184- Jahrgang Siebener Anzeiger m. 145 Erstes Blatt 184- Jahrgang Zreitag, 22. Juni 1954 Wf A- A W G Annahme °°n «iS« $arnmeÄ * A AA A AA ^1| Ak < Ab A « ÄXS Heimat rm Bild Die Scholle ■ H Ä j| / «MM «j gg M Hgr ® ® Ml Ej Grundpreise für 1 mm höhe Monats-Bezugspreis: M ■ HW B g$4k WL/^ ■ ■ H W ■ Ql H ■ X H Ä H Mz H für Anzeigen von 22 mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 MW MW M W Bff W W Hf W WWW Er W Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte „ 1.80 fir W wSk „ M HW . W W Wk W JBl W W WU W W Eä W Wk W anzeigen von 70 mm Breite Zustellgebühr .. „ -.25 I I W W WWW W M W MMM Ä' 60 Npf.,Platzvorschrift oder Auch bei Nichterscheinen H ■ M HM schwieriger Satz 25°/0 mehr ?n°fn=lgen^^erg,l= ^F ff -rmaW.e «rundp.ei,.: MZM General-Anzeiger für Oberhessen ZW Frankfurt am Main 11686 druck und Verlag: Vrühl'sche UniverfitätsVuch- und Steinbrucferei R.Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 MengenabschMsie^tafftl's Dawes und tzoung. Die BIZ. in Basel gibt wieder ein Lebenszeichen von sich. Sie hat nämlich Einspruch oder Verwahrung gegen die vorläufige Einstel- lung des Zinsendienstes für die sog. Dawes- und Young-Anleihen erhoben. Die BIZ. ist Treuhänderin für die Young-Anleihe, aber für die Dawes-Anleihe ist sie nur damit beauftragt, die Zinsen und andere Fälligkeiten einzu- ziehen und zu verrechnen. Die Dawes-Anleihe steht mit etwa 700 Millionen Mark zu Buch, wobei die Umrechnung von Dollar und Pfund zum ursprünglichen Wert erfolgt ist. Als die Dawes-Anleihe unter Führung des Bankhauses Morgan in Neu- york, sowie der Bank von England ausgeschrieben wurde, brachte sie ungefähr 855 Millionen Mark. Sie wurde in der Hauptsache dazu verwandt, den Goldbestand der Reichsbank 'wieder aufzufüllen, denn die Abzapfung durch die T r i b u t p o l i t i k, sowie die Ausplünderung durch die Inflation hatten 1924 schon einmal dazu geführt, den Goldbestand der Reichsbank fast völlig auszuschöpfen. Wenn wir heute überlegen, daß der Goldbestand der Reichsbank abermals erschöpft ist, nachdem 1930 ein Höchstbestand von drei Milliarden Mark erreicht war, daß aber die Ausschöpfung lediglich deshalb geschehen ist, um die Auslandsgläubiger z u f r i e d e n z u st e l l e n, so ist es an sich schon eine Leistung, die Schuldner an diese Dawes-Anleihe zu erinnern. Auch die sogenannte Young-Anleihe, deren Gesamtertraa etwa 1400 Millionen ausmachte, von denen Deutschland einen Teil übernehmen mußte, ist nur zu einem geringen Teil nach Deutschland gekommen. Der weitaus größte Teil, nämlich zwei Drittel, mußte für Tributzwecke aufgewandt werden, wobei der Löwenanteil an Frankreich fiel. Um erhebliche Summen handelt es sich also nicht, ganz abgesehen davon, daß gerade von diesen öffentlichen Anleihen Deutschlands gilt, was die englische Regierung in ihrer Note an die Reaierung der Union eingewandt hat, um die Nichtzahlung der Kriegsschulden zu begründen. Die englische Regieruna meinte nämlich, die Kriegsschulden seien Ausgaben, die nicht Werbezwecken dienten, die also die Wirtschaft nicht befruchteten, sondern nur eine Ausgabe darstellten, die ohne volkswirtschaftliche Gegenleistung bliebe. Daß sich überhaupt noch ein großer Teil der Dawes- und Young-Anleihe im Besitz privater Kapitalisten befindet, ist wenig wahrscheinlich. Sowohl die Dawes-Anleihe, als auch die Young-Anleihe find seinerzeit von der internationalen Hochfinanz unter Führung der Notenbanken übernommen worden.,Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Anleihen zum größten Teil wieder in die Tresors der internationalen Hochfinanz zurückgewandert sind, wofür auch zeugt, daß die Kurse dieser Anleihen im Auslande so niedrig stehen, wie sich das nur erklären läßt, wenn kein aufnahmefähiger Markt dafür vorhanden ist. Dann müssen die An- leiheftücke eben wieder dahin zurückwandern, wo sie eigentlich hergekommen sind, was in diesem Falle gleichbedeutend damit ist, daß die internationalen Großbanken für die Aufnahme, oder den Rückkauf sorgen müssen. Die internationale Hochfinanz ist aber auch mächtig und einflußreich genug, um die BIZ. zu veranlassen, irgendwelche Schritte zu unternehmen, denn die Vertreter dieser Hochfinanz sitzen im Verwaltungsrat der BIZ. Aber die BIZ. hat sich die Sache mit der Verwahrung doch nicht recht überlegt, denn sie muß wissen, daß nicht etwa ein schuldhaftes Verhalten der deutschen Regierung vorliegt, sondern ein völliges Versagen der BIZ. selbst. Zu den Pflichten der BIZ. gehörte es, den internationalen Kapitalmarkt in Bewegung zu bringen, sowie dafür zu sorgen, durch Anleihen neue Absatzmärkte aufzuschließen. Diese Absatzmärkte sollten dazu dienen, vor allem die deutschen Erzeugnisse aufzunehmen, denn es galt bei den Verhandlungen über den Young-Plan als ausgemacht, daß finanzielle Verpflichtungen an das Ausland sich nur durch Forderungen auf Auslandsplätze übertragen ließen. Diese Forderungen mußten aber erst beschafft werden, was in Hinsicht auf Deutschland nur möglich war, wenn seine Ausfuhr die Einfuhr erheblich überstieg. Andere Forderungen an das Ausland konnte Deutschland um so weniger mobilisieren, als es eine der Folgen der Versailler Politik war, alle deutschen Kapitalanlagen im Auslande sowie jeden deutschen Auslandsbesitz zu beschlagnahmen, oder zu vernichten. Die BIZ. hat in den vier Jahren, seitdem sie besteht, nichts getan, sondern alles unterlassen, um neue Absatzmärkte aufzufchließen, wobei sie als Entschuldigung vielleicht Vorbringen kann, daß die internationale Wirtschaftskrise das unmöglich gemacht hätte. Aber auch da ist die BIZ. von Schuld nicht freizusprechen, denn sie hätte wohl versuchen können, durch eine großzügige Anleihepolitik die Krise überwinden zu helfen. Sie hat das nicht getan, sie hat sich damit begnügt, die Zahlungen, die Deutschland solange leistete, als das angängig war, zu verwalten. Das ist nicht viel, das reicht vor allem nicht aus, um der BIZ. erlauben zu können, eine Verwahrung einzulegen. Es ist schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht worden, daß die befristete Einstellung des deutschen Zinsendienstes nicht nur die internationale Hochfinanz, sondern auch einen Teil der öfentlichen Meinung des Auslandes in Verwirrung gebracht hat. Das ist noch sehr höflich ausgedrückt, denn in Wirklichkeit leistet sich die öffentliche Meinung des Auslandes, die an dem Entschluß der Reichsbank, den deutschen Zinsendienst befristet auf- zirschieben, ärgerlich und unwirsch herumbastelt, eine schamlose Heuchelei. Gerade die Dawes- und die Young-Anleihe sind nicht regelrechte Anleihen zu wirtschaftlichen Zwecken gewesen, sondern nur eine oer sch leierte Form der Reichsminisler Dr. Goebbels über die deutsche Politik. Eine große Rede auf der Sonnwendfeier des Gaues Groß-Berlin. Berlin, 22. Juni. (DNB.) Auf der Sonnwendfeier des Gaues Groß-Berlin der NSDAP, am Donnerstagabend hielt Gauleiter Reichsminister Dr. Goebbels an die im Neuköllner Stadion versammelte riesige Volksmenge eine fast einstündige Ansprache. Er führte darin u. a. aus: Wenn wir Berliner Nationalsozialisten uns am heutigen Abend wieder zu einer Sonnenwendfeier zufammenfinden, fo hat das eine' tiefere Bedeutung, als man gemeinhin solchen Festlichkeiten beizulegen pflegt. Wir feiern in der Tat eine Wende, denn zwischen dem Gestern und dem Heute liegt ein unüberbrückbarer Abgrund. Wie es seit je war, so ist es auch heute noch, daß Männer die Geschichte machen. Auch die Geschichte unserer Tage ist von Männern gestaltet worden. Die Regierung ist eine Regierung des Volkes, und die Rationalsozialistifche Bewegung als die Trägerin der Macht ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Volkspartei. Darum können dem neuen Regime auch alle die kleinen und lächerlichen Kritikastereien, die man aus den Winkeln und Ecken hört, gar nichts anhaben. Das Volk hat einen sehr fein reagierenden Sinn für wirkliche politische Leistung, und mit den Leistungen, mit denen wir vor das Volk hintraten, glauben wir vor der Gegenwart und vor der Zukunft bestehen zu können. Wenn bei unserer Machtübernahme Deutschland noch in zwei Teile zerfallen war und der Klassenkampf das Volk zerriß, so können wir heute in der Tat feststellen, daß die Wirtschaft im Frieden der Arbeit liegt, und daß die inneren Auseinandersetzungen einer wirklich ehrlich gemeinten und in der Tatbereitschaft durchgeführten Volksgemeinschaft gewichen sind. Dr. Goebbels wies bann darauf hin, daß im Gegensatz zur Zeit der Machtübernahme heute eine zentrale Führungsautorität vorhanden ist. Diese Ration verkehrt mit der Welt nicht mehr mit den Mitteln einer feigen Unterwürfigkeit, sondern sie hat den Mut, auch wenn sie keine Waffen besitzt, von den anderen Völker ihre Ehre und ihre gleiche Berechtigung zu verlangen. Und nun frage ich euch, Männer und Frauen: Wer hat die Stirn, diesen gigantischen Wiederaufbau einer Nation in den Weg zu treten und mit seinen kleinen lächerlichen Kräften sich gegen einen Aufbruch zu stemmen, der die Millionenmassen des ganzen Volkes aufs tiefste ergriffen hat und sie bis ins Innerste erfüllt? Die Welt hat diese Wandlung auch bemerkt. Sie ist sich heute im klaren darüber, daß sie mit einem anderen Deutschland zu rechnen hat als dem, das aus der Novemberrevolte hervorgegangen war. Sie weiß, baf> das Deutschland von heute eine Nation der Kraft, des Stolzes und der nationalen Würde ist. Eines macht uns den anderen Nationen überlegen: Die straffe Konzentration des deutschen Geistes und des deutschen Willens und die einhellige durch nichts zu erschütternde Gemeinsamkeit in der Entschlaf sen- heit der Führung und der Gefolgschaft des Volkes. (Stürmischer Beifall.) Wenn wir nun an die Welt herantreten und unseren unabdingbaren Anspruch auf die gleiche Berechtigung erheben, dann kann die Welt uns nicht entgegenhalten, wir wollten Waffen, weil wir einen Krieg wollten. Riemals gab es auf dem Erdball ein Volk, das fo tief von der Liebe und Bereitschaft zum Frieden erfüllt war, wie heute das deutsche. Riemals aber gab es auch eine Führung des Volkes, die fo wie die heutige klar erkannt hat, daß der Friede nicht beim Feigling, sondern beim Starken steht, (erneut stürmischer Beifall) und daß, wenn Deutschland den Frieden wirklich will, es entweder darauf dringen muß, daß die anderen durch Abrüstung dem deutschen Rüslungsniveau angeglichen werden, oder daß Deutschland Waffen bekommt, um seine Grenzen beschützen zu ' können. Wir haben nun in den 17 Monaten, da wir regieren, die traurige Tatsache feststellen müssen, daß die Welt auch auf unseren ehrlichen Versuch, ohne jede Aggressivität das Land im Innern neu aufzubauen, großenteils nichts anderes zü antworten wußte als Haß, Lüge, E n t st e l - lung und Verleumdung. Wenn mir in Deutschland zu verhindern wissen, daß ausländische Staatsmänner verleumdet und verunglimpft werden, dann verlangen wir von der Welt, daß sie unseren Staatsmännern ein Gleiches widerfahren läßt. (Starker Beifall.) Die Zeiten find vorbei, daß man die Völker der Erde in zwei Kategorien einteilen konnte, und daß Europa in das Lager von Besiegten und Siegern zerfiel. Wir geben zu, daß wir den Krieg verloren haben, aber wir wurden bei diesem Verlust nicht ehrlos, und ein Volk, das feine Ehre behauptet, kann auf die Dauer unter den anderen Völkern nicht minderen Rechtes fein! So wenig wir uns in die inneren Verhältnisse anderer Rationen mischen, so sehr können wir auch verlangen, daß sich die anderen Völker nicht in die deutschen Angelegenheiten hineinmengen. (Stürmische Bravo-Rufe.) Deutschland ist keine Satrapie der anderen, sondern ein freies und selbstbewußtes Volk, daß feine gleiche Berechtigung unangetastet wissen will. Wir nennen die Dinge beim Namen, und ich glaube, daß die Völker ein Anrecht darauf haben, daß ihre Staatsmänner so verfahren. Das sind allerdings neue Methoden der europäischen Politik. Wenn wir aus dem Völkerbund austraten und die Abrüstungskonferenz verließen, so soll das nicht etwa heißen, daß wir uns jeglicher Aktivität in der Außenpolitik begeben wollten. Wenn der Führer in Venedig mit dem großen Führer des italienischen Volkes Äuge in Auge Zwiesprache hielt, und wenn diese Auseinandersetzung die Probleme Europas wenigstens beim Namen nannte, so sind wir der Ueberzeugung, erklärte der Minister unter stürmischem Beifall, daß diese eine Zusammenkunft zweier Männer, die wirklich im Namen ihrer Völker sprechen, mehr ausmacht als ein halbes Dutzend internationaler Konferenzen. Von einem internationalen Komplott kann gar keine Rede sein. Aber wir haben den Mut besessen, mit den verantwortlichen Staatsmännern anderer Völker über die Fragen zu reden, die uns und sie bedrücken. Denn so weil ist es in Europa doch noch nicht gekommen, daß Frankreich überhaupt über ganz Europa herrscht. Mr sind auch noch da! Wir haben zwar keine Kanonen wie die anderen, aber wir hoffen, sie einmal zu bekommen! Im übrigen glauben wir, durch den Nationalsozialismus den anderen gegenüber einen so großen geistigen Vorsprung zu haben, daß es ihnen Mühe kosten wird, uns wieder einmal einzuholen. Und selbst wenn wir allein stünden — wir sind es ja gewohnt, fest auf eigenen Füßen zu stehen. Wir haben niemals Krücken gebraucht, wir sind immer allein gegangen. Während sich nun im Innern das grandiose Werk des Aufbaues vollzieht und Deutschland nach außen allmählich den Ring aufsprengt, den man uns legen wollte, machte sich im Lande selbst so ein kleiner Kreis von Kritikern auf den Weg, um im Der Weg zum deutsche!! Einheitsreich. Reichsinnenminister Or. $ricf über den Neuaufbau. Berlin, 22. Juni. (DNB.) Reichsinnenminister Dr. Frick gewährte einem Mitarbeiter des „Völkischen Beobachters" eine Unterredung, in der sich der Reichsminister eingehend über die Reichserneuerung auf Grund des Gesetzes über den Neubau des Reiches äußerte. Auf die verschiedenen ihm oorgelegten Fragen äußerte sich Reichsminister Dr. Frick u. a. folgendermaßen: Das Gesetz vom 30. Januar 1934 stellt das Verhältnis zwischen dem Reich und den Ländern auf eine völlig neue staatsrechtliche Grundlage. Es gibt der Reichsregierung die Macht, eine vollständig einheitliche Führung und Verwaltung des Reiches aufzubauen. Die vermeintlichen „Hoh^itsrechte" der Länder find keine Hindernisse mehr. Das Deutsche Reich der Vorkriegszeit war ein Staatenbund, dessen Glieder nicht nur staatliche Hoheitsrechte, sondern auch eigene Herrscherhäuser hatten. Auch die Weimarer Verfassung beseitigte diesen Charakter des Staatenbundes nicht. Von nun an aber gibt es nur eine Staatsgewalt und die liegt bei der Reichsregierung. Damit ist das Reich zum nationalen Einheitsstaat geworden. Die Länder bestehen als Gebietskörperschaften fort, aber Gliederung und Gebietsumfang bestimmt die Reichsregierung allein. Die gesamte Verwaltung erfolgt in den Ländern im Auftrag und im Namen des Reiches. Die Reichsregierung ist sowohl in der Zielsetzung, wie in der Wahl des für die Neuordnung einzuschlagenden Weges von jeder Bindung frei. Sie kann aus eigenem Entschluß Verfassungsrecht setzen und hat damit eine so große und umfassende Vollmacht, wie sie noch keine Regierung zuvor hatte. Das Reichsinnen mini st erium hatte bisher schon ein sehr großes Gebiet des staatlichen Lebens zu betreuen. Mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reiches wird das Reichsministerium des Innern jetzt jenen Unterbau erhalten, der ihm bisher fehlte: Es wird der tatsächliche Mittelpunkt der gesamten Verwaltung und der Voll- zuasgewalt sein. Auf die Frage, welche Hoheitsrechte der Länder sofort in Reichsregie genommen werden, erklärte Dr. Frick, unter dem Gesichtspunkt, daß d«s Reich eine lOOprozentige Einwirkungsmöglichkeit besitze, komme der „Vereinheitlichung" eines'Verwaltungszweiges nur eine geringe Bedeutung zu. Welche Verwaltungszweige im einzelnen im Laufe der Zeit in reichseigene Regie übernommen werden, fei lediglich eine Zweckmäßigkeitsfrage. Der Minister wies in diesem Zusammenhang "darauf hin, daß anstelle der Staatsangehörigkeit in den einzelnen Ländern die einheitliche Reichsangehörigkeit getreten fei und fuhr dann fort: Die Landesgrenzen sind nur noch verwallungs- lechnifche Gebietsgrenzen, nicht aber hoheits- grenzen. Der Reuauflage des Reiches wird natürlich alle Verkehrs- und wirtschaftspolitisch zweckmäßigen Gebietseinheiten beachten und als Grundlage des Reichsbaues benutzen. Aber niemals mehr soll in der deutschen Geschichte die erfreuliche Mannigfaltigkeit der deutschen Stamme, die zur Bildung zahlreicher kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkte in den Ländern geführt hat, zu politischen Gegensätzen mißbraucht werden. Richts liegt uns ferner als Zentralismus und Gleichmacherei. Gerade weil die Einheit der politischen Willensbildung auf allen Gebieten und für alle Zeiten sichergesiellt ist, kann und wird man dem Betäligungs- und Gestaltungsdrang in den deutschen Gauen weitgehend freie Hand lassen. Wir Raiionalfozia- listen wollen, daß die Verwaltung dem Volke dienen soll und daß wir alle, die wir zur Verwaltung und Regierung berufen sind. Diener am Volke sind. Zum Schluß äußerte sich der Minister über die Frage, welche Aenderungen die Uebernahme des preußischen Innenministeriums durch den Reichsinnenminister und die Ernennung des Reichsministers Rust brächten. Die Ernennung der Reichsministers Rust, erklärte Dr. Frick, ist ebenso wie die Unterstellung des preußischen Innenministeriums unter meine Führung ein großer Sch ritt zur Verwirklichung des Einheitsreiches. Die Uebernahme des preußischen Innenministeriums durch mich sichert die rascheste und reibungsloseste Eingliederung des großen politischen Verwaltungsapparates Preußens in die Reichsverwaltung. Nannte man bisher das Reichsinnenministerium scherzweise „Die Dame ohne Unterleib", weil ihm der Verwaltungsunterbau fehlte, so hat es jetzt durch Einbau der größten Verwaltung des größten Landes einen gewaltigen! Unterbau bekommen. Die reichen Erfahrungen dieser Landesverwaltung werden nunmehr dem Reich unmittelbar zunutze gemacht und finden im erleichterten Beamtenauslaufch sichtbaren Ausdruck. Der Minister schloß die Unterredung mit folgenden Worten: Auf allen Gebieten verwirklichen wir in ruhiger Entschlossenheit, ohne kunstvolle Konstruktionen, einfach dadurch, daß wir praktisch gewordene Wirklichkeit jeweils in geeignete Formen gießen, Schritt vor Schritt die Jahrhunderte alte Sehnsucht der Nation, die große Idee: E i n Führer, e i n Volk, e i n Reich! Tribute. Wenn es nach der englischen Ansicht richtig ist, daß die Kriegsschulden nicht wirtschaftlichen Zwecken gedient haben, dann gilt dies erst recht von den Tributen, die ihrem ganzen Wesen nach zu einer völligen Zerrüttung der internationalen Wirtschaft führen mußten. Sie haben das auch getan, denn die Sachverständigen, die an der Entstehung des Young-Plans beteiligt gewesen sind, haben der Tributpolitik die Hauptschuld an der internationalen Wirtschaftskrise beigemeffen. Wenn auch der Dawes-Plan an die Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands erinnert, so erinnert er auch daran, daß die „besten Köpfe" der internationalen Wirtschaft und Finanz sich gründlich verrechnet haben. Diese Köpfe hielten es für möglich, aus der deutschen Wirtschaft Jahr für Jahr drei Milliarden Mark und mehr herauszuhvlen, ohne sich den Kops darüber zu-zerbrechen, wie diese drei Milliarden Mark ohne völlige Zerrüttung der deutschen Zahlungsbilanz an die Gläubiger hätten ausgelie- fert werden können. Diese Gläubiger waren "aber nichts anderes als die Versailler wechfelsei- tige Versicherungsgesellschaft zur Ausplünderung Deutschlands, wobei die Tribute die Rolle spielen sollten, die deutsche Wirtschaft vorweg zu belasten, um sie aus dem internationalen Wettbewerb auszuschalten. Daß die BIZ. in Basel zu ihrem ohnedies schlechten Ruf auch noch den gesellt hat, in einer Sache Einspruch zu erheben, die nur die Gläubiger schändet, aber nicht den Schuldner, das sollte eigentlich nichts anderes fein als die Anzeige d e r S e l b st auflös u n g der BIZ. Ger Führer wieder in Berlin. Berlin, 21.Juni. (DNB.) Reichskanzler Adolf Hitler ist von seinem Besuch beim Reichspräsidenten in Neudeck zurückkehrend am Donnerstagabend wieder in Berlin eingetroffen. geheimnisvollen Winkel das Aufbauwerk zu stören. Mit einem Male behaupten sie: die Stimmung flaut ab. Dir find es nie gewohnt gewesen, Politik mit Stimmung zu machen, und wenn das deutsche Volk heute nicht zu jeder Stunde Hurra schreit, so ist das nur ein Beweis dafür, daß es wieder arbeitet und keine Zeit zum Hurra- Schreien hat. (Lebhafter Beifall.) Sie haben uns nicht an der Uebernahme der Macht hindern können, da wollen sie uns nun am Gebrauch der Macht hindern. Das find, so rief Dr. Goebbels unter stürmischem Beifall aus, lächerliche Knirpse. Sie bedauern nicht an sich, daß der Arbeiter einen schlechten Lohn bekommt, sondern sie hoffen nur durch ewige Hetzerei den Arbeiter dem nationalsozialistischen Staat abspenstig zu machen. Gottlob ist die Intelligenz nicht allein bei diesen Herren in den Klubsesseln zu Hause. Das Volk hat die Zeiten, da diese Herren regierten, noch nicht vergessen, und wenn sie damals zu schwach waren, die Macht zu erobern, wie sollten sie heute stark genug dafür sein? Das Recht zur Macht haben wir uns angeeignet, weil kein anderer da war, der auf dieses Recht Anspruch erhob, kein Kronprinz, kein Kommerzienrat, kein Großbankier und kein Parlamentshäuptling. Sie alle haben die Dinge schlittern lassen. Wir höben uns der Lawine des Zerfalls in den Weg gestellt und sie aufgehalten. Wenn der Arbeiter manchmal Löhne bezieht, mit denen er ein der Kulturhöhe des deutschen Volkes entsprechendes Lebensniveau nicht mehr bewahren kann, so kommt das daher, daß wir vier Millionen Menschen wieder in Arbeit gebracht haben, und daß entsprechend das Lohnniveau auf einer gewissen höhe gehalten werden muß. Aber wir halten es für sozialistischer, daß man diesen vier Millionen auch etwas gibt, als daß man dem einen alles und dem anderen gar nichts gibt. Denn unsere Devisenvorräte knapp geworden sind, so deshalb, weil die uns vorangegangenen Regierungen in sträflicher Verantwortungslosigkeit Anleihen ausgenommen haben, die wir seht verzinsen und amortisieren müssen. Die nationalsozialistische Regierung hätte besser getan, alle diese Herrschaften hinter Schloß und Riegel zu sehen. (Stürmischer Beifall.) Denn wir müssen heute die Suppe auslöffeln, die sie eingebrockt haben. Wir haben einen verzweifelten Zustand der deutschen Finanzen übernommen. Wir haben ja nicht die Unterschrift unter den Dawes- und den P o u n g p a k t zu verantworten, sondern die, die uns vorangingen. Diese Kümmerlinge sagen: Ja, Hitler ist gut, aber was sind schon die kleinen Parteifunktionäre, die keine Ahnung haben, die ungebildeten Menschen, denen wir uns unterordnen sollen! Nun, diese kleinen Leute, über die man heute den Stab brechen möchte, haben Deutschland erobert! Wenn wir uns auf die vornehmen Herren verlassen hätten, wären wir verlassen gewesen. Den Meckerern sind die S t e u e r n zu hoch. Das wissen wir auch. Aber wir verplempern wenigstens nichts. Steuergelder und jeder Pfennig wird benutzt, neue Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Wir schmettern diese Kritiker am ehesten zu Boden, wenn wir uns auf unsere eigene Kraft besinnen. Das ist das Einzige, was sie fürchten, unseren unüberwindbaren Willen. Wir haben ein klares Ziel. Wenn wir die einzelnen Teile dieses Zieles nicht heute erreichen, so kämpfen wir morgen dafür, aber wir lassen uns nichtda- von abbringen. Darüber hinaus beseelt uns eine unüberwindbare Treue zueinander, die wir aus der Kampfzeit der Partei bewahren, Beständigkeit und Fleiß. Wir haben uns nie geändert, aber wir haben eine ganze Welt geändert. Die Volksgemeinschaft, die im Kern schon vorhanden ist, muh bis zum letzten durchgesührt werden. Der Wirtschaftsfriede, den. wir wollen, darf nicht eine Freistatt für Besitzende sein, sondern er muß wirklich die sozialen Gegensätze allmählich ausgleichen. Der konfessionelle Friede muh wirklich die Konfessionen untereinander versöhnen und darf ihnen nicht die Möglichkeit geben, unter scheinheiligen Beteuerungen den Staat zu sabotieren und zu bekämpfen. Darüber hinaus wollen wir dem deutschen Volke immer wieder sagen, dah sein heil in der eigenen Krasl und im Selbstbewuhtsein liegt. Unser Reich soll auf die Ewigkeit gestellt ein Reich der Stärke und der Kraft werden. Es soll in Deutschland nur ein Wille herrschen, der 66 Millionen beseelt und ihnen die Kraft gibt, das Leben zu verteidigen. Im letzten Teil seiner Rede wandte sich Dr. Goebbels an die Parteigenossen. Er wies darauf hin, daß ihm rednerische Tätigkeit im Reiche und die Ueberladung mit Amtsgeschäften nicht mehr so oft wie früher die Gelegenheit geben, in Berlin zu sprechen. Aber täglich, so betonte er, bewegt mich unentwegt weiter die Sorge um euch. Wir werden uns auch in Zukunft durchsetzen, wenn wir uns selber treu bleiben und uns allein auf die eigene Kraft verlassen. Diese Menschen wagen ja nur zu kritisieren, wenn ihnen niemand entgegen- tritt. „Packt sie euch", so rief Dr. Goebbels aus, „tretet ihnen entgegen", und ihr werdet sehen, wie sie feige zurückweichen, wenn ihnen einer die Wahrheit sagt. Laßt euch nichts mehr gefallen! Ruft sie zur Ordnung! Stemmt euch dagegen, dah sich jedes hergelaufene Subjekt erlauben darf, am Aufbau unserer Bewegung herumzunörgeln. Wenn sie dann eine Zeit in die Mauselöcher gekrochen sind, kommen sie daraus als perfektuierte Nationalsozialisten wieder hervor! (Heiterkeit) Dieser Sorte imponiert nur Kraft, Selbstbewuhtfein und Stärke. Sie sollen sie haben. Sie haben unseren Großmut mißverstanden, jetzt sollen sie unsere Entschlossenheit verstehen lernen! Diese Menschen werden den Schritt eines Jahrhunderts nicht aufhalten können, sie werden Zurückbleiben, und es paßt auf sie das Wort, das für sie geprägt worden ist: Sie sind die Reaktion, der Rückschritt. Wir werden über sie hin- wegschreiten und die Geschichte wird nicht von ihnen, sondern von uns schreiben. Mit Stolz können wir von uns behaupten: Dir find die bessere Jugend eines anderen Reiches und haben deshalb das alleinige Recht, dieses Reich zu präsentieren. Denn mit uns zieht die neue Zeit! Anhaltender Beifall dankte dem Gauleiter für feine Worte, die der Menge aufs neue wieder Kraft und Kampfesmut gegeben haben. Dr.Schachi über das Transf ermoraiorium Oie Auslandspreise wird eingehend aufgeklärt. Berlin, 21. Juni. (DNB.) Der Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, hatte zum Donnerstagnachmittag die A u s - landspreffe zu einem Tee-Empfang in die Feftfäle des Propagandaministeriums geladen^ womit die Reihe dieser Art von Presseempfängen fortgesetzt wurde. Der Einladung waren zahlreiche Vertreter des diplomatischen Korps, sowie verschiedene Mitglieder des Reichskabinetts und andere geladene Gäste in großer Zahl gefolgt. Anwesend waren u. a.: Vizekanzler v. P a p e n, die Reichsminister Seldte und von Elz- R ü b e n a ch, die Staatssekretäre von Bülow und Funk, der Inspekteur der Nachrichtentruppen, Generalleutnant von Kluge, Generaldirektor Dr. Dorpmüller, der stellvertretende Gauleiter von Berlin, Staatsrat Görlitzer, Landesstellenleiter Schulze-Wechsungen sowie Oberbürgermeister Dr. G ö r d e l e r. Man sah ferner die Botschafter der Vereinigten Staaten, Japans und Spaniens, die Gesandten von Argentinien, Rumänien, Polen, Ungarn, Bulgarien, Südslawien, der Tschechoslowakei, der Schweiz, Oesterreichs, Lettlands, Griechenlands, Norwegens, von Venezuela und Bolivien, von Uruguay und Irland, sowie die Geschäftsträger der Sowjetunion, von Luxemburg, Kuba, Nikaragua und Panama. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Hausherrn, Reichsminister Dr. Goebbels, beschäftigte sich Reichsbankpräsident Dr. Schacht in feinem Bortrage über die mit dem Transf erproblem zusammenhängenden Probleme ausführlich mit den zahlreichen Einwendungen, die gegen die deutsche Devisen- und Schuldentilgungspolitik in der Auslandspresse immer wieder erhoben werden, und wies diese Angriffe mit absolut durchschlagenden Argumenten zurück, wobei er oftmals die ganze Haltlosigkeit der gegnerischen Betz a u p t u n ge n in der Auslandspresse mit sarkastischen Bemerkungen kennzeichnete. Besonders energisch wandte er sich gegen das ewige Gerede von einer deutschen Inflation oder Devalvation der Dark, indem er eingehend begründete, daß solche Maßnahmen für Deutschland überhaupt nicht in Frage kommen. Eine Inflation oder Devalvation würde die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters in unerträglicher Weise verteuern und im übrigen den Rohstoffbezug aus dem Auslande, auf den Deutschland angewiesen sei, noch mehr erschweren als bisher, da Deutschland mit einer entwerteten Mark noch viel weniger kaufen könne. Der Reichsbankpräsident ging ferner näher auf die hier und da im Auslande aufgetauchten Pläne ein, durch ein Clearingsverfahren für die Gläubiger deutscher Anleihen die notwendigen Devisen zwangsweise einzubehalten und der deutschen Regierung die Zahlung an die Exporteure zu überlasten. Dr. Schacht wies nach, daß durch diese Methode der Handel mit Deutschland schließlich völlig lahmgelegt werden müsse und die Störungen im gesamten Welthandel noch weiter verschärft werden würden. Diese Methode führte auf keinen Fall den beabsichtigten Erfolg herbei. Der Reichsbankpräsident betonte noch einmal sehr eindringlich die Tatsache, daß von den Schuldenbeträgen, die Deutschland im Ausland ausgenommen habe, nicht weniger als 10,3 Milliarden Mark für Reparationen, also zur Bezahlung politischer Schulden, an ausländische Staaten verwendet worden seien. Da man Deutschland nach dem Kriege seinen gesamten Besitz im Auslande fortgenommen habe, hätten die Forderungen des Auslandes aus derartigen Guthaben nicht mehr beglichen werden können. Deutschland bemühe sich im Gegensatz zu anderen Staaten, seine Schulden ehrlich zu bezahlen. Die Voraussetzung hierfür sei allerdings, dah man zunächst von den für ein jedes Industrieland völlig unerträglich hohen Zinssätzen heruntergehe. Wenn Deutschland wieder Auslandsschulden und Zinsen in Devisen abtragen solle, so müsse man ihm entweder eine neue Rohstoffbasis geben, oder für feine Waren einen vermehrten Absatz in der Welt erschließen. Dr Schacht wies schließlich noch den Vorwurf zurück, oaß Deutschland zuviel importiert. Deutschland brauche die Rohstoffe, um das gigantische A r - beitsbeschaffungswerk im Inlands durchzuführen, womit es wiederum in die Lage versetzt werde, zu exportieren und Schuld- und Zinsbeträge an das Ausland zu zahlen. Wie auch immer die Entwickelung weitergehen werde, niemals werde es die nationalsozialistische deutsche Regierung zulassen, daß eine neue Arbeitslosigkeit entstehe, die in erheblichem Umfange auf die d e f l a - tionistische Methode der früheren Regierungen zurückzuführen fei. Die Welt könne Deutschland nicht einfach „abschreiben", weil damit die gesamte Weltwirtschaft in einen Zustand völliger Zerrüttung kommen mühte und die Gefahr des Kommunismus, die die nationalsozialistische Regierung beseitigt habe, für die anderen Kulturstaaten sofort wieder heraufbefchworen werden würde. Man könne dem Auslande und der Auslandspresse gar nicht eindringlich genug vor Augen halten, was Deutschland mit der Beseitigung der kommunistischen Gefahr für die Kulturstaaten der Erde und für die volkswirtschaftlichen Beziehungen der Völker geleistet habe. Die Ausführungen des Reichsbankpräsidenten wurden mit stärkstem Beifall ausgenommen. Das Echo in Englan-.-Englische Zweifel an -er Nützlichkeit -es Elean'ng-Gyflems. London, 22.Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Ansprache, die der Reichsbankpräfident Dr. Schacht gestern in Berlin vor den Vertretern der Diplomatie und der ausländischen Presse gehalten hat, wird von der englischen Morgenpresse sehr stark beachtet. Dabei nehmen die Blätter gleichzeitig Stellung zu der englischen Vorlage über das Clearing-System, die gestern veröffentlicht worden ist. Obwohl es Deutschand gegenüber in manchen Artikeln nicht an Unfreundlichkeiten fehlt, sind die Meinungen über die Nützlichkeit der englischen Vorlage doch sehr geteilt. „Daily S) er alb", das Blatt der Arbeiterpartei, hofft, daß in den acht Tagen, die noch für Verhandlungen übrig bleiben, ehe das britische Ultimatum und der „schlimmste Wirtschaftskrieg der modernen Geschichte" Tatsache werden, noch eine Einigung erzielt werden kann. Bei einem Handelskrieg mit Großbritannien allein wäre nach Ansicht des Blattes Deutschland in einer schwachen Stellung. Das britische Reich in seiner Gesamtheit verkaufe aber mehr an Deutschland, als Deutschland von ihm kauft. Alles in allem sei die E i n st e l - lung des Handels als Katastrophe zu betrachten, die Arbeitslosigkeit für Taufende in beiden Ländern mit sich bringen werde. „M o r n i n g P o st" beschäftigt sich in sehr abfälligem Tone mit der Rede Dr. Schachts, dem das Blatt u. a. vorwerfen möchte, daß er Zwietracht zwischen dem britischen Mutterland und den Dominien zu säen versuche, indem er die Dominien mit der Einstellung des Handelsverkehrs bedrohe. An anderer Stelle behauptet das Blatt, daß ein Versuch vorliege, die britische Regierung einzuschüchtern. Die „Times" -setzt sich mit der Rede nicht weiter auseinander, sondern beschränkt sich auf Informationen über die parlamentarische Behandlung der englischen Vorlage. Daraus geht u. a. hervor, daß die Arbeiterpartei und die liberale Opposition die Gesetzesvorlage für zu weit ausgreifend halten. „Daily Telegraph" bedauert es, daß eine neue Schranke für den schon so sehr behinderten internationalen Handel errichtet zu werden drohe. Im übrigen nimmt das Blatt für die Auffassung der englischen Regierung gegen die deutsche Auffassung Stellung. Großbritannien könne durch nichts von dem Entschluß abgebracht werden, Gerechtigkeit für sich selbst und für seine Staatsangehörigen zu fordern. „News Chronicle" zweifelt an dem praktischen Wert des neuen Gesetzes. Die Gläubiger würden khr Geld auch auf diesem Wege nicht erhalten. Dagegen seien die Machtbefugnisse, die der Board of Trade durch das Gesetz erhalte, als erstaunlich zu bezeichnen. Aeußerst scharfe Kritik an der englischen Regierungsvorlage findet sich im „Financial New s". An sich wäre das Blatt mit der Einrichtung eines Devisen - Clearing - Systems einverstanden. Es rügt aber das drohende Auftreten der englifchen Regierung und stößt sich besonders an den zweiten Teil des geplanten Gesetzes, an den Vergeltungsmaßnahmen für Einfuhrbeschränkungen. Wenn eine Drohung beabsichtigt sei, so müsse bemerkt werden, dah bei ihrer Durchführung die kommerzielle und finanzielle Lage Englands Deutschland gegenüber sich nicht verbessern, sondern im Gegenteil noch verschlechtern würde. Wenn keine Drohung beabsichtigt sei, so liege eine bedenkliche Entgleisung vor. Das Blatt wirst der Regierung vor, daß sie hinter dem Rauchschleier der Einrichtung eines Clearinghauses ver- suche, ihre direkten Machtbefugnisse zu erweitern. Das Handelsamt wolle Vollmacht, Kontingente nicht nur für landwirtschaftliche, sondern auch für industrielle Erzeugnisse einführen, was der gesamten englischen Wirtschaftspolitik eine völlig neue Wendung geben würde. „Financial Times" tröstet sich mit der Tatsache, daß das letzte Wort am 1. Juli gesprochen werde. Bis dahin fei noch Zeit für den Sieg der Vernunft. Dollfuß' Gewaltherrschaft. Dollfuß läßt mißliebige Vereine auflösen. Wien, 21. Juni (DNB.) Die Ankündigung des Bundeskanzlers Dollfuß in feiner Sonntagsrede, daß die Betätigung gewisser Vereine mit politischer Tendenz strenger Kontrolle unterzogen werden würde, hat nunmehr die ersten Folgen ge- aeitiat. Der Sicherheitskommissar für Wien hat die Auflösung zweier Vereine, und zwar die Ortsgruppe Prater-Teutonen des Deutschen Schulvereins sowie der Vereinigung deutscher völkischer Mittelschüler verfugt. Auch aus der Provinz liegen Mitteilungen oor, daß die Sicherheitsbehörden jetzt planmäßig an die Auslösung und das Verbot national eingestellter Vereine und Organisationen gehen. Das christlich-soziale „Linzer Bolksblatt" meldet, daß in Marschtrenk Turnvereine wegen nationalsozialistischer Betätigung ihrer Mitglieder aufgelöst wurden. Die Aktionen der Regie- rung ridjten sich nicht allein gegen die verbotenen Organisationen und Vereine, sondern auch gegen Gastlokale, die den Nationalsozialisten zur Verfügung stehen. So wurde in Braunau das Gast- Haus Pommer, wo Propagandamaterial der Nationalsozialisten von der Polizei beschlagnahmt wurde, gesperrt. Eine Reihe von anderen Gasthäusern ist gleichfalls geschloffen worden. Sonnenwendfeier nur für die Vaterländische Front. Wien, 21. Juni. (DNB.) Das Bundeskanzler- Amt hat angeordnet, daß in diesem Jahre alle Sonnenwendfeiern außer denjenigen, die von der Vaterländischen Front veranstaltet werden, zu unterbleiben haben. Der Heimwehr-Terror in Oesterreich. München, 21. Juni (DNB.) Der Österreichische Pressedienst meldet: Gemäß der Weisung des Bundesführers der Heimwehr, Starhemberg, derzufolge die Heimweh r I e u t e gegen alle Nationalsozialisten mit offener Gewalt vorzugehen hätten, häufen sich die Terrorakte in den letzten Tagen in besonderm Maße. In der burgenländischen Hauptstadt Eisenstadt durchzogen in der Nacht zum 19. Juni Heimwehrtrupps in der Stärke von 20 bis 30 Mann die Straßen und schlugen Passanten, die im Verdacht standen, Nationalsozialisten zu sein ober mit ihnen zu sympathisieren, wahllos mtt Ochsenziemern, Gummiknüppeln, Stahlruten und anderen Hiebwaffen nieder. Die Opfer wurden schließlich mit Sieben und Fußtritten b i s zur Bewußtlosigkeit bearbeitet. Auch Rad- und Motorradfahrer, die auf Anruf nicht sofort stehenblieben, wurden in der Fahrt von den Fahrzeugen gestoßen und verprügelt. Die Bevölkerung, die aus dem Schlafe geweckt, zu den Fenstern eilte, mußte diese rasch schließen, weil die Heimwehr zu schießen drohte. Beherzte Männer, die den Opfern zu Hilfe eilen wollten, wurden ebenfalls niedergeschlagen. Einige junge Leute, die aus einer bekannten christlichen Familie stammen, wurden auch verprügelt. Ein Trupp von Heimwehrleuten drang sogar in die Wohnung eines Zivilgeometers ein und holte diesen und einen zu Gast weilenden Versicherungsbeamten heraus, worauf beide in der Finsternis verprügelt und sodann zur Polizei geschleppt wurden, wen sie angeblich das Horst-Wessel-Lied gesungen hatten. Vier Schwer- und zahlreiche Leichtverletzte werden von der maßlos empörten Bevölkerung als Opfer dieses unmenschlichen Terrors beklagt. Weitere Anschläge. Wien, 21. Juni. (DNB.) Außer den bereits gemeldeten Anschlägen in Vorarlberg haben sich am Mittwoch in ganz Oesterreich noch zahlreiche Sabotageakte ereignet. So wurden zwölf Drähte der staatlichen Telefonleituna bei Matte r s b u r g im Burgenland durchschnitten. In das Haus eines Lederwarenhändlers in Greifenberg in Kärnten wurde durch das Fenster ein Sprengkörper geworfen, durch den ziemlicher Sachschaden angerichtet wurde. Bei Oberkappe l, Bezirk Rohrbach, wurden am Mittwoch Morgen drei Masten einer Lichtleitung gesprengt. Im Garten des Zollamtes in Schwarzenberg, Bezirk Rohrbach, wurde ein Sprengkörper zur Explosion gebracht, wodurch zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert wurden. Infolge eines Sprenqstoffan- fchlages auf einen Lichtleitungsmast am Bahnhof Judenburg in Steiermark war ein Teil der Stadt Judenburg einige Zeit ohne Licht und Kraft. Mittwoch mittag explodierte vor der Wohnungstür des städtischen Kriminalkommissars Rofner in Innsbruck ein Sprengkörper, wodurch Sachschaden verursacht wurde. Zweierlei Maß. Wien, 21. Juni. (DNB.) In aufreizendem Gegensatz zu den fürchterlichen Standgerichtsurteilen der letzten Tage gegen Nationalsozialisten steht ein Urteil, das am Donnerstag von einem Schöffensenat gegen elf Schutzbündler gefällt wurde, die am 12. Februar einen Sabotageakt im Elektrizitätswerk Wien durchführten. Die Schutzbündler, Arbeiter des Elektrizitätswerkes Wien, hatten das Elektrizitätswerk in Explosionsgefahr gebracht und damit das Leben von Hunderten von Kameraden gefährdet, ferner Arbeitswillige am Leben bedroht, die Einstellung der Kesselfeuerung durchgesetzt und ein wahres Schreckensregiment aufgerichtet. Zwei Angeklagte wurden zu Kerkerstrafen von Vh Jahren, die übrigen zu Kerkerstrafen von 1 bis 5 Monaten verurteilt. Neuer deutscher Botschafter in Moskau. Berlin, 21. Juni (DNB.) Der Herr Reichs- Präsident hat den Botschafter in Moskau, Herrn Nadolny, in den einstweiligen Ruhe- Gras von der Schulenburg. kl K. M stand versetzt und den bisherigen Gesandten in Bukarest, Grasen von der Schulenburg, zum Botschafter in Moskau ernannt. Wie wir hierzu von unterrichteter Sette erfahren, bedeutet die von Botschafter Nadolny erbetene Enthebung von seinem. Posten in keiner Weise eine Aenderung der deutschen Politik gegenüber der Sowjetunion. Ausländische Zeitungskombinattonen, die den Botschafterwechsel in Moskau mit bestimmten Fragen der deutsch - sowjetischen Beziehungen in Verbindung bringen wollen, entbehren jeder Grundlage. Botschafter Nadolny. R > Europareise des türkischen Staatspräsidenten? Paris, 21. Juni. (DNB.) In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß der türkische Staatspräsident Mustafa Kemal Pascha Anfang Juli zu einem kürzeren Aufenthalt in Moskau eintreffen und sich von dort nach Warschau und weiter auch nach Paris und London begeben werde. ! N? _ . rrfx ww Gewaltige Verstärkung der Marir London, 22.3uni. (DNB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily f) et alb“ will wissen, daß der britische INarineminister Sit Bolton Lyres-Wonsell am Donnerstag im Auswärtigen Amt dem amerikanischen Marinesachverständigen eine Denkschrift über die technischen Bedürfnisse der britischen Kriegsmarine überreicht habe, deren Inhalt aufsehenerregend sei. Norman Davis habe das Schriftstück nach Washington weitergegeben. In der Denkschrift würden die „technischen- Bedürfnisse der Admiralität folgendermaßen dargestellt: Die Verteidigung des britischen Reiches und der britischen handels- schaffahrtswege erfordern 1. den Bau einer neuen Schlachtflotte sofort nach Ungültlg- werden der Einschränkungen des Washingtoner Vertrags; 2. den Bau von 30 neuen Kreuzern, um die Kreuzerflotte auf insgesamt 70 Fahrzeuge zu bringen (die jetzige Kreuzerstärke ist 50, aber zehn Kreuzer werden in den nächsten Zwei Jahren die Altersgrenze überschreiten); 3. den Bau einer großen Anzahl neuer Zerstörer und 4. den Bau neuer Flugzeugmutterschiffe. Im „Daily Telegraph- wird über die bevorstehende Bildung einer besonderen Abteilung innerhalb der britischen Luststreitmacht zum Studium des Luflkampfes und dex damit zusammenhängenden Probleme berichtet. Dieser neuen Abteilung würden ein Stab von Sachverständigen und die besten Flugzeugführer der Luftwaffe angehören. Man rechne mit einer Verstärkung der britischen Luft- st r e i t m a ch t in den nächsten Jahren. Zwar werde es noch drei Jahre dauern, bis die neuen Kampfgeschwader in Dienst gestellt werden. Aber es sei dringend wünschenswert, rechtzeitig die besten Klassen und die besten Typen auszuwählen. /W , «£ • / , * Oft hat es Meinungsverschiedenheiten zwischen der französischen Regierung und dem französischen Generalstab gegeben, eine Erscheinung, tue man auch in anderen Ländern beobachten konnte, die aber in Frankreich immer nur die Methoden, das Mehr oder Weniger, nicht das große Ziel, die europäische Vorherrschaft, betrafen und daher auch niemals den Bestand des Staates gefährdeten. Im Gegenteil, das Nebeneinanderarbeiten der beiden Machtgruppen hat sich häufig, für das Ausland unsichtbar, zu einer überaus erfolgreichen Zusammenarbeit entwickelt. Zu der gesteigerten diplomatischen Aktivität des Quai d'Orsay bildet gegenwärtig die Entsendung von Vertretern des französischen Heeres und von Militärfachleuten eine für die französische Politik charakteristische Parallele. Zwei Staaten werden in diesen Tagen von französischen Militärs in besonderem Maße beglückt: England und Rußland. Der Chef der französischen Heeresleitung, General We y g a n d, hat sich zu einem „privaten" Besuch bei dem britischen Befehlshaber nach England begeben, während französische Militärflieger und Flugtechniker austauschweise nach Rußland gesandt werden sollen, um den gegenwärtigen Stand des sowjetischen Militärflugwesens und bte Aussichten für ihre Entwicklung in der nächsten Zukunft zu studieren. Beide Unternehmungen sind um so interessanter, als sich bekanntlich gerade die englische Oeffentlichkeit und auch englische Regierungsstellen scharf gegen eine französisch-sowjet- russische Militärallianz ausgesprochen haben. Frankreich aber legt beide Eisen ins Feuer und prüft, welches von beiden schneller heiß wird, auf daß es recht bald zu der Zange geschmiedet werden könnte, in der das wiedererstarkte Mitteleuropa seinen nationalen Geist aufgeben soll. Nicht nur aus innerpolitischen und weltanschaulichen Rücksichten — die französische Rechte, auf die sich die Regierung Doumergue vor allem stützt, gibt dem englischen Partner vor dem russischen den Vorzug —, sondern auch aus militärpolitischen Gründen konzentriert sich die französische Werbearbeit vor allem auf den westlichen Nachbarn, der aber schwerer zu gewinnen sein dürfte, als der rote Riese im Osten. Bezeichnend ist, daß Barthous nächste Reise nicht nach Moskau, sondern nach London geht, wo ihm jetzt der französische Generalissimus den Weg bereiten soll. Welches im einzelnen die Aufgaben sind, denen sich Weygand in London und auf den englischen Truppenübungsplätzen zu unterziehen hat, darüber kann man zwar nur Vermutungen anstellen. Aber nach Lage der Dinge und nach den unfreiwilligen Enthüllungen Pariser Zeitungen handelt es sich um den Versuch, den englischen General st ab für einen gemeinsamen Operationsplan im Kriegsfall (!) zu gewinnen, den englischen ÄZiderstanü gegen das franzö- sifch-russische Bündnis zu brechen und die britische Regierung für den Gedanken einer neuen erweiterten, aber völlig überflüssigen G a • rantie der belgischen und holländischen Neutralität zu erwärmen. Um solchen Planen den verfänglichen Charakter der Block- und Einkreisungspolitik zu nehmen und sie als gesamteuropäische Frivdenspolitik zu tarnen, sollen an dieser Garantie ebenso wie an dem als „Ostlocarno" neu aufgezäumten Baltenpakt alle europäischen Staaten einschließlich Deutschland teilnehmen. Da man in Paris weiß, daß nicht nur Deutschland, sondern auch die von solcher „Fürsorge" betroffenen Länder selbst kein Verlangen nach dem unerbetenen Schutz tragen, ist der Zweck dieser von vornherein zum Scheitern verurteilten Manöver klar. Frankreich erstrebt ein Ost-Locarno. Paris, 21. Juni (DNB.) Der Außenpolitiker des „Petit Parisien", Albert Julien, will aus sicherer Quelle erfahren haben, daß die französische Regierung in W a r s ch a u und Berlin Schritte unternommen habe, um die beiden Regierungen zu veranlassen, den neuen Plan eines Baltenpaktes wohlwollend zu prüfen. Die französische Regierung gehe dabei von der Erwägung aus,daß man diesen Pakt mit dem Locarnovertrag und dem Balkanpakt verschmelzen könnte, um dadurch ein ganzes Sicherheitsnetz herzustellen, das nicht nur die praktische Anwendung der Gleichberechtigung ermöglichen, sondern auch üpläne Englands, e und der Luststreitkräste in Eicht. Dreimonatiger Urlaub Macdonalds. London, 22. Juni. Den Blattern zufolge wird Macdonald binnen kurzem aus Gesundheitsrücksichten einen d r e i m o n a - tigen Urlaub antreten. Die ärztlichen Ratgeber des Premierministers haben ihm nahegelegt, einen möglichst langen Sommerurlaub zu nehmen. Sie haben ihm vorgeschlagen, daß er sobald wie möglich [eine Amtstätigkeit und besonders mit Rücksicht auf seine schwachen Augen das Lesen von Dokumenten e i n st e l l t und drei Monate Ferien nimmt. Macdonald hofft, in den nächsten Tagen London verlassen zu können; er beabsichtigt, erst bei Wiederzusammentritt des Parlaments, Mitte Oktober, zurückzukehren. Ueber den Ort, wo er seine Ferien verbringen wird, ist noch nichts bekannt. Henderson hofft immer noch. London, 22. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, erklärte am Donnerstag in Cheltenham in einer Rede u. a., die Aussichten der Abrüstungskonferenz seien nicht sehr ermutigend, aber die Konferenz sei nicht tot, und sie sei nicht endgültig zusam- lyengebrochen. Die an sich vorhandenen großen Schwieriakeiten würden noch vergrößert durch Deutschlands Abwesenheit. Aber solange noch irgendeine Aussicht auf eine die Welt um- fassende Vereinbarung bestehe, werde er seine Bemühungen nicht aufgeben. Frankreich beteiligt sich an den Flottenbesprechungen. Paris, 21. Juni. (DNB.) Die französische Regierung hat durch ein anfangs der Woche in oer englischen Botschaft in Paris überreichtes Schreiben mitgeteilt, daß sie die Einladung der englischen Regierung zur Teilnahme an den Vorbefprechunaen über die 1935 stattfindende Flottenkonferenz in London an» nimmt. Am 8. Juli werden sich Außenminister Barthou und Kriegsmarineminister Pie tri nach London begeben. die Rückkehr Deutschlands nach Genf und den Erfolg der Abrüstungskonferenz fördere. Barthou Ehrenbürger Rumäniens. Bukarest, 22. Juni. (DNB. Funkspruch.) Zu Ehren Barthous veranstalteten am Donnerstag Kammer und Senat eine gemeinsame Festsitzung in Anwesenheit des französischen Außenministers. Ministerpräsident Tata- r e s c u erinnerte an die Verbrüderung der beiden Länder auf den Schlachtfeldern und schlug eine Entschließung vor, Barthou zum Ehrenbürger Rumäniens zu ernennen. Diese Entschlie- ßung wurde vom Parlament angenommen. Ein ungarischer Protest. Budapest, 21. Juni. (DNB.) Feldmarschall Erzherzog Joseph, der während des Weltkrieges ein Jahr hindurch den Oberbefehl über die österreichisch-ungarischen Streitkräfte in Siebenbürgen führte, verlas am Donnerstag im Oberhaus eine Erklärung des französischen Außenministers Barthou, die dieser angeblich dem Mitarbeiter eines rumänischen Blattes abgegeben hat. Der Feldmarschall erklärte, er habe die angeblichen Aeuße- rungen des französischen Außenministers mit tiefem Bedauern und großer Entrüstung gelesen. Es werde in ihr gesagt, daß sowohl Frankreich, als auch Rumänien nur d ie Grenzen zurückerobert hätten, die ihnen gehörten. Wenn die Meldung des rumänischen Blattes wirklich wahr fei, so müsse er im Namen der ganzen ungarischen Nation gegen diese Geschichtsfälschung protestieren. Er protestiere dagegen, daß eine lügnerische Propaganda den greifen Minister Frankreichs zu dieser Auffassung gebracht habe. Wenn dieser die wahrheitsgetreue Geschichte studieren würde, so würde er sich davon überzeugen, daß die größte Fälschung der Weltaeschichteder Tria- noner Vertrag sei. Dieser müsse im Interesse des von allen ersehnten Friedens unbedingt abgeändert werden. Nach der Rede des Erzherzogs, die verschiedentlich durch zustimmende Zurufe unterbrochen wurde, zollte das ganze Haus dem Erzherzog stürmischen Beifall. Geringe Mehrheit der belgischen Regierung. Brüssel, 21. Juni. (DNB.) Die belgische Kammer hat am Donnerstag die Aussprache über die Regierungserklärung abgeschlossen. Die von den Führern der beiden Regierungsparteien ein- gebrachte Entschließung, wonach die Kammer die Erklärung der Regierung billigt und zur Tagesordnung übergeht, wurde angenommen. Für die Entschließung wurden 93, dagegen 81 Stimmen abgegeben. Vier Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Die belgische Kammer zählt 187 Abgeordnete. Demnach haben 9 Abgeordnete bei der Ab- stimmung gefehlt. Gegen die Regierung haben die Sozialisten, Kommunisten und die Flämischen Nationalisten gestimmt. Die Regierung verfügt nach der Abstimmung über eine ausreichende, aber doch geringe Mehrheit der Katholischen und der Liberalen Partei. Für den Bestand der Regierung ist es bedenklich, daß die Regierungskoalition, wie der Verlauf der Aussprache zeigte, in sich sehr gespalten ist. Oie Nachforschungen nach dem Mörder pierackis. Warschau, 22. Juni. (DNB. Funkspruch.) Wie einige Regierungsblätter berichten, werden die polizeilichen Nachforschungen zur Aufklärung des Anschlages auf Innenminister Pieracki mit aller Energie fortgesetzt. Das bisherige Ergebnis wird aus rein taktischen Gründen noch geheimgehalten. Jedenfalls soll es bereits feststehen, daß der Täter nicht auf eigene Fau st gehandelt hat, sondern daß er einige Mithelfer gehabt haben muß, die ihm bereits während seiner Flucht behilflich gewesen sind. Es ist nicht ausgeschlossen, so heißt es den Berichten, daß sich der Attentäter oder einer feiner Mithelfer unter den Festgenommenen befindet. Die polnischen Blätter wenden sich in höchster Empörung gegen einen gehässigen und gefühllosen Artikel in dem Prager marxistischen Blatt „P r a v o L i d u" über den ermordeten Minister. „Die „Gazetta Polska" verurteilt diesen Artikel aufs schärfste und bezeichnet ihn als moralische Perwilderung und Erscheinung einer Entartung. Der regierungsfreundliche „Expreß Porany" versieht feinen Bericht mit der Ueberfdjrift „Unzurechnungsfähiges tschechisches Spottlied am Tage der Trauer in Polen". Einer Meldung des regierungstreuen „Kurjer Porany" zufolge haben sich in den östlichen Bezirken des Landes einige k a th o- Belebung im Als Maßstab für Verbrauch und volkswirtschaftliche Warenoerteilung benützt man in der Regel die Umsätze des Einzelhandels, weil dieser den Verbrauchern am nächsten steht, und seine Umsätze die Veränderungen des Bedarfs und der Nachfrage am schnellsten widerspiegeln. Der Großhandel steht zwischen Produzenten und Einzelhändlern. Zu seinen Aufgaben gehört die Lagerhaltung, durch die eine angemessene Bedarfsbefriedigung bei Schwankungen des Verbrauchs sichergestellt wird. Die Veränderungen der Nachfrage wirken sich freilich in der Regel in den Umsätzen des Großhandels nicht so schnell aus wie in denen des Einzelhandels. Das gilt auch für Zeiten, in denen die Konjunktur anzuziehen beginnt: denn der Einzelhandel verfügt, namentlich in Depressionsperioden, meist über beträchtliche Läaer, die er bei wieder steigender Konjunktur zunächst aufbraucht, bevor er seine Einkäufe beim Großhandel steigert. Trotzdem verdient auch die Umsatzbewegung des sogenannten Absatz- großhandels Beachtung, dessen Aufgabe die Bewegung der Waren vom Erzeuger zum Einzelhändler ist. Der sogenannte Aufkauf- und Sammelgroßhandel kommt hier zurzeit weniger in Frage, weil er sich mitten in einer Umstellung befindet, nachdem der Aufkauf großer Warenzweige (Butter, Eier usw.) teilweise neuen Organisationen unter Ausschaltung der freien Aufkäufer übertragen worden ist, wodurch natürlich Umsatzvergleiche erschwert werden. Um die Umsatzentwicklung des Absatzgroßhandels festzustellen, hat die Forschungsstelle für den Handel das Zahlenmaterial aus mehr als 2300 Großhandelsbetrieben gesammelt und zusammengestellt. Es ergibt sich daraus die auffällige Tatsache, daß im Großhandel schon das Jahr 1933 eine allmähliche Zunahme der Umsätze gebracht hat, während im Einzelhandel bekanntlich im Jahre 1933 im allgemeinen noch ein, wenn auch stark verringerter Umsatzrückgang festzustellen war. Im Gegensatz zur Regel ist alo offenbar diesmal der Absatzgroßhandel dem Wiederanstiege der Wirtschaft schneller gefolgt als der Einzelhandel. Das ist darauf zurückzuführen, daß infolge der langen Dauer und des tiefen Standes der Depression der gesamte Handel seine Läger stärker als so n st geleert hatte. Auch die Geld- und Kreditkrise hat offenbar dazu beigetragen, daß der Handel feine Funktion der Lagerhaltung nur noch in verhältnismäßig geringem Umfange ausübte. AIs dann der Umschwung der Konjunktur kam, ging die Wiederherstellung des Vertrauens der tatsächlichen Zunahme des Verbrauchs weit voraus. Von der Seite des Vertrauens zur Stabilität des Staates und der Wirtschaft her hat ja der Nationalsozialismus nach der Machtübernahme den Konjunkturumschwung heroorgerufen. Das ist seine große Leistung, durch die er die starke allgemeine Be- Aus all Furchtbares Explosionsunglück in Rußland.-IS Tote und Verwundete? Wie aus Moskau gemeldet wird, hat sich am 16. Juni in einer der größten chemischen Fabriken der Sowjetunion, dem Chemischen Werk „Frunse", ein furchtbares Explosionsunglück ereignet. Ein vierstöckiger Seitenflügel der riesigen Fabrikanlage wurde vollkommen zerstört. Genaue Zahlen über die Toten und verwundeten liegen bisher noch nicht vor, jedoch sollen 78 Personen getötet bzw. verwundet worden fein. Das Unglück, das bisher von den Behörden g e - heim gehalten worden war, scheint durch einen Sabotageakt verursacht worden zu sein. Die OGPU. hat sofort das gesamte Fabrikgelände abgesperrt und eine Untersuchung eingeleitet, an der außer den Vertretern der obersten Staatsanwaltschaft auch noch Vertreter des Kriegskommissariats teilgenommen haben. Nach den bisherigen Witleilungen sind bereits mehrere Verhaftungen vorgenom- me nworden, darunter auch von einigen Direktoren und Ingenieuren, die für das Unglück verantwortlich gemacht werden. Eine amtliche Verlautbarung über die Katastrophe wird im Laufe des Freitags erwartet. — Das Chemische Werk „Frunse" stellt hauptsächlich Chemikalien für Industrie und Landwirtschaft her, jedoch sollen in dem Werk auch Kampfmittel für den chemischen Krieg hergeslellt werden. Die deutsche Jugend huldigt dem Genius Schillers in Marbach. Zu einer Kundgebung von jugendlichem Feuer gestaltete sich die große Huldigung, die die deutsche Jugend in Marbach, der Geburtsstätte Friedrich Schillers, dem großen Dichter darbrachte. 25 000 Hitlerjungen aus allen Gauen Deutschlands hatten in Stafettenläufen ihre Gaben nach Marbach gebracht. Von welcher Disziplin das von der HI. unternommene Werk getragen war, bewies die Tatsache, daß die Stafettenläufer genug zur bestimmten Zeit in Marbach eingetroffen waren. Die in der „Stunde der Nation" vom Reichssender Stuttgart übertragene Kundgebung war für alle Teilnehmer ein großes Erlebnis. Besonders eindrucksvoll war es, als die Jungen aus den fünf deutschen Gauen, der Westfale, der Schleswigholsteiner, der Ostpreuße, der Oberschlesier und der Bayer, ihre Urkunden verlasen und ihre Gaben an dem Denkmal Friedrich Schillers niederlegten. Der Westfale hatte von der Ewigen Flamme des Schlageter-Denkmals in Kaiserswerth einen Funken nach Marbach gebracht, und dort das Sonnenwendfeuer entflammt. Kohle von der Saar und Edelweiß von den Alpen brachten die Jungen, und ein Mädel aus Oesterreich überbrachte das Deutschlandlied. Mit dem Kampflied der HI. schloß diese einzigartige und auf alle deutschen Sender übertragene Kundgebung der deutschen Jugend, die ein Zeugnis ablegte von dem Geist Friedrich Schillers liche Priester gefunden, die sich unter geringfügigen Ausreden geweigert patten, Irauer- gottesbienfte für den Innenminister abzuhalten. Acht Nationaldemokraten verhaftet. Warschau, 22. Juni. (DNB. Funkspruch.) Acht Vorstandsmitglieder der national- demokratischen Partei in Zdunska Wola bei Lodz sind verhaftet worden. Das Parteilokal wurde polizeilich geschlossen und versiegelt. Großhandel. lebung der deutschen Binnenmarktwirtschaft zustande gebracht hat. Der Handel hat auf Grund des neu« verwurzelten Glaubens auf den deutschen Wiederaufstieg seine Läger vielfach früher a u f gefüllt, als er durch die Zunahme des Absatzes dazu gezwungen gewesen wäre. Er hat sich mit voller Kraft so schnell wie möglich in den Dienst der Wirtschastsankurbelung gestellt und dadurch den Produzenten größere Mehraufträge zugeführt, als es dem normalen Geschäftsgang entsprach. Dadurch hat er den Wiederaufstieg der Produktion und die (Entlaftung des Arbeitsmarktes wesentlich gefördert. Das ist ein Verdienst des deutschen Handels, das nicht vergessen werden sollte, und das nun in den von der Forschungsstelle ermittelten Umsatzziffern des Großhandels auch zahlenmäßig feftgelegt wird. Was die einzelnen Zweige des Großhandels anbetrifft, so haben, wie leicht begreiflich, diejenigen die größten Umsatzsteigerungen erreicht, die von den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung am meisten profitieren konnten. Dazu gehört z. B. der Großhandel mit Hausrat, der sich von den sehr starken Umsatzrückgängen der vorangegangenen Jahre im Jahre 1933 schnell erholt hat. Der Großhandel mit Lack und Farben, der vor allem die Bauwirtschaft beliefert, fyatte im Jahre 1933 bereits eine Umsatzzunayme um 10,7 Prozent zu verzeichnen. Aber auch der L e b e n s m i 11 e l großhandel und der Bekleidung s großhandel konnten im Jahre 1933 ihre Umsätze steigern. So erzielte z. B. der Sch u h • waren großhandel um 20 Prozent höhere Umsätze als im Vorjahr. Hier hat sich zweifellos überall die Tatsache ausgewirkt, daß her Facheinzelhandel auf Grund der Vertrauensstärkung eine erhebliche Wiederauffüllung seiner vorher stakk verkleinerten Läger vornahm und dadurch den Umsatz des Großhandels erhöhte. Hierzu kam wohl auch, daß das Wiedervordringen des Facheinzelhandels gegenüber den Großbetrieben der Warenversorgung sowie auch die Zurückdrängung der Direktbelieferung der Verbraucher durch die Produzenten dem Großhandel Umsatzsteigerungen ermöglichten. Der Gesamtumsatz des Großhandels im Jahre 1933 war zweifellos nicht unbeträchtlich höher als der des vergangenen Jahres. Er erreichte allerdings die Umsätze normaler Jahre, so insbesondere den Umsatz des letzten Vorkrisenjahres 1930, noch bei weitem nicht. Aber die Umsatzbesserung hat sich im Jahre 1934 in verstärktem Tempo fortgesetzt. So hat z. B. der Baustoffgroßhandel im ersten Vierteljahr 1934 gegenüber der gleichen Zeitspanne des Vorjahres eine Umsatzsteigerung um 150 Prozent, der Londmaschinenhandel eine solche um 70 Prozent erreicht. Die Umsatzentwicklung des Großhandels befindet sich also jetzt auf der ganzen Linie in aufsteigender Entwicklung. iH: und Albert Leo Schlageters, der in dieser Jugend lebendig ist. keine Hoffnung mehr auf karsten Zentrum. — Zwei weitere Bergleute tot geborgen. Das Oberbergamt Breslau teilt folgendes mit: Bei den Bergungsarbeiten auf der Karsten Z e n t r u m - G r u b e ist ein weiterer Toter geborgen worden. Je näher man an das Ende der beiden zerbrochenen Strecken herankommt, desto schwerer gestaltet sich das Vorwärtskommen. Man steht jetzt unmittelbar vor dem Ende der Strecke. Daß noch einer der Verschütteten am Leben ist, ist nicht mehr zu hoffen. Im Laufe der fieberhaft fortgesetzten und nach wie vor außerordentlich schwierig sich gestaltenden Bergungsarbeiten auf Karsten Zentrum wurde in den Mittagsstunden des Donnerstag die Leiche eines weiteren Verschütteten, des Häuers Oskar C z e m p i k aus Beuthen, geborgen. Der Brand am Tagebau der Grube Ilse-Ost. Der Riefenbrand am Tagebau der Grube Ilse - Ost, der mit unverminderter Heftigkeit andauert, ist nunmehr auf feinen Herd beschränkt worden. Die Pumpanlage, die der neuerrichteten Wasserleitung einen starken Druck gibt, ist jetzt in Betrieb, und nun werden die 600 Morgen Gelände restlos unter Wasser gesetzt. Mühsam haben in der letzten Nacht wieder die Mannschaften der Feuerwehr und die Abraumbelegschaft der Grube an der Bekämpfung des Feuers gearbeitet. Ein schauriges Bild bietet das Feuer in den Nachtstunden. Ueberall erblickt man Flammen, die züngelnd aus dem Boden wachsen. Dort, wo eben noch ein Feuerwehrmann stand, tauchen plötzlich die Gluten aus dem Boden hervor. Phantastisch ist auch der Anblick der unzähligen Funken, die vom Brand mit Rauch und Asche über das Land getragen werden. Am Tage bietet das Brandgelände einen trostlosen Anblick. Es kann erwartet werden, daß nunmehr das Feuer die größte Ausdehnung überschritten hat. Ein Word nach 20 Jahren aufgeklärt. Nach 20 Jahren wurde, einer Meldung aus Köln zufolge der Mord an dem Gendarmeriewachtmeister Gerhart in Hilgen aufgeklärt, der bei der Verfolgung einer dreiköpfigen Diebesbande erschossen worden war. Die Ortspolizei von Wermelskirchen hatte mit Unterstützung der Landeskriminalpolizei Köln die Täter ermittelt. Es handelt sich um drei Kölner, die jetzt im Alter von 43, 46 und 49 Jahren stehen. Ihr Strafregister weist bedeutsame Zuchthaus- und Gefängnisstrafen auf. Zwei von ihnen befanden sich seit einiger Zeit in Strafhaft, der dritte wurde jetzt festgenommen. Alle drei haben ein Geständnis abgelegt. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: I. D.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Dampfer „Dresden" gesunken. Links: Der Lloyddampfer „Dresden". — Rechts: Eine Karte der Unglücksstelle. w r NORWEGEN Zwei Krauen ums Leben gekommen. Bremen, 21. Juni. (DNB.) Vom Norddeutschen Lloyd wird zum Unfall der „Dresden" mitgeteilt, daß bei dem Schiffsunglück zwei Frauen gestorben finb. Sie sind nicht ertrunken, sondern auf dem norwegischen Dampfer, der sich bei den Rettungsarbeiten beteiligte, an Herzschwäche gestorben. Die übrigen Passagiere befinden sich alle in guter Pflege. Die norwegischen Behörden haben sich mit großer Fürsorge und Tatkraft ihrer angenommen. Vermißt wird keiner der Passagiere und keiner der Schiffsangehörigen. Die „Dresden" ist gesunken. Vierzehn Frauen und der Koch befinden sich mit leichteren Verletzungen im Hospital, der Koch hat Rippenbrüche davongetragen, eine Frau Arm- und Beinbrüche. Nach einem beim Norddeutschen Lloyd eingelaufenen Telegramm aus Stavanger handelt es sich bei den ums Leben Gekommenen um eine Frau Emma Erzheimer aus Otterberg (Rheinpfalz) und um ein Fräulein Cherdron; die Namen der verletzten Frauen sind folgende: K. Glaß, E. C h r i st - mann, G. Eugenie, M. Courturier, Frau M u e h l b a ui g, Frl. K. Zuter, A. Rahm, S. Herberg, E. Schmidt, E. Kaempf, H. Minas, L. Adam, E. Hack, I. Schleid. Der verletzte Koch heißt B e r r o t h. Das Telegramm enthält den Nachsatz: E. Kaempf und G. Eugenie müssen hier bleiben. Diese beiden Frauen sind also als einzige schwerer verletzt. Die Toten und die Verletzten stammen wahrscheinlich alle aus der Rheinpfalz. Oie Rettungsaktion. Das Ausbooten der Fahrgäste und die lieber- nähme durch den in der Nähe befindlichen und sofort herbeigeeilten norwegischen Dampfer „Kong Haakon" ging trotz des starken Seeganges und der großen Zahl der an Bord befindlichen Personen in voller Ruhe und Ordnung vor sich. Lediglich ein Boot erlitt einen Unfall, bei dem die Insassen ins Wässer fielen, die bis auf zwei Damen sämtlich mit Schwimmwesten versehen waren. Die beiden nicht mit Schwimmwesten ausgerüsteten Frauen konnten jedoch von sofort nachspringenden Stewards ebenfalls gerettet werden. Sofort nach Bekanntwerden des Unfalles am. Mittwochabend wurde der in Bremerhaven liegende Dampfer „Stuttgart" des Norddeutschen Lloyd beschleunigt ausgerüstet, um die Passagiere und die Besatzung des Dampfers „Dresden" abzuholen. Mit der Rückkehr des Dampfers „Stuttgart" nach Bremerhaven ist Samstagmittag zu rechnen. Die Urlauber werden in Bremerhaven ausgebootet und von dort aus die Heimreise antreten. Voraussichtlich wird die Abfahrt in die Rheinpfalz noch in der Nacht zum Sonntag oder im Laufe des Sonntagmorgen erfolgen. Oie Reichsmarine greift ein. Zum Zeichen der engen Verbundenheit zwischen der Reichsmarine und den Kameraden der Arbeit auf dem Dampfer „Dresden", der in den norwegischen Schären auf Grund gelaufen ist, hat der Flottenchef Admiral F o e r st e r, als er von dem Unfall des Schiffes Kenntnis erhielt, sofort den Befehl gegeben, den zur Kieler Woche in Kiel anwesenden Kreuzer „Leipzig" zur Unfallstelle zu entsenden. Da die Mannschaft des Kreuzers zum Teil auf Landurlaub war, wurde sie durch Streifen beschleunigt an Bord zurückgeholt, so daß die „Leipzig" um 3 Uhr morgens Kiel verlassen konnte, um sich mit höchster Fahrt zum Dampfer „Dresden" zu begeben. Das Kommando der Marineftation der Nordsee hatte sofort nach Bekanntwerden des Unfalls der „Dresden" das bei den Shetlandinseln stehende Fischereischutzboot „W e s e r - E m s" durch Funkspruch an die Unfallstelle beordert. Vorbildliches Verhalten von Jahrgästen und Besatzung. So traruig die „Kraft durch Freude"-Ferienfahrt mit der „Dresden" in die norwegischen Fjorde auch endigte, so hat sie doch ein nicht zu unterschätzendes Gutes für das Ansehen unseres Vaterlandes gehabt. Sie hat deutschen Mannesmut, deutsche Disziplin und deutschen Humor gezeigt. Die Osloer Zeitungen bringen Berichte von einem Mann der Besatzung, der sich von der obersten Brücke ins Wasser stürzte, um eine ertrinkende Frau zu retten, von anderen, die unter Lebensgefahr unter Deck gingen und Rettungsgürtel holten, von der Ruhe, mit der die Fahrgäste nach dem ersten Schreck auf dem abschüssigen Deck promenierten, bis sie an die Reihe kamen, ans Land gebracht zu werden, von schwimmtüchtigen Frauen, die ihre Rettungsgürtel älteren Männern überließen. Besonders hervorgehoben wird in der Lokalpresse, wie ruhig und gelassen sich die Schiffbrüchigen, unter denen sich viele S A. - L e u t e befanden, aus dem Exerzierplatz Malde benahmen, wo sie in Militärbaracken untergebracht wurden. Die norwegischen Offiziere hätten eine wahre Freude daran gehabt. Nicht zu vergessen sei hier aber auch die altbekannte norwegische Opferwilligkeit, insbesondere Schiffbrüchigen gegenüber. Die Bevölkerung wie die Zivil- und Militärbehörden Haugesunds, Stavangers und Koperviks taten ihr Bestes, sofortige Hilfe zu leisten. Der Norddeutsche Lloyd hat an die deutsche Gesandtschaft in Oslo telegraphisch die Bitte gerichtet, aus Anlaß des Unglücks, das den Dampfer „Dresden" betroffen hat, der norwegischen Regierung den Dank des Norddeutschen Lloyd für treue Hilfe aller amtlichen und privaten Stellen in Norwegen und für die von ihnen den Passagieren und der Besatzung erwiesene erste Gastfreund- schäft zu übermitteln. Zuchthaus für Geldschrankknacker. LPD. Darmstadt, 21. Juni. Dor der Großen Strafkammer hatten sich heute der 22jährige Joseph H u s s e ck aus Darmstadt und der 33jährige Joseph Schenza, sowie der 32jährige Richard Geisler, der zur Zeit in Heidelberg in Untersuchungshaft sitzt, wegen schwerer Einbrüche zu verantworten. So hatten sie u. a. um den Jahreswechsel bei der Firma Hessenkauf in Darmstadt eingebrochen, den Kassenschrank aufgesprengt und etwa 5 0 0 Mark erbeutet. Husseck allein hatte außerdem einen fchweren Einbruch in einer Darmstädter Ledens- mittelfirma verübt und auch dort mit reicher Beut« versehen den Rückweg angetreten. Auch bei Butzbach hatte Husseck einen Einbruch verübt. Die Hauptangeklagten Husseck und Schenza sind bereits vorbestraft, und das Gericht verurteilte Schenza wegen Rückfallverbrechen zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust, Husseck zu 3 Jahren Zucht- haus und 5 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte Geisler wurde mangels Beweises freigesprochen. Oer Juldaer Versicherungsmord LPD. Fulda, 21. Juni. Der wegen Versicherungsmordes sechs Jahre steckbrieflich verfolgte und jetzt hier verhaftete H. Alberding ist nach der zuständigen Staatsanwaltschaft Weimar übergeführt worden. Bei seiner ersten Vernehmung hat Alberding kein Geständnis abgelegt. Aus aller Welt. Professor Paul hinneberg f. Professor Dr. phil. Paul Hinneberg, Mit- glied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, ist, wie der „Tag" meldet, in Berlin im 73. Lebensjahre geftorben. Mit Hinneberg verliert die deutsche Wissenschaft einen ihrer vorzüglichsten Organisatoren. Der Gelehrte, der aus der Schule Rankes und Treitschkes hervorgegangen ist, trat im Jahre 1892 auf den besonderen Wunsch Theodor Mommsens in die Schriftleitung der „Deutschen Literaturzeitung" ein, die er aus kleinen Anfängen zu jener vielbeachteten und einflußreichen Stellung geführt hat, welche dem Blatte den Ruf des bedeutendsten kritischen Organs der Gesamtwissenschaft einbrachte. In den vier Jahrzehnten seiner Schriftleitung bzw. der im Auftrage der Akademie der Wissenschaften von ihm besorgten Herausgabe hat Hinneberg die Erörterung aller wesentlichen Probleme durch Autoritäten auf allen Gebieten gepflegt. Weiten Kreisen ist der Gelehrte dann als Herausgeber des umfassenden Sammelwerkes „Kultur der Gegenwart" bekannt geworden, in dem ebenfalls Wissenschaftler von Rang Monographien aus ihrem Forschungsfach zu einer Gesamtschau der Geistesgeschichte vereinigten. Endlich sei noch die von Hinneberg begonnene Buchreihe „D a s wissenschaftliche Weltbild" erwähnt. Denttstifcher Nachwuchs restlos in die H3. und S2L eingegliedert. Durch die Anordnung des Reichsführers der deutschen Dentisten wird der dentistische Nachwuchs seinem Altersaufbau entsprechend, soweit er nicht schon seit Jahren der nationalsozialistischen Kämpferschaft ohnedies angehört, vollzählig der HI. bzw. als Fachstudenten der SA. zugeführt, um dort bestes deutsches Brauchtum anerzogen zu bekommen. Selbstmord aus Angst vor der Zollkontrolle. Der 20 Jahre alte Rudolf Hafner aus Augsburg, wohnhaft in München, hat sich nachts auf der Bahnstrecke Kapsweyer—Weißenburg in dem Augenblick durch einen Schuß in die Schläfe g e - tötet, als er von einem Grenzzollbeamten angerufen wurde. Unglaubliche Methoden amerikanischer Banditen. — Nächtlicher Ueberfall auf eine kleine Stobt Eine amerikanische Verbrecherbande verübte in einer der letzten Nächte einen Ueberfall auf die Kleinstadt Crescent (Oklahoma), um einen großen Geldschrank zu rauben. Zu diesem Zweck hatte sich die Bande, die aus sieben Mann bestand, auf einem Lastautomobil einen Kran mitgebracht. Sie durchschnitten alle Fernsprechdrähte und nahmen alle zu dieser Zeit auf der Straße sich aufhaltenden Leute fest. Sodann fuhren sie zur Bank des Ortes und versuchten mit Hilfe des Kranes den Geld- schrank, der mehrere Tonnen schwer ist und über 2000 Dollar enthielt, durch das Fenster auf den Lastkraftwagen zu verladen. Etwa 100 Personen, die inzwischen zusammengeströmt waren, wurden mit Maschinenpistolen in Schach gehalten. Schließlich mußten aber die Räuber nach halbstündiger „Arbeit" den Geldschrank, der anscheinend doch zu schwer war, auf der Straße liegen lassen. Um sich gegen alle Möglichkeiten, insbesondere gegen eine Beschießung durch die Polizei zu sichern, nahmen sie sechs Personen als Geiseln mit, die sie jedoch etwa eine Meile vor der Stadt wieder freiließen. Die Verbrecher sind unerkannt entkommen. Große Orkanfchäden in Mexiko. Die Gegend um Ojitkan im Staate Ooxaca rourbd von einem schweren Orkan heimgesucht. Die weiten Bananenplantagen haben großen Schaden gelitten. Auch die Gebäude der Stadt, besonders das Rathaus, die Schulen und Kirchen wurden mitge« nommen. Wettervo raussage. Von den britischen Inseln bewegt sich ein kräftiger Wirbel ostwärts, an dessen Vorderseite sich eine langgestreckte Regenfront befindet. Bei dem Weiterzug des Tiefs gelangt von Westen her kühle Ozeanluft nach dem Festland, wodurch sich das Wetter veränderlich gestaltet und weiterhin schauerartige Niederschläge austreten. Die Temperaturen bleiben dabei für die Jahreszeit zu niedrig. Aussichten für Samstag: Wechselnd-bewölkt mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, kühl, bei um West drehenden Winden einzelne Niederschläge. Aussichten für Sonntag: Wolkig, vorübergehend auch aufheiternd, kühl, zeitweise Regenschauer. Lufttemperaturen am 21. Juni: mittags 19,1 Grad Celsius, abends 13,4 Grad; am 22. Juni: morgens 13,3 Grad. Maximum 19,3 Grad, Minimum 12,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Juni: abends 18,6 Grad, am 22. Juni: morgens 15,7 Grad Celsius. — Niederschläge 0,7 mm. — Sonnenschsindauer 4,6 Stunden. Annerod, den 22. Juni 1934. 3697 D Statt Karten. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgänge unseres lieben Entschlafenen, für die Kranzspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Bönning und dem Vorsitzenden des Kriegervereins, Schmiedemeister Heb. Haas, sagen wir innigen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Will Unseren Mitgliedern machen wir die traurige Mitteilung, daß uns unser lieber Sportkamerad Karl Philipp 3703 D durch denTod entrissen wurde.— Mit ihm Ist einer unserer Treuesten von uns gegangen, dem wir stets ein ehrendes Gedenken bewahren. V. f. B. Reichsbahn, Gießen Die Beerdigung findet am Samstag, dem 23. Juni, vormittags 11 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Wir bitten unsere Mitglieder um zahlreiche Beteiligung. (Verschiedenes Zuverlässige Farben und Lacke Pinsel l und alle sonstig. Anslreich-Maierialien Fachgemäße Beratung Drogerie Noll Bahnhofstraße 63. Zwangsversteigerung Am Montag, dem 25. Juni 1934, vorm. 10.15 Uhr, findet im Amtsgerichtsgebäude Gießen, 2. Obergeschoß, Zimmer 221, die Zwangsversteigerung der im Grundbuch von Gießen, Band 84, Blatt 4814, dem Wassersportverein „Hellas" 1920 e. V. zugeschriebe-1 nen Hofreite statt. Flur XXVIII Nr. 1 Hofreite, Wiß- marer Weg 125, 4455 qm, Einheitswert 1100 RM., Schätzungsbetrag: 1486 RM. Gießen, den 3. Mai 1934. 3437D Im Auftrage des Hess. Amtsgerichts Gießen. Wagner, Ortsgerichtsvorsteher. Illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll LA AM größeren Mengen Vullll gegen Kasse zu kau H elf il ten gesucht. 36oe[' riLII Angebote mit Preis w W an die Bürgermeisterei Wieseck. llllllliyiillllllllllllllllllllllllllllllllllBIHIIIIIIIIII Mietgesuche 3-4-Zimm.-Wohn. zum 1. Juli oder später von ruh. Mieter zu miet, gesucht. Schrift!. Angeb. U.3699D andenGieh.Anz. 2-3-Zimm.-Wohng. oder Mansarde von anständigem Mieter sofort ob. später gesucht. 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Aber man fiel aus allen Wolken, als man eines Tages daran ging und die von ihm abgelieferten Mäuseschwänze einmal näher prüfte: Sie waren nämlich nie an einer Maus gewachsen, sondern bestanden aus einer allerdings sehr raffiniert her- gerichteten Schnur, sauber zerleat, gefärbt, gerollt, getrocknet. Stückchen für Stückchen 20 Rappen. Die Prämien wurden gesperrt, und Mühlenmatter wird vor den Kadi kommen. Wegen Verfälschung von Mäuseschwänzen. Das ganze Wadtland aber lacht und amüsiert sich über den falschen „Mäusefänger" von Gryon. gaflische Rat Zusammen, um aus dem Munde seines Präsidenten Louis Aureglia, in seinem Privatleben übrigens als guter Zauberkünstler bekannt, zu er« fahren, daß der Fürst von Monaco sich einen schweren Verfassungsbruch habe zuschulden komrBn lassen. Er habe nämlich einen Geheimvertrag abge» schlossen mit Frankreich, der schon deshalb nicht gelte, weil der Nationale Monegassische Rat den Vertrag nicht gebilligt habe. Arn 28. Juli 1930 (!) habe Prinz Louis mit der französischen Regierung einen Geyenseitigkeitsver- trag abgeschlossen, wonach monegassische Untertanen in Frankreich Arbeit suchen und nehmen könnten und Franzosen umgekehrt in Monaco auch. Dieses Gesetz wurde nämlich nur (im gegenseitigen Vertrag) erlassen, um dem Franzosen Maurice Bouilloux Lafont — einem guten Bekannten des Fürsten — den Posten eines Ministerpräsidenten geben zu können! So sieht denn alles danach aus, als wenn der Minister bald, sehr bald gestürzt werde. Oder aber man machte Aureglia zum Ministerpräsidenten von Frankreich — um das Gleichgewicht herzustellen... Geschäft mit falschen Mäuseschwänzen. (ur) Zürich. Im Wadtland gibt es sehr viele Mäuse. Die Wiesen sind zerwühlt, die Wurzeln der Pflanzen beschädigt, kurzum, man hatte nichts als Aerger mit unb Liquidation tagen widerstandsfähig. Stadt- anleihen Hutten sehr ruhiges Geschäft und wiesen auch nur unwesentliche Veränderungen auf. Staatsanleihen lagen still. Industrie-Obliaationen tendierten nicht ganz einheitlich. Don fremden Werten zogen Anatolier 0,25 v. H. an. 3m Verlaufe setzten sich die Abschwächungen am Aktienmarkt fast auf der ganzen Lime um 0,50 bis 1 v. H. fort und die Goschästsstille hielt unvermindert an. Etwas freundlicher lagen lediglich Schiffahrtspapiere mit 4- 0,50 v. H. Von den später notierten Werten gaben Gement Heidelberg 2,50 o H., Allo. Lokal & Kraft 2,50 v. H., Licht & Kraft 150' v. H., Rhein. Braunkohlen 1,50 v. H. nach. Holzmann erschienen mit Minus-Zeichen und gaben auf 59 v. H. nach. Deutsche Anleihen lagen ruhig und behauptet. , v , r„ Der Geldmarkt blieb leicht und der Satz für Tagesgeld zu 3 v. H. unverändert. Frankfurter Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M., 21. Juni. An der Abendbörse hat sich die bereits im Mittagsschlußverkehr eingetretene freundlichere Haltung noch etwas verstärkt, obgleich nennenswerte Kaufaufträge der Kundschaft nicht Vorlagen und auch die Kulisse nur wenig Neigung zeigte, sich neu zu engagieren. Verkäufe in wesentlichem Umfange lagen nicht mehr vor, vielmehr zeigte sich auf der ermäßigten Basis etwas Nachfrage. Am Aktienmarkt blieben die Berliner Schlußkurse im großen und ganzen gut behauptet, hier und da ergaben sich geringfügige Der- änberungen nach beiden Seiten. Farbenindustrie lagen zunächst etwas leichter, zogen aber später wieder an. Beachtung sand eine Meldung, wonach in Zürich Verhandlungen zwischen Europa und Chile über ein neues Stickstoff-Weltkartell geführt wurden, die jetzt abgebrochen werden, um an einem anderen Platz weitergeführt zu werden. Am Rentenmarkt zeigte sich ebenfalls lieber etwas Nachfrage, befonbers nach späten Reichs- fchulbbuchforberungen unb ber Anleihe bes Korn- munal-Umfchulbungsverbanbes, baneben waren auch Reichsmark-Obligationen etwas gefragt. Deutsche Anleihen lagen ruhig, Altbesitz zogen mäßig an, Neubesitz würben heute abenb letztmals mit 22,95 v. H. notiert, wobei ber Umsatz keinen größeren Umfang mehr annahm. Es notierten u. a.: Neu» Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 21. Juni. Die Börse eröffnete wieder in sehr ruhiger Haltung unb hatte eine überwiegend schwächere Kursgestaltung zu verzeichnen. Die in den meisten Fällen nach oben engagierte Kulisse fetzte ihre Glattstellunaen infolge der nur geringen Publikumsbeteiligung fort, wobei auch Vorbereitungen auf den Halbjahres-Ultimo nicht ausgeschlossen sein dürften, obgleich die derzeitige Gelbmarktlage besonders leicht ist. Eine ge- wisse Verstimmung hinterließ aber die Einfuhrsperre der Schweiz gegenüber Deutschland. Hinzu kam noch die außerordentliche Geschäftsstille, so daß schließlich bei nicht ganz einheitlicher Tendenz Abschwächungen überwogen. Sie hielten sich jedoch in relativ engen Grenzen, wofür einige günstige Nachrichten etwas stützend gewirkt haben. So verwies man auf die weitere Besserung der Steuer- unb Zolleinnahmen im Mai, auch ber Bericht über die preußische Finanzlage machte einen guten Eindruck. Am Chemiemarkt waren Scheibeanstalt stärker angeboten unb nach Minus-Ankünbigung schließlich um 5,50 v. H. niebriger. Farbeninbustrie gaben bei etwas größeren Umsätzen zunächst 0,50 v. H. nach, Metallgesellschaft verloren 1,25 v.H., wogegen Deutsche Erdöl 0,75 v.H. gewannen und Rütgerswerke gut behauptet blieben. Elektroaktten tendierten ungleichmäßig. Gesfürel und Schuckert verloren je 1 v. H., Siemens und Bekula je 2 v. H., während Felten 1,25 v. H. gewannen, Lahmeyer, AEG. unb Rheag ziemlich behauptet blieben. Der Montanmarkt erwies sich als widerstandsfähig unb zeigte bei Beginn meist leicht gebesserte Kurse um 0,25 bis 0,75 d. Sy, wobei die weitere Steigerung der Rohstahl- unb Walzwerksleistung etwas Anregung gab. Nur Mannesmann und Rheinstahl eröffneten um je 0,75 v. H. niedriger. Schiffahrts- unb Verkehrswerte lagen bis 0,75 v.H., Kunstseibe AKU. 1,25 v.H., Daimler Motoren unb Conti Gummi je 0,50 v.H. und Reichsbankanteile 2,50 v. H. schwächer. Don Zellstoffwerten waren Aschaffenburg auf die Mitteilungen in ber GD. hin betr. ber Sanierungsfrage erneut 1 v. H. fester, Walbhof dagegen 0,50 v. H. leichter. Süddeutsche Zucker unb Accumulatoren lagen behauptet. Der Renten markt wies bei sehr kleinem Ge- heit zu geben, seine Leistungen vor einem großen Hörerkreis unter Beweis zu stellen. Handbuch der deutschen Volkskunde. In einem Handbuch der deutschen Volkskunde, bas bei ber Akademischen Ber- lagsgesellschaft Athenaion mbH. Potsdam erscheint, wirb zum erstenmale bieser gewaltige Stoff von hervorragenben Fachgelehrten zusammengefaßt. Es entsteht burch gleichzeitige Heranziehung bes Bilb- materiale ein Werk, bas ein lebensvolles unb anschauliches Bilb bes wirklichen Volkslebens entwirft. Alle Quellen, bie für bie Volkskunbe ber Vergangenheit unb Gegenwart in Betracht kommen, finb hier ausgeschöpft. Das Typische wirb in ben soziologischen Rahmen bes Gemeinschaftslebens, in ben historischen ber geschichtlichen Entwicklung unb ben geographischen ber räumlichen Umwelt hinein- gestellt unter Betonung ber geistigen Grunblagen ber Volksgüter. Die Einbeziehung vieler bisher völlig unbearbeiteter Gebiete, vor allem auch bes Auslanbsbeutschtums macht bieses Hanbbuch, bas sich besonders burch bie Fülle bes Materials unb den wissenschaftlichen Rang ber Mitarbeiter aus- zeichnet, zu ber großen wissenschaftlichen Darstellung ber beutschen Volkskunbe. Als Herausgeber zeichnet ber Direktor bes Daterlänbischen Museums in Hannover, Dr. Wilhelm P e ß l e r, besten Anregung die beutsche Wissenschaft ben berühmten Atlas ber beutschen Volkskunbe verbankt. Mitarbeiter sind u. a. bie Professoren Dr. Abolf Bach-Bonn; Dr. Mar Hilbebert Böhm-Jena; Dr. Lutz Mackensen-Riga; Dr. Walter Mitzka-Marburg; Dr. Karl N i e s s e n - Köln; Dr. Abolf Spa- mer-Dresden; Dr. Martin Wähler- Frankfurt; bie Museumsbirektoren Dr. Ernst G r o h n e - Bremen; Dr. Hans G u m m e l - Osnabrück; Dr. Leo Weismantel-Marktbreit; Dr. Paul Z a u n e r t - Kastel. Große Strafkammer Gießen. Eine größere Unterschlagungsaffäre war gestern Gegenstanb der Sitzung der Kammer. Der L. P. aus Gießen verbrauchte in ben vergangenen Jahren in feiner Eigenschaft als Rechtsanwalt Stempel- gebühren unb Klientengelber in Höhe von rund 4000 Mark für eigene Zwecke. Auf Grund eines Sachverständigengutachtens wurde der Angeklagte als unter den § 51 Abf. 2 RStGB. fällig angesehen und erhielt eine Gefängnis st rafe von sechs Monaten. Der Vertreter der Anklage hatte eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten beantragt. Einen Teil der oeruntreuten Gelber hatte der Angeklagte ersetzt. •% Deutsche Reicksanleihe v. 1927 4% ehem.7% Dl. Retchsanl. v. 1929 6H% Doung-Üinleihe von 1930 .. Deutfcke Anl.-Ablvs.-Schuld mit Au»lo>.-Reckten ............. DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte...... 6% ehem.8% Heft. BollSslaal 1929 trückzahlb. 109%) ............ 6% Heft. Landesbank Darmstadt «old R. 12.................. 5y,% Heft. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Ltgut......... Oberheften Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutlche Komm. Eammeiabl. Kn- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten «% ehern. 8% Franks. Hpp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar bi» 1935 1% ehern. 7% Franks. Hhp.-Ban! Goldpse. 16 unkündbar bU 1936 ty,% ehern. 4*4% Franks. Hyp, Bank-2iqu.-Vfandbriese....... ehern. ve, sto pe doi Wc des mu Koi cho 1. nit lie !ch 00 d) lin Ri Fc M be< m Di sch §ei fei. Oie Urlaubsfahrten nach Swinemünde- Heringsdorf und Hamburg. Letzte Anordnungen. Am Samstag um 14 Uhr versammeln sich alle Teilnehmer der Fahrt nach Swinemünde-Herings- dorf vor dem Hause der Deutschen Arbeit in Frankfurt a.M., Bürgerstraße 69/77. Die Aufstellung erfolgt für die Teilnehmer aus Frankfurt und Groß- K 11 Di 2C tri wc we 7ISLB., Kreis Gießen. Samstag, 23. Juni, findet um 22 Uhr die Sonnwendfeier der NSDAP, auf dem Schiffenberg statt. Abmarsch 20 Uhr auf dem Ludwigsplatz. Für verstärkten Autoverkehr wird Sorge getragen. Die Mitglieder des NSLB. nehmen an dieser Veranstaltung teil. Hitlerjugend Unterbann 1/116. Achtung! Reichsjugendwettkämpfe! Befehl für den Unterbann 1/116 Gießen! Bekanntlich hat der Reichssportführer und der Reichsjugendführer die gesamte deutsche Jugend zum Wettkampf am Reichsjugendtag aufgerufen. Alle Hiller- jungen über 14 Jahre, die nicht durch die Schulen für den Wettkampf erfaßt werden, treten am Samstag um 14 Uhr in Uniform mit Turnzeug am Ludwigsplatz an. Jeder bringt einen Bogen mit, auf dem fein Name steht mit Geburtsdatum. Ausreden von wegen Arbeit fallen flach, da ja die Arbeitsherren laut Verfügung des Reichsinnenministers für die Wettkämpfe frei» Das Disziplinarverfahren Stolte vor dem Provinzialausschuß. Dem Dienststrafverfahren gegen den früheren Direktor des städllschen Elektrizitätswerks und der Straßenbahn, Adolf S t o l t e, lag der Vorwurf des Amtsmißbrauchs und gröblicher Vernachlässigung seiner Pflichten zugrunde. Die Anklage umfaßte 18 Einzelfälle. Die ersten Vorwürfe betrafen Arbeitsleistungen zum Vorteil des Angeklagten, für die teilweise gar keine, ober nicht ausreichende Bezahlung bezw. Rückerstattung an das Werk erfolgte. (Umarbeiten eines Bücherschrankes, Gartenarbeiten, Anfertigung eines Kronleuchters usw.). Weitere Punkte betrafen die kostenlose Entnahme von Bohnerwachs aus Werklagerbeständen für den Verbrauch in der Dienstwohnung, sowie die Haltung eines Wachhundes auf Kosten der Stadt. Ferner wurde dem Angeklagten vorgeworfen, Ferngesprächs- Beträge in beträchtlicher Höhe nicht bezahlt zu haben.. Die Verteidigung machte geltend, daß die Nichterledigung der vorgehaltenen Beträge mit strafrechtlich verfolgten Vorgängen eines Angestellten zusammenfalle. Aus der Verhandlung ergab sich weiter, daß Beamte und Angestellte für die Entnahme von elektrischen Apparaten mit Hunderten von Mark verschuldet waren, ohne daß die Kasse die Kredite angemahnt hatte. Die Bestellung amerikanischen Stahls bei einer französischen Firma in Höhe von rund 1500 Mark, dessen Verwendung garnicht möglich war, wurde lediglich als Entgegenkommen einem Bekannten gegenüber angesehen. Der Beschuldigte machte außenpolitische Gründe geltend. Wasserspeicher, Kochgeräte, Heizöfen usw. wurden an bekannte Persönlichkeiten ausgeliehen, und erst nach Jahren zurückgebracht, so daß die benutzten Die große Aufgabe des Hilfswerkes, 500 000 bedürftige Kinder einmal herauszuschicken aus ihrer alltäglichen Umgebung, soll beweisen, daß der deutsche Volksgenosse wieder zurückgefunden hat zu wahrer Volksgemeinschaft. Die Kinder, die in einer Atmosphäre des Lärms und der Unruhe ausgewach« sen sind, sollen einmal heraus aus dem ewig brodelnden Kessel der Stadt. Wie unglücklich haben sie ihren Altersgenossen aus der Schule zugehört, denen es bessergestellte Eltern möglich machen konnten, einmal das blaue Meer, die riesigen Fels- massive der Gebirge, oder die unendliche Ruhe der Wälder in all ihrer Pracht und Schönheit zu genießen. Nun sollen die ärmeren Kinder auch einmal hinaus, einmal das zu erleben, was ihnen bisher nur im Traume vorschwebte. Auf Ausflügen ihrer Schule fangen sie wohl alle das alte Volkslied: „Hinaus in die Ferne". Aber wie begrenzt war doch diese Ferne. Was würden diese Kinder wohl sagen, wenn es nun wirklich einmal weit hinaus in die Ferne ginge? Was würde z. B. ein Berliner Junge sagen, wenn er vor dem gewaltigen Massiv des Riesengebirges stände. Einen richtigen großen Berg hat er in seinem Leben noch nie gesehen. Wie würde sich sein Mund vor Erstaunen öffnen, wenn er vor den Bergriesen stehen könnte, wie würden feine kugel« runden Kinderaugen vor Freude blitzen. Oder ein Kind aus den Bergen, wenn es zum erstenmal die wildbewegte stürmische Nordsee in all ihrer Schönheit erlebte, oder das stets wieder kehr ende Wunder von Ebbe und Flut. Wie würde sich der stets ein Erlebnis darstellende Sonnenuntergang mit all seiner Farbenpracht, in seinen dankbaren Augen widerspiegeln. Deutscher Dolksgenosie, der du einem Kind der Stadt den Ferienaufenthalt bei dir ermöglichst, kann es für dich etwas Besseres geben, als den heißen Gegenstände nur mit großen Abschreibungen zu verkaufen gewesen seien. Die Verteidigung begründete die Ausleihungen mit der damals betriebenen Stromwerbung. Dem Angeklagten wurde ferner der Vorwurf gemacht, in den Jahren von 1926 bis 1931 rund 20 466 Mark an Spesen und Fahrgeldern (Tagesspesen in Höhe bis zu 28 Mark) verausgabt zu haben. Die Verteidigung stellte dem die hohen Preise der damaligen Zeit gegenüber und betonte, daß hierbei Ausgaben für Dezernenten und Deputationen eingerechnet feien. Für die Anschaffung eines Privatperfonenwagens bei den Siemens-Schuckert-Werken habe der Beschuldigte 5000 Mark anbezahlt und erst auf Anmahnung nach drei Jahren (als das Verfahren gegen ihn anhängig gemacht gewesen sei) den Restbetrag von 4200 Mark entrichtet, ohne hierfür eine ordnungsgemäße Anweisung vorweisen zu können. Die Anklage machte zum Vorwurf, daß, nachdem bereits 1914 ein ähnlicher Vorfall zu einer Beanstandung durch die Stadtverwaltung geführt habe, gerade zu dem Zeitpunkt, da die Firma SSW, einen größeren Auftrag durch die Stadt erhalten habe, ein solcher Autokauf erfolgt fei. Eine restlose Klärung war nicht möglich. Ersatzteilbeschaffungen in beträchtlicher Höhe, sowie Aufwendungen für Privatfayrten des Sohnes des Direktors feien dem Werke verrechnet worden. Der Beschuldigte hatte ferner für seine Dienstwohnung einige Jahre hindurch fast 100 000 Kilowatt Strom pro Jahr verbraucht. 400 Mark Pauschale jährlich seien dafür bezahlt worden, 6000 Mark hätten aber bezahlt werden müssen, wenn die Kilowattstunde nur mit 6 Pfennig berechnet worden wäre. Die Frage des großen Stromverbrauchs blieb offen. Der letzte Vorwurf betraf die Überschreitung Dank, der für alles Erlebte aus den hellen Kinder- augen sprich!? Du wirst deine Freude an deinem Pflegekind haben! Du dienst nicht nur dem Kinde, sondern auch dem Volke. Gesunde Jugend — gesundes Volk! HZ. und BdM. im Dienste der Kinder- Landverschickung. Die Kinder-Landverschickung, die gemeinsam von der NSV. und der Hitlerjugend durchgeführt wird, will unsere Jungens und Mädels, die in den letzten Jahren vernachlässigt wurden und durchs die Arbeitslosigkeit und Armut der Eltern unterernährt und schwach sind, in gesunder Landlust wieder kräftigen und wieder zu rechter Lebenssteude bringen. Die Verbundenheit von Stadt und Land soll ihnen eigen werden. Die Stadtiugend soll die Arbeit des Bauern kennen und verstehen lernen, doch auch die Jugend vom Land soll die Arbeit des Arbeiters in der Stadt und in der Fabrik schätzen lernen. Dieses Jahr wird nun die Kinder-Landverschickung durch die NSV. finanziert und organisiert. Von der Reichsjugendführung wurden die grundlegenden Richtlinien ausgearbeitet und von der' NSV. übernommen. Die Begleitung der Kinder in ihren Ferienaufenthalt übernimmt die HI. bzw. der BdM., um ihnen das Eingewöhnen in die stemde Umgebung zu erleichtern. Ebenso übernehmen BdM. und HI. Die Betreuung der Kinder. Die BdM.-Schar des betreffenden Ortes nimmt die Kinder mit in den Heimabend, zu Wanderungen und sonstigen Veranstaltungen des BdM. Die Standartführerin des Ortes muß sich mit der Transportleitung und den Familien, in denen Kinder untergebracht find, in Verbindung fetzen und die Kinder kennenlernen, um so zusammen mit den Pflegeeltern aufs beste für das Wohl der Kinder zu sorgen. geben müssen. Der Führer des Unterbannes 1/116 m. d. F. b.: Clarius, Scharführer. eines an die Firma Siemens-Schuckerk-Werke erteilten Auftrages für den Neubau des Schalthauses von 231000 auf 293 000 Mark und eine damit in Verbindung gebrachte Schädigung des Gießener Handwerks. Aus einer Zeugenaussage ging hervor, daß lediglich die Abgabe von Einheitspreisen vorbehaltlich Der endgültigen Planung vorlag, so daß mit der Abänderung des Bauplanes auch die Kosten automatisch steigen mußten, wofür aber eine Genehmigung durch den Stadtrat vorgelegen habe. Für den Gesamtbau feien ordnungsgemäße Beschlüsse des Stadtrats eingeholt worden. Der Vertreter der Stadt äußerte Zweifel über die ord- nungsmähige Auftragserteilung an die genannte Firma. Die Verteidigung äußerte sich dahingehend, daß es bei der Arbeitslast des Direktors eines solchen Werkes im Bereich der Möglichkeit liege, daß solche Dinge, wie sie die ersten Vorwürfe enthielten, übersehen werden könnten. Es sei nicht die Aufgabe eines Direktors, sich um letzte Angelegenheiten, um ordnungsmäßige Verbuchung von Arbeitsstunden und Telefongesprächen, zu kümmern. Für die Pauschalierung des Strombezuges, sowie für Die Auftragsvergebung beim Schaltwerkneubau fei auf Stadtratsbeschlüsse hinzuweisen. Der Verteidiger wies auf die Größe des Lebenswerkes Stoltes hin, der aus dem kleinen Werk ein Unternehmen schuf, das der Stadtverwaltung jahrelang erhebliche Mittel für die Ausbalanzierung ihres Haushaltes einbrachte. Der Vertreter Der Stadt stellte den Ausführungen des Verteidigers entgegen, daß sich der Beschuldigte durch die Bestellung zahlreicher Wohnungseinrichtungsgegenstände Vorteile verschafft und daß sich bei der Uebernahme des Betriebs größte Unordnung erwiesen habe und eine klare Uebersicht kaum zu gewinnen gewesen sei. Insbesondere im Materiallager sei die Lieferung, ober der Verkauf von beispielsweise 800 Apparaten der Firma „Sanitas* nicht nachzuweisen gewesen. Arbeitern seien 95 Wochenstunden bezahlt worden, obwohl nur 40 Stunden gearbeitet wurde. Der Mehrbetrag an Stundenlohn habe sich als angerechnete Provision für Verkauf der Apparate Dargefteüt. Listen und Inventarverzeichnisse fehlten. Der Stadt sei ein erheblicher Schaden entstanden. Der Vorwurf gröblichster Vernachlässigung der Pflichten fei berechtigt eryoben worden. Das Disziplinargericht fällte das Urteil, das wir bereits gestern veröffentlichten. Gegen die Entscheidung des Provinzialausschusses wurde — wie wir hören — Berufung eingelegt. ASLB., Fachschaft Höhere Schule. Als zweiter Redner Der Juni-Versammlung, über die wir gestern bereits berichteten, hielt Studienrat Schlosser einen Vortrag über das „Bildungsgut, das Bildungsverfahren und die Neuorganisation Der zukünftigen deutschen Schule im Sinne Krieck s". Die Schule teilt sich mit Elternhaus und Jugend- bunt) in die Erziehung des Kindes. Ihre eigentliche Aufgabe ist die geistige Bildung Der Heranwachsenden Jugend auf Dem Weg des Unterrichts. Das Ziel dieses Unterrichts ist die Erarbeitung eines organischen, völkischen Weltbildes. „Dies gründet sich auf die Kenntnis des Deutschtums, Des deutschen Lebensraums nach seiner natürlichen, rassischen, geschichtlichen, kulturellen, sozialen Seite hin." Der Unterricht hat stets auszugehen von Der Wirklichkeit, in der Die Schüler leben, um Das Bildungsgut einzubauen und das Weltbild des KinDes weiterzuentwickeln zur Erkenntnis des Volksganzen, feiner Lebenszusammenhänge und seiner Gesamtausgabe. Er muß dazu führen, daß Der einzelne seiner dienenden Stellung im Volksganzen bewußt wird. Dementsprechend trägt Das auszuwählende Bildungsgut den Charakter Des Verpflichtenden und Bindenden. Der Unterricht muß straff und doch beweglich fein, stets der gegebenen Lage angemessen und doch auf Das letzte Ziel hin ausgerichtet. Anknüpfen kann g a 2 d 2 Q as mein einst war <1 Nachdruck verboten! 11 Fortsetzung. zusammen. ersten lassen. sah sie zu Demidoff?" seine Augen ■ bei einem Ihnen in- Roman von Klothilde von Gtegmann. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (6.) „Entschuldigen Sie, mein Herr", wandte er sich an den Balten, „wenn ich aufhöre; ich werde Ihnen morgen Revanche geben." „Ganz wie es Ihnen beliebt, mein Herr!" versetzte Siemen verbindlich und wandte sich dann einem anderen Tisch zu. Demidoff ging schon neben Lou aus dem Saal. „Erst lassen Sie sich Ihre Ships einwechseln!" mahnte Lou de ßormes. Gehorsam machte Demidoff an dem Tisch halt, wo ein junger Mann saß, Berge von Ships vor sich und Geldnoten, wie Hartgeld sortiert in einem Kasten neben sich. Er erhielt die Summe von 60000 Lire ausgezahlt, die er achtlos in feine Tasche steckte. „Leichtsinnig gehen Sie mit dem Geld um, Demidoff. Sie scheinen überhaupt noch immer so leichtsinnig zu sein wie früher!" neckte die schöne Frau. Mit einem verführerischen Lächeln ihm auf. „Wollen Sie nicht weiterspielen, fragte sie und lächelte geradeswegs in \ hinein. „Oder wollen Sie mir lieber Glas Champagner erzählen, wie es zwischen ergangen ist?" „Und ob ich Das will, Madame!" Demidoff raffte schnell seine Ships Platz eine stattliche Anzahl Ships, die sich immer mehr und mehr aufhäuften. Die Spielleidenschaft überkam ihn. Er vergaß, warum er gekommen, vergaß, daß er eigentlich nicht mehr spielen wollte. Die leise Warnung in einem Innern war längst verhallt. Er saß mit )em gleichen gespannten und leeren Gesicht da wie die anderen und spielte gegen den Balten. Er bemerkte es nicht, daß hinter ihm Lou de ßormes aufgetaucht war, die auf einen Augenwink Siemens hin unbeweglich hinter ihm stehengeblieben war, bis fein Gewinn sich noch einmal verdoppelt hatte. Da gab Siemen roicber ein unmerkliches Zeichen. Jetzt fuhr Demidoff herum. Denn eine meiche, einschmeichelnde Stimme, die er unter Tausenden herausgehört hätte, klang an sein Ohr: „Hat das Gold eine so große Anziehungskraft, daß Sie mich ganz übersehen?" Demidoff stieg feinen Stuhl so hastig zurück, daß er fast umfiel. „Madame!" sagte er erstickt und feiner kaum mehr mächtig — und dann riß er Sous Hand mie ein Verdurstender an feine Sippen. Mit einem Blick überflog Demidoff den ganzen Kreis. Wer diese Menschen maren, konnte man nicht missen. Die Frauen konnten Damen der Gesellschaft sein, aber auch etmas anderes. Unter Der Uniform Der Schminke und Der Mode vermischten sich die Unterschiede. Die Herren maren äußerlich tadellose Kavaliere, offenbar aus aller Herren Sündern. Es maren mehrere Spielgruppen in diesem Kreis, und alle spielten mit jener verbissenen Seidenschaft derer, die den Karten verfallen maren. An einem Tisch saß ein Herr, der offenbar Der Seiter dieses Spielklubs mar. Demidoff stutzte. Wo hatte er doch dieses kühne Raubvogelgesicht über Dem tadellosen Abenddreß gesehen? Richtig — jetzt wußte er es. Dieser Herr da drüben war ja jener Gentleman, an den er vor Jahren in Venedig in jener Nacht so viel Geld verloren. Es war ein böses Omen, daß er ihn als ersten hier wiedersah. Aber schnell schüttelte er diese leise Warnung ab. Das fehlte noch, daß er abergläubig rouroe, jetzt in dem Augenblick, in dem er das Glück so nahe hatte, in Dem er Sou wieDersehen sollte! Wo blieb sie nur? SuchenD sah er sich um. Da hörte er feinen Nebenmann zu einer Dame sagen: „Nein! Madame de ßormes kommt heute etwas später. Sie soupiert erst noch mit dem (Tonte De Strozzi." Da überkam es Demidoff wie ein Rausch. Er wollte das Glück auf die Probe stellen, jetzt gleich, jetzt sofort. Wenn er gewann, so bedeutete das, daß er ßou gewinnen würde. Wenn er verlor, so hieß das, daß er sich zurückziehen mußte, ohne sie wieder gesehen zu haben. Als jetzt an dem Tisch des baltischen Barons ein Platz frei wurde, ging Demidoff hinüber und bat, sich vorstellend, um Die Erlaubnis, mitspielen zu Dürfen. Der Baron von Siemen verbeugte sich höflich und reichte Demidoff einen Pack Karten hinüber. Nicht mit einem Wimperzucken gab er zu erkennen, daß er den Bulgaren erkannt hatte. Aber während er Die Karten mischte, sandte er einen heimlichen Blick zu den beiden anderen hinüber, die an Dem Tisch mit Siemen zusammensahen. Die beiden Herren legten ihre rechte Hand mit einer unauffälligen Bewegung auf den Tisch. Sie hatten Siemen ver- standen. Man sollte diesen Menschen, der nun zum * hier im Spielklub mar, geminnen „Wenn ich Sie sehe, Sou, bann allerdings bin ich noch der gleiche mie früher. Der gleiche, der Sie anbetet, bis zur Besinnungslosigkeit!^ Und in dem kleinen, menschenleeren Gang preßte er feine Sippen auf ihren Arm, der meiß aus dem flammendgelben Kleid blickte. Unwillkürlich zuckte die schöne Frau zusammen, und ein leiser Schauer 1 kroch durch ihren Körper. Demidoff glaubte, daß seine heiße Leidenschaft auch in ihr ein Echo gefunden hatte. „Lou!" flüsterte er heiß. „Diesmal sollen Sie mir kein tückisches Geschick entführen, mie vor Jahren. Diesmal halte ich Sie fest, Sou, denn ich liebe Sie. Ich liebe Sie bis zum Wahnsinn, Sou! Sagen Sie auch mir, daß Sie mich nicht vergessen haben, daß Sie an jenen einzigen Kuß zurückdenken, den Sie mir gemährt haben." Er rooute sie umschlingen, aber sie entmand sich ihm. Ein schmerzlich müdes Sächeln lag auf ihrem mundervvllen Antlitz, als sie mühsam sagte: „Aber, Demidoff, mer mird denn so ungestüm sein? Natürlich habe ich Sie nicht vergessen. Aber eine lange, lange Zeit liegt zwischen damals.und heute. Es ist nicht so einfach, wieder an^utnüpfen." „Sieben Sie einen anderen, Sou? Gehören Sie einem anderen? Sprechen Sie!" bat Demidoff flehend. „Ist ein anderer da, der Sie liebt?" Da glitt ein herzzerreißendes Sächeln über das Frauengeficht: „Nein, Demidoff, da ist kein anderer, der mich liebt. Aber das heißt immer noch picht", fügte sie mit einem mühsamen Versuch, z^ scherzen, hinzu, „daß ich mich vorbehaltlos Ihren Wünschen ergebe. Wer mich erringen will, Demidoff, der muß geduldig sein und warten können." Sie legte ihre Hand leicht auf seinen Arm, während sie sich in den glänzend erhellten Speisesaal des Hotel des Anglais führen ließ. Am nächsten Tage ging Demidoff in den elegantesten Juwelierladen Roms und kaufte für den großen Spielgewinn einen Smaragdring, den er mit einem Strauß rotblühender römischer Nelken Madame de Sormcs ins Hotel senden ließ. Den ganzen Tag über wurde er den Gedanken nicht los, wie wundervoll der leuchtend grüne Stein auf Sous langer, schmaler Hand auSschauen mußte. Sofia Demidoff wunderte sich über die seltsame Unrast, die ihren Gatten erfaßt hatte. Den ganzen Tag über plante er Ausflüge, Besuche von Museen, gesellschaftliche Veranstaltungen. Er schien jede Minute bis an den Rand ausfüllen zu wollen. Sofia, mit ihrer zarten Konstitution, konnte ihm kaum folgen. Abends war sie bann so müde, daß sie nur zu gern Alexanders Vorschlag, daheimzu- bleiben, folgte. Insgeheim litt sie schmerzlich darunter, daß ihr Gatte immer kühler wurde, und daß er sich jeden Abend mit einem höflichen Kuß auf ihre Stirn und Hand begnügte. Aber sie war viel zu stolz, um irgend etwas von ihrem Kummer zu zeigen. , Demidoff war vollkommen in Dem Bann Sous. Gelang es ihm tagsüber, den Schein aufrechtzuerhalten, als wäre er ein korrekter Ehemann, der sich um feine Frau bemühte, so ergriff ihn ein brennendes Fieber, sobald Der Abend herankam. Dann dachte er nur an Sou, und daß sie sich ihm unter Tausenden von Vorwänden immer noch entzog, steigerte seine Seidenschaft immer mehr. Er konnte sie abends nur im Spielklub treffen, denn sie schien eine unverbesserliche Spielerin zu sein, Die sich auch durch Verluste nicht abschrecken ließ. Hinterher erlaubte sie ihm wohl einmal, sie zum Souper oder in ein Tanzlokal zu führen, gestattete ihm wohl auch einmal einen Kuß in der verschwiegenen Dunkelheit des Wagens; aber Das war alles. „Sie müssen es schon mir überlassen, lieber Freund", hatte sie einmal auf seine Vorwürfe hin ruhig erwidert, „wie weit ich in meinen Gunst- bezeugungen gehe. Ich bin ein freier Mensch und lasse mich nickt zwingen. Wenn Sie nicht artig und bescheiden sino, werden wir uns trennen müssen." Da hatte Demidoff geschwiegen. Trennung — das war Die Drohung, Die er fürchtete wie nichts. Damit hatte sie ihn in Der HanD. So saß er Denn AbenD für AbenD in Dem grellen, überheizten Spielsaal unD ließ sich in feiner Verzweiflung zu immer roilDerem Spiel hinreiben. Die Summen, Die er setzte, wurden größer und größer. Vor allem zwang ihn ein dunkler Trieb, immer gegen den Balten, gegen Siemen zu spielen. Schon hatte er kleinere Verluste erlitten, denen aber immer wieder Gewinne gegenüberstanden, die er sofort in Schmuck für Madame de Sormes umsetzte. Nun aber begann er zu verlieren, erst wenig, dann mehr — und in feiner Verzweiflung über Madame de Sormes’ Kühle stürzte er sich in das Spiel, das ihm für Stunden wenigstens Vergessen schenkte. Er lebte nur noch für diese Abende, an denen er am grünen Tisch saß und Madame De Sormes neben sich und die berauschende Nähe ihrer Persönlichkeit fühlte. Er spielte und spielte, und wenn der Abend kam, hatte er kaum noch Geduld, Sofia gegenüber eine Ausrede zu gebrauchen, um fortzukommen. Sofia litt schweigend. Die zarten Farben ihres Teints wichen in schlaflosen Nächten, in denen sie wachend im Bett saß, die Hand aufs flatternde Herz gepreßt. Bei jedem Geräusch im Hotel fuhr sie auf, lauschte, ob nicht endlich, endlich die Tür ' im Nebenzimmer aufginge und ihr anzeigte, daß Alexander zurückgekommen war. Aber es wurde spät und später, oft war schon das erste silberne Grau des Morgens zwischen den seidenen Vorhängen ihres Schlafzimmers zu sehen, wenn sie Alexanders leisen Schritt nebenan hörte. Dann erst fiel sie in einen unruhigen Schlummer, aus dem sie spät und wie nach einer schweren Krankheit müde und scklaff erwachte. Sängst hatten auch die Ausflüge uno Besuche, die sie tagsüber gemeinsam gemacht, aufgehört. Denn auch Alexander kam sehr spät, erst gegen Mittag aus seinen Zimmern, gleichfalls übermüdet und mit flackernden, verstörten Augen. Da ergab es sich denn von selbst, daß Sofia mehr und mehr auf sich angewiesen war. War sie doch viel zu stolz, um ihren Gatten um seine Begleitung zu bitten. Sie spürte ja, wie selbst die kleinsten Pflichten ihr gegenüber ihm lästig waren. Sie war die letzte, die ihn um seine Siebe bitten würde. Aber sie war auch die letzte. Die in so einer Ehe Dahinzuleben gewillt mar. (Fortsetzung folgt.) , dun aus eini hin« be jd)i des wiö Io Id 193: solo L>n % an Der besti 0,25 ft'UY ri» «ei fön nöc nicht« weit Wirur fe» r°i' soll. bchik gern De, rifti n«n glei Kon und Der Sd)i °ufi IN 18.' fest der Dia fünf Frie ** die Schulreform an den sogenannten Gesamtunterricht im Sinne Berthold Ottos. Das Ziel der Reform ist die völkische Einheitsschule, die sich or- ganisch den jeweiligen Gegebenheiten und Aufgaben anpaßt. Der gemeinsam verpflichtende Stamm der Bildung auf allen Schulen ist die Deutschkunde, an die sich auf der Oberstufe der höheren Schulen jede Art von Fach anglieoern kann. Es gibt nur einen Einheitstyp der höheren Schule, der sich nach oben hin gabelt. Vereinfachung und Vertiefung des Bildungsguts müssen Hand in Hand gehen. Die Reform der Schule muß im gleichen Zug erfolgen mit einer Neugestaltung des gesamten Kulturlebens, insbe- sondere der Lehrerbildung, der Hochschule und Wissenschaft. Der Staat als Oberherr der Schule, Bildung und gesamten Kultur bestimmt die ein- heitliche Richtung der Reform. Oberheffens Vertreter in der Synode. In die von 30 Abgeordneten auf 18 Abgeordnete verkleinerte Synode der evangelischen Kirche Nastau- Hessen wurden auf Vorschlag des Bischofs Lic. Dr. Dietrich für Oberhessen wiederentsandt Pfarrer Lenz (Mun^enberg) und neuentsandt Dekan W i d- mann (Schotten). Auf Dorschlaa der Synode wurden zu Synodalen aus Oberhessen wiedergewählt Oberstudiendirektor Dr. Faber (Friedberg) und Oberbürgermeister Ritter (Gießen). Drei Syn- odale der seitherigen Synode gehören der verkleiner- ten neuen Synode nicht mehr an, nämlich zwei Laien und ein Theologe. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Ortsgruppen Gießen-Nord und Gießen-Ost der NSDAP., 20.30 Uhr, Cafö Leib, Ortsgruppenversamrnlung: Redner: Bürgermeister Pg. Haug. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die vertauschte Braut". — Kampsbund für deutsche Kultur, 17.30 und 20.30 Uhr, Universitätsaula, „Kientopp um 1900". — Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, 20 Uhr, Zoologisches Institut, Sitzung mit Dorträgen von Prof. W. I. Schmidt. — Reichsschwimmwoche, 17 Uhr, Müllersche Badeanstalt, Schwimm- wettkämpfe der SA. ♦ ** Bekanntmachung des hessischen Personalamts. Der kommissarische Schulrat Paul N e b e l i n g zu Gießen wurde mit der kommissarischen ehrenamtlichen Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Stadtschulrats und des Kreisschulrats in Gießen unter Verleihung der Amtsbezeichnung „Schulrat" für die Dauer dieser Tätigkeit mit sofortiger Wirkung beauftragt. ** Platzkonzert der Reichswehrka- pelle. Am morgigen Samstag, 23. Juni, findet von 17 bis 18 Uhr in den Anlagen am Hindenburg- Wall ein Platzkonzert statt, das vom Musikkorps des I. Batt. Jnf.-Rgt. 15 unter Leitung von Ober- Musikmeister K r a u ß e ausgeführt wird. Für das Konzert ist (anläßlich des 70. Geburtstages von Richard Strauß) folgendes Programm vorgesehen: 1. Königsmarsch: 2. Feierlicher Einzug des Johanniterordens ; 3. Suite a. d. Oper „Der Rosenkaoa- lier": a) Auszug des Rosenkavaliers und Duett zwischen Sophie und Oktavian; b) Leiblied des Ochs von Lerchenau (Ochs-Walzer): c) Arie des Tenors; d) Frühstücksszene: e) Terzett (Oktavian, Mar schal- lin, Sophie): f) Schluß-Duett (Oktavian und Sophie), Richard Strauß. 4. 2. Polonaise, Liszt. 5. Hessischer Fahnenmarsch, Landgraf Ludwig VIII. (Präsentier- Marsch des I. (Hess.) Gren.-Bataillons Jnf.-Rgt. 15), bearbeitet von C. Krauße. ** Untervermietung in städtischen Häusern. Die Stadtverwaltung weist in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil daraus hin, daß sie verpflichtet ist, sämtliche in städtischen Häusern bestehenden Untermieter-Verhältnisse zu prüfen. Städtische Mieter haben, soweit sie untervermieteten, auf dem Stadtvermessungsamt, Bergstraße 20, oorzusprechen. (Siehe heutige Bekanntmachung.) ** Freiwillige Beitragsentrichtung bei der Landesversicherunasanstalt Hessen. Die Landesversicherungsanstalt Hessen schreibt uns: In den Fällen, in denen auf Grund des § 25 des Gesetzes vom 7. Dezember 1933 freiwillige Beiträge nachentrichtet worden sind, dürfen solche Beiträge auch für die Zeit seit dem 1. Januar 1932 noch bis zum 30. Juni 1934 entrichtet werden, solange der Dersicherungsfall noch nicht eingetreten ist. Nach dem 30. Juni 1934 ist eine Nachverwen- düng freiwilliger Beiträge über den Rahmen des § 1443 RDO. hinaus (mehr als ein Jahr zurück) ausgeschlossen, auch wenn gemäß § 1444 RDO. in einigen Fällen Fristen über den 30. Juni 1934 hinaus erstreckt worden sind. ** Herabsetzung des Arznei kosten- anteiles in der Krankenversicherung. Der Reichsarbeitsminister hat durch Verordnung bestimmt, daß der vom Versicherten zu tragende Arzneikostenanteil weiterhin von 0,50 Mark auf 0,25 Mark herabgesetzt bleibt. Er hat ferner bestimmt, daß die Krankenkasse den Familienangehörigen der Versicherten die Kosten der Arznei und kleineren Heilmittel bis zu 70 v. H. wiedererstatten können. Die Geltungsdauer der Verordnung ist zunächst bis zum 30. Juni 1935 begrenzt. ** 3. Waffentag des Waffenrings der ehemaligen deutschen Feldartillerie. Der Waffenring ehemaliger deutscher Feldartille- riften hält am 7., 8. und 9. September in Köln feinen 3. Waffentag ab. Mit dieser Veranstaltung soll gleichzeitig ein Regimentsappell aller ehemaligen Kameraden der Feldartillerie - Schießschule Berlin und deren Kriegsformationen verbunden sein. Der Verein ehemaliger Kameraden der Feldartillerie- Schießschule macht die Kameraden ferner darauf aufmerksam, daß der Verein am 17. November 1934 in Berlin sein 25. Gründungsfest begeht und am 18. November 1934 an der Gedenkfeier des 20. Jahrestages des Durchbruchs bei Brzeziny, die unter der Schirmherrschaft des Generalfeldmarschalls von Mackensen in Berlin stattfindet, teilnimmt. Auskünfte erteilt der Dereinsführer Arlt, Berlin- Friedrichsfelde, Wilhelmftraße 8. ** Die verkannten Kröten. Der Aberglaube, daß die Kröten giftig sind, und daß diese Tiere, wo man ihrer habhaft werden kann, vernichtet werben müssen, ist leider auch heute noch weit verbreitet, trotz aller naturkundlichen Auf- klärung. Sämtliche einheimischen Kröten sind nicht giftig. Das einzige, was man ihnen nachsagen kann, ist ihre Eigentümlichkeit, bei Gefahr einen ätzenden Saft aus den Hautdrüsen abzusondern, der andere Tiere, die etwa den Versuch machen sollten, die Kröten als Leckerbissen zu verspeifen, abschrecken soll. Den Menschen kann diese Absonderung weiter nichts schaden, als daß sie eine schwache Rötung der Schleimhäute hervorruft, wenn man mit den Fingern Mund oder Augen berührt, nachdem man eine gereizte Kröte ungefaßt hat. Alle Kröten verdienen sorgfältige Schonung als unermüdliche Vertilger von Garten- und Ackerschädlingen, wie Käfern, Schnecken und Raupen. Oberhessen. Kreis Friedberg. 4- Butzbach, 21. Juni. Im Saale des „Hessischen Hofes" fand ein S ch u lungsabend der Ortsgruppe der NSDAP, statt, an dem auch zugleich alle Fachschaften teilna^men. Der Schulungsleiter Dr. R o e s ch e n verlas eingangs ein inhaltsreiches Gedicht „Die alten Kämpfer". Dann hielt er einen Vortrag über das Thema: „Sudetendeutschtum". Das Ende des Krieges brachte die Auflösung des österreich-ungarischen Staates in einen Nationalitätenstaat. Unsere deutschen Brüder in der Tschechoslowakei, die trotz der räumlichen Entfernung dennoch unsere blutsmäßigen Brüder sind, bezeichnen wir als Sudetendeutsche. Dort wohnen mehr Deutsche, als in Dänemark Dänen und in Norwegen Norweger wohnen. Diese vier Millionen Stammesgenossen halten in erster Linie die industriellen Beziehungen zum Mutterlande aufrecht. Er schloß mit den Worten: Deutsch ist das Sudetenland und deutsch wird es auch bleiben. Anschließend sprach der Ortsgruppenleiter Forstassessor Schneider über: „Die Weltrevolution und die gelbe Gefahr". Der inhaltsreiche Abend wurde in der üblichen Weise geschlossen. § Münzenberg, 21. Juni. Dieser Tage fand im Saale des Gasthauses „Zur Jägerruh" die monatliche Mitgliederversammlung der NSDAP, mit anschließendem Schulungsabend statt. Der Schulungsabend wurde bestritten von dem hiesigen Beigeordneten Regierungsbau. meister Pg. Hch. Diehl, der über das Erbhofgesetz sprach. Pg. Diehl, der einer der beiden nichtrichterlichen Beisitzer des hessischen Erbhofgerichtes ist, sprach aus gründlicher und großer Sachkenntnis in tiefgründiger, fachlicher, alle Zuhörer in ihren Bann ziehenden Ausführungen. An den ausgezeichneten Vortrag schloß sich noch eine einige Fragen klärende Aussvrache an. Der Besuch der Versammlung hätte besser sein können, kann aber in Anbetracht der starken Inanspruchnahme der Bevölkerung durch Feldarbeit als im ganzen gut bezeichnet werden. — Die Heuernte kam Ende voriger Woche hier zum Abschluß. Der Ertrag in unserer Münzenberger Gemarkung, die zum Teil auf bergigem und steinigem Gelände liegt, hatte unter der starken Trocken- heil sehr gelitten. Der Ertrag in Trais-Münzenberg dagegen ist als wesentlich besser in der Qualität anzusprechen. Kreis Alsselv. —.— Alsfeld, 21. Juni. Am Montag fand im hiesigen Rathause unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Bürgermeister Dr. V ö l s i n g die diesjährige Mitgliederversammlung des Volkskindergartenvereins statt. Aus dem Geschäftsbericht über das abgelaufene Schuljahr 1933/34 war zu entnehmen, daß dieses mit einer höheren Schülerzahl begonnen hatte, als das vorhergehende, jedoch wurde der Schulbesuch später durch die stark auftretenden Masern und deren Nachkrankheiten beeinträchtigt. Am 8. Januar 1934 erfolgte die UeberfieMung des Volkskindergartens in feine neuen, mustergültig eingerichteten Räume in dem neuen evangelischen Gemeindehaus. Seit dieser Zeit ist der Schulbesuch erheblich gestiegen. Zur Zeit besuchen 90 bis 100 Kinder den unter der Leitung von Schwester Neuen Hagen stehenden Kindergarten. Neu eingeführt wurden im abgelaufenen Schuljahre die Elternabende, die sich eines guten Besuches erfreuten, und die künftig regelmäßig stattfinden sollen. Zu Ostern wurden 30 Kinder dem Volkskindergarten zugeführt. Die durch den Rechner erfolgte Vorlage der Rechnung vorn Rech- Schatte oder Club? Zur deutschen Fußball-Meisterschaft. Am Sonntag treten im Berliner Post-Stadion die Mannschaften des 1. FE. Nürnberg und des FC. Schalke 04 zum End kämpf um die Deutsche Fußballmeisterschaft an. Noch einmal werden zum Schluß der alten Spielzeit Tausende und aber Tausende sich an dem schönsten und volkstümlichsten Mannschaftsspiel begeistern. Bestimmt sind diesmal mit dem „Club" und den „Knappen" die beiden besten deutschen Mannschaften an der Schlußrunde beteiligt. Beide haben ihr Spiel in einer Weise vervollkommnet, daß jeder oiyi ihnen einen würdigen deutschen Meister abgibt. D ie Nürnberger als deutscher und süddeutscher Altmeister stehen am Sonntag bereits zum 7. Male im Endspiel und sie werden alles daransetzen, um wieder an die glanzvolle Zeit der Nachkriegsjahre anzuknüpfen. Schalkes großer Stern ist erst später aufgegangen. Im Vorjahre kämpften die Knappen sich bis zur Schlußrunde durch, aber Fortuna Düsseldorf mußte Sieg und Titel überlassen werden. Wieder steht Schalke dicht am Ziel und diesmal wollen es Szepan und Kuzorra mit ihren Mannen schaffen. Das Berliner Po st- Stadion wird der Schauplatz des zu erwartenden, großen Kampfes! Der Mnsegelflug-Wettbewerb 1931 Vom 22. Juli bis 5. August. Inungsjahr 1933 schließt mit einer Gesamteinnahme von 3331,08 RM. ab, die Ausgaben betragen 2999,04 RM., so daß ein Rechnungsrest von 332,04 RM. verbleibt. Schulden sind keine vorhanden. Die Rechnung wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Der Voranschlag für das Schuljahr 1934/35 bewegt sich in Einnahmen und Ausgaben mit 3032,04 RM. und wurde genehmigt. Bei der in diesem Jahre satzungsgemäß vorzunehmenden Ergänzungswahl des Vorstandes wurde an Stelle des von Alsfeld versetzten Pfarrers Hechler, dessen Dienstnachfolger, Pfarrer B e r n b e ck - Alsfeld, in den Vorstand gewählt und zum Vorsitzenden des Vereins bestimmt. Am Schlüsse der Sitzung dankte der stellvertretende Vorsitzende Bürgermeister Dr. V ö l s i n g allen Mitarbeitern für ihre gedeihliche und getreue Arbeit. Die Einführung des neuen Vorsitzenden des Dolkskindergartens wird in einem demnächst stattfindenden Elternabend erfolgen. Kreis Lauterbach. LPD. Herbstein, 21. Juni. In der Nähe von Ilbeshausen wurde die 70 Jahre alte schwerhörige Frau Stier beim Ueberschreiten der Eisenbahngeleise von einem Personenzug erfaßt, überfahren und so schwer verletzt, daß sie wenige Minuten später v e r st a r b. Preußen. Kreis Wetzlar. m. Rod heim a. d. B., 20. Juni. Den Bemühungen der hiesigen Ortsleitung der NSV. ist es gelungen, in den Gemeinden Rodheim a. d. B. und Vetzberg zwanzig erholungsbedürftige G r o ß st a d t k i n d e r auf die Dauer von vier Wochen unterzubringen. Gestern nun trafen die Kinder — aus Hanau kommend — hier ein. Im Benderschen Saale war ihnen ein herzlicher Empfang bereitet, nachdem eine Schar Jungvolk die Gäste in Abendstern abgeholt patte. Bei Kaffee und Kuchen und Gesang wurden die Kinder bald gesprächig und zutraulich, und als dann der Ortsleiter der NSV., Karl R e e h, und Herr Pfarrer Vömel warmherzige Begrüßunasworte an die Gäste richteten und ihnen zu ihrem Aufenthalt bei uns viel Freude und Freundschaft wünschten, da begannen die Augen bereits zu leuchten. Rodheim begrüßte seine kleinen Gäste recht herzlich und hofft, daß die jungen Volksgenosse^ nach vier Wochen gestärkt an Leib und Seele in das Elternhaus zurückkehren mögen und die während dieser Zeit geknüpften Bande zwischen Stadt und Land erhalten und weiter ausgebaut werden möge. + Hörnsheim, 20. Juni. Dieser Tage wurde hier unter Führung von Bürgermeister Volk die Freiwillige Feuerwehr mit 21 Mit- Sfiebern gegründet. Zum Wehrführer wurde Wilh. i n k e r, als Stellvertreter Rich. Heinz, als Schriftführer Ludw. Weigand, als Kassenwart Artur Schmidt und als Zeugwart Otto Schmidt bestimmt. Der Kreisfeuerwehrmeister des Kreises Wetzlar, der die Gründung vollzog, richtete noch einige mahnende Worte an die Kameraden. Die Feuerwehr solle sich zur ersten und höchsten Pflicht den Satz unseres Führers „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" machen. Bürgermeister Volk schloß mit einem dreifachen „Sieg-Heil ft auf unseren Führer und auf das Vaterland die Gründungsversammlung. — Das Dereinsmeister» schaftsschießen des Kleinkaliber- Schützenvereins, das am Sonntag stattfand, hatte folgende Ergebnisse. In der Klasse A: Theo Müller wurde zum dritten Male Meister mit 87 Ringen; Klasse B: Wilh. Müller mit 83 Ringen; Klasse C: Alft. Gümbel mit 77 Ringen. Jugendklasse: Hugo Müller mit 63 Ringen. fein. Wohl startet Schalke als Favorit, aber eines ist gewiß, die Nürnberger Rothemden werden sich nicht so leicht geschlagen bekennen. Die beiden Mannschaften werden voraussichtlich wie folgt antreten: 1. FC. Nürnberg Köhl Popp Munkert Kreisel Billmann Oehm Gußner Eiberger Friedel Schmitt Kund Röthardt Kuzorra Nattkämper Urban Kalwitzki Valentin Szepan Tibuski Zajons Bornemann Mellage FE. Schalke 0 4. Schiedsrichter ist der Berliner Alfred B i r f e m, der keine Entgleisungen dulden und streng, aber gerecht seines Amtes walten wird. Man erwartet von beiden Mannschaften, daß sie trotz des hohen Einsatzes die hohen Gesetze des sportlichen Anstandes in jeder Weise respektieren werden. Es kommt so wenig darauf an, wer gewinnt, sondern wie gewonnen wird. Im mannhaften Kampf soll beim Meisterschaftsspiel um den Sieg gestritten werden, aber alle 22 Spieler, die an der Spitze eines Millionenverbandes stehen, müssen in erster Linie wahre und echte Sportsleute ohne Fehl und Tadel sein. <5emeinberof in Schotten. g Schotten, 21. Juni. In seiner gestrigen Sitzung genehmigte der Gemeinderat die Abgabe von Baugelände für zwei Bauvorhaben an der Alten Straße und in der Karl-Weberstraße unter den üblichen Bedingungen. — Im Rechnungsjahr 1934 soll auf Antrag ein entsprechender Gewerbe- teuernachlaß aus Billigkeitsgründen in den Fällen gewährt werden, wenn das Gewerbekapital oder der Gewerbeertrag sich gegen den zuletzt festge- tellten Beträgen wesentlich vermindert hat. — Der Schottener Sommermarkt am 5. bis 8. August soll in der üblichen Form stattfinden. Jüdische Händler und jüdische Geschäfte sollen nicht zugelassen werden. — Eine Aussprache über das seitherige Arbeitsdienstlager, Verwertung der seitherigen Räume und des Mobiliars fand statt. — Der Bau des Ehrentempels wird in Angriff genommen und soll bis zum Spätherbst fertiggestellt werden. Der Bürgermeister legte einen Plan zur Finanzierung der noch erforderlichen Kosten vor, der gutgeheihen wurde. Im Einvernehmen mit dem Bauamt wird das Projekt nochmals durchgearbeitet. An die Bevölkerung wird nochmals mit einer Sammlung herangetreten werden, die Bürgerschaft wird sich dieser Ehrnpflicht zur Gewährung einer Spende nicht entziehen. Auch die Vereine haben schon das Werk unterstützt, die noch fehlenden werden auch gern ihren Anteil geben. Der Bau des Ehrentempels wird auf alle Fälle durchgeführt. Man hofft, das Denkmal am Totensonntag einweihen zu können. — In das hiesige Finanzamtsgebäude wird eine Zentralheizung eingebaut. Die Finanzftage ist gelöst, das Reich hilft der Stadt bei der Verzinsung und Tilgung des Kapitals, das die Stadt aufgenommen hat. Das Landesfinanzamt wird die eingereichten Angebote nachprüfen und, da Unklarheiten bestehen, ein nochmaliges Ausschreiben veranlassen. — Der alte Vertrag, der zwischen der Stadt und dem Forstfiskus über die Verpachtung der Forellenteiche im Oberwald in den 1860er Jahren abgeschlossen worden ist, ist durch die Zeitverhältnisse überholt worden und stellt heute eine Belastung der Stadt dar. Im Einvernehmen mit den Triebwerksbesitzern sucht die Stadt von dem alten Pachtvertrag entbunden zu werden. Die fraglichen Wiesen könnten leicht an bedürftige Landwirte von Breungeshain verpachtet werden. Dem Reichsbund für Volkstum und Heimat, der feine Fürsorge auch besonders Schotten zuwenden will, wird ein entsprechender Betrag zur Verfügung gestellt. — Der Erlaß einer besonderen Polizeiverordnung, die eine kreisamtliche Genehmigung für den Straßenhandel im Kreis vorsieht, wird befürwortet. — Die Verlegung des Mühlgrabens vom Amtsgericht bis zum Kreisamt in Rohre wird in aller Kürze erfolgen. Eine Reihe weiterer Punkte wurde noch erledigt. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer schloß die Sitzung. Dreifacher Mordversuch in Friedberg. LPD. Friedberg, 21. Juni. Ein hiesiger 59jähriger lediger Einwohner wurde wegen Mordversuch in drei Fällen verhaftet. Der Jäter, der sich von einer Frau zurückgesetzt fühlte, wollte diese in ihrem Garten sprechen. Da ihm der Zugang verweigert wurde, gab er zunächst zwei Schüsse auf die Töchter der Frau ab, die glücklicherweise ihr Ziel verfehlten. Dann wandte er sich gegen die um Hilfe rufende Frau und brachte ihr durch drei weitere Schüsse leichte Verletzungen am Kopfe bei. Die Absicht des Täters, sich selbst das Leden zu nehmen, konnte er nicht mehr verwirklichen; er wurde überwältigt und der Polizei übergeben. Landkreis Gießen. rvg. Großen-Buseck, 21. Juni. Am Mitt, wochabend veranstaltete die Landesfilmstelle der NSDAP, von Frankfurt a. M. im Saale „Zur Germania" eine Filmvorführung, an der sämtliche Unterorganffationen der NSDAP, aus Großen-Buseck und einiger Nachbarorte teilnahmen. Der mit den Fahnen des Dritten Reiches festlich geschmückte Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Mit dem Einmarsch der Hitlerjugend und des BoM. mit ihren Fahnen in den Saal und einem Lied wurde der Abend eingeleitet. Nach einem vorausgegangenen Kulturfilm, der das Leben und Treiben auf den Südfee-Jnfeln zeigte, folgte der Hauptfilm unter dem Titel „H i 11 e r j u n g e Que x". Die Vorführung des Filmes hinterließ einen tiefen Eindruck. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf unseren Dolkskanzler Adolf Hitler wurde die Veranstaltung geschlossen. Nachmittags fand eine Kindervorstellung statt. + Grünberg, 21.Juni. Am Mittwoch fand im Gasthaus „Zum Rappen" unter dem Vorsitz von Feldbereinigunaskommissar Ohly (Lauterbach) die Wahl der zur Vollzugskommission zu berufen« den zwei einheimischen Sachverständigen nebst zwei Stellvertretern, sowie der von den beteiligten Grundeigentümern zu bestimmenden zwei Schiedsrichter nebst zwei Stellvertretern statt. Wohl die Hälfte der Abstimmenden waren Ausmärker, die Grundbesitz in der hiesigen Gemarkung haben, hauptsächlich aus Queckborn, Göbelnrod, Stangenrod, Lehnheim und Lauter. Abgegeben wurden 144 gültige Stimmen. Es wurden gewählt zu Sachver- tänbigen die Landwirte: Konrad Trinkaus mit 112 Stimmen, Christian Bück mit 103 Stimmen, als Stellvertreter: Albert Schäfer II. mit 136 Stimmen und Hermann Rühl II mit 109 Stimmen. Zu Schiedsrichtern wurden gewählt: Friedrich Wilhelm Stein (Stumpertenrod) mit 141 Stimmen und Bürgermeister Fendt (Hungen) mit 134 Stimmen, als Stellvertreter: Bürgermeister Carle (Nieder-Ohmen) mit 134 Stimmen und Altbürgermeister A u m a n n (Londorf) mit 122 Stimmen. > Holzheim, 21. Juni. Am Dienstag fand im dicht besetzten Saale von Pg. Sarnes em Vortragsabend der NSDAP, statt. Zellenwart Kuhl eröffnete die Dersamlung. Der stellvertretende Kreisleiter Pg. Hopfenmüller sprach über das Thema: „Kampf gegen Miesmacher und Kritiker". Er schilderte in seinen Ausführungen die Tätigkeit der Miesmacher und Nörgler an Hand von Vei- pielen, die sich zugetragen haben. Jeder solle an sich elber anfangen und die Idee von Adolf Hitler er« affen. Diejenigen aber, die fein Vertrauen zum Führer haben ober haben wollen, sollten wenigstens till sein. Was in 14 Jahren Mißwirtschaft zerstört worben fei, könne nicht in einem Jahre roieber aufgebaut werben. Der Führer habe sich vier Jahre bazu ausbebungen. Der Rebner erntete für seine vortrefflichen Ausführungen reichen Beifall. Hellen- wart Kuhl schloß bie Versammlung in der üblichen Weise. Die Ausschreibungen zu ben abgelaufenen vierzehn beutschen Segelflugwettbewerben auf ber Wasserkuppe waren schon immer ber Grabmesser ür ben Stanb ber Entwicklung bes beutschen Segel- luges. Waren bieselben, mit Ausnahme ber Uebungs- wettbewerbe, vornehmlich auf Spitzenleistungen einzelner abgestellt, so geyt ber Deutsche Lustsport- oerbanb als Träger bes 15. Rhön-Segelflugwett- bewerbs, ber in biefem Jahre vom 22. Juli bis 5. August auf ber Wasserkuppe ftattfinbet, in ben biesjährigen Wettbewerbsbebingungen zum Teil bavon ab unb legt größeren Wert auf Gemeinschaftsflüge von drei unb mehr Segelflugzeugen. Als kennzeich- nenbfte Tatsache muß man bie Bestimmung an« führen, baß nur noch Fliegerortsgruppen bes DLV. Melbungen abgeben können. Der Nennungsschluß ist auf ben 2. Juli festgesetzt. Die Zielstrebigkeit unb Durchbachtheit ber Ausschreibung, bei ber bas Hauptaugenmerk vornehmlich auf eine fliegerische, wissenschaftliche unb technische Forberung bes Segelflugs gerichtet ist, ist roieoerum als mustergültig zu bezeichnen. Durch die Vorschrift einer eingeyenben Zulassungsprüfung, bie sich auf eine Material-, Rohbau» unb Flugeigenschaftsprüfung sowie Festigkeitsnachweis für alle teilnehmenden Maschinen erstreckt, die Piloten im Besitz des amtlichen deutschen Segelflugzeug-Führerscheins fein müssen, und auf jeden Fall ein Fallschirm mitgenommen werden muß, ist die Unfall- gefahr auf ein Minimum beschränkt. Auch kann die Wettbewerbsleitung die Zahl der zugelassenen Flugzeuge auf 100 beschränken, was gegenüber den Vorjahren einen Fortschritt bedeutet, da seither meist nur bis zu 60 Maschinen zugelassen wurden. Die zur Verfügung stehende Gesamtpreissumme betragt 55 000 R21L Davon iff der Fernsegel- flugpreis mit 4500 RM. dotiert. Der höhenpreis ist mit 3500 RM. ausgestattet. Für den Fernzielflugpreis, bekanntlich eine der schwersten Bedingungen der .Rhön - Wettbewerbe, sind 4000 RM. ausgesetzt. Für Segelflugzeugketten ist ein Preis von 6000 RM. mit einer Zusatzprämie von 1500 RM. bestimmt als Zielflugpreis. Weiterhin ist ein Streckenpreis für Segelflugzeugketten in Höhe von 7500 RM. ausgesetzt, für den ein gemeinsamer Streckenflug von mindestens 25 km Vorbedingung ist, deren Start von innerhalb 10 Minuten zu erfolgen hat und deren Streckenflug in der gleichen Richtung durchgeführt werden muß. Weiterhin gelangen ein Dauerflugpreis, ein Preis für größte Gesamtflugdauer, für die größte Höhen- summe und für die größte Streckensumme zur Verteilung. Den Milseburgpreis erhält dasjenige Flug- MW» 7—” ■ bs 4 *:. l *£n » m - I .. K V 4® MF? >**<<**—« , -—J W'jlbfaM <5:- *':,... .. -d zeug, welches zuerst die Milseburg überfliegt und zur Wasserkuppe in direktem Fluge wieder zurückkehrt. 5000 RM. sind für Bauprämien und Konstruktionsprämien bereitgestellt und 12 000 RM. stehen für Sonder- und Tagespreise zur Verfügung. Langstrecken-Schwimmen - 120 Teilnehmer. Großes Interesse in allen Kreisen der Bevölkerung sand das anläßlich der Reichs-Schwimmwoche in Gießen ausgeschriebene Langstrecken-Schwimmen. Dieser Wettkampf, an dem sich rund 120 Personen beteiligten, ging über eine Strecke von etwa 1000 m (Start: Militär-Badeanstalt, Ziel: GRG.-Bootshaus). Der Kampf war offen für alle und wurde durchgeführt in zwei Hauptgruppen: Gruppe A Mitglieder von Schwimmsport treibenden Vereinen, Gruppe B Teilnehmer, die keinem Schwimmsport treibenden Verein angehören. An der Militär-Badeanstalt hatten sich zahlreiche Zuschauer eingefunden, die dem Stärt der einzelnen Gruppen interessiert zusahen. Als erste Abteilung gingen die Damen der Gruppe B in den Deutschlandflieger wieder in Tempelhof Schuljugend im Schwimmbad. Dienstag nachmittag herrschte in der Müllerschen Badeanstalt ganz großer Betrieb. Die Gießener Schuljugend war erschienen und stellte ihr schwimmerisches Können unter Beweis. Wir berichteten darüber. — Unsere Bilder zeigen die Jugend als Zuschauer (links oben) und als Mitwirkende (links). Bild rechts oben zeigt den Sprungturm, der diesmal auch als Kommandoturm in Anspruch genommen werden mußte. Das vorläufige Derlungsergebnis für den ersten Tag des Deutfchlandfluges. Die Wettbewerbsleitung des Deutschlandfluges hat in später Abendstunde des Donnerstags noch ein vorläufiges Wertungsergebnis für den ersten Tag errechnet. Es ist allerdings damit zu rechnen, daß diese vorläufige Wertung noch Aerürerungen erfährt-, denn es fehlen noch einige Meldungen von den Wendemarken. Vor dem Start. Oben links: Tanken unter dem Regenschirm. (Ein Tropfen Wasser im Treibstoff kann den Erfolg des Fluges in Frage stellen!) - Oben rechts: Staatssekretär Milch vom Lustfahrtministerium und der Präsident des DLD., Bruno L o e r z e r , schreiten die rfront der Fluateilnehmer ab. — Unten links: Der Führer des „DoX", Kapitän Christiansen der als Schwarmführer am Flug teilnimmt, verabschiedet sich von Staatssekretär M i l ch. Unten rechts: Staatssekretär Milch gibt das Zeichen zum Start. Anträge jedoch nur teilweise, indem es nur die Freisprechung von der Anklage der Untreue rechtskräftig bestätigte. Bei der Urkundenunterdrückung dagegen lagen nach Auffassung des Reichsgerichts die Voraussetzungen für eine Amnestierung nicht vor. Die Sache wurde daher insoweit zu nochmaliger Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen. Wertvolle Ergebnisse der Dogelzugforschung. )[ Marburg, 16. Juni. Die von der Zweigberingungsstelle Marburg der Vogelwarte Helgoland bereits seit Jahren durchgeführte Kennzeichnung von Rauchschwalben hat die Feststellung ergeben, daß diese Vogelart jahraus jahrein zum alten Ristort zurückkehrt. Weiter konnten durch Wiederfund von beringten Schwalben, deren Wanderwege und Ueberwinterungsgebiete erkannt werden. Bisher lagen Nachrichten über Wiederfund von oberhessischen Schwalben aus Südfrankreich, Italien, Spanien, Kamerun und Kongogebiet vor. Jetzt hat die Vogelwarte Helgoland Meldung erhalten, daß eine am 28. Juni in Elnhausen bei Marburg beringte Schwalbe am 12. März 1934 in Mechtras bei Tizzi Ouzou in Algerien ge fangen wurde. Bisher war nicht bekannt, daß der Zug unserer hessischen Schwalben in Afrika auch weiter östlich verläuft. Tiundfunkprogramm. Samstag, 23. 2uni: 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40t Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40t Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.10: Schulfunk. Aus Richard Wagner „Der fliegende Holländers 11.50 Uhr: Sozialdienft. 12: Mittagskonzert I. 13l Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem «Ändebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Fröhliches Wochenend? 15.10: „Lernt morsen!" 15.45: Quer durch die Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. 18t Stimme der Grenze. 18.20: Wochenschau. 18.35: Stegreifsendung. 19: Wir spielen zum Tanz. 20: Zeitangabe, Nachrichten. 20.05: Saarländische Umschau. 20.15: Großer lustiger Abend. 22.20: Nachrichten. in Tempelhof, wobei eine Hetzjagd zwischen Stolp und Berlin eine große Rolle spielte. In Stolp nämlich betrug der Zeitunterschied noch 23 Minuten! Dann trafen in Abständen nach und nach die anderen Bewerber, stets ausgerichtet in schöner Kiellinie, in Tempelhof ein. Von der Strecke hörte man noch folgendes: In Stettin erschienen die ersten Flugzeuge um 4.10 Uhr. Bis 7 Uhr früh waren in Danzia-Langfuhr 14 Verbände gelandet. Zusammen mit der Untergruppe Berlin traf auch Präsident Loerzer, der die Fahrt außer Wettbewerb mitmachte, in Danzig ein. In Königsberg war Loerzer der erste vor den etwas später kommenden Hannoveranern und der Untergruppe Hamburg-Altona. Alle verließen nach kurzer Pause sofort wieder den Flugplatz. Gegen 9.30 Uhr hatten alle Teilnehmer Danzig passiert. Die ersten In Berlin eintreffenden Jormalio- nen waren durchweg Dreierstaffeln, 107 Sportflugzeuge in 22 Staffeln nahmen am Donnerstagmorgen vom Berliner Zentralflughafen Tempelhof den Kampf um den vom Reichsminister der Luftfahrt, General Göring, gestifteten Wanderpreis im Deutfchtandflug 1934 auf. Alles in allem starteten neun Verbände mit drei, zwei mit vier, sechs mit fünf und sechs Verbände mit sieben Maschinen. Die Flugzeuge hatten am ersten Tag die Strecke Berlin—Stettin—Danzig—Allenstein— Insterburg—Königsberg—Stolp—Greifswald—Berlin zu bewältigen. Leider ereignete sich auf der Strecke Stettin—Danzig ein bedauerlicher Unfall, dem die Besatzung, Flugzeugführer V o l b r a ch t und Orter Koch, beide der Gruppe Münster angehörig, zum Opfer fiel. Des weiteren fiel eine Ma- schine der Gruppe D 4 (Schafhausen-Aschenborn) durch Notlandung aus. Später wurde noch bekannt, das auch ein Flugzeug der Gruppe G 1 bei Insterburg das Rennen wegen Maschinenschadens aufstecken mußte. Um die Mittagsstunde hatten 17 Mannschaften bereits die erste hälfte der Strecke zurückgelegt und Königsberg erreicht, und zum großen Teil waren sie sogar schon wieder aus Ostpreußens Hauptstadt gestartet. Die Hannoveraner, die im Vorjahr so überraschend siegreich waren, lagen in Königsberg vorn, wurden bann aber von der Gruppe D 8 (Hamburg- Altona), die auch zuerst in Berlin eintraf, über- Oie Vorgänge im Landesverband der Polizeibeamten Hessens vor dem Reichsgericht. Darmstadt, 21. Suni. -' - Gruppe A (Damen): o. Düring, Helga (18.15 Minuten). 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Wir ersuchen hiermit sämtliche städtischen Mieter, die untervermietet haben (auch diejenigen, denen bereits Genehmigung zum Untervermieten erteilt worben ist), bis zum 25. 3uni 1934 beim Stabtvermessungs- amt Gießen, Bergstraße Nr. 20, vormittaggs zwischen 7 unb 12 Uhr vorzusprechen, um bort bie entsprechen- ben Angaben zu machen. Unterlassung biefer Angaben können Weiterungen gemäß § 10 bes Mietvertrages nach sich ziehen. 3695C Gießen, den 19. Juni 1934. Bürgermeisterei Gießen. Dr. Hamm, Bürgermeister. • l g Hausmittel gegen I ||l/*''Koplschmerien,Migräne _5^und Nervenschmerien, Unbehagei» und Sdimerizustände. Seif dank seiner anerkannt rasdten und milden Wirkung. Stets bekömmlidi - unschädlich Mr Hon und Magen. Sie sollten deshalb das bewahrte Gtrovanille immer zur Hand haben. Erhältlich tn eilen Apotheken. 6 Pulver- oder 12 Oblaten-Pdcg. RM 1.10. Jüngere,branchekundige,gesunde Verkäuferin (evgl.), f.besseres Kurz-.Woll- una Modewarengeschäft zum 1. Sept, gesucht. 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