184. Jahrgang bändigen die dieser jedoch nicht (onbern hls forderte daraufhin, aß m l t A ge- Mittlerweile hatte sich die Nachricht von den Vorfällen in der Stadt verbreitet. Vor dem Hause sammelte sich eine vielhundert- köpsige Menschenmenge an, die dem Treiben Machts zunächst mit wortlosem Abscheu zuschaute; da Machts jedoch immer dreister und herausfordernder auftrat, konnte sich die Menge lauter Zurufe nicht enthalten. Der Emigrantenkommissar verlangte O e f f n u n g sämtlicher Kellerräume und Durchsuchung jedes Schrankes und Aktenstückes. Die beschlagnahmten Gegenstände wurden jedoch erst ausgehändigt, nachdem jedes Aktenstück durchgezählt war. Dieses langwierige Verfahren brachte Machts erst recht aus der Fassung. Er tobte wild in den Büroräumen herum. Als er wieder aus dem Hause heraustrat, wur- Tardieus Husarenritt gegen das Kabinett -er nationalen Einigung die Saarbevölkerung überall Verständnis für tue selbstverständliche Forderung findet, daß nur unbefangene, objektive Persönlichkeiten mit der Wahrnehmung polizeilicher Aufgaben betraut werden und nicht Menschen, deren Parteilichkeit und blinder haß gegen die eine Abstimmungspartei, Deutschland, von vornherein feststeht. Die Autorität der Regierungskommission und damit des Völkerbundes wäre durch eine Wiederholung derartiger Vorfälle ernstlich gefährdet. Die Vorfälle haben in der deutschen Bevölkerung den letzten Rest des Vertrauens in die Objektivität der Regierungskommission geraubt. In der Tatsache, daß ausgerechnet der in der Bevölkerung verhaßte und mißachtete Emigrantenkommissar Machts mit der Leitung einer so wichtigen Aktion betraut wurde, muß eine offene Herausforderung und Beleidigung des Landesleiters Pirro und der hinter I ihm stehenden deutschen Bevölkerung er- Deutschlands Anspruch aus Gleichberechtigung und Selbstverteidigung ein unveräußerliches Recht, prokesior Carl Schmitt spricht über Nationalsozialismus und Völkerrecht. sprechen. Die Grundlagen dieser Scheinblüte, die Pariser Vorortverträge, stünden in einem erstaunlichen Mißverhältnis zu diesem geistigen Aufwand. Prof. Schmitt ging auf einige besonders markante Grundfehler des Versailler Vertragssystems ein und betonte, nichts in diesem Vertrage habe irgendeine Beziehung zur konkreten Ordnung des wirklichen Nebeneinanderlebens der Völker. Auch der Völkerbund habe durch das Fernbleiben der Vereinigten Staaten, durch die Sprengung der derno- kratisch-liberalistischen Einheit und durch den Austritt Japans und Deutschlands seinen ursprünglichen Charakter verloren und er würde durch den Beitritt Rußlands geradezu in sein Gegenteil verkehrt werden. Aus dem Bund sei em Bündnissystem alten Stils entstanden. Es ist also, schloß Professor Schmitt, nichts mehr von rechtlicher Substanz vorhanden. Die rechtliche Substanz des europäischen Völkerrechtsgedankens liegt heute bei uns. Wir machen sie geltend durch unser Recht auf Gleichberechtigung, unser Recht auf eigene Existenz und unser Recht auf Selbstverteidigung. Wir sind von Genf weggegangen und wir haben Prozesse vor dem ständigen Internationalen Gerichtshof abgebrochen und uns mit Polen direkt verständigt. Damit ist der Anfang zu einer konkreten und gerechten Befriedung dieses unbefriedeten Europa gemacht. Ich glaube auch, daß auf unserer Seite das Rechtsempfinden aller unverdorbenen Völker ist. Wir können sicher fein, daß wir diesen Kampf um unser Recht gewinnen. Berlin, 18. Juli. (DNB.) In der Aula der Berliner Universität hielt Staatsrat Professor Dr. Carl Schmitt einen Vortrag über „Nationalsozialismus und Völkerrecht". Die nationalsozialistische Revolution, betonte der Redner, habe auf allen Gebieten des deutschen Rechtswesens neues Denken und neue Begriffe eingeführt; sie habe eine neue inner st aatlicheOrdnun g geschaffen, von der ausstrahlend auch in der Völkerrechtsgemeinschaft neue Prinzipien und Gedanke n sich durchzusetzen hätten, denn das Völkerrecht sei abhängig vonder 21 r t b e r S t a a- t e n, die die Völkerrechtsgemeinschaft bildeten. Wir erheben einen völkerrechtlichen Anspruch fuhr der Redner fort, den wir nicht als feinen Beamten und mit dem gesamten Aktenmaterial des freiwilligen Arbeitsdienstes wieder ab. GefetzwidrigeHaussuchungbeiderDeutschenZrontinSaarbnilken Schwere Provokation der deutschen Bevölkerung durch den Emigranten Machts, der als Beauftragter der Regierungskommission die Haussuchung leitete. Die Ereignisse bei der Haussuchung in der Deutschen Front haben erneut gezeigt, wie unbeirrbar die saardeutsche Bevölkerung in ihrer Disziplin ist. Trotz des drohenden herausfordernden Verhaltens der Emigrantenpolizisten ließ sich die Bevölkerung zu keiner undisziplinierten Handlung hinreihen. Die Vorfälle haben aber gleichzeitig von neuem bewiesen, w i e berechtigt die 'Forderung der deutschen Bevölkerung auf Entfernung der Emigrantenbeamten ist. Es muß als beispiellos und unfaßbar bezeichnet werden, daß der Landesleiter der Deutschen Front sich veranlaßt sehen mußte, den Präsidenten der Regierungskommission um Schutz gegen einen von diesem selbst entsandten Polizei-. - ■ o h kommissar ersuchen zu müssen. Angesichts der blickt werden, näherrückenden Abstimmung ist es notwendig, daß den Fahnen und Transparente mit der Aufschrift „heil Hitler!" ge- zeigt. Die Wenge stimmte spontan das Deutschlandlied an. Als Quittung für das offensichtlich immer beängstigender werdende verhalten der Bevölkerung ließ Wachts zwei Ueberfallkommandos kommen, die die Straße räumen muhten. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Besonders tat sich hierbei der Emigrantengenosse Kriminalbeamter Gerike, Hervor, der in Zwil bie Aktion eröffnete unb sich sogar soweit hlnreihen ließ mit erhobenem Revolver ms Haus au stürzen unb bie Büroangestellten mit „Hande hoch" anzuschreien. Aus der Menge tönten ihm laute Pfuirufe für fein feiges Verhalten entgegen, worauf Gerike noch die Stirn hatte, stolz auf feine Eigenschaft als Kriminalbeamter zu verweisen, tue zu derartig herausfordendem Vorgehen berechtigte. Angesichts dieses ungeheuerlichen vorgehens suchte Landesleiter Pirro sich mit Heimburger in Verbindung zu sehen. Diesen hatte jedoch der schöne Sommerabend bereits vorzeitig zum Verlassen seines Büros veranlaßt. Pirro ries darauf Präsident Knox persönlich an, um ihn auf das beispiellose verhalten dieses Beamten aufmerksam zu machen. Pirro erklärte, daß sich der Bevölkerung angesichts der offenen Drohung mit der Waffe eine begreifliche Unruhe bemächtige, für deren Folgen jegliche Verantwortung abgelehnt werden müsse. Präsident Knox gab zunächst seiner Verwunderung darüber Aüsdruck, daß überhaupt Men- icken vor der Landesleitung versammelt waren, erklärte sich jedoch schließlich bereit, eine weitere Bereitschaft zu schicken. Rach einstündiger gründlicher Arbeit zog Machts mit .uiLutiu ui* einen echten juristischen Anspruch geltend machen. Unser Anspruch auf Gleichberechtigung geht aus von der Vorstellung, daß es Grundrechte gibt, Grundrechte der Staaten und Völker, die die Völkerrechtsgemem- Saarbrücken, 19. Juli. Am Donnerstagnachmittag fand bei der Landesleitung der Deutschen Front unter Leitung des berüchtigten Emigrantenkommissars Machts einehaus- f u d) u n g statt, bei der es zu skandalösen Zwischenfällen kam, die eine der dreistesten Herausforderungen darstellen, denen die an derartige Vorfälle wahrhaft gewohnte saardeutsche Bevölkerung in den letzten Jahren ausgesetzt war. Kurz nach 17 Uhr drangen mehrere Kriminalbeamte in bie Büroräume ber Landesleitung ein. Auf Befragen waren diese Beamten nicht imstande, die Gründe ihres Vorgehens anzugeben. Sie verletzten damit bie elementarsten gesetzlichen Voraussetzungen zur Durchführung einer berartigen Aktion. Sie erklärten lediglich, im Auftrage ber Regierungskommifsion bie Büroräume des Freiwilligen Arbeitsdienstes durchsuchen zu müffen. Die Landesleilung ber Deutschen Front fehle sich nunmehr mit dem Polizeibirektor h e i m - burger in Verbinbung, ber am Fernsprecher zu keinerlei Auskunft bereit war. Zwei Herren ber Deutschen Front begaben sich darauf unverzüglich persönlich zu Heimburger, der ihnen erklärte, auf Grund der Artikel 93a—e die Haussuchung anempfohlen zu haben. Die fraglichen Artikel beziehen sich auf die Neutralität der Beamten, denen strengste Innehaltung des Amtsgeheimnisses auferlegt wird, und das Verbot der Anzeige jeglicher Personen bei nichtsaarländischen Stellen wegen Vergehen, die im Saargebiel nicht strafbar find. Der nähere Zusammenhang dieser Artikel mit der angeordneten Haussuchung in den Büro- räutnen des Freiwilligen Arbeitsdienstes wurde nicht gegeben und ist auch nicht ersichtlich. rung .selber dafür hätte verantwortlich machen können, ist in dem Kabinett Doumergue von Anfang an nur ein zweifelhafter Bundesgenosse gewesen. Das zeigte sich noch kürzlich an der ziemlich weitgehenden Kritik, die das Parteiblatt „Notre Temps" an den diplomatischen Künsten Barthous und an dem von ihm in Szene gesetzten Nordostpakt übte. Tarbieu konnte solche Kritik offenbar nicht vertragen unb hielt nunmehr im Hinblick daraus, daß sich gerade aus Kommunisten und Sozialisten ein ma rxisti - scher Block gebildet hatte, die Gelegenheit für günstig, die dadurch arg bedrängten Radikalsozialisten zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Ob feine Spekulation, daß die aus dem Kabinett ausgefchiedene und zu- gleich der Tuchfühlung nach links ermangelnde Radi- kalsozialiftische Partei bei k o m m e n d e n N e u - wählen aufgerieben werde, richtig ist, soll hier nicht entschieden werden. Welche Gründe für Tardieu auch vorliegen mögen, um den Versuch einer Sprengung des jetzigen Kabinetts zu machen, welches auch die politischen Folgen seiner Attacke sein mögen — es ist wieder einmal erwiesen, daß Skandale in Frankreich zum politischen Geschäft gehören, daß von dem System der parlamentarischen Demokratie das System der Korruption nicht so leicht zu trennen ist. Statt die Autorität des Staates zur endgültigen Niederschlagung eines öffentlichen Skandals zu gebrauchen, wird der Skandal gebraucht, um die Autorität der Staatsführung zu stützen und politische Auseinandersetzungen von größter Tragweite durchzufechten. Was wird das Kabinett beschließen? Die Radikalsozialisten verschiedener Meinung. Paris, 20. Juli. (Funkfpruch.) Am Freitag wird eine Sitzung des französischen Kabinetts statt- zweckmäßig erachtet, daß der Vollzugsauschuß der Radikalen Partei erst an Hand einer Beratung der Minister ein klares Bild über die politische Lage gewinnen und dann entsprechende Beschlüsse fassen kann. Sollte die Kabinetlsberatung, so hat herriot erklärt, keine be- riedigende Lösung des Konfliktes bringen, dann würden er und der Generalsekretär der Radikal- ozialistischen Partei die Initiative für den Zu- ammentritt der maßgebenden Parteiinstanzen ergreifen, die in völliger Unabhängigkeit die für notwendig erachteten Maßnahmen und gegebenenfalls sogar die Abberufung der radi- kalsozialistischen Mini st er aus dem Burgfriedenskabinett beschließen würden. In Kreisen der Regierung wird die Auffassung vertreten, daß unter diesen Umständen die Ministerbesprechung weittragende Folgen haben könnte. Beschlüsse dürften nur im Beisein des Ministerpräsidenten gefaßt werden, so daß man jede Entscheidung bis zu seinem Eintreffen vertagen sollte. Es wäre also nicht ausgeschlossen, daß Doumergue seinen eben angetretenen Erholungsurlaub unterbrechen und persönlich den Konflikt beizulegen versuchen würde. In politischen Kreisen gibt man die Hoffnung nicht auf, daß eine Krisis vermieden werden könne, zumal auch im radikalsozialistischen Lager keine Einmütigkeit darüber bestehe, ob Tardieu Ehautemps persönlich oder Ehau- temps als Vertreter der Partei habe antasten wollen. Der linke Flügel, der sich auch schon auf der Landesparteitagung gegen das Waffenstillstandskabinett ausgesprochen hatte, nimmt den Zwischenfall zum Anlaß, um energisch die Zurückziehung herriots aus dem Kabinett Doumergue zu fordern. Die gemäßigten und rechtsstehenden Elemente der Partei unterstreichen nach wie vor die Notwendigkeit der Beibehaltung des Burgfriedens-Kabinetts. Ist Ooümeraue amtsmüöe? Paris, 20. Juli. (DNB. Funkfpruch.) In Ber- binbung mit ben Krisengerüchten, bie nach bem Angriff Tardieus auf Chauternps aufgetaucht sind, wurde auch die Frage erörtert, ob Ministerpräsident Doumergue a u f feinem Po st en bleiben würde, falls der Zwist ins Kabinett hineingetragen werden sollte. Man glaubt Schlußfolgerungen aus der Tatsache ziehen zu sollen, daß der für heute angesetzte außerordentliche Kabinettsrat in Abwesenheit Doumergue s vielleicht folgenschwere Entscheidungen zu treffen habe. Nun hat der Ministerpräsident, der sich über die Vorgänge in Pans bereits unterrichten ließ, seine Zustimmung zu diesen Kabinettsberatungen gegeben. Er scheint auch gewillt zu sein, nötigenfalls versöhnlich einzugreisen. Immerhin nehmen sich die Erklärungen eigenartig • au« die ein Sonderberichterstatter des „Journal , in Tournefeuille von Doumergue und seiner Gattin - erhalten haben will. Der Ministerpräsident habe i betont, daß er e r o I un g s b e b ur ft i g Jet, , niemanden sehen wolle und sich überhaupt mit nichts beschäftigen werde. Frau Dou- i mergue habe erklärt, daß ihr Gatte eine Ausspan- nung dringend nötig habe. Auf die Frage, ob bie > Rückkehr nach Paris am festgesetzten Zeitpunkt er- Die kleine französische Landstadt Bayonne ha eine dreifache und nicht sehr glückliche Berühmtheit erlangt Sie gab dem auf das Gewehr aufgepslanz- ten langen Dolch ihren Namen sie wurde der ^Un59fran3ö“itoenel6taat3 in" "einen Grundfesten zu erlchüllern drohte, und sie gab oar einigen Tagen dem Außenminister Barth ou Gelegenheit, mit Pchizelmestter^der »iropästchen Völker auszuspielen. SIEM- <ÄÄS »"• "MM »3 S’«:; st r a b t f a I f 3 Führer Chauternps zu unterneh- ner ^mnerialistische Rüftungspolitik und Regie- 7u7gsN - M Prooinzstadt nwcht Geschichte! Nur mit Widerwillen steigen wir noch einmal in . JiS^HPn-Sumpf hinab, dessen Gift chwaden nun Llsch wi dek aus der Tiefe der parlamentarischen Unlerstichungsausschusse emporgeftiegen sind und ß-A Ämnd der französischen Regierung gefährden. Seit B ginn dieses Jahres, seit jenen Januartagen, s ^nnnnner Leihhaus unversehens seine traurige Stolle in der französischen öffentlichen Mei- nima au spielen begann, ist das französische Volk "ich9 zur Ruhe gekommen. Zwar schien der >etz,ge Ministerpräsident Doumergue, der bei feinem Eintreffen in Paris als „Retter des Vaterlandes" wie ein Triumphator umjubelt wurde, mit der Bildung des neuen K a b i n e 11 s d e r n a t i o n a I e n Einigung zugleich auch die peinliche Erbschaft der Skandalperiode liquidieren und dem Volke den ersehnten inneren Frieden wiedergeben zu können. Es blieb eine trügerische Hoffnung. Die Krise fraß sich im Dunkel parlamentarischer Schlupfwinkel weiter Früher und anders als Doumergue gedacht hat, fallen sich jetzt vielleicht feine Worte erfüllen, die er bei Beginn feiner Minifterprafidentfchaft aussprach und mit denen er fein Amt als vorüber- aehend und nur der Gesundung des öffentlichen Lebens wie der Festigung der Staatsfuhrung dienend bezeichnete. Mit lächelnder Miene traf er damals, aus feinem Rosengarten in Tournefemlle kommend, in Paris ein. Mit sorgenvoll gefurchter Stirn soll er jetzt den langentbehrten Heimaturlaub antreten. . ~ Die so oft mit Nachdruck betonte Einigkeit des Kabinetts der „Union Nationale" hat sichtbare Riffe bekommen. T a r d i e u , der für feine heftigen Attacken auf dem Felde der Politik bekannt ist, will es mit feinen Angriffen auf Chautemps offenbar nicht bewenden lassen. Mit erhobener Stimme rief er vor der nächtlichen Szene des Untersuchungsausschusses aus: „Die Stavisky-Affäre ist nicht beendet, sie hat erft begonnen!" Dabei erklärte er, daß er noch mit ganz anderen Zeugnissen als den bisher vorgebrachten gegen Chauternps vorgehen werde. Die R a d i k a l s o z i a l i st i f ch e P a r t e i du-- d u r d) mehrere ihrer Mitglieder in der Stamfky-Affare belastet wurde, ohne daß man die damalige Parteisuy inden zur Prüfung der durch Tardieus Angriffe auf Ehautemps geschaffenen Lage. Die Einberufung soll auf einen Antrag herriots zurückzuführen fein, herriot hat es nach einer telephonischen Aussprache mit Ehautemps und anderen führenden Mitgliedern der Partei für Nr. 167 Erstes Blatt 184. Jahrgang Aeitag, 2V.Juli 1934 „ , - __ _ ä Annahme von Anzeigen Heimat im Bild Die Scholle ■ KM W ■ M | I W W « 8 A ■ JF 8 8 8 fl T 8 für Anzeigen von 22 mm äss. Ulli lir llt I ZIIIilIUll ämä General-Anzeiger für Oberheffen MM richten: Anzeiger Gießen V w v behördliche Anzeigen 6Rpf. $tannÄflm"in 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Uuiverfität; Such- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Lchulftratze 7 Mengenabschlüffe Staffel b Nach Rückkehr der.beiden Angestellten der Deutschen Front fuhren die Kriminalbeamten fort, die Büroräume eingehend zu durchsuchen und sämtliches Material zu beschlagnahmen. Machts leitete die Aktion persönlich. Er suchte den ------- Hausmeister zu veranlassen, ihm verschiedene ’r bY0^en moralischen und politischen Anspruch, ( Ü | j C I Xtrtfrtt* töhrtm tltmi - <. l - ._ I m • ( /4> a vi 9f vt - bei sich hatte. Machks forderte daraufhin, aß einem Dietrich geöffnet werde, worauf ihm bedeutet wurde, daß er es hier nicht mit Einbrechern z u tun habe. schäft bilden. . Das Grundrecht auf eigene Existenz bedeutet ein unveräußerliches ewiges Grundrecht auf Selbstverteidigung und auf die Mittel der Verteidigung. Das ist fo fundamental, daß davon das Schicksal einer europäischen Volker- rechtsgemeinschast und eines Völkerrecht eng 3ufammenf)ängt wir haben fomil einen Rech s- standpunkl wie ihn kein Volk der Erde besser und sicherer jemals gehabt Hal. Der Redner wandte sich dann der Betrachtung des Völkerrechts in den letzten 14 Jahren zu. Dieser Abschnitt sei gekennzeichnet durch eine Scheinblüte der Völkerrechtswissenschaft. Man muffe, geradezu von einem V ö I k e r r e ch t S b e tr. e b I ki^che Außen- und der Kriegsminister nach Smyrna abgereist, um den Zwischenfall an Ort und Stelle zu untersuchen. Ein türkisches Kriegsschiff begleitet am Freitag Len, englischen Kreuzer „ß o n d o n" in türkische Gewässer. Beide Schiffe werden einen Ehr e n s a l u t abfeuern. Auf dem türkischen Kriegsschiff wird ein T r a u e r g o t t e s d i e n st für den englischen Marinearzt Robinson veranstaltet werden. Die Hoffnungen auf die Auffindung der Leiche sind so gut wie aufgegeben worden, da die dortigen Gewässer von Haifischen wimmeln. Einführung eines Landhelferbriefes. Berlin, 19. Juli. (DNB.) Dem Appell der Reichsregierung an die arbeitslose Jugend, dem Bauer und Siedler bei der Feldbestellung und der Ernte als Landhelfer Dienste zu leisten, sind seit dem Frühjahr 1933 Hunderttaufende gefolgt, trotzdem schwere und ungewohnte Arbeit von ihnen erwartet wurde. Als Nachweis ihrer Tätigkeit und zugleich als Anerkennung wird den Landhelfern künftig ein Landhelferbrief vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ausgestellt werden. Den Landhelferbrief erhalten Jugendliche, die mindestens sechs Monate als Landhelfer beim Bauern gearbeitet haben. Er ist b e i allen Bewerbungen um einen Arbeitsplatz — besonders in der Landwirtschaft — bei der Anmeldung für landwirtschaftliche Schulen, bei der Bewerbung um Siedlerstellen und bei ähnlichen Anlässen, vorzulegen. Auf seiner Vorderseite trägt er das Symbol der Landhilfe: ein Aehrenbündel, zufammengehalten durch ein Hakenkreuz und eingerahmt von den Buchstaben L und H. Es ist in Aussicht genommen, den Landhelfern dleses Symbol auch in Form einer Plakette als Bewährungsabzeichen zu verleihen. Gegen die Gerüchtemacher. LPD. Frankfurt a. M., 19. Juli. Die Lan- b^bm?.ueLr,nfd)aft Hessen-Nassau teilt mit: Wir haben bereits vor einiger Zeit vor der Verbreitung von Mitteilungen über anaeb- l i ch e K o n z e s s i o n e n a n P o l e n in bezug auf die Einfuhr polnischer Schwein? gewarnt In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hm, daß umlaufende Gerüchte, wonach an- geblich gegenüber Polen Zugeständnisse in bezug aus die Einfuhr von Holz gemacht worden seien jeder Grundlage entbehren. Offizielle Verhandlungen von Staat zu Staat über ein derartiges Austauschgeschäft haben nicht stattgefunden. Aus aller Wett. lieber 1000 Morgen Moor und Wald bei Hannover in Flammen. Hach den zahlreichen Moorbränden, die in der letzten Zeit die Umgebung Hannovers heimsuchten, wird jetzt aus dem kreis Reustabt am Rübenberge ein Riesenbrand gemeldet. Dort sind in der Gegend von Wunstorf an mehreren Stellen Moorbrände ausgebrochen, die auch auf den Hochwald zwischen Wunstorf und Reustadk Übergriffen. Es brennt zur Zeit in einer Ausdehnung von etwa 3 Kilometer. Außer 250 Mann Reichswehr wurden Kräfte des Freiwilligen Arbeitsdienstes, der Freiwilligen Feuerwehr und der Technischen Rothilfe aus Hannover eingesetzt. Insgesamt sind rund 1000 Mann bei der Löscharbeit tätig. Der Drand erstreckt sich auf ein Gelände von über 1000 Morgen. Oie Technische Nothilfe bei der Wald- brandbekämpfung. An der Bekämpfung der zahlreichen Wald- und Moorbrande im Juni und Anfang Juli dieses Jahres hat auch die Technische Nothilfe Ie $ n * c * I gehabt. Nach den jetzt vorliegenden Meldungen sind in der Berichtszeit 1070 Not- yelser von 22 Ortsgruppen an 30 Stellen eingesetzt ge^sen. Ewige Ortsgruppen mußten binnen weniger Tage mehrmals zur Hilfeleistung aufgerufen werden; ein Beispiel für viele: die OG. Finsterwalde wurde in ganz kurzer Zeit achtmal alarmiert und eingesetzt. — Größere Einsätze fort» öen statt zur Bekämpfung des Moorbrandes im sTn^L.rrrtbuc^ner. Moor bei Hannover und des Waldbrandes bei Sorau, beim Brande des Stadtforstes von Burg und des Stadtwaldes in Frank- run a. M. und beim Brand der Forsten von ^onnsee und im Grünewald. Auch zur Löschung des Brandes des Wartburghotels wurden starke Kräfte der Technischen Nothilfe herängezogen. — £ei allen diesen Gelegenheiten konnten sich besonders d i e Nothelfergruppen bewähren, Die im Rahmen des zivilen Luftschutzes als Ergänz ungskräfte für den Feuerwehr- Dienst ausgebildet worden sind. Deutschlands Arbeitsdienst als Helfer in der Rot. ov.enr Bränden, die in Deutschland zur Zeit leider, begünstigt durch die längs Dürre, stattfinden, greift auch der Arbeitsdienst überall tatkräftig ein. Bei den großen Waldbränden in Mecklenburg, Lausitz usw. war es immer wieder der Arbeitsdienst, der schnell zur Stelle war und unermütlich bis zu eigenen Erschöpfung half. Bei einem Brande in Cismar bei Kiel, der durch einen Blitzschlag verursacht war, griffen Arbeitsmänner der Abteilung 7/73 helfend ein, drangen, indem sie sich Taschentücher vor Mund und Nase hielten, durch Fenster und Türen in die brennenden Wohnräume ein, um zunächst eine Frau, die schon erhebliche Brandwunden erlitten hatte, ins Freie zu bringen. Aus dem brennenden Haus wurde Mobiliar herausgeholt, als die Feuer- wehr eintraf, wurden zwei Trupps zur Hilfe an der Spritze abkommandiert. Es zeigt sich auch hier wieder, daß der Arbeitsdienst eine m u st e r. gültige Organisation ist, die dank der Disziplin, die in seinen Reihen herrscht, überall sofort eingesetzt werden kann und durch tatkräftige Hilfe überall Anerkennung, ja oft geradezu Be- wunderung findet. Die hochwasserwelle rückt gegen Warschau vor. Aus Warschau ist ein F l u g z e u g g e sch w a d e r in das sudpolnische Hochwassergebiet gestartet. Die Flugzeuge werfen L e b e n s m i t t e l p a k e t e mit Kaffee, Zündhölzern und Tabak ab. Der Wasserstand der Flüsse und insbesondere der Weichsel geht am Oberlauf langsam zurück. Die Gefahr verlagert sich mehr und mehr in bie Nahe von Warschau, das den ersten Wasser- lauf aus dem Ueberschwemmungsgebiet heute abend erwartet. Das Rote Kreuz hat ein großzügiges Hilfswerk für den Fall vorbereitet, daß die Weichsel b'^^?c?^?"^bricht und sich über die Stadtteile und Ortschaften der Niederung ergießt. Die Eisen- bahnverwaltung hat Rettüngszüge bereitgestellt, um Dte Flüchtlinge rechtzeitig aufzunehmen. Der Höhepunkt des Hochwassers wird in Warschau in der kommenden Nacht oder am Samstagfrüh erwartet. Großer Wasserrohrbruch im Berliner Geschäftsviertel. Die verkehrsreiche. Kreuzung der Leipziger Jerusalemer-Straße am Don» a '.Platz wurde am Freitagfrüh gegen £ rl von einem Wasserrohrbruch heimgesucht. Zln sechs bis sieben Stellen wurde die Fahrbahn aufgerissen. In kurzer Zeit hatte das Wasser die Damme überspült. Im Erdboden entstanden h r0^ em> ? Durchmesser von zwei bis r n; 2)16 Asphaltdecke wurde teilweise um 30 Zentimeter gehoben. Feuerwehr und Ar- beiterkolonnen der Wasserwerke waren längere Zeit folgen werde, haöe Frau Doumergue mit „|a* beantwortet, aber zögernd hinzugefügt: „Falls wir zurückgehen". Oie französischen Sozialisten fordern Auflösung der Kammer. Paris, 20.Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Verwaltungsausschuß der Sozialistischen Partei hat in einer Entschließung Tardieu beschuldigt, für die Parteileitung einer faschistischen Bewegung zu kandidieren. Die vereinigten Arbeitermassen sagen Tardieu den Kampf an. Unter den vorliegenden Umständen fordern die Sozialisten sofortigeAuf- lösung derKammer und bekennen sich erneut zu der gemeinsamen Aktion mit den Kommunisten. Zahlreiche neue Sprengstoff- anschläge in Oesterreich. W i e n, 19. Juli. (DNB.) Trotz des Inkrafttretens des strengen Sprengstoffgesetzes haben sich in allen Teilen Oesterreichs wieder zahlreiche Sprengstoffanschläge ereignet. Donnerstag um 3 Uhr wurde in der Bergstation Hafelekor der Nordkettenbahn beiJnnsbruck ein Sprengkörper entzündet, wodurch das Hallendach beschädigt wurde. Die Explosion war so heftig, daß die Bewohner Innsbrucks aus dem Schlafe geweckt wurden. Bekanntlich find der Leiter und Erbauer der Nordkettenbahn, Ingenieur lu'rner, und mehrere Angestellte der Nordkettenbahn vor kurzem wegen Verdachts nationaler Gesinnung entlassen worden. Turner wurde auch seinerzeit von Heimwehrleuten überfallen und verprügelt. In Lustenau (Vorarlberg) wurde um Mitternacht ein Sprengkörper in der Turnhalle des Vaterländischen Turnerbundes zur Explosion gebracht. Es wurde ein Sachschaden von etwa 6000 Schilling verursacht. In der Umgebung sind die Fensterscheiben eingedrückt worden. In Wien wurde im 2. Bezirk eine öffentliche Fernsprechzelle in Brand gesetzt. Auf der S ü d b a h n st r e ck e bei Edlach (Steiermark) wurde in der Nacht ein Sprengstoffanschlag verübt, der einigen Sachschaden verursachte. Ferner ist in der Nähe von Bregenz (Vorarlberg) ein Sprengstoffanschlag auf die Bahn verübt worden. Es steht somit eine Reihe von neuen Standgerichtsverhandlungen bevor, die sämtlich aus Grund der von der Regierung jetzt ausnahmslos verhängten Todesstrafe behandelt werden. Das Ausnahmegesetz für Eupen-Malmedy. Brüssel, 19. Juli (DNB.) Die belgische Kammer hat das Gesetz über die Entziehung der Staatsbürgereigenschaft in zweiter Lesung mit 85 gegen 78 Stimmen angenommen. Dieses Gesetz, das jetzt an den Senat geht, soll der Regierung künftig als Handhabe dienen, um gegen diejeyigen, die nicht durch Abstammung Belgier sind und die, wie es in der Vorlage heißt, „ihre Pflichten gegen den Staat schwer verletzten", mit der Aberkennung der Staatsbürgerschaften vorgehen zu können. Aus dem Verlauf der Kammerberatungen, insbesondere auch aus den Ausführungen des Berichterstatters, ging hervor, daß man bei der Schaffung dieses Gesetzes an die Heimattreue Bevölkerung von Eupen-Malmedy gedacht hat. Die Mehrheit, mit der das Gesetz von der Kammer angenommen wurde, ist auffallend gering. Die Heimattreue Presse in den abgetretenen Gebieten hatte bis in die letzten Tage hinein Regierung und Parlament beschworen, von diesem Ausnahmegesetz Abstand zu nehmen. Die Verbitterung der Heimattreuen Bevölkerung wird kaum dadurch behoben werden, daß nach einer soeben bekanntgewordenen Verordnung ehemalige deutsche Kriegsteilnehmer in Eupen-Malmedy, die einen entsprechenden Antrag stellen, die belgische Kriegsteilnehmerauszeichnung erhalten können. Dieser Erlaß roirb bamit gerechtfertigt, baß bie Bevölkerung von Eupen-Malmeby an bem Tobe König Alberts unb an ber Thronbesteigung feines Nochfolgers loyale Anteilnahme befunbet haben. Oie Beamtenentlassungen im Memelgebiet gehen weiter. Memel, 20. Juli. (DNB.) Wie bie Litauische Telegraphenagentur melbet, hat bas Direktorium Reisgys eine ganze Reihe weiterer memellänbischer Beamter, unb zwar Forst beamte unb Lehrer, suspenbiert unb bas Entlassungsverfahren gegen sie wegen Zugehörigkeit zu angeblich antistaatlichen Organisatio- n e n eingeleitet. Die Zahl ber Betroffenen wirb nicht angegeben. Ferner wirb von ber Telegraphenagentur gemelbet, baß auf Beschluß des Direktoriums die Auszahlung von Pensionen an Pensionsempfänger eingestellt wirb, die im A u s l a n b e wohnen. Hierbei han- belt es sich um bie früheren reichsbeutschen Beamten, bie im Memelgebiet im Dienst standen und ihren Wohnsitz nach Deutschland verlegt haben. Deutsche Kriegsschiffe in Riga. Die zweite deutsche Minensuchhalbflottille, bestehend aus zwei Torpedobooten und fünf Minensuchbooten, geführt vom Fregattenkapitän Ramien, ist in Riga eingetroffen. Pro- grammaßig genau um 10 Uhr legte das erste Boot vor bem Schloß an unb in kurzem Abstanb folgten bie übrigen. Die beutschen Marineqäste wurden von Vertretern der lettländi- "-.Kriegsflotte Kommandeur top a hd e an der Spitze empfangen und deut- Uerseits vom Gesandtschaftsrat Freiherrn ?"rschall von Bieberstein begrüßt. Nach dem Besuch der deutschen Gesandtschaft begab sich auch Gesandter Dr. M a r t i u s an Bord, worauf ~l.e offiziellen Besuche folgten. Schon lange vor dem Eintreffen der Schiffe hatte sich am Dünaufer eine zahlreiche Menge — größtenteils Deutsche — versammelt. Das Besuchsprogramm wird mit Empfangen Kranzniederlegungen, Fußballwettspielen, einem Ausflug an den Rigaischen Strand unb ähnlichen Veranstaltungen bie zur Verfügung stehenben sechs Tage vollauf in Anspruch nehmen. Baldwin verkündet Englands Aufrüstung zur Lust. 41 neue Geschwader.-Ein Fünfjahresprogramm zum Einholen der „nächsten Nachbarn" London, 19. Juli. (DNB.) Baldwin gab im Unterhaus seine mit Spannung erwartete Erklärung über die Politik ber britischen Regierung in ber Frage ber ßuftrü ft ungen ab. Er erklärte u. a.: Seit bem Kriege haben aufeinanberfotgenbe Regierungen Englands aktiv eine Politik internationaler Abrüstung verfolgt. In unseren Bemühungen, diese Politik sowohl durch unser Beispiel, als auch durch die von uns gegebenen Richtlinien zu fördern, haben wir unsere eigenen Rüstungen bis zu einem gefügt« l i ch niedrigen Stand herabgesetzt in ber Hoffnung, baß bie anberen unserer Führung folgen würben. Aber bie Abrüstungsverhanblun- gen finb mehr in bie Länge gezogen worben, als irgenb jemanb erwartete. In ben letzten achteinhalb Jahren sind in vielen Kreisen Befürchtungen über bie zunehmenbe Häufung von Mängeln in unserer Verteidigung entstauben, insbefonbere angesichts ber erhöhten Ausgaben für Rüstungen in vielen anberen ßänbern. Die Politik ber Regierung ist weiterhin eine Politik internationaler Abrüstung, unb wir haben keineswegs bie Hoffnung auf Rüstungsbeschränkung aufgegeben. Wir unternehmen sogar jetzt neue Anstrengungen, um über ben toten Punkt hinwegzukommen .ßeiber können wir jeboch angesichts ber gemachten Erfahrungen nicht mit einem b e - langreichen Ergebnis rechnen, unb wir halten baher angesichts unserer Verpflichtungen auf Grunb ber Völkerbunbssatzung unb bes ßocarno- oertrages, ber zahlreichen Anzeichen von Unruhe in Europa unb anberswo, sowie ber Tatsache, baß andere Regierungen nicht unserem Beispiel durch entsprechende Herabsetzung gefolgt sind, die Zeit für gekommen, wo die Möglichkeit, unsere Rüstun- g e n auf ihrem augenblicklichen tiefen Stand zu halten, m-a ngels entsprechender Verminderung anderer Mächte neu geprüft werden muß. Die Regierung hat seit einigen Monaten die gesamte Frage der Reichsverteidigung geprüft. Die Mängel, die behoben werden' müssen, sind zum großen Teil Mängel in der Ausrüstung und den Vorräten, die sich infolge Der Knappheit Der Mittel und der (Erörterungen über die Abrüstung gezeigt haben. In dieser Hinsicht werden sich die Ergebnisse unserer Nachforschungen in ben Voranschlägen für bie künftigen Jahre wieberspiegeln. Soweit die königlichen Luftsireltkräfte in Betracht kommen, ist die Lage jeboch ziemlich andersartig, hier handelt es sich um die Rotwendigkeit der Weiterentwicklung, die immer wieder verschoben worden ist, und außerdem um die Rotwendigkeit, Mängel auszumerzen. Wir sind zum Schluß gekommen, daß wir nicht länger Maßnahmen verzögern können, die im Laufe der nächsten Jahre unsere Luftstreitkräfte auf einen Stand bringen werden, der näher an den unserer näch st en Rachbarn heranreicht. Zahlreiche Tatsachen, die unseren Beschluß veranlaßt haben, befinden sich weiterhin in Fluh. Infolgedessen behalten wir uns das Recht vor, das Programm im Lichte neuer Tatsachen, die entstehen können, abzuändern oder anzupassen. Vorbehaltlich dieser Bedingung haben wir ein Programm beschlossen, das das augenblickliche Jahr und die nächsten vier Jahre umfaßt, und bei den britischen Luftstreitkräften bestehen wird aus 41 neuen Geschwadern, einschließlich der, die bereits im Programm von 1934 mitgeteilt worden sind. Von diesen 41 Geschwadern werden 33 dem Heimatschuß zugewiesen werden. Dadurch werden die vorhandenen 42 Geschwader im Innern auf eine Gesamtzahl von 75 Geschwadern erhöht werden. Die übrigen Geschwader sind für den Dienst im Marineflug- wesen oder im Ausland bestimmt. Die Schnelligkeit, in der dieses Programm innerhalb der fünf Jahre durchgeführt werden kann, muß von verschiedenen Erwägungen, einschließlich solchen finanzieller Art, abhängen. Wir hoffen jedoch, daß in keinem der jeweiligen Jahre eine erhebliche Erhöhung der Voranschläge erfolgt. 1938:1572 Flugzeuge. Noch immer 100 Flugzeuge weniger als Frankreich. London, 20. Juli (DRV. Funkfpruch.) Durch die von Baldwin im Unterhaus angekündigte Verstärkung der englischen Luftstreilkräfte, die sich auf einen Zeitraum von fünf Jahren erstreckt, werden die englischen Geschwader von 94 auf 131 erhöht. Im Jahre 1938 wird England daher vermutlich 1 5 72 Flugzeuge der erften Linie besitzen, hinzu kommen 13 0 Flugzeuge der zweiten Linie und die Hilfsflugzeugstreitkräfte, die teilweise mit regulären Militärfliegern, teilweise mit halbmilitärisch ausgebildeten Fliegern bemannt sind. Die Erhöhung des Offiziers- und Mannschaftsbe- ft a n d e s wird auf etwa 5000 Mann berechnet. Ferner werden 12 neue Kriegs flugplähe, hauptsächlich im Süden, Südosten des Reiches und in der Umgebung Londons angelegt werden. Dreiviertel der neuen Flugzeuge werden hauptsächlich Kampfeinsiher und Tagbomber sein, die übrigen schwere Bombenflugzeuge und Abwehrflugzeuge. Die Presse stellt feff; daß England nach Vollendung des Luftaufrüstungsplanes im Jahre 1938 etwa bie jetzige Stärke Rußlands auf dem Gebiet der Luftrüstung haben werde, aber u m rund 100 Flugzeuge hinter der französischen Luftrüstung zurück st ehen werde. Große Meinungsverschiedenheiten in der englischen presse. Man fordert sofortige Gleichheit der Luststreitkräste mit Frankreich. ß o n b o n, 20. Juli. (DNB.-Funkspruch.) Das Aufrüstungsprogramm für bie englische ßuftfahrt hat in ber Presse große Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen. Die Mehrheit ber Oeffentlichkeit begrüßt bas Programm auf bas Lebhafteste. Die sogenannte „ßu ft gruppe" im Unterhaus betrachtet bas Programm aber als u n genüg e n b. Sie steht auf bem Stanbpunkt, baß bie englischen ßuftftreitfräfte schon heute auf bie Stärke ber französischen ßuftstreit- Prüfte gebracht sein müßten unb nicht erst nach fünf Jahren. Im übrigen könne man gar nicht absehen, ob Frankreich nicht in fünf Jahren seine ßuftfahrt schon weiter entwickelt habe. Demgegenüber hat bie Arbeiterpartei einen MiHtrauensantrag angekünbigt, ber in ber Unterhausaussprache auf bas Äufrüstungsprogramm in ber nächsten Woche eingebracht werben wird. Dieser Antrag lautet: „Das Haus bebauert, baß bie Regierung trotz ber Verhandlungen über eine Rüstungsvereinbarung und über europäische Nichtangriffspakte eine Aufrüstungspolitik einte i t e t, zu der sie weder verpflichtet noch berechtigt ist, und durch die sie die Sicherheit des ßandes nicht erhält. Vielmehr gefährdet sie dadurch die Abrüstungsaussichten und 'ermutigt ein katastrophales Rüstungswettrennen." Der Führer der Arbeiterpartei ßansbury hat erklärt, die Ankündigung Baldwins sei das betrüblichste Zeichen sei dem Jahre 1914. „Time s" stimmt dem Aufrüstungsprogramm der Regierung zu und bedauert nur, daß das Programm auf fünf Jahre ausgedehnt werde. Die Ankündigung Baldwins könne die Möglichkeit eines Fehlschlages der Abrüstungsbesprechungen nicht verstärken, könne aber andererseits das Zustandekommen eines ernsthaften ßuftabkommens fördern. — „Daily Telegraph" hält das Programm für ungenügend. Baldwin habe die völlige Gleichheit der ßuftstärke Englands mit ber Stärke der ßuftftreitfräfte der England benachbarten Macht besprochen und erst wenn diese völlige Gleichheit erreicht sei, werde sich das englische Volk zufrieden geben. Außerdem sei anzunehmen, daß die anderen Staaten in der Zwischenzeit ihre ßuftmacht ebenfalls weiter ausbauen. Das Blatt glaubt in diesem Zusammenhang auf eine angebliche „deutfche Gefahr" (!) Hinweisen zu müssen. — „M o r n i n g P o st" sagt, die Aufrüstungsmaßnahmen ber Regierung stellten eine ungeheure Verbesserung ber englischen militärischen ßage bar. Man müsse hoffen, daß die englischen Staatsmänner in Zukunft nicht mehr die lebenswichtige ßandesoerteidigung ben Abrüstungsbestrebungen unterwerfen würben. — „Daily Mail" melbet, bas ungenügende Programm hätte bei vielen Abgeorbneten Erschütterung unb Abscheu hervorgerufe'n. — Der sozialistische „Daily H e r a I b" behauptet, baß Balbwin enb- güttig bie Abrüstungspolitik aufgegeben habe. Das Echo in Frankreich. Paris, 20. Juli. (DNB.-Funkfpruch.) Die Erklärung Balbwins im Unterhaus über bie Verstärkung der ßuftflotte werden von ber französischen chauvinistischen Presse als Sieg ber Vernunft über pazifistische Illusionen bezeichnet. Die Ausrüstung Englands gilt diesen Blättern sogar als eine gewisse Bürgschaft, daß das militärische Zusammengehen mit Frankreich greifbare G e st a l t annehmen werde. Trotzdem versagen sie sich nicht einen kleinen Seitenhieb. Eng- land, so erklären sie mit gewisser Schadenfreude, hätte nicht nötig gehabt, sich in s o große Un- ko st en zu stürzen, wenn es früher auf politischem Gebiete vorsichtiger gerne« fen wäre, d. h., wenn es nicht dauernd Frankreichs Sicherheitspolitik Hindernisse in ben Weg gelegt hätte. Oer englisch-türkische Zwischenfall bei Samos beigelegt. L o n b o n, 20. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der eng. lisch-türkische Zwischenfall bei Samos wird von iber englischen Presse nunmehr als beiyelegt betrachtet, nachdem die türkische Regierung der Einsetzung einer gemischten englisch- türkischen Untersuchungskommi sion 3 u g e ft i m m t hat. Am Donnerstag sind Der tür- halten werden. Die Der Dementsprechend ist au d) bet gehoben. Absatz der Verständigung. G. W. wer- jährigen Ruttledoe-Expedition. Als sie ledoch nach dieser Zeit kein Lebenszeichen mehr von Wilson er« hielten, kehrten sie zurück. Wahrscheinlich ist Wil« son in einer Höhe von etwa 7500 Meter ums L e« ben gekommen, da gerade in dieser Höhe sehr häufig furchtbare Schneestürme herrschen. Außerdem ist diese Gegend reich an Gletscher« spalten. Mailand erhält eine Untergrundbahn. Nach Mitteilung des Mailänder Oberbürgermei« sters vor der Presse wird die Stadt Mailand im nächsten Jahr mit dem Bau einer Untergrundbahn beginnen; innerhalb dreier Jahre soll die Dahn betriebsfertig sein. gewerblichen Wirt- Während des Konzertes einer 700 Mann starken Militärkapelle, die nach ihrer Rückkehr von einem Auslandsgastspiel in Czernowitz (Bukowina) auftrat, stürzte plötzlich eine vollbesetzte Zuschauertribüne ein. Etwa 100 Personen wurden verletzt. 25 Personen mußten sofort mit sehr schwe- ren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Unfall rief eine unbeschreibliche Panik hervor. Oie Kaufkraft -er Landwirtschaft um ^Milliarden gehoben. Auswirkungen der nationalsozialistischen Bauernpolitik aufHandel und «bewerbe. Heraus aus der Spekulation! - Der Bedarf reguliert die Erzeugung. Das erste llalienlfche Segelstiegerlagcr. s° Va”,, rf"' ™ b7n"7° 1B?gn f Ti'taIWn nahmen nicht etwa aus dem Handgelenk gefchiittelt, 1 andern gründlich vorbereitet worden sind. Die Grundgedanken lassen sich kurz am Beispiel der G e t r e i d e s e st p r e i s e wie folgt zusammenfassen: Bei der Schaffung der Getreidefestpreise handelt es ich um ihre Stabilisierung auf mittlerer Höhe, wodurch den Bauern einerseits ein a u s k ö m m l i ch e r Preis, andererseits aber dem Volke die reibungslose Versorgung mit de-m wichtigsten Nahrungsmittel garantiert wurde. Die Durchführung der neuen Getreidepolitik wurde der verantwortlichen Selbstverwaltung, der an der Erzeugung und Verarbeitung beteiligten ständischen Körperschaften in organischer Werse überlassen, während die letzte Zielsetzung und Aufsichtsbefugnis in die Zuständigkeit des Beauftragten der Staatsführung fallt. Weiterhin wurde auf dem Gebiete der Verarbeitung der Zusammen fchluhder Mühlen m Form eines Syndikats der Mühlenindustrie geschaffen, die die erfaßten Getreidemengen nach einheitlichen Vermahlungsgesichtspunkten ver« arbeiten und die durchschnittliche Derdienstspanne festlegen mußten. Diese Zusammenfassung der Mühlenindustrie schlägt gleichzeitig die Brücke zu den Bäckerinnungen und dem Apparat des Einzelhandels, wobei Bäcker und Einzelhändler, ebenso wie das Mühlengewerbe, einheitliche Derfah« rensvorschriften erhalten. Denn also auf diese Deise Erzeugung, Verarbeitung und Verteilung grundlegend geordnet sind, so ist schließlich auch die Verwirklichung des sozialistischen Gedankens auf dem Gebiete der Getreide- Politik am besten möglich. Aus dem Getreidefestpreis ergibt sich zwangsläufig ein stabiler Mehlpreis und ein fester Vormalbrotpreis, der selbstverständlich in ein bestimmtes Verhältnis zum Vormalstundenlohn eines Vollarbeiters gesetzt werden kann. Das gewährleistet dem Arbeiter die Erhaltung derselben Kaufkraft für das wichtigste Nahrungsmittel oder einen angemessenen und gerechten Lohn. 3m Endresultat werden daher auch durch die Lohnstabilisierung die Kosten der Industrie weitgehend und zweckmäßig festgelegt, so daß neben der angemessenen sozialen Lösung auch eine vernünftige Lösung der Kostenfrage gefunden wird. nördlich von Rom das erste italienische Segel- fliegertager. In Zusammenarbeit mit den Jugendorganisationen her Faschistischen Partei sollen ab 23. Juli drei zwanzigtägige Kurse obg-e- Segelflugzeuge stellt her Aeroklub von Italien zur Verfügung. Der italienische Segelslug steckt noch sehr in seinen Anfängen und hat seine häuptsächlichsten Anregungen in der letzten Zeit durch den deutschen Segelflieger Kronfeld Von den geplanten Reichsautobahnstrecken den auch drei Linien Thuringenberuh- r e n Als erste Teilabschnitt- stnd am Donnerstag bei Trtpti, und Schl-iz zwei Baust-l- len eröffnet worden, die an der R-ichsauto- hnhnftrerfe Berli n—B ayreut h—M u n ch e n lieaen Der Baubeginn war für die Kreise Gera und Schleiz ein Ereignis, das in bescheidenem Rah- men festlich begangen wurde. Die Alleinbesteigung des Mount Everest mißglückt. Der enalische Fliegerhauptmann Marice Wil- der den Mount Everest allein besteigen wollte, Bei einem nächtlichen Brand wurde das Kloster Salvatore in Noto bei Syrakus, ein bekanntes historisches Gebäude, zum größten Teil ein Raub der Flammen. Der Schaden läßt sich noch nicht überblicken. Unter den Nonnen des Klosters entstand eine furchtbare Panik. Bei den Bemühungen, sie zu retten, stürzte ein Teil des Daches em und verletzte drei Personen, darunter eine schwer. Der Brand hat auch die elektrische Zentrale der Gemeinde ergriffen und vollkommen zerstört. Der Adolf-Hitler-Preis fällt nach Oberlahnslein. Die Schützengesellschaft Ob erlahn - ftein konnte auf dem Bundesschießen m Leipzig den größten Erfolg seit ihrem Bestehen feiern. Mit drei Schützen nahm die Oberlahnsteiner Schutzen, gesellschaft an dem Bundesschießen teil und alle drei kehrten preisgekrönt zuruck. Das Mitglied Bräuer hat jedoch den schönsten Erfolg errungen. Der große Preis des Führers, um den 30 000 Schützen gekämpft hatten, fiel nach Oberlahnstein. Adam Bräuer ging in diesem harten Kampf als Sieger hervor und konnte damit feinem Verein und seiner Vaterstadt eine große Ehre bereiten. Die preisgekrönten Schützen wurden von den Vereinen der Stadt feierlichst empfangen und geehrt. Schweres vergwerksunglück in Oberbayern. In der Kohlengrube „M a r i e n ft e i n" bei Schaftlach, verunglückten drei Bergleute tödlich- Der Unfall ereignete sich in einem fenk- rechten Aufbruch in etwa 30 Meter Höhe durch plötzlichen Ausbruch von Gasen, deren Beschaffenheit noch geklärt werden muß. Als die zwei an der Unfallstelle beschäftigten Leute zur üblichen Pause nicht heruntergestiegen waren, stieg ein dritter Bergmann in den Aufbruch hinauf, um nachzusehen, was los ist. In einigen Metern Hohe mürbe er bewußtlos und stürzte leicht verletzt ab Daraufhin stieg ein weiterer Kamerad hoch f ch a f f auf dem Lande in den einschlägigen Gewerben und Industrien erheblich gestiegen. Die Besserung der bäuerlichen Kaufkraft spiegelt sich schließlich in dem starken Bedarf der Landwirtschaft an Arbeitskräften wieder, der fast vollständig zusätzlicher vatur ist, da die im Vorjahre eingestellten Saisonarbeitskräfte im Winter 1933/34 durchgehalten worden sind. So hat sich der sichtbare Erfolg der nationalsozialisti« schen bäuerlichen Preispolitik nicht nur in der Richtung der Existenzsicherung der Bauernschaft und der Besserung ihrer landwirtschaftlichen Lage, sondern auch belebend auf die gesamte deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Außenwirtschaftlich sind hie Auswirkungen her nationalsozialistischen Agrarpolitik ebenfalls positiv. Durch die Marktregulierung können wir unseren gesamten Einfuhrbedarf überblicken und ihn planvoll, namentlich auf die Staaten des europäischen Ostens und Südostens und unsere nördlichen und westlichen Nachbarn aufteilen. So können hie ausländischen Bauern an unseren auskömmlichen festen Preisen teilnehmen und mit einem mengenmäßig geringeren, aber wertmäßig höheren sicheren Absatz in Deutschland rechnen. Dadurch erhält unsere Industrie auch gesichertere Absatzmöglichkeiten im Auslande. So ist hie nationalsozialistische Agrarpolitik ein Instrument hes Friedens und her Dölker- wevden. Mit diesem Unfug hat der Nationalsozialismus gründlich aufgeräumt. Für die Veredelungser- zeugniffe der bäuerlichen Wirtschaft wurde unter tunlichster Berücksichtigung der Kaufkraft des Verbrauchers — möglichst auf Kosten einer spekulativen Handels- und Verarbeitungsspanne — eine durchgreifende Preisausbesserung durchgeführt, die Einfuhr ausländischer Veredelungserzeugnisse zu Schleuderpreisen durch Kontingentierung und Marktregelung unterbunden, die Margarineproduktion erheblich herabgesetzt, die Einfuhr ausländischer Fette, Oele und Futtermittel einer straffen Regelung und Einschränkung unterworfen. So ist hie Ausweitung her deutschen Veredelungserzeugung zu auskömmlichen Preisen und in geregelten Bahnen, hie Vergrößerung her Eigenfutter- grundlage und Verwertung her einheimischen Getreideproduktion ermöglicht und schließlich ein g e • sunder Ausgleich zwischen Berede- lungs- u nh Getreidewirtschaft in die Wege geleitet worden. Dieser ganze Entwickelungsprozeß wird namentlich heute, wo wir uns immer mehr hem Ziel her Nahrungsfrsiheit genähert haben, angesichts unserer schweren Devisenlage erst in seiner ganzen Bedeutung erkennbar. Der Erfolg her durch das Reichsnährstandgesetz eingeleiteten nationalsozialistischen Agrarpolitik läßt sich zunächst auf psychologischem Gebiete beobachten. Gewiß hat es eine gewisse Zeit gedauert, bis mancher Bauer die Bedeutung her neuen Maßnahmen in ihrem ganzen Umfange erkannt hat. Heute weiß aber der überwiegende Teil her deutschen Bauernschaft ganz genau die Vorzüge der Getrevdefeftpreiise, die Vorteile her Umorganisation her Milchwirtschaft mit ihren auskömmlichen und stabilen Preisen und beispielsweise noch die Vorzüge der Marktregelung für Vieh, Butter, Käse, Eier und Gartenbauerzeugnisse zu würdigen. Die KaufkraflderGefamklandwirt- schäft hat sich erstmalig seit 1928/29 für das am 30.3uni 1934 abgelausene Wirtschaftsjahr um eine % Milliarde Reichsmark Kunst und Wissenschaft. Die Heidelberger Reichsfestspiele. Am Mittwochabend ging im Schloßhof die dritte Aufführung der Heidelberger Reichsfestspiele vor sich: Shakespeares „Sornrnernachts- trau m". Es zeigte auch wieder, daß dieses Liebesspiel wie kein anderes sich, in den Schloßhof einfügte, die lebendige Szene wird mit dem grünen Rasen und den dichten Büschen, mit dem Plätschern des Brunnens und der Pracht der großen Fassaden, die den königlichen Palast von Athen ebenso schon darstellen, wie Oberons Geisterwald vor den Toren der Stadt. In diesem berückend schönen, in magi- ches Licht getauchten Rahmen war also der „Sommernachtstraum" gestellt mit seinen nächtlich-bunten Elfentänzen, mit Liebesspiel zwischen Oberon und Titania, dem Rüpelspiel der Handwerker. Elfen und Geister huschten von allen Seiten durch das Gebüsch und über Treppen, und ihre Tänze übten den alten Zauber aus. Das wundervolle Spiel, die prächtigen Kostüme, die Romantik des Schauplatzes, das alles riß das zahlreiche Publikum zu begeistertem Beifall hin. So haben die Reichs- feftfpiele mit dem „Sommernachtstraum" ihren stärksten Anziehungspunkt — ein Sommerspiel ohne gleichen. Abbruch des Generalstreiks in Gan Franzisko. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung. Neuyork, 19. Juli. (DNB.) Wie aus San Franzisko gemeldet wird, hat der Streikausschuß beschlossen, den Streik abzubrechen. Der Beschluß wurde mit 191 gegen 174 Stimmen gefaßt. Der Ausschuß forderte diejenigen Gewerkschaften, die in einen Sympathiestreik für die Hafenarbeiter eingetreten waren, auf, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen und sicherte den weiter st reitenden Hafenarbeiterge- werkschaften alle moralische und finanzielle Unterstützung zu. Der Beschluß, den Generalstreik abzubrechen, stellt einen Achtungserfolg für Roose- velts Schlichtungsausschuh dar. Aller- dings stehen die äußerst verwickelten Schlichtungsverhandlungen zwischen den verschiedenen Arbeitgeber- und Arbeitnehmergruppen noch bevor. Die schwache Mehrheit für den Streikabbruch ist ein Zeichen für die unter den Arbeitern herrschende Verbitterung, die durch die Tatsache hervorgerufen worden ist, daß der Beschluß, den Generalstreik abzubrechen, unter dem Druck der öffentlichen Meinung und angesichts der drohenden Verhängung des Belagerungszustandes erfolgt ist. tätig, um die Gefahr weiterer Ueberfchwemmungen abzustellen. Wassersnot und Banditenplage in der Mandschurei. Im nordmandschurischen Ueberschwemmungsgebiet steigt das Wasser immer noch an. Bereits jetzt rechnet man damit, daß 40 v. H. der Ernte vernichtet ist. Die verzweifelten und dem Hungertode nahen Bauern schließen sich mehr und mehr den Räuberbanden an, die allenthalben eine verstärkte Tätigkeit entfalten und Eisenbahnzüge, Autobusse, Dörfer und sogar Städte über» fallen. Neuerdings kam es auch in der südlichen Mandschurei und besonders in der Provinz Jehol zu heftigen Wolkenbrüchen, die aus- gedehnte Ueberfchwemmungen hervorriefen. Ganze Dörfer wurden von den Fluten fortgefpült. Hunderte von Menschen sind ertrunken. Schweres Unwetter im Dombrowaer Revier. Heber dem Dombrowaer Jndustrierevier ging ein schweres Gewitter nieder, das von wolkenbruchartigem Regen begleitet war. In einem Vorort von Sosnowice, schlug der Blitz in das polnische Pfadfi noerheim ein, in dem sich sechs Pfadfinder aufhielten. Vier von ihnen wurden schwer verletzt und in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus eingeliefert. In einem anderen Vorort schlug der Blitz in die Wohnung eines Arbeiters ein. Die Frau des Arbeiters und ihr sechsjähriges Kind wurden ebenfalls schwer verletzt. In Sosnowice selbst waren ganze Stadtteile einige Zeit unter Wasser gesetzt. Der Straßenbaynverkehr von Sosnowice nach Kattowitz war mehrere Stunden unterbrochen. Hitzewelle in der Türkei. Auch die Türkei wird zur Zeit von einer Hitzewelle heimgesucht, die im ganzen Lande un- gewöhnlich hohe Temperaturen mit sich rächte. In Adana in Südanatolien wurden 41 Grad Celsius gemessen, in Ankara 37 Grad Celsius, während Istanbul „nur" 33 Grad Celsius zu verzeichnen hat. Es ereigneten sich zahlreiche Todesfälle durch Hitzschlag, so vor allem in Smyrna. Für die Beamten ist eine halbtägige Arbeitszeit eingeführt worden, die am frühen Morgen beginnt und vor der größten Mittagshitze beendet ist. In der Gegend von Eschkifchehir wütet seit zwei Tagen ein großer Waldbrand. Zwei schwere Brände auf dem Hunsrück. Die Grundgedanken der Getreidepolitik haben schon frühzeitig die Billigung des Führers gefunden, der bei ihrer Prüfung darauf hinwies, daß die wichtigsten Lebensgüter des Volkes der Spekulation entzogen werden müßten. Ebenso erkannte her Führer weitschauend, haß die festen Preise nur für diejenigen Erzeugnismengen eingeführt werden müßten, hie das deutsche Volk tatsächlich für sein Leben, für den täglichen Bedarf braucht. So wurde di« deutsche bäuerliche Wirtschaft aus dem spekulativ-kapitalistischen Wirtschaftssystem, aus der anarchische Produktion, für einen freien, unbe- ftimmten Markt herausgelöst, ihre grunblegenhe Umwandlung von der Erzeugungswirtschaft zur Bedarfs d eck ungswirt- schäft vollzogen. Und so, wie auf dem Gebiete her Getreidewirtschaft, wurde mit Hilfe der Marktrege, hing für hie wichtigsten bäuerlichen Erzeugnisse, die Milch die Butter, hie verschiedenen Fettarten, das Vieh die Eier, die Wolle unh hie Gartenbauerzeugnisse/die planmäßige Umstellung her bäuerlichen Erzeugung auf hie tatsächlichen Bedürfnisse des deu schen Marktes unter Schaffung auskömmlicher Prei für die Bauern und unter Berücksichtigung her Kau kraft des Verbrauchers hurchgeführt. Dies war selbstverständlich nur auf die Weife möglich, daß hie Vielzahl der landwirtschaftlichen Der- bände und Interessengruppen ihr Nebeneinander und ihr Gegeneinander beseitigt und die Gesamtheit der bäuerlichen Erzeuger, m Lan- desbauernschaften und kleinere Gebietseinheiten un- terqeqliebert, zusammen mit den Genossenschaften her die bäuerlichen Erzeugnisse be- und verarbeitenden Industrie und dem Landhandel in der Grohorgam- sation des Reichsnährstandes zusammenge- schlossen wurde. Erst die Schaffung des Reichs- nährftandes hat hie planmäßige Steuerung her deutschen Agrarpolitik und d.e orgam che Derbm- dung mit den anderen Wirtschaftsgebieten und Berufszweigen des deutschen Volkes gemacht. Ein sehr wesentliches Moment her nationalsozia» listischen Agrarpolitik, wie sie durch das Reichsnahr- men. Die eingeborenen Träger, die Wilson begleiteten, berichten, daß er sie in einer Höhe von etwa 7000 Meter verlassen habe, um die Besteigung des Gipfels allein durchzuführen. Seine Ausrüstung bestand nur aus drei Broten, einer leichten Zeltbahn und zwei Büchsen Konserven. Die Träger warteten einen vollen Monat auf feine Rückkehr an der Stelle des dritten Lagers der vor- ~ ' dae-Expedition. Als sie jedoch nach Lebenszeichen mehr von Wilson er» erhalten. Riefengehälter bei der amerikanischen Filmindustrie. Die Neuyorker Blätter heben aus hem Nirabericht über hie Lage her amerikanischen Filmindustrie hervor, daß, obwohl die Filmindustrie als Ganzes mit einem Verlust von zwanzig Millionen Dollar im Jahre 1933, abgeschlossen habe, immer noch HO in dieser Industrie beschäftigte Personen höhere Gehälter bezogen, als das Gehalt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, nämlich 75 000 Dollar. Von den fünf größten Filmkonzernen, die diese Riesengehälter zahlten, war eine bankerott, die zweite stand unter Geschäftsaufsicht, die dritte mußte sich reorganisieren, um einer Verschuldung von 42 Millionen Dollar zu begegnen, hie vierte hatte im Jahre 1934 einen Verlust von 16 Millionen Dollar und die fünfte Gesellschaft schließlich verzeichnete gleichfalls einen gewaltigen Gewinnrückgang. Zwei Hamburger Räuber in Karlsruhe verhaftet. Die Hamburger Polizei hat jetzt den schweren Raubüberfall, der am 14. Juli in her Ofterstraße ver- übt worden ist, aufgeklärt. Damals hatten zwei Burschen eine Geschäftsfrau im Hausflur überfallen, sie mit Gummiknüppeln zu Boden geschlagen und beraubt, wobei ihnen 600 Mark in hie Hände fielen. Nach der Tat ergriffen hie Täter in einem Kraftwagen, in den später noch ein dritter Mann einstieg, die Flucht. Die Polizei konnte inzwi- schen in Hamburg die Namen zweier Betei- li g t e r f e ft ft e 11 e n , bie auf funkentelegraphisches 23 er tannen nunmehr in Karlsruhe verhaf- t e t wurden. Der dritte Beteiligte hat sich selbst der Hamburger Polizei gestellt. 25 Schwerverletzte bei einem Tribüneneinsturz. Ein interessanter Streitfall. Erzherzog Josef klagt gegen die rumänische Regierung auf Herausgabe der Besitzungen in Siebenbürgen. Paris, 20.Juli. (DNB. Funkspruch.) Vor dem gemischten österreichisch-rumänischen Schiedsgericht in Paris steht gegenwärtig ein Prozeß zur Der- Handlung, den Erzherzog Josef von Habsburg-Lothringen auf Herausgabe feiner ehemaligen Besitzungen in Siebenbürgen dzw. Entschädigung in Höhe von 60 Millionen Schweizer Franken gegen die rumänische Regie- rung angestrengt hatte. Erzherzog Josef wird vom Rechtsberater der ungarische n R egt e • rung vertreten. Für die Gegenpartei plädiert Paul-Boncour. ... Durch den Vertrag von Trianon waren samt- liche der österreichisch-ungarischen Krone und dem ehemaligen Herrscherhaus gehörende m (Siebenbur» gen liegenden Besitzungen an die rumänische Regierung gefallen. Erzherzog Josef steht auf dem Standpunkt, daß unter den Vertrag von Tnanon aber nicht der rein private B e f i tz falle, den fein Vater aus eigenen Ersparnissen rote ir- genbein anderer Sterblicher käuflich erworben habe. Paul-Boncour gibt zu, daß der französische Text standgefetz eingeleiet wurde, ist der sinnvolle Ausgleich zwischen den einzelnen Er^eu- 1 u n g s z w e i g e n her bäuerlichen Wirtschaft im )inblick auf den Bedarf. Das Stiefkind her Novem- berrepublit war die bäuerliche Veredelungswirtschaft, die Folge davon roar .ein Chaos auf dem Gebiete her Milchwirtschaft und her Butterwirtschaft, eine vollkommene Zerrüttung der Dieh- produktion und des Fleischmarktes und der Eier- wirtschaft, ein katastrophaler Preisrückgang für die Erzeugnisse aller genannten Wirtschaftszweige und chließlich ein äußerst bedrohlicher Rückgang her beut» । chen Fetterzeugung, bie durchdie billige, aus Aus- androhstoffen hergestellte Margarine verdrängt wurde. Dazu kam noch eine Ueberflutung des beut» chen Marktes mit ausländischen eiweiß- und ölhaltigen Futtermitteln, die eine sinnvolle Verwertung des deutschen Futtergetreideüberscbusses und eine planmäßige Steigerung des deutschen Anbaues an öl« und eiweißhaltigen Früchten unmöglich machte. Einer Milchproduktion an Fetten stand eine lieber- Produktion von Getreide, namentlich Brotgetreide gegenüber, von einem Ausgleich zwischen Getreide- und Veredelungswirtschaft konnte nicht gesprochen und k-hrte nicht mehr zuruck Die tn der Nähe be chästigten Leute alarmierten die R-ttungs- mannhaft, der es nach stundenlanger muhenoller Arbeit gelungen ist, die verunglückten drei Bergleute, bei denen Wiederbelebungsversuche er- solglos waren, zu bergen, Bel den überaus frfimieriaen Rettunasarbeiten — das Unglück er- eianete ficf) auf der Mü-Meter-Sohle - erlitten ein Rettungsmann einer schwere und mehrere Ret- tungsmänner leichte Gasverglstungen. Beginn des Baue» bet Reichsaulobahn in Thüringen. Bald wird sich her Tag jähren, an dem der Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister Darrs das Gesetz über den Reichsnährstand gleichzeitig mit dem Gesetz über den Zusamenschluh der Mühlen und die Getreidefestpreise oorlegte. Dies war die erTat der nationalsozialistischen Bauern- polittk, die die größten und segensreichsten Auswirkungen haben sollte. Dabei muß mit allem Nachdruck hervorgehoben werden, daß bereits lange vor der Machtübernahme die Grundgedanken des Reicksnährftandgesetzes, im Sommer 1932, den Wirtschaftspolitikern der NSDAP. Vorgelegen haben, so daß all diese Maß- Jn Tiefenbach bei Simmern wurden zwei bäuerliche Anwesen durch Feuer vernichtet. Das Wohnhaus des Landwirts und Zimmermeifters Jakob Wickert geriet in Brand. Trotzdem die Orts- und benachbarten Feuerwehren sofort eingriffen, konnte nicht verhindert werden, daß das Feuer auf die Wohnhäuser von Heinrich Wickert und Georg Heller übersprang und ferner Stallungen und Scheunen vernichtete. Nur das Vieh konnte gerettet werden. — Fast zur gleichen Zeit geriet in Argenthal das Anwesen des Arbeiters Heinrich Schömenauer in Brand. Es wurden Haus, Scheune und Stall vernichtet. Das ganze Anwesen wurde in einer Viertelstunde ein Raub der Flammen. Grohfeuer in einer Pappenfabrik bei Dresden. In dem im Gottleubatal gelegenen Zweigwerk der Osthushenrichwerke in Heidenau, in dem in erster Linie Pappen hergestellt werden, brach ein Brand aus, der mit rasender Schnelligkeit um sich griff und sich in kurzer Zeit auf bie qanze Fabrik ausbreitete. Außer den Feuerwehren von Heidenau und Pirna wurden auch die Fabrikwehren der ganzen Umgebung fo» wie Abteilungen des Freiwilligen Arbeitsdienstes an die Brandstelle gerufen und bet ben Lofcharbei- ten eingesetzt. In der zweiten Nachmittagsstunde waren sämtliche Fabrikgebäude bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die in der Nähe stehenden Baulichkeiten konnten vor einem Uebergreifen des Feuers bewahrt werden. Dagegen ist das die Fabrik umgebende Wald - und Buschgelände in Mit idenschaft gezogen worden. Außer den Gebäuden wurden große Holzvorräte, die sich auf tausende von Kubikmetern beziffern, vernichtet. Der Schaden dürfte sich auf rund 1 Million RM. belaufen. Das Werk beschäftigt etwa 130 Arbeiter. Man vermutet, daß das Feuer durch S e lb st e n t z u n - düng entstanden ist. Riefenfeuer im Staate Neuyork. In der Stadt Jamestown (Neuyork) brach aus unbekannter Ursache in einer Lackfabri ein Brand aus. Mit rasender Geschwindigkeit gnf bas Feuer auf ein Holzlager über. Trotz angestrengtester Arbeit der Feuerwehr wurden schließlich auch eine Maschinenfabrik, mehrere mehrstöckige Häuser und ein Kohlengroß - [aqer von den Flammen ergriffen. Der Schaden wird auf eine halbe Million Dollar geschätzt. Erst nach mehrstündiger Arbeit konnte bas Feuer em- gebämmt werden, jedoch dürfte es noch eine Zeit- lang dauern, bis bas Kohlenlager ausgebrannt ist. Ein Nonnenkloster bei Syrakus niedergebrannt. des Vertrages von Trianon zu Zweideutigkeiten Anlaß geben könne, daß aber der englische Wortlaut ausdrücklich von „sämtlichen Mitgliedern des ehemaligen Herrscherhauses gehörenden Besitzungen" spreche. Erzherzog Josef will jedoch nur den in Streitfällen allein gültigen französischen Wortlaut gelten lassen, so daß Paul-Boncour zu dem politischen Beweismittel greift, daß die Enteignung der österreichischen Erzherzöge eine „Sanktion" für die persönliche Verantwortung der Habsburger Dyna- stie am Weltkrieg darstelle. Außerdem bestreitet er die Zuständigkeit des Schiedsgerichts für die Klage des Erzherzogs. Das Schiedsgericht wird in seiner nächsten Sitzung die Zuständigkeitsfrage prüfen. Der deutsche Botschafter in Paris bei Barthou. Paris, 19. Juli (DNB.) Außenminister Barthou empfing am Donnerstagnachmittag den deutschen Botschafter in Paris, Roland Köster, und anschließend den sowjetrussischen Geschäftsträger Rosenberg. Die Unterredung wird von der Presse mit dem Nordostpakt in Verbindung gebracht. Ihr informatorischer Charakter wird besonders hervorgehoben, da die Reichsregierung vor genauer Unterrichtung kaum Stellung nehmen dürfte und vor allem, da zwischen der Reichsregierung und Paris und sogar zwischen Paris und London Meinungsverschiedenheiten in der Auslegung der Beziehungen zwischen dem etwaigen Abschluß des Paktes und der Verwirklichung der von Deutschland geforderten Rüstungs- g l e i ch h e i t bestünden. Rücktritt des Führers der Heichsschast der Studierenden. Berlin, 19. Juli. (DNB.) Der Führer der Reichsschaft der Studierenden an den deutschen Hoch- und Fachschulen Dr.-Jng. S t a e b e l sowie der kommissarische Führer der Deutschen Studentenschaft, Dipl.-Jng. Zäringer sind von ihren Aemtern zurückgetreten. Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat an Stelle Dr. Staebels den früheren Leiter des Amtes für Arbeitsdienst der deutschen ^Studentenschaft, cand. rer. pol. et hist. Andreas Feickert zum Reichsschaftsführer ernannt. Andreas Feickert übernimmt zugleich das Amt des Führers der Deutschen Studentenschaft. ■ Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, gibt bekannt: Durch Berufung des bisherigen Studentenbundführers z. D. Dr. S t a e - bei in die Reichsleitung der PO. ist seine Tätigkeit im NS.-Studentenbund beendet. Ich spreche ihm hiermit für seine bisher geleistete Är- beit Len Dank der Bewegung aus. Der N S. - Studentenbund untersteht im Einvernehmen mit dem Pg. von Schirach ab heute mir direkt. Bis zur Ernennung eines neuen Führers des NS.-Studentenbundes, die ich mir selbst vorbehalte, beauftrage ich mit der N e u o r g a n i s a t i o n desselben meinen Vertrauensmann Pg. Dr. med. Wagner, München, Braunes Haus. SocdfchuLnachnMten. Professor Dr. Hermann M a c c o , der bekannte Berliner Genealoge, feiert seinen 70. Geburtstag. Dr. Heinrich P e t t e, der leitende Oberarzt am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in Hamburg, wurde zum planmäßigen a. Professor für Neurologie an der Hamburgischen Universität ernannt. Dr. Wilhelm Schwartz, an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wurde zum aö. Professor für Botanik und botanische Mikrobiologie und zum Direktor des Botanischen Instituts ernannt. Professor Schwartz studierte in Halle, Jena und München, war am Botanisch-pharmazeutischen Institut in Marburg, am Gärungsphysiologischen Institut in Weihenstephan und an der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Augustenburg bei Karlsruhe tätig. Leber % Millionen Mark Ehestandsdarlehen in Frankfurt ausbezahlt. LPD. Frankfurt a. M., 19. Juli. In diesen Tagen ist es ein Jahr her, daß das Gesetz zur Förderung der Eheschließungen von der Reichsregierung beschlossen wurde. Der Segen, den dieser Beschluß der Reichsregierung unter den jungen Leuten gestiftet hat, die heiraten wollten, aber nicht die nötigen Mittel zur Einrichtung des eigenen Heims besaßen, läßt sich am besten aus der Tatsache ermessen, daß die Zahl der Anträge auf Ehestandsdarlehen allein hr Frankfurt dem dritten Tausend zugeht und daß die Summe, die in Gestalt von Bedarfsdeckungsscheinen bis heute in Frankfurt zur Auszahlung gekommen ist, die D r e i v i e r t e l Million schon überschritten hat. Wenn die Bedingungen, die im Laufe dieses Jahres an die Darlehnsbewilligung geknüpft sind, Aenderun- gen erfahren haben, so zeugt das nur für den starken Anklang, den die Ehestandsdarlehen in allen Schichten des Volkes gefunden haben. Eine Einschränkung wurde nur insofern eingeführt, als seit den letzten Monaten der einstige Höchstbetrag von 1000 Mark, der zudem nur für ganz wenkge Falle in Frage kam, auf 500 Mark ermäßigt wurde; 300 bis 400 Mark werden in der Regel an bereits verheiratete Leute für zusätzliche Beschaffungen gegeben. Geschichten aus aller Welt. Adelaide, die Farbentasterin. (D) Rom. Die Wissenschaftler Italiens beschäftigen sich seit einiger Zeit mit dem kleinen Fräulein Adelaide Bal- tazzi, einem kaum 16jährigen Tast-Phänomen, das in höchst wunderbarer Weise alle Farben mit den --Fingern „sieht", d. h. „austastet". Man stellte unzählige Versuche mit dem Mädchen an und immer wieder gelang es der Kleinen, die verschiedensten Farben aller Abschattungen (sogar mehrere Tönungen der einzelnen Farbengruppen) richtig zu erkennen. Ob Holz, Papier, oder Wolle, blieb sich ganz gleich; das Kind erriet zuletzt von 30 Fällen in 28 die richtige Farbe. Die Experimente wurden immer wiederholt, die Augen der Adelaide unter gewissenhafter Kontrolle sogar dreifach verbunden und trotzdem „erkannte" sie alle Farbtöne selbst im stockdunklen Zimmer. Nur in einem einzigen Falle versagte das sonderbare und einzigartige Farbenfingerspitzengefühl: bei weißen Gegenständen wurden die „sehenden" Finger plötzlich „farbenblind" und die Tastende beteuerte, nichts Bestimmtes zu erfühlen. Die Aerzte in Rom haben das Tasträtsel bisher nicht ergründen können und wiesen zunächst auf die vor einigen Jahre Aufsehen erregenden Ausführungen des griechischen Augenarztes Dr. Tanagra hin, der ebenfalls einen Patienten ähnlicher Art behandelte und die Meinung vertrat, daß die sonderbare Gabe lediglich auf die Wärmegrad-Unterschiede der einzelnen Farben zurückzuführen sei. Nach Dr. Tanagra strahlen alle Farbtöne nämlich Wärme aus, und Menschm mit einem ganz fabelhaft entwickelten Tastsinn können diese Ausstrahlungen nach Tanagras Hypothese „ohne weiteres" von einander unterscheiden. Trotz dieser Feststellung dürfte Fräulein Baltazzi die zweite Farbentasterin der ganzen Welt sein. Grund genug, um „berühmt" zu werden. Wenn man noch hinzünimmt, daß Adelaide nach Zeitungsmeldungen ein auffallend hübsches Mädchen sein soll, dann darf man schon annehmen, daß es ihr nicht allzu schwer fallen wird, den richtigen Bräutigam „auszutasten". Jedenfalls wird sie doch auch mit verbundenen Augen, tastend sehen und sehend tasten können, ob eine Seele — schwarz ist. Sollte besagte Seele jedoch weiß sein, ist alles in schönster Ordnung, auch wenn in solchen Fällen das Tastphänomen versagt ... Der gestohlene Bart. (d) Belgrad. Ein Bart, oder vielmehr ein früher einmal gewesener Bart beschäftigt augenblicklich ein Gericht der jugoslawischen Hauptstadt. Angeklagt sind acht bisher unbescholtene Belgrader Bürger wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und „Bartdiebstahls". Die Geschichte vom gestohlenen Bart hat sich folgendermaßen zugetragen: Der Belgrader Männerwelt war ein junger Mann, der glücklicher Besitzer eines wunderschönen Bartes war, ein Dorn im Auge. Wenn hier von einem Bart die Rede ist, so ist damit nicht nur eine „kleine Fliege" gemeint — nein, so etwas sieht man ja alle Tage — sondern ein bildschöner Vollbart erregte das Aergernis. Nun ist es zwar keinem Menschen verwehrt, über seinen Bart frei zu verfügen, wenn nicht in diesem Falle — und das ist hier der Stein des Anstoßes — der Bart einen ungeheuren Einfluß auf die Frauen Belgrads gehabt hätte. Alles schwärmte für den jungen Mann mit dem Vollbart, und das schöne Geschlecht lief ihm nach wie weiland die Ratten dem berühmten Flötenbläser von Hameln. Unser „Vollbart" hätte ein Eisberg sein müssen, um den Versuchungen zu widerstehen, und er war alles andere als das; er war im Gegenteil ein ausgesprochener Don Juan. Das paßte natürlich der männlichen Bevölkerung nicht, und als der Umschwärmte eine Nachts still in sein Kämmerlein gehen wollte, da umringte ihn auf der Straße plötzlich eine Anzahl vermummter Gestalten, warf ihn in ein bereitstehendes Auto, und in rasender Eile sausten die Entführer mit ihrem Opfer davon. Als unser Liebesheld aus seiner Betäubung erwachte, befand er sich an Händen und Füßen gefesselt in einer ländlichen Barbierstube. Sä;reckliche Vermutungen stiegen in ihm auf, und» als er den Barbier mit einem Schermesser eintreten sah, da wurde es ihm zur schrecklichen Gewißheit: Man wollte ihn seines Schatzes berauben, man wollte ihm den Bart abschneiden! Mit aller Gewalt sträubte er sich gegen diesen Eingriff in seine Freiheit. Aber vergebens! Hohnlächelnd umstanden ihn die Entführer und sahen zu, wie die stolze Bartpracht unter dem Barbiermesser verschwand. „Es hat sich ausgebartet, alter Freund!" und damit war der Unglückliche entlassen. Was soll er nun ohne Bart anfangen? Keine Frau guckt ihn mehr an; eine seiner zahlreichen Liebschaften kannte ihn überhaupt nicht mehr wieder, und als er sich ihr zu erkennen gab, lief sie entsetzt davon. Nun klagt er auf Schadenersatz; aber kann ihm Geld eine Entschädigung budeuten? Einen neuen Bart kann er sich dafür nicht kaufen, und bis ein neuer Vollbart gewachsen ist, wird noch geraume Zeit vergehen. Man geigte ihm eins. (h) Bukarest. In einer Delikatessenhandlung in Bukarest erschien ein Zigeuner, der eine Portion Kaviar kaufen wollte. Seine Frau, so erklärte er den ungewöhnlichen Wunsch, erwarte ein Kind und habe sich diese Delikatesse gewünscht. 100 Lei = 2,50 Mark kostete die Portion. Der Zigeuner zahlte 60 Lei an und ging, den Rest zu holen. Als Pfand ließ er seine Geige da. Kaum war er aus der Tür, da betrat ein hocheleganter Herr den Laden. Während der Geschäftsinhaber den gewünschten Kognak versuchte, fand der Herr die Geige, besah sie sich interessiert von allen Seiten, klimperte auf ihr herum und bot schließlich dem höchst erstaunten Verkäufer 80 000 Lei, wenn er ihm die Geige lassen würde. Es sei eine echte Stradivari. 5000 Lei, die er bei sich hatte, legte er sofort auf den Tisch. Die fehlende Summe wollte er in einer halben Stunde bringen. Inzwischen kam der Zigeuner wieder und war entrüstet, als der Händler ihm die Geige für 5000 Lei abkaufen wollte. Da müsse er noch einen ganzen Batzen zulegen, um dem Wert des Instrumentes einigermaßen nahezukommen. Und außerdem sei es ein Familienstück, von dem er sich nicht trennen wollte. So machte er noch weiter Schwierigkeiten, aber der Händler, der absolut ein Geschäftchen machen wollte, trieb den Preis immer weiter hinauf, bis man sich schließlich auf 50 000 Lei einigte. Anstandslos zahlte der Händler die Summe aus, schnell bei sich berechnend, daß er bei dem Handel immer noch 30 000 Lei profitieren würde, worauf der Zigeuner eilends verschwand. Die halbe Stunde war schon längst abgelaufen, und immer noch war der vornehme Herr nicht wiedergekommen. Er schien kein Interesse mehr an dem Instrument zu haben. Kein Wunder, denn als man den Kaufmann über den Wert der Geige aufklärte, fiel er fast in Ohnmacht. Es war ein ganz wertloses Instrument, mit dessen Hilfe ihn zwei gut aufeinander eingespielte Gauner zum besten gehabt hatten. Immer ansreden Lassen! (d) Angora. Der reiche türkische Kaufmann.Achmed Mustapha hatte seine Freunde und Bekannten zu einem „kleinen" Festessen eingeladen, und alles war bereits versammelt. Nun darf man ein türkisches Essen keineswegs mit unseren europäischen Mahlzeiten vergleichen; wenn hier von einem „kleinen" Essen die Rede ist, so gehören dazu mindestens 12 üppige Gänge, die im Laufe von zwei bis drei Stunden den Weg aller Speisen gehen. So h^tte sich denn unsere Gesellschaft bereits an den verschiedensten Gerichten gütlich getan, hatte der russischen Rübensuppe zugesprochen, im Hammelpilav geschlemmt, zwischendurch Berge von Konfektschachteln geleert und auch den Mokka nicht vergessen. Aber der Hausherr hatte seinen Gästen noch eine ganz besondere Delikatesse versprochen: eine seltene Pilzart von außerordentlichem Wohlgeschmack, die jedoch nur sehr schwer von einer giftigen Abart zu unterscheiden ist. Deshalb gibt man auch zuvor immer erst einem Hund von der Speise zu kosten. Dieses Gericht wurde nun aufgetragen, der Hund gerufen und ihm eine Probe zu kosten gegeben. Darauf sprach man eifrig dem Pilzgericht zu. Mit größtem Appetit verzehrte man alles und dachte bereits an die nächste Speise, da stürzte der Diener des Hausherrn schreckensbleich herein, raufte sich seinen Bart und jammerte: „O, Effendi, Allah verfluche mich aussätzigen Sohn einer reudigen Hündin!" Was es denn gäbe, wollte die Tischgesellschaft wissen. „Ach, Herr, der Hund ist tot; er ift soeben--". Mehr wollte man gar nicht hören; denn die Nachricht hatte wie eine Bombe eingeschlagen. Einen Arzt, so schnell wie möglich einen Arzt! Achmed Mustapha faßte sich zuerst. Er hatte irgendwo einmal gehört, daß eine Pfauenfeder Brechreiz Hervorrufen könnte, und so riß er wie besessen seinen Jagdtrophäen an den Wänden die Federn aus, ohne einen Erfolg zu erzielen. Da kam der Arzt mit einem Dutzend Magen» schläuchen herbeigeeilt und begann sofort, den Vergifteten den Magen auszupumpen. „O, Effendi, Allah möge mich verfluchen, und mir alle Haare ausfallen lassen!" so jammerte der Diener fortwährend; „alle vier Räder sind über den Hund weggegangen!" Ob Achmed Mustapha seinem Diener um den Hals fiel, oder ob er ihn an die Wand warf, ist nicht bekannt; aber er hatte erkannt, daß man einen Menschen immer bis zu Ende anhören muß. Der Arzt strich lächelnd sein Honorar für ein zwölfmaliges Magenauspumpen ein und war überzeugt, Verrückte behandelt zu haben. Vom Kuhjungen zum Professor. (th) Boston. Die Königliche Gesellschaft in Kanada, eine wissenschaftliche Organisation, hat einen Professor Francis Lloyd zum Präsidenten gewählt. Damit tritt ein Mann an die Öffentlichkeit, der, wie man jetzt erst erfährt, in einer erstaunlichen Karriere seinen Weg vom Kuhjungen zum Wissenschaftler sand. Er wurde in Manchester geboren, kam mit den auswandernden Eltern nach Philadelphia, wohnte draußen, hütete die Kühe, kam später zu einem Uhrmacher in die Lehre, wurde Juwelier, Student der Theologie, Biologe — und eines Tages eben jener Professor Lloyd, der heute eine anerkannte Autorität ist. Noch heute kann er Uhren auseinandernehmen und zusammensetzen, und noch jetzt kennt er alle Arten Kühe genau. Er wanderte durch die Dschungeln Javas und die Kaktuswüsten Mexikos, er holte sich das Fieber in Sumatra und ertrank beinahe bei Alaska. Mit einer Expedition war er dort — erlitt Schiffbruch und trieb 24 Stunden im Eiswasser, ehe sie ihn auffischten. Bis ' er eines Tages sich berufen fühlte, wieder „in die Schule" zu gehen, Man erkannte feine Intelligenz, machte ihn zum Ehrendoktor, um ihm den Weg zu ebnen — und fo ist er denn heute Professor. Die • Kuhjungen Kanadas horchen auf. Stieg nicht auch ihr „Kollege" Francis vom Kuhjungen zum Professor auf? Wettervoraussage. Nach dem Zustrom kühler Luft hat sich erneut hoher Druck über Deutschland aufgebaut und wird zunächst wieder seinen Einfluß geltend machen. Da sich aber vom Atlantik her ein kräftiges Tief dem Festland nähert und über Irland bereits Niederschläge verursachte, dürfte die Wetterlage nicht auf lange Sicht gefestigt fein, vielmehr ist späterhin mit dem Aufzug -gewittriger Störungen zu rechnen. Aussichten für Samstag: Teils wolkig, teils aufheiternd, wieder wärmer, meist trocken. Aussichten für Sonntag: Im ganzen warmes Wetter, jedoch Neigung zu Gewitterstörungen. Lufttemperaturen am 19. Juli: mittags 26,9 Grad Celsius, abends 21,7 Grad; am 20. Juli: morgens 15,3 Grad. Maximum 27,7 Grad, Minimum 14,4 Grad.. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Juli: abends 26,6 Grad; am 20. Juli: morgens 21,6 Grad. Sonnenscheindauer 9,8 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: I. V.: Dr. Fr. W. Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Unioerfitäts - Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten, was man hat, muß scheiden. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben, einzigen Sohn, unseren lieben Bruder, Schwager, Onkel und Neffen, meinen lieben Bräutigam Heinrich Rau, Kaufmann durch einen Unglücksfall, im blühenden Alter von 24 Jahren, zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Lina Rau Wwe., geb. Launspadi Familie Loosen, Frieda Mohr. Annerod, den 19. Juli 1934. Die Beerdigung findet Samstag, den 21. Juli, nachmittags 3 Uhr statt. 4236 D Metts- und Wellings-MgelW. Auf Grund der Reichsverdingungsordnung sollen für die Ortsdurchfahrten Klein-Linden, Kirch-Göns, Pohl-Göns, Ober-Wöllstadt, Kloppenheim, Ilbenstadt und Kaichen die Pflasterarbeiten, Vorprofilierungen und Bankett- und Gossenherstellungen sowie die Lieferungen von Fluß- und Grubensand, Basaltsplitt, Basaltsand und Zement im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Angebotsvordrucke sind, soweit Vorrat reicht, ab Samstag, dem 21. d. 2N.» bei uns erhältlich, woselbst auch die Bedingungen- offenliegen. Teilangebote innerhalb der Lose sind unzulässig. Die Angebote sind, nach Ortsdurchfahrten getrennt, verschlossen und mit genauer Aufschrift versehen bei UNS bis Donnerstag, den 26. d. 2TL, vormittags 9 Uhr, portofrei einzureichen. Das Verlesen der Angebote erfolgt in der oben angegebenen Reihenfolge. Nur Anbieter haben Zutritt. Zuschlagsfrist 4 Wochen. 4228V Gießen, den 17. Juli 1934. ♦ Provinzial-Tiefbauamt (Hitlerwall 371). Vermietungen 2-3-Ziminerw. mit oder ohne Pension, möbl.o. unmöbL, per sofort zu vermiet., evtl. Küchenbe- 4235D weflugclTnrrn Gleiberg.WegSl 2o Minuten von Gießen. Tel. 3476 Stellenangebote lapäcta für kleine Farn, zum l.Aug. ges. Vorzustellen 11—8 Uhr. Frau General v. Specht Liebigstraße 68II Dr. Gerster Nervenarzt verreist Vertretung: Dr. Frobenius Liebigstraße 21 03577 Stellen Suchenden wirb bringend empsoh- len,ihrenÄewerbungcn keine llrsvrungszeug- nisse beizusügen.Zn vielen Köllen sind bieAus- Iroggeber von Ziffer- onzetgea unbekannt, u. es kann dann zur Wte- dererlangungverlormer Bewerbungsunterlagen nichts getan werben.- Zeugnis- und ähnliche Abschriften, Lichtbilder usw. muffen stets aus der Mckseite dievollständige Anschrift desBewerbers tragen. 7lur bei Leach- tuug dieser Anregungen können die Stellen Suchenden ausirücksen- bung ihres Eigentums I ».Rechtswegenrechnen. \ Verkäufe Herren- und Namenfahrrad zu verkauf. Wo? sagt d. 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Fleischkonservenfabrik die seit Jahrzehnten bestens bekannt und eingeführt ist, sucht per sofort für die dortige Gegend einen Bezirks-Vertreter Durchaus seriöse Herren, die nachweislich mit der in Frage kommenden Kundschaft in Geschäftsfreundschaft stehen, bitten wir. unter Angabe von Referenzen sich zu bewerben unter 4233D durch den Gießener Anzeiger. Jochen Dr. med. Karl Heinz Dombrowsky und Frau Liselotte, geb. Nowack zeigen die glückliche Geburt eines Jungen an 4231 D Marine-Verein 116 erlag Samst.,5V«Uhr, Liebig-Denkmal. Sonntag, 1 Uhr, Liebig-Denkmal. Tln.Pslicht. 4229D Bauer'scher Ges.Verein e.V. Zur Teilnahme am Festzug b. d. Wiedersehenö- feier des Fnf.- Negts. 116 am Sonntag, 22. 7. treffen sich unsre Mitglieder um 13 Uhr im Vereinslokal. 4232D ZwecksDekümpsungoer Schwarzarbeit können Arbeits-Ange- bote von Handwerkern nur mit Ttamensnen- nung u. unter Dorlage des S ewerbenachwei i es ausgenommen werben. 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Daß sich zwei Männer von einer jungen Dame bedenkenlos in die Nacht hineinkutschieren ließen, empfand er ungeheuerlich. Er sah die kahlen Bäume zu phantastischer Größe sich aufrecken, wenn das Wagenlicht sie traf. Dann sausten sie mit unheimlichen Gesten vorbei. Und der Waldrand wimmelte von gespenstigen Schatten. Alles schien ihm spukhaft, unwirklich, verwunschen und verzaubert. Manchmal hatte er das Gefühl, sie rasten einer verwitterten, mauerbleichen Schloßruine entgegen und ihre Zufahrt saugte sie wie der Trichter eines Strudels ein. Winkende Totengerippe standen Spalier. Erst im letzten Augenblick stoben die Baumskelette auseinander. Aber schon formte sich seinen erregten Sinnen in der Ferne ein neuer narrender Äugentrug. Plötzlich stoppte Gemma so iah, daß er von seinem Sitze hochflog. Ihren kleinen, gellen Schrei hatte er gar nicht gehört. Ehe er begriff, was geschehen sei, sah er Bernd schon draußen vor dem Wagen neben Gemma. Da lag ein Reh vor den Rädern wie ein umgeworfenes Kinderspielzeug aus dem Rücken und streckte seine Läufe steif in die digt werden. Nach dem überraschenden Tod von Bernds Vater verließ der Freund die Stadt und übernahm die große Blumenzüchterei des Verstorbenen. Gemma erschrak bei dem Gedanken: Bernds Blumenspenden hören nun auf. Sie hütete die goldgelben Chrysanthemen wie man eines Schwerkranken wartet, der mit dem Tode ringt. Aber alle Pflege verlangsamte nur den Verfall, vereitelte ihn nicht. Eines Tages mußte sie den welken und faulig gewordenen Strauß auf den Müll schütten. Die Vase blieb leer auf dem Tisch und schrie nach Bernds Blumen. Das Zimmer trauerte um einen Verlust. Gemma dachte an Paul und schalt sich treulos daß in ihrer Einsamkeit immer nur Bernd war, daß sie s.'ine Blumen wie etwas Unentbehrliches in ihrem Leben vermißte. Sie wollte Paul um Blumen bitten beschloß aber, sich selbst welche zu kaufen, ob* schon sie fürchtete, daß jeder Strauß zum Vergleich mit Bernds Blumen reizen mußte. Am folgenden Morgen war ein Blumenpaket von Bernd da. Weiße, gr°b!°nm«e Chrysanthemen, schöner als Gemma sie je Besicht brannte vor sie diese wie Paul übte 1------- - ßU Dort trabt das erste", sagte Gemma mit einem Ton, in dem noch die Aufregung zitterte, und deutete nach dem Waldsaum hinter der Wiese. „Es waren zwei. Dieses hier stürzte auf die Scheinwerfer zu wie eine Motte ins Licht taumelt. Es ist geblendet worden und dann hat es der Anprall betäubt", erklärte Bernd, packte das Tier, wie es lag, an den langen Beinen und schleppte es an den Wiesenrand. Dort stellte er es mit vieler Mühe auf die Läufe, aber ehe es einen Schritt tat, ^Machendwir kurzen Prozeß!" lachte Paul und zog sein Taschenmesser, „vielleicht gehts nut ^^Paul!" entsetzten sich Gemma und Bernd zugleich. „Ich habe ihm nicht das Leben gerettet, damit du es ihm rauben solltest", schalt Gernrna^ Und Bernd fügte hinzu: „Wenn unsere Wagenführerin nicht so geistesgegenwärtig gewesen wäre, hätte sie das Tier überfahren, und wir lägen jetzt mit irgendwelchen Brüchen da- und dorthin geschleudert." .. Macht, was ihr wollt", erwiderte Paul gekrankt und setzte sich abseits auf das Trittbrett des Wagens. Beim zweiten Steh- und Gehversuch trippelte das Reh einige Schritte, torkelte und fiel wieder auf den Rücken. Darauf gab Bernd zunächst seine Bemühungen auf und meinte, man müsse dem armen Tier Zeit lassen. Er kauerte Gemma gegenüber, und ihre Hände streichelten mitleidig das weiche Fell des Tieres. Dabei berührten sich einige Male ihre Fingerspitzen, zuerst flüchtig, dann blieben fie, warm geworden von dem Körper des Rehes, wi- gebannt liegen. Ihr Herz bebte in den kleinen Hautstellen, die sich aneinanderpreßten. Sie wagten sich nicht anzusehen, aber sie fühlten sich einander aufgetan und offenbar, daß sie die Umwelt vergaßen und das Glück des Augenblicks sie umflutete, als feien sie beide allein. Pauls Stimme, die schließlich etwas von „lächerlicher Zeitvergeudung" schnarrte, schreckte sie auf, Bernd stellte das Reh abermals auf die Deine und wankend und schwankend zwar, begann es fortzu- trappeln, wurde zusehends sicherer und rascher und tauchte im Wald unter. „Bravo", jauchzte Gemma, „das bringt Glück!" Aber vor ihrer Wohnung gab es noch einmal eine kleine Verstimmung: Paul hatte sich aus Unachtsamkeit auf den Asternstrauß gesetzt und die Blüten völlig verdorben. Sie konnte ihren Unmut nur mit Mühe unterdrücken. Aber sie tat es Bernd zuliebe. Denn die Fahrt bereute sie trotz alledem nicht. Im Gegenteil: sie hatte sie vor einer Dummheit bewahrt. Von dieser Erkenntnis erfuhr die Oefftni- lichkeit schon einige Tage nachher, als sie ihre Entlobung bekanntgab. Daß Bernd Pauls Nachfolger geworden war, blieb indes vorerst der beiden Glücklichen Geheimnis. Zeitschriften. — Land Mecklenburg, ein ABT btt Heimat als Sonderheft der Mecklenburgischen Monatshefte (Earl Hsiiftorffs Verlag, Rostock). Das Heft verwirklicht einen durchaus originellen Gedanken in einer im allgemeinen wohlgelungenen Form. Alles über das reizvolle Dbotritenlanb landschaftlich, historisch, wirtschaftlich Sagens- und Sehenswer^ ist von den besten Kennern geschrieben, alphabetisch geordnet hier zusammengetragen zu einer wertvollen Ueberschau über diese zukunftsträchtige Planzstatts neuen Bauerntums in der norddeutschen Tiefebene. — LudwigRichter. Zum 50. Todestag Lud- wig Richters, der durch sein Lebenswerk zu einem der wenigen ganz volkstümlichen Künstlern der Nation geworden ist, bringt die Nummer 4661 der „Illustrirten Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) eine Würdigung seines Schaffens in Wort unö Bild. — Im Rahmen der Kriegsprobleme des Fer- nen Ostens steht eine reich bebilderte Abhandlung über die japanische Armee. — Amüsant ist auch der „Dienstmädchenmarkt auf dem Balkan , von dem ein mit lebendigen Aufnahmen illustrierter Ar- titel unterrichtet. Augenblicks-Eindrücke vom Segel- sport und aus dem Variete, ein Moden- und Li- teraturteit und besonders viele „aktuelle Bilder sind der Abschluß für dieses abwechselungsreiche Hefti- historische Rolle gespielt haben, als erste den . Weg zum neuen Staat gesunden, der 1 ihnen auch weltanschaulich wesensverwandter ist, als der Parteistaat von gestern. Das lettländische Deutschtum hat sich restlos in den Dienst des Staatsführers gestellt, und Ulmanis, der als deutschfreundlich gilt und erst im vergangenen Winter von einer ausgedehnten Studienreise durch Deutschland zurückgekehrt ist, wird sicherlich alles zu vermeiden wissen, was die bodenverwurzelten Deutsch-Balten irgendwie vor den Kopf stoßen könnte. Das neue Schulgesetz bricht allerdings recht gründlich mit den Traditionen des alten „Minderheitenrechts", das in Genf so oft und meistens so erfolglos verfochten wurde, wenn sich irgendein Staat um diese papiernen Bestimmungen nicht kümmern wollte. Ulmanis hat in Bezug auf die Neuregelung der Minderheiten-Schul- autonomie gesagt: „Wir werden eine neue Schule haben, und für die wird es nur eine Richtlinie geben: Lettland, Lettland, Lettland!" Die autonomen Bildungsämter werden aufgehoben, an ihre Stelle treten „Bevollmächtigte", die nach dem Führerprinzip die Schulen der einzelnen Minderheiten leiten werden. Auch werden die Regie- rungs-Subfidien nicht mehr nach der Zahl der bestehenden Schulen, sondern nach der Zahl der Schüler prozentual erteilt werden. Diese Neubestimmung trifft das deutsche Schulwesen kaum, umsomehr aber das jüdische und russische, denn es gibt in Lettland eine Provinz — Lettgallen — in der es in jedem Städtchen mehrere russische und jüdische Gymnasien gibt, mit oft nicht mehr als je 100 Schülern. Schmerzlicher könnte sich die neue Sprach- bestimmung auswirken, die den alten Ehrenplatz, den das Deutsche in Lettland einnahm, liquidieren soll. So werden die lettischen Filme keine anderssprachigen Texte mehr aufweisen, und auch die Straßenschilder sollen einheitlich lettisch gehalten sein. — In deutschen Kreisen ist man jedoch der Ansicht, daß es sich um eine Übergangserscheinung handelt, die außerdem auch lediglich eine Oberflächenwirkung hat. So wie die erste autoritäre Regierung Lettlands bemüht ist, nach innen hin möglichst ausgleichend tätig zu sein und die lettische nationale Erneuerung mit den Lebensrechten der Minderheiten in Einklang zu bringen, so verspricht sie auch nach außen eine ruhige Ausstrahlung. Die Zeiten, in denen man in Lettland gegen irgendeinen Nachbarstaat aus kleinlich egoistischem Haß hetzen konnte, sind, wie ein Blick in die tägliche Presse lehrt, endgültig vorüber. Das Geschrei von der deutschen „Expansion" ist verstummt. Heute stellen die „Neuesten Nachrichten", das größte lettische Blatt mit einer für das kleine Land unerhörten Auslage von 162 000, fest, daß Lettland keine Veranlassung habe, sich kopfüber in irgendein internationales Paktsystem zu stürzen, denn Lettland sehe keine äußeren Feinde, die sein Terrarium bedrohen würden. Natürlich macht aber Frankreich gewiß nur allzu deutliche Änstrengungen, auch die baltischen Staaten in seinen, durch Barthou proklamierten „Sicherheitsgürtel" hineinzuziehen und der kürzliche Besuch Jules Sauerweins wird ebenfalls in dieser Richtung gedeutet werden müssen. Es gibt auch in lettischen Kreisen eine Meinungsgruppe, die für eine französische Orientierung eintritt. Ihr Einfluß auf die Regierung scheint aber nicht bemerkenswert zu sein. Die kühle Stellung Polens dürfte weiter die vorläufig herrschende Tendenz einer sachlichen Neu- ; tralität und wohlwollenden Einstellung zu einer ’ Sicherung des europäischen Friedens, unter Gin» , beziehung sämtlicher Staaten und unter Ablehnung des „Sanktionsprinzips", stärken. i- ,2 gesehen hatte. Ihr Ge- unaeneure o)^ u..v w vor Freude. Vor Paul verheimlichte w verschütteten, so daß Gemma dauernd unbewußt L?g°ltung bte Sch-inw-rfe?spielen lassen mußte. ..Schlaft ihr tetI®i“tönnen dein Leben nicht s° freventlich aufs -fett’®“ Nein Gemma!" sagte er und stieg em. "Als ob es mir bange wäre! brummte Paul imh nahm ebenso Platz. Die Verstimmung saß ihm hi? im Halse' Er gab Bernd einsilbig Antworten und marfroL als dieser die Gesprächsversuche em- stellte und nur noch Gemma mit kleinen Fahrtan- mpHunaen durch die Stadt bediente. Die ^Landstraße lief zunächst schnurgerade, ab- mp*l\pTnb Aschen Flur und Wald, aber vor den Mo^id schoben sich immer wieder große Wolken, die "üe eine ungeheure Herde zogen und die Grenzen nc ciiiv D _ ,, , f hrtitörnh 3u den, daß er die Hauptstadt eines Landes vor sich hat, in dem Kriegszustand herrscht. Kriegs- ' zustand, — das heißt: viel Militär, Polizei in stän- ‘ feiger Alarmbereitschaft, Standrecht, gedämpfte Erregung in allen Kreisen. Nicht von all dem in Riga; die große Säuberungsaktion, die dem Umsturz vom 15. Mai folgte, ist so schnell und rei- ’ bungslos vor sich gegangen, daß der auf sechs Mo- : nate verhängte Kriegszustand so gut wie gar keine Bedeutung hat. Die Militärpatrouillen sind schon nach einigen Tagen verschwunden, verschwunden ' sind die Maschinengewehre vor den Staatsgebäu- den, die Polizisten in Stahlhelm, die schwer bewaffneten „Selbstschutz"-Kolonnen, jene dem lett- ländischen Staatsführer Ulmanis bedingungslos ergebenen Bauern, die ihr Waffenrecht noch aus den Freiheitskriegen gegen die Bolschewiken erhalten haben und nun aus allen Teilen des Landes nach Riga gekommen waren, um die Sozialdemokratie dieser einzigen großen Industriestadt niederzuhalten. — Sie brauchten alle nicht in Aktion zu treten, — die Soldaten und Maschinengewehre und wehrhaften Bauern . . . Der „demokratische" Parlamentarismus hatte sich in Lettland, wo er 15 Jahre lang wahre Orgien feiern konnte, so gründlich überlebt, daß der lieber» gang zur autoritären Staatsführung hier nicht die geringsten Komplikationen aufwies. Man fragt sich heute: wo st ecken denn die Marx! st en, die stärkste Partei des Parlaments (22 Sitze), wo stecken die ganzen jahrelang verhetzten und für den Bürgerkrieg geschulten roten Massen? Wäre wenigstens (so unerwünscht dies im Interesse des Landes auch gewesen wäre) ein Schuß gefallen, hätte es eine einzige Arbeitsniederlegung zum Zeichen des Protestes gegeben, so könnte man auch heute noch glauben, daß hier einst die Gedanken Marx' zu Hause waren. So aber bleibt nur ein Schluß: wie hohl muß diese Lehre sein, daß das Volk in wenigen Tagen bereit ist, sie zu vergessen, daß es, ohne einen Finger zu rühren, dem Zusammenbruch des Klassenstaates zusieht und schon nach einigen Wochen dem Führer des Landes, der auf einer gerade entgegengesetzten Ideologie fußt, auf seinen Fahrten durch Dörfer und Städte zujubelt! Die Minderheiten des Landes freilich sehen sich einer neuen Konstellation gegenüber, und sie fragten sich in diesen Tagen einer radikalen Umgestaltung des Staates, wie ihre künftige Stellung fein wurde. Nicht zu vergessen: mehr als 2 0 Prozent der lettländischen Bevölkerung sind N i ch 11 e 11 e n (darunter fast 80 000 Deuts ch e), und je entschiedener im lettischen Lager die Rückkehr zum absolut-lettischen Staat gefordert wurde, . der durch die Parteiwirtschaft der 15 „parlamentarischen" Jahre zerstört worden sei, desto näher lag die Vermutung, daß die Minderheiten nichts zu lachen haben würden. Indessen: Herr Ulmanis, der heute die Zügel fest in der Hand hält, ist ein umsichtiger und ruhiger Mann. Wie er es im richtigen Augenblick verstanden hat, das rote Gespenst aus dem Lande zu verscheuchen, so versteht er es auch, die Elemente niederzuhalten, die „national" und „chauvinistisch" verwechseln möchten. An seinen Erklärungen ging von vornherein eindeutig hervor, daß die staatlich gesinnten Angehörigen eines anderen Volkstums nichts zu fürchten haben, daß er auf die Mitarbeit eines jeden anständig gesinnten, ehrlich arbeitswilligen Menschen, der gesonnen ist, das lettische Empfinden zu respektieren, Wert legt. So haben denn auch die Deutschen des Landes, die an den Gestaden der Ostsee seit jeher eine wichtige Ein Uebersichtsbild von der Einweihungsfeierlichkeit, mit feer der U uterwas s er t u nn e l -wischen Liverpool und Birkenhead am 18. Juli in Gegenwart von 150OOO Menschen durch den König von England seiner Bestimmung übergeben; wurdeDer Tunnel ist 3%km lang und 14 m breit. Auf seinen mer Fahrwegen können stündlich ?I00 Kraftfahr- zeuge passieren. Die Kosten des Baues, der acht Jahre beansprucht hat, beliefen sich auf mehr als 88 Millionen Reichsmark. Die Aufnahme hat den Augenblick festgehalten, in dem d as eng- lischeKönigsp aar in den Tunnel einfährt und ihn^amit^eroffnet. Das betäubte Reh. Von Peter Bauer. In dem gemeinsamen Werben der beiden Freunde um das Mädchen Gemma war Paul Sieger geblieben. Er nannte Gemma seit einem halben Jahre mit verständlichem Stolz seine Braut. Sie war ausfallend schön. Wenn er sich an ihrem Lächeln weidete, dachte er an einen geschlissenen Edelstein, den er auf Samt gebettet verwahrte und den er Gemma einmal als Halsschmuck in Gold fassen lassen wollte. Vorerst funkelte der Stein nur ihm, wie Gemma nur ihm strahlte. Oft wenn sie neben ihm schritt und einen Bekannten grüßte, fand er, daß sie zu viel Wärme ihres Blickes an andere verschwende. Besonders an Bernd, der noch immer ihr Freund war, obschon er Gemma doch an ihn verloren hatte. Bernd brachte nach wie vor Blumen mit, wenn er kam, und durch Gemmas Zimmer duftete unverändert der Blütenreigen des Jahres. Paul ärgerte sich zwar über die „kindische Freude Jemer Braut und über ihre „rührende Besorgnis , mit feer sie die Blumen betreute, aber solche Gedanken wagte er nicht laut werden zu lassen. Doch erreichte er, indem er gelegentlich Kopfweh vorschutzte, daß Gemma den Strauß des starken Dustes wegen hinaustrug. Ebenso rasch stand er jedoch wieder auf feinem Platz, sobald Paul gegangen war. Dann drückte Gemma oft ihr Gesicht wie tu einer zärtlichen Liebkosung an die Blüten, als wußten sie für die kurze Verbannung aus ihrer Nähe entscha- Bernds wiederholte Einladung unterschlug. Endlich denn?!" überrumpelte Bernd ihn durch einen Fernruf, als o,t- er gerade bei Gemma weilte, und der Besuchstermin wurde verabredet. , Gemma glaubte aus der noch winterlich leeren Landschaft in ein Märchenreich eingetreten zu fein, als sie die üppigen Büsche und Strauße von sast- strotzenden Blättern, Ranken und Halmen sah aus deren frischem Grün Blüten in reicher Mannigfaltigkeit wie brennende Herzen loderten. Sie wähnte sich unter Blumenelfen, die nur bei Mondschein ihren Kelchen entschlüpfen und ließ sich nicht nur die lateinischen Namen der einzelnen Pflanzen verdeutschen, sondern auch sonst von ihren Lebensgewohnheiten erzählen. Paul, der eine Ze.tlang unbeteiligt mitüef, erklärte den feuchtwarmen Dunst der Glashäuser für ungesund und setzte sich ms Empfangszimmer, wo er gelangweilt feine Zigarre ^D^^sichO"7nschließende Autofahrt mit Bernds neuem üßagen sagte ihm mehr zu. Sie wurdeJogar auf seinen Wunsch hin weiter ausgedehnt als man anfangs beabsichtigte! Die Folge war. der letzte Zug dampfte ohne Paul und Gemma ab. „Da sitzen wir nun", grollte Paul, „und morgen komme ich mit Verspätung ms Büro < f , „Du bist doch schuld daran , sagte Gemma achsel- Ein Bild aus der Stadt Wojnicz: Die Straße rst zum Strom geworden. Einen ähnlichen Anblick bieten die meisten Dörfer und Städte des südpolnrschen Karpathen-Varlandes. Feierliche Eröffnung des Jersey-Tunnels I Hm MÄH r.toCÖI MW - Wirtschaft ster behält sich vor, die Rechte und Pflichten der zusammengeschlossenen Hersteller besonders zu regeln Frankfurt a. M., 19. Juli. Die Börse zeigte gebieten Vorbehalten, doch lagen vom Publikum hatten, wie erwähnt, Montanaktien: hier dürfte der erstmals wieder größere Aufträge vor, so besonders in Montan- und Metallaktien. Neben diesen Spe- bereits bekannte Bericht der Eisenindustrie nachgewirkt haben, daneben hält man diesen Markt für vernachlässigt, wo besonders im Revier eine konjunkturelle Belebung zu verzeichnen wäre. Stärker hervor traten die Stahlvereins-Werte, wie Gelsen- men entstehenden Kosten, die der Reichswirtschaftsminister festsetzt. Trotz Aufforderung nicht erstattete Kosten können wie öffentliche Abgaben eingezogen werden. Es ist verboten a) neue Unternehmungen gehalten werden können, tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft. Die Kartellvorschriften verlieren mit Ablauf des 31. Dezember 1934 ihre Wirkung, soweit sie nicht vorher aufgehoben werden. Die Verordnung ist vom 18. Juli 1934 datiert. und den Zusammenschluß jederzeit wieder aufzu- Frankfurt a. M., 19. Juli. Die Börse zeigte heben oder einzelne Firmen von ihm zu befreien, eine deutliche Geschäftsbelebung und feste Tendenz. Die zusammengeschlossenen Hersteller tragen die Zwar blieb das Hauptgeschäft nur einigen Spezial- durch etwa notwendig werdende Aufsichtsmaßnah- $ ' ’ ‘ Wachsende Steuererträge. Je mehr die Aufwärtsbewegung in allen Teilen der Wirtschaft an Breite und Intensität gewinnt, desto stärker nehmen auch die Erträge der Steuern zu. Die Reichssteuern haben vom Monat Januar bis März 1934 nach Mitteilung des Instituts für Konjunkturforschung um 5,1 v. H., im April und Mai zusammen um 15,9 v. H. mehr erbracht als im Vorjahre. Diese Steiaerung hat sich vollzogen, obwohl seit dem Frühjahr 1933 eine Reihe wichtiger Steuern aus konjunkturpolitischen Gründen ermäßigt worden sind. Der Aufschwung, den die Wirtschaft seit dem Frühjahr 1933 genommen hat, ist in erster Linie ein Erfolg der öffentlichen Arbeitsbeschaffungspolitik. Trotz einer mehr oder weniger langen Anlaufsfrist haben die steigenden Mehrerträge bei den von der Arbeitsbeschaffung zunächst beeinflußten Steuern das Gesamtergebnis für das Haushaltsjahr 1933 schon soweit bessern können, daß das gesamte Steueraufkommen gegenüber 1932 um 200 Millionen Mark, d. s. 3 v. H., zugenommen hat. Im April und Mai des neuen Haushaltsjahres 1934 haben sich die Erträge der mit der Erzeugung und dem Umschlag der Güter- und Geldkapitalien in Verbindung stehenden Steuern weiter stark erhöht. Gegenüber dem entsprechenden Zeitabschnitt des Vorjahres hat z. B. die Umsatzsteuer 25,9 v. H. mehr erbracht, die Wechselsteuer 81,4 v. H. und die Güterbeförderungssteuer 21,1 v. H. Anzeichen der allmählichen Ausdehnung der Nebenwirkung der Arbeitsbeschaffung und der Verbreiterung des Konjunkturaufschwunges sind die für die beiden letzten Monate festzustellenden Ertragssteigerungen der Steuern vom Einkommensbezug und vom Verbrauch. So ist die Lohnsteuer im April und Mai zusammen um 8,8 Millionen Mark, d. s. 7,2 v. H., gegenüber den entsprechenden Vorjahrsmonaten gestiegen. Das Aufkommen an veranlagter Einkommenssteuer beginnt sich ebenfalls allmählich, aber stetig zu bessern. Es zeigt im April und Mai gegenüber den gleichen Dorjahresmonaten eine Erhöhung um 3,9 v. H. Typische Verbrauchssteuern, wie die Tabak- und Biersteuer, sind fast im ganzen Verlauf des Rechnungsjahres 1933 noch hinter den Vorjahreserträgen zurückgeblieben. Um so bemerkenswerter ist das Ansteigen auch dieser Steuern in den letzten beiden Monaten. Im April und Mai 1931 hat die Biersteuer 12,6 v. H., die Tabaksteuer 5,1 v. H. mehr erbracht als 1933. Marktregelung in der Krastfahrzeug- reifenindustrie. Oer Absatz von Frühkartoffeln. Da die Anlieferungen in nicht vorgekeimten und mittelfrühen Sorten verstärkt einsetzen, ordnet der Reichsbeauftragte für die Regelung des Absatzes von Frühkartoffeln an, daß die 2. Größenklasse in sämtlichen Gebieten — mit Ausnahme der Wirtschaftsgebiete Rheinland-Westfalen, Hannover-Hamburg, H e s s e n - N a s s a u und Pfalz — in Fortfall kommt. In den genannten Gebieten ist die 2. Größenklasse nur für den Verbrauch innerhalb des entsprechenden Gebietes zugelassen. Ein Versand in andere Gebiete darf nicht erfolgen. Der Preis für die 2. Größenklasse darf bis auf 60 v. H. des festgesetzten Preises für die 1. Größenklasse festgelegt werden. Die Anordnung tritt am 19. Juli 1934 in Kraft. * ♦ 1743 1 neue Kraftwagen im Juni zugelassen. Die Zulassungsstatistik verzeichnet für Juni mit 17 431 Kraftwagen einen Zugang, der seit Bestehen dieser Statistik erstmals in dieser Hohe zu verzeichnen war. Im einzelnen wurden 15 431 Personen- und 2000 Lastwagen zugelassen, was Gegenüber Juni 1933 eine 70-o. H.-Steigerung bedeutet. Der bisher höchste Monatsumsatz der letzten fünf Jahre, der Mai 1929, zeigte eine Ziffer von 17 207 Fahrzeugen. — Im ersten Halbjahr 1934 wurden damit 68 969 fabrikneue Kraftwagen in Deutschland zugelassen, gegen nur 23 364 in der ersten Hälfte 1932. Dabei ist der Umsatzanteil der Wagen bis 2 Liter Hubraum auf etwa 93 v. H. der Personenfahrzeuge angestiegen. * D i e Dermahlungskontingente der Mühlen. Der Vorstand der Wirtschaftlichen Vereinigung der Roggen- und Weizenmühlen weist als die vom Verwaltungsrat eingesetzte Kontingentsstelle darauf hin, daß bei den Mühlen über zwei Tonnen, sofern sie ihre Vermahlungsziffern der Jahre 1927 bis 1932 mit geschätzten Zahlen angegeben haben, allgemein von den geschätzten Zahlen 30 v. H. in Abzug gebracht worden sind, da nach den getroffenen Feststellungen die Zahlen durchweg um diesen Prozentsatz zu hoch angegeben worden sind. Bei allen Mühlen, die geschätzte Zahlen angegeben haben, wird eine Kontrolle durchgeführt werden. Ergibt sich hierbei, daß der Abzug von 30 v. H. zu hoch ist, so wird das der Mühle zu- aeteilte Kontingent entsprechend erhöht. Ergibt die Nachprüfung jedoch, daß der Abzug noch zu niedrig ist, so wird das Kontingent entsprechend herabgesetzt werden. Auf Grund der Verordnung gegen Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen und des Gesetzes über Errichtung von Zwangskartellen haben der Reichswirtschaftsminister und der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit angeordnet, daß der Fahrzeugreifenvertrag vom 15. März 1934 nebst feinen Anlagen und den zusätzlichen Beschlüssen der Dertragssabriken mit Wirkung vom Tage des Inkrafttretens dieser Anordnung ab aufgehoben wird. Die Hersteller von Person^nkraftwagenreifen, Lieferwagenreifen, Riesenluftreifen, Kraftradreifen, Kleinkraftwagenreifen und Elektrokarrenreifen werden zu einem Kartell zusammengeschlossen. Ausgenommen von diesem Zusammenschluß bleiben solche Hersteller, die nur Massivreifen und nicht gleichzeitig auch Kraftfahrzeugluftreifen irgendwelcher Art herstellen. Die zusammengeschlossenen Hersteller . , „ .. haben die Rechte und Pflichten, die sich aus dem Handel, Industrie und Gewerbe zuruckzufuhren. Die dem Reichswirtschaftsminister von der Wirtschafts-j Zunahme des Stromabsatzes gegenüber der entstehe für Kraftfahrzeugreifen G. m.b.H. in Berlin sprechenden Zeit des Vorjahres durfte jetzt etwa bei vorgelegten Entwurf des Kraftfahrzeugreifenver- 10 bis 12 v. H. liegen. träges von 1934 (Juli-Vertrag) ergeben. Der Mini-! ^rnnffiirfcr [ter behält sich vor, die Rechte und Pflichten der zu- sammenqeschlossenen Hersteller besonders zu regeln Aullagsborse fester. zialkäufen gab die Auslassung des Instituts für Konjunkturforschung, das von einer weiteren Bele- zu errichten, in denen Kraftfahrzeugreifen in der ■ bung der deutschen Wirtschaft berichtet, Anregung, obengenannten Art hergestellt werden sollen, b) den I Beachtung fand ferner der Dividendenvarschlag der Geschäftsbetrieb bestehender Unternehmen auf die! Elektr. Lieferungen mit 5 v. H. (i. 23. 6 v. H.); die Herstellung dieser Reifen zu erweitern, c) die \ Dividendenermäßigung ist also im Vergleich mit Leistungsfähigkeit bestehender Unternehmungen, in den seither recht pessimistischen Erwartungen der denen Kraftfahrzeugreifen der angeführten Art her-' Börse (Dividendenausfalls ober stärkere Reduzie- geftetlt werden, zu erweitern. Auch hier behält sich rung) recht gering. der Minister vor, Ausnahmen von den Vorschriften j Die Kurse lagen überwiegend fest, im Durchschnitt zu bewilligen. Diese Anordnung, zu deren Befol- | betrugen die Erhöhungen 1 v. H. Lebhaftes Geschäft gung die Beteiligten durch polizeilichen Zwang an- l “ .......1 mrx* 1 —-- v — * Wiederaufnahme des Eigenbetriebes bei den Frankfurter Elektrizitätswerken. Mit Rücksicht auf die erheblichen । Frembstromlieferungsverträge mußten in ben letzten brei Jahren bie stäbtifchen Elektrizitätswerke in Frankfurt a. M. währenb ber Sommermonate stillgelegt werben. In biefer Zeit würbe nur Strom von ber Preußischen Elektrizität AG., im Vorjahr auch von bem Untermainwasserkraftwerk Griesheim bezogen. Im vergangenen Jahre hat biefe Stilllegungszeit vier Monate gebauert. In biefem Jahre ist es burch eine Reihe von Maßnahmen gelungen, bie Stillegungszeit erheblich abzukürzen. Das Elektrizitätswerk hat feinen Betrieb erst am 2. Juni eingestellt unb ihn am 19. Juli bereits wieber ausgenommen. Die Stillegungszeit konnte als etwa um brei Monate gegenüber bem Vorjahre verkürzt ..o________werben. Dieses erfreuliche Ergebnis ist in erster zufammengefchloffenen Hersteller' Linie auf bie Zunahme bes Strombezuges burch .. v cya t, 19. Juli. Auftrieb: Rinder insgesamt 58 (gegen 218 am letzten Donnerstagmarkt), davon 27 Ochsen, 5 Bullen, 8 Kühe und 18 Färsen. Kälber 1009 (1326), Hämmel 63 (41), Schafe 41 (29), Schweine 489 (724). Notiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber: Sonderklasse —, andere a) 40 bis 44, b) 36 bis 39, c) 28 bis 35, d) 18 bis 27. Lämmer und Hämmel: b2) Weidemasthämmel 30 bis 33, c) mittlere Mastlämmer 26 bis 29, d) geringere Lämmer und Hämmel 20 bis 25; Schafe f) mittlere 24 bis 28. Schweine: b) 44 bis 47, c) 43 bis 47, d) 40 bis 45, e) 34 bis 40. Im Preisvergleich zum letzten Donnerstagmarkt blieben Kälber unverändert, Hämmel in guten Qualitäten gaben 1 bis 2, in geringen bis 4 Mark nach. Schweine zogen 1 bis 2 Mark an. Die Preise sind Marktpreise für nüchtern gewogene Tiere und schließen sämtliche Spesen des Handels ab Stall für Fracht-, Markt- und Verkaufskosten, Umsatzsteuer sowie den natürlichen Gewichtsverlust ein, müssen sich also wesentlich über die Stallpreise erheben. Marktverlauf: Kälber schleppend, ausverkauft. Hämmel und Schafe schleppend, Schafe geräumt. Schweine mittelmäßig, aus verkauft. Fleischgroßmarkt: Beschickung: 869 Viertel Rinderfleisch, 256'/- ganze Kälber, 13 ganze Hämmel, 1225 Schweinehälften. Preis für ein Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch! 46 bis 50, II 40 bis 45; Bullenfleisch 42 bis 48; Kuhfleisch II 32 bis 38, III 24 bis 30. Kalbfleisch II 65 bis 70, III 55 bis 65. Hammelfleisch 70 bis 75. Schweinefleisch I 58 bis 65. Geschäftsgang des Fleischgroßmarktes schleppend. Mlchviehauttion in Gießen. Die Nutzviehgenossennschaft Frankfurt a. M., die der Hauptabteilung III der Landesbauernschaft Hessen-Nassau angeschlossen ist, hielt am gestrigen Donnerstag in Gießen eine Milchviehauktion ab. lieber den Rahmen der letzten Auktionen, auf denen nur schwarzweißes Tieflandoieh ausgeboten wurde, hinaus wurden gestern zum ersten Male auch rotweiße Kühe des Waldecker Schlages aufgetrieben. Infolge der anhaltenden Dürre der letzten Wochen und der Futtermittelknappheit war der Besuch der Auktion nicht sehr stark. Anderseits waren die Bauern auch durch die in vollem Gange befindlichen Erntearbeiten abgehalten, die Auktion zu besuchen. Die rotweißen Waldecker Tiere fanden lebhaften Anklang, so daß das Angebot zur Deckung des Bedarfs nicht ausreichte. Der Preis für beste junge Leistungskühe dieses Schlages betrug etwa 350 bis 400 Mark. Die ausgebotenen ostpreußischen Rinder des schwarzweißen Tieflandschlages konnten nicht völlig abgesetzt werden und wurden im Durchschnitt zu Preisen von 280 bis 350 Mark abgegeben. Schweinemarkt in Butzbach. pb. Butzbach, 19.Juli. Der Auftrieb zum heutigen Schweinemarkt betrug 431 Ferkel. Es wurden gezahlt für Ferkel bis 6 Wochen 10,50 Mk., von 6 bis 8 Wochen 10,50 bis 13,50 Mk.Der Handel war gering, es verblieb größerer lleberftanb. Gchnettgerichi Gießen. Einem die öffentliche Ruhe und Ordnung störenden Verhalten eines Mannes aus Heuchelheim wurde am Mittwochmittag durch energisches Eingreifen des diensttuenden Richters sofort ein Ende gefetzt. Der Mann wurde, wie wir bereits berichteten, vom hiesigen Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Verurteilte glaubte, sein Mütchen über die Strafe an einem in diesem Prozeß vernommenen Zeugen kühlen zu müssen, indem er durch die Anheftung eines Plakates, das voller Beleidigungen war, den Zeugen in der öffentlichen Meinung herabzufetzen versuchte. Als die Ortspolizei die Beseitigung dieses Pamphlets verlangte, brach der Ruhestörer in „Heil Moskau!" und andere die öffentliche Sicherheit gefährdende Rufe aus. Der Mann wurde sofort fest genommen unb bem Richter vorgeführt, ber ihn wegen groben Unfugs zu 3 Wochen Haft verurteilte. Eine nach Ver- fünbung bes Urteils gemachte Aeußerung brachte bem Friebensstärer noch 3 Tage Haft ein. Kleine Strafkammer Gießen. Wegen Jagdvergehens wurde ein Mann vom Amtsgericht Butzbach zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte hatte einen Pachtvertrag über eine Jagd geschlossen, nach dem bei nicht rechtzeitiger Zahlung des Pachtzinses ein Kündigungsrecht gegeben fein sollte. Als der Kündigungsgrund schließlich vorlag, erhielt der 2lnpeflagte ein Schreiben der Gemeinde, das die Kündigung der Jagd aussprach und dem Angeklagten die Ausübung untersagte. Der Angeklagte hielt dieses Schreiben für eine Anfrage, ob er sich mit der Kündigung einverstanden erkläre. Er veranstaltete dessen ungeachtet noch einmal eine Treibjagd, die die Anzeige der Gemeinde zur Folge hatte. Er wurde gestern wegen zivilrechtlichen Irrtums, der ihm strafrechtlich zugute kam, freigesprochen. Ein Mann aus Nidda wurde wegen Beleidigung einer Frau, der er unsittliche Anträge stellte, zu 14Ta gen Gefängnis verurteilt. Die Berufung des Angeklagten gegen das vom Amtsgericht Nidda erlasfene Urteil wurde gestern kostenpflichtig verworfen. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Rebaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Wo blieben die Postautos? Am Mittwochabend warteten eine Anzahl Leute auf das Postauto, das sie nach der Bergschenke zum Abonnements-Konzert bringen sollte, etwa % Stunden vergeblich. Es ging sonst regelmäßig um 20 und um 20Uhr vorn Ludwigsplatz ab, diesmal mußten die Leute nach Hause zurückkehren. Wie kann so etwas Vorkommen? Eine der Wartenden. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben bie Höhe her zuletzt beschlossenen Divibenbe an. — Reichsbankbiskont 4 v. H., Lombarbzinsfuß 5 v. H. Frankiur ü. jji Berlin Frankfurt a. M. Serlln Schlußkurs Schlußk. Abend- börse Schluß- furd Schlußk. Mittagbörse Schluß- kurs Schlußk. Abendbörse Schluß- furd Schlußk. Miltagbörse Datum 18.7. 19.7. 18.7- 19.7. Datum 18-7. 19.7. 18.7. 19-7. •% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 6% ehe m.7% Dl. Reichsanl. d. 1929 6Ki% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablüs.-Schuld mit AuSios.-Rechten ............ 93 95 91 89 8 9 9 89 89 8 90 10 1 .4 1 93.13 93,4 90,9 95,75 91,9 89,75 95,75 92 93 101,4 26,65 1,25 7,45 7,1 7,13 9 7,13 93,5 91 95,65 92 89,75 96,25 92 93 101,4 26,65 1,2 7,15 7,5 7,25 9 7,9 4 5 4 4 2 V s 6 -J Öl r G ? 5 9 ü Q 70 deSgl. Serie 11 ...... 7,6 4,35 7,1 4,13 35 26,75 30,4 65 90,5 57 62,13 65 154 23,4 143,25 93,25 110,5 67 109,5 102,5 90,5 148,25 119 76 116,75 60,5 105,5 127,75 72,5 65 7,6 4,25 7,2 4,15 35,45 27,13 30,9 65 90,5 57 62 65 153 24 143 94,5 111 67,4 110,5 102,5 91 148,5 121 77,5 117,5 62,4 107,25 165 74,5 66,25 7,8 4,5 7,4 4,2 26,75 24,5 30,25 64,25 91 57 62,25 65 154,25 23,4 143,5 92 110,5 67,25 109,75 102,25 90,75 149,25 119 75,5 116,75 60,75 105,75 74,5 162 128 72,4 64,75 4,5 7,4 4,2 35,25 27 22,5 30,75 64,25 91 57 62 65 153,5 24,25 143,4 94,75 110,9 67,9 110,65 102,75 91,4 148,5 121,25 77 117,75 62,4 107,5 75,75 165 128 74,4 66,25 91 75 75 75 3,5 5,5 5,4 ,75 ,75 9,9 ,13 92 93 1,4 6,5 ,15 7,3 7 7 ,25 7,5 7,6 90,75 95,5 91,75 89,75 89,75 95,5 95,9 89,75 89,75 89,65 90,4 92 93 1 101,4 26,4 1,25 7,4 7 7,13 9,13 7,5 7,6 % Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4A>Rumän.vereinh.Rentev.l913 % Rumänische vereinh. Rente .. %% Anatolier ....... SeSgl. ohne Auslos.-Rechte...... 6% ehern.8% Hess. BolkSstaat 1929 (rückzahlb. 102%) .......... amvurg-Amertka-Paket .... 0 amburg-Südam. Dampfschiff. 0 ansa-Dampfschiff........... 0 orddeutscher Lloyd .........0 -G. für Verkehrswesen QHL .. 0 erliner Handelsgesellschaft ... 4 ammerz. und Privat-Bank ... 0 )eutsche Bank und Dtsconto» Gesellschaft................ o dresdner Bank..............o ietchSbank .......... 12 l-E.G....................... 3ekula..................... 0 klektr. LteferungSgesellschast... 6 .icht und Kraft « Selten & Guilleaume......... 0 lesellsch.s.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 5 schuckert 8 Co..............5 Siemens & Halske............ 7 Lahmeyer L Co............. 10 Suberus ............. 0 deutsche Erdöl............... Gelsenkirchener..............0 )arpener...................0 >oesch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 slse Bergbau ...............8 llfe Bergbau Genüsse........< llvcknerwcrke ......... 0 RanneSmann-Röbreu SMMM. C 6% Hess. LandeSbank Darmstadt Gold R. 12..... 6Vi% Hess. LandeS-Hypotheken- bank Darmstadt Ltaut...... vberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten.......... Deutsche Komm. Sammelabl. An. leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 1% ehem. 7% Franks. Hyp.-Vanl Boldpfe. 16 unkündbar bis 1936 ehem. 4yt% Franks. Hyp^ Bank-Ltqu.-Psandbriese....... VVX% ehem. iy,% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 6% ehem. 8% Pr. LandeSpfand- briefanstalt, Pfandbriese R. 19 6% ebcm. 7% Pr. LandeSpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 Eteuergutsch. Verrechnungskurs.. 8% Oesterretchtsche Goldrente.... 8,20% Oesterretckstsche Silberrente 8% Ungarische Goldrente....... 8% Ungarische Staatsrente v. 1910 8«/,% deSgl. von 1918.......... 6% äbgest. Goldmexikaner von 99 8% Türkische Zollanlethe von 1911 8% Türkische Bagdadbaha-Anleihe Leite 1..................... 1 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- furd Schlußk. Abendbörse Schluß- furd Schlußk. Minag- börse Datum 18.7. 19.7. 18.7. 19.7. ManSfelder Bergbau......... 0 Kokswerke .................0 Phönix Bergbau.............0 Rheinische Braunkohlen .....10 Rheinstahl .................0 Bereinigte Stahlwerke........ 0 Otavj Minen ........ 0 Kaliwerke Aschersleben........ 6 Kaliwerke Westeregeln........6 Kaliwerke Salzdetfurth.....7% 3. B- Farven-Industrie.......7 76,5 47 243,5 90,75 40,5 13,75 124,25 124,5 165 149,25 205,5 77,4 39,25 87,25 61,25 108,5 125,75 62,75 67 47,9 63,25 48,75 60,25 22,5 199 177,5 130 I 22,65 73 77,25 49 243 92 42 13,75 124,5 124,5 165 149,5 207 79,5 39,25 88,5 62,5 108 62,5 67,25 48,25 64,25 48,9 60,13 22 200,5 177,5 132,75 23,13 I ü 77 93,65 47,13 242 91,25 40,5 13,75 124,25 124 165 149,25 77,25 39,13 87,C 61,5 115,4 62,25 67 47,5 63,75 127,75 49,13 60,75 71,65 22,25 199,5 177,25 131,5 I - 1 191 77,5 94,5 49 92,25 42,25 13,9 124 122 165 149,25 79,4 39,25 89 62,75 117 62,25 67,25 48 62 128 48,13 60 72 21,25 200 177 133 I 23,5 I 189,5 Goldschmidt ................ 0 Rütgerswerke ...............0 Philipp Holzmann . ....... 0 Zementwerk Heidelberg ......0 Zementwerk Karlstadt...... 0 Schultheis Payenhofer .......0 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg............. 0 Zellstoff Waldhos ............0 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ....... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum...........0 Orenstetn & Koppel..........0 Leonhard Tietz ..............0 Ehade......................10 Attumulawren-Fabrü........ 0 Lonit-Gmumt.......... 0 Gritzner................. 0 Mainkraftwerke Höchst 4 Süddeutscher Zucker - Bantnoten. Devi enmarkt Berlin — Frankfurt clHL 18-3ull 19.Zuli Amtliche Notierung Amtliche Dotierung Gew Lriei Geld Brie. Buenos Aire^ 0,611 0,615 0,611 0,615 Brüssel.... 58,61 58,73 58,59 58,71 Rio de Jan. 0,184 0,186 0,182 0,184 Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 56,44 56,56 56,59 56,71 Danzig.... 81,72 81,88 81,72 81,88 London.... 12,645 12,675 12,675 12,705 Helsingfors. 5,584 5,596 5,594 5,606 Paris ..... 16,50 16,54 16,50 16,54 Holland ... 169,73 170,07 169,73 170,07 Italien.... 21,58 21,62 21,58 21,62 Japan..... 0,749 0,751 0,749 0,751 Jugoslawien 5,664 5,676 5,664 5,676 Oslo..... 63,54 63,66 62,69 62,81 Wien...... 48,45 48,55 48,45 48,55 Lissabon... 11,47 11,49 11,49 11,51 Stockholm.. 65,18 65,32 65,34 65,48 Schweiz ... 81,65 81,81 81,65 81,81 Spanien... 34,32 34,38 34,32 34,38 Prag...... Budapest .. 10,44 10,46 10,44 10,46 Neuyork... 2,512 2,518 2,512 2,518 Berlin, 19.Füll | Gew 23 rief Amerikanische Roten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ 2.465 -58,43 56,54 12,63 16,46 169,31 21,46 63,52 65,18 81,47 34,18 2,485 58.67 56,76 12,69 16,52 169,99 21,54 63,78 65,44 81,79 34,32 Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten ............... Schweizer Noten................. Spanische Roten............... ■ ■ Zreitag, W.ZuliMH Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien) Nr. 167 Drittes Blatt «Z"’«““0' AusbauundVerbefferungderGießenerKläranlagen Der neuerbaute 15 m hohe Faulturm. Gesamtbild der Gießener Klaranlage. Blick vom Faulturm Einer der beiden neuen Sandfänge. Fußboden liegen, sondern stets auf dafür vorgesehenen Gestellen oder Brettern ruhen. Im Gegensatz zur Küche sind Sonne und Wärme von der Speisekammer auszuschalten. Liegt sie nicht nach Norden, wie jede Speisekammer es sollte, so schließe man die Fenster, noch bevor die warme Sonne in den Raum eindringen kann. Fliegenfenster müssen ganz dicht und völlig unbeschädigt sein, da die Fliegen, die durch den Geruch des Fleisches angelockt werden, sonst ihre Eier durch die feinsten Oeffnungen auf das rohe Fleisch werfen. Würste und Schinken sollen hängen, nicht liegen. Milch und Käse sind von frischem und geräuchertem Fleisch möglichst weit entfernt zu halten, da sie sich nicht gut vertragen und gegenseitig zum Verderben beitragen. Kaffee und Tee, alle stark duftenden Gewürze sind in sehr gut verschlossenen Gefäßen zu halten, oder sie müssen aus der Speisekammer entfernt werden, da die Wärme ihren Geruch steigert, das in ihnen enthaltene aromatische Oel zum Verdunsten bringt und die Vorräte völlig geschmacklos Alles Leben ist im Sommer schöner und reicher als im Winter, die Menschen sind freundlicher und zugänglicher. Wenn wi, nur unsere Augen aufmachen, wenn wir Liebe zu dem Kleinsten und Be- scheidensten draußen in der Natur aufbringen, dann erschließt sich uns'eine Fülle von Schönheit. Wer sich krank fühlt zwischen den grauen Mauern der Stadt, wer die staubige, verbrauchte Luft nicht mehr einatmen kann, der wandere hinaus ins Freie. Dort wird er gesund werden wie der Fisch im Wasser, wird lebensfroh wie ein munteres Reh. Das Leben im Freien heilt fast alles. Wir legen die schweren Kleider ab, lassen den Hut im Schrank, laufen barfuß auf der taufrischen Wiese. Wir haben in der Stadt keinen Appetit, schlucken Pillen und Tabletten. Hier im Freien lachen wir darüber. Wir haben plötzlich Hunger, merken nichts mehr davon, daß wir Nerven haben, die Verdauungsbeschwerden hören auf, Magenverstimmungen, Schnupfen und Heiserkeit verschwinden. Und nachts können wir wieder schlafen, tief und fest. Es ist, als ob draußen in Wald und Feld kleine wohltätige Kobolde all diese Plagegeister von uns nähmen. Glaube, Liebe und Hoffnung finden wir draußen in den Wäldern und auf den Wiesen. Sind die in neuem Grün duftenden Wiesen nicht wie ein bunter Teppich, der uns einlädt, Platz zu nehmen? Alle Farben hat die Natur hier in die Gräser getupft. Tausende von Insekten summen, und wir meinen, eine ferne Orgel zu hören. In der Luft schaukeln und schweben die Schmetterlinge, Tagpfauenaugen, Admirale, Schwalbenschwänze und die vielen, vielen kleinen Bläulinge. Tausendfältig ist die Pracht der Blumen und Gräser in Form, Farbe und Duft. Vom hellsten Weiß und zarthellen Tönen über Rot, Grün, Violett bis zum dunkelsten Braun ist alles vertreten. Noch nie haben die Menschen solche Wohlgerüche Herstellen können, wie sie den Blumen entströmen. Die unscheinbaren Gräser mit ihren zitternden Köpfchen schaffen den zarten Untergrund für alle Farben. Und jeder Sonnentag ist ein Fest für unsere Schmetterlinge. Sie brauchen ja nur ein wenig Licht und Wärme, um leicht und froh ihr kurzes Leben zu genießen. Behutsam, wie aus wertvollen Kelchen, trinken sie aus den Blüten. Leise schaukeln die Blumen, wenn sich ein „Sommervogel" darauf niederläßt. Es ist, als ob sie zustimmend nickten, als ob sie sagten: „Nehmt nur, es ist genug da für alle!" Wenn wir so aus dem grün-goldnen Wald hinaustreten auf die sonnige Sommerwiese, dann fühlen wir eine wohlige Betäubung. Wir liegen da und schauen hinauf nach den weißen Sommerwölkchen am tiefblauen Himmel Das Leben hinter uns verschwindet. Wir fühlen uns eins mit der Natur. Der Mittagswind flüstert im Gras, und wir hören das Lied des Sommers. Klein und lächerlich werden di»-Sorgen des Alltags. Wir vergessen alles. Wir schauen nur noch nach den kleinen Käferchen und Insekten, die ringsum die Wiese bevölkern. Wie sie laufen und rennen? Hier hängt ein kleiner gold- ner Käfer an einem Grashalm, er versucht, in die Höhe zu klettern und fällt doch immer wieder zur Erde. Wir helfen ihm und setzen ihn hoch oben in die Blütendolde. Verdutzt schaut er sich um und bleibt lange Zeit ruhig sitzen. Muß er sich auf solch stolzer Höhe nicht als König fühlen? Dom Walde her strömt der letzte Duft der Linden, am nahen Sommerhaus blühen Nelken und Jasmin. Mit aller Gewalt stürzt der Sommer auf uns ein und schenkt mit vollen Händen sein Bestes. An solchen Tagen fällt alles Starre non den Menschen ab Die Falten des Gesiebtes glö-ten sich. Wir stehen und staunen, bis das Gold der unter- gehenden Sonne, m't dem aufsteigenden Nebel vermischt, sich weich und sanft über die weite Ebene lagert. Aber selbst dann mögen wir noch nicht das Zimmer aufsuchen. Die laue Sommernacht birgt erst recht tausend Geheimnisse. Wohl hört das Summen und Brummen der kleinen Insekten auf, aber gar viele Grillen zirpen noch am Rain, hier und da fliegen kleine Leuchtkäfer, und vom Teiche her ertönt das Geguak der Frösche. Ab und zu huscht mit leisem Flügelschlag eine Eule über die Bäume. Den Blumen aber entströmt in den Sommernächten Don Küche und Speisekammer hängt, wie die Hausfrau weiß. Gedeih und Verderb der Haus- haltführung ab. Nicht allein, daß die Speisen wohl verwahrt werden müssen, — es handelt sich auch darum, daß keine Insekten Eingang hierher finden, daß die Luft gut, die Beleuchtung vorschriftsmäßig seien. Leider ist nicht in allen Häusern auf die vorbildliche Lage von Küche und Speisekammer Rücksicht genommen, und selbst wenn es der Fall ist kann doch noch aus Nachbarshäusern viel unheilvoller Einfluß alles Mögliche zunichte machen. Die Hausfrau aber, von der Bedeutung der beiden Räume überzeugt, wird versuchen, sie so zu gestalten, daß ihr möglichst wenig Schaden zugefugt werden kann. Während der warmen Jahreszeit ist die Küche der Ort, an dem Speisen zubereitet, nicht aber an bem Speisen aufbewahrt werden. Jede Art von Feuerung, selbst wenn sie nach modernsten Gesetzen gehandhabt wird, strömt Wärme aus, die den Speisen zum Verderben gereichen können. Unmittebar nach den Mahlzeiten werden sämtliche Vorräte aus der Küche entfernt. Damit ist schon eine gewisse Gewähr für ihre Unverderblichkeit gegeben. Während des Kochprozesses sind alle Fenster in der ftiicbe zu öffnen, auch wenn die Außenluft sehr warm sein sollte. Die in die Küche fallenden Sonnenstrahlen haben eine keimzerstörende Wirkung, wodurch die Haltbarkeit der Speisen bis zu einem gewissen Grade bedingt wird. 8 Nachdem die Hausfrau die Statte ihrer Wirksamkeit verläßt, Md sie durch das Oeffnen von Türen und Fenstern Gegenzug eintreten lassen der eine Abkühlung und damit verbunden einen schnei- kn 8uftmed)fel im Sefotge hat. Kleidungsstück- sind in der Küche nicht aufzubewahren. Ebensowenig zurückläßt. Schüsseln mit stark gesalzenem Wasser, die offen in der Speisekammer stehen, verhindern das Verderben vieler Speisen und vermitteln eine erträgliche Temperatur. Schii. Gonderpachteinigungsamt Gießen. Am Sonderpachteinigungsamt Gießen wurden vom Hessischen Staatsministerium bestellt: a) Zum Beisitzer in I a g d a n g e l e g e n h e i - t e n : Heinrich Brückmann, Neuhof bei Leihgestern; Oekonomierat Karl Hoffmann, Gießen. b) zum stellvertretenden Beisitzer in Jagdangelegenheiten: Werner Weiß, Hof Graß bei Hungen; Oberforstmeister Dr. Schüz, Gießen; Heinrich Lud- roig Gerhard, Steinbach. c) Zum Beisitzer in F i s ch e r e i a n g e l e g e n- beiten: Karl Uhl, Rodheim; Georg Keil, Gießen; Georg Allmendinger, Grünberg. d) Zum stellvertretenden Beisitzer in Fischerei- • Schon seit langer Zeit haben die Anwohner des südlichen Stadtteils, insbesondere der Frankfurter Straße, nicht unberechtigten Anlaß zur Beschwerde über Geruchsbelästigungen von den Kläranlagen her. Belästigungen, die sich erheblich steigerten, wenn an heißen Tagen Westwind aufkam und die Ausdünstungen der Klaranlage über den südlichen Stadtteil trug. Die Stadtverwaltung und die zuständigen Dienststellen waren ich des Uebelstandes bewußt und sannen schon seit langem auf Abhilfe Die Geruchsbelästigungen nahmen ihren Ausgang von den Klärschlammbeeten, auf die der in den Kläranlagen abgesetzte Schlamm gedrückt werden mußte, um dort auszufaulen. Dieses Ausaulen geschah naturgemäß nur sehr langsam, da die im Schlamm vorhandenen Fettstoffe an die Oberfläche drangen, den Sauerstoff der Luft ab- schlosfen und so ein rasches Ausfaulen des Schlammes verhinderten Die Bemühungen mußten also darauf hinauslaufen, den Klärschlamm in anderer Weise zum Ausfaulen zu bringen, wenn es erreicht werden sollte, dem Uebelftanbe abzuhelfen. 3n den ersten IHonaten dieses Jahres traf man an zuständiger Stelle dem Gedanken nahe, einen Faulturm zu bauen, wie er in verschiedenen anderen Städten bereits erstellt wurde und sich bewährte. Sommers hinnehmen und — genießen Küche und Speisekammer in der warmen Jahreszeit. auf die Baustelle. Im Hintergrund zwei Reserve- Schlammbeete. thangas aber im Betrieb der Kläranlage bei weitem nicht verwandt werden kann, vielmehr ein Ueberfchuh von jährlich 200 000 cbm ’ Methangas entstehen wird, besteht eine 2Uög- ( lichkeit zur wirtschaftlichen Verwertung dieses Produktes, der man zu gegebener Zeit nähertreten wird. Der ausgefaulte Schlamm, der anfällt, wird, um ihn auch wirtschaftlich verwertbar zu machen, durch ein besonderes Mischverfahren mit Torf vereinigt und ergibt dann ein gut transportfähiges, hochwertiges Naturdüngemittel, das der Humusbildung im Boden außerordentlich dient und den Namen „Biohum" führt. Der Düngewert des gleichzeitig mit etwas Kalk versetzten Abfallproduktes ist höher ass der des gut verrotteten Stallmistes. Es wird den Kleingartenbesitzern und den Landwirten gute Dienste leisten. Wesentlich bei diesem im Faulturm sich vollziehenden Prozeß ist, daß der ausgefaulte Schlamm völlig geruchlos ist. Da mit dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme dieser neuen Einrichtung der Schlamm aus den Klärbecken sofort in den luftdicht abgeschlossenen Behälter gepumpt wird, wird künftig jede Geruchsbeläsli- gung in Fortfall kommen. Der gegenwärtig noch auf den Schlammbeeten lagernde unausgefaulte Schlamm soll im Laufe der Zeit durch den Faulturm gehen und so ebenfalls seiner weiteren Verwertung entgegengeführt werden. Die jetzt in Gießen im Rohbau fertige Anlage ist die fünfte ihrer Art in Deutschland. Es handelt sich, rein äußerlich gesehen, um einen etwa 15 Meter hohen kreisrunden Turm, der etwa den gleichen Durchmesser besitzt und in zwei große Kammern, die unter sich verbunden sind, geteilt ist. Das Wasser zum Anwärmen des Schlammes, wird von unten in den Faulraum gepumpt und oben abgesogen. Das sich bildende Methangas wird unter einer Glocke aus dem Raum geleitet und seiner weiteren Verwertung zugeführt. In den oberen Teil des Faulraumes wird ein Rührwerk eingebaut, das die Aufgabe hat, die oben aufliegenden Fettmassen in Bewegung zu holten, damit der Kreislauf des Wassers nicht de- 1 einträchtigt wird Für die Entfernung dieser Fett- - massen ist außerdem Sorge getragen Der zu behandelnde Schlamm wird von oben in den Faulraum gepumpt, durch eine Rohrleitung aber wird der aus gefaulte Schlamm aus der Tiefe heraufgeholt. Der Turm, der jetzt noch weit über das Gelände hinausragt, wird aus Gründen des Wärmehaushaltes nahezu völlig mit Erd e umgeben und eingedeckt. Wie der Turm in unterem Bilde erscheint, wird er also nur noch kurze Zeit zu sehen sein. Stadtbaudirektor Braubach beschäftigte sich eingehend mit allen einschlägigen Fragen und lieferte den Vorentwurf, der bann von einer Spezialfirma ausgearbeitet wurde. Anfang März dieses Jahres wurde mit dem Bau des Faulturmes begonnen. Dieser Turm ist nunmehr i m R o h b a u fertig- gestellt Er wurde völlig aus Eisenbeton erachtet und faßt eine Menge von etwa 1800 cbm Schlamm. Er ist für die Große einer Stadt von 40 000 Einwohnern berechnet. In Zukunft wird nun der Schlamm aus den Absetzbecken in diesen Turm gepumpt und hier unter völligem Luftabschluß zum Ausfaulen gebracht. Dies geschieht auf besondere Weise Der Schlamm wird in diesem Faulturm erwärmt, um den A u s f a u l p r o z e ß intensiver zu gestalten und em rascheres Ausfaulen als es im Schlammbeet geschehen kann, zu erreichen. Das Erwärmen des Schlammes wird dadurch erreicht, daß in den angefüllten Faulraum von unten her erwärmtes Wasser geschickt wird, das oben wieder abgesogen wird. Bei dieser Erwärmung auf 25 Grad Eelsius wird gleichzeitig erreicht, daß sich eine große Wenge des wertvollen Wethangases entwickelt, das sofort zum Betrieb derHeizanlage für den Faulturm und für den Betrieb der Waschinen der Kläranlage Verwendung finden kann. Da der zu erwartende Anfall an Weder köstlichste Duft. Kein Mensch kann sich dem Zauber einer solchen Nacht verschließen. Schau nur hinauf nach den blinkenden Sternen, lausche den verträumten Liedchen einiger Singvögel, und atme mit Lust die köstliche, erfrischende Waldluft! Alles Schöne wird uns in solchen Stunden geschenkt, ohne jegliche Verpflichtung unsererseits, ganz unerwartet und unverdient. Und dankbar wollen wir dieses Geschenk des Gg. Schuhs, dis man bei der Arbeit benötigte. Der Aus- qu6 ift oon Fett dadurch zu befreien daß man ein grobes Stück Sodn hineinwirft, wodurch sich Fett Sft und eine Fäulnis nicht einzutreten oertnag. S" fiert ift mit einem in heißes Wasser getauchten 1 « ntten Ueberreften zu befreien. Wirst man ein Körnchen übermangansaures Kali in das Wasser, hna bann eine rötliche Farbe annimmt, so eignet es sich ^um Entfernen der verderblichen Wefte noch Wer Küchenabfälle sind sofort nach Beendigung des Kochprozesfes aus der Küche zu ent^rnen, sie sollten sich auch nicht in einem mit Deckel geschlossenen Behälter dann befmden Nach dem gründlichen Durchlüften der Küche sind möglichst Fliegenfenster einzusetzen, damit sich keine Insekten in die Küche begeben können Die Speisekammer ist grundsätzlich nach den gleichen Gesichtspunkten zu behandeln Da sie der Vorratsraum ist, müssen natürlich die dann befindlichen Speisen einer häufigen Durchsicht unterzogen werden Niemals sollten die Speisen direkt auf den Bei Inangriffnahme des Baues galt es, erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Da das Funda- ment des Turmes unter den Wasserspiegel der nahen Lahn zu liegen kam, mußte ein etwa 2,5 m tiefer Brunnen gebaut werden, in dem nicht weniger als vier Wochen lang Tag und Nacht, betrieben von einem Motor von etwa 20 PS, zwei Pumpen arbeiten mußten. Für die Erstellung des Turmes waren 800 Zentner Eisen, 3000 Sack Zement, 2400 Sack Traß und etwa 1000 cbm Kies notwendig. Außerdem war es erforderlich, etwa 1300 cbm Erdreich auszuheben. Der Bau wurde Ende Wärz in Angriff genommen. Zur Ausführung wurden 40 Erwerbslose durch die Vermittlung des Arbeitsamtes herangezogen. Die gesamte Anlage soll etwa Witte September ihrer Bestimmung übergeben werden. Der Bau ist durch die „Oeffa auf Grund des Reinhard-Programms finanziert und erfährt außerdem eine Unterstützung durch die Grundförderung des Arbeitsamtes. Die Bauleitung liegt in Händen des Stadtbaudirektors Braubach, unter dessen Leitung schon die bisherige Kläranlage entstand. Die Bauausführung wurde im Submissionswege der hiesigen Firma Abermann übertragen. Die örtliche Bauaufsicht liegt in Händen des Bauingenieurs Fuhrig. Für die Ausarbeitung des Projektes wurde die Firma DERA, Städtehygiene und Wasserdaugesfllschaft, Wiesbaden, hinzugezogen. Vor einigen Tagen konnte im unmittelbar beteiligten Kreise das Richtfest gefeiert werden. Auf dem Turm flattern zur Zeit die bunten Bänder am grünen Tannenbäumchen. Heben der Errichtung des Turmes wurde eine weitere Verbesserung der Kläranlage geschaffen. Für die Klärbecken wurden zwei Sandfänge gebaut, durch die alles wasser aus dem Kanalsystem der unteren und oberen Stadt hindurchgeleitet wird. Grobe Bestandteile werden dadurch schon im Voraus ausgesondert, außerdem wird erreicht, daß sich der Sand, der z. 23. nach Gewitterregen in großen Wengen in den Kanälen mitgeführt wird, in diesen Sandfängen abfeht. Durch das Fehlen dieser Einrichtung mußte die i Kläranlage bisher einen erheblichen Verschleiß an ; Pumpen verzeichnen. Diesem Mangel wird nun- i mehr auch abgeholfen. Das Wasser wird durch die . Sandfänge in sehr langsamem Fluß hindurchgelei- ; tet, so daß sich aller Sand absetzen kann. Die Sand- > sänge sind zweiteilig angelegt, so daß, während die : eine Kammer in Betrieb ist, die andere gereinigt i werden kann. Enge Rechen verhindern, daß grobe 1 schwimmende Bestandteile in die Absetzbecken gelangen. - MAU angelegenheiten: Ludwig Fischer, Gießen; Gustav Lochmann, Villingen; Konrad Pfeffer, Lollar. e) Zum Beisitzer in Streitigkeiten über Jagd, Fischerei und Gewinnung von Bodenbestandteilen: Forstmeister Lipp, Gießen; Förster Heß, Leihgestern. f) Zum stellvertretenden Beisitzer wie bei e): Erbprinz Otto zu Solms-Hohensolms-Lich; Ober- sorstmeister Eckstein, Grünberg. g) Zum stellvertretenden Beisitzer für I a g d - und Fischereiangelegenheiten: Förster Bechtold, Hochwart bei Gießen. h) Zum stellvertretenden Beisitzer in Streitigkeiten über die Gewinnung von Bodenbestand' teilen: Förster Karl Buttron, Röthges bei Gießen. Maßnahmen zur Beschäftigung arbeitS- und erwerbsloser Iungakademiker. Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft hat unter der Bezeichnung „Wissenschaftliche Akademikerhilfe" seit einer Reihe von Monaten eine Aktion in die Wege geleitet, die der Erhaltung der Arbeitskraft erwerbsloser Akademiker dienen soll. Es wird den Teilnehmern an den in Frage kommenden Arbeiten, die ausschließlich wissenschaftlicher Natur sind, Gelegenheit geboten, ihre Fachkenntnisse zu erweitern und auszubauen. Die Teilnehmer werden in Arbeitsgruppen zusammengefaßt und bilden nach Möglichkeit geschlossene Lager. Die Finanzierung der gesamten Aktion hat die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung übernommen. Nachdem derartige Arbeitsgruppen in Schlesien und Sachsen mit Erfolg gearbeitet haben, hat die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft nun auch in Hessen den Einsatz einer derartigen Gruppe genehmigt, die sich in der Hauptsache mit Forschungsarbeiten über die wirtschaftliche Erschließung des Lahntales beschäftigen wird. Die Arbeiten werden in enger Anlehnung an das Institut für Wirtschaftswissenschaft der Universität durchgeführt; ihre wissenschaftliche Leitung hat Professor Bechtel. Abmarsch zum Truppenübungsplatz. Am kommenden Montag, 23. Juli, rückt unser Gießener Bataillon nach dem Truppenübungsplatz Heuberg ab. Der Abmarsch zum Bahnhof erfolgt um 16 und 18 Uhr ab Neue Kaserne. Der Marsch wird durch folgende Straßen gehen: Licher Straße, Ludwigsplatz, Gartenstraße, Hindenburgwall, Horst- Wessel-Wall zum Güterbahnhof. Zieht der Storch schon fort? Aus unserem Leserkreis erhalten wir folgende Zuschrift: In wunderbarem Flugspiel überflogen gestern um 14.15 Uhr acht Hausstörche (liconia ciconia) den Osten unserer Stadt in schönem Schwebefluge dem Süden zu. Sollte unser lieber Freund Adebar uns schon für den Winter verlassen, so wäre das in dieser Jahreszeit sehr früh, denn der eigentliche Zug ist in den Monaten August bis September. Anzunehmen wäre aber, daß durch die große Trockenheit die Beutetiere in den nassen Brüchen und Wiesen nicht in genügender Menge vorhanden sind und so die Vögel gezwungen werden, besseres Gelände zur Atzung aufzusuchen. Zahlenmäßig ist es sehr zu begrüßen, daß die Störche in dieser Anzahl wieder vorhanden sind, denn in den letzten Jahren konnte man nur von dem ständigen Ab- nehmen des beliebtesten Volksvogels hören und die Vögel nur als Einzelflieger beobachten. Hoffen wir, daß der schöne Vogel sich vermehrt und durch sein Schnabelgeklapper zur Belebung unseres ländlichen Idylls beiträgt. Bornotrzen. — Tageskalender fü r Freitag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Leise flehen meine Lieder". — VHC., 20.30 Uhr, Monats-Versammlung. * ** Offene Lehrer st ellen. Wie die Mi- nisterialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum bekanntgibt, sind folgende Lehrerstellen erledigt: im Kreis Oppenheim: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Gau-Weinheim; eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Ober-Hilbersheim; Dienstwohnungen sind vorhanden und sofort beziehbar; im Kreis Alzey: die Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Wahlheim. Die Dienstwohnung ist neu yergerichtet; im Kreis Friedberg: eine Schulstelle für einen katholischen Lehrer an der Volksschule in Rockenberg; Dienstwohnung ist vorhanden und sofort beziehbar. Meldungen von Anwärtern, die nicht mindestens 8 Jahre die Prüfung abgelegt und eine Anwärterdienstzeit von mindestens 5 Jahren zurückgelegt haben, sind zwecklos. ** Sonntagskarten der Biebertalbahn schon am S a m s t a a n a ch m i tt a g zur Rückfahrt frei. Man schreibt uns: Auf Grund einer Eingabe der Gießener Wandervereine, die von der Kreisleitung der NSDAP. Gießen in dankenswerter Weife unterstützt wurde, können die von der Biebertalbahn ausgegebenen Sonntagskar- Der siegreiche Vormarsch gegen die deutsche Arbeitsnot sand tatkräftige Unterstützung durch die Arbeitsbeschafsungs- l o t t e r i e n. Die derzeitige Lotterie findet ihren endgültigen Abschluß am 2 1. 3 u H , dem Ziehungs- tage. Wenn man seinem Vaterlande seine Mithilfe nicht versagen will, so nehme man noch eines der letzten Arbeitsbeschaffungslose, die mit Gewinnaussichten nicht sparen. ten in das Biebertal von jetzt ab bereits am Samstagnachmittag zur Rückfahrt benutzt werden. Damit ist der wanderfreudigen Bewohnerschaft Gießens in erhöhtem Maße die Möglichkeit gegeben, am Samstagnachmittag Wanderungen in das landschaftlich schöne Biebertal zu unternehmen. **Beim Baden in der Lahn tödlich verunglückt. Einem tragischen Unglücksfall ist gestern gegen 12.30 Uhr in der Nähe der Badenburg ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen. Der stellunglose 24 Jahre alte Kaufmann Heinrich R a u aus Annerod nahm in der Lahn in der Nähe der Badenburg in Gemeinschaft mit einem jungen Manne aus Wißmar ein Bad. Als der Wißmarer gerade zum Ufer zurückgekehrt war, hörte er hinter sich einen Schrei und gewahrte gleich darauf, daß fein Gefährte Rau in den Fluten versank und nicht wieder hochkam. Erst gegen 16 Uhr konnte der bedauernswerte junge Mann aufgefunden und als Leiche ans Ufer gebracht werden. Vermutlich hat ein Herzschlag dem Leben des Verunglückten ein rasches Ende bereitet. ** Verkehrsunfall. Am Mittwoch ereignete sich in der Kaiserallee ein Motorradunfall. Der 30jährige Elektrotechniker Willi S ch l a u d r a f f, der als Beifahrer auf einem Motorrad saß, stürzte dabei so schwer, daß er einen Unterschenkelbruch erlitt und in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte. Der Führer des Motorrades kam mit leichteren Verletzungen davon. ** Wiedersehensfeier der Kameraden des ehemaligen IV. (später II.) Hess. Bat! 5. L d w. - I n f. - R e g t s. 8 7. Beim Hessischen Soldatentag in Darmstadt trafen sich mehrere Kameraden dieser ehem. Feldformation, und bei allen wurde der Wunsch laut, doch jetzt endlich — 20 Jahre nach dem damaligen Zusammentreten — eine Wiedersehens-Veranstaltung in die Wege zu leiten. Die mit ben Vorarbeiten beauftragten Kameraden haben nun Sonntag, 12. August, als Tag des Wiedersehens festgelegt und als Lokal das Restaurant Georg Christ, ,Kaisersaal" in Darmstadt, Grafen- straße 18/20. Den musikalischen Teil hat dsr ehemalige Bataillons-Tambour, Kamerad Val. Seitz in Ober-Roden, mit feiner Kapelle übernommen. An alle Kameraden ergeht die Aufforderung, am genanten Tage vormittags etwa 10 bis 11 Uhr sich mit ihren nächsten Angehörigen einzufinden. Kameraden, gebt diese Nachricht an alle Kameraden weiter und sorgt dafür, daß alle erscheinen! Es soll ein frohes Wiedersehen werden! ** „Hier kaufen S i e beim Fachmann." Eine Klärung der Frage, wer sich als „Fachmann" bezeichnen darf, hat das Eignungsamt für Wettbewerbsstreitigkeiten der Handwirkskammer und Industrie- und Handelskammer Berlin herbeige- Abenteuer in Kaukasien. Von Hans Niebau. Butterly, feit zehn Jahren Geschäftsführer einer Cookfiliale in Deutschland, vordem aber Distriktsgouverneur in Indien, hatte soeben — wie immer mit einem verhaltenen Gähnen im Halse — die Geschichte von der berühmten Tigerjagd erzählt. Wir alle kannten die Geschichte seit langem, und wenn auch so Stücker 15 bis 20 Tieger dabei ihr Leben lassen mußten — es wurden im Laufe der Jahre allmählich immer mehr — so waren wir doch froh, daß der stille Dr. Grainger, der nachweislich die letzte Himalaya-Expedition mitgemacht hatte, endlich einmal aus feiner Zurückhaltung herausging und sich bereiterklärte, die aufregendste Begebenheit seines Lebens zu erzählen. Uns mochte dabei eine schlimme Geschichte vorgeschwebt haben, in deren Verlauf sich vielleicht unbekannte tibetanische Bergvölker auf die frosterstarrte Expedition stürzten, und rorr waren ein wenig enttäuscht, als Dr. Grainger folgendermaßen anfing zu erzählen: „Mein aufregendstes Grlednis hat sich sozusagen mitten im Bereich der Zivilisation und beinahe sogar im komfortablen Schlafwagen eines Schnellzuges abgespielt. Unsere Gxpedition war damals soweit fortgeschritten, wie heute die deutsche Gxpedition, als sich — die näheren Umstände sind hier belanglos — die Notwendigkeit ergab, daß ich in besonderem Auftrag nach Deutschland fahren mußte. Ich fuhr also auf dem Landweg — es ist immerhin nicht ganz einfach — nach Berlin, erledigte meinen Auftrag, und dann ging es auf demselben Wege zurück. Auf dieser Reise geschah nun — ich kann es nicht anders nennen, meine Herren — das Gesetzliche. Ich befand mich in einem Abteil erster Klasse im (vchnellzug Taganrog—Baku. Gs mar gegen 22 Uhr, die Nacht war — merkwürdig früh, dachte ich — völlig hereingebrochen, und der Schaffner hatte die Polster bereits in Betten verwandelt. In dem Augenblick, als ich anfang mich auszuziehen, knirschten plötzlich die Bremsen des Zuges. Der Wagen vibrierte, schüttelte, ächzte. Dann stand der Zug. Nun — Dr. Grainger fuhr sich mit dem Taschentuch über die Stirn — es war an sich nichts besonderes, daß ein Äug in der kaukasischen Steppe einmal hält. Irgendein Hindernis mochte auf der Strecke liegen, irgendein Signal nicht in Ordnung sein. Ich zog mich weiter aus. Als aber der Zug fünf Minuten gehalten hatte, und draußen, in der Nacht, ein paar Stimmen laut wurden, ein Laternenschein hin und her huschte, ergriff mich plötzlich eine seltsame Unruhe. Ich versuchte das Fenster zu öffnen; aber soviel ich auch rüttelte und zerrte, es ging nicht. — Seltsam — dachte ich —, am Nachmittag noch genügte ein Ruck am Riemen, um den Rahmen herunterzulassen, und jetzt--? Diese Feststellung, Sie können es sich denken, verstärkte meine Unruhe. Ich verließ, nur mit Hemd, Hose und Lederpantoffeln bekleidet, das Abteil, ging zögernd den Gang hinunter, öffnete — immer noch zögernd — die Tür, und plötzlich — ich weiß selbst nicht, was ich mir dabei gedacht hatte— stand ich draußen auf den Schienen. Die Nacht umfing mich wie ein unheimliches Gtroas. Kein Mond, fein Stern durchbrach die Dunkelheit. Auch die Laternenlichter waren verschwunden, und die Stimmen, die ich vor kurzem noch gehört hatte, verstummt. Die Dunkelheit und das Schweigen legten sich wie ein Alp auf die Brust. Ich machte ein paar Schritte, um das Trittbrett wieder zu erreichen, als es plötzlich einen klirrenden Ruck gab: der Zug hatte sich in Bewegung gesetzt. Halloh! rief ich und fing an zu laufen. Aber mit Lederpantoffeln auf Schotter- steinen laufen, ist nicht leicht. Kurz und gut, ich fiel, schlug mir das Gesicht blutig, und als ich mich, vor Schmerz stöhnend, aufrichtete, sah ich das Schlußlicht des Zuges wie ein Gespenst durch die Nacht tanzen." Dr. Grainger machte eine Pause. Wir saßen, mit vorgebeugten Köpfen, da und hatten sogar das Rauchen vergessen. „Nun", fuhr Dr. Grainger schließlich fort, „im ersten Augenblick beschäftigte ich mich noch mit meinem zerschundenen Gesicht. Dann aber fing mein Gehirn an zu arbeiten: ich, der reichsdeutsche Grainger, befand mich, in Hemd und Hose, ohne Paß, ohne Geld, ohne Wasser und Nahrungsmittel, ohne Sprachkenntnisse mitten in der kaukasischen Steppe. Gs war — soeben hatte ich es festgestellt — 22 Uhr- Kasbek, die nächste Station, sollte um 0.30 Uhr erreicht werden. Sie war also etwa 200 Kilometer von meinem Standort entfernt. Den letzten Bahnhof hatten wir um 18 Uhr passiert. Gs war demnach über 300 Kilometer weit. Ich war — um es deutlich zu sagen — verloren." Zum zweiten Male fuhr sich Dr. Grainger über die Stirn. „Ich will nicht viel Aufhebens von der Gefahr als solcher machen", fuhr er dann fort. „Wir alle haben wohl, wahrscheinlich mehr als einmal, vor und in einer Situation gestanden, die uns hoffnungslos erschien. Das Furchtbare meiner Lage war nicht die eigentliche Grfenntnis, sondern das Furchtbare waren die Stunden dieser Nacht, die führt. Es waren Schilder mit der Aufschrift „Hier kaufen Sie beim Fachmann" beanstandet worden. Das Gignungsamt fjat die Auffassung vertreten, daß die Angabe „Fachmann" nur dann zulässig fei, wenn der Geschäftsinhaber diese Eigenschaft durch vorschriftsmäßige Lehrzeit und erforderliche Gesellen- und Meisterprüfung nachgewiesen habe. Vom Reichsstand des Handwerks wird hierzu auf Bestre- bringen verwiesen, besondere Kennzeichen für Fachleute zu schaffen, die an den Geschäften, auf Briefbogen ufro. anzubringen sind. Oer Vierte 446er-Tag in Gießen Nach einer Mitteilung des Gmpsangs- und Verkehrsausschusses des Vierten 116er-Tages in Gießen findet der Empfang der von auswärts kommenden Kameraden am Sonntagvormittag von 7 Uhr ab statt. Die Sonderzüge, deren Benutzung mit einer 60-v.H.-Fahrpreisermäßigung verbunden ist, verkehren nach folgendem Plan: Fahrt nach Gießen: Büdingen ab 5.21 Uhr Gießen an 7.11 Uhr Lauterbach „ 5.42 „ „ „ 7.34 „ Frankfurt „ 6.40 „ „ „ 8.50 „ Rückfahrt: Gießen ab 19.50 Uhr Büdingen an 21.17 Uhr „ „ 20.12 „ Lauterbach „ 22.17 „ „ „ 19.47 „ Frankfurt „ 21.29 „ Die Zeit zwischen der Ankunft der verschiedenen Sonderzüge, wird von der zum Gmpfang am Bahnhof in der Uniform des alten 116er-Regiments erschienenen Kapelle mit Platz musik auf dem Bahnhofsplatz ausgefüllt. Vom Musik- und Devgnügungsausschuß wird uns mitgeteilt, daß die feierliche Einholung der alten Regimentsfahnen durch die 2. Kompanie am Samstag um 17.30 Uhr folgende Straßen nimmt: Bahnhofstraße, Lie- bigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Sonnenstraße, Schulstraße, Marktplatz, Kirchenplatz, Lindenplatz, Walltorstraße, Hitlerwall, Landgrafenstraße. Da allen in Gießen weilenden ehemaligen 116ern ufw. die Möglichkeit gelben werden soll, das 116er - Denkmalzu sehen, wird der Festzug über den Landgraf-Philipp-'plah geführt. Gs war deshalb nicht möglich, den Festzug 'durch den Seltersweg zu leiten, weil dies für die teilweise sehr alten 116er zu anstrengend sein würde. Der Seltersweg hat die hohe Ehre, am Samstagnachmittag den feierlichen Ei n m a r s ch der alten 116er Regimentsfahnen mit klingendem Spiel zu sehen und zu hören. Außerdem wird die Musikkapelle in der alten 116er-Friedens- uniform am Sonntag gegen 8 Uhr und 9.30 Uhr mit den auswärtigen Kameraden den Seltersweg passieren. Beim Generalappell am Sonntag um 10 Uhr vor der Volkshalle wird die Reichswehr-Ehrenkompanie (2. Kompanie) mit den enthüllten 116er - Fahnen anmarschieren. Nie Aufstellung des 416er Festznges. 1. Gruppe: Oswaldsgarten, Anmarsch durch die Kirchstraße. 2. Gruppe: Spitze Turnhalle, Anmarsch Stein« straße, Weserstraße. 3. Gruppe: Spitze Weserstraße, Anmarsch Steinstraße, Schottstraße. Verbände und Vereine wollen genau auf diese Anweisungen achten. Keine Feierabendstunde am 116er-Tag. Die Polizeidirektion Gießen teilt mit, daß aus Anlaß des 116er-Festes die Feierabendstunde für Samstag, 21. Juli, und Sonntag, 22. Juli, aufgehoben wird. Das neue Reichsjagdgesetz. I. Es blieb der raschen Arbeit der Regierung des Dritten Reiches vorbehalten, das seit Jahrzehnten von der deutschen Jägerei ersehnte deutsche Jagdrecht zu schaffen und auch dieses schwierige Rechtsgebiet für das ganze Reich umfassend zu regeln und somit die vollkommen zersplitterte Gesetzgebung der bisherigen einzelnen Länder zu beseitigen. Romantik und rauhe Wirklichkeit stoßen im Jagdwesen hart aufeinander. Welch ein Unterschied zwischen dem Wirken des echten Weidmannes, des Hegers und Pflegers der jagdbaren Kreatur, und dem verwerflichen Treiben des Schießers und Schlingenstellers! Mit einer fast poetisch zu nennenden Einleitung ist das neue Reichsjagdrecht im Reichsgesetzblatt verkündet worden, ganz im Gegensatz zu anderen Gesetzen, die nur in ihrem nüchternen Gesetzestext veröffentlicht zu werden pflegen. Die Einleitung wurde bereits an dieser Stelle bekannt gegeben. (Siehe den Aufsatz in Nr. 159, Blatt 3 des „Gießener Anzeigers".) Der Geburtstag des Reichsjagdgesetzes ist der 3. Juli 1934. In einzelnen Teilen, hinsichtlich der sachlichen Jagdverbote, des Aufbaus der Jagdver- roaltung, gewisser Sonderregelungen, sowie der Ueberleitungs- und Durchführungsvorschriften trat es bereits am folgenden Tage in Kraft. Bei der großen Bedeutung des Gesetzes nidjt nur für die deutsche Jägerwelt, sondern auch für die Gemeindeverwaltungen, jeden Grundbesitzer, den Wildhandel und nicht zuletzt auch für die Freunde der deutschen Landschaft und ihrer jagdbaren Tierwelt, erscheint es wünschenswert, die Allgemeinheit mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen eingehend bekannt zu machen, auch insoweit nicht nur die Interessen der Jägerei in Betracht kommen. Der Inhalt des Jagdrechts ist die ausschließliche Befugnis, jagdbaren Tieren nachzustellen, sie zu fangen oder zu erlegen und sich anzueignen. Weiter umfaßt das Jagdrecht auch die. ausschließliche Befugnis, sich verendetes Wild, Fallwild und Abwurf st an- g e n (bisher in manchen Ländern in freier Wildbahn dem Finder gehörend), sowie die Eier jagd-. baren Federwilds anzueignen und die Gelege nicht geschützter Raubvögel zu zerstören. 'Hierbei unterliegt das Jagdrecht den im Reichsjagdgesetz niedergelegten Beschränkungen. Das jagdbare Wild. Als „jagdbare Tiere" (Wild) bezeichnet das Gesetz folgende Wildarten: Wisent (im Volksmund Auerochs), Elch-, Rot-, Dam-, Sika- (eine mittelgroße, rötlichbraune japanische Hirschart), Stein-, Muffel-, Reh-, Gems- und Schwarzwild, Murmeltiere, Hasen, Alpenhasen, wilde Kaninchen, Biber, Robben, Ottern, Dachse, Füchse, Wildkatzen, Edelmarder, Steinmarder und Iltisse. Die aufgeführten Wildarten umfassen das jagdbare Haarwild. Als jagdbares Federwild werden bezeichnet: Auer- und Birkwild, das Rackeiwild (Bastard zwischen Birk- und Auerwild), Haselwild, Schneehühner, Steinhühner, Wildtruthühner, Rebhühner, Wachteln, Fasanen, wilde Tauben, Drosseln (Kram- metsDögel), Schnepfen, Trappen, Brachvögel (eine Sumpfvogelgattung), Wachtelkönige, Kraniche, Tag- und Nachtraubvögel, wilde Schwane, wilde Gänse, wilde Enten und alle anderen Sumpf- und Wasser- DÖqel. Auch andere Tiere können als jagdbare Tiere durch eine Ergänzungsverordnung bestimmt werden. In der Zahl des jagdbaren Federwilds sind der nun folgten. Ich humpelte in meinen Lederfchuhen den Bahnsteig entlang. Gs war fo dunkel, daß ich nicht drei Meter weit sehen konnte. Ich fiel über ein Hindernis, ohne erkennen zu können, roas es eigentlich war. Ich stand auf, ging weiter, fiel. — Warum — dachte ich —, warum gehst du? 200 Kilometer sind es bis zur nächsten Ansiedlung, 200 Kilometer! — Dann schleppte ich mich, obgleich auch das sinnlos war, die Strecke zurück. Ich versuchte zu denken. Gab es noch irgendetwas zu tun? Ich hörte mich selbst schreien und schalt mich im selben Augenblick einen Narren. Schrie ich, um in Kasbek, 200 Kilometer weit, gehört zu werden? Die Nacht stand vor mir wie ein Brett. Ich sank zusammen. Irgendetwas raschelte. — Natürlich — dachte ich —, Tiere gibt es immerhin in der kaukasischen Steppe. Vielleicht Wölfe, Bären? — Gine Stunde verging, eine zweite. Ueberall hörte ich — oder glaubte zu hören — wie es raschelte, wie irgendetwas durch das Gras schlich. Wie es atmete. Schließlich ließ ich mich nach hinten auf den Boden sinken und schloß — um nur dieser glotzenden, gespenstischen Dunkelheit zu entgehen — die Augen. Bald darauf verfiel ich in einen nervösen Halbschlaf, aus dem ich immer wieder erwachte, ohne jedoch — eben um die Dunkelheit nicht mehr zu empfinden — die Augen zu öffnen. Bis dann schließlich die Dunkelheit wich, der Morgen anbrach, und--" Dr. Grainger schwieg. „Nun", ermunterten wir ihn, „und dann--?" Dr. Grainger hatte ein feines Lächeln um den Mund. „Gs ist ja immer so", sagte er, „daß das Licht des neuen Tages neue Hoffnung bringt. Aber daß der Unterschied von Tag und Nacht, von Verzweiflung und rettender Grfenntnis so groß sein kann, wie in diesem Falle, das, meine Herren, hätte ich nie gedacht. Als ich die Augen aufschlug, stand vor mir ein Mann. Der Mann hatte sich gegen die Tür eines großen Holzgebäudes gelehnt. Gr sprach mich auf französisch an. Ich antwortete, und in kürzester Zeit war ich darüber unterrichtet, daß ich den Zug auf dem Bahnhof von Kasbek, nur — leider — nach der falschen Seite hin verlassen hatte. " Wir lachten. „Aber Ihre Berechnung?" fragte schließlich Butterly, „Sie konnten doch um 22 Uhr noch gamicht in Kasbek fein?" „Die Schuld an allem und damit an der aufregendsten Begebenheit meines Lebens", flüsterte Dr. Grainger, „hatte nur meine Uhr. Sie war um 22 Uhr stehengeblieben." Oer Tovesflug der „menschlichen Kanonenkugel^. Gaston Richard, die „menschliche Kanonenkugel", hatte sich schon seit einiger Zeit von seinem gewiß nicht alltäglichen und ungefährlichen Beruf zurückgezogen. Im Alter von 53 Jahren beginnt man, dem kühnen Flug durch die Luft einen gemächlichen Lebenswandel auf der sicheren Muttererde vorzuziehen. Als nun vor kurzem einige feiner Pariser Freunde an den beliebten Akrobaten herantraten, um ihn zu einem Auftreten auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten verkrüppelter Kinder zu bewegen, antwortete der im Dienst des Zirkus altgewordene Gaston Richard: „Ihr wißt recht gut, ich bin mit meinen 53 Jahren ein alter Mann und möchte meine Tage in Ruhe beschließen, um mich von den Anstrengungen meines Berufes zu erholen." Aber er ließ sich dann doch wegen des guten Zweckes bewegen, eine Vorführung zuzusagen. Richard schwur aber, daß dies sein letztes Auftreten sein sollte. Dieses Versprechen hat er leider nur zu wahr gemacht, denn er ist nun einem furchtbaren Unglück zum Opfer gefallen. Wie der Akrobat das von früher gewohnt war, brachte er seine Kanone, auf die sich jahrelang die Augen von tausenden von Zuschauern mit größter Spannung gerichtet haben, zu dem Platz, auf dem sich die Kinder mit ihren Eltern und Pflegerinnen bereits lange vor Beginn der Vorstellung versammelt hatten. Noch einmal stand der „Kanonenkugelmann" in der kleidsamen Tracht eines Seeoffiziers stramm vor seiner sich still verhaltenden Gemeinde, preßte die Lippen zusammen und kletterte unter brausendem Jubel des Publikums in die Mündung des Geschützes. Das Netz, in das er hineingeschleudert werden sollte, lag ausgespannt in einiger Gntfernung. Ginige kurze bange Sekunden, ein Atemanhalten bei den Zuschauern — und die menschliche Ladung sauste durch die Luft. Das beklemmende Schweigen wurde plötzlich von gellenden Schreien zerrissen. Gaston Richard lag einige Meter vor dem ausgespannten Netz mit zerschmettertem Körper auf dem Boden. Die Ladung der Kanone war in diesem Fall anscheinend zu schwach gewesen. Schon nach einigen Augenblicken starb der Akrobat an den schweren Verletzungen, die er sich durch den heftigen Aufprall auf die Grbe Zugezogen hatte. Gs mutet wie ein tragisches Verhängnis an, daß auch Gaston Richards Lehrer und Meister Zachini, auf die gleiche Weise vor zwei Jahren in Deutschland ums Leben gekommen ist. Kreis Schotten. * 4 Oberheffen Nachdruck verboten! 8 Fortsetzung machen. (Fortsetzung folgt) t Landkreis Gießen. ♦ Klein-Linden, 20. Juli. Gestern nachmittag wurde in unserem Orte eine braune Damen- Handtasche, die einen größeren Geldbetrag enthielt, gefunden. Das herrenlose Gut fiel einem ehrlichen Finder in die Hand, der es auf der Bürgermeisterei ablieferte. * W i e s e ck, 19. Juli. Das vierjährige Töchterchen des Arbeiters Düringer von hier stürzte gestern so unglücklich, daß es einen Unter- s ch e n k e l b r u ch erlitt und in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden mußte. wg. G r o ß e n - B u s e ck , 20. Juli. Gestern nachmittag geriet auf freiem Felde auf ungeklärte Weise ein Gerstenhausten in Flammen. Da starker Westwind ging, wurde das Feuer durch die Stoppeln auf einen zweiten Hau st en übertragen. Das Feuer wurde dann glücklicherweise von in der Nähe tätigen Arbeitern bemerkt und durch Aufwerfen von Erdstreifen eingedämmt und g e - löscht. — Mit Beginn dieser Woche ging ein langgehegter Wunsch der hiesigen Einwohnerschaft in Erfüllung. Die Krämerläden, die bisher nur bis 19 Ühr offenhalten durften, können nunmehr bis 21 Uhr verkaufen. Die Maßnahme wird allgemein begrüßt. f Tr e i s a. d. Lumda, 19. Juli. Beim Ueberfah- ren eines Bahnüberganges in der Nähe des Dorfes wurde der mit Steinen beladene Wagen des Fuhrmanns Euler von dem 9-Uhr-Zug erfaßt und zur Seite geschleudert. Der Hinterwagen wurde dabei zertrümmert, Mann und Pferd kamen zum Gück mit dem Schrecken davon. <£ Lumda, 19. Juli. Heute morgen wurde der Landwirt Karl Kappes das Opfer eines schweren Unglücksfalles. Beim Futterho n gingen ihm die K ü h e durch. Der Mann stürzte vom ZweiMämier und Hilda Roman von Hermann W. Walber. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) SJtXfport Das Programm der Deutschen Kampsspiele 1934 Das Telephon im Arztzimmer klingelte. Doktor Becker hob den Hörer ab. Sein Gesicht nahm sofort den Ausdruck der Spannung an. Es mußte wohl eine große Ueberraschung sein, die man ihm eben mitteilte. „Herr Professor, schnell, Zimmer dreiundvierzig! — Knauer regt sich. Er spricht!" In fliegender Hast eilten die Aertte durch die langen, einsamen Gänae des Krankenhauses, hinter deren Türen so manches schwere körperliche Leid hauste. Mit dem Fahrstuhl ging es ein Stockwerk höher hinauf, und dann waren sie am Ziel. In den weißen Kissen lag ein Männerkopf mit schweißnassen Haaren und schwarzem Stoppelbart. Aus tiefen Höhlen sahen zwei matte Augen, die sich in dieser Umgebung offenbar nicht zurechtzufinden wußten. Der linke Arm lag bandagiert auf der Decke. Die Rechte irrte tastend umher, als suchte sie etwas. . ~ Die Wärterin zog sich beim Eintritt der Aerzte vom Bett zurück. Professor Doktor Meyer fühlte den Puls des Kranken und nickte befriedigt. Das Fiebertermo- meter wies knapp achtunddreißig Grad Temperatur auf. Der Kranke bewegte die Lippen. Doktor Becker neigte sich über ihn und horchte, verstand aber nichts. Dann aber ging es wie ein Schütteln durch Knauers Körper, so, als wollte Unangenehmes, Lästiges von sich abwerfen. Ermattet legte er hierauf fein Haupt zur Seite, die Augen schlossen sich, und bald verkündeten regelmäßige Atemzüge, daß der Patient schlief. v f ± „Der schläft sich gesund!" Fast triumphierend sagte es Professor Meyer. „Die Krise ist vorüber." Er gab der Schwester noch einige Derhaltungs- maßregeln und ordnete an, daß beim Aufwachen Knauers sofort Doktor Becker gerufen werden solle. Wenige Stunden später. Nacht! Am Fenster saß die Schwester und häkelte, um die Zeit totzuschlagen. Die Lampe war so ver- hangen, daß das ganze Zimmer im Dunkeln lag und nur ein schmaler Lichtstrahl den Platz der Schwester traf. Mitunter hielt sie in ihrer Arbeit inne und horchte. Dom Bett her war aber immer nur ruhiges Atmen zu hören. Plötzlich schreckte Schwester Marie auf. Da war sie doch wahrhaftig ein wenig eingeschlafen! Aus der Ecke, wo der Kranke lag, drangen schwache Laute. Schon war sie bei ihm. Mit schnellem Griff schob sie eine der Blenden an der Lampe zurück, so daß es etwas Heller wurde. Wie verabredet, drückte sie auch auf den Klingel- knöpf, um Doktor Becker herbeizurufen, der innerhalb weniger Sekunden zur Stelle war. „Wasser..." Die Schwester lieh Knauer trinken. Mit der Rechten tastete er nach der Bandage des anderen Armes. „Was ist — das?" „Vorsichtig, lieber Knauer", sagte Doktor Becker, sich zu ihm setzend. „Sie sind krank gewesen, sind es noch." Walter Knauer sah fragend auf die Schwester, dann nach dem Mann in dem weißen Kittel. Er suchte offenbar den Anschluß an die Wirklichkeit. Eine schwere Falte zeigte sich auf seiner Stirn. „Wissen Sie denn nichts mehr? Sie sind doch verunglückt. Im Werk!" Jäh wollte sich der Kranke erheben. Aber mit ächzendem Schmerzlaut sank er in die Kissen zurück. Arm und Fuß ließen keinerlei Bewegung zu, ab- gesehen davon, daß der ganze Körper durch das ewig lange Liegen wund war und jeglicher Kräfte bar. Walter Knauer war voll grausigen Erinnerns. Der Zusammenstoß mit Hans Kirchhoff in all seinen Einzelheiten stand vor seiner Seele. Wie hatte er sich gewehrt gegen die feige Umklammerung! Er war machtlos gegen sie. Ja, und dann hatte der Treibriemen ihn gepackt. Ein furchtbarer Schmerz und — seitdem nichts mehr... „Hans Kirchhoff! Hans Kirchhoff hat schuld!" In wilder Erregung stieß der Kranke die Worte hervor. Der Arzt gab der Schwester ein Zeichen. Walter Knauer erhielt eine Spritze, die ihn beruhigte, und sehr bald schlief er von neuem ein. Doktor Walter Becker war längst wieder in seinem Zimmer. Wie immer, wenn er Nachtdienst hatte, legte er sich aufs Bett. Aber er vermochte keine Ruhe zu finden. Eigenartig, daß ihm die Worte des Knauer nicht aus dem Kopf gehen wollten. Eigenartig, diese Tatsachenverquickuna: Hans Kirchhofs hat schuld, sagte er; Hans Kirchhoff klingt wie Hans von Kirchhofen, und Hans von Kirchhofen war der einzige Augenzeuge von Knauers Unfall. Bestanden hier Zusammenhänge? Sollte etwa Hans von Kirchhofen, der Bräutigam Hildas...? Ach, Unsinn, wie konnte man nur so hirnverbohrt sein! Sicher war der arme Knauer verwirrt... Wie wäre wohl Hans von Kirchhofen, der so Elegante, mit diesem einfachen, robusten Arbeiter in Verbindung zu bringen! Und dennoch — eigenartig blieb die Geschichte doch... , . Doktor Becker befiel eine Ahnung, als wurde rauher Reif in seinen Liebesfrühling fallen. Nicht, als ob er für sich selbst oder für Liesgreta etwas zu befürchten hätte! Aber immerhin würde doch ein Schatten in Hildas Dasein sich bis zu einem gewissen Grade auch in demjenigen Liesgretas bemerkbar Quadrat-Silos entschieden, da ja auch nur für diese Art Silos der Zuschuß gewährt wird. Eine sofort vorgenommene Umfrage ergab die Meldung von rund 60 Silo-Bauvorhaben. Zum Abschluß der Versammlung beschäftigte sich Bezirksbauern- (ührer D e s ch noch mit aktuellen Fragen (General- iedlungsplan, Lohndruschsätze, Bewertungsgenossen- chaften usw.) und schloß die Versammlung mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer, Bauern» Fischreiher und der Fischadler nicht ausdrücklich aufgeführt. Rach dem Gesetz versteht man unter Hoch- wild: Wisent-, Elch-, Rot-, Dam-, Sika-, Stein-, Muffel-, Gems-, Schwarzwild und Auerwild. Alle übrigen Wildarten gehören zum Niederwild. Das Jagdrecht sieht dem Grundeigentümer zu und ist mit dem Eigentum an Grund und Boden untrennbar verbunden. Als selbständiges dingliches Recht (losgelöst von Grund und Boden), kann es nicht begründet und so etwa in das Grundbuch eingetragen werden. Das Jagdrecht muß weidgerecht ausgeübt werden, d. h. nach den allgemein anerkannten Grundsätzen deutscher Weidgerechtigkeit. Dementsprechend hat jeder Jäger das Recht und die Pflicht, das Wild zu hegen. Verboten ist es, den Wildbestand durch unmäßigen Abschuß zu gefährden, oder gar eine Wildart auszurotten. Das Jagdrecht darf nur auf Jagdbezirken (Eigenjagdbezirken und gemeinschaftlichen Bezirken) und auf Grundflächen, die Eigenjagdbezirken oder gemeinschaftlichen Jagdbezirken angegliedert sind, ausgeübt werden. In einem Eigenjagdbezirk ist der Eigentümer oder Nutznießer des Grund und Bodens jagdausübungsberechtigt. Kommt aber als Eigentümer oder Nutznießer eine Personenmehrheit oder eine juristische Person in Frage und wird die Jagd weder durch Verpachtung, noch durch angestellte Jäger (Jagdaufseher) ausgeübt, so ist derjenige jagdausübungsberechtitzt, der von dem Verfügungsberechtigten dem Kreisjägermeister benannt wird. Auf gemeinschaftlichen Jagdbezirken steht die Ausübung des Jagdrechts der Jagdgenossenschaft zu. Die Jagdbezirke können abgerundet werden. Notfalls können also Grundflächen abgetrennt und anderswo zugeteilt werden. Wasserläufe, Wege, Triften und Eisenbahnkörper, die nach Umfang und Gestalt für sich allein eine Wagen, wurde geschleift und verletzte sich schwer an Kopf und Rücken. Das Sanitätsauto brachte den Schwerverletzten sofort in die Klinik nach Gießen. — Zum kommissarischen Bürgermeister unseres Ortes wurde Pg. Eduard Schultheiß ernant Damit tritt der seltene Fall ein, daß das Bürgermeisteramt durch drei Generationen von derselben Familie verwaltet wird. Der Großvater Peter Schultheiß führte die Gemeinde von 1885 bis 1919. Ihm folgte dessen Sohn Heinrich Schultheiß, der 15 Jahre das Amt bekleidete. ♦ Göbelnrod, 19. Juli. Der fünfjährige Sohn des Maurers S ch m i d t von hier kam beim Spiel so unglücklich zu Fall, daß er einen Unter- schenkelbruch erlitt und in die Chirurgische Klinik nach Gießen übergeführt werden mußte. * L i ch, 19. Juli. Heute fand hier eine Schaf- bockversteigerung statt, die vom Landesverband der Schafzüchter in Hessen-Nassau veran- stattet war. Zu der Versteigerung waren 28 Lammböcke des deutschen schwarzköpfigen Fleischschafes aufgetrieben, die zum größten Teil Ende vorigen Jahres geboren waren. Bei verhältnismäßig gutem Besuch des Marktes wurde der Austrieb vollständig ausverkauft. Die Tiere waren durchweg von sehr guter Qualität und kosteten im Durchschnitt 105 RM. pro Stück. Kreis Friedberg. * Friedberg, 19.Juli. Einen ungewöhnlichen Selb st Mordversuch unternahm dieser Tage ein Mann von hier, indem er sich eine Stricknadel ins Herz stieß und sich gleichzeitig die Pulsadern öffnete. Der Vorgang wurde sofort bemerkt und der Mann nach Gießen in die Chirurrgische Klinik gebracht, wo er am Mittwochabend an seinen Verletzungen gestorben ist. ______________________________ Vorerst einmal stellte er befriedigt fest: er lebte, wirklich und leibhaftig. Also mußte man wohl nicht allzu Schlimmes mit ihm vorhaben. Oder stand er erst am Anfang seiner Erlebnisse? Hatte er weitere Gefahren zu gewärtigen? Er ging zur Tür. Sie war verschlossen. Er rüttelte an der Klinke. Es meldete sich niemand. Dann trat er ans Fenster, das scheinbar lange nicht mehr geputzt worden war. Man sah's an den dichten Spinngeweben in den Winkeln. Er öffnete und blickte hinaus. Seine Feststellungen waren nicht gerade beruhigend. Schnurgerade fiel die Mauer abwärts, verlängert durch einen wohl an die zweihundert Meter hohen Felsen. Unergründlich schien ihm die zerklüftete, dunkle Tiefe und ebenso unergründlich die felsige, einödige Weite. In einem Banditenschloß saß er offenbar gefangen. Also würde seine Freiheit wohl von der pünktlichen Zahlung des geforderten Lösegeldes abhängen ... Merkwürdig alles das, was sich dann in der Folgezeit ereignete. Wolterstorff hatte sich durch lautes Rufen be- merkbar gemacht. Nach kurzer Zeit kam ein her- kulifch gebauter, langmähniger Mensch. Da er die rumänische Sprache leidlich beherrschte, kam eine Verständigung zustande, wenigstens dahin, daß der Riese, den man als seinen Wächter bestellt hatte, Brot und eine Art Suppe holte, wobei er vorsorglich die Tür wieder hinter sich abschloß. Auf alle sonstigen Fragen nickte er nur immer mit dem Kopfe, oder er zuckte ablehnend mit den Achseln. Und dann kam eine große Ueberraschung. Am Nachmittag desselben Tages übergab ihm sein Zerberus — so hatte er inzwischen seinen Wächter getauft — einen Zettel, auf dem er die in reinem Deutsch geschriebenen Worte las: „Seien Sie ohne Sorge um Ihr Schicksal! Warten Sie ruhig ab, bis Sie weitere Nachricht erhalten! Sie werden bald begreifen, was Ihnen heute noch unverständlich scheint!" Seitdem war über eine Woche verstrichen. Eine Woche quälender Langeweile, quälender Ungewiß- ^Wer war der Geheimnisvolle, der ihm den nicht minder geheimnisvollen Brief geschrieben hatte? Warum ließ er sich nicht blicken?, und warum wurde er nicht zu ihm geführt? Zweifellos befand er sich in den Händen von ordnungsmäßige Jagdausübung nicht gestatten, bilden keinen Jagdbezirk für sich, unterbrechen nicht den Zusammenhang eines Jagdbezirks und stellen auch den Zusammenhang eines Jagdbezirks zur Bildung eines Jagdbezirks zwischen getrennt liegenden Grundflächen nicht her. In befriedeten Bezirken (Wohngebäuden und den mit ihnen räumlich zusammenhängenden Gebäuden), in Hofräumen und Hausgärten, die unmittelbar an eine Behausung anstoßen und durch irgendeine Umfriedung (Zaun u. dgl.) begrenzt oder sonst vollständig abgeschlossen sind, sowie auf Friedhöfen, „ruht die Jagd." Oesfentliche Anlagen und abgeschlossene, oder absperrbare Grundflächen können ganz oder teilweise befriedet, oder es kann auch den Eigentümern solcher Flächen ein be- schränktes Jagoausübungsrecht eingeräumt werden. Unter Ligenjagdbezirk versteht das Gesetz solche zusammenhängende Grundflächen, auf denen ein und dieselbe Person oder Personengemein, schäft Eigentümer oder Nutznießer ist und die einen land-, forst- oder fischereiwirtschaftlichen Nuhraum von mindestens 75 Hektar (300 hessischen Morgen) umfassen. Die Mindestaröße kann für bestimmte Gebiete erhöht, jedoch hierbei bestimmt werden, daß diese Erhöhung für Erbhöfe, die sonst die Erfordernisse eines Eigenjagdbezirks erfüllen, nicht gilt. Alle Grundflächen einer Gemeinde oder abgesonderten Gemarkung, die nicht zu einem Eigenjagdbezirk gehören, bilden einen gemeinschaftlichen Jagdbezirk, wenn sie im Zusammenhang wenigstens 150 Hektar umfassen. Die Teilung ge- meinschaftlicher Jagdbezirke in mehrere selbständige Bezirke kann zugelassen werden; zusammenhängende Flächen verschiedener Gemeinden, die im übrigen den Erfordernissen eines gemeinschaftlichen Jagdbezirks entsprechen, können zu gemeinschaftlichen Jagdbezirken zusammengelegt werden. und Reiter, alle beanspruchen Raum in dem Riesenprogramm, das innerhalb einer Woche eine nahezu alles umfassende Uebersicht über den deutschen Sport und das deutsche Turnen vermittelt, eine Uebersicht, die um so eindrucksvoller ausfallen wird, als die Spitzenkönner auf allen Gebieten sich in Nürnberg ein Stelldichein geben. Man täte Unrecht, würde man eine Sportart über die andere hinausheben. Doch darf man erwarten, daß die Leichtathleten, Fußballer, Schwimmer und Turner, deren Wettkämpfe nun einmal besonders volkstümlich sind, das größte Interests beanspruchen werden. Diesem zu erwartenden Inter- este wird der Aufbau des Programms mit feinen stetigen Steigerungen gerecht. Schon vor der offiziellen Eröffnungsfeier am Dienstag, die mit einem Einmarsch sämtlicher Teilnehmer mit Fahnen verbunden ist, werden einzelne Wettbewerbe abgewickelt, die sonst vielleicht den festgefügten Rahmen der Hauvtkampftage sprengen würden. Schon am heutigen Freitag (20. Juli) beginnen die Nürnberger Veranstaltungen mit dem 18. Bayrischen Landesturnfest, dessen Abwicklung sich bis zum Sonntag erstreckt. Am Samstagvormittag wird bereits der erste eigentliche Kampfpiel-Wettbewerb, das Einer- Strecken-Fahren über 240 Kilometer auf der LPD. Hanau, 19. Juli. Vom Preußischen Mi« einem dreifachen Sie; nisterium des Innern ist der seitherige erste Bei- führer und Vaterland, geordnete der Stadt Hanau, Bürgermeister Dr. Fr.1 Räubern, die es nur auf Lösegeld abgesehen hatten. Wußte man in den Geyerling-Werken, daß er noch lebte? Daß die Frau Geheimrat jeden Betrag zahlen würde, um ihn auszulösen, daran zweifelte er keinen Augenblick. An sich hatte er kaum etwas auszustehen. Nur daß der ihm zugewiesene Aufenthaltsraum äußerst primitiv eingerichtet war, machte sich mitunter empfindlich bemerkbar. Es fehlte ihm doch tagsüber macherlei. Sonst aber, besonders was bas Esten an- belangte, brauchte er nicht zu klagen. Man setzte ihm immer sehr reichlich und alles gut zubereitet vor, gerade keine Delikatessen, immerhin aber auch nichts minderwertiges. Und dazu Wein die Fülle, Rotwein und zartblumigen hellen Süßwein. Wenn nur nicht diese furchtbare Qual der Ungewißheit gewesen wäre, was wohl die nächste Stunde bringen würde?! Das ging an die Nerven. Wie wild lief er seit Tagen oft stundenlang m seinem Burgzimmer hin und her, und zermarterte vergeblich sein Hirn, wie er seine Lage andern könnte. ,, Aus langen Nächten wuchsen bange Tage. Das stereotype Achselzucken des Wächter- auf alle Fragen, di- Trostlosigkeit der Einsamkeit di- Sorge um die Geyerling-Werke ließen allmählich m Wolterstorff den Gedanken an Flucht aufkommen. Flucht? Wo ihm Weg und Steg unbekannt waren? Und er niemanden hatt^ der ihm bei- springen konnte? Es würde em Wagnis fein, bei dem es auf Leben und Tod ging... Der Gedanke an Flucht nahm immer mehr von ihm Besitz und ließ ihn schließlich nicht mehr los. „Eine Bärennatur, dieser Knauer!" sagte Pro. fessor Meyer zu Doktor Decker, seinem ersten Assi- tenten. „Ich möchte behaupten in meiner Jana- ährigen Praxis ist es seither überhaupt noch nicht vorgekommen, daß ein Pat-ent mit derartig vielen Komplikationen so lange durchgehalten hat. Mich soll's jetzt sogar gar nicht wundern, wenn wir den Mann noch völlig durchkriegen. Ich würde mich wirklich freuen, wenn uns das ^Mber 'da^ Chefarztes zog ein ver- ^"Ln!"wl?N.ch^°^Pros-,sor-,fuhr d-r Mng-r- fort, ist nur des Patienten wegen. Dak ar B-ck-r wurd- habet rot me ein Schul- knad-, d-r bei einer unrechten Tat ertappt würbe Eigentlich muhte er zugeden, daß -r an dem Fall Knauer nicht nur ärztltch-wtssen chastltch mtereffiert war, sondern auch deshalb, weil er einer aus den G-yerling-Werken war, obendrein einer der auf Grund besonderer Umstande bei seiner Braut und den beiden anderen Damen einen Stein im Brett hatte. Ihnen erzählen zu können daß der Schutz- lina gerettet fei, würbe ihm atterbings Freube und Genugtuung bereiten. Aber fah es nicht immer noch böse aus...? Nur wenige Tage trennen uns von dem Beginn der gewaltigen Heerschau deutschen Turnens und deutschen Sports, die im ehrwürdigen Nürnberg, dieser urdeutschen Stadt, die im Staate Adolf Hitlers geeinte Jugend zu frohem Kampf und Spiel vereinen wird. Die Aufgabe der Kampfspiele ist vom Reichssportsührer von Tschammer und Osten, der selbst die Leitung dieser Riesenveranstaltung übernommen hat, fest umrissen worden. Sie sollen Ausdruck deutscher Volkseinheit, deutscher Sitte, deutschen Fühlens und der leiblichen Kraft und Gesundheit deutscher Jugend sein. Die Feier in Nürnberg als die erste der neuen Zeit soll das nationale Hochfest der turnenden und sporttreibenden deutschen Jugend fein, ein Bekenntnis zu Volk und Vaterland. Gewaltige Vorarbeiten waren zu leisten, doch heute ist Nürnberg bereit, den Rresenzustrom von hunderttausend und mehr deutschen Volksgenossen aufzunehmen. Besonders bedacht mußte man natürlich darauf fein, daß das ungeheuere sportliche Pro- gramm reibungslos abgewickelt wird. Auch dafür ist gesorgt. Die organisatorischen Vorbereitungen erfassen alles, was mit den Kampfspielen irgendwie Zusammenhang hat. Leichtathleten und Schwimmer, Radfahrer, Fechter, Fußball-, Handball- und Hockeyspieler, Kegler, Turner, Boxer, Ringer, Schwerathleten * Schotten, 19. Juli. Umfangreiche Stra - henbauarbeiten werden gegenwärtig auf der bekannten Rennstrecke „Rund um Schot- t e n" vorgenommen. Es handelt sich dabei um die Verbreiterung der Landstraßen und den besseren Ausbau der Kurven durch zweckmäßige lieber» Höhung. Die Bauarbeiten werden die Sttahen nicht nur für die Motorsportzwecke geeigneter machen, sondern sie auch dem allgemeinen Fahr- verkehr zweckdienlicher gestalten. Kreis Alsfeld. c\d Mücke, 19. Juli. Auch in diesem Jahr entfaltete sich hier, wie in den Nachbargemeinden Merlau und Flensungen eine rege Bautätigkeit. Das Erstehen von neuen Gebäuden im Zwischengelände der drei Orte hat dazu geführt, daß praktisch eigentlich nur noch ein Wohngebiet vorhanden ist. Die drei Gemeinden bzw. zwei — Mücke gehört halb zu Merlau, halb zu Flensungen — bilden heute ein zusammenhängendes Ganzes, so daß der Gedanke eines Sammelnamens eigentlich nicht mehr von der Hand zu weisen ist. Der Uneingeweihte sieht eigentlich keine drei Siedlungen, sondern ein größeres zusammenhängendes Wohngebiet, das von einer Bahnlinie durchschnitten wird, sowie die Endstation einer Kleinbahn bildet. Preußen. Oer Gauleiter bei der Hitlerjugend. GPA. Frankfurt a. M., 19. Juli. Gauleiter Reichsstatthaller Sprenger widmete den heutigen Donnerstag der Hitlerjugend seines Gaues und besuchte einige Lager und Führerschulen des Gebietes 13. Da die Besichttgungen sich bis in den Abend hineinzogen, ist es uns erst morgen möglich, einen Gesamtbericht zu geben. Oer neueOberbürgermeistervonHauau Müller, zum Oberbürgermeister der Stadt Hanau und Magistratsrat Dr. Herbert Müller zum ersten Beigeordneten ^Bürgermeister und Kämmerer) berufen worden. Beide Herren weilten am Mittwoch in Kassel, wo ihre Einweisung in die neuen Aemter und ihre Verpflichtung durch den Regierungspräsidenten erfolgte. Der neue Oberbürgermeister Dr. Friedrich Müller steht seit 1920 im Dienste der Stadt Hanau. Kreis Wetzlar. O Wetzlar, 20. Juli. Am Mittwoch fand in der „Alten Post" eine Versammlung der landwirtschaftlichen Ortsfachberater statt, in der in der Hauptsache die Förderung des Silo-Baues im Kreise Wetzlar zur Aussprache stand. Bezirksbauernführer D e f cf) eröffnete die Versammlung und gab u. a. davon Kenntnis, daß die Kreisbauernschaft beabsichtige, unter Zuhilfenahme von Zuschüssen etwa 10 0 Silos noch im Laufe dieses Jahres zu errichten. Der Leiter der Landwirtschaftsschule Wetzlar, Direktor Trautmann, gab einen Ueberblick über die Tätigkeit und den Zweck der Wirtschaftsberatungsstelle und unterstrich besonders die Bedeutung des Silos als Erzeugungsstätte für eiweißreiches Futter. Dr. Schmidt von der Landwirtschaftlichen Beratungsstelle des Südwestdeutschen Zementverbandes referierte anschließend über die Frage „Wie soll ein Silo gebaut werden?" Seine fachmännischen Ausführungen wurden mit großer Aufmerksamkeit entgegengenommen. In der anschließenden Aussprache wurde besonders die Frage, ob Rund- ober Quadrat-Silos gebaut werden sollen, zugunsten des Strecke Nürnberg—Regensburg—Nürnberg durchgeführt. Der Sonntag bringt im Tiergartensaal die ersten Kämpfe der Fechter und im Pulver-See acht Vorspiele zum Wasserball-Turnier. Für den Montag ist dann bereits ein großes Programm vorgesehen. Die Radfahrer bestreiten die Dierer-Vereinsmei st erschaft über 100 Kilometer nach Bamberg und zurück, die Fechter setzen ihre Kämpfe fort, ebenso die Wasserballspieler. Es beginnen die Vorkämpfe im Boxen in der Festhalle im Luitpoldhain und die im Kegeln. Faustball- und Schlagballvorspiele werden auf der Aufmarschwiese des Stadions ausgetragen, die Hauptkampfbahn im Stadion ist Schauplatz zweier H a n d b a l l kämpfe. Der erste Hauptkampftag ist der Dienstag, an dem die schon erwähnte feierliche Eröffnungsfeier stattfindet. Die Schwimmer nehmen an diesem Tage ihre Wettkämpfe auf, in der Hauptkampfbahn steigt das Handball-Entscheidungsspiel, in dessen Pause die Deutschlandriege der DT. mit einem Schauturnen aufwartet. Ein riesiges Programm muß dann am Mittwoch bewältigt werden. Fechter, Kegler, Boxer und Schwimmer setzen ihre Wettkämpfe fort. Den größten Raum beanspruchen an diesem Tage die Turner, die von den frühesten Morgenstunden an auf der Aufmarschwiese ihre Mehrkämpfe, die eine Riesenbeteiligung aufzuweisen haben, erledigen. Dazu kommen an diesem Tage das Entscheidungsspiel im Rugby zwischen Nord- und Süddeutschland, das erste Spiel der Vorschlußrunde im Fußball zwischen den Gaumannschaften von Südwest und Niederrhein und, ebenfalls in der Hauptkampsbahn, die F a u st b a l l - Entscheidungsspiele, Vorführungen der badischen Polizei und der Hochschule für Leibesübungen. Das Hockeyturnier bringt bereits vormittags auf dem Hockeyplatz zwei interessante Spiele. Auf den Schießplätzen Erlenstegen und Werderau nehmen die Wettkämpfe im Schießen ihren Anfang. Im Saalbau Kolosseum finden die Kunstkraftsport- Meisterschaften statt. Schießen, Fechten, Schwerathletik, Schwimmen, Kegeln sind auch im Programm des Donnerstags enthalten. Die Hauptkampfbahn im Stadion ist Schauplatz des zweiten Vorschlußrundenspiels im Fußball zwischen Bayern und dem Gau Nordmark, sodann steigt das Schlagball-Ent- Oben auf der Wasserkuppe, dem höchsten Berge der Rauhen Rhön, legen fleißige Hände noch letzte Hand an die große Flugzeughalle, deren Bau notwendig geworden war, nachdem bereits die Beteiligung an der 14. Rhön, der ersten, die nach der nationalsozialistischen Befreiung unseres Volkes durchgeführt wurde, gezeigt hatte, daß die Unterbringungsmöglichkeiten für die leichten Segler der Lüfte im Fliegerlager nicht mehr ausreichten. Und zur selben Zeit, da in dieser wahrhaften „Hochschule des Segelfluges" die letzten Vorbereitungen für den 15., den Jubiläums-Wettbewerb getroffen werden, beginnt in allen Teilen Deutschlands eine seltsame Pilgerfahrt unserer Fliegerjugend. Don Ost und West, von Süd und Rord, aus der allen deutschen Stadt Danzig und der so heiß umstrittenen Saar kommen die seltsamen, langgestreckten Wagen mit den zarten Gebilden aus Sperrholz und feiner Leinewand, kommen die abenteuerlichen alten Lastautos mit der Startmannschaft, rollen in den Bahnhof des kleinen Rhön-Städtchens Gersfeld die Waggons mit den Segelflugzeugen, den Leistungsmaschinen, den Sonderkonstruktionen, die unter Führung kundiger, jugendlicher Fäuste vierzehn Tage hindurch friedlich um die Palme des Sieges kämpfen werden. Schon im Deutschland-Flug vor wenigen Wochen, der unseren Motorstieger-Nachwuchs am Start sah, siegte die beste Gemeinschaftsleistung. Auch die 15. Rhön wird im Zeichen dieses Gemeinschaftsgeistes stehen. Zum ersten Wale sind es in diesem Jahre die Segelflugortsgruppen aller deutschen Gaue, die an Stelle der einzelnen Piloten die Weldungen abgaben. scheldungssplel, die Frauen zeigen ein Handball-Werbespiel. Mit Interesse wird man die Vorführungen der Marinesportschule Mürwiek' verfolgen. Auf dem Dutzend-Teich gibt es Spiele im Kanupolo, die Wettkämpfe im Jiu-Jitsu beginnen. Das Hockeyturnier wird mit zwei Spielen fortgesetzt. Der Freitag bringt dann den Beginn der leichtathletischen Wettkämpfe. In der haupt- kampfbahn werden die Leichtathleten bereits von 9 Uhr vormittags ab ihre Dorentscheidungen austragen. Die Frauen kämpfen auf dem Spielplatz 1. Auf der Zeppelin-Wiese beginnt das Reitturnier. Das übrige Programm wird durch die Wettkämpfe im Fechten, Schwerathletik, Kegeln und Schwimmen ausgefüllt, wobei wiederum bereits vielfach Entscheidungen fallen. Auch die Schützen setzen ihre Kämpfe fort. Im Hockey sind an diesem Tage sogar drei Spiele vorgesehen, von denen eines von zwei Damenmannschaften bestritten wird. Abends findet der Kongreß des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen statt. Am Samstag fallen in sämtlichen leichtathle- tischen Einzelkämpfen die Entscheidungen. Die Wettkämpfe im Kegeln, Fechten, Ringen, Gewichtheben, Jiu-Jitsu, Wasserball, Modernen Fünfkampf, Schießen werden beendet. Abends folgt die militärische Serenade mit Zapfenstreich in Gestalt einer Huldigung der Wehrmacht gegenüber dem Reichspräsidenten und dem Führer. Der Schlußtag bringt zunächst vormittags die Entscheidung im Kanupolo, nachmittags die leichtathletischen Staffelkämpfe, Motorradvorführungen, Dressurprüfung und Jagdspringen der Reiter, das Endspiel um den Kampfspiel-Fuhball-Pokal und schließlich die feierliche Siegerverkündigung und Preisverteilung. Und nun: Auf nach Nürnberg! Wenn am 29. Juli der Schlußakt der Kampfspiele in der großen Kampfbahn von Nürnberg vor sich geht, dann wollen wir alle die Gewißheit in uns tragen, daß die Spiele dem deutschen Sport und dem deutschen Volk gegeben haben, was wir hoffen. Denn das sollen die Kampfspiele 1934 nach dem Ausspruch des Reichssportführers sein: Sie sollen unserem Führer Adolf Hitler Zehntausende deutscher Menschen in Eintracht und Frieden beieinander zeigen, die körperlich gerüstet sind für den Daseinskampf, seelisch gestählt und vor allem einsatzbereit. Sie werben es auch sein, für die unsere Segelflieger die Preise erringen. 115 Segelflugzeuge waren gemeldet, aber im Hinblick auf die Sicherheit und eine geordnete Durchführung des Wettbewerbes konnte die Leitung nur 100 Maschinen zulassen. Wenn man bedenkt, daß außer den Flugzeugführern von jeder beteiligten Gruppe sechs Helfer auf die Wasserkuppe geschickt werden, daß Wettbewerbsleitung, technisches Hilfspersonal, Meßtrupp, Wetterdiensttrupp, technische Komission, Sportleitung und Hilfsmonteure ebenfalls im Fliegerlager anwesend sein wollen, daß sich also mehr als 1000 Mann einfinden werden, dann wird man die an sich bedauerliche Maßnahme der Zulassungsbeschränkung verständlich finden. Fünfzehn Jahre sind es nun her, daß mit dem ersten Rhön-Segel-Flugwettbewerb die deutsche Luftfahrt nach dem unseligen Ausgang des Weltkrieges und nach der Zerschlagung unserer Fliegerei wieder erwachte. Jener Männer zu gedenken, die sich da- aegen sträubten, daß die Schwingen des deutschen Aars gebunden bleiben sollten, die sich — nachdem man uns die Motorfliegerei verboten — das Luftmeer motorlos eroberten, ist unsere Pflicht. Viele starben den Fliegertvd, denen diese Entwicklung zu danken ist: N eh ring, Ferd. Schulz, Günter Groenhoff. Andere aber werden unter uns sein, wenn in feierlicher Stunde des Auftaktes jenes zähen und verbissenen Kampfes gedacht wird, der mit einem so bewundernswerten Siege beendet wurde. Oskar U r s i n u s, der „Rhönvater", Fritz S t a m e r , der langjährige Leiter der Segelfliegerschule auf der Wasserkuppe, Martens, der die ersten „Weltrekorde" holte, über die man heute zwar lächelt, die damals aber hart ertrotzt werden mußten, und Professor Walther G e o r g i i, der als Leiter der Rhön-Rossitten-Gesellschaft den wissenschaftlichen Unterbau für den Segelflug schuf und durch seine leidenschaftliche Hingabe der treueste Helfer der jungen Flieger geworden ist. Auch in diesem Jahre sind selbstverständlich nur sogenannte „Leistungsflugzeuge" zugelassen, deren Führer im Besitz des amtlichen deutschen Segelflugzeugführerscheins sein müssen. An Preisen steht eine Gesamtsumme von 55 000 Reichsmark zur Verfügung, die auf einen Fernsegelflugpreis, einen Höhen- flugpreis, einen Fernzielflugpreis, einen Dauerflugpreis und je einen Preis für die größte Gesamthöhe, die größte Streckensumme und größte Gesamtflugdauer verteilt werden soll. Am schwersten zu holen ist aber bestimmt der erstmalig zur Verteilung gelangende Zielflugpreis für Segelflugketten in höhe von 6000 Wk. Dieser wertvollste Preis fordert einen Gemeinschaftsflug einer kette von drei Segelflugzeugen von der Wasserkuppe zum heidelstein und wieder zurück. Start und Landung der drei Maschinen hat innerhalb eines Zeitraumes von höchstens zehn Winuten zu erfolgen. Der Preis wird zu gleichen Teilen unter die ersten drei Ketten verteilt, welche die Bedingungen der Ausschreibung erfüllt haben. Daneben stehen eine ganze Reihe von Sonder- und Ehrenpreisen zur Verfügung, dazu kommen die Tagesprämien für die Best- leistungen des Wettbewerb sages. Interessant ist, daß das Gros der Wettbewerbsteilnehmer Flugzeuge bewährter Standard-Bauart gemeldet hat. So starten 36 Flugzeuge vom Muster „Grunau-Baby II", 16 vorn Muster „Rhön-Bussard" sowie mehrere „Rhön-Adler" und „Condor". Besonderes Interesse werden auch diesmal wieder die schwanzlosen Modelle erregen. Es sind zwei Typen gemeldet, der von den Gebrüder Horten konstruierte „Hangwind" und die „Hamburg 70", die Dr. Unglaube gebaut hat. Das Forschungsinstitut für Segelflug hat einen „Fafnir II" geschaffen, der jetzt feine Feuerprobe bestehen soll. In technischer Beziehung wird es aber noch mehr wichtige Neuerungen geben. Ein Teil der Flugzeuge soll mit Kurzwellenempfängern ausgerüstet werden, um eine Verständigungsmöglichkeit zwischen den fliegenden Maschinen und der Sportleitung zu schaffen. Für die breiten Massen des Publikums werden die durch Lautsprecheranlagen weithin hörbar gemachten Kommandos und ihre Ausführung sicherlich von besonderer Anziehungskraft sein. Ueberhaupt rechnet der Deutsche Luftsport-Verband mit vielen Tausenden von Besuchern. Der Wetbewerb beginnt am Sonntag, 22. Juli, mit einer schlichten Feier, bei der Präsident L o e r z e r eine Ansprache halten wird. Am Abend des 4. August soll ein riesiges Feuerwerk abgebrannt werden. Nach einem Flug sämtlicher Wettbewerbsteilnehmer am 6. August um einen Sonderpreis findet die Jubilä- ums-Rhön mit der feierlichen Preisverteilung ihren Abschluß. Heini Dittmar gewinnt den Opel- Gegelflugpreis. Der bekannte Segelflieger Heini Dittmar, Inhaber des Anfang des Jahres in Südamerika mit 4675 Meter errungenen Welthöhenrekordes im Segelfliegen, vollbrachte vor einigen Tagen abermals ein interessante segelflugsportliche Leistung. Es gelang ihm, mit seinem selbst entworfenen und selbst gebauten Segelflugzeug „Condor" von Schweinfurt a. M. nach dem 130 km Luftlinie entfernten Rüsselsheim zu fliegen und dort auf der Opel-Rennbahn zu landen. Er hat mit dieser schwierigen sportlichen Leistung den von der früheren Röhn-Rossiten-Gesell- schaft, dem heutigen Deutschen Forschungsinstitut für Segelflug, ausgeschriebenen Opel-Segelflugpreis gewonnen. Aus dem Fliegerlager Hirzenhain. Der in diesen Tagen zu Ende gegangene Flugkursus brachte einen starken Erfolg. Die 40 teilnehmenden Flugschüler konnten im ganzen 39 A= und 3 8-Prüfungen ablegen. Die Zahl der Schulflüge betrug allein 600. Vorbereitungen werden jetzt schon im Fliegerdorf für den großen Segelflugwettbewerb getroffen, der im Herbst stattfinden soll. 8000 Teilnehmer an den Kampfspielen Obwohl sich die einzelnen Verbäilde unö auch die Kampfspielleitung darum bemühten, für die Deutschen Kampfspiele in Nürnberg eine nicht allzu hohe Meldeziffer zu erreichen, ist, wie nunmehr bekannt wird, trotzdem die Teilnehmerzahl auf über 8000 angestiegen. Der sportliche Erfolg der Nürnberger Kampfspiele dürfte damit schon so gut wie gesichert sein. 400 Segelflugzeuge starten... Pilgerfahrt zur Nohn. Ein neuer deutscherHochsprungrekord wurde von dem Kölner W e i n k ö tz aufgestellt, der beim internationalen Abendsportfest in Düsseldorf 1,975 m sprang. Amerikanische Nutzerer in Mainz. Die Achtermannschaft der amerikanischen Prince« town-Universität, die bei der Henley-Regatta in den Endlauf kam, befindet sich noch in Europa, um das europäische Regattawesen zu studieren. Aus diesem Anlaß werden die Amerikaner auch der deutschen Meisterschafts- und Kampfspielregatta am Wochenende in Mainz beiwohnen. Kunstturner Krötzsch kaltgestellt. Der bekannte Kunstturner und Turnfestsieger von Stuttgart, Kurt Krötzsch, wurde von der Deutschen Turnerschaft bis zum 31. März 1935 disqualifiziert. Als Grund für diese Kaltstellung von Krötzsch gibt die DT. „fortgesetztes unturnerisches Verhalten" an. Kurze Sportnotizen. Neun „Club "-Spieler vertreten zusammen mit dem Münchener Läufer Streb und dem Augsburger Rechtsaußen Lehner den Gau Bayetn am 26. Juli im Kampf um den Fußball-Kampfspiel- Pokal gegen Nordmark. Die Mannschaft tritt in Tuftldruts SelbfrlcfiutL1 WERDE MITGLIED IM , Reidis-MlidiutibunL .DIES IST NATIONALE .ra PFLICHT! folgender Aufstellung an: Köhl; Popp, Munkert;' Streb, Billmann, Oehm; Lehner, Eiberger, Friedel, Schmidt, Kund. Nur drei Fahrer bestreiten am Sonntag auf der Pariser Prinzenparkbahn den Endlauf um die französische Stehermeisterschaft über 100 Kilometer. Aus den zahlreichen Ausscheidungsläufen haben sich Weltmeister Pacquehay, Exweltmeister Paillard und der Nachwuchssteher G. Wambst die Teilnahmeberechtigung gesichert. 3.GELDLÖTTERIE 404170 GEWINNE,20PRÄMIEN LI 500000 So&peeülRAl ZIEHUNG :TI.-2Q.JULI 1Q34 üAwxM xiu / Lotterlevertrieb ZigaiTenhaUS E. Reilter (vorm.Bnchacker) Bismarckstraße 6 GIESSEN Neuen Bäue 11 Töllner bringt doi Richtige für ieden Oeidimadc. Unser Vorsdilag für Sonntag । Sahnepudding - Mlttwoaii TSIIners Zifrutta-Erfrisdiungscrem* Meine Herrschaften, das letzte war ein Sahne« pudding wie er sein muß, rund und voll und selbstbewußt — kurz, ein richtiger Töllner Puddingi Und was glaubt ihr wohl, was Ich jetzt zaubern werde? Achtung! OITIe SchmPttlfr besonders auch kränk- hdie^urürfoebhebene und wiche mit netten Beinen gesunden und entwiLeln fich überraschend schnell wenn Sie durch iedeS butter 1 Eßlöffel voll erbtes RASSOLk B^wngen Sie nur echtes Rallot m D^n^!l a^e.n und weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein Hersteller:EngelavotbekeGießen. Zu baden in allen Avotbeken. fl47A llllllllillllllllllltlllllllllllllllllllllllllliiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiu ■az.. - AM-? , ............... Illlllllllllll..............................Illtll.............................................. 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