Nr. 142 Erstes Blatt 184. Jahrgang Donnerstag, 21. Juni 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Lrantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilatr vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gieften. 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Der Nationalsozialismus hat damit ein altüberliefertes deutsches Brauchtum in seine Gemeinschaften hineingestellt, das einstmals wie die gesamte deutsche Dolkskultur Eigentum des ganzen Volkes in seinen Stämmen und Ständen gewesen ist. Der Nationalsozialismus, der nichts anderes ist als der Aufbruch der deutschen Volksseele in der Gegenwart nach langen Zeiten der Verdunklung, hat überall bewußt oder unbewußt sich das wieder zu eigen gemacht, was den Ausdruck dieser ewig wirkenden deutschen Volksseele in den kultischen Formen unseres Volk- tums darstellt. Wenn der Liberalismus das Brauchtum des Volkes als Ausdruck einer Primitivität und damit als Angelegenheit von Bauern und Kindern deutete, dann wissen wir heute wieder, daß in allen diesen Aeuße- nnigen der Dolkskultur gestattet sind Freude und Leid, Erleben, Weltanschauung und Glaube des Volkes. In diesen Formen, ob es nun Volksmusik oder ein kultisches Volksspiel, ob es die Gestaltung einer Volksfeier oder die Kunst der Bauern und Handwerker in Tracht und Schmuck, in Haus und Hof und Stube ist, auf welchen Gebieten des kulturellen Lebens es auch sei, hier spricht die Volksseele noch unmittelbar und am deutlichsten zu uns. Was bedeutet nun das Fest der Sommersonnenwende für uns? Die nationalsozialistische Weltanschauung ist nicht ein philosophisches System, sondern die einfache Erkenntnis unserer natürlichen Lebensgrundlagen, wie sie in den Gesetzen der großen göttlichen Ordnung beschlossen liegen. Wir wissen heute wieder, daß das Volk die höchste Bindung des Menschen ist, Volk und Mensch jedoch vergehen, wenn sie sich aus dem Wurzelboden ihrer Heimat herauslösen. Wir erleben wieder, wie die Gesetze der Natur unser ganzes Leben bestimmen. Der Bauer, der draußen auf der Scholle dem ganzen Volke sein Brot erarbeitet und damit einzig und allein sein Leben erhält, weiß noch unmittelbar um diese Abhängigkeit von der Natur und ihrem Werden und Vergehen, aber heute nach den Jahren des Niederganges, der völligen Entwurzelung des Menschen durch die Großstadt ist sich auch der Arbeitsmensch im Maschinensaal und Kontor wieder bewußt geworden, welche Werte ihm verloren gehen durch seine Heimatlosigkeit, ja wie er und seine Sippe unrettbar dahinwelkt, wenn er nicht die Bindung zum Volkstum sich neu erringt. Und so ist es nicht ein Zufall und nicht eine romantische Schwärmerei, die uns wieder greifen läßt nach dem überlieferten heiligen Volksgut, sondern aus eigenem Erleben heraus knüpfen wir an das einst Verlorene an, das durch die vom Nationalsozialismus vollzogene völkische Wende wieder zum Maßstab und Ausdruck unseres Lebens geworden ist. So feiern wir in diesem Jahre auch wieder sinnbildhaft den Sieg der Sonne, die uns erhält und nährt und deren Lauf ein Ausdruck der großen wirklichen Lebensordnung ist. Der Jahresring ist das Sinnbild des ewigen Stirb und Werde, dem ebenso wie alles Leben der Natur so auch der Mensch im leiblichen Ablauf seines Daseins wie in feiner seelischen Entwicklung unterworfen ist. In diesen Tagen hat die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, wir feiern mit ihrem Siegeslauf, der Winternacht überwand, den Sieg allen Lebens über den Tod, und darum feiern wir mit ihm auch den Sieg unserer Bewegung, die im Zeichen des Hakenkreuzes als der heiligen Rune des Sonnenlaufes unser Volk aus dem Dunkel des Vergangenen zum höchsten Lichte führen soll. Das Feuer, das wir, altem Brauch der Väter folgend, in der Nacht der Sonnenwende entzünden, ist das weithin sichtbare Symbol des Sonnensieges und zugleich der Gemeinschaft, aus der es entflammt wird. Darum bildet das Feuer den kultischen Mittelpunkt unserer deutschen Sonnenwendfeiern. Der Ring um das Feuer, das wir mit den Fackeln entflammen, die in den einzelnen an den Feiern teilnehmenden Gemeinschaften des Volkes entzündet wurden, schließt uns alle zu einer großen Gemeinde zusammen. Die junge Mannschaft der Gliederungen der nationalsozialistischen Bewegung wird hier, wie in vergangenen Zeiten und in ländlichen Gegenden wohl noch' heute die jungen Burschen des Dorfes, wieder zum Träger des kultischen Brauchtums unseres Volkes. . . Die nationalsozialistische Bewegung wird in diesem Jahre die Sommersonnenwendfeier zur Sache des gesamten Volkes machen. Wenn sonst die einzelnen Gliederungen der Bewegung oder die Stände als Ausdruck ihrer eigenen Aufgaben für sich feiern, dann sollen um das Feuer der Sommer- sonnenwend- sich alte ocreinen. D,e natürlichen Werk- und Lebensgemeinschaften des Volkes sind dazu berufen, die Sonnenwendfeiern zu tragen unö zu gestalten, so wie sie auch am Tag der nationalen Arbeit die Träger und Gestattenden des großen Volksaufmarsches waren. , £ , So werden in der Sonnenwendnacht durch ganz Deutschland tausend und aber tausend Sonnwendfeuer in einer noch nicht da gewesenen Vielzahl aufflammen und die Gemeinschaft des Volkes aus Dorf und Stadt zu stiller Besinnung im Feuerkrerse vereinen. ... Dabei wird es darauf ankommen, das Volk nutzt als bloßen Zuschauer, als „Publikum", m * Erscheinung treten zu lassen, sondern es zum altie Oer französische Generalissimus in London. Ein angeblich „privater" Besuch, der aber den führenden englischen Militärs gilt. London, 20. Juni. (DltB.) Der Chef des französischen Generalstabes, General Weygand, ist heule mittag in London angekommen. In einer Agenturmeldung aus London wird zu dem Besuch des Generals Weygand erklärt, daß der französische Generalissimus sich mit der englischen Regierung auch über eine Anregung Englands unterhalten werde, wonach sämtliche europäischen Rationen, Deutschland einbegriffen, sich verpflichten sollten, die Neutralität Belgiens und Hollands zu achten. Das War Office teile die Auffassung der militärischen kreise Frankreichs, daß die O st b e f e st i g u n g e n eine ausgezeichnete Verteidigungslinie darstellten, daß aber der Einfall von Norden her kommen könne. Wacdonald persönlich sei der Ansicht, daß Frankreich, wenn die Neutralität Belgiens gesichert sei, eine ausreichende Sicherheitsgarantie besitze und England in diesem Falle keine weiteren zu geben brauche. Der „rein private" Besuch. London, 21. Juni. (DNB.) Zum (Eintreffen des Generalinspekteurs der französischen Armee, General Weygand, in London bemerkt der politische Korrespondent der „Daily Mail": General Weygand erklärte nachdrücklichst, daß sein Besuch rein privaten Charakter habe. Indessen erregte es, so harmlos der Umstand auch sein mag, eine gewisse Aufmerksamkeit, daß er von seinem Stabschef und zwei anderen Stabsoffizieren begleitet ist. Der General ift, wie schon früher gemeldet, Gast des Befehlshabers des Londoner Bezirks General Grant. Im Auswärtigen Amt wurde wiederholt erklärt, daß keine Zusammenkunft zwischen General Weygand und Beamten des Kriegsamtes vereinbart worden fei. Ein Freund beider Generäle aber äußerte gestern: „Wenn zwei Männer des gleichen Berufes zusammenkommen, dann ist es unvermeidlich, daß sie „fachsimpeln", und unzweifelhaft haben beide beträchtliches Interesse an der gegenwärtigen internationalen Lage." — „Daily Herald" sagt ironisch: Jeder Begleitumstand weist auf den „rein privaten Charakter" der Reise hin. General W e y g a n d ist von seinem Stabschef General G a m e l i n , feinem ersten Adjutanten General P a g a z y und einem Dolmetscher, dem Hauptmann G a f f i e r , begleitet. Er wurde in Dover von dem Befehlshaber des östlichen Bezirks, dem Kommandanten der Garnison von Dover und einem Vertreter des Kriegs- amtes begrüßt. Auf der Viktoria-Station in London empfing ihn der Chef des Generalstabs, General Sir Archibald Montgomery-Massingber d. General Weygand fuhr zu seinem Hotel in einem Kraftwagen des Kriegsamtes. Heute geht er nach Ascot, dann nach Aldershot zu den militärischen Schauvorstellungen. Am Freitag wird er auf der Ebene von Salisbury (einem militärischen Uebungsgelänbe) den Befehlshaber des südlichen Bezirks treffen. Am gleichen Tage wird er mit feinen militärischen Begleitern bei dem Chef des Reichsgeneral st abs zu Gaste fein und während des Wochenendes bei ihm bleiben. Die anderen Gäste werden bei dieser Gelegenheit hohe britische Militärs sein. „Daily Herald" ven Träger der Festgestaltung zu machen. Es ist darum notwendig, baß jeder Stand des deutschen Volkes und jede der nationalsozialistischen Gliederungen durch ihre Vertreter mit Gruß und Bekenntnis zu Worte kommt und sie mit formen hilft. Die vom Reichsamt Volkstum und Heimat der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" heraus- gegebenen Richtlinien bieten einen Anhaltspunkt, wie der Festablauf durch sinnbildliche Handlung, Feuerrede, Sprechchöre und gemeinschaftliche Lieder so gestaltet werden kann, daß die Feier zu einem lebendigen Erlebnis der Volksgemeinschaft wird, wie sie uns durch bie totale Revolution der nationalsozialistischen Bewegung verheißen worden ist. Sonnenwende-Schicksalswende! Ein neues Bolt mit neuer Kraft. Berlin, 20. Juni. (DNB.) Das Reichs-Presse- und -Propagandaamt der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" teilt mit: Das durch die nationalfozialistische Revolution geeinte deutsche Volk feiert in der Nacht vom 2 3. zum 2 4. Juni das Fest der Sommersonnenwende. Seit diesem Tage^ hat seit altersher unser Volk das Fest des Sieges der Sonne über den Winter, das Fest der Freude, der Lebensbejahung und der um das Feuer lebendig versammelten Volksgemeinschaft gefeiert. Wie wir am 1. Mai, dem Tag der nationalen Arbeit, aus den vielen Werks- und Lebensgemeinschaften unseres Volkes ausmarfchiert sind zum aemeinfamen Fest, fo wollen wir auch das Fest der Sonnenwende feiern. t Unsere große Aufgabe, an der wir unablässig arbeiten müssen, ist, ein neues Volk zu werden. Jeder einzelne, das ganze Volk muß mit- gestalten am neuen Volkstum, das uns aus der Vergangenheit in den Formen der Gegenwart überall dort wiederersteht, wo wir das heilige deutsche Volksgut in den Mittelpunkt unserer Ge- schließt, „aber General Weygand sagt, daß es keine militärischen Besprechungen geben wird". Der militärische Mitarbeiter des „Daily Expreß" schreibt: Es kann nicht bezweifelt werden, daß zwischen dem britischen General st ab und General W e y g a n d vertrauliche und ausführliche Besprechungen ftattfinben werden. Während seines Aufenthaltes in England wird der General die Leitung des südenglischen Militärbezirkes besuchen. In Tidworth wird er die n e u e ft e n britischen leichten Tankbataillone und die motorisierten Jnfanterieba- t a i 11 o n e besichtigen. Sein Besuch bei dem obersten Befehlshaber des Londoner Bezirks, General Grant, mag im gewissen Sinne privat sein, dürfte aber vielleicht mit dem Zustand der Londoner Luftverteidigung in Zusammenhang stehen. Hiller in Neudeck. Berlin, 21. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Reichs- kanzler Adolf Hitler hat sich nach N e u d e ck begeben, um dem Reichspräsidenten über die Zusammenkunft in Venedig zu berichten. Ribbentrops Besprechungen in Paris. Paris, 21. Juni. (DNB. Funkfpruch.) Der deutsche Abrüstungsbevollmächtigte v. Ribbentrop, der sich seit einigen Tagen in Paris aufhält und u. a. mit dem Ministerpräsidenten Dou- m e r g u e und Außenminister B a r t h o u Besprechungen hatte, stattete am Mittwoch dem General- rneinschaft stellen. Für Erfüllung der uns vorn Führer gegebenen Aufgaben brauchen wir Kraft — Kraft durch Freude!, die uns aus unserer Volksgemeinschaft und ihren hohen Festen kommt. Im Bewußtsein dieser Aufgabe rufe ich die in der Deutschen Arbeitsfront organisierten deutschen Arbeitsmenschen aller deutschen Stämme und Stände auf, in den lebendigen Zellen ihrer Betriebs- und Lebensgemeinschaften das Fest der deutschen Sonnenwende zu begehen! Aus dem Erlebnis des um die Feuer versammelten deutschen Volkes wollen wir einen Schritt auf dem Wege zum neuen deutschen Volkstum vor- wärtstun. Heil Hitler! Gez.: Dr. Robert Ley Stabsleiter der PO. und Führer der Deutschen Arbeitsfront. Feuer flammen über Deutschlands Höhen. Auf dem Brocken, 21.Juni (DNB.) Aus dem Herzen Deutschlands, vom Brocken herab, wurde in der Nacht zum Donnerstag durch Entzünden hoher mächtiger Holzstöße das Signal gegeben zu einer in Westfalen verlaufenden Kette von H ö h e n f e u e r n , die bis an die äußersten Grenzen des Reiches nach Norden und Süden, nach Osten und Westen auf den Bergeshöhen brennen. Taufende von Volksgenossen waren zum Brocken geeilt, um dem feierlichen Akt der Entzündung beizuwohnen. Gegen 22 Uhr traf der Stabsleiter der PO. und Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley ein. Don der Nordsee, aus dem Süden, aus Ostpreußen und aus dem Westen kamen SA.-Führer, kamen die Stoßtrupps von Volkstum und Heimat. Dr. Werner Haverbeck sprach über die Ziele der deutschen Jugend. Nach ihm ergriff Dr. Ley das Wort. Er trat an den Holzstoß heran und sprach: „Jungmannen, laßt das Feuer emporlodern, bamit die Flammen von Berg zu Berg durch das feftetär des Quai d'Orsay, Leger, einen Besuch ab. Unangebrachter Protest derTreuhänder der 8oung- und Oawesanleihen. Berlin, 20. Juni. (DNB.) Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich als Treuhänder für die Poung-Anleihe und die Treuhänder für die Dawes-Anleihe haben bei der deutschen Regierung wegen der vorläufigen Einstellung des Zinse n d i e n st e s der beiden Anleihen Verwahrung eingelegt. Wenn die Treuhänder für die Dawes-Anleihe dabei von einem offensichtlichen Bruch eingegangener deutscher Verpflichtungen sprechen, so bedeutet das ein vollständiges Verkennen der Sachlage, die vor aller Welt offenbar ist und, wie in der deutschen Transfernote ausgeführt ist, dazu zwingt, formelle Verpflichtungen mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen. London, 20. Juni. (DNB.) Ein konservatives Mitglied fragte am Mittwoch im Unterhaus den Schatzkanzler, ob er zur Erhöhung der Devisenbilanz zugunsten Großbritanniens Schritte tun werde, um die Ausgaben britischer Touristen in Deutschland zu beschränken. Von feiten der Regierung wurde erwidert, daß der Schatzkanzler diesen Vorschlag erwogen habe, aber nicht glaube, daß es wünschenswert sein würde, ihn anzunehmen. Die Ausgaben britischer Reisender in Deutschland erhöhten Deutsch 1 ands ausländische Devisenvorräte und erleichterten die Bezahlung seiner Auslandsschulden. Deutsche Reich eilen, damit sie künden von unseres ganzen Volkes Wollen." Mit diesen Worten wurde eine Fackel in den Holzstoß gestoßen, der gleich daraus durch den brausenden Sturm, der auf dem Brocken herrschte, zu mächtiger Flamme empor- loderte. Mit dem Gesang „Flamme empor!" fand die Feier ihr Ende. Da viele der Erschienenen nicht um das Feuer gruppiert werden konnten, wurde Dr. Ley gebeten, vom Balkon des Brockenhotels noch einige Worte an die Hunderte von NSBO.- und Arbeitsdienstlager-Abordnungen zu richten. Dr. Ley zeichnete den Weg der Deutschen aus der Zeit nach dem Schandfneden von Versailles bis zur nationalsozialistischen Revolution und hob hervor, daß sich die Erziehung des Volkes besonders auf die Erhaltung des Ehrbegriffes richten müsse; denn ein Volk ohne Ehre sei kein Volk. Dr. Ley schloß seine Ansprache mit einem Siegheil auf das Vaterland und den Führer. Umtauschen oder Zeichnen nur noch heute! DNB. Berlin, 20. Juni. Jeder Besitzer von „hilserd 1 ng"- Anleihe und von „Neu - besitz" muh spätestens am Donnerstag diese Anleihe in die 4prozentige Anleihe des Deutschen Reiches von 1 9 3 4, die erste Anleihe des nationalsozialistischen Staates, umtauschen. Nach dem 21. Juni wird für Neubesih kein Kurs mehr festgestellt. Wer die s i ch e r st e, von der nationalsozialistischen Regierung gewähr- leistete Geldanlage sucht, kann noch bis Donnerstag die 4prozentige Anleihe des Deutschen Reiches von 1934 zum Kurse von 95 Prozent bat zeichnen. Erhöhung der Milärdienstzeit in Frankreich? Von unserem ständigen v. G.« Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten? Paris, 19. Juni 1934. Die französische Kammer hat wieder neue M i l- liarden für den Ausbau der Landesverteidigung bewilligt. Nachdem Frankreich in der viel besprochenen Note vom 17. April an die englische Regierung offen festgestellt hatte, daß eine Abrüstung nicht mehr in Frage käme, wird sich niemand über die neuen Nachtragskredite wundern. Es muß aber hervorgehoben werden, daß die Kammeraussprache viel weniger den angeforberten Summen galt, als der Frage einer Dienstzeit - erhöhung. Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit ist von der Rechten schon seit geraumer Zeit gefordert worden, und die Befürchtung, daß die Regierung sich dieses Begehren zu eigen machen könnte, hatte im Lande eine gewisse Beunruhigung hervorgerufen. Die Linksopposition betrachtete die von der Rüstungspresse mit allen Mitteln unterstützten Alarmrufe vor den angeblich gefährlichen deutschen Rüstungen in vieler Hinsicht als Stimmungsmache, um das Land für eine Wiedereinführung einer längeren Dienstzeit vorzubereiten. Trotz der von zuständiger Seite erfolgten Erklärungen, daß die Erhöhung der Dienstzeit auf zwei Jahre zunächst nicht vorgesehen fei, waren die Gerüchte nicht verstummt, nach denen der Generalstab die Vorbereitungen für eine entsprechende Abänderung des bestehenden Militärgesetzes bereits getroffen fyabe. Wie aktuell diese Frage ich, hat die Verhandlung des Parlaments über die Nachtragskredite erneut bewiesen. Es bestand von vornherein kein Zweifel darüber, daß sich eine große Mehrheit für die angeforderten 3,120 Milliarden finden würde; die Länge der Kammeraussprache ist daher nur dadurch zu erklären, daß die Linksparteien einschließlich der Radikalsozialisten Gewißheit über die künftigen Absichten der Regierung haben wollten. So deutlich Die Frage nach der Dienstzeit aber von den Rednern der Opposition und von den Radikalsozialisten gestellt worden ist, hat der Ministerpräsident sich keineswegs festgelegt, sondern die vielsagende Antwort erteilt, daß die Regierung noch keine Zeit gefunden habe, sich mit dieser Frage zu befassen und keine Entscheidung ohne die Kammer treffen werde. Doumergue fügte hinzu, daß das Parlament befragt werden würde, auch wenn es in den Ferien fein sollte. Das heißt soviel, daß die Regierung sich vorbehätt, die Kammer doch um Zustimmung zu einer Erhöhung der Dienstzeit zu ersuchen, und zwar erforderlichenfalls noch vor dem ordentlichen Wiederzusammentritt, der für den Oktober vorgesehen ist. Es ist kein Zufall, daß die Aussprache über Das politische Ringen im Donauraum. die NachLragskredite an die Stelle der eigentlich vorgesehenen und dann bis nach der Rückkehr Barth ous von seiner Balkanreise verschobenen außenpolitischen Beratung getreten ist, Darin liegt der Beweis, daß die Leiter des heutigen Frankreichs den Schlüssel der Außenpolitik in der militärischen Macht st ellung Frank- r e i ch s sehen. Die Regierung konnte es nicht verhindern, daß ihr vorgeworfen wurde, das Bei- spiel zum Wettrüsten gegeben zu haben und auf einen Krieg loszusteuern, nachdem sie nun einmal das Steuer in der sogenannten Abrüstungspolitik herumgeworfen hat. Freilich hat der Ministerpräsident daraufhin feierlich erklärt, daß Frankreich nie einen Angriffskrieg — und nenne man ihn auch „Präventivkrieg" — fuhren wolle. Der Widerspruch zwischen der vielgerühmten Sparpolitik, die zur Kürzung der Ansprüche der Kriegsteilnehmer geführt hat, und der Anforderung von neuen Militärkrediten ist natürlich nicht unberührt geblieben, trat aber in den Hintergrund, weil man in Frankreich die öffentliche Meinung für derartige Sprünge beizeiten reif zu machen versteht. Selbst Daladier, der im Namen seiner Partei für die Bewilligung der Vorlage eintrat, konnte nicht umhin, darauf hinzuweisen, daß Frankreich durchschnittlich 12 Milliarden für militärische Zwecke verausgabt habe, eine Summe, die von keinem europäischen Staat erreicht werde. (Das gilt natürlich erst recht für die Summen, die allzu oft über diesem Durchschnitt liegen!) Im Mittelpunkt der zweitägigen Verhandlung stand die ausführliche Rede Daladiers,-der hier als Fachmann zum ersten Male seit seinem Sturz wieder jeine Stimme von der Tribüne hören ließ. Er zeichnete ein klares Bild von dem neuen Verteidigungsplan Frankreichs. Seinerzeit habe gegolten, zwischen der offensiven Taktik zu wählen, die ohne das Marnewunder zur Vernichtung Frankreichs geführt hätte, und einem System defensiver Grenzbefestigungen, die geeignet wären, den Feind mindestens solange aufzuhalten, bis die Mobilmachung erfolgt sei. Man entschied sich für das letztere. Hier wiederum war ein Kompromiß notwendig, da einerseits die Anlage von wenigen besonders starken Festungen, anderseits der Bau von vielen leichteren Werken gefordert wurde. Man einigte sich auf den Ausbau einer befestigten Zone, die eine widerstandsfähige Deckung darstellt. Nach Daladiers Ansicht wäre Frankreich die langjährige Besetzung seines (^'bietes erspart worden, wenn es vor 1914 dieses System eingeführt hätte. Heute stehe man vor der gleichen Wahl: Stärke des Heeres oder des Materials? Aber man habe keine freie Wahl mehr: nack)dem man sich für die Defensive entschieden hätte, müsse man jetzt die Front organisieren. „Ich verstehe", sagte der ehemalige Kriegsminister, „die Opposition gewisser hoher Militärs gegen die vorgesehenen Befestigungen, aber mit dem Augenblick, wo man ein vollständiges Befestigungsnetz von Dünkirchen bis Nizza ausgedehnt hat, hat man die militärische Kunst selbst umgestaltet." Das Wohl des Landes hängt heute von dem unverletzlichen Schutzwall ob. Mit einer Dienstzeit von 18 Monaten oder 2 Jahren könne man zu der offensiven Methode ebensowenig zurückkehren, wie mit der einjährigen Dienstzeit. Als der verstorbene Kriegsminister Painleve das Gesetz-über die einjährige Dienstzeit einbrachte, habe er, Daladier, ihm selbst gesagt, daß er mit dieser gekürzten Dienstzeit 20 Divisionen nicht erhalten könne und im Jahre 1935 zu der Dienstzeit von 18 Monaten oder 2 Jahren werde zurückkehren müssen. PainlevL habe darauf geantwortet, daß die Einberufung der Zwanzigjährigen, die von allen Aerzten angenommen worden sei, die Bereitstellung einer Reserve gestatte, die man auf die vier kritischen Jahre verteilen werde. Dann sei später von der Kammer außerdem beschlossen worden, in den Jahren 1932 bis 1933 je einen Dienstmonat einzusparen und die dadurch gewonnenen Rekrutenmonate in den mageren Jahren auszunutzen. Schließlich habe die Kammer dann noch mit großer Mehrheit eine weitere Einsparung von je einem halben Rekrutenmonat in den Jahren 1934/35 vorgeschrieben. Hinzu komme, daß die Unterwerfung der Aufständischen in Marokko die Rückführung von 14 bis 15 Bataillonen nach Frankreich gestatte. Die Gesamtheit dieser Maßnahmen mache es möglich, in den mageren Jahren einen Durchschnitt von 210 000 Mann unter den Fahnen 3U halten, die zusammen mit den Berufssoldaten, Den Eingeborenentruppen (die in Frankreich stehen), der garde mobile, der Gendarmerie usw. zusammen einen Durchschnitt von 600 000 Mann ergeben, mit denen man die Grenzdeckung unverletzlich gestalten könne. Außerdem gestatfe das Gesetz Painleve der Regierung, ohne die Kammer zu befragen, mindestens 500 000 Mann einzuberufen (es handelt sich um die sog. „Disponibilität" der drei letzten Jahrgänge), die vor kurzem die Kasernen verlassen haben und sich in vollem Besitz ihrer körperlichen und moralischen Kräfte befinden. Wenn man aber im Oktober statt nur sieben Zwölftel der vor 20 Jahren geborenen Wehrpflichtigen acht Zwölftel ein,3ieiSn wollte, so würde die in diesem Jahr erzielte Einsparung verloren gehen und dann könnte das Land vor Die Notwendigkeit gestellt werden, die aktive Dienstzeit heraufzusetzen. Die Ausführungen Daladiers geben ein klares Bild davon, worum es gegenwärtig in Frankreich geht. Die Meinungen über die Wirksamkeit der für unübersehbare Milliarden angelegten Panzer- fette an der ganzen Grenze gehen auseinander, aber die Vertreter dieses Systems wehren sich dagegen, daß unter dem Eindruck einer Psychose das Schwergewicht der Verteidigung von der leblosen Zementmasse doch wieder auf die Blüte des Volkes verschoben werden könnte, die man gerade schonen wollte. Es erübrigt sich der Hinweis, daß in diesen Fragenkomplex auch innerpolitische, aus der unleugbaren Gärung des Landes abzuleitende Fragen hineinspielen. Nie 40-Stunden-Arbeitswoche. Berlin, 20. Juni (DNB.) Der Reichsminister der Finanzen und der Reichsarbeitsminister teilen folgendes mit: Als das Reinhardt-Programm in Kraft trat, hatten wir mehr als fünf Millionen Arbeitslose. Das Reinhardt-Programm wollte möglichst viele Volksgenossen wieder in Arbeit bringen. Deshalb entschloß sich die Reichsregierung die wöchentliche Arbeitszeit in denjenigen Unternehmungen auf 4 0 Stunden zu beschränken, die aus diesem Programm Aufträge bekamen. Die reichliche Hälfte der Arbeitslosigkeit ist inzwischen beseitigt. In einzelnen Wirtschaftszweigen besteht schon Mangel an Facharbeitern. Deshalb sind die Bestimmungen über die 40-Stunden- Arbeitswoche in Unternehmungen, die an den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beteiligt sind, nicht mehr erforbedich. Sie sind m i t sofortiger Wirkung aufgehoben worden, gleichgültig, ob die Aufträge bereits erteilt sind, oder noch erteilt werden. Ungarn will den Frieden! Eine Rede des ungarischen Ministerpräsidenten. Budapest, 20. Juni. (DNB.) Ministerpräsident G ö m b ö 3 führte in seiner Rede im ungarischen Oberhaus am Mittwoch u. a. aus, daß die internationale politische Lage gegenüber dem Vorjahre unverändert geblieben sei, da die im Vordergrund stehenden großen Fragen, wie die Frage der Abrüstung, der Wirtschaftskrise, das Problem der nationalen Minderheiten und vor allem die Revi- sionsfrage u n g e l ö ft geblieben feien. Er habe des öfteren betont, daß Ungarns Absichten durchaus friedlich seien. Die ungelösten fragen durch Krieg lösen zu wollen, wäre Irrsinn und bedeute, daß man nicht imstande sei, .die Probleme auf friedlichem Wege zu lösen. Es sei klar, daß Ungarn der kleinen Entente gegenüberftänbe, deren Ab- sichten nur dahin gingen, Ungarn wirtschaftlich in die knie zu zwingen, damit es endgültig auf seine politischen Forderungen verzichte. Daraus könne man nur die eine Folgerung ziehen: Ungarn müsse eine Politik verfolgen, die Ungarns Unabhängigkeit bewahre und es ihm möglich mache, solange abzuwarten, bis in der ungarischen Frage in Europa der nüchterne Verstand vorherrsche. Sein Bestreben ginge dahin, gestützt auf Oesterreich, Deutschland und Italien sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht Ungarn „aus der Falle herauszuholen". Die römischen Vereinbarungen bedeuteten einen Schritt nach vorwärts. Ebenso halte er die in Venedig stattgefundene Aussprache für außerordentlich wichtig. Es bestehe offenbar die Bereitschaft, die österreichische Frage zu bereinigen, die sonst eine offene Wunde Mitteleuropas bleiben würde. Man sage in B u k a r e st, der ungarische Ministerpräsident spreche über die Revision, weil er den Krieg wolle und die Revision Krieg bedeute. Für Ungarn bedeute die Revision jedoch nicht Krieg, sondern Frieden. Darin liege der Unterschied der beiden Auffassungen. Wenn man die Frage des Karpathenbeckens erftn nehme und sie vom geschichtlichen Gesichtspunkt aus betrachte, so könne man sich eine Lösung auf dem Wege einer riedlichen Revolution gut vorstellen. Dann würde nan in Bukarest unter Führung Barthous eine Lösung herausklügeln und eine günstigere Atrno- phäre mit Freuden begrüßen, vornehmlich wenn Ingarn dadurch die Möglichkeit gegeben würde, sich einzuschalten. Wenn Berlin und Rom sich untereinander ausgleichen, so würde dieser Ausgleich die Achse einer ruhigeren europäischen Politik bilden. Er halte die Freundschaft zu beiden Staaten sowohl aus politischen, als auch aus wirtschaftlichen Gründen für richtig. Auch für Oesterreich würde eine solche ausgeglichene Politik wichtig sein, weil diese die volle Unabhängigkeit Oesterreichs mit sich bringen werde. Seine Reise nach Berlin und Rom sei der Politik der Freundschaft gewidmet gewesen. Er wolle aber auch in Paris und London Freunde für Ungarn suchen. Wenn die Friedensverträge in der heutigen Atmosphäre geschaffen worden wären, wären die Grenzen sicherlich ganz anders ausgefallen. Ministerpräsident G ö m b ö s schloß den außenpolitischen Teil seiner Rede mit folgenden Worten: Europa macht eine große moralische und materielle Krise durch, und ich, der Soldat, trachte nach Frieden, weil ich um Europa besorgt bin. Ich bin besorgt, daß die Kultur Europas eines Tages zusammenbricht, wenn wir uns nicht verstehen, wenn die Atmosphäre der Jleu- rasthenie fortbestehl. Ich will daher von dieser Stelle die unbedingte Notwendigkeit des Friedens betonen, und zwar nicht nur des Friedens für Ungarn, sondern des Friedens für ganz Europa. Die Ziele der Kleinen Entente Erklärungen des Ständigen Rats. Bukarest, 20. Juni. (DNB.) Der Ständige Rat der Kleinen (Entente beendete am Mittwoch seine Arbeit. Ueber die Ergebnisse hat der rumänische Außenminister T i t u l e s c u bei einem Presseempfang, den er gemeinsam mit Benesch und Je f titsch veranstaltete, ein (Kommunique verlesen, in dem es u. a. heißt: Die drei Außenminister haben die allgemeine politische Lage gründlich geprüft. Sie waren sich im klaren darüber, daß diese Lage einige beunruhigende Symptome aufweist. Sie haben aber auch das Bestreben einiger ermutigender Anzeichen festgestellt, die sich entwickelt und verstärkt haben. Der Ständige Rat der Kleinen (Entente hat alle Entscheidungen getroffen, die angesichts der Lage notwendig find. In vier Sitzungen, die vom 18. bis 20. Juni in Bukarest abgehalten wurden, hat der Ständige Rat u. a. beschlossen: 1. Alle Anstrengungen zu machen, daß die A b - rüstungskonferenz zu einem für alle Teile befriedigenden Abkommen führt. 2. Mit allen Kräften die Organisation der Sicherheit zu unterstützen und an den regionalen Abkommen über gegenseitige Unterstützung, die augenblicklich erörtert werden, teilzunehmen. 3. Mitzuarbeiten am wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas im Einvernehmen mit allen interessierten Ländern. Zum großen Bedauern des Ständigen Rates der Kleinen (Entente erwecken einige amtliche ungarische Erklärungen den Eindruck, daß Ungarn sich selbst von einer solchen Mitarbeit ausschließen will. 4. Die Entschließung zu bekräftigen, sich der Rückkehr der Habsburger, fei es in welcher Form, durch geeignete Maßnahmen zu wider f e tz e n. 5. Die besten Beziehungen mit allen Staaten aufrechtzuerhalten und zu pflegen, vor allem mit den Nachbarstaaten und mit Polen. 6. Von der Wiederaufnahme der diplomatifchen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Rumänen und der Tschechoslowakei mit Genugtuung Kenntnis zu nehmen. 7. Von den Versicherungen der Unterzeichner des B a l k a n p a k t e s, über dessen Anwendung und von der Ratifikation des Paktes durch Rumänien und Südflawien mit größter Befriebigung Kenntnis zu nehmen. 8. Die von dem Wirtschaftsrat der Kleinen Entente in Bukarest angenommenen Entschließungen zu ratifizieren und sie den betreffenden Regierungen zur Billigung oorzulegen. 9. Die Sympathie mit dem argentinischen Kriegsächtungspakt vom 10. 10. 33 auszudrücken, den der Rat der Kleinen (Entente einer genauen Prüfung zu unterwerfen beschlossen hat. 10. Sich im September erneut in Genf zu treffen. Barthou in Bukarest. Paris, 21. Juni (DNB.-Funkspruch.) Die Pariser Morgenpresse steht heute vollkommen unter dem Eindruck des Besuches Barthous in Bukarest und der beiden Reden, die anläßlich des Essens ausgetauscht wurden, das der rumänische Außenministers T i t u l e s c u zu-Ehren seines französischen Gastes gab. Die Blätter feiern die französisch-rumänische Freundschaft, die durch nichts getrübt werden könne, und versuchen noch einmal, die Reise Barthous als ausschließlich der Organisierung des Friedens und der Sicherheit ohne Hegemoniegedanken gewidmet hinzu- stellen. Der Hauptzweck dieser Reise bestehe darin, durch eine Reihe von Pakten und Abkommen ein Netz von Sicherheitsgarantien zu spannen, das sich von der Nordostgrenze Europas über Rußland, Südosteuropa, Italien und Frankreich hin nach England hin ausdehnen solle, ohne aber angeblich eine Einkreisung Deutschlands darzustellen. Der „Petit Parisien" gibt zu, daß es sich dabei um einen sehr großen Plan handele, der zwar sehr verwickelt sei, dessen Vorbereitung aber sehr große Fortschritte gemacht habe. Kleine Entente und Oesterreich. Wien, 20. Juni. (DNB.) Der französische Außenminister Barthou gewährte auf der Fahrt von Wien nach Bukarest dem Vertreter des „Echo" eine Unterredung, in der er u. a. erklärte, es wäre irrtümlich, anzunehmen, daß die Kleine Entente in einem Gegensatz zu Oe st erreich stehe. Tatsächlich seien die Interessen der Kleinen Entente Oie Unabhängigkeit der Richter aufgehoben. Dien, 20. Juni. (DNB.) Die Abendpresse hebt hervor, daß in dem neuen Uebergangs-Verfassungs- gesch, das am 1. Juli in Kraft tritt, die Unabhängigkeit der Richter aufgehoben worden ist. Die „Neue Freie Presse" schreibt, es habe sich gezeigt, daß ein kleiner Teil von Richtern in seiner politischen Haltung nicht jene Linie einnehme, die im Interesse des österreichischen Staates und seiner gegenwärtigen Aufgaben liege. Die bisherigen Verfassungsbestimmungen über die Unabhängigkeit der Richter hätten einem Zugriff der Staatsgewalt hinsichtlich der Person der Richter im Wege gestanden. Aus diesem Grunde würden zunächst für ein halbes Jahr die Bestimmungen über die richterliche Unabhängigkeit aufgehoben, um Gelegenheit zu geben, jene Richter im administrativen Wege auszuschalten, die, auf der richterlichen Unabhängigkeit bauend, sich gegen das Staatsinteresse vergangen hätten. Es ist höchst bemerkenswert, daß somit die österreichische Regierung die richterliche Unabhängigkeit, eine der grunblegenften Bestimmungen eines jeden modernen Staates, als gegenwärtig unbequem empfindet. Es dürfte kaum eines anderen Beweises für die eigenartigen Zustande im heutigen Oesterreich bedürfen als eine derartige Maßnahme, die an den Grundrech- ten her Rechtsprechung rüttelt. Rektoratswahlen an der Wiener Universität ausgesetzt. Wien, 20. Juni. (DNB.) Die für Mittwoch festgesetzte und mit großer Spannung erwartete Wahl des Rektors an der Wiener Unioer si- t ä t mußte im Hinblick auf die noch unüberbrückbaren politischen Schwierigkeiten verschoben werden. In den Vormittagsstunden traten die Rektoren sämtlicher Wiener Hochschulen unter Teilnahme eines Regierungsvertreters zu einer streng vertraulichen Sitzung zusammen, in der über die Sage beraten wurde. Der Konflikt zwischen den Hochschulen und der R e g i e r u n g hat sich in den letzten Tagen außerordentlich zugespitzt. Die Regierung hat ausdrücklich wissen lassen, daß sie die Wahl eines ihr nicht genehmen Rektors unter keinen Umständen zulassen und in einem derartigen Falle unverzüglich zur (Ernennung eines Regierungskommissars schreiten werde. Um den offenen Ausbruch eines Konfliktes zu verhindern, find daher jetzt unter der Prvfessvrenschaft Bestrebungen im Gange, anstelle des bisher meist genannten Kandidaten Professor Othmar Spann den bekannten Völkerrechtsprofessor Hold zum Rektor zu wählen. Die Vorgänge bei der Rektorwahl sind bezeichnend für die wahre Simmung, die heute auf den Wiener Hochschulen herrscht, und für die diktatorischen Methoden, mit denen die Regierung gegen bas österreichische Hochschulwesen vorzugehen entschlossen ist. Jedenfalls stoßen die Versuche, unter der Wiener Professorenschaft eine für die Regie- rung genehme Persönlichkeit zu finben, auf die allergrößten Schwierigkeiten. Schwere Sprengstoffanschläge in Vorarlberg. Wien, 20. Juni. (DNB.) Nach amtlichen Mitteilungen hat im Laufe der Nacht zum Mittwoch und der Mittwoch in Vorarlberg eine neue Welle schwerer Terrorakte eingesetzt. Im ganzen Lande ist es zu einer erheblichen Zahl von Sprengstoffanschlägen gekommen, bei denen zahlreiche Telegraphenmaste gesprengt und Telephonleitungen zerstört wurden. In der Nähe von K1 o st e r s wurden die Stützpfeiler einer Flußbrücke auf der Ersenbahnstrecke schwer beschädigt. Ferner wurde das Telephonkabel nach Innsbruck und nach der Schweiz gesprengt. Bei Weiler wurde das Telephonkabel des Staatstelephons durch eine Explosion zerstört. Der Betrieb dreier Elektrizi- tätswerke, darunter des von Feldkirch, mußte zeitweise eingestellt werden, da unbekannte Täter sämtliche Sicherungen entfernt hatten. Ferner wurde auf das Hauptpostamt Bregenz ein Sprengstoff- gleichlaufend mit den Interessen Oesterreichs. Die Kleine (Entente sei geradezu eine Bürgschaft für d i e Unabhängigkeit Oe st erreich s. Die ganze Macht Frankreichs trete für die Unabhängigkeit Oesterreichs ein, die durch den Bundeskanzler Dollfuß versinnbildlicht werde. Die Freiheit und die Ruhe Oesterreichs müßten unter allen Umständen gewahrt bleiben. Die französische Regierung werde diese Freiheit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln schützen. Ueber die Zusammenkunft von Venedig befragt, erklärte Barthou, daß er über diese Zusammenkunft bisher noch nicht unterrichtet fei. Dollfuß nach Paris eingeladen? W i e n, 20. Juni (DNB.) Der Wiener Korrespondent der „Agence Economique et Financiöre" berichtet, daß der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß bei feiner Unterredung am Bahnhof in Wien den französischen Außenminister Barthou eingeladen habe, auf der Rückreise aus Belgrad in Wien Halt zu machen. Der französische Außenminister habe diese Einladung ablehnen müssen, da er unverzüglich nach Paris zurückkehren müsse, aber er habe dem österreichischen Bundeskanzler vorgeschlagen, selbst nach Paris zu kommen, wo ihm die französische Regierung die beste Aufnahme bereiten würde. Neuwahlen in Oesterreich. Wien, 20. Juni. (DNB.) Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, hat der österreichische Gesandte in Rom, Dr. Rintelen, soeben der österreichischen Regierung einen eingehenden Bericht über die Zusammenkunft von Venedig übermittelt. Ueber den Inhalt dieses Berichtes wird selbstverständlich bei den amtlichen Stellen strengstes Stillschweigen bewahrt. Jedoch verdichten sich in hiesigen internationalen Kreisen die Gerüchte, daß der Gedanke von Neuwahlen zur Feststellung her wahren Dolksmeinung hes österreichischen Volkes bei ben !Großmächten in her letzten Zeit stark an Bohen gewonnen Habe. anschlag verübt. Heber hie Feststellung her Täter liegen bisher noch keine Mitteilungen vor. Schwere Kerkerstrafen für zwei Nationalsozialisten. Wien, 20. Juni. (DNB.) Das Stanhgericht Wien Hat am Mittwoch gegen zwei Nationalsozialisten ein in seiner Schärfe völlig ungewöhnliches Urteil gefällt. Nach sechsstündigen 23er« Hanhlungen mürben her 21jäHrige Leopolh Tann zu 12 Jahren schweren Kerkers, verschärft burch einen Dunkelarrest unb hartes Lager alle Vierteljahre, her zweite Angeklagte Anton Pressinger zu 14 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Dem Urteil liegt als für hie Verurteilung belastendes Moment die alleinige Tatsache zugrunde, baß bei ben beiden Nationalsozialisten eine Kiste mit Sprengmaterial aufgefunden wurde. Das ungewöhnlich harte Urteil des Standgerichts hat in allen Kreisen große (Erregung hervorgerufen. Während die sozialdemokratischen Anführer des Februar-Aufstandes, der Hunderte von Toten und schwere materielle Opfer zur Folge hatte, meist nur mit einigen wenigen Monaten Gefängnis bestraft wurden, jetzt bereits zu einem großen Teil begnadigt worden sind, sind die zwei N a t i o n also zial ist en, denen eine direkte verbrecherische Tätigkeit gar nicht nachgewiesen werden konnte, zu jahrelangem schweren Kerker verurteilt worden. Angesichts dieser Urteilsfällung wird auch in diplomatischen Kreisen auf den rein politischen Charakter des Standgerichtsurteils hingewiesen. Das Urteil im Grazer Sprengstoff- Prozeß. Wien, 20. Juni. (DNB.) Der Standgerichtsprozeß gegen den Nationalsozialisten Kern ging in der Nacht zum Mittwoch zu Ende. Kern, ein Vater von drei Kindern, wurde zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Das Urteil stützt sich vor allem auf die Aussage einer Zeugin, die Stern beobachtet haben will, wie er auf seinem Gut bei Soeben eine Kiste mit Sprengstoff eingrub. Kern bestritt, dies getan zu haben. Als belastend galt auch die Aussage eines Gendarmeriebeamten, her angab, daß Kerns Kinder immer mit dem Hit 1 ergruß zu grüßen pflegten. Gute Entwicklung des Steueraufkommens. B e r I i n , 20. Juni. (DNB.) Das Aufkommen an Steuern, Zöllen und Abgaben hat sich im Mai 1934 sehr gut entwickelt. Die Einnahmen aus Besitz- und Verkehrssteuern stellten sich auf 355,9 (Mai 1933: 331,4) unb aus Zöllen und Verbrauchssteuern auf 221,2 (194,3) Millionen Mark, insgesamt also auf 577,1 (525,7) Millionen Murk. Für die Zeit vom 1. April bis 31. Mai 1934 ergeben sich für die Besitz- und Verkehrssteuern Einnahmen von 684,3 (gleiche Vorjahreszeit 606,9) Millionen Mark und für Zölle und Verbrauchssteuern 490,8 (407,2) Millionen Mark. Insgesamt erreichte das Aufkommen in den beiden ersten Monaten des Rechnungsjahres 1934/35 eine Höhe von 1175,1 (1014,1) Millionen Mark. Von denjenigen Steuern, die für die Beurteilung der Wirtschaftsentwickelung am wichtigsten find, hat sich besonders die Lohnsteuer im Mai weiter gut entwickelt. Das Aufkommen überstieg mit 66,34 Millionen Mark dasjenige des gleichen Vorjahresmonats um nicht weniger als 4,9 Millionen Mark. Insgesamt erbrachte die Einkommen- st e u e r im Mai 1934 eine Summe von 96,56 gegen 91,10 Millionen Mark im Mai des Vorjahres. Das Aufkommen der Abgabe für Aufsichtsratsmitglieder betrug mit 0,64 Millionen Mark 0,10 Millionen Mark mehr als im Mai 1933. Die Umsatzsteuer entwickelte sich weiter zur vollen Zufriedenheit. Das Auskommen betrug 135,89 Millionen Mark und hat sich somit trotz der am 2. Oktober 1933 erfolgten Senkung der Umsatzsteuer der Landwirtschaft von 2 v. H. auf 1 v. H. gegenüber dem Mai des Vorjahres um 13,1 Millionen Mark erhöht. Auch bet ben Zöllen und Verbrauchssteuern ist die Entwicklung im Mai günstig gewesen. Neue Gewaltakte in Oesterreich. Vom Ginn und von der Sinngebung der deutschen Revolution. (DNB.) Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Reichsleiter Alfred Rosenberg im „Völkischen Beobachter" einen Artikel, in dem es u. a. heißt: Der Sinn einer Revolution liegt geschlossen im Wesen der Führer oder des Führers, der sie geleitet hat und nach dem Siege weiter formt. Deshalb kann das eigentliche Wesen einer ganz großen Umwälzung nur von denen wirklich erfüllt werden, die im Kampf um den Sinn einer Bewegung groß geworden sind. Es ist jedenfalls ein grundlegender Irrtum anzunehmen, daß et-roa die sogenannten rechtsstehenden Kreise an sich das gleiche gewollt hätten wie die Nationalsozialisten, nur daß sie mit einer anderen taktischen Haltung vorgegangen seien. Diese sog. taktische Haltung ist nämlich schon ein Charakterzeugnis; denn vor die Nation als Unbekannter hinzutreten und eine vollkommene Aenderung des politischen und weltanschaulichen Ledens fordern, kann nur einer mit unbändiger Charakterkraft und einem unerschütterlichen Glauben. Dagegen wird ein Politiker der gerade zu Ende gegangenen Epoche den Weg eines verschwiegen Paktierens im kleinen Kreise vorziehen, wird also außerstande sein, jenes große innere Erlebnis einer neuen Zeit wirklich zu fühlen und demgemäß zu gestalten. Er wird zwar das Wort „Reaktion" als ein hohles Schlagwort empfinden, ader nur deshalb es so kennzeichnen, rreil dieses Wort schmerzhaft ist, da es der Wahrheit entspricht. Wir haben die Revolution unserer Zeit nicht proklamiert und gemacht, damit eine überlebte Epoche unter konservativer Revolution die Wiederherstellung der Zustände vor 500 Jahren verkünden kann. Die demokratische Epoche war ein formloser Uebergang zwischen zwei typengestaltenden Mächten: zwischen dem Universalismus des Mittelalters und der völkischen Wiedergeburt des 20. Jahrhunderts. Der Sinn der nationalsozialisti- schen Bewegung ist also nicht die Herstellung irgendeines Systems, sei es auch eines Einparteiensystems, sondern ist der Sinn eines auf T 0 - ^llität ausgehenden Lebenswillens, der mit mächtiger Hand alle Gebiete des Daseins erfaßt und von innen aus neu gestaltet. Dieses heute vor unseren Augen entstehende Reich ist also auch nicht zu messen mit konfessionellen Maßstäben des 17. Jahrhunderts, sondern trägt seine Daseinsberechtigung in sich selbst. Dieses Reich ist auch nicht eine Grundlage für die eine oder andere konfessionelle Herrschaft, sondern ist der erste deutsche Nationalstaat, weil er in sich das geistige, seelische und politische Leben birgt und umschließt. Die diesseitigen Werte sind also nicht mehr religiös verbrämte Ideen, sondern die Werte des deutschen Menschen bilden eine Einheit, wie der deutsche Mensch selbst und die Volks- heit im tiefsten Grunde eine Einheit darstellen. Diese Einheit zu erleben und vielgestaltig auf allen Gebieten zu bilden, das bedeutet den tiefsten Sinn der vom Nationalsozialismus getragenen heutigen Epoche. Die Idee der Gewissensfreiheit erhält deshalb einen anderen Sinn als im Mittelalter. Die Geistes- und Willensfreiheit im neuen Deutschland beruht in der Erkenntnis, daß die größte Persönlichkeit ihren festesten Urgrund in der deutschen Volkheit besitzt, und daß diese Volkheit wieder im stärksten Menschen die Blüte und Krönung seines Selbst anerkennt. Diese Betrachtung wird jene Auslese zeitigen, die wir vom nationalsozialistischen Staat erwarten. Nach und nach wird jede wahre Leistung und jedes große Wesen sich durchsetzen. War das Bekenntnis zum Nationalsozialismus bis 1933 ein Opfer, so hat ein Bekenntnis zur NSDAP, feit 1933 vielfach als ein Vorteil gegolten. hier wird die neue Staate- und Volkserziehung eingreifen und jeden Nationalsozialisten durch Arbeit und Prüfung im Dienste von Volk und Staat zwingen, entweder ein hochwertiges Glied der Gesamtheit zu sein, oder aber zurückzutreten. Deshalb ist die nationalsozialistische Revolution von dynamischer Kraft geladen und wird diese Kraft niemals aufgeben. Jede Ruhe ist aber immer nur eine Kräftesammlung für die Gestalten- formung. Karin Görings Beisetzung in deutscher Erde. Der Dank an eine heldenhafte Frau. Berlin, 20. Juni. (DNB.) In Gegenwart des Führers, fast aller Reichs- und Staatsminister, fast aller Staatssekretäre, zahlreicher Angehöriger des diplomatischen Korps und anderer bekannter Persönlichkeiten wurde am Mittwochmittag mitten im märkischen Walde auf einer Anhöhe am Wucker- see in der Schorfheide unter Eichen, Buchen und Kiefern Karin Goering in deutsche Erde gebettet. Auf den einzelnen Stationen von Saßnitz nach Eberswalde hatte sich überall dasselbe Bild wiederholt. Ehrenaufstellung der einzelnen Formationen mit Fahnen, dazu die Anwesenheit von Hunderten von Mitgliedern der Frauenschaft und des Bundes deutscher Mädel. Kränze und Blumen häuften sich in dem Packwagen zu Bergen. Arbeiterfrauen gaben kleine, bescheidene Sträußchen ab; um damit zu be- Reichs- und Staatsminister und fast alle Staatssekretäre eingetroffen. Bald darauf erschien der Stellvertreter des Führers Reichsminister Heß und gleich danach — begleitet von Gruppenführer Brückner, Reichsprefsechef der NSDAP. Dr. Dietrich, Gruppenführer Josef Dietrich und Oberführer Schaub — der Führer. Hörnerklänge begrüßten ihn. An Ehrengästen bemerkte man den Reichsstatthalter von Bayern, General Ritter von Epp, den Reichsführer der SS. und Inspekteur der Geheimen Staatspolizei Himmler, Staatssekretär Dr. Meißner als Vertreter des Reichspräsidenten, den außerordentlichen schwedischen Gesandten a f Wirsen, Reichsbankpräsident Dr. Schacht und zahlreiche andere höhere Beamte, sowie die Geschwister des Ministerpräsidenten. Wenige Minuten von Karinshall entfernt liegt Adolf Hitler und Ministerpräsident Goering verlassen die Gruft, in der die sterblichen Reste Karin Goerings beigesetzt wurden. W Äi K * K 'JW'/t < künden, wie sie den Kampf dieser Frau verstanden haben und als Vorbild empfinden. Um 8.30 Uhr fuhr der Zug in den Bahnhof Eberswalde ein. Ministerpräsident Goering, der von seinen aus Schweden mitgekommenen Verwandten, den Schwestern Karin Goerings, Gräfin Rosen, Gräfin Wilamowitz - Möllen dorff und Frau Martin, seinem Stiefsohn von Kantzow, des Sohnes Karin Goerings aus erster Ehe, Graf Rosen und Prinz und Prinzessin zu Wied, ferner dem Polizeigeneral Wecke begleitet war, wurde auf dem Bahnsteig von Gauleiter Oberpräskdent Kube und Gruppenführer Prinz August Wilhelm begrüßt. Vor dem Bahnhof Eberswalde hatten Abordnungen aller Formationen mit Fahnen Aufstellung genommen. Unter Trauerroirbeln und den Klängen des Beetho- oenschen Trauermarsches wurde der schwere Zinksarg von acht Polizeioffizieren, acht Führern des Deutschen Luftsportoerbandes und acht Förstern auf dem Uebersührungswege getragen. Ueberall, in allen Orten, bildete fast die gesamte Bevölkerung Spalier, vielfach im Arbeitsanzug, so wie sie aus den Fabriken und Kontoren gekommen waren, um Karin Goering in ihrer zweiten Heimat, in Deutschland, 5U grüßen. In der Försterei Döllnkrug wurde der Sarg auf einen sechsspännigen Pferderoagen gehoben. Rei- iende Abteilungen der Landespolizeigruppe „Gene- V ral Goering" flankierten ihn und eröffneten und chlossen den Trauerkondukt, der sich unter den Wipfeln des märkischen Waldes nach Karins- » a [ I, dem Blockhaus des Ministerpräsibenken, in Bewegung fetzte. Inzwischen waren außer den aus Schweden mitgekommenen Trauergästen fast alle auf einer Anhöhe von Wuckersee, flankiert von Kiefern und Buchen in einer Lichtung, die von uralten Eichen abgeschlossen wird, die Gruft, die Hermann Goering seiner Lebensgefährtin bauen ließ. Germanische Malsteine, Findlinge, rahmen die Stätte, die außerordentlich stimmungsvoll und landschaftlich ganz herrlich gelegen ist, ein. Zu beidekl Seiten der Gruft waren Abteilungen der Polizei, der Jägerei und des Deutschen Luftsportverbandes angetreten, während das Feldjägerkorps die Absperrung vornahm. Unter den Klängen des Trauermarsches aus der „Götterdämmerung" wurde der Sarg vom Wagen gehoben und vor die Gruft getragen. Luthers Trutzlied eröffnete die Feierstunde, dann sprach Pfarrer D. Fendt, der u. a. ausführte: „Nun grüßt dich, Karin Goering, der deutsche Wald, der deutsche See, nun leuchten über dir die Sterne unserer Heimat, die dein zweites Vaterland wurde, das du suchtest mit feuriger Seele, für das du an der Seite deines Gatten littest, kämpftest und dich freutest bis in den Tod. Die heilige Erde Deutschlands umhüllt dich von nun an auf immer. Aus der 'großen Einsamkeit seiner Wälder rauscht dir Deutschlands Dank, Heil und Frieden zu!" Vaterunser und Segen, der Choral „So nimm denn meine Hände" schlossen die Feier. Dann klang aus dem fernen Hocywalde vom jenseitigen Ufer des Wuckersees das „Halali" der Förster. Um die Gruft herum häuften sich — gleichend einem herrlichen Blumenbeet — die Kränze, und aus flachen Schalen loderten Flammen empor. So hat Karin Goering eine Heimstatt im deutschen Walde nach alter deutscher Sitte gefunden. (Sauprcffeamtelcifer Wowerieö MdR Frankfurt a. M., 20. Juni (LPD.) Als Mandatsnachfolger für den kürzlich verstorbenen Reichstagsabgeordneten Landrat Fritz Lenge mann ist der Leiter des Gaupresseamtes Hessen - Nassau, Schriftleiter Franz Hermann W o w e r i e s , bestimmt worden. Gaupresseamtsleiter Woweries, der heute im 27. Lebensjahr steht, gehört seit 1924 der nationalsozialistischen Bewegung an. Er war zunächst Hitlerjugendführer, dann Gauredner des Gaues Thüringen und später Reichsredner. Seit Jahren schon ist er im Gau Hessen- Nassau tätig. Nack der Neuordnung im Reichsverband der Deutschen Presse wurde er mit der Leitung des Landesverbandes Rhein - Main im RDP. beauftragt. HirtsieferwegenllntreueundBestechung vor Gericht. Berlin, 20. Juni. (DNB.) Vor der 7. Großen Strafkammer des Berliner -Landgerichts begann heute der Prozeß gegen den früheren Zenlrums- minifter Hirtfiefer, der erst vor einiger Zeit in München-Gladbach zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Neben Hirtsiefer haben sich noch zu verantworten: Der Verbandsleiter Dr. Dr. h. c. Heinrich Gerlich, der Staatssekretär a. D. Prof. Dr. Dr. h. c. Adolf Scheidt, der Ministerialdirektor a. D. Hermann Peters, der Ministe-. rialdirektor i. e. R. Dr. Alexander Schneider und der Ministerialdirektor a. D. Geh. Regierungsrat Hermann Tillich. Allen Angeklagten wird Untreue, teilweise verbunden mit Anstiftung zur Untreue, Gerlich außerdem Betrug zur Last gelegt. In einer Nachtragsanklage wird Hirtsiefer außerdem passive Bestechung im Amt in zwei Fällen vorgeworfen. Nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft find von dem in enger Verbindung mit dem früheren preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt stehenden Verein „Reichszentrale, Landaufenthalt für Stadtkinder und Erholungspflege deutscher Kinder im Ausland" allein für Reisekosten der Angeklagten jährlich Zehntausende von Mark ausgegeben worden. Die Derwaltungs- kosten sollen außerdem geradezu eine phantastische Höhe erreicht haben. Den Angeklagten Hirtsiefer, Scheidt und Gerlich wird ferner Untreue und dem Angeklagten Peters Anstiftung zur Untreue bei der Beschaffung des dritten Ehrendoktortitels für Hirtsiefer vorgeworfen. Diesen Titel mußte nach der Anklage die Reichszentrale aus preußischen Geldern mit nicht weniger als 22 000 Mark bezahlen. Aus der Kasse der Reichszentrale sollen weiter Fahrgelder und Kurkosten für Parteibuchbeamte und deren Angehörige und Bekannte bestritten worden sein. Hirtsiefer wird außerdem vorgeworfen, daß er sich von dem früheren Oberbürgermeister -von Köln durch 100 Flaschen Wein, 100 Lotterielose und ein kostbares Oelgemälde bestechen ließ. Für den Prozeß ist eine Verhandlungsdauer von etwa vier Wochen vorgesehen. Die Verhandlung begegnet im übrigen keinem starken Publikumsinteresse. Im Zuhörerraum sitzt nur eine einzige Zuhörerin. Aus aller Wett <5 SL-fiM LOO ÖU 4DÄUßML2O Unfall des Dampfers „Dresden". Passagiere und Besatzung in Sicherheit. DNB. Bremen, 20. Juni. Der Dampfer „Dresden" des Norddeutschen Lloyd, der sich zur Zeit auf einer Urlauberfahrt „Kraft durch Freude" befindet, ist einige Meilen nördlich von Utfire an der norwegischen Küste durch Grundberührung leck geworden. Der nor- weaische Dampfer „Kong Haakon" hat sämtliche Fahrgäste an Land gebracht. Sie befinden sich also in Sicherheit. Der Norddeutsche Lloyd hat zur Rückbeförderung der Passaaiere feinen 13 367 t großen Dampfer „Stuttgart" beschleunigt zur Unfallstelle entsandt. Das Schiff hat Bremerhaven um Mitternacht verlassen und wird am Donnerstagvormittag an der Unfallstelle eintreffen. Der Dampfer „Dresden" hat um 21 Uhr an den Norddeutschen Lloyd gefunkt, daß ein Teil der Passagiere in Stavanger, ein Teil in Kopervik an Land gebracht worden ist. Das havarierte Schiff schwimmt, die Besatzung befindet sich an Bord. Nach einer weiteren beim Norddeutschen Lloyd eingegangenen Funkmeldung der „Dresden" hat die Besatzung das Schiff verlassen. Es sind sämtliche Fahrgäste und alle Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht worden. — Lloyds- London melden, daß sämtliche in der Nähe der Unfallstelle befindliche Dampfer angewiesen sind, dem Dampfer „Dresden" H i l f e zu leisten. Zu dem Unfall werden aus Haugesund noch folgende Einzelheiten gemeldet: Das erste Schiff, das an der Unfallstelle erschien, war der norwegische Dampfer „King Harald". Bald darauf traf der norwegische Dampfer „Kronprinzessin Marta" an der Unfallstelle ein, wo die Landung der Fahrgäste in vollem Gange war. Um 22.40 Uhr meldete der Funker der „Dresden", daß er und der Kapitän das Schiff als die letzten verlassen, und daß das Schiff dem Versinken nahe sei. Alle Passagiere und die Besatzung seien gerettet. Staatsbegräbnis für einen ermordeten Schulungsleiter der NSDAP. In Gollmütz, Kreis Schwerin an der Warthe, war der landwirtschaftliche Inspektor und Schulungsleiter der NSDAP. Kurt E l s h o l z überfallen und mit einem Fleischermesser durch sieben Stiche getötet worden. Der Führer hat nunmehr ein Staatsbegräbnis angeordnet, das auf dem Alten Friedhof in Potsdam ftattfinbet. Die Leiche des Ermordeten wird vorher in der Nikoleikirche aufgebahrt werden. Der Mörder Gregor Meißner ist festgenommen worden. Sfern-SfaffeHauf der HI. zum Geburtsort Schillers. Aus allen Teilen des Reiches wurden am Mittwoch Stern staffeln der HI. nach Marbach in Württemberg, der Geburtsstadt Schillers, gelaufen. Ein großes Sonnenwendfeuer wurde entzündet, wozu das Feuer von der ewigen Schlageter- flamme in der alten Barbaroffa-Pfalz in Kaiserswerth überbracht wurde. Aus diesem Anlaß versammelte sich am Mittwochmorgen die Düsseldorfer HI. zu einer kurzen erhebenden Feier. Unterbannführer H e i e schickte dann den ersten Läufer mit dem Feuer auf die lange Reise, die von der Barbarossa-Pfalz am Schlageter-Nationaldenkmal auf der Golzheimer Heide vorbei durch Düsseldorf nach Opladen zunächst bis Leverkusen geht, wo die Fackeln an das Gebiet Mittelrhein abgegeben werden. Riefenbrand bei einer Grube der Ilse Bergbau AG. Am Tagebau der Grube ,Zlse-Ost" der Ilse Bergbau AG. wütet feit längerer Zeit ein gewaltiger Brand, der bisher ein Gelände von etwa 400 Morgen zwischen der Bahnstrecke Senftenberg— Kottbus und dem Tagebau erfaßt hat und schon von roeither durch große Rauchschwaden.zu erkennen ist. Außer der Werksfeuerwehr mußten Löfchzüge aus Senftenberg und der ganzen Umgebung eingesetzt werden. Die Bekämpfung des Brandes gestaltete sich durch Hitze und Rauch außerordentlich schwierig. Nachdem es zunächst gelungen war, das Feuer einzudämmen, hatten starke Windstöße alsbald ein weiteres Aufflammen des Riesenbrandes zur Folge, so daß das Feuer noch weiter um sich griff. Man vermutet Funkenflug als Brandursache. Für die Grube selbst besteht keine Gefahr; jedoch wurde der Betrieb unterbrochen, um die Belegschaft bei der Bekämpfung des Feuers einfetzen zu können. Neues Grubenunglück auf Karsten-Zentrum. — Sieben Bergleute verschüttet. Am Mittwochnachmittag ereignete sich auf der 774-Meter-Sohle des Nordfeldes der K a r ft e n = Zentrum-Grube ein schweres Grubenunglück. Bei einem heftigen Erdstoß ging eine in Eisen ausgebaute Strecke zu Bruch. Unter den ein- stürzenden Gesteinsmassen wurden ein Steiger und sechs Bergleute verschüttet. Zwei in der Nähe der Einsturzstelle befindliche Bergleute wurden verletzt, davon einer schwer. Sie' konnten sofort geborgen werden. Die Rettungsarbeiten wurden sofort eingeleitet. Irgendeine Verbindung mit den Verschütteten konnte bisher nicht ausgenommen werden. Der Erdstoß — es handelt sich um ein ^genanntes tektonisches Beben — wurde im ganzen Beuthener Grubenreoier verspürt. Nach Auskunft der BergIreoierämter rourbe auf den verschiedenen Gruben nennenswerter Schaden nirgends angerichtet. Oberberghauptmann Lindemann vom Oberbergamt Breslau hat sich in Vertretung des erkrankten Berg- Hauptmannes sofort nach der Unglücksstelle begeben, um die weiteren Rettungsarbeiten zu leiten. Bei den Rettungsarbeiten auf Karsten-Zentrum wurden im Laufe der letzten Nacht der Hauer Pi.loth und der Abteilungsführer Steiger Köhl als Tote geborgen, lieber das Schicksal der noch Eingöschlossenen besteht keine Gewißheit. Die Rettungsarbeiten werden mit allen Kräften weitergeführt. Schnelle Aufklärung eines Raubmordes in Köln. Vor wenigen Tagen wurde der 25 Jahre alte Metzgergeselle Pfeifer aus Pößneck im Hause seines Meisters in Köln-Sülz tot im Bett aufgefunden. Mit einem stumpfen Gegenstand war ihm die Schädeldecke zertrümmert worden. Die Mordkommission verhaftete schon am folgenden Tage den unter dringendem Tatverdacht stehenden Fritz T h i e« fen, der mit Pfeifer im gleichen Zimmer wohnte. Thiesen legte nach anfänglichem Leugnen ein Geständnis ab. Als Beweggrund für feine Tat gab er Haß seinen älteren, ihm im Betrieb vorgesetzten Kollegen an. Er hat den schlafenden Pfeifer mit einem Hammer erschlagen. Nach der Tat nahm er die Geldbörse des Ermordeten an sich und besuchte eine Vergnügungsstätte. Er hatte dann auch noch die Unverfrorenheit, zu Hause dem Meister den Tod seines Kollegen zu melden. Japanische Kriegsschiffe auf der Suche nach den chinesischen Piraten. Die japanische Admiralität hat sämtliche in den chinesischen Gewässern weilende Kriegsschiffe angewiesen, sich an der Suche nach den chinesischen Seepiraten zu beteiligen, auch ohne Fühlungnahme mit den chinesischen Behörden. Die Suche nach den chinesischen Seeräubern wird von der gesamten japanischen Presse mit großem Interesse verfolgt. Man erklärt hier, daß bei der japanischen Admiralität der Funkspruch eines japanischen Kreuzers vorliege, der sich an der Suche beteiligte. Er habe die Hoangho-Mündung abgesucht, ohne ein Zeichen von den Seeräubern gesunden zu haben. Die chinesischen Landungstruppen hätten versucht, die Dschungel an der Hocmgko-Mündung zu durchsuchen, bis jetzt sei allerdings noch keine Spur von den Seeräubern gefunden worden. Nach den Mitteilungen der japanischen Presse seien diese Seeräuberbanden sehr gut ausgerüstet; bei einem Uebersall wurden sogar schwere Maschinengewehre ausländischer Herkunft festgestellt. Die japanische Regierung hat erklärt, daß die chinesischen Zusicherungen, China werde das Seeräuberunwesen mit den allerfchärfsten Mitteln bekämpfen, für Japan ungenügend seien; deshalb werde die japanische Regierung gezwungen sein, selbst Hilfsmaßnahmen für die Sicherheit ihrer Bürger in China zu treffen. * Den Bemühungen der englischen Kriegsschiffe ist es gelungen, von den fünf Engländern, die von chinesifchen Seeräubern gefangen und verschleppt worden waren, vier zu befreien. Sie befinden sich wohlbehalten auf einem englischen Kriegsschiff. Nach einer Reutermeldung aus Weihaiwei soll inzwischen auch der fünfte englische Gefangene sowie ein gefangener Chinese befreit worden sein. Wettervoraussage. Mit dem Zustrom kühler Luft an der Rückseite des skandinavischen Tiefs hat über dem Kontinent Barometeranstieg eingesetzt und zum Aufbau eines Hochs mit feinem Kern über Frankreich geführt. Da vorerst immer noch ozeanische Luft heranbefördert wird, tritt weiterhin wechselhafte Bewölkung auf, doch wird später der hohe Druck auch zu stärkerer Aufheiterung führen,wobei bann bie verhältnismäßig niebrigen Temperaturen etwas ansteigen. Ein vom Ozean herannahenbes neues Tief wird aber eine Festigung der Wetterlage auf längere Sicht nicht zulassen. Au ssichten für Freitag: Teils wechselnd- bewölkt, aufheiternd, noch mäßig warm, meist trocken. Aussichten für Samstag: Zunächst aufheiternd und wärmer, bann roieber Bewölkungsaufzug unb Wetterverschlechterung. Luftemperaturen am 20. Juni: mittags 18,3 Grad Celsius, abenbs 13,7 Grab; am 21. Juni: morgens 13*1 Grab. Maximum 19,5 Grab, Minimum 11,6 Grab. — Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. Juni: abenbs 17,8 Grab; am 21. Juni: morgens 15,2 Grab Celsius. — Nieberschläge 0,7 mm. — Sonnenscheinbauer 1,6 Stunben. Der HerchenhainerIohannimarkt Kundgebung auf der Herchenhaine Höhe.—Versammlung der 7000. Kt1 , S *****: M W A Herchenhain, 20. Juni. Bei prächtigem Wetter wurde am vergangenen Sonntag der Herchen- hainer Johannimarkt, der bereits seit 575 Jahren besteht, mit einer großen Kundgebung eingeleitet. Tausende von Menschen waren erschienen. SA., unter dem Vormarsch der Standartenkapelle 466, Arbeitsdienst, BdM. und HI. nahmen teil. Die Kundgebung fand an einer großen Tribüne statt, die unweit des VHC.-Ehrenmals der Gefallenen erstellt worden war. Der Kreisleiter von Schotten, Pg. K r o m m, eröffnete die Kundgebung, mußte aber mitteilen, daß der Reichsstatthalter von Hessen und Gauleiter Sprenger am Erscheinen verhindert sei. Es wurde ihm ein Begrüßungstelegramm mit Wünschen zur baldigen Genesung übersandt. Sodann hielt der Landesbauernführer Dr. Wagner eine Ansprache, in der er in seiner bekannten lebendigen Weise davon sprach, daß wir vertrauensvoll in die Zukunft blicken müßten und uns von Nörglern und Miesmachern nicht beeinflussen lassen dürften. In eindrucksvoller Weise warnte er davor, nachdem er mit den Miesmachern abgerechnet hatte, in den nächsten Wochen das Vieh abzuschlachten, weil vielleicht in den nächsten Wochen das Futter etwas knapper werden könnte. Der Bauer müsse Augen und Ohren steif halten. Ein Volk von Blut und Rasse schaffe sich den Weg zur wahren Freiheit und werde so handeln, daß es geachtet und geliebt werde von jedem aufrechten Mitmenschen. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Eine weitere Ansprache hielt Gauinspekleur, Kreisletter und kreisdireklor (kreis Gießen) pg. £Uo ff ermann. Er wies darauf hin, daß er immer mit Freude in den Vogelsberg fahre, denn er wisse, daß dort ein Vojk wohne, das liebenswert sei und sich in hartem Kampf mit der Natur abringe, was es zum Leben brauche. In seinen weiteren Worten ging er auf verschiedene aktuelle bäuerliche Fragen ein, sprach über den Arbeitsdienst, über Notstandsarbeiten usw. Wenn die Geschichte einst, so schloß er, von dem deutschen Lebenskampf schreibe, so werde sie von einem Volke von Helden zu schreiben haben, an dessen Spitze der größte Held stand: „Adolf Hitler". (Stürmischer Beifall.) Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied beschlossen die eindrucksvolle Kundgebung. Oie Abschuhpläne für die hessischen Jagdreviere. Das Staatspresseamt teilt mit: Um bis zum Erlaß eines Reichsjagdgesetzes eine pflegliche Ausübung der Jagd nach den allgemein anerkannten Grundsätzen deutscher Weidgerechtigkeit sicherzustellen und eine Gefährdung des Wildbestandes durch übermäßigen Abschuß auszuschließen, ist in Hessen in ähnlicher Weise, wie dies für Preußen das neue preußische Jagdgesetz bereits vvrgeschrieben ist, durch Bekanntmachung vom 19. Juni 1934 bestimmt worden, daß für den Abschuß von Rot-, Dam- und Rehwild in hessischen Jagdrevieren Abschußpläne aufzu- stellen und von den staatlichen Forstämtern zu genehmigen sind. Die Abschußpläne bilden die Grundlage und den Rahmen für den Abschuß der genannten Wilüarten. Sie dürfen ohne behördliche Genehmigung nicht überschritten werden. Nach den Uebergangsbestimmungen sind die Abschußpläne in diesem Jahr erstmalig nur für den Zeitraum bis zum 31. März 1935 aufzustellen. Bis zum 1. Juli d. I. müssen die Jagdausübungsberech- tigten (Pächter von hessischen Staats-, Gemeinde- und Privatjagden) die Abschlußpläne nach vorge- schriebenem Muster bei dem Forstamt, in dessen Bezirk das Jagdrevier liegt, eingereicht haben. Die Vorlage hat bei verpachteten Gemeindejagden durch Vermittlung der Bürgermeistereien, bei verpachteten Eigenjagden durch Vermittlung der Eigenjagdbesitzer zu dem genannten Termin zu erfolgen. Werden Abschußpläne nicht rechtzeitig eingereicht, so können sie von dem Forstamt selbständig festgesetzt werden. Taqung der Kreispropaqandaleiter. LPD. Frankfurt a. M., 20. Juni. Am Sonntag fand, in Frankfurt a. M. auf Veranlassung des Gaupropagandaleiters Müller-Scheld eine Besprechung aller Kreispropagandaleiter, Kreis- Film- und Funkwarte und Kreiskulturwarte des Gaues statt. Die Tagung gewann besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Vertreters des Reichspropagandaleiters Dr. G o e b b e l s, des Pg. Fischer- München, und des Reichsleiters der Abteilung aktive Propaganda, Pg. Schulze. Bei der Tagung wurden wichtige neue Richtlinien bekannt und außerdem fand eine sich über alle Gebiete erstreckende Aussprache statt. Anschließend fuhren die Parteigenossen zur Eröffnung des Langener Stadions, das vor allen Dingen den Vertretern der Reichsleitung ausnehmend gut gefiel. Sie kehr- ften erst nach einigen Stunden nach Frankfurt zurück. Oer $oll Oppenheimer. LPD. Frankfurt a. M., 20. Juni. Der frühere Generalkonsul und Rennstallbesitzer Moritz Oppenheimer wurde wegen seines Gesundheitszustandes, wie berichtet, in die Universitätsklinik übergeführt. Der Haftbefehl gegen ihn ist aber nicht aufgehoben worden. Die Verteidigung hat erneut den Antrag auf Haftentlassung gestellt. Oie Festspiele auf dem Römerberg zu Frankfurt. * Frankfurt a. M., 21. Juni. Die Vorbereitungen zu den diesjährigen Römerbergfestspielen sind schon weit vorgeschritten. Inmitten des Platzes erhebt sich die blumengeschmückte Zuschauertribüne, die 1650 Sitzplätze umfaßt. Vor dem abgesperrten Römer finden die Proben zur „Jungfrau von Orleans" und zum „Wallenstein" erster Teil statt. Fast 1000 Mitspieler üben hier unentwegt unter der Führung und anseuernden Teilnahme des Generalintendanten und seiner Regisseure. Mit letztem Einsatz und wirklicher Begeisterung wird hier gearbeitet. Immer und immer wieder werden die einzelnen Auftritte wiederholt, bis sie den künstlerischen Anforderungen entsprechen. Schon jetzt ist der Römerberg von einer zahlreichen Zuschauermenge umlagert, die mit andauerndem Interesse dem Hin und Her der Spielgruppen folgen. Am 1. Juli wird Schillers „Jungfrau von Orleans" als Auftakt der Römerbergfestspiele in Szene gehen. Am 11. Juli findet die Premiere der Wallenstein-Trilogie statt, die an zwei Abenden hintereinander gespielt wird. Am 1. August folgt bann die Aufführung von Heinrich von Kleists „Käthchen von Heilbronn". Der genaue Spielplan ist folgender: Jungfrau von Orleans: Juli: 1., 3., 4., 7., 8., 13., 17., 24. August: 2., 6., 10., 14., 18., 20., 24., 27., 31. — Wallenstein I: Juli: 11., 14., 18.,21.,25.,28. August: 4., 8., 11., 15., 21., 25., 28. September: 1. — Wallenstein II: Juli: 12., 15., 19., 22., 26., 29. August: 5., 9., 12., 16., 22., 26., 29. September: 2. — Küth- chen von Heilbronn: August: 1., 3., 7., 13., 17., 19., 23., 30. Spielveränderungen vorbehalten. Wir rufen alle Volksgenossen des Gaues auf: Kommt zu den Römerbergfestspielen 1934. Kommt und seht! Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: I. 23.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: 1.23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. wurde heute plötzlich nach kurzem Krankenlager von uns genommen. Der Vorstand. 3680D Gießen (Löberstraße 11), den 20 Juni 1934. 3685 D Verschiedene?] 3690 D 3683 D Geest b ohnertq/änzen d! Die Beerdigung findet Montag, den 25. Juni, nachmittags 21/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Offenb. 1, 5b und 6. Der HErr rief gestern früh, von langem Leiden erlöst Fräulein Anna Uhrig im Alter von 78 Jahren, zu Sich in die himmlische Herrlichkeit. Gießen, den 21. Juni 1934. 03151 Freitag nachmittag 3 Uhr findet in der Kapelle des Neuen Friedhofs die Trauerfeier statt. Sie möchte helfen und Ihnen den Waschtag leichter machen. Eine Waschmaschi ne« schont Ihre Kräfte und spart Waschmittel. Bitte lassen Sie sich unverbindlich die verschiedenen Systeme zeigen bei J. B. Häuser Am Oswaldsgarten 3429 A Gießen - Ruf Nr. 2145/2146 Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlichen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeuenisse. die vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitertesWissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift ,,Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Großer Verdienst- durch Uebernahrne eines Kom- misstonslagers von erster Strumpf« fabrik. Zuschriften an J. Käst« Frankfurt a. M., An! der Platte 4. Heute entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden mein lieber Gatte, mein treusorgender Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Heinrich Günther kurz vor seinem 50. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N.: Frieda Günther, geb. Nolte Hans Günther Gießen (Weserstraße 15), den 19. Juni 1934. Die Beerdigung findet Freitag, l/a3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Illlllllllllllllllllllllilllll Tarnt eitfänemebl 4. Streuen kann laufend kostenlos abgeholt werden Anmachholz tm Sommer bill. Bestell, v Postt. Tamvfsägewerk Lollar B. Nuhn, A.-G. in Lollar. Illlllllllllllllllllllllilllll Heue fjeffiW Beamien-Steröetofle MniWl Einladung zur am 24. Juni 1934, vorm. 11 Itljr, im Hotel-Restaurant „Bayerischer Hof" zuGießea Bahnhofstraße 45. a. löst.Haare, Leberfleck., Muttermal. Narben, Pickel, Sommer- iuioff. usw. entf. u. Gar.!. immer. 12Jahre Braris. Frau B. Gulden. SvrechstJ>reitag Gießen, Binden- bnrgwall 15, 9—7 Uhr durchgehend. Wer lernt junge Kraft für Maschin.-Buchhaltung an? Ev. abends. Mafch. vorhanden.Schr. Angeb. u. 03147 an d. Gieß. Anz. Illlllllllllllllllllllllilllll Fräulein (Fuldaer Land) 39Jahr, häuslich, jugendliche Erschein., mit Vermögen, wünscht kathol. Herrn in sicherer Stellung zwecks Heirat kennen zu lernen. Schr.Any. unter 03149 a.d.G.A. Illlllllllllllllllllllllilllll Geschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblatter Briefumschlag# Postkarten Geschäfts karten bei Brühl, Schulstr.l Todesanzeige. Allen Verwandten und Freunden die schmerzliche Mitteilung, daß am Dienstag, dem 19. Juni, abends 8 Uhr, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester Margarete Gentner geb. NcLtermann 3684 d nach schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Josef Gentner Heuchelheim, den 21. Juni 1934. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 22. Juni, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause, Wilhelmstraße 12, aus statt. Ftir die Bvgiene der Frau für die pflege und Ernaiirooi des Kindes finden Sie in meiner Spezial-Air teilung größte Auswahl. Ferner: Taschen-Apotheken für 1.70,2.10,3.- Anto -Verbandkästen f. 12.-, 15.- Mk- Hans-Apotheken je nach Zusammensetzung Beste Verbandwatte und Binden. 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Siegfried Mein heißgeliebter, herzensguter Mann, unser lieber, braver Sohn, unser guter Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr Karl Philipp ist nach langemsch weren, mit großer Geduld ertragenem Leiden im blühenden Alter von 36 Jahren für immer von uns gegangen. In tiefstem Schmerz: Frau Paula Philipp, geb. Diekmann Familie Jakob Philipp Familie Willi Philipp • Gießen (Liebigstraße 72, z. Z. Krofdorferstraße 24), den 21. Juni 1934. Die Beerdigung findet Samstag, vormittags ll1/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. au ? I 3i 9urj -oä |d)ei Geg Ode toot hin- tisch hink nnir aus tage- Du stand! näher in ne Hasel dos i1 Die l mehr satzur tasüs solch' ausz - und adn Am deute schen M Melle -en d danter nicht i Hand! Sch die A kel ni schütze hält. 21. 91 Krieg- nis mi dinisch . Firth Flow, i Schutze ! nächtlii I schwadi den De Wa- i fen? 5 rückge! Aber : zu Zä! ten < wurde stufe lustes schehe . und mären betnur Porte n manbo« unzutzi ren u die j)। dig zu Die aus d wird i ! >n gra Schilfs Schisse aber r Meuter loszuwi einer sichte »ahrpla 'M, ba Stui «ber qu •inmaf Eet ma spater In die i ht ich Nr. 142 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Overhessen) Donnerstag, 2(. Juni M4 Tag von Scapa Zlow. Von Konteradmiral a D. Gabow. Ist bas schon 15 Jahre her, seit am 21. Juni sich gurgelnde Wasser über den Schiffen der deutschen Hochseeflotte an fremder Küste schlossen und ein deutscher Admiral furchtlos vor fassungslos wütendem Gegner stand, die heroische Tat zu verantworten? Oder fast 16 Jahre, seit eine sinn- und kopflos gewordene Masse Mensch Waffe, Ehbe und Freiheit hinwarf, ihr Leben zu retten, einem wüsten politischen Wahn nachzujagen, und sich dem Aberglauben hingab, beim Gegner stehe es ebenso, rote Flaggen würden auf den Schützengräben des Landkrieges, auf den Kriegsschiffen von Beattys Flotte wehen? Was ergreift den Deutschen an diesem Erinnerunas- tage? Die Tatsachen in Kürze: Art. 29 des Waffenstillstandes forderte die sofortige Entwaffnung der naher bezeichneten Schiffe und „ihre Internierung in neutralen Häfen ober in deren Ermangelung in Häfen der alliierten Mächte." Nur Wachtkomman- dos sollten nach der Ueberführung an Bord bleiben. Die 0-Boote würden gesondert ausgeliefert, wobei mehr als eines sich freiwillig versenkte. Die Besatzung der Flotte war revolutionär verstört, phantastisch verwildert im Taumel der Ereignisse. Eine solche Flotte dem Feinde auf Gnade und Ungnade auszuliefern, hatte die Geschichte noch keinem Volke und keinem Admiral zugemutet. Den Konteradmiral von Reuter traf der Befehl hierzu. Ihm, den Kommandanten und Offizieren wurde bedeutet, daß die Ausführung von ihrem vaterländischen Pflichtgefühl erwartet werde. Furchtbarer Kampf des Gewissens, der mit Gehorsam endete. Vielleicht keimte damals schon der letzte Entschluß den die jahrhundertalte „Instruktion für Kommandanten , die Kriegsfchiffordnung aller Nationen nicht anders kennt: Das Schiff fällt nicht in fremde Hand! —. Schweigend die furchtbare Ueberfahrt, schweigend die Aufnahme durch feindliche Flotte, die das Mirakel nicht glauben kann, ihm mißtraut und ihre Geschütze auf die unbesiegten Entwaffneten gerichtet hält. Der Befehl des englischen Führers gebot am 21. November 1918 um 15.57 Uhr, die deutsche Kriegsflagge niederzuholen und nicht ohne Erlaubnis wieder zu fetzen. Das war die Stunde des Kau- dinifchen Jochs. Wenige Tage später die Sahrt vom Firth of Forth zur verlassenen Reede von Scapa Flow, auf der die große englische Flotte solange im Schutze ihrer Sperren gelegen, in täglicher und nächtlicher Spannung. Jetzt halten ein englisches Geschwader und eine Zerstörerflottille die Wacht vor den Deutschen. Was will der Gegner mit den deutschen Schiffen? Nur Narren konnten glauben, daß er sie zu- rucfgeben werde, wenn der Friede geschlossen war. Aber die Narren von damals waren freilich nicht zu zählen. Ludwig von Reuter und fein Stab hat- ten Zeit, mit sich ins Reine zu kommen, ihnen wurde es klar, daß die Internierung nur die Vorstufe der Auslieferung ober anberroeitigen Verlustes ber Schiffe fein konnte. Das durfte nicht geschehen. Aber mit diesen Besatzungen, denen Ehre und Pflicht fo gründlich abhanden gekommen waren, die schon anfingen, sich untereinander zu befnurren? Aber da sind zum Glück die Transporte nach der Heimat, es sollten ja nur Wachtkom- mandos bleiben. So gelingt es, die schlimmen und unzugänglichen Elemente abzuschieben, die besseren und zuverlässigeren zu sammeln, wieder an die Hand zu nehmen, Verschüttetes wieder lebendig zu machen. Die Zeit verrinnt träge, schlimme Nachrichten aus der Heimat: Die Spartakuswelle wütet und wird niedergeschlagen. Das Frühjahr geht vorüber in grauenhafter Wartezeit, vom Frieden und vom Schicksal der Flotte fein Wort. Der Gedanke, die Schiffe zu versenken, nimmt festere Formen an, aber niemand darf ihn ausfprechen. Eine neue Meuterei gibt Gelegenheit, die letzten Schädlinge loszuwerden, und nun ist ber Weg frei: Am glei- fonberen Kräften unb Fähigkeiten aus, unb unter ihnen fehlte natürlich auch bas Schwimmen nicht. Der Held bes angelsächsischen Epos „Beowulf" ist ein Meister in bieder Leibesübung, er schwimmt sieben Tage lang bei einem Wettschwimmen von ber Küste feiner Heimat bis nach bem hohen Norben hinauf; auch ber Wut feiner Feinbe entrinnt er durchs Schwimmen übers Meer, wobei er noch dreißig Rüstungen mit sich nimmt. Ebenso werden die deutschen Kaiser als Schwimmer verherrlicht. Von Karl dem Großen sagt sein Biograph Einhard, er sei im Wasser so gewandt gewesen, daß es ihm keiner zuvor tat. Als Kaiser Otto II. 982 bei Cotrone von den Sarazenen geschlagen wurde, stürzte er sich zu Roß ins Meer und erreichte ein Schiff, das ihn aufnahm. Friedrich . Barbarossa wurde seine Freude am Schwimmen zum Verhängnis, denn er ertrank dabei im Flusse Kalykabnus. Ueberhaupt gehört das Schwimmen im Mittelalter zu den ritterlichen Künsten, die jeder, der auf feine Kultur Anspruch machen wollte, gelernt haben mußte. Diese altdeutsche Schwimm-Herrlichkeit erhielt sich noch bis ins 15. Jahrhundert. Dann aber wurde das Schwimmen nicht nur wegen der vielen U n • fälle, die dabei vvrkamen, sondern auch wegen der angeblichen Unfittlidjfeit des nackten Badens im Fluß bekämpft und verboten. So schreibt z. B. Walter R y f f in feinem 1550 erschienenen „Spiegel der Gesundheit": „Das Baden ist bieserzeit gänzlich aus der Gewohnheit gekommen, denn niemand gebraucht mehr das kalte Baden, außer der unerzogenen mutwilligen Jugend zur Sommerzeit mehr der Kurzweil und Lust halber, auch um Schwimmen zu lernen, denn aus Notdurft." Damals wandten sich zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten, darunter auch Zwingli, gegen die chen Tage, an dem ber Transport abgeht, am 17. Juni 1919, erfolgt die geheime Anweisung an alle Schiffe, diese zu versenken auf besonderen ^bfuhrungsbefehl. Am 20. Juni heißt es in der „Times", die deutschen Schiffe sollen „verkauft" werden. Am 21. Juni wird ber Waffenstillstanb ab- jaufen. Soweit ist ber beutsche Befehlshaber burch Vertrag unb Befehl gebunden. Danach ist er frei. Der Waffenstillstand wird um zwei Tage verlängert, abek das weiß man in Scapa Flow nicht. Der Tag zieht herauf in warmer Sonne, das englische Geschwader ist in See, die Gelegenheit günstig wie nie. Schlag 12 Uhr weht das Signal, das in geheimer Bedeutung lautet: „Schiffe sofort versenken." Gurgelnd schießt bas Wasser in Bvbenventile unb Kondensatoren und Torpedoräume, alle Schotten sind auf, Luken, Seitenfenster und Ausgänge weit geöffnet. Boote sinken herab und bergen die Besatzungen, die stumm ihrem Werke zusehen, dem Kentern und Verschwinden der großen und kleinen Schiffe unter wehender Kriegsflagge. Das englische Geschwader braust heran, die Bewachung schießt hemmungslos zwischen das Häuflein Deutscher, Korvettenkapitän Schumann und acht Getreue, deren Andenken eine Gedenktafel in der Garnison- kirche zu Wilhelmshaven bewahrt, fallen den Kugeln der Panik zum Opfer. Aber bas Werk ist vol- lenbet, unb heute ist fein 15. Jahrestag. Was sagt uns bte Tat? Sie sagt uns: Scapa Flow ftanb an ber Schwelle ber nationalen Wieberbesinnung. In biefer Hanb- lung bäumte sich ber betäubt gewesene Frontgeist auf, bie Nebel bes Umsturzes unb ber Unehre wichen aus vielen Köpfen mit biefem Beispiel vor Augen. Freikorps, Marinebrigaben unb Scapa Flow standen nebeneinander, die Bahn zu brechen, auf der die Stürme des Dritten Reiches sich zusammenfanden, ein neues Haus zu gründen und mit einem neuen Geschlecht zu erfüllen. Aus dem ehrenvollen Grad aber stieg neues Leben unb Jugenbkraft in Gestalt ber heutigen Reichsmarine, bie unverzagt ins Morgenrot blickt. Professor Zielinskis Gegenbesuch in Berlin. < l Professor Zielinski von ber Universität Warschau bei seinem Vortrag, ben er in der Berliner Universität über das Thema „Der polnische Bauer in der Geistesgeschichte und Dichtung Polens" hielt. Reichsminister Dr. Goebbels empfing gestern nachmittag Professor Zielinski. Englischer Kriegsschiff-Besuch in Swinemünde. W MX; Mi ■ hV! W WW Die fünf englischen Zerstörer „K e m p e n f e 11", „Cicero y", „V e g a", „D o n i t i a" unb ,,C a l o r o u s" liefen zu einwöchigem Besuch in ben Hafen von Swinemünbe ein. Die Zeit ipres Dortigen Aufenthalts ist mit einem umfangreichen Programm gesellschaftlicher unb sport- hrtjer Veranstaltungen ausgefüllt. Die Zerstörer finden um so größeres Interesse seitens des deutschen Publikums, als sie zur Besichtigung freigegeben sind. Wie die Deutschen das Schwimmen lernten ft Eine kulturhistorische Betrachtung zur Reichs-Gchwimmwoche. Die Reichs-Schwimm-Woche soll jedem klar machen, daß das Schwimmen nicht nur ein beliebter Sport, sondern eine Notwendigkeit ist, so gut wie Gehen und Laufen. Wir knüpfen mit dieser Forderung an eine alte Ueberlieferung an. Die Germanen waren ursprünglich als Schwimmer berühmt. Cäsar berichtet von dem Baden der Sueben im Fluß und erwähnt an anderer Stelle, daß alle Germanen schwimmen könnten und daß die ganze Jugend, Mädchen und Knaben, miteinander badete. Nach T a c i t u 5 waren die Bataver so hervorragende Schwimmer, daß sie mit Pferd und Waffen in geordneten Scharen mitten burch den Rhein ziehen konnten. Die Franken burch- querten auf ihren Schilden die Rhone, und denselben Brauch hatten bie Alemannen. Die Römer lernte biefe ausgezeichnete Tüchtigkeit der alten Deutschen in verschiedenen Kämpfen zur Genüge kennen, denn den germanischen Kriegern gegenüber gab es keine Deckung durch einen Fluß; sie stürzten sich in die Fluten, schwammen hindurch unb waren sofort zum Angriff bereit. Als bann bie Germanen m ben Heeresbienst ber Römer traten, machten biefe sich ihre Schwimmkunst zunutze. So mußten sie zum Beispiel ben anberen Solbaten voran über den Tigris schwimmen, unb Kaiser Habrian hob die Tat bes Batavers Soranus rühmenb hervor, ber, angetan mit feiner schweren Rüstung, bie Fluten ber Donau durchquerte. Die Idealbilder der Helden stattete das germanische Volk mit be- Notizen aus der Lust. Meine Chronik einer Flugzeugreise Hamburg-Kopenhagen. Von Heinrich Hauser. Nichts kann die Phantasie mehr anregen als ein Fahrplan. Sieht man die Züge nach Kopenhagen nach, bann wird der Blick ganz unwillkürlich weit: elf Stunden fährt der D-Zug. Wenn man dann aber auf ben Flugplan sieht, bann meint man auf einmal kurzsichtig zu sein: kurz vor zwölf Uhr startet man in Hamburg, um zweieinhalb Stunben später in Kopenhagen zu lanben: sozusagen gerabe in die Suppe hinein. Verändert hat sich der Flughafen in Fuhlsbüttel, seit ick ihn zum letztenmal sah. Das ist ein großer Bahnhof geworden, mit einem langen Blick in die Zukunft gebaut. Und während ich als einziger Passagier und Gast durch diese weiten Hallen gehe, da denke ich, daß es doch schade ist, daß alles so schnell ins Große wächst. Wie schön war die Zeit, wo Flugplätze nur ein paar Wellblechschuppen trugen! Wo man mit dem Gefühl, alle Höhen ber Zivilisation erreicht zu haben, in bem winzigen Kasino ber Flieger eine Tasse Kaffee trank. Wo man sich mit unenblidjer Vorsicht, um kein Loch in bie Leinwanb ber Tragfläche zu treten, in die offene Karosserie quetschte. Wo man davor gewarnt wurde, mit den Händen die Drähte der Steuerung festzuhalten. Wo man seinen Piloten die Hand schüttelte mit einem Blick, der treu um gute Aufbewahrung unseres Lebens bat. Jawohl, so war das vor 10 Jahren; aber vielleicht mar es bloß schön, weil wir damals jünger waren. Weiß Gott, ich bin der einzige Passagier. Wir starten, in dem vertrauten Rumpeln über den harten Boden sehe ich mich ein bißchen um. Da liegen in den Gepäcknetzen Schwimmwesten, weil wir doch über ein paar Stückchen Ostsee fliegen; und in der Decke ist ein weißes Quadrat, darauf steht „Notausgang". Es hat etwas lächerlich Beruhigendes, so ein Schild; man denkt: „Laß doch das Flugzeug in die Tiefe stürzen; ich steige einfach aus, durch Viesen Notausgang und gehe meiner Wege." Ein unerschütterlicher Glaube an behördliche Inschriften liegt uns Deutschen schon im Blut. Im übrigen, während man inzwischen längst über der Heckenlandschaft Schleswig-Holsteins schwebt, fühlt man sich wunderbar erhoben, begreift nicht, daß noch Menschen auf Eisenbahnen fahren, unb hat nichts auszusetzen außer an ber teuflisch Giftgrünen Blumentapete ber Kabine bie mehr in das Jägerstübchen eines Dorfwirtshauses als in tüi Flugzeug paßt. Man sieht, baß bie Umrisse ber Felbmarken eines Dorfes ein zackiges Vieleck formen, bem Grunbriß einer Festung ähnlich, ober einem Kristall. Man sieht auf entlaubte Wölber herab unb entbeckt, baß die Bäume wirklich bas Haar ber Erbe finb. Man verfolgt bas Nivellement eines Gelänbes an ben unglaublich klar gezeichneten Winbungen ber Bäche. Wir nähern uns einer großen roten Ziegelstabt: wir überfliegen sie, eine Seefeste, umgeben von Wasser, spitz stechen ihre Dächer zu uns auf, wie Lanzen finb bie Türme ihrer großen Kirchen, eine Märchenstabt, und ich erkenne sie: Lübeck. Einige Minuten später kommt die Ostsee uns entgegen, drohend und grau, mit einer jagenden Nebelbö. Das Flugzeug zittert unter ihrem Stoß; es senkt sich: man hört den Wind sausen durch den gedrosselten Motor. Ein Wasserstreifen scheint hinaufzugleiten, und mit einmal stellt er sich schräg, als würde eine blaue Wand errichtet — man bekommt Angst für die kleinen Boote da unten, daß sie etwa von der Wand herunterfielen. Aber nein: es ist das Flugzeug, das schräg in der Kurve liegt: unb im Augenblick, ba man vermeint, im Wasser zu lanben, treffen bie Räber auf festen Baben auf. Es rollte der Apparat mit wippendem Schwanz wie eine Bachstelze und mit stoßweise brummendem Motor vor die Flughallen von Travemünde. Man übergibt ben Paß einem streng blirfenben Sipobeamten, überlegt schnell, ob man nicht boch irgenb jemanben ermorbet hat — benn warum ist er sonst so streng unb böse?! Unb währenb man im Restaurant bei einer Tasse Brühe gefaßt feiner Verhaftung entgegensetzt, bekommt man ben Paß visiert zurück: gottlob! Wunderbar ist bie Spannung, in ber man der See entgegensieht. Wir kämpfen mit bem Winb, ber uns hart gegen ben Propeller weht. Aber warm ist es. in ber Kabine, unb siehe ba: sollte es etwa schon einen Kamin im Flugzeug geben? Warm unb rot glüht es vor mir auf in kleinen Flammen aus einer bunflen Ecke der Wand vor meinem Sitz. Nein, das ist die Funkstation, sie ist in Betrieb; und was da aufglüht, sind die Lautverstärkerlam- pen, bie sich in ben roten Kupferteilen spiegeln. Wir haben zwei Piloten und zwei Telegraphisten im Apparat — und einen Passagier: ich komme mir vor wie ein hoher Herr, der vierspännig fährt. Da ist bie See! Weiß ist ber Stranb, bann kommt die Wasserlinie in einem hellen strahlenden Grün; und wie wir sie überfliegen, vertieft sich das Grün zu wunderbaren leuchtenden Türkisfarben. Wie klein sind jetzt die Schiffe! Sie scheinen stillzustehen: nur an ihrem Kielwasser kann man sehen, daß sie fahren. Jetzt streckt sich eine Landzunge uns entgegen; sehr seltsam eine Robinson-Insel, weiß umkantet von Sand und ganz betupft mit kleinen Teichen und Tümpeln, wie mit Granattrichtern. Wenige Häuser, wenig bebautes Feld, und ganz am äußersten Zipfel steht ein altes, halbverfallenes Haus mit ein paar Bäumen, und in Gedanken nehme ich Besitz davon: das war Fehmarn. Ich spähe nach der Karte, die der Funker zwischen feinen Händen abrollt, den roten Strich des Kurses verfolgend: was jetzt kommt, hinter dem zweiten blauen Ostfeearm, ist Dänemark, ist Laaland. Und jetzt erlebe ich eine große Überraschung: nämlich ich habe geglaubt, daß man vom Flugzeug aus bie nationalen Grenzen nicht erkennen könnte. Aber hier sieht man mit vollkommener Deutlichkeit: bas ist ein anberes Lanb: diese Felder sind ganz anders geschnitten, ganz anders bearbeitet als die unseren. Länglicher im Format und glatt, wie gewalzt; und das Schema des Pflügens oder die Anlage von Dränröhren zeichnet ihnen ein Muster ein: zwei Diagonalen, die sich kreuzen; jedes Feld wie ein Briefumschlag. Aber auch die Höfe finb anbers gebaut, nämlich geschlossener. Die Gebäube stoßen in rechten Winkeln gegeneinanber. Meist liegt bas Wohnhaus in ber Mitte zwischen ben Wirtschaftsgebäuben. Auf- fallenb viele Autos kriechen auf ben Lanbstraßen wie fleißige Käfer unb zeigen vorsichtigen Charakter, wenn es um Kurven geht. Die Telegraphenstangen haben eine nationale Eigentümlichkeit: es sinb jebesmal zwei, bie, gekreuzt, sich gegenseitig stützen wie bei einem Sägebock. Seltsam ist es, wie tatsächlich jebe technische Nation ein persönliches Muster von Telegraphenstangen und Isolatoren entwickelt hat; Gegenstand einer photographischen Sammlung in meinen Mappen, ebenso wie Laternen. Und dann, muß ich gestehen, bin ich eingeschlafen, denn was wäre einschläfernder als das gleichmäßige Dröhnen der Maschine unb bie sanfte Massage des ewigen Bebens der Kabine. Ich könnte mir vorstellen, daß bie Aerzte schlaflose Patienten in bie Luft schicken unb über ihren Betten kreisen lassen. Aber man erwacht, wie bas Geräusch sich änbert; langsamer läuft bie Maschine, unb ber Körper fällt nach vorn, wie bie Nase bes Apparates im Gleitflug abwärts taucht. Durch bie linken Fenster sieht man, jäh überrascht, bie große Stabt — man , muß ihr ben abgerissenen Ausbruck geben: es ist ein Häusermeer. — Als Farbeneinbruck hell unb flach liegt sie an einem flachen Stranb, unb eigentlich sieht sie südlich aus. Weit ist bie Hafeneinfahrt zwischen kleinen Inseln, unb jetzt hält man sich fest — die Erbe stößt mit uns zusammen: wir sind gelandet in Kopenhagen. Eine Frau erforscht das unbekannte Persien. In den Jahren 1930—32 hat die Engländerin Freya Stark ganz allein, nur von eingeborenen Führern begleitet, einige Reisen durch zwei bisher kaum bekannte Teile Persiens unternommen und schildert ihre gefährlichen Abenteuer in bem soeben erschienenen Buch „Das Tal ber Assassinen", bas als ein neues klassisches Werk ber britischen Reise- Iiteratur begrüßt wirb. Ihr Hauptziel war, bie geheimnisvollen Bergfesten in ben roilben Klüften des Elbrus zu erforschen, in benen im Mittelalter bte geheimnisvolle Sekte ber Affaffinen ober Mör- der ihre Sitze hatte. Es glückte ihr auch zu ben beiden Hauptburgen vorzubringen, ber Feste Ala- mut, von ber schon Marco Polo so viel vom Hörensagen erzählte, unb ber Burg Lamiasar, beren genaue Lage bisher unbekannt war. Persien ist ja ein Land, bas noch immer nicht völlig erforscht unb kartographisch ausgenommen ist. Es gibt viele Gebiete unb Winkel, bie nur ben Ein^borenen bekannt finb, unb Miß Stark hat burch ,yre Forschungsreise der Erdkunde bedeutende Dienste geleistet, die durch Verleihung ber Mebaille ber Britischen Geographischen Gesellschaft anerkannt würben. Sie brachte für ihre Aufgabe unerschütterlichen Mut, Geistesgegenwart in allen Lagen, größte Be- bürfnislofigteit unb scharfe Beobachtungsgabe mit. Nichts kann sie aus ber Ruhe bringen, nichts entgeht ihrem Blick, unb gerabe^Äs Frau hat fie in biefem abgelegenen Teil bes Orients viel gesehen, was einem Mann entgangen wäre. Dazu kommt eine ungewöhnliche Schilberungsgabe, die ihrer Darstellung vielfach etwas Dichterisches verleiht. Selbst als sie in dem einsamen Rudbar-Gebirge länger^Zeit, nur von einem treuen persischen Führer begleitet, in schwerer Krankheit darniederlag, verlor sie nicht den Sinn für die landschaftliche Schönheit ihrer Umgebung. Den Höhepunkt ihrer Darstellung bildet zweifellos die Beschreibung der Burg von Lamiasar. Als im Jahr 1256 Hulagu Khan auf seinem Marsch zur Eroberung Bagdads es für notwendig fand, sich der Affaffinen zu ver- sichern, die das nördliche Persien beherrschten, nahm er zuerst Alamut, aber die Festungen Girdkutz unb Lamiasar roiberftanben ihm sechs Monate. Alamut ist in letzter Zeit öfters von Europäern besucht worben. Die genaue Lage von Lamiasar aber war unbekannt. Dieses alte Schloß war ber Schauplatz für bas unheimliche unb romantische Treiben ber geheimnisvollen Sekte, bie von bem „Alten vom Bertze" geleitet würbe. - ■ ■ y kalten Flußbäder und bas Schrvlnimen. Dabel erhielt sich in der Schweiz diese Kunst noch am längsten, und in den Schweizer Schwimmbräucken schimmert noch lange eine Erinnerung an das Urgermanentum hindurch. Im 17. Jahrhundert trifft man immer häufiger auf Verbote des Badens durch die Behörden; auch in den Schulordnungen wird es der stets ausgelassenen und wagehalsigen Jugend strengstens untersagt. An erster Stelle steht dabei die Furcht vor dem Ertrinken. Die allgemeine Kenntnis des Schwimmens war damals schon soweit zurückgegangen, daß man dem Durchschnittsmenschen nicht mehr zutraute, er könne sich ohne Gefahr in einem tieferen Fluß oder See über Wasser halten. Zur Goethe-Zeit war das Schwimmen ganz aus der Mode gekommen, und die Grafen Stolberg erregten bei ihrer gemeinsam mit Goethe unternommenen Schweizer Reise durch Schwimmen in den Flüssen das größte Aergernis. „Ich selbst will nicht leugnen", sagt Goethe in „Wahrheit und Dichtung", „daß ich mich im klaren See zu baden mit meinen Gesellen vereinte, und, wie es schien, weit genug von allen menschlichen Blicken. Nackte Körper jedoch leuchten weit, und wer es auch mochte gesehen haben, nahm Aergernis daran." Goethe nennt im Anschluß daran das Baden km Freien eins der damaligen Verrücktheiten, die aus dem Begriff entstanden, man müsse sich in den Naturzustand zurückversetzen. Immerhin gab R o u s s e a u s Ruf „Zuruck zur Natur" den Anstoß zur Wiederbelebung der alten deutschen Schwimmkunst. Besonders waren es die Jugenderzieher, die unter den Knaben, die niemals ganz auf die Freude einer kräftigen Bewegung im kalten Wasser verzichtet Hatten, den alten Sport neu entfachten. Einer der Väter des modernen Turnens, Guts-Muths, arbeitete die Methode des Schwimmunterrichts mit Schwimmgürtel und Angel aus. In den Erziehungsinstituten wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Schwimmen eingeführt. Es fanden Dauer- und Wettschwimmen statt. Ueberall entstanden nun Fluß-Badeanstalten. Die erste große deutsche Badeanstalt wurde aus dem Rhein bei Mannheim 1777 errichtet. 1781 schuf der Wiener Arzt Ferro seine berühmte Badeanalt auf der Donau. 1877 führte der G^eral von Pfuel das Schwimmen in die preußische Armee ein, und seitdem ist es allmählich wieder eine der beliebtesten Leibesübungen geworden, wenn es auch leider immer noch nicht Gemeingut aller ift Wirtschaft. Ankauf gezogener Auslosungsrechte der Anleiheablöseschuld. Die bei der Auslosung am 4. Juni 1934 gezogenen Auslosungsrechte der Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reiches sind bestimmungsgemäß am 1. Oktober 1934 einzulösen. Wie schon in früheren Jahren werden die gezogenen Auslosungsrechte bereits vor dem Fälligkeitstage, und zwar vom 2. Juli 1934 ab, unter Abzug eines zum jeweiligen Reichsbankdis- kontsatz zu berechnenden Diskonts frei von Provision angetauft werden. Der Ankauf der freien Stücke erfolgt durch die Reichsbankanstalten. Die Inhaber der Auslosungsscheine. die vor dem 1. Oktober 1934 in den Besitz des Einlösungsbetrages kommen wollen, können schon jetzt ihre Stücke der nächstgelegenen Reichsbankanstalt zum Ankauf übergeben. Die Auszahlung des Einlösungsbetrages (unter Abzug des Diskonts) erfolgt nach Prüfung der Stücke vom 2. Juli 1934. Der Ankauf der ausgelosten Schuldbuchforderungen erfolgt zu denselben Bedingungen durch die Reichsschuldenverwaltung. Durch diese Maßnahme wird den Inhabern der gezogenen Auslosungsrechte ermöglicht, den Einlösungsbetrag noch zur Zeichnung auf die 4-v. H.-Anleihe des Deutschen Reiches von 1934 zu verwenden, da die Frist für die Einzahlung der Zeichnungsbeträge erst am 4. Juli 1934 abläuft. Frankfurter Börse. Nachgebend. Frankfurt a. M., 20. Juni. An der Börse ist mit dem Beginn der neuen Woche eine wesentliche Beruhigung eingetreten, die sich im heutigen Verkehr fast bis zur Geschäftslosigkeit auswirkte. Von der Kundschaft lagen Aufträge kaum mehr vor, auch die seither den Markt stützenden und belebenden Auslandskäufe auf Sperrmark-Guthaben scheinen erschöpft. Da auch besondere Anregungen fehlten, nahm die Kulisse eher weitere Glattstellungen vor, so daß das Kursniveau im großen und ganzen weiter abbröckelte. Ganz besonders still ist es am Rcntenmarkt geworden, an dem die Umsätze nur als minimal bezeichnet werden können. Trotzdem ist aber eine starke Widerstandskraft zu erkennen, die nicht zuletzt mit den Konversionshoffnungen in Zusammenhang zu bringen ist. Von deutschen Anleihen waren Neubesitz, die mit Ablauf des 21.6.34 zum letzten Male notiert werden, mit 22,95 knapp behauptet, wogegen Altbesitz 0,25 v. Sy anzogen. Späte Reichsschuldbuchforderungen und Reichsmark-Obligationen sowie Kommunal-Umschuldungs- anleihe lagen etwa behauptet. Fest notierten Stahl- verein-Bonds mit plus 1,50 v. H. angeblich auf eine günstigere Auffassung in dem bekannten Streitfall. Am Aktienmarkt überwogen dagegen die Abschwächungen. Farbenindustrie blieben jedoch ziemlich gehalten, während im übrigen Verluste von 0,50 bis 1 v. H. eintraten. Elektroaktien lagen ruhig und nicht ganz einheitlich, wobei die in den letzten Tagen stark gestiegenen sogenannten Tarifwerte meist bis 1 v.H. verloren, Siemens, Licht und Kraft u. a. aber unverändert lagen. Am Montanmarkt gingen die Kurse fast ausnahmslos zurück. Stark gedrückt waren Rhein. Braunkohlen (—6 v. 5).), ferner Har- pener (—2,5 v. H.), Gelsenkirchen, Stahlverein und Buderus (je —1,25 v. 5).), im übrigen betrugen die Rückgänge von 0,50 bis 1 v. Sy, nur Ilse Genuß lagen nur 1,40 v. Sy fester. Im einzelnen eröffneten Daimler und Bemberg je 0,75 v. Sy, Zellstoff Waldhof ca. 1,50 v. Sy niedriger, während AG. für Verkehr 1,13 v. Sy, Junghans 1 v. Sy gewannen; Südd. Zucker lagen unverändert. Im Verlaufe wurde das Geschäft etwas belebter, die Kurse neigten aber überwiegend weiter um 0,25 bis 0,50 o. H. nach unten, Siemens verloren 1 v. H., Farben 0,75 v. H. Kali Aschersleben 2 d. Sy, Reichsbank 1 v. H., andererseits gewan- nen Accumulatoren 3,50 v. Sy, Scheideanstalt 2 v. Sy Rheag 1 v.H.. , E , f. Deutsche Anleihen waren im Verlaufe gehalten, auch bei den Übrigen variablen Werten traten kaum Veränderungen ein. Stahlverein-Bonds gaben jedoch ihren Anfangsgewinn wieder ab. Pfandbriefe lagen uneinheitlich, wobei noch Rückgänge bis 0,25 v. Sy überwogen, Liquidationspfandbriefe waren ziemlich behauptet, Kommunal-Obligationen dagegen überwiegend schwächer. Stadtanleihen meist von 0,50 bis 1 d. Sy niedriger. Von fremden Wer- ten lagen Türken und Ungarn meist unverändert. Tagesgeld blieb zu 3 u. Sy leicht und unverändert. Frankfurter Abendbörse. Fran kfurt a. M., 20. Juni. Im Abendbörsen- verkehr hielt die Geschäftsstille an. Zunächst hatte es den Anschein, als ob die Verkäufe aufgehört hätten: die ersten Kurse lagen auch ziemlich unver- ändert. Später trat dann sowohl bei der Kundschaft als auch der Spekulation weiteres Realifations- bedürfnis auf, wovon besonders Farbenindustrie mit minus 1 v. H. betroffen wurden. Auch auf den anderen Marktgebieten stellten sich schließlich Abschwächungen von 0,50 bis 1 v. H. gegenüber dem Berliner Schluß ein, Harpener Bergbau verloren 1,40 v. Sy, Siemens und Schsideanstalt je 1 v. Sy Fester lagen Zellstoff Aschaffenburg mit plus 1,25 d. Sy auf die Mitteilungen in der heutigen Generalversammlung der Sanierungsfrage. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitz 0,25 v. Sy ab, Neu besitz waren gehalten. Vermehrtes Interesse zeigte sich für Stahlverein-Bonds aus dem bekannten Grunde, ohne daß das Papier nennenswert befestigt lag, aber mehrfache Schwankungen aufwies. Am festverzinslichen Markt kamen nur wenige Werte zur Notiz, von denen Franks. S)pp. Bank-Kommunal weiter nachgaben, auch sonst schien weitere Abgabenneigung zu bestehen. Von Auslandsrenten waren 4prozentige Einheitsrumänen auf 4,1750 nach heute Mittag 3,95 befestigt. U. a. notierten: Neubesitz 22,95, Altbesitz 96,50, 6 o. Sy Stahlvereins-Bonds 79,75 bis 79,65 bis 79,90 bis 79,75 bis 79,90, 6 v.H. Frankfurter Hyp. Bank K —ORH —III 84, Reichsbank 158,50, DD-Bank weitere 0,50 v.H. niedriger 61,50, Gelsenkirchen 61, Frankfurter Obst- und Gemnsemarkt. F r a n k f u r t a. M., 20. Juni. Am Gemüse- markt blieben die Zufuhren in Gurken, Karotten und Kohlrabi reichlich, in den übrigen Gernüse- .sorten waren sie ausreichend. Für Kopfsalat konnten die Preise leicht anziehen, sonst lagen sie unverändert. Das Geschäft nahm einen zufriedenstellenden Verlauf. Es erzielten: Blumenkohl (Treibhaus) I 25 bis 35, II 8 bis 20, Bohnen 25 bis 30, Steige zirka 5 Kilogramm brutto 150 bis 160, Erbsen 12 bis 16, Salatgurken (Kasten) 12 bis 30, do. holl. 18 bis 20, Einmachgurken 8, Karotten 4 bis 5, Kartoffeln alte, gelbe 50 Kilogramm 500, Erstlinge 50 Kilogramm 800 bis 825, do. ital. lange 950 bis 1100, runde 750 bis 825, Kohlrabi 3 bis 5, Kopfsalat 3 bis 6, Rettich Bdl. 3 bis 6, Stück 2 bis 5, Römischkohl 7 bis 8, Spargel I 20 bis 22, II 11 bis 13, III (Suppenspargel) 5 bis 6, Spinat 10 bis 12, Schnittlauch 20 bis 25, Tomaten, Treibhaus 22 bis 28, do. holl. 21 bis 28, do. ital. 13 bis 18, Weißkraut 9 bis 10, Wirsing 9 bis 10, Zwiebeln mit Schloten Bdl. 4 bis 5. Am Obstmarkt sind die Zufuhren in Erdbeeren gering und bei stark erhöhten Preisen war der Absatz gut Kirschen waren sehr gut, Johannis- beeren ziemlich stark und Heidelbeeren genügend angeboten. Kirschen in besserer Qualität zogen im Preise leicht an und hatten guten Verkauf, geringere wurden befriedigend abgesetzt. Nach Johannisbeeren ist die Nachfrage nur langsam. Es erzielten: Aepfel, Kiste zirka 35 Pfd. 850 bis 950 Austral., Aprikosen ya Kilogramm 15 bis 20, Erdbeeren la 50 bis 60, I 40 bis 50, II 30 bis 35, III 25 bis 28, Walderdbeeren 70, Heidelbeeren 22 bis 23, Himbeeren 30 bis 35, Johannisbeeren 12 bis 13, Stachelbeeren, rote 18 bis 20, gelbe 15 bis 18, Kirschen I 16 bis 20, II 10 bis 15, Sauerkirschen 12 bis 16, Zitronen, Kiste 150 Stück 400 bis 450. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 21. Juni. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 148 Rinder (37 Ochsen, 23 Bullen, 34 Kühe, 54 Färsen), 1047 Kälber, 92 Schafe (45 Hämmel), 716 Schweine. Es kosteten: Kälber 24 bis'48 Mark, Hämmel 27 bis 36, Schafe 24 bis 30, Schweine 35 bis 41 Mark. — Marktoerlauf: Kälber, Hämmel und Schafe ruhig, Schweine langsam. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.M., 20. Juni. Der Getreidegroßmarkt verkehrte zwar weiter in fester Tendenz, die Preise haben aber keine Erhöhung mehr erfahren, obschon das Angebot knapp blieb. Die Nachfrage ist jetzt auf dem hohen Niveau etwas ruhiger geworden: Es notierten: Weizen 207, Roggen 185 nom., Hafer 200, Weizenmehl Type 563 Festpreis- gebtet WX 28,90 plus 0,50 Frachtausglelch, do. Festpreisgebiet W VII 28,60 plus 0,50, Roggenmehl Type 610 Festpreisgebiet R VIII und R VI je 25,25 plus je 0,50, Weizenmehl IV B 16,50, Weizennachmehl 16, Weizenfuttermehl 12,25, Weizenkleie fein 11,25, grob 11,55, Roggennachmehl ohne Angebot, Roggenfuttermehl 12,50, Roggenkleie 11,75, Soya- fchrot 16,75, Palmkuchen 15,40, Erdnußkuchen ohne Angebot, Treber 15,75, Trockenschnitzel 12,25, Heu ohne Angebot, Weizen- und Roggenstroh drahtge- preßt 3, do. gebündelt 2,80 Mark. Allgäuer Käsemarkt. K e m p t e n , 20. Juni. Rahmeinkauf bei 42,5 Fett- Einheiten ohne Buttermilchrückaabe (Preisfestsetzung der Milchverbände Alpenland, Ober- und Unterland) 116 RM. Weichkäse mit 20 o. H. Fettaehalt grüne Ware (Richtpreis des milchwirtschaftlichen Verbandes Allgäu) 20 RM. Tendenz: bessere Nachfrage. Allgäuer Emmenthaler mit 45 v. H. Fettgehalt (Richtpreis des Milchwirtschaftsverbandes Allgäu) erste Sorte 70 bis 72, do. zweite Sorte 65 bis 67. Tendenz: bessere Nachfrage. Schweinemarkt in Friedberg. LPD. Friedberg, 20. Juni. Zum heutigen Schweinemarkt waren 431 Jungtiere aufgetrieben. Es wurden bezahlt für sechs Wochen alte Tiere 8 bis 12 Mark, für sechs bis acht Wochen alte Tiere 12 bis 15 Mark und für acht bis zwölf Wochen alte Tiere 15 bis 20 Mark. Der Handel war sehr lebhaft. Schach-Ecke. Bearbeitet von Otto Ben kn er. Problem Nr. 369. Von W. Pauly, Bukarest (t). Weiß 4 Steine: Kcl- Df7; Ld6; Se4. Schwarz 1 Stein: Ko5. Weiß zieht und fetzt in drei Zügen matt. Problem Nr. 370. Don I. Neukomm, Budapest. Weiß 12 Steine: Khl; Df8; Tel; Th5; Lf2; Lg8; Sb2; Sa5; Bc2, 62, e6, g3. , Schwarz 11 Steine: Ke4; DH7; Th4; Tc7; La6; Lh8; Se5; Sf3; Bc5; e2, h2. Weiß zieht und fetzt in z w e i Zügen matt. Partie Nr. 258. Ein verunglückter Gegenangriff! Aus der Meisterschaft von Deutschland in Bad Aachen. Gespielt in der XIV. Runde am 26. Mai 1934. Weiß: Weißgerber, Großrosseln (Saar). Schwarz: Schmitt, Breslau. 1. 62—64, Sg8—f6. 2. c2—c4, e7—e6. 3. Sbl—C3, 67—65. 4. Lei—g5, Sb8—67. 5. e2—e3, c7—c6. 6. Sgl—f3. (Der Abtausch c4X65 ist nicht erstrebenswert, da nach e6X65 das schwarze Spiel befreit ist.) 6. ..., D68—a5. (Die sog. Eambridge-Spvings- Variante, die von Schachmeister Pillsburn im Turnier zu Cambridge-Springs 1904 eingefüyrt wurde. Dieser scharfe Gegenangriff schafft Verwicklungen und erfordert vom Weißen genaues Gegenspiel, sonst kann er leicht in Nachteil kommen. Wenn Weiß dieser Variante aus dem Wege gehen will, dann spielt er am besten als dritten Zug Sgl—f3 und wartet mit der Entwicklung des Damenspringers noch einige Züge, bis die von Schwarz gewählte Verteidigung feststeht. Daraufhin kann der Springer beliebig nach 62 oder c3 entwickelt werden. Auch jetzt konnte Weiß noch durch 6. a2—a3 diesen Gegenangriff verhindern. Allerdings erhält dann Schwarz durch 6. ..., Lf8—e7. 7. Sgl—f3, Sf6—c4! leichten Ausgleich. 7. Sf3—62! (Die beste Entgegnung. Schlecht ist 7. Lfl—63 wegen Sf6—e4! Zwecklos ist auch 7. Lg5Xf6. Weiter nicht zu empfehlen ist 7. c4X65, da nach Sf6X65. 8. Ddl—b3, Lf8—b4. 9. Tal—cl, e6—e5! Schwarz etwas in Vorteil kommen dürfte. 7. ..., Lf8—b4. 8. D61—c2. (Nicht D61—b3 wegen 65Xc4 und Weiß verliert eine Figur.) 8. ..., Sf6—e4. 9. S62Xe4, 65Xe4. 10. Lg5 —h4. (In der Cambridge-Springs-Variante muß Weiß auf diesen Läufer besonders gut aufpassen, da er stets dem indirekten Angriff der schwarzen Dame ausgesetzt ist.) 10. ..., 0—0. 11. Lfl—e2, e6—e5. (Der Zug, der Schwarz einigermaßen befreit, hat nur den Nachteil/daß er dem Weißen nicht droht.) 12. 0—0, e5X64. 13. e3X64, g7—g5? (Dieser direkte Angriff ist in Anbetracht des noch unentwickelten schwarzen Damenflügels verfrüht und schwächt nur den schwarzen Königsflügel.) 14. Lh4 —g3, f7—f5. 15. f2—f4!, g5—g4. (Damit hat sich der schwarze Angriff bereits totgelaufen. Weiß übernimmt jetzt das Kommando!) 16. c4—c5! (Erzwingt den Abtausch des schwarzen Läufers, wodurch die schwarzen Felder im Lager des Nachziehenden schwach werden.) 16. ..., Lb4Xc3. 17. b2Xc3, b7 —b6. 18. Lg3—h4, Tf8-e8. 19. H2-h3, h7-h5. 20. h3Xg4, h5Xg4. 21. Kgl—f2, b6Xc5. 22. Tfl —hl, S67—f8. 23. Lh4-f6, Lc8—e6. 24. Lf6—e5, Ta8—68. 25. Le2Xg4!, f5Xg4. 26. Dc2Xe4. (Weißgerber führt den Angriff tadellos. Das hübsche Figurenopfer hat den letzten Schutzwall für Den chwarzen König zerstört.) 26. ..., Te8—e7. (Falls 2o. ..., g4—g3+, fo folgt 27. Kf2—gl. jNatürlich nicht Kf2Xg3 wegen Da5Xc3+.l Nunmehr droht Thl—H8+, KgS—f7. Th8—h7+ nebst matt. 27. .. Te8—e7. 28. f4—f5, Da5Xc3. 29. De4—g4+, KgS —f7. 30. f5Xe6+, Kf7—e8 nebst Dg4—g6+ und matt. Falls jedoch auf 30. f5Xe6+, Sf8Xe6, so 31. Dg4—h5+ ober Tal—f 14- und matt.) 27. Thl —h84-, KgS—H. 28. Tal—hl!, Da5Xa24-. 29. Kf2 —g3, Da2—65. (Falls 29. ..., Kf7—e8, so 30. De4 Xc64-, Ke8—f7. 31. Dc6—e4!, Kf7—e8. 32. f4—f5, Da2—65. 33. f5Xe6, D65Xe4. 34. Th8Xf8+, KeS Xf8. 35. Thl—h84- und matt.) 30. Thl—h74-, Kf7—e8. ZI. De4—g64-, Te7—f7. (Auf KeS—67 folgt Th7Xe7+ usw.) 32. Th8Xf84-. Schwarz gibt auf, da auf Ke8Xf8, Th7—hS-h nebst matt folgt! Eine gute Angriffsleistung. Lösung des Problems Nr. 367. Von Otto Würzburg. 1. Del—bl!. (Droht Dbl—b8 nebst DbS—hS-H und matt.) 1. e3—e2. 2. Dbl—b8, Kh5Xh4. 3. DbS —h24- und matt. 1. g4—g3. 2. Dbl—bS, Kh5Xh4. 3. DbS —h84- und matt. 1. .. Kh5—h6. 2. Kf5—f6. Schwarz beliebig. 3. Dbl—g64- und matt. 1. ..., Kh5Xh4. 2. Kf5—f4, Kh4-h3. 3. Dbl —hl 4- und matt. 1. ...» Kh5Xh4. 2. Kf5-f4, Kh4-h5. 3. Dbl —h74- und matt. Lösung des Problems Nr. 368. Von C. Mansfield. 1. Dc4—e2! usw. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch. Englischer Soldatenhumor. Ein Feldprediger wird von einigen Offizieren zum Frühstück eingeladen. Während sie sich die Wartezeit durch Geplauder vertreiben, erklingt in der Küche nebenan Choralgesang. „Ich freue mich, daß Ihr Koch ein solches Lied singt", sagt der Geistliche. Das ist seine Eieruhr", erklärt ein Leutnant, „drei Strophen weich, vier har t." * In einer Verwundetenkompagnie wirkt ein uralter, pensionierter Oberleutnant, den man bei Kriegsbeginn wieder ausgegraben hat. Wegen seines grauen Vollbartes wird er nur „Vater Noah" genannt. Der Ton zwischen ihm und seinen pulverdampfgewohnten Untergebenen ist recht gemütlich. Eines Tages fällt beim Appell ein alter Krieger mit schlecht geputztem Gewehr auf. Vater Noah mustert Den Nachlässigen lange durch seine Brille und sagt schließlich: . „Sie kommen mir so bekannt vor, sind Sie mcht schon früher mal bei mir aufgefallen?" „Jawohl, Sir!" „Na, womit denn?" „Pfeil und Bogennicht geputzt, Sir!" Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ITC. Berlin $rantfun a. M. Datum 19-6. 20.6. 75,5 90,5 90 89,75 90 90 90 90,5 90 89,25 89,5 150,13 149,65 96,25 96,5 95,13 95,4 95,13 95,4 86,65 89,75 9C 89,75 90,25 -I 60,75 I d -I 60 90 89,75 89,75 89,13 89,13 90 89 92,9 100,8 24,5 24,3 24,25 7,5 7,5 23,5 22,5 7,9 8 Unflattidx Note» 181 179,5 , 20 96,5 22,95 93,5 100,8 95,65 99,55 92,13 7 9 0 0 0 148,5 207 67,5 40,25 84,75 Schlußkurs 68,25 41,25 86,5 67,4 40 85 64,99 81,27 34,20 2,481 58,61 56,53 12,655 16,52 169,99 21,59 63,63 20,4 188 192 2,461 58,37 56,31 12,595 16,46 169,31 21,51 63,37 21 191 189,5 139 61 I 110 ! 126 I 96 99,75 92 96,75 23 68 48,75 46,5 78 99 49,25 235,5 97,9 42,5 14,65 123 123 167 149,75 206 69 64 69,5 50 46,25 47,5 231,25 96,75 41,13 14,5 120 120,25 164 75,5 98,75 48,25 231 97,5 41,13 14,65 120,25 121 162 96,75 23 111,13 64,13 69 49,75 47 133 49,13 64,13 66,25 20,25 191 190,75 140 94 100,65 Gchlußk. Minag- börse 48,9 64,25 »olbfcbmibt .... ÄütßerSroerfe ... Merallgeiellschaft. 7,6 6,8 7,6 6,8 7,15 5». 9. Farden.Jndustrte «chei de anstatt........ 96 99,7 92 , iRantfelber Bergbau .. Roldroerfe ....... Phonir Bergbau Rheinische Braunkohlen Rheinstahl Bereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ...... Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke Salzdetfurth 7,75 7,05 7,05 8,4 24,5 1,25 7,6 7 7,05 8,13 65,25 81,59 34,34 94 100,65 | Philipp Hohmann .... Zementwerk Heidelberg Zementwerk Karlstadt.. 47,5 64,5 110 62,75 68,25 48 45,25 131,75 48 64,9 65 20,4 185,5 192 139,5 Gritzner - 01 23,25 I 22,131 Moinkraftwerke Höchst a.«-.. 4 74,5 — I Süddeutsch« Zucker «j 179,9 I 179,91 . 0 . o . 0 . 0 . 0 . 1 . 0 . 0 . 0 . 0 .10 . 0 0 4% Oesterrelchiiche Goldrentt.... 4,20% Oesterreichische Stlberrentr 4% Ungarische Goldrrnte ...... 4% Ungarische Staawrente v. 1910 4«/,% deSgl. von 1913 ........ 6% abgest. Soldmexikaner von 99 4% Türkische Zolhrnleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe 8% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 8% ehem.7% Dt.RetchSanl. v. 1929 5)i% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablös^Schuld mit AuSlos.-Rechten .......... DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte...... 6% ehem.8% Hess. BolkSstaat 1929 (rückzahlb. 102%)........... 6% Hess. Landesbank Darmstadt Sold R. 18 6y.% Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Ltgut Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. An- leige Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank Golbpse. 16 unkündbar bis 1936 8% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl Golbpse. 16 unkünbbar bis 1936 ty.% ehem. 4%% Franks. Hyp.- Bank-Ltqu^Dlandbriese....... 614% ehem. 4ft% Rheinische Hyp.-Bank-Ltgu.-Goldpfe. .. 6% ehem. 8% Pr. LandeSpsand» briesanstalt, Pfandbriefe R. 19 6% ebem. 7% Pr. LandeSpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 tzteuergutich. BerrechnungSkurS . O| 77,25 . 0 — . 0 49 10 237,5 . 0 97,65 . 0 43 . 0 14,75 • 5 124 . 6 122 7% 168 SchnltheU Patzenhofer ..... Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg................ Zellstoff Waldhos .......... Zellstoff Aschaffenburg ..... Dessauer GaS ......... Daimler Mowren.......... Deutsche Linoleum......... crensietn S Koppel........ Leonhard Tietz ..... Ibabe.................... A«u mulatorrn-FabrS...... ionti-Oumm«............. 95,65 99,6 92 96,65 22,975 19-6 I 20-6. Amerikanische Noten Belgische Noten.................. Dänische Noten ... Englische Noten ......... Französische Noten ......... Holländische Noten....... Italienische Noten Norwegische Noten ------ Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten.......»»««»»—» Spanische Note»................. IS’ tur< börse Frankfurt a.M. S erlin Schluß- kur« Schluß!. Abend» börse Schluß» tvrö Gchlußk. Mittag, börse Datum 19-6- 20.6- 19.6- 20-6- 4% beifll. Serie 11 .......... 8 8 — 7,75 6% Rumän. vereint). Rente v. 1903 4,25 4,25 —- — 4^i%Rumän.vereinh.Rentev.l918 6,75 6.6 7 7,1 4% Rumänische vereinh. Rente .. 3,9 4,175 4 4 8^% Anatolier ........ 35,9 35,75 35,5 35,5 Hamdurg-Amerika-Paket ..... 0 26,5 26 26,5 26 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 25 25 Hansa-Dampsschisf..........0 — Norddeutscher Lloyd ........0 32,25 31,13 32 31,5 A.G. für Verkehrswesen Aki. .. 0 62,5 63 63,5 63 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 88 88,5 89 89,5 Commerz, und Prlvat-Bank ... 0 53,75 53,75 53,5 53,5 Deutsche Bank und DiSconto- Gesellschaft................ o 63,25 62 63,25 62 Dresdner Bank..............o 68 65,75 68 65,75 Reichsbank ....... 12 160,5 158,5 159 158 A.S.G.................... o 23,5 23,25 24 23,5 Bekulo..................... o 143,25 141,75 143,75 142,5 Clelrt. LieferungSgefellschaft... 6 88 88,25 88 87 Licht und Kraft g 113 112 113 112 Felten & Guilleaume ........ 0 Gesellsch.s.Elektr.Unternehmuna. 6 63,65 63,5 62,75 62,75 108 105,5 108,65 106,25 Rheinische Elektrizität ........ 6 102,5 103,5 103 103 Schuckert &Go....... 5 92,5 92 93,25 92,25 «temenS & Halske........ 150,5 149 150,75 150 LahmeyerLEo............. 16 127,25 126 126,75 124 Buder»« .................... 77,75 1 76.25 77,5 76,5 Deutsch« »rdR .............. 4 120 118,75 119,9 119,65 Gelsenkirchener............... 63 1 61 63 61,4 Harvener ............... ( 106,5 I 103,25 107 104,65 Hoesch Eisen—SSln-Neuesfen .. 0 — — 75,75 73,9 Alse Bergbau ............... ( — — 160 • 164,5 Ilse Bergbau Genüsse ......... 1 125,5 125,5 125,75 127,5 Älödnetröerte ...............4 ie^NNsttN^Krrn^^pnpttH^I^«*!^^^6estellten Ueberblick über die Marburger Ulsv ^isil|n>cnnnoicriStabh und Festungspläne (schöne Blätter besonders der Stadt Marburg. """" ""s ' ' oon Dilich und Textor) und über die Stadtansichten, die vom 16. Jahrhundert bis in die neueste Zeit reichen, beginnt die Sammlung der Straßenbilder, die j nächst den Bildern vom Schloß den breitesten Raum Die staatkicherseits in die Wege geleitete systema- beanspruchen und in der Tat eine Art oon städte- tische Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler von baulicher und einzelbaugeschichtlicher Anatomie der Marburg ist in drei große Teile aufgegliedert: die Gesamtanlage darstellen; den Hauptteil bilden hier Stadt im Allgemeinen und das Schloß; die übrigen naturgemäß photographische Aufnahmen, doch sind öffentlichen und privaten Gebäude; und die Elisa-! gelegentlich auch zeichnerische und malerische Darstel- beth-Kirche. Vom ersten Teil ist der 226 Seiten lungen mit einbezogen. Einen kleinen, aber sehr umfassenden Atlas-Band* vor kurzem erschienen; ■ ------ — der kunstgeschichtliche und erläuternde Text zu diesen Tafeln soll demnächst folgen. Die Bearbeiter konn- Ee.n sich auf ein überaus reiches Quellenmaterial, , i.WF|W1m Uuei uunuen stutzen, das vor allem vom Marburger Staatsarchiv, Tafeln die Darstellung des Schlosses deren Gründ- vom Zweigverein Marburg des Vereins für hessische lichkeit schlechterdings 2lm Dienstagabend fand im Gasthaus Hindenburg unter der Leitung des NS.-Hago-Ortsgruppen- amtsleiters Pg. Stühler eine Versammlung der NS.-Hago-Ortsgruppe Gießen-Süd statt, in deren Mittelpunkt die Bekanntgabe der Neugliederung der NS.-Hago-Organisation in Gießen stand. Zu Beginn der Versammlung nahm Pg. Stühler Veranlassung, auf die Schwätzereien und Ge- rüchtemachereien hinzuweisen, die in den letzten Tagen gegen den Führer der Ortsgruppe der Ns.° Hago Gießen-Süd, Franz S o l d a n , in der Stadt gerichtet wurden. Pg. S t ü h l e r betonte mit Nachdruck, daß es sich bei diesen völlig unbegründeten und haltlosen Schwätzereien um einen raffinierten Feldzug des Miesmachertums handele, daß dieses Geschwätz nicht nur persönlich gehässig sei, sondern geradezu ein System darstelle, das in seinen Auswirkungen an Landesverrat grenze. Er (Redner) als Führer der NS.-Hago in Gießen trete öffentlich für den im Kampfe für die nationalsozialistische Bewegung bewährten und auch um die Aufgaben der NS.-Hago sehr verdienten Pg. S o l d a n ein, der in unerhörter Weise mit Schmutz beworfen worden sei. Der Versammlung gebe er als Versammlungsleiter Gelegenheit, 'sich durch Einsichtnahme in Urkunden und Dokumente selbst davon zu überzeugen, daß die gegen Franz S o l d a n gerichteten Behauptungen, die gegenwärtig in der Stadt 3U hören sind, durchaus unwahr seien und mit aller Schärfe zurückgewiesen werden müßten. Anschließend richtete Pg. Franz S o l d a n einige kurze Worte an die Versammlung, wobei er hervorhob, daß die gegen ihn gerichtete Hetze auch als ein Anzeichen dafür anzusehen sei, daß'die Bewegung trotz der jetzigen großen Gefolgschaft leider immer noch sehr wenige wahrhafte Nationalsozialisten habe, sondern in dieser ganzen Gerüchtemache- . a „ , ire’ und in diesem Miesmachertum vielfach nur zeugenden Dokumente, I großer Egoismus und der Versuch, Zwischenfälle zu Gomiemvendfeier der RSOAp auf dem Gchiffenberg am Samstag, 23. Juni. Wie bereits in anderen Kreisen .schon durchge- führt, beabsichtigt der Kreispresseamtsleiter Pg. Michel ebenfalls die Aufstellung eines Kreisarchivs, mit dessen Durchführung und Organisation er mich beauftragt hat. Es ist Ehrensache eines jeden politischen Leiters und Parteigenossen, hierfür partetgeschichtlich wertvolles Material zu liefern. Alle für die Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung im Kreise Gießen zeugenden Dokumente,! Johannistag und Weihnacht, — Sommersonnenwende und Wintersonnenwende, das sind die beiden ^ole, um die sich der Jahreskreislauf des deutschen Menschen spannt. Wie einst in der Sommersonnenwende Baldur, der Sonnengott gefeiert wurde, und in der Wintersonnenwende seine Wiederauferstehung herbeigerufen, so hat in christlicher Zeit an Lv\.. beiden Tagen Feier und Verheißung in neuer Form gestaltet, was einst eine versinkende Welt an Großem und Bleibendem den Herzen der Menschen gegeben hat. Ist es zu Weihnachten die Feier der Geburt des Heilandes, so ist der Tag des längsten Sonnenscheins im Jahre dem vertrauten Jünger des Herrn, Johannes geweiht. An diesem Tage hat der Bauer den ersten Heuschnitt eingebrach't, die Sommersaaten bedürfen der Pflege nicht mehr, und des Kornes steht bevor. Auch hier ist in deutschen Landen eine kurze Ruhepause eingetreten, unö Besinnung und Festesfreude treten in ihr Recht. ' Berlin zur Verfügung gestellt wurde; auch andere amtliche und private Stellen haben dankenswerter- i weise bei der Materialbeschaffung mitgewirkt. Die in den beiden letzten Jahren oorgenommenen Aende-! wie z. B. photographische Aufnahmen aus der Kampfzeit, Berichte aus alten Zeitungen („Hessenhammer") usw., interessante Stimmungsberichte über stattgefundene Versammlungen und Aufmärsche sind umgehend an meine Adresse: Gießen, Asterweg 52 II, einzusenden. Auch Nichtparteigenossen werden aufgefordert, hier für ein wertvolles Nachschlagewerk der Kreisgeschichte aufbauend mit- tätig zu sein. Im Interesse der Sache ersuche ich alle Volksgenossen um größtmöglichste Unterstützung. Heil Hitler! Willi H a i n b a ch, Leiter des Meldedienstes und des Kreisarchios. Versammlung der NS.-Haao Gießen-Süd Herdes." Daraus ergeben sich die Grenzen der Chirurgie. Der Chirurge, der Handwerksmann unter den Aerzten, muß sich streng an die Forschungsergebnisse auf anderen Gebieten halten, besonders an jene Lehren, welche die radikale Umstimmung des erkrankten Organismus als wichtigsten Heilgrundsatz empfehlen." nicht mehr ausgenommen werden konnten, sollen : wiederzugeben, sondern auch das Beiwerk den Zier- nach Möglichkeit nn Textband berücksichtigt werden, rat, die im Gesamtbilde verschwindende' Einzelheit Das acht große Seiten umfassende Jnhaltsverzeich-! liebevoll berücksichtigt: Erker und Kapitelle Reliefs nis des geräumigen Atlas-Bandes legt Zeugnis ab und Denksteine, Wappen und Schlußsteine Male- oon der Gründlichkeit und wissenschaftlichen Ge- reien und Fliesenbelag, Profile und Arkaden Por- nauigfeit, mit der die Bearbeiter an ihren riesigen tale und Türme fügen sich zu einer organischen Ein- Stoff herangegangen sind, und gibt zugleich einen heit zusammen. Die photographische und reproduk- Einblick in den großanaelegten Plan des Gesamt-1 tionstechnische Behandlung der einzelnen Bildtafeln wertes, das eine umfassende, historisch begründete verdient alle Anerkennung. Wer diesen Bilderatlas Bau- und Kunstgeschichte der Stadt Marburg zu durchblättert, wird nicht nur dem bereits angekündig- werden verspricht. Die Darstellung des Bilderteils s ten, ergänzenden und erläuternden Textband, sondern geht systematisch und organisch von Außen nach auch der Vollendung des imposanten Ge'samtwerkes mit Innen, vom Gesamtbilde ins Detail. Die Sammlung hohen Erwartungen entgegensehen. — schassen, zum Ausdruck komme, aber auch das abstoßende Gefühl der Schadenfreude eine wesentliche Rolle spiele. Derartige Schatten des menschlichen Lebens müßten mit allem Nachdruck ausgemerzt werden, alle Kräfte seien anzuspannen zum Dienste für unser deutsches Vaterland. Dieses Ziel könne jedoch nur erreicht werden, wenn jeder überall in seinem ganzen Handeln als echter Nationalsozialist sich betätige. Wenn er von sich persönlich spreche, so wolle er nicht darauf Hinweisen, was er und seine Familie in den Kampfjahren für die Erneuerung Deutschlands an Opfern gebracht hätten, er wolle aber doch betonen, daß er stets nur aus reiner und aufrichtiger Liebe zum deutschen Vaterlande als Gefolgsmann Adolf Hitlers gekämpft habe und auch in diesem Geiste weiterkämpfen werde. Was jetzt an Unwahrheiten und Verleumdungen gegen ihn oor- gebracht worden sei, könne ihn nicht berühren, diese Hetze sei aber ein Schandfleck für unsere Stadt Gießen. (Starker Beifall.) Hierauf gab der Versammlungsleiter Pg. Stühler die Neugliederung der NS.-Hago-Organisation in Gießen bekannt, die nach dem Vorbild der politischen Organisation (Ortsgruppen, Zellen, Blocks) durchgeführt werden wird. In diesem Zusammenhänge erfolgte die Ernennung der Ortsgruppenamtsleiter. Pg- H e y d sprach anschließend kurz über das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit und gab dabei wertvolle Hinweise und Aufschlüsse für 'die Praxis. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Zürn Schluß ermahnte der Versammlungsleiter noch einmal zu festem Zusammenstehen, zur Achtung vor allen Mitkämpfern und zu unentwegt treuer Gefolgschaft im Kampfe für die Ziele der deutschen Erneuerung im Geiste Adolf Hitlers. Mit dreimaligem Sieg-Heil auf den Führer fand die Versammlung ihren Abschluß. Disziplinär verfahren vor demprovinzial« ausschuh der Provinz Oberheffen. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen verhandelte in den letzten Tagen unter dem Vorsitz des Kreisdirektors K l o st e r m a n n als Diszi- plinargericht gegen den früheren Direktor des städtischen Elektrizitätswerkes und der Straßenbahn in Gießen, Stolt e. Das Gericht kam nach eingehender Beweisaufnahme zu folgendem Urteil: Der Angeklagte hat als Direktor des städtischen Elektrizitätswerkes, Ueberlandanlage und Straßenbahn Gießen die ihm obliegenden Amtspflichten schuldhaft verletzt. Es wird daher die Strafe des Verlustes der Amtsbezeichnung gegen ihn ausgesprochen. 30 Prozent des gesetzlichen Ruhegehaltes bleiben dem Angeklagten auf Lebenszeit belasten. Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen. Ueber den Verlauf des Prozeßverfahrens werden wir morgen zufammenfastend noch berichten. «Völkische Reform von Bildung und Schule". Sitzung der Fachschaft „Höhere Schule" im RSLV. In der Junisitzung der Fachschaft „Höhere Schule" wurden verschiedene Vorträge über die völkische Reform von Bildung und Schule nach Kriecks „Nationalpolitischer Erziehung" gehalten. Zunächst gab Herr Studienrat Hahn einen eindringendcn und oon leidenschaftlicher Bemühung um die Sache zeugenden Bericht. Er ging davon aus, daß nur der die Krieck'sche Gedankenwelt verstehen könne, der sich in ihren Strom hineinstelle und sich von ihm mitreißen lasse. Er legte dann die völkische Weltanschauung nach ihren verschiedenen Seiten hin dar, zeigte, daß bei ihr das Politische im Mittelpunkt steht und daß es ihr gegenüber keine schwächliche Neutralität geben kann. Auch der Vertreter der sogenannten reinen Wissenschaft wird zur Stellungnahme aufgerufen. Die nationalsozialistische Idee zwingt auch Schule und Unterricht zu entscheidenden Umschaltungen. Es kommt daraus an. Und so brachen mitten im Dröhnen der Maschinen, mitten im rohen Gleichmaß der Technik die Erinnerungen wieder auf an die großen Feierstunden des Jahres Wo noch deutsche Bauern Sonnenwende oder Johannesfest feierten, da wurden sie in oen Jahren vor und nach dem Krieae unterstützt durch jene lebendige Jugend aus der Stadt, die es müde geworden war, zwischen Steinmauern und Fabrikbauten nur einen schmalen Ausschnitt des —------ .... w.u..a vc= vluuu- P’fc großen, freien Ledens der Natur zu nalsozialistischen Lehrerbundes im Kreise Gießen jedem so ist es kein Wunder, daß heute, mit dem betraut, in dessen Rahmen er stets eifrig tätig war. o &er zur Herrschaft, überall in Mit Schulrat Nebeling steht ein außerordentlich deutschen Landen wieder Sonnenwendseuer und Jo- befähigter Erzieher an der Spitze unseres Gießener hanneszauder den längsten Tag des Jahres feiern. —r""" UeberaH ist der Bauer diesmal an den Sönnern roenöfeiern beteiligt denn gerade der Bauer weiß um den engen Zufammenhana christlicher Bräuche mit dem alten Kulturgut vorchristlicher Seit. Und genau wie es einst nur kleine Teile der städtischen Jugend taten, so wird sich diesmal die gesamte Landjugend am Johannistage in sportlichen Wettkämpfen messen auch hier werden d" Flammenstöße gen Himmel lodern und Baar um Paar wird über oen zusammenoefunkenen Feuerstößen springen das Sonnenrad wird wieder brenn-nd den Hügel binab- gerollt und der altgewohnte Wettkampf im Speerwerfen laß* den freien Mann mit der Waffe in der Hond im Sinnbild erstesten Zu den alten Volkstrachten gehören die alten Tänze und manch neuer ^o'kstanz wurd- in dielen Jahren der Wieder- beftnnung und Wiederauferstehung des Volkes neu geformt Im Gattesdienst aber vereinigen sich Besinnung und Bitte für die kommende Ernte die d"n Segen des Höchsten braucht ... da las ich das Wort „Janina" und mich dunkel, in Griechenland durch einen . chen Namens gefahren zu fein, nahm Lexikon zur Hand und schaute nach. Was stand da? „Janina — siehe Joannina." Ich blätterte und luchte, aber „Joannina" war nicht zu finden. Joann war vertreten, und bei ihm war zu lesen „Joann — siehe Iwan", und so geriet ich ins I, und richtig war Joannina unter I verzeichnet statt unter Jott, und nun packte mich der Tatendrang und stachelte mich auf, allerhand Wörter nachzuschlagen, die ich seit Kindesbeinen nachzuschlagen gewillt war. Wer hat das Cello erfunden? „Cello — siehe Violincello." Was ist Freia sonst noch außer einer vegetarischen Gaststätte? „Freia — siehe Freyja." Ich verweile beim F. Die Faltenmorchel hat mirs angetan. „Faltenmorchel — siehe Gyromitra." Ich denke nicht dran. Nehmen wir ein anderes botanisches Erzeugnis. Sagen wir die Herbstzeitlose. „Herbstzeitlose — siehe Colchicum." Soll ich? Nein, wir beginnen beim A, indem wir systematisch (siehe was?) veranlagte Natursn sind. Auf der Alm, da gibts ka Sünd. Sünd weiß ich, folglich „Alm". Was ist „Alm", streng lexikonisch genommen? „Alm — siehe Alp." Ha, der Dichter Artzibaschew fällt mir ein, ehedem berühmt durch Ä ''®fan?n" „Artzibaschew — siehe Arzybaschew." Schade, schade, ich hätte brennend gern unter „Artzibaschew" nachgesehen. Wechseln wir das Thema, erforschen wir die persische Wüste, auch Descht geheißen. „Descht — siehe Dascht." Ein feiner Unterschied fürwahr, nur für Kenner, aber das muß sein. Also was anderes. Er- weitert sei der Horizont, den ich unter H. nicht nachzuschlagen wage, da er auf ordentlich Deutsch ein „Gesichtskreis" ist. Was mag wohl „Gesichtskreis" im Lexikon fein? Einen Augenblick ... „Gesichtskreis — siehe Horizont." Pech gehabt. Weiter im Text. Wie wär's mit' Glühstrumpf, einem deutschen Wort, das bestimmt nicht unter einer lateinischen Bezeichnung vermerkt zu werden die Dreistigkeit haben dürfte „Glühstrumpf — siehe Gasglühlicht." Dann nicht, liebe Tante. Die Grundzahl reizt mich, schon immer wollte -ch Näheres über den Begriff der Grundzahl in Ersah- rung bringen! Also! „Grundzahl — siehe Kardinal- Zahl." Peinlich. Cardinalzahl wäre mir zur Not recht gewesen. Trotzdem wandere ich zum K und suche die Kalla auf, den sogenannten Drachenwurz eine keineswegs alltägliche Pflanze. Aber das Schicksal dreht,mir ein Schnippchen: „Kalla — siehe Calla . Aha siehe oho. Und nun mag ich nimmer. streike sieste ich mache nicht mehr mit. Schluß mit Jubel siehe Ende mit Kummer. lieber das Thema „M ö g l i ch k e i t e n u n d "— Grenzen der Chirurgie" sprach der be-! ?b'tgestenden anatomischen Veränderungen sind rühmte Berliner Chirurge Prof. Sauerbruch k>"ndertprozentla gesund; andere sind und bleiben kürzlich in Zürich Interessant ist, was Sauerbruch Eronk trotz^sorgfaltiger ,Entfernung des^ Krankheits- aus der Geschichte der Chirurgie erzählt: „Der chirurgische Eingriff ist die erste und älteste Form gischen Richtung in der Heilkunde begann sich mit der Zeit eine spekulative Richtung au'szubilden, die sich auf Grund religiöser, philosophischer oder auch verworren mystischer Vorstellungen mit dem Wesen der Krankheit befaßte, um auf theoretischem Weg Heilungsmöglichkeiten zu finden. Diese Doppelheit der medizinischen Richtung beherrschte das ganze Mittelalter; sie wurde schließlich bis zu einer fo scharfen Verfeindung gesteigert, daß der Chirurg, der „Bader", von der gelehrten Medizin als minderwertig behandelt, ja nahezu gesellschaftlich geächtet wurde. Das hatte neben ungünstigen auch die günstige Folge, daß die Chirurgie von abwegiger Spekulation unberührt blieb, eine starke handwerkliche Überlieferung ausbilden und zur Höchstleistung vordringen konnte. Den „Badern" fehlte aber die Horburg des Vereins für hessische lichkeit schlechterdings nicht 'übertroffen werden Re nai sta iwe" an" werden an Mo mische Kennt niste all- Geschichte (der den Zugang zu der reichhaltigen kann. Lageplan, Rekonstruktionsdarstellungen (vom gemeiner, auch die Ausbildung des Chirurgen auf Photosammlung von Ludwig Bickell erschloß), 14. bis 18. Jahrhundert), Grundrisse und Ansichten den internistischen ©tbX vom kunstgeschichtlichen tzemmar der Universität in reicher Fülle machen den Beschauer zunächst aus- kam die mie£^ nnn bSi Masburg und von der StaatUchen Bildstelle in ! führlich mit dem historisch gewordenen Gesamtbilde Forschungsergebnissen^ Berlin zur Verfuauna aeftellt wurde: aiirh ander- des markantesten Wahrzeichens von Marburg ver- der Naturwissenschaften. So entsteht im 1? Jahr- ^^rordentlich eingehend ist die daran an- hundert die „naturwissenschaftliche Chirurgie" die schließende Inventarisierung des architektonischen > 1 Details angelegt, die sich nicht darauf beschränkt, die wichtigsten Hauptteile der Schloßanlage im Bilde (ftiebener Nachdruck verboten! 10 Fortletzuog Toilettenti' mit heißen Küssen. Kundgebung derAG-Frauenschast auf dem Gchiffenberg. Was mein einsi war... Vornan von Klothilde von Etegmann Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag -alle (S.) m * r;tpreife nicht inmitten so fremder Menschen, nicht in einem Spielsaal, den er sei seinem wahnwitzigen Spiel damals nicht mehr betreten hatte. Und ein Gefühl kam aus der Tiefe seiner Seele, als wäre es ein böses Omen, daß er jetzt um ihretwillen wieder einen Spielsaal betreten sollte, obgleich er sich sein Wort gegeben, es nicht mehr zu tun. Aber was galten Worte? Was galt Vernunft, wenn man Lou wiedersehen konnte! Er winkte dem Portier, der ihm einen Wagen besorgen wollte. „Ich gehe erst ein paar Schritte zu Fuß!" Dann durchschritt er hastig die glänzende Drehtür. Er mußte erst aus Sichtweite des Hotels kommen. Niemand brauchte zu wissen, wohin er feine Schritte lenkte — und keiner seiner Bekannten brauchte ihn zu sehen. An der Ecke der Hauptstraße erst nahm er einen Wagen, gab die Adresse des Hotels des Anglais an. Ehrerbietig eilte sofort dort der Portier herbei, um dem eleganten Herrn den Wagen zu öffnen. „Wo finde ich Madame de Lormes?" fragte Demidoff. „Wenn Monsieur durch diesen Gang gehen wollen: links vom Grillroom befindet sich der Blaue Salon; dort wird Monsieur die Dame treffen!" bekam er zur Antwort. Demidoff reichte, ohne hinzusehen, aus der Vein- kleidtasche dem Kutscher ein paar Lire, dann eilte er, von Sehnsucht getrieben, durch den kleinen, lichterhellten Gang, der vom Grillroom zu dem als Blauen Salon bezeichneten Raum führte. Neuntes Kapitel. Der Blaue Salon war nicht groß, aber überfüllt von Menschen, die sich um den grünen Tisch dräng» ten. An den Wänden, die mit lichtblauer Seide bespannt waren, hing trübe der Rauch der Zigaretten und mischte sich mit dem Duft von Parfüm und Blumen zu einer zähen, süßlichen Masse. Und in diesem Dunst kam noch etwas hinein. Demidoff fühlte es körperlich mit dem geschärften Sinne des Menschen, der lange in reinerer Atmosphäre gelebt, was hie wie ein giftiges und doch lockendes Etwas in dem Raum schwang: es war die Gier dieser Menschenherzen hier — es war die Gier nach dem Gold. Er stand am Eingang hinter einer Reihe von Zuschauenden und sah die gebeugten Kopfe, sah in der Biegung der Schultern, der Neigung der Hälse diese Gier, die er nur zu gut kannte. Wie von dieser Flamme herangeweht, schob er sich in eine Lücke und stand nun direkt vor dem grünen Tisch. Er blickte sich um. Lou war nicht zu sehen. Nur andere Frauen, mit Perlen und Steinen behängt, beugten sich über den Tisch. Sie hielten Karten in den langen, schmalen Händen — und sahen mit gespannten und starren Augen auf ihren Gegenspieler. (Fortsetzung folgt.) „Alexander!" flüsterte sie vor sich hin, und plötzlich ergriff sie ein Bild, das von ihm auf dem T-'.I-.—Usch ihres Zimmers stand, und bedeckte es “ n Küssen. Dann mußte sie über ihre Toran diesem Aufbau mitzuarbeiten. Man glaube, Auf» bauarbeit sei Sache der Männer, man glaube, Aufbauarbeit werde durch Schaffung neuer Gesetze erfolgreich sein. Wer so schaue, sehe falsch. wir brauchten nicht nur einen neuen Staat, sondern wollten vor allem Volk werden. Dazu gehöre wann, Frau und Kind, die gesamte Familie. Nur auf der Familie könne ein neuer Staat erstehen. DieNS.-Frauenschaft müsse eine Gemeinschaft bilden, die auch in die anderen Verbände ausstrahle. Wenn sich die Frauenschaft nationalsozialistisch nenne, so bekenne sie sich zu den Grundpfeilern des heutigen Staates. Die deutsche Frau und Mutter sei in besonderem Maße mit der Politik verknüpft, sie könne am besten ermessen, wie durch schlechte Staatsführung das innige Band der Familie gestört und zerrüttet werde. Es sei das Verdienst der NS.-Frauenschaft, in Frauenkreisen immer wieder darauf hingewiesen zu haben, was deutsche Politik heiße. Es käme darauf an, zu empfinden, ob die Politik gut sei oder schlecht. Die Frau und Mutter habe die Aufgabe, zu hüten und zu pflegen, sie sei die Hüterin der Jugend. Sie habe die hei» lige Pflicht, dem Volk stets neue Kräfte zuzuführen. Die deutsche Frau ernte dafür zwar nicht Ruhm und Ehre, aber die Krone, die der Mutter gegeben werde, leuchte über der deutschen Frauen- Alexander Demidoff zuckte zusammen und faßte ( sich mühsam. „Verzeih, Sofia", sagte er zu seiner jungen Frau, • und begann ein etwas krampfhaftes Gespräch. Aber er wußte nicht, was er sagte, denn seine 1 Gedanken waren weit, weit fort. Sie waren bei ’ jener dämonisch schonen Frau, sie waren drüben 1 bei Lou de Lormes, die er soeben nach Jahren wiedergesehen. Und wie mit einem Zauberschlag '■ war die Gegenwart fortgenommen. Wieder erstand vor feinem geistigen Auge ein i wunderbarer Frühling an dem blauen Meere Venedigs; ein Abend, warm und blütenschwer, an dem er neben Lou gesessen, ihre Lippen einen heißen Augenblick auf den feinen gefühlt. Er biß die Zähne zusammen. Jetzt, noch nach Jahren, ließ schon die Erinnerung allein an jenen Kuß sein Blut in irrer Sehnsucht aufglühen. Dieser Kuß war das erste und letzte Liebeszeichen gewesen, das er von Lou de Lormes empfangen. Aig Tage darauf war man in jenen Spielklub gegangen, von dem der Portier in Lous Hotel ihm gesagt. Dort hatte er mit einem eleganten russischen Herrn, einem Emigranten aus dem Baltischen, gespielt. Und hatte verloren, so viel verloren, daß er gerade noch seine Hotelrechnung bezahlen und heimfahren konnte. Er hatte Lou nicht wieder- gesehen, denn als er am nächsten Morgen kurz vor der Abreise sich bei ihr melden ließ, war sie, wie der Portier sagte, auf eine Depesche hin abgereist, ohne ihre Adresse zu hinterlassen. Wie von Sinnen war Demidoff damals aus Venedig geflohen, die Sehnsucht nach Lou wie ein fressendes Feuer im Blut. Allmählich glaubte er überwunden zu haben. Er vergrub sich in die Arbeit und rührte keine Karte mehr an. Er machte sich auch durch zähe und geschickte Tätigkeit daheim im Auswärtigen Amt un- entbehrlich. Man schickte ihn auf verschiedene diplomatische Pasten. Allgemein wurde seiner Zukunft eine glänzende Prognose gestellt. Vor einigen Wochen hatte er sich mit der Tochter eines bulgarischen Ministers verheiratet und war nun mit seiner jungen Frau auf der Hochzeitsreise durch Italien. Und hier, hier mußte er Lou wiedersehen. Als wäre ein dünner Schleier gerissen, der zwischen ihm und die Wirklichkeit gespannt. Er horte kaum, was seine junge Frau au ihm sagte; er antwortete ganz mechanisch. Er sah nicht, daß das Haus sich verdunkelte, der Vorhang sich hob, das Orchester in süßen und sehnsüchtigen Klängen aufrauschte. Er notwendigen Umzuges am heutigen Donnerstag geschlossen. (Siehe gestrige Bekanntmachung.) **EinSiebzigjähriger. Der städtische Arbeiter i.R. Karl Schäfer, Kugelberg 2, kann am morgigen Freitag, 22. Juni, in geistiger und korper- perlicher Frische seinen 70. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist seit über 30 Jahren Leser des Gießener Anzeigers. f.. . * * Gefahren beim Blumenpflucken. Der Kinder höchste Freude ist das Blumenpflücken auf den Wiesen. Doch ist es mit Gefahren verknüpft, da viele Wiesenblumen Gifte enthalten, die bei zarteren Kindern Hautausschläge und Fieber, Erbrechen und sonstige Storungen verursachen Deshalb lasse man kleine Kinder nicht ohne Aufsicht beim Blumenpflücken und belehre die größeren über den Gistgehalt mancher Blumenarten. Da ist z. -ö. vor allem vor den Hahnenfußarten zu warnen. Sie haben einen ätzenden Saft, der Hautausschlage und Geschwüre verursacht. Tausendschönchen, Gold- kopfchen und Sumpfdotterblumen zählen auch zu dieser Art. Der ebenfalls gelbblühende Milchlattich wirkt durch seinen milchigen Saft btäubenb, erregt Schwindel, Erbrechen und Schlafsucht. Die reizende Waldanemone erregt durch ihren brennenden Saft auf zarten Händen Blasen. Als Gegengift kommt Zitronensaft oder Essig äußerlich oder Wein oder schwarzer Kaffee innerlich angewendet in Frage. Sehr giftig find die helmartigen blauen Bluten und Blätter des Eisenhutes. Sie erzeugen Fieber, Kolik und Delirien, ja selbst Krämpfe. Wein, Essig- wasser, schwarzer Kaffee lindern die Beschwerden. Beim gefleckten Schierling sind die Fruchtkapseln die Giftträger. Hiergegen wendet man Milch, Rhl- zinusol, Zitronensaft an, hole aber sofort den Arzt, wenn der Verdacht vorliegt, daß die Pflanzen in den Mund gesteckt worden sind: denn dadurch sind schon Todesfälle verursacht worden. Dasselbe gilt vorn schwarzen Bilsenkraut, den Blüten des Goldregens, sowie vor allem vom roten Fingerhut, der mit seinen prachtvollen traubenförmigen Blüten die Kinder entzückt. Sein Stengel birgt em starkes Gift, das eine nachhaltige Nervenschwache zeitigt. Schließlich sei noch vor der im Herbst blühenden Herbstzeitlose gewarnt, die man von Kindern niemals pflücken lassen sollte. starrte wie gebannt hinüber in die Loge, wo sie saß, die Frau, die er nie vergessen konnte. Torheit war es gewesen, zu glauben, daß er ihr Bild je in sich vernichten konnte. Torheit, zu denken, daß Arbeit und Erfolg, Ruhm und Aufstieg ihm Ersatz bieten würden für eine unerfüllte Leidenschaft. Wahnwitz, zu hoffen, daß an der Seite der kühlen, schonen Sofia ihm ein wahres Lebensglück daß die Schule ein bewußtes Gied des völkischen Organismus werde, daß ihre Bildung volkhaftorganisch sei und daß sie ein ganz bestimmtes Ziel: die Formung des jugendlichen Menschen jum Volksgenossen vor Augen habe. Das humanistische Ideal wird abgelehnt: Wichtiger als „Bildung" im intellektualistischen Sinn ist die geistige Grundhaltung, die durch ein festes Zucht- und Ordnungs- system — auch im Zusammenhang mit dem Jugendbund — erzeugt wird. Methodisch hält die völkische Schule die naturgegebene Mitte zwischen Lern- und Arbeitsschule. Selbständigkeit und Urteilsvermögen der Schüler sind wesentlich; doch nur im Hinblick auf das völkische Ziel. Folgerichtig ergibt sich hieraus die Notwendigkeit einer Stoffbeschränkung auf das Wesentliche. Die Maßstäbe zu einer Scheidung des Wertvollen vom Wertlosen lassen sich unter völkischem Gesichtspunkt schon jetzt herausarbeiten und anwenden. Tragischer Tod eines Kindes. Nachdem erst gestern über einen tragischen Unglücksfall in unserer Stadt berichtet werden mußte, ereignete sich gestern gegen 15 Uhr wiederum ein sehr ähnlicher Unfall, dem das Leben eines adji* jährigen Kindes zum Opfer fiel. Das Töchterchen des Melkers Otto Klein aus der Dammstraße stand an der Mauer am Tore zum Botanischen Garten in der Senckenbergstraße und wartete darauf, daß ein Fuhrwerk, das aus dem Botanischen Garten heraus Abbruchmaterial fahren sollte, den Bürgersteig wieder freigab. Unglücklicherweise stieß aber das Fuhrwerk gegen eine der beiden nach innen geöffneten Eifengittertüren, die durch das Anfahren nach dem Pfeiler zugedrückt wurde. Der Pfeiler und ein Teil des anschließenden Mauerwerks gaben nach, stürzten auf den Gehsteig und die Mauerteile begruben das Kind unter sich. Der Tod des Kindes trat auf der Stelle ein. Die Schuldfrage ist noch nicht völlig geklärt. Die polizeilichen Ermittlungen find im Gange. Stammesappett derGießener^Welfen" Der Gebiets-Jungvolkführer hat im vergangenen Monat einen genauen Arbeitsplan herausgegeben. Durch diese einheitliche Regelung ist das Arbeiten auf lange Sicht möglich. In der Reihe der Besichtigungen war nun dieser Tage der Stamm 1/1/116 zum Appell angetreten. Eine Besichtigung beim Jungvolk ist im Wesentlichen verschieden von den nationalsozialistischen Verbänden der Erwachsenen. Die Jungvolkeinheiten sollen nicht im Stehen, sondern in lebendiger Bewegung, in reger, mannigfaltiger Tätigkeit gesehen werden. Der Stamm Welfen hatte sich die Eisteiche zum Besichtigungsplatz ausgewählt. Dort zeigten die einzelnen Fähnleins, was sie in neuester Zeit in Schulungskursen und in Lagern erarbeitet haben. Ein reger Wettstreit zwischen den einzelnen Fähnleins hatte eingesetzt. Immer wieder muß der Zeltebau geübt werden. Mannigfaltige Aufbaumog- lichkeiten wurden da in kürzester Zeit entwickelt. Aber auch die Verständigung durch Zeichen muß geübt sein. Deshalb sah man Gruppen, die sich mit Ein- und Zweiflaggenwinken beschäftigten. Allerlei sonstige Fertigkeiten, die zum Fahrtenbetrieb unbedingt notwendig sind, wurden gezeigt. Neben den technischen Voraussetzungen zu einem flotten Jungenleben wurden auch die sportlichen Seiten, die sowohl der Ertüchtigung als auch der Kurzweil dienen, bei dem Stammesappell berücksichtigt. Man sah da Lagerspiele, Reiterkämpfe, römisches Wagenrennen und Speerwurf. Zwischendurch wurde ein zackisches Lied gesungen. Zu Ende der Besichtigung marschierte der Stamm au einem weiten Viereck auf und der Führer des Jungvolks am Gebiet, Rupprecht Hainer, richtete einige anspornende Worte an die Jungen. Er forderte sie auf, immer einsatzbereit au fein, jeder an feiner Stelle. In dieser Art offenbare sich das Zeichen unserer wirklichen Haftung. Unser Dienst und unsere Gemeinschaft seien für uns das Größte, DieNS.-FrauenschaftGießen veranstaltete am Mittwochnachmittag in Gemeinschaft mit den ihr angeschlossenen Verbänden eine Kundgebung auf dem Schiffenberg, die außerordentlich stark be- sucht war. Infolge der au Anfang der Veranstaltung eintretenden ungünstigen Witterung, die aber sehr bald eine Besserung erfuhr, fand die Veranstaltung in der bis auf den letzten Platz besetzten Kapelle statt. Nach einigen Musikvorträgen von Mitgliedern des SAR.-Musikzuges begrüßte die Ortsfrauenfchasts- leiterin Frau Wre de die Erschienenen und brachte ihre Freude darüber zum Ausdruck, daß auch die der NS.-Frauenschaft angehörenden Verbände sich so rege an der Kundgebung beteiligten. Sie sehe dies als ein gutes Zeichen der inneren Verbundenheit dieser Verbände mit der NS.-Frauenschaft an. Sie betonte weiter, daß für die Folge ein noch engerer Zusammenschluß notwendig sei, um die großen Aufgaben, die das Vaterland an die deutsche Frau stelle, erfüllen zu können. Nach einigen Musikstücken sprach pg. Dr. A. Boeder, Gießen, über „Anteil der deutschen Frau am A u f b a u w e r k". Der Redner. führte u. a. folgendes aus: Als vor anderthalb Jahren sich das deutsche Volk aufgerafft habe, ein neues Haus zu bauen, sei eine starke Bewegung fühlbar gewesen, denn hierin erfülle sich der Wunsch des Führers, daß sich ein jeder für die Dolksgesamtheft emjefce. Ausruf an alle in Gießen und Umgebung wohnhaften abstimmungsberechtigten Saardeutschen. Ueberall im deutschen Lande, wo Saardeutsche wohnen, haben diese sich zu Ortsgruppen ^Stutzpunkten zusammengeschlossen, die unter Führung d-s Herrn Preuß. Staatsrat Gustav Simon den Bund der Saaroereine in Deutschland bilden. Der Sitz des Bundes befindet sich in Koblenz. Auch hier in Gießen wohnen sehr viele abstimmungsberech- tigte Saardeutschen, die noch außerhalb des Bundes stehen. Im Endkampf um die Rückgliederung unserer Saarheimat an das große deutsche Vaterland, wollen auch wir in Gießen nicht zuruckstehen und deshalb ergeht an euch der Ruf, schließt euch zusammen und bildet in Gießen auch eine Ortsgruppe des Bundes der Saarvereine. Bleibt nicht abfeits stehen, denn das ganze deutsche Vaterland schaut auf uns, und wir sind stolz, daß wir eine nationale Tat noch zu vollbringen haben. Wir wollen unseren Saarbrüdern und -schwestern, die 15 Fahre (anq dem Vaterland die Treue gehalten haben helfen, damit unsere Heimat im Abstimmungskampf hundertprozentig heimkehrt zur Mutter Deutschland. Aus diesem Grund werden alle hier ansässigen Saardeutschen gebeten, am Montag, dem 25.3unt 1934, um 20.30 Uhr, im Bürgerhof zu einer Besprechung zu erscheinen. Auch jeder andere Volksgenosse kann Mitglied des Bundes werden, um damit seine Verbundenheit mit den Brüdern und Schwestern an der Saar zu bekunden. Heil Hitler! Thum, Führer der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine. Oer „Deutsche Liedertag" in Gießen. Vom Deutschen Sängerbund wurde der Deutsche Liedertag für das ganze Reichsgebiet auf Sonntag, den 24. Juni 1934, feftgelegt. Demgemäß werden an allen Orten die Gesangvereine an diesem Tage auf den öffentlichen Plätzen einige Chöre zu Gehör bringen. Die Gießener Gesangvereine singen am Sonntagvormittag 11 Uhr an folgenden Plätzen der Stadt: Bauerscher Gesangverein: Ecke Plockstraße und Anlage. Frohsinn-Quartettverein: Horst-Wessel-Wall, am Ausgang der Mühlstraße. Großscher Männerchor: am Liebigdenkmal. Liederkranz-Heiterkeit: am Heyerdenkmal, Wer- nerwall. Daten für Freitag, 22. Juni. 1767: der Staatsmann Wilhelm von Humboldt in Potsdam geboren (gestorben 1835); — 1867: der Verleger Eugen Diederichs zu Löbitz bei Naumburg (Saale) geboren (gestorben 1930); — 1919: Gründung der Universität Köln a. Rh.; sämtliche Grenzschutzverbände erklären gegenüber dem Nachgeben der Reichsregierung, die Ostmark nicht freizugeben, sondern weiterzukämpfen; — 1933: Eingliederung des Stahlhelms in die NSDAP.; Verbot der SPD.; Bildung des Reichsjugendführer-Rates. beeren 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 50 bis 55, junge Hahne 100, Suppenhühner 70, Tauben, das Stück 40 bis 60, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 8 bis 10, Salatgurken 30, Oberkohlrabi 8, Suppengrün 5, Rettich, Bund 10, Radieschen 8 bis 10 Pf. 2Zornorizen. — Tageskalender für Donnerstag: NSLB. Abteilung Höhere Schule, Fachgruppe Deutsch, 16 Uhr, Seminarzimmer der Oberrealschule, Sitzung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die vertauschte Braut". — Reichsschwimmwoche, 17 Uhr, Müllerfche Badeanstalt, Lehrschwimmen, Wasserballspiele. — Die neue Hessische Beamten- Sterbekasse Darmstadt hält am Sonntag, 24. Juni, im Hotel-Restaurant „Bayerischer Hof" ihre Mitgliederversammlung ab. (Siehe heutige Anzeige.) heit lächeln. „Wie ein Backfisch benimmst du dich, Sofia!" schalt sie sich selbst. Da küßte sie ein Bild und patte doch das Original zu eigen. Ob er sich ebenso nach ihr sehnte wie sie sick nach ihm? Ach!, auch er war zwar immer sehr lieoeooll; aber er hatte nichts von dem leidenschaftlichen Ueberschwang einer jungen Liebe. In allem war und blieb er doch korrekt. Zwar hatte Sofia bis jetzt Korrektsein, Beherrschung über alles geschätzt und auch in ihrem eigenen Leben walten lassen — nun aber wünschte sie plötzlich, Alexander möchte einmal alle Korrektheit vergessen und sie hineinreißen in den Glutrausch einer wahren Leidenschaft. Da wurde sie rot. Was waren das für Gedanken? Als die Zofe kam, um ihr behilflich zu fein, war sie ganz die kühle Dame von Welt. Alexander Demidoff hatte sich kaum von Sofia getrennt, als er mit hastigen Bewegungen nach Hut und Mantel griff und in die Halle hinabeiltss. Auf der Treppe las er noch einmal hastig den Zettel: „Madame de Lormes ist jeden Abend in dem kleinen Separöe im Hotel des Anglais zu finden, das von einem Baron von Liewen als Spielklub gemietet ist." Immer wieder las Demidoff den kleinen Zettel, der für ihn die Erfüllung nach verzweifelter Hoffnungslosigkeit bedeutete. Er würde Lou Wiedersehen! Jetzt gleich wiedersehen. Lieber wäre es ihm ja allerdings gewesen, er hätte sie allein getroffen. ** Don der Landesuniversität. Ernannt wurde mit Wirkung von 1. Juni 1934 an der ordentliche Professor von der Universität Dorpat (Estland) Dr. Wilhelm Süß zum ordentlichen Professor für klassische Philologie an der Landesuniversität Gießen. — Dem Dr. phil. Fritz S t r o h wurde die venia legendi bei der Philosophischen Fakultät, 1. Abteilung, für das ßad) der Deutschen Philologie und Volkskunde erteilt. ♦ Evangelisch-kirchliche Personalien. Uebertragen wurde dem Pfarrer Rudolf Goethe zu Offenbach a. M. die evangelische Pfarrstelle an der Stadtkirchengemeinde zu Offenbach a. M., Dekanat Offenbach, und dem Pfarrer Wilhelm Kornmann zu Laubach die evangelische Pfarrstelle an der Markusgemeinde zu Darmstadt, Dekanat Darmstadt. Pfarrer Friedrich Müller zu Darmstadt wurde zum Dekan des Dekanats Darmstadt ernannt. — Mit der Führung der Dekanatsgeschäfte des Dekanats Alsfeld bis auf weiteres beauftragt wurde Pfarrer Karl B e r n b e ck zu Alsfeld. Ebenso Pfarrer Friedrich Engel zu Alzey mit der Führung der Dekanatsgeschäfte des Dekanats Alzey. DieKassen des Elektrizitätswerks und des Gas- und Wasserwerks sind wegen des durch die Zusammenlegung beider Kassen * G i e ß e n, 21. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier Klasse S 10'/-, Klasse A 10, Klasse B 9'/-, Klasse C 9, ®la\\e D 8, Wirsing (grün), das Pfund 15, Gelbe Rüben, Bund 10, Rote Rüben 20, Spinat, das Pfund 20, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 25 bis 30, Spargel 30 bis 35, Erbsen 20, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 15, Rhabarber 8, Kartoffeln (alte), das Pfund 4'/- bis 5 Pf., der Zentner 4,50 bis 5 Mark, neue das Pfund 12 bis 15 Pf., Himbeeren 50, Kirschen 20 bis 25, Heidel- Chauffeur abspringen konnte. Während Demidoff seiner jungen Frau hineinhalf, steckte der Diener ihm blitzschnell und geschickt einen kleinen Zettel in den Handschuh. Demidoff verbarg das Papier und reichte dem Diener eine Note. Dann stieg er schnell in das Auto ein, das ihn und seine Frau zum Speisen in eins der größten und elegantesten Lokale Roms führte. Es war zwei Stunden später, als die beiden in ihr Hotel zurückkehrten, und die junge Baronin Demidoff, ermüdet von dem Tage, sich von ihrem Gatten verabschiedete, um sich in ihr Schlafzimmer zurückzuziehen. Alexander Demidoff küßte die Hand seiner Frau. „Ich werde noch unten in der Halle einen Whisky trinken, liebe Sofia. Schlafe also gut! Morgen früh reiten wir, wie besprochen, in die Berge." Sie nickte lächelnd und sah mit innigem Blick der schlanken, eleganten Gestalt nach, die da elastisch vor ihr ging. Wie liebte sie ihn, ihren Mann, den sie sich erwählt, und an dessen Seite sie einer glänzenden Zukunft entgegenging! Aber sie vermochte nicht, es ihm so zu zeigen. Ihm gegenüber blieb sie immer kühl und von einer letzten Reserve. Ihr Stolz litt es nicht, ihm ihre leidenschaftliche Zuneigung unverhüllt zu zeigen. erblühen konnte. Ein einziges Wiedersehen mit Lou und der heiße Atem der Leidenschaft fegte wie ein südlicher Samum über sein mühsam aufgebautes Leben. Mit einem fahlen Gesicht saß Alexander Demidoff da — und er wußte nur noch eins: daß er die Frau da drüben sprechen mußte. Als die Oper auf ihrem Höhepunkt war, die Instrumente lauter und wilder auffangen, als er fah, daß feine Frau, von dem wundervollen Gesang der italienischen Künstler hingerissen, alles um sich her vergessen hatte, da erhob sich Alexander Demidoff ganz leife. Man horte es nicht, wie die Logentür klappte. Draußen im Gang stand der Logenschließer gähnend an eine Säule gelehnt. Der junge Diplomat trat rasch auf den Diener zu, der sich sofort aufrichtete und eine devote Haltung einnahm. „Horen Sie!" sprach Demidoff leise, in tadellosem Italienisch, und ließ eine Banknote in die Hand des Dieners gleiten. „Drüben in der Loge mir gegenüber sitzt eine Dame in einem gelben Kleid. Ich mochte wissen, wo die Dame zu erreichen ist. Sagen Sie Ihrem Kollegen Bescheid ober setzen Sie sich mit dem Portier unten in Verbindung. Ich nehme an, daß die Dame ihren Wagen unten haben wird. Ich komme morgen hier vorbei und hole mir Ihre Nachricht." ..Sehr wohl, Exzellenz!" erwiderte der Diener, der an derartige Aufträge gewöhnt war, ehrerbietig. „Ich werde bis morgen alles erfahren haben, was Exzellenz zu wissen wünschen." Demidoff nickte kurz und ging leise in die Loge zurück, deren Tür er unhörbar öffnete und schloß. Als die Vorstellung zu Ende war, vermochte er ruhig und heiter plaudernd mit seiner jungen Frau bie Breiten Marmortreppen der großen Oper hinunterzugehen. Er wußte, .er würde Lou wiedersehen. Auf der Freitreppe der Oper standen die eleganten Frauen in schimmernden Brokatmänteln, die sie eng zusammengerafft über den weit herabfliehenden langen Abendkleidern zusammenhielten. Kostbare : Schleppen aus Chiffon, Samt, Seide, lagen wie glitzernde Bänder auf dem Boden. Herren in i schwarzen Abendumhängen, den Zylinder auf dem । Kops, standen neben ihren Damen. Chauffeure • hupten, und elegante Wagen wurden von der I winkenden Hand des Verkehrsschutzmannes dirigiert. > „Der Wagen Eurer Exzellenz!" sagte ehrerbietig i ein junger Diener der Oper und öffnete den Schlag : eines vornehmen, dunklen Wagens, ehe noch der Preis erhielt mit 34 C ff *x rr s. . ,T\ r -------— / w w vui 1 in iu;i i/ui vitiuiiucn ti nirtuii rjUenöe Erd- und Gestemsmassen. Dabei erlitt er reichen Beifall. Mit dem Gesang des Horst-Wessel- Berletzungen an den Weichteilen und am Rückgrat, Liedes fand der Abend feinen Abschluß. Oberheffen * Homberg, -1. Juni. Der 20 Jahre alte Ewald Schneider vom hiesigen Arbeitsdienstlager geriet bei Arbeiten im Steinbruch unter heraberschien. Nach gutem Start der drei Boote setzte sich Gießen nach 500 Meter in zähem Kampf an die Spitze und konnte unter weiterer härtester Arbeit den Abstand bei 1000 Meter auf eine Länge ausdehnen. Stettin war inzwischen weit zurückgefallen. „Wicking" versuchte durch dauerndes Spurten an die Gießener heranzukommen, aber der Vorsprung wurde gehalten. Bei 1400 Meter gab Stettin, aussichtslos im Rennen liegend, auf. An der Tribüne setzten beide Boote, das Letzte aus sich herausholend, zu einem heißen Endspurt ein, und unter dem anfeuernden und dem lebhaftesten Beifall der Zuschauer konnte Gießen mit einer klaren Bootslänge das Rennen für sich entscheiden. Die Zeiten: Gießen 6:23,0; „Wicking" Berlin 6:26,6 Min. Auf der Tribüne wurde der Sieg der Gießener herzlichst ausgenommen. Am Anlegesteg beglückwünschte der Verbandsführer jeden einzelnen der Mannschaft. Die Gießener haben damit bewiesen, daß sie, als eine in den Vorrennen ausgefchiedene Mannschaft, nicht zu den Letzten gehörte, sondern, daß bei glücklicherer Startverlosung der Achter in den Hauptrennen unzweifelhaft eine erste Rolle gespielt hätte. Besonders gewürdigt wurde das Können und Kämpfen des Gießener Derbandsachters auf einer Regattasitzung, in der die Verbandsachter in folgende Klassen eingeteilt wurden: Klasse la: Würzburg; Klasse I: Gießen, Königsberg, Leipzig und Berliner Club; Klasse II: Mainz und Hamburg. Man kann nach dem glänzenden Abschneiden der Gießener Mannschaft voll Vertrauen weiteren Regatten entgegensehen und berechtigte Hoffnungen für die Kampfspielregatta in Mainz (20. bis 22. Juli) haben. Gestern fand das des Krieger- II. Merlau, 18. Juni. „Wo steht der Nationalsozialismus heute?" Vortrag im Nationalsozialistischen Bund Deutscher Technik. S.Jfxf'porf Die Gießener Rudergesellschasl in Berlin Schluß-Preisschießen Vereins statt. Den ersten ....... __ Ringen das Mitglied Ernst Loth, Kirschgarten. Den zweiten Preis erhielt Heinrich Loth mit 31 Ringen. — Gestern abend veranstaltete die NS.- Gemeinschaft „Kraft durck Freude" im vollbesetzten hörleschen Saale ein woylgelungenes Konzert, verbunden mit einem ernsten Theaterstück „Die Bauernführer", ein Trauerspiel in vier Aufzügen aus der Zeit der Bauernkriege (1525) von Walter Fl ex. Den ersten Teil des Abends füllte die Alsfelder Spielschar unter Mitwirkung der Alsfelder Trompeten-Kameradschaft aus. Nach dem Liede der Bauernerhebung folgte ein Vortrag von Lehrer Kraus, Volkstumwart, „Wer war Walter Flex?" Das Theaterstück fand andächtige Zuhörer. Nach dem Schlußmarsch der Trompeter sprach noch Pg. Hartmann über Zweck und Ziele dieser Veranstaltungen. Sämtliche Darbietungen ernteten die seine Ueberführung in die Chirurgische Klinik nach Gießen erforderlich machten. st. Kirtorf, 20. Juni. Dieser Tage fand im Saale der Gastwirtschaft Becker ein Volksliederabend, veranstaltet von der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", statt. Bevor der hiesige Männergesangverein „Liederkranz" den Abend mit dem schönen Liede „Drei Blätter von der Linde" in eindrucksvoller Weise einleitete, wurde die Veranstaltung durch Ortsgruppen-Betriebszellen- obmann L. Schombert mit einer herzlichen Begrüßungsansprache eröffnet, um dann dem Redner, Pg. Lehrer Schmoll (Elpenrod), das Wort zu erteilen. Pg. Schmoll kennzeichnete den hohen Wert unserer deutschen Volkslieder. Die deutschen Volkslieder, ein kostbarer Schatz unseres Volkes, müßten, wie es auch der Wunsch unseres Führers sei, im deutschen Volke wieder lebendig werden, Jm zweiten Teile des Abends wurden farbenprächtige und schöne Lichtbilder gezeigt, die eine Vielzahl unserer herrlichen Volkslieder in bildlichem Sinne darstellten. Daneben wurden zu diesen Bildern die einzelnen Lieder, wenn auch nicht alle, freudig gesungen. Der BdM. und der Gesangverein „Liederkranz" wirkten mit. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes fand die Veranstaltung ihren Abschluß. Um den Gchmeling-Neusel-Kompf. Der vielleicht bedeutendste Schwergewichtskampf in der deutschen Boxgeschichte ist die Begegnung zwischen Max S ch m e l i n g und Walter N e u s e l am 26. August in Hamburg, die als Endausscheidung zur Weltmeisterschaft gewertet werden soll. Schme- ling, der in USA. eigentlich für einen Titelkampf erledigt war, erhält damit noch einmal die Chance jMes Lebens. Als. Austragungsort wurde die Rw- über die Organisation des Kyffhäuserbundes. Anschließend gab er bekannt, daß der seitherige erste Vorsitzende Straßenwart Christoph Pfeiffer sein Amt freiwillig niedergelegt hat. Bezirksführer Bernhardt ernannte alsdann den seitherigen Bürgermeister Gans zum ersten Vorsitzenden. Mit einem dreifachen „Sieg heil!" auf den Volkskanzler Adolf Hitler schloß der Bezirksführer die Versammlung. — Dieser Tage wurde der Pg. Rebholz aus Friedberg zum kommissarischen Bürgermeister unserer Gemeinde ernannt und verpflichtet. (1) Bersrod, 20. Juni. Im Rahmen der Reichsverkehrserziehungswoche veranstaltete die N S D.- Ortsgruppe Bersrod im Saale der Gastwirtschaft Becker eine Versammlung. Lehrer h a i sprach über die Verhütung von Unfällen und zeigte an praktischen Beispielen aus dem Leben die Notwendigkeit der Aufklärung auf dem Gebiete der Verkehrsunfälle. Im Anschluß daran sprach der Referent über Zweck und Ziel der NSV. und forderte alle Volksgenossen zum Eintritt auf. Ortsgruppenleiter Hofmann gab zum Schlüsse parteiamtliche Mitteilungen bekannt. # Queckborn, 20. Juni. Am vergangenen Sonntag fand im Saale der Gastwirtschaft G ö r - n e r t em gut besuchter Tonfilm-Abend statt. Die Landesfilmstelle der NSDAP, von Frankfurt am Main brachte den Tonfilm „hitlerjunge Quex" zur Aufführung. Die Vorführung des Films hinterließ einen tiefen Eindruck und zeigte in klarer Weise die schweren Kämpfe, die durch Vorkämpfer der nationalsozialistischen Bewegung in den Großstädten vor der Machtübernahme ausgetragen wurden. Der Besuch aus den benachbarten Ortschaften war sehr rege. Am Sonntag nachmittag wurde der Film für die drei Schulen Queckborn, Ettingshausen und Münster aufgeführt. z. Watzenborn-Steinberg, 20. Ium. In dtese» Tagen wurde die Verschmelzung der Oie Borrunde um den Adolf-Hitler-Pokal. Die Vorrunde um den „A d o ls - Hitler- Pokal" sieht zwölf der sechzehn Gaumannschaften im Kampf; zwei Spiele werden erst am 1. Juli ausgetragen, für die bereits die Zwischenrunde an- gesetzt ist. Das Programm' des Sonntags umfaßt folgende sechs Treffen: in Karlsruhe: Baden gegen Niedersachsen; in Kassel: Nordhessen gegen Schlesien; in Köln: Mittelvhein — Brandenburg: in Königsberg: Ostpreußen — Niederrhein; in Chemnitz: Sachsen — Pommern; in Magdeburg: Gau Mitte — Nordmark. Die Vorrunde hat nur wenige Favoriten; die Spiele von Auswahlmannschaften sind immer schwer zu beurteilen. Mit sicheren Siegen der Gaue Brandenburg, Niederrhein und Nordmark sollte allerdings zu rechnen sein. Nordhessen gegen Schlesien. Im Vorrundenspiel um den Hitler-Pokal tritt also die Gaumannschaft des Gaues XII (Nordhessen) gegen eine gleiche Mannschaft des Gaues Schlesien an. Das Spiel findet am kommenden Sonntag, 24. Juni, auf der Hessenkampfbahn in Kassel statt. Die Mannschaft des Gaues Schlesien steht noch nicht fest, jedenfalls wird sie nicht zu unterschätzen sein. Die Mannschaft unseres Gaues setzt sich vorwiegend aus Spielern von Borussia Fulda zusammen. Es ist folgende Mannschaft aufgestellt: Sonnrein (Hanau 93); Schröder (Kurhessen Kassel), Engelhardt (Borussia Fulda); Engelhardt (03 Kassel), Maintz (Borussia Fulda), Strasser (Borussia Fulda); Lämmerzahl, Kammer! (Hessen Hersfeld), Pletsch, Leugers (Borns- sia Fulda), Kleim (03 Kassel). ßen-Mitte (Leitung Frau M. S ch äf e r) durch den Vortrag des Liedes „Ein Rotdorn blüht auf dem Schiffenberg", Text von Frau Pfarrer Steiner, vertont von Pfarrer Steiner (Haufen). Sowohl dieses Lied, wie auch die übrigen gesanglichen Darbietungen des Chores standen auf beachtlicher höhe. Einen besonderen Erfolg erzielte die Laienspielschar Friedberg mit der Aufführung der Lokalposse „Des Kroogeknepp che". Dieses Stück, das im ersten Teil in einem Dorfe der Wetterau, im zweiten Teil auf dem Friedberger Markt spielt, ist durchsetzt von erfrischendem Humor und zeigt Volkstum und Heimat in bester Weise. Der SAR.-Musikzug füllte die restlichen Stunden des Nachmittags mit guter Musik aus. Eine besondere Freude brachte die Veranstaltung den teilnehmenden Kindern, die sämtlich, etwa 250 an der Zahl, mit Kakao und Kuchen sehr reichlich bewirtet wurden. js Landkreis Gießen. ck. Heuchelheim, 20. Juni. Der Sportverein 19 2 0 veranstaltet am kommenden Samstag und Sonntag anläßlich eines Fußballspieles mit der lb-Mannschaft von Borussia Neunkirchen, in Verbindung mit der Ortsgruppe der NSDAP. Heuchelheim, eine große Saarkundgebung. Sams- tagabend findet zu Ehren der Gäste unter Mitwirkung der hiesigen Gesangvereine und der Kapelle des Marinesturmes Wetzlar eine Feier im Dereins- lokal statt. Am Sonntagvormittag werden leichtathletische Wettkämpfe auf dem Sportplatz veranstaltet und nachmittags findet eine große Saarkundgebung mit Ansprachen, Massenchor und Korn zert statt. Anschließend wird das Fußballspiel Borussia Neunkirchen 1 b — Sportverein 1920 I. aus- getragen. Die Einwohner Heuchelheims werden diese Veranstaltung zu einer machtvollen Kundgebung für das Deutschtum der Saar zu gestalten wissen, um unseren Brüdern von der Saar zu zeigen, wie in allen Gauen und Schichten Deutschlands die Schick- salsoerbundenheit mit ihnen lebendig ist. r. L o l l a r , 20. Juni. Arn Sonntag wurde anläßlich der Reichsschwimmwoche das neu a n ge • legte Schwimmbad an der Lahn seiner Bestimmung übergeben. Am Nachmittag wurde eine Reihe Wettkämpfe im Brust- und Freistilschwimmen sowie im 6 X 50-Meter-Schwimmen ausgetragen, woran sich die oberen Schulklassen, der BdM., die Hitler-Jugend, die SA. und SAR. beteiligten und sehr gute Ergebnisse erzielt wurden. wg. Großen-Buseck, 20. Juni. DerKrie- g e r d e r e i n „K o n k o r d i a" hielt im Saale von Gastwirt Wilhelm Wagner eine außerordentliche Generalversammlung ab. Der Bezirksführer Bernhardt (Gießen) eröffnete die Versammlung und sprach in längeren Ausführungen über die Bedeutung der Kriegervereise im Drittes Reiche itnd solle. Es fei verständlich, wenn es dem Einzelnen, der sich schon ein festes Lebensbild zurechtgelegt habe, schwer falle, sich umzustellen. Jener aber solle, wenn er zum Neuen kein Verhältnis finden könne, wenigstens stille sein. Es gebe nichts Verächtlicheres, als einem Menschen böswillig die Ehre abzuschneiden, weil er vielleicht Exponent irgendwelcher Art sei. Mit solcher Taktik könne gegen den Nationalsozialismus nichts ausgerichtet werden. Es aehe nicht an, daß Führer und Idee gutgeheißen würden und die Mitarbeiter in kleinem Kreise würden ständig mißkreditiert. Der beste Wille und die größten Pläne des klügsten Kopfes könnten nichts helfen, wenn nicht die eiserne Energie vorhanden sei, die Pläne durchzuführen. Wesentlich sei, daß wir die große Idee, in deren Dienst wir stehen, in ihrem vollen Ausmaß erkennen. Jeder einzelne müsse sich bedeutsam fühlen im Zusammenhang mit dem Ganzen. Jeder müsse sich in selbständigem Denken um das Geschehen in unserem Daterlande bekümmern. Nationalsozialismus in letzter Konsequenz sei Einsatz für eine große Idee. Was an der Front 1914 bis 1918 geleistet worden sei, war ein blankes Stück Nationalsozialismus. 1914 und 1923 seien jeweils Einsatz für eine große Sache gewesen. Die geistige Verbindung zwischen Frontsoldatentum und jener kämpferischen jungen Generation sei klar erkenntlich. Wer aber 1918 als „Soldatenrat" nach Hause gekehrt sei, könne nicht heute auf sein Frontsoldatentum pochen. Jeder, der von sich als von einem Nationalsozialisten spreche, müsse Vorleben. Der gute Einfluß des Beispiels bleibe nicht aus. Aufgabe der Zukunft fei, das Wesen des Nationalsozialismus klar zu erkennen, auszubauen und weiter zu tragen. Der Weg Deutschlands in eine bessere Zukunft gehe nur in nationalsozialistischem Geiste. Es sei nichts weiter gewollt, als daß der Nationalsozialismus als Tatsache anerkannt, aus ganzer Seele bejaht werde, sowie in jeder Tat zum Ausdruck komme. Alle Maßnahmen unseres Volkskanzlers feien aus seiner Liebe zu Volk und Vaterland erwachsen. Der Weg unseres Führers Adolf Hitler fei der Weg in unsere Zukunft, sei der Weg zu Arbeit und Frieden! (Lebhafter, anhaltender Beifall!) Oiplom-Zngenieur Sun dankte dem Redner für seine trefflichen Ausführungen und wies dann auf den tieferen Sinn dieser Schulungsabende hin. Für jeden von uns gelte es, so führte er u. a. aus, sich den Nationalsozialismus zu eigen zu machen und es als den kategorischen Imperativ der Pflicht zu betrachten, dieses Gut weiterzugeben. In weiteren Ausführungen unterstrich der Redner mit einigen Sätzen Gedanken des Vortragenden und wandte sich dann in eindringlichen Worten an die Mitglieder, soweit es in den Kräften des einzelnen steht, im eigenen Kreis dafür Sorge zu tragen, daß jene Gerüchtemacherei, die in den letzten Monaten so außerordentlich im Schwange war, entgegenzutreten. Der Versammlungsleiter wies zum Schluß darauf hin, daß während der nächsten zwei Monate keine Schulungsabende stattfinden werden, die Mitglieder aber die Gelegenheit dazu benutzen sollten, an Hand der einschlägigen Literatur sich weiterhin mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen. Nach kurzen informatorischen Mitteilun- mal nicht so gut ab, zog aber doch nach den ersten 500 Metern wieder gleich, von da an gab es ein geschlossenes Bord-an-Bord-Rennen der drei Achter mit wechselnder Führung. Bei 1000 Meter hielt immer noch der zähe Bord-an-Bord-Karnpf an, „Wicking" lag mit Würzburg eine Halbs Länge vor Gießen; bei 1500 Meter kamen die Gießener nach wirkungsvollem Spurt mit „Wicking" auf gleiche höhe, geführt wurde das Feld von Würzburg. Mit dem einsetzenden Endspurt machte sich Gießen durch kräftige und energische Schläge von „Wicking" frei und passierte in schönem Stil unter dem Beifall der Zuschauer nur etwa drei viertel Länge hinter dem Deutschen Meister und eine Länge vor „Wicking" das 3iel. Die Zeiten: Würzburger RV. 6.27,8, Gießener RG. 6.29,4, „Wicking" Berlin nicht gerichtet. Dem Führer des Deutschen Ruderoerbandes war es klar, daß nach der Verlosung und dem Ergebnis der Dorrennen eine einwandfreie Qualifizierung der vier besten Achter für die Hauptrennen nicht möglich war. Aus diesem Grund hat er für die in den Vorrennen ausgeschiedenen Achtermannschaften am Samstag nach dem Büxensteinachter nochmals ein. Prüfungsrennen angeordnet, um den Besten unter ihnen zu ermitteln. Für dieses Rennen waren verpflichtet: Hamburg, Mainz, Stettin, „Wicking" Berlin und Gießen. Die Verbandsachter Mainz und Hamburg traten zu diesem Rennen nicht an, so daß Gießen mit Stettin und »Wicking" Berlin allein am Start schäft. Die Frau habe aber auch die Pflicht, auf die Männer zu wirken, sie habe hier Aufgaben zu erfüllen, wie sie eben nur die Frau erfüllen könne. Da, wo der Mann den Mut sinken lasse, müsse sie ihn an seine Pflichten erinnern. Der Kampf, der uns noch bevorsiehe, fei schwer, er könne erfolgreich beendet werden, wenn er gemeinsam erstritten werde. Es stecke viel ungeahnte Kraft in unserem Volk. Das Schicksal habe uns in unserem Führer Adolf Hitler ein Porbild gegeben, er sorge wie ein Vater Tag und Nacht. Der Redner beendete seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler. Die Festoersammlung sang sodann das Deutschland- und das Horst-Wessel- Lied. Nach weiteren musikalischen Darbietungen erfreute der Chor der NS.-Frauenschaft, Ortsgruppe Gie- beiden Landwirtschaftlichen Konsumvereine voraenommen. Die Bücher wurden mit dem Tag der llebergabe abgeschlossen. Oberrevisor h artma nn (Gießen) nahm deren Prüfung vor. Die beiden Lagerstellen bleiben bestehen, und zwar die eine in Steinberg und die andere in Watzenborn. Watzenborn ist Laaerstelle I und Steinberg Lagerstelle II. Die neue Genossenschaft wird unter dem Namen Bäuerliche Bezugs - und Absatzgenossenschaft weitergeführt. Der Vorstand setzt sich zusammen wie folgt: 1. Direktor Conrad hanack, 2. Direktor Karl Polmer, Rechner find Karl Weiß III. und die beiden Vorstandsmitglieder Ludwig Schmitt V. und Johs. Sommer VIII. Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Ernst h ä u s e r, und dessen Stellvertreter Karl Hirz III. Weitere Mitglieder des Aufsichtsrates sind: Theodor Philipp, Johs, Philipp II., Karl Dietz, Richard Engel, Karl Happel, Karl Andermann und Gg. Seipp. * h a u f e n, 21. Juni. Am morgigen Freitag, dem 22. Juni, feiern die Eheleute Altbürgermeister Ludw. Happel und Lina, geb. Wehrum, das Fest der goldenen Hochzeit. Kreis Schotten. ck. Lau dach, 17.Juni. Der am 31. Mai infolge eines Dachsturzes schwer verunglückte Dachdeckermeister Konrad L e d e r m a n n ist den Folgen seiner Verletzungen erlegen. — Am Samstag veranstaltete die Ortsgruppe NSV. Laubach im „Solmser Hof" einen Filmabend. Nach der Begrüßung durch den OG.-Amtsleiter der NSV. Pg. M ö n n i g wurden drei Filme mit entsprechenden Vorträgen von Oberbausekretär B i ck h a r d t, Orts-Frauenschafts- leiterin Krenkel und Reallehrer Haas gezeigt, in denen die wichtigsten Verkehrsregeln eingehend veranschaulicht wurden. Die Veranstaltung wurde mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer sowie mit dem Gesang des Deutschland- und horst- Wessel-Liedes geschlossen. Den musikalischen Teil hatten die Herren Bröckelmann (Klavier) und Hühner (Pioline) übernommen. Kreis Alsfeld. Die Ortsgruppe Gießen des Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Technik hielt gestern abend im (£af£ Ebel ihren letzten Schulungsabend vor der Sommerpause ab. Der Bezirksleiter, Diplom-Jn- aenieur Kurz, begrüßte die Mitglieder und erteilte sofort dem stellvertretender Kreisleiter pg. Hopfenmüller das Wort zu feinem Vortrag über das in der lieber« schrift genannte Thema. Der Redner führte u. a. aus: Man könne sich theoretisch mit dem Nationalsozialismus beschäftigen, gewonnen fei dadurch aber nichts. Wichtiger fei es, den Nationalsozialismus im Kreise der Volksgenossen, auf der Straße, an der Arbeitsstätte, im Haus und in der Familie zu suchen. Den Nörglern mit dem gegenwärtigen Kamps gegen sie sei keine übertriebene Bedeutung zuzumessen, notwendig sei dieser Kampf aber, weil es gelte, diejenigen Volks- genossen, die sich nunmehr zum Nationalsozialismus hinfinden, vor den Einflüssen jener Geister zu bewahren. Wir alle seien erst auf dem Wege zum Nationalsozialismus. Es fei notwendig, sich immer wieder einmal vor Augen zu hatten, daß der Weg des deutschen Volkes noch vor IVt Jahren steil abwärts führte. Der Kommunismus fei nicht nur ein Schreckgespenst gewesen, sondern drohende Wirklichkeit (Reichstagsbrand!). In der politischen Bewertung könne dem Nationalsozialismus nicht das zur Last gelegt werden, was heute im deutschen Volke noch unentwickelt sei. Das deutsche Volk habe lange Zeit immer nur Männer gewählt, die stets gegen die Inter- essen des Vaterlandes handelten. Was aber in jahrelanger Mißwirtschaft zerstört worden sei, könne nicht in einem Jahre wieder aufgebaut werden. Der Führer habe sich vier Jahre Zeit ausbedungen. Cs dürfe nicht jeder die Frage nach dem materiellen Gewinn stellen. Auf die Einsatzbereitschaft und das Opfer eines jeden Einzelnen komme es an. Leder müsse guten Willen aum Aufbau mitbringen. Von den Nörglern werde nichts Neues gesagt. Man sei sich dessen bewußt, daß noch nicht jeder Arbeiter um angemessenen Lohn schaffe. Das bisher Geleistete müsse aber ehrlich anerkannt werden. Die nationalsozialistische Führung lasse das Volk durchaus nicht im Unklaren über die Lage unseres Vaterlandes. Die Politik sei bisher immer nur auf die Bilanz abgestellt gewesen. Demgegenüber müsse auch die ethische Seite der nationalsozialistischen Politik bewertet werden. Allein schon die innere Befriedung des deul- fchen Volkes fei ein großer Erfolg. Auch in dieser Hinsicht dürfe Vergangenes nicht vergessen sein. Das was an guten Kräften in der deutschen Seele wachgerufen worden sei, sei ungeheuer. Was hinsichtlich des Lebensstandards jedes Volksgenossen erreicht werden solle, mache stetige Fortschritte. Frühere Regierungen bemühten sich zwar auch um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, aber ohne jeden Erfolg. Das Verdienst des Nationalsozialismus auf dem Gebiet der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sei unbestritten. Der Führer Adolf Hitler wolle, so fuhr der Redner fort, daß jeder Volksgenosse von sich aus an den Nationalsozialismus heranfinden solle. Aus diesem Grunde sei auch zu kritischen Zeitpunkten Die Verbands achter mann schäft der Gießener Rudergesellschaft konnte, nachdem sie seit der Heidelberger Regatta ständig ihre Form verbesserte, in den Kämpfen während der Berlin-Grünauer Regatta wieder den Beweis erbringen, daß sie zur besten deutschen Klasse gehört. Sie hat in ihrem Rennen durch Form und Stil nicht nur den Beifall der Berliner Ruderwelt gefunden, sondern auch die volle Anerkennung des Verbandsführers, sowie des Vertreters des Reichssportführers Herrn Arno Breitmeyer, gewonnen. Die Mannschaft hat damit den Namen der <5tabt Gießen, der erstmalig auf der großen Regatta vertreten war, alle Ehre gemacht und ihn in der Berliner Oeffentlichkeit in beste Erinnerung gebracht. Die Achtermannschaft (W. Flimm, h. N o l l, G. Hartmann, F. Weinhold, E. Eute- neuer, W. Becker, C. Georgi, K. T i m p e I. I. R./15, Steuer: h. L o h) fuhr schon am Mittwoch, 13. Juni, begleitet von ihrem Trainer, nach Berlin, um sich in Trainingsfahrten am Donnerstag mit der schweren Strecke vertraut zu machen. Am Freitag morgen, im ersten Vorrennen zum Büxeusleinachler. zu dem noch Berliner RG. o. 1884, Königsberg, Stettin, Leipzig, Hamburg, Berliner Cl., Würzburg und Mainz gemeldet waren, hatten die Gießener gegen Königsberg und die Berliner RG. 8 4 anzutreten. Nach ausgezeichnetem Start setzte sich Gießen mit einer halben Länge vor Königsberg und die Berliner RG. an die Spitze. Bei 1000 Meter führt Gießen mit drei viertel Länge vor Königs- berg, die Berliner RG. lag weiter zurück. Bei 1500 Meter wird der Gießener Achter durch den ihm ungewohnten hohen Wellengang etwas unsicher, Königsberg konnte sich bei 1700 Meter heranspurten und bei 1800 Meter mit einer halben Länge in Führung gehen. Im Endspurt und im Ziel blieb die gleiche Differenz. Weit zurück folgte die Berliner Nach den Nennen beglückwünschte der Führer des Deutschen Ruderoerbandes, Herr Regierungspräident Pauly, persönlich den Trainer und den Schlagmann der Gießener Mannschaft, und bedauerte, daß der Achter trotz der schönen Leistung ür das Hauptrennen ausgeschieden sei. Das Vorrennen zum Verbandsachler, zu dem „Wicking" Berlin, Würzburg, Hamburg, Stettin, Berliner RG., Leipzig, Berliner Cl., Königsberg, Mainz und „Hellas" Berlin gemeldet waren, hatten die Gießener am Freitagabend gegen den Deutschen Meister Würzburg und „Wicking" Berlin zu bestreiten. Im Start kam Gießen dies- jedes Blutvergießen vermieden worden. Adolf Hitler liebe jeden Volksgenossen so, wie er jeden der gen über die Neuorganisation des bisherigen KDAJ. ersten sieben Nationalsozialisten liebe. Es müsse schloß Diplom-Ingenieur Kurz mit einem ürei- sich die Auffassung durchsetzen, daß die national- fachen „Sieg-Heil!" auf den Führer den sehr ansozialistische Idee Deutschland in der Zukunft tragen regend verlaufenen Schulungsabend. fenarena neben Hagenbecks Tierpark gewährt, die nach den jetzt oorgenommenen Messungen 100 000 Zuschauern Platz bietet. 1900 — DfÄ.-Reichsbahn. Unsere Bilder zeigen zwei Spielmomente aus dem Fußball-Lokalkampf der 1. Mannschaften der Spiel- Vereinigung 1900 und des VfB.-Reichsbahn. — Bild oben: Kritische Situation vor dem VfB.-Tor. — Bild unten: Tormann Janz (DfB.-Reichsbahn) hält einen scharf geschossenen Ball. Kurze Gportnotizen In Finnland bereiten sich die Leichtathleten auf kommende Großereignisse intensiv vor. Eine Veranstaltung jagt die andere und überall gibt es gute Leistungen. In Tavesthus siegte Strandvall über 100 Meter in 10,6 und 400 Meter in 48,8; in beiden Läufen wurde A. Iärvinen Zweiter. Sein „großer Bruder" Matti kam im Speerwerfen diesmal allerdings „nur" auf 70,42 Meter. * Eine schöne Segelflugleistung vollbrachte der Schlesier Hans Deutschmann aus Gruna. Mit seinem Apparat „Die Ringelpietz" ließ er sich in Hirschberg von einem Motorflugzeug 200 Meter hochschleppen. Nach dem Ausklinken gewann er durch thermische Aufwinde rasch 2300 Meter Höhe und landete nach einem zweistündigen Flug glatt in Breslau. Einen neuen Schweizer Rekord im Dauersegelflug stellte Lt. Schreiber mit 7 Stunden und 15 Minuten mit einer deutschen Maschine „Kassel 20" auf. ♦ Die Auslosung für Wimbledon ist erfolgt. Im Herreneinzel der am 25. Juni beginnenden Spiele um die All-England-Tennismeisterschaf- ten wurden von oben nach unten der Australier und Titelverteidiger Jack Crawford, der Engländer Perry, der deutsche Meister G. von Gramm, der Engländer Austin, die Amerikaner Shields, Stoefen, Wood und der Italiener de Stefani „gesetzt" Bei den Damen werden einzelnen Piertel von Helen Jacobs. Dorothy Round, S. Palfrey, Hilde Krah- winkel-Sperlin, „Peggy" Scriven, Lolette Payot, Cilly Äußern und Frau Mathieu gebildet. Heuer deutscher Hochspruug-Aekord Schöffengericht Gießen Die in Friedberg wohnhafte A. L. war der fahrlässigen Tötung angeklagt. Sie sollte durch Fahrlässigkeit den Tod ihres neugeborenen Kindes verursacht haben, wurde jedoch mangels Beweises freigesprochen. Die Staatskasse trägt die Kosten des Verfahrens. Wegen eines Verbrechens der Urkundenfälschung in Tateinheit mit einem Verbrechen der Unterschlagung in drei Fällen wurde der H. K. aus Treis a.d. Lda. zu einem Jahr Gefängntr verurteilt. Der Angeklagte fertigte falsche Bürg» schaftsurkunden an und machte von diesen zum Zwecke einer Täuschung Gebrauch. Der Angeklagte eignete sich ferner Geldbeträge, die er im Besitz hatte, rechtswidrig an und verfügte in Tateinheit hierzu als Bevollmächtigter über Vermögensstücks feiner Auftraggeber, nämlich über Konten von Genossenschaftsmitgliedern zum Nachteil derselben. Da der Angeklagte verurteilt ist, hat er nach gesetzlicher Vorschrift auch die Kosten des Verfahrens zu tragen. Der H. R. aus Heuchelheim bezichtigte m einem Schreiben an den Reichsfinanzminister einen mitt» lerweile aus dem Dienst geschiedenen leitenden Beamten des hiesigen Finanzamtes des Betrugs usw. Der Angeklagte hatte sich wegen Beleidigung zu verantworten und wurde zu 70 Mark Geld- {träfe, evtl, zu einer Woche Gefängnis verurteilt und trägt die Kosten des Verfahrens. Wegen Urkundenfälschung und Betrugs wurde der K. D. aus Gießen zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Dem Angeklagten gelang es durch Vorspiegelung falscher Tatsachen, daß er im Auftrage einer Zwecksparkasse käme, um die erste Rate für einen Spardarlehensvertrag abzuschließen, mehreren hiesigen Geschäftsleuten ansehnliche Beträge zu entlocken. In Tateinheit damit schnitt der Angeklagte aus einer Kopie, in der die Zweckspar- kaffe den Abschluß eines Sparvertrags durch einen anderen Agenten bestätigte, den Text heraus und fälschte diesen durch Streichungen, Rasur und Ergänzungen. Auf diese Weise veranlaßte der Angeklagte einen Geschädigten noch einmal zur Hingabe eines Geldbetrags. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit befaßte sich das Gericht mit der F. I. wegen Verbrechens im Sinne des § 218 RStGB. Die Angeklagte erhielt drei Wochen Gefängnis. Jugendliche Personen gehören nicht in den Tanzsaal. LPD. Frankfurt a. 20. Juni. Der Ober« Präsident der Provinz Hessen-Nassau hat unter dem 18. Juni 1934 nachfolgende Polizeiverordnung erlassen: .. § 1. Jugendliche Personen, und zwar männliche bis zum vollendeten 17. Lebensjahr, weibliche bis zum vollendeten 16. Lebensjahr, dürfen an öffentlichen Tanzlustbarkeiten nicht teilnehmen und auch in dem zum Aufenthalt für die Teilnehmer an solchen Lustbarkeiten bestimmten Räumen nicht verweilen, es sei denn, daß sie sich in Begleitung ihrer Eltern oder Vormünder befinden. § 2. Veranstalter von öffentlichen Tanzlustbarkeiten oder Personen, die in ihren Wirtschafts- oder sonstigen Räumen öffentliche Tanzlustbarkeiten stattfinden lassen, dürfen eine Teilnahme jugendlicher Personen (§ 1) an den öffentlichen Tanzlustbarkeiten ober ein Verweilen in den in §1 näher bezeichneten Räumen nicht dulden. § 3. Veranstaltungen, bei denen nur deutsche Volkstänze getanzt werden, gelten nicht als öffentliche Tanzlustbarkeiten im Sinne dieser Polizeiverordnung. Die Ortspolizeibehörden werden ermächtigt, aus besonderer Veranlassung, an nationalen Feiertagen, Ausnahmen von den Vorschriften der §§ 1 und 2 zuzulassen. § 4. Für jeden Fall der Nichtbefolgung dieser Polizeiverordnung wird hiermit für die Eltern oder den Vormund der betreffenden jugendlichen Personen sowie für den Veranstalter der öffentlichen Tanzlustbarkeit oder die Person, in deren Wirtschafts- oder sonstigen Räumen die öffentliche Tanzlustbarkeit stattfindet, die Festsetzung eines Zwangsgeldes bis zu 150 RM., im Nichtbetreibungsfall die Festsetzung von Zwangshaft bis zu zwei Wochen angedroht. § 5. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft. Deutschlandfluges glücklich und ohne Ausfall durchgeführt. Der Wettbewerb um die beste Gemein- fchaftsleistung hat begonnen. Die heutige Strecke führt trie Flugzeuge über Stettin, Danzig, Königsberg, Stolp, Greifswald nach Tempelhof zurück, wo sie im Laufe des späten Nachmittags und Abends zu erwarten sind. Die ersten Deutschlandflieger in Danzig. Danzig, 21. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Auf dem Danziger Flugplatz, der ab 5 Uhr zum Empfang der Deutschlandflieger gerüstet war, landete um 6.10 Uhr als erste Staffel die Staffel B 2 (Ortsgruppe Magdeburg), bestehend aus drei Siemens- Klemm-Maschinen. Auf dem Flugplatz Langfuhr bei Danzig waren bis 7 Uhr früh 14 Verbände der am Deutschlandflug teilnehmenden Maschinen gelandet. Außerdem traf gegen 7 Uhr außer Wettbewerb Präsident Loerzer am Steuer feiner Maschine ein. Um 8 Uhr waren sämtliche bisher in Danzig gelandeten Teilnehmer am Deutschlandflug zum Weiterflug nach Allenstein gestartet. Präsident L o e r - ze r startete um 7.45 Uhr am Steuer seiner Heinkel- Maschine nach Königsberg. In Danzig herrscht im Gegensatz zu dem bisherigen Deutschlandflug ausgezeichnetes Wetter bei Windstärke 2. 107 Sportflugzeuge in 22 Staffeln unterwegs. Mit einem glänzend gelungenen Start fliegen heute früh auf das Zeichen des Staatssekretärs im Reichsluftminifterium Milch 107 deutsche Sport- flugzeuge in 22 Staffeln von 3.15 bis 5.30 Uhr zum Deütschlandflug 1934 im Flugwettbewerb des deutschen Luftsportverbandes (DLV.) um den Wanderpreis des Herrn Reichsminifters der Luftfahrt auf. In Stettin... Um 4.10 Uhr trafen im Zuge des Deutschlandfluges 1934 die ersten Staffeln in Stettin ein. Trotz der frühen Morgenstunden hatte sich auf dem in der Nähe Stettins gelegenen Flugplatz eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden. Oer Starr der letzten Klugzeuggrnppe Um einen Ausgleich zwischen den schwachen und den starken Flugzeugen zu schaffen, wurden die letzten 43 Flugzeuge, die schnellsten Maschinen, erst um 5.15 Uhr, also zwei Stunden später als die erste Gruppe, vom Start gelassen. Inzwischen war es hell geworden und man konnte nun genau die ! Startmanöver beobachten. Außer Staatssekretär ! Milch war ein großer Teil der Landesgruppenführer des DLV. anwesend, ferner der Präsident des Luftamtes Kaupijch, sowie eine Reihe von Sportbegeisterten, die es sich nicht haben nehmen lassen, so zeitig auf dem Platz zu erscheinen. Um 5.15 Uhr gingen von der letzten Gruppe die ersten Dreierstaffeln auf und ihnen folgten in Fünfer- und Siebenerstaffeln die anderen in zwei Minuten Ad- : stand. Jede Staffel wirb von ben Anwesenden mit ' erhobener Hand gegrüßt. Dankend erwidern die : Piloten den Gruß. Als letzte Maschine startete ein ! Danziger Flugzeug, das außerhalb des Wettbewerbes die ganze Strecke als Werkzeugmaschine mit» 1 macht. Im ganzen starteten neun Verbände zu je ! drei Flugzeugen, zwei zu vier Flugzeugen, sechs zu . fünf und sechs Verbände zu sieben Flugzeugen. Um i 5.30 Uhr war der gut organisierte Start des größten W e i n k ö tz (Köln), der bei einem Leichtathletik-Klubkampf in Luxemburg einen Hochsprung oon 1,945 Meter vollbrachte. Es ist anzunehmen, daß diese Leistung als deutscher Rekord anerkannt wird, da ein Vertreter der Deutschen Sportbehörde zugegen war. Glücklicher Start zum Deutschlandflug Lichtspielhaus» Gießen Heute Donnerstag täglich 4,6 und8.30Uhr der neueste Lustspielschlager mit Anny Ondra Adolf Wohl brück — Fritz Odemar ^erlauschte Braul Eine entzückende Ver- wechslnngs - Komödie mit köstl. Situationen. Vorher: 3681 c Gutes Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche! Lw. E. 27 (a) I 34. Beschluß. lieber den landwirtschaftlichen Betrieb (Eigentümer- und Pächter-Betrieb) des Ludwig Fiedler und seiner Ehefrau Luise, geb. Heller, in Diefeck wird das Entschuldungsverfahren gemäß dem Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhält- nisse vom 1. Juni 1933 heute um 10.55 Uhr eröffnet. 3692D Die Vezirkssparkasse in Gießen wird zur Ent- schuldungsstclle ernannt. Die Gläubiger werden aufgeforbert, ihre Ansprüche bis zum 30. Iuli 1934 bei dem unterzeichneten Amtsgericht anzumelden und die in ihren Händen befindlichen Schuldurkunden dem Gericht einzureichen bei Meldung der in § 11 Abs. 2 des Entschuldungsgesetzes angedrohten Rechtsnachteile. Gießen, den 12. Juni 1934. Hessisches Amtsgericht. WWWWWW i/H 10441/1! 'WWVWmA'. 44/. ATA putzt und reinigt alles Mietgesuche 3-4 Zimmer als Büroräume geeignet, für sofort gesucht. Schr. Angebots mit Preisangabe unter 03152 an den Gieß. Anz. Ml.ZiiWer mit sev. Eingang für Büro geeignet, für fosortg es. Schr.Angeb.unt. u.03150a.d.G.A, Verkäufe Mito-Opell 4/14 mit Verdeck, in la Zustand, zügel, und verst. billig zu verkant. I.A.A.ttevvle« Südanlage 7a. Anzug schwarz. Sakko u. aeftr. Hose, nur dreimal getrag., bes. Umstände halber preiswert Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde bei der Firma Deutsche Bank- und Disconto-Gefellschaft, Zweigstelle Gietzen, in Gießen am 16. Juni 1934 eingetragen: Die Generalversamlung vom 26. April 1934 hat die Herabsetzung bes Grundkapitals um 14 000 000 Reichsmark beschlossen. Die Herabsetzung ist durchgeführt. Das Grundkapital beträgt jetzt 130 000 000 Reichsmark. Der Gesellschaftsvertrag ist durch Beschluß der Generalversammlung vom 26. April 1934 geändert in § 4 Absatz 1 (Höhe und Einteilung des Grundkapitals), § 11 (Vergütung der Vorstandsmitglieder), § 14 Absatz 1 Satz 1 (Vergütung des Aufsichtsrats), § 17 Absatz 5 (Befugnisse des Aufsichtsrats). Die §§ 15 Absatz 1, 17 Absatz 6, 7, 8 und 9 sind gestrichen. Dr. Peter Brunswig ist nicht mehr Vorstandsmitglied. 36910 Gießen, den 20. Juni 1934. _______________Hessisches Amtsgericht.__ Bekanntmachung. Die Nutzholzoersteigerung vom 14. Juni 1934 muröe genehmigt. Die Abfuhrscheine sind bis spätestens 30. Juni 1934 in Empfang zu nehmen. Gießen, den 18. Juni 1934. 3686C Bürgermeisterei Gießen: Bartholomäus. Karl Nieger Anni Hieger, geb. Körner danken herzlich für die zu ihrer Vermahlung erwiesenen Aufmerksamkeiten Gießen (Mesecker Weg 19), Juni 1934 3145 Amtliche Bekanntmachung des Kreises Wetzlar. Die nächste unentgeltliche Beratungsstunde für Nerven- und Seelenkranke findet am 3687C Dienstag, dem 26. Juni 1934, nachmittags 2 Uhr, im Untersuchungszimmer des Neuen Kreishauses statt. KreiswohlfaHrtsaml. Vermietungen 3-Zimm.-Wohn. mit Zubehör Mittelweg 12 z. 15.7. ober früher zu vermieten. Nur Mitglieder unser. Genossenschaft wollen sich schriftlich melden Bangenosssen- schalt 1894 36r8d e.G.w.b.H.,Gießen llllllllllllllllllllllllllllll Garagen am 1. Jun 1934 frei., 03121 Lobersirnße 3. llllllllllllllllllllllllllllll- Familiendrucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl, Schulstr.7 zu verkauf. Sehr pass.f.Studenten ufw. Schr Anfr. unter 3655V an den Gieß. Anz. Jcte 1 CT*