Nr. 268 Erstes Blatt 184. Jahrgang Donnerstag, 15. November 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hießen Postscheckkonto: Krantfurt am Main Hb86 Siehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilälr-Vuch' und Zteindruckerei V. Lange in Gießen. 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Von San Franzisko soll die Reise nach f) aroal gehen (3200 Kilometer), von Hawai nach Guam (der größten der amerikanischen Mariannen-Jnseln, südlich von Japan, 4800 Kilometer) und von Guam nach Manila (1600 Kilometer), der Hauptstadt der Philippinen. Der ganze Flug wird in Formationen unternommen. Der Flug bildet den Teil eines planes, „eine Luftbrücke über den Stillen Ozean zu bauen". Man nimmt an, daß im Falle des Fehlschlagens der Flollenkonferenz befesiigteStüh- punkte und Flughafen auf Guam, der Dake-Insel und der Midway-Insel geschaffen werden sollen. hierin wird eine Antwort auf den gemeldeten Bau von Flughafen auf den unter ja- panischem Mandat stehenden ehemals deutschen Inseln der Mariannen- gruppe erblickt, von denen der eine auf Saipan nur eine Flugstunde von Guam entfernt ist. In englischen Sachverständigenkreisen glaubt man, daß die Vereinigten Staaten, falls sie die in Aussicht genommenen Flugstützpunkte ausbauen, in verhältnismäßig kurzer Zeit 1000 Bomben- und Torpedoflugzeuge in Reichweite der japanischen Inseln zusammenziehen können. Das amerikanische Heeressliegerkorps fordert in einem Gesuch an den haushaltsausschuh 8 0 0 neue Flugzeuge, durch die die amerikanische Luftstreitmacht zur größten und modern st en Luftflotte der Mell gemacht werden soll. 500 von den Maschinen sollen veraltete Flugzeuge ersehen, so daß die tatsächliche Erhöhung 300 Flugzeuge betragt. Es wird vorgeschlagen, den Bau der neuen Maschinen über drei Jahre zu verteilen, nach deren Ablauf die Vereinigten Staaten 2 4 0 0 Militärflugzeuge besitzen würden. Englands Verteidigung. Bier neue Flugplätze.-Ersatz alter Kriegsschiffe. London, 14. Nov. (DNB.) Im Oberhaus erklärte der englische Kmegsminister Lord Heilshorn, daß die Entwicklung der neuen Kriegsmittel keineswegs die Bedeutung der alten Waffen verringere. Die Schlachtschiffe stellten immer noch den wichtig st en Teil der Kriegsflotte dar, ein Ersatz der veralteten Schiffe dieser Gattung hätte schon längst in Erwägung gezogen werden müssen. Die Frage der Kreuzer für die Aufrechterhaltung der Seeverbindungen verdiene ernsteste Aufmerksamkeit. Wenn Baldwin erklärt habe, daß Englands Grenze am Rhein liege, so habe er damit nicht sagen wollen, daß es auf dem europäischen Festlande ein bestimmtes Land gebe, das notwendigerweise der Erbfeind Großbritanniens sei. Baldwin habe vielmehr die Tatsache vorgeschwebt, daß die Wirksamkeit eines Luftangriffes in hohem Maße von der Entfernung des Angriffs st ützpunktes abhänge, und je weiter dieser Stützpunkt entfernt sei, desto größer sei die Aussicht für die eigene Fliegerei, dem Feinde den Weg zu verlegen. Das Luftfahrtministerium plane die Errichtung von vier neuen Militärflugplätzen, das Gelände dafür sei bereits ausgesucht. Auch seien Maßnahmen zur Erhöhung der Zahl ausgebildeter Flieger getroffen worden. Ribbentrops Besuch in London Eden gibt im Unterhaus Auskunft. London, 14. Nov. (DNB.) Im Unterhaus wurde der Lordsiegelbewahrer über die Besprechungen mit Herrn von Ribbentrop befragt. Die Antwort Edens lautete: Auf Ersuchen der deutschen Botschaft wurden Vereinbarungen getroffen, um Herrn von Ribbentrop einen Besuch beim Staatssekretär des Aeußeren und bei mir zu ermöglichen. Die Unterredung fand demgemäß am Montag und am Dienstag im Foreign Office statt. Es hat sich jedoch nichts ergeben, was über eine freundschaftliche Unterhaltung hinausging. Neue Vorschläge sind nicht unterbreitet worden, und es ist aus der Unterredung keine neue Entwicklung hervorgegangen. Auf die weitere Frage, ob dem Lordsiegeb bewahrer eine Ze.itungsmeldung zu Gesicht gekommen sei, wonach bei den Unterredungen die „Art und der Zweck der in Deutschland im Gange befindlichen Wiederaufrüstung" erörtert worden sei, erwiderte Eden: Ja, ich habe die Zeitungsmeldung, auf die hier Bezug genommen wird, gesehen. Sie ist unbegründet. Eine Erklärung der in der Meldung behaupteten Art ist nicht abgegeben worden. Die Unterredungen gingen nicht über die in meiner Antwort dargelegten Grenzen hinaus, und ich mißbillige es, daß sie eine politische Bedeutung erhalten, die sie nicht verdienen. Auf die weitere Frage, ob dem Lordsiegelbewahrer bekannt sei, daß diese privaten Besprechungen bei anderen Nationen viel Argwohn verursachten, gab Eden keine Antwort. * „Times" zufolge hatte Herr von Ribbentrop am Mittwoch eine private Zusammenkunft mit General Smuts, bevor dieser auf dem Luftwege die Rückreise nach Südafrika antrat. Deutschlands Außenhandel im Oktober wieder aktiv. 16 Millionen Ausfuhrüberschuß namentlich an Fertigwaren der chemischen Elektro- und Maschinenindustrie. Berlin, 15. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Die deutsche Handelsbilanz schließt im Oktober e r st m a l s seit März d. I. wieder mit einem Ausfuhrüberschuß, und zwar von 16,4 Millionen RM. gegenüber einem Einfuhrüberschuß von 1,9 Mill. RM. im Vormonat ab. Im Oktober des ver- gangenen Jahres war die Handelsbilanz noch mit 98 Mill. RM. aktiv. Die Einfuhr war nur wenig verändert. Sie ging von 352,2 Mill. RM. im Vormonat a u f 3 4 9,5 Mill. RM. zurück. Nach der Saisontendenz pflegt die Einfuhr im Oktober anzusteigen. Insbesondere gilt dies für Rohstoffe und Fertigwaren. Gerade diese hat aber im Oktober dieses Jahres st a r k abgenommen. Die Fertigwareneinfuhr ging von 74,8 auf 61,6 Mill. RM. zurück. Die Verminderung enthält in erster Linie auch Textilwaren. Die Rohstoffeinfuhr ermäßigt sich von 199,8 auf 185,6 Mill. RM. hier hängt die Verminderung zu einem erheblichen Teil damit zusammen, daß die Einfuhr von Del- früchten und Oelsaaten, die in den Vormonaten vergleichsweise hoch lag, stark gesunken, und daß ferner die nach der Saisontendenz übliche Einfuhr von Baumwolle diesmal fast ganz ausgeblieben ist. Im Gegensatz zu Rohstoffen und Fertigwaren hat die Lebensmitteleinfuhr beträchtlich zu- genommen, und zwar von 75,5 Mill. Mk. auf 101 Mill. Mark. Die Einfuhr im September war indessen verhältnismäßig gering. An der Steigerung der Einfuhr sind zu einem erheblichen Teil Waren beteiligt, deren Einfuhr regelmäßig im Oktober zuzunehmen pflegt, wie Ob st und Südfrüchte. Darüber hinaus war aber auch die Einfuhr von Gerste, Kaffee (noch Lagerabrechnungen), Butter und Eiern beträchtlich erhöht. Die Ausfuhr, die bereits im Vormonat gediegen ist, ist im Oktober nochmals, und zwar von 350,3 auf 3 6 5,9 Mill. Mark gestiegen. Die Steigerung entfällt eben-so wie im Vormonat f a ft ausschließlich auf Fertigwaren. Die Fertigwarenausfuhr stieg von 277,9 auf 290,3 Mill. Mark. Die Zunahme ist noch etwas stärker als im Jahre 1933. Die Fertigwarenausfuhr war im Oktober, mengenmäßig betrachtet, um 19 v. h. höher als im Juli dieses Jahres. Im Durchschnitt der Jahre 1929 bis 1930 betrug die Zunahme in der gleichen Zeit etwa 15 v. H. Die Steigerung der Fertigwarenausfuhr verteilt sich auf den größten Teil der Fertigwarengruppen. Zugenommen hat insbesondere die Ausfuhr von Werkzeugmaschinen, elektrischen Maschinen und elektrotechnischen Erzeugnissen, chemischen und Eisenerzeugnissen. Rückgängig war lediglich die Ausfuhr von Textilwaren. Die R o h st o f s a u s f u h r stieg von 65,6 auf 67,5 Mill. Mark. Die Erhöhung ist ausschließlich einer Steigerung der Steinkohlen ausfuhr zuzuschreiben. Die Lebensmittelausfuhr stieg geringfügig von 6,7 auf 7,9 Mill. Mark. Seihte spricht aus her Gründungsfeier des AGOFB. (Stahlhelm). Magdeburg, 14. Nov. (DNB.) Die große Traditionsfeier des NSDFB. (Stahlhelm) erreichte am Dienstag in dem Traditions-Fe st kom- m e r 5 im Magdeburger Kristallpalast ihren Höhepunkt. Bundesführer Neichsminister Franz S e l d t e i hielt die Festrede. Er ging zurück in die Zeit des | furchtbaren Zusammenbruchs und der Schmach, in ! die Zeiten einer Revolution, die nur eine Revolte mar, in der Feigheit, Egoismus und Verbrechertum sich an die Spitze des Staates setzen konnten. Mit allen, die mit ihm durchgehalten hätten, fühle er sich verbunden, und wenn er im vorigen Jahre das Stahlhelm-Ehrenzeichen stiftete, so erweitere er heute das Ehrenzeichen auf die Jahrgänge 1931 bis 1 9 3 2. Aus der Erkenntnis heraus, daß der kommende Führer ein politischer Führer sein müsse, habe der „Stahlhelm" sich dem Manne zur Verfügung gestellt, der über 33 Parteien hinweg rücksichtslos und mit hartem Schlag das deutsche Schicksal schmiedet. Adolf Hitler habe dem „Stahlhelm" sein Vertrauen gegeben, und dafür sage er, der Redner, ihm Dank. Franz Seldte schloß mit der Versicherung, daß das Ziel des „Stahlhelm" niemals der „Stahlhelm" selbst gewesen sei, sondern immer nur Deutschland. Und wenn etwas zusammenführe, wenn uns etwas in dieser Stunde zusammengeführt habe, dann sei es nur der Begriff Deutschland, den ein jeder ausweiten könne nach seiner Phantasie, der aber immer das schönste sei, was wir im Lebens- und im Daseinskampf haben. Franz Seldte richtete an den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler folgendes Telegramm: „Zum Gedenktag der Gründung des Stahlhelm vor 16 Jahren haben sich, wie alljährlich, die alten Frontsoldaten und Kämpfer in Magdeburg, der Gründungsstadt, versammelt. Sie gedenken der Opfer und der langen Zeit des g e • meinfamen Befreiungskampfes. Sie sprechen ihrem Frontkameraden und ihrem Führer Adolf Hitler im Gedenken verständnisvoller Mitarbeit erneut das Gelöbnis soldatischer Treue und Gefolgschaft mit dem aufrichtigen Wunsche aus, daß seine großen Ziele und seine Aufbauarbeit für Deutschland zu unser aller Besten von vollstem Erfolg gekrönt sein möge. Mit frontsoldatischem Gruß und mit Heil Hitler! Im Namen der alten Kameraden: gez.^F r anz Seldte." An den preußischen Ministerpräsidenten, General Hermann Göring, wurde folgendes Telegramm gesandt: „Die anläßlich des 17. Gründungstages des Stahlhelm im Magdeburg versammelten Kameraden des NS. Deutschen Frontkämpferbundes (Stahlhelm) grüßen ihr Ehrenmitglied in soldatischer Verbundenheit. Front Heil Hitler! Gez. Franz Seldte." Auf das Telegramm Seldtes an den Führer ist folgende Antwort eingegangen: „Den in Magdeburg anläßlich des Gedenktages der Gründung des Stahlhelm versammelten alten Frontsoldaten danke ich h e r z l i ch st für das Gelöbnis treuer Gefolgschaft. Ich erwidere die Grüße in kameradschaftlicher Verbundenheit. Adolf Hitler." Von Mcdvnald bis SmniS. Von unserem (-)-Äerichterstatier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, 13. November 1934. Die klassische Doppel ft eUung der englischen Politik zwischen Europa und, Uebersee ist selten so deutlich herausgekommen wie in den beiden großen Reden, die Premierminister Mac - d o n a l d in Guild-Hall und sein Kollege aus Südafrika General Smuts wenige Tage später im Londoner Institut für Internationale Angelegenheiten gehalten haben. Das Thema war beide Male das gleiche: Friede und Völkerbund, beide Männer sind durchaus in der Lage, für die große Britische Völkergemeinschaft verbindlich zu sprechen. Um so merkwürdiger berührt die Tatsache, daß unter der Oberfläche eines gemeinsamen Bekennt- nisses zum Weltfrieden die einzelnen Werturteile und Richtlinien doch wesentlich verschieden liegen. Um nur das Wichtigste vorwegzunehmen, so ließ Macdonald durchblicken, daß England Schul- ter an Schulter mit Frankreich und Italien seine Rolle als „Friedensmacher" in letzter Zeit mit Erfolg durchgeführt habe und auch weiter durchführen werde. Smuts dagegen kam nach seinem Ueberblick über die Weltlage unzwei- heutig zu folgendem Schlüsse: „Für mich liegen die künftige Politik und die Verbindung unserer großen Britischen Gemeinschaft mehr auf Seiten der Vereinigten Staaten als bei irgend einer anderen Gruppe auf der Welt. Wenn jemals die Wege auseinandergehen und wir in einer künftigen Krise vor die Wahl gestellt werden, dann sollten mir meiner Ansicht nach in Amerikas G e - s e l l s ch a f t der unbekannten Zukunft entgegen- schreiten ... Die Britische Gemeinschaft steht mit ihren Füßen in beiden Welten." Das Aktuelle an dieser alten und oft erörterten Fragestellung liegt nun darin, daß je nachdem, ob der Engländer von „Zuhause" oder der von draußen spricht, die Einstellung zum Volker- bunb im allgemeinen und zur deutschen Gleichberechtigung im besonderen wechselt. In schmerzlichem Gedenken an seine früheren Bemühungen ium die Genfer Abrüstung, hat Macdonald in ■bewegten Worten über Deutschlands angeblich selbst gewollte Vereinsamung geklagt und die Dinge so dargestellt, als ob wir von einem „unfeli- -gen Wahnkomplex" besessen seien. Dieser ganze »Spuk werde verfliegen, wenn das nationalsozialistische Deutschland schleunigst und als reuiger Büßer nach Genf zurückkehre. Was die militärischen. Rüstungen in Europa selber anbetrifft, so hat der langjährige Vorkämpfer einer Angleichung nach ■unten lediglich die bittere Lehre aus den ganzen fruchtlosen Debatten unterstrichen, daß nämlich , „A b r ü ft u n g als Beispiel" von feiten eines 'einzelnen Staates den Frieden nicht mehr fördern könne, sondern im Gegenteil einen g e f ä h r- lich en Anreiz zum Angriff auf diese schwächste Stelle biete. Ueberflüffig zu sagen, daß der vielgeprüfte Pazi- I fist Macdonald dabei an England selber iund an die neuerstehende Luftflotte gedacht hat, «deren Bedeutung für den Schutz der britischen Jn- ♦ fein der Staatssekretär für Luftfahrt gleich nachher «auf demselben Bankett in Guild-Hall in den höchsten ?Ausdrücken gepriesen hat. Anscheinend steht der verantwortliche Leiter der britischen Gesamtpolitik, und rmit ihm auch fein Außenminister Simon, den speziell europäischen Verwicklungen zu nahe, um zu bemerken, daß sein Argument für die Notwendigkeit einer «vermehrten englischen Verteidigungsmacht im Mut- ierlanbe in unvergleichlich höherem Grad für Deutschland ßutrifft! Es heißt, kein diplomatisches Geheimnis verraten, wenn man aus Liefern Punkt die bewußte Zurückhaltung des augenblicklich in London weilenden Herrn von Ribbentrop erklärt, die der englischen Presse so großes Kopfzerbrechen macht. Hat man drüben wirklich im Ernst geglaubt, der Führer und Reichskanzler habe nichts Eiligeres zu tun, als Deutschland ohne weiteres wieder im Völkerbund anzumelden?! Aus der Ferne gesehen, d. h. also mit den Augen ves Generals Smuts, sieht sich die Sache etwas anders und, wie man zugeben muß, weniger einteilig an. Zwar hat der Südafrikaner die Kreudsche Sprechweise, die anscheinend bei den Angelsachsen noch nicht aus der Mode gekommen i st, ebenfalls ausgenommen und in schöner Unpar- ieilichkeit den Versailler Siegern ihren „Angstkomplex" und den Besiegten von gestern ihren „Mmder- wertigkeitskomplex" bescheinigt. Wichtiger ist jedoch, ioaß er mit deutlicher Anspielung Frankreich als toie einzige Nation in der Welt bezeichnet, die heute tatsächlich für den Kriegsfall schlagfer- l:i g dasteht. Damit wollte General Smuts die aufrichtige Friedensliebe des französischen Volkes im keiner Weise anzweifeln, aber es geht ihm um Vie klare Feststellung, daß die Welt also auch der Völkerbund gegenwärtig nicht Frankreich, sondern Deutschland etwas schuldig sind. Die kehlende Gleichberechtigung „vergifte Deutschlands Herz und Seele" und deswegen müsse man schleunigst „d i e völlige Gleichberechtigung mit den anderen anerkennen, und zwar frei heraus, aufrichtig und ohne Vorbehalt". Der :ius Versailles nicht gerade als Deutschenfreund bekannte Südafrikaner vergaß nicht hinzuzufügen, daß !,r diese Politik keineswegs dem Nationalsozialismus zuliebe, sondern aus ganz egoistischen Jnter- ifssen für die einzig mögliche halte. In der Tat finden wir in den Ausführungen des Generals Smuts noch eine andere Stells, die in Frankreich und vielleicht auch bei manchen europä« sichen Engländern wenig Freude Hervorrufen wird. Ct lehnt nämlich nicht nur jede Militarisierung des Völkerbundes zum Zweck kriegerischer Sanktionen krttegorisch ab, sondern fährt bann fort: „Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Dominions in eine m solchen Völkerbund bleiben und sich verbürgen würden, die Kriege der Alten Welt auszufechten: und wenn die Dominions den Völkerbund verlassen, dann ist Großbritannien gebunden, ihnen zu folgen". Es liegt auf der Hand, daß ein Amerika ne r genau s o hätte sprechen können, nur daß er der englischen Politik keine Vorschriften machen kann! Wir Deutsche jedenfalls, die wir unsere Gleichberechtigung nur im Rahmen eines wirklichen europäischen Friedens suchen und erhalten können, dürfen dankbar dafür sein, wenn hier einmal in dürren Worten gesagt wird, daß wir n i ch t m e h r im Jahr 1914 leben! Englische Landungsplätze in Frankreich sind zweifelhaft Friedensgarantien: der erklärte Wille sämtlicher Angelsachsen über dem großen Meer, nicht mehr in Europa kämpfen und sterben zu wollen, scheint uns auch für Herrn Macdonald und den Völkerbund das durchschlagende Argument zur Vernunft. Oer NG.-Gtuhentenbund alleiniger Träger der studentischen Erziehung. Berlin, 14. Nov. (DNB.) Reichserziehungsminister Rust hat an den Reichsführer der Deut- fchen Studentenschaft Aeickert folgendes Schrei- den gerichtet: „Der Führer und Reichskanzler hat meinem Vorschlag einer Aenderung der studentischen Verfassung zugestimmt, die die Deutsche Studentenschaft als Gesamtoertretung der Studierenden von der bisherigen RNtverantwor- tung für die politifch-weltanfchauliche Schulung und Erziehung entbindet und diese Aufgaben dem National soziali ft i sch en Studentenbund ausschließlich und allein verantwortlich überläßt. Es soll damit die von mir erstrebte Schaffung einer einheitlichen weltanschaulichen und politischen Autorität für den Studenten erreicht werden. Im Hinblick aus diese kommende Neuordnung ersuche ich Sie, bereits jetzt die Führung und Richtunggebung der gesamten studentischen Erziehung, insbesondere die Lösung der kameradschastshausfrage. dem NS StB. zu überlassen." Feierlicher Auftakt des Reichsbauernthings. Landwirtschaftliche Ziele der Außenhandelspolitik. dessen eine nicht unerhebliche Ausweitung eingetreten war. Bisher seien nur die Groß- v i e h m ä r k t e in die Marktordnung einbezogen worden, weil diese für die Preisgestaltung ausschlaggebend seien; in Zukunft müsse aber auch der übrige Biehoerkehr erfaßt werden, wenn das Ziel, eine geordnete Marktbelieferung und gerechte Preise, erreicht werden soll. Goslar, 14.Mod. (DNB.) In Anwesenheit des Reichsbauernführers, des Staatssekretärs Willi- k e n s, des Stabsamtsführers R e i s ch l e und anderer Ehrengäste wurde das Reichsbauern, t h t n g am Mittwochabend im Kongreßzelt feierlich eingeleitet. Drei Musikkorps in Stärke von 113 Mann gaben dort ein Militärkonzert, das im ersten Teil die Verbundenheit von Nährstand und Wehrstand symbolisch zum Ausdruck brachte. Nach der Festouvertüre über das Volkslied „Ach, wie ist's mögliich dann" ließen Variationen und Fantasien über alte Volkslieder Erinnerungen aus allen Gauen Deutschlands aufleben. Im zweiten Teil brachte das Konzert die bekanntesten Märsche in einer einzigartigen Zusammenstellung zu Gehör. * Den Austakt zu den öffentlichen Verhandlungen des Reichsbauerntages bildete ein Abend für die Presse im historischen Zwinger. Stabshauptabteilungsletter Dr. Winter sprach über Außenhandelsfragen. Für Deutschland bleibe die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse ein Bedürfnis. Die Autarkie sei nur eine Waffe in einem Kampf, den Deutschland nicht wünsche, vor dem es aber auch nicht zurückschrecke. Nach dem Grundsatz: „Leben und leben lassen", sei Deutschland bereit, sich am Aufbau des zusammengebrochenen Handels zu beteiligen und den landwirtschaftlichen Ueberschuß in dem Matze und der Form aufzunehmen, wie er gebraucht werde. Dafür, daß die ausländischen Bauern in Deutschland Preise erzielten, die auf dem Weltmarkt nicht erzielt werden könnten, sollten ihre Länder deutsche In- dustriew aren, die als Wertarbeit Weltruf genössen, aufnehmen. Das deutsche Bauerntum wolle also unter Zubilligung eines beträchtlichen Preisunterschiedes eine Erweiterung des Handelsvolumens herbeiführen, wenn das Opfer und die durch Deutschland geförderte bäuerliche Kaufkraft des Auslandes der gewerblichen Arbeiter- und Angestelltenschaft zugutekomme. An Stelle der schwerfälligen Kompensationsgeschäfte solle der reine Warenaustauschvertrag treten, der zunächst das gegenseitige mengenmäßige Handelsvolumen feststelle, die Agrareinfuhr nach Deutschland in den deutschen inneren Markt einordne und ihr die Preisvorteile des deutschen Binnenmarktes gewähre. Also überlasse es ein solcher Vertrag dem einführenden Lande, das Handelsvolumen beliebig auszuschöpfen. Deutschland hat bereits ein Reihe von Verträgen mit Polen, Südslawien, Lettland, Dänemark, Ungarn, Holland usw. unter dem Gesichtspunkt abgeschlossen, dem Welthandel neuen Auftrieb zu geben. Das Werk könne nur gelingen, wenn auch d i e Gegenseite sich zu einer verständnisvollen Mitarbeit in dem großen Gedanken der europäischen Dauernidee zusammenfinde. DieAegelung der Mchwirtfchafi Auf der Verwaltungsratssitzung der milch- wirtschaftlichenHauptvereinigung erstattete der Vorsitzende der Vereinigung, Bauer K ü p e r, den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, daß die Marktordnung auf dem Milchgebiet im allgemeinen als erfolgreich abgeschlossen gelten könne. Wenn gelegentlich Ueberfpannungen in der Anwendung einzelner Bestimmungen vergekommen seien, so handele es sich dabei nur um Einzelerscbei- nungen, die zudem schnell abgestellt worden seien. Butter sei in Zeiten der Schwemme aus dem Markt genommen und für erzeugungsschwache Zeiten aufgespart worden. Bei anderen Erzeugnissen habe man versucht, die Erzeugung dem Verbrauch onzupassen. So sei die Herstellung von Tilsiter Käse in Ostpreußen und von Weichkäse im Allgäu zur Zeit der Milchschwemme zugunsten einer stärkeren Buttererzeugung eingeschränkt worden. Die Betreuung der Molkereibetriebe in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht durch die Hauptvereinidung habe sich als sehr erfolgreich erwiesen. Hierbei habe es gegolten, den Zustand zu beseitigen, daß in den Städten häufig zu viel Molkereibetriebe vorhanden gewesen feien, während auf dem Lande gute Betriebe nicht in ausreichender Zahl bestanden hatten. Bedenklichen Gemütern, die befürchteten, daß durch mit der Marktordnung verbundene Absatzsicherung eine Beeinträchtigung der Qualitätserzeugung eintreten könnte, müsse zur Beruhigung gesagt werden, daß dieser Frage größte Beachtung geschenkt werde. Zur Zeit findet eine „B u 11 e r q u a l i t ä t s - schlacht" statt. Im Laufe des November werde jeder Molkereibetrieb einer Kontrolle unterworfen, bei der strengste Maßstäbe Anwendung fänden. Die Viehmarttordnung. Auf der Sondertagung der H a u p t v e r e i n i- gung für Schlachtviehverwertung, unter Leitung des Reichskommissars für die gesamte Marktregelung, Freiherrn von Kanne, wurden die mit der V i e h m a r k t o r d n u n g zu- sammenhänaenden Fragen durchgesprochen. Hauptabteilungsleiter Dr. Pflaumbaum ging von den Schwierigkeiten aus, die gerade bei der Vielgestaltigkeit der Viehwirtschaft hier einer einheitlichen Regelung entgegenstehen. Besonders erschwerend sei, daß die Viehpreise in der Krisenzeit katastrophal niedrig gewesen waren, und daß infolge- Bezeichnend sei, daß in den letzten Wochen auf manchen Märkten noch mehr Schweine hätten untergebracht werden können, obwohl die Belieferung in der Stückzahl 8 bis 10 v. H. größer als im Vorjahr war und auch das Gewicht der Einzeltiere höher war. Dies fei eine Folge des durch die Kaufkraftsteigerung eingetretenen stär- kerenFleischverbrauches. Bei freier Wirt- schäft würde unter diesen Umständen eine erhebliche Mehrbelastung unausbleiblich gewesen sein. Uebrigens sei es auch auf den Rindermärkten trotz der wesentlich höheren Anlieferungen gelungen, nicht nur den Preisstand bei Beginn der Marktregelung zu erhalten, sondern die Erlöse für den Bauern ebenfalls ohne Sela» ftung der Verbraucher etwas zu verbessern. Eine weitere Klärung werde durch Abänderung der bisherigen Preisfestsetzung nach reinen Preisklassen in eine solche nach Schlachtwertklassen angestrebt. Immer wieder kam zum Ausdruck, daß die Regelung der Viehwirtschaft nicht von der Preisfeite her, sondern durch eine Ordnung der Märkte erzielt werden müsse. Bei der Preisfeststellung werde von der Kaufkraft der Verbraucher ausgegangen werden. Die Festigung der deuisch-polnischen Beziehungen. Oer neuernannte polnische Botschafter in Berlin überreicht -em Führer sein Beglaubigungsschreiben. Berlin, 14.Nov. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing heute den zum Botschafter ernannten bisherigen polnischen Gesandten Herrn J6zef L i p s k i zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens als Botschafter. Der Botschafter wurde nach dem üblichen Zeremoniell durch den Chef des Protokolls, Gesandten Graf Baffewitz, abgeholt und im Wagen des Führers zum Haufe des Reichspräsidenten" geleitet. Im Vorhof erwies eine Ehrenwache dem Botschafter die militärischen Ehrenbezeugungen. An dem Empfang nahmen außer den Herren der Umgebung des Führers und Reichskanzlers der Reichsminister des Auswärtigen, Freiherr von Neurath, teil. Oer Botschafter hielt bei Überreichung seines Beglaubigungsschreibens in polnischer Sprache eine Rede, in der er u. a. ausführte: Herr deutscher Reichskanzler! Ich habe die Ehre, Eurer Exzellenz das Beglaubigungsschreiben zu überreichen, auf Grund dessen der Herr Präsident der Republik Polen mich als außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter bei Eurer Excel- lenz beglaubigt. Der Entschluß Polens und Deutschlands, ihre Vertretungen zu Botschaften zu erheben, ist ein Ausdruck der günstigen Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten. Seitdem ich mit der Vertretung der polnischen Regierung betraut worden bin, habe ich mein ganzes Bestreben darauf gerichtet, die Grundsätze zu verwirklichen, auf denen im Einklang mit der Stellungnahme Eurer Exzellenz — die von meiner Regierung vollauf geteilt wird — die Entwicklung der polnisch-deutschen Beziehungen sich stützen soll. Im Laufe des vergangenen Jahres ist die praktische Anwendung dieser Grundsätze, die ihren stärksten Ausdruck in der Erklärung vom 26. Januar 1934 gefunden haben, vorwärtsgeschritten und hat positive, für beide Teile günstige Ergebnisse mit sich gebracht. Sie sind zweifellos eines der wichtigsten der in letzter Zeit in Europa auf dem Gebiet der Stabilisierung des Friedens erzielten Gewinne. In voller Würdigung der Wichtigkeit dieser Aufgaben werde ich danach streben, daß das in dieser Richtung unternommene Werk s i ch weiter günstig entwickelt und daß in unseren Völkern ein immer besseres auf gegenseitiger Achtung beruhendes Verstehen weiter wächst. Indem ich Eurer Exzellenz für das mir bisher erwiesene Vertrauen meinen Dank ausspreche, möchte ich zugleich versichern, daß ich gemäß den Weisungen meiner Regierung nichts unterlassen werde, um an der Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu arbeiten. Ich habe die Ehre, Eure Exzellenz zu bitten, mir bei der Erfüllung meiner Aufgaben Unterstützung gewähren und mir weiterhin Eurer Exzellenz Vertrauen entgegenbringen zu wollen. Oer Führer und Reichskanzler erwiderte mit folgenden Worten: Herr Botschafter! Ich habe die Ehre, aus Ihren Händen das Schreiben entgegenzunehmen, mit dem der Herr Präsident der Republik Polen Sie als außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter bei mir beglaubigt. Auch ich sehe in der Erhebung der beiden Vertretungen Deutschlands und Polens zu Botschaften ein erfreuliches Zeichen für die glückliche Entwicklung, die die Beziehungen zwischen unseren Ländern genommen haben. Der Neugestaltung dieser Beziehungen, die sich auf den üoereinftimmenöen Entschluß der deutschen Regierung und der polnischen Regierund stützt, kommt angesichts der mannigfachen Schwierigkeiten in der gegenwärtigen politischen Lage Europas eine ganz besondere Bedeutung zu. Sie ist geeignet, nicht nur der Förderung der Interessen der beiden Länder zu dienen, sondern auch ein wichtiger Faktor für die Sicherung des allgemeinen Friedens zu fein. Die bisher schon erzielten Ergebnisse können uns nur bestärken in dem Willen, auf dem eingeschlagenen Wege weiter fortzuschreiten, die Zusammenarbeit 20 Lahre Goethe-Bund. Von Or.Otto Henning. Dor mir liegen Jahresberichte, Protokollbücher, Pressekritiken, Briefe, Programme u. a. mehr aus den beiden Jahrzehnten der Bundestätig ke-it. Zum Teil schon vergilbte Blätter. Unzählige Namen von Dichtern, Vortragenden, Künstlern und Bundesmit- aliebern. Mit jedem Namen, mit jedem Bericht ist für mich eine ebenso große Fülle von wertvollen Erinnerungen und unvergeßlichen Erlebnissen verbunden. Gegründet eine kurze Zeitspanne vor der Stunde des gewaltigen Bekenntnisses unseres Volkes zu Vaterland und Volkstum, zu Heimat und Scholle, war der Weg des Bundes vorbestimmt, war Ziel und Aufgabe festgelegt. Kaum waren die Widerwärtigkeiten und Hemmnisse der Kriegsjahre überwunden, ging der Goethe-Bund an feine wichtigste Aufgabe mit voller Tatkraft heran: Pflege und Förderung echten deutschen Schrifttums und Geisteslebens. Bereits im Oktober 1919 fand der erste öffentliche Dichterabend statt: Cäsar F l a i s ch l e n las aus eigenen Werken. Von diesem Zeitpunkt ab hat dann der Bund bis zum heutigen Tage alljährlich je vier Vertreter unseres deutschen zeitgenössischen Schrifttums zu sich gerufen. Es gibt wohl nur ganz wenige große Deutsche Dichterpersönlichkeiten in der Geschichte unseres deutschen Schrifttums der letzten 15 Jahre, die nicht Gast des Goethe-Bundes gewesen sind. Ich nenne einige markante Namen unserer Dichtergäste: Werner Beumelburg, Rudolf G. B i n ö i n g , Walter Bloem, Hans Carossa, Edwin Erich Dwinger, Paul E i p- per, Herbert Eulenberg, Hans Grimm, Rudolf Herzog, Agnes M i e g e l, Walter von Molo, Börries Freiherr von Münchhaufen, Josef Ponten, Rudolf P r e s b c r, Ina Seidel, Wilhelm von Scholz, Felix Timmermans, Will Vesper, Ernst Zahn. Aus der Reihe der Toten: Theodor Däubler, Paul Ernst, Paul Keller, Anton W i l d g a n s. Zu einer größeren Zahl von literarischen Gedenkfeiern wurden die besten deutschen Sprecher gerufen; vor allem war Ludwig Wüllner des öfteren zu solchen Gelegenheiten unser Gast. Die Heimatdichtung war vertreten durch Frohwein- Büchner- Marburg, Robert Schneide r-Darm- stadt, Albert H. Rausch- Friedberg. Neben den Dichterabenden und literarischen Gedenkstunden vermittelte der Goethe-Bund den Gießener Kunstfreunden eine große Zahl von bedeutsamen Gastspielen, so z. B. die berühmten H a a s « Berkow-Fe st spiele (Totentanz und mittelalterliches Mysterienspiel), Ivo Puhonnys Ma- rionetten-Bühne, verschiedene Tanzgastspiele usw. Mit besonderer Freude erinnern wir uns an den Kammerspielzy klus im Stadttheater, den der frühere Intendant unseres Stadttheaters, Dr. Rolf P r a f ch , zusammen mit dem Goethe- Bund während zweier Theater-Winter veranstaltete: unvergeßlich die köstliche Aufführung von Goethes „Mitschuldigen", das Spiel „Der Ackermann aus Böhmen" von Johannes von Saaz und Julius Maria Beckers „Brückengeist". Guter und froher Unterhaltung, nutzbringender Belebung waren die allgemeinen Vortragsabende gewidmet. Verdienstvolle Persönlichkeiten der Wirtschaft berichteten über Erfolge und Kühnheit deutschen Forschergeistes. Wir denken an die Vortragsabende von Asienforscher Wilhelm Filchner, Walter Stötzner, an den Himalajaforscher Karl Bauer. Kampferprobte deutsche Männer, wie Kapitänleutnant Freiherr v. Spiegel, kündeten von deutschem Heldentum. Die besten und anerkanntesten Vortragenden des deutschen Volksbildungs- und Lichtbildwesens lernten wir am Vortragstisch kennen und bereicherten unser Allgemeinwissen. So vermittelte im Laufe der 20 Jahre des Goethe- Bundes in über 300 Veranstaltungen mit weit über 100 000 von Teilnehmern wertvolle Belehrung und wertvollen Kunstgenuß. Nicht minder bedeutsam ist die sozial-gemeinnützige Aufgabe, die sich der Goethe- Bund gesetzt hat: Seine Feierabendstunden will der Goethe-Bund in gemeinnütziger Weise ohne Rücksicht auf berufliche und wirtschaftliche Standesfragen allen denen bieten, die Bedürfnis hiernach haben. Darüber hinaus hat sich der Bund immer wieder in den Dienst sozialer Mithilfe und gemeinnütziger Kulturpflege gestellt. Einer seiner ersten öffentlichen Abende im Winter 1914 war ein froher Dichter- Abend. Der nicht geringe Reinertrag dieses Abends wurde dem Kriegslazarett in Steins Garten überwiesen. In späteren Jahren fanden im Stadttheater zwei große Veranstaltungen des Bundes statt, die dem deutschen Volkslied gewidmet waren. Der Reingewinn floß den sozialen Einrichtungen der Gießener Studentenschaft zu. Des weiteren stellte sich der Bund der Gießener Studentenschaft mehrere Semester bei der Sammlung der Mittel zur (Errichtung eines Ehrenmales für die im Weltkrieg gefallenen Kommilitonen zur Verfügung. Eine größere Zahl von Kunstabenden des Bundes hatte einen nicht geringen Geldbetrag erbracht, doch zerfloß dieser leider durch die Jnflationswelle in ein Nichts, bevor er entsprechend verwertet werden konnte. Ich habe aus der Fülle des Berichtstoffes nur das mir für einen „offiziellen" 20 - Jahresbericht wichtig Erscheinende herausgegriffen. Manch Reiferes und auch nachdenkliches Erlebnis mit den Dichter- und Vortragsgästen könnte berichtet werden; Rnurn und Ort dieses Berichtes gestatten es nicht. Das Werk des großen deutschen Dichters, dessen Namen der Bund trägt, zu ehren, im Sinne des allumfassenden Geistes seines Schutzherren deutsches Schrifttum und Geistesleben zu pflegen und der Allgemeinbildung zu dienen, war und ist die vornehmste kulturelle Ausgabe des Goethe-Bundes. Nach der Arbeit des Alltags die Stunden des Feierabends zu verschönen, dieser Freizeit einen geistig erfrischenden und für die harte Berufsarbeit stärkenden Inhalt zu geben, ist die soziale Zielsetzung des Bundes. So hat sich der Goethe-Bund heute am Ausgang seines zweiten Lebensiahrzehnts in die geistige und soziale Sendung unseres Führers Adolf Hitler zurückgefunden. Es gibt der geistige und nationale Aufbruch unserer Nation auch dem Goethe-Bund neuen starken Austrieb für fein kulturelles und gemeinnütziges Schaffen, bestärkt alle die, die in Treue und Opferbereitschaft an dem Aufbau des Bundes mitgear- beitet haben und ermahnt die, die bisher noch lässig und säumig abseits standen, an ihre Pflicht, an dem Kulturwerk des Goethe-Bundes ebenfalls tatkräftig und opferbereit Anteil zu nehmen. Kunst und Wissenschaft. Aufgaben und Ziele der ReichS- musilkammer. Auf der jüngsten Taauna der Reichs- musikkammer in Berlin hielt Staatssekretär Funk eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Deutsche Kultur ist für uns gleichbedeutend mit nationalsozialistischer Kultur. Durch die Kunst und in der Kunst vollzieht sich eine geistige Beeinflussung des Volkes, die der Staat lenken, formen und mit Gehalt erfüllen muß. So wird es verständlich, daß die Kulturkammern und ihre Berufsverbände alle Dinge des Berufes zu erledigen haben, die kulturellen sowohl wie die wirtschaftüchen, sozialen auf den verschiedenen Gebieten unserer Beziehungen immer mehr zu vertiefen und so in g e g e n f e i • tiger Achtung und in gegenseitigem Verstehen ein festes und dauerhaftes freund- nachbarliches Verhältnis zwischen Deutsch- land und Polen zu begründen. Auch auf wirt« fchaftlichem Gebiet ist Deutschland gern be. reit, zur Ueberwindung der durch die gegenwärtig« Krise verursachten Schwierigkeiten das ©einige bei. zutragen und den beiderseitigen Warenaustausch nach Möglichkeit zu fördern. Ich begrüße es, daß Sie, Herr Botschafter, der Sie an der Entwicklung der deutsch-polnischen Be. Ziehungen schon so erfolgreich mitgearbeitet haben, von Ihrer Regierung dazu ausersehen sind, sich nun auch in Ihrer neuen Eigenschaft dieser Aufgabe zu widmen. Sie können überzeugt sein, daß Sie bei Ihrer Arbeit ftets meine Unter st ützung und auch die Unterstützung meiner Regierung finden werden. * Hieran schloß sich eine längere Unterhaltung; als. dann stellte der Botschafter dem Führer und Reichs- tangier die Mitglieder seiner Botschaft vor. Beim Verlassen des Hauses erwies die Ehrenwache dem Botschafter erneut militärische Ehrenbezeugungen. In einem gleichen Staatsakt hat in Warschau der neuernannte deutsche Botschafter von M o l t k e dem polnischen Staatspräsidenten ebenfalls fein Beglaubigungsschreiben überreicht. Leistung für die Volksgemeinschaft. Aufruf des Führers der Wirtschaft zum Winterhilfswerk. Berlin, 14.Nov. (DNB.) Der kommissarisch« Führer der Wirtschaft, Graf von der Goltz, erließ einen Aufruf zum Winterhilfswerk, dem sämtliche in Berlin anwesenden Wirtschaftsführer ihre Zustimmung gaben. In dem Aufruf heißt es: Parteigenossen, Volksgenossen, Kameraden der deutschen Wirtschaft! Deutscher Sozialismus ist der Tag für Tag erprobte Wille zur Leistung für die Volksgemeinschaft. Tag für Tag diesen Willen durch Leistung zu bekunden, ist unsere Aufgabe. Uns alle hat die Reichsregierung aufgerufen, diesem uns beseelenden Willen Ausdruck zu geben durch den immer aufs neue durch die Tat sich bekundenden Willen zur Förderung des Winterhilfswerkes der Reichsregierung. Ihnen allen, meine Kameraden aus der deutschen Wirt- schäft, obliegt die Ehrenpflicht, miteinander zu wett- eifern in der Förderung dieser Großtat des deutschen Sozialismus, dieser schöpferischen Leistung, die unter dem bindenden Gesetz steht, daß derjenige, dem es vergönnt ist, Höheres zu (e i ft e n, auch höhere Pflichten für d i e Volksgemeinschaft zu tragen hat. Die große Leistung des deutschen Unternehmertums für das Winterhilfs- werk des letzten Jahres hat in aller Welt wohlverdiente Anerkennung gefunden. Es gilt für jeden einzelnen, in der Fürsorge für die notleidenden Volksgenossen nicht nachzulassen, sondern vielmehr die eigene Leistung nach Kräften zu steigern. Opfert für die Not, damit die Bluts- gemeinfchaft der Deutschen frei und glücklich werde. Oer neue deutsche Gesandte in Bukarest. Bukarest, 14. Nov. (DNB.) Der neue deutsche Gesandte von Dehn überreichte dem König Karl in feierlicher Audienz sein Beglaubigungsschreiben. Die Ansprachen des Gesandten und des Königs waren sehr h e r zl i ch. Beide Reden wurden in deutscher Sprache gehalten. Auch in dem anschließenden zwanglosen Gespräch des Königs mit dem Gesandten wurde aus- fchließlich die deutsche Sprache benutzt. Der König war in Generalsuniform und trug Band und Stern des Schwarzen Adlerordens. Gesandter von Dehn hatte zwei Tage vor dem Empfang eine lange Unt«* rebung mit dem rumänischen Außenminister Ti> t u l e s c u. und rechtlichen. Eine Gefahr besteht bei dieser alles umfassenden Organisation, nämlich die, daß zuviel organisiert und reglementiert wird und daß fchließlich die Organisation Selbstzweck wird. Gerade im Kulturleben und in der Kunst müßte ein Ueberfpannen des Organisationsgedankens und ein übermäßiges Reglementieren verheerend wirken. Etwas anderes ist es, wenn man individuelle Auswüchse bekämpft, die aus einer überwundene« Epoche in unsere Zeit hinübergekommen sind. Das Zeitalter des reinen Virtuosentumes habe« wir glücklich überwunden. Auch das allzu groß« Spezialistentum in der Kunst ist schädlich. Noch etwas anderes ist zu überwinden, nämlich das Weltbürgertum des Künstlers. Wir wollen in unserem Berufsstande deutsche Künstler haben und die deutsche Kunst pflegen, was nicht ausschließt, daß wir die Kunst und die Künstler anderer Länder achten und unserem Volke zugänglich machen. Aber die Musik ist nun einmal die deutscheste Kunst, und sie soll dies ewig bleiben. Vergessen S i e über den Künst 1 er nicht die Kunst! Das letzte Ziel ist die national sozialistische Musikgemeinschaft in der national» sozialistischen Volksgemeinschaft. Kunstausstellung ..Die Auslese* in Berlin. Vor einem großen Kreis von Künstlern und Kunstinteressenten wurde in Berlin die von bef NS.-Kulturgemeinde veranstaltete Ausstellung bi dender Kunst „D i e Auslese" eröffnet. Reich-- leiter Rosenberg erklärte in feiner Eröffnungsrede u. a. Die ganzen vergangenen Jahre hat bet Nationalsozialismus auch kulturell das Krankhafte und Verzerrte bekämpft, und er bekämpfte ebenso den Niggersong, der sich an die Stelle des deutschen Volksliedes setzte, wie auch die Entartung der Tanzkunst. Die Vergiftung auf dem Gebiete der Kultur waren schwerer als auf dem des politische« Ringens, und wir werden noch jahrelang ih" Folgen zu tragen haben. In dieser Situation hat die NS.-Kulturgemeinde den ersten Versuch unternommen, eine Darstellung künstlerischen Schaffens zu geben. Wir haben die Künstler in ihren Ateliers aufgesucht und haben aus der großen Zahl ringender Kräfte diejenigen ausgewählt, die vielversprechend jür die Zukunft schienen. Ein Kennzeichen der meisten eingelaufenen Arbeiten ist unverkennbar, nämlich ein romantischer Zug. Es fehlen noch Werke monumentaler Art und solche, die zugleich ein Epos der deutschen Arbett fingen. liegt noch eine Aufgabe der Zukunft. Hauptschriftletter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. X. 34: 10 600. Druck und Verlag: Brühl'lche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. MIVEA CREME Oie Deutsche Front protestiert in Genf gegen das provokatorische Treiben der Emigranten. Saarbrücken, 14. Nov. (DNB.) Landes- leitung und Fraktion der Deutschen Front des Saargebietes haben sich in einer großen Denkschrift an den Völkerbund gewandt. Die Denkschrift bemerkt zu der Feststellung des Präsidenten der Regierungskommission, daß die Deutsche Front des Saargebietes eine Fortsetzung der früheren NSDAP, sei, die NSDAP, im Saaryebiet sei eine vollkommen legale Organisation, die von der Saarregierung niemals d erbot e n wurde. Es fei lediglich Sache der Deutschen Front, ob sie sich als Nachfolgerin dieser vollkommen legalen Partei ansehe oder nicht. Die Deutsche Front an der Saar fei die Eidgenossen- schäft aller deutschen Menschen an der Saar, die sich von allem Parteilichen losgelöst haben und die bereit sind, sich im Rahmen des gesetzlich Erlaubten für die Rückgliederung zum Deutschen Reich einzusetzen. An Hand beigefügter eidesstattlicher Erklärungen weift die Denkschrift sodann nach, daß die Poli- xeiorgane der Regierungskommission Spitzel in den Reihen der Deutschen Front unterhalten. Das seinerzeit bei der Haussuchung bei der Deutschen Front beschlagnahmte Material wurde damals in das Amtsgebäude der Regierungskommission gebracht und dort unter Leitung des Emigrantenkommissars Ritzel und einer Reihe Emigranten und marxistischer Polizeibeamten gesichtet. Ritzel traf sich nach Sichtung des Materials mit Führern der Separatistenfront und erzählte, welches Material gesichtet worden sei. Dabei rief er des öfteren vergnügt aus: „Kinder, wenn wir das ausschlachten, gibt es eine feine Sache. Man mutz aber vorsichtig zu Werke gehen." Dadurch ist erwiesen, bah der an leitender Stelle stehende Oberregierungs- rat Ritzel mit den Gegnern des heutigen Deutschlands, ja sogar mit Personen, die im Solde der deutschfeindlichen Spionage stehen, den Inhalt des beschlagnahmten Materials besprochen und sich über dessen Auswertung unterhalten hat. Won diesem Treiben feiner Beamten hat der Kabi- mettschef und Leiter des saarländischen Polizei- «oefens, Herr Heimburg, laut eidlicher Aussage gewußt. Die Deutsche Front erhebt in ihrer Denkschrift erneut bie Forderung auf Ausweisung aller nichtabstimmungsberechtigten Personen, die aus politischen Gründen Deutschland verlassen haben. Wie berechtigt diese Forderung sei, bewiesen die Zusammenhänge, die zweifellos zwischen dieser Emigrantenpolitik und gewissen militärischen Vorgängen in Frankreich bestehen. Die eidesstattliche Erklärung eines früheren Emigranten, der sich in dem saarländischen Emigrantenlager von der Heydt aushiell, bekundet, datz in dem Emigrantenlager regelmähig Aebungs stunden unter Leitung eines ehemaligen Sergeanten aus Metz stattfanden. Bel den Jnstruktionsstunden wurde immer wieder zum Ausdruck gebracht, datz Ende Rovern- ber oder Anfang Dezember 1934 eine revolutionäre Aktion im Saargebiet unternommen werden müßte, um der Regierungskommission die Mittel zu liefern, den Abstimmungszeitpunkt zu verschieben. Ls wurde dabei hervorgehoben, datz die Polizei des Saargebiets mürbe gemacht werden müsse. Beim Ausrücken der Polizei mit Fahrzeugen müßten diese mit leicht brennbaren Flüssigkeiten übergossen werden. Die Aktionen seien so durchzuführen, daß auch die Deutsche Front gezwungen werde, sich zu regelrechten Strahenkämpfen zu stellen. Durch solche Verwirrungen könnte erreicht werden, daß die Regierungskommisston ausländische Truppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung für das Saargebiet anfordere. Auf die Behauptung des Saar-Präsidenten, datz sich die deutsche Regierung unzulässig in den Abstimmungskampf einmische, wendet die Denkschrift mit Recht ein, daß es sich dabei vor allem um die s o z i a l p o l i t i s ch-e Betreuung gehandelt habe. Ohne diese wären die Sozialrentner und Kriegsopfer im Saargebiet zugrunde gegangen und würde heute noch im Saargebiet ungeheure Wohnungsnot herrschen. Die Denkschrift verwahrt sich jedoch mit aller Entschiedenheit da- aegen, daß den rückgliederungsfeindlichen Organisationen in hohem Maße französische Propagand agelder zur Verfügung gestellt werden. Allein von der Grubeninspektion Luisental sei für wenige Monate ein Betrag von 202 000 Fran- ken ausgewendet worden. Kleinigkeiten in einer großen Stadt Unpolitischer Brief aus Berlin. Laßt Blumenfrauen sprechen! Die Berliner Blumenfrau ist das leibhaftige, Zentnerschwere, gemütliche Urberlin, abgeklärt in hrer verkniffenen wortlosen, ja beinahe schnoddrigen (Jüte. Die Blumenfrauen verfügen über eine reiche Erfahrung. Sie erleben täglich die Weltstadt hun- vertprozentig mit all ihren kleinen Bosheiten, Ge- Einheiten, Nettigkeiten, Liebenswürdigkeiten; da- cher find sie auch, gleich ihren Koggen, den Zei- ltungsmännern, abgebrüht und nach außen kühl bis cons Herz hinan. Sie haben eine Menge wärmende iunb schützende Woll- und Flanelltücher um ihr Ge- m:üt geschlungen, sie sind kernig, dick, schnoddrig imb robust, haben weit und breit das bestgeölte Mundwerk, und ihr „Vokabular" ist reich an aller- Hand zwerchfellerschütternden Stilblüten. Ja, bie Berliner Blumenfrauen? Wehe, wer ihrer Berufsehre zu nahe tritt? Und dennoch: selbst hin- iler den dicksten Tüchern schlägt etwas wie ein ewig mütterliches, ewig besorgtes Herz. Da kommt ein Minder Mann die Straße entlang. Die Berliner Blumenfrau ist die erste, die flugs ihren Stand Verläßt und ihn mit ein paar netten Worten über Len Damm führt. Flugs ist sie wieder zurück, steht Lreit und massig neben ihrem Stand und tut so, Dls ob nicht das geringste gewesen wäre ... Nachtlokal zwischen 3 und 5. Selbst in Berlin geraten die Nachtbummler manchmal in Verlegenheit. Die Zeit ist vorüber, )oa nach ber Sperrstunbe, als alle Lokale geschlos- nen waren, bie übelsten Apachentypen zum Besuch verschwiegener Nachtlokale aufforberten. Die bunt- ’ien Gestalten, bie heimlich in ben Torgängen stanken und auf Beute lauerten, sind vom Erdboden verschwunden. Dennoch kann man in der Innen- ttadt, wenn einen nachts zwischen drei und fünf der Dürft überfällt, in aller Stille und Heimlichkeit eine jDloüe" hinter die Binde gießen, obwohl dies eigentlich dem gewöhnlichen Sterblichen nicht gestattet ist. Zwischen Friedrich- und Lindenftraße wird es m ber Zeit nach ber Sperrstunde unheimlich lebendig. Wenn die Durchschnittsberliner schon langst in ! en Federn liegen und einem neuen arbeitssamen Morgen entgegenschnarchen, rattern und rumpeln mit viel Getöse von allen Seiten die Blumen- und Vemiiseautos zur Markthalle. Den nächtlichen Marktbetrieb kennen die meisten Berliner nur vom Hörensagen. Schade, schade, denn nicht überall kann man bas echte, unverfälschte Berlin so gut kennen- Sirnen wie hier. Die Nacht wirb plötzlich aus eine wunderliche Weise lebendig: Wagen raffeln über !"en Asphalt, der Geisterzug der'Berliner Blumenfrauen, der Markthelfer und Gemüsemänner beginnt. Die originellsten Vehikel kommen angefaucht, >ianze Blumenladungen schwanken heran, und im Handumdrehen, wie von den Heinzelmännchen per- Dnlich errichtet, stehen die Verkaufsstände in Reih mb Gied und warten in ber schweigenden, frösteln- ?n Morgenfrühe auf die erste Kundschaft. Und die .iielen Männlein und Weiblein, dick vermummt I aegen die morgendliche Kälte, reiben sich die Hände i wärm, und versammeln sich, wenn bie Arbeit vor- I über ist, zu einem Kaffeeklatsch in einem kleinen : Abseitigen Lokal. Dies ist mein Geheimtip für alle, | 11 e noch das Bedürfnis haben, zwischen drei und I fünf eine Molle zu trinken. Das Lokal der Blumen- | f-auen und Markthelfer ist das einzige, das um liefe nachtschlafende Zeit Kaffee und Bier aus- schenkt. In diesem Raum spielen die Markthelfer mb Gemüsemänner ihren ersten Skat, und bie lilumenweiblein setzen sich an ben Ofen unb fach- fmpeln. Intermezzo mit Erdbeeren. Vom Gemüse zum Obst ist nur ein kleiner Schritt. Unb bamit sie einen Begriff bekommen, was es in Berlin für nette und gemütvolle Geschäftsleute gibt, will ich Ihnen gleich noch eine kleine Episode erzäh- len. Der Zigarrenfritze, bei dem ich immer meine Zigarren kaufe, machte neulich ein höchst verschmitztes, vorweihnachtliches Gesicht und legte mir zu den üblichen Zigarren eine geheimnisvolle Tüte dazu. Jeder Stammkunde dieses noblen Zigarren- fritzen erhielt die gleiche geheimnisvolle Tüte in die Hand gedrückt. Unb in ber Tüte waren — schöne, reife, saftige Erdbeeren. Von ber zweiten Ernte, versteht sich. Ader nicht bas ist das Besondere und Ueberwältigende. Das Besondere ist, daß diesem nüchternen Geschäftsmann darüber das Herz aufging unb der Mund überfloß. Er quatsche mir von diesen sensationellen Erdbeeren die Ohren voll, und er war im Innersten selig, weil ich so artig und brav zuhörte. Er hielt mir einen regelrechten landwirtschaftlichen Vortrag, fein Gesicht glänzte unb seine Augen leuchteten. Wo bleibt da, so fragte ich mich, das Tempo, die Betriebsamkeit, die Hast unb bie Schnoddrigkeit! Denn so wie biefer Mann zärtlich unb voller Hingabe von seinen Erbdeeren schwärmte, so leben in Berlin Tausende unb aber Tausende von Leuten, die herzhaft naiv und urwüchsig denken und fühlen. Dies sind die Kleinromantiker ber Großstabt, bie in ber stickigen Luft ber Hinterhöfe nicht mübe werben, bie Wunber ber Natur zu feiern unb zu besingen. Das Licht geht aus... Vor einigen Tagen geschah in ber Lichtstadt Berlin ein höchst seltsames Ereignis. Am Bahnhof Zoo, im Brennpunkt des westlichen Verkehrs, wo die Menschen sich in unentwirrbaren Bündeln zufam- menftauen, ging plötzlich das Licht aus. Der ganze Bahnhof war mit einem Schlage in ägyptische Finsternis gehüllt und die Reisenden aus aller Herren Ländern standen plötzlich verdutzt, und verwundert da und tappten sich mit ihren weitgereisten Koffern mühsam durch die Dunkelheit. Bahnhof Zoo ohne Licht! Im Nu brannten Kerzen; die Beamten an den Schaltern knipsten die Karten im traulichen Scheine von Petroleumlampen, und vom irrlichtern- den, mittelalterlichen Schein der Pechfackeln geleitet unb behütet, fanden bie Reisenben den Weg durch die Sperre. Welch ein Hohn! Welch ein Anachronismus! Berlin, die Stadt des elektrischen Lichtes, ist plötzlich auf Kerzen unb Pechfackeln angewiesen! Blamiert und verschämt verhüllte ber Geist der mobernen Zivilisation sein Haupt und wandelte, mit einer schüchternen altmodischen Kerze bewaffnet, durch die Sperre ... Die Berliner aber machten eine helle Miene zum dunklen Spiel und benützten ben Anlaß, um ihren Witz leuchten zu lassen. Als der Schaden behoben war, standen sie scherzend und lächelnd im funkeln- denLichterglanz einer neuen schimmernden Welt, die für die Dauer von zwanzig Minuten für immer versunken schien unb freuten sich boppelt unb breifach über bie Segnungen mobernen Erfinbergeistes. Denn bas Verlöschen bes Lichtes, meinte ein Herr mit einem nach Maß gefertigten Apostelbart, fei eine Mahnung gewesen. Sprachs unb entfernte sich wallenden Schrittes. LuisTrenkergibtAutogramme Wenn man Glück hat, kann man in Berlin bie Filmprominenz leibhaftig über ben Asphalt man- beln sehen. Ich selbst habe viermal beobachten können, wie Paul Wegener, von tiefgründiger Würde und Derhaltenhelt umweht, als ganz gewöhnlicher Spaziergänger aus Fleisch und Blut über ben Asphalt schritt. Die Menschen blieben stehn, raunten unb blickten ihm lange nach. Im Kielwasser seiner filmischen Erhabenheit tummelten sich bie Autogrammjäger, aber niemanb hatte ben Mut, ihn anzureden unb um ein Autogramm zu bitten. Da war es boch vor kurzem bei Luis Trenker anbers. Plötzlich, vor einer Buchhandlung in ber Schloßstraße, öffnet sich ein Wagenschlag unb heraus steigt, als wäre er irgenb einer, der beliebte Berg- unb Skihelb persönlich, Luis Trenker, der herbe Siegfried der Almen unb Triften. Ein Schwanz von Verehrern branbete um ben Kühler feines Wagens. Er lächelte In Großaufnahme. IBlef* stifte durchbohren bie winterliche Luft, unb bet Schrei nach bem Autogramm bringt aus begeisterten Kehlen. Unb Trenker schreibt! Als er nicht mehr kann, flieht er in bie Buchhanblung, aber draußen das Volk steht Schlange, lechzend nach einem Lächeln in Großaufnahme, einem filmischen Augenaus« schlag, einem Happyendblick. Armer Luis! Arme Prominenz, der es nicht oer* gönnt ist, wie gewöhnliche Sterbliche eine Auto mitten in der Stadt zu besteigen und, wann und wo es euch gefällt, wieder zu verlassen ... Glücklich, wer da als anonymes Sandkorn sein Leben hin- bringt. Dr. Werner Hi11 bring. Das Ehrenbürgergeschenk der Stadt Berlin für Göring. Ministerpräsident Hermann Goring mit einem silbernen Schreibzeug, bas ihm als Ehrenbürger der Stadt Berlin durch Oberbürgermeister Dr. S a h m (links) überreicht wurde. sss WM •• ■ MW ----- \ *1 MM JßO - - . '.<•/Xv.'; Vs Aus aller Welt. Ehrenbürgergabe der Stadt Berlin für Reichsminister Dr. Goebbels. Der Oberbürgermeister ber Stabt Berlin, Dr. S a h m, überbrachte in Gegenwart von Staatskommissar Dr. Lippert unb Bezirksbürgermeister Treff bem Reichsminister Dr. Goebbels an Stelle eines Ehrenbürgerbriefes eine Parze i l a n v a s e, eine Kunstschöpfung ber Staatlichen Berliner Porzellan-Manufaktur als Geschenk. In ihren Ansprachen brachten bie Ueberbringer die Dankbarkeit und Verehrung ber Stadt Berlin für den „Eroberer von Berlin" in herzlichen Worten zum Ausdruck. Reichsminister Dr. Goebbels dankte für bie Ehrengabe unb betonte, baß ihn mit ber Stadt Berlin aus ben Jahren bes politischen Kampfes bie engsten Banbe verknüpften. Die Stabt Berlin habe ihm in ber Kampfzeit so viel gegeben, daß er mit dieser Stadt In Wahlverwandtschaft für immer verbunden sei. Mißglückter Wildwestüberfall in Zürich. In Zürichberg wurde dieser Tage ein stark an Wildmestmethoden erinnernder U e b e r f a 11 verübt. Als ber Ingenieur Dürler-Tobler, ber ein großes Vermögen besitzt, von feiner Villa aus zur Stadt ging, um fein Büro aufzusuchen, wurde ihm von einem Unbekannten von hinten ein Tuch über ben Kopf geworfen. Im gleichen Augenblick fuhr ein Kraftwagen heran, und es wurde versucht, den Ingenieur in den Wagen zu drängen. Der Angegriffene wehrte sich jedoch kräftig, und es gelang ihm, das Vorhaben der Verbrecher zu verhindern, die darauf das Weite suchten. Die Polizei nimmt an, daß es sich um einen Entführungsver- such handelt, zu dem Zweck, Lösegeld zu erpressen. Rach den Angaben bes Ueberfallenen wurde der Kraftwagen von einer Frau im Alter von 30 bis 40 Jahren geführt. Ihr Komplize soll etwa 30 bis 35 Jahre alt fein. Chinesischer Zeitungsmagnat von Räubern ermordet. Ungeheures Aufsehen erregte in Schanghai die Ermordung des chinesischen Zeitungsmagnaten S z e l i a n g t f a i, des Besitzers ber Zeitung „Shunpao" und Hauptaktionärs ber „Shinwanpoa". Der Kraftwagen Szeliangtfais wurde zwischen Hangtschau und Haimng an ber Küste südlich von Schanghai von einem mit sieben Räubern besetzten Kraftwagen angehalten. Die Verbrecher erschos- f e n ben Kraftwagenführer bes Zeitungsbesitzers, sowie einen Schulfreund feines Sohnes unb verfolgten Szeliangtsai in eine Hütte, in bie er geflüchtet war. Szeliangtsai würbe burch sieben Schüsse niebergeftrerft. Der Sohn und die Frau des Zeitungsbesitzers konnten unverletzt entkommen. Eine Richte trug Verletzungen davon. Die Räuber flüchteten. Schrecklicher Tod eines französischen Reifenden. Als biefer Tage ein Zug auf bem Pariser Mont- parnasse-Bahnhof eintraf, bemerkte man auf einem Wagenbach bie Leiche eines Reifenden, dessen Kopf zerquetscht war. Es stellte sich heraus, datz ber Reisende während der Fahrt mit einem Kontrollbeamten in Streit geraten war, als er aufgefordert wurde, eine von ihm zerbrochene Fensterscheibe zu bezahlen. Er hatte sich darauf auf das Dach des Eisenbahnwagens zurückgezogen. Bei einer Tunneldurchfahrt wurde ihm der Kopf zerquetscht. Blutrache eines polnischen Infanteristen. Eine eigenartige Vorgeschichte hatte ein Kriegsgerichtsurteil, das in Przemyst gefällt worden ist. Der polnische Infanterist Sroka war vor einiger Zeit von zwei Bauern beleidigt worden. Sroka hat sich das derart zu Herzen genommen, daß er unter Mitnahme feiner Dienftroaffe desertierte unb bie beiben Bauern aus bem Hinterhalt nie- berschoß. Danach hielt er sich etwa zwei Monate in den Wäldern verborgen. Am 7. November hat er sich bann ben Behörden gestellt. Er wurde in der Sitzung bes Kriegsgerichts zum Tobe Der- urteilt. Das Urteil würbe sofort oollftrerft. Den Beistand eines Priesters hat der Verurteilte zurück- gewiesen. Flugzeugunglück in Australien. — vier Tote. Ein britisches Verkehrsflugzeug stürzte ungefähr 45 Kilometer oon Lang Reach (Queensland) ab. Die Dier Insassen — drei Mann Besatzung und ein Fahrgast — fanden ben Tob. Es handelte sich um das zweite britische Verkehrsflugzeug, das Post von London nach Australien gebracht hat. Im Verlaufe des letzten Monats hat sich schon ein schwerer Verkehrsunfall in Australien ereignet. Vor nicht ganz vier Wochen ging ein Passagierflugzeug mit elf Insassen verloren und da keine Spur von ihm entdeckt werden konnte, wird angenommen, daß es inbieSeegestürzt ist. Dreiköpfige Familie durch Gas vergiftet. In einem Hause im Westen Berlins fyat sich ein Unglütfsf all ereignet, durch den eine dreiköpfige Familie ums Leben kam. In ber Wohnung des Hauptwachtmeisters ber Luftpolizei Froehle hatte sich ber Gasschlauch des Küchenherdes, der schadhaft war, von selbst gelöst und das Gas war durch die ganze Wohnung geströmt, da auch der Haupthahn nicht geschloffen war. Die Frau des Hauptwachtmeisters hatte anscheinend in der Nacht den Gasgeruch wahrgenommen und versucht, den Gashahn zuzudrehen, jedoch ist sie in der Küche zusammengebrochen und ebenso wie ber Mann unb ihre 12jähnge Tochter ums Leben gekommen. Besuch Gronaus in Rio de Janeiro. Der Präsident bes Deutschen Aeroklubs, von Gronau, ist auf feiner kurzen Flugreise zum Studium des sübamevikanischen Flugwesens unb zum Besuch bes sübamerikanischen Aeroklubs und der deutschen Kolonien in Rio be Janeiro eingetroffen. Von Gronau wirb Mitte November roieber nad) Deutschland zurückkehren. Wettervoraussage. Durch den südwestlichen europäischen Tiefdruckwirbel wird feucht-warme Mittelmeerluft nach Deutschland verfrachtet. Sie wird dabei zunächst wieder eine Zunahme ber Nieberschlagstätigkeit bewirken, später jedoch wieder durch kalte Luftmassen verdrängt werden. Aussichten für Freitag: Zunächst milder und neue Regenfälle, bann roieber zeitweilig auf- heiternd und beginnende neue Abkühlung, meist nördliche und östliche Winde. Aussichten für Samstag: Bei westlichen Winden zeitweilig heiter, im wesentlichen trocken, leichte Abkühlung. Lufttemperaturen am 14. November: mittags 5,7 Grab Eelfius, abenbs 2,2 Grab; am 15. November: morgens 0,7 Grab. Maximum 6,1 Grad, Minimum — 0,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. November: abends 4,8 Grad; am 15. November: morgens 1,7 Grad Celsius. — Sonnenscheinbauer 0,3 Stunden. Gin+opf am.18.Mov. sofort zu verr Schriftl. Anfr. verm. u. 671n beiden Rednern für ihre aufschlußreichen Aus- ührungen. Diese Preisherabsetzungen zusammen mit den bereits bekanntgegebenen Wintermaßnahmen — 11 Millionen RM. für Neuinvestierungen, Errichtung eines Ersatzteil-Depots in Magdeburg, Hereinnahme eines großen Auslandauftrages ufw. — verfolgen alle das eine Ziel, den 17 500 Beschäftigten der Rüsselsheimer Werke sowie den 100 000 Angehörigen der Opel-Organisation den Winter über Arbeit und Brot zu sichern! Frankfurter Börse. rNittagsbörfe geschäftslos. Frankfurt a. M., 14. Nov. Die Börse wird zur Zeit von einer kaum noch zu überbietenden Geschäftslosigkeit beherrscht. Die Kulisse verharrte weiterhin in Lethargie, während die Unterneh- mungslust der Kundschaft minimal blieb. Angesichts dieser Situation können sich günstige Nachrichten aus der Wirtschaft kaum Geltung verschaffen. So blieb der Quartaisbericht der IG.-Farbenindustrie auch heute wirkungslos, auch die 45prozentige Auftragssteigerung bei der Maschinenfabrik Buckau und die Hereinnahme größerer Auslandsaufträge der AEG. fanden nur wenig Beachtung. An den Aktienmärkten neigten die Kurse bei Mindestumsätzen überwiegend leicht zur Schwäche, wogegen der Rentenmarkt angesichts der flüssigen Geldmarktlage eher etwas Interesse auf sich ziehen konnte, obgleich auch hier die Umsätze auf ein Minimum beschränkt blieben. IG.-Farbenindustrie blieben zu 137,50 widerstandsfähig, während die übrigen Chemiewerte eher abbröckelten. Der Elektromarkt war stark vernachlässigt und zunächst fast ohne Erstnotierungen. Bekula kamen .0,50 v. H niedriger, Schuckert unverändert zur Notiz. Berg- werkswerte verkehrten überwiegend schwächer, so gaben Harpener, Klöckner, Mannesmann, Rheinstahl, Phönix und Stahlverein von 0,50 bis 0,65 v. H nach, nur Gelsenkirchen lagen mit 57,50 v. H. behauptet. Schiffahrtsaktien lagen unregelmäßig, Hapag 0,13 v. H. leichter, Nordd. Lloyd 0,25 v. H. freundlicher. Von sonstigen Werten eröffneten Reichsbankanteile 1 v. H. fester, auch Kunstseide 2ttu und Deutsche Linoleum setzten um Bruchteile eines Prozentes höher ein. Auf den übrigen Marktgebieten stagnierte das Geschäf nahezu vollkommen. Am Rentenmarkt ist das Geschäft in Stahlverein- Bonds recht ruhig geworden, der Kurs lag mit 84,75 jedoch 0,13 v. H. hoher; 6prozentige Dollarschatzanweisungen von 1923 blieben mit 89 bks 9t ebenfalls behauptet. Etwas fester lagen fväte Reichs- fchuldbuchforderungen und Kommunal-Umfchuldung mit je. plus 0,13 v. H., Zinsvergütungsscheine waren mit plus 0,38 v. H. etwas stärker erhöht. Die Altbesitzanleihe blieb zu 103,13 v. H. nur knapp ge. halten. Im Freiverkehr erhielt sich etwas Nachfrage für Russen-Werte, während polnische Bahnanleihen etwas nachgaben. In der zweiten Börsenstunde hielt die Geschäfts- stille an, und die Kurse gingen zumeist weiter leicht zurück. So u. a. Farbenindustrie auf 136,75 (minus 0,75 v. H.), Schiffahrts- und Montanwerte bis 0,25 v. H., während auf den übrigen Marktgebieten 3meite Notierungen kaum erfolgten. Etwas fester lagen Siemens mit plus 1,13 v. H., Licht und Kraft mit plus 1 v. H. und Chade Lit. D mit plus 1,50 Mark. Am Kassamarkt erschienen Schramm Lack und Ludwigshafener Walzmühle mit Plus-Zeichen, während Grün & Bilfinger sowie Mainzer Aktienbräu angeboten waren. Am Rentenmarkt blieb die Haltung freundlich, Altbesitz 103,50 (plus 0,38 v. H.), Zinsvergütungsscheine gewannen weitere 0,25 v. H., auch die übrigen variablen Werte waren eher gefragt. Das Ge- schäft blieb allerdings klein. Pfandbriefe lagen meist unverändert, Liquid.-Pfandbr. etwas fester. Stadtanleihen waren nicht ganz einheitlich. — Tagesgeld erfuhr angesichts des Steuertermins eine Erhöhung um 0,50 v. H. auf 3,50 v. H. Abendbörse: gut behauptet. Die Abendbörse verkehrte im ganzen in stiller Haltung, die Umsätze hielten sich in engsten Grenzen, zumeist hatten die notierten Werte nur nominellen Charakter. Gegen den schwachen Berliner Schluß war die Kursbildung zwar nicht ganz einheitlich, es Überwogen aber doch durchschnittliche Besserungen von 0,25 bis 0,50 v. H. Etwas mehr hervor traten IG. Farben mit 136,65 bis 137 (136,40), auch Montanwerte notierten zumeist etwas freundlicher. Etwas leichter lagen noch u. a. Daimler (— 0,50 v. H.), Lahmeyer (— 0,75 v. H.) und die meisten anderen Elektrowerte. Am Rentenmarkt war das Geschäft ebenfalls klein, die Kurse lagen jedoch voll behauptet. 6 v. H. Dollarschatzanweisungen des Reiches von 1923 kamen mit 90,25 (90) zur Notiz, Stahlverein-Bonds lagen mit 84,40 etwa behauptet. Von fremden Werten notierten 4 v. H. Schweizer Bundesbahnen von 1912 mit 178,75 nach 179,75, während 3,5pro- zentige do. mit 168 unverändert blieben. Etwas Interesse fanden noch Zinsvergütungsscheine zum letzten Mittagskurs. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 14. Nov. Am Getteidegroß- markt war das Angebot in Brotgetreide bei guter Nachfrage, auch für Weizen, weiter klein. Knapo war es auch weiterhin in Futtergetteide. Das Mehl- gefchäft nahm einen schleppenden Verlauf, besonders Roggenmehl wird stark vernachlässigt. Oelhaltioe Futterartikel sind für die anhaltende starke Nachfrage kaum angeboten. In Mühlenabfällen war das Offertenmaterial für die lebhafte Nachfrage ebenfalls gering. Die Preise lagen allgemein unverändert. Es notierte ((Betreibe |e Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W IX 202, W XIII 209, W XVI 210, Roggen R IX 162, R XIII 166, R XV 170, alles Großhandelspreise der Mühlen des genannten Preisgebiets. Futtergerfte G IX 164, G XI 167, G XII 169, Hafer H XIII 162, H XIV 164, alles Großhandelspreise ab Station, bei Wasserverladung über 100 Tonnen 3 Mark mehr. Sommergerste für Brauzwecke 195 bis 200. Weizenmehl W X’fl und W XVI 27,15, Roggenmehl R XIII 23,60, R XV 24, alles plus 50 Ps. Frachtausgleich. Weizennachmehl 16,25, Weizenfuttermehl 12,50, Weizenkleie W XIII 10,50, W XVI 10,71, Roggenkleie R XIII 9,72, R XV 9,96, alles Mühlenfestpreise ab Mühlenstation, soweit sie in den Bereich der Landesbauernschaft Hessen-Nassau fallen. Soyaschrot mit Monopolzuschlag (m. M.) 13, Palmkuchen m. M. 13,30, Erdnußkuchen 14,50, alles Fabrikpreise ab südd. Fabrikstation. Treber und Trockenschnitzel gestrichen. Heu 11, Weizen- und Roggenstrvh, droht- gepreßt ober gebünbelt, 4,50 bis 4,70. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. Nov. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgenbe Marktlage: Vorauftrieb: 61 Rinder (37 Ochsen, 1 Bulle, 11 Kühe, 12 Färsen), 952 Kälber, 475 Schafe, 400 Schweine. Es kosteten: Kälber 24 bis 52 Mark, Hämmel 26 bis 37, Schafe 20 bis 34, Schweine 48 bis 53 Mark. — Marktverlauf: Kälber langsam, Schafe und Schweine mittelmäßig. Schweinemarkt In Friedberg. LPD. Friedberg, 14. Nov. Auf dem heutigen Schweinemarkt entwickelte sich sehr lebhaftes Geschäft, bei dem der Auftrieb von 169 Ferkeln restlos zum Verkauf gelangte. Es wurden folgende Preise gezahlt: bis sechs Wochen alte Tiere 9 bis 10 Mark, sechs bis acht Wochen alte 10 bis 14, acht bis zwölf Wochen alte Tiere 15 bis 20 Mark. Zahl der Schiffe sehr vermindert worden, aber mit stolzer Freude konnte man feststellen, daß der Geist unsrer alten Flotte, der Geist einer „Emden", eines Grafen Spee, vom Skagerrak und Scapa Flow in unserer Reichsmarine lebendig ist. — Anfangs dieser Woche haben hier die H o l z h a u e ra r b e i t en im Gemeindewalde begonnen. Es kommen 950 Festmeter Stamm- und Brennholz zum Einschlag, wodurch einer Anzahl Erwerbslosen aus unserer Gemeinde für einige Wochen Arbeit und Brot gegeben wird. Kreis Friedberg. LPD. Friedberg, 14. Nov. Vor einigen Monaten konnte die Stadtverwaltung einer großen Anzahl von Volksgenossen Beschäftigung durch Öde Verlegung des Ufa-Bettes von der Bad- Nauheimer Gemarkungsgrenze bis zum großen Eisenbahnviadukt geben. Das großzügige Werk, das auch das gewohnte landschaftliche Bild erheblich beeinflußt, steht nunmehr vor feiner Beendigung. Der neue Wasserlauf wirkt fid) sehr vorteilhaft aus. Der durch die Verlegung erzielte Bodengewinn ist beträchtlich. Sch'uß. XT hrg bärfe gezählt. Opel senkt die Preise! In der kürzlichen Aufsichtsratssitzung der Ad a m- Opel-AG., Rüsselsheim, wurde beschlossen, die Preise für den 1,2-Liter-Volkswagen und den 2-Liter-Sechszylinder mit Wirkung ab 15. November d. I. herabzusetzen. Die Ermäßigung beträgt beim 1,2-Liter-Volkswagen 130 RM. und beim 2-Liter- Sechszylinder 200 RM. Die Firma beschreitet erstmals den neuen Weg sogenannter „Winterpreise", d. h. die herabgesetzten Preise bleiben ab 15. November d. I. während des Winters in Kraft und werden ab 14. Februar 1935 wieder erhöht. Es handelt sich hierbei um eine großzügige Maßnahme zur Belebung des Winterabsatzes. 3ranhur a. JJL Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag» börle Datum 13.11. 14-11. 13-11- 14-11- Mansselder Bergbau .. ..... .. 0 76 75,5 76 75,75 Kokswerke........... .. 0 — 92,65 91,65 Phönix Bergbau...... .. 0 45,5 44 45-13 44 Rheinische Braunkohlen e e e e 10 213.5 214 214 213,5 Nheinstahl........... .. 0 87,4 87 87,25 86,5 Bereinigte Stahlwerke. e e e e ■ .. 0 38 38,4 38 Ltavi Minen ........ .. 0 11.75 12 11.9 11,5 Kaliwerke Aschersleben. .. 5 11Ö 110 110 110,4 Kaliwerke Westeregeln . .. 5 109 109,25 108,5 Kaliwerke Salzdetfurth IVt 146 145 146-25 146,25 I. ®. Färben-Industrie ...... .. 7 137.5 137 137-5 136-4 Schetdeanstalt........ .. 9 208 208 Goldschmidt ........» .. 0 89 88,5 89,5 88 Rütgerswerke........ « 0 37 37,25 94 94,25 Metallgesellschaft...... .. 0 81,75 82 82-25 Philipp Holz mann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. .. 0 74.5 74,5 74-5 74-5 • ••• .. 0 .. 0 109,5 134 109,75 Schultheis Patzenhoser .. 0 _ — 102-75 100 VItu (Allgemeine Kunstseide) .. 0 58 58,13 58,25 58,13 Bemberg............ .. 0 132,75 134 132,5 134 Zellstoff Waldhof..... .. 0 45 45.5 45 45 Zellstoff Aschaffenburg .. 0 62-25 62 62,25 61,25 Dessauer Gas........ .. 1 — 117-5 117,5 Daimler Motoren..... .. 0 46 45.25 45,75 45-75 Deutsche Linoleum .... .. 0 59,9 60 60 60 Orenstein S Koppel ... .. 0 86 5 84,25 Leonhard Tietz....... .. 0 31.25 30,25 31,13 30 Chade ............... ..10 —— 217,75 217,5 217,9 Accu muIatoren-Fabrü. .. 0 —- 159 160,5 Conti-Gummi........ .. 0 133-75 133,5 134,5 133 Gritzner............. Mainkraftwerke Höchst .. 0 26 28 28 27,5 l®L. .. 4 83 83 Süddeutscher Zucker .. .. 8 185-75 185 186 18 .riannut u. _uc Berlin Schlußkurs Schlußk. Abend- börfc Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Datum 13-11 14-11- 13-11- 14-11- 4% desgl. Serie 11............ 8 8 — — 5% Rumän. vereinh. Rente v. 19C3 4,4 4.? — —- 4'/,%Numän.vereinh.Rentev.l913 6,8 6,8 6,8 7 4% Rumänische-vereinh. Rente .. 4,05 33,9 4,075 4,05 33,75 4 2^°/° Anatolier .............. 33,65 33,75 13. November 14-Jlobcmber Amtliche -Notierung Amtliche Notierung Seid Bne Geld Brie' Buenos Aire^ 0.621 0,625 0,629 0-633 Brüssel..... 58,17 58,29 58,17 58,29 Rio de Jan. 0,204 0,206 0-204 0-206 Sosta ...... 3,047 3-053 3-047 3-053 Kopenhagen. 55.62 55-74 55-51 55-63 Danzig..... 81-12 81,28 81-02 81,18 London ..... 12-455 12,485 12,435 12,465 Helstngsors.. 5,495 5-505 5-485 5,495 Paris ...... 16-38 16,42 16,38 16.42 Holland .... 167,97 168,31 168,10 168-44 Italien..... 21,30 21,34 21,30 21,34 Japan ...... 0.727 0,729 0 725 0 727 Jugoslawien 5-694 5-706 5,694 5-706 Oslo..... : 62-59 62,71 62-47 62,59 Wien....... 48 95 49.05 48 95 49 05 Lissabon.... 11-29 11-31 11,285 11,305 Stockholm... 64-23 64,35 64-10 64,22 Schweiz .... 80-80 80,96 80,65 80-81 Spanien.... 33,99 34-05 33,97 34-03 10 3 A5 Budapest ... _ _ Reuyork... 2,490 2,494 2-490 2,494 96 96 96,25 96-4 — - —- — 95-05 — — 95 103-25 103,65 103-13 103,65 — — — — 96 96 96 96 93 93 93 — 93 — — — — — — — 100-75 100,9 101,13 101-13 92-75 92,75 — — 92-75 92,75 — — 92.9 93 — — 93,5 93,75 93,5 93,75 94,75 94-75 94,75 94-75 94,75 94-75 94,75 94,75 102,4 102-5 102-4 102,5 Berlin,14-November Seid Bries___ ölmeritamfche Roten.............. 2,442 2,462 Belgische Noten.................. 57,91 58,15 Dänische Noten ................. 55.36 55-58 Englische Noten ................. 12,40 12-44 Französische Noten ............... 16-34 16,40 Holländische Noten ............... 168,36 Italienische Noten................ 2b 08 21-16 Norwegische Noten .............. 62,31 62,55 Deutsch Oesterreich, 4 1OO Schilling — Rumänische Noten............... — Schwedische Noten............... 63.93 64,19 Schweizer Noten................. 80,47 80,79 Spanische Noten................. 33*83 33,97 Ungarische Note»......... .. Donnerstag, 15. November 1934 Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen) jt. Semester-Eröffnungsfeier der Llniversität Nachdruck oerbotenl ffi Fortsetzung eutigfl bhastei Ferks olgendi n. 210, alles mten 167, alles ung stiller Sten, lomi. tliner I ein. ttliche mehr 137 itlvas )aim. । und M, Wei> Wei- ifleie t ab lan’ jrot m. idle i w Wenn zu dieser Feier oingeladen worden wäre, so solle hier nicht eine feierliche Rektoratsübergabe, sondern eine Stunde der Besinnung gehalten werden. Innerhalb der Hochschulgemeinde selbst solle die Arbeit aus der einen Hand in die andere übergeben Da im Lande die äußeren schulischen Verhältnisse recht verschiedenartig sind (wenig geeignete Schulhöfe, viel auswärtige Schüler und dgl.), wird begreiflicherweise mancherorts stärkstes inneres Dabei- und Bereitsein nicht ausreichen, eine restlos befriedigende Lösung für die Morgenfeier zu erzielen. Man mag und muß sich dann eben abfinden mit der Tatsache, daß ein Teilerfolg immer noch besser ist als gar keiner, und daß nicht etwa irgend ein glatter und dem Auge wohlgefälliger äußerer Ablauf das Entscheidende darstellt. Die Erfahrungen und die Schulung der Kräfte, die die Durchführung vornehmen, werden mit der Zeit aus der freiwilligen Gestaltung der Morgenfeier eine Einrichtung schaffen, zu der man sich auf Grund ihres Wertes gern verpflichtet.fühlt, und aus der für Führung und Gefolgschaft wertvollste Wechselwirkungen sich ergeb em Sie sah bang zu ihm aus. Sie erwartete nichts anderes als einen schroffen Verweis. „Was mit Ihnen ist, Fräulein von Dönitz?" Seine Stimme klang weich, behutsam, klang, wie Edelgard sie nie gehört. Nur mitunter in einer schmerzlichen Stunde der Sehnsucht sich erträumt. worden sei. Große Opfer seien gerade in einer wirtschaftlichen Notzeit von dem Hessenlande gebracht worden. Weiter gelte sein Donk dem Kanzler unserer Universität Pg. Professor Hummel, den Dekanen und der Führung der Studentenschaft. Durch das kameradschaftliche Zusammenarbeiten zwischen Dozentenschaft und Studentenschaft sei in den vergangenen Semestern aufbauende Arbeit geleistet worden. Für die Zukunft gelte es, die Aufgabe, die Hochschulreform, die nicht nur organisiert werden könne, in Angriff zu nehmen. Bei dieser Arbeit sei ein Rektoratsjahr nur eine kurze Spanne. Seinem Gestern abend fand auf Einladung des Rektorats und der Studentenschaft in der Neuen Aula der Universität eine kurze Semester-Eröffnungs- feier statt. Sehr zahlreich waren Dozenten und Studenten erschienen, um in echter Kameradschaft gemeinsam das Semester zu beginnen. Oer Führer der Gießener Studentenschaft pg. Bernhard Edler von Graeve Hatte er geseufzt? Oder hatte die Schlafende den heißen Strom seiner Gedanken in sich hineindringen gefühlt? Edelgard bewegte sich. Sie seufzte leise auf, machte noch eine halb träumende Bewegung mit den Händen. Nun richtete sie sich auf. Starrte vollkommen verwirrt auf Robby Herman. Sie glich jetzt vollkommen einem Kinde mit dem etwas verwirrten Gespinst ihrer lichten Haare, den großen, erschrockenen Augen. Alle Verlegenheit war plötzlich von Edelgard gewichen. Der hier mit ihr sprach, lachte und törichtes Zeug redete, ihr jetzt behutsam den kleinen Hut reichte, den Mantel umlegte — es war ein vollkommen verwandelter Mensch. Und plötzlich überkam sie eine tiefe Seligkeit. Er zürnte ihr nicht mehr. Nun würde alles gut werden. So gut, wie es eben werden konnte, denn das eine, was sie ganz still für sich geträumt, das konnte sich natürlich nie erfüllen. Aber gegen den Zustand, der bisher zwischen ihr und Direktor Herman bestanden, war dies jetzt schon vollkommenes Glück. Sie stieg in das Auto, ließ es geschehen, daß er ihr die warme Pelzdecke schützend um den Körper wickelte. Und nun fuhren sie beide zusammen der Stadt entgegen. Der Wagen war kaum angefahren, da löste sich aus der Dunkelheit eine Gestalt. Sie hatte verborgen in einem der großen Torbogen gestanden, die die Vorderfront des Gebäudes umgab. Diese Gestalt stand einen Augenblick tief atmend da, wie einer Gefahr entronnen. Dann lief sie mit ein paar Sprüngen rund um das Gebäude herum, bis in den Schutz der kleinen Parkanlage. Ein Auto stand dort mit abgeblendeten Lichtern. Eine Zigarette glomm rot auf. „In Ordnung?" klang eine leise, erregte Männerstimme. „In Ordnung ...!" antwortete der Herangekommene. „Aber beinahe wäre es schief gegangen." „Wieso schief gegangen? Hat der Wächter Sie gesehen? Der hat doch gerade heute an der anderen Seite mit dem Stechen der Uhr begonnen." „Nein, aber der Direktor kam unerwartet." „Wer? Herman?" „Ja!" „Was wollte er?" „Die Schriftstücke über die Farbenfilmverhandlungen!" „Waren Sie mit der Kopie schon fertig?" „Ja! Ich kannte mich gerade noch ins Nebenzimmer flüchten, als er kam. Ein Glück, daß er so anderweitig beschäftigt war." „Anderweitig?" Ein höhnisches Lachen in der Dunkelheit. „Wenn Sie jetzt schnell einmal mit dem Wagen in die Weinstuben Kuntze fahren, dann werden Sie Herrn Direktor Herman mit seiner Sekretärin sehen. Habe mir schon lange gedacht, daß sie sich den auch kapern wird. Wenn ich auspacken wollte ...!" „Los!" klang es aus dem Dunkel des Autos. „Kommen Sie, wir fahren jetzt zu Kuntze: ich fetze Sie vorher ab. Und wenn das wahr ist, Mensch, was Sie mir da erzählt haben, dann lege ich noch einen Hunderter auf Ihr Honorar drauf." (Fortsetzung folgtI) chen, Itien- guter mapp MG inberi jaltli? W iri eh» Ml' sicherer und kräftiger auf diesem schon beschrittenen Wege vorwärts schreite. Die Schlußansprache hielt der neue Rektor Professor Or Pfähler Er dankte zunächst seinem Vorgänger für die geleistete Arbeit und betonte dabei besonders, daß er sein Amt gerade kurz nach der Machtübernahme angetreten habe. Die Ehre und die Last der alleinigen Führung habe in einer Zeit voller Spannungen auf feinen Schultern geruht. Er freue sich, gerade aus den Händen von Professor B o r n f a m m dieses Amt übertragen zu bekommen. Dann kam der Rektor auf den Tag von Lange- marcf zu sprechen und bezeichnete ßangemarrf als ein Mahnmal in unserer heutigen Zeit. Jede deutsche Hochschule habe, so fuhr er fort, Langemarck als teuersten Schatz anvertraut bekommen. 1914 sei Langemarck, als helle Flamme, ein Ort der Begeisterung gewesen. 1918 wäre Langemarck, als geheime Glut, ein Ort der Bewährung und des Durchhaltens gewesen. Ebenso müsse die helle Begeisterung des wiedererwachenden Deutschlands von 1934 sich in ein zähes und verbissenes Einsetzen für die Aufgaben und die Arbeit des Werktages wandeln. An dieser Aufgabe müßten die älteren und die jüngeren Generationen Zusammenarbeiten: die älteren mit ihrem Wissen und die jüngeren mit ihrer Fragestellung, durch die sie das Wissen erst dem ganzen Volke nutzbar machten. Dies sei der einzige Weg einer wirklichen Hochschulreform, die nur aus dieser lebendigen gegenseitigen Befruchtung heraus- wachsen könne. Heber unserer ganzen Arbeit stehe der Wille unserer Führers und Kanzlers. Ein dreifaches Sieg-Heil auf Adolf Hitler und die erste Strophe des Deutschland- und des Horst- Wefsel-Liedes beendeten die Feierstunde. „Das geht doch nicht!" entfuhr es Edelgard. „Warum geht das nicht? — Natürlich geht das! — Das heißt" — er überlegte einen Augenblick —, „ich muß Sie bitten, einen kleinen Umweg mit mir zu machen. Es warten ein paar auswärtige Geschäftsfreunde in dem Weinrestaurant Kuntze auf mich, um mit mir noch etwas wegen eines dringenden Geschäfts zu bereden. Ich müßte Sie also bitten, eine halbe Stunde lang mein Gast in der Weinstube zu sein." ' Edelgard schüttelte erschreckt den Kopf. „Das ist doch ganz unmöglich, Herr Direktor. Ich kann doch nicht spät abends mit Ihnen —* „Haben Sie kein Vertrauen zu mir, Fräulein von Dönitz?" „Vertrauen?" Sie sah ihn mit einem unbeschreiblichen Blick an und wußte nicht, daß dieser Blick alles verriet, was sie fühlte, und daß dies ungewollte Verständnis ihrer Liebe den Mann mit tiefer Seligkeit erfüllte. „Aber was würde man sagen, wenn man Sie mit Ihrer Sekretärin zusammen —" „Man würde sagen, daß sich ein so fleißiger Mensch wie Sie die Heimfahrt in meinem Auto zehnmal verdient hat. Sie können doch nicht die Nacht hier oder im Wartesaal verbringen. Nun seien Sie einmal vernünftig, Fräulein von Dönitz! In Amerika würde man über so etwas überhaupt nicht ein Wort verlieren. Die Hauptsache ist: Weiß Ihre Frau Mutter Bescheid, daß Sie heute länger arbeiten wollen? Und wird sie sich nicht sorgen?" Edelgard schüttelte den Kopf. Nein, der Mutter hätte sie telephoniert, daß es spät werden könnte. Sie würde wohl sicherlich schon schlafen. „Also, bann los — los, Fräulein von Dönitz?" sagte Robby Herman fröhlich. „Beeilen wir uns! Sonst hat mein Geschäftsfreund, der gute van Steu- wen, wirklich schon Schluß gemacht. Und das wäre mir fatal. — Was ist denn das?" Er unterbrach sich, sah auf das kleine verpackte Paket, das Edelgard jetzt in ihre Aktenmappe steckte. „Ist bas Ihr Abendbrot? Haben Sie denn noch nicht gegessen?" „Ach, ich habe in der Eile der Arbeit gar nicht daran gedacht", gestand Edelgard. „So? Und da sitzen Sie hier den ganzen Abend mit knurrendem Magen?" Er sagte es so entsetzt, daß Edelgard nun doch lachen mußte. „Ach, er hat gar nicht geknurrt, Herr Direktor. „So? Und wenn ich Ihnen sage, daß er geknurrt hat? Durchs ganze Haus habe ich es gehört. Jetzt weiß ich auch,' was das für ein Geräusch war, das ich vorhin beim Heraufkommen hörte. Sie find sehr hungrig, Fräulein von Dönitz. Und ich kann es nicht verantworten, daß Sie der Firma wegen an Hunger sterben." Helft der Winterhilfe! Jedes Opfer für dieses Werk der Nächstenliebe ist wertvoller Dienst am deutschen Volke und ein wichtiger Baustein für eine bessere deutsche Zukunft, kein Volksgenosse fehle bei diesem Hilfswerk! Jeder opfere zum Wohle unseres Boltes! dlich, «Hs, ubri. 1 Te. weist >tadt. Qges. ! Er. > 9 dir 14, ott Offenes Singen. Der Fachamtsleiter für Volksmusik in der NS.- Gemeinsthaft „Kraft durch Freude", Otto Siegler, teilt uns mit: Nicht weil es nun im Deutschen Reich einmal so Mode ist, weil andere Gaue und Städte das gleiche tun, damit wir auch „mitkommen", richten wir in Gießen die Offene Singstunde als Liederstunde des Volkes ein, nein, weil wir um den gemeinschaftsbildenden Wert des gemeinsamen Singens wissen, weil wir eine kulturelle Aufgabe sehen, weil wir der Meinung sind, daß das Volkslied nicht nur eine literarische Angelegenheit sein darf, über die Volkswissenschaftler Abhandlungen schreiben, sondern daß es vor allem im Singen und Klingen lebendig werden muß. Wir wollen nicht schulmeisterlich animieren, sondern Gelegenheit zum frohen gemein» henm-j 0-2g 3.°S S: ■tS IS-« 168-« 21'S O'S 5.1$ 62.? 11-3$ 64.J ti» WUMMisl? Roman von Klothilde v. Stegmann. könnte und dürste, der über konservatorische Bildung, oder einen klangvollen Tenor verfügt. Der Konzertftil kann für unser Singen nicht Vorbild sein, so wenig rote uns die Offene Singstunde nur „Uebungsstunde" sein wird. Deutsche Menschen erleben bei uns singend das, wovon viel zu viel geredet wird: die Gemeinschaft des deutschen Volkes. Die erste Offene Singstunde am kommenden Freitag, 16. November, 20.15 Uhr, in der Aula des Gymnasiums bringt u. a. drei sehr leicht singbare, klangreiche Kanons, dazu zwei tiefinnerliche deutsche Volkslieder. Wir danken in besonderen Maße den Gießener Gesangvereinen, die sich an unseren Singstunden beteiligen werden. Sie Helsen damit ein nicht unbedeutendes Stück Volksgemeinschaft verwirklichen, und zeigen, daß sie wissen, worum es uns heute in allem geht, um die Neuformung des deutschen Dolksdildes. Und dazu ist die Anspannung der besten Kräfte erforderlich. Deutsche Arbeitsfront. Jrauenaml der DAJ. — Fachgruppe Hausgehilfen. Achtung Hausgehilfen! Freitag, 16. November, abends 8.30 Uhr, findet für die Mitglieder der Zellen Mitte und Nord eine sehr wichtige Mitgliederversammlung im Caf 6 Ebel, Burggraben, statt. Da diele Versammlung von größtem Interesse für jedes Mitglied ist, wird restloses Erscheinen zur Pflicht gemacht. An diesem Abend spricht die stellvertretende Kreisleiterin der NS.-Frauenschast, Frau Wrede, über das Thema: „M ütterschulung im nationalsozialistischen Staa t". Mitglieder, die ihre Beiträge für Monat Oktober noch nicht bezahlt haben, können diese täglich von 3 Uhr bis 6.30 Uhr im Hause der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18, begleichen. Mitgliedskarte ist stets mitzudringen. Pünktliches Beitragszahlen ist die unbedingte Pflicht eines jeden Mtgliedes, denn nur die Mitglieder können die nfallj M. 3 ka. )onds Wer« lhnei, 5pro« 13n« letz- »l 0 4 s Um eb: 61 ärfen), jfteten: Schal' irktvn- mittel' Born kämm, wünsche er nichts besseres, als daß hat" Möge "das Schicksal es gebens daß unsere auf-!»!- Alma mater. Ludovidana unter seiner, fführun, bauende Arbeit im äußeren Frieden geschehen kann. Dann sprach Pg. von Graeve von den Anforderungen in den kommenden Semestern. Jeder müsse an seinem Platze stehen und allen seinen Verpflichtungen nachkommen. Bei seinem ganzen Tun müsse jeder daran denken, daß er ein untrennbares Glied in der Gemeinschaft des deutschen Volkes fei. Jeder andere Gedanke bedeute Fahnenflucht. Wie immer in entscheidenden Stunden gelte auch hier der Ruf „Freiwillige vor!" Das oberste Gesetz bei all unserem Handeln sei das Gesetz der Volksgemeinschaft. Wer diesem Gesetz nicht Folge leisten könne, der möge uns verlassen. Der Führer selbst habe vor allem den freien Willen zur Gemeinschaft gefordert. Er rufe nur die, die aus ganz freiem Herzen ihm folgen könnten und wollten, die ganz vorbehaltlos nur das Ziel, dem Vaterlande zu dienen, kennen würden. Die junge Mannschaft habe ihren Führer verstanden. Das Regiment Gießen der akademischen Mannschaft werde bald die richtigen Leute kennen, die nur dafür leben, dem deutschen Volke seine Jugend zu erziehen. Den Mittelpunkt bilde das Gießener Kameradschaftshaus und alle die Wohnkameradschaften, die sich darum gliedern. Dor uns leuchte in weiter Ferne das Morgenrot des neuen Deutschland. Möge auch die Geschichte hart über uns hinweggehen, in uns lebe das alte Wort: „Wir stürmen unsere Enkel frei!" Nach dem Führer der Gießener Studentenschaft sprach der bisherige Rektor der Landesuniversität Professor Dornkamm werden. Nach vierzehnmonatiger Rektoratszeit fei es feine Hauptpflicht, vor allem den Dank an den Reichsftatthalter und die hessische Regierung hier in aller Oeffentlichkeit auszusprechen für das Vertrauen, von dem die Arbeit der Landesuniversität getragen Er stutzte. Er hatte doch gestern das Aktenkuvert nit feinem Inhalt ganz glatt ins Fach hineingelegt. (°s war nicht feine Art, irgend etwas unordentlich lineinzustopfeN. Oder hatte er in der Eile, als er ir.e Besprechung mit den anderen Herren hatte, es loch üoersehen? 7™v . (i-rgfältig ein. Dann schloß er den Schrank und noUte sich bereits auf den Rückweg machen. nahm zuerst das Wort und führte ungefähr folgendes aus: Bei Eintritt in das neue Semester sei es unsere Aufgabe, zunächst des früheren Studentenschaftsführers Pg. H. I. Adam zu gedenken, der feit diesem Semester in Berlin studiere. Der Führer der Deutschen Studentenschaft hat nun mich „e n ? ir^n n frh em uteixorarsjaijr nur eine lurze opurme. öeuttmi istls, d"i° Arbeit 1° w-iL zu Mr-n,^i- fiTme’n: N°chs°lg°r im Rektaramte, ,° schloß Professor Kamerad Adam in dreisemestriger Arbeit erfüllt samen Singen geben. Das ist der eigentliche Sinn unserer Offenen Singstunde. Der Singfreudigkeit unserer Tage soll gedient sein durch Uebermittlung von wertvollem, bodenständigem und lebensnahem Liedgut. Das Konjunkturlied, das nur so von „Gesinnung" trieft und sich oft bei kritischer Prüfung als pseudo-vaterländischer Kitsch entpuppt, hat bei uns keinen Platz. Dagegen wenden wir uns dem echten alten und neuen Volkslied, das nicht gemacht, sondern gewachsen ist, zu. Kraftvolle Mannschafts- und Bekenntnislieder, daneben frisch-fröhliche Kanons werden in unseren Offenen Singstunden gesungen werden. Um das lebensnahe Tun geht es uns, nicht ums Spintisieren. Dabei garantieren wir für den Wert der Lieder, die bei uns gesungen werden. Mit billigen Reißern werden wir uns nicht zufrieden geben. Die Offene Singstunde wendet sich an jeden deutschen Volksgenossen, der ein lebendiges Verhältnis zu Lied und Volk hat. Wir treten entschieden der irrigen Auffassung entgegen, daß nur der fingen Ganz mechanisch, ohne etwas zu denken, öffnete er rnd) einmal die Tür zu dem Sekretävinnenzimmer Kbenan. Da fuhr er zurück. Das Zimmer war schwach von der draußenstehen- ! -n Laterne erleuchtet. An dem Schreibmaschinentisch ssß Edelgard. Das heißt, sie saß nicht, sondern sie toar mit dem Oberkörper vorn über die Maschine (Hunten. Sie schlief. Das Licht fing sich in ihren li onden Haaren und ließ sie golden aufglanzen. Ihre tönbe hingen kraftlos herunter. Unendlich rührend mb unendlich zart sah sie aus, wie sie da ruhte, dem Cüchlafe hingegeben. Auf den Zehenspitzen schlich er näher, schaltete die Snrbeitslampe ein — Edelgard erwachte mcht. Und nun sah er, wie blaß und müde die feinen Züge nxiren. Kein Wunder! Sie mußte wie wahnsinnig Gearbeitet haben. Denn auf dem kleinen Aktenblock s itlich der Maschine häuften sich die beschriebenen Siogen. Er hatte es ihr ja vorausgesagt, daß es zu- isei werden würde. Aber angesichts der Schlafenden tcar fein Zorn vollkommen vergangen. Nichts fühlte < - als Mitleid, Reue und Liebe. Ja, Liebe! In diesen stillen Minuten, da er Edel- c:arb betrachten konnte, ohne daß sie seine Nähe einte, gestand er es sich ein: er liebte dies Mädchen. Cor liebte es so leidenschaftlich, wie er nie mehr zu l?ben geglaubt. Es gab kein Ausweichen und keine Flucht vor dieser Erkenntnis. Margaret, die er geliebt und die ihn betrogen, sie verschwand wie in einem tiefen Däm erlicht. Unentrinnbar allein blieb bis Empfinden für Edelgard. In tiefster Seele aufgewühlt, stand er da und blickte auf die Schlafende. Was hatte das Schicksal bnmit bezweckt, daß es ihm Edelgard in den Weg toführt? Sollte er zum zweitenmal von einer Frau sl tief enttäuscht werden wie von Margaret? Konn- |(th diese rührenden Züge wirklich lügen? Aber auch Xiargaret hatte dies Zarte und Kindliche gehabt. Und doch, welch erfahrenes Raffinement hatte da- buter gesteckt. So stand er da, rang Und kämpfte nit sich und wußte doch, alles Mißtrauen würde »cht helfen. Er war an Edelgard verloren. & Aus der proviuzialhaupistadi. L Siebener Einzelhändler werben! inus Mi4 gutem Recht tritt eine Gruppe vertrauens- 0,25 würdiger Unternehmungen des Gießener Einzel- kten !«ndels in der heutigen Nummer des Gießener fester Anzeigers" erneut hervor und wirbt mittels einer ItraH Sonderseite gemeinsam für den Verkauf. Den An- 15o flforud) auf beste Beachtung ihres Werberufes haben M I kch diese Geschäftsleute wohl erworben, lieber 15 000 Volksgenossen hat der deutsche Einzelhandel ' nieder in den Wirtschaftsprozeß emaeglieöert. Diese ■'at heischt Anerkennung durch die Käuferschaft. — Vie Bilddarstellung auf der heutigen Sonderseite «iat auf wie um das Jahr 1650 die ersten Der- toufsfolonnaben an den Häusern der Marktplätze :ieqrünbet wurden. Fürwahr ein gewaltiger Ab- ’anb, gemessen an den zeitgemäßen Läden und Aus- Mungseinrichtungen, die der Einzelhändler von ;»ute feiner Kundschaft bietet, und an feinen Aufwendungen, die viele Volksgenossen beschäftigen. „Was ist denn?" fragte sie. Und dann ging eine ; glühende Röte über ihr Gesicht. r. , v . „Verzeihen Sie, Herr Direktor, ich weiß gar nicht, ersehen? Er nahm es heraus und steckte es f roas mit mir —" „Was mit Ihnen ist? Uebermübet finb Sie, Kinb. Es ist sehr unrecht von mir, baß ich Ihnen nachgegeben unb nicht für eine Hilfe gesorgt habe. Nun aber schnell nach Hause! Unb morgen vormittag bleiben Sie baheim unb ruhen sich aus." Ungläubig sah Ebelgarb zu Robby Herman auf. War bas derselbe Mann, der so streng und schneidend sprechen konnte? Güte und Fürsorge leuchteten aus seinen Augen. Er sah sie jetzt an, wie Rudolf Kutschner sie angeschaut. Und doch ganz, ganz anders noch. Sie war grenzenlos verwirrt. Unb so brachte sie nichts anderes hervor als: „Ich möchte aber morgen nicht fehlen, Herr Direktor. Ich möchte kommen." „Sie werden nicht kommen." Das klang wieder sehr energisch, erinnerte etwas an den früheren Robby Herman. Edelgard erschrak. Hatte sie ihn mit ihrem Widerspruch wieder verletzt? „Wenn Sie befehlen!", sagte sie gehorsam. Da sah er sie seltsam an. „Befehlen? Nein, Fräulein von Dönitz. Ich bitte Sie darum!" Dann fuhr er leichter fort: „Wissen Sie denn überhaupt, wie spät es ist, Sie kleine Arbeitsbiene? Schon Mitternacht vorbei." Edelgard erschrak. , „O Gott, wie komme ich denn da nach Hause? — Wenn ich nur noch den letzten Zug nach Wannsee bekomme!" Sie raffte in fliegender Eile ihre Sachen zusammen. Ein übermütiges Glücksgefühl brannte in Robby Herman auf. „Sie brauchen sich nicht zu beeilen, Fräulein von Dönitz. Sofern die Eisenbahndirektion für unsere fleißigen Sekretärinnen keinen Extra-Nachtzug eingerichtet hat, dürften Sie den Zug nicht mehr er- reichen. Aber ich weiß einen Ausweg. Kommen Sie, ich habe meinen Wagen unten! Ich fahre Sie heim." » Ur. 268 Drittes Blatt deshalb: kaufe beim Einzelhändler! Du gibst Arbeit und Brot! Neuer Arbeitsaufiakt in den Schulen. Das Staatspresseamt teilt mit: Eine Verfügung |-r Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum des Hessischen Staats- r inifteriums vom 18. Oktober 1934 empfiehlt allen schulen, den täglichen Unterricht mit einer all- iK meinen Körperschule, einem Lied und lagesspkuch zu beginnen. Dieser Arbeitsauftakt üirb überall dort, wo man in frischer Entschlossen- j it trotz mancherorts vorhandener Schwierigkeiten n eine Gestaltung herangeht, die nicht an der Zerstäche, im Aeutzerlichen hängen bleibt, sondern i r körperlichen, charakterlichen und völkischen Ziel- stzung gerecht wird, eine wertvolle Bereicherung Ls gemeinschaftlichen Lebens und Erlebens in der |6d)ule bedeuten. Mit einem solchen Beainn des • t glichen Unterrichts wird auch, das sei besonders htont, keineswegs die Einrichtung des Schul- ne b e 15 abgeänoert oder gar aufgehoben. Diese Morgenfeier, in der fast alle Altersstufen der be- beffenöen Schule zu einer Gemeinschaft vereinigt snd, liegt vor dem eigentlichen Klassenunterricht, te steht somit nichts im Wege, das Schulgebet an ! ter seither üblichen Stelle des Unterrichts einge- igt zu lassen. Wie weit ein Gebet als Abschluß !-s Tagesauftaktes bzw. der Morgenfeier selbst imgebaut werden kann, darüber werden die Er- ihrungsberichte der einzelnen Schulen sicher ge- uiaenb Ausschluß bringen. Grundsätzlich steht jeden- filts einer solchen Erweiterung nichts entgegen. Durch die in der obenerwähnten Verfügung be- ' nders betonte Freiwilligkeit bezüglich der Ein- j.ihrung einer Morgenfeier wollte Herr Ministerial- nnt Ringshaufen unter allen Umständen ver- ti eiben, daß ihre Durchführung und ihr Inhalt ! verflachen, daß nur befehlsgemäß und ohne die her erforderliche innere Einsatzbereitschaft an die (’ieftaltung eines derartigen Tages-Auftaktes heran- . («gangen wird. Nur wer erfüllt vom Geiste unserer c-oßen Zeit und mit jugendfrischem Herzen und in fhrfftcr Tatbereitschaft vor die Buben oder Mädels riitt, wird spüren, wie aus der gekennzeichneten Morgenfeier Kräfte wachsen, die von der Stätte der schule hinführen zur Wirklichkeit des Lebens, zur (lemeinschaft und zum Einsatz für Volk und Vaterland. Freilich, wer diese Bindungen und Wirkungen t d)t verspürt, für den wird der Beginn des täglichen Unterrichts mit Körperschule, Lied und Tages- ’ hrud) eine Störung und Kürzung des allgemeinen Imterrichtsbetriebs darstellen. Ihm gehen Minuten j verloren, die er für eine Besprechung vielleicht der ii.ebirge Hinterindiens besser angewandt wüßte. Benn solche Kräfte nicht zu einer Einführung und Gestaltung der Morgenfeier verpflichtet werden, tonn es der Sache selber nur dienlich sein. Unterstützungseinrichtung der Deutschen Arbeits- front In Anspruch nehmen, die dieser gegenüber ihre Beitragspflicht erfüllen. Heil Hitler! 3.21. Wehrum, Kreiswalter der DAF. Zotz, Ortsfuchschaftswalter. krriswaltung Gießen. Am 15. November, abends 20.30 Uhr, veranstaltet die Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine im Cafü Leib eine Saarkundgebung, verbunden mit einem Lichtbildervortrag. Die Mitglieder der DAF. werden hiermit aufgefordert, sich ebenfalls an dieser Kundgebung zu beteiligen. Heil Hitler! Kreiswaltung Gießen. NS.-Gerneinschaft „Kraft durch freute“. Am kommenden Freitag, 16. November, abends 8 Uhr, findet in der Aula des Gymnasiums die erste offene Singstunde für die Stadtbevölkerung von Gießen statt. Wer Freude am echten deutschen Dolkslied, am frischen Kanon und am guten Mannschaftslied hat, ist herzlich zum Mitsingen eingeladen. Der Eintritt ist frei. Heichsbund Volkstum und Heimat. Am morgigen Freitag, 16. November, 20^ Uhr, findet in der Aula des Gymnasiums ein offenes Singen unter Leitung von Herrn Siegler statt (Volkslieder, Kanons, Mannschaftslieder). Wir bitten unsere Mitglieder um rege Beteiligung. Nekanatskonferenz zu Gießen. 3m Markussaal trat am Dienstagnachmittag, stark besucht, die Dekanatskonferenz des Evangelischen Dekanats Gießen zusammen. Ihr neuer Vorsitzender, Dekan Sattler (Wieseck), eröffnete mit Lesung von Losung und Lehrtert des Tages und Gebet. Er dankte dem seitherigen Dekan Pfarrer G u ß m a n n (Kirchberg) für alle in den 22 Jahren seiner Dekanatsführung geleistete Arbeit und erbat für sich die jederzeit seinem Vorgänger erwiesenen drei Dinge: Vertrauen, Nachsicht und Geduld. An die Behandlung einer Reihe geschäftlicher Fragen schloß sich eine sehr rege und harmonisch verlaufene Besprechung der kirchlichen Lage an. Unter den Gästen war auch Herr Propst Knodt anwesend. Vortreffliche Hilfe für die Kriegsgräberfürsorge. Das nunmehr abschließend festgestellte Ergebnis der Sammlung für die Zwecke des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge beläuft sich in Stadt und Kreis Gießen auf die sehr ansehnliche Summe von 5357 Mark. Von diesem Betrag entfallen auf die Stadt Gießen allein 2118 Mark, der Restbetrag wurde in den Orten des Kreises Gießen gespendet. Diese bedeutsame Opferbereitschaft im Dienste der deutschen Kriegsgräberfürsorge ist ein ehrenvolles Zeugnis für die dankbare Gesinnung, die unseren gefallenen Brüdern im Kreise Gießen bewahrt wird. Die Kreisgruppe Gießen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wird nunmehr, dank dieser sehr anerkennenswerten Spende, der Uebernahme de Patenschaft für einen Heldenfriedhof im Westen oder im Osten nähertreten. Parkplatz plockstraße fertiggestellt. Nach mehrwöchiger Arbeit ist setzt der Parkplatz in der Plockstraße fertiggestellt worden. Die Kraftwagenbesitzer werden diese Neueinrichtung im Verkehrswesen unserer Stadt sehr begrüßen. Der Parkplatz erscheint zweckmäßig gestaltet. Die Abstellräume für die einzelnen Kraftwagen verlaufen schräg zur Fahrbahn und sind durch eine Markierung mit weißen Steinen gekennzeichnet. Der Parkplatz wurde mit Kleinpflaster befestigt. Gas schafft Arbeit! Im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung hat die Gießener Gas-Gemein- fchaft einen Winter-Werbefeldzug unternommen und sich zur Aufgabe gemacht, jeden einzelnen Haushalt zu beraten. Die Gießener Gas-Gemeinfchaft bittet — wie man uns schreibt —, die Damen und Herren, die in ihrem Auftrag vorsprechen und gleichzeitig die im Haushalt befindlichen Gasgeräte aufnehmen, sowie evtl. Beanstandungen entgegennehmen, zu empfangen und sich über die neuesten Gas- geräte unterrichten zu lassen. Ferner veranstaltet die Gießener Gas-Gemeinschaft im Verein mit der NS.- Frauenschaft Gießen, Reichsgemeinschaft Deutscher Hausfrauen, Milchwirtschaftsverband Hessen und der hiesigen Bäcker-Innung einen Hausfrauenabend am Freitag, 16. November, 20 Uhr, im Cafö Leib, auf den die Hausfrauen besonders hingewiesen werden. (Siehe gestrige und heutige Anzeigen.) Gründungsversammluug der Bildhauer- und Steinmetz-Pflicht- Innung für Oberheffen. Die Bildhauer und Steinmetz-Pflichtinnung für die Provinz Oberhessen hielt am Sonntag im „Schipkapaß" zu Gießen ihre Gründungsversammlung ab. Kreishandwerksmeister Pg. S t ü h l e r eröffnete die Versammlung. Pg. Stichler gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die gegenmär» tige Sage des Handwerks, führte dann den Stein» metzmei'fter Gustav Schrader als Obermeister der Innung ein und verpflichtete ihn durch Handschlag. Kollege Schrader übernahm sein Amt mit der Versicherung, seine ganze Kraft einzusetzen, um das so schwer darniederliegende Bildhauer- und Steinmetzhandwerk wieder zu seinem einstigen Ansehen zu verhelfen. Er übernahm sodann die Leitung der Versammlung und verpflichtete durch Handschlag nachstehende Kollegen zum Beirat der Innung: H. Ehrhardt- Gießen als Stellvertreter des Obermeisters, Erich Schmiedeknecbt -Londorf als Kassenführer und 2Iuguft Schmidt (Gießen) als Schriftführer. Als Bezirksmeister für die Kreise Alsfeld und Lauterbach wurde Kollege Leonhardt (Alsfeld), für die Kreise Friedberg, Tübingen und Schotten Kollege Hofmann (Friedberg) bestimmt. Als Lehrlingswarte wurden die Kollegen Peter Dietz (Großen-Linden) und Kollege B ö h - l e r (Ober-Ohmen) genannt. Gesellenwart ist der Steinmetz Georg Kraft (Londorf). Als Gesellenbeirat fungieren die Steinmetzgesellen Karl Stol- ter (Friedberg) und W. Lebentroth (Schwalheim). Der Obermeister gab sodann die Mustersatzung mit den Zusatzbestimmungen bekannt, die von der Versammlung gebilligt wurden. Die Zusatzbestim- mungen verpflichten die Mitglieder zur Förderung der Staubesehre und der Pietät, unterbinden den frühen Kundenbesuch und verhindern Uebervortei- lung und Unterbietung, sehen Maßnahmen vor zur Ausschaltung des Pfuschertums und fordern durch meisterhafte Qualitätslieferung die Hebung der Friedhofskultur, damit eine würdige Totenehrung gewährleistet ist. Sämtliche Steinmetzmeister traten dafür ein, daß Naturstein zur Verarbeitung kommen solle, damit die setzt noch stilllegenden Steinbrüche wieder in Betrieb genommen werden können und die jetzt noch arbeitslosen Steinmetzen und Brucharbeiter wieder Arbeitsmöglichkeit bekommen. Der bis jetzt gezahlte Lohntarif wird vorläufig bei» behalten. Nachdem ein großer Teil der anwesenden Mitglieder ihrer Beittagspslicht genügt hatte, schloß Obermeister Schrader mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf unfern Führer die harmonisch verlaufene Versammlung. Daten für Donnerstag. 15. November. 1630: der Astronom Johannes Kepler in Regensburg gestorben (geboren 1571); — 1730: der Generalinspekteur der amerikanischen Armee Friedrich Wilhelm von Steuden in Magdeburg geboren (geworben 1794); — 1787: der Komponist Willibald Ritter von Gluck in Wien gestorben (geboren 1714); — 1862: der Dichter Gerhart Hauptmann in Salz» brunn geboren; — 1910: der Dichter Wilhelm Raabe in Braunschweig gestorben (geboren 1831). Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 15. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,45 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (ausländische) 10 bis 13, (inländische, Kühlhaus) 10 bis 13, Wirsing (grün), das Pfund 8 bis 10 Pf., der Zentner 7 bis 8 Mark, Weißkraut, das Pfund 5 bis 6 Pf., der Zentner 3 bis 3,50 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 10 Pf., der Zentner 6 bis 7 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 12, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 50 bis 80, Tomaten 25 bis 30, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, das Pfund 7 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 12 Mark, Birnen, das Pfund 6 bis 10 Pf., Nüsse 35 bis 40, junge Hähne 85 bis 90, Suppenhühner 70 bis 75, Gänse 70 bis 75, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 10, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 20 Pf. Vornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Bund der Saarvereine, Ortsgruppe Gießen, 20.30 Uhr, Caf6 Leib, Saarkundgebung. — Reichberufsgruppen der Angestellten in der DAF., Fachgruppe Banken, Lonystrahe 18, Zusammenkunft mit Vortrag über „Außenhandel und Transferfrage". — NSBDT.., 20.30 Uhr, Hörsaal des Geologischen Instituts, Lichtbilder-Vortrag über „Geologie in der Technik". — Stadttheater, 20 bis 22.30 Uhr, „Krach um Jolanthe" (Vorstellung der NS.-Kulturgemeinde — Ring Deutsche Bühne). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der junge Baron Neuhaus". — Asto- ria-Lichtspiele, Seltersweg: „Hafengasse Nr. 4". — Eigenheim-Ausstellung, Seltersweg 75, 20.15 Uhr, Hotel „Prinz Carl", Vortragsabend mit Lichtbildern „Wie finanziere und baue ich mein Eigenheim?" — Bergschenke, 5-Uhr-Tee. — Stadttheater Gießen. Heute, 20 Uhr, Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde Ring: Deutsche Bühne: die Bauemkomödie ,Krach um Jolanthe" von August Hinrichs. * ♦♦ Probe-Feueralarm. Am kommenden Samstag um 15 Uhr werden probeweise die Feueralarmsirenen unserer Stadt ertönen. Zur Beunruhigung ist bei dem Alarm kein Anlaß. ** Feuerlöschhilfe der Technischen Nothilfe. Wie uns ergänzend zu dem Bericht über das Großfeuer in der Seifenfabrik von Mo b s mitgeteilt wird, hat sich auch die Technische Nothilfe bei der Feuerlöscharbeit eifrig betätigt. Sie hat der Feuerwehr bei dem Transport und beim Legen von Schlauchmaterial sowie beim Fortbewegen der ge- füllten Oelfässer wacker geholfen. In dem naturgemäß großen Durcheinander bei einem derartigen Brande und bei der erfreulicherweise großen Zahl von Helfern in Uniform und in Zivil hatten wir selbst leider die Mitglieder der Technischen Nothilfe nicht bemerkt, es sei aber nicht unterlassen, diesen stets opfer- und tatbereiten Männern im Dienste des Allgemeinwohls für ihr erneutes Wirken bei dieser Gelegenheit die wohlverdiente öffentliche Anerkennung zu bekunden. ** Preisgekrönt er Geflügelzüchter. Der Rhodeländerzüchter Friedrich Bauer in Gie- ßen, über dessen züchterische Erfolge wir schon wiederholt berichteten, erhielt auf der mit zirka 7200 Tieren beschickten „Großen Mitteldeutschen Rasse- geflügelschau", die vom 9. bis 11. November in Magdeburg stattfand, auf sechs ausgestellte Tiere sechsmal die Note sehr gut, zwei Ehrenpreise, zwei Zuschlagspreise und zwei 1. Klassenpreise. ** VHC. Gießen. Man berichtet uns: Es war ein grauer Novembertag. Schwere Wolken hingen am Himmel. Unablässig fielen dicke Regentropfen zur Erde. Trotzdem waren zur Novemberwanderung am vergangenen Sonntag über 30 Personen zusammengekommen. Es find die Unentwegten, die vor keinem Wetter zurückscyrecken. Sie wurden für ihre Treue belohnt, denn bald hörte der Regen ganz auf. Die Wanderung führte mit dem gelben Strich durch das Alte Feld, die Wannschneise entlang über die Hohe Warte nach Annerod. Nach der Mittagsrast im Saale des Mühlchens ging es über die Straße Gießen—Reiskirchen durch den Bergwald bei Rödgen, von wo sich bei gutem Wetter eine schöne Aussicht nach Rödgen und das Hinterland bietet, quer über das Feld nach Großen-Buseck. Hier sand sich noch eine größere Zahl Vereinsmitglieder ein. Bei Tanz, Mundartvorträgen und anregender Unterhaltung blieb man bis zum Abendzug fröhlich beisammen. Lippert 1900 abermals in der Gau- nachwuchsmannschast. Für das Winterhilfsspiel der Gaunachwuchsmannschaft Nordhessen gegen die Mannschaft von Borrussia Fulda ist auch der Gießener 1900er Lippert aufgestellt. Desgleichen ist er auch für das Gauspiel des Gaues Nordhessen gegen den Gau Mitte, das am Sonntag, 25. November, zur Austragung gelangt, genannt worden. Auch Wohlge- muth Wetzlar wird für beide Spiele herangezogen. Die Tabelle der 2. Kreisklaffe nach der Vorserie. Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. VfB. III 5 1 0 35:8 11:4 Alten-Buseck 3 2 1 21:14 8:4 Wißmar 2 1 3 10:11 5:7 ßonborf 2 1 3 8:17 5:7 Treis 1 3 2 11:24 5:7 1900III 1 2 3 7:11 4:8 Grimberg II 2 0 4 9:16 4:8 Der vorjährige Meister VfB. konnte sich auch in der Dorserie ungeschlagen an die Spitze setzen. Mit drei Verlustpunkten mehr folgt Alten-Buseck, eine eifrige und junge Mannschaft, die sehr beständig ist und noch manche Punkte holen wird. Wißmar ist in der Spielstärke zurückgegangen, doch wird der Mannschaft ein guter Mittelplatz sicher sein. Londorf und Treis sind beide Kampfmannschaften und geben sich erst in letzter Minute geschlagen. Von 1900 hätte man etwas mehr erwarten können, zumal genügend Spielermaterial zur Verfügung steht. Grünberg ist den Spielen noch nicht gewachsen. Kußballabteilung des Tv. Kinzenbach. Kinzenbach — Spv. Vetzberg 9:1 (1:0). Zum fälligen Verbandsspiel hatte die erste Mannschaft des Tv. Kinzenbach die gleiche von Vetzberg zu Gast. Die Gäste traten nur mit^ehn Mann und mit Ersatz an. Auch die Einheimischen hatten Ersatz eingestellt. Die erste Hälfte des Spieles verlief ziemlich ausgeglichen. Der einzige Erfolg kam erst in der Mitte dieser Spielzeit zustande. Nach dem Wechsel fielen die Gäste stark zurück und mußten sich, bis auf einige gefährliche Vorstöße, fast ganz auf die Abwehr beschränken. Die Erfolge für die Platzmannschaft fielen in regelmäßiger Folge. Den Güsten war beim Stande von 9 :0 nur das Ehrentor vergönnt. Die Jugendmannschast verlor, mit nur neun Mann spielend, gegen Wißmar glatt mit 0:8 Toren. Olympiatrainer Sörensen erzählt... Ein Abend Wintersportwerbung. Der Werbeabend für den Wintersport, der gestern in der bis auf den letzten Platz besetzten Neuen Aula der Universität von den hiesigen Wintersport- treibenden Organisationen veranstaltet wurde, war zweifellos ein großer Erfolg. Der Abend brachte viele Anregungen und wird gleichzeitig in vielen der Besucher den Wunsch wachgerufen Haben, in diesen und den folgenden Wintern „mit dabei zu sein". Der Leiter des Instituts für Leibesübungen an der Universität ör. Möckelmann eröffnete den Abend mit Worten der Begrüßung. Er wies darauf hin, daß die Wintersportwerbewoche nicht nur Werbung für den Wintersport, sondern auch Vorbereitung für die Olympiade 1936 sein solle. Dann sprach der Meisterspringer und Olympiatrainer Sörensen, der zunächst einmal seine Zuhörer mit einigen norwegischen Sätzen hilflos ließ, so daß jedermann dachte: er wird doch nicht seinen ganzen Vortrag auf norwegisch halten wollen?! Diese Ungewißheit loste sich aber schnell. Er sagte — in der Folge in leidlich gutem Deutsch —, daß er nicht hierhergekommen sei, um den Gießenern Skilaufen und Skispringen lernen zu wollen — das sei ja aar nicht nötig, denn die Gießener seien sicherlich alle große Kanonen! (Heiterkeitserfolg!) Der Redner wandte sich dann zunächst einer Gegenüberstellung des Skisportes in Norwegen und in Mitteleuropa zu. In Norwegen seien Die Skier Verkehrsmittel. Jeder Norweger könne Skilaufen. Aber der Skisport werde in Norwegen ganz anders gepflegt als in Mitteleuropa. Langlauf und Sprunglauf stünden im Vordergrund. Slalom und Abfahrtslauf kenne man gar nicht. Diese beiden Arten des Skilaufs würden sich in Norwegen auch nicht einbürgern können. Für ihn aber (den Redner) seien diese beiden Disziplinen imponierend. Der Abfahrtslauf sei das Ideal des Skilaufes. Der Slalomlauf fei neben dem Springen die höchste Kunst. Uebrlgens: die Schwünge „Chri- ffiania" und „Telemark" feien gar nicht norwegischen Ursprungs. 3n Norwegen schwinge man gar nicht. Vielmehr fei bas Stockreiten üblich, das in Mitteleuropa verboten sei. In seinen weiteren Ausführungen schilderte der Vortragende die Bedeutung der Holmenkol-Rennen, jener größten skisportlichen Veranstaltung, die bereits eine 50jährige Tradition hat, sprach von seiner eigenen Jugend, feiner Entwicklung im Skilauf und von seinen Erlebnissen in mitteleuropäischen Skigebieten. Schließlich wandte er sich der Betrachtung des deutschen Skisports im allgemeinen zu. Wenn es, so führte er aus, im Skisport genau so in Deutschland werde, wie in anderen Sportarten, würden andere Nationen bald nicht mehr mitkommen können. Die norwegischen Trainer würden manchmal gefragt, warum sie den Deutschen lernten, sie, die Norweger, vielleicht einmal zu schlagen? Darauf sei nur zu antworten, daß das aus einer reinen sportlichen Auffassung und außerdem aus Sympathie für Deutschland geschehe. Deutschland brauche int Skisport noch Lehrmeister. Die Norweger seien im Skisport 100 Jahre voraus. Deutschland müsse erst Tradition bekommen. Die Norweger wollten lediglich Vorbild sein. Die Entwicklung im deutschen Skisport gehe gut vorwärts Daß dem so sei, fei dem Führer Adolf Hitler zu verdanken, der den kämpferischen Geist auch im Sportler neu belebt habe. Olympiatrainer Sörensen fand für feinen anschaulichen Vortrag herzlichen Beifall. Nachdem im weiteren Verlauf des abends ein einzigartig schöner Film aus dem Wintersportgebiet des Riesengebirges gezeigt worden war, hielt Or. Wodaege als Führer des hiesigen Eisvereins einen launigen Vortrag zur Werbung für den Eissport. Er ging zunächst auf die Geschichte des Gießener Eisvereins ein, der bereits Im Winter 1882/83 von Geheimrat Fromme gegründet worden fei. Die erste Eisbahn fei, nachdem man zunächst auf schmäh Uferstreifen an der Lahn unter recht gefährliche Umständen lief, auf den Wiesen am Gaswerk pe schaffen worden. Der Eisverein habe sich gut ent wickelt und fei in der Zukunft recht bebeutunqsoel geworben. Der Eissport sei bamals zwar noch nid sportlich betrieben worben, fonbern er wurde mji als eine günstige Gelegenheit betrachtet, sich gegen- feitlg kennenzulernen, wovon insbesondere die )uJ gen Leute gerne Gebrauch machten. Immerhin auch damals schon gut gelaufen worden. In letzten Jahren sei der Eislauf aber mehr und nutz fportlich betrieben worden. Der Kunstlauf fand gang, mit Begeisterung werde der schnellste Kamp, fport, das Eishockey, gepflegt und das Eiskegch habe auch viele Freunde gefunden. Der Redne schloß seine kurze Ansprache, indem er betonte, b® man sich in Gießen glücklich preisen könne, beit eine Eisbahn, wie sie bei uns zu finden fei, gebe e weit und breit nicht. Der OSV.-Skilehrer Althaus hielt bann noch einen kurzen Vortrag, inbem er t berebten unb begeisterten Worten von ber ganzen Spieles durchhielten. Die Gäste vermocht! den vor der Pause erreichten Vorsprung nach dm Wechsel auszudehnen unb einen hohen Sieg ß buchen. Sp. - V. 05 Wetzlar — T v. A tz b a ch M (4:3). Wetzlar brachte in biefem Spiel seinen ersvi Sieg zustande. Die Mannschaft hat den Gäsliiü einen ausgeglichenen Kampf geliefert. Die GP sichenen den Gegner unterschätzt zu haben. Kreisklasse II. Tv. Garbenheim — Tv. Dutenhose: 5:4 (2:3). Das Spiel sah vor der Pause bie Maniv schäft ber Gäste im Vorteil, mußte aber nach dem Wechsel bie Initiative an bie Platzmannschaft ab treten. Garbenhelm glich halb aus. Es entspann sich ein hartnäckiger Kampf, ben Garbenheim burfc bessere Stürmerleistungen kurz vor Schluß für W ' entscheiben konnte. Mtv. Gießen II — Tv. Hochelheim//' 14:4 (9:2). Beibe Mannschaften hatten nur neuni Mann zur Stelle. Gießen war jeberzeit übetlegm unb gewann bem Spielverlauf entsprechend. Da-r Spiel würbe sehr fair ausgetragen. T v. ß o 11 a r — T v. Wißmar 2:3 (0:1). Zock gleichwertige Mannschaften! Bei beiben Gegnem versagten bie Stürmerreihen. Wißmar hatte ooti bem Wechsel burch ein Tor bie Führung üdernom men. Die zweite Hälfte brachte bei weiter oerteiltem Spiel ßoUar ben Ausgleich. Erst kurz vor Sd)kl! vermochten bie Gäste ben Kampf für sich zu eib scheiben. Tvgg. Ruttershausen — Tv. Stau" f e n b e r g 10:10 (5:6). Die Mannschaften trennt-"« sich mit einem gerechten Unentschieben. Das SsE war in jeber Beziehung vorbilblich. Beibe Stint merreihen zeigten große Schußfreubigkeit unb wetz selten in regelmäßiger Folge bis zum PausenpsN" sechs Tore für bie Gäste unb bereu fünf für Platzmannschaft. Die zweite Halbzeit sah zunWi Staufenberg klar im Vorteil. Die Mannschaft tt** kämpfte sich innerhalb kurzer Zeit eine 9:6-Führun^ mußte sich aber burch einen kraftvollen Endspu^ ber Platzmannschaft boch noch ein Unentschieden gefallen lassen. Tv. Romrob — Tv. Burggemündem 1:8 (1:5). Eine Ueberraschung erlebte man in RcM rob. Während die Gäste ganz bei der Sache roarer- fanden sich die Platzbesltzer überhaupt nicht zusa^' men. Die Gäste hatten schon zur Pause e‘wt । hohen Vorsprung und verbesserten das Res^ nach dem Wechsel noch weiter. Kreisklasse III: Tv. Heuchelheim II — Tv. Lühelst^'' den II 9:2 (7:1). Die Platzbesitzer waren jeder Hinsicht die bessere Mannschaft unb gewa" neu, auch in blefer Höhe, verbient. Das Spiel bereits bis zur Pause entschieben. Jugendklasse: , Tv. Garbenhelm — Tv. Münchhoisi hausen 5 :11 (3:5). Verbleuter Sieg ber Während» bas Spiel bis zum Wechsel noch ausgeglichen verlief, würben bie Münchholzhausen» nach ber Pause stark überlegen. t Tv. W. -Nleberglrmes — Tv. 2ltzbo 17:5 (9:4). Die erste Viertelstunde war aus v glichen. Später hatte Atzbach nichts mehr zu '• stellen unb mußte in regelmäßigen Abständen Erfolge ber Platzmannschaft hiunehmen. Gesellschaftsspiele. , f Tv. Heuchelheim I — Tv. Albach 12 : 3 (8 :1). Da bie Gäste zu bem angefefcten banbsfplel nur mit sieben Spielern erschien einigte man sich auf ein Gesellschaftsspiel. Platzherren waren überlegen und gewannen. Hball-MnnschastenimDienstederWinlerhilfe r ■ Kaufen Sie Ihren Wogen jetzt - Sie sparen bis zu NM 200 ■ I Preise ab Werb. ■ < ff mehr 11 Limousine. 2-türig.statt eRITI 2850 Rill 2650 Cabc-Cim, 2-tücig, statt* RM 2950 Rill 2750 Limousine. 4-türig, statt * Rffl 3150 RR1 2950 Cabriolet, 4-sitzig, statt * RIT1 3300 RR1 3250 Limousine. 2-türig statt RM 1880 RR1 1750 Cabc.-fim, 2-türig statt RR1 1990 RR1 1860 5pq.-Cm12-türig statt RIB 2200 RR1 2070 Um mit Tatkraft zur Festigung des firbeitsmarktes weiterhin beizutragen, hat sich die Abam Opel 0.-6. zur Durchführung eines LDinter-Programms entfchloffen. das ihr gestattet, die großen fabrikationsmöglichheiten - die sonst im LDinter nur teilweise ausgenutjt werden - ooll einzusehen. Damit kann Opel den »Hunderttausend«, die in der Opel- Organ ifation und in den Hunderten von Lieferwerken für Opel tätig sind, auch im IDinter Befchäftigung geben und die Preife für Opel Personenwagen oorübergehenö ermäßigen. Limousine, 4-türig statt RITI 3600 RR1 3400 Cabriokt, 4-sihig statt RITI 4000 RRl 3800 • Die ucfprünglich sofort beabsichtigte Preiserhöhung für den 1,3 Ltr. wurde im Zuge des LDinter-Programms bis zum 14. februar 1935 zurückgestellt. Opel 2 Ltr. 6 JyL mit Opel » 5ynchron-fehcrung« Opel 1.3 Lir.. 4 3yL mit »Opel Synchron-fcöerung« ■ ■ I hiii ■ I Opel 1.2 Ltr. Modelle mit 4 3yl 4-TaKt-Motor Hur für hurze Zeit LDer jetzt einen Opel kauft, spart schon mit dem Kaufpreis einen erheblichen Teil der IDinterbetriebs- und Garagen- kosten. er nützt somit anderen und steh selbst. Am 14. februar 1935 werden die Preise wieder erhöht. Das Sonder-Programm gilt also nur für Wagon, die vom Opel Händler bis zum 13. februar 1935 zur Ablieferung gelangt sind. Alle drei Typen werden auch im nächsten Jahr weitergebaut. Aus aller Wett. Aufklärung eines dreifachen Raubmordes. — Zigeuner als Täler aufgegriffen. Am 1. September d. I. war auf dem Waldweg zwischen Cwiklicz und Pleß ein G e l d t r a n s - Port des Postamtes in Pleß von mehreren Banditen Überfällen worden. Bei dem Ueberfall wurde der begleitende Polizeibeamte von den Räubern erschossen und der Geldbriefträger so schwer verletzt, daß er später im Krankenhaus starb. Den Tätern fielen etwa 7000 Zloty in die Hände. Auf der Flucht stellte sich ihnen ein Pförtner entgegen, den sie gleichfalls erschossen. Trotz eifriger Nachforschungen konnten die Täter zunächst Bezirksmannschaften sollen in kleineren Städten in Aktion treten. Zu allen Veranstaltungen sollen die Mitglieder der PO., der Behörden, der SA. und SS., die örtliche Leitung des Winterhilfswerkes, sowie die Sportführung eingeladen werden. Vor dem Spiele und wahrend der hatbzeit- pause sollen Sammlungen durchgeführt werden, möglichst von Jugendlichen und Aktiven, die Im Sportdreß mit der Büchse in der Hand die Runde machen sollen. Die Ueberschüsse der Ergebnisse der Dereinssamm- lungen und der Sammlung auf den Sportplätzen sind zusammen mit den Spieleinnahmen den örtlich zuständigen Stellen des Winterhilfswerkes bis zum 1.Dezember 19 34 zu Übermitteln. Der Reichssportführer hat erst vor furxem seine Gefolgschaft aufgerufen, und die Fußballspieler haben als erste die Ehre, in diesem größten aller friedlichen Wettkämpfe antreten zu können. Am 21. November wird also die Opferfahne über allen Fußballplätzen wehen. Um einige Zahlen zu nennen: 13 500 vereine werden sich mit über einer Million Helfern In den Dienst des Dinterhilss- werkes stellen. Das Vorhaben sollte zu einem großes Erfolg werben, wenn alle, die den Fußballvereinen nahestehen, und vor allem auch jene, die ihnen noch fernstehen, gewonnen werbe, auf bem Fußballplatz zu erschei- । 5$r Führer unb Volkskanzler Adolf Hitler alzum Generalangriff im Kampf gegen hunger Kälte und zur Hilfe für unsere notleidenden ß^sgenoffen aufgefordert. Alle Fußballspieler, die irtH vielen Sportkameraden, die nicht mit trotfqjen gfisrn gesegnet sind, in dauernder Verbindung Mit, und daher die große Not kennen, stehen, wie h Vorjahre, mit besten Kräften für das Hilfs werk kt In diesem Jahre haben die Fußballvereme |inl Mannschaften Zeit, die von unserem Führer Lfrberte organisierte Hilfe zur Tat werden u Lassen. Durch die Veranstaltung von Spielen ipi Sammlungen sollen die Fußballspieler bewei« daß sie wie bisher zu allen Msfammlungen lisZUM letzten Mann mit wirklichen Opfern. etn- retm. Für die Fachfäule Fußball tm deutschen jpjrt ist — mir berichteten kurz darüber — der Rillt w och, 21. November (Buß- und 23et» na. als Opfertag festgesetzt worben. Die Fachsäule Mall tritt damit als erste in Aktion. Bußtage selbst werben bie Reineinnahmen Spiele für bas Winterhilfswerk abgegeben. )ik Vereine stellen ihre Plätze zu ben Spielen ab» i:abtfrei, Schiebsrichter und Spieler werben auch iuf einen Teil ber Abgaben verzichten, bie sie sonst Ausgleich für notwenbige Aufwenbungen zu ■ ehrten haben. Das Programm für bie Winter- ilf. piele ist recht umfangreich. In ben Gauen wer» . tn neben Stäbtefpielen Repräsentativspiele von ?zez^ksmannschaften zur Durchführung kommen. ; )tc "5auligamannfd)aften sollen in kleineren Stäbten »M setzt werben. Gegner für biefe Mannschaften Mei kombinierten Stadtmannschaften sein. Die denn je: Sie handeln gegen Jhc eigenstes Jnleceffe, wenn Sie den Opel-ßanbler nicht aufsuchen, ehe Sie kaufen Meft und sich efn 6trte! änzusehen, das fth* Men guten Zweck veranstaltet wirb. Die Fußballer wollen gleichzeitig beweisen, baß in ihnen ber Geist ber Opferwilligkeit lebendig ist, wenn auch in diesem Kreise wenig davon gesprochen wird. Oie Spiele im Bezirk «Sießen-Oill. Kreisführer Henkel hat die für unser engeres Heimatgebiet zur Durchführung gelangenden Spiele bereits festgesetzt unb bamit bie erste Vorarbeit geleistet. Die vorgesehenen Begegnungen veröffentlichten wir bereits in unserer Samstagausgabe. In unserer Stabt wirb besonbers bas Treffen einer kombinierten Lanbmannfchaft gegen eine kombinierte Mannschaft ber Vereine Spielvereinigung 1900 unbVfB.°R. interessieren. Währenb bie Mannschaft ber ßanboereine bereits genannt werben konnte, ist bie Stadtmannschaft noch nicht endgültig fest- gestellt. ttW gefall Nerven. Bor einigen Tagen griff mm die Polizei mehrere Zigeuner auf, die im Kreise Pleß verschiedene Einbrüche verübt hatten. Zwei Zigeuner verwickelten sich in derartige Widerspräche, daß der Verdacht aufkam, daß sie mit dem Cwikliczer Raubüberfall in Verbindung ständen. Sie gestanden schließlich die Tat ein. Die Mörder nahmen von dem Gelde nur einen kleinen Betrag an sich und vergruben ben Rest im Walde. Das Geld wurde von der Polizei gefunden. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen; man nimmt an, daß eine große Anzahl von Mitgliedern der Bande an den Mordtaten beteiligt war. (Ein Münchner Bildhauer ermordet. In einem Hause in der Schellingstraße in München wurde der 41 Jahre alte Bildhauer Fritz Wrampe mit einem Kopfschuß t o t auf gefunden. Es liegt ein Verbrechen vor. Der vermutliche Täter konnte noch am gleichen Abend festgenommen werden. Mit dem Verbrechen in Zusammenhang steht offenbar der Selbstmordversuch einer 39 Jahre alten Stenotypistin, die im gleichen Hause wohnt. Sie wollte sich zweimal erhängen, wurde aber jedesmal daran gehindert. Bombenanschlag in Rordfpanien. Hochaltar einer Dorfkirche gesprengt. In ber Nähe ber nordspanischen Hafenstadt Vigo legten unbekannte Täter unter den Hochaltar einer Dorfkirche vier mit Dynamit geladene Bomben, die kurze Zeit darauf explodierten und wertvolle Kun st schätze zerstörten. Ferner explodierte in den Büroräumen einer Keramikfabrik eine Bombe. Die Fabrikanlagen wurden schwer beschädigt. Gießener Einzelhändler werben! 6140 D Ihr Fischlieferant sei das Fachgeschäft Fischte Cuihaven Marktstrage Nr. 23 / Telephon Nr. 2417 4 D Lang & Wiederstein Mäusburg 14 Tafel- und Kaffee-Service Geschenkartikel lieber 35000 Volksgenossen hat der deutsche Einzelhandel wieder in den Wirtschaftsprozeß eingegliedert. Kaufe beim Einzelhändler! Du gibst Arbeit und Brot! Bilder Rudolf Weber Mäusburg 19 / Zernruf 2636 / Eigener Gartenbaubetrieb: Am Aahrungsberg 65 Unter gleicher Leitung: Hotel Zur Bergschenke am Bergwerkswald Herrenmoden- RICHTER Plocketr.I, Heue B»cb Friedrich Hirsch Wllh. Neuhaus Nacht. 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Du hört' ich der Trommel Rufen. Mahnend klang es mir ins Ohr: Fahnenträger, hoch die Fahne, koch die Fahne blutig rot. . Adolf Hitler haben wir geschworen ew'ge Treue bis zum Tod! Sollte ich einst schwankend werden, rührt die Trommel, daß es schallt durch die weiten deutschen Lande und mir ins Gewissen hallt: Fahnenträger, hoch die Fahne, unsre Fahne blutig rot. Adolf Hitler hast auch du geschworen, bleib ihm treu bis in den Tod! Götz Leisenheimer. Fahrtenbuch eines Jungen. Von Helmut pleß. Erster Tag. Sonnenschein. Nach Möhnesen. Quartiermachen. Kakao. Ferkel ärgern. Klappe gehen. Wir pennen. Naja, erste Nacht. Die Mäuse pie- peri und Haschen sich. Ich befürchtete, sie könnten unseren teuren Proviant beknabbern. Jensen und ich krochen um 1 Uhr aus dem Pennsack und wickelten unser ganzes Essen in eine Jungvolkjacke, die wir dann unter der Decke der Scheune befestigt haben. Die Leute waren sehr nett, sie berichteten: früher seien andere Gruppen in Quartier gewesen. Sie benahmen sich ganz fies! So etwas hält lange vor bei den Bauern. Hoffentlich haben wir ihre Meinung über die Jugend kuriert. Zweiter Tag. Morgenlauf und Freiübungen. Milch trinken. Lindt klagt über Halsschmerzen. Er meint aber, es geht noch. Bedanken für das Quartier. Abmarsch, furchtbar heiß. Durst! Buttermilch umsonst auf Gutshof Lemcken. Mit Lindt wird es schlimmer. Ich schleppe seinen Affen. — Chausseetippeln. Lindt kann überhaupt nicht mehr. Die Jungenschaft geht weiter. Wir warten. Ich muß ihn vorschicken. Mir ist allerdings etwas komisch zu Mute, ihn so allein nach Mölln zu schicken. Ein SS.-Mann nimmt ihn mit. Weiterklotzen. Mittag abkochen. Feuer will nicht an. Labskaus schmeckt prima. Alle satt. Abends. Es ist schon dunkel. Wir erreichen Mölln. Quartier ist nicht mehr zu machen. Einzige Möglichkeit: Jugendherberge. Als wir Tee kaufen, erzählt uns der Krämer, er hätte Lindt nach Hamburg geschickt. Mit Lieferantenauto. Sollte ich mich freuen oder ärgern? In der Jugendherberge werden wir nicht ausgenommen. Ein Mann hält mir einen Vortrag. Die Jugendherbergen wären auch ein Verein und — wenn wir keinen Ausweis hätten, könne dieser Verein nicht bestehen usw. usw. Wir müssen in einer Gastwirtschaft pennen. Auf Stroh, 25 Pf. pro Mann. — Tee gekocht. Es regnet. Pennen gehen. Vorlesen. Dritter Tag. Wir haben Mölln satt. Bloß raus. Wir gehen den Elb-Trave-Kanal entlang. Links liegt fabelhaftes Gelände. Wir bleiben? Zelt bauen. Behelfszeltgerät. Funktioniert fabelhaft. Kochen. Feuer will wieder nicht brennen. Wir verschwenden eine Schachtel Streichhölzer. Mit dem allerletzten Streichholz brennt das Feuer. Ah — Grieß mit Kirschen. Sauber. Nicht mal angebrannt. Es beginnt zu regnen. Wir wollen weiter. Zeltbahnen sind naß. Lassen sich nicht rollen. Wir packen Pennsäcke und Bohnen in zwei Zeltbahnen. Sieht aus wie ein Leidenszug. Quartier in Dorf Gammer. Wir werden verpflegt mit selbstgebackenem Schwarzbrot. Drei Schnitten — satt. Wir sitzen am Abend in der guten Stube. Der Bauer interessiert sich für unsere Jungvolkarbeit und fragt nach allem. Er zeigt uns, wie man Erdmassen berechnet. Wir pennen wie 70. Haben schon wüst viel Geld gespart. Wir wollen uns davon Zeltgerät kaufen. Wir wollen mit einem Kahn zurück. Hoffentlich gelingt es. Erst mal wird die Uniform in Ordnung gebracht. Wir haben schon 92 Pf. pro Mann pro Tag über. „Ick segg jo: Wi goht bald in een Resto- rang", meint Jensen. Wir wollen gleich aufbrechen. Wir schaffen uns ein Heim ... Laut jubelten wir auf, als wir den Schlüssel zu dem kleinen Saal in der Hand hielten. Der Raum war leer und kalt, und der riesige Ofen in der Mitte schien noch mehr Kälte auszuhauchen. Aber wir stellten uns vor, wie schön und gemütlich es hier bald sein würde auf unserem BDM.-Heim- abend. Und dann liefen wir trotz des schlechten Wetters von Haus zu Haus, baten und bettelten, ließen uns Sachen versprechen und aufheben und Im Gegensatz zu SA., Arbeitsdienst usw. tragen die Angehörigen der Hitlerjugend Formationsund Dienstrangabzeichen in erster Linie auf den Achselklappen, deren Aufschrift die genaue Feststellung der Dienststelle des Trägers ermöglicht. Die unterste abzulesende Formation ist die Gefolgschaft (die Ziffer auf den Achselklappen-Knöpfen), es folgt der Unterbann (die römische Ziffer) und der Bann (arabische Ziffer). Aus den Besatzstreifen von Mütze und Achselklappe geht die Nummer des betreffenden Oberbanns hervor (rot: Oberbann 1, gelb: 2, grün: 3, blau: 4, schwarz: 5, weiß: 6). Beim Jungvolk, das keine Achselklappen trägt, bilden diese Farben den Untergrund der Armscheiben. Die Obergebiets- und Gebietszugehörigkeit zeigt das schwarze Armdreieck, das bei der alten Garde der HI. (Eintritt von dem 30. Januar 1933) mit einem goldenen Streifen versehen ist. Zu diesen Formationsabzeichen treten die Dienstgrababzeichen, die in der HI. außer dem Schulterklappenbesatz auch durch Führerschnüre gekennzeichnet sind. Es tragen: 1. KameraLschaftsführer (Einheit bis zu 15 Jungen): 1 Stern, rotweiße Schnur; 2. Scharführer (Einheit bis zu 50 Jungen): 2 Sterne, grüne Schnur; waren überglücklich, als wir abends todmüde vom „Schnorren" im Bett lagen. Das war an einem Samstag. Montags zogen wir dann mit einem Rollwagen durch die Stadt. Manche Leute machten sich über uns lustig; aber wir ließen sie ruhig lachen. Wir luden hier ein paar Stühle auf, dort Bänke und Tische, verstauten Sessel und Kissen, schleppten Feuerung ab oder nahmen Stoffe in Empfang. Mit lachenden Gesichtern zogen wir ein Wägelchen nach dem anderen zum Heim, zu „unserem Heim", wir wir nicht ohne gewissen Stolz schon sagen konnten. Bei den schweren Möbeln, die wir Mädel nicht tragen konnten, halfen uns Jungen der HI. Während wir dann schrubbten und bürsteten und putzten, verschalte ein Hitlerjunge das große Loch in der Wand; ein anderer brachte den Ofen in Ordnung. Und so schafften wir den ganzen Tag. Mit jedem neuen Stück Möbel kam neue Arbeit und neue Freude. Das Heim gewann Gestalt; zweckmäßig und doch gemütlich mutete das Innere an. Nach einer Woche war es endlich so weit: Wir konnten unser Heim einweihen. Langsam stieg die Flagge am Mast empor. Fest und froh klang unser Lied auf. Gertrud D e u p e r t. 3. Gefolgschaftsführer (Einheit bis zu 150 Jungen): 3 Sterne, grünweiße Schnur; 4. Unterbannführer (Einheit bis zu 600 Jungen): 4 Sterne, weiße Schnur; 5. Bannführer (Einheit bis zu 3000 Jungen): rote Schnur, 1 Eichenblatt weiß unterlegt und weißes Mützenband, im Stab karminrot unterlegt, karminrotes Band; 6. Oberbannführer (Einheit bis zu 15 000 Jungen): rotschwarze Schnur, 2 Eichenblätter gelb unterlegt, gelbes Mützenband, im Stab wie Bannführer; 7. Gebietsführer (Einheit bis zu fünf Oberbanne): schwarze Schnur, 3 Eichenblätter dunkelrot unterlegt, dunkelrotes Mützenband; 8. Obergebietsführer 3 Eichenblätter, 1 Stern, schwarz-silberne Schnur, hellrot unterlegt, hellrotes Mützenband; 9. Führer des Stabes der Reichsjugendführung: 3 Eichenblätter, 2 Sterne, schwarz-goldene Schnur, hellrot unterlegt, hellrotes Mützenband. Die Stabsmitglieder tragen auf den Achselklappen ein rotes G (Gebietsstab) ober RJF (Stab der Reichsjugendführung). Noch einmal... Noch einmal ziehen wir singend durch gilbende Fluren hin. Der Sommer ging, doch er bleibet uns lang noch in Herz und Sinn. Noch einmal steigen die Wochen des Julmondes vor uns auf. Wir lebten braus in ben Zelten in sorglosen Tages Lauf. Unb roieber wollen wir banken, baß uns ein gütig Geschick bie Zeiten gab unb bas Leben in neuem Jungenglück. W. Pornrnerening. Die Windmühle. Von Werner Genschke. Einsam auf ber Höhe steht bie Winbmühle. Ihr schwarzes Bretterhaus hebt sich scharf vom grauen Himmel ab, über ben ber Herbstwinb schweres Gewölk schiebt. Die Mühle scheint lebenbig zu sein. Ihre mächtigen Flügelarme rubern mit wuchtigem Schwung burch bie Luft. Rastlos bewegen sie sich. Drinnen in ber Mühle zermahlt ber Stein ben Roggen unb ben Weizen, auf baß sie zu Mehl unb Brot werben — für bas Volk. * Es war vor bem Kriege. Droben an ber Mühle spielten bie Kinber. An ihrem Fuße lagen sie, wenn sie vom Umhertollen mübe waren. Aßen ihr Vesperbrot, bas ihnen bie Mutter gab — gut unb reichlich. Manchmal reichten sie bas Brot bem Hunbe hin — aber nicht, weil er an ihrem Brote teilhaben sollte, fonbern weil sie es nicht mehr mochten. Ober sie warfen es weg. „Wartet! Die gute Gottesgabe!" rief ihnen einmal eine alte Frau zu, bie mit einer schweren Bürbe Reiser gebückt über ben Felbweg stapfte. Die Kinber lachten bie Alte aus ... Ueber ihnen brehten sich bie mächtigen Flügelarme ber Winbmühle unb mahlten Roggen unb Weizen, bas tägliche Brot ber Menschen ... * Kriegsjahr 1917. Die Mühle ftanb still. Die Bauern mußten ihr (Betreibe abliefern. Der Müller hatte längst bie wenigen Körner, bie ihm zum Mahlen anvertraut würben, ausgemahlen. Um bie einsame Mühle heulte ber Herbstwinb. Er rüttelte an ben Flügelarmen, bie wie leblos in ben grauen Himmel ragten ... Die Menschen in ber Stabt hatten nichts zu essen. Die Kinber hungerten. Wei- nenb baten sie bie Mutter um Brot. Aber bie hatte keins. Nicht ein winziges Stückchen Brot hatte sie im Hause. Auch bie Brotmarken waren altew Der Krieg war bitter. Aber man mußte burchhalten. Der kleine Bub kam meinenb zur Mutter unb bettelte: „Mutter, gibt mir ein Stückchen Brot, bloß ein winzig kleines Stückchen! Ich habe solchen Hunger!" Da sagte bie Mutter tobernst: „Du wirst nie ein guter Solbat werben!" Der Bub ging aus ber Stube unb biß trotzig bie Zähne zusammen. Er wollte ein guter Solbat werben ... * Droben auf ber Höhe schwingen bie Flügelarms ber Winbmühle. Zu ihrem Fuß liegt Jungvolk. Die Jungen find auf Herbstfahrt. Gerabe wollen sie Vesper halten. Sie werfen ihre Brote auf einem Haufen zusammen. Einer, ber ein befonbers leckeres Brot haben mag, tut bas anscheinenb nicht gern. Da sieht ihn ber Jungenschaftsführer nur vorwurfsvoll an. Die Jungen langen zu. Sie stürzen nicht wie eine roilbe ^Dleute über bie Brote, bamit jeber bas beste Stück erwische. Sie langen bebächtig zu. Was gerabe vor jebem liegt. Der Junge mit bem leckeren BrDt langt nach einer Margarinestulle. Als er bie Stulle nimmt, kriegt er einen roten Kopf, weil er sich über vorhin schämt. Dann beißen bis Jungen in bie Brote unb schauen auf bie Winb- mühlenarme, bie mächtig burch bie Luft rubern .. 4 Die Fvrmatwns- und Rangabzeichen der Hl ■ Die Schlacht auf Peter Lammers Feld. Von Kurt Werner. Feindlich standen sie sich eigentlich schon lange gegenüber, die Jungens von der Hardenbergstratze unb bie Jungens von ber Nettelbeckstraße. Aber jetzt war enbgültig ber Krieg bis zur Entscheibung erklärt worben. In ber alten Gartenbube auf bem Acker von „Peter Lammers" saßen ungefähr fünfzehn Jungen auf ben Kartoffelkisten. Die Bube war voll, es paßte wirklich keiner mehr hinein. Alles schrie aufgeregt burcheinander, und man konnte kein Wort verstehen, bis Eberhard, ein großer, kräftiger Bursche, auf den Tisch stieg: „Nun hört doch endlick einmal auf mit eurem Gequatsche, laßt mich doch mal erzählen!" Eberhard war bestimmt ber Stärkste von ben Jungen, bie in ber Hardenbergstraße wohnten; deshalb war er auch Anführer. Nun war endlich Ruhe in ber bretfigen, verstaubten Bube, unb Eberharb konnte anfangen: „Also, bas bürfen wir uns auf keinen Fall gefallen lassen! Ich ging gestern nachmittag burch bie Nettelbeckstraße, unb ba traf ich Max Drümmer. Ihr wißt boch, wen ich meine, bas ist ber bärnliche Affe, ber in ber Nettelbeckstraße das große Wort führt. Na, der guckte mich so höhnisch lächelnd an, daß ich in Wut kam und zu ihm sagte: .Grins' nicht so, du 3biot!‘ ,Und du, was bist du', antwortete er, ,ein ganz feiger Hund. Ihr von der Hardenbergstraße seid überhaupt Schlappschwänze. Kommt doch einmal her, wir werden euch schon die Jacke oollhauenll Da wir uns nicht als Schlappschwänze bezeichnen lassen können, habe ich ihm gesagt, daß wir alle morgen um 16 Uhr auf ,Peter Lammers Feld< sein werden, er will mit seiner Schar auch kommen, unb bann werben wir ja sehen, wer schlapper ist." Weiter konnte Eberharb nicht erzählen; benn jetzt war roieber ein fürchterlicher Lärm, alle schrien sie burcheinanber: „Das gibfs ja gar nicht! Die hauen wir morgen zu Hackfleisch! Denen wollen wir schon zeigen, was 'm Harke tftF Und dann würbe Kriegsrat gehalten. Peter Möge! kam mit einer ganz großen Jbee: „Mensch, wir nehmen einen Blockwagen voll Grünkohlstrunken mit, was meint ihr, wenn einer so'n Ding an ben Kopf kriegt, bas gibt bestimmt ’ne Beule!" Otto Peschke freut sich: „Den Blockwagen nehmen wir aus unserem Keller, unb Franz Rauch muß ben Wagen ziehen." Dabei zeigt er auf einen kleinen Dreikäsehoch. Der ftanb bisher ganz still in eine Ecke gequetscht unb staunte bie „Großen" an. Jetzt fängt er aber mächtig an zu schreien: „Wir wollen sie schon kriegen!" „Wißt ihr was", sagt Eberhard, „wir gehen jetzt los und suchen uns soviel Latten wie möglich. Die bringen wir in die Einfahrt von Peter Mogels Haus. Da ist für bie nächste Zeit unser Hauptquartier unb bie Verbanbsstation. Aber baß ihr morgen um halb 16 Uhr alle ba seib. Wir treffen uns in ber Einfahrt." Am nächsten Tag ist schon um 15 Uhr Hochbetrieb in Peter Mogels Einfahrt. Alle finb sie schon ba. Gerabe ist Eberharb dabei, die Latten zu sortieren. Ihr Bedarf ist vollauf gedeckt, es ist auch ein ganzes Sammelsurium von Mordwerkzeugen zusammenbesorgt worden. Am Blockwagen steht der kleine Franz. Er schichtet gerade fein säuberlich die Grünkohlstrunken auf, von denen ein großer Berg in der Ecke liegt. Fast kann der Wagen die Strunken gar nicht fassen. „Ihr beiden bleibt hier als Wache und Sanitäter", teilt Eberhard zwei Jungen ab, „und ihr sucht euch jetzt gute Latten aus, und dann gehen wir. Aber, daß ihr dazwischenhaut! Die andern dürfen gar nicht zur Besinnung kommen. Also, auf in den Kampf!" Auf „Lammers Feld" ist noch niemand zu sehen. Während die „Großen" sich nun in der Bude gegenseitig zeigen, wie sie dazwischenschlagen wollen, sitzt der kleine Franz auf feinen Kohlstvunken und äugt scharf zur Nettelbeckstraße hinüber. Man sieht ihm ordentlich an, wie stolz er ist, daß er mitmachen darf. Es ist das erstemal, daß die „Großen" ihn mitnehmen. Bisher hatten sie immer gesagt: „Du kannst noch nicht mit, du bist noch zu klein . Heute wollte er ihnen schon zeigen, was er kann, das hatte er sich vorqenommen. Plötzlich hört er lautes Reden, ba kommen bie „Netteibecker". Donnerwetter, ist bas eine Menge! Er springt auf unb schreit in bis Subei »Sie kommen! Au, Eberharb, wir müssen aber ran. Das sinb noch mal so viele wie wir, unb Satten haben bie--!" Kaum hat er bas gesagt, ba springen sie schon mit Gebrüll aus ber Bube unb gehen ben Nettel- berfern entgegen. Die bleiben stehen. Nur Max Drümmer geht langsam weiter unb kommt bem Eberharb entgegen; jetzt fangen sie an, sich zu beschimpfen. „Mich rounbert bloß, baß ihr gekommen seib", sagt Eberharb. „Na, Mensch, ist bas eure ganze Garbe", lacht Max Drümmer, „sortiert man schon eure Knochen." „Was steht ihr eigentlich so herum? Ich benk', wir wollen uns hauen. Ihr habt uns boch Ijerausgeforbert. — Harbenberg. ranr Das ist ein Gebrülle! Die Harbenberger greifen auf ber ganzen Linie an. Holz splittert unb kracht. Man hört Gekeuche, unterbrückte Rufe wie: „Du Schurke!" „Verflucht!" „Gib ihm Saures." Die Netteibecker haben nicht mit biefem plötzlichen Angriff gerechnet. Schon kommt bie Front ins Wanken. Aber Max Drümmer feuert feine Leute roieber an, unb mit neuer Wut hauen bie Nettelbecker wie bie Teufel bazwischen. Die Harbenberger haben große Not, ihren Platz zu behaupten. Da, in ber allergrößten Not kommt bie „schwere Artillerie" herangeprescht, unb ein Hagel von wohlgezielten Kohlstrunken fliegt ben Nettelbeckern an bie Köpfe. Aber bie, nicht faul, zahlen mit ber gleichen Münze. Unter mordsmäßigem Geschrei schwirren die Grünkohlstrunken kreuz und quer durch die Luft. Die Schlacht ist in vollstem (Bange. Da, plötzlich, übertönt ein tiefer Baß das Schlachtgetöse: „Verdreihte Jungs, matt matt ji all wedder hier op minen Acker", aufgeregt fuchtelt der „dicke Lammers" mit feinem Handstock durch die Luft. Jetzt scheinen ihm die Augen aus dem Kopf zu quellen. „Min — min scheunen Greunkohl! Jetzt is aber ut; ick war ju schon kriegen", und keuchend stampft der „Dicke" hinter den Jungens her. Aber die sind schon spurlos von ber Bilbfläche ver- ^Dei)1 unb leer liegt bas Schlachtfelb ba. Der „dicke Lammers" steht wie ein Stanbbilb aus Erz, unb als er bie Nutzlosigkeit feines Unternehmens einfieht, zieht er fchimpfenb unb murmelnd ab. Dis Nettelbecker behaupten jetzt aber, wenn der dicke Lammers nicht gekommen wäre, hätten bie Harbenberger eine Wucht bekommen. Unb bie Harbenberger wollen morgen weiterhauen. Noch acht Kilometer. Schon eine Stunbe marschieren wir, unb der Affe, der heute 25 Pfund wiegt, scheint schwerer unb schwerer zu werben. Die ersten 2 Kilometer ging alles gut, burch bie Stabt fangen wir luftig unsere Lieber, auch noch außerhalb ber Stabt sangen wir ober erzählten uns etwas. Aber bann fing es an. Bei jebem Schritt, ben ich tat, schlug ber Affe gegen ben Karabinerhaken bes Schulterriemens. Ich hielt meine linke Hanb bazwischen. Das half. Ein Kilometerstein nach bem anberen tauchte neben uns auf unb verfchwanb, noch 8 Kilometer, bann finb wir am Ziel, 17 Kilometer haben wir hinter uns. Der Affe brückt immer noch gleichmäßig ben Karabinerhaken in ben Rücken, aber bie Hanb halte ich nicht mehr bazwischen, ich bin bieses Drücken gewohnt geworben. Aber etwas anberes stört mich, ber Stiefel brückt unb bie Tragriemen bes Affen reiben. Ob es meinen Kameraben ebenso geht? Sie schreiten genau so stumpfsinnig wie ich, sie schauen genau so wie ich auf bie Hacken ihres Vorbermannes, aber ich frage sie nicht, benn ich will mich nicht auslachen lassen. Unb auf einmal kommt mir ber (Bebanfe, warum läufst bu heute am Samstag hier mit, warum gehst bu nicht mit ben anberen Kameraben, bie heute keinen Dienst haben, ins Kino? Ist bieser Marsch nicht Unsinn? — Ich muß an ben Führer benfen. Er hat burch» gehalten unb hat sich nicht unterkriegen lassen: Unb barum verbeiße ich ben Schmerz am Fuß unb an ber Schulter, nicht unterliegen lassen! Durchhalten! Links unb rechts stehen schon vereinzelt Häuser, in zehn Minuten finb wir am Ziel. Im Gleichschritt marschieren wir, ben Kopf nicht mehr nach unten hängenb, fonbern hochgerichtet. Wir lassen keinen etwas merken, baß ber Stiefel brückt ober bie Tragriemen reiben; wie beim Ausmarsch fingen nur unsere Lieber, zackig geht's burch bie Stabt, bem Ziele zu, wir haben es alle geschafft, unb wir sind stol- daraujt W. j, , Heimat, Familie, Heimatzeitung ein Begriff: Die Zukunft Gießens. Betrachtungen von -er Eisenbahn aus. Habt ihr, verehrte Gießer, vor einigen Tagen den gellenden Pfiff der Locomotive gehört, welche ZUM erftenmale eurem Thore nahte? Habt ihr Alle begriffen, von welcher Bedeutung dieses Ereigniß für die Gestaltung dieser guten, harmlosen Stadt werden dürfte, wenn es vergönnt ist, den Schleier der Zukunft ein wenig zu lüften? Dieser Wasserdampf, an und für sich ein nichtiges Object, gehört au den mächtigsten bewegenden Kräften, nur ihm haben wir den colossalen Aufschwung zu verdanken, dessen sich die I n d u st r i e und der Verkehr in der neuesten Zeit zu erfreuen haben. Mit Grund hat man diese Bahnen als die Adern des großen Netzes bezeichnet, welches das sociale Leben umfaßt, könnt ihr euch nicht daran betheiligen, so werdet ihr bei Seite liegen bleiben und in fortwährende Kleinstädterei versinken, was einen Rückgang in vielen Richtungen zur Folge haben muß. Ihr wollt den Fortschritt, die Bewegung, sie sind hier euch gewährt. Laßt sehen, was zu erwarten ist. Für's Erste, wird dies die letzte großartige Baute sein, welche Gießen in seinen Mauern er- blickt. Die Staatsbauten, brachten bisher manchen Verdienst, sie werden aufhören, es fehlen die Mittel und überdieß hat man Gießen das „verwöhnte Kind" unseres Landes geheißen, weil es stets mit besonderer Vorliebe von der Regierung mit solchen Unterstützungen bedacht wurde. Wir haben Gründe zu glauben, daß die Regierung die gewährten Hülfsmittel nicht mehr hier, sondern in anderer Richtung verwenden werde. Für's Zweite wird die Vollendung der Eisenbahn unsere Emancipation von den Preißen einer Menge von Handelsartikeln werden. Man wird in 2 Stunden in Frankfurt sein, seine Auswahl bei größeren Einkäufen treffen, besser und wohlfeiler kaufen und die Reisekosten überdieß damit gewonnen haben. Die Universität wir sicher immer mehr schwinden. Ihre Studierfreiheit ist so groß, daß Niemand mehr genöthigt ist zu kommen, dagegen bestehen mancherlei Reize ihr den Rücken zu kehren. Von den Hauptpunkten des Landes gelangt man nach dem malerischen Heidelberg, woselbst die Lehrstühle in vieler Hinsicht besser besetzt sind, in kürzester Frist, es ist dort eben so billig wie hier. Mit der größeren Einheit Deutschlands werden ohnedieß die kleineren Universitäten, durch den Partikularis- m u s entstanden, schwinden, die wissenschaftlichen Forschungen werden sich in Centralpunkten vereinigen, wie dies bei allen großen Nationen der Fall ist. Es steht eine Organisation der Behörden bevor, welche die hiesige Beamtenüberladung beschränkt und mehr auf das flache Land zum Besten der Landbewohner vertheilt, welche nach den so oft verkündeten Gesetzen der Gleichheit, auch etwas genießen wollen, wofür sie Steuer zahlen. Alle Privilegien sollen schwinden. Die Häuser werden dann noch mehr im Preiße fallen, die Miethen werden sich bedeutend mindern. Fragen wir: worin bestehen die HauptSinnahms- quellen unserer Stadt, so sind sie in Vorstehendem angegeben, verlieren wir sie oder gehen sie theil- weise ein, so müssen wir daran bei Zeiten denken, unsere Hülfsmittel zu ergänzen. Aber wodurch? So wie jetzt der Einzelne untergeht, welcher nichts gelernt hat, so auch in größeren Kreisen. Wir müssen uns in größeren Schwung zu bringen und zu retten suchen vor dem Untergang in Kleinstädterei und Krähwinkelei, an welcher so viele Städte verschollen sind, welche früher glänzend standen, ehe sie von dem großen Schienenwege berührt wurden. Für den Fortschritt, die Nationalität, ist jener Weg ein großer Gewinn, aber unser Land, unsere Stadt wird dabei speciell Nichts gewinnen, sie wird an den Kosten reichlich Theil zu nehmen haben, welche ein höherer Zweck verlangt. Wahrlich, die Prospective in die Zukunft ist schlecht! In einem zweiten Artikel wollen wir sehen, welche Mittel uns zu Gebote stehen gegen die drohende Gefahr. — Jahrgang 1750 — 10. Februar: DEr berühmte Herr D. Taylor, welcher bereits den 3. Febr. allhier eintreffen wollen, muste sich selbigen Tag in Putzbach aufhalten, weil ihm ein Käsigen mit Instrumenten zwischen Frankfurt und dorten verlohren gegangen. Einige Niedermerlauer Bauren, welche das Käsigen gefunden und eröfnet, haben, nachdem sie nicht alles zu brauchen wüsten, dem Herrn Doctor dasselbe nebst einem Theil dessen, was darinnen war, wieder zugestellet. Ob ihm gleich 70 Ducaten, ein Ring mit Diamanten besezt u. Ä. g. daraus entwendet worden, so belohnete er doch den Überbringer des Rests mit 3 Ducaten, weil er seine meiste ungemein kostbar verfertigte Gläserne Augen annoch darin gründen. Den 4ten dieses langte er allhier an, nahm den Sten und 6ten verschiedene Operationen, welche vollkommen glücklich von statten giengen, in Gegenwart vieler Personen von vornehmem und geringem Stande vor und gieng den 6ten von hier weiter nach Cassel. Hut getragen werden — und die Hände frei bleiben könnten: so wird gebeten, davon mit Pemerkung des Preises und des Verkäufers Nahmen der Krie- gerschen Buchhandlung in Giesen bald möglichst Nachricht zu ertheilen, da Jemand der nur mit dem linken Ohr noch höret, und dazu gebrauchen will, darum verlegen ist. B. Jahrgang 1820 — 20. Mal: Bekanntmachung. Dem mir mehrmals geäußerten Wunsche, auch aus meiner Fabricke einen recht guten rothen AB., ogenannten Thofbecke, in einzelnen Packeten kauen zu können, suche ich dadurch zu entsprechen, daß ch jezt eine solche Sorte L 8 kr. pr. Packet, und 12 Packet für einen Thaler ober 90 kr. in vorzüglichster Qualität, wie sie gewiß noch nicht besser geliefert worden ist, verkaufe. Militär-Kaserne am Seltersweg, wo es auch eine Stunde nach seiner Feldflüchtigkeit noch gesehen wurde, ein weibliches Eichhorn, das sehr zahm ist und auf den Ruf Hans hört. Bei seinem Davonlaufen trug es um seinen Hals ein braun ledernes Halsbändchen mit dunkelbraunem ausgezacktem Tuch unterlegt und einem gelben Schnällchen und einem VA Zoll langen, aus Eisendrath gewundenen Kettenring versehen. Der Schwanz war dünnhaarig. Wer Hans an den, bei der Redaktion dieses Blatts zu erfragenden, Eigenthümer abliefert, erhält 36 Kreuzer, wer über feinen jetzigen Aufenthalt genügende Auskunft giebt, 18 Kreuzer Belohnung. Gießen den 27. Juli 1832. Jahrgang 1832 — 3. November: Der Unterzeichnete, welcher auf seiner Reise nach dem Rhein in hiesiger Stadt angekommen ist, wird Jahrgang 1850 — 21. August: Vermischte Nachrichten. Programm . Mr festlichen (Eröffnung der (Eisenbahnskrecke bis Gießen. Morgens 8 Uhr den 24. August: Ausrücken der Bürgerwehr nach dem provisorischen Stations-Gebäude, Uhr Empfang des ersten Bahnzuges und der mit ihm anlangenden Fremden unter Salven der Bürgerwehr. 10 Uhr 50 Minuten Abgang des ersten Festzuges nach Marburg, woran die Bürgerwehr — welche unterdessen die Waffen abgelegt hat — Antheil nimmt. Rückkunft des Zuges Abends 61/a Uhr. 1850 — 4. September: Jahrgang 1750 — 21. April: Es ist uns ein kleines Büchlein zu Gesicht gekommen / welches in diesem Jahre zu Lemgo bey Joh. Henr. Meyer in 8. auf 56. Seiten gedruckt worden / und folgenden Titul führet: Versuch wie bie Meteora bes Donners unb Blitzes / Item bes Aufsteigens der Dünste / ingleichen des Nordscheines aus elec- trischen Würkungen herzuleiten und zu erklären sind / entworfen und den Herrn Naturkündigern zur Prüfung vorgelegt von I. B. Dir thun desselben aus der Ursache hier Meldung / weil viele theils auf die Würkungen der Eledricität sehr neugierig sind / theils dieselbe als einen unnützen Zeitvertreib verspotten. Der Raum (äffet uns nicht zu / einen hinreichenden Auszug aus demselben zu machen: wir können aber nicht umhin / dieselbe sowohl der witzigen und der Gründlichkeit nahe kommenden Einfällen halber / als auch der muntern Schreibart wegen / den Liebhabern anzupreisen. Man findet darin eine wenigstens allen bisherigen an Wahrscheinlichkeit vorzuziehende Erklärung von dem Ursprünge des Donners unb Blitzes aus ber Electricität der Erdkugel / als einer grossen Electrischen Maschine / unb den unelectrischen Wolken. Das Auftteigen der Dünste unb ihre Erhaltung in der Höhe wirb sehr artig auf bie Erfahrung reducirt / da ein electri- scher Stab die kleine Golbblättlein / welchen er erst seine Kraft mitgetheilet / von sich in bie Höhe wirft / und in einer gewissen Entfernung von sich erhält. Der Norbschein wirb von ber glänzenden und nicht günbenben Materie hergeleitet / bie sich um die elec- trische Kugel bey Nachtzeit sehen (äffet. So wenig man leugnen kann / daß bey verschiedenen Stellen bedenkliche Einwürfe übrig bleiben /so wenig kann man doch dem Verfasser den Ruhm absprechen / daß er mit einer guten Scharfsinnigkeit gedacht und geschrieben. Jahrgang 1770 — 6. November: Es ist in den hiesigen wöchentlichen Anzeigen vom Jahr 1766 gemeldet worden, daß sich in dem zwey Stunden von hier entlegenen Fürstl. Nassau- Weilburgischen Dorf Hörnsheim ein paar alte Eheleute fänden, welche damals albereit das 71te Jahr ihres Ehestandes bey noch guten Leibes- unb Ge- müthskräften angetreten hätten. Dieses seltene Paar würbe nun im Jahr 1767. burch ben Tob bes Mannes Caspar Zörken getrennet, welcher ben 4ten May starb, nachbem er fein Alter beyläufig auf 91 unb ein halb Jahr gebracht, unb von 9. Kinbern 42. Enkel unb 56 Urenkel mithin 107. Nachkömmlinge erlebt hatte. Die Frau aber, Catharina, gebotene Köcherin, ist ben 21ten Merz bes jetzt laufenben 1700ten Jahres fast 94. Jahre alt unb Lebens satt gestorben, nachbem sich ihre Nachkommenschaft immittelst auf 124 Personen gemehret hatte; von welchen an ihrem Sterbetage noch 80. am Leben waren. Beybe behielten ben Gebrauch ihrer Vernunft bis an bas Enbe. Jahrgang 1795 — 26. September: Bekanntmachung. Nachbem bas Tabaksrauchen an gefährlichen Orten wie auch auf ben öffentlichen Strafen feit einiger Zeit roieber so sehr eingerissen ist, unb verschiebens Beschwerben barüber eingekommen, als wirb hierburch verorbnet: baß Niemanb an gefährlichen Orten unb auf ben öffentlichen Strafen weber bei Tag noch bei Nacht Tabak rauchen solle, gegenfalls ein solcher im Betrettungsfall in 1 Rthlr. Strafe genommen werben wirb. Giessen ben 22ten September 1795. Fürstl. Hess. Polizeideputation daselbst. Jahrgang 1799 — 23. März: Bekanntmachung. Sollte eine Hör-Maschine, nach dem Vorschlag tm R. A. Nurn. 275. vom 26. Nov. 1798. pag. 3154. ff. zu Stande gekommen seyn, so daß solche auf dem Heimaizeiiung zu sein, ist eine Ehre, die verpflichtet! Von jedermann als Heimatzeitung empfunden unanerkannt zu werden, bedingt Leistungen durch Geschlechterfolgen hindurch. Strikte Voraussetzung zu dieser ehrenden Anerkennung ist eine Tai! Oie Tat ist die Summe der Leistungen einer Zeitung für Heimat und Volk. Oie Ehre muß erworben sein durch die Tat in Jahrzehnten und Jahrhunderten. Nur so wächst eine Heimatzeitung heran. Ihr Ehrenname wird nicht in derNedaktionsstube geprägt, nicht durch Werbung erreicht, sondern aus dem Volke heraus geboren. Nur so begründet die Heimatzeitung ihre enge Verbundenheit mit Heimat und Familie. Nur so sind im Verlaufe von fast zwei Jahrhunderten Heimat, Familie und Heimatzeitung zu einem Begriff geworden. Um bie aus meiner Fabrick fommenbe Sorte von anbern ähnlichen unterscheiben zu können, mache ich noch bas Publikum barauf aufmerksam, baß bie« selbe sowohl im Wasserzeichen als auf bem Papier bie Etiquette Ludwig Heinrich Thorbecke führt. Ein beliebiger Versuch ber Herren Rauchliebhaber wirb sie, wie ich mir schmeichle, balb von ber Aecht- heit biefer Sorte, ihres wohlfeilen Preises ohn- geachtet, überzeugen. Giessen am 18ten Mai 1820. Georg Philipp Gail. Jahrgang 1820 — 16. Dezember: Bekanntmachung. • Eine zahlreiche Gesellschaft aus Mitgliebern jeben Stanbes bahier ist übereingekommen, nach bem Beispiel in mehreren anberen Stäbten, bie lästige unb selbst ber Gesunbheit oft schäbliche Art ber Begrüßung im Freyen, burch Hutabnehmen unb Entblößen bes Hauptes, unter sich abzustellen, unb nur burch Erheben ber Hanb gegen ben Hut, nach Art ber Militärs, zu grüßen. Jnbem sie bas verehrte Publikum von biefer Uebereinfunft benachrichtiget, unb Jebermann Höft liehst bazu einlabet, schmeichelt sie sich, baß Niemanb in biefer Art zu grüßen, einen Mangel an Achtung, Aufmerksamkeit ober an Höflichkeit, finben werbe. Giessen am löten Dec. 1820. Jahrgang 1832 — 28. Juli: Vermischte Bachrichten. Mittwochs am 11. b. M., Mittags zwischen 11 unb 12 Uhr, befertirte in bie Gärten nahe der morgen, als ben 4ten November, verschiebens fehens- werthe Kunstfertigkeiten, unb körperlichen Bewegungen, theils oberhalb, theils unterhalb bem Wasser, ausführen. Sämmtliche Experimente werben von vier Personen, worunter sich zwei Damen befinben, vorgenommen. Sie werben eine Jagb probuziren, unb zugleich ein überraschenbes, in vielen Mannich- fattigfeiten bestehenbes, griechisches Branb- unb Wasserfeuerwerk abbrennen, unb unter anbern auf bem Wasser fechten, speisen 2c. An bas hiesige verehrungswürbige Publikum wenbet er sich mit ber Bitte um zahlreichen Zuspruch. Der Schauplatz ist ohnfern ber Pulvermühle unb ber Anfang präcis 3X>Uhr bes Nachmittags. Joseph Nicolai, aus Griechenlanb. Jahrgang 1849 — 17. Februar: Kuriosum. Ein seltenes unb zugleich interessantes Beispiel ber Ersparniß unb ber Vereinigung ber verschieben- artigften Talente in einer Person liefert bas Dörfchen Winnerob im Regierungsbezirke Gießen. Der Bürgermeister im genannten Orte ist ein zünftig gelernter Maurer, ein Besenbinber unb Holzmacher, außerbem aber auch Nachtwächter, Kuhhirt, Schweinehirt unb Ortsbiener. Als Bürgermeister bezieht er 50 fl. Büreaukosten, als Küh- unb Schweinehirt 5 Malter Korn unb 5 Malter Gerste, als Nachtwächter unb Ortsbiener 25 fl. OerGießenerAnzeiger