Nr. W Erstes Blatt 184. Jahrgang Mittwoch, 20. Juni 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - DieScholle Monats-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11688 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Giehen. 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Diese Presse hat Töne angeschlagen, die vor allen Dingen in Paris und Moskau gefällige Ohren und willige Zustimmung gefunden haben. Das Problem der fremden Einflüsse in Polen ist keine neue Erscheinung, es ist eine Frage, die Marschall Pilsudski seit Beginn seines Unabhängigkeitskampfes unab- läßlich und zutiefst beschäftigt und oftmals mit Ekel und Widerwillen erfüllt hat. In einer seiner bedeutendsten Reden, die der Marschall auf dem großen Legionärkongreß in Kalisch am 7. August 1927 gehalten hat, beschäftigte er sich ausschließlich und grundsätzlich mit diesem Problem, das auch heute, und vielleicht gerade heute, wieder besonders aktuell zu sein scheint. Er sagte damals: „Ich habe ständige und dahingehende Bemühungen beobachtet, die bezahlten fremden Agenturen möchten nach Möglichkeit an der Spitze des Staates stehen .. . Sie gingen Schrit für Schritt neben mir her, als ich Staatsoberhaupt war, und suchten Mittel und Wege, in Polen einige Regierungen zu bilden — neben den Regierungen, die bei mir standen, also Regierungen von Agenturen, die hinter meinem Rucken stehen sollten Ich sah das Lächeln von Vertretern fremder Staaten, die bei mir akkreditiert waren, als fie mir in die Augen schauten und erklären konnten, meine Absichten können durch die polnischen Agenten völlig vernichtet werden. Ich wußte das und flüchtete mit meinen Absichten oftmals in ein weü- entlegenes Zimmer, um sie der fremden Grer nicht preiszugeben. Niemals war ich mir dessen sicher, daß der Befehl, den ich schreibe, nicht früher in den Büros aller fremden Staaten gelesen wird, als von meinen Untergebenen. Ich war niemals sicher, ob diese oder jene meiner politischen Absichten nicht sofort durch die Agenturen fremder Staaten mit einer solchen Kraft und Bestimmtheit kontrolliert werden wird, daß ich auf sie verzichten polens neuer Weg. Von unserem A.-Berichterstaiter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, Juni 1934. „Vom Wundermann hat man euch oft schon erzählt, nur hat die Bestätigung jedem gefehlt, die habt ihr nun köstlich in Händen". Mit diesem Goethewort schloß Prof Zielinski, der als Präses der Jntellektuellen-Union Reichspropagandaminister Dr. Goebbels zum Vortrag nach Warschau eingeladen hatte, seine kurze Ansprache, als er seinem Gast für dessen Vortrag im Bürger-Club der polnischen Hauptstadt seinen herzlichen Dank zum Ausdruck brachte. Hätte der greife Professor nicht schon vorher die Bestätigung, von der in dem Goethewort die Rede ist, gehabt, er hätte ie während des Vortrages von den Gesichtern der Zuhörerschaft, die die Elite der Warschauer Gesell chaft darstellte, ablesen können. Doch die Tatsache, daß der Vortrag sowohl durch feinen Inhalt als auch durch die vollendete Form einen so durchschlagenden und nachhaltigen Eindruck hervorgerufen hat, ist nicht allein und ausschließlich ein persönlicher Erfolg des Reichspropagandaministers. Es war nicht zuletzt auch ein großer sachlicher, ein politischer Erfolg. Ohne gewisse geistige und politische Voraussetzungen wäre, um dies gleich vorwegzunehmen, vielleicht nicht nur der Eindruck, sondern überhaupt der Vortrag selbst gar nicht zustande gekommen. Und dieser Umstand ist hierbei gerade das Entscheidende. Um diese in einem weiteren Blickfeld fast wunderbar erscheinende Angelegenheit, wie sich der Vortrag Dr. Goebbels in der polnischen Hauptstadt zweifellos darstellt, vollends zu erfassen und zu beurteilen, genügt nicht, sich allein nur auf die erfolgte deutsch-polnische Annäherung zu berufen. Ist der Vortrag Dr. Goebbels in gewissem Sinne eine Folge der deutsch-polnischen Verständigung, so ist diese Verständigung wiederum das (Ergebnis von Umständen und Ereignissen, die im Lichte der Ausführungen Dr. Goebbels' besonders deutliche und scharfe Umrisse erkennen lassen. Es ist vor allen Dingen eine Erscheinung, die in diesem Zusammenhang ein besonderes Interesse verdient und auch für die weitere Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen von wachsender Bedeutung sein dürfte. Zunächst ist es der Wendepunkt in der polnischen Außenpolitik. Im Augenblick, als durch den Sieg der nationalsozialistischen Revolution in Deutschland Polen vor die entscheidende Frage gestellt wurde, sich für ober gegen Deutschland — denn so war die Frage — zu entscheiden, ist dadurch gleichzeitig und letzten Endes auch das Problem eine^ Revision der gesamten bisherigen polnischen Außen- Politik aufgeworfen worden. In diesem für Polen entscheidenden Augenblick Marschall Pilsudski und seine Umgebung in kluger Voraussicht eine grundsätzliche Äendung der polnischen Außenpolitik herbeigeführt. Das Wesen dieser Wendung ist die Selbständigkeit und Unabhängigkeit in den r-------Volens, d. h. Unabaußenpolitischen Entschlüssen Po hängigkeit von den egoistischen W , , essen außerpolnischer Einflüsse und Faktoren. Dieser Entschluß, der aller Voraussicht nach endgültig gefaßt wurde, war nicht nur mit Rücksicht auf die außenpolitische Lage und die Bindungen Polens bedeutsam und weittragend, sondern nicht zuletzt auch im Hinblick auf das besonders geartete Spiel lnnerpolitischer Kräfte des Landes schwierig, Frankreich und die Kleine Entente. Man soll die politischen Unterhaltungen der drei Außenminister der Kleinen Entente, die augenblicklich in der rumänischen Hauptstadt mit besonderem Eifer gepflogen werden, nicht ernster nehmen, als sie es verdienen. Auch die Fahrt des reiselustigen Herrn Barth ou zu seinen östlichen Verbündeten stellt keineswegs eine Sensation dar, sie war seit langem geplant und gehört durchaus in den Rahmen der Pariser diplomatischen Ge- bräuch. Zwar weiß die ungarische Presse — wie immer — von phantastischen Plänen, von sensationellen Paktprojekten, von einem europäischen Superbündnisblock zu erzählen, für den Frankreich angeblich nicht nur die Kleine Entente und den Kreis seiner übrigen Anhänger, sondern auch Deutschland, Italien und Polen gewinnen will. Daß das arme Hirn einiger Politiker solche oder ähnliche Phantasieblüten hervorbringt, mag ja sein, aber Früchte wird unser geplagter Kontinent davon nicht ernten können. Bei den Besprechungen in Bukarest wird nach unseren bisherigen Erfahrungen keines der dringenden Probleme endgültig gelöst werden, und Europa wird nach Abschluß dieser Konferenz einer friedlicheren Zukunft keineswegs näher sein. Wenn wir trotzdem aus diesem Anlaß einen kurzen Blick nach Südosteuropa werfen, so nur, um an einem Beispiel zu zeigen, welche Verwirrung des Denkens eine solche Konferenz an- stiften kann. Wir wissen noch von dem bekannten Verleumdungsfeldzug gegen Deutschland im Sommer 1933 her, daß die französische Zeitung „P e - tit Parisien" mit der Wahrheit gern auf Kriegsfuß steht und daß ihre Redakteure bei der Wiedergabe von Nachrichten kleine gelegentliche Fälschungen nicht scheuen. Es könnte deshalb bezweifelt werden, ob es stimmt, was der Sonderberichterstatter des Blattes aus dem Munde des rumänischen Ministerpräsidenten Tatarescu gehört haben will und was er mit sichtlicher Befriedigung niedergefchrieben hat, daß nämlich „Frankreichs Grenze am Dnjestr lieg t." Da aber ein Dementi von keiner Seite erfolgt ist, wird es mit diesem seltsamen Ausspruch wohl seine Richtigkeit haben. Politiker mit Sammlerinstinkten haben das Wort gleich in die Mappe mit der Aufschrift „Diplomatische Stilblüten" gelegt, andere glaubten einen guten Witz gehört zu haben und wieder andere bedeckten ihre Stirn mit ernsten Sorgenfalten. Sie haben alle ein wenig recht. Der Dnjestr entspringt bekanntlich in den Karpathen, fließt erst durch polnisches Gebiet, bildet dann die Grenze zwischen Rumänien und der Räteunion und mündet schließlich im Schwarzen Meer. Wir wissen nicht, ob das rumänische Volk in seiner Gesamtheit damit einverstanden ist, daß sein Ministerpräsident so sehr den kolonialen Charakter seines Landes betont. Kein Volk will schließlich gern als Vasallenstaat gelten, selbst wenn die Tatsachen dagegen sprechen. Das Groteske des oben wiedergegebenen Satzes aber wird noch augenfälliger, wenn man die Ansicht des rumänischen Ministerpräsidenten zum allgemeinen Prinzip europäischer Politik machen würde. Was würden die Franzosen dazu sagen, wenn die Polen in Gedanken und Worten ihre Grenze auf die Pyrenäen verlegen würden oder wenn die Deutschen behaupten würden, ihre Grenze zöge sich längs der nordafrikanischen Küste hin? Wenn aus solchen Phantasien jene „wirklich europäische Ein - h e it der Ansichten", die eine große Mailänder Zeitung im Hinblick auf das Treffen von Venedig jetzt fordert und um die sich ja auch Frankreich auf seine Weise bemüht hat, hergestellt werden soll, dann allerdings sähe es traurig um die Zukunft (Europas aus. Aber, wie gesagt, man soll die Konferenz in Bukarest nicht ernster nehmen als sie ist. Hier zeigen sich die „Grenzen" französischer Politik. Rumänien braucht eine starke Regierung. König Carol neigt zu einem autoritären Kurs. Paris, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) Arn Vorabend des Besuches des französischen Außenministers in Bukarest veröffentlicht der „Petit Parisien" eine Unterredung seines Sonderberichterstatters mit König Carol, der anläßlich dieses Besuches eine Botschaft an das französische Volk gerichtet hat, die die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern nachdrücklich unterstreicht. Im Verlaufe der Unterredung wies König Carol die Gerüchte zurück, daß er abzudanken beabsichtige. lieber die Schwierigkeiten, mit denen Rumänien zu kämpfen habe, erklärte der König, daß iroerten, ge Ru- Pläne auf lange Sicht nicht mehr angebracht feien; man müsse vielmehr bie Schwierigkeiten bekämpfen, w o fie auftauchten. Auf eine Frage bes Berichterstatters, ob es ber Wahrheit entspreche, baß er die Diktatur einzusühren beabsichtige, antwortete der König ausweichend. In allen Ländern mache sich heute das Bedürfnis nach einer starken Regierungsgewalt geltend. Rumänien müsse das parlamentarische Regime beibehalten; aber die nichtssagenden und seeren P a la v e r, die ein Volk demoralisieren und bie Hanblungen ber politischen Führer ersch seien nicht am Platze. Die politische La^ mäniens sei stabilisiert. Er habe Tatarescu zum Ministerpräsibenten bestimmt, weil er ihn für ben Fähigsten halte, unter ben gegenwärtigen Umständen zu regieren. Ministerpräsident Tatarescu erklärte einem Vertreter bes „Petit Journal" u. a., daß die rumänische Außenpolitik die unlösbare Verbundenheit mit Frankreich in sich schließe. Auch Tatarescu wandte sich gegen die Gerüchte von einer Diktatur. Frankreich, so betonte er, leide allerdings an zu weitgehendem Parlamentarismus, während Rumänien vielleicht unter einem zu starken „Oouoernementalismus" leide, wenn man sich so ausdrücken könne. Barthous Besuch in Wien. Einstündige Unterhaltung mit Oollfuß.-Oie alten Versicherungen aufgewärmt. Wien, 19. Juni (DNB.) Der französische Außenminister Barthou ist auf der Durchreise nach Bukarest und Belgrad am Dienstagabend mit dem Arlbergexpreß auf dem Wiener Westbahnhof ein- getroffen. Die von langer Hand vorbereitete Unterredung zwischen Barthou und Dollfuß fand unmittelbar nach dem (Eintreffen des französischen Außenministers in dessen Salonwagen statt. Die Unterredung dauerte ungefähr eine Stunde. Im Anschluß an die Unterredung empfing ber französische Außenminister ben französischen und r umä nischen Gesandten. Es besteht in diplomatischen Kreisen der Eindruck, daß die österreichische Regierung die Tatsache der Unterredung zwischen Barthou und Dollfuß mit allen Mitteln vor der Öffentlichkeit geheimzuhalten suchte. In einem amtlichen österreichischen Bericht über die Zusammenkunft zwischen Barthou und Dollfuß heißt es: In der Aussprache, die während dieser kurzen Zeitspanne zwischen dem französischen Außenminister Barthou und Bundeskanzler Dr. Dollfuß ftattfanö, hat Minister Barthou die Gelegenheit ergriffen, um Bundeskanzler Dr. Dollfuß gegenüber die Versicherung zu wiederholen, daß die französische Regierung im Einklang mit der Erklärung der drei Großmächte vom Februar lausenden Jahres die Zusammenarbeit mit der bri- tischen und italienischen Regierung fortführen werde, um nicht nur die Unabhängigkeit Oesterreichs zu gewährleisten, sondern auch im Rahmen ber Empfehlungen ber Konferenz von Stresa bie wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung Oesterreichs zu fördern. Trotz der Kürze der Unterredung, konnten Minister Barthou und Bundeskanzler Dr. Dollfuß auch die beide Länder interessierenden Fragen erörtern. „Jedes Mittel ist recht!" Anweisungen für die österreichischen Drtswehren. Wien, 19. Juni. (DNB.) Die Landesführung I des Heimatschutzverbandes Nieder-Oesterreich hat für die O r t s w e h r e n einen Befehl erlassen, in | dem es u. a. heißt, es sei nicht die Aufgabe des Ortsschutzes, mit Glacehandschuhen die Nationalsozialisten anzusassen, sondern bei der allergeringsten drohenden Gefahr einer staatsfeindlichen Tätigkeit rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen. Die Ortswehren haben ferner jeden Kundschafterdienst zu machen. Besonders sind jene staatlichen Exekutivorgane, welche bekannt sind, daß sie ihren Dienst mit allzuvieler Rücksichtnahme versehen, auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen. Beobachtet besonders bekannte Nazis in öffentlichen Stellungen und entfernt da und dort rücksichtslos einmal einen aus einem Amt. Es darf nicht mehr vorkommen, daß offenkundige Staatsfeinde von dem Staat, den sie bekämpfen, Geld- und Gehaltsempfänger sind. Die Verhinderung der Tätigkeit bes lurnerbunbes von 1919 ist erforberlid), weil biefer ein ausgesprochen nationalsozialistischer Turnerbund ist, der heute unter dem Deckmantel turnerischer Tätigkeit die Nazizentrale in allen Orten barstellt. Der Kampf muß in 14 Tagen beenbet sein, bamit der einsetzende Fremdenverkehr, welcher der Gesamtbevölkerung Brot bringt, nicht behindert wird. Jedes Mittel ist recht! politisch „Verdächtige^ werden in Oesterreich nicht zum Hochschulstudium zugelaffen. Wien, 19.Juni. (DNB.) Wie verlautet, beabsichtigt das Unterrichtsministerium eine durch, greifende Umbildung des gefamtenHoch- fchulwefens in Oesterreich durchzuführen. Di- Neuregelung soll schon zum nächsten Seme st e r in Kraft treten. Es wird angenommen, baß der Unterrichtsminister Dr. Schuschnigg in Zukunft die Berechtigung zum Studium an die Zugehörigkeit zur Vaterländischen Front ober ben Nachweis vaterländischer Gesinnung knüpfen will. Sämtlichen Studierenden, die im Verdacht stehen, der Regierung ablehnend gegenüberzustehen, sollen Schwierigkeiten in der Durchführung des Studiums bereitet werden. Das Problem -er Philippinen auf -er Kloiienkonferenz. Wird England eine Garantie für die Neutralität der Inselgruppe ablehnen? London, 20. Juni (DNB.-Funkspruch). „Daily Telegraph" schreibt: Bei den vorbereitenden Besprechungen zur nächsten Flottenkonferenz sollen die Vereinigten Staaten bei der britischen und japanischen Regierung über den Plan einer Neutralisierung der Philippinen sondieren wollen. Gegenwärtig ist die amerikanische Regierung durch ihr Wort verpflichtet, den Philippinen die Selbständigkeit zu gewähren. Aber die Philippinen sind besorgt wegen ihrer künftigen Rechtsstellung. Man befürchtet, daß bie völlige Räumung der Philippinen durch die Vereinigten Staaten die Annektion der Inselgruppe durch Japan geradezu herausfordern würde. Die einzige andere Möglichkeit wäre die Neutralisierung durch einen internationalen Vertrag. Die amerikanische Regierung scheint an einen Dreimächtevertrag zu denken, der zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan ab- Zuschließen wäre. Eine solche Vereinbarung würde aber nur gerinnen praktischen Wert haben, wenn nicht Die Signatarmächte sich verpflichteten, einer Verletzung der Neutralität der Philippinen im Notfälle mit Gewalt entgegen z u t r e t e n. Mit anderen Worten: Großbritannien soll die Verpflichtung übernehmen» Krieg zur Verteidigung dieses fremden Gebietes zu führen. Es ist unbentbar, daß Lonbon sich an einer solchen Vereinbarung beteiligen würbe. Das einzige, worauf die Vereinigten Staaten hoffen könnte», wäre ein Gentleman-Agreement entweder mit Japan allein ober mit Japan unb Großbritannien, bas bie Unabhängigkeit der Inseln für ewige Zeiten gewährleiste. werde müssen ... Polen erwarten möglicherweise schwere Entscheidungen. Während der Krisen hütet euch vor ben Agenturen, gehet euren Weg unb bient nur Polen, liebt nur Polen unb hasset diejenigen, die den Fremden dienen" ... Wenn ein Staat unb eine Regierung sich vor schweren Aufgaben gestellt sehen unb weittragende Entscheidungen treffen, dann melden sich gewöhnlich auch solche Kräfte und Geister, die stets verneinen, und die Marschall Pilsudski so trefflich in miUtäri- scher Weise als fremde Agenturen bezeichnet hat. Polen steht mitten in einer solchen Situation. Der Besuch von Dr. Goebbels hat dies mit ungemeiner Klarheit gezeigt. Und es ist darüber kein Augenblick zu zweifeln, daß ber Neichspropaganbaminister bes nationalsozialistischen Deutschlanbs allein schon sich durch sein Erscheinen und mehr noch durch seinen Vortrag in der polnischen Hauptstadt als natürlicher Bundesgenosse dieser heute hierzulande maßgeblichen Kreise, die gewillt sind, trotz schwerer Kämpfe und Hindernisse Polen auf dem neueingeschlagenen Wege einer besseren Zukunft entgegenzuführen, erwiesen hat. Daß dieser Weg nur an der Seite bes neuen Deutschlanbs führen kann und baß man sich besten hier bewußt geworben zu fein scheint, hat der (Empfang, ben Dr. Goebbels im offiziellen Warschau erfahren unb das Echo, welches feine Rebe gefunden hat, recht deutlich bewiesen. Professor Zielinski spricht in Berlin. Berlin, 20. Juni. (DNB.) Auf Deranlasfung ber Deutschen Gesellschaft zum Stu- bium Osteuropas hielt ber Warschauer Universitätsprofessor Dr. Zi e l i n s k i, Präsibent ber polnischen Jntellektuellen-Union, auf deren Einladung hin Reichsminister Dr. Goebbels in Warschau gesprochen hat, in der Universität Berlin einen Vortrag, zu dem sich viele hundert Vertreter des geistigen und politischen Lebens ein- gefunden hatten. Reichsminister Dr. Goebbels, der leider am Erscheinen verhindert war, ließ sich durch Ministerialrat Hanke vertreten. Der polnische Gesandte in Berlin war in Begleitung fast sämtlicher Mitglieder ber polnischen Gesanbtschast erschienen. Unter ben Gästen sah man u. a. bie Rektoren ber Berliner Hochschulen. Der Präsibent ber Deutschen Gesellschaft zuyr Stubium Osteuropas, Reichsminister a. D. Dr. Curtius, begrüßte Professor Zielinski als einen Gelehrten von europäischem Rang unb gelegenen Kenner bes beutschen Geisteslebens. Professor Zie, linski sei einer berjenigen Persönlichkeiten, die sich in den Dien st der deutsch-polnischen Verständigung gestellt hätten. Professor Zielinski, der auch korrespondierendes Mitglied der Göttinger Gesellschaft ber Wissenschaften und der bayerischen Akademie der Wissenschaften ist und im Goethejahr durch den Reichspräsidenten mit ber Goethe-Medaille ausgezeichnet wurde, wurde mit lang anhaltendem Beifall begrüßt. Er sprach über das Thema „Der polnische Bauer in der Geistesgeschichte und Dichtung Polens". Er löste in glänzender Weise seine Aufgabe, den polnischen Bauer im Spiegel der Dichtung zu zeigen. Lebhafter, langanhaltender Beifall zollte dem Vortragenden Dank. Im Anschluß an den Dortrag fand in den Räumen der Deutschen Gesellschaft 1914 ein Empfang statt. Professor Zielinski wird am Mittwoch vormittag durch Reichsminister Dr. Goebbels empfangen. Venedig eine Garantie des Friedens. Suvich unterrichtet den französischen Botschafter. Paris, 20. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der französische Botschafter in Rom, G r a f d e Eham- b r u n, hatte am Dienstag eine längere Unterredung mit dem italienischen Staatssekretär S u v i ch. Wie der römische Berichterstatter des „Matin" dazu mitteilt, unterrichtete Suvich den Botschafter über die Bedeutung der Zusammenkunft zwischen Mussolini und dem Führer und erklärte, daß weder auf der einen, noch auf der an de r e n Seite positive Verpflichtungen übernommen worden seien. Der italienische Unterstaatssekretär wies darauf hin, daß sich die Unterredung in der Hauptsache auf die Unabhängigkeit Oesterreichs, die Abrüstungsfrage und den Völkerbund bezogen habe. Er erklärte ferner, daß die deutsch-italienische Zusammenarbeit als eine G a - rantie für den Frieden angesehen werden müsse, um so mehr, als Italien als einzige Nation der ehemaligen Alliierten engen Kontakt zum Reiche behalten habe und damit die Möglichkeit der allgemeinen europäischen Zusammenarbeit fördere. Der Berichterstatter glaubt zu wissen, daß Mussolini die Absicht habe, sich demnächst auch mit Dollfuß zu treffen. Diese Zusammenkunft werde wahrscheinlich in Riccione stattfinden. Proteste gegen das Tt ansfermoratorium. Washington, 19. Juni. (DNB.) Der amerikanische Botschafter in Berlin ist angewiesen, bei der Reichsregierung gegen die deutschen Maßnahmen in der Frage der Auslandschulden Protest einzulegen. Die amerikanische Regierung müsse alle Maßnahmen ablehnen, durch die amerikanische Gläubiger schlechter gestellt würden als die anderer Länder. Die BIZ. erhebt ebenfalls als Fiskal-Agent der Treuhänder der deutschen äußeren Anleihe von 1924 Protest gegen die beabsichtigte öffentliche Verletzung der an erster Stelle stehenden Verbindlichkeiten, die das Reich in der allgemeinen Schuldverschreibung und den auf die Anleihe bezüglichen Schriftstücken übernommen und in internationalen Verträgen wiederholt bestimmt hat. Sie ersucht die Reichsregierung dringend, ihre Entscheidung zu überprüfen, insbesondere im Hinblick auf die besonderen Vorrechte, mit denen diese Anleihe ausgestattet ist, sowie im Hinblick auf die auf Grund der erststelligen Sicherungen durch fünf Hguptein- nahmen des Deutschen Reiches gewährten Nebensicherungen. Keine Gebietsabtretung an Zahlungsstatt. London, 18.Juni. (DNB.) Ein konservativer Abgeordneter wies im Unterhaus auf die in der neuerlichen amerikanischen Kriegsschuldennote enthaltenen Anregung einer Schuldenzahlung in Waren hin und fragte in diesem Zusammenhang, ob die englische Regierung die Abtretung der Bermudas oder anderer an die Vereinigten Staaten angrenzender Jnselgebiete er- wäge. Ministerpräsident Macdonald erinnerte an seine am 6. März abgegebene Erklärung, „daß ein derartiger Schritt unter keinen Umstän- d e n in Frage kommt". Starker Beifall dankte dem Ministerpräsidenten für seine Mitteilung. daß der unentbehrliche Nachwuchs der Facharbeiter gesichert ist, und daß jnsbe- besondere keine guten, jüngeren Kräfte durch ungeeignete andere Kräfte ersetzt werden. Hieraus ergibt sich, daß es sich bei oer Auswechslung im allgemeinen um ungelernte Arbeitskräfte handeln wird. Schon in den letzten Jahren ist mit besonderem Nachdruck der Weg beschritten worden, Lehrlinge über die eigentliche Lehrzeit dem Betrieb zu erhalten und sie in ihrem beruflichen Fortkommen weiter zu fördern, und die Heranziehung eines für die deutsche Wirtschaft unentbehrlichen Facharbeiternachwuchses nach Kräften zu fördern. So richtig es ist, jede schädliche Lehrlingszüchterei zu unterbinden, so muß anderseits vermieden werden, daß Lehrlinge nach Abschluß ihrer Lehrzeit zum Verlassen des Betriebes veranlaßt werden. Selbstverständlich soll der Austausch Jugendlicher durch ältere Arbeiter und Angestellte nicht nur zu einer Verschiebung der Arbeitslosigkeit führen, vielmehr soll die Herausnahme der sich freiwillig meldenden Jugendlichen Zug um Zug mit ihrer s o - fertigen Unterbringung in andere Ar- b e i t erfolgen. Hierfür kommen insbesondere landwirtschaftliche Beschäftigung, Landhilfe und der Arbeitsdienst, für Mädchen daneben noch h a u s w i r t s ch a f t l i ch e Tätigkeiten in Frage. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat die ihm unterstellten Arbeitsämter angewiesen, die Industrie bei diesen Aufgaben zu unterstützen, insbesondere auf Anfragen die erforderliche Auskunft darüber weitestgehend zu erteilen, ob die andweitige Unterbringung der ausscheidenden jüngeren Mrbeiter alsbald möglich ist, und den Betrieben geeignete ältere, verheiratete und kinderreiche Arbeitslose zur Einstellung namhaft zu machen. Es wird daher auch seitens der Führer der Betriebe bei Durchführung dieser Maßnahmen enge Verbindung mit den Arbeitsämtern zu halten sein. IunstMe Schulungswoche im Gemeinschafislaaer Merbog. Jüterbog, 19. Juni. (DNB.) Für etwa 50 ausbildende Richter und Staatsanwälte findet im Gemeinschaftslager Jüterbog in der Zeit vom 19. bis 28. Juni eine Schulungswoche statt, während der in gemeinschaftlicher Arbeit und bei kameradschaftlichem Beisammensein die geistigen Grundlagen für die Ausbildung des juristischen Nachwuchses besprochen werden. Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r hat den ersten Spatenstich zum Neubau des Führerhauses des Gemeinschaftslagers „Hans Kerrl" getan. Der Reichsjustizminister er- klärte dabei: „Wieviel Kraft und Geist, Wille und Arbeit wir auch darauf verwenden mögen, das deutsche Recht in allen seinen Gebieten neu zu gestalten, das Wichtigste wird in Zukunft, wie immer, der Mensch sein, in dessen Händen das Recht leben- d i g wird. Wir wollen uns in aller Bescheidenheit bewußt bleiben, daß die Kunst des Richters erst jenseits des juristischen Wissens liegt. Wissen und Können allein macht nicht den Richter aus. Das Richteramt erfordert Männer mit unbeugsamem Willen und festem Charakter. Der Richter der Zukunft müsse volkstümlich und volksnahe fein. Die Zusammenschau der Dinge, die Erkenntnis, wie eins dem anderen zu dienen habe, das sei seelische Grundhaltung des Nationalsozialismus. Staatssekretär Dr. Freister besprach dann die völlige Umgestaltung des Rechtsstudiums auf den Universitäten und betonte, daß vor allem das Bildungsfundament nicht verloren gehen dürfe und der geistige Horizont gepflegt und erweitert werden müsse. Das Zielbild, das der werdende Jurist vor sich haben müsse, sei die Zusammenballung des Willens. Er muß Glied des Volkes werden, in dem er lebt; denn er 1jat eine treuhänderische Stellung gegenüber jenen, die das Vergangene geschaffen, und denen gegenüber, die auf seiner Treue aufbauen werden. Aufruf zum Deutschen Lugendfest. DNB. Berlin, 18. Juni. Die Fahnen der Jugend werden am 23. Juni über Deutschland wehen. Der Reicksjugendführer und der Reichssportführer haben zum „Deutschen Jugendfest" aufgerufen und in gemeinsamer Arbeit die Vorbereitungen getroffen. In allen Teilen des Reiches werden an diesem Tage sportliche Wettkämpfe durchgeführt, an denen Hunderttausende deutscher Jungen und Mädel sich beteiligen werden. Die Durchführung liegt in den Händen der Untergliederung der deutschen Turn- und Sportbewegung und der Hitlerjugend sowie der Schulen und kommunalen Behörden. Diese bis in jedes Dorf hinabgehende Organisation wird die deutsche Jugend erfassen und den Sieaern der sportlichen Kämpfe Urkunden des Reichspräsidenten von Hindenburg ober des Reichsjugendführers und Reichssportführers zustellen lassen. Die sportliche Betätigung wird zweifellos eine große sein. Diese und die Sonnwendfeiern am Abend des 23. Juni werden auf jeden deutschen Jungen und jedes deutsche Mädel einen gewaltigen Eindruck machen. Die Liebe zu Volk und Vaterland soll in allen erneut geweckt werden; die Verbundenheit zum Heimatboden wird am lodernden Feuer ihren Ausdruck finden. Der 23. Juni gehört der Jugend. Gewaltige Aufgaben wird sie dereinst zu bewältigen haben. Sportliche Wettkämpfe dienen der körperlichen Ertüchtigung und erhebende Sonnwendfeiern der (Erbauung. So möge die Jugend gerüstet werden zum Lebenskampf. Alle aber, die mit der Jugend fühlen und denken, die mit an die Zukunft unseres Volkes glauben, müssen zu dem Erfolg des „Deutschen Jugendfestes" ihr Teil beitragen. Wer wollte abseits stehen! Wer wollte am 23. Juni nicht zu der deutschen Jugend stehen! — Darum kauft das Abzeichen des „Deutschen Jugendfestes", das schon Es geht nicht ohne Deutschland. Lehren des Internationalen Agrarkongreges in Budapest. Von unserem (5r.-Sonderberichterstaiier. Steigende Umsätze des Einzelhandels. Die Entwicklung des Absatzes beim letzten Glied an der Kette des Warenumlaufs, beim Einzelhandel, war in der letzten Zeit schlecht zu übersehen, weil der frühere Oftertermin einen Vergleich mit dem Vorjahr erschwerte. Die jetzt vorliegenden Aprilziffern zeigen nun erfreulicherweise mit überzeugender Klarheit, daß der Absatz im Einzelhandel ständig weiter zunimmt. Nach den Berechnungen der Forschungsstelle für den Handel waren die Gesamtumsätze des Einzelhandels in den beiden Monaten März und April um 11 Prozent höher als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Da die Umsätze im Februar 1934 die des Februar 1933 nur um 10 Prozent überstiegen hatten, ist erwiesen, daß das Tempo des Wirtschaftsausstiegs im Einzelhandel weiter zunimmt. Von den einzelnen Branchen kann insbesondere der Bekleidungsfachhandel über gute Verkaufsergebnisse berichten. So lag z. B. der Umsatz mit Kleiderstoffen um 30 Prozent höher als in den entsprechenden Vorjahrsmonaten. Auch das Geschäft in Wäsche u n d H e r r e n k o n f e k t i o n hat sich günstig entwickelt. Dagegen scheint im Schuh- einzelhandel die Umsatzsteigerung diesmal geringer gewesen zu sein. — Im Textileinzelhandel hat sich neben der besseren Mengenkonjunktur vor allem die wachsende Neigung der Verbraucher, bessere Qualitäten zu bevorzugen, umsatzsteigernd ausgewirkt. Bemerkenswerte Umsatzerhöhungen sind ferner im Handel mit Glas- und Porzellanwaren sowie in dem mit Eisen- waren festgestellt worden. In den Lebensrnittel - Fachgeschäften lagen die Umsätze um 7 Prozent über den vorjährigen, während die Januar- und Februarumsätze die der entsprechenden Vorjahre nur um 5 Prozent überstiegen hatten. Allerdings muß hier berücksichtigt werden, daß auch die Preise der Lebensmittel, wenn man den Ernährungsinder des Statistischen Reichsamts zu- arunbe legt, feit dem Vorjahr um 7 Prozent gestiegen sind. Bemerkenswert ist ferner, daß die Umsätze der Warenhäuser, Kaufhäuser und Einheitspreisgeschäfte auch in den Monaten März und April dieses Jahres wieder niedriger waren als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Umsätze der Lebensmittelabteilungen der Warenhäuser sind sogar um 14 Prozent zurückgegangen. Die Ver- I Lagerung dieser Umsätze von den Großunternehmungen zu dem mittelständischen Facheinzelhandel > dauert also offenbar weiter an. Der vorläufige Ausbau des deutschen Handwerks Der Internationale Agrarkongreß in Budapest brachte als Begleiterscheinung die erfreuliche Tatsache, daß man Gelegenheit bekam, mit ungarischen Wirtschaftspolitikern über die Sage ihres Landes zu sprechen. Für einen Deut- chen ist das insofern von besonderem Interesse, als durch das Dreierabkommen von Rom Ungarn sich ja weitgehend an die italienische Wirtschaft angelehnt hat. Allerdings hat man in Ungarn davon von vornherein wohl nicht allzu viel erhofft, denn beinahe gleichzeitig mit den Rom- oerträgen hat Budapest ja ein Handelsabkommen mit Deutschland getroffen. Das war wohl schon als eine Art Rückversicherung gedacht. Und wenn man heute nach den Auswirkungen der römischen Verträge fragt, so begegnet man in Ungarn einem zweifelnden Achselzucken. Man erwartet eben nicht viel davon und die ersten Wochen haben auch bereits gezeigt, daß vor allem die Weizenlieferungen nach Italien gar nicht recht in Schwung kommen wollen, daß sich überall Schwierigkeiten ergeben, Stockungen entstehen, kurz, daß bisher die Hilfe für die ungarische Landwirt- chaft ausgeblieben ist, denn Ungarn lag ja n der Hauptsache daran, für feinen Getreideüber- chuß neue Märkte zu erschließen. • Ein führender ungarischer Agrarpolitiker war ogar so offen, daß er das bisherige Ergebnis und die bisherigen Auswirkungen der Rom-Verträge als äußerst gering bezeichnete, daß er im Gegen- atz hierzu auch offen bekannte, daß man in Ungarn jetzt anfinge zu merken, daß der deutsch- ungarische Vertrag sich gerade für Ungarn außerordentlich gut auswirke. Besonders die Viehzucht in Transdanubien hat schon wesentliche Erleichterungen aus dem Vertrag mit Deutschland erfahren. E s geht nicht ohne Deutschland. Diese Ansicht setzt sich im Donauraum wohl immer mehr durch, es ist eine Utopie, Großwirt- chaftsräume schaffen zu wollen aus Wirt- chaftseinheiten, die sich gegenseitig nichts zu geben haben. Großwirtschaftsräume haben nur dann Sinn und Zweck, wenn sie so aufgebaut werden, daß die einzelnen Nationalwirtschaften untereinander auch wirklich zu einem Ausgleich kommen. Zwischen Ungarn und Deutschland nun besteht diese Möglichkeit des Ausgleiches, und das haben die Ungarn jetzt erkannt, und das erschließt auch weitere Möglichkeiten für die Zukunft. Es geht nicht ohne Deutschland. Das ailt ober nicht nur für das rein wirtschaftliche Gebiet, das gilt ebenso für rein kulturelle, ja sogar weltanschauliche Belange. Für uns Deutsche war es überraschend, daß ein so alter, bekannter und anerkannter Agrarpolitiker wie der Schweizer Professor L a u r sich beinahe wörtlich zu der deutschen These von Blut und Boden bekannt hat. Das, was er in seinem großen Referat vor dem Internationalen Agrarkongreß ausgeführt hat, das hätte ebenso gut ein Vertreter des deutschen Reichsnähr- tandes sagen können. Wir können gerade hier voll Freude und Zufriedenheit feststellen, daß die neue Einstellung zum Bauern und zum Boden im Auslande eine außerordentliche Wirkung erzielt hat. Etwas, was aus germanischem Empfinden herausgewachsen ist, der Erbhof, findet besonders in Ungarn nicht nur Beachtung, sondern hat die höchsten ungarischen Stellen bereits zu Ueberlegungen angeregt, ob etwas Aehnliches nicht auch für Ungarn angebracht wäre. Auch hier berherrfchen nämlich dieselben Probleme die politische Debatte. Innerhalb des Magyaren- tums stellt man mit Erschrecken einen außerordentlichen Geburtenrückgang fest und führt diesen Geburtenrückgang gerade innerhalb des Bauerntums auf das Bestreben des einzelnen Bauern zurück, seinen Hof nicht zu zersplittern und unter mehrere Erben aufteilen zu müssen. Für Ungarn hat das insofern besonders Gewicht, als dieser Staat ja st a r f e M i n d e r h e i t e n innerhalb seiner Grenzen beherbergt und man nun befürchtet, daß das reine Magyarentum durch diese andern Volksstämme zurückgedrängt werden könne. Ob für Ungarn die Schaffung von Erbhöfen die Ideallösung darstellen würde, bleibe dahingestellt. Es scheint jedenfalls so, als wären es nicht allein wirtschaftliche Momente die zu diesem Geburtenrückgang Anlaß geben. Immerhin steht fest, daß sich Ungarn weitgehend für die Erbhoffrage interessiert und daß Neubil- düng von Bauerntum als dringende Notwendigkeit anerkannt wird. Hier ist man über Debatten und Erwägungen schon hinausgekommen und die ungarische Regierung hat es als einen ihrer Programmpunkte bezeichnet, die Siedlung mit allen Mitteln fördern zu wollen. Also auch auf die- fern Gebiet das, was Deutschland für sich als richtig erkannt hat und mit äußerster Beschleunigung und Energie betreibt. Es geht nicht ohne Deutschland. Wirtschaftlich und kulturell kann man uns trotz aller Bemühungen unsere Aufgaben nicht beschneiden, die uns im europäischen Raum gestellt sind. Diese Erkenntnis wird durch einen Besuch Ungarns unterstrichen. Etwas anderes geht aber sehr gut, das ist die enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Ungarn, wie sie ja von Deutschland auch seit langem angeftrebt wird und wofür man, je mehr Zeit verstreicht, um so stärker in Ungarn auch auf Gegenliebe stößt. Dabei darf man allerdings nicht verkennen, daß es ein Moment gibt, das dieser Verständigung zwischen den Herden Staaten entgegensteht, und das ist die Art, wie Ungarn seine Minderheiten behandelt, zu denen ja auch Deutsche gehören, die vor Jahrhunderten von den Habsburgern nach Ungarn gerufen wurden, um dieses Land besiedeln zu helfen. Die ungarische Minderheitenpolitik müßte einer erheblichen Revision unterzogen werden, wenn ein Zusammenarbeiten Deutschland-Ungarn von Wert und Dauer sein sollte. An Ungarn wird es liegen, wie weit die Bereitschaft Deutschlands zu einer Zusammenarbeit ausgewertet werden wird. Daß beide Staaten gewillt sind, erhebliche Wegstrecken, wirtschaftlich und kulturell, zusammenzugehen, das haben die Tage des Internationalen Agrarkongresses in Budapest bewiesen. Auch die inoffiziellen Verhandlungen, die neben dem Kongreß herliefen, zeigten die Marschrichtung, die von beiden Völkern angestrebt wird. Vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet können wir Ungarn noch sehr viel bieten. Die Tatsache, daß das Leinsaatabkommen abgeändert werden wird, damit es für Ungarn zu einer wirklichen Hilfe wird, zeugt dafür, daß Deutschland bereit ist, zu seinem Teil dazu beizutragen, in den Agrarländern neue Kaufkraft zu schaffen, um so das internationale Wirtschaftsleben wieder mit in Gang zu bringen. Die Ungarn wissen, was sie von Deutschland haben, und es wird Sache der Politiker sein, aus Hoffnungen wirkliche Hilfe zu machen. Berlin, 19. Juni. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt wird jetzt die erste Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 15. Juni ds. Js. verkündet, die vom Reichswirtschafts- und vom Reichsarbeitsminister unterzeichnet ist. Die Verordnung besagt, daß der Reichswirtschaftsmini- fter im Einverneymen mit dem Reichsminisier für Ernährung und Landwirtschaft ein Verzeichnis aller Gewerbe aufstellt, die handwerksmäßig betrieben werden können. Weiter wird klargestellt, daß den Vorschriften der Verordnung alle Gewerbetreibende, die in die Handwerksrolle eingetragen sind, sowie die in ihren Betrieben beschäftigten Gesellen und Lehrlinge unterliegen. Die Handwerkerinnung ist der örtliche Zusammenschluß aller in die Handwerksrolle eingetragenen Gewerbetreibenden des gleichen oder ver-, wandter Handwerkszweige. Für jeden Handwerkszweig darf in demselben Bezirk, der sich in der Regel mit dem Stadt- oder Landkreis decken wird, nur eine Innung errichtet werden. Alle in die Handwerksrolle eingetragenen Gewerbetreibenden, die das Handwerk ausüben, für die die Innung errichtet ist, gehören der Innung p f l i ch t m ä ß i g an. Die Innung wird von dem Obermeister nach dem Führerprinzip geführt. Dem Obermeister und einem Gesellenwart, der die Belange der Gesellen wahrzunehmen hat, stehen Beiräte zur Seite. Die Innung, deren In- nungsversammlung von den Mitgliedern gebildet wird, ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Aufgaben der Innung werden in der Verordnung festgelegt; an ihrer Spitze steht die Pflege des Gemeinschaftsgeistes und die Wahrung der Standesehre. Die Handwerkerinnungen, die innerhalb eines von der Handwerkskammer bestimmten Bezirks ihren Sitz haben, werden durch die Handwerkskammer zu einer Kreishandwerkerfcbaft zu- sammengefchlofsen, deren Mitgliederversammlung aus den Obermeistern der angeschlossenen Innungen besteht, und deren Vorsitzender ebenso wie die Obermeister, von der Handwerkskammer bestellt wird. Die Kreishandwerkerschaft hat die Aufgabe, die gemeinschaftlichen Belange der ihr angeschlossenen Innungen wahrzunehmen. Bei jeder Handwerkskammer ist ein Ehrengericht zu bilden. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter müssen Richter sein. Vor die Ehrengerichte kommen Verletzungen der Standesehre, Verstöße gegen den Gemeingeist, sowie unlauteres Verhalten, unlauterer Wettbewerb und Ueberoor- teilung der Kunden. Als Strafen kommen Warnung, Verweis, Geldstrafen bis 1000 RM. und, in besonders schweren Fällen, u. a. Aberkennung des Meistertitels in Frage. Das Vermögen der bisherigen Innungen übergeht au die neuen Handwerkerinnungen und Kreishandwerkerschaften. Schafft Arbeitsplätze für ältere und kinderreiche Erwerbslose. Ein Aufruf des Führers der Wirtschaft zur Wiedereingliederung älterer und kinderreicher Arbeitsloser in den Arbeitsprozeß. Berlin, 19. Juni. (Fwd.) Der Führer der Wirtschaft hat im Einvernehmen mit dem Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung folgenden Aufruf erlassen: In der Arbeitsschlacht 1934 muß es gelingen, in weitem Umfange ältere, insbesondere verheiratete und kinderreiche Arbeits- loje wieder in den Wirtschaftsprozeß einzu- gl i e d e r n. Dabei werden wohl von Unternehmern als auch von Arbeitern und Angestellten Opfer gefordert, die im Interesse der Allgemeinheit gebracht werden müssen. Jeder Unternehmer muß als Betriebsführer in feinem Betriebe eingehend prüfen, wieweit es möglich ist, beiNeuein st eil ungen überwiegend ältere Arbeitslose heran z u z i e h e n. Darüber hinaus wird er sich in seinem Betriebe ein genaues Bild der altersmäßigen Gliederung seiner Gefolgschaft machen müssen und dabei feststellen, ob über die betrieblichen Notwendigkeiten hinaus Jugendliche beschäftigt-sind. Das für die Arbeitsschlacht 1934 geftetfte Ziel wird nur zu erreichen sein, wenn in gewissem Umfange Jugendliche aus den Betrieben herausgenommen und ihre Arbeitsplätze für keltere freigemacht werden. Der Betriebsführer wird all diese Maßnahmen nach eingehendster Beratung in seinem 23er» trauensrat durchführen. Die Betriebsgemeinschaft wird an die Jugendlichen appellieren, in vaterländischem Interesse ihre Arbeitsplätze für ältere Volksgenossen herzugeben. Hierbei sind selbstverständlich die bestehenden vertraglichen oder gesetzlichen Kündigungsfristen zu berücksichtigen. Bei diesen Maßnahmen können jedoch die betrieblichen Notwendigkeiten nicht unberücksichtigt bleiben. Auch hier wird der Betriebsführer nach Beratung im Vertrauensrat sicherstellen, daß die Wirtschaftlichkeit des Betriebes durch die Auswechslung nicht beeinträchtigt wird. Es ist daher bei dieser Aktion darauf Rücksicht zu nehmen, daß keine Alterung der Belegschaft eintritt, heute auf allen Straßen und Plätzen zu haben ist, und tragt so zum äußeren Gelingen dieses Tages bei! Nie lleberführung Kann Görings. DNB. Stockholm, 19. Juni. Die sterblichen Ueberreste der Gattin des preußischen Ministerpräsidenten Göring wurden heute vormittag von der Kirche in Lovoe in der Nähe Stockholms nach dem Stockholmer Bahnhof ü b e r g e s ü h r t. In der Kirche fand eine kurze Feier statt. Pastor E n g m a n oetete ein Vaterunser und sprach den Segen. Zum Schluß wurde das Lied „Eine feste Burg ist unser Gott" gesungen. Unter Glockengeläut wurde der Sarg aus der Kirche getragen. Unter den Anwesenden befanden sich die Geschwister der Verstorbenen und Vertreter der deutschen Gesandtschaft sowie der augenblicklich in den Stockholmer Schären weilenden deutschen Torpedobootsflottille. Auch eine Anzahl Bewohner des Ortes hatte sich zu der schlichten ergreifenden Feier eingefunden. Auch Vertreter der drei schwedischen nationalsozialistischen Parteien nahmen mit Fahnen daran teil. Zahllose Kränze und Blumenspenden deckten den Sara, darunter als schönster der große Kranz des Ministerpräsidenten Göring, ferner der des deutschen Gesandten PrinL zu Wied, der Ortsgruppe des Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpferbundes, der Ortsgruppe der NSDAP., der zur Zeit hier liegenden deutschen Torpedoboote und der deutschen Kolonie. Major Bodenschaetz, Goerings persönlicher Adju- dant, sein Ordonnanzoffizier Leutnant Roth, der Führer der Polizeigruppe Berlin - Brandenburg, Polizeigeneral Ecke, mit einem Leutnant und vier Polizeiwachtmeistern gaben dem Sarg das Geleit. Zwei Wachtmeister halten während der Fahrt Ehrenwache am Sarg: auch fahren der deutsche Gesandte Prinz zu Wied mit Gattin und Tochter sowie die Schwester Karins im Zuge mit. Vom Filmparadies zur Hühnerfarm. Nichts ist vergänglicher als der Ruhm von Hollywood. Der Name Hollywood war noch vor nicht allzu langer Zeit eine Zauberformel, der Traum aller Backfische, die sich berufen fühlten, die Nachfolge der Greta Garbo anzutreten. Hollywood strahlte einen Glanz aus, der die Mädchen und Jünglinge anlockte wie das Licht die Motten. Unübersehbar ist die Armee jener ruhmlüsternen Filmkomparsen, die jahrlang vergeblich darauf warteten, daß ein glücklicher Zufall sie zu den schwindelnden Höhen der Prominenz hinaufschleudern würde. Hunderte und Tausende von Existenzen hat der Moloch Hollywood in seinem Rachen verschlungen, viele sind in ihre Heimat zurückgekehrt, viele sind vor die Hunde gegangen, sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden. In den letzten Jahren scheint sich in Hollywood eine Wandlung vollzogen zu haben. Es ist nicht mehr das Land, wo Milch und Honig fließt, die Verhältnisse im Filmparadies sind von der Weltwirtschaftskrise nicht unberührt geblieben. Dazu kommt, daß der Tonfilm eine Menge ehemals berühmter und gefeierter Schauspieler brotlos gemacht hat. So scheint das alte Hollywood langsam auszusterben. Es werden nicht mehr so viele Feste gefeiert wie früher; die Verschwendungssucht scheint zurückgegangen zu sein. Man hat erfahren müssen, daß auch der Filmruhm eine verflucht irdische und vergängliche Angelegenheit ist. Viele der berühmtesten Namen, die einst der Stadt Hollywood Glanz und Ansehen verliehen, werden beute kaum mehr genannt. Wo sind sie alle geblie- ven, die Ramon Novarro, Ronald Colman, Mary P i ck f o r d, Adolphe M e n j o u, Buster Keaton, Vilma Banky, Bebe Daniels, Laura la Plante und alle die andern. Sie werden zwar noch immer beschäftigt, aber sie haben die Höhe ihrer Laufbahn schon längst hinter sich. Einige dieser Künstler haben das Vernünftigste getan, was sie in dieser Lage tun konnten: sie haben sich mit ihren Ersparnissen vom Betrieb Hollywoods zurückgezogen und irgendwo auf dem Lande ihre Zelte aufgeschlägen, um ihren Lebensabend, wenn man bei Vierzigjährigen davon sprechen kann, in aller Ruhe zu verbringe. Ramon Novarro und Adolphe Menjou erhielten einst die unwahrscheinlichsten Gagen. Heute haben sie ihre Ansprüche gewaltig reduzieren müssen. Der arme Buster Keaton, über den die ganze Welt lachte, hat nichts zu lachen, da er bereits zu den Veteranen des stummen Films gezählt wird. Jeder, der es sich irgendwie leisten kann, trachtet danach, einen Grundbesitz zu erwerben. Die ehemals prominenten Herrschaften von Hollywood halten Hühner und züchten Kälber. Zu den wenigen, die ihren alten Ruhm behaupten konnten, gehört John Barrymore. Wer weiß z. B. noch etwas von Warner Oland? Er war einst der klassische Bösewicht des amerikanischen Films, seine Spezialität waren chinesische Verbrecher. Heute ist er ein friedlicher Landmann geworden. Wie man sieht, sind im amerikanischen Filmparadies Dutzende von Karrieren wie schillernde Seifenblasen zerplatzt. Nicht jeder hat die Mittel, aufs Land zu gehen. Manche haben ihr Vermögen bis auf den letzten Pfennig verloren und müssen nun erleben, wie sie von der jungen Generation verdrängt werden ... Drei Todesurteile im Prozeß gegen die Mörder der Berliner Polizeihauptleute Berlin, 19. Juni. (DNB.) Im Prozeß wegen der Ermordung der beiden Polizeihauptleute A n - lauf und Lenk wurde am Dienstagnachmittag folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagten Michael Klause, Friedrich Broede und Max Matern werden wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode und zum dauernden Ehrenrechtsverlust verurteilt, die Angeklagten Erich Wichert und Bernhard Z a ch o w zu je 1 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehr- verlust, der Angeklagte Willi Balzer zu 10 Iah- ren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust, der Angeklagte Berthold Werner zu 6 Jahren Zucht- Haus und 5 Jahren Ehrverlust, die Angeklagten Hans B r o l l, Max Holz und Rudolf Konrad zu je vier Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehr- verlust. Die Angeklagte Frau Hildegard Matern wird wegen Begünstigung zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten Wilhelm Schänke und Walter Säße werden freigesprochen. Gegen die Angeklagten Albert Kuntz und Max Thun er t wird das Verfahren eingestellt. * Die Todesurteile im sogenannten Bülow-Platz- Prozeß können nur eine halbe Befriedigung ausläsen. Wohl werden diejenigen dem Scharfrichter überantwortet, die zu dem Mittel des gemeinen hinterhältigen Mordes griffen oder die Mordtat irgendwie begünstigten, aber die Urheber und Anstifter der Mordtat an den beiden Berliner Polizeioffizieren Anlauf und Lenk sind nicht gefaßt worden. Sie haben rechtzeitig das Weite gesucht und gefunden, sie sitzen außerhalb der Reichsgrenzen als „verfolgte deutsche Politiker", sie hetzen und wühlen gegen uns, sie verfassen die wildesten Schauermärchen. Als sie sich noch auf deutschem Boden als Reichstags- oder Landtagsabgeordnete, als Parteifunktionäre oder Agitatoren tummeln und den kommunistischen Mob gegen den friedlichen Staatsbürger und den pflichttreuen Beamten aufhetzen, dachten sie keinen Augenblick an das Schändliche ihres Treibens; Blut forderten sie, Blut wollten sie sehen, die Leichen ihrer politischen Gegner sollten auf dem Pflaster liegen, Schutzpoli- zisten aus dem Hinterhalt zusammengeschossen werden. So putschten sie auch die Horde auf, die sich auf die Polizeioffiziere Lenk und Anlauf stürzte und sie niederschoß. Die Mörder lassen jetzt ihr Leben, aber auch die eigentlich Schuldigen werden ihrem Schicksal nicht entgehen. Saboteur in Schuhhast. Berlin, 19. Juni. (DNB.) Der Geschäftsfüh- rer des aufgelösten Reichsverbandes der deutschen Fischhändler, Paul Winkler, ist auf Antrag des Reichsobmannes des Reichsnährstandes durch das Geheime Staatspolizeiamt in Schutzhaft genommen worden. Winkler hatte sich d e r an- g e o r d n e t e n A u f l ö s u n g desReichsver- bandes widersetzt und versucht, Unruhe in der Fischwirtschaft zu stiften. Durch die Verhängung der Schutzhaft dürfte dem Hetzer gegen den Reichsnährstand und seine Einrichtungen das Handwerk gelegt sein. Der Reichsnährstand hat damit ein Exempel statuiert, das den sattsam bekannten Nörglern und Quertreibern mit nicht mihzuverstehender Eindeutigkeit zeigen soll, daß nunmehr mit aller Schärfe in jedem ähnlichen Falle durchgegriffen wird. $ür das Walsertal die jteifefperre aufgehoben. Berlin, 19. Juni. (DNB.) Für das Walsertal, das österreichisches Staatsgebiet, aber deutsches Zollgebiet ist, ist die vor kurzem von der Reichsregierung verhängte Reisesperre bis auf weiteres wieder aufgehoben worden, nachdem österreichischerseits ausreichende Zusicherungen dafür gegeben worden sind, daß in diesem von Oesterreich durch seine besondere geographische Lage praktisch abgetrennten Gebietsteil Reichsdeutschen keinerlei Nachteile aus ihrer nationalsozialistischen Einstellung, insbesondere dem Erweisen des deutschen Grußes, dem Zeiten von Hakenkreuz- und schwarzweißroten Fahnen sowie dem Tragen von nationalsozialistischen Abzeichen erwachsen sollen. Aus aller Wett. Chinesische Piraten überfallen einen englischen Dampfer. Chinesische Piraten überfielen im Goll von Petschuli den englischen Dampfer „Shunten^ auf der Strecke zwischen Taku und Tschiku. Es war eine der verwegensten Taten der chinesischen Seeräuber in der letzten Zeit. Der Ueberfüll hat in Peking aroße Erregung hervorgerufen. Seit der Tungtschau- Affäre zu Weihnachten 1931 ist kein derartiger Ueberfall mehr in den nordchinesischen Gewässern zu verzeichnen gewesen. Wie ergänzend gemeldet wird, waren die Piraten, 30 an der Zahl, in Tientsin in der Maske von Passagieren an Bord gegangen. Noch am Abend desselben Tages ergriffen sie von twm Schiff Besitz und nahmen Kurs auf die Hoango-Mündung. Dort wurden sie von fünf Dschunken erwartet, die die Beute und die Gesänge- nen an Land brachten. Man rechnet damit, daß die Räuber in dem Berggebiet westlich von Dschifu Zuflucht gesucht haben. Unter den Gefangenen befinden sich zwei englische Fliegeroffiziere, der Leiter einer großen englischen Versicherungsgesellschaft in Schanghai, der zweite Offizier und der dritte Ingenieur der „Shunten", ein Japaner sowie 20 Chinesen. Der Kommandant der von Seeräubern überfallenen „Shunten" Kapitän Christiansen gab in einem Reuterinterview eine Schilderung über die näheren Umstände der Beraubung seines Schiffes. Darnach erklärten die Piraten, Schmuggler aus Schangtung zu fein und ihre Raubzüge als Gegenmaßnahme gegen die chinesischen Zollbehörden zu unternehmen, weil diese einen besonderen Zollkreuzer im Küstengebiet von Schantung eingesetzt hätten, wo ihr eigenes „Operationsgebiet" liege. Die Piraten haben an Bord keinerlei Sachschaden verursacht und sogar davon abgesehen, die Funkstatton zu zerstören. Sie beschränkten sich darauf, den Fahrgästen Geld und Wertgegenstände abzunehmen. Schiffsladung und Post sind nicht angetastet worden. Einige Bruchstücke ihres sonderbaren Ausputzes zurücklassend, zogen die Räuber dann ab. Den Frauen und Kindern, die sich an Bord befanden, geschah nichts. Auf die Nachricht, daß sich auch ein Japaner unter den Gefangenen befinde, wurde von Dairen sofort ein japanischer Kreuzer abgesandt, der mit voller Kraft das Gelbe Meer aufsuchte. Unter i>en gefangenen Chinesen befindet sich auch der ehemalige Innenminister Shentienlin. Man vermutet, daß die englischen Behörden bei der chinesischen Regierung um die Erlaubnis nachsuchen werden, mit Hilfe von Flugzeugen das Gebiet westlich von Tschifu nach den Räubern zu durchsuchen. Brandkalastrophe in der Oberpfalz. — Acht Anwesen in Schutt und Asche. In Raaenwies (Oberpfalz) brach nachts in der Scheune der Landwirtswitwe Therese Kiesbauer Feuer aus, das sich mit unheimlicher Geschwindigkeit ausbreitete. Da die Einwohner des Ortes in tiefem Schlafe lagen, wurde das Feuer erst bemerkt, als es bereits ziemlichen Umfang angenommen hatte. Der Brand, der in der Scheune der Witwe Kiesbauer an den Heuvorräten reiche Nahrung gefunden hatte, griff nach kurzer Zeit auch auf das Wohnhaus der Witwe über. Erst als dieses bereits in Hellen Flammen stand, erwachten die Hausbewohner, die nur, mit dem Notdürftigsten bekleidet, mit größter Mühe ihr Leben retten konnten. Die Tochter Margarete erlitt dabei erhebliche Brandwunden. Das sämtliche Vieh — Rinder, Schweine und zahlreiches Kleinvieh — mußte in den Flammend lebend umkommen. Vom Anwesen Kiesbauer sprangen die Flammen auch auf die Nachbaranwesen über; da die Holzwände der Scheunen infolge der langen Trockenheit vollkommen ausgedörrt waren, brannten sie wie Zunder. Zudem bot das in den Scheunen lagernde Heu dem Feuer ergiebige Nahrung. Da außerdem Wassermangel herrschte, waren die aus der ganzen Umgebung herbeigeeilten Feuerwehren dem Riesenfeuer gegenüber fast machtlos und mußten sich darauf beschränken, nach Möglichkeit ein weiteres Umsichgreifen des Brandes zu verhüten. Das ganze Dorf glich in kurzer Zeit einem riesigen Flammenmeer. Von den 14 Anwesen wurden acht vollständig eingeäschert mit den gesamten Nebengebäu- ten. Nur das Vieh konnte teilweise gerettet werden, das Kleinvieh, sowie das Mobilar wurden zum größten Teil ein Raub der Flammen. Nicht weniger als 43 Personen wurden durch das Großfeuer obdachlos. Die Brandursache ist noch nicht einwandfrei geklärt, man vermutet je- doch, daß Brandstiftung die Ursache des verheerenden Unglücks war. verheerendes Unwetter über dem Stedinger Land. lieber dem Stedinger Land wütete, wie aus Bremen gemedet wird, ein schweres Gewitter, das durch H a g e l s ch l a g unübersehbaren Schaden an- richtete. Taubeneigroße Hagelkörner fielen mit solcher Wucht, daß fast in jedem Haus Fensterscheiben, oft sogar Schiefer- und Pappdächer durchschlagen wurden. Besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurden die Obstbäume. Auf den Feldern wurden die Kartoffeln, Rüben und Kohlfelder durch den Hagelschlag zerstört. Auch in der Gegend von Delmenhorst wirkte der Hagelschlag katastrophal. Ein Haus wurde durch Blitzschlag vollständig eingeäschert. Auf einem Hof wurde der gesamte Kükenbestand von 80 Stück getötet. Der Hagelschlag dauerte hier 20 Minuten an. Noch zwei Stunden später lag die Hageldecke zentimeterdick auf dem Boden. Temperatursturz um 13 Grad in Paris. , Nach der fast unerträglichen Hitze der letzten Tage, die in Paris den seit 1900 für den Monat Juni nicht wieder dagewesenen Höchststand von 3 3 Grad im Schatten erreichte, hat sich am Dienstag eine merkliche Abkühlung bemerkbar gemacht, die in den Abendstunden durch einen starken Regenschauer eingeleitet wurde. Das Thermometer ist in der Nacht um fast 13 Grad gefallen. Elf Bauernhäuser in Schutt und Asche. Von einem schweren Brandunglück wurde das unweit vom Ostseebad Ahlbeck gelegene Bauerndorf Neetzow heimgesucht. Die Feuersbrunst entstand durch Blitzschlag in ein Bauernwohnhaus. Ehe die Feuerwehren der Umgebung zur Stelle waren, standen alle mit Stroh gedeckten Nachbarhäuser in Hellen Flammen. Insgesamt sind elf Häuser vollständig niedergebrannt. Auch Vieh ist in den Flammen umgekommen. Den Feuerwehren war es nur noch möglich, ein Umsickgreifen des Brandes auf das ganze Dorf zu verhindern. Der Sachschaden ist außerordentlich groß. Das furchtbar heimgesuchte Dorf bietet einen trostlosen Anblick. Dirbelsiurmkalastrophe in Honduras. Nach Berichten, die der „Associated Preß" in Neuyork aus Progreso (Honduras) zugegangen sind, hat ein neuer Wirbelsturm, der in einer Breite von etwa 20 Kilometer dahinraste, verschiedene Teile der mittelamerikanischen Republik Honouras heimgesucht. U. a. wurde eine Plantage der United Fruit Company vollständig zerstört. Zahlreiche Menschen sollen umgekommen sein. Die Verbindungen nach dem Unwettergebiet sind vollständig unterbrochen. Englische Kriegsschiffe zu Besuch In Swlnemünde. Swinemünde steht in dieser Woche im Zeichen englischen Marinebesuchs. Es ist das erste Mal seit dem Weltkrieg, daß Swinemünde britische Kriegsschiffe zu Gast sieht. Am Dienstag lief die von Scapa Flow kommende englische Zerstörerflotte in den Hafen ein und machte am Hoyen- zollern-Bollwerk fest. Eine große Menschenmenge hatte sich zur Begrüßung eingefunden. Die englischen Schiffe werden bis zum 27. Juni in Swine- münde liegen. Für diese Zeit ist ein umfangreiches Programm mit gesellschaftlichen und sportlichen Veranstaltungen sowie Ausflügen in die benachbarten Badeorte vorgesehen. An jedem Tage ist eines der englischen Boote zur Besichtigung für das Publikum freigegeben. Bei der Besprechung des Besuches der vierten britischen Zerstörerdivision im Hafen von Swinemünde weisen auch die Londoner Blätter darauf hin, daß dies der erste Besuch ist, den britische Kriegsschiffe seit dem Kriege dem Deut» schen Ostseehafen abstatten; allgemein findet die große Wärme und Herzlichkeit Erwähnung, mit der die britischen Seeleute von den amtlichen deutschen Stellen wie von der Bevölkerung begrüßt worden sind. Drei Jahre Zuchthaus wegen Meineids. In Kassel wurde der 44jährige Wilhelm Back wegen Meineides zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Ein Zigeuner, der oft mit dem Angeklagten im Lande umher- zog, hatte im Juli 1932 einem Landwirt eine Rapp- ftute als fehlerfrei für 550 RM. verkauft. In der Gewährfrist stellte der Käufer fest, daß das Pferd dämpfig war, und strengte gegen den Verkäufer ein Wandlungsklage an. Der Zigeuner wurde verurteilt und auch feine Berufung wurde abgewiesen. Als Zeugen für seine Behauptung, daß er vor Kaufabschluß die Dämpfigkeit erwähnt habe, hatte er den Angeklagten genannt, der das auch auf seinen Eid nahm. Auffallend war, daß der Zigeuner in beiden Instanzen mit verschiedenen Behauptungen auftrat und der Angeklagte beide Male eine entsprechende eidliche Aussage machte. Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Anklage wegen Meineids gegen ihn, dxr ihm auch in der umfangreichen Beweisaufnahme nachgewiesen werden konnte. „Graf Zeppelin" wieder daheim. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Dienstag um 12 Uhr (MEZ.) in Friedrichshafen gelandet. Es hat zur Rückreise von Per- nambuco drei Tage und elf Stunden georaucht. Gemeinschaft in der Not. Die berufsamtlichen Mitarbeiter der Deutschen Angestelltenschaft haben sich geschlossen an der Hilfe für die Hinterbliebenen der Opfer des Grubenunglücks in Buggingen beteiligt. In diesen Tagen konnte die stattliche Summe von 10 000 Mark dem Schatzmeister der Deutschen Arbeitsfront zur Weiterleitung überwiesen werden. Vergwerksunglück in Japan. — 34 Vermißte, sieben Verletzte. In einem Kohlenbergwerk in dem Gebiet von Matsuura hat sich eine Schlagwetterexplosion ereignet. Nach den bisher eingegangenen Mel- oungen werden 34 Bergleute vermißt. Sieben Bergleute haben schwere Brandverletzungen baoongetragen. Tödlicher Absturz am Wilden Kaiser. Nach Mitteilung der Deutschen Bergwacht ist der Kunstmaler Georg T i e r s ch ä d e l aus Schwandorf am Wilden Kaiser tödlich abgestürzt. Die Leiche wurde von der alpinen Rettungsstelle Kufstein zu Tal gebracht. Französische Ausflügler auf italienischem Gebiet verhaftet. In Grenoble war man seit einigen Tagen sehr besorgt um das Schicksal von drei französischen Ausfluglern, die am Sonntag Grenoble verlassen hatten, um den Mont Tabor zu besteigen. Wie sich jetzt herausgestellt hat, sind die drei jungen Leute auf italienischem Gebiet verhaftet und nach Turin gebracht worden. Die französischen Behörden haben bereits Schritte zu ihrer Freilassung unternommen. Motorradfahrer rast in eine hitter-Jugend-Gruppe. Auf der Dotzheimer Straße in Wiesbaden fuhr ein Motorradfahrer in eine heimwärts marschierende Hitlerjugend-Gruppe, obwohl diese sich vorschriftsmäßig durch ein Schlußlicht gesichert hatte. Ein Hitlerjunge erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Oberschenkelbruch, ein anderer Beinverletzungen. Die übrigen konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Kinderlähmungsepidemie in Los Angeles. Die Kinderlähmungsepidemie, die seit Monat Mai in der Gegend von Los Angeles auftritt, hat bereits fünf Todesopfer gefordert und breitet sich anscheinend immer weiter aus. Am vergangenen Montag wurden 35 neue Fälle gemeldet. Kunst und Wissenschaft. Die Goethe-Medaille für Heinrich Sohnrey zum 75. Geburtstag. Der Herr Reichspräsident hat dem Schriftsteller Prof. Dr. Heinrich S o h n r e y - Berlin aus Anlaß seines 7 5. Geourtstages die Goethe- Medaille verliehen und mit einem herzlichen Schreiben zugehen lassen. Reichskanzler Adolf Hitler hat dem Schriftsteller Professor Heinrich Sohnrey zur Vollendung des 75. Lebensjahres die herzlichsten Glück- und Segenswünsche ausgesprochen. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. G o e b b e I s , hat an Heinrich Sohnrey nachstehendes Telegramm gerichtet: „Zu Ihrem 75. Geburtstag spreche ich Ihnen mit meinem herzlichen Glückwunsch den Dank aus für Ihre jahrzehntelange wertvolle Pflege und Verkündung deutscher Volksart und deutschen Bauerntums in Erzählung und Forschung. Dr. Goebbels." Der argentinische Staatspräsident beim Gastspiel deutscher Schauspieler in Buenos Aires. Die zur Zeit von einer deutschen Schauspieler- Gruppe, der u. a. Käthe Dorsch, Gerda Müller und Eugen Klöpfer angehören, in Südamerika durchgeführten Gastspiele haben ausgezeichnete künstlerische Erfolge zu verzeichnen. So besuchte in Buenos Aires auch der argentinische Staatspräsident eine der letzten Abendvorstellungen von „Maria S t u a r t", die bei recht gut besetztem Hause glänzend verlief. Der Besuch erscheint deswegen besonders bemerkenswert, weil bisher noch kein argentinischer Präsident einer deutschen Schauspiel-Vorstellung beiwohnte. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11000. Druck uno Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K-G., sämtlich in Gießen. Rheinhessen. Mainz, 17. Juni. (LPD.) Ein warnendes Beispiel für alle diejenigen, die keine Quittungen für erhaltene oder geleistete Zahlungen geben oder nehmen, sollte ein Fall sein, der nun zur gerichtlichen Verhandlung kam. In blindem Vertrauen übertrugen zwei ältere Damen einem ihnen vertrauenswürdig scheinenden Mann die Eintreibung der Pachtgelder für ihren umfangreichen Besitz. Dieser verstand es jedoch, das in ihn gesetzte Vertrauen grob zu mißbrauchen, indem er 3500 Mark für sich behielt. Die Ermittlung des Tatbestandes wurde dadurch besonders schwierig, weil überhaupt keine Quittungen oder Belege da waren, obwohl es sich um recht beträchtliche Beträge handelte. Der Unredliche erhielt wegen fortgesetzter Untreue und Unterschlagung 10 Monate Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe. Preußen. NeuerLandrai des Landkreises Marburg Der Kreisleiter des Kreises Marburg der NSDAP. Gauinspekteur und Gauschatzmeister Hans Kra wi- l i e z k i, ist mit Wirkung ab 25. Juni an Stelle des zum Oberverwaltungsgerichtsrat ernannten und nach Berlin versetzten seitherigen Landrates Schwebe! zum Landrat des Landkreises Marburg ernannt worden. Geschäftsstelle des HessischenGemeinde- tages nach Frankfurt verlegt. LPD. Frankfurt a. M., 19. Juni. Seit gestern befindet sich die Geschäftsstelle des Hessischen Gemeindetages, die ihren Sitz bisher in Mainz hatte, in Frankfurt. Sie ist zusammengelegt worden mit der Geschäftsstelle des Hessen-Nassauischen Gemeindetages. Die neue Anschrift lautet: Deutscher Gemeindetag, Landesdienststelle Hessen, Frankfurt a.M., Bethmannstraße 3. Fremdenverkehr als Ausgleich für verlorene Industrie. Dillenburg, 18. Juni. (LPD.) In einer Dorstandssitzung des Kur- und Verkehrsvereins übernahm der neue kommissarische Bürgermeister Kreisleiter Schimmel satzungsgemäß den Vorsitz des Vereins. In einer Ansprache betonte er, daß andere Grundlagen für die Lebensexistenz der Bevölkerung gefunden werden müßten, um einen Ausgleich für verlorengegangene Industrie zu schaffen. In diesem Zusammenhang teilte der Bür- aermeister mit, daß durch die große Aktion, die zur Zeit im Gange sei, um die Jugendlichen aus den Betrieben herauszuziehen und sie in den Freiwilligen Arbeitsdienst einzugliedern, es in Bälde gelingen werde, sämtliche Erwerbslosen der Stadt wieder in Arbeit und Brot zu bringen. Kreis Wetzlar. T Waldgirmes, 19. Juni. Am vergangenen Sonntag feierte der hiesige Kriegerverein sein 5 0. S t i f tu n g s f e st. Am Vormittag fand ein Feldgottesdienst am Kriegerdenkmal statt unter Mitwirkung der Gießener Reichswehrkapelle und des hiesigen Gesangvereins „Liederkranz". Nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug von über 30 Vereinen mit ihren Fahnen durch die festlich geschmückten Ortsstraßen. Am Festplatz begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Andreas Stamm, die auswärtigen Vereine. Die Festrede hielt Lehrer Arnold. Kreisleiter Hans aus Wetzlar überbrachte die Wünsche des Kreiskriegerverbandes. Die Damen Erna Geller, Erna Stamm und Emma F a i l i n g tragen sinnvolle Gedichte vor. Der Gesang der Mädchen des Gemischten Chores sowie tur- nerische Vorführungen der Schüler und der Turnerinnenriege brachten angenehme Abwechselung in die Veranstaltung. * Naunstadt (Kreis Wetzlar), 20. Juni. Die 49 Jahre alte Landwirtsehefrau Luise Müller von hier stürzte so unglücklich vom Heuwagen, daß sie sich eine schwere Wirbelsäulenver- lechung zuzog. Sie wurde sofort in die Chirurgische Klinik in Gießen eingeliefert. Kreis Biedenkopf. LPD. Gönnern, 19. Juni. Am Montagmittag stürzte die 67jährige Witwe K r e tz so unglücklich von einem beladenen Heuwagen, daß sie das Genick brach. Der Tod trat auf der Stelle ein. Eine Segelfliegerschule auf dem Mansfelder Kopf. Während der Ostertage stellte sich bei dem großen Segelfliegertreffen heraus, daß der Mansfelder Kopf ein ausgezeichnetes Gelände für die Anfangsschulung bis zur 6-Prüfung ist. Die Erkenntnis, daß der Mansfelder Kopf in Mittelnassau und bis zum Rhein hin, das beste Schulungsgelände ist, hat die Fliegerortsgruppe Limburg veranlaßt, den Ausbau dieses Geländes zunächst durch Errichtung einer Segelfliegerschule sosort in Angriff zu nehmen. Vorerst werden einige Schlaf- und Aufenthaltsräume geschaffen, denen eine größere Flugzeughalle angegliedert wird, in der die Schulungsmaschinen fertigmontiert untergebracht werden. So entsteht durch den Bau des Lagers und der Segelfliegerschule die „Kleine Rhön", wie man den Mansfelder Kopf in Segelfliegerkreisen nennt. Die Wohnbau-Tätigkeit. Im Monat April machte die Wohnbautätigkeit in Deutschland weitere Fortschritte. Bauerlaubnisse, Baubeginne und Bauvollendungen nahmen, wie in Wirtschaft und Statistik ausgeführt wird, gegenüber dem Vormonat zu und übertrafen auch den April 1933 um ein beträchtliches. Die Ergebnisse von Januar bis April zusammen lagen erheblich über denen in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. In den Gemeinden mit 10 000 und mehr Einwohnern sind insgesamt 13 900 Wohnungen durch Neu- und Umbau fertiggestellt worden, das sind 45 Prozent mehr als im März und 128 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Baubeginne (7800) hat gegenüber dem Vormonat um 12 Prozent und gegenüber April 1932 um 61 Prozent zugenommen. Bauerlaubnisse wurden für 8700 Wohnungen erteilt, 7 Prozent mehr als im März und 70,5 Prozent mehr als im April des vergangenen Jahres. Bei den Bauanträgen, über die nur von den Städten mit 50 000 und mehr Einwohnern berichtet wird, war das Ergebnis ungefähr um 5 Prozent geringer als im März. Unter Einrechnung der Schätzungszahlen für die in den kleineren Orten unter 50 000 Einwohner beantragten Wohnungsbauten dürfte jedoch auch bei den Bauanträgen das Ergebnis des Vormonats zumindest erreicht worden sein. Die Leistung vom April 1933 wurde um etwa 104 Prozent übertroffen. Beim Bau für gewerbliche Zwecke hielten sich die BauvollenÜungen mit 231 400 cbm umbautem Raum annähernd auf der Höhe des Vormonats (232 300). Die Baubeginne (364 300 cbm) sind gegenüber März um 16 Prozent zurückaegangen, während die Bauerlaubnisse (941800 cbm) um 90 Prozent zunahmen. Die Ergebnisse des Vorjahres wurden durchweg und erheblich — bei den Bauerlaubnissen sogar um 427 Prozent — über- Buntes Wie greift der Löwe an? Das Bild in Freiligraths „Löwenritt", wie der Wüstenkönig auf der Giraffe den nächtlichen Ritt durch sein Reich macht, ist ebenso großartig wie unnatürlich. Es entspricht aber der Laien-Dorstel- lung, daß der Löwe seinem Opfer mit gewaltigem Satz von oben auf den Rücken springt und ihm oas Genick durchbeißt. Hans Waldner, der in Afrika als Grohwildjäger reiche Erfahrungen gesammelt hat, meint in einem Aufsatz in „Wild und Hund", eine solche Art des Angriffs komme beim Löwen wohl sehr selten vor, wenn überhaupt je; er selbst habe sie nie beobachtet, es sei ihm auch nie davon berichtet worden. Meistens greift der König der Tiere das Wild von der Seite an; er verlegt ihm den Wechsel, ist in wenigen langen Sprüngen von unwahrscheinlicher Geschwindigkeit bei seiner Beute; schlägt mit der einen Pranke auf den Widerrist, mit der anderen auf den Wildfang und beißt wahllos in Schulter, Brust und Genick, je nach der Höhe, die er erreicht. Dabei bleibt er stets mit den Hinterpranken auf der Erde und versucht durch heftige Rucke der Vorderpranken, seinem Opfer das Genick zu drecken. Auf jeden Fall wird das Wild zu Boden gerissen; dabei überschlagen sich meistens beide. Auch wenn die Beute noch nicht verendet ist, beginnt der Löwe, das Tier anzufressen. Der Angriff der Bestie erfolgt mit ungeheurer Schnelligkeit, meist nickt unmittelbar, sondern in einem leichten Bogen. Im allgemeinen ist der Löwe scheu und vorsichtig, ein Meister im Anschleichen; er meidet am hellen Tage offene Stellen, denn er ist eine Katze. Die Löwin ist leichter zum Angriff geneigt als der Löwe. Falsch ist es, wenn man den Löwen als feige bezeichnet. Das ist er nicht. Im Dunkel ist er sogar von großer Kühnheit, aber die Helle scheut er. Man kann danach sagen: „Am Tage hat der Löwe vor dem Menschen Angst, des Nachts hat der Mensch vor dem Löwen Angst." Nichtige Nahrung macht gute Zähne. Daß schlechte Zähne durch richtige Ernährung aus der Welt geschafft werden können, ist eine Erkenntnis, die sich der Medizin immer mehr auf» drängt. Grundlegende und bahnbrechende Arbeiten auf diesem Gebiet hat die englische Zahnärztin May M e l l a n b y in ihren Untersuchungen über die Ursachen der Zahnkrankheiten geschaffen. In der neuesten Veröffentlichung über ihre Arbeiten, die von Versuchen an Tieren zu solchen am Menschen übergehen, bestätigt sie die Tatsache der entscheidenden Bedeutung der Ernährung für den Zustand der Zahngewebe und damit der Zähne selbst. Wie K i t - ch i n in einem Bericht der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift ausführt, hat sie bei einem Studium von mehr als 20 000 schlechten Zähnen bei Erwachtroffen. Bei den Fertigstellungen von öffentlichen Gebäuden ergab sich gegenüber März mit 82 600 cbm eine beträchtliche Erhöhung (um 230 Prozent). Geringer — um 35 Prozent — war dagegen der Umfang der begonnenen öffentlichen Bauten (38 200 cbm), während bei den genehmigten Gebäuden der umbaute Rahmen mit 157100 cbm wieder beträchtlich (um 103 Prozent) zugenommen hat. Die Dorjahrsergebnisfe, die allerdings besonders niedrig waren, sind auch bei der öffentlichen Bautätigkeit erheblich übertroffen worden. Allerlei. fenen und Kindern gefunden, daß nur sehr wenige wirklich vollendet geformt waren, d. h. einen glatten und glänzenden Schmelz besaßen. Bei schlechtgeformten Zähnen aber tritt die Zahnfäule sehr viel eher auf. Die Forscherin fand bei 78 v. H. der normalen Zähne keine Fäule, dagegen bei 60 v. H. der schlecht geformten Zähne. Sie führte nun bei Kindern eine Anzahl von Ernährungsversuchen durch, indem sie einem Teil der Kinder eine ausgesprochen kalkbildende Nahrung gab, die viel Vitamin, Kalzium und Phosphate enthält, einem anderen Teil eine entkalkende Nahrung, bei der Getreide- nahrung eine wichtige Rolle spielte. Bei einer Untersuchung der einzelnen Rassen in Bezug auf ihre Empfänglichkeit für Zahnfäule kam sie zu dem Ergebnis, daß diese am häufigsten in den gemäßigten Zonen und dort gerade da auftritt, wo man die Zähne pflegt. Die Immunität gegen bie Zahn- faule wird hauptsächlich durch lange Ernährung an der Mutterbrust, durch reichliche Zufuhr des Vitamins D, durch ultraviolettes Licht und genügende Menge von Kalzium in der Nahrung erworben. Um diese Empfindlichkeit zu erhalten, solle schon die hoffende Mutter möglichst viel Milch, Eier, Käse, Fette und Pflanzennahrung genießen und diese Ernährung in der Stillzeit fortsetzen; der Säugling solle nach sechs Monaten eine Zusatznahrung erhalten, in der Getreidenahrung nicht vor- kommt. Dadurch werde die Bildung vollkommenerer Zähne gewährleistet,, die regelmäßig in gesunden Kiefern stehen, und zugleich die Wioerstandssähig- keit gegen die Zahnkrankheiten erhöht. Wettervoraussage. Das nördliche Ties, bas sich mit seinem Kern weiterhin nach Osten verlagert, verursachte gestern und im Lause der Nacht verbreitete Niederschläge. An her Rückseite dieser Störung fließt kühle Luft abwärts, so daß die Temperaturen tagsüber keine sonderlich hohen Werte erreichen und dadurch der Witterungscharakter zunächst noch wechselhaft bleibt, so daß weiterhin mit dem Auftteten von Niederschlägen zu rechnen ist, die teilweise von Gewitterstörungen begleitet sind. Da aber das Barometer wieder steigende Tendenz zeigt, dürfte sich späterhin die Wetterlage etwas beruhigen. Aussichten für Donnerstag: Feuchtmildes und wechselnd-wolkiges Wetter mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, noch einzelne Niederschläge teils gewitterhafter Art. Lufttemperaturen am 19. Juni: mittags 23,3 Grad Celsius, abends 17,3 Grad; am 20. Juni: morgens 15,7 Grad. Maximum 25 Grad, Minimum 15,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Juni: abends 21,6 Grad; am 20. Juni: morgens 18,7 Grad Celsius. — Niederschläge 10 mm. — Son- nenscheindauer 3,8 Stunden. Denken Sie an STOFFE/ denken Sie an BERNARD (Boni fiienioDD um 1900 znrn lonfllm von heute) KraRdurcbFreide-Deilsche Diihne Kampfbund für deutsche Kultur Steitog, den 22.3onl 1934. In öet llnlverWlsauio MW««' Heiterer Kulturfilm-Vortrag vonWalterSteiuhauer mit Vorführung von ältesten, alten u. neuen Filmen. 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In beiden Fällen wird die Entstehung des Feuers auf achtloses Wegwer- fen glimmender Zigarettenreste zurückgeführt. Weiterhin wurde in den Außenbezirken Berlins die Feuerwehr an einem Tage nicht weniger als zwanzigmal alarmiert, um Waldbrände zu löschen. Auch aus den übrigen Teilen des Reiches trafen zahl- reiefje Meldungen von Waldbränden ein, die aber ourd) schnelles Zugreifen beherzter Männer im Entstehen erstickt werden konnten. Erschüttert, voller Ingrimm und Haß gegen die frevelhaften Brandstifter, stehen die Freunde des Waldes und insbesondere die Forstbeamten vor den noch rauchenden und qualmenden Brandher- den. Vernichtet ist die Arbeit und Freude einer ganzen Generation, vernichtet, was der kommenden Generation erst die Ernte bringen sollte. Und ist nicht alles getan worden, um Waldbrände zu verhüten? Wurde nicht von Anbeginn der gefährlichen Jahreszeit in der Presse, in den Schulen, in Aufrufen an die Bevölkerung gebeten und gewarnt? Keine Gelegenheit blieb ungenutzt, um aufklärend zu wirken. Und nun diese Ergebnisse! Die Erfahrung, die Verantwortung vor den kommenden Geschlechtern und die Liebe zu unserem Walde verlangt gebieterisch andere härtere Maßnahmen. Helfen kann schließlich nur noch eine Sperrung der besonders gefährdeten Teile des Waldes im Frühjahr und im Hochsommer in den Zeiten großer Dürre und Trockenheit. Die Allgemeinheit wird dann leiden müssen unter der Verantwortungslosigkeit unbelehrbarer Mitmenschen. Wir können es uns nicht leisten, daß unsere herrlichen Wälder wegen fortgeworfener Zigarettenstummel in Flammen aufgehen. Besser aber wäre es, wenn alle, die den Wert des Waldes erkannt haben, die Forst- und Polizeibeamten in ihrem Kampfe gegen die Waldbrandgefahr unterstützen und jeden, der mit offenem Feuer, brennenden Zigarren und Zigaretten im Walde während dieser Dürre getroffen wird, unnachsichtlich einer strengen Bestrafung zuführen würde. Warum Zahnbehandlung. Leider hat eine falsche Ernährungsweise zusammen mit mangelnder Einsicht in die Notwendigkeit regelmäßiger, fachmännischer Untersuchung der Zähne es mit sich gebracht, daß der Zustand der Kauwerkzeuge unserer deutschen Volksgenossen immer wieder größere Behandlungsmaßnahmen erfordert und sogar den Ersatz verlorengegangener Zähne notwendig macht. Ein vollständig erhaltenes Gebiß ist ein unschätzbares Gut, wo aber dieser Jdealzustand aus den oben angeführten Gründen nicht mehr vorhanden ist, da muß zum mindesten versucht werden, durch den Zahnarzt oder den Dentisten eingetretene Schäden möglichst bald beheben und oerlorengegangene Zähne ersetzen zu lassen. Es ist bekannt, wie sehr der Zahnschmerz den davon Betroffenen quält, wie er ihm untertags ein Arbeiten fast unmöglich macht und ihm des nachts den Schlaf raubt; weniger bekannt ist leider die Tatsache, daß faulende Zähne die Ursache sein können von mannigfachen, zum Teil bis zum Siechtum führenden Allgemein-Erkrankungen. Ein vernachlässigtes Gebiß sollte aber nicht nur aus gesundheitlichen Gründen behandelt werden, sondern es ist auch im Hinblick auf den Existenzkampf von ungeheurer Wichtigkeit, auf den tadellosen Zustand der Zähne zu achten. Uebelriechender Atem infolge schadhafter Zähne, ebenso wie entstellende Zahnlücken sind in vielen Berufen ein großes Hindernis beim Stellungsuchen. Bei weiblichen Personen ganz besonders spielt in jeder Hinsicht das Aussehen eine große Rolle. Das ist nun nicht etwa nur ein oberflächliches und unbegründetes Uebertreiben von Äußerlichkeiten, sondern es steckt tiefe Wahrheit dahinter. Ein ungepflegter Mund läßt nur zu häufig auf vernachlässigte Körperpflege schließen und aus der Nachlässigkeit der eigenen Person gegenüber werden berechtigte Schlüsse auf Nachlässigkeit auch anderen Dingen gegenüber gezogen. Ganz besondere Bedeutung erlangt ein tadelloser Zustand der Mundverhültnisse in der Kinderpflege. Ein ungepflegter Mund kann besonders leicht Krankheitskeime auf Säuglinge übertragen, darum sollten gerade junge Mütter nicht nur aufs äußerste darauf bedacht sein, daß sie nicht etwa nur selbst ihrem Kinde keinen Schaden zufügen, sondern ganz besonders zu verhüten trachten, daß etwa andere Personen, mit denen ihr Kind zusam- menfommt, solche Krankheitskeime aus ungepflegtem Mund übertragen. Daten für Mittwoch, 2V. Juni. 1520: Luthers Brief an den deutschen Adel er- scheint; — 1620: Tillys Sieg über Herzog Christian von Braunschweig bei Höchst; — 1827: der Theologe Bernhard Weiß in Königsberg geboren (gestorben 1918); — 1849: der Dichter Franz von Schönthan in Wien geboren (gestorben 1913); — 1868: der Schriftsteller Walter Bloem in Elberfeld geboren; — 1933: Danzig unter nationalsozialistischer Führung: Dr. Rauschning Senatspräsident. Daten für Donnerstag, 21. Juni. 1864: der Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin ht Winterthur geboren; — 1919: Versenkung der in der Bucht von Scapa Flow internierten deutschen Kriegsschiffe durch ihre Besatzungen. Bornonzcu — Tageskalender für Mittwoch. NS.» Frauenfchaft, 15.30 Uhr, Schiffenberg, Kundgebung. — Nationalsozialistischer Bund deutscher Technik, 18.30 Uhr, Cafe Ebel, Schulungsabend. — Licht- spielhaus, Bahnhofstraße: „Der Traum vom Rhein". — Bergschenke, 20.15 Uhr, 4. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle. — Caf6 Amend, 16 und 20 Uhr, Sommer-Modenschau. — Die Oberhessische Gesellschaft für Natur, und Heilkunde (Naturwissenschaftliche Abteilung) hält am kommenden Freitag, dem 22. Juni, 20 Uhr, im Zoologischen Institut eine Sitzung ab, in der Herr Professor W. I. Schmidt sprechen wird. (Siehe heutige Anzeige.) * ** Verschluß von Wertsendungen mit Kaltsiegeln. Die Deutsche Reichspost hat jetzt auch Kaltsiegel zum Verschluß von Wertsendungen zugelassen, nachdem Versuche ergeben haben, daß mit Kaltsiegellack hergestellte Verschlüsse sich als brauchbar zum Verschluß von Wertsendungen er« wiesen haben. Die Siegelabdrucke werden in der Weise hergestellt, daß aus einem Behältnis (Tube) mit Kaltsiegelmasse eine entsprechende Menge auf Spenden für die ASD. werden eingezahlt ans Konto Nr. 4513 bei der Bezirkssparkasse Gießen. den zu siegelnden Gegenstand aebracht und mit dem Siegel festgedrückt wird. Bedingung ist, daß die Kaltsiegelabdrucke deutlich sind, gut auf dem Verpackungsstoff haften, so daß sie ohne sichtbare Beschädigung des Briefumschlags oder der Hülle nicht abgelöst werden können, und gegen Absplitterung hinreichend widerstandsfähig sind. Auch müssen die Kaltsiegelabdrucke, die meist daran zu erkennen sind, daß sie glanzlos sind, eine gewisse Sprödigkeit wie die Abdrucke des Heißsiegellacks besitzen, barmt ein Versuch des Ablösens an der Abbröckelung sichtbar wird und ein unbefugter Eingriff sofort erkennbar ist. *♦ Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen macht darauf aufmerksam, daß die Beiträge für den Monat Mai bis zum 25. Juni noch ohne Kosten bezahlt werden können. (Siehe gestrige Bekanntmachung.) Große Strafkammer Gießen. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit befaßte sich das Gericht mit dem L. K. aus Reichelsheim, dem die Anklage Blutschande, begangen mit seiner Tochter, zum Vorwurf machte. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Wegen desselben Deliktes hatten sich die A. Sch. aus Wieseck, deren Schwiegervater I- Sch. und der Schwiegersohn A. V. zu verantworten. Das Gericht erkannte gegen die A. Sch. auf 1 Jahr 7 Monate, gegen I. Sch. auf 1 Jahr und gegen A. V. auf 3 Monate Gefängnis. Der Jakob Volz aus Donhausen wurde zu 1 Jahr 2 Monaten Zuchthaus sowie 150 Mark Geldstrafe verurteilt unter Anrechnung von 5 Monaten 2 Wochen Untersuchungshaft. Der Angeklagte unterschlug in seiner Eigenschaft als Gemeinderechner einen Betrag von etwa 11 000 Mark und verwandte das Geld für persönliche Zwecke. Die Veruntreuungen konnte der Angeklagte durch Falschbuchungen ausführen. Auf diese Weise wurde die Gemeinde erheblich geschädigt. Der Vertreter der Anklage hatte eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr 6 Monaten beantragt. Gegen den schon neunmal vorbestraften Otto Cickenscher aus Hof, zur Zeit zwecks Strafverbüßung in Marienfchloß, wurde die Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 21. 3unL 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Von Bad Homburg: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Nachrichten. 14.40: Kinderstunde. Grimmsche Märchen, gelesen von Hanna Längen. 15.40: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Scapa Flow zum Gedächtnis! Vortrag von Wilhelm Rockow. 17.45: Aus Zeit und Leben. 18.15: Familie und Rasse. 18.25: Spanischer Sprachunterricht. 18.50: Das Leben spricht! 19: Sommerfahrt zum Neckar und zum Rhein. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. Sonnwendfeier 1934: Die deutsche Jugend huldigt Friedrich Schiller in Marbach! 5 Staffelten der Hitlerjugend laufen insgesamt 3200 Kilometer nach Marbach. 21: Berühmte Operettendialoge mit verbindender Musik. 22: Kleine Unterhaltung. 22.20: Nachrichten. 22.35: Von 1-Meterbrett zum 10-Meter- turm. Alte und junge Meister des Kunstspringens sprechen. 22.50: Nachrichten aus dem Sendebezirk. Freitag. 22. Juni. 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 10: Nachrichten. 1L50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, Saardienst. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.40: Stunde der Frau. Heldinnen der Arbeit. 15.40: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Begegnung mit Bauern. Don Ferd. Lammeyer. 17.45: Kleine Unterhaltung. Kleine Klavier-Musik. 18: Stunde der Jugend. „Sonnwend- Bräuche". Don Ren6 Wirtz. 18.25: Schwimmer als Lebensretter. — Sportschwimmen — Wasserball. Vortrag von Dr. Weiß. 18.50: Griff ins Heute. 19: Mainische Heerstraßen. Hörfolge von Paul Laven. 19.40: Volksmusik. 20: Politischer Kurzbericht. 20.15: Stunde der Nation. Richard Wetz, ein schlesischer Komponist. 21: Vom Vorstadttanzboden zum Hofball (I). Aus der Jugendzeit des Wiener Walzers. 22.20: Nachrichten. 22.35: Nachrichten aus dem Sende bezirk. 22.45: Kleine Unterhaltung. 23: Hörbericht vom Deutschlandflug 1934. 23.15: Vom Schicksal des deutschen Geistes. Ludwig Richter. Gedenkstunde anläßlich seines 50. Todestages (19.6). Von Dr. Walter Schürmeyer. 24 bis 1: Berühmte deutsche Chöre. Lugend und Hochschule. Interessante Zahlen von den deutschen Hochschulen. Von Or. K. v. Mangoldt. Die großen Umwälzungen, welcke die gewaltigen Zeitereignisse naturgemäß an unseren Hochschulen herbeiführen, lassen das Bedürfnis nach zahlenmäßiger Feststellung der Tatsachen besonders stark erscheinen. Da kommt der neue Band der amtlichen Deutschen H 0 ch s ch u l st a t i st i k sehr gelegen. Er enthält außer dem Tabellenwerk eine größere Abhandlung „Das Studium an den deutschen wissenschaftlichen Hochschulen im Sommer 1933" von Oberregierungsrat Dr. Keller vom Preußischen Statistischen Landesamt, die, in lichtvoller Darstellung und begleitet von zahlreichen Tabellen im Text, eine Fülle von interessanten und wichtigen Mitteilungen bringt. Zunächst tritt auch hier wieder mit großer Deutlichkeit die außerordentliche, ganz unnatürliche zahlenmäßige Aufblähung des akademischen Studiums, besonders in der Nachkriegszeit, hervor. In den Jahren 1872 bis 1880 kamen auf je 100 000 im Alter von 18 bis 30 Jahren stehende Personen der Reichsbevölkerung erst insgesamt 291 Studierende an inländischen Hochschulen, im Jahre 1900 waren es bereits 427, im Jahre 1910 war die Zahl auf 553 gestiegen und ist dann in dem verarmten Deutschland der Nachkriegszeit bis auf 925 im Sommersemester 1931 emporgeklettert. In den letzten beiden Jahren ist dann allerdings ein Rückgang eingetreten, aber im Sommersemester 1933 waren es immer noch 787, also weit mehr als vor dem Kriege. Zur Abschwächung dieser Tatsachen ist angeführt worden, daß die Studiendauer sich verlängert habe, daß bei den neu akademisierten Berufen, z. B. den Volksschullehrern, dem vermehrten Zugang zu den Hochschulen auch eine vermehrte Nachfrage durch neue Stellen für die Akademiker gegenüberstehe, und daß bei den Frauen ein höherer Prozentsatz als bet den Männern für vorzeitiges Ausscheiden aus dem Studium abzuziehen sei. Allein die Kellersche Arbeit hält diese Erklärungsgründe für weitaus nicht ausreichend, also die Aufblähung der Zahl der Studierenden im Verhältnis zur Bevölkerung trotzdem für gegeben. Die Gesamtzahl der inländischen Studierenden an den deutschen wissenschaftlichen Hochschulen ist in runden Ziffern von dem Höchststände im Sommersemester 1931 mit 131 000 auf 123 000 im Sommer 1932 und auf 110 000 im Sommer 1933 g e - fallen. In diesem Zusammenhänge erhebt sich die Frage, wie weit etwa die amtlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Zudranges zu den Hochschulen bereits für das vorige Sommersemester gewirkt haben. Diese Maßnahmen bestanden bekanntlich in der Kontingentierung der Zahl der jüdischen Studenten, in dem offiziellen Abraten vom Hochschulstudium gegenüber nicht geeignet erscheinenden Abiturienten durch die Abgangsschulen, in der Einführung eines freiwilligen W e r k Halbjahres der Abiturienten und in einem von den Spitzenverbänden der Wirtschaft unternommenen Versuche zur Unterbringung von Abiturienten als Lehrlinge in Handel, Industrie und Handwerk. Die Kellersche Arbeit schätzt, daß Ostern 1933 höchstens etwa 6500 Personen durch diese Maßnahmen von den Hochschulen ferngehalten worden seien, wahrscheinlich aber weniger. Sehr bedeutend, wenn auch der Gesamtmasse der Studenten gegenüber zahlenmäßig natürlich nicht ausschlaggebend, war für das Sommersemester 1933 gegenüber Sommer 1932 der Rückgang des nicht arischen oder nicht voll arischen Elementes. Der prozentmäßige Anteil, der von den Osterabiturien- ten dieser Art 1933 auf die deutschen wissenschaftlichen Hochschulen für das Sommersemester überging, war nur knapp ein Drittel so groß wie der Anteil, der von der Gesamtzahl der Osterabiturien- ten diesen Uebergang vollzog. Die Zahl der reichs- deutschen Studenten jüdischer Rasse überhaupt, also nicht bloß des ersten Semesters, andererseits aber ohne die Mischlinge, ist vom Sommer 1932 auf Sommer 1933 von 3950 auf 1908, also um mehr als die Hälfte, gesunken.________________________ I Mit dem Anteil der studierenden Abiturienten an der Gesamtzahl der Abiturienten ist überhaupt ein wichtiger Punkt berührt. Daß längst nicht alle Abiturienten zum Studium auf einer wissenschaftlichen Hochschule übergehen, ist ja selbstverständlich, aber es wird doch manchen überraschen zu hören, daß dieser Uebergang auf inländische Hochschulen Ostern 1933 nur bei 33,4 o. H. dieser Abiturienten stattfand (einschl. der Studenten des ersten Semesters aus früheren Avituriumsjahrgängen). Im Jahre 1931 betrug dieser Prozentsatz noch 61,8 d. H. und 1932 noch 46,4 v. H. Diese Zahlen sind von besonderer Wichtigkeit für die Beurteilung der neuesten amtlichen Maßnahme gegen die Hochschulüberfüllung, bie Beschränkung der Zahl der Abiturienten, denen die Hochschulreife zuerkannt werden darf, für Ostern 1934 auf 15 000. Es erscheint erklärlich, daß nach einer amtlichen Verlautbarung mit einer weiteren Herabsetzung Der Zahl der für hochschulreif zu erklärenden Abiturienten unter 15 000 in den kommenden Jahren zu rechnen ist. Sehr interessant ist auch die Herkunft der reichsdeutschen Studierenden nach der Größe der Herkunftsorte und die Verteilung auf Großstadt- und andere Hochschulen. In beiden Beziehungen spielt die Großstadt eine hervorragende Rolle. Fast 86 v. H. der Studenten stammen aus der Stadt, und Arnar ungefähr je zur Hälfte aus Großstädten einerseits, aus Mittel- und Kleinstädten andererseits; nur rund 14 v. H. sind auf dem Lande beheimatet. Andererseits entfallen auf die Hochschulen in den Großstädten zwei Drittel, auf die in den anderen Städten nur ein Drittel aller Studenten. Die Studierenden aus den Mittel- und Kleinstädten und vom Lande besuchen in viel höherem Maße die Großstadthochschulen als umgekehrt die Studenten aus den Großstädten auf die Hochschulen der kleineren Orte gehen — das Ganze ein Beleg für die weitgehende Verstädterung unseres Geisteslebens. Noch vieles Wissenswerte und Interessante ließe sich aus diesem Bande der Hochschulstatistik anführen; es lohnt sich, zu ihm selber zu greifen. Bon deutschen Landerziehungsheimen. Das Werk von Hermann Lietz und Alfred Andreesen. Von Geh. Mgierungsrat Or. Borbein. Im April 1898 sammelte der 30jährige Hermann Lietz in Ilsenburg am Harz eine Schar von Knaben um sich, die er in enaer Verbundenheit mit Boden und Volk zu deutschen Männern erziehen ! wollte. Wie die zur selben Zeit entstandene Ju- I gendbewegung, aber unabhängig von ihr, trat er i damit in bewußten Gegensatz zur Großstadtkultur und zu den stofflich überladenen öffentlichen höheren Schulen. Aus diesen bescheidenen Anfängen ist im Laufe weniger Jahrzehnte das große Werk | der deutschen Landerziehungsheime erwachsen, das heute einen an Blüten und Früchten reichen Zweig unseres Bildungswesens darstellt und sich weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hoher Anerkennung erfreut. Schon drei Jahre nach । der Gründung erwies sich das Heim in Ilsenburg als zu eng, es wurde 1901 Haubinda in Thüringen gegründet; daran schloß sich 1904 Bieberstein in der Rhön, endlich 1914 das Landwaisenheim Vecken- stedt am Harz. Damit war äußerlich ein gewisser : Abschluß erreicht, für jede der drei Altersstufen ' (Kind, Knabe, Jüngling) war eine besondere Anstalt ■ vorhanden, so daß die Schüler, ihrer körperlich- geistigen Entwicklung entsprechend, im dreimal wiederholten Anlauf Anfang, Mitte und Ende jeder 1 Altersstufe fruchtbar durchleben konnten. In ihrem ! innersten Wesen war Lietz' Schöpfung das Werk ! der in ihm ruhenden vaterländischen Kräfte. Wie i er zeitlebens stolz war auf seine Herkunft aus bäuerlichem Geschlechte (Insel Rügen), so wollte । er auch seine Schüler in der Volksverbundenheit ' erhalten und, sofern sie sie verloren hatten, zu ihr zurückführen. Die ländliche Umgebung sollte nicht der bloße Schauplatz der Erziehung sein, sondern der Quellbezirk des neuen, in der Gemeinschaft von i Lehrern und Schülern zu weckenden Lebens. Durch seine Universitätsstudien war der Bauernsohn durch- । tränkt worden mit dem Geist des deutschen Idealismus. Ihr eigentliches Ethos haben aber die Lanb- I erziehungsheime erst durch den Mann erhalten, der zur Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands den ersten Weckruf zur nationalen Wiedergeburt ertönen ließ, Joh. Gottlieb Fichte, der auch den Heutigen noch als der Heros der deutschen Freiheitsbewegung gilt und in alle Zukunft gelten wird. In seinen 1808 in dem von Franzosen besetzten Berlin gehaltenen Reden an die deutsche Nation zeichnete Fichte aus Grund eigenen Erlebens in der Fürstenschule Schulpforta ein Idealbild der künftigen Nationalerziehung. Hier finden wir die Tafel Der neuen Werte, die auch für Lietz Geltung gewannen: die Erfassung des ganzen Menschen, den Primat der Charakterbildung vor dem Unterricht, die Schätzung des Einzelnen nach der Leistung, nicht nach Herkunft und Besitz, die Gleichsetzung der Kopf- und Handarbeit, die praktische Pflege der sozialen Gesinnung, den Stolz auf das eigene Volkstum. Indem dieser Fichtesche Geist die Landerziehungsheime durchdrang, verknüpfte er sie gleichzeitig über Schulpforta mit dem Gemeinschaftssinn der mittelalterlichen Klosterschulen und der Persönlichkeitspflege der Reformation. Lietz stand auf der Höhe seines pädagogischen Wirkens, als der Weltkrieg ausbrach. Er zögerte keinen Augenblick, als Kriegsfreiwilliger in das Heer einzutreten. Im Felde zog er sich durch übermäßige Strapazen eine schwere Krankheit zu, an deren Folgen er am 12. Juni 1919 starb. In seinem Testament hatte Lietz seine Heime als gemeinnützige Stiftung dem deutschen Volke vermacht. Die Frage seiner Nachfolge stellte den Vorstand dieser Stiftung vor eine verantwortungsvolle Entscheidung. Denn je bedeutender die Leistung eines Führers ist, um so schwerer ist er zu ersetzen. Die Wahl fiel auf den Mann, den der Meister als Mitarbeiter schon gründlich erprobt und sich als feinen Nachfolger gewünscht hatte: Dr. Alfred A n - d r e e s e n. Heute nach 25 Jahren müssen alle, die ihn beruflich oder menschlich, als Schüler, Eltern, Mitarbeiter und Freunde, kennengelernt haben, freudig und dankbar bekennen, daß Alfred Andreesen alle Erwartungen erfüllt und das kostbare Erbe des Gründers der Heime nicht nur erhalten, sondern auch gemehrt und gefördert hat. Der Bahnbrecher Hermann Lietz, in dessen Adern neben dem vorherrschenden norddeutschen auch süddeutsches Blut floß, wie schon sein Aussehen und Temperament erkennen lassen, war ein Willensmensch, eine leidenschaftliche Kampfnatur, fein Leben ein ununterbrochenes Ringen mit den Mächten in ihm und um ihn, sei es nun, daß er den Acker bewirtschaftete, Güter erwarb oder veräußerte, Bauten ausführte, seine Heime organisierte, Lehrpläne entwarf, seine Mitarbeiter wählte und wieder ausschied, weltanschauliche Rätsel zu lösen suchte oder um die Seele seiner Schüler warb. Alfred Andreesen, dem das Geschick die Aufgabe zuwies, das von Lietz angefangene Werk zu vollenden, zeigt bei aller Uebereinftimmung in den pädagogischen Grundsätzen doch ganz andere Wesenszüge. Wenn er auch, wie sein Vorgänger, bäuerlichem Geblüt entstammt, ist er doch nicht völlig der Scholle verhaftet, sondern von ihr durch eine Generation kleinstädtischer Kultur getrennt. Daher gilt seine Liebe neben dem Acker besonders dem Garten, und er zeigt in der äußeren Verwaltung der Heime ausgeprägten kaufmännisch-wirtschaftlichen Sinn. An der ostfriesischen Nordseeküste aufgewachsen, ist er der Rasse nach rein nordisch, daher bei aller Wirklichkeitsnähe und Tatkraft stark nach Erstes Reichsschulungslager für Studentinnen. In Hamburg fand vor kurzem unter Leitung der Reichsreferentin für kulturelle Schulung Dr. Ruth Str ehl-Kiel das erste Reichsfchulungs- lagerfürStuöentinnen statt. Rund fünfzig Vertreterinnen von Den einzelnen deutschen Hochschulen und die Leiterinnen der einzelnen Kreise tarnen in diesem Schulungslager zusammen, um sich durch theoretische Erörterungen und in praktischen Hebungen die Grundlagen und Richtlinien für die kulturelle Schulung der deutschen Studentin zu erarbeiten. Die deutsche Studentin soll nicht mehr als ein rein intellektuelles Wesen schematisch, rein wissenschaftlich zergliedernd an das reiche Gut deutscher Dolksultur heran- treten, sie soll vielmehr selbst im Leben dieser Dolkskultur stehen, mit ihm durch eigenes Erleben innerlich verbunden und verwachsen sein. Sie soll zu einer einfachen, kraftvollen Aufnahme- und auch zur eigenen freien ©eftaltungsfähigfeit im deutschen Dolkskulturleben kommen. Zu einer solchen volkskulturell aufbauenden Schulungsarbeit an den jungen Studentinnen auf den einzelnen deutschen Hochschulen den Leiterinnen dieser Stubentinnen- Hochschulgruppen Anleitung zu geben und den Weg zu weisen, war Aufgabe und Ziel dieses ersten Reichsschulungslagers für Studentinnen. Das schöne Studentinnen-Wohnheim, das die Hamburger Studentinnen sich erst in diesem Semester geschaffen und eingerichtet haben, bot ben Teilnehmerinnen, den Fachkräften und den Gasten in Einzelzelle" und Gemeinschaftsraum eine vortreffliche Lagerunterkunft. Das Hamburger Stu- dentenhaus und die Universität stellten die Räumlichkeiten für die praktischen Hebungen und die Vorträge und Vorlesungen. So war es auch m der Großstadt möglich, eine wirkliche L a g e r - un d Arbeitsgemeinscha ft wahrend der ganzen Daser des Lagers ohne Schwierigkeiten durchzuführen. Hie Arbeit des Schulungslagers stand unter dem Dreiklang der Einheit von Sprache, Bewegrmg, Musik. An den Vormittagen schulte üi praktischen Hebungen Dr. Bode-Berlin die Teilnehmerinnen in Gymnastik, Dr. Kelbetz - Berlin m Volks- lieb- und Kanon-Singen, Frau Dilma M o n ck e - berg übte praktische Sprachschulung und Frau Helms - Blaschke führte in niederdeutsche Tänze (z. B. die alten Dierländer Tänze), Maientänze und sonstige Volkstänze ein. Die Nachmittage waren den theoretischen Vorträgen und Erörterungen vorbehalten. In ihnen wurden die morgendlichen praktischen Hebungen durch theoretische Schulung weiter ausgebaut, so sprach Dr. Bode über „Deutsche Gymnastik und deutscher Tanz", Dr. K e l b e tz über „Die Wieder- belebung der Volksmusik als kulturelles und politisches Bildungsmittel", Frau Mönckebera über „Musische Bildung als neue Wehrhaftigkeit , und Frau Helms-Blafchke über den „Sinn des Volkstanzes". Ergänzt wurde diese Schulung durch die Ausführungen von Professor Dr. Blessin - g e r von der Münchener Musik-Akademie über „Volks- und Kunstmusik" und von Professor Dr. Kern- Berlin über „Die Wiedererweckung des Leibes", „Die Einheit von Leib und Seele" und „Die Kraftquelle der Naturverbundenheit". Der politischen Schulung und der Erziehung zum Nationalsozialismus dienten die Vorträge Andreas Feickerts, des Sekretärs der politischen Fachschaft an der Unioerfität Hamburg, über „Führerpersönlichkeit" und „Fronterlebnis der Kameradschaft", sowie Professor Dr. Kerns über „Die deutsche Umroertung der Werte". Hans Meyer vom Reichsbund für Volkstum und Heimat berichtete über „Kultur im Dritten Reich" und gab in anschaulicher Schilderung einen trefflichen Einblick in die so erfolgreiche praktische Arbeit von „Kraft durch Freude". Eine unvergeßliche Fest- und Feierstunde wird allen Teilnehmerinnen jener Nachmittag bleiben, an dem Hans Friedrich B l u n ck eigene Gedichte, Balladen und seine tiefempfundenen Märchen las. Stadtbesichtigungen, ein Fahrt durch den Hamburger Hafen, ein Besuch auf dem Herbergsschiff der Hitler-Jugend „Hein G ob e n m i n d" vermittelten den Teilnehmerinnen ein Bild von Hamburg und feiner Bedeutung als Welthafen. Ein Schlußabend vereinte alle Beteiligten noch einmal zu einer frohen, kameradschaftlichen Abschiedsfeier, an der als Gäste u. a. auch der Rektor und Professoren der Hamburger Unioerfität teilnahmen. Am letzten Morgen wurde dann dieses erste Reichsschulungslager für Studentinnen, wie es begonnen worden war, mit dem Gruß an die Fahne geschloffen. An den einzelnen deutschen Hochschulen soll es Ausgabe der Teilnehmerinnen dieses Reichsschulungslagers sein, ihre Kameradinnen im Geiste echter deutscher Volkskultur und Volksgemeinschaft zu schulen, eine Aufgabe, die heute vielfach noch nicht ganz einfach ist, aber von Semester zu Semester leichter werden wird, je mehr der Nachwuchs der deutschen Studentinnen aus jenen Kreisen heranwächst, die bereits durch ihre langjährige Zugehörigkeit zu den Hitler-Mädels mit echtem Kampfgeist erfüllt und von Jugend an in echter Volks- gemeinschaft ausgewachsen sind. E. M. Werkstudenten in LlGA. Von 3. Anders Diele junge Leute nehmen auch in Amerika für ihr Studium ein entbehrungsreiches Dasein auf sich, indem sie Studiengelder oder Unterhaltungskosten sich in ihren Freistunden erarbeiten. In vielen Universitätsstädten besteht ein großer Prozentsatz der Kellner und Küchengehilfen aus Studenten. Wohl die Mehrzahl der Studenten aber mietet sich bei einer Familie ein. In .den Städten Amerikas, denen eine Universität oder eine bedeutende Lehranstalt das Gepräge gibt, sind private Studentenheime entstanden. In Davenport (Iowa) stehen diese freundlichen Holzhäuser am Rande breiter Chausseen, auf herrlichen Rasenflächen unter hohen alten Bäumen. Heber einige Stufen erreichen wir den Eingang zu einer Veranda, die eines dieser Häuser umgibt. Sechs Studenten haben hier ihr Heim gefunden. Sie alle bewohnen Zimmer, die für eine eigene Haushaltung eingerichtet sind. Jeder hält sein Zimmer selbst sauber, viele der Studenten und Studentinnen kochen sich ihr Essen selbst. Sehr beliebte Mahlzeiten zum Selbstherstellen sind Mais- kolben, die nur fünf Minuten lang im Salzwasser abgekocht werden und die man mit Salz und Butter ißt. Im Sommer ist bei 104 Grad Fahrenheit das Lernen im Sitzen fast unmöglich, die Studenten versuchen ausgestreckt auf ihrem Diwan oder ihrem Bett sich für die Examina vorzubereiten. Die Professoren halten Vorträge über Vorsichtsmaßregeln während der Hitzeperiode, da viele Studenten immer wieder Unvorsichtigkeiten begehen, z. B. Unmengen von Eis verzehren und die Füße beim Lernen in eisgekühltes Wasser halten. Zwei- bis dreimal am Tage werden die Kleider gewechselt, vier- bis fünfmal ein kaltes Bad genommen. Im Winter dagegen muß stark geheizt werden, um die Kälte fernzuhalten. Die Stuben werden durch einen Ofen vom Keller aus geheizt. Vom Ofen aus steigen so viele Röhren nach oben, wie sich Zimmer im Hause befinden. Die Zimmer haben einen doppelten Fußboden, und aus einem Loch, das durch ein innen gekehrt, bis zum Grüblerischen und zur religiösen Hinaabe. Die Natur hat ihn mit Gaben reich ausgestattet. Er ist allen körperlichen Hebungen in Turnen und Sport ergeben, wie er denn auch als Offizier im Felde vorbildlich wirkte. Neben seinen vielseitigen theoretischen Anlagen, die sich ebenso auf weite Gebiete der Mathematik wie auf Natur- und Geisteswissenschaften erstrecken, tritt ein ausgesprochener künstlerischer Sinn und das Bedürfnis, sich handwerklich zu betätigen. Die von Haus aus in ihm ruhenden Keime eines unermüdlichen Schaffenstriebes, des Opfersinnes und dec gefühlsmäßigen Verbundenheit mit Familie, Freunden und Volksgenossen sind durch Erziehung und Lebenserfahrung früh entwickelt und haben sich durch seine Arbeit als junger Lehrer in den Heimen bald zu voller Blüte entfaltet. Die anderthalb Jahrzehnte seiner Tätigkeit als Oberleiter haben Alfred Andreesen Gelegenheit gegeben, alle seine leiblichen, geistigen und seelischen Kräfte für die aroße von ihm übernommene Aufgabe voll auszunutzen. Warum Auslandsstudium? Von Günter Kaufmann. Man muß sich darüber klar fein — das gilt für Auslandsreisende im allgemeinen — daß jeder Deutsche jenseits der Reichsgrenzen als Repräsentant unseres Volkes angesehen wird, sich aber auch so zu fühlen hat, und sich dementsprechend verhalten muß. Der nationalsozialistische Staat hat ein ganz besonderes Interesse daran, daß nicht der kleine minderwertige Teil des Volkes im Ausland als Vertreter des nationalsozialistischen Deutschlands auf» tritt, sondern daß Menschen, die eine feste innere Haltung auf dem Boden der neuen Weltanschauung haben, draußen als Repräsentanten der im Ausland so verleumdeten Bewegung gelten und allein durch ihr Auftreten und ihre Anwesenheit die Verlogenheit irgendeiner feindlichen Propaganda beweisen. Auch bei den deutschen Studenten wird man von dem Grundsatz ausgeben, daß lieber wenige, qualitativ tüchtige ins Ausland gehen sollen, als eine große Zahl, unter der sich Leute finden, welche die notwendigen Voraussetzungen nicht mitbringen. Die qualitative Auslese auf den höheren Schulen, die Beschränkung des Zuganges zur Hochschule, die politische Erziehung im Arbeitsdienst, Kameradschaftshaus, den Korporationen und die soziale Grundhaltung der Jugend sind Faktoren, welche naturgemäß auch dem Auslandsstudium eine größere Bedeutung zukommen lassen, weil der Student jetzt mit fester weltanschaulicher Haltung und politisch erzogen ins Ausland geht, während er vorher meistens nur das stolze Bewußtsein mitbrachte, alles tun und lassen zu können, was er wolle. Obwohl die neue Jugenderziehung ein charakterlich einwandfreies Menschen- inaterial schon garantiert, muß man die Maßnahmen der Studentenschaft wärmstens begrüßen, in gewissem Maße die Genehmigung über die Anerkennung und Anrechnung der Auslandssemester von ihrer Zustimmung zum Besuch einer ausländischen Hochschule abhängig zu machen. Bei ihrem Entscheid kann sie sich auf ein Urteil des Hitlerjugendführers, des Kameradschaftsführers, der Kameraden im Arbeitsdienst, dem Fachschaftsführer oder des SA.- Hochschulamts verlassen. Wenn man an den Auslandsstudenten die Frage stellt, warum er gerade sein Studium an einer Hochschule jenseits der Reichsgrenze betreibt, so wird man in 90 von 100 Fällen Die Antwort erhalten: ich will die Fremdsprache erlernen. Dieses Motiv ist vollkommen anzuerkennen, allein Der Ausländsaufenthalt darf nicht unter das Motto: „Schnellste Erlernung der Fremdsprache" gestellt werden. Es ist völkische Pflicht, mit seinen Landsleuten, und zwar nicht nur mit Kameraden, sondern vor allem mit der deutschen Kolonie, d. h. den ortsansässigen Ausländsdeutschen zusammenzukommen. (Dagegen soll man nicht im Ausland studieren, wenn man glaubt, an der Besserung innerstaatlicher Verhältnisse Des anDeren Volkes mithelfen zu müssen; Messingnetz abgeschlossen ist, steigt unaufhörlich Die warme Luft empor. Jeder Student besitzt einen kleinen Radio-Apparat. Einer der Drähte ist an Der Gasleitung befestigt, Der andere an Der immer gleichen eisernen Stehlampe neben Dem unvermeidlichen Schaukelstuhl. In diesem liegt Der Hörer behaglich ausgestreckt unb läßt sich von ben MeloDien der ganzen Welt umschwingen. An freien Tagen wirb gründlich reingemacht und ausgebessert, mit gegenseitiger Unterstützung. Dvt macht Das Essen, und Mell putzt Dafür Die Fenster. Die Studenten schneiden sich gegenseitig die Haare mit richtigen Frisierinstrumenten. — Einer der Studenten im Haus ist gewöhnlich Besitzer eines Autos, und am Sonntag fahren alle mit ihm hinaus in Die unabsehbaren Maisfelder Der Umgebung, in die wild bewachsenen Parks oder an Die Ufer der Flüsse. In Der Freizeit treiben Die Studenten natürlich Sport. Sehr beliebt ist „Basket Ball". Dieses Spiel kann auch im geschlossenen Raume gespielt werden, und es ist Den Studenten hierfür die Aula zur Verfügung gestellt worden. Lampen und Uhr wurden durch Drahtkörbe geschützt. Bei großen Festlichkeiten und Zusammenkünften fahren alle Studenten mit ihren ausländischen Gästen zu einem Picknick, gegen 3000 Menschen in ungefähr 750 Automobilen, Die mit buntem Papier geschmückt sind. Der Verke.hr ruht in Davenport, während dieser Zug durch die Straßen der Stadt fährt. Die Leiter Der Veranstaltung erteilen Kommandos durch große Sprachrohre. Unter alten Bäumen werden schon am Morgen Koch- und Backherde aufgestellt und von den Küchenangestellten der Schulen die einfachen Gerichte hergestellt, die am Abend unentgeltlich gereicht werden. Hier setzen sich die 3000 in großem Halbkreis zusammen, Professoren, Gäste und Studenten mit ihren Angehörigen. Die Professoren legen keinen Wert auf Titel und Würde, viele lassen sich von Den Studenten bei ihren Vornamen oder Necknamen nennen, Dick oder Teddy, oder mit Den Anfangsbuchstaben, z. B. „B.J." In der Mitte Des Halbkreises ist ein Filmapparat aufgestellt, Der, sich langsam von links nach rechts drehend, die ganze Festgesellschast aufnimmt. Dann werden Spiele gespielt, wie Sackrennen, Ballspielen und andere Wettspiele. Nach einem heiteren, kameradschaftlich verlebten Tage fahren Die 3000 Menschen in ihren 750 Automobilen durch Die Sternennacht zurück zur Stadt. Oberheffen Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden Vistra-Blusenstoffe, Vistra-Georgettes, Vistra-Mattseiden, Vistra-Tafte, Vistra-Leinen für elegante Straßenkleider, Abendkleider, Komplets, Strandanzüge SE lisch-französische Konferenz von studentischen Vertretern stattgefunden, die viel dazu beigetragen hat, daß der ausländischen Äugend nicht soviel Gift gegen Deutschland eingeträufelt wurde, wie das den interessierten Kreisen vielleicht lieb gewesen wäre. Ich erinnere ferner an die Tagung des Weltstudentenwerkes im Kloster Ettal vom Juni 1933, die ebenfalls der internationalen Zusammenarbeit unter den Studenten und damit also auch der Jugend aller Länder gedient hat. Schließlich mögen als Beispiel aus der Arbeit des Austauschdienstes noch die Deutsch-englischen Schulungswochen von Oxford vom August vorigen Jahres hervorgehoben werden. Es geht heute um mehr als um die alte Wahrheit: wer das Ausland kennt, lernt seine Heimat lieben — heute geht es vor allem darum, Sendbote neuen deutschen Willens im Ausland zu sein. Hier kommt es auf dich an, deutscher Student! Gießen • Seltersweg 71 Das Spezi al-Geschäft für gute Qualitäten __-_____________3677 A nicht, daß man dem politischen Leben dieses Staates fernbleiben soll — nur mittun und eingreifen soll man nicht). Die Zusammenarbeit mit der Hochschuljugend und den Akademikern anderer Nationen wird durch den „Deutsch-Akademischen Austauschdienst" gepflegt, der auch in vorbildlicher Weise das Auslandsstudium unterstützt. Vor allem steht er den jungen, ins Ausland gehenden Studenten mit seinem zuverlässigen Rat zur Seite und ermöglicht einer beschränkten Zahl, die allerdings schon eine Fremdsprache beherrscht und notwendige Voraussetzungen aufweist, einen kostenlosen Auslandsaufenthalt, der in der Hauptsache der gegenseitigen Fühlungnahme zwischen den Exponenten der Jugend der einzelnen Länder (hauptsächlich Frankreich, England und Amerika) dient. So hat, während Teile her ausländischen Presse vielfach gegen das neue Deutschland hetzten, in Leiden 1933 eine deutsch-eng- nachften Jahre vorgenommen. — Eine der ältesten! Mitbürgerinnen unserer Stadt, Frau Witwe Elisabeth Jung, wurde im hohen Alter von 87 Jahren am Freitagnachmittag zu Grabe getragen. Kreis Friedberg. LPD. Friedberg, 19. Juni. In einem Weiher des Bergwerksgeländes Wölfersheim ertrank der Gärtnerlehrling W. Ulrich. Er befand sich mit zwei Freunden auf einem Floß. Alle drei rutschten von dem Floß ab und fielen ins Wasser. Zwei konnten noch das Ufer erreichen, während Ulrich in die Tiefe sank. Die Leiche des Ertrunkenen konnte nach längerem Suchen gelandet werden. Ein Bruder des Er- trunkenen kam vor einigen Jahren beim Hantieren Ausgaben 2764,24 Mark. An Reichssteuern floß im Rechnungsjahr 1932 die Summe von 8631,30 Mark in die Gemeindekasse, während von den Einwohnern noch 24 708,66 Mark an Gemeindeumlagen aufzubringen waren, deren Erhebung 855,55 Mark an Ausgaben erforderte. Kapitalzinsen mußten 184,57 Mark bezahlt werden, während für Schuldentilgung 375 Mark benötigt wurden. An Kapitalvermögen waren im Berichtsjahr vorhanden 7536,60 Mark als Geländeerwerbsfonds, 1757,24 Mark als Ausgleichsfonds, 7216,10 Mark an Gemeindekapitalien, 2392,88 Mark als Mobilar- erneuerungsfonds und 2966,42 Mark als Wegunterhaltungsfonds. Die Kapitalschulden, es waren Aufwertungsschulden, betrugen nur 1875 Mark. a. Klein-Linden, 19. Juni. Die Milch- a b sa tz g e n o ss e n s ch a f t Klein - Linden G. m. b. H. hielt dieser Tage in Gegenwart des Kreisbauernführers Dorrschuck und des hiesigen Ortsgruppenleiters in der Wirtschaft „Zum deutschen Hof" eine außerordentliche Generalversammlung ab. Den Vorsitz der Versammlung führte Landwirt Wilhelm V o l k m a n n, der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Nachdem der seitherige Direktor der Genossenschaft seinen Rücktritt erklärt hatte, war die Ernennung neuer Vorstandsmitglieder nötig geworden. Der Kreisbauernführer berief den Landwirt Philipp Jung XX. zum Genossenschaftsdirektor, während die übrigen Aemter folgende Personen inne haben: Ludwig Weigel XVII. als stellvertretender Direktor, Heinrich Bechtold als Rechner, Friedrich Langsdorf und Konrad Lotz II. als Vorstandsmitglieder. Dem Aufsichtsrat gehören an Wilhelm Volkmann als Vorsitzender und die Landwirte Ludwig Jung XVI., Wilh. Schmidt, Wilhelm Theiß, Karl Hinterlang und Philipp Weigel VI. Direktor Jung gab noch bekannt, daß die neu eingerichtete Kühlanlage in der Wetzlarer Straße, zu der die Gemeinde 400 Mark zugeschossen hat, fertiggestellt ist und ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Heber die kommende Viehverwertung verbreitete sich in längeren Ausführungen Kreisbauernführer D ö r rs ch u ck , während der Ortsgrupvenleiter über die Judenfrage svrach. Mit dem Sieg-Heil auf unseren obersten Führer und Volkskanzler wurde die Versammlung geschlossen. ch Klein-Linden, 19. Juni. Die hiesige G e - meinnützige Baugenossenschaft e. G. m. b. H. hielt dieser Tage ihre Jahreshauptversammlung in der Gastwirtschaft „Zur deutschen Eiche" ab. Sie wurde von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Weißbin- bermeifter V i e h m a n n, eröffnet. Dem vom 23er» einsfllhrer August Luh erstatteten Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß im vergangenen Jahre nahezu 1000 RM. für Instandhaltung der Wohnungen und Entwässerung der Hausgärten verausgabt wurden. Im lausenden Jahre sollen wieder größere Hausinstandsetzungen vorgenommen werden und soweit die Geldbeschaffung möglich wird, die drei Doppelwohnhäuser an der Frankfurter Straße Außenverputz erhalten. Der Mitgliederbestand betrug am Ende des vergangenen Jahres 54. Kassenwart Wilhelm Rinn gab den Jahresabschluß und erlag heute morgen den erlittenen schweren Verletzungen. Kreis Büdingen. X Nidda, 19. Juni. Gegen 3 Uhr mußte die hiesige Feuerwehr alarmiert werden, da in der Garage des Hotels „Zur Traube" zwei Autos in Brand geraten waren, vermutlich durch Selbstentzündung des einen. Durch rasches Eingreifen und die herrschende Windstille wurde glücklicherweise eine Verbreiterung des Brandes in anstoßender Scheuer und den dicht anschließenden Nachbarsgebäuden verhindert. Die beiden Autos, die unversichert sind, verbrannten vollständig. — Gegenwärtig ist man endlich mit der Herstellung der seit 3/< Jahren unfertigen Ludwigs-, sowie der mittleren und unteren Bahnhofstraße beschäftigt. Der östliche, seit vorigem Herbste nur mit Randsteinen versehene Fußsteig wurde erst vor etlichen Wochen durch Erdauffüllung in großer Masse geebnet und mit Basaltsplitt abgedeckt. Erst später, wenn sich die Erde gesetzt hat, wird es mit Kleinpflaster oder Zementplatten belegt. Kreis Alsfeld. —.— Homberg, 18. Juni. Am Sonntagabend veranstaltete der 35 Mann starke Musikzug des Sturmes 254 in der hiesigen Stadthalle ein Konzert. Diele Zuhörer hatten sich eingefunden. Die Kapelle brachte hauptsächlich Märsche. Potpourris und neue Lieder zu Gehör. Die Darbietungen zeugten von sehr guter Schulung. Das Publikum spendete reichen Beifall und erzwang sich Zugaben. Als Abschluß des Konzertes spielte die Kapelle den großen Zapfenstreich, der im Deutschlandlied und Horst-Wessel-Lied ausklang. — Dieser Tage verunglückte die 56jährige Landwirtsfrau Greta Firnhaber von hier. Sie kam in der Scheune zu Fall und erlitt schwere Schulterverletzungen. Die bedauernswerte Frau wurde in die Chirurgische Klinik zu Gießen eingeliefert. st. Kirtorf, 19. Juni. Am vergangenen Sonntag wurde den beiden Ehrenvorsitzern des hiesigen Männergesangvereins „Liederkranz", Hrch. L a t h e r und Ludwig Maar, die ihnen vom Hessischen Sängerbund in Anerkennung und Würdigung ihrer langjährigen Mitgliedschaft und Verdienste im Verein verliehene goldene Ehrennadel durch den Vorsitzenden des Vereins Wilh. Lather überreicht. Heinrich Lather gehört 69 Jahre und Ludwig Maar 57 Jahre dem Gesangverein an. Beide gehören seit langer Zeit dem Vorstand an. # Ober-Ohmen, 20. Juni. Gegenwärtig werden hier die Obstbäume unter Leitung des Baumwarts Sann mit Schwefelkalkbrühe gespritzt, um dem Ueberhandnehmen von Raupen und Ungeziefer aller Art, das sich breit macht, entgegenzuwirken. # Ermenrod, 20. Juni. Nachdem die Materialien am Schellnhäuser Berg angeliefert sind, ist dieser Tage mit der Pflasterungsarbeit dieser im Notstandsprvgramm vorgesehenen Straßenstrecke begonnen worden. Als Pflasteruntergrund erhält die Straße eine kräftige Walzschotterunterbettung. Um in den Arbeiten keine Stockung eintreten zu lassen, sind noch weitere Erwerbslose zu den bisher hier schon Beschäftigten zugewiesen worden. 60 Jahre Vilbeler Feuerwehr. LPD. Bad Vilbel, 18. Juni. Aus siebzig Ortschaften des Kreises Friedberg waren die Freiwilligen und Pflichtfeuerwehren zum Vilbeler Kreis- verbandstaa gekommen. Drei Kameraden aus Ober- Mörlen und sechs aus Münzenberg wurden durch Ueberreichung von Ehrenzeichen für jahrzehntelange Dienstzeit belohnt. Am Nachmittag nahmen am Festzug auch die Freiwilligen Wehren Nied, Berkersheim, Sackbach und Griesheim aus Frankfurt teil. Anschließend fand auf dem neuen Festplatz ein Volksfest statt, bei dem Bürgermeister Seitz die Festansprache hielt. Am Mittag hatte vor Beginn des Festzuges ein großer Probealarm und eine Hebung stattgefunden. Es war ein Brand des Vilbeler Rathauses angenommen worden. Kreisinspektor Füller- Friedberg belobte bei der Kritik die unter Leitung von Oberbrandmeister Gleichmann durchgeführte Hebung. Eine besondere Note erhielt der Derbandstag dadurch, daß er gleichzeitig mit dem Jubiläum des 60jährigen Bestehens der Vilbeler Freiwilligen Feuerwehr zu- fammenfiel. 00 Klein-Linden, 19. Juni. Die Gern e i n d e r e ch n u n g vom Jahre 1932/33, die in der jüngsten Gemeinderatssitzung durchberaten worden war, lag die letzten Tage zu jedermanns Einsicht offen. Aus derselben ist als bemerkenswert zu berichten: Die Summe aller Einnahmen beträgt 461 387,06 Mark, die aller Ausgaben 446 807,73 Mark, so daß ein Rechnungsrest von 14 579,33 Mark verbleibt, der sich am Stichtag zusammensetzt aus einem baren Vorrat von 10136,85 Mark und aus 4442,48 Mark in Ausständen. Vom Jahr 1931 wurde ein Rechnungsrest von 27 448,41 Mark übernommen. Die Gemeindegebäude erbrachten in Einnahme 2129,70 Mark und verlangten an Aufwendungen 916,95 Mark. In der Rubrik „Wasserversorgung" erscheinen 348 238,93 Mark in Einnahme und 371 360,87 Mark in Ausgabe. Die Einnahmen aus der Abteilung „Allgemeine Verwaltung" sind mit 3605,70, die Ausgaben mit 14 018,73 Mark verbucht. Das Kapitel „Oeffentliche Sicherheit" zeigt in Einnahme 207,91 Mark und in Ausgabe 90,86 Mark. In der Abteilung „Feuerlöschwesen" stehen einer Einnahme von 1389 Mark in Ausgabe 700.40 Mark aegen= über. Die Armenpflege kostete der Gemeinde 2611,73 Mark, von denen 994,82 Mark wieder vereinnahmt wurden. Für die Schulen waren durch die Gemeinde 6367.99 Mark aufzubringen, eingenommen wurden 1208,10 Mark. Der Zuschuß zur Evangelischen Kirche betrug 693,11 Mark. Die Stra ßen - herstellungskosten s'nd mit 5188,52 Mark angeführt, gegenüber 401,05 Mark in Einnahme. Für Kanalanlage wurden 1444,04 Mark benötigt; die Einnahmen in dieser Rubrik mit 29 664,92 Mark enthalten bereits Zuschüsse zur in Arbeit genommenen Neukanalisation des Dorfes. Beim Kapitel „Allgemeine Wohlfahrtspflege" erscheinen in Ausgabe 24 340,10 Mark, denen keinerlei Einnahmen entgegengestellt werden konnten. Die Wohnungsfürsorge bringt an Einnahmen 3062,51 Mark, an die Versammlung. Leihgestern, 19. Juni. Am vergangenen Sonntag weilte der Gustav Adolf- Frauenverein Nieder-Ohmen bei der hiesigen evangelischen Frauenhilfe zu Besuch, diesmal in Begleitung der Feuerwehrkapelle, unter der Leitung ihres bewährten Kapellmeisters Georg Kaiser. Unter Vorantritt der Musik zog die frohe Schar, abgeholt von ihrem ehemaligen Pfarrer, unter strahlendem Sonnenschein durch das Dorf in die Kirche, zur Teilnahme am Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt, umrahmt von Musik und Liedern des Kirchengesangoereins, der Predigtgedanke stand: „Fahr auf die Höhe, mein Volk, fahr empor!". Am Nachmittag versammelten sich die Gäste und Gastgeber im Saal „Zur Krone". Flotte, schneidige Marschmusik brachte sehr bald die rechte Stimmung. Nach dem Vortrag eines von Frl. Anna Seipp- Leihgestern verfaßten Gedichtes durch Frl. Emma Heß, einer Begrüßungsansprache des Ortsgeistlichen an seine alten Freunde, schließend mit einem „Sieg-Heil!" auf den Führer und dem ersten Vers des Horst Wessel-Liedes, folgte auf gemeinsam gesungene Lieder und die des Kirchengesangvereins unter Leitung des Herrn Lehrer Römer- Großen- Linden, die Antwort des Herrn Pfarrer Alt-Nie- der-Ohmen, der in feiner, sinniger Weise den Gedanken des Gottesdienstes für die jetzige Zeit noch einmal unterstrich. Unter Liedern, einer Rede des Herrn Gärtner Laux, Vorträgen in Mundart durst Herrn Karl Heß, Eisenbahnschaffner, dem Austausch alter Erinnerungen und den vollendeten Vorträgen der Kapelle, die große Begeisterung auslösten, ging die Zeit viel zu rasch zu Ende. Um sieben Uhr zogen Nieder-Ohmer und Leihgesterner Frauen in echter Volksgemeinschaft Arm in Arm unter den Klängen des: „Muß ich denn zum Städtelein hinaus" zur Bahn, und nachdem noch manche Weife auf dem Bahnsteig erklungen war, kehrten die Gäste befriedigt zurück. * Rödgen, 19. Juni. Der 30jährige Maurer Otto Becker erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Oberschenkelbruch des linken Beines und mußte in die Chirurgische Klinik in Gießen verbracht werden. D Lich, 18. Juni. Die K a n a l a r b e i t e n in der verlängerten Bahnhofstraße gehen ihrem Ende entgegen. Sobald diese beendet sind, was infolge des dafür günstigen trockenen Wetters in den ersten Tagen zu erwarten ist, wird die Wasserleitung in derselben Straße neu verlegt, da die seither benutzten Rohre zu eng sind und der Druck in den oberen Stockwerken der Häuser nur verhältnismäßig schwach ist. Die Arbeiten dürsten bis zum Herbst beendet sein. Die Straßenherstellung und die Errichtung eines neuen Bürgersteiges werden im bekannt. Die Geschäftsguthaben der Mitglieder haben sich im vergangenen Geschäftsjahr um 1260,87 auf 13 438,85 RM. vermehrt. Der Gesamtbetrag der Haftsumme beläuft sich auf 26 700 RM. Der Aktivabetrag mit RM. 108 257,58 RM. setzt sich hauptsächlich aus dem Anlagevermögen (Wohngebäude) mit über 100 000 RM. zusammen. Unter Passiva bewegen sich außer dem Geschästsguchaben 15 068,01 RM. als Reservefonds, 16 944,76 RM. als Hilfsrück- lage und 25 960,98 RM. als Bauerneuerungsrück- lage. Die Vereinsverbindlichkeiten (Schulden) betrugen am Ende des vergangenen Jahres noch 36 744,77 RM. Die jährlichen Mieteinnahmen betragen 6024 RM. 1040,29 RM. wurden auf die vorhandenen Wohnhäuser abgeschrieben. An Realsteuern wurden im vergangenen Geschäftsjahr 1256,96 RM, an Ka- nalifationsbeiträgen 388,80 RM. und für Schorn- steinreinigungen 28,91 RM. verausgabt. 1773,46 RM. wurden an Hypothekenzinsen bezahlt. Dem _ m in großer AuswahlI ModerneVlStra-StOTT6 Alfred mit einer Pistole ums Leben. * Weckesheim, 20. Juni. Am vergangenen Sonntag ereignete sich ein schwerer Unfall. Die 20jährige Helene E n n e r s, die am Sonntag mit ..... ...... zvr , v . dem Fahrrad zusammen mit einigen Freundinnen derzeitigen Vorstand gehören an: 93ereinsfubrer: unterroegs war, wurde von einem Auto an* Reichsbahnobersekretär Luh, Stellvertreter und gefahren und schwer verletzt. Das be- Schriftwart: Reichsbahnsekretär Karl Klein, Staf= tmuernsroerte junge Mädchen mußte sofort in die stnwart: Verwaltungssekretär Wilhelm Rinn. Der -..... ~~ * - — - - Aufsichtsrat setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden: Weißbindermeister V i e h m a n n, Stellvertreter und Schriftwart: Reichsbahnarbeiter Wilhelm Mähler, Beisitzer: Reichsbahnlokomotioführer Walter Müller, Wilhelm Weller, Mechaniker Beigeordneter Wilhelm Jung XI. und Reichsbahnoberweichenwärter Wilhelm Sch epp. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den großen Führer des Deutschen Reiches schloß der Aufsichtsratsvorsitzende W Größte Waschmaschinenfabrik Deutschi.* Über2000 Werksangehörige, j bwuuM €S4wckb dex, -A’Ü llllllllllllllllllllllllllllll Hiiiiiiiilllllillllllllilllll Trock. Anmachholz liefert frei Keller 1 Wagen 6- RM. ober 1 Sack 1- NM. I. Wellböfer, Marb. Str. 24. £eL2313.[36i4D iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii lllllllllllllllllllllllllllill MIELE- Erzeugnisse In größter Auswahl zu Originalpreisen am Lager. Um zwanglose Besichtigung wird höflichst gebeten. - Für Händler besondere Vereinbarungen. 247ba J. B. Häuser «Gießen Haus- nnd Küchengeräte. 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Sie ist in jeder Größe und dabei noch so billig zu haben bei 8MSa J. B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen, Ruf Nr. 2145/2146 Nr. Ul Drittes Blatt_______________Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)_____________Mittwoch, 20. Juni 1934 [RENSBURl 2^ MÖNCHEN © n JNSTERBUI DaNZI6^*X >®HAMBURG / BRESLAU o c\ EMDEN V KÖLN o 3n der Nacht zum 21. Juni wird auf dem Brocken ein Feuer entzündet werden, das in sechs Strahlen durch ganz Deutschland hindurch bis an die Grenzen des Reiches fortgeleitet wird. Die einzelnen Feuerstätten werden auf Bergspitzen und Höhenrücken in Abständen von je 15 bis 25 km liegen. So werden die Reoolutionsfeuer einen sechsstrahligen Stern bilden, der in Form der altgermanischen Lebensrune sich über das ganze Reich spannen wird. Neuer Vorstoß zum Südpol. Sechzig Eskimohunde warten in England auf die Abreise. lieber die englische Südpolexpedition, die im September dieses Jahres zur Erkundung von Graham-Land aufbrechen wird, sind jetzt die genaueren Einzelheiten bekannt geworden. Ihr Führer John Ryrnill, der schon an dem ersten Vorstoß W a t k i n s’ nach Grönland teilgenommen hat und der nach dem Tode des Forschers die Durchführung der zweiten übernahm, hat sich der tatkräftigen Unterstützung der Regierung und der Königlich Geographischen Gesellschaft versichert. Ein Dreimast- Schoner mit einer 100 P8-Dieselmaschine, der den Namen „Penola" erhält, befindet sich augenblicklich zur gründlichen Ueberholung und Umstellung auf Polarbedürfnisse in Southampton. Zur Ausstattung gehören ein kleines Flugzeug und natürlich die modernsten. Instrumente für wissenschaftliche Untersuchungen nebst zuverlässigem nachrichtentechnischem Material. Man will diesmal vor allem den Fliegern einen wichtigen Teil der Expeditionsaufgabe übertragen. Auf der Erde finden wie gewöhnlich Hundeschlitten Verwendung. Sechzig gute ausgesuchte Eskimohunde sind bereits in Westgrönland gekauft und mit einem dänischen Schiff in England gelandet worden. Die Auswahl dieser treuen Begleiter der sich in das ewige Eis vorwagenden Menschen gehört zum verantwortungsvollsten Teil der Vorbereitungen. Zähigkeit und Zuverlässigkeit der vierbeinigen zotteligen Gesellen haben schon manchen Forscher vor sicherem Untergang bewahrt. Die für die Graham-Land-Expedition bestimmten sechzig Tiere stammen aus der gleichen Gegend, aus der A m u n d s e n seine Hunde für den Vorstoß zum Südpol geholt hat. Die wichtigste Rolle fällt dem Tier zu, das allein an der Spitze voranläuft, während die anderen zum Ziehen der Schlitten zusammengekoppelt sind. Versagen diese Führerhunde, so ist es um die Leistungen der Mannschaften — dazu zählt der Polarfahrer auch seine vierbeinigen Kameraden — schlecht bestellt. Im Ganzen werden zwölf Schlitten mitgenommen. Vier weitere Mitglieder dieser englischen Südpolexpedition haben ebenfalls wie der Leiter an der ersten Watkins-Fahrt in die Antarktis teilgenommen. Für alle Gebiete der Wissenschaft ist vorgesorgt; neben Fliegern und Nautikern sind ein Geologe, ein Biologe und ein Vogelkundler vertreten. Die Bedienung der drahtlosen Station liegt in den Händen eines Signal-Offiziers. Einige Teilnehmer werden mit den Hunden und einem Teil der Ausrüstung England bereits im nächsten Monat verlassen; der Hauptstamm folgt mit der „Penola" erst im September nach und wird mit den übrigen Ende Oktober in Port Stanley Zusammentreffen, wo sich übrigens auch das bekannte Polarschiff „D i s c o v e r y II" einfinden wird. Die Lager werden auf der Deception-Jnsel errichtet. Von dort geht die Fahrt südwärts, so weit es die Eisverhältnisse erlauben. Gelingt es nicht, einen sicheren Standort zu entdecken, wird man zur De- ception-Jnsel zurückkehren und dort weiter- und klimakundliche Untersuchungen durchführen. Jedenfalls wird sich die Expeditionsgemeinschaft in eine Landgruppe von neun und in einer Schiffsgruppe von fünf teilen. Das Flugzeug unternimmt wahrscheinlich schon bald einen Erkundungsflug über die Bransfield- Straße in der Richtung auf Graham-Land. Sobald das Eis offen ist, wird das Schiff nach der Wil- helmina-Bai an der Westseite von Nord-Graham- Land fahren, um das Flugzeug von dort zur Auffindung eines Weges durch Graham-Land nach der Ostseite starten zu lassen. Diesen Vorbereitungen schließt sich die Expedition mit den Hundeschlitten an, und man hofft bei einigermaßen günstigen Bedingungen einen Punkt in der Nähe der Foyn- Jnsel zu erreichen. Die Hauptaufgabe beginnt erst, nachdem das Eis längst der Sübmest- küfte von Graham-Land aufgebrochen ist. Die Teilnehmer rechnen damit, Mitte Februar 1935 mit dem Schiff weiter südwärts vorstoßen zu können und wollen sich so südlich wie möglich auf Graham-Land festsetzen oder gar auf Hearst-Land selber, um sich dort für den Winter einfrieren zu lassen. Die Unternehmungen von dieser Basis aus können noch nicht genauer geplant werden. Man will sich an die Erforschung des Landes wagen, das jenseits de rW e d d e l l - S e e liegt, und das ist eine der größten unbekannten Flächen am Südpol. Der Schlittenreise wird auch diesmal wieder ein Erkundigungsflug vorangehen. Das Ziel ist: festzustellen, ob dieser Teil der Antarktis ein Teil des Hauptkontingents am Südpol ist oder ob er die Fortsetzung von Graham-Land in Gestalt einer Inselkette darstellt. Man will also entdecken, was sich hinter der Weddell-See befindet, und dann soll in der zweiten „Schlitten-Saison" eine Fahrt westwärts unternommen werden, ebenfalls in völlig unbekanntes Gebiet. Im Jahre 1937, wenn das Eis die Fahrt wieder ermöglicht, will die Expedition nach England zurückkehren, was vielleicht im Mai der Fall sein wird. Feldbereimgung und Aeichserbhosgesetz. Von Georg Lind, Rechtsanwalt in Grünberg, Hessen. Die Feldbereinigung bezweckt die Förderung der Landeskultur durch die Anlage von öffentlichen Feldwegen, die eine freie Bewirtschaftung unter Beseitigung des Flurzwanges zulassen, und durch Zusammenlegung zerstreut liegender Grundstücke der einzelnen Eigentümer in eine für die Bewirtschaftung günstigere Lage, Größe und Form. Daneben dient sie in jetziger Zeit besonders der Arbeitsbeschaffung und damit der Verminderung der Arbeitslosigkeit. Ihrem Wesen nach ist die Feldbereinigung ein Eingriff in das Eigentum einzelner zum Wohle der Gesamtheit. Um der ganzen Dorfgemeinschaft zu dienen, bringt sie für den einzelnen gewisse Beschränkungen und befolgt so den Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Daß diese Eingriffe auf gesetzlichem Wege und unter tunlichster Wahrung auch der Interessen des einzelnen vor sich gehen, gewährleistet das F e l d - bereinigungsverfahren mit feinen Organen und feinen Schutzbestimmungen. Es wirft sich hier die Frage auf, inwieweit den Bestimmungen des Feldbereinigungsgesetzes und feines Verfahrens die Vorschriften des Reichserbhofgesetzes entgegenstehen, die die Unveräußerlichkeit und Unteilbarkeit des Grund und Bodens der Erbhöfe auffteUen. Nur bei oberflächlicher Betrachtung kann man auf den Gedanken kommen, es handele sich bei Erbhof und Feldbereinigung um zwei unvereinbare Gegensätze. Beide zwecken letzten Endes das gleiche: Die Erhaltung und Besserstellung des deutschen Bauernstandes. Feldbereinigung und Reichserbhofgesetz lassen sich leiten von dem Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz"^ Das Erbhofgesetz will unter Sicherung alter deutscher Erbsitte das Bauerntum als Blutquelle des deutschen Volkes erhalten und die Erbhöfe vor Ueberschuldung und vor Zersplitterung im Erbgang schützen, damit sie dauernd als Sippenerbe in der Hand freier Bauern verbleiben können. Das Wohl der ganzen Sippe soll dem des einzelnen vorangehen. Die Feldbereinigung will der Melioration der Gesamtgemeinde dienen und verlangt aus dem gleichen Grund Unterordnung der Interessen des Einzelnen unter das Interesse der Gesamtheit. Feldbereinigung und Erbhof bilden nicht nur keine Gegensätze, sondern ergänzen einander. Auch den Erbhöfen sollen selbstverständlich die Verbesserungen, die das Feldbereinigungsverfahren mit sich bringt, zugut kommen. Mit der Förderung der Landeskultur und allgemeiner Melioration und Zusammenlegung wird die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche verbessert und der Bauernstand gehoben. Es ist selbstverständlich, daß das Feldbereinigungsverfahren auch auf die Erbhöfe Anwendung zu finden hat. Die Ansicht, als ob der § 37 des Reichserbhofgesetzes dem entgegenstünde, ist irrig. Nach §37 ist der Erbhof allerdings grundsätzlich unveräußerlich und unbelastbar. Durch die Bestimmung der Unveräußerlichkeit soll der Erbhof für immer der Familie, der Sippe, erhalten werden. Und das Verbot der Belastung soll den Erbhof der Macht und dem Einfluß des Leihkapitals entziehen. Beide Verbote machen für den Erbhofbauern ein Ende mit dem ihn seither ständig bedrohenden Schicksal einer ewigen Sorge um den Verlust des Hofes und seiner Scholle. Denn die Erhaltung des deutschen Bauern ist nicht von einem Plus oder Minus der bäuerlichen Wirtschaftslage bestimmt, sondern nur davon, ob die bäuerliche Heimatscholle zurWare, zum Handelsobjekt werden kann oder nicht. Nicht hohe oder niedere Preise haben je dem Bauern die Scholle geraubt, sondern die Verschuldung an das Leihkapital haben den Bauer unter den Hammer der Zwangsvollstreckung gebracht und ihn vom angestammten Besitz vertrieben. So muß das Verbot der Unveräußerlichkeit und Unbelastbarkeit des § 37 verstanden und gewürdigt werden. Aber die Vorschriften des §37 hindern nicht die Durchführung des Feldbereinigungsverfahrens auch bei den Erbhöfen. Durch die Zusammenlegung und Was mein eiiistwar... Vornan von Klothilde von Stegmann. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) 9 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Wahrheit war hier das kleine Zimmer. Wahrheit waren die Einsamkeit und der Kummer. Wie still alles war! Eine Stille, die sich wie Lähmung auf die Brust legte. Alles war leer. Die Kameradinnen waren in die Ferien gereift. Nur sie allein mußte zurückbleiben. Ihre einzige Unterhaltung war der tägliche Spaziergang mit einer der Lehrerinnen und der allsonntägliche Kirchgang. Selbst die Sportstunden, die sonst in das eintöniae Einerlei des Jnstitutsunterrichts ein wenig Abwechslung brachten, fielen jetzt in den Ferien fort, denn Miß Crab war viel zu geizig, um den Tennislehrer und den Reitlehrer für eine einzige Schülerin kommen zu lassen. Mit einem verzweifelten Blick sah sich Edele in dem Raum um — ein Tag war wie der andere, ein Jahr wie das andere. Die anderen jungen Mädchen kamen und aingen; sie wußten genau, daß die Zeit ihres Hierseins unter der tyrannischen Erziehung von Miß Crab einmal zu Ende gehen mußte. Nur sie allein wußte nicht, wie lange man sie hierlassen würde. Mit eiserner Konsequenz wußte Miß Crab sie von Freundschaften mit den anderen jungen Mädchen zurückzuhalten, denen die schöne, traurige Waise geheimnisvoll und rührend erschien. War sie doch die einzige, um die sich niemand kümmerte, nicht zum Geburtstag, nicht zu Weihnachten. Sie hatte dicht neben Miß Crab ein Schlafzimmer für sich, während die anderen jungen Mädchen Zimmer zu dreien und zu vieren bewohnten. Da gab es denn, wenn die gestrengen Lehrerinnen das Feld geräumt hatten, viele lustige Unterhaltung, Streiche und Gelegenheit, große und kleine Herzensgeheimnisse mit den Freundinnen auszutauschen. Nur Edele lebte wie von einer Mauer umgeben. Bei den Spaziergängen mußte sie an der Seite der Lehrerin gehen. Ihre Arbeiten machte sie allein — kurzum: man hielt sie absichtlich von den anderen fern. Mischte sie sich einmal in einer unbewachten Stunde unter die Genossinnen, so kam bald irgend eine der Aufsichtspersonen und holte sie zu irgend einer Verpflichtung fort. Es war augenscheinlich — sie sollte allein bleiben. Im Anfang hatten die jungen Mädchen versucht, die blasse, scheue Waise heranzuziehen, und hatten auch gegen Miß Crab rebelliert. Aber da waren sie schlecht angefommen. „Es ist der Wunsch des Vormunds von Edele, daß sie für sich gehalten wird!" erklärte sie mit ihrer eisigen Stimme. „Wer gegen dieses Gebot, das ich auszuführen habe, sich auflehnt, wird die Folgen spüren!" Ihre Augen hatten dabei drohend gefunkelt, ihre Stimme hatte einen so unheimlichen Klang angenommen, daß die jungen Mädchen angstvoll zurückwichen. Man kannte Miß (Trabs Methoden, unbot- same Mädchen gehorsam zu machen. Essenentzug, Verbot, an den Sportspielen teilzunehmen, Verbot der Serienreifen, ganz zu schweigen von der Verbannung unten in das kleine Häuschen an der See, das ganz einsam dalag — dort ein paar Tage und Nächte zu verbringen, wenn der Sturm heulte, ganz einsam dort zu sein, weit weg von allen Menschen — das war für die ängstlichen Seelen der jungen Mädchen zu viel. Alles wollte man tun, nur um diesen Strafen zu entgehen. — So zogen sich alle von Edele zurück, und bald gingen die seltsamsten Gerüchte um, was die junge Edele wohl verbrochen haben mochte, daß sie noch viel strenger gehalten wurde als die anderen. Mit tiefem Schmerz hatte Edele die Zurückhaltung ihrer Kameradinnen gespürt. Da sie den Grund nicht kannte, mußte sie glauben, man wollte nicht mit ihr zusammen sein. Da erwachte ihr Stolz, der Stolz ihres Blutes. Sie biß die Zähne zusammen — und nur in einsamen Nächten löste sich die Verlassenheit ihres jungen Gemütes in heißen Tränen. Jetzt hatte sie das Weinen schon lange aufgegeben. Sie war apathisch geworden und lebte wie in einem Traum dahin. Nur manchmal brach die Wirklichkeit durch, und dann erzitterte ihr Herz in Gram und Angst. Nichts war hier, was sie noch reizte, was etwa dem jungen Geist Nahrung geben konnte, der doch ebenso hungerte wie ihr Gemüt. Sie war nun schon das dritte Jahr hier. In dem ersten Jahre hatte sie Briefe geschrieben an ihre Gespielinnen oben in Norwegen, an den alten Kersten — und vor allem an Malte. Täglich schrieb sie, immer dringender, immer flehender: es konnte ja nicht sein, daß er sie vergessen hatte. Warum schrieb er ihr nicht? Sie hatte doch in jedem Briese die Adresse angegeben? Warum ließ er sie so jammervoll allein? Tag für Tag schlich sie aus dem Hause, wenn die Zeit kam, in der der Briefträger unten von der Insel herauf nach Crab-Cottage kam. Schon von weitem fragten ihre bangen Augen. Dem alten Manne tat es schon in der Seele weh, diese blauen, traurigen Mädchenaugen zu sehen. „Nichts, Miß!" sagte er leise und ging mit seiner Posttasche an ihr vorüber, die blaß, mit schlaff hängenden Armen dastand. Er wußte ja ebensowenig wie Edele, daß Miß Crab alle Briese, die an Edele kamen, direkt von der Poft in einem versiegelten Umschlag an sich selbst befördern ließ — und diese Briefe sofort an Siemen weitersandte. Ebensowenig wußte Edele, daß all ihre Sehnsuchtsschreie, die sie dem Papier anvertraute, nicht bis zu Malte kamen, sondern sich gleichfalls auf dem Schreibtisch Siemens sammelten. Und auch Malte, da oben im fernen Normegen, ahnte nicht, daß seine leidenschaftlichen fragenden Briefe an die geliebte Jugendfreundin, in denen die scheue Sprache erster Siebe sich offenbarte, den zynischen Augen Siemens preisgegeben roaren. Es mar schon ein stattlicher Packen, den Siemen da in seinem Schreibtisch vermährte. Mit bösem Sächeln sah er einen zum anderen kommen. Das hatte er gut gemacht, diese kleine Edele von aller Welt zu isolieren — und vor allem von diesem jungen Hitzkopf zu trennen. Er hatte es ja auf den ersten Blick damals im Spielwarengeschäft gesehen, daß dieser Junge nur einen Gedanken hatte: Edele. Sicher, er wäre ihm, Siemen, am liebsten an die Kehle gesprungen, als er Edele das Spielmerk schenkte. Höchste Zeit, daß er die Kleine von allem entfernt hatte, was ihr helfen konnte — denn nur so konnte er sie sich für seine Pläne aufsparen. Die gute Sou wurde allmählich auch nicht jünger; man konnte sich den Zeitpunkt ausrechnen, wo sie kein Sockvogel für die Gimpel mehr fein mürbe, die er im Spiel rupfen mollte. Dann müßte man sich von ihr trennen. Dann mürbe Ebele so meit sein. Sie versprach, eine Schönheit zu merben, mie bie Welt sie selten zu sehen bekam. — Unb bas konnte er für feine Pläne brauchen. Siemen legte einen ber Briefe von Malte in bie Schreibtischlabe unb holte ein Bilb Ebeles hervor, bas auf seinen Wunsch vor menigen Wochen an- gefertigt morben war. Das letzte Bilb war von überraschenbem Siebreiz. Ebele mußte sehr groß geworben sein, hatte bie stolze unb boch graziöse Haltung norbischer Schönheiten. Das bisher noch kinblich unfertige Gesicht bekam reine unb rassige Sinien, ber Munb schien aus bem Bilb bem Beschauer entgegenzuschwellen — unb bie großen Augen blickten weit offen, finnenb unb wie aus einer Märchenwelt ins Seben. Nur traurig schimmerten sie, tief, tief traurig, unb bas war es, was bem süßen, jungmäbchenhaften Gesicht einen geheimnisvollen Reiz mehr verlieh. Befriebigt sah Siemen auf bas Bilb. Noch menige Monate Gebulb, bann mürbe er bas gefangene Vögelchen holen — unb es müßte nicht mit rechten Dingen zugehen, menn es nicht ein Seben an feiner Seite in Glanz unb Freiheit bem engen Bauer vorziehen mürbe, in bem es bisher geschmachtet hatte. Befriebigt schloß Siemen bas Bilb meg unb setzte sich hin, um einen seiner Jnstruktionsbriefe an Miß Crab zu schreiben. Diese Person schien mirklich außerorbentlich intelligent; sie hatte alles in Ebeles Erziehung so gemacht, mie er angeorbnet hatte. Ebeles traurige Augen sagten ihm zur Genüge, baß sich bas junge Mäbchen nicht an bas Institut von Miß Crab klammern mürbe, obmohl bies in allen Prospekten als „liebevolles Erziehungsheim" ange» priesen mürbe. Malte hatte Monat um Monat auf eine Nachricht von Ebele gemartet, unb mit jebem Monat bes Wartens mar fein Gesicht herber unb reifer geworben. Aller Jugenbübermut mich aus ben Zügen. Ernst, sehr ernst mar Malte gemorben. Mit heimlicher Sorge sah es fein Vater, ohne doch ben Grunb zu kennen. Denn es konnte boch nicht biefe Kinberfreunbschaft sein, bie ihn so Der- ändert hatte. Malte sprach nie mehr über Ebele, seit jenem Tage, ba er, mit bem kleinen Spielmerk in ber Hanb, in bem verlassenen Schlosse von Smanebloe geftanben hatte, mie er überhaupt nicht mehr viel sprach. Er mar verschlossen unb schien nur noch ein Ziel zu kennen: bie Arbeit. Er mar ber Erste, ber Beste auf ber Schule. Er hatte keine Gemeinschaft mit ben Kameraben, bie ihn für hochmütig unb streberhaft hielten. Sie alle mußten ja nicht, baß es für Malte nur einen Daseinszmeck gab: frei merben, unabhängig, unb Ebele suchen. Er mußte sie ftnben, sollte er auch bie ganze Welt burchmanbern. Wo er sie suchen sollte, ahnte er nicht — aber einmal mürbe er sie ftnben! Achtes Kapitel. Wieber mar es Winter gemorben. In ber Oper von Rom saß in einer Soge ein eleganter bunfler Herr neben einer Dame, bie burch bie Vornehmheit ihrer Erscheinung mie ihrer Toilette auch hier Aufsehen erregte, mo bie Sogenbrüstung boch von ben schönsten Frauen Roms eingerahmt mar mie von einer kostbaren Slumengirlanbe. Diese Dame, hellblonb, mar in eine kostbare, schmarze Delourchisfontoilette gefleibet. Ein Breit- schwanzmantel hing lässig um ihre Schultern. Sie hatte bas Gesicht einer Frau aus altaristokratischem Geschlecht — unb bie Art, in ber sie sich ihrem Begleiter zumanbte, zeigte bie ganze Gelassenheit unb Sicherheit ber Dame von Welt. Jetzt beugte sich ber junge, elegante Mann zu seiner Begleiterin unb mollte ihr bas Programm reichen — ba hielt er in ber Bemegung inne; seine Augen bekamen einen starren Ausbruck. Wie gebannt blickte er auf eine Dame, bie soeben, kurz vor Beginn ber Vorstellung, in bie Theaterloge trat. Es mar eine Frau mit schmarzem, feiben- glänzenbem Haar unb veilchenblauen Augen. Jetzt setzte sich biefe Dame brüben in ben meichen Fauteuil, ben einer ihrer eleganten Begleiter im Frack ihr hinschob. Ein kostbarer Chinchillamantel glitt auf bie Sehne, enthüllte mattmeiße Schultern, bie aus einem Kleib von flammenben Gelb herausblühten. „So gib mir boch enblich das Programm, Alexander!" sagte die Dame in Schmarz Der- munbert, unb nahm bem oollkornrnen Abrnesenben ben Zettel aus ber Hanb. . ! - (Fortsetzung folgt) SJl.-'SpOTt den Deutschen Kampfspielen 1934, die vom Wirtschaft Die Jugend ßener wurden Amtsgericht Giehen Der von 3 urteilt. an- Ge- Fahrtvergünstigung geboten. Die aktiven Teilnehmer an den Kampfspielen einschließlich der Kampfrichter erhalten gegen Vorzeigen der auf ihren Namen lautenden Teilnehmerkarten eine Ermäßigung von 50 Prozent des Personenzug-Fahrpreises für die Einzelfahrten vom Wohnort nach Nürnberg und zurück. Für einzelne Komplett ist jetzt die deutsche Mannschaft, die an der am 3. Juli beginnenden „Tour de France" teilnimmt. Die deutsche Mannschaft besteht aus folgenden Fahrern: Buse, Stapel, R. Wolke, B. Wolke, Geyer, Nitzschke, Kutschbach und Risch. Fußball - Städtespiele Frankfurt—Paris sollen von jetzt ab in regelmäßiger Folge veranstaltet werden. Türkische Gäste haben sich zu den Deutschen Kampfspielen in Nürnberg angesagt, die vom 23. bis 29. Juli veranstaltet werden und das größte Treffen der deutschen Turner und Sportler darstellen, das im Dritten Reich in Szene geht. Spielende immer besser. Die sechs Tore waren schöne Treffer des gut kombinierenden und schußfreudigen Angriffes. Die Läuferreihe war unermüdlich in der Abwehr ohne dabei den Spielaufbau zu vergessen. Der beste Mann der Gießener Elf war Schmidt auf dem rechten Läuferposten, der leider gegen Spielschluß bei einem unglücklichen Fallen den Unterarm brach. Das Treffen war nie einseitig, nur fehlte den Gästen der sichere Torschütze. war ein wirkliches Freundsck>aftsspiel, das von Schiedsrichter Enders (1900) gut geleitet wurde. 1900 1. Schüler gegen VfV. Kurhessen Marburg 1. Schüler 1:1. Auch in dieser Begegnung bekam man sehr nehmbare Leistungen der Kleinsten zu sehen, rechterweise gab es ein Unentschieden. Melioration kann der Erbhof fa mir gewinnen. Selbst wenn kleinere Teile Erbhoflandes in Folge der Feldbereinigung vom Erbhof wegfallen würden, so bleibt der Erbhof doch irri Ganzen erhalten und wird ja nur verbessert. Das Reichserbhofgeseh hält die Anwendung des Feldbereinigungsverfahrens auch auf die Erbhöfe für so s e l b st v e r st ä n d l i ch, daß es dies gar nicht noch einmal besonders aussprechen zu müssen glaubte. Um aber allem etwaigen Zweifel zu beheben, hat die zweite Durchführungsverordnung zum Reichs- erbhofgesetz dies nochmals ausdrücklich im § 16 hervorgehoben und bezügl. des Zusammenlegungsverfahrens als Ausführungsvorschrift zum § 37 des Reichserbhofgesetzes folgendes bestimmt: Die Jugend zeigte in diesem Freundschaftsspiel wieder einmal eine geschlossene Leistung. Die Gie- trotz der heißen Witterung gegen reisende Zuschauer werden Sonntagsrückfahrkarten mit erweiterter Geltungsdauer in einem Umkreis von 250 Kilometer um Nürnberg ausgegeben. (Ermäßigung 33Vs Prozent.) In der Zeit vom 22. bis 29. Juli werden von den größeren deutschen Städten Verwaltungssonderzüge mit 60 Prozent Fahrpreisermäßigung gefahren werden. Bedingung ist, daß mindestens 500 erwachsene Reisende sich rechtzeitig für die Züge melden. Für die Angehörigen der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel wird eine Fahrpreisermäßigung von 75 Prozent für Sonderzüge gewährt unter der Voraussetzung, daß jeder einzelne Sonderzug mit annähernd 1000 Personen besetzt ist und auch die Rückfahrt im Sonderzug ausgefuhrt wird. Die Fahrpreisermäßigung von 60 und 75 Prozent wird auch für die Anfahrt in fahrplanmäßigen Zügen bis zu dem Bahnhof gewährt, von dem ab der Sonderzug benutzt wird. Die gleiche Vergünstigung gilt auch für die Rückfahrt. Schnell- und Eilzugszuschläge müssen für die Anschlußstrecken voll bezahlt werden. Kurze Sportnotizen. Einen neuen deutschen Rekord gab es bei einem internationalen Leichtathletikklubkampf am Montag in Luxemburg. Der Kölner Weinkötz erreichte im Hochsprung 1,945 Meter und verbesserte damit die von dem Turner Bornhöfft gehaltene Bestleistung von 1,94 Meter. D ie deutsche Mei st erschuft der Berufsradfahrer geht am 15. Juli auf der Bahn in Hannover in Szene. Für die Fliegermeisterschaft, zu der alle Lizenzfahrer teilnahmeberechtigt sind, hat der DRV. zehn Fahrer, an der Spitze Meister Richter, ausgewählt, die auf Kosten des DRV. nach Hannover kommen. Allen übrigen Fahrern' ist die Teilnahme freigestellt. Zur Meisterschaft der Dauerfahrer werden acht Fahrer zugelassen. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Am vergangenen Sonntag sollte die Reservemannschaft des SV. Wetzlar 05 in Leihgestern zu Gast sein, aber die Mannschaft der Spieloereinigung wartete zum zweiten Male vergebens auf die Wetzlarer. Die 2. Mannschaft gastierte in Garbenteich bei der 1. Mannschaft des Platzvereins und mußte, wie vorauszusehen war, eine Niederlage von 6 : 0 hinnehmen. Jugend- und Schülermannschaft waren spielfrei. Schwerathletik. Zu einem Freundschaftstreffen stellte sich am Sonntag der Kraftsport-Club „Eiche" 01 Hanau dem 1. Kraftsport-Club 1893 Gießen im Mannschaftsringen. Leider hatten sich nur wenige Zuschauer eingefunden, die aber auch von dem hervorragenden Können der Hanauer Mannschaft in ieder Weise überzeugt wurden. Die Gästemannschaft stand wie aus einem Guß, jeder Mann eine Klasse mengeschlossenen öffentlichen Lebensversicherungsanstalten 12 111 neue Versicherungen mit 19,7 Millionen RM. Versicherungssumme beantragt. Die durchschnittliche Versicherungssumme beträgt in der Großlebensversicherung 3773 RM. und in der Sterbegeldversicherung 446 RM. Frankfurter Börse. Franklfurt n. M., 19. Juni. Entgegen den Erwartungen des Vorbörsenverkehrs, wo man für Aktienwerte auf Grund der in letzter Zeit stark gestiegenen Kursen mit einigen Giattstellungen und Gewinnmitnahmen gerechnet hatte, eröffnete die amtliche Börse für den Aktienmarkt in weiter fester Haltung, da eine ganze Anzahl von Publikumsaufträgen eingelaufen waren. Besonders Papiere mit hoher und stabiler Dividende waren gefragt, aber auch mittlere Werte und solche, die eine Rendite erwarten lassen, waren beachtet. Angebot kam wieder nur in ganz geringem Umfange heraus, da das Publikum an seinem Besitz festhält und auch die Kulisse kaum Abgaben vornahm. Im Gegensatz dazu standen Rentenwerte, die fast samt und sonders eine Abschwächung erfuhren und sehr vernachlässigt waren. Am Aktienmarkt traten Farbenindustrie stärker hervor und bei lebhaftem Geschäft waren sie um 1 v. H. auf 150,50 v. H. erhöht, ein schon seit langer Zeit nicht mehr registrierter Kursstand. Die übrigen Chemiewerte waren wenig verändert, Deutsche Erdöl allerdings 1 v. H. und Metaügesell- schaft 0,50 o. H. leichter. Der Elektromarkt erhielt sein Gepräge durch die weitere Befestigung von Bekula auf 144,50 (+ 2,65 v. H.), wodurch auch die anderen Ele-ktrowerte angeregt wurden und durchschnittlich von 0,50 bis 1 v. H. anzogen. Darüber hinaus gewannen Siemens 3,50 v. H. und Elektr. Lieferungen 1,25 v. H. AEG. lagen behauptet, Schuckert 0,50 v. H. niedriger. Der Montanmarkt verkehrte in sehr ruhiger und etwas uneinheitlicher Haltung. Harpener gaben zunächst 2 v. H. nach, konnten sich aber bald um 1 v. H. erholen. Fester waren schon anfangs Rheinstahl mit + 1 d. H., Ilse Genuß (+ 0,50 v. H.), Stahlverein und Klöckner je Erfolgreicher Rennfahrer des GießenerBadfahrer-Dereins 1885 Am Sonntag hatte der Gießener Radfahrer- Verein 1885 seinen Fahrer Albert Mebus nach Wiesbaden entsandt, wo er sich an dem Rennen „Rund um den Neroberg" beteiligte. Dieses klassische Rennen, das eine ausgezeichnete Besetzung aufzuweisen hatte und das auf einer 8 mal 13 Kilometer langen Rundstrecke lief, stellte an die Fahrer ganz besonders hohe Anforderungen. Schon durch die steilen Berge wurde dieses Rennen sehr anstrengend. Die Sonne half außerdem mit, die Aufgabe zu erschweren. Es waren daher viele Fahrer gezwungen, schon vorzeitig das Rennen aufzugeben. Um so anerkennenswerter ist die Leistung des Gießener Fahrers, der das ganze Rennen über in der Spitzengruppe des Feldes lag. Als diese in der letzten Runde auf vier Mann zusammengeschmolzen war, unternahm Mebus einen Ausreißversuch. Der Versuch gelang ihm auch, so daß er ungefähr 50 Meter vor dem Felde lag. Die drei Verfolger konnten ihn jedoch infolge ihrer niederen Uebersetzung am nächsten Berge wieder einholen und eilten dann gemeinsam dem Ziele zu. Im Endspurt, der ebenfalls bergan verlief, konnte der Chemnitzer Reichel dicht gefolgt von Müllerklein (Offenbach), Guth (Frankfurt und Mebus das Rennen für sich entscheiden. Es ist ein schöner Erfolg für den jungen Gießener Fahrer. Auf fein Abschneiden am nächsten Sonntag bei dem Straßenrennen „Rund um Frankfurt" darf man gespannt sein. An diesem Rennen beteiligt sich auch noch Fr, Steinmetz vom Gießener Radfahrer-Verein 1885. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 1. 3gb. — DfB. Kurhessen Marburg 1. 3gb. 6:0 (2:0). Richtlinien zur landwirtschaftlichen Schuldenregelung. Der Reichsernährungsmini st er hat am 13. Juni 1934 Richtlinien zur landwirtschaftlichen Schuldenregelung erlassen, die in den „Amtlichen Mitteilungen in Entschuldungssachen", Heft 66 vom 16. Juni 1934, veröffentlicht sind. Die Richtlinien sind nach § 5 Abs. 2 des Gesetzes zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältnisfe vom 1. Juni 1933 für die Entschuldungsstellen bindend. Teil 1 der Richtlinien enthält die Begriffsbestimmung eines landwirtschaftlichen Betriebes, Nebenbetriebes, gemischten Betriebes und Doppelbetriebes sowie der Siedlungsbetriebe. Zugleich ist die Behandlung derartiger Betriebe geregelt. Teil 2 enthält Vorschriften für die Aufstellung der Entschuldungspläne und Vergleichsvorschläge. * * Die deutsche K u p s e r e r z e u g u n g im Mai 1934. Sie deutsche Kupfer-Hüttenproduktion stellte sich im Mai 1934 auf 4285 t gegen 4261 t im April. Die deutsche Kupfer-Raffinadeproduktion (Raffinade- und Elektrolytkupfer) betrug im Mai 1934 16 824 t gegen 16 396 t im April. * Keine Preisveränderung in der Teppich- und Möbelstoffindustrie. Die Vereinigung deutscher Teppichfabrikanten zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen e. D. im Verband Deutscher Teppich- und Möbelstoffabrikanten e. V. (Sitz Leipzig) hat laut „Konfektionär" in ihrer Mitgliederversammlung am 15. Juni einstimmig folgende Entschließung gefaßt: „Angesichts der heutigen Lage der Rohmaterialienbeschaffung hält es die Vereinigung im Interesse der Branche für notwendig, mindestens die jetzigen Preise solange wie möglich beizubehalten. Die Vereinigung wird ihre Tätigkeit zwecks Anpassung an die jeweilige Marktlage fortsetzen." * Die öffentlichen Lebensversicherungsanstalten in Deutschland. Im Mai 1934 wurden bei den im Verbände öffentlicher Lebensversicherungsanstalten in Deutschland zusam- Zur Einbeziehung eines Erbhofs ht ein Verfahren zersplitterten Grundbesitzes (Umlegung, Feld- und Flurbereinigung) ist die Zustimmung des Anerbengerichts nicht er- forderlich. Gegner des Feldbereinigunasgesetzes sollte es ja eigentlich nicht geben. Es sind jedoch immer noch solche vorhanden; Menschen von vorgestern, die gewohnheitsmäßig gegen den Strom schwimmen. Sie können sich aber, auch wenn sie Erbhosbauern sind, nicht dagegen sträuben, daß das Feldbereinigungsoerfahren auch vor den Erbhöfen nicht Halt macht. Auch die Erbhöfe müssen an den Vorteilen, die die Feldbereinigung stets mit sich bringt, Teil haben. Denn alle Vorteile, die auf dem Gebiet der Landeskultur in Frage kommen, sollen auch den Erbhöfen zuteil werden, sa ihnen ganz besonders. H. I. B. wurde zu einer Gefängnisstrafe Wochen und zu 60 Mark Geldstrafe ver- Der Angeklagte fuhr mit einem unbeleuchteten Motorrad, ohne im Besitz eines Führerscheins zu fein. Außerdem führte der Angeklagte ein falsches Kennzeichen und ließ das Haltesignal eines Polizei- beamten unbeachtet. Der Angeklagte trägt, da er verurteilt ist, die Kosten des Verfahrens. V 0,25 v. H., wogegen Gelsenkirchen 0,65 v. H.» Mannesmann 0,50 v. H., Phönix 0,25 v. H. verloren. Schiffahrts- und Zellftoffaktien lagen gut behauptet, Kunstseidewerte gewannen bis 0,50 v. H. Im übrigen eröffneten noch Reichsbank 1 v. H. höher, dagegen Daimler Motoren 0,65 v. H. schwächer. Am R e n t e n m a r k t war der Umsatz klein. Alt- besitz zogen noch 0,40 v. H. an, gaben aber später um 0,65 v. H. auf 96,75 nach, auch Stahlverein- Bonds lagen um 1 v. H. fester, während Neubesitz um 5 Pf. auf 22,95 zurückgingen und in RM. umgetauschte Dollar-Bonds durchweg 0,50 bis 1 v. H. verloren. Späte Reichsschuldbuchforderungen und Kommunal-Umschuldungsanleihe gaben je 0,50 v. H. nach. Der Pfandbriefmarkt war auf der ganzen Linie schwächer. Goldpfandbriefe und Kommunal- Obligationen verloren durchschnittlich 0,50 v. H., Pfälz. Gold sogar 1 v. H. Liquidationspfandbriefe waren dagegen ziemlich behauptet und nur teilweise niedriger, so Pfälz. Liquid, mit — 0,50 v. H. Stadtanleihen zeigten nur wenig Veränderung, meist lagen sie unverändert. Von fremden Werten zogen Anatolier Eisenbahn um 40 Pf. auf 35,90 an, auch Schweizer Anleihen lagen eher fester, während Oesterr. Goldrente nach Minus-Ankündigung auf 24,30 nach gestern 26 v.H. zurückgingen. Ungarn blieben behauptet. Am Aktienmarkt traten im Verlauf weitere Besserungen ein, wobei die Umsätze in Spezial- werten noch lebhaft waren. Farben und Bekula zogen nochmals je 0,50 v. H. an, auch Harpener waren weiter erholt. Fest lagen Lechwerke mit + 3,50 v.H. und Chade-Aktien + 3 RM. Später machten sich aber Ermüdungserscheinungen bemerkbar und die Kulisse nahm jetzt einige Gewinnmitnahmen vor, wodurch das Kursniveau fast durchweg eine Senkung von 0,50 bis 1 v. H. erfuhr. Deutsche Anleihen lagen weiterhin ruhig und unverändert. Tagesgeld blieb zu unoeränbert 3 v. H. sehr leicht. Am Kassamarkt lagen Bankaktien allgemein fest. Frankfurter Abendbörse abbröckelnd. Frankfurt a. M., 19. Juni. Die Abendbörse eröffnete auf der ganzen Linie in sehr stiller Haltung und erfuhr auch im Verlaufe keine Belebung. Zunächst lagen die Kurse behauptet. Später trat aber sowohl bei der Kundschaft als auch der Kulisse etwas Entlastungsbedürfnis zu Tage, so daß gegen den Berliner Schluß überwiegend leichte Rückgänge von 0,25 bis 0,50 v. H. zu verzeichnen waren, teilweise ergaben sich Abschwächungen bis zu 1 v. H., so bei Conti Gummi, AG. für Verkehr, Schuckert, Mansfeld und Bekula, die anfangs noch 0,50 v.H. höher lagen. Farbenindustrie lagen unter Schwankungen etwa behauptet. Scheideanstalt waren um 3 v. H. niedriger gesucht. Reichsbankanteile konnten sich um 1,50 v.H. befestigen, auch Commerzbank lagen nochmals 0,25 v.H. höher, während Bayr. Hyp. und Wechselbank 1,25 v. H. verloren. Im Verlaufe blieb die Börse still und ohne größere Der- anberung. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitzanleche 0,13 v.H. ab, Neubesitz waren behauptet. Pfandbriefe waren kaum mehr verändert, Nass. Liquida- tion mit 89,13 allerdings 0,40 v. H. niedriger. Stadt- anleihen waren meist etwas freundlicher, ferner lag die Younganleihe (92) in Anpassung an Berlin 0,50 v. H. höher. Fremde Werte still. U. a. notierten N.eubesitz 22,95 bis 22,9750, Altbesitz 96,65, 6-v. H.° Stahlverein 79, Schutzgebietsanleihe von 1910 bis 11 9,50, 6-v. H.-Stadt-Heidelberg 82,75, 6-v. H.-Stadt- 81,50, Reichsbank 160,50, Commerzbank 53,75, Bayr. 81,50, Reichsbank 160,50, Commersbank 53,75, Bayr. Hyp. Bank 71,50, Gelsenkirchen 63, Harpener 106,50, Mannesmann 67,50, Phönix 49, Rheinstahl 97,65, AEG. 23,50, Bekula 144,25 bis 143,25, Conti Gummi 139, Daimler 48,90, Scherbeanstalt 206, IG. Farben 149,90 bis 149,50 bis 149,75, Lickt und Kraft 113, Geffiirel 108, Holzmann 61, Metall- gefellfchaft 86,65, Lechwerke 95,50, Schuckert 92,50, Reichsbahn-Vorzugsaktien 111,90, AG. für Verkehr 62,50, Hapag 26,50, Nordd. Lloyd 32,25. Mainzer Schlachtviehmarkt. Mainz, 19. Juni. Auftrieb: 35 Ochsen, 14 Bullen, 722 Kühe oder Färsen, Kälber 324, Schweine 770. Notiert wurden pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 26 bis 30, b) 22 bis 25; Bullen c) 22 bis 25; Kühe a) 23 bis 27, b) 17 bis 22, c) 10 bis 16; Färsen a) 27 bis 33, b) 22 bis 26; Kälber b) 33 bis 45, c) 25 bis 32, d) 18 bis 24; Schweine b) 39 bis 42, c) 37 bis 42, d) 36 bis 40. Marktverlauf: Rinder schleppend, Ueberstand. Kälber ruhig, langsam geräumt. Schweine mäßig belebt, Ueberstand. Zu . , 23. bis 29. Juli in Nürnberg stattfinden, wird eine große Zahl von Verwaltungssonderzügen aus allen Teilen des Reiches — insgesamt 61 — mit erheblicher Fahrpreisermäßigung gefahren und daneben sowohl für die aktiven Teilnehmer an den Kämpfen als auch für die reifenden Zuschauer besondere für sich, kampferprobt und hart, wahre Meister der Ringkunst. Trotzdem hat sich die Gießener Mannschaft sehr gut gehalten. Sie hat mit Schneid und riesigem Eifer gekämpft, aber es fehlte ihr an Mattenerfahrung, ohne die es einfach unmöglich ist, gegen eine folcke Meistermannschaft zu bestehen. So kam es auch, wie vorausgesehen, zu einem überlegenen Sieg der Gästemannschaft. Es darf aber gesagt werden, die Niederlage der Gießener Athleten war in jeder Beziehung ehrenvoll. Der 1. Kraftsport-Club 1893 Gießen wird in nächster Zeit mit verschiedenen guten süddeutschen Mannschaften Freundschaftskämpfe im Ringen und Gewichtheben austragen. Die Deutschen Kampfspiele in Nürnberg. Fahrpreisermäßigungen für Teilnehmer uno Zuschauer. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Devisenmarkt Berlin — Frankfurt O.21L Zterlin Frankfun a. M. börse Datum | 18-6 | 19-6. 18.6. 19.6. O| 78,75 77,25 26,5 1Vi\ 166 149,5 150,13 o 86,65 60,75 AS.«. Bekula 24,5 0 7,5 — I 23,25 1 23,51 1,5 74,5I - trü I 179,34 180 I 23,5 0 74,5 81 1 A 179,5 die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Die hinter den Papieren 68,25 41,25 86,5 33,25 61,5 87 53 33,4 63,5 88,5 52,5 69,75 41,13 87,25 0 0 0 125,5 70,5 67,3 27,9 24,5 26,5 25 32 63,5 89 53,5 49,9 64,75 21,25 187,5 188,5 139,5 64 70,5 50 48 61 110 126 21 191 189,5 139 o 0 12 62,5 66 159,5 32,25 62,5 88 53,75 77,75 120 63 106,5 149,75 206 69 49 237,5 97,65 43 14,75 124 122 168 64 69,5 50 46,25 79 98,25 50 236,5 97,75 42,9 14,75 123 123 167 78 99 49,25 235,5 97,9 42,5 14,65 123 123 167 (httentt ..... Deutsche fcbM Gelsenkirchen« 63,25 68 160,5 24.65 142 88,4 114,5 65,75 108,75 102 94,25 149,5 127,79 78,4 122 64,4 108,65 76,5 156.75 125 72,13 69 61,25 66 159,5 63,25 68 159 149,5 210 69,25 41,65 88 Schluß- fürs 111,13 64,13 69 49,75 47 133 49,13 64,13 66,25 20,25 191 190,75 140 o 0 0 0 0 0 0 6 1 s 0 0 c 111,25 64,25 70,25 49,65 47,5 133,25 49,5 65 67 21,13 189,5 187 139,5 141,9 88 114,5 66 108,75 100,25 94 148,5 127,5 24 143,75 88 113 62,75 108,65 103 93,25 150,75 126,75 23,5 143,25 88 113 63,65 108 102,5 92,5 150,5 127,25 0 0 0 7 0 0 0 0 ,10 0 0 77,5 119,9 63 107 75,75 160 125,75 70,5 68 Schlußk. Minag- dörfe 48,9 64,25 :| '"1 7,6 7 7,15 8,75 7,75 Schultve« Patzenhoser iUu (Allgemeine Kunstseide) Siemens & Halske, öahmever » La. .< Mansfelder Bergbau .. Kokswerke ......... Phontr Bergbau Rheinische Braunkohleu Rheinstahl........ Bereinigte Stahlwerke. Otaoi Minen ....... Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaliwerke Salzdetfurth Gritzner.................. 01 Mainkraftwerke Höchst L.VU— 4 Süddeutsch« Zuck« l| 124,5 71 68,25 Philipp Holzmann .... Zementwerk Heidelberg Lementwerk Karlstadt.. 7,75 7,05 7,05 8,4 Hamvurg-AmerUa-Patet Hamburg-Südam. Dampfschiff. Hansa-Dampfschiff . ......... Norddeutscher Lloyd A.G. für Verkehrswesen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz, und Prioat-Bank ... Deutsche Bank und 2)tsconto» 0 — 10 237,5 0 97,5 0 42,9 0 14,75 6 123,5 . 6 121,75 7,13 8,65 7,6 78 122 63,9 108,5 26 1,25 7,65 g ®. Farden-Induftrie Scheideanstall........ Goldschmidt RütgerSwerie ... Metall gesellschaft . Bemberg........... Hellstoff Waldhof .... Zellstoff Aschaffenburg Dessauer Gas Daimler Motoren .... Deutsche Linoleum ... Oren slein L Koppel .. Leonhard Dietz ...... Chave .............. Serumulatoren-Fabrü Louti-Groumt....... »arpener »oesch Ctsen—KdlN'Neueslen Ufe Bergbau ............. nfe Bergbau Genüsse klöcknerwerke ......... 24,3 1,1 7,6 6,8 7,15 4% Oesterretchtiche Goldrente.... 4,20% Oestcrretchische Stlberrenkr 4% Ungarische Soldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 €¥i% deSgl. von 1918.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanlethe von 1911 4% Türkisch« Bagdadhahn-Anlethe Gesellschaft.. Dresdner Bank Reichsbank .. Slektr. LieferungSgesellschaft Licht und Kraft gelten & Guilleaume q Adelllch.s.Elektr.Unternehmuna. 6 Rheinische Elektrizität .......g Schuckert S So............... 5 r Schlugt, wen». FranNün a.M. Berlin Schlußkurs Schlußt. Abend» börse Schluß» turs Schlußk. Miitag- börfe Datum 18-6- 19.6. 18.6- 19-6 4% deSgl. Serie 1! ............. 8 8 7,65 — 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4,25 4,25 4,25 — 4^,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 6,5 6,75 6,55 7 4% Rumänische vereinh. Rente .. 3,9 3,9 3,85 4 8%% Anatolier ........... 35,5 35,9 35,65 35,5 Zrankfur! a. 2)1. Berlin Schluß» kurS Schlußk. Abend» börse Schluß» kurS Schlußk. Mittag» börse Datum 18-6. | 19-6 18.6. 19.6. •% Deutsche RetchSanlethe v. 1987 96,5 95,65 96,2 96 4% ehem.7% Dt. Reichsanl. v. 1929 99,55 99,6 99,7 99,7 Boung-Anleihe von,1930 .. 91,75 92 91,5 92 Deutsche Anl..AblöI.»Schuld mit AuSlos.-Rechten ........ 97 96,65 97,13 96,75 DeSgl. ohne AuSlvs.-Rechte...... 23 22,975 23 23 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%).......... 91 90,5 89,75 89,75 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12............ 90,75 90 90,5 90,5 6Vi% Hess. Landes-Hypotheken» bank Darmstadt Liaui........ 89,5 89,25 _ ___ Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten ............. 97 96,5 — — Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 95,75 95,13 95 95,4 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 90,25 89,75 90 90 1% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 90,25 89,75 — 90 4/i% ehem.