgebung bei Gastwirt Bender eingeladen. Der Zweck der Kundgebung bestand insbesondere darin, die Kameradschaft unter den Mitgliedern neu zu festigen. Die Mitglieder hatten sich mit ihren Angehörigen zahlreich eingefunden. Der Orts- gruppen-öbmann Schmidt begrüßte die Kameraden und forderte sie in einer kurzen Ansprache zur Pflege der Kameradschaftlichkeit auf, so wie sie im Felde von jedem einzelnen kennengelernt worden sei. Zum Abschluß der Ansprache wurde gemeinsam der erste Vers des Deutschlandliedes gesungen. Zur Verschönerung der Veranstaltung trug der Gesangverein „Germania" durch verschiedene gesangliche Darbietungen wesentlich bei. Auch die Feuerwehrkapelle unter der Leitung ihres Kapellmeisters R e e h hatte sich zur Verfügung gestellt und wartete mit guter Musik auf. Gegen 17.30 Uhr traf der Bezirksleiter der NSKOV., Herr Bonhard- Gießen, ein und hielt sogleich eine Ansprache. Er hob besonders hervor, daß vor allen Dingen Vertrauen notwendig sei, wenn die politischen Belange sowie das Kriegsopferversorgungsgesetz Erleichterungen bringen sollten. In erster Linie solle das Los der Kameraden im Dritten Reich gebessert werden. Denjenigen Kameraden, die seither die Möglichkeit nicht benutzt hätten, einen Antrag zu stellen, wird diese empfohlen, ebenfalls den Eltern der Kriegsopfer, die seither keine laufenden Unterstützungen bezogen haben, solle auch im Laufe eines Vierteljahres eine Unterstützung zuteil werden. Es fei vorgesehen, für Kinder von Schwerkriegsbeschädigten, die das 16. Lebensjahr überschritten haben, eine gewisse Kinderzulage zu gewähren, und zwar zur Weiterausbildung in ihrem Berufe. Auch hinsichtlich der Zusatzrente würden der Ortsgruppenleiter bzw. der Bezirksleiter stets Rat geben. Sehr wichtig sei es, daß die Kriegsbeschädigten wieder Recht und wahre Geltung erlangen würdsn. Die heutige deutsche Jugend werde den Kriegsopfern alle Ehrfurcht zutell werden lassen. Wir sollten, so mahnte der Redner, alle an dem Ausbau des neuen Deutschland mit» helfen und Vertrauen in die Führung und die Reichsleitung der NSKOV. setzen. Mit einem dreifachen „Sieg - Heil!" auf unseren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler beschloß er seine Ansprache. * Salzböden, 26. Juni. Hier sand am vergangenen Sonntag das Synodalfest der Aeußeren Mission des Kreises Wetzlar statt. Das Fest begann mit einem Gottesdienst, in dem Missionar Brinkschmidt von der Rheinischen Mission predigte. In der Nachversammlung berichteten nach der Begrüßung durch Ortspfarrer Linde n b o r n Pfarrer Heider (Dorlar) und Missionar B r i n ks ch m i d t von der Not der Heiden und dem Segen des Evangeliums. Der Kirchenchor Fronhausen unter Leitung seines verdienstvollen Dirigenten Lehrer I m m e l fang schöne Lieder. Der Posaunenchor Fronhausen unter seinem tüchtigen Leiter Herrn Schelt trug wesentlich zur Verschönerung des Festes bei. Die Kollekte zum Besten der Rheinischen Mission erbrachte etwa 100 Mark. Kirche und Schule. 00 Klein-Linden, 25. Juni. Am gestrigen Sonntag feierte die Chri st liche Gemein- schäft im Hofe der Kleinkinderschule ihr diesjähriges I a h r e s f e st. Der Posaunenchor Klein-Linden, verstärkt durch einige Bläser der Gießener Gemeinschaft, eröffnete die Feier und begleitete die gemeinsam gesungenen Lieder. Festredner waren Stadtmissionar N e b e 1 i n g (Gießen), der mehr als vier Jahrzehnte in der Stadtmission in Frankfurt a. M. tätig war, und Prediger Meng (Gießen). Zur Mitwirkung waren noch der Gemischte Chor der Gießener Stadtmission und der Frauen- und Mädchenchor der evangelischen Kirchengemeinde Klein-Linden gebeten worden, die beide mit chönen Vorträgen geistlicher Lieder wesentlich zum guten Gelingen der Feier beitrugen. Mit dem Vortrag alter Bachscher Musik durch den Posaunenchor schloß die schön verlaufene Feier. Die vielen auswärtigen Festbesucher waren bei ihren Freunden in Klein-Linden zu Gast geladen. a. Klein-Linden, 25. Juni. Der Posau- nenchor Klein-Linden und mit ihm der emgegliederte Missionsoerein feiern am Sonntag, 8. Juli, ihr 80jähriges Bestehen. Der Posaunenchor ist nicht nur der älteste in Hessen, sondern einer der ältesten seiner Art in ganz Deutschland. Zu diesem Fest sind die oberhessischen Posaunenchöre eingeladen worden, einzelne haben Spenden für die 71GB. werden eingezahlt auf Konto Tlr. 4513 bei der Bezirkssparkaffe Gießen. ihr Kommen schon zugesagt. Der Festtag wird am frühen Morgen mit Choralblasen im Dorfe einge- leitet. Jrn Festgottesdienst am Sonntagvormittag hält Pfarrer Timm (Herdorf) die Festpredigt. Nachmittags findet am Lindener Eck die Nachfeier statt. Missionar Blümer (Marburg) von der Basler Mission, Propst Knodt (Gießen) und Pfarrer Len z (Darmstadt), der Vorsitzende des oberhessischen Posaunenchorverbandes, haben ihr Erscheinen zugesagt und Ansprachen übernommen. Rundfunkprogramm. Mittwoch, 27. Juni: 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 9.05: Schulfunk-Sondersendung. Alfred Rosenberg spricht zur deutschen Schuljugend. 10: Nachrichten. 10.10: Schulfunk. Meister am Werk. Hörfolge aus der Werk- statt des Lucas Cranach von Hildegard Geppert und Walter Trappe. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: 3mal 15 Minuten aus dem Sendebezirk. 15.40: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Trinkt „flüssiges Obst"! Ein Zwiegespräch zwischen Emma Diehl und Minni Metzker, Frankfurt a. M. 17.45: Stunde der Jugend. Ernst Moritz Arndt, ein Kämpfer für die deutsche (Erneuerung. Hörfolge. 18.20: Ewige Kraft der Heimat. Don Alfons Duttlinger, Freiburg i. Br. 18.35: Junge deutsche Dichtung: Uli Klinisch. 18.50: Griff ins Heute. 19: Militärkonzert aus unseren Gauen VII. 20: Nachrichten. 20.10: Unsere Saar: Den Weg frei zur Verständigung. 20.30: Operettenkonzert des Rundfunkorchesters. 22.20: Nachrichten. 22.35: Du mußt wissen ... 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Unterhaltungskonzert. 24 bis 1: Nachtmusik. Wcttc?-vorattss/2 Titer Fleischbrühe auS I 2 Maggi's Fleischbrühwürfeln, 2 (Eßlöffel (40 g) Sutter, 2 (Eßlöffel I (40 g) Mehl, Salz nach Geschmack, 1 Prise Muskatnuß. 1 Zubereitung: Oie Kohlrabi schalen, waschen und in dünne I Scheiben schneiden. 3n der Sutter das Mehl leicht andünsten, mit [ der Fleischbrühe eine glatte, sämige Soße kochen, die Kohlrabi- 1 ■■ 11 । scheiben und die in feine Streifen geschnittenen zarten Sldffer * lAfI Ma.H nX— Hmeinaeben, nach Salz und Muskatnuß abschmecken und nun bas JK WUT! BI llUr I» 9' Gemüse aus kleinem Feuer unter zeitweiligem llmrühren weichkochea. Zum Kochen von Gemüsen MAGGIs Fleischbrühe UWMWMM! e.G.m.b.H., Gießen Kindes Erikachen Dank. Otto Klein und Fran. Gießen, den 26. Juni 1934. H. Schneider. 8786Ö Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Verlust unseres geliebten Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 Vornehm i GeschmackvollI Persönlich / liehen Eigenschaften der gediegenen Famlllen- Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungen sowie Am Samstag, dem 7. Juli, abends 81/* Uhr, findet im „Haus der deutschen Arbeitsfront", Schanzen' besonders dem Herrn Lehrer Klein und den Schulkameradinnen für das letzte Geleit, sowie dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte sagen wir herzlichen Heuchelheim, den 25. Juni 1934 Rinn 7ieidnn| Amtliche Bekann mach» ng aus dem Kreise Wetzlar. „Allgemeine Krüppeluntersuchung." Eine allgemeine unentgeltliche Krüppelunterfuchung tm Kreise Wetzlar durch den Landeskrüppelarzh Herrn Professor Dr. Hohmann aus Frankfurt a. M-, findet am Samstag, dem 1. Juli 1934, wie folgt statt: 37966 In Wetzlar um 9 Uhr vormittags im Untersuchungszimmer des Neuen Kreishauses. In Rodheim um 12 Uhr mittags im Gemeindehaus, Kleinkinderschule. In Ehringshausen um 2 Uhr nachmittags im Gemeindehaus, Wetzlarer Straße. Mit Krüppelleiden behaftete Personen können einem dieser Untersuchungsternvne erscheinen. i t f i l l ä 3 t l i 1 । i l 2 u 2 d d 5 d T i I I I ( I I ( t fr 4i l> b. kl Nr.M Zweites Blatt Gktzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 26. Juni (934 Aus der Provinzialhauptstadt. Der Siebenschläfertag. Drei Tage nach der Sommersonnenwende haben seit den Zeiten Kaiser Karls, den man den Großen nennt, die Siebenschläfer ihren Platz im Kalender. Die Legende von Den Siebenschläfern weiß zwar nichts zu berichten, was mit dem verbreiteten Glauben in Verbindung gebracht werden könnte, daß das Wetter an diesem Tage den Witterungscharakter der folgenden sieben Wochen vorausbestimmen soll. Doch wie bei allen Wetterregeln liegt auch in dieser Annahme ein Körnchen Wahrheit. Die Wetterregeln verdanken ja nicht irgend- welchen Zufällen ihre Entstehung und Verbreitung. Sie sind aus den Beobachtungen vieler Geschlechter, oft vieler Jahrhunderte geworden. Der Bauer, der der Svrache der ihn umgebenden Naturerscheinungen aus seinem täglichen Umgang viel aufmerksamer lauscht, als der Städter, will die Zeichen deuten, die über seinem Tagewerke stehen. Lange bevor die Astronomie die tieferen Zusammenhänge begründete, wußte der Landmann aus der Erfahrung, daß der Sommersonnenwende in der Regel auch eine Wetterwende folgt, die ihre Ursache in der Mondstellung hat. Uebrigens hatten schon die alten Babylonier, die gute Sterndeuter waren, herausbekommen, daß länger anhaltendes Wetter auf die siebentägige Dauer der einzelnen Mondphasen zurückgeht. Nimmt man dazu noch den Glauben an die sieben als heiliger Zahl, so sind die Punkte aufgezählt, die mit oem Siebenschläfertag und seinen siebenwöchigen Folgen als Laubfrosch-Orakel in Verbindung stehen sollen. Wenn es an Siebenschläfer regnet, dann soll der Regenschirm sieben Wochen lang ständiger Begleiter sein. Wie selten in einem Jahre wäre den Siebenschläfern in diesem Jahre der Dank der Bauern gewiß, wenn sie zwar nicht alle Schleusen des Himmels, aber doch einige Hähne zu einer ausreichenden Durchtränkung der lechzenden Fluren öffnen würden. Vieles reift noch der Ernte entgegen, das dringend der Feuchtigkeit bedarf. Ein richtiger Landregen wäre ein Segen. Gleich ganze sieben Wochen sind dazu nicht unbedingt erforderlich. Was hat es mit dem Siebenschläfer eigentlich überhaupt auf sich? Unter Kaiser Decius, um die Mitte des dritten Jahrhunderts, mußten wegen der Christenverfolgungen sieben junge Männer aus der Stadt Ephesus flüchten und sich in einer nahen Höhle verbergen. Ihr Versteck wurde jedoch ausfindig gemacht, und der Kaiser ließ den Eingang zumauern. Nach einem todähnlichen Schlaf sollen die sieben Glaubensbekenner beinahe 200 Jahre später unter Kaiser Theodosius erwacht sein, einem tatkräftigen Bekämpfer des Heidentums, um vor ihm und dem Bischof Martin von Ephesus erneut für den christlichen Glauben zu zeugen und wieder zu entschlummern. Diesen Tag wollte unter Kaiser Karl der Gelehrte Rhabanus Maurus als den 27. Juni ausfindig gemacht haben, und damit wurde er in den Kalenderablauf emgereiht. K. J. G. Gießener Volksschule im Schuljahr 1934/35. Aufschlußreiche Zahlen. Es ist recht interessant, sich einmal mit der Gießener Schuljugend in ihrer Gesamtheit zu beschäftigen. Ds Gießener Volksschulen sind im gegenwärtigen Schuljahr 1934/35 von 3453 Kindern besucht. Im vergangenen Schuljahre wurden 3477 Schulkinder gezählt. Die Anzahl der Kinder verteilt sich auf insgesamt 69 Klassen. Diese Klassen sind im einzelnen sehr stark besetzt. Mehr als die Hälfte der Klassen zählt über 50 Schüler. Nur eine Klasse zählt unter 30 Schüler. 7 Klassen sind von 31 bis 40 Schülern, 26 von 41 bis 50, 32 Klassen von 51 bis 60 und 3 Klassen von mehr als 60 Schülern besucht. Im Schuljahr 1933/34 standen 67'/r Lehrkräfte zur Verfügung. In diesem Jahre sind es Mario. Von Io Hanns Rösler. Ein großer schlanker Mann, ohne Hut, blond wie ein Wunder, betrat das Hotel. Seine braune Haut brachte die Sonne der Berge mit, die auch noch in dem hellen Blau seiner Augen lag. Mit langen kräftigen Schritten durchmaß er die Halle und trat zum Portier. „Die Zimmer für Mario Mertens?" fragte er. „Die Zimmer sind reserviert." Der Portier grüßte mit jener vertrauten Ehrerbietung, mit der die Portiers der großen Hotels ihre Gäste auszuzeichnen pflegen. Er überreichte dem Gast die Schlüssel und warf einen kurzen Blick auf das zahlreiche Gepäck, das die Hausdiener vom Wagen hereintrugen und um das sich sofort die Boys heimlich zu raufen begannen. Die Koffer waren durchweg von einem einheitlichen Gelb mit breiten roten Streifen, von denen sich die zwei Buchstaben des Namens scharf abhoben. „Ich werde das Gepäck sofort hinaufschicken," sagte der Portier. „Ja, tun Sie das." Er nickte kurz, trat zum Kiosk, um sich einige Zeitungen zu kaufen, die er sofort öffnete, und schritt lesend, ohne auf die anderen Gäste zu achten, zur Fahrstuhltür. * Evelyne hatte sich sofort beim Eintritt des Fremden erhoben. Sie hatte ihn hier erwartet. Schon seit drei Tagen. Sie war in dieses Hotel gefahren, unvorbereitet, einem plötzlichen Impuls folgend, als sie in den Zeitungen las, daß der berühmte Schriftsteller Mario Mertens hier einige Wochen verbringen werde. Sie hatte jenes Gefühl, dessen Wesen sich nicht beschreiben läßt, das sie zwang, hierher zu reisen, ohne an gestern und morgen zu denken, nur van dem einen Gedanken getrieben, ihn sehen zu müssen. Sie kannte alle seine Bücher, die einen Welterfolg hatten, und auch jene Bücher der Anfangszeit, die nur eine treue Gemeinde fanden. Und da sie sich in seinen Büchern fand, war sie keinesfalls überrascht, als er eintrat. So hatte fie ihn immer gesehen, in allen seinen Gestalten, in allen seinen Romanen, neben sich, Evelyne. S'.e öffnete die Tür seines Zimmers. „Verzeihen Sie, Mario Mertens —" Er stand am Fenster, den weichen Kragen roeit zurückaeschlagen, schien ihr Kommen nicht gehört zu haben. Evelyne ließ die Tür hinter sich ins Schloß fallen. Er drehte sich verwundert um. Evelyne blieb an der Tür stehen. „Verzeihen Sie, Mario Mertens," sagte sie. „Ich deren nur 65Vz. Die Stadt Gießen hat sich aber entschlossen, zwei Hilfslehrkräfte zu besolden, so daß die Zahl der Lehrkräfte des Vorjahres erhalten bleiben konnte. Von den 3453 diesjährigen Schulkindern find 1740 Mädchen und 1713 Knaben. 2999 Kinder sind evangelischer, 342 katholischer, 46 jüdischer Religion; 66 Kinder gehören anderen Glaubensgemeinschaften an, müssen aber den evangelischen Religionsunterricht besuchen. Auf die einzelnen Klassen verteilt sich die Anzahl der Kinder wie folgt: I. Klasse 508 Schüler, II 428, III 546, IV 503, V 342, VI 334, VII 383, VIII 340, IX 35 und X. Klasse 14 Schüler. Än einer H i l f s k l a s s e sind 30 Kinder, 23 Knaben und 7 Mädchen vereinigt. Eine Förder- klasse wird in diesem Schuljahre nicht geführt. Zwei Klassen mit erweiterten Lehrzielen sind von insgesamt 93 Schülern, 54 Knaben und 39 Mädchen, besucht. Den Schülern ist in diesen Klassen Gelegenheit gegeben, die Prüfung für die mittlere Reife zu machen. 3n den Gedenktafeln der Ruhmes- halle verewigt. Unter den im Weltkriege gefallenen Kommandeuren selbständiger preußischer Truppenteile ist auch der Name eines früheren langjährigen Gießener Offiziers enthalten. Es handelt sich um den Oberstleutnant Georg Großmann von unserem früheren Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116. Oberstleutnant Großmann wurde dem Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 am 15. Mai 1883 als Leutnant überwiesen. Er gehörte unserem ruhmreichen Regiment fast bis unmittelbar vor seinem Heldentod an. Bei Kriegsausbruch rückte er als Kommandeur des III. Batl. Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 ins Feld. Am 25. März 1916 fand er als Kommandeur des Füsilier-Regiments Nr. 37 bei Verdun den Heldentod. Aus parteiamtlichen Bekanntmachungen Die Ortsgruppe Gießen-Mitte gibt bekannt, daß die nächste Versammlung gemeinsam mit der Ortsgruppe Gießen-Süd am Donnerstag, 28. Juni, 20.30 Uhr im Cafe Leib stattfindet. Als Redner wurde Pg. Siebert-Darmstadt gewonnen. Das Erscheinen aller Parteigenossen und der Mitglieder der Gliederungen der Partei ist Pflicht. Alle anderen Volksgenossen sind herzlich eingeladen. Die Arbeitsgemeinschaft für Turnen usw. im NSLB. des Kreises Gießen macht darauf aufmerksam, daß von jetzt ab die Uebungsstunden wieder regelmäßig jeden Dienstag von 17.30 bis 19 Uhr auf dem Universitätssportplatz stattfinden. Reichsbund Volkstum und Heimat. Mittwoch, 27. Juni, 15.30 Uhr, Versammlung mit dem NSLB. im Cafe Ebel. Es sprechen Prof. Dr. S pilger (Darmstadt) und Dr. K. R. Fischer. Anmeldepflicht des Lebensund Genußmittel-Einzelhandels beim Reichsnährstand. Der Reichsnährstand, Reichshauptabteilung IV, teilt mit: Obwohl von den zuständigen Stellen die Zugehörigkeit des Lebens- und Genußmittel-Einzelhandels zur Reichshauptabteilung IV des Reichsnährstandes auf Grund des Reichsnährstandsgesetzes und der Dritten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes schon mehrfach klargestellt worden ist, scheinen in kleineren Kreisen immer noch Irrtümer zu bestehen. So mehren sich die Meldungen, daß in manchen Bezirken von Seiten des Rekofei offiziell erklärt wird, der Rekofei sei korporatives Mitglied des Reichsnährstandes. Demgegenüber muß noch einmal auf die ganz eindeutigen und allein gültigen Gefetzesbestim- heiße Evelyne. Ich weiß, wer Sie find. Vor drei Jahren, ich war noch nicht sechzehn, las ich Ihren Roman „Südhang". Von diesem Tag an war ich kein Mädchen mehr. Ich habe keinen Mann geliebt, der nicht in Ihren Büchern war. Wenn ich einen Ihrer neuen Romane aufschlug, war ich in Abwehr und Angst wie ein Mädchen gegen den Mann, den sie liebt. Wenn später Ihr Buch zu Ende ging, ging eine große Liebe zu Ende, die mich zur Frau gemacht und die nachklang in Leid und Sehnsucht. Ich heiße Evelyne, Mario Mertens, — ich fahre morgen nach Wien zurück — ich wollte Sie nur einmal sehen." „Sie sind sehr wundersam, Evelyne," — seine Stimme hatte den tiefen Klang des Mannes. Der schönste Roman ist vielleicht der, den man nicht schreibt" sagte der große schlanke Mann, blond wie ein Wunder, als sie zwei Tage später von einem Ausflug zurückkehrten. „Und Sie, Evelyne, sind das schönste Kapitel in diesem schönen Roman." Sie nahm seine Hand und legte ihr Gesicht hinein, „Ich bin sehr glücklich, Mario Mertens." „Lieben Sie mich?" „Ich liebe Mario Mertens." „Und wenn ich nicht Mario Mertens wäre?" Sie sprach in den Himmel: „Das ist unmöglich. Ich hätte Mario Mertens nie betrügen können. Und deswegen sind Sie Mario Mertens? Küß mich, Mario Mertens!" Plötzlich sagte er ernst: „Mario Mertens kommt heute nachmittag an." „Was?" „Ich habe vor drei Stunden sein Telegramm bekommen. Ich bin sein Sekretär." „Nein!" schrie sie, „nein, nein!" „Evelyne —" „Rühren Sie mich nicht an! Das ist alles so schmutzig! Wer sind Sie denn? Gehen Sie! Ich hasse Sie!" Er sprach in ihr Weinen hinein: „Ich schreibe die Romane Mario Mertens. Mertens hat seit zehn Jahren keine Zeile mehr geschrieben. Der Roman „Südhang" war fertig, bevor ich Mertens kennen lernte. Er engagierte mich. Ich war arm, seine Bedingungen waren gut. Seitdem hat Mertens nichts mehr getan, als unter meine Romane seinen Namen zu setzen. „Ich liebe nur Mario Mertens." „Ich bin ja Mario Mertens, den Sie kennen—" Sie starrte ihn an: „Sie! Ich kenne nicht einmal Ihren Namen! Gehen Sie!" mungen hingewiesen werden, aus denen sich folgendes ergibt: Grundsätzlich gebären zur Reichshauptabteilung IV des Reichsnähr- standes alle Betriebe, die sich mit der Verteilung, Be- oder Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, also auch Lebens - und Genußmitteln befassen. Ausgeschlossen ist die Zugehörigkeit lediglich dann, wenn Betriebe neben anderen Waren die genannten Erzeugnisse nur in ganz geringem Umfange führen. Bei Betrieben, die neben anderen Waren auch Gebens- und Genußmittel in einem nicht unerheblichen Umfange führen, greift sowohl die Zugehörigkeit zum Reichsnährstand, Reichshauptabteilung IV, wie auch zu den entsprechenden anderen wirtschaftlichen Verbänden bzw. Berufs- und Standesoertre- tungen Platz. Alle Betriebe, die neben Lebens- und Genußmitteln andere Waren nur in geringem Umfange führen, gehören ausschließlich zur Reichs- Ha u p t a b t e i l u n tz IV des Reichsnährstandes. In Zweifelsfällen entscheidet der Reichsmini st er für Ernährung und Landwirtschaft. Der Rekofei ist keineswegs korporatives Mitglied beim Reichsnährstand, folglich find alle Betriebe, wie auch die Mitglieder des Rekofei, die Lebens- und Genußmittel führen, verpflichtet, sich entsprechend dem Aufruf des vom Reicksnährstand, Reichshauptabteilung IV, mit der Erfassung des Lebens- und Genußmittel-Einzel- Handels beauftragten Pg. P a e s ch, umgehend unter Benutzung der in diesen Tagen durch Postwurfsendung bei ihnen einlaufenden Formulare beim Reichsnährstand zu melden. Es wird alsdann der Entscheidung an zentraler Stelle unterliegen, wie die Zugehörigkeit der einzelnen Betriebe zum Reichsnährstand auf Grund des Umfanges ihrer Beschäftigung mit Lebens- und Genußmitteln zu regeln ist. Wer diese Anmeldung unterläßt, macht sich auf Grund des Reichsnährstandsgesetzes strafbar (Geld- oder Gefängnisstrafe). Entrümpelung und Wohlfahrt! Die Entrümpelung der Böden, die jetzt vom Reichsluftschutzbund in Angriff genommen wird, ist eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen für den Fall eines Luftangriffes. Aber nicht nur im Falle eines Luftangriffes, auch im Falle eines anderen Brandes ist Entrümpelung der Böden von höchstem Wert. Es liegt auf der Hand, daß nicht nur das Feuer weniger Nahrung findet, wenn all die alten Kisten mit Packmaterial entfernt sind, sondern auch die Feuerwehr findet freie Bahn für ihre Löscharbeiten. Es liegt nun in der Natur des Menschen, daß all die Dinge, die er bisher nicht achtete, in dem Augenblick einen Wert gewinnen, in dem er sie abaeben soll. Man muß sich aber von Dingen trennen können, die wirklich für einen selbst wertlos sind, für andere aber sehr wertvoll sein können. Wieviel Freude kann man einem jüngeren Paar mit einem Bett, einer Wiege, einem Schrank machen, an die einen alte Anhänglichkeit bindet, die man aber vielleicht nie mehr gebrauchen kann. Die Freude der jungen Generation ist aber mehr wert und wird mehr innere Befriedigung auslösen, als die Anhänglichkeit an tote Dinge. Wenn jetzt die Beauftragten des Reichsluftschutz» bundes bei euch zur Entrümpelung erscheinen, so gebt freudig, was immer nur möglich ist. Ihr nützt euch selbst und der Allgemeinheit. Sprecher der Jugend bei den Vertrauensräten. Durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit wurden an die Stelle der alten Betriebsoer- tretungen, Vertrauensräte gefetzt, deren Aufgabe die Förderung und Pflege des Vertrauens innerhalb der Betriebsgemeinschaft ist. Bereits vor Monaten gab es in ersten Betrieben Jugendbetriebszellenobleute, die als Sprecker der Jugend den damaligen Betriebsräten beigeoronet waren. Mit der Eingliederung der NS.-Jugendbetriebszellen in die HI., kamen diese jugendlichen Betriebszellenobleute in Fortfall. Das hat sich nachteilig ausgewirkt, denn damit verloren die Jungens und Mädels in den Betrieben den Kameraden, der als ihr Altersgenosse ihre Sorgen teilte und zugleich ihr Vertrauensmann der damaligen Betriebsvertretung war. Um das Vertrauensverhältnis im Betriebe zu stärken und der Betriebsführung die Möglichkeit zur engsten Verbindung mit dem Betriebsnachwuchs zu sichern, ist zwischen HI. und der Arbeitsfront folgende Vereinbarung getroffen worden: Die Ziele und Arbeit der RGB. Erklärungen des Reichsleiters Hilgenfeldt. Der Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt der NSDAP., Reichsleiter Hilgenfeldt, der anläßlich der Auflösung des paritätischen Wohlfahrtsoerbandes in Frankfurt weilte, gab Vertretern der Presse einige grundlegende Aufschlüsse über Ziele und Arbeit der NSV. Nach der Auflösung des paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der jetzt in die NSV. übergeführt worden fei, gebe es in Deutschland noch vier Gruppen der freien Wohlfahrt. An erster Stelle die NSV., die heute mehr als zwei Millionen Mitglieder umfasse; das Deutsche Rote Kreuz; den Caritasverband und die Evangelische Innere Mission. Die Leitung aller Wohlfahrtsarbeit dieser Verbände liege heute bei der NSV., deren nächste Aufgaben die Kinderlandverschickung und die „M üttererholung" seien. Etwa 500 000 Kinder würden durch die NSV. auf vier bis sechs Wochen in die Ferien geschickt. Ein äußeres Ergebnis, das sich zugleich wirtschaftlich auswirke, sei, daß seil Jahren wieder das erste Zitat alle zur Verfügung stehenden Kinderheime den ganzen Sommer über vollbesetzt seien. Von der „Müttererholung" würden 30 000 bis 40 000 Mütter erfaßt. Für die Zeit ihres Urlaubs würden gleichzeitig von der NSV. Haushilfen gestellt. Das Werk der M ü 11 e r e r h o l u n g erschöpfe sich aber nicht allein in dieser Mütterverschickung. Eine wesentliche Aufgabe sei auch die materielle Unterstützung mit Wochen- hilfen, Kinderwäsche usw. Erfreulich sei, daß dis Reichsbahn vor einigen Tagen für die Mütterverschickung der NSV. eine 50prozentige Fahrpreisermäßigung gewährt habe. Neben diesen akuten Ausgaben bereite die NSV. jetzt schon das Winterhilfswerk 1934/35 vor, das am 1. Oktober einsetze. Durch die Erfahrungen des letzten Jahres bereichert, werde das kommende Winterhitfswerk noch umfassender und systematischer durchgeführt werden können, als das letzte. In diesem Zusammenhang kündigte Reichsteiter Hilgenfeldt an, daß in allernächster Zeit eine einheitliche und planmäßige Regelung der Sammeltätigkeit durchgeführt werde. Erfreulich sei die Mitgliederbewegung der NSV., die immer noch zunehme. Im Gebiet des Gaues Hessen-Nassau werden heute etwa 150 000 Mitglieder gezählt, davon etwa 50 000 in Frankfurt und 15 000 in Darmstadt. Für die NSV. werde immer das Wort des Führers Richtschnur bleiben: „Meine Kameraden, Sie sollen die Garanten für den Sozialismus der Partei fein Wenige Stunden später kam Mario Mertens an. Er war der berühmte Sckriftfteller und der Direktor des Hotels schritt ihm yöchstpersönlich entgegen. Der große schlanke Mann, blond wie ein Wunder, half Mertens aus dem mächtigen Rolls Royce. Mühsam, auf den Arm seines Sekretärs gestützt, stieg er die wenigen Treppen zum Hotel empor. Er war alt, müde, fein zu kleiner Mund bewegte sich nervös. Der Anzug lag hilflos um feine eingesunkenen Schultern. Evelyne stand auf der Terrasse, als man Mario Mertens an ihr vorüberführte. „Mario Mertens—" sagte sie tonlos, „Mario Mertens —" Am Abend ging sie zu dem Mann, der groß und schlank war und auf dessen brauner Haut noch die Sonne der Berge lag. Ihr Gesicht vergrub sich in sein volles blondes Haar. „Wir wollen unfern Roman zu Ende leben," sagte sie, „aber er, er wird nie seinen Namen drunter schreiben." Weiß Zerdl: „©er Meisterboxer". Es ist natürlich ein aufgelegter Schwindel, daß Weiß Ferdi diesmal ein Meisterboxer sein soll. Er ist es nur, dank der Initiative seines Kompagnons, der ihm zu einigen freien Stunden verhelfen will, über die sonst seine Gattin, sehr sorgfältig wacht. Dem Wurstfabrikanten Breitenwieser, den Weiß Ferdi diesmal darstellt, kommt natürlich außerdem der Zufall zustatten, daß ein berühmter Boxe? auch Breitenwieser heißt. Der „Meisterboxer" ist gleichzeitig der Vorwand dafür, die vom Arzt aufgelegte Diät zu umgehen. Und während nun die Familie eifrig am Radio den Kampf ihres Haushaltungsvorstandes verfolgt, sitzt der Herr Wurstfabrikant in einem Hotel und ist eifrig mit einer ausgewachsenen „Kalbhaxn" beschäftigt. Gleichzeitig hört auch er sich den Kampf an, um im Bilde zu sein. Es war von vornherein klar, daß dieser Schwindel schief gehen mußte. Er tat es denn auch gründlich! Breitenwieser, der Wurstfabrikant, kam mächtig ins Gedränge, ja, er mußte sogar zu einem Probekampf aegen einen Neger — dazu noch vor den Augen seiner Gattin — antreten und schon damit wurde seine „Laufbahn" besiegelt. Aber erst allmählich löste sich die Fülle der inzwischen angerichteten Verwirrungen, zu dem außerdem die Tochter noch den echten Breitenwieser kennen lernte. Nur seinem Sohne Fritz hat es der Meisterboxer zum Schluß zu danken, daß es nicht zu der stets befürchteten Gardinenpredigt kommt. Die Handlung ist ganz auf Situationskomik eingestellt und jede der lustigsten Szene wechselt in die andere hinüber. Die Darstellung ist recht gut. Weiß Ferdi ais Wurstfabrikant und „Meisterboxer" reizt in jedem Bild zum Lachen. Neben ihm sind zu nennen: Käthe Haack als seine Frau Adelheid, Hans I u n f e r m a n n, als der schlaue Mitinhaber der Firma Wurstfabrik und geistige Vater der Meisterboxer-Jdee, Fita B e n k h o f f, als Amalie Wipperling, die Inhaberin eines Modegeschäftes und stets eifersüchtige Frau ihres Mannes Tobis (Paul Henkels). In ansprechenden Rollen sieht man ferner Eduard Wesener und Margot Wagner als die Kinder Breitenwiesers. Genia Nikalojewa und Rudolf Platte als Tanzpaar Colette und Sullivan gefallen sehr gut. Der Film wird seiner Aufgabe, gut zu unterhalten, vollauf gerecht. Wer herzhaften Humor liebt, wird nicht versäumen den Bildstreifen anzusehen. Das Filmlustspiel läuft seit gestern abend im Lichtspielhaus Bahnhofstraße. 0ie Leistungen eines Rekord-Tauchers. Die Kühnheit und Ausdauer eines Mannes, der Tag für Tag Leben und Gesundheit aufs Spiel gesetzt hat, ermöglicht den Bau der größten Brücke der Welt, die das Goldene Tor von San Franzisko Überspannen soll. Dieser Mann ist der Inspektor der Unterwasser-Konstruktion der Brücke, William S. Reed, ein geübter Taucher. Der Mittelbogen der Brücke, die 75 Millionen Dollar kosten wird, hat eine Länge von 1280 Meter. Außerdem wird noch eine andere Brücke errichtet, die San Franzisko mit dem über aroölf Kilometer entfernt auf der anderen Seite der Bucht gelegenen Oakland verbinden soll. Drei große Pfeiler, von denen zwei in vorher niemals erreichte Tiefen hinuntergehen, müssen in den Felsgrund verankert werden, und es ist Reeds Aufgabe, für die höchste Standfestigkeit dieser Betonpfeiler zu sorgen. Zu diesem Zweck vollbrachte er zwei Rekord-Tauch-Leistungen an einem Tage. Das eine Mal ging er 70, das andere Mal 72 Meter hinunter. Nach dem ersten Tauchen wurde er fast bewußtlos herausgeholt, erholte sich aber rasch und sagte: „Keine Sorge, das war nur eine kleine Ermüdung!" Dann stieg er von neuem in die Tiefen^ Nachdem er seine Unterwasser-Untersuchungen vor- läufig beendet hatte, wurde er in eine „Kompressionskammer" gebracht und hielt sich unter Wasser ober in dieser Kammer drei ganze Tage auf. Wahrend dieser Ziet tauchte er fünfmal tiefer als 60 Meter. Reed erhält ein Jahresgehalt von 15 000 Dollar, und die amerikanischen Blätter haben ausgerechnet, daß ihm damit ein Dollar für den Fuß aller seiner Tauchleistungen in Tiefen von mehr als dreißig Meter bezahlt wird. merung im Germanentum und Judentum . ( Selbsthilfe ist die Parole! Nachdruck verboten! 14 Fortsetzung P Seele lebte. Ur 2 r L e 2 I r 5 5 2 8 d k n L tu da all bet bie ter n« v Id Ql D Ä Ul D( n< Id C Das Deutsche Reich darf bekanntlich keine Jagd-, Aufklärungs- und Bombenflugzeuge unterhalten. Cs darf auch nirgends ein Flugabwehrgeschütz ausgestellt oder eingebaut werden. Aber das deutsche Volk kann sich gegen etwaige Luftangriffe selbst schützen. Unsere ehemaligen Kriegsgegner haben es uns im Jahre 1926 gestattet. Parteihader und innere Zerrissenheit haben in der Vergangenheit jeöe Maßnahme zum Schutze von Leben und Eigentum unmöglich gemacht. Ueber die ersten zaghaften Versuche kam man nicht hinaus. Erst als vor mehr als einem Jahre Reichs- minisler Goring den Anstoß zur Gründung des Reichsluftschuhbundes gab. gelang es in zähester Arbeit, von TNonat zu Monat immer größere Massen des Volkes von der Notwendigkeit des Luftschutzes zu überzeugen. Unentwegt geht die Werbung weiter. An alle Kreise des Volkes wird appelliert, in den Städten, auf den Dörfern wird die Werbetrommel gerührt — immer stärker wird das Bewußtsein der großen Gefahr, in der arbeitsame, friedliche deutsche Menschen schweben, und immer leidenschaftlicher der Rascheln von Papier... Was hatte Liewen vor? Am vergangenen Tage hatte sie keine Möglichkeit mehr gehabt, ein Wort mit ihm zu sprechen. Er hatte sie nur ab und zu so drohend angesehen, daß ihr das Blut in den Adern erstarrt war. Run aber hörte sie die Zofe mit dem Frühstück kommen, -astig chlüpste sie ins Bett zurück. Auf dem silbernen Frühstückstablett lag neben dem hauchfeinen Porzellanservice ein Schreib- maschinenbrief. Es war die Schrift von Siemens Maschine. Sie erkannte sie sofort. Denn er war so vorsichtig, daß er ihr niemals eine Nachricht handschriftlich zukommen ließ. Hastig öffnete sie den Brief: „Ich habe ein paar Tage in England zu tun. Du wirst inzwischen nach den Weisungen von Burton arbeiten. Den Marquis hast Du unbedingt in diesen Tagen so weit zu bringen, daß er höher spielt. Nimm Dich zusammen, das kann ich Dir nur raten. Brief sofort vernichten." Lou zitterte. Sie hatte das Gefühl, als balanciere sie auf einem schmalen Seil über einen tiefen Abgrund. Als würden sie bald die Kräfte verlassen. Sie würde herunterstürzen, um zerschmettert liegen» ie ansah? Sie drehte den Karton herum. Wight, Crab-Cottage, stand da, und das Datum dieses Monats. Ratlos sah sie auf das Bild des schönen, kindlichen Mädchens. Sie verstand das alles nicht. Aber daß es in einem Zusammenhänge mit Liewens Reise stand, das war ihr sofort klar. malvenfarbige Brief Madame de Lormes, den er vor wenigen Stunden noch mit so wildem En^ zücken geöffnet und gelesen hatte. Hatte er doch nicht anders geglaubt, als daß Madame de Lormes ihn mit diesen Zeilen endlich zu einem geheimen Rendezvous aufgefordert hätte. Er nahm das Blatt in die Hand. Der schwache Duft von Lou de Lormes Parfüm stieg süß und lockend aus den Zeilen zu ihm empor — da warf er mit einem wilden Laut der Verzweiflung den Brief von sich. Mit irren Augen öffnete er die Schublade des Schreibtisches. Metall klirrte hart auf Holz... Da wurde die Tür aufgerissen. Er fuhr herum. Mit einem Aufschrei stürzte Sofia herein — und riß Alexander die Waffe aus der Hand Du!" stammelte er und brach in dem wetzet wiederfinden. Es trieb sie von hier fort, fort aus dem blühenden Lande, unter dessen Schönheit sich so viel Wurmstichigkeit der Menschen verbarg. Aber ehe sie abreiste, schickte sie noch an Lou de Lormes einen Riesenkorb herrlichster Edelrosen mit ein paar Zeilen: „Sofia Demidoff denkt Ihrer in Dankbarkeit und mit innigsten Wünschen." Diese Blumen erhielt Lou de Lormes, als sie nach einer schlaflosen Nacht sich endlich aufraffte. Sie tauchte ihr Gesicht in die duftende, glühende Rosenpracht, und eine heiße Träne glänzte wie Tau b k 2 u r (t t Die Pressestelle der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung teilt mit: Es ist immer noch zu wenig bekannt, daß nach dem Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes vom 15 Mai 1934 und der dazu ergangenen Anordnung für die Stadtgemeinde Berlin vom 17. Mal 1934 (abgedruckt im Reichsanzeiger Nr. 114 vom 18. Mai 1934) die Arbeitsaufnahme für Personen, die am 18. Mai in der Stadtgemeinde Berlin und den umliegenden Gemeinden keinen Wohnort hatten, nur mit Zustimmung der zuständigen Arbeitsämter erfolgen kann. Arbeitsuchende werden daher dringend davor gewarnt, ohne Zustimmung eines Berliner Arbeits- amtes zur Arbeitsaufnahme nach Berlin zuzuziehen. (ti i^cncr dien matt tv reife * Gießen, 26. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier Klasse S 101/», Klasse A 10, Klasse B 91/», Klasse C 9, Klasse O 8, ungestempelte Th, Wirsing, das Pfund 15 Weißkraut 15, Gelbe Rüben, Bund 10, Rote Ruben 10, Spinat, das Pfund 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 20 bis 25, (gelb) 30 bis 40, Spargel oO bis 40, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 15, Rhabarber 8, Kartoffeln (alte) das Pfund 5 Pf., der Zentner 5 Mark, neue, das Pfund 10 bis 15, Himbeeren 50, Kirschen 20 bis 25, Heidelbeeren 25 bis 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 50 bis 70, Tauben, das Stück 50 bis 70, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 35, Oberkohlrabi 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 25, Radieschen, Bund 8 : bis 10 Pf. Daten für Dienstag, 26. Juni. 1583: der schwedische Staatsmann Axel Oxenstierna auf Fanö geboren (gestorben 1654); — 1841: der Architekt Paul Wallot in Oppenheim a. Rh. ge- : hören (gestorben 1912); — 1918: der österreichische Dichter Peter Rosegger in Krieglach gestorben (ge= t 2 ti d 8' ll ti Was mein einst war... Vornan von Klothilde von Stegmann Urheberrechtsschutz-. Fünf-Türme-Verlag Halle ,(S.) ** Ernennungen. Rach einer Mitteilung des Personalamtes wurde am 19. Ium 1934 der Krels- schulrat Gottfried Kremer zu Bensheim mit der ommisiarischen Wahrnehmung der Dienstgeschafte des Kreisschulrats bei dem Kreisschulamt Büdingen beauftragt. - Der Meß- und Kanzleigehilfe bei dem Vermessungsamt Nidda, ®eor9 Weber- Nidda, wurde unter Berufung m bas Beamtenoer» hältnis mit Wirkung vom 1. Marz 1934 zum Konzerne Körperschaft öffentlichen Rechts. Ein Ehren- aericht das bei der Handwerkskammer gebildet wird, kann in schweren Vergehen gsgen Beruf, Standesbewußtsein und Standesehre schwere Strafen bis zu 1000 Mark verhängen. Dadurch wird eine Klärung und Bereinigung des Handwerks vorgenommen werden können. Auch dem Obermeister sind Machtbefugnisse verliehen, mittels der er Strafen bis zu 100 Mark verhängen kann. Schließlich geht das Aufsichtsrecht auf die Handwerkskammer über. Kreisamtsleiter Pg. Schimmel aab m großen Zügen eine gedrängte Uebersicht über die innere und äußere Lage. Er wies auf die hoffnungslosen Verhältnisse bei der Uebernahme der Macht hm und rief alle Kräfte zum Aufbau am neuen Werk aus. Dabei verwies er auch auf einige seltsame Äußerungen merkwürdiger Zeitgenossen in Gießen die die neue Zeit noch immer nicht begriffen haben. Ortsgruppenleiter Stühler sprach dann über die Neuordnung ab 1. Oktober, zu welchem Zeitpunkt die neuen Mitglieder der Arbeitsfront ausgenommen werden müssen. Um diese besser an den Nationalsozialismus heranzuführen, erfolgt die Neueinteilung in vier Ortsgruppen nach dem Vorbild der politischen Organisation, und zwar m Gießen-Mitte, mit Kreiskassenwart Waag als Ortsgruppen-Amtsleiter, Gießen-Nord (Pg. Z u t t), Gießen-Oft (Pg. Stühler) und Gießen-Sud mit Po. Karpf als kommissarischen Amtsleiter. Die Block- und Zellenwarte werden in den nächsten Sitzungen der neuen Ortsgruppen, die entgegen früherer Beschlüsse im Juli ftattfinben, bestimmt werden. Im Schlußwort streifte Kreisamtsleiter Schimmel noch einmal die Warenhaus- und Konfumvereinsfrage. Warnung vor Zuzug nach Berlin! Mitgliederversammlung der NG-Hago Gießen Nord. Die NS.-Hogo Gießen-Nord, Ortsbetriebsgemein- fchaft für Handel und Handwerk, hielt gestern unter dem Vorsitz von Ortsgruppenleiter Pg. St uh l er die letzte Mitgliederversammlung vor der Neugliederung ab. Der Abend diente in erster Linie der Bekanntgabe der neuen Verordnung über den Nus- bau des Handwerks, für den in 99 Paragraphen die längst erwünschten Richtlinien gegeben werden Darinnen werden zum ersten Male Meister, Geselle und Lehrling als gemeinsame Gliederung der Innung bestimmt. In Zukunft gehören zum Verrat des Obermeisters auch der Altgeselle, dem wiederum ein Gosellenbeirat zur Seite steht. Wahrend der Altgeselle zu allen Beratungen in Jnnungsange- legenheiten hinzugezogen wird, muß der Gesellenbeirat in allen Arbeitnehmer- und Lehrlingsfragen angehört werden. Damit hat der Reichshandwerker- meister aus der traditionsreichen Zunftordnung des Mittelalters das, was er für gut hielt, gebührend berücksichtigt. Dadurch soll aber auch der letzte Nest des Marxismus aus dem Handwerk beseitigt werden: denn erst in ihrer Geschlossenheit bilden Meister, Geselle und Lehrling die Innung, deren Gesamtfragen alle in gleicher Weise betreffen Der Redner gab dann einige der wichtigsten Paragraphen, die die Allgemeinbestimmung den Au bau und die Gliederung der Innungen betreffen, bekannt und unterstrich besonders benjenigen Paragraphen, ber bestimmt, baß alle, die einen Handwerksberuf ausüben, pflichtmäßig einer Innung angehören müssen. Die Innungen werden Dem Dertrauensrat wird ein Mittzlied der HI. bzw. bei den weiblichen Jugendlichen ein Mädel des BdM. als „Sprecher der Jugend" beigegeben. Der Sprecher der Jugend vertritt seine Kameraden innerhalb des Vertrauensrates, insbesondere bei dem Betriebsführer und nimmt sich aller Angelegenheiten an, die den Betriebsnachwuchs betreffen. Er bekommt feine Anweisungen vom Vertrauens- rat und ist außerdem dem Referenten (Referentin) im sozialen Amt der HI. (BdM.) verantwortlich. Da die Jugendleiter der DAF. bzw. deren Verbände als Referenten der HI. zu gelten haben, find die Sprecher der Jugend diesen verantwortlich. Die Verbindung der Sprecher der Jugend mit den Referenten der HI. und damit dem Sozialamt der HI. soll der Pflege der Kameradschaft im Betriebe und der Heranbildung der Jugend zu einem neuen Berufsethos dienen. Die Betriebsgruppenjugendleiter und deren Referentinnen werden in allen Betrieben mit mindestens 5 Jugendlichen aus ber Zahl berfelben einen Jungen bzw. ein Mäbel auswählen unb im Em- verstänbnis mit bem Dertrauensrat bes Betriebs als „Sprecher ber Jugenb" einfetzen. Der Spre- cher ber Jugenb muß Mitglieb ber HI. e i n unb bas Vertrauen feiner Kameraben beiden. Sämtliche Betriebsgruppenjugenbleiter unb )eren Referentinnen müssen mir bis zum 1. 3 u 11 19 3 4 bas Einsetzen ber „Sprecher ber Jugenb m allen ihren Betrieben mit genauer Personalangabe gemelbet haben. Es ist weiterhin eine Selbstver- stänblichkeit, baß alle Kreis- unb Betnebsaruppen- jugenbleiter barauf sehen, baß alle jugenblichen Mlt- glieber ber DAF. auch Mitglieber ber HI. sind. Die Betriebsgruppenjugenbleiter haben mir bis zum obengenannten Termin ihre genaue Anschrift einzusenben, weiterhin haben sie mir sämtliche jugenblichen Mitglieber ber DAF. in ihren Betrieben zu melben, (Mitglieber ber Betriebsgruppen finb auch Mitglieber ber DAF.). Die Betneds- gruppen jugenbleiter melben ebenfalls bis zum 1 Juli 1 934, wo noch Heimabenbe ber Ve- triebsgruppen ftattfinben. Der Kreisjugenbleiter ber DAF. unb Referent für zusätzliche Berufsschulung im Bann 116: gez.: Walter Fritzges, Scharführer. (Meine Anschrift: Gießen, Schanzenstraße 18.) zusammen. Sofia atmete tief auf: „Ja, ich bin es!" wieberholte sie, sich gewaltsam zur Ruhe zwingenb. „Ich bin es, unb ich habe dir nur eins zu sagen, Alexanber — überlege, bitte, was mutiger ist: weiterzuleben unb mit dieser Verirrung deines Herzens fertigzuwerden, oder daoon- zugehen und zwei Frauen als Opfer zurückzulassen — jene mutige Frau, die sich nicht scheute, sich selbst eines schweren Unrechts zu bezichtigen, um dich vor dir selber zu retten — und", ihre Stimme wurde heiser, unhörbar fast — ,,mich selbst zu opfern, die trotz dieser Wochen des Leides und des Verrats nicht aufgehört hat, dich zu lieben." Der Mann sah mit einem erschütternden Blick auf das weiße, reine Gesicht Sofias: „Sofia! Du haft recht! Es wäre feige von mir, sehr feige! Ich will versuchen, zu überwinden, Sofia. Aber du mußt Geduld mit mir haben, viel Geduld." Da nahm sie statt einer Antwort feinen Kopf in die Hände. Er lehnte sich an ihre Brust, wie ein Kind, das sich verirrt unb heimgefunben hat. Eine sichtliche Befreiung gina über Liewens Züge „Nun, bas wirb er halten. Ich verstehe mich auf bie sogenannten Gentlemen ber Gesellschaft. Also bu kommst bann nach. Mache bich so schön wie möglich, vielleicht beißt ber Marquis b'Estrelle enb- lich an, bamit bu die Scharte auswetzen kannst, lieber das andere sprechen wir noch!" fügte er drohend hinzu. Er ging hinaus, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Lou blieb am Boden liegen, wohin der brutale Griff Liewens sie geworfen hatte. Sie konnte nicht mehr meinen; alles in ihr war tot und ausgebrannt. Hätte sie sich doch frei machen können, frei von diesem furchtbaren Menschen. Aber sie wußte, sie würde es diesmal ebensowenig können wie vor Jahren, als sie seine Frau wurde. Sie war ihm verfallen, und sie würde an ihm zugrunde gehen. Mit schmerzenden Knien erhob sie sich endlich unb wankte ins Ankleibezimmer, um sich fertig zu machen. Sie lehnte bie Hilfe ber Zofe, bie aus bem Dienerschaftszimmer herauskam, ab. Sie wollte bem Mäbchen mit ben neugierigen, roiffenben Augen ihre Verstörtheit nicht zeigen. Si?b erhochzeit. Seinen 50. Geburtstag unb bas Fest ber silbernen Hochzeit kann am Donnerstag, 28. Juni, ber Kellner Wilhelm Rau unb Frau Elisabeth, Bubbestraße 4 feiern. Der Jubilar wohnt schon 24 Jahre in seiner jetzigen Wohnung unb ist schon 25 Jahre lang Bezieher bes Gießener Anzeigers. , ~ ** Ein sozialer Arbeitgeber. Der Dachbeckermeister Karl L a p p von hier nahm dieser Tage Gelegenheit, seinen Betriebsangehörigen eine besondere Freude zu bereiten. Er fuhr an einem Arbeitstage mit seinem ganzen Personal durch das schöne Lahntal über Weilburg, Limburg und durch das Wiesental nach Caub. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde die Schiefergrube „Erbstollen in Caub besichtigt. Die dortigen Betriebssichrer zeigten sich sehr entgegenkommend und so war den besonders interessierten Teilnehmern der Fahrt Gelegenheit gegeben, in die Grube einzufahren und jenes Material an Ort und Stelle seines Ursprungs zu sehen, mit dem sie täglich umgehen. Die Besucher fanden das Werk in vollem Betrieb und konnten auch die Verarbeitung der Schieferblöcke in Sage- und Schneidemaschinen bis zu den fertigen Dachschindeln verfolgen. Von Caub aus fuhr die Reis^ gefellschaft nach Rüdesheim und verbrachte auch dort einige unterhaltsame Stunden. In den fpaten Nachmittagsstunden wurde bie Fahrt nach Wies- baben weiter fortgesetzt. Auf einem Spaziergang mürbe bie Weltkurstabt eingehenb besichtigt. Die Fahrt würbe für alle Beteiligten baburch zu einer befonberen Freube, ba ber Chef nicht nur alle Unkosten trug, sonbern auch ben Lohn für ben vollen Tag ausbezahlte. . ** Schweres Gewitter über Gießen. Gestern gegen 13 Uhr entlub sich über unserer Stabt unb ber näheren Umgebung ein schweres (Bernitter. Das Unwetter zog sehr rasch herauf. Blitz auf Blitz burchzuckte bie schweren Wolkenmassen und fast unaufhörlich rollte der Donner. Gleichzeitig Zwölftes Kapitel. Miß Crab war sehr erstaunt, als sie von London aus angerufen wurde und Liewen ihr mitteUte, daß er am Abend auf der Insel sein und zu ihr heraufkommen würde. Er hätte Wichtiges mit ihr zu besprechen; er bäte aber darum, daß Edele auf keinen Fall mit ihm zusammenträfe. Miß Crab schickte dementsprechend die Zoglmye etzt zeitiger als sonst ins Schlafzimmer, was em leises Murmeln der Empörung auslöste, aber durch die drohenden Blicke Miß Crabs alsbald unter« drückt wurde. Edele allein war mit diesem Befehl einverstanden. Sie sehnte jeden Morgen den Abend herbei, ber bem oben Einerlei bes Tages ein Enbe machte. Sie war auf bieser Insel wie lebenbiy begraben, von der sie wohl nie wegkommen würbe, solange sie nicht münbig war. Unb wenn sie münbig war — was mürbe* bann sein? Da sie, wie Miß Crab ihr oft genug versicherte, ohne alle Mittel unb ganz auf die Gnade ihres unbekannten Gönners angeroiefen mar, mürbe ihr Leben auch bann nicht rosiger sein. In trüben Gebanken fleibete sich Ebele aus, in« dessen aus dem großen Schlaffaal nebenan noch lautes Schmatzen und Lachen tönte. Wie hatte sie sich früher gesehnt, mitzutun in diesem fröhlicken Kreise! Nun mar ihr schon alles gleichgültig. Ihr mar, als lägen nicht Jahre, sondern Jahrzehnte zmischen ihrer Kindheit in Smanebloe unb bem jetzigen Dasein. Des Vaters Bilb versank immer mehr, besgleichen Smanebloe. Nur an Malte bachti sie immer mieber, obmohl sie sich sagte, baß er fit vergessen hätte. Ebele trat ans Fenster, um bie Vorhänge zuzu« ziehen. In zauberhaftes Monblicht gebabet lag bie Insel ba. Fast taghell mar es. Hinten schimmerte in bleichem Glanze bas meite Meer. Heiße Sehnsucht erfaßte Ebele. Dort jenseits bes Meeres lag bas Leben, lag bie Welt. In roilbem Lebensdurst streckte sie bie schlanken Arme aus. Da hörte sie bie harten Schritte einer Lehrerin ben Gang entlang erklingen. Schnell löschte sie bas Licht unb schlüpfte ins Bett; aber lange konnte sie boch nicht einschlasen, hörte Stunbe um Stunde die Turmuhr der kleinen Kirche im Ort schlagen, und in die elf Schläge mischte fick ein Motorrattern, ’ ein Geräusch, wie von einem Auto, das spät noch den Weg zu Crab-Cottage hinauffuhr. (Fortsetzung folgt.) zubleiben. , Als die Zofe heraus war, zerriß sie den Brief in viele kleine Teilchen, die sie in Brand steckte, bis nichts mehr übriggeblieben war als ein Häufchen mißfarbene Asche. Eine Stunde darauf hörte sie Liewens Stimme im Korridor, fah durch einen Spalt der geöffneten iür Hoteldiener einen Schrankkoffer tragen und Liewen selbst im Mantel und Hut hinter den Trägern die Treppe hinuntergehen. Sie schlug im Kursbuch nach. Er nahm sicherlich den' Zug, der in etwa einer halben Stunde vom Hauptbahnhof aus abging. Eine eigentümliche Unruhe erfaßte Lou. Was hatte Liewen so plötzlich in England zu tun, daß er sogar hier die aussichtsreichen Spielgewinne im Stich liefe? Waren aus England nicht schon immer Briese gekommen, dicke Briefe mit verschiedenen Einlagen, die Liewen hastig weggesteckt hatte? Ahnung eines Unheils überkam die unglückliche Frau. Kaum war sie angezogen, da schlich sie durch die Oefsnung bes Wanbschrankes in Liewens Zimmer. Es war abgeschlossen. Er hatte sicherlich ben Schlüssel beim Portier unten abgegeben ober mitgenommen. Er war nur mit kleinem Gepäck gereift; bie Hauptzahl feiner ©egenftänbe war yiergeblieben. Sie versuchte, bie Schreibtischschublaben aufzu- ziehen, aber sie waren verschlossen. Da — in einem Spalt — vermutlich beim hastigen Zumachen eingeklemmt, sah etwas Weißes hervor. Es war bas zlmnieurbuib eixuts tun gen Mäbchens, nicht sehr gut, Wille, im Wege ber Selbsthilfe möglichen Gefahren vorzubeugen. „ Das Reich unb bie Behörben können nicht alles machen Man barf nicht immer auf ben Befehl warten. Man muß im Rahmen ber Anweisungen unb Ratschläge bes Reicksluftschutzbunbes f e l b ft ans Werk gehen. Die Arbeit ist ungeheuer umfangreich, sie erforbert ben vollen Einsatz ber Menschen, sie verlangt Ernst, Ausbauer, Zähigkeit unb heiße Liebe zu Heimat unb Herb. Jeder Deutsche wirb aufgerufen, an bem Schuhe unb ber Erhaltung seines Heimes, feiner Werkstatt, feines Betriebes mitzuarbeiten. Jeder muß wissen, baß er im Interesse ber Volksgemeinschaft hanbett, wenn er für einen geringen Beitrag IHitglieb bes Reichsluftschuh- bunbes wirb. Jebe Ortsgruppe bes Bunbes gibt bereitwilligst Auskunft. Gibt es an einem Ort noch keine Gruppe, roenbe man sich an die ßanbesgruppe bes Reichs- luftschutzbunbes in Frankfurt a. M., Schumann- straße 52a. So faß sie benn baIb allein vor bem breiteiligen Spiegel. Sie wollte schön fein, schöner noch als sonst bamit ber Mann, dem sie mit Leib und Seele gehörte, und der sie für seine Zwecke ausnützte, mit ihr zufrieden mar... Als eine Stunde später eine traumhaft schone Frau in einem glitzernden, weißen, langschleppenden Perlengewande die Stufen $u ber großen Halle herunterhuschte, unb, einaehullt in einen blonben Zobelpelz, in ihr Auto stieg, ahnte keiner ber de- rounbernben Zuschauer, was hinter blesem lächeln- ben, rosigen Gesicht für eine bange, verzweifelte boren 1843). ^ornoll.;en — Tagestalenber für Dienstag Lichtspielhaus, Bahnhosstraße: „Der Meisterboxcr Am nächsten Morgen reiften Alexanber Demibof I unb Sofia in ihre Heimat ab. Alexanber wollte ar l* seine Arbeit. Er wußte, nur so konnte er sich selbst Alexanber Demiboff war nach ber nieberschmet- , ternben Eröffnung, bie ihm Lou gemacht, rote ein , Wahnsinniger aus bem Hotel gestürzt. ®r rannte ] durch die Strafeen Roms, Stunden um Stunden. | Wie ein Peitschenhieb war ihm bie Erkenntnis ge- wesen, was für ein Spiel man mit ihm fletrieberu Brennenbc Scham war es, unter ber sich sein Stolz unb feine Leidenschaft aufbäumte. Er raffe gegen sich selbst, gegen Lou, gegen bie ganze Welt! Der Schlag, ben Lou ihm versetzt - er konnte ihn nicht überleben... Wie lange er so in ben Straßen Roms herum- 22.« «SÄ.-8Ä »ÄrÄ»SSs ZJ.nn in, Germanentum unb Judentum . hören k°nn"n wu?de L unserer Stadt keinerlei Schaben angerichtet. ** Die Insel ber Dämone n". Gestern, 3U später Abenbstunbe wurde im ^Lichtspielhaus Bahnhofstraße ein Kulturfilm außerordentlichen Gepräges gezeigt. Der Film führte auf die Jnfel Bali in das kleine Dorf Bedulu und schilderte m straff zusammengefaßter Form das Leben ber Dortigen Bevölkerung und insbesondere den Damo- nenglauben, in dem der Balinese mit ^er^ uiu) Sinnen befangen ist. Der Bildstreifen m Regie und Manuskript von Dr. Dalsheim, unter der Expeditionsleitung von Baron P l e s s e n m Mel- jähriger sorgfältiger künstlerischer und wissenschaftlicher (ethnographischer) Arbeit hergestellt, führte in herrlichen Bildern mitten hinein in den Ablauf der Tage der Menschen in diesen gesegneten Gefilden und gab einen vollkommenen Ueberblick über die Arbeit, über bas Denken unb Fühlen, über Freude und Schmerz jener Menschen, deren Wesen uns Europäern vielleicht immer mehr ober weniger rremb bleiben wirb. Mit gesteigertem Interesse folgt man ben klaren Bilbern, bie bie kultischen Ge- bräuche, bie religiösen Hanblungen, bie Opferhand- lunqen für bie Dämonen, roiebergeben. Ganz außer- orbentlich einbrucksooll waren bie Bilber, bie bie kinblichen Traumtänzerinnen zeigten, die durch ihren Tanz die Dämonen versöhnen sollten, ge- spannt folgte man dem Weg des jungen Wajan, der auf gefährlicher Reife durch den Urwald heiliges Wasser holt, damit das Dorf wieder gereinigt werde, nachdem die bösen Geister den Dorfbewohnern durch die Pest ein Teil der Kinder genommen hatten. Der Film, der in einer sorgfältig ausge- roogenen Handlung und in völlig ungezwungenem Ablauf jenes auf der einen Seite glückhaften und dann wieder leidenschaftlich verzerrten und oer- irrten Lebens wiedergab, hat sicherlich auf ben größten Teil ber zahlreichen Besucher feinen Gm- bruck nicht verfehlt. Die ausgezeichnete Photo- graphie, bie biefem Film eine künstlerische Note gibt, brachte eine Fülle prächtiger Aufnahmen ber Menschen von Bali unb eine Anzahl Bilber von hochinteressanten Bauten, bie ob ihrer großartigen Architektur auf eine hohe Kultur früherer Epochen schließen ließen. Der Besuch bieser Spat- abenbvorstellüng bebeutete 1V2 Stunben einer reinen Freube unb vermittelte aufeerbem viel Wissen, das : I hier in glücklichster Form den Zuschauern nahegebracht wurde. II Große Saarkundgebullg in Heuchelheim. rf. Heuchelheim, 25. Juni. Die von dem Sportverein 1920 und der politischen L e i - t u n a der NSDAP, am 23. und 24. Juni veranstaltete Saarkundgebung nahm einen glänzenden Verlauf und bewies in ihrer Gesamtheit, daß die Einwohnerschaft Heuchelheims geschlossen hinter den Zielen des Dritten Reiches steht und einer derartigen nationalen Kundgebung einen würdiaen Rahmen zu geben weiß. Veranlassung zu dieser nationalen Feier war ein von dem Spv. 1920 getätigtes Gesellschaftsspiel zwischen der Ib- Mannschaft, des bekannten Saarvereins „Borussia" Neunkirchen und seiner I. Mannschaft. Der Empfang der saarländischen Gäste am Samstagabend gestaltete sich schon zu einer erhebenden Feier. Die in geschmückten Autos in Gießen abgeholten Fußballfreunde wurden am Dorfeingang von den Organisationen der NSDAP., SA., SAR., HI., JV., BDM. und der PO. Unter Vorantritt des Trommlerkorps der Feuerwehr und der Musikkapelle des Marinesturms Wetzlar mit klingendem Spiele zu dem Vereinslokal geleitet. Das ganze Dorf hatte sich zu diesem Empfang festlich geschmückt und überall grüßten die Hakenkreuzsahnen und die Fahnen schwarzweißrot, In dem Dereinslokal, in dem sich der größte Teil der Einwohnerschaft Heuchelheims versammelt hatte, begrüßte zuerst der Vereinsführer Hermann Weber die erschienenen Gäste und hieß besonders die Saarländer herzlich willkommen. Namens der Gemeinde begrüßte Pg. Bürgermeister Rinn die saarländischen Gäste und wies in überzeugenden Worten auf die große nationale Bedeutung dieser Feier hin. Auch die Heuchelheimer Einwohner wollten ihren Willen zum nationalsozialistischen Staate durch die Tat beweisen und diese Veranstaltung soll den Volksgenossen an der Saar zeigen, daß es für uns Deutsche keine Saarfrage gäbe, daß ganz Deutschland geschlossen hinter der Saar stehe und alles tun werde, um ihre Heimat von 15jähriger Schmach zu befreien und sie zu ihrem Mutterlande wieder zurückzuerobern. Kreisführer Henkel (Gießen) begrüßte die Gäste namens des Deutschen Fußballbundes und führte aus, daß die am Sonntag stattfindende sportliche Veranstaltung nicht nur für den Sport werben solle, sondern daß sie ein Symbol sein solle für die Verbundenheit zwischen dem deutschen Vaterlande und der Saar. Für den Fuß- ballverein „Borussia" sprach Herr Duill (Neunkirchen) Worte des Dankes an den gastgebenden Verein und der gesamten Einwohnerschaft für den überaus herzlichen Empfang, der ihnen hier bereitet worden sei. Er ging dann näher auf die Saarverhältnisse ein, und schilderte den Kampf, der dort unten um die Wiedervereinigung mit dem Reich geführt würde. 93 Prozent der Saarbevölkerung sei in der „Deutschen Front" vereinigt und die Rückkehr zum Reich sei für sie keine Frage der Abstimmung, sondern nur noch eine Frage der Zeit. In sein Sieg-Heil auf den Reichskanzler Adolf H i t le r, den greifen Feldmarschall von Hindenburg und auf das deutsche Vaterland stimmte alles freudig mit ein. Begeistert wurde das Deutschlandlied, das Horst-Wessel-Lied und das Saarlied gesungen. Zur Verschönerung der Feier trugen wesentlich die drei hiesigen Gesangvereine „Liederkranz", „Teutonia" und „Germania" bei. Ein Weckruf leitete am Sonntagmorgen die Feierlichkeiten ein. Auf dem Sportplatz fanden ab 9 Uhr leichtathletische Vereinswettkämpfe statt. Um 13 Uhr formierte sich „Am Kreuz" ein Ieslzug, an dem wieder außer den Gästen von der Saar und dem Sportverein sämtliche Organisationen der NSDAP, sowie auch der Kriegerverein Heuchelheim in stattlicher Zahl teilnahmen; durch den festlich geschmückten Ort ging es auf den Sportplatz, wo Die eigentliche Saarkundgebung stattfand. Nachdem ein Masfenchor, bestehend aus den drei hiesigen Gesangvereinen die „Mahnung" (Vesper) zum Vortrag gebracht hatte, sprach Kreis- propaganbaleiter Schmelz (Gießen). Er erinnerte an den von Müller und Bell abgeschlossenen Schandvertrag von Versailles und schllderte den Kampf, den die NSDAP, von Anfang an dagegen geführt habe. Sie habe den Kampf um die Ehre Deutschlands geführt und nachdem sie an die Macht gekommen sei, mit dieser Parole die wunderbare Tat fertiagebracht, innerhalb eines Jahres das ganze deutsche Volk zu einigen. Wenn auch einige Miesmacher nicht gleichen Schritt halten könnten, so müßten sie von uns anderen,, die jetzt alle im gleichen Schritt marschierten, wieder in die Kolonne eingereiht werden. Adolf Hitler habe in Gera nach feiner Rückkehr aus Italien gesagt, „die Zeit der Diktate sei vorbei", und habe mit diesem Satz den Versailler Vertrag zerrissen. Deutschland stehe nun wie ein Mann hinter seiner Ehre. Deutschlands Schicksal werde nicht in Ost oder West oder Süd entschieden, sondern überall da, wo Deutsche wohnen. Die erste Etappe sei der 13. Januar 1935. Die Brüder an der Saar seien blutsverbunden mit uns. Mir glauben an das Saarland, weil wir an Deutschland glauben. Das Saarland werde nie ein Pufferstaat werden. Auch die französische Propaganda im Verein mit Saarmarxiften und Emigranten könne dem Glauben der Saarländer an Deutschland keinen Abbruch tun. Das Schicksal der Saardeutschen entscheide sich im Mutterland. Wir brauchen nur einen Glauben, eine Politik, ein Volk und einen Führer. In den am Samstagabend abgebrannten Sonnenwendfeuern begrüße die ganze deutsche Jugend die Sonne als ewige Lebens- und Lichtspenderin. Und genau so habe das Hakenkreuz als Symbol der aufgehenden Sonne neues Leben und Licht über Deutschland gebracht und werde es auch über das Saarland bringen. Anschließend erscholl das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. Von dem Massenchor wurde am Schluß noch das Lied Hoffmanns von Fallersleben „Deutschland, heiliger Name" vorgetragen. Nach Beendigung dieses offiziellen Teiles fand das Fußballspiel statt. Vor Beginn des Spieles begrüßte noch einmal Kreisführer Henkel (Gießen) beide Mannschaften. Der Vereinsführer Hermann Weber überreichte den Gästen einen Blumenstrauß und zum Andenken an den heutigen Tag eine Plakette. Herr Duill von Neunkirchen dankte nochmals herzlich für die Aufnahme, die feine Mannschaft in Heuchelheim gefunden habe und überreichte namens feines Vereins einen Wimpel. Das Spiel nahm einen fairen Verlauf und endete mit 2:2 Toren: Halbzeit 1:0 für Heuchelheim. Im Vereinslokal spielte anschließend die Musik zum Tanze auf und die Gäste von der Saar verlebten noch manche schöne Stunde im Kreise ihrer Fußballfreunde. Oberheffen. Oie Reichsschwimmwoche in Lich. ? Lich, 25. Juni. Die Reichsschwimmwoche wurde auch in unserer Stadt unter größter Anteilnahme sämtlicher Formationen und Vereine sowie der Bevölkerung der Stadt durchgeführt. Da es unserer Stadt an einem geeigneten Schwimmbad mangelt, hatte in anerkennenswerter Weise die Fürst zu Solms Lichsche Standesherrschaft zur Abhaltung des geplanten großen Schwimmfestes am gestrigen Sonntag den landschaftlich schön gelegenen Albacher See zur Verfügung gestellt. Nachdem bereits in der vergangenen Woche einige Uebungsschwimmen durch den Schwimm« Ortsausschuß abgehalten worden waren, wurde die gestrige Veranstaltung durch einen Festzug durch die Straßen der Stadt zum Schwimm-Fest- platz unter Führung der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Lich eingeleitet. Auf dem Festplatz hatte sich eine außerordentlich große Zahl Besucher aus Lich und der näheren und weiteren Umgebung eingefunden. Bürgermeister Geil (Lich) hielt eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Die Forderung „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper" stehe bei der Wiedergeburt unseres Vaterlandes mit an erster Stelle. Mit derselben Energie, mit der das neue Deutschland mit der verkommenen Geistesverfassung des vergangenen liberalisti- schen und materialistischen Zeitalters aufgeräumt habe und an ihre Stelle den volks- und pflichtbewußten Bürgersinn fetze, gehe es daran, die Volksgesundheit zu heben und die körperliche Ertüchtigung eines jeden Einzelnen, insbesondere die der Heranwachsenden Jugend zu fördern. Welche große Bedeutung unser Führer und Volkskanzler auf die körperliche Ertüchtigung des deutschen Volkes legt, zeigte der Redner an Hand einiger Abschnitte aus Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf". Weiter wies der Redner darauf hin, daß keine fqnftige körperliche Tätigkeit oder Sport dem Wert des Schwimmsportes gleich komme. Aus dieser Erkenntnis heraus habe ja auch das Hessische Staatsministerium Schwimmen zum Schulpflichtfach ein» geführt und es den Gemeinden zur moralischen Verpflichtung gemacht, für entsprechende Schwimmgelegenheiten zu sorgen. Es müsse deshalb auch in Lich in absehbarer Zeit dem Gedanken zur Errichtung eines Schwimmbades nähergetreten werden, da der Albacher See, insbesondere für die Jugend, allzu große Umzulänglichkeiten aufweife. Nachdem der Redner noch der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Reichsschwimmwoche allen Volksgenossen die Erkenntnis der Notwendigkeit des Schwimmenkönnens und in Lich auch' die Erkenntnis der Notwendigkeit eines Schwimmbades vermitteln möge, schloß er seine Ausführungen mit einem begeistert aufgenommenen „Sieg-Heil" auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler und das deutsche Vaterland. Anschließend wickelte sich das Programm unter der sachkundigen Leitung des Ortsausschußvorsitzenden Karl Volz und unter reger Anteilnahme der Besucher ab. Wettschwimmen, Rettungsschwimmen, Staffelschwimmen, Wasserspiele und Scherze fanden regen Anklang. Auf dem Festplatz sorgte die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr unter der Leitung von Postsekretär Freitag mit musikalischen Darbietungen für gute Unterhaltung. Das Schwimmfest kann als ein voller Erfolg für die Veranstalter gebucht werden. Es ist beabsichtigt, im Laufe der nächsten Wochen eine ähnliche Veranstaltung durchzuführen. Nachstehend die Ergebnisse in den einzelnen Wettkämpfen: Schwimmerinnen bis 14 Jahren (1-Bahn Brustschwimmen, 2-Bahnen beliebig): 1. Ruth Erb; 2. Maria Maidhof. Schüler bis 14 Jahren (1-Bahn Brustschwimmen): 1. Heinz Schieferstein; 2. Walter Plutzas. Schüler bis 14 Jahren (2-B. beliebig): 1. Heinz Schieferstein; 2. Heinz Schmidt. Schwimmerinnen 14 bis 18 Jahren (1-B. Rückenschwimmen): 1. E.lli Duphorn; 2. Hilde Eise; (2-B. Brustschwimmen): 1. Elli Duphorn; 2. Thea Walz. Schwimmer 14 bis 18 Jahren (1-B. Rückenschwimmen): 1. Otto Karl Kahn: 2. Kurt Seipp; (2-B. beliebig): Otto Karl Kahn; 2. Kurt Seipp. Schwimmer über 18 Jahren (2-B. Brustschwimmen): 1. Heinrich Schäfer: 2. Erich Keck. Altersschwimmen über 32 Jahren: 1. Karl Uhl; 2. Karl Insel. Staffel schwimmen: 1. SA.-Motorsturm, 2. SA.-Sturm, 32. SA.- Sturm 32. Landkreis («heften. cf. Heuchelheim, 25. Juni. Das diesjährige Jugendfest, das am vergangenen Samstag hier gefeiert wurde, stand im Zeichen der Reichsjugendwettkämpfe. Aus diesem Grunde nahmen außer den Schulen auch die Hitlerjugend und der BdM. an dem Fest teil. Bei schönstem Sommerwetter bewegte sich unter Vorantritt eines Trommler- und Pfeiferkorps sowie einer Musikkapelle ein stattlicher Fest- zug buntgekleideter und mit Kränzen geschmückter Kinder durch die. mit den Fahnen des Dritten Reiches geschmückten Ortsstraßen nach dem Sportplatz, wo unter Leitung von Rektor Kn ab die Wettkämpfe ftattfanben. Zur feierlichen Einleitung wurden vor den angetretenen Schulkindern, der HI. und BdM. die beiden Hakenkreuzfahnen gehißt. Rektor K n a b hielt eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages hinwies und die mit einem Sieg-Heil auf den Führer schloß. Buntes, fröhliches Treiben beherrschte bald den Sportplatz. In edlem Wettstreit wurde um den Sieg gekämpft. + Grünberg, 24. Juni. Am Samstagabend fand hier eine Sonnwendfeier statt. Ein langer Fackelzug, veranstaltet von den NS.-Derbän- den (JV., HI., BdM., SA. und SAR.), geleitet vom Spielmannszug des Jungvolkes und der Kapelle Horst, bewegte sich nach Einbruch der Dunkelheit durch die Stadt nach dem Wartturm? Hier folgten Gedichtvorträge und Sprechchöre durch den BdM. Während die Hitlerjugend das Lied „Flamme empor" fang, wurde der mächtige Holzstoß entzündet. Ansprachen über Sinn und Bedeutung des Sonnwendfeuers hielten Erwin Stein für die Hitlerjugend und Pg. Aug. S e y b o l d. Von dem hochgelegenen Wartturm aus sah man weit in der Runde noch mehrere Feuer brennen. — Als Abschluß der Reichsschwimmwoche wurde am Sonntag in unserem Schwimmbade eine Schwimmoeranstaltung abgehalten. Nach einer Ansprache von Bürgermeister Dr. M i l d n e r über den Zweck der Veranstaltung fanden unter Leitung der beiden Schwimmwarte des Turnvereins, Otto M a 11 h i e s und Kurt Wenzel, fchwimmfportliche Vorführungen statt: die einzelnen Arten des Schwimmens, Springen, Tauchen, Rettungsübungen u. a. Die vielseitigen Hebungen erregten allgemeines Interesse; besonderen Anklang and ein von der Jugendabteilung gezeigtes Reigen- chwimmen, das mit einem großen Hakenkreuz ab« chloß. Während der Vorführungen konzertierte die Kapelle Horst. Die Stadtverwaltung hatte für die Veranstaltung den Besuch des Bades freigegeben. )( Graßen-Linden, 26. Juni. Heinrich Größer und Ehefrau Christine, geb. Müller, sowie Heinrich R e u s ch und Ehefrau Maria, geb. Faber, feiern am morgigen Mittwoch silberne Hochzeit. X Wieseck, 25. Juni. In würdiger Weise begingen am Samstagabend die NSDAP, und ihre Gliederungen am Grünen Weg die Sonnenwendfeier. Auf dem Platze war ein mächtiger Scheiterhaufen errichtet worden. Nach einleitendem Gesang der SA. eröffnete Ortsgruppenleiter Karl Euler die Weihestunde und erteilte das Wort dem Kreispresseamtsleiter Pg. A. Michel- Gießen. In mitreißenden Worten verstand es der Redner ausgezeichnet, der überaus großen Zuhörerschaft ein treffendes Bild über den Sinn und die uralte Beoeutung dieser Feier zu zeichnen. Starken Eindruck hinterließ es, als der Redner von den Hindernissen und Schwierigkeiten sprach, unter denen kleine Gruppen der Nationalsozialisten in den letzten Jahren Sonnenwende feierten. Hierauf loderten während dem Feuerspruch eines Hitlerjungen die Flammen weit hinein in das Lahntal, von dessen Höhen man überall die Feuer unserer deutschen Volksgenossen brennen sah. X Wieseck, 26. Juni. In begrüßenswerter Weise hat in der letzten Zeit die Gemeinde- und Forstverwaltung an den schönsten Punkten unseres Gemeindewaldes, vor allem auch am Hangelftein, eine größere Anzahl Ruhebänke auf- stellen lassen und so berechtigten Wünschen der Besucher Rechnung getragen. 3 Lollar, 24. Juni. Anläßlich des 5. D e ut - schen Liedertages veranstaltete der hiesige Turn - und Gesangverein, einer der ältesten Gesangverein der Umgegend, auf dem Platz vor der Schule ein Konzert. Die Veranstaltung war zugleich als Saarkundgebung gedacht. Der Vereinswalter H a r b u s ch betonte in einer Ansprache zunächst, daß der Verein seit Einführung des Deutschen Liedertages vor fünf Jahren denselben alljährlich durch ein Platzkonzert begangen habe. Sodann gedachte er der Brüder an der Saar. Ihnen war das deutsche Lied Trost und Stärkung \* der schweren Zeit der Fremdherrschaft. Wir Sänger all können die Stunde kaum erwarten, wo wir mit unseren befreiten Brüdern an der Saar in ihr Jubellied einftimmen können. Mit einem Sieg-Heil auf Vaterland und Führer beschloß er seine eindrucksvollen Worte. Hierauf trug der Verein eine Stunde lang in ausgezeichneter Weife Männer-, Frauen- und gemischte Chöre vor, die dankbare Zuhörer fanden und sicher für das deutsche Lied geworben haben. * Daubringen, 25. Juni. Bei dem schweren Gewitter, das sich am Montagnachmittag auch über der hiesigen Gemarkung entlud, wurde der etwa 60jähriqe Eisenbahnbeamte i. R. Wilhelm Michel, vom Blitz erschlagen. Der alte Mann arbeitete auf dem Felde und wollte gerade einen Unterschlupf in der Nähe des Steinbruchs suchen. Als er dabei frei über die Wiese ging, wurde er vom Blitz getroffen und anscheinend sofort getötet. # Hunaen, 24. Juni. Am gestrigen Abend fand auf Dem (Balgenberg eine eindrucksvolle Sonnwendfeier statt, an der sämtliche Organisationen der NSDAP, geschlossen teilnahmen. Auf der südwestlichen Anhöhe wurde ein von der Hitlerjugend aufgebauter mächtiger Holzstoß angezündet, während angesichts der auflodernden Flammen Jungens und Mädels Sprüche und Lieder erklingen liehen. Pg. Hesse wies in kraftvollen Worten auf die Bedeutung der Sonnenwende hin, die insbesondere ein Fest der Jugend sei. Sie gerade sei es, die dereinst das Erbe anzutreten habe, das in diesen Jahren unter Blut und Opfern errungen werde, und sie müsse sich dessen immer bewußt bleiben, in welch großem Maße jeder einzelne an dem Aufbau unseres Vaterlandes über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinaus verpflichtet fei. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer und das Dritte Reich fand die Feierstunde ihren Ausklang. § Aus der nördlich en Wetterau, 25. Juni. Infolge des trockenen hochsommerlichen Wetters ist die Heuernte rasch beendet worden. Der Ertrag ist um mehr als die Hälfte hinter der vorjährigen Ernte zurückgeblieben. Feuchte Wiesen erbrachten einen knappen Mittelertrag. Trockene Grasnutzungen dagegen wiesen zwar Heu von vorzüglicher Qualität, aber mengenmäßig sehr wenig auf. Die anhaltende Trockenheit ist durch bis jetzt seit Wochen nur einmal durch einen geringen Gewitterregen unterbrochen worden. Infolgedessen sind alle Kulturgewächse im Wachstum stark zurückgeblieben. Zwar hat das Korn seine normale Länge erreicht, aber schon ist es abgestorben und geht einer Notreife entgegen. Auf trockenen Aeckern hat es bereits eine vorgeschrittene Reifefarbe erhalten. Die Korner konnten sich nicht genügend entwickeln. Der stark ausgewinterte Weizen steht in Blüte und zeigt schon abgestorbene Blätter. Vielfach zeigen frühe Sorten schon ein gelbes Aussehen. Die ersten Frühkartoffeln find geerntet. Gegenwärtig wird der Zentner Kartoffeln neuer Ernte mit 7 bis 7,25 Mk., Kartoffeln alter Ernte mit 6 bis 6,10 Mark gehandelt. Auch die Spätkartoffeln beginnen bereits zu blühen. Ein durchweichender Reaen ist dringend notwendig, besonders auch für unsere Obstbäume, die schon massenhaft die Früchte fallen lassen. Die Kirschen konnten sich nicht genügend entwickeln. Der zweite Kleeschnitt fehlt völlig. Die kleineren Betriebe müssen schon frisches Heu füttern. Kreis Schotten. y. © d) o 11 e n, 25. Juni. Die Sonnenwende wurde am vergangenen Samstag von unserer Stadt festlich begangen. Um 21 Uhr zog ein stattlicher Zug von der Schule auf den Bockzahl, eine alte geweihte Stätte, die schon in altgermani-scher Zeit zu Feiern und Things benutzt wurde. Der Männerchor trug mehrere schwungvolle Lieder vor, Ortsgruppenleiter Z e s ch k y begrüßte die große Zahl der Teilnehmer. Ein gewaltiger Holzstoß wurde entzündet und das Lied „Flamme empor" begeistert gesungen. Regierungsrat Schwan hielt eine gehaltvolle Feuerrede, die in einem Treueschwur für den Führer ausklang. Das Horst-Wessel- Lied beschloß die eindrucksvolle Feier. Gegenüber auf dem Galgenberg brannte die Jugend ihr Sonnwendfeuer ab. Ringsum auf den Bergen flammten die verschiedenen Feuer der umliegenden Gemeinden auf. SJL-tfpont Gießener Ruderer auf der Koblenzer Regatta. Zum ersten Mal in diesjähriger Saison starteten Jungruderer der Gießener Rudergesellschaft 1877 und der Renngemeinschaft — Gießener Rudergesellschaft 1877 und Verein Rudersport 1913 — auf vorgenannter Regatta. Die Mannschaften gingen nicht gerade unter den günstigsten Vorbedingungen an den Start, ein Ruderer litt an einer Magenverstimmung, ein anderer kehrte am Vortage der Regatta von einem achttägigen Schulungskurs zurück. Reichte es diesmal auch noch nicht zu einem Siege, so läßt das günstige Abschneiden für die folgenden Regatten noch Gutes erhoffen. Nachstehend die Resultate: Anfangsvierer: 1. Vorlauf: 1. Köln, RV. 1877, 7:27,5, 2. Koblenz, RG. 1921, 7,37 Min. 2. Vor lauf: 1. Kreuznach, RV. 1876, 7:17.5, 2. Gießen, RG. 1877, 7:21,5 Min. Zum Hauptrennen qualifizierten sich: Köln 77, Kreuznach und Gießen. Nach dem Startzeichen fetzt sich Kreuznach im Jnnenbogen sofort an die Spitze, doch passierten die drei Boote die 500 Meter-Linie auf gleicher Hohe. Die Gießener, auf dem Außenbogen liegend, versuchten, durch Spurten die Führung zu erlangen, doch werden die Angriffe von der überaus kräftigen Kreuznacher Mannschaft abgeschlagen und die Boote passierten die Ziellinie in folgender Reihe: 1. Kreuznach, 7:17,9, 2. Köln 77, 7:20,2, 3. Gießen 7:22,8 Min. Auch am Sonntag im Dorlauf zum Jungmannvierer unterlag die Mannschaft nur knapp gegen die vorzüglichen Kölner 77er und Bonner Rudergesellschaft. Die Zeiten des Hauptrennens gleichen denen des zweiten Vierers: 1. Köln 77, 6:41,2, 2. Ruderriege Essen, 6:53,2, 3. Bonn, 6:56 Minuten. Der dritte Achter gestaltete sich zu einer Sturmfahrt. Gegen Schluß der Regatta fetzten heftige Gewitterböen ein und das letzte Rennen der dritte Achter endete mit vollgeschlagenen Booten. Vom Start ab fetzt sich Gießen an die Spitze, dichtauf folgte Bonn und eine Länge zurück Köln 31. In dieser Reihenfolge werden die 1000 Meter passiert und Dann übernahm das Gießener Boot starke Wellen. Die zwei anderen Boote suchten das schützende Ufer auf. Die Boote passierten in folgender Reihenfolge das Ziel: 1. Bonner Ruder- gesellschaft, 2. Köln 31. Die Gießener gaben bei 1500 Meter auf, da das Boot voll Wasser war. Oie Preisverkündigung des Oeutschlandfluges 1934. Auf dem Abschiedsessen, das die Teilnehmer an dem Deutschlandflug 1934 am Sonntag im Marmorsaal anläßlich der Preisverkündung vereinte, nahm der Präsident des Deutschen Luftsportverbandes L o e r z e r das Wort. Er gedachte mit großer Anerkennung der an diesen vier Tagen vollbrachten Leistungen. Es habe sich entsprechend dem Willen des Reichsluftfahrtministers nicht darum gehandelt, Einzelleistungen, Starleistungen zu vollbringen, sondern Gemeinschaftsleistungen. Bei diesem Fluge hätten sich die Früchte der Arbeit des vergangenen Jahres gezeigt. Er selbst habe durch seine Teilnahme an dem Fluge Gelegenheit gehabt, allenthalben in Deutschland festzustellen, daß es nur eine Stimmung des Urteils gab, nämlich Bewunderung und Erstaunen über das, was in so kurzer Zeit möglich geworden sei. Das sei schönster Lohn und höchste Anerkennung für alle Teilnehmer an diesem Kampf. Ergebnisse des Wettbewerbes 1. (Buppe Hannover: 2. Württemberg; 3. Ober- schlefien: 4. Mannheim; 5. Hessen-Darm- jtabt; 6. Oberbayern; 7. Berlin Gruppe Geyer; 8. Berlin Gruppe Christiansen; 9. Bremen; 10. Gruppe Berlin, Angehörige der Lufthansa: 11. Danzig-Langfuhr; 12. Königsberg; 13. Hamburg- Altona; 14. Ruhr-Niederrhein; 15. Berlin Gruppe Seger; 16. und 17. Berlin Gruppe Mohn; 18. Dresden: 19. Osnabrück; 20. Magdeburg; 21. Düsseldorf. Oie Reichsjugendwettkämpfe der schulentlassenen Lugend. Angetreten waren 90 Jugendliche, die in drei Altersklassen, auf sechs Riegen verteilt, die Kämpfe bestritten. Gedankt sei an dieser Stelle dem Bataillon, das in der fünften Altersklasse 30 Wettkämpfer stellte Die Leistungen waren zum Teil sehr gut. Hervorgehoben sei der Kugelstoß von Schütze Hermann, 2/15, mit 14,84 Meter. Hermann erreichte im Weitsprung 6,08 Meter. Schütze Hill. 2/15, lief die 100 Meter in 11,7 Sek. Auch die Rahmenwettbewerbe waren sehr spannend. Die 4X100-Meter-Staffel gewann der Männerturnverein vor der HI. Das Handballspiel der Gießener Vereine gegen Reichswehr konnte letztere infolge besseren Schußvermögens und besseren Zusammenspiels verdient mit 7:3 gewinnen. Das Fußballspiel VfB.«Reichsbahn gegen Spogg. 1900 sah 1900 mit 3:0 erfolgreich. Siegerlifle. Altersklasse 3 (Jahrgang 1918/19): 1. Kley, Mtv., 67; 2. Möll, VfB., 58; 3. Kirchner, 1900, 56; 4. Eger, Mtv., 51; 6. Friedrich, 1846, und Kramer, VfB., 47; 6. Stephan, 1846, und Thierfeld, HI., 45; 7. Reiber, 1846, Wiegand, 1846, Walter, Mtv., 43; 8. Schwöbei, HI., 42 Punkte. Altersklasse 4 (Jahrgang 1916/17): 1. Schäfer, Mtv., 50; 2. Rosenbach, 1900, 48 Punkte. Altersklasse 5 (Jahrgang 1915 und älter): 1. Schütze Hermann, 2/15, 67; 2. Schütze Hill 2/15, 65; 3. Schütze Berg, 2/15, und Schütze Möbus, 3/15, 57; 4. Schütze Bungart, 2/15, 52; 5. Schütze irdie NIVEA mild, leicht »chöumend, ganz wundervoll Im Geschmack. grosse Tube Berger, 2/15, 48; 6. Grenadier Schorge, 1/15, 46; 7. Schütze Heister, 1/15, 44; 8. Schütze Wetzel, 2/15, Schütze Deuker, 4/15, Schütze 'Zehner, MGK., 43; 9. Schütze Keßler, NZ. 1/15, 42; 10. Schütze Stoll, 2/15, 41; 11. Schütze Beyer, 1/15, Schütze Krollmann, 2/15, Schütze Wieth, 1/15, 40 Punkte. 4X100-Meter-Staffel (Altersklasse 3 und 4): 1. Mtv. 55,4; 2. HI. 60. Der „Große Sachsen-Preis", eines der 12 großen deutschen Berufsfahrer-Straßenrennen, wurde am Sonntag über eine Strecke von 340 Kilometer zum 20. Male zur Durchführung gebracht. Bei den Berufsfahrern siegte Geyer (Schweinfurt) in 10:42:14 Stunden von Roth (Frankfurt), bei den Amateuren blieb Krückl (München) in 8:52:34 Stunden (280 Kilometer) erfolgreich. E M, **■ -Är# Die Teilnehmer unseres hiesigen Bataillons an den Reichsjugendwettkämpfen. Silber vom Abschluß der Äeichsschwimmwoche in Gießen. ... Am vergangenen Sonntag fand, wir berichteten bereits darüber, die Reichsschwimmwoche in Gießen mit schwimmerischen Darbietungen und mit Lebensrettungsübungen ihren Abschluß. Links und rechts oben: Auffahrt der Paddler, Aufschwimmen der Gießener Schwimmerinnen und Schwimmer. Links unten: Das lustige Fischerstechen. Rechts unten: Der „Seemannsgriff", einer der vielen vorgeführten Rettungsgriffe. Leichtathletik-Msterschasten im Kreise Gießen. Guter Sport auf dem Waldsportplah. Bei idealem Wetter gelangten Sonntagoormittag auf dem Waldsportplatz die leichtathletischen Meisterschaften des Kreises Gießen im Gau XII der Deutschen Sportbehörde zum Austrag. Zum gemeinsamen Wettkampf in Einzel- und in Mannschaftswettbewerben waren Turner und Sportler angetreten und maßen die Kräfte in edlem Wettstreit. Es wurde in zwei Klassen gekämpft. Die Beteiligung an diesen Wettkämpfen hätte etwas reger sein dürfen. Gerne hätte man von den ländlichen Turnvereinen mehr Kräfte am Start gesehen. Einige sehr gute Ergebnisse gab es im Hochsprung der Klasse I. Zwei Xurner von Alten-Buseck schossen hier den Bogel ab und konnten 1,73 bzw. 1,70 Meter springen. Im Diskuswerfen wurde die 14- Metergrenze mehrmals überschritten. Im Weitsprung gab es Weiten von über 6 Meter. Interessante Kämpfe brachten die einzelnen Läufe. Hier war es insbesondere der 100-Meter-Lauf der Klasse I, der die Aufmerksamkeit auf sich zog. Bei den Staffelläufen gab es in der 4X100-Meter- Staffel eine Ueberraschung, indem der Schlußmann der BfBer den Blauweißen von 1900 den schon sicher scheinenden Sieg entriß. Die Organisation der gesamten Veranstaltung war recht gut, das Programm erwies sich für die Durchführung an einem Vormittag allerdings als etwas zu umfangreich. Die Mitglieder des VfB.- Reichsbahn konnten für sich sieben Meisterschaften in Anspruch nehmen. Auf die Spielvereinigung 1900 fielen sechs Meisterschaften. Allerdings hatte dieser Verein diesmal sehr unter Ausfällen zu leiden, indem einige der bewährtesten Kräfte, E l d r a ch e r, Jung, Müller, ferner auch Gerhard nicht am Start sein konnten. Klasse I. 100-Meter-Lauf: 1. Luh BfB.-R. 11,2 Sek., 2. Hill Mtv. Gießen (2. Komp. JR. 15) 11,2 Sek., Brustbreite zurück, 3. Rodriguez VfB.-R. 11,3 Sek. Ein hartnäckiger Kampf auf der Strecke. Alle Teilnehmer lagen im Ziel dicht beieinander. Sä Der Endkampf um den Sieg im 100-Meter-Lauf. 200 Meter : 1. Hill Mtv. Gießen (2. Komp. JR. 15) 22,8 Sek., 2. Koch 1900 22,9 Sek., 3. Jakob Spv. Wetzlar 23,1 Sek. 4 0 0 Meter: 1. Bepperling 1900 53,1 Sek., 2. Großhaus Tv. Lollar 58,3 Sek., 3. Koch II 65,7 Sek. 800 Meter: 1. Peters 1900 2:04,6 Min., 2. Hoffmann Tv. Alten-Buseck 2:08,7 Min., 3. Mootz 1900 2:10,4 Min. Peters war dieses Rennen nicht zu nehmen. 1500 Meter: 1. Sobezack VfB.-R. 4:28,9 Min., 2. Kochl900 4:36,2 Min., 3. Haibach Mtv. Gießen 4:37 Min. 5000 Meter: 1. Reidel Fr. Tv. Heuchelheim 16:41,7 Min., 2. Faulfeit 1900 16:44,9 Min., 3. Pfaff VfB.-R. 17:00,2 Min. Reidel hatte in Faul- seit einen recht ernsthaften Konkurrenten. 4X100 Meter: 1. VfB.-R. 45,4 Sek., 2. 1900 45,5 Sek., 3. Tv. Lollar. Der letzte Stabwechsel der 4 X 100-Meter-Staffel. x n Weitsprung. 4 X 400 Meter : 1900 1.4:08Min., 2. 1900 IL 4:10,8 Min. 4 X 1500 Meter: 1900 I. 18:57,4 Min^ 2. VfB./R. 18:06,0 Min. Diskus: 1. Kilo 1900 41,82 Meter, 2. Unter, feldwebel Gugel 1900 (1. Kamp. JR. 15) 40,89 Meter, 3. Luh VfB./R. 37,99 Meter. Luh lag dies- mal überraschend zurück. Kugel: 1. Unterfeldwebel Gugel 1900 (1. Komp. JR. 15) 14,55 Meter, 2. Luh VfB./R. 14,47 Meter, 3. Mohl VfB./R. 13,06 Meter. Speer: 1. Jakob VfB./R. 48,40 Meter, 2. Pieh VfB./R. 46,45 Meter, 3. Ludwig Sp. Wetzlar 42,47 Meter. Steinstoßen: 1. Luh VfB./R. 9,20 Meter, 2. Mohl VfB./R. 8,87 Meter, 3. Unterfeldwebel Gugel 1900 (1. Komp. JR. 15) 8,44 Meter. Hammerwerfen: 1. Mohl VfB./R. 34,90 Meter, 2. Luh VfB./R. 30,52 Meter, 3. Arndt MTV. Gießen 23,56 Meter. Hochsprung: 1. Lepper Tv. Alten-Buseck 1,73 Meter, 2. Krüger 1900 1,70 Meter, 3. Hofmann Tv. Alten-Buseck 1,70 Meter. Weitsprung: 1. Luh VfB./R. 6,11 Meter, 2. Viehl Tv. Lollar 5,86 Meter, 3. Specht 5,49 Meter. klaffe III. 100 Meter: 1 Seipp, Spv. Lollar, 11,8; 2. Specht, VfB.-R. 11,9; 3. Moos, Tv. Lollar, ß Sek. 1 0 0 0 Meter: 1. Marx, Spv. Wetzlar, 2:50; 2. Koch IL, 1900, 2:52,6; 3. Mootz, 1900, 2:54,1 Min. 4X1-0 0 «an et er: 1. VfB.-R. 46,9; 2. 1900 48 Sekunden. Kugelst oßen: 1. Schütze Steins, 1900, (4. Komp. JR. 15), 12,07; 2. Staub, Spv. Wetzlar, 11,79; 3. Diez, Spv. Lollar, 11,29 Meter. Weitfprung: 1. Möbus, Tv. Reiskirchen, 5,93; 2. Ludwig, Spv. Wetzlar, 5,90; 3. Klinkel, Tv. Lollar, 5,83 Meter. Hochsprung: 1. Gren. Krüger, 1900, (4. Komp. JR. 15), 1,65; 2. Pieh, VfB.-R., 1,65; 3. Möbus, To. Reiskirchen, 1,63 Meter. 4.Abonnement-Konzert Mittwochabend 20.15 Uhr Reichswehr-Kapelle Post a utobusse ab 20 Uhr vom Ludwigsplatz und Caf6 Bettler 37SSv zur Bergschenke Zum Feldzug gegen Verschandelung der Heimatnatur! Naturschutz im Dritten Reich Einführung in Wesen undGrund- lagen zeitgemäß.Raturschuharbeit v. prof.Dr. Walther Schoemchen Direktor der Staatlichen Stelle für Raturdenkmalpflege in Preußen und Leiter der Fachstelle Naturschutz im Reichsbund Volkstum und Heimat. Mit 24 Äiidtafeln Preis: Gebunden RM. 3.60 Zu beziehen durch jede Buchhandlung! Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Vermietungen 2 Zimm, mit Küche ab 1. Juli an ruhige Leute zu vermieten Bahnhofstr. 60 (Laden). 03233 | Mietgesuche | 3-Zimmer-Wohng. mit Zubehör in ruhiger Lage zu mieten gesucht. Angebote mit Preis anLvrthold Jacoby Nachfolg. 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Unlängst hat in Kaisseri, dem alten Cäsarea, in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Ismet Pascha die Grund st einlegung zu einer Textilfabrik stattgesunden, die Ende 1935 dem Betrieb übergeben werden soll. Damit ist ein wichtiger Abschnitt in dem wirtschaftlichen Fünfjahres- plan der Türkei begonnen worden. Im Oktober vergangenen Jahres hat die türkische Republik die zehnte Jahresfeier ihres Bestandes begangen. Die erste Periode des auf den Trümmern des osmanischen Reiches aufgebauten neuen türkischen Staatswesens hatte damit ihren Abschluß erreicht. Der junge Staat steht auf festen Füßen, er kann sich nun, da er außen- und innenpolitisch ein Höchstmaß an Sicherheit errungen hat, seinem wirtschaftlichen Aufbau widmen, der ebenfalls etappenweise, auf lange Sicht berechnet, vor sich gehen soll. Er trägt den Namen „Fünfjahresplan" und dient dazu, die Naturschätze des Landes in der Eigenindustrie zu verwerten und von der Einfuhr möglichst unabhängig zu werden. Dazu soll nup eine den nötigsten Bedürfnissen des Landes entspre- chende I n d u st r i e geschaffen werden, die weit- gehend vom Staat und nicht von privaten Spekulanten geleitet wird und deren Gewinne der Allgemeinheit zugute kommen sollen. Da die Einfuhr von Baumwollgeweben annähernd ein Viertel der türkischen Gesamteinfuhr ausmacht, das Land aber selbst Rohbaumwolle in genügender Menge erzeugt und keinen Auslandsmarkt dafür hat, steht die Errichtung von Textilfabriken zunächst im Vordergrund. Die Fabrik von Kaisseri, deren Grundsteinlegung kürzlich erfolgte, wird einfache Baumwoll- und Wollgewebe erzeugen; für die besseren Stoffe sind Werke in Na- sili, Smyrna, Eregli und Konia vorgesehen, dergestalt, daß wenigstens die Hälfte des türkischen Baumwollbedarfs im eigenen Land hergestellt wird. Als Nebenwirkung verspricht man sich eine Verbesserung der Lage der Bauern, die Baumwolle pflanzen sowie der Merino-Schafzüchter. In der Nähe des Kriegshafens von Jsmid ist die Errichtung einer Z e l l st o f f a b r i k, ine auch Papier- und Kunstseide erzeugen soll, vorgesehen. Die dazu notwendigen Rohstoffe können bis zu 70 v. H. aus dem Inlands gestellt werden, so vor allen Dingen Holz. Weiterhin ist der Bau einer F lasch e n f a b r i k in Istanbul geplant, die ab 1936 in Betrieb genommen und die Hälfte des Landesbedarfs liefern soll. Die in Kutahia seit Jahrhunderten beheimatete keramische Industrie wird im Rahmen des Fünfjahresplanes so weit aus- gestaltet werden, daß eine staatliche Porzellanmanufaktur die Versorgung des Landes mit italienischem Geschirr durchführen kann. Große Aufmerksamkeit schenkt man der Ausbeutung der reichen Bodenschätze der Türkei. Die großen Kohlenlager von Songuldak werden im Absatz durch verbesserte Bahn- und Hafenanlagen gefördert; die Errichtung von Gaswerken und Brikettsabriken in unmittelbarer Nähe von Songuldak gehört ebenfalls zum Wirtschaftsaufbau im Abschnitt 1936. Wesentlich wird es für die Türkei sein, von der starken ausländischen Kokseinfuhr frei zu kommen. Zum montanen Teil des Fünfjahresplanes gehören die reichen Kupfervorkommen in Argana in Ostanatolien, zu deren Erschließung die Bahnlinie Malatya—Diarbekir gebaut wird, von der zwei Drittel bereits vollendet sind. An der Inbetriebsetzung und Ausbeutung der Kupferbergwerke ist übrigens deutsches Kapital hervorragend beteiligt. Weiter will die Türkei die Ausbeutung der ergiebigen Schwefelgruben von Ketfchiburlu in Angriff nehmen und die vorhandenen Eisenerzlager in Eregli bei Son- guldak nutzbar machen. Als letzte Etappe ist die Errichtuntz chemischer Werke für 1939 beabsichtigt, die die Verarbeitung der industriellen Abfallprodukte übernehmen werden, und schließlich der Bau von zwei Kraftwerken für die Erzeugung elektrischen Stromes, in Kisil Irmak durch Wasserkraft, in Eregli durch Kohlenstaub. In den Fünfjahresplan ist auch das Eisenbahnbauprogramm der Türkei einbegriffen, und zwar die Linien: Filios—Irmak, in der Nord- Südrichtuntz vom Schwarzen Meer auf die Linie Ankara—Suvas stoßend, die ihrerseits wieder über Siwas nach Erferum ausgebaut und als große West-Ostlinie wirtschaftlich und strategisch gleichbedeutend sein wird. Eine weitere Nord-Südlinie, bei Afyon von der Taurusbahn abzweigend, ist nach Antalya an die Mittelmeerküste geplant und soll, im Zusammenhana mit dem neuerdings stark erhöhten Wehrbudget beschleunigt in Bau genommen werden. Die Finanzierung des gewaltigen Planes, der bei der erwiesenen Tatkraft der Ankarer Regierung programmäßig und aufenthaltslos durchgeführt werden dürfte, ist endgültig gesichert. Am Anfang steht ein russischer Warenkredit von 32 Mill. Mark, dessen erste Lieferung in Gestalt der Maschineneinrichtung für Kaisseri erfolgt. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß sich Rußland sehr für den türkischen Wirtschaftsplan interessierte, lieber den Russenkredit hinaus werden die Kosten für die ersten fünf Jahre auf etwa 70 Mill. Mark veranschlagt, Die aus laufenden Mitteln der in Betracht kommenden Ministerien entnommen werden sollen. Für die Bahn Ma- latva—Argana ist mit Erfolg eine 24 Mill.-Mark- Anleihe aufgelegt und zum größten Teil untergebracht worden, neuerdings wird für die Bahn Siwas—Erferum eine zweite innere Anleihe von vielen Mill. Mark aufgelegt; eine Maßnahme, die ursprünglich nicht in der Absicht der Regierung lag. Eine wesentliche Aufgabe in der Finanzierung des Planes fallen den stark verstaatlichten Banken, wie Sümer-Bank und Jsch-Bank zu, wie denn auch der Grundsatz der Regierung ist, das Jndustriewerk der Türkei fest in der Hand des Staates zu behalten. Nach deutschen Begrifffen erscheinen die vorgesehenen Mittel gering. Demgegenüber ist zu beachten, daß keine Exportindustrie beabsichtigt ist, sondern eine „Unabhängigkeitsindustrie", die sich streng nach dem Verbrauch richtet, und im übrigen in erster Linie den Interessen der Landesverteidigung dienen wird, so daß schon aus diesem Grunde die reine Wirtschaftlichkeit nicht im Vordergrund der Erwägungen stehen darf. Bisher gehörte die Türkei zu den Ländern, deren Einfuhr die Ausfuhr überstieg. Ein Ausgleich in der Handelsbilanz kann vorläufig nur durch schärfste Einfuhrbeschränkung und Kontingentierung erreicht werden, wodurch natürlich die wichtigste Einkunftsquelle, die Einfuhrzölle, bedenkliche Rückgänge anzeigen. Eine freie Wirtschaft würde einen Einfuhrüberschuß von etwa 60 Mill. Mark im Gefolge haben, und dieser Ueberschuß soll im Lause der Zeit gedeckt, d. h. im eigenen Land erzeugt werden. Für den Außenhandel der Türkei geht daraus hervor, daß die Einfuhr an Fertigfabrikaten, an der auch Deutsch- land hervorragenden Anteil hat, nur im bisherigen beschränkten Umfang erhalten bleibt — dagegen besteht die Möglichkeit, an der maschinellen Durchführung des Fünfjahresplanes mitzuwirken. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß sich die Regierung vom Fünfjahresplan auch eine Reihe psychologisch — und wirtschaftlich — wichtiger Wirkungen verspricht. Zunächst wird der Staat Unternehmer, beschneidet die übermäßigen Privatgewinne und ist der Sorge wegen der Steuerflucht der Unternehmer enthoben. Die Arbeiter der staatlichen Industrien werden, allerdings auf Kosten der verbrauchenden Allgemeinheit, erheblich besser gestellt. Sie haben sich als Beamte zu fühlen und werden, wie die Ingenieure und Arbeitgeber, als gleichberechtigte Glieder in der Staatswirtschaft angesehen, so daß sich ihr Selbstbewußtsein hebt und der internationalen Proletarierpropaganda ein wirksamer Riegel vorgeschoben wird. Die allgemeine Zustimmung, die der Fünfjahresplan findet, beweist, daß die nationale Türkei auf dem richtigen Wege ist, wenn sie eine nationale Industrie schafft, die das große nationale Ziel völliger Unabhängigkeit besiegeln hilft. Da erst vor wenigen Tagen ein vom Staatspräsidenten selbst geleiteter Ministerrat beschlossen hat, daß in Zukunft der Wehrausbau des Landes mit dem wirtschaftlichen Fünfjahresplan als ein gemeinsames Werk zu behandeln ist, ist der Wirtschaftsplan erst recht zu einer nationalen Angelegenheit geworden. Was gibt es Neues in der Medizin ? Don Or. v. Wölffel. Oie „Berkehrsmitielkrankheii" „Verkehrsmittelkrankheit" wäre heute die richtige Bezeichnung für die Seekrankheit, denn sie tritt nicht nur bei Seefahrten auf, sondern ebenso bei Flugzeug-, Eisenbahn- und Autofahrten. Eine Bekämpfung der Seekrankheit ist bei der Beschleunigung aller Verkehrsmittel heutzutage notwendiger denn je. Die Ursache ist nunmehr sicher festgestellt. Professor M. H. F i s ch e r teilt in den „Fortschritten der Medizin" mit, daß es sich bei diesem Leiden um eine starke Reizung des Oyrlabyrinthes handelt, die durch die Schwankungen, die mit jeder Bewegung Hand in Hand gehen, erfolgt. Beim Dampfer unterscheidet man drei verschiedene Arten der Schwankungen: das Stampfen, das Rollen und die besonders unangenehme Vertikalbewegungen, die durch die Dünung hervorgerufen werden. Durch Anpassung der Körperbewegung kann man der Seekrankheit in weitem Maße aus dem Wege gehen. Doch sind wohl nur ganz gewiegte Seeleute in der Lage, sich so genau den Bewegungen anzupassen. Eine ruhige Rückenlage vermag die Krankheit hinauszuschieben, aber nicht zu verhindern. Linderung verschafft auch das Schließen der Augen, da hierdurch der verwirrende Anblick des sich in das Wasser neigenden Schiffes vermieden wird. Die chemische Industrie hat in den letzten Jahren sehr viele Mittel gegen die Seekrankheit herausgebracht, die, beizeiten eingenommen, die Seekrankheit verhindern oder wenigstens erleichtern können. Merkwürdig ist die Tatsache, daß Säuglinge nie von der Seekrankheit befallen werden — leider hort dieser Schutz im zweiten Lebensjahr schon auf. Die Luftkrankheit, die ebenfalls durch Bewegungsbeschleunigungen hervorgerufen wird, tritt vor allem bann ein, wenn ein Flugzeug „absackt", d. h. wenn es in ein Luftloch gerät. Beim Eisenbahn- und Autofahren entsteht durch das Schleudern eine Art Seekrankheit, doch werden hier nur Personen mit besonderer Empfindlichkeit „seekrank". Sowohl die Schiffs- wie auch die anderen Industrien sind bemüht, durch geeignete Maßnahmen die Schwankungen zu vermindern. Nur auf diese Weise wird man mit der Zeit eine erfolgreiche Bekämpfung der Seekrankheit durchführen können. Oer „Tennisarm". In der „Medizinischen Welt" bittet ein Arzt um Rat, wie die oft auftretende Erscheinung des „Tennisarms" zu behandeln ist. Dieses Leiden tritt besonders bei den Spielern auf, die schon über ein gewisses Können verfügen und sehr häufig trainieren. Es handelt sich hierbei um sehr schmerzhafte Beschwerden, die hauptsächlich beim Schlag mit gestrecktem Arm und beim Aufschlag auftreten. Die Schmerzen können sich so steigern, daß der Spieler den Arm überhaupt nicht mehr gebrauchen kann. Es handelt sich hierbei, wie Professor Dr. Vogler feststellte, um eine schmerzhafte Erkrankung des Unterarms, die vor allem an den Knochenvorsprüngen am Ellbogengelenk ansetzt. Sind diese Knochenvorsprünge beim Abtasten sehr schmerzhaft, so weiß der Arzt, daß er an dieser Stelle mit der Behandlung einfetzen muß. Läßt sich durch Einspritzungen und völlige Ruhestellung keine Besserung erzielen, so muß ein chirurgischer Eingriff vorgenommen werden. Handelt es sich um eine allgemeine Schmerzhaftigkeit des Armes, so besteht meistens nur eine Nervenreizung, die durch Ruhe bald wieder behoben werden kann. Oft stehen die Aerzte aber dem „Tennisarm" machtlos gegenüber, sämtliche Mittel versagen, und es bleibt dem Patienten nichts anderes übrig, als das Tennisspielen bis auf weiteres ganz aufzugeben. Waffer im Ohr. Schwimmer, die tauchen und springen, müssen öfters feststellen, daß sie nach dem Bade das in das Ohr eingedrungene Wasser nicht mehr entfernen können. Durch das eingedrungene Wasser hat sich das vor dem Trommelfell angehäufte Ohrenschmalz erweicht, es quillt und bildet vor dem Trommelfell die Wand einer Luftblase. Es ist erfolglos, in diesen Fällen mit einem harten Gegenstand in den Gehörgang zu fahren. Es gibt ein ganz einfaches Mittel, um diesem unangenehmen Zustand ein Ende zu machen. Man geht noch einmal ins Wasser, legt sich auf den Rücken und läßt noch mehr Wasser in die Ohren laufen. Das Ohrenschmalz wird auf diese Weise vollständig aufgelöst und die Blase platzt. Man kann nun mit einem kleinen Wattebausch das Ohr vollständig säubern. Oas Kleinkind will nicht kauen. Es kommt öfters vor, daß ein Kind im Alter von zwei Jahren, das bis zu dieser Zeit nur mit weicher Kost (Milch, Brei, Zwieback) ernährt wurde, an feste Speisen gewöhnt werden soll. Diese Gewöhnung scheiterte aber einfach daran, daß das Kind nicht tauen wollte, es lutschte nur an den Speisen herum. Was soll die Mutter in diesem Falle tun? Und warum will das Kleinkind die Nahrung nicht kauen? Die Ursache dieser Störung liegt meistens in einer allgemeinen Nervosität des Kindes. Schon bei dem liebergang von der Flasche zur breiigen Nahrung stößt man manchmal bei nervösen Säuglingen auf Widerstand. Ganz falsch ist es, in solchen Fällen das Kind weiter mit der Flasche zu ernähren. Es kann dann gar nicht verwundern, wenn der spätere Uebergang zur festen Nahrung besonders schwierig wird. Ein Kind zum Kauen zu zwingen, ist unmöglich. Da es sich um nervöse Störungen handelt, wird man am meisten durch einen Umgebungswechsel erreichen. Ebenso muß in der Pflege des Kindes ein Wechsel eintreten. Derjenige Mensch, der es bisher gefüttert hat, darf dies auf keinen Fall auch weiterhin tun. Zur Ueberwinduna solcher Ernährungsschwierigkeiten gehört ungeheuer viel Energie und Konsequenz. Manchmal erreicht man auch die Aufnahme der festen Nahrung, wenn man die Mahlzeiten einschränkt, so daß das Kind Hunger verspürt. Oer Kampf gegen die Migräne. Die Migräne, unter der viele Menschen ihr Leben lang zu leiden haben, beruht auf einer besonderen Veranlagung. Man hat beobachtet, daß sie hauptsächlich in den Familien auftritt, die auch in anderer Beziehung unter Ueberempfindlichkeits-. krankheiten, d. h. Asthma, Nesselfieber, Heufieber, Stierkamps um das Schiff Ellide. Don Gorge Spervogel. „He, kleiner Martin, willst du für zwei Tage mein Maat auf „Ellide" fein?" „Ja, alter Flambusch, wenn du auf „Ellide" einen Maaten brauchst?" „Ja, ich brauche wohl so etwas wie einen Maaten auf meinem Schiff, denn es fall diesmal eine Wikingerfahrt werden, kleiner Martin. Und ein Zelt habe ich mir auch schon geliehen." „Wo soll es denn hingehen, alter Flambusch?" „Weit, weit den Fluß hinauf. Morgen mit der Sonne, kleiner Martin." „Morgen mit der Sonne, alter Flambusch." ♦ „Schmeckt der Wind nicht nach Salz?" fragte Flambusch. „Und wie der Himmel aussieht", sagte Martin, „nicht eine Wolke." „Oele dich", sagte Flambusch, „das wird ein heißer Tag heute. Aber laß uns erst das Boot aufbauen." Nicht lange, und aus drei Paketen war das Schiff „Ellide" erstanden, eigentlich nicht viel mehr als ein grau und rotes Faltboot. Nicht lange, und es schaukelte auf dem Wasser. Der Kapitän stieg ein und staute Zeltbahnen, Decken und Geräte. Der Maat ging an Bord. „Ellide" legte ab und wandte sich flußauf. Es war ein klarer Morgen mit Tau auf allen Dingen, wenig Getier war erst wach. „Nun wird der Fluß erst richtig", sagte Flambusch und hielt mit Paddeln ein. „Anders als in der Stadt", fügte Martin hinzu. Die Sonne kam über den Horizont. Die Uferweiden erglänzten und spiegelten sich. Eine Ente flog rauschend auf. Ihre Flügel klatschten, bis der Flug schön und klingend wing! roing! wing! wie eine Glocke in der Höhe über den Wiesen verging. ♦ „Wir kommen langsamer voran", sagte Martin gegen Mittag. „Ob es an der Hitze liegt?" „Die Strömung wird stärker", sagte Flambusch. „Zieh das Paddel länger durch und schlage schneller." Das heiße Licht kam in mächtigem Sturz herab. Die Uferbüsche blieben nur widerwillig zuruck. Voraus begann sich das Wasser zu dellen. Es zog glatt heran, bekam Dellen und Riesen und wellte sich. Eine Kiesbank im Fluh. Sie paddelten wie Maschinen und tarnen kaum vom Fleck. Als sie an die Kiesbank herangekommen waren, merkte Flambusch, daß sie immer mehr abgetrieben wurden und auf diese Weise nicht hinüberkommen würden. Er streifte die Steigbügel mit den Steuerschnüren von den Füßen, stützte sich auf und sprang über Bord. Das Boot glitt an ihm vorbei. Er packte es bei der Metallöse am Vordersteven, wickelte die Belegschnur rasch um fein Handgelenk und begann gegen die Strömung anzugehen. Das Wasser brach sich und schäumte an seinen Knien. Die Schnur spannte sich straff. Ab und zu glitt Flambusch aus, verlor das Gleichgewicht und wurde durch den Strom fast umgeworfen. Dann wieder geriet er in Kuhlen, wo ihm das Wasser bis über die Schulter ging, ihn mitriß und über den Kies schleifte. Das Ufer lief flach an. Nach einigen mit Kiesgeröll bedeckten Metern stieg es mannshoch senkrecht empor, an der Oberkannte Überhängen von Rasen- lappen. „Sieh einmal die Kuh", rief Martin, „da vorne!" Flambusch hielt ein im Ziehen. „Mann, zieh weiter!" schrie Martin, „ich hänge schon auf dem Kies!" Da fetzte sich die Kuh in Galopp, stampfte heran, trampelte den Boden, knörte, stöhnte und brüllte, wühlte die Hörner in die Erde und schleuderte den Dreck nach hinten. „Die hat einen Hitzestich", sagte Martin. „Wetten, daß?" „Das ist keine Kuh, aber ein Bulle", sagte Flambusch ein wenig starr. „Du, der ist wütend!" rief Martin leise. „Au, und unser Kahn hat ein rotes Verdeck, deshalb! Au, au, jetzt aber." Der Bulle suchte einen Abstieg. „Flambusch, komm her!" schrie Martin. Flambusch watete langsam ins Wasser und sah sich andauernd um. Er geriet in eine Kuhle, fiel und verlor das Schleppseil. Das Boot trieb sofort ab und strandete auf einer Bank mitten im Fluß. Rechts und links schäumte das Wasser. Auf einmal brach ein Stück des überhängenden Rasenranftes ab, der Bulle rutschte ab und landete verdutzt auf dem Kies. Flambusch rannte, so schnell er im Wasser konnte, auf das festliegende Boot zu, packte ein Paddel, schraubte es auseinander und versuchte gleichzeitig mit den Knien und Füßen, das Boot flottzumachen. Es saß eifern fest. Der Bulle machte Schritte ins Wasser, brüllte und grummelte hitzig, geriet an tiefere Stellen, wendete sich hin und her und suchte unverdrossen eine Furt. „Steig aus", sagte Flambusch hastig. „Du mußt das Boot hochbringen, egal wie. Wir müssen hier vorbei. Ich passe schon auf das Vieh auf." Martin zog, Flambusch ging ein paar Schritte neben ihm her, in jeber Hand wie ein Schwert ein halbes Paddel. Der Bulle blieb auf ihrer Höhe, immer wie- der ins Wasser watend. „Da oben ist wieder eine Schwelle", sagte Flambusch, „wo die weißen Wellen stehen. Und da kann er heran." Nach einer Weile: „Zieh schnell weiter, Martin. Ich will versuchen, ihn abzujagen." „Laß die Paddel heil", sagte Martin beinahe großartig. „Dir selbst wird schon nichts geschehen, wo du mit der Strömung immer schnell abschwimmen kannst." Martin hatte zwar ein bißchen Angst und ziemlich schweres Herzklopfen, aber er zog gegen das Wasser an, daß die Wellen aufrauschten. „Hööö-ö!" knurrte der Bulle tief im Schlund, blieb stehen, peitschte mit dem Schwanz und schnaufte bösartig. So lange er stehenbleibt, dachte Flambusch, ist alles gut. Er blickte sich rasch um und sah, daß das rote Verdeck schon ein gutes Stück davon war. Da setzte sich der Bulle wieder in Bewegung. Flambusch machte ein paar Sätze stromauf, brüllte, fuchtelte mit dem Paddel und schmiß mit einer Handvoll Kies. Das Untier blieb wieder stehen. „Gehst du wohl zurück!" schrie Flambusch es an. „Willst du wohl zurückgehen! Dschüh! Hä! Zurück!" Dazu eine Kiesladung nach der anderen. Der Bulle senkte den Schädel und rannte gegen den fliegenden Kies an. Flambusch warf sich in die Strömung. Ehe er sich besinnen und bremsen konnte, befand er sich ein gutes Stück unterhalb des Kampfplatzes. Der Bulle galoppierte am Ufer entlang, gerade auf die flache Kiesfchwelle und das Boot zu. Martin sah das Unheil kommen. Er drückte „Ellide" auf die andere Seite des Flusses hinüber und faßte ein Paddel. Der Bulle watete schändend heran. Ab und zu steckte er das triefende Maul mit dem Nasenring ins Wasser und knörte. Martin sah das Rötliche im Weiß seiner Augen. Martin sah Flambusch das Ufer entlang gerannt kommen. Martin packte das Paddel und schaufelte Wasser gegen das Untier. „Feste, Martin!" schrie Flambusch. „Ich komme!" Der Bulle schüttelte sich und schwenkte den Kops. Er wandte den Schädel ab und versuchte gleichzeitig neuen Stand zu gewinnen, denn er sank langsam in den losen Kiesgrund ein. Da stürzten ihm auch von der anderen Seite Wassergarben entgegen. Er sah nichts vor Wasser, er atmete Wasser, hustete, brummte, verlor immer mehr den Stand im lockeren Kies, und als Flambusch ihn mit einem Schrei von der Seite anrannte, fast umstieß und mit dem Paddel bearbeitete, verlor er gänzlich das Gleichgewicht, torkelte, rutschte und schwenkte in eine Kuhle, verlor den Grund, trieb ab und landete grobschlächtig an einem liegengebliebenen Baumstamm und gewann nur mühsam und elend das Ufer. „Weiter, weiter, ehe es wieder losgeht", trieb Flambusch. „Ach", sagte Martin atemlos, „nun sieh dir doch an, wie das Vieh ausreißt. So ein Bulle", sagte er, „so ein Klotz von einem Bullen. Muht vor sich hin, als ob es anfangen wollte zu meinen, und weiß vor Schande nicht, wie er die Böschung hinaufkommen soll. So etwas versucht nun, die christliche Seefahrt aufzuhalten, greift vollständige Schiffe samt Käpten und Besatzung an. Mann, was habe ich für eine verdammte Wut." „Du solltest lieber dein Gehirn einschalten, anstatt den Schnabel so im Leerlauf gehen zu lassen", sagte Flambusch. „Wir müssen weiter. Zwei Tage haben wir nur." „Ist schon recht, alter Käpten", sagte,' Martin, „dann will ich mal ziehen und du steuerst. Aber daß so ein dickes Wesen von seiner Wiese herunter gegen so ein altes, kleines Schiff losgeht, gegen fo ein paar Hölzchen mit etwas Gummihaut darüber, die auch schon etwas altersschwach ist, Mann, das bringt mich hoch." „Na, na", brummte Flambusch, „was sagst du da über Schiffe?" „Na, ja", sagte Martin, „das habe ich in meiner Wut gedacht." „Zieh lieber", sagte Flambusch. „Wir wollen heute noch ordentlich was beschicken." Das Känguruh und sein Furunkel. Ein Furunkel hat schon den sanftesten Mann zum Bösewicht oder zum Hypochonder gemacht. Ein Furunkel geht auch über die Kraft eines Känguruhs. Hans, eine der Hauptsensationen eines kleinen Zirkus, der vor einigen Tagen nach Wien gekommen war, litt jedenfalls schmerzlich an seiner Wunde. Sein Herr ließ also den Tierarzt kommen, und der Doktor wollte das Känguruh gleich operieren. Wahrscheinlich hatte der Onkel Doktor noch nie mit einem Känguruh zu tun gehabt, denn er vermochte Hans nicht zu überreden, gutwillig zum Operationstisch zu gehen. Ein paar Backpfeifen mußte sich der Arzt gefallen lassen, ehe es ihm und seinem Gehilfen gelang, das Tier festzubinden. Der Doktor gab sich trotzdem redliche Mühe, unternahm einen gründlichen Eingriff und durchschnitt selber noch die Riemen, mit denen das Tier festgeschnallt war. Hans verkannte dke guten Absichten des Tierarztes vollkommen, denn kaum konnte er sich wieder bewegen, als er auch schon nach allen Regeln der Boxkunst auf den Arzt losging und ihn zielsicher knockout schlug. Dem Gehilfen ging es nicht besser, und als sie beide an die Wand getaumelt roaran, setzte Hans mit gewaltigen Känguruhsprüngen ins Freie. Der Zirkusdirektor konnte ihn schließlich am Schwanz festhalten und ihn mit Not und Mühe bändigen. Der Tierarzt wird demnächst Boxunterricht nehmen. Hautekzeme usw. leiden. Die Veranlagung ist vorhanden, durch irgendeinen äußeren Reiz wird dann der Anfall ausgelöst. Dieser auslösende Reiz kann sehr verschiedener Natur sein. Ueberanstrengung, Aufregung, grelles Licht, Lärm, Aufregungen, Aufenthalt in überheizten Räumen, starker Alkoholgenuß, Nikotin, schlechte Luft, Eisenbahnfahrten usw. können einen Migräneanfall Hervorrufen. Die Dauer der Anfälle ist sehr verschieden, der Schmerz beschränkt sich meist auf eine bestimmte Schädelhälfte und hat einen bohrenden Charakter. Typisch für ein Migräne ist eine starke Uebelkeit, die zu einem stundenlangen Erbrechen führen kann. Meist geht diesen Anfällen die sogenannte „Aura" voraus: Kopfdruck, Schwindel, Erregungszustände künden dem Kranken mit Sicherheit das Auftreten eines Anfalls an. Da die Migräne, wie sich durch die Forschungen der letzten Jahre ergeben hat, zu den Ueberempfindlichkeitskrankheiten gehört, muß ihre Behandlung darauf eingestellt sein, den Grund -er Ueberempfmdlichkeit zu beseitigen. Migräne, die in bestimmten Berufen oder nach dem Genuß bestimmter Nahrungsmittel auftritt, läßt sich also durch Vermeidung des auslösenden Reizes heilen. Den Hauptwert muß der Migränekranke auf eine vom Arzt verordnete Diät legen, die vor allem fettarm fein wird. Sehr wichtig ist außerdem die Derdauungstätigkeit des Patienten, besonders wenn auch andere Erscheinungen auf einen gestörten Stoffwechsel Hinweisen. Seinen Sommeraufenthalt soll der Migränekranke am besten im Hochgebirge verbringen. Er darf sich nicht der prallen Sonne aussetzen, dagegen sollen sich Luftbäder sehr gut bewährt haben. Sowohl mit einer allgemeinen Massage, wie auch mit einer Kopfmassage, die sich besonders auf die Stirn, Halspartien und Schläfen beschränkt, hat man gute Erfolge erzielt, die durch ein tägliches Frottieren oder durch Bürstenbäder wirksam unterstützt werden können. Wichtig sind für die Kranken die Mittel, die er während oder kurz vor dem Anfall anwenden kann und die ihm schnellstens Erleichterung schaffen. Durch heiße Fußbäder, Abführmittel, große Flussigkeitsmengen, Riechmittel und große Dosen von Salizyl, Brom und Kaffee läßt sich der Anfall eventuell noch abwenden. Die von vielen Kranken angewandten kalten Umschläge zur Schmerzlinderung haben sich als nicht geeignet erwiesen. Der Arzt empfiehlt, diese Umschläge mit warmem Wasser vorzunehmen, auch wenn der Kranke momentan nicht dieselbe Erleichterung verspürt, die ihm ein kalter Umschlag bereitet. In sehr schweren Fällen wird der Arzt durch Ko- kainisierung der Nase helfen oder er wird dem Kranken einige Tropfen Am^lnitrit zum Einatmen reichen. Da sehr viele Fälle auf rein seelischen Erschütterungen beruhen, wird eine psychische Behandlung angebracht sein, die oft das Leiden vollständig verschwinden läßt. Blutstillung. Ein ganz einfaches, blutstillendes Mittel ist leider noch lange nicht weit genug bekannt. Man behandelt die blutende Wunde mit heißem Wasser, und zwar wird man am zweckmäßigsten, falls man eine kleine Spritze zur Hand hat, einen feinen Wasserstrahl in einer noch auszuhaltenden Temperatur auf die Wunde richten. Ist keine Spritze zur Hand, so hilft man sich mit warmen Umschlägen. Handelt es sich bei der Blutung um eine Schlagaderverletzung, bei der das Blut ungleichmäßig spritzend heraussprudelt, so wird man, bis der sofort gerufene Arzt kommt, oberhalb der Wunde durch einen Verband oder durch Druck der Hand eine Stauung hervor- ufen, die ein stärkeres Bluten verhindert. Wirtschaft. Devisenzuteilung im Warenverkehr mit dem Ausland. Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung hat in einem Runderlatz an die Devisenstellen die Festsetzung der Devisenkontingente für die Wareneinfuhr für das zweite Kalenderhalbjahr 1934 geregelt. Grundsätzlich bleiben die für das erste Kalenderhalbjahr zugeteilten Grundbeträge auch für das zweite Halbjahr bestehen. Sie unterliegen wie bisher den für die einzelnen Monate angeordneten Kürzungen. Bei der Festsetzung der Grundbeträge bleibt der Zahlungsbedarf für die landwirtschaftlich bewirtschafteten Erzeugnisse, für Waren, deren Einfuhr verboten ist, und für die von den Rohstoff- überwachungsstellen bewirtschafteten Waren unberücksichtigt, soweit bisher schon Anordnungen der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung darüber ergangen find, daß diese Waren nur noch auf Grund von" Einzelgenehmigungen bezahlt werden dürfen. Die Ermächtigung der Devisenstellen, bei den allgemeinen Genehmigungen und Einzelgenehmigungen bis zur Höhe von 1000 RM. monatlich auf Antrag von den vorgeschriebenen Kürzungen abzusehen, ist aufgehoben worden. ♦ * Erweiterung des Ausfuhrverbotes für Rohkupfer. Mit Verordnung vom 22. Juni 1934 hat der Reichswirtschaftsminister das unter dem 7. Juni 1934 erlassene Ausfuhrverbot für Rohkupfer erweitert. Danach unterliegen dem Ausfuhrverbot Rohkupfer einschl. Elektrolytkupfer, sämtliche Kupferlegierungen, Bruch und Abfälle des legierten und nicht legierten Kupfers, jedoch ausschl. des Rohkupfers in Pulverform. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 25. Juni. Nach der zweitägigen Unterbrechung lag die Börse ausgesprochen still. Die Bankenkundschaft war trotz des Ausfalls der Samstagsbörse mit Aufträgen kaum vertreten, während die Kulisse Zurückhaltung bekundete, zumal größere Anregungen nicht vorlagen. Trotz der großen Geschäftsstille war die Kursentwicklung nicht unfreundlich, es überwogen die Kursbesserungen. Besonders freundlich lagen Elektrowerte; Bekula und Lahmeyer gewannen je 0,75 Proz., Siemens etwa 1,5 Proz., Lechwerke Augsburg 1,5 Proz., nur Schuckert gaben 0,40 Proz. nach. AEG. und Ges- fürel blieben gut behauptet. Am Chemiemarkt waren Scheideanstalt um 3 Proz. erhöht, die Schwankungen in diesem Papier sind zumeist auf den engen Markt zurückzuführen. Etwas leichter waren Metallgesellschaft (— 0,75 Proz.) und Farbenindustrie (— 0,50 Proz.). Der Montanmarkt lag still und uneinheitlich. Schwächer waren Harpener um 0,50 Proz., Phönix um 0,40 Proz., Stahlverein um 0,50 Proz., Rheinstahl um 0,25 Proz., höher dagegen Ilse Genuß (plus 1 Proz.), Laurahütte (plus 0,40 Proz.) und von Kaliwerten Aschersleben um 1,5 Proz. Kunstseideaktien trotz der Ausführungen in der Bernberg-GV. etwas leichter, AKU um 0,13 Proz., Bernberg um 0,75 Proz. Gut gehalten waren Schiffahrtsaktien, Reichsbahn-VA. 0,13 Proz. höher, AG. für Verkehr ca. 1,5 Proz. niedriger. Von Zell- ftoffwerten Aschaffenburger erneut 1,25 Proz. fester, womit die Kurserhöhung über Waldhof behauptet wird. Zement- und Bauwerte lagen still, Holzmann jedoch ca. 1,25 Proz. fester. Auch am Rentenmarkt waren die Umsätze sehr gering. Altbesitz und Kommunal-Umschuldung je 0,50 Proz. schwächer, Stahlverein-Bonds — 0,65 Proz. In der zweiten Börsenstunde hielt sich die Umsatztätigkeit auf allen Marktgebieten in engsten Grenzen. Die Kursgestaltung war weiterhin nicht ganz einheitlich bei allerdings nur kleinen Veränderungen. Etwas stärker gedrückt waren Rhein. Braunkohlen mit minus 2,5 Proz. Farben- schwankten zwischen 149 bis 149,5 Proz. Im allgemeinen hielten sich die Kurse auf dem Anfangsstand. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitz nochmals 0,25 Proz. ab, die übrigen variablen Werte lagen geschäftslos. Am Pfandbriefmarkt kam noch einiges Angebot heraus, das jedoch bei nur wenig veränderten Kursen ausgenommen wurde. Stadtanleihen lagen still und' teilweise bis 0,50 Proz. niedriger. Von Auslandsrenten gewannen Goldmexikaner 0,50 Proz., Anatolier 0,25 Proz., Ungar. Goldanleihe blieb zu 7,25 Proz. behauptet. Tagesgeld blieb zum Satz von 3,25 Proz. unverändert. Frankfurter Abendbörse behauptet. Frankfurt a. M., 25. Juni. Auch die Abendbörse entbehrte jeglicher Anregung und war auf fast allen Marktgebieten weitgehend geschäftslos; die Grundstimmung blieb indessen freundlich. Einiges Interesse zeigte sich für die Farben-Aktie, die bei kleinem Umsatz um 0,25 v. H. anzog. Daneben waren einige Elektroaktien befestigt, wie Akkumulatoren mit plus 1,50 v. H. Bekula plus 0,65 v. H., Gesfürel und Licht und Kraft je plus 0,50 v. H. Im übrigen hielten sich die Berliner Schlußnotierungen meist gut behauptet, Harpener und Holzmann lagen je 1 v. H. niedriger. Kunstseideaktien, die im Berliner Schlußverkehr stark gedrückt waren, besonders Bernberg, waren etwas erholt. Im Verlaufe blieb die Börse still. Auch am Rentenmarkt war das Geschäft bei gut behaupteten Kursen minimal. Von fremden Werten zogen 4- und 3>^prozentige Schweiz. Bundesbahn von 1912 um je 1,75 v. H. auf 160,25 bzw. 150 v. H. an. U. a. notierten: Altbefitzanleihe 95,13, 6proz. Stahlverein - Bonds 77,75, 6proz. Stadt Mainz von 1926 78,75, 6proz. Rhein. Hyp.-Bank Goldpfandbriefe R 2—25 88,75, Reichsbank 154, Gelsenkirchen 60,25, Harpener 103,50, Klöckner 70,50, Phönix 47, Rheinstahl 97, Akkumulatoren 192,50, Aku 60,50, Bernberg 66, Bekula 142,50, Daimler 48,50, Deutsche Linoleum 60, Licht und Kraft 109,50, IG.-Farben 150, Gesfürel 105,75, Holzmann 60,50, Rhein. Elektro 101,50, Schuckert 90, Zellstoff Aschaffenburg 49,50, Südd. Zucker 180, Nordd. Lloyd 32,50. Tagung -er Geflügelzucht-Ortssach berater des Kreises Gießen in Wieseck. * Wieseck, 25. Juni. Gestern sand hier eine Geflügelzuchttagung der Ortsfachberater des Kreises Gießen statt, zu der sich neben den örtlichen Vertretern der Geflügelzucht auch noch eine größere Anzahl Kleinzüchter eingefunden hatten. Kreisfachschaftswalter Heß (Watzenborn-Steinberg) entbot die Grüße des Kreisvereins für Geflügelzucht und hieß insbesondere den Leiter des Tierzuchtinstituts von der Landesuniversität Gießen, Dr. Lang, und den Bezirksbeauftragten für Eierverwertung und Gauwatter für Kleintierzucht in Hessen-Nassau, pg. Eckhardt, Heppenheim a. d. B. willkommen. Darauf ergriff Herr Eckhardt das Wort zu einem großangelegten Vortrag, in dem er u. a. folgendes ausführte: Die Geflügelwirtschaft nimmt im Rahmen der deutschen Volkswirtschaft die dritte Stelle ein, stellt doch ihre Leistung einen Wert von 1,1 Milliarden dar. Deshalb war eine der ersten Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung die Eingliederung der Geflügelwirtschaft in den Reichsverband der deutschen Kleintierzucht und damit in die Hauptabteilung IV des Reichsnährstandes. Durch Gesetz vom 20. Dezember 1933 wurde der Verkehr mit Eiern geregelt und zwar nach dem Grundsätze, daß die Genossenschaft die Eier zu erfassen, der Handel sie zu verkaufen habe. Ergänzt wurden diese Bestimmungen durch die Verordnung vom 3. Mai 1934, die beide Körperschaften zum An- und Verkauf zuließ. Um eine einheitliche Regelung der Eiereinfuhr und den Ausgleich innerhalb der Bezirks - Eiererfaffungs - Genossenschaften durchführen zu können, wurde dann noch eine Reichs- eierverwertungsstelle geschaffen. Die Bezirks-Eier- verwertungsverbände umfassen Genossenschaften und Handel und werden von einem Vorsitzenden geleitet, dem ein Verwaltungsrat, bestehend aus je drei Vertretern der Geflügelhalter, der Händler und der Genossenschaften, beigeordnet und ein Generalrat von 30 Mitgliedern a^gegliedert ist. Das wichtigste Glied in der Eiererfassung ist die Ortssammelstelle. Durch die neuen organisatorischen Maßnahmen ist es gelungen, den Eierpreis beim Erzeuger um über einen halben Pfennig gegenüber dem Vorjahr zu heben, die Erzeugung selbst so zu steigern, daß im Jahre 1933 nur noch für 78 Millionen Mark eingeführt wurden, während noch im Jahre 1931 über 300 Millionen Mark durch Bezug aus dem Auslande der deutschen Volkswirtschaft verloren gingen. Mit Rücksicht auf die Verflechtungen des internationalen Handels werde es sich niemals ermöglichen lassen, die Eiereinfuhr ganz zu drosseln, da wir auch auf Ausfuhr unserer industriellen Erzeugnisse als Gegenleistung angewiesen seien. Mit der Forderung, sich mit allen Fasern unseres Seins hinter den Führer und den Reichsbauernführer W. Darrs zu stellen, schloß der Redner seine umfassenden Ausführungen und gab noch bekannt, daß am 30. November und am 1. und 2. Dezember dieses Jahres die 1. Reichskleintier- zuchtschau in Frankfurt a. M. stattfindet, die eine weitere Aufwärtsbewegung der deutschen Geflügelwirtschaft bedeuten werde. .Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen, be^en eine rege Aussprache folgte, wobei u. a. noch die Frage der Uebemahme- scheine, die Regelung der Vergütung der Ortssam- melstellenleiter, die Beschlagnahme von gesetzwidrig erfaßten Eiern, die Durchführung der Standardisierung und der unmittelbare Verkehr vom Erzeuger zum Verbraucher behandelt und geklärt wurden. Als zweiter Redner sprach Dr. Lang, Gießen, über das Thema: Kükenaufzucht unter 6 e • fonöerer Berücksichtigung der Fütterung. Seinen Darlegungen sei u. a. folgendes entnommen: In der Geflügelzucht soll eine neue Arbeitsteilung erfolgen. Da dem bäuerlichen Betriebsinhaber die Zeit und oft auch die Fachkenntnisse zur Brut und Aufzucht fehlen, sollen diese in die Hand des erfahrenen Fachmannes, des Züchters, eines Geflügelhofes, eines Farmbetriebes oder staatlich anerkannten oder Staatsinstitutes gelegt werden, denn richtige Brutdurchführung und sachgemäße »Pflege der Jungtiere find die Grundlagen für Hochleistung. Hier gemachte Fehler rächen sich späterhin bitter. Danach wurde die Anlage des Brutnestes praktisch vorgeführt. Das Brutei soll genügend groß sein, nicht unter 55 Gram wiegen, nicht über zehn Tage alt sein und normale Formgestaltung aufweisen und von einer zweijährigen, hochgezüchteten Henne stammen. Zur Fütterung der Küken soll in erster Linie wirtschaftseigenes Futter Verwendung finden, z. B. Bruchweizen, nicht aber Hirse und Reis, die beide ausländischer Herkunft sind. Allmählich ist zum Schrot- und Mehlfutter überzugehen. Die notwendigen Eiweißmengen sind durch Zusatz von Sauermilch und Knochenschrot zu verabreichen. Um dem Futter den nötigen Pitamin- gehalt zu geben, ist reichlich Grünfutter, vor allem Salat, Gemüse und Brennesseln, darzubieten. Ständiges Ueberwachen der Jungtiere verhütet ansteckende Krankheiten. Zum Schlüsse streifte der Vortragende noch die Rassenfrage und forderte, daß nur hochgezüchtete Wirtfchaftsrafsen einzustellen seien, die allein eine gute Rentabilität gewährleisten. Auch dieser Vortrag sand reichen Beifall. Auf Fragen aus der Versammlung über Futtermischungen und Jungtierpreise gab der Redner ausführliche Auskunft. Die anregend verlaufene Tagung wurde durch den Versammlungsleiter in üblicher Weise geschlossen. Mit der Tagung war eine kleine Eierschau verbunden, bei der das Einst der Erfassung und Verkaufsanbietung praktisch und anschaulich dem Jetzt gegenübergestellt war und so schlagend den gewaltigen Fortschritt der neuen Zeit zeigte. Franksurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 25. Juni. Auftrieb: Rinder insgesamt 1266 (gegen 1931 am letzten Montagsmarkt), darunter befanden sich 415 Ochsen, 140 Bullen, 376 Kühe und 335 Färsen. Kälber 507 (559), Hämmel 28 (14), Schafe 27 (24), Schweine 4098 (4231). Rotiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen' al) 33 bis 34, b) 31 bis 32, c) 27 bis 30, d) 21 bis 26. Bullen a) 29 bis 30, b) 26 bis 28, c) 23 bis 25, d) 20 bis 22. Kühe a) 27 bis 29, b) 23 bis 26, c) 18 bis 22, d) 10 bis 17. Färsen a) 33 bis 34, b) 30 bis 32, c) 27 bis 29, d) 22 bis 26. Kälber a) 43 bis 45, b) 37 bis 42, c) 29 bis 36, d) 20 bis 28. Lämmer und Hämmel bl) 34, c) 29. Schafe f) 22 bis 25, g) 18 bis 20. Schweine al) 50, a2) 45, a) 39 bis 43, b) 38 bis 43, c) 37 bis 43, d) 33 bis 42, e) 32 bis 40, gl) 34 bis 37, g2) 30 bis 33. Im Preisoergleich zum letzten Montagsmarkt zogen beste Ochsen, Bullen und Kühe sowie Schweine je 1 Mark an, Kälber gaben 4 bis 5 und Hämmel 2 Mark nach, ebenso gingen geringe Tiere der Rindergattungen um 1 bis 2 Mark zurück. Marktverlauf: Rinder ruhig, geringer Ueberstand (Marktzufuhr freiwillig geregelt). Kälber langsam, geräumt. Schafe und Hämmel langsam, Ueberstand. Schweine ruhig, nahezu ausverkauft. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 25. Juni. Bei knappem Angebot blieb die Haltung auf allen Märkten fest und die Preise zogen weiter an. Brotgetreide war bis 2,50, Hafer sogar um 12,50 Mark höher. Es notierten: Weizen 207 bis 209; Roggen 187,50; Hafer 210 bis 212,50; Weizenmehl Type 563 Festpreisgebiet W X 28,90, do. W VII 28,60; Roggenmehl Type 610 Festpreisgebiet R VIII 25,25, do. R VI 25,25, zu allen Mehlpreisen je plus 0,50 Mark Frachtausgleich; Weizenmehl IV B 16,50; Weizen- nachmehl 16; Weizenfuttermehl 12,25; Weizenkleie (fein) 11,25, (grob) 11,55; Roggenkleie 12; Roggenfuttermehl 12,50; Sojaschrot 16,85; Palmkuchen 16,45; Erdnußkuchen 18; Treber 16,75; Trocken- schnitzel und Heu gestrichen; Weizen- und Roggen- stroh drahtgepreßt 2,80 bis 3, do. gebündelt 2,90 bis 3,10. Kartoffeln: Erstlinge hiesiger Gegend 6,50 Mark per 50 Kilogramm ab Verladestation. Tendenz: fest. Tragischer Vorfall bei einer Sonnenwendfeier. LPD. Straßebersbach (Dillkreis), 25.Juni. Als am Samstag um 21 Uhr die örtlichen Formationen Aufstellung nahmen, um sich zur Sonnenwendfeier zu begeben, fuhr ein Motorradfahrer in eine Jungvolkgruppe hinein. Drei Pimpfe wurden zu Boden gerissen, einer 12 Meter von der Maschine mitgeschleift. Er erlitt schwere Verletzungen, u. a. an einem Auge, mit dessen Verlust gerechnet werden muß. Er wurde der Klinik in Gießen zugeführt. Ein zweiter Junge erlitt einen komplizierten Oberschenkelbruch und gefährliche Rippenbrüche. Auch er kam ins Krankenhaus, während ein dritter Junge mit leichteren Verletzungen davonkam. Die erregte Menge nahm eine drohende Haltung gegen den Motorradfahrer ein, der sich nur mit Mühe in Sicherheit bringen konnte. ------------------------------< ■ ■ Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TL Datum | 22 6- | 25-6 25.6. 95,13 96 95,13 90 90,5 90 89,5 89,5 89 90 89 88,75 96 96 95,13 95,5 95,13 95 89,5 89 88,5 90 89,25 88,5 89 88, 4 Banknoten. 89,5 89,25 91,5 91,5 91 91 92 91,5 24,5 22,4 1 20,51 72,9 - 180 | 180 \ 22,75 7,4 7,75 180 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. 92 101 92 101 94 99,6 90,75 94,5 99,9 91 8,25 8 7,2 6,75 7,05 8,1 25,25 1,2 7,25 6,55 24,25 1,25 7,25 6,8 7 8 7,5 1,15 7,25 6,6 6,9 8,5 7,5 95,5 i 99,75 91 4% Oesterretchtfche Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrentr 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische StaatSrent» V. 1910 *y,% deSgl. von 1918.......... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zoll anleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe 8% Deutsche RetchSanleihe v. 1927 6% ehem.7% Dt. Reichsanl. v. 1929 &Yi% Doung-Anleihe von 1980 Deutsche Anl.-Ablüi.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ........... DeSgl. ohne AuSloi.-Rechte...... 8% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 18.................. 6Vi% Hess. Landes-Hypotheken, bank Darmstadt Liqui......... Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- leiye Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyv.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1985 8% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 Iy,% ehem. 4Vi% Franks. Hyp^ Bank-Liqu.-Psandbriefe....... 6K,% ehem. 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpse..... 6% ehem. 8% Pr. Landespfand. briesanstalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand. briesanstalt, Pfandbriefe R. 10 Steuergutsch. Verrechnungskurs.. Gritzner.................. O| Malnkraftwerke Höchst a.w— 4 Süddeutscher Zucker ......... -s 22-6- | 95 | 99,7 91 | 96 I Fronkfur! a. JJL Berlin Schluß» furd Schlußk. Abend- börsc Schluß» furd Schlußk. Mittag- börfr Frankfun a. 0JI. Berlin Schluß» furd Schlußk. Abend» börse Schluß» furd Schlußk. Minag- börse Datum 22-6 25-6- 22-6. 25-6. ManSfelder Bergbau.........O Kokswerke ............. O Phönix Bergbau.............O Rheinische Braunkohlen .....10 Rheinstahl ..................O Vereinigte Stahlwerke........O Otavi Minen .............0 Kaliwerke Aschersleben........5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth.....7% I. 9. Farden-Jndustrte.......7 Scheideanstalt........... 9 RülgerSwerke ...............0 Melallgeiellschast............. O 75,5 47,75 233,5 97 41 14,5 120,75 120 162 150 205 67 39 84 59,25 106,75 125,5 61,13 69 48,9 48,75 48,25 64,5 20 182,5 192 137,75 76,25 47 231 97 40,5 14 122,25 123,5 164 150 207,75 67 38,25 83,75 60,5 107,5 125,5 60,5 66 48,5 49,5 48,5 60 19,5 184 192,5 137 76 92,9 47,75 233 97 40,65 14,5 121,5 120 163 150 66,75 39 59 107,65 61,25 69,25 48 49 130,25 47,9 64 65,5 19,5 184 190,75 137,25 76 91 47,25 234 97 40,4 14,5 123,75 124,65 168,75 149,75 67,5 38,75 83,25 61,5 108 60,25 65,5 47,5 49,25 133 48,75 59 64,25 19,5 184 191 Philipp Holzmann....... O Zementwerk Heidelberg ...... O Zementwerk Karlstadt.........O Schultheis Patzenhoser .......O Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................. 0 Zellstoff Waldhof ............O Zellstoff Aschaffenburg .......O Dessauer GaS ............... 7 Daimler Motoren....... C Deutsche Linoleum...........O Orensiein & Koppel..........O Leonhard Tietz ..............O