MM r «. D F M •; -M r ^Wfeo r ' ^sHr. W g T* ,- - Z III |^zZ> V jH W »«&<* Nr. 157 Erstes Blatt 184. Jahrgang 5reitag, 15. Jun! 1954 von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt ^ernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8l/,Ut)r des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle -sGietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: " • ? .... a. f ftOTitfurt °m Main 1168« Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätrvuch- uni» Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel B Abschied in München Hier sand die erste Aussprache statt Die Villa Reale Pisani in Stra bei Venedig. Stadt Venedig, licher Erwartung. sogenannte Deronese-Zirnrner. Es trägt mythologische Deckenmalereien von Veronese. Das Grand Hotel, der frühere Palazzo Fini am Canals Grande, wo der Führer Wohnung genommen hat. Der Führer mit dem Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath (links) und seinem Adjutanten, Gruppenführer Brückner (rechts), die ihn auf seinem Fluge nach Venedig begleiteten. Die Lagunenstadt festlich geschmückt. Schon als mir kurz nach 9 Uhr mit ^nem Motor- boot hinaussuhren z u m L . d ° zum Flughaf- d = Freitreppen, die von den Palästen und Kirchen hinunter führen an die Kanäle. Auf den Torpedobooten, die längs des Weges vom Flughafen zum „Grandhotel" an Canale Grande festgemacht hatten, trat die Besatzung bereits an. Weit leuchteten die Paradeuniformen der Marinesoldaten. Polizeiboote furchten das Wasser, daß die Wogen hoch aufspritzten und überall roifrbe letzte Hand angelegt. Am Flughafen selb st waren Ehrenformationen aller italienischen Waffengattungen angetreten. Da stand die Infanterie in flachem Stahlhelm, daneben eine Abteilung Artillerie, dann, an ihren gelben Ausschlägen erkenntlich, eine Abteilung Kolonialtruppen, weiter eine Abteilung der Marine und eine Abteilung der Fliegertruppen. Mussolini, der schon bald nach 9 Uhr auf dem Flughafen eingetroffen war, sah man in angeregtem Gespräch mit dem deutschen Botschafter von Hassel. Der Flughafen war hermetisch abgesperrt. Nur besonders Geladene hatten Zutritt, Angehörige der Führung der Faschistischen Partei und hohe italienische Regierungsbeamte. Man bemerkte u. a. auch Staatssekretär Suvich, ferner Generale und hohe Offiziere. Die große Flughalle war ausgeräumt worden, um der Maschine des Führers Platz zu geben. Die Stirnwand war mit einer großen Hakenkreuzflagge geschmückt, die flankiert wurde von der italienischen Trikolore mit dem Liktoren-Bündel. Flugzeuge der italienischen Marine kreisten in Staffeln um den Flugplatz und flogen dann dem Flugzeug des Führers entgegen. Kurz vor 10 Uhr landete die Streckenmaschine Rom—Berlin. Oer Willkomm. Herzliche Begrüßung zwischen beiden Staatsmännern. Als sich die Kabine des Flugzeugs öffnete und der Führer in Zivil und im Mantel an der Tür erschien, intonierte die Militärkapelle das Deutschlandlied. Der Führer trat zunächst auf Mussolini zu, der wenige Schritte vom Flugzeug mit hohen italienischen Würdenträgern und dem deutschen Botschafter wartete. Beide Männer drückten sich die Hand und sahen sich fest in die Augen. Wir alle, die wir dabei zu sein das Glück hatten, wußten diesen Moment, daß wir Zeuge eines historischen Augenblicks geworden waren. durch eine Freifläche ein langes, schmales, kanal- artiges Wasserbecken zieht. Das Ganze wird abgeschlossen durch ein niedriges Orangeriegebäude. Als der Führer, der unterwegs immer wieder von der Bevölkerung und faschistischen Abteilungen begrüßt wurde, an der Villa Stra eintraf, ging ihm Mussolini entgegen und begrüßte ihn; dann schritten Mussolini und der Führer durch die weite Halle des Schlosses hinaus in den Park, den der Führer zunächst besichtigte. Nach dem Essen gegen 15 Uhr begann die erste Unterredung zwischen den Führern der beiden großen Völker. Am späten Nachmittag traf der Führer dann auf dem gleichen Wege wieder im Hotel Grande in Venedig ein. Auf der Rückfahrt blieb der Führer mit seinem Motorboot etwas zurück, um noch das berühmte C o n d o t t i e r e - D e n k m a l des Colleoni zu besichtigen. Er traf kurz nach 17.30 Uhr im Grand-Hotel ein, nachdem wenige Minuten vorher der Duce auf dem Canale Grande das deutsche Standquartier passiert hatte. Oie amtliche Mitteilung. lieber die erste Unterredung Hitler—Mussolini in Stra wird folgendes amtlich bekanntgegebenr Der Ches der italienischen Regierung hat dem deutschen Reichskanzler heule ein Frühstück in der Villa Pisani in Stra gegeben. Rach dem Frühstück haben die beiden Regierungschefs eine über zweistündige Des Führers Besuch in Venedig. Herzlicher Empfang durch das italienische Volk. - Erste vertrauensvolle Aussprache mit dem Ouce. - Festlicher Abschluß des ersten Besuchstages. 3ur Villa Pisani in Stra, wo am Mittag die erste historische Unterredung Mussolinis mit dem Führer stattfand. Durch den Eanal Grande nach Stra. Der Willkomm für ben Führer durch die Bevölkerung Venedigs war überaus herzlich. Es erschollen immer wieder die Rufe: „E v i v a H i t l e r o und dann immer mieser: „Hitler! Hitler! Hitler!" und dazwischen wieder das „Eviva" und brausendes Händeklatschen. Auf der Freitreppe der Kirche San Giorgio hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt. Aus dem Canale Grande promenierten Motorboote und Gondeln, besetzt von Neugierigen, die den Führer sehen wollten. Als gegen 12 Uhr dann der Führer mit seinen Begleitern sich hinunter zur Anlegestelle begab, um zur Piazzale Romano und von dort mit einem Auto nach Stra zu Fahren, empfing ihn erneut brausender Jubel. Zahlreiche Deutsche aus Italien hatten sich dort angesammelt und brachten dem Führer ihre Huldigung dar. Die Sirenen der Schiffe und Motorboote heulten, und durch ein Spalier von zum Gruß erhobenen Armen fuhr das Motorboot des Führers den Canal Grande hinauf, vorbei an den historischen Palästen, die kilometerweit diesen Kanal säumen, vorbei auch am Palazzo Dendramin, wo Richard Wagner seine Augen für immer schloß. Die Zimmer des Führers im Grand- Hotel, dem alten Palazza Fini, haben eine historische Bedeutung. Zahlreiche Staatsoberhäupter haben hier bereits gewohnt, Könige aus aller Welt. Die Zimmer find mit künstlerischen Möbeln aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet, die Wände tragen die Wappen alter venezianischer Familien. An den Wänden hängen Bilder aus der venezianischen Schule Diepolos. Der große Empfangsraum, in dem am Freitag das Essen für Mussolini gegeben werden wird, ist der sogenannte S a n s o v i n o. Der Raum ist mit grünem Brokat ausgespannt und mit wertvollen venezianischen Spiegeln aus Morano geschmückt. Das Schlafzimmer des Führers ist das Oer Alpenstug des Führers. Der Flug des Führers über die Alpen war fein erster derartiger Flug. So war er — der begeisterte Alpenfreund — naturgemäß besonders gespannt auf die Eindrücke, lieber Tirol lag leider eine dichte Wolkendecke, hinter dem Brenner jedoch rissen bann die Wolken und D 2600 „Jmmelmann" mit Bauer, dem ersten Piloten des Führers, am Steuer konnte sich von 4000 Meter etwas tiefer schrauben. Brixen war zu sehen, und bann bie herrliche zerklüftete Felsen- roanb ber Dolomiten. Der Führer setzte sich, um eine noch schönere Sicht zu haben, zu bem Piloten. Man sah bann bie steil abfaüenbe Mar- molata, bie wie ein Gruß aus einer Urwelt erschien, bie venezianischen Alpen, bann bie weite oberitalienische Tiefebene unb einem Urftrom gleich bas ungeheuer weite, aber wasserarme Flußbett ber Piave. Helbenfriebhöfe, bäum« umkränzt, auf benen Deutsche und Italiener ge- meinfam von den schweren Kämpfen ausruhen, die hier einst getobt haben, sind Symbol dafür, daß die Zeit des Mißverständnisses vorbei ist, da zwei große Völker, die nun nichts mehr trennt unb bie alles oerbinbet, gegeneinander stauben, zwei Völker, die heute bie gleichartige Staatsstruktur unb bie gleiche innenpolitische Entwicklung besonbers eng verbindet. Der Flug ging bann überPadua hinüber z u b e n Lagunen Venebigs , bas zweimal umflogen würbe, nach Morano, ber Stabt bes venezianischen Glases, einer jener Inseln, bie zur Dogen-Republik Venedig gehörte, bem Libo unb bann in einer Schleife noch hinaus auf die Adria, die in tiefem Blau heraufglänzte. Dann setzte das Flugzeug zur Landung an. Mussolini fährt zum Empfang des Führers. Venedig, 14. Juni. (DNB.) Mussolini hat sich heute morgen gegen 8.30 Uhr von der Villa Pisani in Stra, feinem Aufenthaltsorte aus, aufgemacht und ist in einem Motorboot durch den Kanal Grande in Richtung zum Flugpla tz Sa n Ni - colo am Lido gefahren, um den Führer dort zu empfangen. Gegen 9 Uhr kam das Motorboot des Duce am „G r a n d h o t e l" vorbei, wo die deutschen Gäste absteigen. Eine große Reche geschmückter Motorboote mit den Herren der Umgebung bes Duce folgte ihm. Der Zugdurch ben Kanal Granbe bot ein farbenprächtiges Bild. Von allen Ufern aus würbe ber italienische Regierungschef der in voller Uniform erschienen war, lebhaft bejubelt. Ganz Venedig, das in strahlendem Son- nenschein bei herrlichem blauen Himmel bahegt, steht unter bem Einbruck bes kommenben Ereignisses. Venedig in freudiger Erwartung. Das Horst-Wefsel-Lieb erklang. Dann schritten Mussolini unb ber Führer unter ben Klängen ber Giovinezza, gefolgt von bem Parteisekretär unb bem Generalstabschef ber Miliz Terruzzi, bie Front der Ehrenformationen ab. Darauf führte Mussolini ben Führer zur Motorbootflottille. Mussolini unb ber Führer fuhren stehenb im ersten Boot. Daran schlossen sich bann bie Boote mit ben überigen Ehrengästen. Durch bie große Lagune ging bann bie Motorbootfahrt, vorbei an der Torpedobootsflottille, wo bie Be- satzung bie Ehrenbezeugungen erwies, vorbei am Dogenpalast, am Marcusplatz zum Granbhotel. Am Granbhotel verließ der Führer bas Motorboot unb oerabfdiiebete s i ch von Mussolini, ber S^tabt d"as OB Ub'^sest'- mit seiner Begleitung weiterfuhr zum Piazale I' bot fön ben alten Palästen Romano, bem großen neuen Platz auf bem bie vor unh Deutschlanbs. einigen Wochen eingewechte Autostraße nach Wen jamÄ-7 sich überall auf den bre.len Mestre beginnt. Van dort fuhr der Duc- hinaus Oie erste Begegnung. Die erste Aussprache -zwischen bem Führer unb Mussolini fanb in ber Villa Reale Pirani in Stra statt. Am Piazzale Romano ging bie Fahrt über bie große Autostraße nach Fisina unb von bort entlang bem Brenta-Kanal bis Stra. Diese Fahrt vermag ein Bilb zu geben von italienischer Volkspsyche unb von bem Geiste, mit bem bas italienische Volk an seinem Führer hängt, mit bem es aber auch ben Führer bes beutschen Volkes achtet. Aus allen Fenstern hing bie grün-weiß-rote Trikolore mit bem ßiftorenbünbel. lieber bie Straßen waren immer roieber in Riesenschrift bie Worte geschrieben: „Duce, Duce, Duce!" unb an verschobenen Stellen „Hitler!" An ben Häusern klebten große Plakate, bie 10-, 20- unb 30maI bie Worte trugen: „Duce, Duce, Duce!", eine Form ber Begeisterung, bie sich nicht nur auf einen Mann, fonbern auch auf einen Begriff, auf ein Wort mit aller Intensität konzentriert. In ben kleinen Orten trat gerabe bie Ballila an, um auf ber Rückfahrt bes Führers Spalier zu bitten unb ihn zu begrüßen. Dann trafen wir lange Kolonnen von Jungfaschisten, bie riesige, fünf Meter große Plakate mit bem Kopf Mussolinis mit sich führten unb bie bei unserem Erscheinen in Beifallsklatschen unb laute Rufe: „Es lebe Deutschland" ausbrachen. Schloß Stra ist ein zweistöckiger weißer Bau, von einem großen Park umgeben, hinter dem sich WWW Evangelischekirchenfiihrer-TagMginWittenberg Unterredung gehabt. Die Unterredung wird morgen fortgesetzt werden. Die wir dazu noch erfahren, fand die Unterredung unter vier Augen statt. An dem Frühstück nahmen il a. teil: der Senator und frühere Parteisekretär G i u r a t i, der Staatssekretär Suvich, der Parteisekretär S t a r a c e, der italienische Botschafter in Berlin Cerruti, Baron Aloisi und andere hohe Staats- und Parteibeamte. Auf deutscher Seite waren anwesend Reichsauheuminister Frhr. von Reurath, der deut- sche Botschafter in Rom, von Hassel, Gruppen- führer Brückner, Pressechef Dr. Dietrich u. a. Ferner traf Geheimrat Asch mann, Pressechef im Auswärtigen Amt, im Flugzeug von Berlin kommend in Venedig ein. Oer Gegenbesuch Mussolinis. Eine Stunde nach der Rückkehr des Führers ins Grandhotel machte ihm der Ducedort seinen Gegenbesuch. Begleitet von Parteisekretär S t a r a c e, Unterstaatssekretär S u o i ch, dem Chef der Miliz, P e r u z z i, und seinem Schwiegersohn C i a n o, fuhr Mussolini vor dem Grandhotel im Motorboot vor und trat auf die Landungsbrücke. Im Eingang des Hotels traf er mit dem Führer zusammen, der ihm entgegenkommen war. Mit Mnem freundlichen Lächeln begrüßten sich beide Staatsmänner und schüttelten sich die Hände. Dann schritten sie in lebhaftem Gespräch die Treppe hinauf zu den Räumen des Führers. Nach kurzem Beisammensein verließ dann Mussolin-i, vom Führer wieder bis zum Ausgang begleitet, das Grandhotel. Bei der Abfahrt im Motorboot wandte er sich dann noch einmal lebhaft um, mit den Augen nach dem Führer suchend, der unter der Türe stehengebl-ieben war. Wittenberg, 14. Juni. Kirchenamtlich wird mitgeteilt: Am Donnerstag kamen in der Lutherstadt Wittenberg die evangelischen Kirchenführer zu einer Arbeitstagung zusammen. Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Schloß- kirche, in der sich die Kirchenführer aufs neue zu dem Glauben der Reformation bekannten, eröffnete der Reichsbischof im Festsaal des Rathauses die bedeutsame Tagung der Kirchenführer. Der Rechtswalter der Deutschen Evangelischen Kirche, Ministerialdirektor Jaeger, gab in grundsätzlichen Ausführungen einen Rückblick über die kirchengefchichtliche Entwicklung und ze-ichnete dann die großen Aufgaben der evangelischen Kirche. Die Wucht der gewaltigen Geschehnisse in unserem Volksleben stelle der Kirchenführung Aufgaben größten Ausmaßes. In fester und lebendiger Verbundenheit zu den Belt enntnisgrund lagen der Kirche komme es in entscheidender Stunde darauf an, e i n f e st e s und klares Verhältnis zwischen der evangelischen Kirche und dem nationalsozialistischen Staat zu finden. Ministerialdirektor Jaeger behandelte im weiteren Verlauf seiner bedeutsamen Rede die Berufung eines Verfassungsausschusses, dem die große Aufgabe zufallen dürfte, die Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche auszubauen und zu vertiefen. Der Reichsbischof, in dessen Hand die Leitung der Tagung lag, entwickelte im einzelnen d i e Aufgaben des Verfassungsausschusses und betonte, daß die freie, schöpferische M i t a r • beit aller Mitglieder die Voraussetzung für den Erfolg sein werde. Im weiteren Verlauf der Tagung wurden von denVertretern derLanües- k i r ch e n die für den Verfassungsausschuß geeigneten Mitglied er namhaft gemacht. Nach anregender Aussprache und im gegenseitigen Vertrauen wurde die bedeutsame Tagung der evangelischen Kirchenführer, in der eine große Zahl drin- gender Fragen erörtert wurde, durch ein Gebet des Mitgliedes des Geistlichen Ministeriums, Dr. Enge l k e , geschlossen. Festlicher Aiisklang des ersten Tages. Konzert im Hofe des Oogenpalastes. Am Donnerstag um 22 Uhr fand im Hofe des Dog enp a l a st e s ein Konzert statt, zu dem Mussolini den Führer und sein Gefolge eingeladen hatte. Der Hof des Dogenpalastes war nicht sehr hell beleuchtet. Dunkle Schatten spielten in den Spitzbogen seiner Architektur. Scheinwerfer aber beleuchteten die Rückseite des Hofes, die den im ersten Stockwerk um den ganzen Hof herumlaufenden Säulengang mit den frühen Spitzbogen einer wunderbar durchgebildeten Renaissancefassade erglänzen läßt. Kurz vor 22 Uhr erscheint links auf der großen Freitreppe im Hintergrund der Duce mit seinem Gefolge. Er durchschreitet den ganzen Säulengang um den Hof herum und nimmt gegenüber dem Orchester in dem mittleren Säulenbogen Platz. Die Giooinezza begrüßt ihn, und begeistert huldigt ihm das Publikum. Fünf Minuten später ertönt neuer Beifall. Der Führer schreitet in Begleitung seines Gefolges über die große Freitreppe. Kurz begrüßt ihn Mussolini mit einem herzlichen Händedruck, und die beiden Staatsmänner nehmen Seite an Seite allein in einem Säulenbogen Patz. Neben ihnen befinden sich der Staatssekretär S u - v i ch, Außenminister v. Neurath und Botschafter v. Hassel auf der einen, Gruppenführer Brückner, Dr. Dietrich und die anderen Herren des Gefolges des Führers auf der anderen Seite. Ein ziemlich starker Wind hatte sich gegen Abend aufgemacht, und als der Führer vom Grandhotel über den Großen Kanal fuhr, schaukelten die Gondeln, die zur Feier des Abends mit Lampions illuminiert hatten, heftig auf den Wellen. Auch während des Konzerts dauerte der Wind an. Noch mehr machte sich im Hofe das laute Rufen der großen Menschenmenge bemerkbar, die sich außen auf dem Markusplatz versammelt hatte und immer wieder in die skandierten Rufe ausbrach: Duce, Duce, Duce, ein Ausruf, der ähnlich dem deutschen ist: Wir wollen unseren Führer Mselralen in bet London, 15. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der Nach- richtenteil der Zeitungen wird vollständig von den Meldungen über die geschichtliche Zusammenkunft in Venedig beherrscht. Die Berichterstatter beschränken sich in Ermangelung zuverlässiger Nachrichten über den Inhalt der Besprechungen der beiden Staatsmänner in der Hauptsache auf die Schilderung der eindrucksvollen Szenen, die sich von dem Augenblick der Landung des Flugzeuges des Führers bis zur großartigen Festbeleuchtung in Venedig abgespielt haben. „Times" sagt, es gilt als unwahrscheinlich, daß irgendein formelles Dokument unterzeichnet werde. Zweifellos ist Mussolini der Ueberzeugung, daß der Friede Europas nur gesichert werden kann durch eine Aktion, die in Einklang mit den Grundsätzen des Viermächtevertrages unternommen wird. Mussolini ist der Ansicht, daß die Lage im Fernen O st e n durch die Unfähigkeit der Großmächte unnötigerweise erschwert worden ist. Die Zusammenkunft wird begrüßt als zeitgemäßer Beweis, daß Deutschland keineswegs allein steht. — „Daily Telegraph" sagt, sehen. Die große Begeisterung ist, abgesehen von dem einmaligen Ereignis der Tage auch deshalb besonders stark, weil der Duce seit elf Jahren zum ersten Male wieder in Venedig weilt. Das Programm des Abends sah vor allem Werke von D e rd i und Wagner vor, also der zwei größten dramatischen Komponisten, die Italien und Deutschland hervorgebracht hat. Unter den Männern, die einzelne Stücke und Arien sangen, war der berühmte Tenor P e r t i l e , der Sopran E i g n a n und der Koloratursopran Mercedes C a p s i r. Der zweite Teil des Abends umfaßte das Vorspiel und das große Duett aus dem dritten Akt des „Lohengrin" und den Abschluß bildete das Meistersinger-Vorspiel. Den Schluß des Konzertes bildeten, so wie die beiden Staatsmänner durch ihre Nationalhymnen schon zu Beginn begrüßt worden waren, das Deutschland- und das Horst-Weffel-Lied, der Königsmarsch und die Giooinezza. Unter lebhaftestem Beifall verlassen Mussolini und Hitler ihre Plätze, und unten im Hof drängt das Publikum durch die geöffnete Tür hinaus zum Hafen. Ein zauberhaftes Bild bietet sich, als nun in bengalischer Beleuchtung das weite Rund aufleuchtet. Unmittelbar vor dem Dogenpalast haben zahllose Gondeln mit Lampions Aufstellung genommen, und die Gondeliere grüßen mit hochgehobenem Ruder. Der Führer und der Duce mit Gefolge sind auf den vorderen Säulengang im ersten Stock des Dogenpalastes getreten und sehen von dort das unvergleichliche Bild. Im Hintergrund leuchtet in roten und grünen Farben die Kirche San Giorgio und weiter rechts die Einmündung des Kanals der Giodecca sowie die Kirche Santa Maria della Salute. Nach kurzer Zeit aber ver- schwinden die hohen Gäste und einige Motorboote schießen in die farbige Nacht hinaus durch Die Brücke, die den Dogenpalast mit dem nächsten Gebäude verbindet. Kurze Zell darauf ist der Führer im Grandhotel wieder eingetroffen. englischen presse. Hitler habe nach seiner ersten Begegnung mit Mussolini seiner Bewunderung für ihn beredten Ausdruck gegeben. Mussolini werde die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund unter Bedingungen unterstützen, die Deutschland vor jeder Demütigung schützen würden. — „Daily Expreß" überschreibt seine Meldung „Die modernen Napoleons sind allein in Napoleons Villa". Das Blatt spricht von der dramatischsten Szene der Nachkriegsgeschichte, der Begegnung der Führers des. Südens mit dem Führer des Nordens. Es verlaute aus ausgezeichneter Quelle, den Hauptgegenstand der Erörterungen habe die Frage gebildet,' wie Deutschland und Italien sich zusammentun könnten, um der Gefahr des russisch-französischen Bündnisses und der geplanten Bildung einer europäischen Front gegen die beiden Hauptrevisionsmächte, Deutschland und Italien, entgegenzuwirken. Hitler und Mussolini hielten die französisch-russische Gefahr für so groß, daß sie wahrscheinlich die österreichische Frage durch einen Gottesfrieden regeln werden. Interessiertes Echo in Paris. Paris, 15. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Offenkundig beeinflußt kennzeichnet die Zeitung „Excel- f i o r" die französische Einstellung zur Begegnung von Venedig wie folgt: Die französischen Reaie- rungsFreife erwarteten ruhig die Ergebnisse der Aussprache Hitlers mit Mussolini. Frankreich habe van einem derartigen Meinungsaustausch nichts zu befürchten. Alles, was die Annäherung und die Zusammenarbeit der Völker begünstigen könne, entspreche dem aufrichtigen Friedens- und Versöhnungswunsch, der die französische Politik in Europa kennzeichne. Alles, was auf andere Ziele ausgehe, könne die französische Regierung nicht bedrängen, da sie entschlossen sei, die Rechte Frankreichs zu behaupten und zu verteidigen. In dieser Hinsicht sei zwischen Rom und Paris fein Mißverständnis mög- lich Die französisch-italienische Annäherung bleibe weiter auf der Tagesordnung der französischen Außenpolitik. Der Sonderberichterstatter des „M a t i n" in Venedig erklärt, das Interesse der Besprechungen liege natürlich bei der Abrüstungsfrage und der etwaigen Rückkehr Deutschlands nach Genf. Italien, das sich stets für unmittelbare realistische Verhandlungen ausgesprochen habe, sei heute in besonders günstiger Lage, um mit Deutschland unvoreingenommen den diplomatischen Horizont abzutasten. Mussolini stehe es ebenso frei, den Reichskanzler auf die Vorteile einer Rückkehr nach Genf aufmerksam zu machen, wie auch das Programm der Rüstungen und der Kontrolle gründlich durchzusprechen. Was Italien nach dem mageren Genfer Ergebnis besondere Sorge bereite, sei die Möglichkeit eines Wiederauflebens des Wett- rüstens. „Petit Journal" erklärt, italienischerseits hab- man sich Mühe gegeben zu betonen, daß die Begegnung von Venedig nicht gegen Frankreich gerichtet fei. In Deutschland habe man sie als eine Warnuna an die Mächte hingestellt. — Der „F i - garo" sagt, Italien schalte jetzt wieder die deutsche Karte in sein Spiel ein. Der Viererpakt sei für den Duce vor allem ein Mittel gewesen, sich Frankreich zu nähern, ohne deshalb das deutsch- italienische Band zu durchschneiden und ohne diesen Kurswechsel zu sehr zu betonen. — „Ordr e" glaubt ganz im Gegensatz hierzu, der Führer und der Duce seien darin einig, Frankreich in der Rüstungsfrage die Hände zu binden. Mussolini wolle außerdem, daß Deutschland auf den Anschluß verzichte.— „L e Jour" sagt, 'Frankreich habe von der Begegnung nichts zu befürchten. Die Politik Doumergues und Barthous sorge für Sicherheit. — „Ami du Peuple" schreibt, die Begegnung der beiden „Diktatoren" könne für den Frieden in Europa glückliche Folgen Haden, wenn es z. B. Mussolini gelänge, die Anschlußfrage aus- zuschalten oder Deutschland zur Rückkehr nach Genf zu bewegen. Frankreich könne dem Besuch des Führers in Venedig vollkommen ruhig zusehen. Italienische preffestimmen zur ersten Begegnung. Mailand, 15. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Auch die Freitagspresse steht ganz im Zeichen Des Zusammentreffens des Führers mit Mussolini. Die großen italienischen Blätter haben ihre besten Jour- naliften nach Venedig entsandt, die den äußeren Rahmen des Treffens bis in alle Einzelheiten schildern. Die Stimmen der ausländischen Presse finden überall Wiedergabe und stärkste Beachtung. Alfredo Signoretti, der Chefredakteur der „Stampa", schreibt zu der gestrigen ersten Unterredung der beiden Staatsmänner, daß angesichts der historischen Begegnungen zweier Männer, die über die Lebensfragen und den Frieden sprächen, kein Platz für irgendwelche Indiskretionen sei. Für eine solche parlamentarische Mentalität wäre in Genf der goldene Boden. Faschistischer Stil sei es aber, zu warten, bis die Führer selbst sprächen. Signoretti verweist dann auf die Atmosphäre stärkster Herzlichkeit und Wärme, die in Venedig zwischen den beioen Staatsmännern immer wieder erneut zutage trat. Auch „(Sortiere della Sera" schreibt, daß man noch nichts Konkretes über den Inhalt der ersten Unterredung sagen könne, da das eine Ausgeburt der Phantasie sein würde. Was man aber sagen könne, sei, daß der ganze Tag die Bedeutung des Ereignisses, das heute die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich ziehe, bestätigt habe. Kampf um dieRüstungskredite in Frankreich. Doumergue droht mit Auflösung der Kammer. Paris, 14. Juni. (DNB.) Die Kammer befaßte sich am Donnerstagnachmittag mit den von der Regierung angeforderten und von den zuständigen Ausschüssen befürworteten Militärnachtragskrediten. Da das Ergebnis der Abstimmung mehr oder weniger vorauszusehen ist, war das Interesse der Kammer nicht übermäßig lebhaft. Der Abg. Mach leugnete zwar nicht, daß ein Volk sich verteidigen müsse, bestritt aber die Richtigkeit der Verwendung der bereits bewilligten Kredite und die Zweckmäßigkeit der noch angeforderten Kredite. Er warnte vor der Illusion, daß Frankreich dank der neuen Kredite an Schlagkraft gewinne. Man werde damit nur andere Mächte zu weiteren Rüstungen veranlassen. Habe Frankreich nicht genug mit feinen 5400 Flugzeugen und seinen 270 modernen Bombern? Keine Macht, weder Italien, Rußland, noch England, besitze so viel. Ministerpräsident Doumergue antwortete, er habe zwei Kriege miterlebt, 1870 und 1914. Zweimal sei Frankreich von demselben Lande „angegriffen" worden. Seit 1918 habe Frankreich nicht aufgehört, abzurüsten. Man könne sich aber mit Recht fragen, ob das anderswo auch der Fall gewesen sei. Die Verabschiedung der Vorlage sei umso notwendiger, als Deutschland dieser Tage beschlossen'habe, aufzurüsten, um Frankreich vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Kammer müsse die Vorlage sofort verabschieden, andernfalls würde er tun, was feine Auffassung von feiner Pflicht Transsemoratomm für alle Ausländsanleihen tritt am Utili in Kraft. Eine Erklärung des Aeichsbankpräsidenten. Berlin, 14. Juni. (DNB.) In der heutigen Sitzung des Zentralausfchuffes der Reichsbank machte der Reichsbankpräfident Mitteilung von einer A e n d e ru n g der Transferregelung mit Wirkung ab 1. Juli. Der Reichsbankpräsident führte dazu aus, es sei seit den enormen Kreditrückforderungen des Auslandes im Sommer 1931 klar gewesen, daß der Devisenvorrat und -anfall Deutschlands sehr rasch absinken würden, wenn nicht eine völlige Aenderung in den Wirtschafts- und Kreditbeziehungen des Auslandes zu Deutschland einsetzen würde. Trotz der gewaltigen Schrumpfung des Welthandels auf etwa ein Drittel des Jahres 1929 und obwohl Deutschland auf den Bezug ausländischer Rohstoffe als Veredelungs- und Industrieland angewiesen fei, habe Deutschland es fertiggebracht, bis vor einem Jahr einen solchen Ausfuhr- Überschuß zu erzielen, daß nicht nur die Rück Zahlung etwa der Hälfte feiner gefaulten Auslandsverpflichtungen erfolgen konnte, sondern auch die Zinsen für die andere Hälfte regelmäßig entrich- t e t wurden. Runmehr fei aber, nachdem Deutschland seine sämtlichen Auslandsanlagen und seine Kolonien, die als Rohstofflieferanten vor dem Kriege wachsende Bedeutung für Deutschland hatten, nachdem die hauptsächlichsten Konkurrenzländer durch Entwertung ihrer Währungen die deutsche Ware von eigenen und vom Weltmarkt zu verdrängen suchen und schließlich durch ständige Zolterhöhun- g e n und Einfuhrkontingente der deutsche Absatz immer mehr geschmälert wurde, der Zeitpunkt gekommen, wo der Valutatransfer auf die noch bestehende Auslandsverschuldung für Deutschland zur völligen Unmöglichkeit geworden sei. Der Layton-Bericht vorn August 1931 habe fest- gestellt, daß mehr als die Hälfte der privaten Ausländsanleihen Deutschlands zur Bezahlung von Reparationen v er wandt worden feien. Dieser Betrag sei also bereits einmal transferiert worden, und nun solle er zuzüglich aller darauf liegenden Zinsen noch einmal transferiert werden. Das deutsche Transferproblem von heute sei also wirtschaftlich nichts anderes als das Reparationsproblem von gestern. Dieser politische Ursprung des Transferproblems habe Deutschland niemals verhindert, seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Inhabern der deutschen Anleihen voll anzuerkennen, und es habe sämtliche Schuldner verpflichtet, ihre vollen Zinsen und Tilgungen bei der hierfür gebildeten Konver- sionskasse in Reichsmark einzuzahlen. Zahlungsunfähigkeit liege nicht vor. In feinem gegenwärtigen Ausmaß habe der Gold- und Devisenbestand praktisch überhaupt nicht mehr den Charakter einer Notenreserve; er sei selbst als Grundlage für die technische Abwicklung des Zahlungsverkehrs mit dem Ausland unzureichend. Das llebermah der Deflationspolitik und die Absperrung gegen den deutschen Export habe Deutschland eine Arbeitslosigkeit von sechs Mil- lionen Menschen gebracht. Das deutsche Volk fei nicht bereit, noch einmal eine solche Gefahr auf sich zu nehmen. Auch die sogenannte Devalvation müsse es. ablehnen. Das Ausland werde eine hierdurch forcierte Exportpolitik nicht ruhig hinnehmen, wegen der hierdurch erhöhten Rohstoffpreise könnten wir daraus aber auch nicht eine Steigerung unserer Devisenerlöse erwarten. Die deutsche Reichsmark werde stabil gehalten; hierzu habe man die Macht. Ohne eine internationale Geschäftsbelebung werde kein Transfer möglich fein. Die Industrieländer mühten mehrRoh- stoffe kaufen, damit die Rohstoffe produzierenden Länder mehr industrielle Waren kaufen könnten. Der Reichsbankpräfident teilte dann den Beschluß über die neue Transferregelung, die am 1- Juli in Kraft tritt, mit Sie entspricht in allen Einzelheiten dem Vorschlag, den die Reichsbank der Transferkonferenz unterbreitet hat. Hiernach findet somit für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1934 ein Bartransfer nicht statt. Die weiteren Vorschläge der Reichsbank sind in der jetzigen Regelung enthalten. Der laufende Zahlungsverkehr gegenüber dem Ausland wird durch die Regelung, die sich nur auf die in die Konversionskasse eingezahlten Verpflichtungen bezieht, nicht berührt. Im Anschluß an die Mitteilung der Reichsbank hat der Reichsfinanzminister der BIZ. in Bafel mitgeteilt, daß auch für den Dien st der Dawes- und Poung-Anleihe vorübergehend bis auf weiteres Devisen nicht mehr verfügbar sind. Dieser Miteilung sind noch Angaben über die unveränderte Weiterzahlung des Anleihedienstes in Reichsmark und die Erklärung zugefügt, daß Rechte und Sonderstellung dieser Anleihen nicht präjubi- ziert werden sollen. In einer Note, die morgen in den Hauptstädten der Länder, in denen die Ausländsanleihen des Reiches aufgelegt worden sind, überreicht werden wird, wird ferner die Zwangslage, die zu diesem Schritt führte, eingehend erläutert. Darin wird erklärt, daß besondere Anstrengungen erforderlich sind, den Schuldentransfer wieder zu ermöglichen. Dazu sei vor allem die Mithilfe der Gläubigerländer durch vermehrte Warenabnahme nötig. Es werden dann die Gründe aufgeführt, weshalb auch der Dienst der im Ausland aufgenommenen Reichsanleihen von dem Transferaufschub nicht ausgenommen werden kann. Endlich wird die Bereitschaft zu Erörterungen über praktische Abhilfemaßnahmen ausgesprochen. ihm vorschreibe. Der ehemalige französische Ministerpräsident D a l a d i e r hat in den Wandelaän- gen der Kammer angekündigt, daß er gegendie Vorlage Stellung nehmen werde. Er werde außerdem die Frage der zweijährigen Militärdienstzeit aufwerfen. Ministerpräsident Doumergue betonte seinerseits, daß er, selbst wenn die Kammer die Kredite ablehnen sollte, was jedoch unwahrscheinlich sei, diese Kredite auf dem Wege desDe- k r e t s und auf feine persönliche Verantwortung den Ressorts zur Verfügung stellen. Sollte ihn die Kammer stürzen, so werde er vom Senat ihre Auflösung verlangen. England Hali fein Wort Macdonald zur deutschen Gleichberechtigung. London, 14. Juni. (DNB.) Premierminister Macdonald sprach im Wahlkreis Seaham Dur- Ham. Solange wir in Unterhandlungen standen, ist es stets vollkommen klar gewesen, daß Deutschland auf dem Fuße der Gleichberechtigung behandelt werden würde. Soweit es auf Großbritannien ankommt, wird das auch der Fall sein. Wir haben unser Wort gegeben und wir werden es halten. Wir Engländer haben unseren Beitrag zum Abrüstungswerk geleistet, und ich richte an Deutschland die dringliche Bitte, seinen Beitrag zu diesem Werk zu leisten, indem es anderen Nationen keinen Anlaß gibt Zweifel in die deutsche Politik zu setzen. Wir wollen ein Abrüstungsabkommen, das sämtliche Länder Europas einbegreift Ich spreche, von dem Wunsch beseelt, den Beitritt Deutschlands zu erleichtern, es aus, daß jede Nation, die guten Willens ist, bereit fein sollte, am Beratungs- t i s ch mit Platz z u nehmen und sich zu bemühen, zu einem gegenseitigen Uebereinfommen zu gelangen. Wenn die betreffende Nation dann nicht das erlangen sollte, was sie für recht und billig hält, bann hat sie immer noch die Möglichkeit, den Beratungstisch zu verlassen. 1.00 Neue Zeugen im Gereke-Prozeß t Durch die Steuerpfändung in der Fürstlich Pleßschen Verwaltung ist die Verwaltung am Ende der vergangenen Woche nicht in der Lage gewesen, die Löhne für die Arbeiter voll auszuzahlen. Die Belegschaft mußte sich mit einem geringen Lohnvorschuß begnügen. Die Betriebsräte der Pleßschen Betriebe sind beim schlesischen Wojwodschaftsamt vorstellig geworden und haben um sofortige Abhilfe gebeten. * Bis zum Donnerstag nachmittag haben 13 Staaten einschließlich Italien und Ungarn dem amerikanischen Staatsdepartement amtlich mitgeteilt, daß sie nicht gewillt sind, die am 15. Juni fälligen Krieasschulden- raten zu zahlen. Insgesamt hanoelt es sich um streifen das Hoheitsabzeichen der NSDAP, und im unteren Mützenstreifen die schwarzweißrote Kokarde. * Der preußische Ministerpräsident hat den Prof. Dr. V a h l e n zum Ministerialdirektor ernannt. Damit ist Professor Vahlen, der bisher die Leitung der Hochs chulabteilung des preußischen Kultusministeriums kommissarisch inne hatte, endgültig zum Leiter dieser Abteilung ernannt. Prof. Otto von Knrsell und Oberregierungsrat Zier old wurden zu Ministerialräten ernannt. 3. Alle japanfeindlichen Organisa- ionen und Gesellschaften, die direkt Auslandsdeutschtum im Kampf. Zeigt an den VOA.-Sammeltagen eure Verbundenheit mit den auslands- deutschen Volksgenossen. Der Präsident der Reichsmusikkammer Dr. R i ch. Strauß hat Reichserziehungsminister R u st seinen Besuch abgestattet. Bei dieser Gelegenheit wurden die grundsätzlichen Fragen der Musikerziehung in den Schulen eingehend erörtert. Der Fall Kuramoio. Lebend aufgefunden. — Tokio fordert Untersuchung. London, 15. Juni. (DRB.) Wie Reuter aus Nanking meldet, befindet sich der japanische Vizekonsul Ku- ramoto am Leben. Er wurde hier bei den Gräbern der Mingdynastie aufgefunden. Die Berliner chinesische Gesandtschaft teilt mit, daß nach einem Bericht der Behörden in Nanking Kuramoto körperlich und geistig vollkommen gesund sei. Man nehme an, Kuramoto habe sich ent ernt, um wegen eines Zerwürfnisses mit dem dortigen japanischen Generalkonsul Selb st mord ^Der^lapanische Außenminister hat den Generalkonsul in Nanking angewiesen, der chinesischen Re- aieruna eine neue Note zuzustellen. In dieser Note heißt es, die japanische Regierung habe v o n der Auffindung Kuramotos Kenntnis genommen. Sie stehe auf dem Standpunkt, daß die geheimnisvolle Angelegenheit nur durch eine objektive Untersuchung, die die chinesische BehK-de zu führen verpflichtet sei, geklar werden könne. Die japanische Regierung schlage folgendes D°l. Klärung der Gründe und Ursachen der An- oele'aenheit Äuramoto und Untersuchung darüber, in welcher Weise chinesische Staatsangehörige m bC2. Falls E der chinesischen Behördeander^ln- gelegenheit Beteiligte festgenommen werden, mus sen diese streng bestraft werden. von Hindenburg angerufen, und Dr. Gereke habe am Telefon zu ihm gesagt: „Ich habe die 480 000 RM. auf 500 000 RM. aus eigenen Mitteln abgerunde t." Die Zeugin übergibt dem Gericht ein Notizbuch. Es befindet sich in diesem Buch unter dem Datum des 20. Februar 1932 eine Notiz: „480 000 RM." Der Oberstaatsanwalt erklärt dazu, daß gerade an diesem Tage in dem Notizbuch eine Radierung zu bemerken sei. Hierauf beschlagnahmt der Vorsitzende das Buch und erklärt, es werde sich durch eine chemische Untersuchung nachweisen lassen, was ausradiert worden sei. lieber die erste Vernehmung Dr. Gerekes wurde der Kölner Regierungspräsident Diels, der damalige Letter der Geheimen Staatspolizei, als Zeuge gehört. Regierungspräsident Diels bekundet, daß er auf Anweisung seiner vorgesetzten Behörde Dr. Gereke in seinem Amt abgeholt hätte. Weder er noch Gereke hätten gewußt, um was es sich handle. In einem Hotel habe man bis spät in die Nacht hinein gewartet, bis dann der frühere Minister von Keuoell und Ministerialrat a. D. Schellen das Material mitgebracht hätten. Die gefälschten Belege für angeblich ausgegebene Beträge wurden vorgelegt. Trotz der schwerwiegenden Argumente verhielt sich Dr. Gereke sehr ablehnend. Wir hielten ihm vor, so fuhr Diels fort, daß er das Geld für sich selbst verwendet hätte. Darauf erwiderte Dr. Gereke: Nein, nicht für mich, sondern für politische Zwecke. Gereke gab auch zu verstehen, daß er über verschiedene Sachen nicht sprechen könne. Er verlangte, mit hohen politischen Persönlichkeiten Rücksprache nehmen zu dürfen, was ihm aber verweigert wurde. Staatsanwaltschaftsrat Dr. M i t t e l b a ch erklärt, Dr. Gereke habe bei der Vernehmung auf die gegen ihn gerichteten Vorwürfe gar nichts öder sehr wenig gesagt. Er habe weder bestimmt abgestritten, noch bestimmt zugegeben. V M 8;n6™®rf°(9 d-r Pfingsttagung d°- sHniPo ^am3 und Trier hat die Blicke des erneät Außendeutschtum hingelenkt und Hunderttausende für die volksdeutsche x JlL9eroonnen' ®ie ist nun die Lage des Außen- fon^ru^h ?iex volksdeutsche Arbeit gelten n o“Löas Außendeutschtum entlud sich in fast allen Landern die Wut über die deutsche Erhebung oer Zorn darüber, daß das deutsche Volk wieder zu stmer Art und Kraft zurückfand. In zahlreichen Avalen 9mgen die Regierungen gegen „ihr" Deutschtum als Faustpfand vor mit der Begrün- x .9'„ die Erneuerung der deutschen Nation „be- *igene Land. Fast überall wurde das Deutschtum Gegenstand der Hetze und des Bonkott- elsers geflüchteter Emigranten und solcher Kreise, Ole eine günstige Gelegenheit zu finden glaubten, sich wirtschaftlicher Konkurrenten auf eine bequeme Art entledigen zu können. Die Lage des Deutschtums in staatlichen deutschen Randgebieten wie in Oesterreich, im Saar - g e b i e t und Danzi g ist hinreichend bekannt. In Danzig hat es die nationalsozialistische Regierung verstanden, volks- und wirtschaftspolitisch einen dei- Ipielh-aften Ausgleich mit dem Polentum anzubah- nen, der beweist, was guter Wille und Achtung vor den Rechten fremden Volkstums vermögen. Aber >chon im halbstaatlichen autonomen Gebilde des M e m e l l'a n d e s haben sich die litauischen Machthaber mit offenem Rechtsbruch über internationale Vertrage hmweggesetzt, den Landtag entrechtet, deutsche Beamte verjagt und schwere Eingriffe in Ms völkische Leben und die Selbstverwaltung der Deutschen unternommen. U. a. haben sie sogar unter öer Angabe, staatsfeindliches Schrifttum auszurotten, deutsche Bücher und Schriften jeglicher Art, Schulbücher usw. beschlagnahmt und vernichtet mit der deutlichen Tendenz das Außendeutschtum hier vom Mutterlande abzufchnüren und geistig verkümmern zu lassen. In Lettland ist man dabei, die deutsche Schulautonomie zu beseitigen. Daß aber eine lettländische „deutsche" Staatsschule die Gefahr mit sich bringt, die Schulkinder dem deutschen Geist zu entfremden, weiß man von hundert anderen Beispielen her. In P o l e n sind trotz der politischen Annäherung immer wieder Uebergriffe zu verzeichnen. Wir sind von einem erträglichen Zustand in der Behandlung der deutschen Volksgruppe noch meilenweit entfernt. währt anscheinend lange, ehe der neue Geist einer Staatsführung durchdringt bis zu den unteren Instanzen. So ist vor allen Dingen das deut- che Minderheiten-Schulwefen in Oberschlesien durch terroristischen Druck auf die Eltern gerade in letzter Zeit systematisch bedrängt worden und bedarf stärk- Der Reichsjugendsührer ruft zur Kiuder-LaudverfKilkuug auf. Berlin, 12. Juni. Der Reichsjugendführer hat zur Aktion der Kinder-Landverschickung einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Als oberstes Gesetz und oberste Richtschnur unserer Arbeit an der deutschen Jugend gilt für uns der Kampf für die B e - seitigung der Arbeitslosigkeit unter den Jungarbeitern und eine vorbildliche Gesundheitspflege. Unsere Gesundheitspflege, deren Grundlage die Reihenuntersuchung durch HJ.-Aerzte bilden, geht von dem Grundsatz aus, daß die Gesunderhaltung der gesunden Jugend die Grundlage dieser sozialen Arbeit fein muß. Wir haben in der Kimder-Landverschickung, die wir mit der NSV. zusammen durchführen, ein Mittel gesunden, durch das nicht nur die erholungsbedürftige Jugend die nötige Ausspannung findet, sondern das den Stadtkindern auch die Lebensbedingungen des Bauern, den deutschen Heimatboden und echtes, blutmäßiges an Hof und Scholle gebundenes Volkstum erleben läßt. 70 000 Kinder hat das Soziale Amt der RIF. im letzten Jahre verschicken können. In diesem Jahr muß es gelingen, mehr als 300000 erholungsbedürftige Jungen und Mädel aus dem Häufermeer der Großstädte hinaus aufs Land zu bringen. Deutscher Bauer, unser Ruf geht an dich, an der lebendigen Zukunft von Volk und Staat mitzuschaffen. Indem du deutscher Jugend die Möglichkeit körperlicher Erholung und Stählung verschaffst, wirkst du mit am Bau der Zukunft des Reiches. Aufnahmesperre im 7!S -Zuristenbund Berlin, 14. Jan. (DNB.) Auf Anordnung des Reichsführers des NS.-Juristenbundes und der Deutschen Rechtsfront wird zum 1. August 19'34 für die genannten Organisationen eine Aufnahme- sperre anberaumt. Nach diesem Zeitpunkt ist die Aufnahme nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Reichsführung des BNSDJ. möglich, wenn Vereinbarungen mit anderen Organisationen bisher den Eintritt nkfjt gestatteten. Für den jungen Nachwuchs wird eine besondere Regelung getroffen, wonach Gerichtsreferendare, Negierungsreferendare und junge Wirtschaftsrechtler ab 1. August 1934 nur ausgenommen werben können, wenn sie späte- stens ein halbes Jahr nach dem Bestehen ihres ersten Examens (Referendarexamen, Diplomvolkswirtexamen) ein Aufnahme- gefuch abgeben. Junge Rechtspfleger können vom 1. August ab nur ausgenommen werden, wenn sie spätestens ein halbes Jahr nach Zulassung zur Rechtspflegerlaufbahn ein Aufnahmegesuch abgeben. Sven hedin in hsinkiang. Sven Hedin hat das Ziel feiner Expedition in China erreicht. Er ist in Urumtschi in der Provinz Hsinkiang eingetroffen. Die übrigen Mitglieder der Expedition und die Kraftwagen befinden sich in Lop-Nor. In einigen Tagen beabsichtigt Sven Hedin die Rückreise nach Schweden anzutreten. Die Aufgabe der Expedition bestand darin, Untersuchungen darüber anzustellen, ob der Bau einer Kraftwagenstraße zur Verbindung Urumtschis mit dem eigentlichen China möglich ist. Aus aller Welt. Furchtbares Explosionsunglück bei Reval. 7 Offiziersanwärter tot, 22 verletzt. Auf dem Schießplatz der estnischen Offiziersschule bei Reval ereignete sich ein schweres E x p l o • sivnsunglück. Ein Offiziersanwärter hatte eine leichte Mine gefunden, die noch aus dem Kriege stammte. Als er sie seinen Kameraden zeigte, explodierte die Mine in seinen Händen. Fünf Offiziersanwärter wurden sofort getötet, zwei ft a r b e n unmittelbar nach der Einlieferung ins Krankenhaus. 22 Offiziersanwärter wurden durch die Explosion verletzt, vier davon so schwer, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Schüsse In der Sowjetgesandtschaft in helsingfors. Ein Engländer namens Herman Wilhelm Brown fragte in Helfingfors in der forojetruffi- fcfjen Gesandtschaft nach dem Gesandten Stein. Als ihm mitgeteilt wurde, daß der Gesandte nicht anwesend sei, zog Brown einen Revolver und gab Ziellos etwa zehn bis zwanzig Schüsse ab. Zwei Gesandtschaftsbeamte erlitten leichte Verletzungen. Dann richtete Brown die Waffe gegen sich selbst und brachte sich leichte Verletzungen bei. Brown, der im Jahre 1909 geboren ist, war im Jahre 1920 mit seiner Familie nach Finnland ge- kommen. In seiner Wohnung hatte Brown einen Brief zurückgelafsen, aus dem die Gründe zu feiner Tat hervorgehen. Es handelt sich wohl um einen Vergeltungsakt, da fein Onkel und feine Tante in Sowjetrußland ermordet und ihr Vermögen beschlagnahmt worden sein soll. Wie dem Brief weiter zu entnehmen ist, mißbilligt es Brown, daß die europäischen Staaten und besonders Großbritannien die Beziehungen zu Sowjetrußland aufrecht erhalten. Serbin, 14. Juni. (DNB.) Am Donnerstag drehte es sich im Gereke-Prozeß um die Frage, ob die Behauptung des Angeklagten stimme, er habe chon vor der Hindenburgwahl eine Summe von rund einer halben Million für die Gründung einer Hindenburg-Zeitung erhalten. Diese Summe will Dr. Gereke für andere politische Zwecke ausgegeben haben, so daß er sich für berechtigt hielt, diesen Betrag später aus den eingegangenen Hindenburg-Wahlgeldern wieder abzuzweigen. Als Zeugin für die Richtigkeit dieser Behauptung erklärt ein Fräulein Margarethe Sprung, in deren Haushalt Dr. Gereke und der Mitangeklagte Freygang wohnten, daß Dr. Gereke im Februar 1932 ihr eine dicke Aktenmappe übergeben habe mit der Weisung, das darin befindliche Geld sofort zur Bank zu bringen. Auf ihre Erwiderung, laß die Bank doch schon geschlossen fei, habe ihr Dr. Gereke die Mappe hingelegt mit den Worten: „Machen Sie damit, was Sie wollen, ich muß jetzt wegfahren." Zn ihrem Erstaunen, habe sie dann, als sie die Tasche öffnete, darin 480 000 R M. in Sch einen gefunden. Sie habe dann das Geld in eine Matratze eingenäht. Nach ünf bis sechs Tagen sei Dr. Gereke von einer dienstlichen Reise zurückgekommen und »verlangte von ihr das Geld. Sie trennte darauf die Matratze auf und stellte zu ihrer Bestürzung fest, daß nur noch 470 000 R M. darin waren. Dr. Gereke, der es sehr eilig hatte, nahm diesen Betrag und uhr damit fort. Nach gründlicher Durchsuchung and die Zeugin dann noch oie restlichen 10 000 RM. mb fuhr Dr. Gereke nach dem Reichstag nach. Dort ah sie ihn im Gespräch mit dem inzwischen durch Selbstmord geendeten deutschnationalen Abgeordneten Oberfohren und zwölf anderen Herren tehen. Als sie Dr. Gereke die fehlenden 10 000 RM. übergab, sagte Dr. Gereke zu den Herren: „Hier ist auch der Rest." Mit diesen Worten habe er das Geld Dr. Oberfohren überreicht. Am gleichen Abend, so bekundet die Zeugin weiter, habe Oberst ster Unterstützung. In der Tschechoslowakei ist die Lage der 3Vr Millionen Deutschen gekennzeichnet durch völlige Unterdrückung des nationalen Lebens unter dem Vorwande einer Bekämvfung staatsfeindlicher Bestrebungen, durch das Verbot der nationalen deutschen Parteien, die Verfolgung und Einkerkerung ihrer Führer, Denunziationen der „deutschen" Sozialdemokratie, weitgehende Verbote deutscher Bücher und Druckschriften, Einengung des deutschen Schulwesens, vor allem aber katastrophale Verarmung hunderttausender deutscher Volksgenossen in den Industrie- und Hausindustriegebieten, das sind die Kennzeichen der Lage. In Südtirol ist seit Amtsantritt des neuen Präfekten eine Verschärfung des deutschfeindlichen Kurses festzustellen. Verschickungen, sogar von Geistlichen, sind an der Tagesordnung. Hier trifft der Zwang allerdings auf einen Menschenschlag, der mit diesen Mitteln nicht zu entdeutschen ist. — In Jugoslawien sind immer noch Behinderungen und Einschränkungen des deutschen Kulturlebens, Eingriffe in das deutsche Schulwesen und politische Verfolgungen festzustellen, die sich besonders gegen die Betätigung des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes richten. — Aehnlich ist die Lage in Rumänien, wo das Deutschtum sich zwar eine besonders umfangreichen jüdischen Boykott- und politischen Hetze zu erwehren hat, dafür aber sich einer gewissen Anerkennung bei den jungen rumänischen nationalistischen Kreisen zu erfreuen beginnt. Das hier auf höchster Stufe stehende deutsche Schulwesen ist aber wirtschaftlich auf das Aeußerste bedroht und vegetiert gewissermaßen von der Hand in den Mund. — In Ungarn, dem klassischen Lande der Entnationalisierungspolitik, dessen chauvinistische Kreise auch nach dem Kriege nichts hinzugelernt haben, ist eine neue Abmachung über das Schulwesen getroffen, wo deren Erfolge abzuwarten sind. Die Zwangs-Namensmagyarisierung kennzeichnet gewisse Methoden, wie sie auch in der Schule und in der Kulturpolitik angewandt werden. Ueberall in Europa, darüber hinaus inUeber« fee, kämpft das deutsche Volk in enger seelischer Verbundenheit mit dem Mutterlande und seinem nationalen Aufstiege um seinen Bestand, vor allem um die deutsche Erziehung seiner Jugend. Die Opfer, die diese Deutschen an der Außenfront täglich für ihr Deutschtum bringen, müssen im deutschen Mutterland erwidert werden durch ein volksdeutsches Opfer zur Stärkung der deutscken Front im Ausland. Deshalb ruft der VDA. zu einer selbstverständlichen Pflichterfüllung auf, wenn er am 16. und 17. Juni an zwei großen Opfertagen an das deutsche Gewissen appelliert. Eröffnung desIniernationalen Landwirtschastskongresses in Budapest. Budapest, 14. Juni. (DNB.) Im Prunksaal der Akademie der Wissenschaft fand die Eröffnung des Internationalen Landwirtschaftskongreffes durch den Präsidenten Marquis de Vogu 6 (Frankreich) im Beisein des Reichsverwesers von H o r t h y statt. Sämtliche Mitglieder der ungarischen Regierung waren erschienen, ferner die Erz- Herzöge Joseph, Alfred und Joseph-Franz, das Diplomatische Korps, der finnische Ackerbauminister I u t i l i a, der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß und der österreichische Sicherheitsminister Major Fey. Marquis de Vogue hielt die Eröffnungsrede, an die sich Vorträge des ungarischen Ackerbauministers Sallay, des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß u. a. anschlossen. Im Namen der deutschen Abordnung sprach der Vizeprczsldept des Internationalen Aqrar- kvmilees Dr. Winter. Das deutsche Bauerntum habe den einzigen Wunsch, mit den Bauern aller Lander zusammen zu arbeiten, damit die zusammengebrochene europäische Wirtschaft in letzter Stunde wieder aufgerichtet werden könne. Das Ziel der in Deutschland geschaffenen Marktre - g e l u n g ist es, unser eigenes Bauerntum auf eine gefunbe Berechnungs-grundlage zu stellen dadurch, daß man ihm den volkswirtschaftlich gerechten und nicht den Spekulationspreis verschafft, wodurch unseren agrarischen Nachbarländern die Möglichkeit des Absatzes ihrer Erzeugnisse zu gerechten Preisen gegeben wird. Wir wollen damit bewußt den Versuch machen, den Lebensstandard des europäischen Bauern zu heben, um Europa de n Weizenstandard zu erhalten. Ist der Lebensstandard der Agrarländer erst einmal gehoben, so können die Industrieländer Europas wieder leben. Die Folge wird erhöhte Rohstoffeinfuhr fein, wodurch auch der überseeische Warenaustausch in Gang gesetzt werden kann. Es entsteht also ein Kreislauf auf der Grundlage der Verständigung des Bauerntums, der eine Wiederaufrichtuna der Wirtschaft der Welt ermöglicht. Die Grundlage'einer derartigen Politik muß aber die durch die Natur gegebene raumpolitische wirtschaftliche Lage der verschiedenen Staaten zueinander sein. Die natürliche Erzeugungsstätte muß sich dem naturgegebenen Markte zuwenden, unb der Absatz muß die Erzeugung führen, nicht umgekehrt. eine Summe von 477 Millionen Dollar. Litauen und Südslawien haben bisher noch keine Mitteilung gemacht. Finnland ist das einzige Land, das die Zahlung leistet. * Nach einer Mitteilung des königlich siamesischen Konsulats in Köln, wird der König von Siam voraussichtlich vom 2. bis 25. Juli in Deutschland bleiben. Die Reise geht von Berlin aus über Dresden, Leipzig, Nürnberg, München, Oberammergau, Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt a. M., Köln und anschließend weiter nach Brüssel. Kunst unb Wissenschaft. Aljechin wieder Schachweltmeister. Am Donnerstag ging in Berlin das nun nahezu 11 Wochen währende Ringen um die Schach» Weltmeisterschaft zu Ende. Der Weltmeister, klar in Führung liegend, benötigte nur noch einen halben Punkt, den er in der 26. Partie, der letzten des Wettkampfes, Donnerstag abend erzielte. In einem Damengambit kam der Weltmeister durch sehr geschicktes Spiel leicht in Vorteil. Nach dem Damentausch behielt er einen Mehrbauern, hatte aber offenbar keine große Lust, die Partie auf Gewinn zu spielen. Dieser wäre allerdings auch nur nach äußerst schwerem Kampfe möglicherweise zu erzielen gewesen. Die Partie endete 'demnach früh- zeitig unentschieden. Dr. Aljechin bot das remis an, welches der deutsche Meister B o g o l j u- b o w im 28. Zuge annahm. Dem Endspiel in der Krolloper wohnte auch Reichsjustizkommissar Dr. Frank bei, der als großer Förderer des Schachspieles bekannt ist. Dr. Frank beglückwünschte Schachweltmeister Dr. Aljechin und unterhielt sich noch längere Zeit mit ihm und Bogoljubow über die nächsten in Aussicht genommenen großen Schachkämpfe. Ministerpräsident Göring ehrt Richard Strauß. Zu Ehren des Präsidenten der Reichsmusik- fammer, des Generalmusikdirektors Professor Dr. Richard Strauß, gab der preußische Ministerpräsident General der Infanterie Göring im Anschluß an die Festvorstellung der „Aegyptischen Helena" in Berlin ein Essen in kleinerem Kreise, an dem u. a. teilnahmen die Gesandten von Griechenland, Dänemark, Ungarn und Rumänien, Operndirektor Dr. Furtwängler, Staatsschau- fpielerin Emmy Sonnemann und Hermine K ö r n e r. In herzlichen Worten feierte der Minister- Präsident den Jubilar als den großen Meister der deutschen Tonkunst, dessen Name solange in deutschen Landen leben werde, als deutsche Musik gepflegt werde. Richard Strauß dankte ergriffen dem Ministerpräsidenten. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, in Göring nicht nur den großen Staatsmann, sondern auch den warmherzigen Menschen und Freund der Künstler erkannt zu haben. Die Bücher des Monats Juni. Im Rahmen der von der Reichsschrifttumsstelle -in Aussicht genommenen Propa gandaaktio- n e n, bie sich auf jeweils wechselnde Neuerschoi- nungen des Büchermarktes beziehen, hat das Propagandaministerium für den Monat Juni „Sechs Bücher zum Zeitgeschehen" und „Sechs Bücher deutscher Dichtung" herausgestellt. Die „Sechs Bucher zum Zeitgeschehen" sind: Faber: Schippe, hacke, hoi: Goebbels: Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei; Hagemann: Richelieus politisches Testament; Schneider: Unsere Saar; Schwarz van Berk: Die sozialistische Auslese; Siegern a n n : Weltwende. Die „Bücher deutscher Dichtung" sind: Linke: Ein Jahr rollt übers Gebirg; Euringer: Deutsche Passion; Nierentz-Ha- f e n : Wir bauen eine Straße; Schiest - Bentlage: Unter den Eichen; Strauß: Der Engel- wirt; Tügel: St. Blehk oder Die große Veränderung. Diese Buchauswahl soll keine Zensur bedeuten; die Beschränkung auf die geringe Anzahl ber Bücher geschieht deshalb, weil man sie für wesentlich hält. Die Absicht ist, das Volk überhaupt erst einmal zum Lesen zu bringen. oder indirekt mit dem Zwischenfall in Verbindung tehen und öffentlich oder geheim arbeiten, müssen a u f g e l ö ft werden. Nie Rückgliederung des Saargebiets. Berlin, 14. Iuni. (DRB.) Der Reichsminister des Innern teilt folgendes mit: Aus Kreisen der Saarbevölkerung sind wiederholt Anfragen an die zuständigen Stellen gerichtet worden, in welcher Meise die Rückgliederung des Saargebietes erfolgen werde, hierzu ist festzustellen, daß das Säargebiet so zurückgegliedert wird, wie es auf Grund des Friedensdiktates von der Verwaltung der Länder abgetrennt wurde. Der früher preußische Teil wird der Verwaltung des Landes Preußen, der bayerische der des Landes Bayern entsprechend der früheren Grenze ohne Aende- r u n g eingegliedert werden. Kleine politische Nachrichten. Um die Einheit von Partei und Staat auch nach außen hin zu bekunden, hat der Reichs- minifter des Innern im Einverständnis mit dem Stellvertreter des Führers f ü r d i e u n f o r'm i e r- ten Reichsbeamten angeordnet, daß die Landeskokarde, die nach dem Uebergang der Landeshoheit auf das Reich ihre Bedeutung verloren hat, durch das Hoheitszeichen der NSDAP, ersetzt wird. Die uniformierten Reichsbeamten tragen also künftig im oberen Mützen- Refchssternfahrt zum Reichskrlegertag nach Kassel. Anläßlich des vom Kyffhäuserbund in den Tagen vom 7. bis 9. Juli in Kassel veranstalteten Reichs- kriegertages findet zum ersten Male e i n e R e i ch s. sternfahrt aller kraftfabrenden Kyff - Häuserkameraden nach Kassel statt. Alle Wagen und Motorräder, die sich an dieser Fahrt beteiligen, haben den Kyffhäuserwimpel zu führen. Die Teilnehmer erhalten zur Erinnerung eine künstlerische Plakette „Kurhessen grüßt Euch". Nennungen müssen bis spätestens Montag, den 25. Juni, bei der Geschäftsstelle des 5. Deutschen Reichskoiegertages in Kassel, Wolfsschlucht 12/14, unter gleichzeitiger Einsendung des Nenngeldes von 2 Mk., auf das Sonderkonto Reichssternfahrt bei der Kreditbank in Kassel erfolgen, worauf den Teilnehmern postwendend ein roter Ausweis zugestellt wird. Die Zielkontrolle ist auf einer in Kassel festgelegten Ringstraße zu erreichen und muß von denReichssternfahrern von Samstag, den 7. Juli, 9 Uhr, bis spätestens Sonntag, den 8. Juli, 12 Uhr, passiert sein. Sechs Geschwister mit 441 Jahren auf der goldenen Hochzeit eines Lrbhofbauern. Auf dem landschaftlich herrlich gelegenen Bauernhöfe „Am Hansberge" in Hattingen (Ruhr), feierten der 78jährige Erbhofbauer Fritz hansberg und Frau Ida, geborene D i e r g a r d t, ihre goldene Hochzeit. Zu den zahlreichen Teilnehmern gehörten auch fünf Geschwister, vier Brüder und eine Schwester des goldenen Bräutigams, die mit diesem zusammen 4 41 Jahre zählten. Der Hof „Am Hansberge" wird nach einem im Staatsarchiv in Münster aufbewahrten Schatzbuch bereits im Jahre 1486 erwähnt. Früher gehörte der Bauernhof zur Abtei Deutz. Hofschultheiß war der Hofherr von K l y f f in Hattingen. Die Wiederholung der Einsegnung des Jubelpaares fand auf Wunsch des Bräutigams unter dem Riesenkastanienbaum vor dem Hause statt, der sicherlich viele Geschlechter derer „Am Hansberge" kommen und gehen sah. Hattingen, eine Gründung der hattuarier, entstand um 800 nach Christi Geburt durch einen Reichshof Karls des Großen an der heutigen Ruhrbrücke. Unter den damals entstehenden Höfen wird auch der „op'm hansberge" (Auf dem hansberge) geschichtlich erwähnt. Es klingt wie ein Märchen ... In einem italienischen Dörfchen in der Nähe von Savona meldete der 7 2jährige Bauer Benni die Geburt seines 2 3. Kindes beim Standesamt an. Alle Kinder, von denen ihm 12 die erste und 11 die zweite Frau schenkte, leben in voller Gesundheit. Drei Todesurteile vollstreckt. Der Richard h ü t t i g ist durch Urteil des Sondergerichts Berlin vom 16. Februar zum Tode verurteilt worden. Das Urteil ist im Hofe des Strafgefängnisses zu Plötzensee v o l l st r e ck t worden. Der Ministerpräsident hat von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil es sich bei der Tat um einen feigen Ueberfall auf zwei SS. - Männer handelte, der von Bewaffneten ausgeführt und von dem Verurteilten als Rädelsführer veranlaßt und geleitet worden ist und bei dem der SS. - Mann von der Ahä den Tod fand. — Gleichfalls wurden der Willi R o - ch o w und der Otto W o i t h e hingerichtet, beide find wegen gemeinschaftlichen Mordes, an Fritz Schmitzberg, zum Tode verurteilt worden. Der Ministerpräsident hat auch in diesem Falle von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil es sich um einen mit großer Heimtücke verübten Mord handelt, den die Verurteilten begangen haben, um den Mitwisser der zahlreichen Verbrechen zu beseitigen, die die Verurteilten trotz ihrer Jugend nach Art von Gewohnheitsverbrechern begangen hatten. Brautpaar beim Baden ertrunken. Beim Baden in einem kleinen See in der Nähe der Stadt Waren (Müritz) kam ein Brautpaar ums Leben. Die 18jährige Hausgehilfin Anni Borchert, die des Schwimmens unkundig war, versankt plötzlich unweit vom Ufer. Ihr Verlobter, der 19jährige Musiker Frik K a l s o n , der seine Braut retten wollte, fand gleichfalls den Tod. Ein Irrsinniger schickt Höllenmaschinen mit der Post. Drei großen Pariser Firmen sind Postpakete zugegangen, die, wie sich beim Oeffnen herausstellte,' Höllenmaschinen enthielten. In sämtlichen Fällen hat jedoch der Mechanismus versagt. Empfänger waren in Paris die Verlagsanstalt Machette, eine Parfüm-Fabrik und die Rundfunkfendegefell- fchaft Radio Paris. Eine gleiche Sendung ist einer .Keksfabrik in Nanterre zugeganaen. Ebenso ist der Vorsitzende der französischen Komponistenvereinigung mit einer solchen Sendung bedacht worden, die aber schon auf dem Postbüro explodierte, wobei mehrere Angestellte verletzt wurden. Die Polizei Reichsminister Goebbels in Warschau. i . Ein Bild von der Veranstaltung, bei der Dr. Goebbels auf Einladung der polnischen Jntellek» tuellen-Union einen Vortrag über das neue Deutschland hielt. — Don links nach rxchtsr Dr. G o e b b e l s ; der deutsche Gesandte in Warschau v o n M o l t k e ; Professor Zielinski, der Vorsitzende der Union. Or. Goebbels von Marschall Pilsudski empfangen. Am Grabe des unbekannten Soldaten. Warschau, 14. Juni. (DNB.) Am Donnerstag kurz nach 11 Uhr legte Reichsminister Dr. Goebbels am Grabe des unbekannten Soldaten feierlich einen Kranz nieder. Eine Ehrenkompanie des 21. Infanterieregimentes hatte mit seiner Regimentsfahne und einer Kapelle auf dem kleinen Platz vor dem Grabmal Aufstellung genommen. Reichsminister Dr. Goebbels, der vom deutschen Gesandten in Warschau, dem deutschen Militärattache, Generalleutnant Schindler und allen Herren der deutschen Gesandtschaft begleitet war, wurde bei seinem Eintreffen vom Chef des Protokolls, vom Kommandanten des Warschauer Armeekorps sowie vom Wojewoden begrüßt. Die Kapelle spielte das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied, während die Ehrenkompanie präsentierte. Nachdem Dr. Goebbels die Meldung des Führers der Kompanie entgegengenommen hatte, schritt er die Front ab. Darauf erfolgte feierlich die Niederlegung des Kranzes, der mit dem Hakenkreuz und den Farben schwarzweißrot geschmückt war. Während der Kranzniederlegung spielte die Kapelle die polnische Nationalhymne. Eine zahlreiche Zuschauermenge folgte dem feierlichen Akt. Vom Grabmal des unbekannten Soldaten begab sich Dr. Goebbels mit dem deutschen Gesandten auf das Schloß des Staatspräsidenten, wo er sich in das Gästebuch eintrug. Mittags fand ein Frühstück beim Außenmini st er Beck statt. Kurz vor 17.30 Uhr wurde Dr. Goebbels in Begleitung des Gesandten von Moltke und im Beisein des Außenministers von Marschall Pil- sudski im Belvedere empfangen. Die Konferenz dauerte etwa dreiviertel Stunden. Kurz vor dem Besuch hat Dr. Goebbels am Ehrenmal des deutschen Kriegerfriedhofs in Powonski einen Kranz mit den Reichsfarben niedergelegt. Am Abend wurden in der Deutschen Gesandtschaft die Vertreter der Deutschen Kolonie durch Dr. Goebbels empfangen. Dr. Goeb» bels richtete an die Anwesenden eine kurze Ansprache. ist der Ansicht, daß die Konstruktion sämtlicher Höllenmaschinen die gleiche ist und daß deshalb als Absender die gleiche Person in Frage kommt. Aus dem verworrenen Text der beiliegenden Briefe schließt man, daß es sich um einen Irrsinnigen handeln müsse. Französische Deinsorgen. Mit der Spitzmarke „Es gibt nur eine Politik des Weins" eröffnen die französischen Weinhändler einen diesjährigen Reklamefeldzug, indem sie hinzusetzen, daß darüber ausschließlich die Güte zu entscheiden hat. Es ist richtig, daß Frankreich vor einem halben Jahrhundert sehr unter den Verheerungen der Phylloxera, der Reblaus, gelitten hatte, und daß die Winzer ihre Reben aufpfropfen und örtlich verpflanzen mußten. Sie wandten sich von den Berghängen weg, der Ebene zu: was dabei herauskam, war die große Menge auf Kosten der Güte der Weine. Bedenkt man, daß im Jahre 1863 nur 60 000 Hektar bestellt wurden und die Ernte kaum 2,5 Millionen Hektoliter Wein lieferte, 1900 dagegen 6 Millionen Hektoliter von 134 000 Hektar gewonnen wurden, aber im Jahre 1907 8,3 Millionen Hektoliter geerntet werden konnten —, so kann man sich ein Bild von der französischen Weinpantscherei machen. Aber auch von den wahren Ursachen der Ausfuhr französischer Weine im Wettbewerb mit dem Welthandel. Nach L4on Douarche betrug die Weltproduktion in 1931 über 175 Millionen Hektoliter, in 1932 noch 172 Millionen Hektoliter, sank aber 1933 auf 161 Millionen Hektoliter, offenbar infolge der einschränkenden Maßnahmen der Behörden. Daran ist Frankreich mit einer Ausfuhr von nur noch 700 000 Hektoliter gegen 3,5 Millionen Hektoliter in 1875 beteiligt. Es führt den sehr bedenklichen Rückgang auf die Preiskonkurrenz mit Chile zurück, dessen Weine aber auch qualitativ vorzüglich fein sollen. Chile liefert vor allem auch nach Belgien enorme Mengen Weins, die es früher aus Frankreich bezog. Schuld am liebel, so bekennt Herr Douarche, sei auch hier der bekannte französische Schlendrian und die behördliche Schlamperei. Während in Deutschland eine strenge Beaufsichtigung der Winzerwirtschaft eingeführt sei, und auch in Italien, Spanien und Chile ähnliche Einrichtungen beständen, beginne man in Frankreich erst jetzt, zu organisieren. Elf Personen In Mexiko durch Blitzschlag gelötet. In einem Landhaus im Staate Oaxaka in Mexiko wurden durch einen Blitzschlag sieben Männer und vier Frauen getötet. Durch denselben Blitz wurden noch 30 Stück Vieh erschlagen. Sieben Todesopfer eines Explofionsunglückev in USA. In Norman (Oklahoma) wurden durch eine N t - troglyzerin-Explosion 7 Mitglieder einer Expedition getötet, die Sprengungen veranstaltete, um seismographische Beobachtungen anzustellen. Nach anderen Meldungen soll es sich um Angestellte der Sinclair-Oel-Compagnie gehandelt haben, die nach Petroleumquellen suchten. Ein Farmer, der sich einige hundert Meter von der Stelle der Katastrophe entfernt befand, schilderte, daß er plötzlich einen furchtbaren Donnerschlag hörte, und dann die zerstückelten Leichen der Männer durch die Lust fliegen sah. Die Expedition hatte zwei Wagen bei sich, von denen der eine mit Sprengstoffen beladen war. Oer dreifache Herr Kades. Daß ein Mann zwei Existenzen haben kann, tagsüber vielleicht ein schlichter Büroangestellter ist und nachts den Lebemann spielt, hat die Welt schon mehr als einmal erfahren. Aber drei verschiedene Existenzen sind ein bißchen viel für einen einzelnen Menschen und können ihn unter Umständen ins Verderben stürzen. Daß Herr John Kabes in drei» facher Gestalt mehrere Jahre hindurch in Montreal lebte, ist schon eine erstaunliche Leistung von Der» stellungskunst, und nur einem Zufall hatte es der verwandlungsfähige Herr Kabes zu verdanken, daß er jetzt entlarvt und ins Gefängnis gesteckt wurde. Dor einem Hotel in Montreal fand man nämlich die Leiche eines unbekannten Mannes. Dessen Personalien konnten nicht ermittelt werden, und so setzte die Polizei eine Photographie des Toten in die Zeitungen. Bereits am nächsten Tag melde» ten sich zwei Frauen, die beide behaupteten, der Verstorbene sei ihr Ehegatte. Als sie sich aber den Toten angesehen hatten, sagten sie überein» stimmend aus, sie hätten sich infolge einer erstaunlichen Ähnlichkeit geirrt. Jetzt musterten sich die Frauen aber gegenseitig voller Mißtrauen, denn es müßte doch nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn sich ihre Männer auch so fatal ähnlich sähen. Noch Aussage der einen hieß ihr Mann William Märtel und war mit ihr fünf Jahre verheiratet. Die anders Frau sagte, ihr Mann heiße Lionell Twaerkham, und ihre Ehe bestehe seit vier Jahren. Also doch zwei verschiedene Persönlichkeiten? Eins sprach da» gegen: sowohl Herr Märtel wie Herr Twaerkham war Filmmanaber und hielt sich wegen langer Reisen stets nur einige Tage im Monat in Montreal auf. Es dämmerte ihnen schrecklich, und auch dis Polizei nahm nicht geringen Anteil an dem merkwürdigen Fall. Als danach wieder einmal Herr Twaerkham von der Reise zurückkam, fand er in feiner Wohnung nicht nur Frau Twaerkham, sondern auch Frau Märtel vor, was ihm einigermaßen peinlich war, denn siehe da — Herr Twaerkham und Herr Märtel waren ein und derselbe Mann. Als die Polizei sich nun näher mit dieser doppelten Persönlichkeit befaßte, erlebte sie ein neues Wunder: der geheimnisvolle Filmmanager war zu gleicher Zeit auch einer der berüchtigsten Gangstes Kanadas, nämlich John Kabes. Mit dem Kontrafagott in die Flucht geschlagen. Wenn Hans von Bülow mit seinem Meininger Hoforchester probte, durfte kein Zuhörer zugegen fein. Es gab eine strenge Weisung, daß niemand 3u den Proben zugelassen würde. Als sich einst eine hochgestellte fürstliche Persönlichkeit zur Schlußprobe der Neunten Symphonie einfand, da wagten die Diener nicht, ihr den Eintritt in den Zuhörerraum zu verwehren. Bülow aber blieb die Anwesenheit des Besuchers nicht verborgen, und er hatte bald ein Mittel gefunden, den Zuhörer „hinauszugraulen". Er probte das Finale zuerst und zeigte sich mit der Partie des Kontrafagotts sehr unzufrieden. Er ließ den Musiker, ihm heimlich zuzwinkernd, Solo blasen. Immer noch schien Bülow die Partie nicht zu gefallen und nun ließ er sie solange wiederholen, bis der Zuhörer, der einen besonderen Genuß von dieser Probe erwartet hatte, in Hellem Entsetzen über dieses unaufhörliche greuliche Geblase den Saal räumte. Dann klopfte Bülow an seinen Notenpult und ließ in bester Verfassung die ganze Symphonie ohne Unterbrechung spielen. Wettervoraussage. Die Störungen im Osten haben in Deutschland das Wetter etwas wechselhaft gestaltet und stellenweise sogar zu Niederschlägen geführt. Da aber das Barometer wieder steigende Tendenz zeigt und sich das atlantische hoch mehr über Zentraleuropa ausbreitet, wird die Niederschlagstätigkeit keine größeren Formen annehmen: vielmehr setzt wieder ruhigeres und meist aufheiterndes Wetter ein, wobei die Tagestemperaturen erneut ansteigen. Aussichten f ü r Samstag: Stellenweise wechselnd wolkig, dann wieder mehr aufheiternd, tagsüber warm, meist trocken. Lufttemperaturen am 14. Juni: mittags 25 Grad Celsius, abends 19,4 Grad, am 15. Juni: morgens 16,8 Grad. Maximum 26,1 Grad, Minimum 14,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Juni: abends 23,7 Grad; am 15. Juni: morgens 19,8 Grad. — Sonnenscheindauer 11,7 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. D.: h. L. Neuner. Anzeigenleiterr Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange. K.G.. sämtlich in Gießen. Ms-SWlV-NA 1934 Programme kostenlos bei den Gießener Lahn-Äadeanstalten Gießen, im Juni 1934. 35^ D Für die zahlreichen und wohl tuenden Beweise herzlicher Anteilnahme durch Wort, Schrift, Blumenspenden und ehrendes Geleit bei dem Heimgange unseres teuren Entschlafenen, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen: Anna Schmidt, geb. Ochs Laden mit ober ohne Wohnung in guter Lage zu mieten gesucht. Schrift!. A':g. u. 03063 a.d.G.A. Stellenangebote Haustochter Gedieg.Frl.kann Küche u. Haushalt gründlich er- lern.obnegegens. Vergütung. 357sv Frau Lehrer Eint möbl. Zimmer zu verm. oao-,4 Aut der Bach 8. | Vermietungen | | Mietgesuchej llllllllllllllllllllllllllllll Nabe Bahn und Klinik 03062 fd)önmöW.3lmmcc billig zu verm. 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Dr. Walther Schoenichen Direktor der Staatlichen Stelle für Naturbenkmalpflege in Preußen und Leiter der Fachstelle Naturschutz im Neichsbunb Volkstum und Heimat Mit 24 Bildtafeln Preis: Gebunden Reichsmark 3.60 Naturschutz ist DoNssache geworben I Wegweisend gingen die führenden Männer des neuen Reiches voran, sicherten dem deutschen Wald und Wild wirksamen gesetzlichen Schuh und zeigten planvoller Dolkstumsarbeit große, edle Ziele auf. - Dieses grundlegende §uch über den Aaturschuft aus der Zeder des Leiters der deutschen Naturschuhbewegung geht jeden einzelnen DoikSgenoffen an. Ss gilt, die natürliche Schönheit unserer Heimat In liebevoller Sorge und naturverbundener Gemeinschastsarbeit zu erhalten für uns und für die, die nach uns fein werden. Zu beziehen durch jede Buchhandlung I Hugo Bermühler Verlag • Berlin-Lichterfelde Junge frischrnelk. Liege mit 2 Lämmern Au verk. <'3055 Lauusbaw, Haus Nr. 130. Gebr. schwarzer Send zu verkaufen. 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Er war einst Seemann, dieser Häuptling, den ein kleiner australischer Kutter auf einer entlegenen Insel in den australischen Gewässern aufspürte. Deutscher Seemann von der Wasserkante, war mit einem Schiff nach Sydney gekommen, riß aus ging nach Bougainville, kam hier mit der Polizei in'Konflikt, floh wieder, fand eine Eingeborenenfrau, die ihn aufnahm und folgte ihr schließlich auf jene Insel, die er heute beherrscht. Der Kapitän des Kutters staunte nicht schlecht, als er einen aufgefärbten Europäer traf, der sich sogar den Schmuck der Eingeborenen durch Nase und Ohren gezogen hatte. Der Hamburger Junge hatte in den letzten 25 Jahren Feien Weißen mehr gesehen und mußte sich lange auf die Worte besinnen, als er sich mit dem Kapitän unterhalten wollte. Immerhin gelang es, dem weißen Häuptling klarzumacken, daß es inzwischen einen Weltkrieg gegeben hat den er, der Hamburger, also verpaßt hatte. Und 'sonst hatte der Hamburger nur einen Wunsch: daß man ihn ruhig hier lasse und sich recht wenig um ihn kümmere. Denn es gehe ihm gut in dieser seltsamen Welt, in der er Zauberer, Medizinmann und Häuptling in einer Person ist. Das grötzte Teleskop der Welt. (th) Neuyork. Mit einigem Herzklopfen haben die Astronomen in Corning (im Staate Neuyork) dabeigestanden, als man die 20 Tonnen flüssigen Glases in die Riesenform goß, aus der dann eines Tages — nach Zehn Monaten — die größte Linse der Welt hervorgehen soll. Sie soll das größte je gebaute Teleskop mit einer Sehschärfe ausstatten, die bisher geradezu sagenhaft erschien. Da brachen während des Gusses von dem Rand des Gießbeckens einige Brocken ab und fielen in die Glasflut. Man fischte aus dem brodelnden Glasbad die Störenfriede heraus. Aber — hatte man sie alle erwischt? Hatten sich nicht vielleicht auch Blasen in dem reinen Glasfluß gebildet? War damit alle Arbeit umsonst gewesen? In frühestens zehn Monaten sollte die Linse soweit abgekühlt sein, daß dann eine Kontrolle möglich wäre. Aber bedeutete, wenn die Arbeit vergeblich war, diese Frist von zehn Monaten nicht einen ungeheuren Verlust an Zeit? So sannen die Fachleute denn Tag und Nacht über eine Kontrollmethode nach. Und jetzt hat man eine Röntgenstrahlenprobe gemacht, die den Beweis geliefert haben soll, daß keinerlei Schäden in der Linse festzustellen sind. Im Kalifornischen Institut für Technologie hat man mit Freuden diese Kunde vernommen und sofort mit dem Bau des großen Teleskops begonnen, in das die Linse hinein soll, um das Weltall zu erweitern, mehr Sternbilder in unseren Beobachtungskreis zu ziehen und Feststellungen zu gestatten, die bisher unmöglich waren. Ein Steinchen vom Rande des Gießbehälters hätte alle Hoffnung vorläufig zerschlagen können. Aber man hat Glück gehabt, die große Linse wird Zustandekommen — ohne Makel und ohne Fehler. Die Hundebar. (th) Philadelphia. In Philadelphia besteht seit kurzer Zeit eine Bar, die wohl kaum ihresgleichen in der Welt finden dürfte. Es gibt in ihr weder hohe Barstühle noch Mixer, kein Tanzparkett und auch keine Musik. Als einziger Stoff wird in ihr reines, klares Wasser ausgeschenkt, denn es handelt sich um eine Var für — Hunde. Diese Bar hat ihre Vorgeschichte: Dor einigen Wochen mußte eine junge Dame vor dem Kadi in Philadelphia erscheinen, weil sie an einem heißen Aage ihren Hund aus einem öffentlichen Brunnen hatte trinken lassen. Passanten ließen die junge Frau feststellen und verklagten sie wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit, weil ein Hund dem Wasser allerlei Krankheitskeime zuführen könne. Der Verteidiger der Beschuldigten führte mit gewichtigen wissenschaftlichen Begründungen aus, daß der Hund viel eher gesundheitlichen Schädigungen ausgesetzt sei als die Menschen, die mit ihm dasselbe Wasser trinken, zumal es sehr wenige Krankheiten gebe, die der Hund auf den Menschen, aber eine Un- Zahl, die der Mensch auf den Hund übertragen könne. Außerdem habe ein Hund, für den behördliche Abgaben bezahlt werden müßten, ebensolchen Anspruch auf öffentliche Trinkbrunnen wie der Mensch. Es half jedoch nichts: die Dame wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Und ein findiger Unternehmer machte ein Geschäft daraus und richtete eine „Hundebar" ein, in der die vierbeinigen Besucher nun nach Herzenslust etwas schlürfen können. Zwei teure Fläschchen Bier. (I) K o p e n h a g e n. Es ist eigentlich nicht üblich, 150 Kronen für eine kleine Flasche Bier bezahlen zu müssen. Auch ist es keineswegs in Dänemark Sitte, daß man zwei Tage darauf wartet. Aber in diesem Falle war es so: Da saß in Kopenhagen ein Mann, der — wie jeder zweite Däne — Andersen hieß, bei Tisch und wollte mit Genuß sein Glas Bier trinken. Aber es schmeckte ihm nicht. Er rief den Kellner, der holte den Geschäftsführer, dieser den Direktor. Das Bier sei schlecht. „Da haben wir aber in Aarhus ein ganz anderes Bier!" brummte er unwillig. Der Geschäftsführer hatte offenbar schlecht geschlafen, denn er knurrte vor sich hin: „Dann müssen Sie es sich d a bestellen!" Der Gast hatte gute Ohren und das Grollen verstanden. Er stürzte an das nächste Telephon und rief fein Restaurant in Aarhus an. Zwei Flaschen Bier wolle er, Andersen aus Aarhus, zur Zeit Kopenhagen. Ganz gleich, was es koste. Das sei er nun leid, daß man ihn als Nörgler behandle, weil ihm das Bier in Kopenhagen nicht schmeckte. Dem Direktor werde er's beweisen. Der Kellner, der ihn immer bediene, solle es bringen, und er solle sich gleich auf den Wea machen. Man kannte in Aarhus den Sonderling Andersen, nahm seinen Auftrag wörtlich und schickte einen Kellner zu Fuß mit einem Tablett mit zwei Gläsern und zwei Flaschen Bier los. Zu Fuß von Aarhus nach Kopenhagen: Genau 47)4 Stunden brauchte der Kellner zu diesem Marsch. Dann konnte er dem Herrn Andersen, der mit rostig gewordener Kehle dasaß, ebenso wie dem noch immer übelgelaunten Geschäftsführer das Bier einschenken. 150 Kronen machte die Rechnung. Aber Andersen kann für sich immerhin verbuchen, daß in Dänemark niemals einer ein so apartes „Bierservice" bezahlte wie er — nur weil ihm das Kopenhagener Bier nicht schmeckte, und er selbst so eigensinnig war ... „Blinde Passagiere." (—) London. Eine lustige juristische Streitfrage hat sich um eine soeben in einer Londoner Zeitung gemachte Enthüllung entspannen. Danach befinden sich zur Zeit an Bord des transatlantischen Dampfers „City of Flint“, der auf dem Wege nach Kopenhagen ist, nicht weniger als 476 blinde Passagiere. Allerdings keine zweibeinigen, sondern — sechsbeinige. Ein Ba- taillon gezähmter Flöhe nämlich, die sich der Zirkus Schumann in Kopenhagen aus einer zoologischen Handlung in Nashua (New Hampshire, USA.) kommen läßt. Der Besitzer jener zoologischen Handlung hat diese Flöhe nicht etwa in Kistchen verpackt, sondern läßt sie am Leide eines armen lebenden Foxterriers über das Weltmeer gehen, der den Insekten gleichzeitig als Nahrungsspender dient. Für den Hund ist die Passage bezahlt worden, nicht aber für die 476 Plagegeister. Darüber nun, ob auch für sie die Ueberfahrt bezahlt werden müsse, diskutieren nun in Londoner Blättern namhafte Juristen „zum Spaß", und der trockene englische Humor feiert auch in dieser Angelegenheit Triumphe. Einer von ihnen zum Beispiel erklärt, daß wohl für die Flöhe, nicht aber für den Hund die Ueberfahrt bezahlt werden müsse, denn da der Hund doch hauptsächlich als Nahrungsspender diene, sei er nach den Transportbestimmungen der Schiffahrtslinien als „Tara" an- zusprechen, während die Flöhe die eigentlichen Passagiere seien ... Ein Toter hält sein Wort. (a. d.) Rom. Zwei miteinander befreundete junge Leute in Faenza, ein Fleischer und ein Student, hatten einen seltsamen Pakt miteinander geschlossen: Wenn einer von ihnen sterbe, solle er sich des Ucberlebenöen erinnern und ihm vom Jenseits aus helfen. Da wollte es das Schicksal, daß er, kaum zwanzigjährig, einer tückischen Krankheit erlag. Der junge Fleischer hatte bald seine Abmachung mit dem einstigen Freunde vergessen. Nun ist bekanntlich in Italien das an jedem Samstag stattfindende staatliche Lottofpiel eine wahre Volksleidenschaft, und zahlreiche Italiener bemühen sich, die glückbringenden Lottonummern durch Traumdeuterei und andere mehr oder weniger kabbalistische Prozeduren vorauszubestimmen. Dieses Mittels bediente sich offenbar auch der verstorbene Student, um feinem im irdischen Jammertal zurückgebliebenen Freunde beizustehen. In der vergangenen Woche erschien er ihm nächtlicherweile im Traume und riet ihm, in das einst von ihm bewohnte Zimmer zu gehen und in seinem früheren Schreibtisch nach einem Notizbuch zu suchen. Auf Seite 25 würde er die glückbringenden Lottonummern verzeichnet finden. Kaum erwacht, folgte der Fleischer dem Zeichen seines Freundes und fand wirklich auf dem angegebenen Blatt die Nummern 78 und 80 verzeichnet. Aber sein Vertrauen in diese übernatürliche Hilfe war sv gering, daß er nur lumpige zwei Lire auf die drei Nummern setzte. Wie groß war aber sein Erstaunen, als am nächsten Samstag wirklich die Nummern 25, 78 und 80 gezogen wurden! Der Fleischer gewann 1062 Lire. Wenn er weniger kleingläubig gewesen wäre, hätte er heute ein reicher Mann sein können! Belohnte Schaumschlägerei. . (v) Budapest. Daß man auch durch Schaumschlägerei fein Glück machen kann, beweist die Schilderung eines Vorfalles, die kürzlich in der ungarischen Hauptstadt die Runde machte. Der Budapester Friseur Geza Simon nämlich erhielt den Besuch eines ihm völlig unbekannten Notars, der ihm, während er gerade einen seiner Kunden einseifte, mitteilte, daß einer feiner soeben gestorbenen Klienten ihn, den Friseur, zum Alleinerben eingesetzt habe. In diesem Testament heiße es: „In meinem ganzen Leben bin ich nur Menschen begegnet, die mir Böses antaten. Alle haben mich geschädigt, beleidigt, betrogen und moralisch geöemütigt. Einzig und allein mein alter Friseur Geza Simon hat mir, obwohl er mir stets mit dem Messer in der Hand gegenübertrat, nichts Böses angetan, hat mich während dreißig Jahren immer aufs freundschaftlichste und zarteste behandelt, und er ist mir während dieser langen Zeit stets als ein ehrbarer Mitbürger erschienen. Unter diesem Eindrücke habe ich ihn zum Erden meines gesamten Nachlasses eingesetzt, der aus einem Hause und 20 000 Pengö in bar besteht." Der Friseur Geza Simon konnte vor Rührung über diese Eröffnung nicht weiter arbeiten und schloß für diesen Tag sein Geschäft... Oer Reichssportführer über die Kieler Woche und die Deutschen Kampfspiele. Reichssportführer von Tschammer-Osten sprach vor Pressevertretern über die am Samstag beginnende Kieler Woche und über die Deutschen Kampfspiele, die vom 19. bis 29. Juli in Nürnberg abgehalten werden. Der Reichssportführer wies darauf hin, daß die Deutschen Kampfspiele, in deren Rahmen die Kieler Woche veranstaltet werde, in diesem Jahr einen vollständig veränderten Charakter hätten. Für die Kieler Woche sei es in diesem Jahr möglich gewesen, eine ganz große internationale Beteiligung zu erreichen. Nicht weniger als 14 Nationen würden als Gäste begrüßt werden können, so daß die internationalen Rennen durchaus zufriedenstellend beschickt seien. Außerdem sei eine große Zahl von führenden Ausländern eingeladen worden. 120 von ihnen würden auf dem modernen Dampfer „Rio Conoco" untergebracht werden und Gelegenheit bekommen, mit den führenden Persönlichkeiten Deutschlands während der ganzen Kieler Woche zusammenzukommen. Sie könnten ihre Kenntnis über das neue Reich auch durch persönliche Rücksprachen mit fast sämtlichen Kabinettsmitgliedern ergänzen, die im Laufe der Woche nach Kiel kämen, daneben aber auch mit den Führern der Bewegung, der Arbeitsfront, der SA. und SS. Was die Deutschen Kampfspiele angeht, so wies der Reichssportführer darauf hin, daß sie nicht international seien, sondern das Fest aller Deutschen darstellten. Bei diesen Kampfspielen würden auch die außerhalb der Grenzen wohnenden Deutschen begrüßt werden können. Mit Ausnahme einiger Sportarten — Radfahren in Halle, Tennis in München und Rudern in Mannheim — würden fast alle Meisterschaften in Nürnberg ausgetragen werden, so daß die Deutschen Kampfspiele eine ausgezeichnete lieber» sicht über alle Disziplinen des deutschen Sportes bieten würden. Or. Goebbels stiftet einen Preis für die Kieler Woche. Reichsminister Dr. Goebbels hat für einen internationalen Wettbewerb der Kieler Woche einen Herausforderungspreis gestiftet, der nach zwei- maligem aufeinanderfolgendem Sieg oder nach dreimaligem Sieg außer der Reihe endgültig gewonnen werden kann. Der Preis ist eine Schöpfung des Bildhauers Professor Max B e s e r in Berlin- Zehlendorf. Deutscher Sieg im Studenten-Länderkampf. Sievert fünfmal erfolgreich. Die besten Studenten aus Deutschland, Schweden, Ungarn und Polen standen sich auf dem BSC.» Platz an der Avus in einem Leichtathletik-Länderkampf gegenüber. Frankreich hatte in letzter Stunde abgesagt, so daß nur ein Vierländerkampf zustande« kam. Erwartungsgemäß zeigten sich die deutschen Hochschüler ihren Mitbewerbern in fast allen Uebun- gen überlegen und siegten im Gesamtklassement mit 34V2 Punkten vor Schweden (23/^), Ungarn (17) und Polen (13). Der erfolgreichste Athlet war der deutsche Zehnkampfrekordmann Hans Heinrich S i e» vert, der allein in vier Einzelwettbewerben siegreich war und außerdem den Dreikampf überlegen gewann. Seine Leistungen waren: Kugelstoßen Sprung in den Sommer. Von Siegfried von Vegesack. Den Frühling soll man langsam auf sich zukommen lassen, ihn mit der Zeitlupe betrachten. Da ist jeder Tag eine kleine Prämiere: die erste Primel, die erste Anemone, der erste Krokus. Äom ersten Star und der ersten Schwalbe schon ganz zu schweigen. Deshalb ist der Frühling im Norden so viel schöner, als im Süden: weil er uns täglich mit einem neuen Wunder überrascht, und nicht wie unten, mit allen Dingen zugleich überrumpelt. In den Sommer dagegen soll man mit einem Satz hineinspringen, da kann es nicht schnell genug gehen. Denn der Sommer ist Erfüllung, und wer den Sommer will, der muß in seiner Fülle untertauchen, der muß alle Farben, alle Stimmen, alle Gerüche gleichzeitig in sich aufnehmen. Und da . Farben-Iudustrie Scheide anstatt 50,5 240,5 97,75 43,5 14,9 122 123,5 160 Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz und Privat-Bank . Deutsche Bant und DtSconto- Gesellschaft............... Dresdner Ban! Reichsbauk ...... Schultheis Patzenhoser 0 Aku einen der Kaffeeflasche. Der Steward des Schiffes kommt vorüber, und Fritz versucht sein Glück: „Tag Steward, giww uns man’n Aquavit." Der Steward blinkert vergnügt mit den Augen, drückt dem Schauermann eine Mark in die Hand: „Drink an Land, du Fritz." „Js 'n gauden Kierl," belehrt uns Fritz. „Hei kann man nich so, as hei wol will. Hei kennt uns ja gaud, weil wir immer an Bord sind, nid). Sie sind wohl kein Hamborger? Ich bin ja auch kein, ich bin ja Sweizer, seggt min Modder, ick heww man bloß noch kein Berg seh'n... Tja — nu mok wi fiftein. (Pause). Der Dampfer geht gleich weiter, da sollen wir Mais übernehmen von einem Transatlanter." Inzwischen kommt der Kapitän und verlangt von mir als dem einzigen Passagier des Frachtdampfers meinen Paß, denn eben klettert die Hafenpolizei über das Fallreep an Bord. Nicht lange, und der Schleppdampfer bugsiert uns durch den Hafen, da schon die Bullaugen und Bordlichter der Schiffe aus aller Herren Länder durch das halbe Licht schimmern. Mit besonderer Genehmigung des Hafenmeisters darf der „Kong Halfdan" bei vorgerückter Stunde, kurz vor Schluß des Frachtbetriebes, zwischen zwei mächtigen Trans- atlantern festmachen, die schmale Bucht für eine Stunde sperrend. Linker Hand liegt die mächtige „Holsatia". Das Schiss überragt uns mit zwei hohen Stockwerken. Es ist „aufgesetzt", befindet sid) nicht auf Fahrt, sei es, daß geeignete Fracht fehlt oder daß das alte Fahrzeug in Dock gebracht und, restauriert oder gar abgewrackt, ins „alte Eisen" geschickt werden soll. Rechter Hand harrt der riesige Süd-Amerikafahrer, unser, der uns 200 Tonnen Mais abgeben soll. Zwischen den Schiffen ragt auf einem schwimenden Quai der mächtige „Elevator", ein Rieseninsekt mit vielfach gewickelten Eisenqliedern, das spinnenartig den Bauch, das Motorhaus, in der Mitte trägt. Ein plumper Rüssel oder Legestachel hängt herab, hoch aus dem Gehäuse empor und abwärts in das größere Schiff gesenkt, greifen zwei dünnere, schlauchartige Fühler. Mit Signal, Geschrei und Winschengeras- sel wird der Rüssel in die Luke unseres Schiffes gerichtet Der Motor im Bauch des Insektes arbeitet Zwanzig Sekunden Pause und schon rauscht, in der automatischen Waage inzwischen genau gewogen, der goldene Maisstrom herab, prallt gegen eine Bretterschiene, an Stricken in der Luke schwebend, an und wird ins Innere des Schiffsrumpfes gelenkt. Je zwei Tonnen laßt em Hebeldruck durch ungeheure Saugkraft durch die Schlauche ziehen, wiegen und hemiederstromen, 150 Tonnen, iaa sind BMP Doo«n de- b'inde D-" bei handelt es sich noch um einen mittleren Elevator, während der große Typ das Doppelte bewältigt. Saugend und speiend, zitternd vor Kraft, stellt das stählerne Reptil ein gigantisches Symbol des ewigen Verdaunungsprozesses dar, ein mechanisches Beispiel für die herrliche Gefräßigkeit des Lebens. Unten, an der Mündung des goldenen Hagels, in Mais und Schweiß, um ihr Leben schaufelnd, stehen Fritz und seine Genossen. Der weiße Staub der Hülsenfasern fliegt in der Luft. Zum letzten Male faucht das Reptil. Die Schauermänner kriechen todmüde, aus Seitenluken halb emporgezogen, hervor, wickeln Seil und Lumpen von den Fußgelenken, werfen sie über Bord, bergen Leinen- käppchen in der Rocktasche, bürsten die Schuhe mit dem Bordbesen. „Tjä, min Herr", klagt der Schweizer. „Da steht man nun mitten in dem goldenen Ueberfluß. Aber noch kein ein Pfund Mais oder Kaffee kann man smuggeln. Die Polizei paßt bannig auf. Einmal habe ich 28 Mark Geldstrafe gezahlt, da halt' ich mir eine „Diebesnaht" gemacht, das ist eine Naht in dem Futtersack, längs, wissen Sie, und dann gefüllt und um den Bauch, wie so eine doppelte Wurst... aber mich haben sie dabei gekriegt. Ich hab' kein Glück. Mein Freund Hein, Der erst drei Wochen im Hafen ist, der fmuggelt und hat Glück, obwohl ich in die Beziehung eigentlich viel kultivierter fein müßte, von wegen die Erfahrung, nich?" Die letzte Tonne saust hernieder. Die Schauermänner klopfen ihre Mützen aus, die Luke wird gedichtet. Wieder stampft der Schlepper vor uns her. Die dicke Rauchwolke verhüllt ab und zu feine Bordlichter, die Stahltrosse vom Bug unseres Bootes zittert ins Dunkel hinaus, dem offenen Meere zu. Zeitschriften — Als Gegenstück zu dem im März-Hest veröffentlichen erschütternden Bilderdokument über den Verfall einer erbkranken Familie bringt das Juni- Heft der Monatsschrift „Neues V o l k", Blätter des Raffepolitischen Amtes der NSDAP., einen ausführlichen Bildbericht aus dem Stammbuch einer erbgejunben Familie. Er zeigt uns, wie Erbgesund- heit, Lauterkeit unb Tüchtigkeit durch sieben Generationen hindurch Träger des Aufstiegs der Familie sind, daß Erbgesundheit und Kinderreichtum zugleich die Voraussetzungen bilden, der Volksgemeinschaft tüchtige, wertvolle Männer und Frauen zu schenken. Ein reizvoll bebilderter Aufsatz „Taufe auf Helgoland" leitet über zu dem weiteren wertvollen Jn- hatt des He^te«. aus dem wir die Aufsätze „Krämergeist in der Ehe", „Wert der Rasse", „Mensch und Sport", „Kind und Frau" hervorheben. Wie immer, bringt auch das Juni-Heft prächtige Abbildungen. (Verlag „Neues Volk", Berlin &W 19). Das Organ des Reichsausschusses für Volksgesundheitsdienst und der Deutschen Gesellschaft für Ras- senhygiene „Volk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW) enthält u. a. die Rede von Ministerialdirektor Dr. G ü t t auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Raffenhygiene, in der er den Weg zu neuem, wertvollen Bevölkerungszuwachs Deutschlands durch Förderung der gesunden Familien und durch rassenhygienische Erziehung der Jugend zeigt. Privatdozent Dr. H. F. Krallinger führt in seiner Arbeit „Die Erbträger des Menschen und seiner Haustiere" zum erstenmal die Ergebnisse der Zellen- und Samenteilung an Säugetieren und Menschen vor. Die Arbeit N. Wetekams über „Beziehungen zwischen Sterblichkeit und Geschlecht" ist begründet auf seinen Forschungen in dem niedersächsischen Dorf Vasbeck, das durch Jahrhunderte feine Eigenart und alten Geschlechter bewahrt hat. Professor Tirala erklärt an biologischen Beispielen die Nachteile der „Ras- senmischuna". Dr. med. Leonhardt klärt die Frage „Deutsche Rasse ober Nordische Rasse im deutschen Volk". Kleinere Beiträge aus Nassenhygiene unb Bevölkerungspolitik beschließen die Reihe anregender Aufsätze. — Der große zeitgenössische Komponist, Richard Strauß, dessen letztes, 1933 uraufgeführtes Werk „Arabella" über alle großen deutschen Bühnen ging, und der jetzt an einer neuen Oper „Die schweigende Frau" arbeitet, erfährt im neuen Heft der Illustrirten Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) anläßlich seines 70. Geburtstages, eine eingehende Würdigung. Johannes Reichelt spricht in einem interessant und vielseitig bebilderten Artikel über den Künstler und Menschen Richard Strauß. Zu den Werken des Meisters hat Professor Alois Kolb Radierungen geschaffen, die Straußsche Musik in das Bild umsetzen. Auch von der ersten Reichs-Theater-Woche in Dresden bringt die Nummer Zeichnungen aus der dort aufgeführten Oper „Julius Caesar". — Die Bildreportage „Gelehrter und Staatsmann" gibt eine anschauliche Darstellung vom Leben des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Professor T. G. Masaryk. OodifdiulnochrichterL Professor Dr. Alfred Schittenhelm, Drbina- rius für innere Medizin an der Universität Kiel, hat einen Ruf an die Universität München angenommen. unermüdliche Sammlertätigkeit große Werk voran, so daß ein unschätzbarem Werte geschaffen Max Buchner der ratende und Gießen, der eine entfaltete, kam das Kulturdenkmal von werden konnte. Immer blieb Dr. stellte einen dem obigen Urteil entsprechenden An- trag. Gegen den Karl Bauden aus Trier wurde das wegen Spionageverdacht und Herabwürdigung der deutschen Verhältnisse eröffneten Verfahren zwecks Anstellung weiterer Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft abgesetzt. Da ein Angeklagter nicht erschien, wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen. „Kampf der Gefahr!" Ein Vortrag über Städtische Verkehrsregeln. mit Verständigkeit und Herzensgüte, verborgene Kräfte zu wecken und anzuregen verstanden. So dankt ihm die Universitätsstadt Gießen die Erhaltung eines ihrer berühmtesten Prunkstücke, Deutschland aber eines der wertvollsten Kulturdenkmäler. „Der Krieg hat uns Haushalten gelehrt! Die Chemie ist darin Meisterin, so daß sie vom volkswirtschaftlichen nicht weniger als vom ideellen Standpunkt aus gepflegt werden müßte, denn sie führt in die großen Geheimnisse der Natur ein, sie regt die Phantasie mächtig an, schärft die Beobachtung und erfüllt die Seele mit einer heiligen Stimmung", so schreibt, er einmal in seiner weitschauenden Art, als sollte es eine Mahnung gerade für unsere heutigen Tage sein. So sei sein unermüdliches Bestreben, mit der Erhaltung des Liebig- Laboratoriums in Gießen die großen Kulturaufgaben des Friedens zu fördern, wertvolles Vermächtnis und heilige Verpflichtung. H. K. Reichsbund Volkstum und Heimat. Unsere Mitglieder werden zu reger Beteiligung am Schiffenberger Heimattag am 17. Juni herzlichst eingeladen. Näheres im Anzeigenteil. Im Cafä Leib fand gestern abend auf Einladung der NSV. - Abteilung „Schadenoerhütung" ein Schulungsabend statt, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag über „Städtische Verkehrsregeln" stand. Der Redner des Abends, Polizeiinspektor Kröt- z i n g, führte u. a. aus: „Kampf dem Verkehrsunfall" laute die Parole. Warum diese Parole? Die Entwicklung der Technik habe eine ungeheure Steigerung des Verkehrs mit sich gebracht. Allenthalben seien neue Probleme aufgetaucht und die Motorisierung des Straßenverkehrs habe Fragen von weittragender Bedeutung heraufgerufen. Der rasche Verkehr sei nicht nur zu einer staatlichen, sondern vor allem zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Deshalb habe der Verkehr auch alle Förderung erfahren müssen. Der Führer Adolf Hitler habe die weittragende Bedeutung des motorisierten Verkehrs erkannt und dementsprechende Maßnahmen getroffen. Den Vorsprung, den das Ausland hinsichtlich des Straßenverkehrs habe, müßten wir aufzuholen bemüht sein. Die Gefahren, die mit der Steigerung des Verkehrs verbunden seien, dürften aber nicht Anlaß sein, die weitere Entwicklung des Verkehrs zu behindern, die Gefahren müßten vielmehr ausgeschaltet werden und zwar durch die Mitwirkung aller Beteiligten. Das Ziel sei auch hier der Schuh der Volksgemeinschaft. Es stehe fest, daß 95 v. H. aller Verkehrsunfälle auf Fehler der Menschen zurückzuführen seien und nur etwa 5 -o. H. der Unglückfälle einer höheren Gewalt zugeschrieben werden könnten. In seinen weiteren Ausführungen, zu denen der Redner auch eine große Anzahl von sehr einprägsamen Lichtbildern zeigte, beschäftigte er sich mit den verschiedensten Verkehrssünden. Wenn ein Unfall passiert sei, dann beschuldigte stets einer den anderen. Wichtig sei es vor allem, Erziehungsarbeit an sich selbst zu leisten. Denn sie diene nicht allein dem eigenen Wohl, sondern auch dem Wohl der Mitmenschen. Die Aufklärung, die die Verkehrserziehungswoche vermitteln wolle, gehe alle Gruppen der am Verkehr Beteiligten an. Wenn jeder Erziehung an sich selbst übt, dann werde es eines Tages auch möglich fein, die ungeheure Anzahl der Verkehrsunfälle wesentlich zu beschränken. Noch fordere der Verkehr jährlich fast 10 000 Tote und mehrere hunderttausend Verletzte. Der Schaden, der durch Verkehrsunfälle jähr- unterstützende Helfer. Längst hatte er sich in eine führende Stellung (in Norwegen) hinaufgearbeitet, aber sein ganzes Sinnen und Trachten galt der Förderung der Chemie im deutschen Volke und der Heranbildung tüchtiger Chemiker, „damit", wie er 1918 schrieb, „die Tüchtigsten aus dem deutschen Volke, das wie kein anderes Volk für die Chemie begabt ist, die ihnen von der Natur gegebene Befähigung des Forschens und Erfindens zum Nutzen des Vaterlandes und zum Nutzen unserer deutschen Kultur im kommenden Frieden entwickeln und ausnützen und der deutschen Volkswirtschaft neue Werte schaffen können". Mit der Tat ging er voran, gründete die Gesellschaft für chemische Apparate und Maschinen (Dechema) und darauf die „Achema", die Ausstellung chemischer Apparate, die sich zu einer der glänzendsten Schauen deutschen Erfinder- und Technikergeistes entwickelte. Trotz seiner vielen Arbeit kam Direktor Dr. phil. Buchner, dessen erfolgreiche Arbeit durch die Verleihung des Titels eines Dr.- Jng. ehrenhalber verdiente Anerkennung gefunden hatte, gern nach Gießen zur früheren Arbeitsstätte seines großen Meisters, den er als schöpferischen Geist und Forscher von Gottes Gnaden verehrte. Jetzt hat ein Höherer seinem arbeitsreichen Vorwärtsdrängen ein Ziel gefetzt. Nicht nur der Wissenschaft und Technik hat er bahnbrechende Fortschritte aufzeigen können, sondern auch durch sprühenden Gedankenflug und großen Ideenreichtum, gepaart Aus her Provinzialhauptstadt. Or. Max Buchner Hannover f * Erinnerungen an den Gründer des Llebig-TIluseums. „Fortschritt finden", das war das Motto des ebenso rastlosen wie immerwährend grübelnden Forschers und Praktikers Max Buchner, der jetzt kurz vor Vollendung seines 68. Lebensjahres in Hannover gestorben ist. Bei aller Bescheidenheit, die den stets freundlichen und liebenswürdigen Süddeutschen auszeichnete, verfolgte er mit unbändigem Arbeitseifer zäh und ausdauernd sein einmal gestecktes Ziel und die Erfolge blieben nicht aus. Dieses heitere Gemüt war sicher ein Erbaut seiner schönen bayerischen Heimat, der altehrwürdigen Bischofsstadt Bamberg und der forschende, grübelnde Sinn mag ihm, der einer Buchhändlerfamilie entstammte, ebenso im Blute gelegen haben. Frühzeitig fühlte er sich zu den Naturwissenschaften hingezogen. Nach seinen Studien auf der Technischen Hochschule in München und der Universität Würzburg wurde er zunächst Verlagsbuchhändler in dem bekannten C. C. Buchnerschen Verlag in Bamberg, dessen Teilhaber er wurde. Seinen Neigungen und seinem Temperament entsprach dieses stille Nachgehen nach der Wissenschaft nicht, er wollte selber tätig den Dingen auf den Grund dringen. „Die Welt muß erarbeitet sein", war sein Ausspruch. So studierte er noch Chemie und trat 1898 bei der Chemischen Fabrik Boehringer (Mannheim-Waldhof) ein. Er erkannte wie kein anderer das revolutionierende Prinzip der von Justus von Liebig geschaffenen Chemie in allen seinen Möglichkeiten für Landwirtschaft, Technik und Volkswirtschaft. Seines Meisters Liebig Worte: „Wissenschaft und Industrie bilden heutzutage eine Macht, die von Hinoernissen nichts weiß, die er in seinem elften chemischen Brief ausgesprochen hatte, blieben ihm tief eingeprägt und er war sich darüber klar, daß auch die Zukunft noch unter Liebigs Einfluß stehen würde. So ging der Abteilungsvorstand der Chemischen Boehringer-Werke daran, den Plan der Erhaltung der ehrwürdigen Arbeitsstätte des größten aller deutschen Chemiker zu verwirklichen. Vor jetzt 25 Jahren, Ende des Jahres 1909, gelang es Buchner, einen Arbeitsausschuß gu bilden, der Anfang 1910 „einen Aufruf zur Erhaltung des alten Gießener Liebig-Laboratoriums" an die Männer der deutschen chemischen Wissenschaft und Technik richtete, der auch Erfolg hatte. Bereits am 27. Juli 1911 konnte die „Gesellschaft Liebig-Museum" mit dem Sitz in Gießen gegründet werden, die ihre Aufgabe in der Erhaltung und Erwerbung, sowie der Wiederherstellung des Liebig-Laboratoriums und der Errichtung eines Liebigmuseums in seinen Räumen sah. Das Protektorat übernahm der.Großherzog von Hessen. Durch die in hochherziger Weise gestifteten Summen durch Geh. Medizinalrat E. Merck in Darmstadt konnte das Gebäude erworben werden. Dank der außerordentlichen Mühe und Hingabe des Geh. Medizinalrats Prof. Dr. R. Sommer in lich entstehe, belaufe sich auf jährlich nahezu 2,5 Milliarden. In der Verkehrserziehung müsse vor allem der Hebel an der Jugend angesetzt werden. Die Erkenntnis der Gefahr und der gute Wille allein genügten nicht immer, es müsse in jedem Falle Verkehrsdisziplin gewahrt werden. Jeder Einzelne habe in dieser Hinsicht Pflichten der Allgemeinheit gegenüber. Wer einmal durch fahrlässiges handeln einen Verkehrsunfall veranlaßt habe, der vielleicht sogar zum Tode eines der Beteiligten geführt habe, werde sein ganzes Leben lang darunter leiden, ganz abgesehen von der zu gewärtigenden Freiheitsstrafe. Jeder Fußgänger müsse über die Verkehrsregeln unterrichtet sein, jeder Lenker irgendeines Fahrzeuges müsse die einschlägigen Verkehrsbestimmungen genau kennen. In seinen weiteren Ausführungen gab der Redner, unterstützt durch sehr klare Lichtbilder, einen Ueberblick über die wichtigsten Bestimmungen und jene Regeln des Verkehrs, gegen die am meisten verstoßen wird. Er schilderte im einzelnen das Verhalten des Fußgängers auf dem Gehsteig, auf der Fahrbahn, bei dem Ueberschreiten von Plätzen und Straßen usw. Er kennzeichnete ferner das Verhalten des Fußgängers dem Fahrzeug gegenüber und gab so einen vollkommenen Ueberblick über die vielen Möglichkeiten, einen Unfall von vornherein zu verhindern. Nicht weniger eingehend beschäftigte sich der Vortragende amchmtt den Verkehrsregeln, die der Radfahrer, der Motorradfahrer, der Kraftwagenführer und der Fuhwerkslenker zu beachten haben. So hörte man von den Regeln des Ueberholens, des Ausweichens, des Haltens und Anhaltens, und allen den Pflichten, die ein verantwortungsbewußter Fahrzeugführer zu erfüllen hat. Zum Schluß erläuterte der Redner noch die vielen Zeichen und Schilder, die der Verkehrsregelung dienen. Der vielseitige interessante Vortrag wurde mit ungeteiltem Interesse verfolgt. Der Redner fand dankbaren Beifall. Mit der Aufforderung, die Anregungen des Abends hinauszutragen in alle Bevölkerungskreise und mit der Bitte für die Verbreitung des Heftchens „Kampf dem Verkehrsunfall", das jeder Volksgenosse besitzen müsse, Sorge zu tragen, fand der Schulungsabend seinen Abschluß. Mit einem dreifachen „Sieg- Heil!" gedachte man des Führers* Adolf Hitler. Aus parteiamtlichen Bekanntmachungm Die Ortsgruppe Gießen-Ost hält am Freitag, 22. Juni, 20.30 Uhr, in Verbindung mit der Ortsgruppe Gießen-Nord im Caf6 Leib ihre Mitgliederversammlung ab. Die NS. - Frauenschaft teilt mit, daß jeden Freitag nachmittag in der Nähstube, Alte Klinik, Liebigstraße, von 3 bis 5 Uhr, Näharbeiten zum unentgeltlichen Nähen ausgegeben werden. Die Mitarbeit ist den Mitgliedern zur Pflicht gemacht. Nationalsozialistischer Buni) deutscher Technik (NGBOT.) (Früher KDAJ., Bezlrksleikung Gießen.) Die Auflösung des KDAJ. und Umgestaltung desselben in den NS.-Bund Deutscher Technik (NSBDT.) erfordert eine grundlegende Neugestaltung der Organisation, die einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Bis dahin bleibt die Gliederung des bisherigen KDAJ. unverändert bestehen, die Zahlung der Beiträge hat an das Postscheckkonto 6469 Frankfurt a. M., KDAJ.-Bezirksleitung Gießen, wie bisher zu erfolgen, solange keine anderen Weisungen ergehen. Der nächste Schulungsabend findet am Mittwoch, 20. Juni, 18.30 Uhr, im Caf6 Ebel, Burggraben, statt. Es spricht entweder der Kreisschulungsleiter Pg. Michel oder der Kreispropagandaleiter Pg. Schmelz über ein Thema aus der Vorzeit des deutschen Volkes. Die Teilnahme an diesem Schulungsabend ist Pflicht für alle KDAJ.-Mitglieder des Bezirks Gießen, soweit sie sich an diesem Abend in Gießen befinden. Gäste sind, wie immer, willkommen! gez. Kurz, Bezirksleiter. Vertagung der Stadtratssihung. Die auf gestern nachmittag anberaumte öffentliche Sitzung des Stadtrats mußte wegen Beschlußunfähigkeit — einige Mitglieder der Fraktion waren durch anderweitige Inanspruchnahme am Erscheinen verhindert — ausfallen. Die Erledigung der Tagesordnung wurde auf später vertagt. Oie Auszahlung der Oienstbezüge in Hessen. Der Hessische Staatsmini st er teilt in einem Erlaß an die unterstellten Behörden u. a. mit, daß vom Monat Juni 1934 an die Dienstbezüge der Beamten und Staatsdienstanwärter sowie die Der- sorgungsbezüge der Wartestandsbeamten, Ruhegehaltsempfänger und Hinterbliebenen von Beamten Mitte des Monats fürden laufenden Monat gezahlt werden. Für den Monat Juni 1934 erfolgt also Zahlung am 15. Juni. Die Zahlung der Bezüge der Angestellten und der Kanzlei- und Bureaugehilfen erfolgt jeweils am 25. eines jeden Monats. Fällt dieser Tag auf einen Sonntag, so ist der vorhergehende Werktag Zahltag. Echwerkriegsbeschädigtenfahrt nach Gladenbach. Das NSKK. veranstaltet am kommenden Sonntag, 17. Juni, in Gemeinschaft mit dem DDAC. eine Schwerkriegsbeschädigtenfahrt nach Gladenbach. Für diese Fahrt wurden nicht weniger denn 70 Kraftwagen zur Verfügung gestellt, so daß etwa 200 Kriegsbeschädigten Gelegenheit gegeben ist, die Reise mitzumachen. Die stattliche Wagenkolonne wird sich um 12.30 Uhr nach der Aufstellung der Wagen auf Oswaldsgarten in Bewegung setzen und über Rodheim, Fellingshausen, die „Eiserne Hand", Frankenbach und Erdhausen nach Gladenbach fahren. Die Schwerkriegsbeschädigten lernen auf dieser Fahrt ein präcktiges Stückchen deutscher Heimat kennen. Die SA., die NS.-Frauenschaft und der DdM. in Gladenbach treffen bereits die Vorbereitungen für die Aufnahme der Gäste. Die NS.-Frauenschaft und der DdM. haben die Bewirtung der Schwerkriegsbeschädigten mit Kaffee und Kuchen übernommen; die Ortsgruppenleitung, die Behörden und die SA.-Führung werden durch ihre Anwesenheit ihre Verbundenheit mit der Frontgeneration be- Was mein einst war Vornan von Klothilde von (Sfegmann: Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) 5 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Viertes Kapitel. Das Zimermädchen Christa, das allmorgendlich die unteren Wohnzimmer aufzuräumen hatte, kam mit Besen und Wedel in das Herrenzimmer. Da prallte sie zurück — wahrhaftig da faß der Herr Baron noch immer über seinen Büchern, und die elektrische Lampe auf dem Tisch brannte am hellen Tage. Erschrocken wollte sich Christa wieder zurückziehen, schon schlich sie auf den Fußspitzen zur Tür, wandte sich noch einmal um, da ging es ihr wie ein Grauen über oen Rücken — der Herr Baron laß in einer so komischen Haltung am Schreibtisch, so zusammengesunken. Und ehe sie es noch richttg ausdenken konnte, brach ein schriller Schrei aus der Kehle des Mädchens. Es rannte, immer schreiend, die Treppe hinunter in die Halle, wo der alte Kersten gerade dabei war, die Teppiche mit dem Staubsauger zu reinigen. Er warf den Staubsauger mit einer erschreckten Bewegung hin. Was war geschehen, daß Christa stolpernd und schreiend die Treppen hinunterrannte? „Der Herr, der Herr", schrillte Christas Stimme. Sie fiel dem alten Kersten fast in die Arme. Der stieß sie rücksichtslos beiseite. So schnell seine zitternden Beine ihn tragen konnten, rannte er die Treppe von der Halle hinauf ins Herrenzimmer. Indes lief Christa, immer sinnlos schreiend, weiter, hinunter in die Küche und alarmierte mit ihrem Angstgeschrei das ganze Haus. Nur Edele, die mit Miß Fenton, ihrer Engländerin, in einem Seitentrakt des Schlosses wohnte, hörte nichts. Als die ausgescheuchte Dienerschaft aus der schreienden Christa endlich ein paar Worte herausbekommen konnte, da ging Entsetzen über aller Mienen. Alles, was in der Küche versammelt war, rannte gleichfalls durch die Halle dem alten Kersten nach, hinauf zum Herrenzimmer. Da hielten sie den Schritt an und schwiegen erschüttert. Dor dem Schreibtischstuhl kniete schluchzend der alte Kersten und hielt die Hand seines toten Herrn. * Eine Stunde später jagte das Auto der Polizeibehörde aus der Kreisstadt in den weiten Hof von Swanebloe. Edele, die es kommen sah, ahnte den Zweck nicht. Mann hatte ihr vorläufig noch verbergen können, was für eine Tragödie sich auf dem Schloß Swanebloe abgespielt hatte. Der Vater hätte wichtigen Geschäftsbefuch!, hatte ihr Miß Fenton mit mühsam beherrschtem Gesicht getagt, und da so schönes Wetter wäre, wolle man sogleich eine Schlittenfahrt nach der Försterei von Swanebloe unternehmen und das Lernen auf den anderen Tag verschieben. Jauchzend war Edele aus dem Bett gesprungen und begriff nicht, wieso Miß Fenton, die sonst so Strenge, jetzt so nachsichtig war. Aber sie machte ich keine Gedanken darüber. Gerade als die Herren )er Polizei in den Hof fuhren, lenkte auch der chwarz lackierte Schlitten mit Edele und Miß Fenton aus dem Schloßhofe. Mit tränenblinden Augen sah der alte Kersten dem Schlitten nach. Er sah noch einmal Edeles lachendes, blühendes Kindergesicht, dann ging er schleppenden Schrittes, um der Gerichtskommission zu öffnen. Nach ein paar Tagen war alles vorbei. Die Untersuchungen der Behörden waren beendet, das Gutachten des Distriktsarztes erstattet: Herzschlag stand als Todesursache auf dem Totenschein — die Untersuchung hatte nichts anderes ergeben. Es war ja auch sehr wahrscheinlich, daß die vielen Aufregungen der letzten Zeit den Baron plötzlich gefällt hatten. * Alles war vorbei. Das Begräbnis wurde still begangen. Nur wenige Menschen folgten dem Sarge. Denn seit der Baron sein wüstes Spielerleben geführt hatte, waren fast alle die alten Freunde aus der Umgebung wie aus der Stadt ferngeblieben. Schluchzend ging Edele zwischen dem Geistlichen und ihrer englischen Erzieherin dem Sarge nach. Aus dem schwarzen Mantel und unter dem schwarzen Hut sah das süße Gesicht plötzlich gereift und erwachsen aus. Als Edele nach der Beerdigung ins Schloß zurückkehrte, wartete in dem Salon em fremder, steifer Herr auf sie — es war der Vormundschaftsrichter der Stadt. ./Mein Beileid!" sagte er und gab ihr eine kalte, gleichgültige Hand. Edele schluchzt« leise auf — und der Beamte ließ ihr kaum Zeit, sich zu fassen. Er sagte geschäftsmäßig: „Bitte, sehen Sie sich, Fräulein Edele! Ich habe Über Ihre Zukunft mit Ihnen zu sprechen. Leider wäre sie recht trübe, wenn sich nicht ein Wohltäter gefunden hätte, der noch ungenannt bleiben und der für Sie sorgen will. Er will für Ihre weitere Erziehung Sorge tragen, do ja Ihr Vater nichts an Vermögen für Sie hinterlassen hat, und auch das Schloß überschuldet ist. Sie werden also in einer Pension in England bis zu Ihrem siebzehnten Jahre, erzogen werden; die dazu nötigen Gelder sollen regelmäßig übersandt werden. Der betreffende Wohl- toter knüpft nur eine Bedingung daran — daß Sie morgen schon abreifen." "Morgen schon!" flüsterte Edele. „Darf ich nicht wenigstens noch ein paar Tage — ich möchte doch Abschied nehmen können, von dem Grab und von allem hier, und von —" Sie sprach nicht weiter, und ein heißer Tränenstrom floß über ihr schmal und blaß gewordenes Gesichtchen. Der Vormundschaftsrichter räusperte sich ungeduldig. „Es ist so bestimmt worden, und Sie werden sich fügen müssen. Je eher Sie die Trennung vollziehen, um so weniger schmerzlich ist es für Sie. Sie können hier doch nicht allein bleiben — kurz unb gut, es ist schon so das Beste." Hilfeflehend sah Edele den Richter an: "Darf ich denn wenigstens noch einmal in die Stadt hineinfahren, meinem Jugendfreunde Malte Blomberg Lebewohl sagen?" „Ich bebaure, bas nicht zugeben zu können", war bie ungebulbige Antwort bes Beamten. „Ihr Gönner verlangt strikt, baß Sie sofort aus biefcr Umgebung hier herauskommen. Sie müssen sich schon nach seinen Wünschen richten, Fräulein Ebele, benn er ist ber einzige Mensch auf ber Welt, ber für Ihre Zukunft sorgen kann. Sie müssen sich zusammennehmen; man erwartet von Ihnen, baß Sie sich in bas Unvermeibliche fügen." Mit bleichem, trübem Gesicht war Malte von ber Beerdigung bes Barons zurückgekommen. Auf seine flehentlichen Bitten hatte ber Vater ihn mitgenommen zu bem Leichenbegängnis — scheu und blaß hatte er hinten in der kleinen Trauerversammlung gestanden. Kaum hatte er gewagt, an Edele heranzugehen, die in dem schwarzen Kleid und Mantel so fremd, so verändert war. Wie gern, wie gern hätte er ihr ein Wort gesagt! Mehr gesagt als dies kurze Beileidswort. Bitter stieg es in ihm auf: Wäre er nur älter, nur ein paar Jahre — dann würde er neben Edele stehen, sie schützen können vor allem Kummer der Welt. So aber war er noch ein Knabe — und konnte nichts tun. Daheim in seinem Zimmer stand das kleine Spielwerk, das er in sinnloser Eifersucht zerschlagen hatte. In mühsam heimlichen Abendstunden hatte er es wieder in Ordnung gebracht — und immer auf eine Gelegenheit gewartet, es Edele zu geben. Nun stand sie fern von ihm, und das kleine Kunstwerk war fertig, aber er sah keine Möglichkeit, Edele zu erreichen. Am Abend der Beerdigung war er in das Zimmer des Vaters gekommen, der, wie immer, in feinen Schriften vergraben faß. Aber als er das bleiche Gesicht feines Sohnes sah, legte Doktor Blomberg die Akten beiseite: „Nun, mein Junge — was führt dich zu mir?" „Eine Frage, Vater! Darf ich immer noch nicht, darf ich auch jetzt noch nicht hinaus nach Swanebloe zu Edele?" „Warum fragst du?" „Weil ich auch ohne deine Erlaubnis hinausfahren mühte, jetzt, wo Edele solch schweren Kummer hat." Doktor Matthias Blomberg sah mit heimlichem Wohlgefallen auf seinen Jungen — auf fein entschlossenes und dabei bescheidenes Gesicht. Das war Blut von seinem Blut. Man konnte ihm vertrauen. Statt einer Antwort winkte er seinen Sohn neben sich: „Setz dich einmal her zu mir, mein Junge, unb laß uns wie Männer miteinander reden. Was glaubst du wohl, warum ich das Verbot deiner Freundschaft mit der kleinen Komtesse Edele aussprechen mußte?" „Ich weiß es nicht, Vater!" „Hör' mich an, mein Junge! Ich habe sehr wohl gefühlt, was ich dir mit diesem Verbot antat — und daß du vielleicht innerlich gegen mich rebelliert hast. Es ist ja auch schwer für einen jungen Menschen, ein Gebot hinzunehmen, ohne daß ihm die Gründe einleuchten. Daß du es getan hast, zeigt mir, daß du mir vertraust. Das macht mich froh, mein Junge, denn ohne Vertrauen geht es zwischen Eltern und Kindern nicht. Jetzt kann ich dir die Gründe nennen, aus denen mir auf die Dauer ein näherer Verkehr zwischen uns und den Bewohnern von Swanebloe nicht richtig erschien. Jetzt, wo der Baron tot ist, darf ich sprechen. Auf Swanebloe, mein Junge, ging es in den letzten Jahren seit dem Tode der Baronin nicht mehr zu, wie es in einem Edelmannshause zugehen muß. Auf Einzelheiten will ich nicht eingehen. Es wird dir genügen, wenn ich dir sage, daß der Baron in der letzten Zeit durch schlechte Gesellschaft und Spiel in große Schwierigkeiten gekommen ist. Ich habe ihm mehrfach geholfen, aber das letztemal mußte ich ihm seine Bitte abschlagen. Er war ruiniert, und jeder, der ihm noch zu Hilfe gekommen, wäre in diesen Strudel mit hineingezogen worden. Es gab harte Worte zwischen uns, die ich jetzt bereue. Aber in der Sache selbst habe ich nichts zu bereuen. — Es gibt Grenzen der Hilfsbereitschaft, die man nicht überschreiten darf, will man nicht an sich und seinen Kindern zum Verbrecher werden." „Aber Edele und ich, Vater? Was hat das alles mit mir und Edele zu tun?" Der Vater schwieg. Sollte er seinem Sohne die Wahrheit sagen? Sollte er ihm sagen, was er fürchtete? Daß zwischen Malte und Edele eine Liebe war, kindlich noch, nicht bewußt ihrer selbst — und man fürchten mußte, diese Kinderliebe würde eines Tages in eine andere, heißere Liebe umschlagen? Nein, er wollte den Sohn nicht vor der Zeit zum Bewußtsein dieser Dinge wecken. So antwortete er denn: „Nach dem, was zwischen Edeles Vater und mir vorgefallen, mein Junge, konnte ich dich nicht mehr nach Swanebloe lassen. Der Baron war ein hitziger Mensch. Wer garantiert mir dafür, daß er dich als Sohn eines ihm nun verfeindeten Mannes gut aufnehmen würde? Außerdem, die ganze Erziehung auf Swanebloe gefiel mir schon lange nicht. Edele hat viel, sehr viel von ihrem Vater — und es ist besser, ihr kommt nicht mehr zusammen." (Fortsetzung folgt.) Eierbewirtschaftung anschließen, aber durchaus den auf dem Gebiete der Viehwirtschaft besonders gelagerten Verhältnissen Rechnung tragen. Auch in dem vorliegenden Falle wird von den für die Milch- und Eierbewirtschaftung gebildeten Wirtschaftsbezirken ausgegangen werden. Wirtschaft macht es uns möglich, die Einfuhr von Nahrungsmitteln mit der Eigenerzeugung in ein gesundes Verhältnis und in Einklang zu bringen und marktzerrüttende Wirkungen der Einfuhr auszuschalten. Sie führt uns über den inneren Weg der Ordnung der- Märkte 3ur äußeren Handlungs- freiheit, ein Weg, für dessen Richtigkeit die Entwicklung unserer Wirtschaft in den letzten Wochen und Monaten ein beredtes Zeugnis ablegt. und in sattem braunen Farbton gehalten, steigert den vorzüglichen Eindruck der renovierten Haus- ront. Auch im Innern des Gebäudes, insbesondere der Haupteingang zum Hotel wurde neu hergerichtet und mit einer feinen Holztapete, mit neuen Leuchtkörpern ufro. versehen. Eine völlige Neugestaltung hat der Saal zu ebener Erde erfahren, der ebenfalls ren ^ser des Gießener Anzeigers. tragende Beschickung zu treten haben. Verein?auna ^ir^Erbaltuna h?iiH*Pr 9nn?ie $amit wird einmal der Ausgangspunkt für die Len- b-. bieser Gelegenheit auch ben Schiffenberg, Doma- Bei ber Preisgestaltuna werben b e kweil a^Wirt- Se7en?würbiaLn ^ie°ÄLm ^'ori'ch-n fchastslagl, bk ÄltasÄZlK ^sprachen sich sih^kbknb'L'bX'IchknhL A S°omi "a. a(M?b^nbbk8®X- naÄ ÄE'S?* ,-ugungsgrunblage auft&ajSn, dem Hnkostenver- ** Derlei matt aa^a 5sdewSckiss - „ ^ltnis der gesunden Betriebe Rechnung zu tragen, b°rlb Das^lljahrliche ^mat/est 4 bkmÄfPn- unb freu.', bflrfM ^"rungs- ziehungspunkt bilden. Außer dem Konzert der SA.- r~., , . ?. . ' Reserve-Kapelle, den Darbietungen des Tanzspiel- ^Ndoißhbßwirtschaftung bleibt damit nicht freifes Klein-Linden, sowie der Oberklasse in Watzen-1 ber SMfur des freien Marktes von Angebot born-Steinberg find für den Nachmittag auch Män- überlassen und der dadurch bedingten nerchöre vorgesehen. Gegen Abend wird der Große Preisgestaltung ausgesetzt. Zapfenstreich gespielt. Bei eintretender Dunkelheit *~v ~'e werden Klosterhof und Garten illuminiert. Beim Mit dem gerechten Preis wirb auf biefem Ge- ... biete ber Weg beschritten, bem deutschen Bauern Abbrennen des Sonnenwendfeuers hält Oberforst- wieder die materielle Grundlage, die zu seiner meister Nicolaus die Feuerrede. (Siehe heutige An- Erhaltung und seiner Neubildung im Interesie $ßl** iT u v c» . von Volk und Vaterland notwendig ist. w "HmbauundRenovierung imHotel nohon 9 '' 3 Schütz. Das Hotel Schütz (Besitzer L. K l i n g t e r) . fleDet1, an der Ecke Bahnhofstraße und Horst-Wessel- ®,.e Marktordnung in dieser Form der gebundenen Wall hat eine durchgreifende Renovierung und1 ' - außerdem zum Teil auch einen Umbau erfahren, der sich nicht nur für das Gebäude selbst, sondern auch für den Straßenzug der Bahnhofstraße als recht glücklich erweist. Der linke Flügel des Hotelgebäudes, der bisher mit dem Hauptbau nicht eng genug verbunden erschien, wurde durch eine außerordentlich geschickte architektonische Bearbeitung vollständig mit dem Haus- verbunden, so daß die Front des Hotels nunmehr einen völlig geschlossenen Ein-1 Der Verwirklichung dieser grundlegenden Ge- druck macht. Die Fensterfront des Saales zu ebener danken der Marktordnung gilt die vorliegende Ver- Erde (bisher ^üci große Fenster), hat eine durch- ordnung als erste Etappe auf diesem Gebiet. Sie greifende Aenderung erfahren. Die großen Fenster bietet die Handhabe der Ordnung der Großmärkte wurden durch drei kleinere, harmonisch im Raum mit denen ungefähr ein Drittel der Gesamt-Schlacht- stehende Fenster abgelöst. Die Front des ganzen viehbewirtschaftung erfaßt wird. Hotelbaues wurde außerdem neu hergerichtet und Die Durchführunasmaßnabmen mor= prangt in Hellem Weiß. Eine klare Schrift, plastisch | den sich denen auf bem9 Gebiete der Milch- Lieferung nur durch den anerkannten Fachhandel! Sie Facharbeit des Äationalsozialistischen Lehrerbundes. Don dem Kreisfachschafisleiier Or. Adolph. Oie deutsche Dichtung. Der deutsche Unterricht führt ein in die Welt der Sprache. Die Sprache tritt uns in vielerlei Gestalt entgegen, als alltägliche Unterredung, als sachlicher Berrcht, als geschichtliche Erzählung ... Ihre höchste Steigerung findet sie, abgesehen vom Wort des religiösen und politischen Führers in der Dichtung. Und so steht denn auch das dichterische Werk im Mittelpunkt des deutschen Unterrichts. Dichtung kann man verschieden behandeln. Man hat es früher vorwiegend ästhetisch getan. Man hat die dichterische Schöpfung als selbstzweckliches Kunstwerk betrachtet, das nach Form und Gehalt zerlegt und zu genießerischem Nachempfinden angeboten wurde. Oder man hat sie als Ausdruck der Dichterpersönlichkeit begriffen und deren privates Leben nach allen Seiten hin durchwühlt. Oder man hat sie schließlich in eine allgemeine Geistesgeschichte ein» gereiht und sie aus „objektiven" Zusammenhängen heraus zu deuten gesucht. Alle diese Betrachtungsweisen mögen an ihrem Teil berechtigt sein, aber sie erschöpfen nicht das Wesen der Sache. Uns ist das Dichterwerk mehr: uns ist es vor allem Ausdruck und Zeugnis des hinter ihm stehenden Volksgeistes. Gewiß Hal es der Dichter geschaffen als sein Werk. Aber er selbst kann nur reden, wenn er getragen ist von den Kräften des Volkstums, das durch ihn hindurch spricht und sich feiner gleichsam als Wund bedient. Niemals entsteht große Dichtung, die ins Ewige ragt, ohne diese Verbundenheit mit der volkhaften Tiefe. Asphaltliteraten mögen Virtuosen der Feder sein — ein Werk von Ewigkeitsgehalt bringen sie niemals zustande. Dies vermag nur der mit seinem Volk verbundene und mit seiner Lebensfülle begnadete Dichter. Was verborgen liegt in ahnungsvoller Tiefe, was lebt und webt im Volksgrund und nach Gestaltung drängt: in seinem Werk wird es offenbar, gewinnt es leibhaftige Form, tritt es uns in bildhafter Klarheit entgegen. Und es ist nicht etwa nur das alltägliche, gewöhnliche Leben, das in der Dichtung zu uns spricht. Im dichterischen Werk wirft das Volk ein Sehnsuchtsziel über sich selbst hinaus, treibt es gesteigerte Gestalten ans Licht, setzt es sich ragende Bilder seines Seins. Es ist alles ins Ideale, Typische, Ewig-Bedeutsame hinaufgehoben. So wie die großen Helden sind und handeln, wie sie lieben und leiden, das Schicksal bemeistern und untergehen, wie sie Treue halten bis zuletzt und lieber sterben als Verrat zu üben, wie sie aufglühen in loderndem Unend- lichkeitsdranq und ergriffen sind von bezwingendem Unbedingtheitswillen — so ist es deutsche Art, so sollten wir auch sein, so sollten wir uns bewähren. Ein erhöhtes Schaubild deutschen Wesens leuchtet uns in der Dichtung entgegen, ein Gesetz steht über uns, ein Wille fordert uns. Wir wissen: das beste Teil unseres Wesens hat in der Dichtung Gestalt gewonnen und steht bildhaft verkörpert vor uns. Deshalb find wir im Innersten gepackt, wenn große Dichtung zu uns spricht. Die Kräfte der Seele regen sich. Wir fühlen uns emporgehoben und geschwellt. Wir fühlen uns eins mit dem Lebensstrom des deutschen Geistes. Der Volksgrund hat unseren Seelengrund berührt, wir sind aus der Tiefe her erschüttert, wir sind dem Genius unserer Nation begegnet, der unsere Sehnsucht wachküßt und uns Vollendung verheißt. In der Wirklichkeit ist alles oft so schwach und matt, und wir selbst sind nur Bruchstücke unseres eigentlichen Wollens. Aber in der Dichtung leuchtet uns das Hochbild des deutschen Menschentums entgegen, hebt uns empor in eine höhere Welt und läßt uns Erfüllung ahnen. Das ist wohl £er tiefste Sinn aller „Behandlung" von Dichtungen, daß wir zunächst das Werk selbst sprechen lassen, so wie es ist, daß wir es auch vielleicht aus der Persönlichkeit des Dichters und seinen zeitlichen Bedingungen heraus „erklären", daß wir es jedoch zuletzt begreifen als ein Sinnbild der deutschen Seele, die sich in ihm offenbart und sich selbst über die Schranken der geschichtlichen Begrenzung hinaushebt ins Ewige, Allgemein-gültige, Typische. Gewiß, es werden nur seltene Augenblicke sein, da die Dichtung in dieser Art transparent wird, da die letzten Gründe aufschimmern und der Volksgeist selber zu uns spricht. Aber Größeres kann der Unterricht nicht leisten als dies: zur Ehrfurcht zu erziehen vor der schöpferischen Lebensgewalt und dem über sich hinausweisenden Gastaltungswillen des Volkes, das eingebettet liegt in der Wacht des Ursprungs. Aber ist das deutsche Leben nicht unendlich reich? Hat es sich nicht so mannigfaltig offenbart, daß wir schier versinken im Strome der Bilder und Gesichte? unzählige Gestaltungen sind hervorgestiegen aus dem mütterlichen Schoß, und ihr Reichtum beginnt I uns zu verwirren. Was ist nicht alles Ausdruck der deutschen Seele: das Hildebrandslied und der Heliand, der Minnesang und die Dichtungen des Barock, die idealistischen Schöpfungen der Klassik und die realistischen des modernen Naturalismus. Woran sollen wir uns halten? Zeigt das deutsche Leben nicht eine solche Mannigfaltigkeit, daß wir den Kopf verlieren und in eine uferlose Vielseitigkeit hineingeraten? In der Tat, hier gilt es zu sichten und zu sondern. Wie der Christ, wenn er in innerer Not ist, seine Bibel aufschlägt, aber nicht jede Geschichte liest, die willkürlich an ihn herandrängt, sondern nach den Stellen sucht, die ihm in seiner Anfechtung etwas zu sagen haben, so schlagen auch wir das große Buch der deutschen Geistesgeschichte auf. Aber nicht jedes Blatt ist uns heute gleich wichtig und nicht aus jeder Zeile saugen wir die gleiche Kraft. Wir sind Menschen der Gegenwart und nehmen teil an ihrem Leben. Wir sind in eine Wirklichkeit hineinversetzt, die uns restlos fordert. Wir stehen mitten in dem riesenhaften Geschehen der deutschen Volkswerdung. Und so halten wir uns vornehmlich an diejenigen Zeugnisse der deutschen Vergangenheit, die uns in unserem Kampf um die Selbstgestaltung helfen können, die zu unserem Herzen sprechen, die Bein von unserem Bein und Fleisch von unserem Fleische sind. Die satten und beruhigten Zetten können uns heule nicht viel fein, aber wir strecken uns männlicher, harter, heldischer Dichtung entgegen. Die Epochen, da der deutsche Geist unter dem Gesetz der Fremde stand, sind uns fragwürdig geworden, aber wir fühlen uns erquickt, wo wir den Quell des deutschen Volkslieds sprudeln hören. Mit der Dichtung der Aufklärung können wir nach wie vor nicht viel anfangen, und die pazifistischen Produkte der Nachkriegszeit, die befehlsmäßig in der Schule behandelt wurden, haben jede Bedeutung verloren. Es geht eine große Umschichtung vor sich. Manches, was früher hohen Klang hatte und ewige Geltung beanspruchte, muß heute in den Hintergrund rücken, anderes, das im Dunkel stand, tritt machtvoll hervor. Selbst die Klassik erscheint heute in anderem Licht. Die Ideale der selbständigen Einzelpersönlichkeit, der zeit- und raumlosen Idealität, der kosmopolitischen Schönheitsgeisterei und des Schwärmens für unbedingte Freiheit sind nicht mehr ohne weiteres die unseren. Gewiß wissen wir, daß kein Volk der Erde über derart hohe Werke des Geistes verfügt, wie das deutsche. Aber ob Wsrther noch heute so zu den Herzen der Jungen spricht wie einst zu den unseren, die wir sein schwärmerisches Naturgefühl, seinen Weltschmerz und seinen Liebeskult fast körperlich nachempfinden konnten, erscheint doch recht fraglich. Dom Typ des SA.-Manns gehen kaum noch innere Verbindungen zu jenem sentimentalen Jüngling. Und Wilhelm Meister, dieser Held der ästhetischen Entwicklung, der zwar im Alter noch irgendwie zu Gemeinschaft und nützlicher Arbeit hinfindet — ist er wirklich noch das Vorbild des heutigen Menschen, auch des heutigen Gebildeten? Es scheinen andere Richtkräfte, Waßstäbe und Zielsetzungen zu sein, die heule wirksam werden. Nicht das freie Individuum, sondern die eingeordnele Persönlichkeit, nicht das ins Unendliche geweitete Ich, sondern das Du, nicht die Wenschheit, sondern das Volk, nicht die freischwebende Vernunft, sondern der erdgebundene, blutverhaftete Geist, nicht die harmonische.'Form, sondern die heldische Tat, nicht die entwicklungsträchtige Idee, sondern das Schicksal und Gott. Kurzum: an Stelle eines rein geistigen, von der Schöpferkraft des Ich getragenen Idealismus ein wirklichkeitsnaher und volksverbundener Realismus. Diese Umwertung der Werte muß sich in Auswahl, Behandlung und Beurteilung der Dichtungen auswirken. Man wird hier vielleicht ganz radikale Arbeit leisten müssen. Vielleicht ist es wirklich notwendiger, die Schriften Jahns und Arndts zu lesen als Schillers Briefe über ästhetische Erziehung. Vielleicht lassen sich aus den isländischen Sagen mehr Gegenwartswerte herausholen als aus Tasto. Vielleicht ist es angebrachter, Hans Grimms „Volk ohne Raum" kennenzulernen, als das Käthchen von Heilbronn? Man mag es vom humanistischen Standpunkt aus als bedauerlich empfinden, daß da manches Geistesgut vielleicht unberücksichtigt" bleibt und verschüttet wird. Aber man muß missen, was man will. Man muß wissen, ob man sich mit „objektiver" Geistesgeschichte befassen will, bei der die moderne französische Lyrik genau io beachtet wird wie der russische Roman und die. deutsche „Literatur", oder ob man gegenwartsbezogenes Deutsch treiben will, bei dem es gilt, Bausteine herbeizutragen zum Aufbau des neuen deutschen Menschen, sich das eigene Wollen zu deuten am Sinnbild früherer Zeiten und des Zusammenhangs mit den machtvollsten Gestaltungen der Dorzelt bewußt zu werden. Es geht hier in der Tat nicht nur um methodische, sondern um „existentielle" Entscheidungen. Wir 'wissen: mancher wird stutzig werden. Er fürchtet eine unendliche Verengung des deutschen Geistes. Er fürchtet, daß die Schöpfungen der deutschen Geistesgeschichte entweder krampfhaft gleich- geschaltet ober, wenn dies nicht möglich ist, in den Abgrund der Vergessenheit gestoßen werden. Er fürchtet, daß die ideale, von unseren Klassikern so gepriesene „Zwecklosigkeit" der Kunst einem öden und kommandomäßigen Zweckbetrieb Platz machen müsse. Doch gemach, so liegen die Dinge denn doch nicht. Es kann sein, daß wir im Ringen um den Sinn der Gegenwart vielleicht den Blick für manche ästhetisch wertvolle Schöpfung der Vergangenheit verlieren — wer kämpft, hat nicht viel Muße zu ästhetischer Beschaulichkeit — es kann sein, daß wir auch da vorübergehend einseitig und politisch werden müssen, wo wir, wie man meint, rein menschlich sein sollten. Und doch ist tatsächlich nichts zu fürchten. Wenn wir glauben, daß der deutsche Mensch, so wie er heute Wirklichkeit werden will und als Leitstern auch über dem Unterricht steht, die Erfüllung des deutschen Wesens überhaupt ist; wenn wir glauben, daß er keine vorübergehende Tageserscheinung darstellt, sondern höchste geschichtliche Bedeutung hat und die Entwicklung von Jahrhunderten in sich hineinzieht; wenn wir glauben, daß er ein letztes Wort und ein Ja zu allem Großen, Echten und Machtvollen ist, das in Deutschland je nach Gestaltung rang, dann kann von Engstirnigkeit und Einseitigkeit keine Rede fein. Dann muß dieser deutsche Mensch, den wir im Geiste schauen, geheime Beziehungen haben zu allem, was stark und wesentlich mar in deutschen Landen, und sich den erhabensten Gestalten der Vorzeit verwandt wissen. Dann wird er auch jene ewigen Sinnbilder deutschen wesens, einen Parzival und einen Faust als seinesgleichen grüßen, weil et das gleiche Blut ist, das in ihren Adern rollt. Nein, wir wollen nicht verarmen und werden nicht verarmen. Denn wir sehen die inneren blutmäßigen Bezüge zur größten deutschen Wirklichkeit. Und wir können noch weiter gehen: auch die alte Menschheitsidee braucht nicht zu kurz zu kommen, wenn sie auch eine gründliche Wandlung im völkischen Sinn erfährt. Deutschland hat heute die politische Führung. Die Umze Welt hält den Blick auf uns gerichtet. Hitlers Gedanken bringen Europa in Bewegung und rufen eine Umwälzung hervor. Der deutsche Gedanke, der deutsche Mensch, der deutsche Staat steigen empor zu höchstem Rang. Wir sehen einen Erdteil vor uns, in dem, die Völker, in der eigenen Wesenstiefe fest gegründet, auch für einander wieder Verständnis gewinnen und fremdes Volkstum achten lernen. Dann werden sich neue Beziehungen anbahnen und die gemeinsamen Erbgüter wirksam werden. Dann werden wir auch geistig wieder das Land der Mitte fein.* * Dgl. auch: E. Schulze: „Die deutsche Klassik und die nationalpolitische Bildung". (Zeitschrift für deutsche Bildung. 1934. Heft 3.) Oderheffen. Kreis Friedberg. * Bad Vilbel, 14. Juni. Am kommenden Sonntag findet in unserem Städtchen das 60jährige Jubiläumsfest der Freiwilligen Feuerwehr statt und zwar auf dem neu angelegten Feftplatz hinter dem Kurpark. Zahlreiche Wehren haben ihren Besuch zugesagt. Am Vormittag findet eine größere Schul- übung statt. Für mittags sind Festzug und Volksbelustigungen vorgesehen. * Rosbach , 13. Juni. Eine junge Frau von hier war zum Futterholen aus das Feld gegangen. Als man nach ihr suchte, weil ihr langes Ausbleiben beunruhigte, fand man sie tot auf dem Acker liegend. Ein Gehirnschlag hatte ihrem Leben ein Ende bereitet. Einigungsamt für Wettbewerbsstreitigkeiten im Rhein-Main-Gebiet. Frankfurt a. M., 14. Juni. (LPD.) Im Jahre 1932 wurde bei der I n d u st r i e - und Handelskammer Frankfurt a. M. unter Mitwirkung der Handwerkskammern von Wiesbaden und Kassel ein Einigungsamt für Wettbewerbsstrei- tigfeiten errichtet, das die Bezirke Frankfurt a. M., Wiesbaden, Limburg, Wetzlar, Hanau und Fulda umfaßt. Dieses Einigungsamt wurde von den beteiligten Kreisen lebhaft in Anspruch genommen. Nach den Bestimmungen des Gesetzes hat das Einigungsamt für Wettbewerbsstreitigkeiten in erster Linie einen gütlichen Ausgleich anzustreben. In weitaus den meisten Fällen ist dieses Ziel auch erreicht worden und die entstandenen Wettbewerbsstreitigkeiten konnten in einer für die beteiligten Kreise befriedigenden Weise geschlichtet werden. Von Wichtigkeit ist dabei insbesondere die Bestimmung, daß das Einigungsamt das persönliche Erscheinen der Parteien anordnen und zu diesem Zwecke im Falle des unentschuldigten Ausbleibens einer Partei eine Ordnungsstrafe bis zu 1000 RM. im einzelnen Falle aussprechen kann. Den örtlichen Interessen wurde dadurch Rechnung getragen, daß die Beisitzer jeweils aus den Kreisen der Gewerbetreibenden (Kaufleute und Handwerker) aus demjenigen Ort entnommen werden, an welchem die beanstandete Wettbewerbsbehandlung vor sich gegangen ist. Nunmehr ist das Einigungsamt für Wettbewerbsstreitigkeiten dem Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag Sitz Frankfurt a. M. angegliedert worden. Auf diese Weise sind nun aucy sämtliche Orte des Landes Hessen an das Einigungsamt angesch lasse n. Die Beisitzer aus den hessischen Gebietsteilen sind unter Mitwirkung der zuständigen Handels- und Handwerkskammern ernannt worden. Das Einigungsamt ist daher auch für die hessischen Gebietsteile in Kraft getreten. Zum Vorsitzenden des Einigungsamts ist Professor Dr. Trump- l e r , Syndikus der Industrie- und Handelskammer für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet Sitz Frankfurt a. M., zum stellvertretenden Vorsitzenden Landgerichtsrat Dr. Tautphaeus, Hessisches Staatsministerium, Darmstadt, unter Zustimmung des Hessischen Staatsministeriums von dem Präsidenten des Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstags Sitz Frankfurt a. M., Dr. Lüer, berufen worden. Damit ist eine weitere bedeutsame Einrichtung geschaffen worden, die geeignet ist, den Zusammenschluß im Rhein-Main-Gebiet zu fördern und zu befestigen. Bei der engen Verflechtung der wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb dieses Gebiets können natürlich die Grundsätze darüber, was als zulässiger Wettbewerb anzusehen ist, nur einheitlich feftgestellt werden. Diese Einheitlichkeit in der gutachtlichen Tätigkeit in Wettbewerbsangelegenheiten ist dadurch garantiert, daß für das ganze Rhein- Main-Gebiet ein einheitliches Einigungsamt besteht und daß der Vorsitzende für die preußischen Gebietsteile und der stellvertretende Vorsitzende für dis hessischen Gebietsteile hierbei Zusammenwirken. Die Adresse des Einigungsamtes ist: Einigungs« amt für Wettbewerbsstreitigkeiten beim Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag Sitz Frankfurt a. M., Börse. Die Satzung des Einigungsamtes steht Interessenten auf Wunsch unentgeltlich zur Verfügung. Eewinuauszug L. Klasse 43. Preußisch-Süddeutsche (263. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer Pad zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar se einer aus die Lose gleicher Nummer tu deu beide« Abteilungen I und H L Ziehungstag 13. Juni 1934 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 240 M. gezogen 2 Gewinne zu 5000 M. 326721 2 Gewinne zu 2000 M. 162036 13 Gewinne zu 1000 M. 73919 84638 102684 142236 260161 277046 282736 330980 382840 16 Gewinne zu 800 M. 72357 96086 103372 184006 199707 282690 285833 301441 50 Gewinne zu 600 M. 13960 33638 46976 48314 49533 66043 68171 94154 96972 125741 158831 160601 208239 229911 256862 270430 281240 316246 327904 333736 346414 348897 361930 373566 387414 166 Gewinne zu 400 M. 9704 12067 13289 18765 19222 19247 19509 21261 24166 26965 30215 31743 33938 39045 42352 43648 55508 69772 66483 71439 73382 73885 76576 90775 100770 102951 106203 107265 120333 121436 121611 147827 148119 152631 154025 154088 166720 168855 185814 193915 199399 207939 209022 210057 214887 224144 225134 226023 226220 227492 230610 237373 238778 243464 246252 252086 252850 261855 267798 271398 272909 274317 279679 $92511 298143 301250 309374 326038 333129 338318 341074 345612 345882 346501 359997 361884 363500 375048 393985 394449 395240 395436 396593 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 240 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 78032 6 Gewinne zu 3000 M. 36946 167806 307107 2 Gewinne zu 2000 M. 378464 24 Gewinne zu 800 M. 12336 25466 36873 41089 175781 235164 278777 289919 309789 350870 367691 392453 58 Gewinne zu 500 M. 14522 26050 40290 57262 98426 114493 161241 167529 172472 172519 184137 195503 197065 205593 221519 232687 246476 260860 271233 273595 277360 281939 290357 291154 342162 363488 365315 383949 391857 190 Gewinne p 400 «DL 270 2247 8705 22039 26139 31193 34744 36714 46666 50417 50813 54250 64921 68927 69735 75039 76704 87424 95816 100237 107705 108562 115111 115131 119279 120692 132689 144897 145620 149168 151538 151706 154590 159025 161208 162884 166362 167180 168018 172025 175931 176348 •85270 188412 191665 194062 195134 197232 198058 207328 211067 213152 213304 213837 215557 221476 222634 223538 225766 228823 231353 234651 235839 236121 254059 268026 259401 261277 262227 268662 268743 288221 289651 296147 300942 312315 313474 313625 319308 345230 357199 359321 361194 361754 366664 376182 377208 383344 383627 388883 389696 389814 390337 397398 399976 20 Tagesprämien. Auf lebe gezogene Nummer sind zwei Prämien zu fe 1000 RM gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II: 30383 31766 121250 133666 136217 185717 263962 310151 379938 392272 3bad‘Iflitdungm fiit TUtte u.&£cm Schiffenberg Sonntag, den 17. Juni, finbet das alljährliche Heimat-Fest statt. Von 3V2 Uhr nachmittags ab: 3575d Großes Konzert der gesamten SA.-Reservekavelle unter Leitung des Herrn Musikzugführers Herrmann. Anschließend Tanz im Freien! Bei eintretender Dunkelheit Illumination des Klosterhofes sowie Abbrennen eines Sonnenwendfeuers unter Läuten der alten Klosterglocke. — Von 2 Uhr ab halbstündlicher Autobusverkehr ab Ludwigsplatz. Arbeitsvergebung. Die Pflasterarbeiten im Hofe der Allgemeinen Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen, Ludwig- straße 12, sollen öffentlich vergeben werden. Die Unterlagen liegen im Bureau der Allgemeinen Ortskrankenkasse von 8.30 Uhr bis 11 Uhr täglich offen. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum Montag, dem 18. Juni 1934, an den Unterzeichneten einzureichen. Den Angeboten ist eine Bescheinigung, daß Steuer- und Versicherungsbeiträge usw. bezahlt sind, beizuheften. Zuschlag vorbehalten. 3579V Gießen, den 13. Juni 1934. Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen. ___________Die Direktion: gez.: Jung. pnmaZorellenbach abzugeben. Schriftliche Angebote unter 03059 an den Gieß. Anzeig. Illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli ■iiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiiiniiiiiiHiiiiiHiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Alle Schweine SSÖÄ und solche mit steifen Beinen, gefunden und entwickeln sich überraschend schnell wenn Sie durch jedes Jutter 1 Eßlöffel voll echtes RASSOLl™ mengen. Verlangen Sie nur ecktes Rassol m Originalstaschen und weisen Sie Nachahmungen zurück. 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