Nr. 40 Erster Blatt 184. Jahrgang Zreitag,10.8ebruarlyZ4 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Bteßener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen postschecklonto: Zranlfurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vru» und Verlag: vrühl'jche UniorrsitätzSuch- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. 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Mancherlei Anzeichen sprechen dafür, daß es Doumergue auf Grund seines persönlichen Ansehens gelingen wird, die parlamentarische Klippe zunächst erfolgreich hinter sich zu bringen. Immerhin ist nicht zu übersehen, daß es trotz der breiten Basis, über die die Regierung parlamentarisch verfügt, bisher nicht gelungen ist, Frankreich wirklich Ruhe zu geben. Die Entwicklung der französischen Innenpolitik treibt unaufhaltsam in der Richtung zunehmender Gegensätze zwischen rechts und links. Die beiden Blocks find zwar in sich noch nicht völlig geschlossen und die Fronten infolgedessen einstweilen nicht deutlich erkennbar. Man muß auch wohl noch mit mehrfachen Umgruppierungen rechnen. Immerhin kann man den Linksblock mit dem Wort „Verteidigung", den Rechtsblock mit dem Wort „Angriff" kennzeichnen. Niemand kann voraussagen, wie sich die ' Spannungen lösen werden. Die Regierung hat drei große Proben zu bestehen: Sie muß den schon so oft angekündigten eisernen Besen in Tätigkeit setzen, um die Skandale der letzten Monate zu bereinigen, sie muß die öffentliche Ordnung sicherstellen und nicht zuletzt den Haushaltsplan für das laufende Jahr verabschieden lassen. Da Doumergue in allen drei Fragen mit tief verwurzelten Gegensätzen der öffentlichen Meinung und der Parteien rechnen muß, lassen sich wahrscheinlich die Aufgaben nicht durch Kompromisse lösen, und also muß man sich auf eine weitere Vertiefung der Gegensätze einrichten. Es ist sehr bezeichnend, daß die Forderung nach Auflösung der Kammer, die angeblich zu den von Doumergue verfochtenen Bedingungen gehörte, z u - nächst vertagt worden ist. Man will offen« K vermeiden, daß sich Neuwahlen im Zeichen „ jenroärtigen Erregungen abspielen. Es bleibt abzuwarten, wie dieser Aufschub von den Kreisen hingenommen werden wird, die erst kürzlich für die Auflösung der Kammer auf die Straße gezogen sind. Vielleicht hofft man, die Geister zu beruhigen, wenn man die Kammer nach den notwendigsten Arbeiten in die Ferien schickt. Die Linke hat eine Kampfstellung „gegen den Faschismus" bezogen und drängt dadurch verschiedene Organisationen, die eigentlich gar nicht für den Faschismus sind, in dies Lager ab. Die Trägerin des Warnungsstreiks vom Montag war die EGT., die Spitzenorganifation der Sozialistischen Gewerkschaften. Gemeinsame Sache mit ihr machte die CGTU., die K o m m u n i st i s ch e Gewerkschaftsführung. Außerdem standen die Parteien der Altfozialisten, der Neusozialisten und der Radikalsozialisten mehr oder weniger einmütig ebenfalls hinter der Streikparole. Der linke Flügel der Regierungsmehrheit begann feine verantwortliche Tätigkeit also mit einer außergewöhnlichen Warnung an die Elemente, die in der gleichen Regierung vertreten sind! Wenn auch weltanschaulich und parteipolitisch in verschiedene Lager gespalten, die sich nie einigen werden, ist die Linke immerhin ein übersehbares Gebilde. Schwieriger ist der Ueberblick über die Gegenseite. Die Liga der Action Frangaise, deren Vorsitz Admiral Schwerer innehat, führt ihre Camelots du Roi für d i e Monarchie ins Feld und hat sich besonders in den letzten Wochen außerordentlich aktiv betätigt. Sie steht nach den Worten ihres Präsidenten auf dem Standpunkt, daß die Katastrophe nur beschleunigt werden würde, wenn man das gegenwärtige Regime durch die Diktatur eines der Männer ersetzen würde, die Frankreich in die gegenwärtige Lage geführt haben, ob er nun Tardieu oder Daladier, Herriot oder Paul-Boncour, Caillaux oder Blum heißt. Nicht die Männer hätten das republikanische Regime verdorben, sondern das Regime habe die Männer korrumpiert und drohe Frankreich zu verderben. Die Bewegung hat besonders in Paris in der letzten Zeit sehr viel Zulauf durch die Jugend erfahren, hat aber keinen nennenswerten Widerhall bei der großen Masse gefunden. Aus ihrer monarchischen Einstellung ergibt sich ihre scharfe Front gegen das heutige System. In der Gegnerschaft gegen Las Kartell der Sozialisten und Radikalsozialisten ähnlich orientiert, aber entschieden republikanisch eingestellt 'ist die 1924 gründete Patriotische Jugend, deren Führung in den Händen des Abgeordneten Taittin- g e r liegt. Sie trat zum ersten Male in Erscheinung, als sie gegen die Uebersührung der sterblichen Ueberreste Saures* in das Pantheon protestierte. Sie zählt nach eigenen Angaben etwa 30 000 Mitglieder, von denen rund 8000 auf Paris entfallen. In der Kammer werden die Ideen der Patriotischen Jugend auch von den Abgeordneten der Marin- und der Tardieu- Gruppe vertreten. Sie huldigt gewissen faschistischen, auf Frankreich zugeschnitte- nen Grundsätzen, lehnt aber die Diktatur, die Monarchie und jede Rassentheorie ab. In diesen Tagen ist sie sehr energisch für die Auslösung der Kammer eingetreten uird verlangt nach Neuwahlen die Einberufung einer Nationalversammlung zur Unterstützung einer Regierung der nationalen Sicherheit. Gegen den Parlamentarismus schlechthin kämpft der nationale Frontkämpferoerband „Croix de Feu et Briscard“. Die Feuerkreuzler, die ihren Namen von den vor dem Feind im Feuer erworbenen Kriegskreuzen herleiten, fordern gleichzeitig eine stärkere Heranziehung der Kriegsgeneration zur Staatsführung. Gemäßigter, wenn auch rechts Oie deutfcheFugend bekennt sich in einer großen Treuekundgebung zu den Volksgenossen an der Saar Berlin, 15. Febr. (DNB.) Berliner Studentenschaft und Hitler-Jugend veranstalteten am Donnerstagabend in dem wegen Ueberfüllung polizeilich geschlossene Sportpalast eine große öffentliche Saartunbgebung, die sich zu einem gewaltigen Bekenntnis der Verbundenheit mit den tapferen deutschen Kämpfern an der Saar gestaltete und ihnen gleichzeitig den Dank für ihr Ausharren in dem schweren Kampfe ausdrückte. Neben der akademischen Jugend und der HI. hatten sich zahlreiche Angehörige des Freiwilligen Arbeitsdienstes und des VDA. eingefunden. Der Saarbeoollmächtigte der Reichsregierung, Vizekanzler von Pape n, wurde bei feinem Erscheinen mit stürmischen Kundgebungen begrüßt. Bei dem Fahneneinmarsch wurde die Traditionsfahne der preußischen Bergwerksinspektionö (Saargebiet) vorangeführt, die, solange das Saargebiet noch vom Reich getrennt ist, in der Reichsführer- schule in Potsdam aufbewahrt wird. Oer Führer der Deutschen Gewerk- schastsfront an der Saar Peter Kiefer legte dann Zeugnis ab von dem unerschütterlichen Deutschtum der Saarbevölkerung. In der Deutschen Gewerksd)aftsfront an der Saar stehen 7 5 0 0 0 Arbeiter, d. h. mit ihren Familienangehörigen mehr als ein Drittel der abstimmungs- berechtigten Einwohner, hinter Peter Kiefer. Trotzdem hat man ihn bis heute noch nicht in Genf angehört. Unter stürmischem Beifall stellte der Redner fest, daß das Saargebiet, seitdem es überhaupt deutsche Geschichte gibt, zum deutschen Volk und Vaterland gehört. Die Welt sollte endlich begreifen, warum die Saarbevölkerung mit solcher Leidenschaftlichkeit dafür kämpfe, daß dieses Gebiet wieder zum Deutschen Reid) heimkehrt. Ich habe, erklärte Kiefer, 75 000 deutsche Arbeiter zu vertreten, die nichts weiter wallen als heim zum Reich. Auch diejenigen, die noch einer falschen Führung folgen, sind rein deutsch, weil der ganze Arbeiterstand des Saargebiets rein deutsch ist. 99 o. H. aller Saarbergleute sind im Saar- gebiet selbst und im angrenzenden Deutschland geboren. Sie sind restlos abstimmungsberechtigt. Aehnlich ist es bei der übrigen Jndustriearbeiterfchaft. Die ganze Saargebiets-Ar- beiterfchaft kann nur eine einzige Sprache sprechen, und zwar die deutsche: Die deutsche Sprache ist ihre Muttersprache. Deutsch ist ihre Vergangenheit, deutsch sind ihre Sitten und Gebräuche, deutsch ist und bleibt ihre ganze Veranlagung und Einstellung. Diese Charaktereigenschaften der Saarbergarbeiter und diese Tatbestände mühten die Regierungskommission, die der Völkerbund eingesetzt hat, das Saargebiet zu treuen Händen des deutschen Volkes zu verwalten, genauestens beachten. Ich erhebe von hier aus feierlichen Protest dagegen, dah die Regierungskommifsion mit Ausnahme des saarländischen Mitgliedes mehr auf die Stimmen von Emigranten und von Richtabstimmungsberech- tigten zu hören scheint. (Stürmischer Beifall.) Die Welt möge es hören: Wir deutsche Saarländer hassen die Franzosen nicht, wir wollen die Nachbarn achten und hochschähen. eingestellt, ist der Nationalverband der Frontkämpfer, der in den vergangenen Tagen sein Gewicht entscheidend gegen die Regierung Daladier in die Waagschale geworfen hat. Der bisherige Führer des Verbandes Rossignol trat zu Beginn Les Stavisky-Skandals zurück und machte dem Stadtrat L e b e c q Platz, der kürzlich die Frontkämpfer gegen die Kammer führte und bei den Zusammenstößen verletzt wurde. Unter der Parole „Frankreich den Franzosen" kämpfen die weitgehend faschistisch ober nationalsozialistisch eingestellten Francisten, die in blauen Hemden mit ledernen Schulterriemen und durch den Gruß mit hoch erhobener Hand auch äußerlich den ihnen verwandten Bewegungen des Auslandes folgen. Ihr Führer ist der ehemalige Mitarbeiter der „Dictoire", Bucard, der seinerzeit schon zusammen mit Herve die sogenannte nat.-soz. Miliz leitete. Die Francisten sind gegen den Parlamentarismus und für einen gefunden Ständestaat. Unter dem gleichen Namen betätigt sich übrigens noch eine zweite neuerdings sehr rege Vereinigung ausgesprochen antisemitischer und antifreimaurerischer Richtung. Neben einer Reihe von weiteren Organisationen ähnlicher Art sind schließlich noch die verschiedenen rechtsgerichteten Verbände der Steuerzahl e r zu erwähnen, außerdem noch eine Jugendgruppe, die in einer Halbwochenschrift bezeichnenderweise bereits gegen die „Diktatur der Greise" deppert. Wie man sieht, herrscht rechts und links noch ein beträchtliches Durcheinander an Bestrebungen und Ideen, die sich zum Teil ergänzen oder überschneiden, zum Teil einander aber auch völlig ausschließen. Voraussagen über die Entwicklung der französischen Innenpolitik sind unter diesen Umständen für die nächste Zeit völlig ausgeschlossen. Nur eins ist sicher: Der Gang der Dinge wird im wesentlichen davon abhängen, ob, wo und wann sich eine Persönlichkeit findet, die Klugheit, Mut und Tatkraft genug besitzt, die Zügel zu ergreifen. Wir müssen miteinander leben. Aber sie sollen uns gleichfalls achten Und ehren. Zum Schluß richtete Kiefer an die deutsche Jugend die Mahnung, dafür zu sorgen, daß in den deutschen Grenzgebieten eine großzügige Siedlung durchgeführt werde, daß die Industrien im bedrohten Grenzgebiet nicht verwaisen, damit die bodenständigen Menschen, die ihre Heimat lieben, nicht zum Auswandern gezwungen sind. Die heimatgebundene Arbeiterschaft des Saargebietes müsse, das sei eine Ehrenaufgabe des ganzen deutschen Volkes, in der Heimat Brot und Arbeit finden. Die Saarbevölkerung kenne nur den Spruch aus „Don Carlos": „Uns alle zieht das Herz zum Vaterland." Vizekanzler von Popen der Saarbevollmächtigte der Reichsregierung, führte dann u. a. aus: Für die anderen Nationen der Welt, insbesondere für die nichteuropäischen Völker, wirÄ es einigermaßen schwer sein, zu begreifen, daß 16 Jahre nach Beendigung des Krieges ein großes Volk gezwungen ist, durch eine öffentliche Abstimmung für einen Teil feiner Bürger feststellen zu lassen, zu welchem Vaterland es sich eigentlich bekennt. Es sind das die letzten Zuckungen des imperialistischen Geistes, der die Friedensverträge von 1919 schuf, dieses Geistes, der über ein Volkstum hinwegging mit einer Handdeweg-ung, der an der Saar ein Volk 15 Jahre lang von einer landfremden Regierung verwalten ließ, ohne Rück- Oie Preisträger im Lournalistenwettbewerb. Berlin, 15. Febr. (DRV.) Nachdem der Leser- wellbewerb seinen Abschluß gefunden hat, gibt das Preisgericht die Reihenfolge der Prämiierung der Preisarbeiten des deutschen Iournalistenwettbewer- bes „M it Hitler an die Macht" bekannt. Den 1. Preis im Betrage von 1000 Mark: Dr. Emil S t r o d t h o f f, Bochum (Westfalen), f ü r d i e Arbeit „Hände und Herzen". Den 2. Preis im Betrage von 500 Mark: Theo Benkert, Hagen (Westfalen), für die Arbeit „Die schluchzende Schwester". Den 3. Preis im Betrage von 250 Mark: Werner hecht, Frankfurt a. M., für die Arbeit „Fanget a n". Den 4. Preisim Betrage von 150 Mark: Franz Lehnhoff, Berlin-Wilmersdorf, für die Arbeit „3 m k le i n k a m p f der Winterhilfe". Den 5. Preis im Betrage von 100 Mark: Dr. A. Pfaff, Bayreuth, für die Arbeit „Reichs- autobahnen als Wirtschafts- und Friedenswege". Außerdem hat Dr. Dietrich eine Reihe von weiteren Einsendungen mit Trostpreisen ausgezeichnet. Nimitroff, popoff und Taneff erwerben die Sowjet-Staatsangehörigkeit. Moskau, 15.Febr. (DNB.) Da die bulgarische Regierung sich geweigert hat, die in Deutschland in hast gehaltenen bulgarischen Kommunisten Dimitroff, Popofs und Taneff als bulgarische Staatsangehörige zu betrachten, haben sich Verwandte der drei Kommu- sicht auf seine eigenen Interessen, nur weil er ein paar Kohlen aus diesem Land herausholen wollte. Wenn mir hier für die Zugehörigkeit Deutschlands und deutscher Menschen zu ihrem Vaterland kämpfen, dann kämpfen wir zugleich gegen diesen Geist der imperialistischen Politik, die Europa seit 15 Jahren oerpesttet hat. Die Reichsregierung hat niemals selbst verzichtet oder etwa Frankreich zu einem Verzicht auf die Abstimmung bringen wollen, die das gute, verbriefte Recht der Saarbevölkerung ist. Im Gegenteil, die Reichsregierung ist der Ansicht, daß wir allen Anlaß haben, der Welt zu beweisen, daß in dieser deutschen Grenzmark des Westens das Deutschtum zu Hause ist. Und aerobe deshalb werden wir aus eine solche Abstimmung niemals verzichten. Was wir dagegen wünschten, war ausschließlich, uns mit Frankreich vor der Abstimmung zu einigen, damit Liese Abstimmung nicht zu einem neuen Kampfe zwischen den beiden großen Nationen führt, die gerade jetzt eine erneute Anstrengung zur endgültigen Herbeiführung des Friedens machen. Wir werden alle unsere Kräfte auf den Sieg des deutfchens Gedankens konzentrieren. Unsere Brüder an der Saar wissen, daß es heute für sie keine Parteifrage, keine Frage früherer Angehörigkeit zu irgendeiner politischen Gruppe oder Partei gibt, sondern daß alle nur dem einen großen Ziel z u bienen haben. Deshalb gilt es in diesen Tagen mehr benn je gerade für die deutsche Jugend, zusammenzustehen in eiserner Disziplin und Selbstüberwindung, in Entsagung und Pflichttreue hinter dem Führer. nisten durch Vermittlung der sowjetrussischen Botschaft in Berlin an die Sowjetregierung gewandt mit der Bitte, den Gefangenen das Bürgerrecht der Sowjetunion zu verleihen. Die Sowjetregierung hat das Gesuch genehmigt. Neuer Anschlag auf die Memelautonomie? Der Plan eines litauischen Staats- kommissars für das Memelgebiet. Berlin, 15. Febr. (DNB.) Wie aus Memel zuverlässig berichtet wird, ist beabsichtigt, dort am 16. Februar einen Staatskommissar für bas Mernel- gebiet einzusetzen. Durch biefe Maßnahme will man bas Direktorium bes Memelgebietes kaltstellen. Als Kandidat kommt in erster Linie ber frühere Lanbrat <5 i m o n a i t i s in Frage, ber sich bei bem Memelputsch im Jahre 1923 besonders hervorgetan hat. Gegen ihn bestehen allerdings von Seiten der Großlitauer im Memelgebiet, insbesondere von Stiklorius und anderen erhebliche Bedenken, die Simonaitis aber zu überwinden hofft. ♦ Diese Meldung wird zunächst unter Sorbe« halt wiedergegeben. Es ist allerdings bekannt, daß litauische Scharfmacher mit derartigen unverantwortlichen Plänen, die auf eine Beseitigung der autonomen Verfassung bes M e - metgebietes hinauslaufen, umgehen. Man ollte aber annehmen, daß bie litauische Regierung ich von solchen Plänen femhält unb sich nicht einen o offensichtlichen Bruch ber vertraglich übernommenen Verpflichtungen zu Schulden kommen lassen wird. Abflauen her Straßenkämpse in Men. Nie wichtigsten Stützpunkte von den Schutzbündlern geräumt. Wien, 16. Febr. (DNB.) lieber die Lage in Wien würbe am Donnersfagabenb von zustänbiger Seite folgenber Bericht ausgegeben: Der Bezirk Simmering ist jetzt bis zu ber von ben Truppen gezogenen Sperrlinie, bem Bahndamm der Aspernbahn, gesäubert worden. Fast alle Häuser weisen Spuren von Schüssen auf. Besonders schwer sind die Gemeinbehäuser mitgenommen, um bie einzeln gekämpft worben ist. Granaten haben hier tiefe Löcher in bas Mauerwerk geschlagen. Maschinengewehrsalven haben überall beutliche Spuren -hinterlassen. Hier würbe Gebirgsartillerie eingesetzt. Im Gemeinbebad I n n e n h o f finb bie zahlreichen Hausbewohner aufgeforbert worden, unter Zusicherung der Straflosigkeit die Waffen abzuliefern. Im Hof türmt sich ein Waffenhaufen aus Maschinen« gewehrteilen, Handgranaten, Trommelrevolvern, Jnsanteriespaten, Stahlhelmen und ben überall besonders zahlreich aufgefunbenen Sprengbüchsen. Die Einnahme bes seit Tagen schwer umfämpften Laaer Berges vollzog sich entgegen allen Erwartungen ohne weitere Kampfhanb- lung. Aus bie Aufforderung ber Truppen zur Uebergabe räumten bie Schutzbünbler ben Laaer Berg unb flohen in großer Zahl über Zäune unb Mauern. Die Besetzung des Laaer Berges, ber als strategisch wichtiger Punkt angesehen wurde, vollzog sich bann in aller Ruhe. Auch der Karl-Marx- Hof ist jetzt ohne Kampf von den Truppen besetzt worden. In den Abendstunden des Donnerstag herrschte in der Stadt Ruhe. Die militärischen Vorsichtsmaßnahmen, der allgemeine Alarmzustand und bas Standrecht bleiben weiter bestehen, da immer noch mit der Möglichkeit eines neuen Aufflackerns der Bewegung und neuer lokaler Kämpfe gerechnet wird. Gegen Mitternacht kam es in drei verschiedenen Stadtteilen zu Schießereien, die sich jedoch bei'sorgfältiger Nachprüfung als Ergebnis der lieber« müdung und Nervenanspannung der Exekutivorgane darstellten. Ein Posten hatte aus einem kleinen Anlaß einen Schuß abgegeben und ganze Postenketten hatten darauf das Feuer aufgenommen. Aber zu gleicher Zeit begann bereits die Lockerung ber Alarmbereitschaft. Zahlreiche Mannschaften finb in ihre Quartiere zurückgekehrt. Das Heerlager im Polizeipräsibium hat aufgehört. Die Feststellung ber Zahl ber Toten bes Schutzbundes stößt auf bie große Schwierigkeit, baß ber Schutzbunb meist seine Toten währenb bes Kampfes fortgeschafft hat. In bem Allgemein nen Krankenhaus finb bis zum Mittwoch runb 130 Personen ihren Verletzungen erlegen. Die Verluste des Schutzbunbes im Schlingerhof unb in Floridsdorf werden mit 150, im Karl-Marx-Hof mit 60, im Heiligenstädter Bahnhof mit 30 Toten angenommen. Diese hohen Zahlen werden auf die Kampfhandlungen in geschlossenen Gebäuden und die Einsetzung von Artillerie zurückgeführt. Nach den bisher vorliegenden Angaben wird daher auf Grund rein privater Schätzungen für den Schutzbund mit einer Gesamtzahl von ungefähr 1000 Toten in Wien und 500 Toten in den Ländern gerechnet. Das dritte Todesurteil nicht vollstreckt. Wien, 15. Febr' (DNB.) Das Standgericht hat heute das dritte Todesurteil gefällt und zwar gegen den Schutzbündler K a l a b. Der zum Tode Verurteilte wurde jedoch zu zehn Jahren schweren Kerkers begnadigt. In Regie- runaskreifen wird die Auffassung vertreten, daß Todesurteile nur für die Führer des Schutzbundes, nicht aber für die von den Führern zur Teilnahme am Aufstand gezwungenen Arbeiter in Frage kommen können. Die Hinrichtuia des Schutzbundsührers Munnichreiter durch die Wiener Exekutivbehörde hat die Erbitterung der Bevölkerung ins unermeßliche gesteigert. Munnichreiter, der durch mehrere Schüsse schwer verletzt war, wurde danach auf einer Tragbahre zum Standgericht, ebenfalls auf einer Tragbahre zum Galgen ge> schafft, von der Bahre aus unter den Galgen gesetzt und — obwohl fast bewußtlos — erhängt. Auch zahlreiche Ausländer haben ihrer Empörung über die Hinrichtung eines Schwerverletzten Ausdruck gegeben. Die Entdeckung des marxistischen Aufstandsplanes. Wien, 16. Febr. (DNB.-Funkspruch), Das „Neue Wiener Tagblatt" veröffentlicht einen Bericht über die Aufdeckung des Aufstandsplanes, in dem es heißt: Die verbrecherischen Pläne wurden durch die eigentlich unscheinbare Wahrnehmung eines Wachtbeamten ausgedeckt, dem an einem Abend auf dem Ring ein Mann mit einem umfangreichen Paket auffiel. Der Polizist glaubte, es handele sich um Papierböller und fragte, was der Inhalt des Paketes sei. Er erhielt die Antwort, es seien Zündsteine, die er auf der Straße von einem Unbekannten gekauft habe. Der Verdächtige, ein sozialdemokratischer Gemein d e r a t aus Schwächat, wurde der Polizei übergeben und bei Oeffnung des Paketes fand man darin Sprengpatronen. Bei den umfangreichen Haussuchungen, die sich daran schlossen, fand man nicht nur reiches Waffen-, Munitions- und Sprengmaterial, sondern auch eine umfangreiche Korrespondenz, aus der klar hervor- ging, daß verschiedene Führer der Sozialdemokratischen Partei mit den radikalen Führern der aufgelösten Kommuni st ischen Par- t e i Vereinbarungen getroffen hatten, um gemeinsam gegen die Regierungsgewalt vorzugshen. Haussuchungen bei kommunistischen Führern förderten schwerwiegendes Material zutage. Die Vereinbarungen reichen auf die Zeit zurück, in der der Nationalrat ausgeschaltet worden war. Unterirdische Gänge in Linz aufgefunden. W i e n, 16. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Das „Neue Wiener Journal" berichtet, in Linz sei es gelungen, ein Geheimnis zu lüften, das in den ersten Tagen des Aufstandes den Leitern der Abwehr- mahnahmen große Schwierigkeiten bereitet habe. Die Diesterwegschule und der D a m e tz h o f in Linz feien erstürmt und nach Waffen durchsucht worden. Trotz des negativen Ergebnisses seien bald darauf die Regierunqkontingente wieder von dort aus beschossen worden. Nunmehr habe die Gendarmerie unterirdische Gänge Zwischen diesen beiden Gebäuden und dem nahegelegenen Krankenhaus aufgespürt. In dem Augenblick des Sturmes hätten sich die Aufständischen durch die Gänge auf ungefährdetes Gebiet zurückgezogen, um wieder aufzutauchen, wenn die Truppen glaubten, jede Gefahr beseitigt zu haben. Woher kommtd»e Bewaffnung der Marxisten? Wien, 15. Febr. (DNB.) Die bereits in der gesamten ausländischen Presse lebhaft erörterte Frage der Herkunft der vielen Waffen- und Munitionslager des Schutzbundes ist, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, gegenwärtig bereits Gegenstand einer Untersuchung der Staatspolizei. Vor dem Abschluß dieser Untersuchung werde jede Auskunft über diese Frage verweigert. Man beabsichtigt in diesem Zusammenhang, de» gesamten Komplex der Verantwortung für den sozialistisch-kommunistischen Aufstand von Grund auf aufzurollen und hierbei die Zusammenhänge des Organisationsnetzes festzu- tellen, durch das die Schutzbündler in den Besitz >er Waffen gelangt sind. Aus den bisherigen Fest- tellungen hat sich ergeben, daß ein Teil der Waffen österreichischer Herkunft war und aus dem Weltkrieg stammt, ein anderer Teil jedoch ohne Zweifel tschechoslowakischer Herkunft war und aus der allerletzten Zeit herrührt. Das Interesse in Prag. Im Auhenausschuß des Abgeordnetenhauses erklärte Minister Dr. Krofta zu den Ereignissen in Oesterreich: Wenn irgendein Staat die Grenze überschreiten oder in die österreichischen Verhältnisse eingreifen würde, würden wir nicht schweigen. Das . bedeutet allerdings nicht, daß wir selbst in Oesterreich einfallen würden. Wir müßten nur d i e entsprechende Stelle anrufen. So würde es auch in dem Falle sein, wenn die österreichische Regierung irgend jemanden zu Hilfe riefe. Soviel kann man vielleicht schon sagen, daß sich die Ber- hältnisse in Oesterreich, ohne daß berufene ausländische Faktoren eingreifen, kaum beruhi- gen werden, da die ständige Gefahr besteht, daß es zu etwas kommt, was die Unabhängigkeit Oesterreichs bedrohen könnte. Oesterreich ist nach dem Genfer Protokoll vom Jahre 1922, das auch die Tschechoslowakei unterzeichnet hat, gehalten, seine Unabhängigkeit zu wahren. Wenn von irgendeiner Seite der Versuch unternommen würde, diese Unabhängigkeit zu verletzen, dann hätten alle, die dieses Protokoll unterzeichnet haben, die Möglichkeit einzuschreiten. Ich zweifle nicht, daß dies durch Vermittlung des Völkerbundes oder wenigstens durch ein Einvernehmen aller Signatare des Genfer Protokolls erfolgen würde. Die zweite Möglichkeit wäre, wenn Oesterreich diese Staaten anrufen würde. In diesem Falle könnte es aber nur das Einschreiten aller (Staaten anrufen, die seine Unabhängigkeit garantieren und nicht den Schutz eines von ihnen. Frankreichs Antwort auf die deutsche Abrüstungsnote Paris macht Ausflüchte, wo bestimmte Antworten verlangt wurden. Paris, 15. Febr. (DNB.) Die französische Antwortnote auf die deutsche Abrüstungsdenkschrift vom 19. Januar wird nunmehr veröffentlicht. Die französische Regierung nimmt darin einleitend den Geist der Loyalität und Aufrichtigkeit für sich in Anspruch, in dem sie ein mit der Genfer Konferenz im Einklang stehendes Programm aufgestellt habe. Gleichwohl glaube die deutsche Regierung von neuem behaupten zu können, daß „die hauptsächlich in Betracht kommenden h o ch g e r ü st eten Mächte (unter denen zweifellos Frankreich einbegriffen werden müsse) zu einer wirklich einschneidenden Abrüstung nicht bereit seien." Die französische Note bemängelt dann mit Ausdrücken des Bedauerns und der Verwunderung, daß die deutsche Regierung ihre Vorschläge nicht abmildern zu sollen glaubte und deren Tragweite nicht präzisiert habe, daß die französische Regierung in der deutschen Denkschrift auch keine genügende Aufklärung über die deutsche Stellungnahme zu der Kontrollfrage gefunden habe. Die Note fährt fort: „Es ist der deutschen Regierung sicherlich nicht entgangen, daß die in dem Aide m&noire vom 1. Januar gemachten Vorschläge in zwei Punkten nach Ansicht der französischen Regierung grundsätz-. lichen Charakter hatten. Der Vergleich der französischenund deutschenTruppenbestände kann nur als vergleichbare Personalbestände angewendel werden, d. h. auf diejenigen, die zur Derlei- digung des Mutterlandes bestimmt find, und ist nur denkbar, wenn alle Streitkräfte, die in irgendeinem Grade militärischen Charakter besitzen, unter die festzulegenden Beschränkungen fallen. Die Gleichstellung auf dem Gebiete des Materials, d. h. die Zuweisung desjenigen Materials an Deutschland, das die anderen Nationen behalten, das aber Deutschland augenblicklich verboten ist, kann erst auf die Umbildung des deutschen Heeres und die Aufsaugung der vor- und außermilitärischen Organisationen durch die regulären, von der Konvention begrenzten Personalbestände erfolgen. Indem die deutsche Regierung in diesen beiden entscheidenden Fragen die Vorschläge beiseiteschiebt, die ihr gemacht worden waren und deren Absicht und Tragweite sie nicht mißverstehen konnte, hat sie das gesamte in dem Aide m&noire vom 1. Januar skizzierte Programm a b g e l e h n t." Unter diesen Umständen sieht die französische Regierung nicht, welchen Nutzen der umfangreiche, der letzten deutschen Denkschrift beigesügte Frage-! bogen haben könnte. Die französische Regierung 1 kommt hier wiederum auf ihre alte Forderung,■ diese Fragen nur unter Beteiligung aller! interessierten Staaten zu Ende zu brin-, gen, zurück. Eine vorbereitende deutsch-französische Erörterung hierüber könnte nur dann von Nutzen sein, wenn bereits Einigkeit über be-i stimmte Grundsätze herrsche. Leider sei dies nicht im entfernte st en der Fall, wie dies d irch nur zu offenkundige Tatsachen bewiesen werde. Es ergebe sich z. B. aus veröffentlichten Dokumenten, daß das deutsche Heer bezüglich des Materials bereits jetzt Hilfsquellen besitze, die zu den Vertragsbestimmungen in keinem Verhältnis stünden und für spätere Vergleiche zur Grundlage genommen werden müßten. Ehe die Zukunft in Betracht gezogen werde, müßte, besonders auch zu ihrer Aufklärung, die Gegenwart in Betracht gezogen werden. Die franzMche Regierung glaubt dann „zwei wesentliche Mißverständnisse aufklären zu sollen. Bei der Forderung einer sofort wirksamen Kontrolle mit dem Inkrafttreten der Konvention handle es sich um nichts, was die Ehre der deutschen Regierung verletzen könnte. Die deutsche Regierung bezweifle offenbar den Willen der französischen Regierung, eine Begrenzung ihrer überseeischen Personalbestände ins Auge zu fassen. Nichts sei unrichtiger als das. „Ebenso wenig sollen die überseeischen Streitkräfte von der Beschränkung ausgenommen werden, deren mobiler Charakter erfordert, daß sie jederzeit im INul - terlande verfügbar sind, (?) um in kurzer Zeit nach denjenigen Punkten des Kolonialreiches gebracht zu werden, wo ihre Anwesenheit für nützlich gehalten wird." Die französische Regierung denke nicht daran, in einem ihr passenden Augenblick die in der Konvention festgesetzte Herabsetzung ihrer Heimat-Streitkräfte durch Heber- see-Brigaden auszugleichen, da die Konvention die Personalbestände genau begrenzen würde, die „in Friedensze i t e n" im Wutterlande stationiert werden könnten. Doch diese besonderen Fragen dürften trotz ihrer Wichtigkeit, nicht dazu führen, daß man das wesentliche Problem aus den Augen verliere. „Die französische Regierung ist stets der Ansicht gewesen, daß die festzusetzenden H ö ch st z a h l e n sich auf die Gesamtheit der Kräfte beziehen müssen, die militärischen Charakter tragen, und sie hat es als feststehend betrachtet, daß die Formationen der SA. und SS. diesen Charakter haben." Die französische Regierung hält ihre früheren Angaben hierüber voll und ganz aufrecht und erklärt, ihre Unterschrift unter keine Konvention setzen zu können, die erst der Zukunft die Entscheidung darüber überließe, ob die Formationen der SA. und SS. einen militärischen Wert hätten. Eine auf diesem Grundsatz beruhende Konvention wäre auf einer falschen Grundlage aufgebaut. Zum Schluß versichert die französische Regierung ihre Ansicht, daß eine vollständige und loyale Einigung mit Deutschland sowohl die Bedingung als Berlin, 16. Febr. (DNB.) Zu der französischen Antwortnote schreibt der „Völkische Beobachter" u. a.: Frankreich macht weiter Schwierigkeiten dort, wo keine vorhanden sind. So werden in der Frage des von uns ehrlich angebotenen Nichtangriffspaktes einfach unverständliche Vor- würfe erhoben. Das deutsch-polnische Abkommen ist der beste und einwandfreie st e Beweis dafür, wie ernst wir diese Sache ansehen. Man kann nur betonen, daß Frankreich jede Chance, zu einer wirksamen Abrüstung zu kommen, verfaßt hat. Wo wird denn überhaupt von der französischen Abrüstung gesprochen? In der neuen Note steht davon kein Wort. Das, was als Abrüstung von Frankreich bezeichnet worden ist, ist absolut unzulänglich. Dazu kommt noch, daß die damalige französische Denkschrift, die in der neuen Note angezogen worden ist, die unzulänglichen Vorschläge noch m i t Verklausulierungen und Bedingungen versah, die die bestehende Unklarheit noch vermehrt hat. Auch der Vorwurf, die Reichswehr habe die Bestimmungen des Versailler Vertrages nicht eingehalten, kann niemanden in der Welt mehr überzeugen. Seit 15 Jahren pflegt Frankreich mit derartigen Behauptungen zu kommen, die, wenn man ihnen nachgeht, nicht zu beweisen sind. Die „Kr e u z z e i t u n g" stellt fest, daß das französische Dokument für jeden eine Enttäuschung bedeutet, der gehofft hatte, daß der realistische Geist der italienischen Stellungnahme zum Abrüstungsproblem nunmehr auch auf die französische Haltung Einfluß gewinnen würde. Die neue französische Stellunanahme sei dahin zu kennzeichnen, daß die französische Regierung wieder einmal ihren man» aelnben Abrüstungswillen durch Ausflüchte zu verdecken suche. — Die „Deut- f cf) e Zeitung" bezeichnet die Note als ein zweckloses Dokument, das offenbar keinen anderen Zweck verfolge als den, der Beantwortung der 13 Fragen der Reichsregierung an die französische Regierung auszuweichen. — Der „Lokalanzeiger" betont, daß die Methode Frankreichs, den schlechten Willen Frankreichs zu verstecken, überholt sei und auch in den anderen Hauptstädten keinen guten Eindruck machen werde. — Bei aller Geschliffenheit diplomatischer Ausdrucksweise, so erklärt die „Deutsche Allgemeine Zeitun g", sei die französische Note in einer Form abgefaßt, die schulmeisterlich wirke und die deutsche Regierung mit unberechtigten Vorwürfen überhäufe. — Nach Ansicht der „Berliner Börsenzeitung" sei der Gesamteindruck des Schriftstückes ft a r f rückschrittlich. Es bleibe bedauerlich, daß man in Paris wiederum nur die im Laufe vieler Jahre London, 16. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die französische Antwortnote auf die letzte deutsche Denkschrift und die heute bevorstehende Abreise des Lordgeheimsiegelbewahrers Eden zu seinen Besuchen in Paris, Berlin und Rom haben die Aufmerksamkeit der Londoner Presse wieder auf die Abrüstungsfrage gelenkt. Man meint: Bei seinen Besuchen in den drei Hauptstädten wird Eden d i e britische Abrüstungsdenkschrift erörtern und sestzustellen suchen, wie weit sie eine Grundlage für Deutschlands Rückkehr zur Abrüstungskonferenz und zum Völkerbund und schließlich für eine Abrüstungs- konvention bilden könnte. Die Denkschrift ist nicht das letzte Wort. Aber die britischen Minister glauben, daß sie Möglichkeiten für eine Regelung gibt. Eden hofft, Doumergue und Barthou am Samstag zu sprechen. Er wird am Montag nach Berlin weiterreisen. In Rom wird Eden am 26. Februar mit Mussolini Zusammentreffen. England werde vielleicht in der Sicherheitsfrage unter gewissen Voraussetzungen ein Angebot machen, das über das der letzten Denkschrift yinausgeht. Im Kabinettsausschuß für die Abrüstungsfrage wurde die französische Note geprüft. Es herrscht die Auffassung, daß sie eine entschiedene Versteifung Der französischen Haltung auch die Garantie für die Besserung Der Lage wäre. Aber andererseits wäre nichts gefährlicher als eine Unklarheit. Es liege bei der deutschen Regierung, diese Unklarheit aufzuklären; die französische Regierung habe die Pflicht, die von ihr begründete Auffassung aufrechtzuerhalten, die dem in ihrem Aide m&noire vom 1. Januar festgelegten Programm zugrundeliege. „Ohne die Gegenseitigkeit und Aufrichtigkeit der gleichen Absichten der deutschen Regierung in Frage zu stellen, ist sie der Ueberzeugung, daß eine Verhandlung nicht dabei verliert, wenn die Meinungsverschiedenheiten, die einer endgültigen Einigung im Wege gestanden haben, erkannt, einander angenä- hert und sogar einander gegenübergestellt worden. schon zu Bergen angeschwollenen Abrüstungsakten um ein weiteres unfruchtbares Dokument bereichert habe. Auf die Art und Weife, wie die neue französische Regierung die Kardinalfrage des europäischen Friedens anzufassen versuche, komme weder Europa, noch Deutschland, noch Frankreich weiter. Oie pariser preffe zolli Barthou Beifall. Paris, 12. Febr. (DNB. Funkspruch.) „Petit Parisien" weist Darauf hin, daß zwar die Tür für einen Meinungsaustausch offengelassen sei, daß Frankreich aber seine Verteidigungsstreitkräfte nicht verringern könne, ohne daß eine Regelung internationaler Solidarität, gegenseitigen Beistandes und angemessener Kontrolle hergestellt sei. Die Der- ständigungsaussichten seien also recht gering geworden. „Echo de Paris" begrüßt es, daß durch die Note Deutschland über den wirklichen Stand seiner Streitkräfte befragt werde. Die Stunde fei gekommen, hie Debatte wieder nach Genf zu leiten und sie dort zum Abschluß zu bringen. Das Blatt hofft, man werde französischerseits dem englischen Abgesandten Eden am Samstag' in Paris klar- machen, daß Frankreich angesichts des militärischen Erstarkens Deutschlands und des offenkundigen Niederganges der internationalen Organisation nicht auf d i e Freiheit seiner Vor bereitungsmaßnah men verzichten könnte. Besonders fcharf nimmt der „Figaro" Stellung. Barthou müsse gelobt werden, daß er sich m i t aller wünschenswerten Klarheit ausgedrückt habe. Da es wenig wahrscheinlich sei, daß Hitler seine Ansprüche herunterschraube, bleibe Frankreich nur noch Die Möglichkeit, die Mächte auf die Verletzungen aufmerksam zu machen, Die Deutschland sich in seinen militärischen Vorbereitungen habe zuschulden kommen lassen. Jetzt habe Deutschland das Wort; Deutschland müsse mit Ja oder Nein sagen, ob es das Wettrüsten walle und ob es bereit sei, auch die Verantwortung dafür zu übernehmen. Aber Deutschland müsse wissen, daß Frankreich nicht mehr warten werde, um zu handeln. „Le Jour" schreibt, die Franzosen würden den Text der französischen Note mit Erleichterung lesen. Die Energie und Entschlossenheit, mit der alle Zweideutigkeiten zurückgewiesen und der würdige Ton der Antwort seien Eigenschaften, die die früheren französischen Außenminister in Vergessenheit hatten geraten lassen. zeigt. Eden wird sich keine Illusionen über die Schwierigkeiten seiner Mission machen. „Times" sagt: In Paris wird Eden die Gründe zu erklären haben, Die Die britische Regierung mit Bebauern zu Dem Schluß habe führen müssen, daß es jetzt unmöglich sei, eine Vereinbarung zu erwarten, Die nicht Das Recht Deutschlands auf den Besitz gewisser Waffen anerkennt, die ihm gegenwärtig versagt sind. Die neueste französische Note sckeint dieses Recht nicht anerkennen zu wollen, obwohl es unmißverständlich in dem Konventionsentwurf her britischen Regierung ein- geschlossen ist. Auf jeben Fall muß es als bas unveräußerliche Recht jebes souveränen Staates betrachtet werben, bie Mit« telzu seiner Selbstverteibigung zu besitzen. Defensive Waffen finb in hem Konventions- entrourf bezeichnet. Französische amtliche Kreise haben wissen lassen, baß sie glauben, Deutschland) rüste militärisch auf. Aber es liegen keine A n - Zeichen vor, baß irgenb jemand Deutschlanb in Verbacht hat, schwere Angriffswaffen herzustellen. — „Daily Chronicle" meint, wenn Eben bei seiner Rückkehr einen leiblich hoffnungsvollen Bericht erstatten kann, bann besteht Aussicht, baß bie britische Regierung vorschlagen werbe, eine Konferenz von acht ober neun Staaten nach einem anberen Ort als Genf einzuberufen. Das Echo her Berliner preffe. Edens Mission auf der Europareise Die Times erkennt das Recht Deutschlands auf Verteidigungswaffen an. Warnungen aus London Beobachtungen britischer Korrespondenten in Wien. Eonbon, 16.Febr. (DNB.-Funkspruch.) „News Chronicle" wird aus Dien berichtet: Die Erwartung, bah die österreichische Arbeiterschaft in ihrer Verzweiflung zu den Nationalsozialisten übergehen werde, hat sich bereits bestätigt. „Eieber Hitler als Dollfuß" und ähnliche IDorte konnte ich gestern bei einem Besuch in einem Arbeiterviertel hören, das schwer unter der Beschießung gelitten hat. Die Zeitungen fahren auf Weisung von oben her fort, irreführende Darstellungen über die Ursachen und den Verlauf der Unruhen zu veröffentlichen. Um dem Publikum die volle Kenntnis der Tatsachen vorzuenthalten, hat die h e i m w e h r am Donnerstag d i e Geschäfts st ellen der größten Zeitung s-vertriebsgesellschaften übernommen, um die ausländischen Blätter einer Zensur zu unterwerfen, bevor sie an Zeitungshändler gehen. 3n der presse wird die Hoffnung ausgesprochen, daß es nicht zu der von den Sozialisten vorausgesagten „Hinrichtungsorgie" kommen werde. „Daily Telegraph" erfährt, die britische Regierung habe in der diskretesten und freundschaftlichsten Weise dem Bundeskanzler und der österreichi- schen Regierung gegenüber der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß diese Wilde zeigen werde. Die neue französische Regierung habe, wie es heißt, in Wien ähnliche Ratschläge gegeben. Großbritanniens Rat fei im verlaufe diplomatischer Erörterungen gegeben worden und habe keinen formellen Schritt bedeutet. Gtarhemberg fordert die völlige Diktatur. London, 16. Febr. (DNB. Funkspruch.) Ver- chiedene Blätter melden aus Linz Interviews mit »em Heimwehrführer Fürst Starhemberg. Er oll erklärt Haden, baß jetzt in Oesterreich eine völlige Diktatur bie halbe Diktatur von Dr. Dollfuß ersetzen müsse; es werbe unvermeidlich sein, dieser Tage einige sozialistische Führer zu hängen, allerdings sei er mehr für Erschießen als für Erhängen, denn sie hätten tapfer gekämpft. Es wäre denkbar, daß man ein Kompromiß mit den österreichischen National- s o z i a l i st e n zustande brächte. Gegenwärtig aller- bings könne er keine Grundlage für Verhandlungen entdecken. Die Nationalsozialisten würden vielleicht sich im Kabinett mit dem Posten des Innenministers und Des Ministers für öffentliche Arbeiten begnügen, aber dies könnte sich als bas „dünne Ende eines Keiles" Herausstellen. Die tschechische Währungsreform Herabsetzung des Goldgehaltes der tschechischen Krone um ein Sechstel. Prag, 15. Febr. (DNB.) Die Regierung unterbreitete dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf, durch den der Goldgehalthertschechischen Krone um ein Sechstel, von 44,58 auf 37,15 Milligramm herabgesetzt wird. Die National- bank wird verpflichtet, eine Golddeckung von m i n b e stens 2 5 v. H. bes gesamten Banknoten- Umlaufs aufrecht zu erhalten. Der Zuwachs an ®°lbmert, her aus her Umrechnung entsteht, wird auf die Staatsnotenschuld verrechnet werden. Mb nisterpräsident Malyp^tr wies auf das Mißverhältnis hin, das zwischen der Kaufkraft der tschechoslowakischen Krone und ihrem Auslandsstand zu- taoegetreten sei. Die Beseitigung dieses Mißverhältnisses soll durch die Verminderung des Goldgehaltes der Krone um ein Sechstel oorgenommen werden. Malypetr stellte fest, daß die Regierung keine Inflation zulassen werde und konsequent gegen jene vorgehen werde, die ihre Bestrebungen zunichte machen wollten Der große finnische Spionenprozeh beginnt in Abo. In Abo (Finnland) begann der mit großer Spannung erwartete Prozeß gegen die be- kannte Spionenliga. 28 Angeklagte stehen vor Gericht, darunter als Hauptangeklagte Frau Martin und ihr Helfershelfer Jacobson. Aus Gründen der Staatssicherheit wurde sofort die Oef- fentlichkeit ausgeschlossen. Zwei Verteidiger wurden abgelehnt, da sie im Verdacht früherer kommunistischer Tätigkeit stehen. Man rechnet mit einer langen Dauer des Prozesses. Die finnischen Militärbehörden haben zahlreiche Beobachter und Sachverständige zu der Perhandlung entsandt. Der Beschluß des Gerichts, die Oeffentlichkeit auszuschließen, legt die Vermutung nahe, daß es der Spionenliga bzw. dem nach Rußland geflüchteten finnischen Generalstabsoffizier P e n t i ka i n e n doch gelungen ist, wichtige militärische Geheimnisse vor seiner Flucht an Rußland zu verraten. Landesinspekteur Habicht im Rundfunk. Berlin, 15. Febr. (DNB.) im Rundfunkt führte der Landesinspekteur für Oesterreich Habicht u. a. aus, daß die österreichische Regierung noch vor kurzem g«gen den Nationalsozialismus die Anklage erhoben habe, daß nur er es sei, der den inneren Frieden und die äußere Unabhängigkeit Oesterreichs bedrohte. Selten sei eine Lüge schneller und radikaler widerlegt worden. Noch während die angerufenen Mächte mit der Prüfung des Anklagematerials beschäftigt gewesen seien, sei in Wien der bolschewistische Auf st and losgebrochen. Und während man die Frage erwogen habe, ob und bis zu welchem Grade deutsche Papierböller geeignet seien, den europäischen Frieden zu bedrohen, eröffnen an der Donau mit französischen Stahlhelmen, tschechischen Gewehren und Geschützen und russischer Munition ausgerüstete bolschewistische Aufrührer das Feuer gegen die Truppen der derzeitigen österreichischen Regierung. Nur einer habe nicht teil an diesem Chaos, der Nationalsozialismus. Was sich hier auf deutschem Boden austobt und deutschen Männern die Waffen gegen Deutsche in die Hand drückt, das ist der Zusammenprall fremder Mächte auf deutschem Raum, denen sie — bewußt oder unbewußt — als Legionäre dienen. Wenn heute Dollfuß und die Heimwehr den Anschein zu erwecken versuchten, als ob ihr jetziger Kampf gegen den Marxismus die letzte logische Konsequenz eines von Anfang an planmäßig geführten Kampfes zur Ueberwindung des Bolschewismus sei, so sei das falsch. Die marxistischen Führer, die sie heute als Hochverräter verfolge, seien dieselben, die sie g e st e r n y i n t e r d e n Kulissen als Verbündete zum Kampf gegen den Nationalsozialismus geworben habe. Nur, weil in dem Kräfteverhältnis ihrer ausländischen Geld- und Ratgeber eine entscheidende Verschiebung eingetreten sei, gingen sie heute mit Granaten und Flammenwerfern gegen sie vor. Von nun an hat Dollfuß außer dem Nationalsozialismus zur Rechten auch noch den zwangsläufig nun ebenfalls illegal kämpfenden Marxismus zur Linken zum Todfeind. Zwischen diesen beiden Mühlsteinen wird diese Regierung ohne Volk zermalmt werden, wenn sie wahnsinnig genug sein sollte, den Kampf fortzuführen.' Die Wehrmacht Oesterreichs schießt heute noch auf verhetzte Arbeiter, die — wenn auch auf falschen Wegen — gute und tapfere Deutsche sind, sie muß sich entscheiden, ob sie morgen auch auf Nationalsozialisten schießen und dann übermorgen vielleicht schon auf der Seite der Feinde Deutschlands gegen das. Reich marschieren will. Die nationalsozialistische Bewegung denkt groß und frei genug, um allen denen ihren Respekt zu bezeugen, die — auf welcher Seite immer — heldenhaft kämpften für ihre Vflicht oder ihre Ueberzeugung und damit bewiesen^ daß sie unbeschadet ihrer Parteifarbe zutiefst echte Deutsche sind, aber sie opfert selber keinen Mann und keine Patrone, weil jede mögliche und denkbare Lösung dieses Kampfes eine Lösung gegen Deutschland, gegen das deutsche Volk wäre. Mögen jene, die Träger der Staatsgewalt und im Besitze der Macht sind, sich anqesichts des unbeschreiblichen Elends der ganzen Größe ihrer Verantwortung bewußt werden, damit in letzter Stunde noch das letzte und größte Unglück verhütet werde. Starkes Vertrauensvotum der Kammer für das Kabinett Doumergue. Keine Gtraßenkundgebungen, aber kommunistische Lärmszenen im Parlament. Paris, 15. Febr. (DNB.) Das Bild vor der Kammer am Donnerstag unterschied sich von dem der letzten Zeit insofern ziemlich bedeutend, als außer dem üblichen Ordnungsdienst weder Polizeireserven, noch Mobilgarde zu sehen war. Vo dem Kammergebäude standen einige wenige Polizeibeamte, die den Straßendienst versahen. Auf den umliegenden Straßen, besonders auf dem Boulevard Saint Germain war die Polizei kaum verstärkt worden. Es stand jedem frei, bis an das Kammergebäude heranzukommen. Lediglich auf der Place de la Concorde standen an 50 Personen, die über die letzten blutigen Zusammenstöße sprachen. Die Kammersitzung begann mit wiederholten k o m- munistischen Störungsversuchen. Als Ministerpräsident Doumergue im Saal erschien, wurde er von der Rechten und der Mitte stehend mit lebhaftem Beifall begrüßt, dem sich auch die meisten Radikalsozialisten anschlossen. Auf den Bänken der Kommuni st en erhob sich dagegen ein wildes Gebrüll, das schließlich in einen Sprechchor ausartete: Mörder! Mörder! Nieder mit Tardieu! Nieder mit dem Faschismus! Nieder mit der nationalen Union!" Diese Rufe wiederholten sich, als Doumergue die Rednertribüne betrat, um die Regierungserklärung zu verlesen. Immer wieder wurde er von den Kommunisten unterbrochen, die ihm vorwarfen, er habe Arbeiter getötet und sei ein Vertreter der Klassenjustiz. Die Kommunisten verlangten ferner die Verhaftung Chiappes. Der Kammer bemächtigte sich eine sichtbare Erregung, doch gelang es, die Ruhe wiederherzustellen. Oie Regierungserklärung hatte folgenden Wortlaut: „Die Regierung, die sich dem Parlament vorstellt, ist gebildet worden zur Herstellung des Burgfriedens der Parteien. Nach den tragischen, schmerzlichen Ereignissen der letzten Tage hat sie allen Grund zu der Annahme, daß dieser Burgfriede den Wünschendes Landes und des Parlaments entspricht. Ein dringliches Werk der Gerechtigkeit ist durchzuführen. Der Burgfriede und die Beruhigung der Geister werden es ermöglichen, diese Aufgabe zu verwirklichen ohne jede Leidenschaft, aber auch mit dem Willen, die Schuldigen, wo sie auch st ecken mögen, ausfindig zu machen, zu verfolgen und zu treffen. Neben diesem Werk der Gerechtigkeit gibt es ein anderes nicht weniger dringliches, das der moralischen Gesundung, die die freiwillige Uebernahme einer gewissen Disziplin erfordert. Sie verlangt bei den führenden Kreisen Konsequenz und Autorität und bei denen, die geführt werden, den Respekt vor der Berufspflicht. Der Burgfriede ist auch notwendig, damit das Land schleunigst einen Staatshaushaltsplan erhält, den es erwartet, und dessen schnelle Verabschiedung die Festigkeit der französischen Währung schützen soll. Ein ausgeglichener Staatshaushalt und eine feste Währung werden den Erzeugern und Verbrauchern Vertrauen einflöhen. Die Rückkehr des Vertrauens wird stark zur Ankurbelung der nationalen Wirtschaft und zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit beitragen. Auch die auhenpolitischen Fragen erheischen gebieterisch den Burgfrieden der Parteien und die Beruhigung der Geister. Der Friede unter den Franzosen ist ein starkes Element der Garantie des Weltfriedens, sowie der Sicherheit Frankreichs. Rur dieser innere Friede wird uns die Autorität geben, eine nützliche Rolle im Völkerbund und auf internationalem Boden zu spielen. Rur er wird es uns erlauben. im Einvernehmen mit Bürgern unseres Landes die wirksamen Sicherheits- mahnahmen zu ergreifen, die Frankreich gegen gefährliche R e b e r r a s ch u n- gen schützen. Wir verlangen von Ihnen, uns Ihre volle Unterstützung zum Wohle Frankreichs, zum Schutz Der parlamentarischen Einrichtungen und der republikanischen Freiheiten zu gewähren. Unser Land hat in kritischen Stunden stets verstanden, sich aufzuraffen. Eine solche Auf- raffunq ist heute geboten. Wir vertrauen darauf, daß Sie dies begreifen und uns helfen. Wir bitten Sie, uns das gleiche Vertrauen entgegenzubringen." Oie Interpellationen zurückgestellt. Die Regierungserklärung wurde von der Mehrheit mit lebhaftem Beifall aufgenom- m e n. Die Sozialisten enthielten sich jeder Kundgebung, während die Kommunisten den Lärm fortsetzten. Nach der Regierungserklärung verlas der Kammerpräsident die Liste der Interpellationen und richtete an die Regierung die Frage, wann sie die Behandlung der Interpellationen vornehmen lassen wolle. Ministerpräsident Doumergue beantragte die Vertagung sämtlicher Interpellationen bis nach Verabschiedung des Haushaltsplanes Er habe sich zur Aufgabe gemacht, die Justiz walten zu lassen, den Haushalt zu verabschieden und wachsam zu verfolgen, was im Auslande vor sich gehe „Wenn Sie nicht blind und taub sind", rief Doumergue in diesem Zusammenhang aus, „müssen Sie sehen, daß das, was i m Ausland stellenweise vor sich geht, äußerst gefährlich ist." Er knüpfte daran die Mahnung zur Ruhe und Einigkeit, die wiederum von den Kommunisten mit wildem Lärm beantwortet wurde. Nachdem ein Abgeordneter der äußer- st e n Rechten, der als Interpellant oorgemerkt war, sich mit dem Vertagungsvorschlag des Ministerpräsidenten einverstanden erklärt hatte, legte Leon Blum für die sozialistische Fraktion Verwahrung gegen die Vertagung der Interpellationen ein. Die Kammer stehe heute nicht nur einer neuen Regierung, sondern einem ganz neuen politischen 6 p ft em gegenüber. Es sei daher eine Zumutung, eine Vertagung der Interpellationen zu verlangen. Löon Blum wandte sich mit äußerster Schärfe gegen die „faschistische Gefahr", worauf er von der Rechten mit dem Zuruf „Provokateur" unterbrochen wurde. Die Ausführungen Leon Blums waren infolge der häufigen Zwischenrufe teilweise nicht zu verstehen. Um so deutlicher klang sein Mahnruf durch den Saal: „Auflösung! Auflösung!", womit er den von den Sozialisten neuerdings vertretenen Standpunkt bekräftigte, daß dem Lande baldmöglichst Gelegenheit gegeben werden müsse, sich zur neuen Lage durch Neuwahlen zu äußern. Oas Vertrauensvotum. Der neusozialistische Abgeordnete Montagnon vertrat die Auffassung, die wichtigste Frage sei heute wirtschaftlicher Art. Die neue Regierung möge ein Wirtschaftsprogramm einbringen, das von allen Parteien angenommen werden könnte. Die Stunde der reinen Politik fei vorbei. Der Vorsitzende der radikalsozialistischen Fraktion, Chautemps, wandte sich dagegen, daß man versuche, die letzten Ereignisse gegen seine Partei auszuschlachten. Er forderte die Zusammenarbeit der Republikaner. Die Stunde sei ernst. Eine legale Regierung, die das Vertrauen der Kammer besaß, habe zurücktreten müssen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Doumergue habe das Vertrauen und die Unterstützung der Radikalsozialisten für die beschränkte Aufgabe, die er sich gestellt habe: Justiz, Haushalt und Außenpolitik. Die Partei werde Bedenken zurückstellen. Die Kammer hat bann mit 402 gegen 125 Stimmen bei 68 Stimmenthaltungen dem Anträge der Regierung auf Vertagung der Interpellationen zugestimmt und ihr damit das Vertrauen ausgesprochen. Während der ganzen Sitzung ist es fortwährend zu Unterbrechungen durch lärmende Kundgebungen gekommen. Um die Kammer herum ist alles ruhig. Aus aller Welt. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. 11700. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen. Eampbell will mit feinem Rennwagen 480 Stundenkilometer fahren. „News Chronicle" in London meldet, die äußere Hülle des neuen riesigen Rennwagens, der für Sir Malcolm Campbell gebaut werde, sei von zwei deutschen Fliegern entworfen worden. Die ursprünglich vorgesehene Hülle habe etwa die Gestalt eines Haifisches gehabt, habe aber den Luftdruck nicht genügend vermindert. Die von den beiden Deutschen entworfene Hülle habe zunächst allgemeine Heiterkeit erregt. Sie ließ sich etwa mit einem riesigen Käfer mit einem Höcker und zwei seitlichen Auswüchsen vergleichen. Bei Versuchen in einem Windtunnel habe es sich herausgestellt, daß dieses Modell dem englischen überlegen war. Campbell hoffe, mit seinem neuen Wagen im August auf dem trockenen Salzsee in Utah in den Vereinigten Staaten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 480 Kilometer in der Stunde (!) zu erreichen. Todesurteil gegen den Kommunisten Schulz. Das Schweidnitzer Schwurgericht verurteilte den früheren kommunistischen Landtags-Abgeordneten Schulz aus Dittersbach, Kreis Waldenburg, wegen Mordes an seinem 10jährigen Sohn Horst zum Tode. Schulz war, rote erinnerlich, bereits am 20. September 1932 vom Waldenburger Sondergericht wegen schwerer Mißhandlung seines damals 11jährigen Sohnes Werner zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Horst Schulz war seit den Sommerferien 1932 verschwunden. Seine Leiche wurde im März 1933 in einen Sack gewickelt aus der Weistritztalsperre Breitenhain gezogen. Schulz, der bisher behauptet hatte, sein Junge sei in Rußland, gab damals an, der Knabe sei vom Rade gestürzt und dabei tödlich verunglückt. Im Verlaufe des Prozesses kamen die furchtbaren Mißhandlungen zur Sprache, denen sowohl die beiden Kinder als auch die zweite Frau des Angeklagten ausgesetzt waren. Der Staatsanwalt kam in seinem Plaidoyer zu dem Ergebnis, daß die Tötung des Knaben vorsätzlich erfolgt sei. Der tschechoslowakische Großindustrielle Ignaz petschek f. Der bekannte Großindustrielle Ignatz P e t s ch e k ist in Außig (Elbe) im Alter von 77 Jahren g e - ft o r b e n. Petschek, der einen bedeutenden Teil der nordböhmischen sowie auch der reichsdeutschen Braunkohlenindustrie beherrschte, ist in der deutschen Oeffentlichkeit vor allem durch den Riesenprozeß bekannt geworden, den er gegen den Schwiegervater seines Sohnes, Prof. Dr. Caro geführt hat. Es handelte sich dabei, wie erinnerlich, um die Streitfrage, ob Caro seiner Tochter eine M i t g i f t in Höhe von 400 000 Mark mitgegeben hat. Während Caro behauptete, die Summe gezahlt zu haben, wurde dies von den Petscheks bestritten, die deshalb gegen Caro einen Prozeß wegen versuchten Betruges und Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung anstrengten. Der Prozeß, der ungeheure Kosten verursachte und fast sieben Monate dauerte, endete am 23. Dezember 1932 mit der Freisprechung Prof. (Taros. Wildernde Hunde überfallen eine Schafherde. Ein Wanderschäfer aus dem Westfälischen hatte seine Schafherde von 410 Tieren zur Nachtzeit oberhalb des Dorfes Brachbach (Sieg) eingepferscht. Hunde brachen in die Herde ein und rissen 16 Schafe, davon zwei so schwer, daß sie nicht mehr oerwendungsfähig waren. Die übrige Herde hatte sich dem Wüten der Hunde durch die Flucht entzogen und sich über die ganze Gemarkung zerstreut. Mit Hilfe der Bevölkerung gelang es dem Schäfer, die Herde im Laufe des Tages wieder zusammenzubringen. Verhängnisvolles Spiel mit den Feuer. Am Fastnacht-Dienstag spielten in der Gemarkung des Koblenzer Vororts Moselweiß einige Kinder „Feuerchen". Dabei fingen die Kleider eines neunjährigen Schülers Feuer, worauf der Kleine lichterlob brennend daoonlief und schwere Brandwunden erlitt. Durch herbeigerufene Sanitäter wurde der schrecklich zugerichtete Junge in ein Krankenhaus ■ gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt. Das Rettungswerk für den Eisbrecher „Tscheljuskin" In Moskau wird halbamtlich mitgeteilt, daß heute fünf russische Großflugzeuge, die am Nordkap stationiert waren, aufgestiegen sind, um die Mannschaft des Eisbrechers „Tscheljuskin" zu retten. Die Flugzeuge mußten jedoch bald nach ihrem Aufstieg wieder niedergehen, da ein Schneesturm die Flugzeuge gefährdete. Man rechnet aber damit, däß es gelingen wird, den Aufenthaltsort der bedrängten Mannschaft zu erreichen. Der Führer der „Tscheljuskin"-Expedition gibt in einem Funkspruch bekannt, daß der Bau einer Baracke für fünfzig Mann bald vollendet sei. Anschließend werde man eine Küche und einen Signalturm auf dem Eise erreichten. Nach der letzten Standortmessung befindet sich das Lager 130 Kilometer von der Küste auf 67 Grad 17 Minuten Nordbreite und 172 Grad 51 Minuten Westlänge. Die Mannschaft ist wohlauf. Ehe der Eisbrecher „Tscheljuskin" versank, wurden die Taue zerschnitten, mit denen die Deckladung festgemacht war. Die Berechnung erwies sich als richtig, denn ein beträchtlicher Teil der wertvollen Ladung tauchte nach einiger Zeit zwischen den Eisschollen wieder auf und konnte geborgen werden. Kunst und Wissenschaft. Der Adlerschild für Hermann Stehr. Der Herr Reichspräsident hat dem Dichter Hermann St e h r aus Anlaß seines 7 0. Geburtstages den Adlerschild verliehen und mit fol« ; genoem Glückwunschschreiben zugehen lassen: Sehr geehrter Herr Stehr! Zu Ihrem 70. Geburtstage spreche ich Ihnen meinen herzlichsten Glückwunsch aus. Sie können an diesem Tage auf ein Leben, reich an Arbeit und künstlerischem Gestalten zurückblicken, mit dem Sie das deutsche Volk und die deutsche Kunst in dichterischen Werken von besonderer Kraft und Tiefe beschenkt haben. Daß der deutsche Mensch in seiner unsicheren und chaotischen Vergangenheit den Glauben an die letzten Werte des Lebens und damit an die Zukunft nicht verloren hat, ist namentlich auch Ihr Verdienst. Dem Dank, den das deutsche Volk Ihnen schuldet, gebe ich gerne Ausdruck, indem ich Ihnen mit meinen besten Wünschen für Ihr ferneres Schaffen und Ihr persönliches Wohlergehen die höchste Ehrung des Reiches, den Adlerschild, verleihe, der auf der Vorderseite das Symbol des Reiches, auf der Rückseite die Widmung „Dem deutschen Dichter" trägt. Mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr ergebener (gez.) von Hindenburg. Zugleich hat der Reichsminister des Innern Dem Dichter feine aufrichtigen und herzlichen Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Uraufführung von Mussolinis Rapoleon-Drama in Berlin. Im Berliner Staatstheater erlebte ein dreiaktiges Schauspiel „10 0 Tag e", das den italienischen Staatschef Benito Mussolini und Giovachino Forzano zu Verfassern hat und von Geza H e r c z e g ins Deutsche übertragen worden ist, vor ausverkauftem Hause seine Uraufführung. In den Logen sah man den Führer, ferner Ministerpräsident Göring, Reichswehrminister v. Blomberg, Reichspropagandaminister Dr. Goebbels, Kultusminister Rust, sowie Den italienischen Botschafter Berutti. Die meisterhafte Aufführung — die Titelrolle, Napoleon, spielte Werner Krauß — löste wiederholt den stärksten Beifall der Zuschauer aus. Wettervoraussage. Das Hochdruckgebiet, dessen Kern immer noch mit sehr hohen Barometerständen über den britischen , Inseln lagert, breitet sich wieder mehr östlich aus i und nimmt auch Deutschland mit in seinen Bereich. Zwar fließt an feiner Nordseite in Verbindung mit den vorüberziehenden Störungen fortgesetzt ozeanische Luft zu, wodurch stellenweise Dunst und auch Bewölkung hervorgerufen wird, doch wird sich unter dem Einfluß des hohen Luftdrucks der Himmel auch vielfach aufheitern. Dabei kommt es nachts weiterhin zu leichten Strahlungsfrösten, während tagsüber Milderung eintritt. Aussichten für Samstag: Stellenweise dunstig ober leicht wolkig, sonst vielfach aufheiternd, nachts leichter Frost, tagsüber mild, trocken. Aussichten für Sonntag: Fortdauer der Hochdruckwetterlage. Lufttemperaturen am 15. Februar: mittags 5,1 Grad Celsius, abends — 0,5 Grad; am 16. Februar: morgens —0,3 Grad. Maximum 7,3 Grad, Mini- mum —5,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Februar: abends —0,3 Grad; am 16. Februar: morgens —0,4 Grad Celsius. Amtliche Wintersportnachrichten. Vogelsberg. Hoherodskopf: Wolkig, — 3 Grad, 25 Zentimeter Schnee, verharscht. Sportmöglichkeit nur im Walde. Schwarzwald Feldderg: Wolkig, — 3 Grad, 65 Zentimeter Schnee, verharscht, Spvrt- möalichkeit mäßig. Alpen Garmisch: Nebel, — 3 Grad, 35 Zentimetr Pulverschnee, Sportmöglichkeit gut. Schön sein ist gepflegt sein ! Dosen u. Tuben ö 1 Stück SO Ma SStück 65 M» PFE/nilNß^Lanolin Creme cSeife Das Rätsel einer Krühlingsnacht Vornan von Gert Gothberg. Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Verlag, Halle, Saale 26. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Ein gelungener, schöner Abend! Kein Mensch hätte ein anderes Urteil fällen können. Und die alte Fürstin nahm stehend die Dänkesworte ihrer Gäste entgegen. Aber sie hörte kaum, was man sagte. Sie hörte nur immer Gertraudes Stimme: „Ich bin so glücklich!" „Es ist alles gut. Gott sei Dank, es ist alles gut" sagte die silberlockige Frau noch vor sich hin, als sie längst in ihrem großen, altmodischen Bett lag, über dem der Baldachin sich ausbreitete. Gertraude aber stand in ihrem Zimmer am Fenster. Mit einem von Tränen verschleierten Blick sah sie hinunter auf den nächtlichen Park. „Rudolf, wie will ich dir danken für deine Liebe. Doch wirst du mich dann noch liebhaben können, wenn du alles weißt? Wenn du weißt, daß ich dich betrogen habe, wenn auch auf eine ganz, ganz andere Weise als Lelia?" 14. Kapitel. Dolores Madeiro kam am anderen Tage. Aber ihr Einzug vollzog sich ganz anders, als man sich ihn gedacht. Ein schlankes Persönchen im schwarzen Reitkleiü und weißem, weit zurückgeschlagenem Hut ritt auf einem milchweißen Pferd in dem Augenblick auf den Schloßhof von Kleven, als man sich gerade unter die Blutbuchen zum Kaffee begeben wollte. Damen und Herren wandten sich erstaunt um, als eine fröhliche Stimme erklang: „Guten Tag. Uir sind da." Die Fürstin ging der jungen Dame entgegen. Gertraude folgte, während die übrigen Herrschaften etwas erstaunt und verlegen auf das zierliche Persönchen blickten, das mit feurigen, großen, dunklen Augen amüsiert um sich blickte. „Ja, Kindchen, zu jedem Zuge fährt mein Wagen zur Station, und nun kommen Sie als Amazone? Herzlich willkommen in Schloß Kleven! Aber wo ist denn das Gepäck, damit wir es hierher holen können?" Ein helles Lachen. Dann sagte Dolores Maderio: „Oh, uir lernten kennen ein reizendes Eheleute. Uir wohnen nun in Langenbirken. Viel Lustiges ist dort und ich fühlen mir sehr uohl. Dietz Langenbirkholz ist ein lustiges Strolch. Papa hat mit dem Papa Langenbirkholz. Geschäftsinteressen und da sind sie zusammen an den Rhein gefahren. Ich freuen mich sehr, daß aud) die junge Dame mit hier ist." Ohne jede Scheu umarmte sie Gertraude und küßte sie. „Sie sind noch viel, viel schöner geworden als in Baden-Baden. Ich bleiben ein paar Stunden hier." Fürstin Kleve schüttelte ein bißchen verwundert den Kopf. Mein Gott, der tolle Dietz Langenbirkholz! Da konnte ja was Hübsches dabei herauskommen, wenn dieser harmlose Mister Maderio seine Tochter allein in Langenbirten zurückließ. Sie kannte die Familie des Großindustriellen von offiziellen Abfütterungen her; sie hatte aber vorgehabt, im Winter einen freundnachbarlichen Verkehr mit ihnen anzubahnen. Run schien das schon eher zu werden als sie gedacht. Aber sie mußte doch erst einmal klar sehen. „Mein gutes Kind, ist Frau Langenbirkholz in Langenbirken anwesend?" „Ja! Feine, alte, gemütliche Dame ist sie. Und ich haben Miß Leehourt mitgebracht. Dort ist sie!" Triumphierend zeigte Dolores auf eine wahre Jammergestalt, die auf einem Pferde hockte. Dolores schüttelte sich vor Lachen. „Uir haben ihr eine uilde Pferd gegeben. Sehen Sie doch nur!" Die Fürstin strich über das heiße, lachende Gesicht der jungen Dame. Dann wandte sie sich an den Stallmeister, der persönlich Miß Maderios Pferd in Empfang nehmen wollte. „Greinert, sehen Sie doch erst mal dort nach dem Rechten. Führen Sie das Pferd mit der Reiterin gleich drüben hin; es ist nicht nötig, daß die Dame ein Gelächter bei meinen Gästen auslöst. Sie ist sehr lieb und vernünftig, und es ist gewiß nur ein luftiger Streich der kleinen Dame hier, den sie ihrer Aufsichtsdame gespielt hat", sagte die Fürstin leise zu dem Stallmeister. Er verbeugte sich respektvoll und ging schnell ba- von. Rach kurzer Zeit kam dann auch Miß Leehourt. Sie war noch ganz außer Atem, entschuldigte sich viele Male, während ihr anklagender Blick an Dolores hing. Der Fürstin gütige Worte jagten das kleine Unbehagen beiseite. Auch das leise Befremden der Damen, als man ihnen die junge Dame vorstellte. Gleich im Reitkostüm? Run, zum Kaffee mochte es noch hingehen, aber doch nicht etwa auch zum- Abendbrot?! Da die Fürstin den Arm um die junge Dame gelegt hatte und mit ihr den Weg zu den Blutbuchen hinaufschritt, so schlossen sich alle Gäste an. Merkwürdig nach vorn drängte sich Horst Bredow, was Gbelgarbe Urfjterberg mit einem verächtlichen Lächeln feststellte. Aber es riß ihr dabei merkwürdig weh in der Brust. Eigentli.ch hatte sie doch den Jugendgespielen immer sehr gern gehabt. Wollte der sich vielleicht auch mit vor den Triumphwagen der übermütigen Australierin spannen? lieber diese junge Dame hatte man doch genug gehört! Gras Härtlingen und der alte Gras Bredow waren zu der Fohlenkoppel hinausgegangen. Nun kamen sie ein bißchen verspätet zurück und entschuldigten sich hastig. Sie wurden der Miß Maderio vorgestellt, und Dolores blickte atemlos in das braune Gesicht des Grafen von Härtlingen. Dolores hatte bereits in dieser ersten Minute des Sichkennenlernens den Kontakt gefunden. Graf Härtlingen blickte spöttisch-überlegen auf das reizende, schwarzhaarige Persönchen. Ah! Man hatte eine Sensation! Es würde sich doch nicht etwa hier etwas anspinnen? Melanie Uchterberg sah streng auf ihre Tochter Edelgarde, der die Tränen in der Kehle saßen. Härtlingens Blick suchte Gertraude. Ein inniges Grüßen war in diesem Blick, und Gertraude fühlte, wie dick Furcht, Dolores Zauber sei stärker als der ihre, schwand. Nein! Rudolf Härtlingen war nicht wandelbar. Er nicht. Aber er ertrug auch keine Enttäuschung. Trug und Unwahrhaftigkeit verzieh er nicht! Wie eine Last senkte es sich auf Gertraude nieder. Hätte sie nicht sprechen müssen, ehe sie seine beglückenden Küsse trank? Stand nun doch nicht noch etwas zwischen ihnen, etwas, was er unbedingt hätte wissen müssen? Doch sie hatte es ihm nicht sagen können. Die gütige Frau mußte es übernehmen, ihm die ganze Wahrheit zu sagen. Wie würde er diese Wahrheit aber aufnehmen? Das frische Geplauder von Dolores Maderio verfehlte seine Wirkung nicht. Es herrschte eine recht angeregte, vergnügte Stimmung an der schön gedeckten Kaffeetafel, und warm und goldig schien die Herbstsonne. Dolores Maderio kam nicht allzulange nach Kleven. Nun, lange hätte djeses Zusammensein ja nicht gedauert. In sechs Tagen reiften alle Gäste von Kleven ab, dann brauchte die Fürstin wieder dringend ihre Ruhe. Man hatte sie viel zu lieb, um das nicht vollkommen zu verstehen. Viel Unglück würde also das fremde Fräulein nicht anriasten können. Aber es war kein Zweifel, daß verschiedene der Herren sich mächtig ins Zeug legten, um der Australierin zu gefallen. Sie nahm nicht allzuviel Notiz von ihnen, denn sie war klug, die kleine Dolores. Damen der Gesellschaft hatte sie nicht gern zu Feindinnen; aber zu Freundinnen wünschte sie sich diese auch nicht. Sie unternahm viel lieber einen wilden Ritt mit einem wagehalsigen Reiter. Schade war es, daß der tolle Dietz Langen- birkholz nicht allzu gut reiten konnte. Das war sehr schade. Er war sonst sehr amüsant. Sehr! Aber Graf Härtlingen gefiel ihr auch sehr. Eigentlich hatte sie sich auf den ersten Blick in ihn verliebt. Augenblicklich wußte sie noch nicht genau, auf welche Seite hin sie sich schlagen würde. Graf Härtlingen aber war das Ideal, was sie sich gedacht hatte. Dietz wiederum war wild und fröhlich, ging auf jeden ihrer Streiche bedingungslos ein und ermunterte sie noch obendrein dazu. Er fand alles schön und recht, was sie tat, was ihr bei dem Grafen Härtlingen zweifelhaft war. Er sah ganz danach aus, als werde er eine Frau ganz und gar beherrschen, als werde immer nur fein eiserner Wille gelten, auch wenn er eine Frau liebte. Hm! Das wäre natürlich unbequem und gäbe zu allem möglichen Anlaß. Papa ließ ihr jeden Willen, und Dietz Langenbirkholz war ganz und gar derselben Meinung, daß man ihr jeden Willen tun müsse. Während Dolores das alles blitzschnell überdachte, zujte ihr Blick amüsiert über einige der Damen hin. Gertraude schien ihr beinah die einzige gut gekleidete Dame zu sein. Sie bewundene ohne Neid deren Goldhaar und faßte sich dann etwas mißmutig an die eigenen rabenschwarzen Locken. „Wie eine Zigeunerin sehe ich aus. Papa sagt, er wüßte nicht, wie ich dazu käme, so auszusehen. Mama ist blond gewesen, und er selbst — haha!, was für Haare hat mein Vater eigentlich gehabt? Seit ich ihn kenne, hat er eine Glatze." Die jungen Leute lachten harmlos; aber einige ältere Damen sahen mit schlecht verborgener Mißbilligung auf das burschikose Geschöpf. „Uir reiten ein Fuchsjagd in Langenbirken. Ich freue mich. Bitte kommen Sie doch alle hin und reiten Sie mit." Dolores hatte augenscheinlich keine Ahnung, daß sie über den Kopf der Herrin von Langenbirken hinweg einfach eine Einladung ergehen ließ, zu der sie absolut kein Recht hatte. Die Fürstin machte der peinlich werdenden Stimmung dann sehr rasch ein Ende, indem sie Miß Dolores mit zu sich in ihren kleinen Salon nahm. Erstens wollte sie wirklich ein bißchen allein mit ihr plaudern, und zweitens wollte sie ihr doch lieber einige Verhaltungsmaßregeln geben. Diese Unterredung fiel dann sehr drollig aus, denn Dolores verwahrte sich energisch gegen engherzige Sitten und Gebräuche. „Ich uill es nur Papa sagen, daß uir so schnell als möglich wieder heim uollen", sagte sie, und Tränen des Zornes standen in ihren dunklen Augen. „Menschen hier sind — sind so kleinlich, so eng, so — so — nur Dietz Langenbirkholz ist lieb. Ich hatte mich so gefreut, aber es gefällt mir hier nicht. Liebe Tante Fürstin, kommen Sie lieber nach Langenbirken, da ist es lustig. Sehr, sehr lieb und luftig." Da war nun nicht viel zu machen. Aber die Fürstin war jetzt sehr froh, daß die Kleine nicht für ganz hier wohnen würde. Es hätte doch einen heillosen Wirrwarr gegeben. Die Damen hier waren un einmal wirklich ein bißchen engherzig, das ließ sich durchaus nicht wegleugnen. (Fortsetzung folgt.) | GOETHE-BUND Sonntag, 18. Februar 1934, abends 8 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität, 2. Stock: Max Danthendey-Aheiid und Änsslellnng deutsche Heimatliche... deutsches Heimweh... 1. Annie Danthendey erzählt aus dem Leben und Schaffen des großen deutschen Dichters 2. Ausstellung eines großen Teiles seiner Original- Aquarelle, die damit znm ersten Male in ihrer wundervollen Faibenpracht der Öffentlichkeit gezeigt werden. Eintrittskarten: Mitglieder des Goethe-Bundes bis znzwei Plätzen freien Eintritt, Verbandsmitglieder 60 Pf. gegen Einlösung des Gutscheines Nr. 1 aus dem gelben bzw. braunen Gutscheinheft (Kaufm. Verein und Gew.-V. Nr. 9), ebenso Volkshochschule, NS. Lehrerbund n. 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Alle Berufskameraden wollen sich diesen wichtigen Vortrag anhören. 970d V.W.A. Samstag, d. 17. Februar, abds. 8.15 Uhr, im DHV.-Haus Lonystraße (971D (nicht Caf^ Leib) Geselliges Beisammensein Radfahrer Achtung! Montag, den 19. Februar 1934, 20 Uhr, in der Turnhalle der „Pesfalozzischule“, Wernerwail, Beginn der Fahr-Stunden in Radball, Kunstfahren, Schul-und Kunstreigen Interessenten sind herzlich willkommen 9550 la oberhess. Land-Blut- und -Leberwurst . .Pfd. 46 Rotwurst, Thür. Art.. .Pfd. 65 Streichleberwurst. TA Pfd.20 Kaufhaus A a Karl JBhil®» Dölf 224er» öufommenM b. Kam. Wenner (Auerhahn) am 17. Febr. 1934. Chaiselongue Sofa mit zwei Sesseln 2 tüt. Schrank Bett m.tadell. Federbett billig zu verkauf. Zu erfrag, in der Geschäftsstelle d. Gieß.Anzeig.0817 Schwartenmagen . 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März brachen Unruhen aus, die zum Sturze Metternichs und zur Gewährung einer Verfassung durch Kaiser Ferdinand!. führten. Die Unzufriedenheit mit den erlangten Errungenschaften verursachte im Monat Mai eine revolutionäre Bewegung, die im Oktober zu einer förmlichen Revolution ausartete. Die Erhebung der Arbeiterschaft nahm in jener Zeit Formen an, die mit dem heutigen marxistischen Aufstand in Oesterreich eine gewisse Aehnlichkeit haben. „Fort mrt dem verknöcherten System!" „Am Sonntag", so berichtet ein Augenzeuge über die Wiener Unruhen am 14. März 1848, „war noch alles in tiefstem Frieden. Nur unter den gebildeteren Ständen waren in den letzten Tagen Demonstrationen vorbereitet worden, so daß gestern morgen von früh an in der Nähe des Landhauses in der Herrenstraße, Wallnerstraße, auf dem Kohlmarkt, auf dem Minoritenplatze und der Freiung alles gedrängt von Menschen stand. Einzelne Gruppen bewegten sich auf dem Josephsplatze am Graben und namentlich vor dem Palais Metternich s. Ich hieß einen Zufall, der mich in die Herrenstraße führte, willkommen und so wurde ich halb freiwillig, halb unfreiwillig, mit in den Hof des Landhauses gezogen, wo die Bewegung ihren Mittelpunkt hatte. Ein junger Mann hielt eine öffentliche Ansprache, und er wurde auf die Schultern gehoben, um besser verstanden und gesehen zu werden. Er ermahnte mit ruhigen Worten zur Ruhe und Besonnenheit und verlangte, daß man die Wünsche des gesamten österreichischen Volkes den Ständen dringend ans Herz legen solle. Die Rede wurde mit lang anhaltenden Beifallrufen ausgenommen. Die Programmpunkte, die das Volk aufgestellt hatte, waren: Öffentlichkeit des Staatshaushaltes, Vertretung aller Stände auf einem gemeinschaftlichen Reichstage der gesamten österreichischen Monarchie, Vertretung des Volkes beim Deutschen Bunde, vollkommene Preßfreiheit, Freiheit und Gleichheit aller Kulte, öffentliches Gerichtsverfahren und Geschworenengerichte und Verantwortlichkeit der zu erwählenden Minister." „Viele Beamte", so fährt der zeitgenössische Berichterstatter in seiner Schilderung fort, „die von den Fenstern herab Zeugen waren, bekundeten durch lautes Klatschen ihre Zustimmung. Es traten nun nacheinander noch verschiedene Redner aus, die dieselben Wünsche aussprachen, meist junge Mediziner und Juristen. Man sandte eine Deputation in den Ständesaal hinauf, um das Programm vorzutragen. Eine Stunde wollte man auf die Antwort warten. Mittlerweile betrat ein junger Mann die Rednertribüne, zu welcher man eine Art von Schilderhaus gemacht hatte und las eine glühende Rede vor. Die Rode war energisch und voller Kraft. Sie berührte mit den schlagendsten Worten alles, was zu berühren ist und führte immer wieder darauf hin, daß es nur ein Mann sei, von dem alles Unheil herrühre. Der Eindruck war ein ungeheurer. Als ein anderer Redner offen aussprach, daß man aus Absetzung des Staatsmannes dringen solle, von dem das verknöcherte Sy st em ausgehe, erhob sich stürmischer Beifall. Hierauf langes Pfeifen und Rufen: „Nieder mit Metternich!" Alles strömte ins Palais, und als im ersten Stock irgend jemand eine Fensterscheibe zerbrach, war das Zeichen zu sofortiger Zerstörung sämtlicher nur erreichbarer Scheiben gegeben." Die ersten Toten. Ich machte nochmals wiederholte Versuche, herauszukommen", so schildert der Augenzeuge die Situation, „aber vergeblich. Man hatte mittlerweile den Ballhausplatz gesperrt. Inzwischen waren auch Leute aus den untersten Klassen zusammengekommen, und die Jugend aus diesen Klassen zertrümmerte dem Landhause gegenüber die Tafeln für Anschlagszettel, auch ein Schilderhaus sank in Trümmer. Im Hofe des Landhauses ahnte man noch nichts, als man plötzlich vom Minoritenplatze herauf ohne vorherige Verwarnung auf d a s V o l k feuerte. Man gab dreimal Feuer, worauf ich Gelegenheit fand, aus dem Landhause wegzukommen, wo man im Hofe das Pflaster ausriß und sich verteidigen wollte. Ich zählte neun Erschossene, meist Studenten, auch einen alten Herrn. Am Hof, wo das Hofkriegsratsgebäude und das Bürgerzeughaus ist, hatte sich inzwischen ebenfalls alles gefüllt, und man wollte das Zeughaus erstürmen, um die Bürger zu bewaffnen. Ich war nicht selbst zugegen, aber Bekannte erzählten mir, es sei ein fürchterlicher Anblick gewesen, als die Kürassiere eingehauen und niedergeschlagen hätten, was sie konnten. Ich sah viele Tote und Verwundete hinwegtraten, einem alten Manne mit ganz weißem Haar war der Kopf durch und durch gespalten. Am Judenplatz fuhr man gegen den Hof hin Wagen in die engen Straßen, warf sie um und füllte sie mit Steinen, die zufällig aufgeschichtet lagen, um sich auf diese Weise etwas zu verbarrikadieren. Das Militär drang jedoch bald durch und schoß und hieb auf dem Judenplatze abermals drein. Kanonen werden aufgefahren. Alle Geschäfte in der ganzen Stadt waren längst geschlossen. Auf dem Stephansplatze und an noch mehreren Plätzen waren Kanonen aufgefahren. In der Kärntner Straße wurde ebenfalls geschossen. Es muß viel Blut geflossen fein. Das Volk zerstörte alles, was an kaiserlichen Gebäuden zu zerstören war. Im Laurenzer Gebäude, wo die Zensur ist, am Polizeihause, am Hohen Markte, warf man die Fenster im Nu ein, zerbrach die Eisenstäbe an den Fenstern und warf die Statue der Justitia herunter. Als es vollkommen finster war, erhellten sich alle Fenster in der ganzen Stadt mit Lichtern, es war wie ein Freudenfest. Fürchterliches Gebrüll der aufs höchste gereizten Massen fortwährend. Schießen immer noch von Zeit zu Zeit. Auch in den Vororten waren an allen öffentlichen Gebäuden die Fenster eingeworfen, an mehreren Orten auf dem Glacis die Bäume umgebrochen und das Gesträuch niedergebrannt. Metternichs Villa auf der Landstraße war vollkommen verwüstet. An der Maria-Hilfer-Linie waren Polizei- und Zollhaus niedergebrannt, lieber» all in der Stadt waren die fürchterlichsten Verheerungen angerichtet worden. Endlich um neun Uhr verkündete ein Offizier der Bürgergarde, Metternich fei abgefetzt und gleichzeitig schlug man eine Proklamation an, die dahin lautete, daß sofort sämtliche Burger und Studenten bewaffnet werden sollten, um an Stelle des Militärs die Ruhe und Sicherheit herzustellen. Darauf beruhigte sich der Tumult. Die Ruhe sollte nicht lange anhalten. Obwohl Metternich gestürzt war, war die Arbeiterschaft mit den erlangten Errungenschaften unzufrieden. So flackerte die Revolution nach einiger Zeit wieder auf. Als die österreichische Regierung die Arbeiterlöhne herabsetzte, kam es Ende August neuerlich zu Unruhen, die im Oktober zu einer förmlichen Revolution ausarteten. „Armes,verblendeiesWien.." Der 23. August des Jahres 1848 war feit den März-Tagen wieder der erste blutige Tag im Revolutionskalender. Die Arbeiter gaben durch schwere Mißhandlung einzelner Sicherheitswachen, die in ihre Hände fielen, das Signal zum Angriff. Den Hauptanstoß verursachte eine von den Arbeitern beabsichtigte symbolische Grablegung des Arbeitsministers, die in der feierlichen Bestattung eines Popanzes mit einem Fünf-Kreuzer- stück im Mund und dem Zettel „Der Fünf-Kreuzer- Dieb" bestehen und mit einem Umzuge in der Stadt verbunden sein sollte. Als die herbeieilende Sicherheitswache einschreiten wollte, kam es sofort zu einem Zusammenstoß. Die scharf geschliffenen Grabscheite und eisenbeschlagenen Stangen, welche die Arbeiter bei sich trugen, bewiesen, daß sie für jeden Fall gerüstet waren. Die durch Alarmtrommeln herbeigerufene Nationalgarde fand die Arbeiter bereits im vollen Kampfe mit der Sicherheitswache. In der Stadt hatte sich inzwischen eine Panik verbreitet. Alles stob auseinander, Fiaker und Equipagen ergriffen buchstäblich die Flucht und die Kaufläden wurden schleunigst geschlossen, da sich das Gerücht verbreitet hatte, die Arbeiter hätten es auf einen Ueberfall der Stadt und auf Plünderung abgesehen. Die drohende Haltung der Arbeiter war inzwischen zu tätlichen Angriffen übergegangen, wobei sich besonders Frauen auszeichneten. Es wurde nicht nur von den Arbeitswerkzeugen Gebrauch gemacht, sondern die Nationalgarde wurde auch von einem fürchterlichen Stein- Gedenket der hungernden Vögel! Hagel überschüttet. Aus mehreren Hinterhalten fielen Schüsse. Nach fruchtlosen Ermahnungen eröffnete die Nationalgarde, ohne erst einen Befehl abzuwarten, das Feuer. Die Arbeiter hatten zahlreiche Tote und Verwundete, aber auch bei der Nationalgarde gab es mehrere Schwerverletzte... „In den jüngsten Tagen ist in Wien Blut geflossen. Armes, verblendetes Wien, in welcher argen Selbsttäuschung warst du befangen und wie wenig glaubtest du den Propheten, die dir von einem schweren Erwachen nach wahnsinnigen Träumen sprachen!" Diese Sätze könnten heute geschrieben worden sein. In Wirklichkeit finden wir sie wörtlich in einem Bericht, der vom 9. Sepetmber 1848 datiert ist. Dr. F. D. Oie Giraßenkämpfe in Wien. I Oben: Die Siedlung Sandleiten bei Wien wo sich der Schutzbund verschanzt und den an* drängenden Regierungstruppen erbitterten Widerstand entgegengesetzt hatte. — Unten: Stacheldrahtverhaue im Wiener Zentrum. „Wilhelm Tell" als Film. Lichtspielhaus. Die klassische Gestaltung des Stoffes ist für uns im Schlllerfchen Schauspiel niedergelegt: das wird immer seine Gültigkeit behalten, und es ist gut, von hier aus den Film zu betrachten und zu würdigen, den die Terra unter dem Protektorat von Hanns I o h st geschaffen hat. Johst, der Dramatiker und Dramaturg, schrieb auch das Drehbuch, gemeinsam mit dem Spielleiter Heinz Paul, der sich als Regisseur einiger großen Kriegsfilme für diese Aufgabe qualifiziert hat. Der Film nennt sich im Untertitel „Das Frei- heitckdrama eines Volkes", und obgleich es in der Szenenführung von dem uns allen geläufigen Aufbau der fünf Akte Schillers abweicht, sind doch die geschichtlichen Voraussetzungen, der ideelle Gehalt und die handlungsmäßigen Grundzüge der Fabel hier wie dort die gleichen. Entscheidend ist, von der ersten bis zur letzten Szene des Drehbuches, der Uebergang vom Wort zum Bild. Die Hersteller des Films haben ihre große Chance, die einzige, die ihnen angesichts des fast erdrückenden dichterischen Vorbildes in die Hand gegeben war, instinktiv begriffen und genutzt: die unbegrenzten Möglichkeiten des freien und weiten Raumes. Es ist bei einem Stoff wie dem „Tell" unzweifelhaft die ideale Lösung eines Problems, mit dem Schiller schwer gekämpft hat, wenn man die Handlung aus der bühnenmäßig allenthalben hemmenden Enge einer unzulänglichen Kulissenwelt in die großartig-natürliche Szenerie einer echten Schweizerlandschaft verlegen kann. ♦ Der „Natureingang" des Films ist für die Gesamtbehandlung des Stoffes charakteristisch: hier formt sich aus Bergen und Wolken, aus See und Alm, aus Sturzbach und Ackerfeld ein wirkliches, weites und malerisches Bild des Schauplatzes, in das die Gestalten, einzeln, in Gruppen und in Massen, alsbald organisch, maßstäblich und natürlich sich einfügen. Das gilt für den ganzen Film wie für gewisse dramaturgische Einzelheiten. Als Beispiele können gerade die Szenen und Szenengruppen gelten, die das Schauspiel natur- notwendig indirekt darstellen mußte. Die Baumgarten-Episode mit Gewalttat, Flucht, Verfolgung und Rettung über den See wird auf diese Weise dramatisch ungemein wirksam, zumal sich der freibeweglichen Kamera nirgends nennenswerte Schwierigkeiten entgegenstellen. (Ueberhaupt scheint Uns grade dieser Film mit seinen naheliegenden Devgleichsmö glich ketten außerordentlich lehrreich wirb anschaulich für eine grundsätzliche Gegenüberstellung der Gesetzmäßigkeiten und der Arbeitstechnik des Dramatikers und des Filmschöpfers.) Weiter die Melchthal-Szeneru hier kommt u. E. der Film in feiner grausigen Realistik allerdings bis hart an die Grenzen des Möglichen heran. Auch der Rütli-Schwur kann, wie wir glauben, den Vergleich mit dem Drama nicht aushalten: er besteht nur aus einigen wenigen Sätzen; die berühmtesten Verse „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern" sind wörtlich als Abschluß des ganzen Films ins letzte Bild übernommen. Höchst eindrucksvoll und szenisch geschickt gelöst erscheint dagegen wiederum die Apfelschuß-Szene, die eine freie und große Entfaltung gestattete, während sie auf der Bühne oft genug von der räumlich zusammengedrängten Masse Volkes empfindlich beeinträchtigt wird. Ebenso die anschließende Szene auf dem Schiff im Gewitter, die regiemäßig und aufnahmetechnisch eine ausgezeichnete Leistung dar- stellt. An der Kamera stand Sepp A 11 g e i e r, dem die übrigens durchweg vorzügliche Photographie des Films zu verdanken ist. * Attinghausen und Rudenz fehlen ganz. Dagegen bot der Zwingburgenbau und zuletzt die Berennung und Erstürmung von Zwinguri dem Regisseur wieder große und lohnende Aufgaben. Wie die Fabel im Bild vereinfacht und veranschaulicht wird, so scheint im Film auch die Handlung selbst einheitlicher — ohne die scharfe Scheidung in Einzel- und Massen-Aktion. Die „hohle Gasse" (vom berühmten Monolog zu schweigen) wirkt naturgemäß im Film minder grundsätzlich und eher episodisch; Vorbereitung und Motivierung des Schusses werden ausschließlich mit szenisch-mimischen Mitteln dargestellt. Aber diese Vereinfachung, die zugleich eine gewisse Vereinheitlichung bedeutet, den geschichtlichen Vorgang als gemeinsames Schicksal und gemeinsame Handlung auffaßt und gestaltet, kommt einer Verwirklichung des Leitmotivs „Freiheitsdrama eines Volkes" naturgemäß sehr entgegen. ♦ Zu den bereits geschilderten Vorzügen des Films muß ferner die in jeder Hinsicht große und instinkt- sicher zusammengestellte Besetzung gerechnet werden; sie kommt allenthalben eindrucksvoll zur Geltung, obwohl der Filmstil mit seiner betonten Sparsamkeit an dialektischen Ausdrucksmitteln natürlich der Mehrzahl der Darsteller von vornherein gewisse Beschränkungen auferlegt. Hans Marr ist der Tell: schon äußerlich eine 1 höchst angemessene Erscheinung; breit, wuchtig, männlich und ernst, wortkarg und ehrlich; ein Mann des Volkes und ein Mann der Freiheit. Ihm gegenüber Conrad Veidt, den man sehr lange nicht gesehen hat, als Geßler; Veidt spielt den Landvogt knapp und kalt, mit herrischer Schärfe und Bestimmtheit, abej auch mit Klugheit und Geschmack, jeden Anklang an den auf der Bühne oft genug peinlich wirkenden schleichenden Theaterbösewicht oder gar den augenrollenden und brüllenden „gemalten Wüterich" vermeidend. ♦ Theodor Loos ist ein würdiger und besonnener Stauffacher, Franziska K i n z eine leidenschaftliche Stauffacherin; Klöpfer, fast stumm, gibt mit großer Leidensgebärde den alten Melchthal. Emmy Sonnemann (Hedwig), Olaf Bach (Melchthal), Maly D e l s ch a f t, Käthe Haack, Carl de V o g t, Werner Schott und Friedrich Ettel seien von den übrigen genannt. * Der Film „Wilhelm Tell" läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Das Beiprogramm bringt u. a. hübsche Bilder aus München zwischen Herbst und Winter und den Vorspann zu einem großen Para- mount-Film „Revolution der Jugend". —r— Uraufführung im frankfurter Schauspielhaus. Das Frankfurter Schauspielhaus brachte die deutsche Uebersetzung des Legendenspiels „Gräfin Cathleen" von W. P e a t s zur Uraufführung. Das Stück des irischen Nationaldichters ist von hohem sittlichen und künstlerischen Wert. Ganz im Stil der alten Moralitäten, deren allzu naive Allegorien er klug umgeht, erzählt Pectts, wie die Gräfin Cathleen ihre Seele den Dämonen verkauft, um ihr hungerndes Volk vor Not und Tod zu retten, und wie Gott sie aufnimmt in fein Reich um ihrer Barmherzigkeit willen. Es geschieht nicht viel in diesem kurzen Drama, das in der dichterischen Schönheit seines Wortes ganz auf Lyrik gestellt ist und sich viel eher als ein lyrisches Zwiegespräch gestalten denn als Drama spielen läßt. Aber eben diese zarte Seele der Dichtung nimmt den Hörer gefangen, und gläubig folgt man den Vorgängen des Mysterienspiels, das sich vor unseren Ohren mehr als vor unseren Augen entwickelt. Richard Salzmann hat mit Bedacht der blu- menhaften Dichtung Bühnenleben eingehaucht. Er geht vom Dichterwort aus, läßt es ganz sich auswirken, bringt die Melodie der bildhaften Sprache zum Klingen, hüllt alles in das mystische Licht eines zarten Halbdunkels, in dem die feinen Bühnenbilder Ludwig Sieverts sich eindrucksvoll abheben, die Gestalten der Gräfin, des Dichters, der Bauern und der Dämonen märchenhaft, fast schemenhaft erscheinen. Bruno Hartl hat eine dis Stimmung klug untermalende, sich nie vordrängends Begleitmusik geschrieben, die das Mystische zu stärkster Intensität steigert. Wundervoll zarte Töne, ganz von innen her, findet Luise ©lau für die Gräfin Cathleen — eine schauspielerische Leistung von großer Geschlossenheit. Werner S i e g e r t als Dichter dürfte um eine Nuance lyrischer, verträumter, zarter sein. Scharf Umrissen sind die Dämonen Paul Verhoevens und Franz Schneiders. In den kleineren Rollen: Robert Taube als geldgieriger Bauer, Renee S t o b r a w a als gütige Amme, E. v. K l i p p st e i n als prachtvoll sprechender Engel. Das Publikum war sichtlich gepackt. Vor Beginn der Ausführung verkündete Chefdramaturg B e t h g e , daß die Stadt Frankfurt dem Dichter P e a t 5 aus Anlaß der Reichsuraufführung der „Gräfin Cathleen" die Gvetheplaketts verliehen habe. Vr. Dankbarkeit. Mitten im Getümmel der Seeschlacht von Trafalgar, während die Kugeln über das Deck fegten und das Holz zersplitterte, fand ein Matrose noch genügend Zeit, sich auf dem Kopf zu kratzen, weil es ihm eben dort juckte. Auf einmal holte er bedächtig zwischen Daumen und Zeigefinger an einem Haar ein kleines Tierchen heraus, das ihm auf den Boden fiel. Als er sich niederbückte, um ihn endgültig den Garaus zu machen, ging eine feindliche Kanonenkugel unmittelbar über feinen Rücken und schlug in das benachbarte Schiff eine große Bresche. Da überkam dem Mattosen ein Gefühl tiefster Dankbarkeit. Ihm war gewiß, daß ihn diese Kugel völlig zerschmettert hätte, wenn er sich nicht nach dem Tierchen gebückt hätte. Sv hob er es schonend auf seinen Kopf: „Weil Du mir das Leben gerettet hast, soll es auch Dir erhalten bleiben; aber laß Dich nicht zum zweiten Mal erwischen, bann erkenne ich Dich nimmer." Sochschulnackrichten. Professor Dr. R. Werner, Extraordinarius für Chirurgie und Leiter der Klinischen Abteilung am Institut für experimentelle Krebsforschung in Heidelberg, wurde zum Direktor des Krebsforschungsinstituts in Brünn (Tschechoslowakei) berufen. Professor Dr. E. Lang, Ordinarius für landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universität Königsberg, hat einen Ruf an die Technffchß Hochschule in München abgelehnt. Der Innsbrucker Ordinarius für Katechetik, Liturgik und Homiletik, Professor Dr. theoL Tt, ©älterer, wurde in den Ruhestand versetzt. S.lJporl und am Wirtschaft 6 fr* „ d. Sy, Neubesitz —5 Pfennig., späte Reichsschuld- und leicht erhöht, Altbesitz und späte Reichsschuld- n bi Sportabteilung des Tv. Wieseck. Garbenleich I — Wieseck I 3.8 (2:4). Die drei Mannschaften des To. Wieseck waren er- mit Frankfurter Börse. Nach festem Beginn abbröckelnd. Frankfurt a. M., 15. Febr. Die Börse öffnete bei lebhaften Umsätzen am Aktienmarkt * Ausdehnung der Absatzfinanzierung für Kraftwagen in Sicht. Wegen des Aufbaues und Ausbaues einer breiten Kraftwagen-Absatzfinanzierung schweben nach Informationen der Kraftverkehrs-Wirtschaft" Verhandlungen zwischen einer Großbank, einer bisher schon in das Abzahlungsgeschäft eingeschalteten Stelle und der Kraftwagenindustrie. Das Ergebnis liege noch nicht vor, da die Verhandlungen über die Aufbringung des von Jndustriefeite einzuschießenden Kapitalteils von 2 Millionen Mark noch nicht abgeschlossen seien. Im ganzen dürfe man hinsichtlich des Zustandekommens des Projekts durchaus zuversichtlich sein. RirM'dw Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 16. Februar. Gießen. Kapelle des Alten Friedhofs. 18 Uhr: Passionsandacht; Pfr. Lenz. — Petruskapelle. 20: Passionsandacht: Pfr. Trapp. — Iohannessaal. 20: Bibelstunde; Evangelist Gehring aus Möttlingen. Nundfunkausruf des Neichssportführers. Reichssportführer von Tschammer Platz teilten sich der Schweizer Hans von Allmen und der Italiener Eattaneo mit 4:52,6. Don den Deutschen belegte Roman W ö r n d l e - Partenkirchen in 4:59,8 den 9., Toni Bader in 5:13,2 den 16. und Dr. Vetter den 21. Rang. Anni Rüegg hieß die Siegerin bei den Damen. Die deutsche Meisterin Ehristl C r a n tz - Freiburg belegte in 5:40,8 den zweiten Platz und war damit nur 2,8 Sekunden langsamer als die Schweizerin. Ruth G r ü n d l e r - Partenkirchen eroberte den 7. Platz, Frau Lotte Bader kam auf den 8., Küche Grasegger aus den 11. und die Schlesierin Ilse Adolf auf den 13. Platz. Kurze Gportnotizen. Das Schweizer Olympia-Komitee hat beschlossen, zu den Berliner Spielen 1936 etwa 220 Teilnehmer zu entsenden. An der Winter-Olympiade in Garmisch-Partenkirchen sollen ungefähr 80 Schweizer Wintersportler teilnehmen. Heuchelheim Schüler — 1900 Schüler 0:2 (0:1). Die Jüngsten erledigten ihr Pflichtspiel in Heuchelheim auf dessen Platz zu ihren Gunsten. vergangenen Sonntag alle auswärts, um die Verbandsspiele auszutragen. Die 1. Mannschaft mußte in Garbenteich das Verbandsspiel bestreiten. Noch in letzter Minute mußten die beiden bewährten Halbstürmer ersetzt werden. Trotzdem war die Wie- secker Elf in bester Form und schlug den Gastgeber sicher. Gardenteich spielte sehr hart. Steinbach II — Wieseck II 2:7 (0:3). Die 2. Mannschaft war in Steinback) und trug das Verbandsrückspiel aus. Auch Steinvachs zweite Mannschaft konnte den Siegeszug der Wiesecker nicht aufhalten, die bis jetzt ungeschlagen an der Spitze stehen. Behält die Mannschaft weiter diese Form, dann dürfte ihr der Gruppensieg nicht zu nehmen sein. Steinbach 3gb. — Wieseck Jgd. 3:5 (2:2). Die Jugend war ebenfalls in Steinback, um gegen die gleiche des dortigen Sportvereins das Pflichtspiel auszutragen. Wie erwartet, kehrte auch sie mit einem Siege nach Hause. Auftakt der FLS-Wettkämpfe in Gt. Moritz. Die Deutschen zweimal Zweite. Die traditionellen FJS-Skiwettkämpfe begannen am Donnerstag auf der bekannten Corviglia-Strecke bei St. Moritz mit den Abfahrtsrennen für Herren und Damen. Der bittere Frost hatte die Fährte stellenweise vereist, und ein scharfer Wind tat das übrige dazu, um den Teilnehmern ihre Aufgabe noch besonders zu erschweren. In den beiden Konkurrenzen des ersten Tages gab es Siege der Schweizer Vertreter. Bei den Herren siegte der bekannte David Z o g g unter 43 Gestarteten in der guten Zeit von 4:27,2 vor dem Schellenberger Pfnür in 4:34,8. In den dritten buchforderungen waren behauptet, während Schutz- aebietsanleihe weiter abbröckelte. Stahlverein-Bonüs standen weiter unter Druck, gegen Bärsenschluß waren sie leicht erholt. Von fremden Werten tagen 4prozentige Schweizer Bundesbahnen von 1912 schwach und mit 135 um 2,50 v. H. niedriger, dagegen blieben Mexikaner auf der erhöhten Basis gut behauptet. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 19,1750, Altbesitz 96,38, Stahlverein-Bonds 67,50 bis 68, Schutzgebiete von 1908 bis 1911 9,30, do. von 1913 bis 1914 9,35, Buderus 77, Gelsenkirchen 63,25, Mannesmann 64,25, Phönix 49, Rhein. Braunkohlen 204,50, Rheinstahl 88,50 bis 89,25, Stahlverein 42, AEG. 30,50, Betula 125, Conti- Gummi 156,50, Daimler 45,25, Scheideanstalt 180,75, Licht und Kraft 105, J.G.-Farben 130 bis 130,38, Gesfürel 99,25, Holzmann 72, Lahmeyer 116,50, Aschaffenburger Zellstoff 37, Reichsbahn-VA. 112, Nordd. Lloyd 31,75. Schweincmarkt in Butzbach. pb. Butzba ch, 15. Febr. Zum heutigen Schweinemarkt waren 207 Stück aufgetrieben. Es wurden gezahlt für Ferkel bis 6 Wochen 16 bis 19 Mark, von 6 bis 8 Wochen 19 bis 24 Mark. Der Markt war gut und wurde geräumt. Schweinemarkt in Marburg. ][ Marburg, 15. Febr. Dem heutigen Schweine m a r k t waren 804 Ferkel und 10 Läufer zugefahren. Bei flottem Handel kosteten bis 6 Wochen alte Ferkel 12 bis 14, 6 bis 8 Wochen alte 14 bis 16, 8 bis 12 Wochen alte 16 bis 20 und Läufer 25 bis 40 Mark das Stück. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. Febr. Auftrieb: Rinder 56 (gegen 54 am letzten Donnerstagsmarkt), darunter 14 Ochsen, 2 Kühe und 40 Färsen. Kälber 925 (930), Schafe 153 (226) dsnenter 77 (169) Hämmel, Schweine 718 (850). Notiert wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber: a) 43 bis 44, b) 37 bis 42, c) 31 bis 36, d) 25 bis 30. Lämmer und Hämmel: bl) Stallmast 33, c) mittlere 30 bis 32, d) geringere 27 bis 29. Schafe: e) 28 bis 30, f) 25 bis 27, g) 22 bis 24. Schweine: a) 44 bis 48, b) 44 bis 47, c) 42 bis 46, d) 40 bis 46, e) 37 bis 43, f) und g) nicht notiert. Im Preisvergleich zum letzten Donnerstagsmarkt gaben Kälber um 1 Mark nach, Lämmer, Hämmel und Schafe konnten sich um 1 bis 2 Mk. erhöhen, Schweine lagen unverändert. Marktverkauf: Kälber, Hämmel und Schafe langsam, geräumt. Schweine langsam, Ueberstand (127 Stück). Fleischgroßmarkt: Beschickung: 1021 Viertel Rindfleisch, 147'/- ganze Kälber, 28 ganze Schafe, 685 Schweinehälften. Preis für 1 Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch I 48 bis 52, II 42 bis 50. Bullenfleisch 45 bis 50. Kuhfleisch II 34 bis 40, III 24 bis 30. Kalbfleisch II 60 bis 68, III 48 bis 60. Hammelfleisch 62 bis 70, Schaffleisch nicht notiert. Schweinefleisch I 60 bis 68. Geschäftsgang des Fleischgroßmarktes: ruhig. Mannheimer Getreidebörse Mannheim, 15. Febr. Weizen (inländischer, 76/77 kg, frei Mannheim) 19,85 bis 19,95 Mark, per Februar Bezirk 9 19,35, Bezirk 10 19,55, Bezirk 11 19,85 (ruhig); Roggen (süddeutscher, 71/72 kg, frei Mannheim) 16,90 bis 17, per Februar Bezirk 8 16,30, Bezirk 9 16,60 (ruhig); Hafer (inländischer) 15,75 bis 16 (stetig); Sommergerste (inländische, Ausstichware über Notiz) 18 bis 18,75 (ruhig); Pfälzergerste (Ausstichware über Notiz) 18 bis 18,75; Futtergerste (inländische) 17; Mais (La Plata, im Sack) 19,50; Erdnußkuchen (prompt) 16,75 bis 17; Sojaschrot (prompt) 15 bis 15,25; Rapskuchen 14,50; Palmkuchen 15,25 bis 15,50; Kokoskuchen 17,25; Sesamkuchen 17; Leinkuchen 17,25 bis 17,50; Biertreber (mit Sack) 16,75; Malzkeime 14 bis 14,50; Trockenschnitzel (ab Fabrik) 9,75 bis 10; Rohmelasse 8,50; Steffenschnitzel 11,25; Wiesenheu (loses) 6,40 bis 6,80; Rotkleeheu 6,80 bis 7; Luzernekleeheu 8 bis 8,20; Stroh, Preßstroh, Roggen-Weizen 2,20 bis 2,40, Hafer-Gerste 1,80 bis 2; geb. Stroh, Roggen- Weizen 1,40 bis 1,60, Hafer-Gerste 1,20 bis 1,40; Weizenmehl (Spezial 0 mit Austauschweizen) per Februar 29,70, per März 30 (ruhig); Weizenmehl (Spezial 0, aus Jnlandweizen) per Februar 28,20, per März 28,50; Roggenmehl (70/60 v. H., norddeutsches, prompt) 22,50 bis 24 (ruhig); Roggenmehl (Pfälzer und süddeutsches, prompt) 23,25 bis 24,25 (Mehl ohne Skonto); Weizenkleie (feine, mit Sack) 10,50, (grobe, mit Sack) 11; Roggenkleie 10,50 bis 11,25; Weizenfuttermehl 11,75; Roggenfuttermehl 11,50 bis 12; Weizennachmehl 15,30 bis 15,50; Weizennachmehl IVB 16,50 Mark. Auch an Frankreichs Skimeister- schäften, die vom 20. bis 25. Februar in Supersbaaners in den Pyrenäen stattfinden, wird sich eine deutsche Mannschaft beteiligen. Die Vertretung wird gelegentlich der ?I8-Rennen in St. Moritz aufgestellt und wird den Abfahrts- und Slalom-Lauf bestreiten. * Für das 1000-Meilen-Rennen von Brescia, das am 7. und 8. April ausgefahren wird, wurde die Gesamtstrecke von 1640 auf 1620 Kilometer verkürzt. Die Wettbewerbe für Nutzfahrzeuge und Touren wagen fallen diesmal fort, es gehen nur Rennwagen in fünf Klassen an den Start. buchforderungen — 0,40, Stahlvereinbonds waren weiter angeboten und 0,25 v. H. schwächer. Von fremden Werten lagen Mexikaner fest, und zwar 5proz. Gold um 0,75 v. H., 5proz. Teuantepec um 0,8 v. H. und 4prozentige Gold um 0,25 v. H. Im Verlaufe blieb das Geschäft zurückhaltend. Aktien entwickelten sich uneinheitlich. Farben gingen unter Schwankungen um 3 v. H. bis auf 130 v. H. zurück; weiter lagen u. a. Gelsenkirchen, Harpener, Mannesmann, Rheinstahl, Phönix, Rütgerswerke, Bekula, Schuckert und Siemens, sowie Daimler und Allgemeine Lokal 6-Kraft bis zu 1,25 v. H. schwächer. Dagegen konnten sich Scheideanstalt um weitere 0,75, Goldschmidt um ebenfalls 0,75 und Rhein. Braunkohlen um 1,25 v. H. befestigen. Schwach lagen Südd. Zucker mit — 3,25 v. H. Der Rentenmarkt zeigte überroiegenb nach unten gerichtete Tendenz, und es verloren Altbesitz erneut 0,13 d. Sy, Neubesitzanleihe 20 Pf. und späte Reichsschuldbuchforderungen 0,40 d. Sy Stahlverein-Bonds ließen weitere 0,75 ü. Sy nach. Reichsmark-Anleihen aus Dollar-Bonds bei kleinem Geschäft unverändert. Staats-, Länder- und Stadtanleihen blieben gut behauptet. Von Pfandbriefen waren Goldpfandbriefe gut gehalten, Liquidationspfandbriefe zogen bis 0,50 v. Sy an, dagegen verloren Kommunal-Obliga- tionen durchschnittlich 0,25 bis 0,50 v. Sy Am Auslandrentenmarkt büßten Oesterreicher stärker ein. Tagesgeld war im Hinblick auf den • Steuertermin gesucht und 3,50 v. Sy nach 3,25 v. H. Abendbörse etwas zuversichtlicher. Die Abendbörse eröffnete mit kleinem Geschäft, und auch im Verlause erfuhr sie kaum eine Belebung. Immerhin war die Stimmung nach den Rückgängen im Mittagsschlußverkehr etwas zuversichtlich, wenn auch die Kursgestaltung noch ein ungleiches Bild bot. Die Abweichungen nach beiden Seiten hielten sich aber im Vergleich mit den Berliner Schlußkursen in engen Grenzen, und meist überwogen kleine Besserungen. Lediglich Buderus, Rhein. Braunkohlen, die man zu den in letzter Zeit stärker gestiegenen Werten rechnen muß, gaben erneut bis 1 v. Sy nach. Auch Scheideanstalt und einige andere Papiere, wie Daimler, Mannesmann, Gesfürel und Licht und Kraft bröckelten bis 0,50 v. Sy ab. Im Verlaufe waren Farbenindustrie um 0,38 v. H. fester, auch im übrigen hörte man etwas gebesserte Kurse. Rheinstahl gewannen 0,65 v. Sy Am Anleihemarkt waren Neubesitz etwas beachtet einer festen Tendenz, während der Rentenmarkt in seiner Gesamtheit vernachlässigt lag. Nach den ersten Kursen wurde das Geschäft am Aktienmarkt allerdings ruhiger bei leicht nachgebenden Kursen. Als Ursache ist die während der Börse bekannt gewordene passive Außenhandelsbilanz anzusehen, die zur Zurückhaltung veranlaßte. Die außenpolitischen Ereignisse waren für das Börsengeschäft weiter ohne Einfluß. Man konnte bemerken, daß größere Verkäufe in Renten Vorlagen, die die Grundlage zu Deckungskäufen am Aktienmarkt bildeten. Hier waren speziell wieder JG.-Farben, die um 1 v. H. höher eröffneten, um dann um 0,25 v. H. zu weichen. Auch Scheideanstalt waren gesucht und 2,25 v. Sy, Rütgerswerke 0,25 v. H. höher. Daneben lagen Montanaktien recht freundlich. Ilse Genuß befestigten sich um 2,5 v. Sy, Klöckner um 1 d. Sy, Gelsenkirchey um 0,75, Buderus und Stahlverein um je 0,50 und Rheinstahl und Mannesmann um je 0,25 v. Sy Von Elektropapieren lagen Felten 1,25 d. Sy fester, ferner Schuckert 1, Gesfürel 0,50, Bekula 0,40 v. H. höher, AEG. u. Licht & Kraft waren gut behauptet. Schiffahrtsaktien ruhig und nur knapp gehalten. Von Einzelwerten befestigten sich Reichsbankanteile um 1,50, Aku um 1,40, Bemberg um 0,65, Deutsche Linoleum um 0,40 v. Sy Auch Zellstoffwerte waren leicht erhöhte, während Daimler in Reaktion auf die gestrige Befestigung 0,25 d. Sy verloren. Der Rentenmarkt war recht ruhig und durchwegs leichter. Altbesitz —0,13 Osten sprach am Mittwochabend über den Nürnberger Sender über den Sinn der Deutschen Kampfspiele. Er wies u. a. darauf hin, welch große Aufgabe im Hinblick auf die Olympischen Spiele zu lösen sei und betonte vor allem die un- aehevre Verantwortung aegenüber der deutschen Jugend. Verpflichtung bleibe vom Anfang bis zum Ende dieser Betätigung, daß wir den Führer des Volkes, Adolf Hitler, nicht enttäuschen. Die Deutschen Kampfspiele werden das nationalsozialistische Hochfest der turnenden und sporttreibenden deutscken Jugend sein. Nürnberg, die Stadt der deutschen Meister, die Stadt der Reichsvarteitage, ist von mir, so sagte der Reichssportfüyrer, nicht ohne Grund dazu auserwählt worden, Kampfstätte der ersten nationalsozialistischen Kampfspiele Deutschlands zu sein. Die Rede klang aus in dem Ausruf: „Rüstet Euch, Kameraden, es geht um die Lorbeeren der Deutschen Meisterschaften 1934, um den Sieg bei den ersten Deutschen Kampfspielen im national- sozialistischen Staate und seiner nationalsozialistischen Stadt Nürnberg. Ehrung eines hessischen Fliegers. Der an der Technischen Hochschule in Darmstadt studierende Flieger Adam Endres bekam vom Präsidenten des Deutschen Luftsportverbandes, Hauptmann Lörzer, in Anerkennung seiner slie- aerischen Leistungen im vergangenen Jahre ein Werk über den deutschen Segelflug mit eigenhän- digr Widmung übersandt. Endres ist Inhaber des Leistungs-Segelflugabzeichens. Oer Gießener Radfahrverein 1885 in der Sportsaison 1934. Der Gießener Radfahrverein von 1885, her im verflossenen Jahre infolge seiner regen Tätigkeit auf allen Gebieten des Radsports — der Verein ließ sich sowohl das Kunst- und Reigenfahren, wie das Radballspiel und den Radrennsport immer noch besonders angelegen sein — recht beachtenswerte Erfolge seiner Arbeit erzielen konnte, hat sein Arbeitsprogramm für das Jahr 1934 auf der gleichen Grundlage wie im Vorjahr auf gebaut. Die Ausbildungsarbeit der Mannschaften im Kunst- und Reigenfahren, sowie im Radballspiel soll noch mehr ausgeweitet werden, daneben wird aber auch dem Radrennsport unter Leitung des bekannten Rennfahrers August Deibel der gebührende Platz eingeräumt werden. Die Jugend des Vereins wird im Rahmen von Wanderfahrten in das Arbeitsprogramm eingespannt. Den Arbeitsbeginn stellt ein Uebungs- abent) Anfang nächster Woche dar. OGC.-Leichtathletik. Luh (OSL.) startet in Hamburg Auf Grund feiner guten Trainingsleistungen hat der OSC. sein Mitglied Otto Luh zum Hamburger Hallensportfest, das am morgigen Samstagabend stattfindet, gemeldet. Veranstalter ist der bekannte To. Eimsbüttel, dem auch der Weltrekordmann Sievert angehört. Luh startet im Vierkampf (40-Meter-Lauf, Weit- prung, Kugelstoßen und Hochsprung). Er trifft in eder Konkurrenz aus deutsche Extraklasse. Genannt eien der Deutsche Meister Sievert und der Berliner Eberle, der bekanntlich auf der letzten Olympiade in Los Angeles für Deutschland den dritten Platz im Zehnkamvf errang. Unter diesen Umständen wäre selbst ein Achtungserfolg schon sehr hoch einzuschätzen. Luhs Stärke ist das Kugelstoßen (14,36 Meier). Im Weitsprung sollte er immerhin an die 7 Meter springen. Vielleicht fehlen ihm nur Zentimeter zum Erfolg. Spielvereinigung 1900 Gießen. Bieber L Jugend — 1900 I. Jugend 0:13 (0:6). Die erste Jugendmannschaft von 1900 Gießen besiegte die gleiche Jugend von Bieber mit dem hohen Resultat von 13:0 Toren. Das Spiel fand auf dem Platze von Bieber statt. Bei sehr schlechten Platzverhältnissen konnten die Gastaeber nicht gefährlich werden. Nach fünf Minuten Spieldauer eröffneten die Gäste den Torreigen. In kurzen Abständen stellten diese das Resultat bis zur Halbzeit auf 6:0 Tore. Nach Wiederbeginn leitete Bieber einige schöne Angriffe ein, die jedoch nicht über die heute sehr sicher spielende Verteidigung hinauskamen. Es dauerte längere Zeit, bis weitere Tore fielen. In regelmäßigen Abständen erzielten die Gäste noch weitere sieben Tore, das Endresultat auf 13:0 Tore stellend. Das Ehreptor blieb den Gästen versagt. Bieber ließ trotz der hohen Niederlage den Mut nicht sinken. 1900 spielte mit vier, Bieber mit drei Mann Ersatz. Die deutsche Stehermei st erschuft wird in diesem Jahre nur in einem Lauf, zu dem acht Teilnehmer zugelassen sind, entschieden werden. Austragungsort ist Hannover. Die erste Sitzung zur Vorbereitung der Deutschen Kampfspiele 1934 in Nürnberg fand am Mittwoch in Anwesenheit des Reichssportführers in Nürnberg statt. Aus dem äußerst umfangreichen Programm sind besonders die Bildung zahlreicher Ausschüsse zur Vorbereitung und die Festlegung des Programms für die Spiele zu erwähnen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe Der zuletzt beschloßenen Dividende an — Retchsbankdiskont 4 o H Lombardzlnsfuß 5 d. Sy Frank,uri a. Ul. Berlin Schluß« kurs Schluß,. Abend« börse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Datum 14.2. 15-2. 14.2. 15.2. •% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 95,5 95,5 95,5 95,75 6% et)em.7% Dt. Retchsanl. v. 1929 100,13 100,1 100,13 100,1 Poung-Anlethe von 1930 .. Deutsche AnI.«AblöI.«Schuld mit 93,75 93,4 93,9 93,5 Außlos.«Rechten ......... 96,5 96,4 19,175 96,75 96,4 Desgl. ohne AuSIos.«Rechte...... 19,35 19,4 19,1 6% ehem.SA» Hess. Volksstaat 1929 trückzahlb. 102%)........... 94 94,25 94 94,4 6% Hess. LandeSbank Darmstadt 90,75 Gold R. 12 . ... 90,75 — 91,5 6Vi% Hess. LandeS-Hypotheken« bank Darmstadt Ltaut..... 90,75 90,25 _ Oberhessen Provinz-Anlethe mit 92,5 Auslos.«Rechten ...... 91 —— — Deutsche Komm. Sammelabl. An« leihe Serie 1 mit AuSlos.«Rechten 94,5 94,5 94,9 94,9 6% ehem. 8% Franks. Hhp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 91,5 91,5 —— — 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bis 1986 91,5 91,5 — ehem. 4yt% Franks. Hyp.- Bank-Ltqu.-Psandbrtese..... 90,75 91 _ _ ehem. 4y,% Rheinische Hyp.-Bank-Liau.-Goidpfe. 92,25 92,75 — 6% ehem. 8% Pr. Landespfand« briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 94 94 94 94 6% ehem. 7% Pr. Landespfand« briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 94 94 94 94 Steuergutsch DerrechnunaSkurS 97,13 97,13 97,13 97,13 4% Oesterretchtsche Goldrente. 4,20% Oesterretchtsche Stlberrente 1,05 17 1,05 1,05 17 1,05 4% Ungarische Goldrente — 6,5 6,3 6,45 4% Ungarische StaatSrente v. 1910 — 6,13 6,25 6,25 4'/,% desgl. von 1913 6,4 6,25 6,2 >% abgest. Goldmexikaner von 99 ,25 9 8,4 8,9 4% Türkische Zollanleihe von 1911 6,4 6,2 6,15 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Cerir 1 6,25 6,3 6,15 Frankfurt a.M Berlin Schlußkurs Schlußk. Abend« börse Schluß» kurü Schlußk. Mittag» börse Datum 14.2. 15-2- 14-2. 15-2. 4% desgl. Serie II ....... 6,25 5 6,25 4 29 29,5 32,75 66,5 52,75 66,75 166,75 31,25 126 98,25 103,65 61,5 99,25 103,25 150 116 77,75 108 63,75 93,75 142,5 114 63,5 65.5 6,3 4,7 7,4 4 28,9 29 31,57 66 93,5 53 66 67 167,25 30,5 125 98,5 105 62 99,25 95,5 103 149 116,5 77 108 63,25 92,5 142,5 116 63,65 64,25 6,5 5 7,5 4 29 29,25 24,4 32,5 66,25 94 52,75 66,75 67,5 166 31,4 125,75 98,25 103,5 61,75 98,75 95,65 103,25 149,5 116,5 77,75 108 63,5 92,25 76,5 142 114 63,4 65 6,75 4,8 7,4 4,05 29 28,9 24,75 31,4 94 53 66 67 166,5 30,5 124,5 67,5 105,25 61,5 99,5 95,5 103,75 149 117,25 77,9 107,75 62,75 93 75 142,5 115,5 63,65 64,65 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4tz%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 8%% Anatolier ........... vamvurg-AmerUa-Paket ..... o Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa-Dampfschiff........0 Norddeutscher Lloyd ......... 0 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... * Commerz« und Privat-Bank .. 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ o Dresdner Bank.............. o Reichsbank ............... 12 A.C.G....................0 Bekula.................... 0 Dektr. LteferungSgesellsch'ast ... « Licht und Kraft g Fellen & Guilleaume .. . 0 Rheinische Elektrizität .. 6 Schuckert & Eo. Siemens« Halske.... Lahmever L erziehen haben. Dabei können ihr für eine Gesamtbewertung auch äußere Hilfsmittel von Nutzen sein: Tage- und Jahresbücher, fortlaufende Begutachtungen, Aussprachen. Sie wird sich darum bemühen, eine sichere Tradition mit gültigen und erprobten Maßstäben auszubilden. Allerdings muß jeder gouvernantenhafte Zug vermieden werden. Eine höhere Schule ist schließlich keine Besserungsanstalt und keine Mädchenpension, sondern die Erziehungsstätte lebendiger deutscher Menschen. Entscheidend für alles ist der Gei st. Eine in sich geschlossene Gemeinschaft weiß sehr genau Bescheid über ihre Mitglieder. Sie fühlt instinktiv, wer wertvoll ist und wer nicht. Sie hebt empor und scheidet aus, ohne schriftliche Gutachten. Denn sie trägt den Maßstab dessen, um das es geht, in ihrer lebendigen Mitte. Heute fehlt uns das Formgesetz einer allumfassenden Gestalt noch weithin. Dafür wirkt der Individualismus des liberalen Zeitalters noch zu stark nach, wo jeder mit feinen persönlichen Ansprüchen für sich allein stand und von den anderen durch tiefe Klüfte getrennt war. Bei solcher Geisteshaltung kann es keinen für alle verbindlichen Maßstab, kein unmittelbares Verstehen und keine instinktsichere Auslese geben. Der echte Nationalsozialist weiß ohne weiteres, was wesentlich ist, was die Gemeinschaft braucht. Aber wer dürfte sich als unbedingten Nationalsozialisten bezeichnen? So kommt es daraus an, daß jene Gesamtform der Nation erstehe, die uns alle trägt, daß jene lebendige Volksgemeinschaft erwachse, die uns ihr Gesetz auferlegt, und daß aus Blut, Boden und Geist die Schule der Zukunft emporsteige, die kein künstliches Ausleseoerfahren mehr nötig hat, weil das Leben 1 selbst, das in ihr wirkt, aussondert und beruft. Aus her Provinzialhauptstadt. GeueraloSerarzt Är. Eiegert, Darmstadt f. Im Alter von 85/4 Jahren ist in Darmstadt, wo er im Ruhestand lebte, der Generaloberarzt a. D. Dr. Siegert verstorben. Der Heimgegangene wohnte 22 Jahre lang in Gießen. Während des Weltkrieges stand er als Reseroe-Lazarettdirektor an der Spitze sämtlicher in Oberhessen eingerichteten Lazarette. Lange Jahre widmete er seine Arbeitskraft ehrenamtlich als Rechner dem Oberheffifchen Geschichtsverein. Weiter war er bei Ausgrabungen und bei der Einrichtung des Musterns im Alten Schloß in hervorragender Weise beteiligt. Für seine gemeinnützige Tätigkeit wurde er von dem früheren Großherzog von Hessen mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse Philipps des Großmütigen ausgezeichnet. In weiten Kreisen der Bürgerschaft brachte man dem Verewigten die höchste Wertschätzung und Verehrung entgegen. Eine soziale Tat der Hitlerjugend. Wie im vergangenen Jahre, so soll auch in diesem Jahre wieder die Möglichkeit geschaffen werden, erholungsbedürftigen Kindern den mehrwöchigen Aufenthalt auf dem Lande während der Sommerferien zu ermöglichen. Diesen Gedanken in die Tat umzusetzen, hat sich die Hitlerjugend zur Aufgabe gemacht. Im Bereiche des Obergebietes West, zu dem unser Oberbann Oberhessen gehört, sollen etwa 100 000 Kinder, Jungen und Mädels, die Möglichkeit erhalten, ihre Ferien auf dem Lande, fern dem Staube der Großstadt, zuzubringen. Im vergangenen Jahre hatten sich so viele Volksgenossen auf dem Lande bereit erklärt, eines dieser Kinder bei sich aufzunehmen, daß nicht alle Gesuche berücksichtigt werden konnten. Diese Volksgenossen werden nun in erster Linie gebeten, sich nochmals zu melden. Sie werden in diesem Jahre bestimmt berücksichtigt werden. Aber auch an dich, deutscher Bauer, ergeht der Ruf, die Mahnung, die Bitte: Hilf uns helfen! Erkläre dich bereit, eines dieser erholungsbedürftigen Kinder bei dir aufzunehmen. Trage dich ein, wenn du dazu bereit bist, in die Liften, die in den nächsten Tagen durch Hitlerjungen von Haus zu Haus gehen werden. Zeige, daß du den Gedanken der Volksgemeinschaft erkannt hast. Hilf uns helfen! Denn wir bitten dich nicht um unsererwillen darum, sondrn um jener hunderttausend erholungsbedürftiger Kinder, um unseres Volkes willen, dessen Erben diese Jungen einst fein werden. Und nicht ein schwaches Geschlecht, sondern nur eines, das gesund ist an Seele und Leib, kann und wird in der Lage fein, das Schicksal unseres Volkes in die starke Hand zu nehmen. Einer für alle und alle für einen. Das ist wahre Volksgemeinschaft. So laßt uns durch die Tat beweisen, daß wir ein einiges Volk geworden sind. Anfragen nimmt das Sozialamt der Hitlerjugend entgegen. Anschrift: Oberbannführung der Hitlerjugend, Friedberg, Usavorstadt 7, Fernruf 4594, Abteilung Sozialamt. Hitler-Jugend, Oberbann IV/13 Oberhessen. Hubertus Gießen. Der „Hubertus", Verein weidgerechter Jäger, Sitz Gießen, E. V., hielt — wie man uns berichtet — am 14. Februar feine Mitgliederversammlung bei überfülltem Versammlungsraum im „Hessischen Hof" ab. Nachdem eingangs der Vorsitzende des Ablebens bes Gründermitgliedes Wilhelm Möser gedacht hatte und verschiedene Neuaufnahmen erfolgt wa- Fahrt ins Land ewigen Frühlings. 23on unserem A.-Sonderberichterstaiier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! An Bord des Hapagdampfers „Milwaukee", Funchal auf Madeira, im Februar 1934. Ist es ein Traum oder ist es Wirklichkeit? Mitten im Winter bin ich im Lande des ewigen Frühlings. Ich bin an Bord des größten deutschen Motorschiffes „Milwaukee". Eine große Bord- familie, die sich aus Deutschen, Dänen, Schweden, Norwegern, Holländern, Franzosen, Engländern, Amerikanern zusammensetzt. Lissabon. Wie freut sich das Ange des Seefahrers an der Schönheit der Szenerie der Küften- ortschaften, hinter denen das Cintragebirge auffteigt. Bald fesselt den Blick der Torre S. Vicente, das Wahrzeichen der Tejo-Einsahrt, vor der er treue Wacht hält. Manuel I., der Glückliche, unter dessen Regierung (1495 bis 1521) das kleine Portugal im Glanz der Waffentaten der Entdecker, im Besitz der fabelhaften Reichtümer entdeckter Länder zu der Blüte einer kolonialen Großmacht emporgestiegen war, hat dies edle Denkmal der manuelischen Kunst nach Vasco da Gamas erster Entdeckungsfahrt in den Strom bauen lassen an der Stelle, von der aus der kühne Held die Seefahrt gewagt hat. Josephs I. genialer Minister Pombal, der dem ratlosen König auf die Frage: „Was tun?" die Antwort gab: „Die Toten begraben und für die Lebenden sorgen", hat ein schönes Lissabon ersteh-en lassen. Wieviel des Eigenartigen entdeckt der Landesfremde beim Gang durch die Stadt: Dicht am Ufer die fäulenhallen-umschloffene Praca do Com- mercio mit dem monumentalen Reiterstandbild Josephs I. Der blutigrote maurische Backsteinbau des Stierkampf-Zirkus, in dessen von 8500 Zuschauerplätzen umgebenen Arena es im Unterschied von den spanischen Stierkämpfen ganz unblutig zugeht —der wütend gewordene Stier wird von einigen seiner vernünftigen Kameraden ^abgeholt und artig hinausgeleitet. Der Fischmarkt mit feiner feilschenden Geschäftigkeit und viele Kasernen. Wie malerisch die Frauen und Mädchen ihre Tücher um- geschlagen haben, wie elastisch ist ihr Gang, wenn sie den breiten flachen Korb auf dem Kopfe balancieren. Die Menge der lebhaften, luftigen Kinder, die sich durch die Straßen treiben — Portugal kennt keinen Schulzwang und hat viele Analphabeten. Die verwahrlosten Häuser in den ärmeren Stadtteilen — all das sind Züge im Bilde der Stadt, die sich mir einprägen. Aber schön ist die Stadt, wie von der Seeseite, so von einem der „Sieben Hügel", wenn man herabblickt auf die Bewegtheit ihrer großen Plätze, auf den Hafen, in dem die Ozeandampfer von Europa Abschied nehmen. Auch wir taten es unter den Klängen des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes, verabschiedet mit dem deutschen Gruß der vielen Landsleute und Portugiesen, die sich das Schauspiel der Abfahrt des großen deutschen Schisses nicht wollten entgehen lassen. Nur 18 Stunden Seefahrt trennten uns vom nächsten Ziel, der malerisch ummauerten, weißleuchtenden, an ein kahles Kalkgebirge angeschmiegten, von der alten Zitadelle der Kasba bekrönten Mee- resftabt Tanger, die um die Mittagszeit des 21. Dezember wie ein seltsames Geheimnis lockend uns entgegengrüßt. Auf stürmisch bewegter See vollzieht sich das Ausbooten. Nicht wenige ziehen den sicheren Aufenthalt an Bord vor. Schade. Man muß sie gesehen haben, diese seit 1911 internationalisierte Hauptstadt des römischen Mauretanien, die heute von 10 000 Europäern, 35 000 Mohammedanern und 15 000 Juden bewohnt ist. Welch eine Fülle von Dolkstypen mögt über die Märkte und durch die Gassen! Schlanke, hellgelbe Mauren, dunkle Südmarokkaner, schwarze Sudanneger. vermummte Maurinnen: zwischen bunten Turbanen weiße und farbige Burnusse der Araber, der leuchtende rote Fes. Kamele, Maultiere, Esel, Ziegen, Lastträger, alles schiebt und drängt sich. Und diese buntfarbige Welt, die immer neu das Auge entzückt, erfüllt vom Geschrei der Händler und Wechsler. Mein kleiner Führer, des zwölfjährige Ahmed Ben Hadj Mohamed führt mich mit großer Liebenswürdigkeit und Ortskenntnis durch die Bazare, in die Tee- und Singhäuser, wo hockende Marokkaner, alte bärtige Gestalten, ihre eintönigen, schwermütigen Weisen fingen. Schwer wird der Abschied von dieser fremden, fernen Welt. Meer! Nichts als Meer! Nächtlich schimmernd im milden Lichte des Mondes und überstrahlt vom Heer der Sterne. Wir fahren dem südlichsten Ziel unserer Reise zu: Teneriffa. Aufleuchtet in der Ferne — wir haben Glück — der schneebedeckte Pico de Teide (der Berg Atlantis der Alten, wie manche Gelehrte meinen). Dieser mächtige Beherrscher der Insel, die er zur Pyramide formt, in Hohe (3730 Meter), Schlankheit und im Kontrast feines ewigen Schnees und der unverwischbaren Anzeichen seiner inneren ©lut, den gewaltigen Vulkanen Europas und Amerikas verwandt. Wir haben Zeit, das Bild der Insel und ihrer Hauptstadt im sinkenden Abendscheine in uns aufzunehmen. Der Hafen von Santa Cruz entspricht mit seiner Weite und Tiefe, seiner geschützten, durch eine 900 Meter lange Mole gesicherten Lage, seinem reichen Handel, namentlich in Früchten, allen Anforderungen eines Weltverkehrshafens. Begierig nach neuen Eindrücken gehen wir an Land. Seit Fernandez de Lugo über die Ureinwohner des Landes, die Guanchen, gesiegt — es war 1493, im Jahr der Rückkehr des Kolumbus von feiner ersten Amerika-Entdeckung — gehört die Insel den Spaniern. Dreimal versuchte England, ihnen die schöne Insel zu entreißen. Hier in Santa Cruz verlor 9t e l f o n am 25. Juli 1797 in bitterer Niederlage den rechten Arm. In der Kirche La Conception in La Laguna werden neben dem Erobererkreuz, das Fernandez de Lugo beim Landen auf Teneriffa aufpflanzte, die den Engländern abgenommenen Fahnen aufbewahrt, im Museum die Kanone Tiger, die dem englischen Admiral den verhängnisvollen Schuß beigebracht hat. Durchs Hafengewimmel, umringt von Händlern, bahne ich mir den Weg zur Avenida Maritima, der schonen Strandpromenade, die fid) wie ein Balkon neben dem Meer hinzieht und ihre berühmte Schwester in Nizza in den Schatten stellt. Man sagt, daß Teneriffa die Hand sei, die Andalusien Amerika entgegenstreckt. Und in der Tat, die Insel ist eine glückliche Verlängerung von Andalusien mit der ewigen Frühlingsmilde ihres Kli- mas, der dunklen Anmut ihrer Frauen, ihrem Gitarrespiel und ihrem Wein, ihrer brüderlichen Gastfreundschaft. So offenbarte sich uns die Insel am kommenden Tag, der uns in mehrstündiger Fahrt im Kraftwagen über La Laguna, den geistigen Mittelpunkt der Insel mit seinem uralten, unentwirrbar verästelten, mehr als tausendjährigen Drachenblutbaum, dem letzten Zeugen des dichten Waldes, den die Eroberer vor 400 Jahren abgeholzt haben. in das weltberühmte Orotavatal führte. Es ging vorbei an Bananenfeldern und Eukalyptusalleen, Korkeichenhainen, Tee- und Zuckerrohrplantagen, vorbei an Drangen und Palmen, mächtigen Agaven, zierlich belaubten Pfefferbäumen, Oleanderbüschen, Opuntien, auf denen die Cochnilla-Laus gezüchtet wird. Ehe der deutschen chemischen Wissenschaft die Herstellung der Anilinfarben gelungen ist, war diese Laus die Quelle großen Reichtums für den Züchter — heute noch wird sie zur Herstellung des roten Lippenstifts bevorzugt. Das Tal gleicht einem grünen, blumengeschmückten Teppich, für dessen Fruchtbarkeit riesige Wasserbassins (eine Lebensfrage für die Insel, deren tiesschluchtige Barrancos einst von starken Wasserläufen durchströmt waren) sorgen. An freundlichen Häusern und ärmlichen Hütten eilen wir vorüber. Schwatzend und rauchend stehen die Bauern am Wege, Kinderhände winken uns Grüße zu, magere müde Hunde schleichen durch die Straßen. Aber unser stolzer Dampfer, der uns inzwischen zur vertrauten schwimmenden Stadt geworden ist, wollte uns noch eine letzte, höchste Steigerung landschaftlicher Schönheit erleben lassen: Von den Kanarischen Inseln, den insulae fortunatae der Alten, den „Glücklichen Inseln" bringt uns das Schiff in etwa 20ftünbiger nördlicher Fahrt nach Funchal (Fenchelstadt), der 443 Kilometer von Santa Cruz entfernten Hauptstadt von Madeira. Wie klangvoll ist der Name der Insel und doch, er heißt nichts anderes als Holzinsel wegen des ehemaligen Waldreichtums, der bei ihrer Entdeckung (1420) unbewohnten Insel. Vom Sonnenschein überflutet liegt die in weitem Halbkreis amphiteatralisch aufstei- gende Stadt da, ein Juwel von leuchtendem Glanze. Hier gleichsam im Vorhof wildromantischer, durch Urkräfte der Natur gestalteter Bergmassen hat das ozeanisch-milde Klima im Bunde mit verwitterter Lava ein wahres Paradies von Blumen und Früchten geschaffen. Palmen und Araukarien, Kastanien, Eukalyptus, Korkeichen, Agaven, Orchideen, Opuntien, Oleander, Magnolien, Kamelien, Jakaranda, Ginster, Rosen, Veilchen wetteifern in Farbe und Duft. Bezaubernd ist der Blick über Meer, Hafen und Landschaft. Es ist, als ob Erde und Himmel sich vermählten zu einer Welt voll Licht... ren, berichtete Pascoe (Dutenhofen) zunächst über Versuche, die im Anschluß an eine Aussprache in der Februaroersammlung des Vorjahres in der hiesigen Veterinärmedizinischen Klinik oorgenommen worden sind. Es handelt sich um die Frage, ob die Fuchsräude, die in unseren Revieren auch jetzt noch öfters auftritt, auf den Hund übertragbar ist, also eine für den Besitzer eines Bau-, wie eines Vorfteh- bundes gleich wichtige Frage. Entgegen früherer Annahme hat der Versuch die Uebertragbarkeit in mehreren Fällen bewiesen. Es empfiehlt sich also, Vorsicht zu üben und Hunde nach Berührung mit kranken Füchsen oder nach Schliefen mit benzinvergälltem Alkohol einzureiben. Die Beseitigung der Milben gelingt dann unschwer. Holzel machte dann die erfreuliche Mitteilung, daß auch in diesem Jahre wieder neun Stämme Fasanen aus Vereinsmitteln bezogen und in Mitgliederrevieren ausgesetzt werden. Dazu kommen noch private Bestellungen, also wiederum ein wichtiger Schritt auf dem Gebiet der Wildhege mit der Tat. Im Anschluß an den geschäftlichen Teil sprach Studienrat Holzel in eineinhalbstündigen Ausführungen über das „Preußische Jagdgesetz vom 18. Januar 1934". Er führte die Hörer ein in die Grundlagen des Gesetzes, das dem Jäger eine völlig veränderte Stellung im Volksganzen zuweist und erläuterte an Hand der einzelnen Gesetzesvorschriften das Neue gegenüber dem seitherigen Zustand, gab die innerliche Begründung dazu, die erst zum Verständnis führen kann, und behandelte besonders eingehend die außerordentlichen Folgen, die sich für den Jäger und insbesondere für den Revierinhaber daraus ergeben werden. Im Anschluß an den Vortrag, der mit außerordentlichem Interesse und großem Dank und Beifall ausgenommen wurde, wurde bekanntgegeben, daß nach Erscheinen der Ausführungsbeftimmungen wichtige Einzelteile des Gesetzes von besonders geeigneten Mitgliedern in kommenden Versammlungen behandelt werden sollen. Schließlich sprach Geheimrat Professor Dr. Olt noch über die Ursache der starken Rehverluste in vielen Teilen Deutschlands, für die allein jagende, starke Hunde verantwortlich zu machen feien. Die eingehenden Untersuchungen, die an gerissenen Tieren, wie auch an Rißstellen vorgenommen worden seien, gäben die Berechtigung, das auszusprechen. Die von Seiten der Hunde zur Zeit drohenden Ge- fahren seien so groß, daß verschärfte Jagdschutz- und Ueberwachungstätigkeit unbedingt notwendig seien. Kreisbetriebszellenabteilung (Kreisleitung der DA!?.) Gießen. Die Neuordnung der Deutschen Arbeitsfront wird bei vielen Verwaltungsstellen der ehemgligen Verbände usw. die Frage aufwerfen, wohin alte Protokollbücher, Jahresberichte jeder Art, Niederschriften und Akten über Versammlungen und besondere Ereignisse, Prozeßakten, Kalender, Bilder und Filme, Kartensammlungen, Verbands- und Vereinsabzeichen jeder Art, Modelle u. a. abgegeben werden. Es gilt dem deutschen Volk jetzt und für alle Zukunft einen geschichtlichen Ueberblick zu erhalten, wie in den einzelnen Zeitabschnitten und in den einzelnen Verbänden, Vereinen usw. Arbeiterinteressen vertreten wurden, wie das schaffende Volk lebte, wie es stritt, wie seine Vertreter ihre Aufgaben lösten, kurz: es gilt, die Geschichte des schaffenden Deutschlands mit Urkunden jeder Art zu belegen. Groß und wertvoll ist schon die Sammlung, die vorhanden ist, sie kann allerdings der Oeffentlichkeit noch nicht übergeben werden. Es ergeht an alle ehemaligen Verbände ufw. und Privatpersonen die Aufforderung, dafür Sorge zu tragen, daß nichts von den oben angegebenen Sammlungen verlorengeht, sondern baldigst an die Kreisbetriebszellenabteilung (Kreisleitung der Deutschen Arbeitsfront), Gießen, Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18, abgegeben wird. Gez.: Hermann Wagner, Kreisbetriebszellenobmann und Kreisleiter der Deutschen Arbeitsfront. * In dieser Woche findet für alle Amtswalter der NSBO. und Betriebsratsmitglieder die Schulung über das *,Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit" statt, und zwar: 1. in Grünberg am Freitag, 16. Februar, ab 20 Uhr, bei Pg. Becker (Taunusbecker); 2. in Gießen am Samstag, 17. Februar, ab 20 Uhr, im großen Saal des Hauses der „Deutschen Arbeitsfront" Schanzenstraße 18. Die Amtswalter und Betriebsratsmitglieder besuchen an dem Orte den Vortrag, wo sie auch zur Schulung eingeteilt find. Heil Hitler! gez. Herm. Wagner, Kreisbetriebszellenobmann und Kreisleiter der Deutschen Arbeitsfront. F. d. B.: Hahn, stellv. Kreisbetriebszellenobmann. BornoNzcn. — Tageskalender für Freitag. Stadt- theater: 20 bis nach 22.15 Uhr: „Das Konzert" — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Wilhelm Tell". — Astoria-Lichtspiele (Seltersweg): „Der Mann ohne Furcht" und „Helden des Alltags". — Johannessaal: 20 Uhr, Evangelisationsvortrag. — Saal der Stadtmission: 20.30 Uhr, Vortrag Zelt-Evangelist Krupka — Ortsgruppe Gießen-Ost, Zelle 4: 20.30 Uhr, bei Weber, Kaiserallee 52, Zellenabend. — Der Goethe-Bund bittet uns nochmals, auf den Dichterabend am kommenden Sonntag „Max-Dauthenden-Abend und -Ausstellung" in dem Großen Hörsaal der Universität hinzuweisen. (Siehe heutige Anzeige.) ** Von d e r Universität. Dr. phil. Fritz Stroh, der sich für das Fach der Deutschen Philologie und Volkskunde an unserer Universität zu habilitieren wünscht, wird am Freitag, 16. Februar, 16 Uhr, in der Kleinen Aula seine öffentliche Probevorlesung halten über das Tyema: „Sinn und Leistung des Südhessischen Wörterbuchs." ** „D e r Nationalsozialismus in Oesterreich" — eine Richtigstellung. In dem gestrigen Bericht über den Vortrag von Universitätsprofessor Dr. Mayer vor der Ortsgruppe Süd der NSDAP, ist ein sinnentstellender Satz unterlaufen. Es mußte am Schluß des dritten Absatzes nicht lauten: „Oesterreich stabe in der Gegenwart feine zweite große Aufgabe gefunden und zwar darin, die deutschen Stämme zu vereinigen und zusammenzustalten", sondern richtig mußte es heißen: „Oesterreich statte vor 1918 die Aufgabe, die kleinen nichtdeutschen Völker und Volkssplitter in einem deutschfreundlichen politischen System zu erhalten". ** Spende für das Winterhilfswerk. Ter Industrie-Club Gießen hat den auf seinem Konto stehenden Restbetrag von 112,50 Mark auf das Winterhilfswerk überwiesen. ** Der Schuld eginn in Hessen. Bei der gestern aus Darmstadt verbreiteten Meldung über die Festsetzung des Unterrichtsbeginns der hessischen Schulen auf 8 Uhr handelt es sich, wie heute berichtigend aus Darmstadt gemeldet wird, lediglich um eine für die Volks- und Berufsschule Darmstadt gültige Anordnung des Stadtschulamtes Darmstadt. Im übrigen unterliegt in Hessen die Festsetzung des Schulbeginns örtlicher Regelung. ** VHC. Gießen. Man berichtet uns: Beinahe 90 Personen beteiligten sich an der Februarwanderung, die von Lollar den roten Keil entlang bis zum Brünnchen am Fuße des Lollarer Kopfs und von da zur Höhe des Berges führte. Einigen Heimattreuen Wanderern, den Gießener Wanderoereinen sowie letzten Endes der Gemeinde Lollar verdanken wir es, daß diese charakteristische Basaltgruppe mit mit ihrer interessanten Flora nicht vor einigen Jahren ganz abgetragen worden ist. Besonders im Frühjahr lohnt sich ein Spaziergang auf den Lollarer Kopf. Mehrere Ruhebänke stehen an den schönsten Stellen des Berges, der vor allem nach Westen und Osten schöne Ausblicke gestattet. Leider war der Himmel dunstig und keine Sicht vorhanden. Doch es war ein schöner Wandertag. Die Luft war von herber Frische, der Wald voll von würzigem Duft. Don dem Lollarer Kopf führte der Weg der Lumda entlang nach Daubringen und nach kurzer Rast nach dem Daubringer Paß. Dort lag an son- nengeschützten Stellen noch leichter Schnee. Bald entwickelte sich eine muntere Schneeballschlacht, an der sich jung und alt beteiligte. Die Sonne kam noch einmal schwach an dem grauen Himmel hervor, als der Weg die Wanderer von dem Daubringer Paß der blauen Strichmarkierung entlang über den Pflanzgarten und von da an der Gnautheiche vorbeiführte. Im Wiesecker Wald kreuzten mehrere Rehe den Weg. Auf der Karlsruhe wurde Schlußrast gehalten. Hier hatte sich noch eine große Anzahl VHCer, die nicht mitwandern konnte, eingefunden. Einige schöne Stunden frohen Zusammenseins und herzlicher Gemütlichkeit, mit Tänzen und unterhaltenden Vorträgen, bildeten den würdigen Abschluß des Wandertags. Dieses Ziel ist durchaus gegen den Kapitalismus gerichtet. In diesen Dingen besteht ein scharfer Gegensatz zwischen ihm und dem Marxismus. Der Nationalsozialismus kämpft in Wirklichkeit gegen den Kapitalismus, während der Marxismus nur den Ueberkapitalismus anstrebt. Geistige Fragen. Der Vortragende beleuchtete hier zunächst dis Unterschiede zwischen Marxismus und Nationalsozialismus in der Auffassung von der Familie. Der Marxismus will die Familie auf- lösen. Zu diesem Zwecke will er die Frauen in die Berufe hineinzwingen. Die Erziehung der Kinder soll nicht mehr in der Familie, sondern in staatlichen Erziehungsheimen stattfinden. (Siehe Rußland.) Auf der gleichen Linie liegt auch die Frage der Geburtenbeschränkung. Der Nationalsozialismus dagegen will die Familie in jeder Hinsicht fördern, insbesondere die kinderreiche Familie. Aufruf an die Bevölkerung des Kreises Gießen. Die schon seit langem angekündigte Spitzen- rofette, welche speziell nur von Heimarbeitern der Plauener Spihenindustrie hergestellt worden ist und somit vielen Volksgenossen Arbeit und Brot verschafft hat, wird nächsten Sonntag vertrieben werden. Diese kunslgearbeitele Rosette stellt zum erstenmal ein Abzeichen dar, welches nicht nur am Sammeltage, sondern auch später gerne als Gedenk- Zeichen getragen werden wird. Darum hat auch derjenige, der diese Rosette zu dem M l n d e st - betrage von 20 Pfennig erwirbt, für alle Zeilen ein Schmuckstück, das, da demselben zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten gegeben sind, ihm viel Freude bereiten wird. wir fordern hierdurch alle Volksgenossen auf, diese Spihenrofette zu erwerben. Denn nur durch deren kauf zeigt er, daß er sich mit dem Nationalsozialismus verbunden fühlt und mit dazu beiträgt, im Kampfe gegen hunger und Kälte sich eins mit d^m Führer zu fühlen. Aus diesem Grunde darf eine Abweisung der Sammler nicht vorkommen. Deshalb lautet die Parole am nächsten Sonntag: „Jeder Volksgenosse kauft die Hand- und kunstgearbeiteteSpihenrosette!" heil Hiller! Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1933/34, Kreisführung Gießen. Gez.: Kl.ö ß, Kreisführer des WHW. F.d. R.: Gez.: Wo Haupt, Kreisgeschäftsführer des WVW. Marxismus, Liberalismus, Raiionalsozialismus. Vortrag des Kanzlers der Llniversität im Schulungs- und Sprechabend des KOAI., Bezirk Gießen. Die Bezirksleitung Gießen des Kampfbun - des Deutscher Architekten und Ingenieure (KDAJ.) veranstaltete am Mittwoch im Cafe Ebel einen Schulungs- und Sprechabend, der aus der Stadt und aus dem Bezirk Gießen gut besucht war. Der Bezirksführer pg. Oberingenieur Kurz-Gießen betonte in feiner Einführungsanfprache, daß die Schulungs- und Sprechabende den Zweck hätten, alle Teilnehmer mit dem nationalsozialistischen Gedankengut vertrauter zu machen, als bisher. Der Nationalsozialismus als Weltanschauung verlange von jedermann, der bisher noch in den alten Gedankengängen befangen fei, eine innerliche Umkehr, eine völlige Aenderung der Gesinnung. Oer Kanzler der Llniversität Gießen Prof. Or. Hummel sprach hierauf in außerordentlich fesselnder Weise über das Thema „M arxismus, Liberalismus, Nationalsozialismus". Der Redner erinnerte zunächst an die Uebernahme der Staatsmacht durch den Nationalsozialismus und an das Wahlergebnis vom 12. Nove m b e r v. I., welches das deutsche Volk in einer nahezu einheitlichen politischen Willensbildung zeigte. Er sagte dann u. a. weiter: Damit wurden wichtige und wertvolle Nahziele der Bewegung erreicht. Aber das wirkliche und Hauptziel der nationalsozialistischen Bewegung ist noch lange nicht erreicht, bis zu diesem Ziele liegt noch viel Arbeit und Kampf vor uns. Das deutsche Volk muh vollkommen von dem nationalsozialistischen Gedankengut durchdrungen werden derart, daß nichts anderes mehr denkbar und möglich ist, als das Denken und handeln im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung. Ein sehr erheblicher Teil des deutschen Volkes folgt heute schon dem Führer und hat sich in die nationalsozialistische Bewegung und in ihr Gedankengut eingepaßt. Das ist schon ein wesentlicher Erfolg. Aber der Glaube und das gefühlsmäßige Erfassen allein reichen noch nicht aus, das verstandesmäßige Erfassen muß noch hinzukommen. Unsere Aufgabe ist es, allen deutschen Volksgenossen klarzumachen, wodurch sich die nationalsozialistische Weltanschauung von den Gedankengängen des letzten Jahrhunderts, von dem bürgerlichen Liberalismus und von dem Marxismus unterscheidet. Wirtschaftliche Singe. Der Vortragende beschäftigte sich zunächst mit einer Beleuchtung dieser Unterschiede in den wirtschaftlichen Dinaen und führte hierzu u. a. aus. Der Marxismus steht auf dem Standpunkt „Eigentum ist Diebstahl"; er verurteilt also das Privateigentum grundsätzlich. Der Marxismus der SPD. ist dabei auf dasselbe herausgekommen, wie der Kommunismus: die Enteignung aller Menschen, oie Verwandlung aller Menschen in Proletarier. Das würde bedeuten: Verwandlung aller Menschen in Sklaven. Im heutigen Rußland finden wir ja auch bereits einen großen Teil der ouuerlichen Bevölkerung in einem Zustande, der ficf) nicht vom Sklaventum unterscheidet. Es ist ein Hauptverbrechen des Bolschewismus, daß er das Bauerntum vernichtet hat. Die Proletarisierung purd) den Marxismus ist etwas ganz Widernatürliches, das die Menschen nicht glücklicher, sondern nur unglücklicher macht. 3m Gegensatz dazu will der Nationalsoziatts- mus die Menschen aus der Proletarisierung her- ausholen und jeden zum Eigentum zurückführen. Der Nationalsozialismus erkennt daher den Begriff des Privateigentums an, denn er will die Menschen entproletarisieren. In dieser Einstellung des Nationalsozialismus besteht auch ein wesentlicher Unterschied gegenüber dem bürgerlichen Liberalismus. Das Bürgertum hat die Auffassung, daß das Eigentum in erster Linie Rechte gibt, während der Nationalsozialismus der Auffassung ist, daß das Eigentum in erster Linie verpflichtet, daß der Eigentümer sich der Gesamtheit gegenüber als Treuhänder des Besitzes verpflichtet fühlen muß. Daher: Gemeinnutz vor Eigennutz! Die Anerkennung des Privateigentums durch den Nationalsozialismus entspricht dem natürlichen Bedürfnis, das die Menschen besitzen. Die Verwirklichung des nationalsozialistischen Zieles, vor allem die Proletarisierung aufzuhalten und die Menschen wieder zum Eigentum zurückzuführen, ist natürlich keine leichte Aufgabe. Die Arbeit auf diesem Gebiete kann sich, angesichts der gewaltigen Verproletarisierung durch das frühere System, natürlich nur langsam entwickeln. Dem großen Ziel des Nationalsozialismus in dieser Richtung dient auch die Förderung unseres Bauerntums und des Mittelstandes durch den Nationalsozialismus. Der Begriff „Kapitalismus" zeigt nur scheinbar eine Uebereinftimmung zwischen dem Marxismus und dem Nationalsozialismus. In Wirklichkeit fördert der Marxismus den Kapitalismus, während der Nationalsozialismus ihn ablehnt. Kapitalismus ist zwar kein Gegensatz zum Privateigentum, aber das Wesentliche der Grundzüge des Kapitalismus liegt nicht im Privateigentum, sondern in der Loslösung des (Eigentums von der Verantwortung für die realen Dinge, bi e das (Eigentum bar ft eilen. Beweise hierfür sind die Aktiengesellschaften, die Trusts, die Börse usw., die es ermöglichen, daß das (Eigentum sich in den Händen weniger Menschen zusammenballt, die mit dem Besitz an sich nichts zu tun haben. Diese Zusammenballung des Eigentums in den Händen weniger Großkapitalisten stürzt die übrigen in Schuld- und Zinsknechtschaft. Der Marxismus hat feinen Kampf immer in erster Linie gegen die Unternehmer, also gegen die Verwalter der Sachgüter gerichtet, die eigentlichen Grohkapltalisten, das internationale Finanzkapitel aber hat er immer in Ruhe gelassen, weil er von ihm zum großen Teil abhängig war. Ein bezeichnendes Beispiel dafür erlebten wir in den Beziehungen des früheren Systems zu dem schwedischen Großkapitalisten K r e u g e r. Der Marxismus kämpft nur scheinbar gegen den Kapitalismus, in Wirklichkeit ist sein Ziel eine riesenhafte Kapitalzufammenballung. Das sehen wir auch in dem Wirtschaftsbau Sowjet- ruß l a n d s mit feinen Trusts und Gesellschaften. Es ist also eine vollkommene Lüge, wenn der Marxismus behauptet, er bekämpfe Den Kapitalismus, im Gegenteil — er strebt einen riesenhaften Staatskapitalismus an, der alle Nachteile des Kapitalismus zeigt. Der Nationalsozialismus dagegen will, daß der Eigentümer auch Besitzer ist und verantwortlich für sein Eigentum einsteht, das er verwaltet. Der einzelne soll der Gesamtheit gegenüber Treuhänder sein für das, was er besitzt. Daraus ergibt sich, daß vieles von dem, was wir heute noch in Deutschland haben (Großkonzerne usw.) den nationalsozialistischen Grundsätzen nicht entspricht. Dagegen steht der bäuerliche Besitz, der Handwerker, der Kleingewerbetreibende, der Einzelunternehmer, auch der große Einzelunternehmer, in Uebereinftimmung mit den nationalsozialistischen Grundsätzen. Die Aufgabe des Nationalsozialismus auf diesem Gebiete ist an sich klar, aber nach der jetzigen Lage der Dinge nicht leicht durchzuführen. Zunächst gilt es auch hier eine Politik der all- mählichen natürlichen Rückbildung zu verfolgen, steilich in vollem Gegensatz zu der Methode Der letzten Jahrzehnte. Der Nationalsozialismus fördert den kleinbefih. das Bauerntum, die Arbeitersiedlung, Handwerk und Gewerbe, den Einzelhandel im Gegensatz zu den Warenhäusern, und sein Ziel wird erreicht werden. Die Frau will er nicht als Arbeiterin sehen, wenn sie es zunächst noch bleiben muß, soll es sich nur um einen Notbehelf handeln. In erster Linie sieht der Nationalsozialismus die Stellung der Frau in der Familie, weil diese die K e r n - und Keimzelle des Staates, die Grundlage der Volksgemeinschaft ist, die natürliche Bindung des einzelnen verkörpert, die durch blutbedingte Verbindung des einzelnen mit feinem Volke darstellt. Die Begriffe „Volk und Nation" hat der Marxismus vollkommen abgelehnt. Von einem Vaterland, das Deutschland heißt, will er nichts wissen. Er anerkennt nur die Bindung der Klassen auf internationaler Grundlage, diese schätzt er höher ein, als die Bindung von Volk und Nation. Aus diesen marxistischen Gedankengängen hat sich der deutsche Arbeiter im August 1914, als er zum Schutze von Volk und Heimat in den Krieg auszog, losgelöst, und damals war eigentlich die Geburtsstunoe des Nationalsozialismus. Später ist aber leider dieses Gefühl der Volksverbundenheit wieder untergegangen, und erst unser Führer Adolf Hitler mußte das deutsche Volk wieder zur Volksgemeinschaft zurück- sühren. Die internationale Bindung des Marxismus müssen wir ablehnen. Das bedeutet aber feine Feindschaft gegen d i e anderen Völker Wie der Nationalsozialismus innerhalb unseres Volkes den Kiasfenkampf verdammt und die Volksgemeinschaft herbeiführt, so will er ein ähnliches Verhältnis auch zwischen den Völkern schaffen, das gegründet ist auf der Anerkennung der gegenseitigen Ehre und der Rechte, auf der Gleichberechtigung der Völker. Wir glauben, daß wir dadurch ein besseres Verhältnis zwischen den Völkern schaffen als bisher. Mit der Einstellung zu der Frage „Volk und Nation" hängt die Frage der Wehrhaftigkeit eng zusammen. Der Marxismus ist arunb- fahnd) pazifistisch eingestellt, er lehnt die Wehrhaftigkeit bewußt ab, er will, daß der einzelne nicht wehrhaft sein soll. Der Nationalsozialismus will zwar auch den Frieden und keine Kriege, aber er will die Wehrhaftigkeit pflegen, weil sie notwendig ist zur Verteidigung unserer Rechte. Selbst bann, wenn wir mit keinem Angriff zu rechnen hätten, müssen wir als Nationalsozialisten die Wehrhaftigkeit des Volkes und des einzelnen pflegen, weit Wehrhaftigkeit ein natürliches Bedürfnis jedes gefunden und kräftigen Menschen ist. Sowjetrußland hat ja auch die Grundsätze des Marxismus in dieser Hinsicht nicht durchgeführt, sondern es pflegt und fördert feine Wehrhaftigkeit so stark wie möglich. Der Pazifismus ist etwas Undeutsches, etwas Jüdisches. Wir aber wollen nicht jüdisches, sondern deutsches Wesen pflegen, und deshalb sind wir auch für die Wehrhaftigkeit des einzelnen deutschen Volksgenossen und unseres Volkes. Die Stellung zur Rassenfrage enthält ebenfalls grundsätzliche Unterschiede zwischen dem Marxismus und dem Nationalsozialismus. Der Marxismus sagt: „Die Menschen sind an sich gleich, nur die Umwelt hat sie verschieden werben lassen." Wir Nationalsozialisten sagen: „Die Menschen sind durchaus nicht gleich von Natur aus, sondern sie sind nach ihren (Erbanlagen verschieden." Was einer wird und barstellt, hängt nicht von der Umwelt ab, sondern von dem, was er an (Erbanlagen in sich birgt. Es muß deshalb verhindert werden, daß fremde Raffenein- schläge in das deutsche Volk hereinkommen. Es muß heißen: Jedem das Seine, nicht aber: Jedem das Gleiche. Das ist eine natürliche Forderung. Die Stellung zu den religiösen Bedürfnissen des Menschen. Der Marxismus bekämpft die Religion grundsätzlich. Daher fördert er auch die Gottlosigkeit. Das ist etwas vollkommen unnatürliches. Der Menfchen- geift strebt nach der Anerkennung von Höherem, nach Göttlichem, das ein inneres Bedürfnis auch des einfachen Menschen ist. Nur ein ganz entartetes Großstadtvolk kann den Gedanken pflegen, sich des Gottesbegriffs zu entledigen. Darin wurzelt die marxistische Gottlosenbewegung. Dagegen richtet sich der Widerstand des gesunden Volkstums. Der Nationalsozialismus bejaht das religiöse Bedürfnis des Menschen, er bejaht das Christentum im allgemeinen, im übrigen strebt er danach, den Zwiespalt zwischen den Konfessionen zu überwinden, weil dieser Zwiespalt der Volks- gemeinsck)aft schädlich ist. Deshalb ist der Nationalsozialismus bestrebt, die Kirchen aus dem politischen Gebiet herauszuholen und sie auf ihr religiöses Gebiet zu beschränken. Liberalismus und Nationalsozialismus. In nationalen Fragen und in den Fragen des Volkstums hat das Bürgertum ähnliche Auffassungen vertreten, wie der Nationalsozialist mus. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß starke Gegensätze zwischen der bürget« Ilch-lideralistischen Auffassung und dem Nationalsozialismus bestehen. Wenn diese starken Gegensätze zwischen Bürgertum und Nationalsozialismus nicht vorhanden gewesen wären, wäre ja der Nationalsozialismus überflüssig gewesen. Der büraer« Bei Wundsein - Pen aten-Creme VMOWI Apoth.-Drog. -.30, -.55» UO liche Liberalismus und der Marxismus hatten eine gemeinsame Jdeengrundlage, Und es ist daher kein Zufall, daß beide vom Nationalsozialismus zugleich überwunden wurden. Zwischen dem bürgerlichen Liberalismus und dem Nationalsozialismus bestehen z. V. andere Ansichten in der Frage des Eigentums. Das Bürgertum faat, daß Eigentum in erster Linie Rechte gibt, der Nationalsozialismus dagegen erklärt, daß Eigentum in erster Linie ve r p f l i ch - t e t, und daß Eigentum dem einzelnen nur gegeben ist als Treuhänder gegenüber der Gesamtheit. Der Nationalsozialismus lehnt auch das arbeits - und mühelose Einkommen ab, ein Ziel, das mit der Zeit erreicht werden wird. Ein weiterer starker Unterschied zwischen Bürgertum und Nationalsozialismus besteht in der Beurteilung der Klassengegensätze. Das Bürgertum hat eigentlich auch eine Klassenkampfidee vertreten, wie der Warxismus. Der Klassenkampfgedanke des Marxismus hätte überhaupt nicht aufkommen können, wenn nicht das Bürgertum den Klassenkampf gegen die anderen Volksgenossen zuerst geführt und sie damit aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen hätte. Im Gegensatz zu der Meinung des Bürgertums sind die Nationalsozialisten auch der Ansicht, daß der Begriff „Gesellschaft" aus unserem Volte verschwinden muß. Der Nationalsozialismus will keinen Klassenkampf, sondern er will die Volksgemeinschaft. Das bedeutet durchaus keine Gleichmacherei, keine Beseitigung der Wertunterschiede, sondern ebenso die volle Anerkennung des Personlich- keitswertes. Der Nationalsozialismus will als einen seiner Hauptgrundsätze,daß Gemeinnutz vor Eigennutz geht, daß der einzelne bereit sein muß, Opfer für die Gesamtheit zu bringen. Nicht das Wohl des einzelnen,sondern das Wohl der Gesamtheit des Volkes.muß oberstes Gesetz sein. Der Nationalsozialismus will mit seinen Grundsätzen eine Erneuerung des ganzen Volkes. Diese Grundsätze sind etwas Natürliches und entsprechen der deutschen Natur besser, als die Grundsätze des Marxismus und des Liberalismus. Durch unseren Führer Adolf Hitler ist unser deutsches Volk wieder zu den natürlichen Wurzeln seiner Kraft zurückgeführt worden, denn die Grundsätze des Nationalsozialismus entsprechen den Lebenserfordernissen des deutschen Volkes. Aus diesen Grundlagen des Nationalsozialismus wollen wir unser Volkstum neu aufbauen, auf ihnen wollen wir arbeiten für ein Reich, e i n Volk und einen Führer, damit entstehen, wachsen und gedeihen kann das heilige großdeutsche Dritte Reich. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Der Abschluß. Im Anschluß an die herzlichen Dankesworte des Bezirksführers Pg. Kurz an den Redner folgte im Rahmen des Sprechabends eine rege und fruchtbare Aussprache, an der sich eine Anzahl Volksgenossen beteiligen, welche die eindrucksvollen, aufschlußreichen Gedanken des Vortragenden vollkommen unterstrichen. Sie Einrichtung von Lustschutzkellern. Vortrag von Stadtbaurat (Sravert. Auf Veranlassung des Reichsluftschutzbun- des fand gestern im Casä Leib, veranstaltet von der Handwerkskammer-Nebenstelle Gießen, ein Aufklärungsoortrag über den Luftschutz statt. Nach kurzen einleitenden Worten von Bürgermeister Dr. Hamm sprach Stadtbaurat Gravert über: „Die Einrichtung von Luftschutzräumen und - kellern". Seinen Ausführungen sei folgendes entnommen: Nichts komme einem eventuellen Luftangriff mehr entgegen, als die heutige Zusammenballung der Menschen in Großstädten. Die Eingliederung von Industrie in Wohngebiete fei Sünde gegen den Geist des Luftschutzes. Künftige Baupläne müßten die Forderungen des Luftschutzes berücksichtigen. Man müsse von der geschlossenen Bauweise zur offenen übergehen. In Wohngebieten müsse man besonders der Wirkung der Sprengbomben entgegentreten. Es fehle allerdings auf diesem Gebiete noch an Erfahrung. Sehr verschieden seien die Wirkungen von Bomben mit Aufschlag- und Verzögerungszündung. Bereits ein 50--kg=!8ombe mit Verzögerungszündung könne ein vierstöckiges Haus vernichten. Eine 1800=kg= Bombe könne ganze Häuserblocks in Schutt legen. Die Sicherung gegen die Wirkung der Sprengbombe sei das wichtigste und zugleich schwierigste Gebiet für die Bautechnik. Die Wirkungen einer Bombe seien sehr verschieden. Wan unterscheide die Durchschlagskraft des stürzenden Geschosses, die Wirkung des Gasdrucks bei der Explosion, den L u f t st o ß, den L u f t s o g, den E r d - st o h und dessen Rückwirkung, die Trümmer- Wirkung des stürzenden Hauses, die Splitterwirkung des Geschoßrna.ntels und schließlich noch eine eventuelle Brand- wirkung. In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner mit einer Reihe theoretischer Erwägungen über die möglichen Schutzmaßnahmen vom rein bautechnischen Standpunkt aus und wies gleichzeitig auf alle Schwierigkeiten hin. Das Althaus stelle vor gegebene Tatsachen. Hier gelte es in der Hauptsache Schutzkeller zu schassen, die gegen Einsturz- und Trümmergefahr eine Sicherheit bilden. Sie seien möglichst stark anzulegen. Die Keller müßten, nicht nur gegen Treffer auf das Haus gesichert sein, sondern auch gegen Wirkungen von außen, damit das Eindrücken von Türen und Fenstern, von Mauerwerk usw. vermieden werde, wenn eine Bombe in der Nähe des Hauses explodiere. Holzkäften, Sandsäcke und Sand vor den Fenstern seien wertvoller Schutz. Poröse Baumittel seien am besten geeignet. Gegen Gas seien alle Oeff- nungen abzudichten. (Fenster könnten durch Papier, Gummi Filz usw. gesichert werden.) Für Nachzügler müsse im Zugang zum Schutzkeller eine Schleuse eingebaut werden, damit das Eindringen von Gasen verhindert werde. Bei der Anlage eines Schutzraumes müsse auch die Unterbringung von Kranken und von Kindern in Betracht gezogen werden. Der Schutzkeller müsse in seinem Luftraum die Anzahl der aufzunehmenden Personen berücksichtigen. Der Luftverbrauch darin dürfe nicht künstlich gesteigert werden. Es dürfe nicht geraucht und nicht geheizt werden, es dürfe kein offenes Licht brennen. Bereitzuhalten seien frisches Trinkwasser, Verbandzeug, Handwerkszeug, Abdichtungsmaterial. Der Schutzraum solle von keinerlei Leitungen durchzogen sein. Notwendig sei vor allem ein Notausgang. Die Kosten für die Einrichtung eines Schutzkellers seien sehr verschieden. Entscheidend dafür seien die Kelleroerhältnisse des Hauses. Am teuersten sei die Beschaffung eines Notausganges. Insgesamt müsse mit einem Aufwand von 300 bis 500 Wark für die zweckmäßige Ausgestaltung eines Schuhkellers gerechnet werden. Für die Herstellung eines zuverlässigen, absolut zweckmäßig angelegten Schutzraumes werde vom Staat ein Zuschuß von bis zu 50 v. H. gewährt, lieber die Einzelheiten der Herstellung eines Schutzraumes erteile die Beratungsstelle des Reichsluftschutzbundes in Gießen in jedem einzelnen Falle Auskunft. (Lebhafter Beifall!) Bürgermeister Or. Hamm gab in kurzen Ausführungen noch Aufschluß über die Organisation des Reichsluftschutzbundes. Der Beitrag dafür fei sehr niedrig und bleibe zu 90 v. H. innerhalb der Ortsgruppe. Mit den aufkommenden Mitteln werde die Schulungsarbeit bestritten und würden Uebunasmittel beschafft. Zwar möchte man nur wünschen, daß die $an$e im Interesse des Luftschutzes geleistete Arbeit überflüssig sei und uns Luftangriffe erspart bleiben, die Entscheidungen darüber feien aber nicht von uns abhängig. Oer Leiter der Handwerkskammer« Nebenstelle, pg. Stühler betonte in feinem Schlußwort, daß sich niemand von der Mitarbeit im Reichsluftschutzbund ausschließen dürfe. Man dürfe die Gedankengänge des Luftschutzes nicht von fick weisen. Im Ernstfälle und wenn ein Unglück geschehen sei, werde das Publikum sofort mit der Kritik bei der Hand sein und fragen, warum nicht vorher etwas geschehen sei. Deshalb müsse der Hausbesitzer die Initiative ergreifen, im Sinne der gegebenen Anregungen wirken, zum Wohl seiner selbst, seiner Mieter und im Interesse der Volksgemeinschaft. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler wurde die Versammlung geschlossen. Hr dürst Euch nicht Verlusten fühlen! Ium Eammelsonntag am -18. Februar. Unser Führer bezeichnet die Achtung vor der Person als einen Grundstein des nationalsozialistischen Staates. Er schreibt in seinem Buch „Mein Kampf": „Die Bewegung hat die Achtung vor der Person mit allen Mitteln zu fördern, hat nie zu vergessen, daß jede Idee und jede Leistung das Ergebnis der schöpferischen Kraft eines Menschen ist." Der Kampf gegen hunger und Kälte, den das Winterhilfswerk im Herbst des vergangenen Jahres eröffnet hat, hat mit Fürsorge und Wohltätigkeit im alten Sinne nicht das geringste zu tun. Es ist zwar in das Belieben der Spender gestellt, ob sie sich durch Gaben an dem Hilfswerk für die Bedürftigen beteiligen, aber es ist zugleich soziale Pflicht, den Notleidenden um des Volkes willen beizu- siehen — auch wenn die Spenden ein Opfer bedeuten. Im nationalsozialistischen Staate haben die ohne ihr Verschulden in Not geratenen Volksgenossen ein heiliges Recht auf die Unterstützung der Nation. Sie nehmen diese Hilfe nicht als untätige Almosenempfänger entgegen, sondern fühlen sich zur Mitarbeit am Aufbau des Staates verpflichtet. Sie nehmen nicht nur, sondern sie wollen auch geben. Diese tätige Mitarbeit des Bedürftigen ist erforderlich, um ihnen das Gefühl zu nehmen, daß ste Bettler oder Almosenempfänger sind. Milde Gaben kränken. Nicht Geschenke gibt derjenige, der opfert, er bezahlt eine Schuld. Es darf niemanden in Deutschland geben, der das Gefühl bat, gering geschätzt zu werden, weil er ärmer ist, als andere. Am 18. Februar findet eine Strahensammlung für die bedürftigen Plauener Spitzenarbeiter und Spihenarbeiterinnen statt. Eine Spitzen- rofette wird zum Preise von 20 Pfennig verkauft werden. Gerade die Plauener Heimarbeiter sind durch die Not der Zeit besonders hark getroffen. Es gilt am 18. Februar zu zeigen, daß im neuen Deutschland jede Arbeit respektiert wird. Den Plauener Spitzenarbeitern soll durch die Sammelaktion des Winterhilfswerks nach dem Befehl des Führers wieder Arbeit und Brot gegeben werden. Jeder, der am 18. Februar eine ^Spitzen- rofette erwirbt, gibt den Plauener Spitzenarbeitern wieder Kraft und Mut zu neuer Arbeit. Am 18. Februar bewährt sich V o l k s g e • meinfchaft. Die Gauführung des Winterhilfswerks. Oberheffen. Kreisschulungskursus in Schotten. * Schotten, 16. Febr. In der Schottener Turnhalle findet am kommenden Sonntag 15 Uhr, der von dem Gauschulungsleiter angeordnete e r st e Kreisschulungskursus statt. An der Veranstaltung haben neben den Schulungsobmännern und Schulungsbeauftragten alle politischen Leiter und Amtswalter, sämtliche Bürgermeister, Gemeinderäte, die Beamten, alle Lehrer der Volksschulen, mittleren und höheren Schulen, die Führer der Vereine samt ihrem Führerrat, also auch Kriegervereine usw., die Frauenschaft-, BDM-, SA.-, HI.- und JV.-Führer, sowie alle Nebengliederungen der Partei teilzunehmen. Die Fahnenabordnungen der Ortsgruppen, der SA., HI. und NSBO. usw. stellen sich im neuen Teil der Turnhalle zum Einmarsch in den Saal auf. An der Kundgebung werden auch der Schottener Männerchor und der Musikzug des Sturmbannes V/466 teilnehmen. Vormittags 10 Uhr findet im Singsaal der Turnhalle eine Arbeitstagung sämtlicher Schulungsobmänner des Kreises statt. Landkreis Metzen. < Queckborn, 15. Febr. Es wurden dieser Tage in unserem Dorfe 86 Pfund Wurst und 37 Pfund Speck gesammelt und an die Winterhilfe abgeliefert. — Am Mittwochabend erfreute die Grünberger NS. - Frauenschaft die diesige NS.-Frauenschaft durch einen Besuch. Die hiesige Frauenschaft hatte es sich nicht nehmen lassen, ihren Gästen, die an dem kalten Winterabend schon einen anstrengenden Weg hinter sich hatten, mit Kaffee und Kuchen aufzuwarten. Beim Gesang alter und neuer Lieder blieb man bis zur Mitternacht beisammen. > Holzheim, 15. Febr. Am Dienstag hielt der hiesige Turnverein seinen diesjährigen Familienabend im Vereinslokal bei Gastwirt Sames ab. Der neugegründete Spielmannszug der Schüler eröffnete den Abend mit einem flotten Marsch und erntete darauf reichen Beifall. Dietwart Gg. Sames hielt die Begrüßungsansprache. Er legte die Bedeutung der deutschen Turnerei, sowie die Volksbewegung dar, die unter dem Turnvater Jahn erstand und die sich der nationalsozialistischen Bewegung in vielen Dingen angliederte. Es folgten dann einige kleine Theaterstücke und Coupletts. Die Pausen wurden ausgefüllt durch Musikstücke einer Haus- kapelle, die von Mitgliedern des Vereins zusammengestellt war. Eine kleine Verlosung fand ebenfalls Bekanntmachung. Nachdem die Zustellung der Steuerbescheide über die Bürgersteuer 1934 an die Zahlungspflichtigen bzw. Empfangsberechtigten stattgefunden hat, wird als Tag, an dem sämtliche Steuerbescheide als zu- gestellt zu gelten haben, der 8. Februar 1934 hiermit festgesetzt. 958C Gießen, den 14. Februar 1934. ______Bürgermeisterei Gießen. Dr, Keller._____ Holzversteigerung. Dienstag, den 20. d. W.» vormittags 10 Uhr, in der Gastwirtschaft „Germania" zu Beuern aus den Waldungen des Schutzforstes Busecker Tal: 966D Forstort Wönchwald: 14 rm Fichten-Scheiter, 6 rm Fichten-Knüppel. Forstort Struthwald: Stämme: Fichte 16 Stück Kl. la und 7 Stück 1b. Derbstangen: Eiche 29 Stück l.Kl.: Fichte l.Kl. 15 Stück, 2. Kl. 28 Stück, 3. Kl. 44 Stück. Reisslängen: Fichte 4. Kl. 48 Stück. Knüppel, rm.- Buche 70, Eiche 60, Aspe und Kiefer 4. Reisig, rm: Buche 200, Eiche 32. Forstort Lohlstrauch: 10 Eiche-Deichseln. Scheiter, rm: Buche 20, Eiche und Kiefer 2,7. Knüppel, rm: Buche 90, Eiche 16. Reisig, rm: Buche 79, Eiche 4. Das mit 00 gezeichnete Holz wird nicht versteigert. Londorf, den 15. Februar 1934. ________________Forstarnt Rabenau._______________ Rutzholzversteigerung im Gemeindewald Lang-Göns Wontag. den 19. Februar 1934, in Distritt Heide und Hardt von vormittags 9 Uhr ab: 959V Abschnitte: Eiche 2. Kl. 6 km, 3. Kl. 18, 4. Kl. 6. Abschnitte: Buche 3. Kl. 2 km, 4. Kl. 8, 5. Kl. 2, 6. Kl. 1,4. Abschnitte: Kiefer 2a-Kl. 6 km, 2b-Kl. 19, 3a-Kl. 21, 3b-Kl. 6, 4a-Kl. 4, 4b-Kl. 1,2. Abschnitte: Lärche 3a-Kl. 3, 3b-Kl. 4, 4a-Kl. 1,5. Fichte-Langholz: la-Kl. 7, lb-Kl. 27, 2a-Kl. 11, 2b-Kl. 2, 3aKl. 1,5. Derbstangen: Fichte 1. Kl. 5 St., 3. Kl. 35 St. Reisstangen: Fichte 4. Kl. 50 St., 5. Kl. 120 St., 6. Kl. 130 St. Dienstag, den 20. Februar, in Distrikt Wehrholz: Abschnitte: Eiche 2. Kl. 7 km, 3. Kl. 5 km. Langholz: Fichte la-Kl. 3, lb-Kl. 7, 2a-Kl. 4, 2b-Kl. 6, Derbstangen: Fichte 3. und 4. Kl. 50 Stück. Zusammenkunft: Montag um 8% Uhr vormittags am Viadukt am Bahnhof; Dienstag 9 Uhr vormittags am Waldeingang, am Mandler Weg. Die Kiefern- und Lärchenabschnitte kommen am Montag zuerst zur Versteigerung, die Eichen- und Buchen-Abschmtte und Fichtenstämme von mittags 1 Uhr ab an der Kreisstraße nach Leihgestern am Wald. Auskunft erteilt Förster Bergt. Lang-Göns, den 14. Februar 1934. Hessische Bürgermeisterei: Rompf. werden Stunden an Minuten So manches inhaltsreiche besprach muss leider alb* ucfruh enden, weil die Seit nicht reicht! Willman es verlängern, heisst cs eben dieSrit richtig ernt eilen! %td auch der Muchgenuss lässt sich bedeutend verlängern, wenn man es richtig anpackt, wenn man die Sbgarette wählt,deren rundes, dickes, so* inhaltsreiches C/rossformat fir weitaus längere äk^uchdauer sorgt-’•• i/< Mir BILDERN: wie die anderen GEROSTET SIND! TROTZ VERTRAGLICHER ABROSTUNGSPFLICHT. ORIENTALISCHE CIGARETTEN COMPAGNIE„yOSMA,'G M B H • BREMEN Men Gurken ODngen mit 40°/o KMsatz und IlMNSMl Sam en Haus tzelnriiv tzahn Bahnhofstraße Tel. 3403 »7>a SrelöMl Freitag u.Sams- tag, ab 8 Uhr o^d MAerlnns so sagt mancher. Gehören Sie eu den Klugen I Nehmen Sie sofort Kaisers Brust-Caramellen. Sie schützen vor Husten. Heiserkeit, Katarrh und rind ärztlich empfohlen. Kaufen Sie Ihrer Gesundheit wegen sofort! »üMminaai Jetzt: Beutel 35 PL Dose 40 u. 75 Pe Zu haben in Apotheken, Droger, und wo Plakate sichtbar. i»v statt. Bei Sang und Tanz blieb man einige Stun- oen vergnügt beisammen. — Am Mittwoch fand die Holzversteigerung im hiesigen Gemeinde- und Markwald statt. Die Preise waren ziemlich hoch. Der Durchschnittserlös betrug für einen Raummeter Duchenscheitholz 11 Mark, 50 Buchenwellen kostete- ten 6 bis 9 Mark. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 15. Febr. Bei den H o l z v e r - st eigerungen im hiesigen Stadtwald wurden durchschnittlich folgende Preise erzielt: Buchenscheitholz 10 Mark, Eichenscheitholz 7,30 Mark, Kiesern- scheitholz 6 Mark, Buchenknüppel 8,30 Mark, Eichenknüppel 5,60 Mark, Kiefernknüppel 4,60 Mark^Bu- chenwellen 14,30 Mark, Eichenwellen 10,40 Mark pro Raummeter. Kreis Büdingen. * Wolf, 15. Febr. Hier ereignete sich gestern ein schwerer Unfall. Der Junge des Arbeiters Hensel von hier, der mit Holzhacken beschäftigt war, ging anscheinend mit dem Beil ungeschickt um und traf unversehens sein 4jährige sSchwe- sterchen Mathild so unglücklich, baß eine Hand fast völlig abgeschlagen wurde Die Eltern brachten bas verunglückte Kind sofort nach der Chirurgischen Klinik in Gießen. Kreis Alsfeld. st. K i r t o r f, 15. Febr. Unter Leitung des Ortsgruppenamtsleiters H. Gail hielt die hiesige Ortsgruppe der N S. - H a a o und des GHG. in der „Krone" eine Mitgliederversammlung ab. Rach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurde über die letzte Amtswaltertagung berichtet. Die Mitglieder wurden ermahnt, tatbereite Mitkämpfer am Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens zu werden. In der Bevölkerung müsse der Gedanke immer mehr Fuß fassen, daß es gelte, dem örtlichen Handwerk, Handel und Gewerbe zu helfen und nicht in Warenhäusern, Kaufhäusern, oder in jüdischen Unternehmungen zu kaufen. Besonders müßten die Frauen in dieser Richtung erzogen werden. Im weiteren Verlaufe der Versammlung erfolgte die Unterweisung über den Sinn und die Aufgaben der Schulung im Hinblick auf die Staatsidee des Nationalsozialismus. Ferner wurden die Programmpunkte 1 bis 8 des Programms der NSDÄP. behandelt. Zu der im Monat März stattfindenden Großkundgebung für Handwerk und Gewerbe meldeten viele Mitglieder ihre Teilnahme an. Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Lather sprach dem Amtsleiter Dank für seine rührige Tätigkeit aus und richtete an die Mitglieder den Appell, die Taten folgen zu lassen. Nach dem Vortrag zweier Gedichte und dem Schlußwort des Amtsleiters fand die Versammlung mit dreifachem „Sieg-Heil" auf den Führer Adolf Hitler ihren Abschluß. 88. Grebenau, 15. Febr. Mit. der Gründung eines Posaunenchors durch Pfarrer Müller ist ein langgehegter Wunsch vieler Einwohner unserer Gemeinde in Erfüllung gegangen. Der Chor zählt z. Z. 10 Mitglieder aus Grebenau, Bieber und Merlos. Als Chordirigent wurde der frühere Musiker Johannes Noll- Grebenau bestimmt. Außerdem wurde von Pfarrer Müller ein Evangelischer Frauenverein gegründet, dem bis jetzt 80 Mitglieder beigetreten sind. — Nachdem durch das Ableben des früheren Gemeinderechners Jakob Rühl aus Bieber die Gemeinderechnerstelle frei geworden war, ist nunmehr Karl Euler- Bieber zum Gemeinderechner ernannt und verpflichtet worden. _____________ Denkt an die „(Stiftung für Opfer der Arbeit"! Einzahlungen an Reichskreditgesellschaft Berlin W 8, Behrensstrahe 21/22, sowie auf deren Reichsbankgirokonto und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Konlobezeichnung: „Stiftung für Opfer de* Arbeit". bad) zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In der gestrigen Berufungsverhandlung erwies es sich, daß die Angeklagte in einem Brief an das Ministerium dem Polizeikommissar unterstellte, er habe Anzeigen entgeaengenommen, ohne sie weiterzugeben. Entsprechend dem Antrag des Vertreters der Anklage wurde die Berufung kostenpflichtig verworfen und dem Polizeikommissar Publikationsbefugnis zugesprochen. Neuer Kreisleiter der NSDAP, in Darmstadt. Darmstadt, 15. Febr. (LPD.) Anstelle des zum Kreisdirektor von Schotten ernannten seitherigen Kreisleiters Alfred Zürtz, wurde der Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, W a m - boldt, zum Kreisleiter der NSDAP, des Kreises Darmstadt ernannt. Die Amtsübergabe fand bei einem Amtswalterappell im Städtischen Saalbau statt, bei dem Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger dem scheidenden Kreisleiter mit anerkennenden Worten für seine Dienste dankte. Anordnung, belr. die Festsetzung von Rahmpreise im verbands- gcbiet des Milchversorgungsverbandes Rhein-lNain. Dom 14. Februar 1934. Auf Grund der Anordnung des Reichskommissars für die Milchwirtschaft vom 12. August 1933, betr. die Bildung des Milchversorgungsoerbandes Rhein- Main, ordne ich unter Anhörung des vorläufig ein-- gesetzten Preisausschusses für das Verbandsgebiet des Milchversorgungsverbandes Rhein-Main an: I. Die Preise für Schlagrahm mit einem Mindest- fettgehalt von 32 v. H., sowie Kaffeerahm mit einem Mindestfettgehalt von 15 o. H. betragen frei Lieferung Verbrauchsvrt pro Liter: Sasrohrbruch in Alzey. Ein Ehepaar als Todesopfer. Alzey, 15. Febr. (LPD.) Am Donnerstagabend ereignete sich auf der Hauptstraße in Alzey ein Gasrohrbruch. Das ausströmende Gas drang in das Haus der Witwe Strubel, wo es mehrere Personen betäubte. Als Nachbarn auf den Vorfall aufmerksam wurden und in das Haus eindrangen, fanden sie das Ehepaar Klinger tot auf. Der 19jährige Sohn der Familie Klinger war betäubt und wurde in lebensgefährlichem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Die übrigen im Haus befindlichen Personen konnten gerettet werden. Preußen. Kreis Wetzlar. * Launsbach, 15. Febr. Am Sonntag veranstaltete die erst kürzlich hier gegründete Ortsgruppe der NS. - Frauenschaft einen Werbe- abend. Nach kurzer Begrüßung von Seiten der NS.-Frauenschaft wurde der Abend mit dem Liede „Ich hab' mich ergeben" eingeleitet. Im Verlaufe des Abends folgten in bunter Reihe Gedichtvorträge und Theaterstücke in oberheffischer Mundart, die starken Beifall ernteten. Der hiesige Gesangverein und der BdM. trugen durch verschiedene Darbietungen zur. Verschönerung der Veranstaltung bei. Im Schlußwort wurde für die zahlreiche Beteiligung an diesem Werbeabend herzlich gedankt und gleichzeitig dazu aufgefordert, in die NS.-Frauenschaft einzutreten. Grundsatz der NS.-Frauenschaft sei: „Nichts für uns, alles für Deutschland!" Nachdem noch eine Tombola mit zahlreichen schönen, von der NS.-Frauenschaft gestifteten Gewinnen viel Freude bereitet hatte, wurde die Veranstaltung mit dem gemeinsam gelungenen Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied geschlossen. Kleine Strafkammer Gießen. । Wegen übler Verleumdung eines Polizeikom-1 I miffars wurde eine Ehefrau vom Amtsgericht Butz-> Gewlnnauszug 5. Klasse 42. Preußisch-Süddeutsche (268. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr________________Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 6. Ziehungstag 14. Februar 1934 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinn« zu 5000 M. 10 Gewinne zu 3000 M. 34891 126855 159898 186065 296552 345665 373978 10 Gewinne zu 2000 M. 359455 369517 20 Gewinne?u 1000 M. 227250 232867 247830 100717 19558 248864 230237 76906 380137 329866 190080 385208 dyu2/o 66 Gewinne zu 500 M. 8512 37083 65039 128833 148207 154603 160233 226026 257446 258566 265511 273936 275909 297354 316615 316642 338007 345871 366081 370773 374963 376398 376746 352 Gewinne zu 300 M. 2557 3650 12144 13383 13563 13900 14954 16533 20723 20855 21035 21661 23655 27545 33494 40827 40884 42131 42201 43167 45190 48929 49434 50453 50662 52047 54758 57376 58380 59310 67142 68407 71366 71594 77255 82932 83831 87577 93482 93791 94910 98337 99364 99543 100641 101135 101361 105462 109921 113242 117144 118666 121530 121667 125812 134224 134895 137572 140255 144282 146981 147796 153715 153732 158463 161587 168654 175940 176322 182455 185118 185795 190857 190946 193250 195403 195599 196309 196381 201540 203722 204984 209283 209801 214177 218084 222488 224170 226457 228267 237503 238382 242030 246433 249729 254892 258766 259612 261512 265735 266253 268882 269853 270437 271345 271810 281485 282782 283678 289925 291584 294872 295718 300369 305894 306319 306326 308914 310578 316132 318775 321881 322234 322318 328920 333650 336106 336497 336640 341651 342176 343156 345187 348752 359152 376093 379722 384057 386473 389679 390329 391715 392299 392981 393647 394723 395084 398894 106763 238735 285052 355395 383209 9368 17706 30844 43694 54499 70166 91185 100440 110444 124351 141163 154747 182431 191774 200673 210858 227383 247925 265468 271208 286583 301020 315125 323535 340893 356755 389365 393176 Schlagrahm Kaffeerahm 1. für anerkannte Milchverteilungsstellen 2. für Milchoerteiler (Milchhändler) in r/i-Liter-Fla chen in ^-Liter-Fla chen in X-Liter-Fla chen 1,30 Mk. 1,40 ,, 1,45 „ 1,50 „ 1,60 „ 0,80 Mk. 0,90 „ 0,95 „ 1,10 „ S 1,20 „ 3. für Großverbraucher (Hotels, Krankenanstalten, Cafes und Konditoreien) 1,60 „ 1,10 „ r 4. für Kleinverbraucher 2,00 „ 1,40 „ II. Wer den Vorschriften dieser Anordnung zuwiderhandelt, insbesondere die darin festgelegten Preise und Spannen unterbietet bzw. nicht einhält, kann mit einer Ordnungsstrafe bis zu 300 Mark im Einzelfalle belegt werden. Die Strafen können nach Maßgabe der Landesgesetze im Verwaltungs- Zwangsverfahren beigetrieben werden. Zuwiderhandlungen gegen diese Preisanordnung begründen die Unzuverlässigkeit des Zuwiderhandelnden im Sinne des §14 Abs.5 Zisf. 1 des Milchgesetzes. III. Diese Anordnung tritt mit Wirkung vom 1. März 1934 in Kraft. Frankfurt a. M., 14. Februar 1934. Milchversorgungsoerband Rhein-Main. Der Beauftragte: gez. Birkenholz. In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 6 ©etotnne zu 5000 M. 4 ©etoinne zu 3000 M. 14 Gewinne zu 2000 M. 252030 256744 258520 24 Gewinne nu 1000 M. 136284 156104 184188 26026 47281 72849 113955 39530 158230 393205 29558 69010 220836 221349 279514 358975 388034 48 Gewinnezu 519 32796 134778 203505 365779 17672 35675 52476 62729 80251 94309 5534 26845 44020 57663 74744 88489 13244 29919 52329 59347 77207 93825 101017 118485 146548 156960 159880 169499 185019 193254 211110 236582 249241 258209 286630 296254 314604 324438 354081 366202 387581 95124 107927 125268 149679 157302 161696 171480 188277 204233 213851 237771 251643 261109 288992 309013 316532 333540 358793 367493 390849 100312 115874 138712 153895 158890 163926 183082 190031 208060 230014 246123 255297 269790 289939 313764 324127 348429 360657 370873 102499 118955 147056 157071 160347 170547 l85580 197415 213819 237306 251295 259758 287741 296477 315782 327743 356738 367378 388177 ' 5169 24196 42251 55904 69949 88372 ! 20710 100044 194036 318625 17695 39127 53177 65083 82502 96205 111940 125318 153766 158482 162967 174203 189773 206371 222512 244100 252037 266373 289075 313366 320145 340209 359399 369348 41112 53980 67853 83878 500 M. 47767 178842 245715 393771 44948 140921 211135 377643 14842 68012 183714 317525 312 Gewinne zu 300 M. ....... 23475 135584 180021 83146 259695 22932 127839 197624 364774 12762 27923 44081 58956 76340 90342 100737 117033 142354 156477 158924 167799 183932 192054 210289 233834 248337 257250 279924 290857 314261 324226 349184 361583 381627 20 Tagesprämien. Auf jede gezogene Nummer sind zwei Prämien zu je 1000 RM gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II: 11539 131657 147913 166908 214198 241694 266457 313473 341952 390538 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 2 zu je 300000, 2 zu je 75000, 2 zu je 50000, 8 zu je 80090, 12 zu je 20000, 34 zu je 10000, 168 zu je 5000, 304 zu je 3000, 442 ?u je 2000, 788 zu je 1000, 2396 zu je 500, 156^0 zu je 300 und 480 Tagesprämien zu je 1000 Mark. Herr Johannes Blei im gesegneten Alter von 851/2 Jahren durch einen sanften Tod zu sich genommen. Gießen (Leihgesterner Weg 118), den 15. Februar 1934 Darmstadt den 14. Februar 1934. M.ß.Grode Frankfurter Straße 17 Darlehen von NM. 300 bis 30000. Bed. und kosten!. Ausk. d. Friedr. Weber L, Rodheim / Bieber ttb. Gieflen, Adolf- Hitler-Str. 4. 9680 Jetzt noch billige Strickwolle | Stellenangebote] Organisation, ucbt Vertreter die schon Privat- kundsch. besucht haben. 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'M/ Krieger-V erein Gießen Die Beerdigung unseres Heben Kameraden Johannes Blei findet am Samstag, dem 17. Februar, 10 Uhr vormittags, auf dem Neuen Friedhof statt Um zahlreiche Beteili gung bittet Alle Schweine KÖÄ und solche mit steifen Beinen, gesunden und entwickeln sich überraschend schnell wenn Sie durch tedes Futter 1 Eßlöffel voll echtes RASSOL menyen. Verlangen Sie nur echtes Rassol tri Origmalflaschen und weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein Hersteller:(?ngelavotbekeGießen. 3ii baden in allen Avotbeken. 647A A Schwan von Liesbeth viel erprobt, wird von Liesbeth so gelobt: Was an Schwan niir so gefällt? Schwan spart Arbeit, 3 eit und Geld! Tiichlig.Fahrer fürneuenDiesel- Lastwag. gesucht. Dauerstellung. Schriftl. Angeb. unt. 0798 an den Gießen. Anzeig. Illlllllllllllllllllllllllllll Lehrmädchen ingröß.auswärt. Geschäft f. Büro (ev. auch Laden) gesucht. - Muß Masch. schreiben und stenograph. können. Kost u. Wohnung im H. Eintr. sof. Schr. Ang. u. 960D an den Gieß. 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Gott der Allmächtige hat unserninnigstgeliebtenVaterunduroBvater Dr. Ferdinand Siegert Generaloberarzt a. D. Die trauernden Hinterbliebenen: Kath. Schupp, geb. Becker Familie Otto Schupp Familie Eberhardt Bast Klein-Linden, den 16. Februar 1934. Familie Willi Schupp Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 2Va Uhr, vom Sterbehause. Hügelstrafie 23 aus statt. Die Beisetzung findet in aller Stille statt 972 D Am 15. Februar, nachmittags 31/i Uhr, verschied plötzlich und unerwartet, nach eintägiger Operation im Ev. Schwesternhaus, mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Theodor Schupp Oberschaffner i. R. im 61. Lebensjahr. Amtsverkündigungsblatt für die provinzraldirektion Oberheffen und für das Kreisamt Gießen 7 Erscheint Dienstag und Freitag. 16t Februar 2lur durch die Post zu beziehen. 1934 Inhaltsübersicht: Verwendung von Instrumenten beim Gesangunterricht in den Schulen. — Die Maß- und Gewichtspolizei und die Durchführung der Nacheichung im Kreise Gießen im Jahre 1934. — Feldbereinigung Trohe. — Dienstnachrichten. Betr.; Verwendung von Instrumenten beim Gesangunterricht in den Schulen. An die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises. Das nachstehende Ausschreiben des Hess. Staatsministeriums, Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und VolkS- tnm teilen wir Ihnen zur Kenntnis und Beachtung mit. Gießen, den 13. Februar 1934. Hessisches Kreisschulamt. I. V.: Weigand. Das schönste Instrument ist die menschliche Stimme. Dementsprechend ist der Musikunterricht in den Schulen hauptsächlich Gesangunterricht. Dabei ist den Schülern die Notenkenntnis beizubringen und das Absingen vom Blatt vorzubereiten. (5's empfiehlt sich, nicht an den gewohnten „Schulliedern" nur deshalb kleben zu bleiben, weil sie althergebracht sind,' sie sind oft musikalisch minderwertig. Altes Liedgut ist daher in neuer Form nach Art unserer Jugendsingbewegung heranzuzieyen. Auch hier muß ein heroischer Zug in den Vordergrund treten. Gestützt und ausgestaltet kann der Gesangunterricht werden durch Musikinstrumente aller Art. Ein reines Mundharmonika- Orchester wirkt auf die Dauer ermüdend und ist in seiner musikalischen Wirkung begrenzt. Eine Mischnug von Mundharmonika und Ziehharmonika mit (Block-) -Flöten ist zu empfehlen. Im allgemeinen muß es genügen, die Instrumente im Rahmen des Ge- sangunterrichts heranzuziehen, auch wenn es gilt, Schulfeiern auszugestalten. Bei weitergehenden Bedürfnissen ist ein Orchester außerhalb des schulischen Rahmens nur insoweit zuzulassen, als es die Schüler nicht belastet und nicht zu viel Unruhe in das Schulleben hineinträgt. t Unter Hinweis auf die katastrophale Lage der deutschen Mup instrumenten-Jndustrie empfehlen wir Ihnen, beim Einkauf von Instrumenten aller Art stets selbst nur deutsche Marken zu wählen und in und außerhalb der Schule immer wieder auf diese Seite nationaler Pflicht nachdrücklichst aufmerksam zu machen. In gleicher Reihenfolge und angemessenem Abstande wird die polizeiliche Maß- und Gewichtsrevision stattfinden. Jeder Besitzer eichpflichtiger Gegenstände, soweit er namhaft gemacht worden ist, erhält durch das Eichamt eine Aufforderung zur Nacheichung, worin Tag und Tageszeit der Einlieferung angegeben ist. Die Einhaltung des Eichtermins ist zur raschen Abwicklung der Eichgeschäfte dringend erforderlich. Interessenten, die keine Aufforderung erhalten, sind ebenfalls verpflichtet, ihre eichpflichtigen Gegenstände zum obengenannten Zeitpunkt zur Nacheichung vorzulegen. Die Gegenstände sind gehörig hergerichtet und gereinigt zu der auf dem Anforderungszettel festgesetzten Zeit einzuliefern. Sind Reparaturen an Waagen nötig, so empfehlen wir, solche nur nach Anforderung von Kostenvoranschlägen von einem Fach manne ausführen zu lassen. Die Auftragserteilung für die Reparatur ist Sache des Besitzers. Die Eichbeamten haben damit nichts zu tun, und die Waagenreparaturschlosser sind nicht Beauftragte der Eichbehörde, sondern private Gewerbetreibende. Die Neigungswaagen, Schaltgewichtswaagen sowie solche Gegenstände, die wegen ihrer Größe oder Befestigung am Aufstellungsort oder ähnlichen Gründen nicht eingeliefert werden können, werden auf besonderen Antrag am Standort des Gegenstandes nachgeeicht. Eichungen, die am Ausstellungsort der Gegenstände stattfinden sollen, sind während der Eichtage beim Eichamt zu beantragen, widrigenfalls der nicht ermäßigte Mindestgebührenzuschlag (5 Ml.) in Ansatz gebracht wird. Es empfiehlt sich, daß die Bürgermeistereien den Beginn der Eichtage in ortsüblicher Weise bekannt geben lassen und kurz vorher nochmals darauf Hinweisen. Eine Benachrichtigung betreffs Tag, Tageszeit und Anzahl der je Tag abzufertigenden Interessenten wird den Bürgermeistereien durch das Eichamt Gießen rechtzeitig zugehen. Gießen, den 14. Februar 1934. Hessisches Kreisamt Gießen. J. V.: Schmidt. Bekanntmachung betreffend die Maß- und Gewichtspolizei und die Durchführung der Nacheichung im Kreise Gießen im Jahre 1934. Die in zweijähriger Wiederkehr gesetzlich vorgeschriebene Nacheichung der im eichpflichtigen Verkehr befindlichen Meßgeräte sdas sind Längen- und Flüssigkeitsmaße, Meßwerkzeuge für Flüssigkeiten, Hohlmaße, Gewichte und transportable HandelSwaagen bis ausschließlich 3000 Kilogramm) soll im Kreise Gießen demnächst beginnen und nach folgendem Rundreiseplan durchgeführt werden. Zur Durchführung der Nacheichung werden örtliche Eichtage in nachstehender Reihenfolge abgehalten: Vom Hessischen Eichamt Gießen aus: Am 7. März in Wieseck,' . Am 13. März in Großen-Buseck, zugleich für Alten-Buseck, Trohe, Rödgen und Beuern; Am 21. März in Burkhardsfelden, zugleich für Hattenrod und Oppenrod; Am 22. März in Reiskirchen, zugleich für Bersrod, Saasen mit Bollnbach, Winnerod und Lindenstruth; Am 9. April in Ettingshausen, zugleich für Harbach, Queckborn, Münster und Ober-Bessingen. Im Bedarfsfälle mehr als einen Tag. Anmerkung: Die Gemeinde Röthges nimmt an dem Eichtag in Laubach (Kreis Schotten) am 16. April d. I., Stockhausen und Weickartshain am Eichtag in Lardenbach (Kreis Schotten) am 23. April d.J. teil. Der Einlieferungstag wird den Gemeinden durch das Eichamt Gießen besonders mitgeteilt. Es empfiehlt sich, daß die Bürgermeistereien den Beginn der Eichtage in ortsüblicher Weise bekanntmachen lassen und kurz vorher nochmals darauf Hinweisen. Gießen, den 14. Februar 1934. Hessisches Kreisamt Gießen. I. V.: Schmidt. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung Trohe; hier: Hauptgeldausgleich. In der Zeit vom 14. Februar bis einschließlich 20. Februar 1934 liegen auf dem Amtszimmer der Hessischen Bürgermeisterei zu Trohe das Hauptgeldausgleichungsverzeichnis nebst Abschrift des Artikels 42 aus dem Feldbereinigungsgesetz, worauf ich die dinglich Berechtigten und insbesondere Hypothekengläubiger ausdrücklich Hinweise, zur Einsicht der Beteiligten offen. Einwendungen hiergegen sind bei Meldung des Ausschlusses während der Offenlegungszeit daselbst, schriftlich und mit Gründen versehen, einzureich§n. Friedberg, den 7. Februar 1934. Der Hess. Feldbereinigungskommissar. J.V.: Wingefeld. Dienstnachrichten des Kreisamts. -Wilhelm Meckel II. zu Röthges wurde zum kommissarischen Beigeordneten der Gemeinde Röthges bestellt und verpflichtet. Druck der Brühl'sch en Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. Meinungsverschiedenheilen über grundlegende Punkte zuvorzukommen, habe die italienische Regierung die gleichzeitige Veröffentlichung einer Verlautbarung in den drei Hauptstädten vorgeschlagen, die den gemeinsamen Wunsch der drei Wachte, daß die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Oesterreichs geachtet werden müsse, aussprechen würde. „Daily Telegraph" meldet, daß der Vorschlag einer gemeinsamen Erklärung von dem tschechoslowakischen Außenmini st er Bett e s ch bei seinem Vesuch in London besprochen worden sei. Die Meldung dagegen, daß der italienische Botschafter G r a n d i dem englischen Außenminister Sir John Simon bereits einen Entwurf der geplanten Erklärung vorgelegt habe, sei nicht zutreffend. Die englische Regierung müsse sich noch darüber entscheiden, ob sie sich einer gemeinsamen Erklärung anschliehen könne. Aber das eine könne unzweideutig sofort gesagt werden: Die englische Regierung werde keine Erklärung unterschreiben, die irgendeine neue Verpflichtung für England oder in anderen Worten irgendein Versprechen oder eine Garantie zur Verteidigung Oesterreichs durch militärische Aktion mit sich bringen würde. Die englische Regierung, so meldet auch der sozialistische „Daily herald", lehne es durchaus ab, irgend etwas zu tun, was in irgendeiner Weife als eine Billigung des Verhaltens der österreichischen Regierung aufgefaßt werden könnte. Ein phantastischer plan. Tschechische Sozialisten wollen den Schutzbündlern zu Hilfe kommen. Budapest, 16. Febr. (DNB.) „Pesti hirlap" veröffentlicht einen Wiener Sonderbericht, wonach ein Plan bestanden haben soll, nach dem aus der Preßburger Gegend bei einem Kampf um und Polizeistreifen sind aus dem Stratzenvud ver-, schwunden. Die Straßenbahnen verkehren wieder in vollem Umfange. Theater und Kinos öffnen am Samstag wieder. Die öffentlichen Gebäude werden nach wie vor von Truppen und Polizei bewacht. Durch die Straßen ziehen größere Truppen- und Heimwehrabteilungen. Die Polizei- und das S i ch e r h e i t s k o r p s, die in den letzten Tagen ununterbrochen in die Kämpfe eingesetzt waren, sind heute zur Erholung in die Kasernen zurückgezogen worden. In den Außenbezirken und in den großen Kampfabschnitten wird die militärische Ueber- wachung voll aufrecht erhalten. Der allgemeine Bereitschaftszustand bleibt bestehen. Die Entwasfnungsaktion und Waffe nsuche in dem ganz Wien umgebenden Gürtel der Gemeindebauten, die in den Kämpfen die strategischen Stützpunkte des Aufstandes bildeten, werden systematisch fortgesetzt. Neue umfangreiche Waffenlager sind in den Nachtstunden entdeckt worden. Es wurden gefunden: 73 Maschinengewehre, 3276 Gewehre, 3700 Revolverpistolen und 228 000 Patronen. Die meisten Maschinen- aewehre sind in dem Arbeiterviertel Favoriten gefunden worden. Das Viertel Schmelz zeichnet sich durch 3000 Revolverpistolen und 19 000 Schuß Jn- fanteriemunition aus. Da jedoch das Ergebnis der Waffensuche der Hauptkampfabschnitte in Floridsdorf und Ottakring fehlt, muß für das Endergebnis mit weit höheren Ziffern gerechnet werden. Weiter ist bis jetzt festgestellt worden, daß in den lebenswichtigen Betrieben, in Lebensmittellagern, Konsumvereinen und städtischen Betrieben ein großes Netz von Feldtelephonen angelegt war. Die verhafteten Schutzbündler haben erklärt, daß diese Anlagen schon vor längerer Zeit in die Betriebe geschafft worden seien. Die Regierung schreitet in der Säuberung der Wiener Verwaltung von sozialdemo- kraüschen Elementen weiter fort. Das alte Wappen der Stadt Wien, der Doppeladler, ist von heute ab wieder eingeführt worden. Aus den Amtsräumen des Rathauses verschwindet der sozialdemokratische Bilderschmuck. In. den Schulen und in der für erlogen erklärt. Wien, 17. Febr. (DNB.) Der Ministerrat, der von Freitag 16 Uhr bis Samstag gegen 1 Uhr tagte, stellte u. a. fest, daß das S t a n d r e ch t mit vorläufiger Ausnahme der Länder Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark bereits aufgehoben werden könnte. (Die Aufhebung könnte also in Tirol und im Burgenlande erfolgen.) Auch in den genannten vier Ländern solle möglichst bald die Aufhebung erfolgen. Der Bundespräsident hat ferner den Staatssekretär für Arbeitsbeschaffung, Neustädter-Stür- m e r, der bisher den heimwehren angehörte, zum Mini st er für soziale Verwaltung und den bisherigen Soüalminister, Schmitz, der B u n d e s k o m m i s s a r für die Gemeinde Wien geworden ist, zum Mini st er ohne Portefeuille ernannt. Die Aufgaben des bisherigen Staatssekretärs Neustädter-Stürmer gehen auf das Handelsministerium über. Bundesminister Schmitz wird weiterhin mit der ständischen Neugestaltung betraut. Schließlich wird ausdrücklich als Beschluß des Ministerrates festgestellt, daß die Verordnung über das Betätigungsverbot für die Sozialdemokratische Partei dahin ausgedehnt wird, daß sämtliche Mandate, die auf Grund eines sozialdemokratischen Wahlvorschlages erworben wurden, als erloschen zu gelten haben. Dollfuß und die Heimwehren Wien, 16. Febr. (DRV.) Von zuständiger Stelle werden die in der ausländischen Presse umlaufenden Gerüchte über einen Bruch innerhalb der Regierung und ernste Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kabinettsministern in der üblichen amtlichen Weise dementiert. Das Dementi soll sich gegen die Gerüchte richten, daß die h e i m - wehr seit dem Aufstande innerhalb der Regierung die allein maßgebende Rolle spielen werde und daß insbesondere der Vizekanzler Major Fey zukünftig in er st er Linie maßgebend sein werde, während der Bundeskanzler immer mehr in dm Hintergrund gedrückt werde. 5am5tagJ7.8ebruarly34 »chulstrahe 1 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für I mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen do n70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Npf. Vereins- u. Tageskalender im Textteil 12 Rpf. je mm lgödie Oesterreichs. utige Tragödie, die sich in diesen Tagen in sipielt, bringt uns wieder in Erinnerung, ;rade das Wien der Vorkriegszeit war, in >lf Hitler den ersten politischen Anschau- -rricht erhalten hat. In seinem Erinne- Lekenntnis- und Lehrbuch „Mein Kampf" 1er Führer, daß die ersten persönlichen (Ein- Wien auf seine Stellung zum Marxismus sozialen Frage von größter Bedeutung gelb. Wir dürfen hinzufügen, daß aus dem der völkischen Weltanschauung des Natio- smus die Wiener Schule seines Begrün- nicht Hinwegzudenken ist. Denn das da- Lien war zwar noch die alte Kaiserstadt an en Donau. Aber das Heiter-Melancholische lußzeit — dies sonderbare Gemisch einer Operetten und Tonfilmen leider allzu konservierten Atmosphäre — war in dem chrzehnt vor dem Weltkrieg wenigstens in sen des deutschbewuhten Oesterreichertums ter düsteren Schwarzseherei gewichen, die md Zusammenbruch voraussah. Ungemein ch schildert der Führer grade den seelischen )es Deutschtums in der Donaumonarchie, Beamtenschaft und Heer durch Jahrhunderte fte Stütze des Hauses Habsburg gewesen sich nun an die slavischen und ungarischen itäten verraten fühlen mußte. Werden und i der alldeutschen Partei Georg von r e r s und der unerhörte Aufstieg der sozialen Partei unter der Leitung des Oberbürgermeisters Dr. Karl Lueger ir Adolf Hitler die erste und vielleicht auch vollste und nachhaltigste politische Schule rbens. Damals kam er aber auch zum ile in engste Berührung mit der Sozial- r a t i e. Daß es die Sozialdemokratie öfter« • Prägung war, eine schon damals befon- ikale unter dem Kennwort „Austromarxis- äter berüchtigt gewordene Spielart, war icht ohne Bedeutung für die Entwicklung len Grundanschauungen des Führers. Nicht r die niederdrückenden persönlichen Erleb- t auch überall in Deutschland hätte machen llber die gereizte Untergangsstimmung im r letzten Kaiserzeit warf ihre düsteren in alle Winkel. Dem erbitterten Nationali- pf, in dem die Deutschen nach Einführung meinen Wahlrechts hoffnungslos an die quetscht wurden, entsprachen nicht minder sozialpolitische Auseinandersetzungen, die ndere Färbung dadurch erhielten, daß die nokratie alle Nationalitäten umfaßte, wenn er in Gruppen geteilt, aber unter gemein- ährung, und infolgedessen als zuverlässige :s um sein völkisches Lebensrecht ringen- fchtums nicht in Betracht kam. em Zerfall der habsburgischen Monarchie nun ein national fast rein deutsches Oester- ?r dieser Rumpf konnte nach Abtrennung sog. Nachfolgestaaten zufallenden Gebiete ) den Anschluß an den großen Wirtschafts- nd die starke politische Einheit des Deut- ches wieder lebensfähig werden. Der Frie- St. Germain zwang indessen Oesterreich iche Unabhängigkeit auf. Die Jahre wach- irtschaftlicher Verelendung namentlich der sen, ständiger Finanznot des Staates und mnerpolitischer Erschütterungen haben ge- lches Danaergeschenk dem deutschen Volk reich mit der Gewähr oder besser gesagt Zerpflichtung staatlicher Unabhängigkeit von macht worden ist, die von dem allen wirt- scyaftluyen und völkischen Gesetzen entsprechenden Zusammenschluß eine Gefahr für den Bestand ihrer Kriegsgewinne befürchteten. In diesem nun wider Willen selbständigen „Bundesfreistaat" Oesterreich nimmt der Wasserkopf Wien, die einstige Hauptstadt einer Großmacht von 52 Millionen Einwohnern, heute fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung Oesterreichs in seinen Mauern auf. Während die andern ganz überwiegend landwirtschaftlich orientierten Bundesländer von der christlich-sozialen Partei beherrscht wurden, wurde die Zweimillionenstadt Wien eine ausschließliche Domäne der Sozialdemokratie, die keinen Finger rührte, um die hier in der einstigen Verwaltungszentrale des Gesamtreichs zusammengedrängte, jetzt brotlos gewordene Beamtenschaft vor der wachsenden Verelendung zu bewahren, ja die vielmehr in dieser zunehmenden Proletarisierung des Mittelstandes nur einen eigenen Machtzuwachs erblickte. Die Wohnungsbaupolitik der marxistischen Stadtverwaltung hat den alten Hausbesitz wirtschaftlich ruiniert, aber die Gemeinde Wien zum größten Hausbesitzer gemacht, der feine Wohnungen indessen nur an organisierte Sozialdemokraten ab« gab. So entstanden mit den dem alten Hausbesitz abgepreßten Steuergeldern die riesigen Baublocks und Wohnhöfe, moderne Massensieblungen, einst von aller Welt als soziale Glanzleistungen des Austromarxismus bestaunt, heute als planmäßig zur Verteibigung eingerichtete Stützpunkte bie Hauptwiderstandsnester des Republikanischen Schutzbundes im Bürgerkrieg. Denn mochten auch die Wiener Austromarxisten auf ihrer roten Insel im schwarzen Meer der christlich-sozial orientierten übrigen Bundesländer keine Möglichkeit sehen, legal zur Macht zu kommen in dem Staate, dessen Hauptstadt sie nur beherrschten, so haben sie die (Eroberung der Macht, gegebenenfalls mit revolutionären Mitteln, stets im Auge behalten. Im Linzer Parteiprogramm der österreichischen Sozialdemokratie vom September 1926 steht schon der Satz: „Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei muß in ständiger geistiger und physischer organisierter Bereitschaft zur Verteidigung der Republik stehen und die engste Geistes- gemeinschaft zwischen der Arbeiterklasse und den Soldaten der Wehrmacht pflegen; aber sie muß 3 / Darmstadt, den 14. Februar 193- Die Beisetzung finde Bad-Nauheim! Kotei fduitz und 082 j M.B.Grode rs Frankfurter Straße 17 blll Di, Dr. Rudolf Margarete Helmut Si' Rudolf Sie 5oi ve ne 9t P re Der ein 5 c • k ti 6 G m Qu Bi de n>e »■ ; entwickeln sich überraschend schnell wenn Sie durch jedes Mutter 1 Eßlöffel voll echtes er Gl br im gesegneten Alter von 85 l/a Ja sich genommen. Darlehen von NM.300 bis 30000. Bed.und kosten!. Ausk. d. Friedr. Weber L, Rodheim / Bieber ttb. Gießen, Adolf* Hitler-Str. 4. vgM n t s v L Ql p' Ul bi > Qt L m Jetzt noch billige Strickwolle dc ff; bh 3t litt nes na Samstag, den 17. 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Außerdem wurde von Pfarrer Müll Evangelischer Frauenverein gec dem bis jetzt 80 Mitglieder beigetreten fir Nachdem durch das Ableben des früheren Ge rechners Jakob Rühl aus Bieber die Ge rechnerstelle frei geworden war, ist nunmel Euler- Bieber zum Gemeinderechner erna verpflichtet worden.________________ ______ in schwarz u. grau, 10 Lot 45 in allen Farben (schöne Qualität).....Lot 12, 10, 9, 8, 7 A Schweiß wolle (963 A] (alle Farben)......Lot 12 4 1 Restposten Seidenwolle für PuUover usw.... Lot 8 4 Wollperle — Sportwolle viele Farben .. Lot 12,10, 6 4 Mädchen vom Lande zum 1. März geht cht. 0802 Sronifurtet Str. 83 Tüchtiges 0797 Mädchrn das schon inStel- lung war, zum 1. Marz gesucht. Zu erfragen in der Geschät'tsst. des Gießen.Anz. RASS OL mengen. Verlangen Sie nur echtes Rasso! ttf Originalflaschen und weisen Ste Nachahmungen zurück. Allein Hersteller:(*ngelavotbekeGießen. Zu haben in allen Avotbeken. M7a MligMrtr fürneuenDiesel- Lastwag.gesucht. Dauerstellung. Schriftl. 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Becker Familie Otto Schupp Familie Eberhardt Bast Klein-Linden,den 16. Februar 1934. Familie Willi Schupp Am 15. Februar, nachmittags 31/, Uhr, verschied plötzlich und unerwartet, nach eintägiger Operation im Ev. Schwesternhaus, mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Theodor Schupp Oberschaffner i. R. lrn 61. Lebensjahr. 972 0 die Führerschaft _______________974 D ^W/ Krieger'Verein Gießen Die Beerdigung unseres lieben Kameraden Johannes Blei findet am Samstag, dem 17. Februar, 10 Uhr vormittags, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteil! gung bittet a p t