184. Jahrgang Gies;ener Anzeiger nr. 217 «t«es Blatt 184. Zahrgang Montag, 17. September 1934 V-rKLLS AÄiAMAMAl« 1|U4A4AA4I EÄffiÄSS Heimat rm Bild Die Scholle ffl MB H M M X H B H ▼ B ■ Wgg y JTgg jHv Grundpreise für 1 mm höh» Monatr-Vezugspreir: »WWW ■/ BX H ■ BX H H ■ H .mÄK EIA WWW ^O" W für Anzeigen von 22 mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 H V W W Bk W HH W W HT W Z I II W Mf WWW Hr W Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 W H® „ M W W M m< . W M W Wk. W anzeigen von 70 mm Breite Zustellgebühr.. , -.25 W V ■ W W W WWW W dM HW" W" 60 Rpf.,Platzvorschrift oder Auch bei Nichterscheinen M 9 ~ ~ ~ schwieriger Satz 25°/0 mehr von einzelnen Nummern JV> WM infolge höherer Eewaü XF Ermäßigte Grundpreise! MZM General-Anzeiger für Oberhessen Z^W Lranlsurt am Main 11636 Druck und Verlag: vrühl'sche Universitatrvuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. 5chriftlertung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Mengenabsch^üsE^ Faschistischer Imperialismus. Äon unserem Es.-Äerichieistatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rom, September 1934. In seiner Rede, die Mussolini nach Abschluß der großen Manöver in Anwesenheit zahlreicher aus- länoycyer Militärattaches vor 3000 Generalstäblern uno Ossizieren, Ministern und hohen Würdenträgern der Partei hielt, hat der Luce nicht nur den Smeg als staatspolmsch wertvollsten und fast unentbehrlichen Fattor der Völkererziehung bezeichnet, sondern aus die drohende Gefahr eines erneuten Zusammenpralls der europäischen 91 a = t i onen hingewiesen. Ohne diese pathetische Philippika und den Anlaß, aus dem sie entstanden ist, überschätzen zu wollen, bedeutet diese Ansprache doch eine (tiefte, an der das Ausland um so weniger vorübergehen kann, als gerade in letzter Zeit die verschiedenen politischen Spannungen eine Lage her-« oorgerufen haben, die durch solche suggestiv-düsteren Prophezeiungen unheilvoll beeinträchtigt werden muß. Ganz abgesehen von dieser höchst unerfreulichen Nebenwirkung aber schärft sie den Llick des unvoreingenommenen Beobachters für die Mentalität, aus der heraus ein solches gefährliches Spiel mit Worten über den Krieg überhaupt möglich ist. Dies um jo mehr, als die Aeußerungen aus dem Munde eines Mannes kommen, mit dessen Namen untrennbar eine Bewegung verknüpft ist, die allzu laut und überschwenglich Anspruch darauf erhebt, der neuzeitlichen Wandlung der Auffassung vom Staat und s einen Funktionen am instinktsichersten Rechnung zu tragen. Der italienische Faschismus hat im Laufe der Zeit, eitdem die Idee auf der Appenin-Halbinfel sich durchgesetzt hat, die verschiedensten Wandlungen erfahren. Der revolutionäre Ueberschwang der Gründer- und Anfangsjahre ist langsam einer evolu- : ionären Anpassung an die realen Verhältnisse gewichen; nicht zu verwirklichende Dogmen wurden jiallen gelassen. Auch an innerpolitischen Kompromissen hat es nicht gefehlt. Seinen i m p e r i a l i st i- chen Grundcharakter jedoch hat der Faschismus nie verleugnen können, obschon man ieraöe diesen Hauptwefenszug aus außenpolitischen 'Rücksichten heraus meistens bestritt oder zum rninde- jtcn nicht zu stark in Erscheinung treten ließ. Bei der Eroberung der Macht spielte indessen vor . Wem die Betonung des imperialistischen Gedankens : ie Hauptrolle. Mussolini hatte als genauer Kenner er Psychologie seines Volkes die werbende Kraft gerade dieser Idee klar erkannt. In [len seinen Reden bildet der Begriff des Imperialismus gewissermaßen die Basis, auf der das olze Gebäude des faschistischen Reiches nach seinem Willen sich aufbauen soll. Der Anhängerschar wurde jsden Tag aufs neue eingehämmert, daß sie die i Er b e n des großen römischen Jrnpe- i i u m s seien und als solche an die beste Tradition ; her Vorfahren anzuknüpfen hätten. Als Propheten tiefer heiligen Mission durchzogen die Schwarzhem- hen das Land von Bozen bis Palermo, um jenen i Weckruf weiterzutragen. An der Leuchtkraft der geschichtlichen Vergangenheit entzündete sich nicht zu- !> tzt die Begeisterung für den Duce. In i»m sahen die breiten Massen den Wiedererwecker j nes Roms, das seine Legionen bis in die fernsten l.ande entsandte, um sie dem eigenen Reich anzu- (Ziebern. Diese Parallele, möchte sie auch noch so gewollt imb künst'ich fein unb in krassestem Wiberspruch zu ter wirklichen Bebeutung des heutigen Italien sshen, hat zu einem Vergangenheitskult erfuhrt, ber oft bie Grenzen ber Heiterkeit erreichte, liie gewaltigen Ruinen bes Colosseums bilbefen unb bllben ben Rahmen, in bem sich bie enblosen Kund- g-bungen abspielen, unb bas Forum mit seinen ülarmortrümmern als ewigen steinernen Zeugen o. rfunEener Cäsarenherrlichkeit wirb an nationalen uib Volksfesten mit bengalischem Licht in ben Far- b n ber italienischen Trikolore kitschig überstrahlt. Tiie Jahrhunderte politischer Ohnmacht unb innerer Zerrissenheit werben in phantastischem Schwung enfach übersprungen. Der Faschismus, ber für sich ehe neue Zeitrechnung schuf unb als sichtbaren Ausdruck bafür mit bem „Jahr 1" feine Macht be- g nn, knüpft birett an bie Antike an. Die jZwischenzeit ist ihm nur vom künstlerischen Stand- p. nkt aus wertvoll. Dante, Raffael unb Michel- ] ar.gelo werben zwar auch als Kronzeugen ber geisti- gim Vollenbung unb Reife ins Feld geführt, aber feü politische Schöpferkraft soll ber Nation aus ben T-öberfelbern von Pompeji, Herkulaneum unb PUstum erwachsen. Wesentlich schwerer als diese gedankliche Wieder- tTroertung der Vergangenheit war es allerdings, bie paktische Politik auch entsprechenb abzustellen. Rolle, bie Italien im Weltkrieg gespielt hat, vir zubem nicht gerabe geeignet, das angeblich erröte Heroentum glaubhaft erscheinen zu lassen. Jn- fogebeffen mußte biefe Zeit einen neuen Stempel iroaüen. Aus bem Eintritt Italiens in ben fiiejtfrieg, ber mit ber Breisgabe eines langte rigen Bünbnisses mit ben Mittelmächten unrühm- !ici erkauft worben war, würbe bank einer inten- teen unb geschickten Propaganda ber Schick- oll s t a g ber Entscheidung. Nach biefer ^llkürlichen Deutung hat bie Entente Italien Mein ben Sieg zu verbauten. Äanigsam begann Mussolini bann, mit diploma- schen Mitteln zunächst bie Einflußsphäre (ies Lanbes zu erweitern. Der Begriff bes „mare trum“ würbe zur Stützung bes angeblichen An- uchs auf bie Vormachtstellung im Mitmeer bem römischen Wortschatz entnommen, ie allerdings dabei auf übertriebene Gegenliebe' ».smbers bei Frankreich, zu stoßen, bas dem neuen ^rialistischen Expansionsdrang des ftüheren Bun- Sieht England vor einer Umbildung des Kabinetts? Die Forderung nach konstruktiver Arbeitslosenpolitik durch Straßenbau wird nun auch in England laut. — Die Ultrakonservativen fordern Schutzzölle und erhöhte Mehrausgaben. Mcdonald in der Zwickmühle. London, 17. Sepl. (DRV. - Funkspruch.) Der politische Mitarbeiter des „Daily Herold" schreibt: In der nächsten Woche wird eine Sondersitzung bes Kabinetts abgehalten werden, auf der die Frage der Arbeitslosigkeit unb besonders die Berichte der Sonderkommissare für bie notleidenden Gebiete geprüft werden sollen. Am Donnerstag wird Baldwin aus Aix les Vains in London eintreffen und als stellvertretender Ministerpräsident die vorliegenden Berichte zur Kenntnis nehmen. Rach der Rückkehr TNocdonalds Ende des Monats wird auch die Frage einer möglichen Umbildung der Regierung wieder in den Vordergrund rücken. Macdonald hat zwei einander entgegengesetzte Strömungen vor sich. Die „nationalen“ Unterhausmitglieder aus den industriellen Wahlkreisen und die Vertreter der notleidenden Bezirke verlangen eine großzügige Politik nationaler Entwicklung und Ausdehnung. Dieser Richtung gehören nicht nur persönliche Anhänger Macdonalds an, wie Kenneth £ i n b- s a y und £ord de la Warr, der Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, sondern auch viele jüngere Konservative, die eine Katastrophe voraussehen, wenn es keine konstruktive A r - beitslosenpolitik gibt. Sie werden auch von dem Verkehrsminister höre - Belisha, dem wirklichen Führer der sogenamiten Liberalen unterstützt, der sich bereits für die Anlage und den Ausbau von Straßen und Wegen eingesetzt hat. Macdonald ist in einer besonders schwierigen Lage, da er sich wiederholt gegen umfangreiche öffentliche Arbeiten ausgesprochen hat. Allerdings könnte er sich im Rotfalle auf veränderte Umstände berufen, um eine Aenderung seiner eigenen Politik zu begründen. Der erwähnten Richtung etwas entgegengesetzt ist der Teil der Konservativen, der für den Ausbau des Schuhzolltarifsystems, für eine große Vermehrung der Wehrausgaben und für soziale Reformen auf den übrigen Gebieten ist. Der Führer dieser Gruppe ist der Kriegsminister Lord h a i l s h a m. Bedeutung wird die Haltung des Schahkanzlers Reville Chamberlain haben, der sich noch nicht f e st g e - legt hat, aber wahrscheinlich in seiner Eigenschaft als Schahkanzler der Politik, die eine Erhöhung der Ausgaben mit sich bringen würde, entgegentreten wird. Baldwin wird m i t Macdonald zusammen stehen oder f a l - l e n. Vielleicht wird Macdonald schließlich doch genötigt sein, die bisherige Politik fortzusehen. 3n diesem Falle könnten die Aenderungen dieser Zusammensetzung des Kabinetts nur von geringerer Bedeutung fein. Deu fch-engbfche Wir fthastsverhandkungen. London, 15. Sept. (DNB.) Amtlich wird gemeldet: Die britische und die deutsche Regierung haben vereinbart, daß eine Abordnung, die von Frederick Sir Leith-Roß, bem Hauptwirtschaftsberater ber englischen Regierung, geführt wirb, sofort nach Berlin abreist, um Verhanblungen über bie wirtschaftlichen unb finanziellen Beziehungen ber beiben Länber Zu beginnen, bie burch bie neuen beutschen Maßnahmen ber Einfuhrkontrolle unb der Verfügung über Auslandsdevisen berührt werden. * Das DNB. erfährt hierzu, daß die Verhandlungen voraussichtlich am nächsten Mittwoch in Berlin beginnen werden. An der obigen englischen Meldung ist im übrigen ein Punkt richtigzustellen. Es ist dort von einer neuen Politik der Einfuhrkontrolle die Rede. Die neuen deutschen Maßnahmen haben mit Einfuhrkontrolle nichts zu tun. Die Einfuhr bleibt an sich unberührt. Durch die neuen deutschen Maßnahmen wird nur das jetzige System der nachträglichen Devisenrepartierung durch ein System der vorherigen Devisenzuteilung ersetzt. Die Jmpor« teure werden dadurch in die Lage gesetzt, vor der Einfuhr zu wissen, ob sie auf Devisenzutei« lung rechnen können oder nicht. Durch diese Neuregelung soll gerade den Beschwerden des Aus» landes, besonders Englands, vorgebeugt werden, daß Deutschland Waren einführe, die aber infolge Devisenmangels nicht bezahlt werden könnten. Barchous Nomreise wird vorbereitet. Die französisch-italienischen Kolonialfragen. — Das Schicksal der Abrüstungskonferenz. Paris, 17. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das „Echo de Paris" behandelt die Aussichten für die Romreise, die Barthou in der zweiten Oktoberhälfte beabsichtigt. Die Reise, so sagt das Blatt, werde schon durch Verhandlungen zwischen dem italienischen Unterstaatssekretär Suvich und dem französischen Botschafter in Rom vorbereitet, lieber die Grenzziehung in Lybien wünsche Italien nicht nur eine Grenzberichtigung, sondern einen Weg zum Tschadsee, also bis zum Herzen des französischen Kolonialreiches in West- und Aequato- rialafrika. Außerdem wünsche Italien den N a t io* nalitätenschutz für die in Tunis ansässigen rund 100 000 Italiener. In Frankreich erfolge die Eingliederung der Zuwanderer mit der dritten Generation. In Tunis dürften die Einwanderer aus Malta ihre Staatszugehörigkeit bis in die vierte Generation behalten. Aber selbst eine solche Vergünstigung für bie Italiener in Tunis würde Rom nicht genügen. „News Chronicle" schreibt u. a.: Barthou werde bei einem Besuche in Rom weniger bereit fein, auf Mussolinis Argumente zugunsten der R ü- sl u n g s g l e i ch h e i t zu hören als vielmehr auf die Notwendigkeit Hinweisen, ein 2Iu f r üfte n Deutschlands durch energische Maßnahmen zu verhindern. Bei seiner Rückkehr aus Rom nach Paris werde Barthou mit Henderson die Zukunft der Abrüstungskonferenz besprechen. Wahrscheinlich werde bei den obwaltenden Umständen eine Einberufung des Büros im November kaum einen Zweck haben. Die Franzosen verhehlten nicht ihren Wunsch, sich des Präsidenten der Abrüstungskonferenz zu entledigen, der mit solcher Entschiedenheit eine wirkliche Abrüstungsverminderung durchsetzen will. Höchstwahrscheinlich werde die französische Abordnung dafür eintreten, die ganze Abrüstungskonferenz z u beenden und die weitere Behandlung der Sache dem Völkerbundsrat zu überlassen, dem Henderson nicht angehört. DleEinladunganSowjeirußtanö Oie notwendige Zweidrittelmehrheit nur knapp erreicht. Genf, 15. Sept. (DNB.) Ueber eine geheime Tagung des Völkerbundsrats am Stamstagabend wird folgende Verlautbarung ausgegeben: Der Völkerbundsrats ist heute abend in Gegenwart des Präsidenten der Versammlung Sandle r zu einer geheimen Sitzung zusammengetreten. Sandler hat dem Ratspräsidenten B e n e s ch den Text von zwei Schriftstücken übergeben. 1. Eine Einladung, die von einer gewissen Zahl von Abordnungen der Versammlung unterzeichnet ist, und in der Sowjetrußland gebeten wird, in den Völkerbund einzutreten. v 2. Die Antwort der sowjetrussischen Regierung auf diese Einladung, in der der Wunsch dieser Regierung ausgedrückt wird, Mitglied des Völkerbundes zu werden. Der Völkerbundsrat hat darauf einstimmig, aber mit drei Enthaltungen (Argentinien, Panama und Portugal), die folgende E n t s ch l i e - ßung angenommen: Nachdem der Rat die Mitteilung von dem Brief erhalten hat, der durch Sowjetrußland an den Präsidenten der Vollversammlung gerichtet worden ist, und der den Eintritt dieses Staates in den Völkerbund betrifft, bezeichnet er in Ausübung der Vollmachten, die er durch Artikel 4 des Völkerbundes besitzt, Sowjetrußland als ständiges Mitglied des Völkerbundsrates von dem Augenblick an, an dem feine Aufnahme in den Völkerbund durch die Vollversammlung ausgesprochen ist. Gleichzeitig empfiehlt er der Versammlung die Zustimmung zu diesem Entschluß. Ueber die Einladung an Sowjetrußland wird bekannt, daß 30 Staaten die gemeinsame Einladung unterzeichnet und vier Staaten, nämlich die skandinavischen Länder und Finnland, eine Sondereinladung an Rußland geschickt haben. Mit 34 von 51 Staaten ist nur eine knappe Zweidrittelmehrheit erreicht worden. An der Einladung an Sowjetrußland haben sich von den europäischen Staaten nicht beteiligt: Die Schweiz, Belgien, Portugal, Holland und Luxemburg. Von den mittel« und südamerikanischen Staaten haben nur Mexiko, Haiti, Uruguay und Chile die Einladung unterzeich« net. Alle anderen südamerikanischen Staaten haben sich dazu nicht entschließen können. Am Montag um 16 Uhr wird eine Vollversammlung des Völkerbundes stattfinden, in der die Ueberweisung der Angelegenheit an den 6. Ausschuß beschlossen werden soll. Moskau bricht das Schweigen. Anch die Nüssen erfahren den Beitritt ihrer Regierung zum Völkerbund. Moskau, 17. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Erst am Sonntag erfuhr die Bevölkerung der Sowjetunion aus der Presse die Nachricht über den Beitritt der Regierung der Sowjetunion zum Völkerbund. Die gesamte sowjetrussische Presse veröffentlicht nämlich eine Mitteilung, die die vom 9. bis 15. September geführten Verhandlungen über den Beitritt Sowjetrußlands zum Völkerbund schilderte. Es wird darin erklärt, daß der Beitritt zum Völkerbund nur durch den Wunsch der 30 Mächte veranlaßt worden sei, die Sowjetunion bei der gemeinsamen Förderung des Friedens als Partner zu haben. Zum Schluß wird betont, der Eintritt in den Völkerbund fei besonders in dem Augenblick zu begrüßen, wo der Briand-Kelloggpakt zur Sprache kommen werde, in dem ja der Krieg für ungesetzlich erklärt wird. desgenossen sofort nach Kriegsende klar und bestimmt entgegentrat. An dem Widerstand von Paris sind bisher alle Versuche Roms gescheitert, sich geographisch weiter zu tasten und z. B. die Frage der Neuregelung der Deutschland entrissenen Mandatsgebiete erfolgreich aufzuwerfen oder überhaupt in großem Stil das Kolonialproblem aufzurollen. Ungeachtet aller Rückschläge der Politik des Palazzo Venezia aber, die in der Hauptsache darin besteht, sich zwischen die politischen Fronten zu schieben, die Gegensätze der Kabinette im eigensten Interesse zu nutzen, hält Mussolini an feinen imperialistischen Plänen fest. Mit zäher Rücksichtslosigkeit wird jede sich nur bietende Gelegenheit benutzt, um an Boden zu gewinnen. Die inneren Wirren in Oesterreich sind ein willkommener Anlaß, sofort eine ganze Grenzdioifion in feldmarschmäßiger Ausrüstung in Bewegung zu setzen, um den angeblich gefährdeten Frieden Europas zu schützen, der durch olche überflüssige Demonstrationen sicherlich nicht gefestigt wird. Der von Italien besonders leiden- chaftlich vertretene Grundsatz, daß kein Staat das Hecht habe, sich in die inneren Angelegenheiten eines remden Landes einzumischen, verliert in dem Augenblick für Rom feine Gültigkeit, in bem es ' lohnend erscheint, in der Beschützerrolle aufzutreten und dabei der Verwirklichung des imperialistischen Traumes auch nur einen Deut näherzukommen. Die Rechte der Minderheiten, für die Italien in Tunis fanatisch kämpft, werden in S ü d t i r o l verlacht und mit Füßen getreten, wenn es sich darum handelt, das deutschsprachige Element methodisch auszumerzen. Man führt den Frieden im Munde, aber man verherrlicht den Krieg als physischen und seelischen Jungbronnen. Man verdächtigt den Nationalsozialismus martialischer Gelüste, aber das eigene Tun und Handeln wird diktiert vom imperialistischen Trieb, der als sacro egoismo die Unruhe in Europa nur noch steigert. Französische Drohungen. 500000 polnische Arbeiter sollen ausgewiesen werden. Paris, 17. Sept. (DRV. Funkspruch). Die „Republigue“ veröffenllichl eine scharfe Warnung an Polen und droht mit Sanktionen, falls Warschau nicht seinen neuesten Kurs wechsle. Das Blatt nennt als erste Sanktion, die Frankreich gegen Polen ergreifen könnte, die Rücksendung der 5 0 0 0 0 0 in Frankreich beschäftigten po l n i sch e n Arbeiter, die der französischen Wirtschaft ohnehin nichts nützten, da sie a 11 e i h r c Ersparnisse nach Hause schickten. Ms weiteres Druckmittel führt das Vlatt die Kündigung des f r a n z ö si f ch - p o l n i s ch e n han^ delsvertrages an. Frankreich benötige keineswegs polnische Kohle. Britische Sorgen. Die bolschewistische Propaganda in Indien. London, 17. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Di- Londoner Blätter halten es für sicher, daß Sowjetrußland späte st ens am Mittwoch Mitglied des Völkerbundes fein wird. Di- rechtskonfervative „Corning P o ft" kritisiert in einem Leitauffatz mit Bitterkeit die Haltung ber Mächte und sagt, es fei bekannt, daß die Sowjet? macht hinter dem Terror in Indien unb in der indischen Nordwestprovinz stecke, und daß es in Moskau sogar Schulen gebe, in denen britische Untertanen ausgebildet wür- sei, dann müsse man, ganz abgesehk schen und religiösen Erwägungen, Völkerbund Gutes entstehen könne. Gutes Geschäft aus der Wbelmeffe In hielt nach Landsting-Wahlen in Schweden. Stockholm, 17. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Reichsführers des Handels Prof. Or. Earl Lüer, Er- des d i e ein- handen und konnten sich über flotten Absatz nicht beklagen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß hier vor allem aus dem Saargebiet schon rege Nachfrage vorhanden war. Man will nach der Rückgliederung die Marktfähigkeit eingehend kennengelernt und gesichert haben. Wesentlich geringer ist die Beschickung und auch der Besuch m den anderen Abteilungen der Messe. In Textilien war das Geschäft entsprechend der Gesamtlage dieser Branche ruhiger. Die Aussteller waren angesichts der Zeit mit dem Umsatz und der Besucherzahl zufrieden. Recht groß waren die Um- sätze in Berufskleidung, dagegen fehlten in Herren« und Damenkonfektion die Aussteller zumeist. Ta« schentücher, Krawatten, Plauener Spitzen fanden gute Nachfrage. Die Spielwaren -Abteilung hatte zum Sai« songeschäft für Herbst und Weihnachten schon gerüstet: die Umsätze liegen etwas höher als im vorigen Jahre. Vertreten waren Celluloid- und Stoffpuppen aus Sonneberg, reichlich sortiert in beweglichen und steifen Puppen. Aufziehfiguren, mechani- sches Spielzeug, Holzfiguren waren in gleichem Maße verlangt. Vor allem aber war der Absatz in historischen und neuzeitlichen Zinnfiguren gut Die Aufträge waren insgesamt reichlich, teilten sich aber zumeist in Kleinaufträge. Reichhaltig war die Schau in Haus- und Küchengeräten, die aus dem ganzen Reich durch Aussteller vertreten war. Hier war in erster Linie alles das vertreten, was die tägliche Arbeit der Hausfrau in der Küche, fei es beim Kochen, sei es bei der übrigen Arbeit im Hause erleichtert. Bedarf scheint in den meisten Artikeln vorhanden zu sein; die Umsätze waren am ersten Messetage zufriedenstellend. ...... v , fragen, aus w e lchein vernünftigen Grunde er hoffen könne, daß aus Sowjetrußlands Eintritt in den Grenzlandschau der rheinischen Bauern. Der Reichsbauernführer auf der Kreuznacher Ausstellung für Bauernkultur und Bauernrecht. vor femdem Volkstum, die der deutsche Nationalsozialismus hat, zum Maßstab gemacht für die Achtung, die unserem deutschen Volkstum gezollt werden muß. Es ist das Schicksal der deutschen Gesamtnation, welches die Auslandsdeut- s ch en auf ihre Posten berief. Wir wollen deshalb heute ihnen unseren Gruß entbieten und unseren Schwur: Wir kämpfen und arbeiten für euch, wir lassen nicht von euch, wir sind euch verbunden durch die Ewigkeit deutscher Ge- schicht e!" Ein Sprechchor, der unter anderem die „Mahnung" Heinrich Anackers vortrug, leitete über zu den Volkskämpfen von 3000 Berliner Schülerinnen, die besonders begeisterten Beifall fanden. 600 Mädchen zeigten anschließend ihre Künste im Fahnenschwingen. Nunmehr übermittelte Ministerialdirektor Buttmann die Grüße der Reichsregierung und besonders des Reichsinnenministers Dr. Frick. Diese Kundgebung möge dem Auslandsdeutschtum beweisen, daß wir Deutsche uns ihnen im Blut und Gei st zutief st verbunden fühlen, daß wir sie als Vorkämpferfürdeutschen Gei st, deutsche Zucht und deutsche Sitte betrachten. Adolf Hitler, der selbst aus dem Volke gekommen ist und im Volke wurzelt, sei der beste Garant dafür, daß der Gedanke an das Auslandsdeutschtum im Reiche niemals erstirbt. Dann erklang das Lied der Hitlerjugend, das zum zweiten Programmteil überleitete, bestehend aus einem großen Bewegungswettspiel „Volksdeutscher Aufbruch" unter Mitwirkung von 6000 Schülern und Schülerinnen von Volks- und höheren Schulen. Ein herrlicher Anblick als bei Beginn der Dunkelheit unter dem magischen Licht von Scheinwerfern eine Reihe großer Bewegungsbilder gezeigt wurde, die das Werden des neuen Deutschland symbolisch darstellte. Dr. Hans Steinacher. sodann die Festrede. Dr. Steinacher führte Dankesworten an die Minister Frick und Oer Mstungsskandal in LlGA Großes Interesse der amerikanischen Leffentlichkeit. Washington, 17. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Trotz der Bemühungen des Staatssekretärs Hüll, das Rüstungsverhör vor dem Untersuchungsausschuß auf rem amerikanische Dinge au beschränken und d i e Hineinziehung des Auslandes zu vermeiden, stürzt sich die Presse begierig auf die Beziehungen der hiesigen Rüstungsindustrie zu fremden Mächten und füllt die ersten Seiten mit buntscheckigen Schilderungen von internationalen Intrigen und geheimen Rüstungen, Bestechung fremder Beamten und Offiziere und aus reiner Gewinnsucht erfolgtem Verrat amerikanischer militärischer Geheimnisse an das Ausland. Senator Nye faßt die bisherigen Ergebnisse der Verhöre folgendermaßen zusammen: Private Rüstungsfirmen malen das Kriegsgespenst an die Wand, um befreundete Völker argwöhnisch vor einander zu machen und die Abrüstungsbestrebungen zunichte zu ryachen. Armee und Marine unter st ützten den Verkauf von Kriegsmaterial an fremd eMächte. Amerikanische Rüstungsfabrikanten arbeiten eng zusammen mit europäischen Kollegen. Armee und Marine haben geheime Patente zur Unterstützung von Munitionsverkäufen ans Ausland preisgegeben. Be- ftechungsgelder werden in großem Umfange gezahlt und Riesengewinne werden eingeheimst. Obst-, Weinbau, Marktregelung, Genossenschaftswesen, Industrie, Handel, Tierschau usw. geben ein eindringliches Bilid von dem frischen Leben, das im Bauerntum wieder erwachsen ist. Eine Meliorationsschau zeigt, wie man der Raumnot zu Leibe gehen und aus Oedland fruchtbares Ackergebiet schaffen kann. Landesbauernführer Der Tag des deutschen Volkstums Berliner Treuekundgebung des VDA. für die deutschen Volksgenossen im Ausland. R u st für die nachdrückliche Förderung dieses Festes u. a. aus: „Adolf Hitler hat als erster Mann der Weltgeschichte die Volkstumsrechte proklamiert und sie zum Grundgedanken der Völkerpolitik erhoben. Er hat die Achtung Berlin, 16. Sept. (DNB.) Bei prachtvollem Sonnenwetter gestaltete sich das am Sonntagnachmittag auf dem Sportplatz Eichkamp unter Mitwirkung von etwa 30 000 Jungens und Mädels durchgeführte „Fe ft der deutschen Schul e", das heute in ganz Deutschland als „T a g des deutschen Volkstums" begangen wird, zu einer eindrucksvollen Treuekundgebung für unser Auslandsdeutschtum. Unter den Ehrengästen sah man Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg, den Chef des Marinekommandos, Vizeadmiral Groos, Obergruppenführer v. I a g o w, owie zahlreiche Vertreter der Bewegung, der Reichsjugendführung und der Berliner Stadtverwaltung. Nach dem feierlichen Einmarsch der zahllosen Fahnen und Wimpel und den Brgrüßungsworten des tellvertretenden Landesführers des VDA. Brandenburg, Neumann, begannen die Darbietungen mit Gesangvorträgen eines Massenchors von 12 000 Sängern. Dann nahm der Schutzherr des Festes, Oberbürgermeister Dr. S a h m, das Wort, um zunächst die Ehrengäste zu begrüßen. Dr. Sahm schloß mit den Worten, die der Führer auf dem Tag der HI. in Nürnberg gesprochen hat: „Vor uns liegt Deutschland, in uns marschiert Deutschland und hinter uns kommt Deutschland!" Der Dundesletter des VDA. Ihr. Clh von Rübenach eröffnete die Ausstellung. Angesichts des Wahrzei- der durch eine Hollandreise am persönlichen scheinen verhindert war, durch den Direktor Frankfurter Messeamtes, Dr. Schnorr, verlesen. Der deutsche Handel sei sich dessen bewußt, daß sein gesamtes Gebiet von dem Umfang der nationalen Produktion auf der einen Seite upd der Kaufkraft und K a u f w i l l i g- keit der Konsumenten auf der anderen Seite, die sich wiederum gegenseitig bedingten, auf Gedeih und Verderben abhängig sei. Durch die heutige Neuordnung sei ein Ausgleich in der Richtung eingetreten, daß der Wettbewerb der Wirtschaft sich in den Bahnen vollziehe, die den Einzel- mitgliedern die vertretbare Existenzberechtigung biete. In der Einheit dürfe aber nicht die D e r - LPD. Frankfurt, 16. Sept. Die Frankfurter Messe wurde heute vormittag in Gegenwart zahlreicher Behördenoertreter und Vertretern der Wirt- chaftsorganisationen auf dem Frankfurter Messegelände mit einer großen Kun d g e b u n g des Rhein-Mainischen Einzelh an de l s eröffnet. Nach einer Begrüßungsansprache des Führers des Rhein-Mainischen Einzelhandels, Carl F e i ck e r t, wies der Präsident der Hauptgemeinfchast des Deutschen E nzelhandels Paul Freudemann neinung der privaten Initiative er» blickt werden, sondern die heutige Anschauung wolle ja bewußt die Besonderheiten der Arbeit im Hinblick auf das Ganze hervorheben Der Grundsatz zur Leistung führe naturnot- wendig zum F ü h r e r p r i n z i p , das sich wleder. um nur innerhalb einer straffen Organisation Gel» tung verschaffen könne. Die Zentralisation tonne sich indessen für große, weitverzweigte, mit einer Unzahl von Organen und Funktionen ausgestattete Gebilde infolge der Verschiedenartigkeit der Aufgaben, infolge der räumlichen und sachlichen Trennung, nicht bewähren. Sie müsse vielmehr zur Bürokratisierung aller Funktionen führen. Aus diesem Grunde werde sich die gesamte Nation m einzelne Wirtschaftsgebiete aufgliedern und bereits in dieser dezentralisierten Gebieten Jnteressenaus- gleichsmöglichkeiten schaffen, die jeder Entwicklung gewachsen seien. Oesterreichische Hochschullehrer in den Ruhestand verseht. Wien, 16. Sept. (DNB.) Der Bundesminister für Unterricht hat mehrere Hochschulprofessoren in den dauernden Ruhestand verhetzt. Von dieser Verfügung wurden in Wien betroffen: der Paläontologe Öthenio Abel, der Professor für altsemitische Philologie Christian, der Philosoph G o m p e r z, der Rechtslehrer Hugelmann (Prof. Hugelmann wurde nach dem 25. Juli verhaftet und befand sich längere Zeit in polizeilichem Gewahrsam) und der Professor für Geographie M a ch a t s ch e k. An der Universität Graz wurden der Rechtslehrer Pöschl, an der Universiät Innsbruck der Professor der Geographie Metz sowie der Röntgenologe S t a u - nig in den Ruhestand versetzt. getreten sei. Präsident Freudemann schloß mit dem Hinweis, daß die Zwangsorganisation des Handels eine besonders dringliche Forderung sei: sie allein könne den Einzelhandel in die Lage bringen, die großen Aufgaben, die Staat und Volk ihm teilten, zum Wohl des Volksganzen zu lösen. Nachdem der stellvertretende Geschäftsführer des Schutzvereins für Handel und Gewerbe im Saar- aebiet, Dr. H ö r n e s - Saarbrücken, gesprochen hatte, wurden die Ausführungen des Oie Anrufung des Treuhänders der Arbeit durch den Vertrauensrat. Berlin, 15. Sept. (DNB.) In manchen Kreisen der Führer der Betriebe und der Gefolgschaften scheint noch eine gewisse Unklarheit über den Weg zu bestehen, auf dem Beschwerden der Vertrauensmänner an den zuständigen Treuhänder der Arbeit bzw. seine Beauftragten heranzubringen sind. Es muß daher erneut darauf hingewiesen werden, daß Vertrauensräte sich entsprechend dem Sinn des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit u n - mittelbar ohne Einschaltung von Zwischeninstanzen an den Treuhänder zu wenden haben, ebenso wie der Treuhänder selbst auch den unmittelbaren Verkehr mit den Betrieben und Vertrauensleuten pflegt. Im einzelnen wird auf die Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 10. Marz 1934 hingewiesen, in der im Paragraph 15 die Form der Beschwerde geregelt ist. Danach ist eine Anrufung des Treuhänders der Arbeit gegen Entscheidungen des Führers des Betriebes über die Gestaltung der allgemeinen Arbeitsbedingungen, insbesondere der Betriebsordnung, erst dann zulässig, nachdem die Beschwerdepunkte vorher im Vertrau ensrat unter Leitung des Führers des Betriebes erörtert worden sind. Kann der Führer des Betriebes den Wünschen der Beschwerdeführer nicht Rechnung tragen, so hat er die Gründe, die ihn für die Aufrechterhaltung seiner Anordnung bestimmen, dem Vertrauensrat darzulegen. Er hat sodann fest zu stellen, ob die Mehrheit der anwesenden Mitglieder des Vertrauensrates die Anrufung des Treuhänders der Arbeit wünscht. Ergibt sich eine Mehrheit des Vertrauensrates für die Anrufung des Treuhänders der Arbeit, so können die Beschwerdeführer nunmehr ihre schriftlich zu begründende Beschwerde dem Führer des Betriebes einreichen, der sie binnen drei Tagen, möglichst aber unmittelbar dem Treuhänder der Arbeit weiter- z u g e b e n hat. Der Führer des Betriebes kann dabei zu den einzelnen Beschwerdepunkten von sich aus Stellung nehmen. den zu dem ausgesprochenen Zweck, das britische Reich zu zerstören. Das Blatt fragt, ob Simon irgendwelche Zusicherungen erhalten habe, daß diese Machenschaften a u s h ö r e n werden oder ob der Minister, falls er sie erhalten habe, ihnen Glauben schenke. Wenn dies nicht der Fall fei, dann müsse man, ganz abgesehen von morali- Den weitesten Raum in der Frankfurter Messe nimmt die Möbelmesse ein. Hier ist nicht nur die Beschickung außerordentlich gut, auch d i e Umsätze und der Bedarf waren am ersten Messetag in allen Zweigen Der Möbelindustrie recht gut. Die Fabrikanten müssen sogar für ihre Lieferung einige Wochen Zeit, teilweise bis zum Dezember verlangen. Bei einem Gang durch die Möbelmesse wird die Geschmackswandlung deutlich. Die Fabrikanten müssen sich dem Publikumsempfinden, das heute wieder mehr das Praktische, Wohnliche bevorzugt, anpassen. So sieht man überall reichlich Verzierungen, gemaltes Glas an den Scheiben. Bei Polstermöbeln bunte. Webarten und Ueberzüge. Ist auch die Auffassung über diese Stilwandlung vom kantigen, einfachen, zu etwas abgerundeteren rundlichen Formen mit Schnörkeln nicht ganz einheitlich, so überwiegt tatsächlich zunächst der Ansatz zu Verzierungen. Sehr reichhaltig war das Lager an Küchenmöbeln, die zumeist naturglasiert waren und weniger als Schleiflackmöbel sich zeigten. Viele neue Modelle mit der raffiniertesten, handlichsten Einrichtung sind vorhanden. Die Doppelseitentüren zeigen häufig eine Art Tresor, der zunächst die Behältnisse für Gewürze usw. oder für das Bügelbrett und dann erst dahinter den normalen Küchen- schrank in sich vereinigte. Das Geschäft in Küchenmöbeln war ausgezeichnet. Auch Herrenzimmer und Schlafzim- m e r hatten guten Absatz. Auch in diesen Abteilungen war der Uebergang zur besseren Tischlerarbeit und für Ergänzungen der Holzbildhauer unverkennbar. Neuartig waren sogenannte Stahlrohrbetten, die außer der Stahlumrandung im wesentlichen aus deutschem Holz hergestellt waren. K l e i n m ö b e l und die übrigen Fabrikate der Zulieferindustrie waren in reichlichem Umfang vorauf die Bedeutung der Frankfurter Messe für Winterversorgung hin. In den letzten einhalb Jahren habe die Gütererzeugung der gesamten deutschen Industrie eine Vermehrung von 42,5 v. H. erfahren. Im einzelnen ei das Produktionsvolumen bei den Verbrauchsgütern um 28,4 v. H. und bei den Investitionsgütern um 114 v. H. gestiegen. Diese Entwicklung sei nur zu einem geringen Teil auf das Anziehen der Preise zurückzuführen. Lediglich bei Textilrohstoffen und Agrarstoffen seien größere Preissteigerungen mit 40 v. H. bzw. 23 v. H. zu verzeichnen. Während die Erhöhung der Textilpreise eine notwendige Korrektur früherer umfangreicher Preisstürze sei, müsse man die Erhöhung der Agrar- toffpreife besonders begrüßen,weil sie in Gestalt höherer landwirtschaftlicher Kaufkraft der ganzen Volkswirtschaft wieder zugute komme. Der Umsatzverlaus des Einzelhandels lasse erkennen, daß sich die Erweiterung des deutschen Verbrauchs i n n o r - malen Bahnen bewege. So seien die Umsätze des Einzelhandels im Jahre 1933 noch etwas niedriger gewesen als im Vorjahre; erst in der ersten Hälfte 1934 fei eine allgemeine Belebung auch hier eingetreten. Die Umfatzfteigerung von 12 v.H. in der ersten Hälfte dieses Jahres sei nur zum geringen Teil durch Preissteigerungen verursacht, da der Einzelhandel in dieser Zeit als Preispuffer fungiert, also die Preissteigerung seiner Lieferanten zugunsten stabiler Verbraucherpreise aufgefangen habe. Dies habe freilich zu einer ühlbaren Kürzung der Einzelhandels- panne geführt, ohne daß indessen eine wesentliche Erleichterung von der Kostenseite her ein- Abbröckeln des Textilarbeiterstreiks in den Vereinigten Staaten. Neuyork, 17. Sept. (DNB.-Funkspruch.) In den Textilfabriken Nord- und Südtarolinas soll am heutigen Montag die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgen. In Georgia sind 4000 Mann der Nationalgarde auf über 100 Fabriken verteilt worden. Auch in Gastonia ist ein starkes Truppenaufgebot zusammengezogen. Man erwartet, daß ein großer Teil von den 170 000 Ausständischen in den Südstaaten an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Auf der Ebernburg, Sickingens ^erbera der Gerechtigkeit, fand am Sonntagabend eine gr0^ Kundgebung der westdeutschen Jung bau' e r n und Der H I. vor dem Reichsbauernsuyr statt. Mehr als 1000 Mitglieder der HI. und o Jungbauernschaft versammelten sich vor dem De mal Sickingens und Huttens. Im Lichte der Sche roerfer und der Fackeln bot die historische V" » ein märchenhaftes Bild. Don Bad Münster a. aus bildete der BDM. und die HI. Fackel^auer- Begeisterter Beifall brauste empor, als Re«y minifter Darrs erschien, der den Jungbauern d rief, die Worte Ulrichs von Hutten im Herzen d“ bewahren: „Ich habe es gewagt!" Er habe es ge wagt, Deutscher und Kämpfer ZU ! der Westen i Bleibt so jung und bewahrt euch euere • geschützt werdet keine Philister, bleibt Kämpfer. Dergetzl n , r. Der neue • daß die Geschichte mit dem Verstände nicht gem Oie Eröffnung -er frankfurter Herbstmesse Eine Kundgebung des Mein-Mainischen Einzelhandels. Schweden haben am Sonntag Wahlen zu den Landtingen stattgefunden. Wie Den vorläufigen Ergebnissen zu entnehmen ist, haben die Konservativen 275 (bisher 329) Mandate erhalten. Die Landwirtschaftliche Partei erhielt 217 (187), die Vvlkspartei 117 (138), die S o - zial demokratische Partei 503 (469), die Sozialistische Partei 15 (3) und die Kommunistische Partei 9 (6) Mandate. Das bisherige Wahlresultat ist als zugunsten der Sozialdemokraten ausgefallen. Bad Kreuznach, 15. Sept. (LPD^) Das größte landwirtschaftliche Ereignis des Westens, die riesige Grenzlandschau für Bauernkultur und Bauernrecht wurde in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste feierlich eröffnet. Auf dem Gelände der Kreuziwcher Rennbahn ist eine gewaltige Ausstellungsstadt erstanden. Auf 200000 Quadratmetern Fläche sind 1800 Aussteller unter« gebracht. In umfassender Weise werden alle Probleme des deutschen Bauern behandelt, in Lehrschauen werden alle Fragen der Agrar- eröffnete oie ziusiieuung. -uuhciiu;« v« *vuyiöu- politiE anschaulich auch für den Städter vor Augen chens der Ausstellung, der 40 Meter hohen Fichte aus geführt. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet dem Soonwald stehen wir vor der größten Land- die große Halle der Landesbauern- wirtschaftsschau des westlichen Deutschlands. Sie soll schäft Rheinland, die ganz im Dienste von als Grenzlandschau beweisen, daß der Brauchtum und Kultur steht. Daneben ist ein voll- Bauer als Grenzfeste des Dritten Rei- ständig eingerichteter Bauern- und Erbhof>ches im Vordergrund steht und daß der Westen>Bleibt errichtet inmitten einer 60-Morgen-Sisdlung. Zahl-Id urch den Bauern am besten reiche Lehr- und Sonderschauen aus allen Gebieten, I wird. Es ist eine Schau der Bauernkultur. Der neue - j Staat fordert einen neuen Menschen und auch einen neuen Bauern. Wenn man heute vom Bauern spricht, soll man an Bodenständigkeit, Rasse und Kultur denken. Neben diesen weit- anschaulichen, kulturellen und rassischen Fragen stehen die Aufgaben, die die Regierung dem Bauern gestellt hat: Größere Produktion von Futterstoffen, Deien, Eiweiß und Gefpinsterpflanzen im eigenen Lande. Die Ausstellung soll lebendig bleiben im Herzen des Bauern als leidenschaftliches Bekenntnis des rheinischen Grenzlandes und seiner Bevölkerung zum Staate Adolf Hitlers. Reichsbauernführer Darrs sprach am Sonntag auf einer großen Bauernkunö- aebung. Er erklärte u. a. er wisse, daß die deutsche Bauernpolitik von denjenigen, die ein Interesse daran hätten, das Aufbauwerk des Führers zu stören, immer wieder kritisiert werde. Kritik fei nötig, und fachliche Kritik könne auch fruchtbar fein. Wäre es aber fo schlecht, wie man es draußen im Ausland immer sagte, dann hätte in Deutschland bereits alles zusammenbrechen müssen. Daraus, daß die augenblickliche Bauernpolitik überall Erfolge aufzuweisen habe, ergebe sich, daß sie richtig sei. Heute könne Der Bauer seine Produkte zum Verkauf bringen, ohne daß die Börse die Preise diktiere. Wir hätten heute bessere Preise für den Bauern ohne wesentliche Mehrbelastung für den Verbraucher. Das sei nur möglich gewesen durch die Zurückschraubung des Zwischenhandels auf das Maß, das ihm zukomme. Damit hatten wir nicht nur für den deutschen Bauern einen Zollkrieg verhindert, sondern auch den Bauern in anderen Ländern damit genützt. Im Ausland suche man ferner die deutsche Erd* Hofgesetzgebung in ein falsches Licht zu setzen. Was habe der Bauer mit einem hreuntergewirt- ' schäfteten Hof anfangen sollen. Früher hätten wir ein artfremdes Recht gehabt, das den Begriff Bauer garnicht gekannt habe. Das Erbhofgesetz sei aber nicht entscheidend, sondern vielmehr die Tatsache, daß heute die uralte Sehnsucht des Bauern aus dem 1 Bauernkrieg Wirklichkeit geworden sei, daß der Bauer selb st und frei entscheiden könne. Der Bauer sei pin wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Weltanschauung. Ohne Bauern sei ein nationalsozialistischer Staat undenkbar. Kritiker im Ausland müßten aber auch wissen, der Bauer e r ft durch den N a t i o n a l s oz^' lismus gerettet werden konnte. Der deuW , Bauer solle stets daran denken, daß das alles nur möglich gewesen sei durch den Führer Adolf Mer- Diesem Manne Dürfe er nie Die Treue brechen. Festlicher Ausklang auf der Ebernburg wird, sondern aus dem heißen Kerzen derer, die ihr Volk lieben. Wir Deutsche gehen einen schweren Gang durch die Geschichte. Aber wir bestehen ihn, wenn wir einig sind und wenn die Jugend der getreue Paladin Adolf Hitlers bleibt. Gtaaisminister Jung 50 Jahre alt. Am 16. September beging der Hessische Staatsmini st er Philipp Wilhelm Jung seinen 50. Geburtstag. Staatsminister Jung wurde am 16. September 1884 als Sohn des Lehrers Adam Jung in Nieder-Flörsheim in Rheinhessen geboren. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule und des Gymnasiums in Worms studierte er in Heidelberg, wo er bei der Burschenschaft Frankonia aktiv war, in München und Gießen Jura. 1912 ließ er sich in Worms als Rechtsanwalt nieder. Seiner Militärpflicht kam Jung beim Feldartillerie- Regiment Nr. 30 in Rastatt nach. Den Weltkrieg hat er von 1914 bis 1918 mitgemacht. Zuletzt war er Batteriechef beim Feldartillerie-Regiment Nr. 13. Für Tapferkeit vor dem Feind erhielt er das EK. II. und I. Klaffe und die Hessische Tapferkeitsmedaille. Für die NSDAP, ist Pg. Jung schon seit langen Jahren tätig. Das erstemal wurde er 1926 in den Wormser Stadtrat gewählt. Ab Herbst 1931 ist er Mitglied d e s H e s si s ch e n Landtages gewesen. Nach der Machtübernahme war er zunächst Oberbürgermeister von Mainz. Am 15. Mai wurde er dann Staatssekretär in Hessen und am 18. September schließlich wurde er durch das Vertrauen des Führers hessischer Saatsminister. Staatsminister Jung hat sich besondere Verdienste um die in Deutschland einzig dastehenden Siedlungsarbeiten im hessischen Ried erworben. Verlängerung 0er Zinssenkung für landwirtschaftliche Hypotheken. Berlin, 15.Sept. (DNB.) Die Zinsen der landwirtschaftlichen Hypotheken und Grundschulden sind durch die Verordnung vom 27. September 1932 a u f die Dauer von zwei Jahren um 2 v. H. gesenkt. Der zweijährige Zeitraum, für den die Zinssenkung erfolgt ist, würde a m 3 0. September 1934 ab laufen. Die Reichsregierung wird jedoch die Zinssenkung für ein weiteres Jahr, nämlich bis zum 30. September 1935, verlängern. Die Zinssenkung erfolgt, ohne daß zu dem Kapitalbetrag der Forderung eine Zusatzforderung in Höhe der Zinskürzung (Zusatzhypothek) hinzutritt. Die Notwendigkeit, jetzt das Entschuldungsverfahren zu beantragen, besteht angesichts der Neuregelung für alle die Bauern und Landwirte nicht mehr, die sich damit lediglich die Fortdauer der bisherigen Zinssenkung ihrer Realschulden für die Zukunft sichern wollten, zumal im Gesetz Vorkehrung getroffen ist, daß die Schuldner sich diese Zinssenkung auch über den 30. September 1935hinaus später noch sichern können. Fahnenweihe der Hiilerjugend vor dem Münchener Mahnmal. München, 16. Sept. (DNB.) Die Reichsjugendführung benützte die Weihe von 27 Hitlsrjugendbannfahnen an der Feldherrnhalle zu München, um die Gebietsführer in München zufammenzurufen. Der Reichsjugendführer hob in seiner Ansprache den Erfolg hervor, den die Hitlerjugend in Nürnberg zu verzeichnen hatte. Er sprach dem Gebietsführer Emil Klein seinen Dank aus für die ausgezeichnete Organisation des Zeltlagers und der Stadionveranstaltung in Nürnberg. Mit besonderer Freude erwähnte er den Fußmarsch der Schlesier, die 550 Kilometer nach Nürnberg zurückgelegt hatten. Mit großer Genugtuung erwähnte der Reichsjugendführer das Hochlandlager, das 1935 für d i e gesamte deutsche Jugend durchgeführt werden soll. Das Gebiet Hochland wird im nächsten Jahre mit den Hitlerjugend-Veranstaltungen des Reichsparteitags betraut werden. Der Reichsjugendführer schloß seine Ausführungen mit dem Wunsche, daß Disziplin, Zucht, Kameradschaft und Treue zum Führer immer das Höchste seien. DiefeierlicheWeihevonrrVannfahnen durch den Reichsjugendführer war eindrucksvoll gestaltet. Im Flammenscheine der Feuerpylonen leuchteten die 27 Banner auf dem Ehrentempel. Fackelträger der HI. und des Jungvolkes umsäumten das weite Rund des Odeonplatzes. Auf der Ehrentribüne sah man u. a. Oberbürgermeister Fieh- l e r mit dem stellvertretenden Gauleiter N i p p o l d. Punkt 21 Uhr ertönte Trommelwirbel und die HI. legte unter der Führung des Gebietsführers Enül Klein einen mächtigen Lor beer kranz an den Stufen der Feldherrnhalle nieder. Neichsjugendführer Baldur v Echirach erinnerte dann an das große Erlebnis, als genau vor acht Tagen die HI. dem Führer in Nürnberg ihre Huldigung darbrachte. Wir find keine Jugendbewegung, so fuhr er dann fort, die sich zusammengefunden hat, um ein fröhliches Jungleben zu gestalten. Wir tragen ein heiliges V e r m ä ch t n i s , wir sind die junge Garde einer alten Tradition. Das heißt nicht, daß wir die alte Zeit erwecken wollen, es heißt aber, daß wir das, was in der Vergangenheit groß war, in unser Herz aufnehmen wollen. Die Männer, die am 9. November 1923 hier in ihrem Blute zusammenbrachen, oder wie der Führer und seine Getreuen lebend durch den Kugelregen schritten, geben uns ein Beispiel, das wir in dieser Stunde in unser Herz aufnehmen müssen, um dieses Führers würdig zu werden. Lernen wir aus dem düsteren Geschehen jener Tage, daß alles vergänglich ist, daß aber unvergänglich bleibt die Treue und der Glaube an das deutsche Volk. Möge diese heilige Stätte uns die Kraft geben, in Treue unseren Fahnen zu folgen. Jü diesem Geiste wollen wir die neuen Fahnen übernehmen. Ich schwöre für alle Jungens, die Hitlers Namen tragen, derFahnedieTreue zu halten. Wir geloben, das Vermächtnis unserer Toten treu zu erfüllen und keinen anderen Willen zu kennen als den des Führers und keine andere Treue als die zu ihm und zu feiner Fahne. So weihen wir die neuen Fahnen der deutschen Zukunft, indem wir sie mit dem Namen des Führers grüßen: Unsere Fahnen und unser Führer Adolf Hitler Siegheil! Unter den Klängen des Präsentiermarsches wurde Fahne um Fahne in die Mitte des Weihetempels getragen und von dem Reichsjugendführer mit dem Traditionswimpek berührt. Wie ein heiliger Schwur klang das stolze Lied: „Unsere Fahne flattert uns voran" und das Horft-Weffel-Lied in die Nacht hinaus. Dann formierten sich die Zehntaufende von HI. und Jungvolk zu dem Marsch zum Braunen H a u s, wo der Reichsjugendführer Baldur von Schirach das feierliche Treuegelöbnis feiner Jungens entgegennahm. Reichsminister Dr. Goebbels spricht zur Berliner SA. Berlin, 16. Sept. (DNB.) Am Sonntagvor- imittag fand auf dem Tempelhofer Feld ein Appell ivon Teilen der SA.-Gruppe Berlin-Brandenburg sstatt. Nach einer Ansprache des Obergruppenführers ivon I a g o w hielt Reichsminister Dr. Goebbels «eine Rede, in der er u. a. ausführte: SA.-Männer! Noch stehen wir alle unter dem tiiefen Eindruck der Nürnberger Parteitage. Unver- saeßlich ist uns allen der Augenblick, da die alte Weg- und kampferprobte nationalsozialistische SA. roor dem Führer zum Appell antrat, der sie von fieber Schuld an den unerquicklichen Vorgängen tties 30. Juni freisprach. Auf dieses Wort hatten Alle SA.-Männer gewartet, denn für sie war der Wedanke unerträglich, daß man sie mit dem Verrat am der Bewegung irgendwie in Beziehung bringen Sonnte. An den 30. Juni hatten unsere Feinde ihre großen Hoffnungen geknüpft. Sie witterten hier sine Möglichkeit, die nationalsozialistische Bewegung von innen heraus aufzurollen, sie und damit vas Reich selbst in Krisen und Schwierigkeiten zu ltürzen und unter dem Druck all ihrer Gegner die Bewegung allmählich so zu zermürben, daß der Fortbestand des nationalsozialistischen Regimes auf :»Q5 ernsteste gefährdet war. Ls ist der Treue und der Standhaftigkeit der nationalsozialistischen S2L- INänner zu verdanken, daß solche schmählichen versuche mißlingen, und auch bei diesem Vorgang hat sich das Wort bewahrheitet: Was uns nicht umbringt, das macht uns nur stärker! Es war eine Reinigungs- k u r, die wir durchgemacht haben, sie hat die schädlichen und krankhaften Säfte aus unserem Organismus a u s g e f ch i e d e n. Die SA. sieht heute w.ieder sauber und intakt vor der Oesfentlichkeit, sie ist eine manövrierfähige Formation in der Hand des Führers. Allen trügerischen Illusionen unserer Gegner hat iie geeinte Nation am 19. August ein jähes (mbe bereitet. In nie dagewesener Einigkeit und (ieschlossenheit hat sich das ganze deutsche !:olk zum Führer und damit zur national- s.-zialistischen Idee bekannt. Denn der Führer ist Sprecher und Repräsentant unserer Bewegung. Er lerEörpert die nationalsozilistische Staatsidee, die tutionalsozialistische Macht und die Verantwortung, t-s behaupte in der ganzen Kulturwelt ein Staats- cverhaupt oder ein Ministerpräsident von sich, daß 90 v. H. feines Volkes so geschlossen hinter ihm stünde! Aber selbst das genügt uns nicht. Schon am Tage nach der Wahl erging der Aufruf des Führers an das Volk, daß es nun unsere Aufgabe sein müßte, die noch fehlenden 1 0 v.H. in ihren größten Bestandteilen für den nationalsozialistischen Staat zu gewinnen. Am besten gewinnt man sie, indem man ihnen mit Liebe und Sorge entgegentritt und ihnen die Möglichkeit zum V e r st ä n d n i s für den nationalsozialistischen Staat freilegt. Richt mit Gewalt und nicht mit Terror wollen wir sie zu uns herüberzwingen, die bisher den Weg zu uns noch nicht finden konnten. Wir werden sie erobern durch unser Beispiel der Tal und durch die Auswirkungen unserer Lei stungen. Noch einmal schüttet in diesen Tagen ein beginnender Herbst seine verschwenderische Fülle über das deutsche Land aus. Aber diese Tage einer späten Sommerherrlichkeit sind gezählt und ein grauer, kalter Winter steht vor der Tür. Wir sind nicht von der Art jener früheren „Staatsmänner", die, wenn ein schwerer Winter zu erwarten stand, nichts anderes zu sagen wußten, als daß dieser Winter eben schwer würde. Wir bereiten uns auf Gefahren und Schwierigkeiten vor, und wenn der Winter hart wird, so soll er uns gewappnet finden. Schon ist die ganze Bewegung in fieberhafter Tätigkeit, um das Winterhilfswerk vorzubereiten. Wieder wie im vergangenen Jahre werden wir vor die Nation hintreten mit dem kategorischen Imperativ: Auch im kommenden Winter wird keiner hungern, keiner frier en und keiner Not zu leiden brauchen. Jede Zeit hat ihre Aufgaben, und jede Zeit hat auch ihre Männer, die die Aufgaben lösen. Nur der hat keine Aufgaben, der sich selbst von den Aufgaben der Zeit losfpricht. Er wird sehr bald vom Rhythmus der Zeit aus- geschieden, und sein schreckliches Los ist es dann, nicht mehr vor der Zeit zu marschieren sondern hinter ihr herzulaufen. Alles andere aber könnte man von unserer alten SA. erwarten, nur das nicht. komme mir niemand und frage: TBas fall ich fun? Ich könnte ihm nur antworten: Das ganze Land liegt voll von Problemen. Aufgaben gibt es zu lösen, wie sie niemals in unserer Geschichte einer Generation gestellt worden find. Und da fragst du: Was soll ich tun? Hand anlegen! Arbeiten, mithelfen, nicht resignieren, nicht müde werden! Dich einreihen in die Front der kämpfenden Bewegung, das Banner tragen, das Banner fefthalten, eine leuchtende Flamme unseres Glaubens sein, das ist deine Pflicht, das ist deine Aufgabe: So, meine Kameraden, verstehe ich Sinn und Zweck unserer SA. So haben wir ihn alle verstanden, die wir für die Bewegung kämpfend vor die Front traten. Ihr, SA.-Männer, sollt eure Aufgabe wieder an- fassen. Ihr werdet sie wie in der Vergangenheit erfüllen in Treue, Ergebenheit und unverbrüchlicher Gefolgschaft zum Führer. Mit Stolz schaut heute das ganze Land auf unsere Fahnen. Es find die Zeichen unseres Trotzes, unserer Ausdauer, unserer Arbeit und unserer Beständigkeit. Mag kommen was will, wir stehen und fechten. Keine Schwierigkeit ist groß genug, um uns zur Kapitulation zu zwingen. Keine Not wird uns in die Knie werfen, keine Sorge uns mutlos machen können. Im Kampfe find wir geworden, im Kampfe werden wir bestehen. Im Kampfe müssen wir leben bis zum letzten Atemzuge. — Dr. Goebbels schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer und Bewegung, das von den 30000 SA.-Männern donnernd aufgenommen wurde. Kunst und Wissenschaft. Naturforscher und Aerzte tagen in Hannover. Die 93. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte, zu der rund 2000 Gelehrte und Freunde der Naturwissenschaft und Heilkunde in Hannover einge- troffen sind, wurde mit einem Festakt in der Stadthalle eröffnet. Der Geschäftsführer, Professor Dr. Müller, Hannover, begrüßte die Anwesenden. Anschließend sprach der Führer der NS.-Aerzte- schaft, Dr. Wagner, der die Grüße und Wünsche der NSDAP., des Stellvertreters des Führers, H e ß, sowie der Deutschen Aerzteschaft überbrachte. Für eine deutsche Wissenschaft sei die nationalsozialistische Weltanschauung erste Voraussetzung. Auch der Gelehrte und Forscher müsse sich bei all seinem Tun und Handeln immer fragen: Geschieht es im Interesse und zum Wohle unseres Volkes? Der Nationalsozialismus lehne die in den letzten 10 Jahren immer mehr zunehmende scholastische Tendenz der Naturwissenschaften ab. Die Wissenschaft solle vielmehr ihre Theorien in ständigem Fluß der Beobachtungen den Erscheinungen selbst anzugleichen versuchen, anstatt lediglich aus Dogmen und Lehrbüchern zu schöpfen. Wir sind der Ueberzeugung, daß wir dann die Krisis der Naturwissenschaften und der Medizin überwinden werden. An dieser Aufgabe mitzuarbeiten, fei die Bitte, die er im Namen der Partei und der Reichsregierung an die Versammlung richte. Nachdem Ministerialdirektor Gütt, Berlin, die Grüße der Reichsregierung überbracht hatte, nahm der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Dr. Bosch, Heidelberg, das Wort zur Eröffnung der Tagung. Er führte u. a. aus: Die Gesellschaft in ihrer Verbundenheit mit der nationalen Eitwicklung war in den Zeiten staatlicher Zerrissenheit -ein Symbol der Zusammengehörigkeit. Der Nation kamen die Erfolge der Naturwissenschaft in erster Linie zugute infolge des universalen Charakters der Naturwissenschaft, aber auch der übrigen Welt. Der Friedenswille und die Friedenspolitik des Führers des Reiches geben uns die Möglichkeit zu dieser friedlichen Arbeit. Unsere Leistungen werden dazu beitragen, in der Welt dieser Seite des deutschen Geistes zur Anerkennung zu verhelfen. Der einsichtigen und freimütigen Förderung bea neuen Staates wird dadurch der beste Dank abgestattet. — Präsident Bosch gab dann Telegramem an den Führer und an den Bundespräsidenten Miklas bekannt. Aufruf für das Richard-Wagner-Nationaldenkmal. Der Vorstand des Richard-Wagner-Denkmal-Ver- eins in Leipzig hat einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: Nachdem unser Führer Adolf Hitler den Grundstein zum Richard-Wagner- Denkmal gelegt hat, ist die Errichtung des Denkmals eine beschlossene Sache. Das Denkmal, das am Geburtsort Richard Wagners, in Leipzig, errichtet wird, soll jedoch nicht nur ein Denkmal schlechthin sein, der Führer selbst hat es zum Richard-Wagner- Nationaldenkmal des deutschen Volkes erklärt. Neben anderen großen Werken soll gerade dieses Denkmal den gewaltigen Kulturwillen des nationalsozialistischen Staates aller Welt gegenüber zum Ausdruck bringen. Nach dem Entwurf des Stuttgarter Bildhauers Emil H.i p p soll das Denkmal eines der schönsten in Deutschland werden. Wenn dieses Denkmal aber wirklich ein Nationaldenkmal des deutschen Volkes sein soll, dann müssen auch alle Deutschen zu ihrem Teil an seiner Errichtung mit beitragen. Durch freiwillige Spenden müssen die Mittel, die zum Bau des Denkmals notwendig find, aufgebracht werden. Die Stadt Leipzig will und soll mit bestem Beispiel vorangehen. Unser Ruf ergeht an alle Deutschen und an alle Verehrer Richard Wagners in der Welt. Kein Deutscher soll sich von dieser Sammlung ausschließen! Jeder gebe, was in seinen Kräften steht. Auch die geringsten Beiträge sind willkommen, sie zeigen gerade, daß breiteste Schichten des Volkes beteiligt sind. Ueber jede Gabe wird öffentlich fortlaufend Rechnung gelegt. — Der Aufruf ist u. a. auch von den Reichsministern Dr. G o e b b e l s, Rudolf H e ß und R u st unterzeichnet worden. Internationales Alufikfest 1935 in Hamburg. . Bei dem $ur Zeit in Venedig tagenden „Ständigen Rat für internationale Zusammenarbeit der Komponisten" hat der Generalintendant des Hamburgischen Staatstheaters, S t r o h m, angeregt, daß der nächste Kongreß des Ständigen Rates 'n Verbindung mit dem T o n k ü n st l e r f e st 1935 in Hamburg stattfinden soll, wodurch das deutsche Tvn- fünftlerfeft zu einem internationalen Mufikfest erweitert werden würde. Da Generalintendant Strohm wegen dienstlicher Abhaltung die Einladung nicht persönlich Übermitteln konnte, hat er den Präsidenten, Dr. Richard Strauß, gebeten, die Einladung in Venedig zu unterstützen. Nunmehr ist aus Venedig telegraphisch mitgeteilt worden, daß man die Einladung grundsätzlich angenommen habe. Dieses bedeutet für Hamburg und die Geltung der deutschen Musik einen bedeutsamen Erfolg. Großer Erfolg deutscher rNilitürmusiker in Turin. Die große internationale Veranstaltung für Militärmufik in Turin hat ihren Anfang genommen. Insgesamt nehmen fünf ausländische Militärmusikkapellen teil, und zwar Deutsch- land mit der Kapelle des Wachregiments Berlin, Belgien mit der des 1. Wachregiments Brüssel, Frankreich mit dem Musikkorps der Republikanischen Garde Paris, England ist durch die Kapelle der „Thu Argyll" Edinburgh vertreten, die Schweiz durch das Musikkorps der Landwehr Freiburg. Außerdem nimmt die Kapelle der Königlichen Carabinieri Rom teil. Die Militärkapellen haben sich gemeinsam in geschlossener Marschkolonne zum Grabmal des unbekannten Soldaten begeben und dort einzeln Kränze niedergelegt. Im Anschluß daran fanden Empfänge durch die Behörden statt. Im überfüllten Theater Vittorio Emanuele wurde in Anwesenheit zahlreicher Vertreter des königlichen Hauses, der Militärverwaltung und der faschistischen Parteibehörden das erste Konzert gegeben, in dessen Berlauf jede der Kapellen einzeln ihre Vorführungen zu Gehör brachte und im Anschluß daran die Nationalhymne spielte. Die deutsche Kapelle erzielte unter Leitung von Fritz Ahlers mit Waqners Einzug der Götter in Walhall und Meers „Euryanthe" einen außerordentlichen Erfolg. Ein gemeinsames Konzert sämtlicher Musikkapellen stand unter Leitung des bekannten Komponisten und Mitgliedes der Italienischen Akademie Pietro Mascagni. Aus aller Well. Ehemalige Kriegsgefangene tagen in Mühlhausen. In Mühlhausen (Thür.) gab in einer Sitzung der Gau-, Bezirks- und Drtsgruppenfülyer der Reichsvereinigung ehern. Krieasge- angener Bundesführer Freiherr von Lers - i e r einen UeberbHcf über die Entwicklung des Bundes und feine Umgestaltung durch die große Bundestagung in Mühlhausen vor zehn Jahren. In den vergangenen Jahrzehnten fei es eine Zeit der Besinnung und Sammlung gewesen, die ihre inneren Kräfte bereitftelUen für den Umbruch des Volkes, den der Volkskanzler Adolf Hitler her- beiführte. Die ehemaligen Kriegsgefangenen wollen ihre Kraft für die großen Aufgaben unserer Zeit tets bereitstellen. Der Bundesführer gab der ge- amten „Mannschaft" der Neichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener Richtung und Ziel, indem er sie verpflichtete, getreu ihrem Bekenntnis mit größter Kraft den Kampf für Deutschlands Zukunft ortzuführen. Abschließend legte Freiherr von Lers- ner der Reichsvereinigung eine Denkschrift vor, die unter dem Titel „Gefesselte Mannschaft" das Los der Gefangenen und ihren Willen zur Mitarbeit an der Gestaltung unseres Vaterlandes zum Ausdruck bringt. — In einer öffentlichen Kundgebung, der zahlreiche Ehrengäste beiwohnten, gaben ehemalige Kriegsgefangene eindrucksvolle Schilderungen von ihrem Erleben im Kriege und in der Gefangenschaft. Die Kriegsgefangenen-Ausstellung oll, wie der stellvertretende Bundesführer Dr. Givens- Berlin sagte, der Vertiefung der Aufgaben dienen, die sich die Reichsvereinigung gestellt hat: ie soll dem deutschen Volke ein Bild geben von den unerhörten Nöten und Leiden, die unsere deutschen Brüder in Feindesland durchlebten. Sie soll zeigen, was deutsches Können auch unter zermürbenden Umständen zu leisten vermag. In der Rathaushalle fanden sich die Kameraden und Ehrengäste zu einer Ehrung für Elsa B r a n d st r ö m, den „Engel von Sibirien", ein. Pfarrer Iuhl - Altona gedachte des selbstlosen Hilfswerkes dieser Frau. Was Elsa Brandström in 5V2 Jahren aufopferungsvoller Arbeit für die deut- chen Gefangenen in Sibirien getan habe, werde man ihr nie vergessen. Als der Krieg zu Ende ge=> wesen sei, habe sie ihr Heldenwerk fortgesetzt, sie habe den Kindern geholfen, deren Väter fern öer Heirnat den Tod gefunden hätten. Bundesführer von Lersner bekannte sich im Namen der deutschen Kriegsgefangenen zu Elsa Brandström, um zugleich die Behauptung ausländischer Zeitungen, diese Frau habe Deutschland verlassen müssen, als eine Lüge zurückzuweisen. Großer Dachstuhlbrand bei der Viktoria-Versicherung in Berlin. In dem großen Verwaltungsgebäude der Vik- toria-Versicherung in Berlin brach ein gewaltiger Dachstuhlbrand aus, der sich sehr schnell über die stanze Länge der Hauptfront aus» dehnte. Zur Bekämpfung des Feuers wurden sechs Züge der Feuerwehr alarmiert. Sechs Feuerwehrleute erlitten mehr oder weniger schwere Rauchvergiftungen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Allmählich gelang es der angestrengten Arbeit der Wehr, das Feuer einzukreisen. Der Betonfußboden des Daches hat den riesigen Waffermaffen standgehalten, so daß das darunterliegende Geschoß nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach mehreren Stunden war der Brand gelöscht. Wettervoraussage. Die vom Atlantik kommende Störung ist bis nach Island vorgedrungen und hat sich zu einem Sturm- wirbel vertieft. 9tad) vorübergehendem Luftdruck- anftieg über Deutschland wird Druckfall einsetzen, so daß sich die Witterung wechselhaft gestaltet und herbstlichen Charakter an nimmt. Neben Frühnebel wird es tagsüber dunstig und wechselnd bewölkt sein und vereinzelt zu Niederschlägen kommen. Aussichten für Dienstag: Nebelig, dun- stig, tagsüber mäßig warm, aufkommende Niederschläge. Aussichten für Mittwoch: Kühleres und wechselhaftes Wetter. Lufttemperaturen am 16. September: mittags 20,5 Grad Celsius, abends 16,2 Grad; am 17. September: morgens 15 Grad. Maximum 24 Grad, Minimum 13,1 Grad. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Langs, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VIII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'jche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämllich in Gießen. Das Fest der deutschen Schule in Gießen Abschluß. Ueberall in der ganzen Wett werden diese Deutschen vernehmen unseren Ruf der Treue, die wir ihnen halten wollen zu allen Zeilen. Dieser Ruf wird nicht verhallen in Richls, son- Nach der Ansprache erfreuten Schülerinnen des Lyzeums durch Volkslieder und Sudetentänze .. - ■ i m _: — crx'AkA—. hnd jenseits der deutschen Grenzen stets zu gedenken und ihnen Liebe und Treue zu bewahren, wie wir sie bewahren wollen unserem Volk, Vaterland und unserem Führer Adolf Hitler. Nach einem dreifachen Sieg-Heil auf alle im Aus« land lebenden Deutschen, auf unser deutsches Vater« land und unseren Führer Adolf Hitler fand der sehr eindrucksvolle und schöne Abend mit dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel-Liedes seinen bittere Rot. Man bedrängt sie auf alle Weise, man verbietet ihnen ihre deutsche Muttersprache, man verbietet ihnen, nach den deutschen Sitten und Gebräuchen Der Veranstaltung war ein übervolles Haus be- schieden; schon lange vor Beginn war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Das gutgeschulte, auf künstlerischer Höhe stehende Schülerorche-^ st er der Oberrealschule (Leiter: Studienrat Hillebrand) eröffnete die Feierstunde und unter den Klängen des Badenweiler Marsches hielten die Fahnen- und Wimpelträger ihren Einzug. Darauf sprach eine Schülerin des Lyzeums einen Vorspruch mit dem Hinweis auf unfern unvergeßlichen Reichspräsidenten von Hindenburg als den Schirm- und Schützherrn des 93. d. A. Für ihren überaus guten Vortrag erntete sie wohlverdienten Beifall. Lehrer Dietrich sang darauf mit sehr klangvoller, angenehmer Stimme, begleitet am Klavier von Gesanglehrer Nebeling, „Sonntags am Rhein" von Schumann, und unter seiner Stabführung ein zweistimmiger Kinderchor der Goethe schule das Claudiussche Abendlied „Der Mond ist aufgegangen". Brausender Beifall belohnte die kleinen Sänger und forderte zu einem weiteren Liedvortrag „Es waren zwei Königskinder" heraus. Auch dieses Lied wurde überaus fein und lieblich zu Gehör gebracht. Zwei Schülerinnen der neuen P e st a l o z z i s ch u l e deklamierten zwei Gedichte „Weihelied" und „Deutschland, dir, mein Vaterland", dann wurden anschließend mit Klavierbegleitung Keulenübungen von Schülerinnen der Goetheschule gezeigt, die durch ihren Rhythmus und ihre exakte Ausführung viel Bewunderung fanden. Nachdem sich der stürmische Beifall gelegt hatte, spielte das S ch ü l e r o r ch e st e r der Oberrealschule mit flottem und sprühendem Tempo Brahms Ungarischen Tanz Nr. 5. Bei den von Schülern der Goetheschule gezeigten Bodenübungen war es erstaunlich, mit welcher Geschicklichkeit und welchem Eifer die Jungen die verschiedenen Hebungen ausführten. Den Schluß des ersten Teiles bildete eine von Schülern der alten Pestalozzifchule gestellte V. d. A.-Pyramide, die symbolisch die verlorengeganqenen deutschen Gebiete darstellte. Mit dem besonderen Hinweis auf unsre in Not befindlichen Brüder und Schwestern an der Saar und nach einem gemeinsam gesprochenen, tief zu Herzen gehenden Treueschwur sang der Schülerchor „Deutsch ist die Saar" und „Treue Liebe bis zum Grabe." zu leben, man will ihnen den deutschen Namen tU^u.n, man sucht durch alle Schikanen ihnen das Leben schwer zu machen, man schließt ihre Schu- len, ja man möchte sie am liebsten im Leben Der« H alber einmal — und das ist unser Wille — wird der Tag kommen, an dem einer aufstehen wird, der dem großen Bund aller Deutschen rundum zuruft: Die Knechtschaft hat ein Ende! Diesen Tag vorzubereiten sind auch wir heute zusammen. Wenn es unser Wille ist, der Wille des gesamten deutschen Volkes, dann kommt dieser Tag, und nicht lange wird es dauern, dann wird Deutschland wieder ein geachtetes und freies Volk fein. Wir wissen, daß in unserem lieben deutschen Vaterland ein Neues a u f g e k o m m e n ist, daß einer kam mit einer neuen I d e e und daß er diese Idee in das deutsche Volk hineintrug, mit dieser Idee alles .beiseite räumte, was dem deutschen Volke verwehrte, deutsch zu sein. Dieser eine hat das gesamte deutsche Volk hinter sich. Damit er den Willen des deutschen Volkes wirksam zur Geltung bringen kann in der Welt, müssen wir alle hinter ihm stehen. Denkt daran, daß heute noch unser Deutschtum in großer Gefahr ist, denkt daran, daß Tausende und aber Tausende mit uns noch nicht befreit find, in Knechtschaft schmachten, daß sie und uns die gleiche Liebe zur Heimat verbindet. Wir wollen sie nie verlassen und ihnen immer die Treue halten und bewahren. Dann wird Deutschland eines Tages wieder ein starkes Deutschland werden, das allen seinen Kindern ein Beistand sein kann in der Not, ein Rückhalt in der Bedrängnis. Dieses Deutschland wird sein ein Schutz- und Trutzbund der Deutschen und, ein Hort des Friedens in aller Welt! Anschließend an die packende und begeisternde Rede wurde gemeinsam der erste Vers des Deutschland-Liedes gesungen. Orr Abschluß des Abends. Dann ist das ein Ruf, der nicht in einem leeren Raum verhallen wird, ein Ruf, der auch nicht Halt machen wird an den Grenzen des Reiches, die wir niemals anerkennen werden als die Grenzen des deutschen Volkstums, sondern dann ist das ein Ruf, der hinüberbringen wird bis zu dem letzten Deutschen, wo er auch wohnen mag draußen in der Ferne; er wird hindringen nach Oberschlesien und bis zu unseren bedrängten Brüdern im Memelland; er wird gehört werden droben an den Ufern der Nordsee und der O st s e e, wo ein Brudervolk die Stimme seines Blutes nicht mehr hört und glaubt, in den eigenen Brüdern feine Feinde zu erkennen; er wird binbringen nach bem Elsaß, wo man meint, mit gleißnerischem Pomp unser beutsches Volkstum übertünchen zu können; er wirb hinbringen an bie Ufer ber Donau, wo bas österreichische Volk sich nach Freiheit sehnt, unb er wirb gehört werben ; im Saarlanb, wo Tausenbe unb aber Tausenbe ' von Deutschen sich heimsehnen nach ihrem Mutter- । Innb, nach bem Deutschen Reich; unser Ruf wirb ge- * hört werben fern in Ungarn, in Sieben- Der zweite Teil ber Vortragsfolge begann mit bürgen, er wirb wiberhallen von ben Wänben bie Reallehrer Paul mit ber Karpathen unb in Sübtirol, wie auch m - -' - - = jenseits bes Ozeans in ben großen Stäbten, bem ein millionenfaches Echo wird widerhallen von jenseits der Grenzen, und dieses wird zusammenklingen mit unserem Ruf und einen gewaltigen Chor bilden, den Chor des deut- schen Volkes, das nach jahrhundertlangen Irrwegen wieder zurückgefunden hat zu sich selbst, dem deutschen Volk, das heute wieder vernimmt die Stimme seines Blutes und das froh und Zuversichtlich einstimmt in das Bekenntnis: Dir wollen fein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Rot uns trennen noch Gefahr! Wenn heute, wo wir im Deutschen Reich versammelt sind, unser Ruf an unsere Bruder jenseits der Grenzen ergeht, bann werden im nächsten Jahr überall da, wo Deutsche auf dieser Erde wohnen, alle zusammen zur gleichen Stunde ein bedeutsames Bekenntnis ablegen, unb ein gewaltiger Wille wirb offenbar werden, ber Wille wirb zu einem Wort der Anklage, gerichtet an bie ganze Welt: Wir wollen frei fein, Frei wie die Väter waren. Lieber den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Und uns nicht fürchten vor dem Haß der Menschen. Wir wissen, daß heute noch unser Deutschtum überall in der Welt bedroht ist. Wir wissen, daß unser junges neues Reich noch weiterer G e - junbung und Stärkung bedarf, bamit seine innere Geschlossenheit noch fester wirb, damit seine Kraft sich stählt. Wir wissen, daß jenseits der Grenzen heute noch lauern der Neid, der Haß, der Machtwahn, die Begehrlichkeit, die immer und immer wieder dem deutschen Volke sein Leben vergällen wollen. Aber wenn wir heute an Deutschlands Zukunft glauben und wenn wir uns diesen Glauben nicht rauben lassen, so ist es daraus, daß daß dieser Tag des deutschen Volkstums und dieser Tag des deutschen Volkstums und von einer starken, stolzen Jugend, die von sich selbst bekennt: „Wir sind die Garanten der Zukunft". es, uie uns ycuu *71»-«- ...... '7' . , , ■ < . Jinb ber Ansicht, daß Weltgeschichte nicht am grünen Tisch gemacht wird wo kalter Verstaub irgenbwelche Ideen ausklugett und nach biesen Jbeen bann glaubt, Völker regieren unb , Schicksale bestimmen zu ckönen, nein, i Weltgeschichte wird da gemacht, wo lebendige Menschen sich zusammenfinden, zusammenge- führt durch gemeinschaftliches Fühlen und gemeinschaftliches Denken, zusammengeführt durch gemeinsames Blut und aus diesem Zusammensein ein neues starkes Wollen schöpfen, einen einheitlichen Willen, der die Grundlage bilden kann für die großen Taten der Wanner, die Geschichte machen. So ist es heute, wo in Tausenden von deutschen Stäbten unb Zehntausenben von Dörfern deutsche Männer unb Frauen unb beutsche Jugenb sich zusammenfinden, um ihr Treuebekenntnis abzulegen zu ben Millionen 93rubern unb Schwestern jenseits unserer Gren- z e n. Menn wir aus biesem Zusammensein neue Kraft schöpfen, unb wenn wir unseren Brübern unb Schwestern braußen in ber weiten Welt zurufen: , „ Wir werden euch niemals vergessen! Jawohl, ihr Jungens unb Mädels, ihr habt Recht, wenn ihr das sagt. Wie ihr seid, wird die Zukunft aussehen. Denkt an die Worte des v 0 v ~ _ ____, ----------- Führers: Wenn ihr wollt, daß das Deutschland! mit Begleitung von Geigen unb Flöten unb bas ber Zukunft ein starkes Deutschland sein OrchesferderOberrealschulemif Komzaks soll, dann müßt ihr stark werden; wenn ihr ein I,Münchner Kindl". Mäbchen unb Knaben ber Deutschland ber Disziplin haben wollt, Schillerschule brachten barauf ein ernstes, dann müßt ihr diszipliniert leben, wenn das schlichtes Spiel zur Darstellung unter dem Leitwort: neue Deutschland ein Deutschland der Wahr-j „Mr suchen Deutschland!". Es wurde mit sehr h e i t u n d G e r e ch t i g k e i t, dann müßt i h r großer Hingabe gespielt unb mit reichern Beifall wahr werden in eurem innersten Wesen unb belohnt. Im Schlußwort ermahnte Schulrat N e b e • ihr müßt d i e Gerechtigkeit in euch selbst l i n g bie Anwesenben, ber Brüber unb Schwestern verkörpern, und wenn ihr deutschen Jungen! hör honKrho« (Äronncm ftpfa au aedenken und Mädchen wieder frei sein wollt, dann muh in euch wachwerden ein unbändiger Freiheitsdrang, der sich durch nichts in der Wett Niederkämpfen läßt. heule noch leiden unsere Brüder im Ausland Turnvorführungen, i Schülern des Gymnasiums, Realgymna-- j v „ | v....... „_____... .... -------- _ siums unb ber Oberrealschule zeigte. Die mie in ben einsamen Hütten bes brasilianischen Ur- teilweise sehr schweren Hebungen stellten an alle malbes. Ausführenden höchste Anforderungen; es war be- .... wunbernswert, mit welcher Leichtigkeit unb Uner- schrockenheit sie gezeigt würben. Nichtenbenwollenber Beifall belohnte ihren Wagemut unb ihre sportlichen Leistungen. Im Anschluß baran sprach Wie Überall in beutschen ßanben, wurde auch bei I SlüdlWUll'ülÄeötllklÜ uns aeftern abenb im Safe ßeib oon bem <5d)uls JUVlP y ar uppen bes Gießener 93. b. 21. unter ber | Stunben von weltgeschichtlicher Bedeutung sind Gesamtleitung von Lehrer Frank (Schillerschule) es, bie uns heute hier zusammenfuhren. Denn wl bas Fest ber beutschen Schule in würbiger ----- -- “#,t/'*,rfH«te nicht Weise festlich begangen. Preiüjisdi Süütleulsdie Mollerte. Auszahlung der Gewinne all heule! ! ■ 5391 D ■ rj Innung ?ptbr.,16 Uhr ■ \ Gastwirte Mittwoch, den 19. Septbr. Versammlung Herr Gustav Kreuder im 74. Lebensjahr. 5392 p (Dieben, Oberstein, Darmstadt, den 17. September 1934. kräftig, voll- und fein- 5399 D 3-4-Zimmer Seltersweg 46 5308 D Gießen, den 15. September 1934. 5398 d Sehr. Äng. ünt. f. d. Stadt und nähere Umgebung bei Kollege Franz Soldan. schmeckend: Deutsch-Ost-Misch. ff. Famil.-Kaffee Holländ. Mischung Nach schwerem Leiden entschlief sanft am Freitag unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Die trauernden Hinterbliebenen: Emma Hünig, geb. Kreuder Berta Conrad, geb Kreuder Gustel Rink, geb Kreuder Prokurist R. Hünig Handelstudien-Dii^ktor E Conrad Oberstudienrat Dr. H Rink und 7 Enkelkinder 1 Pfd. Mk. 2.20 .. 2.40 „ 2.80 ( Mietgesuche | 2 Zimmer und Küche in gutem Haufe z. 1. Okt. ober später in Gießen ober Nähe ges. Dr. Geyer, Arzt von der Reise zurück iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii ZweckSBetSmpstmgoer Schwarzarbeit können Arbeits-Ange- bete von Handwerkern nur mit Namensnennung u. unter Vorlage besGrwerbenachweiies au genommen werden. 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September 1934 bei der Firma Peter Iäger, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 13. September 1934 bei der Firma I. Reeh, Aktiengesellschaft, Dillenburg, Zweigniederlassung Gießen: Die Zweigniederlassung der Gesellschaft in Gießen ist erloschen. In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde am 11. September 1934 bei ber Firma Hlöbus & Reih in Gießen folgendes eingetragen: Kaufmann Christian Möbus HI. in Reiskirchen ist aus ber offenen Handelsgesellschaft ausgetreten und diese erloschen. Kaufmann Otto Reitz in Reiskirchen ist Alleininhaber. rierz, uebei uarm, Nieie u»«- M ab* oesser. wenn Sie mindesten geeun4 lehmen Schlank Juch scdö» ♦ein. Schlank »ein. heißt au dcf ♦ein Beginnen Sie n<£h beute^ ettzehrenden „Reintn .Inletten, schädlichen Bntfet tungst’ ®rbäjtlidk RM 1.78. In allen Apotheken Ver langen Sie o»r *,Ä Suche f. sof., spätestens bis z. 1. Nov. in freierLage ruhig. 4-Zimmer-Wohng. m.Bad,Zentral- heiz.,Veranda u. mögl-Gartenant. 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Mathias, Der Naturarzt: Sehr geehrter Herr Kollege, zur Klärung der großen Frage des Wertes oder Unwertes der Pockenimpfung, die feit Jahren die Bevölkerung beschäftigt und zur Zeit Anlaß zur Nachprüfung des Jmpfgefetzes vom Jahre 1874 gibt, wollen Sie mir gestatten, seine Ansicht zum Ausdruck zu bringen. Sie werden mir wohl zunächst zugcben müssen, daß die Pockenerkrankungen im deutschen Volke seit Jahrzehnten verschwunden sind. Sie wissen auch, daß in den Ländern, welche die Freiwilligkeit der Impfung durch die „Gewissensklausel" eingeführt haben, in der Regel nur leichte Pockenerkrankungen, die sog. weißen Pocken, auftreten, die meist harmlos verlaufen. Es ist Ihnen ferner bekannt, daß die Kulturverhältnisse sich in den letzten Jahrzehnten bedeutend gehoben haben, und daß die Gesundheitspflege ungeheure Fortschritte gemacht hat. Meines Erachtens ist die in jeder Beziehung hochentwickelte Hygiene und im besonderen ein gestählter Körper die Hauptursache für das Verschwinden der schwarzen Pocken. Ich möchte deshalb glauben, daß ein Impfzwang nicht mehr erforderlich ist, und daß, wenn die Impfung nicht überhaupt gänzlich beseitigt wird, sie wenigstens der freiwilligen Willensbestimmung des Menschen überlassen bleibt. Der Im pfarzt: So gern ich Ihnen auch bezüglich der Bedeutung der Hygiene und der Körperpflege als eines wichtigen Mittels zur Verhütung von Krankheiten und besonders der Pocken zustimme, so wenig kann ich zugeben, daß wir zur Zeit in der Lage sind, uns allein damit vor den unbekannten Erregern der Pocken in ausreichenden Maße zu schützen. Wie wollen Sie sonst erklären, daß Völker, die in einer den hygienischen Anforderungen entsprechenden Weise gelebt haben, von Pockenepidemien befallen werden konnten. Ich brauche Sie nur an unsere Vorfahren in vergangenen Jahrhunderten zu erinnern, die bei einem sich nur in der freien Natur abwickelnden Leben, das die Hütte bloß als Schlafraum kannte, doch von den Pocken so heimgesucht wurden, daß ganze Länder- streckcn verödeten. Die Wichtigkeit der gesamten Schutzimpfung zeigen Ihnen ja auch Beispiele aus unserer jüngsten Vergangenheit, in der die Sterblichkeit an Diphtherie, Typhus, Cholera und Wundstarrkrampf mit der Entdeckung der entsprechenden Schutzimpfstoffe sofort auf einen geringen Prozentsatz zurückgeführt wurde. Sie wissen, daß alle Impfungen den Zweck haben, die Giftwirkung der Bazillen durch Gegengifte aufzuheben, wobei es im Interesse des herbeizuführenden Erfolges gleichgültig fein muß, ob das aus der Vorbehandlung von Tieren gewonnene Schutzmittel (Typhus, Cholera, Wundstarrkrampf) eine direkte Einwirkung auswirkt oder ob, wie bei der Pockenimpfung, der Mensch selbst erst durch die Impfung das Gegengift bildet. Wesentlich ist vielmehr, daß die Serumwirkung der von den Tieren gewonnenen Schutzstoffe nur eine kurzfristige (halbjährliche) ist, während der Schutz infolge der Pockenimpfung sich in der Regel auf viele Jahre erstreckt. Eine hervorragende Bestätigung der Wichtigkeit der Schutz- impfung hat erst der Weltkrieg gegeben, indem die, Zahl der Todesfälle an übertragbaren Krankheiten im Gegensatz zu den vorangegangenen Kriegen auf einen ganz geringen Bruchteil infolge der Schutzimpfung zurückging. Eine weitere, wenn auch traurige Bestätigung der Wichtigkeit der Serumbehandlung hat ferner die schwere septische Grippe 1918/19 gebracht, wo die Aerzte machtlos dastanden und gerade zahlreiche jugendliche Menschen zugrunde gingen. Wie haben die Aerzte da nach Serumschutzstoffen gesucht, aber für diese Grippe fehlte uns die rettende Hilfe. Es ist nicht schwer, ein Gebäude ein- Leiter der Impfanstali Bernburg. zureißen; ein neues aufzurichten, fällt manchmal sehr schwer. Uns allen sind ja noch die pockennarbigen Gesichter der Polen bekannt. Deutsche Aerzte haben im Kriege dadurch, daß sie das ganze Land durchgeimpft, haben, die Seuche aus diesem Lande mit eiserner Hand weggefegt. Der Naturarzt: Abgesehen von der von mir zum Ausdruck gebrachten Nichtnotwendigkeit der Impfung bin ich weiter sogar der Ueberzeugung, daß die Pockenimpfung durch die Einwirkung von körperfremden Stoffen im Blut die Grundlage vieler Krankheiten ist, und daß die Beseitigung des Impfzwanges die Grundbedingung der Gesundung und damit der Ausartung und des Aufstieges unseres Volkes bedeutet. Denn aus einem wurzelkranken kann kein frohes, erbgesundes Geschlecht entstehen. Der Impfarzt: Ich halte es nicht für richtig, daß nationalsozialistisches Ideengut mißbraucht und als Waffe bei einem so ernsten wissenschaftlichen Problem von Ihnen verwendet wird. Eine ! Wirkung der Pockenimpfung in der Weise, daß die Urmasse geschädigt wird, und der Mensch der Entartung verfällt, läßt sich nach dem derzeitigen Stande der Wissenschaft nicht beweisen und dürfte wohl stets eine Hypothese bleiben. Unser Volksheer, das in einem vierjährigen Kriege einer Welt von Feinden getrotzt hat, ist die beste Widerlegung der Annahme, daß die Urmasse durch die Pockenimpfung geschädigt wird. Ich fasse das ganze Problem so zusammen, daß ich es für richtiger halte, dro-1 henden Gefahren mit bekannten und bewährten Mit-1 teln vorzubeugen, als einer Hypothese zuliebe die ■ Volksgesundheit auf Spiel zu setzen. Der Naturarzt: Sie müssen aber zugeben, daß zahlreiche Kinder infolge der Impfung häufig schwere Krankheitserscheinungen zeigen. Ich erinnere i in dieser Beziehung nur an das Fieber, an die hochgradig entzündeten Arme, an die Entstehung von Ausschlägen, an Magen-, Darmstörungen und Krämpfe, an die Luftröhrenkatarrhe und an die Erkrankungen des Zentralnervensystems. Auch Todesfälle nach dem Impfen treten auf. Der Impfarzt: Mir ist wohl bekannt, daß ganz vereinzelte Todesfälle bei geimpften Kindern aufgetreten find. Damit soll nicht gesagt sein, daß diese Todesfälle immer in ursächlichem Zusammen-1 hang mit der Impfung stehen. Es ist auch ohne | weiteres zuzugeben, daß des öfteren Kinder nach 1 Ablauf der Pockenimpfung sich einige Zeit erholen müssen, weil sie einen künstlich herbeigeführten Krankheitszustand durchgemacht haben. Diese Störungen müssen als kleineres liebel mit in Kauf genommen werden. Lassen Sie mich aber auf Ihre Einwendungen einzeln eingehen. Was zunächst das Fieber anlangt, so sage ich den Müttern bei meinen Vorträgen, daß es sich bei dem Pockenfieber nicht um ein Krankheitsfieber, sondern um ein Reaktionsfieber handelt. Je mehr ein Kind mit Fieber reagiert, desto lebenskräftiger ist es, und desto mehr kann die Mutter stolz sein, daß sie ein so gesundes Kind hat. Was die hochgradig entzündeten Arme anlangt, so wird der rote Hof, der die Pocken umgibt, häufig für Rose gehalten. Das ist falsch. Dieser rote Hof ist das Wichtigste bei der ganzen Pockenimpfung, denn er ist der Fabrikhof, auf dem von der kindlichen Natur die Schutzstoffe gebildet werden. Je gesünder ein Kind ist, desto größer ist dieser rote Hof, desto mehr Schutzstoffe werden gebildet. Ein Kind mit einem roten Arm ist meist für fein ganzes Leben gegen Pocken gefeit. Kinder mit Ausschlägen sollen nach den geltenden Bestimmungen nicht geimpft werden. Wir wissen ferner, daß Der Führer bei der Eröffnungsvorstellung des Deutschen Opernhauses in Charlottenburg, das nunmehr als Reichsoper fortgeführt wird. Links neben dem Führer Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg, dahinter der Adjutant des Führers, Gruppenführer Brückner. bisweilen die Mütter ihre geimpften Kinder nicht genügend leicht ernähren, obgleich es allgemein bekannt ist, daß fiebernde Menschen nur leichte Nahrung vertragen. Wir wissen schließlich, daß viele von den sogenannten „Krämpfen" aus dem Magen kommen und auf Diätfehler beruhen. Auch Luftröhrenkatarrhe dürften häufig nicht auf die Impfungen zurückzuführen sein, sondern darauf, daß Mütter ihre Kinder während des Pockenfiebers bei schlechtem Wetter ins Freie bringen. Störungen des Zentralnervensystems, wie sie im Anschluß an die Pockenimpfung auch in Deutschland vereinzelt auf» aetreten sind, bedürfen noch der weiteren wissenschaftlichen Begründung. Ob diese Krankheiten wirklich erst in der letzten Zeit oder nicht schon früher aufgetreten sind, ob sie durch die Pockenerreger bedingt sind ober ob die Pockenimpfung nur ein auslösendes Moment für die Mobilisierung und Krankheitsverursachung anderer bereits vorhandener Keime ist, ob schließlich nicht noch andere, vielleicht klimatische Verhältnisse hierbei eine Rolle spielen, das mutz noch weiter erforscht werdest. Die Reichsregierung hat aber, um auch diese ganz seltenen Komplikationen im Anschluß ans Impfen zu verhüten, Bestimmungen erlassen, nach denen Kinder, die zu Krämpfen neigen, von der Impfung ausgeschlossen bleiben. Der Naturarzt: Wir haben uns über das Für und Wider der Zwangsimpfung unterhalten. Sie haben meine Argumente zu widerlegen versucht. Sie werden mir zugeben, daß menschliches Wissen Stückwerk ist, daß wir gemeinsam wirken müssen zum Wohle unseres Volkes, zur Erhaltung unserer Rasse, zum Aufstieg der Nation. Der Jmpfarzt: In dieser Beziehung stimme ich ganz mit Ihnen überein. Und deshalb wollen wir das Alte erhalten, wenn wir nichts Neues, Besseres haben. Die Reichsregierung hat durch ihren Erlaß vom 4. April 1934 schon alle erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung von Jmpfschäden getroffen. Durch Herabsetzung der Jmpfschnitte von vier auf zwei ist sie bis zu den äußersten Grenzen gegangen. Die Grenze noch durch Einführung der Gewissensklausel zu erweitern, wäre gleichbedeutend mit der fast völligen Aufhebung des Impfzwanges, weil sich dann nur noch die wenigsten Menschen impfen lassen würden. Das aber würde nach einigen Jahrzehnten, nachdem der Impfschutz geschwunden ist, den erneuten Ausbruch der schwarzen Pocken zur Folge haben. Oberheffen. cöerneinderat in Grünberg. 4- Grünberg, 15. Sept. Der Gemeinde- r a t war durch Ausscheiden einiger Mitglieder unter zwei Drittel seiner gesetzmäßigen Zahl gesunken. Vom Ministerium waren daher die beiden Landwirte Leonhard Großhaus und Hermann Rühl II. als neue Gemeinderäte bestimmt worden. Zu Beginn der gestrigen Sitzung nahm Bürgermeister Dr. Mildner die vorgeschriebene eidliche Verpflichtung vor. Die durch diesen Neueintritt nötigen Aenderungen in der Zusammensetzung einzelner Ausschüsse wurden erledigt. Als Urkundspersonen wurden die Gemeinderäte Bender und Feichtenbeiner bestimmt, als deren Stellvertreter die Gemeinderäte Großhaus und Spengler. Die Rechnung für das Jahr 19 3 2 wurde vorbehaltlich der Genehmigung durch die Oberrechnungskammer genehmigt. Als Raum für die NS. -Organisationen soll der Saal der Berufsschule gegen eine Vergütung für die Reinigung zur Verfügung gestellt werden. Für die Verpachtung der beiden Schaf- weiden für 1935 lagen zwei Angebote vor, eins von dem derzeitigen Pächter Schäfer Hauck (Bergen bei Frankfurt) mit 1900 Mark, ein weiteres von dem hiesigen Schäfer Kalbert mit 1800 Mark. Die Pacht für 1934 beträgt 1730 Mark. Da eine Anzahl hiesiger Landwirte in einem Gesuch um Ueberlassung der einen Weide baten, wurde die Angelegenheit zwecks Verhandlungen mit den Ge- Spuk an her Grenze. Von Ge ma Lagerlös. Copyright by 1.1. A., Wien. Ich weiß nicht, ob die Menschen heutzutage ahnen, in welchem Rufe Oestmark in meiner Jugend stand. Damals galt es für die armseligste, gottverlassenste Gegend, die man sich nur denken konnte. Wenn eine große Bettlerschar sich auf den Straßen herumtrieb, konnte man ganz sicher sein, daß sie in Oestmark daheim war. Die Bauernfänger mit den kleinen, zottigen Pferdchen und den schmutzigen Wägelchen waren auch von dort, und ebenso alle Roßtäuscher und Schelme und Halunken. Es schien keinen einzigen ordentlichen Menschen dort zu geben Ich war nie dort gewesen, aber nun ich ein Auto hatte, beschloß ich eines Sonntagnachmittags einen Ausflug dorthin zu unternehmen, und ich habe es wahrlich nicht bereut. Ich wüßte kaum, wohin man in Värmland fahren müßte, um eine hellere, fröhlichere Gegend zu finden. Die Straße führte meist an Seeufern entlang, ja manchmal hatte man zu beiden Seiten des Weges Gewässer. Ueberall sah man schmucke prächtige Häuser mit den größten Glasveranden und der schönsten Laubsägeeinfassung, die man sich nur denken konnte. Und eine Menge Leute traf man. Aber wahrlich keine alten bettelnden Weiber oder Vagabunden. Nein, schöne, junge Mädchen in modernen Kleidern in den buntesten Farben, mit Seibenstrümpfen und hochhackigen Schuhen, und junge Männer im Sportkostüm. Eigentlich sah man fast gar keine Fußgänger, nur Räder ober Autos überall. Also so sah es jetzt in der ehemaligen Armeleutegegend aus! Der Weg führte dicht an der Kirche vorbei. Man hätte wohl schwerlich erwarten können, daß hier oben eine der besten Kirchen des ganzen Stiftes liegen würde, lind doch war es so. Eine braune Holzkirche, mit Schindeln gedeckt, nicht so besonders groß, aber schlank und fein, mit hoher Turmspitze und kleinen, anmutigen Portalen vor den Eingängen. Man konnte verzweifeln, wenn man an die klobigen Steinhäuser dachte, die man im Süden des Landes zu Gottes Ehre errichtet hat Aber ich glaube, ich komme gar nicht zur Reichsgrenze. Die lag zwei Meilen nordwestlich von der Kirche, und auf dem Wege dorthin sahen wir schon einiges von dem alten Oestmark. Der Weg führte durch enge, waldige Täler, ein Bach, oder vielleicht sollte man sagen ein Fluß, riefelte durch den Talgrund. Einige vermoderte Ueberbleibfel von verlassenen Mühlen und Schmieden standen an ein paar Stellen, wo der Fluß Linen Wasserfall bildete. Sonst war tiefste Einsamkeit. Es wurde immer stiller und stiller, je näher man der Grenze kam. Hier sah man keine Räder oder Autos mehr. Das Tal verschmälerte sich, die Bergkämme erhoben sich immer hoher und sahen aus, als wollten sie uns den Weg versperren. Nach einiger Zeit wichen sie jedoch zur Seite und machten einem See Platz, der auf allen Seiten von steilen Bergen eingeschlossen, so geborgen dalag, als hätte nie ein Sturm ihn gepeitscht. Der Weg ging auf einem schmalen Sandstreifen knapp am Seeufer weiter, folgte friedlich und glatt der schönen Rundung des Sees und hörte dann bei einem kleinen, einsamen Gehöft auf, das der Grenzwächter bewohnte Nun waren wir also am Ziele unserer Reise. Aber wo hatten wir die Reichsgrenze? Ja, auf der anderen Seite des Sees sah man eine breite, kahle, ausgehauene Furche Die stieg gleichsam aus dem Wasser auf, setzte sich durch den Wald die Bergeshohe hinan fort und verlor sich dann. Hier war es also zu Ende mit Värmland, zu Ende mit Schweden. Es war ein irgendwie feierliches Gefühl. Und die Natur hier war feierlich, mit den dunklen, mächtigen Bergen, dem stillen See und dem schmalen Uferstreifen, über den der Weg sich hinschlich, gleichsam ängstlich, ob er auch weiterkommen könne. Es war eine Freude, daß das Land sich hier an der Grenze so schon und würdig ausnahm Ich stieg aus dem Auto, um ein wenig den Strand entlang zu wandern und das Bild besser in mich aufzunehmen. Und wie ich so ging, dachte ich, daß ich noch nie an einem Ort gewesen war, der so einlullend still war. Es war, als ob alles schwedische Leben hier hinaufstrebte, um sich zur Ruhe zu legen und so recht auszurasten. Wohl gerade, weil es hier so still und friedlich war, mußte ich an die Unzahl verschiedener Menschen denken, die in alten Zeiten hier vorbeigezogen waren. Hier hatte er sich geregt, dieses Grenzvolk, das nie ruhig im eigenen Lande bleiben kann, sondern immer über die Grenze gelockt wird. Hier waren zahllose Fuhren mit Heringen und Salz, Branntwein und Mehl vorbeigerollt. Schmuggler hatten den engen Waldpaß benützt, um sich über die enge Grenze zu schleichen. Spione und Soldaten, Kaufleute und Schelme hatten diesen Weg nehmen müssen, um ihren Bestimmungsort zu erreichen. Vornehme schwedische Herren, denen der Schuldturm drohte, waren hier oben im dunklen Urwald nach Norwegen hinübergeschmuggelt worden. Räuber waren hier durchgebrochen, um zu plündern, fromme Pilger waren hier gewandert mit Zigeunern und Bettlern in ihrem Geleit. Aber es fruchtete nichts, die Erinnerung an alles vergangene- Leben- heraufzubeschwören. Das Schweigen wurde nur nach tiefer, die Stille noch einlullender. „Daß es hier oben so still und feierlich ist", dachte ich, „das liegt vielleicht nicht nur daran, daß hier die Grenze zwischen zwei Reichen geht. Vielleicht geht hier auch eine Grenze von anderer Art. Die Grenze zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Wirklichem und Unwirklichem." Das war nur eine Phantasie, ein Gedankenspiel, aber es lag gleichsam in der Lust, daß ich so denken mußte. „Und so wie es hier einen Weg gibt, der nach Norwegen hineinführt, so gibt es vielleicht auch einen Zufahrtsweg in dieses andere Nachbarland." Dies war noch immer ein Gedankenspiel. Ich hatte nicht die leiseste Hoffnung, daß es sich so verhielt, aber ich vergnügte mich damit, es mir auszudenken. Doch kaum hatte ich meinem Sinnen Gestalt gegeben, als sich etwas Seltsames zutrug. Aber nicht draußen in der Natur, sondern in meinen eigenen Innern. Ich glaubte gleichsam einen dünnen Nebel oder Rauch zu verspüren, und der verdichtete sich rasch und nahm die Form eines Menschen an. Aber als dieses Menschenwesen sich ein paar Ellen von mir entfernt hatte, drehte es sich um und knixte vor mir. Ich sah es sehr deutlich, noch mehr, ich erkannte es. Es glich aufs Haar einer alten Bettlerin von hier oben, die ich in meiner Kindheit gesehen und vor der ich große Angst gciibt hatte, weil die Leute behaupteten, sie könnte den Menschen, der ihr nicht gab, was sie begehrte, Tollheit anhexen. Ich erkannte ganz deutlich die kurze dicke Gestalt, das breite braune Gesicht, das wie mit Fett beschmiert aussah, die bösen Augen, den schmutzstarrenden Fellkittel, den Ledergürtel mit den Silbersternen, die großen Birkenrindenschuhe und den Birkenrindenranzen auf dem Rücken. Wie gesagt, sie knixte vor mir, wie um mir zu danken, daß ich all diese Jahre so getreulich ihr Bild in mir getragen hatte. Dann sah ich sie ganz rasch zum See hinuntergehen, über das Wasser schweben und sich in einen kleinen Nebelstreif auflösen. Ich muß sagen, ich war bestürzt. Ein Traum konnte das ja nicht sein. Ich ging doch die ganze Zeit über die Landstraße und war nicht einmal stehen geblieben. Es war ja ganz klar, daß alles aus meinem eigenen Hirn kam. Mir mußte wohl schon während der ganzen Fahrt die schlimme Oest- markhexe im Sinne gelegen sein, aber ich hatte doch noch nie erlebt, daß ein Gedanke so Gestalt annehmen und derart vor mich hintreten konnte. Ich hatte keine Angst vor ihr, die ich gesehen, aber ich fragte mich, ob ich denn verrückt sei, daß ich meine 1 eigenen Gedanken sehen konnte. I In diesem Augenblick rief man mir vom Auto zu, es fei spät geworden, und wir müßten an den Heimweg denken. Und ich war mehr als froh, von da wegzukommen. Auf der Heimfahrt saß ich da und grübelte und spintisierte. Ich wollte gleichsam nachspüren, ob es auch richtia mit mir stehe. Aber plötzlich mußte ich hellauf lachen. Ich hätte doch nun endlich die Därmländer Na- 1 tur kennen sollen! Sie hatte sich einfach den Spaß gemacht, mir die Augen zu verdrehen, wenn es auch recht erstaunlich war, daß eine alte, hochan- gesehene schwedische Landschaft solche Einfälle fjaben konnte. Oie Geheimnisse des Kremls. Bei den Urnänderungs- und Wiederinstandsetzungsarbeiten, die seit einiger Zeit unter Leitung von Pros. Stelecki innerhalb der Mauern des berühmten Kremls zu Moskau durchgeführt werden, ist bereits eine Reihe bedeutender historischer Funde zutage getreten. Gelegentlich der Zerstörung einer alten Wand wurde zunächst eine eiserne Truhe älterer Herkunft entdeckt, in der sich Dokumente und Briefe befanden, die ursprünglich Napoleon I. gehört haben und die der große Korse bei feinem eiligen Rückzug aus Moskau anscheinend vergessen hat. Darunter ist ein genaues Programm seiner Pläne zur vollständigen Unterwerfung des Zarenreiches. Die aufgefundenen Briefe sind, soweit das bisher gesagt werden kann, geeignet, verschiedene Abschnitte aus des Kaisers Privatleben in einem neuartigen Licht erscheinen zu lassen. Die Truhe enthielt außerdem eine Anzahl militärischer Orden und Napoleons Privatsiegel. In einer zu diesem Zweck besonders ausgehohtten Kreml-Mauer wurde ein kostbares Porzellan-Service von ägyptischer Handwerkskunst zutage gefordert, das Napoleon einst nach dem Vertrag von Tilsit dem Zaren Alexander I. geschenkt hatte. Obgleich man von der Existenz dieses einzigartigen Schatzes aus verschiedenen Aufzeichnungen gewußt hat, war es bisher ! trotz angestrengtester Bemühungen nicht gelungen, das Versteck zu entdecken. Unter den weiteren Ergebnissen der Umänderungsarbeiten am Kreml sind vor allem noch einige Originalmanuskripte von Cicero, Livius und Tacitus zu erwähnen, die ein Teil der umfangreichen und wertvollen Bibliothek gewesen sind, die Iwan der Schreckliche von seinem Vater geerbt hatte. Nach einer alten Legende ist der Kreml an der Stelle erbaut worden, an der die Zaren Basilius III. und Iwan der Schreckliche große Schätze in Gestalt von Gold, seltenen Steinen und alten Handschriften vergraben haben sollen. suchstellern nochmals zurückgestellt. Auch die Neuverpachtung der Fischerei im Brunnentale wurde nochmals zurück- gestellt, da die seitherigen Pächter sich mit einer Beschwerdeschrift an die Aufsichtsbehörde gewandt haben und erst deren Entscheidung abgewartet werden soll. Ein Gesuch der Butzbach-Licher Eisenbahn - A G. um Stundung der Gemeindesteuern 1933 und 1934 wurde ab gelehnt, bei Nichtzahlung soll gegen die Gesellschaft vorgegangen werden. Wegen Anschaffung eines Entstörungs- apparates für das elektrische Läutewerk der Kirche nalocken, die von vielen Rundfunkhörern gewünscht wird, sollen erst Erkundigungen über die Wirksamkeit eines derartigen Apparates eingeholt werden. Ein Gesuch des Turnvereins wegen Bürgschaftsübernahme durch die Stadt für ein aufzunehmendes Schuldscheindarlehen von 3000 Mark für den Erweiterungsbau der Turnhalle wurde vorerst zurückgestellt, da vorher mit dem Vorstand des Turnvereins hierüber verhandelt werden soll. Dem Landesverein der hessischen Blinden e. V. wurde eine einmalige Unterstützung von 10 Mark bewilligt. Für die Behandlung Hilfsbedürftiger durch die hiesigen Aerzte hatte die Stadt einen Vertragsentwurf beschlossen, wonach gegen eine vierteljährliche Vergütung von 4 Mark pro Person die Behandlung erfolgen sollte. Der Vertrag ist nicht zustandegekommen, da durch die Verbände eine Regelung in dieser Sache angestrebt wird. Ehrung des neuen Bürgermeisters von Lang-Göns. tn. Lang - Göns, 14. Sept. Anläßlich der Ernennung des hiesigen Ortsgruppenleiters Karl W e n z e l zum kommissarischen Bürger- m e i st e r unserer Gemeinde brachte ihm am heutigen Abend die SA. nebst allen anderen Formationen der Partei, unter Führung von Sturmbannführer Höbel (Gießen) und unter Vorantritt der Kapelle der Motor-SA. einen F a ck e l z u g dar, der zunächst durch die Hauptstraßen des Dorfes führte und dann vor dem Haufe des neuen Ortsoberhauptes Haltmachte. Nachdem — wie üblich — eine hohe geschmückte Tanne vor dem Hause aufgepflanzt worden war, trug der Gesangverein „Frohsinn" unter Leitung von K. Faber den Chor: „Nun schweige jeder von seinem Leid" vor. Darauf überbrachte der Ortspressewart Student W. Spies die Glückwünsche der NSDAP, und knüpfte daran die Hoffnung, daß der neue Bürgermeister die Gemeinde im Geiste der nationalsozialistischen Bewegung verwalten möge. Im Namen der Gemeinde sprach Beigeordneter Karl Faber die herzlichsten Wünsche aus. Für die SA. sprach Sturmbannführer H ö b e l. Er begrüßte den alten Parteigenossen und Kämpfer Karl Wenzel und beglückwünschte ihn zu seinem Ehrentag. Die Führerin Der Frauenschaft Frl. Schwinn überreichte mit den besten Wünschen einen Blumenstrauß, ebenso die Führerin des BDM. Frl. Hellwig. Darauf sang der Gesangverein „Germania" unter Leitung von W. Dem „Dir möcht ich meine Lieder weihn!" Bürgermeister Wenzel dankte in bewegten Worten für die dargebrachten Ehrungen. Er erklärte, daß die Nationalsozialisten im allgemeinen nicht an Ehrungen gewöhnt seien, daß ihn aber dieser Fackelzug und die Anwesenheit der Gemeindebewohner tief gerührt hätte. Dafür sprach er seinen besten Dank aus. Er versprach, die Gemeinde im Sinne des Führers gewissenhaft und gereckt zu verwalten und schloß mit den Worten: „Gott schütze unsere Gemeinde, Gott schütze unser deutsches Vaterland und seinen Führer!" Mit einem „Sieg-Heil" auf den Führer, dem Gesang der Nationallieder, einem Lied des BDM. und einem Chor des Gesangvereins „Germania": „Deutschland!" schloß die würdig verlaufene Feier. Werbeabend für das Deutschtum im Ausland. CD Hungen, 14. Sept. Eine eindrucksvolle Kundgebung für das Deutschtum im Ausland veranstaltete gestern abend der VDA. im Saale des „Darmstädter Hofes". Der Ortsringführer der Ortsgruppe, Rektor Schaad, begrüßte zunächst die recht zahlreich erschienenen Volksgenossen. 9tad) einem Gedicht „Gruß an die Ostmark", das im Sprechchor von Schülern und Schülerinnen der Oberklasse zum Vortrag gebracht wurde, sprach Studienassessor Dr. Kirchner von der Realschule Hungen. Der Redner schilderte unter Hinweis auf die Ziele und Aufgaben, die der VDA. zur Grundlage hat, die Nöte des Auslandsdeutschtums. Millionen deutscher Männer und Frauen ständen in aller Well in schwerem Kampfe um die Erhaltung ihres Volkstums. Ursache dieses Zustandes bilde das auf dem deutschen Volke lastende Schanddiktat von Versailles. Mit dem Hinweis, daß es Pflicht jedes deutschen Volksgenossen sei, in einmütigem Zusammenstehen der Sache des ringenden Ausländsdeutschen zu dienen, schloß der Redner seine mit starkem Beifall aufgenommene Ansprache. Nach dem Liede der Schüler und Schülerinnen der Volksschule, „Kein schöner Land", das mehrstimmig unter Leitung von Lehrer Schmidt vorgetragen wurde, sprach Dentist Weiß, der in einem interessanten Lichtbildervortrag Erlebnisse und Erfahrungen von seiner Reise nach Siebern bürgen (seinem früheren Heimatland), die durch Oesterreich ging, in sehr eindrucksvoller Weise darlegte. Insbesondere konnte der Redner eingangs seines Vortrages darauf hinzuweisen, wie stark sich gerade Der Ausländsdeutsche trotz schwerster Nöte und Unterdrückung mit seinem Mutterlande verbunden fühle. Allüberall, wo Die deutsche Zunge erklinge, könne man dies freuDigen Herzens feft- stellen. Nach Darlegung der geographischen Lage Siebenbürgens, dieses jetzt zu Groß-Rumanien gehörigen Landes, schilderte Der Redner an Hand von zahlreichem Lichtbildmaterial in humorvoller Weise seine Erlebnisse. U.a. wies er insbesondere darauf hin, daß gerade Siebenbürgen in handelspolitischer Beziehung und als Absatzgebiet deutscher Fertigfabrikate hervorragend geeignet sei, da dort nahezu keine Industrie bestehe und dieser Landstrich fast ausschließlich Agrarland sei. Es sei der Wunsch, den er allenthalben in Kreisen der dortigen Wirtschaft hätte wahrnehmen können, Dafj die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder sich immer mehr und mehr bessern und zum Nutzen beider Länder auf den Zustand Der Vorkriegszeit zurückkommen möchten. Es bleibe Hauptaufgabe Der führenden wirtschaftlichen Kreise Deutschlands, alles zu tun, um diese Aufgabe zu lösen. Am Schlüsse der Darbietungen, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden, dankte Rektor Schaad den beiden Rednern für ihre uneigennützige Mitwirkung, um damit der Sache des Auslandsdeutsch- tums zu dienen, Mit einem Appell an die Zuhörer, dieser Sache künftig in einmütigem Zusammen- stehen zu dienen, und mit einem Treuegelöbnis an den Führer und Kanzler des Deutschen Reiches fand die eindrucksvolle Veranstaltung mit dem Gesang der beiden Nationalhymnen ihr Ende. Rechtsberatungsstelle der DA?. Nieder-Ohmen für die kreise Alsfeld und Lauterbach. Zu meiner Veröffentlichung vom 28. August 1934 bringe ich folgenden Nachtrag: In fachlicher Hinsicht, besonders für Die Betriebsführer, kommt unsere Nachbar-Rechtsberatungsstelle Gießen (B.-Vertreter, Gießen) in Frage. Sämtliche Betriebsführer und Unternehmer, welche als Einzelmitglieder der Deutschen Arbeitsfront angeschlossen sind, wollen sich mit mir in Verbindung setzen. Ich werde die Fühlung mit dem B.-Vertreter Der Rechtsberatungsstelle Gießen Herstellen. Ich werde auch weiterhin ermöglichen, daß Sprechstunden in Alsfeld und Lauterbach von Dem B.-Vertreter der Rechtsberatungsstelle abgehalten werden. Wann und wo diese Sprechstunden stattfinden, ersehen Sie in den ersten Tagen aus dieser Zeitung. Heil Hitler! Der Rechtsberater Der DAF. des Kreises Alsfeld und Lauterbach. Gez.: Pg. Otto Hartmann Lanvkrcis (tiieftcu. § Staufenberg, 16. Sept. Der 17 Jahre alte Walter Schlapp und der ebenfalls 17 Jahre alte Otto Schneider von hier machten in Der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr eine M x> t orrad- fahrt mit einem fremden Motorrad, das sie einmal ausprobieren wollten. Zwischen Fronhausen und Oberwalgern rannten sie in voller Fahrt gegen eine Telegraphen- [fange, wobei Schneider einen Oberschen- kelbruch davontrug und Schlapp Fleischoer- letzungen am Unterschenkel und im Gesicht erlitt. Beide wurden von der Gießener Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt. cxd Annerod, 15. Sept. Bei der Arbeit an der Dreschmaschine trug der 38 Jahre alte Arbeiter Otto Loosen so erhebliche Verletzungen an der rechten Hand davon, daß er nach Gießen in Die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte. wg. Aus dem Busecker Tal, 16. Sept. In unserer Gegend wurde in den letzten Tagen mit der Kartoffelernte begonnen. Der Ertrag ist auf guten Lehmböden und auf den Aeckern im Tal als sehr gut, auf sandigen und geringwertigen Böden Dagegen als sehr gering zu bezeichnen. Ferner ist zur Zeit die D b ft e r n t e in vollem Gange, sie erbringt etwa eine Mittelernte. wg. Groß en-Buseck, 16. Sept. Dank Der Förderungsmaßnahmen Der Reichsregierung hat Die Bautätigkeit in unserem Orte in Den letzten Monaten eine wesentliche Belebung erfahren. In Der Hauptsache wurden Umbauten und Jnstand- setzungsarbeiten ausgeführt. An Neubauten erstanden je ein Wohnhaus in Der Wilhelmstraße und im Grünberger Weg, sowie zwei Werkstätten. Von Den Bauhandwerkern waren Die Weißbinder am stärksten in Anspruch genommen, Denn fast in jeder Straße konnte man Die Weißbindergerüste an Den Häusern stehen sehen. Diele BauhanDwerker und Arbeiter hatten dank der großzügigen Maßnahmen Der Reichsregierung für längere Zeit Verdienst- möglichkeit. = Allertshausen, 15. Sept. Der 21 Jahre alte Fabrikarbeiter Carl Bender von hier erlitt bei der Arbeit schwere Verletzungen an der rechten Hand, die die Inanspruchnahme der Klinik in Gießen erforderlich machten. + Grünberg, 15. Sept. Am Freitag wurde hier Gerichtsvollzieher König, der an einer schweren Erkrankung in der Klinik zu Gießen verstorben war, zu Grabe getragen. Das große Trauergefolge und die zahlreichen Kranzniederlegungen bewiesen die allgemeine Wertschätzung, deren sich der pflichtgetreue Beamte erfreute. Er kam im Jahre 1919 nach Grünberg, nachdem er vorher in Hungen tätig gewesen war. Er war Kriegsteilnehmer. * Muster, 17. Sept. Am 19. September feiert der langjährige hiesige Austräger des „Gießener Anzeigers", Polizeidiener Konrad Heß, seinen 8 4. Geburtstag. Der alte Herr erfreut sich noch bester Rüstigkeit, so daß er seinen Dienst als Polizeidiener in vollem Umfange ausfüllen kann. 0 Großen-Linden, 16. Sept. Beim Futterholen auf dem Scheunen b öden stürzte die 65 Jahre alte Landwirtsfrau Elisabeth Geiger vom Boden herab und trug dabei so schwere Verletzungen davon, daß sie von der Gießener Sanitätskolonne Der Chirurgischen Klinik zugeführt wurde. Die bedauernswerte Frau liegt mit Arm- und Beinbrüchen und inneren Verletzungen darnieder. < Garbenteich, 15. Sept. Der 20 Jahre alte Schreiner Albert Bopp erlitt hier beim Arbeiten an der Säge starke Verletzungen Der Hand. Er mußte der Chirurgischen Klinik Gießen überwiesen werden. * Lang-Göns, 16. Sept. In der vergangenen Nacht wurde hier aus einer verschlossenen Hof- reite von einem unbekannten Täter ein Motorrad gestohlen. DieErmittlungen sind im Gange. * Holzheim, 15. Sept. Bei einem unglücklichen Sturz trug das vier Jahre alte Söhnchen des Hilfsarbeiters Heinrich Reitz einen schweren Schädelbruch davon. Das bedauernswerte Kind kam nach Gießen in die Chirurgische Klinik. Kreis Schotten. # Ulrichstein, 16. Äpt. Die in Den Sommermonaten in fast allen Dörfern unserer Gegend verzeichnete Wasserknappheit Dauert gegenwärtig zum aroßen Teile noch immer an, auch in Dörfern mit sonst durchaus ergiebigen Zuleitungen. Bei dieser Sachlage mußten Die Maßnahmen zur Einschränkung des Wasserverbrauchs noch beibehalten werden. # Vom Vogelsberg, 16. Sept. In Diesem Jahr tritt in den F i ch t e n b e st ä n d e n unserer Waldungen, insbesondere in Der Ohmgegend, Der Rüsselkäfer stärker als früher auf. Durch Fällen Der heimgesuchten Bäume will man Dem Schädling Einhalt gebieten. Das Reisig und Die Rinde Der gefällten Bäume werden sofort verbrannt, um dadurch eine weitere Vermehrung Des Käfers zu unterbiniDen. Wirtschaft. Vom deutschen Holzmarkt. Der gesamte Rund- und Schnittholzmarkt zeigt vorwiegend feste Tendenz. Auf Dem Rund Holzmarkt rechnet man zum Herbst mit einem laichten Anziehen Der Preise. Dabei werden Die durchaus stabilen Erlöse für Schnittmaterial ausgleichend wirken. Das Herbstgeschäft dürfte diesmal schon frühzeitig lebhaft einsetzen. Für Rund tiefer ist Die Nachfrage sehr befriedigend. Auch Fichten- und Tannenstammholz wurde glatt abgesetzt. Die Nachfrage nach Papierholz ist unverändert lebhaft. Die im Inland erzeugten Mengen fanden glatte Aufnahme, Da Die Papierholzfabriken von Der zur Zeit günstigen Einkaufsgelegenheit reichlich Gebrauch machten. Für Grubenholz bestand in Den schwächeren Sortimenten verstärkte Nachfrage, bei fester Pre-istendenz. EntrinDete Stempel erzielten auf Der Frachtbasis Essen 18 bis 19 Mark je Festmeter. Die Preise für Brennholz waren wenig verändert. Bauware findet nach wie vor glatten Absatz. Der Brettermarkt zeigt freundliche Stimmung. Nach Betonschalung ist lebhafte Nachfrage, ebenso nach guten Latten. Der Markt für Kistenbretter hat sich wieder etwas lebhafter gestaltet, wenngleich 'Die Nachfrage noch etwas zu wünschen übrig läßt. Tischlerware ist bei knappem Angebot weiterhin begehrt. Im Geschäft mit Hobelware wurde vor allem guter unsortierter Fußboden und 2. Klasse gefragt. Die Südwestdeutschen Hvbelwerke erwarten angesichts Der begrenzten Einfuhr norDischer Hölzer ein weiteres Vorrücken süddeutscher Hobelbretter. Auf Dem Laubholzmarkt werden die Verwertungsmöglichkeit für Rot- und Weißbuche besonders günstig beurteilt. Buchenschnittware sand guten Absatz, die Lagerbestände sind daher nicht groß; der Markt Dürfte für diesen Artikel aufnahmefähig bleiben. Für prima Eichenfurniermaterial ist Der Absatz außerordentlich günstig, aber auch für geringere Ware herrscht Nachfrage durch Den steigenden Bedarf Der Parkettindustrie, während Der Markt für Möbeleiche etwas vernachlässigt ist. Mit günstigen Absatzverhältnissen wird für Linde, Aspe und Pappel gerechnet, für die in Der Zündholz- und SperrplatteninDustrie Nachfrage besteht. Gute Pappel kommt als Okumö- Ersatz in Frage, ebenso gute und starke Erlen. Nußbaum und Rundesche hatten weiterhin einen aufnahmefähigen Markt bei begrenztem Angebot. Der Absatz von Furnieren und Sperrhölzern hat nichts von seinem Umfang eingebüßt. Frankfurter Börse. Dürfe: freundlich. Frankfurt a. M., 15. Sept. Auch zum Wochenschluß zeigte die Börse keine Geschäftsbelebung. Das wenige Interesse des Publikums galt weiterhin nur einigen Spezialpapieren, während die Hauptmärkte infolge Zurückhaltung der Kulisse fast vollkommen stagnierten. Die feste Haltung einiger Spezialwerte, sowie günstige Lageberichte, so aus der Baumwoll-, Eisen- und Automobilindustrie, waren es auch, die der Börse eine freundliche Tendenz gaben. Sehr fest lagen von Zellstoffaktien Aschaffenburger, die bei starker Nachfrage 2,50 v. H. gewannen. Ebenfalls stärker gesucht waren Gedr. Junghans mit plus 2,90 v. H., daneben konnten sich Hanfwerke Füssen nach der letzttägigen Schwächeneigung wieder auf 45,50 v. H. (plus 1,50 v. H.) befestigen. Von chemischen Werten gewannen Th. Goldschmidt 1 v. H. während Farbenindustrie und Metallgesellschaft 0,40 bzw. 0,50 v. H. verloren. Am Elektromarkt setzten AEG. 0,13 v. H., Bekula 0,40 v. H. und Siemens 0,50 v. H. höher ein, Gesfürel blieben behauptet, Schuckert gingen um 0,50 v. H. zurück. Der Montanmarkt brachte überwiegend Kurserhöhungen von 0,25 bis 0,50 v. H., so bei Buderus, Harpener, Mannesmann, Phönix und Laurahütte. Cement Heidelberg lagen heute etwas im Angebot und gingen um ca. 1 o. H. auf 116,50 v. H. zurück. Im einzelnen eröffneten AG. für Verkehrswesen 1 v. H., Nordd. Lloyd 0,13 v. H., Zellstoff Waldhof auf den Abschluß hin 0,40 v. H. höher, wogegen Reichsbank und Westdeutsche Kaufhof je 0,40 v. H. und Deutsche Linoleum 0,50 v. H. verloren. Der Rentenmarkt lag freundlich, besonders Altbesitz (plus 0,25 v. H.) waren beachtet. Späte Reichs- schuldbuchforderungen waren mit 94,65 v. H. unverändert. Am Auslandsrentenmarkt tendierten Mexikaner nicht ganz einheitlich. Im freien Markt setzten russische Vorkriegsanleihen ihre Befestigung mäßig fort. Russen-Südwest 4 v. H., Gulden-Russen 1.60 bis 1,65, 1902er Russen 1,60. Im Verlaufe war die Börse überwiegend fester, das Geschäft erfuhr allerdings keine nennenswerte Ausdehnung. Die Erhöhungen betrugen durchschnittlich 0,25 bis 0,50 v. H., etwas mehr gesteigert waren Scheideanstalt (plus 1,25 v. H.), Lahmeyer (plus 1,13 v. H.), ferner zogen Goldschmidt nochmals 1 v. H. an. Schwächer waren andererseits Ilse Stamm- und Genuß mit je minus 0,65 v. H., auch Reichsbankanteile gaben weiter 0,40 nach. Von Kunstseideaktien lagen AKU. 0,75 v. H. niedriger Bemberg gut behauptet. Der Rentenmarkt lag späterhin sehr ruhig bei kaum veränderten Kursen. Auch am Pfandbriefmarkt ergaben sich bei kleinem Geschäft nur geringfügige Abweichungen, wogegen Stadtanleihen meist leicht anzogen. Auslandsrenten lagen ziemlich still, Schweizer Bundesbahnen eher etwas fester. Am Kassamarkt zeigte sich etwas lebhaftere Publikumsnachfrage, wobei Maschinen- und Metallwerte bevorzugt blieben. Daneben waren auch einige andere Jndustrieaktien beachtet. Großbankaktien lagen nur wenig verändert. Tagesgeld blieb zu 3,25 v. H. unverändert. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 17. Sept. Vorbericht. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1429 Rinder (462 Ochsen, 116 Bullen, 362 Kühe, 479 Färsen), 494 Kälber, 55 Schafe (45 Hümmel), 4103 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 25 bis 36 Mark, Bullen 23 bis 32, Kühe 10 bis 32, Färsen (Kalbinnen) 24 bis 36, Kälber 25 bis 47, Hümmel 28 bis 34, Schweine 40 bis 53 Mark. — Marktver- lauftRinder, Kälber, Hümmel und Schafe ruhig, Schweine mittelmäßig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. __________________________Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Froui'ur. a. JJi. 2)er..;, .rrannur. u. Dl. Berlin Franksun a.M. Äerlln Devisenmarkt Berlin — Frankfurt (Litt. Schlußkurs vchiuvr. Abend- börs.- Schluß« kurs Schluß!. Mittagbörse Schlußkurs Schlußr. Abend- börfe Schlußkurs Schlußk. Mittag, börfe Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börfe 14-September 15-September Amtliche Notierung Geld | 25rie; Amtliche Notierung Geld | Ärlei Oatum 14-9. 15-9- 14-9- 15-9. Datum 14-9. 15-9- 14-9- 15-9- Datum 14-9- 15-9. 14-9- 15-9 6% Deutsche Reichsanleihe v. 192? 6% eljem.7% Dt.Retchsanl. v. 1929 6Vi% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 trückzahlb. 102%)............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12.................. 6Vt% Hess. Landes^Hypotheken- bank Darmstadt Liqui.. ..... Oberhessen Provinz-An leihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sommelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 6%% ehem. 4>/3% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... WA> ehem. 4«/,% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 6% ehem. 8% Pr. Landespfand, briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 Steuergutsch. Verrechnungskurs.. 4% Lesterreichische Goldrente.... 4,80% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4'/r% desgl. von 1913.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie 1..................... 94,75 93 96-75 93-75 90 90,25 98 99,4 90,75 90,5 90,5 90,75 93 93 101,65 1,1 7,9 7,4 7,4 11,9 8 94,75 94 97 93,75 90,25 90,25 98 99,25 90,75 90,5 90,5 90,75 93 93 101,65 G 8,15 7,5 11,9 8 95 94 96,9 93,6 99,5 91 93 94 101,65 1,05 7,9 7,45 7,5 12,13 95 94 96,8 93,65 90,25 99,25 93 93 101,65 33,5 8,35 7,65 7,5 11,8 4% desgl. Serie 11............. 6% Rumän. vereinh. Rente v. 19C3 4Vr%Rumän.vereinh.R»ntev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 y*% Anatolier............... Hamburg-Amertka-Paket .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa-Dampfschiff...........o Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Tis conto» Gesellschaft....... o Dresdner Bank............ o Reichsbank .................. A.E.G................. o Bekula..............0 Elektr. Lieferungsgesellschaft'... 6 L'cht und Kraft .............. Selten & Guilleaume.........0 «^H^^eVr.Unternehmung. 5 Rhetnyche Elektrizität ...... 5 Schlickert L Co................ Siemens L Halske........... 7 Lahmeyer LLo............... Buderus .................... Deutsche Erdöl ............... Gelsenkirchener............... Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 Ilse Bergbau ............... g Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke ............ 0 Mannesmann-Rühren ...... 0 8 4,25 7 4 37,9 29 71,5 67,5 71,25 74,5 152,75 27,25 147,75 101,75 115,5 76 112 102,5 95,5 148,5 123 116,13 60,5 105,25 131 77,4 71 8 4,25 7 4,1 38 25,5 29,25 72,5 96,65 67,75 72,5 75 151 27,4 148,13 102,25 116,4 76,25 112 103,5 95 149 124,13 88,4 116,75 60,5 105,5 170 130,65 78,25 72 4,13 38 26,65 28,9 72,5 96,25 67,5 71,5 74,5 153,5 27,25 147,9 102,25 115,75 76,4 112 103 95,25 149,25 123 87,25 116,65 60,4 105,5 74,25 131,5 77,4 70,75 4,6 7 4,13 38,1 25,13 24,5 28,75 72,5 96,25 67,75 72,5 75 150 27,5 148 102,9 117,25 76,5 112,25 103,5 95 148,75 123,75 88 116,13 60,9 105,25 75,5 170,25 131 78 72,13 Mansselder Bergbau.........O Kokswerke................ O Phönix Bergbau.............0 Rheinische Braunkohlen .....10 Rheinstahl..................O Vereinigte Stahlwerke........O Otavi Minen ...............O Kaliwerke Aschersleben........5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth.....?y2 I. G. Farben-Jndustrie.......7 Scheideanstalt...............9 Goldschmidt ................O Rütgerswerke...............O Metallgesellschaft.............O Philipp Holzmann...........O Zementwerk Heidelberg ......O Cementwerk Karlstadt.........O Schultheis Patzenhofer .......O Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg...................0 Zellstoff Waldhof ............O Zellstoff Aschaffenburg .......O Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren............O Deutsche Linoleum...........O OrensteinL Koppel .......... O Leonhard Tietz..............O Chade......................10 Accumulatoren-Fabrik........O Conti-Gummt...............O Grihner....................O Mainkraflwerke Höchst a-M..,. 4 Süddeutscher Zucker ......... 8 79,25 47,13 246 90 14,25 129 128 158,5 145,4 217 92,25 42,13 93,5 78,75 117,5 127,5 67,5 69,5 48 66,5 48,13 57,75 27,75 217,5 179 130,65 27,75 78,5 187 79,25 47,75 89,75 40,65 14,25 128 159 145 218,25 94 42,5 93 79,75 116,75 127,5 66,5 69,25 48,5 69 49 57,5 27,4 219 180 131 27,75 78,5 185,76 79 100,9 247 90 40,4 14,13 129 129 159 145,13 92,5 42,25 93,75 l"'= 112,5 67,65 140 48 67 127,25 47,9 57,5 89,4 27,9 219 179 130,5 1 79,25 101,75 47,9 247 90,4 40,65 14,25 128,75 127,75 145 94,4 42,75 92,5 80,65 113,4 66 139,5 49,25 69 127,65 49.25 57,25 91,75 27,65 219 180,25 131,25 27,75 188 Buenos Aire- Brüssel.... Rio de Jan. Sofia..... .Kopenhagen Danzig .... London.... ^elstngfors. Holland ... Italien.... Japan ..... Jugoslawien Oslo..... Wien...... Lissabon... Stockholm.. Schweiz ... Spanien... Prag...... Budapest .. Neuyork... 0,666 58,545 0,184 3,047 55,39 81,97 12,405 5,475 16,50 169,73 21,54 0,743 5,714 62,35 48,95 11,26 63,97 81,67 34,32 10,44 2,481 0,670 58,665 0,186 3,053 55,51 82,13 12,435 5-485 16,54 170,07 21,58 0,745 5,726 62,47 49,05 11,28 64,09 81,83 34,38 10,46 2,485 Sanknoten 0,660 58,545 0,184 3,047 55,30 81,92 12,385 5,465 16,50 169,73 21,50 0,740 5,714 62,25 48,95 11,24 63,87 81,67 34,27 10,44 2,476 0-664 58,665 0-186 3,053 55,42 82,08 12,415 5,475 16,54 170,07 21,54 0,742 5,726 62,37 49,05 11,26 63,99 81,83 34,33 10,« 2,480 Berlin, 15-September Geld Ariel_____ Amerikaniiche Roten.............. Belgische Noten............4..... Dänische Noten ................. Englische Noten ................. Franzölische Noten............... Holl^..Rjche-Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilli». Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Noten ................ 2,428 58,385 55,15 12,35 16,46 169,31 21,38 62,09 63,70 81,49 34,13 2,448 68,625 55,37 12,39 16,52 169,99 21,46 62,33 63,96 81,81 34,27 ltt. 2'7 Drittes Blatt Gtehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Montag, 17. September 1934 Trachten- und Heimatfest in Homberg. Die schöne Draut aus Ohmes. M W Für ein Trachtenfest war Homberg, das herrlich gelegene ländliche Städtchen an der Ohm, der rechte Ort. Die schönen Fachwerk- und die schindel- verkleideten Häuser waren der sinngemäße Hintergrund für die bunten hessischen Trachten, die am samstag, besonders aber oon Sonntaa. das Stra- geleitet. Die Kapelle — verstärkte SA.-Kapelle (Dirigent M a g e I) — spielte den Badenweiler Marsch und der Silcherchor (Dirigent Lehrer Vieh- mann) sang das Lied „Wach auf, deutsches Land!" Die Trachtengruppe Cappel, die einen großen Teil des Abends bestritt, sang zunächst zwei Lieder, Frl. Käthe Strauch (Homberg) lobte die Schönheit Hombergs in einem lustigen Gedicht in oberhessischer Mundart, von zwei Mädchen der Cappeler Gruppe wurde ein lustiges Duett vorgetraaen und schließlich wurde von der gleichen Gruppe der feine nordische Tanz „Godenwind" gezeigt. Die Gruppe aus dem Ebsdorfer Grund sang zur Violine, zur Gitarre und Laute, spielte und tanzte und fand durch ihr lebendiges Auftreten viel Beifall. Nachdem inzwischen der Landschaftsführer des Reichsbundes Volkstum und Heimat Ministerialrat R i n g s h a u s e n und der Gauinspekteur und Kreisleiter Klo st ermann eingetroffen waren, hielt Bürgermeister Schweicker eine kurze Ansprache, in der er alle Volksgenossen, insbesondere aber die beiden genannten Gäste herzlich willkommen hieß, den Sinn der Veranstaltung umriß und allen Dank sagte, die zum Gelingen beitrugen. Er wies darauf hin, daß es das erste Trachtenfest sei, das in Homberg abgehalten werde. Die Bewegung zur Wiederbelebung oon Tracht und alter Sitte habe unter der neuen Regierung starkes Echo gefunden. Möge ihr aller Erfolg beschieden sein! Nachdem von der Cappeler Trachtengruppe noch ein schöner bunter Rheinländer getanzt war, ge= langte oon der gleichen Gruppe ein Theaterstück „Das Kucheblech" zur Aufführung, das in jedem Wort dem Leben abgelauscht war und mit sehr viel Natürlichkeit wiedergegeben wurde. Es gab stürmischen Beifall nach jedem Akt. Dann sprach der Landschaftsführer des Reichsbundes Volkstum und Heimat, Schwärmer Burschen und Mädchen beim Tanz. Benbild belebten. Das Fest war für alle ein schönes Erlebnis. Homberg stand ganz im Zeichen des Bewußtseins vom Wert eigener völkischer Art. Die Stadtverwaltung, der Reichsbund Volkstum und Heimat, die NSG. „Kraft durch Freude" und } je Ortsbauerchchaft hatten das Fest mit aller Sorg- (nlt vorbereitet, die Einwohnerschaft half, soweit sie tonnte, sie nahm die Burschen und Mädchen gastlich c uf und schmückte die Häuser und Straßen. Das Fest fand seinen Auftakt am Samstag Am Nachmittag war die ehemals in Homberg stationierte Kapelle des Arbeitsdienstes aus Als- Xld eingetroffen. Die Kapelle unter der Leitung gres MZ.-Führers Rheinländer gab zunächst -iin Platzkonzert auf dem Marktplatz. Dem Konzert ging ein kurzer Marsch durch die Stadt voraus, an dem sich auch die bereits eingetroffenen Orachtengruppen beteiligten. Eine stattliche Menschenmenge hatte sich zum Platzkonzert eingefunden inb spendete der Kapelle begeisterten Beifall. Ein Heimatabend in der Stadthalle ver- linigte einen großen Teil der Hornberger Bevölkerung und wurde durch ein launiges Wort des Kreisringführers des Reichsbundes Volkstum und Heimat und des Kreisvolkstumswarts der N^G. Mast durch Freude" Krause (Ruhlkirchens em- Ministerialrat Ainashansen: Wenn man an einem Heimatabend teilnehme, dann schlage einem die Welle deutschen Volkslebens lebendig entgegen. Es werde einem auch der Gegensatz zwischen heute und früher bewußt. Das deutsche Volk habe durch Jahrhunderte hindurch ein unerfülltes Sehnen in sich getragen und sei immer mehr in Verhältnisse hineingestoßen worden, die ihm nicht zusagen konnten. Immer mehr habe sich das Volk im Laufe der vergangenen Jahrhunderte von seiner ihm gemäßen Art entfernt; die Volksgenossen seien sich gegenseitig fremd geroorben. In ISjähri- gem Kampf sei der überfällige Staat beseitigt worden. Das sei aber nur möglich gewesen, weil sich das Volk in Feindschaft dem Staate gegenüber befand. Der vergangene Staat habe das Volk von seinem Wesen fortgeführt. Nun gelte es, das deutsche Volk im neuen Staate zu verwurzeln. Es sei noch lange nicht erreicht, daß der deutsche Wenfch zu Grund und Boden zurückgeführt fei. Das werde eine Arbeit von Generationen sein. Es seien auch sehr viele noch lange nicht Nationalsozialisten. Es gehe darum, den deutschen Kleiner Bummel durch das festlich geschmückte Homberg. 5- r u Braut und Brautjungfern im reichen Schmuck der Hochzeitstracht. Menschen zu erobern, die deutsche Seele und den Geist zur Entfaltung und zur Wirkung zu bringen. Das fei eine Arbeit, die wir zu leisten hätten. Verheerend habe das vergangene Jahrhundert mit seiner öden Gleichmacherei gewirkt. Verheerendes Ausmaß habe die Verdunkelung der deutschen Seele angenommen. Es machte sich ein Zeitgeist breit, der die Lebensgrundlagen unseres Volkes immer mehr vernichtet habe. Es sei ein Kamps des Besitzes und der Materie gegen alles Lebendige gewesen; die materielle Weltanschauung habe in grimmiger Feindschaft der Auswirkung der deutschen Seele gegenübergestanden. Zugleich sollten die Wurzeln der deutschen Kraft in der Vergangenheit abgeschnitten werden. Unsere Aufgabe sei es, alles das, was durch fremden Geist zerrissen wurde, wieder herzu- siellen. Das Band und die Jäben der Vergangenheit zur Gegenwart müßten wieder neu und fest geknüpft werden. Was an deutschem Brauchtum und an Sitte geschaffen worden fei, sei aus der Kraft der deutschen Seele erstanden, sei verwurzelt im Blut des deutOer Trachienfestzug am Sonntaa. Im Städtchen herrschte bald nach Sonnenaufgang schon reges Leben. Der Musikzug des Arbeitsdienstes spielte zum Wecken. Der Gottesdienst begann eine Stunde früher als sonst. Gegen 10 Uhr trafen aus näherer und weiterer Umgebung, zum Teil in Omnibussen, zum Teil auf prächtig geschmückten Wagen, die Trachtengruppen in der Stadt ein. Die von Ohmes und aus der Schwalm brachten eine Braut in der leuchtenden Schönheit ihrer Hochzeitstracht mit, die von Herbstein ebenfalls. Auch verschiedene andere Gruppen hatten einzelne Mädchen bei sich in bräutlichem Schmuck. Oftmals waren die begleitenden Brautjungfern nicht weniger prächtig gekleidet. Bald war das ganze Städtchen erfüllt von buntestem, festlichem Leben. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Auf dem Marktplatz hatte die Musikkapelle des Arbeitsdienstes nochmals Aufstellung genommen und schmetterte ihre flotten Märsche in den hellen Tag. Auf dem Rande und auf den Stufen des i1 - * W . n I * .... ' 1 Mädchen aus Cappel winden sich eine Blumengirlande für den Festzug. schen Menschen. Wir müßten wieder mehr den eigenen Wert erkennen. Was die Väter schufen, müsse wieder zur Geltung kommen. Was wir an Trachten heute sähen, solle nicht „Museum" sein, es solle, ebenso wie Gesang und Tanz, wieder lebendig werden. Trachten seien das Werk von Jahrhunderten. Die Trachten würden heute und morgen gezeigt werden, damit davon Anregungen ausgingen zu ihrer Weiterentwicklung. Der Nationalsozialismus werde dieses Gut aus der Vergangenheit heraus lebendig machen und werde in diesem Wollen unerbittlich fein. Wir haben gesiegt im Kamps um die Macht im Staate, wir würden auch Sieger sein in diesem Kampf Deutschland müsse wieder deutsch werden. Auf unsere deutsche Kleidung und unsere deutschen Tänze wollten wir wieder stolz werden. Wir wollen zurück zur deutschen Scholle und zurück in das deutsche Haus. Wir wollen — so schloß der Redner — wandern auf der großen Straße, die „Deutschland" heißt und dabei dankbar unseres Führers gedenken, der uns auf diese Straße führte und Deutschland rettete. Begeistert wurde das dreifache „Sieg-Heil!" auf den Führer ausgenommen und erwidert. Den Beschluß des Abends bildete, nachdem noch verschiedene Tanzvorführungen und gesangliche Darbietungen prächtig unterhielten, ein Hans-Sachs-Spiel der Trachtengruppe Ruhlkirchen „Das Kälberbrüten". Das Spiel, ein literarischer Holzschnitt, wurde ganz hervorragend aufgeführt. Bürgermeister S ch w e i ck e r hielt noch eine kurze Schlußansprache, in der er dem Dank an alle Mit- wirkenden Ausdruck gab. Im dreifachen „Sieg- Heil!" auf den Führer und mit den ersten Versen des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes klang die Veranstaltung aus. Auf dem Festplatz gab dann die Kapelle zu mitternächtlicher Stunde und beim Scheine der Fackeln den Zapfenstreich und schloß damit den ereignisreichen ersten Tag des Trachtenfestes in Homberg. Brunnens vor dem Rathaus hatten sich Mädchen und Burschen niedergelassen und lauschten den Klängen der Kapelle. Die Alten schauten wohlwollend auf diese Jugend, die sichtlich im Begriff ist, all dem wieder zu Ehren zu verhelfen, was den Alten ehrwürdig ~ar. Von allen Häusern flatterten Fahnen. Die Sonne schien in die Gassen und ließ Mädchen aus Herbstein. Aus -er Provinzialhauptstadt eigene Note, war in der anders, in ihrem Kameradschastsabend des Lustschutz-Lehrtrupps. Als Vertreter der Behörden sprach Bürgermeister Dr. Hamm. Alle in Betracht kommenden Dienststellen seien sich vollkommen klar über die Bedeutung des Luftschutzes, und er könne versprechen, daß von ihrer Seite alles nur irgend Mögliche geschehen werde, um den Luftschutzgedanken zu unterstützen. Wer, wie die Teilnehmer des Lehrganges, im Reichsluftschutzbund mitarbeite, tue dies ja keineswegs aus Privatvergnügen, sondern für das große Ziel, im Ernstfall für Volk und Reich und Staat seine Kräfte in zweckentsprechendet Weise einsetzen zu können. In diesem Ernstfall wird es, wie der Ortsgruppenführer Dr. W a l b r a ch bei dem Eröffnungsabend des Lehrganges schon ausgeführt hat, keine getrennten Front-, Etappen- und Heimatgebiete mehr geben, sondern das ganze Land wird Kriegsgebiet Diele Festwagen, mit denkbar größter Sorgfalt und Liebe hergerichtet und geschmückt, boten im Verein mit den Trachten ein großartiges Bild. Die Gruppe von Ober-Ofleiden, Dannenrod (alte Germanen), Appenrod, Haarhausen, Gontershausen, Deckenbach und Homberg stellten Wagen, durch die vielfach sehr fein die Arbeit des Bauern dargestellt war. Liebliche Bilder boten jene Wagen, auf denen sich Mädchen richtige Spinnstuben eingerichtet hatten und durch Sinnsprüche ihr Bekenntnis zum Volkstum zum Ausdruck brachten. Das Homberger Handwerk (Bäcker, Metzger, Töpfer und Schmied) trug auch fein Teil bei und stellte einige Wagen. Der bunte Festzug bewegte sich nur durch die hauptsächlichsten Straßen der Stadt und kehrte dann zum Festplatz zurück. Wohl niemand versäumte es, sich den Fesizug auf seinem Weg zweimal anzusehen, und mit heller Freude sah jedermann das feine deutsche Kulturgut, das hier getragen wurde, und nicht wie irgend etwas Fremdes getragen wurde, sondern so sicher, wie eben nur in Kleidern, die von Generationen her vertraut sind, gegangen werden kann. Als der Festzug den herrlich im Tal gelegenen Festplatz erreicht hatte, kam die große Menge der Einwohner und auswärtigen Gäste nach, um noch Die Arbeit des Luftschuh-Lehrtrupps 7 in unserer Stadt ist beendet. Eine Woche, von morgens bis in die die hundert Schüler und Schülerinnen aufge- tcilt waren, und die bald ebenso viele Familien bildeten, gelehrt worden; und daß auch etwas gelernt worden ist, hat schon die Besichtigung am Freitag- vormittag, über die wir am Samstag berichtet haben, gezeigt. Wie der Trupp am Montag zur Pflege der Kameradschaft einen Kameradschaftsabend durchgeführt hat, so lud er Teilnehmer und Behörden am Samstag zu einem A b - schlußabend ein, der — um es vorwegzunehmen — glänzend verlief. Der Führer, Obertruppführer Hafner, eröffnete diesen zweiten Kameradschaftsabend, den manche der jüngeren Teilnehmer sicher lieber acht Tage später gefeiert hätten, mit einer kurzen Ansprache. Was die Organisation „Kraft durch Freude" im großen erreichen will — ein Ebenmaß von Arbeit und Freude — das bezweckten diese Kameradschaftsabende im kleinen Kreis des Luftschutzes. Wenn man von Dank an den Lehrtrupp spreche, so müsse er dazu sagen: „Das ist nicht nötig, wir haben nur unsere Pflicht für Deutschland getan, worum es bei all unserer Arbeit geht." Wollten aber die hundert Frauen und Männer, Mädels und Jungen sich doch dankbar erweisen, so könne dies am besten dadurch geschehen, daß sie das Gelernte recht bald und gründlich in die Tat umsetzten, um an ihrem Teil die Bestrebungen des Reichsluftschutzbundes nach Kräften zu fördern. Zum Schluß sprach der Redner herzlichen Dank an die Burschenschaft „Germania" aus, für die freundliche Ueberlassung der Räume. An alle Hausbesitzer und Haushaltungsvorstände. Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: Mit Beginn der Feuerschutzwoche, und zwar ab 17. September, werden durch die Hessische Polizeidirektion und den Reichsluftschutzbund an alle Hausbesitzer und Haushaltungsvorstände Fragebogen zugestellt, um deren gewissenhafte und sorgfältige Ausfüllung gebeten wird. Ab 10. Oktober werden diese Fragebogen wieder abgeholt. Vortrag vor der SA. Am Mittwoch, 26. September, 20.15 Uhr, hält Bürgermeister SA.-Sturmmann Dr. Hamm vor SA.-Kameraden einen Vortrag im Caf6 Leib über das Thema: „Bodenrecht und Boden- unreif) t". An dem Vortragsabend nehmen teil: H/116, 20/116, VI/116, Pi. 23/116, Motor-SA. (Standort Gießen), Marinesturm (Standort Gießen), M. Z.-S. Z./116, Reitersturm (Standort Gießen). Starkenburger Kerienkinder kommen nach Gießen und Umgegend. Auf Veranlassung ter NSV. haben unsere Stadt und einige Orte im Kreise Gießen am Samstag wiederum für vier Wochen den Besuch von erho- lungsbedürftigen Kindern erhalten. Als freudig aufgenommene Gäste erschienen diesmal 79 Buben und Mädels aus dem Kreise Groß-Gerau, die am Samstag um 15.04 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof eintrafen, wo sie von Herren der NSV. auf dem Bahnsteig und dann vor dem Bahnhofsgebäude von ihren Ferien-Pflsgeeltern in Empfang genom- men wurden. Mit frohem Lachen kamen die Keinen hier an, die helle Freude über das wunderbare Ferienerlebnis strahlte ihnen aus den Augen. Ein Teil der Kinder Derb lieb in Gießen, er wurde vor tem Bahnhofsgebäude den freundlichen Gastgebern zugeführt. Dabei gab es auf beiten Seiten freudiges Entgegenkommen, reiche Liebe wurde von den Pflegeeltern den Kleinen zum Ausdruck gebracht und von diesen mit hingebungsvollem, kindlichem Vertrauen erroitert. Wer Zeuge einer derartigen Begegnung ist, wird immer wieder mit Freute und Genugtuung feststellen können, welch' reicher Segen sowohl für die Ferienkinder, wie auch für die Pflegeeltern und für die deutsche Volk;« die bunten Trachten der Mädchen und Burschen in ihrem ganzen Glanze und in ihrer nicht zu überbietenden Schönheit lebendig werden. Um die Mittagsstunde mußten die Veranstalter zur Aufstellung des Festzuges mahnen. Aus den Häusern kamen sie nun heraus, in denen die Auswärtigen zu Gast waren, und strebten in geschlossenen Gruppen dem Platz der Aufstellung unten im Tal — zwischen Homberg und Neuhaus — zu. Willig ordneten sich alle ein, die Festwagen standen fahrbereit, und bald erklang auch das Signal zum Inzwischen waren aus der weiten Umgebung viele Besucher erschienen. Nach Hunderten zählten die Trachtenfestbesucher allein aus unserer Provinzialhauptstadt Gießen. In dichten Massen säumten Tausende von erwartungsvollen Zuschauern des Festzuges die Straßen. Und freudige Bewegung ging durch die Reihen der Wartenden, als aus dem Tal herauf die Marschklänge der Kapelle des Arbeitsdienstes, die die Spitze des Festzuges bildete, Zu hören waren. Unzweifelhaft hat Homberg einen solchen Festzug noch nie erlebt. Der Trachlenfestzug war eine einzige große Freude für das Auge. Es wäre sehr schwer, jede einzelne Trachtengruppe einer an sich verdienten Würdigung zu unterziehen. Das ist aber auch kaum nötig, denn die eine bot sich so prächtig dar wie die andere. Aber wenn man auf die Trachten als solche eingehen will, dann muß man wohl bei den Schwül- mern beginnen. Während bei den meisten Gruppen die Mädchen fast ausschließlich die Trägerinnen der Tracht waren, traten die Schwcilmer mit sein; das ist das unbedingt Grundlegende für den nächsten Krieg. Wenn ein französischer General es als die Hauptaufgabe der Fliegerangriffe bezeichnet hat, die moralische Widerstandskraft des Gegners zu brechen, fo ergibt sich aus diesem Wort zugleich die Hauptaufgabe des Reichsluftfchutzbundes: die moralische Widerstandskraft der Bevölkerung zu stärken. Um das zu erreichen, genügt es nicht, daß hier und da jemand eine Ahnung von Brandbomben und ihrer Bekämpfung hat, sondern das ganze Volk muß zum Wehrwillen erzogen werden. Der Einzelne muß dahin gebracht werden, daß er unerschrocken mit der Sandschaufel dem Brandherd naherückt und damit sich selber schützt und feine Angehörigen und Mithausbewohner. Aber darüber hinaus sagen wir nicht bloß: Luftschutz ist Selbstschutz, sondern: Luftschutz ist Volksschutz. Denn uns geht es nicht um die Erhaltung eines Menschen, einer Familie, eines Hauses, sondern all unsere Arbeit im Reichsluftschutzbund dreht sich um unser Volk, da wir erkannt haben, daß allein das Volk ewig und unsterblich ist. Für tee Stadtverwaltung versprach Dr. Hamm, daß sie alles tun werde, was in ihren Kräften stehe, um am Ausbau des Luftschutzes mitzuhelfen. Dasselbe gelte für tee Polizei, die aus begreiflichen Grünten großes Interesse am Luftschutz habe. Auch die S A., so versicherte er für den Standartenführer Cutter, stehe hinter den Bestrebungen des Reichslustschutzbuntes und werde sich für ihn ein setzen. Als Bezirksgruppenführer von Oberheffen dankte er dem Trupp für feine Arbeit, tee auch Bedeutung für die ganze Provinz habe, vor allem aber im Namen der Ortsgruppe Gießen. In dem nun beginnenden gemütlichen Teil des Abends wurden zunächst riesige Kaffeekannen, die freilich später durch Biergläser ersetzt wurden, und gewaltige Mengen von Kuchen aller Art, die aus den Küchen der Teilnehmerinnen stammten, herum- gereicht. Nach dem gemeinsamen Gesang eines Liedes von Hermann Löns, ter vor nunmehr 20 Iah- ren in Frankreich gefallen ist, kam der schon am Montag angekündigte .Sängerwettstreit zwischen DdM., HI. und dem Trupp zum Austrag. Gegen den glänzend eingeübten Chor des Trupps kannten trotz allen anerkennenswerten Bemühungen die anderen Chöre nicht aufkommen. Die Abstimmung unter den Zuhörern fiel denn auch überwältigend zu Gunsten des Trupps aus. In einer kurzen launigen Ansprache versicherte sich ter Schulungsleiter von Bezirk und Ortsgruppe, Herr S ch u ch a rd, daß alle hundert Teil- nehmer und Teilnehmerinnen bereit seien, in Zu- einige Stunden mit den Gästen in der bunten Tracht zu verbringen. So entwickelte sich auf dem Platze ein reges Leben. Als die einzelnen Trachtengruppen dann zu ihren Tänzen auftraten, waren die beiden Tanzpodien von einer schier undurchdringlichen Menschenmenge umlagert. Da flogen die bunten Röcke bei Polka und Mazurka, beim Rheinländer und beim alten Schottisch, daß die älteren Damen und Herren schier aus dem Häuschen gerieten. Auf dem Festplatz fand auch eine Kundgebung statt, bei der zunächst der Kreisobmann des Reichsbundes Volkstum und Heimat, Lehrer Kraus- Ruhlkirchen, sprach. In weiteren Verlaufe des Nachmittags traf dann auch der Landesobmann der Landesbauernschaft Hessen-Nassau Pg. Seipel ein und hielt ebenfalls eine Ansprache. Auf beide Reden werden wir noch kurz zurückkommen. Das Fest in seiner Gesamtheit — erst zu später Stunde wurde es auf dem Festplatze still — nahm einen schönen Verlauf. Die Stadt Homberg hat gezeigt, daß sie imstande ist, große Veranstaltungen durchzuführen. Das einzigartige Trachtenfest wird sich für die Stadt Homberg als eine Werbung erweisen, wie sie glücklicher nicht gedacht werden kann. Jedermann war des Lobes voll und tief befriedigt machte man sich auf den Heimweg. farbig schimmerten und blitzten. Die Cappeler Mädchen waren sehr zahlreich erschienen, und hell leuchteten die vielen roten Röcke in den Tag. Ein Teil der Gruppe trug schöne bändergeschmückte Musikinstrumente. Die Mädchen aus Schweinsberg fielen besonders durch ihre elfenbeinfarbenen, merkwürdig geformten Bänderhauben auf. Hinterländer Mädchen kamen in ihren strengen, in der Farbe zurückgehaltenen Kleidern. Schöne Trachtengruppen kamen aus Ruhlkirchen, Erksdorf, Ebsdorf, Holzhausen, Erfurtshaufen, Rüdigheim, Moischt, Groß-Seelheim, Langenstein und aus dem Hinterland. Und jede dieser Tracyten trug Farbe und Form immer wie- Wesen geprägt von den Menschen, die sie trugen und vorher getragen hatten. Man sah manches feingeschnittene Gesicht. funft eifrig mitzuarbeiten und für die Bestrebungen des Luftschutzes zu werben. Auch eine Anzahl Kursteilnehmer beteiligten sich neben den Angehörigen des Trupps an ter Aus- gestaltung des Abends. Herr Nord trua ein Ge- dicht vor, das er als „Rückschau auf den Lehrgang" verfaßt hat, einige Jüngere sangen Schnadahüpfel, bei denen kaum einer verschont bliebt; bann folgte eine Pantomime, die aus dem Wandervogelkreis stammt: „Der Haarkünstlei:", der Obertruppführer führte allein eine Unterhaltung zwischen Vater und Sohn durch, der Trupv sang sein Truppliod und dann folgten, dem Recht der Jugend entsprechend, einige Tänze. Im ganzen betrachtet ist dieser Kameradschaftsabend glänzend verlaufen. Ob jung, ob all, ob Studienrat oder Eisenbahner: alle, bie im Saale faßen, hatten die Empfindung, zu einer großen Familie zu gehören. Deshalb kann man sagen, daß die Ar- bell des Lehrtrupps nicht bloß auf den Dachböden und in den Kellern erfolgreich war, sondern auch auf dem Gebiet der Pflege ter Volksgemeinschaft, des letzten Zieles im neuen Reich. Drei Verlaufssonntage vor Weihnachten in Hessen. In einer Mitteilung des Hessischen Staatsministeriums an den Rhein-Main-Handelstag ist angeordnet worden, daß in diesem Jahre der 9., 16. und 23. Dezember gemäß den Bestimmungen der Reichsgewerbeordnuna als Verkaufssonntage frei- gegeben sind. Eine Ausdehnung der Verkaufszeit bis 19 Uhr ist nicht möglich, da nach zwingendem Reichsrecht eine Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern über 18 Uhr nicht stattfinden darf. Spange, waren bekleidet mit dem bestickten schwarzen Mieder und hatten das zierliche rote Häubchen, an breiten Bändern befestigt, auf dem Kopf. Allgemein sind sicherlich auch die schönen weißen Wollstrümpfe aufgefallen, die mit einem vielfältigen Muster gestrickt sind. Prächtige Bandeliers an diesen Strümpfen baumelten bei jedem Schritt. Und die Burschen, prächtige, hvchgewachsene Kerle, neben denen sich die Mädchen fast klein ausnahmen (die Mädchen wurden von den Burschen auch in einer eigenartigen losen Haltung der Hand geführt) trugen die langen blauen, ebenfalls vielfach verzierten Blusen, die runde Pelzmütze und die schönen hohen Schuhe, Das Auftreten der Schwälmer wurde viel beachtet. Nicht weniger schön waren die vielen anderen Trachten. Da sah man vor allem die H erbst e i n e r Mädchen und Frauen mit ihren in unendlich viele Falten gelegten Röcken, ihren dreieckigen spitzen Häubchen und den lang über den Rücken fallenden Bändern. Die Mädchen aus Ohmes führten eine Braut mit sich, die mit vielen bunten Bändern geschmückt war und eine mit vielen Blumen und Perlen bestickte Braut- fronc trug. Stets ernst schritt sie durch die Straßen, sich der Würde ihres Schmuckes sichtlich bewußt. Fast so prächtig wie die Braut waren auch die kleinen Brautjungfern gekleidet. Häufig sah man die runden Flitterkronen, die in der Sonne viel- 7 Burschen und Mädchen auf. In ihrer Tracht äußerte sich wohl eine am höchsten entwickelte Kultur und eine von stärkster Eigenart getragene Form. Die Mädchen trugen viele ihrer roten kurzen ( ^>iuui qi uccuuei. xduuju, uun muigens vis Röcke übereinander, die gedrungenen schweren । abends, ist in den vier Abteilungen des Lehrganges, Schuhe mit breiter Lederschleife und silberner i * 1*:- K: v " • Brief aus England. Von unserem Londoner chr.-Berichterstatter. London, im September. Das Hupenkonzert. Zu Beginn der vorigen Woche erschien hier ein neues Gesetz; es verbietet für die Zeit zwischen 23 und 7 Uhr jegliches Hupengeräusch, Trambahngeklingel und überhaupt jedes laute Geräusch im „Umkreise von fünf englischen Meilen, als deren Mittelpunkt die hohe Versammlung die Statue S. M. des Königs Charles II. bestimmt hat." Das Zentrum des „Geräuschlosigkeitskreiles" liegt also dicht beim Strand, Londons ältester Hauptstraße. Man hat den Wagenlenkern eine Schutzfrist oon vier Wochen eingeräumt — aber doch hat sich dies Gesetz bereits weitgehend bemerkbar gemacht. Glich London schon vorher nach 24 Uhr einer mittelgroßen deutschen Provinzstadt, so darf man sich jetzt, wenn man kurz nach 23 Uhr die Straße be= tritt, ruhig auf den aüertleinften Marktflecken Den Jefet denken. Gespenstisch geräuschlos eilen Auto- Omnibusse, Autodroschken, verspätete Geschäftswagen und, in den äußeren Bezirken, die gefähr- Uch schmalen und ebenso gefährlich hohen Straßenbahnwagen vorbei. Kaum aber war das Gesetz in Kraft getreten, da wurden die Lokalredakteure der Zeitungen fast zur Verzweiflung getrieben: sie bekamen ganze Wagenladungen von „Einsendungen" und wenn sehr viele solcher Einsendungen kommen weih der Redakteur, daß es Beschwerden sind Und worüber beschwerten sich die Sender? Sie klagten darüber, keine Nacht mehr schlafen zu können, weil die Autofahrer und auch die Radfahrer die oft riesige Autohupen an der Lenkstange befestigt haben, kaum, daß sie die durch Schilder gekennzeichnete „Bannstrecke" hinter sich gelassen haben, wie die Besessenen zu hupen beginnen. Die schlaflosen Briefschreiber erzählten, wie sie es zu mehr als tausend Fällen beobachtet hätten, daß der Autofahrer dicht hinter der Grenze anhält, seine Scheinwerfer auf den neben dem Warnungs- schild stehenden „Bobby" richtet und nun ein grauenvolles Hupenkonzert beginnt — um dem hilflosen Polizisten zu beweisen, daß er sich einer- seits wohl an ein Gesetz zu halten wisse, andererseits jedoch auch ebensogut ein freier Mann sei. Gesetz ist Gesetz in England, und nicht minder als der Inhalt wird auch die Grenze beobachtet — jedenfalls ist der Polizist hilflos und die Brief- fchreiber auch. Prinzenhochzeit. Selbstverständlich von der bald bevorstehenden Hochzeit zwischen dem (jüngsten) englischen Prinzen Georg und der Prinzessin Marina von Endlich weiß man nun in London, weshalb die schöne Prinzessin Marina, die jetzt 27 Jahre zählt, mit ihren beiden Schwellern zu jeder Saison nach London kam und sich durch ihren Detter, König Georg von Griechenland, dem Prinzen Georg vorstellen ließ. Prinz Georg ist der vergötterte' Liebling der meisten Engländer — weil auch er alle typischen Kennzeichen eines Briten aufweist und sich in hundert und mehr Fällen, in denen er „unbekannt" reifte, durchzusetzen wußte. Gold und Silber. Es wurde mir auch noch erlaubt, die Silbervor- röte der Bank von England zu sehen. Ich erfuhr von den neuen Silbergewinnungsfabriken in Lon- 3n breiten Nischen, die in die Wände eines hohen Raumes gehauen waren, lagen Goldbarren aus aller Herren Ländern. Der Stempel, den jeder Barden trägt, gab das Herkunftsland an: Da fanden sich Barren aus Indien — mehr als dreihundert Jahre alt —, aus den Vereinigten Staaten, Südafrika, Australien — und da lagen die Goldbarren mit dem Stempel des alten deutschen Reichsadlers — Kriegstribute ...In den Ecken lagen hochaufgeschichtet Säcke voll Goldstaub. Ein Raum reihte sich an den andern — sechzig solcher Gewölbe befinden sich dort unten. Hier also liegt das Herz Londons! Während der Besichtigung hörte ich, daß diese Gewölbe absolut bombensicher und gegen Giftgase geschützt seien. Die gesamte Anlage kann innerhalb einer Viertelstunde vollständig unter Wasser gesetzt werden. „wnuytinuiiu, UU9 UKl XDl’U UlC OtUlIUT schenkte" und Berichte über Nationalkleider und Nationalgerichte, und plötzlich sieht man wieder Togenkleider, griechische Haarfrisuren, und die griechischen Restaurants in Westend und Cheapside haben schleunigst ihre Preise verdoppelt. Mit unglaublicher Anteilnahme werden die Biographien des Brautpaares in allen Clubs diskutiert, und der griechische Wein (macke in South-Africa) gestaltet die Debatte meist recht witzig. Schließlich ist jedoch Kiese Anteilnahme nicht verwunderlich. Der Prince of Wales gedenkt noch immer nicht zu heiraten (die unmöglichsten Gerüchte werden als Grund angegeben), und so hat man denn in dieser Hochzeit einen Ersatz gefunden. Die Feierlichkeiten werden mit seit altersher gewohntem Gepräge begangen werden. Den Gewölben der Bank von England don, in denen wöchentlich mehr als 30000 Zentner einen Besuch abstatten zu wollen ist fast so schwie-1 Silber auf elektrolytischem Wege gewonnen werden rig rote ein Einbruch. Es hatte Wochen gedauert, •Fann- Silber ist von großer Bedeutung für die ehe sich hie Direktoren „prinzipiell" mit meinem Be- Filmindustrie, die erhebliche Mengen dieses Me- such einverstanden erklärten, und fast ebenso lange: ialls gebraucht. Jährlich werden auf der ganzen Zeit gebrauchte ich, bis ich einen „bekannten Na-! Erde rund 665 000 Kilometer Film hergestellt. Nur men" fand, dessen Träger die Gewähr für meine eine der vielen amerikanischen Filmfabriken kauft Unschuld übernahm. Dann endlich durfte ich das 1 jährlich rund 200 Tonnen Silber. Herz von London sehen. i am Tannenbergdenkmal gesprochen hat. An Hand authentischen Materials gibt Oberarchivrat Oberst a. D. Kißling einen vorzüglichen Ueberblick über die Entwicklung der österreichisch-ungarischen Wehrmacht seit 1908. Die beiden folgenden Aufsätze „Zur Geschichte des russisch-französischen Bündnisses" von V. A. Wroblewski und „Die Bemühungen Frank- reicf)3 zur Festigung der Entente cordiale 1911/12" oon Richard Dietrich zeigen die Vorgänge, wie Frankreich schon zu Beginn der 90er Jahre, ebenso Gnecherlland. Die Zeitungen bringen lange Artikel I wurde jeder von uns auf einer Wage gewogen. Ich ,, cr./,?rict^en2an!)' . ba9._ ter Welt die Kultur glaube nicht, daß jemals genauer gewogen wurde. iMan verhindert durch diese Kontrolle, daß ein Besucher der Goldgewölbe von England auch nur ein einziges Korn stehlen kann. Jeder muß sich diesem Vorgang unterwerfen; selbst König Georg V. machte keine Ausnahme, als er die Schatzkammern besichtigen wollte. Der Weg ging durch einen langen unterirdischen Gang und einer ganzen Reihe von Sälen, in denen i ^eMMNsteN mirh" nm _____’ v • r — mltsam Die „23 e r l i n e r -Di onatshefte" (heraus- mpiL n<>nrh»it;l7DnUf01ZlmsUIlfl Schatzhauses gegeben oon Dr. Alfred v. Wegerer) bringen in ihrem ? y’ "Ä^mdert passiere ich mit rnei-, Septemberheft (Quaderverlag, Berlin W 15, Preis Ei y 6 achtzehn Mann starke Wachmann- des Heftes 1,50 Mk., vierteljährlich 3,50 Mk.) an sShnf.n h^kt661011?“,5, -us^wahlten schottischen erster Stelle di- unvergeßlichen Worte, di- der ver. kum sLnLgenW°°ch°°zu^It-n'E-I^unt-r" ' R°ich-pr°sident 1927 zur Kn-g-schuldsrog- irdische Wanderung endete vor einer Stahlwand mit einer kreisrunden Tür. Mir gelang es übrigens nidjt, aud) nur die kleinste Fuge in der Wand aus Stahl, die vor uns schimmerte, zu entdecken. Drei Direktoren der Bank, von denen jeder einen Schlüssel und den Teil eines täglich wechselnden Kennwortes besitzt, erwarteten uns. Nur wenn alle drei zugleich an der Tür hantieren, öffnet sich der Tre- sor. Bevor wir aber den Raum betreten durften, wie unmittelbar vor dem Weltkrieg immer die treibende Kraft gewesen ist, im Hinblick auf die bevorstehende Auseinandersetzung mit Deutschland England und Rußland stärker an sich zu fetten. Besondere Beachtung verdient der „Monatsbericht zur Kriegsschuldfrage", der eine Zusammenstellung der wichtigsten Aufsätze enthält, die anläßlich der 20jährigen Wiederkehr des Kriegsausbruches erschienen sind. Es überrascht wiederum, daß sowjet- russische Historiker, die bisher eine durchaus fachliche Haltung in der Kriegsfchuldfrage eingenommen haben, neuerdings in die Front der Anhänger der Versailler Schuldthese einschwenken. Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Umschwung auf die Annäherungsbestrebungen zwifchen Frankreich und der Sowjetunion zurückzuführen ist. ilanb rieben. -Busse, -'dichte digen — Die Septembernummer von We st ckr manns Monatsheften eröffnet den 79. Jahrgang dieser ältesten deutschen illustrierten Monatsschrift. Staatssekretär Gottfried Feder schreibt Grundsätzliches zu dem ihm anoertrauten Teil des nhirtschaft- lichen Aufbaues der Nation in dem Beiti ag über „Das deutsche Siedlungswerk". Die Führ erin der deutschen Frauen, Gertrud Scholtz-Klink, /gibt Gestalt und Ziel des „Deutschen Frauen Arbeits- dienftes" bekannt. Für „Das geistige Deutschland und seine Kunst" legt der Dichter HermanLn Stehr Bekenntnis ab, während Dr. E. Äünther > Gründel die zwingende Forderung nach geistiger MÜhrer- auslese, nach der „Herrschaft der Besten" o erhebt. Es finden sich weiterhin Betrachtungen des bbekann- ten Rekordläufers Dr. Otto Peltzer über die: Olympischen Spiele 1936 in Berlin und eine Darstellung der Marneschlacht von dem Direktor am Reichs' archiv, Oberstleutnant a. D. Wolfgang F^erster. Das Schaffen des Malerromantikers Karl । 'ßeipoß wird in einem mit farbigen Wiedergaben»! seiner Gemälde geschmückten Aufsatz gewürdigt. D'^er unterhaltende Teil bringt den ersten Roman bet'/r kürz* lich mit ihrem Novellenband „Unter den /-'Eichen bekannt gewordenen Margarete Schiestl-l8'->entlage „Das blaue Moor". Zwei heitere Erzählungen m» lustigen Zeichnungen haben der Präsident der Reichsschrifttumskammer Hans Friedrich BlunT ck unter rheinische Dichter Heinz Steguweit gesch/ Eine weitere Novelle von Hermann Eris \ künstlerisch wertvolle Bildwiedergaben, G> und viele andere kleine Beiträge veroollstär den Reichtum des wertvollen Heftes. 6orf>fd)ulnadirid)ten. \ Der o. Professor Dr. Karl M. S w o b o b a l oo" der Universität Wien ist auf den Lehrstuhl I fit Kunstgeschichte an der Deutschen Universität PrN ofl berufen worden. I gesamthsit aus diesem Werk der NSV. entspringt. Hier wird Aufbauarbeit am deutschen Volke' im besten Sin^e des Wortes geleistet! Während die in Gießen verbleibenden Ferienkinder die erste Bekanntschaft mit ihren Ferien- Dflegeeltern machten, setzte der übrige Teil der Kindergruppe mit dem Anschlußzuge nach Lollar- Londorf die Weiterfahrt nach den Erholungsorten im Lumdatal fort, wobei die Kinder ebenso wie die hier verbliebenen Kleinen von sorgsamen Männern und Frauen mit aller Aufmerksamkeit betreut wurden. Neben der Stadt Gießen wurde dieser Ferien- kinder-Transport noch auf folgende Orte verteilt: Klein-Linden, Staufenberg, Mainzlar, Odenhausen, Geilshausen, Rüddingshausen und Appenborn. Vorläufig beschränkter Verkauf von Winteräpfeln. In Ergänzung einer früheren Anordnung über „Verkaufsverbot von Winteräpfeln" sind nachstehend diejenigen Apfelsorten angegeben, die von dem Gebietsbeauftragten für den Gau Hessen-Nassau bis auf weiteres vom Verkauf auf Wochenmärkten, in Ladengeschäften und im Straßenverkauf ausgeschlossen sind: Ananas Renette, Aderleber Calvill und andere Calville, von Blenheim, Renette von Berlepsch, Schöner von Boskoop, Baumanns Renette, Brauner Matapfel und andere Matäpfel, Cox Orangen Renette und ähnliche Goldrenetten, Coulons Renette, Champagner Renette, Danziger Kantapfel und ähnliche Sorten, graue Herbstrenette und alle grauen Renetten, Großer Rheinischer Bohnapfel, Gelber Richard, Gelber Bellefleur, Geflammter Kardinal, Große Kasseler Renette, Minister von Hammerstein, Herrenapfel, Kanada- Renette,' Kaiser Alexander, Bismarckapfel und ähnliche, Kaiser Wilhelm, Landsberger Renette, Lothringer Rambour und ähnliche, Geheimrat von Oldenburg, Ontarioapfel, Peasgood Gold Renette, Schöner von Pontoise, Prinzenapfel und ähnliche Sorten, Ribston Pepping, Rheinischer Winter- rambour. Roter Eiserapfel, Roter Bellefleur, Weißapfel und ähnliche lokale Wirtschaftssorten. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß alle Ueberwachungsstellen Auftrag haben, bezüglich der Birnen darauf zu achten, ob diese nicht vorzeitig gepflückt sind, da verhindert werden muß, haltbare Herbst- und Winterbirnen schon jetzt zum Angebot zu bringen. Von der generellen Anordnung von Pflückterminen wird abgesehen, aber die Einhaltung von Pflückzeiten, welche seitens einiger Obstbauinspektionen festgelegt wurden, wird zur Pflicht gemacht. Ausweispapiere zum Empfang von Postsendungen. Vom Pressedienst des Reichspostministeriums wird mitgeteilt: Die Postanstalten händigen Postsendungen, für die die Reichspost zu haften hat, nur gegen vollgültigen Ausweis an die Empfänger aus. Die Ausweise müssen von Behörden ausgestellt sein und — wie z.B. die Reisepässe — eine Personenbeschreibung, ein beglaubigtes Lichtbild und die eigenhändige Unterschrift des Inhabers enthalten. Zur Beseitigung von Zweifeln weist das Reichspostministerium darauf hin, daß die von den Dienststellen der PO., SA., SS. usw. ausgestellten Ausweise, da sie diesen Bedingungen nicht genügen, nicht als vollgültige Äusweispapiere im Sinne der Bestimmungen über die Aushändigung von Postsendungen angesehen werden können. Allen Erfordernissen entspricht die von der Deutschen Reichspost eingeführte P o st - ausweiskarte, die volle Gewähr für eine anstandslose Aushändigung der Postsendungen, besonders der Wert- und Geldsendungen, bietet. Die Gebühr für die Postausweiskarte, die von jeder Postanstalt ausgehändigt wird und eine Gültigkeitsdauer von 3 Jahren hat, beträgt 50 Pfennig. Die Postausweiskarte hat auch in fast allen Weltpostvereinsländern Gültigkeit. NNmlNWM Vornan von Anny von panhuys. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 19 ForNetzuag Nachdruck verboten! War es nicht zu gut und übergenug mit der Erbschaft der alten Tante gewesen? Mußten auch noch Schätze von Gold und Juwelen auf sein Mädel niederregnen? Immer weniger paßte sie zur einfachen Gärtnerfrau. Sie ging mit ihm am Main entlang, und der Himmel leuchtete in seligstem Sonnensterben. Flammende Bänder spannten sich über das herbstkalte Blau da oben, berauschten den Blick, alles Kleinliche in der armen Menschenbrust wurde erstickt; man spürte den Odem des Göttlichen nahe, ganz nahe. Donata spürte ihn, und sie schaute zum Himmel auf. „Mir ist's, als müsse ich beten. Ich bin so glücklich!" Er antwortete nicht. Sie legte ihren Arm in den seinen. „Ist es nicht wundervoll, daß wir uns lieb haben?" Er erwiderte gepreßt: „Es ist wundervoll, ja; aber es war noch schöner, als du nicht so reich warst. Dein Reichtum stört mich. Er paßt gar nicht zu dem Bild, das ich mir von unserer Zukunft gemacht habe." „Fängst du schon wieder mit dem Unsinn an?" verwies sie ihn. „Vater kann doch nicht, weil du so dummes Zeug ausspintisierst, alles in den Main werfen. Du bist ein lieber Mensch, aber ich bitte dich, höre mit dem Unsinn auf." Er gab sich einen Ruck; doch das Unbehagen wollte nicht weichen. Er sprach danach mit feiner Mutter darüber. Die aber lachte ihn aus, meinte dann sehr ernst: „Wenn Donata dich lieb hat und du sie, so dürfen dich nicht einmal Millionen an ihr stören. Tut Gutes damit, Bub! Wohl dem, der jetzt Not lindern kann! Arme Teufel gibt's überall genug." Acht Tage später fand im engsten Familienkreise Donatas Verlobung mit Detlef Westkamp statt. Frau Charlotte hatte sich inzwischen mit Donatas Eltern angefreundet. Man trank auf das Wohl des Brautpaares und trank auch auf den Erfolg des Komponisten. Werner Olden berichtete von den Proben. Er war begeistert von dem Dirigenten und erzählte stolz, daß er auf sein Bitten einen Teil der Symphonie zur Probe hatte dirigieren dürfen, weil er das eine Tempo etwas anders genommen wünschte. Er hob sein Sektglas. „Ich fiebere dem Aufsührungsabend entgegen, und ich fühle, er bringt mir Erfolg." Wie der deutsche Bauer spart. Die seit der nationalsozialistischen Erhebung nachdrücklich durchgeführte Landwirtschaftspolitik der Regierung, die auf die Erhaltung und Kräftigung des deutschen Bauernstandes gerichtet ist, hat dem deutschen Bauern den Großteil seiner Existenzsorgen abgenommen und ihm das Vertrauen in die Zukunft und das Bewußtsein des Wertes seiner eigenen Leistung wiedergegeben. Neue Aufgaben sind dem Bauern erteilt worden, ihm sind aber auch die Wege dazu aufgezeigt und erleichtert. Festpreise und Marktoerbände sorgen schon jetzt für eine gerechte Bezahlung der geleisteten Arbeit, weitere Maßnahmen werden sich in Zukunft zum Wohle des Bauerntums auswirken. Der deutsche Bauer kann jetzt ungestört an den Aufbau der Zukunft Herangehen. Sparen, mit das wichtigste Hilfsmittel hierzu, ist stets Lebensgrundsatz der deutschen Bauern gewesen. Nur bodenfremde Elemente, die ihren Grundbesitz als Gewinnobjekt betrachteten, konnten diesen Grundsatz vernachlässigen. Heute kommt dieser Grundsatz des Sparens wieder stärker zur Geltung, heute wird er zur Pflicht des Bauern gegenüber seinen unversorgten Kindern. Wer seinen Kindern eine bessere Ausbildung, eine angemessene Aussteuer geben, seinen Hos stets in gutem Zustande Preisausschreiben und Feuerschutz! Für das anläßlich der Feuerschutzwoche vom 17. bis 23. September von der Obersten Leitung der PO., Amt für Volkswohlfahrt, „Schadenverhütung", herausgegebene Preisausschreiben sind Geldpreise in Höhe von 5000 Mark ausgesetzt. Bei dieser Aufgabe kommt es darauf an, daß von 12 Bilddar- stellungen diejenigen zu durchstreichen sind, aus denen eine Außerachtlassung des Brandverhütungsgedankens zu ersehen ist. Es handelt sich also nur darum, richtig zu beobachten. Doch ist es hiermit allein nicht getan, denn jeder, der sich an diesem Preisausschreiben beteiligt, hat die Lösung in d e r Feuerwache abzugeben, in der er im Falle eines Brandes in seiner Wohnung Meldung erstatten muß. Während der Feuerschutzwoche werden an den Feuermeldern Hinweise angebracht sein, wo die Feuermeldung zu erstatten ist. Es heißt also, sich genau zu informieren, wo der zuständige Feuermelder aufzufinden ist. Meldungen, die verkehrt abgegeben werden, scheiden von vornherein aus dem Wettbewerb aus. 5000 Mark sind die Belohnung dafür, daß jeder Volksgenosse sich für die Lage seines Feuermelders interessiert und damit schon praktische Arbeit an der Brandverhütung leistet. Vorbeugen ist die wichtigste Aufgabe und Vorbeugen ist der erste Schritt zur Verhütung! Die Broschüre „Brandschaden ist Landschaden", die von der Obersten Leitung der PO., Amt für Volkswohlfahrt, „Schadenverhütung" herausgegeben wurde, kostet 20 Pfennig. Sie enthält die genauen Bedingungen und jeder, der diese Broschüre bezieht, findet hierin den Beteiligungsschein für das große Preisausschreiben von 5000 Mark! ^ornoti^en. — Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Maskerade". — Schüt- zenverein Gießen: Ab 16 Uhr Königsschießen. — Eine Versammlung der Gastwirte- Innung findet am Mittwochnachmittag im Gasthaus von S o l d a n, Seltersweg, statt. (Siehe heutige Anzeige). ** Eine Achtzigjährige. Frau Käthe Bin so n, Plockstraße 6 wohnhaft, kann heute in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag begehen. erhalten und sich einen gesicherten Lebensabend verschaffen will, der muß sparen. Für alle diese Zwecke muß lange vorher Vorsorge getroffen werden, ein Ansparen über Jahre hinaus ist erforderlich. Die für den Bauernstand tätigen Kreditinstitute sind diesem Bedürfnis nach langfristiger Anlage der Spargelder entgegengekommen und haben besondere Sparbücher geschaffen, die für die Anlage der Ersparnisse der Bauern dienen. So geben die Sparkassen für die Einlagen der Bauern das „Deutsche Bauernsparbuch" heraus. Jedem Bauern steht es frei, feine Ersparnisse zu dem Geldinstitut zu bringen, dem er sich am meisten verbunden fühlt, dem er auch früher feine Einlagen anvertraut hat. Niemand verwehrt ihm etwa, das Spargut für feine Kinder einer öffentlichen Sparkasse anzuvertrauen; die seit 150 Jahren als Treuhänder wirkenden Sparkassen kommen ebensosehr für die Betreuung des im Dorfe aufgebrachten Spargeldes der Bauern in Frage, wie andere Kreditinstitute. Wichtig ist nur, daß der Bauer überhaupt spart und durch das von Jahr zu Jahr wachsende Kapital in die Lage kommt, tüchtige vorwärtsstrebende Menschen zu erziehen zum Wohle des ganzen Volkes. ** Lebhafter Sonderzugverkehr bei der Reichsbahn am gestrigen Sonn- t a g. Aus Anlaß der Tagung des Bundes der Kriegsopferversorgung in Kassel, des Aufmarsches in Bad-Nauheim und der Ferienfahrten der Deutschen Arbeitsfront „Kraft durch Freude" passierten am Samstagnachmittag vier und am Sonntag 20 Sonderzüge den Gießener Bahnhof. Ein Sonderzug verkehrte von Gießen nach Bad-Nauheim und zwei von Gießen nach Kassel. Ein Sonderzug mit Aufenthalt in Gießen war von Wetzlar nach Bad Kreuznach vorgesehen. Er mußte aber wegen ungenügender Beteiligung ausfallen. Die übrigen Sonderzüge brachten erholungsuchende Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront und deren Angehörige aus der Gegend von Stettin und Hamburg nach dem Rheinland (Königswinter und Neuwied) und Heimkehrer der Deutschen Arbeitsfront aus dem Ferienaufenthalt vom Rhein und Mosel nach Berlin, Homburg-Altona und Frankfurt a. d. O. ** Seinen schweren Verletzungen erlegen. Der in der Nacht zum Samstag bei dem schweren Motorradunfall in der Nähe der Wellersburg verunglückte 19 Jahre alte Emil Pfaff aus Arborn (Dillkreis), der in Lollar bei den Buderus- werken tätig war, ist am Samstagabend an den Folgen des schweren Schädelbruches verstorben. ** Lotteriegewinne werden ausgezahlt. Die hiesigen Lotterieeinnehmer geben im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß die Auszahlung der Gewinne aus der jüngsten großen Ziehung von heute ab im Gange ist. ** Keine Schalmeienmusik mehr. Der Landesverband der hessischen Feuerwehren hat angeordnet, daß die Feuerwehren bei ihrem öffentlichen Auftreten Schalmeienmusik als undeutsch nicht mehr spielen dürfen. Ebenso wird das Mitführen von Pauken in ihren Trommler- und Pfeiferkorps untersagt. ** Eine Fünf-Tage-Fahrt zur Schwä- bischen Alb und zum Schwarzwald veranstaltet das Hapag-Reisebüro in Gießen. Näheres in der Anzeige vom Samstag. ^unbfunfprogramm. tagskonzert I. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.10: Für die Frau! 15.50: Kunstbericht der Woche. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Aus Wald und Flur. 17.40; Heinrich Treitschke. Zum 100. Geburtstag. Textfolge. 18: Bericht von einer Reise durch Spanien. 18.15: Aus Wirtschaft und Arbeit. 18.25: Italienischer Sprachunterricht. 18.50: Unterhaltungskonzert. 19.45: Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Kammermusik. 20.40: Grubensicherheit im Saargebiet. Gespräch mit einem Bergmann. 21: Rhein-mainische Brücken erzählen. Hörfolge. 21.40: Orchesterkonzert. 22.20: Nachrichten. 22.35: Du mußt wissen ... 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Deutsche Meisterballaden. Literarisch-musikalische Hörfolge. 24 bis 1: Nachtmusik. Ministerialrat Ringshausen schenkt ein Segelflugzeug. *) Nieder-Ofleiden bei Homberg, 16. September. Heute besuchte Herr Ministerialrat Ringshausen das Segelsliegerlager Nieder-Ofleiden. Er besichtigte eingehend die Flugzeughalle mit Werkstatt sowie die Unterkunftsräume der Flugschüler. Besonderes Interesse zeigte er für den Schulbetrieb. Obwohl der Wind ungünstig war und dadurch keine längeren Flüge ausgeführt werden konnten, war Herr Ministerialrat Ringshaufen, den erzieherischen Wert der Fliegerei erkennend, derartig freubig von der hier geleisteten Arbeit überrascht, daß er Der Fliegerortsgruppe ein Segelflugzeug ftiftete. Dieses ehrende Zeichen der Anerkennung wird die Fliegerortsgruppe Nieder-Ofleiden aneifern, weiterhin mit besten Kräften zu arbeiten und zu wirken, um ihre Flugschüler zu tüchtigen Männern des nationalsozialistischen Staates zu erziehen. Großzügiger Ausbau des Lauterbacher Künstlerheims und Heimatmuseums. Lauterbach, 14. Sept. (LPD.) Hier ist zur Organisation des seit einiger Zeit geplanten K ü n st- l e r t) e i m s ein Verein gegründet worden, der die Bezeichnung „Hans - Konrad -Riedesel- Heim e. V., L a u t e r b a ch - H e s s e n" führt. Wie aus den Satzungen hervorgeht, ist es Zweck des Vereins, begabten Künstlern und Kunsthandwerkern in diesem Heim Unterkunft zu geben, das alte bodenständige Handwerk anzuregen und die Möglichkeit zu geben, das altüberlieferte Lauterbacher Kun ft Handwerk wieder zur Blüte zu bringen. Eine Kommission übernimmt die Aufgabe, nach fachlichen Gesichtspunkten die Künstler und Handwerker unter den Bewerbern für eine Stelle im Heim auszusuchen. Diese finden in dem Heim kostenlos Unterkunft und werden im übrigen unter günstigen Bedingungen in der Stadt verpflegt. Das Heim bietet Gelegenheit zu entsprechender Betätigung durch seine Räumlichkeiten im Hochhaus und steht in enger Verbindung mit dem Lauterbacher Heimatmus eum, das den Teilnehmern zu Studien und auch zu praktischem Schaffen zur Verfügung steht. So werden u. a. ein Webraum und eine kleine Töpferwerkstatt eingerichtet. Während das Hochhaus im oberen Geschoß die Räumlichkeiten des eigentlichen Künstlerheims birgt, ist der erste Stock des alten Schlosses der Freiherrn Riedesel ganz dem Lauterbacher Heimatmuseum zur Verfügung gestellt worden. Das Museum, das sich bisher mit fünf Räumen begnügen mußte, wird damit künftig in 18 Räumen Unterkunft finden und zu einem der schönsten Heimatmuseen in Oberhessen ausgebaut werden. Mehrere stilechte Zimmer will man einrichten und außerdem ein Forstmuseum angliedern. Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange. Dienstag, 18. September. 5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Nachrichten. 6.55: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gym- Sprechstunden der Redaktion, nastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samslaa für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mit- nachmittag geschlossen. Nur nicht das noch!, dachte Detlef Westkamp, das wäre zuviel — noch kleiner möchte ich vor Donata nicht werden! Er trank und vergaß allmählich dabei seine Sorgen, war nichts weiter als ein unsinnig glücklicher Bräutigam. Zweiundzwanzig st es Kapitel. Die Zeit verging, Woche reihte sich an Woche. Die Liebenden sahen sich oft und genossen ihr Glück. Detlef Westkamp arbeitete unermüdlich fleißig; er wollte Donata aus eigener Kraft eine bequeme, behagliche Existenz bieten können. Immer näher rückte der Tag des Konzerts, und trotz feiner betonten Sicherheit bangte Werner Olden heimlich sehr. Ihm war zuweilen ganz jämmerlich zumute, dann wieder war er wie ein junger Stürmer, der mit seinem Können die Welt bezwingen wollte. Oft fanden ihn Frau und Tochter mitten im Zimmer stehend, einen alten Taktstock schwingend. Er schien ein unsichtbares Orchester zu dirigieren. Die Haare flogen ihn nur fo um den Kopf. Er bog sich vor, bog sich zurück, und ließ den Taktstock niedergleiten. Er hob ihn wieder, zog mit der linken Hand Wellenlinien durch die Lust und war so eifrig bei der Sache, daß er es nicht hörte, wenn seine Frau oder Donata ins Zimmer traten. Sie störten ihn nicht, bis er dann plötzlich den Taktstock sinken ließ und sich schwer atmend, wie nach ermüdeter Arbeit, auf den nächsten Stuhl warf. Sah er dann, daß er sich nicht allein befand, lachte er laut auf: „Ich bin ein Narr, Kinder, ein ganz ungewöhnlich großer Narr! Habe eben meine Symphonie dirigiert. Es reizt mich immer wieder, und der andere, der berühmte Dirigent, macht es doch tausendmal besser als so ein Vorstadtmusiker meines Ranges." Er seufzte. „Statt nun zufrieden zu sein, bin ich heimlich unzufrieden. Möchte meine Symphonie selbst leiten. Mir ist's, als könnte ich das am besten selbst. Größenwahn ist das! Ich sehe das ja auch ein! Aber der Ehrgeiz setzt mir zu wie eine Krankheit. Da tobe ich mich denn hier allein mit dem Taktstock aus. Niemand sieht mein Orchester außer mir, niemand hört das Spiel der Instrumente außer mir, und niemand entdeckt nur einen Zuhörer, wo ich doch einen weiten, bis auf den letzten Platz gefüllten Saal vor mir habe!" „Du hast ganz einfach fo ne Art Lampenfieber, Vater!" erklärte Donata. „Und das ist begreiflich. Aber glaube mir, du brauchst es wirklich gar nicht zu haben." Er wehrte ab: „Ach, Kind! Dagegen kann man nichts tun! Das muß wohl durchgemacht werden. Ich habe gehört, daß längst berühmte Künstler immer wieder daran leiden. Wie könnte ich Unbekannter mich davon freihalten?!" Er lächelte: „Möchte euch jetzt ein anderes Thema zur Besprechung oorlegen, das mir wichtig scheint." Er schob eine kleine Pause ein. Sagte dann betont: „Ihr beide habt, wenn ich mich nicht sehr irre, noch nicht im entferntesten daran gedacht, was ihr am Konzertabend anziehen könnt! Na, habe ich recht?" Frau Steffi schüttelte mit dem Kopfe. „Nein, du hast nicht recht, Werner, denn wir haben uns schon eingehend darüber unterhalten, Donata und ich, und uns sogar schon entschieden. Da wir in Trauer sind, brauchen wir uns ja über die Kleiderfarben weiter nicht den Kopf zu zerbrechen, doch werden wir an dem Abend die Trauer nicht sehr betonen. Ich ziehe mein Schwarzseidenes an und nehme meine Skunksstola um die Schultern. Donata aber will morgen Lenchen Mühsal bestellen, die ja viel Geschmack hat. Sie soll ihr hier im Hause ein Kleid aus Georgetteseide arbeiten, mit Volants. Sie will ihr beim Nähen helfen, dann braucht Lenchen bloß anderthalb Tage dazu." Er erhob sich, ging bis in die Mitte des Zimmers und blieb da stehen, fing plötzlich an zu lachen, fo sehr, daß Mutter und Tochter bedrückt dafaßen und erschreckte, verwunderte Blicke austauschten. Der ihnen grundlos scheinende Lachanfall beängstigte sie. Beide dachten wohl ungefähr dasselbe. Sie fürchteten, daß es sich um eine Art Nervenzusammenbruch handelte. Die schmale, kleine Frau stand schnell auf, ging zu ihrem Mann, sagte begütigend: „Bitte, lache doch nicht mehr, du schadest dir dadurch, Werner. Lege dich lieber ein Stündchen hin, ruhe dich aus. Ich koche dir Baldriantee. Sollst sehen, der tut dir gut." Er fuhr sich mit dem Taschentuch über die vom Lachen heftig tränenden Augen. „Nein, beste Steffi, hinlegen werde ich mich nicht. Dach ich empfehle das dir und Donata, und das Ausruhen auch. Den Tee werde ich euch beiden kochen! Ihr habt ihn nämlich nötiger als ich." Er lachte schon wieder, mußte Husten vor lauter Lachen. „Ihr seid ja beide ganz ulkige Mitmenschen!" Er rang in komischem Entsetzen die Hände. „Da soll mein bestes Werk zur Aufführung kommen, mein erstes großes Werk unter den vielen nicht angenommenen Kompositionen von mir, noch dazu unter der Leitung eines erstklassigen und berühmten Dirigenten. Ihr seid auch fest von meinem großen Erfolg überzeugt, und arm sind wir gerade auch nicht, denn auf der Sparkasse liegen zweitausend Mark. Donata darf über ein recht annehmbares ererbtes Vermögen verfügen, außerdem besitzen wir noch einige gediegene Tausender, die im Hause liegen für ein paar von Tobias Oldens Juwelen. Euch beiden aber fällt für den bedeutsamsten und größten Abend meines ganzen Lebens nichts anderes ein, als daß du, Steffi, dein altes, schon etwas brüchig gewordenes Schwarzseidenes anziehen willst, und daß sich Donata von der kleinen Bornheimer Hausschneiderin Lenchen Mühsal ein Kleidchen zimmern lassen möchte. Ihr werdet an dem Abend wahrscheinlich allerhand Leute kennenlernen, da möchte ich denn doch ein bißchen Staat mit euch machen. Versteht ihr? Und deshalb, verehrte Gattin und ebenso verehrtes Töchterchen, denkt jetzt etwas weniger klein und trennt euch vom Geld. Ich werde euch ein paar Toiletten herschicken lassen, zur Auswahl, und die schicksten davon werdet ihr behalten. Ich will keinen Widerspruch, den ich als persönliche Beleidigung auffassen müßte." Mutter und Tochter wechselten wieder Blicke, aber die Angst war daraus gewichen. Frau Steffi lächelte vergnügt und bekannte: „Vorhin habe ich gedacht, du hättest einen Nervenzusammenbruch ..." Sie überlegte: „Hast mit dem, was du uns gesagt hast, übrigens gar nicht so un- recht, Werner. Ich jedenfalls bin vollkommen deiner Ansicht." „Wie meistens, Mutter!" neckte Donata. „Aber ich gebe auch zu: du hast recht, Vater!" Gleich darauf verließ Werner Olden das Haus und kehrte zwei Stunden später in einem Auto zurück; aber nicht allein. Eine hübsche, elegante Dame, so um die Dreißig herum, befand sich bei ihm, und drei große Pappkartons brachte sie mit. Nun begann das Probieren. Schließlich wählte Frau Steffi ein Kleid aus schimmerndem Seidensamt und einen kurzen Schulterkragen aus Persianer, der im Schnitt die kommende Wintermode verriet. Als sie sich im großen Wandschrankspiegel eingehend betrachtete, gab sie innerlich zu: es war doch sehr viel an dem Sprich- wort, daß Kleider Leute machen! Wie fremd und vornehm erschien ihr die überschlanke Frau im Spiegel, die sie selbst war! Donata wählte auf Wunsch ihres Vaters ein Kleid aus Taftseide, das eng um ihren schlanken Körper lag. Ein breiter, weißer Kragen aus aller- feinstem Batist umrundete den Halsausschnitt, und die Aermel, aus duftigem Schleierstoff, legten sich, von weißen Batistbändchen gehalten, eng um die schmalen Handgelenke. Als die Modistin wieder nach der Stadt' zurückfuhr, nahm sie das Geld für die zwei teuersten Kleider mit. Am nächsten Vormittag ging Werner Olden mit Frau und Tochter aus und machte weitere Einkäufe. Donata war es fast zu viel des Guten, aber welchem jungen Mädchen bereitete es wohl keine Freude, sich schon kleiden zu dürfen!? Auch an die Juwelen ging Werner Olden. Seiner Frau schenkte er ein antikes Ohrgehänge mit Perlen und Brillanten, lächelte dabei: „Die darfst du unbesorgt tragen, Steffi. Perlen passen zur Trauer, und Brillanten stören nicht. Zunächst handelt es sich ja auch nur um den einen Abend." (Fortsetzung folgt.) 9J.-fpor< Fußball der Gaumannschasten Borussia Julba führt in VordHessen. Ein Finnland geschlagen Mit Rücksicht auf das Städtespiel Frankfurt ge- glückte Abwehr der Gießener Verteidigung gibt dem Frankfurt gewann den Fußball-Städte- kämpften die Alten Herren von Frankfurt und Offenbach-Hanau 6:6 unentschieden. Aus der bayerischen (Bauliga. // Punkt IV des Wilson-Programms des Welt- Spiele der Gießener Mannschaften. tige Rüstungen Genüge zu tun. So zerschlug ■ Deutschland mit seiner Fliegerei über 15 000 Flug- Im 5000-Meter-Lauf war Syring doch schaden idi eingestellt worden. Dem taktilck richtiaen und ' noch eingestellt worden. Dem taktisch richtigen und an Finnland. Die und Stock ent- 63,28 bzw. 62,71 durch Sippala mit 68,85 Meter beiden Deutschen W e i m a n n täuschten und kamen nur auf Meter. „Abrüstung 51,68 Meter, aber der deutsche Rekordmann Seeger blieb nur 3 Zentimeter hinter dem zweiten Finnen zurück. Der Kampf war mit diesem 1 Wettbewerb schon zugunsten Deutschlands ent- Oas Sckleizer Oreiecks-Rerinen. Rosemeyer (Zschopau) auf DKW. schnellster Fahrer. Das Schleizer Dreiecks-Rennen, dessen Lizenz- sahrer-Rennen zur Deutschen Motorrad-Straßen- Meisterschaft zählen, war auch in diesem Jahre wieder ein großer Erfolg. Rund 70 000 Zuschauer umsäumten die bekannte 1 Kilometer lange Rennstrecke und auch sportlich wurden ganz hervorragende Leistungen geboten. Der beste Mann des Tages war diesmal der DKW.-Fahrer Rosemeyer (Zschopau), der die 155 Kilometer in 1:25:29.1 Stunden zurücklegte und damit ein Stundenmittel von 110,6 Kilometer erreichte. chancen in Fülle vorhanden sind. Dann ist es wieder der Gießener Linksaußen, der den Ball uneigennützig zum Mittelstürmer leitet, gegen dessen Schuß der Gästetorhüter machtlos ist, seiner Mannschaft damit zur 2:0-Führung verhilft. Der Halbzeitpfiff unterbricht einen Angriff der Dillenburger. Der Beginn der zweiten Halbzeit ist für die Gießen-r wenig verbeißunqsvoll, denn eine miß- Dillenburger Anhangs drängen diese zum Ausgleich, der durchaus im Bereich des Möglichen liegt, da Leutheuser bei einem Zusammenprall verle&t, sich nicht voll einsetzen kann. Schwan hat gerade noch vor dem anspringenden Halblinken der Gäste gerettet und schon streicht wieder ein Schuß des Rechtsaußen über die Latte. Die Angriffe der Gie- ßener mehren sich dann, und nachdem eine Einzelleistung des Gießener Mittelstürmers, der eine Flanke, mit der Brust stoppend, darüberschoß, war es Ritter vorbehalten, fast mit dem Schlußpfiff Die abschließende 4mal400-Meter-Staf- f e l ergab aber dann noch einen deutschen Sieg, der den Vorsprung auf zehn Punkte ausdehnte. schließt, hat Deutschland bewiesen, daß es die erste Leichtatletik-Ration Europas ist. 25 000 Zuschauer waren am Sonntag erschienen. Der 800 - Meter - Lauf eröffnete den Tag. Er brachte einen schönen deutschen Sieg durch den Studentenweltmeister D e s s e ck e r - Stuttgart, der das Rennen in der angesichts der schweren Bahn ausgezeichneten Zeit von 1:54,8 Minuten gewann. Deutschlands zweiter Vertreter, der Wittenberger Mertens, wurde von Olympiasieger Larve in 1:55 nur um Brustbreite auf den dritten Platz verwiesen. Der Dreisprung brachte dann den erwarteten finnischen Doppelsieg durch R a j a f a a r i und Pögry, die 14,73 und 14,16 Meter sprangen. Die deutschen Vertreter Lambox und Sälzer kamen über die letzten Plätze nicht hinaus. Dafür brachte dann der 400-Meter-Hür- d e n l a u f einen deutschen Doppelsieg durch Europameister Scheele und den Berliner Wegner. Scheele war nie in Gefahr und gewann in 54,8, während Wegner in 55,2 den zweiten Platz belegte. Die Finnen holten sich dann wieder einen Doppelsieg im 1500-Meter-Lauf, wo Deutschland durch das Fehlen von Schaumburg und Paul schwer geschwächt war. Immerhin gab es ein knappes Ende. Die Finnen Virtanen und Mattilainen siegten in 4:00,6 bzw. 4:00,9, während die beiden Deutschen Böttcher (Wittenberg) und Stadler (Freiburg) Dritter und Vierter wurden. Der Ab- Die 1. Handballmeisterschaft des Turnvereins Wohnbach weilte dieser Tage in Lang-Göns zu einem Freundscyaftsrückspiel zu Gast. Beide Mannschaften haben sich schon verschiedene interessante Treffen geliefert. Die Gäste traten nur mit 10 Mann an, Vorlage des Mittelläufers zum Mittelstürmer lenkt dieser zu Ritter weiter, der aus vollem Lauf unhaltbar verwandelt. Die Gäste werden zurückge- dräng, und nur die Schußunsicherheit des Gießener Sturmes läßt keine Erfolge zu, obwohl Torstand vom Sieger zum Vierten betrug aber nur zwei Meter. Eine Ueberraschung brachte der lOO-THefer- Cauf. Er ergab zwar den deutschen Doppelsieg, aber nicht Vorchmeyer, sondern der für Hornberger eingesetzte Stolper G i l l m e i st e r gewann sicher in 10,8, während Vorchmeyer Mühe hatte, in 10,9 den Finnen Virtanen zu halten. Im Stabhochsprung hatten die Finnen Pech, denn ihr bester Mann, Lindroth, war erkrankt. Er ging aber doch an den Start, sprang 3 Meter und rettete damit einen Punkt. Sieger wurde Europameister Wegner (Halle) mit 3,95 Meter vor dem deutschen Altmeister Müller Kuchen mit 3,70 Meter. Der 10000-Meter-Lauf brachte dann den Finnen wieder einen Doppelerfolg durch Sal- minen und A s k o l a , gegen die Kohn und Kloos nichts zu bestellen hatten. Auch im Hammerwerfen wurde der finnische Doppelsieg nicht verhindert. Sieger wurde Europameister Pörhölä mit der die ersten Sprengungen brachte. F i g a y (Dortmund) und V i g u e r y (Schweiz) rissen aus, mürben aber bis Karlsruhe wieder engeholt. Bei Wein- heim führten V i q u 4 r y und Weiß. Die Schwei- zer fallen nun allmählich dem Tempo zum Opfer. Dor Rüsselsheim, dem Ziel der Etappe, liegen sechs Deutsche und ein Schweizer in der Spitzengruppe. Im Endspurt gewann der Schweizer Otto Suter in 10:05:02. Länderwertung: 1. Deutschland 60:30:05; 2. Schweiz 62:18:11; 3. Belgien 62:20:55 Stunden. Die zweite Etappe — deutscher Endsieg. Nachdem schon die erste Etappe mit einem über- wältigenden deutschen Erfolg geendet hatte, gestaltete sich auch der zweite Abschnitt von Rüsselsheim nach Kleve über 313,5 Kilometer zu einem deutschen Triumph. Sieger dieser Etappe wurde der Bielefelder Scheller nach einer Fahrzeit von 10:07 Stunden vor Kurt Fuhrmann - Breslau m 10:08,56 Stunden. Länderwertung: 1. Deutschland 121:36:23,2, 2. Schweiz 123:17:51, 3. Belgien (keine Zeit). Handball im Gan XU der To. Lang-Göns I — To. Wohnbach I 16:3 (8:3). 3n der Besetzung Hamann, Paschke, Scheele, Voigt siegten die Deutschen mit 70 Meter Vorsprung in 3:19,5, während Finnland 3:27,6 benötigte. Mit zehn Punkten Vorsprung hatte Deutschland seinen schönsten Leichtathletiksieg erkämpft. nem Platz wieder ein treffliches Können zum Besten und gewann gegen Sport Kassel klar mit 3:0 (0:0). Die Punktekämpfe im Gau Südwest. heraus. Die 1. Els des VsB.-Reichsbahn empfing auf eigenem Platze die 1. Els von Dillenburg und blieb mit 3:1 Toren erfolgreich. Die Ergebnisse Bezirksklasse, Gruppe Gießen-Dill. VfB. Gießen — Dillenburg 3:1 (2:0); Frohnhausen — 1900 Gießen 2:1; Spv. 05 Wetzlar — Bissenberg 0:3 (0:0). VfB.-Reichsbahn I — Sportverein Dillenburg I 3:1 (2:0). Das Spiel muß in technischer Hinsicht als klassearm bezeichnet werden; aber dafür war es Kampf bis zur letzten Minute, und erst der Schlußpfiff des Schiedsrichters machte dem dramatischen Ringen ein Ende. Die Dillenburger, den Gießenern körperlich weit überlegen, konnten dank ihrer Schnelligkeit die Gießener Hintermannschaft dauernd in Atem halten. Wenn trotzdem die Gastgeber den Sieger stellten, so verdanken sie es ihrem größeren Stehvermögen und Einzelleistungen. Dem Schiedsrichter S ch n a u t aus Lollar, der eine befriedigende Leistung bot, stellten sich die VfB.er bis auf den neuen Mittelstürmer in gewohnter Aufstellung. Die Dillenburger beginnen mit energievollen Angriffen, und es zeigt sich sofort, daß sie unter allen Erst Adolf Hitler machte diesem unwürdigen Zustand ein Ende, indem Deutschland am 13. Oktober 1933 die Abrüstungskonferenz verlieh, um erst dann an den großen Aufgaben der Weltbefriedung weiter zu arbeiten, wenn fein Anspruch auf völlige Gleichberechtigung nicht nur anerkannt, sondern auch in die Tat um- gesetzt ist. Deutschland will und wird nicht aufrüsten, um den Frieden der Well zu bedrohen, sondern erhebt Anspruch darauf, wenigstens seine V e r t e i d l- gung sicherzustellen. Im Leben der Völker wird ein massen- und wehrloses Volk inmitten hochgeruste- ter Staaten stets eine Gefahr für den Frieden sem» weil der Rüstungszustand der Nachbarn viel zu leicht politische Machtansprüche anmelden könnten. Deutschlands Fliegerei darf soll Versailles, Paris und London keine Aufgaben der Verteidigung erfüllen, wohl aber die national hoh" stehende, alle Eigenschaften, die den Fliegergem ausmachen, zu vertiefen zum entschlossenen Dienst am Vaterland. Deutscher Volksgenosse du bist nichts, dein Volk und Vaterland sind alles! Deshalb hilf deiner Fliegerei und w-'-de Mitglied im Deutschen L^flsi.ort-Verband! Anmeldungen bei der Fliegerortsgruppe Gießen (Kreisamt), Fernruf 2951, 2952. zeuge, über 27 000 Flugzeug-Motoren, über 500 Flugzeughallen urtt) fast 40 Luftschiff hallen. Dr. Otto Peltzer ging bei einem Olympia- Werbesportfest in Wanne-Eickel an den Start und gewann die 800 m in 1:56,2 Minuten. * Zwei L e i ch t a t h l e t i k - S tä d t e k ä m pf e kamen am Sonntag zur Durchführung. In Kassel schlug Hannover die Kasseler Vertretung mit 78% zu 62% Punkten, und in Mannheim blieb die einheimische Mannschaft über Heidelberg mit 87% zu 49% Punkten erfolgreich. den Sieg sicherzustellen. Kurze (3porfnofi$ett. Radfernfahrt Basel—Cleve. Erste Etappe. Am Samstagmorgen wurde an der Zollstation Weil-Otterbach bei Basel die fünfte Radfernfahrt Um die deutsche Gepäckmarsch- Meisterschaft. Mit der ersten deutschen Gepäckmarsch-Meisterschaft, die im Rahmen des zweiten General-von- Epp-Gepäckmarsches zur Durchführung kam, brachte der Polizeisportverein München seine zweite Riesenveranstaltung dieser Art unter Dach. Waren doch nicht weniger als rund 5000 Teilnehmer in den verschiedenen Kategorien auf der Strecke. Den Anfang bildete die Prüfung für das SA.-Sportab- zeichen. Zu diesem Marsch über 25 Kilometer hatten sich 3000 Bewerber eingefunden, von denen der größte Teil das Ziel erreichte. Dann wurden einige hundert Teilnehmer am zweiten General-von-Epp- Gepäckmarsch auf die ebenso lange Reise geschickt. Schon bald nach dem Start löste sich eine sieben- köpfige Spitze von dem Rudel ab und wiederum gelang es hier Kainz- Tölz, dem Dorjahrssieger in der SA.-Gruppe und P i n z e l (Turnerschaft München), allen zu enteilen. Schließlich trafen diese beiden auch als Erste am Polizeisportplatz ein, um dort die Schlußrunde zu absolvieren. Sieger wurde Prinzel in 2:46:09 vor Kainz, Schützenstandarte 21/11-Tölz. Dahinter folgten die beiden Leipziger Lampe und Blau. Das Hauptinteresse brachte man aber der 1. Deutschen Gepäckmarsch - Meisterschaft über 35 Kilometer entgegen. Die Strecke führte von München über Schleißheim den Kanal entlang nach Dachau und dort zum Ziel nach München. Hier gab es eine große Ueberraschung, denn der Leipziger Sturmmann Schulze von der Brigade 35 konnte trotz feiner 44 Jahre einen überlegenen Sieg feiern. In 4:04 Stunden kam er vor den bekannten Brüdern Franz und Konrad Reichel (4:09,10 und 4:10,2 Stunden ein. Vierter wurde Kahrmann (Leipzig) vor dem Hamburger Schröder, der in Dachau noch an zweiter Stelle lag. Mit Siegel (München) als Sechsten gewann der SC. Bajuwaren München in der Mannschaftswertung. Starkes Interesse brachte man der Sonderprüfung für die Reichswehr über dieselbe Strecke entgegen. Hier siegte die 2. Batterie der Artillerie Jüterbog mit seinem Führer und drei Mann, Unteroffizier Steller, Oberkanonier M Stelter, Beck und Pauls- meier, die schon einmal Sieger im Hindenburg-Gepäckmarsch und vor kurzem auch beim Hermann- Göring-Gepäckmarsch waren. . Mit 9 Punkten in Führung. Erster Tag. Vor 15 000 Zuschauern begann am Samstag im Berliner Poststadion der erste Leichtathletik-Länder- kamps Deutschland — Finnland. Die neuhergerichtete Anlage präsentierte sich in wunderbarer Verfassung, nur die Laufbahnen waren etwas zu weich. Die Deutschen holten sich am ersten Tage eine Führung von 9 Punkten heraus. Die Deutschen verzeichneten am ersten Tage Doppelsiege über 100 Meter, 110 Meter Hürden, 400 Meter und im Kugelstoßen und sie gewannen außerdem noch die 4X100-Meter-Staffel Finnische Doppelsiege gab es im Speerwerfen und 5000-Meter-Laufen und einen finnischen ersten Platz im Hochsprung und Weitsprung. Mit dem 200-Meter-Lauf begann nach der feierlichen Hissung der Fahnen und dem Spielen der Nationalhymnen der Kampf. Obwohl hier Hornberger-Pirmasens an Stelle von Schein eingestellt war, gab es den erwarteten deutschen Doppelsieg durch Vorchmeyer und Hornberger mit 22,6 und 23,1 Sekunden. Auch im 110-Hürdenlauf belegten die Deutschen beide erste Plätze. Erwin Wegner- Berlin gewann unangefochten in 15 Sekunden und Meister Welscher -Frankfurt rang in hartem Kampf den guten Finnen Sjöstedt in 15,2 Sekunden nieder Obwohl über 400 Meter Europameister Metz- ner nicht antrat, gab es auch hier deutschen Doppelerfolg. Die beiden Berliner H a m a n n und Voigt liefen ein Rennen für sich und nur Brustbreite entschied in 49,2 Sekunden das Rennen für Hamann. Schließlich belegte Deutschland unerwartet noch Das Ergebnis des Europaflugs 1934 Ausnahmslos erreichten am Samstag fämilicfye noch konkurrierenden Teilnehmer des Europa-Rund- ftugs das Ziel der langen Etappenfahrt, Warschau. Die beiden Deutschen Junck und Francke landeten um 10.28 bzw. 7.53 Uhr in Warschau. Wlo- darkiewicz traf als Letzter ein, er hatte in der Nahe von Tarnow notlanden müssen, so daß er erst um 17.36 Uhr eintressen konnte. Kurz vor dem Ziel qab es noch zwei Ausfälle, denen der Pole Balcer und der in der polnischen Mannschaft startende Engländer Mc. Pherson zum Opfer fielen. Kurz nach Kontrollschluß wurde die Berechnung der Resultate im Langstreckenflug vorgenommen. Den Ruhm, absolut Schnellster gewesen zu sein, darf ein Deutscher in Anspruch nehmen: Pase- waldt. Er bewältigte die 9539,1 Kilometer lange Strecke mit einem Durchschnitt von 215,33 Kilometer. Die Nächstschnellsten waren die Polen Plon- czynski und Gedgowd. Im Gesamtergebnis führt der Pole Bajan mit 1858 Punkten vor feinem Landsmann Plonczynski 1821 P. Seidemann hat als bester Deutscher den dritten Platz inne mit 1813 P. Der abschließende Geschwindigkeitswettbewerb wird zwar noch einige kleine Aenderungen ergeben, doch dürfte der Sieg der Polen ficherstehen. Das Gesamtklassement nach dem Zlreckenflug. 1. Bajan (Polen) 1858 P., 205,99 Stdkrn.; 2. Plonczynski (Polen) 1821 P., 213,49 Stdkrn.; 3. Seidemann (Deutschland) 1813 P., 208,28 Stdkrn.; 4. Ambruz (Tschechoslowakei) 1795 P., 211,12 Stdkrn.; 5. Änderte (Tschechoslowakei) 1770 P, 203,69 Stdkrn.; 6. Pasewaldt (Deutschland) 1765 P., 215,33 Stdkrn.; 7. Buczynski (Polen) 1757 P., 199,57 Stdkrn.; 8. Bayer (Deutschland) 1756 P., 203,47 Stdkrn.; 9. Dudzinski (Polen 1755 P., 211,05 Stdkrn.; 10. Zacek (Tschechoslowakei) 1735 P., 201,25 Stdkrn.; 11. Hirth (Deutschland) 1734 P., 197,37 Stdkrn.; 12. Osterkamp (Deutschland) 1720 P., 206,46 Stdkrn.; 13, Gedgowd (Polen) 1719 P., 213,08 Stdkrn.; 14. Francke (Deutschland) 1715 P., 196,96 Stdkrn.; 15. Skrzypinski (Polen) 1709 P., 198,25 Stdkrn.; 16. H u b r i ch (Deutschland) 1702 P., 190,72 Stdkrn.; 17. Francois (Italien) 1548 P., 188,84 Stdkrn.; 18. Jung (Deutschland) 1466 P., 174,18 Stdkrn.; 19. Sanzin (Italien) 1466 P., 174,18 Stdkrn. Tie Tennis-Weltranglist e des bekannten englischen Fachmannes Wallis Myers führt den deutschen Meister G. von Cramm ebenfalls auf dem dritten Platz auf. Perry und Cra. ford stehen vor Cramm, nach ihm folgen Austin, Allison, Wood, Menzel, Shields, de Stefani und Boussus. „IV. Austausch ausreichender Garantien dafür, daß die nationalen Rüstungen auf das niedrigste, mit der inneren Sicherheit vereinbarte Maß herabgesetzt werden." 3m Vertrauen auf die Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit der feindlichen Mächte zerschlug Deutschland seine Waffenrüstung und erfüllte seine Abrüstungsverpflichtungen aufrichtig und ehrlich bis zum Letzten. Di- Gi-ßen-r guBbatlmanntoaften tämpften am [ein' j>-m Streben nach „Sicherbeit" durch gewal- Sonntag auf breiter Front. Die 1. Mannschaft der •• ----- — Spieloereinigung 1900 mußte in Frohnhausen eine knappe Niederlage von 1:2 Toren hinnehmen, und: die zweite Mannschaft des gleichen Vereins verlor gegen Leihgestern I mit 1:3 Toren. Die Jugend von 1900 schlug die 1. Jugend von VfB. überraschend hoch mit 14:1 Toren, und die Schüler holten gegen die Schüler von Großen-Buseck ein 10:0 des alten Meisters, Borussia Fulda, standhalten würde, wurde getäuscht. Bei feiner technischer Ausbildung und einem taktisch vorzüglichen Spiel kam Borussia zu einem 3:0-(2:0-)Sieg und hat damit die Führung übernommen. Die Anhänger Borussia Fuldas können getrost in die Zukunft schauen, denn der Meister zeigte in diesem Treffen wieder eine Form, die an seine allerbesten Zeiten erinnerte. Der wackere Neuling Germania Fulda gab auf eige- geschickten Laufen der Finnen war aber niemand . gewachsen. Mit 14:56,2 gewann Virtanen vor Jsohollo (14:56,4), während Syring 150 Meter zurücklag und Dompert überrundet wurde. Den W e i t s p r u n q holte sich Finnland ebenfalls, und zwar durch T o l a m o, der in bester Form mit 7,51 m finnischen Rekord sprang. Der Leipziger Lang wurde mit 7,40 Meter Zweiter, roäbrenb Europameister Leichum nur mit 7,37 Meter Dritter wurde. Den Abschluß des Tages bildete die 4 mal 10 0 = Meter-Staffel, die Deutschland mit Schein- Gittmeister-Hornberger-Borchmeyer mit 20 Meter | Vorsprung in 42 Sekunden sicher gewann, während l Finnland 43,8 benötigte. Damit waren die neun | Wettbewerbe des ersten Tages beendet, Deutschland führte mit 52'/r zu 43V-2 Punkten. 106*4 : 96 V? am Sonntag. Die deutsche Leichtathletik feierte am Wochenende in Berlin einen unvergleichlichen Triumph. Der erst Länderkampf mit Finnland, nach jahrelangen Bemühungen endlich zustande gekommen, endete mit einem überlegenen deutschen Siege mit zehn Punkten Vorsprung; die Führung des ersten Tages wurde also noch um einen Punkt vermehrt. Mit diesem großen Erfolg, der sich würdig an den Ausgang der Europameisterschaften in Turin an- gen Basel waren die an der Mannschaftsgestellung Linksaußen Gelegenheit, seine Mannschaft auf 2:1 beteiligten Vereine, FSV. Frankfurt, Eintracht heranzubringen. Unter lebhafter Anteilnahme des Frankfurt und Kickers Offenbach, spielfrei. Phönix, ' Ludwigshafen verteidigte seinen ersten Platz in sei-i nem dritten Heimspiel, das er siegreich mit 3:2 über Borussia Neunkirchen überstand. Wormatia Worms mußte zu Hause dem FK. Pirmasens, der 3:1 gewann, die Punkte überlassen. In den übrigen beiden Spielen gab es Siege der beiden Gauliga- : Neulinge, jeweils auf fremden Plätzen. Union Nieder rad konnte den gefürchteten Betzenberg in Kaiserslautern mit 1:0 erstürmen und Saar 05 Saarbrücken gewann gegen den Lokalgegner Sport- freunde mit 2:0. An der Spitze der Tabelle stehen zur Zeit Phönix Ludwigshafen und Union Nieder-1 rad mit 6:0 bzw. 4:0 Punkten. Nachdem Pirmasens | seinen ersten Sieg errang, ist im Gau Südwest von v ,____ „ . _ „ den elf Teilnehmern schon nach dem dritten Spiel- kampf gegen Basel mit 4:1 Toren. Dor dem Spiel fonntag keiner mehr ohne Gewinnp-inkt. Statt das gegebene Versprechen einzulösen, sollte der Zustand des Unterschiedes zwischen Siegern und Besiegten fortgesetzt werden, und das Waffen- und wehrlose Deutschland mußte jahrelang Vorwand die beiden ersten Plätze im Kugel st oßen durch den deutschen Meister Wollte- Berlin mit 15,39 Meter und den für Sievert eingestellten Magdeburger Schroder mit 14,56 Meter. Im Hochsprung war dem Finnen K o t k a s, der wieder 2 Meter sprang, der Sieg nicht zu nehmen. W e i n k ö tz wurde aber erfreulicherweise mit 1,97 Meter Zweiter und der Kieler Martens kam mit 1,90 Meter mit dem Zweiten der Europameisterschaft, dem Finnen Peräsalo, auf den dritten Platz. Dann kamen zweimal die Finnen mit erwarteten Doppelsiegen an die Reihe, die die deutsche Führung verringerten. Im Speerwerfen war Europameister Matti I ä r v i n e n nicht zu schlagen, er warf 74,59 Meter. Auch der zweite Platz fiel I Umständen siegen wollen. In der ganzen ersten •r Viertelstunde sieht man die Gäste im Angriff, und l- -SÄtSMSSS »ÄÄffJ Ä -Ur Ä» >■ sftjöftÄ 88 Die Gauliga Bayern wartete an diesem Sonntag i mit einer R ie sen - Ueb erras ch u n g auf. Der Neuling, Spvgg. Weiden, konnte in Augsburg die Schwa- ben mit 2:1 tnnpp fdjtogen rodjiwn er bei der lv UC5 rou|un,vlutilullull;, Puuse ,ch»n m,t 2:0 geführt HE Das erste große Dom 8.3ammr' 19f8 [^tet |o: Münchener Lokaltreffen, Wacker gegen 1860, endete 1:1. Es ist den „Blausternen" gelungen, einen Punkt zu retten und somit weiter in führender Stellung zu bleiben. Der 1. FC. Nürnberg tat sich in Regensburg ziemlich schwer. Daß es aber dennoch zu einem 2:0-Siege reichte, spricht nur dafür, mit welchem Ernst der „Klub" an die diesjährige Meisterschaft herangeht. Die Schweinfurter scheinen allmählich zur Besinnung zu kommen. Es gelang ihnen, bei der zum ersten Male in die Meisterschaft eingreifende Spvgg. Fürth ein verdientes 0:0 herauszuholen. Unerwartet kommt die O:3-Nieder- lage der „Bayern" beim ASD. Nürnberg. wodurch sie schon in der ersten Minute in Führung gehen und auch gleich auf 2:0 erhöhen konnten, während die Platzbesitzer erst nach einigen Minuten zu ihrem ersten Treffer kamen. Bald gelang ihnen auch der Ausgleich und bei zunehmender lieber- legenheit konnten die Einheimischen noch sechsmal erfolgreich sein, während den Gästen nur ein Gegentreffer gelang. Nach der Pause hatten sich die Gäste auf 11 Mann ergänzt, doch wurde die Ueber- Basel-Cleve gestartet, an der 36 Fahrer aus, legenheit der Platzbesitzer immer deutlicher. Noch Deutschland, Belgien und der Schweiz teilnahmen, weitere 8 Tore waren die Ausbeute, während die In rascher Fahrt ging es zum Schliengener Berg,«Gäste nur auf 6 erhöhen konnten. Leider ging auch diese motorsportliche Veranstaltung nicht ohne Unglücksfälle ab. Der bekannte Fahrer Schanz aus Hadersleben stürzte so schwer, daß er noch auf dem Transport zum Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag. Besorgniserregend ist auch der Zustand von G o t t s ch a 11 (Ilmenau), der bei einem Sturz einen doppelten. Schädelbruch davontrug. Häusler (Meßkirch) kam ebenfalls zu Fall, er kam aber mit einem Beckenbruch davon, der allerdings feine Ueber- führung ins Krankenhaus nötig machte. Das schönste Rennen gab es in der Halbliter- Klasse, die nur eine Minute nach der lOOOer-Klasse auf die Reise gegangen war. Rosemeyer legte sofort ein scharfes Tempo vor, durchfuhr die Kurven mit solcher Waghalsigkeit, daß er schon nach wenigen g€lH>Ten Vle ^a]l6 ir,aien llur nm w ^VUH|l un, Runden die „Großen emgeholt Hatte. Rosemeyer J.e Platzbesitzer in veränderter Aufstellung. Von war für seine Konkurrenten viel zu schnell, er fuhr Anfang an drückten die Gäste stark auf Tempo, sein Rennen in gleichmäßiger Fahrt überlegen nach -.....* - • <*-•«----- Hause. In der 1000-Kubikzentimeter-Klasse errang Sönius auf NSU. den Sieg. Bei den „Kleinen" war Walfried Winkler auf DKW. nicht zu schlagen.