Nr. 88 Erstes Blatt 184. Jahrgang Montag, 16. April 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger sür Oberhessen Druck und Verlag: SrShl'sche Univrrfiläts-Such- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. 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Die diesjährige Jahresversammlung der Gesellschaft der Freunde des Jbero-Amerikanischen Instituts, die am Samstagabend im Hotel Atlantik in Hamburg stattfand, stand ganz im Zeichen des politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbauwillens des neuen Deutschen Reiches und wurde zu einer großartigen Kundgebung für die Friedens- und Verständigungsbereitschaft bes Staates Adolf Hitlers allen den Staaten gegenüber, die, wie besonders auch die Staaten der Jbero-amerikanischen Völkergruppen, heute wie immer durchweg Deutschlands Ehre und Lebensnotwendigkeit in jeder Weise anerkennen. Ihre überragende Bedeutung erhielt die Versammlung durch die Anwesenheit des Reichsaußenministers Frh. v. Neurath und des Reichsministers Stabschef Röhm, der durch seine an hervorragender Stelle ausgeübte militärische Tätigkeit in Südamerika besonders eng mit der ibero-amerikanischen Welt verbunden ist. ReichsaußenmimstervonReurath führte in einer Ansprache u. a. aus: Für jeden, der in Hamburg das Wort ergreift, richtet der Blick sich von selbst zuerst ngch dem Auslande. In der Gegenwart muß Hamburg noch mehr als das Inland darunter leiden, daß diese Verbindungen mit dem Auslande erschwert worden sind. Die Reichsregierung wird in ihrem Teile alles tun, um Hamburg die Ueberwindung der gegenwärtigen schwierigen Zeit zu erleichtern. Was aus dem gegenwärtigen Wirrwarr der handelspolitischen Tendenzen der einzelnen Länder und aus der völligen Des- ovZanifierung der internationalen Finanzbeziehungen schließlich sich einmal herausentwickeln wird, wird heute mit Sicherheit niemand voraussagen können. In zwei Punkten zeichnet sich die Entwicklung für Deutschland aber heute schon klar ab. Das eine ist, daß das Schlagwort der Autarkie, das im Auslande zu manchen Mißdeutungen Anlaß gegeben hat, heute in allen maßgebenden Kreisen Überwunden ist. Ich spreche das deutlich aus: Niemand in dar Reichsregierung glaubt, daß Deutschland wirtschaftlich vom Auslande isoliert werden soll und kann. Zwar wird mit neuen und vereinten Kräften daran gearbeitet, unser Volk und unsere Wirtschaft von ausländischen Lebensrnitteln und Rohstoffen unabhängiger zu machen als dies früher war und im Inlande selbst zu erzeugen, was hier erzeugt werden kann. Wir haben in dieser Richtung bereits sehr positive Fortschritte gemacht. Andererseits aber verlangt unsere zentrale Lage in Europa verständnisvolle und auf wechselseitiges Entgegenkommen aufgebaute Handelsbeziehungen mit den Nachbarländern und ebenso verlangt die Notwendigkeit, Rohstoffe zu beziehen, freundschaftliche Austauschbeziehungen mit den überseeischen Ländern. Ich kann kein besseres Beispiel für diese Einstellung der Reichsregierung anführen, als die kürzlich neu abgeschlossenen Handelsverträge mit Holland und Dänemark. In diesen beiden Verträgen ist besonders die wechselseitige Einsicht und Bereitwilligkeit zum Ausdruck gekommen, auf die Lebensnotwendigkeiten des anderen Staates Rücksicht zu nehmen. Ich hoffe, daß dieses Beispiel internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit auch bei den Verhandlungen mit anderen Staaten Schule macht. Das zweite ist, daß wir in Zukunft die Wareneinfuhr planvoller in die Hand nehmen müssen als in der Vergangenheit. Die Währungspolitik und die handelspolitische Abschließung vieler Länder hat uns einfach in die Zwangslage versetzt, eine planvolle Verlagerung der notwendigen Einfuhr nach den Ländern vor- zunehmen, die bereit sind, Deutschland entsprechende Werte abzunehmen. Die Reichsregierung wird diese Linie zwar unter möglichster Schonung alter Handelsbeziehungen, aber doch zielbewußt verfolgen. Diese rücksichtsvolle, aber zielbewußte Gestaltung unserer Handelspolitik verlangt mehr als je eine einheitliche Führung. Es geht nicht an, daß jeder Berufszweig es unternimmt, seine eigene Handelspolitik zu treiben. Der Erfolg einer deutschen Außenhandelspolitik, wie ich sie kurz skizziert habe, ist natürlich, wie der Erfolg jeder Handelspolitik, stets von einer elementaren allgemeinen Voraussetzung abhängig, das ist die Beruhigung und Konsolidierung der internationalen Lage in politischer Beziehung. Daß die Außenpolitik gegenwärtig mit schwierigen und ernsten Problemen zu ringen hat, mit Problemen, die zum Teil das Fundament unserer nationalen Existenz berühren, wissen Sie alle. Ich sehe unter diesen Problemen aber kein einziges, das nicht bei vernünftiger Be- handlung einer Regelung auf dem Dege friedlicher Verständigung zugänglich wäre. Daran, was wir nach Recht und Gerechtigkeit für Deutschland fordern müssen und gefordert haben, werden wir freilich mit unbeirrbarer Entschlossenheit festhalten. Denn es sind Forderungen, aus die ein gesundes und ehrliebendes Volk überhaupt nicht verzichten kann. Der maßvolle Umfang dieser Forderungen und die friedlichen Absichten, die ihnen wie unserer gesamten Außenpolitik zugrunde liegen, haben jedoch von deutscher Seite aus alle Voraussetzungen für eine schnelle und den gemeinsamen Interessen Europas entsprechende Verständigung geschaffen. Es kommt, wie ich dies schon einmal an anderer Stelle gesagt habe, nur auf den Entschluß der anderen Regierungen an, eine solche Verständigung zur Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn das, wie ich auf das dringendste hoffen möchte, geschieht, und wenn so das Vertrauen unter den Völkern wiederhergestellt wird, dann haben die Regierungen ihrerseits für die Belebung des Welthandels das Wichtigste getan, was sie überhaupt tun können. Zum Schluß wies der Reichsminister auf die erfreulichen Beziehungen zu den ibero-amerikanischen Ländern hin, Beziehungen, die von aufrichtigem Verständnis für die beiderseitigen Interessen getragen sind. Es sei ihm ein Bedürfnis, den in Deutschland tätigen amtlichen Vertretern der lateinamerikanischen Staaten für alles das zu danken, was sie für den Ausbau dieser Beziehungen getan haben. Freiherr von Neurath schloß mit einem Trinkspruch auf die deutsch- ibero-amerikanische Freundschaft und die Gesellschaft der Freunde des ibero-amerikanischen Institutes. Im weiteren Verlaufe der Veranstaltung nahm auch Reichsminister Stabschef Röhm der mit nicht endenwollendem Jubel begrüßt wurde, bas Wort. Röhm hielt seine Rede in spanischer Sprache und stellte zunächst fest, baß er die ibero- amerikanischen Länder aus eigener, jahrelanger Anschauung eingehend kennen und schätzen gelernt habe. Zwei Jahre, so erklärte er, sei er in Bolivien und auf Reisen auch in Peru, Chile, Brasilien und Argentinien gewesen. Der Haupteindruck, den er gewonnen habe, sei vor allem das Gefühl, das ihm bezeichnend zu fein scheine für die gesamte Geistigkeit der ibero-amerikanischen Völker: Das sei die glühende Liebe zum Vaterland. Mit diesem Eindruck sei er aus Südamerika zurückgekehrt, gerufen vom Führer Adolf Hitler, der jetzt und auf Lebenszeit der Kanzler des Deutschen Reiches sei. Er sei aus Südamerika zurückgekehrt mit der Absicht und dem Willen, unter dem drüben gewonnenen tiefen Eindruck der Vaterlandsliebe mitzuwirken, ein Deutschland der Freiheit und Ehre zu schaffen. Der Stabschef hob besonders hervor, er habe sich in den ibero-amerikanischen Ländern davon überzeugt, daß die große Sympathie, die diese Länder mit Deutschland verbinde, keine Freundschaft für den Tag sei, sondern eine Freundschaft für d i e Dauer und für immer. Stabschef Röhm, dessen Rede wiederholt vom stürmischen Beifall der großen Versammlung unterbrochen wurde, schloß seine Ausführungen mit einem Hoch auf die ibero-amerikanischen Länder, in bas die Anwesenden begeistert einftimmten. Der bolivianische Gesandte in Berlin, Dr. Anze Zoria, brachte die großen Sympathien seines Landes für das nationalsozialistische Deutschland und für die hohen Ziele, die sich das neue Reich gesteckt fjabe, zum Ausdruck. Darauf nahm der Doyen des Konsularkorps, der venezolanische Generalkonsul Raffael Paredes-Urdaneta das Wort. Der Redner wies auf die freundschaftlichen Beziehungen hin, die Deutschland seit langer Zeit mit Venezuela verbinden, und fuhr u. a. fort: Wenn wir die ibero-amerikanischen Länder Deutschland näher bringen, vollbringen wir ein großes Werk, denn Deutschland bietet uns seine Erfahrung, den Geist der Arbeit, der Ordnung und der Beharrlichkeit sowie seine Kenntnisse, und wir bieten ihm die Reichtümer unseres Bodens und unseren guten Willen. Mit lebhaftem Beifall wurde die Mitteilung des Bürgermeisters Burchard ausgenommen, daß Reichsminister Stabschef Röhm, Reichsaußenminister Freiherr von Neurath und Reichsstatthalter Kaufmann ihre Absicht bekanntgegeben haben, der Gesellschaft der Freunde des Jbero- Amerikanischen Instituts als Mitglieder beizutreten. Zum Schluß sprach Reichsjustizkommiffar Gtaatsminister Or. Frank: Ich habe als Jurist des Nationalsozialismus den Kampf um das Recht deshalb geführt, weil das Recht unserer Nation, das Recht des Deutschtums gleich war und ist mit den natürlichen Ansprüchen, die unsere Nation auf Recht und Ehre hat. Ich glaube, daß unsere Nation und die übrigen jungen Völker der Erde, besonders auch die südamerikanischen, den gleichen Weg der Freiheit und Ehre versolgen werden. Der Reichsjustizkommissar erinnerte an den Abschiedsabend, an dem er in München bei der Abreise des Stabschefs nach Bolivien seinerzeit teilgenommen habe und betonte, daß er und seine nationalsozialistischen Freunde damals stolz darauf gewesen seien, gerade Ernst Röhm als Repräsentanten Deutschlands nach Südamerika gehen zu lassen. Die ibero- amerikanischen Länder hätten in Stabschef Röhm den gegebenen Träger des deutschen Kulturwillens kennengelernt. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Stabschef, in das die Versammelten begeistert einstimmten, schloß Dr Frank seine Rede. Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin. Wilhelmshaven, 16. April. (DNB. Funkspruch.) Reichskanzler Adolf Hitler ist an Bord der „Deutschland" wieder in Wilhelmshaven eingetroffen. Der Reichskanzler fuhr vom Hafen aus zum Landflugplatz, von wo er nach Berlinzurück- f lo g. In feiner Begleitung befinden sich u. a. Oberleutnant Brückner und Reichspressechef Dr. Dietrich. Oer türkische Boischaster in Berlin gestorben. Berlin, 15. April (DNB.) Der türkische Botschafter in Berlin, Kemaleddin Somit- Pascha, ist am Sonntag um 13 Uhr an den Folgen einer Magenoperation g e ft o r b e n. Kemaleddin Samit-Pascha wurde im Jahre 1885 in Sinope als Sohn des Bauingenieurs Abdur- rahman Somit geboren. Er besuchte die türkische Militärakademie. Nach Frontdienst in den Balkankriegen war er bei Ausbruch des Weltkrieges Major im türkischen Großen Generalstab. Er kämpfte an den Dardanellen, in Arabien und im Kaukasus. Zur Wiederherstellung von schweren Verwundungen und als Prinzenbegleiter besuchte Kemaleddin Samit- Pascha Deutschland wiederholt. Nach dem Waffenstillstand wurde er Stadtkommandant von Konstantinopel. Zwischenfälle bei der Besetzung der Stadt durch Ententetruppen zwangen ihn, sich monatelang verborgen zu halten, bis es ihm gelang, als Kohlentrimmer auf einem italienischen Schiff nach Kleinasien zu entkommen. Hier stieg er schnell zum General auf und hotte wesentlichen Anteil an den erfolgreichen Freiheitskämpfen der Türken. Nach seiner 17. Verwundung schlug er im Herbst 1922 die griechische Armee südöstlich von Smyrna vernichtend. Nach Friedensschluß suchte er in Deutschland Heilung, sein rechter Arm blieb jedoch gebrauchsunfähig. Mustapha Kemal Pascha, mit dem Kemaleddin Samit-Paschain Freundschaft verbunden war, ernannte ihn im August 1924 zum türkischen Botschafter in Berlin, berief ihn aber bereits im März 1925 wieder noch Kleinasien zur Niederwerfung eines Kurdenaufstandes. Nach Niederwerfung der unruhigen Stämme kehrte Kemaleddin Pascha nach Berlin zurück, wo er zu den beliebtesten Diplomaten gehörte. Seine Gemahlin, Prinzessin Emineh von Aegypten, ist mit dem dortigen Königshaus verwandt. Als sich die Türkei im August 1930 gezwungen sah, erneut mit Waffengewalt gegen die aufrührerischen Kurden vorzugehen, berief Mustapha Kemal Pascha den bewährten Heerführer erneut vorübergehend nach Ankara. SiabschesMm über dieAufgabe derSA. „Es ist wieder stolz und schön, ein Deutscher zu fein." Hamburg, 14. April. (DNB.) Heute früh traf der Stabschef der SA., Reichsminister Röhm, hier ein. Er stattete im Laufe des Vormittags dem r e - gierenden Bürgermeister im Rathaus einen Besuch ab, wo dem Stabschef ein herzlicher und feierlicher Empfang bereitet wurde. Nach einer Hafenrundfahrt schloß sich ein Besuch des Stabschefs beim Reichs st atthalter an dessen Amtssitz an. Am Nachmittag wurden die gesamten Hamburger SA-Gliederungen auf der großen Festwiese im Stadtpark von dem Stabschef Reichsminister Röhm besichtigt. Nach der Besichtigung, die etwa eine Stunde dauerte, hielt der Stabschef ein Ansprache, in der er u. a. ausführte. Eines tut heute not in einer Zeit, wo ein Volk und ein Staat aus Schwachheit, Not, Schande und Feigheit wieder neu geboren werden soll z u Ehre, Freiheit und Brot, eines braucht ein Volk in dieser Zeit, eine Kraft, die unveränderlich ist, die unerschütterlich ist, unbesiegbar und unbezwinglich. Diese Kraft, SA.- Wänner sollt ihr sein, die gleiche Kraft, welche die SA. beseelt hat in jenen zurückliegenden Iahren der Not und Schande, wo sie sich gegen alle Widerstände und allen Gewalten zum Trotz durchgeseht hat, die gleiche SA., die die Wacht im Saate erkämpft hat und die gleiche SA., die diese Wacht erhalten und festigen soll, eine Kraft blindergeben dem Führer, auf die er sich in guten und schlimmen Tagen verlassen kann. Daß ihr die gleichen bleibt, das tut not, euch auch nicht ändert, wenn die Zeiten ruhiger und besser werden, wenn der eine oder andere von euch vorwärtskommt und bessere, höhere Stellungen einnimmt. Not ist, daß ihr ebenso Kämpfer bleibt, wie ihr es gewesen seid. Mit Freude und Stolz habe ich in euren Reihen die alten Kämpfer der SA. und SS. begrüßen können. Vielen Männern konnte ich wieder in die Augen schauen, die damals, vor fast drei Jahren, in der Umgebung von Hamburg in schwerer Notzeit, in schwerer Kampfzeit, angetreten waren, verbissen, fanatisch und entschlossen, trotz aller Unterdrückung versuchten sich durchzusetzen, und ihr, meine lieben Kameraden, die ihr in diesen Kampfjahren euren Mann gestellt habt, die ihr als die treue und selb st lose Garde Adolf Hitlers die Wache gehalten und den Kampf geführt habt, ihr müßt auch die G a ran t e n fein, daß die ganze große SA., die heute über drei Millionen Mann in ihren Reihen zählt, den gleichen Kämpfergeist behält, der euch zum Siege geführt hat. Äendert euch nicht! Bleibt so, wie ihr gewesen seid und sorgt dafür, daß die neuen und jungen Kameraden, die erst kurze Zeit mit euch marschieren, auch solche treuen und tapferen deutschen Männer, solche tüchtigen und selbstlosen Nationalsozialisten werden, wie ihr es vor- gelebt habt. Und wenn heute noch manche außerhalb unserer Reihen stehen und uns vielleicht noch nicht begreifen können, so müßt ihr durch euer Vorleben, durch eure Tat, durch euer Vorbild ihnen Wegweiser fein in dieses neue Deutsche Reich der Männer. Ihr müht das Volk überzeugen durch euer Vorbild, durch die Tat, von dem, was Adolf Hitler will und was das deutsche Volk braucht. Deutschland wurde nicht und wird nicht gerettet werden durch schöne Feiern und durch noch so schöne Reden. Es ist nur erkämpft worden durch die Tat von dem pflichttreuen S A. - M a n n, der gar nichts für sich gewollt hat, sondern nur alles für Deutschland. Dieser Geist der SA., der allein für sich gar nichts beansprucht, sondern alles dem Volke gibt, wird auch der Garant fein für den Aufstieg und für die Größe und für die Zukunft von Volk und Vaterland. Und wenn gerade wir Mqnner von der SA. die armen Volksgenossen besonders herzlich als unsere Kameraden in unseren Reihen begrüßen, wenn wir bitten, da gerade Sie die treuesten und selbstlosesten Kämpfer des Führers in schwerer Zeit gewesen sind, dann übernehmen wir damit auch die Verantwortung dem ganzen Volke gegenüber, daß diese Volksgemeinschaft, die ein Adolf Hitler erkämpft hat, eine Gemeinschaft wird, die wirklich das ganze deutsche Volk erfaßt. Es darf nie mehr Klassenunterschiede geben, es darf nie mehr Unterschiede des Standes, des Ranges und der Geburt geben. Ein Deutscher ist so viel wert wie der andere, wenn er nur das herz am rechten Fleck hat und entschlossen ist, alles dem Volk und Vaterland zu geben. Wenn ihr Manneszucht und Disziplin gehalten habt in all den schweren Jahren, so danke ich euch dafür und spreche euch die Anerkennung aus, und ich weiß auch, daß neben dieser eisernen Disziplin der SA. eines uns groß gemacht hat und uns unsere Stellung allezeit sichern wird. Dos ist die Kameradschaft, die wir in unseren Reihen vom obersten Führer bis zum letzten Mann immerbar in unserer SA. gepflegt haben, und ich fordere von allen Führern der SA. in allen Gliederungen, daß sie neben der schärfsten Manneszucht immer als Führer auch der beste Kamerad all ihrer Mitkämpfer find. Das hat uns großgemacht, das hat uns noch niemand nachgemacht und das wollen wir im neuen Staat und in der SA. hochhalten, an dem wollen wir f e ft h a l t e n. Und wenn wir von der Kameradschaft sprechen, gedenken wir besonders des Führers, der auch unser bester Kamerad ist und von dem wir wissen, daß er in guten wie in schlechten Tagen immer und treu zu uns stehen wird, wie wir zu ihm stehen. Wir gedenken in dieser Stunde dieses Mannes, der es fertiggebracht hat, ein Volk und einen Staat zu schaffen, der im Innern die Ehre wieder zur Geltung gebracht hat, auf den gerade auch die Frontsoldaten, die ich heute in euren Reihen begrüßen konnte, stolz sein können. Es ist wieder stolz und schön, ein Deutscher zu sein. Im Innern wollen wir Sauberkeit und Ehre und im Aeußeren wird ein Volk, das innerlich ehrlich und sauber ist, auch Freiheit, Ehre und Gerechtigkeit in der Welt bekommen. Und so sollt ihr die Garanten sein dieses neuen Deutschland Adolf Hitlers. Er muß sich immerbar barauf verlassen können: Wenn es not tut, stehen die Millionen brauner und schwarzer Kämpfer angetreten da und werden feinem Rufe folgen und dem Führer zujubeln, so wie wir In dieser Stunde, an diesem Platze ihm zurufen: Adolf Hitler Sieg-Heil! keine Dr. OerWaliershaufenerMordprozeß Noch immer keine Klarheit. —Dem Angeklagten kommt die Sache komisch vor. Wolfgang von Waltershausen sagt aus. Dollfuß-Terror in Wöllersdorf Pressevertreter dürfen endlich das Konzentrationslager besichtigen. 270 Häftlinge werden von 690 Mann bewacht. Berührung. Dollfuß in Graz. Rundfunkübertragung gestört. Wien, 15. April. (DNB.) Bundeskanzler klärt habe, er suche eine hühneraugenfeile. Der Staatsanwalt stellte fest, daß dieser Vorgang nicht so gewesen sein konnte. Ls sei lediglich dem Vertreter der Erben einmal gestattet worden, in Begleitung eines Gendarmen das Zimmer zu betreten, wenn noch eine andere Person dabei gewesen sei, so habe davon die Staatsanwaltschaft nichts gewußt, das gehe auf Verantwortung des Gendarmen. Der Sachverständige Heß wurde vereidigt. Es folgte die Vernehmung der Frau Ida Nennt n g e r, und zwar zunächst über ihre und ihres Mannes Wahrnehmungen in der Nacht. Gegen 1.30 Uhr habe sie schreckliche Schreie und? auch drei Schüsse vernommen. Es sind zwei Schüsse hintereinander gefallen, eine Minute später ein dritter Schuß. — Mit diesen Aussagen deckten sich auch die des Ehemannes. Wolfgang von Waltershausen als Zeuge. Hierauf wurde unter großer Spannung in die Vernehmung des Zeugen Wolfgang Freiherrn von Waltershausen eingetreten. Er gab an, daß er auf Schloß Waltershausen bis zu seinem 10. Lebensjahr erzogen wurde, das Gymnasium in Weimar besuchte, sich dann als Fahnenjunker bei den Gardejägern in Potsdam meldete, ganz kurze Zeit noch im Felde war, dann das Notabitur machte und sich später beim Kapp-Putsch beteiligte. Auch war er Zeitfreiwilliger bei den Kämpfen in Oberschlesien. Er hat dann noch studiert in Karlsruhe und Clausthal, mußte in der Inflation sein Studium aufgeben, trat in die kaufmännische Lehre in Mellen und kam zurück nach Waltershausen, wo er eine Zeitlang die Kalkbrennereien und Steinbrüche leitete. 1925 kam er nach Berlin und war dort in verschiedenen Stellungen. 1930 hat er sich mit einer geborenen Freiin von Below in Weimar verlobt. Dann sei er in die NSDAP, eingetreten, sei Mitglied der SA. in Stuttgart geworden und später auch Mitglied der SS. Nach seiner Rückkehr nach Waltershausen sei er im Arbeitsdienst eingestellt worden, bei dem er noch heute sei. Er werde aber am 1. Mi cus» Das Recht Deutschlands aus Kolonien Lord Rothermere fordert Rückgabe der Kolonien an Deutschland. Die Rückgabe der Kolonien an Deutschland würde die größte Ungerechtigkeit, die durch die Friedensverträge begangen wurde, wieder gut machen. Die Behauptung des Versailler Friedensvertrages, Deutschland sej nicht fähig, Kolonien zu verwalten, stelle eine völlige Unwahrheit dar. Der Umstand, daß man mit der Fortnahme der Kolonien Deutschland seiner wichtigsten Rohstoffquellen beraubte, sei eine der größten Ungerechtigkeiten. Dadurch habe man Deutschland auch die Möglichkeit genommen, seinen Volksüberschuß unterzubringen. Ein lebenskräftiges Volk wie das deutsche habe berechtigten Anspruch auf Freiheit und Raum, wo es seinen Ueberschuß an Arbeitskraft und vor allem die Jugend unterbringen könne. Verschließe man einem solchen Volke dies natürliche Ventil, so könnten daraus nur Spannungen entstehen, die früher oder später den Frieden gefährden müßten. Es würde nichts weiter als rein nüchterne Erwägungen erfordern, wenn England sich entschlösse, die ihm zugesprochenen ehemaligen deutschen Kolo n i e n , die für England sowieso keine Bedeutung hätten und nur eine Belastung bedeuteten, a n Deutschland zurückzugeben. Don welcher Seite man immer dieses Problem untersuche, niemand könne das Recht Deutschlands auf Kolonien in Abrede stellen. Der heutige Zustand sei unhaltbar. Dollfuß histt am Sonntag in Graz auf einer Festversammlung der ch r i st l i ch e n st e i e r i s ch e n Bauern eine Rede. Er erklärte u. a., die Wirt- chaftslage habe bedeutende Fortschritte gemacht und das Ankurbelungsprogramm werde ohne Inflation und ohne Währungsexperimente fortgesetzt werden. Großes Aufsehen erregte, daß die Uebertragung der Rede des Bundeskanzlers über den Rundfunk sabotiert worden war. Alle Telephonlettun - gen Wien-Graz waren durchschnitten worden. Die Rede konnte erst nach einer halben Stunde nach erfolgter Umleitung übertragen werden. Große Gegendemonstrationen.—Zahlreiche Verhaftungen. Graz, 16. April. (DNB.) Bei dem Festzug am Sonntag der christlich-sozialen Bauern und vor und während der Rede des Bundeskanzlers Dollfuß gab es große Gegendemonstrationen. Schon vor Beginn des Festzuges explodierten Dutzende von Pa'pierböllern in der gan- zen Stadt. Die Straßen der inneren Stadt waren mit Hakenkreuzen übersät. Die Sozialdemokraten ihrerseits demonstrierten am Bahnhof und hatten auf dem Bahnhofsplatz zahlreiche marxistische Propagandaschriften ausgestreut. Bei Beginn der Rede des Bundeskanzlers explodierte in der Nähe des Festplatzes eine Bombe und beschä- London, 14. April (DNB.) Dem Londoner Berichterstatter des „Budapesti Hirlap" gewährte Lord Rothermere eine Unterredung, in der er ich über die Frage der A b r ü st u n g, über das englisch-französische Verhältnis und über die Rückgabe der Kolonien an Deutschland äußerte. Zur Abrüstungsfrage erklärte Rochermere, daß die gegenwärtigen Verhandlungen zu keinem Erfolg führen werden, da es heute kein einziges Land gebe, das ernsthaft an eine Abrüstung denke. Es könne höchstens von platonischen Beschlüssen die Rede sein. Heute fei jeder Staat verständlicherweife bestrebt, seine eigene Sicherheit auszubauen. Ein Gleichgewichtszustand könne in Europa lediglich durch einen englisch - französischen Bund gesichert werden, der aber keinesfalls gegen Deutschland gerichtet sein dürfe. Auch Deutschland müßte diesen Bund begrüßen, da durch ihn die Sicherheit Frankreichs gewährleistet sei und Frankreich dann keine weiteren Argumente aufbringen könne, die gerechtfertigten Gleichberechtigungswünsche Deutschlands nicht anzuerkennen. Durch einen englisch-französischen Bund würde das gegenwärtig herrschende Gefühl der Furcht vor einer neuen Kriegskatastrophe verschwinden. Zur Frage der Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien betonte Rothermere, daß England sich bedingungslos auf den Standpunkt der Gerechtigkeit stellen müsse. gezogen Berlin, 14. April (DNB.) Der Reichsbischof hat, wie der „Evangelische Pressedienst" mitteilt, folgende Botschaft zum kirchlichen Frie- d e n erlassen: , ., . m , „Die wiederhergestellte Einheit in V olk und Staat verlangt nach geordneter Einheit im äußeren Leben der evangelischen Kirche. Beten n t- n i s st a n d und Glaubensgut unserer Kirche, die uns wichtigste Verantwortung gibt, werden wir um so besser und treuer pflegen können, wenn organisatorisch in der Kirche Ordnung gehalten wird. Nachdem auf der Grundlage der Neuregelung des Verhältnisses von Staat und evangelischen Kirchen die Bahn zu weiteraufbauernder Arbeit freigemacht ist, soll unter Trennendes tn der Vergangenheit ein Strich gezogen werden. Es werden daher die schwebenden Verfahren, die aus kirchenpolitischen Gründen anhängig gemacht worden sind, eingestellt werden, mit Ausnahme jedoch derjenigen Verfahren, die staatspolitischen Einschlag haben. Ls wird auch in eine lleberprüfung bereits abgeschlossener Verfahren eingelrelen, sobald Ruhe und Frieden in der Kirche eingekehrt sind. Wer ungeachtet des hierdurch bezeugten Willens zum Frieden dennoch in Auflehnung gegen die not- wendige äußere Ordnung den Frieden stört, wird die volle Strafe des Gesetzes zu tragen haben. Ich erwarte von den Amtsbrüdern und Beamten der Kirche volle Einfühlung in die Gemeinschaft des Dienstes und ihre Vereinigung in berufsmäßiger Kameradschaft. Alle willigen Kräfte rufe ich zur Mitarbeit auf." DasKirchengefetz zurVesnedung des kirchlichen Lebens. Berlin, 14. April. (DNB.) Das geistliche Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche hat, wie der Evangelische Pressedienst mitteilt, folgendes Ki rch e n g e s e tz beschlossen: § 1. Die Verordnung des Reichsbischofs betreffend die Wiederherstellung geordneter Zustände in der Deutschen Evangelischen Kirche vom 4. Januar 1934 wird außer Kraft gesetzt. §2. Maßnahmen, die gegen kirchliche Amtsträger wegen ihres kirchenpolitischen Verhaltens eingeleitet sind, sind nichtdurch zuführen. Ausgenommen bleiben Verfahren mit staatspolitischem Einschlag. Eine Botschaft des Reichsbischofs zum kirchlichen Frieden. Amnestie-Erlaß. - Unter Trennendes in der Vergangenheit soll ein Strich werden. Ob ein solches Verfahren vorliegt, entscheidet das rechtskundige Mitglied des geistlichen Ministeriums. §3 . Abgeschlossene Maßnahmen unterliegen der Nachprüfung des R e i ch s b i s ch o f s. Er bestimmt den Zeitpunkt der Nachprüfung und trifft die erforderlichen Durchführungsbestimmungen. §4 . Die im § 4 der Verordnung des Reichsbischofs betreffend die Wiederherstellung geordneter Zustände in der Deutschen Evangelischen Kirche vom 4. Januar 1934 aufgeführten Gesetze, nämlich das Gesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Gelst- lichen und Beamten der Landeskirchen vom 16. November 1933 und das vorläufige Kirchengesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Beamten der Landeskirchen vom 8. Dezember 1933, sowie das Kirchengesetz betreffend Beilegung kirchen- politischer Streitfälle vom 8. Dezember 1933 bleiben mit Wirkung vom 4. Januar 1934 außer Kraft aesetzt §5 .'Das Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Wiederherstellung des Kirchenfriedens in Württemberg. Stuttgart, 15.April. (DNB.) Don zuständiger Seite wird mitgeteilt: Reichsbijchof Ludwig Müller i st heute um 14 Uhr in Stuttgart eingetroffen, um den Ki r ch e nn otst a nd in Württemberg zu beheben. Der Synodalausschuß hatte dieser Tage dem Landesbischof Wurm den gesamten Kirchenetat abgelehnt und ihm dadurch sein Vertrauen entzogen. Der Reichsbischos ermahnte die Beteiligten, alle Streit- und Personalfragen zurückzustellen, bis der äußere Aufbau einer mächtigen evangelischen Reichskirche durchgeführt fei. Er ermahnte den Landesbischof zur Nachgiebigkeit in verschiedenen Forderungen der neuen Zeit. Ministerialrat Iäger- Berlin sprach über den klaren Kurs der Reichskirchenführung, worauf der Synodalausschuß den umstrittenen Etat genehmigte. Damit hat der Reichsbischof die Ruhe und Ordnung im württem- bergischen Kirchengebiet wieder hergestellt. Der Reichsbischos stattete anschließend dem R e i ch s st a t t h a l t e r für Württemberg-Hohen- zollern und dem w ür tte mb er gif ch en M i- nisterpräfidenten Besuche ab und fuhr dann nach Berlin zurück. Bei der Abfahrt wurde der Reichsbischos von der Bevölkerung lebhaft begrüßt und beglückwünscht. ling je Tag entrichten, doch kann der Betrag in den meisten Fällen nicht eingebracht werden. Die Häftlinge haben die Möglichkeit, bis zu 14 Tagen Urlaub zu nehmen gegen Abgabe der Loyalitätsverpflichtung und ehrenwörtlichen Zusicherung, zuruck- zukehren. Der Urlaub wird bei Krankheit, Todes- ällen und geschäftlichen Notwendigkeiten gegeben. Bisher haben alle bis auf zwei Beurlaubte die 23er- pflichtung zur Rückkehr eingehalten. Die fünf Sozialdemokraten befinden sich in einer Sonderbaracke und kommen mit den Nationalsozialisten in keine Berlin, 14. April. (DNB.) Nachdem sich die österreichische Regierung Dollfuß lange geweigert hatte, ausländischen Pressevertreter, u. a. auch Vertretern der reichsdeutschen Presse, die Besichtigung des Wallersdorfer Konzentrationslagers zu gestatten, hat sie diese Besichti- aung nun endlich genehmigt. Sie fand am gestrigen Freitag statt. Die Regierung hat Zeit genug gehabt, in der Zwischenzeit die gröbsten Ueoelstände, die die öffentliche Weltmeinung in so hohem Maße erregen mußten, zu beseitigen. Auch der berüchtigte Lagerkommandant ist, wie berichtet, inzwischen ab- qelöst worden. Der neue Lagerkommandant hat (einen Posten am 12. April angetreten. Ebenso ist der Kantinenwirt Kirchner, dessen üble Wirtschaft so große Empörung ausgelöst hatte, durch einen anderen Wirt ersetzt worden. Heber die Eindrücke, die die österreichische Regierung den Vertretern der Weltpresse am gestrigen Freitag in Wöllersdorf gestattete, liegen folgende Berichte vor: Wien, 14. April. An der Besichtigung nahmen auf Grund der Bestimmungen des Sicherheitsministeriums je zwei Mitglieder vier verschiedener Verbände der Aus- landspresse teil, von deutscher Seite der Vorsitzende des Verbandes der reichsdeutschen Presse Dr. Har V- meyer und der Wiener Vertreter des DNB. Die Besichtigung dauerte zweieinhalb Stunden und fand unter Führung höherer Beamten der Staatspolizei, des Bundespressedienstes, des Lagerkommandanten Graael und des Spitalarztes statt. Das Konzentrationslager, eine frühere Munitionsfabrik, ist mit doppeltem Drahtverhau umzogen. Die Bewachung im Lager selbst wird von der Gendarmerie (9 0 Gendörmen) ausgeübt, während die He im wehr (600 Mann) für die äußere Bewachung des Lagers verwandt wird. Im Lager befinden sich nach Angaben des Kommandanten 27 0 Häftlinge, davon 265 Nationalsozialisten und 5 Sozialdemokraten, sämtlich österreichische Staatsangehörige. Unter den Häftlingen sind Professoren, Akademiker, Studen- den, Handwerker und Arbeiter. 3m Lager sind den Angaben nach 47 Fälle von Ruhrerkrankungen vorgekommen: sämtliche Erkrankten wurden inzwischen nach Wien ins Spital gebracht. 20 von ihnen sollen wieder entlassen worden sein. Die bekannten national- fozialislischen Führer Schattenfroh und die drei Brüder Frauenfeld befanden sich während der Besichtigung im wiener Franz- Joseph-Spital und sollen in den nächsten Tagen nach wöllersdorf wieder zucückgebrachl werden. Die Häftlinge sind in Linzelbaracken untergebracht zu vier bis fünf in einem Zimmer. Der Bezug von Büchern, Schachspielen und Zeitungen — selbstverständlich nur die unbedingt regierungstreue Presse — ist gestattet, die Korrespondenz ist täglich für jeden Häftling im Ausmaß von einem Brief und zwei Karten erlaubt. Die ein- und ausgehende Korrespondenz der Häftlinge wird vom Lagerkommandanten zensiert. Die Zusendung von Lebens- mlttelpaketen, die bis Anfang Januar zulässig war, ist seht eingestellt worden. Rur zu Ostern war die Zusendung in geringem 11m- |ange gestattet. Dagegen ist die Zusendung von Zigaretten erlaubt bigte die Hausfront des Platzes schwer. Zahlreiche Anhänger der nationalsozialistischen und der sozialdemokratischen Partei wurden verhaftet. Eingliederung der Heimwehr in die Vaterländische Front. Wien, 15. April. (DNB.) In später Nachtstunde wird amtlich bekanntgegeben: „Eine eingehende Aussprache zwischen Bundes» kanzler Dr. D o l l f u ß und dem Bundesfuhrer der Heimwehren, S t a r l) e m b e r g, hat die Grundlage für die Vereinigung und Verschmelzung aller vaterländischen Gruppen im RahmenderVaterlänbischenFronter- geben. Das wird auch in den nächsten Orgamsations- maßnahmen, die schon im einzelnen festgelegt sind,- zum Ausdruck kommen." .. Dieses Kommunique bestätigt die schon längst erwartete Unterstellung der Heimwehren unter die Vaterländische Front Dr. Dollfuß'. Das aber bedeutet bas Ende der Heimwehr als eines selbständigen Faktors. In Regie- rungskreisen wird dem Abkommen die größte Bedeutung beigemessen, was aus folgenden Aeuße- rungen hervorgeht, die der Bundesleiter der Vaterländischen Front, Dr. Stephan, einem Vertreter der „Politischen Korrespondenz" gegenüber getan hat: Das Abkommen ist nicht nur für die künftige Entwicklung der Vaterländischen Front und den Er- neuerungsgedanken in Oesterreich von grundlegender Bedeutung, es ist vielmehr die Basis und die Voraussetzung für die S ch a f f u n g d e s a u t o r i- tär geführten Staates, wie er angestrebt wird. Hinter dem Bundesführer Dollfuß und feinem Führer Starhernberg wird in Zukunft die große, geschlossene Front all derjenigen stehen, die sich in unbedingter Gefolgschaft zu Dollfuß und dem von ihm aufgebauten christlichenStände- ft a a t bekennen. Am Schluß heißt es: Die Vaterländische Front wird sich nach Eingliederung der Wehrfront in drei Gruppen gliedern: Die Wehrfront, die berufsständische Organisation und die Gebietsorganisation. Während der Besichtigung fand sich Gelegenheit, mit den Häftlingen ins Gespräch zu kommen, jedoch nur unter der unmittelbaren strengen Kontrolle der zahlreichen, die Besichtigung begleitenden Beamten. Hierbei wurde zunächst grund- sätzlich mitgeteilt, daß Fragen politischen Charakters verboten seien. Im Laufe der Unterredung wurde von den Bkamten mehrfach die Weiterführung des Gespräches wegen angeblich politischer Fragen unterbunden, bei Fortführung sogar sofortige Beendigung der Besichtigung in Aussicht gestellt. Zu den verbotenen Fragen politischen Charakters gehörte auch die Frage nach der Ursache der Verhaftung, jedoch wurde in den Gesprächen regelmäßig von den Häftlingen gerade diese Frage ausgenommen. Aus sämtlichen Unterhaltungen ergab sich der übereinstimmende Eindruck, daß die Häftlinge über die Ursache ihrer Verhaftung auch nicht die geringste Ahnung hatten. Immer wieder betonten sie, baß ihre Verhaftung nur wegen ihrer Gesinnung erfolgt sein könne und baß ihnen irgendeine Straftat nicht zum Vorwurf gemacht werden könne. In einzelnen Fällen sind die Häftlinge wegen des Singens des Horst-Deffel-Liebes ober wegen Anklebens von Hakenkreuzen bereits feit Monaten im Konzentrationslager. Die Ueberjeugung von ber Aussichtslosigkeit, in absehbarer Zeit freigelaffen zu werden, und das Fehlen jeder Mitteilung über das Ende ihrer Haft bewirkt unter den Häftlingen im allgemeinen eine sehr gedrückte Stimmung. Besondere Erregung herrscht anscheinend über die Unklarheiten, die sich aus der Verfügung ergeben, wonach die Häftlinge durch eine „L o y a 1 i t ä t s e r k l ä r u n g" ihre Haft beenden könnten. Zeitungsartikeln hatten die Häftlinge entnommen, daß die Unterzeichnung der Loyalitätserklärung die sofortige Freilassung zur Folge haben werde. Diese Vermutung hat sich nach Darstellung ber Beamten als einIrrtum erwiesen Die Unterzeichnung ber Loyalitätserklärung ist nur eine ber verschiedenen Bedingungen der Freilassung, zu denen auch noch „gute Führung", sowie die Klärung der allgemeinpolitischen Verhältnisse gehören. Uebereinftimmenb wurde von den Häftlingen aus» gefagt, daß zwischen ihnen und der Gendarmerie ein gutes Einvernehmen herrscht. Dagegen äußerten sie sich teils erregt, teils haßerfüllt gegenüber den J e im mehren, die nach ihren Mitteilungen häufig eine provozierende Haltung einnehmen, unmittelbar vor den Häftlingen Schimpf- lieber über Deutschland und d e n Na- tionalsozialismus fingen und die Gendar- merie gegen die Häftlinge zu verhetzen und sie von ihrer korrekten Haltung abzubringen suchen. Der Lagertommanbant teilte mit, baß bisher kein einziger Häftling entflohen unb es zu retnen Revolten gekommen fei. Dagegen wirb zugegeben, baß in ber Zeit um Weihnachten ein jungeqtreil von einigen Tagen ausgebrochen war. rn ,!n Etn oer ßagerorbnung vorgesehenen Diszi- plmarftrafen bie bis zur Dunkelhaft gehen, sei bisher kein Gebrauch gemacht worben. Die Frage ber Verpflegung scheint bisher erhebliche Z $ m 1 e r.19 k e.i t e n bereitet zu haben. Nach ben Aussagen der Häftlinge mar die Verpflegung durch den kürzlich entlassenen Kantinenwirt Kirchner völ- llg ungenügend unb schlecht. Die Gefangenen erklärten, heute zum ersten Male einen genießbaren Äaffee erhallen zu haben. Sie müßten sechs Schil- DNB. Schweinfurt, 14. April. Am neunten Derhandlungstage wurde in einer Auseinandersetzung zwischen dem Verteidiger und dem Schleßsachverständigen, Dr. Heß, die Möglichkeit erörtert, ob ein Gewehr, bas von oben heruntergeworfen wirb, nur 5 cm in ben Boben einbringt, wie bas seinerzeit bei bem ersten Einbruch der Fall gewesen fein soll. Der Sachverständige verneinte diese Möglichkeit, da die Wucht viel größer sei. Der Staatsanwalt fragte bann ben Sachverständigen: „Bleiben Sie bei Ihrem Gutachten, baß aus der übersandten Pistole die Tatortspatronen und Hülsen mit absoluter Sicherheit verschossen worben finb?" Der Sachverstänbige antwortet mit ja. Der Angeklagte Liebig teilte mit, baß ihm seinerzeit sein früherer Verteibiger gesagt habe, bie betreffenbe Pistole sei auf Veranlassung des Rechtsanwalts Sack, bes Beistanbes ber Frau Werth e r, nach Stuttgart geschickt worben. Dem roiber» sprach ber Staatsanwalt mit bem Hinweis, baß, nachdem der Sachverständige, Hauptmann Fischer, seinerzeit ausgesagt hatte, daß bie Tatvrtmunitivn n i ch t aus biefer Pistole abgeschossen sein könnte, fieberhaft nach ber in Betracht fommenben Waffe gesucht worden fei. Der Vorsitzende wandte sich bann an Liebig: „Sie haben nun gehört, bas Gutachten ist sehr gravierend. Was faaen Sie dazu?" Liebig: „Ich rann mir bie Sache nicht erklären. Ich habe auch schon barüoer nach- gedacht. Kann das nicht etwa Zufall fein?" Vorsitzender: „Haben Sie die Pistole nachts bei sich gehabt? Konnte es nicht etwa so sein, daß sie heimlich gestohlen unb Ihnen bann wieder zugestellt wurde?" Liebig: „Ja, mir i ft bie Sache komisch. Ich habe am Abenb bie Pistole noch ausgezogen und geölt unb ftanb am anberen Abenb an Der Schublabe, als sie ber Wachtmeister herausnahm. Auch am anberen Morgen war sie ausgezogen unb meine Tür war verschlossen." Vorsitzenber: „Hatten Sie irgendwelche besonderen Reinigungsgeräte für Ihre Pistole?" Liebig: „Nein." Der Verteidiger stellte dann eine interefsante Zwischenfrage: Ich habe eine Mitteilung bekommen, daß ein Reffe der Frau W e r t h e r sich im Turmzimmer umhergetrieben und auf die Frage, was er dort tue, er- scheiden und beabsichtige, sich der Dersicherungs- brauche zu widmen. Der Vorsitzende lieh sich dann berichten, wo er sich im Oktober, November und Anfang Dezember 1932 ausgehalteu hat und was er in dieser Zeit tat. Der Zeuge gab genaue Daten an. Zur Zeit des ersten Einbruches am 15./16. Oktober sei er in Berlin gewesen. Als Zeugen hierfür nannte er den Grafen Leopold von Götz. Das letztemal sei er, der Zeuge, im Juni 1932 in Woltershausen gewesen. Am 1. Dezember 1932 gegen 10 Uhr habe er ein Depesche erhalten: „Großes Unglück im Schloß, sofort komme n". Vorsitzender: „Sind Sie auch nicht beteiligt?" Zeuge: „Nein! Das Telegramm war unterzeich» net von einem Baron Witte r." Vorsitzender: Ist das derselbe Witter, bei dem dann Frau Werther krank gelegen hat?" Zeuge: „Ja. Ich bin dann mit dem Mittags- schnellzua nach Weimar und dann mit dem Auto weitergefahren, habe aber schon vorher telephonisch mit Dr. Welte, dem Hausarzt des Schlosses, gesprochen. Da erfuhr ich, daß der Hauptmann erschossen und meine Mutter schwer verwundet fei und sie Karl Liebig als Täter bezeichnet. Ich habe dann mit meiner Mutter gesprochen, etwa eine Viertelstunde lang. Sie hat ruhig alles erzählt, über Schmerzen geklagt und gesagt, sie sei durch einen Schuh aufgewacht und durch einen Schrei. Dann habe sie den Liebig ins Zimmer kommen sehen, er habe auf sie geschossen. Dem Liebig habe sie zugerufen, er folle nicht schiehen. Dieser aber hätte erklärt: „Erst recht, gnädige J r a u!“ Liebig habe auch eine Ladehemmung gehabt, noch einen letzten Schuh abgegeben und sei dann verschwunden. Meine Mutter erzählte weiter, dah sie dann aufge- standen und zu ihrem Mann hinausgelaufen sei. Dort habe sie einen furchtbaren Anblick gehabt. Sie habe ihren Revolver aus dem Toilettentisch geholt, das Fenster eingeschlagen und drei Schüsse zum Fenster hinaus abgegeben und um Hilfe gerufen. Dann habe sie die Tür zur Kofferkammer verschlossen, versucht, die Blutungen des Stiefvaters mit nassen Tüchern abzuwaschen, sich auf einen Stuhl zwischen Bett und Tür gesetzt und bis morgens Uhr gesessen. Die Mutter sagte mir auch, dah sie Liebig in der Frühe gesehen habe, und da habe sie ihm gleich zugerufen: Nachts haben Sie geschossen, jetzt schieße ich! Sie hat alles in ganz ruhigem Tone gesprochen. Später habe ich sie noch nach Einzelheiten gefragt. Vorsitzender: Was war Ihr persönlicher Eindruck von der Erzählung Ihrer Mutter? Haben Sie gedacht, daß sie richtig ist? Zeuge: Natürlich! Der Zeuge gab dann bekannt, oenau so wie es bisher Frau Werther getan hat, an welchen besonderen Merkmalen sie den Täter erkannt haben will. Er führt an, daß sie ihn am Gesicht, an seiner Figur und an seinem typischen und auffallenden schnellen Schritt erkannt habe. Der Vorsitzende fragt im weiteren Verlaufe der Vernehmung den Zeugen über seinen Aufenthalt in Woltershausen nach dem Morde. Baron Woltershausen gab an, daß er durch alle Räume gegangen sei, ausgenommen die Mordzimmer, die er nicht betreten durfte. Er sei auch niemals ohne Begleitung in das Schloß gegangen. Er habe feyie Spuren verwischt und auch nichts verändert. Vorsitzender: Es sind aber doch Fingerabdrücke von Ihnen gefunden worden, z. B. am Gewehrschrank. Zeuge: Ja, so oft ich in Woltershausen war, bin ich an den Gewehrschrank gegangen und habe ein Gewehr herausgenommen und damit geschossen. Baron Dallershausen teilte auf Befragen weiter mit, daß seine Mutter ihm von dem er st en Einbruch geschrieben habe. Bei dieser Gelegenheit äußerte er zum ersten Male eine eigene Ansicht. Ls sei, so sagte er, sehr merkwürdig gewesen, dah man damals nichts gesunden habe. Das müsse ein raffinierter Bursche ausgeführt haben, und zwar müsse es derselbe gewesen sein, der seinen Stiefvater ermordet und auch den zweiten Einbruch begangen habe. Bei einer Erörterung der Verhältnisse auf dem Schloß erklärte Baron Waltershausen, sein Stiefvater sei ein großer Optimist gewesen, und es sei ausgeschlossen, daß seine Eltern aus Vermögensschwierigkeiten Selbstmord hätten verüben wollen. Der Gedanke fei ihm nie gekommen. — Weiter wurde auch erörtert, ob die Möglichkeit bestanden hat, das Schloß zu erhalten und es dem Sohn zu übergeben. Baron Waltershausen erklärte, es wäre vielleicht möglich gewesen, daß seine Schwiegermutter eine größere Summe frei bekommen hätte, aber auch dann wäre die Lage in Waltershausen sehr schwierig gewesen und er hätte sich nurunter größtemWiderstrebenzu einer Uebernahme bereitgefunden. Das Gut sei offenbar nicht mehr zu halten gewesen. Don dem zweiten Einbruch habe er am 7. Januar 1933 erfahren, und zwar seien Kriminalbeamte in seine Wohnung gekommen. . Vorsitzender: Sie haben doch damals geäußert, d a s i st a b e r f e i n, daß das geschehen ist. Zeuge: Jawohl das habe ich gesagt, ich meinte der Einbruch hänge mit dem Mord zusammen, es komme nun vielleicht doch eine Klä- ^Tiie Verhandlung wurde dann vertagt. Am Montag wird Baron von Walter Haufen vom Verteidiger befragt werden. Ein BergwerkSdirektor in Schutzhast. Düsseldorf, 14. April. (DNB.) Die Regierungspressestelle teilt mit: Die Staatspollzelstelle Düsseldorf hat heute den Generaldirektor der Zeche Rhein-Preußen in Homberg, Kreis Moers, Berg- asiesior a. D. Heinrich Kost, und die Direktwns- fekretäre H o e f e r und Huehner wegen schwerer Gefährdung des Wirtschaftsfriedens m Sch u tz - haft genommen und in das Polizergefangnis Düsseldorf übergeführt. Den genannten Personen wird vorgeworfen, anläßlich der Wahl der Vertrauensräte ein anonymes Flugblatt gegen den Führer der Vorschlagsliste verfaßt und verbreitet zu haben, obwohl diese Liste gemeinsam von der Werksleitung und dem Betriebszellenobmann aufgestellt worden war. Dieses Verhalten kennzeichnet sich als eine besonders gröbliche Verletzung der durch die Vetriebsgemeinschaft begründeten Pflichten und erforderte zur Wahrung der sozialen Ordnung ein nachdrückliches staatliches Eingreifen. Trotzki heimlich in Frankreich. Sein Aufenthalt durch einen Zufall entdeckt. Paris, 16. April. (DNB.) Durch einen Zufall ist, dem „Oeuvre" zufolge die französische Polizei einer aufsehenerregenden Sache auf die Spur gekommen. Sie hat festgestellt, daß der frühere S o w j e t k o m m i s f a r Trotzki sich in einer Villa bei Barbizon in der Nähe von Fontainebleau aufhält. Mit ihm wohnen dort feine Frau und drei seiner Anhänger, die seine Leibwache darstellen. Die Entdeckung der Behörden, daß Trotzky eine scharf bewachte Villa in Barbizon, im Walde von Fontainebleau bewohnt, hat in der französischen Öffentlichkeit großes Erstaunen hervorgerufen. Trotzki besaß im Dezember 1933 eine Aufenthaltserlaubnis des französischen Innenministeriums für das Departement Seine et Marne, war also berechtigt, in dem in diesem Departement liegenden Barbizon, Wohnung zu nehmen. In der französischen Presse wird die Frage laut, von welchem Innenminister Trotzki diese Aufenthaltserlaubnis bewilligt wurde. Im Dezember 1933 war Chautemps Innenminister. Chautemps gibt die Aufenthaltserlaubnis zu und erklärt im „Matin", Trotzki habe aus Gesundheitsrücksichten um den Aufenthalt in Innerfrankreich nachgesucht, da ihm das Klima auf Korsika nicht zusagte. Diese Genehmigung sei ihm auf sein eigenes Risiko hin erteilt worden, was keineswegs außergewöhnlich sei. Das Verhalten Trotzkis habe bisher zu keinen Beanstandungen Anlaß gegeben. Der „Matin" und das „Echo de Paris" verlangen die Ausweisung Trotzkis. Der „Matin" weist darauf hin, daß sogar Franzosen, die irgend etwas begangen haben, der Aufenthalt in den Paris benachbarten Departements vorn Gericht untersogt zu werden pflsege, während der landfremde Trotzki skandalöserweise im Departement Seine et Marne wohnen dürfe. Das „Echo de Paris" hat von allen in Frankreich lebendenErni- granten genug und befürchtet, daß der bolschewistische Agitator Trotzki, der eine vierte Internationale vorbereite, eines Tages bei einer Maikundgebung in Paris an der Spitze der Kommunisten auf die Straße gehen könnte. Aus aller Well. Künste Partie im Echachweltmeister- schastskampf unentschieden. Dte abgebrochene fünfte Wettkampfpartie um die Schachweltmeisterschaft wurde am Samstag in Villingen fortgesetzt und endete unentschieden. Dr Aljechin konnte, nachdem Bo- a o l j u b o f f die ganze Partie über vorzüglich gestanden hatte, durch feine Manöver einen leichten Vorteil sicherstellen. Die Abbruchstellung demnach für Bogoljuboff sehr schwer; denn es erwies sich, daß der Weltmeister unter Umständen die Partie noch hätte gewinnen können. In dreieinhalb Stunden wurden nur zehn Züge absolviert, und Bogoljuboff konnte froh sein, daß er aus seiner peinlichen Lage noch mit einem Unentschieden entschlüpfen konnte. Der Stand ist jetzt somit: Aljechin mit zwei Gewinnen und drei Unentschieden 3,5 Punkte, Bogoljuboff 1,5* Punkte. — Die erste Phase des Weltmeisterschaftskampfes ist beendet. Es ist festeste llen, daß der deutsche Meister Bogoljuboff sich gut geschlagen hat. In drei Partien hätte er mit ein wenig mehr Glück drei Zähler buchen können. Jedenfalls ist eine ganz erhebliche Formverbesserung gegenüber dem früheren Weltmeisterschaftswettkampf mit dem gleichen Gegner nicht zu verkennen. Als Abschluß des Wettkampfabschnittes Villingen fand am Sonntag noch eine Aufführung mit lebendigen Schachfiguren in Schwarzwälder Originaltrachten statt. Der Kampf selbst wird am Mittwoch in Freiburg im Breisgau fortgeführt werden. Stapellauf des Dampfers „Deutschland" in Bremen. Auf den Atlas-Werken in Bremen fand der S t a p e l l a u f des von der Reederei Otto Schrei- 6 e r in Auftrag gegebenen Dampfers „Deutsch- la n d" statt, der im Unterweser-Verkehr Verwendung finden soll. Die Taufrede hielt Kreisleiter Wegener. Um fcen Gedanken der Volksverbundenheit im nationalsozialistischen Deutschland einen symbolischen Ausdruck zu geben, wolle man die Taufe durch einen Arbeiter, der an dem Bau des Schiffes mitgewirkt habe, vornehmen lassen. Da trat der Arbeiter Behren s vor und zerschellte die Flasche an dem Bug des Schiffes mit den Worten „Ich taufe Dich Deutschland! Unter den Klängen des Deutschlandsliedes setzte sich der Schiffskörper in Bewegung und glitt immer schneller, von lautem Hurra begleitet, in die Wellen. Zwei Oberscharführer tödlich verunglückt. In den frühen Morgenstunden des Sonntag ereignete sich in Guben ein folgenschwerer 23er- kehrsunfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Ein von dem SA.-Oberscharführer Lerche gesteuertes Motorrad fuhr aus bisher unbekannter Ursache in höchster Geschwindigkeit gegen einen Baum. Der Anprall war so heftig, daß der Oberscharführer Lerche auf der Stelle getötet wurde. Sein Mitfahrer, der SS.-Oberscharführer H i n ß, wurde so schwer verletzt, daß er kurz nach der Überführung in das Gubener Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag. Hinrichtung zweier Mörder in kiel. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind in Kiel die Mörder des Siedlers Wilhelm Müller, Ernst Rommel und Joh. Degen, >h ingerichtet worden. Die beiden waren am 21. Juli 1933 von dem Schwurgericht in Kiel wegen des im November 1932 zu Warendorf an Müller begangenen Mordes zum Tode verurteilt worden. Der Preußische Ministerpräsident Göring hat von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil es sich um einen planmäßig vorbereiteten und mit ungewöhnlicher Brutalität und großer Heimtücke ausgeführten Mord handelt, bei dem die Verurteilten eigennütziges Interesse verfolgten. Ein Kind bei einem Scheunenbrand ums Leben gekommen. In Obervorschück (Kreis Fritzlar) brach in der Scheune des Landwirts Leonhard Jahn Feuer aus, das an den dort lagernden Strohvorräten reiche Nahrung fand und innerhalb kurzer Zeit das ganze ©ebäube ergriffen hatte. Die Scheune brannte vollständig nieder. Vom Wohnhaus wurde ein Teil des Dachstuhls zerstört. Durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehr konnte eine weitere Ausdehnung des Brandes verhindert werden. Bei den Löscharbeiten fand ein Feuerwehrmann in der Scheune die bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche des sechsjährigen Töchterchens Anneliese des Besitzers, das anscheinend in der Scheune gespielt hat und sich nicht mehr hat retten können. Die Branduvsache konnte noch nicht festgestellt werden. Vernfeld wegen Betruges zu Gefängnis verurteilt. Die 4. Strafkammer in Berlin verurteilte den früheren Herausgeber des „Magazins der Wirtschaft", Raphael B e r n f e l d, wegen fortgesetzten Betruges und Vergehens gegen das GmbH- Gesetz zu zwei Jahren einem Monat Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, an deren Stelle bei Nichtbeitreibuna weitere 10 Tage Gefängnis treten. Außerdem wurde Reichsverweisung für zulässig erklärt. Ein neuer rätselhafter Hlorb in Dresden. In Dresden wurde in feiner Wohnung der 67- jährige Karl Fritzsche erschossen aufgefunden. Fritzsche wohnte seit über 30 Jahren in Dresden und tätigte Börsengeschäfte. Die Schußwaffe ist bisher nicht gefunden worden. Er ist einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Das ist die zweite Mordtat innerhalb kurzer Zeit in Dresden. Am 3. Dfterfeiertag war, wie erinnerlich, erst das Händlerehepaar N i tz s ch k e in feiner Wohnung ermordet aufgefunden worden. Reiche Funde in einem germanischen Frauengrab. Bei Rodungsarbeiten in der Gladbacher Feldmark wurde, einer Meldung aus Neuwied zufolge, das Grab einer germanischen Frau gefunden, ferner eine mit vertikalen Graphitstrichen und Horizontalbändern verzierte Urne, die die Aschenreste der Toten zusammen mit drei leichtver- goldeten Nadeln samt den brozenen Besatzstücken eines Gürtels, ein Messerchen, einen Spinnwirtel und einen Tonring enthielt. Den aus der Zeit des Kaisers Augustus stammenden Fund hat das Kreismuseum Neuwied von Künstlerhänden soweit Herstellen lassen, daß es zu einem seltenen Museumsstück geworden ist, das in rheinischen Gauen kaum ein ebenbürtiges Gegenstück finden dürfte. Dreister Raubüberfall auf einen Kassenboten. In Düren-Friedenau wurde ein dreister Raub- überfall auf den Kassenboten einer Papier- farbik verübt, der sich in Begleitung eines Angestellten der Dürener Bank befand. Auf dem kurzen Weg zwischen der Haltestelle der Straßenbahn Düren-Friedenau und der Papierfabrik kam den beiden ein Auto entgegen, das plötzlich anhielt. Einer der drei Insassen sprang mit erhobenem Revolver auf den Kassenboten zu, gab einen Schreckschuß ab und entriß dem erschrockenen Boten die Aktentasche mit 3000 Mark Lohngeldern. Der Räuber sprang sofort wieder ins Auto, das in schnellster Fahrt davonfuhr. Eine neue Tropfsteinhöhle entdeckt. Im Velden st einer Forst in Nordbayern hat der fränkische Karstforscher Helmuth Cramer eine neue ausgedehnte Höhle entdeckt. Der enge und niedere Eingang, der sich in der Nähe der Ortschaft Heroldsreuth befindet, führt in ein langgestrecktes vielverzweigtes Gangsystem, das in der Hauptrichtung bereits mehrere Hundert Meter erreicht. Die Höhle ist durch hallenartige Erweiterungen ausgezeichnet und enthält zahlreiche Tropfsteingebilde. Die Säulen, Vorhänge und Zapfen bestehen aus reinem weißem Kalkspat. Um die auch geologisch interessante Höhle vor Zerstörung durch Unberufene zu bewahren, soll sie unter staatlichen Schutz gestellt werden. Ihre eingehende Erforschung und Vermessung wird in der nächsten Zeit durchgeführt. Entführung eines Hypnotisierten? — Merkwürdiges Abenteuer eines ungarischen Mediums. Ein höchst eigenartiger Fall beschäftigt augenblicklich die Budapester Polizei. Vor acht Wochen hatte eine Frau angezeigt, daß ihr Mann, der Tischlermeister Ludwig Pap, spurlos v e r - s ch w u n d e n sei. Pap war in Budapester Spiritistenkreisen ein sehr bekanntes Medium, dessen man sich häufig bei spiritistischen Sitzungen bediente. Bei einer solchen Sitzung war auch eine Frau Relsberg anwesend gewesen, die sich als schwedische Schriftstellerin ausgab. Die Schwedin hatte den Tischlermeister zu überreden versucht, nach Schweden zu kommen, da er dort auf Grund seiner medialen Veranlagungen zu großem Wohlstand gelangen könne. Ludwig Pap, der verheiratet und Vater von zwei Kindern war, hatte jedoch dieses Anerbieten abgelehnt. Eines Tages war er aber aus seiner Wohnung verschwunden. Nun, nach acht Wochen, erhielt seine Frau einen Brief von ihm, in dem er ihr mitteilte, daß die Schwedin ihn hypnotisiert und auf diese Weise gezwungen habe, mit ihr nach Schweden zu kommen. Er lebe jetzt in Göteborg, wo Frau Helsberg ihn in einer Villa gefangen halte. Er stünde immer wieder unter dem hypnotischen Einfluß der Frau, die ihn an der Rückkehr nach Budapest hindere. Zum Schluß bittet er feine Frau, bei der Polizei etwas zu unternehmen, damit er aus feinem merkwürdigen Gefängnis befreit würde. Die Budapester Polizei leitete sofort Schritte ein, zumal sich im vorigen Jahr zwei ähnliche Entführungen im hypnotischen Zustand ereignet haben. Dagegen läßt sich „Berlinske Tidende" aus Göteborg melden, daß die Angelegenheit kaum so romantisch sein dürfte. Nach Informationen des Blattes trafen Frau Helsberg und Pap vor über einer Woche in Göteborg ein, wo sie in einer Privatvilla mehrere spiritistische Sitzungen veranstalteten. Nachdem eine große Sitzung vor einigen Tagen zu einem Fiasko wurde, trennten sich die beiden. Frau Helsberg reifte nach England und Pap nach Budapest, wo er nach Mitteilung an seine Bekannten in Göteborg inzwischen bereits eingetroffen fein soll. Der schwere Felssturz bei Grondona. — Elf Tote. Zu dem kürzlich erfolgten schweren Felssturz in Grondona (Italien) werden noch folgende Einzelheiten berichtet: Grondona, das auf einem Hügel liegt, wird mit feinen wenigen Häusern von einer hochgelegenen, auf einem Felsplateau erbauten Schloßruine mit zwei um 1500 erbauten Türmen beherrscht. Zwischen diesen Türmen hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein tiefer Felsspalt gebildet. An dieser Stelle ist der Fels bann auseinandergebrochen. Die zufamm/nbrechenden Turmruinen stürzten zusammen mit ungeheuren Felsmassen in die Tiefe und begruben die unten liegenden Hauser unter sich. Die Zahl der Toten beträgt elf. Einige Verletzte befinden sich in bedenklichem Zustande noch im Hospital. In den letzten Tagen sind weitere Sieinmaffen hiebet« gegangen, die indessen feinen nennenswerten Scha- den mehr anrichteten. Die Behörden beabsichtigen, den noch überyängenden Teil des Felsens mti Dynamit zu sprengen, um weitere Gefahren zu beseitigen. Die Bevölkerung der gefährdeten Zone hat sämtliche Häuser geräumt, lieber 200 Personen sind in Baracken untergebracht. Die Karakorum-Expedition nach Bombay aufgebrochen. Die internationale wissenschaftliche und alpine Expedition, die unter Leitung des schweizerischen Professors Dyhrenfurth -Zürich steht, hat sich auf dem „(Tonte Verdi" nach Bombay eingeschifft. Die Expedition wird am 25. April in Bombay eintreffen und von dort aus über Strinagar in die Karakorum- Zone Vordringen. Die Reisegesellschaft setzt sich aus schweizerischen und italienischen Wissenschaftlern, Bergsteigern, Schriftstellern und Kinooperateuren zusammen. Auch die Gattin von Professor Dyhrenfurth nimmt an der Expedition teil. Hochsommertemperaluren in London und Paris. Am gestrigen Sonntag herrschte in London und im Süden des Landes bei fast wolkenlosem Himmel die Temperatur eines Hochsomme r t a g e s. In London zeigte das Thermometer 23,8 Grad Celsius im Schatten, was feit 40 Jahren im April nicht vorgekommen ist. Aus den Bädern an der Meeresküste sind alle Berichte gleichlautend: Wahre Heerlager von Männern, Frauen und Kindern am Strand entlang und die See voll von Schwärmen badender und schwimmender Menschen. Die einzigen, denen, das prächtige Wetter unwillkommen ist, sinh die für die Wasserversorgung der Städte und Dörfer verantwortlichen Behörden. Die Periode der Trockenheit scheint nicht enden zu wollen, während das Land doch nichts so dringend braucht wie reichliche Regenfälle. ♦ In Paris herrschte am Sonntag eine hochsommerliche Temperatur. Das Thermometer stieg auf 2 9 Grad, ein Ereignis, das seit 60 Jahren nicht mehr beobachtet wurde. Im Jahre 1874 war das Thermometer im April auf 28 Grad gestiegen. Man nimmt in meteorologischen Kreisen an, daß der Sommer 1934 ebenso heiß und trocken werden wird, wie die Sommer 1911 und 1921. portugiesischer Fischdampfer gekentert. — Zehn Mann ertrunken. Außerhalb des Hafens von Leixoes bei Opodo wurde, einem Funkspruch aus Lissabon zufolge, ein Fischdampfer von einer riesigen Welle zum Kentern gebracht. Nur zwei Mann der Besatzung konnten sich retten, die anderen 10 ertranken. „Tfcheljufkin"-Mannfchafl nach Kap Vellen unterwegs. Der Weitertransport der geretteten „Tschell' u s k i n"°Mannschaft von Wankarem nach Kap Wellen mit Schlitten und Flugzeugen macht weiter gute Fortschritte. Gegenwärtig befinden sich in Wankarem nur noch 32 „Dscheljuskin"-Leute. Die Fliegertragüdie im südamerikanischen Urwald. —> Die Leiche des Flugkapitäns Geck aufgefunden. In Ergänzung des Berichtes über die Flieger- trag 6die im südamerikanischen Urwald erfährt DNB. durch den Vertreter des „Bergsträßer An- zeigenblattes" in Bensheim auf Grund der letzten eingegangenen Kabel an den in Auerbach a. d. B. lebenden 23ater des verunglückten Flugkapitäns Geck, daß die bei den Suchaktionen beteiligten Indianer Gecks Leiche vier Tagesreisen von dem inzwischen aufgefundenen Flugzeug fanden. Kapitän Geck schlug sich bekanntlich zusammen mit dem Bord- fünfer Jahnke durch den Urwald, um Hilfe für den einzig überlebenden aber verletzten Passagier, den Amerikaner Marshall, zu holen. Geck hatte bei der Notlandung eine Verletzung davongelragen und muß infolge Erschöpfung schließlich zusammengebrochen sein. Von dem Schicksal Jahnkes ist noch nichts bekannt. Der Tod des Flugkapitäns Geck ist uijifo tragischer, als es sich um seinen letzten Flug vor der Einschiffung nach der Heimat gehandelt hat, wo ihn bereits Frau und Kind erwarteten. Die Baby-Garage. In London haben zwei Aerzte eine Baby- Garage eröffnet. Da sich die Frauen des Mittelstandes keine Kinderwärterin halten können, müssen sie abends zu Hause bleiben, wenn der Mann seinen Vergnügungen nachgeht. Diesem Uebelstand wird dadurch abgeholfen, daß ein großer Laden i n viele kleine Einzelboxen eingeteilt wird, in denen Wiegen stehen und Kinderstühlchen. Für sechs Pence pro Stunde können Ehepaare ihre Babys hier zur Aufbewahrung abgeben. Geprüfte Kindergärtnerinnen betreuen die Kinder, und jedes Kind bekommt auf den Arm ein plombiertes Nummernetikett, das mit der Nummer der Garderobenmarke übereinstimmt. Auf diese Weise sollen Verwechslungen der Kinder verhindert werden. 3nfuö zur Aburteilung nach USA. unterwegs. Der amerikanische Großbetrüger Samuel I n • full wurde am Freitag an Bord des Dampfers „Exilona" gebracht, der ihn zur Aburteilung nach Amerika bringen wird. Sofort nach feiner Ankunft auf dem Dampfer las ihm der amerikanische Vizekonsul in Smyrna, Berry, den von Präsident Roosevelt unterzeichneten Haftbefehl vor. Samuel Jmsull wird während der Ueberfahrt Tag und Nacht streng bewacht werden. Wettervoraussage. Da sich der hohe Druck über dem Kontinent erhalten hat, bleibt auch das überwiegend warme und freundliche Frühlingswetter bestehen. Die Nordweststörung schreitet allerdings nach Skandinavien zu fort und wird durch ihre Südseite ozeanische Luft vorschieben. Diese wird zeitweise Bewölkung aufkommen lassen, wobei auch Neigung zu Gewitterstörungen besteht. Aussichten für Dienstag: Noch aufheiternd, zeitweise auch bewölkt mit Gewitterneigung, warm. Aussichten für Mittwoch: Weiterhin warmes Wetter. Lufttemperaturen am 15. April: mittags 25,4 Grad Celsius, abends 16,1 Grad; am 16. April: morgens 10,2 Grad. Maximum 26,7 Grad, Minimum 7,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. April: abends 15,2 Grad; am 16. April: morgens 11 Grad Celsius. —- Sonnenscheindauer 7% Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter: Ernst Blumschein. Verantwortlich ür Politik: i. 23.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. HL 34: 11 550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, KG., sämtlich in Gießen, Die echte und die falsche Dora lies Roman von Anny von Panhuys. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Edda von Stöbnitz fühlte, wie sich der Druck auf ihrer Brust löste. Wie hatte sie überhaupt die Detektivin bemühen brauchen! Selbstverständlich! Wo sollte Doralies Wolfram denn sonst hin als zu ihrem Vater! Das schien ihr mit einem Male ganz klar. Ihr Lächeln war jetzt nicht mehr gequält, war sonnig und froh, was ihrem Gesicht jugendlichen Reiz gab. Sie wiederholte: . „Natürlich wird sie nach Hause ausgekniffen sein. Sie lachte laut auf vor Freude, weil sie sich nun nicht mehr zu bangen brauchte. „Doralies scheint es doch in sich zu haben. Du kennst sie ja besser als ich. Ich fange jetzt auch an, zu begreifen, daß Doralies eine ganz andere ist, als ich sie kenne. Denn was du mir vorher über ihren Charakter geschrieben, kannst du dir doch nicht aus den Fingern gesogen haben. Ich kannte allerdings, bis zu der befremdenden Flucht, nur eine sehr korrekte, damenhafte, sich tadellos benehmende Doralies." Fritz Wolfram zog die etwas breiten schwarzen Brauen hoch: „Wenn sich Doralies korrekt, damenhaft und tadellos zu benehmen versteht, muß sie das hier sehr schnell gelernt haben. Soweit ich sie kenne, ist ihr das nicht einen halben Tag möglich. Er schüttelte mit dem Kopfe. „Unglaublich scheint mir das." Er bat: „Darf ich die vorhin von dir erwähnten paar Zeilen lesen, die Doralies dir hinterlassen hat?" Edda von Stübnitz trug den Brief bei sich und reichte ihn dem Schriftsteller. Fritz Wolfram las: „Liebe gute Tante Edda! Zwar habe ich kein Recht, Dich so zu nennen; aber einmal wage ich es noch, weil es zum letzten Male ist. Ich habe Dich liebgewonnen wie eine gute Mutter, und daß ich Dein Haus ver- , lassen muß, ist schwere Strafe für meine Luge. Niemand soll mich suchen, niemand sich um mich kümmern, das bitte ich Dich von Herzen, Tante Edda. Ich erkläre nichts, denn das Rätsel, das Dir mein Brief aufgibt, wird Dir bald von Mooshausen aus gelöst werden. Suche mich nicht, ich möchte Zeit gewinnen, um etwas Entfernung zu legen zwischen Dein Haus und meine Person. Eine Lüge treibt mich fort. Ich schäme mich in Grund und Boden wegen der Lüge. Wenn du erst die Wahrheit weißt, dann vergib mir, liebe Tante Edda. Schimpfe nicht zu sehr auf mich, wenn meine Lüge auch überflüssig und schwer war. Denke ein wenig milde darüber! Du hast ja ein gutes Herz. Verzeihung für die Lüge! Laß mich, bitte, lautlos verschwinden. Ich möchte nicht am Pranger stehen müssen! Keine Sorge — ich tue mir nichts an! Selbstmord ist eine schwere Sünde. . Es wagt Dich noch einmal zu küssen, die Du nanntest Doralies. Edda von Stübnitz hatte sich von der in bestimmtem Ton gemachten Aeußerung, Doralies wäre sicher nach Hause gefahren, wo sie denn sonst hin solle, ganz beruhigen lassen, doch die alte Angst beschlich sie gleich wieder, als sie beobachtete, wie das Briefblatt in der Hand des Mannes bebte, und wie sich beim Lesen sein Gesicht veränderte. Ganz farblos wurde es. Und ein Blick traf fie jetzt, der tat ihr weh, denn unverhohlener Vorwurf lag darin. Jetzt sprang Fritz Wolfram auf. „Um des Himmels willen! So harmlos, wie ich eben noch alles angesehen, ist das Verschwinden von Doralies anscheinend doch nicht. Jetzt bezweifle ich fast, daß sie nach Hause gereist ist. Was für eine Lüge sollte sie denn auch so sehr belastet haben? Diesen Doktor Konstantin maa übrigens der Teufel holen! Wer weiß, was sich das arme Ding nach seiner moralischen Salbaderei für Blödsinn in den Kopf gesetzt hat! Der Brief klingt ja, als hätte Doralies wer weiß was auf dem Gewissen, und das kann ich nicht glauben!" Er lief durch das Zimmer. „Ich möchte nicht am Pranger stehen müssen! Was soll das heißen? Das ist doch Unsinn! Doralies kann Dummheiten begehen, aber nichts Strafwürdiges und schwer Verwerfliches." Er stand jetzt mit blitzenden Augen vor Edda von Stübnitz. „Habt ihr,, du und dieser Doktor Konstantin, mein Kind gequült, daß sie, in Angst gejagt, irgend eine Bagatelle als schlimmes Vergehen ansehen mußte?" Edda von Stübnitz berichtete genau, wie man sich bei Tisch unterhalten, und schloß: „Doralies ist überhaupt sehr tief, richtiger wohl noch, sogar etwas schwerfällig veranlagt." Er antwortete: „Man muß Doralies wirklich tüchtig zuaesetzt haben, um sie so völlig zu verwandeln, denn sie ist bestimmt nicht allzu tief veranlagt, schwerfällig aber schon gar nicht. Sie ist ein frohes, gesundes und übermütiges Kind, das bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit lacht." Es grollte Zorn in seiner Stimme. „Wie falsch muß sie hier behandelt worden sein, daß sie sich so unnatürlich gab, und eine wie schlechte Menschenkennerin bist du, Edda, daß du dich von ihr so irreführen lassen konntest!" Es brach wie ein Schrei aus seiner Brust: „Wo ist mein Kind?! Nachdem ich den Brief gelesen habe, glaube ich nicht mehr daran, daß sie heimgereist ist! Herrgott! Mir ist ganz schwindlich vor Angst!" Edda von Stübnitz sah jetzt alles wieder wie vorher — nein, noch viel schlimmer. Der erregte Vater machte ihr ja schon Vorwürfe, und fie wußte nichts zu erwidern als das Wenige: „Ein frohes, übermütiges Ding ist Doralies bestimmt nicht. Ob ich Menschenkennerin bin oder nicht, mag dahingestellt bleiben. Das aber weiß ich: du kennst deine eigene Tochter schlechter als ich, oder sie müßte eine gerissene Komödiantin sein. Dafür aber halte ich sie nicht. Alles, was du mir über sie geschrieben, paßt gar nicht zu ihr. Es ist, als wenn wir zwei ganz verschiedene Personen kennen. Sowohl ich als auch mein Mann und Doktor Konstantin beurteilen Doralies gleich. Wir halten sie alle für ernst, tief, auch ein wenig verträumt; finden, ihr Wesen ist das einer tadellos erzogenen jungen Dame." Er zuckte mit den Achseln. „Es hat keinen Zweck, darüber zu streiten. Jetzt ist nur eins wichtig: Wo ist mein Kind? Was soll ich tun? Sie schreibt: Laß mich lautlos verschwinden. Ich möchte nicht am Pranger stehen müssen!" Er fuhr sich mit beiden Händen an die Schläfen: „Was soll ich tun? Was soll ich tun?" Aus seinem Gesicht wich der letzte Blutstropfen. Ihm fiel die späte Abendstunde von neulich ein. Er erzählte mit fliegendem Atem sein Erlebnis, wie er in hellem Mondschein Doralies auf dem Flur seines Hauses gesehen zu haben glaubte, und daß ihn eigentlich eine unbestimmte Angst hergetrieben hatte. Edda von Stübnitz überlief es kalt, und mit entsetzten Augen sahen sich beide an. Aber keiner wagte zu sagen, daß ihm unheimlich zumute war. Frau Edda sprach zuerst. Sie bekannte: „Doktor Konstantin hat schon eine namhafte Detektivin mit Nachforschungen nach Doralies betraut, und ich rate dir, nach Hause zu depeschieren, ob Doralies dort angekommen ist." Sie erklärte: „Mein Mann hat einen sehr schweren Prozeß vor sich; er glaubt Doralies erkältet im Bett ihres Zimmers. Der Prozeß dauert mehrere Tage, und ehe er nicht beendigt ist, soll mein Mann nichts von dem Vorgefallenen erfahren. Er braucht Ruhe und Sammlung." Fritz Wolfram blickte düster vor sich hin und überlegte, daß Doralies Edda von Stübnitz im Brief gebeten: Laß mich lautlos verschwinden, melde nichts davon der Polizei! Doralies bat so, also durfte auch er nicht auf die Polizei laufen und dort von seiner Angst um Doralies reden. Er wußte ja nicht, um.was es bei ihr ging. Die Worte: Lüge! Pranger! Selbstmord ist Sünde! Diese Worte tanzten um ihn herum, wie mit schweren, täppischen Schritten, schienen sich über ihn lustig zu machen. Er kam zu einem Entschluß. „Laß die Detektivin vorläufig weitersuchen! Ich gehe jetzt in mein Hotel. Unterwegs werde ich ein Telegramm an meine Haushälterin aufgeben. Die Antwort will ich im Hotel abwarten. Ich möchte jetzt natürlich keine Minute versäumen. Je eher die Depesche fortkommt, desto besser!" Sie wollte ihm anbieten, das Telegramm hier aufzusetzen; aber sie unterließ es, fürchtete sich vor seinem Gesicht, in dem jetzt kein bißchen mehr von der Wiedersehensfreude war, die es bei feinem Eintritt übersonnte. „Ich werde dir sofort telephonieren, sobald ich Antwort aus Mooshausen erhalten habe!" versprach er und reichte ihr, nur von Vatersorge erfüllt, flüchtig die Hand. Edda von Stäbnitz empfand das mit leichter Traurigkeit. Nachdem er gegangen, erstattete sie Doktor Konstantin ausführlich Bericht. Der schüttelte verwundert mit dem Kopfe. „Eine sehr merkwürdige und befremdende Geschichte ist das. Eines aber ist sicher — Doralies Wolfram ist ganz anders veranlagt, wie ihr Vater sie sieht. Er muß ein Spießer allerschlimmster Sorte sein, der jede Harmlosigkeit der fugend als wilden Streich ober dergleichen auffaßt!" Edda von Stäbnitz gab das nur ungern zu; so glaubte sie den Jugendfreund nicht zu kennen. Dennoch, wie Fritz Wolfram seine Tochter geschildert, so war Doralies nun und nimmermehr. ♦ Berta Hensel hatte Lutz Gärtner abfangen und ihm melden müssen, er könne von jetzt an bei hellem Tage ins Haus kommen, ihr Vater wäre abgereift. Und so kam er schon am Nachmittag, war sehr froh darüber, und beide faßen nun im Wohnzimmer Hand in Hand auf dem Sofa und redeten von ihrer Liebe. „Wenn du das nächste Mal heim nach Deutschland kommst, bittest du Vati mutig um meine Hand. Er wird dann nichts dagegen haben, daß wir uns heiraten", versicherte sie mit leuchtenden Augen. Sie trug ein grünes Samtkleid, moosgrün mit weißem Seidenkragen und sah darin entzückend aus. Ihr Gesicht strahlte vor Frohsinn. Es war nach Tisch, und Doralies bat Frau Hensel, Kaffee zu bereiten. Die brachte denn auch bald das Getränk, und lachend machten sich die beiden Glücklichen ans Trinken und Essen, denn „Hänschen" hatte immer selbstgebackenen Kuchen im Hause. Draußen klingelte es zweimal scharf und kurz. Frau Hensel ging öffnen und trat bald darauf ein bißchen erregt wieder ins Zimmer, rief schon von der Tür her: „Zwei Telegramme für dich, Doralies — gleich zwei, das ist doch sonderbar." Doralies fand es auch sonderbar, aber sie stellte das nicht erst fest, riß lieber rasch das Telegramm auf. Es war lang. Sie wurde beim Lesen rot und blaß. Ganz verdattert stand sie da, stotterte endlich: „Aber bas ist boch ruppig von Regina..." Sie brachte vor Erregung nichts weiter heraus. (Fortsetzung folgt.) MAGGI'SUPPEN 1OPfg. aten Jnjahrzehntelanger Erfahrung bewährt sind die Rezepte, nach denen MAGGI5 Suppen hergestellt werden • Machen Sie sich diese Erfahrung zu nutze • Kochen Sie Das schmeckt gut! Tomaten-Suppe mit Fleischklößchen. (Für 4 Personen.) Zutaten: 2 Würfel Maggi's Tomaten-Suppe, ferner für die Fleifchklößchen: ’/4 Pfund gehacktes Fleisch (halb Rind- und Schweinefleisch), 1 Eß- löffel (20 g) Lutter, 1 Ei, 1 Semmel, Salz, Pfeffer, Prise Muskatnuß, wenig abgeriebene Zitronenschale. Zubereitung: Maggi's Tomaten-Suppe fein zerdrücken, mit etwas heißem Daffer zu dünnem Ärei anrühren, diesen unter Rühren in 1 Liter kochendes Wasser gießen, 10 Minuten kochen lassen und die aus den angegebenen Zutaten bereiteten Fleischklößchen in die Suppe legen, weitere 10 Minuten ziehen lassen. JPeZIAl - n>OliaESCWFT □ Anmut und Schönheit durch Ankauf » Umtausch kvon -Schafwolle und\Ä Die Beerdigung findet Dienstag, den 17. April, nachmittags 3 Uhr statt __2329D| Am Samstagabend entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden unser lieber Sohn, Bruder, Enkel und Bräutigam Herr Karl Rühl,Weißbinder im jugendlichen Alter von 21 Jahren Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Rühl, Weißbindermeister nebst allen Angehörigen Elisabethe Muhl Staufenberg, den 16. April 1934 Spiritus- Gaskocher für Haushalt und unterwegs preiswert bei J.B. Häuser, Gießen Oswaldsgarten. Ruf 2145/2146 lllllllllllllillllllllllllllll Zweisitziges Faltboot sofort zu kaufen gesucht. Schriftl. 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Wollte ein Künstler dieses Gesicht in einer Zeichnung festhalten, müßte er die für einen Westeuropäer nie ganz durchsichtigen slawischen Züge mit Zügen etwa lateinischer Prägung zu einem merkwürdigen Ganzen verbinden. Und vielleicht wäre in dieser, dem Deutschen wenig geläufigen Mischung die wesentlichste Ursache dafür zu suchen, daß uns das geistige Antlitz des benachbarten Polens bis in diese läge ferner und fremder geblieben ist, als zum Beispiel das des räumlich so entfernten Amerika. In der Tat, es ist nicht leicht, diese slawische Problematik, die mit einem Schimmer fast französisch anmutenden Esprits überglänzt und mit der Patina jahrtausendalter katholischer Tradition überzogen ist, richtig zu erfassen. Als zweites aber, und vielleicht noch schwerer zu nehmendes Hindernis auf dem Wege zum richtigen Verständnis der gegen» wärtigen polnischen Kultur kommt das merkwüroige Verhältnis des Geistes zur Politik hinzu — die für einen Uneingeweihten nicht sogleich begreifbare Haltung der geistigen Welt gegenüber der Wirklichkeit, eine Haltung, die nur unter Berücksichtigung geschichtlicher Zusammenhänge, sowohl solcher älteren Datums, als auch der Ereignisse der letzten anderthalb Jahrzehnte, zu erklären ist. Es ist allgemein ein ungewöhnliches Zurücktreten der innerpolitischen Uneinigkeiten vor oem Dienst am Ganzen, am Aufbau und vor allem am Schutz des Staates zu beobachten. Feindliche Brüder bilden nach außen hin eine breite Schutzfront, die alle eint. Der Patriotismus hat hier von alters her eine bevorzugte Stellung. Das gehl so weit, daß z. B. viele, die im Prinzip mit linksradikalen Anschauungen sympathisieren, dennoch für das Verbot der Kommunistischen Partei in Polen sind, weil — ein kommunistisches Polen bei der engen Nachbarschaft mit Rußland nur noch eine Provinz der großen USSR. wäre; und selbst die im allgemeinen pazifistisch Gesinnten haben nichts gegen den Kultus des polnischen Heeres einzuwenden, denn — lieber ein militaristisches Polen als ein schwaches, ist die Parole. Deswegen findet man in der Literatur, im Theater, in der bildenden Kunst des Landes so erstaunlich wenig Opposition gegen die herrschende Ordnung. Man wird hier dem Herrn und Gebieter des Landes, dem Marschall P i l s u d s k i, nie vergessen, daß man ihm die Unabhängigkeit verdankt. Um die Schichtung der geistigen Welt Polens richtig zu verstehen, muß man berücksichtigen, daß zu jener Zeit, als Pilsudski mit der Bildung der polnischen Legionen begonnen hatte, zu ihm die Besten der Intelligenz gestoßen waren: die früher das geistige Banner der Freiheit geschwungen haben — Dichter, Künstler, Politiker, Journalisten, Gelehrte —,fühlen sich nun zur Tat verpflichtet und traten ein in das nationale Heer; und da der Marschall gleichzeitig für die national Gesinnten der starke Held und für die links Gerichteten der sozialistisch denkende Staatsmann war — so scharte sich um ihn die Blüte der polnischen Geistigkeit, ohne Unterschied der Anschauung und der Partei. Und so kommt es, daß man noch heute nicht wenig Geistesarbeiter im Militärrock findet — der Geist trägt des öfteren Uniform und die Uniform trägt Geist —, so kommt es aus natürlichem Wachstum, daß der alte Soldat und Haudegen Wenjawa- D u g o s z e w s k i glänzende Monographien schreibt und kunsthistorische Essais von großer geistiger Grazie veröffentlicht. Wenjawa-Dugoszewski, der Stadtkommandant von Warschau, ist Doktor der Medizin und General der Kavallerie. Nach Dienstschluß — spät in der Nacht — kommt er gern ins „Jps", das Warschauer literarische Kaffeehaus, und erörtert dort, ein Zivilist unter Zivilisten, temperamentvoll die ewigen Probleme der Dichtkunst und der Malerei. Auf beiden Gebieten kann er mit eigenen beachtlichen Leistungen aufwarten. Sieht sich der Fremde einmal die neueren Erzeugnisse polnischen Geistes näher an, so staunt er Feuilleton vor ^20 Jahren. Heinrich von Kleists »Berliner Abendblätter" Von Hans Heßler. Am 1. Oktober 1810 übernahm Heinrich von K l e i st die Redaktion der „B e r l i n er Abendblätter", deren kleine wohlgedruckte Oktavhefte von je vier Seiten die letzte Zeit seines Lebens begleiten sollten. Man muß sich vergegenwärtigen, daß Napoleon damals über Deutschland herrschte, daß die Zeitungen unter Zensur standen, daß alles, was gesagt werden mußte, nur andeutungsweise gesagt werden durfte. So ist das „Gebet des Zoro- aster" zu verstehen, in dem Kleist im ersten Heft in feierlicher Sprache seine Aufgabe verkündete, seine Mitmenschen „furchtlos und liebreich aus der wunderlichen Schlafsucht wecken, in der sie befangen waren ... die Lasterhaften zu schrecken, die Irrenden zu warnen ..." Unter diesem napoleonischen Druck müssen auch die kleinen Tagesbegebenheiten gewertet werden, die er seinen „Abendblättern" anhängte. Was diese im einzelnen zu bedeuten haben, wie sie entstanden, wie sie auszulegen sind, darüber hat Reinhold Steigin seinem grundlegenden Werk Heinrich von Kleists Berliner Kämpfe" gearbeitet, aber auch ohne fachliche Kenntnis ist leicht zu sehen, daß das folgende „Vermischte" dazu bestimmt war die soldatischen Tüchtigkeiten des Ausharrens und der Opferbereitschaft zu erwecken, gemäß dem Vorsätze, den Kleist in seinem Heft angekundigt hatte. Diese kleine Notiz lautet: ^rnn Aöfifdies Exerzitium, das man n mach e n so l l t e. Ein französischer Artillerie- kavitön der beim Beginn einer Schlacht, eine 23at« terie bestimmt, das feindliche Geschütz in Respekt zu halten oder zugrunde zu richten, placieren will, stellt sich zuvörderst in der Mitte des ausgewahlten Platzes sei es nun ein Kirchhof, em sanfter Hügel oder die Spitze eines Gehölz, auf: er druckt sich, während er den Degen zieht, den Hut m ^J^en, unb inzwischen die Karren, tm Regen der femo liehen Kanonenkugeln von allen Setten rasselnd um ihr Werk zu beginnen, abprotzen, saßt er, mit Der gebauten Linken, die Führer der oerschledenen Ge- schütze (die Feuerwerker) bei der Brust und mit der Spitze des Degens auf einen Punkt des Erd habens hinzeigend, spricht er: „Hier stirbst du. wobei er ihn ansieht - und zu einem anderen: hier du!" und zu einem dritten und vierten und allen folgenden: hier du! hier du? hier du! — und zum letzten: „hier du!" — Diese Instruktionen an bk ArtilleristeL. beitimmi und mwerklausuliert, an vor allem über das Unpolitische, das Tendenziöse der Inhalte und der Mittel. Diese politische Farb- losiakeit ist größer, als es infolge der zuchtvoll gehandhabten Freiheit des Wortes unbedingt erforderlich wäre. Die Romane des auch in Deutschland bekannten Ferdinand Goetel, der feinsinnigen Erzählerin Zosja Naukowska, der Maria Dombrowska, deren letzte Romantrilogie „Tage und Nächte" mit dem diesjährigen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet worden ist, behandeln in modernen Formen „ewige Themen", ebenso wie der von der jüngst gegründeten Dichterakademie als erster preisgekrönte Roman von Michael Choromanski, der den originellen Titel „Eifersucht und Medizin" führt; der Dichter Kazimir Wierzynski hat die Schönheit der sportlichen Wettkämpfe entdeckt und für seinen „Olympischen Lorbeer" im Jahre 1928 den Olympischen Preis für Literatur bekommen. Und selbst in der bildenden Kunst haben sich zahlreiche Junge von der starken Tradition der national-romantischen Schule endlich freigemacht und auf die Suche eigener Wege begeben — teilweise gegen erbitterten Widerstand der zünftigen Kunstkritik, die noch immer polnischen Geist in Der Kunst mit Matejko gleichsetzt und Wyczul- k o w s k i s Bauernszenen für den erschöpfenden Ausdruck „polnischer Seele" hält. Leider kann man die Werke dieser Gruppe junger Künstler nirgenbs gesammelt sehen, sie haben weder in Warschau, noch in Krakau, das eine Art polnischen Münchens ist, einen ständigen Ausstellungsraum. Leider. — Da aber die Malerei in Polen — wie heute wohl überall — der am wenigsten populäre Kunstzweig ist, so bleibt als Meßinstrument für das öffentliche Interesse an Dingen der Kultur am Ende doch das Buch und die Zeitschrift (auch das Theater, aber das ist ein Kapitel für sich). Und da fällt es auf, daß die wöchentlich erscheinenden „Wiadomosci Literackie" ihre Leser in den breiten Schichten der Bevölkerung und nicht nur unter den sogenannten „Intellektuellen" findet. Man kann diese Zeitung an ihrem Erscheinungstag überall in den Straßen Warschaus, und ebensogut auf dem Ladentisch irgendeines Kolonial- oder Manufakturwarenhändlers wie auf dem Schreibtisch eines Rechtsanwalts sehen. Ihre Beliebtheit verdankt sie zum großen Teil den geistreichen zeitkritischen Aufsätzen Boy-Zelenskis und des sehr schlagfertigen Publizisten Antoni Slonimski. Es ist kein Zufall, daß ein literarisches Blatt in Polen eine für unsere Verhältnisse ungewöhnliche Popularität genießt; denn hat man auch endlich den Selbstzweck der Kunst entdeckt, so vermeidet man es trotzdem geflissentlich, in eine unfruchtbare Absonderung zu verfallen. Im Gegenteil, das Bestreben geht allgemein dahin, nicht Spitzenleistungen für roenioe hervorzubringen, sondern die Errungenschaften Der Kultur den breiten Schichten des Volkes zugänglich zu machen. Die äußere Geftali des polnischen Buches ist z. B. sehr gepflegt. Man sucht aber nicht so sehr, erlesene Einzelaus- aaben für gezählte Liebhaber des schönen Buches herzustellen, als vielmehr das allgemeine Niveau des Buches zu heben: so werden die Schulbücher mit wertvollen Holzschnitten geschmückt, so werden Erhebungen über das ansprechendste Schriftbild angestellt, um dem Volke die geistige Speise in einem möglichst zweckdienlichen Gefäß zu bieten. In die gleiche Linie gehören die Bemühungen, die Volksschule zu einer wahren Bildungsstätte zu gestalten: nicht auf die höheren Schulen, sondern auf die Volksschulen werden das meiste Geld und die meiste Sorge verwandt (die neueste Gesetzgebung für Unterrichtswesen befaßt sich hauptsächlich mit dem Ausbau der Volksschule), und zwar sind die Schulen um so besser, je ärmer, je proletarischer der Bezirk. Man kann in den düsteren Arbeitervierteln Warschaus musterhafte Grundschulen sehen, in denen der ganz kleine Mensch körperlich und geistig durchgebildet und — eine sehr beachtliche Leistung bei Kindern, die in den traurigsten Verhältnissen, zum Teil in Elendsquartieren aufwachsen — zufrieden und sogar glücklich gemacht wird. dem Ort, wo die Batterie aufgefahren wird, zu sterben, soll, wie man sagt, wenn sie gut ausgeführt wird, in der Schlacht die außerordenlichste Wirkung tun." In dieser kleinen Geschichte ist viel von Kleists Wesen enthalten: die anschauliche Darstellung der Begebenheit, die hämmernde, prägnante Sprach- gebung und vor allem die männliche, herb-preußische Gesinnung. Anders die folgende kleine Notiz (vom 9. Oktober 1810). Hier handelt es sich um die Ironisierung eines Polizeiberichtes, dessen amtlich-zopfigen Stil, dessen Umständlichkeit und bürokratischen Geist Kleist offenbar geißeln wollte; er mußte daher eine Erklärung bringen, daß diese Fassung von der Redaktion herstamme: Tagesereignis: Am 3. d. M. hat sich in Charlottenburg ein fremder Hund mit einem Strick um den Hals eingefunden und ist, nachdem er sich mit mehreren Hunden gebissen hatte und aus mehreren Häusern verjagt war, auf den Hof des Herrn Geh. Kommerzienrat Pauli geraten. Daselbst wurde er von sämtlichen Hunden angefallen, und weil er sich mit ihnen herumbiß, so hielt man ihn für toll, erschoß ihn und alle Paulische, von ihm gebissene Hunde und begrub sie ehrlich. Dieses Faktum hat zu dem Gerücht Anlaß gegeben, daß in Charlottenburg ein toller Hund Menschen und Vieh gebissen habe. Menschen sind gar nicht gebissen, das Vieh aber, das er biß, ist teils getötet und begraben, teils in Observation gesetzt. Zudem, da er sich gutwillig aus mehreren Häusern verjagen ließ, ist nur zu wahrscheinlich, daß der Hund gar nicht toll gewesen." Im Folgenden erzählt Heinrich von Kleist ohne Hintersinn eine Anekdote. Bach, als seine Frau starb, sollte zum Begräbnis Anstalten machen. Der arme Mann war aber gewohnt, alles durch seine Frau besorgen zu lassen dergestalt, daß, da ein alter Bedienter kam und ihm für den Trauerflor, den er kaufen wollte, Geld abforderte, er unter stillen Tränen, den Kopf auf einen Tisch gestützt, antwortete: „Sagt's meiner Frau." Eine scherzhafte Episode berichtet Kleist unter dem Titel: Rätsel. Ein junger Doktor der Rechte und eine Stiftsdame, von denen kein Mensch wußte, daß sie miteinander in Verhältnis standen, befanden sich einst, bei dem Kommandanten der Stadt, in einer zahlreichen und ansehnlichen Gesellschaft. Die Dame, jung und schön, trug, wie es zu derselben Zeit Mode war, ein kleines schwarzes Schönpflästerchen im Gesicht, und zwar dicht über der Lippe, auf der rechten Seite des Mundes. Irgend ein Zufall veranlaßte, daß die Gesellschaft sich auf einen Die geistig Schaffenden Polens sind mit einem Idealismus Jugendlicher und oft mit einer Selbstlosigkeit ohnegleichen am Werk. Es ist alles von dem Ehrgeiz beseelt, der kurz etwa so zu formulieren wäre: „Endlich ist uns die Ehre zuteil geworden, mit zu den .Großen* zu zählen; nun müssen wir auch zeigen, was wir sind!" Es könnte nachdenklich stimmen, daß trotz dieser Begeisterung Dem neuen Polen bis heute aus einer Fülle von Talenten noch fein überragendes Genie gewachsen ist. Wahrscheinlich aber braucht das Genie zu seiner Entstehung die Atmosphäre der schöpferischen Muße, die durch nichts anderes zu ersetzen ist. Vom ewigen Wechsel der Mode. Die Frühlingsmode überschüttet uns wieder mit einer Fülle von Neuheiten, und da steigt wieder die alte Frage auf, warum wohl die Kleidung, in unserer Zeit allerdings fast nur die weibliche, einem ewigen Wechsel unterworfen ist. Dieses Grundproblem der Modepsychologie wird in einem Buch behandelt, das soeben in London erschienen ist. Es ist der Katalog der Kostüm-Sammlung des Londoner Museums, der von Thalassa Cruso bearbeitet worden ist. Diese junge Kennerin der Modegeschichte hat in den letzten zwei Jahren die reichen Kostümschätze des Museums zum ersten Mal geordnet und aufgestellt und damit dieser Lokalsammlung einen ersten Rang unter den Kostüm-Abteilungen der Museen verschafft. Die Sammlung bietet jetzt einen fast lückenlosen Ueberblick über die Tracht von der Zeit der Königin Elisabeth bis in die jüngste Vergangenheit. Merkwürdigerweise wird der Bestand umso unvoll st ändiger, je näher die Gegenwart heranrückt. „Die Brokat-Stoffe und die goldbetreßten Röcke des 18. Jahrhunderts wurden stets aufbewahrt, weil man es für zu schade hielt, solche Kostbarkeiten wegzuwerfen," schreibt sie, „aber niemand dachte daran, Großvaters Sonntagsrock und Großmutters Hochzeitskleid aufzuheben. So kommt es, daß Kostüme der letzten 20 Jahre oft schwerer aufzutreiben sind, als solche vergangener Jahrhunderte, denn die Stoffe sind viel weniger dauerhaft, die Menschen wechseln ihre Kleidung viel rascher und werfen sie achtlos fort." Dieser Wechsel, der sich in der Mode in immer schnellerem Tempo vollzieht, kann nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen erklärt werden. Äewiß haben Fabrikanten und Schneider ein Interesse daran, stets neue Stoffe auf den Markt zu bringen und stets neue Kleider anzufertigen. Aber das Publikum ist keine so wankelmütige Masse, wie man nach solcher Auffassung annehmen müßte, sondern setzt manchen Neuerungen erfolgreichen Widerstand entgegen. So ist z. B. der vor einigen Jahren gemachte Versuch, wieder den bis über die Knöchel reichenden Rock für die Tageskleider einzuführen, gescheitert. Miß Cruso führt für die Mode- Wandlungen fünf Haupteinflüsse an: den von b e - rühmten Persönlichkeiten, wie etwa der Kaiserin Eugenie, die öffentliche Meinung, die z. B. in der Cromwell-Zeit in England eine ganz schlichte Tracht einführte oder in der französischen Revolution sich von dem Regelzwang des Rokoko gründlich befreite oder bei nationalen Strömungen das Volkstümliche betont, dann den ausländischen Einfluß, der in den letzten Jahrhunderten hauptsächlich von Frankreich ausging, den Einfluß der Fabrikanten und Händler und schließlich den von Handel und Kriegen, der im Weltkrieg deutlich zu Tage trat. Aber damit ist der Urgrund dieser Erscheinung gewiß noch nicht erfaßt. Er beruht wohl darin, daß der Mensch nun einmal ein Wesen ist, das d i e Ad- rn e ch s e l u n g Hebt, und, von Eindrücken leicht übersättigt, dann im Gegensatz eine neue Sensation sucht. Man hat aus dieser Freude am Gegensätzlichen auch die Entwicklung der Kunststile herleiten wollen, und jedenfalls ist im Verlauf aller Moden stets zu beobachten, wie bestimmte Formen immer mehr gesteigert und übertrieben werden, bis sie sich sozusagen selbst ad absurdum führen, worauf dann der Gegenstoß einsetzt, der das Pendel wieder nach der anderen Richtung ausschlagen läßt. Die Frauen haben außerdem noch ein besonderes Interesse, stets anders und verwandelt zu erscheinen, um auf den Mann in immer neuer Gestalt einzuwirken. Deshalb hat ein Weiser den Wechsel der Mode dem Manne mit dem Vers erklärt: „Du sollst mit Deiner Frau von morgen Deine Frau von heute betrügen." In seinem tiefsinnigen Roman „Sartor Resartus", der eine ganze Kleiderphilosophie enthält, behauptet Carlyle, die Mode sei dazu erfunden worden, um das Selbstbewußtsein des Menschen zu stärken, gemäß dem alten Spruch: „Kleider machen Leute", und als wichtigen Beweggrund für die Sucht nach Neuigkeiten in der Mode wird für die Frauen angegeben, daß sie sich hauptsächlich deswegen gut anziehen, um den Neid ihrer Geschlechtsgenossinnen und die Bewunderung des anderen Geschlechts zu erregen. Jedenfalls läßt sich der Moden-Wechfel nicht nur aus äußerlichen Dingen ableiten, sondern er ist tief in der menschlichen Natur begründet. Eine Erscheinung wie die Mode entspringt elementaren Bedürfnissen, so daß wir aus ihr ebenso ryie aus alten Ueberüeferungen der Sitte und des Brauches die Wandlungen ablesen können, denen die Entwicklung des Menschen unterworfen ist. Der Wald als Wafferregulalor. Die geheimnisvolle Arbeit von Laub und Wurzeln im Haushalt der Natur. Das unsichtbare Leben des Waldes, fein mit Schwerzugänglichem und Unsichtbarem erfülltes Wesen, das schweigende Wachsen und das große Reifen seiner Werke, das menschenferne Leben des Wildes, dies alles hat den Wald mit dem Zauber des Geheimnisses umgeben, der in Sagen und Märchen wiederklingt unb sich auch heute noch ins Bewußtsein der Menschen hebt, die in seinem Bereich leben. Verborgenes Tun, das alle Bezirke des menschlichen Daseins irgendwie in seinen Bann zieht, sei es Frieden ober Krieg, sei es Glück ober Verbrechen, geht im Walbe um, benn Der Wald ist wirklich ein großer Zauberer. Er wandelt die Menschen mit seinem Werden und Vergehen, er bestimmt den Inhalt ihres Schaffens, ja, er meißelt die Züge des Gesichtes, er prägt den Ausdruck des Auges, er gibt der Landschaft sein Bild. Dies alles wissen die Menschen, aber nur wenige wissen vom schweigenden Werk der trinkenden Wurzeln im Boden, nur wenige wissen, wie weit Das bloße Dasein der belaubten Decke über Der Erde wirkt und was der Wald für das Leben über und unter der Erde bedeutet. Viele werben von bem furchtbaren Schicksal bes Ortes P e ch l ü g e gehört haben, hart an ber Ostgrenze, nörblich ber Warthe. Manchen wirb ber Bericht nachdenklich gestimmt haben, er wird sich fragen, wie war das möglich? Rings um Pechlüge stand einst Wald, bis b i e Forleule kam und im weiten Umkreise den Baumbestand vernichtete, so daß alles abgeholzt werden mußte. Seither stieg das Grundwasser. Wiesen unb Aecker ertranken. Eines Tages stanb es in den Kellern der Häuser. Machtlos mußten die Bewohner zusehen, wie es immer weiter heraufquoll unb endlich über die Schwelle flutete. Heute stehen von den sechs Gehöften von Pechlüge fünf leer, qon rund 30 Einwohnern sind noch sieben geblieben, die einen aussichtslosen Kampf — nur noch gegen den Hunger führen. Hängt dieses Schicksal mit der Wald- oernichtung zusammen? Eine Zahlenzusammenstellung über den Was» Augenblick aus dem Zimmer entfernte, dergestalt, daß nur der Doktor und die besagte Dame darin zurückblieben. Als die Gesellschaft zurückkehrte, fand sich, zum allgemeinen Befremden derselben, daß der Doktor das Schönpflästerchen im Gesichte trug: und zwar gleichfalls über ber Lippe, aber auf der linken Seite des Mundes. Wie Kleist eine tatsächliche Begebenheit in feine Sprache umgoß, zeigt das folgende Tagesereignis :Das Verbrechen des Ulanen Hahn, der heute hingerichtet war, bestand darin, daß er dem Wachtmeister Pape, der ihn, eines kleinen Dienstvergehens wegen, auf höheren Befehl, arretieren wollte und deshalb, von ber Straße her, zurief, ihm in die Wache zu folgen, indem er das Fenster, an dem er stand, zuwarf, anwortete: von einem solchen Lassen lasse er sich nicht in Arrest bringen. Hieraus verfügte der Wachtmeister Pape, um ihn mit Gewalt fortzuschaffen, sich in das Zimmer desselben: stürzte aber, von einer Pistolenkugel des Rasenden getroffen, sogleich tot zu Boden nieder. Ja, als auf den Schuß mehrere Soldaten herbeieilten, schien er sie, mit den Waffen in der Hand, in Respekt halten zu wollen und jagte noch eine Kugel durch das Hirn des in seinem Blute schwimmenden Wachtmeisters; ward aber gleichwohl, durch einige beherzte Kameraden, entwaffnet und ins Gefängnis gebracht. Se. Maj. der König haben, wegen der Unzweideutigkeit des Rechtsfalls, ungesäumt mit ber Vollstreckung des, von den Militärgerichten gefällten, Rechtsspruchs, der ihm das Rad zuerkannte, vorzugehen. — Noch einige Worte über das Schicksal der „Abendblätter", die zunächst außerordentlich gut einschlugen, das es in Berlin nur zwei dreimal wöchentlich erscheinende Zeitungen gab und die täglichen Abendblätter etwas ganz Neues barfteüten. Aber da Kleist alle Gebiete des Lebens rücksichtslos besprach, schuf er sich Feinde. So I f s l a n d, dem er vorwarf, daß er „französische Nichtigkeiten" aufführe, daß man Goethes Stücke am Nationaltheater nur selten sehe und daß die Kritiker der Berliner Zeitungen durch Freibilletts und Geschenke bestochen worden wären. Als Kleist französische Niederlagen in Portugal meldete, mußte er die Nachricht widerrufen. Endlich tobten sich auf dem Rücken der „Abendblätter" die Kompetenzkonflikte zwischen den Ministerien und Behörden aus mit dem Erfolg, daß Kleist zwar politische Artikel bringen durfte, aber nur solche, die schon in anderen Zeitungen gestanden hatten. Damit waren die „Abendblätter" tot. Warum man kurfürstlicher Bibliothekar werden mußte. Es war früher nicht leicht, ein gelehrter Mann zu werden unb wissenschaftlich zu arbeiten. Denn an bie ersten Hilfsmittel, an bie Bücher, heranzukommen, war nur wenigen Auserwählten vergönnt. Im Aprilheft von Velhagen & Klafings M o - n a t s h e f t e n fchilbert Prof. 2>r. Hermann D e g e- r i n g die Prunkstücke der Preußischen Staaibiblio- thek und bei dieser Gelegenheit plaudert der gelehrte Verfasser auch darüber, wer die seit dem Großen Kurfürsten „öffentliche" Bibliothek benutzen durfte: „Nur die Generale und die Wirklichen Geheimen Räte waren zur Benutzung zugelassen, und selbst diese hatten in der Regel nur das Recht, die Bücher in der Bibliothek einzusehen, wo noch dazu die Benutzungszeit auf nur wenige Stunden in der Woche beschränkt war. Außerdem konnten durchreisende Gelehrte von großem Ruf auch wohl Zutritt zu der Bibliothek erlangen. Die eigentlichen unbeschränkten Benutzer der Bibliothek waren die kurfürstlichen Bibliothekare, unb die Verleihung dieses Titels war in der Hauptsache oft mehr die Gewährung dieses Benutzungsrechtes zum Zwecke einer bestimmten wissenschaftlichen Aufgabe als Verpflichtung zu eigentlicher bibliothekarischer Arbeit. Für den Zustand der Bibliothek als einer höfischen Repräsentationseinrichtung ist ein charakteristischer Beweis die vom Großen Kurfürsten 1687, nicht lange vor seinem Tode angeordnete Uniformierung der Bibliothek, deren Bände alle einen gleichmäßigen Einband von rotem Leder unb mit oergolbetem Rücken erhalten sollten. Die Ausführung dieses Planes scheiterte freilich nach spärlichen Anfängen an den hohen Kosten ebenso wie der geplante Prunkbau für die Bibliothek. Aber es ist doch durch die als Ersatz des Umbindens an zahlreichen Bänden ausgeführte Ueberarbeitung des Rückens mit roter Lackfarbe und Goldpreffung manch wertvoller alter Lederband arg verschandelt. Ueberhaupt war und blieb der königlichen Bibliothek auch während des ganzen 18. Jahrhunderts mehr der Charakter eines Buchmuseums bewahrt. Erst in den letzten Jahren der Regierung Friedrichs des Groß-ni wurden der Benutzerkreis und die Benutzungszeit wesentlich erweitert: doch wurde dafür die Entleihung außerhalb der Bibliothek grundsätzlich verboten, und erst durch die Schleiermachersche Reform, bie tm Zusammenhang mit ber Begründung der Universität (1811) uno der Neuordnung der Akademie steht, wurde die Benutzung der Bücherschätze auch außerhalb der Bibliotheksräume allen literarisch interessierten Einwohnern Berlins zugestanden." DieBekämpfungderSchnakenimSommer Don Prof. Dr. Merker, Zoologisches Institut der Universität Gießen als leitende Stelle für SchnakenbekZmpfung in Oberdessen. angebracht und wird dann von den Behörden bet nutzt, wenn die Grundstücksbesitzer säumig waren. Die Bekämpfung der schon früh im Jahre (Apny oft in ungeheuren Scharen auftretenden Viesenschnaken (Nachdruck erwünscht!) Während des Sommers werden die Schnaken als Larven vernichtet. Diese Larven leben zwar alle im Wasser, jedoch bestehen Unterschiede in ihrem Vorkommen. Danach unterscheiden wir Haus-, Wiesen- und Waldschnaken. Die Hausschnaken entwickeln sich stets in Wassergefäßen in der Nähe menschlicher Wohnungen, die Wiesenschnaken auf überschwemmten Wiesen oder in Wiesentumpeln, die Waldschnaken in Waldtümpeln. Durch folgende Maßnahmen kann jeder selbst die Schnaken auf seinem Gebiet ohne Ausgaben vernichten: Die Hausschnaken, die von Mai bis Oktober entstehen und wovon eine Generation sich in drei Wochen entwickelt, werden so vernichtet: 1. Man kehre alle nicht gebrauchten Gefäße (Blechdosen, Gießkannen u. bgL) grundsätzlich um, damit nicht Wasseransammlungen entstehen. Auch auf verstopfte Dachrinnen und Schmuckgefähe ist zu achten. 2. Die Gießwasserbehälter kippe man alle vierzehn Tage völlig um. Dadurch gelangt die Brut restlos auf die Erde und trocknet aus. 3. Falls die Behälter sich nicht völlig ausleeren lassen, kann man sich durch starkes Durchspülen und gleichzeitiges Ueberfließenlassen des Wassers helfen. 4. Auch durch festsitzende, lückenlose Deckel, mit Hilfe von Sackleinwand u. dgl. kann man verhindern, daß Schnaken ihre Eier in das Wasser ablegen. 5. Die Anwendung von Saprol u. dgl. ist bei unzugänglichen oder nicht entleerbaren Brutstätten ist unter Umständen schwierig. Am besten sorgt man für Herbst- und Winterbewässerung der Wiesen, weil dann die aus den Eiern ausschlupfenden Schnakenlarven zu Grunde gehen. Ist die Früh- jahrsbewässerung unvermeidbar, so sollte sie so gehandhabt werden können, daß das Wasser in bte Gräben zurückfließen kann. Denn vor bem Aus- schlüpfen (bie Entwicklungsbauer beträgt im Sommer nur 10 Tage!) muß bas Wasser mit ber Schnakenbrut in bie Gräben zurückaeflutet sein. Dort ist sie entweber burch Saprol ober burch Stichlinge zu vernichten. Saprol wirb in feinem Sprühregen auf bas Wasser gestäubt, am besten mit Hand- ober Wingertspritze. Wo bie Wiesen nicht sofort entwässert werben können, müßte bie ganze Wasserfläche mit Saprol überschichtet werben. Auch die Dalbschnaken können in Riesenschwärmen auftreten. Sie entstehen ebenfalls früh im Jahr oder den ganzen Sommer über. Sie werden ähnlich wie die Wiesenschnaken vernichtet. In vielen Fällen jedoch entstehen sie in kleinen Tümpeln, die leicht zugeschüttet werden können, mit Stichlingen besetzt oder abgeleitet wev- den können. Es muß darauf hingewiesen werden, daß in jedem Falle der Vernichtung von Schnaken mit Saprol in Wald und Feld auch viele andere Wassertiere in» Mitleidenschaft gezogen werden. Saprol soll daher nur im äußersten Notfall verwendet werden. serverbrauch des Waldes gibt die Antwort. Durch jahrelange Messungen ist festgestellt worden, daß die Bäume einen großen Teil des Regens b e - eeits in ihren Kronen auffangen und auf- nehmen. Der Bau ber Krone, bie Form ber Blätter, ber Unterschieb von Laub unb Nabel sinb entscheidend für ben Anteil bes schon in ber Krone hängenbleibenben Wassers. Fichten fanaen schon zwei Drittel, Eichen bie Hälfte, Buchen ein Drittel, Kiefern unb Birken mit ihren schütteren Kronen noch geringere Teile bes Regengusses auf. Aber ungeheuer ist der Wasserverbrauch des Waldes. Ein Quabratmeter • Blattfläche ber Buche verbraucht jährlich 6 Liter, ein Hektar Buchenwald haucht in einem Jahr eine Wassermenge von 1800 bis 2000 Kubikmeter durch seine Blätter in die Luft. Das sind etwa 2 Millionen Liter Wasser. An einem Tage atmen bie Blätter von 1 Buchenwald also rund 5500 Liter Wasser aus. Lautlos trinken die Wurzeln eines geschlossenen Bestandes von 1 Hektar überhundertjähriger Buchen im Laufe eines Jahres einen See von 100 Meter im Quadrat unb 30 $e n H- meter Tiefe. Der Waldbestand ber Erde setzt, wie eine Berechnung in ben „Hamburger Nachrichten" ergibt, alljährlich ein Meer von Wasser m Umlauf das durchschnittlich 10 Meter tief und nut rund 640 000 Quadratkilometern an Flache großer ist als bie Nordsee. t Im Angesicht solcher Zahlen wird es klar, woher bie plötzlichen Uebrschwemmungen riesiger wa dloser Gebiete Norbafrikas ober Sübwest- unb Subafrikas, ober bas plötzliche Anschwellen ber chinesischen Flüsse kommen. Oft haben biete gewaltigen Fullen grauenhafte Katastrophen im Gefolge, denen Tausende unb Millionen von Menschenleben zum Opfer fallen. Sie alle sinb verursacht burch bas Fehlen von Wälbern in ben Quellgebie- te n. Der Ausgleicher Walb ist nicht da oder 'st vernichtet worben. Uns aber, bie wir unsere Walder schützen, bie wir wissen, daß sie nicht nur Erholungsstätten oder Holzfabriken sind, soll das große Geschenk des Waldes nicht umsonst gemacht worden sein! Große Tochter im Hause. Ein halbes Jahr unter Mutters Anleitung. - Hausarbeit und Freizeit. Ein Pflichtenkreis macht Freude. Von Lotte Scharff. Konfirmiert und schulentlassen — wie reiht sich die junge Tochter in den elterlichen Haushalt ein? Es ist das eine dringend zu wünschen: daß bie Eltern es möglich machen, nach ben Schuljahren ber Tochter einen richtigen Frei- unb Feriensommer zu gönnen. Zugleich aber soll die Mutter biesen Sommer benutzen, um bie Tochter im Haushalt anzulernen. Im Herbst kann bann bie berufliche Ausbildung begonnen werden. Das heißt nun nicht, daß dieser Freisommer daheim ganz pflichtenlos verlaufen soll. Das wäre im Gegenteil sehr falsch. Man soll nach der Schulent- lassimg der Tochter brei ober vier Wochen Zeit lassen, in benen sie morgens grünblich ausschlafen und sonst den Tag über tun und lassen kann, was sie mag. Dann aber wird in ihr selber der Wunsch nach einer geregelten Tagesordnung erwachen, und von nun an gibt es wieder Werktage und Sonntage. Je mehr sich die Sonntage von den Werktagen abheben, um so freudiger werden sie begrüßt uno um so schöner werden sie gefeiert werden. Am Werktag wird man die Tochter etwa um halb acht Uhr aufstehen lassen, möglichst nicht früher, denn sie soll ja immer spüren: es ist ein Erholungssommer, in dem sie auch Kräfte sammeln soll für die Pflichten des Berufs, in den sie später einaeht. Man wird ihr einen, gemütlichen Frühstückstisch zurechtmachen, denn hübsch und behaglich soll es für sie sein, damit sie gerade in diesem Halbjahr ihr Elternhaus noch besonders lieben und schätzen lernt. Das Band muß noch einmal sehr fest geknüpft werden, damit es jede spätere Probe besteht. Nach dem Frühstück wird die Tochter zunächst ihr Zimmer selber in Ordnung bringen ober, falls sie kein Zimmer hat, ihr Bett machen unb ihre Sachen aufräumen. Hierauf wirb man mit ihr Besorgungen machen; sobalb sie eingeweiht ist, bei wem bie{e unb jene Ware gekauft wirb, soll man sie die Besorgungen allein machen lassen. Das macht ihr Freude unb gibt ihr Verantwortungsgefühl. Wenn sie von ben Besorgungen nach Hause kommt, wirb sie bas Gemüse für bas Mittagessen vorbereiten unb bann auch beim Kochen Helsen. Hierbei muß die Mutter darauf achten, daß sie sie zunächst die einfachen Dinge machen läßt und ihr diese mit der Zeit allmählich ganz überläßt. Sie soll dann nicht immer daneben stehen, sondern die Tochter allein arbeiten lassen. Denn wenn sie Freude an ber Arbeit in der Tochter wecken will, muß diese das Gefühl haben: dieses und jenes habe ich ganz allein gekocht. Eine wie eine Entenmutter immer besorgt daneben stehende Mutter, die nur dauernd fragt: „Hast du auch das Salz nicht vergessen? Hast du auch keinen Zucker statt Salz genommen?" verdirbt der Tochter die Freude am Tun. Ein achtsames Mädel wird schon von selber nichts arrbren- nen lassen! Unb wenn es gelingt, ein Mittagessen ganz ohne Mutters Hilfe schmackhaft unb nett zu Tisch zu bringen, so wirb ihre Freude groß sein, unb zudem hat sie dann etwas Nützliches für ihr Leben gelernt. Während des Kochens muß sie den Tisch decken, unb hier muß man sie anhalten, daß sie alles sehr sorgfältig und akkurat hinstellt. Ein lieberlich geheckter Tisch oerbirdt jebem ben Appetit. So viel Zeit muß auch eine vielbeschäftigte Frau sich nehmen, daß sie den Tisch so nett zurecht macht, wie ihre Mittel es irgenb erlauben. Nach dem Essen wäscht man das gesamte Geschirr ab und hat die Küche dann für ben Abend in Ordnung. Und nun wird Mutter ihre junge Tochter beurlauben. Sie kann spazieren gehen oder lesen, das Abendbrot richtet die Mutter selber. Am Abend wird die Tochter dann noch, falls sie nichts anderes vor hat, ihre Strümpfe stopfen und ihre Wäsche ausbessern. Daß sie bei der großen Wäsche zuspringt, ist selbstverständlich. Stellt man so eine schulentlassene Tochter für ein halbes Jahr in den eigenen Haushalt ein, so wirb auch bie Hausfrau stark entlastet, was ihr nach all den Jahren ber Pflichterfüllung nicht nur zu gönnen, fonbem auch bitter nötig ist. Die Tochter aber hat einen kleinen Pflichtenkreis, der ihr sicherlich Freude machen wirb unb ihr die nötige Erholung schafft, so daß sie gestärkt und frisch im Herbst sich einem Beruf zuwenden kann, wenn sie nicht im Haus selbst zu bleiben vermag. Wirtschaft. ** Die Indexziffer der Großhandelspreise. Die Indexziffer der Großhandelspreise stellt sich für den 11. April auf 95,7; sie ist gegenüber der Vorwoche (96,0) um 0,3 v. H. zurückgegan- gen. Die Indexziffern ber Hauptgruppen lauten: Ägrarstoffe 90,2 (— 1,2 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 90,5 (+ 0,1 v. H.), unb inbustrielle Fertigwaren 114,6 (unveränbert). Frankfurter Börse. Behauptet. Frankfurt a. M., 14. April. Auch zum Wo- chenenbe konnte sich bas Geschäft an ber Effektenbörse nicht beleben, ba einerseits bie Zurückhaltung der Spekulation anhielt und zum andern der Auftragseingang ber Kunbfchaft weiterhin minimal war. Infolge dieser Geschäftsstille kamen auch einige günstige Nachrichten aus der Wirtschaft nicht recht zur Auswirkung. So blieb die Verlängerung des europäischen Stickstoff-Abkommens um ein Jahr selbst auf die Farben-Aktie ohne merklichen Einfluß. Die Kursgestoltung war wiederum uneinheitlich, wobei sich die Abweichungen in engen Grenzen hielten. Unter ben stärker oerönberten Kursen ist ber weitere Rückgang ber AEG.-Aktien um 1,25 v. H., anberseits bie Befestigung von Rhein. Braunkohle um 2,75 v. H. zu erwähnen. IG. Farben eröffneten 0,40 v. H., Th. Golbschmibt 0,65 o. H. höher. Am Elektromarkt gaben Elektr. Lieferungen 0,50 v. H., Schlickert 0,25 v. H. nach, Gesfürel zogen um 0,65 v. H. an. Am Montanmarkt setzten Klöckner 0,25 v. H. höher, Stahlverein unveränbert, bagegen Rheinstahl unb Mannesmann je 0,75 v. H. schwächer ein. Verkehrs- unb Schiffahrtsaktien erfuhren eine neuerliche Senkung bis 0,75 v. H. Kunstseibe- attien lagen uneinheitlich: Aku plus 0,50 v. H., Bemberg minus 1,13 v. H. Auch Zellstoffwerte unregelmäßig, Aschaffenburger 1,25 v. H. höher, dagegen Waldhof 1,25 v. H. schwächer. Sonst eröffneten Reichsbankanteile 0,50 v. H. Daimler 0,25 v. H. leichter, Eement Heidelberg auf den bereits gemeldeten Rekord-Zementabsatz erneut 0,50 v. H. fester. Renten lagen ebenfalls still, deutsche Anleihen nachgebend, Neubesitz 22,80 (22,90), Altbesitz 95,50 (95,75), späte Reichsschuldbuchforderungen unverändert 94,50, 6proz. Stahlverein 72,90 (72,75). Urn- getauschte Dollar-Bonds lagen unregelmäßig, jedoch ohne größere Veränderung. Von fremden Werten Goldmexikaner etwas leichter. Auch im Verlaufe blieb die Kursbildung ungleichmäßig bei stillem Geschäft. Farbenindustrie wiesen etwas größere Umsätze auf: 140,90—140,75—140,90— 140,50. Schwächer lagen noch Aku (—1 v. H ), Daimler (—1 v. H.), Nordd. Lloyd (—0,25 v. H.), anderseits AEG. mit plus 0,25 v. H. mäßig erholt, ferner fester Siemens (plus 1,50 v. H ), Mannesmann (plus 0,65 v. H.), Ilse Stamm und Genuß je plus 1 v. H. Im übrigen blieben bie Anfangskurse behauptet. — Am Rentenmarkt Neubesitz auf 22,95 erhöht, später wieber 10 Pf. leichter. Staatsanleihen waren kaum veränbert, Stabtanleihen lagen uneinheitlich bet Abweichungen bis zu 1 v. H. Golbpfanbbriefe blieben gut behauptet, Liquiba- tionspfanbbriefe unb Kommunal-Obligationen gaben bis 0,50 v. H. nach. Tagesgelb blieb zu 3,25 v. H. leicht unb unveränbert. Frankfurter Butternrarkt. Frankfurt a. M., 14. April. Die mit Wirkung vom 11. April von ber Reichsregierung Zur Hebung bes Absatzes angeorbnete Ermäßigung ber Butterpreise um 5 Mark pro 50 Kilogramm konnte sich in ber kurzen Zeit noch nicht auswirken, vielmehr blieb bie Nachfrage gering, boch rechnet man bereits in wenigen Tagen mit einer Belebung bes Geschäftes. Die Zufuhren In beutfcher Butter waren knapp, hollänbische staub ausreichenb zur Verfügung. Der Großhanbels-Einstanbspreis stellt sich nunmehr auf 127 Mark sowohl für hollänbische, als auch für beutsche Markenbutter. Deutsche Molkereibutter kostete 123 bis 125 Mark per 50 Kilogramm. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 14. April. An ber nach bem Osterfest eingetretenen Geschäftsstille hat sich bis heute nur wenig geänbert. Der Großhanbel nimmt nur laufenb kleine Mengen auf, zumal auch ber Absatz beim Kleinhanbel noch nicht wesentlich flotter geworben ist, lebiglich billige Sorten sinb gefragt unb knapp. Auf Grunb ber verschobenen Maßnahmen ber Reichsregierung zur Unterbinbung brürfenber Auslanbsangebote blieb bie Stimmung fest, unb bei normalen Zufuhren blieben bie Preise für beutsche Eier unveränbert, währenb sie für Hvllänber unb Flanbern mäßig erhöht würben. Als Großhanbels -Verkaufs preise notierten in Pfennig pro Stück frei Frankfurt a. M.: Deutsche Frischeier Kl. S 10, Kl. A 9V2, Kl. B 9, Kl. C 8V2. Hollänber unb Flanbern Kl. S 93/«, Kl. A 9'/«, Kl. B 83/«. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 16. April. Um 10 Uhr war folgenbe Marktlage: Vorauftrieb: 1356 Rinber (426 Ochsen, 83 Bullen, 426 Kühe, 389 Färsen), 599 Kälber, 32 Schafe, 3915 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 25 bis 35 Mark, Bullen 24 bis 30, Kühe 13 bis 29, Färsen (Kalbinnen) 24 bis 34; Kälber 28 bis 51, Hümmel 30 bis 36, Schweine 32 bis 41 Mark. Marktverkauf: Rinder unb Schweine ruhig, Kälber, Hümmel unb Schafe mittelmäßig. Dorfschulen sollen Kindergärten errichten? Sv plant es bas Mütterhilfswerk, unb zwar sollen hier nicht Dorfkinbergärten errichtet werben, wie sie aus früheren Zeiten, aus Einrichtungen ber freien Wohlfahrtspflege bekannt sinb. Diese Kin- beraärten nahmen die noch nicht schulpflichtigen Kinder der ßanbarbeiterfrauen auf. Jetzt hat Professor Kade, bekannt als Führer ber deutschen Landschulreformer, neue Pläne über Dorfkinber- Spenden für die NSV. werden eingezahlt auf Konto 7!r. 4513 bei der Bezirkssparkasse Gießen. gärten bekanntgegeben und in seinem Arbeitskreis bereits organisiert. Danach schicken bte Landarbeiter-, bte Siedler-, Handwerkerfrauen des Dorfes unb bie Bäuerinnen, bie nicht über Hilfskräfte verfügen, bie kleinen Kinber mit ben größeren zusammen in die Dorfschule. Hier werben sie unter Leitung bes Lehrers ober auch ber Lehrerin, wo eine solche in ber Dorfschule amtiert, von größeren Schulmädchen in einem bejonberen Raum, im Sommer im Schulgarten, beaufsichtigt. Die größeren Schülerinnen lernen hier ihre späteren Mütterpflichten kennen. Anschließenb an bie Erlebnisse in ben Kinhergartenstunben wirb im Unterricht Kinber- unb Säuglingspflege besprochen. An ben Kinber- garten schließen sich Schulgarten- und Kücheneinrichtungen an, unb von ber praktischen Unterweisung in diesen ausgehend, kommt man zum Ausbau der ländlichen Mädchenfortbildungsschule. So sehen wir auch die Landschule ergriffen von der lebendigen Unterrichtsweise des Dritten Reiches, die ben jungen Menschen nicht mit mechanischem Wissen belastet, fonbem ihn innerlich erst einmal seine Umwelt, die Gemeinschaft, erleben läßt unb von hier aus mit Geschichte, Kultur unb mit ber Sagen- unb Kunstwelt seiner Heimat vertraut macht. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe bei zuletzt belchlvssenen Dtotbenbe an. — Relchsbankbiskont 4 o H Lomdarbzinsfuß 5 v. H. Frantfur, a. Dl. Berlin Frankfurt d.UI. Berlin Schluß- kurs Schluß,, «bend- Wrfe Schluß- für« Schluß! Mittag. bSrse Schluß- kurs Gchlußk. vbend- bSrse Schluß, fort Gchlußk. Mittag. börse Dalum 13.4. 14.4 13-4. 14-4. Datum 134. 14-4 134. 14-4. •% Deutsch« Reichsanleihe v. 1927 94 94,25 94,75 95 «% desgl. Serie 11 ............. 6,75 6,75 __ 6,8 •% ehem.7% Dl. ReichSanl. v. 1929 99,9 99,9 100 100 6% Rumdn. vereinh. Rente v. 1903 4,6 4,6 4,6 4,6 Doung-Anlelh« von 1930 .. 93,25 93,25 93,25 93,25 4K%Rumän.veretnh.Rentev.lS13 Z, 15 7,15 7,15 7,25 Deutsch« «nl.-ülbl-ft.-Schuld mh 95,75 95,65 4% Rumänische vereinh. Rente .. aiz I 7 i ■ ■ l g Das Haus des Oberbannes der HI. in der Moltke- straße zu Bad-Nauheim. helfen, mitzuarbeiten, damit das Vaterland wieder frei werde und die Ordnung wieder Einzug halte. In diesem Sinne werde die oberhessische Hitler- Jugend in diesem Hause an ihr Werk gehen. Gebietsführer Kramer sprach sodann in markigen Worten zu den Gefolgschaften: Der heutige Tag bedeute einen Markstein für die oberhessische Hitler-Jugend. Die Jugend werde der Verpflichtung des Besitzes eines solchen Hauses stets eingedenk sein. Angesichts dieses Hauses solle auch nie vergessen werden, wie die Anfänge des Kampfes der HI. gelagert gewesen seien; es solle nicht vergessen werden, wie sich die Jugend einstmals in Kellern, in dumpfen Hütten, oder in Privatwohnungen, die ein Gleichgesinnter zur Verfügung stellte, versammelte. Dieser harte Weg fei aber notwendig gewesen. Aus der Primitivität heraus habe sich Die Erfüllung der Aufgaben der HI. ergeben müssen, denn nicht von heute auf morgen lasse sich etwas schaffen, sondern nur durch stetige selbstlose Hingabe an eine Sache. Das Recht, ein solches Heim zu besitzen, müsse erobert sein. Der Geist der Einheit solle in diesem Hause walten, so wie er einst unter primitivsten Verhältnissen waltete. Das Wesen der HI. dürfe sich nicht ändern. Der Einzug in gute Räume dürfe nicht die Geisteshaltung beeinflussen. Die HI. müsse revolutionäre Jugend sein und bleiben. Einfachheit, Geradheit müsse die jungen Garanten des Führers auszeichnen. Die Tätigkeit im Lande habe bereits ihre Früchte gezeitigt; von diesem Hause aus würden alle weiteren Aufgaben ihrer Erfüllung zugeführt. Die Reaktion sei vernichtend geschlagen worden. Nur noch wenig trenne uns davon, daß die ganze oberhessische Jugend erfaßt sei. Allen reaktionären Bestrebungen werde ein Bollwerk entgegengesetzt, auf das sich der Führer verlassen könne, so wie man sich auf den Oberhessen überhaupt verlassen könne. Die jungen Kameraden würden sich stets ihrer Verpflichtungen bewußt sein. Don dieser Stelle aus würden immer neue Impulse hinausgetrieben. Propaganda, Körper- und Geistesschulung würden von hier ihren Ausgang nehmen. Mit einem Aufruf, mitzuwirken an der Arbeit für Deutschland und an der Vollendung des großen Werkes der deutschen Einigung beschloß Gebietsführer Kramer Gießener Giadttheaier. Aetzler und Kollo: „Die Frau ohne Kutz." Freundliche Erinnerung: es sind jetzt rund zehn Jahre her, da haben wir im Berliner Schiller- sh-ater die Feuertaufe dieser hübschen Operette mit- erebt. Mädy Christians und Paul Heidemann spalten damals die Hauptrollen. Im Zwischenakt virde der Text des Hauptschlagers auf den Vor- hcng projiziert, das Orchester intonierte, das Publi- lum begann in höchst angeregter Stimmung mit» zusingen, und der „Frühling von Berlin" wurde er biefem Abend zum ersten Schlager der Reichs- hmptstadt — für viele Wochen. ♦ Der stürmische Erfolg des Merkchens war durch- ors verdient und ist ihm, wie wir gestern feststellen tonnten, über ein rundes Jahrzehnt hinweg treu fliehen. „Die Frau ohne Kuß" stellt eine nicht (b.n häufige Spezialgattung der Operette dar und rennt sich nicht mit Unrecht im Untertitel: musika- li-hes Lustspiel (in drei Akten) von Richard Keßler; Gesangstexte von Willi Kollo; Musik von Witter Kollo. Damit hat es folgende Bewandtnis: In diesem M ist auf die Ausgestaltung des Librettos ein tncnifl mehr Sorgfalt verwendet und Wert gelegt werden, als das gemeinhin bei Operetten zu ge- f-h hen pflegt. Es ist eine richtige kleine Lustspiel- fatel daraus geworden. , v rr Sin junger lediger Frauenarzt, dessen Praxis burcf) einige glückliche Umstände in Mode gekommen ist und sich regen Zulaufs erfreut, erhalt eine ebenso ehrenvolle wie gewinnversprechende Bern ung oi den Hof des Königs von Persiey — für sechs Wochen. Die Sache hat aber einen Haken: der 2lr»t soll aus gewissen Gründen verheiratet sein vit» seine Frau mitbringen. _ Da trifft es sich gut, daß feine Sekretärin die Mr heftig, aber aussichtslos in ihren liefet ist, sich erbietet, mit einem glanzenden Einfall beut ratlosen Junggesellen aus der Klemme zu beiten: sie wird ihn als rechtmäßige Gattin begleiten und so den kostbaren Auftrag retten. Es geschieht also sozusagen eine oorbatierte Not- itaiunq mit Kontrakt, aber ohne den obligaten die wöchigen Aushang des aufgebotenen Paares ttl Kasten des Standesamtes. Und als nach oer giffehr der inzwischen zum Geheimrat avancierte jjjltor standhaft auf der Wiederherstellung des früheren Zustandes besteht, da gelingt es der „Frau" — ohne Kuß — durch Erregung heftiger Eifersucht die drohende Scheidung zu hintertreiben und eine wirkliche und rechtmäßige und glückliche Ehefrau zu werden. Und die Vordatierung, deret- roegen es auch beinahe noch im letzten Augenblick die ärgerlichsten Scherereien gegeben hätte, wird durch ordnungsmäßigen dreiwöchigen Aushang ins Reine gebracht. Der Nachdruck liegt also diesmal auf dem Textbuch und auf einer richtigen Handlung, die sonst oft peinlich vermißt wird ober nur anbeutungs- roeife vorhanben ist. Gesungen wirb nur, wenn wirklich was zu fingen ist; unb baß etwas zu fingen ba ist, bafür hat Walter Kollo gesorgt. Die Hauptstücke ber kleinen Partitur finb reizenb, mit Rhythmus unb Melobie instrumentiert; unb hier ist allerbings bie Musik wichtiger als bie Texte von Willi Kollo, bie nirgenbs über ben üblichen Operettenburchschnitt hinausreichen. * Die Aufführung unter ber Regie von Hub brachte bie heitere unb liebenswürdige Fabel bes Stückes flüssig unb anregenb zur Geltung. Daß stellenweise ber Souffleurkasten etwas beutlich mitspielte, lag vermutlich an einigen schnell notwendig geworbenen Umbesetzungen. Franz K e r z i s n i k am Dirigentenpult hatte Orchester unb Solostimmen jeberzeit straff unb sicher in ber Hanb. Theo Bäulke hatte ein paar schmissige Tanzeinlagen besorgt. Die Herren Löffler unb Keim schufen bie bezente unb stimmungsvolle Jnnenbekoration. * Die Sekretärin Lotte Lenz, bie als Frau ohne Kuß auf bie Reise nach Persien geht unb zuletzt unter vielen Küssen in Berlin bleibt, würbe von Erna Renz mit einer glücklichen Mischung von Naivität unb Ironie, von Verliebtheit unb Trotz gegeben; auch gesanglich unb tänzerisch war sie erfreulich in Form unb schnell mit bem Parkett in Kontakt. Heinz-Albrecht Marcks spielte ben Frauenarzt Dr. Hartwig mit seinem trockenen Humor sehr nett unb beweglich, bewältigte auch ben musikalischen Teil ber Partie, ber an sich kaum von ihm verlangt werben kann, mit anerkennenswertem Geschick in sichtlich guter Laune. ♦ Den Prinzen Hussein gab Herr Hub, ber für Herrn Fierment eingefprungen war, mit wahrhaft orientalischem Temperament unb fang mit viel Gefühl bie schmelzende Hulbigung an bie „persische Rose". Die Herren Kühne unb Schorn widmeten sich mit Hingabe ben beiben allerbings ebenfalls erfolglosen Freiern mitteleuropäischen Geblüts. * Vom Erfolg war schon bie Rebe. Es gab, obwohl bas Theater nur schwach besetzt war, viel Beifall unb mehrere Wieberholungen. hth. Der große König ordnet einen Markt. Vor fast 200 Jahren, im September 1744, griff Friebrich ber Große ein, um die Unorbnung auf ben ostfriesischen Jahrmärkten zu befeitigen. Vor genau 200 Jahren, 1734, war ber letzte ostfriesische Fürst, Karl Ebzarb aus ber Sippe ber Cirksena, gestorben, unb seit seinem Tobe waren verworrene Zustänbe in Dftfrieslanb eingerissen. Besonbers bie Jahrmärkte, wie ber in Marienhafen, zeichneten sich burch „Gezänk und anderes liederliches Unwesen" aus. Daher erließ Friedrich der Große eine strenge marktpolizeiliche Anordnung, die jährlich acht Tage vor dem Marktbeginn im September zu Marienhafen von der Kanzel verlesen und angeschlagen werden mußte. Beginn des Marktes, die Anordnung der Stände, Tische und Buden, die Befugnisse der Behörden, die für die Ordnung und Sicherheit einzustehen hatten, sowie die Strafen für „Zuwiderhand" wurden festgelegt. In rauhem, aber herzlichen Tone wurde z. B. verboten, daß Dreh- und andere Spielbretter zugelassen werden. Ferner „soll keiner einen Flegel-Klopp oder andere Prügel unter bem Rock tragen bei Strafe 2 Golb- aülben, wer aber jemand damit oder mit einer Kanne auf oder vor den Kopf schlägt, 5 Goldgülden und dem Beleidigten 3 Goldgülden nebst denen Kosten verwirket haben". Ferner heißt es darin: „Wenn einer auf jemand ein Messer zücket ober ziehet, so soll berfelbe in 4 (Bolbgülben, wenn er aber einen bamit ins Angesicht schneibet in 10 Golb- gülben unb bem Beleibigten ebensoviel, unb wo die Verletzung an einem anderen ©liebe bes Leibes geschieht unb bie Wunbe nicht gefährlich ist, in. 8 (Bolbgülben unb bem Verletzten in 4 (Bolbgülben verfallen sein, alle Wege auch bie Kosten erstatten. Sollte aber bie Wunbe am Haupte ober Leibe gefährlich sein, soll ber Täter zur gehörigen Strafe anhero verwahrlich eingeliefert werben. Wer jemanb mit ber Faust ins Angesicht ober sonsten an ben Kopf schlägt, baß ber Beleibigte bavon blutet ober ein blaues Auge bekommt, soll 5 (Bolbgülben unb bem Verletzten 3 (Bolbgülben nebst benen Kosten verwirket haben." Alle übrigen Verbrechen aber sollen genau untersucht unb bie Akten zur Regierung nach Aurich eingefanbt werben. „Damit aber über biefe Unsere zur Erhaltung guter Polizei feine mit begeistertem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Oberbannführer Blumenröber beschloß mit einem breifachen „Sieg-Heil!" auf ben Führer Abolf Hitler die eindrucksvolle Kundgebung. Vor der llebernahme besichtigten oie zur Feier eingeladenen Gäste das Haus. Es enthält schlicht eingerichtete Arbeitsräume, eine Gedenkhalle, ein Sitzungszimmer und in den oberen Stockwerken Unterkunftsräume für Kameraden, die sich vorübergehend in Bad-Nauheim aufhalten. Das Haus, das von oben bis unten sauber hergerichtet worden war, ist in allen seinen Teilen sehr schlicht und in seinen Einrichtungen nur mit dem Notwendigsten ausgestattet. w- n Oberbannführer Blumenröder (links) während seiner Ansprache. — Im Vordergrund des Bildes Gebietsführer Kramer. — (Sämtliche Aufnahmen: Photo-Pfaff.) Diakonie ein notwendiger Dienst an der Volksgemeinschaft. Darmstadt, 14. April. (EPH.) Der Hessische Diakonieverein hielt dieser Tage seine diesjährige Mitgliederversammlung im Heimathaus, Freiligrath- straße 8, ab, unter Leitung seines Vorsitzenden, Oberkirchenrat Dr. H o r r e und in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und prominenter Gäste. Pfarrer Guyot, der Führer der Schwesternschaft und des Vereins, sprach bei dieser Gelegenheit über die Aufgaben des Hessischen Diakonieoereins in Ver- aangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Ausgehend von den Idealen, die die Gründer des Hessischen Diakonievereins vor 28 Jahren beseelten, zeigte er, wie notwendig die Arbeit des Diakome- vereins für unser Volk und unsere Kirche ist. Heute noch oder besser, heute erst recht, hat der Diakonieverein wichtige Aufgaben im Dienste der Volksgemeinschaft zu erfüllen. Seine Nationalsozialistische Frauenschule für Volkspflege in Verbindung mit der Pfarrgehilfinnen- schule ist die richtige Ausbildungsstätte für junge Mädchen, die einen echten Frauenberuf suchen. Pfarrer Guyot wies auch darauf hin, daß der Diakonieverein jetzt auch eine Haushaltungsschule in seinem Helmathaus eröffne, um junge Mädchen für den Beruf der Hausfrau und Mutter zu erziehen. Die Schwesternschaft selbst, die mit freudiger Bejahung der großen Ziele unseres Führers Adolf Hitler auf dem Boden des Dritten Reiches steht, zeigt eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung. Allerdings sollen die schweren Nöte, die vor allem aus der starken Verminderung der Einnahmen kommen, nicht verschwiegen werden. Der Diakonieverein betreut eine Reihe notleidender armer Gemeinden des Landes durch seine Schwesternarbeit. Die Samm- (Ordnung) und Zucht gemachte Verordnung gehalten werden möge, so sind unsere Beamten zu Aurich befehliget, daß sie sich, oder einer von ihnen, allemal dorthin gegen den jedesmaligen Markttag begeben, über diese. Unsere Markt-Ordnung zu halten, die gewöhnlichen Rottierungen (Zusammenrottungen), die bishero auf solchem Jahrmarkt vorgegangen sind, zu stören, die Verbrecher einziehen zu lassen und nach dieser Ordnung entweder mit der daraufgesetzten Geldstrafe, oder die Verbrecher so die Brüche (festgesetzten Summen) für genügsame Bürgschaft zu stellen nicht vermögen, insonderheit auch die ertappten Spitz-Buben nach Befinden mit Ausziehung und Wegnehmung der Kleider, auch einer abaequaten (angemessenen) Züchtigung bes Leibes und Wegjagung zu belegen ober gefänglich anhero zu schicken, mithin all diese und andere auch in Handel und Wandel vorkommende Streitfälle sogleich, als Parteien, mündlich und nötigenfalls auch Zeugen darüber vernommen worden de simplici et plano (einfach und ohne Umstände) abzutun. Wir befehlen auch männiglich, bei Leib- unb Lebensstrafe, Unfern Beamten ... usw.... wie auch ben zur Wache bestellten Leuten roeber mit Worten ober Werken einiges Leib zuzufügen." Hinter diesen Worten ftanb ein Mann. Um jene Zeit verstummten die Klagen über bas tolle Markttreiben. Zeitschriften. — Die Leipziger „Illustrierte Zeitung" (Verlag I. I. Weber) bringt in ihrer neuesten Nummer 4648 einen hochinteressanten Beitrag aus ber Frühzeit der Momentphotographie. Bilder unb Text werben allen photographierenden Leuten etwas zu sagen haben. Sehr aufschlußreich ist auch der Artikel „Eine Lawine ging nieder", der an Hand eines ausgezeichneten Photomaterials die Errettung von Verschütteten eingehend schildert. Ein mehrseitiger Beitrag über den Suezkanal, der jetzt ein Jubiläum feiern kann, unb eine zeichnerische Reportage aus Prag schließen sich an. Außerdem beginnt in diesem Heft der neue Roman „Saskia", ein Rembrandt-Roman von Dr. Dalerian Tornius, dem laufend Beispiele aus Rembrandts Schaffen beigegeben werden. Sochschulnachrichten. Professor Dr. jur. Dr. phil. h. c. F. Genzmer, Ordinarius an der Marburger Universität, hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an ber Universität Tübingen erhalten. Achtung! Achtung! GA.-Gpen-etag am 2i.unb 22. April ^934! Veranstaltungen anläßlich der Spendetage. lungen und Beiträge sind stark zurückgegangen. Trotzdem klingt durch die Rede des Leiters der Schwesternschaft eine starke Hoffnungsfreudigkett und Zuversicht auf die kommende Entwicklung. Wie es in unserem ganzen Volke aufwärts geht, so besteht auch die Hoffnung, daß Werke do* der Art des Hessischen Diakonievereins gedeihen werden. Die Erziehungsarbeit, die er leistet, die Pflege, die durch seine Schwestern geschieht, die Diakonie, die er durch Frauen an unserem Volke treibt — das alles sind notwendige und wertvolle Dienste, mit denen er sich dem Dritten Reich zur Verfügung stellt. Nachdem auch die Rechnungsablage und der Voranschlag von der Mitgliederversammlung genehmigt worden waren, dankte der Vorsitzende, Herr Ober« kirchenrat Dr. Horre allen, die sich dem Werk zur Verfügung gestellt haben und bat, ihm ihre Mitarbeit auch weiter zu gewähren. Eine musikalische Abendfeier bildete den Wschluß der Tagung und zugleich die Einführung der Obenn Fresenius. Frl. Margarete L e t t e r m a n n (Berlin), eine Schülerin von Professor G. Have- mann, wußte in ausgezeichneter Weise durch ihre musikalischen Vorträge zu erheben An Präludium und Fuge für Violine von I. S. Bach rechte sich das Konzert in v-Moll für Violine unb Kl°. vier von Spohr und das Scherzo Taranelle von Winiasky. Reicher Beifall belohnte die Künstlerin. Aus der provinzialhauptüadt. Sei schön für Gesundheit und Beruf. Es ist in vielen Berufen geradezu eine Notwendigkeit, seine äußere Erscheinung durch eine angemessene natürliche Körperpflege zu heben, und eine richtige Körperpflege dient nicht nur dem guten Aussehen, sondern vor allem auch der Gesundheit. Eine solche Pflege der äußeren Erscheinung besteht vornehmlich in einer richtigen Haut- und Haarpflege. Die Haut ist Atmungsorgan, sie hat ferner neben anderen Aufgaben die Wärmeregulierung des Körpers zu besorgen. Um der Aufgabe des Kalte- und Wärmeschutzes gerecht werden zu können, muß die Haut „abgehärtet" werden. Das bedeutet aber nicht, daß sie abgestumpft sein soll, sondern daß sie gegenüber allen Einflüssen durch Wärme und Kälte sich sofort in der nötigen Weise umzustellen vermag, kurz und gut, daß sie arbeitstüchtig bleibt. Das ist der beste Schutz gegen Erkältung. Für die tägliche Körperpflege ergeben sich daraus folgende Notwendigkeiten: eine tägliche Körperreinigung, die am desten abends vorgenommen wird, die aber nicht aus einem Bad zu bestehen braucht. Eine Ganzwaschung, die ohne Seife und mit kaltem Wasser vorgenommen wird, genügt, und läßt sich auch unter den einfachsten Umständen durchführen. Danach kräftiges Abreiben mit einem Frottierhandtuch, so lange, bis die Haut knallrot aussieht. Neben dieser täglich unbedingt notwendigen Behandlung mindestens einmal in der Woche ein reines Bad und Reinigung des Körpers mit Seife. Der Haut darf durch Seife nicht übermäßig Fett entzogen werden. Darum empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen die Haut mit einem Pflanzenfett einzuölen. Zu einer guten Erscheinung gehört auch in erster Linie ein gut gepflegtes Haar. Jeden Abend soll das Haar mit einer aut gereinigten, nicht zu weichen Bürste erst mit und dann gegen den Strich gebürstet werden. Eine solche regelmäßig ausgeführte Pflege ist das beste Mittel, das unschöne, schmierige Aussehen manchen Kopfhaares zu verbessern und schwachen, spärlichen Haarwuchs zu kräftigen. Außerdem muß das Haar in reglmäßigen Abständen gewaschen werden, wobei die Seifenreste gründlich aus dem Haar gespült werden müssen. Sehr angenehm ist ein Zusatz von Essig oder der Saft von zwei Zitronen im letzten Spülwasser. Bei trocknem, sprödem Haar ist es'empfehlenswert, einen Tag vor dem Waschen ein reines Pflanzenöl (Oliven- oder Mandelöl) auf der Kopfhaut zu verreiben oder nach dem Waschen einen fetthaltigen Haarspiritus zu benutzen. Hausfrauen kaust richtig ein! Mit großer Eindringlichkeit hat vor einiger Zeit Landesbauernführer Dr. Wagner diese Mahnung vor den Gärtnern der fruchtbaren Main- landschaft in Frankfurt a. M. ausgesprochen, wo der Gärtner unter der erdrückenden Last der durch die Großmarkthalle bewirkten Einfuhrüberschüsse zu leiden hat. Wo das Angebot der Auslandware besonders groß ist, war es für die städtische Hausfrau bisher schwer, der deutschen Ware den Vorzug zu geben, denn oft konnte sie deutsch« von ausländischer Ware nicht unterscheiden. Die Kennzeichnung der Früchte deutscher Scholle mit der Aufschrift „Deutsches Erzeugnis" wird uns sicherlich in diesem Fahre in dieser Beziehung weiterbringen, aber mit dieser Hilfe allein dürfen wir uns nicht beruhigen. Die Gärtner und auch die Landfrauen, die selbst ihre Gartenerzeugnisse absetzen wollen, sollten sich nachdrücklich dafür einsehen, daß in allen Läden, vor allem aber auf den Märkten, die Erntezeiten für deutsches Obst und Gemüse bekanntae- geben werden, damit die Hausfrau eine Einkaufs- kontrolle haben. Kaufmännische Gehilfenprüfunq. Die Industrie- und Handelskammer Gießen teilt mit: Im Einvernehmen mit der Deutschen Arbeits- front, der Gauleitung und dem Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag werden dieses Jahr erstmalig kaufmännische Lehrlinge geprüft. Für den Bezirk der Industrie- und Handelskammer Gießen findet diese Prüfung am Sonntag, 22. April, 8.30 Uhr, pünktlich in den Räumen der Kaufmännischen Berufsschule und der veffentlichen Handelslehranstalt, Gießen, Liebigstraße 16 (Alte Klinik) statt. tHornorucn — Tageskalender für Montag. Ortsgruppe Gießen-Nord: 20.30 Uhr, Eaf6 Leib, Zellen- abend der Zellen 2 und 3; Zelle 5: 20.30 Uhr Blockabend für Block 1 und 2, „Stadt Marburg". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gold". — Deutsche Stenographenschaft: 19 Uhr, Pestalozzischule, Beginn des Anfänger-Lehrgangs. ♦ RVH. Froschschenkel. Spazieraänger und Tierfreunde achtet auf das schändliche Treiben der Froschfänger und sorgt dafür, daß diesem ruchlosen Gesindel das Handwerk gelegt wird. Paragraph 2, Absatz 12 des Reichstierschutzgesetzes vom 24. No- vember 1933 verbietet, lebenden Fröschen die Schenkel auszureißen oder abzutrennen. Diese Unmenschen reißen lebenden Fröschen die Hinter- schenke! ab und lassen die Tiere dann auf dem Rasen liegen, wo sie sich noch tagelang mit verstümmeltem Körper dahinschlep^en/ bevor sie quäl- voll sterben. Meidet bei Einkäufen Geschäfte und Marktftauen, die Froschschenkel feilbieten. Gamstag, 21. April: 18—19 Uhr: Platzkonzert des Musikzuges Reserve-Sturmbanns 1/116 in der plockstraße- Johannesstraße. 20.30 Uhr: Zapfenstreich (Leitung der Führer des Sturmbanns 11/116). Aufstellung am Standartengebäude, Landgraf-Philipp-Platz. Der Zapfenstreich marschiert durch fol- gende Straßen: Landgraf - Philipp - Platz, Sonnenstrahe, Reuen Baue, Ludwigsiraße, Alicensirahe, Frankfurter Straße, Selters- weg, ttaplansgasse, Reustadt zum Oswalds- garten. Sonntag, 22. April: 7.30 Uhr: Wecken. 11—12 Uhr: Platzkonzert des Wusikzuges des Sturmbanns 2L 1/116 in der plockstraße- Johannesstraße. 12—13 Uhr Platzkonzert des wusikzuges der Standarte 116, Dammstraße-Ecke walltor- strahe. Die ,„Heimatvereinigung Schiffenberg" hielt am Sonntagnachmittag auf dem Schiffenberg chre diesjährige Hauptversammlung ab. Der Leiter der Vereinigung Oberforstmeister Nicolaus wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß die Vereinigung in diesem Jahre auf eine fünfjährige Tätigkeit zurückblicke. Sie sei damals zunächst nur zur Durchführung der 800- Iahr-Feier ins Leben gerufen worden, es habe sich aber gezeigt, daß das Fortbestehen der Vereinigung zur Förderung der Schönheiten des Schiffenbergs und seiner Umgebung, zur Ueberbrückung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, sowie zur Erhaltung echten Volkstums eine dringende Notwendigkeit sei. Oberforstmeister Nicolaus gedachte sodann der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder der Vereinigung, zu deren Ehren sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben. Zur Tagesordnung übergehend, machte der Vereinsleiter zunächst darauf aufmerksam, daß die Eingliederung der Heimatoereinigung Schiftenberg in den Reichsbund Volkstum und Heimat, Landschaft Rheinsranken - Hessen-Nassau erforderlich sei. Der Reichsbund verfolge vor allem den Zweck, die gesamte deutsche Volkstums- und Heimatbewegung neu zu gestalten. Innerhalb der Landschaft Rheinfranken - Hessen seien besondere Fachämter geschaffen worden und zwar für Volkskunde und Volkstum, für Heimatgeschichte und Denkmalpflege, für Naturschutz, für Tierschutz und Volksbildung. Die heimalvereinigung habe seither schon im Sinne des Reichsbundes gearbeitet. Sie verfolgte ungefähr die gleichen Ziele wie der Reichsbund Volkstum und Heimat. Es frage sich daher, ob die Heimatoereinigung an sich noch Existenzberechtigung habe. Diese Frage sei von so großer Bedeutung, daß eine Aussprache hierüber notwendig sei. In der nun folgenden Besprechung wies zunächst Bürgermeister Schäfer (Watzenborn- Steinberg) darauf hin, daß die Heimatvereinigung Schiffenberg durch ihre besonderen Aufgaben, die lokaler Natur seien, ihre Existenzberechtigung behalte. Auch die übrigen Redner (Oberstaatsanwalt Wodaege, Dr. Michel, Rektor V. M ü ll e r, Lehrer Mörschel, Garbenteich, u. a.) vertraten die Auffassung, daß die Heimatvereinigung Schiffenberg neben den allgemeinen Zielen, die auch der Reichsbund Volkstum und Heimat verfolgt, große Aufgaben zu erfüllen habe und Zwar die Pflege der Schönheiten des Schiffenbergs und seiner Umgebung, sowie die Herstellung der inneren Verbindung der Bewohner rings um den Schiffenberg. Es wurde daher einstimmig beschlossen, die Heimatvereinigung Schiffenberg bestehen zu lassen und ihre Eingliederung in den Reichsbunde Volkstum und Heimat zu veranlassen. Unsere Nachbarstadt Großen-Linden erlebte gestern ein lokalgeschichtlich bedeutungsvolles Ereignis: den Abschied von der alten Schule und d i e Einw ei h u n g d e s neu e n Schulhauses. Herrlicher Frühlingssonnenschein und nahezu sommerliche Temperatur begünstigten den Verlauf der denkwürdigen Feier in bester Weise. Die Ortsstraßen waren mit Hakenkreuz- und schwarzweißroten Fahnen reich geschmückt. Am <3tabtau5pang nach Lang-Göns zu stellte sich gegen 13 Uhr ein Festzug auf, an dessen Spitze der Bürgermeister und der Gemeinderat, sowie als Ehrengäste die Kreisschulräte Dr. Weigand und N e b e l i n g schritten, gefolgt von den Schulklassen mit ihren Lehrern, dem Jungvolk, dem BDM., der Hitler-Jugend, der SA mit dem Spielmannszug des II/R 116 und der Standartenkapelle 222, den Gesangvereinen und dem Kriegerverein. Auf dem Marsche wurde an der alten Schule haltgemacht, um Abschied vom alten Echulhaus zu, nehmen, Hier richtete der Schulleiter Rektor ^legsned eine kurze Ansprache an die große Menschenmenge. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf ote jahrzehntelange Schularbeit in diesem Hause hin, in dem zahlreiche Geschlechter Schätze des Wissens und Kräfte des Gemüts empfingen. Er er- mnerte weiter an die reiche Geschichte dieses Ortes 14 Uhr: Propagandamarsch (Aufstel- lung am Standartengebäude) durch die Stadt. 17—18 Uhr: Platzkonzert des wusikzuges des Sturmbanns R. 1/116 am Selterstor. 18—19 Uhr: Platzkonzert des Musikzuges der Standarte 116 am Oswaldsgarten. Volksgenossen! Bekundet eure innere Verbundenheit mit den braunen Kampfern durch reichliche Spenden! Vergnügungssteuerfreie Veranstaltungen am Geburtstag des Führers. Amtlich meldet das DNB. aus Berlin: Der Herr Reichsminister der Finanzen hat die Landesregierungen gebeten, die Gemeinden (Gemeindeverbände) anzuweisen, Veranstaltungen von der Vergnügungssteuer freizustellen, die von der NSDAP, und ihren Organisationen am 20. April 1934 ausschließlich aus Anlaß und zu Ehren des Geburtstages des Führers unternommen werden. Die hierdurch notwendig werdenden Satzungsänderungen werden genehmigt. Hierauf erstattete Rektor i. R. Valentin Müller den Tätigkeitsbericht. Hieraus geht hervor, daß die Heimatoereinigung auch im abgelaufenen Jahre eine rege Tätigkeit entfaltet hat. Außer einem gut besuchten Heimattag in Garbenteich fand auf dem Schiffenberg unter zahlreicher Beteiligung aus Stadt und Land ein sehr schön verlaufenes Jugendfest statt. Der von der Vereinigung durchgeführte Photo- Wettbewerb erbrachte außerordentlich wertvolles Material. Die von Bubenhand zerstörte Nicolaus- Ouelle wurde durch die Heimatvereinigung wieder hergestellt. Auf dem Altan des Schiffenbergs soll eine Orientierungstafel angebracht werden. Der Sockel hierzu ist bereits hergestellt, die Einweihung der Tafel wird im Monat Mai erfolgen. Außerdem hat die Heimatvereinigung in einer Reihe von geselligen Veranstaltungen (Weihnachtsfeier, Familienzusammenkünfte usw.) das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Stadt und Land und echtes Volkstum gepflegt. Die finanziellen Verhältnisse der Heimatvereinigung sind nach dem vom Rechner H. Kirchner erstatteten Rechenschaftsbericht günstig. Während die Einnahmen im abgelaufenen Jahre 330,14 Mark betrugen, wurden 249,80 Mark ausgegeben, so daß mit dem am Anfang des Jahres vorhandenen Bestand heute 209,77 Mark vorhanden sind, außerdem ein Fonds für Erhaltung der Schönheiten des Schiffenbergs und seiner Umgebung in Höhe von etwa 500 Mark. Die Zahl der Mitglieder betrug am Anfang des Dereinsjahres 322, neu eingetreten sind 18, gestorben 5, verzogen 4, ausgetreten 32, so daß die Vereinigung heute noch 299 Mitglieder zählt. Durch weitere Neuanmeldungen wird die vorjährige Mitgliederzahl wieder erreicht. Der Vereinsleiter forderte zur Werbung neuer Mitglieder auf, unter Hinweis darauf, daß bei dem geringen Beitrag von 1 • Mark pro Jahr allen Volksgenossen die Möglichkeit geboten sei, an den Aufgaben der Vereinigung mitzuarbeiten. Bezüglich der künftigen Aufgaben der Vereinigung wurde beschlossen, am 17. Juni d. I. auf dem Schiffenberg ein Konzert zu veranstalten und damit gleichzeitig eine Sonnwendfeier zu verbinden. Weiter sollen die Bänke aus dem Schiffenberg und seiner näheren Umgebung neu hergerichtet werden. Zum Schluß der Verhandlungen brachte der Der- einsleiter noch ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer und Volkskanzler aus. Im Anschluß an die Mitgliederversammlung fand eine Familienzu- s a m m e n k u n ft statt, bei der neben musikalischen Darbietungen Gosangsvorträge des Frauenchors Hausen wesentlich zur Verschönerung der Veranstaltung beitrugen. und dankte in diesem Zusammenhang dem ftüheren Ortsgeistlichen Pfarrer Schulte, der in fleißiger Zlrbett die Heimatgeschichte Großen-Lindens erforscht und seinen Mitbürgern in Wort und Schrift zugänglich gemacht hat. Der Redner gedachte sodann der Lehrer, die in diesem Hause in Treue und Segen gewirkt haben; die meisten decke die kühle Erde, aber ihre Werke folgen ihnen nach In dankbarer Andacht sei in dieser Stunde an das liebe und traute Schulhaus als Stätte der Arbeit und der Feier zu denken. Dank gebühre bei diesem Abschied auch dem großen Menschenhüter, der dieses Haus allezeit beschützt und es zu einer Stätte reichen Segens für die Gemeinde habe werden lassen. Mit der Bitte an Gott um seinen Segen bei diesem Aus- und Eingang nahm der Schulleiter namens der Schule Abschied von dem alten Schulhaus. Nach einem Gedichtvortrag der Schülerin Hildegard Keßler und dem gemeinsamen Gesang der Schulkinder „Unseren Ausgang segne Gott" folgte der Abmarsch zur neuen Schule. Mit feierlichem Glockengeläute grüßte die Kirche den Zug der Kinder und der übrigen Marschierenden beim Betreten des neuen Schulhofes. Hier gruppierten sich die Festzugsteilnehmer und die vielen Gemeindeglieder in großem Halbkeis vor dem Eingang des neuen Schulhauses, Oie Einweihung der neuen Schule begann mit einem Musikstück der Standartenkapells 222. Nach dem Choralgesang der Kinder des 3. bis 7 Schuljahres „Großer Gott wir loben dich" hielt der jetzige Ortsgeistliche Pfarrer G e r m e r die erste Ansprache. Er wies zunächst aus die reiche Kenntnis der Ortsgeschichte und der Geschichte von Kirche und Schule hin, die Großen-Linden seinem Amts- Vorgänger Pfarrer Schulte verdanke, dem dafür der herzliche Dank der Gemeinde gebühre. Sodann prach er der Schule die Glückwünsche der Kirche zu diesem schönen Schulhausbau aus und betonte dann die gemeinsame große und heilige Aufgabe, die Schule und Kirche im Dritten Reich zu erfüllen haben: die Aufgabe der Erziehung einer guten deutschen Jugend. Zu dieser schweren und oerant- wortungsvollen Aufgabe habe unser Glaube immer wieder neue Kraft und neue Wege, der Glaube an die Vatergüte unseres Gottes, der unserem deutschen Volke deutsche Art gegeben, die wir lieben, an der wir hängen, der Glaube an die Vater güte Gottes, der unser Volk wunderbare Wege geführt hat« Der 2L/22. April 1934 stehl im Zeichen der Kirschblüte! An diesen Tagen sammelt die deutsche Jugend für ihre Heimstätten. Die deutsche Jugend will wandern. Schenkt ihr Sonne und Frohsinn durch Euren Beitrag. ür die wir nicht dankbar genug fein können, der uns den Heiland Jesu Christi als vollkommensten Erzieher für Jung und Alt geschenkt hat. Mit herzlichsten Wünschen für die Erziehungsarbeit in der neuen Schule schloß der Redner seine eindrucksvollen Worte. Bürgermeister Lang begrüßte als Sprecher der Stadt Großen-Linden zunächst den Vertreter des Kreisamtes Oberregierungsrat Dr. S ch ö n h a l s, den Vertreter des Kreisschulamts Kreisschulrat Dr. Weigand und den Vertreter des NS.-Lehrerbun- des des Kreises Gießen, Kreisschulrat Nebeling. Er gab sodann einen kurzen Ueberblick über die Geschichte des Schulhausbaues und die damit verbundenen Schwierigkeiten und Sorgen unter der Herrschaft des früheren Systems. Sodann hob er den wiedererwachten Glauben an die deutsche Zukunft durch den Sieg der nationalsozialistischen Revolu- Hon hervor, der auch in Groß-Linden den Mut wieder belebt habe und die Ueberzeugung schuf, daß der unter dem Führer Adolf Hitler begonnene Aufschwung sich fortsetzt und damit der Stadt die Möglichkeit gibt, allen ihren Verpflichtungen aus diesem Bau nachzukommen. Der Redner sprach hierauf allen Schaffern an dem Bau den herzlichen Dank der Gemeinde aus, wünschte dem Geist der strengen Pflichterfüllung gegenüber Staat und Volk eine gute Heimstatt in dem neuen Schulhause, segensreiche Erziehungsarbeit der Lehrerschaft an der ihr anvertrauten Jugend im Geiste des Dritten Reiches und huldigte zum Schluß dem Feldmar- schall und Reichspräsidenten von Hindenburg und dem siegreichen Führer und Volkskanzler Adolf Hitler mit dreimaligem, von der großen Menschenmenge begeistert aufgenommenem „Sieg-Heil!" Der Leiter des hessischen Schulwesens, Ministerialrat Ringshausen, der mittlerweile eingetroffen war, hielt sodann eine längere Ansprache, in der er den Einzug in das neue Schulhaus in Verbindung brachte mit dem Einzug eines neuen Geistes in unser Volk und Vaterland. Er begrüßte den Willen der Stadt Großen-Linden, im gleichen Schritt und Tritt mit unserem Führer Adolf Hitler in die Zukunft zu marschieren. Dabei müsse alles Gute aus der Vergangenheit mit hinübergenommen werden in eine bessere Zeit, aller Unwert und alles Schlechte aber zurückgelassen werden. Die Uneinigkeit und Zerklüftung unseres Volkes müsse der Einheit und Geschlossenheit Platz machen,, das frühere Bekämpfen aller Volksgenossen müsse durch Gemeinschaft und treues Zusammenhalten ersetzt werden, der internationale Wahn der Vergangenheit sei durch das rückhaltlose Bekenntnis zum deutschen Vaterland und dem deutschen Geist zu ersetzen der frühere Unglauben durch den Glauben an Volt und Vaterland, an Heimat, an Blut und Gott, die materielle Gesinnung sei zu verdrängen durch das Bekenntnis zu den hohen Idealen von Volk unh Vaterland, zum Leben unseres Volkes. Der Redner forderte sodann auf, in Fleiß und Arbeit und mit dem Willen zur Tdt, mit dem Glauben an das eigene Volk, an die eigene Kraft das Leben zu gestalten, dabei aber auch die Großtaten des heldischen Geistes in unserem Volke nicht zu vergessen und sich immer vor Augen zu halten, daß nur ein Volk, das stets bereit sei seine Ehre zu wahren, sich in der Welt behaupten könne. Weiter betonte der Redner, daß Einheit und Geschlossenheit nur auf der Grundlage der sozialen Gerechtigkeit möglich seien, die er als eine vordringliche Aufgabe für die deutsche Zukunft bezeichnete. Gerechtigkeit gegenüber der Arbeit und gegenüber dem Manne der Arböit und der Tat sei der Grund und Boden unserer Kraft der Zukunft. In diesem Geiste müsse unsere Jugend zu Persönlichkeiten der Tat erzogen werden. Das neue Schulhaus möge eine Stätte fein, an der die Jugenderziehung als hohe Aufgabe beim Wiederaufbau unserer Nation betrachtet wird, nicht im formalen Abwickeln der Dinge wie früher, sondern im Gestalten von charaktervollen Persönlichkeiten aus dem nationalsozialistischen Geiste heraus nach der großen Parole: Ich diene meinem Volke! Mit diesem Wunsche überreichte der Redner den Schlüssel zu dem neuen Schulhaus dem Schulleiter Rektor Siegfried, zugleich mit der Erwartung, die hohe Aufgabe in der Schule immer unter das Gelöbnis zu Volk und Vaterland zu stellen nach dem Wort: Ich grüße meinen Führer und das Doll. Heil Hitler! Begeistert stimmte die Menschenmenge dem Redner zu. Der Schulleiter, Rektor Siegfried» begrüß« Hauptversammlung der Heimatvereinigung Gchiffenberg. SchvlhausEiniveihung in Großen-Linden «Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.) ■£s ’m®- Je gediel Sw :.y» ! Dölkau . als die legte, als !. Sugenb। ( nale, W ■ feiten ve • weise au die 2dee den auc Aedner Zufamin bezei-H"! einöru-ksi -er naho. gthisoerni i bungjoü o unö W ii in dessen g dem neue ii schloß der ! Msall a I ließ m 1 | scheu 2u 1 'Nach . Mim i Schall ! Veiga «Wünsche i und für ! Dritten 3 i druck. D 1 freudig । ! Leiter d ! Dings Ms Di ß ßen, fpra 0 liche War | zugleich, 1 ü da; Wir! u unter den ö gäbe an [ Mion zi B deren he j hende Lic üfennfni? 8 Anschließe »Ilordliedes gelungen. Der ®i 3 von Musil ü durch eim n noch einer Sodann Nag [ Der G llbreitefte lÄos in bi' »er Einh «Unserer G j »auch in l M bleib ll reiches P Weitet i Mittag. 3 ' Hör den 2 il Wie dann ie öchen Rude i Anspi Führer de Un JJnqen die Klcin; ÖMenheu I »loggen t J3m An Wten Räui mir die ^urch mu 7/ Führe. ^Ikiach.) ^genden's e« ^JBereir Wache. Dj iS? bedach Rönnen, “1 -^eutfd M lot se Mz fcr®, fern <,er d Hn Ä m. Ulli MR sich: Ä Ste »sj M herzlichen Worten der Freude zunächst die Fer- W tgstellung des neuen Schulgebäudes, dankte sodann '• bis ii Namen der Schule den Körperschaften der Ge- M» neinde, insbesondere Bürgermeister Lang und dm Gemeinderat, weiter dem Baumeister, den jN- Handwerkern und allen Bauleuten für das schöne Sie Terk. Er feierte die Weihe dieses Schulhaufes als einen bedeutsamen Wendepunkt in der Entwicklung M be örtlichen Schulwesens, gab seiner Freude über Mi,, dir gediegene Ausstattung aller Räume Ausdruck Mlh; irb begrüßte die nunmehr vorhandenen Möglichkei- tei zur mannigfachsten Entfaltung aller Kräfte der Wt, Schularbeit. Er sprach dann über die Aufgaben der 'Billen Dilksschularbeit, die er in eingehender Schilderung 9uten als die Grundlage der gesamten Volksbildung dar- erailj, leite, als deren obersten Hiel er die Erziehung der Wmet I gend zur Volksgemeinschaft, die wahrhaft natio- lbe an ruile, soziale und religiöse Bildung von Persönlich- beut. feien bezeichnete. Im Dritten Reich sei erfreulicheren, toije auch in der Schule ein neuer Geist eingezogen, e (Bot. hi" Ideale des nationalsozialistischen Staates wür- rt HH bn auch in der Schule verwirklicht werden. Der jRbner würdigte weiter die große Bedeutung der A sammenarbeit von Elternhaus und Schule, und bigeichnete die christliche Familie als den rechten Mhrboden für die Arbeit der Schule. Mit einem ei.drucksvollen Bekenntnis zu den hohen Zielen br nationalsozialistischen Weltanschauung und deren Aswertung in der Schule und in der Jugendbil- tmg, sowie mit einer Huldigung für den Retter wD Einiger des deutschen Volkes^ Adolf Hitler, in dessen Geist die Werke der Jugenderziehung in dem neuen Schulhaus vollbracht werden würden, schoß der Redner seine eindrucksvollen, mit starkem Bifall aufgenommenen Worte, die er ausklingen tiifl in den Ruf: Heil Deutschland, Heil der deut- fd-n Jugend, Heil Hitler! Nach einem Gesangsvortrag des Gesangvereins „Harmonie" unter Leitung von Chormeister Sch ä t t l e r (Gießen) brachte Kreisschulrat Dr. W« i g a n d vom Kreisschulamt Gießen herzliche Dünsche zur Einweihung des neuen Schulhauses urD für die weitere Schularbeit im Geiste des D: tten Reiches in den neuen Räumen zum Ausdruck. Der Redner schloß seine Ansprache mit frubig aufgenommenen Sieg-Heil-Rufen auf den Kdter des hessischen Schulwesens, Ministerialrat R ngshausen. l Äls Vertreter des NS.-Lehrerbundes, Kreis Gie- * ße, sprach sodann Kreisschulrat N e b e l i n g herz- ■ . lide Worte des Glückwunsches und der Ermahnung jL KrUeich, die Arbeit der Schule an der Jugend und ' J* bc Wirken aller deutscher Volksgenossen immer urrr den großen Gesichtspunkt der völligen Hinge e an Volk und Heimat, an Vaterland und Mi4ion zu stellen, eine Jugend heranzubilden, in ien, «t |)e=n Herzen nichts anderes lebendig ist als glü- Mnstti |,(ibe Liebe zu unserem Deutschland und das Be- «t heiz- feintnis Deutschland über alles! (Starker Beifall.) .in dki llt chließend wurden die ersten Verse des Deutsch- isMei loiDliedes und des Horst-Westel-Liedes gemeinsam je'mgen. cher du >er Gesangverein „Germania" unter Leitung eter bt$ oo Musiklehrer Blaß verschönte hierauf die Feier nholi, du:ch einen Chorvortrag, anschließend hörte man Irat h. 110:3 einen Sprechchor der Schüler und Schülerinnen, hrerbur- Sodann wurde das neue Schulhaus der Besichti- >elinA gung durch die Bevölkerung freigegeben. Bei einem Rundgang durch das große Gebäude konnte man die Feststellung machen, daß hier ein nach jeder Richtung hin vorbildliches, prächtig eingerichtetes Schulhaus geschaffen worden ist, zu dem man der Stadt Großen-Linden die vollste Anerkennung aussprechen kann. Oberheffen. Eisenbahnunfall auf der Strecke Nidda-Schotien. Frankfurt a. 21L, 16. April. (DNV. Draht- Meldung.) Am Sonntagabend um 18.20 Uhr entgleiste, wie die Reichsbahndirektion mitteilt, auf der eingleisigen Nebenbahn Nidda-Schotten (zwischen Kohden und Unter-Schmitten) von einem nach Nidda fahrenden Zug die Lokomotive und Güterwagen. Die Lokomotive entgleiste mit der Vorderachse und rutschte auf die etwa einen halben Bieter tiefer liegende Provin- zialstrahe und zog den Güterwagen nach. Der Packwagen und die Personenwagen blieben stehen. Reisende wurden nicht verletzt, sie wurden mit einem Ersahzug nach Nidda weiterbefördert. Die Urfache der Entgleisung ist vermutlich darin zu suchen, daß an zwei Stellen Steine auf das dicht an der Provinzialstraße vorbeitaufende Gelels gelegt worden waren. Landkrcis (Suiten b Trohe, 14. April. Am Freitagabend fand in der Wirtschaft von Karl Schwarz Wwe. eine öffentliche Werbeversammlung der Ortsgruppe Alten- Buseck des Reichsluftschutzbundes statt. Nach Begrüßung der zahlreich Erschienenen durch den örtlichen Gruppenleiter Rau hielt der Leiter der Ortsgruppe, Dr. Haas- Alten-Buseck, einen längeren Vortrag über die Bedeutung des Luftschutzes. Seine Ausführungen behandelten in eingehender Weife Entwicklung des Flugwesens, Luftrüstung der europäischen Staaten, die verschiedensten Arten der Brand- und Gasbomben und in der Hauptsache die erforderlichen Maßnahmen des Luftschutzes. Der sehr interessante Vortrag fand große Aufmerksamkeit und Zustimmung und bewirkte den Beitritt einer Anzahl neuer Mitglieder zum Reichsluftschutzbund. Mit Dankesworten an den Redner und mit der Aufforderung an die noch Abseitsstehenden zum alsbaldigen Beitritt schloß der örtliche Leiter Rau die Versammlung. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. ± Grünberg, 14. April Hier fand die O st e r- konferenz der evangelischen Pfarrer des Dekanats Grünberg statt. Die Eröff- nungsandacht hielt Pfarrer König, Groß-Eichen. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten hielt Pfarrer A l t, Nieder-Ohmen, einen Vortrag über die Christianisierung der Germanen. Der Probst der Probstei Oberhessen, Probst Knodt, wohnte der Konferenz -bei. SJL-tfpoit ieg-Ml a Klängen des Horst-Wessel-Liedes i! nkreuzfahnen gehißt. Gleichzeitig gingen die blecht unseres Volkes werde so unsterblich sein 3-n Anschluß an die Flaggenhissung wurden in i Räumen der einzelnen Vereine Gedenkfeiern : die Gefallenen des Weltkrieges abgehalten. Sier Gießener Rudersport trat gestern an die leMefte Öffentlichkeit. Das „Deutsche Anrudern", es in diesem Jahre in nationalsozialistischem Geiste er Einheit stattsand, vereinigte die Rudervereine i.n1 rer Stadt zu einer großen Veranstaltung, die 11t in der Erinnerung in späteren Jahren leben- ig bleiben wird. Der Tag brachte ein umfangenes Programm. Der festliche Tag wurde ein- ! eiltet durch die feierliche Flaggenhissung am Vor- Großer Tag der Gießener Ruderer. Naggenhiffung.— Gefallerren-Gedenkfeier.— Werbemarsch. — Anrudern MM egmM Stabt bit igen an- lach W zerM Zeist de und U' hullM schäft fi s Dritte ' Feldm 1 enbui iler Abb en M' , dieTk- verbuu- er -en- । er Öen Zutun!! ReoA ! Trainings Verpflichtung der, aktiven Ruderer vorgenommen. Die einzelnen Mannschaften nahmen im Halbkreis vor der Bootshalle Aufstellung. Zu dieser Feier waren Vertreter der Partei, der SS. und SA., der Stadt und der Schulen erschienen. Der Leiter des Instituts für Leibesübungen an der Universität, • Or. Möckelmann hielt die Ansprache. Es sei ein alter Brauch bei den Ruderern, so führte er u. a. aus, daß, wenn im Frühling die Sonne locke, die Boote auf das Wasser gebracht und das Anrudern abgehalten werde. An die Rudersaison 1934 knüpfe man allgemein und besonders in Gießen große Erwartungen. Im neuen Staat komme es nicht mehr nur auf den Körper an, sondern vielmehr auf den ganzen Menschen. Es werde nicht Sport um des Sportes willen getrieben, sondern um der Aufrichtung der Persönlichkeit eines jeden einzelnen willen. Andererseits aber stehe nicht der einzelne im Vordergrund, sondern die Mannschaft. Das sei den Ruderern nichts ungewohntes, denn jeder Ruderer wisse, daß nur durch eine einheitliche Mannschaft und ausgesprochenen Mannschaftsgeist der Sieg errungen werden könne. Jeder Ruderer aber müsse hart und streng im Training stehen. Der Tag des deutschen Ruderers bedeute einen Appell, sich ein= zugliedern in diese harte Gemeinschaft. Alle Arbeit aber solle dazu beitragen, Persönlichkeiten zu schaffen auf die sich der Führer verlassen könne. Besonderes Augenmerk sei auf die Olympiade 1936 gerichtet. Es sei zu hoffen, daß die Gießener Ruderer, die für 1936 ihre schwersten Kämpfe zu bestehen haben werden, ihrem Verein, der Stadt und wenn es sein solle, dem ganzen deutschen Vaterland Ehre machen. Als Vertreter der Stadt nahm sodann der Beigeordnete pg. Bartholomäus! das Wort. Er wies darauf hin, daß dieses gemeinsame Anrudern ein Ausdruck des nationalsozialistischen Geistes sei. Einigkeit alleinfichere die Höchstleistung. Der Nationalsozialismus habe sich diese Einigung zugunsten der Leistung zum obersten Gebot gemacht. Nur dadurch werde auf der Olympiade 1936 etwas zu erreichen fein. In seinen weiteren Ausführungen wies der Redner noch darauf hin, daß in Gießen eine weitere Einigung im Rudersport über die bestehende Trainingsgemeinschaft hinaus wünschenswert sei. Nachdem Herr Michel (Stadttheater) in vollendeter Weise ein Poem zur feierlichen Verpflichtung zum Vortrag gebracht hatte (der von den Mannschaften zum Teil im Sprechchor nachgesprochen wurde), fand die eigentliche Verpflichtung statt. Die Ruderer reichten ihren Führern die Hand und verpflichteten sich unter gleichzeitiger Berührung der Flagge des Vereins zum strengen Training. Dann wurden auf den verschiedenen Bootsplätzen die Boote zu Wasser gebracht und in einer großen eindrucksvollen Auffahrt die Rudersaison offiziell eröffnet. Schließlich wurden zur Vervollständigung des Programms des Tages noch einige Kurzstreckenrennen durchgeführt. fr andächtiger Stille wurden die einzelnen Fei- v. t mit dem Liede vom guten Kameraden be- gen.^lfi oien. sei", 3,yen elf Uhr sammelten sich die Mannschaften t iB) tiie Mitglieder der drei Vereinigungen in der d, Vttishausstraße. Es galt, einen Werbemarsch her, ttiud die Straßen unserer Stadt durchzuführen. Di Beteiligung an dieser Werbeaktion war sehr herauf Unter den Klängen schneidiger Märsche be- 0^', nact sich der Zug durch die Straßen und wurde 5eii % nik veachtet. Zwischen geschmückten Riemen wur- eiier h e- »ie Fahnen der Vereine und die Flagge des .«MTütchen Ruderverbandes vorausgetragen. ittPM Nachmittag sah die Gemeinde der Ruderer , UneiW: j r ulc vcp xweim.icyc» uvycyuntu. e her & «! uch musikalische Darbietungen, die dem Charakter as friw [ Feier entsprachen, bekamen die Heldenehrungen h Gerak jjjre besondere Note. Beim Verein Rudersport hielt werde jj r F^hker, Herr Levermann, die Gedächtnis- enheit ' ter des Vereins und der 5000 Ruderer, die ihr <ßOlt te bin gegeben hatten. Die Feier beim Ruderklub SteWfoiifitt nahm ebenfalls einen würdigen Verlauf. H und i Mc Bereinsführer Herr S ch ü ß l e r hielt die An- n an s suche. Die Gießener Rudergesellschaft hatte für L xu ■ i w Gedächtnisfeier Herrn Prof. Dr. H o r n e f f e r , citormnen, der seinen Ausführungen das Wort: M i .Deutschlands Fahnen wehn in Gottes Wmd, ? n Selig die, die tapfren Herzens sind!" l rMusstellte. Er schilderte in ergreifender Weise f Xfde 8 ’ öte Wesen der zwei Millionen Toten, die für uns '. nur ü ritch! tot seien, sondern ewig leben werden. Kein Atä lecht unseres Volkes werde so unsterblich sein el,\ M Mit -ene! Ihre Tapferkeit werde die Tapferkeit un- aesi lter Geschlechter immer wieder neu entfachen! t Ä l^cheer der Gefallenen werde uns Jahrhunderte ^r.Jr Jahrtausende hindurch begleiten! )gn ü__- eutx» wutrXon ht» otmefnen ivei- Ln k Handball-Großkämpfe auf GießenerSpielfeldern Lm die HandballGaumeisterschast lufpo. 86/09 Kassel — Tv. Wetzlar 5:10 (3:3). Heller, warmer Sonnenschein lag über dem Universitätssportplatz, als sich die beiden Gruppen- meister des Gaues XII im dritten Spiel um die Meisterschaft in folgender Aufstellung gegenübertraten: Kassel: Amrhein; Riemenschneider, Schmidt; Mende, Trinkaus, Brach; Deist, Wicke, Reisinq K., Reifing B., Waldeck. Wetzlar: Longwitz; Krämer, Bärwinkel; Müller, Reg, Pausch; Frohmer, Wagner, Dehn- hardt, Böhm, Nold. Das Spiel begann sehr lebhaft und wechselvoll. Es aing aufs Ganze. Der Wetzlarer Sturm, der verschiedene Male schön durchbrach, dränate energisch. Als dann Wetzlars Wurfkanone Nold im Strafraum den Ball erhielt, fetzte er ihn unhaltbar flach ins Netz. Nach dem Anstoß versuchten die Leute aus Kassel durch weite Schüsse zum Erfolg zu kommen. Wieder rollte ein Ansturm der flinken Wetzlarer zum Tor, und Dehnhardt erhöhte auf 2:0. Jetzt drehten auch die Gegner auf. Wetzlars Verteidigung spielte hart aber vorteilhaft. Schließlich gelang dem Kafseler Stürmer Reifing ein schöner Drehwurf, den auch die Parade des Wetzlarer Torhüters nicht halten konnte. Immer härter wurde das Spiel. Wieder steht Kassel vor dchn Tor, um durch einen Prachtschuß des Mittelstürmers gleichzuziehen. Wetzlars Stürmer überraschen durch schönes Zuspiel und sicheres vorteilhaftes Aufrücken. Jetzt hatten sie verschiedentlich Pech: Nold knallte nacheinander zwei Prachtwürfe an die Latte. Der Schiedsrichter, der übrigens ausgezeichnet leitete, mußte in der Folge öfters eingreifen, da das Spiel zusehends härter wurde. Nachdem es Kassel gelang, mit 3:2 in Führung zu gehen, zog Wetzlar kurz vor Schluß der ersten Halbzeit wieder gleich. Nach Beginn der zweiten Spielhälfte ging der Kampf erbittert weiter. Beide Mannschaften rangen hart um den Ball. Wieder krönten Wetzlars Rothemden einen schnellen Vorstoß durch einen unhaltbaren Torwurf. Es hagelt Strafwürfe. Dann wurde die Ueberlegenheit der Roten drückend. Während die Kasseler vor dem Tor durch schlechtes Freispielen nicht zum Erfolg kamen, warf Wetzlars Sturm, der sich in allen Teilen gut versteht, Tor um Tor. In überflüssiger Weise „glänzte" ein Verteidiger Kassels durch geschicktes Beinstellen, doch der Unparteiische sah es und stellte ihn heraus. Sicher erhöhten die .Wetzlarer auf 10:4, bis es einem gegnerischen Stürmer gelang, einen unerwarteten Rückhanddrehwurf ins Netz zu bringen. So wurde Wetzlar 10:5 Meister des Gaues XU. Man darf darauf gespannt fein, wie sich die Mannschaft in den Kämpfen um die Deutsche Meister* schäft schlagen wird. 1900 schlägt <5fabtfporfvereitt Frankfurt 8:7 (4:4). Ihrer Tradition, gegen ausgezeichnete Gegner gute Spiele zu liefern, blieben 1900s Handballer auch am Samstag treu. Man sah ein schönes Kampfspiel, das auch in technischer Hinsicht auf hoher Stufe stand. Der Stadtsportverein Frankfurt hatte eine Mannschaft von Format zur Stelle. 1900 trat an mit Enders. Birkenstock, Funke; Hoffmann^ Cremers, Mann; Betz, Krüger, Steines, Schüler, Herbert. Das Spiel begann mit forschen Angriffen der körperlich ausgezeichnet disponierten Frankfurter. Die 1900er kamen kaum zum Zug, insbesondere fand sich die Hintermannschaft sehr schlecht. Es waren keine zehn Minuten vergangen, und der Stadtsportverein lag 3:0 in Führung. Die Tore waren Prachtwürfe des ausgezeichneten Mittelstürmers Acker. Von nun an legten sich die Einheimischen besser ins Zeug. In der Läuferreihe wurde besser zerstört und auch aufgebaut. Dadurch gewann natürlich auch her Sturm an Gefährlichkeit, und wieder einmal mehr war Krüger als Torschütze erfolgreich. Er erzielte drei Tore. Inzwischen hatte aber Acker den 1900er-Hüter ein viertesmal überwunden. Da erzielte Steines durch schönen Rückhandwurf kurz vor der Pause den Ausgleich. Nach dem Wechsel versuchten beide Parteien in Front zu kommen. Das aetang zunächst den 1900ern, aber wiederum glich Acker aus. Das wiederholte sich kurz darauf Dann wurden die Spielvereinigungsleute tonangebend. Wiederum Krüger und schließlich Schüler erhöhten auf 8:6. Zwei weitere Tore wurden wegen Abseits nicht gegeben. Den Frankfurtern brachte schließlich der unverdrossene Kampfeswille ein siebentes Tor ein. Damit war ein wirkliches Werbespiel für den Handball zu Ende. 1900 fomb. — Tv. Heuchelheim I 7:2 (4:1). Die rührigen 1900er Handballer hatten am Sonntag die erste Mannschaft des Tv. Heuchelheim zu Gast. Auch hier entwickelte sich ein schöner und spannender Kampf. Leider hatten die Gäste nur zehn Mann zur Stelle, sie zeigten aber trotzdem ein ansprechendes und flottes Spiel. Die 1900er hatten eine recht glückliche Kombination herausgebracht und waren jederzeit tonangebend. Bei Halbzeit stand die Partie 4:1 für die Blauweißen, das Schlußrefultat lautete 7:2 zu ihren Gunsten. 110-Kilometer-Gtraßenrennen der unbekannten Radfahrer. Vorzügliche Leistungen der Fahrer in beiden Klaffen. Der Bezirk Gießen im Gan XII Nord- Hessen des Deutschen R a d f a h r e r v erbau d e s führte am gestrigen Sonntag die Suche nach dem unbekannten Straßenfahrer mit einem Rennen über 110 Kilometer durch. Gefahren wurde in zwei Klassen, und zwar in der Klasse für Rennmaschinen und der Klasse der Tourenfahrer. Für die Klasse I (Rennmaschinen) hatten 15 Fahrer gemeldet, 12 waren am Start erschienen, 7 Fahrer passierten das Ziel. In der Klasse der Fahrer mit Tourenrädern waren 14 gemeldet, am Start erschienen jedoch nur 8 Teilnehmer und das Ziel konnte nur von 3 Fahrern passiert werden. Für den Wettbewerb herrschte ein recht gutes Rennwetter, stellenweise waren allerdings nasse und schwierige Straßen zu passieren, teilweise herrschte leichter Gegenwind, der die Aufgabe erschwerte. Das Rennen verlief ohne Unfall und nahm einen glatten Verlauf. Die Ergebnisse: Klasse I, Rennmaschinen: 1. Jos. Wilh. Becker (Gransberg i. T.) 3:34,30 Stunden; 2. Carl Horn (Steinbach) 3:36,10; 3. Otto Frank (Ruppertenrod) 3:51,10; 4. Roth (Gransberg) 3:55,22; 5. Lecke (Wölfersheim) 3:58,12; 6. Rink (Hattenrod) 4:00,05; 7. Höbet 2. (Wetzlar-Nieder-Girmes) 4:09,20 Stunden. Klaffe II, Tourenräder: 1. Friedr. Steinmetz (Marburg) 3:41,28 Stunden; 2. Erich Sommer (Gießen) 3:49,31; 3. Herbert Hofmann (Gießen) 4:30 Stunden. Die Strecke führte hie Fahrer von her Karlsruhe aus über Lollar nach Grünberg und von Gründer g nach Gießen zurück. Oer Verlauf der Vennm. In der Klaffe I fuhren nach her ersten Rund» her zweimal zurückzulegenben Strecke noch sieben Mann. Während der zweiten Runde fonberten sich hie drei ersten immer mehr ab unb her Sieger führte kurz vor Grünberg in der Steigung hie Entscheidung herbei. Die verschiedenen Steigungen sprengten das Feld immer mehr auseinander. Nachdem die fünf schwächeren Fahrer nach unb nach aufgegeben hatten, strebten die übrigen in rascher Fahrt dem Ziele zu. Becker siegte jedoch unangefochten. In der Klass e II bildete sich nach etwa 20 Kilometer eine Spitzengruppe von vier Mann, hinter der, etwa acht bis neun Minuten zurück, drei weitere Fahrer folgten. Die Spitzengruppe beendete die erste Runde geschlossen in 1:57 Stunden. In der zweiten Runde schmolz das Feld auf drei Mann zusammen- Bei Grünberg führte Steinmetz, der bis dahin noch Sommer vor sich hatte, die Entscheidung herbei, da er die Steigungen leichter nahm und nicht zuletzt dadurch unangefochten siegen konnte. Arbeiter, Kaufleute und Studenten, hie sich zu diesem Rennen gemeldet hatten, haben ihr erstes Straßenrennen beendet! Der Deutsche Radfahrerverband wird die Besten in seine Reihen aufnehmen und betreuen lassen. Wenn auch nicht jeder au den Olympiakämpfen teilnehmen kann, so können sie doch das Bewußtsein in sich tragen, etwas für Deutschland getan zu haben. Das Rennen selbst wurde auf der Strecke unb am Ziel sehr viel beachtet. Um die Deutsche Fußballmeisterschaft. Die Ergebnisse. Gruppe Südwesi: in Stuttgart: Union Bückingen — SV. Waldhof 2:4 (1:2), in Köln: Mühlheimer SV. — Offenbacher Kickers 4:4 (2:2). Gruppe Mitte: in Dresden: Dresdner SE. — Wacker 5)aUe 7:2 (3:2); in Fulda: Borussia Fulda — 1. FE. Nürnberg 1:2 (1:1). Gruppe Ost: in Berlin: Viktoria 89 Berlin — Viktoria Stolp 4:2 (1:0); in Danzig: Preußen Danzig — Beuchen 09 1:4 (0:2). . Gruppe Nordwest: in Dortmund: Schalke 04 — TV. Eimsbüttel 4:1 (1:1); in Hannover: Werder Bremen — VfL. Benrath 2:2 (1:1). * 118 000 Zuschauer wohnten am Sonntag insgesamt den acht Spielen der zweiten Endspiel- runde zur Deutschen Fußballmeisterschaft bei. (Menriede-Iienuen vor 80000 Zuschauern. Die deutsche Motorradsaison wurde am Samstag mit dem 11. internationalen Eilenriede-Rennen bei Hannover eröffnet. Im Mittelpunkt des ersten Tages stand das Rennen der Klasse bis 250 ccm, bas mit einem Siege des Ehemnitzers Walfried Winkler auf der neuen DKW.-Konstruktion endete. Winkker benötigte für die 200 km lange Strecke 2 :05 :37,4 (95,6 Stdkrn.). Kahrmann- Fulda, S a n d r i - Bologna tarnen auf den nächsten Plätzen ein. Bauhofer der Sieger des zweiten Tages. Auch der zweite Tag des 11. internationalen Eilen- riede-Rennens bei Hannover gestaltete sich zu einem großen Erfolge. 80 000 Zuschauer umsäumten die 4 km lange Rundstrecke, auf der sich die Teilnehmer aller Klassen erbitterte Kämpfe lieferten^ In der Klasse der 350er Maschinen schaffte der Sieger, Klein- Frankfurt, auf Norton mit 973 Stdkrn. neuen Rekord und bei den Halblitermaschinen fuhr B a u h o f e r nicht nur zum vierten Male den Sieg heraus, sondern brachte es mit 103,8 Stdkrn. auf der Eilenriede zum ersten Male über die 100- km-Grenze. Eine Enttäuschung waren die Ausländer. Leider ereignete sich auch ein Todessturz. Der Berliner Willy Protzig raste in einer 8-Kurve in voller Fahrt gegen einen Baum unb war auf der Stelle tot. Zielflug von Wiegmeier über 80 km. Der durch feine Thermiksegelflüge in den letzten Wochen bekannt gewordene Pilot Wiegmeier vom Forschungsinstitut für Segelflug ließ sich dieser Tage auf dem „Präsident", einer Konstruktion von Lippisch, über dem Griesheimer Platz Hochschleppen, gewann nach dem Ausklinken ständig an Höhe unb verschwand bald nach Norden. Am andern Morgen traf die Nachricht ein, daß Wiegmeier bei Braunfels im Lahntal, seinem Heimatört, gelandet seü Die Flugstrecke beträgt etwa 80 Kilometer. Der Hervoragende Pilot ist also, wie er bei seinem Start angekündigt hatte, tatsächlich „mal ein bißchen heimgeflogen". Die geschickte Ausnutzung der Warmluftströmungen und Wolk:nwinde eröffnet also, wie man sieht, ein ganz neues Gebiet einer Art Segelflugtouristik, bei der man mit einiger Bestimmtheit den vorgenommenen Zielort erreichen kann. Sie Milderung der Abgabe zurArbeitslosenhilse. Oie neuen Durchführungsbestimmungen. — Niedrigere Steuersätze, veränderte Zahlungsweise usw. Don Wirtschaftsprüfer und Steuersyndikus Dr. jur. et rer. pol. Brenner, Berlin. Bei der Einbehaltung und Abführung der Ab« gäbe zur Arbeitslosenhilfe für die Zeit seit dem 1. April d. I. hat der Arbeitgeber die neuen Befreiungen, niedrigeren Steuersätze usw. zu beachten. Zu berücksichtigen ist vor allem die auf der Steuerkarte verzeichnete Kinderzahl; Hausgehilfinnen bleiben außer Betracht. Die Abgabe ist in jedem Falle an das Finanzamt (Finanzkasse), nicht mehr an die Krankenkasse zu entrichten. Was im einzelnen zu beachten ist, ergibt sich aus den Durchführungsbestimmungen vom 26. März 1934. Die neuen Bestimmungen finden auf den Arbeitslohn Anwendung, der für einen in die Zeit vom 1. April 1934 bis 31. März 1935 fallenden Lohnzahlungs träum (Monat, Woche usw.) gezahlt wird. Liegt der Zeitraum z. T. vor dem 1. April, so wird die Abgabe lediglich nach den neuen Bestimmungen berechnet. Für einmalige Zuwendungen (z. B. Gratifikationen, Tantiemen usw.) gilt die neue Berechnungsweise bei tatsächlicher Auszahlung nach dem 31. März 1934, ohne Rücksicht darauf, für welchen Zeitraum die Zahlung erfolgt. Das gleiche gilt für Arbeitslöhne, die nicht für einen bestimmten Zeitraum gezahlt werden. Die abgabepflichtigen Arbeitnehmer. Die Abgabe ist vom Arbeitslohn der Arbeitnehmer einzubehalten, ohne Rücksicht darauf, ob sie im Inland unbeschränkt, oder mit dem Arbeitslohn beschränkt einkommensteuerpflichtig sind. Allgemein befreit sind Arbeitnehmer, deren Arbeitslohn 100 Mark monatlich (24 Mark wöchentlich), oder wenn ihnen Kinderermäßigungen für ein oder zwei Kinder zustehen, 500 Mark monatlich (120 Mark wöchentlich) nicht übersteigt. Bei Vorhandensein von drei oder mehr Kindern, für die Kinderermäßigungen gewährt werden, besteht Abgabefreiheit ohne Rücksicht auf die Höhe des Arbeitslohns. Die abgabepflichtigen Arbeitseinkünfte. Welche Bezüge des Arbeitnehmers als Arbeitslohn abgabepflichtig find, bestimmt sich, wie bei der Lohnsteuer, nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes. Eine für die Lohn- bzw. Einkommensteuer getroffene Entscheidung gilt auch für die Abgabe zur Arbeitslosenhilfe. Abgabefrei sind daher z. B. Dienstaufwandsentschä- d i g u n g e n, wenn sie nur in Höhe des nachgewiesenen Dienstaufwandes gewährt werden, oder die tatsächlichen Aufwendungen offenbar nicht übersteigen. Außerdem ist erforderlich, daß die Aufwandsentschädigungen als lohnsteuerfrei vom Finanzamt in voller Höhe anerkannt ist. Trifft dies nicht zu, so ist die ganze Aufwandsentschädigung abgabepflichtig. Wäbrend in derartigen Fällen für die Lohnsteuer die Möglichkeit besteht, die betreffenden Ausgaben als Werbungskosten durch Antrag auf Erhöhung der steuerfreien Lohnbeträqe geltend zu machen, ist dies bei der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe ausgeschlossen, da Werbungskosten hier nicht absetzbar sind (vgl. unten). Barer Aus- lagenersatz — z. B. Reisekosten, Tagegelder, Entlohnungen in angemessenem Umfange — bleiben in jedem Falle außer Betracht. Ausdrücklich ausgenommen von der Abgabepflicht find Abbauentfchädigungen und sonstige Kapitalabfindungen, die dem Arbeitnehmer beim Ausscheiden gewährt werden. Die Berechnung der Abgabe. Die Berechnung der Abgabe erfolgt, wie bisher, vom rohen Arbeitslohn (Bruttoarbeitslohn), ohne daß die steuerfreien Lohnbeträge und sonstigen Beträge abgezogen werden dürfen; Werbungskosten, Sonderleistungen usw. werden also nicht — wie bei der Lohnsteuer — berücksichtigt. Die Abgabe wird, wie bisher, nach gestaffelten Steuersätzen berechnet, die für volle Monate, Wochen usw. festgelegt sind. Einmalige Zuwendungen, wie Gratifikationen usw., sind dem Lohnzahlungszeitraum zuzurechnen, in dem sie dem Arbeitnehmer zufließen; hierdurch ergeben sich u. U. wesentlich höhere Steuersätze. Wird der Arbeitslohn nicht für einen bestimmten Zeitraum gewährt, so beträgt die Abgabe stets 1 v. H., sofern nicht Befreiungen Platz greifen. ^ur Berechnung der Abgabe wird der Arbeitslohn zunächst abgerundet, und zwar bei Zahlung für volle Monate auf 5 Mark, für volle Wochen auf 1 Mark, für volle Arbeitstage auf einen durch 20 teilbaren Reichspfennigbetrag nach unten. Die Abgabe selbst ist auf volle Reichspfennig nach unten abzurunden, bei Abführung im Markenverfahren auf einen durch 5 teilbaren Reichspfennigbetrag. Die Höhe der Abgabe ist verschieden bestimmt, je nachdem, ob dem Steuerpflichtigen Kinderermäßigungen nach dem Einkommensteuergesetz zustehen, oder nicht. Kinderermäßigungen werden bekanntlich für zum Haushalt des Steuerpflichtigen zählende minderjährige Kinder gewährt, sofern sie nicht über 18 Jahre alt sind und Einkünfte aus unselbständiger oder selbständiger Arbeit (nicht auch aus Gewerbebetrieb) beziehen. Ob im übrigen Kinder vorhanden sind, bleibt belanglos. Bei der nachfolgenden Aufstellung sind daher nur Kinder berücksichtigt, für die Kinderer- Mäßigungen gewährt werden. 1. Die Abgabe bei Abgabepflichtigen ohne Kinder. Die Abgabe beträgt bei Abgabepflichtigen ohne Kinder bei Zahlung des Arbeitslohns für volle volle volle Monate Wochen Tage RM. RM. RM. bis 100 bis 24 bis 4 abgabefrei bis 150 bis 36 bis 6 1% v. H. bis 300 bis 72 bis 12 2V, v. H. bis 700 bis 168 bis 28 für die ersten 300 72 12 2Vt v. H. für Den Restbetrag 6% v. H. bis 3000 bis 720 bis 120 5% v. H. über 3000 über 720 Iber 120 6/ v. H. des rohen Arbeitslohns. 2. Bei Abgabepflichtigen mit 1 bis 2 Kindern. Die Abgabe beträgt bei Abgabepflichtigen mit 1 oder 2 Kindern bei Zahlung des Arbeitslohns für des rohen Arbeitslohnes. Wird neben den regelmäßig gezahlten Gehältern, Löhnen usw. ein Arbeitslohn gevolle volle volle Monate Wochen Tage RM. RM. RM. bis 500 bis 120 bis 20 abgabefrei bis 700 bis 168 bis 28 3 v. H. bis 3000 bis 720 bis 120 4 v. H. über 3000 über 720 über 120 5 v. H. zahlt, der durch den Arbeitsvertrag der Höhe nach b e st i m m t ist und sich auf mehrere regelmäßige Lohnzahlungzeiträume erstreckt (z. B. neben den Monatsgehältern vierteljährlich eine Ruhege- haitsentschädigung, so sind zur Berechnung des Steuersatzes — sowohl für die regelmäßigen, wie für die daneben gewährten Bezüge — die Arbeitslöhne zusammenzurechnen und auf die regelmäßigen Lohnzahlungszeiträume (z. B. Monate) zu verteilen. Erhält z. B. ein Angestellter 300 Mark monatlich und daneben eine Ruhegehaltsentschädigung von 150 Mark vierteljährlich, so sind zur Feststellung des Steuersatzes je 50 Mark den Monatsgehältern von 300 Mark = 350 Mark monatlich hinzuzurechnen. Die Abgabe beträgt für die ersten 300 Mk. 2% v.H. - 7,50 Mk. für die weiteren 50 Mk. 5% v. H. --- 2,87 „ zusammen monatlich 10,37 Mk. Bei Arbeitseinkünften, die den Gehaltskürzungsverordnungen unterliegen, beträgt die Abgabe stets 1% v.H. des rohen Arbeitslohns. Die Einbehaltung und Abführung feilens des Arbeitgebers. Der Arbeitgeber hat die Abgabe für Rechnung des Arbeitnehmers bei jeder Lohn- oder Gehaltszahlung einzube halten. Bezüglich der Kintz erzähl, nach der sich die Höhe der Abgabe rich. tet, find die Angaben auf der <5 teuer f arte maßgebend. Hausgehilfinnen bleiben außer Betracht. Hat der Arbeitnehmer die Steuerkarte nicht aus. gehändigt, fo ist er wie ein kinderloser Abgabe, pflichtiger zu behandeln. Die Abgabe ist irn Lohnkonto gesondert fort- lausend aufzuzeichnen. Sie ist wie die Lohnsteuer für Lohn- und Gehaltszahlungen in der Zeit vom 1. bis 15. jedes Kalendermonats am 20. dieses Mo- nats, für die zweite Monatshälfte am 5. des folgen» des Kalendermonats fällig. Die Abführung am 20. des Monats ist jedoch nur erforderlich, wenn gleich, zeitig einbehaltene Lohnfteuerbeträge abzuführen sind; andernfalls braucht die Zahlung erst am 5. des folgenden Kalendermonats mit zu erfolgen. Soweit die Abführung seitens des Arbeitgebers im Überweisungsverfahren geschieht, sind Lohnsteuer und Abgabe gesondert anzugeben. In den monatlichen Anmeldungen sind Lohnsteuer, Ehestandshilfe und Abgabe zur Arbeitslosenhilfe ebenfalls getrennt aufzuführen. Bei Entrichtung im Markenverfahren find für den Gesamtbetrag an Lohnsteuer die gewöhnlichen Steuermarken zu verwenden. Soweit die Abgabe nicht vom Arbeitgeber entrichtet ist, kann sie vom Arbeitnehmer im Wege der Veranlagung erhoben werden. Kunst und Wissenschaft. Jleue Intendanten bestätigt. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat Oberspielleiter Willy Hanke (bisher Stadttheater Dortmund) als Intendanten des Stadttheaters in Münster, und Robert Bürk- ner (bisher Frankfurt a. d. O.) als Intendanten des Stadttheaters in Lübeck bestätigt. Die Preisträger im Wandbild-Wettbewerb der Deutschen Arbeitsfront. Das Reichs-Preffe- und Propaganda-Amt der NSG. „Kraft durch Freude" teilt mit: Das Kulturamt der NSG. „Kraft durch Freude" gibt davon Kenntnis, daß das Preisgericht des Wettbewerbs der Deutschen Arbeitsfront um das b e ft e Wandbild feine Arbeit unter dem Vorsitz des Architekten Professor P. B o n a tz - Stuttgart beendet hat. Es gehörten dem Preisgericht außer dem Vorsitzenden an: Der Landesleiter Essen-Ruhr der Reichskammer der bildenden Künste Willi Kelter, Lehrer an der Kunstgewerbeschule Breslau Ludwig Peter Kowalski, Professor an den Vereinigten Staatsschulen Berlin Franz Lenk, Direktor Der Folkwang-Schule Essen Albert M a n k o f s, der Kunstmaler Wilhelm Philipp, Professor an der Kunstgewerbeschule Aachen Anton Wendling. Es waren 685 Arbeiten eingegangen, die den Bedingungen des Ausschreibens entsprachen. Die Auszeichnungen wurden mit Einstimmigkeit verliehen: 1. Preis, 1000 Mark, Professor Ludwig Gies, Berlin, 2. Preis, 800 Mark, Hans M o c z n a y , Friedrichsfelde, 3. Preis, 500 Mark, Horst de Marses, Braktin, Ostpreußen, 4. Preis, 400 Mark, Heinz Böhm, Berlin, 5. Preis, 300 Mark, Paul K ä l b e r e r, Glatt, Hohenzollern. Fünf weitere Preise von je 200 Mark erhielten: Herbert W e gehn u p t - Berlin, Hans S t ü b n e r - Berlin, Franz Karnemann - Düsseldorf, Hermann Kirchberger- Berlin, Willi T i z e - Lemsahl. Zehn weitere Preise von je 100 Mark erhielten: Karl Wegner - Berlin, Rolf Rassig a-Breslau, Theo Ortner-Berlin, Friedrich Eberhardt - Stettin, Elfriede Glaser- Berlin, Gerhard Keller- B e r li n, Willi Geißler- Köln, Hans Krieg- Nürnberg, Helmut Dannenberg - Berlin, Fritz Sonntag- Berlin. Außerdem erhalten 62 Ein- sender eine schriftliche Anerkennung. Die preisge- krönten Arbeiten werden vom 18. bis zum 30. April in der Ausstellungshalle der Technischen Hochschule Charlottenburg ausgestellt. Ein Autor gesucht. — Der Wettbewerb der DAF. für ein Wassenschauspiel. Die Jury des Wettbewerbs der Deutschen Arbeitsfront für ein Maffenfchaufpiel ist mit der Prüfung der eingegangenen Werke beschäftigt. U. a. liegt Der Jury ein Manuskript vor, zu dem der angeforderte Begleitumschlag, der den Namen des Verfassers enthalten soll, vermißt wird. Das Werk trägt das Kennwort „Schritt auf Der Erd e". Der Verfasser wird hiermit aufgefordert, den fehlenden verschlossenen Briefumschlag, der seinen Namen enthalten muß — mit diesem Kenn- wort „Schritt auf der Erde" versehen —, dem Kulturamt Der NS.-Gemeinschast „Kraft Durch FreuDe", Berlin SW 19, Wallstraße 63, umgehend unter „Wettbewerb" einzureichen. Außer Dem Kenn- wort ist auch Der Titel Des Stückes mit anzugeben. Fretticht-Aesifpiele in Auerbach unter Leitung von Dr. Rolf prafch. Das Staatspreffearnt in DarmftaDt teilt mit: In Dem so iDyllisch gelegenen Kur- unD Staatspark „Fürstenlager" in Auerbach an Der Bergstraße ftnDen ab 20. April bis EnDe Mai Die großen Freilicht-Fe st spiele statt. Zur Aufführung gelangt Das von FrieDrich Forster-Burggraf geschriebene große Freiheits-Schauspiel „Alle gegen Einen — Einer für Alle". Der JntenDant Des Hessischen LanDestheaters, Dr. Rolf Prafch, hat Die Leitung Der Festspiele übernommen. Die Darstellung erfolgt Durch Das gesamte Schauspielpersanal Des Hessischen LanDestheaters DarmftaDt. Die musikalische Leitung ist Kapellmeister Beppo Geiger übertragen worDen. Die Erstaufführung finDet bestimmt Freitag, Den 20. April, nachmittags, am Geburtstag Des Führers, statt. Das Fürstenlager in Auerbach ist eine Freilichtbühne, wie sie schöner unD iDealer nicht geDacht werben kann. Die große Herrenwiese mit Springbrunnen unD Den gewaltigen seltensten BaumbestänDen finb Freilicht-Kulissen, Die jeDes Theaterherz höher schlagen lassen. einen Monat lang Er fchmccht gut unb festigt Ihre Gcfunbhcit! Lichtspielhaus Gießen Noch 2 Tagei Heute Montag u. Dienstag Hans Albers in dem herrlichen Großfilm der Ufa: GOLD Ein Meisterwerk deutschen Filmschaffens. Vorher auserwähltes Beiprogramm. 23i6C Hier ist das Glück! Am 20. April beginnt die neue Ziehung der Preuss.-Südd. Klassenlofterie. Denken Sie an Ihre Familie — Kaufen Sie Ihr Los bei .. j Flimm, Walltorstraße 63 -M,D Legler, Hindenburgwall 5 Buchacker, Neuen Baue 11 Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damitdurch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag * Berlin-Lichterfelde Arbeiisvergebung. Für Die Gemeinde Daubringen sollen für die Kanalisation nachstehende Lieferungen und Arbeiten vergeben werden: Los 1. Lieferung von Zementrohren, Schachtringen, Straßenfinkkasten, Schachtabdeckungen usw. Los 2. Erd-, Maurer- und Rohroerlegungsarbeiten und Sinkkastenanschlüsse. Die Verdingungsunterlagen liegen auf unserem Bureau, Frankfurter Straße 29, offen, wo Angebotsvordrucke, soweit der Vorrat reicht, unentgeltlich zu beziehen und wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstermin am Samstag, dem 21. April 1934, vormittags 10 Ahr, einzureichen find. Zuschlagsfrist 2 Wochen, freie Auswahl bleibt ausdrücklich Vorbehalten. 23180 Gießen, den 11. April 1934. Kulturbauamt Gießen. I. E. Mangold, Regttzrungsbaurat. Amtliche VekanntmWmgder^ Provinzialdirektion Overheffen. Betr.: Die Urhlagen unb die Sondergebäudesteuer der Provinz Oberhessen; hier:' Die Steuersätze für Das Rechnungsjahr 1934. 2322C Auf GrunD Der Beschlüsse Des Provinzialausschusses unD des Provinzialtags werden mit Genehmigung des He sischen Staatsministeriums, Mi- nisterialabteilung Ib (Innern) vom 10. April 1934 ßu StM. Ib 21168 in der Provinz Oberhessen im Rechnungsjahr 1934 folgende Steuersätze erhoben: u A B 100 Mark Steuerwert der Rps. Rpf. Gebäude und Bauplätze 3,5 4,935 2 a) Auf je 100 Mark Steuerwert Des lanDwirtschaftlich oDer gärtnerisch genutzten GrunD- besltzes 7,7 10,575 b) Auf je 100 Mark Steuerwert des forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes 7,7 11,75 3. a) Auf je 100 RM. des Gewerbekapitals 6,4 — b) Auf je 100 RM. Des Gewerbeertrags 35 — 4. Auf je 1 RM. Des staatlichen SondergebäuDesteuersolls 1933 (unter Senkung um 20 v. H. Des vollen Jahresbetrags für Das Rj. 1931) von Den Steuerwerten a) bis 7000 Mark — 13,725 b) über 7000 Mark — 11,98 Es gelten Die Steuersätze unter A in Den Ge- meinDegemarEungen unD Die unter B in Den selbständigen Gemarkungen und für den gemarkungs- felbftänDigen Grundbesitz. Die Prooinzialumlaaen Des Rj. 1934 werDen mit Den GerneinDe- unD Kreisumlagen endgültig ausgeschlagen. Die BesteuerungsgrunDlagen für Grundsteuer, Gewerbesteuer und ©onbergebäubefteuer sind Die für Das Rj. 1933 für Die Veranlagung zur Staatssteuer endgültig festgesetzten Steuerwerte. Die obenerwähnten Steuerausschlagssätze find Die auf GrunD Der Realsteuersenkung gegenüber Den Ausgangsausschlagssätzen, nie' sie am 31. Dezember 1931 bestanden, gesenkten Beträge. Die SonDergebäuDesteuer ist gegenüber Dem Jahre 1931 auf GrunD Des § 1 Kapitel 1 Des Vierten Teils Der VerorDnung Des ReichspräsiDenten vom 6. Oktober 1931 in Verbindung mit § 2 Des Kapitels V Des Ersten Teiles Der AnpassungsverorDnung vom 23. Dezember 1931 um 20 v. H. gesenkt worDen. Auf die Veranlagung Der kommunalen GrunD- und Gewerbesteuer für das Rj. 1934 finden Die seitherigen lanDesrechtlichen Bestimmungen AnwenDung. Nach Den AnorDnungen Des Hessischen Staatsministeriums, Mimsterialabtei- lung Ib (Innern), vom 28. Februar 1934 zu Nr. StM. Ib 17 840 finDen keine Erhebungen von Steueroorauszahlungen statt. Es wird sofort bei der erften am 25. Wal 1934 fällig werdenden Rate mit Der Erhebung der endgültigen Steuer begonnen. Die Provinzialumlagen für 1933 werden in sechs fielen jeweils zum 25. der Monate Mai Juli September und November 1934 und Januar und Marz 1935 erhoben. In Den GemeinDen erfolgt Die Erhebung Der Provinzialumlagen zusammen mit Den GememDe- unD Kreisumlagen Durch Die Ge- melndekassen, und wenn Gemeindeumlagen nicht zur Erhebung kommen, durch die Kreiskaffen. In den selbständigen Gemarkungen erfolgt die Erhebung der Provinzialumlagen gemeinsam mit den Kreisumlagen durch die Kreiskassen. Bei verspäteter Zahlung Der Provinzialumlagen werDen Die reichsgesetzlich vorgeschriebenen Verzugszinsen erhoben. Stundungen auf Provinzialumlagen können nur durch Die ProvinzialDirektion erfolgen. Amtliche Bekanntmachungen des Kreisamts Gießen. Betr.: SpenDe zur FörDerung Der nationalen Arbeit. 232# An die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises. Die freiwillige Spende zur Förderung Der natio» nalen Arbeit ist vom 1. April 1934 ab von Gehalts- und Lohnbezügen nicht mehr einzubehalten. Dies gilt auch Dann, wenn Beamte usw. Die Kasse angewiesen haben, einen gewissen Betrag laufend bis auf widerruf einzubehalten, diese Erklärung aber bisher nicht widerrufen haben. Eines besonderen Widerrufs bedarf es hiernach nicht mehr. Betr.: Feldbereinigung Rödgen bei Gießen; hier: den Hauptgeldausgleich. In der Zeit vom 18. bis einschließlich 24. April 1934 liegt auf dem Amtszimmer der Hessischen Bürgermeisterei Rödgen Abschrift des Kommissionsbeschlusfes Ziffer 2 vom 29. März 1934 zur Einsicht der Beteiligten offen. Einwendungen hiergegen sind bei Moidung des Ausschlusses während der Offenlegungszeit dafelbst schriftlich und mit Gründen versehen einzureichen. Amtliche Bekanntmachung ans dem Kreise Wetzlar. Die diesjährige Flußschau findet wie folgt statt: a) des Alrnbaches am Donnerstag, dem 19. April 1934, in den Gemarkungen Holzhaufen, Ulm, Allendorf, Biffenbera und Biskirchen; b) des Sleebaches am Freitag, dem 20. April 1934, in Den Gemarkungen Oberkleen, Niederkleen, Dornholzhausen, Hochelheim, Lützellinden und Hörnsheim. 2325C Die Treffpunkte können bei Den Bürgermeistereien erfragt werden.