Nr. 67 Erster Blatt M. Jahrgang Dienstag, 20. Marz 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätsvuch- und Zteindruckerel R. 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Bon 1 0.5 0 Uhr b i s 11 Uhr find von dem jeweiligen Leiter zu der Uebertragung einleitende Worte an die Versammelten zu richten. Die Unterrichtsmini st erien der Länder sind ferner erfucht worden, dafür zu sorgen, daß der Schuljugend aller Alters st ufen Gelegenheit gegeben wird, die durch Rundfunk übertragene Rede mit anzuhören. Durchbruch einer neuen Zeil. Außen- und Innenpolitik in Wechselbeziehungen. Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Professor der Geschichte an der Universität Äerlin. In manchen Zeiten kann der Außenpolitiker von den inneren Verhältnissen der anderen Staaten absehen. Zu manchen Zeiten aber ist ihr genaues Studium zugleich ein Gebot der außenpolitischen Erwägung. Auf die Gegenwart angewendet heißt das: Von Weltpolitik im alten Sinne wird nicht eher wieder die Rede sein, als bis die einzelnen Staaten in der heutigen, die Welt aufwühlenden neuen Bewegung a n - nähernd eine gleiche „Ebene" erreicht haben. Weltpolitik an sich, wie sie aus dem libe- ralistisch-kapitalistischen Zeitalter als Imperialismus entstand, wandelt sich naturgemäß ebenso, wie sich mit der neuen Bewegung unserer Tage alles andere wandelt. So ist in diesem Zusammenhang von Innen- und Außenpolitik nicht nur das mehr Aeußerliche gesagt, daß die Staaten, ungemein mit der inneren Umgestaltung beschäftigt, viel weniger nach außen blicken können. Nein, es sind sehr tiefe Zusammenhänge damit berührt, über die man sich nur allmählich klar wird. Veranlassung zu solcher Erwägung gibt vor allem Nordamerika. Am 4. März war Roosevelt ein Jahr Präsident. Ungeheuer inhaltsreich für die Vereinigten Staaten war das Jahr — mehr noch: einfach revolutionär. Auch wenn vor einem Jahre Nordamerika nicht im Wortsinne eine Revolution erlebte, es stand doch am Rande eines Chaos. Die alten Parteien überlebt, Führerpersönlichkeiten nicht vorhanden, Programme zur Ueberwindung der Krise gleichfalls nicht. Da griff Franklin Roosevelt zu, mit einer Rücksichtslosigkeit ohnegleichen gegen das Ueberkommene, und mit der Fähigkeit des geborenen Führers hat er das Land aus dem Chaos herausgerissen. Ganz gewiß noch nicht in die Rettung, die Neuordnung, das „new deal“, wie er selbst es bezeichnete, sondern in ein Experiment. Aber er hat den Glauben daran den Massen eingeflößt, die ihm folgen. Er hat in einem Jahr auf den wirtschaftlichen und politischen Geist seines Volkes außerordentlich eingewirkt. Das ist vornehmlich nach der wirtschaftlichen Seite gegangen, einem neuen Verhältnis von Wirtschaft und Staat, das man schwer genau zu bezeichnen vermag, jedenfalls aber eine starke Einwirkung des Staates auf die Wirtschaftsführung bedeutet. Ein neues Wirtschaftssystem steigt so auch drüben auf, wobei Roosevelt den Gedankengängen Adolf Hitlers und Mussolinis viel näher steht, als etwa denen Stalins und des Sozialismus, von letzterem ist gar keine Rede. Darüber tritt die Außenpolitik immer mehr zurück. In der großen Frage der internationalen Schulden verhindert Amerika selbst die Schlußlösung, solange es nicht endgültig die Währung stabilisiert. In der Frage der Außenhandelspolitik erwartete man von Roosevelt viel im Sinne des Abbaues der Zölle. Seine Zollbotschaft aber jetzt am ersten Jahrestag seiner Amtsführung bringt so sehr viel nicht. In der Frage der Abrüstung begnügt man sich mit dem ja richtigen, aber billigen Wort: „Erst müsse Europa sich einigen, dann sei auch Amerika bereit mitzuhelfen", womit die gewaltige „potentielle" Kraft der Vereinigten Staaten absichtlich mattgesetzt wird. Am ehesten scheint es nach.altem Stil in England zu geben. Bei der letzten Wahl hatte sich eine große konservative Mehrheit ergeben, nun steht die Opposition im Land dagegen, aber von einem Wiederaufstieg der anderen Parteien kann schon nicht die Rede sein. Die Wahlen für die Londoner Stadtverwaltung am 8. März haben den Liberalismus vollständig beseitigt. Es gibt in dieser wichtigen Vertretung nicht einen einzigen Liberalen mehr! Dagegen 55 Konservative (Verlust beinahe 20) und 69 Labour-Leute (bisher 35), also die Mehrheit schlechthin. Nach altem Schema würde das andeuten: Zunahme dieser Opposition, Gegenstoß der Konservativen mit ihrem Programm der Aufrüstung und einem viel weniger klaren Programm nach innen, und vielleicht wieder Ausschlag des Pendels nach Links, mit einer neuen Labour- regierung. Aber das ist Schema! Heutzutage aber gibt es auch im konservativsten Lande kein Schema mehr. Die neue Bewegung stürmt auch in Revolutionsappett der Münchener alten Kämpfer vor dem Führer. Oer Führer spricht zu einer Massenversammlung auf der Theresienwiese. Grandioser Fackelzug durch das illuminierte München. München, 19. März. (DNB.) Zum Revolutionsappell in München setzte sich, als die Schatten des hereinbrechenden Abends herniedersanken, vor dem Bürgerbräukeller Punkt 18.30 Uhr der Zug der Alten Garde des Führers in Bewegung. Voran berittene Schutzleute, dann die Ehrenbegleitung der SS. mit Musik und Spielleuten, geführt von Stadtrat Weber, dann folgten die alten Kämpfer, an der Spitze die Blutfahne vom Jahre 19 2 3, getragen von Stadtrat Grimminger; hinter der Fahne Oberbürgermeister Fiehler und dann die Stadträte im einfachen Braunhemd ohne jedes Abzeichen. Anschließend marschierten die übrigen alten Kämpfer, Besitzer des Ehrenzeichens, etwa 2000 an der Zahl. Die Straßen, durch die sich der Zug bewegte, waren dicht umsäumt von der Münchener Einwohnerschaft, die mit lebhaften Heil-Rufen die alten Kämpfer begrüßte. Vom Marienplatz an standen die Menschenmassen immer dichter und bildeten am Stachus ein fast unübersehbares Heer von begeisterten Zuschauern. Vom Sendlinger Torplatz ab geleitete den Zug ein dichtes Spalier lodernder Fackeln bis zur Theresienwiese, wo Hitlerjugend und Jungvolk Aufstellung genommen hatten. Am Eingangsportal zum Ausstellungsgelände waren zwei große Holztürme errichtet, ganz in rot gekleidet und mit goldenen Kränzen geschmückt. Von ihnen grüßten die Fahnen mit dem Hakenkreuz. Vor der Halle ließen vier riesige rot umkleidete Pylonen ihre Feuer zum Himmel emporlodern. Im weiten Kreise bildete die SS. mit Fackeln Spalier, lieber dem Eingang brannte in Vergoldung das Hoheitsabzeichen der Bewegung. Punkt 19.30 Uhr flammte die gewaltige H o l z p y r a m i d e, die in der Mitte der Theresienwiese in 7,5 Meter Höhe mit 200 Raummetern Holz errichtet worden war, zum Revolutionsfeuer auf. Um 19.45 Uhr wurde d i e Blut- sahne in die Halle gebracht. Unmittelbar darauf zogen die geschlossenen Formationen der alten SA. und SS. ein. Punkt 20.20 Uhr betrat der Führer unter den Klängen des Badenweiler Marsches allein die Halle, von stürmischen Heilrufen der Riesenmenge begrüßt. Herzlich begrüßte der Führer seine alten Mitkämpfer und seinen Stellvertreter Rudolf H e ß. Anschließend begann das Reichssymphonieorchester unter der Stabführung von Pg. Adam die Feier mit der Ouvertüre zu Richard Wagners Rienzi. Es sprachen dann der Gauleiter, Staatsminister Wagner, der Reichsführer der SS. Himmler, Stabschef Reichsminister Röhm und schließlich der Führer selbst, lieber die Reden liegt ein Bericht noch nicht vor. Oer Fackelzug. München im Lichtermeer. Nach her von der Massenversammlung mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede des Führers, fangen die Massen das Horst-Wessel-Lied und das Deutschlandlied. Als der Führer dann die Halle verließ und sich zu feinem Wagen begab, konnte auch das Spalier der überschäumenden Begeisterung der Massen keinen Halt mehr bieten. Die alten Kämpfer formierten sich dann zu einem gewaltigen Fackelzug. Unterdes beschrieb ein Flugzeug mit Positionslichtern über dem Versammlungsplatz eine Reihe von Ehrenschleifen. Je mehr sich der Zug der inneren Stadt näherte, desto dichter wurde das Spalier der Massen, aus deren Reihen immer wieder Heilrufe den Getreuen Adolf Hitlers entgegenbrausten. In allen Durchmarschstraßen waren die Häuser neben England vor: bei den nächsten Wahlen werden d i e Faschisten überall Kandidaten aufstellen. Frankreich: Man sagt, die neue Bewegung sei in erster Linie die Frucht der Wirtschaftskrise, aber die Wirtschaftslage im ganzen ist in Frankreich gesund und trotzdem diese Bewegung, die nicht durch die Skandale von heute ausgelöst ist, in diesen Skandalen vielmehr nur willkommene Gegenstände des Streits sieht. Dieselben Erscheinungen wie sonst: Frontkämpfer (sog. „Feuerkreuze" u. a.), junge Generation, „Neue Demokratie", selbst das Schlagwort „Vierte Republik" gegenüber der seit 1871 bestehenden Dritten Republik des liberalen, kapitalistischen, rein bourgeoisen Frankreichs. Die nationale Reserve der Vierzigjährigen, also der Frontkämpfer und die junge Generation drängen vor. So geht das weiter in Holland etwa mit seinem Jdeenkampf oder unter den Flamen, in Spanien, in Oesterreich, auch in Polen, das mit seiner Verfassung vom 26. Januar bestimmt noch nicht am Ende angekommen ist. Zwei starke Beispiele, die Abstimmungen der Schweiz und die Bewegungen in Estland. In der S ch w e i z ist ein sog. Ordnungsgesetz, ein Gesetz zur Verstärkung der Staatsgewalt am 11. März im Volksentscheid verworfen worden. Es war eine Niederlage schlechthin der alten Schweizer Demokratie, die von links durch Sozialisten und Kommunisten bedroht ist und gegen die von rechts die neue Bewegung hier in den sogenannten „Fronte n" anrückt. Es war eine Absage an das ihrem reichen Flaggenschmuck durch Klein-Illumination von roten Farben besonders erleuchtet. Schon die Theresienwiese mit der hellerleckchteten Paulskirche bot einen guten Auftakt. (Einen Höhepunkt bildete der königsplah, der im Lichte zahlreicher Pylonen ganz in Rot getaucht war. Und nun folgte die schönste (Ehrung, die den alten Kämpfern bereitet werden konnte: A m Braunen Haus, dessen einziger Schmuck zwei riesige rote Teppiche, vom Balkon und von den Zinnen herabwallend, bildeten, nahm der Führer persönlich den Vorbeimarsch ab. Wit ihm zeig- ten sich am Balkon Rudolf Heß, Stabschef Rühm, Reichsführer der SS. Himmler, Gauleiter Staatsminister Wagner. Weiter durch die B r i e n n e r Straße, die sich auch heute wieder als Perle in der Reihe der großen bisherige Parteiensystem, eine Parteidämmerung, der Beginn einer neuen Orientierung in der Innen-- Politik, kurz, ein Beweis, daß die Ideen der neuen Zeit auch hier unwiderstehlich an den Staat heran- drängen. Es gibt keine Barriere für diesen Geist, der in Italien Faschismus, in Deutschland Nationalsozialismus heißt, in den einzelnen Ländern verschiedene Ausdrucksformen findet, überall aber neue Gedanken und eine neue Zeit heranführt. Wer sich dem entgegenstellen wird, muß, um Erfolg zu haben, neue Gedanken dagegensetzen. Die sieht man nicht in der Schweiz, wo gerade die Ja-Sager der Abstimmung beweisen, daß sie lediglich in der Defensive stehen, mit einem erschöpften Gedankengut. In E st l a n d hat der Verband der Freiheitskämpfer die Verfassungsänderung im Sinn der Verstärkung der Rechte des Präsidenten erzwungen. Am 12. März hat die Regierung den Kriegszustand erklärt und die Verbände der Freiheitskämpfer aufgelöst, sowie allen politischen Parteien ihre Tätigkeit verboten. Auch hier der Versuch einer demokratischen Regierung, unter dem Schlagwort „Schutz der Demokratie", gestützt auf die bewaffnete Kraft, sich gegen eine Bewegung der Geister, die allmählich das ganze Volk erfaßt, doch an der Macht zu halten. Und auch hier die Erscheinung, daß mit einem erschöpften Gedankengut rein defensiv und negativ, also wahrscheinlich ohne Aussicht auf Erfolg gerungen wird. Das sind Vorgänge, die natürlich irgendwie auf die Neugestaltung der Beziehungen der Staaten untereinander, auf sie Verschiebungen der Mächte und Straßenzüge erwies. Besonders prächtig kam das WittelsbacherPalaiszur Geltung, vor dem eine Abteilung SS. den alten Kämpfern die Ehrenbezeugung erwies. Beim Einschwenken zum Odeonsplatz brach die Musik ab. Hier war auf der Insel vor der Feldherrnhalle ein Lichter- friedhof aufgebaut. Für jeden der Gefallenen wurde eine eigene Flamme abgebrannt. Dieses Lichtermeer kam gerade gegenüber dem Dunkel der Ludwigstraße zu glänzender Geltung. Der Zug nahm seinen Weg zur Ludwig st raße. Als die Spitze das Mahnmal erreichte, ertönten Trommelwirbel. Die riesigen Kolonnen der Fackelträger schienen kein Ende zu nehmen. Nahezu eine Stunde verging bis die letzten den Odeonsplatz passiert hatten. Nach dem Marsch durch das Siegestor löste sich der Fackelzug auf. Damit hatte der Revolutionsappell vom 19. März in mitternächtlicher Stunde fein Ende erreicht. der Gewichte in der großen Politik zurückwirken, ohne daß wir das heute schon vollständig erfassen können. Man ist in einem Uebergangszu- st a n d, schlechthin revolutionärer Art hin über die Welt. Sehen wir dabei von dem ganz anders organisierten Rußland ab, so sind Italien und Deutschland darin am weitesten. Gewiß haben wir noch viel Arbeit vor uns. Aber gibt es uns heute nicht geradezu schon ein Gefühl der Ruhe, im Blick auf diese Gärungen im Ausland, daß der Durchbruch bei uns seit einem Jahre vollzogen ist? Wir wissen: aus der alten in die neue Zeit sind wir unwiderruflich herübergeschritten und so ist für uns die Bahn viel mehr geöffnet als bei den da drüben noch Ringenden, zu der schöpferischen Arbeit, wie sie bei uns schon begonnen wurde. Wesentlich in der großen Politik ist einmal jenes Zurücktreten der Vereinigten Staa- t e n und sodann der Entschluß Adolf Hitlers, Deutschland aus dem Völkerbund herauszureißen. Und immer stärker hat sich dabei gezeigt, daß das der Anfang zu einer aus eigener grundsätzlicher Systematik der Außenpolitik aufsteigenden neuen Außenpolitik war. Diese neue deutsche Außenpolitik faßt nur das nächste an, hat im Verhältnis zu Polen diese neue fruchtbare Grundlage geschaffen, geht in der Abrüst u n g s f ra g e den Weg weiter, bis darin die Entscheidung fällt. Aber es sei darauf hingewiesen, daß zugleich mit der Herausarbeitung einer neuen Wirtschaftsordnung im Innern Deutschland auch immer Der Geist von Rom. Von unserem römischen E.-Korrespondenien. Rom, 18. März. Das Dreierabkommen gehört wie der Viererpakt zu jenen kunstvollen Gebilden der Feinweberei, in denen die italienische Diplomatie Meister ist. Sie scheinen dünn und durchsichtig, sind aber elastisch, und man kann viel hineinsticken und — herauslesen. „3 Protokolle" wurden unterschrieben, man sagt nicht Abkommen und nicht Pakt und nicht Vertrag, um auch den Schein zu vermeiden, daß es sich um ein Abgeschlossenes handeln könne, von dem andere ausgeschlossen wären. Was Oesterreich und Ungarn gern deutlicher gehabt hätten, das wurde nur gesagt, gesagt allerdings von Mussolini im europäischen Rundfunk und damit „an alle". Ein Schönheitsfehler der Protokolle, mag fein; jedoch ein Musterzug auf dem Schachbrett moderner Politik. „Von heute ab gibt es keine österreichische ober ungarische Außenpolitik mehr, es gibt nur noch eine italienisch-österreichisch-ungarische Gemeinschaftspolitik". Sagt der Popolo di Roma. Ab man in Wien und Budapest der gleichen Meinung ist? „Die Unabhängigkeit Oesterreichs und die Zusammenarbeit für den europäischen Frieden bilden die Grundlagen jeder wirtschaftlichen Verständigung über den Donauraum; jeder vierte Staat, der sich anschließen will, muß sich zu diesem Punkt zustimmend bekennen." Ließ sich „das Organ des österreichischen Bundeskanzlers" aus Rom melden. Und nun ist von dieser Unabhängigkeit eines bestimmten Landes mit keinem Wort die Rede! In Rom gab es nach der Unterzeichnung Politiker aller Sorten, die sich entgeistert anblickten. Aufgeregte Sonderberichterstatter suchten und suchten in dem Comuni- cato wie in dem politischen Protokoll herum, sie fanden nichts. Ueberhaupt die Vorausmeldungen der interessierten Presse! Was ist alles nicht eingetroffen! Nichts von den Befürchtungen der kleinen Entente, nichts von den Hoffnungen Frankreichs. Unbegründet erweisen sich gewisse deutsche Sorgen, fehl gingen vor allem aber die Beschwörungen derjenigen, die um jeden Preis U n- garn von Deutschland wegmanövrieren wollten. Senkrecht und unerschütterlich wie ein tragender Pfeiler stand Gömbös da; mit klarem Blick erkannte er den mächtigen Einfluß des großen Abwesenden: den Einfluß Deutschlands. Das Reich wirkte, ohne einzugreifen, ähnlich wie die Fleet in beeing. Es kann bei keiner endgültigen Lösung des Donauproblems ausgefchaltet werben — eines ber wichtigsten Ergebnisse von Rom. Damit ist auch schon gesagt, baß es nicht genügen kann, ber an ben Donauraum anstoßenben Großmacht eine Türe offen zu lassen, unb noch weniger barf bamit gerechnet werben, baß sich bas Reich für ben Eintritt solche Bedingungen auferlegen läßt, wie sie bie „Reichspost" brücken ließ. Die Zeiten sind vorbei, wo Deutschland ftänbig Zustimmung nickte, nur um im Geiste von Genf eine gute Figur zu machen. Was übrigens Mussolini von biesem Geist hält, hat er auch im Rundfunk gesagt, unb ber stürmische Beifall, ben er fanb, als er für bie praktische Durchführung ber bereits zuge- stanbenen Gleichberechtigung mit erhobener Stimme eintrat, brang bank ber zensurfreien Aether- wellen auch in bie wiberwilligsten Ohren. An ber großen Linie ber italienischen Revisionspolitik hat sich nichts geänbert — eine weitere Lehre ber Romgespräche. Das Wichtigste aber an bem politischen Protokoll ist bas, baß es bie Pariser Vorortverträge gar nicht erwähnt, baß es ben Kriegsverträgen entgegensetzt bie Freunbschaftsverträge, bie bas Italien Mussolinis geschlossen hat. Das ist bie A b k e h r vom Gei st e von Versailles, wie sie bie Vereinigten Staaten schon burch ihre Unterfchriftsver- roeigerung vollzogen hatten. Den früheren Gegnern tritt Italien gleichermaßen frei unb ungebunben entgegen. Der G e i st von Rom ist Sieger geblieben, das Recht soll roieber an bie Stelle ber G e- walt treten. Auch bas hat ber Duce im Runbfunk für alle biejenigen, bie guten Willens finb, unzweibeutig betont. Führt er bie Kontinentalpolitik, bie Italien nun neben ber bisherigen reinen Seepolitik treiben muß, in biesem Geiste burch, so bricht wenigstens für biefen Teil Europas ein an- beres Zeitalter an. Die wirtschaftlichen Ergebnisse bes Dreierabkommens treten gegenüber bem politischen Protokoll zurück. Wie vorauszusehen war, finb bie Schwierigkeiten auf biesem Gebiet viel großer, benn sie zu beheben tut es ber gute Wille allein nicht. Hier stehen wir, bie römische Presse gibt es zu, erst am Anfang. Parole: Weiterarbeiten! < nach ersah Die f Regie kämpf geröui Dem von i parte fönni viel ®e Repo sande lichen zum Könil Staat klare Lage urteile Bedi mit finden nicht Bulgc Süd Wart auf eine grüße föne'. detekt ' Ter waren Ban mente len. 1 ouszu Lela schnell, wurde die 8( schäfte Die, vollen Pariser dae es Rachfoi nen. $ noch q den in Stavif mit de mann Gesct nen Uni Mör "Pari« zngl Kriege. Scotlai 'nspektc an .Die, d.' “■ a’8 «" Seliir «5?11 DCtl« D U.°n is. daraus meuar° Richt hen- mähr' in neu feinen Alters zur° eine 1 fei, b' Difchc eine Derei In auf 1 Ehr widn Sind ten. brach aewo gejtöi sicher beool Wahi Was tut England nach Empfang der französischen Abrüflungsnote? fflhiger wirb, auf dem sonst so hoffnungslos liegenden Gebiete der Handelspolitik vorwärts zu kommen. Seit dem Dezember v. I. sind mit Holland, Ungarn, Dänemark, Abkommen geschlossen, und jetzt geht man daran, mit Polen ein neues Wirtschaftsverhältnis zu begründen. Gerade aus dem Wirtschaftssystem heraus, wie es in Deutschland im Entstehen ist, kann die deutsche Handelspolitik auch da neue Gedanken erwägen Man sieht, wie Innen- und Außenpolitik Zusammenhängen. Jeder Staat ringt auf seine Weise mit den neuen Gedanken, aber in ihnen setzt sich eine Weltbewegung, wirklich eine neue Zeit durch. Wer sich das recht klar macht und im einzelnen verfolgt, versteht dann manches leichter in der großen Politik, was sonst nur Lähmung und Hoffnungslosigkeit zu sein schien. Und er verfällt nicht in die Gefahr, nach altem Schema zu urteilen, das aus den reißenden Fluß der Ereignisse nicht paßt. Daß auch hier Neues entstehe, zeigte am stärksten Adolf Hitlers Entschluß zum Abkommen mit Polen, das keineswegs bloß Taktik war, sondern aus einer neuen Grundauffassung der Beziehungen der Staaten und Nationen zueinander entstanden ist. Oie Königin-Mutter der Niederlande gestorben. Haag, 20. März. (DNB. Funkspruch.) Die 6ö- nigin-Mutter der Niederlande, Emma, ist heute um 7.45 Uhr hiesiger Zeit (8.25 Uhr MEZ.) im Aller von 75 Jahren gestorben. Um 7.30 Uhr schien das Befinden der Königin-Mutter noch befriedigend zu sein. Wenn auch die Aerzte bereits am Montag. abend alle Hoffnung auf eine völlige Wiederherstellung der kranken ausgegeben halten, so glaubten sie doch nicht an einen so kurz bevorstehenden Tod. Um 7.45 Uhr ist die kranke plötzlich sanft entschlafen. An ihrem Sterbebette befanden sich Königin Wilhelmina, die Kronprinzessin Juliana und der Fürst von Waldeck, der Bruder der Königin-Mutter. * Die Königin-Mutter Emma der Niederlande wurde am 2. August 1858 in Arolsen als Tochter des Fürsten Georg Viktor von Waldeck und Pyrmont geboren. Sie heiratete 1879 den König Wilhelm III. der Niederlande, dessen zweite Gemahlin sie war. Da die beiden Söhne des Königs frühzeitig starben, entschloß sich der König, um die Thronfolge zu sichern, zu einer Ehe mit der um 40 Jahre jüngeren Prinzessin. Aus dieser Ehe entsproß die jetzige Königin Wilhelmina. Als sich die Hoffnung auf einen männlichen Thronerben nicht verwirklichte, änderte das holländische Parlament die Nachfolgegesetze und ermöglichte so die weibliche Thronfolge. Infolge des bedenklichen Gesundheitszustandes des Königs übernahm der Staatsrat 1889 die Füh - rung der Regierungsgeschäfte und übertrug sie auf die Königin Emma, die nach dem Tode des Königs gleichzeitig die Vormundschaft über ihre Tochter übernahm. In ihre Regierungszeit fällt im Jahre 1896 die Wahlrechtsreform, die mehr als doppelt soviel Wähler als früher an die Urne zuließ. Damit überwand sie die politische Krise und konnte 1898 Wilhelmina am Tage ihrer Großjährigkeit einen geordneten Staat übergeben. Seit dem Ende ihrer Regentschaft lebte sie zurückgezogen in ihrem Palais im Haag. Ihr 70. Geburtstag im Jahre 1928 wurde wie ein nationaler Feiertag begangen, der die tiefe Verbundenheit der Königinmutter mit ihrem Volke bewies. Oie Vorbereitung der Gaarabftimmung. Tagung der drei neutralen Saariuriften. Genf, 19. März (DRV.) Der juristische Unterausschuß, der aus den drei neutralen Juristen Klosters-Holland, Baron Mark von Württemberg-Schweden und Borel-Schweiz besteht und einige mit der Abstimmung zusammenhängende Fragen juristisch zu klären hat, trat im Völkerbundssekretariat zusammen. Man nimmt an, daß die Beratungen einige Tage dauern werden. Die wichtigsten der ihnen überwiesenen Fragen sind folgende: Genaue Umgrenzung der dem Völkerbund s- rat bei der Saarabstimmung zustehenden B e ° fugniffe und Pflichten. Hierunter fällt auch die Frage der etwaigen Heranziehung fremder Polizeikräfte zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Ferner sollen sie bestimmen, was unter „ Distrikten " ober „Gemeinden" als Abstimmungseinheiten im Sinne des Vertrages zu verstehen sind und wer als „Einwohner" abstimmungsberechtigt ist. Der Dreierausschuß des Völkerbundsrates wird dann in zweiter Besetzung die Ergebnisse der Juristenberatungen entgegennehmen. Diese Tagung wird noch vor Ostern stattfinden. Die ent- scheidenste Tagung des Dreierausschusses unter Vorsitz Aloisis wird aber erst für Mitte April erwartet. London, 20. März. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" schreibt: Wahrscheinlich wird sich das Kabinett bei seiner regelmäßigen Zusammenkunft am Mittwoch mit ber französischen und der deutschen Note befassen. Doch dürfte mehr als eine Sitzung notwendig fein, bevor die Minister darüber entscheiden können, welches der nächste Schritt Großbritanniens sein soll. Die Enttäuschung, die in britischen Kreisen über den negativen Charakter der französischen Note empfunden wird, — obwohl man damit gerechnet hatte, — wird noch vermehrt durch den „verhältnismäßig vernünftigen" Inhalt der deutschen Note. In London wird offen zugegeben, daß d i e deutsche Note tatsächlich viele Einzelheiten enthält, die bei gegenseitigen Zuge- tänd nisten z u e i n e r f'r a n z ö s i s ch - d e u t s ch e n Vereinbarung hätte beitragen müs - e n. Ob die jetzige äußerst ungünstige Lage des Abrüstungsproblems durch Umarbeitung Lines Teiles des britischen Planes entsprechend gewissen italienischen Anregungen und durch Hinzu- ügung einer besonderen Luftkonvention in Ordnung gebracht werden kann, bleibt abzuwcnsten. „Äorning Post" glaubt, daß das Kabinett seine volle Aufmerksamkeit der Sicherheitsfrage zuwenden werde. Wenn Großbritannien nicht bereit ei, die von Frankreich geforderten Zusagen zu geben, dann werde es weder eine Rüstu n g s- verminderung, noch auch nur eine Paris bleibt verstimmt. Paris, 20. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Enttäuschung über die Rede Mussolinis in Paris wird auch nicht gemildert durch eine etwas retu- chierte Fassung der Stelle der Rede, in der Mussolini über d i e Revision der Verträge und die Abrüstung spricht. Man behauptet, daß diese Fassung der Originaltext sei. Nichtsdestoweniger, so schreibt der „Petit Parisien", bleiben wir dabei, daß derartige Anspielungen, wenn sie auch etwas abgeschwächt werden, unter den heutigen Umständen nur d i e moralische Antmosphäre trüben, die Mussolini selber als Bedingung für eine befriedigende Regelung bezeichnete. Die Außenpolitikerin des „O e u v r e" will die Auffassung der amtlichen Pariser Kreise wiedergeben können: Der Quai d'Orsay wartet ab, sagt sie, welche Politik er nun im Donauraum betreiben solle. Er lasse sich durch Reden Mussolinis; nicht aus feiner Ruhe bringen, obwohl verschiedene Schritte ihm nicht sehr angenehm sein könnten gerade in dem Augenblick, in dem ein großer Annäherungsversuch unternommen wurde. Nichtsdestoweniger könne er sich nicht enthalten, die Rede als unzweckmäßig zu bezeichnen. Der französische Botschafter in Rom habe Mussolini auf feine Anregung, ein Abkommen, das die beschränkte Aufrüstung Deutschlands vorsehe, zu unterzeichnen, die Antwort Barthous übermittelt, daß Frankreich in keine Politik einwi11i - gen könne, die di e Aufrüstung Deutschlands legalisieren würde. Desgleichen habe der Botschafter Mussolini davon unterrichtet, daß Rußland mit Unter st ützung Frankreichs seine Anwartschaft für Genf anmelde. Vielleicht sei die Rede Mussolinis als Antwort hierauf anzusehen, bestimmt durch eine gewisse Ungeduld und teilweise begründet durch die Tatsache, daß rein französisch-italienische Fragen nicht erörtert worden seien. „Echo de Paris" greift den französischen Botschafter de Chambrun äußerst scharf an, der in völliger Verkennung der wirklichen Lage Frankreichs falsch unterrichtet habe. Die „Ere Nou- velle" hält die Erklärung des Duce über Italiens Expansionsbedürfnis in Asien und Afrika für besonders schlimm. Mussolini wolle allem Anschein nach die Nachfolge des alten römischen Reiches antreten. Unter diesen Umständen bleibe Frankreich nichts anderes übrig, als sich an den unantastbaren Grundsatz der Sicherheit zu flammern-unb zu betonen, daß keine Berlin, 19. März. (DNB.) In der Akademie für Deutsches Recht sprach Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r. An die Spitze seiner Ausführungen stellte er das Bekenntnis zur richterlichen Unabhängigkeit. Die tiefe Entfremdung zwischen Volk und Recht sei ganz gewiß nicht in erster Linie auf die Person des deutschen Richters zurückzuführen, sondern vielmehr als eine unausbleibliche Folge davon anzusehen, daß das Gesetz im Widerspruch zum Rechtsgefühl des Volkes stünde. Die durch größere Freiheit der Gefetzesauslegung ermöglichte r e ch t s schöpferische Tätigkeit des Richters fei als die stärkste Ausstrahlung des Richteramtes überhaupt anzusehen. Je mehr sich der Richter dabei in menschlich überzeugender Weise zu seinem Werturteil freimütig, offen und mannhaft bekenne, um so sicherer werde er durch seine Rechtsprechung auch das Verständnis und das Herz des Volkes finden. Freilich könne zum Herzen nur eine Sprache gehen, die aus dem Herzen komme. Der Richter müsse sich über den Rand seiner Akten und die Tür seiner Amtsstube hinaus dauernd verbunden fühlen mit dem Strom des Lebens, der ihn umgebe und ihn auch trage. Er müsse sich eins fühlen mit den Volksgenossen, deren Schicksal so oft in feine Hand gegeben sei, müsse ihre Sprache sprechen und verstehen. Glücklich auch der Richter, dem die Gabe des Humors zur Seite stehe, der ihn befähige, die Licht- und die Schattenseiten des Lebens als eine harmonische Einheit zu sehen. Diesem Bild des Richters müsse seine Ausbildung entsprechen. Einem Uebermaß von begrifflichem und abstraktem Denken brauche wohl kaum Raum gegeben werden. Mehr als bisher sei der körperlichen und seelichen Haltung des jungen Juristen Aufmerksamkeit zu widmen. Minister Gärtner stellte dann in Parallele zu der Freiheit des Richters die Freiheit des Rechtsanwalts, die darin bestehe, daß er gegen seinen Willen nicht gezwungen werden könne, eine Verteidigung zu übernehmen. Wenn der An- Rüstungsbegrenzung geben. Es bestehe nicht mehr die lerfefte Aussicht darauf, eine internationale Vereinbarung zu erlangen, die nicht von internationalen Verpflichtungen begleitet sei. Frankreichs Wunsch nach neuen Bürgschaften. Paris, 20. März. (DNB. Funkspruch.) Der „E x c e l f i o r" greift die englischen Blätter an, die die Antwort, bevor sie überhaupt den genauen Wortlaut kannten, als ein Manöver Frankreichs zur Hintertreibung jedes allgemeinen Abrüstungs- abkommens bezeichneten. Man werde sich im Gegenteil von seinem Wunsche, vernünftigen Verhandlungen nicht die Tür zu verschließen, überzeugen können. Eine gewisse, klar bestimmte, endgültige Aufrüstung Deutschlands werde zweifellos auf Grund freiwillig übernommener Abkommen vorstellbar, wenn dieser offensichtlichen Erhöhung der „Gefahren" für die Nachbarstaaten Deutschlands eine Verstärkung der allgemeinen und besonderen Bürgschaften entsprechen würde. Keinen Sprung ins Ungewisse. Das sei zusammengefaßt der Wille Frankreichs, das durchaus bereit sei, mit allem Wohlwollen die Bürgschaften zu prüfen, die die Aenderungen der in Kraft befindlichen Verträge begleiten müssen. Abrüstung ohne entsprechende Sicherheitsgarantien in Frage komme. Auch müsse man die Hinfälligkeit des Viererpaktes proklamieren, den der Duce selbst dadurch beerdigt habe, daß er ein politisches Abkommen mit Ungarn und Oesterreich ohne vorherige Befragung der Unterzeichner des Viermächtepaktes abgeschlossen habe. Oer Eindruck in London. Starke Betonung einer selbständigen Politik London, 20. März. (DNB. Funkspruch.) Zu den Aeußerungen der italienischen Presse über die Dreimächteveretnbarung sagt der „Times"-Vertreter in Rom: Soweit sich feststellen läßt, ist infolge der Rede Mussolinis die Zurückhaltung womöglich noch stärker geworden, mit der gewisse diplomatische Kreise die drei Protokolle ausgenommen haben. Nach den ausfallend warmen Aeußerungen über Frankreich, die Mussolini im Juni vorigen Jahres kurz vor der Paraphierung des Viermächtevertrages im Senat machte, sind hiesige französische Kreise etwas überrascht durch die kühlen Bemerkungen über die italienisch-französischen Beziehungen Die erneute Kundgebung für Oester- reichs Unabhängigkeit hat nicht überrascht. Aber die „diplomatisch-korrekte" Bezugnahme auf Südslawien und die Befürwortung der ungarischen Revisionsforderung haben es natürlich den Mächten der Kleinen Entente erschwert, zu glauben, daß sie im Ernst zur Teilnahme an der Dreimächtevereinbarung eingeladen werden. Im übrigen fragt man sich, ob das politische Protokoll ein in letzter Stunde ein- gegebener kühner Einfa11 war, ober ob es bereits im Keime bestanden hat, bevor die Zusammenkunft begann, und ferner, auf wes - fen Anregung es zurückzuführen ist. „Daily Telegraph" führt aus, britische Kreise, die Mussolinis Rede sachlicher betrachten könnten, als es den Franzosen, Deutschen oder Angehörigen der Kleinen Entente möglich sei, erblickten darin vor allem ein Zeichen, daß Italien eine durchaus selbständige Politik verfolge und nicht im Kielwasser irgendeiner anderen Großmacht segeln wolle. Infolgedessen sei Italien imstande, Deutschlands Rüstungsforderungen zuzustimmen und einer angeblichen deutschen Kontrolle über Oesterreich entgegenzutreten, ober mit Frankreich einer Meinung über bie österreichische Frage zu fein unb feinem Nachbarn in ber Abrüstungsfrage Wiberstanb zu leisten. walt aus freiem Entschluß bie Uebernahme eines Mandates beschlossen habe, dürfe es keine Macht geben, bie das durch Gewalt, Drohung oder sonstwie verhindern konnte. Aber die Freiheit des Anwaltsberufs dürfe nicht vergessen lassen, daß er ebenso wie der Richter einDienerdesRechts sei und daß auch seinem Wirken die Schranken gezogen seien, die das Wohl des Staates erfordern. Es sei die besondere Berufsaufgabe des Reichsanwalts, die Synthese zu finden zwischen Dienst am Recht und Vertretung der Belange des einzelnen. Wenn sich Anwalt und Richter mit freiem Mut, offenem Auge und warmer Herzlichkeit ihren Aufgaben widmeten, werde unser deutsches Recht einer neuen Blüte entgegengeführt werden können. Der stellvertretende Präsident der Akademie Geheimer Rat Dr. Wilhelm Kisch (München) bot eine Rückschau über die bisherigen Arbeiten der Akademie und einen Ausblick auf ihre weiteren Aufgaben. Eine Aufgabe von unerhörter Schönheit und Größe fei es, dem deutschen Volke, das allen Schicksalsschlägen zum Trotz immer wieder den Weg zum Aufstieg gefunden habe, ein Recht zu schenken, das seiner Art entspreche und seiner Größe würdig sei. Ein Reichskommissar für die gesamte Vieh-, Milch- und Fetiwirtschast. Berlin, 19. März. (DNB.) Der Reichser- näbrungsminifter hat mit Wirkung vorn 1. April einen Reichskommissar für die Vieh-, Milch- und Fettwirtschaft bestellt. Er hat die Aufgabe, die zur Ordnung und Regelung des Marktes von Vieh, Fleisch, Milch und Milcherzeugnisfen, Geflügel', Eiern und Fett erforderlichen Maßnahmen durchzuführen. Er hat ferner nach Maßgabe besonderer Vorschriften die Ordnung und Regelung des Marktes für Tiere und tierische Erzeugnisse, sowie der Markt- verhaltniste auf dem Gebiete der Fettwirtschaft durch- zuführen, soweit sich diese Aufgaben aus den bisherigen Bestimmungen nicht schon ergeben. Der Reichskommissar istbemReichsernährungs- m i n i ft e r unterstellt und an feine Weisungen gebunden. Für den Posten des Reichskommissars dürfte Frei he rr von Kanne ausersehen fein, ber schon bisher Reichskommissar für bie Milchwirtschaft war und dessen Aufgabengebiet somit durch die neue Verordnung eine bedeutende Erweiterung erfährt. Oie Winterhilfe des Bauern. Der Bauer hat durch seine lebhafte Beteiligung an dem Winterhilfswerk und durch die Arbeitsbeschaffung während der jahreszeitlich ruhigen Monate gezeigt, daß er von wahrhaft sozialistischem Geist durchdrungen ist. Das Bauerntum hat wäh- rend des letzten Winters so gut wie keine Entlassungen vorgenommen, obwohl im letzten Sommer erheblich mehr Arbeitskräfte als in früheren Jahren eingestellt worden waren. Aber auch mit Natural- und Geldspenden ist bie Lanbwirtschaft keineswegs zurückhaltenb gewesen. Der Gelbwert ber Winterhilssspenben bes Bauerntums wirb auf etwa 25 Millionen Mark geschätzt. Nach ben aus ben Lanbesdauern- schaften bis Anfang März oorliegenben Berichten würben neben reichen Bargelbspenben in Hohe von etwa 1,7 Millionen Mark große Mengen lanb- wirtfchaftlicher Erzeugnisse, so allein etwa 6,3 Millionen Zentner Kartoffel en und 1,2 Millionen Zentner B r o t g e t r e i b e , bem Winterhilfswerk zur Verfügung gestellt. Auch burch Kleibungsstücke, Schuhe, Wäsche unb anbere Gegenstänbe hat bas Bauerntum bazu beigetragen, bie Not ber arbeitslosen Volksgenossen zu ver- minbern. Millionen-Auftrage für das hessische Handwerk. Die Auswirkung des Arbeitsbeschaffungs- Programms in Hessen. Darmstadt, 19. März. (£pD.) Das Staafs- pressearnt teilt mit: In der Zeit vom 1. bis 28. $ e- bruar 1934 wurden 9303 Anträge auf Bewilligung von Reichszus chüs sen genehmigt. Die Summe der in dieser Zeit bewilligten Reichszufchüste beträgt insgesamt 2 033169 Mark. Die mit diesen Reichszuschüssen dem hessischen Handwerk zugeführten Auft.räge erreichen in diesem ein en Monat den ansehnlichen Betrag von 8 252 000 Mk. In der Zeit vom 15. Oktober 1 933 bis 2 8. Februar 1934 wurden Reichszuschüsse von insgesamt 8 907 000 Mark bewilligt, womit dem hessischen Handwerk über 36 057 000 Mark Aufträge zugeführt worden sind. Oer Einheitsmietvertrag. Nichtlinien des Präsidenten der Hausbesitzerorganisation. Der Präsident des Zentralverbandes deutscher Haus- und Grunddesitzeroereine, Obersturmbannführer T r i b i u s, hat den Einheitsmietver- trag allen Vereinen und Verbänden des Haus- unb Grundbesitzes und ber Mieterschaft mit ber Bitte übermittelt, künftig nurbiefen Miet- vertrag als Grundlage für den Abschluß eines Mietverhältnisses zu benutzen. Auch bie b e - stehenben Mietverträge sollen bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit den grundsätzlichen Bestimmungen des deutschen Einheitsmietvertrages angepaßt werden. Der deutsche Einheitsmietvertrag geht von dem Grundsatz aus, daß zwischen dem Mieter und dem Vermieter es künftig nur noch bie Interessengemeinschaft geben bürfe. Es dürfe nicht mehr vorkommen, baß bie Verstän- bigung zwischen Mieter und Vermieter durch unangebrachte Vertragsbestimmungen gestört wird. Geringfügige Vertragsverletzungen des Mieters sollen beispielsweise nicht zu sofortiger Kündigung führen. Ebenso seien Dertragssragen bei unbebeutenben Verstoßen gegen bie fjausorbnung nicht angebracht. Die pünktliche Mietzahlung sei Vorde- bingung für eine ordnungsmäßige Hausbewirtschaftung Es soll jedoch bei geringfügigem Rückstand ober kurzer Zahlungfristüberschreitung nicht gleich zur außerordentlichen Kündigung geschritten werden. Als selbstverständlich soll betrachtet werden, baß bem Mieter nicht bie Haftung für jeben burch höhere Gewalt entstehenden Schaden aufge- bürdet wirb. Desgleichen würde man es nicht verstehen, wenn ber Vermieter bie völlig entfchäbi- gungslose Uebernahme von Einrichtungen verlangt, mit benen ber Mieter bie Mietsache versehen hat. Der Schaffung des Einheitsmietvertrages wirb bie Aufstellung von Hausorbnungen folgen. Von einer Mufter-Hausorbnung für bas gesamte Reichsgebiet ist abgesehen worden. Die Hausordnungen sollen vielmehr örtlich geregelt werden. In ihnen soll der Gemeinschaftsgebanke zwischen Mieter und Vermieter zum Ausdruck kommen. Oer Guftav-Adolf-Verein. Der bisherige Vorsitzende D Rendtorff zum Ehrenpräsidenten ernannt. Berlin, 19. März. (DNB.) Der Evangelische Pressedienst teilt mit: Der Zentralvvrstand bes Evangelischen Vereins ber Gustav-Abvlf-Stiftung trat unter Leitung seines Vorsitzenben Geheimrat Prvf. D. Dr. Renbtvrff zu seiner Frühjahrstagung zusammen. An ber Sitzung nahmen bie Mitglieder fast vollzählig teil, unter ihnen der Landesbischof von Sachsen Coch, der Bischof der Deutschen evangelischen Gemeinden Lettlands D Poelchau, der Präsident der „Evangelischen Kirche in Böhmen, Mähren und Schlesien" v. Wehrenpfenckig. Der Reichsbischvf war durch ben Leiter bes Kirchlichen Außenamtes Bischof D. Heckel vertreten. Zu den Beratungen über die Neuregelung einer planvollen Zusammenarbeit zwischen bem Gustav- Abolf-Verein unb ber Deutschen Evangelischen Kirche gab Bischof Heckel eine grunbsätzliche Erklärung ab. Der Gustav-Abolf-Verein, so führte er aus, habe in feiner hundertjährigen Geschichte sich stets als W e g • bereiter ber Einigung bes evangelischen Deutschlanbs erwiesen. Er habe nie neben ber Kirche, fonbern immer mit ihr und für sie gewirkt. Auch in Zukunft müsse der Gustav- Adolf-Verein ein Sammelpunkt aller der Kräfte bleiben, die für den heiligen Dienst an den Glaubensgenossen in der Zerstreuuung bereit seien. Ihn für diese gerade in ber neuen Zeit wichtige Aufgabe zu stärken, fei der Wille ber Deutschen Evangelischen Kirche. Der Vorsitzenbe Geheimrat Rendtorff legte Lebhaftes Echo der Richter and Rechtsanwalt im neuen Reich. Der lieichsjustizniinister spricht in der Akademie für Deutsches liecht. darauf dem Zentralverband für die künftige Zufam- menarbeit mit dem Kirchlichen Außenamt neue Richtlinien vor, die einmütige Zustimmung sanden. Er begrüßte die vollzogene Einigung als Gewähr für die künftige freie Entfaltung des Vereins in neuen Formen und erklärte, er könne nunmehr feinen langjährigen Plan, sich wegen seines hohen Alters von der Führung des Vereins zurückzuziehen, unbesorgt verwirklichen. Da eine sofortige Neubesetzung der Stelle nicht möglich sei, bat er mit Zustimmung des Zentralvorstandes Bischof E. Heckel, bis zur endgültig en Wahl eines neuen Vorsitzenden die Leitung des Vereins in die Hand zu nehmen. In einer spontanen Dankesbezeugung wurde darauf Geheimrat D. Rendtorff gebeten, künftig als Ehrenpräsident dem Verein seine Kraft zu widmen und die Leitung des nach ihm benannten Studentenheims „Franz-Rendtorff-Haus" zu behalten. Geheimrat D. Rendtorff nahm die ihm dargebrachte Ehrung an, ebenso Bischof D. Heckel den ihm gewordenen Auftrag. Dieser betraute, um eine ungestörte Weiterführung des Gustav-Adols-Werkes zu sichern, die bisherigen Geschäftsträger, den General- . bevollmächtigten und den Generalsekretär, mit der Wahrnehmung der laufenden Geschäfte. Das neue Deutschland in bulgarischem Licht. Sofia, 18. März. (DRV.) Der Oberstkommandierende des bulgarischen Heeres im Weltkrieg, General Jekoff, der soeben von einer zehntägigen Deutschlandreise zurückgekehrt ist, erklärte der Presse, daß er sich in Deutschland davon habe überzeugen müssen, daß Adolf Hitler der Schöpfer einer neuen Weltanschauung sei. Die tiefgründige Wandlung, die das deutsche Volt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfahren habe, befinde sich erst im Anfangsstadium. Die bisherigen Leistungen der nationalsozialistischen Regierung, die mit den Ideologen des Klassenkampfes und mit dem Parteichaos gründlich aufgeräumt und eine unverfälschte nationale Demokratie geschaffen habe, würden auch offen von ihren ehemaligen Gegnern zugegeben. Das von parteipolitischen Leidenschaften zerrissene Bulgarien könne von dem neuen Deutschland unendlich viel lernen. General Jekoft hob dann hervor, daß die ersten Repräsentanten des Reiches auch vor ihm ihre besondere Freude und Genugtuung über den kürzlichen Besuch des Königs Boris in Berlin zum Ausdruck gebracht hätten. Bulgarien habe in König Boris, so habe man ihm erklärt, ein weises Staatsoberhaupt, das eine ebenso umsichtige wie klare Politik führe. Wie richtig König Boris die Lage in Europa und besonders im Südosten beurteile, hätten seine Bemühungen bewiesen, d i e Bedingungen für eine Verständigung mit den Nachbarländern Bulgariens zu finden; denn mlgarien könne auf d i e Dauer nicht von Gegnern umgeben leben. Komme Bulgarien zu einer Verständigung mit Südslawien, so werde dies, auch von deutscher Warte gesehen, eine Erleichterung der Lage auf dem Balkan bedeuten. Deutschland werde eine bulgarisch-südslawische Annäherung warm begrüßen. Gtavsskys Genier Geschäfte Eine Pariser Zeitung setzt enqlische Meisterdetektive aus dieSPur derMörder vonPrince 'Genf, 19. März. (DNB.) Seit einigen Tagen waren hier Gerüchte im Umlauf, daß Stavisky u m- fangreidje Geschäfte über eine hiesige Bank geleitet habe, wo sich auch wichtige Dokumente über die ganze Angelegenheit befinden sollen. Der Genfer Polizei ist gelungen, den Kontoauszug über die Geschäfte Staviskys mit der Bank Bela Hofmann in Budapest zu entdecken. Durch schnellen Zugriff eines starken Polizeiaufgebotes wurde der Direktor einer hiesigen Bank gezwungen, die Belege über die mit Stavisky getätigten Geschäfte herauszugeben. Die „Tribüne de Geneve" spricht von einem wertvollen Dokument, das schon seit langer Zeit vom Pariser Untersuchungsrichter gesucht worden sei und das es der französischen Justiz nun ermögliche, ihre Nachforschungen nach neuen Richtungen auszudehnen. Wie das Blatt hinzufügt, könne man in Genf noch auf neue Ueberraschungen gefaßt fein. Aus iben in Genf gefundenen Akten gehe hervor, daß 'Stavisky sich im November vorigen Jahres in Genf imit dem genannten Budapester Bankier Bela Hvf- imann getroffen haben müsse. Dabei solle es sich um »Geschäfte im Betrage von 30 Millio - men Franks gehandelt haben. * Unter der Ueberschrift„P arisSoirsuchtden Mörder des Gerichtsrates Prince" teilt „.Paris Soir" mit, daß das Blatt den Leiter des ^englischen Intelligence Service während des Krieges Thompson, den bekannten Detektiv von Scotland Pard, Wesley und den früheren Chef- mfpektor Collins für die Aufklärung des Mordes an Gerichtsrat Prince gewonnen habe. Große Unterschiebe im russischen Woknungsbau Moskau, 19. März. (DNB.) Die Sowjetpresse beschäftigt sich eingehend mit Mißständen und Unterschleifen im Wohnungsbau, die in der Hauptsache den Konzernsür den Bau von Einhei t s h ä u s e r n „Standardshilstroi" zur Last gelegt werden. Die „Jsvestija" berichten darüber u. a. folgendes: Für Arbeiterwohnungen im Kohlengebiet sollte die Standardshilstroi 130 Einheitshäuser mit e zwölf Wohnungen liefern. Einer Gruppe von Angestellten der Standardshilstroi war es dabei gelungen, 400 Waggon mit Holz und Baumaterial „abzuzw eigen" und dafür Lebensmittel und Waren des täglichen Gebrauches e-inzu tausch en. Ein Teil dieser eingetauschten Güter wurde unter den Angestellten der Standard- lhilstroi verteilt, das meiste jedoch unter der Hand -erkauft. Eine Anzahl in diese Angelegenheit verwickelter Angestellter der genannten staatlichen Organisation wurde vom Gerichtshof der GPU. ].u Gefängnisstrafen von drei bis zehn Jahren ver- irteilt. Eine Untersuchung wegen ähnlicher Vergehen ist bei den Zweigstellen der Standardshilstroi :n der Provinz im Gange. Die „Prawda" äußert sich sehr abfällig über die Qualität der Bauten der Standardshilstroi. So sei ein für den Jndustrieort Ieffremow von Neser Gesellschaft geliefertes zweistöckiges Einheits- haus eines schönen Tages zusammengebro- Öen. In den Moskauer Vororten könne man »Verkrüppelte Häuser" sehen, die gleichfalls von der Standardshilstroi geliefert wurden, lieber die Tauschgeschäfte der Ballgesellschaft teilt die „Prawda" mit, daß die Standardshilstroi beispielsweise dem Geflügeltrust zwei Häuser überlassen und dafür zwei Waggons mit Geflügel e i n g e h a n d e l t habe. Dom Nordkaukasischen Konserventrust habe die Standardshilstroi für ein Haus einen Waggon Konserven b e - gegen ufro. Die „Prawda" zählte im ganzen elf Wirtschaftsorganisationen auf, mit denen solche unerlaubten Geschäfte gemacht wurden. An der Spitze des „außerplanmäßigen Büros" der Standardshilstroi, das diese Machinationen durchführte, habe das Parteimitglied Wichroff gestanden. Der Prozeß gegen die Mörder Ducas. B u k a r e st, 19. März. (DNB.) Unter ungeheurem Andrang des Publikums begann vor dem Kriegsgericht der Prozeß gegen die Mörder des rumänischen Ministerpräsidenten D u c a und gegen die Eiserne Garde. Auf der Richterbank sitzen vier Brigadegeneräle und ein Divisionsgeneral. Auch der Anklagevertreter ist ein General. Der Mörder und seine beiden Helfer, alle drei gepflegte, gut gekleidete junge Burschen, sitzen gesondert hinter den Schranken. Die 60 angeklagten Mitglieder der Eisernen Garde nehmen eine Längsseite des Saales ein. Auf der ersten Bank fitzt der Führer der Eisernen Garde C o d r e a n, ein junger bartloser Mann im weißen bunt gestickten Nationalkostüm. Neben ihm General Cantacuzino in einem alten abgeschabten Anzug ohne Krawatte, darüber einen alten MMärmantel, im bleichen grau- bärtigen Greisengesicht ein schwarzumrändertes Monokel. Hinter ihnen viele Studenten, Männer im bunten Nationalkostüm, mit langem Haupthaar und Bärten, Priester, Professoren, auch drei etwa 18jäh- rige Mädchen in bunten rumänischen Blusen. Der erste Verhandlungstag verging mit dem Aufruf der etwa 700 Zeugen, u. a. des Ministerpräsidenten, des Außenministers und fast sämtlicher bekannten Politiker und Parteiführer. Dann begann die Verlesung der 8 0 Seiten umfassenden Anklageschrift. Die Anklage wird wegen des Verbrechens ungesetzlicher politischer Tätigkeit, des politischen Komplotts und der Vorbereitung zum Aufruhr, gegen die Attentäter wegen vorbedachten Mordes erhoben. Weiter wird der Zusammenhang zwischen der politischen Tätikeit der Eisernen Garde und dem Attentat bargelegt. Gegen die Verschandelung der deutschen Landschaft. Das Amt Volkstum und Heimat in der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und der Reichsbund Volkstum und Heimat stellen uns die folgenden, im Interesse der Heimatpflege höchst beachtenswerten Ausführungen zur Verfügung: In einer vom Reichsbund Volkstum und Heimat einberufenen Pressebesprechung sprach der Leiter der Reichsfachstelle Naturschutz, Professor Dr. Schoe- n: ch e n, über Landschaftsreklame. Er führte aus: Der Geschäftemacherei des liberalifti- scheu Zeitalters ist außer der Dividende und dem Profit nichts heilig gewesen: Weder die Schönheit der deutschen Landschaft, noch der uralte Nimbus der bäuerlichen Scholle, noch das Erholungsbedürfnis der Mühseligen und Beladenen, die in der Natur Werktag und Geschäft vergessen wollen. So hat sich allenthalben in unserer Heimat eine Häufung von Landschaftsreklame entfaltet, die heute nicht mehr als tragbar erscheint. Zu fordern ist, daß die Reklame aus der deutschen Landschaft vollends und grundsätzlich a u s g e t i l g t werde. Die in Preußen seit dem Jahre 1902 bestehenden Verunstaltungsgesetze haben sich zur Bekämpfung der Auswüchse der Landschaftsreklame als unzureichend erwiesen. Ihr weiterer Ausbau ist daher ein dringendes Bedürfnis der neuen Zeit. Zu wünschen wäre, daß die großen Handelshäuser mehr Wert darauf legten, daß sich die Vornehmheit ihres Geschäftsgebarens auch draußen auf der Landstraße als echt und wjrklich erweist. Solchem guten Beispiele sollten dann auch die zahllosen kleinen Händler und Gewerbetreibenden, die mit ihrer Reklame vielfach erheblich zur Der- rummelung der Natur beitragen, Nachfolgen. Auch eine künstlerisch durchgestaltete Reklame darf draußen in der freien Landschaft nicht zugelassen werden. Besonders bedauerlich ist es, daß die Reklameschilder mit Vorliebe an solchen Stellen auf- gebaut werden, wo der Reiz des Landschaftsbildes sich am stärksten entfaltet. Hier handelt es sich um einen gröblichen Mißbrauch der deutschen Heimat, der heute nicht mehr zugelassen werden darf. Für manche Industriezweige dürfte die Landschaftsreklame künftig entbehrlich sein, so insbesondere für die Automobil- und Treibstoff-Industrie, die jetzt einem niemals geahnten Aufschwung entgegengeht. Selbstverständliche Pflicht aller be- hördlichen Stellen ist es, bei der Beseitigung der Landschastsreklame überall mit gutem Beispiel voranzugehen. In diesem Sinne muß es auch als unzulässig erscheinen, wenn Wegweiser und Warnungsschilder mit reklamehaften Hinwesten verknüpft werden. Alle Behörden von der Gemeindeverwaltung des Dorfes bis zu den höchsten Stellen in den Ländern und im Reich müssen sich mit dafür verantwortlich halten, daß unsere deutsche Landschaft ein reinliches Antlitz zeigt. Reichsautobahn und Landschafisbild. Eine Forderung des Generalinspekteurs Dr.Todt. Berlin, 19. März. (DNB.) Anläßlich der Bau- aufnahme auf zahlreichen Autobahnstraßen am 21. März stellt der Generalinspekteur des deutschen Straßenwesens Dr. ing. Todt, der Zeitschrift „Die Autobahn" folgende Ausführungen zur Verfügung: „Nicht öde Rennstrecken werden wir bauen, sondern Straßen mit einem der deutschen Landschaft entsprechenden Charakter. Wohl ist Sicherheit für wesentlich höhere Geschwindigkeiten, als sie heute üblich sind, die erste Bedingung. Für den Entwurf einer Reichsautobahn nicht minder wichtig ist die Forderung, diese neuen Straßen harmonisch der d e u t s ch e n Landschaft anzupassen. Der Bau der Reichsautobahn ist das erste gewaltige Werk der Technik, das vom nationalsozialistischen Reich in Angriff genommen wird. Dieses Werk muß zum Ausdruck technischer Gestaltung im nationalsozialistischen Sinn werden. Auch für die Technik gilt das Wort „Gemeinnutz geht vor Eigennutz", lieber dem Eigennutz des rein technischen Zweckes steht auch für die Autobahn der Nutzen für die Gesamtheit. Sinnvolle Anpassung der Straßen in die Landschaft ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Gemeinnutzes der Autobahn. Mit dieser Aufgabe wird die Reichsautobahn zur gewaltigsten Aufgabe des Jngenieurwefens. Nicht theoretische Kenntnisse und gelernte Formeln, sondern höch ste schöpferische Begabung wird von den Ingenieuren verlangt, die diese Straßen zu entwerfen haben." Das Mse! von Schloß Wallershausen. Am 4. April beginnt vor dem Schwurgericht inSchweinfurt die Hauptvert^indlung gegen den Chauffeur Karl Liebig, der beschuldigt wird, den Schloßherrn von Woltershausen, Hauptmann Werther, erschossen zu Haden. Die Verhandlung bildet schon in sofern eine Seltsamkeit, als gegen den Beschuldigten kein Haftbefehl erlassen wurde. Es ist wohl das erste Mal, daß ein Angeklagter sich wegen des schwersten Verbrechens zu verantworten hat und sich trotzdem auf freiem Fuß befindet. Daraus allein ergibt sich schon, daß die Anklage auf schwachen Füßen steht. Das Rätsel von Schloß Woltershausen ist nun schon seit zwei Jahren ungelöst. Ob man es je wird lösen können? Am 1. Dezember 1932 wurde Hauptmann Wer- ther in seinem Bett tot aufgefunden. Die Leiche wies einen Kopfschuß auf. Das Bett war über und über mit Blut besudelt. Die Untersuchung ergab, daß der Schloßherr von Walters- Hausen mit seinem eigenen Revolver erschossen worden war. Seine Frau, eine geborene Freiin von Feilitzsch, verließ am frühen Morgen, ebenfalls verletzt und blutüberströmt, das Zimmer des Hauptmanns. In der Hand hatte sie einen Trommelreoolver. Sie ging aus dem Schloß heraus, den Schloßderg hinab und begab sich in das Haus eines Mannes, der gelegentlich im Schloß beschäftigt wurde. Hier erzählte sie, daß der Chauffeur Karl Liebig, ihren Mann erschossen und sie selbst verletzt habe. Liebig bestritt die Tat und behauptete, daß er die ganze Nacht über in seiner Kammer im Nebengebäude geschlafen habe Er hatte ebenso wenig etwas gehört, wir irgendein anderer vom Schloßpersonal. Die Mordwaffe war verschwunden. Weder konnte der Revolver, den der Chauffeur im Besitz hatte, noch eine andere im Schloß befindliche Pistole benutzt worden sein, sondern nur des Hauptmanns eigene Pistole, die verschwunden war. Irgendwelche Verdachtsmomente gegen den Chauffeur ergaben sich nicht. Die Verletzungen, die Frau Werther erlitten hatte, waren ganz leichter Natur. Do das Eheleben der Werthers sehr unglücklich war, fiel der nächste Verdacht auf Frau Werther, und es wurde angenommen, daß sich Frau Werther die Verletzungen s e l b st beigebracht habe. Während Frau Werther in Untersuchungshaft saß, wurde in dem Schloß eingebrochen. In den Mordzimmern war alles durchwühlt worden, aber nicht ein Wertstück war entwendet. Wieder fiel der erste Verdacht auf Chauffeur Liebig, der aber ein einwandfreies Alibi nachweisen konnte. Man fand im Garten des Schlosses auch die frischen Abdrücke des Absatzes von einem Damenschuh. In der weiteren Untersuchung wurde ein neuer Verdacht auf Liebig geworfen, und zwar auf Grund eines Sachverständigengutachtens, wonach aus der Pistole von Liebig einige Schüsse abgegeben fein konnten, die Möglichkeit also bestehe, daß Liebig an der Tat mindestens beteiligt war. Liebig wurde wieder verhaftet, aber später wieder entlassen. Die Untersuchung richtete sich nunmehr gegen einen Dritten. Kurz bevor dieser jedoch verhaftet wurde, hatte Frau Werther ihn bereits zu sich auf das Schloß rufen lassen. Niemand weiß, was dort gesprochen wurde. Jedenfalls mußte die Verhaftung bald wieder aufgehoben werden, weil sich nichts Näheres feststellen ließ. Das Rätsel ist so ungelöst wie am ersten Tag. Kunst und Wissenschaft. Deutsche Frühjahrs-Ausstellung Darmstadt 1934. Ein bedeutsames Ereignis steht für Darmstadt bevor. Eine deutsche Kunst-Ausstellung großen Ausmaßes wird am 13. Mai im städtischen Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe eröffnet. Die „Deutsche Frühjahrs - Ausstellung Darmstadt 19 3 4" wird veranstaltet vom Kampfbund für deutsche Kultur, Ortsgruppe Darmstadt, unter Mitwirkung der Hans-Thoma-Gesell- schaft Frankfurt a. M. und der Vaterländischen Vereinigung deutscher Künstler. Die Leitung des Kampfbundes und die Landesstelle Hessen-Nassau der Reichskulturkammer haben den Darmstädter Maler Professor Adolf Beyer mit der künstlerischen Leitung der Ausstellung beauftragt. — In einem Aufruf an die deutsche Künstlerschaft im Reiche heißt es u. a.: Darmstadt will seinen guten Namen als hervorragende Stätte der Kunstpflege wieder Herstellen. Wir wollen eine gediegene, gekonnte, deutsche Kunst hervorbringen. Professor hönig über die Kunst im neuen Reich. In Frankfurt sprach der Präsident der Reichskunstkammer Professor Eugen Hönig (München- Berlin) über die Kunst im neuen Reich. Professor Hönig betonte in feinen programmatischen Ausführungen die nationalsozialistische Gemeinschaftsidee als seelische Voraussetzung der Neubelebung der deutschen Kultur. Nach einer eingehenden Schilderung des ständischen Aufbaues betonte der Redner, die Mehrzahl der Künstler habe den festen Glauben an die Sieghaftigkeit des ständischen Aufbaues. Der nationalsozialistische Staat habe den Künstlern genügend Reitpferde zur Verfügung gestellt; es werde sich jetzt zeigen, ob sie reiten können, wenn nicht, würden sie es lernen. Der Baukünstler müsse allen anderen Künstlern ein Vorbild sein, denn die Baukunst war zu allen Setten die große Rahmenkunst. In der Praxis werde es gelten, den Künstler wieder mehr mit dem Wirtschaftsleben und damit mit dem ganzen Volk auch auf dem flachen Lande zu verbinden, ihn vor ganz bestimmte Aufgaben zu stellen. Gegenüber kleinmütiger Kritik Vereinzelter unterstrich Professor Hönig die hohe Bedeutung der Selbstverwaltung, die der Kunst mit dem berufsständischen Aufbau zuerkannt ist, die Rechte, aber auch die Pflichten, die ihr daraus erwachsen. Namentlich hob er das Gebot der Ein- und Unterordnung unter die Führung und die Zurückstellung allen berufsständischen Eigennutzes hinter die Verantwortung vor dem Volk und seinen Interessen hervor. Das vordrina- liche Problem sei die Arbeitsbeschaffung. Es müsse gelingen, die Künstlerschaft in den Zustand ihrer Unersetzlichkeit zu bringen. Aus aller Wett. Geheimnisvolle Funksprüche von einem kurländischen Leuchtturm. Rigaer Blättermeldungen zufolge haben sich in den letzten Tagen auf dem Leuchtturm von Domes- naer an der Nordfpitze Kurlands mysteriöse Vorfälle ereignet, die bisher noch nicht restlos aufgeklärt werden konnten. Es find Funk- spräche von dem Leuchtturm aufgefangen worden, wonach die Turmbesatzung angeblich durch das Auftauchen feindlicher Kriegsschiffe und zwei großer Vögel (!) bedroht worden ist. Bis jetzt scheint soviel festzustehen, daß zum mindesten bei einem der beiden Funker Verfolgungswahnsinn aufgetreten ist. Nach vielen Bemühungen hat man endlich erreichen können, daß der auf dem Leuchtturm lebende Mechaniker sich am Telephon meldete und erklärte, daß sich die beiden Funker i m Senderaum eingeschlossen hätten. Wie die Rigaer Blätter melden, sollen zwischen der fünfköpfigen Besatzung des Leuchtturmes — zwei Funker, zwei Wächter und ein Mechaniker — die denkbar schlechtesten Beziehungen bestehen. T)\o Funker sprechen nicht mit den Wächtern, und der Mechaniker hält sich ganz zurück. Nunmehr ist von der zuständigen Behörde der Befehl gegeben worden, die anscheinend geiftesgeftör- t e n Funker vom Leuchtturm abzuholen, was sich aber bei den augenblicklichen Eisverhältnissen recht schwierig gestalten dürfte. Die geheimnisvollen Funksprüche sind übrigens seltsamerweise nicht etwa an Behörden, sondern an eine große Zeitung und an Privatpersonen gerichtet worden. Todesstrafe für ein entmenschtes Elternpaar. Das Reichsgericht in Leipzig bestätigte die vom Schwurgericht Landsberg an der Warthe am 11. Januar 1934 verhängte Todes st rase gegen den früheren landwirtschaftlichen Arbeiter Frz. Spohr und dessen Ehefrau. Das entmenschte Elternpaar hatte sein einige Monate altes Kind in der Nähe des Bahnhofs Gurkow (Neumark) getötet und an Ort und Stelle verscharrt. Schwerwiegende Folgen einer Eifersuchtstat. In Havanna verursachten einige Schüsse, die ein Eifersüchtiger auf seine Geliebte abgab, ein längeres Feuergefecht und eine Panik in der Stadt. Die zum Schutz des Kapitols aufgestellten Posten hielten die Schüsse nämlich für den Beginn eines Angriffs auf das Kapitol und begannen gleichfalls zu feuern, worauf sich die Schießerei über mehrere Stadtviertel ausbreitete. Die Ruhe trat erst ein, nachdem es einen Toten und zahlreiche Verwundete gegeben hatte. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident von Hindenburg empfing den langjährigen Vertreter Braunschweigs und Anhalts im Reichsrat Gesandten Boden, der mit Ende dieses Monats in den Ruhestand tritt, in Abschiedsaudienz. Heute Dienstag spricht der Reichsjustizkommissar Dr. Frank von 21 bis 21.20 Uhr im Deutfdp landsender über das Thema „Der deutsche Rechtsstaat Adolf Hitlers". ♦ Der Leiter des Amtes für Beamte bei der obersten Leitung der PO. und Führer des Reichsbundes der Deutschen Beamten Hermann Neef befindet sich seit Montag im Krankenhaus, wo er längere Zeit zubringen wird. Für die Dauer feiner Krankheit hat er feinen Stellvertreter, Stabsleiter Pg. Joseph R e u s ch - München, mit der Führung des Reichsbundes der Deutschen Beamten beauftragt. * Der Schweizer Bundesrat M u f y, der Leiter des Finanzdepartements, erklärte, daß für die schweizerische Finanzpolitik weder Freigeld, noch Inflation, noch Entwertung in Betracht kommen, sondern nur die Aufrechterhaltung des Schweizer Franken auf der gegenwärtigen Goldbafis. * Marschall Tschiangkaischek hat den Chef der chinesischen Armee in Tibet, General Ljuscha - s ch i n, abberufen,, da er keine ausreichenden Maßnahmen zur Bekämpfung der tibetanischen Armee getroffen habe. Marschall Tschiangkaischek hat zum Nachfolger einen feiner Offiziere ernannt, der sich sofort mit feinem Flugzeug nach dem Kampfgebiet begeben hat. Wettervoraussage. Im Kampf verschiedener Luftmassen bleibt der Witterungscharakter noch ziemlich unbeständig. Die an der Vorderseite des Tiefs über England und dem Kanal vorgeschobene Warmluft hat bei dem Aufgleiten bereits Niederschlagstätigkeit hervorgerufen. lieber den britischen Inseln fließt wieder kältere Luft abwärts, so daß weiterhin mit wechselhafter Bewölkung und schauerartigen Niederschlägen zu rechnen ist, wobei auch die Temperaturen etwas zurückgehen. Vorhersage für Mittwoch: Bewölkt, vorübergehend aufheiternd, noch ziemlich mild, einzelne Niederschläge. Lufttemperaturen am 19. März: mittags 9,1 Grad Celsius, abends 4,1 Grad; am 20. März: morgens 4,2 Grad. Maximum 9,7 Grad, Minimum 1,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. März: abends 4,3 Grad; am 20. März: morgens 3,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer sechs Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An- zeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 34: 11 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen. fäosemarie, tftosemaöe... Roman von Käthe Metzner. 20. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Ja ... ja...!" Rosemarie sprach es vollkommen abwesend. „Ach, bitte, entschuldigen Sie mich jetzt, Mendel. Nach allem Schmerz der letzten Tage nun noch solche Dinge." Mendel verneigte sich, Rosemarie aber ging in ihre Garderobe. Dort stützte sie verzweifelt den Stopf in ihre Hände und weinte herzzerbrechend. „Bis hierher, bis hierher soaar verfolgt es mich. Nie werde ich Ruhe finden. Ach, hättet ihr mich doch damals sterben lassen! Lieber, lieber Onkel Brunner, warum hast du mich unter diesen bösen Menschen allein gelassen? Keiner hat es gewagt, mir ein Wort zu sagen, solange du noch lebtest, wahrscheinlich, weil sie alle einen so riesigen Respekt vor dir hatten. Nun haben sich kaum deine lieben Augen geschlossen, da fallen sie über mich her..." Ganz fest krampfte sie die Hände und preßte sie vor den Mund um nicht laut aufzuschreien. „Mutter, liebe Mutter, wird mich nun immer und immer wieder dieser unselige Stern verfolgen? Wird das nie anders fein? Gibt es denn kein Fleckchen auf der Erde, wo ich Ruhe finden kann? Endlich Ruhe?" Endlich erhob sie sich. Ein Schreck durchzuckte sie. Wie lange hatte sie hier gesessen? Die Probe war längst vorüber; aber sie hatte doch Lueberg versprochen, ins Theaterrestaurant hinüberzukommen. Hastig versuchte sie, die Tränenspuren von ihrem Gesicht zu tilgen. Fürst Lueberg hatte in einer traulichen Ecke des Theaterrestaurants Platz genommen. Vom Ober hatte er sich die neuesten Zeitungen bringen lassen. Die Zeit würde schon vergehen. In längstens einer Stunde war Rosemarie Bergmann hier. „Armes Kind", dachte er mitfühlend, „wie tapfer sie sich zeigt!" Immer mehr wuchs seine Liebe zu Rosemarie, je mehr er sie kennenlernte. Wie stolz sie sein Anerbieten abgelehnt hatte — und doch war sie gewiß in einer ganz verzweifelten Lage! Versonnen sah er dem Rauch seiner Zigarre nach. Seine Gedanken kreisten um Rosemarie. Sie mußte die Seine werden. Er hatte gar nicht bemerkt, daß Marion Tinius plötzlich neben ihn getreten war, und er schaute verwundert auf, als sie ihn plötzlich liebenswürdig begrüßte. Schnell sprang er auf und entschuldigte sich, dann bat er sie, an seinem Tisch Platz zu nehmen. Die Tinius ging noch immer leicht auf den Stock gestützt. Der Fürst bemerkte es sofort, aber gleichzeitig fiel ihm auch ein, daß er sich nicht einmal nach ihr während der Zeit ihrer Krankheit erkundigt hatte. Das war jetzt allerdings peinlich. „Leider hörte ich erst kürzlich, Gnädigste, daß Sie einen bösen Unfall gehabt haben. Hoffentlich ist alles gut abgelaufen, und es geht Ihnen jetzt wieder besser", sagte er höflich. Die Tinius lächelte etwas maliziös. „Danke, Durchlaucht! Es geht mir wirklich bedeutend besser. In spätestens acht Tagen hoffe ich wieder auftreten zu können..." „Sobald schon?" Lueberg staunte. Aber Marion Tinius gab dem Gespräch sofort eine unangenehme Wendung. „Sobald? Ist es nicht lange genug? Ja, aller- dinas viele werden nicht erbaut sein, wenn ich wieoerkomme, nachdem in der kurzen Zeit dunkle Elemente es so vorzüglich verstanden haben, sich hier einzunisten. O ja, Durchlaucht, oft hat man keine Ahnung, was sich hinter so einem Engelsangesicht verbirgt. Aber ich habe in dieser Hinsicht ein fabelhaftes Fingerspitzengefühl. So leicht kann ich mich mit jemand nicht anfreunden, der mir nicht ganz sauber erscheint." Fürst Lueberg war rot und blaß geworden. Er glaubte zu ahnen, auf wen sich ihre dunklen Andeutungen bezogen; aber er mußte Gewißheit haben. „Um wen, wenn ich fragen darf. Gnädigste, handelt es sich denn bei diesem dunklen Element — und wer kommt Ihnen nicht ganz sauber vor, wie Sie sich auszudrücken beliebten?" Seine Stimme nahm eine unverkennbare Schärfe an. Aber die Tinius blieb ruhig. So weit war es also schon mit ihm, daß er für die Bergmann Partei ergriff? Doch sie war ihrer Sache allzu sicher. Deshalb konnte sie es getrost wagen, ihm lächelnd ins Gesicht zu sagen: „Die Bergmann meine ich, Durchlaucht, die göttliche Tochter der »göttlichen Bergmann'!" Nun war es heraus. Wenn dieser Schlag nicht sitzen sollte... Fürst Lueberg biß sich auf die Unterlippe, daß sie ganz weiß wurde. „Und wieso ist Ihrer Meinung nach Fräulein Bergmann ein dunkles Element?" Hohn und Triumph lagen in Marion Tinius' Worten, als sie langsam erwiderte, während auf jedem Wort eine schwere Betonung lag: „Weil sie, ehe sie hier in Berlin auftauchte, eine kleine Stenotypistin war ..." „Das ist kein Makel!" Messerscharf fielen die Worte des Fürsten. Aber die Tinius wehrte gemächlich: „Auch in meinen Augen nicht, Fürst — aber lassen Sie mich ausreden! Eine kleine Stenotypistin war, die wegen Diebstahls von ihrer Firma entlassen wurde." „Das ist nicht wahr!" ächzte Lueberg. „Wer hat denn Beweise für diese furchtbaren Anschuldigungen?" In diesem Augenblick betrat Rosemarie das Restaurant. Ein Blick zeigte ihr, was geschehen war. Wie angewurzelt blieb sie stehen, nicht fähig, einen Schritt auf den Tisch zuzugehen, an dem über ihre Ehre verhandelt wurde. Aber Fürst Lueberg hatte sie schon erblickt. Er erhob sich, und ohne die Tinius noch eines Blickes zu würdigen, ging er auf Rosemarie zu. Als er sah, daß sie sich nur mit Mühe aufrechthalten konnte, nahm er sie, behutsam stützend, beim Arm und führte sie hinaus. Rosemarie folgte ihm willenlos. Völlig erschöpft sank sie in die weichen Polster des Wagens. Schweigend fuhren sie dahin, bis der Fürst endlich mit leisen Worten die Stille brach: „Halten Sie doch den Kopf hoch, gnädiges Fräulein! Wir müssen sofort gegen diese gemeinen Verleumdungen etwas unternehmen. Ich ahne ja nun, aus welcher Quelle sie kommen." Da sagte Rosemarie ganz matt und gebrochen: „Es läßt sich nichts unternehmen, Durchlaucht! Die Gerüchte, die man über mich ausgebreitet hat, sind Wahrheit!" Mit einem Ruck richtete sich der Fürst auf: „Und wenn ich es aus Ihrem eigenen Munde höre, Rosemarie, das glaube ich nicht. Sie sind keiner unehrenhaften Tat fähig!" Ein bitteres Lächeln grub sich um ihren Mund. Ein paarmal hob sie zum Sprechen an, aber immer wieder schien ihre Kraft zu versagen. „Quälen Sie sich nicht, Rosemarie!" sagte der Fürst weich. Doch endlich fand sie den Mut und erzählte ihm stockend ihr Schicksal. Erschüttert lauschte er ohne sie mit einer Frage zu unterbrechen. Aber in seinem Gesicht stand eine schmerzliche Falte. Das war eine ganz furchtbare Sache. Er mußte Rosemarie recht geben; es hatte keinen Sinn, sich dagegen aufzulehnen. Schicksal! Schicksal der Schönheit! setzte er in Gedanken hinzu. Fest überzeugt war er von Rosemaries Unschuld. Sie war das Opfer einer gemeinen Intrige geworden, und so würde es immer und Überall gehen, wo Schönheit und Begabung sich über die anderen erhoben. „Den Weg deiner Mutter kannst du nicht gehen, Kind. Ihre Vergangenheit war rein und durchsichtig wie Kristall. An deinem Namen hängt ein Makel, wenn du auch tausendmal schuldlos bist. Warum weigerst du dich nur immer noch gegen meine Werbung? Bist du so stolz? Soll ich dich nicht herausnehmen aus all dem Schmutz und Neid, den das Bühnenleben mit sich bringt?" fragte er sich in stillem Selbstgespräch. Rosemarie hatte geendet. Aber schon bog auch der Wagen in die Straße ein, in der die Brunnersche Villa lag. Nachdem er ihr beim Aussteigen behilflich gewesen war, geleitete er sie vorsichtig ins Haus. Als Rosemarie wohl geborgen im Sessel ruhte, fand er noch Gelegenheit zu ein paar Worten. „Was auch kommen möge, Rosemarie, ich stehe zu Ihnen, denn ich habe auf keinen Menschen Rücksicht zu nehmen. Aber... darf ich auch jetzt noch kein Wort mitnehmen, das eine kleine Hoffnung für mich bedeuten könnte? Wollen Sie nicht meine Frau werden, Rosemarie?" In Rosemarie war ein furchtbarer Kampf. Da war es, was sie erwartet, was sie feit langem gefürchtet hatte: die Entscheidung! Minutenlang schwankte sie. Sollte sie nachgeben? Bei Lueberg waren Sicherheit und Geborgenheit und Ruhe, süße lockende Ruhe... In feinen Armen war sie behütet vor den gefährlichen Nattern des Neides. An ihn wagte sich keiner heran. Und was winkte ihr? Ewige Angst, ewiger Kampf. Tante Berta war alt. Wie schnell kam der Tod! Und dann war sie ganz einsam. Ganz heimatlos... Fürst Lueberg wartete und wartete... Endlich klang Rosemaries Stimme: „Ich kann Ihre Frau nicht werden, Fürst! Niemals. Ich liebe einen anderen ..." Das war es. Das also! Lueberg war unfähig, ein Wort zu sagen. Ganz tief nur verneigte er sich vor Rosemarie, so daß sie den Schmerz auf seinen Zügen nicht sehen konnte. Leise klappte die Tür hinter ihm ins Schloß. Rosemarie wußte: nun hatte sie sich selber des letzten Halts beraubt. Selber hatte sie die letzte Tür zugeschlagen, die in ein neues Leben hätte führen können. Sie trat ans Fenster. Tief hingen die Wolken. Schnee... Der graue Himmel bedrückte sie. Nirgends, nirgends ein Lichtstrahl? Und heute abend mußte sie spielen! 9. Kapitel. Sechs Uhr morgens Doktor Wangenheim war eben im Begriff aufzustehen. Pünktlich um sieben Uhr war er täglich in seinem Büro. Rastlos und unermüdlich schaffte er. Eisernes Wollen hatte von ihm Besitz ergriffen. Die Krise seiner Werke war zum Stillstand gekommen; aber langsam, ganz langsam nur ging es wieder aufwärts. Ein gut Stück Arbeit war noch zu leisten, wenn die Wangenheimfchen Werke ihre Vormachtstellung auf dem Weltmarkt wieder einnehmen sollten. Aber: „Wangenheim wird es schaffen!" Das war die Meinung aller führenden Persönlichkeiten der rheinischen Großindustrie. Doktor Wangenheim hatte es verstanden, sich ihre höchste Achtung zu sichern. (Fortsetzung folat.) Zur Frühjahrssaat Seidefreie,zuverlässige Kleesaaten: Rotklee, Hunsrücker, Eifeler, schlesischer, böhmischer u.Siebenbürger Gebirgssaat. Luzerne, fränkischeu. ungarische. Gelb-, Schweden- u. Weißklee. Sortengräser und Grassamen-Mischungen. Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstr.,EckeWolkengasse Telephon 3403. 1693 a Verband des Steinmetz-und Bildhauergewerbes in Heffen,provinz Oberheffen Gejellenprüsung. Anmeldungen zur diesjährigen Gesellenprüfung sind bis zum 26. März an den Unterzeichneten unter Benutzung der vorgeschriebenen Formulare e>nzureichen. <9. Schrader, Leihgestern, 1695 d Innungsführer der Provinz Oberheffen. 8 OH ITO ff H 0„ 0 8 Up tßo ELBEO $ ir ne ® imö öd o? de neu aufgenommen! Spezialhaus Fnlr. Tewel 16 Markt 16 Beachten Sie bitte mein Spezial-Stnuupttenster 1682 A Am 21. Mäv 1934, bleiben während der Uebertragung der Rede des Führers unsere Geschäftsräume von 10.40 bis 12 Uhr geschlossen Bezirkssparkasse Gießen Commerz^ und Privat-Bank Aktiengesellschaft, Filiale Gießen Deutsche Bank und DiscontO'Gesellschaft, Zweigstelle Gießen Dresdner Bank, Zweigstelle Gießen Handels' und Gewerbebank e. G. m. b. H. Volksbank Gießen e.G.m.b.H. 1689 D Bekanntmachung. Als Auftakt des Beginns der dritten Welle der Arbeitsschlacht zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, zur Arbeitsbeschaffung und zum Wiederaufbau der Wirtschaft findet auf Anordnung des Reichswirtschaftsministers und des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda am INittwoch, dem 21.INärz 1934, in Gießen nm 19.30 Uhr im Lafe Leib, Walltorstraße, eine gemeinsame Jnnungspslichl- versammlung statt, in der die Rede des Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler durch Lautsprecher übertragen wird. 16900 Im Anschluß an die Uebertragung der Führerrede wird der Aufruf des Reichshandwerksführers Schmidt bekanntgegeben. An dieser Jnnungspflichtversammlung haben alle Mitglieder der Innungen für den Stadtbezirk Gießen sowie die Mitglieder der Kreisinnungen, soweit sie im Stadtgebiet wohnen, bei ihren Stadtgruppen vollzählig mit den bei ihnen beschäftigten Gesellen, Lehrlingen und Arbeitnehmern aller Art teilzunehmen und sich innungsweise zu gruppieren. In den Kreisstädten der Provinz Oberhessen finden zu gleicher Zeit ebenfalls Jnnungspslicht- versammlungen in gleicher Weise und gleicher Anordnung durch die Jnnungsausschußführer statt. In den Landgemeinden der Kreise werden durch die NS.-Hago-Ortsgruppenamtsleiter die gefaulten Handwerker zu Versammlungen gleicher Art und in gleicher Anordnung zusammengeführt. Es ist Ehrenpflicht eines jeden oberhessischen Handwerkers, auch wenn er noch keiner Innung angehört, an dieser Veranstaltung örtlich teilzunehmen. Handwerkskammer-Nebenstelle für die Provinz Oberhessen. Gez.: Stühler, Vorsitzender. Gez.: Röhr, Syndikus. Gießener Pserdemarkl Mittwoch, den 21. März 4934 Die Rede des Führers wird auf dem Platz durch Lautsprecheranlage übertragen! 1683 C Mnemlöl-Konzem sucht für den Bezirk Gießen usw. gut eingesübrten Nlatzvevtveiev Angeb. erb. u.01515 a. d. Gieß. A. Vermietungen Sä billig zu vermiet. Schriftliche Angebote u. 16910 a.d.Gießen.Anz. | Mietgesuche | Suche z. 1. 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März 1934 bei der Firma heyligenstädt Lc Co., Werkzeugmaschinensabrik und Eisengießerei, Aktiengesellschaft in Gießen folgendes einegtragen: Die Firma ist erloschen. 16860 Gießen, den 16. März 1934. Hessisches Amtsgericht. Umzugshalber billig zu verkant.: Poliertes Vertiko, 1 komplettes Bett, Schreibtisch mit Büchergestell und Verschied. 01521 GoethestraßeG5p. Weg.ümz.z.verk. Kleines Sofa,Ausziehtisch, elntttr. Kleider- Schrank, Schreibt.- Sessel, Notenständ., verschiedene Bilder, Lüster nsw. 01508 Kaiserallee 23 I. Verschiedenes laRingofensteine sofort lieferbar, offeriert: [ißieD Verkaufsverein d. Ziegelwerke Taunus und Westerwald, G. m. b. H., Limburg /Lahn. Ihre Geschäfts- Drucksachen stellen dleVerblndung her zu Ihren Erzeugnissen.Man stelltslch die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Brief umschläge.Post- karten, Rechnungen, Geschäftskarten Ihres Hauses beurteilt. 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Heller Jubel schrillt aus den Kehlen der Gassenjungen von Karlsruhe. „Er kommt, er kommt!" schreien sie, gellende Pfiffe ausstoßend. In der Ferne taucht eine seltsame Erscheinung auf. Aus einem eigenartigen Gestell sitzt ein kleiner, dicker Mann und stößt sich samt dem Gestell mit den Füßen vorwärts, Der Schweiß läuft in kleinen Bächen über das gerötete Gesicht. Ebenso seltsam wie seine ganze Erscheinung ist seine Kleidung. Goldene Knöpfe zieren seinen alten, grünen Militärfrack. Auf dem im Verhältnis zum Körper viel zu großen Kopf prangt ein zerknittertes Militärkäppchen. Hundert Jahre ist es jetzt ungefähr her, daß dieser Sonderling zum ersten Mal in das Residenzstädtchen Karlsruhe kam und von einer johlenden Schar von Gassenjungen verspottet wurde. Doch wo einst die Straßenbengels vor Vergnügen über diesen eigentümlichen Gast ihre Mützen in die Luft warfen, erhebt sich heute ein Denkmal, das dekn Erfinder des Fahrrades, Karl von Drais, gewidmet ist. Als Sohn eines badischen Hof- und Regierungsrates wurde er am 29. April 1785 geboren. Schon an der Wiege war seine Karriere bestimmt. Offizier oder Jurist mußte er werden. Daß Drais zu beidem völlig ungeeignet war, erschien nicht roe= sentlich. „Mechaniker oder Maschinenbauer will ich werden" hat er oft seinem Vater gesagt. Aber ßen oder Plätzen gebrauchen soll, ohne sich zuerst mit dem Erfinder darüber abgefunden, und ein Zeichen von ihm dafür gelöst zu haben. Wir beauftragen daher das Ministerium des Innern, auf seinen über diesen Gegenstand erstatteten Vortrag vom 6. Januar d. I. Rr. 66, dem v. Drais ein solches Erfindungspatent in der gewöhnlichen Strafe für das Entgegenhandeln ausfertigen zu lassen. Gegeben usw. den 12. Jan. 1818." Von nun an beschäftigte sich Drais ausschließlich mit der Verwertung seiner Maschine, In Frankfurt hielt er Vorträge über ihre Vorzüge, sandte Prospekte in die Welt und ließ sie in Paris vorführen. Aus einer den Prospekten beigelegten Preisliste ist zu ersehen, daß Drais verschiedene Prospekte zum Kauf anbot. Maschinen mit zwei Sitzen kosten 75 Gulden, einfache Maschinen mit Einrichtung zur Höherstellung des Sitzes, um von verschieden großen Personen benutzt werden zu können, 25 Gulden weniger. „Ein lächerliches Ding ist so eine Laufmaschine", behauptete Varnhagen von Ense. Und viele zweifelten an der allgemeinen Einführung des Rades innerhalb des Verkehrswesens. Immer mehr litt Drais an der Verständnislosigkeit seiner Mitmenschen. Er opferte sein letztes Geld für die beständige Verbesserung seiner Erfindung. Er schlug heftig zu, wenn jemand seine Laufmaschine bespöttelte, und eine aus solchem Anlaß entstandene Prügelei mit einem Engländer kostete ihn die Kammerherrenwürde. Immer komischer und sonderbarer, belästigte er die Behörden mit Beschwerden und Schriftsätzen von ungewöhnlicher Länge. Nur um seine Vorgesetzten zu ärgern, trug er stets dieselbe schäbige und schmutzige Kleidung, halb Uniform, halb Zivilanzug. Am 10. Dezember 1851 starb er in Karlsruhe. Sein Laufrad wurde im Nachlaßverzeichnis mit einem Wert von drei Gulden aufgeführt. Die Stadt Karlsruhe hat es zum ewigen Andenken an ihren berühmten Sohn angekauft. Der deutsche Radfahrerbund errichtete dem im Unglück gestorbenen Erfinder in den Septembertagen des Jahres 1893 ein Denkmal. ©Jlxfpori Handball im Gau XII lTurnkreis VIII Lahn-Dill). konnte sich ein adliger Hof- und Staatsbeamter zu damaliger Zeit vorstellen, daß sein Sohn, der den regierenden Fürsten persönlich zum Paten hatte, sich die Finger mit Maschinenöl beschmieren könnte? Nachdem Drais als Offizier, Forstmann und Kammerherr es zu nichts gebracht hatte, pensionierte man ihn zwangsweise. Von nun an interessierte er sich nur noch für Erfindungen, und seine wichtigste, die Laufmaschine, unser heutiges Fahrrad, machte er in der zweiten Hälfte des Jahres 1813. Im Dezember dieses Jahres führte er sie dem Kaiser von Rußland vor. Das „Badische Magazin" vom 22. Dezember 1813 berichtet in seinen Spalten über diese Begebenheit: „Der Kammer- junkev und Forstmeister Freiherr v. Drais hat seinen erfundenen Wagen, der ohne Pferde, durch den insitzenden Menschen getrieben, leicht und schnell dahinläuft — wie schon vorher unserer Landesherrschaft — Ihrer Majestät dem Kaiser von Rußland vorgeführt. Der Monarch hatte daran Wohlgefallen, verlangte am folgenden Tag die nochmalige Vorzeigung äußerte: „C’est bien ingenieux“ und sandte dem Erfinder einen brillantenen Ring für das Vergnügen, welches Ihrer Kaiserlichen Maiestät damit gemacht worden sei." Aber erst im Jahre 1817 bewies er der Oeffent- lichkeit die Brauchbarkeit seiner Maschine. Er legte den sonst vierstündigen Weg von Mannheim nach Schwetzingen in 60 Minuten zurück. Genau wie die heutigen Fahrräder bestand die von Drais erfundene Laufmaschine aus einem mit einem Sattel versehenen Gestell, das auf zwei Rädern ruhte. Der einzige Unterschied zeigte. sich in der Art der Fortbewegung. Der Fahrer mußte damals das ganze Gestell, während er darauf faß, mit den Füßen auf der Erde vorwärtsstoßen. Er bewies die Brauchbarkeit seines Laufrades für militärische Zwecke, indem er den Weg von Karlsruhe bis zur französischen Grenze bei Straßburg in dem vierten Teil der sonst üblichen Zeit zurücklegte. Erst daraufhin erhielt er die Patenturkunde, die wegen ihrer seltsamen Abfassung hier wiedergegeben sei: ,Wir Karl von Gottes Gnaden Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen, Landaraf von Nottenburg, Graf von Hanau usw. bewilligen dem Kammerjunger Freiherrn v. Drais ein Erfindunaspatent auf zehn Jahre für die von ihm erfundene Laufmaschine, in dem Maße, daß niemand dieselbe in den diesseitigen großherzoglichen Landen nachmachen oder nackmachen lassen, oder auf öffentlichen Stra- Schlußstand der Spiele nach Beendigung der Runde 1933/34. 1. Kreistlasse. Staffel 1. Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. Lützellinden 7 1 0 53:26 15:1 Dornholzhausen 4 0 4 48:38 8:8 Hörnsheim 3 2 3 42:38 8:8 Gambach 4 0 4 46:49 8:8 Gr.-Rechtenbach 0 1 7 27:67 1:15 Staffelsieger: Tv. Lützellinden. — Während in der ersten Serie die Frage nach dem Ersten noch nicht gelöst erschien, entschied sie sich während der 2. Serie recht bald zugunsten von Lützellinden, das sämtliche Gegner klar schlug. Völlige Gleichwertigkeit finden wir bei den nächsten Mannschaften. Groß-Rechtenbach steht am Ende. Der Mannschaft fehlt noch die Erfahrung. Staffel II. E lern. Unentsch. Verl. Tore Krofdorf 6 1 1 45:29 Atzbach 6 1 1 34:27 Hochelheim 4 1 3 39:31 Heuchelheim 3 0 5 30:31 Allendorf (Lahn) 0 0 8 8:28 Pkte. 13:3 12:4 9:7 6:10 0:16 Staffelsieger: Krofdorf. — Die Ermittlung des Meisters dieser Serie gelang erst in den letzten Spielen. Mit Krofdorf wurde die beständigste Mannschaft Sieger, dicht gefolgt von den in den letzten Spielen stark aufkommenden Atzbachern. Hochelheim schien nach Beendigung der ersten Serie weit stärker als am Schluß der Runde. Heuchelheim kämpfte recht unglücklich. Allendorf fiel sehr zurück. Staffel III. Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. Allendorf (Lda.) 3 0 1 15:3 6:2 Roth 2 0 2 6:9 4:4 Lollar 1 0 3 4:13 2:6 Staffelsieger: Allendorf (Lda.) — Die Entscheidung wurde hier bereits in der ersten Serie herbeigeführt. Allendorf war überlegen und verlor nur ein Spiel wegen Nichtantretens. Roth hielt sich noch recht annehmbar Lollar war nicht wiederzuerkennen. Staffel V. Gew. Unentsch. Verl. Tore Burg-Gemünden 3 Romrod 5 Schotten 2 Bernsfeld 0 0 1 30:17 0 1 27:17 0 4 14:32 0 6 4:18 Pkte. 10:2 10:2 4:8 0:12 Die Entscheidung dieser Staffel steht noch aus und wird in einem Entscheidungsspiel der beiden Ersten auf neutralem Platz herbeigeführt. Burg-Ge- rnünden und Romrod find annähernd gleichwertig. Staffel VI. Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. Garbenteich 2 0 0 11:7 4:0 Lich 0 0 2 7:11 0:4 Staffelsieger: Garbenteich. — In dieser Gruppe pxiren außer den beiden Mannschaften von Garbenteich und Lich noch Albach vertreten. Albach zog jedoch später seine Mannschaft zurück. Die zurückgezogene Mannschaft bot bis dahin dem jetzigen Staffelsieger die Stirn und war ebenbürtig, wogegen Lich etwas abfiel. Von Gruppe IV liegt eine Schlußtabelle nicht vor. Staffelsieger wurde hier die Mannschaft des Tv. K a tz e n f u r t. Ruttershausen Wißmar Launsbach Krofdorf II Nordeck 2. Kreisklasse. Staffel II. Gew. Unentsch. Verl. Tore 7 1 1 53:29 6 1 2 45:31 4 0 4 35:33 3 0 5 26:48 008 11:29 Pkte. 13:3 13:3 8:8 6:10 0:16 Staffelsieger: Ruttershausen. — Im Entscheidungsspiel in Lollar gegen Wißmar durch einen 5:3-Sieg ermittelt. — Einen hartnäckigen Kampf lieferten sich die beiden Ersten und Launsbach. Launsbach schied zuerst aus, während Ruttershausen und Wißmar zuletzt auf gleiche Punktzahl kamen. Im Entscheidungskampf in Lollar gewann Ruttershausen durch das bessere Stehvermögen. Krofdorf und Nordeck vermochten nicht in die Entscheidung einzugreifen. Oer Teppich. Von Wilhelm Scharrelmann. Mein Freund Leistenberger besitzt unter den tausend Kostbarkeiten seiner Wohnung einen Teppich, den man nur wie ein Heiligtum betrachten kann. Es ist ein alter Gebetsteppich aus Iran. Ich habe wenig Anlage zum Neid, aber um den Teppich könnte ich Leistenberger beneiden. Er hat Farben, die einen in einen Zustand feierlicher Ruhe und gehaltener Befchwingtheit versetzen. Da ist ein Rot, das tief ist und brennend und sich doch nicht aufdrängt, und von einer vornehmen Zurückhaltung ist und bei aller Glut wie ausgelöscht erscheint — wie eine Liebe, die stark ist in ihrer Leidenschaft und doch beiseite treten kann und schweigen und lächeln ... Nein, man kann über Farben nicht reden. Wenn man den Teppich betrachtet, weiß man, daß er eine Geschichte hat. Man erlebt Visionen vor ihm, so zu sagen. 2Xi ist eine Hütte, eine schmutzig-gelbe Hütte aus Lehmziegeln, halb verfallen. Der Fußboden ist uneben und längst schadhaft geworden, ein Estrich aus gestampfter Erde, und so häßlich und unordentlich, wie der ganze Bau. Aber ein Webstuhl steht darin mit einem Gewirr von roten, blauen, braunen und grünen Fäden aus weicher Kaschmirwolle, locker und schimmernd wie Seide. Und ein Mädchen ist da, das schwarzhaarig ist und Augen hat, in denen das Weiße bläulich ist und wie ein Opal schimmert, und wenn es sich bewegt und die Fäden verknüpft, die in verwirrender Fülle vor ihr ausgespannt sind, sieht man, was für feine Gelenke die Hände besitzen und wie fein der Nacken den gebeugten Kopf tragt, den sie über die Arbeit bückt ... „Zigarre oder Zigarette?" fragt Leistenberger. Leistenbergers Zigarren sind Kostbarkeiten, wie alles, was einen hier umgibt, und ich lasse wich nicht gerade ungern auffordern. Nur — die Perserin mit den wunderbaren Augen und den feinen Handknöcheln ist darüber weg. Aber bann geht das Gespräch weiter, und Leistenberger wendet sich wieder den übrigen Besuchern zu, und ich bin ihm banfbar, baß alles ihn mehr interessiert, als was ich am Ende zu sagen hätte, unb kann wieder ungestört ben Teppich betrachten, ber wie ein Wunber aus Farbe meinem Stuhl gegenüber an ber Wand hängt. Om-Bidschar heißt sie ... Unb jung ist sie, erst siebzehn Jahre. Unb einen Liebsten hat sie, ber Ziegenhirt ist unb einen Namen hat, so klangvoll wie ber eines Fürsten ... Aber sie ist eifersüchtig auf ihn, benn ba ist Bonain, bie am Eingang bes Dorfes wohnt und deren Vater mehr als siebzig Ziegen besitzt .. Oh, Om-Bidschar muß achtgeben. Bonain ist falsch .. falsch wie die Nacht ... Aber wenn sie erst den Teppich fertig hat, wird sie ihn dem Händler verkaufen, der in Veramin einen Basar unterhält unb ihr einen ganzen Toman für ben Teppich zu- gefagt hat ... Einen ganzen Toman! Dann wirb Öm-Bidschar sich ben Silberschmuck kaufen, ber ihr so gut steht, bas Halsgehänge unb ben Armreif ... Unb bann wirt Ali ben Hasian Bonain nicht mehr anfehen unb ihr allein gehören, unb sie wirb selig sein ... „Natürlich!" sagt Leistenberger unb schlägt sich auf die Knie, baß ich zusammenfahre. „Es ist ganz selbst- verstänblich, baß unsere Hanbelsbeziehungen mit Amerika —" Man stimmt ihm eifrig unb allgemein zu — und ich kann sehen, ob ich die holde Om-Bidschar mit den bleichen Wangen und den großen dunklen Augen wieder erblicke ... Ja sie wird selig sein... Ihre Stirn, in der sich jedesmal, wenn sie an Bonain denkt, eine Zornes- falte senkt, scharf wie der Schnitt eines Messers, glättet sich wieder, ihr Mund verzieht sich zu einem Lächeln, und sie beginnt zu trällern, leise wie ein Vogel zwitschert, wenn der Abend kommt. Wie sie so sitzt unb wieder die bunten Fäden der Wolle durch ihre Hände gehen, kommt von der Gasse her eine alte Frau herein. Zahnlos und häßlich ist sie, häßlich wie die Sünde, und ihre Haut ist so welk unb braun, wie bie einer Zigeunerin, die mit ihrer Bande siebzig Jahre durch Wind unb Wetter wanderte. Aber ihr Haar ist noch immer blauschwarz wie ein Rabenschwinge. „Spute dich, Täubchen," sagt sie. „Es wird Abend. Hassan wird mit den Ziegen an den Brunnen kommen und sich langweilen, wenn du nicht ba bist ... Geh, mein Täubchen, geh!" Da nimmt Om-Bibschar den Tonkrug auf bie Schulter unb geht und späht schon von weitem, ob er schon ba ist, den sie liebt. Aber am Brunnen ist es noch still unb einsam. Sie ist zu früh gekommen. Unb doch nicht! Denn dort ist auch Bonain schon und späht, wie Om-Bidschar spähte, und zieht spöttisch die Lippe hoch, als sie unvermutet die Rivalin erblickt. Aber Om-Bidschar ist zu stolz, ihr nur das kleinste Wort zu sagen, mag sie immer beginnen, was sie will. Die aber wiegt sich in den Hüften und trällernd beginnt sie ein Lied, das Om-Bidschar das Blut ins Gesicht peitscht. „Fand der Täuber eine Taube, schön und schwarz, die Federn dicht ... ließ sein Nest er, sucht die eine, hielt ihn alte Treue nicht ..." Das ist zu viel für Om-Bidschar ... Ihre Augen funkeln, und ihre Gestalt strafst sich. „Falsche," schreit sie, und springt auf, wie eine Katze vom Boden emporschnellt. „Sei doch nicht so fad," sagt Leistenberger unb schlägt mir auf bie Schulter. „Du sitzt wirklich den ganzen Abend ba, als wärst bu über die Quadratur des Kreises geraten. Komm, auf das, was wir lieben! Profit!" Ich bewundere Leistenberger. Aber noch mehr beneide ich ihn — wenn auch nur um den Teppich ... jedermann. Von Hans Riebau Federmann geht in ein Porzellangeschäft. „Ich möchte gern einen Milchnapf für eine Katze", sagt er. „Sehr gern", lächelt die Verkäuferin, „soll er die Aufschrift tragen: Milch für unsere Mieze*?" „Unsinn", sagt Federmann, „ich trinke keine Milch, unb unsere Mieze liest nicht!" ♦ Die Türklingel läutet. Febermann öffnet. Draußen steht ein Mann mit einer großen Blechbose unb einem halben Dutzenb Bürsten und Lappen. „Wollen Sie nicht Ihren Parkettfußboden wachsen lassen?" fragt ber Mann, „pro Quabratmeter nur acht Pfennig." „Unsinn", schlägt Febermann die Tür zu, „mein Parkettfußboben ist mir groß genug." * „Weißt bu eigentlich", fragt Mücke, „daß vor kurzem ber Leipziger Funkturm gebrannt hat?" „Unb ob ich bas weiß!" sagt Febermann. „Die Flamme ist so gewaltig gewesen, daß mein Vetter, der Pilot des Flugzeuges Berlin—Köln, sie ganz deutlich gesehen hat." „Haha", lacht Mücke, „vollkommen ausgeschlossen!" „Weshalb ausgeschlosfen?" fragt Febermann. „Ich weiß genau, baß er bamals in Leipzig zu Besuch war." ♦ Man spricht über bas neue Jahrbuch ber Statistik. „Alles Schwinbel", sagt Febermann, „alles übertrieben! Da steht zum Beisviel, baß im letzten Jahr Der „Alt-Heidelberg"-L)ichter f. H \ Wilhelm Meyer-Förster ist, wie bereits gemeldet, im Alter von 72 Jahren v e r st o r b e n. Sein Schauspiel „Alt-Heidelberg" ist eines der meistaufgeführten Werke des Jahrhunderts. Die Studenten-Romantik dieses Theaterstückes verhalf ihm in nicht weniger als 22 Ländern zum Erfolg. Auch ber Film, bas Singspiel unb bie Operette griffen das publikumswirksame Thema auf. Meyer- ü ö r ft e r war übrigens schon vor 30 Jahren erblindet unb konnte dadurch nur eine Probe seines Werkes fehend erleben. Staffel III. Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. Dorlar 7 0 1 47:16 14:2 Kl.-Rechtenbach 5 1 2 23:27 11:5 Aßlar 2 2 4 19:27 6:10 Waldgirmes 2 1 5 21:48 5:11 W.-N.-Girmes 2 0 6 25:23 4:12 Staffelsieger: Dorlar. — Dorlar gewann unangefochten feine Staffelmeifterschaft und zeigte sich seinen Gegnern stets überlegen. Am besten hielt sich noch Klein-Rechtenbach, das aber komischerweise ein ungünstigeres Torverhältnis aufzuweisen hat, wie der Tabellenletzte Meder-Girmes. Aßlar und Waldgirmes enttäuschten. Staffel IV. Lang-Gons Grüningen Lützellinden II Cleeberg Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. 5 1 0 56:13 11:1 4 1 1 32:26 9:3 2 0 4 23:45 4:8 0 0 6 11:38 0:12 Staffelsieger: Lang-Göns. — Mit Lang- Göns hat in dieser Staffel zweifellos die weitaus beste Mannschaft den Meister errungen. Grüningen ist gleichfalls eine Mannschaft von gutem Können, während Lützellinden II und Cleeberg nicht gefährlich werden konnten. Staffel V. Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. Gießener Turnerschaft II 5 1900 Gießen II 5 OSC. Gießen 3 Burkhardsfelden 3 Beuern 1 1 2 47:19 11:5 0 3 51:41 10:6 2 2 17:20 8:6 0 4 17:25 6:8 1 6 23:50 3:13 Ein Staffelsieger ist in dieser Gruppe noch nicht ermittelt. Wenn nicht alles trügt, wird bie *11. ber Gießener Turnerschaft als Vertreter um bie Auf- ftiegfpiele in Frage kommen. Die Staffel vereinigt mit ben jeweils II. Mannschaften ber Gießener Vereine eine spielstarke Gegnerschaft. Die beiden Ersten waren mit wechselndem Erfolg tätig. In die Entscheidung greifen nunmehr nur noch die Mannschaften von OSC. und die II. ber Gießener Turnerschaft ein. Die beiben ßanboereine schlugen sich recht tapfer. Von Staffel I liegt eine Tabelle nicht vor. Sieger mürbe bie Mannschaft bes Tv. Holzheim. mit ber Hamburger Hochbahn 150 Millionen Personen befördert sind, unb dabei hat Hamburg überhaupt nur eine Million Einwohner!" * Febermann ist auf bem Lanbe, besichtigt ben Kuh- stall, bie Zentrifugen unb ist alsbald gesonnen, selbst einen Versuch zu machen unb so eine Kuh zu melken, ber Schweizer gibt ihm Melkschemel unb Eimer, unb Febermann zieht los. Zehn Minuten später aber ist er, mit leerem Eimer, wieber ba. „Na?" lächelt ber Schweizer, „ging's nicht?" „Nein", sagt Febermann, „ich habe bas Menschenmögliche versucht, aber das Biest wollte unb wollte sich nicht auf ben Schemel setzen." * Febermann ist in ber Eisenbahn. Ihm gegenüber sitzt ein Herr mit grüner Lodenjoppe unb langen Lederstiefeln. Der Herr macht ein mißvergnügtes Gesicht. Schließlich aber bietet er Federmann eine Zigarre an und fängt an zu erzählen. „Nichts als Aerger hat man", sagt er, „gestern nachmittag habe ich vier Stunden lang Karpfen geangelt, heute habe ich neun Stunden lang Karpfen geangelt, aber meinen Sie, ich hätte auch nur einen einzigen gefangen?" „Das nennt man Pech", nickt Febermann, „aber woher wissen Sie es eigentlich, baß es Karpfen waren, bie Sie nicht gefangen haben?" »Mein Liebster ist ein Jägersmann." Das Lichtspielhaus bringt ein harmloses Lustspielchen ber Union-Tonfilm-Probuktion GmbH, unter bem Titel „Mein Liebster ist ein Jägersmann", welches im Vorkriegs-Oesterreich abwech- selnb am Wiener Hof unb in ben kaiserlichen Forsten bei Ischl sich begibt unb bem gemessenen habsburgischen Zeremoniell bie ungebunbene unb heitere Natürlichkeit eines länblichen Försterhaus-Jbylls gegenüberstellt. Dazu eine breifach verwickelte Liebesgeschichte, die nach den üblichen Verwechslungen und Komplikationen sich zum Schluß in dreifaches Wohlgefallen auflöft unb vom leutseligen Kaiser Franz Joseph freundlich gebilligt wirb. Im kleinen Ensemble spielen Georg Alexander auf wienerisch, fröhlich unb unbekümmert, bie rüstige Theatermama Hansi Niese mit geräuschvoller Geschwätzigkeit, bie blonbe Gretl Theimer unb bie bunfle Susi Lanner bie erste Geige. — Im Beiprogramm: ein Lustspiel, bie Wochenschau unb ber Vorsvann zum „Hans Westmar"-Film, ber in ben nächsten Tagen hier erscheinen soll. Verl. Tore Gew. — Hochelheim Staffelsieger: Hochelheim rieten die beiden Tabellenletzten. Wirtschaft geringe Erholuna Aktienmarkt IG. 5 4 2 0 51:13 27:17 16:33 7:33 erent fall 0 1 4 6 II. Pkte. 11:1 9:3 4:8 0:12 Staffel I. Unentsch. 1 1 0 0 Im Verlaufe setzte sich an allen Märkten eine durch. So konnten sich am arben um 0,75 v. H., Phönix um 0,40 v.H., Zellstoff Waldhos und AG. für Verkehrswesen je 0,75 v. H. niedriger, Schiffahrtswerte lagen etwa behauptet. Der Rentenmarkt lag sehr ruhig und schwächer. Altbesitz und späte Reichsschuldbuchforderungen je 0,65 d. H., Neubesitz 30 Pf. niedriger. Dollar-Bonds lagen bis 1 v. H. schwächer. (563), Schafe 27 (19), darunter 23 (18) Hammel, Schweine 3973 (4100). Notiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 33, b) 31 bis 32, c) 28 b,s 30, d) 25 bis 27, Bullen a) 30, b) 28 bis 29, c) 26 bis 27, d) 24 bis 25; Kühe a) 28 bis 29, b) 24 bis 27, c) 19 bis 23, d) 1A bis 18; Färsen a) 33, b) 30 bis 32, c) 27 bis 29, d) 24 bis 26; Kälber a) 46 bis 47, b) 41 bis 45, c) 34 bis 40, d) 26 bis 33; Lämmer und Hammel bl) Weidemasthammel 34 bis 36; Schafe nicht notiert- Schweine a) 43 bis 46, b) 42 bis 45, c) 40 bis 45, d) 37 bis 44, e) 36 bis 41, Sauen 34 bis 42. Im Preisvergleich zum letzten Montagsmarkt aaben Bullen 1 Mark, Schweine bis 2 Mark nach, Kühe zogen 1 Mark und Kälber 1 bis 2 Mark an, im übrigen blieben die Preise unverändert. Marktverlauf: Rinder ruhig, nahenzu ausverkauft. Kalber, Hammel und Schafe mittelmäßig, geräumt. Schweine ruhig, nahezu ausverkauft. Fleischgroßmarkt. Beschickung: 555 Viertel Rindfleisch, 55 ganze Kälber, 34 ganze Schafe und 256 Schweinehälften Preis für 1 Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch I 48 bis 54 II 44 bis 50; Bullenfleisch 46 bis 52; Kuh- fle'isch II 36 bis 44, III 24 bis 32; Kalbfleisch II 60 bis 68, III 50 bis 60; Hammelfleisch 65 bis 75; Schaffleisch nicht notiert; Schweinefleisch I 60 bis 66. Geschäftsgang ruhig. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 19. März. Die Tendenz am Frankfurter Getreidegroßmarkt erfuhr durch die Neuregelung des Festpreissystems eine leichte Befestigung, was sich insbesondere bei Weizen, der nur knapp angeboten war, in einer Preiserhöhung um 2,50 Mark per Tonne auswirkte. Im übrigen lagen die Getreide- und Mehlpreise unverändert bei sehr ruhigem Geschäft. Kraftfuttermittel lagen stetig bei meist etwas höheren Preisen, nur Treber bröckelten weiter ab. Weizen 199 bis 200, Roggen 172,50 bis 173, Sommergerste 172,50 bis 177,50, Hafer 157,50 bis 160, Weizenmehl südd. Spez. 0 mit Austauschweizen 29,40 bis 29,95, do. ohne 27,90 bis 28,45, Roggenmehl 0 bis 60proz. 23,50 bis 24, do. südd. Spez. 0 24, Weizenkleie 10,25, Weizenfuttermehl 11 bis 11,25, Roggenkleie 10,60 bis 10,70, Soyaschrot 15,35 bis 15,55, Palmkuchen 14,90 bis 15, Erdnußkuchen 16,30 bis 17,25, Treber 15, Trockenschnitzel 9,60 bis 9,70, Heu war abgeschwacht auf 6 Mark nach zuletzt 6,40, Weizen- und Roggen- stroh drahtgepreßt ober gebündelt 1,90 bis 2 Mark. ' Tendenz: befestigt. Frankfurter Börse. IHilfagsbörfe im Verlaufe leicht -erholt. die in den bereits begonnenen Aufstiegspielen schon ihre Spielstärke unter Beweis stellte. 3. Kreistlasse. 0,50 v. H., Daimler nach Schwankungen um 0,25 v. H. und AG. für Verkehrswesen um 0,50 v. H. verbessern. Daneben aber bröckelten Reichsbankanteile nochmals um 1 v. H. auf 151,50 o. H. ab. Später notierte man Bemberg um 1,13 v. H., Goldschmidt um 1 v. H. und Stahlverein um 0,75 o. H. höher. Die übrigen Aktienwerte lagen auf den ersten Kursen voll behauptet. Auch der Rentenmarkt lag allgemein gut gehalten, Neubesitzanleihe zeigte bei 22.10 keine Veränderung, Altbesitz und späte Schuldbücher waren um je 0,13 v. H. erholt. Stahlverein-Bonds waren angeboten und 0,75 v. H. niedriger. Staats- und Länderanleihen waren sehr still, Stadtanleihen lagen uneinheitlich und gaben bis 0,75 v. H. nach. Goldpfandbriefe schwächten sich bis zu 0,40 o. H., Kommunal-Obligationen bis 0,25 v. H. ab, Liquidationspfandbriefe wiesen Abweichungen bis 0,25 v. H. auf. Am Kassamarkt waren Ludwigshafener Walzmühle bei einem Kurs von 84 (80,25 v. H.) gefragt. Von Auslandswerten waren Rumänen angeboten. Im Freiverkehr hörte man Adlerwerke Kleyer mit 46 und Wayß & Freytag mit 67,50 v. H. — Tagesgeld unverändert 3,75 v. H. Abendbörfe: sehr still. An der Abendbörfe war die Grundstimmung nicht unfreundlich. Allerdings hielt sich das Geschäft angesichts des herrschenden Ordermangels seitens der Kundschaft und infolge der Zurückhaltung der Kulisse in denkbar engsten Grenzen. Anfangs vorliegendes, größeres Angebot in IG. Farbenindustrie wurde glatt weggenommen, wenn auch der Berliner Schlußkurs nicht ganz behauptet blieb. Andererseits hielt das starke Angebot in Laurahütte an und Aufnahme fehlte vollkommen; eine Notie- Hochelbeim II Erda Heuchelheim II Münchholzhausen Festsetzungen, die nach Inkrafttreten der Verordnung ohne eine solche Genehmigung getroffen werden, sind nichtig ... Des weiteren heißt es im § 6 dieser Verordnung: (1) Wer gegen die auf Grund der eingangs erwähnten Gefetzesoorschriften ergangenen Maßnahmen der Preisüoerwachungsstelle, insbesondere gegen §§ 1 bis 3 dieser Verordnung vorsätzlich ober fahrlässig verstößt, wird wahlweise mit Gefängnis ober mit Geldstrafe in unbeschränkter Höhe ober mit beiben zusammen bestraft. Bei Einzelfirmen trifft bie ©traf- anbrohung ben Betriebsinhaber, sowie etwa vorhanbene Betriebsleiter, bei juristischen Personen unb sonstigen Vereinigungen die gesetzlichen Vertreter, sowie bie etwa vorhanbenen Betriebsleiter. (3) Die Ueberwachungsstelle kann bie Fortführung von Betrieben, burch bie lebenswichtige Lebens- unb Genußmittel, sowie lebenswichtige hanbwerkliche Leistungen zur Befrie- bigung bes täglichen Bebarfs in ben Verkehr gebracht werben, untersagen, wenn der Inhaber ober ber Leiter bes Betriebs ben auf Grund dieser Verordnung erlassenen Vorschriften oder Anordnungen zuwiderhandelt, oder wenn sonst Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß der Inhaber, die gesetzlichen Vertreter ober Betriebsleiter bie für ben Betrieb erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzen. (4) Die Namen berjenigen Personen unb ihrer Firmen, bie auf Grund biefer Verordnung bestraft worden find, werden auf Beschluß der Preisüberwachungsstelle öffentlich auf Kosten ber Bestraften bekanntgegeben." (Es wird erwartet, daß die Volksgenossen, die es angehl, sich die Mahnung des Herrn Staafs- miniffers zu Herzen nehmen, um nicht in den Verdacht zu kommen, den wirtschaftlichen Aufbau zu sabotieren und sich auf Kosten der anderen Volksgenossen zu bereichern. Teil". (Siehe bie heutige Anzeige!) * Treis a. b. Lba., 20. März. In uns, Dorfe ereignete sich gestern ein schwerer U n f Der 55 Jahre alte Landwirt Wilhelm Will von hier stürzte von seinem Scheunendoden a b unb erlitt einen schweren Schädelbruch. Der bedauernswerte Mann mußte sofort in bie rung konnte nicht erfolgen. Der Kurs ermäßigte sich auf etwa 24 nach heute mittag amtlich 28°/o. Im Verlaufe hielt bie Geschäftsstille an fast allen Märkten unoerminbert an, unb bas Kursniveau war schließlich gegen ben Berliner Schluß kaum gehalten. Einige Nachfrage zeigte sich nach Daimler- Aktien, bie etwa 1% höher lagen, ferner waren Rhein. Braunkohlen um l°/o befestigt. Der Rentenmarkt lag fast geschäftslos, doch zeigten bie Kurse Widerstandskraft. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 22,20, Altbesitzanleihe 95,75, Schutzgebietsanleihe von 1913/14 9,55, Reichsbank 152, Gelsenkirchen 69,40, Harpener 97, Mannesmann 70,90, Rhein. Braunkohlen 210,50, Rheinstahl 97,25, Stahlverein 46, AKU. 61, AEG. 30,75, Daimler 46,50 bis 47, Deutsche Linoleum 54,75, IG. Farben 145, Rütgerswerke 61,65, Schuckert 108, Zellstoff Walbhof 54, Reichsbahn VA. 112,65, AG. für Verkehr 68, Lloyb 36,25. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 19. März. Auftrieb: Rin- ber insgesamt 1299 (gegen 1257 am letzten -Montagsmarkt), barunter befanben sich 411 Ochsen, 130 Bullen, 381 Kühe unb 377 Färsen. Kälber 506 Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden, und liegt in bedenklichem Zustande darnieder. )(Lich, 20. März. 2lm morgigen Mittwoch, 21. März, können bie Eheleute Friedrich Sann unb Philippine geb. Schön bas Fest ber Goldenen Hochzeit feiern. Vier Töchter und drei Söhne, 22 Enkel und vier Urenkel werden den Ehrentag mit dem Jubelpaar begehen. Alle Söhne haben den Weltkrieg mitgemacht, zwei davon find in Rußland dzw. Frankreich gefallen, einer wurde schwer verwundet, ein anderer war in englischer Gefangenschaft. Der Jubilar stand auf den hiesige« Gutshof 25 Jahre im Dienst, die Jubilarin hat sich Ende des vorigen Jahres im Alter von 72 Jahren noch einer schweren Operation unterzogen. Die Gemeinde nimmt an dem Ehrentag bes Jubelpaares freudigen Anteil. Kreis Schotten. Das Staatspreffeamt teilt folgende Kundgebung bes hessischen Staatsministers mit: „In einer großen Zahl von Fällen wirb von privaten Auftraggebern ebenso wie von auftrag- gebenben Stellen bes Staates, ber Gemeinben usw. Klage barüber geführt, baß bie Aufforberung zur Einreichung von Angeboten oft nur burch Vorlage eines Angebots seitens ber betreffenben Innung beantwortet wirb, unb baß biefe ihren ganzen Einfluß aufbietet, weitere Angebote zu unterbrücken. Dieses Verfahren ber Innungen hat ben Zweck, unzulässige Preissteigerungen ber Bauwirtschaft zu erzwingen. Demgegenüber weise ich barauf hin, baß ich bie mir unterstellten Behörben angewiesen habe, künftig bei Vergebung von Arbeiten und Leistungen auf dem Wege des öffentlichen Wettbewerbs Angebote von Innungen vom Zuschlag auszuschliehen, und ebenso solche, bei denen die Innungen zwar selbst nicht als Bewerber erscheinen, bei denen aber die begründete Annahme besteht, daß auf ihre Einwirkung hin nur eins oder eine Gruppe ihrer Mitglieder ein Angebot einreichten. Ich werde es unter keinen Umständen zulaffen, daß durch unzulässige Preissteigerungen, wie sie von mir wiederholt festgestellt wurden, der wirtschaftliche Wiederaufbau sabotiert wird. Ich bin bereit, mit den schärfsten TNitleln durchzugreifen und solche Preistreiber durch Veröffentlichung ihrer Namen der Verachtung des Volkes preiszugeben. Zu diesem Schreiben wird auf die Verordnung zur Preisüberwachung vom 8. Juli 1933 aufmerksam gemacht. Insbesondere wird auf den § 3 dieser -Verordnung hingewiesen, in dem es heißt: (1) Im Handel mit lebenswichtigen Lebensund Genuhmitteln, sowie bei lebenswichtigen handwerklichen Leistungen zur Befriedigung des täglichen Bedarfs dürfen Verbände und Vereinigungen Mindestpreise, Mindesthandels- I spannen und Mindestzuschläge jeglicher Art nur mit Genehmigung der Preisüberwachungsstelle verabreden oder festsetzen. Verabredungen oder Gegen ungerechtfertigte Preissteigerungen Eine Kundgebung des hessischen Staatsministers. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Wieseck, 19. März. Vom heutigen Dienstag bis Donnerstag dieser Woche läuft in den Wiesecker Lichtspielen der nationale Großtonfilm „W ilhelm wurden unter Leitung von Lehrer Dotzert noch verschiedene Lieder gesungen. ll Nieder-Ohmen, 14. Marz. Dieser Tage sand hier im Saale D öl l, veranstaltet von der Kreisbetriebszellenabteilung, eine Veranstaltung unter dem Gedanken „Kraftdurch Freude" statt. Pg. Hartmann sprach in einführenden Worten über den Sinn des Abends. Ein gemeinsam gesungenes Lied folgte. Kulturwart Schmoll (Elpenrod) hielt sodann an Hand von Lichtbildern einen Vortrag über das deutsche Volkslied. Im weiteren Verlaufe des Abends wurden unter dem Gedanken „Das Volkslied in Lied, Wort und Bild" alte schöne Volksweisen vorgetragen. Der Schülerchor, der Gesangverein und Frl. Lehrerin Stoll brachten eine Reihe von Liedern zu Gehör, die mit großem Beifall aufgenommen wurden. Unter der Begleitung des Bläserchores wurden auch einige Lieder gemeinsam gelungen. Mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied wurde die wohlgelungene Veranstaltung beschlossen. gewann ziemlich sicher den ersten Platz und hatte als ernsthaften Gegner nur die Mannschaft^oon Erda zu fürchten, die aber im entscheidenden Spiel glatt bezwungen wurde. Wenig Kampfkraft oer- :: Elcheisdorf, 12. März. Im übervollen Möserschen Saale sprach Samstag abend in öffentlicher Versammlung Kreisdirektor Pg. Z ü r tz (Schotten) über die „Grundgedanken des Nationalsozialismus". Nach einem geschichtlich-politischen Rückblick auf die Verhältnisse des Zweiten Reiches erörterte der Redner die Gründe, die zum Zusammenbruch dieses Staatsgebildes führen mußten. Der nationalsozialistische Staat habe den dauern in die ihm gebührende Stellung eingerückt. Dieser habe die Pflicht, dem deutschen Volke Brot und Nahrung zu geben, jener trage Sorge, daß er er in jedem Jahr mit Freude und Lebensmut an seine schwere Arbeit gehen könne. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen umriß der Redner den Aufgabenkreis der politischen Leitung und der SA. und unterstrich die Bedeutung des Hand-in-Handarbeitens beider Organisationen, was aufbaue und unseren Kindern eine bessere Zukunft sichere Stürmischer Beifall setzte ein, als der Redner geendet. Anschließend richtete Kreisleiter K r o m m (Schotten) beherzigenswerte Worte an die Versammlung, mitzuarbeiten an dem großen Aufbauwerk unseres Führers, denn es gehe um Deutschland. Ortsgruppenleiter Henß (Eichelsdorf) schloß die Versammlung, die mit dem Horst-Wessel-Lied ausklang. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 13. März. Am Sonntag veranstaltete die Alsfelder Hitlerjugend im großen Saale des „Deutschen Hauses" einen „Abend der Hitckerjugen d", der sich eines außerordentlich starken Besuches erfreute. Der Abend wurde eindrucksvoll mit dem Sprechchor „Jungarbeiter angetreten!" eröffnet. Der Trompeterzug der Alsfelder Hitlerjugend bot mit den schwungvoll vorgetragenen Fansarenstücken, mit den schönen Märschen der friderizianischen Reiterei, dem althessischen Grenadiermarsch, dem preußischen Präsentiermarsch und vielen anderen historischen Märschen eine ausgezeichnete Leistung, die verdienten Beifall fand. Bannführer Häuser hielt eine Ansprache über die politischen und kulturellen Ziele der Hitlerjugend. Nach einem Lied aus der Zeit der Bauernerhebung brachte die Spielschar der Alsfelder HI. das fünfaktige Schauspiel „Die Bauernführer" von Walter Flex zur Aufführung. Das Werk hinterließ durch die beachtenswerten schauspielerischen Leistungen seiner Darsteller bei allen Zuhörern einen tiefen Eindruck. Ein Sprechchor, der Zapfenstreich und das Liod der HI. beendeten den wohlgelungenen Abend. ss. Grebenau, 14. März. Bei der dieser Tage abgehaltenen öffentlichen Verpachtung der Wiesen und Weiden vom früheren Junker- schen Hofgut, kam der Morgen durchschnittlich auf 20 bis 25 Mark. — Ab 1. April 1934 wird der Postschaffner Georg Scharmann aus Schwarz nach Alsfeld versetzt. Er war über 16 Jahre in Schwarz tätig, verwaltete dort die Postagentur (mit einfachem Betrieb) und bestellte dabei die Dörfer Schwarz und Udenhausen. Die Postagentur Schwarz, die früher der Postagentur Grebenau unterstellt war, untersteht nun vom 1. April ab als selbständige Poststelle dem Postamt Alsfeld. Als Nachfolaer für den Postschaffner Scharmann ist nun SA.- Truppführer Wilhelm Gäbelbecker (Schwarz), ein alter Kämpfer der Bewegung, auserfehen und auch bereits verpflichtet worden. 11. Atzenhckin, 14. März. In der Wirtschaft Kretzschmar fand dieser Tage die Generalversammlung des hiesigen Gesangvereins statt. Nach dem Geschäftsbericht und der Rechnungsablage (dem Rechner wurde Entlastung erteilt) schritt man zur Vorstandswahl. Der bisherige Vorstand wurde vom 1. Vereinswalter wieder ernannt. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Volkskanzler und mit dem Gesang des Horst-Wesfel-Liedes and die Versammlung ihren Abschluß. Im Anschluß daran Frankfurt a. M., 19. März. Die Börse hatte zum Wochenbeginn noch einen festen Grundton für Aktien, während Renten schon schwächer begannen. Die Publikumskäufe hielten an, obgleich nur gewisse Spezialwerte, voran Rohstoffaktien, beachtet blieben. Auch Dividendengerüchte spielen eine Rolle, so wird immer auf angeblich 8 (7) v. H. Farbendividende verwiesen. Laurahütte-Aktien hatten unter stärkerem Angebot zu leiden und wurden zunächst ausgesetzt. Später kam auf stark ermäßigter Basis (28 nach zuletzt 34 v. H.) eine amtliche Notierung zustande, wobei aber nur ganz beschränkte Abnahme erfolgte. Farbenindustrie im Verlaufe bis 144,50 (145,25 v. H.) abgeschwächt, dagegen Rütgerswerke als Oelwert 1,25 v. H., Deutsche Erdöl 0,50 v. H., Scheideanstalt 1 v. H. und Metallgesellschaft 0,50 v. H. freundlicher. Montanwerte eröffneten meist fest, Harpener 2 v. H., Rheinftahl 1,25 v. H., Gelsenkirchen 0,65 v. H. höher. Elektrowerte lagen ebenfalls überwiegend fester, und zwar Siemens um 0,75 v.H., Schuckert um 0,90 o. H., Lahmeyer um 0,75 v. H. und Gesfürel um 1,13 v. H., AEG. aber 0,50 v.H. niedriger. Fest waren Kunstseide AKU. mit + 1,25 v. H., Deutsche Linoleum mit +1 v. H. und Bank für Brauindustrie mit + 0,75 v. H. Erneut empfindlich schwächer auf die bekannten Dividendenerörterungen waren Reichsbankanteile mit —3 v. H. Daneben Daimler Motoren Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben Die Hohe Der zuletzi beich losjenen Dividende an. — Reichsbankdiskonl 4 o H Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankturi a. 2)1. Serlm Schluß» kurS Schlußk. Abend» dürfe Schluß» kurS Schlußk Mittag» dürfe Datum 17-3. 19.3- 17.3. 19.3. 8% Deutsche RetchSanleihe v. 1927 96,75 96,75 97 96,5 8% ehem.7% Di. Reichsanl. v. 1929 100 100 100,2 100 5Xi% Boung-Anleihe von 1930 . 94 94 93,9 94 Deutsche Anl.-Ablöi.-Schulb mit 96 95,75 AuSlof.-Rechten .......... 96 95,65 DeSgl. ohne Auslos.-Rechte...... 22,3 22,2 22,2 22,2 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 94,75 (rückzahlb. 102%) ...... 95 94,5 94,25 6% Hess. Landesbank Darmstadt 92,5 Gold R. 12............... 92,5 — 92,5 6y,% Hess. Landes-Hypotheken- bank Darmstadt Ltgut....... 91,13 91 _ _ Oberhessen Provinz-Anleihe mit 94,25 94,25 AuSlos.-Rechten ............ — Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 95,25 95 95 95 8% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar blS 1935 93 92,75 — _ 6% ehem. 7% Franks Hyp.-Bank 92,75 Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 93 6Xi% ehern. 4Xi% Franks. Hyp^ Bank»Llqu..Psandbriese....... 91,4 91,65 — _ 6Xi% ehern. 4Xi% Rheinische Hyp.-Bank-Llgu.-tSoldpfe..... 92,25 92,5 —— — 6% ehem. 8% Pr. Landespfand. briefanstalt, Pfandbriefe R 19 94 94 94 94 6% ehem. 7% Pr. Landevpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 94 94 94 94 Steuergutsch. Verrechnungskurs.. 97,13 97,13 97,13 97,13 4% Oesterretchtscbe Goldrente.... 4,20% Oesterreichische SUberrentr 21 — 1,5 1,45 4% Ungarische Goldrente ...... 8,65 8.2 8,5 8,3 4% Ungarische Staaiörenie v. 1910 8 7,75 8,25 7,8 4Xi% deSgl. von 1918.......... 8,25 8,13 8,25 8,05 6% abgest. Goldmexikaner von 99 8,5 8,1 — 8,4 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahu-Anleihe 6,65 6,65 — Serie I..................... 6,7 6,7 — Hranktun a. M Serlm Schluß« kurS Schluß!. Abend- börse Schluß» kurS Schlußk. Mittag» bürse Datum 17-3- 19-3- 17-3. 19-3, 4% desgl. Serie II ..... 6,7 6,7 — — 5% Rumän. vereinh. Rente v. 190S — 5,45 5,5 5,5 4Xi%Rumän.vereinh.Rentev.l91k 7,9 8,1 8,13 8,05 4% Rumänische vereinh. Rente 4,8 4,7 4,8 4,8 8%% Anatolier ........... 31,5 31,25 31,75 31,65 vamvurg-Amertka-Paket ..... 0 31,25 _ 31,5 31 Hamburg.Südam. Dampfschiff . 0 _ 30 31 Hansa-Dampsschiff.......... 0 — _ — — Norddeutscher Lloyb ......... 0 36,4 36,25 36,25 36 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 68 68 67,4 68,25 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 91 91 90,5 90 Commerz- und Privat-Bank . 0 49,75 49,75 49,75 49,75 Deutsche Bank und Disconto» Gesellschaft................ 0 65 65,5 65 63,5 Dresdner Bank.............. 0 65,75 66,5 65,75 66,5 Reichsbank ................ 12 155,13 152 154,25 152,5 A.G.«......... 0 31,65 30,75 31,4 30,4 Bekula......... 0 133,5 133,5 133,25 133,65 Wektr. Lieferungögelellfchast ... 6 104,25 104,25 103,75 103,9 Licht und Kraft 6 107,75 107 107,5 108 Felten & Guilleaume ... 0 63 69,75 63,25 64 Geseufch.f.GIektr. Unternehmung 5 105 106,13 105,75 105 Rheinische Elektrizität ........ 5 95,25 96 96 96 Schuckert & So. 6 108 108 108,5 108 SiemensL Halske... 7 147,5 148,25 148,5 147,25 Lahtoeyer L Go............. 10 121,75 122,5 122,25 122,65 Buderus ................... 0 79,13 I 80 80 80 Deutsche Grdbl .............. 4 117 116 116,65 116,5 Gelsenkircheuer.............. 0 69,13 69,4 69 69,65 Harpener .................. c 95,5 97 95,75 97,13 Hoesch Eisen—KöIn»Neuessen . 0 78,4 78,75 jl(e Bergbau ............. 6 140,25 138 143 ftl(e Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... 6 120,25 — 120 121,5 0 69,25 54,65 68,75 68,75 Mannesmann-Röhre«........ 0 71 70,9 71 71 Franttun a. M ZJerltn Schlußkurs Schlußk. Abend» börje Schluß« kurs Schlußk Minag» dürfe Datum 17.3. 19.3. 17-3- 19.3. Manöfelder Bergbau .. .......0 — — 75 75,25 Kokswerke -... .......0 — — 100,5 100 Phönix Bergbau ..... .......0 54 54,65 53,75 54,65 Rheinische Braunkohlen ..... 10 >06,9 210,5 207,75 209,5 Rheinslahl ....... 0 98 97,25 98,13 97,5 Bereinigte Stahlwerke. ....... 0 45,5 46 45,75 46 Otaui Minen ..... .......0 15,65 15,5 15,75 15 Kaliwerke Aschersleben. ....... 5 117,75 118,25 117,75 117 Kaliwerke Westeregeln . 116,5 118 117,75 118 Kaliwerke Salzdetfurth .....7Xi 151 151 151 152 3. G Farven-Industrie Scheide anstatt........ .......7 145,25 145 145 145,25 .......V 184 185 — Goldschmidt ......... .......0 61 62 61,5 63 RütgerSwerke........ .......0 61 61,65 61,4 61,9 Metallgesellschasi...... .......0 — 86,25 87 86,5 Philipp Holzmann........... ol Zementwerk Heidelberg ...... 0 lernentroerf ftadftabt.........O| Schultheis Payenhoser ....... 0 •2Ihi < Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg ............0 Zellstoff Waldhof ............ 0 Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 Hesiauer SaS ............... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum...........0 L rechtem & Koppel..........0 Leonhard Tietz .............. 0 khade ....................10 Aerumulalorea-Fabrtl........0 lontMhtmmt...............0 Srihner....................O| Mainkrastwerke Höchst a.M-.. 4 Süddeutscher Zucker .........8| 77,5 97 100,5 77,25 ü 77,75 — — 110,5 109,75 61 61 60,75 60,65 60 60,5 60,4 61 53,25 54 54,25 54,75 43,5 43,65 44 44 —— —— 124,9 124,5 48,9 47 48,5 46,13 53,75 54,75 54,5 55,4 —— —— 70 70,5 23 23 23,4 22,65 — 159 161 160,5 184,5 184,25 183 183,5 155,25 155,75 155,75 153,9 27 27,4 27,75 27 ■■ — 173,75 176 173,5 175 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. Ml Banknoten. 17. März 19-März Amtliche Notierung Amtliche Notierung Meld Srie Selb 25ric HelfingforA.. 5,639 5,651 5,639 5,651 Wien ... 47,20 47,30 47,20 47,30 10,38 10,40 10,38 10,40 BuvapeH ... Sofia ..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 168,98 169,32 168,98 169,32 Cfllo ...... 64,14 64,26 64,19 64,31 Kopenhagen. 56,99 57,11 65,97 57,04 57,16 Stockholm. .. 65,83 65,83 65,97 London ..... 12,765 12,795 12,77 12,80 Buenos Aires 0,634 2,511 0,638 0,634 0,638 Weunod ... 2,517 2,512 2,518 Brüssel..... 58,47 58,59 58,47 58,59 Italien..... 21,51 21,55 21,49 21,53 Paris ...... 16,50 16,54 16,50 16,54 Schweiz .... 80,87 81,03 80,89 81,05 34,27 Spanien.... 34/23 34,29 34,31 Danzig..... 81,64 81,80 81,64 81,80 Japan...... 0,754 0,756 0,754 0,756 Rio de Jan. . 0,212 0,214 0,212 0,214 Jugoslawien. 5,664 11,63 5,676 5,664 5,676 Llitabo» .... 11,65 11,63 11,65 Berlin, 19-März Geld Brief Amerikanische Noten.............. 2,465 2,485 Belgische Noten.................. 58,31 58,55 Dänische Noten ................. 56,79 57,01 Englische Noten ................. 12,725 12,785 Französische Noten............... 16,46 16,52 Holländische Noten............... 168,56 169,24 Italienische Noten................ 21,37 21,45 Norwegische Noten .............. 64,02 64,28 Deutsch Oesterreich. * 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten ............... 65,67 65,93 Schweizer Noten................. 80 71 Spanische Note»................. 34*07 34,21 Ungarische Note» •••••••••••••••• Nr. 67 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, ZO.Mrz M^ Emdruüsvolle AbWedsfeier für Oberbürgermeister Dr. Keller. Die Nationalsozialistische Gtadtratsfraktion bereitet dem scheidenden Gießener Oberbürgermeister beim Llebertritt in den Ruhestand eine herzliche Ehrung.—Dankbare Würdigung des Wirkens des scheidenden Leiters unserer Stadtverwaltung. w 9 y... ’Y«** / '* - / MMMM V t I? F'. 4. P'- Blick in den Sitzungssaal. . . In der Mitte (in der ersten Reihe) Kreisdirektor Klostermann, daneben links Standartenadjutant Sturmbannführer M u n k er hinter dem Krersdirektor der Vertreter der Kreis- leitung Pq. Jung; rechts davon (im Gange sitzend) der Rektor der Universität Professor v. V 0 r n k a m m, daneben links der neue Gießener SS.-Obersturmbannfuhrer M 0 z e k - Hauptmann Schiel als Vertreter der Reichswehr-Garnison. Rechts von den Gästen die nationalsozialistische Stadtratsfraktion , mi linken Telle des Saales sitzend die Leiter der städtischen Dienststellen, ferner die Vertreter der Beamtenschaft, der Behörden usw. — (Aufnahme: Photo-Psass.) Ein bedeutsamer Wendepunkt für unsere Stadt. Unsere Stadt Gießen hat sich gestern in einer außerordentlich eindrucksvollen und würdigen Feier von ihrem langjährigen Oberbürgermeister Dr. Keller offiziell verabschiedet. Es ist ein besonderes Verdienst der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion, daß sie die Initiative ergriff, um den in den Ruhestand tretenden Chef unserer Stadtverwaltung zum Gegenstand einer feierlichen Ehrung zu machen und ihm dadurch die wohlverdiente herzliche Dankbarkeit der Bürgerschaft öffentlich und weithin sichtbar zu bekunden. Die RS.-Fraktion hatte für die Feier einen Rahmen geschaffen, wie er schöner und würdevoller nicht möglich war, und sie hat in diesem Rahmen der Feier einen Anhalt gegeben, der die Feierstunde zu einem denkwürdigen gehaltvollen Erlebnis machte. Schon lange vor Beginn der auf 18 Uhr anberaumten Sitzung waren der Sitzungssaal des Stadtrats, der Zuhörerraum und die an den Sitzungssaal anschließenden Räume von einer großen Menschenmenge gefüllt, immer noch kam aber weiterer Zustrom hinzu, so daß bei Beginn der Abschiedsfeier eine Menschenmasse der Veranstaltung beiwohnte, wie wir sie im Stadthaus bei kommunalen Ereignissen noch nie gesehen haben. Der Sitzungssaal war mit Blattpflanzen und Blumen wundervoll geschmückt. Dazwischen leuchteten und grüßten in schöner Einfügung in den Rahmen der Gesamtdekoration die Hakenkreuzbanner der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung. lieber der Empore der Derwaltungssitze waren die Bilder des Reichspräsidenten und des Führers und D 0 l k s k a n z l e r s inmitten von Hakenkreuzfahnen angebracht. Bald strahlten die Lichter der Saalbeleuchtung auf, so daß sich dem Auge der Teilnehmer der Feierstunde ein erlesenes festliches Bild darbot. Reben der vollzählig erschienenen nationalsozialistischen Stadtratsfraktion nahmen u. a. Kreisdirektor Klo ft ermann als Vertreter der Regierung und des Kreisamtes, der Kommunalamtsleiter der Kreisleitung der NSDAP. Pg. Jung, als Vertreter der SA. Standartenadjutant Sturmbannführer Münk er, als Vertreter der SS. Obersturmbannführer M 0 z e k, als Vertreter der Reichswehr Hauptmann Schiel, als Vertreter der Uni- ' DA NS-Fraktionsführer pg. Hahn: Verehrter Herr Oberbürgermeister! Deutsche Männer und Frauen! Aus einem ganz besonderen Anlaß sind wir heute hier zusammengekommen. Um uns in feierlicher Weise von Ihnen zu verabschieden und Ihnen zu d a n k e n für alles das, das Sie in langjähriger Tätigkeit für das Wohl unserer Stadt getan haben. Es freut mich außerordentlich, daß die Gießener Emwohnerschaft so zahlreich unserer Einladung Folge geleistet hat. Ist dies doch ein Zeichen, welcher W ertschätzung Sie sich hier erfreuen. Ich begrüße auch insbesondere die Vertreter der Kreisleitung, der Provinz, der Universität, der Reichsbehörden, der SA., SS. und der Reichswehr, sowie die Arbeiter, Angestellten und Beamten der Stadt. Von dem Hessischen Staatsmini st er, der bedauert, nicht persönlich an der Feier teilnehmen zu können, soll ich Ihnen die b e st e n Wünsche und Grüße übermitteln. Vor annähernd 27 Jahren wurden Sie zum Beigeordneten unserer Stadt gewählt. Damals war Ihnen die Stadt Ihres neuen Wirkungskreises keine Unbekannte mehr. Denn nach Ihrer in Mainz, Ihrem Geburtsort, verbrachten Jugendzeit hatten Sie an der hiesigen Universität sich dem Studium der Rechtswissenschaft gewidmet. Bei der Verbindung Adelphia fanden Sie Ihren Freundeskreis und verlebten dort in glücklichen Zeiten Stunden der unbekümmertesten Lebensfreude. In) Herbst 1901 bestanden Sie Ihr Fakultätsexamen und genügten danach Ihrer militärischen Dienstpflicht in Darmstadt. Es folgten Vorbereitungsdienst und Staatsexamen, das Sie im Jahre 1905 ablegten. Bevor Sie Beigeordneter unserer Stadt wurden, fanden Sie im Justizdienst und zuletzt bei der Staatsanwaltschaft in Mainz Verwendung. In die Dienste unserer Stadt traten Sie im Jahre 1907 als Beigeordneter unter dem damaligen Oberbürgermeister Mecum. Nach dessen Tod im Jahre 1913 wurden Sie im Januar 1914 von einer rechtsgerichteten Mehrheit der Stadtverordneten zum Oberbürgermeister gewählt. Schon damals hatte man erkannt, welche Fähigkeiten zur Führung einer Stadt Sie besaßen, denn die Stelle als Nachfolger von Mecum wurde Ihnen, ohne daß eine Ausschreibung erfolgte, angetragen. Während Ihrer zehnjährigen Tätigkeit als Oberbürgermeister erwarben Sie sich restlos das Vertrauen des Stadtrates und der Bevölkerung, so : t • s mm t -V » ■ ■ •< Ä •", K grüßte die Versammlung mit dem deutschen Gruß, den die Versammlung stehend in gleicher Weise erwiderte. Hierauf brachte das Stadttheaterorchester . unter Leitung von Herrn Cuje die Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit" von Mozart prächtig zu Gehör. Sodann sprach als erster Redner der Oberbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Gießen Dr. Karl Keller (Aufnahme: Photo-Pfaff.) versität S. Magnifizenz der Rektor Prof. O.B o r n- kämm, ferner die gesetzlichen Vertreter der Beamtenschaft, daneben die Vorsteher der verschiedenen städtischen Dienststellen, viele Beamte und zahlreiche Bürger an der Feier teil. Punkt 18 Uhr betraten Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Hamm, Beigeordneter Bartholomäus und der Führer der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion Ph. Hahn den Sitzungssaal. Oberbürgermeister Dr. Keller Die Ucberreidjung des 'Ehrengeschenks der Stadt (Gemälde von Gießen) durch Fraktionsführer Hahn (ganz rechts), Beigeordneter Bartholomäus (links) an den Oberbürgermeister tfjl Der Mitte), — (Ausnahme; Photo-Pfaff.) Oberbürgermeister Dr. Keller inmitten der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion. Erste Reihe: von rechts nach links: Stadtratsmitglied Adam Lotz, Beigeordneter Bartholomäus, Oberbürgermeister Dr. Keller, Fraktionsführer Wilhelm Hahn, ferner Stadtratsmitglied Adolf Sudheime r. Zweite Reihe: von rechts nach links: Stadtratsmitglieder Willi Noll, Rudolf B Ium, Bruno Grahlrnann, Karl Nicolaus, Otto Friedrich, Hermann Wagner. Dritte Reihe: von rechts nach links: Ludwig Lembke, Franz S 0 l d a n , Dr. Paul Wolke- witz, Willi WenderoLh, Otto Papke Friedrich Walter. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.) daß Sie im Jahre 1925 sogar auf Lebenszeit wiedergewählt wurden. Anläßlich Ihres 25jährigen Dlenstjubiläums wurden Sie unter Würdigung Ihrer Leistungen und Verdienste zum Ehrenbürger unserer Stadt ernannt. lieber diese Ernennung, die noch von dem früheren Stadtrat erfolgte, haben wir Ihnen jetzt eine U r - künde ausstellen lassen, die Ihnen zu überreichen mir eine Ehre ist. Unter Ihrer Amtszeit hat Gießen einen großen 21 u f ft i e g erlebt Schon während der Zeit, als Sie noch Beigeordneter waren, traten die ersten Anfänge einer raschen Entwicklung zutage. So wurde damals insbesondere das Straßennetz gründlich erneuert, denn die Straßen Gießens waren berüchtigt. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie man beim Fahren mit dem Pferdeomnibus über das Kopffteinpflafter hin- und hergeschüttelt wurde. Mit dem fürchterlichen Pflaster verschwanden auch bie Pferdeomnibusse, die durch die elektrischen Straßenbahnen ersetzt wurden. Ebenfalls um diese Zeit wurden von der Universität zwei größere Bauten errichtet, zu denen die Stdt größere Zuschüsse leistete, nämlich die Klinik für Ohren-, Hals- und Nasenkrankheiten und die für Haut- und Geschlechtskrankheiten Bei Ihrer Ernennung zum Oberbürgermeister im Jahre 1914 fanden Sie nicht die besten finanziellen Verhältnisse vor. Seit 1901 war ein starkes Anwachsen der Schulden zu verzeichnen. Infolge des Baues der Kanalisation und der damit verbundenen Neubefestigung aller Straßen, des Ausbaues des Straßennetzes, der Vergrößerung des Elektrizitätswerkes und des Wasserwerkes, der Errichtung des Schlachthofes hatten erhebliche Kredite ausgenommen werden müssen. Die Schuldenlast belief sich im Jahre 1914 auf 21 000 000 Reichsmark. An Zinsen mußten dafür jährlich 863 000 Reichsmark aufgebracht werden. Mit großem Geschick und Tatkraft gingen Sie an eine Neuordnung der Finanzen, trotz der Schwierigkeiten, die der jetzt beginnende Weltkrieg mit sich brachte. In erster Linie führten Sie eine bessere Wirtschaftlichkeit der städtischen Betriebe herbei. Sie waren auch daraus bedacht, daß, wie in einem geordneten Privatbetrieb, die nötigen Abschreibungen und Rücklagen vorgenommen wurden, damit nicht bei erforderlichen Neuanschaffungen, Verbesserungen oder Erweiterungen Schulden gemacht werden mußten. Zur Vermeidung fortwährender Steuererhöhungen bildeten sie einen Steuerausgleich st o ck. Um dies alles zu erreichen, wurden im Jahre 1915 erhebliche Steuererhöhungen, trotz starken Widerspruchs aus den Kreisen des Stadtrats, durchgesetzt. Durch diese Maßnahme wurde jetzt eine langsame aber ftetige Gesundung der Finanzen herbeigeführt. Nach der Inflation wurde die eingeleitete Finanzpolitik sofort wieder aufgenommen und fortgesetzt. In den letzten Jahren wurden grundsätzlich nicht mehr neue Schulden gemacht, als alte getilgt werden konnten. Jegliche Vermehrung der Schulden wurde vermieden. Infolge dieser sparsamen Verwaltung lagen die Steuerausfchlag- fähe unter denen der anderen fünf größten hessischen Städte. Unsere Schuldenlast beträgt heule sechs Millionen weniger wie 1914. Auch der Zinsendienst ist relativ niedriger, er beträgt 780 000 Reichsmark. Dabei ist zu berücksichtigen, daß von den bestehenden Schulden in höhe von 15 Millionen Reichsmark nicht weniger als vier Millionen Reichsmark ausgenommen wurden, um sie als Baudarlehen weiterzugeben. Mit dem Ende des Krieges mußte auch ein Neuaufbau der gesamten Verwaltung in die Wege geleitet werden. Denn die Aufgaben der einzelnen Verwaltungszweige, insbesondere des Wohlfahrtsamtes, Rechnungsamtes, Steueramtes, Grundstücksamtes, Wahlamtes usw., hatten sich bedeutend vermehrt. Aus dem alten, etwas rückständigen Verwaltungsapparat wurde ein neuer und doch billiger geschaffen, der dem gesteigerten Aufgabenkreis vollauf gewachsen war. Der Persona l st a n d von 194 Beamten und Angestellten ist heute gegenüber dem der Vorkriegszeit von 146 um ein Drittel höher. Dieses Mehr ist bei Berücksichtigung der vielen neuen Aufgaben der Verwaltung durchaus gerechtfertigt und steht i m richtige n Verhältnis zu dem Bestand der Vorkriegszeit, wie erst kürzlich von einem Beauftragten der Regierung, der die Organisation der städtischen Verwaltung überprüfte, feftgefteUt wurde. 3n feinem Gutachten legte der Beauftragte nieder, daß sich die Personalpolitik der Stadt Gießen erfreulicherweise in gesunden Bahnen bewegt habe, was sich für Sie, Herr Oberbürgermeister, als schönes Zeugnis darstellt. Bei der Neuorganisation der Verwaltung zeigte sich die Unzulänglichkeit der vorhandenen Verwaltungsgebäude. Man war daher gezwungen, sich nach einem für derartige Zwecke geeigneten Gebäude umzusehen. Die Wahl fiel auf den Steinsgarten, der zu seiner heutigen Gestalt umgebaut wurde. Es wurde von Ihnen jedoch damals nicht verkannt, daß durch die in vier verschiedenen Verwaltungsgebäuden untergebrachten Verwaltungsstellen die Organisation der Stadtverwaltung notleidet. Daher wurde bereits von Ihnen die Errichtung eines zentralen Verwaltungsgebäudes ins 2luge gefaßt bzw. ein entsprechender Umbau des letzt vorhandenen. 2lllerdings mußte bis heute aus finanziellen Gründen von einer Lösung der Raumfrage abgesehen werden. Anstatt ein kostspieliges Verwaltungsgebäude zu errichten, glaubten Sie mit Recht, zuerst dem W o h n u n g s e l e n d , das sich infolge der während des Krieges fast gänzlich eingestellten Bautätigkeit breitgemacht hatte, abhelfen zu müssen. So wurden denn allenthalben von der Stadt Gebäude für Wohnzwecke errichtet, und zwar am Kugelberg, am Riegelpfad, in dem Asterweg, in der Gnauthstraße, Kaiserallee, Mühlstraße, Licher Straße, Marktlaubenstraße, Welckerstraße, Wilhelm- straße, Schottstraße, Ederstraße, Rodheimer Straße, in dem Anneröder Weg und Leimkauterweg. Es wurden von der Stabt insgesamt 177 Reuhäuser mit 560 Wohnungen erstellt, so daß sie mit den bisherigen Wohnungen heute insgesamt über 852 stadteigene Wohnungen verfügt. Dies ist für eine Stabt von der Einwohnerzahl Gießens eine sehr große Anzahl, hierdurch zeigten Sie, welch hohes Verantwortungsgefühl Sie gegenüber dem Wohnungselend aufgebracht haben. Daneben wurde die Bautätigkeit Privater in jebem Maße burch Gewährung von Hypotheken, Lirmabe von Gelänbe in Erbbaupacht geförbert. Wenn die Wohnungsnot auch heute noch nicht ganz übermunben ist, so liegt bas nicht an dem Fehlen eines guten Willens fonbern an bem Fehlen der nötigen Mittel. Sie bürfen aber bie Genugtuung haben, baß wir in bem von Ihnen oorgezeichneten Wege fortfahren. Wird boch in Kürze mit bem Bau von 50 Sied- lungshäusern an ber Krosborser Straße im Katzen- felb begonnen werben, wozu bie Stabt bas Gelänbe in Erbbaupacht unb einen bestimmten Betrag gibt. Die Pläne würben noch unter Ihrer Leitung gefaßt. Auch finb die Mittel zum Bau der Siedlung bereits von Reichswegen genehmigt. Diese Siedlung soll sogar, wenn weitere Mittel vom Reich bewilligt werden, was zu erwarten ist, auf 150 Stellen gebracht werden. Wenn wir es irgendwie ermöglichen können, sollen außerdem noch dieses Jahr zehn weitere Wohnungen an dem Anneröder Weg für Unterstützunas- empsänger geschaffen werden. Diese Häuser müssen mit eigenen Mitteln erstellt werden. Es fällt aber heute außerordentlich schwer, das nötige Kapital hierzu zu beschaffen, denn auf dem Kreditmarkt herrscht eine große Geldknappheit. Reben der Bautätigkeit für Wohnungszwecke haben Sie auch die für öffentliche in jeder Hinsicht gefördert und sich Reuerungen, soweit sie zweckmäßig waren, nicht verschlossen. Während Ihrer Amtszeit wurde das Elektrizitätswerk modern umgestaltet und vor einigen Jahren bedeutend vergrößert. Ebenso wurde das Wasserwerk und der Schlachthof neuzeitlichen Erfordernissen entsprechend erweitert. In unseren städtischen Volksschulen lagen die Raumverhältnisse sehr im argen. Es war für unsere Kinder, unser kostbarstes Gut, außerordentlich ungesund, wenn sie in großer Zahl und in unzureichenden Räumen jeden Tag viele Stunden zubringen mußten. Sie haben hier in großzügiger Weise Abhilfe geschaffen. Zwei Schulen, die Schillerschule und die Goethefchule, wurden umgebaut und erheblich erweitert Außerdem wurde in den Eichgärten die P e st a l o z z i f ch u l e errichtet, die. jetzt soweit fertiggestellt ist. Zur Hebung des Verkehrs wurde in Ihrer Amtszeit die V o l k s h a l l e erbaut. Mit dem Anwachsen ber Stabt hatte sich bas Fehlen einer geeigneten Halle zur Abhaltung von Ausstellungen, Tagungen unb Festlichkeiten unliebsam bemerkbar gemacht. Wie in anberen Stäbten, so erstellte man auch bei uns eine Dolkshalle, bie, wenn sie außen einen Verputz erhält eine Zierbe ber Stadt sein wird. Ihr vorausschauender Blick hat sich vor Jahren für die Errichtung eines Flughafens verwandt, um den wir von vielen Städten wohl beneidet werden. Er ist nicht nur landschaftlich schon gelegen, sondern auch für seine Zwecke gut geeignet und befindet sich im besten Zustand. Da die Erlernung des Fliegens jetzt stark propagiert wird und das Flugzeug als modernstes Verkehrsmittel eine große Bedeutung tjat, t)at unser Flughafen, wenn er auch beute noch ein kleiner Zuschußbetrieb ist, eine gute Zukunft. Wie der Flugsport, so wurde seitens der Stabt unb bamit burch Sie jegliche anbere Sport- a r t weitgehenbst unterstützt. Denn bie Ausübung bes Sportes bient ber Volksqesunbheit, unb vorbeu- genbe Maßnahmen gegen Krankheiten sind immer besser als heilenbe. Bei einer gefunben Bevölkerung wirb bas Wohlfahrtsamt, bas Mäbchen für alles, entlastet. Durch birekte ober indirekte Unterstützung der Stadt wurden herrliche Rasensportplätze errichtet, Tennisplätze angelegt, Bootshäuser erbaut usw. Wenn von der Entwicklung unserer Stadt unter Ihrer Leitung gesprochen wirb, bann darf natürlich nicht bie Universität vergessen werben. In den letzten beiden Jahrzehnten sind ihr eine Reihe neuer Institute unb Kliniken ange- gliebert worben. Für sie hat bie Stabt erhebliche Mittel aufgebracht unb sich reblich bemüht, soweit es in ihren Kräften stanb — benn eine Stabt wie Gießen verfügt selbstverständlich bei weitem nicht über biese Mittel, wie Frankfurt ober Leipzig — ihr Teil bazu beizulragen, baß bie Einrichtungen ber Universität bem mobernsten Slanbe ber Wissenschaft entsprachen. Zu dem Erwerb ber Kinberklinik und später zu deren Erweiterungsbau wurden von der Stadt Zuschüsse gegeben. Verschiedentlich wurde der Universität wertvolles Gelände schenkweise übereignet, so zur Errichtung des Lupusheimes, der Heilstätte für Tuberkulose der oberen Luftwege, der Orthopädischen Klinik, des Studentenhauses. Neben der medizinischen Fakultät kamen insbesondere der landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen die Leistungen der Stadt zugute. Zum Ausbau des Landwirtschaftlichen Instituts, sowie für das forst- wissenschaftliche erfolgten größere Zuschüsse. Durch den Ankauf des H a r d t h o f e s, der der Universität verpachtet wurde, wurde die landwirtschaftliche Fakultät in Stand gesetzt, in größerem Umfange praktische Versuche anzustellen. Während Ihrer Amtszeit hat die Universität bald das doppelte Ausmaß erreicht. Die Bedeutung der Universität für unsere Stadt wußten Sie sehr wohl zu schätzen. Für ihre Belange haben Sie sich immer eingesetzt. Die Verdienste, bie Sie sich um bie Universität erworben haben, mürben von ihr durch die Verleihung des Dr. h. c. anerkannt. Die gleichen guten Beziehungen wie sie von Ihnen zur Universität gepflogen wurden, bestanden auch gegenüber der Garnison. Das Verhältnis der Stadt zum Militär war immer ein herzliches, und von unserer Seite wird gewünscht, daß es auch in Zukunft so bleiben möge. Der Aufstieg, den unsere Stadt unter Ihrer Leitung genommen hat, war ein st e t i g e r und organischer. In richtiger Erkenntnis lehnten Sie es ab, irgendwelche Erperimente zu machen, die die Stadt in unnötige Schulden stürzten, wie es so viele gewissenlose Stadtoberhäupter anderer Städte unter bem vergangenen System in verantwortungsloser Weise getan haben. Damals, als die Möglichkeit bestand, Ausländsanleihen aufzunehmen, wetteiferten geradezu die Städte, unproduktive Bauten und Anlagen aufzuführen. Ich brauche nur die beiden Nachbarstädte Frankfurt und Köln zu erwähnen, die ehrgeizig sich darin Überboten. An der Verzinsung und Tilgung dieser Anleihen, die fich zum Schaden des ganzen Reiches auswirkten, haben heute noch viele Städte und damit deren Einwohner schwer zu tragen. Ihr klarer Blick für die Rolwendigkeit einer gesunden finanziellen Grundlage bewahrte die Stadt vor übermäßiger Schuldenlast. Ihre feste und sichere Leitung war um deswillen besonders wertvoll, well sie in einer Zeit ausgeübt wurde, die sicher die schlimmste seit Jahrhunderten war. Forderte doch der Krieg, die Inflation und bie letzt so langsam im Verschwinden begriffene Arbeitslosigkeit ungeheuere Opfer von dem einheimischen Gewerbe, dem Handel und der Industrie. So manches alte Geschäft, das schon durch Generationen in einer Hand war, ging in dieser Zeit zugrunde. Soweit es in Ihrer Macht stand, halsen Sie hier und zeigten Verständnis für die Erhaltung der einzelnen G e w e r b e z w e i g e und des Handels. Durch Ihre gesunde Finanzpolitik haben Sie eine gute Grundlage für eine weitere günstige Entwicklung der Stadt gelegt. Wenn Sie nun heute in den Ruhestand treten, so wird es Ihnen gewiß schwer fallen, sich von der Stätte Ihres 27jährigen Wirkungskreises zu trennen. Denn man hängt an dem, was man hat werden sehen und aufbauen helfen Ich kann Ihnen versichern, daß auch wirnoch gerne mitIhnen weiter gearbeitet hätten. Wir, das heißt meine Fraktionskameraden und ich, kennen Sie zwar noch nicht allzulange, denn wir sind erst vor einem Jahr zumeist als Neulinge in den Stadtrat eingezogen. Aber rasch und leicht haben wir uns unter Ihrer Leitung eingelebt 3n dieser Zeit, bie wir mit Ihnen arbeite» burften, haben wir Sie aufrichtig schätzen gelernt. Es war uns immer eine Freube, an ben Sitzungen, bie Sie leiteten, teilzunehmen. Zeichneten Sie sich boch burch klares Urteil, gerechtes hanbeln unb warmes Empfinben für bie sozialen Belange ber Bevölkerung aus. Auch bie Einwohnerschaft wirb Ihr Ausscheiben aus ben Diensten ber Stabt bebauern, benn allenthalben erfreuen Sie sich bei ihr ber größten Sympathien. Als ein Zeichen der Verbundenheit unserer Stadt mit Ihnen habe ich Ihnen dieses Gemälde zu überreichen. Es ist ein B i l d unseres geliebten Gießen, unserer schönen Heimat, umrahmt von dem Dreigestirn des Düns- berg, Gleiberg und Vetzberg. Möge Ihnen der Anblick dieses Bildes immer eine Freude sein und Sie erinnern an die Stätte Ihrer langjährigen segensreichen Tätigkeit. . Das Stadttheaterorchester bereicherte bie Feier nunmehr durch die Festouoertüre von Lortzing. An- schließend folgten die nachstehenden Ansprachen: Kreisdirektor Klostermann: Herr Oberbürgermeister! Deutsche Frauen, deutsche Männer! Ich hatte bisher nicht den Vorzug, den Herrn Oberbürgermeister kennenzulernen. Aber zur Beurteilung seiner Taten ist das auch nicht notwendig, zumal man weiß, daß er 27 Jahre an der Spitze dieser Gemeindeverwaltung steht. Wenn wir von der jungen Generation heute beauftragt finb, rückschauend die Arbeit zu überprüfen, dann muß man an eines denken: In großer Zeit sind Sie, Herr Oberbürgermeister, an die Spitze dieser Stadt getreten. Sie erlebten die Jahre um 1914 hier, von denen wir sagen, daß sie der Beginn der nationalsozialistischen Revolution waren. Sie standen an der Spitze dieser Stadt in der schweren Kriegszeit, als Hunger und Not die Menschen plagten. Sie erlebten in dieser Stadt den Zusammenbruch des deutschen Volkes, den Charakterbruch der deutschen Menschen. Sie erlebten hier, daß man das Höchste und Beste, was man hatte, der Armee die Waffen zerschlug. Sie erlebten hier den Zusammenbruch im Kriege und erlebten auch das Fiasko der Politik der Vorkriegszeit. Sie konnten an diesem Gemeinwesen feststellen, daß auch die Politik die Geschicke der Gemeinden und Städte lenkt. Denn obwohl Sie, wie ich eben erfuhr, alles Erdenkliche getan haben, werden auch Sie als Mann der Tat manchmal haben feftftellen müssen, daß alle Arbeit falsch und verkehrt, daß alle Arbeit sinnlos ist, wenn dabei das große Ganze, wenn Deutschland am Boden liegt. Sie konnten die Zeit der Inflation erleben, wie im Gefolge dieses Charakterbruchs des deutschen Volkes die Wirtschaft und die Gemeinden in den Strudel hineingezogen wurden. Sie mußten feststellen, daß das deutsche Volk charakterlich und wirtschaftlich zusammenbrach, aber sie konnten auch vor einem Jahre erleben, daß in dieser Stadt junge Menschen das Banner der deutschen Freiheit aufpflanzten. Wenn man das weiß und fich vorstellt, dann weiß man auch, was ein Mann geleistet hat, der 27 Jahre lang in dieser schwersten, aber auch in der herrlichsten und schönsten Zeit des deutschen Volkes und der deutschen Geschichte an dieser Stelle stehen konnte. Sie, Herr Oberbürgermeister, geben nun bie Geschäfte in andere, jüngere Hände, weil die Arbeit und Ihre Taten Ihre Kraft verbraucht haben. Darüber wollen wir nicht trauern denn es ist im Leben nun einmal so, bas können wir nicht ändern. Aber eines, Herr Oberbürgermeister, muh Ihnen heute doch einen srohen Blick in die Zukunft eröffnen, daß nämlich heute alles beeinflußt wird von der Tatkraft eines Mannes, der unser Führer ist, der heute bie Geschicke ber Länber, Slabte unb Gemeinden leitet, ber Mann, ber aus ben Deutschen Lharakterwerte herausgeholt und h i n a u f g e p f l a n z t hat zum Symbol aller deutsch en Menschen, ber btau- ßen an ber Front als ber unbekannte Soibat feine Pflicht tat unb heute roieber daran geht, bas Wertvollste in Deutschland, ben Wehrwillen unb bie wehrfähigen Männer zu sammeln unb in ben Dienst bes Volkes zu stellen. Wenn Sie im Jahre 1918 erlebten, wie Schurken und Verbrecher sich an der Armee vergriffen, wenn Sie heute wissen, daß Gießen wieder eine gute Garnisonstadt ist, dann muß Sie das mit stolzer Freude erfüllen. Als Mann der Tat dürfen Sie von sich behaupten, daß Sie hier arbeiteten für die Bevölkerung von Gießen, von Hessen und damit für Deutschland, daß Sie Ihren Anteil zu dem großen Bau Deutschland beigetragen haben. Es ist der schönste Lohn, der Ihnen werden kann, wenn Sie daran denken, daß Sie Ihre ganze Kraft diesem Deutschland opferten, daß Sie mitgearbeitet und gewirkt haben an dem deutschen Bau in die Ewigkeit hinein. So wie Sie in diesen Gedanken Ihren Lebensabend verbringen können, werden Sie mit uns jungen Menschen sein, mit unserem Wirken, unb Sie werden miterleben, wie wir ein neues Reich bauen, wie es die deutsche Geschichte, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Wenn Sie das wissen und ferner auch, daß über uns ein Mann als Garant steht, der dafür sorgt, daß all unser Wollen in die Tat umgesetzt wird, dann wird Ihnen bei allem Schmerz und Leid diese Abschiedsstunde leicht werden, weil Sie wissen, und weil auch alle es wissen, daß S i e Ihre Pflicht taten im Dienste am deutschen Volke! Se. Magnifizenz der Rektor Pros. D. Vornkannn: Es ist mir als Rektor der Universität eine Selbstverständlichkeit, noch einmal heute mit Ihnen, sehr verehrter Herr Oberbürgermeister, einen dankbaren und herzlichen Händedruck zu tauschen. Sie sind läng st einer der unserigen. Sie sind schon im Jahre 1927 ausgezeichnet worden durch die h o ch st e Ehre, die die Universität zu vergehen hat, durch die Verleihung der Würde einer Ehrendoktors der Rechte. Es sind aber nicht nur unsichtbare, sondern auch sichtbare Bande der Zu- sammgehörigkeit, die uns verbinden. Wenn ich daran danke, was die Landesuniversität veranlaßt hat, sich so zu Ihnen und Ihrer Arbeit zu bekennen, so ist es nicht nur die lange Reihe der Gebäude und der Zuwendungen, die die Universität durch ihre Tatkraft von der Stadt erhielt, sondern nach meiner Ueberzeugung auch noch etwas anderes: Sie haben uns in jebem Falle, wenn wir an bie Stabt mit einer Bitte herantreten mußten, bas Bitten leicht gemacht. Sie haben immer Versiänbnis bafür gehabt, baß wir nicht für uns bitten, fonbern für bie, bie wir vertreten. Sie haben uns bie Wünsche gerabezu von ben Augen abgelesen, unb Sie haben — bas ist besonbers zu banken — immer bas Bewußtsein gehabt, baß auch in armen Zeiten ein Volk etwas tun muh für feine Geistesarbeit. Sie haben gewußt, daß es befte Tradition der Universität Gießen ist, auch in den relativ einfachen Verhältnissen, die nicht verglichen werden können mit pompösen Verhältnissen anderer Universitäten, sachliche und gute Arbeit zu tun und diesen Arbeitsbedingungen alles abzuringen, was sie enthalten. Ich bin mir bewußt, daß es für den Rahmen einer Universitätsstadt nicht allein ausreichend und ausschlaggebend ist, was sie für Universitätsgebäude, für Industrie und Handel in sich birgt, sondern daß auch die stille und unscheinbare Arbeit, die an einem gelehrten Buche in einer Studierstube getan wirb, daß die einsame Arbeit und erfinderische Kraft in einem Laboratorium mit dazu beiträgt, dem ganzen Volke zu dienen und den Namen und den Rus dieser Stadt um den ganzen Erdball zu tragen. Es ist für eine Universitätsstadt wie Gießen nicht gleichgültig, daß sie mit einer Fülle der bedeutendsten deutschen Gelehrten in ihrer Jugendzeit verbunden war, mit Männern wie Liebig, Ranke, Harnack, Jhering, Oncken usw. Sie wissen von uns, daß unsere 93 e r a n t • mortung für einander gegenseitig ist, daß auch wir stets die Verantwortung mitgetragen haben für das Schicksal dieser Stadt, die uns — auch den Landfremden unter uns — zu einer Heimat geworden ist, aus deren herrlicher landschaftlicher Umgebung wir Kraft gewinnen zu unserer Arbeit und deren charaktervolle Bevölkerung uns ebenfalls immer neue Kraft zuwachsen läßt. Als Sie im Jahre 1927 Ehrendoktor unserer Universität wurden, haben Sie Ihre Ansprache geschlossen mit ben Worten: „Stabt unb Universität up ewig ungebeell“ 3d) gebe Ihnen heute dieses Wort zurück und bitte Sie, daß Sie dieses Verständnis für die Universität als ein Stück Ihres Erbes der Stadtverwaltung h i n t e r l a f f e n, und ich hoffe, daß dies auch weiterhin so bleiben wird, wie Sie es in den langen Jahren uns bekundet haben. Ich glaube, daß es Ihnen, sehr verehrter Herr Oberbürgermeister, ein schöner Lohn fein wird, wenn Sie daran denken, daß Ihre Arbeit an und mit der Universität gewesen ift Der Vertreter der Kreisleitung pg. Äng Der Kreisleiter hat mich beauftragt, Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, im Namen der Kreisleitung herzlichen Dank auszusprechen für Ihre segensreiche Tätigkeit. Ich war noch ein kleiner Junge, als die Männer ber heutigen Bewegung des jungen Deutschland, als das feldgraue Deutschland hinausströmten, um für die Ehre unb bie Einigkeit des großen deutschen Volkes zu kämpfen Damals haben Sie Ihre große Aufgabe begonnen, als Sie das Amt des Oberbürgermeisters übernahmen. Groß war diese Aufgabe, wenn man sie in rechter Weise lösen will, ebenso groß war die Aufgabe ber deutschen Männer draußen im Kriege. Als bas deutsche Heer, siegreich und doch nicht als Sieger, in die Heimat zurück- kchrte, sprachen Sie, Herr Oberbürgermeister, das große Wort: „Ihr kommt siegreich, wenn auch nicht als Sieger zurück, trotzdem werdet ihr mit Freude in eurer Vater- ft a b t willkommen geheiße n." Dir haben dieses Wort nie vergessen, als bas neue Deutschland vorwärtsslürmte und bat Hakenkreuzbanner zur Sonne emportrug. wir haben dieses Wort in unsere Herzen hinein- geschlossen und daraus die Kraft geholt, auch in unserer Stabt alles zu tun, was Volk und Führer von uns verlangten. Wir haben dieses wort zur Tat gemacht, wir sind siegreich gewesen und als das neue Deutschland siegreich in unsere Vaterstadt eingezogen. Sie, Herr Oberbürgermeister, haben wahrend Ihrer langen Tätigkeit uns stets Verständnis e n t g e g e n g e b r a ch t und sind uns immer als Freundund Kamerad entgegengetreten. Nicht zuletzt Ihnen haben wir es zu verdanken, daß die Heimat und unsere Stadt Gießen dem großen Werke Adolf Hitlers Freund wurde und sich zusammenfand unter der Führung unseres großen Führers, der das große Deutsche Reich wieder auf baut und unser Volk dem Auf- entgegenführt. enn Sie, Herr Oberbürgermeister, nun in den Ruhestand treten, dann wollen wir uns verpflichten und Ihnen den Eid leisten, daß das junge Deutschland seine Ausgabe erkannt hat und sich im Rahmen der Heimat seiner großen Ausgabe immer bewußt ist und Ihr Werk verantwortungsbewußt verwalten wird, wie es das Wohl von Volk und Vaterland und das Leben der Nation erfordert. Weitere Glückwunschansprachen. Oberregierungsrat Schmidt, der neue Leiter des Finanzamtes Gießen, sprach im Namen sämtlicher Reichsbehörden dem scheidenden Oberbürgermeister für die langjährige Mitarbeit und Zusammenarbeit herzlichen Dank und beste Wünsche für sein ferneres Wohlergehen aus. Im Namen der städtischen Arbeiter brachte Herr Bastian dem Oberbürgermeister folgenden poetischen Abschiedsgruß dar: Beim Abschied von der Arbeitsstätte, Die Ihnen teuer war und lieb, Grüßt Sie heut jeder Werksgenosse, Aus jedem städtischen Betrieb. Der Kehrer von der Straßen dorten, Von hoher Leiter der Monteur, Der Heizer glühender Retorten, Der Wachmann von der Feuerwehr. Sie haben siebenundzwanzig Jahre Mit uns gewirkt, geschafft, gestrebt. Ein Vorbild treuster Pflichterfüllung Zum Wohl der Stadt uns vorgelebt. Heut, wo sich unsre Wege scheiden, Wünscht Ihnen noch ein jeder Glück, Nach Müh und Last in bessre Zeiten Führ' Sie ein gütiges Geschick. Herr Zimmer überbrachte im Namen der Ange st e l l t e n der Stadt dem scheidenden Chef die herzlichsten Abschiedsgrüße dar. Er erklärte in seiner Ansprache: „Der Herr Oberbürgermeister war uns stets ein rechtlich denkender und fühlender Vorgesetzter, den auch wir ungern verlieren. Wir wünschen ihm daher im Ruhestand von Herzen alles Gute, Gesundheit und bestes Wohlergehen und werden ihm auch in Zukunft ein ehrendes Andenken bewahren." * Hauptmann Schiel sprach im Auftrage des Bataillonskommandeurs und der Garnison die herzlichsten Abschiedsgrüße an den scheidenden Oberbürgermeister aus. „Jeder einzelne Angehörige der Garnison, von dem Kommandeur bis zum jüngsten Soldaten, hatte immer das Bewußtsein, daß Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, ein warmes Herz für die Garnison haben. Wir wußten, daß Sie jederzeit Ihr Interesse für die Soldaten auch in Ihrem Dienstbereich praktisch in die Tat umge- s e tz t haben. Im Namen des Bataillons habe ich Ihnen unsere besten Wünsche für Ihren ferneren Lebensweg auszusprechen." Der Verlreier der Beamten pg. Pfeil Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister! Werte Festversammlung! Als Fachschaftsleiter der Beamtenschaf t der Stadt Gießen ist es mir eine ganz besondere Ehre, Ihnen, Herr Oberbürgermeister, heute, am Tage Ihres Scheidens aus dem Amte, den Dank der gesamten Beamtenschaft zu übermitteln. In Ihrer zwanzigjährigen Amtszeit als Chef der Verwaltung waren Sie uns stets ein gerechter und vorbildlicher Vorgesetzte^ Für die Wünsche Ihrer Untergebenen und Mitarbeiter hatten Sie stets ein ofsfenes Ohr, und soweit es irgendwie in Ihrer Möglichkeit stand, waren Sie bestrebt, den Wünschen Rechnung zu tragen. Aber neben all diesen kleinen Wünschen, die allein aus dem Kreise der Beamtenschaft an Sie herantraten, kamen noch die unendlich vielen Aufgaben, die dem Gemeinwesen dienten. Und dies sind doch wohl die wichtigsten eines Leiters einer Provinzialhauptstadt wie Gießen. Neben den wirtschaftlichen Gebieten sind auch die Interessen der Universität, die Bildungsstätte der deutschen Jugend, diejenigen einer Garnisonstadt und noch viele andere zur Verantwortlichkeit eines Oberbürgermeisters gehörenden Aufgaben zu pflegen und zu betreuen. Schon durch die treue Erfüllung all dieser Pflichten wäre Ihnen der Dank Ihrer Mitarbeiter und Mitbürger gewiß. Aber in welcher Zeit übernahmen Sie das Amt des Oberbürgermeisters? Kaum zum Oberhaupt der Stadt Gießen gewählt, entbrannte das gewaltige Völkerringen — der Weltkrieg. Auch viele brave Söhne unserer Stadt opferten ihr Leben. Mit starkem Arm und gewissenhafter Pflichterfüllung lenkten Sie die Geschicke Gießens auch durch diese schwere Zeit. Der nun folgende Abschnitt Ihrer Amtstätigkeit, während der Nachkriegszeit, war mindestens ebenso schwer wie der während des Krieges, zumal in dieser Zeit die Funktionäre der roten und schwarzen Parteien die zum Wohle der Stadt erwünschte Mitarbeit nicht gerade leisteten. Stand doch bei vielen Vertretern das eigene Wohlergehen im Vordergründe. Aber auch gegenüber diesen Vertretern wußten Sie sich in geeigneter Weise durchzusetzen. Trotz Inflation und allgemein schlechter Wirtschaftslage konnten Sie die Finanzen der Stadt Gießen in geordneten Verhältnissen erhalten. So können Sie jetzt, bei Ihrem Ausscheiden aus dem Amte, das Erbe, das Sie noch im Zweiten Reiche antraten und über die Schmachzeit des Novembersystems hinüberretteten, rein und un- belastet an das Dritte Reich übergeben. Die gesamte Beamtenschaft der Stadt Gießen wird Ihnen stets ein treues Andenken bewahren und wünscht Ihnen einen gesegneten Lebensabend in gesundheitlichem Wohlergehen. Heil Hitler! Oberbürgermeister Or. Keller: Ich habe bisher nicht dazu geneigt, im Mittelpunkt einer Feier zu stehen. Ich bin den Absichten, meiner zu gedenken, immer aus dem Wege gegangen. Da nun aber die Stadtratsfraktion der NSDAP, den Wunsch hatte, sich von mir in einer besonderen Veranstaltung zu verabschieden, glaubte ich dieser freundlichen und mich außerordentlich ehrenden Absicht mich nicht entziehen zu dürfen, zumal es sich um ein A b s ch i e d n e h m e n handelt. Mir ist das Herz voll von Dankbarkeit. Wärm st en Dank sage ich allen Rednern für die freundlichen Worte, die sie mir gespendet haben. ;Ich danke ganz besonders aufrichtig der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion und ihrem verehrten Vorsitzenden, der im Namen seiner Freunde so herzliche Worte an mich richtete und mir die Urkunde über meine E r - nennung zum Ehrenbürger von Gießen überreicht hat, herzlichen Dank ferner für die Überreichung des wundervollen Bil- e s, darstellend die Ansicht der Stadt, für die ich so lange wirken durfte. Die Fraktion, der im Dritten Reich Adolf Hitlers die Geschicke der Stabt anvertraut sinb, hat sich dieser Aufgabe mit größtem Verant- wortungsbewuhtsein unb größtem Vflichteifer hingegeben und eine bedeutsame Tätigkeit entfaltet. Deutsche Volksgenossen! Liebe Mitbürger! Nun ist die Stunde gekommen, da ich A b s ch i e d nehme von meinem Amte als Oberbürgermeister. Nachdem ich im Jahre 1907 zum Beigeordneten unserer Stadt berufen worden war, wurde ich im Januar 1914 zum Oberbürgermeister gewählt und nm 1. April 1914 in dieses Amt eingeführt, das ich 20 Jahre lang verwalten durfte. Es steht nach den iois auf das Jahr 1598 zurückreichenden Feststellungen aus dem Stadtarchiv in der Geschichte der Stadt Gießen einzig da, daß ein Bürgermeister »der Oberbürgermeister so lange Zeit an de r Spitze unserer Stadt gewirkt hat, wie ich. Das macht verständlich, daß ich mit der Stabt Gießen und ihrer Bevölkerung besonders innig verbunden bin und darum der Abschied von meinem Amte mich tief bewegt. Zwanzig Jahre Oberbürgermeister «nd dazu noch in besonders schwerer Zeit! — was )«as alles in sich schließt an äußerem Geschehen und innerem Erleben, an Verantwortung, Mühe und Arbeit, aber auch an Freude und innerer Befriedigung: das alles im Rahmen einer kurzen Ab- chiedsrede baraulegen, ist schlechterdings unmöglich. Wenn ich selbst mir darum versage, die Entwicklung der Stadt Gießen während meiner 20jährigen Amtstätigkeit irgendwie zu berühren und reinen Gewissens dies einer späteren Geschichtsschreibung Iberlasse, so tritt doch, da eine Abschiedsstunde auch eine Stunde innerer Prüfung und Besinnung ist, in diesem Augenblicke die Frage mir vor die Seele, ob ich in meiner langjährigen Wirksamkeit bis zu ihrem Ende gewissenhaft die Grundsätze befolgt habe, die zu beachten ich bei meinem Eintritt in die Kommunalverwaltung mir oorgenommen hatte. Das waren Treue, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wohlwollen. Diese Grundsätze müssen, wie ich früher wiederholt betont habe, unser öffentliches kommunales Leben beherrschen und besonders in den Leitern kommunaler Gemeinwesen lebendig fein. Allen voran die Treue, nach dem schönen biblischen Wort, das ich mir zum Grabspruch erwählt habe: „Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden." In dem heißen Bemühen, diesen Leitsternen zu folgen, wurde es mir leicht, darüber hinwegzukom- 1 men, wenn gelegentlich an einzelnen meiner Maßnahmen Kritik geübt wurde. Es liegt in dem Wesen des Amtes eines leitenden Kommunalpolitikers wie in dem des Staatsmannes, daß er mitunter Kritik über sich ergehen lassen muß, von der erst die Zukunft lehren wird, ob sie berechtigt war oder nicht. Die kommunalen Früchte reifen langsam. Es gilt, der Entwicklung ihren Weg zu bahnen, auch wenn dieser Weg und das Ziel nicht immer im ersten Ansturm erreicht wird. Man meint, aus einer Höhe zu sein und sieht, daß andere Höhen dahinter sind, die man noch erklimmen muß. Erst wenn die Saat voll aufgegangen ist, wird man den leitenden Kommunalpolitiker ganz verstehen und mit abschließendem Urteil sagen können, wer es war und was er bedeutet. Eines bleibl, rein örtlich gesehen, gewiß: es muß jeden schaffensfreudigen Wann mit besonderer Genugtuung erfüllen, die Verwaltung einer Stadt wie Gießen zu führen. Denn ungewöhnlich mannigfaltig und außerordentlich bedeulsam sind die Interessen, die hier zu berücksichtigen und zu fördern sind. Universität und Garnison, zahlreiche Reichs- und Staatsbehörden, Industrie, handel und Handwerk vieler Arten und Größen, somit Geist und Hand wirkend und schaffend: diese glückliche Wischung st redender Kräfte gewährt dem Kommunalpolitiker ein äußerst interessantes Bild, stellt ihm vielseitige und wichtige Aufgaben und bürgt für eine gesunde Weiterentwicklung unserer Stadl. Bei der Uebernahme meines Amtes am 1. April 1914 habe ich in meiner Rede mit Nachdruck betont, daß ich als das Rückgrat einer guten Stadtverwaltung eine vorsichtige unb gesunde Finanzpolitik erachte. Die Treue und Beharrlichkeit, mit der ich an diesem Grundsatz auch gegenüber dem Drängen allzu großzügiger Projektemacher festgehalten habe, hüt gute Frucht getragen. Deine pflichten zum Gelingen -es Großkampftages -er Arbeitsschlacht 1934 am Mittwoch, 21. Marz. In allen Betrieben (Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft, Arbeitsdienstlagern, Arbeitsstätten im Freien) soll die Eröffnung des Kampfes, bei der der Führer sprechen wird, übertragen werden. Die RSBO.-Vertreter und Parteigenossen melden der Kreisleitung Gießen die Betriebe, wo das nicht geschieht. Die Belegschaften sind dazu in besonderen Räumen zusammenzuziehen. Wo das nicht möglich ist, ist in den Arbeitsstätten selbst für ausreichende Uebertragungsmöglichkeit zu sorgen. Durch kurze, würdevolle Vorfeiern ist auf die Bedeutung des Tages hinzuweisen. Die Vorfeiern müssen bei Beginn der lleberlragung beendet sein. Deshalb sollen die Betriebe rechtzeitig zu der Vorfeier angetreten sein. In allen Schulen hat eine llebertragung stattzufinden; auch hier soll eine kurze Vorfeier die llebertragung einleiten. halte besonders große und würdevolle Veranstaltungen im Bilde fest. Stelle diese Aufnahmen der Kreisleitung Gießen zur Verfügung. An diesem Tage müssen alle Rundfun k e m p f a n g s a n l a g e n in Tätigkeit sein. Deutscher Volksgenosse, der du einen Empfänger besitzt, lade durch große Schilder an Türen und Fenster, durch mündliche Einladungen und Aufforderungen Rachbarn und Hausgenossen dazu ein, bei dir die llebertragung mitzuhören. Die Gaststätten sollen ebenfalls durch große Plakate anzeigen, daß in ihren Räumen die Führerrede übertragen wird und jeder Volksgenosse sich diese llebertragung anhören kann. Die Belegschaft der Arbeitsstellen, bei denen keine llebertragung möglich ist, soll geschlossen (in Warsch- ordnung) eine solche Abhör st elle aufsuchen. Volksgenossen, die die Bedeutung des Tages vergessen haben sollten, macht man höflich, aber bestimmt darauf aufmerksam und nimmt sie mit nach einer Abhörstelle. Kreisleitung Gießen. Schmelz, Kreispropagandaleiter. Die Schulden der Stadt Gießen find im Verhältnis zu denjenigen anderer Städte sehr gering, die in den Erneuerungsstöcken ruhenden Rücklagen beträchtlich. Diese vorsichtige und vorsorgliche Finanzpolitik, so unendlich schwer sie angesichts der Finanzgesetzgebung und der wirtschaftlichen Lage der Nachkriegszeit auch war, durfte selbstverständlich nicht dahin führen, daß notwendige Aufgaben unerfüllt blieben und in ber Entwicklung der Stadt ein Stillstand eintrat. Die hessische Staatsregierung hat bei meinem llebertritt in den Ruhestand anerkennend zum Ausdruck gebracht, daß die Stadt Gießen ein auf st redendes Gemeinwesen darstellt und weniger unter den Röten der Rachkriegs- zeit gelitten hat, als andere Städte. Möchten alle meine Rachfolger von der Wahrheit tief durchdrungen sein, daß gesunde Finanzen das Rückgrat einer guten Stadtverwaltung sind! Jeder Gießener Bürger weiß, daß ich mich stets großer Zurückhaltung befleißigt habe. Allen äußeren Ehrungen und Jubiläen bin ich aus dem Wege gegangen. Ich habe innere Befriedigung gesucht und gefunden in der Arbeit, und zwar in d e r Arbeit, die eine der schönsten ist, der Arbeit für andere, der Arbeit für das öffentliche Wohl. Wenn mir im Laufe meiner langen Amtstätigkeit wiederholt äußere Zeichen der Ehrung zuteil geworden sind, so war ich darüber erfreut, unb ich benutze die Gelegenheit, in dieser Abschiedsstunde hierfür nochmals von Herzen zu danken. Als ich im Jahre 1907 zum Beigeordneten gewählt wurde, war — obwohl ich unter zahlreichen Bewerbern als einziger vom Wahlausschuß vorgeschlagen war — die Stimmenmehrheit, die sich in der damaligen Stadtverordnetenversammlung auf mich vereinigte, keineswegs eine beträchtliche, und ich hatte mir überlegt, ob ich die Wahl annehmen solle. Als ich bann mehrere Jahre als Beigeordneter gewirkt hatte und anfangs 1914 der Oberbürgermeisterposten frei wurde, hat die Stadtverordnetenversammlung, ohne die Stelle 3um öffentlichen Wettbewerbe auszuschreiben, mir da s A rn t angeboten und nachdem ich zugesagt hatte, mich e i n ft i m m i g zum Oberbürgermeister gewählt und nach 12 Jahren e i n ftim m i g wiedergewählt unb zwar auf Lebenszeit. In dieser Entwicklung sehe ich die ober» hessische Art, die ich außerordentlich schätze, sich widerspiegeln, die oberhessische Art, die sich nicht voreilig begeistert, nicht allzu rasch erwärmt, sondern lange und sorgfältig prüft und wägt, bann aber mit Treue festhält und vertraut. Es gehört zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens, baß die Gießener Bevölkerung mir mit zunehmendem Vertrauen begegnet ist. schwerere Nachkriegszeit die Finanzen der Stadt in gesundem Zustande zu erhalten. Ich danke den Stadtverordneten, die in sachlicher und opferwilliger Weise mit mir an der Förderung uvd Entwicklung unserer Stadt zusammen gearbeitet haben. Aber auch außerhalb des Kreises der Stadtverordnetenversammlung haben viele von edlem Gemein» J finn beseelte Bürger mich bei der Führung mei» I nes Amtes oft freiwillig und freudig unterstützt und dadurch zu lebhaftem Danke verpflichtet. Ich hätte meiner Pflicht als Leiter der städtischen Verwaltung nicht gerecht werden und den großen Gesamtaufgaben der Stadt nicht meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit zuwenden können, hätte ich mich nicht stützen können auf eine tüchtige Beamtenschaft und Arbeiterschaft. Ich danke den Beamten, Angestellten und Arbeitern, die pflichttreu und diensteifrig während meiner Amtszeit zum Wohle der Stadt und ihrer Bevölkerung tätig gewesen sind. Möchte der Beamten- und Arbeiterschaft, wie ich in meiner Rede vom 1. April 1914 sagte, das Be- ! wußtsein nie verloren gehen, daß keiner für !sich da ist, daß alle dienende Glieder seines Ganzen sind und zum Besten der Allgemeinheit Zusammenarbeiten müssen. Die Aufgaben einer Stadtverwaltung sind so ungemein vielseitig, daß es keine Behörde gibt, zu der sie nicht in dienstliche Beziehungen zu treten hat. In den 20 Jahren meiner Wirksamkeit als Ober- Bürgermeister war der amtliche Verkehr der Stadtverwaltung mit allen hiesigen Behörden immer in bester Weise gestaltet, und ich bin den Behörden, ihren Vorständen unb Beamten zu großem Danke verpflichtet für bereitwillige Hilfe und Förderung städtischer Interessen. Der Leiter einer Stadtverwaltung »muß einen mächtigen Bundesgenossen seiner kommunalen Ar- , beit erblicken in einer aufklärenden, pflichtbewuß- ; ten Presse. Seit einem Menschenalter habe ich die Gießener Presse beobachtet und mit Genugtuung feststellen können, daß sie, besonders in den letzten Jahren, den kommunalen Dingen in zunehmendem Maße ihre Aufmerksamkeit zugewendet hat. Ich bin der Gießener Presse für vielfache, wirksame Unterstützung lebhaft dankbar unb j hoffe, daß sie fortfahren möge, mit gerechtem, fad)- i lichem Urteil ihre hohe Aufgabe im Interesse un- I seres Gemeinwesens zu erfüllen. Nun will ich zum Schlüsse kommen, da ich den Gefühlen, die mich in dieser Abschiedsstunde beseelen, doch nicht erschöpfend Ausdruck geben kann, i Am Anfang meiner Rede habe ich ausgesprochen, i daß meine ungewöhnlich lange Amtstätigkeit mich I mit der Stadt Gießen und ihrer Bevölkerung be- I sonders innig verbunden hat und es mich daher tief I bewegt, aus meinem Amte zu scheiden. Wie kann auch ein Mann an leitender Stelle im öffentlichen Leben wirken, wenn ihm kein Vertrauen entgegengebracht wird? Ich erblicke den Grund für dieses Vertrauen hauptsächlich darin, daß ich die Menschen niemals nach ihrem Stande, ihrer Vorbildung oder anderen Verschiedenheiten beurteilt habe, sondern stets nur nach ihrem Charakter, ihrer Aufrichtigkeit und Gesinnung, ihrem F l e i ß e und Können und nach der Treue, mit der Jeder seine Pflicht erfüllt auf jedem Po st en, auch auf dem bescheidensten. ^ich /tmn aus meinem Amte nicht scheiden, ohne b'-y Pflicht vielfachen, aufrichtigen Dankes genügt zu haben, des herzlichen Dankes an alle, die guten Willens mich bei meiner amtlichen Tätigkeit unterstützt haben. So danke ich denn vor allem meinen engeren Mitarbeitern in der Verwaltung, die mit größter Pflichttreue und Sachkenntnis, sowie unermüdlichem Eifer mir zur Seite standen. Wenn ich auf die verschiedenen Stadtverordnetenversammlungen zurückblicke, die im Laufe meiner 27jährigen kommunalen Wirksamkeit im Amt waren, so muß ich mit Bedauern feststellen, daß im Kreise der Stadtverordnetenversammlung der Tod reiche Ernte gehalten und nicht weniger als 44 ihrer Mitglieder dahingeraUt hat. Nach der November-Revolution von 1918 hatte das Getriebe der politischen Parteien sich auch in unserer Stadtverordnetenversammlung geltend gemacht. Diesem Beginnen gegenüber war ich mit aller Kraft bemüht, die Tätigkeit der Stadtverordnetenversammlung auf den Boden sachlicher Arbeit zurückzuführen, was mir in zunehmendem Maße auch gelungen ist. Es ist eine in Hessen und außerhalb Hessens allgemein bekannte Tatsache, daß der nunmehr glücklich überwundene Parteienwettstreit in der Gießener Stadtverordnetenversammlung nicht den Einfluß ausgeübt hat, wie in anderen Städten. Das gilt ganz besonders auf dem Gebiete des Finanzwesens, dem Prüfstein, nicht nur — wie ich vorhin sagte — einer Stadtverwaltung, sondern auch jeder Stadtverordnetenversammlung. Mit dankbarer Genugtuung kann ich aussprechen, daß die Stadtverordnetenversammlung mir im wesentlichen gefolgt ist bei meinem Bemühen, durch die schwere Kriegszeit und die noch Aber — ich muh es bekennen — in den herben Schmerz dieser Abschiedsstunde fällt auch ein Sonnenstrahl heller Freude, der Freude, daß mir vergönnt war, so lange Zeit an der Spitze meiner lieben Stadt Gießen zu stehen. Gießen ist eine schöne Stadt. Umgeben vorn herrlichen deutschen Wald, dessen würziger Duft den Bürgern Erholung für Körper und Seele gewährt, in unmittelbarer Nähe emporragend tausendjährige Burgen, der Kern der Stadt umgürtet mit der Pracht grüner Anlagen, traulich enge, alte Gassen und neuzeitliche breite Straßen: diesem reizvollen, bunten Bild kann sich niemand entziehen. Und in dieser Stadt eine Bürgerschaft von hingehendem Glauben an das Gemeinwesen, von vaterländischer Gesinnung, eine Bürgerschaft von erprobtem Gemeinsinn, mit regem Bürgerfleiße eifrig bemüht, mitzuarbeiten an dem Ausbau des neuen Reiches zu neuer Kraft und zu neuer Größe. Möge in wahrer Volksgemeinschaft der Geist der einen, unteilbaren Bürgerschaft fort unb fort alle Herzen bewegen! Nur dann kann Großes geschaffen werden. Gott schütze, Gott erhalte die Stabt Gießen unb schenke ihr unb ihren Bürgern Glück, Wohlfahrt unb Gedeihen bis in die fernsten Zeiten! So gelten für alle Zukunft meine herzlichen Segenswünsche der Stadt Gießen, der Stadt, der die Arbeit meines Lebens gewidmet war, der zu dienen mir Ehre und Freude war, deren Ehrenbürger zu sein, mich mit Stolz erfüllt. Deutsche Volksgenossen, liebe Mitbürger! Die letzten Worte, die ich in amtlicher Eigenschaft in diesem Saale spreche, seien geweiht der Stadt Gießen unb bem deutschen Vater lande. Ich bitte Sie, sich zu erheben und mit mir einzustimmen in den Ruf: Die Stadt Gießen und das deutsche Vaterland, Herr Reichspräsident von Hindenburg unb Herr Volkskanzler Adolf Hitler: Sieg-Heil! Ergriffen von dem Inhalt der Stunde, aber auch begeistert von der Liebe zur engsten Heimat, zum Vaterland und seinen Führern stimmte die Versammlung in die dreimaligen Sieg-Heil-Rufe ein Mrd sang anschließend gemeinsam den ersten Vers Ns Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes. Damit fand die denkwürdige Stunde des Abschieds von dem langjährigen Leiter unserer Stadtverwaltung ihren Abschluß. Oberbürgermeister Dr. Keller drückte dann noch vielen Teilnehmern dieser Feier persönlich die Hand zum Abschiedsgruß, während die Menge den Saal nur Langsam verließ. Aus Der Provinzialhauptstadt. Rektor Georg Kling f. In der letzten Nacht ist nach kurzer schwerer Krankheit Rektor Georg Kling von hier, der zuletzt als Schulmann die Leitung der Pestalozzi- fchule innehatte, im 62. Lebensjahre verstorben. Der Heimgegangene ist besonders als Turnerführer und als Stadtratsmitglied der früheren Stadt- verordneten-Verfammlung hervorgetreten, lieber seine Person und sein Wirken werden wir noch berichten. Rundfunkübertragung der Rede des Führers im Stadttheater. Am Mittwoch, 21. März, spricht der Dolkskanzler Adolf Hitler von der Baustelle der Reichsautobahn, München-Landgrenze und teilt feine Pläne für das Jahr 1934 auf dem Gebiete der Arbeitsbefchaf- fung und Wirtschaftsbelebung mit; zuvor wird Reichsminister Dr. Goebbels von der Baustelle aus zur deutschen Arbeiterschaft sprechen. Alle deutschen Sender werden diese gewaltige Arbeitsproklamation übertragen. Um allen Volksgenossen, die nicht im Besitze eines Rundfunkgeräts find, oder aus sonstigen Gründen keine Möglichkeit haben, dieser einzigartigen Kundgebung beiwohnen zu können, die Möglichkeit zu bieten, den Worten und Plänen des Führers zu lauschen, hat die Intendanz für diese Kundgebung das S ta d t t h e a t e r kostenlos zur Verfügung gestellt. Es werden daher ab Dienstag, 20. März, bis Mittwoch, 21. März, 10.45 Uhr, während der Kassenstunden unentgeltlich Karten ausgegeben, die zur Teilnahme an der Kundgebung berechtigen. Aus Anlaß der Kundgebung des Reichskanzlers Adolf Hitler bleibt die Theaterkasse ab 10.45 Uhr, während der Dauer der Kundgebung, geschlossen. llebertragung auch auf den Pferdemarktplatz. Am Mittwoch, 21. März, gelegentlich des Pferdemarktes wird die Rede des Führers auf dem Pferdemarktplatz durch Lautsprecheranlage übertragen werden. Sprechzeit der städtischen Büros am Mittwoch. Wegen der Uebertragung der Kundgebung der Reichsregierung find am Mittwoch, 21. März, sämtliche Büros der städtischen Dienststellen in der Zeit von 10.30 bis 12 Uhr geschlossen. Aus dem gleichen Grunde fällt auch die für Mittwoch vorgesehene Sprechstunde des Beigeordneten Bartholomäus aus. Spätere zweite Briefbestellung. Die zweite Ortsbriefzustellung wird wegen der Ansprache des Führers am 21. März zwischen 10.45 bis 12 Uhr an diesem Tage auf eine Stunde später gelegt. Eiersammlung der Ortsgruppe Gießen-Mitte. Am heutigen Dienstag, ab 14 Uhr, findet im Gebiet der Ortsgruppe Gießen-Mitte die Eiersammlung durch die NS.-Frauenschaft statt. Es wird gebeten, die Eier eingewickelt bereit zu legen, sie werden im Hause abgeholt. Ortsgruppe Gießen-Mitte. S ch e l h o r n. RS.-Bolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Rord. Heute Dienstag, 20. März, findet ab 9 Uhr im Gebiet derOrtsgruppe Gießen-Norddie E i e r f a m m l u n g für Ostern statt. Jede Familie wird gebeten, pro Kopf ihrer Angehörigen mindestens ein Ei für die Bedürftigen zu stiften. Die Eier sind in Papier einzuwickeln und bereit zu halten. Sie werden im Hause abgeholt. Heil Hitler! Gez.: Jäckel, stellv. Ortsgruppenwalter. Führerwechsel imLandesverband Hessen des Sparerbundes. Vom Sparerbund, Ortsgruppe Gießen, wird uns mitgeteilt: Bei der am vergangenen Sonntag abgehaltenen Hauptversammlung des Sparerbundes, Landesverband Hessen, wurde der frühere Ministerpräsident von Hessen, Pg. Professor Dr. Werner (Darmstadt) einstimmig zum Führer des hessischen Landesverbandes gewählt. Er nahm die Wahl an. Gietzener Wochenmarktpreise. * Gießen, 20. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 Mark, Kochbutter 1,10 bis 1,15, Matte 20 bis 25 Pfennig, Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 9, Wirsing (gelb), das Pfund 18 bis 20, (grün) 25, Weißkraut 12, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 12, Rote Rüben 10, Spinat 25, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 35, Feldsalat 100 bis 120, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 45, Schwarzwurzeln 25, Kartoffeln, das Pfund 3 bis 3V2 Pf., der Zentner 2,80 bis 3 Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 25 Pf., Birnen 12 bis 20, Suppenhühner 75, Blumenkohl, das Stück 35 bis 80, Salat 25, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Radieschen, das Bündel 20 Pf. Bornotizen. — Tageskalender fürDienstag. Staüt- theater Gießen, 20 bis 23 Uhr: „Der verlorene Walzer". — VWA., 20.15 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums, Ludwigftraße 11: Musikalische Frühlingsfeier. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr: Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mein Liebster ist ein Jägersmann". — D i e Handwerkskammer-Reben- stelle für die Provinz Oberhessen weist im heutigen Anzeigenteil auf eine gemeinsame Jnnungs- Pflichtversammlung hin, die am morgigen Mittwoch- abend im Cafe Levb stattfindet. (Siehe heute Bekanntmachung.) * ** Personalie. Mit Wirkung vom 10. März wurde Dipl.-Kchlfmann Dipl.-Handelslehrer Dr. Kruse durch die Industrie- und Handelskammer mit der ehrenamtlichen Leitung der hiesigen öffentlichen Handels-Lehranstalt betraut. Der neue Leiter Schützt die Erwerbslosen! Opfert im Monat März für das Winterhilfswerk! betrachtet es als seine wichtigste Aufgabe, enge Verbindung und herzliches Einvernehmen mit der kaufmännischen Praxis zu pflegen. ** „Reichspostdirektion statt Ober- p o st d i r e k t i o n. Vom 1. April d. I. an führen die Oberpostdirektionen die Bezeichnung „Reichspostdirektion". Vom gleichen Tage an erhalten die Oberpostdirektoren die Amtsbezeichnung „Oberpostrat" und die Post- und Telegraphendirektoren die Amtsbezeichnung „Postrat". ** D e n Verletzungen erlegen. Der vor einigen Tagen in die Chirurgische Klinik eingelieferte Bergmann Hugo Zimmermann von Höhen, der in einem Bergwerk seiner engeren Heimat schwer verunglückte, ist gestern den erlittenen schweren inneren Verletzungen erlegen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Mittwoch, den 21. März. Klein-Linden. 20 Uhr: Passionsandacht. — Treis an der Lumda. 20: Frauenverein. — Lich. 20: Passionsandacht. Donnerstag, den 22. März. Treis an der Lumda. 20 Uhr: Bibelstunde. Fischerhof! Heute 01517 Metzelsuppe «intel Herr Rektor Georg Kling im 62. Lebensjahre. Lederol-Mantel der praktische Strapazier- \der praktische Strapazier- mantel in allen Q 7K gangbaren Farben vb I u Gießen, den 19. März 1934. Beileidsbesuche dankend verbeten. 1701 D ! große Mode Farben: Zeppelin, lind und bleu, 40 KO eh ______ 10. JU sehr- jugendlich CARLJSlowACK GIESSEN SELTERSWEG 81 Obstzüchter 01513 Alten-Buscck (Gietzen-Land). und zu fördern. Preiswertes Osterangebot 1628 D Reichsverband der Neuhausbesitzer und Eigenheim- I. A: Sprengel. 1696 0 Siedler, Landesverband Hessen. 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März, abends 8 Uhr, findet von dem Reichsverband deutscher Neuhausbesitzer im Saale des »Hotels Hindenburg«, Seltersweg 68, eine Gründungs-Versammlung statt, zu der alle Neuhausbesitzer von Gießen und Umgebung hiermit eingeladen werden. Ueber Zweck und Ziele des seit 1932 bestehenden Reichsverbandes spricht Herr Rechtsanwalt Dr. Neuschäffer, Darmstadt. Der Reichsverband ist eine soziale Einrichtung und die einzige Organisation dieser Art>dje von der Reichsregierung anerkannt ist. Es ist deshalb Pflicht efi&ä jeden Neuhausbesitzers, nicht nur zu dieser Versammlung zu erscheinen, sondern die Aufbauarbeit am deutschen Neugrundbesitz durch Mitgliedschaft zu stärken Kennen Sie flüssiges Obst? Apselsiißmost garantiert naturrein, alkoholfrei, unvergorenes Gesundheitsgetränk für Jung und Alt. Probe gratis. - Postkarte genügt. H. Gruber & Sohn Am Sonntafffrüh starb nach langem, schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Martha Göbel im 53. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl (xöbel, Lokomotivführer. Gießen (Schützenstraße 5), Leipzig, den 20. März 1934. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 21. März, nachmittags 2.30 Uhr, aut dem Neuen Friedhof statt 01511 MIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIR | Zur bevorstehenden Aussaat | = empfiehlt Gemüse- und Blumen-Sämereien, E = Kleesaaten (seidefrei), Runkelrüben-, Gras- = .7= und Feldsamen jeglicher Art = L: sowie auf größte Leistungsfähigkeit gezüch- = tetes Saat-Getreide = | Samenhaus Hesemann, Gießen f Spezialhaus Frdr.Teipel 16 Markt 16 Beachten Sie bitte mein Spezial-Fenster Markt 16 Gesellenprüfung Anmeldungen für die gesetzliche Gesellenprüfung für das Müller« Handwerk werden bis spätestens am 30. März 1934 durch den In« nungsführer Müllermeister Kav Vogt II. Hungen entgegengenonv men. leasD Gießen, den 19. März 1934. Müller Zwangs JnnungKr.Gietz. gez. Karl Vogtll., Jnnungsführer EGeEGe Mittwoch und Donnerstag eintreffend: oms la Kabeljau o. K. und feinster Seelachs o.K., Pfd. v.22H an fr. Schellfische o.K. Pfund von ........30 an Bratschellsische, grüne Heringe Goldbarsch o.K. . .Pfund 30ö Filets... Pfund 42 und 60 -) Wiest* Lichtspiele Dienstag,den 20.,Mittwoch, den2L, Donnerstag, d. 22. März, abds. 8.30 der Großfilm: Wilhelm Teil Dazu erstklass. Beiprogramm u. Tonwoche Günstig.Straßenbahnverbindung Eintrittspreise: ab 60 Pf. oiwe Mittwoch, den 21. März, nachm. 2 tthr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Znm Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 2 Weitzzeugschränke, 1 Kleiderschrank, 1 Kassenschrank, 1 Kon- solschrank, 1 Vertiko, 1 Büfett, 1 Flügel, 2 Schreibtische, 3 Sofas, 1 Trumeauspiegel, 1 Regulator, 1 Warenregal, 1 Ladentheke, eine Lederwalze, 1 Schreibmaschine, 1 Nähmaschine, 1 große Partie Bücher, 1 Dezimalwaage, 1 Feuer- löschnvvarat, 1 Oelsparapparat, 1 eintür. Schrank, verschied. Neste Farbe, 40 Lackkannen. 2.Bestimmt: Nachmittags 5Ubr an Ort und Stelle, Zusammenkunft der Steigerer, Wiesecker- Weg 42. 1 Schreibmaschine, eine Brutmaschine, 1 Häckselmaschine, 2 Schrotmühlen, 1 Oekonomie- wagen, 1 Kreissäge mit Holzbock, 1 Motor mit Anlasser und Transmission mit 4 Riemen, 17 Mist- beetfenster. i604d Junker, Gerichtsvollzieh., Gießen Wiesecker Weg 16 Telefon 3383. Bücher von den Wundern der Kleinwelt Belauschtes Leben. Kleine Kreatur in Wasser, Busch und Halm von K. O. 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Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teilnahme, die uns beim Heimgange unserer lieben, unvergeßlichen Entschlafenen Frau Elisabeth Engel, geb. Kirbach zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Friedrich Engel Postassistent i. R, im Namen aller Hinterbliebenen Gießen, im März 1934. Mittwoch, den 21. März, nachmittags ab 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg28, freiwill.: Büfetts, Kredenz, 6 LedeEhle, Tische, Kleiderschränke, Waschtische, 1 18teiliges Etzserviece, 1 Badeeinricht., 1 Weinschrank, 1 Teppich, 1 Wickelkommode, Damen - Schreibtische, Sessel, Diplomat-Schreibtische. Suche Schreibmaschin. u. Kassenschränke. Versteigerung bestimmt. i60?c £. Hartmeh Auktionator und Taxator Neuenweg 18 und 28. [bl