Ur. 249 Erster Blatt 184- Jahrgang Mittwoch, 24- Oktober 1934 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11086 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStZ-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. 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Die damit verbundenen großen Feierlichkeiten werden von der englischen Regierung auch dazu benutzt, um das enge Verhältnis zwischen dem Mutterland und den Dominions zu betonen. Nicht umsonst hat der König einen seiner Söhne, den Herzog von Gloucester — allerdings nicht auf dem Luftwege —, nach Melbourne gesandt, um dem Jubiläumsfest eine höhere Weihe zu geben. In den Rahmen dieser Festlichkeiten gehört auch der riesenhafte Flugwettbewerb, der den Australiern die schützende Nähe der einstigen Heimat (trotz der räumlichen Entfernung von 16 000 Kilometern) ins Bewußtsein zurück- rusen sollte. Das Geburtstagskind, dem diese Ehrung gilt, und das nun gewissermaßen nach einer hundertjährigen Jugendzeit in das Mannesalter eintreten soll, verdankt sein Dasein der Tatsache, daß beide Brüder Hanteyim Jahre 1834 auf der Suche nach einem günstig gelegenen und für die Schafzucht geeigneten Gelände aus der Stelle ein paar notdürftige Hütten errichteten, auf der später unter veränderten Bedingungen eine Millionenstadt ihr gewaltiges Straßennetz ausbreiten konnte. Zwar war Australien schon 1605 von den Holländern entdeckt worden, zwar hatte schon 1770 der Engländer Cook den Kontinent für seinen königlichen Herrn Georg III. mit Beschlag gelegt, aber erst im Anfang des 19. Jahrhunderts begann die eigentliche Erschließung dieser jüngsten Erwerbung ena- lischer Seefahrer. Und sie geschah nicht einmal so sehr freiwillig, als vielmehr unter dem Druck der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, in die ein Großteil der englischen Bevölkerung durch den Uebergang zur Industrialisierung der britischen Insel gezwungen wurde. Die Ausdehnung des Großgrundbesitzes auf Kosten der Kleinfarmer und das ansturmende Ma- fchinenzeitalter, das die Handarbeit überflüssig machte und die ausgebeuteten Volksschichten zu Widerstand und Empörung aufrief, führte zur Mas- ftnauswanderung vor allem der englischen Landbevölkerung und der beschäftigungslos gewordenen Heimarbeiter. Es waren nicht immer freie Auswanderer, die die große Fahrt nach dem Süden wagten, sondern auch viele Tausende von Verbannten, die sich zu Hause kleine Uebergriffe gegenüber dem aufkommenden neuen Wirtschaftssystem erlaubt hatten. Aber die Gesetze halfen den Reichen. Die „Gesetzlosen" wanderten aus. Aus der Enge der Heimat und den menschenunwürdigen Qualen der Ueberfahrt brachten sie einen unbändigen Freiheitsdrang mit sich, der noch heute für die Geisteshaltung des in Australien wohnenden Briten bezeichnend ist. Den Liberalismus, vor dessen furchtbaren Auswirkungen sie aus der alten Heimat geflohen waren, führten sie in das staatliche und private Leben des wiederentdeckten Landes ein. Demgemäß hat die Arbeiterbewegung in Australien stets eine sehr große Rolle gespielt, und es geschieht in diesen Tagen, daß die Straßenbahnschaffner von Melbourne ausgerechnet die Geburtstagsfeier ihrer Stadt zum Anlaß nahmen, um einen Lohnkampf durchzuführen und mit dem Generalstreik zu drohen. Derselbe Selbständigkeitsdrang äußert sich auch in staatspolitischer Hinsicht. Unter dem Gesetz von Ursache und Wirkung geht eine klare Linie der Entwicklung vom Jahre 1834 bis in die Gegenwart hinein, und auch hier nimmt Melbourne als die ehemalige Hauptstadt des ganzen australischen Bundes eine besondere Stellung ein. Mit der Gründung Melbournes begann auch die Entwicklung eines staatlichen Lebens überhaupt. Nach den ersten Auswanderungsstürmen in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts setzte zunächst infolge der Wirtschaftsdepression der Hei- mat eine allgemeine Ebbe ein. Die moderne Völkerwanderung ging in Richtung der kalifornischen G 0 l d f e l d e r, wo man schneller ein reicher Mann zu werden hoffte als in den australischen Siedlungsgebieten, die immerhin die harte und entsagungsreiche Arbeit des Kolonialpioniers erforderten. Das wurde mit einem Schlage anders, als im Jahre 1850 auch in A u st r a l i e n d i e ersten G 0 ldfunde gemacht wurden. Plötzlich und urgewaltig setzte ein neuer Auswanderungsstrom ein, der zuerst mehr zerstörend auf die australische Wirtschaft wirkte, dann aber einen ungeheuren Auftrieb Zur Folge hatte. Melbourne zählte 1850 noch 23 000 Einwohner, im Jahre 1851 waren es 77 000 und 1854 erreichte es die Rekordzahl von 232 000 Einwohnern. Schafzucht und Goldsuche verbreiteten den Wohlstand ziemlich gleichmäßig über das ganze Land, aber die Eigenbrötelei, eine Nebenerscheinung des Selbstständigkeitsdranges der australischen Siedler, verhinderte lange Zeit eine einheitliche Zusammenfassung der verschiedenen neugegründeten Staatswesen. Erst 1860 hatten alle Staaten mit Ausnahme West-Australiens eine eigene Regierung und erst 1901 wurde die „Commonwealth 0 f A u st r a- l i a" gegründet. Ihr gehören folgende Staaten an: Victoria mit der Hauptstadt Melbourne. Neusüd- Wales mit Sidney, Queensland (Brisbane), Süd- australien (Adelaide), Westaustralien (Perth), Tasmanien und das Nordterritorium. Der Zusammen- bang ist noch heute sehr lose, wenn auch der Weltkrieg das Bewußtsein einer einheitlichen Ngtion gestärkt hat. Noch immer werden Kämpfe um die 3n weniger als drei Tagen um die halbe Wett. Das grandiose Lustrennen England-Australien. Triumph der Technik: die Kontinente rücken zusammen. Holländer und Amerikaner aus dem zweiten und dritten platz. London, 24. Okt. (DNB.-Funkspruch.) Die holländischen Flieger Parmentier und Moll sind um 1.52 Uhr (MEZ.) in Melbourne gelandet. Die Flieger waren in Albury (Neusüdwales) um 0.55 Uhr MEZ. gestartet. Aus Albury wird berichtet, daß die Einwohner der Stadt um 22.30 Uhr noch fieberhaft arbeiteten, um die in dem regendurchtränkten Boden tiefeingesunkene Maschine auszugraben. Parmentiex sagte in einem Rundfunkbericht, das Flugzeug habe zweimal versucht, aus einem Gewitter st urm herauszukommen und diesen zu umfliegen. Es sei aber durch Blitz, Regen und Hagel zur Umkehr gezwungen worden. Die Tragflächen des Flugzeuges seien mit einer Eisschicht bedeckt gewesen. Das amerikanische Flugzeug unter der Führung von Turner und P a n g b 0 r n ist um 4.36 Uhr MEZ. in Melbourne gelandet. Die beiden Amerikaner haben also im Luftrennen den dritten Platz belegt. Der Stand am Mittwochmorgen Mit dem Eintreffen der ersten drei Flugzeuge in Melbourne ist der Stand des L u f t r e n - nens England—Australien in den frühen Morgenstunden des Mittwoch folgender: drei Maschinen, eine englische, eine holländische und eine amerikanische haben das Ziel erreicht. Eine englische Maschine ist in Italien verunglückt, wobei die zwei Flieger das Leben eingebüht haben. Sechs Flugzeuge haben aufgegeben, zwei englische, darunter das der M 0 l l i s 0 n s, ein holländisches, eins von Neuguinea, ein australisches und ein amerikanisches. Zehn Maschinen sind, noch im Rennen. Eine britische Maschine überfliegt gegenwärtig die Timorsee. Ein dänisches und zwei britische Flugzeuge sind in Hinterindien unterwegs. Zwei britische Flugzeuge befinden sich in Vorderindien. Bei dem einen ist das Fahrgestell zerbrochen. Eine amerikanische und eine australische Maschine haben Vorderindien erreicht. Als Nachzügler sind noch zwei britische Maschinen zu nennen, von denen die eine in Zypern mit Motorpanne festliegt, während die andere sich mit zerbrochenem Propeller in Tatoi (Griechenland) befindet. Mel in Amsterdam. Die Meldung von der glücklichen Landung des holländischen Verkehrsflugzeuges „Uiver" unter Parmentier und Moll in Melbourne als erster Maschine hinter dem siegreichen „Comet"- Flugzeug der Engländer Scott und Black hat in Amsterdam einen wahren Freudentaumel hervorgerufen. Der holländische Ministerpräsident Dr. C 0 l ij n hat zu dem hervorragenden Abschneiden des holländischen Flugzeugs „Uiver" folgende Erklärung abgegeben: „Obwohl ich von größter Bewunderung für die Leistung der Scott und Black erfüllt bin, glaube ich doch, daß der Flug des „Uiver" für die Entwicklung der Luftfahrt von größerer Bedeutung ist. Die Tatsache, daß ein gewöhnliches Verkehrsflugzeug auf der 2000 Kilometer längeren Strecke trotz einer großen Anzahl notwendiger Landungen zur Aufnahme von Benzin nur einige Stunden hinter einem Rennflugzeug liegt, ist einfach verblüffend." Weshalb sich Frankreich nicht beteiligte. Die hervorragende Leistung der englischen Flieger Scott und Black bei dem Wettfliegen London-Melbourne findet in französischen Luftfahrtkreisen bewundernde Anerkennung. Man bedauert, das Frankreich an dem Luftrennen nicht teilgenommen hat. Der Vorsitzende des französischen Luftfahrtoerbandes, Abgeordneter Lau - rent-Eynac, äußerte, so dringend auch die Erfordernisse der nationalen Verteidigung in der Luft fein mögen, sie dürften doch nicht von solchen Versuchen auf dem Gebiete der Sport- und Handelsfliegerei abhalten. Man dient dem Lande auch, wenn man sein Augenmerk darauf richtet. Luftfahrtminister General D e n a i n begründete das Fernbleiben Frankreichs mit dem „gegenwärtigen Stand der französischen Luftfahrtindustrie". Die technischen Verbesserungen und die Reorganisation, die unter der Leitung des Luftfahrtministeriums vorgenom- men würden, würden aber voraussichtlich ein ehrenvolles Abschneiden Frankreichs bei den großen internationalen Flugveranstaltungen im Jahre 1935 ermöglichen. Die Privatinitiative werde nach dieser Richtung von den amtlichen Stellen jede Förderung erfahren. Begeisterung in England über den britischen Lustsieg. Tiefer Eindruck der holländischen Leistung. - Ueberprüfung der englischen Wettverkehrspolitik gefordert. London. 24. Oft. (DRV. Funkspruch). Der erstaunliche Flug des britischen „(Komet“- Flugzeuges, das in weniger al's drei" Tagen die halbe Welt umkreist hat,wird in der ganzen Worgenpresse mit begreiflicher Freude gefeiert. Die Gröhe der Leistung von Scott und Black wird mit eindrucksvollen Hinweisen und Vergleichen hervorgehoben. Ein Dampfer, der am Freitagabend, 12 Stunden vor dem Start der Flugzeuge, England verlassen hatte, wird erst Ende des nächsten TNonats, am 26. November, Brisbane erreichen. In Bagdad konnte man am Samstagabend schon die Londoner IN 0 r g e n b l ä 11 e t des gleichen Tages lesen, was in verschiedenen Orten Schottlands noch nicht möglich ist. Der Vizekönig von Indien soll in seinem Palast in Delhi am 2N 0 ntag d i e „Times“ vom Samstag gelesen haben, was bestimmt zum ersten Male in feinem Leben geschah. 3m Zusammenhang mit dem tragischen Ende zweier britischer Offiziere in Italien wird darauf hingewiesen, daß sie aus eigenen Mitteln ein altes Flugzeug zu billigem Preise erworben hatten, ein Flugzeug also, das nicht bezeichnend für moderne britische Maschinen war. — Den tiefen Eindruck, den die L e i st u n g des holländischen Flugzeuges in England gemacht hat, gibt „Daily Telegraph“ mit folgenden Worten wieder: Wenn ein Verkehrsflugzeug mit Fluggästen und Luftp 0 ften an Bord beinahe so schnell nach Australien fliegen kann wie eine Rennmaschine, dann ist es Aufgabe der maßgebenden englischen Stellen, dafür zu sorgen, daß wir Verkehrsflugzeuge besitzen, die auch dazu imstande sind. Scott und Black haben als Sportsmänner eine grohe sportliche Leistung vollbracht. Ihnen sei alle verdiente Ehre gegeben. Aber parmentier und Moll flogen ihre Maschine, als ob es sich nicht um viel anderes als eine gewöhnliche Berufsarbeit handelte. Dieses Rennen macht eine lleberprüfung der britischen Politik gegenüber der Zivilluftfahrt auf den Verkehrswegen des britischen Reiches unbedingt notwendig. DieOpferdesLustrennrns England-Australien. Die englischen Australienslieger Gilm an (links) und Baines, die, wie bereits gemeldet, mit ihrem Flugzeug in Unteritalien abstürzten und auf der Stelle getötet wurden. < V ▼ .M'/M Rechten und Pflichten der einzelnen Bundesstaaten gegenüber der Zentralverwaltung geführt. Das Staatenparlament in Canberra, der neugegründeten Bundeshauptstadt ist oft Zeuge dieser Auseinandersetzungen. Besonders hartnäckig sind die W e st a u st r a l i e r, die noch im vorigen Jahre eine Probeabstimmung in ihrem Lande veranstalteten, wobei sich zwei Drittel der Wähler für ein selbständiges Dominion im Rahmen des englischen Imperiums aussprachen. Die Ursache dieses Konfliktes liegt in den wirtschaftlichen Interessen, die der trotz seines Goldreichtums agrarische Westen gegenüber den industriellen Oststaaten ge- sichert haben möchte. Die gegenwärtig in Melbourne stattfindenden Festlichkeiten und die Teilnahme englischer Regierungsvertreter werden sicherlich eine Steigerung des australischen Einheitsbewußtseins herbeiführen und den kleinsten Erdteil für die Aufgaben stärken, die er in der politischen Welt von morgen zu erfüllen haben wird. Diese Aufgaben erstrecken sich ebenso sehr auf die Sicherung des pazifischen Raumes gegenüber den wachsenden Machtansprüchen der Japaner, wie auf die sich aus der Menschenleere des australischen Kontinents (6,8 Millionen Einwohner, 0,9 auf den Quadratkilometer) ergebenden Notwendigkeit, die Grenzen für die von der englischen Regierung mit allen propagandistischen Mitteln geförderte Auswanderung offen zu halten. Oie Reichstagung des deutschen Handwerks. DNB. Berlin, 23. Okt. Die Reichstagung des deutschen Handwerks, die am Sonntag, 28. Oktober, in Braunschweig stattfindet, steht wie im Vorjahr unter dem Zeichen „Deine Hand dem Handwerk!" Reichshandwerksmeister Schmidt machte der Presse Ausführungen über die Bedeutung des Handwerks für die Volkswirtschaft und über die Einzelheiten der Reichstagung. Das Handwerk hat im Jahre 1927 noch einen Umsatz von rund 22 Milliarden RM. gehabt. Bis zum Jahre 1932 ging der Umsatz auf 10 Milliarden R M. zurück. Seit der Machtübernahme durch die nationalsozialistische Regierung hat sich ein erfreulicher Umschwung gezeigt, was daraus hervorgeht, daß der Umsatz im Jahre 1933 bereits a u f 13,5 Milliarden RM. angestiegen ist also eine Zunahme um 35 v. H. aufweist. Zu der Braunschweiger Tagung werden 120 Ehrengäste, die 13 Landeshandwerksmeister, 64 Handwerkskammerpräsidenten erwartet. Aus jedem Treuhänderbezirk werden außerdem je ein Meister, Geselle und Lehrling nach Braunschweig kommen, die mit Rücksicht auf ihre Tätigkeit für die Bewegung und den Staat hierzu auserwählt worden find. Dis Tagung wird eröffnet durch einen Empfang der Ehrengäste im Rathaus. In feierlichem Zug begeben sich die Ehrengäste dann zur Burg Dankwarderode. An der Spitze des Zuges werden der kommissarische Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht, der Stabsleiter der PO., Dr. Ley, und Reichshandwerksmeister Schmidt gehen. In der Burg Dankwarderode wird nach einer Totenehrung die Verpflichtung der Hand- werksmeister erfolgen. Da die ganze Veranstaltung durch Rundfunk übertragen und von sämtlichen 18 000 Innungen in Deutschland geschlossen angehört wird, so wird auf diesem Wege gleichzeitig die Verpflichtung von etwa 100000 Amtswaltern des Reichsstandes des deutschen Handwerks voraenom- men. Auf der Tagung sprechen der kommissarische Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht, der Stabsleiter der PO. Dr. Ley und der Reichshandwerksmeister Schmidt'. In den Jnnungsver- sammlungen im ganzen Reich wird ein Aufruf des Reichshandwerksmeisters verlesen. In den Schulen wird am Samstag in einem halbstündigen Vortrag die Bedeutung und der Wert des Handwerks der Schuljugend klargemacht werden. Am Samstagnachmittag und -abend veranstaltet die DAF. große Kundgebungen des Handwerks, die Meister, Gesellen und Lehrlinge zusammenführen sollen. Der Reichshandwerksmeister gibt folgende An« ordnung bekannt: „Die Sitzung des Reichshandwerkstages am 28. Oktober 1934 wird über alle deutschen Sender übertragen. An den Versammlungen nehmen Meister, Gesellen und Lehrlinge gemeinsam teil. Ich mache es allen NS.- Hago-Mitgliedern sowie der Reichsbetriebsgemeinschaft 18 zur Pflicht, an diesem Gemeinschaftsempfang teilzunehmen. (Gez.) Dr. Robert L e y." Keine Geschästswerbung durch Parteistellen. Eine Anordnung des Stellvertreters des Führers. Berlin, 24. Okt. (DNB.) Der Stellvertre- ter des Führers erläßt folgende Anordnung: Da jede geschäftliche Betätigung dem Wesen und der Zielsetzung der Partei als weltanschauliche Kampfgemeinschaft widerspricht, verbiete ich hiermit allen Gliederungen der Partei, die Beteiligung an Firmen aller Art und die Empfehlung ihrer Erzeugnisse, ganz gleich, ob dafür eine finanzielle Gegenleistung erfolgen soll oder nicht. Die Werbung für Einzelfirmen durch Parteidienststellen ist auch dann untersagt, wenn diese Einzelfirmen ihren Sitz in ausgesprochenen Notstandsgebieten haben. Die Werbung für Einzelfirmen ist allein Sache ihrer Betriebsleitungen. Dagegen kann für ausgesprochene Notstandsgebiete unter Hinweis auf alle in ihnen vorhandenen Geschäftszweige eine Gemeinschaftswerbung nicht nur durch staatliche und andere Stellen, sondern auch durch Parteidienststellen und zwar durch die zuständigen Gauleitungen erfolgen. München, den 20. Oktober 1934. (gez.) R. Heß. Reichsminisler Dr. Göbbels an den Arbeitsdienst. Berlin, 23. Okt. (DNB.) Im Garten des Reichspropagandaministeriums fand eine Kundgebung des Arbeitsdienstgaues IX Berlin-Brandenburg statt. Gauarbeitsführer Bormann begrüßte Dr. Goebbels und bat ihn im Namen des deutschen Arbeitsdienstes, der die Wetterführung des Front- und Kampferlebnisses sei: Sei unser Kamerad! — In seiner Eigenschaft als Oberarbeitsführer gab Dr. Goebbels für den heutigen Taa die Losung aus: „Arbeitsdienst ist Ehrendien st an der Nation!" Anschließend erklang zum ersten Male das Dr. Goebbels gewidmete „Lied vom Svaten". Dr. Goebbels erklärte in einer kurzen Ansprache, daß der nationalsozialistische Arbeitsdienst die grandioseste Verwirklichung des nationalsozialistischen Gedankens sein werde. „Ihr habt einen guten Anfang gemacht", rief Dr. Goebbels den Arbeitsmännern zu. „Ihr wart der Debatten müde und habt begonnen mit der Arbeit. Ihr könnt stolz auf eure Tat sein, und es wird einmal der Tag kommen, da es für jeden Deutschen ein Ehrendienst feih wird, in euren Reihen zu schaffen." Die alten Arbeitgeberverbände muffen verschwinden. Berlin, 23. Okt. rnn W), öer von ein« Herz« ietleib ■taute mpfin: rs di auir die^ vom c Ab. Etaa. Heitel hei. >chht. mnter vendrt inh \\\ nb Je Wch fierte: st ifi Königs kmM einfit- sfanjltt gömbs- tom dtr uh-"' )n^' Jr > Schk torti' ab. Er. ™8e« t°m chu. Wst •_ Die fibent hatte, dsurd. ib in N- ■ (Ein «2 -- U® ^si. unö (Ent. athen 1 bet SU. m. Itattete n Be. israter -r unb ür bk e aus, Königs Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Longe. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IX. 34: 10 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Vettervoraussage. Der hohe Druck über dem Kontinent hat sich wieder gekräftigt, der Einfluß der nördlichen Störung flaut ab. Mit dem Vordringen eines neuen Tiefs bei Irland werden die Winde mehr auf Süden zurückdrehen, so daß nach Dunstbildungen in der Frühe tagsüber Aufheiterung einsetzen wird. Die Temperaturwerte werden dabei zwischen Tag und Nacht etwas größere Gegensätze erfahren. Aussichten für Donnerstag: Nebligwolkig mit Aufheiterung, Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht sich etwas verschärfend, meist trocken. uns ein sehr kluger und feinsinniger polnisches Nationalökonom sagte: daß es nämlich eine der Hauptaufgaben seines Staates sei, eine allmähliche Neuverteilung des Einkommens zu Lasten des Großbesitzes und der dünnen Reichtums- schicht durchzusühren. Die Schaffung eines wirtschaftlichen selbständigen und gefestigten Mittelstandes ist eines der Hauptprobleme Polens. Wir sagten schon, daß Polen ein vorwiegen!» agrarisches Land ist. Bei seiner Weiträumigkeit und der vergleichsweise geringen Bevölkerung — fte entspricht auf den Quadratkilometer umgerechnet etwa der Bevölkerungsdichte des Deutschen Reiches in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts — ist das auch nur selbstverständlich. Trotzdem stehen führende polnische Politiker auf dem Standpunkt, daß das Land namentlich wegen feines hohen Geburtenüberschusses landwirtschaftlich übervölkert sei und sich notwendigerweise stärker industrialisieren müßte. Tatsächlich hat man auch erhebliche Anstrengungen gemacht, um die übernommene Jndustrierüstung aufrechtzuerhalten und weiter zu entwickeln. In Ost- oberschlesien fiel dem jungen polnischen Staat eine moderne und leistungsfähige Schwerindustrie in den Schoß, die heute für den Heeresbedarf ebenso wichtig ist wie für das noch weitmaschige Verkehrsnetz des Landes und die sonstigen Bedürfnisse seiner Verbrauchsgüterindustrie. Neben Eisen, Stahl und Kohle stellt die Textilwirtschaft eines der wesentlichsten industriellen Instrumente Polens bar, die nahezu völlig in Lodz konzentriert ist und sich zum großen Teil noch in deutschen Händen befindet. Freilich ist die Lage des dortigen Deutschtums — von 600 000 Einwoy- nem sind etwa 70 000 deutsch — sehr bedrängt, obwohl dieses Lodz mit seinen 1,5 Millionen Baumwollspindeln zum „Manchester Osteuropas" gemacht hat. Von der E r d ö l i n d u st r i e und der jungen Stickstoffwirtschaft wurde ja schon gesprochen. Bedeutungsvoller sind ferner alle mit der Bauwirtschaft zusammenhängenden Gewerbezweige, die auch mitten in den Krisenjahren eine ausgesprochene Sonderkonjunktur zu verzeichnen hatten. Erwähnenswert ist schließlich auch die Verkehrswirtschaft, vor allem das Eisenbahnwesen und der Flugverkehr. Was wir davon sahen und erlebten, war mustergültig und lehrreich. Der zivile Flugverkehr ist natürlich noch jungen Datums und sein Streckennetz nicht so dicht wie im übrigen Europa. Die Maschinen aber sind bequem, haben eine hohe Benutzungsfrequenz, sind zuverlässig, und wiederholt wurde uns mit Stolz erklärt, daß die polnische Flugverkehrsgesellschaft seit Beginn ihrer Tätigkeit eine hundertprozentige Verkehrssicherheit verzeichnen könne. Als Leistung hat uns persönlich aber das Eisenbahnwesen fast noch mehr imponiert. Aus drei verschiedenen Staatseisenbahnsystemen mußte innerhalb weniger Jahre aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen ein einheitliches Netz zusammengefügt werden, dessen Maschen zuverlässig ineinanbergegriffen. Das ist nach unseren Beobachtungen vollständig gelungen. Damit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen noch stark in der Entwicklung begriffenen Wirtschaftszweig gegeben, auf den Polen großen Wert legt: den internationalen Reiseverkehr. Ein halbstaatliches Reisebüro, die „Orbis", hatte den Auftrag, unsere Journalistenfahrt zu organisieren. Wir können nur mit Vergnügen feststellen, daß sie vorbildliche Arbeit geleistet hat. Tatsächlich nahm uns das Büro durch seine aufmerksamen und gewandten Beamten alle Beschwernisse ab, denen der Reisende im fremdsprachigen Ausland sonst leicht ausgesetzt fein kann. Man führte uns von Krakau im „Lux Torpeda", dem „Fliegenden Hamburger" Polens, nach Zakopane, dem bekannten polnischen Höhenluftkurort am Fuße der Hohen Tatra. Hier sind in der Tat alle Voraussetzungen für die Entwicklung eines internationalen Höhenluftkurortes und eines starken Touristenverkehrs gegeben, zumal der Ort schon aus der österreichischen Zeit über eine große Tradition verfügt. Im ganzen: Vorstellungen von „Polnischer Wirtschaft" im früheren geringschätzigen Sinne sind endgültig und restlos abzuschreiben. Das Wirtschaftsleben Polens ist reich an sozialen Kontrasten und ungelösten Problemen, reich an Spannungen politischer Art und Schwierigkeiten technischer Natur. Es ist daran ebenso reich wie andere Völker, in mancher Hinsicht vielleicht durch die Hypothek der vergangenen zwei oder drei Jahrhunderte noch stärker belastet. Wir Deutsche vergessen dabei allerdings nicht, daß Polen gerade uns seit dem Kriege manches voraus hat und daß es Deutschland sehr viel verdankt. Aber ebensowenig übersehen wir, daß unser östlicher Nachbar sich mit Mut und Zähigkeit an die Lösung der ihm gestellten Aufgaben gemacht und auf seinem bisherigen Wege zum staatlichen Wiederaufbau sehr bemerkenswerte Fortschritte erzielt hat: Fortschritte, die in der Wagschale der europäischen Geltung nach ihrer wirklichen Bedeutung erkannt und eingeschätzt werden müssen. Giaai und Kirche. Eine Kundgebung des Landesbischofs der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen. b. w tut* tt «w# rflfl; uf er.8! d m* i“S lor> \ yel'1, x * w lU‘r il Wiederaufbau eines Staates Eindrücke und Ergebnisse einer polenreise. Von unserem Dr. H.-Sonderkorrespondenien. führt leicht in die Gefahr der Veräußerlichung und Verweltlichung der Kirche, und wir verstehen die Bedenken, die mancher evangelische Glaubensgenosse in dieser Beziehung gehabt hat. Dieser Gefahr gilt es jetzt mit allen Kräften aus dem Wege z u gehen, und, um einen Ausdruck des Reicbs- innenminifters Frick zu gebrauchen, sich auf Die Verinnerlichung als die eigentliche Aufgabe der kirchlichen Arbeit zu besinnen. Unsere besondere Ausgabe in der neuaebil« beten Landeskirche Nassau-Hessen ergibt sich daraus, daß unsere Landeskirche die erste gewesen ist, die den Zusammenschluß dreier früher selbständiger Landeskirchen vollzogen hat, ganz besonders aber aus der Tatsache, daß die Landeskirche Nassau-Hessen durck ihre Lage nördlich und südlich des Mains berufen ist, b i e Tatkraft des beutfchen Norbens mit b e r Innerlichkeit bes beutschen ©übens zu verbt n b e n. Die Tragweite biefer Ausgabe kann gar nicht ernst genug genommen werben. Daher hat auch in unserer Lanbeskirche nur biejenige kirchliche Betätigung Sinn unb Verheißung, bie auf ©runb bes reformatorischen Evangeliums sich mit nichts anberem als mit Pre - bigt, Unterricht unb Seelsorge zu befassen willens ist unb babei nicht vergißt, was auch bie evangelische Kirche bem Nationalsozialismus in ber Gegenwart zu verbauten hat. Gez. Lic. Dr. Dietrich. Der Lanbesbiscbof der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen, Lic. Dr. Dietrich, gibt durch das Deutsche Nachrichten-Büro folgende Kundgebung der Oesfentlichkeit bekannt: Am Donnerstag, 25. Oktober 1934, findet in Berlin beim Führer und Reichskanzler ein Staatsakt statt, bei dem der Reichs- b i f ch o f im Beisein der deutschen evangelischen Landesbischöfe und Bischöfe vom Führer empfangen wird. Damit tritt die Verbundenheit von Staat unb Kirche, über die sich jeder deutsche Protestant nur ausrichtig freuen kann, offen zutage. Diese Verbundenheit liegt in ber Linie, bie bie evangelische Kirche ihrem Wesen nach nur begrüßen kann. Es gibt für ben Protestantismus keine Kirche neben bem Staat ober außerhalb bes Staates. Zu allen Zeiten muß bie evangelische Kirche an Den Umgestaltungen bes Zeitalters irgenbroie teilnehmen; sie muß sich biese Beweglichkeit erhalten, wenn sie eine lebenbige Größe bleiben will. Aber auch ber Staat bars an ber Kirche natürlicherweise nicht teilnahmslos vorübergehen. Die Kirche vertritt innerste Anliegen bes Menschenherzens, bie bem Staate nicht gleichgültig sein können. Freilich ist mit ber Aufrichtung ber äußeren Einheit ber Deutschen Evangelischen Kirche b i e innere nicht ohne weiteres gegeben. Die Ueberbe t o n u n g von Drganifationsfragen, Uebrigens: auch ßancut ist feinem Ursprung nach beutsch; hier würben von ben Fürsten ßubomirffi, ben Vorgängern her Grasen Po- tocki, im späten Mittelalter Siedler aus Landeshut in Schlesien ansässig gemacht, ßancut ist ber wohl hervorragendste Typ einer polnischen Feudalherrschaft. Etwa 20 000 Hektar Grund unb Boben gehören dazu unb allein der Park umfaßt rund 300 preußische Morgen. Das Schloß ist aus einer mittelalterlichen Wehranlage während der Renaissancezeit zu seiner heutigen Pracht unb Großartigkeit entwickelt worben. Die glänzenbe Flucht ber Jnnenräume ist mit erlesenster Kultur ausgestattet: Wundervolle Möbel, Teppiche und Meisterwerke aus allen Zweigen der bilbenden Kunst sinb hier mitten in der weiten polnischen Ebene von einer Familie in zwei Jahrhunderten ^u- fammengetragen worden, und jedes führende Museum Europas dürfte stolz sein auf solchen Besitz, ßancut ist eine europäische Einzigartigkeit, ein Juwel, den selbst der Krieg respektiert hat... Auch dies: höchste Kultur, gepflegter Geschmack, geschliffenste Kenntnis künstlerischer Kostbarkeiten, der Wille, sie zu besitzen und zur höheren Ehre der Familie und ihrer Tradition zusammenzutragen — ist Polen. Und da wir ja diesmal unsere Polenfahrt vom Wirtschaftlichen her beurteilen, müssen wir feststellen, daß hier, in diesem „unbekannten Polen", außerordentliche Reichtümer stecken, von denen Europa im allgemeinen nichts weiß. Zugleich aber gibt der Besuch von ßancut auch Gelegenheit, sich einige Frage der Besitz -und Einkommensverteilung zu überlegen. Polen ist ein vorwiegend agrarischer Staat. Seine ßandwirt- schast gibt rund zwei Drittel der Bevölkerung Arbeit und Brot. Etwa 22 Millionen Menschen leben also in Polen auf dem ßande und von dem ßande. Nach einer amtlichen polnischen Statistik neueren Datums gibt es 3 626 000 landwirtschaftliche Betriebe, von denen 65 v. H. Zwergbetriebe mit weniger als 5 Hektar Fläche sind. Nur 3 v. H. aller landwirtschaftlichen Betriebe sind in Polen größer als 20 Hektar. Diese 3 v. H. umfassen aber nicht weniger als 54,3 v. H. ber Anbaufläche, bie insgesamt 30,3 Millionen Hektar beträgt! Der Groß- grunbbesitz überwiegt also auch heute noch ungewöhnlich stark. Die bisherigen Maßnahmen der polnischen Agrarreform waren namentlich in den westlichen Provinzen in erster Linie politischer Natur; sie haben im Gesamtstaat noch keinen grundsätzlichen Wandel in ben Besitzverhältnissen geschaffen. Nur so ist es verstänblich, baß bie länb= lichen Verhältnisse in Polen auch heute noch über- roiegenb patriarchalisch unb feubalistisch wie vor 150 ober 200 Jahren sinb. Die Wirtschaftskrise, bie für j Bolen 1925 begann unb erst im vorigen Jahr zum Stillstanb gekommen ist, hat in biefer Hinsicht auch noch förbernb gewirkt. Ein umsassenbes Lanbwirt- schastsprogramm soll nun burch bevorzugte Berücksichtigung bes bäuerlichenKlein-unb M i t- t e l b e s i tz e s bei ber Entschulbung unb anberen Hilfsmaßnahmen allmählich Abhilfe schaffen. Aber auch in ber übrigen Wirtschaft Polens wirb bas Bilb vom Großbetrieb bestimmt. Nach ber bereits erwähnten Statistik verfügt Polen über 204 000 inbuftrieüe unb gewerbliche Unternehmungen. Davon beschäftigen 88 v. H. weniger als vier Arbeiter unb nur 3 v. H. mehr als 20. Diese 3 v. H. erfassen über 550 000 Beschäftigte. Aus biefer Besitzverteilung ergibt sich auch bie Einkommensverteilung, für bie uns einige Zahlen aus ber Lanbeshauptstabt Warschau zur Verfügung stehen. Nach ben Erhebungen bes Polnischen Statistischen ßanbesamtes oerbienten in Warschau runb 75 v. H. ber Erwerbstätigen Höchstbeträge bis zu 200 Zloty. Etwa bie Hälfte ber erwerbstätigen Bevölkerung Warschaus oerbient nur 100 Zloty unb weniger unb bleibt bamit noch unterhalb bes Betrages, ber für Warschau als Existenzminimum angesehen wirb. So stehen Armut unb Reichtum in Polen auch heute noch hart beiein- anber, härter als bei uns unb im europäischen Westen. Unb von hier aus verstehen wir auch, was IV* „polnische Wirtschaft." (Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Krakau, Oktober 1934. Mit bem Begriff „Polnische Wirtschaft" sind bisher vielfach gewisse operettenhafte Vorstellungen verknüpft gewesen, die so etwas. wie „mangelnde Ordnung — gemächlicher Schlendrian — fehlende Präzision — Schmutz und Armut — faules Treben- lassen— nicht zuletzt: Vorspiegelung falscher Tatsachen" besagten. Die deutschen Journalisten, die 12 Tage Polen bereisten, werden mit grundlegend anderen Eindrücken nach Hause kommen! Freilich konnten wir nur an einigen wenigen Punkten Stichproben machen. Das aber, was wir von dem Wirtschaftsleben Polens sahen, hat uns mit hoher Achtung vor der Arbeitsleistung und den Energien des jungen Staatswesens erfüllt. Von Schlendrian, Schmutz, Unordnung, Po- temkinscyen Dörfern u. ä. kann jedenfalls nicht mehr die Reoe sein. Ein Beispiel: Das staatliche Stick st offwerk M o s c i c e, das unweit Tarnow in 18 Monaten errichtet wurde, feit 1929 in Betrieb ist und zusammen mit dem ostoberschlesischen Werk Chor- z o w die gesamte polnische Landwirtschaft mit künstlichen Düngemitteln versorgt, ist heute eine ber mobernsten Erzeugungsstätten biefer Art unb bas wichtigste östliche Mitglieb bes europäischen Stickstoffsynbikats. Bei ber Errichtung ber Anlage, bie natürlich auch eine erhebliche Bebeutung für die Landesverteidigung hat, sind die Patente des gegenwärtigen Staatspräsidenten Professors Mos- ei ck i, eines Naturforschers von internationalem Rang, ausgewertet worden; sie sind das Kernstück der Gesamtfabrikation, bei der im übrigen auch deutsche Maschinenanlagen führend mitwirken. Im Rahmen seines Syndikatskontingents führt Moscice auch Stickstoff in die Nachbarländer aus und ist dadurch für die Zahlungsbilanz Polens ein wichtiger Faktor. Für die Erdölerzeugung im Gebiet Dro- Hobycz-Borystaw, über die schon berichtet wurde, gilt insofern das Gleiche, als sie Polen von der Einfuhr ausländischer Erdölprodukte unabhängig macht und also devisensparend wirkt. Beachtenswert war in beiden Fällen die Fürsorge für das Wohlergehen der Werksangehörigen und ihrer Nachkommen, die mit einem geringen Aufwand an Mitteln ein Höchstmaß sozialer Leistung erericht. So sahen wir in Drohobycz eine sehr hübsche und großzügige Siedlungsanlage von kleinen Einzel- und Doppelhäusern für bie Angestellten unb älteren Arbeiter, beren Mittelpunkt ein großes Schulgebäube ist. In ber Schule, beren Gepflegtheit, Sauberkeit unb moberne hygienische Einrichtungen auffielen, ist ein Kinberheim untergebracht, bas sich ber Fürsorge unb Erziehung von Waisenkinbern verstorbener Werksangehöriger wib- met. In Moscice sinb bie sozialen Einrichtungen noch nicht so weit gebiehen. Das Werk ist aber schließlich auch noch jung unb muß sich erst allmählich entwickeln. Beachtenswerte Ansätze sinb immerhin schon jetzt festzustellen. Der polnische Staat gibt so in seinen eigenen Wirtschaftsanlagen an sichtbarer Stelle ein Beispiel für bie aufmerksame Sorgfalt, bie ber Unternehmer feinen Mitarbeitern auch über ben engen Arbeits- unb Dienstvertrag schulbet. Die Sozialfürsorge ber Jnbustriewirtschast läßt sich in ihren Methoden und ihrer praktischen Nutzanwendung nicht ohne weiteres auf agrarische Verhältnisse anwenden, am wenigsten in Polen, wo — historisch gesehen — die gesellschaftliche Funktion des Landbesitzes Generationen hindurch grundsätzlich anders war als etwa in Preußen. Wir hatten dank der Liebenswürdigkeit des Grafen Potocki Gelegenheit, sein Schloß ßancut kennenzulernen. * Vgl. „Gießener Anzeiger" vom 17., 20. und 23. Oktober. Kandidatenliste. Dann verschwand er spurlos. Als der Geheimen Staatspolizei mitgeteilt wurde, bah in einer Wohnung zahlreiche verbächtige Personen ein- und ausgingen, wurde ein Beamter mit der Durchsuchung dieser Wohnung beauftragt. Er fand, auf der Toilette versteckt, einen Mann, der s i ch Leuschner nannte und auch Papiere auf Viesen Namen oorzeigte. Es stellte sich heraus, daß man ben kommunistischen Abgeorbneten Dr. Neubauer erwischt hatte, ber sich wegen Urkunben- sälschung vor bem Berliner Schöffengericht zu verantworten hatte. (Eine Fachschaft für Lehrer an Wehrmachtschulen im JISCB. Nach eingehenden Verhandlungen zwischen dem Reichswehrminister und dem Reichsamtsleiter des Nationalsozialistischen ßehrevbundes, Staatsminister Schemm, wurde eine Vereinbarung getroffen, nach welcher die Lehrer an den Wehrmachtsschulen als Fachschaft in ben NSLB. e i n g e g 11 e b e r t werden. Die Leitung dieser Fachschaft wurde dem Ministerialrat im Reichswehrministerum Dr. Peyer übertragen. Die Ausstellung der Untergliederungen dieser Fachschaft in den einzelnen Wehrkreisen und politischen Gauen erfolgt in ben nächsten Wochen. Zuchthausstrafe wegen Unterschlagungen im Sieblungsamt des Landkreises Kassel. Im Prozeß wegen Unterschlagungen im Sieb- lungsamt bes ßanbtreifes Kassel würbe ber Hauptangeklagte ß e i ft e n wegen Vernichtung amtlich anvertrauter Urkunben sowie wegen Untreue in Tateinheit mit gemeinschaftlichem Betrug zu fünf Jahren Zuchthaus unb 10000 RM. Gelb- strafe verurteilt. Wegen Beihilfe zur Untreue in Tateinheit mit gemeinschaftlichem Betrug würben die Angeklagten S ch m i b t zu ein Jahr brei Monaten Gefängnis unb 1500 RM. Gelbstrafe, Spohr zu einem Jahr Gefängnis, Schuwirth au aehn Monaten Gefängnis unb 500 RM. Gelbstrafe unb Brihle zu einem Jahr Gefängnis unb 1000 RM. Gelbstrafe verurteilt. Die Todesstrafe in Estland. Durch eine Verordnung des Staatspräsidenten ist in Estland eine neue Strafprozeßorb- nung eingeführt worben, beren Bestimmungen über ben Vollzug ber Todesstrafe von besonderem Interesse sinb. Die Tobesstrafe wirb in Zukunft in Estlanb auf Veranlassung unb unter Auf- sicht bes Staatsanwaltes vollstreckt. Falls ber Verurteilte ben Wunsch äußert, slch selbst zu vergiften, gibt der Gefängnisbirektor dem Henker ben Befehl, bem Verurteilten Gift zu reichen. Hat der Verurteilte innerhalb fünf Minuten bas Gift nicht genommen, so erfolgt bie Hinrichtung burch Erhängen. Die Art und Zusammensetzung des Giftes wird von der staatlichen Gesundheitsbehörde bestimmt. Auf der Landstraße ermordet. Auf ber ßanbstraße zwischen ben Dörfern Rosenberg unb Wilkau (OS.) würbe ber Bauer Anton Kontny aus Wilkau von einem Kraftwagenführer t o t aufgefunben. Ermittlungen ergaben, daß Kontny, ber eine Fuhre Rübenschnitzel von ber Zuckerfabrik Schönewitz geholt hatte, unterwegs von einem bisher unbekannten Täter von hinten niebergeschlagen würbe. Der Schwerverletzte fuhr mit feinem Waaen noch etwa 100 Meter weit unb stürzte dann auf bie Straße, wo er tot liegen blieb. Raubüberfall chinesischer Banditen. — Sechs Menschen getötet. In einer ber letzten Nächte haben chinesische Banditen einen Uebersall auf die Eisenbahnlinie Tatungou—Schjung—Schju in Korea verübt. Ein Personenzug würbe von ben Banbiten beschossen, angehalten unb bie Passagiere aus« geplünbert. Sechs Bahnbeamte würben von den Banditen getötet, neun Passagiere wurden entführt. Dom Bahnhof Daschischao wurden Truppen entsandt. Der Doppelmörder Gustav Bürker vor Gericht. Vor dem Halberstadter Schwurgericht begann der Prozeß gegen den Doppelmörder Gustav Bürker, der am 29. Juni d. I. beim Scharfenstein im Harz den Vankdirektor Schurig aus Osnabrück und am 1- Juli d. I. auf dem Goetheweg unterhalb des Brockens ben auf einer Harzwanderung befindlichen Dr.-Jna. K r a u s aus Danzig ermordet unb beraubt hatte. Zu bem Prozeß sind 35 Zeugen erschienen. Der 29jährige Angeklagte Gustav Bürker antwortet auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne, mit „Ja", bestreitet aber, die Tat mit lieber- legung und Vorsatz ausgeführt zu haben. Er habe sich damals in einer seelischen Depression befunden. Die Vernehmung des Angeklagten entrollt ein Bild von dem Niedergang eines von Kriminal-, Detektiv- und Raubgeschichten zu Abenteuern neigenden Sorgenkindes einer achtbaren Familie. Dann kamen die beiden Mordtaten im Brockengebiet zur Sprache. Der Angeklagte behauptet, er habe sich wegen eines Streites mit seiner Frau mit Selbstmordgedanken von Bielefeld entfernt unb sei dann willenlos umhergeirrt; er gibt zu, der Täter in beiden Mordsällen zu sein, behauptet aber, von den Taten nichts zu wissen. Aus die Vorhaltungen, wie er sich die logische Handlungsweise vor und nach den Taten, wie auch beim Verstecken der ßeichen erkläre, antwortete er immer nur mit einem Kopfschütteln und der Bemerkung, das sei ihm selbst rätselhaft. Der Angeklagte versucht insbesondere darzulegen, daß seine Angaben in der Voruntersuchung, die mit den Mordtaten zu- sammenhingen, nur Schlußfolgerungen, aber nicht bewußte Erinnerungen seien. Die Tatsache, daß von dem Versteck der geraubten Sachen niemand wußte außer Bürker selbst, erschütterte jedoch diese Verteidigungsmethode stark. Im übrigen entrollte die Vernehmung ein Bild von Bürkers Wegelagererleben im Harz. Stürme im Marmarameer unb im Schwarzen Meer. Zehn Menschen ertrunken. Infolge schwerer Stürme im Marmarameer sind zwei Segelboote gekentert. Zehn Mann ber Besatzungen sinb e r t r u n k e n. Im Schwarzen Meer ist der Dampfer „Gazal", ber eine Holzlabung führte, an ber Küste ge st raubet; die Be- satzung würbe gerettet. Gauleiter Sprenger vor den Propagandisten -es Gaues Hessen-Nassau. Eröffnung des ersten Lehrgangs. In fünf siebentägigen Lehrgängen werden in der Zeit vom 22. Oktober bis 3. Dezember 1934 alle Gauredner, Kreisredner, Kreispropagandaleiter, Ortsgruppen- und Stützpunktpropagandawarte erfaßt, um gemeinsam neue Wege und Richtlinien für die Propagandatätigkeit zu suchen und zu erarbeiten. In allen Lehrgängen werden sprechen: Gauleiter Sprenger, Gaupropagandaleiter Müller-Scheld, Gauwirtschaftsberater Eckhardt, Gaupresseamtsleiter Woweries, . Pressereferent der Landesftelle Hessen-Nassau, G. B. M ü l l e r, Landesobmann Becker. Für jedes dieser Referate steht ein ganzer Tag zur Verfügung. Während am Vormittag das etwa zweistündige Referat gehalten wird, wird am Nachmittag das Thema in einer mehrstündigen Aussprache und Diskussion durchgearbeitet. Im feierlich geschmückten Saal des Hauses der Jugend zu Frankfurt a. M. wurde am Montagvormittag der erste Lehrgang eröffnet. Schon auf den ersten Blick sah man, daß hier eine mustergültige Disziplin herrscht. Der Gaupropagandaleiter meldete dem Gauleiter und eröffnete sodann den 1. Kurs Darauf legte der Gauleiter in etwa eineinhalb Stunden in großen Zügen die Aufgaben und Möglichkeiten der Propagandaarbeit klar und gab einen Ueberblick über die Entstehung der Bewegung in unserem Gau. Der Vortrag des Gauleiters, auf dessen ausdrückliche Anordnung diese Lehrgänge zurückzuführen sind, zeigte deutlich, daß hier nicht kalter, schulmeisterlicher Unterricht erteilt werden soll, sondern daß diese Lehrgänge vor allem kameradschaftliche Aussprache von Führer und Gefolgschaft fein werden. Nach der mit außerordentlichem Beifall aufgenommenen Rede des Gauleiters fand das gemeinsame Mittagessen statt. Vor der am Nachmittag stattfindenden Aussprache ist eine Ruhepause von zwei Stunden angeordnet. Dadurch, daß täglich nur ein Referat gehalten wird, soll den im Dienst sehr stark beanspruchten Propagandisten wenigstens für diese sieben Tage die Möglichkeit einer inneren und äußeren Entspannung gegeben werden. Die Angehörigen eines jeden Kreises sind gemeinsam untergebracht, damit sie sich einmal näher kennenlernen und somit eine völlig kameradschaftliche Basis für die kommende Arbeit gewährleistet ist. Schon heute kann gesagt werden, daß diese völlig neue Art der Durchführung eines Lehrganges sehr erfolgreich zu werden verspricht. Weitere Nachrichten über die kommenden Vorträge werden laufend durch die Presse bekanntgegeben. Kirche und Schule. —s— Büdingen, 22. Okt. Nach einem Visitationsgottesdienst am Sonntag in der Stadtkirche, in dem Dekan Hoch- Selters und Pfarrer Page predigten, fand am heutigen Montag im hiesigen Gemeindesaal in Anwesenheit von Propst Knodt- Giehen eine Dekanats-Disitationskon- serenz der Geistlichen des Dekanats Büdingen statt. Pfarrer Page- Büdingen eröffnete die Tagung mit einer Gebetsandacht über 1 Corinther 3,4 bis 4,5. Dekan Hoch begrüßte den $um ersten Male auf der Synode erschienenen Oberhirten und gedachte in ehrenden Worten des jüngst heimgerufenen Pfarrers Laut- Nidda. Propst Knodt ermahnte in seiner Begrüßungsansprache im Hinblick auf die kirchliche Gegenwartslage zur Selbstzucht, Klarheit in Lehre und Verkündigung und rechter Treue in der Gemeinschaft untereinander. Den Hauptvortrag hielt Pfarrer Page über das Thema „Die Wiederherstellung der Gemeinde". Bemerkenswert an dieser Konferenz ist, daß erstmalig die Geistlichen der aus den früheren, nunmehr aufgelösten Dekanaten Rodheim und Nidda und im Büdinger Dekanat aufgegangenen Pfarreien in Büdingen zugegen waren. Am Nachmittag traf man sich mit den Pfarrfrauen zu einer Famiuenzusammenkunft im Cafe Hell. Wissenschaftliche Akademikerhilfe. Wirtschastsforschung Lahntal. Am vergangenen Freitag fand im Studentenhaus ein offener Sprechabend der hiesigen Arbeitsgruppe der Wissenschaftlichen A. k ad emi« kerhilfe statt, auf dem der Organlsatlonslelter der Notarbeit 4, Standortkunde und Dorfforschung im Kreise Löwenberg (Schlesien), Heinz Beutler, über die Ergebnisse der Dorfforschungsarbeit m Kesselsdorf bei Löwenberg berichtete. Durch die Verbindung wissenschaftlicher Arbeit mit praktischer — die einzelnen Gruppenmitglieder waren bei Bauern untergebracht, denen sie halbtägig im Hof und auf dem Acker halfen — wurde eine gesunde Grundlage für die Arbeit geschaffen und eine enge Zusammenarbeit des gesamten Dorfes mit der WAH.-Gruppe gewährleistet. Im Laufe der Forschungszeit (rund 26 Wochen) wurde eine Kartierung der Gemeindeflur (von der Gründung des Dorfes an bis zu den Verhältnissen nach der Feldbereinigung) und eine nahezu lüden- lose photographische Sammlung wesentlicher volks- und dorfkundlicher Gegenstände durchgeführt. Vom Kinderspielzeug bis zum Arbeitsgerät, vom Hausbau bis zur Tracht ergab sich ein geschlossenes Bild dörflichen Lebens. Eine bildtechnisch sinnvolle bildstatistische Zusammenstellung ergänzte Karte und Photo. Diese systematisch durchgeführte Forschungsarbeit, auf engen Raum begrenzt, ist eine der ersten abgeschlossenen Arbeiten der WAH. Sie wurde bisher auf der bäuerlichen Ausstellung Breslau im Herbst d.J. und auf der kürzlich abgeschloffenen Reichsrüstwoche des Reichsbundes „Volkstum und Heimat' in Friedberg als Beispiel praktischer volkkundlicher gemeinschaftlicher Forschung gezeigt und erregte, zumal sie neue Wege zeigte, berechtigtes Aufsehen. Anschließend berichtete der Organisationsleiter der hessischen Maßnahme über die bisherigen Arbeiten der „Wirtschaftsforschung Lahntal". Die Gruppe der Notarbeit 157 hat in den fünf Wochen ihres Bestehens eine Sichtung des voi> handenen Materials vorgenommen und vorerst einen Ueberblick über den Stand der Verhandlungen über die L a h n k a n a l i s i e r u n g aufgestellt. Daneben wurde der Rahmen der notwendigen Untersuchungen und Forschungen festgelegt. Die eigentlich „neue" Arbeit der Gruppe setzt damit ein. Der Abend schloß nach einer erfreulich lebendigen Aussprache über die Probleme Der Gemeinschaftsarbeit und ihre Bedeutung für die Arbeit der Fachschaft an der Hochschule, denen im kommenden Semester besondere Aufgaben mit konkreten Zielen zugewiesen werden sollen. Obecheffen. । hiesigen Taxiwagen zusammen. Der Motorrad- fnhroi- ein (iprr G o r h ff nns WffpnhiiTrt mürbe Kreis Friedberg. des Jungvolks ergab hier 67 Laibe Brot. — Das Jubiläum der Lutherbibel am 31. Oktober soll hier besonders festlich begangen werden. U. a. wird sich die evangelische Jugend im Rahmen eines Festgottesdienstes in den Dienst der Sache stellen. — Die Holzhauerarbeiten werden in diesem Jahre einen früheren Verlauf nehmen, als in früheren Jahren. Ferner wird eine größere Menge Holz im Rahmen der Arbeitsschlacht geschlagen werden. n. Flensungen, 23. Okt. Am Sonntagnachmittag fand im hiesigen Bibelheim Flen- sungerhof ein Jugendtreffen statt. Das Thema der Besprechung lautete: „Wohin sollen wir gehen?" (Joh. 6, Vers 66—69.) Mit großer Aufmerksamkeit lauschte die Jugend den Ausführungen der Prediger Peters und Gaubatz. Die Gedichte dreier Mädels, sowie einige Jugendlicher '+ Butzbach, 23. Okt. Durch das Jungvolk i wurden in den Gemeinden des nördlichen Sammelbezirkes des Kreises folgende Brote abgeliefert und in geschmückten Autos nach Offenbach verbracht: Butzbach 725 Laib, Nieder-Weifel 206 Laib, Kirch-Göns 110 Laib, Gambach 291 Laib, Pohl-Göns 126 Laib, Fauerbach 80 Laib, Langenhain mit Ziegenberg 96 Laib, Bodenrod 38 Laib, Maibach 32 Laib, Münster 35 Laib, Griedel 90 Laib. Zusammen 1545 große und 284 kleine Laib. Das Eintopfgeri cht erbrachte über 500 RM., aus dem Verkauf von Bernfteinfpitzen wurden 178 Mark erlöst. Kreis Bübingen. y Nid «da, 21. Okt. Gestern fand ein von der hiesigen Arbeitsdienstabteilung ausgeführter Unterhaltungsabend in der Turnhalle statt. Nach einem von hiesiger Feuerwehrkapelle flott gespielten Einleitungsmarsch begrüßte der Abteilungsführer Wettläufer in herzlichen Worten die Volksgenossen, worauf von den Arbeitsfahrer, ein Herr H e r b st aus Altenburg, wurde schwer verletzt. Es entstand außerdem erheblicher Materialschaden. ll. Merlau, 23. Okt. Die Brotsammlung dienstlern verschiedene lebende Bilder gestellt wurden. („Kämpfer an der Front", „Dorwärtssturm", „Vertrag von Versailles", „Zeit der großen Schmach", „Tiefstand des deutschen Volkes" und „Arbeitsdienst".) Dem Verlesen einiger Stellen aus dem vom Arbeitsdienstlager herausgegebenen Iahresbuch folgte ein Rückblick auf den Schwimmsport im laufenden Jahre. Der Wiedergabe von Heiterem aus dem geselligen Leben auf b-er Bude und Ernstem aus dem Arbeitsdienst folgte der Vortrag von etlichen vortrefflichen Chören. Abteilungsführer Wettläufer stellte in Aussicht, daß ähnliche Abende in Zukunft alle zwei Wochen ftattfinben sollten und zwar zur Festigung der wahren Volksgemeinschaft innerhalb der Gemeinde. Durch Vorträge aller Art sollten jedem Besucher einige angenehme Stunden bereitet werden. Das „Sieg-Heil" auf den Führer und der Gesang des Horst-Wessel- und des Deutschland-Liedes beschlossen den Abend. Z. Nidda, 22. Okt. Gestern abend fand in der hiesigen Turnhalle, durch NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in die Wege geleitet, ein Bunter Abend statt, bei dem Frankfurter Künstler durch Gesangs- und humoristische Vorträge, sowie sonstige reichliche Darbietungen mitwirkten. Der Musikzug der Standarte 466 unterhielt die Zuhörer, die die Turnhalle bis zum letzten Platz füllten, durch Musikstücke verschiedenster Art in meisterhafter Ausführung. Den Vorträgen folgte Tanzvergnügen. Kreis Alsfeld. * Alsfeld, 23. Okt. Montagnacht stieß ein Motorradfahrer von Altenburg mit einem zur Gitarre trugen zur Verschönerung der Stunde bei. Zuletzt richtete Herr Stein- Unter-Seibertenrod noch einige Worte an die Jugend. Mit dem Lied „Wir reichen uns zum Bunde die treue Bruderhand" schloß die eindrucksvolle Feier. — Bei bet Brotsammlung bes Jungvolks würben in unserem Dorfe 51 Dierpfunb-Laibe Brot ge- fpenbet. ll. Bühf eld, 23. Okt. Die Straßenbauarbeiten zwischen hier unb Homberg nehmen einen guten Fortgang. Durch bie Kleinpflasterung werben bie hiesigen Basaltsteinbrüche in Tätigkeit gesetzt. # Ober-Ohmen, 23. Okt. Durch ben Heber- gang bes gemeinbeeigenen Lichtnetzes in ben Besitz bes Ueberlanbmertes Ober- Hessen würben fast in allen Häusern Umarbeitungen b e r Hausleitungen notwenbig. Diese Arbeiten find jetzt so gut wie beenbet. Demnächst wirb an ben teilweisen Umbau des Ortsnetzes durch das Ueberlandwerk gegangen. — Am Sonntag fand in der Wirtschaft „Zum Ohmtal" eine Versammlung der Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront statt, in der Pg. Bezirksleiter Braun-Laubach eine Besprechung roegen der demnächst beginnenden Holzhauerarbeiten abhielt und dabei weitgendst das Tarifsystem erläuterte. Pg. Braun übergab dem hiesigen Ortsgruppenleiter .die Tarifaufstellung und beauftragte ihn, diese den in Frage kommenden Rottenmeistern zur Kenntnis zu bringen. cxd Nieder-Ohmen, 23. Okt. In der Wirt- i schäft Joh. Böck fand eine Mitgliederver- sammlungderDAF. undderNS.-Hago statt, in der der Kreisamtswalter der DAF. Pg. Hartmann über das Thema „Ehre die Arbeit, bann ehrst bu bein Volk" sprach. Er erklärte bie Richtlinien ber DAF. für die Einzelmitglieder unb sprach ferner über die Neueinstellungen in den Betrieben. Mit dreimaligem Sieg-Heil auf den Füh- rer und dem Gesang des Horft-Wessel-Liedes wurde die Versammlung geschlossen. — Die vom Jungvolk durchgeführte Brotsammlung der NSV. für minderbemittelte Volksgenossen brachte hier 128 Brote. w Burg- unb N i e d e r - G e m ü n d e n , 23. Okt. Währenb bie Bautätigkeit im Sommer unb Vorsommer fast vollkommen ruhte, finb im Herbst am Bahnhof bzw. in nächster Nähe bret Wohnhäuser errichtet worben. Eines bavon soll noch in biesern Jahr bezogen werben, währenb bie bei- ben anberen im Rohbau fertiggestellt unb erst im nächsten Frühjahr vollenbet werben sollen. — Die NS.-G erneinschaft „Kraft b u r ch F r e u b e" veranstaltete am Sonntag im Saal von Decher einen Bunten Abenb. Eine Spielschar aus. Als- felb verstanb es meisterhaft, bie Lachmuskeln in Bewegung zu setzen. Eine Theatergruppe aus Rom- rob brachte bas Volksstück „Die Erbtante" recht hübsch zur Aufführung. Sämtliche Darbietungen ernteten reichen Beifall. st. Kirtorf, 23. Okt. Gegenwärtig werden stier umfassenbe Arbeiten zur Felbberei- n i g u n g durchgeführt. Eine aus fachverstänbigen ßanbroirten gebildete Kommission unter ber Leitung des Felbbereinigungsamtes Lauterbach ist mit Bonitätsarbeiten beschäftigt. Die gleichen Arbeiten find gegenwärtig in den benachbarten Orten Erben- hauisen, Appenrod und Dannenrod in vollem Gange. — Nach einer Mitteilung des Ortsgruppenleiters und Bürgermeisters Lather ist zum kommenben Winter eine Holz-Mehrfällung von 50 Prozent vorgesehen. Auch in ben Staatswalbungen soll bie Holzfällung in biesern Winter um 50 Prozent erhöht werben. Die Holzfällerei bzw. Holzhauerei wirb in ben ©emeinbemalbungen Enbe Oktober, in ben Staatswalbungen im November ihren Anfang nehmen. Damit werben in ben kommenben Wintermonaten zahlreiche Volksgenossen Beschäftigung unb Erwerb finben. — Die Kartoffelernte lieferte hier einen recht guten Ertrag. Preußen. Furchtbarer Tod eines Leichtsinnigen. LPD. Limburg, 23. Okt. Auf ber Heimweg von Kaltenholzhausen nach Netzbach erkletterte am Samstag abenb gegen 10 Uhr ber 17jährige Lanb» wirtssohn Karl Weder aus Netzbach im lieber« mut einen Leitungsmast ber Ueberlanblei« tu n g. Auf bem Mast stehenb jobelte er feinen auf ber Straße stehenben Begleitern zu. Beim Hin- unterfteigen blieb ber leichtsinnige Bursche m i t ben Beinen an einem Leitungskabel hängen. Als er mit bem herunterhängenden Oberkörper ein zweites Kabel berührte, geriet die Kleidung des Unglücklichen durch den entstandenen Kurzschluß in Helle Flammen. Weber, der zwischen den Kabeln der 10 000 Volt führenden Hochspannungsleitung hing, war auf der Stelle t o t. Seine Leiche, die erst nachdem die Baukolonne der Mainkraftwerke verständigt worden war, heruntergeholt werden konnte, wies furchtbare Verbrennungen auf. Die Kleidung war bis auf die Jacke des mit dem Kopf nach unten Hängenden vollständig verbrannt, der Körper war stark verkohlt. Internationaler Betrüger in Fulda verhaftet. LPD. Fulda, 23. Okt. Die Fuldaer Kriminal- Polizei konnte einen unter ber Maske eines griechisch- vrchoboxen Priesters herumreisenben Hoch stap - ler unb Betrüger, der seit 1929 in Spanien, Oesterreich, Frankreich und Deutschland gesucht wirb und dazwischen auch in Nord- unb Südamerika fein Unwesen getrieben hat, verhaften. Es handelt sich um ben staatenlosen 46jährigen Galizier Wladimir Bodnyp, in dessen Besitz ein in Brasilien ausgestellter Nansen-Paß gefunden würbe. B. hatte in einem FuldaerKloster einen raffinierten Betrugsversuch unternommen. Lw. E. 52 (a) / 34. Beschluß. lieber den lanbwirtschaftlichen Betrieb (Eigentümer- unb Pächter-Betrieb) bes ID alter Hlüller HL unb seiner Ehefrau Margarete, geb. Besdorfer, to Birklar wird das Entschulbungsverfahren gemäß dem Gesetz zur Regelung ber lanbwirtschaftlichen Schuld' Verhältnisse vom l.Juni 1933 heute um 10 Uhr eröffnet. 6256D Die Canbesbauernfaffe Rhein-INain-Ueckar e. G. nu b. h. in Frankfurt a. IN. wirb zur Entschulbungs- stelle ernannt. Die Gläubiger werben aufgeforbert, ihre Ansprüche bis zum 1. Dezember 1934 bei bem unterzeichneten Amtsgericht anzumelben unb bie in ihren Hänben befinblidjen Schulburkunben dem Gericht einzureichen bei Meldung der in § 11 Ads. 2 des Entschuldungsgesetzes angedrohten Rechtsnachteile. Gießen, den 19. Oktober 1934. Hessisches Amtsgericht. _ Lw. E. 37 (a) 34. Betr.: Landwirtschaftliches Entschuldungsverfahren Joh. Heinrich Kehr IX. Eheleute in Treis an der Lumda. Beschluß. Das Entschulbungsverfahren über ben lanbtmrfr schriftlichen Betrieb ber Eheleute Johann Heinrich Kehr IX. in Treis an ber Cumba ist aufgehoben. Gießen, 18. Oktober 1934. , Hessisches Amtsgericht, Namhafte Lebensvers.-Bank sucht f.Oberhessen tüchtige Inspektoren. Bewährte Fachleute erhalten feste Anstellung. Günstigste Gelegenheit für rasches Vonvärts- kommen. Nichtfachleute werd. evtl, berücksichtigt und eingearbeitet. 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Dezember 1934 bei bem unterzeichneten Amtsgericht anzumelben unb bie in ihren Hänben befinblichen Schulburkunben bem Gericht einzureichen, bei Meibung ber in § 11 Abf. 2 bes Entschulbungsgesetzes angebrohten Rechtsnachteile. Gießen, ben 17. Oktober 1934. Hessisches Amtsgericht. KleineAnzeigen im Gieftener Anzeiger werden von Tauienden beachtet und geleien. | Verkäufe | Aelt.,mittelschw. Mevd Grauschimmel,;, verkaufen. 6I31d Hrch. Schwärs Fronhansen Lahn Gutes Wiesen- Heu liefert 0512s Lw. E. 34 (a) / 34. Beschluß. Heber den lanbwirtschaftlichen Betrieb ber Ludwig Reuschling Witwe INarie, geb. Bast, zu Roden wirb bas Entschulbungsverfahren gemäß bem Gesetz zur Regelung ber lanbwirtschaftlichen Schulboerhällnifse vom l.Juni 1933 heute um 11 U.jr vormittags eröffnet. 6265V Die hessische Landesbank (Staatsbank) zu Darmstadt wirb zur Entfchulbungsstelle ernannt. Die Gläubiger werben aufgeforbert, ihre Ansprüche bis zum 30. November 1934 bei bem unterzeichneten Amtsgericht anzumelben unb bie in ihren Hänben befinblichen Schulburkunben bem Gericht einzureichen bei Meibung ber in § 11 Abf. 2 des Entschulbungsgesetzes angebrohten Rechtsnachteile. Gießen, 12. Oktober 1934. Hessisches Amtsgericht. ‘96 reit, di« Ni > vüh. 'Urbt Jöolt für 128 !jn, 20M° d im drei nobel, st im ■ Die ibe" >echer Als. iLe. Rom« recht wgeil 1 far hi. itung 5onix M tbenc *ange. Liters enben n 50 Äun- im 50 Holz, Ende ember kom. noffen Kar- Mn gen. imweg :te am Land« Ueber« blei, feinen n fii n, mi. abel Oben Mi. ibentn eschen iben if der m die t mor- aies ' wat roten ; w hninab iedj# )W' ponien, to fein Älibelt BU- Drasi' :be. A Ur. 249 Zweites Blatt GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 24. Moder Freude empfinden, sondern auch im wirtsckaftlichen Kampfe Deutschlands eine nicht zu unterschätzende Hilfe geleistet haben. Prüfung der Beamten in der deutschen Kurzschrift. LPD. Das Personalamt des Hessischen Staatsmini st ers gibt bekannt: Nach dem Ausschreiben des Reichsministers des Inneren an die Landesregierungen vom 24. Juli 1934 ist bestimmt damit zu rechnen, daß die Reichs-, Länder- und Gemeindebeamten unter 38 Jahren in einer besonderen Kurzschriftprüfung ihre Fertigkeit in der Deutschen Kurzschrift vom 1. April 1935 ab nachweisen müssen Nach der bereits im Entwurf vorliegenden Prüfungsordnung wird gefordert: 1. Die Uebertragung einer 300 Silben umfassenden Vorlage in kurzschriftliche Verkehrsschrift; 2. kurzschriftliche Nachschrift einer Ansage von fünf Minuten Dauer in der Geschwindigkeit von 80 Silben in der Minute und ihre sichere Ueber- tragurfg in Lanaschrift Bei Beamten und Angestellten des Kanzleidienstes erhöht sich die unter 2 geforderte Geschwindigkeit auf 150 Silben in der Minute. Den Beamten und Angestellten wird das Ausschreiben des Staatsministers vom 28. Februar 1934 über die Anwendung der Deutschen Kurzschrift bei den Behörden in Erinnerung gebracht und ihnen empfohlen, die Zeit bis zum 1. April 1935 für die Erlernung der Kurzschrift auszunutzen, damit die in Frage kommenden Beamten unter 38 Jahren diese Prüfung im Frühjahr 1935 ablegen können. Keine Aenderung der deutschen Kurzschrift. Der Herr Reichsminister des Innern hat sich auf eine Anfrage des Hauptausschusses für Berufserziehung beim Rhein - Mainischen Industrie- und Handelstag, Sitz Frankfurt, wie folgt geäußert: „Es ist nicht beabsichtigt, in den nächsten Jahren an dem System der deutschen Kurzschrift etwas zu ändern. Es verbleibt daher bei meinen Erlassen vom 27. Dezember 1933 und vom 27. April 1934." Es kann daher nur allen Stenographen empfohlen werden, sich an der am 18. November stattfindenden Handelskammerprüfung zu beteiligen, sowie allen Beamten, die die deutsche Kurzschrift erlernen müssen, damit bald zu beginnen, damit sie die geforderte Prüfung ablegen können. NGLB., Kreis Gießen. Kreisversammlung. Am 31. Oktober, 16 Uhr, findet im Cafe Leib eine Kreisoersammlung statt. Es spricht der Gaugeschäftsführer des NSLB. Pg. Schneider (Darmstadt) über verschiedene Versicherungsfragen. Bender. Abkeilung: höhere Schule. Fachschaft für „Heuere Sprachen". Die nächste Sitzung der neusprachlichen Arbeitsgemeinschaft findet am Freitag, 26. Oktober, 16 Uhr, in der Oberrealschule statt. Krauß, Fachschaftsleiter. Gießener Jungvolk transportiert seine Brotsammlung. X. 1 ■'z W ' v S ' / -/ V1 t' 7 '■ '■' ** » * y V « l Das Bild zeigt den Transport des Ende voriger Woche vom Jungvolk im Kreise Gießen gesammelten Brotes auf dem Wege von Gießen nach Offenbach. (Aufnahme: Bildstelle Jungbann 116.) Gtandartenaufmarsch in Ridda. Aus der vrovinzialhauptstadt. Oie Meisen. ' Von Konrad v. Zalkenhausen Wenn die Dogelschwärme sich sammeln und eines Nachts die große Reise nach Süden angetreten haben, wenn es auf einmal leer geworden ist in Busch und Wald, dann ist der Sommer vorbei, dann geht's mit Macht auf den Winter los mit seiner Unbill. Ganz leer wird es aber doch nicht in den Büschen und Bäumen. Und unter denen, die zurückgeblieben, ist ein munteres kleines Volk, das für uns von großem Nutzen ist und deswegen eigentlich einen besonderen Schutz genießen sollte. Das Volk der Meisen bleibt auch in der Zeit der Kälte und der Not bei uns. Am weitesten verbreitet und am bekanntesten unter ihnen sind die Kohlmeise und die kleine Blaumeise. Wer hat nicht schon einmal eine von ihnen Herumturnen sehen? Eben rutschte sie noch wie ein Specht um den Stamm herum, jetzt geht es eilig hinauf, und nun schwingt sie sich in den obersten Wipfel und schaukelt kopfüber an den dünnsten Zweiglein. — Ohne Rast und Ruh' geht Die Futtersuche vor sich, die Suche nach Insekten Lind Jnsekteneiern, die, in den Spalten der Rinde, ckarv; chM" .tz • »r* HieGroßmulter Hal es mir erzählt Von Georg von der Dring. Als Knabe lebte ich bei meiner Großmutter Anna »Suhren, in Brake an der Weser. Sie war zart und ' nnußte sich viel ruhen. Sie trug ein schlichtes schwar- zes Kleid und am Hals eine goldene Brosche, auf Eber Trauben abgebildet waren. Wenn die Großmutter zu erzählen begann, blieb ich lange bei ihr im Sofa sitzen. Die früheste Geschichte, die ich von ihr hörte, war die vom „Dübel in’n Torf". Sie kannte die alten Zeiten sehr genau uni) konnte sich noch gut auf den Admiral Brommy besinnen, der Anfang der fünfziger Jahre vor unserer Stadt die erste deutsche Kriegsflotte befehligt hatte. Sie war einst seine Tänzerin gewesen und hatte an der Flagge des Admirals mit gestickt. Hatte die Großmutter eine Geschichte beendigt, |o pflegte sie zu sagen: „Man müßte es aufschrei- fcenr Damals wußte ich noch nicht, daß ich später Der Aufschreiber ihrer Geschichten sein wurde. Jrn- mierhin fing ich mit siebzehn Jahren damit an. Ich schrieb eine kleine Neujahrserzählung aus den Tropen, Erlebnis eines Broker Kapitäns. Die Oldenburger Zeitung druckte sie. Das war ein Jahr inor dem Tode der Großmutter. Sie lobte mich damals. . Schon als Knabe bekam ich von ihr die Erleb- miffe der Beta Seebeck aus Vegesack erzählt. Beta nnar mit uns verwandt. Wir kommen alle aus der Kamille Dehls, auch Beta. Beta Seebeck nahm, «als Mann verkleidet, an den Befreiungskriegen teil. °Sie kämpfte bei Waterloo, kehrte aus dem Kriege heim, heiratete einen Kapitän Raschen, hatte zwei Kinder und lebte noch bis zum Jahre 1879 in Wegesack bei Bremen. „Man müßte es aufschreiben! seufzte die Großmutter, wenn sie mit der langen k beschichte von Beta, der Freiheitskämpferin, zu Ende kam ... Ich nahm es mir zu Herzen, wie alles, was die Großmutter sagte. Auf meinen Deichwanderungen »ah ich mir oft ein rotes Ziegelsteinhaus an und Machte: Hier hätte Beta wohnen ckönnen. Ach, und wie oft bin ich mit dem Zug durch das Städtchen Elsfleth gefahren! Kurz bevor der Zug len Bahnhof erreicht, braust er an einem Denkmal vorbei, das spitz aufragt. Es ist dem Andenken des .Schwarzen Herzogs", Friedrich Wilhelm von 'Zraunschweig, geweiht, der an dieser Stelle und m Jrake, von napoleonischen Truppen verfolgt, fein Korps nach England einschiffte. Die Eisenbahn führt so nahe am Denkmal vorbei, daß ich als Lind fürchtete, sie würde es umrennen. Später kam ich auf diesen Gedanken: Wie könnte man die Geschichte des „Schwarzen Herzogs" mit der von Beta Seebeck zusammenbringen? Also habe ich — so viele Jahre später! — einen schwarzen Jäger Johanna aus ihr gemacht. Beim Schreiben mußte ich oft an die Großmutter denken. Aber als die Geschichte fertig und Johanna mit ihrem Ludwig Korfes gerettet war, wurde ich unzufrieden. Mir war, als säße ich noch bei der Großmutter im Sofa, wie vor fünfundzwanzig Jahren, und als fragte sie mich: „Wie ging es der Johanna Luerssen denn weiter? Was tat sie in England und was in Spanien? Fand sie ihren kranken Vater? Heiratete sie ihren Korfes? — In deinem Buche lese ich nichts davon." So hörte ich die Großmutter fragen. Ich werde noch viel aufschreiben müssen, denn ihre Geschichten sind ein unerschöpfliches Vermächtnis Geschichten von WtthelmLeibk. 3utn 90. Geburtstag des Malers. Wilhelm Leibi war nicht nur in feinem Werk, sondern auch in seiner Persönlichkeit eine der kraftvollsten Gestalten unter den Künstlern des vorigen Jahrhunderts. Wenn dieser in Köln geborene Maler einen großen Teil seines Lebens in Dörfern der bayerischen Voralpen zubrachte und seine Modelle dort gern aus dem urwüchsig einfachen Landvolk nahm, so hatte er damit den Boden gefunden, auf dem seine Kunst, eine echte und wahrhafte Kunst, gedeihen konnte, die nichts mit den damals so Üppig wuchernden Süßlichkeiten und aufgedonnerten Theaterszenen in der Malerei gemein hatte. Sein großes Vorbild war die Natur, und ihrem Geheimnis suchte er in unermüdlichem Bemühen auf den Grund zu kommen. „Mögen andere malen, was sie wollen, und Mode fein, was will, ich richte mich nur nach der ewig neuen Natur", schrieb er in einem Briefe. Noch heute stehen wir mit Bewunderung vor feinem berühmten Gemälde „Drei Frauen in der Dorfkirche", mit dem in der sorgfältigsten Wiedergabe der Gesichter und der Hände, des Faltenwurfs der Kleider und des Musters des Umschlagtuches die höchste Vollendung erreicht zu fein scheint, ohne eine unkünstlerische und leere Nachahmung der Wirklichkeit darzustellen. Leibi hatte äußerst muskulöse, wenn auch nicht sehr große Hände, und es ist fast unbegreiflich, daß mit ihnen solche Wunderwerke genauester Feinmalerei geschaffen werden konnten. Bei oberflächlicher Betrachtung mußte man diesen bedeutenden Maler, der gern hinter dem Mantel der Unscheinbarfeit Schutz vor der lauten Öffentlichkeit suchte, für einen Jäger oder einen Landwirt halten — solange man die tiefblauen und in der Erregung funkelnden Augen nicht gesehen hatte. Mit seinen Modellen stand er auf gutem Fuß; natürlich duzte er sie. Sie hatten keine Geheimnisse vor ihm, und er nahm an ihren Erntesorgen, ihren Liebeshändeln und Wilddiebereien mit stärkster Bewegung teil, ohne jedoch selber handelnd einzugreifen, denn er war vor allem ein Augenmensch Die bärenhafte Körperkraft dieses „Kölschen Jungen" äußerte sich manchmal auf ergötzliche Weife. Als sich einst in einem Kölner Gasthaus „Rheinlands Eiche, der stärkste Mann der Welt" vor einer begeisterten Zuschauerschaft produzierte, da erschien während der Pause plötzlich Leibi auf der Bühne und arbeitete mit den eben benutzten Gewichten so spielend, daß „Rheinlands Eiche" ihn entsetzt anflehte, er möchte doch ja aufhören, denn sonst würden die Leute glauben, seine Gewichte seien aus Pappe. Verbürgt ist auch die Geschichte, daß er einmal im Faustkampfe sieben Zimmerleute, die ihn zum Raufen aufgefordert hatten nacheinander niederftreckte Wie er niemals den Zeitströmungen Zugeständnisse machte, so machte Leibi sich auch aus Ehrungen nichts Ais er 1892 zum Professor ernannt wurde, meinte er nur: „Ich bin nie ein Professor gewesen und werde nie einer fein, aber meine Bilder werden Professoren werden." Während des Malens fiel er von einer Stimmung in die andere. Bald fang er in ausgelassenster Laune selbstgedichtete Schnadahüpfel, bald schimpfte er, mit Zornesfurchen auf der Stirn, auf seine Modelle ein, die aber trotz dieser etwas urwüchsigen Behandlung stets bei ihm aushielten. Die einfachen Leute zollten feiner Malkunst in ihrer Art tiefste Ehrfurcht. Als er das später in den Besitz der Hamburger Kunsthalle übergegangene Kirchenbild mit den Drei Frauen malte, klagte er eines Abends, daß er eine Faltenpartie am Kleide des Mädchens mit dem schönen Umschlagtuch nicht fertiggebracht habe. Am nächsten Vormittag fand er zu seinem Erstaunen, daß die Falten genau so lagen, wie am Tage zuvor. Das Mädchen hatte sich seine Betrübnis so zu Herzen genommen, daß es die Nacht sitzend im Kirchenstuhl verbracht hatte. , _ Am wvhlsten fühlte sich Leibl unter Bauern. Während er sich gegen neue Bekanntschaften, die aus gesellschaftlichen Gründen entstanden, immer unzugänglicher zeigte, lebte er in den bayerischen Dörfern im engen Verkehr mit den Landbewohnern. Am abendlichen Biertisch saß er meist schweigend da, anscheinend nur mit seiner Pfeife beschäftigt. Dor der Bauernarbeit hatte er so hohe Achtung, daß er in einer der zahlreichen Stunden, in denen er mit seinem Schaffen nicht zufrieden war, in die Worte ausbrach: „Es ist eine Schande, daß ein Mann mit solchen Kräften wie ich, so feine Arbeit treibt; was könnte ich als Bauer leisten." Was kleine Erfindungen einbringen können. Die Geschichte der Erfindungen weiß davon zu berichten, daß die Erfinder bedeutsamer, epochemachender Neuerungen keinen Gewinn von ihrer Arbeit hatten, ja daß sie sich Hohn und Spott gefallen lassen mußten und oft in großem Elend starben, ehe man den hohen Wert ihrer Erfindungen und Entdeckungen erkannte. Demgegenüber gab es aber auch kleine praktische Erfindungen, zu deren Zustandekommen es keiner besonderen Genialität bedurfte, und die jene, die zuerst diesen im Grunde vielleicht sehr einfachen Einfall hatten, zu vielfachen Millionären machten. So hat sich W. H. Palmer aus Baltimore, der Erfinder einer Verschlußkappe für Bier- und Sodawasferflaschen in kurzer Zeit ein riesiges Vermögen verdient, wenn er auch zunächst sechs Jahre nach einem Kapitalisten suchen mußte, der sich bereit fand, mit dem von ihm erfundenen Flaschenverschluß einen praktischen Versuch zu machen. Auch der Glückliche, der auf den Gedanken kam, die glatte Haarnadel durch eine gewellte zu ersetzen, wurde mühelos ein reicher Mann; er beobachtete, wie seine Frau sich mit den glatten Haarnadeln plagte und wollte ihr diese Mühe ersparen. Bis die Haarandeln überflüssig wurden, war sein Geschäft gemacht, und es brauchte ihn nicht zu grämen, daß nun auch seine Erfindung dem Wandel der Mode zum Opfer fiel. Der Mann, der zu«rst auf die Idee kam, am Ende des Bleistiftes gleich einen kleinen Radiergummi zu befestigen, wurde durch diesen Einfall ein reicher Mann, und ebenso erging es dem glücklichen Erfinder, der eine Klammer erfand, mit der man die Schleifen der Schuhbänder vor dem Aufgehen schützte. Auch der „Entdecker" des Kaugummis, der seine „Erfindung" 1871 patentieren ließ, ein ge- wisser Mr. Adams, wurde in kurzer Zeit Millionär. Ein stattliches Vermögen verdiente schließlich auch der erfinderische Kopf, der zuerst auf den Gedanken kam, einen Büchsenöffner zu konstruieren. In all diesen Fällen handelte es sich nicht um Erfindungen, die eine Frucht langen Experimentierens und jahrelangen Grübelns waren, sondern um praktische Einfälle, die der Zufall zuweilen einem Laien zuträgt. Oberheffen von den Lebensgewohnheiten und der Technik der wind Kitargii jffument Eine Neunzigjährige in Lich. K L i ch , 24. Ott. Ihren 9 0. Geburtstag kann am nächsten Sonntag, 2 8. Oktober, die älteste Bürgerin Lichs, Frau Wwe. Margarete Mitnacht, begehen. Körperlich noch recht rüstig und geistig frisch verfolgt sie noch mit regem Interesse die Geschehnisse des Tages. So nahm sie u. a. am vergangenen Sonntag als ältester lebender Zögling der Kleinkinderschule Lich auch an deren Jahrhundertfeier teil. Motorradunfatt bei Lich. ? Lich, 22. Okt. Ein folgenschwerer Motorradunfall ereignete sich am gestrigen Spätnachmittag unweit des Ortsausganges von Riede r - B e f s i n g e n auf der Chaussee. Der in einer hiesigen Schlosserei beschäftigte Ernst L a u n s p a ch aus Ettingshausen wollte mit seinem Motorrad einem entgegenkommenden Auto ausweichen, geriet ins Schleudern und fuhr hierbei einen Spaziergänger an. Bei dem Zusammenprall wurde er von seinem Motorrad geschleudert und blieb in bewußtlosem Zustande liegen. Er wurde von aus Laubach zurückkehrenden SA.-Sanitätern aufgefunden, die ihn in das hiesige städtische Krankenhaus einlieferten. Dr. Clauß (Lich) leistete die erste Hilfe. Bei dem Unfall hat er sich neben erheblichen Hautabschürfungen im Gesicht einen Schädelbruch zugezogen. Sein Befinden ist zur Zeit den Umständen entsprechend befriedigend, da keine Lebensgefahr mehr besteht. Der angefahrene Fußgänger, ein pensionierter Eisenbahnbeamter aus Rieder-Bessingen, kam glücklicherweise mit unerheblichen Beinverletzungen davon. Oie steinzeitliche Sievlung bei Treis. △ Collar, 23. Okt. In der Arbeitsgemeinschaft „Volksschule" des Bezirks Lollar des Nationalsozialistischen L e h r e r bu n d e s , die am Samstagnachmittag unter Leitung von Lehrer Eberle hier im Zeichensaal der Schule tagte, hielt Lehrer Walter- Treis einen interessanten Dortrag über „D i e ä l- tere Steinzeit und die steinzeitliche Siedlung bei Trei s." Dort wurden 1923/24 unter Leitung von Dr. Richter, der neuerdings die Ausgrabungen auf dem Glauberg leitet, umfangreiche Ausgrabungen vorgenommen, die oer- : schiedene Höhlen freilegten, in denen eine Unmenge Werkzeuge aus der älteren Steinzeit, die - mindestens 25 000 Jahre zurückliegt, gefunden wur- i den. Der Wohnort der frühesten Einwohner von > Treis befindet sich am Südostabhang des Tvten- 1 berges, auf dessen Gipfel sich ein Plateau, die sog. t „Platte", befindet, von der man annimmt, daß sie . künstlich geschaffen ist. Am Südostabhange des Berges dicht an der Gemarkungsgrenze nach Allen- dorf, befindet sich ein Felsenmeer. Hier wurden die = Höhlen freigelegt, die eine Siedlung der älteren > Steinzeit enthalten. Auf dem Boden der Höhlen i entdeckte man eine Menge von Quarzitstücken und t großen Knochen, die teilweise gesammelt und in . das Landesmuseum nach Darmstadt gebracht wur- ■ den. Dr. Richter stellte dann fest, daß es sich bei , den umherliegenden Quarzitstücken um Werkzeuge - der älteren Steinzeit handelte, deren Formen aus i anderen französiscken und deutschen Höhlen bekannt . sind. Die Ausgrabungen gaben uns ein klares Bild 210 Gramm. ** Beleuchtet die Hausnummern! Sv heißt der neuerliche Mahnruf an die Hausbesitzer. Roch wird er nicht allgemein beherzigt. Bedauerlicherweise fehlt in unserem fortschrittlichen Zeitalter die selbstverständliche Beleuchtung der Hausnummer in der Mehrzahl der Fälle, mit Ausnahme bei Neubauten. Hier sind die Besitzer mit gutem Beispiel vorangeaangen. Auch handelt es sich nicht um einen Luxus, sondern um eine Sache, die im Sinne des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung liegt und zur weiteren Belebung der Wirtschaft dienen soll! ** Verkehrsunfall. Gestern nachmittag stießen an der Ecke Ludwigstraße/Liebigstraße zwei Lastkraftwagen zusammen. Dabei wurde das Lastauto der Ziegelei Faber (Leihgestern) so erheblich beschädigt, daß es abgeschleppt werden mußte. Glücklicherweise kamen Menschen nicht zu Schaden. Die in Gruben fingen. Die Schicht auf dem Boden der Höhlen besteht fast ganz aus Knochen und Geräten aus Stein und Knochen. Etwa vorhandene Holzgeräte fi nb natürlich längst verwittert. Steintische und Platten zeigen, daß auf ihnen die Knochen zerschlagen wurden, um daraus das Mark zu gewinnen und um Pfriemen usw. daraus herzustellen. Auch dienten die Tische zur Herstellung von Steingeräten. Neben „Fertigfabrikaten", Schabern, Klingen usw. fand man halb fertige Geräte und Abfall. Als Material ist fast ausschließlich Quarzit, aber auch Hornstein verwendet. Anderwärts verwandte man Feuerstein. Einzigartig ist die Verwendung des Quarzites bei den Geräten von Treis, sowie deren Menge und Größe. Lichtbilder ergänzten und erklärten die Ausführungen des Redners. Wie sehr das Interesse der Zu- Hörer geweckt worden war, zeigte die angeregte Aussprache, die noch manches Interessante zutage förderte. In seinem Schlußwort dankte der Leiter dem Vortragenden und betonte die Wichtigkeit der Kenntnis der Heimat und ihrer Geschichte für den Lehrer. Im Anschluß an die Tagung der Arbeitsgemeinschaft fand eine Konferenz des Bezirksvereins in der Gastwirtschaft „Zur Bergschenke" statt. Landkreis Gießen. > A l l e n d o r f (Lahn), 23. Okt. Der Verein für Volkstum und Heimat trat am Sonntagabend zum erstenmal mit einer Veranstaltung an die Oeffentlichkeit. Der Saal der Gastwirtschaft „Zur Linde" war überfüllt, und diese Tatsache beweist wohl am besten das Interesse, das man dieser Neuerung entgegenbringt. Um es vorweg zu sagen: der Abend hat seinen Zweck erfüllt und dürfte wohl zu einer ständigen Einrichtung werden, trotzdem das ganze Programm nur von Kindern der Ober- klasse bewältigt wurde. Was diese unter Leitung ihres Klassenlehrers zeigten, ob Trachtengruppen (es waren so ziemlich alle Trachten der Umgebung vertreten), Hochzeitszug in Hüttenberger Tracht, Spinnstube, Winterabend auf dem Lande usw., gefiel so gut, daß oft stärkster Beifall gespendet wurde. Einzig waren die Vorträge in Mundart, die mit viel Liebe und Hingabe gebracht wurden und viel Heiterkeit erweckten. Der Leiter des Abends, Lehrer Kimmel, der zu Beginn Worte der Einführung sprach, betonte besonders, daß gerade derartige Abende dazu bestimmt seien, altes deutsches Volksgut, das in der Hauptsache auf dem Lande wurzele, lebendig zu erhalten. Welche Schätze seien gerade in der letzten Zeit der fortschreitenden „Modernisierung" zum Opfer gefallen, so u. a. die wun- derschönen Trachten, die Sitten und Gebräuche — Frauenbund der Deutschen Kolonialgemelnschaft, Frauenverein für Deutsche Uebersee, 20.15 Uhr, Cafö Leib, Kolonial-Vortrag über "Kolonien oder nicht?" — Deutsches Rotes Kreuz, Hesst cher Alice- rauenverein, Zweigverein Gießen, 20 Uhr, Depot, Sonnenstraße 2, Beginn eines Samarlterkurses . — Dolksmissionarisches Amt der evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen, 20 Uhr, Volks-Misstonsvortrag über „Eine deutsche Nationalkirche?" — Aus d e m S t a d t t t h e a t e r b u r o. Heute, Mittwoch, Operette „Polenblut". — Morgen, Donnerstag, NS.-Kulturgemeinde Operette „Polenblut (Siehe heutige Anzeige.) — Reichsbund Volkstum und Heimat. Feierliche Eröffnung der Winterveranstaltungen, 20 15 Uhr in der Aula des Gymnasiums. * Lollar, 23. Okt. Am Sonntagabend ereignete sich hier ein V e r k e h r s u n f a l l. Der 22jährige hiesige Schlosser Rudolf Ewald, der auf seinem Motorrad von den Scheinwerfern eines entgegenkommenden Kraftfahrzeuges geblendet wurde, kam mit seiner Maschine zu Fall und erlitt einen Bruch der linken Kniescheibe. Eine Frau, die er aus Gefälligkeit ein Stück Weges fuhr, stürzte ebenfalls und erlitt eine leichte Gehirnerschütterung. Beide Verunglückten mußten zur ärztlichen Behandlung nach Gießen gebracht werden. * Staufenberg, 23. Okt. Am Sonntag fand auf der Burg die erste Vorstandssitzung der jungen Heimatvereinigung Staufenberg — dies ist der endgültige Name — unter ihrem Fuh- rer, Dekan G uß m a n n - Kirchberg, statt. Die Der- einrgung wird dem Reichsbund „Volkstum und Heimat" angeschlossen und findet damit auch die be- hördliche Anerkennnung. 100 Mitglieder haben sich bereits in die Listen eingeschrieben. Für das lau- sende Jahr 1934 soll nur ein Betrag von 50 Pf. erhoben werden, um Mittel für die Deckung der entstehenden Unkosten und Auslagen zu gewinnen. Von 1935 an beträgt der Jahresbeitrag eine Mark. Für den 18. November ist auf der Bura ein erster Heimatabend für die Mitglieder und Angehörigen vorgesehen. wg. Großen-Buseck, 23. Okt. Im Saale von Pg. Wilhelm Wagner fand am Sonntag die feierliche Verpflichtung der hiesigen NS.- Frauenschaft statt. Die Führerin, Frau Schneider, begrüßte die Kameradinnen. Dr. Röder (Gießen) hielt sodann eine Ansprache, in der er über die Rechte und Pflichten der deutschen Frau sprach. Er wies Wege zur wahren Volksgemeinschaft und betonte, daß die Frauenschast berufen sei, Gegensätze auszugleichen. Nachdem Dr. Röder die Derpflichtungsformel vorgesprochen hatte, die alle Frauen nachsprachen, wurde das Gelöbnis durch Handschlag bekräftigt. Zunächst wurde die Führerin verpflichtet, die bann ihrerseits die Vereidigung der Mitglieder vornahm. Ferner wurden die Mitgliedskarten ausgehändigt. Durch Gedichtvorträge und Liedvorträge der Singschar der NS.-Frauenschaft wurde die Feier verschönt. Mit dem dreifachen Sieg-Heil auf Führer und Vaterland und mit dem Gesang des zweiten Verses des Deutschlandliedes fand die Feier ihren Abschluß. — Das Jungvolk sammelte Ende der vergangenen Woche Brot für das Winterhilfswerk. Innerhalb der Ortsgruppe wurden 418 Laib Brot zur Verfügung gestellt. In Großen-Buseck wurden 316, in Burkhardsfelden 75 und in Oppenrod 31 Laib Brot aufgebracht. — Bei der Bestellung seines Ackers fiel einem hiesigen Landwirt eine Egge so unglücklich auf den Fuß, daß er durch einen Eggezinken erhebliche Verletzungen erlitt. — Gegenwärtig ist man in unserem Dorfe damit beschäftigt, einen neuenKleinkaliberschieß- stand mit vier Bahnen auf eine Länge von 50 und 100 Meter zu bauen. Eine große Anzahl Volksgenossen hat sich zur Verfügung gefteüt und arbeitet mit. Einige Landwirte stellen ihre Fuhrwerke in den Dienst der Sache. Der neue Schieß- stand liegt ideal in einer Mulde zwischen Galgenberg und Oberstruth. * Ettingshausen, 23. Okt. Im Rahmen der Brotsammlung des Jungvolks wurden, hier als Sammelstelle für die umliegenden Orte, 349 Laibe Brot gesammelt und mit einem Lastauto nach Offenbach geschickt. Im einzelnen setzt sich die Sammlung wie folgt zusammen: Ettingshausen 96, Queck« born 90, Münster 45, Hattenrod 67, Harbach 51 Laibe. ch Lauter, 23 Okt. Heute abend fand in Grün» berg die Verpflichtung der hiesigen NS.» Frauenschaft statt. — Für die minderbemittelten Einwohner bietet sich jetzt eine gute Verdienst« möglichkeit. Ein auswärtiger Jagdpächter kauft für Winterfütterung des Wildes Eicheln, pro Zentner zu 3,50 RM. Diese Gelegenheit nutzte auch die hiesige Volksschulklasse aus, um dadurch dem Winterhilfwerk einen Betrag zur Verfügung zu stellen. Der abgeführte Betrag, der durch das Lesen von Eicheln an einem Nachmittag erreicht wurde, betrug 10 RM. (U Lich, 22. Okt. Die Schützengesell scha" L i ch beendete am gestrigen Tage ihr diesjähriges H a u p t f ch i e ß e n. Die Beteiligung war sehr rege, bas Ergebnis zeigte schöne Schießresultate. Eine große Anzahl Preise kam zur Verteilung. Die Preis« Verteilung fand am Abend im „Holländischen Hof statt. Die Würde des Schützetznkönigs errang mit 38, 38, 36 Ringen Braumeister Georg Maidhof, die des 1. Ritters errang mit 38, 38, 35 Ringen Adam Friedrich, 2. Ritter wurde mit 36, 32 Ringen H. T er t o r. Beim Schießen auf Festfcheibe (100 Meter) erzielte den 1. Preis mit 40 Ringen A. Friedrich, 2. mit 39 Ringen W. Hahn, 3. Erbprinz Dr. H e r ma n n Otto zu : Solms - Hohensolms . Lich mit 39 Ringen, 4. G. Mai >dhof, 38 Ringe; 5. H. Textor, 38; । 6. H. Menges, 38 Ringe. M e i ste r f ch e i b e , (100 Meter): 1. Preis W. Hahn, 34 Ringe; 2. H. ■ Textor, 34: 3. I. Jhring, 33; 4. A. Fried- - rich, 32; 5. G. Maidhof, 31; 6. H. Menges, i 31 Ringe. Kleinkaliber (liegend, freihändig): : 1. Preis W. Hahn, 35 Ringe; 2. E r b prinz Dr. In der jüngsten Monatsversammlung der Be- , rufsgemeinschast der Techniker der Ortsgruppe Gießen hielt — wie man uns berichtet — der Ingenieur und Maschinenbaulehrer Paul T i e l m a n n einen Dortraa über das Thema „Technokra - t i e". Der Redner entwickelte zunächst die Beziehungen zwischen dem Menschen und der Maschine und kam dabei besonders auf amerikanische Verhältnisse zu sprechen, von denen die „Technokratie" als Gedankengut des amerikanischen Ingenieurs Howard Scott ausgegangen ist. Der Redner stellte hierbei die Leistungen der menschlichen Hand der oft vertausendfachten Leistung der Maschine gegenüber und rückte dann die sinngemäße Frage „Was soll mit den überflüssig gewordenen Menschen und Arbeitskräften werden, wenn die Maschine ihr Tempo beibehält oder noch steigert?" in den Vordergrund. Don den Technokraten werde ein neues Wirtschaftssystem vorgeschlagen, das unter der Führung von Fachleuten eine Planwirtschaft vorschlage, die schließlich dazu führen solle, daß der Mensch nur vier Stunden an vier Tagen der Woche zu arbeiten habe, die übrige Zeit aber für sich verwenden und dabei doch leben könne. Durch die Maschine sei den Handwerkern großer Abbruch getan worden, allerdings seien durch die Maschine auch neue Handwerke entstanden. Der Stand des Arbeiters sei, wenn es auch dem einzelnen oftmals schlecht gehe, doch gehoben worden. In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner mit den Fragen des Besitzes und des Eigentums, mit der Bedeutung des Kredits und mit dem Zinssystem. Der Fabrikant, der neue Maschinen kaufe, tue es nicht, um seinen Arbeitern das Leben zu erleichtern, sondern um billiger und schneller produzieren zu können. An Hand von Beispielen legte der Redner dann die Forderungen der Technokraten dar und beschäftigte sich schließlich mit den Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung zur Behebung der Arbeitslosigkeit. Der Führer Adolf Hitler könne als der größte Technokrat bezeichnet werden, da er das wirtschaftliche Chaos in Deutschland im Laufe von anderthalb Jahren nicht nur zum Stillstand brachte, sondern der Wirtschaft immer neue Impulse gegeben habe. Die Maschine werde, wenn sie weiterentwickelt werde, wie es der Zufall gerade bringe, zur Gefahr für die Kultur des Menschen, die Vorteile würden aber doch überwiegen, wenn man der Maschine nur d i e Freiheit lasse, die nicht schaden könne. Selbstverständlich denke der Nationalsozialismus nicht daran, die technische Entwicklung aufzuhalten, oder zu unterbinden. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall. Alle diesbezüglichen Gesetze und Maßnahmen seien zeitbedingte Maßnahmen zur Ueberroinbung des augenblicklichen Notstandes. Der Kampf des Nationalsozialismus gegen die Arbeitslosigkeit sei erfolgreich in Angriff genommen worden. Wenn bei diesem Kampfe um Sein oder Nicht- ♦* Tagung des Ob e r h e s s i s ch e n Schwurgerichts. Am Dienstag nächster Woche wird das Schwurgericht der Provinz Oberhessen im Land- gerichtsgebäude zu Gießen zu einer Sitzung zu- ammentreten. Es kommen zwei Anklagen wegen Meineids zur Verhandlung. Die eine Anklage richtet sich gegen eine Frau von Bieber, die andere gegen einen Mann von Lauter. ** Fahrpreisermäßigung der Reichsbahn zur 5 8. Philologentagung in Trier. Zu der vom 27. bis 31. Oktober in Trier tatffinöenoen Philologentaguna gibt die Reichsbahn u. a. auch Sonntagsrückfahrkarten von Frank- urt a. M. Hbf. und Gießen aus. Gültigkeit: Hin- ahrt 27. Oktober von 0 Uhr bis 28. Oktober 24 Uhr; Rückfahrt: 27. Oktober 12 Uhr bis 2. November 12 Uhr (Antritt der Rückfahrt). Die Karten werden nur bei Vorlage der Mitgliedskarte des NSLB. oder einer Bescheinigung des Schulleiters ober ber Universitätsbehörde,' aus ber hervorgeht, baß bie 58. Philologentagung in Trier besucht wirb, ausge- qeben. Fahrpreis ab Gießen Hin- unb Rückfahrt über Koblenz: 2. Klasse 17,80 Mark, 3. Klasse 12,20 Mark. Bei Benutzuna von Schnell- unb Eilzügen ist außerbem ber tarifmäßige Zuschlag zu zahlen. ** Reichlich ausgewachsene Mohrrüben, sowohl ber Größe, wie auch bem Gewicht nach, hat ber Kreisstraßenwart i. R. Konrab Pfeiffer in Annerob in biesem Jahre geerntet. Herr Pfeiffer überreichte uns gestern aus einer großen Zahl gleichartig ausgefallener Mohrrüben ein Exemplar von 28 Zentimeter Länge, 27 Zentimeter Umfang an ber bictften Stelle beim Krautansatz unb mit einem Gewicht von 1 Pfunb unb (Spinnstuben), die alten deutschen Volkslieder usw. Das alles wieder zu erwecken und der Nachwelt zu erhalten sei Aufgabe des Vereins für Volkstum und Heimat Der Abend wurde in der üblichen Weife beschlossen und eine freiwillige Spende für das Winterhilfswerk erhoben. > Allendorf (Lahn), 22.Okt. Die Quellen unferer Wasserleitung sind so stark, daß das Wasser nur zu einem Teil abgenommen werden kann. Während andere Gemeinden kaum den notwendigen Bedarf aufweisen können, müssen bet uns jahraus jahrein große Mengen besten Trinkwafsers abgeleitet werden. Das ab- geleitete Wasser, das seinen Weg durch die Hauptstraße Allendvrfs nimmt, ist nun im Laufe der Zett zu einem Uebelftanb geworden, ber sich bejonbers im Winter unangenfjm bemerkbar macht. Del starkem Frost stauen sich bie Wassermengen, unb nicht selten sind bie angrenzenden Straßen kaum gangbar. Auch für bie anliegenben Häuser wäre biefer Zustanb auf die Dauer unhaltbar gewesen. Nun hat die Gemeindevertretung einen schon öfters erörterten Plan in die Tat umgesetzt. Das überschüssige Wasser wird an ber Quelle gefaßt und durch Rohre in einen Graben im Wiesengrund „die Lach" geleitet, von roo aus es seinen Weg in den nahen Kleebach nimmt. Durch die umfangreichen Erdarbeiten finden Dolksgenosfen auf einige Zeit Derdienstmöglichkeit. <£ Lollar, 23. Okt. Bei der von dem hiesigen Jungvolk mit großem Eifer betriebenen B r o t • sammlung für die Stadt Offenbach wurden 323 Brote zusammengebracht. Ursache des Unglücksfalles unterliegt noch der be- hördlichen Nachprüfung. , **EinAutoverbrannt. Am Montag gegen Abend geriet auf der Landstraße Gießen—Lollar in ber Nähe der Wellersburg das Auto (Hanomag) eines Gießener Einwohners in Brand. Die Flammen zerstörten den Wagen vollständig. Die Ursache ist anscheinend ein Vergaserbrand. Zum Glück kamen bei dem Unglücksfall Personen nicht zu Schaden. ** Diebstähle. Der Polizeibericht teilt mit: In der Zeit vorn 4. auf 5. Oktober wurde der Mülleimer Nr. 1545 vor dem Grundstück Hitlerwall 25 entwendet. Sachdienliche Mitteilungen an die Kriminalpolizeistelle erbeten. Bei der gleichen Dienststelle sind ein Herrenfahrrad, Marke „6. Q.C.", sowie ein älteres Fahrrad ohne Marke sichergestellt. Eigentumsberechtigte werden ersucht, bei der Kriminalpolizeistelle vorstellig zu werden. . . ** Das Bein gebrochen. Die 32jährige Ehefrau des Arbeiters Sinn von hier, Katharinengasse 8, kam unglücklich zu Fall und erlitt einen Bruch des rechten Unterschenkels. ** Der Bund h e i m a t t r e u e r S ch le s i e r (Deutscher Ostbund) behandelte in seiner jüngsten Monatsversammlung im Vereinslokal Hotel K ö h - l e r in erster Linie Organisativns- und Werbemaß- nahmen. Der Dereinsleiter K o st o r z gedachte des Geburtstages des verstorbenen Generalfelbmarfchalls v. Hindenburg, eines Sohnes der Ostmark, dem der Dank der Grenzmärker über bas Grad hinaus gesichert sei. Die Versammlung ehrte den verstorbenen Fritz Schott, den Gatten der Landsmännin Else Schott, einer tapferen Oberschlesierin, bie für den Kampf um bie Heimat, bie für eine Frau seltene Auszeichnung bes Schlesischen Ablers I. unb II. Kl. vor bem Feinb besitzt. Sehr bebauert würbe ber Fortgang bes stellvertretenben Dereinsleiters Stu- bentenpfarrer W. Sucker, bem ber Vorsitzende freundliche Dankesworte roibmete. Das Amt soll bann roieber besetzt werben, wenn bie Gauleitung über den nus Gesunbheitsrücksichten geforderten Rücktritt bes 1. Dorsitzenben entschieben hat. Die Werbung aller Ostdeutschen soll großzügig und intensiv betrieben werden, damit schon im kommenden Jahr die Sonderfahrten nach bem Osten angesetzt werben, für die die Ostmärker unter den westdeutschen Volksgenossen werben sollen. Demnächst werden die Mitgliedsbücher ausgegeben. Im näcysten Monat spricht Professor Bechtel. Die Vorbereitungen für einen Ostdeutschen Heimatabend sind im Gange. Der Vorsitzende wies auf bie Arbeit des Reichsbundes Volkstum und Heimat hin, dessen Vortragsreihe am Mittwoch, 24. Okt., mit einem Lichtbildervortrag beginnt. Dem 20. Otober 1921, einem der schwärzesten Tage in ber deutschen Geschichte, da der Genfer Schiedsspruch bem wehrlosen Deutschland den an Gruden und Hüttenwerken reichsten Teil Oberschlesiens entriß, widmete der Vereinsleiter eine kurze Betrachtung. Dabei gedachte er des tapferen Selbstschutzes und der Freikorps, ohne deren Eingreifen noch ein größerer Landstreifen verloren gegangen märe. Er gab ferner eine Schilderuna der. durch die Schuld der früheren Regierung nicht bis in das Reich gedrungenen unerhörten Leidenszeit unter der „Aera der Freiheit und Gerechtigkeit" des berüchtigten französischen Generals LeRond. Erst Adolf Hitler fei eine Entspannung unb Besserung ber Verhältnisse zu nerbanfen. Jnbem bie Grenzmärker ber unvergessenen Schwestern und Brüder gedachten, gelobten sie erneut Gehorsam unb Ergebenheit dem Führer und Reichskanzler. damaligen Menschen. Die gefundenen Knochen stammen von Waldpferd, Bison, Moschusochse, Mammut und anderen, einer Tierwelt, die zeigt, daß damals hier ein kaltes Klima geherrscht haben muß. Es war die Eiszeit, in der fast ganz Deutschland von Eis bedeckt und nur stellenweise baumlose Steppe anzutreffen war. Auf der Suche nach Jagdtieren kam wohl damals eine Horde der Eiszeitmenschen in unsere Gegend, wo sie günstige Daseinsbedingungen fand. Sie entdeckten an der Südseite des Totenberges die vor dem Nord- ' geschützten Höhlen fand das zur Herstellung ihrer Geräte geeignete Material, sah im Lumdatal Weide- und Tränkplätze des Wildes, das sie wohl Platzmusik unterer Militärkapelle. Am morgigen Donnerstag, 25. Oktober, veranstaltet unsere Gießener Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krauße um 17 Uhr auf dem Landgraf-Philipp-Platz Platzmusik mit nachstehender Vvrtragssolge: 1. „Kvnigsmarsch" von Richard Strauß; 2. Ouvertüre zur Oper „Rienzi" von Richard Wagner; 3. „Ein Albumblatt" von Richard Wagner; 4. „Neu Wien", Walzer von Johann Strauß; 5. „Das ganze Deutschland soll es sein", vaterländisches Potpourri von Hermann Blume. Festnahme eines schweren Zungen. Die Kriminalpolizeistelle Gießen berichtet: Am 19. Oktober wurde der 27jährige Fritz Helmuth R e n tz s ch aus Plauen im Vogtland in unserer Stadt festgenommen, da er in dringendem Verdacht stand, abends zuvor aus der Kasse eines Metzgerladens in Steinbach den Bettag von etwa 40 Mark entwendet zu haben. Die dortigen Verhältnisse waren ihm bekannt, da er die vorhergehende Nacht in dem betreffenden Geschäftshaus unter bem falschen Namen „Walter Lorenz geschlafen hatte. Im Verlaufe ber Ermittlungen stellte es sich heraus, baß man es in ber Person des Rentzfch mit einem abgefeimten Verbrecher zu tun hat, der bereits wegen schweren Diebstahls mit Zuchthaus bestraft worden ist und von einer auswärtigen Strafverfolgungsbehörde wegen bes gleichen Delikts steckbrieflich verfolgt wirb. Außer dem Diebstahl in Steinbach konnte ihm em weiterer Diebstahl, den er kürzlich in UI J a begangen hat, zur Last gelegt werden. Im Besitze des Rentzsch befand sich ein guterhaltenes Fahrrad, Marke „Dromos", Fabriknummer 83150. Es handelt sich hierbei um ein besonders stark gebautes Rad mit doppelten Rahmenstangen. Am Hmter- gestell befinbet sich eine Bornchiung ?um Anho^ gen eines zweiräderigen Lieserwagelchens. Rentzj ch will dieses Rad kurz vor seiner Festnahme meinem Dorfe zwischen Hungen, und Lich (DßrmutM) Langsdorf) von einem jungen Joanne für 15 Mark gekauft haben. Bei seiner Festnahme trug Rentzsch Amtswalterkleidung, sowie das Parteiabzeichen der NSDAP., ohne, wie er selbst zugab^ hierzu berechtigt zu sein. Er wird sich deshalb noch vor dem Sondergericht zu verantworten haben. Rentzsch wurde der hiesigen Staatsanwaltfchaft zu- aeführt und auf deren Antrag in Untersuchungshaft genommen. Personen, die nähere Angaben über das erwähnte Fahrrad machen können, werden gebeten, sich mit der hiesigen Kriminalpolizei- ftelle ins Benehmen zu setzen. LerufSgemeinschast der Techniker der Ortsgruppe Gießen. fein nicht immer und überall rein wirtschaftliche Gesichtspunkte maßgebend gewesen seien, so beruhe das darauf, daß ethische, psychologische und erzieherische Momente in erster Linie berücksichtigt werden mußten. Das Endziel der nationalsozialistischen Regierung sei, Deutschland die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt wieder zu erobern. Der Wille hierzu fei da und verkörpert in der Person des Führers Adolf Hitler. An den Volksgenoffen liege es, ihm zu vertrauen. (Lebhafter Beifall.) Der Vertrauensmann der Ortsgruppe, Dr. C o - bürget, dankte dem Vortragenden im Namen der Hörer für die lehrreichen Ausführungen. Nachdem der geschäftliche Teil erledigt war, wurde die Versammlung mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler geschlossen. Vornotizen. — Tageskalender für Mi11w och: Reichsbund Volkstum und Heimat, 20.15 Uhr, Aula des Gymnasiums, Eröffnung der Winterveranstaltungen mit Lichtbildervortrag von Stadtbaurat G r a d e r t über „Wie unsere Stadt entstanden ist". — NSLB. Gießen-Land, 15 Uhr, Hotel Köhler, Bezirksver- fammlung. — Stadttheater, 19.30 bis 22 Uhr, „Polenblut". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Die Insel". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17. Uhr, Gemäldeausstellung. 2 3i 1. 51 Dl W Dl w DO L B tl t st ii 9 b Ä bie 2iG M eiii boh niet den heil f. 6d)l cinii die bekc ) ine 3»a ftü e i c i i i l l f e Ü ei v ii ma V S (§ ni 1 i j 2 2 € Hermann Otto v. Solms-Hobensolms L i ch , 35; 3. I. Ihring , 34; 4. G. Maidhof, 34; 5. H. Textor, 33; 6. F. Trechsler, 33; 7. f). Menges, 32; 8. Gg. Schäfer, 31; 9. K. Nickel, 31. 10. Grösche, 30 Ringe. § Lich, 23. Okt. Die Brauerei Jhring- Melchior (Lich) spendete zum diesjährigen Winterhilfswerk den Betrag von 3 0 0 0 Mark, womit sie erneut ihre von jeher bekundete soziale Gesinnung unter Beweis stellte. — Bei der vom Jungvolk in unserer Stadt durchgeführten Brotsammlung konnten dem WHW. 373 Laib Brot übergeben werden. Die Sammlung beim Eintopfgericht ergab den Betrag von 254,30 Mark. Lich, 23. Okt. Der R e i ch s b u n d „Volkstum und Heimat" veranstaltete in Gemeinschaft mit dem VHC., Zweigverein Lich, dieser Tage im „Holländischen Hof" einen Heimatabend. Nach Begrüßung durch den Ortsringführer des Reichsbundes, Rektor Erb, und Verlesung eines Aufrufes des Gebietsbeauftragten für Rheinfranken und Hessen des Reichsbundes, in dem Zweck und Ziel des Reichsbundes „Volkstum und Heimat" dargelegt waren, hielt Lehrer S a m e s (Lich) einen Vortrag über „Die hessische Heimat". Er führte die Besucher, unterstützt durch die Vorführung von Lichtbildern, im Geist durch den schönen Vogelsberg, zeigte an Hand der Lichtbilder die Schönheiten der einzelnen Städte und Orte, die mit ihrem Heimatboden fest verwurzelten, kernigen Menschen und weckte durch seine lebendigen, zündenden Worte in den Anwesenden die Sehnsucht, sich diese Schönheiten selbst zu erwandern und somit die Liebe zur Heimat. Der Dank aller wurde Lehrer Games für seine Ausführungen zuteil. Am Schluß des Abends gab der Ortsringführer noch einige Anordnungen des Gebietsbeauftragten gegen die Verschandelung des deutschen Heimatbildes bekannt. ^) Lich, 24. Okt. Das im Auftrage der N S.- G e - meinfchaft „Kraft durch Freude" seit Mai tätige Kasperle-Theater Mainzer K ü n st l e r gab aestern in Steins Saalbau zwei Vorstellungen. Dis Nachmittagsvorstellung erfolgte für die Kinder und ihre Lehrer. Die Künstler wußten mit ihrem Spiel — altes deutsches Volksgut — die Zuschauer zu fesseln und zu begeistern. Dies bewiesen die zahlreichen Ausrufe der Kinder. Ein Blick hinter die Bühne zeigte den Zuschauern die stilvollen Puppen und Kulissen und führte ihnen vor Augen, mit welch einfachen Mitteln die künstlerischen Wirkungen erzielt wurden. In der Abendvorstellung, zu der die Gliederungen der Partei eingeladen waren, gelangte zur Aufführung „Kasperle in Genf", „Kasperle und der Handelsjude" — beide mit satirischem Inhalt — und zum Schluß „Kasperle und der Polizist". Große Lachsalven lösten hierbei die deutlichen Anspielungen auf örtliche Verhältnisse und Persönlichkeiten aus. Reicher Beifall belohnte die Vorführungen, die einen guten Besuch zu verzeichnen hatten. csd Eberstadt, 23. Okt. Am Samstag zeigte die Gaufilmstelle der NSDAP, im Saale Wedemann den Film „Kampf um die Scholle". Die Veranstaltung war gut besucht. — In der vergangenen Woche hatte sich auch unser Jungvolk in den Dienst des Winterhilfswerkes gestellt. Schon am Donnerstag klangen muntere Lieder durch die Dorfstraßen. Nach dem Umzug eilten die Jungens von Haus zu Haus, um sich Brote zu erbitten, die am Samstag abgeholt wurden. Das Ergebnis der Sammlung war gut. * Hungen, 23. Okt. Am 1. November findet in Hungen der größte Markt des Jahres, der Allerheiligenmarkt, statt. £ Hungen, 23. Okt. Unser Rathaus wurde im Dachstock und Anbau (Treppenaufbau) gründlich renoviert. Der Außenverputz soll später erneuert werden. Das Rathaus hat schon den verschiedensten Zwecken gedient; so wurde es schon als Kreisamt, Steuerkommissariat, Höhere Bürgerschule und als Schule benutzt, bis vor 20 Jahren die Bürgermeisterei hineinverlegt wurde. Das Gebäude hat auch historische Bedeutung, wurde doch in ihm von dem bekannten Forstmann Georg Ludwig Hartig die e r st e Forstschule gegründet. Nach Hartig ist auch eine Straße in unserer Stadt benannt. Handball-Nepräseniaiivspiel in Gießen. Gau Nordhessen gegen Gau Baden. Vom Fachamt für Handball sind die ersten Treffen um den deutschen Handballpokal angesetzt worden, dabei ist — wie bereits berichtet — Gießen als Austragsort für das Spiel unseres Heimatgaues Nordhessen gegen den Gau Baden gewählt worden. Allen Sportinteressenten Gießens und seiner Umgebung steht somit am Sonntagnachmittag auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe ein sportliches Ereignis ersten Ranges bevor. Beide Gauvertretungen find bemüht, weiterhin im Wettbewerb zu bleiben und erscheinen daher mit ihren stärksten Mannschaften. Die Nordhessen werden einen sehr schweren Stand haben, da die Badenser über ausgezeichnetes Spielmaterial, gedacht sei in erster Linie an die Leute von Mannheim-Waldhof, verfügen. Wir lassen eine Mannschaftsbesprechung in den nächsten Tagen folgen. Der Gau Baden stellt folgende Mannschaft: Rohr (Tgd. Ketsch); Eppel, Leiderich (Tgd. Ketsch); Rutsch- monn (SV. Waldhof), Schwöbei (TV. 62 Weinheim), Keilbach (Tad. Ketsch); Zimmermann (SV. Waldhof), Gund (Tgd. Ketsch), Spengler, Herzog (SV. Waldhof), Fischer (VfR. Mannheim). — Die nordhessische Elf ist noch nicht endgültig nominiert. Stand der Spiele in der Handball-Gauliga. Die Tabelle der nordhessischen Fuhball-Gauliga. Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. 1900 3 0 0 22:14 6:0 Tuspo. 86/09 3 0 2 37:14 6:4 Bettenhausen 2 0 1 20:18 4:2 Tura Kassel 2 0 1 19:19 4:2 Kirchbauna 2 0 2 34:29 4:4 C. T. 1 1 1 ° 22:19 3:3 Kurhessen 1 1 2 34:28 3:5 Tv. Wetzlar 1 0 2 14:18 2:4 Tv. 61 Eschwege 1 0 2 13:20 2:4 Sp. C. 03 0 0 3 10:26 0:6 Spiele Tore Punkte Borussia Fulda 5 18:2 9:1 Hanau 93 5 9:5 7:3 VfB. Friedberg 5 12:12 7:3 Hessen Hersfeld 4 10:4 6:2 Germania Fulda 6 10:11 6:6 SV. Kassel 5 8:9 5:5 Kassel 03 4 5:6 3:5 ©pvg. Langenselbold 6 10:20 3:9 Kurhessen Kassel 4 5:10 1:7 Sport Kassel 4 * 3:11 1:7 Der Stand der Spiele in der Vezirksklafse. gern. unentsch. verl. Tore P. Wetzlar 4 — 1 15:6 8:2 1900 4 — 2 15:7 8:4 Bissenberg 3 — 2 14:8 6:4 Fronhausen 3 — 2 9:12 6:4 VfB.-Reichsbahn 3 —■ 3 11:14 6:6 Naunheim 2 1 1 12:10 5:3 Watzenb.-Steinberg 1 1 3 9:12 3:4 Dillenburg 0 1 3 1:12 1:7 Sinn 0 1 3 3:9 1:7 , SCTeutonia^Watzenbom-Steinberg Tugend und zweite Mannschaft erzielen beacht- uche Siege, die erste Mannschaft sicherte sich nach hartem Kampfe einen Punkt. — Schon am Vormittag weilte die Jugendmannschaft des VfB.-R. Gießen bei der Jugend der Teutonen. Die Platzmannschaft zeigte in dem recht sportlich durchgeführten Kampfe vorzügliche Leistungen und siegte mit 5:0 (2:0) verdient. Die zweite Mannschaft hatte die gleiche des SpV. Lollar zum Gegner. Dieses Treffen wurde mit flüssigen Kombinationen begonnen und das Tempo zusehends verschärft. Lollar setzte sich zu jeder Zeit für einen Erfolg ein, mußte sich aber dem besseren Gegner beugen. Lollar trat nur mit 10 Mann an. Endresultat 8:0 (5:0) für Watzenborn-Steinberg. Als die Ligamannschaft von Sinn der ersten Mannschaft der Teutonen gegenübertrat, umsäumten zahlreiche Zuschauer den Platz. Die Gäste, die bis jetzt alle Spiele verloren hatten, ebenso wie die Teutonen (von dem Sieg gegen Fronhausen abgesehen), glaubten gegenseitig den Schwächeren anzutreffen. Um es vorweg zu erklären: das Resultat von 1:1 entspricht dem Spielverlauf. Mit scharfem Tempo begann der Kampf. Die Gäste zeigten sofort, daß sie recht ernst zu nehmen sind. Durch Steilvorlagen kommen sie oft in Watzenborn-Steinbergs Hälfte, hier fehlt ihnen allerdings ein plazierter Torschuß. Durch zu engmaschige Kombinationen des einheimischen Sturmes ist den Gästen stets Gelegenheit gegeben, erfolgreich abzuwehren. In der 5. Minute kam der Teutonen-Halbrechte zum Schuß und brachte damit seine Mannschaft in Führung. In der Folge spielte die Platzmannschaft leicht überlegen, die Gäste wehren aber hart ab. Bei den Durchbrüchen der ©inner sah es manchmal nach dem Ausgleich aus, er wurde aber erst kurz vor Halbzeit von ihnen erzielt. War bis jetzt das Spiel schon spannend, so wurde es dies nun noch in erhöhtem Maße. Oft winkte für die Teutonen der Erfolg, aber hart — über die Maßen hart — wurde Lang angegangen und im Strafraum zu Fall gebracht. Der Schiri schritt nicht ein. Zweimal Handspiel der ©inner im Strafraum übersah er. Auf der anderen Seite rettete der für den erkrankten Wehrum in der Verteidigung spielenden Fett im leeren Tor. So trennten sich nach hartem Kampfe zwei spielerisch gleichwertige Gegner. Die Torchancen der Teutonen überschritten zahlenmäßig die der Gäste. Vorbereitungen für die Eislaufzeit. Aus der Mitgliederversammlung des Cisvereins. Am Montagabend fand die Mitgliederversammlung des Gießener Eisvereins e. D. im Eissporthaus an der Moltkestraße, verbunden mit einer Vorstandssitzung statt. Aus den Tätigkeitsberichten der ©portwarte ergab sich, daß das Interesse an den verschiedenen Zweigen des Eissportes stetig im Wachsen begriffen ist. Durch den Ausfall der Meisterschaften des ©WDERV. hatten die Kunstläufer keine Gelegenheit, an Wettkämpfen teilzunehmen. Jedoch konnte die Eishockey-Mannschaft verschiedene Spiele austragen Die Eisschützen beteiligten sich an den Meisterschaften in Braunlage und an anderen Wettkämpfen. Um auch für die Abendstunden bessere Uebungs- möglichkeiten zu schaffen, entschloß sich der Verein zu Verbesserungen der Beleuchtungsanlagen. Eine völlige Erneuerung wird jedoch erst dann erfolgen können, wenn die Frage der Verlegung der Eisbahn nach jenseits der Wolfstraße entschieden ist. Wie in den vergangenen Jahren, so soll auch in diesem Jahre das zur Vorbereitung auf den Eislauf so außerordentlich wichtige 'Rollschuhlaufen wieder ausgenommen werden. Uebungsstunden in der Volkshalle unter Leitung von Herrn Dr. Pfeffer sind vorläufig vorgesehen für Montag abend und Sonntag früh. Da der Verein die entstehenden Unkosten fast ganz fragt, konnte die Teilnehmergebühr je Uebungsstunde auf 10, die Mietgebühr für Rollschuhe gleichfalls auf 10 Pf. herabgesetzt werden. Die Entsendung eines Läufers zum Olympiakurs in Berlin, der in der ersten Novemberwoche beginnt, wurde in Erwägung gezogen. Die Beschickung des Eishockeykursus in München durch Mitglieder der hiesigen Mannschaft scheiterte leider an der Kostenfrage. Die Eintritts- und Abonnementspreise konnten, nachdem sie im Vorjahre erheblich gesenkt worden waren, nickt weiter ermäßigt werden. Jedoch genießen Kinoerreiche und Arbeitslose, Studenten und Schulen weiterhin erhebliche Vergünstigungen. Es soll bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt bleiben, daß aus diesen Beiträgen die Unterhaltung der ganzen weitläufigen Anlage bestritten werden muß und daß im vergangenen Winter allein an Arbeitslöhnen nahezu 2000 Mark aufgewandt werden mußten. DfD.-Reichsbahn-Leichtathletik. VfV.-Leichtathleten beim Gepäckmarsch. Unter Kontrolle des Sturmmannes Franz F i - scher 4/M 147 (Inhaber des SA.-Lehrscheines) erledigte der VfB.R. am Sonntag den angekündigten Gepäckmarsch. Der Marsch führte bei 25 Pfund Gepäck über 25 Kilometer. Die Teilnehmer gingen eine Runde auf dem Sportplatz, verließen diesen dann, um am Platz vorbei in die 1. Schneise auf der Licher Straße einzubiegen. Dann ging es bis auf den Marktplatz in Lich, hier am Wendepunkt wurden die Kontrollmarken abgegeben, um die lange Heimreise ohne Pause sofort wieder anzutreten. Zum Schluß mußte noch eine Runde auf dem VfB.-R.- Sportplatz gegangen werden. 14 Mann traten an und 13 gingen durch das Ziel. Nur einer mußte wegen ernstlicher Beschwerden vorzeitig aufgeben. Der Sieger Anton Sobezak verdient, besonders genannt zu werden. Er führte vom Start bis ins Ziel in flottem Tempo und gewann in der hervorragenden Zeit von 2.27,05 Stunden. Das Ergebnis: 1. Anton Sobezak 2.27,5; Stunden; 2. Rudolf Fischer 2.32,2, 3. Alfred Bormuth 2.45; 4. Karl Pfaff 2.59; 5. Theo Weber 3.04; 6. Helmut Treser 3.09,2; 7. Willi Berghöfer 3.10; 8. Otito Rodriguez 3.14; 9. Heinz Huppert 3.21; 10. und 11. Carl Rinn und Waldemar Kirchheimer je 3.26; 12. Willi Schön 3.31; 13. Willi Ernst 4.07. Kraft- und Sportklub 1893. Gießen 93 — Hessen-Preußen ftaffd 12:9. Vor zahlreichem Besuch führte vergangenen Sonntag der 1. Kraft- und Sportklub 93 seinen ersten Meisterschaftskampf gegen Hessen-Preußen Kassel durch. Außerdem wurde der Rückkampf gegen Friedberg ausgetragen. Die Gießener Mannschaft hielt sich gut und gewann den Meisterschaftskampf nach äußerst harten Kämpfen. Gegen Friedberg konnte sich die einheimische Mannschaft nicht durchsetzen. Allerdings war die Gießener Mannschaft durch die harten Kämpfe gegen Kassel stark abgekämpft und mußte eine knappe Niederlage ein- stecken. Als Kampfleiter fungierte Herr Schwalm aus Alsfeld in gewohnt sicherer Weife. Die Veranstaltung wurde durch eine kurze Ansprache des Vereinsführers Hendrich eingeleitet. Der Verlauf der Kämpfe. Kassel — Gießen (Kassel jeweils zuerst genannt): Bantamgewicht: Da der Gast zu schwer ist, fallen die Punkte kampflos an Walter-Gießen. 3:0 für Gießen. Federgewicht: Kannstein und Funk zeigen einen äußerst lebhaften Kampf, den Funk in 6 Minuten durch Hamerlok mit Halbnelson für sich entscheidet. (6:0 für Gießen!) Leichtgewicht: Im schönsten Kampf des Abends verliert Rogall gegen Vetter (JR. 15) in 9,5 Min. durch seitlichen Ausreißer. Der Gießener erntet ob dieser prächtigen Leistung stürmischen Beifall. (9:0 für Gießen.) Weltergewi/ht: In Löwe und Meininger stehen sich zwei gleichwertige Ringer gegenüber. Meininger legt sich in der 5. Minute bei Aus- führuna eines Schleudergriffes selbst. (9:3 für Gießen.) Mittelgewicht: Zinke und Belloff liefern sich einen hartnäckigen Kampf. Bellos verliert in der 4. Minute überraschend durch Ueberstürzer mit Halbnelson. (9:6 für Gießen.) Halbschwergewicht: Hildenbeutel wird von Weiß (JR. 15) in 7 Minuten mit Untergriff überrascht und blitzschnell auf die Schultern befördert .(12:6 für Gießen.) Schwergewicht: Der junge Gießener Emmerich hat in Höhle einen äußerst starken Gegner. Anfänglich in Fübrung liegend, wird er von dem Kasseler durch blitzschnellen Armfallgriff besiegt. (12:9 für Gießen.) Gießen 93 — Stemm- und Ringklub Friedberg 7:12. Nach kurzer Pause trat die Gießener Mannschaft gegen Friedberg zum Rückkampf an. Gießen hat diesmal Tuzel im Weltergewicht eingesetzt. Bantamgewicht: Römer-Friedberg überrascht den noch unerfahrenen Walter in 2 Minuten durch Hüftschwung. Walter ist eine Hoffnung für die Gießener Mannschaft. (3:0 für Friedberg.) Federgewicht: Sehr überraschend kam die Schulterniederlage von Funk Gießen. Er wurde von dem untersetzten Friedberger Noll in 2 Minuten durch Ueberstürzer besiegt. (6:0 für Friedberg.) Leichtgewicht: Ein äußerst harter Kampf ent- fpinnt sich zwischen Stoll-Friedberg und Vetter, ©toll wird Punktsieger. (8:0 für Friedberg.) Weltergewicht: Nach kurzem Kampf kommt der Dorroärtsftrebenbe Tuzel gegen Sliepen-Friedberg durch Hüftschwung zum Schultersieg. (8:3 für Friedberg.) Mittelgewicht: Belloff greift den Fried- berqer Michel stürmisch an und siegt in 5 Minuten. (8:6) für Friedberg.) Halbschwergewicht: Für Born und Weiß ist die Matte zu klein. Sie trennten sich nach hartem Kampf unentschieden. (9:7 für Friedberg.) Schwergewicht: Nach hartem Widerstand verliert Emmerich in 13 Minuten gegen Wagner-Friedberg. (12:7 für Friedberg.) — Zum Schluß fei noch erwähnt, daß die Friedberger Mannschaft gut gefiel und verdient gewann. Sieger-Ehmng beim Post-Sporkverein Gelegentlich seines zweiten Stiftungsfestes wurden den Siegern folgende Auszeichnungen überreicht: Kurt Strack als dem erfolgreichsten Jung- sthützen die goldene Ehrennadel des Vereins für die Verinsmeisterschaft. Außerdem errang Herr Strack oen ersten Preis im Verinspreisschießen. Für feine Leistungen im Kleinkaliberwettkampf der Deutschen Post-Sportvereine erhielt er eine Bronzemedaille. Die gleidje Auszeichnung erhielt auch der Hauptschieß- leiter des Vereins Heinrich Kern für feine unermüdliche Kleinarbeit, die erst die schönen Erfolge des Post-Sportvereins ermöglicht haben. Für den Besuch der Uebungsstunden erhielt der Schütze Wilhelm l a ch eine von der Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Post-Sportvereine gestiftete Plakette. Der Vereinsführer sprach die Hoffnung aus, daß auf dem beschrittenen Wege weitere Erfolge, auch bei den anderen Sportabteilungen, errungen werden möchten. Abturnen im Turverein Lang-Göns. Am Sonntag veranstaltete der Turnverein Lang- Göns sein Abturnen, das zugleick mit einer Werbe- funbgebung für bas beutfdje Frauenturnen Der» bunben war. Nach Begrüßungsworten bes 1. Vor- sitzenben K. Müller sprach Dietwart A. Schmidt über ben Wert bes Frauenturnens. Er bemerkte, baß man gerabe in heutiger Zeit großen Wert auf bas Frauenturnen legen müsse, bamit bie Frau zur Hüterin beutscher Art unb beutschen Blutes werbe. Anschließend bewiesen bie Turnerinnen durch Vorführungen von Freiübungen, Reigen unb Keulenübungen unter ßeituna bes Frauenturnwartes Dem, baß sie ihren Körper stählen unb gesund erhalten. Auch die Schüler und Schülerinnen zeigten einiges von dem, was in mühevoller Vorarbeit in den Turnstunden erarbeitet wurde. Zum Abschluß wurde noch ein Fünfkampf der Turner ausgetragen, der aus Keulenweitwurf, Kugelstoßen, Weitsprung 100-Meter-Hindernislauf und 100-Meter-Lauf bestand. In hartem Kampf wurde bei guten Leistungen um den Sieg gerungen. Der Tv. Lang-Göns hat mit seinem Abturnen wieder einmal bewiesen, daß er mitarbeitet am großen Ziel der Volksertüchtigung im Dienste an Führer, Volk und Vaterland. Handball im Gau XII Lahn-Oillkreiö. Vezirksklafse. Tv. Lützellinden — VfV.-kurhefsen Marburg 9:5 (4:4). Ein überaus schönes Spiel, das die Zuschauer in ieder Phase im Bann hielt und einen wechsel- vollen Verlauf nahm. Während sich beide Mannschaften bis zur Pause in die Erfolge teilten, konnte Lützellinden in der zweiten Hälfte durch die größere Schnelligkeit feines Sturmes das Spiel klar für sich entscheiden. Die Gäste waren wohl technisch belfer als die Platzbesitzer, kamen aber gegen die stabile Hintermannschaft und das taktisch gute Spiel dieses Mannschaftsteiles nicht auf. Turn- und Sporfgemeinbe 03 Niedergirmes — Mlv. Gießen 5 : 4 (abgebrochen). Das Spiel war ein harter Kampf und streifte öfters die Grenzen des Erlaubten. Die Platzbesitzer boten eine recht gute Leistung und lieferten den Gästen ein ebenbürtiges Spiel. Das Spiel wurde nach dem Wechsel vom Schiedsrichter abgebrochen. Kreisklasse I. Tv. Lich — Tv. Heuchelheim 5:6. Die Gäste mußten sehr um den Sieg kämpfen. Die Mannschaft bot im allgemeinen Die bessere Leistung und hat den Sieg verdient. Heuchelheim steht nunmehr in dieser Gruppe klar an der Spitze. Tv. Ahbach — Tv. Hochelheim 4:11 (1:7). Beide Mannschaften lieferten sich ein schönes Spiel, das von den Gästen verdient gewonnen wurde. Die Mannschaft war den Platzbesitzern klar überlegen. Die größere Schnelligkeit war ausschlaggebend für den Sieg. Tv. Groh-Rechlenbach — Spv. 05 Wetzlar 9:6 (4:4). Trotz der Niederlage zeigten die Gäste gute Leistungen und machen bestimmt noch von sich reden. Das Spiel trug den Charakter eines Werbespieles. Nachdem die Partie bis zum Wechsel noch remis 4 :4 lautete, wurde dieselbe nach dem Wechsel durch die größere Durchschlagskraft der Einheimischen zu deren Gunsten entschieden. Kreisklasse II. Tv. Romrod — Tv. Alsfeld 4:3 (1:2). Die Gäste waren vor dem Wechsel stets etwas im Vorteil und erreichten eine 2:1-Führung, die allerdings nach der Pause bald ausgeglichen wurde unb auf die Platzbesitzer überging. Mit je einem Tor auf beiden Seiten trennten sich beide Mannschaften. Der knappe Sieg für Romrod war verdient. Tv. Garbenleich — Tv. Grüningen 7:8 (5:3). Beide Mannschaften waren sich durchaus ebenbürtig, lieferten sich aber ein wenig schönes Spiel. Nachdem der Kampf bis zur Pause noch 5:3 für die Platzmannschaft stand, kamen die Gäste nach dem Wechsel zum Ausgleich und errangen bis zum Schluß noch einen knappen Sieg. Tv. Ruttershausen — Tv. Dorlar 5:7 (2:4). Ruttershausen setzte sich gegen den Tabellenführer energisch zur Wehr und zwang ihn zur Hergabe seines ganzen Könnens. Die Gäste zeigten auch diesmal wieder gute Leistungen und waren stets leicht überlegen. Das Spiel war eigentlich bis zur Pause schon entschieden, durch die zwei Tore, die die Gäste in Führung lagen. Nach dem Wechsel erreichte jede Mannschaft noch drei Erfolge. Tv. Nauborn I — Tv. Cleeberg I 10:2 (6:0). Ueberraschend hoch mußte sich Cleeberg in Nauborn geschlagen bekennen. Das Spiel bot keine allzu guten Leistungen und wurde von den Platzbesitzern verdient gewonnen. DIE DEUTSCHE WELTMARKE „„d., LONDON UnteAalNng,™««»! Gehen Si. dann in .In »und- (.„kg.ed.0f. .nd Sie Wl °n d.m .„.ktelg.n K.rzw.»."-P'«"9 d.. Mit 4fachem Superschutz im geschmackvollen Gehäuse I Trennsicher, spielsicher, zukunftssicherI MMMM. Vornan von Gert Gothberg. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 22. Fortsetzung. Nachdruckoerboten! Der Baron Gleiberg grüßte, blieb noch ein Weilchen stehen, und dann sah er gerade noch, wie Brigitte herauskam, sich über das Mädelchen beugte. Bielleicht konnte er noch etwas erspähen. Er wollte doch mal sehen, ob---Und ganz weit beugte sich Baron Gleiberg vor. Aber da klang eine Stimme neben ihm: „Wünschen der Herr Baron hinauszufahren oder sind Herr Baron heute hier zu Gast? Ich muß nämlich das Tor schließen." Herrgott noch mal, fuhr der Baron da zusammen. Und er knurrte dann: „Heim will ich." Und er fuhr zurück. Aber er dachte wütend: Was der Berken für ungehobelte Bande als Personal hat! Mich regelrecht hinauszubefördern, nachdem ich doch so nett war und die beiden heimgefahren habe! „Ja — aber Arndt, nun sag' mir doch nur ..." Brigitte sah auf den Bruder, sah auf das Mädchen, das sie in das Zimmer gebracht hatten, das Käthe gehörte. Brigitte hatte ihr die nassen Schuhe heruntergestreift, während Arndt den Arzt anrief von seinem Zimmer aus. Dann kam er wieder, von Sorge gequält. Und Brigitte stellte ihre Fragen. Käthe aber lag still da. War wieder ohnmächtig, Und blaue Schatten lagen unter ihren Augen. Arndt sagte der Schwester, wo er Käthe gefunden hatte. Er verschwieg ihr aber, daß ihn eine sonderbare Macht geradezu nach dieser Richtung getrieben hatte. Und daß er doch eigentlich ganz woanders hatte hinreiten wollen. „Ins Wasser gestoßen? Ja, wer sollte denn das getan haben? Die kleine Käthe hatte doch nicht einen solchen Feind, daß man so etwas befürchten müßte?" „Vielleicht doch. Ich begegnete Julchen Mittrasch. Sie lief allerdings nach Rietesberg hinüber. Sie hatte einen Korb und grüßte mich sehr devot. Ich habe sie zwar im Verdacht, daß sie Weidenkätzchen geschnitten hat. Und vielleicht sah sie da zufällig Käthe Randolf am Wasser, und da hat sie sich herangeschlichen, hat das Mädelchen hineingestoßen." „Furchtbar! Ich traue es ihr auf einmal zu, Arndt. Denn so einen Zufall gibt es nicht, daß ausgerechnet die Mittrasch in der Nähe gewesen ist, als der kleinen Käthe so etwas angetan wurde." „Sie kann sich freuen; jetzt habe ich es sott", sagte Arndt von Berken zornig. Dabei blickte er wieder nachdenklich in Käthes liebes, junges Gesicht. Und ein sonderbarer Gedanke kam ihm. Ein ganz, ganz sonderbarer Gedanke. Arndt von Berken sprach noch ein paar Worte leise mit seiner Schwester, dann verließ er das Zimmer. Eine Lungenentzündung hatte Käthe Randolf lange Zeit aufs Krankenlager geworfen. Und Brigitte von Berken hatte dieses Krankenlager nicht verlassen. Der Schloßherr ging auch mit tiefernstem Gesicht umher. Der infame Klatsch, der von Schloß Gleiberg aus den Ostersonntag über verbreitet wurde, der gedieh ringsum aus bestem Boden. Arndt wußte es! Wußte alles! Wilhelm Martens hatte es ihm gesagt. Hatte hinzugesetzt: „Und ich hatte doch gedacht, daß Nora und Sie 7- lieber Berken ... Können Sie denn das Madel nicht wegschicken?" . £ , Arndt von Berken hatte den alten Mann einfach stehenlassen. Was hätte er denn auf all den meder- trächtigen Klatsch entgegnen sollen? Aber in ihm reifte ein Entschluß. — „Ich habe Ihnen so viele Mühe gemacht. Wie soll ich das jemals gutmachen?" Käthe Randolf lehnte den blonden Kopf müde an die Schulter Brigittes, die wieder, wie so oft, bei ihr saß, seit sie nun aufstehen konnte. Sie war auch mit Brigitte schon einigemal im Park gewesen, der sich in schönster Pracht präsentierte. Sah sie den Schloßherrn einmal, dann zuckte sie ängstlich zusammen. Brigitte merkte dies alles genau. Sie hatte auch des Bruders undurchdringliches Gesicht beobachtet, heimlich, voll Sorge. Was plante er? Hoffentlich entfernte er das Heine, liebe Mädelchen nicht aus Berkenhofen! Sie hatte sich so an Käthe gewöhnt. Und deren unaufdringliche Zärtlichkeit tat ihr so wohl. Ein wunderschöner Gedanke kam Brigitte einmal. Das war eine Stunde, in der Brigitte von Berken alle Vorurteile, allen Stolz beiseite warf und einen jungen, wertvollen Menschen bei sich einschätzte! Ganz objektiv und gerecht einschätzte! Aber — es würde wohl nicht sein! Und es durfte vielleicht auch nicht sein. Bestanden nicht im Hausgesetz Klauseln in dieser Beziehung? Brigitte warf die Gedanken beiseite. Wohin hatte sie sich verirrt? Aber sie konnte es nicht ändern, daß sie in den nächsten Tagen, Wochen immer wieder diesen Gedanken hatte. Freilich! Tante Adelheid! Die letzte noch lebende Berken, die außer ihr, Brigitte, im Hausgesetzbuch zu unterschreiben hatte, wenn ein Gesetz im Einverständnis aller zur Zeit lebenden Berken um- gestoßen wurde. Tante Adelheid würde niemals unterschreiben, daß Arndt ein armes, kleines Mädel heiraten durfte. Ein Mädel aus dem Volke! Tante Adelheid, die so adelsstolz und voreänge- nommen war gegen alles, was alte Vorurteile über den Haufen werfen sollte. Und daran scheiterte ja alles! * Nun war ein wundersamer, warmer Frühlingstag. Es grünte und blühte ringsum. Es war, als könne sich die Natur gar nicht genug tun, zu spenden und zu schenken. Käthe saß in einem hohen Lehnstuhl hinten bei den blühenden Sträuchern, die rosa und weiß blühten, und deren Duft an Mandelblüten erinnerte. Aber Brigitte von Berken nannte die schönen Blüten Hundeblumen. Sie hatten in der ganzen Umgegend schon immer so geheißen. Niemand war hier. Neben Käthe stand noch der kleine, weiß gedeckte Tisch, an dem sie vorhin Kaffee getrunken und ein Stück guten Kuchen gegessen hatte. nahmen sind zugelassen. Wenn nämlich alle noch Ku In bei ,.v Ai vc S bru 25( Ch bi b d un bei bei W Hai 6d her hiil uni heb ein Käthe dachte cm die letzten Wochen. Und ein zeternder Atemzug löste sich ihr aus der Brust, stieg empor, vibrierte leise durch die Lufll . Julchen Mittrasch saß gefangen! Sie hatte, m die Enge getrieben, die unselige Tat eingestanden. Sie würde wohl ein paar Jahr Gefängnis erhalten!, hatte Arndt von Berken gesagt. Und sie hatte gleich noch mit eingestanden, daß Nora von Stetten den Inspektor Fischer wiederholt bei sich empfangen hatte. Dieser, von Eifersucht und Rache geplagt, sollte Käthe Randolf bei seinem Herrn herabsetzen. Sollte sagen, daß er mit Käthe Randolf ein Verhältnis gehabt habe. Julchen hatte das mitangehört, als Nora von Stetten geglaubt hatte, sie, Julchen, sei mit ihrer Arbeit fertig und hätte das Haus längst verlassen. sprechen. Höre: Ich habe nämlich einen aussühr- lichen Brief an Tante Adelheid geschrieben. Hier ist ihre Antwort: Einwilligung geben. Und Tante Adelheid gibt sis nie, diese Einwilligung. Du kennst sie doch. Ein alter Schritt, würde ihn unter tausenden herauskennen. Liebte diesen festen, energischen Schritt. Arndt von Berken kam zu ihr heran und sagte lächelnd: „Was macht das kleine Mädel heute? Werden wir bald ganz gesund sein?" „Ich bin — doch gesund —, ich muß es auch endlich wieder sein. Drüben im Bureau hat sich doch sicherlich sehr viel Arbeit angesammelt." Er nahm ihre kleine Hand in die seine. „Daran denken Sie jetzt gar nicht. Wer weiß, ob Sie noch einmal in das Bureau kommen werden." Käthe zuckte zusammen. Was hatte er gesagt? Meinte er, daß er sie fort- schicken wollte? Ihre kleine Hand zitterte in der seinen. Der Mann hielt die kleine Hand fest, die sich da so ängstlich und scheu aus der seinen wegstehlen wollte. „Käthe, wollen Sie meine Frau werden?" Käthe wagte nicht, den Mann anzusehen. Wenn er sehen könnte, was sie da soeben mit offenen Augen geträumt hatte? Denn es war doch nicht möglich, daß er diese Frage an sie gerichtet hatte? Und doch! Ganz deutlich hatte sie es gehört. Und jetzt nahm er sie in seine Arme, küßte sie. „Käthe, willst du meine Frau werden?" Da kam ein schluchzender Laut über ihre Lippen. „Arndt — das ist ja — nicht wahr — das kann ja — niemals kann das wahr sein." „Hast du mich lieb, Käthe?" „Ja!" „Seit wann?" „Seit — seit — seit ich dich in der Eisenbahn sah." Er lächelte gerührt, küßte den blassen Mund. „Käthe, ich habe aber immer noch keine richtige Antwort." „Lieber Neffe! Hättest Du mir vor zehn Jahren so einen Brief geschrieben, hätte ich den gesamten Familienrat zusammengetrommelt, der aus Brigitte und mir bestanden hätte, und wir hätten Dich mal gründlich untersuchen lassen! Seine Sekretärin heiraten? I du meine Güte! Heute aber sage ich Dir: Mach, was Du willst! Schließlich muß jeder selber wissen, was er tut, und was er läßt. Und die Standes- vorurteile sind nun schon gar ein himmelschreiender Unfiinn. Was nützt denn ein uralter edler Name, wenn seine Träger entweder Säufer, Verschwender oder gar Verbrecher sind. Der Kern im Menschen selber — das ist's, nach was man forschen muß. Das blonde Mädel scheint mir ein stiller, wertvoller Mensch. Warum nicht? Wenn Du es für richtig befindest, dann gib ihr Deinen Namen. Vielleicht wird sie ihn mehr in Ehren halten als irgendein feingebildetes intrigantes Frauenzimmer! Bildung hat jeder Mensch! Nämlich Herzensbildung. Und darauf sieht der liebe Gott — auf weiter gar nichts. Also mache Du, was Du willst. Ich bin mit Deiner Heirat einverstanden. Weißt Du, bei manchem Menschen hapert's nämlich mit der Herzensbildung gewaltig. Der Mensch hat diese Bildung, aber bei manchem fft sie gut und beim andern böse! Und wenn man einen Menschen findet, auf den man sich verlassen kann, ist das mehr wert als ein alter Name. Gott befohlen! Deine Tante Adelheid.*' (Fortsetzung folgt!) — ich will deine £rau sein!" Wieder küßte er sie. Und er bereute es nicht, diH bindende Frage gestellt zu haben. 12. Kapitel. „Brigitte, ich habe Käthe Randolf gefragt, ob fit meine Frau werden will." „Also doch!" „Brigitte, ich hab' gedacht, du glaubst, daß ich wahnsinnig bin, wenn ich dir diese Eröffnung machen werde." „Nein! Ich habe das kommen sehen und habe mich in den letzten Wochen selber mit diesem Problem genügend beschäftigt." „Das konnte ich allerdings nicht ahnen. „Also, was soll nun werden? Tante Adelheid ift das älteste Mitglied der Familie. Und sie gibt ihrs Derart bloßgestellt, hatte Nora von Stetten die das älteste Mitglied der_ tfami te uno pe gior igre Gegend wieder verlassen, aber es hieß, Baron Zese- Emw.ll.gung nie. Das e(efe beftimmt ba& ÖU win sei auch mit abgereift, und überhaupt hatte der "ur eine Frau aus altem Adel heiraten darsst. US Baran in legier Zeit sehr viel in Martensbruck zu nahmen find zugelassen Wenn nämlich alle nach tun gehabt. Jedenfalls stand (o viel fest, daß Nara 'ebenden mündigen Mitglieder der Familie ihre van Stetten sich h er in der Gegend unmöglich ge- rF'nm'n------ n"h mbt he macht hatte. nie' Ole.le ^mroimgung. du rennp pe uuuj. uucc Man hatte wieder etwas zum Tratschen, aber bis , Name ift bei ihr alles. Je metyr ^nen, desto besser, nach dem stillen Frieden von Berkenhosen langte der „Meinst du? Ich weiß es besser. Menschen können Klatsch nicht. Hier wurde etwas kurz besprochen. Es ' stch zuweilen andern. Wenn „es auch manchmal erst genügte, wenn man es wußte — und dann Schluß i aul pte alten läge geschieht. damU „Aber Tante Adelheid bestimmt nicht.' Käthe senkte müde den blonden Kops. Sie sah „Schwesterlein, Liebes du hattest bisher immer rührend blaß und schön aus. Da knirschte der Kies ^echt, wenn du gar so fest auf einem Standpunkt unter einem festen Schritt. Käthe kannte diesen stehen bliebst. Aber heute muß ich dir leider wider- Denken Sie an STOFFE, denken Sie an BERNARD Nach langjähriger Tätigkeit als Oberarzt an der Chirurg. Abteilung des Darmstädter Elisabethenstifts (Chefarzt Prof. Dr. Zander) habe ich mich in Gießen als Facharzt für Chirurgie niedergelassen. Sprechstunden: Johannesstraße 7 (Evangelisches Schwesternhaus) Montags bis Freitags 2—4 Uhr. Dr. med. Erwin Spamer. 5135 Geschäfts-Drucksachen *e1cli"u"oen Briefblatter Briefumschläge bei Brühl, Schulstraße 7 Geschäftskarten ALLESBRENNER CORA: Der sparsame Dauerbrandofen für jed. 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Verlagsanstalt. — (640.) — Das Erscheinen des Werkes von Schreyer ist als bedeutsamer Beitrag zur Erkenntnis des geistigen und religiösen Lebens zu begrüßen. Der Verfasser hat es unternommen, eine zusammenfassende Darstellung der deutschen Mystik zu geben. Hier erstehen die deutschen Mystiker wieder, und wir erkennen, wie sie nachwirkend bis in unsere Zeit das innere und äußere Werden des deutschen Volkes mitbestimmt haben. Eine überraschende Kenntnis auch der weniger bekannten Quellen vermittelt uns Worte der Mystiker, aus denen ihre Glaubenshaltung unmißverständlich sichtbar wird. Daß Schreyer nicht nur eine umfassende Darstellung der deutschen Geschichte gibt, sondern auch ihr Verhältnis zum Katholizismus, zum Protestantismus und zur religiösen Krise der Gegenwart untersucht, hebt sein Werk auf eine Höhe zielweisender Auseinandersetzung. — Kämpfer für das Reich. Don Stein bis Hitler. Von Gert B u ch h e i t. Mit 20 Tiefdrucktafeln, 257 Abbildungen und 10 Kartenskizzen. 250 Seiten, in Leinen gebunden RM. 24,00. Ehr. Belfer AG., Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. — (425.)— Dieses gut ausgestattete Buch ist eine Kundgebung deutschen Geistes und Lebenswillens. In 20 dramatisch gespannten Biographien schildert der Verfasser den Schicksalsweg des deutschen Volkes „vom deutschen Bund zur deutschen Nation". Den Auftakt bildet der tatgewaltige, seiner Zeit weit vorauseilende Freiherr vom Stein, ihm folgen Scharnhorst, Porck und Gneisenau, Kleist — „der Züchtiger der Schande", Fichte — „der Redner an die Nation", Ernst Moritz Arndt — „das Nordlicht der Freiheit". Bilder einer großen Vergangenheit, die von der tiefsten Sehnsucht deutscher Gegenwart ihre Farben erhalten. Der zweite Teil gilt dem Kampf um die nationale Einheit und innere Freiheit des deutschen Volkes. Neben den Studenten Karl Ludwig Sand, der den vaterländischen Geist einer unbefriedigten Jugend verkörpert, neben Robert Blums leidenschaftliche Kämpfernatur tritt Friedrich List, der Verkünder einer deutschen Nationalwirtschaft, der als erster mit dem Enthusiasmus des echten Revolutionärs Idee und Aufgabe der Deutschen vertritt. Im Mittelpunkt des dritten Teils, der dem Werk der Einigung, der Reichsgründung gewidmet ist, steht die Gestalt des eisernen Kanzlers — wahrhaftig ein sinnbildliches Stück deutscher Geschichte, das ergänzt und abgerundet wird durch die nicht minder scharf gezeichneten Lebensbilder des Schlachtenlenkers Moltke, des Waffenschmieds Alfred Krupp und des Kaiserherolds Heinrich von Treitschke. Das Zeitalter der Technik, der liberalistischen Staats- und Wirtschaftsführung, der innenpolitischen Unsicherheit und außenpolitischen Umklammerung spiegelt sich in Schlieffen, dem Lehrmeister der deutschen Armee, der die militärischen Voraussetzungen zum siegreichen Ausgang des End- kampses schafft, aber von feinem Nachfolger nicht verstanden wird. Den Abschluß des Buches bilden die Kapitel über Ludendorff, der eine Weltstunde lang Europa beherrscht, über Hindenburg, den Vater des Vaterlandes, über Moeller van den Bruck, den Propheten des Dritten Reichs, dessen Baumeister Adolf Hitler wird, unter dessen Hand sich die gestaltenden Kräfte des Volkes sammeln. Alles in allem — eine kulturhistorisch bedeutsame Schöpfung. Das gut gewählte Bildmaterial beschränkt sich bewußt auf die Wiedergabe meist unbekannter Gemälde, Zeichnungen, Radierungen und Plastiken. — Deutsche Leistungen in aller Welt. Von Wilhelm Rumpf. Reclams Universal-Biblio- thek Nr. 7266. Geheftet RM. 0,35, aebunden RM. 0,75. —(391.)— Eine überwältigende Fülle deutscher Leistungen auf allen Gebieten ist in diesem Bändchen zusammengefaßt. Deutsche Bauern und Siedler ziehen nach Uebersee und begründen hier blühende Provinzen. Deutsche Kaufleute schaffen im Ausland Unternehmungen, die heute Weltgeltung haben. Die genialsten Erfinder und Entdecker in Wissenschaft und Technik sind Deutsche gewesen. Die deutschen Denker und Forscher haben Ueberragendes geschaffen, deutsche Staatsmänner und Krieger haben Unvergängliches geleistet — überall sind deutsche Genialität und Tüchtigkeit führend gewesen. Diese z. T. wenig bekannten Tatsachen eindringlich, vollständig und lebendig vor Augen zu führen ist dos besondere Verdienst dieses Buches, das die packendste und erhebendste Lektüre aller Volksgenossen, auch für die Jugend darstellt. Deutsche Erzähler. — Hans Heinrich Ehrler: Die drei Begegnungen des Baumei st ers Wilhelm. Roman. Seinen 5,50 Mk., broschiert 4,50 Mk. Albert Langen-Georg Müller Verlag. München 1934. — (397) — Ehrler gestaltet hier den Lebensweg eines suchenden jungen Menschen, seine Entwicklung vom Jüngling zum Mann und zugleich Krisis, Katastrophe und beginnenden Wufbrud) unserer Zeit. Was dem jungen Baumeister Wilhelm geschieht: daß er einem reinen jungen Mädchen gegenüber schuldig wird durch rauschhaftes Sich- Derlieren an eine reife Frau — und daß er, dann geläutert auf den Schlachtfeldern des großen Ärie= ges, wiederum einem edlen jungen Mädchen sich versagen muß und fo dreimal Schuld auf sich ladt, das will verstanden sein als dichterisches Symbol für die Schuld eines ganzen Zeitalters. Die ursprüngliche Ordnung ist gestört. Nur durch Opfer und Verzicht kann diese Schuld gesühnt werden. In der dichterischen Darstellung des Kriegserlebnisses, die ganz auf das naturalistische Drum und Dran verzichtet, gibt Ehrler den Beitrag des katholischen Deutschen zum neuen Werden in Deutschland. Hier ist Krieg als Schicksal gesehen und die Kameradschaft als eine Gemeinschaft, die den Frontgeist auf alle Gebiete des Lebens ausdehnt. — Hermann Claudius: Armantje. Geschichten aus meiner Kindheit. (Die Kleine Bücherei Nr. 38.) Preis 80 Pf. Albert Langen/ Georg Müller, München 1934. — (368). — Der stille Lyriker Hermann Claudius, der ein Enkel des Matthias Claudius ist, erzählt hier in kleinen Begebenheiten, in den ersten Erlebnissen von Freud und Leid, von der Jugend eines Mannes erzählt, der am Rande der Großstadt aufwuchs. In diesen Kindheitserlebnissen, die sich durch Innigkeit des Empfindens und Schlichtheit der Sprache auszeichnen, erzählt er von Mutter und Vater, von der früh sterbenden Schwester, vom gütigen Lehrer, von Mitschülern und Freunden, von pfiffigen Streichen und ernsten Begegnungen — von einer seligen Kindheit und ihrem Ende. — Toni Rothmund: Streit im Hause I r i n g. Roman. 256 Seiten. Geheftet RM. 3,—, Ganzleinen RM. 4,50. Verlag Reclam, Leipzig. — (376.)— Ein Gegenwartsroman, der in die brennendsten Probleme der Zeit, vor allem der deutschen Familie, hineinführt. Es ist nicht nur der alte und immer lebendige Gegensatz zweier Generationen, sondern es geht hier um das Heraufkommen einer neuen Weltanschauung, neuer Lebensformen und Ideale. Dem Adel des Blutes tritt der Adel der Arbeit und der Leistung entgegen und kämpft um feine Anerkennung. Dies geschieht in dramatisch zugespitzter Handlung voller Spannung und Humor. Die Fragen, um die es geht, sind heute fast in jeder Familie an der Tagesordnung. Toni Rothmund hat diese Probleme zu einer pak- kenden Erzählung gestaltet. — Helene Chr : staller : Das Blaue Haus. Eine Geschichte aus dem Leben. Druck und Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. In Leinenband 5,60 Mk. — (418) — Die Dichterin berichtet hier vom „Blauen Haus", ihrem Sitz an der Bergstraße, wo sich alljährlich im Sommer ihre Enkelschar ein Stelldichein gibt. Wir erleben einen solchen Sommer im Blauen Haus mit, sehen die Großmutter inmitten ihrer Enkelschar spielen und lernen die Freunde des Hauses kennen. Eine Atmosphäre der Güte und Menschenliebe durchströmt dieses innerliche und dabei doch heitere und lebendige Buch, das auch zum Dorlesen im Familienkreise geeignet ist. Reisen und Abenteuer. — H. H. H 0 uben : „S t u r 'm a u f b e n Süd - p 0 l". Abenteuer und Heldentum der Sudpolfahrer. 308 Seiten mit 3 Karten und 46 Abbildungen. Verlag Ullstein, Berlin. Ganzleinen 6.80 Mark. — (333) — Houbens Werk ist das erste deutsche Buch, das in volkstümlicher Darstellung und doch von wissenschaftlicher Warte aus die bisher so gut wie unbekannte Geschichte der Südpolforschung von ihren ersten Anfängen bis zur unmittelbaren Gegenwart enthüllt. Wie die schon aus dem Altertum herauf- klinqende Sage von einem unbekannten Südland die Phantasie der Welt beschäftigt, wie der berühmte Seefahrer James Cook sich als erster an die Antarktis heranpirscht, wie die Meute der Wal- und Robbenfänger sich auf das neue Jagdgebiet stürzt, das Meer um die Antarktis sich nach und nach mit einem Kranz vergletscherter Inseln bevölkert, Weddell und Roß die ersten Vorstöße nach Süden gelingen, der erste feste Vorposten eines wahrscheinlichen antarktischen Kontinents besetzt wird, die Forschung schließlich zum Sturm auf den Südpol selbst ansetzt — das ballt sich in diesem Buche zur von aufregenden Abenteuern strotzenden Handlung zusammen. Alle Helden der Südpolforschung sind darin zu finden in ihren stolzen Triumphen und ihren ehrenvollen Niederlagen, die vom Erfolg bekränzten, von Zeit und Nachwelt gefeierten, und die auf dem unbarmherzigen Schlachtfeld gefallenen. Die Antarktis wird ein volles Jahrhundert lang zum Stadion eines riesigen Wettstreites der Nationen, der von dem Bewußtsein gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamem Schicksals vornehm Geregelt, ein Symbol geistiger Weltgemeinschaft wird, wahrer Völkerverbundenheit im Zeichen der Wissenschaft. Deutschlands besondere Verdienste um die Südpolforschung finden in diesem deutschen Buche selbstverständlich ihre berechtigte warme Anerkennung. — Karl Helbig : „Tu an Gila — E i n verrückter Herr wandert am Aequa- 10 r". Mit 35 Abbildungen auf 19 Tafeln und 1 Karte. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. In Halbleinen 2,50 Mark. — (379) — Der Deutsche Karl Helbig, der Sumatra durchwanderte, wurde von den Eingeborenen Tuan Gila, d. h. „verrückter Herr", genannt, denn es erschien den Insulanern unerhört, daß einer von der bevorzugten weißen Rasse zu Fuß gina wie ein gewöhnlicher Bataker. So wandert der Tuan Gila, von einem unsichtbaren Panzer, dem „Tabu" der weißen Vorherrschaft, umhüllt, durch die Wälder. Helbig sieht Land und Leute vom Standpunkt sozusagen des Wanderburschen. Alle die kleinen Geheimnisse erschließen sich ihm, die das Leben erst interessant und schön machen. Er versteht dieses Völkchen, weil er mit ihm tanzt, trinkt und arbeitet. Mitten im sachlichen Studieren wird seine Lernbegierde unversehens zur Liebe zu diesen schlichten farbigen Leuten. Ihr Wesen schließt sich ihm auf, ob sie Köpfe jagen, Reiskulturen anbauen, vollendet künstlerische Häuser errichten, Frauen kaufen, Dämonen beschwören, fröhliche Seichenschmause abhalten, über Natur und Erschaffung der Erde nachdenken, oder den Tiger höflich- ängstlich bitten, sie nicht zu töten. — Kampf um ben Himalaja. Das Ringen der Deutschen um den Kantsch, den zweithöchsten Berg der Erde. Von Paul Bauer. 200 Seiten. Mit 82 Bildern auf Tafeln, 5 Kartenskizzen und Profilen. Verlag Knorr & Hirth, München. Seinen 4,80 Mark. — (398) — Im Jahre 1929 rüstete Paul Bauer zum erstenmal zu einer deutschen Himalaja- Expedition. Sein Ziel war der 8579 Meter hohe Kangchendzönga, kurz „Kantsch" genannt, der zweithöchste Berg der Erde. Und er hatte Erfolg mit seinen neuen Methoden. Freilich, das letzte Ziel blieb auch ihm versagt. Was ein Himalaja-Sturm in solchen Höhen bedeutet, das hat der unglückliche Ausgang der deutschen Himalaja-Expedition Merkls 1934 gezeigt. Aber Bauer glückte damals der Rückmarsch allen Naturgewalten zum Trotz. Im Jahre 1931 wiederholte er seinen kühnen Angriff. Doch dieser forderte zwei Todesopfer. Trotzdem gelang es, den Angriff bis auf den 7700 Meter hohen Sporngipfel vorzutragen. Dann entschloß sich der Führer schweren Herzens zum zweitenmal zur Umkehr. Aber Deutschland blieb seit Bauer führend im Kampf um die höchsten Gipfel der Erde. Schlicht und packend schilderte Bauer diesen trotzigen Kampf in seinen beiden Büchern „Im Kampf um den Himalaja" (Der erste deutsche Angriff 1929) und „Um den Kantsch" (Der zweite deutsche Angriff 1931). Beide Bücher sind jetzt in einer hervorragend ausgestatteten Volksausgabe vereinigt, und zwar ungekürzt (jedoch ohne den wissenschaftlichen Teil). Aus der reichen Bildausbeute beider Expeditionen sind 82 hochinteressante Fotos. Biographische Schriften. — Willi Fr. Könitz er: Hölderlin. Ein Schicksal in Deutschland. Stalling-Bücherei „Schriften an die Nation", Bd. 63 (Verlag Gerhard Stal- ling, Oldenburg i. O. und Berlin. Gebunden 1,20 Mark). — (409) — So wird Hölderlin hier gestaltet: auf dem steinigen, abseitigen Weg des Propheten, als Mahner der Deutschen und Deuter deutschen Schicksals im dichterischen Werk und im heldischen Opfer des eigenen Sehens. Ein Jahrhundert lang hat ihm das Volk Unrecht getan, hat es ihn, einen feiner größten Söhne, nicht gekannt, nicht gehört. So war fein Geschick hart von Beginn: Tod des Vaters, Verständnislosigkeit der Mutter, Flucht vor bürgerlichem Beruf, Kampf um literarische Anerkennung, das Wunder der Diotima-Siebe und bitterste Entsagung, Säuterung in der großen Einsamkeit zum Propheten des Volkes, Heimatlosigkeit des Deutschen auf deutschem Boden, Heimatlosigkeit in der Fremde, Zusammenbruch und Heimkehr eines Kranken, Schwanengesang und vier Jahrzehnte Nacht. Heber den Tod hinaus war sein Geschick hart, so lange, bis die Deutschen begriffen, wie sehr dieser Walter des deutschen Dichterworts, das ihn glühend verzehrte, dem deutschen Schicksal verhaftet, als Künder vom Geist der Helden der deutschen Seele verfallen war. — Die Briefe der Di 0 tima. Herausgegeben von Karl V i e t 0 r. Insel-Verlag zu Seipzig. Insel-Bücherei Nr. 455. — (312) — Einer der schönsten Briefbände unserer Siteratur, der bereits bei seiner ersten Veröffentlichung vor zwölf Jahren die stärkste Teilnahme gefunden hat, ist jetzt in die Insel-Bücherei ausgenommen worden; die Briefe der Susette Gontard an Hölderlin. Die Siebenden, die sich nur heimlich sehen konnten, trugen sich alles, was sie in den langen Wochen der Trennung bewegte, in den Briefen zu, von denen uns die der Frau zum größten Teil erhalten sind, während wir von Hölderlins Antworten nur drei Entwürfe besitzen. Seit dem ersten Erscheinen der Briefe hat die Forschung viel dazu beigetragen, den Zusammenhang der undatierten Blätter zu klären, und so bietet die neue Ausgabe eine Textfolge, die vielfach von der früheren Anordnung abweicht. Die von Glück und Schmerz erfüllten Siebesbefenntniffe haben damit ihre dauernde Gestalt gefunden. Sie werden in der neuen wohlfeilen Ausgabe des Gießener Siterarhistorikers, der sich gerade als Hölderlin-Forscher einen Namen gemacht hat, als ein Brevier für Siebende in jedermanns Hand fein. — Karl Maria von Weber. Ein Seben für deutsche Kunst. Roman von Oskar Anwand. Mit 17 Wiedergaben von zeitgenössischen Bildern und drei Faksimiles. Verlag von Rich. Bong. Ganzleinen Preis 5 Mk. — (359) — Aus dem Aben- teuertum eines Wunderkindes und den Wirren am Hofe des napoleonfreundlichen Königs von Württemberg entwickelt sich Weber zum Vorkämpfer der deutschen Musik. Als Kapellmeister der Prager Oper ergreift ihn 1814 auf einer Kunstreise durch Deutschland beim Anblick der aus Frankreich siegreich ^urückkehrenden Regimenter in Berlin die vaterländische Begeisterung, von der ganz Preußen erfüllt ist. Von Prag wird er als Kapellmeister der ersten deutschen Oper nach Dresden berufen. In Berlin erringt er mit seinem „Freischütz" einen beispiellosen Sieg und entscheidet den Kampf, den Mozart und Beethoven ausgenommen haben und den später Wagner zum vollen Abschluß führt. Mit seinem „Oberon" gewinnt er in Sonbon, wohin sich der Schwerkranke zur Seitung seines Werkes be- geben hat, einen neuen gewaltigen Erfolg — und stirbt am gleichen Tage, als er nach Deutschland aufbrechen will. Die Heimat holt jedoch ihren großen Sohn zurück, dessen Schaffen und Sehnen ihr bis zum letzten Augenblick gegolten hat. — Kurt Siebmann: Nietzsches Kampf und Untergang in Turin — Nietzsche und Mussolini. Verlag von Max Mohring, Seipzig C 1. — (278) — Siebmann erzählt auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschung und in lebendiger Gestaltung, ohne von den Tatsachen abzuweichen, den erschütternden Kampf Nietzsches in Turin, der den Gipfel von Nietzsches Seben bedeutet. Die Schrift wird bereichert und besonders zeitgemäß durch eine einleitende Gegenüberstellung von Nietzsche und Mussolini. Mussolini, der sich einen Schüler Nietzsches nennt, hat wie kein europäischer Staatsmann Nietzsches Hoffnung auf eine „höhere Spezies", auf ein Ideal des „freien Geistes" erfüllt. Die Schrift Siebmanns wendet sich sowohl an den philosophisch und künstlerisch empfindenden, wie an den politisch-pädagogischen Menschen unserer Zeit. — Der Sons. Gleichnis einer heldischen Kraft. Von Bernd Sudewig. Geh. 3 Mk., Swd. 4,50 Mk. I. F. Sehmanns Verlag, München. 1934. — (361) — Zwanzig Jahre sind es her, daß Hermann Löns den Heldentod für Deutschland starb; damit endete ein Seben, das so heiß durchglüht war von Kämpfen um höchste Ziele, wie selten eines, das aber auch durch viele und furchtbare Abgründe führte. Sein Werk ist unvergänglich und wird von ihm zeugen. Um fein Seben ist viel geredet und geschrieben worden. Der tiefen Besinnung auf deutsches Wesen, die wir gerade jetzt erleben, entspricht es nicht den Dichter nur um seines Sicbeslebens willen „interessant" zu finden. Söns ist auch der starke ungebrochene Mensch, der uns, gerade weil er Tiefes und Furchtbares erlebt hat, Führer fein kann Sudewig läßt das Vorbild des heldischen Menschen nordischer Art entstehen, wie er sich in Söns verkörpert: Söns, der niederdeutsche, der nordische Mensch und der Dichter nordischen Bauerntums und "irdischer Art. Alte und neue Gedichte. heldische Schiller. Eine Gedicht- auswahl. Herausgegeben und eingeleitet von Gerhard Fricke. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7262. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf. — (387) — Wir sehen heute Schiller anders als unsere Väter und Großväter. Er ist uns weniger der „Klassiker" als der große lebendige Mensch, der leidenschaftliche Kampfer für Freiheit und Ehre, der heldische Dichter. Die neue Sammlung von Prof. Dr. Gerhard Fricke stellt diesen Kämpfer und Helden heraus Don Schillers revolutionären Jugendgedichten „in ty- rannos“, den überschwenglichen Natur- und Weltphantasien fließt der Strom seiner Dichtung geklärt und gereinigt zu den späteren Schöpfungen, die das Ringen um innere Freiheit, um heldische Ueberwin- dung in hoher Meisterschaft gestalten. (Eine schöne Gabe zum Schiller-Jubiläum, vor allem auch für junge Menschen. — Paul Ernst: Gedichte und Sprüche. (Die Kleine Bücherei Nr. 39.) Preis RM. 0,80. Albert Sangen / Georg Müller, München 1935. — (369.)— Diese Gedichte und Sprüche sind der unmittelbare und verpflichtende Ausdruck der tiefen Sebensweisheit des Dichters, in überraschend schlich- ter, klarer Sprache niedergeschrieben. Das natürliche Denken eines mit seinem Volke verbundenen Menschen offenbart sich hier. Gut und böse, edel und gemein, fromm und unfromm, sind noch in ihrer alten Kraft lebendig als die mächtigen Gegenpole, zwischen denen menschliches Seben und Tun sich bewegt. — Hans Friedrich Blunck: Die Frau auf dem Holm. Ballade in 18 Holzschnitten von Klaus W r a g e. Volksausgabe mit den verkleinerten Holzschnitten der Originalausgabe. Propyläen-Verlag, Berlin. Kartoniert 2,— Mark. Mit einer Einleitung von Hanns Arens. — (358) — Blunck und Wrage sind Sandsleute, beide der schweren nordischen Erde verhaftet. Wie sehr die Schwarz- Weiß-Kunst Wrages, der Holzschnitt, zum Klang und Ton der Ballade drängt, zeigen uns die Schnitte zur „Frau auf dem Holm" von Blunck. Bild und Text sind zu einer Einheit verschmolzen. Das war nur möglich, weil zwei Künstler sich fanden, die aus demselben schöpferischen Element aufsteigen; beide verbindet Herkunft und Kraftquelle desselben Sandes. Betrachtet man die Schnitte von Wrage zu dieser Ballade, losgelöst vom Text, also rein als Bild, so fehlt ihnen etwas, genau so wie dem Text, wenn wir ihn vom Bilde lösen. Hessische Geschichte. — Richard Haupt: Die Anfänge des Christentums in der Wetterau und die Kirche St. Remigii zu Büdingen. Sonderdruck aus der Zeitschrift zur Kirchengeschichte (3. Folge 3, 52. Band, Heft 2/3, 1953. — (384) — Der Verfasser, den Sesern der „Heimat im Bild" als Mitarbeiter bekannt, gibt in der kleinen „Teuren Freunden in der geliebten Heimat gewidmeten" Schrift zunächst einen Ueberblick über die Geschichte der Wetterau und stellt in den Mittelpunkt der mit zahlreichen Siteraturnachweisen belegten Darstellung eine Untersuchung der Entstehungsgeschichte der Büdinger Remigiuskirche; nach einer kritischen Würdigung der hierfür vorliegenden Arbeiten gewinnt Haupt eine Datierung des Bauwerks „zwar nicht in die Zeit der allerersten Kirchengründungen, aber eine genauere, fast sichere, ins achte Jahrhundert, noch vor Karls des Großen Antritt, und St. Remigii erhält gebührenden und gesicherten Platz in der Kirchen- und Kunstgeschichte des großen Vaterlandes. Die mit mehreren Abbildungen illustrierte Schrift ist kirchen- und heimatgeschichtlich — zumal für Oberhessen und Büdingen — von besonderem Interesse. — Alexander von Syncker, Major a. D.: Hessen im preußischen Militärdienst 1 620 — 1789. 51 Seiten. S. C. Wittich Verlag, Darmstadt, 1934. —(250) — Der Verfasser hat auf Grund eingehender Quellenstudien im Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin die hessischen Sandeskinder zu ermitteln gesucht, die in den Jahren von 1620 bis 1789 in brandenburgischen und preußischen Diensten gestanden haben. Der für die Untersuchung gewählte Zeitabschnitt bot große Schwierigkeiten, weil die in Betracht kommenden Quellen vor 1789 in bezug auf Militärpersonalien wenig ergiebig sind. In der 811 Namen umfassenden Zusammenstellung sind die als Hessen erkennbaren Unteroffiziere und Mannschaften aufgeführt; für jeden einzelnen außerdem Geburtsort und Jahr, Konfession, Truppenteil, Dienstgrad und Dienstalter; Offiziere find in dieser Sitte nicht ausgenommen. Obwohl die Arbeit nur einen kleinen Teil der von 1620 bis 1789 überhaupt im preußischen Heeresdienst tätig gewesenen Hessen erfassen konnte, dürfte sie nicht nur militär- und heimatgeschichtlich von Interesse sein, sondern will, worauf der Verfasser selbst hinweist, vor allem der heute vielfach neu angeregten Familienforschung nützliche Dienste leisten. Ernährungsfragen. — Subroia Neundörfer: „Ernährungsmiliz. Kartoniert RM. 1,50. Hanseatische Verlagsanstalt AG., Hamburg. —(17)— In der vorliegenden Schrift behandelt der Verfasser die ausreichende Sicherung der Volksernährung! Aehn- lich der Wehrpflicht muß eine Nährpflicht gefordert werden, die vor Eintritt des Ernstfalles schon eine ausreichende Sicherung der Volksernährung schafft. Der Verfasser weist dem Arbeitsdienst diese Aufgabe zu und gibt diesem damit ein Ziel, das sowohl notwendigen, als auch wirtschaftlich - produktiven Ansprüchen gerecht wird. — Fleischlose Ernährung mit einheimischen Erzeugnissen. Roh-, Dämpf-, Heil- und Kinderkost. Vielseitig, schmackhaft und gesund. 150 neue, erprobte Rezepte mit vielen Bildern, von Marianne F l e i s ch h a ck. RM. 1,60. Falken-Verlag, Berlin-Sichterfelde. — (655.) — Hier ist für die geplagte Hausfrau Rat und Hilfe zu einer gesundheitfördernden, dabei billigen Kost. Die von ihr so verzweifelt gesuchte , Abwechslung" bringen hier wirklich neue und praktisch erprobte Rezepte, als Ergänzungs- ober auch rein vegetarische Kost. Sie zeigen wie aus billigen, einheimischen Erzeugnissen wertvolle, schmackhafte Mahlzeiten bereitet werden können. Die Erläuterungen geben Anleitung iwnfw Buntes Allerlei des Fading-Effektes und nungen. Es lassen sich Wirtschaft «Öerhn .vramiur. u. Di. hird 23-10. 22-10 22-10- । 2310- 23-10- 22-10- 101,75 94,75 94,75 101,9 M5 189 896,65 93,75 103,75 95,75 93,5 93,75 96 93,65 104,13 95,75 93,25 96,25 93,75 104 96 93,25 101,5 93,5 95,75 93,5 93,5 110,5 101,75 93,25 93,25 93,5 94,75 94,75 0 0 0 o 0 4 0 0 , o 12 58,01 54,95 12,305 16,34 167,96 21,33 61,85 63,48 80,87 33,85 2,455 58,25 55,17 12,345 16,40 168,64 21,41 62,09 63,74 81,19 33,99 96,4 93,3 103,9 101,5 93,5 93,5 93,9 95 94,75 86,5 106,75 63,4 108 78 150 119,75 76,75 76 4,45 4 35 29,75 25 31,9 80,4 96 72 74,75 77 145,9 0,641 58,17 0,204 3,047 54,57 81,10 12,225 5,395 16,38 168,51 21,45 0,703 5,694 61.40 48,95 11,09 63,02 81,02 33,99 10,375 2,472 0,643 58,17 0,204 3,047 55,10 81,10 12,34 5,45 16,38 168,38 21,45 0,713 5,694 62,01 48,95 11,20 63,65 81,05 33,99 10,375 2,483 83,75 188 1,3 7,1 7 28,9 142,25 104,25 118,75 76 111,9 102 93 141,5 101.9 28,5 1,35 7,55 6,8 6,75 13,9 101,9 28 1,3 7,4 6,8 6,9 13,5 Charles Welsey, ein junger Engländer aus gutem Hause, wünschte nichts sehnlicher, als des Königs bunten Rock anzuziehen. Er hatte sich auch gemeldet, war aber nach einer Körperuntersuchung ab- chlägig beschieden worden. Nein, so ein spindel- 101,9 28,5 1,3 7,9 7,13 7,1 14 lernt. w . Was nun aber die Farbe des Neides angeht, so soll sie im Zeitalter des Augustus überhaupt nicht 58,29 0,206 3,053 55,22 81,26 12,31 5,46 16,42 168,72 21,49 0,715 5,706 62,13 49,05 11,22 63,77 81,21 34,05 10,395 2,487 Buenos Aires Brüssel..... Rio de Jan.. Sofia ...... Kopenhagen. Danzig..... London HeljingforS.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan ...... Jugoslawien Oslo..... : Wien....... Lissabon.... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Neuyorl... „Funk-Seographie" - eine neue Wissenschaft. Schluß!. Mittag- börse 0,645 58,29 0,206 3,053 54,67 81,26 12,255 5,405 16,42 168,85 21,49 0,705 5,706 61,52 49,05 11,11 63,14 81,18 34,05 10,395 2,476 Banknoten. T.SÄ» »»«-»■*; verein 80,65, 6 v. H. Franks Hyp.-Bank Gold N 13/15 93,25, 5 v. H. innere Mexikaner 6,13, Ober Hessen Provinz 101,50, Braubank 114,50, Reichs- bank 146, Gelsenkirchen 63,25, Harpener 107,65, Kali Aschersleben 117,50, Mannesmann 76 Rh m stahl 90,25, Bekula 142,75, Bemberg 67 Schade anstatt 212,50, Deutsche Linoleum 5?,75, Licht & Kraft 119, IG- Farben 143,25, Gessurel IHM Holzmann 79,25, Rheag 101,75, Siemens 141, Thur. Lieferung 103, Zellstoff Waldhof 48,75. Rindermarkt in Gienen. Auf dem gestrigen Rinder-Nutzviehmarkt in Gießen standen 881 Stück Großvieh, 259 Fresser und 199 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qual. 320 bis 420 2. Qual. 210 bis 270, 3. Qual. 100 bis 160; Schlachtkühe a) 160 bis 300, b) 50 bis 100; Rmder, bis Vijährig, 50 bis 85, »/<- bis 2jahrlg 80 bis 160, tragend 160 bis 320 Mark; Kälber das Pfund Lebendgewicht 25 bis 38 Pf. Marktver auf: Nachfrage nach gutem Milchvieh; Geschäft mittelmäßig. Klemer Ueberstand. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Lamburg-Amerika-Paket Hamburg-Südam. Dampfschiff. Hansa-Dampfschiff........... Norddeutscher Lloyd A.Ä. für Berkebrswesen Mt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz, und Privat-Bank ... Deutsche Ban! und Dioconto» Gesellschaft................ Dresdner Bank...... ...... Reichsbant ................ - - - * - entwickelte sich bei D8rsener3ffnimy ieuuuI4^ in Warschau-Wiener wobei Mark-Obl mit 15,25 bis 15,50 (nach 14,30 heute mittag) und Stücke-Obl. mit 14,25 bis 14,50 (13,50) bewertet wurden, auch einige Russen-Priorltaten Mark das Stück. Mainzer Schlachtviehmarkt. Mainz, 23. Okt. Auftrieb: Ochsen 64, Bullen 49, Kühe 420, Färsen 210, Kalber 311, Schafe 26, Schweine 964. Notiert wurde pro em Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen b) 32 bis 36, c) 27 bis 31, d) 23 bis 26. Bullen a) 33 bis 35, b) 29 bis 32, c) 26 bis 29, d) 23 bis 25. «ube a) 34 bis 37, b) 29 bis c) 24 bis 28, d) 11 b s 23 Warfen a) 35 bis 38, b) 33 bis 35, c) 28 bis 3? dl 23 bis 27 Kälber a) 43 bis 48, b) 37 bis 42, ff'30 bis 36 d) 20 bis 27 Schaft Mt notiert Schweine a) 53, b) 52 bis 53, c) 51 bis 53, bis 52. Marktverlauf: Rinder mittelmäßig, ge räumt. Kälber mäßig lebhaft, ausverkauft. Schweine lebhaft, geräumt. Hundfunkprograrnm. Donnerstag, 25. Oktober. 6 Uhr- Bauernfunk. 6.15 Uhr: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II- 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgen- svruch — Choral. 7: Fruhkonzert. 8.30 bis 8.45. Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.10: Schulfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebe- zirk 13-15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Kinderstunde. 16: Nachmittagskonzert. 18: Spanischer Sprachunterricht. 18.15: Arno Holz zum Gedächtnis. Eine Funkfolge von Dr. Otto Goerner. 18.35: Katechismus für Sprachsünder (II). 18.45: Unterhaltungskonzert. 19.30: Tagesspiegel. 19.45: Saar-Umschau. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. „Wilhelm Teil". Von Friedrich v. Schiller. 21.45: Handharmonikasoli. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Kammermusik. 23: Nachtmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Die Abendbörse verkehrte auf der ganzen Lime in sehr stiller Haltung. Infolge der nur schwachen Kundschaftsbeteiligung zeigte auch die Kulisse keine Unternehmungslust; daneben macht sich der bevorstehende Ultimo in starker Zurückhaltung bemerkbar. Die Kurse brachten gegen den Berliner Schiuy nur geringfügige Abweichungen. Am Rentenmarr: notierten Altbesitz 0,13 v. H. höher. Von fremden Langfristige Gewerbekredite. \ LPD. Die Bank für deutsche Jndustrieobligatio- , nen in Berlin hat mit der Landeskommu- : nalbank Girozentrale für Hessen m ( Darmstadt vertragliche Vereinbarungen getroffen, auf Grund deren die Landeskommunalbank innerhalb ihres Tätigkeitsbereiches an der Ausleihung der langfristigen Gewerbekredite der Jndu- striebank, soweit es sich um Kleinkredite bis zu 15 000 Mark handelt, mitwirken wird. Bekanntlich stellt die Industriebau? kleinen und mittleren Betrieben der Industrie, des Handwerks und des Handels langfristige, fünf Jahre laufende Darlehen bis zu Einzelbeträgen von 500 Mark hinaub zur Verfügung. Die Darlehen, die auf hypothekarischer Grundlage gewährt werden, dienen zur Abdeckung überhöhter kurzfristiger Verbindlichkeiten, zur Finanzierung langfristiger Investitionen sowie zur Verstärkung 6er Betriebsmittel. * * Voraussichtlich kein Zigarren- kartell. Nachdem es dem Reichsverband Deutscher Zigarrenhersteller e. V. gelungen war, 85 v. H- aller deutschen Zigarrenhersteller zum freiwilligen Beititt zu einem in Aussicht genommenen Konditionskartell zu bewegen, hatte er vor einiger Zeit beim Reichswirtschaftsministerium den Antrag aus zwangsweisen Beischluß der Außenseiter gestellt. Der Vertrag sah die Regelung der Zah- lungs- und Lieferungsbedingungen vor, sollte ferner die Fassons- und Gewichtsbestimmungen regeln, sowie dem Schleuderunwesen ein Ende bereiten. Wie der DHD. erfährt, ist aber mit einer Genehmigung dieses Konditionskartells nicht zu rechnen. Frankfurter Börse. Mllagsbörse: freundlich. Frankfurt a. M., 23. Okt. Nach den gestern zum Teil in größerem Umfange erfolgten Glattstellungen zeigte die heutige Mittagsbörse überwiegend freundliche Haltung. Der Mangel an besonderen Anregungen ließ aber kein nennenswertes Geschäft i zu, zumal seitens der Kundschaft nur in kleinem i Umfange Kaufaufträge vorgelegen haben. Somit i beschränkte sich die Umsatztätigkeit hauptsächlich auf i die Kulisse, die wieder einige Kaufneigung bekun- - bete. Eine Bevorzugung bestimmter Marktgebiete Lankraub mit Sckwkoladenpistolen. In Glasgow drängen maskierte Räuber in eine Handwerkerbank ein und erbeuteten fast 7000 Pfund. Es gelang, die Verbrecher schon wenige Minuten nach der Tat festzunehmen. Bei der Durchsuchung der Räuber nach Waffen stellte sich heraus, daß sie nur Pistolen besaßen, die aus Schokolade bestanden. Mit diesen süßen Waffen hatten sie das Bankpersonal eingeschüchtert und ihren Ruckzug gedeckt. A.E.G...................... Bekula Elektr.Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ............g Reiten & Guilleaume o Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ....... 5 Schuckert LEo............... 5 Siemens L Halske 7 LahmeyerLCo 10 Buderus ........ Deutsche Erdöl ......... Gelsenkirchener.............. 0 Harpener...................0 Hocsch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse 6 Klöcknerwerke v t Manuesrnann-Röhrea «••••.<>• 0 „Selb wie der Neid" sogen wir um die gelbe Farbe zu kennzeichnen, und doch ist Gelb die Lleb- lingssarbe der ganzen Malere, durch Diele Jahrhunderte hindurch, sie hat besonders seit Rem- brandt für die Entwicklung unseres Farbengesuhls eine entscheidende Bedeutung erlangt Nach den Untersuchungen der Wärmegrade des Sonnenpns- mas, in der jene so wichtige Einteilung der Farven in kalte und warme Töne nachgewiesen wurde, liegt das Gelb in der Wärmeskala neben dem Rot und hat einen hohen Wärmegrad. Die warmen Farben ober, vor allem das Rot, sind die Lieblingsfarben sowohl der primitivsten wie der höchst kultivierten Völker So bemalen die australischen Junglinge, wenn sie in die Reihen der Erwachsenen eintreten, ihren Körper mit roter Farbe, und rot war auch Has Gewand des römischen Triumphators. In der Malerei zeigen die Bilder von Tizian, dann die von Peter Paul Rubens eine Steigerung m der Verwendung von Rot, und in den letzten Werken Rembrandts ist ein glühend starkes Zinnoberrot zu finden. Erfährt nun die gelbe Farbe eine ebensolche zunehmende Wertschätzung? Goethe hat in seiner Farbenlehre von der „sinnlich-sittlichen Wirkung der Farbe" gesprochen und davon, „daß die Farben auf den Sinn des Auges, und durch dessen Vermittlung auf das Gemüt, eine entschiedene und bedeutende Wirkung hervorbringen, die sich unmittelbar an das Sittliche anschließt." Wenn wir nun das Laster des Neides in Gelb symbolisieren, Jo geben wir dieser Farbe eine sittlich tiefstehende Bedeutung, die in schroffem Gegensatz zu der hohen Wert- Schätzung steht, die der gelben Farbe zu den verschiedensten Zeiten und bei den verschiedensten Volkern zuteil geworden ist. r . . Die Chinesen, die der Lehre des Konfuzius nachhingen, hüllten sich bei den feierlichen Kulthand, jungen in lange gelbe Gewänder und auch die Priester Buddhas schreiten nach heute in königlichem Gelb zur Opferfeier; ja der Königssohn Buddha selbst nahm, als er die weltliche Herrscherkleidung ablegte, das gelbe Kleid seiner bisherigen Wurde in den Priesterstand hinüber. Bei den Römern war Gelb die Farbe der Aristokratie, der Schönheit und der Liebe. Wie bei den Griechen, so war auch bei ihnen die gelbe Farbe ein Attribut der Hochzeit und der Ehe. Krokusfarben ist das Gewand der Venus schon bei Homer und krokusfarben erschien auch der heilige Dionysos vor den Bacchantinnen: der Schleier der Braut war stets safrangelb. Viele der altrömischen Familiennamen sind von der gelben Farbe abgeleitet, wie die Flavier, 5)elvier, Fulvier. Ovid gebraucht die Bezeichnung „Gelb" nicht wem- ger als hundertundfünfzig Mal, während sie sich bei Schiller kein einziges Mal findet. Das mag feinen Grund aber darin haben, daß die Klassik ganz dem Ideal der Plastik zugewandt war und selten Far- benbennungen in den Bereich der Dichtung zog; in den nachfolgenden Kunstepochen hat der Dichter die Welt auch wieder mit Maleraugen sehen ge- gelb, sondern bläulich-grau gewesen sein. Im 13. Jahrhundert ist dann der Neid grün, bisweilen allerdings auch schon gelb dargestellt, und diese Farbe blieb dann der Symbolisierung des Neides anhaften. Die Tatsache, daß in der Farbenauftch- suna des kirchlichen Mittelalters im Kleide der höchsten Gottheit, im Gewände Christi und der Madonna das reine Blau des Himmels an tue Stelle des Gelb getreten ist, wird auf eine immer starker hervortretende Ablehnung von Gelb als der uralt heidnischen Götterfarbe Zuruckgefuhrt Aber im liturgischen Farbenkanon der Kirche behielt lange auch das Gelb eine angesehene Stellung. Durch das ganze Mittelalter hindurch kann man eine geradezu kibenfdjaftlidje Vorlieb- der Frouen für gelbe Kopftücher Stirnbinden und Schierer feststellen, und in der Farben- und Blumensprache des Mittel- alters ist Gelb die Farbe der Leidenschaft, der höchsten Beglückung und der Gewährung. Walter von der Vogelweide preist den Frühling, in dem die gelbe Sonne scheint und gelbe Blumen aufspneßen. Was dem Gelb eine solche Abneigung und Ablehnung eingetragen hat, soll nach einer sehr überzeu- genben Erklärung das Antlitz des Menschen sein; gelb und grün sind die Farben eines kranken, blut- leeren Gesichtes und der als eine hagere, von innerer Unzufriedenheit verzehrte Jammergestalt dar- gestellte Neid wird somit mit der Farbe Geld symbolisiert, die im Widerspruch zur geröteten, gesunden Antlitzfarbe des frohen und großzügigen Menschen steht. So ist die Neidfarbe Gelb eigentlich gar nicht dasselbe Gelb, das in der Malerei so leuchtende warme Töne hervorbringt, sondern eine grüngelbe matte Farbe, die neben dem eigentlichen strahlenden Gelb völlig verblaßt. Gewogen und zu leicht befunden. Schluß!. Schluß!. Cffi6' Abend- Schluß Mittag- kurs bgrfc Tur« börse dürres Kerlchen konnte man In der Armee nicht ge- Fr-lDerk-hr entmto brauchen. Mindestens zehn Pfund mußte der junge lebhafter s Geschäft Welsh zunehmen' wenn man ihn aufnehmen ollte. Mark-kdbl. mir 15.2. Der arme Junge versuchte sich , nun an Mastkuren aller Art, er vermied möglichst jede Aufregung und blieb den halben Tag im Bett — nichts half, und nach einigen Wochen sah er noch immer so klapprig aus wie vorher. Ja, die Sorge um sein Gewicht schadete ihm eher, als sie nützte. Da fiel dem jungen Mann ein, daß es doch einen Ort gab, wo er sich die fehlenden Pfündchen anfitzen wurde, einfach, weil er keine Gelegenheit zu unruhigem Umher' schweifen habe. Er wollte ins Gefängnis. Ohne Grund würde man den ehrbar aussehenden Charles Welsh bestimmt nicht hineinlassen, und so mußte er sich gegen irgendein Gesetz vergehen. Eines Tages brach er, vor aller Augen, die Fensterscheibe eines Schaufensters entzwei und nahm em P«ar Schuhe an sich. Nach drei Wochen Untersuchungshaft wurde er zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Schon frohlockte der seltsame Einbrecher, da vernahm er mit Schrecken, daß ihm Bewährungsfrist zugebilligt werden sollte. Das Gericht wußte von dem merkwürdigen Beweggrund zur Tat, konnte aber aus ebendiesem Grunde sich nicht dazu entschließen, den Jungen tatsächlich die Strafe absitzen zu lassen. Kem Flehen des enttäuschten jungen Mannes erweichte die harten Herzen der Richter, und so nahm er tränenden Auges Abschied. Nicht einmal die drei Wochen der Untersuchungshaft hatten bei ihm angeschlagen, denn die Verhöre hatten ihn dauernd auf den Beinen gehalten. Täglich ist die Londoner Polizei auf einen neuen Gewattstreich des unglücklichen „Federgewichts" gefaßt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. mgefüHrtcn Ziffern geben die hohe der zuleßi deichloffenen Dividende an. - Reichsdankdiskoni 4 DLombardzinsfuß b o.tz. Mancherlei Zusammenhänge lassen sich zwischen dem Rundfunk und der Geographie Herstellen, und die Erforschung dieser Beziehungen bildet ein weites Gebiet, dessen Studium als ein besonderer Wissenszweig ausgestaltet werden sollte, lieber die Aufgaben dieser neuen „Funk - Geographie" gibt Gerhard Apelt eine Uebersieht in der Geographischen Wochenschrift. Zunächst einmal ist die Beeinflussung des Landscyaftsdildes durch die Sende- ilnlagen und ähnlichen Bauten zu beachten. Die riesigen Funktürme sind eigenartige Merkmale, während die Empfangs-Antennen weniger auffallen. Die Dichte der Sendestellen, die Verteilung der Hörerschaft auf einen bestimmten Raum, die lieber» sicht über die Kurzwellen-Sender, all das sind Erscheinungen, die die Beachtung des Geographenver- bienen. Sodann gibt es eine eigene „Sende-Wirt- schaft", die mit den natürlichen Gegebenheiten unseres Erdballs zusammenhängt. Dahin gehört das verschiedenartige Verhalten der Wellen bei Tag und Nacht, im Sommer und im Winter, die Beobachtung solcher Vorgänge wie des Fading-Effektes und der Ueberlagerungs-Erfcheinungen. Es lassen sm, einzelne „Funkklima-Provinzen" nach der Luftfeuchtigkeit, Bewölkung, Sonnenscheindauer, Temperatur usw. abgrenzen. Hierher gehören auch bie sonderbaren Ermüdungserscheinungen neu angelegter Sender, die infolge elektrolytischer Vorgänge im Boden auftreten und die bei Sendern auf Schiffen nicht Vorkommen. Des weiteren hat sich die neue Wissenschaft der Funk-Geographie mit der Beeinflussung der Wellen durch Gewitter, magnetische Storungen, Polschwankungen, Nordlicht- und Sonnenflecken- Häufigkeit usw. zu beschäftigen. Die Tleiörarbc Äelb. Frankfurt, a. M., 23.Okt. Der Gemüse- markt hatte allgemein reichliche Zufuhren.. -oet schleppendem Geschäft waren die Preise zumeist seyr gedrückt, nur für Blumenkohl, Kopfsalat und Tomaten erzielte man etwas höhere Preise. Dlumenkoh 15 bis 45, Feldsalat 20 bis 30, Eskarol 3 bis 7, Gelbe Rüben 2,5 bis 3,5, Karotten 3,5 bis 5, Kopfsalat 5 bis 10, Meerrretttich 28 bis 30, PsiA^mge 42 bis 48, Römischkohl 4, Rosenkohl 18 bis 22, Rote Rüben 3 bis 4,5, Rotkraut 4,5 bis 5,5, Sellerie, je nach Größe 5 bis 25, Spinat 3 bis Schwarzwur- sein 15 bis 20, Tomaten I 12 bis 14, II 6 bis 9, Weißkraut 2,5 bis 3, Wirsing 2,5 bis 3,5, Zwiebeln 5,5, Sachsen 6,5, italienische 5 bis 5,5- Der Qbstmarkt hat ebenfalls reichliche Zufuhren von Aepfeln, Birnen und Nüssen sowie Trau- den, wobei letztere im Preise nachgaben, wahrend onft die Stimmung fest ist. ^Aepfel und Birnen legen etwa 2 bis 3 Mark je 50 Kilo über Notiz. Das Geschäft nahm nur teilweise einen zufrieden- stellenden Verlaus. Aepsell 12 bis 16'II7bislO, Schafsnase 6 bis 8, Birnen I 10 bis 12, II 6 bis 8, Mollebusch 8 bis 12, Haselnüsse 28 bis 30, ital, Preiselbeeren 22 bis 25, Kastanien bis 15 Quitten 6 bis 8, Trauben 20 bis 25, holl- 32 bis 45, bulg. 20 bis 23, span. 20 bis 22 ital. 40 bis 44, frans. 20 bis 24, Zitronen, 300 Stuck, 11,5 bis 13. Schweinemarkt in Biedenkopf. kb. ® i e b e n t o p f, 23. Okt. Der heute hier ab- gehaltene Schweinemarkt wies einen Auftrieb von 265 Ferkeln auf. Der Handel war schleppend, die Preise waren gedruckt. 4 bis 6 Wochen alte Ferkel kosteten 8 bis 9 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 9 bis 12 Mark, über 8 Wochen alte 12 bis 16 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 6%ehem.7%Dt.Reichsanl.v.I929 6Y2% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. Desgl. ohne Auslos.-Rechte 6% ehem.8% Hess. BolkSstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 6% Hess. Landeöbank Darmstadt Gold R. 12.................. 6%% Hess. Landes-Hypotheken- bank Darmstadt Clqui......... Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 5yt% ehem. 4y,% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Psandbriese....... 6/i% ehem. Wi% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe 6% ehem. 8% Pr. Landcöpfand- briesanstalt, Psandbriese R. 19 6% ehem. 7% Pr. LandeSpfand- briefanstalt, Pfandbriefe 9t. 10 Hteuergutsch. Verrechnungskurs.. 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Lesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910