Mittwoch. 25. April W Nr. 96 Erster Matt 184. Jahrgang Gießener Anzeiger Das Ergebnis der französisch-polnischen Aussprache »eres dar, zen mit rm, beid- reidarmig Sportab- >ogen ml ;n eing* lerqewck b. Mittet' bis 165 )ren und ril Der n an das »acht Es impf Derer einem nn. Ins- her SA., Barce« ans führt lieber fein tunbe von 41, M- dr^Mr t qebo/tf, Traich )er T'.i7- DeranU' Anschiß Reichsbahn 1900 statt. » k Wirtz ,ulunn mehr und mehr an Vaden gewinnt, dah das ur- fprüng.liche Recht der Selb st Verteidigung und der Gleichheit, das jede Ration von Ehre für sich beansprucht, Deutschland nicht versagt werden kann. Aus persönlicher Erfahrung habe er den Eindruck gewonnen, dah beinahe allenthalben der Mann auf der Strahe diese Tatsache bereits anerkannt hat. Niemand in der Welt bestreite die Mäßigung unserer Forderungen nach Verteidigungswaffen. Die mahoollen Forderungen Adolf Hitlers und der Relchsregierung zeigten auf der einen Seite den unerschütterlichen Willen, das Vaterland zu verteidigen und ihm das Gefühl der Sicherheit zu geben und auf der anderen Seite den Wunsch nach einem wahre »Frieden in Europa. hatten kei- chtler Dre- Lind nach achte dem überlasten. > bestritten Kuboneger h Punkten lstah. pachten n 3lim iintt her is von ner 785 r italie- •or dem Castag- a. Ober- ils einen tur zum ttmeifter 1 Frage. Polen als Großmacht anzuerkennen, aber dies werfe die Frage der Minderheitenverträge auf. Die gegenwärtig für Polen bindenden Minderheitenverträge seien unvereinbar mit dem Range einer Großmacht. Der Pariser „Times"-Korrespondent schreibt u. a.: In Paris wird nur zu deutlich begriffen, daß eine Ueberprüfung der Lage dringend notwendig war. Die aus Warschau eingetroffenen Berichte lassen keinen Zweifel darüber, daß a u f beiden Seiten manches deutliche Wort gesprochen worden ist. Es ist offenbar klar gemacht worden, daß Polen durchaus auf gleichem Fuße behandelt zu werden wünscht und daß es in Zukunft keine prinzipielle Solen betreffende Entscheidung geben darf, ohne London, 25. April. (DRV. - Funkspruch.) Der Beauftragte für Abrüstungsfragen, Joachim von Ribbentrop, erklärte einem Reutervertreter in einer Unterredung u. a.» er vertraue darauf, dah trotz vieler Schwierigkeiten der gesunde 2H e n - chenverstand sich schließlich durchsetzen und zu einer dauernden Lösung des Abrüstungs- Problems führen werde. Sein Ziel fei, den Weg ür ein Abrüstungsabkommen zu ebnen, das auf Gleichheit beruht und Europa den Frieden gibt und somit in diesem Teil der Welt das G e - ühl der Sicherheit und des Vertrauens wieder herstellt, das für die Wiederherstellung des europäischen Wirtschaftslebens fo bitter notwendig ist. Die Lage müsse geklärt werden, aber er glaube, dah in allen Ländern der Gedanke Eine dehnbare These. Tokio, 24. April. (DNB.) Das Kabinett hat sich offenbar mit den Rückwirkungen beschäftigt, die durch die offiziöse Verkündung einer Art ostasiatischen Monroedoktrin in der übrigen Welt ausgelöst worden sind. Es wurde eine beruhigende amtliche Verlautbarung ausgegeben. Sie besagt: Japan könnte es nicht widerspruchslos dulden, wenn aus anderen Ländern zur mili- lungen zwischen Washington und London dürften je nach dem Ausfall der Antwort Japans möglicherweise zu einer öffentlichen Stellungnahme beider Länder führen. Inzwischen ist Botschafter Saito bemüht, die Erregung, die seine Ausführungen in Washington heroorgerufen haben, zu dämpfen. Er erklärte, Japan plane weder ein Protektorat in China noch eine Verletzung des Neunmächtevertrages. Japan verlange jedoch, daß China seinerseits nicht gegen den Grundsatz der Offenen Tür verstoße. Der Botschafter meint offenbar hiermit den Boykott japanischer Ware n in China. Japan will binnen 3 Jahren seine Luftflotte verdoppeln. London, 24. April. (DNB.) Wie Reuter aus Tokio meldet, wird die japanische Luftflotte, die augenblicklich aus 646 Flugzeugen besteht, im Laufe von drei Jahren beinahe verdoppelt werden. Im Jahre 1936 wird Japan 500 Flugzeuge mehr besitzen als jetzt. Diese Vergrößerung der Luftflotte wird Kosten in Höhe von 44 Millionen Pen verursachen, die bereits in den kürzlich angenommenen Haushalt ausgenommen worden sind. 111 amerikanische Kriegsschiffe binnen 24 Stunden durch den Panamakanal geschleust. Panama, 25. April (DNB.-Funkspruch.) Die Handelsschiffahrt durch den Panamakanal ist wegen der Flottenmanöver vorübergehend gesperrt worden. 30 Schiffe, darunter der britische Kreuzer „Exeter" warten auf die Beendigung der großen Hebung, die darin besteht, 111 amerikanische Kriegsschiffe binnen 24 Stunden durch den Kanal zu schleusen. Ein amerikanischer Marineoffizier ist an Bord des britischen Kreuzers gekommen. Er hat die Manöverlage erläutert und wegen der Verzögerung um Entschuldigung gebeten. Wieder der alte Zustand an der Prager deutschen Universität. Prag, 24. April. (DNB.) Wie bereits gemeldet, wurde durch das tschechoslowakische Ministerium für öffentliche Arbeiten die Verwaltung des Karolinums, des Sitzes des Akademischen Senats und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Prager Deutschen Universität, in die Händedes Rektors der Prager tschechischen Universität gelegt. Hiergegen hatte der Akademische Senat der Prager deutschen Universität Einspruch erhoben. Der Protest hatte nun einen raschen Erfolg. Auf ministerielle Anweisung hin wurde der alte Zustand wiederhergestellt. Die Verwaltung des Karolinums verbleibt somit, wie es sonst bei allen Unterrichtsgebäuden üblich ist, bei der Landesbehörde. Gleichzeitig wurde die Kündigung der in dem Gebäude des Karolinums untergebrachten Geschäftsräume zurückgenommen. rcelona je der Bei' auiblon erJ ton 79,581 ,nb) ErW ® ‘ ad) 6® ö,e Si..'*" ni<*' •'! " lo*»rn' 'it gering' Ihne” I*0"0 Ihn»" * ° oll«"/ I ein1”*' Nach dem Frühstück bei Außenminister Beck hat sich Barthou in Begleitung von Beck gegen 18 Uhr nach Krakau begeben. Am Dienstag wurden der deutsche Gesandte und der sowjet- russische Botschafter von Außenminister Beck empfangen. Veränderte Grundlagen. Paris wird der Grotzmachtstellung Polens Rechnung tragen müssen. Paris, 25. April. (DNB.-Funkspruch.) Die amtliche Erklärung, mit der der offizielle Besuch des französischen Außenministers in Warschau abgeschlossen wurde, wird von der französischen Presse als neuer Beweis für den Fortbestand des französisch-polnischen Bündnisses begrüßt. Nichts desto- weniger sind sich einsichtige Kreise darüber klar, daß die Lage sich gegenüber früher wesentlich geändert habe und Frankreich von sich aus große Anstrengungen machen müsse, um der polnischen Mentalität und den politischen Neigungen Polens gerecht zu werden. Der Vertrer des „Mali n", ein gebürtiger Pole, stellt seine Betrachtungen auf die „Erwärmung der Atmosphäre" ab, die es seiner Ansicht nach gestatten werde, eine französisch-polnische Freundschaftspolitik in folgenden Fragen zu ermöglichen: Anpassung des Militarab- kommens von 1921 an die heutigen Verhältnisse und Vorzugsbehandlung in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen. Der Außenpolitiker des „Journal" schreibt von Warschau: Wenn wir das Bündnis erneuern und wirksam Zusammenarbeiten wollen, dann müssen wir uns entschließen, dem Geisteszustand Polens Rechnung zu tragen. Durch ein energisches Auftreten in der Abrüstungsfrage gegenüber Deutschland und durch ein geschicktes A u s s p i e l e n Rußlands gegen Deutschland werde Frankreich Polen bei der Stange halten können. Am treffendsten scheint „Deuore" die Lage zu schildern: Materiell gesprochen ist gegenwärtig das Bündnis mit Polen noch gerechtfertigter als 1921. Mehr denn je ist dieses Land in Osteuropa für die Erhaltung des Friedens notwendig. Das Hauptergebnis der Reise Barthous dürfte fein, dre wirkliche Stärke dieses Landes f e st - g e fte II t und vor allem die Erkenntnis gewonnen zu haben, wie notwendig es ift, d i e Atmosphäre des Wohlwollens und des Vertrauens zwischen beiden Ländern zu ü be r w a ch e n. Auf jeden Fall haben wir dann die Gewißheit, daß der deutsch-polnische Pakt „nie; mals als mögliche Grundlage der Politik Pilfudskls angesehen wird. Doch machen wir uns keine Illusionen: Die Politik Polens in Osteuropa wird uns sicher noch manche Enttäuschung und manches Kopfzerbrechen bereiten Petit Parisien" will melden.können, daß Bar- thou erneut die Versicherung erhalten habe, daß die polnische Regierung das Bündnis mit Frankreich durchaus a u f r e ch t z u e r h a l t e » wünsche Beck habe außerdem formell bestätigt, daß der deut ch- polnrsche Pakt sich auf einen Vertrag zur Herstellung gutnachbarlicher Beziehungen beschranke und keine sonstigem Verpflichtungen enthalte. Englische Eindrücke. Deutschlands Kriedensprogramm (Sine Unterredung mit dem Beauftragten für Abrüstungsfragen. Japan erläutert den neuen Kurs seiner Ehina-Politik. Keine finanzielle Hilfe anderer Mächte für China, die politischen Anstrich hat. dessen befindet sich der sachliche Inhalt dieser Erklärung nicht im Widerspruch mit dem Grundsatz, daß allen Mächten in China nach dem Prinzip der offenen Tür gleiche Möglichkeiten geboten sind. Auch wird mit dieser Erklärung keineswegs die Unversehrtheit des chinesischen Gebiets ange- t a st e t. Die japanische Regierung hat nichts einzuwenden und wird auch in Zukunft nichts einwenden, wenn die Mächte China eine Hilfe ohne politi - f ch e Hintergründe angedeihen lassen, so etwa in Gestalt der Verwendung der aus der Boxer- Entschädigung zur Verfügung stehenden Summen oder in Gestalt wirtschaftlicher Verhandlungen ohne politischen Hintergrund. Kulturelle Hilfeleistung an China wird von der japanischen Regierung durchaus willkommen geheißen. Indessen kann die japanische Regierung die Augen nicht davor verschließen, daß die finanzielle und technische Hilfe des Auslands für China die Neigung zeigt, eine politische Farbe und Bedeutung anzunehmen. Deshalb muß die japanische Regierung im Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens im Fernen Osten gegen eine so beschaffene Hilfe Widerspruch einlegen. Abmachungen über die Lieferung von Militärflugzeugen und Waffen können nur dazu beitragen, den Frieden und die Einigkeit Chinas zu stören. Das ist die Lage, in der sich die japanische Regierung sieht und sie hat den Wunsch, daß die Mächte diese Lage begreifen. planen Amerika und England eine gemeinsame Aktion? W a s h i n g t o n, 24. April. (DNB.) In amtlichen Kreisen wird zugegeben, daß die Regierung der Vereinigten Staaten mit dem Londoner Außenamt über eine gemeinsame Haltung gegenüber den Erklärungen, die Botschafter Saito dem „Washington Star" gegeben hat, Verhandlungen begonnen habe. Englands Anfrage in T o - k i o, so wird gesagt, sei durchaus im Sinne der amerikanischen Regierung gehalten. Die Verhand- daß es vorher befragt worden ist. Allerdings wird französischerseits darauf hingewiesen, daß auf beiden Seiten Fehler dieser Art gemacht worden sind. Die polnischen Interessen wurden mehr aus Nachlässigkeit als absichtlich bei der Abfassung des Viermächtepaktes unbeachtet gelassen, und während der Verhandlungen über die deutsch- polnische Vereinbarung ist die französische Regierung ohne jede Information geblieben. In Paris hofft man, daß beide Mächte künftig in engerem Einvernehmen miteinander handeln werden. Die Franzosen sind geneigt, s i ch mit der deutsch- polnischen Vereinbarung abzufinden, da darin ein Mittel zu sehen ist, die Spannung an einem der Gefahrenpunkte Europas zu vermindern. tt be. Podien titunn F s°l. ^lvejz 8,u fle. "chster Q- lvo 9 am er X. Wr Nvche la der Jener r Das. leseben. > n der mb'irq ß und n- Fest an der «ehmen. ■ dieser vßen 16./17. tärischen Verwendung bestimmte Flugzeuge und Waffen nach China eingeführt werden. Die japanische Regierung ist der Ansicht, daß es dem Frieden im Fernen Osten sehr förderlich sein wird, wenn Japan im Gei st guter Nachbarschaft mit China zusammen- die vor Erscheml täglich, außer ÄÄMF Ä Jk M Annahme van Anzeige» Sonntags und Feiertags für die Mittagsnummer Beilagen: Di- Illustriert- A jA . ▲ ▲ ▲ Ak A. ▲ AÄ H A A A ▲ A, A AA bi-8'/,Uhrd«sDormitt°g, Gießener Familienblätter M iMA KB ES Älls Grundpreise für l mm höhe Heimat im Bild-Die Scholle ■ ■ fl W BZ iVHHflVS MW HB Z IVIl IIT I für Anzeigen von 22 mm Monats-Yezugspreis: R HBH WZ WM BZ B B WZ H /B II A BZ RS | BZ W Breite 7 Rpf., für Tert. Mit 4 Beilagen RM.I.95 ■» W »H ■■■T ■ Z J» ■ ■ ■»Btt H SÄ?" : ‘3 K/IVIIVIIVt vWI’ 1VIHV4 MrWWS Auch bei Nichterscheinen B An Ermäßigte Grundpreise: von einzelnen Nummern Stellen-, Vereins-, gemein- infolge höherer Gewalt < < aa nützige Anzeigen sowie ein« ss? Genera-Anzeiger für Oberhessen WWW richten: Anzeiger Gießen VW I • 1 I behordl«heAnzeigen6Rpf. nAftfihprffonto* Vereins- u. Tageskalender Krantfutt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitats-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. 8chriftleilung und SeschaftLftelle: Zchulftratze 7 im Textteil 12 Rpf. je mm ßonbon, 25. April. (DNB.-Funkspruch.) Heber das Ergebnis des Besuches des französischen Außenministers Barthou in der polnischen Hauptstaot sagt der „Tirnes"-Korrespondent in Warschau u.a., die Fragen der Abrüstungspolitik und des Völkerbundes, sowie die Art und Weise, in der das französisch-polnische Bündnis mit dem deutsch-polnischen Pakt und anderen Verpflichtungen in Einklang ge- vracht werden könnten, seien alles andere als geregelt. Frankreich sei durchaus bereit, arbeitet. Die nicht amtliche Erklärung, einigen Tagen erfolgt ist, stellte nichts ande als eine Erweiterung dieser Politik. Infolge- Oie amtliche Mitteilung über Barthous Besprechungen Warschau, 24. April (DNB.) Heber den Besuch des französischen Außenministers Barthou in Der polnischen Hauptstadt wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: Der zweitägige Besuch Barthous in Warschau hat zu einem längeren und aufrichtigen Meinungsaustausch zwischen den Mitgliedern der polnischen Regierung und Minister Barthou geführt. Die Besprechungen bezogen sich auf die allgemeinen Linien der polnischen und der französischen Politik und erstreckten sich auf alle im Vordergrund stehenden Fragen, die insbesondere die beiden Länder interessieren. In einer Reihe von Hnterhaltungen, die Barthou mit dem polnischen Außenminister Beck hatte, und insbesondere im Laufe einer sehr langen Unterrebung mit Marschall Pilsudski am 23. April im Belvedere wurde vor allem festgestellt, daß die Grund- lagen des polnisch-französischen Bündnisses absolut unverändert blieben, und daß dieses Bündnis ein wichtiges konstruktives Element in der Entwicklung der europäischen Politik bildet. Die Prüfung der großen aktuellen Fragen hat den gemeinsamen Willen beider Regierungen bekräftigt, die loyale Zusammenarbeit besonders zugunsten des europäischen Friedens fort- zusetzen. Die Reise Barthous nach Krakau, wo er zusammen mit Außenminister Beck den letzten Tag seines Aufenthaltes in Polen verbringt, wird beiden Ministern Gelegenheit geben, ihre Unterhaltungen in derselben Atmosphäre der Herzlichkeit fortzusetzen. RvinamscherSyndikaliSmuS. Der putschistische Marxismus hat in der Form des Anarcho - Syndikalismus in den romanischen Ländern nicht die Form einer Massenorganisation gefunden. Weder der spanische noch der französische Arbeiter ist in dem Sinne organisationsfähig wie der deutsche, aber von Zeit zu Zeit versuchen einzelne Männer, den putschistischen Gelüsten ein Ventil zu öffnen und es kommt dann zu jenen Re- volutionen, die die Zeiten erstarrter Demokratien nur episodenhaft unterbrechen. Fast alle maßgebenden französischen Staatsmänner predigten einst den Syndikalismus. Briand sowohl wie Clemenceau haben als junge Advokaten die Barrikadenromantik getrieben. Erst als sie zur Macht gelangten, drehten sie den Spieß um. Als Clemenceau in feiner Eigenschaft als Ministerpräsident die Streiks der Eisenbahner und Postbeamten durch den Einsatz von Militär niederwarf und ihm seine ehemaligen Ge- nassen Verrat vorwarfen, antwortete er zynisch: „Jetzt stehe ich auf der anderen Seite der Barrikade!" Man kann nicht hüllenloser die Unmoral des Geschäftspolitikers innerhalb des parlamentarischen Getriebes darstellen als es durch Clemenceau geschah. Der Syndikalismus an und für sich ist die Verneinung des Parlamentarismus. In Frankreich sowohl wie in Spanien. Die französischen Gewerkschaften haben verhältnismäßig wenig Mitglieder; der Fran» zose ist nicht nur ein schlechter Steuerzahler, sondern scheut sich vor allem auch, Beiträge zu Berufsorganisationen zu entrichten. Daher find die Gewerkschaften in den Ländern romanischer Zunge noch niemals in der Lage gewesen, einen politischen Streik oder eine Lohnbewegung längere Zeit durchzuführen. Die Generalstreiks sind zumeist von kurzer Dauer, sie umfassen immer nur einzelne Berufsverbände. Denn, wie im Vorjahre in Frankreich Winzer revoltieren, in einzelnen Getreidegegenden die Bauern rebellieren, jetzt die Beamtenverbände in den Streik eintreten wallen, so ist das alles nur ein kurzes Strohfeuer. Allerdings darf man nicht vergessen, daß diese Scheiterhäufchen um den Parlamentarismus leicht, wie 1830, 1848 und 1871 zu einem kommunistischen Großfeuer werden können. Eigentümlich bleibt dabei, daß Art und Austragung dieser Kampfe van einer seltsamen Gleichmäßigkeit ist. Die französischen Syndikate werden zumeist gelenkt durch Hitzköpfe, die die bestehende soziale Ordnung verwerfen und glauben, sie durch einen einzigen Schlag über den Haufen werfen zu können. Die Theoretiker dieses Sozialismus waren der Auffassung, daß Marx sich irrte, als er glaubte, das Kapital balle sich zusammen und verproletari- siere die Mittelschichten derart, daß eines guten Tages aus dem Schoße der Gesellschaft heraus die marxistische Staatsform vollständig fertig entspringe wie einst Pallas Athene dem Haupte des Zeus. Insofern hatten diese marxistischen Kritiker des Marxismus Recht. Tatsächlich hat die ökonomische Entwicklung die marxistische Irrlehre beiseite geschoben. Die Derproletarisierung nahm nicht zu, vor allem in der Landwirtschaft wuchs die Zahl der kleinen und mittleren Betriebe und gerade in Frankreich und Spanien mit ihrer stark agrarischen Bevölkerung war daher der Marxismus eine aussichtslose Sache geworden. Der Antiparlamentarismus dieser Syndikalisten ging ferner van der Tatsache aus, daß durch eine Parlamentsmaschine keine Aenderung der Gesellschaftsordnung erzielt werden könne. Es müsse also, so lehrten sie, die revolutionäre Bewegung in Fluß erhalten werden, durch ständige außerparlamentarische Aktionen seien die Massen in marxistisch-revolutionärer Bewegung zu halten, durch einzelne Akte der Gewalt müsse man, wie sich einer der Lehrer des Bolschewismus, Nekrasow, ausdrückte, erst dem Staatskörper den Atem, dann das Leben rauben. Diese Bewegung rauschte vor allem in den Jahren 1907, 1908 und 1909 in Frankreich auf und führte zu Meutereien im Heer, so in Narbonne, in Montpellier. Heute frißt dieses Gift wieder in Frankreich. Es kommt fast täglich zu Zusammenstößen der Syndikalisten, mit denen die Kommunisten zusammengehen, und den Vertretern des Ordnungsprinzipes. Gleichzeitig ist aber auch diese Bewegung i n Spanien wieder lebendig geworden. Nach dem Sturze der Monarchie hat der Marxismus, wie überall in der Welt, nicht vermocht, die Verheißungen zu erfüllen, er konnte feine Macht nur mißbrauchen, alle Ansätze zu einer Agrarreform blieben stecken, das Bonzentum nahm überhand, bis durch die letzten Wahlen au den Cortes war keine Entscheidung, aber immerhin soviel erreicht wurde, daß die Rechte sich stärkte und die Regierung Ler» roux die Marxisten abschüttelte. So von den Ruderbänken geworfen, hat der Marxismus in Spanien die syndikalistische Taktik angenommen und vor allem durch einzelne Streiks politischer Art die an und für sich schlechte Wirtschafts- und Finanzlage noch weiter verschlechtert und das Massenelend vermehrt. Das Ziel bleibt ein syndikalistischer Generalstreik nach französischem Muster. Aber wie in Frankreich ist auch in Spanien die Gegenbewegung erstarkt. Es ist dem Klerus gelungen, einen Teil der Massen, die sich durch die Gottlosenbewegung der Anarcho-Syndikalisten ebenso angeekelt fühlten wie durch die sinnlose Vernichtung von Werten und aller Keime eines Wiederaufbaues zu sammeln, der spanische Patriotismus hat sich aus einer Bewegung verstärkt, die den Parlamentarismus und Syndikalismus gleichmäßig als Krebsschaden ansieht. Die Regierung Lerrvux scheint aus Kerenski-Naturen zu bestehen. Sie schwankt hin , und her und hat unter dem Geschrei der Syndika» listen durch die Kammer ein Amnestiegefetz vertun- den lassen, das den Anhängern der Diktatur Primo de Riveras die Rückkehr aus der Verbannung gestatten soll. Die Amnestie ist allerdin-A von dem Präsidenten noch nicht unterzeichnet; um sie zu verhindern, hat der Marxismus überall den roten Hahn auf die Dächer gesetzt, aber bagegen verstärkt sich die Bewegung, die in der Schwächlichkeit der Regierung Lerroux gegenüber den Söhnen des Chaos eine Hauptursache für das verzehrende Fieber und die Krämpfe erblickt, in denen Spanien liegt. Anscheinend hat jetzt in Spanien der Kampf um die Macht begonnen. Spanien ist, wie einst Italien und nachher Deutschland, in eine ähnliche Krise geraten, die durch die Formaldemokratie, dieser Vorfrucht der Anarchie, bewirkt wurde. Das spanische Amnestiegeseh unterzeichnet. Keine Kabinettskrisis. Madrid, 24. April (DNB.) Die Kabinettskrise, die von einem Teil der Presse bereits als unvermeidlich angesehen worden war, ist in letzter Stunde vermieden worden, da der Ministerpräsident mit seiner Ansicht über das Amnestiegesetz im Ministerrat, der unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten stattfand, durchgedrungen ist. Der Staatspräsident hat bereits in den Abendstunden das Gesetz g e g e n g e z e i ch n e t. Die Folge davon ist, oaß die gesamte Linke in einen Sturm der Entrüstung ausgebrochen ist. Die Sozialdemokraten wollen mit parlamentarischen Manövern die Stellung des Staatschefs erschüttern, was ihnen aber angesichts der Haltung der überwiegenden Mehrheit des Landtages nicht gelingen dürfte. Interessant ist, daß die Marxisten fürchten, der nunmehr begnadigte, bisher in Paris lebende Finanzminister des Diktators Primo de Rivera, Calvo Sotelon, werde nach seiner Rückkehr Anklage gegen den früheren sozialistischen Finanzminister P r i e t o wegen angeblicher dunkler finanzieller Machenschaften erheben. Besonders soll dabei der Petroleumlieferungsvertrag mit Sowjet- Rußland eine bedeutende Rolle spielen. Oer Dank des Führers. Berlin, 24. April. (DNB.) Der Kanzler gibt bekannt: Für die gutgemeinten Glückwünsche, die mir zu meinem Geburtstage aus allen Teilen des Reiches und aus dem Auslande zugegangen sind, danke ich herzlich st. Gern würde ich allen denen, die meiner in treuer Anhänglichkeit gedacht haben, im einzelnen antworten, jedoch ist er mir bei der überaus großen Zahl der mir übersandten Segenswünsche nicht möglich. Ich bitte daher, auf diesem Wege meinen aufrichtigen Dank entgegenzunehmen. Gez.: Adolf Hitler. Das Handwerk am 4. Mai. Ein Aufruf des Reichshandwerksführers. Berlin, 23. April. (DNB.) Der Reichshand- werksführer W. G. Schmidt erläßt einen Aufruf an das deutsche Handwerk, in dem es u. a. heißt: Im deutschen Handwerk ist die Arbeit, die Handarbeit und die Kopfarbeit, Grundlage und Voraussetzung der Wirtschaft und Kultur des gesamten deutschen Handwerks. Meister, Gesellen, Lehrlinge und sonstige Arbeitnehmer des deutschen Handwerks arbeiten i n wo hl geordneter Betriebs- gefolaschaft und bei nationalsozialistischer Haltung in treuer Kamerad- schäft zusammen. Es wird die Aufgabe des deutschen Handwerks sein, die Arbeit und den schaffenden Menschen wieder so zur Ehre zu bringen, daß das Bewußtsein der gemeinsamen Zusammenarbeit in einem Betrieb, die gemeinsame Verantwortung für einen Betrieb und das gemeinsame Streben nach Höch st er Leistungsfähigkeit und Vollkommenheit das festeste Band für Betriebsführer und Betriebsgefolgschaft, für Meister, Gesellen und Lehrlinge untereinander ist. Wenn dieser sehnlichste Wunsch des deutschen Handwerks einmal in höchstmöglicher Vollkommenheit erfüllt ist, dann wird der deuffche Sozialismus als heiligste und schwerste Aufgabe des nationalsozialistischen Staates den Sieg davongetragen haben. Oie Nachfrage nach Gteuergutscheinen. Aus dem letzten Reichsbankausweis geht hervor, daß sich der Vorrat des Zentralgeldinstituts an Wertpapieren um 19 Millionen Mark vermindert hat. Man ersieht daraus, daß die „offene Marktpolitik" nicht ausschließlich, wie vielfach befürchtet wprde, in Wertpapieraufkäufen der Reichsbank besteht, sondern daß diese geeignete Konjunkturen auch dazu benützt, einen Teil der aufgekauften Vorräte wieder abzustoßen. Sie gewinnt dadurch ja neue Barmittel, um nötigenfalls später in geeigneten Fallen wieder stützend eingreifen zu können. Diesmal hat die Reichsbank größere Posten von Steuergutscheinen, die sie früher erworben hatte, am offenen Markt verkauft. Sie konnte das tun, weil seit einiger Zeit, teilweise sogar im Widerspruch zu der allgemeinen Tendenz des Rentenmarktes, eine sehr rege Nachfrage nach Steuergutscheinen herrscht. Man hatte anfangs hier und da daran gezwei- seit, ob die Steuergutscheine als ein geeignetes An- lagepapier für Sparer und Kleinkapitalisten anzu- sehen seien. Die Praxis ist wieder einmal stillschweigend über solche Bedenken hinweggegangen. Denn den Anlagesuchenden bieten die Steuergutscheine auch heute noch, trotz der eingetretenen Kurssteigerungen, eine Nettoverzinsung von annähernd 7 Pro- Zent, also eine Rendite, wie sie sonst auf dem Rentenmarkt bei gleicher Sicherheit kaum mehr zu finden ist. Es kommt aber hinzu, daß viele Steuer- pflichtige sich darauf vorbereiten, in den nächsten Jahren ihre Steuern, soweit dafür Steuergutscheine in Zahlung genommen werden, auch in solcher ab» - zudecken, weil sie auf diese Weise ihre steuerlichen Lasten etwas vermindern können. Sie kaufen daher an der Börse Steuergutscheine auf, und dadurch wird eine lebhafte zusätzliche Nachfrage geschaffen, die natürlich kurssteigernd wirkt. Die Reichsbank braucht daher auf diesem Marktgebiete nicht mehr stützend einzugreifen, sondern kann im Gegenteil ihre Vorräte an Steuergutscheinen vorteilhaft mobilisieren. Das wird bann später wieber anberen Teilen des Rentenmarktes zugute kommen. Oie Führung der südwestdeutschen Studentenschaft. Wie das G a u p r e f f e a m t mitteilt, entsprechen die gestern veröffentlichten Mitteilungen nicht dem Stand der Dinge. Es ist also nach wie vor für die NS.-Studentenschaft des Gaues Hessen-Nassau der Parteigenosse W a l ch e r, Darmstadt, zuständig. Oie Plädoyers im Mordprozeß Waliershausen. Oer Siaaisanwali beantragt gegen Liebig 15 Lahre Zuchthaus wegen Totschlags und versuchten Totschlags. Oie Anklage des Staatsanwalts. Schweinfurt, 24. April. (DNB.) Zu Beginn des 15. Verhandlungstages erhält der Vertreter der Anklage, Landgerichtsrat Dr. S ch ü p p e r t, bas Wort. Er erklärt u. a.: Als vor brei Wochen bas Schwurgericht jufammentrat, um bie Fratze zu klären, ob Karl Liebig berjenige fei, ber in ber Nacht vom 30. November auf ben 1. Dezember 1932 ben Hauptmann Werther auf Schloß Walters- Haufen getötet habe ober nicht, habe man gewußt, baß bie Entscheibung nicht leicht fei. Erschwert würbe bie Urteilsbestimmung burch ben Umstanb, baß bie Frau, bie als Zeugin ber T a t in bem Prozeß auftrat, weniger bie Rolle einer Zeugin spielte, als in bie Rolle einer zwei- ten Angeklagten hinei ngebrängt würbe. Das Eheleben, bie wirtschaftlichen Verhältnisse unb ben Charakter bes Ehepaares Werther habe man genau kennengelernt. Aber über ben wahren Charakter unb bie wahre Persönlichkeit bes Angeklagten habe man keine Aufklärung erhalten. Erschwert sei ferner bie Urtedsfinbung durch die öffentliche Meinung. Zahlreiche Brieffchreiber hätten eindeutig gegen Frau Werther Stellung genommen. Diese Leute seien jeboch rein gefühlsmäßig eingestellt. Er möchte baher ben Appell an das Gericht richten, sich von äußeren Einflüssen fern zu halten. Oie Einbrüche. Der Staatsanwalt geht bann über auf bie Wür- bigung ber Einbrüche. Nach bem Tatortbefunb bes ersten Einbruchs fei biefer teilweise konstru - i e r t unb könne nur von einem gemacht worben fein, ber genaue ft e Ortskenntnis hatte. Beide weiblichen Dienstboten im Schloß kämen hierbei vollkommen außer Betracht. Er wisse auch nicht, was bas Ehepaar Werther für einen Zweck mit einem solchen Einbruch hätte verfolgen wollen. Der Fingerabbruck, ber von Baron Woltershausen gefunden wurde, sei einwandfrei erklärt, auch bestehe dafür ein Alibi des Barons. Dagegen bestünden Verdachtsmomente für Liedig, einmal daß die Gummischuhe, deren Eindrücke damals gefunden wurden, versteckt und nicht zu finden waren, zweitens fein Verhalten bei ber Fahrt nach Koburg. Der zweite Einbruch fei nach feiner Ansicht ebenfalls fingiert. Der Einbruch fei burch- aus nicht burch bas Fenster, besten Scheiben einge- fchlagen waren unb vor bem bie Hopfenstangen lagen, erfolgt, fonbern ber Täter fei auch hier mit einem Nachschlüssel burch bas Tor ins Schloß gelangt. Ein gewisser Verbacht bestehe für Liebig auch hier. Es fei auch möglich, baß vielleicht Verwanbte ber Frau Werther ohne bereu Wissen biesen Einbruch zu ihrer Entlastung gemacht hätten. Bei Wertung bes Morbfalles fchilbert ber Staatsanwalt bie Verhältnisse zwischen ben Eheleuten Werther. Es sei festgestellt, daß bie ehelichen Verhältnisse in ber letzten Zeit keine Trübung erfahren hätten. Wenn auch früher Hauptmann Werther es mit ber ehelichen Treue nicht genau genommen habe, so habe sich seine Frau damals eben bamit abgefunben. Der Hauptmann sei als ein energischer Draufgänger, aber hoch intelligenter Charakter geschilbert worben, während Frau Werther als ßeibenbe und wankelmütige Natur bargestellt würbe. Aber sie fei roeber hysterisch, noch eine Morphinistin gewesen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse allerbings seien sehr mäßige gewesen. Kann Selbstmord vorliegen? Nachbem ber Staatsanwalt bie Verhältnisse auf bem Schloß am Abenb vor bem Morb als durchaus normal bezeichnet hatte, kam er zu ber Feststellung, baß ein Selb stmorb bes Hauptmanns ausgeschlossen sei. Auch bie angeblichen Selbstschüsse ber Frau Werther finbe er sehr merkwürbig; in ber Regel griffen Frauen beim Selbstmorb zu anberen Mitteln als zur Schußwaffe unb es fei auch bei einer Frau unnatürlich, sich im Gesicht zu verletzen. Zubern fei ber Schuß in bie Brust nicht ungefährlich gewesen. Gerabe ber Schuß burch bie Steppdecke sei ein Gegenargument gegen bie Behauptung, baß Frau Werther sich selbst geschossen habe. Man müsse nun fragen: Ist bie Tat betzangen worben im gegenseitigen Einvernehmen ber Eheleute, ober hat ber Mann ohne Wissen ber Frau ober bie Frau ohne Wissen bes Mannes bie Tat verübt, ober hat bie Frau im Einoer ft änbnis mit einem Dritten bie Tat verübt? Ein gegenseitiges Einverstänbnis sei vollkommen ausgeschlossen, benn in bem Abschiebsbrief habe ja Frau Werther ihrem Sohne empfohlen, nach ihrem Ableben sich bes Mannes anzunehmen. Der Hauptmann hätte als Offizier wahrscheinlich eher Anlaß zu einem Selbstmorb gehabt, als man ihm seinerzeit den schlichten Abschieb gegeben habe. Uebrigens sei bas Schloß nicht Eigentum bes Hauptmannes gewesen. Er hätte also burch bie Versteigerung keinen großen Vermögensverlust erlitten. Es fehle e i n - fad) jeber Beweggrunb zum Selb ft» morb. Es feien ja auch noch am Tage vor bem Morb mit einem Käufer Verhanblungen gepflogen worben. Auch stimme ber Tatortbefunb nicht mit bem Verhalten bei einem Selbstmorb überein. Oie Schloßherrin von Waliershausen Dolle man weiter annehmen, bah bie Frau allein die Tat verübt habe, so hatte sie sich von Liebig bie Waffe verschaffen unb sie bann wieber zurückstellen müssen. Das wäre auch ausgeschlossen gewesen. Was bie Leiterspuren betreffe, so sei es unmöglich, bah Frau Werther bie schwere Leiter in der Nacht hatte hinschleppen unb wieber entfernen können. Sie habe auch k e i n e n G r u n b gehabt, ihren Wann zu erschiehen, ba sich ba- burd) ihre Lage nicht Im geringsten verbessert hatte. 3m Gegenteil, ihr Wann habe boch eine Pension bezogen unb hätte sich jebenfalls mit feiner (Energie weiter burchsehen können. Liebeskummer sei auch ausgeschlossen, ebenso komme bas erotische Woment nicht mehr in Frage. Daß intime Beziehungen mit Liebig bestauben hätten, sei vollkommen ausgeschlossen. Unb wenn Frau Werther im Einverstänbnis mit einem Dritten gehanbelt hätte, wäre es ber gröhte Unsinn von ihr gewesen, bas an einem Ort zu tun, nämlich im Schlafzimmer, wo sie ben schwersten Verbacht auf sich lenke. Sie sei im übrigen zwar launisch unb nervös, aber wer sie nur einigermaßen währenb ber Ver- fjanblung kennengelernt habe, müsse sagen, bah sie nicht so verworfen sein könne, bewußt einen Unschulbigen zu belasten. Sie sei bei ihrer Ueber- zeugung geblieben, bah Liebig es gewesen sei unb habe sich barin nicht irre machen lassen. Wer den Einbruch verübte, hat auch die Mordtat begangen Der Staatsanwalt erklärte, er sei der Ansicht, daß der Täter am 14./15. Oktober das gleiche verüben vollte, was er später in der Nacht auf den 1. Dezember verübt habe. Daher hänge für ihn der erste Einbruch zusammen mit dem Mord, und die Person, die den ersten Einbruch verübte, habe auch die Mordtat begangen. L i e b i g sei derjenige, der den Hauptmann Werther erschossen und auch auf Frau Werther geschossen habe. Er könne sich nur Lenken, daß Liebig in der Mordnacht aus dem Zimmer etwas habe entwenden wollen, zu dem er am Tage nicht habe gelangen können. Der Anklagevertreter legte nun in längeren Ausführungen dar, daß Liebig größere Aufwendungen in Woltershausen gemacht hatte, als eigentlich fein kärglicher Lohn das zugelassen habe. Es könne sich weniger um einen Mord als um einen Totschlag nach 8214 handeln. Selbstverständlich könne er einen Mord nicht vertreten, denn es sei ihm nicht möglich, für die Tat Liebigs den Nachweis der Vorsätzlichkeit zu führen. Oer Strafantrag gegen Liebig Beim Strafausmaß fei zu berücksichtigen, baß Liebig noch nicht vorbestraft sei, baß er noch jung sei unb baß es sich um einen aufgeregten Wenschen hanble, ber wenig Wut besitze unb immer gleich losschieße. Er nehme baher im Falle des Hauptmanns Werther ein Verbrechen bes vollenbeten Tot- frf)lags an unb bei ben Schüssen auf Frau Werther ein Verbrechen bes versuchten Totschlags. (Er beantrage baher gegen ben Angeklagten Karl Liebig wegen eines Verbrechens bes Totschlags unb eines Verbrechens bes versuchten Totschlags eine Gesamtzuchthaus- ff r a f e von 15 3ahren, Verlust bet bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von zehn Jahren, Einzug ber Liebigschen Daltherpiftole, ben (Erlaß eines Haftbefehls unb bie Ueberbür- bung ber Kosten auf ben Angeklagten. Die Untersuchungshaft will ber Anklagevertreter nicht angerechnet haben. Oas Plädoyer des Verteidigers. In der Nachmittagssitzung begann der Verteidiger Dr. D e e g sein Plädoyer. Um einen Menschen wie Hauptmann Werther zu erschießen, fei, so sagte er, Voraussetzung, daß sich in der Seele des Täters ein Berg von Gefühlen der Rache, der Wut, wie überhaupt irgendwelcher Gefühle aufgetürmt habe. Die Beweisaufnahme habe aber ergeben, daß Motive bei dem Angeklagten Liebig nicht vorhanden und nicht zu beweisen seien. Man müßte also entweder sagen, diese Tat sei von dem Angeklagten entweder aus rein lustmörderischer Art begangen worden, oder die Motive lagen auf einer anderen Seite, was zu erforschen sei. Der Verteidiger erörterte dann ausführlich das Verhältnis der Familie Werther, bzw. die eheliche Untreue des Hauptmanns, geht dann auf bie Vermögenslage der Familie über und stellt fest, daß bereits 1912 Werther das große Vermögen seiner Frau durchgebracht habe. 1926 sei die Zwangsversteigerung nur durch den Verkauf des Waldes für 70 000 Mark aufaehalten worden. Aber bereits im Frühjahr 1932 hätte der Besitz wiederum vor der Zwangsversteigerung gestanden. Dieses Familienleben habe so viele Verwicklungen gebracht, daß sich aus dieser Entwicklung das Motiv herleiten lassen müßte. Dann ging der Verteidiger auf die Verhältnisse des ersten Einbruches ein. Er widersprach den Folgerungen des Staatsanwaltes in all den Punkten, die der Staatsanwall zu Lasten des Angeklagten Liebig ausgedeutet hatte, und kam zu der Feststellung, daß, wenn nicht ein fremder Mensch sich ins Schloß eingeschlichen habe, doch dieser erste Einbruch bzw. die Fingierung dieses Einbruches nur von dem Ehepaar Werther ausgegangen fein könnte, und daß man dadurch auf bereits kommende Ereignisse irgendwelcher Art habe oovbereiten wollen. Zur Mordtat selbst jagte der Verteidiger, baß die Verletzung der Frau Werther in keinem einzigen Falle gefährlich gewesen sei. Daß sich FrauWerthersZusammentreffenmit Liebig so abgespielt habe, wie sie angebe, sei ganz unmöglich. Frau Werther habe weiter erzählt, ihr Mann habe noch gestrampelt, und sie habe ihn ins Bett gedrückt. Professor Fischer sagte aus, daß auf den Schuß hin sofort das Blut herausgespritzt sein müsse. Das Blut müsse aus drei Zentimeter großen Oeffnungen ein Meter weit hinausgespvitzt sein, und nach einem solchen Erlebnis von neroenzerreißender, explosionsartiger Form soll ein Mann noch sagen „Gnädige Frau" und noch fünf Schüsse dazu ab geben? Diese Ge- schichte halte der Verteidiger für unmöglich. Dann wüsse der Täter ein ganz kaltblütiger Verbrecher gewesen sein, der für 50 000 Mark gewonnen worben sei, das Ding zu- drehen. Ausführlich sucht nun der Verteidiger darzutun, daß niemand anders den Lichtschalter mit blutigen Händen angefaßt haben könne als Frau Werther und zwar habe sie an den Händen nicht das Blut aus ihrer eigenen Wunde gehabt, sondern das Blut ihres Mannes infolge der Mani» pulationen an dessen Körper. Der Verteidiger meint weiter, daß die Verwundungen der Frau Werther unmöglich schon bestanden haben kön- nen, als sie ihrem Manne zu Hilfe geeilt sei, son- dern daß sie erst verursacht worden seien, als sie sich im Bett befunden habe. Auch die An- nähme, der Täter hätte sich in der Koffer- kämm er versteckt, sei unmöglich richtig. Die Sache werde viel einfacher und natürlicher, wenn man annehme, Frau Werther habe die Revolvertasche genommen, den Revolver herausgenommcn und damit geschossen, denn auch die Blutspu- ren an der Revolvertasche seien deutlich dieselben wie am Lichtschalter und an der Kofferkammertür. Der Verteidiger kam bann auf die Motive der Tat zu sprechen. Nach Ansicht des Staatsan- waltes ergebe sich eine Verbindung zwischen dem Mord und dem ersten Einbruch, unb zwar soll es ber Dieb auf Geld abgesehen haben. Der Täter bes ersten Einbruches habe aber, wie Frau Werther selbst bekundet habe, das Geld liegen ge- lassen. Ferner sei festgestellt, daß Liebig noch kurz vorher für die Herrschaft von seinem eigenen Gelde Eier gekauft habe. Es fei unhaltbar, den Diebstahl anzunehmen, da bei Hauptmann Werther kein Geld zu holen gerne» f en sei. Die Aenderung der Anklage von Mord in Totschlag beweise, daß die Anklagebehörde selbst gefühlt habe, daß sie um einem Fehlurteil auszuweichen, eine andere Auffassung finden müsse. Außer der unerwiesenen Möglichkeit, die sich die Anklage zu eigen mache, könnten sich mehr als zwölf andere Möglichkeiten, wie sich die Tat strafrechtlich anders zugetragen haben könnte, ergeben. Alles fei denkbar in oiefem Falle Woltershausen, nichts sei unmöglich, nichts zu phantastisch: Mord, Raub, Totschlag, Tötung auf Verlangen, Selbstmord, Selbstverstümmelung, Totschlag unter Reizung, alles Möglichkeiten, von denen eine so unbeweisbar sei wie die andere. Die gesamte Beweisaufnahme habe nicht einen Schimmer eines Moti- oes des Angeklagten erbracht. Frau Werther sei äußerlich die Harmlose geblieben, ihrem Innern aber seien Kassiber entfahren, ihre Glaubw'ürditz- feit sei längst zerstört. Die Person, die um die Zeit des ersten Einbruchs von der Köchin Fischer beobachtet worden sei, gewinne immer mehr an Bedeutung. Habe diese Person die Hand im Spiele gehabt, habe sie im Einverständnis mit Frau Werther hinter der Tapetentür gestanden? Sei Frau Werther am 30. November abends dem Zimmermädchen nachgegangen, als dieses im Mordzimmer den Kamin nachgeheizt habe? Dies seien Fragen, die untersucht werden müßten. Die Ansicht ber Anklage poche vergebens an die sowohl vor als auch nach ber Tat verschlossenen und verriegelten Tatzimmertüren, die Schlüssel seien von innen quergesteckt. Die Möglichkeit der Anklage sei von allen Möglichkeiten die unmöglich st e, sie bleibe reine Jndizientheorie. An eine Verurteilung des angeklagten Liebig sei nicht zu denken, da Hauptmann Werlher mit seinem eigenen Revolver erschossen worben ist, ba biefer Revolver i m Schlafzimmer ber Ehegatten gelegen hat, ba biefe Schlafzimmer sowohl vor. als auch nach ber Tat festgestelltermaßen von innen versperrt unb verriegelt waren, ba bie nicht lebensgefährlichen peri- phärischen Schüsse ber Frau Werther im Gegensatz zu ihren Aussagen festgestellter- tnaßen aus zwei bis höchstens jroan- z i g Zentimeter (Entfernung mit größter Wahrscheinlichkeit von ihr selb st beigebracht worden sind. Ferner habe Frau Werther in ber Tatnacht mit Vlutsch r i f t auf Papier Karl Liebig als Wör- b e r ihres Wannes bezeichnet. Am anbern morgen aber habe sie noch Zweifel geäußert, ba sie gesagt habe: „War's ber Karl oder Dietrich? Es waren ja immer so Kerle brüben.“ Die Blut- Handschrift ber Frau Werther habe nichts anderes zu bebeuten als eine wohlburchbachte Falschbezichtigung, um ben Verbacht von sich selbst auf anbere abzuschieben. hier seien andere Geister als ber Angeklagte Liebig am Werk gewesen. Frau Derthers Beel b i g u n g sei auf Grunb bes auf ihr laffen- ben Verdachts ber Erschießung ihres Wannes zu Recht abgelehnt worben. Weiter müsse man, vom Stanbpunkt des exakten Strafrechts, bas sich nicht mit bem gesunden Wenschenverstanb allein als Beroeismaferial begnügen könne, sagen: Die Rätsel von Walters- Hausen sind u n g e l ö ff. Das Plädoyer des Verteidigers wird am Mittwoch fortgesetzt. Neue Proteste gegen die Prager Karikaturen-Ausstellung. Prag, 24. April. (DNB.) Unter dem Titel „Weitere unerhörte Herausforderung auf ber Prager Manes-Ausstellung durch brutale Verletzung der religiösen Gefühle der Katholiken" schreibt das führende Blatt der Sudeten- deutschen Christlich-Sozialen Volkspartei, die „Deutsche Presse": „Die Karikaturen - Ausstellung im Prager Manes-Haus, die in den letzten Tagen schon mehrfach politisches Einschreiten fremder Mächte hervorrief, dem sich nun auch Polen und Italien angeschlossen, weitet sich immer mehr zu einem großen Skandal aus. Es kann nicht ruhig hingenommen werden, was man sich in dieser Ausstellung auch an Verspottung und Verhöhnung religiöser Gefühle zu leisten wagt. Gleich beim Eintritt in ben ersten Saal erblickt man ein Machwerk ä r g ft e r Sorte ehemaliger Berliner Asphaltkunst, das schon seinerzeit berechtigtes Mißfallen erregt#. Man sieht einen Christus mit der Gasmaske, eine Verhöhnung des Christentums, wie sie ärger wohl nicht gedacht werden kann. Wie dis Person der Geistlichen — sowohl ebig d°d l et !$nen Jenig 'iefee. flnns T°l. 5rau Tot. nge- hens oer- IU6. büt. ;ehv iffole, rbüt. Die tretet emoch» 1 bas einm J hon. ° nicht die tot zu s. i. Alles nichts , Raub, istmord, ig, alles weis- Beweis' 5 Moti» ther sei Innern mförbig« die Zeit ischer mehr an i Spiele is mit :entür Rovem' igen, als 1 nach« 'ntersuL oche oei- ber Tat ren, bie ’t. Die Mv^- ve xtxne tiebiz lerlher t er« er im i gehl vor, i von egelt i peri- rlher stelltet, man- ; mit selbst r habe Blut' s Dior- n»- , da sie ich? Ls ? blut, hls an- chdachte indacht n. h'er । Liebig -öe- lasten- Hanne# Veit« exatten esunden ?tiat bemalter#' ager x,S . Sudeten' ■» 9k ^srelN' M-l 2 4l*?W §--> £ r lX ten «et i ie echte und die falsche Shnalies Roman von Anny von Panhuys. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, -alle (S.) 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Habe mich in den letzten Tagen zu wenig zeschont, und unsereins braucht das." Er richtete sich ein wenig auf. Man merkte, welche Mühe ihm das machte. Regina schob ihm em Kissen unter Schultern und Kopf. Er sah sie dankbar an. „Liebe Regina, schade, daß Sie nicht früher tn mein Haus gekommen sind. Seit Sie hier wohnen, ist mir's, als wäre ein Töchterchen um mich herum." Er nahm ihre Rechte. „Schön, daß Sie und Holm Meerhold sich gefunden haben. Fortan bleiben mir drei, die wir uns so aut verstehen, aber beisammen. Irgendwie muß sich das machen lassen, mein Haus ist groß genug." Er flüsterte: „Immer allein sein, ist so traurig. Ihr beide aber paßt zu mir." Er schloß die Augen, murmelte etwas Uiwer- ständliches. Plötzlich ruckte sein Kops hoch, die Augen blickten klar und scharf. „Iustizrat Stein soll zu mir kommen; er wird heute sicher zu Hause sein. Laufen Sie rüber zu ihm, Frau Malwine. Rasch, rasch!" Die Wirtschafterin beeilte sich, das Zimmer zu verlassen. Ihr war seltfum bang ums Herz, sie hätte laut aufweinen mögen. Jobst Freese sah Holm Meerhold an, dann Regina. „Nichts fragen, ich habe Eile mit dem Justizrat. Und jetzt möchte ich noch sagen: Wenn ich nicht mehr bis zu Ende an unserem Werk durchhalten kann, schreiben Sie es allein fertig, lieber Meerhold. Regina hat schon viele, sich auf die Arbeit bezie- hende Notizen von mir stenographiert und versteht damit richtig umzugehen. Es wäre schade, wenn die Arbeit liegenbliebe, falls..." Er sprach nicht weiter, aber es lag ein Etwas in dem unvollendeten Satz, das den beiden dieselbe seltsame Bangigkeit aufzwang, die auch die Wirt- fchafterin bedrückte. Sie wechselten einen Zrageblick, wollten sprechen und fanden doch nicht das richtige Wort. Endlich sagte Holm Meerhold: „Wir beiden wer- den unsere neue Arbeit sicher gemeinsam beenden, Herr Landgerichtsdirektor." Regina beobachtete erschreckt, wie das Gesicht des alten Herrn sichtlich verfiel. Es erschien ihr jetzt bedeutend älter als noch kurz zuvor, und sie dachte, man hätte doch nach dem Arzt senden müssen. Es klopfte, und gleich darauf trat die Wirtschafterin ein, meldete: „Der Herr Justizrat kommt sofort." Jobst Freese machte eine müde Handbeweaung: „Gut!" Wenn er kommt, führen Sie ihn sofort hierher." Es klingelte draußen; es war schon Justizrat Stein. Beamter sucht W-Zim.-WohDimg evtl. gea. Tausch von 3-Zimmer- Wohnung Schr. Angeb.mit Preisangabe u. 02101 a.o.G.A. IIIIIIUIIllllllllllllllllllll | Vermietungen | y-Moii mit komvl. Bad, Zentralheizung, Warmw.-Anlag., Loggia, Mädch.- Zimm. i. Südv., Bahnhofsnähe, evtl.sof.beziebb., z.verm.Schriftl. Ang. unt. 02118 cm o. Gieß. Anz. (Verschiedenes I Wsnimeu 200 Mk Diertelstündchen in mein Arbeitszimmer. Ihr habt sicher Sehnsucht nach ein bißchen Alleinsein; den Kuß gebt ihr euch ja in meiner Gegenwart doch nicht." , , Die Tür klappte fest hinter ihm ms Schloß. Befangen sahen sich die beiden an. Regina begann ein wenig scheu: ,^ch bin Ihnen sehr, sehr dankbar, weil Sie so gut zu mir sind. Ich verstehe, Sie möchten ein Recht haben, mich zu schützen. Und trotzdem Sie wissen, ich habe mich auf eine Dummheit eingelassen, um derentwillen ich mir die verächtliche Behandlung der Frau von Stöbnitz gefallen lassen mußte, wollen Sie mich zur Frau. Das ist edel von Ihnen. Ich bin seit gestern so verängstigt, daß ich das Glück, fortan in Ihrem Schutz zu stehen, sehr zu schätzen weiß. Ich danke Ihnen herzlich. Sie lieben mich sogar, das ist auch wunderschön, aber ich..." Sie brach ab, sprach dann weiter: „Ich liebe Sie noch nicht! Sie wissen das auch. Sie fragten mich ja gestern, ob ich Peter Konstantin liebe, und ich antwortete: Ich weiß es nicht, aber es mag wohl so sein." Sie atmete tief auf. „Es ist auch so. Aber wie das gekommen ist mit der Liebe — ich kann's nicht sagen." Er empfand unsäglichen Zorn gegen den anderen, der von der Liebe des schönen Mädchens nichts ahnte. Er nahm ihre Rechte, küßte sie. ■ „Nennen wir uns vor allem du und mit Bornamen; unser Gönner dürfte sonst nicht mit uns zufrieden sein." Er dachte: Mochte die Verlobung zunächst bestehen bleiben, es kam dann wohl ein Tag, wo er Regina sagen konnte, was es mit dem Geschenk des Ringes auf sich gehabt, und was er eigentlich beabsichtigt. Er wollte doch keine Frau, die mit der Liebe zu einem anderen im Herzen sein eigen würde. Wie golden das wundervolle Haar schimmerte, wie tief und ergriffen der Blick der dunkelblauen Augen war! Sie sahen sich an, und Regina ahnte nichts von dem, was in dem Manne vorging. Frau Malwine kam hastia ins Zimmer gelaufen: „Dem Herrn ist nicht wohl, er hat mich gerufen. Ich weiß nicht, was ihm fehlt, aber er sieht fo sonderbar aus." Wer von den beiden schneller im Arbeitszimmer Jobst Freeses war, ob Holm Meerhold oder Regina Graoen, sie wußten es nicht. Fast ebenso schnell folgte ihnen die Wirtschafterin. Sie fanden den alten Herrn in einem Klubsessel, halb liegend, die Beine weit von sich gestreckt. Er versuchte ihnen entgegenzulächeln, sagte mit rauhem und hörbarem Atem: „Mir ist eigentlich nichts — : nur keine Angst — mir ist nur ein bißchen schwind- lich — nichts weiter. Es geht vorbei." ; Regina Graven riß ihr Taschentuch heraus, das i noch sauber zusammengelegt war, und tupfte Jobst • Freese damit sanft über die Stirn, auf der große, i glänzende Schweißperlen standen. Die Wirtschafterin Regina begriff kaum, was um sie herum vorging. Sie sah nur den goldenen Ring ohne Stein, hörte wie aus weiter Ferne die Worte des alten Herrn, und die Aehnlichkeit Holm Meerholds mit einem anderen Manne schien sich noch zu verdichten. Sie dachte verworren: Wenn sie Holm Meerhold heiratete, wäre sie im Hafen; dann durfte sie nicht mehr an den anderen denken. Sie hob den Kopf, fagte ganz laut und beinah feierlich: ,^Ich nehme den Ring und verspreche alles zu tun, damit Sie nie zu bereuen brauchen, ihn mir gegeben zu haben." Der alte Herr lachte vergnügt: „Don jetzt an heißt es du in der Anrede, und nun küßt euch, Kinder! Ein alter Mann wie ich hat auch noch mal ganz gern seine Freude an so etwas!" Holm Meerhold stand sekundenlang ganz benommen da. Den Erfolg feines kleinen und, wie er an-1 genommen, harmlosen Geschenkes hatte er nicht erwartet, und Jobst Freese trug die Schuld an einem großen Irrtum. Er hatte den Ring für einen Berlobungsring gehalten und auch in Regina den Glauben erweckt. Sollte er widersprechen? Sollte er den Irrtum berichtigen und erklären, er hätte gar nicht daran gedacht, Regina Graven einen Berlobungsring zu geben? Er sah Jobst Freeses zufriedenes, lächelndes Gesicht, sah den vertrauenden Ausdruck auf den Zügen Reginas und schwieg. Jobst Freese wiederholte: „Aber so küßt euch doch, Kinder! Oder geniert euch meine Gegenwart? Unsinn! Ich war doch auch einmal jung und habe mir volles Verständnis für junge Liebe bewahrt." Er rieb sich die Hände: „Wie rasch ihr euch gefunden habt!" Er erinnerte sich erst an die Gegenwart der Wirtschafterin, als Frau Malwine vortrat und schmunzelnd sagte: „Ich möchte gern gratulieren, Fräulein Regina und Herr Doktor." Holm Meerhold schüttelte ihr die Hand, lächelte, aber begriff immer noch nicht, wie er zu einer Braut gekommen war. Er fah nur ein, es war ganz unmöglich, den Irrtum jetzt noch aufzuklären. Das hätte ja auf Regina wirken müssen wie ein Schlag ins Gesicht. Die Wirtschafterin bedankte sich bei Jobst Freese für die Geschenke urfb verlieh das Zimmer, um das Abendessen zu besorgen. Jobst Freese folgte ihr sofort, rief von der Tür her: „Nun gehe ich ein Gartenkies aller Art billigst C. Rübsamen Fernsprecher 3659. imD iof. gegen Bürgschaft u. Naten- rückzahlung ges. Schr.Angeb.unt. 2506Oa.d.G.A. Mit leicht hochgezogenen Brauen stand er gleich darauf vor Jobst Freese, lachte kurz und sagte ein wenig polternd: „Aber verehrter Herr Nachbar, was gibt es denn Jo wichtiges am heiligen Abend, daß Sie mich als Störenfried in Ihre Feier rufen? Ich fah von draußen Ihren großen Tannenbaum. Jobst Freese winkte der Wirtschafterin. „Gehen Sie hinüber, Frau Malwine, damit der Baum nicht anbrennt." - Er wartete, bis sich die Tur hinter ihr geschlossen, dann erst reichte er dem Gerufenen die Rechte. Es geschah matt und kraftlos, aber in dem Blick, der den Justizrat, einen stämmigen Fünfziger, traf, leuchtete Willenskraft. Er bat leise: „Setzen Sie sich an meinen Schreibtisch, Herr Nachbar, ich möchte mein Testament machen. Eilen Sie sich, vielleicht habe ich nicht mehr viel Zeit." v _ Der Justizrat unterdrückte den Laut des Erstaunens, der ihm über die Lippen springen wollte, erwiderte freundlich: „Wie Sie wünschen, Herr Landgerichtsdirektor. Aber es hätte sicher noch ein Weilchen Zeit gehabt." Er faß bereits, schaltete die Schreibtischlampe em und legte einen Bogen von dem in einem offenen Fach liegenden weihen Aktenpapier zurecht. Jobst Freese begann nach einem formellen Satz klar und deutlich zu diktieren: „Mein gesamtes Eigentum, bestehend aus einem Grundstück und einem Vermögen in guten, sicheren Papieren, sowie einem Barvermögen bei der Bonk Schnydder & Sohn, Berlin, Potsdamer Straße, vermache ich meiner Sekretärin, Fräulein Regina Graven, die ich liebgewonnen habe wie eine Tochter. Ich wünsche, dah Regina Graven in ihrer Ehe recht glücklich wird, und möchte ihr und ihrem zukuns- Ligen Gatten, der mir ebenfalls sehr wert ist, das Leben dadurch etwas erleichtern." Er lächelte matt. „Machen Sie das bitte formgerecht fertig, Herr Iustizrat, und dann bringen Sie es mir her zur Unterschrift!" Seine letzten Worte hatten wieder fester gelungen. Jetzt straffte er sich auf, ihm schien bedeutend besser geworden zu sein. Regina streckte ihm wie flehend die Hände entgegen: „Um des Himmels willen, lieber guter Herr Land- gerichtsdirektor, das Testament dürfen Sie nicht unterschreiben. Absolut nicht! Ich habe ja nichts für Sie getan; ich dagegen Habs Ihnen schon für so vieles zu danken." Der alte Herr wehrte freundlich ab: „Halten Sie uns nicht auf, Kind, lassen Sie uns erst alles fertigmachen." Er erklärte laut, sich gewissermaßen an alle im Zimmer wendend: ,Hch bin völlig Herr meines Besitzes und habe keine Verwandten, die ich schädigen könnte, keinen einzigen Menschen." (Fortsetzung folgt.) Wen- Bannerstäbe u. -knövfe am* Göflflt Borow, Wen Haus zum Alleinbew. 5 Zimmer und Küche, groß. Garage und Nebenräume zu verm. Schriftl. Angeb. unter 2482D an denGießen.Anz. IIIIIIUIIllllllllllllllllllll Schöne, neu hergerichtete 02209 3-Zim.-Wohn. mit gr. Küche u. Gartenanteil, g. in der Nähe von Gießen! Bahnst.) sofort-.vermiet. Zu erfragen bei K. Schneider Wieseck, Marb. Straße 15. 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Ein Aufruf Sprengers an die zuständigen Behörden und Arbeitsführer im Hhein-Main-Gebiel Arbeit und Brot braucht das deutsche Volk: Arbeit und Brot wird ihm der Führer geben. Auf vielen wegen der Arbeitsbeschaffung führt er es zu diesem Ziel; aber auch der unentbehrlichste weg ist seht die Arbeitsbeschaffung für das tägliche Brot selbst. Die brotgebende Scholle hat den obersten Anspruch an die Arbeitskraft des deutschen Bottes; darum darf kein sonstiger Wirtschaftszweig dem Bauern seine Arbeitskräfte wegnehmen. 3 e - des Abwandern und jedes Anwerben aus ländlicher Arbeit in gewerbliche, auch hauswirtschaftliche Stellen ist Sabotage am Ziel unseres Führers. Deshalb ordne ich folgendes an: Die Führer der gewerblichen Betriebe sind dafür verantwortlich, daß alle ihre Arbeitsplätze ausfchlieh- lich mit Erwerbslosen, die für eine landwirtschaftliche Tätigkeit nicht in Frage kommen, beseht werden. Die Gefolgschaft des Betriebes wacht darüber, daß in gewerbliche Arbeit keine Arbeitskräfte eindringen, die in der Landwirtschaft gebraucht werden. Die Arbeitsämter haben ihre Zuweisung landwirtschaftlich verwendbarer Arbeitsuchender in gewerbliche Betriebe unter allen Umständen zu verweigern; sie haben alle direkten Einstellungen dieser Art, die ihnen jetzt oder später zur Kenntnis kommen, zur Anzeige zu bringen. Keine landwirtschaftliche Arbeitskraft darf jetzt oder in den kommenden Monaten ihren Arbeitsplatz verlafsen, auch dann nicht, wenn sich die Gelegenheit gewerblicher Arbeit bietet. Für Botstandsarbeiter, Arbeitsdienstwillige und Landhelfer muh vollste Arbeitsbereitschaft für die Landwirtschaft gefordert werden. Zeder Dien st an der Landwirtschaft ist Ehrendien st am deutschen Volk! Frankfurt a. M.. 24. April 1934. gez. Sprenger. Freilicht-Festspiele, Auerbach i. Hessen. w : • - -V'-- ■ 7*" ■ • -’S., w,. fcÄ*» y/ - iw *4. ■»*/ 2*-. . "’s, ' 1». * *<■ Wasa spricht im Thing zu der Jugend. (Dies Bild zeigt den zukünftigen Thingplatz Auerbach.- 1 s O ... v .. * I "1 Blick auf die Werbekundgebung auf der Gießener Freilichtbühne. (Aufnahme: Baumann i. Fa. Photo-Pfaff.) Oberbannführer Blumenröder bei seiner Ansprache an die Versammlung. — (Aufnahme: Baumann i. Fa. Photo-Pfaff.) Am vergangenen» Sonntag fand auf der Freilichtbühne Gießen eine Werbekundgebung des Stammes Geusen statt. An der Veranstaltung nahmen auch der neuernannte Gebietsjungvolkführer Rupprecht Hainer, der mit Oberhessen besonders verbunden ist, und der Oberbannführer Walter Blumenröder teil. Die etwas zerfallene Waldbühne bildete mit ihren Blockhäusern und den dunklen Tannen als Hintergrund einen feinen Platz für das Spiel der Jungen. Darbietungen des Spielmannszuges und frische Jungenlieder wechselten mit einem gutgelungenen Sprechchor, der den zahlreichen Besuchern Wesen und Arbeit des Deutschen Jungvolks darlegte. Eine ganz neuartige Massenbewegung, der eine gute Vorbereitung vorausgegangen war, trat in Erscheinung. Auf ein Zeichen erschienen erst einzelne, dann immer mehr und schließlich in hellen Haufen die Jungen, die das Anwachsen des Jungvolks überhaupt symbolisieren, auf den Spielplatz strömten. Im Verlaufe des Programms sprach der Oberbannführer Oberhessens Walter Blumenröder. Er wies auf die neugestaltete Form der Jugend hin, die die Freude aller zur Freude des einzelnen erfassen muß. Der zweite Teil der Kundgebung wurde von dem Spiel „Grenzwacht" ausgefüllt, das einen Ausschnitt aus dem großen Ringen des Deutschritterordens gegen die Polen brachte. Ibn. 11.6 Werbeabend des Stammes Burgund in Wieseck. In Wieseck stieg am vorigen Samstag als Kul- turabend eine Werbeveranstaltung des Stammes I Burgund. Der Führer des Stammes Karl S ch m u l- ' b a ch hatte die gesamte künstlerische Ausgestaltung besorgt. I Der Abend zeigte, wie verschieden in seiner Eigen- Seeräubere». Geschichte eines Paddelbootes. Äon Ernst Klotz. Ich hatte früher nie an Paddeln, Rudern, Segeln gedacht und war eigentlich nur aus Verlegenheit in die Ausstellung geraten, weil die ersten Spritzer einen neuen Dauerregen ankündigten, und ich deshalb die nächsten Stunden lieber dort verleben wollte, wo sozusagen der Wassersport im Saale stattfand. Ich muß zugeben, daß ich bis dahin leider nur eine recht mangelhafte Vorstellung von Booten hatte. Die Hauptsache ist, dachte ich mir, daß kein Wasser hereinkommt, und daß nie mehr Leute darin sitzen als die Polizei erlaubt, und dann besteht der Unterschied, daß manche Kähne grün angestrichen sind und manche braun. Ich persönlich wäre eigentlich für ein schönes Blau, das gut zum heimischen Gewässer abgestimmt ist. Ganz apart müßte auch Gelb stin, außerdem sieht man da schon von weitem, wenn sich das Boot einmal in Seenot befindet, und ich käme bestimmt bald in die größte Seenot, wenn ich ein Seemann wäre. Ja, wenn — eigentlich ist es natürlich kein so übler Gedanke, Seemann sein und als sein eigener Kapitän am Sonntag eines der kleinen hübschen Boote fahren. Das hat sogar bestimmt seinen Reiz! Auf jeden Fall nahm ich mir zunächst mal möy- lichst viele Prospekte mit. Daheim studierte ich sie bis m die tiefe Nacht und war schon mehrmals fest entschlossen: dies Boot oder keins! Da überzeugte mich der nächste wieder, daß ich gerade mit meinem Laienverstande wieder den schlimmsten Seelenverkäufer gewählt hatte, der je über Wasser gefahren ist Drei Zentner Blei um den Leib binden und damit in die Fluten springen, wo sie am tiefsten sind und ich hatte mehr Aussicht, wieder lebend an Land zu kommen, als wenn ich das Konkurrenzfabrikat bestieg und damit im Abstande von einem Meter am Ufer entlang plätscherte. Schließttch sagte 'ch mir: Vor allem keine Experimente! Ein möglichst stabiles Boot wird für dich das richtige sem! Ich ah nun die Anzeigen in den Zeitungen durch und hatte das Glück, daß der Mann, den ich zuerst aufsuchte, mich gleich überzeugen konnte daß sem Schiffchen zufällig gerade alle meine Ansprüche erfüllte. Es lag ihm sichtlich nichts daran, seinen räuber" loszuwerden. Er hatte nur das Pech, daß er aus beruflichen Gründen in eine Gegend wegzog, in der kein Wassersport möglich war. Der Preis sur das Boot war allerdings nichts wesentlich niedriger als für ein neues, und an Handeln war leider auch nicht zu denken, weil ein Schwager und „noch em anderer Herr" sich schon für das Fahrzeug interessierten und jeden Augenblick erscheinen konnten, um endgültig „Ja" zu sagen. Ich sah ein, daß mir hier eventuell eine besonoers günstige Gelegenheit entgehen konnte, zumal auch vom augenblicklichen Besitzer die Behauptung recht einleuchtend begründet wurde, daß ein altes Boot eigentlich viel wertvoller ist als ein neues, „denn", sagte er, „nehmen Sie zum Beispiel einmal an, die Werft verwendet zu frisches Holz, das dehnt sich dann und biegt und verändert sich, und dann haben Sie die Bescherung. Wir haben es voriges Jahr erlebt, daß ein Klubkamerad mit einem ganz neuen Boot am ersten Psingstfeiertag zum erstenmal in See stach, und wie der Mann am Pfingstmontag zurückgegondelt kommt, da denken wir, er hat sein Boot mit Maien geschmückt. Keine Ahnung ... da hat das Holz einfach im Wasser wieder ausgeschlagen, und nun können Sie sich einen Vers machen, wie der Kahn überhaupt aussah. Also steigen Sie als Anfänger nur in ein ausprobiertes, bewährtes Fahrzeug ein!" Der Rat war vielleicht nicht so schlecht, kurz und gut, als ich mich von dem ollen ehrlichen Seemann verabschiedete, da hatte er bereits eine ganz erhebliche Anzahlung in der Tasche, und ich war sozusagen schon ein halber Kapitän. Ein ganzer sollte ich am nächsten Tage werden, denn der Mann bestand darauf, daß er sein Geld gleich bekam. Für den Preis, wie er sagte, eine absolute Voraussetzung. Ich war zeitig da, befühlte mein Boot von allen Seiten ging ab und zu aus dem Schuppen ins Freie, um kritisch nach dem Wetter zu schauen, und erkundigte mich bei einem Herrn mit dunkler Kapitänsmütze nach der Windstärke, war aber anscheinend an einen Laien geraten, denn klarer Bescheid war absolut nicht von ihm zu erhalten. So zog ich lieber meinen „Sieaismund Rüstig" aus der Tasche, um den fürchterlichen Schiffbruch noch einmal in allen Einzelheiten nachzulesen und mich vor allem zu orientieren, wie sich der Schiffszimmermann am besten in solch einer Lage verhält. Der Schiffszimmermann hat mir immer besonders imponiert. Er ist in der Stunde der Not der eigentliche Mann, von dem Leben und Tod abhängt. Er sägt und wütet mit der Art in den ungeheuren Bohlen und fügt Balken an Balken, daß es eine Lust ist, ihm zuzuschauen, obschon die gurgelnden Wasser um ihn bereits immer höher steigen. Ich sah unwillkürlich meinen „Seeräuber" an. Nun, viel zu gurgeln würde das Wasser in diesem Falle nicht haben, aber ich werde doch für alle Fälle die Brettchen von einem Zigarrenkistchen mitnehmen. Es soll mir niemand nachsagen können, daß ich leichtsinnig in See gegangen bin. Ich blickte auf das träge dahinströmende Wasser. Künftig würde ich also Sonntags ein Seeräuberleben führen, während meiner Urlaubswochen vielleicht sogar einmal Deutschland auf dem Wasserwege durchqueren. Da ließ mich die kräftige Stimme meines alten Seebären auffahren. Mit kurzem „Morgen!" begrüßte er mich, tippte an seine Mütze und griff grinsend nach meinem „Siegismund Rüstig". „Aha, alte Jugenderinnerungen!" — „Ja", sagte ich, „aber man kann auch nebenbei eine ganze Menge daraus lernen." „Na, Sie werden bestimmt mal ein tüchtiger See- mann. Uebrigens, wie steht es denn damit ...?' Ich verstand die betreffende Geste, holte die säuberlich zurecht gelegten Scheine aus meiner Brieftasche und sah sie nicht ohne leichte Beklemmung auf Nimmerwiedersehen im Jackett meines Gegenübers verschwinden. Immerhin, nun war ich unbestritten Herr über mein eigenes Schiff! „Sind Sie wohl so freundlich und tragen mein Boot mit ins Wasser?" — „Können wir machen!" Wir hatten beide ordentlich zu schleppen, aber ich war begeistert, als ich sah, daß der „Seeräuber" schwamm. Das war ja seine selbstverständliche Pflicht, aber es war doch ein erhebendes Gefühl, ihn ebenso sicher und ruhig auf dem Wasser liegen zu sehen, wie jedes Schlachtschiff und jeden Ozeanriesen. „Nun, wie wäre es mit einem kleinen Seemannstrunk, so zur Einweihung?" Der alte Kapitän war anscheinend weniger sentimental, aber er dachte vielleicht seemännischer als ich. Ich ging also mit ins Bootshaus, und der kleine Seemannstrunk dauerte wohl zwei Stunden. Endlich zahlte ich kurzer Hand die ganze Zeche, damit wir nun wieder ans Boot tarnen. „Ich fahre jetzt los!" sagte ich und ging schnell voran, blieb aber wie angewurzelt stehen, als ich meinen „Seeräuber" im Wasser liegen sah, ja, im Wasser, nicht mehr auf dem Wasser wie vorhin! Vielleicht zehn Zentimeter mochten gerade noch hervorragen, und das war das Boot, in das ich mich eben setzen wollte! Ich sah mich nach meinem Begleiter um und stammelte: „Da, Wasser!" — „Ja", sagte er, „Wasser, leider nur reines Wasser, Alkohol ist es leider nicht!" — Wie kommt das? Hat da einer Wasser reingegossen oder ist das Boot gar gesunken?" — „Wie das kommt? Vielleicht ist das Boot gar nicht gesunken. Vielleicht ist nur das Wasser gestiegen. Also passen Sie mal auf! Das ist gar nicht ängstlich. Das ist bei jedem Boot so. Im Frühling, wenn es zum erstenmal wieder ins Wasser kommt, da muß es erst mal wieder ordentlich aufquellen. Deshalb keine Bange nicht! Wenn Sie am nächsten Sonntag wiederkommen, ist das bloß noch halb so schlimm." — „Also kann ich erst nächsten Sonntag fahren?" — „Nächsten Sonntag schon? Ich würde noch etwas warten! Und wenn Sie dem Boot noch etwas Gutes tun wollen, bann lackieren Sie's doch erst noch mal. Das macht man im Frühjahr gern." — „Lackieren?" — „Ja, lackieren. Aber natürlich müssen Sie erst mal den alten Lack herunterkratzen. Eine ganz schöne Arbeit. Aber Sie sollen auch mal sehen, wie dankbar Ihnen das Boot ist. Also machen Sie sich am nächsten Sonntaa mal den Spaß. Und nun Hals- und Beinbruch! Leben Sie wohl!" Ich habe ihn nie wieder zu sehen bekommen. Am nächsten Sonntag war ich der erste Mann im Schuppen, zog meinen „Seeräuber" ins Freie und begann zu schaben und zu kratzen. Kein Gramm von der alten Lackschicht sollte mir entgehen. Ich rieb mit Sandpapier, ich trug ätzende Streichmassen auf, der Lack fing langsam an sich zu lösen. Gegen Mittag glaubte ich noch, daß ich vielleicht bis zum Abend fertig werden könnte, als ich aber in der vierten Stunde mit von der Streichmasse angefrejsenen Fingern schmerzvoll meine Thermosflasche aufschraubte, sagte ich mir selbst: „Mach dir nichts vor! Du hast mindestens noch zwei Sonntage zu tun. Im Anfang ging es flotter, aber jetzt an den kleinen winkligen Ecken kommst du ja überhaupt nicht mehr weiter." Am dritten Sonntag schien es mir, daß ich das nächste Mal beftimmt fertig werden müßte, es war aber wieder nichts, ich kam kaum merklich vorwärts und war froh, daß ich gegen Abend wenigstens die vom Lack befreiten kantigen Sitzlehnen in das Boot wieder einsetzen konnte. Eine Menge Menschen standen dabei interessiert um mich herum, denn ich war beinahe schon eine populäre Figur geworden. „Der Mann, der sein Boot lackiert!" hörte ich ab und zu flüstern, und selbst aus der weiteren Gegend kamen Paddler und Paddlerinnen herbei, um mich bei der Arbeit zu besichtigen. Im Laufe der Zeit wurde ich mit mehreren von ihnen ganz gut bekannt, zumal sie mir in liebenswürdiger Weise kleine Stärkungen und Erfrischungen anzubieten pflegten, ehe sie in ihr Boot stiegen, oder wenn sie abends zurückkamen. Eines Tages sagte ich aber doch voll Stolz: „Am nächsten Sonntag wird lackiert!" und packte meine Schaber und Spachtel zusammen. „Schon?" fragte skeptisch ein tiefbraun gebrannter Seemann, bückte sich, fing wortlos an, mit seinem Messer meinen „Seeräuber" an der Nasenspitze zu kratzen und sagte dann mit leichtem Vorwurf zu mir Greenhorn: „Aber warum wollen Sie denn nur die oberste Lackschicht abnehmen? Ich würde doch ganze Arbeit machen und das Boot erst wirklich mal vom Lack reinigen, aber wie Sie wollen!" Ich sah mir die mit dem Messer angekratzte Stelle an. Unverkennbar: drei weitere Lackschichten lagen unter der von mir mit solcher Mühe entfernten. Wieviel Wochen hatte ich schon geopfert, noch dreimal soviel, das macht, nach Halbjahren gerechnet ...! „Am nächsten Sonntag wird lackiert!", sagte ich energisch, und wirklich acht Tage später stand mein Boot nicht nur mustergültig mit einer neuen glänzenden Lackschicht behäutet im Schuppen, sondern auch noch an bevorzugter Stelle in den „Nachrichten" als „besondere Gelegenheit", und ich hatte das Glück, daß der erste Mensch, der sich meldete, ein außerordentlich einsichtsvoller junger Mann war, der vollkommen begriff, daß ein Anfänger nur so ein ausprobiertes, bewährtes Fahrzeug besteigen soll, wie dieses hier. Die kleine Geschichte, die ich ihm von dem Klubkameraden ' erzählte, dem die Pfingstmaien ans dem Boot gewachsen waren, belustigte ihn ungemein. Er kam überdies durch prompte Bezahlung meinem Schwager zuvor, der sich außerordentlich für den „Seeräuber" interessierte, und wir schieden nach einem kräftigen See- mannstrunf im besten Einvernehmen, nur schien es mir, daß er leicht enttäuscht war, als ich ihm zum Schluß noch den guten Rat gab, dem Boot etwas Gutes zu tun und erst mal allen Lack zu entfernen und es dann neu zu lackieren, bevor die eigentliche Seeräuberei anginge. art das Deutsche Jungvolk ist. Die einen so, die andern so. Und das ist gut, denn man mexkt daran, daß die Heimatverbundenheit, dei ja doch erstrebt wird, tatsächlich erreichbar ist. Alle sind wohl Träger eines Kleides, alle sind wohl eines Geistes, aber doch hat jede Gegend ihre gemäße Eigen- Prägung. Den Abschluß des Abends bildete die Weih« von zwei Fahnen, die dann ihren Einheiten übergeben wurden. Ibn. 116. In Münzenberg filmt das Deutsche Jungvolk. Tausend Jungen bewegten sich auf und ab in dem alten Münzenberg, um der Kamera Bilder zu geben aus dem Leben des oberhessischen Jungvolks. Man glaubte sich in die Tage des letztjährigen Pfingstfestes zurückversekt, wenn man die marschierenden mustergültigen Kolonnen sah. Die Münzen- beraer Einwohner gaben ihren sauberen Häusern reichen Fahnenschmuck, um im schönsten Festkleid auf dem Bildstreifen zu sein. Die Aufnahmen bi[ben eine Ergänzung der bisher gefilmten Bilder und stellen als Gesamtfilm die Geschichte des Deutschen Jungvolks in Oberhessen dar. Objbn. 4/13. Aus der Provinzialhauptstadt. Der Kräutermann. Kräutermann und Kräuterweib waren in frühe- ren Zeiten bekannte Erscheinungen auf den Märkten der kleinen und mittleren Städte. Sie besuchten von Zeit zu Zeit die Hausfrauen, um ihnen Ge- würzkräuter, Heilkräuter und Tee anzubieten. Die Hausfrauen deckten bei ihnen ihren Bedarf an Hausmitteln für die Hausapotheke. In jedem Früh- jahr wurde die gan^e Familie regelmäßig einer Kräuterkur unterworfen, wofür die Hausfrau vom alten Schlage so ihre eigenen Rezepte hatte. Wenn eines der Familienmitglieder erkrankte, so wußte Mutter ein Linderungs- oder Heilmittel. Vaters Magenbeschwerden, von denen Mutter zuweilen mit einem unmißverständlichen Lächeln Kenntnis nahm, was ihn wiederum unangenehm berührte, wurden mit Wermut-, Baldrian-, Pfefferminz, oder Wacholdertee sicher gebannt. Die Erkältungskrank, heiten der Kleinen wurden mit Fliederblüten., Lin. denblüten-, Heidelbeerblätter-, Kamillen- und Pfefferminztee bald überwunden. Wie groß die Wertschätzung 'dieser Dolksheilmittel war, zeigt die große Zahl von Singreimen und Kinderspielen, die uns aus früherer Zeit noch er- halten geblieben sind. Wer kennt nicht das kleine Schulgedicht vom kranken Fritz, der zuviel Pflaumen geschleckt hatte und nun im Bette liegen und Fliedertee trinken muß. Am Schluß des Gedichtes heißt es: „So so, du hast Bauchweh? Und der Kopf tut dir auch weh? Dann trink' nur brav Fliedertee, dann tut dir dein Bauch nicht wieder weh und kriegst auch sonst kein Gliederweh." Von der Pimpinelle gibt es ein Sprüchlein, das auf die belebende und anregende Wirkung dieser Pflanze hinweist. Es heißt: „Esset Bibernelle, so sterbet ihr nicht so schnelle!" Daß diese Kräuter im Volk auch schicksalhafte Bedeutung hatten, beweist ein Vers, der auch heute noch allgemein bekannt ist: „La- wendel, Myrt' und Thymian, das wächst in meinem Garten, wie lange bleibt der Freiersmann? Ich kann es kaum erwarten!" Die Tatsache, daß diese Sprüche über unsere alten Dolksheilmittel bis auf den heutigen Tag sogar in Großstädten noch erhalten geblieben sind, beweist die Naturverbundenheit unseres Volkes. Wenn auch die Mittel selbst in den Großstädten durch andere Arzneien mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt worden sind, so ist doch der Glaube an die Kraft der pflanzlichen Heilmittel, wie sie die Natur bietet, immer noch stark verbreitet. Leider hat es mancher geschäftstüchtige Unternehmer verstanden, aus diesem Glauben in durchaus nicht immer einwandfreier Weise Nutzen zu ziehen. Es wurde gar manches sog. natürliche Heilmittel mit groß auf- gemachter Werbung auf den Markt gebracht, das später auf Anordnung der Gerichte zurückgezogen werden mußte, da es m seiner Wirkung häufig nicht im entferntesten den übertriebenen Anpreisungen entsprach. Durch solchen Mißbrauch ist das Vertrauen, besonders der städtischen Kreise, in unsere althergebrachten natürlichen Heilmittel stark erschüttert worden. Trotz alledem halten aber auch heute noch viele Hausfrauen einen kleinen Vorrat von Heilkräutern und Tee im Hause. Und das ist gut so, denn sie können durch rechtzeitige Anwendung größeren Krankheiten vorbeugen und überdies den Haushalt dadurch vor größeren Ausgaben bewahren, wie sie schwere Krankheiten immer mit sich bringen. Der erhöhte Verbrauch an heimischen Heilmitteln würde außerdem dazu beitragen, die Lebenshaltung der armen Bevölkerung in den deutschen Mittelgebirgen, im Thüringer Wald, in der Rhön, im Erzgebirge usw., zu verbessern. Es ist bekannt, daß die Ver- dienstmöglichkeiten gerade für diese Volksgenossen außerordentlich gering sind. Um so mehr ist ihnen zu wünschen, daß ihnen durch den Verkauf von wildwachsenden Heilkräutern aller Art eine weitere Einnahmequelle erschlossen wird. Dr.W. Z. Glockengeläute zur Einführung des Landesbischofs. Zur Einführung des Landesbischofs der Eocm- gelischen Landeskirche Hessen-Nassau ist verfügt, daß zu Beginn des Einführungsgottesdienstes am Donnerstag, 26. April, 10 Uhr, ein Glockengeläuts sämtlicher evangelischen Kirchen der Landeskirche von zehn Minuten Dauer stattfindet. In Darmstadt und anderwärts werden die Kirchen an diesem Tage den Schmuck der Kirchenfahnen tragen. Jührertagung des Gebietes Hessen- Nassau der HZ. An der Führertagung in Weilburg an der Lahn unter Leitung des Gebietsführers Walter Kramer (MdR.) nahmen sämtliche Oberbann- und Ober- ungbannführer, sowie die Bann- und Jungbann- ührer des Gebietes Hessen-Nassau teil. Es wurden üe bisher geleistete HI. Arbeit im Gebiet Hessen- Nassau und die Aufgaben des kommenden Sommer- Halbjahres besprochen. Im Mittelpunkt der Auf- gaben für das Sommerhalbjahr stehen die vier- vis sechswöchigen Lager, in denen besonders die Jungarbeiter Erholung finden sollen. Daten für Mittwoch, 25. April. 1533: Wilhelm I. von Oranien, Statthalter der Niederlande, auf Dillenburg in Nassau geboren (gestorben 1584); — 1599: Der Staatsmann Oliver Cromwell in Huntington geboren (gestorben 1658); — 1874: der Physiker Guglielmo Marconi in Griffons bei Bologna geboren; — 1933: Gesetz gegen die Ueberfremdung der deutschen Schulen und Hoch- schulen; die nichtarischen Schüler und Studenten dürfen den Prozentsatz der nicht arischen Bevölkerung im Reich nicht übertreffen. Tagung der Kreissachbearbeiterinnen der Schwesternschaft der AS-Volkswohlfahri. Am vorigen Sonntag fand in Frankfurt a. M. die erste Tagung der Kreissachbearbeiterinnen der Schwesternschaft der NSV. statt. Die Kreissachbearbeiterinnen des Gaues Hessen-Nassau waren zusammengekommen, um über Ziele und Zweck der neuzugründenden Schwesternschaft der NSV. aufgeklärt zu werden. Die Gausachbearbeiterin des Gaues Hessen-Nassau, pgn. Helene Sußlif, führte aus, daß auf Grund des Erlasses vom 5. Januar 1934 des Stellvertreters des Führers die Bildung einer Schwesternschaft der NSV. für das ganze Reich verfügt sei, als einzige parteiamtlich anerkannte Schwesternschaft. Der wichtigste Zweck der Tagung sei nicht eine Bekanntgabe der Satzungen, sondern es komme vor allem darauf an, daß jeder einzelne von dem Geist beseelt werde, der erforderlich ist, um die gestellten Aufgaben im Sinne unseres Führers verwirklichen zu können. Bei der neuen Schwesternschaft müsse der Idealismus im Vordergrund stehen und nicht der Materialismus. 3n dem neuen Aufgabengebiet können alle Schwestern, die an dem Aufbau des Dritten Reiches mithelfen wollen, sich beteiligen; denn da» Betätigungsfeld wird jo groß werden, daß alle brauchbaren Kräfte eingespannt wer- den müssen. Einen Unterschied in der Arbeit gibt es nicht. Jeder, der sich zur Verfügung stellt, muh auch die ihm übertragene Arbeit ausführen. Pgn. S u ß l i k wies weiter darauf hin, daß wir die weibliche Jugend, die sich dem idealsten Beruf der Frau, dem Schwesternberuf, widmen will, zusammenfassen müssen. Diese könne bann von ihrem 19. Lebensjahre an als Lernschwester in die Schwesternschaft der NSV. eintreten. Für die Mitglieder der Schwesternschaft ist es das wichtigste, daß sie eine weltanschauliche Schulung im nationalsozialistischen Sinne erhalten. Denn es genügt nicht, daß die Kranken nur körperlich gepflegt werden, sondern die Pflegerin muß auch Derstänonis für die seelischen Leiden besitzen. Die erste Aufgabe der Kreissachbearbeiterinnen ist es nunmehr, für ihren Kreis eine staatlich geprüfte Schwester, eine Vertrauensschwester, zu bestimmen und dann sofort Sprechstunden einzurichten. Alle staatlich geprüften Schwestern, die sich mit einreihen wollen, sind in dem zuständigen Kreis zu sammeln, ebenso die jungen Mädchen, die als Lern- schwestern in die Schwesternschaft der NSV. eintreten wollen. Weiterhin müssen die Kreissachbearbeiterinnen versuchen, in den einzelnen Ortsgrup- Sen und Stützpunkten ebenfalls Schwestern zur Mitarbeit heranzuziehen. Allen hilfsbereiten Kräften muh Gelegenheit gegeben werden, sich zu betätigen. Denn mit den staatlich geprüften Schwestern allein lassen sich die Aufgaben, die der Schwesternschaft der RSv. gestellt werden, nicht durchführen; es müssen ihnen zur Seite solche brauchbaren Kräfte gestellt werden, die den hohen Wert der Aufgabe zu schätzen wissen. Nach diesen Ausführungen sicherte ein Beauftragter der Gauamtsleitung der NED. deren Mitarbeit für den Aufbau der Schwesternschaft zu. Die NS. - Schwesternschaft müsse Trägerin eines neuen Geistes werden. So sei z. B. eine Aufklärung über Ziele der Rassenpflege undenkbar ohne Mitarbeit der Frau, die in die ganze Tragweite der Maßnahmen eingeweiht sei. Nach den Schlußworten von Parteigenossin S u ß l i k stellte sie als Vertrauensschwester für den Gau Hessen-Rassau Schwester Auguste Böhmke vor, die schon seit dem Kriege für Deutschland kämpft. In der abschließenden Aussprache zeigte es sich, mit welchem Interesse die Kreissachbearbeiterinnen den Worten der Gausachbearbeiterin gefolgt waren. Es wurden zahlreiche Fragen aufgeworfen, die alle von der Parteigenossin Sußlik ausführ- lich behandelt wurden. Die Gauamtsleitung der NSV. Aus parteiamtlichenAekaimimachungen Der KD AI., Bezirksleitung Gießen, (nördliches Oberhessen) veranstaltet am heutigen Mittwoch, 18.30 Uhr, im Casä Ebel einen Schulungsabend. Pg. Referendar Michel spricht über „Staatsbürger und Staatsbürgerbegriffe". Alle KDAJ.-Mitglieder sind zum Besuch des Abends verpflichtet. — Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, daß bei der Einzahlung der Mitgliedsbeiträge für Mai für Schulungszwecke ein halber Monatsbeitrag über den normalen Beitrag einzuzahlen ist. Die Zahlung ist auf das Postscheck- konto des KDAJ., Frankfurt a. M. 6469, vor dem 5. Mai zu leisten. Der NS. - Lehrerchor Kreis Gießen hält seine nächste Singstunde am morgigen Donnerstag, 16.45 Uhr, in der Goetheschule ab. Die NS. - Hago-Kreisleitung (GHG.) Gießen veranstaltet am kommenden Freitag, 20.15 Uhr, eine große öffentliche Kundgebung auf der Liebigshöhe. Redner ist der Gaubetriebsgrup- penführer des Handels Pg. F e i ck e r t (Frankfurt am Main). Neben den Ortsgruppen des Kreises werden auch alle noch nicht organisierten Einzel- Händler zu dieser Kundgebung erwartet. Oie städtische Müllabfuhr. Von der Bürgermeisterei Gießen wird uns geschrieben: Bei der Durchführung der Müllabfuhr durch die städtischen Müllwagen wurde in letzter Seit in meh. reren Fällen festgestellt, daß in den Müllgefäßen feste Gegenstände wie Metalle, Steine usw. enthalten waren, die dann zu großen Beschädigungen der Transportschnecken und technischen Einrichtungen der Wagen führten. Es sind durch diese Dorkomm- nisse kostspielige Reparaturen an den Wagen entstanden, die bei normalem Betriebe nicht vorkom- men sollten. Wir machen daher darauf aufmerksam, daß nach §7 der Ortssatzung betreffend die Erhebung von Gebühren für die Müllabfuhr in der Stadt Gießen vom l.Juni 1929 Steine, Bauschutt, Stalldung, Kadaver usw. nicht als Hausmüll angesehen werden und daher nicht abgefahren werden. Es werden bei der Entleerung der Müllgefäße in Zukunft Stichproben gemacht und diejenigen Haushaltungen, welche Gegenstände zur Abfuhr bereitstellen, die geeignet sind, Beschädigungen der Wagen hervorzurufen, zur Verantwortung gezogen werden. Oer neue Gießener tlniversitäts- führer für 1934/35. Dieser Tage erschien im Hochschulführer-Verlag der neue Gießener Universitäts-Führer für die beiden kommenden Semester, der — so schreibt man uns — von der Gießener Studentenschaft heraus- gegeben wird und für den der altbewährte Mitarbeiter der Gießener Studentenschaft, Gerichtsreferendar Ludwig Klaus, verantwortlich zeichnet. Aus dem Inhalt nennen wir: Geleitworte und Aufsätze von dem derzeitigen Rektor unserer Landesuniversität Herrn Professor v. Bornkamm, des weiteren von den Herren Professor Dr. D u - ken, Dr. Walbrach, Professor Dr. B e h a g • Hel, Professor Dr. Mayer; von Studentenpfarrer S u ck e r, Stadtbaurat Graoert und Dramaturgen P. Nieren. „Die Aufgaben der Studentenschaft im neuen Staat", „Nationalsozialismus, Hochschule und Korporation", diese Themen hat der Führer der Gießener Studentenschaft cand. jur. Heinz Jürgen Adam bearbeitet; der Hochschulgruppenführer Des NSDStB. und politischer Schulungsleiter bei der SA.-Standarte 116 Bernhard Edler von Graeve behandelt in einem längeren Aufsatz „Student in ber SA.". Außerdem kommen noch die Amtsleiter der Studentenschaft, cand. theol. Paul Seipp, cand. rer. nat. Hans Fritz S ch u st e r und cand. theol. Ludwig Sattler zu Wort. Das 170 Sei- mit vielen guten Bildern ausgestattete "u ' i^em Studenten bet feiner Einschreibung uberreidjt wird, macht zunächst den Leser vertraut nut allen Einrichtungen und Instituten unserer ^ndesuntversität, darüber hinaus vermittelt es dem Studenten das, was heute von den Akademikern unb rvas sie der nationalsozialistischen Hochschule schuldig sind. Der neue Universitäts-Führer legt .Rechenschaft ab von dem, was in vergangenen Semestern geleistet wurde und bringt neue Richtlinien ber zukünftigen Arbeit. Erwähnt muß noch werden, daß der Universitäts-Führer überall, wo er verbreitet wird, Aufschluß gibt über die Universität Gießen, ihre sämtlichen Einrichtungen, über die Studentenschaft und schließlich auch über die Stadt Gießen, und daß er gerade dadurch für unsere hessische Landesuniversität in allen deutschen Gauen wirbt. Wir freuen uns, feststellen zu können, daß der Universitäts-Führer auch in diesem Jahre dem Verfasser sehr gut gelungen ist. Nationalsozialistische Studenten an der Universität Reykjavik (Island). Dieser Tage ging dem Nationalsozialisti- scheu Studentenbund an der Universität Gießen ein Schreiben von den nationalsozialistischen Studenten an der Universität Reykjavik zu, aus dem hervorgeht, daß auch im hohen Norden schon die Idee unseres Volkskanzlers Adolf Hitler Fuß gefaßt hat. Nachstehend geben wir den Brief, den die isländi- schen Studenten gleichzeitig mit ihrem Hochschulblatt ,Mjölnir" gebracht haben, im Wortlaut wieder: „An einen verehrlichen nationalsozialistischen Studentenbund an ber Universität Gießen. Wir ließen Ihnen heute zwei Nummern des Studentenblattes „Mjölnir" als Drucksache zugehen. Dieses Blatt wirb von der Vereinigung nationalsozialistischer Studenten an ber Universität zu Reykjavik perausgegeben. Wenn es auch sehr zweifelhaft ist, daß mehr als nur ganz wenige von Ihnen dieses Blatt lesen können, da es in Isländisch geschrieben ist, dann hoffen wir doch, daß es für Sie von einigem Interesse sein könnte zu verfolgen, wie die Verbreitung der Ideen Ihres Volkskanzlers Adolf Hitler auch im weitesten Norden vor fid) geht, und wie weit die Ueberroinbung der marxistischen Ideenwelt schon gediehen ist. Andererseits würden wir es aufrichtig begrüßen, wenn wir mit Ihnen in Fühlungnahme treten könnten. Dies wäre vielleicht am besten dadurch zu erreichen, daß Sie uns Ihre nationalsozialistische Studentenzeitschrift zukommen ließen, wenn sie dazu die ßtebensroürbigfeit besitzen wollten. In Erwartung Ihrer Nachrichten begrüßen wir Sie mit vorzüglicher Hochachtung Heil Hitler! gez. Bjorni Jonsson." Giandesbeamten-Kursus in Gießen. Arn vorigen Sonntag sand auf Veranlassung des Reichsbunbes ber Stanbesbeamten in Gießen im Haus ber Arbeit ein Fachkursus für Stanbes- beamte des Kreises Gießen und der angrenzenden Teile der Kreise Alsfeld und Schotten statt. Die Teilnehmerzahl betrug 200. Der Beauftragte für Oberhessen, Standesbeamter Wiedmeyer (Gießen), eröffnete den Kursus und gab einen Ueberblick über die Bedeutung der standesamtlichen Beurkundung und die große Verantwortlichkeit der Standesbeamten. Weiter wies er darauf hin, daß die vom Reichsdund im Benehmen mit dem Herrn Reichsinnenminister in ganz Deutschland eingerichteten Kurse dem Zwecke dienten, kameradschaftliche Verbundenheit zu pflegen, darüber hinaus die Standesbeamten zu festigen im Personenstandsrecht und wirksame Vorarbeit zu leisten für die im neuen Reich hinzukommenden Aufgaben, die nur dann im Sinne der Staatsführung voll erfüllt werden könnten, wenn eine Grundlage vorhanden sei, die es ermögliche, Sinn unb Zweck ber in Aussicht stehenben Anorbnungen zu verstehen. Es folgte bann ein etwa einstündiger Vortrag von Regierungsrat Rud. Schäfer (Darmstadt) über Volksfamilienkunde. Ausgehend von dem Begriff ber Familienforschung zu verschiedenen Zeiten wurde zunächst ihre heutige Bedeutung im Dritten Reich erörtert, wo ihr nicht mehr nur eine Ge- schichtsforschung in der Vergangenheit obliegt, sondern sie eine hohe Aufgabe bei der Gestaltung der Zukunft unseres deutschen Volkes zu erfüllen hat. Nach Ausführungen über die Notwendigkeit der Beschäftigung mit Familienforschungen auf den Gebieten der Geschichte, Rechtswissenschaft und Medizin wurden die genealogischen Grundbegriffe: Person, Familie, Verwandtschaft, Schwägerschaft erläutert, die in den zwei verschiedenen genealogischen Darstellungsweisen, der Nachfahren- ober Stammtafel unb der Vorfahren- ober Ahnentafel, sowie in der aus beiden zusammengesetzten Stppschaftstafel iu Erscheinung treten. Hier. bet wurde der besondere Wert der Ahnentafel für die Beurteilung ber einzelnen Persönlichkeit unter Berücksichtigung der Vererbungslehre mit Hinweisen auf die möglichen Folgen von Ahnenverlusten he» vorgehoben. Es folgten Bemerkungen über die Art der Anstellung von Familienforschungen und bi« Tätigkeit ber beutschen familiengeschichtlichen Der. eine. Den Schluß bilbete ein nochmaliger einbring« licher Hinweis auf bie hohe Bebeutung ber Fami« lienfunbe für bie Rassepolitik unserer Reichsregie, rung unb bie Höherzüchtung unserer Rasse, sowie auf ihren Wert für eine Forberung des Familien« finns unb bamit ber Liebe zu Volk unb Vaterland. Dem Vortrag folgte ein eingehenbes Fachreferat von Oberstaatsanwalt Dr. Wobaege (Gießen) über bas heutige Eheschließungsrecht unter Ein« beziehung des Gesetzes über die Bekämpfung der Gefchlechtskrankheiten und des Gesetzes betr. Mißbräuche bei ber Eheschließung unb ber Annahme an Kinbes Statt. Sobann gab der Referent eins Gesamtübersicht über bie von den Stanbesbeamten zu beachtenben Ehehinbernisse. Adschließenb behanbelte ber Kursusleiter bie urkundliche Tätigkeit des Standesbeamten, erläuterte Deutscher Bnn! Deutsche Frau! Bist du schon „Förderndes Mitglied" derSS? Denke zurück an die Zeit der Schmach und Erniedrigung unseres Volkes! Denke zurück an die schweren Opfer, die die nattonalfozialistische Freiheitsbewegung im Kampfe um den Wiederaufstieg unseres Vaterlandes brachte! Sei daher auch du deiner Pflicht deinem Vaterlande gegenüber bewußt und helfe auch du, das große Werk der SS. vollenden, indem du sie in ihrer Organisation weiter ausbauen hilfst. Es muß eine besondere Ehre für dich fein, „Förderndes Wil» glied" der SS. zu werden, und dieses kleine Opfer auf dich zu nehmen. Die Parole muß lauten: Jeder Deutsche förderndes 2Hit- glied" der SS.! Der Mindestbeitrag beträgt 1 Mark, der Veilrags- freudigkelt sind natürlich nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Jedes „Fördernde Mitglied" erhält von München ein Mitgliedsbuch ausgestellt, welches nur allein zum Tragen des F.-M.-Abzeichens berechtigt. Anmeldungen werden von jedem SS.-Mann, sowie auf der Dienststelle des SS.-Sturmbanns IV/33 im Polizeiamt, Gießen, Landgraf-Phillpp-Plah, jederzeit entgegengenommen. Begriffe unb bie Anwendung der Gesetze an vorkommenden Fällen. Die Vorträge fanden reges Interesse bei den Hörern. Nachdem das vorgesehene Arbeitspensum erledigt war, schloß die arbeitsreiche Tagung mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer. BornoNzen. — Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 19.30 bis 22 Uhr: „Die Frau ohne Kuß". — Ortsgruppe Gießen-Süd, Zelle 2, Zellenversammlung, 20.15 Uhr, „Graf Zevpelin". — NS.» Frauenschaft Gießen-Süd, 20.15 Uhr, Ortsgruppen- abend. — Ortsgruppe Gießen-Nord, Zelle 5, 20.30 Uhr, „Stadt Marburg", Zellenabend. — Ortsgruppe Gießen-Nord, Zelle 6 und 7, 20.30 Uhr, Kauf- männisches Vereinshaus, Mitgliederversammlung. — KDAJ., Bezirksleitung Gießen, 18.30 Uhr, Caf6 Ebel, Schulungsabend. — NS.-Lehrerbund Gießen, 15.30 Uhr, Singsaal des Realgymnasiums, Bezirksversammlung der Fachschaft „Höhere Schule" (Gießen-Stadt). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße! „Ein Mädel wirbelt durch die Welt". — Ober- hessischer Kunstoerein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Evangelische Frauenhilfe, 14.30 Uhr, Caf6 Leib, Hauptversammlung für Oberhessen. « ** Von der Universität. Don der Presse« stelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der ordentliche Professor für englische Philologie an unserer Universität Dr. Walther Fischer hat einen ehrenvollen Ruf auf den anglistischen Lehrstuhl der Universität Frankfurt zum i. Mai erhalten. ** Dienstjubiläum in der Chirurgischen Klinik. Der technische Assistent im Dpe» rationsfaal der Chirurgischen Klinik, Peter Schmidt, Friedrichstraße 16 b wohnhaft, konnte gestern das Jubiläum seiner 40jährigen Tätigkeit als Angestell, ter der Klinik begehen. Dem Jubilar wurde im Hörsaale der Klinik von seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern eine Ehrung bereitet, bei der die hohe Wertschätzung, die ihm allenthalben dargebracht wird, eindrucksvoll zutage trat. Der Jubilar hatte sich im Verlaufe feiner langen Tätigkeit in der Chirurgischen Klinik auch um die praktische Forderung des ärztlichen Nachwuchses durch Beratungen unb Anregungen aus der Praxis heraus sehr verdient gemacht. ** Ein Achtzigjähriger. Der Bachnarbeiter im Ruhestand Konrad Schmidt, Neuenweg 50, kann am morgigen Donnerstag in körperlicher unb geistiger Frische seinen 80. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist langjähriger Leser des Gießener Anzeigers. ** Aufgehobene Straßensperre. Die Sperrung der Ortsdurchfahrt Duecfborn auf der Provinzialstraße Lich—Grünberg ist wieder aufgehoben. ** Straßensperre. Wegen Wasserleitungsarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Beuern Der Provinzialstraße in Richtung Großen-Bufeck vom 30. April ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Reiskirchen unb Bersrob. ** Don ber Kraftpostlinie Gießen — Hochelheim. Nach dem jetzt vorliegenden Er» tragsergebnis der Kraftpostlinie Gießen—Hochelheim war in dem abgelaufenen Vierteljahr Januor-März ein kleiner Ueberschuß zu verzeichnen. ** Rückständige Zahlungen für Elektrizitätsbezug im Februar können noch bis zum 3. M a i ohne Kosten geleistet werben. Bei Nichtbeachtung dieses Zahlungstermins sind unangenehme Weiterungen zu erwarten. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Direktion der Elektrizitätswerke. ** Ortsgruppe Gießen des NSDFB. Man berichtet uns: Am Montag fand im Stahlhelmheim eine Zusammenkunft Der vor dem 3CL Januar 1933 verpflichteten Kameraden des Stahlhelms, BdF., zwecks Gründung der Ortsgruppe Gießen des an die Stelle des Stahlhelm tretendes Nationalsozialistischen Deutschen Front kämpjerbw* mit. e an vor« Beitrags, ne Gren- ! bei btt ?itspen|iffl igung rf München ur allein igt Bann, Jo« nns IV/33 lipp-Plah, >uel" An1 ■*» t ^erET? and Er. an die >)e Jrei. nachkg auch bu über be. ber 55. an weiter onberi s Mit. les Neins tn)O(hi au oty\t L, ^Wn- .-916.- tsgrupptt- e 5, »30 )rfsgnip;? ihr, Ansammlung. Uhr, Case ib Tießen, s, Bezirks- । Schule" nhofsttaße: — Ober- örandplatz, he Frauen- mlung für 1 N» titttiln ««h r. 8«mi. ,e- IpH'K Emilien, Irland, fcletat T'eßem !er Ein! Ung ber ?• Miß' fnnabmi ■ent eins 'beamten U« dir ^lauterte uemveg öU' erlicher «n ^aufder ieber aufge' 11 e ö •-ff,, Zs LZ iisA h in* p W «r > li« %< )er Preße- mitgeteilt: Philologie scher hat chen Lehr- ii erhalten, iirurgt* t im L>pe' • Schmidt, gestern das 5 Angestell' -be im N' >uni ?£ r di- <* d--g-d-°ch -it in b‘ sch- 8* geratungelt s lehr ver' Ein neuer Kampf! Der NS.-Volkswohlsahrt ist nach Abwicklung des Winterhilfswerkes „Kampf gegen Hunger und Kälte" das Hilfswerk^„Mutter und Kind" übertragen worden. Das „Amt für Volkswohlfahrt bet der Obersten Leitung der politischen Organisation der NSDAP., so lautet jetzt der offizielle Name der NSV., hat aber den Nahmen seiner Betätigung im Dienste des gesamten Volkes noch erheblich weitergespannt und unter dem Sammelbegriff „Schadenverhutung eine Sonderabteilung für eine neue großzügige Aufklärungsarbeit eingesetzt. Auf allen Gebieten der Volksgesundheit und der Volkswirtschaft, in denen dem einzelnen Volksgenossen und der Volksgesamtheit irgendwelche Gefahren und Schäden drohen, wird eine systematische und zielbewußte Erziehungsarbeit einsetzen. Unterordnung der Einzelpersönlichkeit unter Notwendigkeiten und Zielsetzungen der I Volksgemeinschaft ist Nationalsozialismus. In diesem Sinne ruft das Amt für Dolkswohlfahrt bei der Obersten Leitung der PO. zu Gefolgschaft und Disziplin auf: Schadenverhütung ist Pflicht! MIELE-Erzeugnisse gebeten. - Für Händler besondere Vereinbarungen. 2„.a J. B. Häuser« Gießen Hau.- und Rechengeräte. Am O.w.ld.gMten, Fern.gr. 2145, 2146 2326 A und zum Bauen Abermann Ihre Vermählung geben bekannt August Wagner und Frau Marie, geb. Lenz Lieh, Gießener Straße 6 Gießen, Ludwigsplatz 2 den 25. April 1934 _________________________2488D Zum 1. Mai 2494 A Feitanzüge der Deutfchen Arbeitsfront in allen Größen, auch für große und harke Figuren vorrätig. - Evtl, erforderliche Abänderungen werden fofort und forgfältigh ausgeführt Herren-Bekleidungshaus vormals Gebr. Stamm — Gießen, Marktplatz Frühling in Bad Selters dem zeitgemäßen Bad für Gallen- und Leberleiden, Rheuma, Frauen-Krankheiten! Eröffnung am 1. Mai 1934 Stark herabgesetzte Preise, insbesondere für die bekannten und beliebten Pauschalkuren! — Das mit allen Bequemlichkeiten ausgestattete Kurhaus steht unter Leitung eines erstklassigen Hotel- und Küchenfachmannes. Beste Verpflegung! Diätküche! Ausführliche Drucksache durch die Brunnenverwaltung Bad Selters (Oberhessen). Anmeldung f rühz eitig erb eten! ^gv Geschäfts-Drucksachen Brief blätter Briefumschläge bei Brühl, Schulstraße 7 Geschäfts karten Bei normalem Hausgebrauch macht sie sich schon in 2 Jahren bezahlt Jn den Fachgeschäften, auf Wunsch gegen bequeme Ratenzahlung, zu haben. MielewerkeA.G.Gütersloh/Westf. an die Hausfrau: Bereifen Sie Jhre Speisen noch an der offenen Feuerstelle ? © Beleuchten Sie Jhre Räume noch mit der Oellampe oder dem Kienspan ? © Machen Sie Jhre Reisen noch mit der Postkutsche ? Waschen Sie Jhre Wäsche noch mit der Hand, oder bedienen Sie sich der Miele Oberheffen Der Grimberger Voranschlag für 1934 nicht geleisteten Forstverwaltungskosten von 1929 arbeiten durchzuführen. Durch weitere Beschäftigung bis 1931 mit insgesamt 13125 34 Mark belastet, bei anderen städtischen Arbeiten (z. B. Holzhauer-1 Es besteht jedoch Aussicht, diesen Betrag nicht zu gab folgende Erläuterungen: Der Voranschlag zeigt als erfreulichstes Ergebnis die Tatsache, daß er bei einem Gesamtbeträge von 186 427,88 Mark auf der Einnahme- und auf der Ausgabeseite ausgeglichen ist. Die Aufstellung ist unter Anwendung aller Sparmaßnahmen, insbesondere unter starker Drosselung der Ausgabeseite, erfolgt, jedoch immer noch so vorsichtig, daß größere Etatüberschreitungen nicht vorkommen werden. Der größte Belastungsfaktor und auch der größte Unsicherheitsfaktor für die Gestaltung des Voranschlags liegt auch dieses Jahr wieder im Wohlfahrt s e t a t. Die Ausgaben für Armenpflege belaufen sich auf insgesamt 9084 Mark, diejenigen für soziale Fürsorge sogar auf 16 593 Mark. Darin sind enthalten Gemeindeanteile für Klein- und Sozialrentner, Wochenfürsorge und Unterstützung für Wohlfahrtserwerbslose. Es ist beabsichtigt, im Voranschlagsjahr 1934 unter Einsetzung sämtlicher Wohlfahrtserwerbslosen die U m p f l a st e r u n g der Marktgasse im Wege der Notstands- Fördert das Lugendherbergswerk! Der Reichswerbe- und Opferlag des Deutschen Jugendherbergswerkes soll nicht nur die finanziellen Wittel zum Ausbau einer von der ganzen Well bewunderten, vorbildlichen Einrichtung der jungen deutschen Generation schaffen, sondern darüber hinaus die große Idee des Jugendherbergswerkes fördern und verbreiten und der deutschen Jugend das Wunder unserer Heimat offenbaren. Wer dieses Werk unterstützt, dient der seelischen und körperlichen Gesundheit unserer Jugend. Jede Spende ist eine Tat für die Zukunft! Baldur von Schirach. * Weitershain, 24. April. Der 19 Jahre alte Landwirt Heinrich Schlosser von hier stürzte heute mit seinem Fahrrad so unglücklich, daß er einen Schlüsselbeinbruch erlitt und in die Chirurgische Klinik zu Gießen eingeliefert werden mußte. Kreis Büdingen. Et) Nidda, 24. April. Jn die hiesige Volksschule wurden 4 5 Kinder ausgenommen. — Don Mitte Mai ab werden die Bahnhofstraße und die Ludwigstraße mit einer starken T e e r e i n - streudecke versehen, um dadurch die Staub- plage in diesen Straßen zu mildern. Kreis Alsfeld. y Alsfeld, 23. April. Am Sonntag gab die Deutsche Musikbühne (Reichswanderoper) im großen Saale des „Deutschen Hauses" ihr zweites diesjähriges Gastspiel. Zur Aufführung gelangte Carl Maria von Webers unvergängliche Meisteroper „Der Freischütz". Die Leistungen standen auch dieses Mal auf hoher künstlerischer Stufe und gewährten eine einwandfreie Wiedergabe dieser urdeutschen Oper. Ein Gesamtlob verdient auch das 35 Musiker zählende Orchester, das Webers romantische Musik unter der umsichtigen Leitung von Kapellmeister Giovanni di Bella in ihrer ganzen Schönheit und Innigkeit erstehen ließ. Der Abend war ein seltenes künstlerisches Ereignis für unsere Stadt. Besonders erfreulich war wieder der bis auf den letzten Platz besetzte große Saal, ein sicherer Beweis für die Notwendigkeit einer solchen Kulturtat auch in kleineren Städten. Die begeisterten Zuhörer feierten die Künstler mit herzlichem Beifall. verausgaben, da Verhandlungen mit dem Staats schweben, die Abgeltung dieses Betrages durch Lieferung von Holz (außerhalb des ordentlichen Hiebsatzes) zu tätigen. Die Gebäude der Stadt erbringen 5213,78 Mark Einnahme und erfordern 2259,30 Mark Aus« gäbe. Die Einnahme aus dem Wald beträgt 31823 Mark, darunter aus Holzfällungen 30 800 Mark, dlS Ausgaben betragen 20 047,54 Mark, darin sind 8000 Mark Löhne enthalten. Jagden und Fischereien haben 1961,80 Mark Einnahme und 423,71 Mark Ausgabe. Die Schäferei erbringt 1730 Mark bei einet Ausgabe von 157,50 Mark. Messen und Märkte erscheinen mit 1220 Mark Einnahme und 675 Mark Ausgabe. Die Wasserversorgung zeigt eine Ein« nähme von 16 286,33 Mark und eine Ausgabe von 12 235,46 Mark. Das Schwimmbad sieht eine Einnahme Dort 3071 Mark vor, während die Ausgaben 3037,48 Mark betragen, wobei verschiedene Abschreibungen vorgesehen sind. Als neue Rubrik erscheint: Förderung öetf Hitlerbewegung, unter der 460 Mark in Ausgabe vorgesehen sind. Die allgemeine Verwaltung erfordert bei einer Einnahme von 2483,50 Mark eine Netto-» ausgabe von 22 808,76 Mark. Die öffentliche Sicherheit erfordert 6033,46 Mark an Ausgaben bei nur 100 Mark Einnahmen. Die Summe für die öffentliche Gesundheitspflege beträgt 1965,36 Mark an Ausgaben. Das Feuerlöschwesen verzeichnet 1057 Mark Einnahme und 2633 Mark Ausgabe. Neben notwendigen Materialbeschaffungen ist auch die Neuanschaffung von 50 neuen Uniformröcken (blau) vorgesehen, für die ein Zuschuß von der Brandversicherungskammer in Höhe der Hälfte geleistet wird. Die Armenpflege erfordert 9084 Mark Ausgaben. Die Volksschule bringt an Einnahme 1842,44 Mark, wovon 1000 Mark auf die Fortbildungsschule entfallen. Die Ausgaben betragen 7199,44; darunter befindet sich ein Betrag von 1000 Mark für eine von der Stadt freiwillig übernommene Hilfslehrerstelle. Eine gesetzliche Verpflichtung der Stadt, diese freiwillig übernommene 6. Lehrerftelle dauernd zu unterhalten, besteht nach Mitteilung des Kreisamtes nicht. Die Oberrealschule erfordert einen Zuschuß von 23 980,20 Mark, die Landwirtschafts- schule verursacht eine Ausgabe von 5 395,26 Mark und bringt eine Einnahme von 3383,14 Mark. Die evangelische Kirche zeigt eine Einnahme von ilO Mark und eine Ausgabe von 3417,31 Mark. In dieser Ausgabe sind verschiedene Tilgungsbeiträge für Darlehen enthalten. Der Friedhof erbringt 223,60 Mark und er« fordert 713,03 Mark. _____________________ des (Stahlhelm) unter Leitung des Führers der Ortsgruppe Kamerad L o p p e statt. Sämtliche Kameraden, darunter auch Angehörige der SA.- Referve I, schlossen sich einmütig dem NSDFB. (Stahlhelm) an und baten ebenfalls einstimmig den visherigen Ortsgruppenführer des Stahlhelm, Kam. L o p p e , die Führung der Ortsgruppe Gießen des neugegründeten Bundes zu übernehmen. Die Kameraden gelobten zum Schluß der Zusammenkunft, wie bisher im Stahlhelm, so auch in dem neuen Bunde in echter Soldatentreue zu unferm hochverehrten Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall von Hindenburg und unserem Führer und Dolkskanzler Adolf Hltler zu stehen. arbeiten), ebenso durch Mitwirkung hiesiger Unternehmer, sofern sich diese in die Kampffront gegen die Arbeitslosigkeit einreihen, wird es möglich sein, die Barunterstützungen an die Wohlfahrtserwerbs- lofen mit einem Betrage von höchstens 2000 bestreiten zu können. Auch die Oberrealschule bedeutet noch eine starke Belastung für die Stadt, der Zuschuß beträgt 23 980,20 Mark. Der Staat hatte ab Ostern 1934 einen klassenweisen Abbau zur Realschule vorgesehen. Den gemeinsamen Bemühungen der Stadtverwaltung und der Leitung der Schule in Verhandlungen mit den staatlichen Stellen ist es gelungen, daß die Schule als Vollanstalt weiter bestehen bleibt, wenigstens bis zur Reichsregelung des Schulwesens. Als Bedingung dafür müssen, wie bisher, die persönlichen Kosten der beiden Primen, in Zukunft auch die Besoldung eines Assessors für die Ober-Sekunda, von der Stadt getragen werden. Die Ausgleichung des Voranschlags 1934 war trotz hoher Belastung durch die Wohlfahrtsfürsorge und die Oberrealschule nur möglich durch verschiedene Einsparungen bzw. höhere Erträge bei einigen wichtigen Rubriken. So wirkt sich sehr günstig für die Gemeindefinanzen die von der Reichsregierung durchgeführte Umschuldung der kurzfristigen Gemeindedarlehen aus. Da hier bis 1936 nur ein niedriger Zinssatz zu entrichten ist und erst mit diesem Zeitpunkt die Tilgung beginnt; 1934 enthält daher nur die geringen Zinsbeträge. Ferner erbringt der Stadtwald eine Mehreinnahme von 6000 Mark, ebenso erhöht sich bei der Wasserversorgung der Ueberschuß von 2000 Mark in 1933 auf 4000 Mark in 1934, und endlich erfahren die für 1934 zustehenden Anteile an Reichs steuern eine Erhöhung. Die wichtigsten Rubriken des Voranschlags weisen folgende Zahlen auf: Der Rechnungsrest von 1932 mit 28 502,34 Mark hat sich durch lieber» fdjreitungen von 11 400 Mark in 1933 auf 17 102,34 Mark vermindert. Der Posten ist aber noch mit + (3 r ü n b e r g, 24. April. In seiner jüngsten Sitzung verabschiedete der Gemeinderat den Voranschlag für 193 4. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 186 227,88 RM. ab, während der vorjährige noch einen Fehlbetrag von rund 31000 RM. zeigte. Trotz noch hoher Belastung, u. a. mit Armenpflege 9084 RM., sozialer Fürsorge 16 593 RM., Ober-Realschule 23 980,20 RM., ist durch verschiedene Umstände der Ausgleich des Voranschlags möglich gewesen. So sind z. B. die Einnahmen aus dem Wald mit 6000 RM. höher als im Vorjahre, das Wasserwerk erbringt einen 2000 RM. höheren Ueberschuß, auch die Anteile an den Reichssteuern sind höher, dazu kommt bei den Ausgaben an Zinsen für die Schulden durch die von der Reichsregierung durchgeführte Umschuldung, wovon die Gemeinde reichlich Gebrauch gemacht hat, eine Ersparnis von etwa 6000 RM. (Ausführlicher Bericht folgt.) Bürgermeister Dr. Miloner Lied: „Ade nun zur guten Nacht", fand der wohl- gelungene Werbeabend fein Ende. * Bellersheim, 24. April. In unserem Ort wurden 9 Abc-Schützen (5 Buben und 4 Mädels) in die Schule ausgenommen. Aus diesem Anlaß fand auch ein Schulanfangsgottesdienst statt. — Um die freigewordenen Stellen des Flurschützen und des Schweinehirten in unserer Gemeinde liegen zur Zeit 7 Bewerbungen vor. Die Stellen sind bis jetzt noch nicht besetzt worden. * Allendorf a. d. Lumda, 24.April. Heute nachmittag stürzte der 32 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Schwarz von hier mit seinem Motorrad. Der bedauernswerte Mann trug dabei einen Bruch des linken Oberschenkels davon. Die Freiwillige Sanitätskolonne mußte den Verunglückten der Chirurgischen Klinik zu Gießen zuführen. ** Schorfige und madige Früchte mindern alljährlich den Ertrag unserer Aepfel- und Birnbäume ganz wesentlich. Diesen Verlusten an deutschem Volksvermögen läßt sich jedoch durch Spritzung der Bäume mit Arsen-Kupfer oder Schwefelmitteln unmittelbar nach dem Ab- blühen wirksam Vorbeugen. Um Schädigungen der pollen- und nektarsammelnden und fo die Obstblüten befruchtenden Bienen zu vermeiden, darf keinesfalls während der Blütezeit gespritzt werden. Arbeitskalender zur Durchführung dieser Spritzungen sind gegen Einsendung des einfachen Briefportos zu beziehen durch die Hauptstelle für Pflanzenschutz, Gießen, Senckenbergstraße 17. 400=3a1?rfeier der Reformation in Bad-Tlauheim. - Bad-Nauheim, 24.April. Die evangelische Kirchengemeinde unserer Badestadt begeht in diesem Sommer in festlicher Weise den Gedenktag an das 4 0 0 i ädrige Bestehen der evangelischen Lehre in unserer Stadt. Es ist eine größere Feier auf dem Johannisberg geplant, zu der auch der Landesbischof erwartet wird. Auf dem Johannisberg, dessen Kirche damals das Gotteshaus für eine ganze Reihe von Gemeinden war, predigte 15 3 4, also vor 400 Jahren, der Pfarrer Wilhelm W i p p e r f ü r t als erster Nauheimer Geistlicher in bewußt lutherischem Geiste. Mit seiner Predigt setzte hier die evangelische Bewegung Itart ein; seine Gottesdienste fanden starken Zu- trom aus der ganzen Wetterau. Die ofsizielle Ein- ührung der Reformation im Flecken Nauheim selbst erfolgte erst 1553 mit der Anstellung des Pfarrers Lorenz Bauernheim. Jn dem heutigen Aussichtsturm auf dem Johannisberg sind Reste der ehemaligen Johannisbergkirche, deren Gründung die Sage auf Bonifatius zurückführt, noch erhalten. Landkreis Gieren. )( Großen-Linden, 24. April. Schuhmacher Wilhelm Weiß und Ehefrau Maria, geb. Schütz, feiern heute Silberne'Hochzeit. (D ©rüningen, 23. April. Gestern hatte die Mädelschar des Bundes Deutscher Mädel zu einem Werbeabend in die hiesige Turnhalle eingeladen. Zahlreich hatte sich die Einwohnerschaft eingefunden, auch die Scharen des Bundes Deutscher Mädel Watzenborn-Steinberg, Dorf-Gill und Holzheim waren der Einladung nachgekommen, fo daß die Turnhalle bis auf den letzten Platz besetzt war. Eingeleitet wurde der Abend mit dem Bundeslied des BDM. „Und wenn wir marschieren". Im Anschluß an das Gedicht „Was Deutschland nötig wäre", begrüßte die Führerin der Schar ©rüningen. Marie, Isheim, die zahlreich Erschienenen und gab ihrer Freude Ausdruck, daß so viele der Einladung Folge geleistet hatten. In der Ansprache legte die Führerin Zweck und Ziele des Bundes Deutscher Mädel dar. Die Ausgabe sei, die Jugend, der vor allem die Zukunft gehöre, zu sammeln, zu echten deutschen Mädels zu erziehen und mitzuhelsen an dem großen Werk des Wiederaufbaues, zu einem großen einigen Deutschland. Auch die Pflege des deutschen Liedes und des Volkstanzes sei Aufgabe des Bundes Deutscher Mädel, bei Singen und Tanz frohe und gesellige Stunden in wirklicher Volkgemeinschaft zu verbringen. Für „bemalte" Zier- und Modepüppchen sei in ihren Reihen kein Platz. Nach einem Sprechchor und Lied folgte ein Spiel der Jungmädels „Susi nascht gern", das große Heiterkeit auslöste. Dann folgten in bunter Reihe Volkstänze, Lieder und gymnastische Vorführungen, die alle mit großem Beifall ausgenommen wurden. Ein Laienspiel in unserer ober- hessischen Mundart „Die Lene will ean die Stoadt fand ebenfalls dankbare Zuschauer. Nach Schlußworten richtete die Führerin an die Elternschaft den dringenden Mahnruf, doch ihre Mädels in die ro „: l Snr oinfroten 11t lallen. Mit dem Elektro-Wasch maschine? Bei den Straßen mußte ein Betrag von 7500 Mark für die Umpflasterung der Mar.ktgasse vor- aesehen werden. Von dieser Summe entfällt der Betrag von 2200 Mark als Anteil auf die Provinz, sowie ein Staatszuschuß für 780 Tagewerke mit ie 2,50 Mark im Betrage von 1950 Mark, so daß die Stadt hier nur mit 3350 Mark belastet wird. Die Gesamtausgaben für die städtischen Straßen betragen 15 012,81 Mark. Die Kanäle erbringen 3315 Mark und erfordern 3438,85 Mark. Für Landwirtschaftszwecke sind 6178,44 Mark vorgesehen. Die soziale F ü r.s o r g e erfordert 16 593 Mk. In 1934 werden voraussichtlich an Steuern eingehen: Hundesteuer 652 Mark, Vergnügungssteuer 350 Mark, Gemeindezuschlag zur Grunderwerbssteuer 900 Mark, Getränkesteuer 500 Mark, Filialsteuer 200 Mark, Biersteuer 3500 Mark, Bürgersteuer 16 000 Mark. Die Anteile an den Reichssteuern werden sich belaufen auf: Einkommen- und Körperschaftssteuer 7300 Mark, Umsatzsteuer 3745 Mark und Grunderwerbssteuer 1400 Mark. Die Gemeindeumlagen (Grund-, Sondergebäude- und Gewerbesteuer) sind mit 59 000 RM. veranschlagt Für Ergänzungsmittel (früher Reservefonds) sind für unvorhergesehene Fälle 2477,75 Mk. eingestellt. Der Voranschlag für das Vermögen Kin Einnahme und Ausgabe mit 5212,39 rb. Der Bürgermeister konnte am Schlüsse seiner Ausführungen zu dem Voranschlag noch darauf Hinweisen, daß bei einer weiter anhaltenden günstigen Gestaltung der Gemeindefinanzen ab 1. Januar 1935 eine wesentliche Herabsetzung der Bürgersteuer möglich sei und die Getränkesteuer wohl ganz verschwinden werde. Preußen. Hauptschriftleiter Nr. Scheller Oberbürgermeister von Marburg. LPD. Marburg, 24. April. Der preußische Minister des Innern hat durch Erlaß vom 21. März 1934 den ehrenamtlichen Beigeordneten Hauptschriftleiter Dr. Scheller zum Oberbürgermeister d er Stadt Marburg berufen. Dr. Ernst Scheller, aus Friesland gebürtig, machte den Krieg als 17jähriger Kriegsfreiwilliger mit und widmete sich nach dem Kriege dem Studium der Geschichte und der Nationalökonomie. Nach Abschluß seines Studiums war er zunächst bei einer Frankfurter Großbank tätig, wurde hier aber abgebaut, weil er sich dem Aufbau der NSDAP, widmete. Von Frankfurt wandte er sich nach Marburg, wo er 1925 in die Redaktion der „Obcrhessischen Zeitung" eintrat, deren Hauptschriftleitung er bald darauf übernahm. In der nationalsozialistischen Bewegung ist Dr. Scheller seit Frühjahr 1932 Amtsleiter für Kommunalpolitik innerhalb der Kreisleitung. Bei der Märzwahl im vorigen Jahr wurde er zum Stadtverordneten gewählt und bald darauf zum Beigeordneten. Er hat ferner das Amt eines Kreiskulturwarts inne. Im Frühjahr 1933 wurde Dr. Scheller zum Vorsitzenden des Kurhessischen "Presseverbandes bestimmt. AGIO. - AmtewalierschuSe m B'eöenkopf. Biedenkopf, 24. April. Am Sonntagnachmittag fand die feierliche Einweihung und Eröffnung der hiesigen NSBO. - Amtswalterschule statt. In seiner Eröffnungsansprache wies Kreisbetriebszellenobmann Gerl ach auf die Bedeutung der Schule hin. Gaubetriebszellenschulungsleiter Demmer- Frankfurt wies dann auf die Aufgaben der NSBO.-Schulungsarbeit hin. Der Land- rat des Kreises Biedenkopf, P ö n i s ch', sicherte jede mögliche Unterstützung durch den Kreis zu. Schließlich sprach Kreisleiter und Gauinspekteur Thiele in eindringlichen Worten von der hohen Aufgabe, tüchtige Führer heranzubilden. Baron IV bestes deutsches Pferd. Der vorletzte Tag in Nizza. Der Kampf der Reiter im Nizzaer Turnier geht seinem Ende entgegen. Der vorletzte Tag brachte zwei Hauptspringen, den Preis der Französischen Zucht, für französische Pferde, die sich in ausländischem Besitz befinden, während im Preis der Schweizer Kavallerie alle Reiter und Pferde startberechtigt waren. Die deutschen Reiter nahmen nur an dem Preis der Schweizer Kavallerie teil, da sich in ihrem Besitz kein französisches Pferd befindet. Der beste Deutsche in dieser Prüfung, bei der ein Gold-Pokal als Preis ausgesetzt war, war „Baron IV" unter Oberleutnant Brandt; er kam aber zu dicht an den Doppeloxer heran und zog sich drei Fehler wegen Verweigerns zu. Der Wallach gelangte so nicht in das Stechen der sechs Fehlerlosen und belegte als Bester der übrigen den 7. Platz. Sieger wurde der Franzose Cpt. C l a v e auf „Irish Quaker", der im Stechen, wie die beiden Nächstplazierten Lt. Gutierrez - Italien auf „Jntrepida" und Lt. C a v a i l - lere auf „Avion", 4 Fehler gemacht hatte, aber mit 46,4 Sek. eine schnellere Zeit ritt. Nie frankfurter kennen startbereit. Am Samstag und Sonntag wird der Rennbe- trieb in Süddeutschland auf der Frankfurter Bahn in Niederrad eröffnet. Die beiden Tage stehen ganz im Zeichen der Volkstümlichkeit. Allgemeine Rennen und Nennen der SA. und SS. laufen neben- . inanb -r. Unter den Preisstiftern findet man Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger und Obergruppenführer v. I a g o w. Der Rahmen der Rennen ist so gehalten, daß jedem Besucher sein Recht wird. Besonders im sportlichen Sinne. Nach dem letzten Reugeld-Termin sind weiterhin, abgesehen vom Jagdreiten und Jagdspringen, fast 150 Pferde für die Rennen startberechtigt. Diese kommen aus rund 30 Turnierställen. In den beiden Hauptrennen sind sehr hoch- gezogene Pferde startberechtigt. So im Preis von Kronberg am Samstag u. a. Strachan, Chevalier, der vorjährige österreichische Derbysieger Suntime, Laute, Dichtkunst, eine Schwester von Dionys (deutsches Derby), Polarstern, Rustica, Georgette und der mächtige Schweizer Chestnut. Am Sonntag beim Internationalen Offiziers-Jagdrennen sind sichere Starter Tenor, Elm, Asta, Dicky mit den besten deutschen Amateurreitern im Sattel, denen die Schweizer Nabucho und Chestnut entgegentreten werden. Sehr gut ist auch das Feld im Amateurflachrennen, wo u. a. Prasser, Wisa Gloria H 1, Kamerad, Sonny Boy, Fatra, Chevalier, Ne bögj, Rustica und Generalijsimus antreten sollen. Mit mehr als 20 Startern werden die Rennen der SA. und SS. jedenfalls geteilt werden müssen. Ziege Segelflugtätigkeit auf der Wafferkuppe. Begünstigt von der glänzenden Witterung der letzten Wochen herrschte auf der Wasserkuppe in der Rhön rege Segelflugtätigkeit. Zwei gut besuchte Kurse konnten bereits durchgeführt werden. Der Ausbau des Segelfliegerlagers auf der Wasserkuppe geht planmäßig vonstatten, so daß im diesjährigen 15. Rhönsegelflug-Wettbewerb für eine wesentlich größere Anzahl Wettbewerber wie in den verflossenen Jahren Unterbringung^; und Startmöglichkeiten gegeben sind. Das 81. Keldbergfsst. Ein Festspiel des Friedberger Heimatdichters Wilhelm Philipps. Unter der Leitung von Hugo Pfaff (Frankfurt a. M.) trafen sich der engere Führerstab im Feldhergfest-Ausschuß zu einer wichtigen Vorbesprechung, die der Ausgestaltung des Feldberg- festes 1934 galt. Bekanntlich wird dieses älteste und volkstümlichste deutsche Bergfest auf der sagenumwobenen Taunushöhe seit den 90 Jahren seines Bestehens (gegründet 1844) am 1 6. und 17. Juni dieses Jahres zum 81. Male durchgeführt. Der Plan der altbeliebten turnerischen Großveranstaltung liegt im wesentlichen fest. Am Samstagnachmittag beginnt das DT.-offene Feldbergfest mit dem bekannten Alannschafkskampf um das historische Völsungcnhorn. Der Mehrkampf, in dem To. Bieber-Offenbach a.M. Verteidiger des kostbaren Siegespreises ist, kommt in neuzeitlicher Form zum Austrag: Jeder Turner der Mannschaften hat sämtliche Uebungen zu turnen. Außerdem besteht die Pflicht zur Teilnahme an einem Mannschafts-Gepäckmarsch, der die Mannschaften geschlossen vom Fuße nach dem Gipfel des Berges führen wird. (Dauer etwa zwei Stunden.) Am Samstagabend ist eine Freilichtaufführung am Brunhildisfelsen geplant. Das zur Darstellung kommende Festspiel „Das Völsungenhorn" bat den Friedberger Heimatdichter Oberstudiendirektor Wilhelm Philipps, eine auf dem Gebiete des Laienspiels bekannte und verdiente Persönlichkeit, zum Verfasser. Das inhaltvolle Stück führt hin zu dem altgermanischen Sagenkreis und behandelt die abwechslungsreiche Geschichte des Feldbergfestes. Anschließend an die Ausführung treffen sich die ehemaligen Mittelrheiner zu einem Kamerad- schafts abend, der bestimmt die Möglichkeit bieten wird, die alte Verbundenheit der nun auf drei DT.-Gaue verteilten Alt-Mittelrheiner erneut zu bekunden und über die Gaugrenzen hinaus neue Freundschaftsbande zu knüpfen. Der Sonntag führt in der Frühe Wetturner und Festbesucher auf dem Philipp-Rödig-Platz zusammen, woselbst nach dem Aufmarsch der Fahnen und der Spielmannszüge eine Morgenfeier für die Arbeit des Tages die innere Einstimmung geben wird. Bei dem dann beginnenden Einzelwettkämpfen der Turner, Jugendturner, Altersturner und Frauen wird der Gemeinschaftsgedanke stärker als bisher in Erscheinung treten. Die seit Jahren umstrittene Freiübung des Vierkampfes kommt in Wegfall; an ihre Stelle tritt in den Stufen der aktiven Turner und der Jugendturner ebenfalls ein G e - p ä ck m a r s ch, der nach Beendigung der volkstümlichen Wettbewerbe in etwa zweistündiger Dauer zur Durchführung kommt. Diese Gemeinschaftsübung wird für die Entscheidung von wesentlicher Bedeutung sein. Es ist daran gedacht, die beim Gepäckmarsch am besten abschneidende Riege durch eine besondere Anerkennung auszuzeichnen. Am Nachmittag des Festsonntags werden die allhergebrachken SfaffeUäufe um den 3ahn- fchild, den Schmuckschild und den Brunhildis- schild wieder ihre besondere Anziehungskraft ausüben. Der Siegerehrung am Nachmittag soll wieder die würdige Form des Vorjahres gegeben werden. Das ist der große Rahmen, den der Feldbergfest» Ausschuß für das 81. Feldbergfest festgelegt hat. Mit den Einzelheiten wird der Feld bergfest« Turn tag bekanntmachen, der für den 29. April in Hofheim (Taunus) von der dortigen Arbeitsgemeinschaft der beiden Turnvereine vorbereitet wird. Er soll zu einer würdigen Kundgebung für die Turnsache und insbesondere für das historisch bedeutungsvolle heimische Bergfest gestaltet werden. Oberstudiendirektor Philipps wird mit einem Vortrag über die Nibelungensage eine Einführung zu seinem Feldberg-Festspiel geben. Aus dem weiteren Verlauf der Sitzung seien noch erwähnt wichtige Mitteilungen über die im vergangenen Jahre geweihte eigene Sportplatzanlage (Philipp-Röbig-Platz) des Feldbergfest-Ausschusses, sowie die erfreuliche Tatsache, daß das Turnerheim auf dem Feldberg dem Ausschuß vom ehemaligen Mittelrheinkreis der DT. als Geschenk gegeben worden ist. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 26 April. 6.05 Uhr: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 7.10: Frühkonzert (Schallpl.). 8.25—8.45: Gymnastik. 10.45: Prakt.Ratschläge fürKüche u.Haus. 11-.Werbekonzert. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I des Rundfunkorchesters. Wiener Weifen. 13.20: Mittagskonzert II. Norddeutsche Volksweisen (Schallplatten). 14: Mittagskonzert III. Tenor und Koloratur (Schallplatten). 14.40: Kinderstunde. Märchen und Lieder. 15.50, Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Luis Trenker: Von meinen Büchern. 17.45: Aus Zeit und Leben. 17.55: Das neue München. „Die Monumentalbauten der NSDAP.", Vortrag von Alexander Heilmeyer (Wachsplattenwiedergabe). 18.15: Familie und Rasse. 18.25: Spanischer Sprachunterricht. 18.50: Sozialdienst. 19: Volksmusik. 19.30 Uhr: Die rauhe Rotte. Hörbericht von einer Baustelle der Reichsautobahn. 20.15: Aus dem Gewandhaus, Leipzig: Stunde der Nation. Eine Alpensinfonie für großes Orchester, Werk 64, von Richard Strauß. 21.30: Von München: Reichssendung: „Lied der Arbeit". Zum 1. Mai. Hörfolge von Walter Schulze. 22.30: Saarländisch-pfälzischer Dichter- und Komponisten- Abend. 23: Kompositionen von Karl Hasse. 24. Nachtmusik. Srieffoften der Redaktion (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) ü. R. in TB. Für Haussöhne, die im elterlichen Geschäft tätig sind, wird die freie Station mit der Hälfte des vorgeschriebenen Satzes (ganzer Satz 25 Mark), hier also 12,50 Mark, in Ansatz gebracht, wozu das zu gewährende Taschengeld tritt. Machen beide zusammen weniger aus als 120 v. H. des Fürsorgerichtsatzes für Ledige, dann hat Freistellung von der Bürgersteuer einzutreten, andernfalls erfolgt Heranziehung mit der Hälfte des niedrigsten Satzes. Für den weiteren Sohn, der über 50 Mk. monatlich verdient, dürfte die Bürgersteuerpflicht ebenfalls mit der Hälfte des niedrigsten Satzes ohne weiteres gegeben sein, da angenommen werden kann, daß dieser Betrag mehr ausmacht, als 120 vom Hundert des Fürsorgerichtsatzes für Ledige. Ab 1934 beträgt der Einkommenmindestsatz bei Veranlagung zur Bürgersteuer 120 v. H. des jeweiligen Fürsorgerichtsatzes. Gegen die Veranlagung zur Bürgersteuer ist innerhalb einer Frist von vier Wochen nach Zustellung des Bürgersteuerbescheids bzw. der Steuerkarte die Möglichkeit des Einspruchs gegeben, der in Städten bei der Bürgermeisterei und in Landgemeinden bei dem zuständigen Kreisamt anzubringen ist. Gegen deren Entscheidung ist die Möglichkeit der Berufung gegeben. Spreamunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Die trauernden Hinterbliebenen. Klein-Linden, Frankfurt a. M, Bad-Nauheim u. Hanau, 26. April 1934. 0220'1 Beckstein 2513! MU z- Vornehm 1 Geschmackvoll: PersönlichI Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien- Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungsarten und Papieren zu mäßigen Preisen Brühl’sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, dem 24. April, 15 7a Uhr, vom Sterbehause, Wetzlarer Straße 70, aus. 200 ccm, masch. tadellos,verkauft billig 02207 .Tanz Erdkauterweg 50 (Gailsch.Tonw.) Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren lieben Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager Herrn Joh. Georg JungIL nach längerem Leiden im 87. Lebensjahre zu sich zu rufen. Am 22. April verschied nach kurzem Leiden unser langjährigerVorsitzender und Ehrenvorsitzender sowie Gründer des Klubs Herr August Schwan Einer unserer Besten ist mit ihm dahin gegangen, der stets zu unserer Sache gestanden hat. Wir werden dem Entschlafenen ein treues Gedenken bewahren. Brieftauben-Klub Gießen. Wut erhaltener MMwn 18/80 PS, Gubin, Überholt, steuerfrei, billig abzugcben. Näheres zu erfragen unter G. 76 an Ala, Hänfenstem & Vogler, Kassel. 250iv IIIIIIIIHilillllll!!lllllllll Fn$ch.Schelliische Goldbarsch 02205 Pfand 32 Pf. Kabeljau, Seelachs Filet aus Goldbarsch Pfund 42 Pf. Haifische Donnerst.Markt gegenüb d. Reitbahn. K. 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Das Konkursverfahren über das Vermögen des Theo Bieter in Gießen, alleinigen Inhabers der Firma Chr. Bieker in Gießen, wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. Gießen, den 10. April 1934. 2508D Hessisches Amtsgericht. Amtliche Bekanntmachung des Kreisamts Gießen. Betr.: Die ansteckende Blutarmut und die ansteckende Gehirn-Rückenmarksentzündung (Borna) der An die Bürgermeistereien des Kreises. Wenn aus Gemeinden, in denen innerhalb des letzten halben Jahres die ansteckende Blutarmut oder die ansteckende Gehirn - Rückenmarksentzündung (Borna) amtlich festgestellt wurde, Stuten einem staatlichen oder angekörten Hengste zugeführt werden sollen, so ist dem Hengsthalter vorher ein tierärztliches Gesundheitszeugnis vorzulegen, aus dem hervorgeht, daß die betreffende Stute und der ganze Pferdebestand des Gehöftes frei von Erscheinungen sind, die den Ausbruch der ansteckenden Blutarmut oder der Bornaschen Krankheit befürchten lassen Treten diese Seuchen in Gemeinden auf in denen eine staatliche Hengststation aufgestellt ist, so ist sogleich im Benehmen mit dem Kreisoeterinäramt zu prüfen, ob nicht diese Station vorübergehend ober für bie Dauer der Deckperiode geschlossen werden muß. 2505C Sie wollen diese von der Ministerialabteilung Ib getroffene Anordnung alsbald ortsüblich bekanntmachen, die in Ihren Gemeinden etwa vorhandenen Hengsthalter besonders unterrichten und sich die Kenntnisnahme von ihnen unterschriftlich bescheinigen lassen. Falls die genannten Seuchen in einer Gemeinde mit einer staatlichen Hengststation auf-- treten, jo ist dem Kreisamt sofort zu berichten. PerWachs-Glans Perwachs jetzt auch farbig zu haben Wissenschaftliche Glanzmessungen ergaben für Perwachs die Glanzzabt 45,6. Diese ist unrein Mehrfaches höher als bei gewöhnlichem Bohnerwachs. Möbel, Leder, Marmor ‘mit! solchem Glanz versehen sind pracht» voU. Zum Bohnern aber erst recht Perwachs, es macht Böden und Trepn pen nicht glatt. Und das war doch immer Ihr Wunsch: glänzend bohnern ohne Glätte Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Februar 1934 tön- nen noch bis zum 3.71?ai d. 3. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Sperre auf Kosten des Abnehmers. 2493D Gießen, den 23. April 1934. Direktion der Elektrizitätswerke unt> Ueberlandanlage Gießen. ___________ Braubach. Bekanntmachung! In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 23. April 1934 bei der Firma Wilhelm Bloefer, la- bakwaren-Großhandlung, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen, folgendes eingetragen: Die Prokura der Hedwig Moeser ist erloschen. Dem Heinz Moeser in Gießen ist Einzelprokura erteilt. Gießen, den 24. April 1934. 2510D Hessisches Amtsgericht, N est, lpril «its. ' für M kven, Noch ver. nlagtz 'Uffes, rf)eint öligen wor, 7.10: 10.45: 'Ujert. Hunb« |5fon« ltten). ratur und ttags» chern. Mün. enmie. Spani« 19: bericht >: Aus lation» >rk 64, Deichs» örfolge lzifcher pofitio« der Glichen mt der r Satz ebracht, Nachen H. des Frei- uidern- es nie« ?r über rsteuer- i Satzes werden ils 120 iige. Ab Cerar? oeiligen 'S M i vier Mds \px\x6)5 xeifiere/ i Krei;- bung | IL jamjfflj »sbel» [ recht IW tr doch ebnem ungen nzzabl faches obnep 1934 k°-> -n :ernun^ ' İ je Si-ß-° 'Sä; rJ Nr. 96 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, Z5. April 1954 So wurde Afrika von Asien getrennt. 25 Zahre Suez-Kanal. — Ferdinand Leffeps, sein Werk und sein Schicksal. Die Geburtsstunde der Aida. Ein königlicher Traum. „Der Seeweg nach Indien..." Die Abenteurer, Kaufleute, Politiker und Geographen dreier Jahrtausende träumten davon. Kolumbus zog aus, ihn zu suchen. Die Karawanentreiber, die den glühenden Sand asiatischer Steppen durchzogen, sahen ihn in den Visionen des Durstfiebers. Die Matrosen, die auf der endlosen Fahrt rund um Afrika am Kap der guten Hoffnung die Segel vor dem daherbrausenden Orkan rafften, hätten die ewige Seligkeit dafür hergegeben. Die Kaufherren in Augsburg und Venedig sahen im Geiste ihre Schiffe die Wellen dieses Seewegs nach Indien durchfurchen, im zehnten Teil der Zeit die Schätze des fernen Orients dem Abendlande darbringend. Die Herrscher in London, Wien und Paris faßen über die Karten ihrer Reiche gebeugt und ballten die Fäuste, wenn sie das winzige Stück Land sahen, das sich ihren weltpolitischen" Plänen so hartnäckig widersetzte — diese wenigen Kilometer Sandwüste, die Afrika und Asien verbanden... Ein dreitausend Jahre alter Traum war der Gedanke, die nur 160 Kilometer lange Landenge zwischen dem Roten und dem Mittelländischen Meer zu durchstechen und durch einen Kanal schiffbar zu machen. Aber die Technik früherer Zeiten erlaubte die Durchführung nicht. Wenn man Herodet glauben darf, so hat R e ch o II., der Sohn Psammetichs im 6. Jahrhundert v. Ehr., dem Kanalprojekt 120 000 Menschen geopfert, die während des unvollendet gebliebenen Baues zugrunde gingen. Rach Aristoteles, Plinius, Strabo hat der legendäre Sesostris den meeroerbindenden Kanal gebaut, — allerdings, ohne daß die Zeit eine Spur von seinem Werk übrigließ. Darius, König der Perser, dürfte der erste Beherrscher gewesen sein, der den Plan praktisch durchführte: er ließ vom Nilarm Wadi Tumilat aus zum Golf von Suez einen Kanal bauen, der sicherlich zu bestimmten Zeiten schiffbar gewesen ist. Auch Harun al Raschid befaßte sich mit diesem Projekt, ließ es aber fallen, um die arabische Küste nicht den Angriffen der byzantinischen Flotte auszusetzen. Kaum eines der gigantischen Werke strategischpolitischer Natur, die seit hundert Jahren Wirklichkeit wurden, hat nicht in Napoleons Kopf gespukt — auch der Suezkanal. 1798, in Aegypten, läßt der General Bonaparte durch den Ingenieur I. M. Lepere ein technisches Gutachten über das Kanalprojekt ausarbeiten. 1846 gründet Prosper Enfantin, der Propagandist und Geisteserbe des ersten Sozialisten Saint-Simon, eine „Studiengesellschaft für den Suezkanal", der neben dem Panamakanal ein wesentlicher Bestandteil des Saint-Simon-Planes zur „Regeneration der Welt" bllden sollte. Diese Gesellschaft verhauchte gerade ihre letzten Atemzüge, als jener Mann auftauchte, dessen außergewöhnliche menschliche, technische und diplomatische Eignung ihn befähigte, den uralten Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Ein historischer Spatenstich. Ferdinand von Lesseps stammte aus alter französischer Diplomatenfamilie. 1825 tritt der Zwanzigjährige in den Konsulardienst. Sieben Jahre später wird er nach Alexandria versetzt. Hier kommt ihm das auf Napoleons Geheiß ausgearbeitete Gutachten Leperes in die Hände. Seine Fantasie beflügelt sich. Hier winkt eine Aufgabe! Said Pascha, Aegyptens „kommender Mann", interessiert sich lebhaft für Lesseps und seine Idee. Als Konsul in Kairo erzwingt der junge Diplomat die Achtung des ganzen Landes durch seinen Mut und seine Energie, mit der er einen gefährlichen Ausbruch der Pest bekämpft. Aber seine Karriere führt ihn weiter: nach Rotterdam, Malaga, Barcelona, Madrid und schließlich Rom. Hier ereilt ihn das Diplomatenschicksal — eine neue Regierung verzichtet auf seine Dienste. Lesseps erhalt den Abschied. Einer aber hat ihn nicht vergessen: Said Pascha, soeben ägyptischer Vizekönig geworden. Er lädt Lesseps ein. Das erste Gespräch gilt dem Suezkanal. Am 30. November 1854 erhält der Franzose die Konzession zum Bau des Kanals und — für 99 Jahre — zu dessen Betrieb. Die erste Wirkung in Europa ist ein homerisches Gelächter. Aber man hört sogleich den englischen Tonfall heraus. „Eine technische Unmöglichkeit!" sucht man von jenseits des Kanals dem Franzosen einzureden. „Verletzung britischer Belange!" tobt man. „Gefährdung der Vorherrschaft Englands zu Wasser!" heißt das Feldgeschrei der britischen Diplomatie. Lesseps läßt sich nicht irre- machen. Eine Jngenieurkommission prüft und genehmigt seinen Bauplan. Lesseps selbst treibt die Vorarbeiten unermüdlich vorwärts, unterstützt von seinem Freund, dem Vizekönig. 1858 wird die Suezkanal-Gesellschaft gegründet. Lesseps wirbt in Frankreich für die Zeichnung der Anteile. 300 000 Aktien zu 500 Franks werden schnell untergebracht — ganz Frankreich ist begeistert. Den Rest zeichnet Said Pascha. Am 25. April 1859 stand Ferdinand von Lesseps, mit einem Spaten bewaffnet, vor einem Bauzelt, das jetzt schon, zu Ehren des Vizekönigs, den stolzen Namen Port Said trug. Ein paar Ingenieure und ein Haufe von braunen Arbeitern standen um ihren Führer, als er den ersten Spatenstich zu seinem Werk tat, das zwei Erdteile trennen und den „Seeweg nach Indien" öffnen sollte. Oie Opfer. Der Suezkanal wäre kein bautechnisches Problem gewesen, hätte er nicht in den Tropen gebaut werden müssen. Im dritten Baujahr lichtet der Typhus die Reihen der Ingenieure. Zwei Jahre später bricht die Cholera aus. Die europäischen Arbeiter werden von einer Panik erfaßt und fliehen nach Port Said, zwingen die ankernden Schiffe zur Abfahrt. In den Baracken wütet die Seuche. Lesseps läßt die Reste des Wadi-Tumilat-Kanals, den Darius angelegt hat, als Süßwasserkanal von Kairo her ausbauen. Die Bakterien sind besiegt, Durst bedeutet nicht mehr den Tod. Die Arbeiter kehren zurück ... Mitten während des Baues stirbt Said Pascha. Jetzt erst lernt Lesseps seinen toten Gönner voll schätzen, als dessen Nachfolger, der Khedive I s - mail, die Abmachungen seines Vorgängers wegen der „Lieferung" brauner Arbeiter annulliert. Lesseps hatte vier Fünftel der Arbeiterschaft aus den Eingeborenen gestellt bekommen: Zwangsarbeit gehörte — und gehört ja noch heute — zu den Grundprinzipien afrikanischer öffentlicher Baupläne. Ismail schickt seinen Außenminister zum Beherrscher I aller Gläubigen in Konstantinopel, um ihn zu einem Machtwort gegen die Zwangsarbeit zu bewegen. Nicht, als ob Ismail sich um das Wohl seiner Untertanen gesorgt hätte — aber es war eine > Gelegenheit, die Kanalgesellschaft zur Ader zu lassen. I Der Sultan ging auf den Vorschlag ein und stellte . finanzielle Bedingungen, verbrämt mit ethischen I Forderungen zur Herabsetzung der Zahl der Zwangsarbeiter. Bei Weigerung werde er den Bau mit Gewalt verhindern! Lesseps weigert sich, schlägt aber zugleich Napoleon III. als Schiedsrichter vor. Napoleon entscheidet — Zwangsarbeit ist unmoralisch. Hilf dir, Lesseps! Jetzt braucht die Gesellschaft weitere Millionen Franks für Arbeiterlöhne. Eine Lotterie wird veranstaltet. Sie hat vollen Erfolg. Der Kanal wird vollendet. O-e Eröffnung. Mit der Kaiserin E u g 6 n i e an Bord durchfährt der „Aigle" am 17. November 1869 als erstes Schiff den Suezkanal, gefolgt von 67 weiteren Fahrzeugen. Hunderttausende bestaunen das Werk, jubeln Lesseps zu, raunen sich phantastische Zahlen ins Ohr: 433 Millionen Franks Gesamtkosten für nur 160 Baukilometer! Die Breite des Kanals schwankt zwischen 45 und 100 Meter, der Tiefgang der Schiffe, die ihn durchqueren, kann bis zu zehn Meter betragen. Mehr als drei Dutzend Stunden dauert noch die Durchfahrt. Einer, der eingeladen wurde, fehlt: Giuseppe Verdi. Der Khedive, plötzlich stolz auf das Werk, das er so energisch zu verhindern gesucht hatte, schlug Verdi vor, zur Eröffnung des Suezkanals und zugleich des neuen Opernhauses in Kairo eine Oper zu schreiben. Verdi hatte höflich dankend abgelehnt: Musik zu festlichen Gelegenheiten, Opern nach Maß waren nicht sein Entzücken. Aber ein paar Monate später schickt ihm ein bekannter Aegyptologe anonym ein Thema aus ägyptischer Vorzeit. Verdi ist begeistert. „A i d a" entsteht in kürzester Zeit — Verdis Meisterwerk. Es erlebt auch tatsächlich seine Uraufführung in Kairo: am Weihnachtsabend 1871, als verspätetes Festspiel zu Ehren des Suezkanals, Symbol der Verbindung von Orient und Okzident, Vorzeit und Gegenwart. Malerisch die Bühne, malerisch das Parkett, Aegypten selbst hat Kolorit und Atmosphäre geliefert. Den Triumphmarsch blasen 1 vier braunhäutige Araber auf langen Trompeten. Nur Verdi selbst ist nicht anwesend. Er hatte Angst vor der Seekrankheit ... Ferdinand von Lesseps blieb zwei Jahrzehnte Frankreichs Nationalheld — bis auch er in den Strudel des Panama-Skandals geriet. Ztzhn Jahre nach der Eröffnung des Suezkanals beauftragt man ihn mit der Durchführung des zweiten großen Kanalprojektes: der Durchstechung des Isthmus zwischen Atlantik und Pazifik. Es war nicht feine Schuld, daß die Panama-Gesellschaft die Abgeordneten der französischen Kammer bestach, um die nötigen Stimmen für das Recht auf Herausgabe der Aktien zu erkaufen — der Aktien, die sich bald als wertlos herausstellten, und an denen Tausende kleiner Sparer ihr Geld verloren, Lesseps wurde angeklagt und wegen Bestechung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt; aber sein Sohn Charles nahm im Revisionsverfahren alle Schuld auf sich und wanderte statt seines Vaters ins Gefängnis. Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Panama- Gesellschaft starb Lesseps, ohne sein zweites Werk vollendet zu sehen. Der Suez-Kanal aber bewährte sich so gut, daß die Engländer nur auf die Gelegenheit warteten, das riesige Unternehmen mit seinen 3000 Angestellten, seinen 25 Millionen Tonnen jährlicher Schiffspassage an sich zu reißen, um damit den Schlüssel zum Orient zu gewinnen. Die Gelegenheit bot sich im Weltkrieg. Der Suezkanal hat den Alliierten wichtige militärische Dienste geleistet. Während des ganzen Krieges war er ein einziges Heerlager, unzählige Dreadnoughts passierten ihn auf der Jagd nach deutschen Kreuzern, nur einmal stockte, während weniger Stunden, der Betrieb des Kanals. Das war am 3. Februar 1915, als eine türkische Armee nach endlosem Marsch von Damaskus aus durch die Wüste in Aegypten einfallen wollte. Tapfer nahm sie den Kampf mit dem vielfach überlegenen Feind am Suezkanal auf. Sie kehrte nicht mehr in die Heimat zurück. Wirtschaft. * Einigung zwischen Zigaretten- fabrikanten und - Händlern. In der Zigarettenbranche ist eine Einigung zwischen Händlern und Fabrikanten zustandegekommen, nach welcher die Industrie dem Handel einen bestimmten Kundenschutz einräumt. Frankfurter Börse. Mittagsbörfe etwas freundlicher. Frankfurt a. M., 24. April. Die Börse hatte einen widerstandsfähigeren Grundton. Die Verkäufe der letzten Tage lagen nicht mehr in dem Umfange vor, der angesichts der Geschäftsstille einen stärkeren Kursdruck ausüben konnte, im Gegenteil, die Kulisse und Bankenkundschaft neigte auf der niedrigen Basis zu kleinen Anlagekäufen. Vor allem hat sich der Markt der Neubesitzanleihe beruhigt, das Papier war um 40 Pf. erholt auf Aeußerungen, daß doch von offizieller Seite Regulierungskäufe erfolgen. Der Kurseinbruch fei nur auf notwendige Zwangsglattstellungen zurückzuführen. Die Altbesitzanleihe war nur knapp gehalten, während Stahlverein-Obligationen 1 v. H. gewannen. Späte Reichsschuldbuchforderungen lagen mit 94,65 v. H. behauptet. Am Aktienmarkt schwankten IG. Farbenindustrie bei 138,50 bis 138,25 (138,25), Metallgesellschaft gaben 0,50 v. H. nach. Der Elektromarkt lag sehr still und wies eine einheitliche Kursbildung auf. Während Bekula 0,75 v. H., Siemens 0,50 v. H. und Schuckert 0,25 v. H. verloren, blieben Licht & Kraft behauptet und Geffürel zogen 0,65 v. H. an. Etwas beachtet waren auch Motoren- und Bau- werte, Daimler waren um 0,75 v. H. höher gesucht. Der Montanmarkt konnte sich ebenfalls leicht erholen, so gewannen Buderus 0,65 v. H., Mannesmann 0,25 v. H. und besonders Phönix 1,25 v. H_, dagegen gingen Rheinstahl noch um 0,75 v. H. und Mansselder um 0,65 v. H. zurück. Im einzelnen eröffneten Zellstoff Waldhof 0,50 v. H., Kunstseide Aku 0,40 v. H. schwächer, andererseits AG. für Verkehrswesen und Reichsbankanteile je 0,25 v. H. freundlicher. Bei weiter sehr kleinen Umsätzen zeigte der Verlauf bei einigen Montanwerten noch leichte Erhöhungen um 0,25 bis 0,50 v. H., während auf den übrigen Marktgebieten keine Veränderungen von Belang eintraten. Ausgenommen jedoch Daimler Motoren, die bei verhältnismäßig lebhaftem Geschäft von 45,75 auf 47,40 v. H. anzogen, später dann auf 47 v. H. wichen. Von später zur Notiz gekommenen Papieren lagen Kali Aschersleben mit minus 2,50 v. H. weiter schwach, ferner gaben Bem- berg zunächst 1 v. H. nach, um später wieder 0,50 v. H. anzusteigen. Westdeutsche Kaufhof lagen 0,65 v. H. und Ilse Genuß 0,75 v. H. freundlicher. Am Rentenmarkt beschränkten sich die wenigen Umsätze auf Neubesitzanleihe, die unter leichten Schwankungen mit 19,40 bis 19,45 v. H. behauptet lagen. Späte Schuldbuchforderungen bröckelten 0,13 v. H. ab. Stadtanleihen lagen im Angebot und zumeist von 0,50 bis 1 v. H. schwächer. Am Pfandbriefmarkt war das Geschäft still. Goldpfandbriefe lagen unverändert, während Liquidationspfandbriefe und Kommunal-Obligationen uneinheitliches Aussehen zeigten bei Abweichungen von 0,25 bis 0.50 v. H. nach beiden Seiten. Non fremden Werten blieben Anatolier behauptet, Schweiz. Bundesbahnen lagen noch etwas freundlicher. Am Geldmarkt hat sich die Situation weiter erleichtert und der Satz für Tagesgeld wurde um 0,25 v. H. auf 3,25 zurückgenommen. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse hatte zwar auf der ganzen Linie, abgesehen von Neubesitzanleihe, nur sehr geringe Umsatztätigkeit aufzuweisen, doch bestand auf Basis der Berliner Schlußnotierungen eher etwas Nachfrage, so u. a. für IG. Farbenindustrie, bie'mit 138 v. H. unverändert eröffneten und so später gefragt blieben. Im übrigen hielten sich die Schlußkurse von heute mittag gut behauptet, nur Licht & Kraft gingen um 1 v. H. zurück, ebenso Kunstseide AKU. Am Rentenmarkt waren Neubesitzanleihe auf Berliner Käufe etwas lebhafter und zum ersten Kurs mit 19,50 um 25 Pf. fester, auch Altbesitzanleihe und späte Reichsschuldbuchforderungen zogen geringfügig an, während die heute mittag schwächeren Kurse der Reichsmark-Obligationen keine Erholung verzeichneten. Im Verlaufe blieben Neubesitzanleihe beachtet, da auch die Kulisse etwas Kaufmeinung bekundete. Das Papier erhöhte sich um weitere 0,13 v. H. auf 19,65 v. H. und das Geschäft blieb relativ lebhaft. Aktien lagen dagegen sehr ruhig und kaum verändert. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 19,50 bis 19,65, Altbesitzanleihe 95,13,6 v.H. Stahlverein-Bonds 68,75, Schutzgebietsanleihe von 1913/14 9,40, Reichsbankanteile 147, Gelsenkirchen 62, Harpener 89. Mainzer Schlachtviehmarkt. Mainz, 24. April. Auftrieb: .28 Ochsen, 25 Bullen, 427 Kühe oder Färsen, 280 Kälber, 795 Schweine. Notiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 31 bis 32, b2) 26 bis 30; Bullen 22 bis 27; Kühe a) 23 bis 29, b) 18 bis 22, c) 12 bis 17; Färsen a) 28 bis 35, b) 25 bis 27. Kälber b) 36 bis 46, c) 29 bis 35, d) 23 bis 28. Schweine b) 40 bis 42, c) 37 bis 42, d) 34 bis 40. Marktverkauf: Großvieh und Kälber lebhaft, ausverkauft. Schweine ruhig, Ueberstand. Amtsgericht Gießen. Ein Metzger von hier fuhr mit feinem Lieferwagen, vorn Güterbahnhof kommend, so stark am rechten Bürgersteig, daß er einen Fußgänger erfaßte, dieser zu Boden geschleudert wurde und erhebliche Verletzungen erlitt, die ihn heute noch arbeitsunfähig machen. Das Gericht erkannte nach einem Lokaltermin auf die im Strafbefehl festgesetzte Strafe von 60 Mark. Der Staatsanwalt hatte 100 Mark Geldstrafe beantragt. Große Gtrafkammer Gießen. Die Kammer hatte sich gestern mit dem Verkehrsunfall vom 27. August vorigen Jahres zu beschäftigen, bei dem ein junges Menschenleben, der Assistent an der chirurgischen Klinik, Dr. Schminke, tragisch um Leben kam, und seine Beifahrerin einen Oberschenkelbruch davontrug. Angeklagt war ein Autofahrer aus Kassel wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Der Angeklagte kam mit seinem Wagen von Marburg in etwa 45 Kilometer Geschwindigkeit. Unmittelbar hinter der Kreuzung nach Daubringen bemerkte er vor sich einen Motorrad- und einen Autofahrer, die er überholte, wobei er mit dem in entgegengesetzter Richtung kommenden Dr. Schminke zusammenrannte. Die Aussagen der Zeugen waren außerordentlich widersprechend. Ebenso gingen die Ansichten der beiden Sachverständigen auseinander. Unter diesen Umständen hielt das Gericht die Ursache des Unfalls für unaufgeklärt und sprach den Angeklagten in dubio pro reo von Kosten und Strafe frei. In feiner Begründung betonte der Vorsitzende, daß sich der Unfall so blitzartig zugetragen habe, daß die vernommenen Zeugen kaum hätten folgen können. Der Vertreter der Anklage hatte eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten beantragt und dem Gericht die Umwandlung in eine Geldstrafe anheimgestellt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben die Hoye Der zuletzt veichloNenen Dividende an — Relchsbankdiskoni 4 o H Lvmbardzinsfuß 5 v H. Sranfiun u. 2)1 Berlin Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß« kurs Echlußt. Abend« bsrse Schluß« für« Schlußk Mittag» bflrft Schluß» kurs Schluß!. Abend- börsc Schluß« kurs Schlußk. Mittag« bSrie Schlußkurs Schlußk. Abend« börse Schluß« iure Schlußk. Minag- börje Datum | 23-4. 24-4- 23.4- 24-4. Datum 23-4. 24-4. 23-4. 24-4. Datum 23-4. 24.4. 23.4. 24-4. t% Deutsche Reichsanlethe o 1927 «% el)em.7% Dl. ReichSanl. v. 1929 6¥t% Doung.Anleibe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mit Auslos.-Rechten Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... «% e6em.8% Hess. Voltsstaat 1929 (rückzahlb. 102%) 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12 6VX% Hess LandeS-Hypotheken- bank Darmstadt Lioui Oberhessen Provinz-Anleihe mit Ausivs.-Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Aank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 t% ehem 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 ehem. 4Vi% Franks Hvp.- Bank-Ltou.-Pfandbriese »yt% ehem *yt% Rheinische Hyp.-Bank-Ltgu.-Goldpfe 6% ehem. 8% Pr LandeSpfand« brtefanstalt, Pfandbriese R 19 •% ehem. 7% Pr. LandeSpfand- brtesanstall, Pfandbriefe R. 10 BteuerquMrb B errechn unaskurS 4% Oetterrelchtschr Goldcente. 4,20% Oesterreichtschs SUberrente 4% Ungarische Goldrente . ... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4y,% desgl. von 1913 ...... 6% abgett. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanlethe von 1911 tz^Türkijche Bagdaübahn-Anleihe •r* 1..................... 95,75 99,9 92,75 95,13 19 93,25 91,5 90,5 94,5 94,25 91,75 91,65 90,13 92 94,25 94 97,9 22 1-15 7,75 7,4 7J 6,65 6,75 95,5 99,9 92,65 95,13 19,65 91,5 90,5 94,13 91,75 91,5 90 91,65 94 94 97,9 22 1,15 7,75 7,4 7,7 8,2 6,65 CO CO CO —»CO CO —*hO co 4^ 4* hO OD Cn COCO • --J- - - CO Ul 1 1 O>- Ul- -A- -CO to 1 | | | 1 | | -4 CO— CO- - 1 1 Ul Ul CO Ul Ul co 4^ m Illi Ul 1 1 1 CJ1 Ul OJ GO CO CO 95,9 100 93 95,1 19,25 93,25 91,75 94,5 94,25 94 97,9 22,3 7,9 8,3 6,7 4% desgl. Serie II 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente 2%% Anatolier ..... Vamvurg-Amertla-Pakel o Hamburg-Südam. Dampfschiff o Hansa-Dampsschiff .. o Norddeutscher Lloyd ...... 0 A.G. für Verkebrswesen Akt. . 0 Berliner Handelsgesellschaft 4 Commerz, und Privat-Bank . 0 Deutsche Bank und Disconio- Gesellschaft............... o Dresdner Bant..............o ReichSbank ..... 12 A.E.S...................... Bekula.................... o E'ektr. LiefernngSgeleMchaft... 6 Licht und Kraft g Felten L Guilleaume 0 Gelellsch.s.Elektr.Unlernehmung. 6 Rheinische Elektrizität ....... 6 Schuckert S Co.............5 Siemens L Halske............7 öahmevn L Lo. ...... ,o Buberu» .......... 0 Deutsche Erdöl ..............4 Gelsenkirchener..............O Harpener ................O Voesch Eisen—Köln«Reuessea .. 0 Ilse Bergbau 6 Ilse Bergbau Genüsse........6 Klocknerwerke ...............O Maonrömann-Röbeev........ O 6,75 4,25 7,2 3,9 29,45 30,25 64,25 85,25 46 57,5 60 147 26,25 127,5 98 104,5 55,75 95,25 99,5 135 115,5 71,13 110,75 61 89 136 111,25 60,5 64 4,3 7,2 3,9 29,4 26,13 29,75 65,5 85,25 46,5 57 60,25 147 25,13 127,25 98 104 54,5 95,5 99 134,5 115 71,75 111 62 89 137 112 61 64 4,25 7,25 3,9 29,4 26,75 23,5 30 64 85,75 46 57,5 60 147,25 25,75 127,5 98,25 104,75 56,25 95,75 92 99,5 135,5 116 71 110,75 61,5 89,25 70,9 136 111,5 60,5 64 7,05 3,9 29,4 26 29,5 66 85,75 46,5 57 60,25 147,13 25,13 127,5 98 105 54,13 95,5 99 134,25 116,75 70,75 110,9 62,13 89 70,75 137,25 111 61,13 64 iXanefdDei Bergbau......... 0 Koköwerke 0 Phönix Bergbau ........... O Rheinische Braunkohlen ..... 10 Rheinstahl O Bereinigte Stahlwerke........O Ltavi Minen 0 Kaliwerke Ascbersleben........ 6 Kaliwerke Westeregeln........6 Kaliwerke Salzdetfurth.....7% 3. G. Yarden-Jnoustrte....... 7 Scheideanstalt.......... 9 Goldschmidt ....... 0 Rülgerswerke ........ O Metallgeselllchaft......... 0 Philipp Holzmann...... O Zementwerk Heidelberg ...... O Zementwerk Karlstadt.........O Schultheis Patzenhoser ....... O Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg . .........O Zellstoff Waldhos ............0 Zellstoff Aschaffenburg .......O Dessauer Gas ....... 7 Daimler Motoren ............0 Deutsche Linoleum...........0 Lrennein & Koppel ..........O Leonhard Tietz .............O khade............... .10 Äau mulatoren-FabrS........0 Lonti-Gummi ............. O Grttzner.................... O Mainkraftwerke Höchst a.DG... 4 Eüvdeutscher Zucker —I 71,75 48 209,5 91 42 14,4 107 108 138,25 183 61 54,25 80,75 67,5 100,5 112,5 63,75 67 49 45 55,5 18,65 164,25 175,25 139,5 24 73,5 167,5 71,13 49 209,5 90,75 42 14,25 104,5 107 138 182 60,25 54,25 80 68 100,5 112,5 62,5 66,5 48,25 42 47 55,5 19,25 163 138,75 ü 168 71,5 93,25 48,5 210 90,9 41,65 14,4 107 107 141 138 60,75 54,13 80 s 103 63,9 67,5 49 120,25 45 65 55,25 65 18,65 164,25 176 139,75 24,5 168 70,75 93,65 ,9,25 210 90,5 41,9 14,25 104,5 105,75 138 60 53,9 80 103,75 63,5 66,13 48,25 42 120,5 47 55,5 54,25 19 163 173,5 138,75 3 168,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M Banknoten. 23. April 24-Apr' Amtliche Notierung Amtliche Jloherum. (SVlfr Brie Geld Br>e Helftngfvr».. 5,649 5,661 5,639 5,651 Wien....... 47,20 47,30 47-20 47-20 Prag....... 10,38 10,40 10,38 10,40 BudaveA ... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 169,53 169,87 169,43 169,77 ÖSlo....... 64,24 64,36 64,14 64,26 Kopenhagen. 57,09 57,21 56,99 57,11 Stockholm .. 65,93 66,07 65,83 65,97 London ..... 12,785 12,815 12,765 12,795 Buenos Aires 0,608 0,612 0,603 0,607 Neu York .. 2,487 2,491 2,481 2,485 Brüssel..... 58-49 58,61 58,54 58,66 Flalien..... 21,27 21,31 21,27 21,31 Paris ...... 16,50 80,99 16,54 16,50 16,54 Schweiz .... Spanien.... 81,15 80,97 81,13 34,22 34,28 34,23 34,29 Danzig..... 81,57 81,73 81,57 81,73 Japan...... 0,754 0,214 0,756 0,754 0,756 Rio de Ian. . 0,216 0,214 0,216 Jugoslawien. 5,664 5,676 5,664 5,676 Lüiabo» .... 11,65 11,67 11,63 11,65 Berlin, 24.April Geld Brief Amerikanische Noleu.............. 2,433 2,453 Belgische Noten.................. 58,38 58,62 Dänische Noten ................. 56,84 57,06 Englische Noten ................. 12,72 12,78 16,46 169,01 Italienische Noten................ 21,20 21,28 Norwegische Noten .............. 63,97 64,23 Deutsch Oesterreich, 1 1OO Schilling Rumänische Noten............... — Schwedische Noten............... 65,67 65,93 Schweizer Noten................. 81,11 Spanische Noten................. Ungarische Note» ............. Das Recht im täglichen Leben. Einiges aus dem ehelichen Güterrecht. Von Rechtsanwalt Dr. W. Wämser, Gießen. Gerade auf dem Gebiete des ehelichen Güterrechts herrschen im breiten Publikum noch erhebliche Unklarheiten, so daß es angebracht erscheint, wesentliche Gesichtspunkte aus dem ehelichen Güter- 'recht vorzutragen. Die bekanntesten Typen einer güterrechtlichen Regelung stellen die allgemeine Gütergemeinschaft, die Errungenschaftsgemeinschaft, sowie die Gütertrennung dar. Ist keine güterrechtliche Regelung getroffen, so gilt der Güterstand der Verwaltungsgemeinschaft. Hiernach verbleibt jedem Ehegatten das ihm gehörige Vermögen zu Eigentum; nur der Ertrag des Vermögens und der Arbeit beider Ehegatten wird zur Bestreitung der ehelichen Lasten verwandt. Zu diesem Zwecke wird das Vermögen der Ehefrau dem Ehemann zur Verwaltung übertragen, mit der Maßgabe, daß der Ertrag des Vermögens alleiniges Eigentum des Ehemannes wird und dieser andererseits verpflichtet ist, die ehelichen Lasten zu tragen. Das Vermögen der Frau, das sie in die Ehe mitbringt, und das später erworbene, heißt eingebrachtes Gut und wird als solches der Verwaltung und Nutznießung des Mannes unterworfen. Ausgenommen ist das sog. Vorbehaltsgut. Vorbehaltsgut sind die ausschließlich zum persönlichen Gebrauch der Frau bestimmten Sachen, der Arbeitsdienst der Frau und das Gut, das durch Ehevertrag für Vorbehaltsgut erklärt ist, ferner was die Frau durch Erbfolge, durch Vermächtnis, oder als Pflichtteil erwirbt, oder was ihr unter Lebenden von einem Dritten unentgeltlich zugewendet wird, wenn der Erblasser durch letztwillige Verfügung, der Dritte bei der Zuwendung bestimmt hat, daß der Erwerb Dorbehaltsgut sein soll, lieber das Vorbehaltsgut kann die Frau frei verfügen. Der Mann kann im Allgemeinen über das eingebrachte Gut der Frau ohne Zustimmung der Frau nicht verfügen; ein Verfügungsrecht ohne Zustimmung der Frau ist ihm lediglich z. B. über Geld der Frau eingeräumt. Die Frau bedarf zur Verfügung über eingebrachtes Gut der Einwilligung des Mannes; sie kann sich zwar zu Leistungen bezgl. des eingebrachten Gutes verpflichten; geschieht diese Verpflichtung aber ohne Zustimmung des Mannes, so erzeugt sie grundsätzlich keine Rechtswirkungen in Ansehung des eingebrachten Gutes. Auch einen Rechtsstreit kann die Frau ohne Zustimmung des Mannes mit Wirkung gegen das eingebrachte Gut nicht führen. Eine Zwangsvollstreckung in das eingebrachte Gut der Frau aus einer Schuld der Frau ist daher nur dann möglich, wenn gleichzeitig der Mann zur Duldung der Zwangsvollstreckung in das eingebrachte Gut mit verurteilt wird. Diese Zwangsvollstreckung zu dulden, ist der Mann aber nur dann verpflichtet, wenn er zu dem Schuldgeschäft der Frau seine Zustimmung gegeben hat. Die Gläubiger des Mannes können keine Befriedigung aus dem eingebrachten Gut der Frau verlangen. Bei Gütertrennung wird das Derwaltungs- und Nutznießungsrecht des Mannes ausgeschlossen. Die Gütertrennung hat die Wirkung, daß die Ehefrau Herrin ihres Vermögens bleibt. Sie kann grundsätzlich ohne Zustimmung des Mannes über das Vermögen verfügen, sie bedarf weder zur Eingehung einer Verbindlichkeit, noch zur Führung eines Rechtsstreites der Zustimmung des Mannes. Eintragung der Gütertrennung in das Güterrechtsregister des zuständigen Amtsgerichts ist notwendig. Zu beachten ist hierbei, daß die beiderseitigen Vermögen bei einem Gütertrennungsvertrag getrennt und genau ausgezeichnet werden. Ein Ehevertrag muß bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Teile vor Gericht, ober vor einem Notar geschlossen werden. Arn bekanntesten ist der Güterstand der allgemeinen Gütergemeinschaft und der Errungenschaftsgemeinschaft. Dabei sind selbstverständlich Ehegatten berechtigt, Bestimmungen abweichend von den Normalbestimmungen des Gesetzes zu treffen, soweit sie nur mit dem Wesen des betreffenden Güterstandes in Einklang zu bringen sind. Bei der allgemeinen Gütergemeinschaft wird das beiderseitige Vermögen der Ehegatten vor Eingehung der Ehe und auch das später erworbene Vermögen ohne weiteres Gesamtgut. Ausgeschlossen davon ist lediglich Vorbehaltsgut. Der Ehemann ist berechtigt, die Gesamtgutsgegenstände in Besitz zu nehmen und überhaupt das Gesamtgut zu Dermalen. Der eheliche Aufwand ist aus dem Gesamtgut zu bestreiten. Der Ehemann kann aber nicht durch seine Verwaltungshandlungen die Frau persönlich verpflichten. Der Ehemann kann auch nicht ohne Einwilligung der Frau über das Gesamtgut im Ganzen und auch nicht über ein zum Gesamt- gut gehörendes Grundstück verfügen. Die Gläubiger des Mannes können Befriedigung aus dem Gesamtgut verlangen, d. h., auch das Vermögen der Frau, das durch den Ehevertrag Gesamtgut geworden ist, haftet für die persönlichen Schulden des Mannes. Für die Schulden der. Frau haftet das Gesamtgut in erster Linie nur dann, wenn der Mann seine Zustimmung zu dem Rechtsgeschäft der Frau erteilt hat. In diesem Falle haftet der Mann sogar dem Dritten gegenüber auch persönlich. Bei der Errungenschaftsgemeinschaft enthält das Gesetz diese Bestimmung ebenfalls. Auch das Er- rungfchaftsoermögen haftet demnach für die Schulden des Mannes. Zum Errungenfchaftsgut (Gesamt- gut) gehört, was Mann und Frau während der Errungenschaftsgemeinschaft erwerben. Es gehört also nicht dazu das eingebrachte Gut eines der Ehegatten, das ihm beim Eintritt der Errungenschaft^ gemeinschaft gehört, oder das er z. D. von todes- wegen oder mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht durch Schenkung oder als Ausstattung erwirbt. Das Gesetz enthält die Bestimmung, daß der Gläubiger des Mannes sich an bewegliche Sachen, die sich im Besitze eines der Ehegatten oder beider Ehegatten befinden, halten kann, es fei denn, daß die Frau den einwandfreien Beweis ihres Eigentums erbringt Es wird sich daher dringend empfehlen, daß die Ehegatten bei Eingehung der Ehe und evtl. Abschluß eines Ehevertrages ihre beiderseitigen Vermögensgegenstände genau aufzeichnen. Oie Haftung her Erben Verstirbt ein Schuldner, so taucht oft die Frage auf: Was kann man nun noch unternehmen, um zu seinem Gelde zu kommen? Die Haftung der Erben hängt in erster Linie da> von ab, ob die Erben die Erbschaft angenommen haben. Die Annahme der Erbschaft braucht nicht ausdrücklich erklärt zu werden. Vielmehr gilt die Erbschaft schon angenommen, wenn der Erbe nicht innerhalb sechs Wochen, von Kenntnis des Erbschaftsanfalls und feiner Berufung als Erbe gerechnet. die Erbschaft ausgeschlagen hat. Im Falle einer letztwilligen Verfügung beginnt jedoch ifach § 1944 BGB. die Frist erst mit der Verkündigung der Verfügung. Bis zur Annahme der Erbschaft hat das Nachlaßgericht die Erbschaft von Amts wegen zu sichern, soweix dies erforderlich ist. Wenn die Erben die Erbschaft angenommen haben, so haften sie grundsätzlich unbeschränkt. Verweigern die Erben die Zahlung, so kann sie der Gläubiger verklagen. Hierzu benötigt man einen sog. Erbschein. Ist bereits gegen den Schuldner eine Klage erhoben gewesen und dieser während des Prozesses verstorben, so ist das Verfahren unterbrochen, bis es durch die Rechtsnachfolger des Schuldners aufgenommen wird. Vor der Annahme der Erbschaft sind die Erben nicht verpflichtet, das Prozeßverfahren aufzunehmen. Wird seitens der Erben die Ausnahme des Prozesses verzögert, so können sie zur Aufnahme und zur Verhandlung des Prozesses geladen werden. Will ein Gerichtsvollzieher bei einem Schuldner die Pfändung vornehmen, und muß er feststellen, daß der Schuldner inzwischen verstorben ist, so darf nicht mehr vollstreckt werden; denn derjenige, gegen den er vollstrecken soll, existiert im rechtlichen Sinne nicht mehr. Der Gläubiger braucht dann nur beim zuständigen Gericht zu Eine wichtige des Lanhes-6 Don Karlheinz ‘ Die Höchstgrenze für Erbhöfe ist gesetzlich auf 125 Hektar feftgelegt. In einem besonderen Zu- lassungsoerfahren können von dem Reichsernährungsminister Ausnahmen von dieser Höchstgrenze gewährt werden, so daß auch für den größeren Grundbesitz die Möglichkeit der Erlangung der Erbhofeigenschaft gegeben ist. Natürlich müssen auch hier, von der Größe abgesehen, die sonstigen Erfordernisse vorliegen. Vor allen Dingen muß also )as betreffende Grundstück einer bauernfähigen Person gehören, und diese Person muß grundsätzlich auch Alleineigentümer des Grundstücks sein. Nach ausdrücklicher Bestimmung des Gesetzes liegt dem Anerbengericht die Prüfung des Vorhandeneins dieser sonstigen Voraussetzungen ob. Sind diese Voraussetzungen nach Ansicht des Anerbengerichtes gegeben, so hat es den Antrag über den Kreis- und den Landesbauernführer an den Reichsernährungsminister weiterzuleiten, dem die Entscheidung über die endgültige Zulassung zusteht. Das Gesetz hat also eine ganz klare Trennung vorgenommen zwischen der Zuständigkeit des Gerichtes, das die Rechtsfrage der Erfüllung der Voraussetzungen zu prüfen hat, und zwischen Reichsnährstand und Reichsernährungsminister, welche die Entscheidung über die Zweckmäßigkeitsfrage der Zulassung vorbereiten bzw. fällen. Das Preußische Landeserbhofgericht in Celle hatte sich nun neuerdings mit der Beschwerde auf den Beschluß eines Anerbengerichts zu beschäftigen, welches in Verkennung seiner Zuständigkeiten die Weiterleitung eines Antrages auf Zulassung mit der Begründung abgelehnt hat, daß die Zulassung des Gutes als Erbhof mit Rücksicht auf die hohe Verschuldung den Zwecken des Reichserbhofgesetzes und der bevorstehenden, mit ihm in innerer Verbindung stehenden Entschuldungsgesetzgebung widerstreite. Das Landeserbhofgericht hat klar zum Ausdruck gebracht, daß das Anerbengericht sich mit dieser Frage überhaupt nicht zu befassen hatte. Die Entscheidung über die Zweckmäßigkeitsfrage der Zulasjung und demzufolge auch die Würdigung der für und gegen die Zulassung bestehenden Gründe fei vielmehr durch das Gesetz allein dem Reichs- ernährungsminister Vorbehalten. Wenn in dem betreffenden Falle also die übrigen Erbhofvoraus- Me Beschränkung Don Arthur 3 Das enge Zusammenwohnen in den Städten hatte im Laufe der Zeit den Gesetzgeber veranlaßt, einen ziemlich weitgehenden gesetzlichen Schutz des Nachbarn herauszubilden, der« im Nachbarrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches feinen Niederschlag fand. Das Nachbarrecht schützte nicht in allen Fällen nur den einzelnen, sondern auch ganze Gruppen; es ließ jedoch den Anteil der Gesamtheit etwas in den Hintergrund treten. Die neue Staatsführung sah die alte, allzu starre Rechtsauffassung im Nachbarrecht mit dem Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" im Widerstreit liegen und schränkte die Nachbarrechte gegenüber Betrieben ein, die für die Volksertüchtigung von besonderer Bedeutung sind. Da es sich hier um die Schaffung neuen Rechtes handelt, herrscht über seinen Zweck und seine Tragweite in vielen Kreisen noch große Unklarheit. Das Anwendungsgebiet des neuen Gesetzes umfaßt vornehmlich den Wohnraum der Gemeinden und hier wiederum in erster Linie die Vororte. In jeder Stadt, auch in den mittelgroßen Gemeinden, find Wohngebiete entstanden, deren Bewohner bemüht find, den großen Verkehr und unnötigen Stadtlärm von sich fernzuhalten. Das neue Gesetz will nun nicht etwa die Errichtung von gewerblichen größeren Betrieben in diesen entlärmten Stadtteilen begünstigen; zu beachten bleibt, daß sich die Beschränkung der Nachbarrechte nur auf Betriebe bezieht, die der Dolksertüchtigung dienen. Also z. B. Sportplätze, studentische Gemeinschafts- Häuser, Schießplätze usw. Auch diese Einrichtungen können selbstverständlich große Unruhe mit sich bringen. Nach der bisherigen Gesetzeslage hätte der Eigentümer des Nachbargrundstücks — der Begriff Nachbar läßt sich weit ausdehnen — die Möglichst gehabt, vor Dem Gericht eine Klage auf Unterlassung des störenden Betriebes zu erheben; die Nachbarn hätten verlangen können, daß Anlagen hergestellt werden, die nachteilige Einwirkungen des Betriebes auf die Grundstücke befeiti gen oder vermindern, sogar eine Klage auf Entschädigung wegen Wertverminderung der Grundstücke wäre möglich gewesen. Der Richter mußte sich bei der beantragen, daß die Vollstreckungsklausel auf die Erben umgeschrieben wird. Hierzu benötigt der Gläubiger ebenfalls einen Erbschein. Nach Ertei- (una der Vollstreckungsklausel muß das Urteil den Erben zugestellt werden. Alsdann kann der Gläubiger bei den Erben vollstrecken. Hat dagegen die Zwangsvollstreckung noch bei Lebzeiten des Schuldners begonnen, so wird sie in den Nachlaß fortgesetzt, als wenn der Schuldner noch leben würde. . Aber auch der Erbe hat eine Möglichkeit, seine unbeschränkte Haftung durch bestimmte Maßnahmen zu beschränken. Dies ist der Fall, wenn über den Nachlaß die Nachlaßverwaltung angeordnet oder der Nachlaßkonkurs eröffnet wird. Der Erbe ist verpflichtet, sobald er von der lieber schuldung des Nachlasses Kenntnis erlangt, die Eröffnung des Nachlaßkonkurses zu beantragen, andernfalls er für den daraus entstandenen Schaden den Gläubigern haftet. Der Erbe verliert jedoch das Recht der beschränkten Haftung, wenn er nicht innerhalb der ihm vom Gericht gestellten Frist ein Inventar über den Nachlaß errichtet. Eine weitere Haftbeschränkung für den Erben ist die, daß die Nachlaßgläubiger durch Aufgebotsver- fahren aufgefordert werden, ihre Forderungen zur Anmeldung zu bringen, damit die Erben überhaupt einmal über den Stand des Nachlasses sich unterrichten können, um schlüssig zu werden, ob sie von den Mitteln der Haftbeschränkung Gebrauch machen ober sogar die Erbschaft ausschlagen müssen. Entscheidung / / m r / / , fnedrich, Berlin. setzungen gegeben gewesen wären, so hätte keinesfalls die Weiterleitung des Antrages abgelehnt werden dürfen. Nun aber war in diesem Falle das Vorhandensein dieser weiteren Voraussetzungen insofern zweifelhaft, als das Grundstück nicht Im Alleineigentum stand, sondern einem Ehepaar in ehelicher Gütergemeinschaft gemeinsam gehörte und schon am 1. Oktober 1933, dem Tage des Inkrafttretens des Reichserbhofgesetzes, gehört hatte. Dieser Umstand hat dem Landeserbhofgericht Veranlassung zur Prüfung der weiteren Frage gegeben, ob der Weiterleitung eines Zulassungsantrages die Tatsache entgegensteht, dah der Hof zum Gesamtgut einer ehelichen Gütergemeinschaft gehört. Das Erbhofgericht hat die Frage dahin beantwortet, daß eine Weiterleitung trotzdem geboten sei. Diese Stellungnahme hat das Landeserbhof- gericht mit der burdh § 56 des Reichserbhofgesetzes gebotenen analogen Anwendung des § 62 der Ersten Durchführungsverordnung begründet. Diese Ausnahmevorschrift hat allerdings einen Wortlaut erhalten, nach dem man annehmen könnte, daß sie sich nur auf diejenigen Fälle beziehe, in denen im übrigen alle Voraussetzungen für das Bestehen eines Erbhofes vorliegen. Das Landeserbhofgericht lehnt jedoch eine allzu wörtliche Anwendung der Ausnahmevorfchrift mit der Begründung ab, daß durch sie in der Uebergangszeit für Fälle güterge» meinschaftlichen Eigentums das in § 17 des Reichs- erbhofgefetzes grundsätzlich aufgestellte Erfordernis des Alleineigentums für die Entstehung der Erbhofeigenschaft als aufgehoben angesehen werden muß. Somit kommt das Landeserbhofgericht zu dem Schluß, daß die Tatsache, daß ein über 125 Hektar großes Landgut nicht allein einer Person, sondern zwei Ehegatten kraft ehelicher Gütergemeinschaft gemeinsam gehört, der Zulassung als Erbhof durch den Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft nicht entgegensteht. Infolgedessen muß ein entsprechender Antrag auch von dem Anerbengericht weitergeleitet werden, damit der Reichsernährungsminister inftandgesetzt wird, seine Zweckmäßigkeitsentscheidung über die Zulassung oder Nichtzulassung zu fällen. des Aachbarrechls. Entscheidung an bindende Vorschriften halten, auch wenn er lieber dem Nutzen der Gesamtheit, den die Entscheidung vielleicht zurückstellen mußte, den Vorrang gegeben hätte. Nach dem neuen Gesetz liegt die grundsätzliche Entscheidung beim Reichsminister des Innern. Er kann Einrichtungen, die der Volksertüchtigung dienen, seine Genehmigung erteilen. Gegenüber solchen genehmigten Betrieben läßt sich nicht auf Unterlassung oder Aenderung des Betriebes klagen; es fällt auch jede Entschädigungsklage weg. Dagegen bleiben, was nicht übersehen werden darf, die Ansprüche, die auf besonderen privatrechtlichen Titeln ober auf unerlaubter Hand I u n g beruhen, bestehen. Hat also z. B. der Grundstückseigentümer vertraglichen Anspruch darauf, daß auf einem Nachbargrundstück keine geräuschvolle Anlage betrieben wird, so kann er diesen Anspruch im Klagewege vertreten. Die Wahrung des Nachbarrechts liegt hauptsächlich im Ermessen des Reichsministers des Innern. Vor der Genehmigung wird selbstverständlich die Sachlage genau geprüft und die Genehmigung versagt, wenn die Einwirkungen des Betriebes auf ein Nachbargrundstück so groß sind, daß dem Nachbarn billigerweise nicht zugemutet werden kann, sie zu dulden. Der Reichsminister kann die Genehmigung auch von Entschädigungen abhängig machen' und im Wege der Auflage den genehmigten Betrieb zwingen, erforderliche Schutz- und Sicherheitseinrichtungen zu schaffen und zu unterhalten. Bleibt auch der Rechtsweg ausgeschlossen und wird der Nachbarschutz zu einem Verwaltungsakt, so besteht doch feste Sicherung hauptsächlich in der Widerruflichkeit der Genehmigung. Wird die Genehmigung zurückgezogen, dann fällt auch die Einschränkung der nachbarrechtlichen Ansprüche weg, und der Rechtsweg steht wieder offen. Mit großer Sicherheit ist anzunehmen, daß die Genehmigung nicht unbesehen allen solchen Betrieben erteilt wird. Nur solche Anlagen, die nach Art und Umfang eine besondere Bedeutung für die Dolksertüchtigung haben, werden in den Genuß der Sondervor- schriften des Gesetzes gelangen und aus den allgemeinen nachbarrechtlichen Vorschriften yerausge- hoben werden. Mit der Einschränkung des Rechtsweges wird also das bisherige Recht des Nachbarn keineswegs völlig aufgehoben. Er kann es in entsprechender Form und ohne Gerichtskosten durch schriftlich be- gründete Einsprüche wahren, Entschädigungen her- beiführen und die zuständigen Instanzen von der Notwendigkeit bestimmter Auflagen überzeugen. Es läßt sich wohl denken, daß in manchen Städten die ruhigen Stadtteile etwas unruhiger werden, denn es werden in Zukunft noch viele Einrichtungen zur Volksertüchtigung entstehen, zumal der Begriff Volksertüchtigung heute viel weitergefaßt ist als früher, aber beträchtliche Grundstücksentwertungen werden kaum entstehen. Die Staatsführung wollte sich mit dem neuen Gesetz davor schützen, daß bei einem Zusammenstoß von Einzelwerten mit Nutzwerten der Gesamtheit die Entscheidung nicht zu Ergebnissen führt, die mit dem Gedankengut der nationalsozialistischen Volksbewegung und damit der Führung nicht in Einklang zu bringen wären. Oer Wegfall her Lanhes- zugehörigkeii im Recht Bekanntlich ist durch die Verordnung des Reichsinnenministers vom 5. Februar 1934 mit Wirkung vom 7. Februar 1934 die Staatsangehörigkeit in den deutschen Ländern fortgefallen, so daß es von diesem Tage an nur noch eine deutsche Staatsangehörigkeit, nämlich die Reichsangehörigkeit, gibt. In zahlreichen Gesetzen war bisher die Staatsangehörigkeit zu einem Einzelstaat in Zuständig- keitsfragen maßgebend und rechtserheblich. Ab 7. Februar 1934 ist der § 4 der obigen Verordnung maßgebend, der bestimmt, daß, soweit es nach geltenden Gesetzen rechtserheblich war, welche deutsche La n d e s angehörigkeit ein Reichsangehöriger besaß, fortan nur maßgebend ist, in welchem Lande der Reichsangehörige feine Niederlassung hat. Hat ein Deutscher im Reichsgebiet keine Niederlassung (in der Regel Wohnsitz), so ist für die Zuständigkeit maßgebend der Reihe nach: 1. die bisherige Landeszugehörigkeit, z. B. die preußische, hessische ober thüringische; 2. die letzte Niederlassung im Inland; 3. die bisherige Landesangehörigkeit der Vorfahren, bei außer der Ehe Erzeugten demnach die der Vorfahren mütterlicherseits; 4. die letzte Niederlassung der Vorfahren im In- lande. Im Rechtswesen kommen die neuen Vorschriften vor allem zur Anwendung bei Anträgen auf Aenderung des Familiennamens, bei Gesuchen um Befreiung von den Ehehindernissen des Ehebruchs und der Wartezeit, bei Ehelichkeitserklärungen von Kindern durch ihren Erzeuger und bei Dispensgesuchen gelegentlich der Annahme an Kindes Statt. Maßgebend für derartige Anträge und Gesuche ist der Zeitpunkt der Entscheidung. Die Gerichte usw. haben dementsprechend ihre Zuständigkeit nach Maßgabe der obigen Verordnung vom 5. Februar 1934 zu prüfen, d. h. ob der Antragsteller die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und ob er in dem Lande feine Niederlassung hat, für das die angegangene Behörde zuständig ist. Unpfanh6orfeit von Radioapparaten. Die Beschränkungen der Pfändungen nach § 811 der Zivilprozeßordnung haben ihren gesetzlichen Grund sowohl in der Sicherung des häuslichen Zusammenlebens des Schuldners, als auch in Notwendigkeiten, die das öffentliche Interesse erfordert, ba der einzelne in ber Gemeinschaft eine unter- georbnete Rolle spielt. Für die Beurteilung, ob ein Gegenstand nach § 811 Ziffer 1 ber ZPO. un- pfänbbar ist, kann nicht allein ber wirtschaftliche Bebarf, ober die wirtschaftliche Unentbehrlichkeit maßgebend fein. Vielmehr gilt ber Vollstreckungsschutz auch in Fällen bes geistigen ober allgemeinen staatspolitischen Bebarfes. Allgemeine Richtlinien können allerdings nicht aufgestellt werben. Die tatsächlichen Verhältnisse sinb je nach Lage bes Falles entscheidend. Die Frage, ob ein Radioapparat unpfänbbar ist, war in früheren Zeiten zu verneinen. Nach ber Umgestaltung ber politischen Verhältnisse durch ben Nationalsozialismus hat sich die Beurteilung gründ- legenb geändert. Die rasche Entwicklung bes neuen Staates auf ber Grundlage ber nationalsozialistischen Bewegung unb bas Ziel ber Regierung, jeben deutschen Volksgenossen zu überzeugen, und zu einem tätigen Mitkämpfer zu erziehen, stellt die Frage in ein besonderes Licht, ob ein Rundfunkempfänger zum häuslichen Bedarf des Schuldners gehört und zur Erhaltung eines angemessenen Hausstandes unentbehrlich ist. Zum Bedarf und zur Unentbehrlichkeit waren schon früher nicht nur Gegenstände wie Bett, Stuhl und Schrank zu rechnen. Auch Gegenstände des geistigen Bedarfs, wie z. B. Bücher (wissenschaftliche Werke, die Bibel), gehörten dazu. Es ist daher nicht, wie man einwenden könnte, erst ein neues Gesetz über die Pfändbarkeit ober Unpfänbbarkeit eines Radiogerätes notwendig. Dieser Gegenstand ist heute ein Stück h^s geistigen Bedarfs jedes deutschen Volksgenossen, ohne Unterschied von Rang und Stand, und ist zur Erhaltung eines angemessenen Hausstandes unentbehrlich. Im neuen Reich ist in einem angemessenen Hausstand ein Radioapparat nicht zu entbehren. Durch ihn werden die wichtigsten politischen unb volkswirtschaftlichen Meldungen verbreitet. Der Rundfunk ist als Reichsinstitut für die staatsbürgerliche Erziehung und die Erkämpfung der Einheit des deutschen Volkes von höchster Bedeutung. Er ist vor allem das Sprachrohr des Reichsministeriums für Dolksaufkläruna und Propaganda. Das Radio dient heute dem Ziele des Führers, ein großes, einheitliches deutsches Volk zu schaffen. Die Regierung selbst hat den „Volksempfänger" herausgebracht, damit es jedem Deui^chen ermöglicht wird, am Werden und Wachsen des nationalsozialistischen Staates Anteil zu nehmen. Daß hiernach der Radioapparat nicht nur zur Erhaltung eines angemessenen Hausstandes, sondern weitergehend sogar als Hausgerät für den Bedarf des Schuldners unentbehrlich ist, bedarf keiner besonderen Begründung mehr. (Vergleiche Juristische Wochenschrift, 63. Jahrgang, Heft 9, Seite 572, Beschluß bes Landgerichts Frankfurt a.M.).